was u Ur. 1Ä. Der Sit n er(® rrftronlf lllomm» Freitag, den IS. Jannar 1886. III. Jal�rg. MerVlllksblllll. Brgan für die Interessen der Arbeiter. ...» v»»» 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pfa. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) sen Ai ßunN*— WWWD— «irfäii Das„Berliner Volksblatt" *« erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ' g'emA in's Haus vierteljährlich 4........'"------------ in Witt>« r ftifte». Verjanw LiitgeB s ZW Der B-■ -r BerÄ iter südlll , in' i) Lon its oft m Rai >, daß kann. rch eii ände gi i Refoi reden, r uns« igt we die in, ordi einer nitkäi me K n ten", rol B welltii iip'.äfidb ten Pi lung ai erung Kauihi zt nm sl Mitgliei itsnach überttä «lung r gesi bettägt für die 4 gespaltete Bei größeren Aufträi Nachmittags in der nsertionSgebühr etitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. en hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Spedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- mreaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KrtaKtiim: ScnMraKr S.— Crxcdition: Zimmerstroß» 44. Zur Arbnittsrigt u> Frankreich. Durch die Errennung des radikale« Abgeordneten von Paris, des Herr« Lcckroy, zum Minister kommt auch die Arbeiterfrage in Frankreich von oben etwas in Fluß. Das HandelSministeriumZ wird von nun an den Titel„Ministerium für Handel und Industrie" führen und der genannte Abge- ordnete wird nunmehr sozusagen ArbeitSmiaister fein. Wenngleich wir die Ueberzeugung haben, daß alles Eingreifen in die Arbeiterfrage lediglich von oben herab keine» besonderen Nutzen erzielt, freuen wir uns doch, daß die Frage selbst in den Regierungskreise« der Kulturstaatea in Angriff genommen wird schon deshalb, weil dadurch die rage immer mehr in Fluß gerät h und da» arbeitende olk selbst, worauf eS hauptsächlich ankommt, angeregt ird. Doch in Frankreich liegt die Angelegenheit«och ander». Die Regierung ist vom Volke viel mehr ab- «aig, als in den übrigen energischer Großstaaten. Da» olk kann deshalb einen bei weitem größere« Druck au»- en auf die Regierung: findet fich nun m der Regierung 'elbst ein europäischer Minister, der ernsthaft im Intereffe er Arbeiter an die.Lösung der Arbeiterfrage" herantritt, n« ist derselbe der Unterstützung der Arbeitermaffen sicher. Der jetzeige Minister Lockroy hat die meisten Stimmen •n allen Pariser Abgeordneten erhalten; er ist mit dem orbenen Viktor Hugo verwandt und hat das Vermögen clbe« ererbt, er ist deshalb unabhängig; er steht de» Sozialistischen Anschauungen, ähnlich wie Clemenceau, nicht --krn— wenn der Mann also will, so kann er etwa» Gute» taÜ schaffe». »rtiiHfc t)rt 3» Frankreich besteht z. B.«och immer ei» Gesetz, �" welche» 1791 entstanden ist, nach welchem fich nicht mehr Zen 14. v.al» zehn Arbeiter an einer Affoziation betheiligen dürfen; Jiend Mswar wird da» Gesetz nicht immer strenge angewandt, c:„Äpr:'»och kann eine reaktionäre Regierung e» zu jeder Zeit lillkomw'� wieder beleben; Lockroy hat die» Gesetz schon früher kämpft, möge er sich bemühen, dasselbe aufzuheben und ausgedehnte» AssoziatiooSwesen zu schaffen. Die ftanzösische Staatsgewalt hat bis jetzt sich in Arbeiterfragen nur geltend gemacht, wen« dre Roth die rbeiter zum Aufruhr zwang— dann sandte sie Polizei d Militär hin zur Unterdrückung deffelben. Als aber die beiter von Ronen und Umgegend vor einige« Jahre» zum äsidenten der Republik kamen, um Hilfe gegen ihre Arbeit- «ber zu erbitten, da wurde eine vollständig nutz- und resultat- e„parlamentarische Untersuchung' angestellt. Da« Ministerium Freycinet will nun soziale Re- ' m e n anbahnen, und der Ministee Lockroy ist mit den arbeiten bettaut worden. Welche Gestaltung diese Reformen annehmen solle«, «on weiß man allerdings»och nichts. Ob die etwa« gefahrenen Geleise de» sozial-reformatorischen Ver» erungSwesev», ähnlich wie in Deutschland, betteten wer« w. t die spart öden, Auf. «iteure ige ick itabrik a. Jeuiweton. Dunkle Gestalte«. I»«»ottaj »der er den| :rungs- ocllel itgteit, iarken- Äf1 ier und a wttd.| u«rka«A tt. 140.1 rzählung auS dem sozialen Leben der Gegenwart von Karl Ztelke. s5 Trotzdem setzte fich der junge Mann. Er legte seine« snlinderhut«eben fich auf den Stuhl, und jetzt sah man P, daß diesem kaum fünfundzwanzigjährigen Mann das »aar fast gänzlich ausgegangen war. .Du ttmkst ei« Glas Sherry mit mir?" fragte I „Sie wissen, daß ich hier nicht« ausschlagen darf!" segnete sie kalt. „Gut denn, Kellner, Sherry!" „Du bist mir döse, Martha," begann er dann, nachdem Kellner da« Gewünschte gebracht hatte. „Fragen Sie nicht so thöricht, Herr," erwiderte fie mit ier Stimme, e« giebt nur einen Menschen auf der Welt, ich.haffe und verabscheue, und da» sind Sie!" „Wie rerzend Du aussiehst, wenn Du zornig bist,' er, mdem er sich in seme» Stuhl zurücklehnte und de« ch sei» er Zigarette gegen die Decke blies. Er sah sie -i mit einem Ausdruck an, der belustigt scheinen sollte, Iber That verbarg er jedoch hinter dieser Nonchalance nur re Verlegenheit. Sie bog sich über den Tisch hinüber, bi« dicht an ihn «». ihre Hand ballte fich krampfhaft, so daß sie fast den »e« Handschuh zu zersprengen drohte, ihre Oberlippe hob «an sah ihre fest zusammen gibisseaen kleinen Zähne, tnetr" mühfant schien sie die Worte hervorzischea zu ein erbärmliches Wesen Schande lebe, wie die Leute Mein Herr, sie sehe», daß ich , Sie wissen, daß ich von der Sö den, oder ob man die gesunderen Bahnen der Arbetter« schutzgesetzgedung wandeln wird, da» ist noch völlig un- bekannt. Dem Premierminister Freycinet spricht man«ach, daß er den deutschen Reichskanzler sich gern zum Vorbild nehme. Thut er dies auch in Bezug auf fozial-reformatorische Be> strebungen, so wird er kaum Anerkennung bei den übrigen gesetzgebenden Gewalten finden und der Arbeitsminister thäte sehr wohl daran, dem Premier auf solchen Wegen nicht zu folgen. Was dem deutsche» Arbeiter nutzen kann, nutzt aui dem französischen. Die Ausnutzung der Arbeitskraft dun den Kapitalismus ist diesseits und ienseit« der Vogesen die sse» auch die Mi selbm sein. selbe, deshalb müssen auch die Mittel zur Abhilfe die- ist so oft betont worden, daß ein Verbot der Kinderarbeit, Beschränkung der Frauenarbeit, Verkürzung der Arbeitszeit u. s. w. ohne Vereinbarung mit den übrigen Kulturstaaten schädliche Wirkungen für Deutschlands In- dustrie ausüben könnten. Hier wäre die Gelegenheit, mit dem Nachbarstaate Frankreich Vereinbarungen zu treffen in Bezug auf gesunde Sozial-Reform und wirkungsvolle Ar- betterschutzgefetzgebung. Ein al» arbeiterfreundlich gerühmter tüchtiger Minister in Frankreich, eine angeblich arbeiterfreundliche ReichSreaie« rung in Deutschland— sie könnten zeige«, daß soziale Re- formen kein leerer Wahn bleiben solle». Und wen» die beiden neben de« Engländern iatelli- gentesten und tüchtigsten Nationen der Erde, die deutsche und die französische, eine Vereinbarung in Bezug auf die Arbeiterschutzaesetzgebung treffe« würden, dann wären auch die übrigen Staaten gezwungen, diese» Vereinbarungen in ihrem eigene» Interesse beizutreten. In Deutschland befindet sich die Frage der Sozialreform in Fluß, die französische Regierung zeigt den guten Willen, auch in Frankreich die Frage anzuregen, da» arbeitende Volk in beiden Ländern ist sich darin einig, daß Abhilfe der große« Nothstände, unter denen die Arbeiter leiden, ge» schaffe» werden müsse, nun mögen die beiderseitige« Regie- rungen zeige«, daß es ihnen mit ihrer vielgerühmten Arbeiter- freundlichkeit Ernst ist: Elc Rhodas, hic salta! Politische Ueberftcht. Ueber den Sitzungen des Reichstages lagert eine Atmosphäre von bleierner Langweiligkeit. Die Hauptarbeiten find in die Kommisfionen verwiesen; daher kommt es, daß die Tagesordnung für die Plenarfitzungen manchmal außerordent» lich dürftig besetzt ist.ZGestem, Donnerstag, standen dteZAnträge Ausfeld in Bezug auf Abänderung de» ZolltarifgesetzeS und Zulassung des Rechtsweges in Zollstreitsachen, sowie der An- ttag Junggreen, betteffend deutsche und dänische Sprache vor sagen, ich stehe außerhalb der menschlichen Gesellschaft. Wer an diesen Verhältnissen die Schuld trägt, ist gerade Ihnen nicht unbekannt, ich trage mein Schicksal, meine Schmach mit Ergebung. Niemals aber ist mir mein LooS erbärm- licher vorgekommen, als gerade heute Abend, wo ich zu allen anderen Unannehmlichkeiten noch Ihre« Spott zu erdulde» habe! Wagen Sie es noch einmal, mich mit Ihren Lieben»- Würdigkeiten zu behelligen, dann sollen Sie sehen, daß ich Ihnen, obgleich ich nur ei» schwache« Weib bin, in jeder Beziehung gewachsen bin." Sie sank wie erschöpft auf ihren Stuhl zurück, ergriff ihr Glas und ttank es in einem Zuge leer. Er hatte diesem überaus erregten und leidenschaftlichen Erguß ruhig zugehört. Keine Muskel feine« schlaffen, matten Gesicht« hatte gezuckt,»ur mit brennender Begierde haftete sein graue« Aupe auf ihrem Gesicht. „Nun, das Trinke« scheinst Du nicht verlernt zu haben," sagte er, indem er spöttisch auf ihr leere« Glas wie«.„Kellner, bringe« Sie noch Sherry für die Dame I' beigebracht? herumgeführt, al» ii noch in meinem Dachstübchen an der ich wirklich durch die elendeste« Machinationen dahin gebracht, daß mein Franz heute noch in Plötzensee schmachtet, und ich ihm die gelobte Treue brach? Herr Winkler, es war kein schöne« Werk von Ihnen, ein armcS, alleinstehendes Mädchen in dieser Weise unglücklich gemacht zu haben. Vielleicht aber findet sich noch einmal Gelegenheit, Ihne« da« Alle« zurück- zuzahlen, und dann sollen Sie sehen, daß auch ein Weib sein gebrochenes LebenSglück zu räche« versteht, selbst wen« diese» Weib gesunken ist.' den Gerichten, zur Berathung. Keiner der Redner vermochte die Aufmerksamkeit de« sehr spärlich besetzten HauseS zu fesseln; auch die an den Haaren herbeigezerrten Witze de« Herrn Alexander Meyer(volgo Bier- Meyer)„zogen" nicht mehr und man sah es den Volksvettietem an, daß ste fich nach dem Schlüsse der Sitzung sehnten. Heute, Freitag, wird wahr- scheinlich die Polenfrage auf der Tagesordnung stehen, die in Verbindnng mit der— von un« gestern besprochenen— rufst« schen Revanche wohl mehr Leben in die parlamentarischen Ver- Handlungen bringen dürfte. Im bayrische« Abgeordnetenhanse wurde gegen die Stimmen der Konservativen und Nattonalliberalen vre von der Volkspartei eingebrachte Petition genehmigt, welche dahin geht, daß die bayrische Regierung im Bundesrath für die Ge- Währung von Diäten an die ReichStagSmttglieder einttete» treten An den langen, da vorausstchtlich der sozialdemokratische Diätenantrag im Reichstage innerbalb der nächsten Wochen zur Verhandlung und auch wohl zur Annahme gelangen wird. In Betreff der Wiederbesetzung de» posener Bischof«- stnhIS Jauchen die verschiedenartigsten Gerüchte auf. Man will wissen, daß der neue Bischof seinen Sitz in Berlin auffchlagen werde und glaubt dies damit motiviren zu können. daß Fürst Bismarck fich schon früher für die Errichtung einer päpstlichen Nunziatur am hiefigen Hofe ausgesprochen habe, weil es der preußischen Regierung gelegener sei, direkt mit dem Papste zu verhandeln. Vielleicht soll diese Maßregel dazu dienen, da» Zentrum kalt zu stellen, waS aber wohl schwerlich gelingen wird, wenn nicht zugleich die wesentlichsten Bestimmungen der Maigesetze aufgehoben werden. Der,.Reichs- und EtaatSanzeiger" vublizirt nunmehr im franzöfischen Text die auf die Karolinenfrage be- züglichen Schriftstücke und sendet dem Abdruck derselben fol- aende Worte voraus:„Nachdem die Veröffentlichung de» Karolinen. ProtokolleS auf Veranlassung der spanischen Regie- rung stattgefunden hat, find wir in den Stand gesetzt, dieselbe auch diesseits zu bewirken." Gegen Duldung irgend einer Art von Sklaverei in deutschen Schutzgebieten werden von Frankfurter Frauen Petitionen an den Reichstag in Umlauf gefetzt. Die Sklaverei und Hörigkeit müsse in jeder Form in dm deutschen Schutz- gebieten verbotm werden. Andernfalls dürste die Sklaverei, Zs nttfittlichmde« Prinzip, kaum verfehlen, einen unheilvollen Rückichlag auf die mutterlandische Bevölkerung auszuüben. Mit dieser Anficht können wir un« nur vollständig einverstanden erklären. . bisherige Verfahren für die Festsetzung der korrektionellen Rachhaft der Korrigendm ist durch eine neuerdings erlassene Anweisung des Herrn Ministers deS Innern bedeutmd geändert worden. Danach soll in Zukunft gegen Deutsche, welche auf Grund gerichtlichen Erkenntnisse» Arbeitshaus unthunlich erscheinen laffen.'in�besondere wenn durch ärztliche Untersuchung festgestellt ist, daß körperliche oder Sie starrte düster vor fich hin. Der hastig genossene Wem hatte rhre Wange» geröthet, ihre Augen finge» an, unheimlich zu leuchten. Trotzdem betrachtete fie der junge Mann mit immer gesteigertem Wohlgefallen. mir_______ melancholischen_____ D„____ gut mit Dir gemeint, und wenn es mir meine Verhältnisse nicht gestatteten, Deine exorbilante« Wünsche zu erfülle«, so mußt Du mir deswegen keine ungerechtfertigten Vorwürfe machen. Ich habe Alle» gethan. wa» in meinen Kräfte» stand, ich hatte Dir versprochen.' Dich schadlos zu halten, Du hättest e« mcht nöthiA gehabt, zu sinken, wenn Du mein Anerbieten angenommen hättest!" Das junge Mädchen lachte bitter. „Dein— Ihr Anerbieten," entgegnete sie,„mit Eurem lumpigen Gelbe wolltet Ihr gut mache», was Ihr an m» verbrochen habt, ich habe Euer Geld nicht nöthia gehabt. Man hatte mich in der schwersten Stunde meines Lebens in die Charitee arfgenommen, und Ihr Kind, Herr Winkler, liegt auf dem Armenkirchhof. Dort möge» Sie es suche», «en» Sie es finde«, und dort könne» Sie auch Ihr Geld deponiren, wenn Sie wollen." Wieder lachte fie grell und hob ihr Glas empor. „Trinke« Sie doch, Herr Winkler, Sie als der einzige ..„utr,— �'"�ster« der Reichshauptstadt, Laune verderben! Sie stieß mtt ihm an und wieder leerte fie ihr Gla« in einem Zuge. „Es scheint, als ob e» Dir ein besondere« Vergnüge« macht, von Sache« zu sprechen, die Niemand mehr ändern kann," entgegnete er.„Ich dachte, e» wäre mtt Dir ei« vernünfttge« Wort zu sprechen!' f'stlge Gebrechen beS zu Ueberweisenden dem im Wege stehen. auenSpersonen, welche ihre SnlÜnbura erwarten, find einer beitsanstalt nicht zuzuführen. Cb spater eine lorrektionelle Nachhaft sestzuseven, bleibt von den besonderen Umständen abhängig. Kranke find erst nach erfolgter Heilung der Arbeits- anstatt zuzuführen. D'e Dauer der Detention im stalle erst- maltger Ue der Weisung ist auf sechs Monate, bei jeder späteren aber entsprechend höher, bis zu der Max'mrlzeit von zwei fahren zu bemessen. In allen Fällen, in welchen das Ver< halten des Detinirten die Erwartung gerechtfertigt erscheinen läßt, daß der Zweck der Nachhaft durch eine kürzere als die festgesetzte Zeit erreicht werden wird, bat die Direktion deS Arbeitshauses wegen Ab- kürzung derselben der Landespolizetbehörde, unter Vor- legung eires von dem oberen Anstaltsbeamtcn und dem An- staltsgeistlichen abzugebenden, moliorten Gu achtens, die erforderlichen Vorschläge zu machen. Bei der Eni cheidung über dieselben ist die Landespol zeibehörde ermächtigt, die festgesetzte Delent onszeit bis zur Hätste, jevoch keinesfalls über drei Mo- nate zu ermäßlgen. Zu dem von der Landespolize Behörde fest- gesetzten Termine a- langt der Detinirte zur Entlassung, sofern n cht von der Anstaltsd rektion eine Verlängerung der Deten- tion, wegen schlechter Führung, nachgesucht und genehmigt sein sollte. Vor der Entlassung ist der Detinirte zu befragen, an welchem Ort er seinen Aufenthalt zu nehmen beabstchtiat. Die Anstastsdireklion hat sodann die Ortsbehörde zu benachrichtigen, mit dem Ersuchen, dem Entlassenen bei seinem weiteren Fort- kommen beihil lich zu sein und ihm eine seinen K- ästen angr- messen« Arbeit zuzuweisen und zu diesem Zwecke die Mrt- mirkung des Ort? geistlichen sowie etwa bestehender Vereine in Anspruch zu nehmen. Endlich soll in denjenigen Fällen, in welchen Personen unter 21 Jahren zur korrektionellen Nachbast gebracht werden, festgestellt werden, inwiefern an der Ver- wahrlosung den Vater oder Vormund etwa eine Schulo trifft, und soll in diesen Fällen die Entziehung der väterlichen Ge- walt beantragt, auch der Waisenrath des Aufenthaltsorts be- nachrichtigt werden. Der Entwurf eiuee Gesetzes, betreffend die Rechts« Pflege in den doutschen Schutzgebieten, lautet:„Die Ausübung der Gerichtsbarkeit in den deutschen Schutzgebieten, sowie die Mitwirkung der deutschen Behö den bei der Aus- Übung dieser Gerichtsbarkeit und die hierbei zur Anwendung kommenden Vorschriften des bürgerlichen Rechts und des Strafrechts werden durch kaiserliche Verordnung mit Zustim- mung deS Bundesraths geregelt. Die auf Grund dieses Ge- setzes erlassenen Verordnungen find dem Reichstag sofort be- ziehungsweise bei dessen nächstem Zufammenrnten zur Kennt- nißnahme vorzulegen."— Der Reichstag wird stch demnächst mit diesem Entwurf zu beschäftigen haben. Ausweisungen auf Grund de» Fremdengesetzes. Herr Hermann Bang, ein junger Echriststeller aus Kopen- Hägen» welcher fich in Berlin aufhielt und ausschließlich lite- laiischen Interessen lebte, ist von der Polizei benachrichtigt worden, daß er binnen 48 Stunden den preußischen Staat zu verlassen habe. Wie verlautet, gedachte Herr Bang hier Haupt- sächlich dramaturgische Studien zu machen.— Ferner wurde Dr. Emil Kaller-Reinthal, ein besonders in der österreichischen Arbeiterbewegung vielgenannter und von ösür- reichischen Behörden viel verfolgter und gemaßregelter An- Hänger der Sozialdemokratie von der Polizei aufgefordert, binnen 24 Stunden Ber>in und Umgegend zu verlassen. Am letzten Montag erschien noch vor Tagesanbruch ein Polizei- heamter in seiner Wohnung, der ihn aufforderte, mit nach dem Molkenmarkte zu kommen. Nachdem man dort den Sistirten ein paar Stunden in einem separtrten Zimmer unterge- bracht hatte, wurde ihm schließlich die AuSweisungsaste zugestellt. AuS München wird gemeldet, daß das Gcsammt- Ministerium dem König Vorstellungen in Betreff der Kabinets- lasse gemacht habe, welche aber zurückgewi-sen worden seien. Wie einige Blätter wissen wollen, hätte dos bayrische Ministerium die Abficht, s ine Entlassung einzureichen. Eine heutige Depesche aus München stellt dies jedoch in Abrede, die Stellung des Ministeriums sei weder erschüttert noch be- obflchtige dasselbe seine Demisfion zu nehmen. König Ludwig soll sich auoenblrcklrch inkognito in Paris befinden. Frankfurt a» M. Vor einigen Tagen erschienen, wie die„Franks. Ztg." berichret, in der Wirthschaft deS Herrn Schölt in der Brückhofstraße Nc 6 ein Polizeikommissar und «in halbes Dutzend Schutzleute. welche die anwesenden Gaste durchsuchten. Man zog denselben allerlei auS den Taschen: dem einen sein Frühstück, dem andern eine„Frankfurter Zei- tung" und so fort! Nachdem die Untersuchung deendet war, zog fich die Polizei wieder zurück und überließ die Gäste ihrem eigenen Nachdenken über diese etwas auffällige Polizetpraxis. Begnadigung. Die Schutzleute Speer, Hüdner und Stockhausen zu Frankfurt a. M., welche wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt(Friedhofsassäre) zu mehrmonatlichen Gr- sängnißstiafen vermtheilt wurden, find aus Anlaß des Regie- rungi-JudilaumS begnadigt worden. Oesterreich Ungar». Daß es in K r o a t i e n rumort, kann angestchts des Vor- gehens der dortigen Regierung nicht Wunder nehmen. Vor einigen Tagen wurde sogar von einem Versuch, die Truppen in der Kaserne zu Fiume zum Aufstand zu bringen, berichtet. .Aha, da« ist wohl nicht vernünftig, wa« ich Ihnen hier sage, das mag sein." Sre zuckte geringschätzig die Achseln und sah sich keck und unternehmend im Saale um. Da» Cafs hatte sich inzwischen gefüllt, eine Menge außerordentlich elegant gekleideter Damen hatte sich ein. oefunden und an den Tischen Platz genommen. Die Habitues de« Cafss saßen bei ihren Getränke« und tauschten mit den Damen Bemerkungen au«, die öfter mehr pikant und schlüpfrig, al« anziehend waren. Je später e« wurde, desto lebhafter wurde da« Treiben. Die Kellner eilten geschickt durch die Menge hindurch, hier noch für eine» besonder« angesehene» Gast einen Stuhl be- sorgend, dort mit Gewandtheit nicht unerhebliche Beträge einkassirend.,, Die beiden jungen Leute hatten eine ziemliche Zeit lang schweigend bei einander gesessen, sie hatten wohl die Aufmerksamkeit deS Damenpublikum» auf sich gezogen, da« bisweilen nicht mißzuverstehende Aeußerungen machte, die Beide» hatten indessen hiervon keine Notiz gc- ""�.Nun," sagte der junge Mann endlich, indem er nach der Uhr sah,„eS ist ziemlich spät geworden, ich werde mich nach Hause begeben. Du willst also nicht mit Dir reden lassen?" .Nein." Diese« Nein klang hart und bestimmt. Da» Mädchen sah ihn hierbei höhnisch und herausfordernd an. „Auch nicht, wenn ich Dir sage, daß ich.Dich heute immer noch so liebe, wie früher, daß ich e« tief bedauere, jemals von Dir getrennt worden zu sein?" „Dann erst recht nicht, es würde im Gegentheil eine besonder« Genugthuung für mich sein, wenn ich wüßte, daß Sie die Wahrheit sprächen. Mich be'rügt man aber nur einmal und ich wünsche Ihnen, daß Sie ruhelo«, von ewiger Unruhe gequält durch das Leben wandern müßten, Nach den jetzt vorliegenden Details hat fich das folgender- maßen zugetragen: Am Neujahrstage suchten vier junge Leute bei dem Fiumener Kommando die Erlaubniß nach, dre Lokalitäten der daselbst stationirten 12. Kompagnie zu besichtigen. Wie in allen ähnlichen Fällen, wurde auch diesmal die Er- laubniß ertheilt. Nach Besichtigung der Lokalitäten zog einer der jungen Leute die Soldaten ins Gespräch. Er sagte nicht, daß in Kroatien bereits die Revolution ausgebrochen wäre, fragte aber die Soldaten kroatischer Nationalität, ob sie Star- cevre, den wahren Kroaten, den die Magyaren aus Rache wegen seines Patriotismus zu dreimonatlichem Gefängniß ver- urrheilt hätten, kennten. Weiter sagte der Betreffende, daß die kroatischen Soldaten nicht lange mehr in Fiume bleiben könnten, denn die Kroaten empörten fich, und in Verbindung damit wurden die Soldaten gefragt, ob sie bereit sein würden, gemeinschaftlich mit ihren Brüdern zu kämpfen. Auf die letzte Frage konnte keine Antwort mehr erfolgen, weil ein Korporal der Ohrenzeuge dieses Gesprächs xewesen, sofort dem dienst- thuenden Wachtmeister Bericht erstattete. Letzterer ließ die jungen Leute festnehmen, geleitete sie zum Militär-Kommando, von wo dieselben nach ihrer Vernehmung der Zivilbehörde ausgeliefert, beziehungsweise der Staatsanwaltschaft übergeben wurden. Diese beantragte die Einleitung einer strafgericht- lichen Untersuchung welcher Antrag vom Gerichtshofe ge- nehmigt wurde. Demgemäß ist die Untersuchung im Zuge. Ucber weitere Angaben der Journale, daß nämlich die Sol daten sofort zu den Waffen gegriffen, dieselben auch nach Auf- forderung ihrer Vorgesetzten nicht hätten ablegen wollen und erst nach Einschreiten einer bewaffneten Kompagnie sich be- ruhigt hätten, verlautet nur so viel, daß diese Angaben keine Bestätigung von kompetenter Seite erhalten hätten. Fraukreich. Der vorläufige Abschluß der Staatseinnahmen Frankreichs in dem Jahre 1885 ergiebt folgende« Resultat: Die Gesammt- einnähme betrug 2277 684 100 Fr«., gegen den Voranschlag 33 661 600 Frs. weniger und gegen die Einnahmen in 1884 um 11 750 000 Frs. geringer. Die Abnahme gegen den Vor- anschlag und das Vorjahr ist sehr bedeutend in den Einnahmen aus den indireften Steuern(20,1 Millionen Frs. weniger gegen den Voranschlag und 13,3 Millionen Fr», weniger gegen 1884). Ferner zeigt fich ein bedeutender Ausfall in den Registrirgebühren, 24,1 Millionen weniger gegen den Voran- schlag. Die Zölle ergaben 5,7 Millionen Frs. weniger als im Budget vorausgesehen war und 4,3 Millionen Fr«, mehr als in 1884. Die Zuckersteuer ergab eine Vermehrung von 17,2 Millionen Frs. über den prälimiirten Betrag. Auf den erheb- lichen Ausfall der Registrirgebühren hatte die Verringerung der Uebertragungen von Immobilien Einfluß. Auf dieser Posttion entstand ein Minus von 15,5 Millionen Frs. gegen den Voranschlag und 6,2 Millionen Frs. gegen 1884. Der französische Ackerbau ist in einem den Zeitver- hältniffen entsprechenden Umschwung begriffen. Die Viehzucht ist derjenige Zweig, welcher auf Kosten aller andern an AuS- dehnung gewinnt. Im Jahre 1875 gab es 11700000 Stück Hornviey, 1884 dagegen 13 Millionen. Die Zahl der Schweine ist von 5 700 000 auf 7 100 009 gestiegen. Dagegen ging das Schafoieh von 25 Millionen Stück auf 23<00 000 zurück. Die Vermehrung des Rindviehe« bat auch eine Steigerung der Butter- und Käsebereitung zur Folge. — Rochefort kündigt die baldige Einbringung eine« Amnestie- antrags ein und droht der Regierung mit ihrem Sturze, wenn fie denselben nicht unterstütze. — Pari«, 14. Januar. Prästdent Grevy unterzeichnete heute die Dekrete, durch welche alle diejenigen, welche seit dem Jahre 1870 wegen politischer Verbrechen oder Vergehen ver- urtheilt worden find und gegenwärtig noch deshalb Strafe verbüßen, begnadigt werden. Auch einer Anzahl Anderer, die wegen Verbrechen oder Vergehen nach dem gemeinen Straf« recht zu Strafen verurtheilt waren, find vom Präsidenten Strafermäßigungen bewilligt worden.— Dt« Botschaft de« Präsidenten wird heute Nachmittag 4'/, Uhr in den Kammern verlesen werden. Spanien. Ueber den Putsch in Kartagena liegen nunmehr in ver- schiedenen Blättern Mittheilungen vor, die jedoch unter ein- ander in den Einzelheiten abweichen. Nach einem Madrider Telegramm der„Agence tzavaS" hätten fich außer einem Sergeanten 45 Soldaten an dem AufstandSversuche betheiligt und den Ruf:„Es lebe die Republik!" vernehmen lassen. Wenn gemeldet wurde, daß die Insurgenten Bauern gewesen, so heißt e« in dem offiziösen Telegramm, daß die Soldaten als Bauern verkleidet gewesen seien. Wie anderweitig ver- lautet, feuerten die Aufständischen, nachdem fie die Besatzung des FottS San Julian gefangen genommen und den Befehls- baber gefesselt hatten, einen Kanonenschuß ab, um die anderen Forts, die angeblich im Komplot gewesen wären, zu benachrich- twen, worauf diese mit Leuchtstgnalen geantwortet hätten. Hierdurch sollen nun, wie der„Neuen freien Presse" tele- grapirt wird, die Stadt und daS im Hafen ankernde Geschwader olarmirt worden sein, so daß es den Behörden gelarg, zu ver- bindern, daß die Einwohner fich an dem Putsche berherligten. Was dann daS Einschreiten deS Militär-Gouverneurs von Kartagena, General Fajardo, und dessen schwere Verwundung betrifft, so weichen die verschiedenen Berichte nicht wesentlich von brennender Sehnsucht gefoltert«ach einem Gegenstände, dessen Sie sich nie bemächtigen sollen." „Martha, ich will Dir einen Vorschlag machen!" „Ich will ihn nicht hören, ich würde ihn doch mit Hohnlache« zurückweisen. Und böte« Sie mir die Hälfte Ihrer Millionen, ich würde dieselbe« ausschlagen, und wüßte ich nicht, Herr Winkler, wie mir da« auch schon passirt ist, wo ich mein müde» Haupt niederlegen soll. Mir ist da« heute Alle« ganz aleichgiltig. nur Sie allein sollen mich nicht noch elender sehen, wie Sie mich bereit« gemacht haben." „Du bist eine Thörin, Martha—" „Und wenn ich e» tausend Mal bin, Sie habe« am allerwenigsten da« Recht, mir deshalb Vorwürfe zu mache». Ich habe Ihre« gleißnerischen Worte« einmal geglaubt, zum zweiten Mal thue ich es nicht wieder. Viag kommen, wa« da will. Ich habe auch ei« Herz gehabt, auch ich wiegte m'ch in Jugendttäumen wie jede« andere junge Mädchen, da kamen Sie und machten mir eine« Strich durch die Rechnung. Meinen Sie wirklich, dgß es Jemand, der die Verhältnisse näher kennt, in der That glaubt, daß mein Bräutigam Sie bestohle» hat, ich sage Ihne«, er sitzt unschuldig im Gefängniß. Doch da« ist Alle« vorbei. Weshalb sprechen wir noch davon." „Du willst mich also nicht anhören?" „Niemal«!" „Nun, dann ist e« gut. Hoffentlich sehen wir un» wieder!" Sie wandt« sich ab und drehte fich nach einem andere» Tisch um, indem sie mit einer Freundin einige Worte wechselte. Er stand auf, bezahlte seine Rechnung und ging lang- sam hinaus. An der Thür blieb er bei dem große», bärtige« Portier stehe«. „Können Sie mir vielleicht jdie Wohnung der jungen von einander ab. Während aber zunächst gemeldet wurde,* Insurgenten wären zu Schiffe entflohen, sollen fich diiselt« in nahe gelegenen Bergwerken verborgen haben.— Mag K die eine oder die andere Version zutreffen, soviel steht jeW falls fest, daß die Zustände in Spanien nichts weniger i sicher find. Serbien. Wäh end in Bulgarien zahlreiche Beurlaubungen# Soldaten stattgefunden haben, rüstet die serbische Regie« energisch weiter. Gellem warm in Belgrad an den Snap ecken und in den Kaffeehäusem gedruckte Plakate angeschln» welche zum Eintritt in Frei-villigenbataillone auffordern, f Freiwilligen erhalten nur Kleidung und Nahrung, aber# Lohnung. Die Regierung soll beschloffen habm, auf@r# der von den Führern aller Parteien zugesicherten Unters! dre Friedensverhandlungen mit Bulgarien zu verzöge zum definitiven Friedensschlüsse erst dann zu schreiten, os dre ostrumelische Unionsfrage gelöst und die In l- raffen 6 btins durch dieselbe nicht geschädigt sein werden. Du'ch b» Vorgehm hofft man die Großmächte zu veranlassen, den, rechten" Forderungen Serbiens, bezüglich des Glftchgewi« unter den Balkanstaaten, zu entsprechen, gleichzeitig aber» allen Folgen der gegenwärtigen kritischen Situation im vorzubeugen, bezw. den Fortdestand des Kabinets Garasch» auf längere Zeit zu sichern. In dieser Abstcht soll auch> Einberufung der Skupschtina auf so ungewöhnlich langt» oertagt worden sein. Falls die bulgarische Union anerfcj wird, verlangt Serbien zum mindesten die Abtretung der» zirke Widdin und Tm.— In Pitot sollen 14 Perso«« darunter das Mitglied der Skupschtina, Mtscha Stefan« in gerichtet worden sein. Die Priester des Disw irot und 15 Familien find nach Nisch gesandt worden,' vermuthlich wegen deren bulgarenfreundlicher Gefinnung. I Dänemark. Der Präsident des dinischen FolkethingS, der Abg.* ist. wie schon gemeldet, zu sechs Monaten Gefängniß re» nach von eis densefl gegen Densen FolkethingS II Präffdent nie? kräftig verurtheilt, weil er das seiner Anficht Polizeibeamten verletzte Versammlungsrecht verlheidigte. In der gestrigen Sitzung deS er dieses Straf mtheilS wegen sein Amt als Präsident'.... bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurde derselbe in? mit den Stimmen der Linken, die drei Viertel sämmtliä Abgeordneten umfaßt, abermals zum Prästdenten gewählt. Grotzbritaunie«. Im Unterhause leistete gestern Bradlaugh den vorschri� mäßigen Eid. Der Sprecher(Präfident) erklärte, d�ß st' Mitglied des Hauses verfassungsmäßig zur Eidesleistung# pflichtet sei; er könne Bradlaugh an der Eidesleistung w verbindem und müsse Alles, was in Betreff gesetzlicher» pflichtungen aus derselben folge, dessen eigener Verantworte überlassen. Lokale». r. Von unserer städtischen Deputation für Straß* Reinigung ist bereits vor längerer Zelt ein Uebelstand' örtert worden, der fich namentlich in den letzten Tagen«ie? recht unangenehm bemerkbar gemacht hat. Während die in» Sommermonaten noch spät gegen Abend erfolgende Straff besprengung das lästige Stauben beim Straßenkehren währ* der Nacht verhindert und nöthigenfalls zu diesem Zwecke g noch von den Arbeitern der Straßenrcinigung eine beftn* Besprengung des zu reinigenden Straßenbezirks vorgenoms wird, läßt fich diese Besprengung bei der gegenwänk Jahreszeit nicht ausführen. Die Folge ist, daß namewj beim Anwenden der Straßenkehrmaschinen ein dichter% aufgewirbelt wird, der den ganzen Straßenzug wie ei« dichten Nebel hüllt und die Paffanten entschieden viel belästigt, als etwa die ungefegte Straße; auf Schilder,' fimfe und an den Fensterscheiben lagert sich dann der a»» wirbelte Staub in einer dichten Schicht ab und schädigt? belästigt so auch noch die Arjazenten. Diesem Uebelstfl gegenüber ist nun die Frage aufgeworfen worden, ob es' empfehle, in den Zeiten, wo eine Straßenbesprengung m der zeitigen Temperaturoerhältniffe nicht angezeigt erscdfl und das Pflaster die zur Verhinderung deS Stauves nom Feuchtigkeit nicht befitzt, die Straßenremigung auf daS% wendigst« zu beschränken und jedenfalls die Slraßemj Maschinen nicht zu verwenden. Es wäre jedenfalls zweckmZ wenn in den Bezirksvereinen und in sonst betheiligten M diese Angelegenheit erörtert und diesbezügliche Vorstellig an den Magistrat gerichtet würden- j Vorsicht ist die Mutter der— Porzellan-Ma«ufa>* sagt der ironische Berliner und mit gutem Grunde, und im Südosten der Stadt wohlbekannter Hypotheken-KommisK dürste die tiefe Weisheit dieses Satzes noch besonders wür'j lernen- Am 3. d. Mi», erhielt der gedachte Herr eine gej liehe Klagezuflellung seines Schneivers, welche noch das, spektable Sümmchen von etwa 140 M. für gelieferte Gardess stücke auS dem Jahre 1883 betraf; eS war also kein die Zustellung war um 3 Tage zu spät erfolgt und der? wand der Verjährung würde dem Klageanspruche gegejj durchgegriffen haben. In diesem sicheren RechsberM entschloß fich der glücklich um drei Tage zu spät Veo' Dame, die dort hinten sitzt, angeben?" fragte ein Silberstück ra die offene Hand de« Portier« Der Portier nannte bereitwilligst Straße nummer. „Es ist gut, ich danke Ihnen." Mit diesen Worten trat er auf die Straße hinauf, Es hatte aufgehört zu regne«, ei» scharfer Wind! da« ASphaltpflaster trocken gefegt, in de» St? herrschte noch Leben. Studenten zogen au« i Kneipen heim, ulkten harmlose Passanten an, andere schwärm er, die fich verspätet hatten, strebte« ihrem Hei? an de« Straßenecken standen Blumenverkäuferinnen,.! alte oder ganz junge, Krüppel mft Wachszündhölzer« n die Vorübergehenden an, kurz es war da« bunibe? Bild, wie e« Berlin in seinen belebten Theile« jede* bietet. Der junge Mann fuhr fich mft der Hand 0� heiße Stirn..., „Alle Wetter," sagte er zu sich selbst,„ich glaubt' ich habe Gewissensbisse. Nu«, da« fehlte gerade Meinetwegen mag sie thu« und lasse«, wa« sie kann an der Sache doch nicht« mehr ändern!" Er machte einen gewaltige» Lufthieb mit seinew und schritt, indem er ein Liedchen vor sich hinttällett" Straße hinab. Die unvermuthete Begegnung mit dem junge«™ J bewegte ihn doch mehr, al« er e« fich selbst merke« wollte.. i Sein Lied war allmälig verstummt, er ging zJ Gedanken versunken dahin. Vor seinem Geiste � Bilder der Vergangenheit auf.% Er erinnerte sich jene« Volksfestes, welche« Vater, um die Mode mitzumachen, vor ei» paar � seinen sämmtlichen Fabrikarbeitern gegebe« Der Herr Kommerzieurath wollt« e« Zeitungen lesen, daß er ein milder, i« brave war Tage» und daß f Haus lässig schul! darai strafe hier entlai Blick er vo haber zu w «* s, « und Weinmetsterstraße der Hausdiener F. dadurch, daß er in angetrunkenem Zustande von dem Deck über daS Geländer hinweg auf den Straßendamm stürzte und befinnungSlos liegen blieb. Im Gcficht mit Blut überströmt, wurde derselbe durch einen Schutzmann in daS St. Hedwigs-KrankenhauS ge« bracht, woselbst er erst am andern Morgen zum Bewußtsein kam. F., der nach ärztlichem Gutachten nur leichte Quetschun« gen am Kopfe erlitten, soll nach Aussage eineS Zeugen auf dem Verdeck des Omnibus gestanden haben. Et« gräflicher Butterhändler. Die Berliner Butter- Händler haben einen gräflichen Konkurrenten erhalten. Ein Oberst Graf Schmettow annonzirt in den Zeitungen, daß seine auf allen Ausstellungen als hochfein prämiirte Butter Hierselbst in dem pommerschen Meierei- Verkauf zu haben ist. g. Die bedauerlichen Unglücksfälle, welche fich in den letzten Tagen auf dem Eise ereigneten, haben die OrtSpolizei- behörden um Berlin Veranlassung gegeben, zur Verhütung ähnlicher trauriger Vorfälle die umfangreichsten Vorkehrungen zu treffen. Dieselben bestehen darin, daß längs der Ufer der Wasserstraßen hinreichende Polizeimannschaften stationirt wer- den, welche ein Betreten gefahrvoller Stellen verhindern sollen. Zugleich werden Strohwische dieselben bezeichen. Leider ist eS Thatsachc, daß viele Personen trotz aller Warnungen die ab« gesteckten Grenzen überschreiten und darin eine Bravour suchen, dort Schlittschuh zu laufen, wo noch kein Fuß gewesen. Doch derweil nun dieser Fuß— glücklich der Gefahr entgangen— wird durch Thor- und Schicksalsschluß— Mir der andere weggesangen. Diese Worte des Pedro aus„Vre« ziosa", könnten in etwas veränderter Form auf eine Dame An« Wendung finden, welche am Dienstag um die Mittagsstunde in der Leipzigerstraße bei einer Droschke erster Klasse schnell vor- über wollte. Glücklich hatte fie zwar den Kopf des PferdeS hinter fich, nicht aber die Schleppe ihres Kleides. Mit einem Ruck war durch die Räder deS Wagens der Rock von der Taille getrennt und:„Man begehre nimmer und nimmer zu schauen— WaS die Tournüre bedeckte mit Nacht und Grauen." Eine vorübergehende Frau aus dem Arbeiterstande beschützte mitleidig die DemaSkirte und entzog fie den Blicken der spöt- telnden Berliner Jugend, bis nach kurzer Pause die Dame eine Droschke bestieg und davonfuhr. Uerewe und Uersammwngen. de. Eine öffentliche Arbeiterinuenversammluug fand am Dienstag, den 12. d Mts., in der„Urania" unter Vorsitz der Frau Pötting statt. Herr Stadv. Fritz Görcki sprach über die Bedeutung der Arbciterinnenbewegung in der Gegenwart. Die Arbeiterinnenbewcaung— so etwa führte er auS— hätte eine so kräftige Entwicklung genommen, daß fie von keiner Seite ignorirt werden könne. Sie müsse freudig begrüßt werden und bezeichne einen neuen Kulturabschnitt. WaS früher die Ermahnungen Einzelner nicht vermochten, sei jetzt durch die Entwickelung der Industrie mit Naturnoth- wendigkeit herbeigeführt worden. Es sei nothwendig, daß die arbeitende Frau mit dem arbeitenden Manne fich vereinigt, dann werde daS LooS beider ein desseres werden. Die Tendenz der kapitalistischen Produktionsweise, in der Konkurrenz durch Verbilligung der Produkte zu stegen, habe die Frau als billigere« Arbeiter Material in die Fabriken geführt. Das sei zur Ursache schwerer sozialer Schäden geworden. Unter den heutigen Verhältnissen müsse eine Ausbreitung der Frauenarbeit zur Degeneration führen. Damit soll« ver Frau nicht etwa da» Recht auf Existenz, begründet durch eigene Arbeit, abge- sprachen werden; unter der heutigen Form der Produktion sei eine Beschränkung der Frauenard«it geboten. Eine Anzahl Gelehrten hätten behauptet, daß die Frau von der Natur in Folge einer Anzahl p hy ssologischer Eigenschaften— geringerer Um» fang und geringere Schwere des Gehirns jc.— dem Manne untergeordnet sei. Man verwechsele hierbei aber Größe mit Güte und vergesse, daß die seit Jahrhunderten auf der Frau lastende Unfeldstftändigkett die durchschnittliche Ausbildung ihrer Fähigkeiten verhindert habe. Die Zukunft gehöre der heran- wachsenden Generation, gerade die Mutter sei berufen, dem Kind jmeS SelbstständtgklitSgeMhl einzuimpfen, welches bessere Zustände verbürge. Die Arbeiterinnenvereine hätten die hohe Aufgabe, die Frau zu diesem wahrhaft menschlichen Berufe zu erziehen.— In der Diskusston bat zunächst Frau Pötting, von einer so jungen Bewegung, wie die der Arbelterinnen noch keine pofitiven Leistungen zu verlangen und forderte die Frauen auf, fich einem der bestehenden Vereine anzuschließen. Die Herren Kunkel und Dr. Lütgenau sprachen im Sinne deS Referenten. Herr Dr. L. regte die Frage an, od nicht ein An« fchluß des NordvereinS an den 1. Arberterinnenverein geboten fei-— Fr. Steindorff ersuchte die anwesenden Männer, lieber ihre Frauen und Töchter in die Arbeiterinnenversammlungen zu schicken, statt daß die Männer zu drei Vierteln den Saal füllten. Zum Schluß theille die Rednertn noch mit, daß am Montag, den 18. d. M-, in„Sanssouci" eine Arbeiterinnen- Versammlung stattfindet.— An der weiteren Dtskusfion, be« theiligten fich noch die Herren Heller, Baak«, Zubeil, Gutt- mann und die Damen, Frl. Jagert, Frl. Wadnitz, Fr. Ferkau und der Referent, Herr Göccki. Von dem ReichstagSabge» ordneten Herrn Ludw. Löwe war ein Schreiben eingelaufen, in dem derselbe mittheitt, daß er zu seinem Bedauern durch wichtige Geschäfte in seinem Amt als Stadtverordneter ver» hindert sei, der Einladung nachzukommen und in der Ver- sammlung zu erscheinen, gleichzeitig spricht er der Arbeiterinnen» beweaung seine volle Sympathie auS und wünscht ihr einen gedeihlichen Fortgang. I« der öffentlichen Versammlung der Berliner Metallschletfer am Sonntag, in welcher die Gründung eines Fachvereins auf der Tagesordnung stand, hatte Herr Gottfried Schulz daS Referat üdemommen. Redner schilderte die schlechte Lage deS Geschäftes und wies darauf hin, wie die Arbeit und mit ihr der Lohn von Tag zu Tag geringer wird und wieviel Elend dadurch entsteht, daß die Zahl der Beschäftigungslosen immer größer wird. Auch bei denen, die noch in Arbeit stehen. lautet schon lange die Devise:„Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel." Den anwesenden Fabrikanten und Meistern gab der Redner zu bedenken, wie auch ihre Lage fich jeden Tag verschlechtere und nur einzig und allein darum, weil fich jeder Einzelne isolirt und nicht mit den Gesellen Hand in Hand gehe. Den anwesenden Jnnungsmeistern hielt Redner vor, wie fie fich durch die Bestrebungen der Innung nur ins eigene Fleisch schneiven, denn wir lebten jetzt nicht mehr im 16. Jahrhundert, wo die Innungen wohl in Blüthe standen, sondern im 19. Jahrhundert, wo der Riese„Dampf" Alles zermalmen wird, waS von dem alten Zopf noch übrig ist. Nur durch Verbin- düngen der Arbeiter durch Fachvereine sei es möglich. Verhältnisse zu schaffen, welche eö ermöglichen, daß der Arbeiter ein menschenwürdige» Dasein führe. Der Arbeiter müsse seinen Gestchtskreis zu erweitem suchen, wozu ihm die Fachvereine Gelegenheit böten, durch-wissen- Arbeitgeber sei, der eS nicht verschmähe, bei festlichen Gelegenheiten kardial mit seine« Arbeiter« zu verkehren. Damals hatte er sie zum ersten Mal gesehen. Wie frisch, wie anziehend war sie ihm erschienen, der erste Zauber der Jugend war über ihr ganzes Wesen auS« gebreitet, die kindliche Reinheit ihres Herzens hatte einen mächtigen Zauber auf de« jungen, blasirien Herrn, der sich nie einen Wunsch hatte zu versage» brauchen, ausgeübt. Und heute? Er blieb unwillkürlich stehen. Heute saß sie in jenem CafS, in dem verrufene» Lokal, wo die Schande sich für Geld feilbot, und sie hatte e» ihm gesagt, daß er nur allein die Schuld daran trüge. Wie war da» nur gekommen? Er machte eine Bewegung,«1» wollt« er die unange« nehmen Gedanken abschütteln und ging dann rasch weiter. Sie hatte damals schon einen Bräutigam, einen jungen braven Menschen, den sie über Alle» zu lieben schien. Er war einfacher Hausdiener bei dem Kommerzienrath; eine« Tage« fehlte eine namhafte Summe, sie mußte gestohlen sein, »laubt!£1?«Theten Umstände ergaben bei eingehender Prüfung, ® ue' kafe Niemand anders der Dieb gewesen sein konnte, als der tpift Hausdiener, den e n Jeder bisher für einen treuen, zuver« ie. lässigen Menschen gehalten hatte. Was half alles Betheuer», alles Versichern seiner Un» schuld— eines Tages wurde er verhaftet, und bald darauf verurtheilte man ihn zu mehrjähriger Gefängniß- Werkes � Weshalb mußte der Sohn de» reiche« Mannes, der l hier so frei und sicheren Schritte» die glänzenden Straßen mit«'"z entlang ging, gerade heute an den zornigen, haßerfüllten !-,ste 19 �Uick denken, den ihm der Hausdiener zugeworfen hatte, als « von den Schutzleuten abgeführt wurde? ... tetsjj..»Ach was," sagte er haldlaut vor sich hin,„die Richter .«mar-! h�ben es ihm bewiesen, und in Plötzevsee wird ihm die Lust !»be« l zu weiteren Schritten schon vergehen. WaS liegt überhaupt '& i« j an solch' einem Menschen, von der Sorte giebt eS genug." e« w* »f" ____ yvsviif tfBtflCtl* -----— . ssmwB&L»wA#** w% Ein kaltes, höhnisches Lächeln trat auf fein Gesicht. Lustige Tage waren es allerdings gewesen, die er dann verlebt hatte. Er hatte e« so einzurichten gewußt, daß er mit dem jungen Mädchen öfter zusammentraf, er hatte sie mit Schmuckgegeuständen, mit schönen Kleidern wahrhaft überschüttet, ihr Vergnügungen zugänglich gemacht, die dem jungen Mädchen bisher vollkomme« fremd geblieben waren. Wer kann das ewige Räthfel, welches da« Weiberherz bildet, lösen? Sie war jung, lebenslustig, vertrauensvoll, sie hatte von Jugend schwer gearbeitet und nur wenig von der Tücke und Argltst der Mensche« erfahren. Sie gab sich, trotz ihrer tiefen und aufrichtige« Liebe zu ihrem Bräutigam, mit der ganzen erstaunten Unerfahrenheit eine» Kinde« den neue« Eindrücken hin, die beiden jungen Leute taumelte» von Vergnüge« zu Vergnügen, bis eines Tages das Unglück ge- fchehe« war. Wieder machte er einen Lufthieb. Von jenem Tage ab, al« sie ihm die Mittheilung machte, die ihn mit jähem Schreck erfüllte, war er kälter und kälter zu ihr geworden. Er hatte sich schließlich gar nicht mehr um sie gekümmert, und sie war viel zu unkundig, um ihre Rechte irgendwie wahrzunehmen. Um ihre Vergangenheit und nähere« Verhältnisse hatte er sich«ie gekümmert. Vielleicht wußte er e» garnicht, daß fie ohne alle Familienangehörige dastand, daß sie Niemanden hatte, der fich um sie bekümmerte. Sie hatte nur eine alte Tante gehabt, bei der sich ihr Bruder in Pflege befand. Diese Tante war gestorben und seit der Zeit war auch ihr Bruder spurlos verschwunden. Heute hatte er durch ihre kurze« Mittheilungen die erste Kunde von dem Ende seines Liebesdramas erhalten. Es war ihm nicht unangenehm, daß die ganze Sache für ihn so glücklich abgelaufen war. Als sie damals trotz ihrer mädchenhaften Schüchternheit an ihn die Auffor- werblicher._ beitslofigkeit,..........._---—-—........... vtL Metallschleifer heilic.ste Pflicht sei eS, sich dem jetzt entstehenden „Fachverein der Metallschleifer" anzuschließen. Denn die jetzt destehende Lohnkommisfion sei wohl augenblicklich ganz gut, aber auf die Dauer leiste eine freie Lohnbewegung nie das, was ein Falbverein leisten kann, was fich bei andern Gewerben schon deS Oefteren gezeigt habe. In der hierauf stattfln» denden Diskusston, an welcher fich die Herren Prause, Schulz, Krnupel, Laufer u. A. betheiligten, sprachen fich sämmtliche Redner dahin aus, daß nur durch Beitritt Aller zum Fach. verein das Gewerbe gehoben werden könne und nicht wie bis« her durch die Schmutzkonkurrenz der Fabrikanten und Meister. Hierbei kam es zwischen den Jnnungsmeistern Winke und Wolter einerseits und dem Vorfitzenden und Referenten andererseits zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Fachverein der LuxuS-Papter-Präger und Papier-Schläger hielt am Sonntag, den 10. d M., eine Ge« neralversammlung in Seeger's Lokal, Grenadierstr. 33. unter dem Vorsttz des Herrn Casper ab. Herr Robert Schultz hielt eine Ansprache an die versammelten Mttglieder und empfahl eine rege Agitation, damit die Indifferenten mehr und mehr an die Organisation herangezogen werden. Hierauf wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Gewählt wurden die Herren Casper(Vorfitzender), Schmidt(Kasfirer) und Seidel(Schrift- führer). Zu Beifitzern wählte die Versammlung" die Herren Büchel, Marten und Rimmer; zu Revisoren die Herren Schlütter und Pohland. Beim 3. Punkt der Tagesordnung .�Verschiedenes" streikte Herr Büchel die Gefängnißarbeit in der Papierbranche und kritifirte die dadurch hervorgerufenen Miß- stände in scharfer Weise. derung gestellt hatte, sie zu heirathen, ha te er sie einfach verlacht, seine Antwort war die gewesen, daß er sich über- Haupt nicht mehr um fie kümmerte. Trotzdem konnte er sich der Gedanke» an dieses Mäd» chen nicht erwehren. Immer und immer wieder mußte er an sie denken, und obwohl der Gedanke an ihre« jetzige» Zustand und ihre jetzige Stellung etwas Schrecken erregende« für ihn hatte, fühlte er, daß die alte Leidenschaft wieder i« ihm erwachte und wider seinen Willen ergriff ihn die Sehn- sucht, dieses Mädchen wieverzufehen. Anfänglich versuchte er diese» Gefühl niederzukämpfen, «ach kurzer Zeit jedoch sah er seine Ohnmacht ein, und al« er die Treppen zu feinem elegante» Zimmer emporstieg, da war der Entschluß bei ihm schon ein unum- stößlicher geworden.— I« dem Cafs hatte das nächtliche Leben jetzt seine« Höhepunkt erreicht. Eine schwüle, drückende mit Zigarettenrauch geschwängerte Luft lag über dem Ganzen, elegante Herren saßen an de» kleinen Marmortischen in eiftigem Gespräch, die Bemer- kungcn, die von einem Tisch zum anderen flogen, wurden immer freier und zügelloser. Das junge Mädchen saß immer noch allein an ihrem Tisch. Sie war in tiefe Gedanken versunken, und diese konnten entschieden nicht angenehme Natur sein. Ein langer junger Mensch mit glattem Gesicht und auffallend ftisirtem Haar, in modischem Anzüge, de: bei ihr vorüberging, blieb stehe» und berührte leicht ihren Arm. „Nun Martha," sagte er mit etwas heiserer Stimme, „Du machst ja heute wieder ein Gesicht, daß man davon- laufen möchte." „Da« kümmert Drch doch hoffentlich nicht," entgegnete �„freilich nicht," erwiderte er lachend,„ich wollte Dir auch nur einen guten Rath geben!" (Fortsetzung folgt.) Grosse Strickgarn und Strupfwaarn-Fakrlk Oranienstr. 166 rerv.IN SO �ranienstr. 166 Vart-rre u. 1. Etaae.»w' Parterre«. 1.«tage. Tüche» in Zephyr,.Castor, Plüsch, ShenUl� Mohair, Mooswolle Velour in allergrößter Auswahl. Dam,«-««d Kind�west«» »M«nä ohne Aermel von 1 Mark a» den feinsten Qualität«. a» bis z» Kiuder-Trirot« in Wolle, Vigogne und Baumwolls von 60 Pf. an. FNialeu: 1. Alexanderstraße 69 am Alexander'Platz. 2. Znvalidenstraße 112, Ecke ühausseestraße. s Oranienstraße 297, eli-e-rii Manteuffelftrahe. «. 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Wenn daffelbe gleichwohl keinen für das kommende Etatjahr verfügdaren Ueberschuß hinterlassen hat, so ist dies die Folge der gesetzlichen Vorschrfften über die Verwendung der ahresüberschüsse der Eisenbahnverwaltung, nach welchen der . übet""" beträchtliche, die Voranschläge erzielte Ueberschuß d s Jahres auch in der Rechnung eben dieses JahreS schon zu ent» svrechender Mehrtilgung der Staalscisenbahnschuld hat in Ausgabe gestellt werden müssen. Von dem laufenden Jahre find nach den bisherigen Wahr nehmungen ganz so günstige Ergebnisse nicht zu erwarten, inS- besondere wird der Ueberschuß der Ersenbahnverwaltung unter dem Einfluß einer verminderten VerkehrSentwickelung den Vor- anschlag vielleicht nicht voll erreichen. Dessenungeachtet er scheint die Hoffnung berechtigt, daß daS Gesammtergedniß auch des laufenden JahreS kein ungünstiges sein werde. Für das nächste Jahr fällt ins Gewicht, daß inzwischen durch die gesetzliche Ueberweisung von Zollerträgen an die Kommunalverbände, und durch die Penfionirung der Lehrer an den Volksschulen die ersten Schritte gethan find zur Bestie- digung der auf dem Gebiete l)cr Kommunal- und Schullasten "'~" für welche aus den S die erforderlichen ..... AuSficht stehen. Die Mehrausgaben infolge jener beiden Gesetze nehmen die Mehr» einnahmen, welche der Staatskasse inzwischen durch die Reichs» gesetzgebung neu zugeführt worden find, zum größeren Tbeile in Anspruch, während der Reichshaushalt eine erneute Stei- gerung der Matrikularbeiträge für das nächste Jahr vorzusehen nöthigt.— Unter diesen Umständen können auch die größeren Ueberschüsse, auf welche bei den meisten Betriebsverwaltungen deS Staates nach den sorgfältig aufgestellten Voranschlägen wiederum zu rechnen sein wild, und die beträchtliche Erleich- teruna der Zinslast des Staates, welche durch die Umwand- lung bisher höher verzinslicher Schulden in vierprozentige ge- sichert ist, bei aller Sparsamkeit und Beschränkung in der Berücksichtigung neuer Bedürfnisse nicht hinreichen, um daS Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben im nächstjährigen Staatshaushaltsetat herzustellen. Es wird daher, wenn auch in geringerem Unfange wie für daS laufende Jahr, abermals der Staatskredit zur Deckung deS Fehlenden in Anspruch zu nehmen sein. Die Regierung hat hierin und in der Ueberzeugung, daß eS bei den geringen Anfängen einer Erleichterung de« Druckes der' Kommunal, und Schullasten und dem Aufschübe der Ver» bessemng der Beamtenbesoldungen nicht etwa sein Bewenden haben kann, erneuten Anlaß gefunden, auf die WeiterfühiuNj der ReichSsteuerreform hinzuwitken, insbesondere hat fie fich angelegen sein lassen, reichsgesetzliche Bestimmungen zur Ein» sührung deS Branntweinmonopols vorzubereiten und zu bean» tragen, von deren Annahme fie ausreichende Erträgnisse zur Befriedigung der dringenden Bedürfnisse in Staat und Reich und günstige Folgen für Moral und Gesundheit erhofft. Die Entwürfe des StaatshausbaltSetals für daS nächste jr und eineS Gesetzes wegen Ausnahme einer Anleihe zur Ergänzung der nächstjährigen Einnahmen des Staates werden Ihnen alsbald vorgelegt werden. Auf dem Gebiete der industriellen Thätigkeit macht fich in einzelnen Betriebszweigen eine Stockung des Absatzes bc- merkbar. Diese Erscheinung günstigen Erfolge der gewerblichen Arbeit angeregte rung der Betriebsamkeit'". rschen Fabrikat im Wettbewerb mit den konkurrirenden läßt fich auf eine durch die bisherigen .. Nolge der gewerblichen Arbeit angeregte Steige» der Betriebsamkeit und auf den Wunsch zurückführen, dem e Industriestaaten den Vorsprang zu fichern. Eine Abhilfe hier m liegt außerhalb des Bereichs unserer Gesetzgebung. Rur Zurückführung unserer Produktion auf das Maß de« Be» dürfniffes wird die ungünstigen wirthschaftlichen Folgen fern »U halten vermögen, welche eine Anhäufung nicht absatzfähiger Erzeugnisse nach fich zieht. ..Die erfreulichen Ergebnisse unserer Eisenbahnpolstik ge» auch in diesem Jahre die Herstellung einer Reihe von Schienenverbindungen in verschiedenen Theilen deS Landes voquschlagen, durch welche wichtige Verkehrsgebiete erschlossen und erhöhter wirthschastlicher Entwickelung entgegen geführt werven sollen. Von der Fürsorge für die Förderung der Binnenschiffahrt wird.neben den weiteren beträchtlichen Forderungen sür Strom« regulnungen und Schifffahrtsanlagen in dem Staatshaushalts- etat eine Vorlage Zeugniß ablegen, welche die im Jahre 1883 ohne Eifolg vorgeschlagene Anlage eines Kanals von Dortmund nach den Emi- Hafen unter zweckmäßiger Erweiterung deS Projektes und zugleich den dem gegenwärtigen Vcrkehrsbedürf- mß entsprechenden Aue bau der Wasserstraße von der mittleren Oder nach Berlin bezweckt. . Nachdem in Folge der jüngst ergangenen Kreis- und Pro- vmzial-Ordnungen die Einführung der Verwaltungsreform fich m der Provinz Hannover in erwünschter Weise vollzogen hat Md für die Provinz Hessen-Nassau in nahe Ausficht gerilckt tfl, bleibt die Vollendung des in seinen Grundzügen gesicherten und bewährten Reformwerls für noch vier Provinzen der Monarchie eine wichtige Aufgabe der Gesetzgebung. Zu diesem Behufe ist zunächst der Entwurf einer Kreis- und Provinzial- Ordnung für Westfalen ausgearbeitet worden, welcher Ihrer verfassungsmäßigen Beschlußnahme unterbreitet werden wird. Das Zurückdrängen des deutschen Elements durch das polnische in einigen östlichen Provinzen legt der Regierung die Pflicht auf, M.ßregeln zu treffen, welche den Bestand und die Entwickelung der deutschen Bevölkerung ficher zu stellen ge- eignet find. Die zu diesem Zweck in Arbeit befindlichen Vor- lagen werden Ihnen seinerzeit zugehen. Geehrte Herren! Sie ersehen aus dem Verlesenen, daß der Landesvertretung wiederum ein ausgedehntes Feld wichter Tbätigk.it eröffnet ist. Ich hoffe, daß Ihre»rbeit auf demselben fich auch in diesem Jahre zu einer fruchtbringenden und unter Gottes Segen für die Woh fahrt des Lande« förderlichen gestalten werde. Auf Befebl Seiner Majestit des Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet. Herrenhaus. I. Sitzung vom 14. Januar, 2'/, Uhr. Am Regierungstssche: Friedberg. Der Piästdent der vorangegangenen Sesfion, Herzog von Ratibor, eröffnet die Sitzung mit eine Ansprache an die Mitglieder, in welcher er d,s jungst statte ehablen Re- gierungsiubiläums deS Kä sers und Königs gedenk'. Der Präfident bringt darauf auf Ee. Majeflät den Kaiser und König ein Hoch aus. in welche« die Mitglieder. die sich von ihren Plätzen erhoben haben, dreimal degeistert einstimmen. Zu S-blsttführern werden provisorisch vom Präfidcnten die He ren T h e u n e, D i e tz e, Gras v.Zieten-Schwerin, v. Neumann berufen. Seit dem Schlüsse der letzten Sesfion des Landtages find in da« Herrenhaus neu berufen worden die Herren von Arnim, Fürst von Bentheim- Tecklenburg- Rheda, Graf zu Dohna Kl.'Kotzenau, Graf v. Franken bera, Gras v. Keyserling- Rautenburg, Oberbürgermeister König(Memel), Oderbürger- meifter Küper(Kiefeld Kammer Herr v. Mellenthien, Ober» ~....... ssenbach, lsprästdent von _...urrnd. Auf der Tagesordnung stelzt die Konstituirung des Hauses, welche sokort erfolgt,� jda durch Namensaufruf die Anwesenheit von 104 Mitgliedern festgestellt wird, zur Be- schlußfähigkeit aber schon die Anwesenhert von 60 genügt. Auf den Antrag v. Kleist-Retzow werden die bis» herigen Präsidenten Herzog v. Ratibor, Graf v. Arnim» Boitzenburg und B eseler durch Akklamation wieder» gewählt und nehmen die Wiederwahl dankend an. Ebenso werden die acht Schriflführer der vorigen Sesfion wiedergewählt: LotichiuS, Dietze. Theune, v. d. Osten, v. Wiedebach, v. Neuman, Graf Zieten- Schwerin und von Schöning, DaS Haus ist damit konstituirt: die bezügliche Anzeige wird vom Präfidenten an Se. Majestät den König sofort er- stattet werden. ,„ Echluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr. NM7S» atÄfeT Abgeordnetenhaus. 1. Sitzung vom 14. Januar. Um IV« Uhr wurde die erste Sitzung des neugewählten Hauses durch den Alterspräsidenten Abg. v. Lessing mit folgender Ansprache eröffnet; Meine Herren! Der älleste Abgeordnete hat die Pflicht. die erste Sitzung zu eröffnen. Im Bureau hat man mir ge- sagt, ich sei der Aclteste. Ich bin am 14. November 1809 ge« boren: ist einer der Herren älter? Da Niemand fich meidet, so liegt die Verpflichtung zur Eröffnung der Sitzung mir ob. Wir haben zuerst wohl den Wunsch auszudrücken, daß unsere Sitzungen zum Heile deS Vaterlandes ausfallen. Wir haben heute aus AUerböchstem Munde den Dank aussprechen gehört, daß Se. Majestät der Kaiser den 3. Januar erlebt hat, daß derselbe so feierlich begangen wurde. Wir Alle haben uns gewiß glücklich geschätz:, diesen Tag erlebt zu haben, wir haben uns der Großthaten unsere« kaiser- lichen Herrn erinnert und waren gewiß Alle von dem Wunsche beseelt, daß er uns in seiner Kraft und Frische noch lange erhalten bleibe. Dielen Gefühlen lassen Sie uns in der ersten Sitzung durch den Ruf Ausdruck geben: Se. Majestät der Kaiser, unser Alleignädigster Herr und König, er lebe hoch! —(Das Haus stimmt dreimal lebhaft in den Ruf ein.)— Nun frage ich, ob die Herren geneigt find, daß die Geschäfts» ordnung, wie früher, angenommen werde.— Da. Niemand dagegen das Wort ergreist, so nehme ich sie Zustimmung an.— Nunmehr ernenne ich zu provisorischen Echnstführern die Jmwalle, v. Q u a st, VopeliuS und Ä o r z'e w« k Die Verloosung in die 7 Abtheilungen werden wir, wenn Niemand widerspricht, nach der Sitzung vornehmen. Morgen bitte ich die Abthetlungen, über deren Bildung Ihnen noch heute Abend Nachricht zugehen wird, die zur Beschlußfähigkeit des Hauses nothwendig-n Wahlprüfungen und am Sonn- abend 2 Uhr die Wahl der drei Präfidenten und Schrift' führet vorzunehmen.— Das HauS ist damit einverstanden. Deutscher Reichstag. 24. Sitzung vom 14. Januar, 2 Uhr. Am Tische des Bundesrathes Graf Lerchenfeld, V e r s m a n n u. A., vorübergehend v. B o e t t i ch e r. Auf der T. O. steht zunächst der von AuSfeld und Gen. eingebrachte G. E.� Eingangszoll frei, wenn ihr Gewicht in daS für die Verzollung der Flüsstgleiten ermittelte Gewicht einge» Abaß's ro�emel(deutsch- freis.): Meine Aufgabe, deren Schwierigkeit mir in Erinnerung an die langwierigen Zoll» debatten der letzten Sesfion einleuchtet, hätte ich mir nach dem damals bewährten Verfahren gern dadurch erleichtert, daß ich auf den Tisch des Hause««in Prtroleumfaß niederlegte, damit e« in seinem h mmelblaucn Unschuldskleide wirksamer für seine Sache spräche, als ich eS im Stande sein werde. Als vor etwa einem Jahre ber Abg. Möller den preußfischen Antrag beim Bundesraihe auf Verzollung der Petroleumsäffer hier zur DiSkusfion brachte, wurde ihm vom Vertreter des BundesratbS geantwortet, man könne zur Zeit über den Antrag keine Auskunft ertheilen, weil die Entschließung deS Bundesrathes nicht volberzusehen sei. Heute steht zu besüichten, daß, nachdem der Bundes' ath seine Entschließung cetioff'N hat, auch diese bescheidene Antwort ausbleiben wird. Der Bundesrath hat in seinen Bestimmungen über die Tara erklärt:„Unter Bruttogewicht wüd daS Gewicht der Waare in völlig verpack'em Zustande ve standen." Man sollte meinen, daß der Wortlaut dieser Bestmmung einen Zweifel über die Art. in welcher der Stoff, das Petroleum, und die Umhüllung. daS Faß, zu verzollen fest nicht wohl aufkommen läßt, und doch bat der Bundesrath am 18. und 25. September v. I. beschlossen, von dem Petroleumfaß einen besonderen Zoll, einen ZuschlagSwll von 4 Mark pro 100 Kilogramm, zu erheben, so daß der Petroleumzoll von 6 auf 10 Mark erhöbt ist, gleich dem Zoll für lackirte Böttcherwaaren. An Gründen dafür liegt uns nur die Interpretation deS Herrn SchatzsekretärS vom Januar v. I. vor: die B> stimmung deS Gesetzes sei nicht da« hin zu verstehen, daß Waare und Faß demselben Zollsatz zu unterwerfen seien, sondern daß die Waare selbst mit einem Gewicht zu verzollen sei, daS fich aus dem Gewicht der Waare und dem des Fasses zusammensetze, daß aber die Entscheidung über die Verzollung der Tara. d. h. in diesem Falle deS Fasses, eine ganz besondere Frage bilde. Diese Er« klärung ist funkelnagelneu, niemals ist auf Grund eines deutschen Zolltarifs das Faß einer Flasfigkeit einem besonderen Zoll unterworfen worden. Unser Zollwesen beruht doch auf dem Hauptgmndsatz, daß Zoll nur auf solche Waaren erhoben wird, die auch thatsächlich in das Zollgedt«t eingehen, und die Einrichtung, von der der B rndesraih in diesem Falle selbst Gebrauch macht, die Einrichtung der zoll» freien Niederlagen, welche die Wiederausfuhr zollpflichtiger Waaren gestatten, beruht gerade auf dem Grundsatz, daß die Waaren. welche auf die Niederlage g'hen, bei ihrem Wieder- auSgang keinen Zoll zu zahlen haben. DaS Petroleum erfährt ja nicht zum ersten Mal diese absonderliche Behandlung- al» vor einigen Jahren daS russtsche Petroleum in Zisternenwagen ringrna, hielt der Bunvesrath unerschütterlich daran fest, daß zum Petroleum ein Faß gehöre, und wenn das Petroleum e» wagen sollte, ohne Faß einzugehen, die Zollverwaltung ge« sctzirch verpflichtet sei, sich da« Faß zum Petroleum hinzuzu- denken(Heiterkeit); deshalb wurde jenes Petroleum mit einem Gewichtezuschlage von 25 pCt. versehen, d. h. die Phantafie der Zollbeamten brachte garnicht vorhandene Fässer zur Ver» zollung. Der gi oße Handel, der fich mit den eingehenden Fässern in allm Ländern abspielt, beruht durchaus auf der Eifahrung. daß die Kosten des Fasses sammt seiner Vereollung mit auf den Preis der Waare geschlagen werden. Fässer, die am Hr. sprunpsorte 10 oder 12 M. kosten, find hier im Handel für 1'/, oder 2 M. zu haben. Jetzt ist der Preis des Petroleum« faffes gerade veihalb so erheblich gesunken, weil die Petroleum« RNWssws der Handelsstand muß Entschädigung suchen im Ausschlag auf den PetroleumpreiS. Der Sinn unserer ganzen Zollgesetz. gebung steht mit der Maßregel durchaus im Widerspruch; und wenn vre Auslegung des Bundesraths gesetzlich zulässtg wäre, ? würde unser ganzer Handel in einen Zustand erschreckender Unsicherheit aerathen. Meine Partei meint, daß eS fich empfiehlt, dieser durch die Jnterpietion des Bundesraths ge« �offenen Unsicherheit durch einen einfachen klaren Zusatz zum Zolltarifgesetz ein Ende zu machen. Der Bundesrath könnte ja. wenn er ernste Uedelstände wahrrunehmen glaubte, einfach durch einen Gesetzentwurf eine entsprechende Reform bean» tr°g-n Em so komplrzlrteS und konfuses System, wie es jetzt geschaffen ist kann mit der klaren Bestimmung über die Vcr« zollung nach dem Bruttogewicht nicht gemeint sein; und wenn Sie uns die Hand bieten, hier, wo es stch nicht um eine zollpolittsche Parteifrage, sondern um eine einfache Rechtsfrage handelt, den durch den Bundesrath ge- schaffenen Zustand wieder zu beseitigen, so verhelfen Sie dem Rechte wieder zu ferner Geltung und dem gesunden Menschen- verstände wieder zu seinem Rechte.(Beifall links.) Abg. Struckmann(nat.-lib.): Ich bedauere, keinen Vertreter der Regierung hier anwesend zu sehen; die Regie» rung schemt es nicht für nothig zu halten, auf den Vorwurf zu antworten, der hier erhoben wird, daß fie eine den Gesetzen mcht entsprechende Anordnung getroffen habe. Ein solches Verfahren der Regierung ist nicht geeignet, zwischen Reichstag und Bundesrath e,n angemessenes Verhältniß herbeizuführen Ich hatte gern vernommen, aufweiche richterliche Basis der M'VSS B isis aufzufinden, und ich erkläre rund heraus, daß ich die Verordnung des Bundesraths als mit den Gesetzen in Ein- klang stehend nicht ansehen kann. Es liegt ja vielleicht ein gesunder Kern den Intentionen der Regierung zu Grunde: die Bestimmung, daß das Bruttogewicht entscheidend sein solll ist wohl m der Voraussetzung in da« Gesetz aufgenommen worden, daß im Allaemeinen die Tara im Zoll minder- werthiger sei als die Waare. Die ganze Frage würde deshalb zweckmäßig durch eine Kommission geprüft werden, und ick schlage eine solche von 14 Mitgliedem vor. Der Erfola die deutschen Bötichergewelbe zu schützen, wird durch die Ver« dern den amerikanischen Exporteu:en. Abg. v- Schalscha(Zentr.): Die verbündeten Re» gegen den Zolltarif find. Meine politischen Freunde haben an dem Zustandekommen des Zolltarifs einen wesentlichen Antheil Um so mehr wünschen wir, daß die AuSf gebabt. um ,o meyr wünschen wir. daß die Ausführung de«. Üben nicht mit Schwierigkeiten und Plackereien jür da» Publikum verbunden find; fie dienen nur dazu, die Antt. twthlen gegen das ganze Tarifsystem, welches nun einmal existitt, zu vermehren. Der Abg.«römel bat gemeint, daß eS W hier nicht um eine zollpolitische Parteifrage handele, und dann hat er vollständig Recht. Ich hoffe, daß. wenn ich in nächster Zeit noch einige andere Fälle vorführen werde, wo et �ch allerdings um die Schädigung von Äroßgrundbcsttzern landein wnd, tue Herren an« kennen werden, daß eS fich nicht um eine Parteifrage, sondern um gesetzlich unzulässige Deutungen handelt. Dem Antrag auf Kommisstonsderathuna schließe ich mich an. ,...Abg. Barth(deutsch steif.) Zu meinem Erstaunen hat selbst ein AnHanger der herrschenden Witthschaftipoliltk. wie der Vorredner, erklärt, daß der in Frage stehende Beschluß veS Bundesrath« nach keiner Richtung hin zu rechttertiaen sei. Der Rednrr der nationalltberalen Partei ist sogar noch weiter gegangen, den BundeSrath zu desavouiren. Und bei einer solchen Sachlage halt eS kein Mitglied des Bundesraths für nothwendtg, auch nur mit einem Wort auf die Angelegenheit einzugeben.(Hört!) Erner der Herren, der gewöhnlich zu diesen Fragen zu sprechen pflegt, erscheint zwar am Bundes. rathstlsche, verschwindet aber sofort wieder von der Bilvfläche. als er fich überzeugt, welcher Gegenstand auf der Tages. ordnung steht, und halt eS nicht für nöthig, daS Wort zur Lertheidiliuna dts BundeSrathS»u ergreifcn. Ist* n,cht die schwerste Anklage gegen den BundeSratd. daß fich derselbe gegen den klaren Wortlaut des Gesetzes vergangen habe? Da wäre doch wohl eine eingehende Rechtfertigung nöthig gewesen. Aber nachdem man gesehen hat, wie die Dinge gekommen find. will Niemand jenen Beschluß des BundeSraths vertreten; und vergegenwärtigt man sich, wie die Dinge jahraus, jahrein ge- legen haben, so ist es begreiflich. lRuf links: Sie schämen fich!) Nichts spricht so sehr für unseren Antrag, detreffend die Zulaffung dcS Rechtsweges in Zolllachen, als_ dieser Vorgang. Wie nothwerdig es im' gegenwärtigen Augenblicke ist, Schutz gegen willkürliche das beweist die Deutung, Jntervretätiomn zu suchen, das beweist die Deutung, welche von Seiten der Regierung dem Worte„sofort" gegeben ist, daS beweisen auch die Diätenprozeffe, die bis jetzt von allen Gerichten zu Ungunsten des Fiskus entschieden sind.(Hört!) Gegen die kommiffarische Berathung unseres Antrages habe ich nichts einzuwenden, obschon ich sie nicht für nothwendig erachte. Die Debatte wird geschlossen und der Antrag an eine Kommission von 14 Mitglndern verwiesen. Es folgt die erste Berathung öes Antrags Ausfeld u. Gen., betr. die Zulassung des Rechtsweges in Zollstreitsachen. Abg. Dr. Meyer-Halle(deutsch-frers.): Der von unS eingebrachte Antrag wurde bereits im vorigen Jahre zur Be- rathung der Zolltarifnooelle eingebracht und begründet, damals aber abgelehnt. Der Minister v. Scholz warnte alle Freunde der Zolloorlage, auf den Antrag einzugehen, da er nur etnge- bracht W, um der Zollnovelle ein Bein zu stellen. Wir find ja derartige Aeußerungen vom Regierungstische gegen unsere Partei ebenso gewohnt wie die stete Wiederholung deS Vorwurfs, daß von unserer Seite auf eine Verschlechterung deS Tones der Debatte hingewirkt werde. Zur Stellung un- scres Antrage? wurden wrr damals durch die Ausführungs- Verordnung veranlaßt, welche der Bundesrath zum Sperraesetz erließ und die mit diesen Bestimmungen nach unserer Auf- faffung in handgreiflichem Widerspruch stand. Wenn wir heute den Antrag als einen seldstständigen wieder einbringen, so beweisen wir damit, daß wir ihm an sich einen erheblichen Werth besiegen. Und nun bleibt auch bei dieser Berathung des Antrags der Bundesrathstisch leer! Giedt uns das nicht einen Anlaß, in künftigen Fällen derartige Dinge bei einer Gelegenheit zur Sprache zu bringen, wo unS die Herren vom Bundesrath nicht entwischen können, wo sie zur Stelle sein müssen, ihre Angelegenheiten zu vertheidigen? Werden wir in dieser Weise nicht geradezu davon abgeschreckt, derartige An- träge da einzubringen, wohin sie nach Anficht der Regierung gehören? Werden wir durch solches Verhalten des Bundesraths nicht gerade zu einer Taktik gezwungen, die man dann als eine unangemessene bekämpft? Der Zweck unseres Antrage? ist außerordentlich klar und einfach: wir wollen Rechtsschutz haben für denjenigen Privatmann, der durch rechtswidrige Maßnahmen der Behörde in seinem Rechte gekränkt wird. Gegen unseren Antrag find nun im vorigen Jahre nur die drei von uns als sachlich nicht anzuerkennenden Gründe geltend gemacht werden, daß es fich einmal um eine Verschiebung der Gewalten in Betreff der Zollverwaltung innerhalb des Reichs handle, daß die beantragte Neuerung unerhört und den herrschenden RechtSgrundsätzen nicht ent- sprechend sei, und daß endlich die Zollftagen so delikater Natur seien, daß man ihre Behandlung nicht in die Hände deS Aich- ters legen könne. Nun ist aber von einer Verschiedung der Gewallen nicht enfernt die Rede. Nach Art. 7 der ReichSver- fassung hat der BundeSrath die Aufgabe, die AuSführungsver- ordnungen zu den Gesetzen zu erlassen, und eS könnte daraus allerdings geschlossen werden, daß man den BundeSrath nicht den Gerichten unterstellen dürfe. Aber dieses Recht deS Bun- desrathS ist keineswegs eine Prärogative desselben: dieses Recht besteht nur, soweit nicht anderweit« gesetzliche Bestimmungen in dieser Beziehung erlassen werden. Man kann dasselbe Recht dem Reichstage, dem Reichskanzler, irgend einer dem letzteren untergeordneten Behörde, oder einer oder mehreren Einzel- regicrungen übertragen, und in keinem dieser Fälle kann fich der BundeSrath über einen Eingriff in seine Hoheitsrechte be- klagen. Vor 15 Jahren noch halle man die Hände über dem Kopf darüber zusammengeschlagen, daß ein Richter darüber Recht sprechen sollte, ob ein Polizeidirektor mit Recht einem Kutscher die Konzession entzogen habe. Sie haben fich also in alle wirthschafrlichen und prak- tisch- technischen Verhältnisse eingelebt und wer- den auch lernen, den Zolltarif zu verstehen. Natürlich wollen wir den Richter damit nicht zum Zollbeamten machen über das Angemessene oder Unangemessene der Rubrizirung der zoll- Pflichtigen Objekte im Waarenverzeichniß. Es könnte ja im ersten Äugenblick überraschen, wenn man erfährt, daß man von den falschen Zähnen, die der Zahnarzt verwendet, die natürlichen als Bauholz, die künstlichen. auS Mineralien hergestellten, aber als Bleistifte rubrizirt hat.(Große Heiterkeit.) Solche Fragen soll der Richter nicht entscheiden, aber hat eine Zollbehörde etwas entschieden Rechtswidriges begangen, dann soll diese Rechtswidrigkeit und die Nothwendigkeit ihrer Korrektur vom Richter konstatirt werden können. Zur Amendirung des An- trags find wir gern bereit; vereinigt fich die Majontät auf die Einsetzung der Verwaltungsjustizbehörden als oberste richterliche Behörde, so werden wir zustimmen, ebenso wenn man beschließt, daß nur die Verletzung einer klaren Rechtsnorm der richterlichen Kognition unterliegen soll. Ich bitte, den Antrag der eben für den vorher behandelten Gegenstand beschlossenen Kommisston zu überweisen.(Beifall links.) Abg. R i n t e l e n(Zentrum): Ich kann dem Herrn Vor- redner nicht zustimmen. So weit geht es denn doch nicht, wie er meint, daß der Jurist fich in Alles hineinzumischen berufen sein soll. Es kann von ihm nicht verlangi werden, daß er rein technische Frag- n entscheiden soll. Wo es sich um Fragen handelt, bezüglich deren der Richter gar keine Gelegenheit haben kann, fich zu informlren, da ist es ihm auch nicht zuzumuthen, zu entscheiden. In ganz Deutschland, mit Ausnahme von Pieuien, hat über Rechtsfragen das Gericht zu entscheiden: ob Jemand verpflichtet ist, die Abgabe zu leisten, od das Gesetz Anwendung zu finden hat auf einen best.m-nten Fall und ob nicht zu viel von ihm erhoben ist. In Preußen entscheidet nur die Verwallungs- behörde, selbst in Rechtsfragen, welche mit den Zöllen und Stem rn an fich nichts zu thun haben, sobald fie nur irgend- wie damit in Zusammenhang gebracht find. Ich deHalte mir vor, der Kommisston und dem Plinum bei der zweiten Lesung Vorschläge zu unterbreiten, welche die Sache in dem Sinne regeln, wie es im vorigen Jahie unter Zustimmung des Bunsesrathes bnm Rcichsstimpilzesetz geschehen ist. � Abg. Klemm(kons.; auf der Journalistenkribüne sehr schwer verständlich) erklärt fich sowohl gegen den Antrag Ausf ld als auch gegen die Anschauungen des Abgerrdneten Rintelen. Soweit es fich um Privat- streitigkerten in Zollsachen handle, entscheide schon jetzt vaS Zioilgericht. In dieser Beziehung sei°lso der Antrag über- flüsfig. WaS aber die anderen technischen Streitfalle betreffe, so könne man dem Richter darüber kein Urtdeil zumuthen. Er möchte überhaupt davor warnen, einzelne Fälle, die zu Be- schwerden Anlaß gegeben Härten, zum Ausgang emer gesetzlrchen Maßregel zu nehmen. Abg. Struckmann(naUlb.): Die unS rn dieser Angelegenheit vorliegenden Petilionen konstatiren zwei Schaden. Einmal, daß es u»S an einer RcchlSeinhcit auf diesem Gebiete fehlt. Jetzt find die LandeSverwaltungsdehörden mit der Ent« scheivur.g von Zollstreitsachen betraut. In Sachen von deson- derer Relevanz steht der Beschwerdeweg an den Bundesrath offen. Aber einen regelmäßigen Instanzenweg an den Bundes- raih aiebt rs nicht. Auch beschränkt fich der BundeSrath dar- auf, Direktiven zu geben, und die Folge ist, daß in einer ganzen Reihe von Fällen dieselben Zollfragen in der verschiedensten Weise beurlhtilt werden, zu großer Unficherheit sür den Ver« kehr. Der Gedanke(igt nahe, die Gerichtshöfe, wie mit den Etempelsachen, so auch mit den Zollstreilftagen zu befassen. Dagegen spricht einmal das Bedenken, daß wir die Gerichte in unnöthiger Weise belasten, sodann der Umstand, daß die streitigen Fragen auf dem Verivaltungsgebiete spielen. Da empfiehlt es fich vielleicht, die Angelegenheit an die Verwal- tunaSgerichte zu verweisen. Mit der Uedertragung der Zoll- strertiachen auf diese Kammer würde ein großer Thcil der Be- denken gegen daS richterliche Verfahren verschwinden. Abg. Lenzmann(Dem.): Ich glaube, daß der Bun- deSrath fich nur deshalb von dieser Verhandlung fernhält, weil er im Gefühl seiner Ohnmacht die Gründe nicht zu widerlegen wußte, welche Kollege Meyer hier gegen die Verordrung deS Bundesraths vorgebracht hat. Sollte er auS anderen Gründen ferngeblieben sein, so würde ich daS vor dem ganzen Lande für eine unqualifizirbare Rückfichtslofigkeit erklären. Wenn man gegen unseren Antrag eingewendet hat, die Gerichte würden nicht im Stande sein, solche technischen Dinge zu beurtheilen, so übersteht man, daß jetzt schon der ordeniliche Richter in sehr vielen Fällen einen technischen Beirath zuziebm muß, z. Ä. bezüglich des Muster- und Markenschutzes. Derartige Organe werden fich auch für die Behandlung von Zollsachen schaffen laffen. Der technisch schlecht beralhene Richter könnte fich einfach an die Zollbehörde wenden, um sachver- ständige' Auskunft zu erlangen. Häufig reicht auch die technische Kenntnlß de» gewöhnlichen Juristen ebenso auS, wie die technische Kenntniß des Zollbeamten. Die Sache der Deputation für daS Hcimathwesen oder einem anderen Institut zu übertragen, wie Herr Etruckmann will, halte ich nicht sür rathsam, fie gehört vielmehr vor den ordentlichen Richter. Der Antrag Ausfeld wird hierauf derselben Kommisston überwiesen, welche für den vorhergehenden Antrag, betr. die Verzollung der Petroleumfäffer, beschloffen ist. Hierauf vertagt fich das Haus. Präfident v. W e d e l l> P i e s d o r f: ES wurde gestern gewünscbt, die Anträge, betreffend die Ausweisungen, morgen auf die Tagesordnung zu setzen. Ich glaube indessen meiner- scitS nicht in der Lage zu sein, diesem Wunsche zu entsprechen, weil die Anträge wegen der Zeit ihrer Eindringung noch nicht an der Reihe find. Ich schlage Ihnen dishalb vor, morgen um 1 Uhr die zweite Berathung deS Post-Etats vorzunehmen. Abg. v. Jazdzewski(Pole) beantragt, die Besprechung der seiner Zell von ihm gestellten Interpellation und sämmt- liche dieselbe Materie betreffenden Anträge auf die morgende Tagesoidnuna zu setzen. Abg. v. Helldorff(kons.) bittet dagegen, es bei dem Vorschlage des Präfidenten bewenden zu laffen. Es sei eben die Stelle eröffnet worden, welche zur Erledigung der Ange- legenheit berufen sei. Es sei deshalb nicht geboten, den Gegen- stand früher zu behandeln, als es nach der natürlichen Reihen- folge der Anträge angezeigt erscheint. Abg. W i n d t h o r st(Zentrum) erklärt fich für den Antrag Jazdzewski. Wir haben Aue die Empfindung gehabt, daß daS Haus den Wunsch Hit, die Angelegenheit endlich zu beseitigen. (Abg. Rickert: Endlich!) Ein„endlich" heute hat eine andere Bedeutung, als ein„endlich" gestern.(Heiterkeit.) Auch die Geschäftsordnung steht dem Antrage zur Seite, denn es handelt fich um die Besprechung einer Interpellation, welche der Ge- schäflSordnung nach den Vorrang hat, und die Behandlung der übrigen Anträge nach fich zieht. Ich zweifle nicht, daß die Sache auch an der eröffneten Stelle delprochen werden wird, aber diese Stelle ist eben nicht der Reichstag. Dieser hat fich setner ganzen Stellung nach früher zu äußern, als daS Abgeordnetenhaus, welches auf das, waS hier geschehen wird, Rück- ficht nehmen wird und muß.» Abg. Marquardsen(nat.-lib.): Meine politischen Freunde halten eS für sachgemäß, daß zunächst eine Verhand- lung im preußischen Abgeorvnetenhause vorhergeht(hört! hört! links), wo auch der Reichskanzler als preußischer Minister- präfident Rede zu stehen fich verpflichtet hat. Sobald dieS ge- schchen sein wird, werden meine politischen Freunde dem Wunsche deS Herrn Abg. Jazdzewski gern nachkommen.(Heiter- keit links.) Abg. Richter(deutschfreis): Es kommt doch nicht in erster Reihe darauf an, od«S dem Reichskanzler beliebt, zu erscheinen und zu sprechen, sondern darauf, daß der Reichstag selbst dasjenige ausspricht, waS er für richtig hält. Wir meinen, daß an dieser Besprechung auch die nichtpreußischen Volks« Vertreter ein Interesse haben mitzuwirken, weil wir in dieser Frage nicht die partikularistijche Auffassung haben, wie die Herren„National" liberalen(Heiterkeit), sondern glauben, daß die AuSweisungSfrage in erster Reihe eine deutsche Frage ist. Abg Marquardsen: Von einem partikularistischen Standpunkte ist hier gar keine Rede. Wir glauben nur, daß die Untersuchung der einzelnen Fälle zunächst im preußischen Abgeordnetenhause stattfinden muß. Abg. Richter: Es handelt fich doch nicht um die Untersuchung einzelner Fälle. Wir find garnicht in der Lage, zu entscheiden, od die eine oder andere Ausweisung mehr oder weniger gerecht ist. Bringen Sie doch nicht die Sache auf diesen kleinen bmeaukcatischen Standpunkt; es handelt fich darum, da» ganze System von Ausweisungen politisch zu de- trachten, und wenn Herrn Marquardsen der Ausdruck„parti- kularistischer Standpunkt" nicht gefällt, so sage ich, Sie stellen fich auf den Kanzler-Standpunkt, gleichgiltig, ob er mit dem nationalen S andpunkt übereinstimmt oder nicht.(Oho! bei den Nationalliberalen.) Der Antrag Jazdzewski wird hierauf mit den Stimmen der Deutschfreifinnigen, des Zentrums, der Polen, der Sozial- demolraten und der Volkspartet angenommen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Besprechung der Interpellation über die Ausweisungen und sämmtliche dazu gestellte Anträge). Kommunale». Stadtverordneten-Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 14. Januar. Der Stadtverordnettn.Volsteher, Herr Büchtemann, eröffnet die Sitzung nach 6 Uhr mit geschäftlichen Miithei- lungen. Die Adtheilungen haben fich konstituirt und die Wahl von 15 Mitgliedern für den Ausschuß, der Vorschläge zu machen hat in Bezug auf die Neuwahl der Mitglieder ver« schiedener Ausschüsse ic.— und von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vor berathung der Vorlage, betreffend die Aus- wähl de; im Etatsjahre 1886/87 neu- resp. umzupflastcrnden Straßen und Plätze, vollzogen. Der Stadtv. Diersch ist erkrankt, seine Vertretung übernimmt der Stadtv. Pitz- mann. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden eine Anzahl unwesentlicher Vorlagen debartelos erledigt. Organisation der Markthallen und Stand« miethen-Tarif. Stadtv. L ö w e l beantragt die Ueberweisung der Vorlage an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Stadtv. Prof. Bellermann erklärt fich mit Ausschuß- berathung einverstanden. Ein Provisorium der Leitung sei nothwendig, da man noch nicht beurtheilen könne, welchen Lauf die Geschäfte nehmen werden. Bedenklich sei, daß der Direktor des städtischen Zentral-Viehbofes, Herr Hausburg für die kom- missarische Verwaltung der Stelle eines Dirigenten der städti- schen Märkte in Ausstcht genommen sei. Es sei nicht aus- geschlossen, daß hierdurch die Leitung des städtischen ViehhM 2� �" beeinträchtigt werde. Auch die Entschädigung für die inta»-. mistische Verwaltung— 300 Mark Diäten monatlich— P ai'„«> etwas hoch; es ergebe sich als Gesammtsumme des Dienste»» � r? ~ Cs. i r. rv\f\____ WM ciaciiw kommens für Herrn H. ca. 15000 Mark; man werde spät». -------- v.-t.' r. t—t... t.—Rrt ver gezwungen sein, das definitive Gehalt eben so Koch zu bemeffe«. �, Auch die vorgeschlagene Gewährung eines Rabatts an*-sg0j Großverkäufer werde zu einer Schädigung der Kleinverllrt» führen und müsse deshalb beseitigt werden._ die Abli- Stadtv. Singer: Ich hätte geglaubt, daß von*- Mitgliedern der Majorität der Versammlung, die seiner Z» so warm und enthusiastisch für das Untemehmen cingetr» find, nicht l los einfache Ueberweisung an einen Ausschuß* antragt werden, sondern daß die Generaldebatte von ihnen» nutzt würde, das ganze Unternehmen in eine Besprechung l ziehen. Dem Antrag auf Ueberweisung an einen Auss» stimmen wir zu. Wir standen wohl der Idee der Marktha» nicht so sympathisch gegenüber, wie die Majontät, i wir haben uniere Bedenken offen ausgesprochen. Wenn i auch ebenfalls an eine lebha'te Entwickelung des Verl« glauben und die gesundheiilichen Vortheile der Marktha nicht verkennen, so find wir doch weit entfernt von gewi Jllufionen, die man fich auf deren Seite von der Zukunft> Unternehmens macht. Nachdem jedoch fich die Behörden» einmal geeinigt haben, Markthallen zu erbauen und die E« perfekt geworden ist, ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen,» das Unternehmen so sehr als möglich prosperire. Aus dick Gefichtspunkt betrachte ich die Vorlage des Magistrats, i Anficht, die Leitung vorläufig provisorisch führen zu Im stimmt mit unserer überein. Definitive Abmachungen kö»» jetzt nicht getroffen werden. Es will mir auch scheinen, t bade die vorgeschlagene Besetzung der Dirigenten stell« W Bedenken,»leicht, daß Ich die Tüchtigkeit des Herrn fr. seinem jetzigen Amte bezweifelte; ich hätte gewünscht, daß» Persönlichkeit gefunden worden wäre, die rn ihrer diSh«j Thätigkeit im lebendigen Verkehr und im gewerblichen gestanden hätte, die ein kaufmännisch geschulter Mann» kein bloßer Verwaltungsbeamter wäre. Eine solche Gar« bietet Herr H. nicht. Andererseits kann seine provisorst Thätigkeit als Dirigent der Markthalle leicht seine b(»M amtliche lahmlegen. Es ist ja klar, daß er alle seine st1' an das neue Unternehmen wenden würde; die Verwaltung» Viehhofes ist aber eine so große und lomplizirte, daß eS> gefährlicher Versuch ist, dem bisherigen Leiter ein neues i» der Thätigkeit zuzuweisen. WaS vre Normirung des%p. anbetrifft, so scheint fie mir mäßig zu sein. Die Verli» werden nicht wesentlich mehr als jetzt für die EtandmieM zahlen haben. Beurthe'len wird fich das alleS erst nach rem Material laffen. das in der Kommtsfion vorzulegen W Ungerechtfertigt und verderblich aber ist eS, den Großvertäuck dem Großkopltale, durch Rabattgewähmng entgegen zu komck Wenn die Mai kl ballen ihren Zweck erfüllen tollen, müW nicht allein viel Publikum, sondern auch viel Verkäufer arW Niemals wäre es gut, daS Kontingent der KleinverkäufG Gunsten von Leuten zu beschränken, die schon in Folge V großen Geldmittel«inen übermächtigen Vortheil J jenen haben. Der Rabatt wäre eine Prämie für? Großkapital. Die Markthallen find sowohl zum Schutz»! Publikums als der Verkäufer vor den Unbilden der W##, errrichtet worden. Sie würden unnütz sein, wenn fie M Großhändler bestimmt wären, die fich auf dem offenen W bisher nicht haben sehen lassen. Ich möchte also den Au»»» bitten, wohl zu überlegen, ob die Rabattgewährung im 2* esse der Entwickelung der Markthallen liegt., Sie mi4»Jj den MarlthalUn ein großes Experiment; wenn Sie Experiment nicht auf die feinste Wage der Gerechtigkeit WL werden Sie das ganze Unternehmen mit einem Odium W»' das schwer wieder zu besettigen wäre. A Stadtv. Moses ersucht um schnelle Berichler, mUusS Ausschusses. Ein Antrag auf Schluß der Tagesordnung wird ck nommen- J Die Vorlage wird einem Ausschüsse von 15 Mi#* überw'esen. Die übrigen Vorlagen, die debattelos erledigt werde«, behren des allgemeinen Interesses. Schluß 7 Uhr._ Lokales. Angesicht» der zahlreichen Unfälle anf dem von verschiedenen Seiten die Frage aufgeworfen worden,! rum die städtische Verwaltung, dt« doch öffentliche Spi»'? für die Jugend bereit gestellt und Volksbadeanstalten em» hat, der ärmeren Bevölkerung das Echlittschuhlaujen nW' unentgeltlich oder für einen geringen Betrag ermöglicht-� zweifelhaft find doch jene Unfälle zum großen Theil% entstanden, daß die auf den gefährlichen Flußstellen v? schuhlaufenden nicht die Mittel hatten, die polizeilich W nirten Bahnen zu besuchen, bei welchen fich der EintriM von Jahr zu Jahr gesteigert hat und jetzt zwischen W 50 Pfg. variirt. Bei der theuren Pacht und dem ung Rlstko ist diese Theuerung ja nicht den Pächtern zur legen; diese mögen in Jahren mit ungünstigen EiSverh' oft genug noch Geld zusetzen; wohl aber wäre es doch � daß der Magistrat auf den zahlreichen ihm gehörigen? stücken in und um Berlin Eisbahnen herstellte, auf welckZ 5 Pfg., wie bei den VolkSdadeanstalten, Eintrittsgeld ff würde; unzweifelhaft würden fich diese Unternehmen«ff diesem Preise noch rentiren, da der Pachtzins fortfällt, Magistrat über Kräfte zur Reinhaltung der Bahn g(*| verfügt. Statt dessen hat der Magistrar die Eisbahn a«, Treptower See in den Anlagen und noch eine andere,' Ueberschwemmung entstandene am Knie der Chaussee J»z Jahr ein verpachtet und gewährt den Unternehmern n gewiß einen namhaften Gewinn. Für einen ärmeren%% vater— und deren soll eS im Osten?mehrere geben— � wahrlich ein« Wohlthat, wenn er seinen 3 oder 4 Kind«� statt 50 bis 80 Pfg. nur 20 Pfg. auf die Eisbahn milM braucht. Wenn aber die Stadt die ihr gehörigen mit deckten Flächen nicht selbst als Eisbahnen pflegen witkjJJ fie fie wenigstens frei, wie auf dem Lande den Bewotz»� die Wafferflächcn freistehen und auch von der Jugenü., gepflegt resp. gekehrt werden; unberechtigt aber ist es, slävtischen Eigenthum zu Ungunsten der ärmeren Bev»" Nutzen zu ziehen. � n � Etellungsnotl, ist groß. Für daS Bureau. hiefigen VerstcherungS-Gesellschaft wurde durch#«<5 einer hesigen Zeitung ein Kanzlist gegen hundert Mart-A lichen Gehalt gesucht. Als Bewerber für diesen PolW") sich nicht weniger denn 136 Personen gemeldet, darum'', in den verichiedensten Lebensstellungm. 65 gehör>E-' Kaufmannsfiande, 10 der Ve.ficherungS-Branckc 14 arbeiteten in den Bureavx von Rechtsanwälten, 3 J entlassene resp. pmfionirte Offiziere, 4 frühere Bwinte. ein Rechtsanwatt a. D. und ein früherer Polizei-�) die übrigen gehörten diversen anderen Berufsar-eu Zwei Damen reihten fich dieser Menge von Bewerbern» , enthalten, üderschrieb.'n„Eme polizeilich aufgelöste samrnlung" w'Ich- sich auf den Kommers der Kons-rvU' IV. Reichstagswahlkreis« b-zieht. Dieselbe enthält KiN.� Unwahrbert, daß der Kommers durch einen Pollzei-Beimten aufgelöst worden sei. Wir ih-'len daß d-r betreffend: Kommers nach Beendigung. Lw T hetleS regelrecht g-schlossen worden ist. Di» Unter»»_ er J' m neu» m 3' il welch: der betreffenden V�sammlurg in dem offiziellen Theile, dezw. der Fidelnas präfidi'ten, erklären hiermit, daß iräd'end dieser b iden Theile ein Lied, wie das von Jbnen in Nr. 7 Ihres Blaues era ahnte, nicht gesungen worden ist. Die Un erzeicdne en würden eine deraittee Ausschreitung während der Dauer ihres Vcrfitzes nicht geduldet und hierin auch nur den Intentionen der Fest>Ve. samwlung entsprochen haben".— Die„Volks Ztg." bemerkt dazu: Die Herren vergessen zu er- wähnen, daß das Hetzgedicht vertheilt wurde und die Polizei die Abstr gung deffrlben verhinderte. Ein dem modernen Leben entnommene« Zeitbild, welches in gewiffer Hinficht die soziale Frage berührt und fich „DaS LcoS der Armen" betitelt, ist von dem Freiherrn von Etenglin dem hiefigen Ostendtheater zur Aufführung übergeben worden. Nachdem verschiedene zu schroffe und realrstische Aus» drücke und Situationen in dem Etück gestrichen resp. verändert worden, um dasselbe zur Darstellung geeignet und der polizei« lichen Zensur pasfirbar erscheinen zu laffen. soll dasselbe noch vor Ablauf die>es MonatS am Lstendthcater in Szene gehen. Alhambra-Tbeater. Die J-cobson'sche Posse„Friesel und Wiesel" wird hier allabendlich aufgeführt. Dies überaus lustige Stück, welches fich auf dem Repeitoir vieler Bühnen viele Jahre hindurch als Zug- und Kaffenstück bewährt hat, beweist auch hier wieder seine Anziehungskraft. Haussuchung. In dem Hause Wrangelstr. 50 wurde gestern Morgen gegen 8 Uhr eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen sozialdemokratischen Schriften vorgenommen. Die Haussuchung blieb resultatloS. Polizet-vericht. Am 11. d. M. Vormittags fiel eine Frau in der Birkenstraße in Folge Ausgleitens zur Erde und brach das Bein, so daß fie nach dem Krankenhause in Moabit gebracht werden mußte. Am 13. d. M. Vormittags wurde der Eisenbahnarbeiter Zahn, als er auf dem Görlitzer Bahnhofe eben auS einer Wärterbude heraustrat, von einer vorüberfahrenden Rangir» Maschine erfaßt und zu Boden geschleudert, wobei er außer einer Kopfwunde so schwere Rippenquetschungen erlitt, daß er nach Bethanien gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit fiel der Arbeiter Altmann, indem er im Hause Oberwallstraße W—lo mit di m Holzpantoffel auf einer Steintreppe hängen blieb, kopfüber herab, schlug dabei mit dem Geficht auf und erlitt dadurch so bedeutende Verletzungen, daß er nach dem Katholischen Krankenhause gebracht werden mußte.— An dem- selben Vormittage wurde ein Mann in der Ackerstraße in seinem Holzstalle, ein anderer in seiner Wohnung in der Nosttzstraße erhängt und einige Zeit? später ein dritter in seiner Wohnung in der Frantfmtcrstraße erschossen vorgefunden.— An demselben Tage Abends gerieth der Rangirer Gnas auf dem Schlestschen Güter-Bahnhofe beim Ankoppeln eines Wagens mit dem Fuß zwischen die Speichen deS laufenden Rades und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er mittelst Tragkorbes nach Bethanien gebracht werden mußte.__ Gerichts-Zeitung. Die Berufung de« Fräulein Wabnttz sollte gestem vor dem Forum der VI. Strafkammer(Berufungikammer) deS königlichen Landgerichts Berlin l oerhandelt werden. Fräulein Wahnitz wurde im Monat November v. I. zu 4 Wochen Ge- fängniß verurtheilt, weil fie in einer im Monat Mai v. I. stattgehabten Arbeiterinnen- Versammlung in öffentlicher Rede behauptet haben sollte: Die Handlungcfirma O. Heim, Spandauerdriicke hierselbst, beschäftige neben ehrenwerthen Arbeiterinnen prostituirte Dirnen, um fie der fittenpolizcilichen Kontrole zu entziehen; da den Prostituirten der erwähnte Vortheil gewährt werde, erhalten sie für ihre Arbeit keine Be- zahlung. Fräulein Wabnitz destritt, in jener Versammlung die betreffende Firma genannt zu haben, fie habe blos die That- fache erwähnt, bei dieser Gelegenheit sei ihr der Name „0. Heim" aus der Mitte der Versammlung entgrgengerufen worden. Der Vorfitzende deS betreffenden Schöffen« gerichts bezeichnete in der Urtheilsmotivirung diesen Einwand alS unerheblich, da, selbst wenn derselbe richtig sei, immerhin eine Anstiftung zur Beleidigung vorliege.— Fräulein Wabnitz legte gegen dieses Urtheil die Berufung ein und erbot fich, den Beweis der Wahrheit für ihre Behauptungen zu erbringen. Anläßlich dessen waren zu dem gestrigen Termin, außer mehreren Führerinnen der Ar- beitennnen-Beweguna� eine Anzahl Arbeiterinnen als Zeuginnen erschienen. Als die Sache jedoch aufgerufen wurde, war der Vertreter der klagenden Firma, Rechtsanwalt Bahn, noch nicht erschienen. Es wurde noch einige Minuten gewartet; da aber der erwähnte Rechtsanwalt immer noch nicht erschienen war, so beantragte der Vertreter der Verklagten, Rechtsanwalt Julius Etaothagen: die Klage als zurückgenommen zu erachten und dem Kläger die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Der Gerichtshof(Vor- fitzender Landgerichts-Direttor Humbert) erkannte demgemäß. — Etwa zehn Minuten später erschien Rechtsanwalt Bahn; an dem Beschlüsse des Gerichtshofes ist jedoch selbstverständlich mchts mehr zu ändern.___ Soziales«nd Arbeiterbewegung. „Die Dummen werden nicht alle". Dies alte Sprich- woit bewahrheitet fich so recht bei dm Bestrebungen, die jetzt überall auftauchen, dem Handwerker stände wieder auf die Strümpfe zu helfen. So fand in G ör litz vor Kurzem eine Handwerkerversammlung statt, in welcher der Landtags« abgeordnete v. Schenckendorss über den EntwickelungSgang des Handwerks von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart sprach, sowie die Fragen erörterte: womit hat daS Handwerk heute umnehmlsth zu kämpfen, und wie kann ihm geholfen werden? 7 Gegner des Handwerks bezeichnete der Redner unter eingehender Darlegung der Behältnisse die Großindustrie, das Großgewerbe, die Konkurrenz, Vre mangelhafte Lehrlingserziehung, daS Borgfystem; und manche nachtheilige Eigenfchaften, welche dem Handwerker oft persönlich anhaften. Aus dieser Darlegung ergab fich der Schluß, daß die einzelnen Handwerkszweige sehr ver- schieden durch diesen Kampf in Mitleidenschaft gezogen seien, daß der Handwerker jetzt. vielfach Händler und Kauf- mann geworden sei, und trotz alledem heute noch ein breiter Bovin für daS Kleinhandwerk vorhanden wäre. Hin- fichtltch der Aufhilfemittel empfahl Redner: eine Vertretung beS Handwerks durch Gcwerbekammern, eine gesetzliche Tren- nung des voll ausgebildeten Handwerkers von dem nur ein« vorgebilveten handwerklichen Arbeiter, Errichtung von Fachschulen und Lehrwerkstätten von Staatswegen mit thun- lrchst niedrigem Schulgelde; Pflege und weiteren Ausbau deS Jnnungswesens auf Grundlage der Jnnungsnovelle vom lv. IUI, 1381, und endlich Benutzung aller derjenigen Mittel, welche das Fachwiffen und Können auch für den fchon mitten im gewerblichen Leben stehenden Handwerker zu fördern ver- mögen. Aus der Darlegung der einzelnen Punkte ergab fich der leitende Gedanke, daß alle Maßnahmen nutzlos und daher zu verwerfen seien, welche dm freien wirthschaftlichen Verkehr, der ein Weltverkehr geworden sei, oder welche die freie Verwendung der Arbeitskraft hindern würden; daß hingegen Alles, eventuell durch gesetzliche Maßnahmen zu unterstützen sei, was das Handwerk in sich zu kräftigen I und widerstandsfähiger zu machen vermöchte.— Man braucht nur die von uns gesperrt gedruckten Stellen ins Auge zu mssen, um den Widerspruch zu ersehen, der in obigen Aus- kührungen liegt, die von den anwesenden Handwerkern merkwürdigerweise zu den ihrigen gemacht wurden. Der Haupt- gegner deS Handwerks, ja der entscheidende Gegner deS- selben ist der Großbetrieb, dieser Großbetrieb aber konnte nur entstehen durch den freien wirthschaftlichm Verkehr und die freie Verwendung der Arbeitskraft— folglich find letztere, die von der Versammlung empfohlen wurden, doch auch Gegner des Handwerks! Nur ein bischen Logik! Da find doch die extravaganten Zünftler auf einer richtigeren Fährte; nur ist eS unmöglich, das Rad des wirthschaftlichen Fortschritts wieder zurückzudrehen, so daß auch ihre Bestrebungen gegenstandslos sind. Aber fie find doch wenigstens konsequent, wahrend die Görlitzer Handwerker die Großindustrie vemrtheilen und die Grundbedingungen derselben sich zu eigen machen. Jedoch, „die Dummen werden nicht alle"...~ Aus Sachsen wird geschrieben: Vor einigen Tagen ging durch die Presse eine Notiz aus Meerane, in welcher dr-Noth unter dem dortigen Arbeiterstande in drastischer Weise ge« schildert wurde. Der dortige Weberverein hatte nämlich eine Kommisfion zur Untersuchung eingesetzt, die denn auch in Er- fahrung brachte, daß in Meerane zirka 150 Arbeiterfamilten fich befinden, die ihr sämmtliches Bettzeug haben versetzen müssen und nun auf Stroh und Lumpen schlafen. DaS Meeraner„Taqeblatt". welches derartige Roth im ersten Eifer bestritt, gi-bt jetzt klein bei und sucht fich mit allerlei Rede- wedungen über den.Eigentlichen Nothstand" hinwegzusetzen. Dabei konstatirt das Blatt aber,„daß unter der Meeraner Arbeiter-Bevölkerung vielfache Roth vorhanden sei." Doch meint daS Blatt, daß unter den Webern der preußischen Pro- vin, Schlesien gleichfalls ein solcher„Nothstand" herrsche. DaS Gcständniß ist allerdings bezeichnend. Bis jetzt glaubte man, daß die Lage der fchlestschm Weber am Eulenacdirge und Riesengebirge einzig dastehe— in Gedichten und Berichten ist diese Lage immer als eine geradezu verzweifelte hingestellt worden. Wenn nun aber das.Tageblatt" einer Mittelstadt in unferem Königreiche derartige Vergleiche macht, dann kann man ermessen, wie schlecht auch bei uns die Erwerbsverhält« niffe find, wie elend und jammervoll der Arbeiter sein Leben dahinfchlcppen muß.. Ueber die Arbeitsverhältnisse im Ttfchlerfach berichtet der Fachoerein zu Eilenburg folgendes: Der Fachverein der Tischler hier zählt jetzt 40 Mitglieder, während im Ganzen in unserem tndustriereichen Ort 142 männliche Berufsgenoffen, 4 weibliche und 58 Lehrlinge Beschäftigung haben. Arbeitslos ist zur Zeit Keiner. Der wöchentliche Durchschnittslohn bettägt 12 Mark. Der Lohn steigt auf höchstens 18 M. und fällt in vielen Fällen sogar bis auf 10 M. pro Woche. Die übliche Arbeitszeit ist die 11'/»stündige, täglich, zu welcher 96 Genossen arbeiten, die kürzeste Wochenarbertsxit ist 66 Stunden, die längste 73, 13 Stunden pro Tag. Mehr als der 6. Theil aller Arbeiter ist genöthigt, länger als die üblichen 11'/, Stun« den zu schanzen. Leider hat auch die Sonntagsarbeit große Ausdehnung. Es arbeiten in der Regel 120 Gehilfen Sonntags bis zu 5 Stunden. DaS Interesse für den Fachoerein ist bei den hiesigen Berufsgenoffen in erfreulichem Wachsen. Uereine und Versammlungen. Bg. Der Arbeiter-Bezirksverein„Unverzagt", im fünften ReichstagSwahltreiS, hielt am Dienstag im Restaurant Jacoby, Landsbergerstr. 82, seine Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der er erste Vorsitzende, Herr Robert Schultze, dem verstorbenen Hofbaurath Temmler einen Nachruf. Die Ansammelten ehrten dessen Andenken durch Aufstehen von den Plätzen. Sodann zur Tagesordnung übergehend, erstattete der Vorfitzende Bericht über die Thätig- kett deS Vereins im letzten Quartal.— Der Kasstrer, Herr Emil Franke, gab einen ausführlichen Kassenbericht und schloß mit einem Bestand von 4 92 M.; dem Kasstrer wurde Decharge ertheilt,— In den Vorstand wurden gewählt die Herren Aug. Steindorff zum ersten Vorsttzenden, Behrendt II zum zweiten Vorsitzenden, zu Schriftführern Otto Wolff und Otto Bodenberg, zu Kasfirern Emil Franke und Armerdina, zum Beifitzer Jakobik, zu Revisor-n Rudolf Krüger, Gensch, Futsche.— Für die streikeuden Handschuh- macher wurde eine Tellersammlung veranstaltet.— Der Verein unternimmt am Sonntag, den 17. Januar, eine Partie nach Marienselde zur Befichtigung der Dr. Petri'schen Entwäffe« rungsstatton. Die Mitglieder versammeln fich am betreffenden Tage um 9 Uhr Vormittags vor dem Billetschalter des Pots- damer Bahnhofes; der Zug nach Tempelhof fährt 9 30 Uhr von dort ad.— Ebenso findet am Sonntag, den 24. Januar, bei Jacobv, Landsbergerstr. 82, ein gemüthlicheS Beisammensein der Mitglieder mtt Familie statt.— Man bittet um recht rege Betheiligung an beiden Tagen.— Nächste Versammlung Dienstag, den 26. Januar er., in demselben Lokale. Der Fachveretn der Berliner Stuckateure hielt am Montag, den 11. d. Mts., in Niest's Salon eine öffentliche Versammlung ad. Der Referent, Herr Heindorf, sprach seine Freude darüber aus, daß die Kollegen so zahlreich erschienen sind, ging zur Erörterung der Bedmtung einer Lohnfrage über, erwähnte die Bauthätigkeit im nächsten Jahre und die Schmutz- konkurrenz in dem Gewerbe. Er ermahnte die Anwesenden, die Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, da die Stuckateure es ihrem Berufe schuldig find, denselben zu heben. Der Präses der Lohnkommisfion verlas den Tarif, hob die Wichtig« lest desselben hervor und ersuchte die Versammlung, fest an der Durchführung desselben fich zu betheiligen. Inzwischen ging folgende Resolution ein:„Die heutige Versammlung erkennt den von der Lohnkommisfion ausgearbeiteten Lohntarif und die darin enthaltenen Lohnforderungen als gerechte Forderurg an und verpflichtet fich, für dieselben voll und ganz einzutreten." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Ebenso der Antrag, der Kommisfion ihrer schwierigen Aufgabe zu entheben und eine neue zu wählen. Zu„Verschiedenes" wurde be- schlössen, sofort einen Fond« ,u gründen, um einer eventuellen Maßregelung vorzubeugen. Nachts 1'/, Uhr schloß der Vor« sitzende Herr Meißner die Versammlung. Am Montag, den 18. d. MtS., findet eine Vereinsversammlung in Niest's Salon, Kommandantenstr. 71, statt. � th. Die Drechsler«nd verwandten Berufsgenoffen waren am 13. d. Mts. in den Gratweil'schen Sälen vecsammelt, um über die Wiederaufnahme der Lohnbewegung in diesem Jahre zu derathen resp. Beschluß zu fassen. Die vorjährb Lohnbewegung, welche am 10. Dezember ihren offiziellen A lckluß fand, war, wie der Vorfitzende, Herr Sündermann, mit« , heilte, zwar eine erfolgreiche, jedoch nicht völlig durchgreifende. Die Hauptpunkte der vorjäbrigen Lohnbewegung waren: 18 M. Wochenlohn, 10 Stunden tägliche Arbeitszeit und Sonntags- ruhe Diese Forderungen wurden in 94 Werkstätten mit 400 Gesellen be rilligt und zwar nur in größeren Werkstätten, während fich die kleinen gar nicht an der Bewegung betheiligt hätten. Die Errungenschaften der vorjährigen Lohnbewegung feien aber zum größten Theile bereits wteder illusorrsch ge- ««den, weshalb die Lohnkommisfion der Anficht sei. daß in diesem Jahre wiederum in die Lohnbewegung eingetreten werden müsse, da der Fachverein nur einen kleinen Theil der vorjährige Programm Geltung, doch wäre die Frage zu ent- scketden, in welcher Form die Lohnbewegung zum Ausbruch kommen solle: ob in Form von partiellen Streiks, eines Ge- neralstreiks oder in Form von Werkstubensperren, sowie ob au Grund von prozentualen Lohnzuschlägen oder auf Grund von Lohntarifcn? Die Versammlung entschied sich für Ausnahme der Lohnbewegung in diesem Jahre, ließ jedoch die übrigen Fragen noch unentschieden und genehmigte die Qurttungs. marken zum Einsammeln der freiwilligen Beiträge zum Ge- Der �Fachveretn der Rohrleger hielt am Sonnlag, den 10. d. M, in dem Lokale von Wolf und Krüger, Elalitzer- straße 126, eine Versammlung ab. Nach erfolgter Wiederwahl des bisherigen zweiten Vorsitzenden Herrn Reckner, sprach der erste Vorfitzende über die Organisation deS FachvereinS, indem er unter Anderem darauf hinwies, daß es nothwendtg sei, daß, ich die Kollegen schon jetzt auf die nächste Bauperiode vorbe- reiten. Die zahlreich besuchte Versammlung erklärte fich, nach» dem mehrere Redner im Sinne des Vorsitzenden gesprochen, ebenfalls mit dessen Ausführungen einverstanden und nahm 'olgende Resolution einstimmig an: Die heutige Versammlung ieschließt, mit allen ihr gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln darauf hinzuwirken, die Lage der Rohrleger zu verbessern und beauftragt den Vorstand, sobald wie möglich eine öffentliche- Versammlung einzuberufen und einen Referenten einzuladen, welcher in derselben die heuiige Lage der Rohrleger klar legt. und über die Lohnverhältnisse referirt. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutsche» Wagenbauer.(E. H. Nr. 8 zu Hamburg.) Für die Mitglieder der ehemaligen Verwaltungsstelle 23 Berlins und Um» >egend findet am Sonntag, den 17. Januar, Vormittags 10 Ihr, in den unteren Sälen der Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenftraße 77—79, die letzte gemeinsame Mitglieder» Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Kassenbericht über das 4. Quartal 1885. 2. Innere Kassenangelegmheiten. Da diese Versammlung wegen der am 1. Januar in Kraft getretenen Theilung unserer Zahlstelle in 8 selbstständige Bezirke die letzte zemeinsame ist, so ist eS dringend nothwendtg, zahlreich zu er» cheinen. Die Adressen der Bevollmächtigten und Kasstrer find ölgende: Bezirk l: Beoollm. Gustav Tempel, Müncheberger- straße 22 v. 3 Tr.; Kasstrer Gust. EeehauS, Memelerstraße 34. Bez. Ii: Bevollm. Dietrich Teebken, Dorotheenstr. 25, Hof Tr.; Kasstrer Herrmann Wulf, Schlegelstr. 14, v. 1 Tr. Bez. in: Bevollm. Ehraott Kubl, Schulstr. 25 Kasstrer Karl Pritskow, Gerichtsstr. 63, Hof. 2 Tr. Bez. IV: Bevollm. Otto Matthes, Kottbuserstr. 10», H prt.- Kasstrer Aug. Damke, Stalitzerstr. 69. Bez. V- Bevollm Äug. Röske, Alvensleben- straße 16, v. 3 Tr.; Kasstrer Heinrich Hoffmann, Blumenthal- traße 5, v. 4 Tr. Bez. VI; Bevollm. Hans Schartow, Schwedterstr. 5, 2. Hos prt.' Kasstrer Herrmann Krbbert, Schwedterstr. 255, v. 4 Tr. Bez. VII: Bevollm. Herrman» Hering, Kommandantenstr. 11, Hof 2 Tr.; Kasstrer Karl Wienbrack, Mariendorferstr. 16. In Friedrichsberg: Bevollm. Aug. Henschel, Straße 32, Löwe'sches HauS; Kasstrer Friedr. Nebel, ebendaselbst. Der freien Bereinignng der Lederzurichter und Loh- aerber Berlin«, welche erst seit 3 Monaten besieht, ist die Aufgabe geworden, für ihre Mitglieder schon eintreten zu müssen. Die Roßlederfabrik von A. Seegall, Jüdenstr. 37, »at die jetzige schlechte Geschäftszeit benutzt, um ganz bedeu« ende Lohnabzüge zu machen. Obwohl die Arbeiter wissen, daß Arbeit jetzt schwer zu finden ist, find dieselben nach richti- er Ueberlegung zu der Ueberzeugung gelangt, daß eS unmög- arbeiten und . ist, für den ihnen gebotenen Preis weiter zu haben sämmtlich die Arbeit niedergelegt, da bei den gemachte» Abzügen fie nicht im Stande find, fich und ihre Familie ernähren zu können. Da der Verein noch zu jung ist, um voll und ganz den gerechten Forderungen der Kollegen nachmkom- wen, bitten Unterzeichnete alle Berufsgenoff n, den Streikenden mit ganzer Kraft zur Seite zu stehen. Wir hoffen, daß uns auch andere Gewerke ebenso opferfreudig zur Seite stehen wer- den, und find überzeugt, daß wir nicht umsonst an daS Rechts» gefühl anderer HandwerkSkollegen appellirt haben. Die Arbeiter Der Segall'schen Fabrik. Zahlstellen befinden fich Zehdenicker- traße 30 bei Mendel und Münzstr. 23 bei Busse. Fachveret« der Tischler. Dienstag, den 19. Januar, Abends 8Vi Uhr, in Jordans Salon, Neue Grünstraße 28, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro viertes Quartal 1885. 2. Bericht des Bibliothekars, des Schriftführers, der Bevollmächtigten und Ärbeitsvermittler. 3. Angelegenheit Lindemann-Schmidt. 4. Antrag der Arbeitsvermittler. 5. Ersatzwahl des Vorstandes, der Arbeits-Ver« mittlungs-Kommisflon, des Vergnügungs-Komitees und der Fachkommission. 6. Antrag Vogt. 7. Verschiedenes. Quit- iungsbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Tie Zahlstellen des Vereins befinden fich Blumenstraße 56 (Tischlerherberge): Belle-Alliance-Platz 6 bei Hilscher; Ska- litzerstraße 18 bei Stramm und Zionskirchplatz 11 bei Hohn Daselbst werden jeden Sonnabend Abend von 8'/, bis 10 uhr Beiträge zur Vereinskaffe entgegengenommen und neue Mit- glieder aufgenommen. Die Glaeee> Handschuhmacher Berlin« halten am Sonntag, den 17. d. M., im Saale des„Universum", Brunnen- straße 29, eine Versammlung ab, zu der alle Kollegen bei der Wichtigkeit der Tagesordnung, die Lohnfrage betreffend, dringend eingeladen werden. Zentral-Kranken« und Sterbekasse für Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts(eingesch.iebene Hilfskasse Dresden), örtliche Verwaltungsstelle Berlin Süd-Ost. Dre neuen Statuten werden gegen Rückgabe der alten in folgende» "ahlstellen ausgegeben: Lausttzerstr. 52, Adalbertstr. 74 und Ürangelstt. 95, bei Lewin. Verein der Maschinisten und Heizer Berlin». Sonn- l. M, Nacbmrttags 5 Uhr, Neu tag, den 17. d. Vortrag de« Zivil Ingenieurs Herrn eue Jakodstr. 24/25, Hambruch über seinen Fachorgans statt. Gäste sind willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter.(E. H. Nr. 29, Hamburg) Filiale 4. Sonnabends den 16. Januar, Abends 8'/, Uhr, Generalversammlung, AndreaSstr. 26. Tagesordnung: Kassenbericht. Neuwahl der Lrtsaerwaltung. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Oeffentltche Generalversammlung der Schlosser und KÄ PN? such notwendig. straßen-Ecke, Versammlung. Die Mitglieder werden ersucht.. �hkeich zu erscheinen. Die Kasse bietet Arbeitern beiderlei Geschlechts Gelegenheit, emer gut fundirten Kranlenkaffe bei» zutreten, welche dem§ 7 des Kranken-VerficherungSgesetze» genügt und ihren Reservefonds dovpelt aufzuweisen hat. Mit- glieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. Gäste willkommen.(Siehe Inserat.) Große öffentliche Versammln«« sämmtlicher Metall- arbeiter, als Schlosser, Maschinendauer, Dreher, Gürtler, Klempner, Former. Schleifer, Drücker, Gießer. Hobler, Stoße?„ Schmiede, Schnittarbeiter, sowie fsämmtlicher Hilfsarbeiter, Sonntag, den 17. Januar 1886, Vormittags 10'/, Uhr, im großen Saale von„Sanssouci", Kottbuserstr. 4». Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele der Gewerkschaft. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metalle arbeiter(E. H. 29 Hamburg) Berlin, Filiale I. Sonnabend, den 16. Januar, Abends 8'/, Uhr, Mitglieder-Versammluna bei Rothacker, Teltowcrstraße 3(in der Glashalle). Tages-' ordnung: 1. Kassenbericht, 2. Vorstandswahl, 3. Verschic- denes. Quittungsbuch legitimirt. Beiträge werden in dco Versammlung entgegengenommen. Die Zahlstellen bleiben a» diesem Abende geschlossen. Berichtigung. In dem in unserer gestrigen Nummer enthaltenen Bericht über die Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Tapezirer muß es in Zeile 15 statt 2 M. 30 Pf. heißen 3 M. 30 Pf. Theater. Donnerstag, den 15. Januar. vpernhaa«. Siegfried. Mufikdrama in 3 Asten von Richard Wagner. «chavspieldau». DaS Gefängniß. Vorher: SchteS Gold wird star im Feuer. Sin Sprichwort von Emanuel Geibel. Deutsche« Theater. Käthchen von Heilbronn. «estdeuz.Theater. Clara Eoleil. Vorher: Di« Echulreittdn. Kriedrich- Wilhelmstädtische« Theater. Rafaela, Operette in 3 Alien von Max Walhalla- Operette«- Theater. Mamsell Angot. Wallner-Theater. Frau Direktor Striese. Belle. Alliance. Theater. Lucinde vom Theater._, � «eutral-Theater. Der Stabs.Trompeter. Lautsenftädtisches Theater. Joseph in Egypten.,„ «Utoria-Theater. Meffaltna. Ostend- Iheater. Einmalige Aufführung von: Deborah. «Sutgstädtische« Theater. Die Marionetten des Teufels. «meriean- Theater. Groß« Spezialitäten- Vorstellung._... Theater der SieichShalle«. Große Spezmli. «aÄmauÄ�V a rr e t e. Große Spezialitäten. Vorstellung. �, Koukordia. Große Spezialitaten.Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 16. Triesel und Wiesel, Voffe mit Gesang in 3 Asten(6 Bildern) von Ed. Jakobson. Mufik von G. Lehnhardt. Vor der Vorstellung: Er. Konzert der Hauskapelle. Anfang deS ÄonzertS Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr- Anfang deS Ronzerl« Sonntaa« 6 Uhr, der Vorstellung 7V, Uyr. Bon» haben Wochentag» Gilligkeit und find im Theaterbureau(12-1 Uhr) gratis zu haben. vMmr«atser-Pauorama. Eine interessante Rh einreise. Amerika« Kalifornien. Mond. Nur noch diese Woche: Weihnacht»- Ausstellung: DaSLeben Jesu. Jerusalem, Bethlehem«. Sine Reis« 20 Pf.. Kinder nur 10 Pf. Äbonnem. Sagen Sie blos, haben Sie denn immer Frage. "' Frau Nachbarin, w.mit ............... so leicht Ihre Wäsche rein, weiß und sauber? 413 Antwort. Seitdem ich Seifenpulver der Rheinischen Sodafabrik gebrauche, daffelbe ist billig und gut, kostet 20 Pf. pro Packet. Sophas und Matratzen, sowie Polsterwaaren werden gut und aufS Billigste hergestellt.[411 H. Krämer, Lindenstraße 107. Zentralkranken- u. Begräbniß- kasse der Buchbinder(E. H.). Sonnabend, den 16. Januar, Abends 8 Uhr, KlI»s>t-VkchlM»lW in den Armiuhallen, Sommandantenstraße 20. Tage». Ordnung: Neuwahl de» GesammivorstandeS. Ver« ShiedeneS. Der wichtigen Tagesordnung halber ürfte kein Mitglied in dieser Versammlung fehlen._[430]_ Der Vorstand. General-Versammlung der Ortskraukenkasse des Gold- schmiede-Gewerbes. Montag, den 26. Januar, AbendS 8 Ubr, findet eine Generalversammlung der Dele- girten, welche am 13. April 1885 gewädtt, in Nitft's Salon, Kommandantenstraße 71/72, zur Wahl deS Vorstandes gemäß§ 48 deS Statuts Sitt. Der Vorstand. I. A.: Ad. Behrend, aunynstraße 66. 434 Arauken-«. Kearäbnifikasse des Vereins Nimmt!. Kernfvklassen. Kerlin IV. E. H. Versammlung Sonnabend, den 16. Jan., AbdS. 81/» Uhr bei Kuß, Karlsbad- u. Flottwellstr.-Ecke. T.-O.: Neuwahl des Vorstandes. Tischler-Y erein. Eonnabend, den 16. Januar, General-Versammlung im Lokale„Kaussourt", Kottbuserstr. 4a. TaaeS-Ordnung: Kaffen- und RcvtfionSbericht. Wahl dreier Revisoren u. Billetverkauf zu dem am 6. Febr. stattfindenden Wiener Maskenball. 433 D e r V o r st a n d. Gr. Mitglieder-Versammlung des Fachvereins der Former und verwandten Berufsgenossen zu Berlin am Sonntag, den 17. d. M-, Vorm. 10 Uhr, in Nettiu'» Kalo«, Brunnenstraße 34. Tag es, Ordnung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versamm- lung bekannt gemacht. 2. Diskusston. Z.Wahl Seier Schriftführer. 4. Verschiedenes und agekasten. Gäste find willkommen. 429 Der Vorstand. Gkvtral-Nttsiimmlllllg der Mitglieder des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter am Sonnabend, den 16. Januar, in SratmeU's Kievstallen, Kommandanten Sttaße 77—79(unlere Säle). Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal und JabreS- abrechnung vom verfloffenen Jahr. 2. Rückblicke auf die Tyatigkeit des Vereins im vergangenen Jahr. Referent: Herr Zudeil. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.— Sämmtliche restirenden Mitglieder werden aufgefordert, ihre Beiträge schleunigst zu entrichten, widrigenfalls ste aus der Mitgliedeiliste gestrichen werden.— Ouittungibuch Icgitimirt. Gäste, welche gewillt find, dem Verein beizutreten, willkommen. 425 Der Vorstand. Außerordentliche General-Versammlung der Zimmerleute d. Nordens und dessen Umgegend am Sonntag, den 17. Januar, VormiltagS pünktl. 10 Uhr, im Lokale des Herrn Knebel, Badstraße 58 (Gesundbrunnen). Tagesordnung: 1. Wie verhalten stch die Zimmerleute des NordenS und der Umgegend zu den Beschlüssen der Zimmerleute insgesammt. 2. Gründung eineS Lokal- Verbände». 3. Ver- schiedenes.— Es ist Pflicht eineS Jeden, in dieser Versammlung zu erscheinen. 431 Die Lohn-Kommisfion. Fchv.d.MiiMhkiiDttlins Versammlung am Sonntag, den 17. Januar, Vorm. 10 Uhr, in Ablgrimm« Salon, Eophtenstr. 34. Die Tagesordnung wird in der Versamm- lung bekannt gemacht. Zahlreiches Erscheinen ist notbwendig. 426]_ Der Vorstand. I General-Versammlung In Mttglieln In K» isl librik« Ardeitn-Kmlml- ml KeMaWsse (Eing. Hilfskaffe) am Sonntag, den 17. d. M., Vorm. 10'/, Uhr, in iUnt« Salon, Naunyn-Straße 27. Tagesordnung: Abrechnung vom 4. Quartal 1885 durch Herrn Nöding. Besprechung der Krankenkon- trole. Verschiedenes. Das Quittungsbuch legi- timirt. 1428] I. A.: W. Reincrt. «euer Mitglieder.[423] Aufnahme Der Vo> stand. Oeffeutliche Versammlung der Sttmi>rllckerii.Kthiigri>pheit am Sonntag, den 17. Jan., Vorm lO'/i Uhr, im Palmenfaal, Neue Schönhauserftr. 20. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gewacht. Zur Deckung der Unkosten Enttee nach Belieben. 435 Der Einberufer. Wisktn-Gardmlit F. ütenzel, Dresdeuerstraßr 21. Elegante Kostüme zu den solidesten Preisen. 250] Vereine Ermäßigung. Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten%. 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