Sotmabeud, de« 9 Januar 1886. IN. Jahrg. erlimWksdliill Brgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 erscheint.. in'S HauS DaS„Berliner Valksülatt" täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei »«auS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,85 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Mark. Einzelne Nummer 5 Pfa. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. (Eingettagen in der Postzeitungspreisliste für 1880 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 3.— Expedition: Zimmerstraße 44. Schlkihtk Aitsjlcht«. Gestern hat der Reichstag seine Arbeiten für die lau« sende Sesfion wieder aufgenommen. Ob derselbe in der nun beginnenden zweiten Hälfte etwas mehr für das Volk zu Wege brioat, als in der ersten Hälfte, ist kaum zu erwarten. Die Regierung hat im Wesentlichen ihr Heu eingefahren, die Ausgaben sind in zweiter Lesung bis auf die bekannten Richter'schen Ab« striche, die alljährlich sich wiederholen und dab i in einer Kleinheit sich bewegen, daß die Regierung sich gar nicht genirt fühlt, bewilligt worden und sie werden auch natür- lich in dritter Lesung bewilligt werden. Fast möchte man versucht sein zu g'auben, die Regierung stelle geflissentlich einige Posten immer wieder in den Etat hinein(z. B. die Unterosfizierschule zu Neubreisach), an denen ssch die fortschrittliche Opposition die Zähne stumpf beißen solle, um dadurch alle übrigen größeren Etatposten desto glatter durchzubrinze». Die Regierung kann sich das Wonnegefühl ver» schieden« OppositionShelden wohl vorstellen, wen« dieselben in den WeihnachtSfeuen am Stamm isch erzähle« konnten, in welch' kräftig« Weise sie der Reaktionsschlange auf den — Schwanz getreten, indem sie von dem GesammtauS« gabeetat von 600 Millionen 6 Millionen gestrichen hätten und zwar unt« Führung des fortschrittlichen Therfite«, par> don, Pelide« wollte« wir sagen. Solche» oppositionelle Wonnegefühl merkt sich die Regierung. Deshilb„schlägt sie vor', wie da» auch sonst keim Handel geschieht. Der Verkäufer verlangt für ein Pferd 606 Thaler, welches er sehr gern für 600 Thaler los sein möchte; d« Kauf« handeU die 6 Thal« ab und freut sich, was« für ei« geriebener Kerl ist und welch' vortheilhaften Handel er gemacht hat.—— Sollte da» Volk nicht bald hint« solchen oppositionelle« Hmnbug kommen? Diese sondnbare Opposition schreit und jamm«t fort- während über Reaktion und bewilligt trotzdem d« von ihr bezeichneten Reaktion alljährlich die Mittel, weiter zu blühe» und zu gedeihen. Ja, wahrlich, eine sondeibare Opposition! Mit ein« solchen Opposition kann also da» Volk keine Gemeinsamkeit haben. Giebt es ab« sonst keine Partei im Reichstage, die neben ein« kräftigen Opposition, welche die Reaktion auf alle« Gebieten bekämpft, trotzdem gesunde positive Vorschläge zu machen weiß im Interesse des gesammte« Volkes? Sich«lich l Die Arbeiterpartei im Reichstage hat zuvächst ein Arbeiterschutzgefetz eingebracht, auf welches die andere« Parteien nicht anbeiße« wollen, IeuiLVeton- Die Knud der Nemesis. Roma» 72i von Gwald August König. (Fortsetzung.) Halm war schuldlos, aber das Verbrechen selbst durfte darum nicht ungesühut bleibe«. „Sie hätte« diese Mittheilung früher machen sollen," brach« endlich sein Schweigen,„die Frau Gen«alia würde voraussichtlich das Kind adoptirt haben. Die Drohungen eines Mmd«s, ich sage Ihnen da» noch einmal, durften Sie nicht einschüchtern, und die Pension, die Sie für Ihr Schweiaen bezogen habe«, war ein Sündengeld, welches Zhnen keine« Segen bringen konnte, den« dn Fluch de« Er- mordeten ruhte auf ihm." .Segen hat es mir auch nicht gebracht!' erwiderte die Frau mit zitternder Stimme. »Sie haben eine schwere Schuld auf sich geladen. Hätten Sie nicht geschwiegen, so würde d« Gärtner jetzt wohl noch leben. Und als Sie erfuhren, daß F«dinaod Halm jene« Morde« beschuldigt und»«haftet worden war, da hätten Sie ohne Verzug zu mir kommen und mir be« «eisen müsien. daß ich eine falsche Fährte verfolgte. Möge« drese Vorwürfe nun auch Reue wecken, sie kommt zu spät. Urb« die Ermordung de, Antiquars, in desien Hause Sie wohnen, werde ich Sie spät«»«hören. Oder glauben Sie, daß d« Kammerdiener Rabe'« diese That im Auftrage, viel- leicht sogar unt« Mitwirkung seine« Herrn begangen habe« könnte?" r „Sch kann darüber nicht urtheilen. Rabe hat mit dem , �"stuar in V«bmdung gestanden,« schuldete ihm Geld, w �"e,fe°uch, daß e< zwischen ihnen zu einem sehr gekommen ist. Hochmuth gab mir nach vtese« Auftritt einen Brief an die Frau Gen«alin, der keinesfalls Schmeicheleien üb« Rabe enthielt: möglich ist weil denselben ein energisches Emporstreben dn Arbettnklasse verhaßt ist. Allerlei kleinere Zugeständnisse sucht man allerdings den Arbeitern zu machen, von manch« Seite nur deshalb, um die Arbeit« von ihre« bnechtigten Forderungen abzulenken. Deshalb werden auch die Grundsätze des ArbeitnschutzgesetzeS, die gesetzlichen Arbeiterorganisationen vom Reichstage wie von der Reginung abgelehnt werden. Auch die übrige« Forderungen, welche sich auf die ge- fctzliche Regelung d« Produktion beziehm, durch die mehr oder weniger die Krisen verhindert resp. abgeschwächt wer- Gcfängvißarbeit in etwas beschränkt und ob d« Arbeit« den 7. Tag von dem Arbeitsdruck«löst werden wird, das ist all«ding« alles nur eine Frage d« Zett, die ab« in dieser Seisio« trotz der ungemein einfachen Materie noch nicht gelöst werden wird. So wird also auch diese Sesfion schließen mit unge- mein hohen ReichSauSgaben für Militarismus und Seewehr, für Kolonien und auswärtige Angelegenheiten— aber wenig od« gar nichts wird für eine Besserstellung d« Nothleiden- den, der Arbetter geschehen. Viele Steu«n, viele Ausgaben, ab« keinen Schutz für diejenigen, welche den überwiegend größten Theil der Steuer» aufbringen. Soll es anders werden, so muß der Reichstag sich noch bedeutend bessern; ab« vor allem muß das Volk bess« werden, damit es einen and«en Reichstag wählt. NoUtische Ueberstcht. Mit dem Ersuchen um Aufnahme geht uns von dem Gefängnißvorstand zu Halb«stadt folgendes Schreiben zu: Euer Wohlgeboren ersuche ich gemäß§ 11 deS Reichövi _______ preß» eseyes vom 7. Mai 1874 ergebenst um' Ausnahme deS Nach« henden: Berichtigung dei Artikels, betreffend Strafhast des ReichtagSabge- ordneten Heine in Nr. 293 des„Berl. Volksblatt" vom 20. Dezember 1885. Es ist unwahr, daß der Strafgefangene Heine, seit die Vergünstigung, Büch« zu seiner Lektüre aus der Reichstags- diblrothek zu beziehen, am 15. Juli o. I. zurückgenommen war, etwa 5 Wochen, auf die alleinige Lektüre d« Bibel angewiesen gewesen sei. Vielmehr hat p. Heine während der 5 Wochen, vom 15. Juli bis 19. August v. I., außer der ihm auf fein Verlangen übergebenen Bibel und außer den durch V«- Mittelung deS Anstaltsgeistlichen vom Aufseher ohne Zurück- Weisung empfangenen Druckschristen religiösen Inhalt», sowie auß« ven ihm zur Verfügung gewesenen Büchern der Ge- es, daß dies« Brief die Rachsucht Rabe'S herauSge« fordert hat." Siegfried schüttelte zweifelnd das Haupt, in den Aus- sagen des Kamm«dien«s durchaus keine Bestäti, Weise begründet gewel gegen seinen Herrn«hoben haben. „Sie w«den mir spät« sage», was Sie über dieses Verbreche» mittheilen können,'«wid«te«.„Heb« jene« Geheimniß ersuche ich Sie zu schweigen, bis ich silbst mit der Generalin darüber gesprochen habe. Wünscht dieselbe von Zhnen eine Bestätigung zu erhalten, so w«de» Sie sich wohl nicht weig«n, sie ihr zu geben.' Ei» befehlender Wink verabschiedete die Frau. „W« ist noch im Vorzimm«?" wandte Siegfried sich zu dem Aktuar, d« üb« diese Enthüllungen nicht mind« übnrascht war, wie d« Untersuchungsrichter. „Niemand," lautete die Antwort. „Ist Rabe nicht vorgeladen worden?' „Allerdings." „So wird er wohl noch kommen." „Wenn« nicht gewarnt wird, He« Assessor!" „Wer sollte ib» warne»? Die Frau Siebel und der Schließ« wären dre Einzigen, die es könnten, sie werde« es nicht thu«. Lasse« Sie F«di»and Halm vorführen." Der Aktuar ging hinaus, Siegfried blieb seinen quälen- den Gedanken überlassen. Die Ahnungen, von denen Arabella gesprochen hatte, waren erfüllt, da« Gewitter entlud sich. Wie hätte« jetzt noch es aufhalten, die unheilschwangeren Wolken»«scheuche» können! Die Hand der Nemesi« griff nach dem�Mörd«, und seine Amtspflicht gebotj ihm, den Verbrecher ihr zu überlief««. Wäre Halm nur drüben geblieben! Durch die V«haf- tung diese« Manne« wurde Siegfried auf da« Geheimniß aufm«ksam gemacht, und nur durch die Enthüllung de« letzt««« konnte die Schuld oder Unschuld de» Verhafteten feststgestellt w«de«. So hatte Eine« au« dem A«d«en sich ergebe«, bis die Enthüllung erfolgte, die gleich einem Blitzstrahl au« wölken- fängnißbibliothek folgende Bücher zur Lektüre in sein« Zell' gehabt: 1. Werke von Shakespeare, 2. W«ke von Goethe, (zu 1 und 2 seit dem 30. Juni.) 3. Stackes Deutsche Geschichte, 4. Bey schlag, Leben eine« früh Vollendeten, (zu 3 und 4 seit Anfang August v. I.) (zu 1 bis 4 bis zur Beendigung der Strafhast vom 18. Dezemd« v. I.).. Wahr dagegen ist, daß dem Heine als Disziplinarstrafe Sr Durch fteckereien und Verleitung zu Pflichtwidrigkeiten unter nderem die Lektüre während d« Zeit vom 19. bis 25. November v. I. entzogen gewesen ist. Halberstadt den 5. Januar 1886. Der Gefängniß-Vorstand: Schöne, � Erster Staatsanwalt. An den Redakteur des„Berliner Volksblatt" H«m R.Cronheim in B«lin. Die AuSlassuuge« der..Nordd. Allg. Ztg." üb« de« Arbeitseifer der Sozialdemokrate« als eine Folge der er- zieberischen Wirkung des Eozialistenaesetzes werden von der „Frantf. Ztg." recht zutreffend folgendermaßen kritifirt: »Es ist die alle Zwickmühle, wie ste ber jeder Verlängerung de» SozialistmgeseveS und auch in den Rechenschaftsberichten üb« den Belagerungszustand gehandhabt wird; es wird bald behauptet, die Sozialdemokraten seien revolutionär« geworden als lrüh«, bald, ste seien Dank dem Sozialistengesetz gemäßigter geworden. Beide mal wird dann der Schluß gezogen, daS Ausnahmegesetz müsse verlängert werden, im ersten Falle, weil eS noch nichts genützt, im zweiten, weil es so schön gewirkt habe, daß es schade sei, ein so vortreffliches Gesetz aufzuheben. Die Sozialdemokraten mögen machen, was ste wollen, der Ver- längerung des Sozialistengesetz muß Alles zum Besten dienen. Mir dies« Logik kann man das Gesetz verewigen; denn man wird, selbst wenn ti keine Sozialdemokraten mehr giebt, be« Haupte«, jetzt sei das dewährte Gesetz erst recht unentbehrlich, dmnH, fich nicht von Neuem eine sozialdemokratische Partei Verleihung eiueS päpßUiche« Ordens an den Kürsten Bismarck giebt der kulturkämpferischen Presse Anlaß zu den sonderbarsten Kombinationen. Der„Hamb. Corresp." meint:„Die Mittheiluna, daß der Papst dem Fürsten Bismarck den ChristuSorden verliehen hat, wird nicht verfeblen, die Ultramontanen unter der Führung des Herrn Windtborst daran zu mahnen, daß eS mit ihrem Einfluß im Vatikan gänzlich zu Ende geht. Fürst Bismarck, der von den Ultra- montanen gehaßte Kanzl« des protestantischen KaiserthumS, b«— wie es in den Zentrumsorganen zu tausend Malen wiederholt worden- größte Feind des Papstthums, hat von Vater den höchsten Orden, über welchen d« papstliche Stuhl zu verfügen hat, erhalten. Die Kunde von dieser Thatsache enthält eine ganze Geschichte, die das Treiben der ultramontanen Hetzer veruttheilt, ste ist ein unzweifelhaftes und machtiges DeSaveu der Zentrumspolitik und darf als los« Höbe da« Glück und dm Friedm einer ganzen Familie zu vernichtm drohte. Ei« Chao« von Gedanken wogte in seinem Inn«« e« war ihm nicht möglich, sie festzuhalten und zu ordnen. Sobald das V«hör beendet war, wollte« seine« Vater aufsuchen, ihm Alles mittheilen und um seinen Rath bwm. Od« war es bess«, daß« es ihm verschwieg? Die Mrttherlung kam früh genug, wen» Arabella seine Gattin wie auch die' .____ nahm nicht lassm war, und wie auch die Verhältnisse sich gchalten'mochten' sein Wort nahm er nicht zurück, von Arabella wollte« Ab« durfte ei» Ewckmann auf solchen Wegen sein Ziel zu«reichm suche»? Durfte« seinem Bat« verheimlichen, daß Arabella die Tocht« eine«— „Herr Assessor, dn Angeklagte!' sagte der Aktuar leise. Siegfried fuhr au« seinem Brüten empor und strich mtt d« Hand üb« die Auge«, wie Ein«, d« jäh au« einem Traume«wacht ist. „Lassen Sie mich mit ihm allein,' befahl er,„ich werde schellen, sobald ich Zhr« Dimste bedarf.' D« Akwar ging hinaus, mit einem schm«zlich wehmüthigm Lächeln reichte Siegfried dem Gefangenm die Hand. >2ch weiß jetzt Alles," sagte«,„weshalb habm Sie iegm?' !« hat e« Zhnm mitgetheilt?" ftagte Halm über- „D» frühere Wärterin." „FrSü Siebel? Hat Sie Zhnm Alles gesagt?" „Was sie mir berichtet hat, das könnte mir genügen," erwiderte Siegfried,„ab« ich finde noch einige Lücken, die Sie wohl ausfüllen w«dm. Es«scheint mir seltsam, daß Sie und Ihre Frau so rasch und leicht von dem einzigen Kinde sich trennen konntm.' „Und doch läßt e« sich«klären, Herr Assessor. Lieb- losigkett war e« gewiß nicht, im Gegmtheil, die Wunde, die wir in je«« Nacht dem eigene« Herze« schlugen, ist nie rascht. «rsteS Anzeichen dcS Friedens gelten, der zwischen der Kurie und der preußischen Regierung zu Stande Jommtn wird."— Die„Germania" führt den Schwärmer folgendermaßen ab:„Wir haben herzlich gelacht, als wir diese PhantaSmagorien lasen.„UnzwetfelhasteS und mächtiges DeSaveu der ZentmmSpolitik I" Wo oft schon wurde daS von den Gegnern herbeigewünscht und wie hartnäckig thun die katholischen Wähler VaS Gegentheil. Nun soll der h. Stuhl dazwischen greifen mit einem DeSaveu, derselbe h. Stuhl, welcher vom Zentrum die feste Ueberzeugung hat, daß in der kiickenpolitischen Frage dasselbe den Frieden hinnimmt, den der i). Vater schließt. Da auS diesem einfachen und natürlichen Grunde ein sachliches DeSaveu nicht zu erhalten ist, so wird ein HöflichkeitSaustausch ausgebeutet, um wenigstens ein formales DeSaveu herauszudividiren..... Man wird bei der Feier des Geburtstages des Abg. Dr. Wtndtborft die Probe aufs Erempel machen tonnen."—(Herr Dr. Windthorst feiert binnen Kurzem seinen Geburtstag, den man in Zentrums» kreisen besonder« feierlich zu begehen gedenlt. D. R.) Wieder ist von ewer erheblichen„Verbesserung" des Schießgewehres zu berichte«. In Erfurt hat die tgl. Geweb.fabiik ihr früher aus etwa 300 Personen bestehendes Arbeiterpersonal auf über 1100 erhöht. Trotzdem werden noch Heberstunden gemacht. ES handelt sich um die beschleunigte Herstellung dcS neuen sog. Magazingewehres. Dasselbe hat unterhalb deS Laufes ein etwa'/» Meter langes Patronen» ilager, in welchem 6 Patronen aufbewahrt werden können. Beim Laden wird mittelst einer«lastischen Feder die alte Patronenhülse hinausgeworfen und e!n« neue Patrone legt ssch von selbst in die Kammer, so daß sechs Schüsse ganz kurz hintereinander abgegeben werden können.— Wie lange wird's dauern, bis in anderen Ländern ein Gewehr erfunden wird, mit welchem 12 Schüsse kurz hinter einander abgegeben werden können? Die bayrischen Kartoffelbrenner möchten fich bei Ein- führung des Monopols mindesten« insoweit ein Reservatrecht auSdedingen, daß ihnen von der Monopolverwaltung jedesmal der Hektoliter Spiritus mit 6—8 Mark theurer bezahlt würde, als den norddeutschen Brennern; denn, so führen fie m den „Münchener Neuesten Nachrichtm" aus, der Zentner Kartoffeln kostet nicht unter 1 M. 50 Pf., während er in Norddeutschland vielfach mit 80 Pf. bi« 1 M. bezahlt wird. Auch find die Arbeitslöhne in Bayern höher. Die bayrischen Brenner müßten auch das Resrroatrecht haben, außer den selbstaebauten Kartoffeln noch Maischmaterialien hinzuzukaulen, weil sie auf einen intenfiocren Betried der Landwirthschaft als in Nord» deutschland angewiesen seien. Die Erklärung der bayrischen Kartoffelbrcnner schließt in den„Münchener N. N." folgender- maßen: „Zoll-, RegierungS- und Oekonomierätbe können wir nicht als Fachleute anerkennen und solche Persönlichkeiten, die der Regierung nur willfährig dienen, in der Abficht, hierfür in irgend einer Weise belohnt zu rverden, erst recht nicht." Unter dem ReichSmonopol— meint die„Pos. Zell."— dürften fich die Herren Brenner eine solche Sprache nicht erlauben. Der Lranutwein-Monopoleutwurf hat einem offiziösen Artikel der ,Köln. Ztg." zufolge beiei-s die Genehmigung deS preußischen StaatsmwisteriumS gefunden. Auch soll die Ver» ständigung mit den süddeutschm Staaten schon erzielt sein. Es handle fich nicht nur um ein Spiritusmonopol, sondern um die gesammte Branntweinfabrikation, von der Entfuselung des Spiritus bis zur Verarbeitung zu alkoholischen Getränken. Ueber Branntweinbrennerei und die Branntweiu- besteu rung im d e u t s ch e n Z o l l g e b i e t e während deS Etatsjahres 1884/85 enthält daS Novcmberhcft zur Statistik des Deutschen Reiche« eine statistische Ueberficht. Im Ganzen sind während de« letzten Etatsjahres 30 409 Brennereien im Betriebe gewesen gegen 32 518 im Vorjahre. Davon befanden fich 3916 in dm Städten und 26493 auf dem Lande. Im Vergleich zum Vorjahre hat diese Gesammtzahl um 2109 abgenommen, doch entfällt diese Abnahme fast ausschließlich auf diejenigen Brennereien, welche nicht mehlige Stoffe, als Wein- Hefe, Weintreber, Obst, Rüben u. s. w., verarbeiteten(23 182 gegen 25258), wogegen die Zahl der Brennereien, welche hauptsächlich mehlige Stoffe(Kartoffeln und Getreide) ver- arbeiten, nur von 7241 auf 7205 zurückgegangen und die Melasse verarbeitenden Brmnereien sogar von 19 auf 22 ae- sticgen find. 21 797 Brennereien(71,7 pCt. der G-sammtzahl) entfallen allein auf Elsaß Lothringen, darunter 21 663, welche nicht mehlige Stoffe verarbeitm und eine Materialsteuer ent- richten. Unter den 7205 Brennereim, die Getreide oder Kar- toffeln verarbeiten, warm 1710 landwirthschaftliche, welche Steuerermäßigung genoffen. Was nun die Produktton betrrfft, so hebt da« Statistische Amt hervor, daß trotz des erheb» lichen Rückgangs der Spirituspreis« die Branntwein. Produktion nur in dem kleineren Kreise der Drrektivbezirke da« Vorjahr etwas zurückgeblieben, in der Mehrzahl en dagegen nicht unerhedttch gestiegen ist. In erster Verse Linie wird als Grund ge Ausfall der Kartoffelemte 1884 Steigerung anzuführen sein. Die vernarbt. Was ich Zhnm früher aesagt habe von der Er« krankung meines Kinde«, das mutz ich zurücknehmen, da» Kind war gesund und kräftig. Rabe weckte un» in jener Nacht, er theilte unS mit, wa« im Schlosse vorgefalle» war und bot un» dm Tausch an. Niemand sollte jemals da« Geheimnitz erfahrm, unserem Kinde wurde die glänzendste Zukunft in Aussicht gestellt, wir selbst sollten die Mittel erhalten, drüben un» ein Vermögen zu erwerben. Wir warm arm, Herr Assessor, und wir hatten nicht die geringste Aussicht, au« den drückmdm NahrungS. sorgen heraus zu kommm. Wir arbeUeten Verde wie die Pferde, was wir verdienten, reichte eben aus, da» Leben zu fristen. Welche Zukunft stand unserem Kinde bevor, wenn wir in diesen Verhältnissen blieben? Die Antwort auf diese Frage lag sehr nahe; sobald daS Kind arbeite» konnte, mutzte e< unser Laos theilm. Und nun plötzlich diese glänzenden AuSstchten! Unser Kind ein gnädrgeS Fräulein, dcssm Weg bis an'» LebmSende nur über Blumen führte I Gewitz war es uns furchtbar, un« für immer von dem Kinde zu trennen und auf alle Elternrechte verzichten zu sollen, aber wir glaubten auch, dirse« Opfer dem Kmde schuldig zu sei«. Zudem blieb un» keine lange Bedenkzeit, wir mutzten sofort u«S entscheide» und unser Entschlutz war keineswegs definitiv ausgesprochen, al« Herr Rabe da» Kind schon forttrug. E« war geschehen und wir fügten un«, wir tröstetm u»S mit dem Gedanke«, datz wir einst zurückkehre» und unser Kind in bmeidenSwerthen Ver- hälimssen wiedersehen würden. Wir sagten un», wenn da» Kind un« durch de» Tod entrissm worden wäre, so hätten wir un« auch in dm Verlust füge» müsse», und verloren sei «S un« jetzt«och nicht." .Haue Rabe nicht die Bedingung gestellt, daß Sie«re von drüben zurückkehren durften?" ftngte Siegfried. .Allerdings, aber wir nahmm da««rcht so scharf. Rabe konnte nach ernigm Jahrm sterbm, dann stand unserer Rückkehr nicht« im Wege, und selbst wen« wir nach einer Reihe von Zahre« zu seinen Lebzeiten die Heimath wieder besuchtm, konnte er ja dagegen nichts einwenden. Wen« man Gründe sucht, so findet man sie auch, und so beruhigte» und tröstrtm wir UNS, so gut wir e« vermochtm. Erst als Produktion aus nicht mehligen Stoffen und mit ihr die Ein- nähme aus der Branntweinmaterialsteuer ist dagegen in Folge der schlechten Obst- und Weinernte in den betherligten Bezirken hinter der vorjährigen erheblich zurückgeblieben. Im Ganzen betrug der Bruttoertrag der Branntwernsteuer 62435468 M. gegen 61 176 817 M. im Vorjahre. Davon gehen ab die Bo- niNkationen für Ausfuhr und technische Verwendung mit 14310027 M. lim Fahre 1883/84 14 484 011 M.). Hinzukommen an Uebergangs- und Ausgleichungs- Abgaben für den aus Süddeutschland und Luxemburg eingeführten Branntwein 131 212 M., ferner der Eingangszoll für eingeführten Brannt- wein, der mit 4 824471 M. wegen der bevorstehenden, später am 1. Juli 1885 in Kraft getretenen Zollerhöhung um 2 722 942 M. höher war als im Vorjahre. Es ergiebt fich somit eine Ge- sammteinnahme vom Branntwein bezw. ein Nettoertrag der Branntweinabgaben von 53082124 M-, d.i. um über 4 Mill. Mark mehr als im Vorjahre und noch um 600000 M. mehr als in dem ertragreichsten Jahre 1875. Auf den Kopf der Be- völkerung kommt ein Nettoertrag der Branntweinabgaben von 1,45 M. gegen 1,35 M. im Jahre 1883/84, 1,27 M. im Jahre 1882/83 und 1,35 M. im Jahre 1881 82. Nur im Jahre 1875 war das Abgaben-Erträgniß mit 1,56 M. pro Kopf verhältniß- mäßig höher gewesen als im Berichtsjahre.— Bayern, Württemberg und Baden find in dieser Zusammenstellung nicht berück- fichtigt, weil die Branntweinbesteuerung in diesen Staaten nach der Reichsverfassung der Landesgesetzgebung vorbehalten ist. Es gelten vorstehende Zahlen also nur für das übrige Deutsch- land. Frau»reich, In Paris beschäftigt man fich bereits emstlich mit der 1889er Weltausstellung. Das offizielle Organ der Pariser Stadtverwaltung„Bulletin municipal officiell" veröffentlicht folgende Note: Die Gemeindekomm'sfion für die Ausstellung von 1889 trat gestern zusammen. Sie sprach einstimmig die Anficht aus, daß die neuen Verzögerungen bezüglich der Inangriffnahme der großen Weltausstellung den Interessen der Stadt Paris nachtheilig seien, und fic hat ihren Vizeprästdenten beauftragt, die Regierung zu bitten, die definitive Lösung dieser Frage zu beschleunigen. Desgleichen sprach die Kommission die Anficht aus, daß die Stadt Paris unter keiner Bedingung ein Privatuntemehmen betreffs der Ausstellung unterstützen könne, und sie wies nochmals darauf hin, daß der Gemeinderath fich entschieden für das Marsfeld als Ort der Ausstellung er- klärt habe. — Die erste Frage, die man fich in Frankreich gegenüber dem Ministerium Freycinet vorlegt, ist die, wie lange dasselbe dauem wird. Ein Mitarbeiter des„Figaro" hat einige leitende franzöfiscke Parlamentarier interviewt. Rochefort, den man, wenn die Rlpudlik zu Falle kommen sollte, unter deren Todtengräbem in erster Reihe nennen wird, gtebt dem indessen Freycinet auf alle Initiative verzichten und lediglich die Beschlüffe Ver Mehrheit ausführen, was der intranfigente Führer mit einem neuen technischen Ausdruck eine„negative Regierung" nennt. ES ist sehr bezeichnend, daß ein Abgeordneter der Rechten, der Bonapartist Raoul Duval, gleichfalls dem Interviewer gegenüber die L'guidirung der tongking-stschen Angelegenheit rn erste Reihe gestellt bar, solle das Ministerium auf einige Dauer zählen. Diese Frage müsse in der einen oder der anderen Gestalt wieder vor Vi Kammer kommen, da die letzten Kredile in unregel- mäßiger Weise bewilligt und diese bereits erschöpft seien. Einer Amnestie ist die Rechte, wie Herr Duval bemerkte, nicht ent- gegen, da es gleichgiltig sei. ob achtzehn Revolutionäre mehr oder weniger auf freien Füßen find. Herr Duval meint, daß daS Ministerium, wenn es sehr vorfichtig verfahre, fich wohl ein Jahr halten werde. Am freundlichsten hat der Interviewer dem Ministerium Freycinet gegenüber Herrn Spuller gefunden, einen der leitendrn Männer der Opportunisten, den Freund Gambetta's, Redakteur der„Rcpublique francaise". Der Haß der Radikaten gegen die Opportunisten, die nahezu zwei Drit- theile der republikanischen Partei in der Deputirtenkammer ausmachen, ist durch die letzten Vorgänge nur nock gesteigert worden und das Organ des radikalen Führers Clemenceau läßt keinen Zweifel darüber, daß die Radikalen die Aufnahme eines hervorragenden Opportunisten in das Kabinet Freycinet wie eine Kriegserklärung aufnehmen würden. Spanten« Die Regierung hat die Körles bis auf Weiteres vertagt. Dieser Schritt ist unternommen worden, weil die Regierung dem Proteste ausweichen wollte, welcher mit Bezug auf die Lösung der Kar.lrnenfrage seitens der republikanischen Depu- tirten rn Auslicht gestellt war, und weil fie weiter die Zusatz- anträge zu dem Gesetzentwurfe, betreffend die Verlängerung der Handelsverträge bis 1892, welche die protektionistrschen Äbge- ordneten Kataloniens zu stellen beabstchtigten, nicht entgegen nehmen wollte. Die Vertagung der Kortes hat, weil fie durch- aus unerwartet gekommen, allgemein überrascht. Wie verlautet, wir drüben waren, brach der ganze Jammer lo». Mein armes Weib machte sich die bittersten Vorwürfe, alle Kinder, die uns später geschenkt wurden, starben, und neben ihnen bettete ich die Mutter unter den Rasen. Zch habe Zhnen da« Alle« früher einmas berichtet, Herr Assessor, und ich glaube, Sie werden jetzt begreifen, weshalb ich meinem Heimweh nicht gebieten konnte." Siegftied nickte gedankenvoll, es wurde ihm jetzt Alle« klar, wa» ihm bisher räthfelhaft erschienen war. „Daß mich hier eine so furchtbare Anklage erwartete, konnte ich nicht ahnen," fuhr Halm fort.„Sie«erden nun auch wissen, datz ich die That nicht begangk» habe, ich hatte ja nicht den geringsten vernünftigen Grund dazu. Wer den entsetzlichen Verdacht auf mich gelenkt hat, weitz ich nicht, und ich will mir auch darüber den Kopf nicht zerbrechen, ich verzeihe ihm." „DaS Auj finden der adgeschossenen Büchse in Ihrer Hütte-" „Ja, das war'« I Nun, wer die Büchse dahin gelegt hat, der wird auch wessen, wer den Schutz abfeuerte." „Bleiben Sie bei Ihren früheren Behauptungen über diese Waffe?" ftagte Siegfried. „Ja, sie beruhen auf Wahrheit, und ich wützte nicht, wa« ich Ihnen noch hinzufüge» sollte. Ich schlietze die Möglichkeit nicht au«, daß Jemand von der Existenz und dem allerdings ungewöhnlichen Aufbewahrungsort dieser Büchse Kerrntnitz gehabt und sich heimlich in ihren Besitz gebracht haben kann." „Diese Möglichkeit mutz allerdings vorhanden gewesen sein. Glauben Sie nicht, datz Rabe dieser Jemand gewesen sein kann?" „Ich erinnere mich nicht, über diese Büchse mit ihm gesprochen zu haben, aber nn Zufall hat fie ihm vielleicht entdeckt. Und log kein Raubmord vor, so mvtzie man fich fragen, wrr an dem Tode de« Doktor« ein. persönliches J». tereffe gehabt habe» könne." „Rabe allein, denn der Doktor hatte gedroht, die Un- terschrebung de« Kinde« der Behörde anzuzeigen, und er würde bei seinem entschlossenen Charakter seine Drohung ' wird die definitive Auflösung der Kammem im Februar ftati finven, worauf, wie der Telegraph schon meldete, End« Ääq die Neuwahlen und im Apnl der Wiederzusammentritt d# Kortes erfolgen sollen.— Die Neuwahlen im PWq werden, falls bis dahin Sagasta noch am Ruver iß vorausfichtlich im Sinne des jetzigen Ministeriums an* fallen. Bei dem spanischen Wahlsystem und den herrschend« Verwaltungsgrundsätzen verfügt jede Regierung stets über ein große Mehrheit, fie hat es sogar in der Hand, die Minder- heiten, wenn fie will, ganz auszuschließen. Besondere Wap Versammlungen wählen die Deputirten auf fünf Jahre, un> zwar im Verhältnis von einem Deputirten auf 40000 Ei» wohner. Das passive Wahlrecht ist durch keinen Zensus, dck aktive Wahlrecht seit der Wahlreform vom 20. Juli 1877 dn«i einen solchen von 25 Pesatcs(20,25 M.) beschräntt. Mit de Deputirtenkammer zusammen bildet der Senat die Körtet Der Senat wird gebildet aus 1. Senatoren vermöge eigernl Rechts, nämlich königlichen Prinzen, Granden, sowie höchster Staatsbeamten; 2. Senatoren, welche von der Krone ar Lebenszeit ernannt werden, und 3. Senatoren, welche dnr die Staatskorporationen und die Hoch»besteuerten' gewäj werden. Die Zahl der Senatoren von Rechtswegen und at Lebenszeit darf 180 nicht übersteigen, dieselbe Zahl entfällt s» die gewählten Senatoren. Afrika. Aus Kapstadt wird unterm 5. Januar berichtet: 9 Ovamboland, zwischen dem Cunene-Fluß und dem Damarala« soll eine neue Republik unter dem Namen Uptngtonia g> gründet worden sein. Das Territorium sei den Eingeborener abgekauft worden und einwandernden Euroväem werde LÄ als freie Schenkung zugewiesen werden. Die pegenwärttgN vodenbefitzer suchen die Herstellung einer Kolonialverwalturrl nach und der Bau von Häusern und die Bodenküttur mache« reißende Fortschritte. Die Kavregierung stellt jede KennÄl von der Angelegenheft in Abrede und dre Nachricht klingt a« sehr unwahrscheinlich. — Der Vorsteher einer Faktorei von Goedelt u. GlUlcho» im Lande ba Bongabeli(Westafrika) theilt unter de« 9. November seinem in Ratibor wohnenden Vater mit. d«t die aus Deutschland eingetroffene Anweisung, vor der Haut kein Elfenbein zu kanfen, da dasselbe in Eurona nicht den# Ott und St-lle gezahlten Preis erzielt, unter den Bongaha döseS Blut gemacht hat. In Batanga versuchten at 8. November die Schwarzen, den Chef der Woermann'schck Faktorei an einem Besuch bei seinem Kollegen zu bindern,„wel er den Elfenbeinhandel aufhalte." Die Sache sollte an Bock deS deutschen Kanonenboots„Habicht", daS Ende Novemt« erwartet wurde, zur Sprache gebracht werden. Außertem g«t es einen Streit mit den BongaheliS, weil dieselben fich wri- gerten, die Leiche eines Siegers, welcher mit adgeschnfttent« Kopfe am Strande liegend aufgefunden wurde, fortzuschasfe» Der Briefschreiber bezeichnet es als möglich, wenn auch nirst als wahrscheinlich, daß bei strengem Eingreifen des„Habich> ein ähnlicher Konflikt, wie seinerzeft in Kamerun, entsteh« könne. Die dortigen Deutschen wollten fich einen Kosten vtt Kommandanten zu ihrem Schutze erbitten, da fie, sobald eck die Neger ihren Haß auf ste geworfen haben, ihre« Lebe» nrcht mehr ficher seien. Parlamentarisches. — Die gestrige Sitzung des Reichstags rvoj wie die meisten nach den Ferien, beschlußunfähig. Nur ll- Abgeordnete waren, genau gezählt, im Reichslage anwesenj von denen fich abwechselnd 40- 60 im Sitzungssaale seln aufhielten.. Das ist ein sehr schlechter Anfang und für 5« Geschaftserfer der Abgeordneten im Laufe der Session reck bezeichnend.* „— Die P o st.sp a r kassen-Vorlage wird, wie „Köln. Ztg. hört, rn der gegenwärtigen Reichstagssesfion> wieder eingebracht werden; indessen sei damit auf den! keineswegs endgiltig verzichtet. — Auf die mehrere Wochen vor Beginn der Reichstag! sesfion angekündigte Novelle zum Preßgesetz, du? welche die für Preßvergehen festgesetzte kurze Verjährung* srist ins Unbestimmte verlängert werden sollte, ist. wie w« hört, wegen deS allseitigen Widerspruchs gegen solche Vorlack verzichtet worden._ zokale». E« denunzirender Stadtverordneter. Im Louis«» stadttheil, duffnls des Kanals, wird gegenwärtig die erst i*f in allen Einzelheiten Mannt gewordene DenunziationsuM eines unserer Berliner Stadtverordneten gegen einen tu diestj Stadttheil wohnhaften Rrstauratcur lebhaft besprochen und? die Veranlassung, daß die schon längere Zeft zurückoatick Affaire schließlich noch einige nicht uninteressante Nachs»� erleben wird. Gegen den Befitzer eines von der wohlhad«» deren Gesellschaft stark besuchten alten RestauratwnSlotal«» der Dr. Straße, in welchem auch die Mitglieder des freisinnig» wahr gemacht haben, sobald er i» die Stadt zurückgek# war." „Darf ich fragen, ob Rabe schon verhastet ist?' „Ich bin Ihnen dankbar, datz Sie mich daran erinnert erwiderte Siegsried rasch, indem er ungestüm an der Sch« zog.»3st Herr Rabe«och immer nicht erschienen?" stock er den eintretenden Aktuar. „Nein." „So wird er Lunte gerochen haben. Warten Sie ei«' Augenblick. Diesen Haftbefehl bringe» Sie augenblickli zur Polizei. Sie soll Alle» aufbieten, den Verbrecher! verfolgen und ihn verhaften, wo sie ihn findet. Machen o auf die Gefährlichkeit diese« Manne« besonder« aufmerkst — Und nun wieder zu Ihnen," fuhr Siegfried fort,* der Aktuar sich entfernt hatte.„Weshalb schwiegen Si«! lange? Weshalb schenkten Sie den Versprechungen 90* Vertrauen, da doch er» offenes Geständnitz Sie sofort' Freiheit gesetzt haben würde? E« mutzte Ihnen schon nach K ersten Verhör klar geworden sein, datz die Beweise, auf««'' der Verdacht gegen Sie sich stützte, erdrückend waren,* die Verurtheilung nicht ausbleiben konnte—" „Ja, die Verurtheilung, da« war'S," unterbrach i Gefangene ihn hastig.„Das war das einzige, wo«' '. 3ch hätte alle» ertragen, nur der Gedankt j die Möglichteft, daß ich wegen eine« Verbrechen«, da«' nrcht begangen hatte, in« Zuchthau» gebracht werden kiW war mir furchtbar. Ich sagte mir, wenn da« Geheü»'. enthüllt sei, dann werde die Generalin mein Kind versi»� und Arabella, in Pracht und Uebersiutz erzogen, müsse � namenlo« unglücklich werden. Hatte ich meinem Kind«? erste Opfer gebracht, so mutzte ich ihm auch da, zweit«»?, ge». Durste ich jetzt Rechte beanspruchen, auf die tckLw mal« ein- für allemal verzichtet hatte? Welche« � konnte ich meinem Kinde biete» für da», wa« cS durch Geständnitz verlieren mutzte? Ich bin ein veimät«*, Mann, aber für dieses Wohlleben boten meine keinen Ersatz. Und dann,- Arabella«ar � Braut—* � «Halt, über diese« Bedenken mußte da» Vertra««* j merne Ehre hinweghelfe«! Ich würde die«ch«»« Sejhß» SBtrdnS«rkehrm, waren bei der Polizei mehrere Denunzialionen eingelaufen und dehauplet, dah in dem Garten deS Restaurateuis nach Mittemacht ein die Ruhe der benach- harten Häuser fiörmder Lärm gewesen sei. In Folge dessen wurden gegen den Restamatcur hintereinander mehrere polt» zeiliche Etrasmandate erlassen. Um die Zeit raubenden Laufe» reien nach dem Moabiter Schöffengerichte zu vermeiden, unterließ es der Restaurateur. gegen die polizeilichen Etrafversügungen Widerspruch zu erheben, als aber die Denunzialionen nicht aufhörten und neue Etrafbefehle einliefen, erhob der Rettau- rateur gegen ein solches Strafmandat Widerspruch, was zur Folge hatte, daß die Sache vor dem Schöffericht zur Verhand» jung lam. In dieser Hauptverhandlung stellte fich nun heraus, daß der Urheber der Denunziation gegen den Restaurateur der Stadtverordnete deS Bezirks selber gewesen, der sogar Unterschriften für die gegen den Restaurateur eingereichten Beschwerden in dem Bezirk gesammelt hat«. Dieser Stadtverordnete, welcher alS Zeuge geladen war, mußte nun aber femer noch zugeben, daß von alle dem in dm Denunziationen behaupteten Lärm in dem Restaurant er nur gehört, aber selbst nicht gesehen hatte, daß diesen Lärm die Gäste des Lokals ausgeführt hatten, ja sogar zwei höhere Polizeibeamte, die zufällig an einem Tage, wo gelärmt sein sollte, biS zum Schluß des Geschäfts in dem Lokale anwesend waren, und Lärm, wenn solcher gewesm, ge» hört habm müßten, bekundeten gerade daS Gegentheil, waS in der Denunziation des Stadtverordneten behauptet worden war. Zum Uederfluß mußte noch der Stadtverordnete zugeben, daß er fich bei den früheren Denunziationen gegen den Restaurateur betbeiligt gehabt hatte. Die Freisprechung deS angeklagten Restaurateurs war die natürliche Folge hiervon. Nichtidesto- weniger ist hinterher der freigesprochene Restamateur, der aller» dings die früher erlassenen Strafverfügungen, ohne Einspmch dagegen zu erheben, 31. Ollover hat rechtskräftig werden lassen, fest dem 1885 auf Polizeistunde gesetzt worden, d. h. er muß seinen aus den besten Bürgem der Stadt versammelten Gästen, wenn um 12 Uhr ein Schutzmann daS Lokal betritt, Feierabend bieten. Bis jetzt war ein solcher Fall deS Feier« abend Bietens nicht vorgekommen, als nun aber kürzlich doch um 12 Uhr ein Schutzmann daS Lokal detrat, und die bei ihrem Skat gestörtm alten Herren in feierlicher Weise zum Aufhören deS Spiels fich gezwungen sahen, da war die Ent> rüstung eine allgemeine, als dann der Restaurateur unter Bor- legung der bezüglichen Schrifstücke die Beranlaffung zu dieser polizeilichen Maßregel klarlegte- Am andern Tage wurde von den Gästen beschlossen, im BezlrkSverein die Angelegenheit zur Sprache zu dringen und zu einer Petition an den neuen Polrzei-Präfidmim, in welcher um Aufhebung der polizeilichen Verfügung vom 31. Ottober v. F., die frühere Schließung deS Lokals bctreffend, gebeten wird, Unterschriften im Bezirks Ver- ein und bei den Gästen des Lokals zu sammeln. Ueber den Erfolg dieser aus den Kreisen der Bürgerschaft hervorgehenden Petition, die dem Herrn Polizei'Präfidenten durch eine Depu» tation überreicht werden soll, werden wir demnächst berichten. — Wir entnehmen diesen Artikel der„Berliner Ztg." und wundem unS nur, weShalb das genannte Blatt den Namen eines solchen EhrenmanneS nicht öffentlich nennt. Welch gewaltige Arbeitslast die Post am 1. Januar zu bewältigen hatte, geht auS der Zahl der eingelieferten und bestellten Stadtpostdriefe hervor. Es wurden in Berlin nach «erlin I 847 762 Briefe eingeliefert, darunter mehr als eine Million mit voller Zehn- Pfennig» Frankatur. Die Zahl der Postkarten belief fich auf 315 OOO Stück. Im Allgemeinen vollzog fich die Bestellung dieser gewalligen Briesfluth außer» ordentlich prompt. Eine Ausnahme machen die in der Um» gegend des Halleschen Thores belegenen Bezirke. ES unterliegt gar keinem Zweifel, daß trotz der am 1. Januar erfolgten Er» öffnung eines neuen Postamts in der HagelSbergerstraße die Zahl der Postämter hier bei weitem nicht ausreicht. Das Postamt in dem Halleschen-Thorgebäude ist in dankenSwerther Weise auch zu einem Rohrpost-, Telegraphen» und Femsprechamt gemacht worden. Gerade hier, wo fast ebenso stark, wie am Potsdamer Thor das hauptstädtische Leben vorübcrfluthet, ist das auch sehr geboten. Aber mit welchem Zeitverlust ist der Besuch dieses Postamts verbunden. Räumlich sehr beengt, stellt es an die Arbeitskraft der Schalterdeamten die denkbar schwersten Anforderungen. ES giedt Stunden, in denen zwanzig Personen der Äbfettiguna durch einen Beamtm harren, in denen es zwanzig Minuten Zeit in Anspruch nimmt, biS man eine Postkarte für 5 Pfennige bekommen kann. Den Beamten trifft dabei keine Schuld- Es ist der kolossale fich stetig steigernde Verkehr, der hier eine Ausdehnung de« Post» amtes nöthig macht. Daß fich dabei eine fast unüberwindliche Schwierigkeit in den Weg stellt, insofern in dem Halleschen Thorgebäude aller verfügbare Raum bereits in den Befitz der Post übergegangen, ist allerdings richtig. Es wird dann eben nichts übrig bleiben, als das Postamt in der Bamther» straße nach der Belle- Alliancestraße zu verlegen und sehr zu erweitern. Ueber daS Salzftreuen im Winter schreibt dem„Fuhr- Halter" ein„bewährter Veterinär":„In der 2Hat ist der selbst verlieren, wen» ich au» einem so nichtigen Grunde mein Wort zurücknähme. Arabella ist meine Braut, sie wird meine Gaiti» werden! Was liegt daran, wer ihre Mutter war, wenn sie selbst ein Engel ist, an dessen Seite ich daS höchste Erdenglück stnden werde. Und glaube« Sie mir, wie auch durch diese Enthüllungen ihre Verhältnisse sich gestalten werden, Arabella wird dem Spruch des Schick« sali schweigend sich fügen, und Niemandem, Ihnen am we- nigsteu, eine« Vorwurf machen." „Segne Sie Gott für diese Worte!" sagte Halm fteu» dig bewegt.„Sie nehmen mir eine schwere Last von der Seele. Ich hätte ja jede« Opfer gebracht, um meinem Kinde die finsteren Wolke« fern zu halten, nur mit dem Gedanken an da» Zuchthaus konnte ich mich nicht befreunden." „Und wie soll e« nun werden?" fragte Siegfried. „Zch weiß e» nicht, Herr Assessor. Zch verlange nicht, daß mein Kind mich als seinen Vater anerkennen soll, wenn solche Anerkennung in irgend einer Weise ihm Unannehmlichkeiten bereiten könnte; ich will, wen« e< ver« langt wird, auf alle meine Rechte verzichte«, nur um das Eine bitte ich, daß mir vergönnt werde, in der Heb math zu bleiben, damit ich doch dann und wann an dem Anblick meine« Kindes mich erfteuen kann." „Damit wollen Sie sich wirklich begnügen?" „Ja, Herr Assessor, ich würde mich glücklich schätze«, wenn man mir das einräumte. Soll meinem Kinde die Wahrheit verschwiegen bleiben, soll e« nicht erfahren, daß ich sein Vater bin, gut, ich werde eS nicht verratheu, ich füge mich in Alles." Gedankenvoll blickte Siegfried vor sich hm, es ließ sich eben jetzt«och keine sichere Bestimmung tteffen, die Gene« ralin mußte zuvor von diese« Enthüllungen unterrichtet wer« de«, man konnte und durfte sie ihr«ich» verheimlichen. „Zch werde mit der Frau Generali« darüber rede« und verspreche Ihnen, daß Ihre Wünsche so weit wie mög« trch berücksichtigt werde« sollen," sagte er endlich, da» Haupt «hebend,„in de« Händen der Generalin ruht ja nun die «atscheidung." „Und ich vertraue darauf, daß die fedle Frau dem Straßenschmutz eine Hauptbrutfiätte fauliger Keime, deren Uebertrayung auf den Körper der Pferde aus ganz zufälligen und gelegentlichen Ursachen erfolgt. Solche Gelegenherts- Ursachen find alle Hautverletzungen im Bereiche des Kronen- ~essclgelenkes, wie Kronentritt, Streichwunden:c.— Ganz sonders aber rommt hier der dem Straßenschmutz beigemischte feine Kiessand in Betracht, der fich zwischen den Hautfalten des Feffelaelenkes anhäuft und hier in Folge der fortwährenden Reibung kleine Hautverwundungen(sog. Erofionen) hervorruft. So findet man in fast allen Fällen von Mauke resp. Brand- mauke den primären Infektionsherd in diesen Falten deS FeffelgelenkeS. Es giebt fast alljährlich gewisse Zeiten,«o diese maukcnartigen Erkrankungen in großen Städten fast epizoottsch auftreten, und dieses ist speziell dann der Fall, wenn durch große Regen- und Schncemaffen der Straßenschmutz schlammartig fich aufhäuft. Solche Zeiten giebt es be- fonders im Herbst, im Vor- und Nachwinter und vereinzelt im Frühjahr. Dahingegen ist dieses im Sommer nicht der Fall, da die durch die Sommerhitze bedingte schnelle Aus- trocknung die faulige Zersetzung inhibirt. Daß nun durch das künstliche Aufthauen von Schnee find Eismassen große Schmutz- und Schlammmassen entstehen, ist nicht zu leugnen, ebenso- wenig auch, daß diese mit Streusalz gemischten Schlammmaffen für dre Hufe und Haut nachtheilig find." Wie sehr daS Versammlungslebe« in verlin stetig wächst, lassen folgende Zahlenargaben recht deuilich erkennen: Im Laufe des Jahres 1885 wurden in Berlin 7168Versamm» lungen, in welcher öffentliche Angelegenheiten zur Erörterung kommen sollten, beim Polizeiprästdium angezeigt- Von den- selben wurde bei ca. 2500 eine polizeiliche Ueberwachung nicht für nöthig gehalten. In jedem der Jahre 1881, 1882, 1883 und 1884 kamen 4000- 6000 derartige Versammlungen zur Anzeige, von denen jährlich etwa 1500 ohne polizeiliche Ueber- wachung blieben. In den Jahren 1877—1879 blieb dre Ge- fammlzabl der überwachten Versammlungen unter 1000; im Jahre 1880 belief fich dieselbe auf 1006. Man wird nicht zu hoch greifen, wenn man außerdem die Anzahl derjenigen Ver» sammlungen, welche geselligen, Wohlthätigkeits-, gewerblichen und dergleichen Zwecken dienten und deshalb nicht unter die Vorschriften deS Vereinsgesetzes fallen, für 1885 auf 12000 veranschlagt. Et« lebrretcheS Beispiel zum Kapitel der„frei- willigen" Beiträge liefert das gestern stattgehabte 25lShrige Subiläum de» kaufmännischen Leiters etneS großen im Norden erlinS belegenen Etablissements, dessen Chef ein bekannter Geheimer Kommerzienrath und eine Leuchte im Rathe der Schutzzöllner ist. Der Jubilar ist der Schwiegersohn des„ver» ehrtm Chefs" und um deßwillen umlomehr Veranlassung für die Angestellten und Beamten des Werkes vorhanden, ihrer Verehrung freiwillig Ausdruck zu geben. Ein genialer Kopf hat denn nun auch schon vor Monaten ein Mittel entdeckt, um diesem Bestreben die richtige Form zu verleihen, denn jeder Beamte ist vor sechs Monaten verpflichtet worden, entsprechend der Höhe seines GehaltsbezugeS, sein Scherstein zu spenden. Mit einem Gehalt bis zu 100 M. find 3 M., bis 120 M. 4 M-, biS 150 M. 6 M. und bi« zu 200 M- 8 M. abzuladen gewesen, so daß seit jener Zeit ein ganz hübsches Sümmchen zur Beschaffung einer künstlerischen Adresse und deS sonstigen Klim- bim zusammengekommen ist. AlleS natürlich freiwillig und in der gemüthlichsten Form. Die Weigerung, Kupfergeld in Zahlung zu nehme«, rief am Mittwoch Abend zwischen einem Fahrgast und einem Kondutteur der Pferdebahnlinie Sptttelmartt-Waldstraße eine lebhafte Differenz hervor, und ist diese Frage auch wohl ge- eignet, daS Interesse weiterer Kreise zu wecken. Der Fahrgast, ein Soldat vom 2. Garde-Ulanenregiment, der 10 Pf. Fahrgeld zu zahlen hatte, versuchte, wie die„VolkSzeitung" schreibt, dre Hälfte desselben in Kupfermünze zu erlegen, vom Kondutteur in sehr barscher Weise bedeutet, wurde aber daß fie ihm — womit jedenfalls der Kasfirer der Pferdebahngesellschäft ge meint war— Kupfergeld auch nicht abnehmen. Wir wollen nun zwar von vornherein zugeben, daß es weder für die Ge- sellschaft, noch für deren Bedienstete sehr viel Annehmliches hat, in dieser kleinsten Münze bezahlt zu werden, eS will unS aber doch mehr als fraglich erscheinen, vaß ein im Dienste deS öffentlichen Verkehr« stehendes Institut ein Recht haben sollte, irgend eine giltige im KurS befindliche Retchimünze ohne Wei- teres durch Annahmeverweigerung werihlos zu machen. Die Pferdedahn ist doch stcher nicht nur für Leute, welche in Gold und Silber zahlen können, vorhanden, und daß ,. B. einem armen Manne oder einer unbemittelten Hauimutter, die nicht, wie jener Soldat, noch größeres Geld zum Wechseln bei fich bat, um deswillen die Mitfahrt verweigert werden könnte, weil fie die 5 oder 10 Pfennige Fahweld in Kupfermünze erlegen will, scheint uns doch über das Maß deS Zuläsfigen hinauszu gehen. Die Direktton der Aktien-Ctehbierhallen, die mit so koloffalem Pomp in» Leben trat, hat bereits wieder gewechselt. Das Dirigiren ist nämlich nicht so leicht. Dieselbe hat an der Neuen Promenade eine Zentralstelle geschaffen, von der aus AlleS in zwei Wagen nach den Filialen expedirt wird. Selbst Kinde nicht entgelle» lassen wird, wa» der Vater gesündigt hat," erwiderte Halm.„Wenn sie e« dennoch thäte, so wird Arabella die Arme ihre« Vater» offen finde«—" „Nein, nein, fürchten Sie da« nicht," unterbrach Sieg sried ihn.„Ader auf der anderen Seite dürfen Sie auch nicht erwarten, daß Arabella Zhnen mit der Liebe einer Tochter entgegenkommen wird—" „Ich habe mir da« schon gesagt, bin ich ihr doch ein Fremder!" unierbrach der Amerikaner ihn seufzend.„Zch überlasse nun Alle» Ihnen; wie Sie diese Angelegenheit ordne», so soll eS mir recht fein." „Entlasse» kann ich Sie»och nicht, ich muß zuvor mit dem StnatSanwalt darüber reden," sagte Siegfried, während er mechanisch in den Akte« blätterte."„ Rabe wird natürlich leugne«, und die Scheinbeweise, die gegen Sie vorliege«, fiad leider«och nicht widerlegt. Zndeß hoffe ich, de» Staatsanwalt von Ihrer Schuldlosigkeit überzeuge« zu könne«, uad dann sollen Sie sofort in Freiheit gesetzt wer- de«. Also gedulde« Sie sich, wa» in meinen Kräften steht, Zhre Hait abzukürzen, soll gewiß geschehen." Er bot ihm bei den letzten Worten die Hand, der Ameiikaner hielt sie fest in der seinigen, und sein Blick richte voll ernster Besorgniß auf dem Assessor. „Zch bitte Sie nicht, Rücksichten auf mich zu nehmen," erwiderte er,„nur die eine Bitte habe ich, schonen Sie mein Ki»d. so wert es unter de« obwaltende« Verhältnissen in der Möglichkett liegt. Wa« mich betrifft, so werde ich jetzt mich gerne gedulde«, bi» die Stunde meiner Befteiung schlägst� m UOT �d ging langsam hinaus, und bald «ach ihm verließ auch Siegfried da« Gerichlsgebäude, um die ihm nun obliegenden Pflichten zu erfülle«. DieHandderNemesi». Willibald Rabe hatte in der That, wie Siegftied fich ausdrückte,„Lunte gerochen.".„.„ Als er am Abend vor dem Verhör r« fern Hotel Herrn» kehrte, war ihm die gerichtliche Vorladung übergeben wor- den, und wen» auch diese Vorladung nur besagte, daß er in der UniersuchungSsache gegen Ferdmand Halm als Zeuge die Brödchen wurden fix und fertig versandt, waS fich bald als undurchführbar erwies. Warme Speisen sollten in den Filialen auf drei Tage vorhalten, dann konnten fie an die Zentralstelle zurückzegeden werden. Hierzu bestellte man am 24. Dezember 20 Gänse und 20 Hasen. Am I.Januar bestellte man vorstchtiger Weise nur noch je zwei Exemplare, welche bis zum 4. Januar reichten. Da man die Gänse gleich in Por» Honen getheilt an die Filialen versandte, so verzichtete et« Pächter, ein gelernter Koch, ganz auf diese Zusendungen. Ging irgendwo eine Sorte Brödchen au», so mußte fie erst telegraphtsch ber der Zentralstelle bestellt werden, und dann jagte ein Wagen mtt beispielsweise sechs Kaviarbrötchen nach der Chauffeestraße. So ging die Sache also nicht. Der arg gebundene Pächter muß außerdem die Tonne Bier mit 30 M. bezahlen und die Hälfte der Beleuchtungskosten tragen, was täglich etwa 2,50 M. ausmacht. Die Tonne bringt ihm aber nur 40 M. So leicht wie man es fich gedacht hat, geht also die Sache nicht und die Hauptsache, die Rentabilitätsfrage, ist noch eine offene. I« den Stehbierhallen wird nämlich zu wenig getrunken und daS macht ein Loch in jede große Spesen Rechnung. Polizet-Bertcht. Am 2. d. R. Abends glit der Zimmer» mann Emmerich in der Greifswalderstraße beim Ueberschreiten deS Rinnsteins aus und brach daS Bein.— Am 4. d. MtS. Nachmittags wurde der Kutscher Langenstraß, während er auf dem Wagen saß, von seinem Pferde deratt gegen das rechte Schienbein geschlagen, daß eS zerschmettert wurde und er nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte. — Am 6. d. M. Nachmittags wurde der Fuhrmann Raun-- darf auf dem Grundstück Zehdenickerstr. 12o durch eine» Ziegelstein, der von dem benachbarten Neubau Weinbergs- weg 11 ihm auf den Kopf fiel, schwer verletzt.— Am 7. d. M. MorgenS gefteth in der chemischen Fabrik von Dr. Maraffe, Schulzendorferstt. 19, der Arbeiter Rosentreter mit der rechte« Hand zwischen die Kammräder der Filterpreffe, und wurden ihm dabei zwei Finger abgequetscht. Der Verletzte wurde nach der Charitee gebracht.— Am 6. d. M. Abends erschien bei einem Bierverleger in der Solvinerstraße ein ihm bekannte� seit langer Zeit obdachsloser Mann und bat um ein Obdach für die Rächt, welches ihm auch im Pferdestall gewährt wurde. Als der Bierverleger am nächsten Morgen den Stall bettat, fand er den Mann tobt vor, und war derselbe nach Feststellung deS hinzugezogenen Arztes in Folge übermäßigen GenuffeS von Spirituosen verstorben. Die Leiche wurde nach dem OdduktionShause geschafft. von Soziales und Arbeiterbewegung. An die Maurer Deutschland« l Ein wichttges Thema. welches dem nächsten Kongreß zur Berathuna bezw. zur defini- ven Ordnung vorliegen wrrd, ist das Streitwesen. Wenn an und für fich Arbeitseinstellungen zweischneidige Waffen find, welche in gleichem Maße Unternehmer und Arveiter verletzen, so find fie doch bei der jetzt herrschenden Rückstchtslostgkeit der Unternehmer den Arbeitern gegenüber daS einzige Mittel, um auch nur die bescheidensten Forderungen durchzusetzen. Es ist und bleibt aber trotzdem heilige Pflicht der Kollegen, überall, wo eine Lohnausbefferung oder Arbeitsverkürzung unter allen Umständen unabweisbares Bedürfniß ist, zunächst den Versuch zur friedlichen Lösung der Frage zu machen. Fällt ein solcher Versuch fruchtlos aus und bleibt also keine andere Wahl, al« entweder Fortvegettren unter den alten Arbeitsbedingungen oder ArbertSetnstellung. so ist immerhin daS Zusammengehen sammtlicher Maurer Deutschlands, mit anderen Worten, die Unterordnung unter die Bestimmungen der vom vorigen Kon» grcsse eingesetzten Konttol-Kommisston, in erster Lime unbe» dingt nothwendig. Was sollte wohl daraus werden, wenn, wie eS dm Anschein hat, zum nächsten Frühjahre an 10-12 Orten zu gleicher Zeit Arbeitseinstellungen in Szene ge» setzt würden? DaS Resultat würde nicht nur gleich Null sein, sondem es würde die Bewegung unter vm Maurern auf unabsehbare Zeit lahm gelegt werden. Soll nun eine Ardeitseinstellung ihren Zweck nicht verfehlen, so besteht die zwcite Vorbedingunadazu in einer genügenden Unterstützung der Streikenden. Wenn fich auch bei den vor- jährigen Arbeitseinstellungen in Rathenow und Berlin die Opf-rwilligkeit der deutschen Maurer glänzend bewährt hat. so würden doch bei gleichzeitigen Ardeitseinstellungen an mehreren Orten nur ungenügende Mittel zur Unterstützung zusammen» zubringen sein. Wenn auch seldstoerständlrch während der ersten Wochen einer Arbeitseinstellung wohl nur in dm drinamdstm einzelnm Fällen eine Unterstützung gezahtt wer» den tönnte, indem die Etteikmden für ihre eigene Besser» stellung auch ihr AlleS daran setzen müssen, muß man doch in Anbetracht der immer wachsenden Organisation der Unter» nehmer stets auf eine längere Dauer eine» solchen Kampfe« gefaßt sein, und eS würde bei gleichzeitig stattfindenden Ar» beitSeinstcllungen an mehreren Orten durch die Zersplitterung der Mittel daS Gewinnen auch nur etneS Kampfes in F gesteM sein. Es hat fich bei den angeführten Aro einstellunam ergeben, daß von einer größeren Anzahl____ Städten die Unterstützungen dirett an die Stteik-Kommtsstonen vernommen werde» sollte, so glaubte sein schuldbeladene« Gewissen darin doch Gründe genug zu ernstm Befürchtunge» zu erblicken. Und als am nächsten Morgen Zoseph nicht erschien, um die gewohnten Handleistungm zu verrichte«, weckte auch da« seinen Argwohn, und die innere Angst wurde erhöht durch die Mmheilung de« Kellners, daß die Polizei in der vergangenen Nacht das Zimmer des Kammerdieners durchsucht habe. Zoseph war also verhaftet! Hatte er seine Drohung wirklich ausgeführt und dm eigmm Hals in die Schlinge gesteckt? Rabe fand auf diese Frage keine Antwort, aber Ge» wißheit mußte er habm, mochte sie auch für ihn selbst er- drückend sein. Vielleicht war es da« Beste, der Vorladung Folge zu leiste« und dem verhaßten Untersuchungsrichter mtt ttotziger Stirn gegenüber zu trete». Mochten auch Verdachtsgründe gegen ihn vorliegen, dm Bruder der Gmeralin, dm Onkel seiner eigmm Frau auf eine« bloßen Verdacht hin zu verhafte«, wagte der Assessor sicherlich nicht. Und beweism tonnte man ihm ja gar nicht» I Er war sich bewußt, alle seine Maßregeln so vorzüglich gettoffen zu habe», daß man keine Beweise gegen ihn findm konnte! Er erfuhr dann au« der zuverläsfigstm Quelle, wie die Dinge lagm, weshalb Zoseph verhastet war und wa« er selbst zu befürchten hatte, danach konnte er seine wettere« Maßregel« tteffen. Es war besser so,— leistete er der Vorladung nicht Folge, so war der Untersuchungsrichter gesetzlich berechtigt, ih« durch eine« Polizeibeamten hole« zu lassen. Ruch dem Frühstück trat er dm Weg an, beeilte fich keineswegs, der Assessor konnte wartm, er kam. Trotzig wollte er ihn fragen, was er denn mtt dieser Untersuchungssache zu schaffen habe, und wm» dann der Asseflor eine Klage gegen ih» erhob, wollte er ihr mitsein« ganze« Unverschämthert entgegentreten. (Fortschung folgt.) er bi« ftefonbt woiden find, so daß der Kontrol Kommisston ein llebe: blick über die Kasienoerhältniffe der betreffenden Orte fehlte. Od diesem Uebelstand« Mißtraum gegm die Kontrol> Kommission oder nur Oraanisationtmangel zu Gmnde liegt, möge dahingestellt oleiden. Ein solches Vorgehen hat aber einm zweifachm Nachtheil. Erstens steht zu b-fürchtm, daß in Orten, welche derartige Lohnkämpfe noch nicht durchgemacht haben, die sogenannt«» Streik. «ommisstoncn in die Gefahr gerathen, Unterstützungm von abnorm wechselnder Höhe wöchmrlich auSzuzahlm und auf diese Art unwiffentlich einm den Erfolg gefährdendm Mißmuth in den Gemüthem der Streikenden zu erzeugen; und zweitens erwächst andererseits der Nachtheil, daß diese«ommisfionen, auch wenn fie schon im Kampfe geschult find, nach möglichst wirthschafilicher Verwendung der in ihren Händen befindlichen Unterstützungsgelder nach der Beendiaung der Arbeitsein- stellung dm etwaigen Kassenbestand als Eigenthum der Maurer in dem betreffenden Orte ansehen und auf diese Weise diesen etwaigen Rest seiner eigmtlichen Bestimmung mtziehm, während dieses Geld, in den Händm der Kontrol Kommisfion konzmtrlrt, einer Arbeitseinstellung an einem anderen Orte zu Statten kommm könnte. Es ist also in diesem so wichtigen Punkte strmgste Organisation und Disziplin nothwmdig, wenn Arbeitseinstellungen zum Wohle und Gedeihen des großm Ganzm ausfallen sollen. Wir empfehlm daher den Kollegen überall, auch diese Angelegenheit in den Rahmm ihrer Be- sprechungen zu ziehen, damit auch in dieser Beziehung der nächste Kongreß seine Maßnahmen treffm kann. Mit tamerad- schaftlichem Grußf: Die Kontrol-Kommisfion. I. A.: E. Knegm- dorf, Hamburg. Die lothringer Eisenwerke befinden sich augenblicklich in einer schweren KrifiS. Sie beschäftigen nm noch 400 Ar. beiter. Früher war die Arbeiterzahl die dreifache. Eine weitere Beschränkung deS Betrirbes wird beabsichtigt. Herabsetzung der Arbeitslöhne. Die Nümberger Han- delSkammer erklärt in ihrem eben erfchimeuen Berichte, daß die deutsch« Industrie nicht mehr ohne Herabsetzung der A-beits- löhne existircn könne. Dabei aber giebt derselbe Bericht an, daß Uederproduktion, leichtstnnigeS Kreditgeben, die Zollverhält- niffe u. s. w. auf die Entwickelung der Industrie in den letzten fahren störend eingewirkt hättm. Da müßte man doch zunächst erst diesen Störenfrieden zu Leibe gehen?"— Aber dies bei Seite gesetzt, ist die Behauptung der Handelskammer höchst unüberlegt, daß die Arbeitslöhne herabgesetzt werden müßten, um der Industrie auf die Beine zu helfen. Das erinnert an den Ausspruch deS früherer; preußischen Finanzministers Camp> hausen, der ähnliche Maximen vertrat. Es ist ein alter ökono- mischcr Grundsatz, daß die Produktion mit der Konsumtion stcigt und ebcnsowahr ist eS, daß gut gelohnte Arbeiter beffere Konsumenten sind, als schlecht gelohnte. Lohnreduk- tionen bedeuten somit eine Schwächung der Produktion— und lies beabsichtigt doch die Nümberger Handelskammer hoffentlicht nicht!? Die WtrthschaftSverhältnisse in Bnlgarte« find nach dem fiegreichen Kriege gegen Serbien noch schlechter geworden, als fie vordem schon waren. Gewöhnlich bestem sich die Ver- hältniffe nach einem glücklichen Kriege wenigstens für kurze Zeit. Die Zustände auf der Balkanhalbinsel aber find in letzter Zeit derartig trübe, daß überhaupt an eine Besserung nicht zu denken ist.„ Das Durchschnittsalter regulirt sich nach— dm Ein. kommenSverhältnisien. Will sagen, daß die wirthschaftliche Lebenshaltung von bestimmendem Einfluß auf die LebenSver- hältniste ist. Je besser genährt, in je günstigeren Existenzde- dingungen ein Individuum, desto größere Ausstcht auf einen Treffer in der Lotterie des LebenS besitzt es. Köröfi in seiner von unS bereits erwähnten Schrift, hat auf Grund von Maffm- deobachtungen, die sich auf die acht Jahre 1874—1881 erstrecken, für Budapest folgend« Ergebniste gewonnen. Es stellte fich daS Durchschnittsalter wie folgt: für Kinder (0—3 Jabre) 1 Jahr 4 Mon. 1„ 2y»„ Aus diesen Ziffern ist deutlich' zu ersehen, welche Rolle in der Sterblichkeit der verschiedencnen BevölkcrungSschichten die Wohlhabenheit spielt. Hier wie überall in der wirthschaftlich. politischen Organisation ist ausschlaggebend daS ökonomische Leitmotiv, das allerdings bei der eigenartigen Gestaltung der kapitalistischm Produktionsweise fich einzig und allein auSklingt in schrillen Dissonanzen._ I. bei de» Reichm auf U. bei d. Mittelklaffe auf Iii. bei dm Armen auf für Erwachsene (über 5 Jahre) 52 Jahre— Mon. S: 5" vereine und Versammlungen. � An die Klempner BerltnS Kollegen! Wohl in keinem Gewerbe stehen die Arbeiter vereinzelter und unentschlossener den Fragen ihrer gewerblichen Interessen gegenüber, als in dem Klempnergewerde, in keinem Gewerbe ist der Kastengeist und Jndifferenttsmus größer wie bei uns. Arbeiten z. B. Kollegen in einer Werlstätte, in der nur Bauarbeit gefertigt wird. so blicken dieselben erhobenen Hauptes auf die Kollegen der Werk- stätten, in denen nur Lampentheile ,c. gefertigt werden; dieselbe Anschauung ist auch in anderen Branchen unseres Gewerbes zu finden. Daß«ine solche einseitige Anschauung zum Schaden der Gesammtheit gereicht, bedarf wohl keiner Erwähnung; die Folgen solcher Jsolirtheit und Dünkelhaftigkeit sehen wir täglich in Hunderten von Fällen. Statt daß wir Klempner in Bezug auf Organisation zur Besserung unserer Lage anderen Gewerben als Muster dienm sollen, find wir überhaupt noch nickt organisirt. Und warum? Weil die Mehrzahl unserer Kollegen nicht einsteht, wie weit wir hinter den Arbeitem anderer Gewerde zurückgeblieben sind. Daß eine solche Zerfahrenhett unser vollständiger Untergang ist.'sollte Allen klar sein. Kollegen, soll eS so weiter gehen? WL. PH Wollt Ihr jtotz sein auf Eure Kraft und Ausdauer, so organisirt Euch! Wer sich zu erhaben dünv, der soll den weniger Erhabenen zu fich heraufziehen und nicht abstoßen. Blicken wir auf unsere Kollegen in den anderen Städten Deutschlands; alle find mehr oder minder gut organifirt, fie habm fich eine Bafis geschaffen. von der auS fie eine geregelte Arbeitszeit, einen Tarif über Akkord- und Lohnarbeit, einen Arbettsnachwets und Fremdmverkehr, sowie UnterstützungSkassen für Arbeits- lostgkeit rc. gegründet. Wir fordern Euch auf zur Gründung eines Fachvereins für Berlin; nur dadurch ist eS möglich. unferm gerechten Forderungm Geltung zu verschaffm. Nur durch den beständigm Austausch der Meinungen werden Uebel- stände wie die. in denen wir uns gegenwärtig befindm, beseitigt. Es muß Selbstvertrauen unter uns kommm, dann werden iolcke Uebelstände, wie fie in verschiedenen Werkstätten vorhanden. zur Unmöglichkeit. Rur in der Vereimgung liegt die Mackt. Alle für Einen und Einer für Alle, ser unser Wahlspruch. Wir hoffen, daß diese Mahnung in Euren Herzen vereint aber AlleS. Erscheint alle, Mann für Mann in der am Montag, den 11. Januar. Abends 8 Uhr, im Lokale Sanssouci,«ottbuserstr. 4 a. stattstndendm Versammluna. Die Tagesordnung derselbm lautet:> Wre stellen fich die Klempner Berlins zur Gründung e neS FachoerernS. 2. Ver. schiedeneS. Besonders werden die Bauklempner ersucht. zahl- reich zu erscheinen. Der Einberu'er der Versammlung rm Austrage vieler Kollegen._.. An die Schlosser Berlins ergeht folgmder Aufruf: Kollegen! Wir sind in ein neues Jahr eingetretm, neue Hoff- nungm, nme Wünicke habm, wie in jeder Menschmbrust, auch in unseren Herzen Wuri'l gefaßt; sollten auck bei Euch Kol legen, nicht dieselben Wünsche und Hoffnungen Play gegriffen haben? Habt Ihr das Drückmde Eurer Lage noch nicht ge- jüblt, oder sollte daS neue Jahr mit einem Male alle jene Mißstände, unter dmm wir so lange gelitten, beseitigt habm? Prüfe ein Jeder seine eigme Lage, dmlt an Eure Berpflich- tungen, denen Ihr unter den �.egenwärligen Verhältnissen nach- kommm müßt. Könnt Ihr diesm Anforderungm nachkommen? Seid Ihr im Stande, bei diesen ungeregeltm Arbeits« und Lohnverhältnissen noch als Mcnlchen zu rx sttren? Muß hier nicht etwas geschaffen werden, das ein entschiedenes Halt ge- bietet? Fühlt nicht ein Jeder das ttaurige Bewußtsein, wenn er steht, wie andere Gewerkschaften organifirt vorgehen, wie fie im Stande find, ganz bedeutende Erfolge zu erringen und die Schlosser bleiben zurück? Jeder Einzelne muß doch fühlen und be> schämend muß eS auf ihn wirken, fich sagen zu müssen, selbst Nichts für die Sache gethan zu haben. Kollegen! Blickt mit uns zurück auf das, was wir im verfloffenm Jahre geleistet haben. Freilich ist die Einführung der lvstündigen Arbeitszeit nicht ganz so gelungen, wie es sein sollte, aber woran lag eS? Wir wollen Jenm, die in entfcheidinder Stunde nicht den Much besaßen, für diese gerechte Sache einzutretm, keine Vor- würfe machm; vielleicht find es traurige Moüve gewesen bei vielen Kollegen, die fie an der Ausführung des Beschlusses hindettm. Wir wollen ihnen zurufen: Frisch gewagt und nicht verzagt! Wir wollen erwarten, daß fie in diesem Jchre daS, was fie im verfloffmen Jahre versäumt haben, wieder einholen, daß die Stimme des Herzens in ihnen erwachen und fie zu der Erkenntniß führm möge, daß durch solches einseitiges Verhalten die Organisation der Schloffer nicht stärker wird. Darum ist es Pfltcht eines jeden Einzelnen, in der Versamm- lung zu erscheinen, damit er mit den auszuführenden Be- schlüssm vollständig vertraut, mit der traurigen Lage des Schloffergewerks bekannt und ein Interesse gewinne, mitzuwirken an der benlichen Aufgabe, einzutreten zur Besserung unseres so tief gesunkenen Gewerks. Kollegen! Leider ist in der letzten Zeit das Interesse geschwunden, die Delegirten-Versammlungen, welche doch eigentlich den Stamm der Bewegung bilden, wurden immer schwacher besucht, so daß es nicht mehr möglich war, in Erfahrung zu bringen, wie die Verhältnisse in den einzelnen Werkstätten lagen. Kollegen! Meint Ihr es wirklich ernst mit der Bewegung, so ernennt in Euren Werkstätten Delegirte und sendet sie m die am Mon- tag, den 11. Januar, in Sahm's Salon, Annensttaße 16, stattfindende Delegirten-VersammluM, damit wir Eure Wünsche und Ansichten kennen lernen, um Euch in der am 17. Januar in der Viftoriabrauerei stattfindenden Generalversammlung schon mittheilen zu können, wie fich die Bewegung fernerhin gestalten wird und wie wir vorzugehen gedenken. Kollegen! Gedenket der Quelle, die bei dem letzten Streik so Manchen gestärkt, laßt den Generalfonds nicht versiegen, führt ihm neue Kräfte zu, daß er fich vermehre, verdopple und verdreefache, damit, wenn es Roth thut Unterstützung zu geben, wir dieselbe auch voll und ganz gewähren können.— Die Zahlstellm.find folgende: 1. Hüther, FriedrichSfelderstratze 30 II; 2. Quölle, Admiralstrgße 31/32; 3. Ledertheil, Blücherstraße 19; 4. Günther, Bülowstraß« 69, Hof IV; 5. Harthmann, Dorothrenstraße 32 II; 6. Rübe, tionSkirchstraße 55 IV; 7. Krüger, Ackerstraße 26; 8. Rogatt, iophienstraße 28/29 H. K: 9. Elles, Kleinbeerenstraße 25. Nochmals, Kollegen, wählt Eure Delegirten und erscheint Alle in der ersten diesjährigen General- Versammlung, damit wir vereint in diesem Jahre das begonnene Wer! vollenden. Mit kollegialischem Gruß: Die Lohnkommisston. A« die Arbeiter Berlins! Ter neugegründet„Sani- tätSverein für Arbeiter beiderlei Geschlecht in Berlin", welcher nur von Arbeitem für Arbeiter geschaffen worden ist, wird trotz wiederhollm Bekanntmachungen seitens des Vorstandes noch vielfach mit den Sanitätswachen resv. deren Vereinen verwechselt. Um diesem Jrrthum entgegen zu treten, mackt der Vorstand obinen Vereins die Arbetter Berlins darauf aufmeik. sam, daß die SanitätSwachm, welche zwar den Arbeitem Rath und Hilfe gewähren, fich die Kosten dieser Hilfe- leistung— welche für die Arbetter immer noch zu hoch find— auch von den hilfesuchenden Personen selbst bezahlen lassen, wohingegcgen der Sanitätsoerein für Arbeiter beiserlei Ge- schlechtS seinen Mitgliedern gegen einen geringen mmratlichen fchlechtS seinen Mrtglrevem gegen einen germgen monatlrcher Beitrag im Erkrankungsfalle einen Arzt nach freier Wahl un entgeltlich zur Verfügung stellt. Die Kosten der Behandlung werden ausschließlich nur von dem Verein gettagen und haben die Mitglieder desselben, auch zu einer Zeit, wo ste durch Ar. beittlostgkeit rc. zahlungsunfähig find, also im Falle der größten Noty, einen unentgelttichen ärztlichm Beistand. Die Beiträge an den Verein werden in Raten gezahlt und zwar für eine erwachsene Person monatlich 25 Pf., für ein Kind vom 2. bis zum 15. Lebensjahre 10 Pf. und für ein Kind unter 2 Jahren 20 Pf. DaS EinttittSgeld für die ganze Familie beträgt 1 M. Wenn man erwägt, daß eine erwachsene Person für 3 M.— welche oft auch an die SanitätSwachm für eine Einzelhilfeleistung gezahlt werden müssen— und ein Kind vom 2. bis 15. LebenS« jähre für nur 1 M. 20 Pf. jährlichen Beitrag einen Arzt nach Bedarf daS ganze Jahr hindurch nach fteier Wahl unmtgelt« lich in Anspruch nehmen darf, so dürfte hierdurch wohl die Ueberzeugung gewonnm werden, daß dieses Jnstiiut im hohen Maße der Humanttät Rechnung trägt und den Arbeitem Berlins auf daS Wärmste empfohlen werden kann. Wir weisen noch speziell darauf hin. daß den Aerzten daS Honorar von dem Verein garantirt und iür jede Hilfeleistung extra— nicht, wie bei dem GewerkSkranken-Veietn. im Pauschquantum— gezahlt wird; weshalb auch die Aerzte bei schwer Kranken einem Rufe nach der Wohnung derselbm jeder Zeit Folge leisten werden und, wie statutarisch festgesetzt ist, auch folgen müssen, und nicht, wie dieses so häufig geschieht, aus Furcht, um ihr Honorar zu kommm, dem Rufe einer Arbeiteifamilie besonders RachtS überhaupt nicht nachkommen. Alle diese Uebelstände sind für die Mitglieder des EanitätsoereinS beiderlei Ge« fchlechtS nicht vorhanden. Wird der Arzt daS erste Mal Nachts in Anspruch genommen, so genügt die Vorzeigung des Qutttungsbuches. Außerdem wird den Mitgliedem einge- schriebmer Hilfskaffen der Krankmschein ihrer Kasse vom Arzt unentgeltlich ausgestellt, wenn diefelbm gleichzeitig Mitglieder deS Sanitätsveretns find. Die Aufnahmen und Beittäge zum Verein werden fast in allen Zahlstellm sämmtlicher Hilmaffen entgegegmommm. Weitere Auskunft eitbeilt der Voi fitzende Otto Schulz, Rlöckemstr. 82, wie der Kasfirer Karl May, Oranimstr. 166. Persönliche Auskunft beim Vorfitzmdm nur Sonntags von 11— 1 Uhr: beim Kasfirer jeden Abend von 7—8 Uhr, mit Ausnahme deS Sonntags. Der Vorstand des SanitälSvereins für Arbeiter beiderlei Geschlechts in Berlin. bte. Im Bmi« zur Wahrung der Interessen der Berliner Manrer machte in der Mitgliederversammlung am 5. d. M., Jnselftr. 10, der Vorfitzende Grothmann zunächst die betrübende Mittheilung von dem am 2. d.M. in Schwerin «folgten Hinscheiden des Hofbauraths a. D. G. A. Dm.mler, des allen dmtschm Arbeitem unv«geßlichm Volksfreundes und tteum AnhängnS der Arbeitersache. Die Versammlung ehrte daS Andmkm des Gestordmen durch Erheben von den Siyen. Hinauf eröffnete der Vorsitzende die Diskussion über den ersten Punkt der Tagesordnung:„Stellungnahme zur diesjährigen Lohnbewegung" mit einer nnsten Mahnung, jetzt unter keinen Umständen von der derzeitigen Forderung von 45 Pf. Stundenlohn abzulassen, umsomehr, als d« Verein die Verpflichtung üb«nommm, gegen alle derzettigen Lohnreduktionen, resp. für die wegen WidttstandeS dagegen evmtuell„ge- maßreaetten" Mitglied« direkt einzutretm. Ader edm deshalb gebiete auch die schuldige Rückficht auf die dem Verein daraus erwachsmdm Lasten und Opf« Mitgliedem bei aller Festigkeit und Entschiedmhett ihrer Haltung stets ein besonnenes, ruhiges und streng sachliches Vorgehm. Schwäche urd ebenso verderbliche als zur Zeit durchaus ungerechtfertigte von dn Konjunktur gebotene Nachgiebigkeit müsse durchaus Kr. vermieden werden. Herr Scheel befürwortete, an d ejenizm Kollegen, welche jetzt noch vor der drohenden Ge,ahr l» Augen verschließen, in Form eine» Flugblatte» einen wornenw Mahnruf zu richten. Herr Behren» empfahl u ft« Htmveil auf den neuesten Arrikel der„Baugewcrks'Zeitung", betreffen! die Wabl eines JnnungS- Gesellmausschuffes, die schleunigst Einberufung einer öffentlichen Generalversammlung l« Berlin« Maurer und gegenüber jenm Abfichtm te Innung bei Zeiten Stellung zu nehmen. Inzwischen w» eine zu dem'Inhalten der Innung und zur dieSjährigo Maurer-Lohnftage Stellung nehmmde Resolution eingelause» welche von der Versammlung nach kurzer Diskusston der Kow misston überwiesen wurde, mit dem Austrage, dieselbe d« statt findenden öffentlichen Generaloersammlung der Maurer t unterbreiten.— Hieran reihte fich die Erledigung verschiede«« geschäftlicher Angelegenhctten. Herr Breiyke, als Revisor,« klärte, Kaffe und Bücher ordnungsmäßig befunden zu bade» Herr Kliemann wurde zum Revisor gewählt. Die Wahle: zu Ausschuß mitgliedem für den Rechtsschutz siele« auf bi Herren Röhrich und Weiland. Die Recherche> Kommisfiol wurde durch Wahl der Herren Scheel und Schulz ergänjt Verschiedene Unterstützungsgesuche wurden der Kommisfiol überwiesen. Die übrigen Verhandlungen dezogen fich au inn«e Gcwerkschafts« und Veieinsangelegenheiten. Der Aachverein der Schneider hielt am Montag b Gratweit's Bierhallen eine Prüfung der Schüler ab, welche b den beiden Kursen d« Fachschule deS Vereins unterrichte wurden. Bevor zur Prüfung, geschritten wurde, begrüßte W Vorfitzende die Mitglieder, sowie die anwesenden Gäste,»«> forderte die Mitglieder zur regen Agitation auf, vamtt W Verein fich vergrößere. Alsdann hielt Herr Mallwitz, W Lehr« der Fachschule, eine Ansprache an die Versammlung Hierauf wurde zur Prüfung geschritten im Maaßnehmm, M» dellzeichnen, Anproben rc. Von den verschiedenen Schneid«- Akademien in Berlin warm Vertret« erschienen. U-ber dit acht Anprobm entstand eine Debatte zur Ausklärung deS v« Mitgliedern gelehrten Eyst ms; da mehrere Gegner diesel Systems anwesmd waren, ließ der Vorfitzende darüber absiin>- mm, ob die Versammlung dieses System als brauchbar an«- kenne. DaS Resultat d« Abstimmung war einstimmige An«' kennung deffelben. Die nächste Versammlung findet am 1» d. M. in Gratweils Bierhallen statt. Anmeldungen zum neu« ZuschneidekursuS werden entgegmgmommen Krausenstraße 41 vom 3 Treppen bei Herrn Mallwitz. Das Honorar für 0« einsmitglieder beträgt 15 M. für Lehrbuch von Vereinsmil' gliedein 5 M.. Eine Delegtrtenverfammlung der Perlmutterarbett« tagte am Dienstag, dm 5. d. M., in Säger's Lokal, Grün« sittlichen Weg 29. Da die Versammlung wegen verspäteter Publikation und die nur schwach besucht war, so wurde nach kurzer Debatte w könne». gender, von Herm Vehr gestellter Antrag einstimmig angn De nommen: Wegen des schwachen Besuches der heutigen V«! idealen, sammlung möge die Versammlung die Wahl einer aus dro ni jn'i Personen bestehenden Kommission beschließen, welche innerhall' jL J der nächsten drei Wochen eine öffentliche Versammlung d«, Perlmutter-, Hartgummi- und Knochenarbeiter einzubemf« und die nöthigcn Vorarbeiten zu regeln hat. Die Delegat« auferleg werden aufgefordert, aus jeder Fabrik eine„Fabrikordnung' wieder sowie ein Verzeichniß der in den verschiedenen Fabriken 0( Tartuffe zahlten Arbeitspreise der Kommisston einzusenden, damit W der Kan auf diese Weise gesammelte Material der nächsten VersaiM spielm j Es kende Z 5m des uldig« Pommer Ihre, Entschie ihre Gr NUNg'( Mänan Praxi« oder il Anfordi Fordeni Himges, dustrie ihre» A schastliö achte Tr beiter g in der s tief« hi teaden" D° Frauen c lung vorgelegt werden kann, welche dann entscheiden soll, ein einheitlicher Tarif für sämmtliche Arbeiter der Bra ausgearbeitet werden soll. In die Kommisfion wurden ge» die Herm Vehr, Beversdorf und Scobel. Fachver«« der Tischler. Sonnabend, den 9. Ja> Abends 8'/, Uhr, Versammlung in Säger's Lokal, Gl Weg 29. Tagesordnung; 1. Vortrag des Hm. Dr. Lütge Wie ist eme gesunde Wohnung beschassen? 2. Was gede wir in Zukunft m Betreff der Bezirksversammlungen zu" 3. Tlskusfion. Verschiedenes. Fragekasten. Gäfle sind kommen. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Die_ stellen des Vereins find jeden Sonnabend Abend von 3'/, 10 Uhr geöffnet und befinden sich bei Hilscher, Belle-Allia platz 6; Stramm, Skalitzerstraße 18; Hohn, Zionskirchplatz und auf der Tischlerherberge, Blumenstr. 56. Daselbst wer! Beittäge von den Mitgliedern entgegen genommen sowie n Mitglieder aufgenommen. Die ordentliche Generalversamml: des Vereins findet Lokalverhältniffe halber erst am Dienst den 19. Januar, in Jordan's Salon, Neue Grünste. 28, st Große öffentliche Versammlung der Buchbinder w Kontobuch-Arbeiter heute Abend in Rieft's Salon. Ro* behaupte mandantmstr. 71/72. Tagesordnung: Vortrag des Stadt»«' vJ- ordneten Heim Mitan üb«:„Gewerbliche Organisation". Verein der Sattler und Aachgenossen. Sonnai dm 9. Januar, Abends 8'/, Uhr, in Gratweil's Binhaü Kommandantenstr. 77—79: I Generalversammlung. Tag ordnung: 1. Bericht des Vorsitzenden üb« die Thätig! des Verein?. 2. Kassenbericht. 3. Ausstellung von Kandil zum Vorstand. 4. Wahl der Revisoren. 5. Verschiedenes Fragekastm.— Mitgliedsbuch legitlmirt. J Verein zur Wahrung der Interessen der K.stt»' und Koffermacher. Montag, den 11. Januar, Abends 8M Uhr, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstraße 20, M Bei fich bat schränk»: wollende jetzt die d« Fan best« fi< bert«fre> eine Gr< ein Arb Kind«, üb« kur durch de nicht rich steige, eu de oben Wo während Mitglied« als es b müßte! einfach t' abzähle» We aufgenommen. Gäste sind willkommen." republik Dachveretn der Metallschrauben-, Fassondreher umAaniows Berufsgeuosseu verlin«. Die Generalversammlung law Weichsel Umstände halber nicht am Sonntag, den 10. o. M., stau w« All finden. Dieselbe findet vielmehr am Sonntag, den 17. d. A stantilck« Vormittags 10'/, Uhr, in Wohlbauptts Salon, Manteuffsi�.z Ä straße 9, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. JahresbcrÄ n.i. � 3. Vereinsangeleaenheiten. Zugleich werden die Freunde. Mitglieder des Vereins zu dem heute, Sonnabend, Abend strotze. „Sanssouci" stattfindenden Maskenball eingeladen. Bill?vet der, hierzu bei den Vertrauensmännem und dem Vergnügung' Eig, Komitee.«der das Kachveretu der Steinträger. Sonntag, dm 10. JanvZ> Vormitlaq« 10 Uhr. in©AesrnV Salon. Jnselstr. 10.' Crönurg: 1. Vierteljähr ger Kaffendenchl; Bericht über � im vergangenen Jahre«ngesammeltm Betträge zum An stützungsfonds; Wahl eine« Revisoren. 2. Vortrag:„*9* der C heute bei uns noch vorherrschmden Mißstände und wie slf'nahe der dieselben zu beseitigen". Referent Herr Rennthaler. 3. Z�ge»«ust kusfion und Verschiedenes...�mützchen Kranke« und Sterbekasse der Berliner Hutarbei�jeck klam und Berufsgenossen. Außerordentliche Ge neralversammlijjki nmmte ISä'ä rtais■ Rechmschafts- Bericht. 2. Vorstandswahl. 3. Belschteve»�sich«« d 4. Fragekasten. Raum w Der Verband der Möbelrolirer für B«Iin und u�und "T T Ul WWW* UUV q». gegen» halt heute Abend 8'/, Uhr im„Anvreas-Gartm". dreasstr. 26, eine Versammlung ab, in welcher Herr Kre» llber„Gewerkschaftliche Organisation einer Fachgmossens»� sprechen wird. Gäste willkommen. Genera Ortskrankenkasse de« Ztmmerergewerbe«. sammlung Sonntag, den 10. Januar, Vormittags 9 Uhr. Lokale Linienstr. 8 bei Siemund. Tagesordnung: Ersa des Vorstandes.(§ 33 des Statuts) Zutritt haben nur am 1. März v. I. gewählten Vertreter.(§ 43 des Ste» — Die am 30. November v. I. gewählten Vertreter der geber versammeln fich am 10. Januar, Vormittags 11 W oben genanntem Lokale. Tagesordnung: Wahl der zw"- standsmitglieder.— Nach erfolgter Wahl findet die tuirung des Vorstandes statt. in t im an d ithen B Der aueS s chenksiu erwach- zalajskc öcken, rüge h« mpfaug der B«antworUtcha«edattem«. t» Berit«. Druck und Vertag von«« Babing in BcrUn 8W, Beuthftraße 2 Hterz» eine B«*# fienlj« ahr C« iri'.tntt« Hwmit «Kiffen« leuntgft ng in ien d«— jen w« 'tum )er Ro» der statt mtec f chicda« tsor.° i bade« Wahl« auf dd mmisfiai ergänji mmisfiai stch au ontag tt lvelche* itetriiW rügte M äste, unl «mit da witz, w immlunj im, Ä» ichneld«' stber du DeS d- cr diese! r abstii»' bar an«' gt Anev ;t am i» um neue» straste 41 «tbeiW Grün« ablikatio« Beilage zum Berliner Bolksblall. Kr. 7. Sonnabend, den 9. Jannar 1886. III. Jahrg» Du achte Wsüade. innerhaU lung W zuberu'-« velegirta otbnungi »riken M amit da» Lersam»� t soll, f* E< ist eine bekannte Thalsache, daß politisch frei denkende Männer in Bezug auf die wirthschaftlichen Forderun- ?m de» Zlibeilerstandeö oft dem staristm Aonservalismu» uldigm und sich in sozialen Dingen in nichts von den pommerschm oder ostpreußischea Junkern unterscheide». Ihre» Besitzstand vertheidigen sie mit gleicher halsstarriger Entschiedenheit wie jene, wenn sie auch nicht vermögen, ihre Gründe aus historischem Recht oder.göttlicher Weltord- nuag* abzuleite». Diese freidenkenden und„freisinnigen" Männer gestehen im„Prinzip" Vieles zu. sind aber in der Praxis gegen alles, was ihre soziale Stellung gefährden, oder ihrem Geldbeutel auch nur die allergeringsten Anforderungen zumuthet. Sie erklären daher die meisten Forderungen der Arbeiter für„Utopien", für unausführbare Hirngespinnste, für eine Gefährdung des Handels, der Zn- dustrie oder gar der sittlichen Weltordnung. Kurzum in ihre« Augen sind die Bestrebungen auf Besserung der wirth- schaftlichen Lage der zahlreichsten Klasse der Bevölkerung die achte Todsünde. Warum? Weil die Forderunge» der Arbeiter gegen ihre Interessen gehen, weil die Furcht, in der sozialen Stellung degradttt zu werden und eine Stufe tiefer hinabsteigen zu müsse», die Ursache aller„staatierhal- tenden" und staatsrettmden VertheidigungSmtttel ist. Darum ist e» eine Todsünde, die Einschränkung der Frauenarbeit, die Beseitigung der Kinderarbeit ic. zu ver- l ingen, weil solche Forderungen direkt und indirekt das In« terefle der betreffende» Unternehmer verletzen, die ihren Betrieb auf der Basis der gesundheitsschädliche» und entsittlichenden Frauen- und Kinderarbeit eingerichtet haben, und die befürchten, ohne solche nicht mehr konkurrirm zu batte foK könne». äg ang« Der persönliche EgoilmuS— dm» eS giebt auch einen zen V«! idealm, welcher die Rechte Anderer nicht verletzt— zeigt aus dro � z* solchen Dingen in seiner ganzen Häßlichkeit. ES wird nicht zugestanden, daß die Besserung der Lebens- Haltung der Arbeiterklasse den Unternehmer» Pflichte» auferlegt und Opfer verlangt, die der G e s am m t h e i t wieder zu Gute kommen— nein, in der Manier des Tartuffe wird, angeblich im Interesse der Arbeiter selbst, der Kampf gegen dieselbm geführt. Von tausend Bei- spielm find: Bei der Berathung des Arbeiterschutzgesetzes stellte sich das Organ Eugen Richter'« in Bezug auf Ein- schränkung der Kinderarbeit auf den Standpunkt des wohl- wollmdm Tartuffe, indem es ausführte, daß bis jetzt die arbeitendm Kinder eine» Antheil an der Ernährung der Familie hätten, durch dessm Fortfall die Lage der Ar- better sich verschlimmem müßte. DaS klingt zwar sehr ar- bettersreuvdlich und plausibel, ist aber grundfalsch. ES Riebt eine Grenze für den Hunger wie für die Sättigung. Kann Die Zu? ein Arbeiter, in Folge der Einbuße de« Arbeitsertrages seiner " o1/» Kinder, seine Familie nicht ernähren, so muß sei» Einkommen -Älliano jutj ßDer lang in dem Maße steigm, in welchem e« r« durch den Fortfall der Kinderarbeit gesunken ist. Wäre die« 'iL?«a«'cht richtig, so müßte das Einkommen des ArbetterS ja sammlu« sieigen, MMN alle gesetzliche» Beschränk»«- Dienst� gen der Frauen- und Kinderarbeit aufge- 23,# hoben würbe». »der ui" Wollen da« Herr Richter und seine Gesinnungsgenossen on. fl0» behaupten? Oder werden sie zugeben, daß in diesem Falle Etadtou-l Das Gesammt- Einkommen da« gleiche bleibe» würde, ton„'hrttÄ während die Quote jedes arbeitenden Familien- Mitgliedes sich um so viel erniedrige» würde, Tagts! al« e» bei der nun bestehenden„Freiheit" Mehrarbeit leisten Tbäligteii müßte! Da« werden sie nicht zugestehen, ttotzdem eS so landidavs einfach ist, daß eS sich jeder Arbeiter an den fünf Fiagem venes up abzähle» kann. ■S »eS H-Z erung DP er rccrW Dan KmiiniM. Von Sacher-Masoch. Wenn in jenen Tagm, wo die stolze polnische Adels- republik mit dem Tode zu ringen begann, der Name Pan unde Abend i. Bi znüguni Ä umU-L fg-i i-g,, jener»loa s in uro jutwumiwiii UUU*u»v» m« ftv»' !>?' siantische» Deutschland. Nur daß man diese Beide» Über- vi-S haßte, Pan KaniowSki aber zugleich gefürchtet und ge- liebt wurde, wie etwa Zwan der Schreckliche und Peter der Große. Die Tyrannen des Osten» verstanden eS immer, sich bei der missra pleds populär zu machen. Eigentlich hieß er Potozki und war Herr auf Kaniow, aber das Volk nannte ihn Pan KaniowSki, und unter diesem Namen lebt er in der Chronik, in der Legende und im Volks- lieb fort. um An einem Samstag tanzte man im Städtchen Kamienez ag: ,.£jin der Schenke des Dominik Szalajski, die in dem Eckhaus > wie 5!?»ahe der Brücke lag. Jüdische Musikanten spielten im lan- . 3. V* gen Kuftan, mit Bart und Löckchen; die schwarzen Sammt- . auf dem Kopf, spielte» sie den Kosak. Wild und 0 die Weise. Die Geige» jnbelten, die Baßgeige --»Jbiummte ftöhlich, nur der Cymbal klagte. Lust und Schmerz wgte» melodisch vereint auf und nieder, Wehmuth mischte ch in die Freude, Trauer in die Trunkenheit. Der ganze laum war mit Staub wie mit einem dichten Nebel erfüllt, nd in diesem Nebel saßen die Alten auf den lange» Bän- » an der Wand und»ranke», und die Jugend tanzte mit then Wangen und blitzende» Auge». Der Wirth SzalazSki stand auf der Schwelle, sein aue« schelmisches Auge wanderte unaufhörlich zwischen chenkstube und Flur hin und h r, Alle« beobachtend und »erwachend, während seine junge, schöne Tochter Zofia zalajska unermüdlich hin und heiflcg, mit rauschende» öcken und flatternden blonden Zöpfe», jetzt mit dem rüge herbeieilte, die Gläser zu fülle», jetzt das Geld in mpfang nahm oder die Kreide ergriff, um dann wieder der Seite eine« schmucke« Tänzers den lockende» Solche Beispiele ließen sich in infinitnm vermehren; wir wähle» nur da» eue, um zu zeigen, mit welche« Mitteln unsere Gegner kämpfen, sobald ihr Interesse auf dem Spiele steht. ES ist eine Todsünde, eine bessere Lebenshaltung des Arbeiters anzustreben, durch welche er nicht nur materiell, sonder« auch geistig und sittlich geHobe« wird— weil materielle Interessen einer kleinen Anzahl Menschen dadurch verletzt werden. Börne sagt irgendwo: Reichthum macht das Herz schneller hart, als kochendes Wasser ein Ei. In Bezug auf unsere Bestrebungen und die Methode des Kampfes un- serer Gegner läßt sich diese Sentenz sehr gut anwenden. DaS Interesse, der persönliche Egoismus macht die Gegner blind, so daß sie da« R e ch t nicht erkennen. Sie leugnen ein höhere« sittliches Recht, welches sich auf die Solidarität aller menschliche« Interessen stützt, ihr Blick ist getrübt, ihr Herz hart wie Stein, darum sehen sie in den Forderunge« der arbeitende» Klasse nur Wühlereien und Aufhetzung, während sie ein ernstliches, sittliches Streben erkennen sollten, da« von dem Bewußtsei» getragen wttd: ohne materielle keine moralische Besserung, ohne Hebung de« Volk« Wohlstände« kein Fortschreiten der Kultur. Es wird aber eine Zeit kommen, in welcher das, was jetzt die achte Todsünde ist, da» erste Gebot sei« wird. Politische Ueberstcht. Ueber da« Vegtäbniß Georg Adolph Temmler« wird der„Voss. Ztg." au« Schwerin geschrieben: In dem zahlreichen Trauergefolae, welches gestern(Mittwoch) dem am 2. d. M. verstorbenen tzofbaurath Demmler in Schwerin die letzte Ehre erwies, befand fich u. 31. der erste Bürgermeister der Stadt, Vertreter der Loge, frühere Kollegen und Freunde deS Verewigten; der großen Mehrzahl nach bestand eS jedoch aus Parteigenossen d-sselben und Arbeitern. Die Maurer, Zimmerleute, Tischler, Töpfer waren mit ihren Fahnen fast vollzählig erschienen. Auch erblickte man im Zuge Deputationen der sozialdemokratischen Partei auS Hamburg, Altona, Rostock und Güstiow, welche unter Führung des Reichtagsabgeordneten Auer, hinter den Maurern und Zimmerleuten dem Zuge vor- angingen. Sie trugen Kränze mit rothen Schleifen; die Parteigenossen hatten überdies Schleifen oder Rosetten von rother Farbe im Knopfloch. Auer, welcher Namens der Reichs- tagSftaktion der Sozialdemokraten einen Kranz auf den Sarg niederlegte, als der Zug vor der Kapelle auf dem Friedhofe angelangt war, versuchte nach einem kurzen Nachruf noch eine Ansprache an die Leidtragenden zu hallen, ward daran aber sofort durch den Stadtwachtmeister verhindert, welcher darauf aufmerksam machte, daß nach dem Landesgesetz zu Grabreden nur der Ortsgeistlicke befugt sei. Im Uebrigen ging AlleS ohne Störung der Ordnung vor stch. In Bezug auf den Werth de« Arbeiterfchntzgefetze« sollen, nach der„Magdeb. Ztg.', in der sozialdemokratischen Partei Meinungsdifferenzen vorhanden fein. Das Blatt erwähnt eine Broschüre des Herrn Schippel, in welcher fich dieser gegen den MurimalarbeitStag, sowie gegen andere im Schutzgesetz enthaltene Punkte ausgesprochen haben soll und beruft fich dann auf den Abg. Bebel, welcher auch derselben Anficht sei wie Schippel. Herr Bebel habe ausgeführt, daß die Partei nicht geglaubt habe, mit der Durchsetzung ihres Antrages eine wesentliche Aenderung der Klassenlaae der Arbeiter herbeizuführen. Sie würde mit einer solchen Annahme ihre Grund- anschauung preisgegeben haben. Für die Antragsteller sei es nur darauf angekommen, Forderungen zu stellen, die auf dem Boden der gegenwärtigen Wirthschafts- Ordnung ausführvar und geeignet seien die wirthschaftliche Nothlage der Arbeiter zwar nicht zu heben, aber soweit möglich zu erleichtern. Wenn der ganze Entwurf Gesetz geworden wäre, so würde an den Grundlagen der kapitalistischen Pro- duttion damit nichts geändert; ja derselbe würde für eine nicht unerhebliche Minorität von Arbeitern überhaupt nichts ändern, Tönen zu feige», welche bald Engeln, bald Dämonen gleich zwischen Decke und Diele schwebte». E» war ein prächtiges Mädchen, man pries im Städtchen ihre Reize und im weite» Land umher und sang sogar ein Liedchen ihr zu Ehre«, das von Mund zu Munde ging, gliich de» alten Heldenliedern. Und war sie nicht etwa auch eine Heldin? Wo war der Mann, der ihren blauen Auge» widerstehen konnte? Wenn sie mitten in der Stube stand, den eine» Arm in die Hüfte gestemmt, groß und schlank, den schönen Kopf mit der kleinen Adlervase und dem trotzigen rothen Mund stolz erhoben und die lachenden Auge» umherschweifen ließ, da schlug jedes Mänverherz höher, und wie sie sich zu kleiden wußte! Sie äffte nicht gleich anderen Bürger- Mädchen die adeligen Dame« nach, die damals ihr Haar puderten und Reifröcke trugen, ihre Tracht war vielmehr jener der Bäuerinnen aus der Ukraine und der Kosakenmädchen«achgeahmt, nur verfeinert, nur kostbarer in Stoff und Aufputz. An diesem Tage trug sie einen kurzen Rock von bunter Seide, ein Hochrothe« Sammtmiever und eine ärmellose, anschließende Kosaken- Jacke au« der da« weiße, reichgestickte Hemd wie Schnee her- vorquoll. Die kleinen Füße staken in Halbstiefeln von rothem Safian, an denen die silbernen Absätze bei jedem Schritte lustig erklangen. Die lange» blonden Zöpfe halte sie mit rothen Bänder» geknüpft, während Korallen und Goldmünzen den weißen Hals schmückten und auf die keusche, leise wogende Brust herabfielen. x t. Keiner der junge» Männer, auch der schmuckste und keckste nicht, wagte eS, sie scherzend um de« Leib zu nehmen oder ein unpassendes Wort an sie zu richten, denn sie war stolz und beherzt, und wehe demjenigen, der ihr zu " Die Paare drehte« sich im Tanz, die Burschen jauchzten, die Juden fidelten wie rasend, al» plötzlich Jemand de« Kops zu Thüre hereinsteckte und rief: Pan KaniowSki kommt mit seiner Kompagnie, sie sind eben zum Thor hereinge- �*Na4 diese« Worten entstand ei» panischer Schrecken. Ein dichter Knäuel drängte durch die Thüre, Andere rissen weil das, was er verwirklichen wolle— von der Organisation der Arbeitskammern abgesehen—, für fie schon verwirklicht sei. Die„Magdeb. Ztg." meint dazu:„Die Objektivität dieser Darstellung und Selbstkritik ist dankenswerth, da fie besser denn alles Andere die wahre Bedeutung des so pomphaft in Szene gesetzten Antrags der sozialdemokratischen Partei hervorkehrt." Das nationalliberale Organ an der Elbe scheint eine eigen- tbümliche Auffassung von dem Charakter der sozialdemokratischen Partei zu haben; es scheint zu glauben, daß innerhalb derselben jede Kritik und jeder Zweifel an der Vortresslichkeit eines einmal ge'aßten Beschlusses als ein straf»ürviges Verbrechen betrachtet werde. Jeder, der das Wesen der Sozialdemokratie näher kennt, wird aber wissen, daß diese fich im Kampf mit veralteten Anschauungen auf die fortschreitende Wissenschaft stützt und daß fie daher jedesmal einer anderen Anficht zustimmt, sobald fie von deren Richtigkeit übeizeugt ist. Mnnungsdifferenzen haben also innerhalb der Partei immer Raum, wenn fie fich nicht gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen selbst richten. Was nun die oben angedeuteten Differenzen anbetrifft, so ist die„Magd. Ztg." im Jrrthum, wenn fix glaubt, daß Herr Schippel stch gegen den Maximalarbeitstag ausgesprochen habe. Derselbe hat stch vielmehr nur dahin geäußert, daß die Folgen einer gesetzlich geregelten Arbeitszett keineswegs die vielfach übertriebenen Erwartungen rechifertigen würden. Der Abg. Bebel hat fich nicht nur jetzt, sondern schon früher in diesem Sinne ausgesprochen, wie denn überhaupt alle überzeugten Sozialdemokraten noch niemals alles Heil von einem solchen Arbeiterschutzgesctz erwartet haben. Das eben und nichts An- dereS geht auch aus der von der„Magd. Ztg." zitirten Aeußerung hervor. Wenn trotz alledem die sozialdemokratische Fraktion energisch für das Arbetterschutzgesetz eintritt, so ist das ein Zeichen, daß dieselbe jede Erleichterung für die arbeitende Bevölkerung mtt Freuden begrüßen wild, auch wenn dieselbe nur vorübergehend deren Lage verbessern kann. Der„Freisinn" meint es nicht ernst mit seinem nörgelnden Kritifiren des MtlitariSmuS. Er bekämpft nicht das Prinzip, sondern triumphirt, wenn er eine lächerlich kleine Quote des Etats gestrichen hat, um ihn dann im Ganzen dennoch zu be« willigen. DaS zeigt stch so recht deutlich in einer der letzten Nummem des Mosse'schen„Tageblatt", in dem ganz offen er- klärt wird, die deutsche Infanterie brauche eine technisch vollen- detere Schußwaffe. Sache jeder mit Deutschland cs ehrlich meinenden Partei sei eS, im gegebenen Falle die entsprechende Budget-Neuforderung zu bewilligen. Ein unllra- reaktionäres Blatt könnte nicht eifriger für diese ungeheure Neubelastung desJBolles eintreten, als dies„freisinnige" Papier. Anstatt thatkraftig Front zu machen gegen die immer kühneren For- dernngen der Herren Militärs, zieht der„Freistnn" die Ependir- K°s-n an- auf Kosten der Nation. Wenn die liberalen Reichstagskandidaten aber ihren Wählern vorhumbugen, daß ste entschiedene Gegner deS Militarismus find, so ist daS nur ein neuer Beweis dafür, wie verliebt die Herren in ihre Man. date find. Nrrou?r-ich. Das neue französische Ministerium hat stch gestern konsti- turrt und sind die betreffenden Ernennungen gestern Abend vom Präfidenten Grevy unterzeichnet worden. Die Veröffent- lichung der Ernennungsdekrete soll heute im„Journal Officiel" erfolgen. Die Zusammensetzung des Ministeriums ist folgende: Frevcmet Präsidentschaft und Auswärtiges, Sarrien Inneres, Sadr Carnot Fmanzen. Goblet Unterricht. Boulanger Krieg, Aube Manne, Demole Justiz, Baihaut Arbeiten. Devclle Land- wirthschaft, Lockroy Handel, Granet Posten und Telegraphen. Die Verwaltung der unter das Protektorat Frankreichs gestellten Länder wie: Anam, Tongking, Madagaskar. Kam- bodscha ist von den Mimstenen der Marine und Kolonien ab- gezweigt und wird künftig dem Ministerium des Auswärtigen unterstehen. Der Konseilpräsident wollte die Organisation dieser Protektorate fich selber vorbehalten. Mit Rücksicht auf die Ausdehnung der die Arbeiterklassen interesfirenden Fragen hat das Handelsministerium die Bezeichnung„Ministerium für Handel und Industrie" angenommen. P arlamentari sches. Der konservative Reichstagsabgcordnete Ebert, welcher den 19. sächfischen Wahlkreis(Stollberg-Schneebcrg) vertritt, die Fenster auf und sprangen auf die Straße hinaus, wäh- rend einzelne wie erstarrt mitte« in der Stube stehe» blieben. Der Jude, welcher die Baßgeige spielte, war über sein massives Instrument gestolpert und lag jetzt mitte» in der Gasse und schrie Wehe! Doch schon waren die Kavaliere, Ulanen und Kosaken KaniowSki'« zur Stelle, hieben mit der flachen Klinge auf die Fliehenden los und hiebe» sie wieder in die Schenke zurück. Jarolawiki, einer der jungen, adeligen Offiziere, rief die Musikanten herbei und hieß sie spielen. „Sind wir denn Türken oder Tartaren?" sprach er iachend,„fürchtet Euch nicht, Ihr guten Leute, tanzt, wir wollen lustig sei». Wein her, braver SchenkwirtH, Wein I" Die Burschen und die Mädchen stellten sich zögernd zum Tanz auf, die Jude» stimmte» ihre Instrumente, da entstand eine neue Bewegung, und ei« ängstliches Flüstern ging von Mund zu Mund. Pan KaniowSki schritt durch die Menge, welche ehr- erbietig auswich, und trat in die Scheakflube. Er war nicht eben groß und mehr sehnig und nervig als kräftig, aber die Haltung feines Kopfe«, auf dem der Kalpak schief zur Seite saß, und der Blick der große», grauen, tiefliegenden Augen au« dem wetterbraune« Gesicht heraus, imponirte weithin. Ihm folgte« seine Leute, sie alle reich gekleidet, in farbigen Stieftln, weite n Beinkleidern und faltigen Kantuschi von Seide oder Sammt und Pelz besetzt, manche die blitzenden Panzer umgeschnalllt. alle den Kaipak oder die Kosakenmütze auf dem Kopfe, die Karabella, den krumme« Säbel an der Seite, die mit Silber eingelegte« Pistole» im reich vergoß beten Gürtel, während der Führer dieser wilden Bande, der Herr von Kaniow, ei« schlichtes, dunkle« Kleid trug. „Guten Tag," sprach er, indem er mitte» in der Stube stehen blieb, die Leute musterte und de« schwarzen Schnurr- bart strich. «Wir fallen zu Füßen," erwiderte es im Chor, indeß der Wirtih Szalajski dem Wütherich fast zärtlich den Zwfel seine« verschnürten UeberrockeS küßte. „Nun, wie geht eS, Alter?" fragte KaniowSki den ZU- ternde» und klopfte ihn auf die Wange,„wir habe« ua» lange nicht gesehen, waS?" et sein Mandat freiwillig niedergelegt. In Bezug auf die Wahl Eberts war dem Reichstage ein Wahlprotest zugegangen, in welchem behauptet wird, daß dessen Wahl nur durch Beein- stuflunyen ic. zu Stande gekommen sei. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 20. Sitzung vom 8. Januar, 2'/, Uhr. Am Tische des Bundesrathes von Boetticher und Maybach. Die Bänke des Hauses sind sehr schwach beseyt. Nachdem dem Andenken des am 27. v. M. verstorbenen Abg. für den zweiten honnoverschen Wahlkreis, Vissering, die übliche Ehre erwiesen worden, theilt der Präfident mit, daß der Gesetzentwurf, betr. die Besteuerung des Zuckers, am 24. v. M. und heute eine Denkschrift, betr. die Ausführung der seit 1875 erlassenen Anleihegesetze, sowie eine Nachweisung der Einnahmen und Ausgaben der Wahl'onsulate des Deutschen Reiches eingegangen find. Der Abgeordnete Ebert (19. Wahlkreis des Königreichs Sachsen) hat sein Mandat Z)er Gesetzentwurf, betr. die Kontrole des Reichshausha'ts und des Landcshaushalts von Elsaß-Lothringen für das Etats- jähr 1885—86 wird heute ohne Diskusfion in dritter Be- rathung unverändert angenommen, worauf die Wahlprüfungs- Kommission eine Reihe mündlicher Berichte erstattet. Die beiden Berichte, welche die Giltigkeit der Wahl der Abgeord- netcn Bormann und Äottburgsen beantragen sollen, werden für heute abgesetzt, die übrigen mit folgendtm Resultat erledigt; für giltig erklärt werdm die Wahlen der Abga. v. Osten, Schenck, HSnel und Gebhard,! und in Betreff der> Wahlen der Abgg. Buderus und Much wird anerkannt, daß dem Beschluß des Hauses Ermittelungen über gewisse Vorkommnisse bei den übrigens für giltig erklärten Wahlen anzustellen, genügt worden ist. Eine längere Debatte knüpft sich an daS Referat deS Abg. Liebknecht über die Wahl HänelS. Er hatte erwähnt, daß die Polizeibehörden vielfach sozialdemokratische Wahl-Flugblätter von ganz unverfänglichem Inhalt verboten, Wahlversammlungen von vornherein inhibirt oder aufgelöst hätten und von der Parteithätigkeit der Sozialdemokraten in dem betreffenden Wahlkreise mehrfach in der ersten Perion gesprochen:„Wir haben Flugblätter herausgegeben; wir haben Versammlungen einberufen" rc. Schließlich hatte er den Antrag der Kommission auf Giltigkeitserklärung unter Hinweis darauf, daß die Kom- misfion die bei der Wahl vorgekommenen Ungesetzlichkeiten nicht für so erheblich gehalten habe, daß sie die Ungültigkeit der Wahl bewirken könnten, nu Annahme empfohlen. Abg. v. Kölker: Wenn der Referent in seinen Ausfüh- rungen mehrfach von„unserer Partei" gesprochen hat, so lege ich Verwahrung dagegen ein, als ob diese Sätze etwa die An- ficht der Mehrheit der Wahlprüfungs-Kommisston wiedergegeben hätten. Ebensowenig entsprachen ihr seine Bemerkungen in Be- zug auf das Verbot sozialdemokratischer Versammlungen. Abg. F r a n ck e: Der Abg. Liebknecht hat von einem Flug- blatt gesprochen, welches verboten worden sei, obgleich sein In- halt ern ganz unverfänglicher gewesen wäre. Der Kommission hat es nicht vorgelegen, sie kennt es nicht, und das Urtheil des Abg. Liebknecht über dasselbe war nicht das Urtheil der Kom- Mission. Uebrigens meine ich, daß, wenn der eigens zu Eni- scheidungen aus Grund des Sozialistengesetzes von uns einge- setzte höchste Gerichtshof sein Urtheil dahin abgiebt, das Flug- blatt sei zu konsisziren, daß dann nicht nur die Polizei gehalten ist, dies auszuführen, sondern daß dann auch für den Reichs- tag entschieden ist, daß das Blatt einen verbotenen Inhalt bat. Deshalb protestire ich um so mehr gegen die Behauptung des Abg. Liebknecht, das Fluglatt sei unschuldig. Abg. Rickert: Ich habe den KommissionSvethandlungen nicht beigewohnt; jedoch hat bisher die Majorität des HauseS stets gemcint, daß ein Eingriff der Polizeibehörden in die Ausübung des Wahlrechts der Sozialdemokraten die Wahl selbst unailtia mache. Wir müssen jedenfalls um so peinlicher das Wahlrecht der Sozialdemokraten wahren, je schwerer daS Ausnahmegesetz auf ihnen lastet. Ich konstatire daher im Gegensatz zum Abz. v. Köller, daß, wenn der Referent daS Verbot sozialdemokratischer Wahlveriammlungen für unzulässig erklärte, wir, und ich glaube auch die Mehrheit des Hauses, ihm in dieser Ansicht völlig beitreten. Abg. v. Köller: Ich habe nur allgemein gegen einige Auiführungen deS Referenten Verwahrung eingelegt und die spezielle Frage des Verbots von Versammlungen gar nickt be- rührt. Ich weiß daher nicht, wai Herrn Rickert veranlaßt«, das Wort zu nehmen; wenn eS nicht etwa daS Gefühl der Angst war, die er bei meinen Erörterungen empfunden zu hahen schien. Abg. Rickert: Da der stenographische Bericht noch nicht vorliegt, hat eS Herr v. Köller sehr leicht, zu bestreiten, daß er von den VeriammlungSverbotm gesprochen habe. Nicht nur ich, sondern meine ganze Umgebung glauben aber deutlich gehört zu haben, daß Herr v. Köller in seinen Aus> sührungen augenscheinlich bemüht war, die Majorität der Kommrsfion etwas von ihrem früheren Standpunkte zu ent« „Leider! Leider' dem Himmel sei'S geklazt." „Dafür wollen wir heute guter Dmge sein/ rief Ka- «iowSki und warf dem glücklichen Szalajski eine mit Gold gefüllte Börse zu. Wein, und vom besten, hörst Du, die ganze verehrte Gesellschaft ist fteuadlichst eingeladen." Er nahm jovial die Mütze ab und verneigte sich tief vor den Anwesenden. „Wenn es nur heute kein Unglück giebt," sprach der Schenk- wirth draußen zu seinem Kellermeister,„er ist gar zu aufa«- räumt, die heilige Maria wolle uns beschützen." Pa« Ka- niowSki näherte sich hierauf den Musikanten, welche sich vor ihm niederwarfen, und streure Geld unier sie.„Spielt, Ihr Spitzbuben, und spielt mit Feuer, ich selbst werde den Takt schlagen, nöthiaenfallS auf Euerem Katzenbuckel, vorwärt«!" Er gab dem Nächste« einen freundschaftliche» Fußtritt, ließ sich an der Wand, zwischen den beiden Fenstern auf einer Holz- dank nieder und gab den Takt, mdem er in die Hände klatschte und mit dem Fuße leicht ausstampfte." Die Juden spielten den Kosak, wild und feurio, wie «S Pan KaniowSki liebte, und die Paare drehte» sich mst derber Grazie im Kreise. Die Leute deS Tyrannen zechten draußen im Flur und vor dem Hause, doch mischte sich auch mancher von den Züngeren unter die Tanzenden. Die berdea Edelleute Pilatowrtsch und Zaroslawskt schienen sich produzirea zu wollen, denn sie führten in der Mitte der Stube die unglaublichsten Figuren, Sprünge und Wen. düngen aus, wie sie nur die beste» Tänzer beim Kosak zum Besten geben. Pa» KaniowSkr saß da, nickte mit dem Kopfe und freute sich dieser kräftige», muthigea Zugend, vielleicht dachte er der Zeiten, wo er selbst«och im LebenSftühling stand, wo sein starker Arm man- che« schöne Weib umschlang, wo er noch liebte und ge- liebt ward.„ Da zeigte sich Z-fia auf der Schwelle, und alle Auge, richtete» sich auf sie. Die beiden Edelleute hielte» im Tanze iane, und der kecke ZaroslawSki, der hübscheste Zunge von Alle«, die KaniowSkr'« Fabne folgten, näherte sich der stolze« Schönen, nahm die Mütze ah, vernergte sich und schlug zugleich die Absätze zusammen, daß die Sporen fernen.(Abg. v. köller:„Denke garnicht daran!") Seinen Einfluß auf mich taxirt Herr v. Köller auch etwas zu hoch; ich ängstige mich nicht vor ihm. Uebrigens macht sich der Herr Staatssekretär deS Innern leider die Behandlung gesrtz- widriger polizeilicher Wahldeeinflussungen ebenfalls recht de- quem; er giebt die Sachen einfach an den Minister v. Putt- famer ab, obwohl doch daS ReichSamt deS Innern gerade ver- pflichtet wäre, auf strenge Jnnehaltung der Gesetze von Reichs- wegen zu halten. Staatssekretär v. Boetticher: Der Herr Abg. Rickert hat gemeint, daß ich eine Beschwerde, welche über Beein' trächtigung der Wahlfreiheit an das ReichSamt de« Innern gelangt ist, an den preußischen Herrn Minister des Innern abgegeben habe. Mir ist der Fall nicht gegenwättig, wenn aber daS Verfahren, welches er rügen zu können gemeint hat, wirklich eingeschlagen ist, so wird eS daran gelegen haben, daß eine Entscheidung der nächst- bethetligten LandeSinstanz noch nicht ergangen war, und daß ich unmöglich eine Entscheidung treffen kann, bevor nicht die nächstberufene Instanz Entscheidung getroffen hat, und bevor ich nicht von dieser Instanz eine Aeußerung darüber bade, od und auS welchen Gründen die Maßregel, die im Wege der Petition an daS ReichSamt deS Inner« angefochten ist, ge- troffen wurde. So ist der Geschäftsgang, der unter allen Um- ständen ausrecht erhalten werden muß. Es ist absolut unthun- lich, von oben herab, ohne Kenntniß der Sache, ohne Kenntniß der Aeußerung einer Behörde eine Entscheidung zu treffen, die theoretisch vielleicht an fich richtig sein kann, die aber prattisch der Begründung entbehren wüi de, weil irgend welche Umstände vorliegen, die diese Entscheidung als ungerechtfertigt erscheinen ließen. Abg. v. K ö l l e r: Ich habe weiter nichts gesagt, als daß Herr Liebknecht verschiedene Grundsätze aufgestelll hat, denen meine Partei nicht beistimmen kann. Herr Rickert hat Fälle besprochen, die gar nicht hierher gehören, wohl nur, um fich ein Viertelstündchen mit mir zu unterhalten. Abg. Dirichlet: Herr v. Köller hat in so liebens- würdiger Weise gegen sich selbst polemifitt, daß eS von mir unbescheiden wäre, noch Weiteres gegen ihn zu bemerkm. WaS er Herrn Rickert vorwirft, trifft rhn selbst. Er hat einen Standpunkt der Majorität der Wahlprüfungskommisfion kon- statiren zu müssen geglaubt, welcher nicht extsttrt. Abg. v. K ö l l e r: Ich freue mich, daß auch Herr Dirichlet mir ein Profit Neujahr! zuruft. Aber auch er hat mich ganz und gar mißverstanden. Ich habe mich nur gegen den Schein gewendet, als würden alle Aeußerungen des Herrn Liebknecht durch die Majorität der Wahlprüfungskommisfion gedeckt. Abg. Dirichlet: Wenn die Aeußerungen des Herrn v. Köller mir schon vorher unklar waren, so sind sie mir nach seiner zweiten Erklärung noch unklarer geworden. Darauf wird die Wahl des Abgeordneten H ä n e l für gilt ig erklärt. In Betreff der Wahl des Abgeordneten v. Wurmb be- antragt die Kommission, den Reichskanzler unter Röckgabe der Wahlakten zu ersuchen, den früheren Beschluß des Reichstags in Bezug auf einen noch nicht genügend erledigten Punkt zur Ausführung zu bringen. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Es folgt die zweite Berathung des Etats der Vermal- tu na der Reichseisenbahnen. Referent Mg. Schräder empfiehlt die unveränderte Bewilligung der geforderten Ausgaben, speziell der Mehrausgaben von 44025 M. für das Kasten- und Bureaupersonal, von 45 496 M. für das Stations, Strecken- und Telegraphen- personal und 304250 M- zur Ausbesserung der Gehälter ver Hilfskräfte im Weichenstell- und Zugdienst. Das Ordinarium wird ohne weitere Debatte bewilligt. Im Exiraordinarium werden 1380790 Mk- zum Ausbau eines zweiten Geleises zwischen den Stationen Saaralben und Berthelmingen verlangt. Abg. Zorn von Bulach: Ich erlaube mir eine kleine Anfrage an die Reichseisenbahn-Verwaltuna; es handelt fich nämlich um den Ausbau einer kleinen Bahn, die schon seit 1876 in daS Breuschthal hinauf von Mutzig bis nach Rothau geführt worden ist und jetzt weiter geführt werden soll bis nach Sales. Der LandeSauSichuß von Elsaß Lothringen hat schon sett einigen Jahren den Wunsch ausgesprochen, es möge seitens des Reiches etwas beigesteuert werden, damit die Bahn bis in den französischen Theit de« L indes ausgebaut werde. Bis jetzt hat die ReichSregierung nicht für gut gehalten, dem Wunsche deS LandeSauSschuffeS entgegen zu rammen, und ich glaube, es wäre ganz richtig, wenn diese Bahn vom Reiche weiter ausge- baut würde. Erstens würde eS ökonomisch richtig sein, den Thell der Bevölkerung, der ausschließlich französisch spricht, der dem Vogesendepartement angehört hat, mit Elsaß-Lothringen zu verbinden. Polttisch würde dadurch bewiesen werden, daß man einen großen Werth darauf legt, sie durch diese Verbindung an Elsaß anzuschließen, was diS jetzt nicht der Fall ist, weil sie 16 bis 18 Kilometer von der Bahn entfernt find. ES ist immer entgegengehalten worden, daS Reich könne die Bahn nicht weiter ausbauen, weil sie zu wenig eintragen würde. klirrten.„Darf ich da« Fräulein bitte» zum Kosak?" fragte er artig. Sie nickte ihm fteuudlich zu und reichte ihm die Hand. Bald standen sie fich mitten in der Stube gegenüber und begannen zu tanzen, Zaro«lawski die linke Hand an der Mütze, mit der Rechten de» Schnurrbart drehend, Zofia den linken Arm in die Hüfte gestemmmt, ein trotzige» Lächeln um die vollen Lippen. Pan KaniowSki hatte sofort, al« sie fich zeigte, de« große« kühnen Blick auf sie gerichtet und wandte ihn nicht mehr von ihr ab. Zede Andere hätte unter diesem Blick gebebt, Zofia aber hob nur stolz die Oberlippe, so daß die kleinen weiße« Zähne sichtbar wurden, und von Zeit zu Zeit heftete sie die schören blauen Augea furchtlos, fast heraus- fordernd auf den bösen Gast. Plötzlich stand Pa» KaniowSki von seinem Sitze auf und näherte sich langsam Zofia. Sie hielt im Tanze inne, vor seinem Blick gebannt, und jetzt schlug ihr da« Her; doch ein wenig höher. Er sprach kein Wort, er lächelte nicht, er sah sie immer nur an und legte dm Arm um sie und zog sie an sich, um sie zu küssen. Es war ein Scherz, nicht« weiter, doch die stolze Zofia verstand keinm Scherz, sie entwand fich blitzschnell den Armm des Magnatm und schlug ihn mit der rechtm Hand in's Geficht und entfloh. Einm Augenblick bliebm alle wie versteinert stehen, da« unglückliche Mädchm hatte gewagt, wozu jedem Man» in Polm, dem Kühnstm der Muth gefehlt hätte sie hatte ihn geschlagen, vor dessen Blick die Republik zitterte, da« Schenkmädchen dm Pan KaniowSki, den Tyrannen Kleiurußland«. Er war der Erste, der zu sich kam, urücf3hr nach," befahl er,„verfolgt sie, bringt sie mir Sofort eilte» zwei Kosaken mit gezogmen Krummsäbeln dem armen Mädchen»ach, sie ereilte« dasselbe auf der»rück. und brachte« e« zurück. w'" f P.» Elsaß-Lothringen hat seit 1870 über 12 Millionen Mark für dm Ausbau ver verschiedenen Bahnen durch das Reich be- willigt, und Elsaß Lothringen hat jede« EigenthumSrecht auf die Bahnen dem Reich abgetretm. Diese Bewill aungm sind i fonds perdn erfolgt. Die elsaß> lothringischen Bahnen ver- zinsen sich beinahe mit 4 Prozent, und wir können daS Argument der Reich sbahnverwaltuug nicht anerkennen, die Verzinsung sei zu gering. Die Ausgabe, die für die Verlängerung dieser kleinen Bahn verlangt wird, ist nicht eine so beträchtliche, daß dadurch die Verzinsung der Gesammtbahnm in Elsaß-Lothringen eine Einbuße erleiden würde. Da« Land Elsaß LothringeN- würde zu dem Ausbau dieser Bahn auch wieder beitragen, und es desteht der allgemeine Wunsch, daß diese Bahn endlich vorn Reich ausgebaut werden möge. Es ist Schuld und Pflihhj daß dieser LandeStheil, der ganz abzeschlossm liegt j der seine Beziehungen noch nach Frankreich hat, auch mit Elsaß-Lothringen verbunden wird, und deshalb frage ich dir Reichsverwaltung, wie sie in Bezug auf den Ausbau dieser Bahn gesonnen ist. Kommiffarius Geh. Rath K i n e l: Ich bezweifle, d' es zweckmäßig ist, eine deratttge Frage hier ohne alle Unter! zum Austrag zu bringen. Es handelt sich um die Verlanget einer Bahn, zu der Sie die Geldmittel bewilligt habm,..... gewisse Verpflichtungen aus der französischen Zeit üdetnommm waren, und diese Verpflichtungen find vollständig erfüllt. Jetzt wünscht man die Verlängerung einer Bahnstrecke bi« zur Wasserscheide, also keineswegs in einer vollständig abgeschlossene« Gegend, nämlich von Rothau nach Sales. Die Verhanvlunge« zwischen der Statthalterschaft und dem Reichsamt für die Verwaltung der Rcichseisenbahncn über viesm Punkt find noch nicht abgeschlossen. Die Regierung hat fiel nach wie vor bereit erklärt, diese Bahn, wie auch andere die ausgeführt worden find, unter der Voraussetzung zu Aasführung zu bringen, daß ihr das Baukapital bewillig! wird, daß sie den Bau leitet, daß sie die Bahn mit Betrieb«' Mitteln auslüftet und den Betrieb auf ihre eigene Rechnung führt. Im vorliegendm Falle würde die Ausrüstung der Bahn 120000 M. kosten und nach den angestellten B ererb- nungen das Betriebsdifizit jährlich gegm 20 000 M. betrage». Es nürfte also ein weitgehendes Entgegenkommen sein, wen» fich die Regierung dazu versteht und die Genehmigung daj» dann später nachsucht. Darauf wird das gesummte Exiraordinarium obne weite« Debatte bewilligt, desgl. die Einnahmen deS Reichseisen' bahnetats. Die Tagesordnung ist damit erschöpft. Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 2 Uhr- (Antrag v. Bernuth, betr. die geschäftliche Behandlung d» Resolutionen und erste Berathung deS Gesetzentwurfs, be« die Herstellung des Nord Osts-ekanals.) Zokales. Verein für Gewerbe und Industrie zu verlt«, ss lautet der Trtel eines BereinS. der fich vor einigen Monat« bier konstituirt dat. Ter Tttel ist. wie die„Allgem. Fleisch«' Zertung" schreibt, so imposant, daß man unwillkürlich R fp» kriegt, aber eS giebt in der Weltstadt Berlin viele Geschätt» an denen die Firma das schönste ist. Es ist nur die stätigung des alten Satzes, oben fix und unten nix.# wollen nicht gerade behaupten, daß dieses Urtheil von De» Vereine gilt, den wir oben bezeichnet haben, aber es schei» doch unsere Pflicht, unsere guten Freunde darauf aufmerkt� zu machen, daß dieser Verein neben recht schönen und lobe»» werthen Tendenzen doch auch manche Zwecke verfolgt, die n« ® ÄÄ/aÄ"'»" riin v !=. ÄVÄ ÄX. ÄÄ Handwerker etwas sehr NotbwcndigeS. Der große Fablip ist auf sich selbst gestellt. Mit den vollen Tasch-n kann t überall selbstständig austreten und ein gotdener Sckli öffnet fast all- Thüren. Der große Fabrikant erfährt> wem er Kredit geben soll, wem er Kredit veiweigem wer ein prompter Zahler und wer ein Schlevver ist; aber' kleine Mann, der doch gerade seine paar Groschen erst j' zusammenhalte» muß, erfährt dieses alles sehr schwer und W doch seine Arbeitszeit nicht mit Erkundigungsgängen veitlöDß. nimm, schweige."« - PalajSki richtete fich stolz auf und warf d-« d Dtch, Du Hunbefohn. bie Hölle verschlinge D'ch I ,/ Pan Kanrowski winkle mit der Hand, als wollt« � i> «...---...... D.»»�, Es tft genug, rerzt mich nicht zu sehr. bte Pferde vorzuführen und die Todte auf sein bnngea./ Vergeben« setzte fich der alte Vater zur Wehre, e1 z) die e« gut mit ihm meinte», brachte» ihn fort," schöne welche ttaurigl Edellev hinter von bei A fahl er schah, i gefatrel Fürstin N Drei 3 Todte, darfuß Kaien, Am vi hört« wurdet ein Pi T er in « Genug befahl Pferde an det d« S 3 «in Li ss Bursck JaroSl rusfist 8 befr alle diese auten Ndfickten werden verunstaltet und vereitelt durch ein Ziel, das sich der Verein gesteckt bat und das wir beim besten Willen nicht anders als denn eine Evielerei de- zeichnen können. Der Verein will„besondere Leistungen im gewerblichen Schaffen anerkennen und prämiiren" und so haben wir schon in den entlegenen Vorstädten Berlins Medaillen prangen sehen, ebenso in Eharlottendurg beim Fleischer H-, von denen wir Anfangs gar nicht wußten, welche weltbe» wegende Jury diese Ehrenbezeugung ausgefeilt hat; lesen wir uns aber die Mitglieder deS Vorstanves und der Prü- sungSkommisfion durch, so finden wir keinen Namen, der in der Berliner Geschäftswelt großen Klang hätte. Lind die Herren wirklich geeignet, auch wenn fie den ehrlichen Willen haben, durch ihr Urtheil zu impontren? Hat ein Medaille, die Freund Müller Freund Schulzen ertheill, nicht etwas Komisches an fich? Aber die Sache hat noch einen weit schlimmeren Bei- geschmack; wir hören, die Medaillen kosten Geld und zwar, wenn wir an die Verhältniffe deS kleinen Hand» werkers denken, viel Geld.. BiS 90 Mark wird für die Medaille gezahlt, die, da fie hübsch bronzirt find, ihrem Verfertiger an den Schaufenstern alle Ehre machen, die aber vom Kundigen nur belächelt«erden. Für solche kostbaren Spielereien ist die Zeit zu ernst und das Geld des Handwerkers zu gut, darum glauben wir. bei aller Aner- kcnnung der sonstigen Zwecke des Vereins, unsere Freunde vor dieser Medaillenspielerei warnen zu müssen. Wir glauben nicht, daß all' die anderen guten Zwecke, die im Etatut stehen, nur Dekorationen find daß daS Medaillengeschäft die Hauptsache ist, aber in dem mißtrauischen Berlin giebt eS viele, die diese An- ficht haben, darum thäte der Verein gut, fich hübsch bescheiden auf Auskünfte, auf Rechtsschutz, auf gegenseitige Unterstützung zu beschränken. w. Bezeichnend für unsere gesellschaftlichen Zustände ist die Veravlaffung, welche dem jüngst bekannt gewordenen Säbelduell zu Grunde liegt. Herr W., der Inhaber einer hie- stgen chemischen Fabrik, kam mit seiner Gattin aus dem Theater ins Kaffee Bauer, wo fich ein junger Jnfanterie-Offizier in ihre Nähe setzte. Derselbe machte bei dem Kellner seine Be> stellung mit den laut gesprochenen Worten:„Bringen Sie mir doch ein Glas Bier, aber ein solches woraus noch kein Jude getruvlen hat." Darauf machte Herr W. die Bemerkung: „Kellner, geben Sie dem Herrn einen N... topf,— daraus bat noch kein Jude getrunken!" Nun folgte Kartenwechsel; der Chemiker, übrigens nn Reservelieutenant der Kavallerie, hatte als der Geforderte die Waffen zu bestimmen und versetzte dann beim Säbelduell dem Gegner einen wuchtigen Hieb in den Unterkiefer, an dessen Folgen der Offizier schwer krank dar- niederliegt. Ueber die Kleidung in der Mark im 16. und 17. Jahrhundert findet fich in der„Voff. Ztg." ein interessanter Auf- satz. Danach waren u. a.: die Pluderhosen in jener Zeit auf« gekommen, die theuer warm, weil fie sehr viel Zeug erforderten. Joachim II. und Johann Georg suchtm diese Mode abzu- schaffen. Der mittelmärkische Generalsuperintmdent Andreas Meusel hielt seine Predigtm von dem Holenteufel, die er durch den Druck veröffentlichte. In ihnen sagt Meusel:„Ick will mich itzt an den Hosenteufel machen, der fich in diesen Tagen und Jahren allererst aus der Hölle begeben und den jungen Gesellen in die Hosm gefahren ist, und fich in 6000 Jahren nicht hat dürfen hcrvormachen: daher ich gewißlich dafürhalte, daß dieses der letzte Tmfel ist, der noch vor dem jüngsten Tage als der letzte in der Ordnung auch das Seine auf Erden thun ausrichten soll." Die Verbote der Kurfürstm halfen freilich eben so wenig als die Predigten des braven Meusel. Schließ- lich solltm die Pluderhosen durch Wunder verdrängt werden. Im Februar 1583 gebar, so sprengte man aus, ein Schaf in Templin zwei Lämmer und zwei Stunden später ein Stück Fleisch von dem Aussehen der Pluderhosen. Um Johannis desselben Jahre« brachte femer eine Zimmermanns- frau zu Prenzlau ein Kind zur Welt, das mit einem Paar Pluderhosm bekleidet war und um HalS und Hände ein Ge- tröse, das den nachher aufgekommmen JabotS und Manschetten glich, hatte.— Johann Georg erließ 1580 gegen die Putzsucht eine Kleiderordvung. Von der in vier Rangstufen geschie« denen Bürgerschaft bildetm dm ersten Stand die Doktoren, Pröpste, Bürgermeister, Kammergerichtsadvokaten, Rath« per- sonm, Stadtschreiber, Richter, Schöppen und die von alten Geschlechtem. Dieser erste Stand durfte Kleider aus seidenem Tobin, Zindeldort und Schamelot tragen, auch„ein ehr- ltcheS Tuch, doch die Elle nicht über drei Thaler" und als Futter Marder«, Fuchs- und WolfSpelz gebrauchen. Nur die Doktoren durften in Röcken von Damast und seidenem Atlas gehen; den übrigen war nur gestattet, das Wamms daraus verferltgen zu lassen.„Ihren Wcibem und Töchtern mochten fie zu Ehrenwerken gebm Damast, Todin oder Zindeldort mit gutem Sammet verbrämt, doch unten über anderthalb Viertelleiner Elle nicht breit. WaS aber darunter ist, alS Kartete, Schamelot rc. konntm fie tragm mit einem damastnen Untergebräme, doch auch über anderthalb Viertel einer Elle nicht vreit; dergleichen Schäubichen ohne Sammet mit einem modemen Koller und Umstößchcn solltm zu tragm vergönnt sein." Frauen und junge Mädchen der beiden ersten Stände schöne Opfer KauiowSki'S wurde auf eine Bahre gelegt, welche vier seiner Leute trugen. Langsam setzte sich der traurige Zug in Bewegung, voran die Kosaken, dann die Edelleute mit dem Banner, Pilatowitsch mit einem Kreuz, hinter ihm die Tobte und hinter diesen Pan KaniowSki, von den Ulanen gefolgt. Als sie auf dem Schlosse de« Tyrannen anlangten, be« fahl er, die tobte Zofia in der Kirche aufzubahren. E« ge- schah, und da lag sie nun auf erhobenem Katafalk, die Hände gefaltet, zwischen brennenden Kerzen und Blumen wie eine Fürstin da. .Niemand durste bei ihr wachen, Niemand bei ihr beten. Drei Tage und drei Nächte trauerte Pan Kaniowski um die Tobte, im härenen Bußgewand mit einem Stricke gegürtet, barfuß und barhaupt lag er vor ihrem Sarge auf dm Kaien, schlug sich die Brust mit den Fäusten und betete. Am vierte« Tage ließ der Wütherich sein Opfer mit uner- härter Pracht beisetzm, und während alle Glockm geläutet wurde», schritt er, wie ei» von der Kirche Verfluchter, wie ein Pilger oder Bettelmönch hinter dem Sarge her. Dann, als die Schollen auf dm Sarg gefallm waren und « in den Waffenfaal zurückgekehrt war. stand er noch lange am Fenster und blickte der scheidmden Sonne nach. Plötz« «ch fuhr er mit der Hand über die Augen und rief: Gmug! „, Schrill tönte die Glocke, die Diener kamen, der Herr befahl dm Kentusch, den Kalpak, den Säbel, die Flinte, die Pferde. Im Nu war Alles bereit und Pan KaniowSki zog an der Spitze seiner Kompagnie zum Thor hinaus und auf der Straße nach Kamimez dahin. Im Felde trieb ein Hirte seine Schafe und sang «in Lied. Pan Kaniowtki hielt sei« Pferd an..Wa« singt der Bursche?" fragte er. „Ein Lied auf Dich und die schöne Zofia"*), antwortet JaroSlawki. ufflfdj?°lkilied lebt noch heut im Munde deS klein russischen Volkes. dulften goldene Kettchen oder Kreute u. dgl. in einem Wetthe von 100—120 M.(50—60 Gulden) tragen und die jungen Mädchen außerdem noch Perlenbotten,„doch eine nicht über 16 Gulden wcrth." Zobelpelz durfte nur von vernehmen Männern an der Mütze getragen werden. Der Gebrauch ver- goldeten Messtng« oder vergoldeter Kupferarbeit zum Schmucke war überhaupt verboten. Auch im fiebzehntm Jahrhundert währte dieser Kleideraufwand fort, so daß 1604 Joachim Friedrich ein Gesetz erließ, in dem eS also hieß:„wer die ttzize neue Manier mit Kleidung unter Mannen und Gesellm, Weibern und Jungfem ansteht, und gegen die vorigen, so ehemals gebräuchlich gewesen find, hält, muß billig mit Verwunderung bekennen und sagen, daß die Honarth schier über alles Vermögen der Leute gestiegen ist, und das also, daß noch täglich damtt lein Aufhörens ist; voraus bei den Weibspersonen, die fast alle Monate neue Trachten annehmen, oder selbst aufbringen, und keine der anderen etwai nachgeben will. Da überladen fie fich auf Hochzeiten und sonsttgm Festen mit Kleidem und anderen Unkosten dergestalt, daß fie daid hernach auf solche HochzeitSfreuden die Kleider auf den Tröd-lmarkt schicken und kaum um'S halbe Geld wieder verlaufen, oder das verlassen müssen, was ihren Eltern zu erwerben blutsauer geworden ist. Sie treten so stolz und stattlich einher, daß man fast keinen Unterschied mehr unter ihnen erkennen kann: durch welche Hoffahrt und Ueppigkeit nicht allein Gott im Himmel erzürnt, zur Ettafe» Ungnad und Entziehung seines Segens bewogen wird; sondern eS wird auch der ganze Staat an Geld und Vermögen trefflich dadurch erschöpft, Fremde und Ausländer bekommen daS Geld hinweg, und erfolget also endlich daraus bei vielen, wie die tägliche Erfahrung lehrt, nichts anders als die äußerste Not, Verzweiflung und Elend."— Man steht: gewisse Klaaen find recht alt, und mit Unrecht wird der Geist der neuen Zeit dafür verantwortlich gemacht. t. Die Geschichte eines kleine« Durchgänger«, dessen Name lange Zeit unter den Vermißten figurirte, enthält inter- effante psychologische Momente für Eltern und Erzieher und ist außerbem dem eikens werth wegen einiger unverkennbaren Mängel in der polizeilichen Behandlung der zahlreichen Fälle von Nachforschungen über den Verbleib Vermißter. Am 19. September v. I. verschwand von dem Wege zur Schule der achtjährige Anton B., der älteste Sohn einer im Posen« schen ledenden Wittwe, den sein Onkel, der Schneider B. in der Andreasstraße Hierselbst, in Pflege genommen. Anton, ein lebhafter und intelligenter Knabe, war seit 13 Monatm in Berlin, fand in den hiestgen Vergnügungsverhältnissen mancherlei Vorzüge gegen seine Heimath und riSkirte auf die Gefahr einer Tracht Prügel hin längere, un« erlaubte Sonntagsausflüge nach Weißensee und nach der Hasenhaide, von denen er spät in der Nacht heim- kehrte. Sein ehrlicher Name Anton genirte ihn, weil er in Beilin augenblicklich nicht modern war. Mit der zuneh- wenden Neigung für Vergnügungen erlosch die Lust zum Schulcgehen und so verschwand Anton plötzlich. Sein Onkel, der sofort bei der Polizei die genaueste Meldung erstattete, erfuhr im vorigen Monate nach mannigfachen Bemühungen, daß von der hiestgen Waisenhaus-Verwaltung ein Knabe, der sich Franz B. nannte, einem Drechslermcister in Teupitz in Vfiege gegeben war. Anton war. gar nicht weit von der Wohnung seines Onkels, auf einer Treppe nächtigend gefunden, zur Polizei und von dort ins Waisenhaus gebracht, hatte dort seinen Geburtstag und Familiennamen richtig, dagegen statt deS ihm verhaßten Vornamens einen anderen, und sein Ge« burtsjahr ungenau angegeben. Darauf war dann ein Schutz« mann bei dem Onkel gewesen, hatte alle möglichen Fragen über dessen Personal- und Familienveihältnisse fich deantworten lassen, ohne aber nach seiner Verficherung, den Zweck dieser polizeilichen Recherche zu wissen. Anton hatte freilich, um seine Herkunft zu oerdunkeln, grauenhafte Dinge zusammen» gelogen; er war in der kurzen Zeit seiner Vagabondage so frech g-worden, daß er erklärte, leinen Onkel gax nicht zu kennen, als dieser ihm in Teupitz gegenübertrat, um ihn dort abzu- holen und seiner Mutter zurückzusenden.— Die Gefahren unseres großstädtischen Leben« gerade für intelligente Kinder treten in diesem Falle recht deutlich zu Tage; die Eigenliebe, dieser mächtige Hebel für Erziehungszwecke, führt den nicht streng genug deaufstchtigten Knaben an den Rand des Ab- grundes. Bedenklich ist auch das Verfahren der Polizei; eS wäre doch wohl nöthig, Jedem, der solche Anmeldung eine? Vermißten erstattet, umgehend Kenntniß von solchen Aufge- fundenen zu geben, deren Beschreibung auch nur annähernd mit der des Vermißten übereinstimmt; im vorliegenden Falle wären dadurch viel Mühe und vor allen Dingen viele Kosten erspart worden. Der Abbruch des alte« Epandaner Stadtviertels hat fich bei dem letzten QuarlalSwechsel für zahlreiche Inhaber kleiner Miethswobnungen unangenehm demerkbar gemacht. Insbesondere im Norden der Stadt haben fich die HauSwirthe diesen Umstand zu Nutze zu machen gewußt, wenigstens haben dort MiethSsteigerungen in einem Maße stattgefunden, wie seit Jahren nicht. Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen ist augenblicklich groß. .Strafgericht de« Volke«," murmelte Pan KaniowSki, „dir entgeht keiner, der mit Schuld beladen. Herr, verg-eb uns unsere Sünden." Er bekreuzigte sich und ritt werter. Da nahten zwei mit Leinwand überspannte Wage». von kleinen mageren Pferden gezogen. Pan KaniowSki ließ sie halten. ES waren Jude», die vom Jahrmarkt heimkehrten uvd bei dem Anblick des WüiherichS, von Todesangst er- faßt, jetzt aus dem Wagen sprangen und fich ihm zu Füßen warfen. „Gnade! Gnade!" schrien sie,.erbarme Dich Deiner Knechte>" sie mit einem bösen Lächeln, und verlangte seine Flinte. zitternde» Juden,„auf die ruft nur Kukuk, wenn Ihr Pan Kaniowski musterte dann stieg er vom Pferde „Vorwärts?'' gebot er den Bäume, Ihr Schurken, und oben seid." „Herr! verschone unS, nimm unser Geld und Tut und laß uns ziehen," flehte« die Juden. „Wer will Euer Geld?" schrie der Tyrann,.vorwärts, auf die Bäume!" Die Kosaken trieben die Unglückliche» mit den langen Peitschen vorwärts. An der Sttaße standen ein paar Weiden- und Lindenbäume. Die Jude« erkletterten die« selben mühsam in ihren lange« Kaftane», und als fie end« lich alle oben in den Wipfel» saßen, da rief der Erste: Kukuk! Kukuk! Blitz und Knall, und er stürzte todt zur Erde nieder. Wieder wurde die Flinte geladen. „Erbarmen, Herr, Erbarmen!" .Vorwärt«!" gebot Pan Kaniowski. Wieder ertönte der ominöse Kukuksruf, wieder fiel ein Schuß, und ein zweite« Opfer sank blutend zu de« Füße» de« Unmenschen nieder. E« war dunkel geworden, langsam zogen die Sterne herauf, aber sie verbreiteten nur ein zweifelhaste« Licht um Wipfel und Stämme. Trotzdem setzte Pan KaniowSki mit wilder Lust die unerhörte Jagd fort. Noch lange tönten durch die Nacht Kukuksruf und Schüsse.(Franks. Ztg.) An einem Bretterzaun, welcher die Brunnenstraße von angrenzendem unbebautem Felde trennt, bemerkten Passanten in den Morgenstunden deS gestrigen TageS die Leiche eines gut gekleideten älteren Mannes hängen. Durch die bmach- richtigte Reviervolizei wurde festaeftellt. daß der Selbstmörder ein in der Rügener Straße Nr. 34 wohnender Vizewirth Namens Jaenicke sei. Die Leiche wurde nach dem Obduktion«, Hause geschafft. Der auch in verlin durch seine Ballonfahrten be« kannte Luttschiffer Eduard Damm ist, wie aus Amerika berichtet wird, bei einer Fahrt in Illinois verunglückt. Sein Ballon wurde zeniffen aufgesunden, ebenso einige Garderoben- stücke, während von dem Luftschisser noch jede Spur fehlt. Damm ging vor drei Jahren nach Amerika. Gerichts-Jeiwng. Ei« gegen die allgemeine Ortskrankenkasse gewerb« licher Arbeiter und Arbeiterinnen in Berlin verübter Betrug gelangte gestern zur Kenntniß und zur Beurtheilung der fünften Sttaflammer hiesigen Landgerichts 1. Der Arbeiter Rombach war im Herbst 1884 Mitglied der oben genannten Kaffe und erkranft« im November dieses Jahres an einem schweren TyphuS. Auf Anordnung des Arztes wurde er im St. HedwigSkrankenhauS untergebracht und aus demselben am 23. Februar v. I. als sogenannter HauSkranker entlaffen. Zur damaligen Zeit befand er stch bei der Wittwe Anna Marie Odrowsta in Schlafstelle. Um das auf 7 M. 20 Pf. pro Woche bemessene Krankengeld zu beziehen, mußte er vom GewerkS« Arzt allwöchentlich einen Krankenschein vorlegen, nach welchem er für arbeitsunfähig erklärt wurde. Obgleich stch Rombach bereits Anfangs März wieder wohlauf fühlte und für arbeitsfähig erachtete, entließ ihn der GewerkS« Arzt, welcher darüber anderer Meinung war, auS seiner Be- Handlung nicht und bescheinigte ihm bis zu seiner am 15. Mai v. I. einaettetenen vollständigen Wiederherstellung die Ar« beitSunfähigkeit. Rombach nahm aber trotzdem eine Arbeits» stelle an und bezog außerdem während der ganzen Zeit auch noch das Krankengeld. Er behauptet, von seiner Wirthtn hierzu verführt worden zu sein, während diele angicbt, den Rombach öfter, aber vergeben«, vor dem Weiterdemg deS Krankengelde« gewarnt zu haben. E« steht aber unbestritten fest, daß Frau Odrowsla mindestens 4 Mal für den Rombach daS Krankengeld aus der Krankenkasse geholt und dem dortigen Beamten die Krankheit deS R. als eine schwere geschildert hat. Die Wirthin und ihr Schlafbursche geriethen später in Differenzen, und erstere brachte, um stch an letzterem zu rächen, den Fall bei dem Vorstand der Krankenkasse zur Anzeigt. Infolge derselben wurde nicht blos, wie eS dem Willen der Dernrn- zianten entsprach, der Arbeiter Rombach wegen wiederholten Betrugs, sondern auch ste selbst wegen Beihilfe dam unter Anklage gestellt. Die 12. Abtheilung des hiestgen Schöffen» gerichtS verurtheilte denn auch Beide mit der gleichen Strafe von je einer Woche Gefängniß. Während fich Rombach hier- bei beruhigte, legte Frau Odrowsla Berufung ein, und auf diese hin fand die gestrige Verhandlung statt. Aus den Sta« tuten wurde die Bestimmung verlesen, wonach daS Kranken« geld verfällt, wenn der Kranke der ärztlichen Anordnung«r» wider ausgeht, in Wirthshärifern bettoffen wird und eine Be« schästigung übernimmt. Der Vertheidiger R.-A. Freudenthal plaidtrt auS rechtlichen Gründen für Freisprechung seiner Klienttn. Die verlesene Statutbestimmung stehe mit dem Krankenkassen- gesetzt vom Jahre 1884 im Widerspruch; denn nach diesem werde der Anspruch auf Krankengeid infolge deS ärztlichen Nachweises der Arbeitsunfähigkeit degründet und könne durch keinen Verstoß von Verhaltungsregeln verwirkt werden. Ein Kranker dürfe eben nicht arbeiten. Eventuell habe seine Klientin daS Krankengeld nicht durch Vorspiegelung einer falschen Thatsache erlangt.— Nach sehr langer Berathung er« kannte der Gerichtshof auf Verwerfung der Berufung, da der Kaffenbeamte nichts gezahlt habenIvürve, wenn ihm der Wahr- bnt gemäß mitgetheilt worden wäre, daß Rombach wieder in Arbeit getreten fei. Frankfurt a. M.. 6. Januar.(Oberlandeszericht) Einem in der Brönner'schen Farbenfabrik verunglückten Arbeiter hatte .daS hiefige Landgericht 60 pCt. seines Durchjchnitttohneö att lebenslängliche Rente zuerkannt und die Fabrik zur Zahlung derselben verurtheilt. Es wurde angenommen, daß der ver« unglückte Ardelter im Verhältniß von 40 pCt. seines Lohnes noch arbeitsfähig sei. Das Oberlandesgericht dagegen erklärte ihn für vollständig erwerbsunfähig u�d billigte dem klagenden Arbeiter den ftüheren Wochenlohn(25,50 M.) für die Dauer seines Ledens zu, ReichSgertchtS-Entscheidung. Leipzig, den 7. Januar. Giftmischer. Vom Schwurgerichte in Hägen ist am 12. November v. I. der Tagelöhner Engelbert Wigae aus Hcrdecke wegen Mordversuches«inschließlich einer ihm früher auferlegten Strafe zu 4 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden während eine Braut Marie Wametzki von derselben Anklage freiae« prochen wurde. Die Anklage legte ihnen zur Last, gemein« chaftlich den Versuch gemacht zu haben, den Stiefvater der Warnetzki, den Steinsetzer Peter MajewSki, durch SchnapS, der mit Phosphor von Schwefelhölzern versetzt war, zu tödten. ES war den Angeklagten bekannt, daß M., wenn er AdendS nach Hause kam, aus einer bestimmten Flasche fich stärkte und deshalb war der veraifteteSchnaps in dieseFlasche gegossen worden. All M. nun die Flasche ergriff, fiel ihm der Inhalt derselben auf, weil er die Schwefelholzköpfe darin schwimmen sah und auch den fremdartigen Geruch wahmahm. Seine Frau— es ist zweifelhaft, ob fie in den Mordplan eingeweiht war— entriß ihm dann schnell die Flasche, zerschlug fie und gab ihm eine andere, welche mit unvergiftetem Fuselstoff angefüllt war, so daß das Verbrechen nicht zur Ausführung kam. Gegen das erwähnte Urtheil machte Wigge in der Revistonsinstanz geltend, der tz 46 deS R.-Etr.>G.-B. sei verkannt, denn es hätte Frei- sprechung erfolgen müssen, weil der Erfolg rechtzeitig abge« wendet sei. Der Reichsanwalt verwies aber darauf, daß jener Paragraph fich nur auf den Thäter und nicht auf den Mit« thäter beziehe, sowie daß derselde der thatsächlichen Reue entgegen« kommen solle. Demgemäß erkannte der IV. Strafsenat am 5. Januar auf Verwerfung des RechiSmittelS.* Soziales««d Arbeiterbewegung« Der Beamten- und Arbeiterbestand der sächsischen Staatsbahnen und der der unter Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen delief fich am 1. September 1885 nach einer amtlich vorgenommenen Zählung auf 25184 Köpfe; davon waren 8632 festangestellte Beamte und 16 552 gegen Tageoder Wochmlohn beschäftigte Arbeiter. Dieser Personaldestand vertheilte fich auf die verschiedenen Dienstzweige wie folgt: ES entfielen. auf Beamte Arbetter die Hauptverwaltung 324 264 den StationSdienst 3132 7218 die Bahnuntcrhaltung 2018 den Fahrdienst 1636 den MaschinenbetriedSdienst 1287 die Maschinen Hauptverwaltung 158 die Sekundärbahnen 77_ zusammen 8632 16552 Gegen das Vorjahr ist eine Zunahme von 734 Köpfen zu verzeichnen, und zwar von 148 Beamten— 1,7 pCt. und 636 Arbeitern oder 4,0 pCt, sowohl in Folge des gesteigerten Verkehrs wie der Eröffnung von fünf neuen Linien. Das sächstsche StaatSbahnnetz(einschließlich der unter StaatSver- 4194 912 938 2849 177 waltuna stehenden Privatbahnen) haste am«nannten Tag« eine Lange von 2320 km, so daß auf jeden Kilometer Bahn» länge 3,71 Beamte und 7,13 Ardeiter entfielen. Rudolstadt, S. Januar. Wie groß die Arbritsnoth in den nieder m Volksschichten auch bei uns ist, geht aus folgen- dem hervor. AlS heute morgen die Ausschachtung! arbeiten zur Legung der Rohre für die Wafferleitung in der Augusten- straße begonnen werden sollten, hatte fich an Ort und Stelle «ine Schaar von etwa 60 beschäftigungslosen Arbeitern in der Hoffnung versammelt, zu den Arbeiten engagirt zu werden. §üt kaum die Hälfte derselben, für 25 Mann, war jedoch Arbeitsgelegenheit vorhanden, und mußten die Uedrigen wieder traurig abziehen. DaS ist ein rechte? Zeichen der Zeit. Wie mag es in den Familien der BeschästtgungSlosen auS- sehen?_ Uereine und Uersammlungen. Kr. In der Generalversammlung de» verein» zur Vertretung der Jnreress n der Arbeiterinnen, welche am Donnerstag bei Gratweil stattfand, sprach die Vorfitzende, Frau Dr. Hosmann, fich dahin aus, daß der Verein mit den Er- folgen, die er in den ersten neun Monaten seines Bestehens gehabt, zufrieden sein könne. Den Spott, der fich gegen das neue Unternehmen der Frauen, öffentlich für ihre Jntereffen ein- zutreten, zu Anfange erhoben, habe der Verein sehr bald durch den Ernst seines Strebens entwaffnet. Auch die aus inneren Zwistigkeiten ihm erstehenden Gefahren habe der Verein glück- lich überwunden. Durch Fachversammlungen habe er die Grün- duna von Fachvereinen der Arbeiterinnen eingeleitet und damit die Arbeiterinnen auf den richtigen Weg gebracht, eine Besse- rung ihrer schlechten Lohnverhältnisse heibciiuführcn. Das Streben des Vereins, unter den Arbeiterinnen die Einstcht zu verbreiten, daß fie nicht nur das Recht haben, Forderungen zu stellen, sondcm durch Vereinigungen auch die Macht gewinnen können, ihre gerechten Forderungen durchzusetzen, sei bis jetzt von einem Erfolge de- gleitet gewesen, der zu der Hoffnung auf ein weiteres Gedeihen de? Verein» bercch'.ige. Tie Schriftführerin Frau Ihrer er- stattete einen Spezialbericht über die bis jetzt abgehaltenen 19 Verein sver sammlungen und über die vom Vereine veran stalteten 3 öffentlichen Versammlungen. Der Kassenbericht, welchen Frau Steindorf erstattete, ergab, daß in dm letztm drei Monaten deS verflossenen Jahres die Einnahmen(tnklufive deS Bestandes von 213,67 M. aus September) 440,88 M., die Ausgaben 153,80 betragen haben, mithin am 1. Januar d. I. ein Kaffenbestand von 287,08 M. vorhanden war.— Da» Er- gebniß der Neuwahl des Vorstandes war, daß die bisherigen Mitglieder fast ohne Ausnahme wiedergewählt wurden. In die Stelle deS Fräulein Seeger, welche die Wahl ablehnte, trat Fräulein Wabnitz ein. Eine aufgelötte Handschuhfabrikanten- Versamm- luag. Gestein wurden eine Anzahl hiesiger Handsckuhfabri- kantm mittelst Karte zu einer Versammlung nach der Leipziger Straße 14 bei Reimann eingeladen, und sollte nach Wunsch de? Einberufers der Versammlung beschlossen werdm, gegen den am 2. November den Gebilfm bewilligten Lohntarif Front �*">---- /t:- r----- f— f-I-.—.TT... ,- iml V dÄ Ä-I i-ml-ch-l und dir erschienm Herrm rathloS dastanden. Der Einderufer jedoch desann fich nicht lange und lief nach einem anderen Lokal. Er fand ein solches auch nach längerer Zeit. Nun glaubte man fich geborgen. Doch da erschien ein Handschuhlabrikant, deffm Firma durch Jahrzehnte in Berlin bekannt ist, der aber mit den Abfichten deS Einderu'erS, Herrn Güßow, nicht über- einstimmt. Herr Güßow verwies diesem Herrn das Lokal. Es dauerte jedoch nicht lange, so erschim jener Herr in der Begleitung eines Polizei- Beamtm, und da der HÄr Etnberufer für dieses Lokal eine Bescheinigung nicht vorlegen konnte, wurde die Versammlung aufgelöst. Fachderew der Rohrleger. Sonntag, den 10. Januar, Vormittags 10 Uhr, Versaminlung bei Wolff u. Krüger, Sla- litzerstr. 126. Tagesordnung: 1. Wahl eines stellvertretenden Vorfitzendm. 2. Besprechung über Fachvereine und O:gani- sation. 3. Aufnahme neuer Mitglieder, Verschiedenes und Fragekasten. Das Arbeitsnachweisebureau befindet fich Elsasser- straße 58, l., bei Beter. Zentral- Kranken- und Eterbekasse der Dachdecker Deutschlands„Einigkeit"(E. H. Nr. 69), örtliche Verwaltungs- stelle Berlin General- Versammlung am Sonntag, den 10. Januar, Vormittags 10 Uhr, im Restaurant Weick, Aleranderstraße 31. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal 1885. 2. Wahl der Delegirten zu der am 21. Februar in Hamburg stattfindenden General Versammlung. 3. Verschiedene?. Kachverein der Marmor- und Granitarbeiter. Sonntag Vormittag 10'/, Uhr, Alte Jakobstr. 43a, Versamm- lung. Tagesordnung: 1. Vterteljahrs-Bericht. 2. Angelegenheit Schild. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Vereinigung der deutschen Schmiede. Sonnabend, den 9. Januar 1886, Abends 8'/, Uhr, große Versammlung in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstt. 77—79. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Herrn Ingenieur W. Kirchner über die Entwickelung der Dampfmaschine. 2. Eintheilung der Mit- 8 liedschaft Berlin in mehrere Zahlstellen.— Gäste haben utritt. Vermischtes. Theaterbrände im Jahre 1885. Durck Feueisdrunst find im verflossenen Jahre 1885 nachstehende Theater zerstört worden: DaS Stadt-Theater in Exeter(England), das National Theater in Washington(mit einem Schaven von 750 000 FrkS.), daS Konzerthaus in St. Petersburg(der schönste Konzert- saal der Welt), das OpemhauS in Mascara(Algier), daS Re- naiffanze-Tbeater in Nimes, das neue Tbeater in Szegedin (Schaden 350 000 fl.), die Musical Hall in Buffalo(Vereinigte Staaten), der ZitkuS Kloseberg in Richmond(Ver. Staaten), (bei dieser FeuerSburst, welche während einer Vorstellung statt- fand, erstickten und verbrannten über hundert Menschen, 50 Pferde, 5 Löwen und verschiedene andere Thiere, der übrige Schaden betrug über 3000000Lstr.). und endlich das Theater des Herrn Paradies in Moskau. I« angenehmem Gegensatz zu dem Ernste, mit welchem die Kämpfe für und wider daS Biaantweinmonopol in den Kreisen unserer Politiker ausgefochten werden, steht folgendes Idyll auS dem Zuchthause des schweizerischen Kan- tons Freidurg. Der Direktor dieser Etaatsanstalt ist nämlich Restaurateur. und hat insofern ein Schänkmonopol, als die Herren Sträflinge nur bei ihm trinken dürfen. Haben fie Geld, so giebt er ihnen daS ersehnte Naß unbeschränkt, osi auch auf Kredit. Frellich kam es auch dabei vor einige« Jahren zu einer unangenehmen Szene, indem die betrunkenen Sträflinge eines Tages ihren Direktor durchprügelten, wobei er von der Schußwaffe Gebrauch machte. Neuerdings wird aus diesem fidelm Gefängniß folgendes gemeldet: Ein ver- urtheilter Mörder(!) erhielt kürzlich auf 14 Tage Urlaub, u« seine Schwester in Lausanne zu besuchen; er überschritt seine« Urlaub und mußte geholt werden. Neuerdings befindet er fi Ver« sammlung haben Sie Zutritt ohne vorher eine Karte lösen zu müssen. Der Eingang ist von der Spandauerstraße. G. S., Schlestschestr. Ihre ersten Fragen find in un« serer gestrigen Rummer beantwortet worden.— Ein derartiges Testament ist unzulässig und würde unter allen Umstände» für ungiltig erklärt werden. E. H., Köpenick. Ihrem Wunsche wird entsprochen werden. A. B.. Guben. Wir werden die fehlenden Nummern an Ihre Adresse absenden. Die drei Worte heißen auf deutsch: Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeit. D. G., Hallrsche» Ufer. Die Listen werden veröffentlicht.� Theater. Sonnabend, den 9. Januar. vpernhgu». Siegfried. Schauspielhaus. Tilli. Deutsche» Theater. Romeo und Julia. Refideuz-Theater Clara Soleil. Vorher: Die vchulreiterin. Kriedrich- Wilhelmstädtisch«« Tbeater. Ra- faela. Walhalla- Operette«- Theater. Mamsell Angot. Walluer-Theater. Frau Direktor Sttiese. Belle- Alliauce- Theater. Lucrnde vom Theater. Ceutral-Theater. Der Stabs Trompeter. Loutseustädtische» Theater. Stgnor Lucifer. Btktoria-Zheater. Meffalina. Osteud» k he-rter Theodora. Köutgstädtische» Theater. Die Marionetten des Teufels. Amertean- Theater. Große Spezialitäten- Vorstellung. Theater der ReichShallen. Große Speziali- täten Vorstellung. Kaufmann'« Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Koukordia. Große Epczialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Ferdinand Avelli, der Leichenräuber. Birch- Melodrama in 3 Atten von Ch Pfeiffer. � � Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapelle. Anfang des«onzertS Wochentags 7 Uhr. der Vorstellunp 7'/« Ubr. Anfang des Konzert« Sonntag« 6 Uhr, der Vorstellung T/t Uhr. - im »ons haben Wochentag« Giltigkeit und find im Theaterbureau(12-1 Uhr) gratis zu haben. # Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bie 10 u. Ad. Kaiser-Panorama. Mond. WeihnachtS Ausstellung: DaSLeben Jesu. Jerusalem je. Eine Reist 20 P, Kinder nur 10 Pf. Abonnements 1 M. Am 7. d. M. starb unser langjähriges VereinSmitglted Richard Hirsch im Alter von 29 Jahren an der Lungen- schwindsucht. Die Beerdigung findet am Sonntag um 2 einhalb Uhr von der Leichenhalle der St. Markus-Gemeinde bei WilhelmSberg statt. Um recht rege Betheiligung ersucht Vorstand de« Arbeiter-Kezirks- V"-in fLr de« Gste« Kerlin» . Dst Mitglieder versammeln fich um IV, Uhr Landsberger Allee Nr. 44 bei Rolland. 383 Amtlttag. thig zurück und misstonS-Mttglteder der Putzer Berlins und Umgegend für Ehrenmänner. � 0. E Paritsohke. �achvereiu der Vrechsler, Knopf- arbeiter und Serufsgeuosseu. General-Versammlung am Dienstag, den 12. d. Ml?., Abends 8 Uhr, in Käser« Kalo«, Grüner Weg 29. Ta geS-Ordn ung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Nur Mitglieder haben Zutritt. Gewerks- ger offen, welche dem Verein beizutreten wün- schen, werden vor Beginn der Versammlung aufgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. R4 Der Vorstand. Arb.-Bez.-Vereiu der Orauien- burger Vorstadt u. d. Wedding. Montag, den 11. Januar, Abends 8 Uhr, Gtvttai-Kttsilmwlllllg im Medding-Parü Mullerstraffe Mr. 178. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht pro Oktober, November und Dezember. 3. Wahl des Vorstandes, sowie der Revisoren, Bibliothekare und Kontroleure. 4. Vortrag. 5. Verschiedenes. 6. Fragekasten.— Gästen ist der Zutritt ge- stattet, wenn fie stch als Mitglieder einschreiben lassen.— Für die Mitglieder dient das Quit- tungSbuch als Legitimation.— Zu Vilser Versammlung erwartet ein zahlreiches Erscheinen 389 Der V or stand. /achlinm der Tischler. Montag, den 11. Januar, Abends 8'/- Uhr, V c�raammlnnff in Kilian'» Kokal, Elisabethkirch- Straße 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Sto Milan. 2. Verschiedenes. Gäste willkommen. 3801_ tadtverordneten 3. Fragekasten.— Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten zc. SeifenpulTer p'VÄtÄß?« JE*. Anerkannt beste» und billigste» Wasch- und Reinigungsmittel, macht die äsche blendend weift, entbält keine derselben schädliche K-standih-Ue. erspart Eignet stch auch sehr zum Keinigen von Fustvoden, Probepackete 20 Pf. AufHandlungen al» Debiteure viel Zeit und Arbeit. Fenster«, Metalle« rc. V: Pfd. de« Pulvers ersetzt 3 Pfd. Keife. träge von 10 Pfd. an frei rir's Haus. Respekt. Seifen-, Droguen- und Kolonialwaaren werden gesucht. Hugo Jacobsohn Co., Generai-D«bitenre. Berlin S., Aresdeller« Straße 106. u « -w +3 © Still 15. Jütlllül 1886 Ziehung der fünfte« »unjIgeverde-t:Mer>e des Architekten-Vereins>n Berlin Hauptgew.: 10,000, 3000, 3 a 1000, 46 S00Mk.»te. TZC 60,000 Mark Loose a 1 Mark, auf 10 Loose 1 Freiloos— auch gegen KouponS und Briet« marken,"MW emvfiehlt und versendet der Loose-General-Debiteur 361 Carl Heintze, Bankgeschäft, Berlin W.. Unter den Linden 3. (Für frankirte Loosscnduvg find 20 Pf., für Einschreiben 40 Pf. beizufügen. Unter dem Protektorat I I. K K. H. H. des Kronprinzen und der Frau Kronprinzesfin Kinderheiistä-ten-Lstterie. Hospiz Zoppot. Gewinne 6 4000, 1000, 500, 200, 100, 50, 10 und 5 Mark in Silber. Loose a I Mark(II Loose für 10 Mark) zu haben bei allen dnrsh Plakate kenntlichen Verkantsstelten und dem General- Debit von Richard Schröder in Berlin W., Uarkgrafenstrasse 46, Gensdamenmarkt. Zur Einrahmung aller Arten Kilder empfehle ich mich meinen werlhen Vereins- und Bezirk?-Genoffen. Der Bevollmächtigte. General-Versammlung des Fachvereius d. Lurus-Papier. Prager und Schlager am Sonntag, den 10. d. M-, Vorm. 10'/, Uhr, in Seefeld'« Salon, Grenadierflraße 33. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl eines def. Vorstandes. 3. V'richiedene?. Mitglieder werden aufgenommen.[382 1 Der Vorstand. I Karl Scholz, Pückl erste. 51, H. II. A. Scheffer's Tanz-Institut, Inselstraße 10. Sonntag, den 10. Januar. Nachmittags 4 Uhr, beginnt ein muet Kursus für Erwachsene. 1387 Elegante 91a«keii- Meine Destillations-. Bier-, Frühstücks- und villardstube, sowie Patzenhofer u. Helles Lager- bier a GlaS 10 Pf. empfiehlt bestens 382«arthel. Kottbuser Damm 58(Herrmann-Play 4). Garderobe Fr. PankniSi Oranieustr. 178, v. � Ecke Adalbertstr. Mein neu renoo. Saal nebst Tunnel ist nolb einige Tage in der Woche an Vereine und$ Privat Festlichkeiten zu vergeben.# A Krüger, Wafferlhorstraße 68.___ Verantwortlrcher Redakteur«.»rauhet« tu verltn. Druck und«erlag von Max vadtug in«erlin SW, Beuthftraße 2. Arbeitsmarkt. Ein Zusammensetzer. der auck Böden maÄ wird verl. Simeonstr. 11, vorn II.