ictfit, 11* [am, d---' ird m. Zi: � Schvtß nten al llunge leb an K-Ä nfltn». baupti b CM Drt& ernet, urch d plen T >u r« dicke eist me Ge« d s°« Dounerstag, de« 14. Januar 1886. III. Jahrg. MerVolksblalt Drgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„BerlinerVolkSblat� «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mad. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) JusertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. " n hoher Rabatt nach Uehereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr pedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Sureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Bei größeren Aufträgen Nachmittags in der Expe Bur zeroro Bran s»er Leb? ltung envr muligen inde' Im Hl stattet: ens A S! Avsl .Tw tenschel Host Pinnen >ender er für rVorsl KedaKtio«: Keuthstraße 3.— Erpedition: Zimmerstraße 44. |« russische Kruauche. Was wir schon vor Monaten alt unvermeidlich be- eichneten, scheint nunmehr eingetroffen zu sein— Rußland immt seine Revanche für die in Preußen beliebten Massen» Weisungen rusfisch-polnischer Unterthauen. Wie verlautet, ab ein Utas des Zaren eine Massenausweisung on Deutschen auS Rußland anordnen und man be» '>»et, daß von dieser Maßregel etwa 100000 Personen troffen werde» dürften. Die Termine, zu denen die Be- offenen das russische Staatsgebiet zu verlassen haben, sind ic nach d.m Beruf und nach der sozialen Stellung der etroffenen verschieden angesetzt. Die Härte der Maßregel ird noch dadurch erhöht, daß nur denjenigen Deutsche», , ie sich in günstigen Besitzverhältniffen befinden, eine längere Frist gewährt wird, während arme Ar- beitcr und Handwerker binnen kurzer Zeit Rußland oerlassen und ihre Existenz preisgeben müssen, die iederzugewinnen gerade ihnen am schwersten werden dürfte. ie Leute, die durch die Ausweisung von allen Mittel» tblößt werden, haben die russische Grenze am schnellsten b ehesten zu pasfiren. E« darf als feststehend angenommen werde», daß die ssische Bureaukratie bei dieser Gelegenheit ihre gewohnt« irutalrtät noch verdoppeln wird. Das Kosackenthum in rack, weißer Weste und Kravatte, daS sich auf de« russi- then Polizeibureau» spreizt, wird bei dieser Affaire seinem aditionelle« Hasse gegen daS Deutschthum die Zügel schieße» ssen und wir könne» uns darauf gefaßt mache», Schilde- ngen von mittelalterlichen Barbareien zu lese», die gegen rmlose Geschäftsleute und Arbetter, gegen wehrlose auen und Kmder verübt werde«. Man kennt die Art nd Weise, wie das„Abschieben" in Rußland ausgeführt a weiden pflegt und eine Schilderung desselben ist hier berflüsfig. Wenn man sich die Wirkungen der„russische« Revanche", ie nur die Folge der in Preußen angeordnete» Auswei- »ngen ist, verxe, enwärtigt, so muß man sich fragen: Wenn as polnische Element in seiner Ansammlung an den öst- che» Grenzen des Deutschen Reiches wirllech für die Zu» mst des letzteren gejährlich werde» konnte— was uns Auf, tcht einleuchte» will— ist nun die Situation günstiger tstaltet, wen« über 100 000 Menschen hin und hergeschobe« vebiteutt ad deren und andere Verhältnisse dadurch in eine unab- hbare Verwirrung gerathen sind? Schwerlich. Wir find egierig, ob die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und iren Gevattern uns werden nachweise» können, >ß durch jene Maßregeln für da« Deutsche leech irgendwelche Garantien, die ihm fehlte», �schaffen worden sind. -inige w.!- wdafadr» berg.] on lhew. mcht die erspon hböde»' }f. fünft"' Ieutweton. Dunkle Gestalte«. ählung aus dem sozialen Leben der Gegenwart von «rtotag Karl Zielte.[4 _ Der Direktor sah dem Krnnken lauernd ins Geficht und I MMchielte dann nach der Frau hinüber, die leise weinend mit hren Kinder« m einer Ecke stand. „Aver Frau", fuhr er fort, indem er seiner Stimme .nS und �en et freundlichere» Klang zu gebe» strebte,„was -igentlich froh s-in. daß 'te der Sorge für ein» Ihrer Kinder enthoben we'rdem S blerbe« Ihne« ja doch doch noch genug. Seht einmal r, Kinder," wandte er sich an die Kleinen,„Zhr braucht T indf«'cht so ängstlich zu ser». seht einmal her, was ich Euch n Linu[e8 m�gebracht habe!" eizufüge� Er holte eine» langen Leinwandsack unter seinem antel hervor, aus welchem er verschiedene bunte Kleinig. I€tt......... evi uuv roeicyem vei�cylevene bunte Klemlas ur immer bretft, Ihr Anderen dürft Euch auch etwas ichbarid'-s Er vertheilte die Sp, elsachen an die Kinder, die zag» Ist a" doch Mit glänzenden Augen danach griffen.' . da ist ja die kleine Pauline, sieh nur, wie groß ) hübsch Du geworden bist." iT.«bei". 1'"etlu�. das Kind an sich zu locken, doch scheu und ist str seiner �tutt Gefühl getrieben, versteckte e« sich Daß die Zukunft eine« kriegerischen Zusammenstoß zwi- sche» dem Osten und dem Westen bringen wird, da» ist uns vollständig klar. Germanisehe und slawische Elemente find bestrebt, sich auszudehnen, sich neue Bahnen zu erschließen; so müssen sie sich hindernd in den Weg treten und der große Konflikt ist da. Aber sind denn daran die T«schäfiSleute, die Arbeiter, die Bauern schuld, auf deren Haupt das Damoklesschwert der Ausweisung niedergefallen ist? Sind sie die Störenfriede, die ein friedliche» Einvernehmen zwischen dem Osten und dem Westen nicht zu Stande kommen lassen? Da« wird wohl Niemand behaupte» wollen. Die Stören- friede, deren Lebensaufgabe es zu sein scheint, dem«uro- päische» Friede» immer und immer wieder den Krage» umzudrehen, sind doch nicht bei dem Bürger, Arbetter und Bauer zu suchen, nicht bei dem russischen, nicht bei dem polnische« und nicht bei dem deutsche«; diese Störenfriede sitze» an de» grünen Tischen zu St. Petersburg oder sind in die gold» strotzende Uniform russischer Generäle und militärischer Abenteurer älaTscherna» jew gehüllt. Wen» die Politik des Deutsche» Reiches sich mit der Eventualität eines Konfliktes mit Rußland be- faßt, so mag sie ihre Blicke hierher wende» und nicht auf die Leute aus dem Volke. Aber die ganze Erscheinung hat auch eine andere be- denkliche Seite. Der Nationalitätenhader zieht sich wie ein rother Faden durch fast alle die Wirre», die sich auf dem Bode» des alten Europa abspielen. Wie nun, wenn man sich anderwärts und überall von den gleiche» Motiven leiten läßt, wenn jede Regierung die Angehörigen anderer Staaten, mit denen sie möglicher Weise in Konflikt gerathen kann, austreibt, und wenn dann die anderen Staaten zu Repressalien greife« und auch au» ihrem Gebiet die Ausländer vertreibe«? Welch unabsehbare Verwirrung stände da bevor und welch tiefgehende Störung aller friedlichen Interessen müßte auf den„Kuddelmuddel" folge«, der da entstände! Man weiß doch, wie sehr unter den Staatsmännern von heute der Nachahmungstrieb sich ausgebildet hat. Wird es lange dauern, bis Herr Taaffe in Wie» die Austreibung von Aus» lindern auch probat finde»? Wir Deutschen aber käme» sehr schlecht dabei weg, denn da» deutsche Element ist im Ausland ungemein stark, vielleicht am stärksten vertrete» und das würde in diesem Falle die empfindlichste Schädigung von zahlreichen deutsche» Familien im Zn- und Auslände nach sich ziehe«. Die Ausweisungen werde» in den nächste» Tage« im deutschen Reichstage zur Sprache gebracht werde» und wir behalten uns vor, dann auf die Sache zurückzukommen. Wir hatten nicht gedacht, daß da», was wir befürchtet, sich in Rußland mit solcher Schnelligkeit erfüllen würde. """""""""""""mg"— 9# Der Direktor runzelte die Stirn, er schien nur mit Mühe einen Fluch zu unterdrücke». „Nun, kommen Sie her, Frau, jetzt wollen wir einmal ein vernünftiges Wort reden!" Er setzte sich wieder an de« Tisch und winkte die Frau zu sich heran. „Frau, er nimmt da» Kind mit," jammerte der Kranke von seinem Lager aus,„laß ihn unser Kind nicht mitnehmen, e« ist mein einziger Trost!" Ei» krampfartiger Hustenanfall verhinderte de» Mann weiter zu sprechen. Niemand achtete auf ihn, die Hustenan» fälle waren in letzter Zeit so häufig geworden, daß kein Mitglied der Familie denselben eine größere Beachtung schenkte. Die Kinder hatten sich in eine Ecke gedrückt und betrachteten stumm und staunend ihre» plötzliche» Reich- thum. Achte« Sie nicht darauf, was Ihr Man» spricht," sagte der Direktor jetzt m flüsterndem Tone zu der Frau, die sich Snstglich zu ihm herabbeugte,„Zhr Mann ist krank, hoffentlich wird er zum Frühjahr gesund werde«, und dann wird er Ihne« selbst sage«, daß Sie in dem vorliegende« Falle vollständig richtig gehandelt haben. Sie wissen ja selbst, welche Vortheile ihnen daraus erwaehse«, wenn See mir Ihr Kind auf die Dauer eines Zahres überlassen, Sie decke« Zhre Schulde» und kommen allmälig wieder empor. Sie können einen Arzt zu Rath« ziehen, Ihrem Manne eine bessere und kräftigere Kost ver» schasse», mir persönlich scheint die Krankheit überhaupt von keiner allzugroße« Bedeuwng zu sein, die Geschäfte werden ssch wieder bessern, alle Jahre giebt es ja keine Mißernten, und das Glück wird Ihnen wieder lächeln. Da« Alles können Sie durch einen schnellen Entschluß herbeiführen, sehen Sie, ich habe das Geld bereits mitgebracht, wen« Sie den Kontrakt unterzeichne«, ist der Handel abge- holte einen Beutel au« der Tasche und warf eine Handvoll neuer, glänzender Silberstücke auf den Tisch. Die Frau faßte krampfhaft nach ihrem Herzen. „ES ist mein Kind, welches Sie mir abkaufe» wollen," schluchzte Sie;„Sie mögen ja Recht haben, ich verstehe PoUttschr Ueberstrht. Eine wichtige Entscheidung. Nachdem die langweilige Zuckerfleuerdedatte im Reichst» ge gestern glücklicher Weise beendet und nachdem die Glocke des Prafidenten die Schläfer im Saale geweckt, d« Telegraph die zerstteuten Mitglieder im vause an ihre Pflicht gemahnt hatte, auch einmal ab und zu im Litzungs- saale zu erscheinen, um dasPräfidium nicht fortwahrend in der Angst wegen Beschlußunfähigkeit zu lassen, nachdem also auch diese üblichen Vorbereitungen getroffen worden waren, glaubte man allgemein, daß das Ende der Sitzung recht frühzeitig eintteten werde. Es standen auf der Tagesordnung nur noch zwei Wahlprüfungen. Die erste wurde rasch erledigt, jedoch bei der zweiten, der Wahl zu Flensburg, wo der National■ Liberale Gottburgsen gegen den Dänen Johannsen und den Sozialdemokraten Heinzel gewählt worden» entstand eine längere und vielfach prinzipielle Debatte, die zu einer äußerst wichtigen Entscheidung geführt hat. Die Wahl des Abg. Gottburgsen wurde gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen für ungiltig erklärt, weil die Polizei zwei Versammlungen die seitens der Sozialdemokraten einberufen worden waren, im Voraus verboten hatte. Nach der Auffassung des Reichs» tag» aber sollen die Behörden keine Wahloersammlungen im Voraus auf Grund des Sozialistengesetzes deshalb ver« bieten, weil ein notorischer Sozialdemokrat Einberufer oder ein Sozialdemokrat als Redner in Ausficht genommen ist. Die Polizeibehörde hat einfach zu warten, was der Redner sagt, w t e er stch ausdrückt und hat dann immer noch Gelegenheit, die Versammlung aufzulösen, um etwaige Ver» stöße gegen den§ 1 des Sozialistengesetzes zu verhindern. BIS jetzt hatte man dieser Auffassung des Reichstage» noch nicht Rechnung zu tragen Gelegenheit gehabt und in den Reihen der Linken herrschen auch vielfach Zweifel. ob eine Majorität für diese Auffassung in der Praxis zu er- zielen sein würde. Die deutsch.fteifinnigen und soztaldemokra» tischen Redner hatten fich für die Ungiltigkeit der Wahl, die konservativen und nationalliberalen für die Giltigkeit erklärt. AlleS war gespannt auf die Haltung deS Zentrums, welches fich zunächst hartnäckig auSfchwieg. Endlich sah man als letzten Redner den Abg. Windthorst langsam die Rednertribüne hinaufsteigen. Er erntete nach seinen EellSrungen lebhaftes B avo im Zentrum und— links. Die Wage hatte stch gesenkt zu Gunsten der Wahl» fteiheit. Die Polizeigewalt in Flensburg hat eine eklatante Niedeilage erlitten, woraus fich die Behörden in den Sie nicht, ich kann mein Kind nicht verkaufen, es geht »tcht. Sie machte eine Bewegung, als ob sie sich entfernen wollte. Der Direktor hielt sie zurück. „Seien Sie doch nicht so thöricht, Frau," sagte er ärgerlech,„von Verkaufen ist keine Rede, dafür unter» schreiben Sie ja de« Kontrakt, daß Ihnen Ihr Kind nicht genommen wird, hier ist da« Schriftstück, lesen Sie es we- nigfien« durch!" „Ich verstehe nichts von solche« Sachen," jammerte die Frau,..ich weiß nicht, was ich machen soll." „Behalte unser Kind, unsere Pauline," stöhnte der Mann. Sei» Stöhne« ging allmälig w ein Röcheln über „Nun, dann nicht," sagte der Direktor plötzlich hart und barsch,„wenn Sie den« Ihr Glück nicht wollen, so ist eben alle Mühe vergebens. Wem nicht zu rathe«, dem ist auch nicht zu helfen." „Er scharrte mit seiner großen, krallenartigen Hand das Geld wieder zusammen und schob es in de» Beutel „Komm' Louis, wir wollen gehen," sagte er plötzlich zu dem Knaben, der bis dahe« still in der Ecke ge- sesse« hatte. „Bleiben Sie noch eine» Augenblick." flehte die Frau, „ach, ich kann mich nicht von meinem Kinde trennen, können- Sie mir nicht auf andere Weise helfen, wir sind doch so elend und unglücklich!" „Machen Sie keine unnütze» Redensarten," entgegnete er kalt,„hier ist der Konttakt, entweder Sie unterzeichnen und Sie erhalten das Geld, oder Sie unterlassen es, dann erhalte» Sie das Geld eben nicht." Er hielt ihr da« Schriftstück noch einmal hi» und holte zugleich Dinte und Feder hervor. „Nur nicht soviel Umstände, so, sehen Sie, das ist gar» nicht schwer. Hier ist Ihr Geld, komm her. Pauline." Die Kleine schrie laut auf, als er sie ergriff. Mit einem Ruck hatte er sie emporgehoben. „Gute Nacht, Frau," sagte er zu der unglücklichen Mutter, die am Tische nredergesunken war, ohne sie dabei anzusehen,„vorwärts Louis, schnell hinaus l" Sie verließen das Haus. Draußen schlug er dem übrigen Gegenden eine eindringliche Lehre ziehen können. Durch die Ungiltigkeitsnklzrung der Wahl des Abgeordneten Gottdurgson aber hat der Reichstag fich selbst wieder in etwaS emanzipiit von dem reaktionären Drucke, der auf ihm lastet. Um den Arbeiter« die Wahlfreiheit zu sichern, hat der Adgeoidnete Rmtelen bekanntlich einen Antrag im Reichs- tag eingebracht, nach welchem den Arbeitgeber, welcher einen Arbeiicr wegen seiner Abstimmung maßregelt, ein« bestimmte St-a'e treffen soll. Wir haben seiner Zeit den Werth eine? solchen Gesetzes wiederholt Mvrochen unv find dabei zu dem Resultat gekommen, daß dasselbe nur einen untergeordneten Werth habe, weil es dem Lohnbcrrn immer möglich sein werde, bei der Maßrerelung einen beliebigen anderen Grund anzu- geben. Den Ofsiziösen scheint der Antrag aber recht ungelegen zu kommen, denn die offiziösen„Berl. Pol. Nachr." ste>'tn jetzt als Material für die devorstebende Debatte dem Zentrum recht boshaft folgenden Fall zur„Verfügung": „Als vor einigen Jabrcn(!) Neuwahlen zum Reichstage stattfanden, gab ein schlrstscher Guisvesttzer seinem Kutscher gegenüber der H o f f n u n g Ausdruck,(!) daß Letzterer seine Stimme dem fteikonseroativen Kandidaten geben werde. Der Kutscher antwortete, daß er dieS zwar gern(!) thun möchte, da er wüßte, sein Herr werde nichts Unrechtes von ihm verlangen,(wie lehrreich) aber er könnte nicht so stimmen, wie der Herr, und zwar seiner Frau wegen. Auf Befragen gestand er sodann, wenn er den freikonseroatioen Abgeoidneten wählte, würde er vor seiner Frau keine Ruhe m-hr haben, (schrecklich!) da der Kaplan derselben die Sündenvergebung verweigert und ihr mit ewigen ööllen strafen gedroht habe, wenn sie ihn, ihren Mann, nicht davon abhielte, so zu wählen, wie sein Brodherr es wollte". Das ist allerdings ein recht„merkwürdiger" Fall, der um so mrrkwürdiger ist als er vor„einigen" Jahren just passirt sein soll. Wir können uns, nebenbei gesagt, ganz gut vo stellen, mit welchen Worten der„Hoffnung" Ausdruck gegeben wurde und wie andererseits der Kutscher, trotzdem er fest davon überzeugt war, daß sein Lohnherr nichts„Unrechtes" von ihm verlangte, zitterte bei dem Gedanken an seine bessere Hälfte. Doch sei dem, wie ihm wolle, eins steht jedenfalls fest, nämlich, daß diese Er- zählung erst recht den Beweis für die Nothwcndigkcit des Schutzes der Wahlfreiheit liefert. Wir find vollständig davon überzeugt, daß der Klerus einen ebenso großen Einstuß auf die Wahlen ausübt wie der Lohnhcrr, um so mehr ist eS aber Pflicht der wirklich freisinnigen Parteien, Einnchtungen zu schaffen, welche geeignet sind/ jeden Druck, möge er von dieser oder jener Seite kommen, von den Wählern fem zu halten. Von weitaus größerer Bedeutung als der Antrag des Abg. Rintelen find die Anträge, welche die sozialdemokratische Fraktion in Bezug auf Sicherung der Wahlfteiheit angekündigt hat. Wenn die Wahlen an einem Sonntage und zwar bis Abends stattfinden, so wird es vielen Arbeitem, die es jetzt nicht vermögen, möglich sein, ihr Wahlrecht auszuüben. Und die Einführung amtlicher Wahlkouverts nebst entsprechenden Anordnungen dürste weit mehr geeignet sein, die immer stärker hemortretenden Beeinflussungen zu beschränken, als lang- athmige Gesetzesbestimmungen. Es wird fich also bald genug zeigen müssen, welche Volksvertreter ernstlich gewillt find, die Wahlfreiheit zu schützen. Die Landung der Martnetruhpeu auf Samoa ist, wie verlautet, nur zu dem Zwecke erfolgt, deutsche Staatsange- hörige zu schützen. In diesem Sinne wird der Alt auch von der englischen Presse kommentirt. Es geht ferner das Gerücht, daß in Folge der Vorgänge auf Samoa dai deutsche ostafri« konische Geschwader Weisung erhalten habe, dort anzulaufen. Der deutsche LandwtrthschaftSrath, eine recht eigen- artig konstruitte Körperschaft, hat fich auch mit dem Brannt- weinmonopol beschäftigt. Der Referent in dieser Sache, ein Freiherr von Hövel aus Harbeck, hielt folgende famose Rede: „In allen anderen großen Staaten, in Rußland, Frankreich, England, ja selbst in dem vielgepriesenen Amerika werden die großen Konsumartikel des Volks derartig zur Steuer herange- zogen, daß die Parlamente eigentlich keine Gelder weiter zu dewilligen brauchen,(!) Deutschland ist das einzige große Land, in dem das Parlament alljährlich mit dem Wohl und Wehe des Reiches spielen kann.(!) Als Patriot müsse man daS im höchsten Grade bedauern. Man könnte vielleicht einwenden, es sei bedenklich, gerade die Lebensbedürfnisse deS Volkes zu besteuern, allein, meine Herren, Alles für daS Volk und Alles durch das Voll.(To lautete bekanntlich auch der Wahlspruch BonaparteS!) Die Regierung ist eine vom Voll eingesetzte Behörde, der das Volk auch die Mittel beschaffen muß, daS Etaatsruder zu leiten..."— Der vorstehende Erguß ist selbst dem national konservat.„Hamb. K." zu arg, denn er läßt fich dazu auS Berlin schreiben:„Jedes Wort zur Kritik dieser sinanz- politischen Phantafie ist für einen deutschen Leser übcrflüsstg. Wenn so eiwaS in einem auswärtigen Parlamente gesagt würde, so könnte man nur mit Achselzucken die politische Un- kenntniß deutscher Verbältnisse bedauern. Aber daß der Refe- rent für daS Branntweinmonopol im deutschen Landwitthschafls- Kinde einen Zipfel seines großen Mantels über den Kopf, damit sei» Weinen weniger zu hören sei. Mit mächtigen Schritten eilte er dem Gasthof zu. Der Wagen stand noch auf der Straße, die Pferde, in warme Decke« gehüllt, hatten dm Kopf auf die hölzernm Futter« krippea gesenkt und ttäumtea vor sich hin. Die Mutter Weber trat gerade aus der Thürs, als die Drei sich nahten., „Nun, wie steht'S?" fragte sie mit gedämpfter Stemme. „Alle, in Ordnung", raunte der Mann zurück.„Es war ei» verteufelt schweres Stück Arbeit, die' verhungerte Gesellschaft sollte froh fem, eines vcn den offenen Mäuler« los zu weiden, statt deffm wurde geheult, als ob ein Un- glück geschehen sollte. Nu», der schw ndsüchtige Dorstischler wird sich nicht mehr lange grämen. Ist drinnen AlleS be« """Ts..- „Nun, dann hinein in den Wage», wir fahren die ganze Nacht hindurch, cS ist möglich, daß dm Herrschasten »er Handel morgen wieder leid ist, und daß sie unS dann die ganze Bauerngesellschaft auf den Hals hetze». ES ist Keffer, wenn wir bis dahin ein paar Meilen zwischen unS gelegt haben." Bald saß die Gesellschaft im Wagm, der Direktor hieb auf die Pferde und fort ging es, in die Nacht hin- (iud.———• So waren die beiden Kinder in die Gesellschaft des Kunstreste,» gerathe«. -- Draußen vor dem Zelt war das Publikum rmwer stürmischer geworden. Zetzt trat der Klown vor den Vor- hang, ein allaemeineS nicht ende« wollendes Hurrah und Gelächter empfing ihn.. ,,,. Man konnte fich auch nicht leicht etwas Komrschere« und zugleich Alberneres denken als diesen Menschen. Auf seinem Kopf ttug er einm Trichter von Filz, sein Gesicht hatte er weiß gefärbt, während dicke Striche mit Kohle dre Augen- brauen darstellten. Zwei kaallrothe Flecke» schmück.en seine Wange«, sein Körper steckte in einem Trikot-Anzug mit buntem Flitterkram von der schäbigen Eleganz, wie sie de» herumziehenden Künstlern überhaupt eigmthümlich ist. rath es wagen darf, mit solchen Behaupttmgm hervorzutreten, grenzt in der That an das Unglaubliche. Jndcß stand aber Herr v. Hövel keineswegs allein mit seiner Anficht. Korre- ferent, Frhr. von Thüngen erklärte fich mit dem Vorredner voll- ständig einverstanden, und fügte hinzu, da das bayerische Re- servatrechts bctr die Branntveinbesteuerung, in Folge des Monopols autgehoben werde, so werde in Bayern eine ent- sprechende Entschädigung dafür erwartet. Die Regierung auf der anberm Seite scheint es recht eigentlich darauf anzulegen, die deutsche Landwirthichaft zu immer weitergehenden Forderungen anzureizen. Minister Lucius hielt den Zeitpunkt für besonders günstig, dem deutschen ZLandwirthschaftsrath die wärmsten Sympathien der Regierung zu versichern, denn die Reichsregierung sei der Ueberzeugung, daß ohne Prosperität der Landwirthschast eine gedeihliche Entwickclung unserer ge- sammten wirthschaftlichen Verhältnisse nicht möglich sei. In Betreff deS Branntweinmonopols wendet sich die „Germania" mit folgendem Appell an die Polen: „Wir möchten wohl sehen, ob das eine von den vier im Posenschen gelesenen polnischen Blätter, welches unbegreiflicher Weife nur eine abwartende, statt sofort ablehnende Stellung gegenüber dem Monopol annahm, jetzt das auch noch gegen die drei anderen Blätter zu thun wagt, nachdem es vor allem im zweiten Abschnitt der Vorlage gesehen, wie mächtig wett die übrigens zu erwartende diskretionäre Gewalt der Regierung geht. Das Monopol könnte eine weitere Handhabe bieten zur weiteren Verdrängung polnischer Grundbesitze r." Zur Beg-ündung der Monopol- Vorlage haben, wie offiziös verlautet, in aller Stille in der ganzen preußischen Monarchie Erhebungen sehr umfassender Art stattgefunden, welche sowohl die überall bestehenden mit der Branntwein- Erzeugung, Weiterverarbeitung, dem Ausschank it. zusammenhängenden Betriebe, wie die Preise, die in jedem einzelnen Stadium gezahlt werden, festzustellen suchten. Die auS diesen Erhebungen gewonnenen Resultate sollen alsdann zur Berich- nung des R-inertrages auf 300 Millionen geführt haben, mit welchem Betragt„ein weiterer entscheidender Schritt der 1879 begonnenen Reichssteuerreform" gethan werden soll. Für Preußen rechnet man, daß, wenn der Ertrag des Monopols selbst um 50 oder 70 Millionen hinter dem Anschlagt zurückbleiben sollte, er immer noch groß genug wäre, um die gesammte Grund- und Gebäudefteuer den Kommunen zu überweisen. Die enorme Höhe des erhofften Reinertrages giebt dem Reiche wie schon jetzt angekündigt wird, für die E n t s ch ä d i g u n g s« frage eine offene Hand. Der Entwurf berechnet die zu zahlenden Entschädigungen auf 300—400 Millionen Mark: offiziös wird indeß hinzugefügt, daß es bei einem so gewaltigen Erlrage auf 100 Millionen mehr oder weniger nicht ankommen könne, wenn den vom Monopol betroffenen Gewerbetreibenden zu helfen sei. Da der Bundesrath nach der vorausgegangenen Verständigung der größeren Regierungen in der Hauptsache leichte Arbeit haben und sein Augenmerk höchstens auf Äende- rungen im Einzelnen richten wird, so dürfte der Reichstag früher in den Befitz der Vorlage gelangen, als bis jetzt erwartet worden ist. Die posener Bischofsfrage soll nach einer Mittheiluna der„Germania" gelöst sein. Von Seiten der Offiziösen lieg! eine bestimmte Nachricht noch nicht vor, doch läßt eine kurze Notiz in der„Köln. Ztg." darauf schließen, daß diesbezüglich etwas im Werke ist. Es heißt da:„Eine Depesche unseres römischen Berichterstatters meldet uns, daß neuerdings vom Vatikan Schritte geschehen find, um im Einvernehmen mit der preußischen Regierung eine Neubesetzung deS«rzbischöflichen Stuhles Posen-Gnesen herbeizuführen. Man giebt fich im An- schluß an dre glückliche Lösung der Karolinen-Frage der Er- Wartung hin, daß dieselben ein besseres Ergebniß haben werdm als die früheren, die jedesmal scheiterten und seit Jahresfrist gänz- lieh ins Stocken g-rathen waren. Immerhin wird die Lösung dieser Frage noch lange Zeit und viele Verhandlunge in Anspruch nehmen. — Ferner meldet die„Kreuz-Ztg", daß ein in Echlefien amtirender„polnischer" Priester zum Erzbischof von Posen aus« ersehen sei. Der polnische Bischofssitz ist seit der Absetzung deS jetzigen Kardinals Ledochowski unbesetzt und trotz aller Ver« Handlungen ist es bis jetzt nicht gelungen, eine Einigung in Bezug auf die Neubesetzung derselben zu erzielen. Da die preußische Regierung bisher mit aller Entschiedenheit die Be- setzung des BiölhumS durch einen Polen abgelehnt hat, so glaubt man an eine Gegenleistung des Zentrum? auf polttischem Gebiete, welche gelegenllich der Behandlung des Branntweinmonopols erfolgen könnte. In wie weit diese Kombinationen richtig find, muß die Zukunft lehren. Belgien. Die Sozialdemokraten haben in Gent im verflossenen Jahre eine Voltsapothele errichtet, in welcher die Käufer ihre Medikamente billiger bekommen, als in anderen Apotheken. Nach dem sozialdemokralischen Blatte„Toekomst" hat fich die Einrichtung so gut bewährt, daß demnächst zwei weitere Apo- theken begründet werden sollen. Das genannte Organ hat neuerdings sein Format vergrößert, und daneben ist ein neue? sechsmal wöchentlich erscheinendes Blatt„Vooruit" begründet Seinen Arm trug er nicht mehr in der Binde, derselbe baumelte schlaff an seinem Körper hinab. Er war bei einer der letzten Vorstellungen gefalle», und hatte sich den Arm verrenkt. Wer hinter die fingerdicke Schminke hätte sehen können, der hätte statt des lächelnden Antlitzes eine schmerz- verzerrte Grimasse entdeckt; das Geschäft brachte es jedoch mit sich, er mußte daS Publikum erheiiern, auch wen« er fich vor Pein hätte krümmen mögen. Mit seinem gesunden Arm schwang er eine große Klingel und begann dann in gräßlichem Kauderwelsch eine fast unverständliche Rede an daS Publikum zu richten. Er pries die nie gesehenen Kunststücke und Kraftleistuagen dcr Gesellschaft, und wirklich gelang es chm, eine nicht unerhebliche Anzahl von Personen in das Leinewandzelt zu locken. Auf der wackligen Bühne begann die Vorstellung. Die Mitgluder der Gesellschaft hatte» sich in ihre besten Kostüme geworfen. AlleS ging wie am Schnürchen. Louis harte bei seinen lebensgefährlichen Sprüngen wiederhclt ein bei« fälliges Kopfnicken des Direktors erhalten, auch Pauline hatte mit der ihr eigenthümlichen Geschmeidigkeit ihre Kunst- stücke tadellos ausgeführt. Sie sah heute wirklich reizend auS. Die jugendlich schönen Forme« wurde« durch daS enge Trikot in da» günstigste Licht gesetzt, ihr schweres blondes Haar war zu einem Zopf geflochten, und ihre kind- liche Brust hob sich vor Begeisterung bei jeder BeifallSsaloe, die ihr vo» dem leicht befriedigten Publikum in fast über- reichem Maße zu Theil wurde. Nur die Mutter Weber schkn ihren unglücklichen Tag zu haben. Sie hatte schon mehrere Fehler gemacht, die zwar von den Zuschauern nicht bemerkt wurden, bei dem Direktor jedoch jedes Mai ein drohendes Stirnrunzel« her- vorriefen. Jetzt schritt man zu dem Schlußstück, zu dem Aufbau der Menschenpyramide. Der Direktor trat dicht an die Rampe der kleinen Bühne heran, und machte in fehlerhafter, hochtrabender Rede daS Publikum auf da» Gefährliche dieser Kunstleistung auf- merksam. Mutter Weber war in der Mitte die Bühne getreten. worden, dessen Sonnabendauflage auf 10000 Exemvlo» ziffert wird, während eS im Laufe der Woche 4000 Exnrti auflegt. Dcr Anstoß zu neuer Agitation in ganz Bch scheint durch das thalkräftige Eintreten dcr Genter Sozia!» für die streikenden Kohlengrudenarbeiter im vorigen Jahrel geben worden zu sein. Die Kongresse in Brüssel und& werpen zettigten die Gründung dcr„belgischen ÄrdeiterpaB für welche der in Brüssel erschemende„Pcuple" im Zeit» des Landes existirt. Frankreich. Tie ftanzöfisch« Deputirten kommer beschäftigte fich' Dünstig mit der Wahl des Präsidiums Nachd-m derW präfident Louis Blanc der Wiederwahl Grevy's Beifall jfl und der Kammer den Rath ertheilt hatte, sich mehr mit' Geschäften des Landes und rrcn'ger mit Politik zu beffl wurde zur Abstimmung geschritten. Flcquet wurde m t' von 298 Stimmen wieder zum Präfidenten gewählt. I ganze Rechte enthielt fich der Abstimmung. Zu Vizepräsidti wurden de la Farge, Lefevre und Buyat wiedcrgewähll i an Stelle des zum Landwirthschaftsminister ernannten Ts Casimir Pericr neugewählt.— Im Senat sprach fich Ca als Alterspräsident in ähnlicher Weise aus und beglückmius namcnttich ten Senat zur Bewilligung der Tonkmkredite. Sitzung des Senats wurde dann bis Donnerstag vertagt. — Ueber das französische Ausstellung� projett schre bt „Temps" r. Bevor eine Entscheidung darüber getroffen rot könne, ob die für 1889 in Aussicht genommene Ausste» eine Weltausstellung sein solle, sei es nothwendi» wissen, ob die auswärtigen Regierungen an einer solchen detheiligen würden. Dre Vertteter Frankreichs im AuSlf ständen im Begriff, die Regierungen, bei denen sie bcgla» find, darüber zu befragen. Rußland. Wie der„Dziennik Poznanski" aus Warschau meldet, im Landwirthschaftlichen Institute in Pulawy ernste Stüde! Unruhen ausgebrochen. Die Ursache derselben ist die eck Arretrrung eines russischen Studenten wegen nihilisttscher paganda. Aus Lubtin wurde Militär requirirt. Gen Gouverneur Gurko hat hierüber einen umfassenden B« nach Petersburg abgesandt.— Zufolge Privatnachrichten> Warschau wurde bereits am 5. Januar der zum Tode od theilte Friedensrichter Bard ow s ki im Innern der Zita* durch den Strang hingerichtet. Parlamentarisches. — In dcr Kommission für den Antr� Lenzmann, betreffend die Entschädigung uns*' di g"crurtheilter und Verhafteter hat jetzt< ein Mitglied des Zenttums, Abg. Rintelen, einen neuen schlag, und zwar tu Gestalt zwei r Gesetzentwürfe, g« Der eine derselben hat den Zweck, für dir Ausführbarke Entschädigung unschuldig Verurtheilter dadurch gewisse»« den Boden zu deretten, daß die Möglichkeit solcher sprcchungen vnhinderl wird, welche bis jetzt beim Wieb! nahmcverfahren oft nur deshalb erfolgen, weil Hauptbelasü zeuge» seit der Vcrurtheilung des Betreffenden mit dem, abgegangen find, oder auch weil fie fich dcr betreffenden fachen nicht mehr mit solcher Sicherheit erinnern, um I eidigen zu können. Nach Beseitigung der Möglichkell artiger fich auf das bloße non liqnet stützender Freisprecht im Wiederaufnahmeverfahren bestimmt der zweite Gest» wurf des Abg. Rintelen weiter, daß schon im WiederaufnZ verfahren ausgesprochen werden soll, ob wirklich die A? theilung eines Unschuldigen erwiesen worden ist nicht. Von einer Entschädigung für unschuldig littene Untersuchungshaft steht auch der Abgco Rintelen in seinen Gesetzentwürfen ad. Die Entsck soll nach dem Antrag deS Abgeordneten in d«r W-is« daß für berechtigt zum Schadenersatz erklärt werde». Freigesprochene, 2) nach dessen Tode der Ehegatte, deif in Gütergemeinschaft gelebt oder ihn b.'erbt hat, 3) dessen� wandle in auf- und absteigender Linie sowie seine Gesa! und deren Kinder, sofem sie ihn beerbt haben, oder soft! falls die Strafe nicht vollstreckt worden wäre, nach Vorij des bürgerlichen Rechts von ihm zu unterstützen gewesen« Ersatz zu leisten ist für allen vermögensrechtliwen Na< welcher dem zum Ersätze des Schadens Berechtigten dun Strafvollstreckung entstanden ist. Zum Schadenersatz verp ist die Staatskasse des Bundesstaates, deffm Gericht da» gehobene Urtheil gesprochen hatte, oder die Reichslasse, f das Reichsgericht rn erster und letzter Instanz erkannt Der Klage auf Ersatz des Schadens muß die Entscheide obersten JustizverwaltungSdehörde vorhergehen. Der Ben hat(binnen 3 Monaten) den Betrag der Entschädigung� und die den Anspruch begründeten Thatsachen und anzugeben. Gegen die Entscheidung der Justizver findet der Rechtsweg statt. Zuständrg dabei ist die kammer des Landgerichts, vor dem oder in dessen Bezw. Sie sah abschreckend aus. Die Pupille» ihier großen,! schwommenen Augen hatten fich erweitert, sie warf* kurzen, stechende« Seitenblick auf die kleine Paulis mit fliegendem Athem an der Seite der Bühne stand war der Blick einer Katze, die siegesgewiß sich a« Opfer stürzt. Der Dnektor trat von der Rampe zurück. „Du wüst nicht husten," raunte er seiner Fral Vorbeigehen zu,„ich rathe e» Dir nicht." Er sah sie mit funkelnden Augen an. Mutter* erblaßte etwas, dann kreuzte sie ihre mächtigen Arall der Brust und lächelte boshaft. Sie beugte ihre knorrigen, ungeheuren Knie streckte die Hohle rechte Hand vor, Louis setzte sein> hinein, mit einem Schwünge stand er aus dm S�, de« Riesenweibe«. Nun kam Pauline. DaS Kind >ie 4 Ä oe» mikienweioe». orun ram Pauune. Tuna nrwj g[r federleicht, die Riesin hob e« ohne merkliche AnstrtA Mittelp über KopfeShöhe, hier trat e« in die Hand voa/Ä stand q elastische Bewegung, sie stand auf ihrem gefW" perjon % bis über Kopf�höhe, eine Platz. LouiS hatte versucht, ihr beim Hivaust-'u eine kurze Bemerkung zuzuflüstern, da« Kind r| ihn nicht verstanden oder geglaubt, eS Hand!' ü um eine allgemeine Warnung. Sie hatte ihm zugelächelt.... � Dai Kunststück sollte nur einm Augmblick Ia nicht, l LouiS fühlte plötzlich, wie sich der ungeheure Brustkost. Das I, Mutter Weber hob, er spürte eine leichte Erschüttert� l ejne kurz entschloffen warf er fich zurück, und eS gelang'w gab sie berabstürMde Kleine zu erfaffcn und mit ihr vor di« � Der Bei Weber auf da» Podium zu springe«.... � voll unl Da« Publikum, welches glaubte, daS Kunststoffs I ohne w in dieser Weise mdigm, überbot sich an Beifall, 4 echeibet größte« Erstaunens wurden laut, stürmisch verlang« � j die Wiederholung der Bravourleistung. Mutter As. � vor si mit gebogenen Knicen, die Arme in die Seile« ÄA lich i£: auf der Bühne stchm geblieben, mit glotzendem, ftljck recht sei Blick schaute sie in dm Zuschauerraum, einzeln« p All singen höhnisch an zu zische«, bi« endlich der Vorh� 1' sam niedenollte. tmato*' li JalMI und» eitervÄ> m Z-i« ifanl >r mit ju bef«i ! Mt SäfiM wählt I ten D« sich C- reditc. ertagt. ichrecht fen Aus venvi KU. be&l an das Reichsgericht. DieS in seinen wesentlichen Bestimmungen der Vorschlag des Abg. Rintelen. — Das neueste(4.) Verzeichnis der beim Reichstage eingegangenen Petitionen enthält die von den Agrariern bereits angekündigten Maffengesuche landwirthschaftlicher Vereine um Einführung der inter- nationalen Doppelwährung. Es sind deren 233 eingelaufen. Ferner ist abermals eine große Anzahl von Petitionen gegen den Hausirhandel eingelaufen. Der- selbe soll gesetzlich verboten event. durch Abänderung der Ge< werbe. Ordnung eingeschränkt werden. Derartige Gesuche find, meistens von Innungen, gegen 100 eingegangen. Eine andere Reibe von Innungen beantragt Abänderung des§ 54 der Konkursordnung dahin, daß den Forderungen der Bauhand werker das hypothekarische Vorzugsrecht einge- räumt werde. Für die Einführung der obligatorischen Legitimationspflicht aller gewerblichen Arbeiter liegen gegen 130 Petitionen vor.(Mit wieviel Unterschriften ist leider nicht gesagt!) Eine Reform der Branntwein« b e st e u e r u n g erst nach ausgiebiger Vernehmung aller Bc. theiligtcn eintreten zu lasten, deantragen gegen 100 Gesuche. Auch betreffend das Arbeiterschuygesetz find wieder viele Petitionen eingelaufen- meldet ©tu' sie ei tischer G en richten ode## erZitad Kokales. Die räumliche Ausdehnung Berlins schreitet mit Rietenschritten vorwärts und in absehbarer Zeit werden die nächstgelegenen Vororte in die gigantische Umarmung einge- schloffen sein. Trotzdem innerHaid der©tadt längst jede Scheidewand gefallen ist, die Stadtthore beseitigt und die letzten Ueberrcste der die©tadt früher begrenzenden und ein- engenden©tadtmauer verschwunden find, haben fich die früheren Bezeichnungen immer noch im©prachgebrauche er- halten. Wenn man heute von„Vorstädten" spricht, so versteht man darunter jene©tadttheile, welche, vor den ehemaligen Thoren angelegt, nach diesen ihre Namen erhalten haben und verbindet damit unwillkürlich die Vorstellung, daß diese„Vor- städte" hinter der eigentlichen©tadt zurückstehen. Wenn auch diese Vorstellung in früheren Jahren eine berechtigte war, so ist fie doch heute nicht mehr ganz zutreffend. Heute besteht zwischen„©tadt" und„Vorstadt" kaum noch ein wesentlicher Unterschi-d, ja, manche„Vorstadt" hat die„©tadt" gewaltig überflügelt und hat ein weit großstädtischeres Ansehen, als die ©tadt selbst. Doch wie hier unaufhaltsam das Alte stürzt und neues Leben aus den Keimen blüht, so verschwindet auch in den Vorstädten in schneller Aufeinanderfolge das Alte und macht dem Neuen Platz und in nicht zu ferner Zeit wird jeder augenfällige Unterschied zwischen„©tadt" und„Vorstadt" verschwunden sein. Bisher hatten fich die„Vorstädte" noch immer einen schwer ins Gewicht fallenden Vorzug vor der eigentlichen„Stadt" bewahrt, und dieser Vorzug bestand in der niedriger bemeffencn Höhe der Wohnungsmiethen. In demselben Maße aber, wie in der Stadt Licht und Luft ge- schaffen wird, das Alte fällt und durch gewaltige Jndusttre- und Handelspaläste ersetzt wird, in demselben Maße, wie die eigentliche Stadt immer mehr den Charakter von einer„Ge- schastsstadt" annimmt, in demselben Maße werden auch die �Privaten" aus der Stadt hinausgedrängt und in demselben Maße gehen auch die Wohnungsmiethen in den Vorstädten in die Höhe. Kleine Wohnungen, bestehend aus Stube und Küche, find überhaupt fast nur noch in einzelnen Vorstädten zu haben, doch haben diese seit einigen Jahren eine ganz enorme Preissteigerung erfahren und der letzte Jahreswechsel hat wiederum einen so bedeutenden Preisaufschlag dieser Art Wohnungen mit fich gebracht, daß eine„billige Wohnung" heute nur noch höchstens an der äußersten Peripherie zu finden ist. Bei der allgemeinen Nothlage, namentlich der„kleinen Leute", ist diese enorme Steigerung der Wohnungsmiethen und Geschäftslokalitäten eine ernste Gefahr und dürfte in vielen Fällen den ersten Anstoß zum wirihschaftlichen Ruin geben, sofern nicht die allgemeinen Verhältniffe bald bessere werden. Daß stch ein Stück Berliner Vogelwiese in der Kaiser Wilhelm©raße etablirm und dem klasstschen Viktoria-Theater Konkurrenz machen kann, ist ficher ein untrügliches Zeichen da- für, daß Berlin immer mehr den Charakter einer Weltstadt anzunehmen beginnt, auf deren Boden nur die wunderbarsten Gegensätze zu gedeihen vermögen. Vis-a-vis vom Viktoria- Theater hat eines jener ambulanten Kunstin ssitute, welche uns von Jahrmarkts- und©chützenfesten sc. her zur Genüge be< kannt find, sein Zelt aufgeschlagen, in mardschreierischsttr Weise den ganzen Jahrmarktspomp entfaltend. In großen Lettern kündigt stch diese Bude als„Museum Variötb" an, auf riestgen Wandgemälden dem Publikum einen Vorgeschmack dessen gebend, was im Innern zu sehen ist; eine mächtige Drehorgel läßt weithin ihre lustigen Weisen erschallen, in welche fich die heiseren Stimmen der Ausrufer mischen, welche mit dem ganzen ...... Aufgebot ihrer Lungenkraft und einem endlosen Wortschwalle Hf ä5?n, verehrungswürdiges Publikum" zum Eintritt in das Bezistz Museum zu bewegen suchen. Wenngleich auch„nil admirari" gehe» Antr unsib' at jetzt« neuen* viffenin« »Icker Wie» tbelafi : dem nden ÄttJ fcu&J Abgeol»' iifdraW. Wiij oesen i N n dm tz om-'-j ht Wj slaffe,% kannt cheü gungzN nd lzve "Ä Gleich darauf kündigte der Klown vor dem Leinwands. zelte an, daß heute, wegen eines plötzlich eingetretenen U«. Wohlseins, weitere Vorstellungen nicht mehr stattfinden könnten. Die flackernde» Gasflammen von Berlin erhellten ge« fpenstcrhaft die nassen TrottoirS und warfen ihr bleiches Lrcht weithin über den Straßendamm. Die unendlichen Reihen der Laternen schiene« in den langen, geraden Straßen nur zwei feurige Streifen zu bilden, deren Endpunkte in attcr* schienen"" rcänejill�2n Luft zu einem Punkt zu verschmelzen t Ar«� Die äußeren©tadttheile waren fast unbelebt, Jeder -r Fra> �-aoiiyerre waren sa;i unvereor, �eoer o.-,» A S i« �/ss�panntem Regenschirm und hochgeschlagenem Rockkragen fernem Heim zn. Das Geklingel der Pferdebahn- ' Ä wagen war das einzige Geräusch, welches man hier draußen vernahm. W nV cm. 3ln einer Haltestelle der Pferdebahvstiecke, die von dem i Mittelpunkt der Stadt bis an die äußerste Peripherie führt, ' fsfoö''t0"b nn jenem ungemüthlichen Abeud eine junge FrauenS acW 1 Derfn«-k.....' erY. rL... erwarten, ein feines ss lir"v otterei«"«» l'hen ließ. Sie f ? Jhl«! uld de» kommenden Pferdebahvwagen zu ra''0-..0"!? fie auf und nieder, indem sie öfter ei m Batttsttuch an dre Lippe« drückte. .... ifi1;... Endlich kam der Pferdebahnwage«. Die Dame wartete .»kastr"%.« � h'«lr, sondern sprang Hinte« auf den Perro». W-s stfm, nie$ o? m e bai Doppelte des gewöhnlichen Fahrpreises. or v' Der Beamte dankte, indem er militärisch grüßte, sehr respekt- aftück"i Dt fich danq auf den Außenperroa zurück, nicht n Rsst. v?v«. noch eine» spöttischen Blick durch die angelaufenen , zu werfen. rSeW».«, Fräulein ist sehr freigicbig/ murmelte er tt,"Lt«' recht fem." jShiSr ��ig füllte fich der Wage«. Die einsteigenden die Devise eineS jeden Weltbürgers sein muß, so läßt fich doch schwer einige Verwunderung darüber unterdrücken, wie in unserer, mit Kunst- und Ve gnügungSinstituten reich gesegneten ©tadt diese ambulanten Künstler noch immer ein geeignetes Terrain für ihre Schaustellungen und damit auch einen ent- sprechenden Verdienst finden. Und doch steht der angezogene all des„Museum Vaiists" nicht vereinzelt da. Jo hat fich gegenüber dem Bahnhof Börse gleichfalls eine Schaubude etablirt, in welcher der größte und der kleinste Ochse der Welt zu sehen ist; eine Sehens würdigkett, die aller- Vings bis jetzt noch nicht die weltbedeutenden Bretter eines Spezialitäten Theaters geziert hat. während gleich daneben ein „weltberühmtes anatowisches Museum" den ebenso berühmten „Degenschlucker" als zugkräftigen Magneten präsentirend, seine gastlichen Pforten geöffnet hat. In der Alexanderstiaße, in der Nähe des Alexandcrplatzes, befindet fich schon lange ein „amerikanischer©chnellphotograph", während man bei einem Gang durch die Straßen wiederholt auf leerstehende Geschäfts- läden stößt, welche, von spekulattven©chaubudendesttzem sofort für ihre Zwecke beschlagnahmt und ausgenutzt werden und so- mit den Ramschgeschästen eine wirksame Konkurrenz machen. Eine Erklärung dieser eigenthümlicken Erscheinung ist wohl nur in der Bedeutung des alten Sprichwortes:„Besser geleiert, wie gefeiert!" zu suchen und zu finden. Für den größten Theil der fadrenden Künstler ist der Winter gleichbedeutend mit einem©tillleben ,l während die eigentliche Geschästsz-.it in daS Frühjahr, den Sommer und den Herbst fällt. Während der Wintermonate ziehen fich die„Gesellschaften" in die Win- terquartiere zurück und ein Theil der Künstlerschasten hat in Beilin sein Domizil aufgeschlagen, theils um die oft nicht unerbeblichen Erträgniffe der Geschäftsmonate in an- genehmster Weise zu verzehren, theils, um das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden zu können und auch im Winter Gelegenheit zu haben, Geschäfte zu machen. So sehen wir denn die fahrenden Künstler, sobald nur irgendwo ein Laden, eine Lokalität, eine Baustelle u. dergl. für kurze Zeit„vakant" wird, diese willkommene Gelegenheit benutzen, den resp. Platz gegen billiges Entgelt okkupiren, daselbst ihre Hütten bauen und dem Berliner Publikum alle jene„Sehenswürdigkeiten" vorführen, welche eigentlich nur bestimmt find, die staunende Bewundemng biederer Landbewohner zu erregen. Wenn das Geschäft auch nicht viel einbringt, die Kosten werden schließlich doch gedeckt und der Winter wird nicht gänzlich unthätig ver- bracht, die Zeit vergeht schneller und wenn die Sonne wieder höher steigt und freundlicher vom Himmel herniederlacht, dann ziehen auch die künstlerischen Zugvögel wieder hinaus ins weite Land, und jeder Berliner, der ihnen auf seinen Exkur- fionen begegnet, betrachtet fie dann mit freundlicheren Augen, als in der Haupt- und Weltstadt Berlin und thut ohne Be- denren das, wozu er fich hier nie entschlossen hätte: er besucht jene Kunstinstitute und opfert bereitwilligst fernen Obulus— der Wiffenschaft wegen. Ein empfindlicher Nothstand wird im Postbe- stellungSdienst durch die vielen Briefe mit unvollständ ger Adreffe hervorgerufen; die Zahl derselben hat in wahrhaft er- schreckender Weise zugenommen. Beim Stadtpostamt in Berlin allein gehen durchschnittlich täglich achttausend Briefe mit mangelhafter Aufschrift ein. Aehnlich ungünstige Wahr- nehmungen find in anderen größeren Orten des Retchspostge- biets gemacht worden. Es leuchtet ein, welche unsägliche Mühe und Arbeit der Post erwächst, um bei einer solchen Zahl von Briefen die Adressen zu vervollständigen. Und doch ist diese Mühe zum Theil vergeblich; ungeachtet aller Anstrengungen der Postverwaltuna bleiben in Berlin täglich etwa 1200 Briefe unbestellbar, welche nach dem Aufgabeort zurückgeschickt werden müssen. Die mangelhaften Briefaufschriften verur« fachen also nicht nur unnöthige Belästigungen der Post, son- dern auch wesentliche Nachtheile für Absender und Empfänger. Besserung dieser Verhältnisse ist lediglich von dem Publikum selber zu erhoffen. Zunächst müßten die in Berlin und anderen großen Städten Einheimischen bei ihren Briefen nach außerhalb du.chweg ihre Wohnung nach©traße, Hausnummer und— bei Berlin— nach Postbezirk(W.SW. sc) angeben, was fich bei starker Korrespondenz durch Pordruck auf den Briefumschlägen oder Briefbogen leicht bewerkstelligen läßt. Es ist eine förmliche Manie neuer oder nicht bedeutender Firmen, blas ihren Namen, ohne die Wohnung, anzugeben, um den Schein zu erwecken, als seien fie allgemein bekannt. Aufgabe der auswärtigen Briefschreiber wäre es, bei ihren Antworten jederzett die volle Adresse, einschließlich der Woh- nungsangade, anzuwenden. Ganz besonders muß aber bei der Abfassung der Aufschristen vor der Benutzung veralteter Adreß- kalender, Wohnungsanzeiger, Handbücher u. s. w. gewarnt werden. Es liegt hier, wie die obigen Zahlen zeigen, ein großer Uedelstand vor, dessen Beseitigung lediglich in der Hand des Publikums selber liegt. g. Bei dem Poltzeilientenant ihres Polizeireviers haben stch in der Zeit vom 15. d. Mts. bis 1. f. Mts. behufs Eintragung in die Rekrutirungs-Etammrolle alle diejenigen jungen Leute zu melden, welche 1. in dem Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 1866 geboren find, 2. dieses Alter Damen traten in das Innere, während die Herren draußen stehen blieben und schweigend in den regnerischen, nebelige« Abend hi-au«schautev. Unter den letzteren war auch ein junger Mann hinauf« gesprungen, der seinem ganzen Aeußeren nach den best- situirten Ständen anzugehören schien. Ein fein gebügelier Zylinderhut saß ihm keck auf einem Ohr, die fein beHand- sckuhten Hände hatte er in die Taschen seines modischen, kurzen Ueberzieher» gesteckt, unrer dem Arm trug er eine« dicke« Stock mit goldenem Knopf. Bei der zweifelhaften Beleuchtung, die auf dem Perron des Pferdebahnwagens herrsch:«, war von seinem Gesicht nicht viel zu erkennen, nur soviel konnte man sehen, daß er mit ziemlicher Nach« lässigkeit ein Monokle trug. Man war jetzt in die eleganten Stadttheile gekommen. Der Wagen hielt vor einem in elektrischem Licht auf das Glänzendste erstrahlende» allbekannte« Cafs der � Die junge Dame, welche zuerst in den Wagen ge« stiegen war, verließ denselben jetzt. Als sie die Waggon« thür öffnete, fiel ei« Lichtsirahl voll auf die Gestalt de« jungen Mannes mit dem Monokle. Derselbe machte eine hast-ge Bewegung, auch die junge Dame erschrak, fast wäre sie von dem Perron gestürzt. Einen Augenblick, Fräulein," sagte der Kondukteur dienstbeflissen,.ich werde sofort halten lassen I" .Nicht nöthig," entgegnete die Dame kurz und sprang vom Wagen hinab. Die scheint es eilig, zu haben," meinte eia Herr, der ebenfäll« auf dem Penon stand. „Sie geht jeden Abend dort in das Cafö", erwiderte der Kondukteur mit vielsagendem Achselzucken. Gleich darauf verließ der junge Man» den Waggon. Er ging quer über den Damm und schlug zunächst eine dem Cafe entgegengesetzte Richtung ein. An der nächste« Slraßenecke an einer Anschlagsäule blieb " �Sie war e» unbedingt," flüsterte er vor sich hin,.und sie hat mich auch erkannt. Die Sache wäre übrigens gar nicht so Übel, wmn wir die Geschichte«och einmal von bereits überschritten, fich jedoch nicht bei einer ErsatzkommisfioN zur Musterung gestellt haben, 3. fich zwar gestellt, aber über ihre Miliiäroerhältniffe noch keine endgiltige Entscheidung er- halten haben, innerhalb des Weichbildes hiestger Restdenz fich aufhalten und von der persönlichen Gestellung in diesem Jahre nicht entbunden find. Die Betroffenen haben fich bei den Po- lizeilieutenants persönlich zu melden und müssen ihren Gedurts- schein und sonstige Legitimationspapiere mitbringen. Für solche Personen, welche fich auf Reisen befinden, dürfen die Angehörigen die Eintragung in die Rekrutirungsstammrolle vollziehen lassen. Im Falle oer Nichteintragung in diese Rolle bis zum 1. Februar trifft die Betreffenden eine Strafe von 30 M. ev. 3 Tage Hast. Die zahlreichen©trafmandate, welche wegen dieser Unterlassungssünde ergehen, zeigen von der Leicht- fertrgkeit, mit welcher die jungen Leute diese Angelegenheit de» handeln. Die Vorname« der deutschen Bürger und Bauer». Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Puritaner in England, da fie das Alte Testament als ergiebiger für ihre Zwecke er- kannten denn das Neue, auch ihren Kinvern mit Vorliebe alt» testamenttiche Namen gaben, und daß fich diese Uebung mit ihnen auch nach Nordamerika verpflanzt hat. Benjamin Frank« lin und Abraham Lincoln find wiltkundige Beispiele derselben, In Deutschland dürste eS schwerlich irgendwo einem Bürger oder Bauern eingefallen sein, seine©ohne Abraham, Isaak Moses, Benjamin, Josua, seine Töchter©ara, Rebekka, Rahel zu nennen, dagegen find neutestamentliche Namen allerwärtS, auch in protestantischen Gegenden, längst beliebt, und es kann der dritte Mann Johann, Peter, Jakob, die dritte Frau Maria, Magdalma, Christina heißen. Eine Besonderhett ka« tholischer Gegenden bildet es, daß die Kinder den Namen eines heiligen erhalten, unter dessen besonderem Schutz fie da« sier stehen, womöglich des Heiligm ihres GebuttStages, so daß ier neben Apostelnamen häufig vorkommen: Nepomuk, Isidor, Taver, Klemens, Hieronymus, Augustin, Benedict, Am» brofius, Felix, Anton, Jgnaz, Vincenz. Gregor, Justus, Domi- nicus, FranciScuS; für Frauen: Ursula, Salome, Beate, Veronica, Moniko, Sibylle u s. w. Es fragt fich, seit welcher Zeit und unter welchen Einflüssen die Führung neuteftament- licher Namen und die Benennung nach Heiligen insbesondere in Deutschland Platz gegriffen hat. und welche landschaftlichen Perschiedenheitm fich in dieser Hinstcht zeigtm. Beim Adel, dessen Stammbäume bekannt find, würde das leicht fest» zustellen sein, für die größeren Städte ebenfalls mit Hilf der vielfach vorhandenen Bürgerverzeichniffe oder Steuerrollm, am schwierigsten für die Bauern, weil deren Namen urkundlich selten in großer Zahl vorkommen, und gar mancher Urkunden> Herausgeber es nicht für der Mühe werth Hütt, die als Zeugen etwa aufgeführten Bauern mitzuberückfichtigen, fie vielmehr mit einem»c. adthun zu dürfen glaubt. Und doch verdienen grade Bauernnamen in Urkunden aus älteren Zeiten, für welche noch keine Gerichts, Acker-, Kirchenbücher vorliegm, besonvere Beachtung, wie fol- gmde Beispiele zeigen mögen. Sattler in seiner Geschichte des Herzogthums Wüitlemberg unter den Grafen, Bd. 1, Beilage Nr. 173 und 174, theilt Urkunden von 1383 mit. welche den Vor- und Familiennamen zahlreicher Bürger von Leonberg und Eltinaen und der sämmttichen Bauern zu Gerringen, Well im Dorf, Münchingen, Höfingen und Ditzingen nennen, und aus welchen die merkwürdige Thatsache hervorgeht, daß damals Bürger und Bauern dort noch ausschließlich germanische Vor- namen geführt haben: Kunz, Konrad, Wernher, Heinrich, Hainz, Abcrlin, Ederlin, Reinhart, Hermann, Berchtold, Wal- ther, Lutz, Ludwig, Ortwin, Burkhard, Fritz, neben welchen nur ein einziger Peter und zwei Hans stehen. Ganz daS leider verstümmelt mitgetheilt), indem hier die Bauern ledig- lich Henne,©ifrid, Helferich, Kontze, Wtgel, Vastmann, Her-- mann heißen und daneben nur ein Claus(Nikolaus) steht. Fast umsonst sucht man auch unter den ritterlichen Burgman- nen der Reichsburg Friedbera in der W-tterau und unter den Schöffen der gleichnamigen R-lchistadt im 13. und 14. Jahr- Winter, Ulrich, Henne. Gilbrecht, Gernand, Cune, Wilhelm. Erwin, Wenzefc Giselbert, G-rlach, Besthold. Anshelm, Gerwm, Heilmann, Eckehard, Eygel, Hartfrid, Dilwin. Baldemar. Die Havel hat am Sonntag leider noch ein zweites Opfer gefordert. Auf einem ihrer Seen fand ein Sergeant vom Konigin-Augufia-Regiment, der zur Gewehrprüfungskom- Mission kommandirt war. unter tragischen Umständen seinen Tod. Der Verstorbene hatte sich, wie der„Anz. f. d. Havelland" schreibt, am Nachmittag mit mehreren Kameraden nach dem Gatower See begeben, um auf der schönen Eisfläche©chlitt- schuh zu laufen. AlS man diesem Sport bereits eine Zeitlang gehuldigt hatte, gab das Eis an einer etwa 200 Schritte vom vorne anfingen. Pah, wenn sie erst einmal in diesem Cafe sitzt, ist doch nichts mehr zu verderbe», oersuchen wir es!" Er drehte sich kurz um und ging nach dem Cafs zu. Mtt einem gewisse» Zöger» trat er ein. ES befanden sich erst wenige Personen in dem hell er- leuchteten Lokal; eS war noch ziemlich früh, die eigentliche Glanzperiode trat erst später ein. Die junge Dame, die vorhin aus der Pferdebahn ge» fliegen war, saß ziemlich weit»ach hinten, allein an einem Tischchen. ES war eine eigenthümliche, pikante Erscheinung. Sie hatte ihren Mantel abgelegt, ihr feingeschnittenes, blasses, interessantes Gesicht sah trotz der mehr auffallend!» und theuercn als geschmackvollen Toilette, welche sie trug, äußerst anziehend au«. Sie hatte sich in ihren Stuhl zurückgelehnt und detrachtete schembar aufmerksam die Spitzen ihrer ele« ganten Schuhe, die sie auf den Untersatz des Tisches gesetzt Der junge Mann war langsam durch das Caffö ge« gangen, er blieb einen Augenblick vor dem Tisch stehen. Guten Abend, Martha", sagte er. indem er sein Monokle falle« ließ und dem Mädchen in vertraulicher Weise die Hand bot. Sie schlug die Augen auf, ihr Gesicht wurde um eine Nüance blasser, gleich darauf überzog eine feine, heiße Röthe ihr Antlitz. Sie schien seine Hand gar nicht zu be» m«cken. .Guten Abend", entgegnete sie, ohne sich zu rühren. Ihre braunen Augen blickten kalt und stärr auf de» jungen Mann, der verlege» nach seinem herabhängenden Augengla» griff, und dasselbe in da« Auge kniff. .Ich darf mich wohl ei« bischen zu Dir setzen k* fragte er dann. „Bitte." Sie machte bei diesem einem Woste eine so wegwer» sende Bewegung mit dem Fächer, de» sie in der Hand hielt, daß man diese Bewegung ebenso gut für eine Aufforderung. sich zu entfernen, halten konnte. (Zostsetzung folgt.) Ufer entfernten Stelle, wo noch in voriger Woche Dampfer hindmchgefahren waren, plötzlich nach und der erwähnte Ser« geant sank ins Waffer. Dem Vergntlgen der Gesellschaft war Durch dieses Ereigniß ein jähes Enve bereitet, und man traf Anstalten, den Kameraden zu retten. Dieser hafte seine volle Geistesgegenwart bewahrt und hielt dadurch, daß er fich mit den Armen auf die Eiskanten stützte, den Oberkörper über Waffer. Durch Zurufe suchte er noch die ängstlich um ihn be» sorgten Gefährten zu ermuntern und gab Rathschläge betreffs der Rettungsversuche. Es wurde auch daS Menschenmögliche aethan. Da das EiS im weiteren Kreise um die Unfallstätte herum nicht fest genug war und unter den Armen des um sein Leben muthig Kämpfenden immer wieder abbröckelte, so konnten fich die Kameraden dem letzteren nicht nähern. Sie entledigten fich ihrer Mäntel und Röcke, banden dieselben mtttelst Hosenträger aneinander und warfen ein Ende dem Ge« fährten zu, um ihn auf diese Weise aus dem Waffer zu ziehen. Da, als man seine Rettungsversuche nach zehn Minuten langen Bemühungen von Erfolg gekrönt glaubte, geschah daS Schreck- liche: die hergestellte Verbindung riß, der unglückliche Ser« geant, den schließlich die Kräfte verlaffen hatten, verlor den letzten Halt und versank vor den Augen der Umstehenden in das kalte Grab. Mit wehmüthiaen Herzen trat die Gesell» schast, nachdem man fich in Schildhorn an Stelle der einge- büßten Kleidungsstücke, so gut es anging, mit andern versehen hatte, den Heimweg an. Der vterundachtzigjährige Rentier Götze bediente fich vor wenigen Tagen einer steile, um damit eine sogenannte Hornhaut von der Hacke seines FußeS zu entfernen. Hierbei ritzte er fich ein wenig. Die Feile muß wohl etwas Rost an- esetzt haben, denn es trat alsbald eine Anschwellung deS jrufeS ein, die fich dann auf das ganze Bein erstreckte und schon nach wenigen Tagen den Tod in Folge von Blutvergif« tung zur Folge hatte. j. Wegen der vermnthlichen Entführung der 21 Jahre alten Magd Paschand auS Blumderg bei Berlin wird nunmehr von der Kriminalpolizei lebhaft recherchirt. ES gilt als festgestellt, daß die P. am 2. Januar aus Blumberg hier eintraf und bei einer Familie Zimmer einen Dienste fand. Da fie aber den Ansprüchen ihrer neuen Herrschaft nicht genügte, wurde fie nach wenigen Tagen wieder entlaffen. Durch Zufall fiel fie hierauf in der Landsberger Straße irgend einer Mieths- frau in die Hände, welche fie eurem angeblichen neuen Dienst« Herrn zuführte. Derselbe schenkte der Vermtttterin 10 M., und gab an, GutSbefitzer in Neu Holland, einem angeblich vor den Thoren Berlins gelegenen Dorfe zu sein. Ohne ihr weiter Zeit zu laffen, holte er mit ihr auS der Frankfurter Straße, wo fie inzwischen abgesttegen»war. ihre Sachen ab und fuhr mtt 3ir dann angeblich zum Lehrter Bahnhof, ohne vorher irgend nen Ausweis über ihre Person verlangt zu haben. DaS Mädchen besaß übrigens ein Dienstbuch, verschwieg jedoch diesen Umstand absichtlich, weil ihr letzter Dienstherr, der Guts- befiyer Kaisdorf in Blumberg, wegen einer lustig verlebten Syloesternacht ein schlechtes Zcugniß eingetragen hatte. Bis jetzt bat die Verschwundene trotz ihres Veriprechens, sofort an ihre Bekannte schreiben zu wollen, noch nichts von fich hören lassen. Hoffentlich klärt fich die Sache noch auf. Auf alle Fälle hat es den Anschein, als ob der Unbekannte über das Reiseziel und dessen Lage absichtlich falsche Angaben ge- macht hätte. Polizei« Bericht. Am U.d.M., Nachmittags, stürzte auf dem Echulbau Müllerstr. Nr. 48 der Arbeiter Rabe von der Letter und brach die linke Kniescheibe, so daß er mittelst Droschke nach der Charttee gebracht werden mußte.— An demselben Tage, AbendS, fiel der zwei Jahre alte Sohn eines Offiziers in eine kurz vorher mit heißem Waffer gefüllte Bade- wanne und wurde dabei derartig verbrüht, daß er nach etwa 5 Stunden verstarb.— Um dieselbe Zeit stürzte der Droschken- kutscher Wolff, als er an der Ecke der Bergmann- und Belle« alliancestraße den Kutscherdock besteigen wollte, in Folge plötz- lichm Anziehens deS Pferdes auf den Straßendamm herab und erlitt mehrere Kontustonen am Kopfe, so daß er bewußt» los liegen blieb; außerdem hatte er fich beim Aufschlagen mit dem Kopfe die Zunge durchbiffen. Er wurde nach seiner Wohnung gebracht. Am 12. dieses Monats, früh, wurden die Schlächtergesellen Eichler und Albrecht, Koloniestraße 13, bewußtlos und röchelnd in ihren Betten vor- gefunden. Der sofort herbeigeholte Arzt stellte Vergiftung durch Kohlendunst fest; beide Personen wurden jedoch gerettet. Der in dem Schlafzimmer befindliche Kachelofen hatte zwar keine. Verschlußklappe, die Gase waren aber durch undichte Fugen inS Zimmer gedrungen.— An demselben Tage Nach« mtttogS wurde ein Mann oeim Ueberschreiten des FahrdammeS am Älexanderplatz von einem Omnibus überfahren und erlitt dabei solche Verletzungen am Kopf und an den Händen, daß er nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte.— Einige Stunden später sprang ein Mann in selbst- mörderischer Abficht am Plan-Ufer in den Landwehr-Kanal, wurde jedoch noch lebend herausgezogen und mittelst Kranken» wagens nach der Charitee gebracht. Gerichts- Ieiwng. Wege« Beleidigung des braunschweigischenl Staats« Minitters Grafen Goertz- Kriesberg mittels der Presse hatte fich gestern der Redatteur der„Germania" Adolf Koer« nig zu verantworten. In Nr. 224 vom 1 Oktober 1885 war die am 30. Juni in der geheimen Sitzung der braunschweigi« schen Landesversammlung abgegebene bekannte Erklärung des Ministers Grafen Goertz einer scharfen Kritik unterzogen und von ihm behauptet, daß er fich gründlich blamirt, eine mora- tische Niederlage zugezogen habe und daß sein Verhalten ein unredliche? gewesen sei. Am Schluß heißt es, daß der Minister nicht wie ein Braunschweiger, sondern wie ein entlarvter Agent fich benommen habe. Da der Sachverhalt genügend bekannt ist, gehen wir auf denselben nicht näher ein. Die Anklage ist sowohl auS§ 186 Str.-G.-B. (wegen übler Nachrede), als auS§ 185(einfache Beleidigung durch die gebrauchten Ausdrücke) erhoben worden. Der Ver- tbeidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Munckel, stellte zum Beweise der Wahrheit der behaupteten Thatsachen den Antrag, dem Grafen Goertz aufzugeben, die beiden Briefe deS Herzogs von Cumberland an den Herzog von Braunschweig vom 14. Januar 1879 und den an die Königin von England vom 18. September 1877 zu den Akten zu reichen, und dieselben zu verlesen. Aus dem Inhalt würde fich ergeben, daß ein Wider- spruch zwischen beiden Briefen nicht vorhanden ist. Ferner beantragte er. den Grafen Goertz darüber zu vernehmen, daß ihm am 30. Juni v. I. beide Briefe bekannt waren, daß er in jener geheimen Sitzung einen Widerspruch behauptet, obgleich ihm '" bekannt war, und mtt dieser Behauptung bezweckt daS Gegentheil beke_____..„. habe, die Annahme deS KommisfionsantrageS bezüglich des Bettritt« zum preußischm Antrage beim BundeSrath durch, u« setzen und die vom Abg. Sallenthin dagegen geltend gemachten Bedenken zu besettigen. Staatsanwalt Heinemann widerspricht diesen Anträgen, da fie den Erfolg haben würden, politische Allüren zu berühren, was vermieden werden müsse, und ent- steht über die Erheblichkeit und Nichterhedlichkeit der Antrage eine längere Kontroverse zwischen diesen beiden Faktoren. Der Gerichtshof beschloß, die Anträge theilS als nicht genügend be- gründet, theils weil die zu beweisenden Thatsachen als wahr angenommen werden, abzulehnen. Staatsanwatt Heinemann beantragte daS Schuldig und sechs Wochen Gesängniß, Rechts- anwalt Munckel erachtete in seinem sehr eingehenden Plaidover nur in einem Puntt die Form verletzt und beantragte daher eine geringe Geldstrafe.— Ter Gerichtshof erkannte auf drei Monate Gesängniß. Unter dee Anklaae der fahrläsfigen Tödtung stand gestern der Arbeiter Wilhelm Heinrich Lehmann vor den Schranken der ersten Strafkammer hiestgen Landgerichts I. Auf dem Hof« deS Hauses Kaiserstraße 10 befindet fich eine Bett- feder-ReinigungS-Anstalt, in welcher der Angeklagte als Heizer angestellt ist. Zum Kohlenbehälter ist eine Grube benutzt, welche durch eine sogenannte Fallthür verdeckt ist. Am Nach mittage d-s 3. September v. I. spielten auf dem Hofe des ge- dachten Grundstücks eine Anzahl Kinder, welche vom Ange- klagten mehrmals verwarnt wurden, der geöffneten Grube zu nahe zu kommen; eine weitere Vorkehrung zur Verhütung eines Unglücks bat er aber nicht getroffen. Während nun der Ange- klagte im Keffelbause beschäftigt war, stürzte die 2jährige Tony Hirsch in die offen gebliebene Gmbe und erlitt dabei so schwere GeHirnverletzungen, daß fie in Folge derselben verstarb. Die Anklage macht für diesen Unglücksfall den Angeklagten wegen unterlassener Beausfichligung der Grube verantwortlich, und der Gerichtshof verurtheilte denselben zu drei Monaten Ge- fängniß._ Nereine und Versammlungen. Der Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Bor- stadt und de» Weddtng hielt am Montag, den 11. d. Mts., seine statutenmäßige Generalversammlung ab, mit folgender Tagesordnung: 1) Kassenbericht. 2) Jahresbericht. 3) Vor- standSwahl. 4) Vortrag. 5) Verschiedenes. 6) Fragekasten. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorfitzende Herr Kunkel dem verstorbenen treuen Kämpfer für Wahrheit und Recht, Hofbaurath Demmler, einen Nachruf. Die Ver- sammlung ehrte das Andenken des Dahingeschiedenen durch Erheben von den Plätzen.— Der hierauf erstattete Kassenbericht deS Vereins wies einen Bestand von 13 M. 60 Pf. auf. Nach dem Jahresbericht hielt der Verein in der Zeit vom 8. Dezbr. 1884 bis 7. Dezember 1885 13 Mitglieder Versammlungen, 9 General-Versammlungen und 2 außerordentliche Versammlungen ab, wovon 1, in welcher der Reichstagsadgeordnete Pfannkuch referirte, auf Grund deS§ 9 des Sozialisten- Gesetzes aufgelöst wurde. Betheiligt waren an den Versamm- lungen als Referenten die Herren Reichstags- Abgeordneten Singer und Pfannkuch, Stadtverordneter Tutzaucr Dr. Canitz, Dr. Lütgenau, Dr. Gerlach, Dr. Petri, Rechtsanwalt Wreschner, die Schriftsteller Baake und Schwennhagen, ferner die Herren Kunkel, LaSke, Ballmüller, Mitan und Krohm. ES wurden drei Herrenpartien und fünf Familienzusammcnkünfte veian- stattet und zwölf Tellersammlungen in den Versammlungen vorgenommen. Die seit kurzer Zeit beflehende Bibliothek deS Verein« umfaßt ungefähr 110 Bände. Die von dem Verein an den Reichstag gesandte Petition für daS Arbetterschutzgesetz wurde von ca. 7000 Personen unterschrieben. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: 1. Vors. Kunkel, 2. Vors. Weise, zu Kasfirern Sillier und Aman, zu Schriftführern Damerow und Bernstein, zum Bcifitzer Löwickc, zu Revisoren Zachau und Woyack, zu Bibliothekaren Reinicke, Hackrath, Stelter und Stach, und zu Kontroleuren Gleineit und Raschle L Da die Zeit schon weit vorgerückt, wurde der Vortrag von der Tages- ordnung abgesetzt. Sodann gelangte eine Petition um Herab- setzung der Koaksvreise auf den städtischen Gasanstalten zur Annahme. ES muß nämlich die ärmere Klaffe der Bürger, welche ihren Bedarf nur im Einzelnen einkaufen kann, den Hektoliter mit 1 M. bezahlen, während, wie in der Versamm- lung mitgetheilt wurde, die besser Situirten, welche im Ganzen einkaufen, pro Hettoliter nur 76 Pf. bezahlen. Eine vorge- nommene Tellersammlung zu Gunsten der streikenden Hand- schuhmacher ergab 6 M. Die nächste Versammlung findet statt am Montag, den 18. Januar, im Wedding-Parl, Müller- straße 178. Der Bezirksveretn der arbeitende« Bevölkerung im Westen Berlins hielt am Montag eine Versammlung in Gründer? Salon, Schwerinstr. 26, ab. Der Jabresdericht, welcher erstattet wurde, zeigte eine Besserung der Verhältnisse des Vereins gegen das vorige Jahr. Abgehalten würben 21 Versammlungen, in welchen Vorträge verschiedenen Inhalts gehalten wurden. Der Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 144,45 M. und eine Ausgabe von 154 M-, Defizit 9,55 M. In den Vorstand wurden von der Versammlung gewählt die Herren Schweitzer erster, Pankow zweiter Vorfitzenoer; Dörre erster, Süßmeier zweiter Kasstrer; Eggert und Bartsch zu Schriftführern. Herr Schweitzer hielt dann einen mtt vielem Beifall aufgenommenen Vorttag zur UebervölkerungSfrage. Er wies nach, daß die von verschiedenen Seiten behauptete „Uebervölkerung" im Allgemeinen nicht existire, indem unge- heure Ländereien in den verschiedenen Erdtheilen unbebaut da- liegen und eS oft an„Händen" fehle, welche diese Strecken be- bauen sollen. Selbst hier in den zivilistrten Staaten sei noch genug Platz, um viele Millionen Menschen mehr zu ernähren, als augenblicklich vorhanden find. Nur die verkehrten wirthschaftlichen Verhältnisse konnten es soweit bringen, daß ein MalthuS sagen konnte, der Arbeiter vermehre fich zu schnell. Pflicht der Arbeiter sei es, dahin zu streben, daß andere Zustände geschaffen werden, daß Produktion und Konsumtion geregelt werden, alsdann werde auch das Gefchrei von der Uebervölkerung verstummen. Aufruf an die Steindrucker«ud Lithograph«« Deutschlands. Kollegen! Noch find die letzten Wunden nicht geheilt cknd schon wieder ist hier ein Streik ausgebrochen. Schon vor drei Monaten war in der LuxuSdruckerei von Priester u. Eyck, Dresdenerstraße 38, ein Betriebs. Reglement in Aussicht genommen, welches für die Arbeiter sehr einschnei- dende Paragraphen enthielt. Die Kollegen wurden fich schon damals schlüsstg, nur weiter arbeiten zu können, wenn vier taragraphen gestrichen würden. Von diesem Beschluß der ollegen hatte die Finna Kenntniß erhalten und der Anschlag war oiS jetzt unterblieben. Am 12. d. M. ist nun diefeS Uni- kum endlich doch angebracht. Wir haben es im Interesse aller Arbeiter für eine Ehrenpflicht gehalten, zu beantragen, daß die angeführten 4 Paragraphen gestrichen würden, andernfalls wir außer Stande find, die Arbeit fortzusetzen. Die Firma hat hierauf nicht nur hartnäckig jede Aenderung verweigert, sondern sogar erklärt, daß noch schärfere Bestimmungen in AuSficht ge- stellt find und somit ist daS geschehen, waS nicht abzuwenden war. Mit Ausnahme von 5 Kollegen haben wir gestern, 17 Drucker und 3 Buchbinder, die Arbeit nicht wieder aufge- nommen und find gewillt, unser Recht mit Entschiedenheit zu vertreten. Kollegen, wie wir, durchdrungen von dem besten Geiste, diesen Kampf aufnehmen, um die Würde des denkenden Arbeiters nicht untergraben zu laffen, so hoffen wir, daß ihr unser« Handlungsweise billigt und uns mit allen Kräften zur Seite steht. Vor allen Dingen bttten wir aber ganz entschie- den, den Zuzug fernzuhalten. Am Sonntag, den 17. d. M., Vormittags 10 Uhr, findet in dieser Angelegenheit eine öffent- liche Versammlung im Palmensaal, Neue Echönhauserstraße 20, statt, wo gleichzeitig die Sammellisten ausgegeben werden und bitten wir, recht zahlreich zu erscheinen. Gelvsendungen find vorläufig an Herrn Witzel, Bernauerstraße 106, zu richten. Mit Gruß und Handschlag die streikenden Kollegen der Firma Priester u. Eyck. Große öffeutliche Bersammlung der Mäntel« Näherinnen Freitag, den 15. Januar, in der„Urania", Wrangelstr. 9/10. Die Arbeiterinnen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Kaufleute und Schneidermeister der Branche find ebenfalls eingeladen. Berein zur Wahrung der Interesse« der Berliner Dachdecker. Donnerstag, den 14. JaNuar, Abends 7 Uhr, im Lokal deS Herrn Weich Alexander ftr. 31, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl zur Ergänzung des Vorstandes. 3. Regelung des Arbeitsnachweises. 4. Ver- schiedencS. Vermischte». Aebnltche Dämmerung«- Erscheinungen, wie fie v« zwei Jahren so großes Aufsehen erregten Und cm einigen Abe» den des vergangenen JahreS wieder bemerkbar wurden, habe# schon früher die Aufmerksamkeit skandinavischer Forfcher aus fich gezogen und find bereits damals mit Vulkanauedrüche# in Zusammenhang gebracht worden. So wurde die Himmels« röthe, welche 1636 von Seeleuten in den nördliche# Meeren beobachtet wurde, dem Ausbruch de« Hella zugeschrieben, der in diesem Jahre stattfand. Eine gleiche Er« scheinung beobachtete man am 29. Mai 1783 in Kopenhagen; sie hielt mtt geringen Schwankungen bis Ende September an. Der Himmel war von einer beständigen rothen Glutb erleuchtet und die Sonne erschien bei Tag als eine matte Scheibe und war bei Aufgang und Untergang ganz unstchtbar. Der Zustand der Lust soll durch Kalte oder Hitze, Regen oder Trockenheit nicht beein« flußt worden sein. Die Abergläubischen sahen in diesen ungewöhn« lichen Erscheinungen sogleich die Vorboten großer nationale» Unruhen oder gar des Unterganzes der Welt. Nach einige» Zeit aber gelangte die Nachricht nach Dänemark, daß im v.r« gangenen Frühling ein ungewöhnlich heftiger Ausbruch de« Skapta Jökul stattgefunden hätte und dies führte zu der Ver« muthung. daß die merkwürdige Röthe des Himm.ls wie im Jahre 1636 mtt der gewaltigen Entladung vulkanischer Kraft auf Island im Zusammenhang gestanden habe. Was ist eine Fra« Werth? Daß die WetthschStzung der Frauen in den verschiedenen Zetten und Zonen von jeher eine verschiedene gewesen, ist männiglich bekannt. Auch heute noch gehm die Anfichten darüber, selbst bei uns, sehr weit aus« einander. Mancher möchte seine Frau nicht für eine Million hergeben, während ein anderer erbötig ist, fie schon für ein Butterbrot loszuschlagen, ja sogar noch etwas daraufzulegen, wenn er fie nur überhaupt los wäre. Nicht ganz so gut. aber auch nicht ganz so gering dachte, wie die..Straß b. Post" erzählt, ein Bauer im Unter-Elkaß von seiner Frau. Dieser zärtlich» Gatte war bereit, seine Ehehälfte an einen ledigen Bauer, de» fie gern haben wollte, für einen feisten Ochsen und 200 M. in Baar zu vertauschen. Der Patt wurde am 2. d. Nachm. im Wirthshause in aller Form abgeschlossen, das heißt in Gegen« wart etlicher Zeugen und im Laufe mehrerer Flaschen. Gegen Abend kam auch wirttich der Tausch-Ochse an, geschmückt mtt allen Eigenschatten, die einen Ochsen empfehlenSwerth machen können: fettwanstig, langhömig, kurzmäulig, breitfvurig und dergleichen, und die Halde Gemeinde gab ihm das Ehrengeleit. Als aber die Frau deS Thier e« anfichtig wurde, ergriff fie die Flucht und wollte von dem ganzen Tausch« nichts wissen De» Bauer, der fich über die bevorstehende Bereicherung seines Stalles und seiner Börse schon gefreut hatte, stand eine Weile höchst verdutzt da, und wollte schelten und toben; als er jedoch einsah, daß seine Frau trotz alledem und alledem noch An« hänglichkeit an ihn zeigte, loderten die allen Liebet flammet»! von neuem aus der Asche auf, und er soll fich vorgenommen! haben, seine Gattin in Zukunft nicht einmal gegen zehn Ochse» wieder vertauschen zu wollen. Tl Lc d« im Hai ich m 1 St in au| An der dar trol den sein m c d e Ko tan ene kllN! gele der best „Di wir! drill flOi ab. ohr tur ft res», ffi Kleine Mittßeilnngen. Wien, 10. Januar. Heute Nacht trat hier und in de» ganzen Umgegend ein so massenhafter Schneefall ein, wie e» schon seit Jahren nicht stattgefunden hat. Schon die Mo gen» züge aller Bahnen kamen in Folge dessen mtt Verspäiungc» an. Das G-stöber hi lt bei scharfem Nordwest bis Mittag an und der Schnee erreichte in dm Straßen die Höhe von fast einem Meter, zumal der heftige Wind auch die Echneemaffe» Ner oben den Mm von dm Dächern herabfegte. diese treffs g'bli amtli welch ,,.- Je. In Folge dessen war der Wagf i � verkehr mehrere Stunden lang sehr gchcmmt. Die TramwaY»%% zu fahren beginnen sollen, konnten bis 9 Uhr die Remis-" Az" ern ÄT'Ärrt m 1 llil" d-cht gefüllten Waggons mtt drei oder vier Pferden spannt, da fie sonst an vielen Stellen nicht weiter gekommt» wäim. Für die Fußgänger mußten die Fußpfade überall erst ausgeschaufelt werden. Nachdem beim letzten Glatteis in dck vorigen Woche lebhafte Klagen über die mangelhasten Eicher» heitsmaßreaeln laut geworden waren, sab man heute Bor» mittag bald Tausende von Menschen und Wagen mit d-i» Zusammenschaufeln und Forttransportiren der Schneemafst» beschäftigt. Auf der Ringstraße und in den übrigen größere» Straßen entstanden beiderseits klafterhohe Schneewälle und die L Leute bewegen fich wie durch Laufgräben. Die oberen Scheide# f j-n vieler Lichtfänge in dm Treppenhausern, femer an dm W t 501 laternm wurden durch die Schneelast eingedrückt- Die Massen des in Wien gefallenen Schneeä™ 2 ! :ef4t .ofbc sein -cne wcayen oes rn Wien gefallenen oefiret» � � find so groß, daß das Flüßchen dadurch gestaut und geschweltt§7 31 wurde. Auf den Bahnen sollen alle Einschnitte durch d-» j� starken Wind mit Schnee verweht worden sein. Mittags hört» jjroßh der Schneefall und der Wind auf, die Sonne trat herooc- Tcstr das Wetter wurde ungemein milde und Nachmittags könnte# fich die Spaziergänger auf der Ringstraße und im Prater a# dem in Wien seltenen Schauspiel einer großartigm Schlitten' fahrt ergötzen. Falls aber die Temperatur noch weiter steig»» und Thauwctter eintreten sollte, so wäre ein gefährliches Hca' waffer zu befürchten.— Unterm 11. Januar wie» ferner geschrieben: Die Beschwerden des gestrigen Schneefalle» konnte man noch als dm dem Winter schuldigen Tribut hi»* OMb nehmen, zumal daS Wetter Nachmittags und AbendS ziemlich 0% und ruhig war. Unangenehmer gestaltete fich die Sache, der Schneefall fich heute Morgen abermals ziemlich stark er', neuerte und mit vermehrtm Behinderungen und Störunge» m,.. deS Verkehr» drohte. In der That werden auch heute vo»." allen Bahnen Verspätungen der Züge angezeigt. In" inneren Siadt setzte die TranSvort- Gesellschaft heute Vortn#'??»® tag 4000 Arbeiter, 20 Schneepflüge und 5 Kehrmaschinen i»iur 1 Thätigkeit. Zkletb Philadelphia, 10. Januar. Heftige Schneestürme habe»«ich fast daS ganze Land heimgesucht, die Cismbahnen und Tem|0n graphenverbindungm blockirt und zahlreiche Unfälle zu Wafi/ und ,u Lande verursacht. Im Westen herrscht strenge Käl»'&' daS Quecksilber ist biS auf 40 Grad unter Null(F.) gefalle»- Nach dem Süden zu breitet fich die Kälte bis zum Golf aus-■' I Wilde Stürme jagen über die westlichm Pranim hin und rickA-»tt» großen Schaden an. Die Einstellung deS Eisenbahnverkehr, auf den inländischen Bahnen wird von der Bevölkerung fd)»� m"< empfunden. In Louis oille brach während deS EturmeS e# ereil Feuer auS, infolge dessen einige Mauern ein stürzten und mehret ,z, Bei Wilmington Del. stießen it» Personen getödtet wurden.________________ Eisenbahnzüge zusammen, wobei 4 Personen ums Leben kam«»:.0 An der Öttfey und Long Island Küste sollen 3 Schuner«>» i" Mann und Maus untergegangm sein. Boston wurde am FMI> tag Abend von einem Nordsturm heimgesucht, der fich SL tl einet Geschwindigkeit von 64 mgl. Meilen in der Stunde wegte und von HatteraS nordwärts nach Kap Breton zog- zVt vnt Sturm war von Donner und Blitzen begleitet. Der S« „Mary Farr" wurde bei Long Braach, Neu Jersey, vom rt getroffen und trieb brennend auf Strand. Alle an Bord � findlichen Personen verunglückten. Heber 60 M Fahrze"? sollen, größtmtheils an der Küste östlich von Sandy. 3 wrack geworden sein. Es wurden zwar mehrere Besav»»� n„h h«r»tnrnrn««• NM OU«%% ttl Kollege in Ohio wurde ein Raub der Flammm; den aus in fÄSfes nurrf» f&'.c__ L_ t____ r________ n.c e w...»____ durch einen Eisenbahn Zusammenstoß auf der EisenbahndlU � stürzte in Folge deS Zusammenstoßt»�, in Alabama; die Brücke stür Verantwortlich« Redakteur«.«»—»ei« Im Saite,»ruckzund Verlag von Max Badtag in Berlin ÖW„ Beuchstraße 2 Hierzu»tue ÜtU*** C Bfl» ttbtw habe« : aus üdx« meH« Iii«« fÄ Mr. 11 ige«; 0 rc an.'*'■ uchtet und ,dda Wein* vöhn« znalek iniget t v.r« b des Verne int Ärastj ifeunji jrhÄ ei Mio« llr ei« liegen,> obel; rzählt,! iriliche t, der M; i« im. i« Segen* W machen g und Beilage zum Berliner Volksblatt. Donnerstag, den 14. Januar 1886. III. JahrK 3 aui* V d igeicit. ste die t. Der.' seines WM jedoch ch An* ammeN ommei» LÄicn Politische Ueberstcht. Ueber den Kouflttl mir San oa brachte zuerst ein Telegramm aus San Franziska Nachricht. Dasselbe war nach London bestimmt und halte dortigen Blättern zufolge folgen- den Wortlaut: „Die neuesten Nachrichten von der Samoa-Jnselgruppe im Stillen Ocean lauten äußerst beunruhigend. Die Deutschen ! laben fich unter dem Vorwande, die deutschen Handelsleute zu chüyen, in die Regierung der Inseln einge- mi'cht. Der König und die Häuptlinge der eingeborenen Stämme find von den deutschen Beamten muthwillig in su ltirt worden; und die Eingeborenen w>ren derartig aufgebracht, daß, hätten sich nicht die Konsuln Englands und Amerika's ins Mittel gelegt, die deutschen Bewohner der Inseln unzweifelhaft m a s s a k r i r t worden wären. Bald darauf wurde eine Streitkraft von Marinesoldaten und Ma- trafen vom deutschen Kriegsschiff„Albatroß" gelandet, die on dem Orte gewaltsam Besitz ergriff und vor der der König und seine Rathgeb. r Sicherheits halber geflohen find. Die sa- moanische Flagge wurde tn Gegenwart der deutschen Strettkräfte von dem deutschen Konsul herabgezogen. Der britische und der ameri- kanische Konsul haben gegen dieses Vorgehen der Deutschen energisch Einsprache erhoben, aber ohne irgend welche Wir- kung, und sp iter wurde ein schriftlicher Protest niedergelegt. Die Eingeborenen befinden sich im höchsten Stadium der Aufregung, und es droht ein Krieg, in welchem, wie man befürchtet, alle Weißen ohne Unterschied leiden werden." Heule wird der„Voff. Ztg." aus London tetegraphirt: «Die Samoa-Affaire wirbelt viel Staub auf. Deuischerieits wird augenscheinlich Alles aufgeboten, den ungünstigen Ein- druck der jüngsten Nachrichten hier zu oerwischen. Graf Hätz- f lvt gab gestern Lord Salisbury befriedigende Erklärungen aö. Der Befehlshader deS„Aldatroß" habe ohne Wissen und Willen der oeutschenRegie- run g gehandelt. Die letztere beabsichtige, an dem Ver trage festzuhalten, dem zufolge Deutschland, England und die Vereinigten Staaten die Unathängigkeit der Samoa Inseln respektiren wollen. New Norker Telegramme melven, die Re« gierung der Vereinigten Staaten sei noch ohne Information über die Vorgänge auf Samoa. Der dortige Generalagent Neu-Seelands empfing vonjeiner Regierung am Sonn« in de! wie d aß die Deutschen vertrieben und die abend ein Telegramm mit der Meldung, den König von Samoa aus Mulinmr Munizlpalflagge heruntergezogen hätten." M Das hiefige offiziöse Telearaphenbureau läßt nun zu iro gen diesen Alarmnachrickten folgende Miltbeilung verbreiten:„Be- 'wngcn Treffs der sensationellen englischen Zeitungsnachrichten über an- nag an g�hiich e nste Vorgänge auf Samoa ist zu bemerken, daß hier an fa?i amtliche Nachrichten nur bis zum 30. Dezember vorliegen, to welche dergleichen nicht erwähnen. Derartige Vorfälle wären also nur nach dem 30. Dezember möglich gewesen. Die aarwan' englischen Zeitungsn-ickrichten über die Samoa Vorgänge find jedenfalls völlig entstellt. Bekanntlich ist der Regier ungofitz iü, des Königs von Samoa seit Monaten in Folge von Rcchts- tuet V™| streitigkeilen von dem deutschen Konsul mit Beschlag delegt. t" rt Wahrscheinlich werden, wenn nach dem 30. Detemder überhaupt okU o etwas passtrt ist, Versuche de« Königs ron Samoa, die Be- komme» schlagnahme aufzuheben, rückgängig gemacht sein. Differenzen zwischen Deutschland, England uno Amerika können hierbei nicht vorliegen, da zwischen diesen Mächten betreffs Samoa ein Vertrag existitt." Au» Schwerin wird der„Nordd. Allgemeinen Zeitung" eschrieven: Der am 2. dieses Monats hierleldst verstorbene jofbauroih a. D. De mm ler hat dem Vernehmen nach sein Vermögen nach Abzug verschiedener Legate zu einer Demmler'schen Familien> Stiftung bestimmt. Den iefigen Maurer- und den hiestgen Zimmergesellen find jährlich "~ M nt 500 M. zu einem Demmler'schen Uvtetstützunpsfond für in- gedrüoffsvalrde Gesellen vermacht. Ferner find jährlich 500 M. bestimmt y, einem Fest, welches die Maurer- und Zimmergesellen am ;eschtvel» 27. August seiern sollen. An diesem Tage wurde nämlich im rrch Bahre 1847 der an der Seeseite belegene höchste Thurm deS gS börl* aroßherzoglichen EckloffeS gerichtet, welcher Feier ein vom hervor, Testator veranstaltetes großes Arbeitrrfest folgte. konnte«- .rater a« SchlitteM '4 rlich rn® call erst in der Sicher* rte Vor* mit visr eemaffc« SS en Ei» hilber llichln. Ein Bertrag zur Literaturgeschichte unserer Tage von Rein hold Ortmann. .druck verboren.) I» einer große« norddeutschen Stadt war es, wo ich nnrgen Zähren seine Bekarntlchaft machte. Er war em rüstiger Vierziger von guter Haltung und von den Manieren eine« wohlerzogenen Mannes. Sein Gesicht zeigte «inen Ausdruck von mehr als gewöhnlicher Zet-lligenz, und ohne die verdächtige Rothe um Augen und Nase hätte es ir äußerst einnehmend gelten können. Seine reduziere leidung und die Schüchternheit seines AufirerenS ließen iich einen jener literarischen Vagabunden in ihm vermuthen, on denen ZertungSredalteure und Theaterdirektore« nur zu 'ufig heimgesucht werden; doch schon nach seine» erste« lorten war rch cineS Anderen belehrt. Er nannte mir nnen Name« und fügte mit eine, gewissen ängstliche» Bernd richte« idrsamkeit hinzu: hnverltVt.«Wenn ich auch nichts weniger als eine berühmte Per« :ng 1*� mlichkeit bin, so darf ich doch wohl annehmen, daß Sie gerne* neiss von mir gehört haben. Sie kennen gewiß ein« oder ad mehls?»s andere von meinen Theaterstücken, und w ssen, daß ich ießen i'v jt vielen unserer namhaftesten Autoren in enger Verbindung 'ar tnll standen habe. Ich brn gesonnen, meine bishe ige Thätrg- mFrci* Ü auszugiben und mir hur auf rrgeud eine andere Weise r sich wst einen bescheidenen Lebensunterhalt zu erwerben. Ich wäre n« sortis jnen sehr dankbar, wenn Sie mir dazu behrlflrch sei» , U.£* inten." xr Sein Name klang mir allerdings nicht unbekannt und vom W't wußte, daß der Mann durchaus nicht renommirte, wen» ' von seinen Stücken und von seinen Verbindungen mit whasten Autoren sprach. Die unverkennbaren Spuren Ängen Verkommenheit in seinem Aeußeren mußten mich darum mebt 4!'• überraschen, und e« war selbstverständlich, daß ' zu längerem Verweilen nöihigte. Mtl staunenS- von der Kläalrcbkert seiner gegen- durfte seinen Versicherungen um so — Wae* 1"«'»«oen schenken, als e« ihm wohl um die Erlangung Zerlevun� end einer Beschäftigung, keineswegs aber um eine Unter- n« �r. jung zu thun war. instov Die Strafdestimmunge« der Monopolvorlage defi- niten zunächst die Begriffe„Branntwein- Kontredande" und „Branntwein Defraudatien" und setzen die Strafe auf je 10 M. pro Liier reinen s.-lrohois fest; der erschwerenden Umständen tritt eine Verschärfung ein. Die Ableitung von Dämpfen von Lutter- Branntwein wi d mit Gefängntß für alle Theilnebmer von nicht unter drei Monaten bestraft, im wiederholten Rück- falle bis zu drei Fahren; Uebei tretungen werden mit 5 bis zu 500 M. bestraft. Brennereibesttzer, welche heimliche Vor- lihntngen zur Ableitung von Dämpfen des Lutter-Branntwetns gert offen haben, werden mit 500 bis 5000 M. b straft; eine adfiitiliche Beschädigung des an tlichen Verichluffes mit 30 bis 300 M. Branniweindefiauden> Kontredande verjähren in 3 Fahren, Uebertretungen in 1 Fahre. Für das St afverfahren gelten die Bestimmungen duSdezuglicher Art der Zollgesetze. Großbritannien. Am Dienstag traten beide Häuser des englischen Paria- ments zusammen. Im Unterhause wurde Peel, der Deputirte für W rwick, einstimmig zum Sprecher gewählt. NamenS der Parnelliten erklärte äl c Carihy, dieselben wollten gegen die Wahl keinen Einspruch erheben, müßten fich jedoch gegen die von Peel bei ver ich ebenen Anlosstn gezeigte Parteilichkeit ver- wahren. Peel nahm die Wahl an. Die Sitzungen der beiden Häuler wurden darauf veitagt.— Wie j tzt verlautet, wird die Königin in Person da« Parlament am 21. d. M. eröffnen. Vgypte«. Der„Sieg", den die Engländer über die sogenannten Aufständischen errungen haben wollen, scheint wie frühere „Siege" gewesen zu sein. Nach den neueren Nachrichten steht sest, daß die Autstindischen bereits wieder vorrücken. D m„Darly C aor.rcle" wird unterm 10. d. aus Kairo gemeldet: Ermuthigt durch den britischen Rückzua, der selbst dier sehr allgemein dem Umstände zugefchrieaen wird, daß die Engländer außer Stande find, die vo g-schodeneren Positionen zu behaupten(das wird auch wohl ziemlich zutr-ffen), hat der Feind seinen Mar ch nordwärts wieder aufgenommen. Er de- wegt sich westlich vom Nil längs der Dafür Straße und dringt auf Abri vor. Es dürfen daher weitere Kämpfe erwartet werden."— Es giebt also bald wieder einen„Sreg". Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 23. Sitzung vom 13. Januar, 1 Uh r. Am Tische des Bundesrathes v. Burchard, Lueius und Kommrffarien. Eingegangen ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Rechts- pflege in den deutschen Schutzgebieten. Die erste Beratoung des Gesetzentwurfs, die Besteuerung des Zuckers betreffend, wird fortgesetzt. Abg. Ha erle(Volkspartei): Mit den vorgeschlagenen Eteuernormen soll eine für eine längere Reihe von Fahren dauernde Einrichtung getroffen werden; ste ftnv also sehr sorg- fällig zu prüfen, denn nichlS wäre für unsere Zucker industrie unherlvoller, als wenn das neue Gesetz fich ichon nach einigen Jahren als unhaltsar und verfehlt he, ausstellen sollte und wir gezwungen wären, aufs Neue an ihm zu rütteln. Niemand denkt daran, der Reirtsregicrung daraus einen Vorwurr zu machen, daß fie nickst im vorigen Jahre, im Höhepunkt der Zuckei krifis, an die Umgestaltung des Gesetzes gegongen ist: der Reichstag selbst hat ja ihre Anschauung getheilt Ader der schwere Vorwurf trifft fie, daß fie nicht schon früher in günstigeren Geschäftsjahren den damals bereits unver- kennbaren Rückgang in den Reichseinnahmen EinHall gerhan und dadurch wesentlich beigetragen hat, die unver- meivlrche KristS herbeizuführen.(Sehr wahr! links.) Jede Er- höhong der Rübensteuer veranlaßt nothwenotg die größten Anstrengungen, um dre Melasse Entzuckerung noch weiter aus- zudehn, n. Dre Fabriken, die noch nickt im Besitz der dazu nöih gen Einrichtungen find, werden nicht länger damit zu ück- bleiben, unb die Fortschritte der Chemie und der Technik wer- den die Entzuckerung rmmer perfekrer machen. Die durch die Vorlage gewährte Exportprämie muß also in nächster Zeit noch «Zch habe eingesehen, daß diese dramatische Pfusch, rei zu nichts führt," sagte er.„Ich muß es wieder einmal mit etwaS Anderem versuchen. Und diesmal rst et mir heiliger Ernst damit. Zch werbe mich nicht abermal« zu den allen Thorheite« zurück locken lassen. Zch weiß sehr wohl, daß ich al« Schriftsteller keine Aussichten habe und ich bin es endlich müde, für Andere zu arbeilen. Ja, wenn ich ein wirtliches, em ganze« Talent Härte, so sollte mich meine kümme l che Lage w.Hrhaftig wenig entmuthigen; aber ich bin nachgerave alt genug geworden, um einzujehen, woraa es mir fehlt. Meine allgemeine Bildung und meine flylrstlschea Fertigkenen si-d zu gering, als daß ich meine Zdeen so auszuführen vermöchte, wie sie mir im Geiste vorschweben, und dann diese Erfindungsgabe, diese unselige E findungSgabe, sie ist mir zu einem fürchterlichen Fluch ge- worden." Zch sah ihn verwundert an, und er fuhr mit einem wehmüthigen Lächeln fort: „Es scheint Zh«ea wunderbar, daß Jemand seine eigene« Fähigkeiten verwünscht, und ich glaube in der That, man muß in meiner Haut stecken, um es zu begreifen. Zch habe ein wechselvolle« L.ben geführt und mich in den verschiede»- artigsten Verhältnissen bewegt; e« ist mir mitunter recht gut und weitau« öfter recht herzlich schlecht gegangen; aber tu allen Lebenslagen hat mich eine unglückliche Neigung zum Theater und erne Lust zum Fabulrren verfolgt, die mich seit vielen Jahren gleichsam nur noch m einer Welt von Ideen lebe» läßt. Zch kann keinen Menschen sehen und sprechen, ohne ihn im Gerste in das Person enverzeichuiß eine« Theaterstücke« zu versetzen, kann keine» Zeitungsbericht über ein Halbweg« interessante« Ereigniß lesen, ohne dasselbe sofort zu einem Abend füllenden Bühnenwerk umzu- aestalten. Und leider bedarf e« nicht einmal solcher äußeren Anregungen mehr, um alle meine Gedanke« in diese Bahn zu lenken. Alle gerstige Energie, die mir zur Verfügung steht, muß ich aufbiete», wenn ich mich nur für eine kurze Zert mit andere» Dingen beschäftigen soll, und— so unglaublich die« auch wahrscheinlich klinge» wird— wäh- rend der kurzen Dauer unserer Unterhaltung z. B. habe ich au« dem Kupferstich da Über ihrem Schreibtisch da« voll- ständige Gerippe zu einem vierakiige» Schauspiel Hera»«- geschält." weiter steigen, und der Kreislauf de« Rückganges unserer Zuckerindustrie auf« Neue beginnen. Wichtiger aber als di« finanziellen find die volkswirtbschaftlichen Wirkungen des Ge- setze«. Die Reichsregürung betont bei jedem Anlaß ihr Jnter« esse für d e Landwirtb!cdaft; aber bat der zur Z-tt hier versammelte Landwirthschaitsroth ihr für dieses Gesetz eine Dank- adresse votirt'i N in. das Gegentheil ist geschehen, er hat fich ablehnend gegen dasselbe erklärt, weil die Fabrikanten sich für jede Rübensteuer. Erhöhung durch finkende Zucker- preise rücken und schadlos halten werden, und weil jede Steuererböhung die Gegenden und Fabrlldistrtkte mit weniger zuckerreichen Rübe am schwersten trifft. Minister May- dach hat kerne Freude daran, daß unsere Eisenwerke Schienen billiger an das AuSlano liefern, als ste ihn dem deutschen Eisenbahnbau darbieten; aber in der Zuckersteuer will das Reich mit seher-drn Augen dasselbe thun und durch die Exportprämie es dem Ausland ermöglichen, den Zucker billiger zu tauten, alS er hier im Inland gekauft werden kann. Welches find nun die Wirkungen der ExporiprSmie auf den unserer Industrie unent- behrlichcn ausländischen Markt? Belgien und Italien haben den Anfang gemacht, fich durch einen Schutzzoll gegen unseren Rübenzucker, der mit dem Reisegeld einer Exportprämie zu ihnen kommt, zu schützen; Dänemark ist im Begriff, dasselbe zu thun; in England, das weitaus unser größtes Absatzteld ist, wurde schon wirderholt ein Schutz gegen unseren Rübenzucker zu Gunsten des Rohrzuckers gefordert, bis jetzt ohne Erfolg, Dank der er glichen Wirtbschaftspolitik und der Erwartung, wir wür« den die Exportprämie, wenn nicht ganz beseitigen, so doch ganz bedeutend heruntersetzen. Durch unser neues Gesetz, das an der Exportprämie festhält, werden aber jene Bestrebungen in Eng- land an Kralt gewinnen; ihr Erfolg würde der härteste Schlag für uns sein. Eine Kommission kann dieS für uns unannehmbare Gesetz in ersprießlicher Weise nur dann ändern, wenn die Reichsregieiung von ibiem Steuermodus abgeht. Die Fabri- tatfteuer hat zur Zeit keine Aussichten, aber ein Hirngespirnst, wie H er v. Helldorff ste nannte, ist ste nicht. Geschehen muß j'tzt etwas, aber was? Ich empfehle die Herunterfetzung der Rüdenstener und der Aasfuhro-rgülung an Stelle ihrer Erhöhung. Freilich würde dadurch die Steuereinnabme für die nächsten Jahre noch magerer auifallen, als bisher, die Vermehrung des Konsums würde nicht so rasch folgen. Wird dieser Weg nicht eingeschlagen, dann verdiente immer noch der den Vorzug, die Rübensteuer auf dem jetzigen Stande zu belassen und die darin liegende Exportprämie her- unteizuletzen. Er böte der inländischen Konsumtion einen Vor» theil und nähme unserem Zucker das Odium ab, das ihm auf dem auswärtigen Markte entgegengebracht wird, weil er mit einer Prämie ausgerüstet ist, dre alle anderen Staaten zu Gegenmaßregeln hirausfordert, zugleich das Odium, das jetzt auch im Jnlande auf ihm lastet, weil der ihm eingeräumte Porlheil ron allen Steuerzahlern aufgebracht und die Deckung für den Ausfall der ReichSkaffe durch alle möglichen künstlichen Mittel auf anderen Wegen gesucht werden muß.(Beifall links.) Abg. Graf v. Hacke: Herr Abg. Witte machte gestern der Reichsreg elung und der Industrie einen Vorwurf daraus, daß ste eit e Veränderung vis Gesetzes von 1869 bisher auf die lange Bank zu schieben gewußt und der Industrie dadurch einen Vortheil in den Schooß geworfen hätten, der den Reichs» finanzen gegenüber unverantwortlich sei. Die Vertreter der Regierung haben darauf geantwortet, aber aus der Jndustne werden Sie vetlleicht mir gestatten, zu antworten. Nicht undeutlich bat er sogar von mir gesagt, daß ich Per» treter der Zuckeiindustrie im eigensten Sinne hier im Reichs- tage sei. Ader ich muß Sie bitten, mich auf ein bescheidenere» Maß herabzusetzen, als er mir impulirt hat. Ich habe aller» drngS seit längerer Zeit das Vertrauen meiner Berufsgenossen- schast genossen, aber in anderer Weise, als Herr Wille meint. Ich bin nicht Herr, sondern Diener der Jndusttte, ich descheide mich, ihr nach besten Kräften zu dienen, nicht ste zu deHerr- sehen. Ich bitte also, außer, wenn ich es besonders erwähne» daS Gesagte alS meine eigene Ansicht aufzufassen. Wenn seitens der Industrie, die in der That in zwei Lager gespalten ist, welche stv dtS jetzt nicht haben unten einen Hut bringen lassen, ein Theil den Gesetzentwurf mit Freuden, der andere mit Mißtrauen degrüßt, so ist dies ganz natürlich. Alle, welche eine Fortsetzung der Grundsätze von 1869 in dem neuen DaS klang allerdings stark nach Uebertreibung» und ich konnte mich nicht enthaUen, ein etwas zweifelnde« Gesicht zu machen. Der AuSoruck entging ihm nicht, und ohne meine Aufforderung abzuwarten, begann er die Fabel eine« Bühnenwerkes vor mir zu entwickeln, die eine ganz über» raschende Zuspitzung hatte und in ihrer entscheidenden Situation durchaus dem auf meinem Kupferstich dargestellten Vorgarg entsprach. Aber noch ehe er mit der ersten Er- zäh�ung zu Ende gekommen war, schoß ihm eine neue Idee durch den Kopf, die sich mit der ursprünglichen verquickte, dieselbe ergänzte, korrrgirte und endlich ganz auf den Kopf stellie, br« auch sie wieder durch einen anderen glücklicheren Ernfall verdrängt oder doch in eine völlig verändern Disposition eingezwängt war. Dabei arbeiteten alle Muskeln feines Gesicht«, feine Augen glänzte« und feiner ganze« Person bemächtigte sich eine Nervosität, die etwas Beäng» stigendeS und Ansteckende« hatte. Als fich immer auf's Neue ei« Entwurf in den andere» schachtelte, ohne daß er« Ende abzusehe« gewesen wäre, als Personen und Verhält- nisse endlich in einem so tollen Wirrwarr durch einander wogten, daß die Möglichkeit aufhörte, dem sprunghafte« Gedankengange de« Sprechenden zu folgen, da bat ich ihn, innezuhalten, da e» sich bei unserer Unterhaltung keine«» weg« um die Konzeption eine» Stückes handle. Er fuhr mit der Hand über die Stirn, und wieder gl-tt das weh» müthrge Lächeln von vorhin über seine Züge. „Da habe ich Ihnen gleich eine unfreiwillige Probe meine« bedauernSwerthen Zustande« gegeben,' sagte er. „Selbst wtt Daransetzung meiner ganzen Willensstärke bin ich nicht mehr im Stande, eine und dieselbe Zdee br« zu Ende fest zu halten. E« wirbeln mir stets hundert andere, bessere dazwischen, und am Ende habe ich selbst de« Fade» verloren, der mich wieber auS dem Labyrinth heraus« führen könnte. Ich habe ja durch manchen schönen Erfolg jener Schriftsteller, d e sich meiner Entwürfe— oft mit nur sehr geringen Veränderungen und Zuthaten— bedient habe«, erfahren, daß e« wohl der Mühe werth fern kann, einig« der Pläne, dre m r da bunt durch den Sinn fahren, festzu» halte« und auszuführen; aber nach wenigen mißglückte« Versuchen habe ich das wieder aufgebe« müsse«. Es kommt Alle» so plump und unzeschickt heran«, daß ich mich selber über die Unbeholfenheit meiner Figuren ärgere; ich sehe die Entwürfe fanden, haben ihn mit Freuden begrüht; Andere, welche gewiffc Ausgleichsvorschläge erwarteten, aber nicht fan- den, find naiüiltch gegen ihn eingenommen. Der§ 2 gehört als rein technisch in die Kommisfiontoerhandlungen; ich gehe darüber hinweg, indem ich voraussetze, daß die Kommisfirn die Rübensteuer und die dazu gehörigen Bonifikationssätze so festsetzen wird, daß ein ver- hältnißmäßig günstiges Resultat für Industrie und Reichs- regierung herauskommt. Im Plenum lassen fich solche Sätze nicht im Voraus fixrren. Wohl aber begrüße ich— und da kann ich wirklich im Interesse der sehr großen Majorität der Fabrikanten sprechen— daß die Rohmaterialst uer beibehalten, und daß der Steucrfuß nicht geändert wird. Wir find unter der Materialsteuer groß geworden und befürchten, daß von dem Augenblicke an, wo unsere Fortschritte gestört werden, die Zuckerindustrie zurückgehen wird. Nach dem Verwiegen des Rohmaterials ist jede Einwirkung der Steuerbehörde auf den technischen Betrieb ausgeschlossen und für diesen dem Fabri- kanten freie Hand gelassen. Das ist die Hauptsache. Diese Freiheit der Bewegung hat uns groß gemacht und deshalb begrüße ich K 1 nnt vollem Beifall. Hrnfichtlich meiner Be- denken gegen die in§ 2 enthaltenen Sätze gehe ich von zwei Gestchtspunktcn aus: Einmal ist die bi- herige Berechnung des Konsums im Fnlande eine durchaus täuschende und unrichtige. Die amtliche Statistik rechnet: Produktion zuzüglich Einfuhr, abzüglich Ausfuhr ist Konsum, aber ohne Berücksichtigung der von der einen in die andere Kampagne übergehenden Be- stände und ohne Bcrückfichtignna der in den Melasse-Ent- zuckerungs-Anstalten gewonnenen Zuckermengen. Konnte man früher die Bestände auch unberücksichtigt lassen, in der Neuzeit müssen fie an> und abgerechnet werden, wenn man auf eine einigermaßen rlcbtige Konlumzahl pro Kopf der Bevölkerung kommen will. Der große Verein der Rüdenzuckerindustrie hat zu den ve scticdensten Zeiten an seine Fabrikanten, 397 an der Zahl, die Bitte um statistiiche Mitlheilungen über den Betried gerichtet, die gerade in jetziger Zeit besonders wichtig gewesen wären; aber nur 298 Fabriken haben überhaupt geantwortet. Daher muß der Fadrikoetrieb durch amtliche Statistik kontrolirt werden, sonst erb-elten wir für eine gesunde Statistik überhaupt keinen Boden. DaS Rasfinericgewerbe ferner ist ein sehr großes, besteht aber leider nicht bei uns in demselben Umfang, wie in England, Frankreich, ja selbst Oesterreich. DaS kommt daher, daß dort der Raffinadeur den Zucker steuerfrei kaust, bei uns belastet mit der Exportbonifikation, die zur Zeit pro Zentner etwa 9 M. ist. Was heißt das? Die großen Rafft« nerien hobm im Betrieb weit über 300 000 Zentner Zucker; dies 2700000 M. Exportbonifikation. Auf diese Kapital« ., w nm j■■ mm r ergiebt summe und deren Zinsen auf 6 bis 12 Monate müssen unsere Fabrikanten eingerichtet sein, wenn fie im Jnlande Zucker kaufen. Ich würde für eine Herabsetzung der Rüdensteuer auf 1,20 M. sein, wie es der Herbertzsche Vorschlag will, und für eine ent- sprechende Bemessung der Bonifikation. Die Regierung wird fich dem freilich widersetzen; fie glaubt ein Recht zu haben auf 60 000000 Mark Ertrag der Zuckersteucr. Ich weiß nicht, worauf fie dieS Recht stützen will. 1869 hatte der Zucker einen n anderen Wenh, als heute, und wenn die damals aufge- Steuer 37'/, pCt. des wahren WertheS entsprach, so bat fich das mil der Zeit geändert; sie würde jetzt 67 bis 72 pCt. des ZuckerwertheS betragen. Da der Entwurf ferner über die Frage der Besteuerung der Melasse nichts enthätt, so müssen wir annehmen, daß die Regierung noch auf dem Standpunkte von 1869 bestehen bleibt, daß in der auch jetzt aufgelegten Rübensteuer vollständig auch die Entzuckerung der Melasse ein« geschlossen sein soll. Damit aber scheiden fie die ganze Fa- drikation in zwei Hülsten: die eine Oel, die andere Waffer; fie werden fich nie einigen, wenn fie keinen AuSweg finden, um diesen Riß nickt zu verkleistern, sondern um ihn zu ver« binden; und Sie würden die Industrie auf das äußerste schädigen. Setzen Sie die Zucker steuer und die Bonifikation entsprechend berab, so schwinden alle neidischen Bemerkungen ungünstig gestellter Fabrikanten; erhöhen Sie die Rübenstcuer über das jetzige Maß, was jetzt schon beinahe unerträglich ist, so schärfen sich alle diese Gegensätze. Zum Schlüsse noch eine kleine Hinzufügung. Es ist ein altes Heikommen aus der preußischen Verwaltung, daß die Erhebungskosten für die Rübensteuer mit 4 pCt. als Pauschquanlum berechnet und von jeder Landesregierung in Abzug gebracht werden, ehe der Rübensteuerbetrag an die Reichskasse abgeliefert wird. Warum soll dieS in dem neuen Gesetz aufrecht erhalten bleiben. Faltisch ist ei unrichtig. Die Zahl der Fabriken hat fich zwar vermehrt, ebenso die Anzahl der nölhtgen Steuerdeamten, aber lange nicht in dem Verhält- niß find die Erhebungskosten gewachsen. Diese find in sehr gering-m Maße gewachsen, denn ob fie eine Fabrik von 100000 Ztr. Rübenverarbeitung oder von 1 Million kontro- liren, das ist ganz gleichgiltig. Ich würde an das Reichs« schayamt die Bitte richten, uns mitzuiheilen, wie effektiv sich j.tzt die Kosten der Steuererbedung stehen und darnach von Neuem einen Pauschalsatz für die Einzelregierungenfzu berechnen. Warum werden unserer Industrie diese Erhebungskosten noch Fehler; aber ich habe nicht die Fähigkeit, ihnen abzuhelfen, und dann trage ich auch während des Schreibens wieder so viel Neues, vom Augenblick Eingegebenes hinein, daß dar» über alle Einheitlichkeit und Klarheit verloren geht. Meine Fähigkeiten reichen eben nicht über die Erfindung und erste Anlage hinaus/ „Aber Ihre Erfindungen sind nicht übel. Mancher unserer me stgerühmten Autoren dürfte Sie um die Frucht- barkeit Ihrer Phantasie beneiden." .Da« ist es ja gerade, was mich schon oft an de« Rand der V.rzweifiung geführt hat l Kann man eine entsetzlichere Last mit sich herumschleppe«, als so ein halbes Talent, dessen •■"J* j»-y~ I'"TT---'---- I/--- r Ii eng gezogene Grenzen man nur zu gut kennt, und das un» .Ücklil glücklicher W tse verknüpft ist mit einem nimmer rastende« Schaffenstrieb? Zeder Mensch hat wohl einmal in seinem Leben eine schwere Stunde, rn welcher er zu der Erkenntniß kommt, daß er sich in seinen Fähigketten betröge« hat, daß er einen stolzen Traum zu Grabe trage« muß; ich aber, mein Herr, ich durchlebe diese schwere Stunde täglich von Neuem, und alle biUeren Erfahrungen und heiligen Selbst- ge'öbnisse schützen mich nicht davor, immer wieder in der Versuchung zu unterliegen:— Jetzt aber soll e« wirklich ein Ende haben! Zch weroe jede Beschäftigung übernehmen, die sich mir darbietet, wenn ich nur da« nackie Leben damit friste« kann. Ze mechanischer, handwerksmäßiger und geist» tödtender fie ist, desto willkommener soll fie mir sein. Zch habe mrr einen Schwur geleistet, nie wieder«inen meiner dramatischen Entwürfe niederzuschreiben. Muß ich scho« «ndgiltig auf eigenen Ruhm verzichten, so habe ich eS doch satt, für einen Sündenlohn Anderen al« Staffel zu dienen, auf der sie zu Ruhm und Gewinn emporsteigen I" „Das klmgt, als wenn Ihre Dienste sehr häufig von andere« Schnftstellern in Anspruch genommen worde» waren. „Sie würden erstaunen, wenn ich Ihnen die ganze Reihe aufzähle« wollte!— Es sind Nomen darunter, denen es Keiner zutraut, wie ungenirt sie sich mit fremden Federn ausputzen können. Sie kaufen eine fertig ausge- arbeitete Zdee wie jede andere Waare, und ich glaube nicht, daß Einer von ihnen erröthet ifi, wen» die Kritik nachher Vorzüge»seine« Werkes" gerühmt hat, a» denen er, selbst vollkommen unschuldig ist. Mit dem Betrag,| �N>reß angerechnet? Warum wird das bei der Brausteuer mit 15 Millionen E Hebungskosten nicht aethan? Das ist unbillig, daS sollten wir unS nicht länger gefallen lasse«. Litte, helfen Sie uns dazu beitragen, daß auch die Erhebungskosten neu festgesetzt werden und die Reichsregierung die Hand dazu bietet, dies in geeigneter Weise zu thun. (Beifall.) Abg. Heine(Sozialdemokrat): Wir haben in dieser Debatte wohl sehr viel von den Interessen der Fabrikanten, der Zackerindustrie und deS FiskuS gehört; von den Interessen der Konsumenten aber gar nichts; und doch wird die Vorlage wieder ein nolhwendiges Lebensbevürfniß deS Volkes erheblich verlheuem. Diese Steuer ist ein Fakior des herrschenden Systems; und dies herrschende System arbeitet nach dem Grundsatz, daß die große Menge des Volkes ausgebeutet wird, damit einzelne protegirte Persönlichkeiten bereichert werden. Oder haben nicht die Zuckerfabriken mehrfach 80 und 100 pCt. Dividende abgeworfen? Daß in der Enquetekommijfion die meisten Interessenten gegen die Fabrikalsteuer fich erklärt haben, darüber wundere rch mich gar nicht. Die Rübensteuer gestattet eine große Begünstigung der Fabrikanten durch Export- Prämien, während eS bei der Fabrikatsteuer schon schwieriger sein würde, dies dem„blöden" Auge des Volke? zu verHeim- lichen. Man spricht immer von der großen Bedeutung der Zuckerfabrikation für die Landwirchschaft. Dies kann auch Niemand in Abrede stellen. Aver ob gerade der mittlere und der kleine Bauer von derZuckerindustrieVortheil hat, ist mir doch mehr als zweifelhast. Und bezüglich deS Standes der Landarbeiter stelle ich sogar die Behauptung auf, daß derselbe gerade in Folge der Zuckerindustrie-eit einem Menschenalter erheblich in seiner Lebensführung zurückgegangen ist.(Widerspruch.) Ja- wohl, ich weiß das aus eigener Anschauung, denn in meiner Heimath giebt eS mehr Zuckerfabriken, als irgend wo anders. Der ländliche Arbeiterstand war dort früher gesund und lang- ledig; jetzt ist er krank und kurzlebig. Früher war allenthalben auf dem Lande Naturalwirthschaft; jetzt herrscht Gelvwiithschaft, wodurch die Nahrungsverhältniffe der Leute erheblich verscklech- tert worden find. Dazu kommt, daß die Fabrikanten uuch die kleinsten Parzellen Landes pachten, um es den Arbeitern, die fie für ihre Industrie brauchen, unmöglich zu machen, selbst Land zu erwerben und feibsiständig zu werden. So ist in unseren Jndustriegegenden eine wahre Leibeigenschast entstan« den; die Leute müssen aushalten oder verHungen. Wenn es fich hier einmal um Einrichtungen zum Besten der Arbeiter handelt, dann heißt es immer, man habe kein Geld dazu; da sollte man doch die vielen Millionen, die man den Zuckerfabrikanten an Exportprämie zahlt, lieber einmal zum Wohl der Arbeiter verwenden! Wir haben dabei von den Interessenten selbst gehört, daß die Fürsorge des Staates ihnen nicht einmal etwas genützt hat; daß vrelmehr die Zucker» industrie, eben weil diese Fürsorge zu groß war, in eine schwere Krifii hineingerathen ist! Die Frage, od Rüden« oder Fabri- katsteuer vorzuziehen sei, könne man einfach abschneiden durch Aufhebung der Zuckerstcuer und Einführung einer nach oben hin progresfiv steigenden Einkommensteuer. Verweisen Sie dieS Gesetz nur an eine Kommission, wo vielleicht ein Ausgleich der verschiedenen Interessen gesucht werden kann; wir unsererseits erklären jedenfalls jetzt schon, daß wir gegen jede Erhöhung einer Steuer stimmen werden, welche die unentbehrlichen Nahrungsmittel des Volkes trifft. Abg. R o h l a n d(dcutschfreis.): Die Behauptung, daß die Zuckerinvufirie die Lage der Arbeiter verschlechtert habe, ist nicht zutreffend. Handwerker, wie Maurer und Zrmmerleute, haden durch fie in der Zeit, wo fie sonst feiern mußten, lohnende Be- schäftigunq gefunden. Speziell in diesem Jahre habe ich aus ihrem Munde Kragen darüber gehört, daß die Kampagne vielfach so kurz gewesen sei. In Betreff der Fabrikat- und Materialsteuer habe ich früher weine Anficht geäußert. Die Materialsteuer hat unzweifclhast für ein gewisses Stadium ihre Vorzüge; doch bedaure ich, daß man die rechte Zeit zum Uebergang zur Fa« drikatsteuer versäumt hat. In diesem Augenblicke zu einem Systemwechsel zu schreiten, halte ich mit Rückficht auf die be- drängte Lage der Zuckerindusttie nicht für rathsam. Der Herr Minister glaubte zwar, daß dieselbe, nachdem fie die Krifis überwunden, auf einen guten Boden gelangt sei. Ohne Pesstmist zu sein, fürchte ich, daß die Schlaganfälle fich wiederholen werden. DaS find die Folgen unsrer Schutzzollpolitik, daß auch unfern Export- Arrileln der Eingang verweigert wird und die wuchtigsten Schläge werden immer die Landwirthschaft treffen. Die Er- gebn sse der Enquetekommisston kann ich nicht so wohlwollend beurtheilen, wie der Herr Minister. Heute Morgen wird ein Beschluß des deutschen LandwiithschastSrathS bekannt gegeben, der auf eine Herabsitzung der Steuer und Exportprämien hinauSläust, während die Kommisston bekanntlich die Erhöhung der Rübensteuer vorgeschlagen hatte. DaS zeigt doch zum Mindesten, wie schnell die Feststellungen der Kommission durch die Ereignisse überholt find. Die Vorschläge der Reichs- regierung werden weder der Industrie von Vortheil sein, noch de» fie an mich gezahlt habe», sind sie ja regelmäßige Be- sitzer geworden, und fie können den Ruhm, den man ihnm dafür spendet, ebenso widerspruchslos einstreichen, als der Kaufmann das Lob für eine Waare, die irgend ein halb- verhungerter Handwerker angefertigt, von dem aatürlich keine Menscheofeele spricht." „Sie hätte« darauf bestehen sollen, daß man Zhre« Name« überall als de« des Mitvei fasserS nennt. Das hätte in unserem Zeitalter der praktischen ArbeitStheilung doch kaum etwas Unangenehme« für den Käufer der E«t- würfe gehabt." »Gewiß nicht I— Aber fie hätten viel weniger gute Geschäftsleute fem müssen, wen« sie fich nicht den Umstand, daß ich«i« armer Teufel bin, der von der Hand in de« Mund lebt, zu Nutzen gemacht hätte». Da mußte ich de»n für eine kleine Erhöhung des Kaufpreise«— so um dreißig bi« fünfzig Mark— auch noch einen Revers unterschreiben, in welchem ich mich auf mein Ehrenwort verpflichtete, daS Geheimniß meiner Autorschaft niemals zu verrathen. Einige Bühnendichter machten fteilich auch ei»e Ausnahme davon und setzte» meinen Name» hinter den ihrige» auf den Zettel, aber daS waren nur die unerfahrene» und weniger Berühmten." „Und einige der von Zhnen entworfene» Sujets habe« später in der Bearbeitung durch Andere viel Glück gemacht?" »Wen« Sie mir die Ehre gebe» wollen, mich einmal ia meinem armseligen Stübchen aufzusuchen, werde ich Zhnen die Antwort auf diese Frage nicht schuldig bleiben! Für jetzt wiederhole ich nur noch einmal meine Bitte, mir irgend eine Arbeit zu verschaffen. Abschriften wären mir da« Liebste. Zch habe eine leidliche Hand!" Er empfahl sich, und einige Tage später, nachdem ich nach Kräfte« m seinem Interesse thättg gewesen war, stieg ich in der That die vier steilen und schmutzigen Treppen zu seiner Mansarde empor. Auf meine Veranlassung sollte demnächst eine seiner wenige» selbstständige» Arbeiten, ei» schon vor mehreren Zahren entstandenes einakiigeS Lustspiel an unserem Theater m Szene gehe», und außerdem brachte ich ihm einige Stücke zum Kopire» und zum Ausschreibe« der Rollen. Zu meiner nicht geringe« Ueberraschung nahm er die erster« Mittheilung wett weniger freudig der Ueberproduktion steuern; daher wird ei vor Allem darauf ankommen, den inländischen Konsum zu steigern. DaS geschieht aber nur durch eine Heiadsetzung der Steuer. Schon j-tzt de- wegt fich der Zuckeroeibrauch in aufsteiaender Linie. Wählend 1871/72 der Verbrauch auf den Kopf der Bevölkeiunz 5,5 Kilogr. betrug, machte derselbe im Jahre 1884/85 9,9 K logt. aus. Die Hauptzunahme fällt in die Jahre 1883 bis 1885, u» die Zuckerpreise besonvers niedrig stanven. Hier haden Sie also den Beweis, daß die niedrigen Zuckerpieise den Konsua erhöhen. Auch ich kann der Kommisfion daher eine Herab» setzung der Rübensteuer unter gleichzeitiger Erniedrigung d« Exportbonifikationen anempfehlen. Echatzsekretär v. Burchard: Es kann nicht meine Aufgabe sein, auf alle Einwendungen einzugehen, die beut« gegen die Vorlage gemacht worden find. Sie sind zum T heilt � Wiederholungen der hier vor Jahren und gestern vorgedra' ten und widerlegten Ansichten. Manche Auslassungen verut auf vollständigen willkürlichen Annahmen, z. B. daß 40 M lionen Zuckerprämien gezahlt seien, oder auf vollständig Mißverständnissen. Ich möchte mich nur gegen den Ai Härle wenden, der den Vorwurf, den ich gestern zu widerlege-.-. mich bemüht habe, daß die Regierung ihrerseits die gefordert« on Zuckersteuerresorm ungehörig verschleppt hätte, aufrecht erhält. V Er begründete diesen Vorwurf auch nur durch eine einzig« B« hauptung. Er sagte, der Reichstag hätte bereits im Wint« 12�, 1881 in einer Resolution eine angemessene Regelung da.® h Zuckersteuer gefordert. Soweit ich mich entstnne, ist diese R-» z/ation solution zum Etat gefaßt. Der Etat ist in dritter Lesung de»„!,**. schloffen Anfang? oder Ende März. Jedenfalls hat fich da Burdesraih mit dem Erat erst im März defaßt die Rei» um; lulion beralhen und dann im Winter desselben Jahres, nach» � b, dem ihm die Einnahmen des Jahres, in dem dieser B»«rüfun schluß gefaßt war, vorlagen, auch den entsprechenden Schrill G�und gelhan. Früher konnte der Bundesrath der Sache gar nicht näher treten, als bis ihm diese Einnah vorlagen. Der Abg. Graf Hacke hat fich dann eingehend :iten3 wäh, landil soziald schon s iksetz lerbot eit I Jehörl FlenSt Wahlk wohner .««drei Veisan behördi fände, den Sc würde, Aus d Verletzr Ad «in Jr iT rV™.,•WV*V[lU# VUUJ..... O V" �—» den Wünschen und Bedürfnissen der Industrie beschäftigt un» behauptet, die Industrie sei in zwei Lager gespalten. 2ÖM«ird-i Wählst den reli wo ein nommei „.-.-f-m-wm\_M-| ♦"••• 0l*'v* jzv|-----.»«v»m-m das richtig, so hätten wir der Enquete vielleicht gar nicht de» Jahre dürft. Dann hat der Graf Hacke die Frage der steuerfrei« dieSma Lager berührt. In der Vorlage ist dieser Wunsch, der oeo fallen schiedentlich schon geäußert ist, nicht derückfichtigt, dageg« weisen etwas anderes, nämlich eine Verlängerung des Kredits, vorgp kamer schlagen. Die Frage ist außerordentlich fchwierig und bedav Wählst einer eingehenden Prüfung. In den Motiven ist sehr eh» Wahl gehend ausgeführt worden, daß eS im höchsten Maße dedenklifl wie hii wäre, auf den Vorschlag einzugehen, steuerfreie Lager zu g» fach fü statten mit der Wirkung, daß der Zacker bei der Herausnahm Ai nicht den Zoll, sondern nur die Zurückzahlung der AuSiutj» say an Vergütung zu tragen hat. Es würde das auf ein Vorschur j)en � geschäft hinauslaufen und die Reichskasse würde gewissermaß« demokr zu einem Bankinstitut für die Zuckerindustrie werden. We« für der der Graf Hacke meint, die Steuerbehörde müsse auch d» doch ti Recht haben, den Bettieb zu beauffichtigen, so kann daS dä«„reche, Verwaltung nur angenehm sein. Es wäre durchaus wünschen» stoßen werth, wenn zur Klarstellung der Verhältnisse eine derarti? Wahle CT»__ 1- v.a fO-r.Ä.* � Wahlo« resultat Sie saz fluß gel Sie we für die find, st nsch hö Ich wa test ein theiligt Vorschrift in das Gesetz aufgenommen würde, welche Steuerbehörden gestattet, auch einen wirklichen Einblick in Betrieb zu haben. Dann ist der Herr Abgeordnete noch die Frage der Erhebungskosten gekommen. ES ist ja> kommen zutreffend, daß seit langer Zeit, seit dem Bestehen Norddeutschen BundeS, von den Emzelftaaten Erhebungskol von 4 pCt. der Bruttoeinnahme erhoben wurden. ES ist' zuzugeben, daß diese Erhebungskosten viel höher find als effeltiven, unter Umständen auch niedriger. Der Graf trogt nun, weshalb sollen wir diese Erhebungskosten nichts Revision unterwerfen. Ja, in der Verfassung steht, daß � Bundesrath befugt ist, darüber zu beschließen, folglich kon«% das ohne Aenderung der Verfassung nickt Gegenstand derT. treten setzgebung sein. Eine Mittheilung über die effektive» K«n der hebungSkosten vermag ich nicht zu machen. Man müßve 9 Behan jür sämmtliche Fabriken den Durchschnitt ziehen, und dM* preußis eine umfangreiche Arbeit, die in kurzer Zeit nicht zu ma»? Ich l ist. Uedrigens bestreite ich, daß rückfichtlich der Erhebuiv Herr i losten bei der Branntwein- und Zuckersteuer eine ungleiche sein? Handlung staltfindet. � frage Darauf wird die Vorlage an eine Kommisston von 28 ü** B-schli gliedern verwiesen.,___ � behau, Es folgen Wahlprüfungen. Die Wahl de« versam B o r m a n n(6. Trier) wird für giltig erklärt.„ war 1 Auch die Wahl des Abg. Gottburgsen(2. EchleSG Unrech Holstein) beantragt die Wahlprüfungs Kommisfion für in dieser zu erklären, dagegen plädirt Abg. Frohme unter HwA zurück. auf das ungesetzliche Verbot einer Wahlversammlung, in nxl« � der sozialdemokratische Kandidat Heinzel in Kiel sprechen ftr toic si. und bei der geringen Mehrheit des Gewählten(428 Stim� znM„ über die absolute Majorität) für Ungiltigerklärs� deSAI der Wahl.„ Abg. Francke(nat.-lib.) sucht die Berechtigung� b£ten j >hp-> Geschä auf, als die Ausficht auf die so unerfteuliche und unloh Arbeit. „Es ist sehr freundlich, daß Sie daß Stück K' wollen," meinte er,„und ich will Ihnen wünschen, daß? Bünde keinen Mißerfolg damit erleben. Aber e« ist eine �; schwache Arbeit, und ich hätte nicht geglaubt, daß e«" tverthv einmal irgendwo über die Bretter gehen würde!" I vberla Da« war Alle«, was er auf meine Ueberraschu»t verttet sagen mußte, und unser Gespräch kehrte bald auf da» fr» Thema zurück. „Sie ftagte« mich neulich, ob meine„Kundschaft� ihre» Erwerbungen Glück gemacht hätte,— vielleicht I Zhnen das hier eine Antwort darauf." mit. im( lesen i Skript Er reichte mir ei» Verzeichniß, auf welchem die von einer ganze» Anzahl mir durchweg wohlbeka" Stücke und die Theater, an welche» sie zur Auffühtu«� langt, angegeben waren. Zch konnte eine» Ausruf j Verwunderung nicht unterdrücken, als ich da Werke� zeichnet fand,"deren Autoren in den Augen de« Pub-, 2 ÄÄ wohl i nicht e soll es weit erHabe» find, al« Schiller und Göthe selbst, u»'� ich sogar auf den Titel eine« Lustspiels stieß, da« Zeit eine» wahren Triumphzug über alle Bühnen iP z und seine« sogenannten Verfasser» ei» Vermöge» gettagen hatte...J „Auch dazu habe« Sie die Zdee geliefert?" erstaunt. „Es war nicht nur eine Zdee, sonder« ei« taum! f freund gewoh «roßer war b Besu� „133 war nicyr nur eine �dee. sonder« e« W Stück, und in Bezug auf die eigentliche Handlung Charakteristik der Hauptpersonen ist wenig daran S —.e.�.« worden." „Und Zhre Betheiligung an dem Erfolg?" „Bestand in der Zahlung einer Summe, schwerlich den hundertsten Theil der nachherigen Er> ausmachte. Aber glauben Sie ja nicht, daß ich de« daraus einen Vorwurf machen will. Za, wen« wi* Schriftsteller wären! Aber e« sind eben nur — sie haben kein schriftstellerische«, sonderndem � verschi Seite und ei hinein� «estern «enom, männische« Gewissen, und sie müssen jeden Vorth«', nebmen melifier n<4> i&m»* w»*«* rwa»e>«» sie er, nehmen, welcher sich ihnen bietet. Stückeschreiben überhaupt morgen Würden mit jeder beliebig� em darauf [etUnS der Flensburg» Polizeibehörde verfügten Verbots der �---- Hit, A___ m f.......■_____ W_____ AT.___ CWl• J L. i r��-CA w.> .. i,u jerwähntrn Versammlung darzuthun. Mit der Unterschrift deS � 1, kZ Kandidaten Heinzel wurde in Flensburg ein Flugblatt der ozialdemolratischen Partei verbreitet, das völlig glerchlautend . chon früher in Leipzig wegen seines gegen das Sozialisten- oo e u"? aeseh verstoßenden Inhalts verboten worden war. Dieses iqqk«ierdot war von der Reichs- Beschwerdelommisfion seiner Iböo,»• bestätigt worden. Nach Annahme der FlenSburger «n Behörde mußte dem Kandidaten Heinzcl, der außer in n Koni um �[(nsburg noch in Kiel und anderen schleSwig- holsteinischen ®ecJ|* Wahllreisen auftrat, von dieser Lage der Sache Kenntniß bei- -lgung der Höhnen; wenn er gleichwohl daS Flugblatt als sein Programm «erdreiten und dann ankündigen ließ, daß er dimnächst in einer vi Weisamrnlung als Redner auftreten werde, so mußte die Polizei- JÄü behörde sich lagen, daß Heinzel, wenn diese Versammlung statt- um Them«gnde, und er m derselben zum Reden gelangte(Gelächter bei >orgedrach»Iden Sozialdemok aten und lmkö), dieselben Tendenzen vertreten i" kvürde, wie fit in dem verbotenen Flugblatt enthalten seien. ß 40 Mu> AuS dieser Erwägung sei daS Verbot ergangen; von einer UständigZ Verletzung der Wahlfreiheit könne keine Rede sein. Abg. Richert(deutsch-freis.): Ich bedauere, daß gerade « whSfl e'n Jurist unS mit solchen Deduktionen den Beschlutz der JS-»utl? WahlprüfungSkommisfion plausibel machen will. So weit find .cht erhaw j,0ÖJ I10(j) gekommen, daß wir die Deduktionen der P* Flensburger Polizei ohne Weiteres als die unsrige anerkennen im Winia(nützten, Deduktionen, die darauf hinausgehen, die Wahlfreiheit co?lfiQn5 direkt zu unterdrücken.(Widerspruch rechts und bei den diese Ri'l Ziationalltberalen). In Flensburg haben fast 2000 Wähler uiiM nicht gestimmt, während nur 420 Wähler auf die andere Seite v/ n ,-J stberzutreten oder 858 für diese mehr zu wählen brauchten, die.AeWutn daS Resultat umzustoßen. Herr Fronde findet nS£ in dem Verbot keine Wahlbeeinfluffung; die Wahl- dtei�-�IprüfungS-Kommisston aber bat wiederholt und konstant den >en Schr« Grundsatz festgehalten, daß die gesetzwidrige Behinderung der Sache t» Wahlfreiheit durch Versammlungsverdote unter allen Umstän- Zinn aha« den relevant für die Giltigkeitsftage sei und in allen Fällen, gehend a» wo ein Einfluß auf das Ergebniß von solchen Verboten anpe- »äftigt un> nommen werden könne, die Wahl lasfirt werden müffe. Es en. Wä» wird Herrn Francke nicht so leicht werden, das Haus von einem nicht bc Jahre lang festgehaltenen Standpunkte, den die Kommisfion steuerfreie» diesmal allerdings verlaffen habe, abzubringen. Solchen Ge- , der vea fallen wollen wir dem Regime Puttkamer in Preußen nicht er- l. dagegtt weisen; es würde unS nie gelingen, das Ministerium Putt- >its, vorg» kamer dahin zu bringen, seine Beamten zur Respektiiung der und bedalt Wahlfreiheit anzuweisen, wenn wir nicht ohne Weiteres jede sehr est» Wahl kasstren, in welcher die Wahlfreiheit in ähnlicher Weise e bedenkt» wie hier verletzt und beschränkt worden ist. Stimmen Sie ein- ;er zu fl» fach für die Ungiltigkeit der Wahl!(Beifall links.) rariSnahjJ* Abg. v. Koller(kons.): Auch ich erkenne den Grund- r AuStui» sag an, daß eine Wahloersammlung noch nicht verboten wer- Vorschuß den darf, weil der angemeldete Redner notorisch der sozial- »ifiermaß» demokratischen Partei angehört. Ich habe seiner Zeit selbst in. Weil ißr denselben gestimmt in der Kommisfion; aber daraus folgt auch d» doch nicht, daß wir überall die Ungiltigkeit der Wahl aus- n daS B sprechen, wo die Polizeibehörde gegen diesen Beschluß ver- wünscht!» stoßen hat. Wir selbst hier haben zu wiederholten Malen e derarni Wahlen für giltig erklärt, obwohl für dieselben einberufene welche d Wahlversammlungen verboten waren.(Ruf: Weil das Wahl- dlick in B resultat durch daS Verbot nicht verändert werden tonnte!) ie noch* Sie sagen, weil daS Verbot auf daS Wahlergebniß ohne Ein- st ja rol flutz geblieben sei. Aber wo ist da die Grenze? Heute wollen iestehen* Sie wegen des Verbots einer Wahlversammlung eine Wahl, bunaskostlj für die 428 Stimmen über die absolute Majorität abgegeben Es ist a» find, für ungiltig erklären. Morgen werden Sie diele Ziffer ld als d» noch höher greifen. Sie betreten damit gefährliche Bahnen. Graf H»? Ich warne Sie darum, in diesem Falle Gewicht auf den Pro- n nicht ei» test einer Partei zu legen, die bei dieser Wahl gar nicht de- t, daß iheiligt war. flieh � loi]£ Abg. Liebknecht(Eozialdemokrai): Während die klei- nd zu DdfJ preußische Re mfl®? Ich könnte ,U Ii'—, ErhebiwI ngleich»" -..--KNMHM von 23 hl deS 9* .Schle i für er Hi WenT S SiiaUj cllätvl htigung� unlohtl» stück en. eine baß göfle � besteht � darin, � ob ein vom_ Reichstag gefaßter chluß aufrecht erhalten werden soll oder nicht. F4 behaupte, daß jede Wahl zu kasfiren ist, bei der Wahl- Versammlungen verboten find. Jener Beschluß des Reichstags war der erste Versuch, daS einer großen Partei angethane Unrecht wieder gut zu machen. Mit der Giltigkeitserklärung dieser Wahl kommen Sie auf die schiefene Ebene deS Unrechts zurück. Abg. Marquardsen(nat.- lib.): Mit einer Theorie, wie fie Herr Liebknecht vorgetragm, kommen wir dazu, die Wahlprüfungen ganz zu beseitigen. Auch ich bitte, die Wal deS Abg. Gottburgsen für giltig zu erklären, obwohl ich d Si rf IS tofch da? bfchafl' elleicht m die� ohlbeK führttrt} LuSrvI j Werkes Pub»" werbe» i vk deren Beschäftigung vertauschen, wenn dieselbe bequemerund einträglicher wäre I" »Und solch« Gesinnungen haben Sie häufig unter Ihre» Geschäft« freunde« angetroffen?" Er öffnete eine« Schrank und deutete auf mehrere Bündel von Briefe«. „Wenn ich mein Ende nahe fühle, werde ich diese wer'.hvolle Autograpbenfammlung da einem Literarhistoriker überlaffen. Es sino gar viele klangvolle Namen darin vertreten, wen« auch der ZuHalt nicht immer so ganz mit dem übereinstimmt, wa? man im KonservationS- und im Echriftstellerlexikoa von den beireffenden Herren lesen kann!" Ich wies auf ein zweites mächtiges Packet von Skripturen. .Und diese Manuskripte dort?" Er lächelte verlegen. „DaS sind meine Entwürfe!— Ihre Zahl mag si, wohl auf einige hundert belaufen. Ich habe mich vve, nicht entschließen könne», sie zu verbrennen; aber jetzt, jetzt soll e« sicherlich geschehen!" Ob er fie wirklich verbrannt hat?— Ich glaube es kaum!— Der Aufführung seines Stücke«, das übrigens einen freundlichen Erfolg davontrug, hatte er nicht bei gewohnt. Acht Tage später aber brachte er mir die mit großer Sorgfelt ausgeschriebene« Rollen und Bücher. Er war blaß und«och ungleich rervöser, als bei seinem erste« Besuch. „Ich danke Zhne« herzlich, daß Sie mir diese Arbeit verschafft haben", sagte er,.aber ich kann es leider nicht fortsetzen! ES reibt mich aus! Zch sehe alle die Fehler und Mängel in diesem Stück,«s komme« mir bei jeder Seite tausend Zdeea, wie e« bester gemacht werden könnte, und e« bringt nnch zur Verzweiflung, daß ich nichts davon hineinschreiben darf. Uebrigens hat mein Schicksal seit gestern auch eine sehr erfreuliche Wendung zum Befferen genommen." „Und darf man fragen, inwiefern?" Er zögerte in fichtlicher Verlegenheit, und endlich sagte er, ohne mich anzusehe«: »Ein Theater-Agent, welcher viele meiner Geschäfte mit von der FlenSburger Polizei getroffene Entscheidung nicht für richtig erachte. Abg. Windthorst(Zentr.): Im vorigen Jahre war hier die Anficht vettreten, daß die Wahl für ungiltig zu erklären sei, wenn die betreffende Wahloersammlung zu Unrecht verboten worden. Bis jetzt ist nichts Neues beigebracht worden, was zu Gunsten des Verbots spräche. Ich muß daher zu meinem Bedauern bitten, die Wahl für ungfltig zu er- klären. Die Debatte wird geschloffen und im Gegensatz zu dem Kommisstonsvorschlage die Wahl des Abg. Gottburgsen gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen stlr ungiltig erklärt. Schluß 5'/« Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr. (Anträge Ausfcld, betr. das Zolltanfgesetz und die Zulassung des Rechtsweges in Zollsachen, Antrag Junggreen, betr. die dänische Sprache.)_ Kommunales. w. Zur Verbreiterung der Oranten-Brücke durch An- lcgung zweier fester Fußgängerbrücken zu beiden Seiten der Klappen- Aufzüge hat das königl. Polizei Präsidium dem Ma- gistrat die landespolizeiliche Genehmigung zu dem vorgelegten Projekte ertheilt. w. In der Stadtverordneten- Versammlung hat fich am Dienstag in Bezug auf die Fraktionsbildung eine Ver« ändeiung vollzogen, indem zwischen der früheren Scheiding'- schen jetzigen Salge'schen und der Dr. Kürten'schen Fraktion eine Fuston stattgefunden hat. ES werden demnach jetzt in der Versammlung vier Parteien bestehen, nämlich die Arbeiter- parte!, die Bürgcrpartei, die Sirvck'sche und die Kürten'sche Partei. Die wfionirte Partei besteht auS etwa 42 Personen, während die Etryck'sche Fraktion deren 55 zählt. w. Aus einer summarischen Ueberstcht der im Ge- schästSjahre 1835 in der Stadtverordneten- Versammlung abge- haltenen Sitzungen, sowie der bei derselben eingegangenen Sachen ersteht man, daß im ganzen 41 Plenarfitzungen und III AuSschußsttzungen stattgesunden haben, gegen das Jahr 1884 weniger: 2 Plenarfitzungen und 9 AuSschußsttzungen. Von den III AuSschußsttzungen kommen: a) auf den Ausschuß für die Wahlen von unbesoldeten Ge- meindebeamtcn 12, d) auf den Ausschuß für Rechnungs- fachen 9, c) auf den Ausschuß für Petitionen 6, 6) auf den Ausschuß zur Begutachtung der Vorlagen wegen Anstellung resp. Pcnfionirung von besoldeten Gemeindebeam- ten und Lehrern 9, e) auf die von der Versammlung zur Vorberathnng einzelner Angelegenheiten niedergesetzten 23 AuS- schüsse 75— Außerdem find auf Antrag deS Magistrats 5 gemischte Deputationen eingesetzt worden. Tie L, III. und V. Abtheilung traten je 23 mal. die II. und IV. Abtheilung je 24 mal zusammen. ES find 3600 Sachen eingegangen, 262 mehr als im Vorjahre. Unerledigt blieben 457 Saehen.— Außerdem gingen ein: 97 Petitionen(8 weniger al» im Vor- jähre), von denen 10 unerledigt blieben, und 91 Naturali- sationSgesuche, gegen das Vorjahr mehr: 20. Lokales. Ueber die Höhe der GerichtSkoste« wird bei uns nicht mit Unrecht laute Klage geführt. Aber vielleicht kann es einigen Trost gewähren, daß beispielsweise in Oesterreich das Pro« zesfiren unter Umständen noch theurer sein kann, alS bei unS. Da liegt dem„B. T." im Original die Gcbührenrechnung oder— wie eS im österreichischen Deutsch heißt— die„ExpenS- Note" eines Wiener Hof- und Gerichts- Advokaten vor, der bei einem Streitobjekt von 60 Gulden nicht weniger als 366 Gul- den Anwaltskosten liquidirt! Nun muß man eS allerdings im Original nachlesen, wie die horrende Summe zusammengekom- men ist. Gleich die erste Posten lautet: Zusammentretung mit dem Mandanten und mit demselben in Bettest der Prozeßfüh- rung lange konferirt— 3 Fl„ schriftliche Information aufge- nommen 1 Fl. 50 Kr. Nach 14 Tagen wieder eine„Zusammen- tretung" dchufS Jnformirung 1 Fl. 50 Kr. Für ein Schreiben an den Mandanten 1 FL 20 Kr. Verfassung des Kostenver- zeichniffes 1 FL Für Abfassung einer 4 Bogen langen Duplil 50 Fl.„Kommisfionirt", d. h. nachgefragt wegen einer Ab- schritt, 1 Fl. 50 Kr. Dann wieder kommisfionirt wegen Uebergabe dieser Abschrift und Empfangs- Bestati- gung darüber 1 Fl. 50 Kr. Trotz der vielen kost- jpieligcn Kommisfionen und Tagsatzungen(Termin«) ging der Prozeß in erster Instanz verloren und eS wurde Appellation eingelegt. Da beginnt nun dai Liquidiren von Frischem: Stu dium der erstrichterlichen EntscheidungSgründe 5 FL, Appells tions-Anmeldung und Beschwerden verfaßt 30 Fl., zweimal kopirt 5 Fl. rc. ,c. Recht sonderbar find aber folgende Posten: Kommisfionirt wegen Eruirung deö derzeitigen Aufenthaltes deS Mandanten 1 Fl. Zusammenttetung mit... wegen Beschaf« fung der Adresse deS Mandanten 1 Fl. 50 Kr. Kommisfionirt, den Autoren vermittelt hat, ist durch eine» Zuferll von meiner Lage unterrichtet worden. Er ist ein braver Mann, der mich nicht zu Grunde gehen lassen will, und er hat mir die Existenzmittel für die nächsten Monate gewährt, wenn ich nach B. gehe« und dort mit einigen Sehriftflellern in Verbindung ttetea will, die vielleicht diesen oder jenen meiner Stoffe gebrauche« können. Es ist ein hochherziges Anerbietev, nnd ich kann mich nicht entschließe», eS auSzu- schlagen." „Und Ihre Vorsätze, die undankbare Thättgkeit auf- zugeben? Er zuckte die Achseln. „WaS wollen Sie? Es ist stärker als ich! Zch weiß, daß ich daran zu Grunde gehe; aber ich kann nun einmal nicht anders. Auf alle Freuden der Welt kann ich Verzicht leiste«, nur nicht auf das Nachgeben an diesen unseligen Hang zum Fabuliren und Phantasire»! Es ist mein Schick- sal und das muß ich nun wohl ertragen, so lange es eben zu ertragen ist!" Er reiste nach B., und ich habe ihn nicht mehr wieder- gesehe«. Vor wenigen Wochen aber brachte» einige Zei- tungen die lakonische Meldung: „Za Lübeck machte der Schriftsteller Bernhard Busch seinem Leben durch Erhänge» freiwillig ein Ende. Zn ge- wissen Kreisen war er al« der anonyme Mitverfasser einiger oft gegebenen Bühnenwerke bekannt geworden. Da» große Publikum hat kaum jemals von ihm gehört." Das war sein Nekrolog. Zn den„gewissen Kreisen" athmete Mancher, dem e« um die Wahrung seine« Geheim- nisseS bange geworden war, erleichtert auf, und Keiner von denen, für deren Ruhm er gearbeitet hatte, fand sich ge- müßigt, dem unglücklichen„halben Dichter", der an seinem unseligen Talent zu Grunde gegangen war, ein Wort der Antheilnahme oder der Anerkennung zu widmen. Vielleicht aber taucht sein Schatten doch noeh einmal au« der Vir- gcffenheit auf, wenn er feine« Entschluß bewahrheitet und seine„Aulographensammlung" einer Hand zugänglich gemacht haben sollte, die sie zu einer geeigneten Stunde der Oefsentlich- reit übergiebt. E« wäre sicherlich eines der lehneichsten und erbau- lichste« Kapitel in einer Ltteraturgeschichte unserer materia- listischen Z.it! ob Mandant in Wien anaelanat sei, 1 Fl. 50 Kr. Wegen deffelben Zwecke«„kommisfionirt�(nachgefragt) bei der Polizei- direktion, beim Polizeikommissariat, in verschiedenen Wimer Hotels rc. je 2 Fl. 24 Kr.. 1 Fl. 50 Kr.. 1 FL 74 Kr„ 3 FL. 4 Briefe in die Hotels geschickt 3 Fl. 32 Kr. Dann heißt e«: Kommisfionirt in einer Wechselstube wegen Ankauf von 1 Mk. 20 Pfg.(deutsche ReichSmünze) 1 Fl., Preis hierfür 67 Kr.— So liquidirt denn der Herr Hof- und GenchtSadvokat für seine Bemühungen 334 Fl. 20 Kr. und für Auslagen 31 Fl. 84 Kr.. in Summa 366 Fl. 4 Kr. Das heißt also: die Anwalt».' gebühren allein betragen das Sechsfache deS Streitobjekts. Leider haben wir nicht erfahren können, ob der Kläger die ganz« Summe auch bezahlt hat oder od der Herr Anwalt fich davon hat etwas„abhandeln" lassen.„.L ,,, V � — Ueber den gegenwärtigen Frost schreibt der Ham- burger Meteorologe der„Voss. Zig." ck. ä. 12. Januar:„Seit- dem die Depresfion vom 9. Januar Deutschland, nach Süden fortschreitend, durchzogen und in Italien niedrigen Druck er- zeugt hatte, hielt fich der Luftdruck in Südeuropa andauernd tief und eS fehlten daher in Europa Westwinde fast ganz, denn Westwinde erfordern nicht tiefen, sondern höh n Druck im Süden von unS- Bei dem ruhigen Wetter sank gelegentlich, da eine Schneedecke vorhandm war, mit dem Aufklären de» Himmel» die Temperatur erheblich, Hamburg hatte Abends den 11. Januar 9 Grad Celfiu» Frost, Bamberg gar 20 Grad. Zwar drohte am 11. und 12. eine in der sstordsee erschienene Depresfion eine Umgestaltung der Wetterlage herbeizusührm, aber eS ist die Depresfion heute im Verschwinden begriffen und in Hamburg ist noch keine Ursache für einen WitterungS-Um- sehlag zu erkennen. Es erreichte in Hamburg die Kälte am Abend deS 12. wieder 8 Grad." Die herrlichen Baumriesen des an schönen Bäumen noch immer reichen Thiergartens gehen allmälig einer nach dem andern zu Grunde. Die Stürme der letzten Jahre haben den alten Baumdestand deS Thiergartens stark gelichtet, und wa» den Stürmen Trotz geboten, muh schließlich der Axt zum Opfer fallen. Auch in diesem Winter hat eine große Anzahl Bäume als Brennholz angeschlagen werden müssen, das einen bei den jetzigen Preisen ganz ansehnlichen Werth repräsentirt. Ader auch einer der stärksten Eichenstämme deS Thiergartens, ein Baum, dessen Alter von Sachverständigen auf 5- bis 700 Jahre geschätzt wird, hat, wie die„Staatsb. Ztg." mittheitt, unter dem Gewicht seines Alters das Zeitliche segnen müssen. Der sehöne Baum war allmälig völlig abgestorben und zeigte nur noch an seinen WNrzeln Kraft und Leben, sonst war er bis in die Krone hinein verdorrt, so daß, da er in dem lebhaftesten Theile des Thiergartens, in der Nähe des Krollschen Etablisse- ments, fich befindet, er den Passanten leicht hätte gefährlich weiden können. Außer diesem, wie verstchert wird, an Umfang stärksten Baum deS Thieigartens, stehen noch in unmittelbarer Nähe einige ähnliche Baurnriesen, deren Tage aber gleichfalls gezählt zu sein scheinen. Htefige Bankiers sollen, wie ein Berichterstatter erfahren haben w ll, mit dem Gedanken umgehen, eine Konkurrenz» anstatt für die kaiserliche Briefbestellung in Berlin einzurichten. Die Anstalt soll neben den gewöhnlichen Briefsendungen auch Werth-Briefe und-Sendungen bestellen, natürlich Alles zu einem weit niedrigeren Portosatz al» die kaiserliche Postverwal- tung. So soll detspielSweise eine Postkarte 2 Pf., ein Brief 5 Pf. kosten. In allen Stadttheilen sollen zahlreiche Blies- kästen und Annahmestellen errichtet werden, ßso daß die Brief. desörderung pünktlich erfolgt. Ueber die Feuerbestattung schreibt man der„Nat. Ztg.": Die internationale Kommisfion für Feuerbestattung erläßt aus Mailand unter dem 24. Oktober 1885 einen Aufruf behufs Zu- sammentritts eines intemationalen Kongresses von Delegirten der Vereine für Leichenverbrennung. Mailand, Berlin und Wien find alS Versammlungsorte in Vorschlag gebracht, und wird fich letzteres anläßlich deS im September 1886 dort stattfindenden Kongresses für Hygiene wohl am besten dazu eignen. Zugleich versendet der Vorstand des Mailänder Vereins einen Bericht über die Fortschritte der Vereinssache in Italien. In den Jahren 1876 bis 1884 fanden 444 Leichenver- brennungen statt, von denen allein in Mailand 332 stattfanden, in Rom und Lodi 44 und 26. In Bezug auf die Geschichte und staatliehe Regelung der Feuerbestattung in Italien sei bcmertt, daß die Agitation für Feuer- destattung in Italien erst im Jahre 1853 begann, als Coletti der Akademie in Padua seinen ersten Aufsatz über diesen Gegenstand vorlegte. Der Krieg von 1866 lenkte die Aufmerksamkeit weiter Kreise von Neuem auf diese Frage. Coletti schlug leider vergeblich die Errichtung von Scheiterhaufen aus Schlachtfeldern vor. Die Gesellschaft vom Rothen Kreuz lehnte eS sogar ab, fich überhaupt mit d«r Frage zu beschäftigen. Endlich stellte fich der zu Florenz 1869 abgehaltene internationale Kongreß auf die Seite der Feuerbestattung. Schon im folgenden Jahre fand die erste vom Staate erlaubte eines in Florenz verstorbenen indischen Fürsten mit allem Pomp, den die indische Religion vorschrieb, statt. Aber der Scheiterhaufen konnte nicht das Werkzeug der Feuerbestattung bleiben. Die Hilfsmittel der heutigen Wissenschaft und Technik sollten ihn verdrängen. Vor Allem waren zwei Italiener, Polli und Gorini, nach 5jährigen..Bemühungen die ersten, die in einem europäischen Kulturstaate anwendbare Methoden der Feuer- destattung auffanden. Mailand wurde die erste Stndt Italien», welche 1876 ein Krematorium errichtete. Mit der ersten Ver- brennung, die hier stattfand, welche die höchsten Behörden de» Staates und der Stadt autorifirten, war die Feuerbestattung als eine legale Institution sanktionirt. In allen größeren Städten des Landes entstanden in schneller Folge Vereine für Feuerbestattung, die bald zu einem einzigen italienischen Zen- ttal-Verein verschmolzen, und bei Gelegenheit des internatio- nalen hygienischen Kongresses zu Turin(1881) die Anregung zux Bildung eines internattonalen Ausschnsses für die Zwecke der?« Feuerbestattung gaben. Was die rechtlichen Grundlagen der Feuerbestattung und die hierzu erlassenen Ausführungs- bestimmungen anbetrifft, bestimmte der Minister Nicotera bereits im Januar 1879, daß der Präfckt(Obcrpräfident) nach An- hörung des provinziellen Gesundheitsraths die Feuerbestattung auf Anttag der Bethciligten gestatten dürfe. Kurze Zeit später erhielt der Verein für Feuerbestattung in Mailand durch königl. Dekret die Erlaubniß zur Vomahme der Feuerbestattung unter folgenden Bedingungen; 1) Der Präfekt ertheilt auf Antrag die Erlaubniß zur Feuerbestattung; 2) diesem Antrag find deizu. fügen: a. der vom Arzte ausgestellte Todtenschein; b. eine Be. scheinigung des Standesbeamten über die ordnungsmäßige Eintragung deS Todesfalles in die EtandeSregister; c. die Bescheinigung deS zuständigen Richters darüber, daß der Be- stattung juristische Bedenken nicht entgegenstehen. Diese Be» scheinigung ist nur beizubringen, falls a, die Todesursache unbekannt ist, d. der Tod plötzlich oder c. gewaltsam erfolgt, d. irgend ein Grund zur Annahme eines unnatürlichen Tode» vorliegt. 3) Der Piäfekt ist berechtigt, die Sektion zu ver» langen, bevor er die Erlaubniß ertheilt. 4) Die Sektion muß der Verbrennung vorhergeben unter den»ab c,«— d vorge- scheuen Umständen. 5) Die Verbrennung darf frühesten» 24 Stunden nach dem Tode vorgenommen werden. Im Jahre 1884 wurden diese Bestimmungen auf die ganze Provinz ausgedehnt, die anfänglich nur für die Stadt Mailand galten- Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den Ver- öffentlichungen des statistischen Amts der Stadt. Ausgehend «WWMK sammen 903(darunter 109 auhereheliche), tobt 15 männliche, 26 weibliche, zusammen 41(darunter 9 außereheliche) Kinder. Die Ledendgedormen, aufS Jahr berechnet, bilden 34,7, die Todtgeborenen 1,6 pro Mille der Bevölleiuna, die außerehelich Geborenen 13,10 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebcndgeborenen 12,92, die bei dm Todtgeborenen 16,67 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindungsanstalt wurden 48 Kinder geboren. Gestorben(ohne Todtgedorene) find 568, nämlich 265 männliche, 303 weibliche Personen. Von diesen .waren unter 1 Jahr alt 161(inkl. 29 außereheliche), 1 diS 5 Jahre 110(inkl. 9 außereheliche), 5—15 Jahre 37, 15 bis 20 Jahre 11, 20-30 Jahre 36, 30-40 Jahre 57. 40- 60 Jahre 77, 60 bis 80 Jahre 71, über 80 Jahre 8. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 48,— pCt. sämmt- licher in dieser Woche Gestorbmen aus. Von dm im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 52 im ersten, 19 im zweiten, 13 im dritten, 13 im vierten, 16 im fünften, 8 im sechsten, 10 im stebenten biszwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 34 mit Muttermilch, 0 mit Ammen« milch, 76 mit Thiermilch, 1 mit Milchsurrogaten, 19 mit ae« mischter Nahrung, von 31 war eS unbekannt. Todesursachen waren besonders: Lungenschwindsucht(88), Lungenentzündung Bronchialkatanh(19), Kehlkopfentzündung(13), Krämpse B Gehirnschlag(19), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(21), s(15), Alte, schwäche(22), Lebensschwäche(34), Abzehrung (17), Masern(10), Scharlach(9), Diphtherie(48), TuphuS(3), Diarrhöe(4), Brechdurchfall(4) Durch gewaltsamen Tod ende- ten 8 und durch Selbstmord 7, davon durch Vergiftung 2, durch Erhängen 3, durch Ertrinken 1, durch Erschießen 1. Die Sterblichkeit der Woche betrug auf den Jahresdurchschnitt berechnet, auf 1000 Einwohner 22,5 Prozent.— In der Woche wurden dem Polizeipräsidium gemeldet als erkrantt an Typhus 23, an Masern 108, an Scharlach 60, an Diphtherie 166, an Kindbellfieber 4. In den 9 größeren Krankenhäusem wurden in der BeiichtSwoche 821 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern?, an Scharlach?, an Diphtherie u. Kroup 31, anTyphusl6, an Rose 7. Es starben 132 Personen oder 23,2 pCt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand verblieben 3837 Kranke. Uereine und Versammlungen. hf«. Im Verein zur Wahrvng der Interessen der Tapezirer erstatteten am Montag Abend in den Gratweil'schen Bierhallen die Herren Sander, Kirchner und Wildberger Be- rieht über die in Frankfurt a. M. stattgehabte Generalver« sammlung der Zentral Kranken- und Sterbekasse der deutschen Tapezirer und den darauffolgenden Allgemeinen deutschen Ta« pezirerkongi eß. Als Hauptbeschlüsse der Kassen- Generalver- sammlung führte Referent Sander folgende an: Die Alters- grenze für die Aufnahmefähigkeit wurde vom 50. auf das 45. Lebensjahr herabgesetzt. Unter Beibehaltung der seitherigen Mitgliederberträae von wöchentlich 50, 35 und 30 Pf. für L, II. und in. Klaffe betragen künftig die täglichen Krankenver- pflegunasgelder 2 M. 30 Pf.(statt, wie bisher, 3 M. 50 Pf.), 2 M. 35 Pf. und 2 M- für I., II. und III. Klaffe. DaS Be- «rdigungsgeld blieb unverändert. Ferner wurde der Zentral- vorstand ermächtigt, außer den regelmäßigen Mitglied erbei trägen 4 mal im Jahre einen Extrabeitraa in Höhe des Wochenbeitrages zu erheben. Sogenannte„arbeitsfähige Kranke" habm fich zur Win- terszett von 9 Ubr Abends bis 6 Uhr früh, im Sommer von 10 Uhr AbendS bis 5 Uhr früh in ihrer Behausung aufzuhalten. Die Unterstützung der Kranken in Heilanstalten beträgt genau dm Unterstützungssatz der detteffenden Klaffe. Betragen aber die Verpflegungskostm mehr als die Höhe des betreffenden Unter« stützungesatzes, so bezahlt die Kaffe den Mehrbetrag an die Heilanstalt und außerdem noch an die Angehörigen des Krankm die statutarisch vorgeschriebenen 65 Pf. täglich(mit Ausschluß des Sonntags), gleichviel, welcher Vei pflegungSklassc der Kranke angehört. Sitz der Kaffe blieb Hamburg, Sitz des AusschuffeS Berlin. DaS Maximum der Ausgaben der örtlichen Verwal- tungSstellen für die Verwaltung, welches bisher 5 pCt. ihrer Einnahme nicht Lderflcigcu dinfte, wurde aus 6»Ct. erhöht. Die Generalversammlungen finden, anstatt wie bisher alle 2 Jahre, künftig alle 3 Jahre statt; die einzelnen Filialen sollm behufs der Delegirtenwahl zur Generalversammlung in Wahlbezirke zusammengezogen werden. PublikationS- organ der Kaffe bleibt die„Tapezirer- Zettuna." Bezüglich der ardeitSunfähigm Kranken wurde eine Ein- schränkung der Zeit zum Ausgehen auf täglich je drei Stunden beschlossen. Die Kaffe hat gegenwärtig 10 örtliche Verwaltungsstellen mit 2500 Mitglievern und einen Vermögensbestand von 7860 Mark. Nachdem die Versammlung von einer Dis- kusston über die Beschlüsse der Kassen- Generalversammlung Ad- stand genommen hatte, leitete Herr Wildberger die Bericht- erstattung über den Tapezircr-Kongreß ein. Nach des Redners Anficht sei das Hauptresultat desselben, nämlich die Ablehnung des Anttages der Berliner Tapezirer auf Errichtung eines allgemeinen deutschen Unterstützungsoereins der Tapezirer nach dem Vorbilde deS Buchdrucker-Verbandes und lediglich zum Zweck einer Verbesserung der materiellen Lage auf dem Boden des KoalitionSuchtes und der genossenschaftlichen Selbsthilfe, ein nur wenig befriedigendes, ja sehr bedauerliches Re- sultat gewesen. Von den zur Annahme gelangten Anträgen, dem Nürnberger Antrage und der Resolution des Hamburger Kollegen Grünwald, könne nur gesagt werden, daß„der kreißende Berg wieder einmal ein Mäuslein geboren." Trotz alledem könne man nicht umhin, die Kongreßbeschlüffe aufrecht zu halten und auszuführen, wenn auch nur in der ficheren Erwartung, daß schon der nächste Kongreß fich ge- nöthiat sehen werde, die jetzt abgelehnte Organisationseorlage anzubahnen. Hierauf fordeite der Redner Herrn Ki ckner zur Verlesung deS noch nicht druckfertigen Kongreß- ProtokolleS auf, welches die Verhandlungen ziemlich ausführlich wiedemcbt. Die positiven Kongreßbeschlüffe— der angenommene Nürnberger Antrag und die zum Beschluß erhobene Grünwald'jche Resolution— gehen dahin, daß nach wie vor überall Fach- vereine errichtet werden sollen, die eS als eine Ehrenpflicht zu betrachten haben, durch wöchentliche freiwillige Exirabeiträge und durch ihren Arbeitsnachweis die arbeitslosen und hilssbe- dürftigen Kollegen, gleichviel ob einheimische oder auf der Durchreise begriffene zu unterstützen. Ferner sollen künftig alle Fachvereins Arbeitsnachwelse in erster Linie nur Vereinimit- glieder und reisende Kollegen berückfichtigen. Im Falle für letztere Arbeit vorhanden ist, soll jede finanzielle Unterstützung unterbleiben. Feiner wählte der Kongreß, gemäß diesen Be- schlüffen, behufs besserer Wahrnehmung der Gesammtinteressen und zur Ueberwachung und Lberlei.ung, eine aus 7 Mitglie- dern bestehende Kontrolkommisston, mit dem Eitze in Nürn- berg, und einen Ausschuß, mit dem Sitze in Mainz. An die vorstehende Berichterstattung schloß fich eine lehr animirte mehrstündige Diskussion, an welcher fich besonders die Herren: Wildberger, Sander, Günther, Staudinger, Engel, Nikolas, Möllenhof, Klotz, Eibel Barnitzki und Kirchner beiheiligten und übereinstimmend dem Bedaunn Ausdruck gaben, daß der Kongreß dm Berliner Antrag abge« lehnt. Ebenso allgemein sp-ach man fich aber auch für die Aufrechthaltung und Durchführung der vom Kongreß gefaßten Beschlüffe auS. Vereinigung der deutsche« Schmiede. Am Sonn- abmd, den 9. Januar, hielt die Mitgliedschaft Berlin ihre erste diesjährige Vereinsve. sammlung in Gratweil's Bierhallm ab. Herr Ingenieur Kirchner hielt einen interessanten Vor« trag, welcher durch Abbildungen illustrirt wurde, über die „Emwickelung der Dampfmaschine" Referent führte ungefähr folgendes aus: Die Dampfmaschine, welche heute etwas so selbstverständliches ist,(rauchte doch fast 2000 Iahte, um zu der heutigen Vollendung zu gelangen. Es wird uns schon berichtet, daß Hero, 120 Jahre v. Ehr, einen Apparat erfand, welcher durch Dampf bewegt wurde; dann aber brachte ein volles Jahrtausmd nichts zu Wege; daran waren wohl die bewegten Zeiten der Völkerwanderung u. f. w. viel Schuld. Erst im 17. Jahrhundert, 1659, erwerterre Martin v. Worstcr die Erfindung und Ende desselben Jahrhunverts versuchte der Franzose Papin, welcher aus Frankreich verbannt, am Hofe des Landgrasen von Kassel lebte, die erste Praktische Benutzung der Dampfmaschine, ohn: aber etwas zu erzielen; er hatte aber kein Glück in seinen Unternehmungen. Das einzige, was jetzt noch von seinen Erfindungen im Gebrauch ist, sei der so- genannte„Papin'sche Kochtopf". Nun erweiterten fich die Er- findungen von Jahr zu Jahr, der Bürgermeister von Magde bürg, Otto v. Guericke, erfand die Luftpumpe, waS i> damaliger Zeit ungeheuns Aufsehen hervorrief. Der&i' länder Sawary hatte nun schon mehr Glück, indem er eiw brauchbare Maschine zum Wafferheben aus dcn Bergwerl« konstruirte; jedoch war auch diese noch sehr unvolllomm» Erst JameS Watt(diesen Namen führt heute noch ei« große Maschinenfabrik in Birmingham) erweiterte verbesserte die Maschine durch mannigfache E-findi die beste davon war wohl unstreitig die Anwendung der K> und des Schwungrads, ebenso erfand er den Kurbrl Reg' jedoch erst in neuerer Zeit find die brauchbarsten, die liej Maschinen erfunden worden, von welchen das System daS praktischste ist. Referent knüpfte noch einige Betracht an die Umwälzung, welche die Maschine auf sozialem Gel hervorgerufen— mit welchen jedoch die Versammlung einverstanden war— indem er eine Beschränkung der 2lrL_ zeit als ein gefährliches Mittel bezeichnete, zumal China W sehbarer Zeit wohl die ganze Welt mit billigen Arbeits kräf* überschwemmen würde, da fich auch dort die Maschine Eing« verschafft, nachdem die Regierung vergeblich versucht habe, d selbe abzuwehren. Nachdem der Vorfitzende diesen A> führungcn entgegen getreten war, wurde zum 2. Punkt> Tagesordnung„Eintheilung der Mitglieds� aft Beilin in Zill stellen" übergegangen und beschloff-n, 8 Zahlstellen einzurichÄ wo fich die Mitglieder Sonnabends das Vereinsorgan,„N D. M.-Z." abbolen können. Weiter wurde bekannt gemaA daß Sonnabend, den 30. Januar, im Koloffeum, ein Win* Maskenball zum Besten der VereinSkass- stattfindet- Verein zur Wahrung der Interessen der Kiste» und Koffermacher Berlins. In der Mitglieder. Versaw» lung am Montag, den 11. d. M-, hielt Herr Dr. Lütgen» einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thems „Wie soll eine gesunde Wohnung beschaffen sein?" Der B» tr-gende wies zunächst auf die vielen Uc beistände der Berlii» Alveitcnvohnungen hin und betonte, daß die weiter südl» gelegenen Länder, zum Beispiel Spanien und Italien, in die!« Beziehung noch viel weiter zurück seien, ebenso auch Londl« erscheint in's Hau 4 Mark. wo über eine Million Menschen beiderlei Geschlechts oft zwölf bis zwanzig P-rsonen zusammen in einem Rott wohnen. Bei solchen Verhältnissen sei es unmöglich, daß i ordentliches und gesittetes Familienl'ben herrschen kann. sei zwar möglich, die ungesunden Wohnungen durch eig« Hilfe eiwas zu heben, aber die herrschenden Mißstände g» zu verhüten, dazu bedarf es einer ernstlichen sozialen Refon darum sei es Psticht eines Jeden, zuerst dahin zu streben,' die Arbeitszeit verkürzt würde, sowie daß in unsev Volksschulen die Gesundheitslehre mehr berückfichtigt wer« Redner empfahl, vor Allem de rauf zu halten, daß die nung, möge fie auch noch so klein und unbequem sein, orde lich gelü trt werde. Reine Lust ist der Hauptfaktor einer sunden Wohnung. Ein Jeder möge aber ernstlich mit käv und ringen für eine wahre soz ale Reform, denn ohne Ka sei kein Sieg. An der Diskussion über den Vortrag bethe ten fich mehrere Redner im Sinne des Referenten. Z» 2. Punkt der Tagesoidnung;„Statuten-Angelegenheilen", na' Herr Leichnitz das Wort und wie« darauf hin. aus welch» Grunde die Gencbm gung der Statuten vom Polizeip'.äftddi nicht erfolgt sei. Redner las den bereits verbesserten Pan-e.�» ,i_ graphen des Statuts vor, welchen die Versammlung an«'!... kannte. Zum 3. Punkt der Tagesordnung:„Aenderung;* Arbeitsnachweises', wurde vom Vorfitzenden, Herrn Raucht � darauf hingewiesen, daß der Arbeitsnachweis bis j-tzi nur*'£r Dur Paris, i Lrbeilerft Handelsa für Hanl ordnete u Wer Ewgreife! knnen be die Frag in Angri Frage h Volk fei ird. Deck ander«. en auf mangelhaft durch die zu diesem Zwecke gewählten 7 Mitglie verwallet worden sei und beantragte, daß der Arbeitsnach dem Restaurateur Herrn Dickert, Holzmarktgaffe 3, Übertrag würde. Dieser Antrag wurde von der Versammlung simmig angenommen. Nach Erledigung einiger geh Ircher Angelegenheiten wurde bekannt gemacht, daß 23. Januar ein Wiener Maskenball vom Verein, und ,w< Deigmüller, Alte Jakodstr. 48a, arrangirt wird. Schluß d« aller orbe, elben ozialrstrsi tnt—, Haffe«. Z» Versammlung um 12 Uhr."»eiche« 1 Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag, den 14.»ehn Abenos 3'/, Ubr, im großen Saale des Restaurant Menck, AlXPvar wr Jakobstr. 128, Vonrag des Herrn Dr. A.Lcman über:„Ap#>och kan rate zur Messung von Geschwirdigkeilen." Gäste willkommen wieder l Theater. Mittwoch, den 14. Januar. Opernhaus. Der-Trompeter von Sälkingen. Oper in 4 Akten nebst einem Vorspiel. Schauspielhaus. Bürgerlich und romantisch, Lust'piel in 4 Sitten von Bauernfeld. Deutsches Theater. Ein Tropfen Gift. Siefideuz-Tdeater Clara Soleil. Vorher: Die Echulteiterin. afrledrief)• Wilhelmstädtisches Tdeater. Rafaela, Operette in 3 Alten von Max Walhalla- Operette«- Theater. Mamsell Angot. i Wallner-Theater. Frau Direktor Striese. Belle- Alliance- Theater. Lucinde vom «entra�Theater. Der Stabs�Trompeter. Louisenstädtisches Theater. Martha. vittoria- Theater. Messalina. Ostend- i Heuler Wir Berliner. «öntgstädtische« Theater. Die Marionetten American- Theater. Große Spezialitäten- Vorstellung.„ r-, Theater der Reichshallen. Große Speziali- taten Vorstellung. Kaufmann'» Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Kontordia. Große Epezialttäten-Vorstellung. Alharnbra-Theater. Wallnertheaterstraße 16. Friese! und Wiesel, Posse mit Gesang in 3 Akten(6 Bildern) Ed. Jakobson. Mustk von G. Lehnhardt. Vor der Vorstellung: Gr. Aou)ert der Hauskapelle. von Anfang des Konzerts Wochentag« 7 Uhr, der Vorstellung 7»/« Udr. Anfang de« Konzert« Sonntag« 6 Uhr. »an« baden«o���Gilttgkeit und find im Theaterdureau(12-1 Ubr) gratis zu haben. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bit 10 U. Ad. Kaiser-Panorama. Ewe interessante Rheinreise. Amerika- Kalifornien. Mond. Nur noch diese Woche: Weihnachts Ausstellung: Das Leben Jesu. Jerusalem, Bethlehem jc. Eine Reise 20 P,-linder nur 10 Pf. Abonnem. Hukrah! 18 Jahr! ßumh! bekämpft, Fräulein Ada Mendt zu ihrem heutigen Wiegenfeste ein dretmal donnerndes Hoch, vaß vom Kottduser Thor bis zum Oranien. Platz alle Häuser wackeln.[424 Der Dicke. Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten Seifenpnlver Ä'ffltVÄÄ~ Für die Mitglieder der � Zmiml-Krankm- n. Aegräkmß-Kajse für Frauen nnilKlällküen m Nenisckl. (eingeschriebene Hllfekaffe Nr. 26) find Zahlstellen errichtet bei den Damen: Fi au Grottmann. Wolgasterstr. 8: Frau Schneider, Blumenstr.29 im Laden; Frau Strauß, Mehrerstr. 6, Hof pari; Frau Schneider, Naunynstr. 60, v. i. Keller, und beim Kalstrer Herrn Schieß!, Waffer- thorftraße 69, III.[419 An- und Krankmeldungen finden biim Vor- fitzenden tzetrn Th. Bielefeld, Gitschiner- straße 94 II, statt. Der Vorstand. Anerkannt beste» und billigste» Wasch- und Reinigungsmittel, macht die Wäsche blendend meist, enthält keine derselben schLdliche Kestandtheile, erspart viel Zeit und Arbeit. Eignet fich auch sehr zum Keinigeu von Fußböden, Fenstern, Metallen ic. V« Pfd. de» Pulver» ersetzt 8 Pfd. Keife. Probepackcte 20 Pf. Aufträge von 10 Pfd. an frei in's Haus. Respekt. Seifen-, Droguen- und Kolonialwaaren« Handlungen als Debiteure werden gesucht. BEngo Jacobsohn& Co«, General-D»bitenre, Berlin 8., Pttfthan■ Straße 106« sin auSgl Die lrbeiterfr Arbeiter »d Mtl. rbeiter i räsident zu «par Da« -me, rarbeit Wel «ber »von wi ttSgefah, herung! Attest. Auf Verlangen des Herrn Hugo Jacobsohn bcschrinige ick demselben hiermit, daß in meiner Anstalt nur Seifenpulver der rheinischen Sodafabrik in Gebrauch kommt und dieselbe fich vorzüglich bewährt. Frau Kalberg. irzähl. Seatral-Kraalml'»ad Swbekafft der Wagenbauer. V er»anniilnngp Zu beziehen durch Wörlein«. Comp, in Nürnberg: sämmtiicher Berliner Mitglieder am Konntag, den 17. Januar, Vormittags 10 Uhr, in den unteren Sälen der Gratweil'schen Kier» Halle«, kommandantensttaße 77/79. Tages-Ordnung: 1. Bericht über das 4. Quartal 1885.[420 2. Innere Kaffen-Anaelegenheiten. I. A.: E. D r e w i tz. Pentfdjtt Kimdlmktt- und Atbeitcr Nsty-Kaleiliikr fil»,«)•« 1886 Verein zur Wahrung d. Interessen der Korbmacher. General- Versammlung Der Kalender ist inhattlich wiederum bedeutend vermehrt worden. Außer den| bisher schon darin enthaltenen Tabellen, Tarifen und Gesetzen(als Krankenversicherungs- I ge.ey mit Nachtrag vom 28. Januar 1885, Hilfs kaffengcsetz mit Nooelle| vom 1. Juni 1884 ic.) find neu beigefügt: Das Gesetz über die Freizügigkeit, Gesetz, betr. das Urheberrecht an Mustern und Modellen, Gesetz Über Marken-. schütz. Im Geschichtskalender find die in ber neuesten Zeit eingetretenen Ereignisse nachgetragen. Der Kalender, mit Schreibpapier und Papier für Tagesnotizen ausgestattet, I kostet wie bisher 50 Pfennig. Sonntag, den 17. Januar, VormiltagS 10 Uhr, bei Stto. Adalbertst.aße 21. Tagesordnung: 1. Vietteljährliche Rechnungslegung. 2. Vortrag des Herrn Prediger« emer. Kendziora iMr:„Werth der Arbeit für die Volkswirthschast und Moralität". (DiSkusfion.)'[418 3. Vereins Avaelegenheilen und Aufnahme neuer Mitglieder. Der wichtigen Tagesordnung halber ist das Erscheinen jedeS Mitgliedes erwünscht. Auf vielfachen Wunsch ist eine st ä r k e r e Ausgabe mit mehr Schreibpapier und| 1 besserem Einband angefertigt, von der das Exemplar zu 70 Pfennig abgegeben wird. Wiederverkäuser erhalten Rabatt. Sophas und Matratzen, sowie Polsterwaaren werden gut und auf? Billigste hergestellt.[411 H. Krämer, Linden straße 107. Eine vollst. Kildhaner-Werlrstott � 20jähr. Kundschaft ist sofort billig zu verkauft. Slalitzerstr. 140 bei Kap vier. �rbeitsmarkt.- Bildhauergeh. verl. Koppler, Slalitzerstr. 140- 1*% Verantwortlicher Redakteur R«rouhrtm in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin SW., Seuchstraße