Nr. G. Freitag, de« 8. Januar 1886. III Jahrg. erlmiHMlÄ Drgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksülatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Wonnementspreis für Berlin frei tn's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustnrter Beilage 10 Pfg. (En ingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) nsertionsgebühr betragt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. � t..i_ ca ti.Äj.- Inserate werden bis 4 Uhr von allen Annoncen- angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Zur Krrilkenlizsbkwrzmz. Die jüngst stattgehabte Volkszählung hat zu dem heute »icht mehr lefonbets überraschenden Ergebniß geführt, daß so ziemlich alle größeren und mittleren Städte Deutschlands in einem rapiden Anwachsen begriffe« sind. Na- mentlich da, wo Handel und Verkehr, Industrie und Maffen- produktton domiairen, zeigt sich eine große Vermehrung der ortianwesenden Bevölkerung. Berlin geht ia dies« Be- ziehung verhältnißmäßig fast allen größ«en Städten voran; außerdem hat sich herausgestellt, daß sich die Zahl derjeni- gea Städte in Deutschland, die mehr als 100 000 Einwohner zählen, im Zeittaum eines Vierteljahrhunderts bedeu- tend vermehrt hat. Man sieht, wie die Bevölkerung nicht nur au sich durch V«mehruog der Kopfzahl wächst— wo- her ängstliche Seelen ihre Theorie von der„drohenden Uebervölkerung" ableite»— sondern auch sich an einzelnen Ortcn durch dai Erw«bSint«cffe herbeigezogen, in großen Maffen zusammendrängt. Diese Eatwickelung wird auch keineswegs so bald stille stehen; sie bedeutet die Signatur d« anderen Bevölkerungsbewegung in Deutschland. Diese Erscheinung ist für ko»s«oative Gcmüther sehr unangenehm. Man weiß, daß den Junkern, Agrari«n und ibrer Gefolgschaft die großen Städte als solche v«haßt find. Man betrachtet sie als Brennpunkte, von denen neue Ge- danken ausgestrahlt werden und die Konservativen könne« keine neuen Gedanken brauchen. Wo man so sehr für das Alte und deffen Erhaltung um jeden Preis eingenommen ist, da kann man natürlich dai rauschende und wogende Treibe« d« große« Städte nicht brauche«. Die konservative Staatsidee, vollständig durchgeführt, ist überhaupt nur denkbar in einem Lande, daß zu drei Vinteln von Acf.rbauerrt, zu einem Viertel ge- »verbetreibend« Bürger in kleinen Städten bewohnt ist. Große Städte habe» da keinen Raum. D« Ack«bau« be» pellt sein Feld, bezahlt seine Abgabe», stellt seine Söhne zum Militär und rn polstischen Dingen läßt« de« Herrn Landrath od« de» Herr» Rittergutsbesitz«— wofern nicht beides in ein« Person»«einigt ist— nach Belieben schalten und walten. Die hohen Herren müsse» das Alle« ja beff« wissen. Z« den Städtchen de« Lande« ab« bekomme» die zünftigen Handwerk« Alles, wa» zur Lebensweisheit ge- hört, von den geheimen RegierungSräthen und allenfalls »och von den Geistlichen mitgetheilr, wonach sie sich zu richte» haben. Die wenigen Arbeit« sind in den frommen Jünglings- und Gesellenvereinen ganz vortrefflich aufgehoben «ud so vor sozialistisch« Ansteckung aefich«t. So müßte die Grundlage beschaffen sei«, die im Stande wäre, das Gebäude eine« konservativen Staate«, wie ihn sich die Junk« träume», zu trage«. Ab« diese Grundlage IeuM�ton» Die Hand der Nemeft». Roma» T1I von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Sie habe» auch dem Gefangenen keine Nachrichte» «ehr �bracht?* »Wann brachte» Sie ihm die letzte?" „Am Tage vor d« Visitation, an demselben Tage, a» welchem er zuletzt im V«hör gewesen ist. Nach diesem V«hör '"'e er mir, er werde reden, wen» Herr Rabe ihm nicht den eren Beweis liefere, daß« nicht verurtheilt werde« önne, auß« diesem Beweise»«lange er sofortige Ueb«- fendung d« ihm v«sprochenen Photographie. Er sagte mir ferner, daß« in eine Flucht nicht einwilligen werde, auch dann«icht, wen» d« fich«e Erfolg diese« Versuche« ihm aarantirt würde,« fühle sich schuldlos und wolle in sein« Heimath bleiben." „Sie habe» da» Alle» Herr« Rabe nntgetheilt?" „An demselben Tage!" l?al antwortete er darauf?" .„Er gab mir eine» Brief mit d« Photographie und bestand darauf, daß ich die Flucht«möglichen solle." _"Haben Sie dem Gefangene» nntgetheilt, daß Sie de» «nefwechsel nicht mehr venmtteln würden?" „Jawohl." „Wie nahm« diese Nachricht auf?" „Er«widerte mir,« wolle»och einige Tage warte«, vn nächsten V«hör w«de« wiffen, wa«« zu thu« habe." .. t"Haben Sie«och etwa« hinzuzufügen?" fragt« Sieg- Nted»ach ein« kurzen Pause. „Nein, Herr Affeffor." ...„Es ist gut, Sie sollen wegen dies« Pflichw«letzung nicht verfolgt werden, aber laffen Sie sich die gemachten Erfahrungen zur Lehre dienen und widerstehen Sie d« ist heute undenkbar, ein Ding d« puren Unmöglichkeit, wie die Stahl, die Kleist- Retzow, die Pastor Knaack und Genoffen schon so oft»«zweifelnd eingestanden haben. Daß ab« dem so ist, das hat niemand and«eS zu Stande gebracht, als die Menschenansammlung in den großen Städten. Da geht denn die polittsche„Einfalt vom Lande", welche die Junker so vorttefflich brauchen können, unter in dem stürmischm Treiben der Großstadt. Wir gehöre» nicht zu denen, die das beklagen. Die Lösung d« Stadt- und Landfrage ge« hört freilich d« Zukunft an. Sie wird aber erst dann möglich sein, wenn die Erkenntniß sich Bahn ge- krochen haben wird, daß Stadt und Laad keine Gegen- sjä tz e, sondern zwei auf sich durch ihre Jntereffen gegenseitig angewiesene Faktoren d« Gesellschaft sind. Heute hat e« die Parteiverhetzung dahin gebracht, daß Stadt und Land sich vielfach feindlich gegenüberstehe»; die Zukunft wird eine Verschmelzung d« Jnt«eff«n beider bringen und d« allmächtige Hebel des Fortschritte«, die Entwicklung d« Verkehrsmittel, wird dazu ein mächtig Theil beitrage«. Da« Muckerthum gefällt sich darin, die wirthschaftliche« und„sittlichen" Zustände d« große« Städte mit den grellsten und abschreckendsten Farbe» zu malen und die„ländliche Un- schuld" dem„großstädttschen Laster" gegenüber zu stelle«. Nun, e< mag arme und schwache Seelen geben, die sich dadurchberücken lassen. Die« b«uht aber auf einer Täuschung. Wo viele Menschen zusammen sind, fällt auch täglich eme bestimmte Summe von V«gehen resp. Verbrecben vor, die in ihr« Summe abschreckender«scheinen, al« die wegen der dünnen Bevölkerung mehr vereinzelt erscheinenden Fälle auf dem Lande. Ja Wahrheit sind aber die sittlichen Zustände in Stadt und Land ganz diesel- be«, weil sre au« denselben wirthschaft- lichen Mißständen entspringen. E« handelt sich sonach aar nicht darum, nachzuweisen, wo mehr Tugend und Unschuld vorhanden ist, sondern darum, die wrrth- schaftlichen Mißstände in Stadt und Land gleich- mäßig zu bekämpfen. Gelingt es, sie abzustellen od« auch nur zu mildern, so werden die„sittlichen" Zu- stände sich augenblicklich beff«n. Die Resultate der vative« darüb« beleh „Idealen" nicht möglich ist. Ob sie'« begreife» oder nicht, bleibt sich dabei ganz gleichailtig; Herr von Kleist-Retzow und jjHerr von Koller halten die Bevölkerun gtbewegung nicht auf.__ Politische Ueberstcht. Ein Unkenruf gegen die Ferienkolonien wird von einem Herrn Dr. Ponfick, Rechtsanwalt in Frankfurt a. M-, und Besorg- Versuchung, wenn sie noch einmal an Sie herantreten sollte, en«gisch«. Ich werde mit Ihren Vorgesetzten Rücksprache nehme», Ihre V«hältnisse sollen, so weit e« thunlich, gebessert w«den." „Ich danke Ihnen, Herr Assessor," erwid«te d« Schlie- ß«, i» dessen Augen eS freudig aufleuchtete,„ich werde mich«icht wied«»«locken lassen."— Einige Minuten spät« stand Frau Eiebel dem Unter« suchungSrichler gegenüber. Auch in ihre« Zügen spiegelte« sich An, «iß, sie schlug die Auge»«ied«, al« d, di Blii bewußt war. »Ich habe Sie al« Zeugin vorgeladen m einer An« ''"'»iß wohl«och nicht ent- d« Assessor,„Sie sind in neunzehn Jahre»»«hört worden, haben damals ab« keine wesentlichen Aussage» ge- macht." „Drohu»gen schloffen mir den Mund," sagte die Frau �„Drohungen? Das G«icht würde Sie geschützt haben! Sie haben de» Zeugeneid geschworen, Sie waren verpflichtet, die volle Wahrheit zu sagen." „Ich weiß et woh, ab«—" Geduld, wir w«de» im Laufe de« Verhör» darauf zurückkomme». Sie waren damals Wärt«i« bei d« Frau Gen«ali» von Etuckmann?" 'De? General starb in derselben Nacht, in d« seine Gattin von einem Kinde entbunden wurde." „Er starb vor d« Entbindung." „Das thut nichts zur Sacke." „Doch, Herr Assessor, es ist sehr wesentlich," erwiderte Frau Eiebel rasch.„Sie w«dea daS—" „Beantworten Sie meine Fragen I Wurde kmz»ach dem Tode de« Gev«als keine Stimme laut, die eine« Arg- wohn aussprach? Gab d« plötzliche Tod de» alte« Herr» Niemand Anlaß zu einem Vndacht?" ausgestoßen. Man höre die Gründe, welche diesem Herrn Veranlassung dam geben. Er meint:„Was können drei bis vier Wochen nachhaltig helfen? und werden da die Kinder nicht bedenklich verwöhnt, kehren unmuthig zurück in die b-engte Lage ihrer Familien und sehnen stch immer in die genossene Ferienluft zurück? Die Anderen aber, die nicht mitgenommen worden find, werden fie stch nicht in bitlerem Neide ver- zehren? Sät man so nicht bei jenen wie bei diesen den argm Samen begehrlicher und feindselig brütender Sozialdemo- kratie?" Durch die Ferienkolonien wird also nach d« Meinung dieses edlen Herren den Eostaldemokraten in die Hände gearbeitet und deshalb:„fort mit ihnen!" Der Herr Doktor mag steh beruhigen. Die Ferienkolonien fördern ficher nur in sehr geringem Maße jene T>iebe, welche in Neid, Be- gehrltchkeit und Feindseligkeit ausarten. Diese Untugenden sind vielmehr ganz natürliche Produkte unserer sozialen Ver- Hältnisse, welche dre Sozialdemokratie umzugestalten sucht. AuS denselben Gründen könnte auch daS Verlangen gestellt werden, die Schulen zu schließen und die Kinder armer Eltein ein- zusperren, weil der Umgang mit bess« genährten und ge> kleideten Kindern alle jene dösen Eigenschaften nicht minder wachzurufen vermag. Der Gedanke, den armen, kranken Ge« schöpfen, oder den bedauernswntben Kleinen, deren Eltern nicht in der Lage find, ihnen den Genuß der frischen Landluft zu verschaffen, diese winzige Wohlthat rauben zu wollen, ist ein so brutal«, daß man an dem Verstände eines Menschen, welcher ein solches Ver- langen stellt, billig zweifeln muß. Wir find auch der Meinung, daß wenige Wochen nicht zureichen, um den Kindem die nothwendtge Gesundung oder Erholung zu gewähren. Aber sollte es denn so unmöglich sein, hier Wandel zu schaffen? Gewiß nicht. Die Mittel zu Ferienkolonien in qröß«em Umfange und auf längere Zeit find reichlich vorhan- den, wenn man solche Ausgaben, welche ganz oder doch theil- weise überflüsfig find, dazu verwenden will. Bei dem stetigen WachSthum der größnen Städte wird die Errichtung und Ver« vollkommnung der Ferienkolonien zur zwingenden Nothwendig» teit und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, in welcher man dieser Frage ernstlich näh« treten muß. 120« deutsche Ouadratmeile« Land hat der bekannte Bremer Kaufmann Lüderip seiner Zeit von einem Buschmann- Häuptlinge für dre Summe von 400 M. angekau't. Nun aber machen stch Zweifel geltend, ob dem Buschmann das Land auch ,ehört habe— doch das genirt unsere Kolonialpolitiker nicht, ,ie nehmen es mit dem Ländererwerb nicht so genau. Die Stimmen und Klagen der Eingeborenen aber verhallen in der Wüste. Den schwindelhaften Kauf soll auch ein deutscher Missionär unterstützt haben, weil er dabei 200 Mark verdiente. Obige 1200 Ouadratmeilen find jetzt deutsches Schueland und werden von Herreros bewohnt, die gar nicht erbaut über die Manipulationen ihrer Schutzherren sind. Somtt machen wir weder im Osten, noch im Westen Südafrika's besonders gute Erfahrungen mit unseren„Kolonien". Ranonalulk. In dem sächsischen Städtchen Anna- de r g wird viel Bier aus der Böhmischen Brauerei.�ibotschan" getrunken. Diese Brauerei hat nun ihre Empfehlungiplakate „Nein." .D« Doktor Wieland wurde zur Leiche gerufen, er kam bann wied« zurück, um der Generalin beizustehen,— «in««« Sie sich nicht, daß« eine Bemerkung fallen ließ?" „Er hat un« Allen streng««boten, eine Silbe üb« diesen Todesfall zu äußern, die Generalin durste davon nicht« erfahren, ihr Lebe« war ohnedies gefährdet." „Haben Sie auch nicht gehört, daß der Doktor mit Herrn Rabe üb« den Todessall sprach?" „Ich hörte nur, daß d« Doktor achselzuckend sagte, die furchtbare Auftegung habe den alte« Herrn getödtet, man hätte ihn»icht allein lasse« dürfen." „Und al« d« Doktor da« Schloß verließ, hatte« keinen Wortwechsel mit Herrn Rabe gehabt?" Die ehemalige Wärterin ließ den unstäte» Blick, wie Hilfe suchend, durch das Zimmer schweifen. „Einen sehr heftigen Wortwechsel," erwiderte sie zög«nd,.ab«« bettaf etwas Andere«, al« den Tod de» Ge««als." „Er bettaf jenes Ereigniß, welches seitdem al« ein un- durchdriaglicheS Geheimmß üb« d« Familie von Stuck« mann schwebt," sagte Siegfried mtt gehoben« Summe. „Sie kennen dieses Geheimniß, Sie, Rabe und Halm, ich frage Sie, wollen Sie es mir enthüllen?" „Ich kann e« nur dann, wen» mir Straflosigkett zuge- sichert wttd," antwortete die Frau, auf den Stuhl nieder- sinkend, den der Aktuar, dem Wmk Siegstieds folgend, ihr hingeschoben hatte. „Et liegt nicht in mein« Macht, diese Zusich«ung zu geben." „Auch dann nicht, wenn ich durch TodeSdrohungea bis heute gezwungen wurde, zu schweigen?" „Können Sie heute reden, weshalb sollte» Sie e« nicht auch früh« gekonnt haben?" „Heute besitzt jener Man» nicht mehr die Macht, seine Drohungen auszuführen!" „Dieser Macht wäre« auch früher durch Ihr Gepänd- «ih b«aubt worden. Seine Verhaftung hätte Sie vor ihm gesichert." in deutscher und czcchischer Sprache herstellen lasten, und so prangte auch ein solcher Zettel in Annobera in einer Wirth' schaft. Sofort erscholl der Ruf unserer viederen nationalen „Sächser": herunter mit dem«echtschm Zettel!" Der v er. olüffte Wirih nahm das harmlose Plalat natürlich fort— und die„Nationalen" saufen daS czechitche Bier weiter.— Wir nehmen selbst edend Partei für die Deutschen in Böhmen gegen flamschm Uebermuth, aber die Deutschen sollen sich auch nicht national- albern gegen die Czechen benehmen. In Betreff de» Sozialistengesetze» wird offiziös ge schrieben, die Regierung hoffe, daß vas Geletz über die weitere Fortdauer de« Ausnahmezustandes gegen die Sozialdemokratie mit einer Majorität von etwa zwanzig Stimmen im Reich»- tage zur Annahme gelangen werde. Man geht dabei von der Auffaffurg auS, daß ein großer Theil der Zmtrumifraltion auch diesmal dafür vottren werde. Die„Zeitschrift für Spiritusindustrie" nimmt trotz deS Dementr's der„Berl. Pol. Nachr." für fich daS Recht in Ansvruch, daS einzige öffentliche Organ zu fein, welches pofitive Angaben über das Regierungsprojekt gebracht hat. Die„Kreuz Ztg/' steht in dem Streit unter dm Offiziösen die Rechtfertigung ihrer Zurückhaltung und fährt dann fort:„Wir meinen, daß die Regierung Reckt gethan hätte, auch ihre wirk lich oder angeblich offiztösm Mitlbeilungen so lange zurück- m Helten, bis Authentisches in greifbarer Form zur Veröffent- iichung bereit lag. Die bisherigen Kundgebungen haben lediglich der gegnerischen Presse den bisher schmerzlich ver- mißten Stoff zu einer schwunghaften Agitation gegen die Re- gierung geliefert." Die Regierung kann eS in dieser Sache anscheinend ihren Freunden nicht recht machen. Der LandeiverrathS- Prozeß gegen den dänischen Kapitän a. D. v. Sarauw und den Journalisten Nötiger wird am!. Februar vor dem Reichsgericht beginnen. Ueder dm Kapitän Sarauw wird dm ,�amb. Nackr/' geschrieben: Sein Vater, 1775 in Kiel geboren, gestorben 1845, war zuletzt Amts. Verwalter und Altuar des früherm Amts Hülten(in Südost Schleswig) und hat fich als Schriftsteller über fchleswig- holsteinische Rechtsverhältnisse bekannt gemacht Kapitän a. D dhiistian Sarauw ist 1824 in Schleswig geboren, besuchte bi« 1844 die dortige Domsckule und bezog dann die Unioerstiät Kiel, wo er anfänglich Philologie, später Jura studirte. Bei dem Ausbruch der schleswig-holsteinischen Erhebung trat er als Freiwilliger in die Armee und avanci.te bis zum Premier- Lieutenant. 91» solcher ging er in das am 1. April 1851 errichtete holsteinische Bundeskontingent über, welckes inveß be kanntlich nur bi» zum 1. Dezember desselben Jahres bestand. Als dann die holsteinischen Bataillone mit der dänischen Armee verschmolzen wurden und die allermeisten O fiziere zurück traten, war er einer der wenigen, welche in die dänische Armee übergingen. In derselben blieb er dann 12 Jahre lang Premier-Lieutenant und wurde im Kriege gegen Deutschland 1864 Kapitän und im folgmdm Jahre Kompagniechef. Schon 1857 hatte er fich in Kopmhagm einem staatSwissensckastlicken Examen untcrzogm und war bereits während seiner Dienstzeit als Schriftsteller thätig, nach seinem Austritt auS dem Dimst hauptsächlich auf miluärischem Gebiet. Im 2. hannoverschen»teichStagSwahlkreise(Aurich) wird demnächst eine Nachwahl ftatrfinden, weil, wie schon mit- aetheilt. der bisherige Vertreter Wiffering gestorben ist. Der letztere gehört der nationallibcralen Partei an. In der ersten Wahl waren 4529 Stimmen auf den nationalliberalen» 4840 auf den deutfchfreifinnigen und 469 Stimmen auf den sozial- demokiatischen Kandidaten gefallen. In der Stichwahl erdielt der nattonalliberale Kandidat 7674, der deutschfreistnnige 7170 Stimmen. In der vergangenen Legislaturperiode war der Wahlkreis durch einen Dcutsckfreistnnigen(Ahlhorn) vertreten. Wie die„N. L. C." erfährt, wird die deutschfreistnnige Partei große Anstrengungen machen, das Mandat zurückzuerobern, und das genannte Organ ermahnt auch die Nationalliberalen des Wahlkreises, bald einen tüchtigen Kandidaten an diesem schwierigen Platze aufzustellen. VorauSfichllich wird auch die Sozialdemokratie bald in die Wahldewegung eintreten. Eine Versammlung der Wollindu�riellen hat in Leipzig stattgefunden, die von einigen hundert Interessenten aus allen Theilen Deutschlands besucht war. Tie Versammlung beschloß einstimmig, in Erwägung, daß die deutsche Landwirth- schast im Stande sei, der Wollindustrie ein Quantum von 2400000 Ztr. Wolle zu liefern, daß aber die Wollindustrie durch den Zoll in ihrer Weiterentwickelung aufgehalten, ihre Konkurrenz im Jnlande in Frage gestellt und ihre Export- fähigkeit vernichtet werden würde, gegen die Einführung des Wollzolles zu protestiren und diesbezügliche Petitionen an den Reichstag und BundeSrath zu richlen. Ein westpreutzischer Apotheker hatte wiederholt „Fiebertropfen" und andere Heilmittel gegen bi stimmte ihm vorgettapene Krankheiten im Handoerkaufe und ohne daß ihm «in ärztliches Rezept vorgelegen hätte, dem Publikum abge- lassen. Regierungsseitig ist mm„im Interesse der öffentlichen Ordnung und Gesundheitspolizei" gegen ein derartiges Vorgehen eingeschritten und dem Apotheker die Abgabe der durch „DaS mag wohl sein," sagte Frau Siebel kopfschüt« telad, aber diesem Manne standen Mittel zu Gebote, mit denen er Alles erreichen konnte. Zch wagte nicht, da« Ge« heimniß zu enthüllen—" „Weil Sie fürchteten, die Penston zu verlieren, die Rabe für Ihr Schweigen Ihnen zahlte. Wenn Sie auf- richtig sein wollen, werden Sie da« zugeben." „Zch will nicht leugnen, daß auch diese Besorgniß in die Wagschale fiel. Darf ich nicht auf Straflofigkert hoffen?" „Wie kann ich Ihnen darauf antworten so lange ich nicht weiß, an welchem Verbrechen Sie fich betheiligt haben?" „E« hat Niemand einen Verlust dadurch erlttten." „Da» können Sie vielleicht nicht beurtheilen! Ich ver« muthe, daß die Ermordung des Doktors damit in enger Verbindung steht." „Von diesem Verbrechen weiß ich gar nicht»!" „Sie sagten vorhin selbst, der Doktor babe mit Rabe einen sehr heftigen Wortwechsel gehabt. Sollte dieser Wort- Wechsel nicht Vermuthungen in Ihnen geweckt haben, als Sie von der Ermordung de» Doktors Nachricht er» hielten?" � ,, Ich leugne auch da« nicht." „Und waren Sie nicht verpflichtet, diese Vermuthungen dem derzeitigen Untersuchungsrichter miizutheilen?" „Die Furcht hielt mich ab, Herr Assessor I Die Ermordung de« Doktors war für mich eine ernste War- nung." „Die Richter werden darüber entscheiden," sagte Sieg- fried,„jedenfalls aber werden Sie durch ein offene» Ge- ständniß, wenn e« auch verspätet kommt, MilderungSgründe zur Seite haben. Ich will Zhnen nicht verhehlen, daß ich auf ein offene« Geständniß von Seiten Halm'» mit voller Zuversicht hoffen da>f, er hat e» mir für heute zugesagt. Sodann darf ich Ihnen die Erklärung geben, daß Rabe, der ebenfalls als Zeuge vorgeladen ist, dieses Zimmer nur als Gefangener wieder verlassen wird. Erfahre ich da» Ge- heimniß von einer anderen Seite, so wird Sie die ibn selbst verordneten Heilmittel bei Vermeidung von CO M. Strafe für den UebertretuvgSfall untersagt worden. Tehaltsaufbisserungen ganz-r Beamtenkategorien sollen im preußischen S aatSbaushaltSetat für da« Jahr 1886/87 vorgesehen se n. ES wird dazu folgende, nicht sehr klare Erläuterung gegeben: Selbstredend können solche Auf- beffrrungen nur insoweit in AuSstcht genommen werden, als eS mögirch ist, ohne eine Präjudiz für weitere Beamtenllaffm zu schassen, deren Verbesserung in den Rahmen der mehrfach als ein weiteres Bedürfniß anerkannten allgemeinen Gehaltsaufbesserung einzupassen. Wo aber besonvere Umstände eine deranige ausnahmsweise Behandlung rechtfertigen, ist in der wirthschaftlichen Depression und Ver auS derselben folgenden Rückwirkung für die StaatSstnanzen kein Hinderungsgrund gesehen worden, unabweisbar Na'dwendigeS durchzuführen. Nach§ 7 de» NeichSgefetzeS, betreffend d u Verkehr mit Nahrungsmitteln«., stnv die auf Grund der§§ 5 und 6 erlassrnen kaiserlichen Verorvnungen dem Reichstage, sofern er versammelt ist, sofort, andernfalls bei dessen nächstem Zu- fammentreten vorzulegen, und find dieselben außer Kraft zu setzen, soweit der Reichstag dieS verlangt. In Gemäßheit dieser Bestimmung wurde die kaiserliche Verordnung vom 1. Mai 1882, deti essend die Verwendung gifttger Farben, dem Reichs- tage im Dezember 1882 vorgelegt und, enttvrechend einem Be- schiusse deS letzteren vom 12. Februar 1883, die§§ 2 und 3 der Verordnung durch kaiserliche Verordnung vom 5. März 1883 außer Kraft gesetzt. Diese Paragraphen lauten:„§ 2. Die Auibewahrung und Verpackung von zum Verkaufe bestimmten Nahrunas- und Grnußmiltelu in Umhüllungen, welche mit g.fiiger Farbe(§ 1) gefärbt find, sowie in Gefäßen, welche unter Verwendung giftiger Farbe(§ 1) der Art hergestellt find, daß ein Urbergang deS Giflftoff-S in den Inhalt des GetäßeS stattfinden kann, ist verboten.§ 3. Die Verwendung der im § 1 bezeichneten gütigen Farben, mit Ausnahme von Zinkweiß und Chromgelb(chromsaur-S Blei) in Firniß oder Oelfarbe, zur Herstellung von Epielwaaren ist verboten." Der Reichstag hatte die Aufhebung dieser beiden Paragraphen beschlossen, weil fie den gewerblichen und allgemeinen Verhältnissen nicht entsprechen. Gleichzettig—am 12.Fedruai 1883— hatte der Reichs' tag beschloffen, behufs anderweiliger Gestaltung der in diesen Paragraphen enthaltenen Bestimmungen dem Reichskanzler die beim Reichstage eingegangenen Petirionen zur Erwägung zu überweisen, und den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß im Wege internationaler Vereinbarung diejenigen Forben bezeichnet werden, welche von den beiheiligren Staaten bei der Fabrikation von Epielwaaren nicht zugelassen werden sollen. Zur Ausführung diefeS ReichStag-besct lusse« hat, wie verlautet, die ReichSregierung, zunächst um die Anfichten der betheiligten Kreise zu erfahren, die gutackilichen Aeußeiungen der großen Fabrikanten, namentlich der Exielwaaren-Jndusiriellen, über den Gebrauch giftiger Farben eingeholt, und eS soll sofort nach Prüfung dieser Guiachten und deS sonst noch vorliegenden Materials durch Eachoerständige ein Gesetzentwurf aufgestellt, also nicht im Wege der Verordnung, vorgegangen werden, weil dieser Weg dem Interesse der Stettgleit der industriellen Entwickeluna nicht entsvr cht. U n die Interessen der Industrie und der Gesundheitspflege gleichmäßig zu berückstchtigen, dürfte ein gewisses Minimum deS Stoffes, der für schädlich erachtet wird, zugelassen werden, und die» um so mehr, als einzelne Bundesregierungen, in deren Bezirken die Epielwaarenindustrie eine große Rolle spielt, schon mit dem Entwurf der erwähnten kaiserlichen Verordnung nicht einverstanden w»ren, sondern die Zulassung gewisser Prozentsätze und gewisser Gift enthaltenden � neben wünschten. Dagegen dürfte es vorläufig zu der vonr Reichstag gewünschten internationalen Vereinbarung nicht kommen, weil die Kontrole in Deutschland schäi fer und besser organifirt ist, als in vielen anderen Ländern. Mit einzelnen auswärtigen Regieningen, z. B. der ftanzöstschen, ist die Reichs« regierung in Unterhandlung getreten. Elberfeld, 4. Januar. Ter von Herrn Langewiefche in Bannen am 1. d. M>S. wieder in» Leben gerufene„Bergifch- Märkifcher Generat-Avzeiger" ist bereits am zweiten Tage, gleichwie die„Fr. Presse" und die„Neue Bürgerztg." beschlagnahmt worden. *.* Zu den serbisch-bulgarischen Friedensverhandlungen und zur Lösung der Krifis verlautet noch immer nichts Wesent- tiches. Das Projekt, eine neue Konferenz einzuberufen, scheint endgiltig beseitigt zu sein, nachdem sich das offizielle Rußland und die gesummte russische Presse sehr entschieden dagegen er- klärt hat. Man verhehlt üch dabei nicht, daß die Konferenzen und ähnliche künstliche Mittel nicht mehr im Stande find, die Auflösung der Türkei dauemd zu verhindern und daß die Stunde einer neuen Theilung des türkischen Reiches herannahe. Diesem Verhängniß gegenüber habe auch Rußland kein Interesse daran, zu neuen Provisorien die Hand zu bieten, die bei ihrer Unbeständigkeit immer wieder den Ausgang neuer Verwicklungen bilden. 9im wenigsten zufrieden ist mit der gegenwärtigen Kon- stellation Griechenland und hat diese seine Stellung m einem an die griechischen Vertreter im Auslande gerichteten Rund- schreiben unumwunden an den Tag gelegt. Alles ist vorläufig volle Schärfe des Gesetze« treffen, bedenken Sie das wohl!" Die alte Frau blickte lange, in düsterem Sinnen ver« funken vor sich hin. „Ist die Verwechslung eines Kinde» strafbar?" fragie sie endlich, das Haupt erhebend. „Wie kommen Sie zu dieser Frage?" erwiderte Sieg- sried befremdet. „Zch bitte Sie, beantworten Sie mir dieselbe." Der Affeffor schüttelte den Kopf und öffnete ein kleines Buch, welche« vor ihm auf dem Tische lag. „Paragraph 169," las er.„Wer ein Kind unterschiebt oder vorsätzlich verwechselt, oder wer auf andere Weise den Personenstand eine» Anderen vorsätzlich verändert oder unterdrückt, wird mit Gefängniß bis zu drei Zahren und, wenn die Handlung in gewinnsüchtiger Abficht begangen wurde, mit Gefängniß dl» zu zehn Zahren be« straft. Der Versuch ist strafbar." „Und nun, wenn ich bitten darf, auch de« Paragraph über die Verjährung!" sagte Frau Siebel. „Paragraph 67. Die Strafverfolgung von Verbrechen verjährt: wenn fie mit dem Tode oder lebenslänglichem Zuchthau« bedroht find, in zwanzig Zahren: wenn fie im Höchstbeirage mit einer Freiheitsstrafe von einer längeren als zeh jährigen Dauer bedroht find, in fünfzehn Jahren; wenn sie mit einer geringeren Freiheitsstrafe bedroht find, in zehn Zahren." „Und feit jenem Verbrechen find nun neunzehn Zahre verstrichen," sagte die ehemalige Wärterin, tief aufathmcnd, „da darf ich wohl hoffen, daß gegen mich keine Verfolgung mehr einaeleitet wird." „Laflen Sie darüber da» Gericht entscheiden," erwiderte Siegfried,„seiner Entscheidung wird da« Gesetz zu Grunde gelegt." ..Wohlan, ich will darauf vertrauen. DaS Geheimniß betrifft auch Sie." „Mich? fragte der Assessor überrascht. „Zawohl, wenn auch nicht Sie persönlich, dann doch eine andere Person, die Ihnen nahe steht." „Die Frau Geueralin?" in der Schwebe und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Katastrophe, die gewaltsam zum Stillstand gebracht worden ist, mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne ihren weitere« Gang nimmt. Oesterreich-Ungar«„ Die„Deutsche Ztg." will von einem schwer wiegenden Ei folge wissen, den die klerikale Partei neuerdings errungen habe. Es verlaute nämlich, daß zwischen dem Grafen Taaff» und den klerikalen Führern eine Abmachung zu Stande ge» kommen sei, welche eine Scheidung sämmilicher Volksschulen in O-stermch in städtische und ländliche zum Inhalt hat. Di» Schulpflicht für die ländlichen Schulen solle definitiv auf sech» Jahre herabgesetzt und die Aufsicht über diese Schulen ihrer Wesenheit räch den kirchlichen(pfairamtlichen) Organen überwiesen werden. Man will rrnffen, daß die Verhandlungen von einem der beiden Prinzen Liechtenstein und dem Hoftath« Lienbacker mit Dr. v. Gautsch geführt wurden, und daß d« Entwurf der vereinbarten Gesetzesvorlage aus der Feder de» Abgeordneten Lienbacher stamme. Grohbritannie». In Dublin(Irland) fand in der vorigen Woche die In» stallirung des neuen Lord-Mauors, Mr. T. D. Sullivan, statt» welche Gelegenheit von den Nationalisten für eine großartig« „Homerule"-Kundgebung benutzt wurde. Der neue Lord Mayo», eurer der eifrigsten Anhänger Parnell's, verbat fich die Truppen-ESkotte, welche bisher dem Loid-MayorSaufzugr stet» beigegeben worden, und die Stelle deS Militärs vertraten die« mal die hauptstädtischen Gewerke, deren Banner die Bild- i nisse von Emmett, O'Connell, Butt und Parnell und In» schristcn, wie z. B.„Irland ist eine Nation";„Selbstgesetz« gedung ist daS Recht einer Nation";„Nationale Unabhängigkeit";„Irland für die Jcländer" je., trugen. Außerdem wurden in dem fast endlosen Zuge grün: Fahnen mit krön« losen Harfen und die ftanzöstsche Tnlolore entfaltet. Ueder 30 Mufikchöre betheiligten fich an dem Aufzuge, welch« „(Jod save Ireland",„The Wearing of the Green" und andere irische Volksmelodien spielten. Während der Jnstallirungsfeier im Stadthause hielten der Lord Mayor, das Unterhausmitglied Macvonald u. A. Reden, worin die Zuverficht ausgedrückt wurde, daß Irland vielleicht schon in diesem Jahre sein eigene» Parlament haben werde. — Allgemeine Billigung findet die am 25. stattgehabte Verhaftung deS Tynedah Menaven, d. h. deS ersten birmant- fchen Ministers in der englischen Presse. Derselbe wurde unter dem Verdachte, den Guerillakrieg der DacottS angestiftet zu haben, nach Rangun in'S G.fängniß gebracht.— Da hat man also glücklich den Sündendock gefunden. Amerika. Die„Newyork Commercial Agenaj" hat eine Zusammenstellung über die Lage der Arbeiter in 21 Staaten der nord- amerilanischen Union gemacht. Darnach find jetzt 2 100 479 Ardeiter in Fabiilen beschäftigt— 350000 weniger alS im Jahr« 1880— trotz der starken Zunahme der Bevölkerung. Die Agentur hat Antworten erhalten von 272 Baumwollwaaren« Fabriken, von denen jetzt 36 geschloffen find und von 187 Woll« waaren Fabriken, von denen jetzt 55 nicht mehr arbeiten. Die Wollwaaren-Fabriken in New- England haben 2l 000 Arbeiter entlassen und in Lowell Eounli) Massachusetts, find 2300 Ar' bettet weniger ai* im Jahre 1884 beschäftigt. In der Textil-� blanche arbeiten die mnsten Fabriken nur während drei Viertel der normalen Arbeitszeit und im Staate New Nor! allein find 14000 Arbeiter ohne Beschäftigung. Die Löhne find um 20 und selbst 25 pCt. gefallen und nach einem Zirkular der Weber in Fall River kostet ein Stück Zeug von 25 Uard Länge je 18 Cents gegen 30 Cents im Jahre 1873. In Kanada st von 1417 Fabriken in der Provinz Ontario 72 entweder g schloffen oder fie haben beschränkte Arbeitszeit, während 30?.. Arbeiter entlassen sind 2470 und halbe Zeit arbeiten. In Provinz Ouebel find die Löhne in den Wollen- und Bau»' wollenwaaren Fabriken um 10 pCt. gefallen. Parlamentarisches. — Der konservative Abg. Hartmann hat einen neuen@#« sctzentwurf wegen Entschädigung unschuldig Ver- urtheilter im Reichstag eingebracht. In dem grundlegenden! § 1 lautet dieser Gesetzentwurf:„Dem Angeklagten, welcher. wegen einer nach der Strafprozeß- Ordnung" zu verfolgen ge« wescnen strafbaren Handlung zu einer Freiheitsstrafe vcrurthcilt> worden und dieselbe ganz over theilweste verbüßt hat, ist, wenn er im Wege der Wicoeraufnahme des Verfahrens wegen dieser Handlung freigesprochen worden, auf seinen Antrag für die durch den Strafvollzug in Beziehung auf seine Vermögensver«< Hältnisse, seinen Enverb oder sein Fortkommen erlittenen Nach«! thcile Entschädigung aus öffentlichen Mitteln zu gewähren,? falls auf Freisprechung erkannt ist, well die That, wegen deren die Verurtheilung erfolgt war, überhaupt nicht oder nicht von „Sie sollen Alles erfahren. Die Entbindung der Frau Generalin war eine sehr schwere, der Doktor fürchtete für da» Leben der Mutter und auch für da« Leben des Kinde». Herr Rabe war im Nebenzimmer, von Zell zn Zeit mußt« ich oder der Doktor ihm Nachricht bringen. Für ihn war der Ausgang der Sache eine Lebensfrage. Starb die Gene» ralin, so mußte er das Schloß verlassen, erstand mit feinem Schwager auf keinem guten Fuße; wenn feine Schwester ihn nicht beschützt hätte, würde der General ihm längst die Thüre gezeigt haben. DaS hatte mir daS Dienstpersonal schon verrathen, und da begriff ich sehr wohl, weshalb Her» Rabe so große« Zntereffe an der Sache nahm. Die Gefahr wuchs mit jeder Viertelstunde, der Doktor wurde abgerufen, er wollte da« Zimmer nicht verlassen, aber die Nachricht daß der General tobt sei, trieb ihn hinaus. Er kehrte sehr rasch wieder zurück, ein« halbe Stunde später wurde dir Generalin von einem tobten Kinde entbunden." „Von einem tobten Kinde?" rief Siegfried bestürzt. „Zawohl, Herr Assessor, das Kind war tobt." „Und Arabella?" „Lassen Sie mich ruhig fortfahren, es wird Ihne« Alles klar werden. Die Generalm lag in tief« Ohnmacht, wir brachten sie allmälig in» Bewußtsein zurück, aber fi< war so sehr erschöpft, daß sie sofort wieder«inschlief. Z«? begleitete de» Doktor in daS Nebenzimwer, bleich wie del Tod und in Schweiß gebadet kam Rabe uns entgegen. 3» drohendem, befehlendem Tone sagte er un», daS tobte Kind müsse entfernt und ein lebendes untergeschoben werde»- Seine Schwester wisse ja noch nicht, daß sie mtt«W* tobten Kinde niedergekommen sei, fie werde die Verwechs' lung nicht ahnen. Zn der Nähe wohne ein armer Tagt' löhner, dessen Frau vor zwei oder drei Tagen in Wocht* gekommen sei, er wolle dafür sorgen, daß ihm unter dem Siegtt der strengsten Verschwiegenheit das Kind abgetreten wer»« Nachdem er diese» Projekt entwickelt hatte, setzte er un« b'* Gründe auseinander. Der General sei todt, er habe keim Leibeserben hinterlaffen, und e» lasse sich auch nicht aa«e? wen, daß er ein Testament gemacht habe. Also werde de» Bruder des General« Anspruch auf die Hinterlassenschast heben und der Generalin bleibe nicht», als eine lump1" I dem Verurtheilten begangen, oder weil die sämmtlichen De- weise, auf welche die Verurtheiluna sich gründete, beseitigt worden.— Es handelt sich um eine Verwäfferung deS Antrages Lenzmann. Lokales. Das Osterfest fällt in diesem Jahre auf den 25. April. Das ist das späteste Datum, auf welches Ostern überhaupt fallen kann. In diesem Jahrhundert ist ein so srmteS Osterfest noch nicht dagewesen, und erst Ostern 1943 fällt wieder auf den spätesten Termin, den 25. April. DaS späteste Osterfest in diesem Jahrhundert war das des Jahres 1859, welches auf den 24. April fiel. DaS früheste Lstervatum, am 22. März, war in diesem Jahrhundert im Jahre 1818 und wiederholt fich erst wieder im Jahre 2233. Der neulich voraekommene Unglücksfall, so schreibt man der..Tägl. Rundschau", bei welchem ein Knabe infolge der Explosion einer ihm als Spielwerk geschenkten kleinen Dampfmaschine schwer verletzt wurde, veranlaßt mich, vor allem Spielen und Experimentircn mit dergleichen in der Regel durch Spiritus zu heizenden Dampfmaschinen dringend zu warnen. Leider ist es auch in vielen Lehranstalten üblich, solche durch- aus nutzlose und höchst gefährliche Spielerei zu treiben. Sie ist nutzlos, denn die Schüler lernen dabei nichts; die Bewegung der Maschine durch ein Uhrwerk erzielt dieselbe Wirkung. Die innere Einrichtung solcher Miniaturdampfmaschincn ist nicht fichtbar, und daher kann die Art und Weise der Wirkung des Dampfes daran nicht erkannt werden. Auch ein Durchschnitts- modcll oder Modell von Glas, welches mittelst einer Kurbel durch die Hand in Bewegung gesetzt wird, bietet die zum lcich- tercn Berständniß der Dampfmaschine nöthige Veranschaulichung. Bei jenen Miniatur- Dampfmaschinen ist zudem die Dampf- steuerung wesentlich anders eingerichtet, als bei den großen, und darum können fie, selbst auseinander genommen, nicht iUr Belehrung dienen. Ganz besonders gefährlich wird auch Zcr kleinste Dampfkessel, wenn das einmal benutzte Wasier darin bleibt und von Neuem zur Entwickclung des Dampfes benutzt wird, wie bei dem Eingangs erwähnten Un- Glücksfalle wahrscheinlich geschehen. Bei Wasier, aus welchem die in jedem frischen Wasier enthaltene Luft durch Kochen aus- getrieben ist, entsteht nur zu leicht der sogenannte Siedeverzug das heißt das Wasier wird durch die Flamme über 100 Grad Celsius erhitzt, ohne zu kochen, bis dann plötzlich die Ent- Wickelung des Dampfes mit so großer Heftigkeit eintritt, daß der Kesiel zertrümmert wird. Ein etwa angebrachtes Sicher- heitsventil ist bei der Heftigkeit der Erploston völlig nutzlos. Auch das Schütteln des Wasiers, wie m manchen Lehrbüchern der Physik erwähnt ist, verhindert den Eiedeverzug und damit die Geiahr nicht. Ich habe zweimal erlebt, daß trotz der äußersten Vorsicht Explosionen eintraten und nur durch einen glücklichen Zufall großes Unglück verhütet wurde. Die Unter- richtsbehörde sollte die Verwendung der gefahrdrohenden Spielerei mit kleinen durch Dampf getriebenen Maschinen in den Lehrstunden untersagen und die Polizei vor Spielwerten der Art für die Jugend warnen. Folgende kurze Ucbersicht über neu aufgetauchtes fal» sches oder werthloS gewordene« Geld ic, welcher die Einzelmittheilungen von Henze's„Jllustr. Anzeiger für Komptoir und Bureau" zugrundeliegen, bringt die„Mgdeb. Ztg.". Von alten Thalerstücken find die preußischen, 1830 unter Friedrich Wilhelm IN. geprägten, gefälscht worden; die Falschstücke be- stehen aus einer Metallmischung, ihnen eine geldliche Färbung nicht so scharf wie auf echten §Ieichsstück nicht sofort auffällt. Auch noch ältere Thaler von ruorich Wilhelm III., auf denen daS Bild deS Königs noch mit haardeutelartiger Friiur erscheint, find gefälscht; die Prägung ist der der alten Stücke gleich, die Farbe aber dunkel, stahlartig. Uebrigens ist zwar mit der Einziehung der alten Thalerstücke von 1760—1822 im Jahre 1880 begonnen, dieselben find aber nach wie vor noch in Kours und als Zahlungsmittel verwendbar; nur die Zweithalerstücke find außer KourS und werben in den Affiniranstalten für 5 M. 28 P-. angenommen. Andererseits find sächfische Thaler von 1830, unter König Anton geprägt, wegen hoben Feingehalts und großer Schwere mehr als 3 M-, nämlich 4 M. 50 Pf. werth; voch wird fich dieses interesiante mehrwerthige Thalerstück selten oder gor nicht mehr in Kours befinden.— Von neuem deutschen Gelde find es noch immer die Zwanziapfennigstücke, welche in mehr oder minder gelungenen Nachahmungen auftauchen; fie find aus weißen Metallmischunaen oder au« verfilbertem Messing her« gestellt, doch laffen fich in einer kurzen Ueberficht die Kenn- zeichen der zahlreichen Fälschungen nicht aufzählen.— Ueber Fälschung deutschen Papiergeldes hat man glücklicherweise seit Anwendung des Pfianzenfaserpapieri nicht zu häufig zu be- richten; dagegen suchen die gewerbsmäßigen Betrüger gern ausländisches falsches Papiergeld an den Mann zu bringen. So find in letzter Zeit mehrfach falsche schwedische Bankbillete ange- halten, nämlich Noten der VesterdottenS EnSkilda Bank mit dem Sitze in Umea. Die falschen Noten find von der älteren Ausgabe Summe, die man ihr wie ein Almosen hinwerfen werde. Er sprach von der Generalin und dachte dabei an sich," fuhr die alte Frau fort, während Siegfried, keine« klaren und bestimmte» Gedankens fähig, in athemloser Spannung ihren Mittheilungen lauschie,.für ihn«ahm allerdings die Herrlichkeit, da« müßige, bequeme Lebe» in Pracht und Ücberfluß ei» Ende, wen» seine Schwester nicht Gebieterin in dem Schlöffe blieb. Der Doktor wollte von diesem Pro« jekt nichts wiffen, ich rieth ebenfalls ab, aber Herr Rabe blieb dabei, er ging nicht davon ab. Mit mir hatte er leichtes Spiel, er droht« mir, wenn ich nicht schweige, werde er Mittel und Wege finden, mich zu verderben, selbst vor einem Mord schrecke er nicht zurüück, und ich war zuletzt so sehr emgeschüchtert, daß ich keinen Widerspruch mehr wagte. Herr Rabe ging dann zu dem Tagelöhner, und ich mußte dafür sorgen, daß da« Dienstpersonal in der Gestndestube beschäftigt wurde, damit das Geheimniß nicht verrathe« wurde. Der Doktor sah unterdessen«ach der Wöchnerin, auch die Leiche des Generals besichtigte er noch einmal, dann gab er mir die nöthige« VerHaltung«- waßregeln. Und als er damit eben fertig war, «hne Rabe mit dem lebe»dkn Kinde zurück. Halm war auf den ihm gemachten Vorschlag eingegangen: unter wel- ?? fr�ugungen, das erfuhr ich nicht. Er übergab mir da« Kind, der Doktor wurde wüthend, er drohte, der Be- Horde sofort Anzeige machen zu wollen. Umsonst bat und beschwor Rabe ihn, weder Versprechungen noch Drohungen konnte» den Arzt von seinem Vorhaben abbringen, er for- derte, da« Kind soll« augenblicklich seinen Elter» zurückge- bracht werden. Rabe gebot mir, seinen Befehl zu befolgen, bann verließ er uns, und ich ging mit dem Kinde in das Z'mmer der Generali». Zch wiederhol«, ich war so ver« wirrt, daß ich keinen klare« Gedanken fasse» konvte, ich wußte nicht, wa« ich thuu sollte. Al, die Generali« er- «achte, verlangte sie nach ihrem Kinde, eS wäre mir nicht zu wissen, wa» ich that, gab ich ihr das lebende Kind, sie herzte und küßte e« und schlief dann wieder ein. DaS Ge- deS JahreS 1873 über zehn Kronen(Tie Ktonor) und sehr getreu gearbeitet. Hauptkennzeichen: Bei der Ziffer 8 in der Jahreszahl 1876 hat die Bogen linie, welche die 8 bildet, an der rechten Seite der oberen und der linken Seite der unteren Schl-ife den Druck, während bei der 8 auf den echten Noten der Druck an der linken Seite der unteren Schleife ist.— Zur größten Vorficht ist bei der Annahme von rusfischem Papier- gelo zu mahnen; denn hier find die Fälschungen geradezu un« zählbar. Waren dock nach amtlichen Mittheilungen z. B. biS 1. Januar 1883 48481 falsche Dreirubelschein« in 61(!) verschiedenen Fälschungsarten, 17 473 falsche 25- Rubelscheine, 16161 falsche Einrubelscheine jc. anoehalten und beschlagnahmt, ferner seit 1883 im ganzen 105816 falsche Kreditdillete im Werth« von 892 669 Rudeln! Man begreift, daß bei sol- chen Vervältniffen die Angabe der einzelnen FälschungS-Kenn- zeichen ein mäßiges Buch füllen würde. Zum Glück für daS Ausland werfen sich die rusfischen Fälscher hauptsächlich auf die kleinen Werthzeichen, womit fie bei dem tiefen BildungSstande des rusfischen Volkes die besten Geschäfte machen. R. Die größte MiethSkaserne Berlins, nachdem vor etwa zwei Jahren die sogenannten Mücken in der Gartensftaße verschwunden, ist jedenfalls der sogenannte Meycrshof in der Ackerstraße. Das Gebäude, welches nur zwei Slraßennummcrn (132 und 133) zählt, hat 232 Wohnungen, welche von fast 1000 Menschen bewohnt werden. Trotzdem eine große Menge Aftermiether, Schlafburschen k. hier wohnen, nennt das neue Adreßbuch 62 Parteien als selbstständiae Miethcr. Sech« Höfe begrenzen die vierstöckigen Wohnhäuser. Der Erbauer und Besitzer ist ein Herr Meyer in Charlottenburg, der daS Haus in den Jahren der Wohnungsnoth aufführen ließ und damit vielen Familien ein Unterkommen schaffte. Eine originelle Episode hat fich, wie der„Post" mit- aetheilt wird, bei der Weihnachtsbescheerung in einer Berliner Familie in der Steglitzerstraße zugetragen. Auf dem Weih- nachtstische lagen zwei Paar Handschuhe, welche für daS Stubenmädchen und die Köchin destimmt waren. Das Stuben« Mädchen, mürrisch wegen des anscheinend geringwerthigen Ge- schenkes, wirft die Handschuhe in den Ofen, während die Köchin die ihrigen sofort anpaßt. Kaum hat fie jedoch ihre Finger in einen der Handschuhe gesteckt, al« fie etwas Papiernes fühlt und bei näherer Untersuchung zu ihrer größten Freude einen Hundertmarkschein bemerkt. Wie fich herausstellte, hatte die Hautfrau durch die Geschenke nur den Charakter ihrer Dienst« boten ergründen wollen. Die Probe war geglückt; da» unzu- frirdene Stubenmädchen sah nicht nur traurig in das lodernde Feuer, fie wurde auch noch an demselben Abend von der Herr- schast entlaffen. r. Ueber die Beköstigung der Gefangene« werden bereits seit Langem die einschlägigen Erfahrungen gesammelt, um die anerkannten Mängel des gegenwärtig destehenden Systems zu beseitigen. Während aber von der einen Seite auf eine Verringerung der Kost für Gefangene, namentlich durch Wegfall der jetzt üblichen Fleischportionen pro Woche für sogenannte kurzzeitige Strafgefangene, d. h. solche, deren Etrafdauer nicht länger als drei Monate beträgt, hingewirkt wird, betonen andererseits die Strafanstaltsärzte durchgängig die Nothwendigkeit einer Verbefferuna der gegenwärtigen Ge» fangenenkost, welche nicht mehr geeignet ist, die Kräfte des Gefangenen bei längerer Haft auf der Höbe deS Nothwendigen zu erhalten, sondern dieselben allmälig absorbirt, und so den Sträfling unfähig macht, nach seiner Strafentlaffung das bei ihm doppelt nothwcndige Maß gewöhnlicher Arbeitskraft zu entwickeln, das zu seinem ehrlichen semeren Fortkommen nöthig ist. Bei den in Jsolirhaft befindlichen Gefangenen in Plötzensee hat nun der hiesige Dr. C. A. Meinert in Gemein- schast mit dem dortigen Anstaltsarzt, SanitätSrath Dr. Barr, und dem Gerichtschemiker Dr. Jeserich eingehende Unter- suchungen über die Wirkungen der Ge angcnenkost angestellt und hat wesentliche Aenderungcn derselben für dringend nöthig erklärt. Von den gegenwärtig verabreichten Speisen behauptet dieser Sachverständige, daß fie zu wenig Fett und Eiweißstoffe enthalten, zu voluminös und dcöhalb für den Magen zu wenig ausnutzbar find. Er glaubt, daß eine Verbesserung der Kost durch Verwendung von Fleischpulver, Mag«r-Käse und Hering bei der Beköstigung obne wesentliche Erhöhung der Kosten möglich sein werde. Die Epeisen müßten in konfistenter Form, statt wie bisher als Suppen und gut ge- würzt gereicht werden, damit der bei so vielen Gefangenen eintretende Widerwille vor der Kost gemindert werde. Die schwer verdaulichen Hülsenfrüchte sollten nur in Mehlform zur Verwendung kommen. Wenn schließlich Herr Dr. Meinert noch darauf hinweist, daß die von ihm vorgeschlagene veränderte Beköstigung auch für die Landwrrthschaft Vorlheile habe, so ist das in unserer Zeit bekanntlich ein sehr wichtiges Argu- ment, und wenn trotzdem die Meinert'schen Vorschlage keinen Anklang an zuständiger Stelle finden sollten, so werden die Gefangenen wohl noch lange bei ihren Suppen bleiben müssen. Daß Berlin so wenige Häuser mit platten Dächern hat, bereitet einem Bostoner Architekten Kummer, dem er in einer Besprechung in einem amenkanischen Fachblatte Ausdruck schehene rückgängig zu machen, war nun auch nach meiner Ansicht nicht mehr möglich, ich wollte da» dem Doktor, so- bald er kam, sagen und ihn bitten, der Mutter diesen Trost nicht zu rauben. Es war schon genug, daß man ihr den Tod ihres Gatten berichten mußte, er konnte ihr nicht lange verheimlicht werde». Aber der Doktor kam nicht, und als ich im Laufe de» Vormittags Herrn Rabe meine Bedenken mittheilte, sagte er mir, der Doktor sei todt, er könne uns nicht mehr verrathen. Meine Vermuthuvgen wagte ich nicht zu äußern, mir wurde es in jenem Augenblick klar, daß ich feine Mitschuldige war und schweige» mußte." „Mußte?" fragte Siegsried, sich gewaltsum aus seiner Betäubung aufraffend.„Dazu konnte nichts, keine Dro- hung und kein Verspreche» Sie zwingen I Und wenn Sie auch nicht sofort der Generalin den Betrug berichten woll« ten, um ihr Leben nicht zu gefährden, so war«S Ihre Pflicht, da» später zu thun, sobald sie genesen war." „Auch daran habe ich gedacht," erwiderte Frau Siebel.„Aber Herr Rabe drohte mir wieder, er werde mich vernichte«, wenn ich nur eine Silbe verrathe. Die Generali» halte da« Kind für ihr eigene», sagte er, dieser Gedanke mache sie glücklich, die Eltern de« Kinde« seien mit vollen Tasche« ausgewandert, und das Kind selbst habe durch de» Tausch nur gewonnen. Wenn also alle Theile durch diese» Handel nur Vortheil und nicht den ge« ringsten Nachtheil hätten, weshalb sollte man ihn nicht billigen?" Und darauf hin schwiegen Sie?" „Ich that es aus Furcht—" Und daneben wollten Sie die Pension sich sicher«! Die Frau Generali» hat also bis zur heutige« Stunde da« Geheimniß»och nicht erfahren?" „Rabe sagte mir noch vor Kurzem, sie wisse keine Silbe davon." .Verließ Rabe in jener Nacht vor dem Doktor das Schloß?" „Zch kann darüber nicht« sage«, das Zimmer, in dem der Wortwechsel stattfand, hat er zuerst verlassen, ob auch daS Schloß, weiß ich nicht." giebt. Die„Deutsche Bauzeitung" übernimmt den Artikel, in dem wir jedoch den Nachweis vermiffen, aus welchen— praktischen oder ästhetischen— Gründen solche Dächer unserer Ge- staltung der obersten Stockwerke vorzuziehen find. In Amerika hat weniger künstlerisches Berständniß als die„Sir« necesoity", der unabweisbare Zwang zu ihnen geführt. Das platte Dach ist bei den auch Abends im Sommer noch oft vorhandenen 85—90 Grad Fahrenheit die einzige Rettung der verschmach- tenden Bewohner. Aus den durchglühten Zimmern retten fie fich hier hinauf, verbringen die halben Nächte daselbst, und etabliren nicht selten ihr Nachtlager. Es ve'g-ht in den Hitze- monaten kein Tag in den amerikanischen Städten, in denen auf dem Dach eingeschlafene Personen nicht auf die Straßen hinabrollen, um unten mit zerschmetterten Gliedern liegen zu bleiben. Und es pflegen die Einbrecher mit Vorliebe auf diesem ihnen so bequem gemachten Wege in die Häuser zu dringen und auf demselben Wege bei der Verfolgung die Flucht zu ergreifen. Das platte Dach hat also sehr große Nachtheile. Ein altes Sprichwort sagt: Jedem Narren gefällt seine Kappe. Ins Architektonische übersetzt: sein Dach. Wir gönnen dem Amerikaner, der auch im Uebrigen nicht sonderlich viel Gutes in Berlin gefunden hat, das Seinige. r. Ick habe man bloS zu Neujahr jratulirt I suchte fich am Mittwoch ein in der Dresdenerstraße abgefaßter Bettelmann dem ihn arretii enden Schutzmann gegenüber zu ver- tbeidigm.„DaS ist auch Bettelei", erwiderte der Mann deS Gesetzes.„Det bestreite ick und verlange über so ne wichttje Frage enen Gerichtshof mit richtige auSjelernte Richter", repli« zitte Jener.„Den sollen Sie bald haben", entgegnete der Schutzmann und führte den Arrestanten ad. Neujahrsgratula- tionen generell als strafbare Bettelei auffassen, wäre jedenfalls ebenso originell wie für viele Gratulanten unangenehm. Kriminal-Statisttsche« über Berlin. Die nachstehende» Daten find dem, vom Direktor des städtischen statistischen AmteS, Geh. Regierungsrath Pcofeffor Dr. Böckh herausgegeben JahreSbuche pro 1883 entnommen. Hiemach find im Jahre 1883 in Berlin 12 374 Personen wegen begangener Verbrechen oder Vergehen bestraft worden. Zi ht man die BevölkerungS« zahl für das Berichttjahr in Betracht, so kommen auf 79 Zivil« einwohner 1 Angeklagter, auf 97 ein Verurtheilter; aus die Geschleckter vertheilt beim männlichen auf 65, beim weiblichen auf 17 Personen. Die Bevölkerung unter 18 Jahr in Rech« nung gezogen kommt 1 Verurtheilter auf 254 Personen beim männlichen, auf 1063 beim weiblichen Geschlecht; bei der Be» völkerung über 18 Jahre stellen fich diese Zahlen auf 42 resp. 159. Nach der Qualifikation der Vergehen und Verbrechen wurden verurtheitt: wegen HochverrathS 1 Person, Beleidigung des Landes- oder eines Bundesfürsten 26, Widerstands gegen die Staatsaewalt 750, Verbrechen und Vergehen gegen Sie öffentliche Ordnung 1391, Münzverbrechen und Münzvcrgehen 21, Meineids 9, fahrlässigen falschen Eides 7, Verleitung zum Meineid 9, falscher Anschuldigung 33, Vergehens gegen die Religion 3, Verbrechen und Vergehen wider vie Sittuchicit 551 (darunter wegen Doppelehe 2, Blutschande 20, Kuppelei 310), Beleidigung 2020, Mordes 3, Todtschlag» 1, Kindesmordes 1, Abtreibung 6, Aussetzung 8, fahrlässiger Tödtung 7. Wegen Körperverletzung: einfacher 570, gefährlicher 513, schwerer 5, fahrlässiger 109. Wegen wiederholter Freiheitsentziehung, Nöthigung und Bedrohung 49. Wegen Diebstahls und Unter« schlagung 4509, Raubes und Erpressung 30, Hehlerei, Betrug, Untreue, Fälschung und Unterdrückung von Urkunden, Bankemtt ic. 1129, strafbaren Eigennutzes und Verletzung fremder Geheimnisse 456, Sachbeschädigung 281, gemeingefährlicher Verbrechen und Vregehen 80, Verbrechen und Vergehen im Amt« 23. Gegen das Vorjahr(1882) ist die Gesammtzahl der Verurtheilten um 4,96 pCt. gestiegen. Beim Widerstand gegen die Staatsgewalt um 0,27, bei falscher Anschuldigung um 13,8. Die Zahl ver Verurtheilten wegen Kuppelei hat fich um 30,3, wegen Beleidigung um 45,2, wegen Körperverletzung um 18,7, wegen Verbrechens und Vergehens gegen die persön« liche Freiheit um 40,4, wegen derselben Delikte gegen daS Leben um 29,6 pCt. vermehrt. Die Zahl der Verurtheilten wegen Diebstahls, Unterschlagung, Begünstigung und Hehlerei, Brandstiftung und Verbrechen und Vergehen im Amte hat gegen das Vorjahr abgenommen. Es kommen im Durchschnitt auf jeden Angeklagten 1,40 Delikte; bei 55,0 pCt. der Anklagen fanden Verurtheilungen statt, durch welche 80,8 pCt. der An« geklagten verurtheilt wurden, so daß auf jeden Verurtheilten 1,72 Strafthaten entfallen. Mittheilunae« über die Bewegung der Bevölkerung der Stadt Berlin. In der Woche vom 13. v. M. bis 19. v. M. fanden 229 Eheschließungen statt. Lebendgeboren wur« den 847 Kinder, darunter 88 außerehelich. Todtgeboren waren 37 mit 9 außerehelichen. Die Zahl der Sterbefälle betrug 537. Von den Gestorbenen erlagen an Masern 7, Scharlach 6, DiphtheritiS 31, Bräune 1, Keuchhusten 8, Kindbettfieber 2, TyphuS 2, Ruhr-, Syphilis 2, Altersschwäche 16, Gehirn« schlag 19, Lungenentzündung 16, Lungenschwindsucht 84, Diarrhöe 8, Brechdurchfall 6, Magcndarmkatarrh 3. Durch Vergiftung kamen 3 Personen um, hiervon 1 durch Selbstmord. 1 durch Bletvergistung, 1 durch Alkoholvergiftung(Deli- „Aber als er Ihne« die Nachricht mittheilte, da ver« mutheten Sie sofort, daß er der Thäter sei?" „Ja, diese Vermuthung konnte ich nicht zurück- dränge»!" „Kannte der Gärtner ebenfalls dieses Geheimniß? Glaube« Sie, daß er in jener Nacht etwa« erfahre» haben kann?" „Möglich ist es. So weit ich e« vermochte, habe ich dafür gesorgt, daß von dem Dienstpersonal Niemand in die inneren Gemächer kam, und Herr Rabe wird sich auch vor- gesehen haben, daß ihm, als er da« todte Kind forttrug, und da» lebende holte, Niemand begegnete. Aber durch den plötzlichen Tod des Generals war die Hausordnung auf den Kopf gestellt, und da mag's wohl vorgekommen fein, daß der Gärtner, durch de» Zufall begünstigt, das Geheimniß erfahren hat." Siegfried blickte gedankenvoll vor sich hin, er war wieder in Brüten versunken. Alles Andere hätte er eher erwartet, als diese Ent- hüllungen! Seine Braut nicht die Tochter der Generali», sondern das Kind eines Tagelöhners! Seiner Liebe zu Arabella that diese Enthüllung keinen Abbruch, aber mußte er nicht fürchte», daß fem Vater ihm »un befehle« würde, die Verlobung zu lösen? Und mußte diese Enthüllung nicht auch die Generali» und Arabella vernichtend treffen? Konnte das Geheimniß nicht auch jetzt»och gewahrt bleiben? Die Antwon lautete verneinend. Nach all' diese» Entdeckungen mußte Rabe verhaftet und die Untersuchung Segen ihn eröffnet werden, und die Unterschiebung des lindes bildete in der Beweiskette gegen ihn das erste Glied. Sie hafte ihn zu dem Mord getrieben, das lag klar zu Tage. Da« der Doktor seine Drohung wahr mache» und der Behörde das Geschehene berichten würde, war unzweifelhaft, man mußte ihm das unmöglich machen, und das erreicht? man fteilich am sichersten durch einen Mord. (Fortsetzung folgt.) mm tremem).(Sinei gewaltsamen Todes starben 14 Per« fönen, und ,war Uederfahren 1, Sturz oder Schlag 2, Er« Ä'i. N'Ä-KrSSW' 10 durch Selbstmord herdeigeführt� Unter den Gkstordencn find 264 inß. 37 außereheliche Kinder unter S Jahren, also, 49,2-Ct. Im Alter von S bis 15 Jahren starben 16, 15 bis 20 Jobren 3. 20 bis 30 Jahren 29, 30 bis 40 Jahren 68, 40 bis 60 Jahren 73, 60 biS 80 Jahren 72. über 80 Jahre 11 Personen. Im ersten Lebensjahre starben 129 eheliche, 27 uneheliche, zusammen 156 Kinder, und zwar im 1. Monat 45. 2. Monat 15, 3. Monat 18, 4. Monat 16, 5. Monat 8, 6. Monat 12, 7. Monat 8, 8. Monat 11, 9. Monat 9, 10. bis 12. Monat 20. Davon waren ernährt mit Muttermilch 34. Ammenmilch 1, Thiermilch 72, Milch. surrogaten-, gemischter Nahrung 22. nicht angegebener Nah- rung 27. In hiefigen Krankenhäusern starben 130, einschließlich 10 Auswärtige, welche zur Behandlung hierhergebracht waren, und zwar: im Elisabeth- Krankenhaus 5, Elisabeth- Kinderhospital 1, Bethanien 7, FriedrichShain 31, HedwigS- KrankenhauS 13, Jüdisches Krankenhaus—, Klinikum 5, Univer- fitäts Frauenklinik 2, Augusta. Hospital 6. LazaruS-Kranken. haus 7, Militär- Lazareth Städtisches Krankenhaus Moabit 18, Charit« 35. Auf die 13 Standesämter vertheilen sich die Todesfälle folgendermaßen: Berlin> Köln. Dorotbeenstadt 25, Friedrichstadt 16, Friedrich, und Schöneberger Vorstadt 28, Friedrich und Tempelhofer Vorstadt 43, Louisenstadt jenseits 66, Louisenstadt diesseits und Neu Kölln 46, Stralauer Viertel 74, Königstadt 31, Spandauer Viertel 22, Rosenthaler Dorstadt 70, Oranienburger Vorstadt 47, Friedrich Wllhelm» stadt und Moabit 34, Wedding 35. Die Lebendgeborenen find 33,9, die Todtgeborenen 1,5, die Sterbefälle 21,5 pro Mille der fortgeschrieoenen Bevölkerungszahl(1 303 751). Es wurden 1449 Zugezogene, 1756 Weggezogene gemeldet, so daß stch die Bevölkerung mit Einrechnung der nachträglich gerne I, Veten Geborenen um 188 vermindert hat; die BevölkerungS- zahl beziffert fich sonach am Echluffe der BerichtSwoche auf 1 303 563. Die Zahl der in der Woche vom 20. bis 26. v. M. zur Meldung gekommenen JnfekttonS-Erkrankungsfälle betrug an Typhus 14. Masern 82, Scharlach 36, Diphtheritis 102, Kindbeltfieber 3. Die größten Zahlen unter diesen Erkran- kungen entfallen auf Standesamt VII mit 51, XIII mit 26, IX mit 23, XII mit 22 Fällen._ Durch einen Fahrstuhl verunglückt. In der Wäsche- sabrik von Wolff und Glaserfeld, Zehdenickerstr. 12 b, hatte am Mittwoch Abend gegen 6 Uhr der 17 jährige Arbeiter Fritz Bath von dem Kartonfabrikanten Jakobsohn Kartonwagen ab- zuliefern. Mil dem Fahrstuhl, auf welchem die Kartons beför- vert wurden, in der vierten Etage angelangt, wollte B. die« selben vom Fahrstuhl nehmen, hatte aber dabei daS Unglück, mit einem Fuß fehlzutreten. Der Fahrstuhl ging hinunter und B. stürzte auS der Höhe der vierten Etage bis in den Keller hinab. Besinnungslos und mit schweren Verletzungen wurde derselbe nach dem Krankenhaus FttedrichShain geschafft. Selbstmord. Am 6. d. M. Nachmittags fanden Kinder im Hinteren Theile des Weimann'schen Volksgattens in der Badstraße die Leiche eines ManneS auf dem Erdboden, mit dem Kopfe an einen Strauch gelehnt, liegen. Neben der Leiche lag ein Revolver, welcher noch mit drei scharfen Pattonen ge- laden war, und aus welchem zweifellos der tödtliche Schuß in den Mund abgefeuert worden war. Durch Kellner deS Weimann'schen LoialS wurde in dem Verstorbenen ein Schneider aus Württemberg ermittelt, welcher alS Mitglied eines im genannten Lokal am vorhergehenden Abende dott versammelten RauchklubS verlehtt hatte. Daß derselbe mit der Abficht fich daS Leben zu nehmen, in den Klub gegangen ist, gebt daraus hervor, daß er an den Vorfitzenden des Klubs eine Postkarte, welche die Motte enthielt:„Brüder lebt wohl" abgeschickt hatte. Veranlaffung zur That scheint Heimweh gewesen ju sein, da Sch. fich gegen Bekannte und zu seiner Wirthin geaußett hatte, daß er sett sech« Jahren heimathloS sei, im fiedenten wolle er nicht mehr ohne Heimstb leben. EtnbruchSdteb stahl Bei einem in der H-deman.nstraße wohnhaften Bankier wurden am 5. d. Mts. mittels Einbruchs auS einem verschloffenen eisernen Geldschrank folgende Werthpapiere gestohlen: vier Stück 5 prozenttge rumänische Renten' briefe» 500 Fr. Nr. 152,814, 0,24316, 145,830, 0,69248 und ein Stück» 5000 Fr. Nr. 0,41019 mit Kupon«; außerdem noch Kupon» zur Aktie Nr. 0,69249. Der eiserne Geldschrank ist mittels NachschlüffelS geöffnet worden. Volizei-Bericht. Am 6. d. M., Vormittags, wurde eine Frau in ihrer Wohnung am Spieaelhattn erhangt vorgefun- den.— Um dieselbe Zeit wurde in der Spree, hinttr dem Grundstück Holzmattlftr. 20-24, die bereits stark in Verwe- sung übergegangene Leiche eines etwa 25 Jahre alten ManneS angeschwemmt und nach dem Obdukttonshause gebracht.— An demselben Tage, Nachmittags, wurde ein Mann im 2B ermann« sehen VolkSgatten mit einer Schußwunde todt aufgefunden. Neben der Leiche lag ein mit noch 3 Patronen geladener Re- volver, und ist anzunehmen, daß der Mann fich selbst, und zwar durch einen Schuß in den Mund, entleibt hat. Die Leiche wurde ebenfalls nach dem ObdustionShause geschafft.— AlS an demselben Nachmittage der Ardeiter Jung mit seinem zweispännigen, mit Sand beladenen Magen durch die Laufiyer- straße fuhr, fiel er plötzlich kopfüber vom Wagen, wurde überfahren und erlitt außer mehreren Rirxenbrüchen so schwere innere Verletzungen, daß er nach Bethanien gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit verunglückte der Hausdiener Bath, als er in der Wäschefabrik von Wolf u. Glaserfeld, Zehdenickerstr. 12b, den Fahrstuhl zum Zweck deS Entladens betrat, indem plötzlich daS Seil riß und et mit dem Fahrstuhl 4 Etagen tief hinabstürzte. Cr erlitt hierbei mehrere Schädel- drüche und mußte nach Anlegung eine« Nothverbandes mittelst Krankenwagens nach dem«rankenhause im FriedrichShain ge- bracht werden._ Uereine nnb Versammlungen. Der Fachverei« der Ctuckateure setzte am Montag, dm 4. d. M., seine Berathung des Lohntattfs fott; derselbe wurde mtt nur wenigen Äenderungm und Zusätzen von der Versammlung angenommen. Ein Anttag, diesen Lohntattf noch nicht zu veröffentlichen, sondern denselben erst in einer zu diesem Zweck einzuderufendm öffentlichen Versammlung vorzulegen, wurde ebenfalls angmommm. Besonders wurde hervorgehoben, daß der Verein leider immer noch zu schwach ist, um solche wichtige Angelegmheiten allein durchzuführen; es könnte der Fall eintteten, daß diejenigen, die für den Tattf gestimmt haben, doch durch die immer noch große Mehrheit der außer dem Verein stebendm BerufSgenoffm gezwungen würden, unter dm im Tattf fest. gesetzten Preisen zu arbettm. Zum Schlich nahm der Vorsitzende der Lohnkommisfion nochmals das Watt und betonte. daß die Kommisfion fich wohl bewußt war, daß die Preise deS Tarifs nicht zu hoch gegriffen find, im Gegenlheil werden diese Preise bereit« von allen anstandigen Pnnzipalm Mahlt. Dieser Lohntattf soll gerade dam dienen, jeden anstandigen Prinzipal vor der so üderhardnehmcrchen schmutzigen Kon- kurren» zu schützm. ES ist daher Pflicht jedes Kollegen, fich dem Verein anzuschließen und mitzuwirken zur Hebung und Förderunader Jntereffm seine« Berufes. Nächste Versammlung am Montag, dm 11. d. M._ �.., verein sämmtlicher verufsklasse«, Bei Im i(@. H. Nr. 2). Sonnabend, dm 9. d. M-, Abend« 8 Uhr, Münz- straße 5: Versammlung- T.4O.; Vorttag deS Herrn Dr. Grätzer über„Kolonisation". Nach dem Vottrage findet zur Feier deS I7jShttgen Bestehens de» Vereins ein geselliges Vergnügen statt. Zugleich weiden die Billett zum Maskenball, welcher am 23. d. M. stattfindet, ausgegeben. Gäste haben zu den Verjammlungm Zuttitt. Die UnterftützunaS-Kommisffo« der Sraveure, Zise» lenre und Fachg. hat beschloffen, die für den 8. Januar in Ausficht genommene und im gestttgen Bcttcht erwähnte Ver- sammlung nicht abzuhalten, sondern dieselbe am kommenden Montag, Abends präzise 8 Uhr, vor Eröffnung der General- Versammlung der„Freien Vereinigung" in kurzer Erledigung stattfinden zu lassen.(Näheres im Sonntagsblatt.) Deteairteu-Bersammlnug der Schlosser und Berufs- aenoffm Berlins und Umgegend am Montag, dm 11. diese« Monats, Abends 8'/, Uhr, im Lokale de« Herrn SahmS, Annmftt. 16. Tagesordnung: Unsere diesjähttge Bewegung. Alle Kollegen, welche noch Delegitte oder als solche neu gewähtt worden find, werden ersucht, pünktlich zu er- scheinen. verein sämmtlicher Berufsklassen, Berlin u(E. H. Nr. 2). Mitglieder- Versammlung am Sonnabend, den 9. Januar, Abend« SV» Uhr, bei Löskow, Pttnzmstt. 79. Diese Versammlungen finden regelmäßig am 2. Sonnabend jeden Monats statt. Daselbst werden neue Mitglieder auf- genommen, ebenso beim Kasfirer Schumacher, Laufitzer- Straße 1. Allgemeine Kranken- und Eterbekasse der Metall« arbeitet(E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin VI. Sonntag, den 10. d. M., Vorm. 10% Uhr, im Lokale deS Herrn Kilian, Elisabethkirchstr. 6, Versammlung der Mitglieder. Tagesord- nuna: 1. Kassenbericht. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. — Quittungsbuch legitimirt Vermischtes. Auf eine merkwürdige Art ist dieser Tage ein Kauf- mann zu Königsberg i. Pr. um's Leben gekommen. Derselbe ist nach dem Ausspruch des herbeigerufenen Arztes erstickt, und zwar daran, daß sein falsches Gebiß in die Rachenhöhle geglitten war. Da« Massakre auf den Salomoninsel«. Nachstehen- deS ist dem„South Australian Register" vom 27. November entnommen:„Per Telegraph auS Sitmey vom 23. November. Eine von Kapitän Hampton von dem Schiffe„Maranoa" auS Eooktown hier eingegangene Depesche meldet, daß der„Kildare" ttnen einzigen Ueberlebenden von dem Schoner„Eltbank Castle", der an dm Salomoninseln scheiterte, gelandet habe. Der Ueberlebende berichtet, daß Kapitän Routch und die ganze Be- mannung, mit Ausnahme sttner selbst, unverzüglich nach dem Schiffbruch maffaktttt wurden. Der„Elibank Castle" ging vor einigen Monaten unter Kapitän Routch in einer Handelsexpe- dition von Brisbane in See. Schon bei einer früheren Kreu- zungSfahtt, als der„Elibank Castle" zwar Eigmthum vom Kapitän Routch war, aber von ihm nicht befehligt wurde, wur- den zwei Personen der Mannschaft ermordet. Bei der letzten Fahrt entschloß fich Routch, die persönliche Führung zu übernehmen, um ein freundliches Handelsgeschäft mtt den Einge- borenm zu Stande zu httnqen. Er war 50—60 Jahre alt, und seine Frau und Familie wohnm in Edinburg." Der Lieutenant van G«4e, Chef der Aequawr-Station, giebt über das Gewicht deS KostümS einer Ziegerdame nach- stehmde Auskunst.„Beginnm wir mit unten. An jedem Knöchel ein schwerer Kupferring im Gewicht von einem halb-n Kilo, also ein Kilo: an den Waden Muffen, fabrizirt aus Zliesstnadrähten, welche gleichfalls ein Kilo wiegen; um die Taille herum ist die Bekleidung leichter; ein Stück Sloff aus Bananen- Fasern geflochtm, welches im Ganzen 25 Ztm. hoch und 20 Ztm. breit ist. Zwischm der Taille und dem Hals tragm diese Damm nicht». Aber am HalS befindet fich daS Hauptstück der ganzen Bekleidung, ein schweres Halsband aus Kupier, welches, je nach dem Reichthum des Häuptlings, bis 60 Pfund wiegt. Rechnet man hierfür durchschnittlich 27 Kilo, so hat die Negerdame 29 Kilo zu tragen, so viel als ein belgischer Infanterist. Amerikanisches. In einer Hattforder Sipotheke spielte fich neulich die nachstehende Szene ab. Ein Mann tritt ein und ruft dem Klerl in größter Hast die Worte zu:„Um deS Himmels willm, daS stärkste Mittel gegen Kopfschmerzm, so chnell Sie können!" Der Klerk spttngt auf, ergreist die lasche mit doppeltem Ammoniak Geist und hält ste dem "tonne vor die Nase, welcher, ohne selbst zu wiffen wie, ein paar so gewaltige Athemzüge daraus that, daß ihm für ein paar Augenblicke die Sinne vergehm. AlS er wieder zu fich kommt, ist daS erste, waS er thut, daß er dem Klerl eins mit der Faust auf den Kopf versetzt.„Halt ein," ruft dieser zur Seite springend,„find Ihnen etwa Ihre Kopfschmerzen nicht vergangen?"—„Zum Teufel mit meinen Kopfschmerzen", brüllt ihn der andere, fich die Thränm wischend, an,„wer spricht denn von meinen Kopfschmerzen? Meine Frau ist es, welche die Kopfschmerzen hat!" Eine originelle Ausrede gebrauchte jüngst der Schau- spieler James Adlet, welcher seit Jahren die gerechten Klagen seiner sämmtlichen Lieferanten, sowie auch sttner Witthin, um Zahlung seiner Schulden, einfach ignoritte. Er wurde deshalb für den 1. Oktober verflossenen Jahres vor den Londoner Poli- zeigettchtshof zttirt. Mr. Adler erschien nicht und obgleich die Verhandlung mehrmals vettagt wurde, gelang es dennoch nicht, den Beklagten vor die Schranken zu dttngen. Endlich erlahmte die Geduld der Richt-r, Mr. Adler wurde im Kaffeehause bei einem Glase Kognak festgenommen und zu Gericht gebracht. Die Schulden wurden jetzt Nebensache, vor Allem mußte fich Mr. Adler wegen sttnes Vergehens der Behörde gegenüber rechtfertigen. Der Schauspieler nahm ttne theatralische Stellung an und sagte:„Daran war nur die Stunde schuld» meine Herren, hätten Sie mich um 12 Uhr Nachts zitttt, wäre ich gekommen. Auf die erstaunte Frage deS Richters fügte der Schauspieler bei:„Es giebt ttne einzige Rolle, die ich spiele, diese aber unübertrefflich, ich bin der Geist deS alten Hamlet, und Geister, das wissen Sie, erscheinen nur um Mittemacht." Der Richter sagte:„Wenn aber Gttster Kleider kaufen, außer dem Sarge noch eine andere Wohnung benützen, müssen Sie diese bezahlen» und ich ermahne Sie, vtes schleunigst zu veran- lassen." Ach, armer Geist! Das Alter de? Waldbäume. In ttnem Aufsatz der »Aoistl. Bl." spttcht Herr königl. Forstmttster Geticke in Breslau die Ansicht aus, daß das tausendjährige Alter deutscher Waldbäume eine Fabtt stt, daß auch btt den sogenannten historischen Bäumen ein höheres Alter als 700 bis 800 Jahren nicht nachgewiesen sei, und daß kein deutscher Baum dieses Aller in gesundem Zustande errttche. Bäume von so hohem Alter find immer hohl und vegetiren nur alS Ruinen fort. Was nun die Frage betrifft: Welches ist die Gesundheit»- grenze unserer Bäume?— so ist von vomherttn anzunehmen, daß dieselbe nicht bloS nach der Holzart, sondem auch nach Klima und Boden verschieden sein wird. Herr Gettcke kommt auf Grund eigener Untersuchungen, so wie von Mitthttlungen, welche ihm seitens deutscher, österrttchischer und russischer Forstakademien über das Alter der ältesten, in den Sammlungen befindlichen Holzschttben zugegangen sind, zu folgenden Schlüssen: Das höchste Alter, welches Baume in ge- sundem Zustande erreichen können, findet stch nicht bei den Laub-, sondern btt den Nadelhölzern- Nachdem dieses Alter erreicht ist, sterben die Nadelhölzer bald ab, während die Land- Hölzer, nachdem sie die Gesundhttttgrenze erreicht haben, noch längere Zeit fortvegetiren können. DaS höchste, thatsächlich durch Zählung der JahreSttnge gefundene Alter beträgt 500 bis 570 Jahre, und zwar erreichen dieses Alter: die Fichte im Böhmerwald und die Kiefer in Finn- land und Schweden. DaS nächsthöhere Alter scheint der Weißtanne zuzukommen, welche es im Böhmerwalde auf 429 Jahre brachte. Oie Lärche erreicht ein höchstes Alter von 274 Jahren(in Bayern). Von den Laubhölzern scheint die Eiche am längsten zu widerstehen, und zwar vre Steineiche, von der daS älteste gesundeste Exemplar(Aschaffenburg) 410 Jahre zählt. Bei der Stieleiche waren die ältesten, bereits den Beginn der Kernsäule zeigenden Exemplare nur 315 und 320 Jahre all. Doch wird oie Stieleiche viel stärker als die Steineiche. Die ältesten Rothbuchen sind 245 Jahre(Aschaffenburg» und 226 Jahre alt(Weißwasser) gefunden worden. Die Altersmattma der übrigen Bäume stellen fich wie folgt: Esche 170, Rüster 130, Birke 160 bis 200, Espe 219, Rotherle 145, Bergahorn 224 Jahre. Grade der unter den histottschen Bäumen am häufigsten vertretene Baum, die Linde, findrt stch am seltensten in den Sammlungen; viellttcht ist dies ttn Zeichen dafür, wie selten sehr alte und gesunde Linden vorhanden sein mögen. (Die berühmteste unter den histottschen Linden ist die zu Neu« stadt am Kocher in Württemberg. Ihre Aeste waren swon im Jahre 1448 durch Säulen gestützt. Sie hat 12'/, Fuß Durch- i messer, theilt stch bei 5 bis 7 Fuß über dem Boden in 7 horizontale Aeste, die durch 94 steinerne und 17 hölzerne Säulen ge-■ stützt find. In der Höhe von 60—65 Fuß gehen zwei Aeste von je etwa 3 Fuß Durchmesser empor. Die Linde, deren Alter CaSgatt 1868 auf höchstens 691 Jabre schätzte, vegetirt nur noch, ist ganz hohl und innen durch Mauerwerk gestutzt.) Kleine Wittheilungen. Die Großstädte in Deutschland und Frankreich. Die deutsche Volkszählung vom 1. Dezember 1885 läßt vor Allem ttn auffallendes WachSthum der deutschen Großstädte er« kennen Da alle statistischen Zahlen erst durch die Verglttchung mit früheren Jahren und mit anderen Ländern rechtes Leben i und Interesse gewinnen, so wählen wir heute zur Vergleichuna die deutschen und die ftanzöstschen Großstädte und legen dabei das neueste offizielle französtsche Quellttrwerk Annn&ire statt- 1 stiqne de la France 1885, Paris Imprimerie Nationale 1885) j zu Grunde. Die letzten 3 ftanzöstschen Volkszählungen, worüber genaue offizielle Zahlen vorliegen, haben am 1. Juli 1872, am 31. Dezember 1876 und am 31. Dezember 1881 stattgefunden. Danach zählte Frankreich 1872: 36 102 92t Einwohner, 1876: 36 905 788 und 1881: 37 372 048 E.nwohner. Die städtische; Bevölkerung Frankreichs betrug 1872: 11234899 Einwohner, 1876: 11 977 396 und 1881: 13096 542 Einwohner. Die länd. 1 liehe Bevölkerung Frankreich» betrug 1872: 24 868 022, 1876: I ®4 928 392 und 1881: nur 24 575 506 Einwobner. Da» Deutsche Reich zählte am 1. Derembet 1871; 41 058 792 Einwohner,; 1875: 42 727372 und 1880; 45 234 061 Einwohner. Während also Frankreich in der Zeit von 1872 biS 1881 seine Volkszahl um 1 569 127 Personen vermehrte, betrug in dem Deutschen Reiche die Vermehrung von 1871 bis 1830: 4 175 269 Personen- Anlangend nun die Großstädte Frankreich» über 100 000 Einwohner, so haben die Volkszählungen von 1872, 1876 und 1881 folgende Ergebnisse geliefert: 1872. 1876. 1881. Paris 1851792 1 988 806 2 269 023 Lyon 323417 342 815 376 615 Marseille 312 864 318 868 360 099 Bordeaux 194055 215140 221305, Lille 158112 162775 178 144 i Toulouse 124852 131 642 140 289 Nantes 118517 122247 124 319 St. Etienne 110814 126 019 123 813 1 Rouen 102 470 104902 105 906 H-vre 86 825 92068 105 867 Frankreich hatte mithin nur 10 Großstädte, während Deutschland im Jahre 1880: 14"'" und nach der neuesten Die Einwohnerzahl de« Zählung 21 Großstädte zählte.._ deutschen Großstädte hat fich sttt 1875 in folgender Weise ent' wickell: Berlin Hamburg Breslau München Dresden S" Frankfurt a. Main Königsberg Hannover Stuttgart Bremen Nürnberg Düffeldorf Danzig Magdeburg Sttaßburg Chemnitz Elberfeld Altona Barmen Kriefdaste« der Redaktion. E. E. Wteuerftratze. Wenden Sie fich an den Zentral* Vorstand in Dresden. Geht auch dieser nicht auf Ihren An« trag ttn, so müssen Sie an dm Ausschuß gehen(§ 23 de* Statuts). Nutzt auch dieses nichts, so führen Sie Beschwerde btt der königl. Krttthauptmannschast in Dresden. A. B. 5555. Fragen Sie bei der königlichen Lotterie» Direktion an, oder lassen Sie fich die Gewinnlisten votf Jahre 1885 von dort schicken. Auch könnm Sie in unsere« Cxpeditton(Zimmerfir. 44) die Nummern deS„Berliner Volk«» blatt" vom vottgm Jahre selbst nachschlagm. Wille. Für die AlimentattonSansprüche deS uneheliche» Kindes haften die Eltern de» SchwängererS nicht. E- T. 12. Nach dem dargelegten Sachverhältntß wird die Ehescheidung erfolgen, ohne daß eS wetterer Zeugm fid den ScheiduT-gsgrund dedarf. 6. Juni laSL Sie find zur Zahlung verpflichtet. Durä ttnen Widerspruch gegm dm Zahlungsbefehl würden Sie fi» nur unnöthige Kosten machen. W. O. Ctendalerstr. Sie find verpflichtet, die Kindel impfen zu lassen. X. B- 3- 1) Verlust des Wahlrechts ttttt nicht ttn. � 2) 30 Jahre.- 8) Nein. R. 28., Grünauerftraße. Zur Zahlung der Restgebüh«� find Sie nicht verpflichtet, da der Winlcllonsulmt nicht derec? tigt war, die Sache anderweitig zu Ihrer Vertretung weg!»' geben. vischoff. Eine ausdrückliche Gesetzesvorschttst deS aNS� gebmen Inhalts existirt nicht. Im Einzelfalle kann stch Pflicht zur Treppenbeleuchtung seitens de« WitthS konstruitt" lassen.. Abonnent tu E. Ohne Einficht der Statuten lassen ff" Ihre Anfragen nicht beantworten.. G. 6., Schlefischeftr. Die erste und dritte Frage ist? bejahen, die zweite zu verneinen., K. E. Die Uhr unterliegt der Pfändung, die MostH nicht.■ R. R. 250. Der Mann kann die Hälfte des Vennög�? beanspruchen, das Uebttge fällt den Verwandten der Frau.', - I®:, V., Mauteuffelstr. Sic können mit Ihrem AntM aus Entsetzung des HisHettgen Vormundes einen Vorschlag p züglich des neu zu ernennenden Vormundes machen. J, Verantwortlicher Redakteur«. T?»»tzet« i» varlin.»ruck und Verlag von Max Babing in Berlin*W, veuth straße 2 Hier»« eine Bettt»" - Beilage zum Berliner BolNlalt. Nr.«. Freitag» de« 8. Januar 1886. III. Jahrg«. Miiküde lunsfuuni. Eo beUtelt sich«in sedr verständiger Artikel, welchen die »Züricher Post" über das Frouenstudtum— das heißt das aktive, nicht daS passtve, welches letzlere allerdings vielleicht daS inten ffavtere von beiden ist— veröffentlicht. In Zürich, deffen Univerfität dem fälschlich sogenannten schwachen Geschlecht unter gleichen Bedingungen geöffnet ist, wie dem cdcnfalls fälschlich sogenannten„starken" Geschlecht, ist vortreffliche Gelegenheit, die Frage von den studirenden Frauen und Jungfrauen praktisch zu studiren- Die Vor- urtheile, gegen weiche die„Züricher Post" ankämpft, finden fich auch bei uns, und da die Frage auch für uns eine „brennende" zu werden beginnt, so laffen wir den Artikel hier unverkürzt folgen. Er lautet: „«E'nundsünfzig holde Jungfrauen ringen an der Züricher Hockschule um die Palme der Wiffenschaft neben vierhundert- fünfundzwanzig studii enden Jünglingen. DaS find erschrecklich viele Blaustrümpfe" So schrieben jüngst die„Glarner Nach» richten". Es liege in duscm Ttmn, ward ausgeführt, „eine Ueberschreilung der von der Nmur gesetzten Grenzen, «ine Versündigung gegen den echt weiblichen Charakter." Die Auflehnung gegen eine weise Ordnung bringe dem Weibe nur Schaden, fie raube ihm sein vnmuthizeS Wesen. Uederspannte Frauen taugen nichts. Niemand soll fich in einen anderen Wirkungskreis eindrängen; die Frau habe ihre besondere Auf- gabt und man müffe den Gcmeinderath von Brüssel loben, weil er in den städtischen Mädchenschulen die Kochkunst als Fach eingeführt habe. Das Lied, welches am Fuße deS Glärnisch ertönt, ist eine recht bekannte Weise; fie geht durch die Lande wie gewisse Drehorgelmelodien. Gleichzeitig macht aber auch das Frauen- studium seinen Weg durch die Welt. Es ist für Nordamerika nichts Neues mehr, die konservativen Engländer haben sich theil- weise schon mit ihm ausgesöhnt und jüngst einer schönen Doktorin dieLeitung eineS der crstenSpitäler Londons anvertraut. Paris hat seine weidlichen Aerzte, die eines hob-n Ans- hens sich erfreuen; in Turin etablirten fich ror neniaen Wochen zwei junge Damen als Rechrsanwälte und nie die Töchter Evas in Zunch, Bern und Genf zu den Füßen der Professoren fitzen und ihre Exa- wen absolviren, weiß jeder Kadett. Es hat eine Zeit gegeben, da besonders in Frankreich unter dem weiblichen Geschleckte gar wunderliche und abson- derliche Gelüste zu Tage traten. Gcwiffe W'ibKin höherer Kreise warfen fich in männliche Tracht, trugen turze Haare, rauchten Zigarren, trieben fich auf der Strasse und in den tat 68 herum, schlugen einen sehr ungenuten Ton an und nannten das die Emanzipation ihres Geschlechts. Diese nur Abwechslung im Genüsse suchenden Emanzipirten haben zum Glück nicht Schule gemacht; ihre Bcstrebvnaen zerschellten sehr bald am allgemeinen Abscheu und dieser Widerwille von da- malS regt fich auf's Neue, seitdem die Frauen Einlaß in die hohen Eckulen begehrten. Man übersieht— zum Theil absichtlich— daß jene blafirte Wesen waren, die der Arbeit aus dem Wege gingen, während diese auf mancherlei Amüsements verzichtend, ernster, wissenschaftlicher Thätlgkeit fich zuwenden. Zu müßigem Schwärmen und regellosem Treiben hat die studirende Jungfrau weniger Veranlassung als manche ihrer auf Bällen, an Soireen und in Kuimt adhängigkett trachten: ei ist diese Eneraie der Ausdruck fitt- lich-r Kraft und gesunden Etreb-nS. Wo eine Nation im Niedergange begriffen ist, da trifft der Blick nicht studirende, sondern schlaffe, verdorbene, nach dem Rausch des Vergnügens lechzende Fraum. „Es schickt fich nicht für die Frau, daß fie die Hosen an» ziehe," brummt endlich unser Glarner. Ist aber der Eheherr ein Troddel— und so waS kann vorkommen!— nützt es im Hause nur, wenn eine verständige Frau ihren Willen durchsetzt. Ü-brigens hat dreles unberechtigte Hosentragen, daS unter bar- barischen wie zivilifiiten Stämmen ausnahmsweise übl ch ist, mit dem Frautnstudrum verzweifelt wenig zu schaffen. Die Mädcken bereiten fich auf der Hochschule nicht zur Ausübung des PantoffrlregimentS vor, bei ihnen handelt fich'S darum, eine selbstständige Existenz zu suchen. Wir loben es endlich auch, daß die hohe Kunst des KochenS gepflegt werde, aber zum Kochen muß man stets waS haben. Und hier gilt, was der Kürassier in„WallensteinS Lager" sagt:„Bruver, den lieben Gott da droben, es können ihn Alle zulgeich nicht loben." Nickt jeder Jungfrau blüht derMyrihenkranz und die Ausficht, als züchtige Hausfrau in Küche und Keller zu schalten; Tausende und Tausende bleiben unverheirathel, find auf fich selbst angewiesen und je mehr ihnen die Möglichkeit geboicn wird, du ch die Kraft des GeisteS fich empor- zuschwinaen, desto weniger sinken fie,— darüber wäre ein ganzes Kapitel zu füllen und zwar ein recht traurige«. Ein Treiben und Diänaen zum Frauenfiudium, wie es schon von überschwänglichen Stelen versucht worden, ist verkehrt, ist Un- finn und führt zu anormalen Zuständen. Aber Freiheit soll herrschen, eS darf der Mann die Frau nicht hindern, aus einer Lage fich zu retten, in die vornehmlich sein EgoiSmuS fie ge- bracht. Und«s werden die Bäume deshalb nicht in den Himmel hinauf wachsen, daS Leben ist ein ficherer Regulator. Großbritannien und Indien stehen unter dem Szepter eine« WeibeS und in Madrd hütet eine Königin den Thron. Das findet man hübsch und sachgemäß und kein Mensch protlstirt: daß aber ein gescheidles Mägdelein„auf Doktor" studirt, statt sein Sehnen und Verlangen auf eine„feine Partie" zu richlen,— soll gegen die Natur fein!" Diez der Artikel. Offen gestanden, beim Durchlesen desselben haben wir unS ein bischen geschämt. Wir Deutschen rühmen uns, an der Spitze der Zivilisation zu wandeln, und unsere Univcrft- täten, auf die wir ganz besonders stolz zu sein pflegen, befin- den fich in Bezug auf das Fraucnstudrum, veralich en mit den schwerer Universttäten noch in Kimmerischer Nacht. Und un- seie glatt gescheitelten, geschniegelten, gelegentlich in Antisemi« tismuS machenden Herren Studiosen rümpfen die Nase, wenn davon geredet wird, daß auch daS weibliche Geschlecht ein An- reiht auf das Univerfitälsstudium habe. Wir möchten die Aufmerlsamkeit dieser glatt gescheitelten, geschniegelten, gelegentlich in Antisemit Smu« machenden Herren Studiosen nur auf die. eine, durch die Erfahiung überein- stimmend festgestellte Thchsache lenken, daß überall, wo der Besuch höherer Bilvungsanstolten Frauen und Mädchen ge- stattet ist,— in Amerika, der Schweiz u. s. w.— die Manieren habe«, denn sie sperrte den Schnabel auf und schlug mit den Flügeln. Im Havdumdtchen war sie einaefavgcn, trotz des lautesten Proteste» der ganze» Kr ähevkolome. Ihr fehlte nichts. Wahrscheinlich war sie nur aus Neugierde auf den Rand des Nestes gekrochen und während de» Tumults herabgefallen. Doch dem fei, wie ihm wolle. Thatfache war, daß der kleine„Post-AnderS" sie jetzt eingefange» hatte und sie trotz ihre» von der ganze» Sippe unterstützten entsitzlichen Geschreies mit sich fort- führte. Beim Posthof angelangt, fetzte Ander» seinen neue« Schatz im Thorweg nieder und lief schnell mit seiner le- dernen Brieftasche hinein. Als er zurückkehrte, fand er seine Beute bald genug wieder, denn Krähen sind schlechte Fußgänger und von Natur nicht furchtsam. Glücklicher als ein König trat er de« Heimweg an. mit bloßem Kopf, denn das Krähenkivd lag in feiner Mütze. Der unerwartete Gast war der Mutter des Knaben eben nicht willkommen, aber er bekam doch die Erlaubniß zum Bleiben und das war vorerst die Hauptsache. Anders stutzte ihm mit der Wollscheere seiner Mutter die Federn; nun konnte er nicht fortfliegen. Sein Nachtquartier wurde ihm auf dem un- tersten Bord in einem niedrigen, wackeligen Eckschrank an- gewiesen, wo ihm ei» paar alte Krämpstiefel und ein Scher- den mit Schuhwichse Gesellschaft leisteten. Hier hatte er Luft genug, denn die Thür« hing nur noch in einer Hänge und so schief, daß oben eine handbreite Oeffnuvg blieb. Anders nannte fein Mündel nach einem verstorbenen Bruder „Hantl", ob au« Pietät oder au» Mangel an solcher, dar- über schweigt die Geschichte. HanSl wuchs heran und wurde ein sehr aufgeweckter Vogel. Er hatte einen unge- heure« Appetit, große Stücke Brod verschwanden in seinem weiten. Hellrothen Schlund, während er in gastronomischer Verzückung zärffich gurgelte und nrit den Flügel» schlug. Zu andern Zeiten, wen« man seine schlummernde Begierde nicht weckte, konnte er lange still und ruhig sitze« und mit seine« großen, dunkelblauen Augen Alle» um sich her so drollig aufmerksam betrachten und dabei so vernünf- tig autsehen, wie ein alter Mann. Und zuweilen, wenn Vater ärgerlich nach Hause kam und den Zungen in Angst und Schrecken setzte, indem er Schläge auf ihn herabregren der Herren Studiosen fick sehr wesentlich gebessert haben, und, in Folge der heilkamen Konkurrenz, auch ikn Fleiß ein grösserer geworden ist. Und grösserer Fleiß und bessere Manieren thun unseren deutschen Herren Studiosen wahrhaftig sehr noth. Eilt Kktozesrllschasl zur snedlichw Urbttmiiimz der Zizialdemkriltie, daS ist das Neueste auf dem Gebiete der merkwürdigen Eichel- nungen unserer Zeit. Die Agttation für diese Gesellschaft nahm mit einem Zeitungsartikel über„Sozialdemokratie und Sicher beitSwahnfinn der befitzenden Klaffen" den Ansang. An die befitzenden Klaffen wird wörtlich die Bitte gerichtet:„die durch das Sozialistengesetz geschaffene letzte Frist zur sozial« reformatorischen Aukraffung, d. h. zur Errichtung von Schutz- wällen durch Sozialreformen und gemeinnützige Werke grossen Stils" zu denutzen. Die..Aufraffung" ist denn auch erfolgt. Es gelang dem Dr. A. Eye, eine ANiengesellschast in's Lebrn zu rufen, welche den Namen„Pionier" bekommen hat. Der Gründer selbst de-- richtet darüber u. A.: „Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, ein Bahnbrecher für gemeinnützige Reformen, namentlich auf dem Gebiete der Volkswitthlckaft, Grsundheitspflcge, deS Schul- und Medizinal» wesenS zu sein. „Die Gesellschaft giebt eine Zeitschrift„Pionier", sowie eine für Zeitungen bestimmte„Pionier-Korrespondenz" heraus. „Die Anstellung von Wanderrednern wird angestrebt. „Bis Ende November 1885 wurde von 156 Äktionärerr und 163 stillen Theilhabern eine finanzielle Ersttin gs nundloge von 86400 Mark zusammengebracht. Da am 27. November die Konstttuirung der Gesellschaft stattfand, können Aktionäre vorläufig nicht mehr angenommen werden, dahingegen itt es möglich, daß gemeinnützig gesinnte Personen das Unter» nehmen unterstützen in den Formen der stillen Theilhaberschaft durch Zahlung von 3 Mark Eintrittsgeld und eines monat- ltchen Beitrages von mindestens 1 Mark, wovon 50 Pf. für Zusendung der Zeitschrift benutzt und der Rest zur allmäligen. Bttdurg einer Altte gut geschrieben wird." In welchem Geiste unter des Herrn v. Eye Leitung diese „Aktiengeselllchaft zur friedlichen Ueberwindung der Sozial- demokratie" wirken wird, dürste fich am besten aus folgenden Bemtrkungen, womit der genannte Herr die Ankündigung seiner Gründung begleitet, ergeben: „Ich knüpfe an den Artikel„Sozialdemokratie und Sicher- heitswahafinn der herrschenden Klaffen" die Warnung vor der Ueberschätzung der StaatShilfe und der Unterschätzung der bür- aerlichen Selbstbilfe und der gemeinnützigen Einzel-Jnitiatioe. Hat auch der Staat Großes für Lösung der sozialen Frage zu vollbringen, daS nock Größere jedoch muß aus der Einzel- that hervorgehen. Parlamente find nur in revolutionären Zeiten schnelle Reformer, in ruhigen Zeiten aber mehr Hemmnisse der Reform. Großes und Schnelles kann nur auS der Einzclthat erwachsen. Wenn vor unseren Augen kürzlich ein neues uner- meßliches Kongoreich entstand, welches die Völker Afrikas von den Gräueln des Sklavenhandels und der Barbarei befreien soll, so verdanken wir dies weltgeschichtliche Wunder nicht den Parlamenten, sondern den Thaten weniger Männer, zunächst einem schnellen Geldopfer zweier Zeitungsbesttzer, durch welches Stanley die Mittel zu seiner Heldenreise gewann; dann der Stanley schen Helventhat selbst Weiter der That deS Königs von Belgien, der aus Privatmitteln 19 Millionen Fiantä gab, um die zweite Epoche der Etanleykchen Kongo» Tbatrgkett zu ermöglichen. Und endlich der diplomatischen That des Fürsten Brsmarck, um daS neue Reich zu sichern. Wie im Alterthum, so giedt es auch in unseren Zeiten nichts Großes ohne rnoße Menschen, keine großen Thaten ohne große Thater, keine Heldengeschichten ohne Helden. Ader in unserer Zeit ist daS Heldenthum leichter. Im Alterthum gab eS ohne Einsatz des LtbenS kein H.-ldenthum, keine Unsterblichkeit. Anders heute. Die beiden Zeitungsbefitzer, ohne deren Geld AlleS unterblieb, setzten nicht ihr Leben, nicht einmal ihr Vermögen, sondern nur den geschäftlichen Reingewinn eines MonatS ein. Ebenso setzte der König von Belgien keineswegs feine Existenz ein. Die 19 Millionen Franks werden fich der« einst selbst in kaufmännischem Sinne verzinsen. Gleich- ließ, dann konnte man den Hansl hinauseilen sehen, als ob er sich vor einem Platzregen flüchtete, wobei er dann gar pvssirlich unbeh'Iflich aussah und eine Miene machte, al« ob ihm bange sei, daß ihn Jemand auf seinen kurzen Schwan, trete» könnte, so daß Anders sich oft die Zunge wund beißen mußte, um nicht laut aufzulachen. Wenn die An» der» zu Bette gingen, frühzeit-g, wie es auf dem Lande Sitte ist, kroch HanSl in seinen Schrank und schlref, dicht an die Wand gedrückt, den Schlaf des Gerechten, still und ruhig. Er war Ander«, Spielkamerad, Zeitvertreib, Mün- del und Fieund. Nie hat ein Mensch mehr von einem Thier gehalten, als Anders von seinem Vogel. Der Sommer verstrich, es war der glücklichste im Leben des Knabe«. Und wie froh wurde er, al« er in der Schule erfuhr, daß Krähen sehr alt werde» können und er demnach Aussicht habe, seinen Hansl lange zu behalten. Eines Abends, als Alle in der Hütte friedlich beisammen saßen, mit Ausnahme von„Vater", der noch nicht von der Arbeit heimgekehrt war, trat der Dienstherr ins Zimmer, um wegen der Feldarbeit für die nächsten Tage einige Befehle zu aeben. Ander« saß auf der Ofenbank und sch itzteHolzlöffel, Hansl stand glänzeadschwarz mitte» in der Stube und blinzelte klug mit seinen großen Augen Niemand drohte und fluchte oder schlug um sich. Er glaubte deshalb in seinem guten Rechte zu sein, wen» er ruhtg stehen blieb. Aber zu seinem Un- glück fiel der Blick des Dienstherr» auf ihn.„Schock- schwere Noth!" rief er.„Ist e# nicht genug, daß Ihr die Hütte voll Kinder habt? Müßt Ihr auch noch eine Menagerie haben?* Und ehe»och Jemand etwa« Böse« ahnte, hatte sein Stock HanU'S Kopf getroffen.„Ich vnll von d rzleichen nichts wissen, füttert lieber eine Henne, die Euch Eier legt," fügte er im Hinausgehen hinzu und warf die Tbüre hinter sich ins Schloß, daß die Fenster klirrte». HanSl saß mit halb geschlofftnen Augen auf dem Fuß» boden und hatte den Kopf zwischen die Schultern ge« zogen; dann und wann öffnete er seinen langen, grauen Schnabel, wie um zu gähnen. Anders saß bleich und de- stürzt aus der Bank.und betrachtete ihn.„Mutter, er stirbt!" nef der Knabe.„Ja," antwortete die Mutter unwirsch. „Er stirbt!" rief Anders abermals, diesmal in wilder wohl vollbrachte der König eine Heldenthat. Dieser Maßstab muß allaemein werden. Stanleys wachsen dann von selbst aus der Erde. An Reichthum zu finanziellen Thatcn, wie die erwähnten, fehlt es heute nicht, sondern ungeheure Kapitalien liegen brach. Außerdem find nicht einmal immer große Summen er orderlich. Häufig können schon kleine Be- träge Großes verrichten. Wird das innerhalb der befitzenden Klaffen begriffen, dann verliert die Sozialdemokratie ihren Schrecken. Was von Sodom und Gomorra galt, daß der Herr fie nicht verderben wollte, sofern nur zehn Gerechte da waren, daS gilt noch heute von allen großen Strafgerichten, welche Gott über die Völker kommen läßt. Die Rettung geht stets von wenigen Gerechten aus und daS Verderben vollzieht stch immer nur dann, wenn selbst die„zehn Gerechten" fehlen! Das ist trostvoll und ermunternd, aber auch von schwerster Verantwortlichkeit für Diejenigen, welchen der Himmel die Gaben zur Verrichtung der Rettung verlieh!"— So der Direttor der„Aktiengesellschaft zur friedlichm Ueberwindung der Sozialdemokratie. Der gute Mann de- findet fich nun allerdings mit seinen Anstchten über den Werth der„gemeinnützigen Einzel Initiative" ganz gewaltig im Zrr- thum. Und folgten alle Könige dem Beispiele des Könige von Belgien, und wüchsen noch tausend Stanbys„von selbst aus der Erde", und würden noch Dutzende unermeßlicher Reiche er« schloffen,— so würde das doch niemals eine Leistung zur „Lösung der sozialen Frage" sein. Auf diesem Wege allerdings wirb es mit der„friedlichen Ueberwindung der Sozial- demokraiie" wohl nichts werden. Wenn nicht die Grund» sätze wahrer Eozialgercchtigkeit Platz areifen in der Re» gelung deS wirthschafllich- sozialen Levens, so wird das Bemühen der„wenigen Gerechten" ganz gewiß vergeblich bleiben. PolMsche Ueberstcht. »er polnischen Presse bat fich eine ziemli In der polnischen Presse hat fich eine ziemlich lebhafte Distiiiston in Betreff des Sprritus-Monopols ent- wickelt. Der„Dziennik Pozn." räth, in dieser Angelegenheit zunächst eine abwartende Stellung einzunehmen, bis der Re- gierungs-Entwurf zu dem Spiritus. Monopol bekannt gemacht sein wird; erst dann werde man ein Urthril darüber gewinnen können, ob das Monopol für die polnischen Landwirthe, sowie nicht minder für die polnische Allgemeinheit, in wirthschaftlicher und sozialer Beziehung vortheilhaft sein wird. Dieser abwar» ter.den Stellung des„Dziennik" gegenüber spricht stch die übrige polnische Presse sehr entschieden gegen da« SpirituS» Monopol aus. Der„Orendownik" meint, die Polen könnten durchaus nicht durch das Spiritus-Monopol etwaS gewinnen. Der„Goniec Wiell." bemerkt folgendes:„Wir verstehen nicht, wie im Allgemeinen die Polen fich ncch besinnen können, wenn es fich um ein Monopol handelt. Das Monopol ist ein finanzpolitisches Werkzeug. Ist es möglich, daß ein Pole ein solches Werkzeug in die Hände der Regierung aus dem Grunde geben kann, weil ein Prozent der polnischen Bevölkerung vom Branntweinbrennen lebt, während wenigstens 50 Piment ihn genießen— wenn auch nur auS Nothwendigkeit? Es wäre Schade, wenn daS Ausland von uns eine so falsche Vorstellung gewöhn« I" Der Arbeitseifer der Sozialdemokraten und ihre Neigung zu pofiiivem Schaffen, erscheint der„Nordd. Allg. Ztg." als eine Folge des Sozialistengesetzes und der Sostal- Politik der Regierung. Das Blatt erinnert an die jüngsten Auseinandersetzungen innerhalb der sozialdemokratischen Partei und fährt fort:„... So viel man aber aus den von uns seiner Zeit mitgetheilten Vorgängen entnehmen konnte, kämpften ln der Partei zwei Tendenzen um die Herrichatt. Die eine, die alte Marx'sche Doktrin vertretende Richtung, ar scheinend aus den in dem Dottlinarismus derselben verknöcherten älteren Führern bestehend, beharrte auf dem umstrirzlerirchen interna- tionalen Standpunkt; eine andere, auS den erst später zur Führerschaft gelangten und mit dem praftischen Leben noch in lebhafterer Beziehung st, henden Elementen fich zusammensetzend, wollte anscheinend versuchen, durch den Parlamentarismus re- formirend zu wirken, und stellte fich dabei sogar auf nat onalen Boden. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier die Einzel- Vorgänge und Phasen jeneS Streites zu rekapituliren; das der» zeitige Verhalten der sozialdemokratischen Fraktion deS Reichs- tagcs gestattet aber wohl den Schluß, daß letztere Richtung die Oberhand bekommen habe. Faßt man nun tn'S Auge, daß die langsam vollzogene Aenderung im parlamentarischen Ver- halten der Sozialdemokratie in erkennbarem Zusammendangc mrt den Wirkungen des Sozialistengesetzes auf der einen Seite und mit der verkündeten und begonnenen Sozialreform auf der andere» Seite erfolgt ist, so wird man über die Bedeutung dieser Erscheinung leicht klar werden. Man wird allerdings nicht auf einen Zerfall oder ein Zerb öckeln der sozialdemokratischen Partei in absehbarer Zeit schließen dürfen, namentlich den anderen Parteien gegenüber dürste vie Einheit vor der Hand kaum in Frage kommen; aber eS ist immerhin von Belang, daß die oben charakterifirte jüngere Richtung in der Führerschaft der Partei prädominirepd geworden zu sein scheint."— Die„Nordd. Allg. Ztg." scheint die Vorarbeit für die weitere Verlängerung deS Eozialsttengesetzes bereits beginnen zu wollen. Daß die sozialdemokratische Fraktion in der gegenwärtigen Legislatur mit dem Einbdngcn von Entwürfen reger vorgeht, ist sehr erklärlich, wäre die Fraktion Verzweiflung, denn HanSl wackelte und schloß die Augen. „G-wrß stirbt er, desha b brauchst Du nicht so zu schreien!" sagte die Mutter gereizt. Ander« sagte»rchtS mehr. Schweigend givg er hin und hob den Vogel von der Erde auf. Der kleine schwarze Kopf fiel schlaff auf seine brauve Hand. Za, HanSl war todt. Armer Anders! Es war sein erster schwerer und bitterer Kummer. Ihm war, al« müsse sei« He-z brechen. Er ging mit Hansl in« Vorzimmer und legte ihn vorsichtig hinter die Thüre; dann lief er hinaus ins F eie, durch den kleinen Kohlgarten, über die Stoppel« selber und als er weit genug von allen Menschen entfernt war, warf er fich in einen Graben, der mit hohrm Gras bewachsen war. Hier lag er lange, laut schluchzend, das Gesicht mit den Händen bedeckt, während er dann und wann, wie unter heftigen körperlichen Schmerzen, la ge, gedämpfte Klagetöne aussti ß. Es wurde dunkel und still rings umher. DaS melancholische Brüllen einer Kuh. der einzige Laut, der au» weiter Ferne zu ihm d.ang und die Snlle unterbrach, weckte ihn auS seiver Betäubung. Anders erhob sich, ruhig und gefaßt, und kehrte langsam nach Hause zurück. Am folgenden Tage begrub er seine« HanSl, ohne zu klagen oder zu weinen, uno seinen Namen nannte er niemals wieder. Er hatte seinen Schmerz, st ine Thränen und seine Rache mit seinem tobten Freund begraben. Klllillkr Thciler. Louisenstädtisches Theater. W. L. Signor Lucifer, romantisch-komische Oper in 3 Akten von F. F a ck, Musrk von Louis D u m a ck, wurde am Mittwoch al« Novität im Louisen städtischen Theater ge« grben Obwohl da« Werk im Einzelnen recht guie Stellen ewhält, kann es stch doch bei Weitem nicht mit de« Schöpfungen größerer Meift.r messen. schon früber in derselben Stäike im Reichstag erschienen, so hätte fie ficher auch schon damals mehr Initiativanträge ein« gebracht. Die„Nordd." muß doch ganz genau wissen, wie wenig andere Parteien von jeher geneigt waren, Antiäge der Sozialdemotraten zu unterstützen. Das Sozialistengesetz hat nach dieser Seite hin keine posttire Wirkung gehabt, wohl aber hat eS dem anarchistischen Gedanken neue Nahrung zuge- führt; daS ist aber auch der einzige„Erfolg". DaS Branntweinmonopol ist bekanntlich von dem Herrn Delbrück mit dem Hinweise vertheidigt worden, daß auS den Einnahmen die Mittel für eine Altersversorgung der Arbeiter geschaffen werden könnten. Seiner Zeit agituten die Offiziösen im ähnlichen Sinne für daS Tabakmonopol, jedoch ohne Erfolg. Herr Delbrück glaubt außerdem, durch das Monopol einen Keil in das Zentrum treiben zu können; er sagt:„Wird das Monopol angenommen, so geht vielleicht das Zentium in die Brüche!"— Die„Germania" bemerkt dazu:„Komischer Schwärmer! Wie oft hat daS seit 15 Jahren schon in den „P eußischen Jahrbüchern" gestanden, sogar viel bestimmter! und nun gar— um deS Branntweins wegen!" Auf Grund des Sozialistengesetzes verbietet die kgl. Regierung von Obelbayern die Flugschnst:„Wie'« im Reichstage zugeht. Eine Winterbetrachtung für das Landvolk im ReichStagswahlkreise München Ii." Der Ausschuß der Droguisten und Apotheker, der von Köln aus für Aufhebung oder Erleichterung der Beschrän- langen im Apolhekergewerde agitiit, hat fich der„Pharma- zeuttschen Ztg." zukolge mit den Abgeordneten Eugen Richter und Bachem in Verbindung gesetzt. Die Herren sollen ihr Erscheinen auf der nach Köln einzuberufenden Versammlung in Aussicht gestellt und die Vertretung im Reichstage übernommen haben. Wie das genannte Fachblatt ferner bemerkt, hoffen die Herren zu erreichen, daß die Anzahl der Apotheken durch Kon- zesfionSertheilung bedeutend vermehrt oder der Handverkauf weiter frei würde. Dresden, 6. Januar. In dem in Sachen der Zentral- Krankenkasse der Tischler gegen die hiesige O t s- lasse geführten Prozeffe wurde gestern, Dienstag früh 9 Uhr, das Urtheil verkündet. Daffelbe verurtheilte die Orts- lasse zur Freigabe der Mitglieder obiger sten Kasse, sowie zur Tragung sämmtlicher Ä o (auch der beim Stadtrath erwachsenen) und Heraus- gäbe der zu Unrecht vereinnahmten Beiträge. Oesterreich Ungarn. Im österreichischen Lardtag haben die Klerikalen soeben einen Feldzug gegen die Ehefreiheit eröffnet. Die Abgeord« neten Knad und Genossen brachten dort einen von vielen Cr« wägungsgründen begleiteten Antrag ein, der darauf abzielt, die Ehefreiheit einzuschränken. Der Entwurf bestimmt im Wesentlichen, daß jede Eheschließung zuvor der Heimathsge« metnde kund zu geben ist, die darüber einen Ehemeldeschein auszufertigen hat. Einsprache kann der Gemeinde-Ausjchuß mit aufschiebender W rkung der Eheschließung in bestimmten Fällen erheben, nämlich: 1. Wenn der Ehewerber oder seine Braut wegen eines Verbrechens überhaupt oder wegen einer Uebertretung gegen die öffentliche Sirtlichkeit abgestraft worden ist und seit Ver« düßung der Straf« oder deren Erlaß nachweislich nicht minde« stens drei Jahre verflossen find. 2. Wenn der Ehewerber oder seine Braut zur Zeit der Anmeldung in strafrechtlicher Unter« suchung wegen etneS Verbrechen? überhaupt oder wegen eineS Vergehens gegen die öffentliche Sittlichkeit fich befinden. 3. Wenn der Ehewerber innerhalb eines Jahres, vom Tage der Anmeldung an zurückgerechnet, von der Gemeinde oder über« Haupt von öffentlichen Wohl-häligkeitsfonds eine Armenunter- stützung erhalten hat oder zur Zeit der Anmeldung mit seinen Leistungen an die Gemeinde und an den Armenfonds im Rück« stände fich befindet. 4. Wenn der Ehewerder einen geficherten Nahrungsstand nicht nachzuweisen vermag. Zurück, immer mehr zurück, daS ist die Parole der kleri» kalen Volksbeglücker in Oesterreich geworden. Schade nur, daß die Herren immer wieder vergessen, wie wenig fie im 19. Jahrhundert mit ihren Plänen Erfolge erzielen können. Die Beschränkung der Eheschließung wird nur zur Folge haben, daß die Paare auf den„Segen der Kirche" verzichten. Frankreich. Das franzöfische Kabinet ist noch immer nicht zu Stande gebracht. Ueder die Bemühungen Fceycinet's meldet die „Voss. Ztg." heute ein Privattelegramm: DaS Kabinet war gestern nahezu fertig und Freycinet hatte, um allen Gruppen gerecht zu werden, Lockroy und Granet einerseits, Rouvier und Fallieres andererseits Portefeuilles zugedacht. Als Lockroy und Granet die Namen der beiden Gambettisten hörten, erklärten fie sofort, mit ihnen in keinem Kabinet beisammen sein zu wollen. Freycinet hatte also von vorn anzufangen. In der neuen Kombination find die Gambettisten gänzlich unvertreten. Dänemark. DaS Ministerium Estrup schreitet weiter auf der schiefen Ebene. Vor einigen Tagen hat es den Folkethings-Abgeordneten Ravn, der wegen Majestätsbeleidigung zu drei Monaten Ge- fängniß verurtheilt worden ist, verhaften lassen, trotzdem es in der dänischen Verfassung heißt:„Der Reichstag ist unverletzlich. Wer seine Sicherheit oder Freiheit antastet oder einen darauf gerichteten Befehl erläßt oder einem solchen gehorcht, ist des Ei» deutscher Graf, Namens H.rrmann von Rosen« b e r g, reist mit seiner Tochrer E l f r i e d e, deren Zofe Dora und seinem Diener Kunz nach Italien. Zweck d>r Reise ist, Elfriede einem nahen Verwandten Lorenzo als Gattin zuzuführen. Doch- Elfriede liebt im S.illen einen Jüngling, dessen Name ihr unbekannt ist, dem es aber gelingt, die Rersenden heimlich zu begleiten, und so in der Nähe ElfriedenS zu bleiben. Baron Walther von Schönau ist sein Name, den er aber Elfrieden verschweigt, weil deren Vater von früher her einen großen Haß gegen seine Familie zur Schau trägt. In Italien werden die Reisenden von Räubern unter der Führung Signor LuciferS angegriffen und nur der muthgcn Ver- th-idiguag ÄalihcrS, welcher schsell zur Hand ist, verdanken sie ihr Lrben und ihre Freiheit. Eilends verläßt die Gesellschaft den Platz det UeberfallS und glücklich erreichen die Flüchtigen des Gasthaus„Jl Prug« nolo", dessen Besitzer Mass gerade seinen Hochzeitstag mit seiver Anita feiert. Von h'er auS begeben sich Maso und einige Bauern, nachdem der G-af gioße Versprechungen gemacht, in den Wald, um den Räuber zu erwischen. Den Bauern und Maso ist derselbe wohl bekannt, man nennt ihn Lucifer oder den grünen Teufel, weil er immer einen grünen Mantel trägt. Im Walde treffe« sie Walther, welcher den La« cisee erschlagen und ihm seinen grünen Mantel als Trophäe abgenommen hat. Walther wird von den Bauern für den Räuber gehalten und man bringt ihn in der Nacht zum Gasthause Maso'S, wo der Graf den Zug erwartet. Der bald erscheinende Richter läßt Walther, der seinen Namen nicht nennen will, in eine Kammer de» Hauses einschließe«, vor welcher Maso Wache halten muß. Kunz kennt jedoch den Geliebten Elftiedens; er trinkt mit Maso, bi« dieser betrunken ist und befreit dann den Walther. Schließlich hängt er dem Betrunkenen den grünen Mantel um. Als am nächsten Morgen der Richter und die Hochverraths schuldig." Und weiter:„So lange der Reichstag versammelt ist, kann kein Reichstagsmann ohne Genehmigung I der Kammer(des Things), der er angehört, in Echulvarreß gebracht oder überhaupt verhaftet oder angeklagt werden, eS sei denn, daß er auf frischer Thai ergriffen worden sei... Doch was kümmert stch Herr Estrup um die Verfassung, er hat I/tzt dl« Macht und datnit auch das Recht, zu thun was ihm« beliebt. Wahrschemlrch werden noch weitere V-rhastungeas folgen. Bemerkenswerth ist, daß das reaktionäre dänische Mmi«! stenum in der deutschen Presse eine so warme Unterstützung findet. So droht der„liberale"„Hannoversche Kourier": Da» Mimstenum Estrup werde„mrt Hilfe seiner Machtmittel und* «n Bunde mit den Landsthings eine noch nicht dagewesene' reaktronare Aera begrnuen, durch welche das politische Lebei Dänemarls mn vielleicht ein halbes Jahrhundert zurückaeschrobe n»rd.- Schone Seelen finden fich. der„große" Bennigse grerft dem versinkenden Danenmmister unter die Arme. DL das helfen wird? Wir bezweifeln das. Aus Liebe und Nach«! ficht wird die Opposition ficher nicht bisher geduldet worde« fern. Wenn man im Stande gewesen wäre, tabula ,»,» z» machen, so hätte man das längst gethan. Grotzbritauuie«. Lord Salisbury und der Schatzkanzler HickSbeach ha... ihren Parteigenossen ,n beiden Häusern des Par'aments durch ern Rundichrerben mitgetheilt, daß das Parlament am 12. Ja« nuar zur Wahl des Sprechers(Vorsttzenden) und zur Ver« ndigung der Mitglieder zusammentrete und daß die Ver« lesung der Thronrede am 21. Januar erfolgen werde. — Aus Rangun wird gemeldet, daß ,n Unterbirma di« Lreibeuterschaaren" fortgesetzt eme große Thätigkeit entwickeln. Der kommandlrende Offizier in Schwcgzin habe dringend di« Abfindung von Verstärkungen gefordert, auch in und bei Man« dalay werde von den Freibeuterschaaren ein systematischer Ter« ronsmus ausgeübt. Es seien in Folge dessen drei starke Truppenabtheilungen abgegangen, um die Macht der Auf« ständischen zu brechen. Eine Depesche des Vizekönigs von Indien, Lord Dufferin, meldet, die Dacoits hätten 24 Meile« von Mandalay drei Europäer getödtet.— Es wird jedenfall» j noch besser kommen. Das ist der Segen der Annexion. Amerika. Zeitrai leitete, hoffe, i sätze, r bereits wieder! leiten I ..Die Keily- Angelegenheit beschäftigt noch immer die rnnerwi Polmter. Bekanntlich hatte die Vereinigte Staaten«! kanischen................ �«wucin Regierung Herrn Kelle y zum Gesandten für Oesterreich ernannt. Der österreichische Hof hat aber erklären lassen, daß Herr Keile« nicht die geeignete Persönlichkeit für diesen Posten sei, weil- er mit einer Jüdin verheirathet sei. Im Senate der Ver« einigten Staaten von Amerika brachte nun am 20. o. M. der Senator Best erne Resolution ein, welche den Senat auffordect, die Zustimmung zu der von der Regierung eingenommene« Hallung auszusprechen und dieS wie folgt begründet: Verfassung der Vereinigten Staaten bestimmt, daß die Rehgicmsfrage mit der Qualifikation eineS Bürgers de« Vereinigten Staaten für irgend ein Amt oder für e,ne Ver« trauensstellung garnichts zu thun habe, und obwohl das Volk de» Vereinigten Staaten aufrichtig wünscht, freundschaftliche Be« Ziehungen mit Oesterreich. Ungarn und allen anderen Länderea zu« halten, so kann es doch keiner fremden Regierung das Recht einräumen, irgend einen Bürger diese» Landes auf Grund feines Glaubensbekenntnisses oder desjenigen seiner Famiii» als u n g e e i g n e t für ein Amt zu bezeichnen." V-st sprach fich sehr lobend über die Haltung deS Sekretär? Bayaid m der Keiley. Angelegenheit aus und beantragte dt« Verweisung der Resolution an das Komitee für auswärtig« Angelegenheiten, was angenommen wurde. Senator Plumb meinte, de? Vorfall habe wieder einmal bewiesen, daß unser ganzer diplomatischer Dienst n u tz l o s sei, und werde Hassent« Uch dazu dienen, daß derselbe abgeschafft werde. T Gesckä 3 von IC übrige» schriebe E Dem i wird v Es mii vollzog Stadtv „ W Löwe wollen. gegen' Stadiv zu Wä rung I geben, gegen Stimm Herren Di vollzog schäftsc S! ständ gliedert und ih stellunx stehen, des Er Aussch Si Si an, als damals Berath D« Ausschi werden. Z' Hoffma Unruhe habe, von sei Zu erhebt Vorfitze Bebau« Ausdrr A i schule i De ersucht, Di den Mi der geg Kommunales. Sc Stadtverordneten-Verfammlung. Gt* ungv omDo nn er st a g. den 7. Januar. .„Der Stadtoerordneten-Vorsteher, Herr B ü ch t e m a n«, i eröffnet die Eltzuna um 5'/« Uhr. Die feierliche Einführung und Verpflichtung der wieder« resp. neugewählten Stadtverordneten*) wird unter Beobachtung! der herkömmlichen Formen von dem Oberbürgermeister Herrn Dr. von Forckenbeck vollzogen. Es folgt die Wahl des Vorstehers der Ver« sammlung für das laufende Geschäftsjahr. Abgegeben wurde« Stimmzettel' zwei sind unbe'chrieben; die absolute Ma« jvnttat betragt demnach 59 Strmwen. Hiervon erhalten Hei« Etadto. Büchtemann 112 Stimmen. Herr Stadtv. Singer 4 Stimmen, Herr Stadlv. Dr. Stryk 1 Stimm«. Gewäblt ist somit Herr Stadtv. Büchtemann. Er nimmt die Wahl mit etwa folgenden Dankesworten an: M. H.! DaS Vertrauen, welches Sie mir heute von Neuem geschenkt haben, bewegt mich tief. Sie haben in dem kurz:« S. Morg.- Garten Pläne Schmu näher( darübei Bedeut dem bi durch b nen eu *) Neu find gewählt von der 3. Abtheilung die Henc« Vortmann, Mühlderger, Mitan, tzoffmann, Hellriegel; von der 2. Abtheilung die Herren Weber und Häger; von der kÄJVi.Ä&Ä* �' Polizei erscheint, ist der Vogel ausgeflogen. Nun findet man im Walde den wirklichen. Räuber und eS stellt fich heraus, daß dieser kein anderer war, als Lorenzo, dem der Graf seine Tochter Elftiede zur Gemahlin gebe» wollte. Lorenzo hatte sein Vermögen verpraßt und war dann schließlich Räuber geworden. Ku»z unternimmt e», dea Grafen über de» wahre« Sachverhalt aufzuklären und dieser giebt nun freudig die Hand seiner Tochter dem Baron Waith« von Schönau. So der Inhalt des Stückes, der ersichtlich nirgends etwas Neues oder Besonderes freiet. Die Musik b-findet sich entschieden auf einem höheren Niveau, ab« eS ist auch dem Komponisten nicht gelungen, jene Höhe zu«klimme», auf welcher eine Op« fich befinden muß, wenn sie in Frische und Lebendigkeit sich auf lange Zeit hinaus erhalten soll. Spiel und Gesang waren recht lebhast. Fräulei« F esea mai r«rang mit ihrem Liebllagsllede:„O Schei« den und o Meisen" als Elftiede großen Beifall. Ganz de« sonder» aber gefiel da» Lied im zweiten Akt:„Ach es ist ein süße» Träumen..." Fräulei« Frey gab di« Dora ganz vortrefflich, yre schöne klare Stimme ist ganz wie geschaffen, um das Publikum zu begeistern. Fräulein Schwartze ist eine viel versprechend« junge Kraft, sie war eine allerliebste Anita und legte i« dieser Rolle Proben großer Leistungsfähigkeit ab. Ihr Ehe« mann Maso(Herr R e r n e ck e) stand ihr ganz paffend z ue Seite, die kleinen Neckereien zwischen den jungen Gatten waren voll« Natürlichkeit uad gaben dem Ganzen ein recht hübsche» Relief. Die komischen Szenen des Maso mit Kun» (He« Zimmermann), den Dien« des Grafen,«« höhten die animirle Stimmung, welche auch bi» zum Schluß die Zuhörer beherrschte. Komponist und Spiel« wurden wiederholt hervorg«" rufen und es läßt fich erwarten, daß..Signor Lucif«" trotz d« ihm anhaftenden Schwächen noch recht oft ein volle» Hau» erzielen wird. in der Markts Ebenso Spittel entbehr von de werden. U. wird jr des Pi und d- gegen 1 Magist hcit bei den. Ganz« dann v Die Ei daS bei bringer Dzienn adelige Tender nehmer ebenso suchunk Robins jugend! ständig ihm d „Qloej en che die bei ifer »Uns, durch 1 wirthss Kreife folgte tz Singer große i deuten) konnte, Der Fi der Mi wurde. ments i Abalfe zember Woche heitcn ieichstag hmiguni ulvarreß n, ti sei EL.. Z. erbat vai ihm ÄTf A ttel unl Zewes« ;e Lebe« :schrob< ennigsei« me. Ol d Nach-j worde«» »» h habe� tS durch« 12. Ja-, rr Berit Bev« rma di« twickeln. end die iet Man- her Ter- Ei starke er Auf- igs von Meile» idenfalll e am«* Staaten« ernannt. rr Keiletz weil— Der Ber« M. der «ffordert» >mmcnen mt. daß >ers der- me Ber» Volk de» iche Be« iänderea una dal lf Grund Familie Zekretärl -agte dt« swärtig« - Plumb ß unser hoffent«' 1 Zeitraum, in dem ich bisher die Geschäfte dieser Versammlung leitete, mir Ihre volle Nachficht zu Theil weiden laffen. Ich hoffe, daß Sie es auch fernerhin thun werden. Die Grund- sätze, nach denen ich mein Amt zu führen gedenke, habe ich bereits ausgesprochen. Lassen Sie mich die Verficherung wiederholen, daß ich unparteiisch und sorgsam die Geschäfte zu leiten bemüht sein werde. Ich hege die Hoffnung, daß eS uns gelingen wnd. zum Wohle der Stadt auch in diesem Jahr die Geschäfte fortzriführen!„(Bravo.) Zum Vorsteher-Stellvertreter wird mit 80 von 101 Stimmen Herr Stadtv. Dr. Strpl gewählt; die übrigen Stimmm zersplitterten fich; 18 Zettel waren unbeschrieben. Es folgt die Wahl von drei Beisitzern. Dem Vorschlage, die Wahl durch Akklamation vorzunehmen, wird von dem Stadto. Prof. Bellermnnn widersprochen. Es müssen in Folge dessen die Wahlen durch Stimmzettel vollzogen werden. Zum 1. Beifitzer wird Stadtv. Sieb mann, zum 2. Stadtv. Siebert, zum 3. Stadto. Zippel gemähll. Wahl von drei Stellvertretern. Stadtv. Löwe ersucht diese Wahl durch Akklamation vornehmen zu wollen.— Stadtv. Prof. Bellermann erklärt, Widerspruch gegen diesen Modus nur dann nicht zu erheben, wenn der Stadtv. Ziethen(Bürgerpartei) unter den durch Akklamation zu Wählenden fich befinde.(Heiterkeit)— Auf die Aufforderung deS Vorfitzenden, eine bedingungslose Erklärung abzu- geben, erhebt der Herr Stadtv. Prof. Bellermann Protest gegen die Akklamation. Die Wahl erfolgt demnach durch Stimmzettel. Gewählt werden mit großer Majorität die Herren Sa Ige, Schmidt und Solon. Die Verloosung der Mitglieder in die Abtheilungen wird vollzogen. Eine Reihe weiterer geschäftticher Maßnahmen wird ge- schäftsmdnunaSmäßig erledigt. Stadtv. Meyer I und Genossen beantragen, einen ständigen Wablprüfungs-AuSschuß von 10 Mit- gliedern, dem alle Wahlprotcste zu überweisen find, zu wählen und ihm das Recht zu geben, wegen Ermittelung oder Fest- stellung von Thatsachm, die mit der Wahl im Zusammenhang stehen, Antrage an den Magistrat zu stellen und die Prüfung des Emsmuchs gegen die Wahl des Stadtv. Vortmann diesem Ausschuß zu überlassen. Stadtv. Meyer l motivirt seinen Antrag. stadtv. Dr. I r m e r schließt fich dem Antrage um so eher an, als ein Antrag, den er(Redner) vor Jahresfrist stellte und der damals von der Majorität abgelehnt wurde, mit dem jetzt in Berathuna stehenden vollkommen übereinstimmte. Der Antrag Meyer i wird angenommen. Die Wahl der Ausschußmitglieder wird durch die Abtheilungen vollzogen werden. Zur Geschäftsordnung beklagt fich der Stadtv. Hoffmann II(neu gewähltes Mitglied) darüber, daß die große Unruhe, welche in der Versammlung herrsche, ihn gehindert habe, die Worte deS Vorfitzenden zu vei stehen und deshalb von seinem Stimmrechte Gebrauch zu machen.(Gelächter.) Zur Ehre deS verstorbenen Stadtverordneten Böhm erhebt fich die Versammlung von ihren Plätzen, nachdem der Vorfitzende im Namen der Versammlung dem schmerzlichen Bedauern um daS plötzliche Ableben eines hochverehrten Kollegen Ausdruck verliehen hatte. Ausschmückung der Aula der höheren Mädchen- schult in der Jfflandftraße mit Wandgemälden. Der Berichterstatter des Ausschusses, Stadtv. B o e s ch e, ersucht, die erforderlichen Kosten(3690 M.) zu bewilligen. Der Ausschußantrag wird angenommen. Ebenfalls angenommen wird der Antrag des Ausschusses, den Magistrat zu ersuchen, bei der Aulen über den Rahmen der gegenwärtigen Ausstattung nicht hinauszugehen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 8'/« Uhr._ Lokales. Seitens des Magistrats ist soeben, wie der„Breslauer Morg.-Zeitung" von hier geschrieben wird, an den städtischen Gartendireftor Mächtig die Aufforderung gerichtet worden, tlöne für die Umwandlung des Dönhofsplatzes in einen chmuckplatz demnächst vorzulegen. Damit ist eine Frage näher gerückt, die für Berlin zunächst in diesem Momente, darüber hinaus aber auch für alle anderen Großstädte von Bedeutung ist. Der Dönhofsplatz ist einer der Plätze, auf dem bisher öffentlicher Marft stattfand, speziell der Platz, der durch das weitbekannte Bild„der Gänsemarkt" zu einer klei- nen europäischen Berühmtheit geworden ist. Mit der spätestens in der zweiten Hälfte des April bevorstehenden Eröffnung der Markthallen wird dieser Platz als Marltplatz überflüssig. Ebenso geht es mit dem Schillerplatz, dem Neuen Markt, dem Sprttelmartt. dem Alexanderplatz. Andere, vorläufig noch un- entbehrliche Plätze werden folgen. Sie alle werden demnächst von der Gartendeputation Berlins in Schmuckplätze verwandelt werden. s iÄXÄ nun uc» des Pioieljes zur Abanlitiuno der Baufluchten ist abgelaufen, demann» �em nächst werden die Eigenthümer, welche den Protest gegen das Proielt unterzeichnet, zu einer Verhandlung beim Magistrat eingeladen werden. Hierauf wird die Angelegen- hert dein Minister der öffentlichen Arbeiten übergehen wer« den. Man ist der Anficht, daß diese Verhandlungen im ■ui(»an Ganzen in 7-8 Wochen erledigt sein werden und da» uorenzo, baun mit dem Bau der Markthallen begonnen werden wird- - gebe« Die Einwendungen in dem Proteste find nicht der Art, daß fie Dfl« 2m � i f.M_____ r«... rv**. uar- man«, ; wieder« bachtung r Herr» »er Ver« wurde« ute Ma« ten Her» Stadto« Stimm«. r nimmt M. H.l Neu rin n kurz n : Herren el; vo« von der n findet illt fich i»d w« � bereits in allen dringen könnten. Instanzen genehmigte Projett zu Falle S MWWWK neymens soll der sehr geachtete, als Politiker und Schriftsteller, Kreisen durch seine gediegenen Unter- Iv hi itP*, Abhandlungen bekannte Herr Dr. Severin niJ; �"�Fbe nahm schon in einem sehr iug.ndl.chkn Alter, rm Jahre 1863, in der damaligen auf. standigen Presse eine hervorragende Stellung ein. Es wurde ihm die Letiung der damaligen Zeitung für Literatur deS «uios-lltv?" unter so schwierigen Verhältnissen alS Redatteur WAWM nirgend» befindet «st auch limme», •w sräulei« )Sch-i« Bom de« h es ist lab di« rme ist geistern. rechend« legte in hr Ehe- .md z r« Gatte» in recht lit Ku"» ». Schluß ervorg«- t" trotz t volles UWSSZ der kurzen P-ozeß. ließ eine Pfändung sMASsS WaS bfl Nach's bebandelte Fälle 494. davon in' der '?"wh°ld der Wache 290. Hiervon innere Krank- Herten 300, chirurgische Fälle 179, geburtshilfliche Fälle" 15 Ferner in der Zeit vom 1. J-nuar b's 31. Dezember 1885 bei Tage behandelte Fälle 813. Davon in der Wache 410, außerhalb der Wacht 403. Hiervon innere Krankheiten 358, chirurgische Fälle 417, geburtshilfliche Fälle 38. Familien er- werben durch Zahlung des AdonnementsbeitrageS von jährlich Mark den Anspruch auf freie ärztliche Hikfe des Nachts. Meldungen nimmt entgegen Wiest, Aoaldertstraße 20, und KendzierSky, Oranievstraße 39. �„ Au» der Einziehung untergewichtiger Goldmünze« erwachsen nach Dr. Soetdeer's Untersuchungen dem Reiche ährlich 120 000 M. Kosten. Sobald die Doppellronen fich nämlich unter da» Pasfirgewicht von 7,9251 Gr. und die Kronen unter 3,9625 Gr- abgenutzt haben, werden fie von der ReichSbank zurückgebalten. Wenn fie dre Münze verlaffen. wiegen fie zwi chen 7,9450 und 7,9848 resp. 3,9725 und 3,9934 Gr. Dr. Soetdeer hat zu seiner Untersuchung einmal zehn Posten a 1000 Stück Doppelkronen und einmal je fünf Posten Kronen und Doppellronen, welche fich im Umlauf befunden hatten, wiegen laffen. Seine Untersuchung erglebt, daß eine Krone etwa 25 Jahre, eine Doppelkrone etwa 50 Jahre umlaufen kann, ehe fie unter das Pasfirgewicht fintt. Major v. Gerdard t» Potsdam, bekannt unter dem Schrifistcllernamm Gerhard von Amyntor, hat, wie die„P. N. mitlheilen, für ein Buch, das den Titel führt:„Sprüche rc. lebender deutscher Dichter", folgenden Beitrag geliefert:„Wer eine richtige Vorstellung von der Dummheit und GefinnungS- lofigkett der großen Menge gewinnen will, der betrachte z r Zeit politischer Wahlen die Veranstaltungen, die von den ver- chiedenen Parteien gemacht werden, um Stimmen zu werben. Die Masse alS solche wird nie politisch reif; unter zehn jugend- lichen Wählern befindet fich mindestens einer, der seine Stimme um ein Glas Branntwein oder gar um ein unerfüllbares Ver- prechen hingiebt. Erst eine späte Zukunft wird uns lehren, daß daS Schwabenalter für viele Staatsbürger die Voraus- ketzung ihres attiven Wahlrechts bilden muß, und daß jüngere Leute ohne wissenschaftliche Erziehung ihre Befähigung zum Wählen erst durch ein entsprechendes Examen darzuthun haben." — Od der konservative Herr v. Gerhard bei seinen Potsdamer Gefinnungsgenoffm seine Studien gemacht hat, wäre interessant zu erfahren. Et« merkwürdiger Unglücksfall trug fich voraestem Abend in einem Tanzlokal in der Schumannstraße zu. Ein in der Schwedterstraße in Kondition stehendes Dienstmädchen, Marie B., hatte sich mit mehreren Freunoinnen zu einem Tanz- vergnügen in das bezeichnete Lokal begeben und fich dort so unvorsichtig auf einen in der Nähe der Treppe stehenden Stuhl gesetzt, daß es mit demselben umschlug und die ganze Treppe herunterstürzte. Die Ärmste zog fich bei dem Falle neben äußeren Verletzungen einen komplizirten Unterschenkelbruch zu, in Folge dessen fie sofort nach der königlichen Charitee geschafft werden mußte. Belle-Alltance-Theater. Trotz deS außerordentlichen Erfolges, welchen die Gesangspoffe„Lucinde vom Theater" all« abendlich erzielt, ist die Direktion doch schon eifrigst mit der Jnszenirung einer Novttät beschäftigt, die bestimmt ist, die Ge- sangSposse vom R.pertoir abzulösen. Durch das Unwohlsein der Frau Niemann ist das Reperioire im Deutschen Theater etwas verschoben worden. „Ein Tropfen Gift" wird nunmehr morgen, Sonnabend, wieder gegeben. Die für diesen Tag angekündigte Aufführung von„Der Bureaukrat" kann daher erst am nächsten Montag, den 11. d. M-, stattfinden. Gerichts-Zettiwg. Aufnahmepflichtige Berichtigungen müssen- mit be- sonderer Vorficht abgefaßt werden, wenn der Zweck der Auf- nähme erreicht werden soll. Das hat der Herausgeber der Adreßbücher für die deutsche Lederindustiie, Herr Dreyfuß in Frankfmt a. M., an fich erfahren müssen, indem eine von ihm an den Redatteur der„Deutschen Gerber Ztg." Wilhelm Dust eingesandte Berichtigung von der sechsten Strafkammer hie- figen Landgerichts I für nicht aufnahmepflichtig erachtet und deshalb der Angeklagte freigesprochen worden ist. In der „D. G.-Ztg." war nämlich daS Dreywß'sche Adreßbuch einer scharfen Beleuchtung unterzogen worden, welche den Heraus- geber veranlaßte, in der eingesandten Berichtigung eine grö- ßere Anzahl von Thatsachen, auch solche, welche in dem qu. Artikel gar nicht behauptet worden waren, für unwahr zu erklären, ohne die wahrm Thatsachen mitzutheilen. Der Staatsanwalt beanttagte 10 M. ev. 1 Tag Haft, während der Gerichtshof dem Anttage des VertheidigerS RechtsanwakS Modler entsprechend, wie schon erwähnt, auf Freisprechung erkannte, weil die Behauptung, eine Thatsache sei unwahr, nicht die einer Thatsache sei, son- dern nur ein Urtbeil enthalte und weil außerdem auf gar nicht behauptete Thatsachen zurückgegriffen worden war. Der bekannte Heilkünstler Richard Theodor Mohr- mann stand gestern unter der Anklage der versuchten Nöthigung (nämlich des Herrn Rudolph Masse und deS Redakteurs Sieg- mund Perl) vor den Schranken der vierten Strafkammer Hiefizen Landgerichts l. DaS„Berl Tgbl." hatte gegen die„Deutsche GeftindheitS- Kompagnie", an deren Spitze der Angeklagte Mohimann und der Schriftsteller Dr. phil. W- Bernhardt, der Verfasser des„Jugendspiegels", stehen, einige scharfe zur Warnung deS Publikums berechnete Artikel veröffentlicht. Dadurch sah fich der Angeklagte veran- laßt, an Herrn Rud. Moffe einen Brief etwa folgenden In- haltS zu richtet:„Wenn daS„Berl. Tagebl." noch einmal gegen ihn eine unberechtigte Kritik. Angriff« in gehäsfiger Art, Beietd gungcn oder öffentliche Herabwürdigungen veröffent- lichen würde, so würde er Herrn R. M. und dem betreffenden Redakteur a la Lili Schwan zur Verantwortung ziehen oder mit der Reilpeiische trakliren. Zum Schluß dezeichnet er ein derartiges Verhalten als„jüdische Unverschämtheit und Lümmelei". Auf Antrag deS Staatsanwalts Schaeffer wurde im Termin die Bekanntmachung des Polizei-PräfidiumS vom 15. Oktober vorigen JahreS verlesen, in welchem das Publikum vor dem unlauteren Treiben ver gedachten Kompagnie auf daS Ernsteste gewarnt wird. Als- dann beantragte der öffentliche Ankläger, indem er in dieser Frage die Thätigkeit der Presse lobend hervorhob, eine Ge- sängnißstrafe von sechs Wochen. Rechtsanwalt Dr. F. Fried. mann, der die Vertheidigung nur wegen de« juristischen In- tercsses übernommen zu haben erklärte, plaidirte auf Frei- sprechung des Angeklagten, weil dessen versuchte Nöthigung in dessen Bewußtsein keine widerrechtliche sei. Denn die Drohungen bezichen fich nur auf den Fall, daß er widerrechtlich behandelt worden würde, Beleidigungen seien aber mit leichten Körper- Verletzungen zu kompenfiren. Der Gerichtshof verurthellte den Angeklagten zu 100 M-, dabei auf dessen gereizte. Stimmung Rückficht nehmend.«... In dem Zeugnißzwang-Berfahren gegen den Redatteur des„Berliner Tageblatt". Siegmund Verl, in welchem be- kanntlich in Gemäßheit deS§ 69 Abs. 2 der Strafprozeß. Ordnung die Dauer der Zwangshaft auf 6 Monate festgesetzt worden war, hat auf die von dem Mandatar des GEmatz- regelten, Rrch'Sanwalt Michaeli», eingelegte Beschwerde die fünfte Strafkammer hiefigen Landgerichts l beschlossen, die Dauer der Haft auf 6 Wochen zu beschränken. Die beaügliche B-stimmung lautet nämlich:„Auch kann zur Erzwingung deS Zeugnisses die Haft angewendet werden, jedoch nicht über die Z-it der Beendigung des Verfahrens, und bei Uebertretungen nicht über die Zeit von sechs Wochen hinaus." DaS hiefige Amtsgericht qualifizirte dm Bruch der Amtsver. schwiegenheit alS ein disziplinarisch zu ahndendes Vergehen, während die Beschwerdein stanz der Auffassung des RcchtS- anwaltS Michaelis beigetreten ist, daß ein Verstoß gegen die Disziplin nur als eine der Uedertretung gleich zu achtende Handlung angesehen werden könne. AlS ein merkwürdige« Kuriosum muß eS erachtet werden, daß die erste EhescheiDungssache, welche im Jahre 1885 vor der 13. Zivilkammer hiefigen Landgerichts i zur Verhand- lang gelangte,„Kummer wider Kummer" rubrizirte, während am 4 d.MtS. die erste verhandelte Ehescheidungssache wiederum das Rubrikum„Kummer wider Kummer" trug. Beide Pro- zeffe haben mit einander aber nichts gemein, als den gleichnt Namen der Parteien._ Soziales unh Arkeiterkemegung. lieber die ErziehungSf age dringt das amtliche „Dresdner Journal" an leitender Stelle etnm Artikel, dem wir folgende Absätze entnehmen: „Der Schwerpunkt aller Erziehung liegt nach unserer An- ficht in der allerersten Periode deS menschlichen Lebens vor der Schulpflichtigkeit und demgemäß ist der allererste und wichtigste Erzieher deS Menschengeschlechtes weder Vater, noch Lehrer, sondern die Mutter. Und daraus schließen wir wieder, daß die wohlhabende oder reiche Frau, die ihrer Kinderstube den Rücken dreht, um in Gesellschaft oder das Theater zu gehm, die ihre Kinder rohen, ungebildeten, jähzornigen Dienstboien überläßt, fich nicht nur an ihren Kindern, sondern an der menschlichen Gesellschaft versündigt. Sie vernachlässtzt ihre allererste Pflicht als Familienglied und Bürgerin und anstatt galanter Huldigungen in der Henenwelt müßte fie auf ernste Mißbilligung und Mißachtung stoßen. Die arme Frau aber, die nicht der Hang nach Vergnügungen, sondem die bittere Nothwendigkeit, Brot zu schaffen sür ihre Kinder, aus der Kinderstube treibt, ist an der Ausübung ihrer wichtigsten Pflicht gehindert und hier ist der Hebel Nr. 1 für werklhntige Eozialreform anzusetzen. Wir wissen woh', es wild praktisch ebenso undurchführbar sein, allen oerheiratheten Frauen und Müllern die Mittel, am heimischen Herde ihren Erziehungs- pflichten nachzukommen, zu gewähren, so wenig wie e» möglich ist, die Armuth auS der Welt zu schaffen. Wir wissen aber auch, daß trotzdem jener Zustand als die ideale Norm hingestellt werden muß, dem möglichst nahe zu kommen die Aufgabe unseres StrebenS ist. Wer auch nur einer Arbeiterfrau, die kleine Kinder hat. Gelegenheit giebt, anstatt außer dem Hause, daheim ihre Arbeit zu verrichten, arbeitet mit an der Erziehung des Men- schengeschlechts, und wer eine Mutter darüber belehrt, welche hohe und ernste Pflichten fie an ihrem kleinen Kinde erfüllen kann und muß, thut für die Allgemeinheit mehr, als der ge- lehrteste Professor mit dem schönsten Vortrage vor dem elegan- testen Damenauditorium der Refidenz. „Freilich, unsere Msttter find noch weit davon entfernt� selbst Jdealmenschen zu sein und demgemäß Jdealmenschen zu erziehen, aber trotzdem find und bleiben fie die geeignetsten Er- zieherinnen, weil die Natur ihnen ins Herz den mächtigsten aller Triebe, die Mutterliebe, gelegt hat, und auS dem Geiste der Liebe heraus wird alle wahre Erziehung geboren."— Wir wollen mit dem amtlichen Blatte nicht darüber streiten» ob die Armuth auS der Welt geschafft werden kann— wir glauben es zur Ehre des Menschengeschlechts; doch daS Eine steht fest: unsere Produktionsweise kann derart geregelt wer- den, daß auch nicht eine Frau, welche Kinder hat, zur Arbest außer dem Hause verwendet zu werden braucht.— Also nach dieser Richtung ist der Hebel für werkthätige Sozial- Reform anzusetzen. Würde dies aber das amtliche Blatt thun so geriethe es sehr bald in Streit mit seinen L fern sowohl, als mit seinen Leitern.- Eine solche Sozial-Resorm ist eben de« Leuten allzu ernsthaft._ Vereine nnd Versammlungen. Polizeilich aufgelöst wurde die Versammlung des Louisenstädtischen Bezirti Vereins„Vorwärts", welche am 5. d. M. bei Marquardt, Alexandrinenfir. 110, unter Vorfitz des Herrn Krause tagte. Herr Dr. Gerlach hielt einen interessanten mit roßem Beifall aufgenommenen Vortrag über, Fabale und liebe". An den Vortrag schloß fich eine kurz« Diskusfion, in welcher ein Redner an den zitirten Spruch: Immer strebe zum Ganzen rc. anknüpfend, meinte, in diesem Sinne werden wir stets für unser gutes Recht und für unsere gute Sache kämpfen, loste der überwachende Polizei Beamte di- Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes auf. Gleich darauf machte derselbe darauf aufmerksam, daß nach§ 17 ein Jeder sofort den Saal zu verlassen habe. An die Buchbinder- und Kontobucharbeiter Berlin«» Kollegen! In allen Gcwerten regt es fich, überall gehen die Arbeiter daran, fich zu vereinigen, gemeinsam für Abhilfe Sorge zu tragen. Und wie steht es in dieser Hinsicht unter den Buch- hindern und Kontobucharbeitern Berlins aus. Haben wir nicht ebenfalls genug Mißstände aufzuweisen, für deren Beseitigung ein gemeinsames Eintreten an der Zeit ist. Beweist, daß Ihr die Kraft und das Bewußtsein, Eure Lage zu bessern, besttzt und kommt am Sonnabend, den 9. Januar, Abends 8>/> Uhr, zur großen öffentlichen Versammlung in Nieft's Salon, Kom- manvantenstraße 71,72. Der Verein der Schrifthauer(Steinmetzen und Bild- Hauer auf Grabdenkmalschriften) hält am Sonntag, den 10. Januar, Vormittags 11 Uhr Johannisstr. 20, eine Versammlung ab, in der die Lohnerhöhung für dieses Jahr be- rathen werden soll. Das Eischeinen aller Kollegen ist daher dlingend nothwendig. Steinmetzen als Gäste find willkommen. Die außerordentliche General- Versammlung der Kranken- und Sterbekasse der Berliner Hutardeiter und Be- rufsgenoffen findet Sonntag, den 10. Januar 1886, Vorm. 10 Uhr, im Saale des SchüyenhauseS, Ltnienstr. 5, statt. Tagesordnung: 1. Jährlicher Rechenschaftsbericht. 2. Vorstands wähl. 3. VerschiedEneS. 4. Fragetasten.— QuittungS» buch legitimirt.— Bemerkung: Anträge zur Generalveisamm- lung müssen spätestens bis 3. Januar dei n Voi fitzenden, Herrn Richard Augustin, Pappel-Allee 7, eingereicht werden. Bezirksveretn des werktliätigen Volke« der Schön- hauser Vorstadt. Die zum 10. d. M. beschlossene Partie nach Marienfelbe kann Umstände halber erst am 17. d. M. stattfinden. Die nächste Versammlung findet am 12. d. M. statt. Tagesordnung: 1) Vortrag. 2j Dlslusflon. 3) Frage- rasten. � Das Lokal, w o die Versammlung staltfindet, kann erst in der Sonntagsnummer dieses Blattes bekannt gegeben werden.__ Vermischtes. .,®«fchi»upend Packung 1,35, 1,50, 1,75, 2 Mk. Model-Cattune» vollständig waschecht, Mtr. 30 u. 40 Pf. Teppiche in a!Icn Qualitäten und größere 4, 5, 0, 10 Mk. W o schechte H auskleiderstoffe Mtr. 30 u. 40 Pf. Wollene Kleiderstoffe 1%- Mtr. 35«. 45 Pf. Schwarte rein wollene Cachemirs sehr«lle Qualität-» Mtr. 1, 1,35, 150, 1,80, 2 Mk. Regen-Montel infiÄf r 10, 12, 15, 18 Mk. Jeden Montag Vormittag Ausverkauf von Nesten und einzelnen Roben. Sielmann& Rosenberg, Berlin, Kommandantenstr., Ecke Lindenstr. Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten%. Seifenpulver ÄlÄrÄS'S Anerkannt beste« und billigste» Wasch- und Reinig, mgSmitt.'l. macht die Wäsche blendend weiß, entbält keine verseldea schädliche Kestandtheile. erspart viel Zeit und Arbeit. Eignet fich auch sehr zum K-inigen von Fußböden. Fenstern, Metalle« ik. V» Ud. de« Pulver« ersetzt S Pfd. Seife. Probepackete 20 Pf. Auf. träge von 10 Pfd. an srei in s Haus. Respekt. Seifen, Droguen» und Kalo-ialwaaren-Handlungen alS Debiteure werden gesucht. Hugo Jacobnohn& Co«, General-D ebitenre, Berlin 8., Dresdt««. Straße 106. V r& vUI Verlangm des Herrn Hugo Jacobsohn besch inlge Ich demselben hiermit, daß In mnner Anstalt nur Scifenvulver der rheinischen Sodmabrik in Gebrauch kommt und dieselbe fich vorzüglich bewährt. Frau Salberg. hat auf 72, Berantwortllcher Redakteur*. tzronhei« w Berlin. Druck und Berlag von«o* vading in Berlin 8W., Beuthftraße 2.