Nr. 5. Donnerstag, den 7. Januar 1886. HI. Jahrg. ttliwMMIl Krga» für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner VolkSülatt" erscheint täglich Morgens auher nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in s Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) 4 Mark. nsertiouSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. „. lw. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraste 3.— Expedition: Zimmerstraße 44. Im Mzoll. Wir nehme« nicht Alles, was unsere Freihändler sagen, für baare Münze und namentlich finden wir eS ab- geschmackt und lächerlich, wenn sich Freihändler und Schu�- zöllner mit großen Kolonne» von Ziffern bekämpfen, die hübe-» wie drüben tendenziös zugestutzi find. Zndeffen be« kämpfen wir die gegenwärtige Schutzzollpolitik, weil sie nothwendige LebenSbedürfniffe mit Abgaben belegt und da» durch die schon unverhältnißmäßig hohen Preise derselben in die Höhe treiben hilft. Wir sind deshalb felbstvcrständ- lich auch Gegner des Wollzolles. Es ist eine Thatsache, daß Deutschland die Wolle, die «S braucht, nicht selbst produziiea kann. Andererseits ist man aber auch schwerlich in der Lage, die Schafzucht bedeutend zu ver- mehren. Es giebt in Deutschland einige Gegenden, wo an Stelle des Baues von Körner- und Hackfrüchten eine ausgedehnte Viehzucht getreten ist. Dort besteht aber der Werth der Viehzucht weniger im Reicht hum an Schafe«, als im Reichthum an Rind- »ieh, und daß d« Viehzucht dort eine günstige Wendung herbei» geführt hat, ist nur besonderen lokalen Umständen zu ver» danke«. Wenn bei uns die Schafzucht gefördert und dadurch die Gewinnung von Körner- und Hackfrüchten eingeschränkt werden sollte, so würde das eine schlimme Wendung in unserer Bodenkultur bedeuten. Man erinnere sich doch daran, daß dichtbevölkerte Länder immer in eine» wirth» schaftlichen Verfall geriethen, sobald die Viehzucht daS Land in Beschlag nahm und den Ackerbau zurückdränge« konnte. Das alte Rom, brffer das alte Italien liefert hierfür das einleuchtendste Beispiel.„I-atiftm. dia Italiam perdidenmt"— die Latifundien, die fltoßen Weideländereien haben Italien zu Grunde gerichtet! agt der römische Schriftsteller PliniuS. Als in Rom der Grundbesitz sich fast ganz in de« Händen weniger Mäch» ttge« konzcntrnt hatte, verwandelten ihn diese in ungeheure Schaftrifte« und Weideländereien; nur einen Theil ließen sie von Sklaven bebauen. Der wirthschastliche Verfall de« alten Rom« war die Konsequenz dieses Systems, durch wel« ches Rom nicht nur auf die Korneinfuhr au» dem AnSlande fast gänzlich angewiesen war, sondern auch in seinen wirthschaft- lichen Beziehungen zu den unheilvollsten Resultaten gelange» mußte. In neuerer Zeit liefert daS einst so blühende und volkreiche Irland einen Beweis dafür, wie unheilvoll sich die Zustände in einem Lande gestalten könne«, wo man daS Ackerland in Schaftristen uns Zagdgründe zu verwandeln bestrebt ist. Wir wiffen nicht, ob eS richtig ist, was ein sächsisches Blatt berechnet, daß nämlich Deutschland, wenn eS feine» Wollbedarf selbst decken wollte, statt 19 Millionen Schafe« wie jetzt, dann 91 Millionen habe» müßte. Aber selbst Jeuillelon-. Die Kand der Uemest«. 701 Roman von Ewald August«öutg. (Fortsetzung.) „Nachdem Sie das getha» hatten, konnte also Niemand mehr in das Haus?" „D« weiß ich nicht, eS ist ja möglich, daß die Thürs von außen geöffnet werden kann, so lange Sie nicht im Innern verriegelt ist/ „Wie viel Uhr war eS, als Sie das Haus verließe«?* .ES schlug gerade zehn." „Und wohin gingen Sie nun?' „Nach Hause." „Sie wohnte» noch bei Herr« Rabe?" ��»2a, ich hatte w dem Hotel ei» Zimmer im dritte« „Sie find direkt dahin gegangen und unterwegs nir» Sends eingekehrt?" .Nein," erwiderte der Kammerdiener.„Ich ging direkt «ach Hause und legte mich in'S Bett." .._"�R® man» erhielten Sie die erste Nachricht von der Ermordung des Antiquars?' „Testern Abend." ,,»Nicht früher? Man sprach ja in der Stadt von nichts Anderem!" „Nein, ftüher nicht." „Und welchen Eindruck machte diese Nachricht auf Sie?" ftagte Sregfned sckarf.„Erinnerten Sie sich nicht hatten?'� te8' Wit bem Ermordeten gehabt .Eben deshalb leugnete ich auch, an jenem Abend in dem Hause gewesen zu sein," sagte Joseph, dem Blick des Affeffor« mrt scher Ruhe begegnend.„Mein Gewiffe« ist rem, ich kann Jedem tn« Auge blicken—• „Würden Sie auch dem Gärtner der Teneralin von wen» diese letztere Ziffer zu hoch gegriffen ist, so bleibt doch unschwer zu begreifen, daß man unmöglich daran denken kann, den Bedarf Deutschlands an Wolle auch nur annähernd durch eigene Schafzucht zu decke». Die Störung in unseren Verhältnissen würde unabsehbar werde». Wenn etn Wollzoll eintritt, und die einzuführende ftemde Wolle vertheuert, so entsteht ferner aothwendiger Weise eine Krise in der Tuchwaaren- Produktion. Eine Menge von Fabriken wird bei erhöhten Wollpreisen nicht mehr arbeite» können und dann steigt der ohnehin schon so große Nothstand in der Textilbranche wie- der auf den Gipfel. Dann werden in Sachsen und Schlesiea Tausende von Webern arbeiiSlvS und in den parlamentarischen Körperschaften wird man sich umsonst die Köpfe zerbreche«, wie einem solchen Unglück zu steuern ist. Unsere konservativen Organe und namentlich jene Blätter, welche die Jntereffen der Agr a rier zu vertrete» haben, werden natürlich alle diese Bedenke« niemals gelten laffen und immer nachdrücklichst— mit we- nigen Ausnahmen— für den Wollzoll eintreten. Darin sind diese Herren Agrarier immer groß gewesen, daß sie, völlig gleichgiltig für die LebenSintereffen anderer Parteien und anderer Klassen, ganz einseitig auttdie Bevorzugung ihres Grundbesitzes hingearbeitet haben. Wie sich diese Herren eigentlich die Zukunft Deutschlands vorstellen? Man könnte fast glauben, sie lebten in dem Wahn, auS Deutschland einmal eine Art Schafhirt enstaat machen zu können, in welchem sie selbst nachher die Patriarchen zu spielen be- rufen sind. Wir danken herzlich für ein solches Arkadien; unsere Zeit ist nicht mehr naiv genug, an politischen Schäferspielen Gefallen zu finden. Wenn die Herren Agrarier absolut das Bedürfniß nach einem solchen Arkadien haben, mögen sie eS in den Ebenen Brasiliens odcr Austta- lienS sich errichten; wir danken dafür. Die Regierung sollte sich unseres ErachttnS ablehnend gegen alle solche Zollforderungen verhalten, die für den Bortheil einer einzelnen Klaffe berechnet sind. Nun, wir werden ja sehen, was kommt. Dkr alle Drmmlm f. Schwerin, 3. Januar. Kaum hat das neue Jahr begonnen und schon hat die entschiedene deutsche Demokratie einen ihrer ältesten, aber auch treuesten Vorkämpfer zu beklagen. Hofbamath a. D. G. A. Demmler, von den deutschen Arbeitern kurzweg der„alte Demmler" genannt, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Ein Herzschlag hat am 2. Januar, Abends 5 Uhr, dem reichbewegten Leben des weil über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten Künstlers und PolttikerS ein plötzliches Ende be- rettet. Etuckmann iaS Auge blicken können, wen» er von den Todte« wieder auferstände?" ftagte Siegfried, ihm in die Rede fallend. „Gewiß könnte ich es!" „Sie haben ihm die Papiere geraubt, auf die er so große» Werth legt!" „Wer hat diese Anklage gegen mich erhoben?" sagte der Kammerdiener, zornig aufwallend. „Sie könnte» es errathen." „Rabe?" Siegfried zuckte die Achseln. „Sie werden begreifen, daß ich nicht verpflichtet bin, Ihnen eine Antwort auf diese Frage zu geben," erwiderte er,„ich allein habe hier das Recht Frage» zu stelle«. Im Uebrigen muß e« mir doch seltsam erscheinen, daß Herr Rabe Ihnen eine Summe von zehntausend Thaler ver- sproche» habe« soll. So sehr lange waren Sie nicht in seinen Diensten,_ und besondere Rücksichten hatte er wohl auch nicht auf Sie zu nehmen. Hätte er Ihnen das Ver- spreche« gegeben, so würde er es auch eingelöst haben, mir scheint daS uur ein Vorwand zu sein, mit dem Sie de» spätere» Besuch bei dem Ermordeten rechtfertige» wollen. „Ich habe Ihnen die Wahrheit gesagt I" „Wenn Rabe Ihnen wttklich wohlwollte, würde er nicht da« Gegentheil beweisen," sagte Siegfried, jedes Wort betonend,„er kann Ihne» da» Versprechen nicht ge- gebe« haben." Der Angeklagte blickte finster vor sich hin, der wechselnde Ausdruck seine» Gesichts bewies, daß es in seinem Innern gewaltig gährte. ..Werden Sie mich nicht auf freie» Fuß setzen?" ftagte er nach einer Pause. „So lange Ihre Schuldlosigkeit nicht bewiesen ist, darf ich eS nicht." „Dann ist Alle« für mich verloren, Rabe will heute oder morgen auswandern, und er wird vor seiner Abreffe an mich gewiß nicht denken." „Da« möchte ich ebenfalls bezweifeln." „So mag es denn gehe», wie eS will, ich bin mir nur Der Verstorbene war am 22. Dezember 1804 in Güstrow in Mecklenburg geboren und bat sonach daS seltene Alter vcn 81 Jahren erreicht. Obwobl Demmler, der eine Hünengestalt war, im Laufe der letzten Wintermonate öfters über Athmen» beschwerden klagte und deshalb auch seine gewohnten täglichen Epazieifahrten mtt dem Eintritt der rauheren Jahreszeit ein- stellte, so dachte doch Niemand, auch nicht die ihm Nächst« stehenden, an ein so rasches Ende. Demmler hinterläßt keincrr LeibeSerben; seine Frau, an der er mtt zärtlicher Liebe hing und die ihn während der sechs Jahre seines freiwilligen Exils auf seinen Reisen durch daS südliche und westliche Europa treulich begleitete, wurde ihm vor Jahren schon durch den Tod entriffen. Für Demmler's Bedeutung als Künstler und Baumeister sprechen alS laute Zeugen die Prachtbauten, mtt denen er Schwerin geziert bat, vor allen das henliche Refidenzschloß der Großherzöge von Mecklenburg, welches in wahrhast feenhafter Pracht der Verstorbene auf emer Insel des großen Schweriner SeeS hinzauberte. Bei der Konkurrenz zu einem deutschen Reichstagsgebäude im Jahre 1872 kam Demmlei's Entwurf in die engere Wahl, edenjo betheiltgte er sich 1854 bei der Kon» lurrenz zum Bau eines Rathhauses in Hamburg. Was ihn aber noch mehr als seine künstlerische Genialität auszeichnete» daS war seine Fürsorge für die auf den von ihm geleiteten Bauten beschäftigten Arbeiter. Um den letzteren einen mög» lichst hohen Lohn zu verschaffen, vergab er die Arbeiten direkt an sie, wodurch er fich fteilich die Todfeindschaft aller zünftigen Maurer- und Zimmermeister zuzog, für die bei der Demmler» schen Praxis der Maurer- und Zimmergeselle aufhörte, ein Ausbeutungsobjekt zu sein. Demmler war auch ein giundsätz-- licher Gegner der Akkordarbeit, von der er behauptete, fie führe zur Pfuscherei. Alle die henlichen von Demmler ent» worscnen und ausgeführten Bauten, auf die Schwerin und Mecklenburg— und zwar mtt Recht— stol, find, fie find im Taaelohn ausgeführt. Dafür aber find diese Mauern auch geeignet, der Ewigkeit zu trotzen, und als vor drei Jahren das großherzogliche Theater ein Raub der Flammen wurde» da gaben die, trotz ihrer in Folge der furchtbaren Hitze ent- stanvenen Risse, stolz zum Himmel ragenden, vollständig frei dastehenden, thurmhoben Mauern lauteS Z-ugntß ab für die Trefflichkeit und die Eolidttät der Demmler'ichen Bau- und Arbeitsmethode. Noch sehen wir daS überlegene Lächeln über daS Geficht des edlen GreiseS gleiten, als nach dem Brandt ihm gegen» über die Befürchtung geäußert wurde, die Mauern möchten einstürzen und er antwortete:"'' nicht ein." „Solche Mauern stürzen Wie viele der modernen Baumeister mögen dies von ihren Arbeiten sagen können? AlS Politiker hat fich Demmler von seiner frühesten Jugend an einen freien und offenen Blick für die Leiden und Bedürfnisse des Volles bewahrt und nie hat es ihm an dem nöthigen ManneSmuth ge'ehlt, der Gewalt gegenüber für das gebeugte Recht sein Wort und— seine Perjon in die Wag» schale zu werfen. Die ersten Anregungen zum politischen Denken und einer einzigen Schuld bewußt, und die mußte ich auf mich nehmen, weil mein Herr es mir befahl." „Sagen Sie mir Alle«, e« ist da« Beste, was Sie thrm können." Der Kammerdiener nickte zustimmend. „Der alte Gärtner hatte in der letzten Zeit oft von seinen Papieren gesprochen," fuhr er fort,„die Aeußkrungen, die er fallen ließ, deutete» darauf hin, daß die Papiere wichtige und gefährliche Notizen enthalten mußten. Als Rabe davon Kenntniß erbalte» hatte, befahl er mir, ich solle mich der Papiere bemächtigen, gleichviel auf welchem Weve und durch welche Mittel. E« gelang mir, ich übergab das kleine Kistchen meinem Herr«, er wird die Papiere vec« nichtet haben." „Ist das Alle»?" ftagte Siegfried, als der Angeklagte stockte. „Nein," erwiderte Joseph, tief und schwer aufathmend. „Mtt de« Papiere» zugleich hatte ich aus der Kiste des altin Mannes eine halbgefüllte Branntweinflasche genommen. Nicht in der Absicht, den Branntwein zu trinken, daran dachte ich nicht, ich wollte nur außer den Papieren noch irgend etwa« Andere« mitnehme», damit der Gärtner nicht sofort erkennen sollte, der Einbruch habe nur de« Doku« menten gegolten. Die Flasche, welche ich mitnahm, war eine Mmeralwafferflasche, sie trug die Aufschrist: Künstliches SelterSwaffer.— Ich weiß das ganz genau, trotzdem die Flasche nicht lange in meinem Besitz gewesen ist. Als Georg sich beschwerte, daß ihm auch sein Branntwein gestohlen worden sei, forderte Rabe die Flasche, ich mußte sie heraus« geben. DaS Kästchen, welches die Papiere enthalte» ha te, mußte ich am nächsten Tage in den Park bringen, doU far'» eS der Gärtner, aber die Flasche blieb im Besitz Rabe'S. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß man auch die Flasche dem alten Mann in den Weg legen müsse, aber erst am dritten Tage konnte Rabe sich dazu entschließen. Er schickte d-.n Gärtner in den Wald, und ich sah, daß Rabe selbst» nachdem Georg fich entfernt halte, i« den Park ging, au» dem er schon nach einigen Minute« zurückkehrte. Eine» Spaziergang konnte er unmöglich beabsichtigt haben, dazu war der Aufenthalt zu kurz gewesen, auch siel mir, als er Handeln empfing der Verstorbene, wle er in seiner Broschüre:„NeueS und Altes" selbst erzählt, von dem tzaupimann von Restorff und der von vielem gearün- Veten Schaar, die fich nach dem„Tage aller Deutschen' die „Achtzehnte Oktober-Schaar" nannte. Gymnastik, Marsch- Übungen und Freiheitslieder wechselten in dieser munteren Ver- einigung und dienten dazu, Geist und Körper der jungen Leute für die späteren Kämpfe deS Leben? heranzubilden. Später ging Demmler behufs seiner Ausbildung nach Berlin, wo er die Bau- und Kunstakademie besuchte und zugleich Mit- glied der Burschenschaft wurde. Um Letzteres zu ermöglichen, ließ fich der lLjähnge Jüngling an der Berliner Univerfität immatrikuliren, wobei er verschweigen mußte, daß er bereits einer anderen Bildungsanstalt angehöre, weil dieS nach dem UniverfitätSstatut nicht zuläsfig war.„Daß ick— so erzählte er später auf dem Wartburgfest der deutschen Burschenschaften vom 17.— 19. Oktober 1867— beharrlich alle Hindernisse über- wunden habe, gereicht mir noch heute zur großen inneren Beftiedi- Sung; denn die Grundsätze, welche ich in der damaligen burschen- hastlichen Verbrüoerung kennen lernte und die ich tief in mein Herz einprägte, die idealen Ziele, denen wir nachstrebten, haben mich durch mein ganzes Leben begleitet und haben mir stets einen ficheren Halt gewährt." Im Jahre 1845 wurde Demmler in den Bürgerausschuß der Stadt Schwerin gewählt, in welchem er eine reiche Thätig- keit entfaltete und wo er eS war, der diese berufene Vertretung der hauptstädtischen Bürger-chatt in ihrem mannhaften Vor. gehen in den mecklenburgischen Vcrfaffungskämpfen führte. Johannis 1851 erfolgte die Entlassung Temmlers auS dem mecklenburgischen Staatsdienst und zwar— ohne Pension. Für den unabhängigen Rechtsfinn des seines WertheS bewußten BaumeistklS war kein Platz mehr unter der zur Bedientenschaar herabgewürdigten Beamtenschaft Mecklenburgs in den fünfziger Jahren. Demmler selbst sagt von seiner Entlassung:„Bittrer Trank hat oft dem Leidenden Hilfe gespendet. Die Wahrheit dieses altrömischen Spruches sollte ich auch an mir erfahren. Ich war nun weiteren staatiräthlichen Hudeleien und Jmperti« nenzen glücklich entgangen, erlöst von dem Alp einer Dienst- Pragmatik, welche darauf ausging, auS Menschen Maschinen zu machen." DeS Zwanges los und ledig bereiste D. nun England, Frankreich, Italien und die Schweiz, wo er Verbindungen mit der damals außerordentlich zahlreichen Emigration des 43tr JahreS anknüpfte. Nach seiner im Jahre 1857 erfolgten Rückkehr nach Schwerin wählte ihn die Bürgerschaft sofort wieder in den Bürger-Ausschuß, wo der Gewählte im Jahre 1860 dmch einen von ihm eingebrachten, auf die Verfaffungsfrage bezüglichen Antrag den Anlaß gab, daß das Ministerium von Oertzen dem Bürger-Ausschuß bei einer Strafe von 100 Tblr. für den Vorsitzenden und den Antragsteller, und 10—25 Thlr. für jedes Bürger- Ausschuß. Mitglied jede nicht vom Magistrat veranlaßte Verhandlung allgemeiner politischer und Lande?« VerfaffungSangelegenheiten untersagte. Je mehr nun nach dem 66er und 70<'-r Ereignissen die alten politischen Freunde Temmlers den neuen Götzen Rech- nung trugen und ihren alten Grundsätzen Valct sagten, um so zäher hing er an seinen Idealen. Der nach dem Kriege von 1870-71 mächtig aufstrebendey Arbeiterbewegung schloß er fich mit vollem Herzen an und bei den ReichstagSwahlen 1874 bewarb er fich bereits in Altenburg und Eßlingen alS Kandidat der sozialdemokratischen Partei um ein Mandat. In Schwerin selbst trat er in Wort und Schrift für den Arbetterkandidaten Finn in die Schranken. Daß ihm dieses mannhaste Eintreten für die Arbeitersache die bittere Feindschaft seiner bisherigen liberalen Freunde eintrug, ist selbstverständlich. AuS jener Zeit stammt auch daS Märchen. daß Dimmler seine sozialdemokratischen Phantastereien in den Thurmknopf des Schlosses hinein geschmuggelt haben sollte, welche später aber wieder heraus genommen wurden. Wahr ist an dieser weit verbreiteten Mähr nur, daß auf daS Drängen übereifriger Hofschranzen hin, welche glaubten, auS den von Demmler im Thurmknopf niedergelegten Dokumenten einen Strick gegen diesen drehen zu können, ein äußerst kostspieliges Gerüst wieder um den Thurm gelegt und die Kapsel thatsächlich geöffnet wurde. Da dieselbe aber durchaus nichts„Hoch- verrälheriichei" enthielt, so mußten die Feinde Demmler's mit langer Nase abziehen und das Geld für daS Gerüst war zum Fenster hinaus geworfen._.. Die Wahlen von 1877 brachten Temmler in den RerchS- tag. Der 13. sächsische Wahlkleis, der 1874 bereits Jacodi gewählt hatte und heute durch Viereck vertreten ist, sandte nun Temmler nach Berlin. Nach der, in Folge der Attentate, 1878 erfolgten Auflösung lehnte Demmler eine weitere Kandidatur ab. Die Hetzereien, welche damals gang und gäbe waren, brachten es auch fertig, daß verächtliche Buden wiederholt die großen Fensterscheiben deS Demmler'schen Wohnhauses zum Objekt ihrer Kraftübungen machten. Die namenlose Rohheit, ausgeübt gegen den Mann, der fich um die Landeshauptstadt und daS mecklenburgische Gemeinwesen verdient gemacht hat, wie selten einer, betrübte den 74 jährigen GreiS auf's Tiefste mich kurz darauf in sei« Kabivei rief, seine ungewöhnliche Aufregung auf. Er gab mir eine Flasche und befahl mir, sie im Park niederzulegen, nachdem ich ihren Inhalt vorder ausgegossen habe. Aber es war nicht dieselbe Flasche, die ich ihm gegeben hatte, daS erkannte ich sofort- dies? Flasche trug die Aufschrift: ApollinariS-Brunnen. Doppeltkohlen- saure Füllung. Ich goß die Flasche auS und legte sie in meinen Koffer, sie muß noch dort liegen. Rabe ritt gleich darauf fort und kehrte erst am nächsten Morgen heim." Voll fieberhafter Erwartung ruhte Siegfrieds Blick auf dem blassen Gesicht de« Kammerdieners. .Und das Alles könnnen Sie beschwören?" fragte er. „Ich kann es!" .Die Verschiedenheit der Flaschen—" .Mit jedem Eide will ich drese Aussage bekräftigen!" „Rabe wird sie bestreiten!" .DaS läßt sich erwarten." „Und wie erklären Sie sich die Sache?" „Der alte Georg war in Bezug auf seine« selbst fabri- »irten Kirschsaft ein höchst eigenthümlicher und mißtrauischer Kauz. Niemand erfuhr, wo seine Vorrathskammer war, wir wußten nur, daß er jeden Abend ein kleines Gläschen davon trank, und daß die angebrochene Flasche in einer ver« schlossenen Kiste unter dem Bette lag" „In dem damaligen Verhör behaupteten St«, Georg sei ein Trunkenbold gewesen." „Rabe hatte mir zu dieser Aussage gerathen, er mernte, man werde daria eine« genügende» Grund für den Selbst- mord finden. Es ließ sich mit Sicherheit erwarte«, daß G-org trotz seines Aergers seiner alten Gewohnheit nicht untreu wurde. Die Kiste war gewaltsam erbrochen, das Schloß verletzt, er konnte also die Flasche nicht mehr ver- schließen. Darauf hatte Rabe seinen Plan gebaut. Die von mir erhaltene und inzwischen präparirte Flasche trug er in die Wohnung des Gärtner«, er tauschte dort die beiden Flasche» um, und Georg schöpfte am Abend keine» Ver- dacht, als er fich den üblichen Schlaftrunk einschenkte. Da« Alles stand bei mir sofort fest, als ich erfuhr, daß die Leiche de« alten Manne« gesunde» worden war, und hätte Rabe meiner Anklage mit Gegenbeweisen entgegentreten und reiste in ihm dm Entschluß, vom öffentlichen Leben fich zurück zu ziehen. Nicht wenig hat zu diesem Entschluß der Umstand beigetragen, daß dem in seinem eigenen Heim bedrohten und gefährdeten Manne der verlangte Schutz der bürget lichen Behörden nicht gewährt wuide. Ar- bester waren es, die schließlich dem Skandal dadurch ein Ende machtm, daß sie freiwillig Wachtposten aufstellten, welche Demmlers HauS während ver Nächte bewachten. Die Lotter- duben, welche vorher ihren Muth an den Spiegelscheiben kühlten, verschwanden, als kräftige Arbeiter, Wache haltend, vor dem Hause fich aufstellten. Mit dem Zurücktreten vom öffentlichen Leben gab aber der Verstordme sein Interesse für die öffmtlichen Angelegenheitm keineswegs auf. Er verfolgte nach wie vor mit der ihm eigenm geistigen Frische alle Vorgänge im öffentlichen Lebm und un- erschütterlrch, treu und fest stand er nach wie vor zur Sache des arbeitenden und werkthätigen Volkes. Und daß dies nicht eine Art aufregender Sport für ihn war— wie ja die Beschäftigung mit radikaler Politik für den ökonomisch Unabhängigen gelegentlich wohl einmal sein mag— das hat er durch die erheblichen materiellen Opfer bewiesen, die er noch fortwährend in der Unterstützung verfolgter und finanziell ruinirter Gesinnungsgenossen zu bringen pflegte. Bei ihm war die Politik niemals Phrase; er dewährte seine Ueberzcugung stets durch die Praxi«. Noch wenige Tage vor seinem Tode h tt« Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit, mit dem nunmehr Dahingeschiedenen fich zu unterhalten und welches Interesse bekundete derselbe da noch für alle Vorgänge im deutschen Reichstage! Den Arbeiter» schutzgesetzentwurf, die Monopolfraae, den Nord-Ostseekanal— Alles zog er in den Kreis der Unterhaltung, und wer hätte angesichts dieser geistigen und verhältnißmäßig auch körperlichen Frrsche daran gedacht, daß die Auflösung so nahe bevorstehe? Der unerbittliche Tod hat hier ein reiches Leben zum Ab- schluß gebracht. In dem Dahingeschiedenen hat einer der Besten aus unserer Mitte Abschied genommen. Ehre seinem An- denken! Politische Ueberstcht. Der, ReichS-Anzeiger" macht bekannt, daß in Gemäß- heit des Artikels 51 der VerfaffungS-Urkunde vom 31. Januar 1850 auf Antrag des StaatsmtnisteriumS die beiden Häuser des Landtags, das Herrenhaus und das Abgeordnetenhaus, auf den 14. Januar d. I. zusammenbcrufen werden. Daß eive Regelung der Produktion nothwendig ist, steht man jetzt auch m jenen Kreisen ein, wo sonst nur erbitterte Gegner einer solchen zu finden waren. Freilich find diese Leute auch heute noch Gegner einer staatlichen Regelung und schon der Gedanke hieran ist ihnen ein Dorn im Auge. In Bochum fand vor Kurzem eine Generalversammlung deS Vereins der bergbaulichen Interessenten statt, welche, wie die „Dortmunder Zeitung" meldet, den Antrag deS Vorstandes, betreffend den Abschluß einer neuen Förderkonvention vom Januar 1887 bis zum Januar 1892 annahmen. Maßgebend hierbei wird die Förderung von 1886 sein. Auf eine Ueberschrei- tung ist die Strafe von 5 M. pro Tonne, auf eine Mindestsörderung eine Prämie von ebenfalls 5 M. gesetzt. Einzelheiten der Konventton hat der Vorstand zu bestimmen- der Vertrag zum Abschlüsse derselben ist einer außerordentlichen Versammlung vorzulegen.— Die Herren Gruben besttzer wollen sich also gegen- seitig einigen, damit nicht zu viel Kohlen produzirt werden und der Preis für dieselben nicht noch mehr finkt. Für das Publikum hat eine solche Koalition übrigens keinen Vor- theil, denn ste erstrebt ja bei Lichte besehen nur Monopol- preise. Aber auch die Herren Grubenbesitzer dürften ihre Rechnung kaum finden, denn sobald die Geschäfte ein dikchen besser geben, wird die Verabredung von den einzelnen Gruben- befitzern durchbrochen, wie wir das in England bereits wiederholt gesehen haben. Eine geordnete Regelung der Produktion ist so eben einfach unmöglich. Meerane, 29. Dezember. Heute, an einem trüben, rauhen Wintermorgen, fand hier das B e g r ä b n i ß des Restaurateurs und Stadtverordneten Johann Ebner statt. Ein impo- sanier Zug Leidtragender mit einem überaus reichen und stnni- gen Blumenschmuck, darunter vier Lorbeerkränze mit rothen Schleifen, bewegte fich vom Trauerhause in der Mühlgasse nach dem neuen Friedhof, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu geben. Eine starke polizeiliche Eskorte folgte und sorgte, daß der Verstorbene ganz nach seinem Willen, früh in aller Stille, beerdigt wurde. Die Kränze, Palmenzweige, Blumenberge und dergl. mehr mußten still, ohne Widmungsworte, am Grabe niedergelegt werden. Kein Grabgeläute tönte, kein Priester sprach den Segen, denn der Entschlafene war Disfident, aber geehrt und geachtet als ein ehrlicher, offener Charafter, der im Leben muthig mit Hand ans Werk legte, wenn es galt, des Fortschritts Speichen Bahn zu schaffen. Es war einer von der alten Garde der Volkspartei, aber die Sozialdemokraten zählten ihn in ihren Reihen. Der Mustkdirettor, Herr Stolle, legte darauf auch Namens der hiesigen Sozialdemokraten einen Lorbeer- kränz nieder, desgleichen eine Deputation der Krimmitschauer. können, so würde er mir nicht die bedeutende Summe ver- sprachen haben." „Eine Hauptfrage bleibt noch zu beantworten: Woher «ahm Rabe da« Gift?" fuhr der Assessor fort. „Wenn Sie im Schlosse der Generalin die Rümpel« kammer durchsuchen, so werde« Sie dort in einem allen Schranke einen vollständigen chemischen Apparat finden, mit dem Herr Rabe oft in seinem Arbeitszimmer experimentirt ha». Er that das in der Regel zur Nachtzeit, wenn er, wie er sagte, nicht schlafen konnte. Einmal überraschte ich ihn am helle» Morgen vor seinem Apparat, er hatte die ganze Nacht experimentirt, da« Bett war unberührt. Ich erinnere mich»och, daß eS stark nach bitteren Mandeln roch, und daß ich den ganzen Tag an furchtbarem Kopfweh litt. Später, als mein Herr ausgegangen war, fand ich auf seinem Schreibtisch ein Buch über Blutlaugensatz und Blau- säure, und am nächsten Tage krepirie ein; unserer Katzen, die augenscheinlich vergiftet worden war." Siegftied hatte die Lippen fest auf einander gepreßt, er mußte sich immer wieder der Bitte Arabella's erinnern, und jetzt ärgerte eS ihn, daß diese furchtbare Anklage gegen Rabe erhoben wurde. „Sie hätten alle diese Auifazea im ersten Verhör machen müssen," sagte er mit herbem Vorwurf.„Dachten Sie denn nicht daran, daß Sie durch Ihr Schweigen sich zum Mftschulvigen des Mörders machten? Sie ließen stch bestechen—" „Nein, ich habe daran nicht gedacht," fiel der Kam- merdiener ihm in'« Wort,„ich dachte nur an meine eigene Zukunft, die Rabe mir sicher zu stellen versprochen hatte." „Sie hätten voraussehen können, daß er dies-S Ver- sprechen nicht halten würde," erwiderte Siegfried,„deshalb wäre es besser gewesen, sofort mit der Wahrheit herauSzu- rücken! Sie wissen nicht, was die Papiere des GärwerS enthielten?" „Nein, sie waren in einem verschlossenen Kistche», welches Rabe selbst erbrochen hat. WaS sie enthielten und worauf sie sich bezogen, darüber kann ich nur in Vermu- thungen mich ergehen." Der Reichs- und Landtags- Abgeordnete Herr Stolle aus Gesau that dasselbe Namens der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichstags und ebenso waren Kränze mit finn- reichen Devisen von der Bebel'schen Familie, von den hiefigen Dissidenten, vom Gesangverein u. s. w. gewidmet. Der Wirths- verein hatte das Grab mit grünem Reifig ausschlagen lassen, das Stadtverordneten-Kollegmm, welchem Ebner volle fünfzehn Jahre ohne Unterbrechung angehörte, ehrte sein langjähriges thäiiges Mitglied durch Zusendung eines Palmenzeiges. Aber allgemein aufgefallen ist es, daß der Rath und die Stadtver- ordneten nur spärlich im Leichenzug vertreten waren und die Verdienste des dahingeschiedenen Kollegen diesmal nicht höher würdigten. Um so mehr ist dies von seinen Partei- und Ge- finnungsgenossen geschehen und desto mahnender klangen an die Ohren der Umstehenden die schwachen Worte, welche die schwergeprüfte Wittwe, Frau Ebner, ihrem Gatten ins Grab nachrief:„Du warst nicht nur ein Vater für Deine Familie, Du hast in gleicher Weise für die ganze Stadt gewirtt." In diesen wenigen einfachen Worten liegt der Sinn einer ganzen langen Rede. Ebner war gebürtig aus Bayern, seine alte 92jährige Mutter, die bei ihm wohnte, half ihm die Augen zudrücken. Er stand erst im 63. Lebensjahre und litt an einem chronischen Uebel. Eine 14 Tage vor seinem Tode vor- genommene Operation konnte ihn nicht mehr retten. Friede seiner Asche. Ehre seinem Andenken. An das zehnjährige Bestehe« der deutsche« Münz- gesetzgebung erinnert die„Nordd. Allg. Ztg." mit folgenden Worten: Neben dem großen Jubiläum der letzten Tage ist noch ein kleineres, fast ohne daß von demselben Notiz genvm- wen wäre, vorübergegangen. Am 1. Jannar waren eS zehn Jahre, seit die neue veutsche Münzgesetzgebung für ganz Deutschland in volle Wirksamkeit getreten war. Der Umstand, daß kaum Jemand dieses Erinnerungstages Erwähnung gethan, zeigt wohl am besten, wie tief wir uns in die neuen Münz- Verhältnisse hineingelebt haben, und wie gering die Neigung sein dürfte, zu der früheren Vielgestaltigkeit mit ihren mannig- fachen Arten von Groschen, Kreuzern, Batzen, Schillingen w. zurückzukehren. Wie streng eS mit den AuSweifnnge« genommen wird, und wie groß die Furcht derer ist, welche davon betroffen werden können, erhellt aus der Thatsache, daß ein westpreußi- scher Landrath unterm 21. v. M. eine Bekanntmachung ver- öffentlicht hat, demgemäß ein dort ansässiger„russischer Unter- than" fich mit seiner Frau und fünf Kindern auS seinem bis- herigen Wohnorte„heimlich entfernt und dadurch der Ausweisung nach Rußland entzogen hat." Die Ottspolizei« behörden sollen auf den Gesuchten fahnden. Z« der badtschen zweiten Kammer und voraussichtlich auch in anderen süddeutschen Kammern werden in den nächsten Tagen die Regierungen über ihre Stellung zum Branntwein- Monopol interpellirt werden. Die Angelegenheit wird sonach, bevor sie die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches be- schäftigt, einer parlamentarischen Verhandlung in den Volks- Vertretungen von Einzelstaate» unterzogen werden. Wie»an auS Manila mittheilt, ist in dem dortigen Amtsblatte ein königliches(spanisches) Dekret vom 25. Juli v. I., betreffend das Budget der Philippinen für daS Etats- jähr 1885—86, veröffentlicht worden, durch welches im Artikel 5 alle von außerhalb eingeführten Spirituosen, Konserven und sonstigen präservirten Nahrungsmittel mit einer Verbrauchs- fteuer belegt werden. Auch deutsche Artikel werden durch die neuen Steuern getroffen, nämlich Bier und die aus Hamburg eingeführten Liqueure. Frankfurt a. M., 4. Januar. Die Frankfurter Fried- bofSaffäre vom 22. Juli wird demnächst auch vor dem Berliner Landgericht zur Verhandlung kommen und zwar als Preß- prozeß gegen den Redakteur der„Demokratischen Blätter". Derselbe soll in einem Artikel, betitelt„Die Schmach von Frankfurt", Beamte des hiefigen Polizeipräfidiums beleidigt haben.(Franks. Ztg.) Oesterreich-Ungarn. Der Wiener Arbeiter-Sängerbund hielt vor einigen Tagen in den Stadtgutsälen eine Sylvesterfeier ab, bei welcher das erste Kapitel des Heine'schen Wintermärchen«„Deutschland" in Walzerform für Männerchor und Klavier zur Aufführung gelangte. Die Zensur hatte mehrere Stellen deS Heine'schen Gedichtes deanstandet und deren Vortrag verbotm. In der Strophe: Sie sang das alte Entsagungslied, Das Eiapopeia vom Himmel, Womit man einlullt, wenn eS greint, DaS Volk, den großen Lümmel— waten die gesperrten Worte gestrichen. Desgleichen die Verse: Den Himmel überlassen wir Den Engeln und den Spatzen. Endlich war gestrichen worden: Und fehlt der Pfaffensegen dabei, Die Ehe wird gillig nicht minder! Da aber die den gestrichenen Tertstellen entsprechenden musikalischen Passagen nicht gleichfalls aus dem Zusammen- hange der Melodien gestrichen wurden und die Sänger eben- „Er hat nie eine Aeuß:ru»g darüber fallen lassen?" „Nie, er war darin zu vorsichtig." „Wir nehmen nun das vorhin unterbrochene Verhör wieder auf," sagte Siegsried, indem er seinem Aktuar einen Wink gab.„Haben Sie schon früher einmal, vielleicht im Austrage Rabe's, den Antiquar Hochmuih besucht?" „Nein," erwiderte Joseph, dessen Stirne fich wieder finster umwölkte,„ich war vorgestern Abend zum ersten Male in dem Hause." „Sie haben auch, als Sie es verließen, auf der Straße nicht« Verdächtiges bemerkt?" „Nein." „Wollen Sie mir den Anzug beschreibe», den Sie an dem Abend trugen?" „Es war derselbe, de» ich heute trage." „Die Lampe ist also schon umgefallen, al» Sie sich noch in dem Zimmer befanden?" „Ich kann nur wiederholen, daß ich nicht weiß, wie e« gekommen ist, aber ich glaube, daß der Antiquar an de» Tisch gestoßen hat, als er vor mir zurückwich." „Und Sie wolle» ihm nur einen Faustschlag gegebe» und dann das Haus sofort verlassen haben?" „Dabei bleibe ich!" „Haben Sre mir nichts mehr zu sagen?" „WaS sollte ich Ihnen noch sagen, Herr Assessor?" „Vielleicht erinnern Sie sich, wo die Werthpapiere und das Geld gefunden werden können/ „Herr Assessor, wen« ich das wüßte, würde ich es nicht vergessen haben," sagte der Kammerdiener, sich hoch auftichtend.„Ich bteibe bei meiner Erklärung, daß ich schuldlos bin, und daß meine Verhaftung einzig und allein da« Werk eine« erbärmlichen Polizeifpron» ist." Der Aktuar ging hinaus, um den Beamte« zu rufen, das Verhör war geschlossen, Joseph iaS Gefängniß zurück- geführt. Lange blieb Siegfried in Nachdenken versunken, da«» nahm er das Protokoll, um»och einmal die auf Rabe be- zügliche» Aussagen de« Kammerdieners zu lese«. Er mußte die Sache verfolgen, die Ermordung de« Gärtner« war durch diese Aussagen bewiese»; die Lücke, die sowenig während derselben paustrm konnien, so füllten sie die Ällcken mit einem unverfänglichen La la! aus. Andererseits -waren aber die Programme mit den vollständigen Texten nicht lonfiszlrt worden, und das Publikum konnte also, so oft eine solche La la!> Stelle kam, die zu derselben gehörigen Verse mitlesen, waS stets stürmische Heiterkeit erregte. Um Mitternacht wollte ein Mitglied des Festkomitees den Genoffen einen Neu- jahrsgruß entbieten. Aber kaum hatte es die einleitenden Worte gesprochen, alS der dienstthuende Kommiffär die Fort- sehung mit dem Bedeuten verbot, daß ein«„Rede" nicht auf dem Programm stehe. Holland. Die Holländer haben in ihren Kolonien fortwährend schwere Kämpfe mit den Eingeborenen zu bestehen, so auch in Atchin, wo nach einer soeben eingetroffenen Nachricht die Lage eine sehr mißliche ist, da die feindlichen Stämme in unver- minderter Stärke das Feld behaupten und die holländischen Truppen in den Küstenforts förmlich einsperren. Durch das Ueberlaufen eines franzöfischen Unteroffiziers zum Feinde ward dieser in den Stand gesetzt, fich eine Art Artillerie einzurichten, die, wenn auch nicht beritten, doch sehr beweglich ist und meistens allnächtlich ihre Stellungen ändert. Atchin hat bisher ganz erstaunliche Mengen Telephondraht verbraucht, da die Eingeborenen die Drähte häufig kurz nach der Legung ab- schneiden und davonführen; neulich erhielt die Garnison von Olah-leh eine Partie solchen Drahtes in sehr unliebsamer Weise zurück, nämlich in Gestalt eincS Knäuels, daS als Kanonenkugel die Wände einer dortigen Offizierswohnung durchschlug., Franrvetch. Ter„Figaro" veröffentlicht wieder einen Soldatenbrief aus Tongking, nach welchem die Cholera unter den Soldaten.heftig auftreten soll. Wörtlich heißt es in dem Briefe:„In Haiphong sterben täglich 30 bis 35 Soldaten. Von den sechzehn Mann, welche hier das Detachemeut bildeten, bin ich allein übrig ge- blieben, die einen find todt, audere liegen im Hospital. Auf dem Schiff, welches uns in das unselige Land gebracht hat, befanden fich zwanzig Militär-Krankenwärter; drei Monate nach der Landung lebten noch zwei von ihnen."— Das thut aber Alles nichts, wenn nur die Gloire für Frankreich gerettet wird — so denkt das franzöfische Ministerium. — Der ungarische Unterrichtsminister hat bei Herrn Pasteur angefragt, ob dieser einen von der ungarischen Regierung ge- sandten Arzt in das Verfahren der Impfung gegen die Hunds- wuth einweihen wolle. Herr Pasteur hat geantwortet, daß er sich glücklich schätze, auf diese Weise dem Mmister einer Nation, welche Frankreich freundlich gestnnt sei, gefällig zu sein. Rußland. Vor dem Kriegsgericht in Odeffa kam am 28. v. M. eine Anklagesache gegen den früheren Studirenden an der Peters- burger Univerfität, Manuczarow, wegen nihilistischer Agitation und wegen bewaffneten Widerstands gegen die Polizeibehörde zur Verhandlung. In Folge der Betheiligung an studentischen Unruhen war er im Jahre 1882 von der Petersburger Universität relegirt und ihm zugleich das Recht ab- gesprochen worden, irgend eine andere wiffenschastliche Anstalt in Rußland zu besuchen. Manuczarow ging nun nach Cbar- low, wo er unter den Studirenden Belannte besaß, trat in die dortige sozialrevoluiionäre Verbindung ein und begann mit vielem Erfolge die nihilistische Propaganda zu detrerben. Dort verhaftet, entkam er auS dem Gefängniß und begab fich nun in's Land der Don'schcn Kosaken, wo er in vielen Städten die nihilistischen Ideen verbreitete und revolutionäre Verbin- düngen bildete. Längere Zeit verfolgt, wurde er endlich im Jahre 1884 verhaftet, wobei er mit einem Revolver auf einen Gendarmen schoß, welcher dadurch eine leichte Wunde davon« trug. Vor dem- hiesigen Kriegsgerichte verweigerte Manu- czarow in der Verhandlung am 28. v. M. jede Auskunft, in- dem er erklärte:„er wiffe ganz wohl, waS ihn erwarte; ihm fei die ganze Komödie zuwider". Der Gerichtshof verurtheilte ihn nach viertelstündiger Berathunz zum Tode durch den Strang; dies Urtheil wurde von dem 23 jährigen Angeklagten mit der größten Ruhe angehört, und 10 Stunden spater im GcfSngnißhofe vollstreckt. Großbritannien« Zur Kennzeichnung der agrarischen Verhältniffe in Irland liegt in des„Times" ein von einem Mr. Trench unterzeichnetes Schreiben vor, in welchem es u. A. heißt: „Das Eigenthum der Grundbesitzer in Irland entschlüpft denselben; langsam aber stetig, während fie schlummem, geht es in die Hände der Bodenpächtcr über, die auf einem Gute nach dem andern erfolgreich gegen die Zinszahlung streiken und gestreikt haben. In diesem Augenblicke bedarf es der Dienste von 22 Polizisten zur Bewachung von Lord Kenmare's Schloß in Killarney; und es giebt viele andere Schlöffer in Kerry, die in kleinerem Maßstabe unter Polizeischutz stehen, während auch Pächter, Heerde» und Pachthofshüter Tag und Nacht von Polizisten gegen Dynamftattentate und Mord ge- schützt werden müssen. In der Grafschaft Kerry allein ver- ausgabt die Regierung gegenwärtig 10000 Pfd. Sterl. pro in der Beweiskette sich noch befanden, konnte« ohne große Mühe ausgefüllt werde». Die Stimme deS Aktuars w?ckte Siegfried au» seinem Brüter, wie aus einem schweren, verworrenen Traum er» wachend blickte er auf. .Das Verhör kann beginnen," sagte der Schreiber, .einige Zeugen warte« schon im Vorzimmer." .Welche?" fragte Siegfried. kenne""� k'e Frau und ei» Herr, de« ich nicht wird Herr von Barnekow sein," erwiderte der Assessor. Sagen Sie ihm, ich laffe ihm für seine Gefällig« reit bestens danken, auf seine Zeugenaussage wolle ich für heute verzichten." Einige Minuten später trat der Schließer ein, der Aus- druck feines Gesichts verrieth ernste Besorgniß. „Sie heißen Robert Schmalz und find seit einer Reihe von Jahre« Schließer im Gefängniß," nahm Siegfried das Wort,.bisher gaben Sie keinen Anlaß zu einer Beschwerde, nn Gegentheil, Ihre Vorgesetzten stellten Ihnen das Zeug- mß eines pflichttreue», gewissenhaften Beamten aus. Um p auffalle°der muß es erscheine», daß Sie jetzt von dem !?• 0 1 vf C%% abgewichen sind, Sie werden wisse«, daß S»e dadurch sich st�fbar �macht haben." .»Herr Assessor, ich hatte dabei keine bösen Absichten," erwiderte der Schließet mit unverkennbarer Angst.„Mein We,b war krank, Roth und Sorgen—" „Ihre Verhältnisse find mir bekannt, sie entschuldigen eine Pflichtverletzung nicht wenn ich auch zugeben will, daß sie d,e Versuchung unterstützten Nur ein ganz offenes Ge- standnlß eme wahrheitsgetreue Beantwortung meiner Fragen kann Ihne» Straflosigkeit erwirken, fir diesem Falle wird das Veraehen nicht weiter verfolgt werden." „Ich will Alles sagen, was ich weiß." .�"�"�rten Sie meine Fragen. Wann, wo und in welcher Weise näherte Herr Rabe sich Ihnen?" .Es war kurz nach der Verhaftung Halm'», der Herr kam zu mrr in meine Wohnung/' „Was verlangte er von Ihnen?" „Nichts weiter, als daß ich dem Gefangenen eine« Jahr von dem Gelde der Steuerzahler zum Schutze von Grundbefitzern, Pächtem, Arbeiterwohnungen und Vieh. Die Lage ist unerträglich. Trotz aller dieser Auslagen verlieren die Grundbesttzer ihre Güter und werden einer nach dem andern an den Bettelstab gebracht.(!) So schwer es gewesen, irgend einen Theil des jetzt fälligen Pachtzinses einzukasfiren, wo organifirter Widerstand geleistet wird, wird es viel schwerer sein, den nächsten halbjährlichen Zins, der im Sommer 1886 fällig ist, einzuziehen. Zu dieser Zeit werden die Hilfsquellen vieler der kleineren Grundbesitzer in den westlichen und ärme- ren Thellen Irlands erschöpft worden sein, und sie werden gänzlich ruinirt werden, während natürlich auch die Besitzer von Hypothehen auf ihre Güter ihr Geld verlieren werden. Der gegenwärtige Plan. Verbrechen zu verhüten, indem an jeder Ecke ein Polizist stationirt wird, ist ein temporäres Aus- kunstsmittel, aber es ist keine Regierung." Lokale». T. Ueber dir Gefahr der Verbreitung austeckeuder Krankheiten durch die Wohnungen, in denen fich Kranke auf- hielten, die mit solchen ansteckenden Leiden behaftet waren, hat man neuerdings von ärztlicher Seite die sehr wichtige Beobachtung gemacht, daß das zum Ausfüllen der Zwischen- decken benutzte Material lehr ott von einer Beschaffenheit ist, welche fich nicht nur zur Aufnahme und Ansammlung von An- steckungsstoffen besonders eignet, sondern daß dies Material auch leicht zersetzliche Substanzen enthält, und durch einen un- angemeffcnen Gebrauch der Fußböden in den einzelnen Stock- werken der Gebäude mit der Zeit in einer Weise verunreinigt werden kann, daß daraus eine ernstliche Gefahr für die übrigen Hausbewohner entsteht. Wen« man bisher bei Epidemien den Untergrund der betteffenden Gebäude untersuchte, so dürste in Zukunft die Aufmerksamkeit der Sanitätsbehörden auf die Wohnungsdecken gerichtet sein und die lustdichte Absperrung der Deckenfüllungen gegen die Wohnungen gefordert werden; für Schulen, Kasernen und andere vielbesuchten Räume empfiehlt man eine Jmpräanirung deS in den Decken verwendeten Holzes mit öligen oder harzigen Substanzen und als noch zweckmäßiger die Anbringung von Decken-Ventilationen; das infizirte Füll» Material in den Zwischendecken alter Häuser würde einer Durch- tränkung mit Bromdämpfen ausgesetzt werden müssen, um die Wirkung der Ansteckungsstoffe zu beseitigen. Auf diese Weise wäre nach ärztlichem Gutachten der in den Wohnungen alter Gebäude obwaltenden Ansteckungsgefahr wirksam zu begegnen. Die stattgehabten Ermittelungen sind so gründliche und die Abhilfsvorschläge so detaillirte, daß man mrt ziemlicher Sicher- heit darauf wird rechnen können, die ganze Angelegenheit nächstens vor dem Forum der kompetenten Behörden ver- handett zu sehen. Weniger Licht! ertönt es jubelnd aus vieler, vieler Menschen Brust. So seltsam dieser Freudenruf in unserem nach„niehr Licht" drängenden Zeitalter auch erscheinen mag, so hat er doch seine volle Berechtigung und ist lediglich eine Folge deS natürlichen Fortschritts. So wenig auch fönst das neue Jahr von unserem Wünschen und Hoffen erfüllen mag, die Gewißheit hat es unS doch gebracht, daß mit seinem An- beginn die Tage, wenn auch langsam, wieder länger werden. DaS Schlimmste ist nun überstanden, und find es vorerst auch Minuten, um welche der Tag an Länge gewinnt, so reihen sich diese doch endlich zu Stunden und rn demselben Maße, wie des Winter» Nacht der fiegreichen Sonne weichen muß, in demselben Maße, wie es draußen mehr Licht wird, wird drinnen weniger Licht gebraucht und find es vorerst auch nur einige Pfennige, die am Lichte im Haushalte erspart werden, die Hausfrau nimmt doch mit Freuden davon Notiz und freut fich schon im Voraus auf die Zeit, wo die unangenehme Licht- ausgäbe gänzlich vom häuslichen Etat verschwunden sein wird. Und mit gleicher Freude beobachtet wohl ein Jeder daö he- Der geprellte Hauswirth. Tragikomödie in einem AuSzuge. Ein in der Linienstraße wohnender Drechsler war seinem Hauswirth für drei Monate die Miethe rückständig ge- blieben und sann darauf, fich dieser Verpflichtung zu entziehen. Hierzu schien ihm die auf den Sonntag angesetzte Taufe seines jüngsten Sprößlings die beste Gelegenheit zu bieten. Er lud zu dieser seinen jovialen HauSwirth, einen alten Junggesellen und Kinderfreund, ein, welcher auch am Abend püntt« lich bei seinem Mtether erschien. Freunde und Be- kannte waren geladen, eine Drehorgel nebst Spieler wurde herbeigeschafft und lustig ging eS her. Da erhob fich einer der Gäste, nahm einen Teller in die Hand, legte ein Markstück darauf und begann nach kurzer Anspracht eine Sammlung zum Pathengeschcnk deS Täufling». Jeder trug sein Echerflein bei und auch der Hauswirth, um fich nicht lumpen zu lassen, legte ein Fünfmarkstück darauf. Als die Sammlung beendet, wurde auf allgemeine» Verlangen zum Tanze geschritten. Da aber die Wohnstube zu klein, entschloß man fich, sämmtliche darin befindliche Sachen zu entfernen Brief übergeben und eine Antwort darauf fordern sollte. Ich wußte wohl, daß ich diesem Verlangen nicht nachgeben durfte, aber daneben sagte ich mir auch, ein Brief könne ja nichts Gefährliches enthalten, uni das Goldstück, welche» der Herr auf den Tisch warf, setzte mich in den Stand, meiner Frau eine bessere Pflege angedeihen zu lassen und Brod für mein« Kinder zu kaufen." „Gab der Amerikaner Ihnen Antwort?" „3a." „Die Korrespondenz wurde daraufhin fortgesetzt?" ..Ich brachte noch einige Mal einen Brief in die Zelle des Gefangenen." .Man hat bei der Visitatton eine Photographie ge- funde«, erinnern Sie sich, daß sie in einem jener Briefe enthalten war?" .Jawohl. Der Amerikaner forderte diese Photo- graphie!" „Wissen Sie, was diese Briefe enthielten?" Der Schließer zögerte einen Augenblick, dann griff er in die Tasche. „Als mein Schwager erfuhr, wozu ich mich hatte ver« leiten lassen, entwarf er den Plan, dem reichen Herr« eine Grube zu graben," sagte er..Er glaubte, auf diesem Wege eine namhafte Summe erwerben zu können, mit der er eine» Holzhandel anfangen wollte, dabei versprach er mir, cs solle nichts geschehen, was mich in Ungelegenheitea brin« gen könne. Wir öffneten die Briefe und schrieben fie ab, es lag damals schon im Plane Siebel'S, diese Kopien später Ihnen zu überliefern, seine Absicht war eS keineswegs, alle Wünsche Rabe'S zu erfüllen." Siegfried nahm die Papiere aus der Hand de» Schließers und las sie flüchtig, dann legte er fie köpf« schüttelnd auf den Tisch, er konnte ihren Inhalt nicht ver« stehen. „Der Amerikaner drohte stet» mit der Enthüllung eine« Geheimnisse»," fuhr der Schließer fort,„ich konnte diese« Geheimniß nicht erforschen, er wollte eS mir nicht anver« trauen. Herr Rabe fürchtete e«, er bot Alle» auf, den Ge, fangenen zum Schweigen zu bewegen." und in eine nebenliegende Kammer, welche einen Ausgang nach dem Korridor hat, zu schaffen. Nur wenige Stühle und ein Tischchen, aus welchem die dampfende Bowle stand, ließ man in dem Zimmer. Während der Um« Wandlung desselben in einen Tanzsalon wurde der bereits animirte Hauswirth bei der Bowle zurückgehalten, als der Tanz begann, waren bereits sämmtliche Mobilien von den Freunden des Drechslers auf einen vor der Hausthür stehen- den Wagen gepackt und davon gefahren. Ein toller Kehraus beendete die Feier. Vorfichtshalber wurden die noch vorhan- denen Stühle nebst Tischlein zur Wohnung hinausspedirt, nur die leere Terrine blieb auf dem Fußboden stehen. Als nun auch der Leiermann nebst den letzten Gästen die Wohnung verließ, merkte der Hauswirth erst, welch' bösen Streich man ihm gespielt und daß er selbst noch einen Beitrag zu den Rück- kosten geleistet; er hat geschworen, nie wieder irgend einer Feier bei seinen Miethern beizuwohnen. Duell. Gestern Morgen bat hicrselbst ein Säbel- Duell stattgefund-n zwischen einem Offizier und einem Chemiker; Veranlassung war eine Beleidigung, die der Offizier dem Chemiker am Lylvesterabend in einem Unter den Linden ge- legenen Cafs in Bezug auf seine jüdische Konfesfion zugefügt hatte. Das Duell endete mit einer ziemlich schweren Ver» letzung des Offiziers. t. Der alte Köpenicker Weg, welcher beim Schlestschen Busch, von der Treptower Chaussee südlich abbiegend, die äußere Grenze der Treptower Parkanlagen bildet, befindet fich in einer traungen Verfassung. Um den Weg aufzufüllen, hat man hier Schuttabladestellen errichtet, die ja allerdings ein dringendes Bedürfniß find und das erforderliche Auffüllunas- Material liefern; aber wenn dadurch auch der Weg seine Fahr- barkeit eingebüßt hat, so hätte doch wohl ein einigermaßen passtr- barer Fußweg erhalten bleiben können. Für die Bewohner des Südostens find die Treptower Parkanlagen die einzige größere Spaziergelegenheit im Freien und die Wege lassen hier überall Manches zu wünschen übrig. Während der milden Tage des Weihnachtsfestes haben das viele Tausende erfahren; besonders U beklagen aber waren diejenigen, welche fich in die Schutt- jügel des alten Köpenicker Weges verirrten. Sie konnten froh ein, wenn fie mit übel zugenchteter Fußbekleidung davonkamen; viele haben dort schwerere Havarie erlitten. Wegen äußerst brutaler Mißhandlung wurde gestern der„Arbeiter" Heine, welcher schon erhebliche Vorstrafen wegen Körperverletzung und anderer Veraehen erlitten hat, verhaftet. Heine drang in die Wohnung seiner Eheftau, welche durch fortgesetzte rohe Behandlung genöthigt worden war, sich von ihm zu ttennen, warf die letztere ohne Veranlassung zu Boden, kniete auf fie und brachte ihr, während er den Mund der Ge- mißhandelten zuhielt, um fie am Schreien zu hindern, Ver- letzungen am Unterleib und Bißwunden im Gestcht bei. Ein Stück der rechten Ohrmuschel wurde von ihm vollständig abge- bissen, so daß vorausfichtlich eine dauemde Entstellung der Frau H. eintreten wird. Demnächst begab fich Heine in ein benachbartes Schanllokal und beging dort weitere Exzesse. Als die Wirthin ihn aufforderte, das Lokal zu verlassen, stürzte er sich auf dieselbe und verfolgte fie bis in ihre Privatwohnung. woselbst er fie auf em Bett warf und würgte. Durch mehrere befreit Personen wurde die Wwthin von dem Wüthenden . Schtffsuntergang. Am Holst-iner Ufer, in der Nähe der Lesstngbrucke. ist vorgestern em mit Nahrungsmitteln(Kaffee, Reis. Zucker, Thce ic.) befrachtetes Schiff gesunken. Dasselbe fuhr in der Richtung nach dem Thiergarten zu und ließ fich von emem Schlepvdampfer die Spree enllang fahren. Ja der Gegend von Bellevue soll durch die Unoorstchtigkeit deS Steuer- manns des Schleppdampfer» ein Zusammenstoß zwischen dem Dampfer und dem Kahn erfolgt sein, wodurch die Spitze deS KahneS vollständig wegbrach und letzterer sofort sank. Derselbe ist bereits wreder miltelst AuZpumpens gehoben worden, doch find die Waaren, welche in dem Kahne verladen waren, nicht »«Ä«Ä' Äf m» k iSÄÄÄ Ä ÖÄJ* ien Zveisall. Frau Niemann ist von einem leichten Unwohlsein be- MMMMil statt am Eonnabend, den 9. d- M. „Machte er Ihnen nicht den Borschlag, Halm zu be« freien?" „Mehrmals, aber ich wie« ihn zurück, und als er diese Forderung in drohendem Tone an mich stellte, habe ich die Verbindung mit ihm vollständig abgebrochen." „In welcher Weise sollte die Befreiung bewerkstelliut werden?" Ö »Ein darauf bezüglicher Plan war noch nicht ent. worfen?" „Aber Rabe hatte Ihnen Versprechungen gemacht?" „Allerdings. Er wollte mir und meinem Schwager zehntausend Thaler zahlen, wir sollten mit dem Flüchtlina auswandern." Ö ..Sie behaupten, diesen Vorschlag zurückgewiesen zu haben V »Herr Rabe und mein Schwager müssen es mir be- zeugen. Ich fand ke,n große« Verbrechen darin, dem Ge« fangenen einen Brief zu bringen, wenn ich auch nicht leugnen will, daß ich eine Pflichtverletzung damit beging, aber ,ch hätte o,e meine Hand dazu bergegeben, ihn zu be« freien. Mein Schwager hat e« mir sehr übel genommen, er meinte, es fei ja nur eine Komödie, aber ich wollte auch nicht einmal den Schein einer so schweren Schuld auf mich zu laden, uvd es freut mich noch jetzt, daß ich dieser Versuchung widerstanden habe, wenn auch das Gelingen des Planes meiner Roth und meinen Sorgen ein Ende gemacht hätte." .Ich glaube, Ihr Schwager denkt noch heute darüber anders." „Nein, Herr Assessor, auch in seiner Absicht hat eS nie gelegen, die Projekte des Herr» Rabe auszuführen, aber er hat die Komödie fortgesetzt, weil er hoffte, daS Geheimniß zu erforschen. Ich glaube, daß er es jetzt kennt, aus einigen Aeußerungen, die er fallen ließ, vermuthe ich, daß seine Frau e» ihm mitgetheilt hat, und daß er nichts damit anzufangen weiß. „Er war vorgestern noch bei Rabe." „ES kann sein, ich habe mich um die Sache nicht meh« gekümmert." (Fortsetzung folgt.) Grosse Slilckprn und rei-Filrlk jOranicnftr. 166 n n n v. v«r SA �kllnitnstr. 166 Karterre u. i. 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Gestrickte Herren Meste» in Wolle und Vigogne in allen Größen von 3 Mark an. VerantworUtch« Redattem«. KrsutzeiW te»nite. Druck und Verlag von«ax vadtug in Berlw SW, Beuthstraße 2 Hlerzu eine BetlaS� Beilage zu m Berliner VolNlntt. Ur. k. Donnerstag, de« 7. Jannar 1886. III. Jahrs« Am wikthschastlichri Me. Das Dresdener Amtsblatt, der„Dresdener Anzeiger", das seine politische Weisheit aus osfiziösen Quellen schöpft, äußert sich in seiner neuesten Nummer anlcßl ch der Besprechung deS Dresdener Handelskammerberichts«emlich unzu rieben über die ewige Unruhe in der deutschen Wirthschastspolittl. Dies will bei einem Blatte, daS bisher alle diese Schwenkungen kritiklos mitmachte und nach Kräften unterstützte, viel heißen, aber schließlich reißt auch dem langmüthigsten Philister der Gedulvs- faden, wenn er erlebt, daß die Jahr auS Jahr ein gepredigten Errungenschaften sich nirgends zeigen wollMV Diese Unzufriedenheit zu schüren, darnach ist der Dresdener Handelekammer- vcncht ganz angethan. Seine Verfaffer geben sich zwar alle Müde, jede« harte Wort der Verurtheilung zu vermeiden, aber die Unzufriedenheit mit dem bestehenden Zustand leuchtet zwischen jeder Zeile hervor. Die auf allen Gebieten vorhandene Ueber- Produktion bildet die Hauptursache der Klage. Daß diese Ueber- Produktion aus dem bürgerlichen Wiithschaftssystcm mit Roth- wendigkert hervorgeht, auf einer gewissen Höhe seiner Ent- Wicklung ihm immanent ist und, wie im gegenwärtigen Zeitalter bei der außerordenilichen Entwicklung und Vervollkommung der Produkrionseinrichtungen, naturnothwendig zu einem chronischen Zustande wird, erkennt der Bericht fteilich nicht an, das kann man füglich auch nicht von ihm verlangen. Seine Verfaffer sehen von ihrem Standpunkte die wirkliche und primäre U> fache dieses Zusiandes nicht, oder wenn sie sie sehen, dürfen sie dieselbe nicht sehen, dagegen kritifiren fie um so eifriger die sekundären Ursachen.„Als Hauptgrund für das Darnieder» liegen des Handels dürfte bei der Vermehrung und Ver- vesserung unserer Verkehrsmittel die immer stärker geltend machende Tendenz anzusehen sein, die Vermittelung des Z mschenhandelS so viel wie möglich zu umgehen und in dircftesier Weise Produktion und Komsumtion zu verbinden, «ine Tendenz, die im Hinblick auf die durch den Handel be- wirkte Arbeits- und Rifikotheiiung nicht immer im wohl- verstandenen Interesse der Produzenten und Konsumenten selbst liegt." Hier sprechen die direkt betroffenen Jnter« effenten. Aber diese mißbilligte Tendenz möglichst diretter Verbindung zwischen Produzent und Konsument ltegt in der Strömung der Zeit, die dm Zwischenhandel nach alter Fourier'scher Auffassung als Vampyr ansieht, der ohne produklive Thä igkett lebend, die Produkte nur vedheuert. Die geringste nicht durchaus gebotene Vertheuerung wirkt aber auf das Durch die Massenproduktion außerordentlich scharf fixirte Preisbarometer verstimmend und schädigt die Produzenten. Dieser Kampf zwischen Produzent und Distrtbuent wird in dem Maße schärfer, wie unsere Verhältnisse sich zuspitzen, und eS ist der Zwischenhandel, der zunächst die Kosten in diesem Kampfe zu zahlen hat. Nächst dieser Tendmz, den Zwischenhandel zn beseitigen, erblickt die Dresdener Handelskammer einen großen Fehler un- scres WtrthschaftssystemS in der großen Steigerung der Pro- duttion, mit welcher der Konsum noch nicht Schritt halten kann. Dieses„noch nicht" ist unbezahlbar. Wie soll denn der Konsum mit der Produktion Schritt hallen könnm, wenn die Ueberproduktion gerade dadurch entsteht, daß mehr produzirt wird, als konsumid, wir wollten sagen: als gekauft werden dnn. Denn diese angeblich mangelnde Konsum» ähigkeit ist nur und nur allein mangelnde Kauf- ähigkeit. Die Massen können nicht konsumiren, weil le nicht kaufen können, und sie können nicht kaufen, weil die Anwendung und die Bezahlung ihrer Arbeitskraft nicht von ihrem guten Willen, sondern von der Höhe der Profitrate abhärmt, die der Unternehmer von der Produltion erwartet. Die Profitrate finlt in dem Maße, wie die Massenproduttion zunimmt, und fie fällt auf Null, wenn die Produktion so massenhaft war, daß ein Theil der produziden Waaren durch die Kaufkraft des Volks nicht mehr absorbid werden kann und nun auf die Preise der Waaren drückt. Dann tritt Einschrän» kung der Produktion, Sinken des Lohnes, Arbeftcrentlassung ein, aber diese Umstände vermindem nicht, sondern steigern die Ueberoduktton, weil jetzt die Kaufkraft der Massen noch mehr sinkt. Da aber ferner Kapital ohne Profit seinen Beruf ver» fehlt und der Kapitalist dieses schrecklichste aller Uedel um jeden Preis zu vermeiden trachtet, verfällt er auf die Erweite- Dl« Duell. Novelle von B. H e r w i. Bedenk zu jeder Daß Wunden heilen besser, Als Wunden schlagen ist. F r e i l i g r a t h. (Nachdruck«rdoten 1 „Darf ich eintreten, liebe Frau Sommer?— Sie find wirklich noch bei der Arbeit? Sie gönnen Ihren liebe» fleißigen Händen und Ihren oft so müden Augen auch gar «rne Ruhe; nun legen Sie nur schnell dre Spitze« bei Seite, ich bin nur dethalb noch so spät gekommen, um Ihnen mitzutheilen, daß Sie sich meinetwegen gar nicht mehr so zu bemühe» brauchen, denn ich grhe nicht auf den morgenden Ball." »2fi etwas Besonderes vorgefallen, liebes Klärche», daß aus dem so lang geplanten Vergnügen nichts werden soll, es ist doch Niemand bei Ihnen krank geworden," fragte Frau Sommer, eine zarte, bleiche Frau, deren Antlitz von dem Ernst des Lebens wohl mehr als von der Last der Jahre mit tiefen Furchen durchzogen war. «Nein, Gottlob! gesund stad wir Alle, aber etwa? Be» ar ist doch geschehen",— bleicher ward das feine Antlitz des jungen Mädchens—„legen Sie nur die Blum«, und die Spitzen fort, die ich Ihnen jüngst so fteutestrahleab btachle, wollte ich sie doch zum Studenten- balle tragen mit de» Farben der Verbindung, der Bruder Heumch angehört; nun ist Alles, Alles vorbei. Wie freute ich m�ch, mit meinem Bräutigam zum ersten Male auf einen Ball zu. gehen; Alles sollen Sie jetzt erfahren, liebe Frau Sommer Sie wissen, wie überglücklich ich war, als ich meinem Ernst, nachdem er sich hi« als Arzt niedergelassen. die Hand zum Verlobmß reiche» durfte, wie stolz ich auf ,hn bin, den Zeder hochachtet und liebt, und nun..... o Gott! wer hätte es gedacht, daß er je in Unmuth von mrr scheiden könnte, wie heute, und doch einzig nur deshalb, weil entgegen gesetzte Meinungen herrschten und ich mich nicht gleich zu der sein, gen bekannt habe, o Frau Sommer, wie »»glücklich bin ich geworden." rung und Vervollkommnung seiner Produktionseinrichtungen, d. h. er sucht nunmehr seine Produtte zu noch niedrigerem Pre se, als sie der schon auf's Aeußerste gedrückte Waaren- markt aufweist, herzustellen, um die vorhandene Kon- kurrenz auS dem Felde zu schlagen. Und ist der Unter- nehmer kapitalkräftig genug— und eine Anzahl sind es immer— so ist die wertere Folge Bankerott der schwächeren Unternehmer, abermaliger Lohndruck durch vermehdes Arbeiter- angebot. Der Kapitallöwe beherrscht jetzt den Martt, aber das industdelle Schlachtfeld ist mit Leichen von Arbeitern und— kleinen Unternehmern bedeckt. Wohl bat die Dresdener Handelskammer recht, wenn fie für diesen Zustand der Ueberproduktion„die Gesetzgebung und besonders die wirthschaftliche Gesetzgebung eines oder deS anderen Staates dafür allein oder in der Hauptsache nicht verantwodlich macht", denn der Fehler liegt im ProduktionS- stjstem selbst, das fie natürlich nicht anklagt. Wohl aber ist sie der Ueberzeugung,„daß das jetzt in den meisten Kuttur» staaten zur Geltung gelangte Widhschaftssystem zur Ver- schärfung der Krise deiaetragen hat, indem eS durch Ab- schließung der einzelnen Wtrthschaftsgebiete von einander der Steigerung der Produktion in jedem derselben einen künst- lichen Anreiz gegeben und die gewohnten Abzuakanäle für die Produtte des einen in daS andere abgedämmt hat." DaS ist bis zu einem gewissen Grade richtig, nur vergißt die Dresdener Handelskammer, daß die Schutzzoll- und Ab- sperrungSbewegung, die nacheinander fast alle Kulturstaaten ergriffen hat und zuletzt in dem Ausfall der englischen Wahlen ihren Ausdruck fand, insofern die Städte und In- dustriebezirke Englands überwiegend konservativ, d. h. in diesem Augenblicke schutzzöllnedsch gesinnt wählten, also im Lande des Freihandels par excellevcs erst die Folge des allgemeinen Un- behagenS ist, daS die Geschäftswelt allerwärts seit dem Krach von 1875 in steigendem Maße ergriff. Die Dresdener Handelskammer geht dann noch weiter, in- dem fie eine wesentliche Verschärfung der Krise in Deutsch- land in der Unruhe erblickt, welche die G-setzgebung auf widhschaftlichem Gebiete ergriffen hat, wodurch die Be- dingungen für die Entfaltung von Handel und Verkehr fortwährend verschoben und einigermaßen sichere Be- rechnungen für einzuleitende� Unternehmungen unmöglich ge- macht werden." Und diesem Wunsche schließt sich der„Dresdener An- zeiger" an, indem er in den Stoßseufzer ausdncht:„Dürfen wir an dieser Stelle eine Bitte an die für die Gesetzgebung Deutschlands maßgebenden Faktoren richten, so geht fie dahin, in dieser Thätigkeit eine Pause eintreten zu lassen, Handel und Verkehr Ruhe zu gönnen, sich in die veränderte Lage einzu- leben und sich in den neuen Verhältnissen zurecht zu finden____ In Handel und Industrie ist nichts schwerer zu edragcn, als immer erneute Aenderungcn, welche die Grundlage ihi er Thätig» k'it fortwährend verschieben. Ruhe und Stabilität ist der Gesetzgebung daS, was unserem deutschen Widhschastsleben in erster Linie Roth thut." Vergeblicher Wunsch, vergebliche Bitte. Die Ruhe ist un- möglich, wo die verschiedensten Interessen nach Hilfe und Rettung schreien und daS Dresdener Amtsblatt hat in den letzten Wochen sein eigenes Ruhebedürfniß Lügen gestrast, indem eS der offiziösen Parole, als seinem Ldtstem folgend, eifrig für daS Branntweinmonopol Propaganda machte. Wir leben aber in einer Zeit großadiger Jntereffenkämpf«, die mit der Roth der Zdt nur wachsen und heftiger werden, da giebt'S keine Ruhe und Stabilität, bis die Lösung der gesellschaftlichen Gegensätze gefunden ist. Politische Urbersrcht. Bismarck nud die Polen. Die„Magdeburger Ztg." reproduztd einen Artikel, welchm Fürst Bismarck dem Blatte am 20. April 1848 eingesandt hatte, und der folgendermaßen lautet: „Die Befreiung der wegen LandeiverrathS verurtheilten Polen ist eine der Errungenschaften des Berliner MärzkampfcS, und zwar eine der wesentlichsten, da die konstitutionelle Ver- faffung, die Preßfreiheit und die Maßregeln zur Einigung Deutschlands bereits vor Ausbruch des Kampfes gefiched Tief aufschluchzend warf sich das erregte Mädchen an die Brust der webmüthig blickenden Frau. „Beruhigen Sie sich doch, liebe« Klärchen," wehrte diese sanft,„sagen Sie mir getrost, was Ihr Herz beschwert, weiß die einsame, alte Frau auch nicht mehr viel von der Welt da draußen, so kann sie doch einem armen Menschen» herze« Trost und Rath ertheilen.— Wa« hat's denn ge» gebe«?" Entschlossen wischte Klärche» die Thränea von den Wangen und begann leise zu erzählen: „Wir saßen heiter und froh beim Abendtisch, Papa neckte mich, weil Ernst noch nicht erschienen war und Bruder Heinrich, der in seiner Eigenschaft als Chapeau d'honnenr in sehr aufgeregter Stimmung war, theilte mir ganz unvermittelt mit, daß ich gut und gern de» Ball besuchen möge; doch rathe er mir, keinesfalls die Farben seiner Verbindung zu tragen, da man mir die« als der Braut de« Dottor Waldau übelnehmen könnte. Ich stutzte, auch der Vater horchte auf und bat um Erklä- ru»g dirser Worte; da Höven wir denn, daß mein Ernst ehemal«, vor etwa zehn Jahre«, ebenfalls dieser Verbindung angehört habe, durch einen Eklat aber, der die Folge eines Duells gewesen, damals zum Austritt veranlaßt worden war. Seit dieser Zeit bestände auch Ernst« Widerwillen gegen studentische Verbindungen, seine grenzenlose Verach- tung der Duells, sein energische« Eisern dagegen; aus diesem Grunde, so fuhr Heinrich fort, hätte er auch die Einladung zu diesem Feste durchaus nicht annehmen wollen und nur meinen dringenden Bitten habe er nachgegeben. Ich ver- gegenwärtigte mir die damalige Unterhaltung und konnte nicht ander», als meinem Bruder in Gedanken beipflichten, mir fiel überhaupt Ernst« bei jeder Gelegenheit geäußede Antipathie gegen studentische Revommisterei an, ein Wrder- wille,— der schon zu peinliche« Szene« zwischen ihm und Heinrich gefühd hatte—; ich erschrak bis in« Innerste... in diesem Moment öffnete sich die Thür und Ernst tritt ver» gvügt herein,.... er sieht unsere bestürzten Gesichter, er schaut mich fragend an, ein Wort giebt das andere, Heinrich fährt erregt da-wttchen, der Vater vermittelnd, Ernst erklärt die Sache für Wahrheit und erzählt uns, daß ei» damalt stattgefundene« Duell, in dem er Sieger gebliebe», die Ur» waren. Die Berliner haben die Polen mit ihrem Blute be» freit und fie dann eigenhändig im Triumph durch die Stadt gezogen; zum Dank dafür standen die Befreiten bald darauf an der Spitze von Banden, welche die deutschen Einwohner einer preußischen Provinz mit Plünde- rung und Mord, mit Niedermetzelung und barbari» scher Verstümmelung von Weidern und Kindern heimsuchten. So hat deutscher Enthusiasmus wieder einmal zum Schaden fremde Kastanien aus dem Feuer geholt. Ich hätte eS erklär- lich gefunden, wenn der erste Aufschwung deutscher Kraft und Einheit sich damit Luft gemacht hätte, Frankreich daS Elsaß abzufordern und die deutsche Fahne auf den Dom von Straß- bürg zu pflanzen. Aber es ist mehr als deutsche Gutmüthigkeit, wenn wir unS mit der Ritterlichkeit von Romanhelden vor allem dafür begeistem wollen, daß deutschen Staaten das Letzte vnn dem en zogen werde, was deutsche Waffen im Laufe der Jahrhunderte in Polen und Italien gewonnen hatten. Das will man jubelnd verschenken, der Durchlühmng einer schwärmerischen Theode zu Liebe, einer Theode, die uns ebenso gut dahin führen muß, aus unseren südöstlichen Grenz- bezirken in Steiermark und Jllyden ein neues Slavenreich zu bilden, das italienische Tirol den Venetianem zurückzugeben, und auS Mähren und Böhmen bis in die Mitte Deutsch- landS ein von letzterem unabhängiges Czechenreich zu gründen. Eine nationale Entwickelung des polnischen Elements in Posen kann lein anderes vernünftiges Ziel haben, als das, einer Herstellung eines unabhängigen polnischen Reichs zur Vorbereitung zu dienen. Man kann Polen in seinen Grenzen von 1772 herstellen wollen(wie die Polen selbst eS hoffen, wenn fie es auch noch verschweigen), ihm ganz Posen, West- preußen und Ermeland wiedergeben; dann würden Preußens beste Sehnen durchschnitten und Millionen Deutscher der polni» schen Willkür überantwortet sein, um einen unsicheren Ver» kündeten zu gewinnen, der lüstern auf jede Verlegenheit Deutschlands wadet, um Ostpreußen, polnisch Schlesten, die polnischen Bezirke von Pommern für sich zu gewinnen. Anderseits kann eine Wiederherstellung Polens in einem geringeren Umfange beabstchtigt werden» etwa so, daß Preußen zu diesem neuen Reich nur den ent» schieden polnischen Thdl deS Großherzogthums Posen hergäbe. In diesem Falle kann nur der, welcher die Polen gar mcht kennt, daran zwdfeln, daß fie unsere geschworenen Feinde bleiben würden, so lange fie nicht die Weichselmündung und außerdem jedeS polnisch redende Dorf in West- und Ostpreußen» Pommern und Schlesien erobert haben würden. Wie kann aber ein Deutscher, weinerlichem Mitgefühl und unprattischen Theorien zu Liebe, dafür schwärmen, dem Vaterland« in nächster Nähe einen rastlosen Feind zu schaffen, der stets be- müht sein wird, die fieberhafte Unruhe seines Innern durch Kriege abzuleiten, und uns bei jeder westlichen Verwickelung in den Rücken zu fallen; der viel gieriger nach Eroberung auf unsere Kosten sein wird und muß, als der russische Kaiser, der froh ist, wenn er seinen jetzigen Koloß zusammenhalten kann, und der sehr unklug sein müßte, wenn er den schon starken Antheil zum Aufstand berdter Unterthanen» den er ha', durch Eroberung deutscher Länder zu vermehren bemüht sein wollte. Schutz gegen Rußland brauchen wir aber von Polen nicht; wir find uns selbst Schutz genug. Ich halte daher unsere jetzige Politik in Bezug auf Posen, auch wenn man jeden einzelnen Deutschen daselbst dem deut- schen Bunde vorbehält, auch wenn man nur den kleinsten Theil des polnisch redenden Antbeils dem übdgen Staat durch Sondereinnchtungen entfremdet, für die bedauerlichste Don Quixotede, die je ein Staat zu seinem und seiner Angehöngen Verderben begangen hat. Die Regierung hat mit Ordnung dieser Angelegenheit einen mehr polnisch als deutsch gesinnten Mann beauftragt, dessen Benehmen die Armee mit Entrüstung, das Land mit Mißtrauen erfüllt, und dessen bei der günstigsten Annahme schwach zu nennendes Verfahren den Mißgdffen in dieser Angelegenheit die Krone aufsetzt und fie sanktionid. Die le?te pomphafte Edlärung dieses Kommissars, in der er sich rühmt, durch seine Bemühungen diese Frage fnedlich ge- löst zu haben, erscheint in den Blättem gleichzeitig mit dem klagenden Hilferuf von Behörden und Pnvatleuten, die foddauernd von Todtschlag und Plünderung der Deutschen und von bewaffneten Konfllkten sache jenes Eklat« gewesen, daß er, ergriffen von Reue und Scham, einen Menschen um ein Phantom der Ehre hinge- opfed zu haben, feierlich gelobt habe, mit all seinen Kräften gegen die entsittlichenden Institutionen dieser studentischen Verbindungen mit ihren haltlose« Begriffen von Muth und Ehre anzukämpfen, daß er mit Freuden au« der Verbindung getteien sei und jetzt mit Kummer bemerke, wie dieser Tod- feind des Familienglücks«och immer mit kalter Hand morde. Heinrich pries nun in glühende» Worte» de» Werth dieser Zusammengehörigkeit, die unaussprechliche Poesie de« Stu- dentenlebenS, er malte in beredter Weife das herrliche Ge- fühl au«, in jedem Moment zur Ehre der Andern und zur eigene» Ehre gerüstet und vollwichtig, sie zu vedreten, da- zustehen, er vertheidigte een Zweikampf als Rächer der be- drohten Ehre mit dem Feuer eines jugendlichen Helden und — ja, daß ich'S Ihnen, theure Frau, nur gestehe, er riß auch mich mis meine» Empfindungen so hin, daß, als er endlich mit de« Wode« schloß,„nur ein Feigling kann an- derS denke» und sprechen", unwillkürlich da» Ideal meines Helden, mein Ernst, in meiner Seele erblaßte. Ich wagte nicht, in sein Antlitz zu sehen, ich Hörle nur seine bebende Stimme:„Schweig still, Du thörichter Knabe, von Dir werde ich wahrlrch keine Rechenschaft fordern."— Heinrich brauste auf, der Vater trat beruhigend duzwische», ich saß wie erstarrt an meinem Platze, da schlug die Thür heftiger denn sonst zu, ich blickte auf.... Ernst war verschwun- den. Heinrich schwelgte im Genüsse seines Triumphes, wie er meinte, und ich, gute, liebe Frau Sommer, ich schämte mich vor mir selber, auch»ur einen Augenblick auf ihn gehöd und mich nicht gleich an die Seite meine» Ernst gestellt zu haben. Ich kann mich an keinem Mutterherzen ausweinen,»un mußte ich zu Ihnen herflüchte», mein Herz erleichter»,— aber ich habe Sie ermüdet, habe Sie er- schreckt, Sie zittern, um GotteSwillea, Sie weinen".... schnell sprang das junge Mädchen auf,„habe ich Sie mit meinem Ungestüm erschreckt?" „Nein, nein", flüsterten die blasse« Lippe« der alte» Dame,„nur die Erinnerung, o die Erinnerung hat mich wieder übermannt; die schreckliche Zeit, die entfitzlichste meine« Leben«, sie entstand wieder vor mir, in der ich mein Einzige», meinen herrlichen Wolfgang hingebe« mußte, auch mit dem Militär zeugen. Wird daS verantwortliche Ministe« rium des Königs der Nationalversammlung gegenüber die Ver« antwoitung für alles daS übernehmen, was H.rr v. Willisen in Posen getban und unterlassen hat, und'ür die ganze biS jetzt befolgte Rlchtuna unserer polnischen Politik? Dann wäre «S wichtig, fich darüber aufzuklären, ob in Preußen noch die selben Rechtsgrundsätze giltig find, welche in dem Polenprozeß des vorigen Jahres gegen die Angeklagten zur Anwendung kamen. S S.(Bismarck SchönhausenX" Die„Maadeb. Ztg." begleitet den Abdruck deS Artikels mit folgenden Worten: „Die tzand chrift dieses Artikels befindet fich noch in un- serem Befitz. Fürft Bismarck hat fich in ähnlicher Weise seit- dem schon oft im Parlament über die polnische Frage geäußert. Neues sagt uns also der Brief nicht. Denselben durchweht aber eine so kräftige und praktische nationale G-strnuna, daß unsere Leser an dresem Erinnerungsblatte gewiß ihre Freude haben werden." Merkwürdig ist bei der Sache nur, daß die„liberale" „Magd. Ztg." den Artikel zur Zeit, wo fie ihn erhielt, nicht abgedruckt hat. Wahrscheinlich ließ es ihre damalige Übe- rare Tendenz nicht zu. Der Artikel ist immerhin recht lehr- reich, er zeigt in deutlichster Weise, daß fich wohl der Libera- lismus geändert hat— er ist thatsächlich auf den Hund gekommen— Fürst Bismarck aber ganz der alte geblieben ist. Kommunales. w. Rems Krankenhaus. Die Deputation für die öffent- liche Gesundheitepflege derieih am Montag unter Vorfitz des Oberbürgermeisters von Fo ckenbeck über die Errichtung eines Krankenhauses im Süden der Stadt. Es wmde beichloffen, den städtischen Behörden zu empfehlen, dasselbe auf dem Urban, Schlag 9, in einer Ausdehnung zu errichten, daß 450—500 Betten Platz hätten. Zugleich sollen dieselben m Rückficht nehmen, daß daS hierzu bestimmte Terrain erweitert und daß die Arbeiten noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden können. Ein Nothschret über den Zustand deS Dammes in der Bergmannstraße ist von dem Gemeinde- Kirchenrath der Louisenstädtischen Kirche in Form eines Gesuches um Pflasterung dieser Straße an den Magistrat gelangt. Der Damm ist jetzt bei dem schlechten Wetter ein Sumpf, durch den die Leichen- kondukte stch nur mit Mühe hindurcharbeiten können; ein Bürgersteig ist nur auf der südlichen Seite vorhanden; der- selbe ist aber bei nassem Wetter für Fußgänger unbenutzbar, zur jetzigen Jahreszeit ist es kaum möglich, zu Fuß nach den Kirchhöfen zu gelangen. Es wäre daher dringend erwünscht, wenn die Kirchengemeinden möglichst bald zur Regulirung dieses Bürgersteiges angehalten würden. Auch der Bezirksoerein Hasenhaide hat unter Hinweis auf die bekannten Zustände am Kotibuser Damm an den Magistrat ein Gesuch gerichtet, der- selbe möge beim Gkmeindevorstanv zu R'xdorf dahin zu wirken suchen, daß im bevorstehenden Frühjahr endlich die östliche Seite der Straße regulirt werde. Diese Seite liegt auf der Rixdorfer Feldmark und find bisher alle Verüandlungen des Magistrats mit dem Gemeindevorstande in Rixdorf nhne Er- folg gewesen._ lichen des Protestantenvereins auf führten! Ist eine größere Anmaßung denkbar? Zoltoles. Kündigung der Flurgeschäfte. Die zweite Abtheilung des Polizei-Präfidiums zu Berlin ist augenblicklich damit de» schäfrigt, den Inhabern von sogenannten Flurgeschätten zu kündigen, d. h. den Inhabern solcher Geschäfte(Mützrn- macher, Kalbfleischhändler, Obsthändler, Frtschbierverkäufer u. s. w. u. s. w) den ferneren Betrieb ihres Gewerbes aus seuerpolizetlichen Gründen zu untersagen. Die qu. Verfügung, welche den betreffenden Händlern zugestellt wird, hat folgenden Wortlaut:„Kgl. Polizei- Präfidium, Abth. S. Berlin, den.... 18f 6 Ew. Wohlgeboren wird hiermit eröffnet, daß kühnen die fernere Benutzung des Hausflurs auf dem Grund- stück(Jnvalidenstraße Nr. 130) zu gewerblichen Zwecken aus seuerpolizeilichen Gründen nicht gestattet werden kann. Sie werden hiermit angerviesen, bis zum 1. April sämmtliche zu Ihrem Gewerbebetriebe gehörigen Gegenstände zu enttemen, widrigenfalls die Räumung im Zwangsverfahren auf Ihre Kosten ersolgen müßte. An den Herrn H. Wohlgeboren Kier." Eine Anzahl der durch diese Verfügung hart betroffenen das Polizei-O -Präfidium behufs den Rechtsweg zu Handelsleute ist gewillt, gegen das Polizei Zurücknahme der ergangenen Anordnung beschreibe u � Ktrchenwahle« bemerkt der„Eo. Gem.-B." unter Anderem: Der Uedermuth der lutherischen Hierarchie, welche auf der letzten ordentlichen Ii. Generalsynove fich für die gesammte Landeskirche die Herrschaft befestigt hat, wird nachgerade unerträgilch. Scheute fich doch nicht das polltische Organ der Konfesstonellen, die„Kreuzztg.", es als den größten Nothstand in der Kirche Berlins zu bezeichnen, daß Vre Geist- eines unglückseligen Duells wegen; hör' ich nun das Wort und vergegenwärtige ich mir seine Bedeutung, da bebt jede Fiber in meinem Inner»; wehe, wehe! über Alle, die in sorglosem Uebermurhe, nicht an die schweren Folgen denkend, die Todeswaffe in die Hand nehmen und in einem Moment Hoffnung, Freude und Glück auf ewig vernichten, dreimal wehe über Alle, die solchem Unwesen nicht steuern!"— Die erregte Frau hatte fich vom Stuhle erhoben und streckte ihre zitternde Händen zum Himmel. „O, meine gute Frau Sommer, was Hab' ich gethan", klagte fich Klärche» an, blaß vor Schreck,„wie konnte ich ahnen, daß meine Erzählung Sie so in Aufregung versetzen würde, wie weh thut eS mir, wußte ich doch gar nicht, daß Ihr Sohn"— und kanm hörbar drangen die Worte von de« Lippen—„im Duell gefallen." „Heut find'« zehn Zahre", flüsterte die Frau vor fich hin;.zehn Zahre, daß man mir mein Glück gemordet. O wie frisch, wie lebensfroh, wie glückoertrauend zog er zur Uviverfirät;„warte nur Mütterchen", gelobte er,„Deine Opfer sollen Dir Alle vergolren werden; Du sollst noch Freuden an Deinem Wolf erleben"„Hüte Dich, mein Kind, vor schlechter Gesellschaft", flehte ich ihn an,„setze nie Deine Ehre, Deine Gesundheit, Dein Leben unnütz auf's Spiel", so bat ich ihn händeringend,—„denke daran, daß Du mein Ein«, mein Alle« bist",— und hier, mein Klär- cht«,— sehe« Sie,— da« sind seine Briefe von der Uni- versität; tausendmal Hab' ich sie gelesen, diese Kennzeiche» seiner edlen Sinnes, seine« edlen Streben«,.... hier sein Wunsch, in eine Verbindung einzutteten,.... mein Ab- mahnen dagegen, seine Ueberredungsknnst,.... und da .... da der letzte Brief..... eines Tages der ent- setzliche Brief!„Muiter, ich kann nicht ander«, es muß der Ehre Genüge gescheben, man hat mich gefordert, ich kann nicht zurück, unsere Gesetze gebiete« eS, theure Mutter, nichts Unehrenhafte« hat fich Dein Wolf zu Schulden kommen lassen, mir wird die Wrffe in die Hand gedrückt, Mutter verzeihe mir, ich liebe Dich bis in den Tod."„Da lesen Sie, Klärchev; doch nein, Sie könne» nicht, verwischt von Thränen sind die Buchstaben, aber hier im H-rzen sind fie eingebrannt; als ich den Brief in Händen hielt,— da war er schon nicht mehr, da hatten dm Kanzeln das Wort ____„ ng denkbar? In dm 32 Parochien der Hauptstadt find es vielleicht 5, welche von frei- finnigen Geistlichen ausschließlich bedient werdm, und von den 80 Geistlichen Berlins stnd es höchstens 20, also kaum der vierte Theil, welche als liberal gelten können; alle übrigen Kanzeln der preußischm Landeskirche find von Vertretern der Orthodoxie, oder doch wenigstmS von solchen Geistlichen besetzt, welche dem herrschenden System keinen Widerstand zu leisten im Stande stnd; und dabei redet die„Krcuzzeitung' noch von einem Nothstande der Kirche, der durch die freistnniaen Geistlichen hervorgerufen wird! Wie würde dieser Hochmuth noch gestet- Scrt werden, wmn nun auch noch die bisher liberalen Körper- haften Berlins ihre Geistlichm im Stiche ließm und die Berliner Stadtsynode in die Hände der Etöcker'schen Partei gelangte! Durch die Ungiltigkeitserklärungen der Wahlen von vier Gemeinden ist wmigstms die Möglichkett aegeben, daß bei den Nachwahlen in der Johanneskirche(Moabit), der Georgengemeinde, der Sophtcnlirche und der Johannes Evan- gelistgcmeinde die Freifinnigen das Versäumte nachholen und durch zahlreichere Betheiliauna an dem Wahlakt die konservativen Gegner schlagen. Werter aber ist bei den bevorstehm- den Wahlen der Gemeindekörperschaften zu dm Kreissynoden, welche etwa im Monat März stattfinden, nöihig, daß die Ge- meindeorgane Mann für Mann auf dem Posten find und nicht nur zuverlässigen, freifinnigen Kandidaten, sondern vor allen solchen Vertretern ihre Stimme geben, welche fich ausdrücklich verpflichten, an den Sitzungen der KreiSsynodm, welche mcistms im Sommer stattfinden, theilzunehmen. Es hängt, wie die Verhättnisse liegen, wahrscheinlich die Entscheidung an wenigen Stimmen, und da darf es unmöglich dem reinen Zufall über- lassen bleiben, ob die Beschlüffe der Siadtsynode nach dem Sinne der Orthodoxie und des Konststorialsystems oder des Freistnns ausfallen. Mögen die Wähler der Verantwortlich- keit ihrer Wahl fich bewußt bleiben! ar. Heiteres auS der Städtekanalisatio«. In seinem „Archiv für rationelle Städte-Entwässerung" hat der Kapitän Liemur kürzlich einen interessanten Weg eingeschlagen, um das von ihm erfundene Doppelsystem über die Schwemm-Kanalisa- tion triumphiren zu lassen. Er hüllt nämlich den Streit in die Form des Sitzungsprotokolls einer Stadtverordneten- Kommisfion, worin er einen„Schwemm-Jngenieur" und einen „Sanitätsrath", fich selbst aber, unterstützt von einem„Stadt- rath Richter", als Vertheidiger des Liemur-Verfahrens vor einer Anzahl anonymer Stadtverordneten unter dem Vorfitze eines Oberbürgermeisters in einer ungenannten Stadt auf- treten läßt. Natürlich schlägt er die Gegner glänzend aus dem Felde, so daß die Kommisfion einstimmig der Stadtverordneten- Versammlung die Einführung des Liernur- Systems enipfiehlt. Die Versammlung aber lehnt schließlich doch den Antrag ab, weil der„Vertrag mit dem Abfuhr-Untemehmer" noch vier Jahre dauert. Das Protokoll liest fich recht heiter; noch lustiger aber ist, daß ein Berichterstatter dasselbe für ein wirk- liches amtliches Schriftstück gehalten und in seiner Phantafie dahin ergänzt hat, daß fich'die Geschichte in der Berliner Stadtverordnetenversammlung zugetragen habe. Daraus ist dann ein längerer Artikel geworden, worin der nur vom Ab- fuhr-Untemehmer verkümmerte Erfolg Liemur's in Berlin sensationell besprochen wird. Selbst große Blätter, wie die „Kölnische Zeitung", welche kürzlich noch über die beschlossene Ausdehnung der Äerliner Schwemmkanalisaiion berichteten, sind auf den interessanten Artikel„reingefallen". So hat Liernur wenigstens einen Erfolgzu verzeichnen! Unter der Uebersch ift„Wtntergewitter", schreibt der Hamburger Meteorologe der„Voss. Zig.", d. d. 5. Januar: „In den Festtagen am Jahreswechsel hatte fich die Witterung recht ungünstig gestaltet, indem ein Dcpresfions gebiet im Nord- west fich entwickelte, welches bis heute die Witterung beherrscht hat. Zunächst war am 31. Dezember eine gegen Süden fich erstreckende Depresston in der Nordsee erfchienen, begleitet von lebhaftem Schneefall. Ein schneller Vorübergang dieser De- presfion würde die Witterung nichr wesentlich beeinflußt haben, aber statt dessen vertiefte fich das Gebiet schwachen Luftdruckes erheblich, ohne starke fortschreitende Bewegung zuhaben. Tag« lich erschienen im Rücken der älteren Depresfionszmtren neue tiefe Minima und daher wuchs der westliche Wind zum Sturme an, wobei die Temperatur in Hamburg 8 Grad Wärme erreichte.— Nach schweren Regenfällen vollzieht fick seit dem Abend des 4. Januar der Uebkraana zu kälterem Wetter. Am Dienstag, 11'/« Uhr Vormittags hatte Hamburg ein Gewitter mit 3 heftigen Schlägen bei Schnee und Hagel und stürmt- schem Westnordwest-Winde. Dieser Böe ging eine Cirrus- schicht vorauf, welche auS weichen, völlig verwaschenen oberen Wolken bestand. Nur mit Mühe konnte in dem weißlichen Schleier der streifige Charalter der CirruSwolke erkannt werden. DaS Barometer rst in diesen Tagen hier 24 Millim. gefallen und das Zentrum de« niedrigen Druckes verlegt fich in südöstlicher Richtung von Skandinavien nach der süd- lichen Ostsee. Da im Rücken der Depresston Frostwetter herrscht, wird mit der Verlegung deS Wirdelzentrums südwärts fie mir meinen Wolf schon hingemordet, und eine namenlo« unglückliche Mutter war mehr auf der Welt." Ein lauti« Schluchze» und ein heftiger Hustenanfall unterbrach die erregte Frau; Klara war mit liebevoller Sorgfalt um die Leibende beschäftigt, sie trocknete die feuchte Stirn, brachte ihr eine Erfrischung und wollte sie bewege», fich zur Ruhe zu begeben. „Nein, nein, mein theure« Kind, e« geht schon vor- über", bat die Kranke,„lassen Sie meinem armen, gepreßte» Herzen diese Erleichterung, und gerade heute, gerade heute. ...... Daß ich ihn noch einmal sehen wollte", fuhr fie nach einem Weilchen fort,„daß ich sein geliebte« Antlitz noch mit meinen Küssen bedecken wollte, wer konnte mich schelte»? ich wartete keine Nachricht mehr ab, und fuhr in einer Stunde zur Universitätsstadt,— hin zur Wohnung meines Wolf. Da erfuhr ich, daß er berett««ach der Universität gebracht und dort aufgebahrt sei, daß am heutige« Tage noch die Ueberführuag zum Bahnhof, nach seiner Hei- math stattfinde« sollte." „Mir klang Alle« wie dumpfe« Geräusch in'» Ohr; zur Universität hörte ich nur, und dorthin lenkte ich meine Schritte. Schaare» von Menschen strömte« dem gleiche« Züle zu, Einer ftagte den Andern, wa« e« denn Außer- gewöhnliche« gäbe;— der Student, der im Duell er- schössen, wird ja beerdigt, hieß e« da,— einziger Sohn, arme Wittwe, hieß e« dort,— armer Zunge, sagten die Einen,— arme Mutter, die Andern. Und„arme Mutter, arme Mutter", so tönte e« in meinem Znner», und mein Herz pulsirte»ach dem Takte: arme Mutter, arme Mutter .... Da stand ich nun endlich vor dem gewaltigen Ge- bäude, das de« Rest meine« Glücke« bergen sollte, ich drängte mich verzweifelnd durch.... zu den Pforte«____ ich wollte ja mein Kind seh»;— da stand schon der Wagen mit den sech» schwarz verhängten Pferden, und gerade als ich ankam, da trugen sie den Sarg herau«, mit Kränzen und Blumen und Palme» überdeckt, da folgte» auch die Studenten mit ihren Bannern, seine Verbindung, diese unglückselige Verbindung dicht hinter dem Sarge, ..... da, o Himmel, ertönte Musik, der Zug setzte sich in Bewegung, o Gott, diese Musik, diese einförmige aurb über unsere Gegendrn stch der Frost ausbreiten, welcher in Schottland schon begonnen hat. Die sehr unruhige Witte- rung der letzten Tage ist durch den scharfen Temperatur- Gegensatz zwischen der bei uns warmen Witterung und der em Norden Skandinaviens aufgetretenen äußerst strengen Kälte, welche 32 Grad Celstus erreichte, hervorgebracht worden.— Und von hier wird dem genannten Blatt zu den oben gemeldeten Ge- wittererscheinungen weiter geschrieben:„Die in dem Witter ungS- berichte der Eeewarte zu Hamburg vom 5. Januar am genannten Tage Vormittags 11'/« Uhr beobachtete, dort sogar von Gewittererscheinungen begleitete heftige Graupelböe erreichte Berlin gegen 2'/, Uhr Mittags, also nach etwas über drei Stunden, binnen welcher fie den zirka 35 Meilen betragende« Luftweg zwischen beiden Orten zurückgelegt hat. Der fie be« gleitende heftige Sturmwind hat daher eine Geschwindigkeit von mehr als 11 Meilen in der Stunde gehabt, mithin die« jentge, welche der„Jagdzug" der Berlin Lehrter Bahn in nwxirno erreicht. Die Boe verfolgte die auch in Hamburg be- obachtete Richtung von Nordwest nach Südost, nach ihrem Vorüberaang drehte der Wird nach West zurück. Der dies« walige Winter scheint es von Zeit zu Zeit zu lieben, daran zu erinnern, daß er den warmen Aequatorialsttöwen die Herrschaft nicht dauernd überlassen will. Hoffen wir dieS im Interesse der Schlittschuhläufer, sowie der Eiskonsumenten, welche bei Fortdauer der warmen Witterung leicht genöthigt sein könnten, Eis aus den Polargegenden fich kommen lassen zu müssen." Heinrich Ouistorp von Westend hat hier noch andere Geschäfte besorgt als die Scheidung von seiner Frau. De» Leuten, die bei seinen Unternehmungen verunglückt find, hat er, wie die Charlottenburger„N- Z." mittheilt, angezeigt, daß er fie durch sein Geschäft in Paraguay entschädigen werde. Jeder möge ihm angeben, wie viel er in Westend an Kapital und Zinsen eingebüßt habe; er werde ihm den Betrag in Bonus zertifikates der South American- Central- Land- and Credit- Association in London ersetzen. Das Papier trägt sogar, wie Herr Ouistorp verfichert, seit diesem Jahre Zinsen und Dividende, Herr Ouistorp verschenkt es so zu sagen; er verlangt nur von jedem seiner Gläubiger einen baaren„Unkosten- beitrag" von 20 M. Ob er wohl Liebhader finden wird? In Au«führung de« Gesetzes vom 14. Mai 1879, betreffend den Verkehr mit Nahrungs- und Genußmitteln, wur- den im Laufe des Monats Dezember v. I. in Berlin polizeilich im Ganzen 322 Proben von Nahrungs-:c. Mitteln von Ge- werbetreibenden entnommen und zur chemischen Untersuchung gebracht.— Im Einzelnen wurden entnommen 37 Butter, 12 Blockzucker, 14 Kakaopulver, 16 Chokolade, 23 Mehl, 22 Gries, 5 Eiernudeln, 6 Brod, 6 gestoßener Ingwer, 1 Safran, 24 gestoßener Pfeffer. 6 Kasfia. 9 Piment, 9 Maisblüthe. 15 Thee, 6 Zichorien, 10 Milch, 9 Wein, 18 Himbeer, 11 Selterswasser, 20 Spielwaaren und 33 Konditorwaaren- Proben.— 22 Petroleumproben kamen zur Untersuchung, von welchen keine zu beanstanden war. w. Der Wege» eine«„Sittlichkettsverbrechens" fest- genommene Mufiklehrer Sch., welcher fich an einer alten Apfel« finen Händlerin vergriffen haben soll, ist auS der Haft wieder entlassen worden. Die Untersuchung nimmt jedoch ihren Fortgang, und der Beschuldigte bat bereits eine Ladung zur ver« antwortlichen Vernehmung erhalten, Durch den vorgestern Nachmittag plötzlich einge- tretenen Sturm wurde ein auf dem Vorgarten- Terrain de« Grundstücks Badstraße 35 aufgestelltes Frrmaschild in der Weise umgeworfen, daß der eine etwas morsche Holzpfahl dicht über dem Ervboden umbrach und. das Schild fich demnächst vom stehen gebliebenen Pfahle loslöste und auf den Bürger- steig fiel. Ein gerade vorübergehender Gärtner wurde von dem herabstürzenden Schilde zur Erde geworfen und vo« Passanten unter dem Schilde hervorgezogen. Derselbe hat«; schwere innere Verletzungen erlitten und wurde in das Üaiarui- Krankenhaus gebracht,' 1 Berliner Asylverein für Obdachlose. Im verfloffenen Monat Dezember nächtigten im Männerasyl 9182 Personen» davon badeten 1845 Personen, im Frauenasyl 1787 Personen, davon badeten 129 Personen. Der Verein hat einen Arbeits- Nachweis eingerichtet und btttet dringend, von Vakanzen jeder Art, männliche Arbeiter betreffend, dem Hausvater deS Männer- asyls, Büschingstraße 4, weibliche Arbeiter betreffend, der Haus« mutier de« Frauenasyl«. Mstlierstraße 5, Kenntniß zu geben, damtt eine Zusendung der qualifizirren Personen unverzüglich erfolgen kann. Polizet.»eri«t. Am 5. d. M. Vormittags wurde ein Mann rm Friedrichshain erhängt vorgefunden. Die Leiche! wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit machte der erst einige Stunden vorher nach Verbüßung' einer dreimonatlichen Gefänanißsttafe aus dem Hilfsgefängnig m Rummelsburg entlassene Arbeiter Hein den Versuch, seine Ehefrau rn ihrer Wohnung in der Pallisadenstraße 56 zu erwürgen und brachte ihr so schwere Verletzungen am Halse und Bißwunden rm Gesicht bei, daß fie nach dem Krankenhause rm Fnednchshain gebracht werden mußte. Als Hilfe herbei- Todtenmusik. Tag und Nacht hörte ich seitdem diese Klänge, ... Nachts, wenn ich kaum eingeschlafen war, fuhr ich auf und hörte da« monotone Tam, Tam,.... und noch jetzt kann ich'« nicht zum Schweige« bringe«, dieses grauen- hafte Todtevlied. Und dreimal zogen sie mit dem geliebte« Todren um die Universität, dreimal kam mir der Sarg vorbei, daß ich ihn hätte mit Händen berühren können, der Sarg, der mein Glück, meine« Liebling barg, da stand'« geschrieben mit goldenen Lettern: Wolfgaug Sommer, geboren am achte» Zuli,.... ja geboren unter Schmerzen, und erzogen unter Schmerzen, und von ruchloser Hand geraubt, gemordet, im Uebermuth gemordet...... Und immer unabsehbarer ward der Zug; Studenten, die ihm die letzte Ehre gaben,... Ehre, welch jammervolle« Wort! ..... und immer ferner tönte da« Tam, Tam; doch im Herzen, da pochte ei immer lauter: arme Mutter, arme Mutter,---- aber keine Thräne konnte ich weinen, ich blieb auch bei Sinnen und keine Ohnmacht erbarmte sich meiner, ... wie betäubt folgte ich dem Zuge bi« zum Bahnhof, da wartete ich bi« zur Nacht, und dann fuhr ich mit meinem Wolf in die Heimith; dort wußte Niemand wo ich ge- blieben; da begruben wir dann den armen Zunge«, und heute sind'« grade zehn Zahre, daß ich eine einsame, unselige Frau geworden..... Dann nach Monden kam er, der Unglückselige, der mir mein Kind getödtet, und wollt« Ver- gebung erflehen, aber ich konnte ihn nicht sehen, ihn nicht sprechen; ich wollte nicht seinen Namen wissen, ich weiß ihn«och heute nicht,---- ich wollte nicht einer ander» Mutter Kind verwünschen. Er meinte, nicht eher Ruhe z» habe», bi« er mir zu Füße« gelegen;... ich könnt' nicht, ich könnt'« nicht; meine» armen Wolf bekam ich doch nicht wieder: Tödtet, mordet nur immer weiter, reißt da» einzig« Kind vom Herzen der Mutter— die Ehre erfordert'» i* die jämmerliche, die armselige Ehre;— wohl sind schos Stimme» genug erschallt, um die Barbarei des Zweikampfes auszurotten, aber wie viele Muttsrherze» werden noch brechen, ehe die» Gaukelspiel von der Welt verschwindet, ehe dein Morden Einhalt geschieht." Erschöpft war die furchtbar aufgeregte Frau zusammen� gesunken, wieder kam ein entsetzlicher Hustenanfall, und ei» Blutstrom drang aus ihrem Munde,— erschreckt fuhr#&*« kam, ergriff Hein die Flucht, begab fich in ein Schankgeschäft und überfiel auch hier die Ehefrau des.-Inhabers, welche ihm den Aufenthalt im Lokal untersagte, in derselben Weise, ver- folgte sie bis ins Wohnzimmer und suchte sie dort zu erdrosseln. Hier gelang es, den Hein zu verhaften und zum Polizei- Gewahrsam zu bringen. Er gab dort an, die beiden Mord- versuche in finnloser Trunkenheit verübt zu haben.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein im Porgarten des Hauses Badstr. 35 in einer Höhe von 3 Metern an zwei Pfählen be- festigtes, 5 Meter langes und'A Meter breites Holzschild plötzlich vom Sturm losgerissen und auf den Bürgersteig geschleudert. Der gerade vorübergehende Gärtner Schwendler wurde von dem Schilde getroffen und zur Erde gedrückt und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er mittelst Droschke nach dem Lazams-Krankenhause gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit machte ein unbekannter, etwa 55 Jahre alter, anscheinend dem Arbeiterstande angehörender Mann in der Schanze auf dem Tempelhofer Felde einen Selbstmordversuch, indem er fich «ine tiefe Stichwunde in das linke Ellenbogengelenk beibrachte. Er wurde durch vorübergehende Personen nach der Wache des 31. Polizeireviers und, nachdem ihm hier ein Nothverband an- gelegt worden war, nach der Charitee gebracht.— Am 5. d M. fanden zwei unbedeutende Feuer statt, und zwar: Stromstraße Nr. 38, wo ein kleiner Theil des Dachstuhls zerstört wurde und Weinmeisterstraße Nr. 14, wo eine im Seitenflügel zwei Treppen hoch belegene Kautschuck-Stempelfabril theilwerse aus- brannte. Beide Brände wurden durch die Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht. Oerichts-Zeitowg. Mit einer ungewöhnlich harten Strafe waren im Oktober v. I. der Privatsekretär Anton Gustav Hermann Struck und dessen Eheftau Therese Charlotte vom hiestgen Schöffengericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung mittels «ineS gefährlichen Werkzeug? delegt worden, indem Jeder von ihnen zu einer dreimonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt wurde. Die Angeklagten hatten im Jahre 1884 von der städtischen Waisenoerwaltung den am 24. Februar 1877 geborenen Rudolph Benckendorff in Pflege genommen und dafür die üblichen Verpflegungsgelder von 12 Mark monatlich erhalten. Der kleine Rudolph hatte fich bei den Nachbarsleuten öfter darüber beschwert, daß er von seinen Pflegeeltern gemißhandelt werde, und diese hatten nichts Besseres zu thun, als ohne nähere Prüfung der einschlägigen Veihältnisse dem Knaben Vorschub zu leisten und dahin zu wirken, daß den Angeklagten das Pflegekind entzogen und dieselben außerdem unter die obige Anklage gestellt wurden. Da die Angeklagten die Abstcht geäußert hatten, fich noch um eine Pflegetochter zu bewerben, nahm der Gerichtshof an, daß dieselben aus der Verpflegung von Waisenlindem ein Gewerbe machen und schenkte den Be- kundungen deS Knaben vollen Glauben, wonach er mehrmals von dem Ehemann mit einem starken Rohrstock und von der Frau mit einem Holzpantoffel arg geschlagen worden sei. In der auf die eingelegte Berufung stattgehabten neuen Verhand« lung stellte fich heraus, daß die kinderlosen nicht unvermögenden Angeklagten den Knaben und auch noch ein Madchen aus dem Waisendause haben adoptiren wollen, und daß die Bekundungen des Rudolph B. bedeutend übertrieben waren. Die fünfte Strafkammer hiestgen Landgerichts l sprach daher unter Auf- Hebung des ersten Urtheils beide Angeklagte frei. Die Frage nach der RechtSgiltigkeit deS Verbots des Beritner Polizei-Prästdiums vom 26. November 1878, betreffend die Einsammlung von Beiträgin zu sozialdemokratischen Zwecken, gelangte gcstem zur Prüfung der dlitten Strafkammer hiestgen Landgerichts i und wurde in verneinendem Sinne «ntschieden. Der Angeklagte, Arbeiter Joseph Johann Schmitz, wurde am 4. September pr. dabei betroffen, als er in einem Schanklokale unter Vorlegung einer Sammelliste zur Erzielung von Wahlen streng freistnniger Stadtverordneter einige Ar- deiter zur Gewährung von Beiträgen für die sozialdemokratische Partei aufforderte. Die Sammellisten, auS denen fich die Ein- sammlung eines Bettages von 3 M. 10 Pf. ergab, wurde in Beschlag genommen, ebenso ein Betrag van 1 M. 50 Pf., welche der Angeklagte bei sich hatte. Bezüglich des Restes erklärte derselbe dem Polizeibeamten, daß er diesen für fich verwendet babe. Er wurde deshalb wegen wiederholten Vergehens gegen§ 16 des Sozialistengesetze?, sowie wegen Unterschlagung der 1 Mark 60 Pf. unter Anklage gestellt. Im Termine erklärte der An- geklagte, daß die Eammelgelver sich damals in seiner Woh- nung befunden haben, und stellte unter Beweis, daß er die- selben am 9. September pr. richtig abgeliefert hat. Dem folizeibeamten habe er die unrichttge Angabe nur zu dem wecke gemacht, um die Beschlagnahme des zu Hause befind- lichen Geldes zu verhüten. Die Richtigkeit wird durch die Aussage des darüber vernommenen Zeugen bestätigt. Staats- anwalt Thielemann beanttagte nur wegen des verbotenen Ein- sammelnS von Beiträgen eine Gefängnißstrafe von einer Woche. Die Geldstrafe sei um deshalb auszuschließen, weil diese von der Partei aufgebracht werde. Der Vcrtheidiger Rechts« auf, rief die alte Dienerin zur Hilfe und eilte dann blitz- schnell hinüber in die elterliche Wohnung. „Eilen Sie zu Doktor Waldau," rief sie dem Mädchen zu,„bitten Sie meinen Verlobten, schnellstens herüber zu kommen." Minuten vergingen in qualvollem Warten, dann hörte sie feinen Schritt auf der Treppe; eilig lief sie ihm ent- gegen:„Komm Geliebter", bat sie innig,„eine schwer Lei- dende bedarf Deiner", und rasch zog sie den Ueberraschten mit sich fort;„Du weißt doch die liebe alte Dame, die hier im Hwtei hause wohnt, und mir mit so geschickter Hand bei meinen Toiletten hilft; sie war heut so aufgeregt, und sprach hustete entsetzlich, endlich ein Blutsturz, Du wirst ja selbst sehn." Schon standen Beide im bescheidene« Gemach; die Kranke lag still athmend, bleich wie der Tod im Bett, in das die sorgsame Dienerin sie gebracht, schnell überflog der Arzt die Sltuatioa— näher trat er an das Bett der Lei- dende«, faßte ihre bleiche Hand prüfend und horchte auf den Athem. Dann ließ er sich nieder, um eine lindernde Medizin zu verschreibe«. „Also so aufgeregt war die Aermste," befragte er beim Schreiben sein Klärchen, das leise weinte. „O ich trage mit die Schuld daran," jammerte diese, «rch erzählte ihr von der heftigen Szene, die heut bei uns gestnelt, von Deinem Eisern gegen die Studentenverbin� düngen und das Duell; das verstärkte ihre traurigen Er- rnnerungen, denn denk nur heut vor zehn Jahren hat man ehren einzigen, herrliche« Sohn im Duell erschossen,— o »e«« Du da, Herzeleid mit angesehen hättest!" „Heut vor zehn Jahren," sagte der junge Doktor, und seine St,mme bebte w,e im Fieber,- das Rezept war gerade fertig geschiieben, es fehlte nur der Name der Pa- tientin—„wie..... wie heißt denn Deine liebe, alte Dame," fragte er mühsam. „Frau Sommer," antwortete Klärchen. „Allmächtiger Gott!" rang eS fich von den Lippen des lungen Arztes,„sie ist'S— die unglückliche Mutter meines armen Wolf." ...2a, ja, Wolf, Wolfgang, so nannte sie den Sohn rief Klara—„o Gott im Himmel, wär's möglich, entsetz- anwalt Freudentbal beantragte Verlesung des Ver- bois deS Polizei-Prästdiums, um dessen Rechtsungiltig- keit und Nichtanwendung auf dm vorliegenden Fall nach- zuweisen. Die qu. Polizei Verfügung lautet:„Das Einsammeln von Beiträgen zur Unterstützung von Vereinen, Instituten und von Privatpersonen, welche durch die Ausführung dieses Ge- setzes betroffen find oder in Zukunft betroffen werden, sowie das öffentliche Auffordern zur Einsammlung derartiger Bei- träge wird hiermit auf Grund des§ 16 des Sozialistengesetzes verboten." Rechtsanwalt Freudenthal fühtte an der Hand des Erkenntnisses des Reichsgerichts vom 14. Juli 1880 aus, daß die Verbote fich strikte an dm§ 16 des Sozialistengesetzes anzuschließen haben und fich nur auf bestimmt bezeichnete Vereine»c. beziehen dürfen. Das in Rede stehende Verbot entspricht aber dem Gesetze nicht, würde aber auch sonst auf den vorliegenden Fall gar nicht anwendbar sein. Er beantrage daher Freisprechung seines Klienten. Das Urtheil des Gerichts- Hofs lautete diesem Antrage und diesen Ausführungen entsprechend._ Derewe«nd Versammlungen. hr. Die Versammlung des Arbeiter» Vezirksvereins für den Osten Berlins, die am Dienstag, wohl 800 Theil- nehmer zählend, Andreasstt. 21 tagte, wurde vom Vorfitzenden mit der Mittheilung eröffnet, daß ein hervorragender Vor- kämpser, der fÄhere Reichstagsabgeordnete Hofbaurath Demmler, der Arbeiterpartei durch den Tod enttissen sei. Die Versam- weiten ehrten das Andenken des Dahingeschiedenen durch Er- heben von den Sitzen. Weiter theilte der Vorfitzende mit, daß sür den durch Unpäßlichkeit am Erscheinen verhinderten Herrn Reichstagsabgeordneten Singer Herr Stadtverordneter Görcki eintteten und einen Vortrag über die politische Situation halten werde. Darauf wurde der erste Gegenstand der Tages- Ordnung;„Fortsetzung der Berathung über das vom Vorstand ausgearbeitete neue Vereinsstatut" schnell er- ledigt. Die§§ 9 bis 17 wurden alle ohne Debatte unverändert angenommen. Die Abstimmung über daS ganze Statut wurde auf die nächste Sitzung vertagt. Herr Stadtv. Görcki widmete dem dahingeschiedenm Parteigenossen Demmler einen warmen Nachruf und legte dann, nachdem er darauf hingewiesen, daß die Reaktion es schon wieder wage, Front gegen das allgemeine gleiche, dirette und geheime Wahlrecht zu machen, die Bedeutung dieses Wahlrechts für die Volks- freiheit dar. Im Gegensatze zu dem D'eiklassenwahlsystem, welchem die Anficht zu Grunde liege, daß für die Befähigung, am politischen Leben fich bethetligen zu können, das Maß des Be- fitzcs entscheidend sei, beruhe das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht auf dem Grundsätze, daß im Staats- und Gefellfchastsleben die Vernunfterkenntniß den Ausschlag gicbt, die in den Menschen von dem Maße des äußerlichen Besitzes, den fie haben, nicht abhängig ist. Die Einsicht, daß die Rück. ficht auf daS Gcfammtwohl der Staatsgesellschaft eine Besserung der Lage der arbeitenden Vollsklaffen gebiete, sei in diesen schon in höherem Maße vorhanden, als in den in Bezug auf Befitz bester fituirten Volks- klaffen. Der Vortragende wies schließlich darauf hin, daß die Arbeiterpartei nicht bloß die Aufgabe habe, das allgemeine gleiche, dirette und geheime Wahlrecht gegen alle An- griffe zu oertheidigen, sondern auch die Pflicht, energisch da- für einzutreten, daß dasselbe noch verbessert und mit den nöthigen Garantien gegen jede Verkümmerung versehen werde. Eine eingebrachte Resolution gab Veranlassung dazu, daß die Ausführungen des Referenten von den Herren Voigt, Gutt- mann, Dr. Lütgenau, Christensen unter Anderem in ein- gehender Weise illustrirt und vervollständigt wurden. Die Resolution, die einstimmig angenommen wurde, lautete folgendermaßen:„Die Versammlung erklärt fich auf das Entschiedenste gegen die Verlängerung der Legislaturperioden, wie gegen jede Verkümmerung des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts über- Haupt. Sie fordert vielmehr die Ausdehnung desselben auf alle gesetzgebenden Körperschaften in Staat und Gemeinde und eine Erweiterung desselben insofem, als fie daffelde für Jeden verlangt, der das 21. Lebensjahr zurückgelegt hat. Ferner fordert fie die Verlegung des Wahltages auf einen Sonntag oder Feiertag, die Bestrafung jeder Wahlbecinfluffung von Seiten des Ärbeitgebtts auf den Arbeitnehmer, die Gewährung von Diäten an die Abgeordneten und zweijährige Legislatur- Perioden Außerdem verlangt fie eine Sicherung der geheimen Wahl in der Weise, daß die Stimmzettel für alle Parteien aus der ReichSdruckerei geliefert und in einem ebenfalls von der ReichSdruckerei gelieferten Kouvert abgegeben werden, und endlich stellt fie die Forderung auf, daß der Bundesrath nicht mehr daS Recht haben soll, irgend eine gesetz- gebende Körperschaft aufzulösen." Darauf kam eine vom Vor- stände verfaßte Petition an den Magistrat, betreffend die Er- richtung eineS Gewerbeschiedsgerichts, zur Verlesung. Die Petition wurde einstimmig gutgeheißen. Debatten in Bezug auf zwei Unterstützungsgcsuche führten zu dem Beschluß, es dem Vorstande licher Gedanke... jetzt begreif ich Alles... Du... Ernst! Du, mein armer, lieber Ernst!" Sein Kopf lehnte an ihrer tteuen Brust, in fliegender Hast ging sein Athem und heiße Thränen entströmten sei- ne» Augen.„Zehn lange Jahre," flüsterte er,« könnte ich'S sühnen, mein Lieb; o wie nagt es seitdem an meinem Herzen, das junge Blut, in Jugendübermuth, unter dem Eindruck eines falschen Ehrgefühls vergossen; wie klagt es mich an seit diesen langen Jahren— Menschenrecht, Völkerrecht studirten wir gemeinsam,— da trat eine elende Rechtsfrage streitbringend zwischen u«S auf,— die älteren Genossen entschieden, die Waffen wurden u»S in die Hand gedrängt, und er fiel, der arme, gute Wolf; weg warf ich die Bücher, weg wollte ich das Leben werfen; da in langer, einsamer Haft kamen mir des Lebens Wahrheiten zum Bewußtsein;— hatte ich im jugendlichen Uebermuth tiefe Wunden geschlagen, so sollte mein ganzes, übriges Leben darauf gerichtet fein, Wunden zu heilen— so ward ich Arzt, so weih' ich mein Lebe» dem herrlichen Beruf, so eifere ich wo ich nur kann, gegen den entsetzliche« Zwei kämpf, da ich eS erfahren, welches tiefe Leid damit unter die Menschen kommt." Leise regte sich die Kranke, schnell sprang der junge Arzt auf und eilte an das Bett; er ließ sich leise auf ei» Knie nieder, prüfte den Puls und drückte einen innige« Kuß auf die abgezehrte Hand; die Lippen der Leidenden bewegten sich leise, eine einförmige, traurige Melodie ward erkennbar, Klärchen nickte wehmüthig mit dem Kopfe;— sie verstand eS nur zu gut dieses Tam, Tam aus dem Munde der Kranken. „Wird sie dem Leben erhalte« bleiben, Ernst?"„Ich hoffe es, Geliebte; wa« unsere Wissenschaft, was aufopfernde Pflege vermag, daS soll ihr werden; dann soll die einsame alte Frau«och Freuden von ihrem Lebensabend haben,— nicht wahr, mein Lieb?" Doktor Waldau und fein Klärchen gingen nicht auf den Studentenball, sondern saßen, leise plaudernd am Bett der alten Dame, die ihnen dankerfüllt zulächelte.— Heinrich hatte am Morgen des Balle» eine ernste Unterredung mit seinem Vater und soll am Abend einen sehr wehmüthigen Chapea« d'honneur abgegeben haben. zu überlassen, nach sorgfältigen Recherchen zu entscheiden, ob und wie weit den Gesuchen Genüge geleistet werden solle. Die Vereinigung deutscher Stellmachbr(Mitgliedschaft Berlin) hielt ihre erste diesjährige Versammlung am Sonn- abend, den 2. Januar, in Gratweils Bierhallen, Kommandanten- straßc 77/79, ab, mit der Tagesordnung:„Vortrag des Herrn Metzner. Verschiedenes. Fragekasten. Der Referent legte die Schäden und Mißstände des Handwerks klar und hob die Vor- theile der heutigen Gewerkschafts- Vereinigungen hervor. Die Unzufriedenheit, welche fich mitunter bei den Arbeitern geltend mache, sei nicht aus Uebermuth, sondem aus den drückenden Verhältnissen entstanden. Roth und Elend seien die Trieb» feder, welche oft den Arbeiter bis zur Verzweiflung treiben. Der Maschinenbetrieb sei mit Schuld an der heutigen wirthschastlichen Misere. Da es nur dem in besseren Ver- Hältnissen lebenden Arbeitgeber möglich sei, fich der Maschine zu bedienen, so sei es dem weniger gut Situirten unmöglich, fich in einen mit dauerndem Erfolg geführten Konkurenzkampf einzulassen. Und nicht der Handwerker selbst sei es, der fich der Maschinen bedienen könne, sondem Leute, welche selbst nie ein Handwerk erlemt haben. Die Innungen, welche'iüher zum Schutze der Interessen der Handwerker weit» gehende Maßnahmen treffen mußten, seien eS, welche fich jetzt auf gleiche Stufe mit ihrem Gegner zu stellen suchen und dm Bestrebungm der Arbeiter- Vereinigungen entgegen arbeitm. Der heutige Fabrikant laffe den handwerklich gebildetm Arbeiter außer Bettacht; erhole fich Arbeiter von der Landstraße und mache fie mit dem Mechanismus der Maschine verttaut. Die Fachoereine habm die Gefährlichkeit dieses Beginnens er# kannt, und Schtttte gethan, dasselbe in gewissen Grmzm zu halten. Es sei deshalb Pflicht eines jeden Arbeiters, diesm Vereinigungen beizutreten. Redner kam nunmehr auch auf die Streiks zu sprechen. Es sei durchaus unstatthaft, ja sogar ge» fährlich, eine Vereinigung zum Zwecke eines Streiks zu gründen, derselbe sei ein zweischneidiges Schwert, das denjentgen, der es schwingt, oft schwerer trifft, als den, gegen welchm es ge» schwungen wird. Es sei deshalb Ebrenpflicht eines jeden Ar# beiters, fich diesen gewerkschastlichm Vereinigungen anzuschließen, und sein Schee fletn beizutragen, damit, wenn ein Streik alS äußerstes Kampfesmittel angewendet werde, derselbe auch Erfolg habe. An der hierauffolgendm DiSkusfion betheiligtm fich hervorragend die Herren Wachaus, Singert, Graack und Andere. Im Schlußwort gab der Referent ein Bild über die Charalterzüge des Handwerkers. Es sei als ein Fort» schritt zu verzeichnen, daß der Arbeiter fich gut kleide. Aber es sei zu bedauern, daß der gute Rock deS Arbeiters oft mit einem leeren Magen erkauft werden müsse. Habe fich doch der Abgeordnete Baumbach nicht gescheut, zu einem Arbeiter-Abge- ordneten zu sagen,„Ihm(dem Arbeiter) scheine das Arbeiten wrnig geschadet zu haben, denn er sei gut genährt." Bei„Ver- schiedcnes" wurde eine an die Vereinigung gerichteter Brief von den Münchener Kollegen verlesen, in welchem zum Abon- nement auf den mit Illustrationen versehenen, kürzlich erschienenen„Pariser Tarif" aufgefordert wiro. Die Versamm- lung beschloß nach lebaster Debatte, damit biS zur Ver- öffentlichung des von der Lohn-Kommisfion auSge- arbeiteten„Berliner Tarifs" zu warten und diesen Beschluß den Münchener Kollegen mitzutheilen. Es wurde hierauf folgender Antrag eingebracht:„Die Orts- Verwaltung Berlin beantragt:„Die Versammlung wolle dm Bevollmachttgtm beaustragen, daS kgl. Polizeiprästdium in Kenntnlß zu setzen, daß die Vereinigung der deutschen Stell» macher(Mitgliedschaft Berlin) vom 30. d. MtS. ab ihre Mit- gliederversammlung alle 14 Tage und zwar Sonnabend Abends um 9 Uhr in Gratwell's Bierballen abhält. Der Antrag wurde angenommm. Der Wiener Maskenball der Vereinigung findet am Sonnabend, den 13. Februar, in Bötzow' Brauerei vor dem Prenzlauer Thore statt. Karten hierzu find bei den Ko- miteemitgliedern im Vereinslokal, ferner bei Lehmann, Frieden# straße 106 und bei Hammel, Lindenstr. 16, sowie in ollen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. hk». Eine öffentliche Versammlung der Graveure. Ziseleure und verwandten Berufsaenoffen, welche am 4. b. Mts., Abends, der Sahm, Annenstr. 16, stattfand, um in Sachen der zu gründmden Reise, und Arbettslosen-Unter» psaae standes nicht genügende Anzahl der erschienenen Theilnehmer veranlaßt, die fraglichen Beratbungen zu vertagen. Es wurde beschloffen, auf Freitag, den 8. d. M-, Abends, in dasselbe Lokal abermals eine öffentliche Versammlung zum Zweck end» giltiger Beschlußfassung einzuberufen und alle Kollegen dring- lich aufzufordern, fich recht zahlreich einfindm und der Sache die verdiente Beachtung schenken zu wollen. Der vom königl. Polizeiprafidium auf das ihm eingereichte Statut erlassene Bescheid geht, wie in der Versammlung mitgetheilt wurde, dahin, daß dasselbe vorerst die amtliche Genehmigung nicht erhallm kann, weil es dem detreffenden Normal# ftatut nicht entspricht; eine derartige Kasse unter# liege für Berlin der Genehmigung des Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg und es müsse daher zu diesem Zwecke erst ein Sachverständigen Gutachten beigebracht werden, ob die Kasse lebensfähig oder nicht. Die DiSkusfion darüber, waS zu geschehen habe, wird fich, wie es hieß, zunächst und Haupt# sächlrch darum zu drehen haben, ob nach Lage der Sache über# Haupt jenen Anforderungen der Behörde Genüge geschehen Knne und waS, unter Umständen, mit den bereits gesammellm Gelbem zu geschehen habe. Im Falle der Nichtgenehmigung einer selbststandigen Kasse würde, nach dem Dafürhalten meh- rerer Redner in der Versammlung, an die„Freie Vereinigung der Graveure, Ziseleure nnd verwandten Berufsgcnossen" die Aufgabe herantreten, eine anderweitige Regelung der Unter- stützungsfrage zu versuchm. Der Kachverei« der Tischler hielt am Montag, den i Januar eine außerordentliche General-Vrrsammlung Neue Grünstt. 28 ab. Bevor zur Erledigung der Tagesordnung- »Berrcht der Fachkommisston über ihre bisherige Thätigkett" geschritten wurde, verlas der Vorfitzende. Herr Tutzauer, ein Antwortschreiben des königlichen PolizeivrästdiumS auf eine vom Vorstande des Vereins an dasselbe gerichtete Beschwerde wegen Auflösung der letzten Vereinsoersammlung vom 21. De» »ember 1885. In diesem Antwortschreiben erkannte das Polizei# prafidium an, daß kein Grund zur Auflösung der betreffenden Versammlung vorgelegen habe und sei der Beamte, welch« die Auflösung vollzogen hat, rektifizirt worden. Herr Furchtbar erstattete sodann Bericht über die Thätigkett der Fachkommisston(„zur Regelung der Werkstellenverhaltnisse"). Nach diesem Bericht hat die Kommission die krankhaften Schäden des GewerkS diskutirt und zu untersuchen gesucht, wie dieselben am besten zu beseitigen seien. Die Kommission war zu dem Resultat gekommen, daß erst nach Fesistellung einer Lohn- und ArbeltSstattstik mit Erfolg an die Aufbesserung der Arbeits# Verhältnisse im Tischlerhandwerk gegangen werden könne, und hatte behufs statistischer Erhebungen einen Fragebogen auS# gearbeitet. Derselbe wurde von der Versammlung einer gründlichen Durchberathuna unterzogen. Die Versammlung beschloß, die Fragebogen baldmöglichst drucken und in den hieflgen Tischlei werkstellen zükuliren zu lassen, jedoch soll vorher an den gesunden Sinn und die Einstcht der Berliner Tischler ovpellirt und dieselben aufaefordert werden, diese statistische Aufnahme, welche im Interesse der gesammten Tischler geschieht, kräftig zu unterstützen.— Die neu errichteten Zahlstellen werden im Süd- Osten bei Stramm, Skalitzerstraße 18, durch Herrn Schulz- im Süd- Westen bei Hilscher, Belle- Allianceplatz 6, durch Herrn Rieger verwaltet werden. An diesen Zahlftellm werden jeden Eonnabend von 8'/,— 10 Uhr Beiträge entgegengenommen, sowie neue Mitglieder aufgenommen. Die Versammlung der»laeeehavdschuhmacher, welche am Ä cm log, den 4. Januar, Nachmittag«, im„Union sum", Brunnenstr. 29, tagte, mit der Tagesordnung:„Stellung. nähme in der Lohnfrage", war dadurch herooraerufen, daß «ine Anzahl hiestger tzandschuhfahrttanten sich nicht entblödete, den Lohntarif, welchen dieselben am 1. November 1885 be« willigt hatten, wieder illusorisch zu machen. Wahrscheinlich waren die Fabrikanten in dem Glauben, daß die Arbeiter vor den Feiertagen, von allen Mitteln entblößt, leicht durch Hunger gezwungen werden könnten, auf ihren neu aufgestellten Lohn« .......-'*"' jnadeundUn- ......_|.....'Lohn schon vor Jahren von vielen Fabrikanten gezahlt wurde, waS jeder vernünftig denkende Fabrikant zugeben wird. Die ge« plante Lohnreduktion wurde aber nur von einigen„kleinen" Fabrikanten in Szene gesetzt, welche gewöhnlich nur 1 bis 2 Gehilfen beschäftigen, von diesen aber möglichst so viel ver- dienen möchten, um selbst nicht mehr arbeiten zu dürfen, und es oft als eine Frechheit bezeichnen, wenn der Arbeiter An- spruch auf ein menschenwürdiges Dasein erhebt. Trotzdem manche dieser Herren, die nur hinter verschlossenen Thülen gegen die Arbeiter verhandeln, tbeilweise selbst sowett find, um in Kurzem wieder als Arbeiter arbetten zu müffm, scheinen fie fich dessen nicht bewußt zu sein. Die stark besuchte Versammlung der Gehilfen zeigte dieselbe Einigkeit und taktvolle Haltung, wie während der letzten Lohnbewegung, und war gewillt, voll und ganz einzustehen für den am 1. November 1885 aufgestellten Lohntarif. ES wurde eine Re- solution dahingehend angenommen, daß fich Jeder auf Ehren- wart verpflichtet, nicht unter dem Tarife zu arbetten und dort, wo der Tarif nicht bezahlt wird, die Arbeit niederzulegen. In der Versammlung wurde konstatirt, daß nachbenannte Firmen nicht nach dem Tarif bezahlen: Gißo, Pionier straße; Ahlemann, Friedrichstraße; Dercksen, Alexanderstraße: Lasch u. Sohn, Wallstr.: Rimer, Bischofstr.; Schuster, Kl. Frankfurterstr.; Haderkorn, Karlstr.; Bollmann, Rosen thalerstr. und Samter, Brunnenstr. Es wurde eine auS 7 Mann bestehende Lohn- kommisfion gewählt, welche ein ständiges Bureau, Invaliden- straße 16 der Liebrecht, errichtet und von Morgens 8 bis 6 Uhr AbendS tagen wird. Diese Lohnkommisston richtet daher an alle Gewerkschaften die dringende Bitte, fie in diesem Kampfe nach Kräften zu unterstützen. Freiwillige Beiträge wolle man an Herrn Paulsen, Jnvalidenstraße 16 bei Lrebrecht, abliefern. Schlmnige Hilfe ist nothwendig. tb. Die Arbeiterinnenbewegung wurde in diesem Jahre durch eine am 5. d. M. in der„Urania" abgehaltene Mäntelnäherinnmversammlung eröffnet. Frau Rosa Rüge leitete dieselbe mit einem kurzen Referat ein, in dem fie die Berficherung abgab, daß der aufgenommene Lohnkampf im neuen Jabre mit ungcschwächten Kräften werde fortgeführt werden. Die Haltlostgkett und Zersplitterung der Arbeitskräfte sei zum Theil beseitigt und gefestigt worden. Wenn es auch nie gelingen werde, alle Aläntelnäherlnnen in dem Verein zu vereinigen, so würde dieser doch immer der Stütz» und Mittelpunkt der ganzen Bewegung sein. Auch sei eS gelungen, Klarheit in die Bewegung zu bringen; durch den Lohntarif hätten die Mantelnäherinnen gezeigt, waS fie wollm. Sie ermahnte, fich möglichst zahlreich dem Verein anzuschließen. Räch Verlesung und Ausgabe der Statuten und Verausgabung der Mitgliedskarten wurden viele neue Mitglieder aufge- nommen. Als nachträgliches Weihnachtsgeschenk übergab Frau Büge unter dem Jubel der Versammlung das langersehnte „schwarze Buch" der Oeffentlichkeit mit dem Bemerken, daß dasselbe in allen öffentlichen wie Vereinspersammlungen zur gefälligen Benutzung ausliegen werde, sowohl für Arbeiterinnen, welche betr. schlechter Behandlung, unpünttticher oder unztt» reichender Bezahlung k. ihrer Arbeitgeber resp. Ardett- geberinnen, als auch für Arb-itgeder, welche über Geschäfte Klage zu führen haben. Die Beschwerden find unter An« gäbe von Name und Wohnung des Beschwerdeführers in das„lchwarze Buch" einzutragen. Auf Anfrage der Frau Pölling, seit wann die Innung der Damen- mäntelschneider fich bereit erklärt habe, mtt den Arbeiterinnen Hand in Hand zu gehen, da die Innung sich s. Z. ihr gegenüber durchaus ablehnend verhalten habe, erwiderte Frau Büge, daß die Innung vor etwa 14 Tagen die Erklärung abgegeben habe, daß fie den„Verein der Mäntel- Näherinnen" mit allen Kräften unterstützen werde, so lange der- selbe den Charakter eines FachvereinS beibehalten und nicht den Charakter eines allgememen Ardeiterinnenvereins annehmen werde. Sollten fich die Versprechungen als illusorisch erweisen, so würde fie die letzte sein, welche die jetzt eingeschlagene Bahn weiter verfolgen werde. Die Statuten deS Vereins haben nunmehr die behördliche Genebmigung erhalten und wird Segen Ende des Monats die konstituirenve Generalversammlung attfinden. bis. Kitte gloriose Geselleuausschußwahl der Schuh- tnacher»Jtttt«ng. Die Schuhmacher-Innung hatte vor ein paar Tagen eine öffentliche Gesellenversammlung zur Vornahme der Wahl des Gesellenausschusses nach Niest's Salon in der Kommandantenstraße einberufen und damit den ungeheueren Erfolg erzielt, daß fich im Ganzen 33 Gesellen hierzu einge- funden haben. Von diesen betheiligtan fich jedoch nur ins- gesammt 12 Mann an dem Wahlakte. Die höchste Stimmen- zahl, welche für eines der gewählten fünf Ausschußmitglieder abgegeben wurde, bezifferte fich auf sieben! So kommen Jnnungsausschüsse zu Stande. Frankfurt a. M., 4. Januar. Die auf Sonntag, den 3 Januar, in den„Saalbau" berufene allgemeine Wähler- Versammlung, in der die Reichstagsabgeordneten Bebel und Sabor sprechen sollten, ist auf Grund des§ 9 des Sozialisten» gesetzes von der Polizeibehörde verboten worden. Verein zur Vertretung der Interessen der Ar- beiterinnen. Donnerstag, den 7. Januar, Abends 8 Uhr: Gmeralversammlung in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten- straße 77/79, oberer Saal. Tagesordnung: 1. Vierteljahres- Bericht. 2. Abrechnung. 3. Wahl des gesammten Vorstandes. 4. Fragekasten: Verschieden««. Mitgliedskarte legitimirt. Gäste haben keinen Zutritt. Aachverein der Rohrleger. Sonntag, den 10. Januar, Vormittags 10'/: Uhr, im Lokale von Wolf u. Krüger, Skalitzer- straße 124. Näheres wird noch durch Inserat im„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht. Fachverei« der Tischler. Sonnabend, den 9. Januar, Abends 8Vi Uhr, Versammlung in Säger's Lokal, Grüner Weg 29. TagesordnuM: 1. Vortrag des Hrn. Dr.Lütgenau: Wie ist eine gesunde Wohnung beschaffen? 2. Was gedenken wir in Zukunft in Betreff der Bezirksversammlungen zu thun? 3. Diskusfion. Verschiedenes. Fragekasten. Gäste find will- kommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreiches Erscheinen nothwendrg. Femer werden die Mitglieder, welche noch Billets vom Werhnachts- Vergnügen haben, ersucht, die- selben in der Versammlung abzugeben. Allgemeine Buchdruckerversammlnng Sonntag, dm 10. Januar, Vormittags präc. 10 Vi Ubr, itn Konzerthause, t/ciozigerstraße Nr. 48. Tagesordnung: Bericht des Gehilfen- Mitgliedes der Tarif Reoifions Kommisfion über den Stand der Tarifbewegung und Beschlußfassung über den Antrag auf Abänderung des jetzt geltenden Tarifs. Uermischtes. Das Unwesen der Lokale mtt weiblicher Bedte«««t hat fich ron Deutschland noch Jtelim verpflanzt, und in Neapel ist aus naheliegenden Gründen die Polizei beretts de gegen eingeschritten. In Rom nun find a: einem der letzte» Abende um Mitternacht, nach Schluß de: Lokale die Kellner p: einem Meeting im Teatro Umberto— dieses befindet fich, bei« läufig bemerkt, am Grabmal des Augustus— zusammen ge> treten, um gegen die aus der weiblichen Bedienung ihnen ent stehend« Konkurrenz, und die mit derselben verbundme Unsitt- lichkeit in einer Maffenpetition an die Polizei zu protestire» und diese zu veranlassen, den Wirthen daS Halten von„ke nenne"— denn die„kelnerina" ist der neueste in die italieil sche Sprache eingedrungene Germanismus— zu verbiet« Ein Meeting der Ganrmeed« von Mailand drückte den ob Grade deS Kaisers AugustuS zu einer allerdings öffentlich« Verschwörung gegen die„kelnerme" nächtlicher Weile v-r sammelten römischen Berufsgenoffen ihre begeisterte Zustia mung auS. Ein seltenes Jnbtläum feierte am 1. d M. die„Augt burger Postzeitung". An diesem Tage waren seit ihrer Grün dung zweihundert Jahre verflossen. Die anläßlich dessen auS gegebene Festnummer enthält auf der ersten Seite daS FarflmÜ einer Kolumne des BlatteS vom 11. März 1707, der ältesta Nummer, welche heute noch erreichbar war. Hm Johain Georg Fußenecker hat in gelungener Weise einen Abriß de Geschichte deS Blattes gegeben. In demselben macht er d höchst wahrscheinlich, daß die„Postzeiiung" eigentlich älter i> als zweihundert Jahre, und bis in die erste Hälfte des fiebei» zehnten Jahrhunderts zurückreichen dürfte. Von 1807 bis jetz hatte dos Blatt sieben Verleger, vierundstebzig Jahre erschiv es im Verlage von I. A. Moy, iscit 1858 gehöre es Her« Dr. M. Huttler. Die„Postzettung" ist daS älteste katholW Blatt Deutschlands. Kleine Mittheilungen. LandSberg a. W., 4. Januar. Die hiesige Bäckerin hatte eines ihrer Mitglieder in Strafe genommen, weil es vi der festgesetzten Broilaxe abgewichen war. Der Bäcker hi« die Innung nicht sür befugt, gegen ihn eine Strafe festzusetzen und weigerte fich, dieselbe zu zahlen. Die Streitsache gelang« zunächst an den Magistrat, dann an die königliche Regierunl und zuletzt an den Bezirksausschuß. Letzlerer hat die Alojjl der Innung abgewiesen, indem er hervorhebt, daß die Fest setzung einer Ordnungsstrafe seitens der Innung erst dann et folgen könne, wenn eine bezügliche Bestimmung Aufnahme i> ein besonderes Nebenstatut gefunden habe; ein einfacher B« schluß der Innung sei zur Festsetzung einer Ordnungsstca« nicht ausreichend. Stuttgart, 4. Januar. Ueber ein Eisenbahn Unglück Geislingen(Explofion des Dampfkessels der Schiebmaschii» meldet man dem„Schw. M." folgendes: Führer Wagt wurde etwa 200 Meter weit gegen Geislingen hinabgeschleud und dort in einem Garten todt aufgefundm. Heizer Finge. wurde links an die Mauer geworfen und so verletzt, daß« heute früh starb. Wagenwärter Schmid wurde ebenfalls v« letzt. Der Kessel wU'-de gänzlich von den Rädern getreu« und liegt in umgekehrter Richtung auf der Bahnlinie. T> explodirte Schiebmaschine befand fich am Ende des Güt« zugeS, der fich in der Richtung Gcielingen-Amstetten zu* wegen hatte. Theater. Donnerstag, den 7. Januar. Opernhaus. Der reir-n�e Student. Hierauf: Der Kurmärler und die Piiarde. Schauspielhaus. Waldemar. Deutsche« Theater. Des MeereS und der Liebe Wellen. Restdenz-Theater Clara Soleil. Vorher: Die Echulreiterin. Friedrich- Wtlhelmstädtische« Theater. Die Fledermaus. «alhalla- Operetten- Theater. Mamsell Angot. Frau Direttor Striese. Theater. Lucinde vom Der Stabs Trompeter. Theater. Der Trow Wallner-Theater. Belle'- Alltance< Theater. Teutral-Theater. LoutsenftädttscheS badour. Viktoria-Theater. Meffalina. Ostend- theater Theodora. «SuigstädtischeS Theater. Die Marionetten des Teufels. American- Theater. Große Spezialitäten» Vorstellung. Theater der Retchshallen Große Speziali- täten- Vorstellung. Kaufmaun'S Variete. Große Spezialitäten. Vorstellung. Koukordia. Große Spezialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 16. Heute und folgende Tage: Ferdinand Avelli, der Leichenräuber Melodrama in 3 Akten von Ch. Birch- Pfeiffer. Vor der Vorstellung: Gr. Äonzert der Hauskapelle. Anfang deS Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang d«S Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7V: Uhr. Öons haben Wochentags Gtltigkeit und sind im Tbraeerdurrau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Passage 1 Treppe. 9 IL Morg. bl! 10 U. Ad. Kaiser-Panorama. Eine bequ me Wanderung durch _______ merila. Kalifornien. Der ond. WcthnachtS Ausstellung: D a s L e b e n Jesu. Jerusalem jc. Eine Reise 20 Pf, Kinder nur 10 Pf. Abonnements 1 M. Zur Einrahmung aller Arte« KUder empfehle ich mich meinen wenhen Vereins- und Bezirks-Genoffen. Karl Schultz, pücklerstr. 51, H. n. Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten zc. Seifenpulver!&.. Anerkannt beste» und billigstes Wasch- und Reinigungsmittel, macht die Wäsche blendend meist» enthält keine derselben schädliche Krstaudtheitr, erspart viel Zeit und Arbeit. 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