Ar. 13. Sonnabend, den 16. Januar 1886. Hl. Jahrg. SMMldsdla» Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Vulksülatt" Schewt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ß Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pfa. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Im Flmsbiinjtt lllaht. Der Reichstagsbeschluß vom verflossenen Mittwoch, dmch den die Wahl des in Flensburg gewählten national- liberale» Abgeordnete» Tottburgsen für ungiltig er- klärt wurde, ist von so weittragender Bedeutung, daß wir heute nochmals auf denselben zurückkommen müsse». Der Reichstag hatte bekanntlich dem Sozialistengesetz in Bezug auf daß Verbot von Wahlversammlunge« eine nachträgliche Interpretation gegeben und hatte erklärt, daß, wenn eine Wahlversammlung von einem Sozialdemokraten einberufen oder anzunehmen sei, daß ein Sozialdemokrat in der» selben als Redner auftreten werde, dieß keineswegs genügend sei. um ein Verbot dieser Versammlung zu begründen. Dieser Beschluß sollte für die Behörde« in Bezug auf die Handhabung des Sozialistengesetzes maßgebend fein. Eine ganze Reche von Behörden hatte indessen diese« Brschluß nicht beachtet, worauf schon einige Tage zuvor der Abgeordnete Liebknecht bei Besprechung der deanstan» deten Wahl in Kiel ausmeiksam gemacht hatte. Die Kon» servativen und Nationalliberalen machten nun bei der Ber- Handlung über die Wahl in Flensburg den Versuch, den R-ichStag von den in seinem erwähnten Beschluß enthaltene» Anschauungen abzudrängen. Es war ergötzlich, sie darin wetteifern zu sehen. Der Abgeordnete Francke von de» Nationalliberale» stellte sich völlig auf den Staad» punkt der Polizei und meinte, waß einmal eine höhere Polizei. Behörde festgestellt habe, müsse auch für den Reichstag völlig unanfechtbar sein. Daß ging sogar den Konservativen zu weit und Herr von K ö l l e r, der pommersche L a n d r a t h, erklärte sich mit dem «ationallibkralea Polizeianwalt nicht einverstanden. Di« Thatsachen, um die eß sich handelte, waren kurz folgende: Gottburgsen hatte bei der Wahl in Flensburg mit geringer Majorität— 428 Stimmen— über feine Gegner, einen Dänen und einen Sozialisten, gesiegt. Die Sozialisten hatten nur wenige Stimmen erhalten; allein eß waren ihnen zwei Versammfungen von der Behörde ver- boten worden, weil der Einberufer, resp. der in Aussicht f;enommene Redner als Sozialvemokcaten bekannte Persön» ichkeiten waren. Der Reichstag nahm nun an, es hätte ohne die Verbote, die in Widerspruch zu seinem Be- schlusse stehe«, die sozialdemokratische» Stimme» sich vermehren und dadurch eine Stichwahl herbeigeführt werden können, die wahrscheinlich zu einem anderen Resultat, als zu der Wahl des Abgeordneten Gottburglen geführt habe« würde. Deshalb wurde die Wahl des Herrn Gottburgsen gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen für ungiltig erklärt, zum großen Aerger der National» liberale», für welche dieser Beschluß ein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Ä)er Reichstag hat sich also von seinem in Bezug auf die Verbote von Wahlversammlungen gefaßte« Beschlüsse i JeuillNon- Dunkle Gestalten. Erzählung auß dem sozialen Leben der Gegenwart von *****«rtot».] Karl Zielte. 16 »Behalte ihn nur für Dich, ich habe Deine Rathschläge »»cht nithig." "Mir auch recht, heute Abend singst Du uns wohl auch nichts vor?" .Rein." »Also bei gänzlich unbrauchbarer Stimmung." Er drehte ihr kurz den Rücke« und begab sich nach seinem Platz zurück, wo»och mehrere gleichalnige junge Leute saßen, denen man aber trotz ihrer ausgesucht modernen Kleidung sofort ansah, daß sie sich nicht wegen der Zer» streuung allein in dem elegante« Cafs aufhielte». . Sie führte« ihre Unterhaltung in flüsterndem Ton und de« Gegenstand derselben bildeten die in dem Cafe anweserr» de« Damen. ,,»Sie will vo« uns nichts wissen, wie es mir scheint," sagte der junge Mensch zu seinen Genosse«.„Schade drum," meinte er bedauernd,„sie kann famoß fingen, wenn sie will. Lerder hat sie zu viel Launen" »Run, wenn sie«ich» will, will sie nicht." sagte ei» Anderer, den ein Paar dicke, muskulöse Hände auszeichneten, »ndem er fern Glaß ergriff, meinetwegen mag sie zum Kuckuck laufen." „Singt die Dame wirklich so gut, wie sie sage«, meine Herren?" fragte plötzlich ein Herr, der an einem Nebentische yemlich im Fmstern saß.„Ich bitte Sie übrigens um Ent- Ichuldiaung, wenn ich mich unberufen in ihr Gespräch mische." »Wenn ich Ihnen sage, sie singt famos, dann singt sie famos,« sagte der junge Man», der mit dem Mädchen ge- sprochm harze. nicht abdrängen lassen. Dies mag zur Beruhigung dienen für Diejenigen, welche Anhänger einer vollen und unver- kümmerte« Wahlfreiheit sind. Wenn die Wahle» ent- spitchend den Wünschen der Nationalliberalen und Konservative« vor sich gingen, wer weiß, was da herauskäme! Der! Reichstag selbst aber hat das Mittel in der Hand, behördliche Anordnungen, die seinem Beschlüsse widersprechen, aufzuheben, indem er einfach die ganze Wahl aufhebt. Daß dies gewissen Leuten nicht i» ihren Kram paßt, glauben wir recht gerne. Herr Marquardfen hat sich denn auch bei dieser Affaire als„Warner" aufgespielt und hat behauptet, es fei eine gefährliche Bahn, die der Reichstag betrete» habe. Nun, s o klug wie Herr Marquardfen sind andere Leute wahrlich auch. Wenn eine Gefahr darin läge, daß man an jenem Beschlüsse festhält, so würde» auch andere Leute das einsehen. Aber worin soll die Gefahr denn bestehen? ES ist höchstens die„Gefahr" vorbanden, daß bei striktem Fest- halten an jenem Beschlüsse eine Reihe von nationailiberale« und anderen reaktionären Wahlen in Zukunft tassirt werden wird. Diese„Gefahr" können die nicht reaktionären Par- teien ohne sonderlichen Kummer ertrage«. Die Herre« ernten jetzt, wa« sie gesät habe». Als bei Beralhung des Sozialistengesetzes beantragt wurde, wengstenß für die Zeit der Wahlbewegung volle Versammlungsfreiheit besteh,» zu lassen, wandten sich die Nationalliberalen fana- tisch dagegen. Sie sagten damals, wenn man die Wahl» Versammlungen freigebe, so sei daß ganze Sozialistengesetz unwirksam. Man that ihnen damals auch den Willen und es gab keine Ausnahme für die Wahlversammlungen. Nun ist der Rückschlag eingetreten und die National- liberale» bestreiten mit ihren eigenen Mandaten die Kosten für den Feuereifer, mit dem fie damals für die schärfsten Bestimmungen des Sozialistengesetzes einsprangen. U»S kann's so schon recht sein und wrr verstehen diese„Ironie de« Schicksal«" rech, gut. Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß sich im Schooße de« Reichstages Anträge vorbereiten, die eine Verbesserung des Versahrens bei den Wahlprü« funge« bezwecken. Es habe« sich dabei eine Menge von Unzuträglichkeiten herausgestellt, auf die namentlich die sozial» demokratischen Mitglieder der WahlpiüfungS Kommission ihr Augenmerk gerichtet haben. Die WahlprüsungS Kommission wird allzusehr mit Arbeiten überhäuft und kaa« nur langsam mit ihre» Untersuchung«« vorwärts komme»;«S wird sich also darum handeln, ob sich für die Wahlprüfunge» nicht ein Modus finde» läßt, der die Kommission entlastet und doch rascher zum Ziele führt. Darüber ein andermal. Hoffentlich wird der Reichstag auch in Zukunft an seinem Beschluß, die Verbote von Wahl» Versammlungen betreffend, festhalten und so wenigstens einigermaßen garantireo, daß die Wahlbewegung sich ftei Die Anderen schwiegen, eS war ihnen offenbar nicht angenehm, daß Jemand sie beobachtet und belauscht hatte. Sie beruhigten sich erst, als der Man« aufstand und sich»ach dem Tisch de» junge» Mädchen« begab. Er sah sehr anständig, fast würdevoll aus. Und doch war es Nie- mand anders, als der Schaubudenbesitzer Weber. Mit dem Manne war eine merkwürdige Veränderung vor sich gegangen. Er trug einen langen Gehrock, sein Haar war wohl- geordnet und gescheitelt, er mackite auf de« erste« Blick den Eindruck eine« besser gestellte» Beamten. Langsam trat er auf den Tisch zu, an welchem daß junge Mädche» saß. Er ergriff mit der linken Hand den freien Stuhl und ftagte, indem er sich höflich verbeugte: „Sie gestatten, mein Fräulein, daß ich Ihne» eine» Augenblick Gesellschaft leiste?" Sie musterte rbn mit einem schnellen Bück vom Scheitel biß zur Sohle, und da daß Ergebniß ihrer Prüfung wohl ei« beftiedigende« sein mußte, so lud sie ihn freundlich ein, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Sie scheinen heute Abend nicht bei guter Laune zu sein, wenn ich fragen darf." sagte er, nachdem er für sie Beide eine Bestellung bei dem Kellner gemacht �,Ma« ist nicht jeden Tag gleich fröhlich," erwiderte sie zerstreut.� � vollkommen Recht, man ist in der That nicht jede« Tag gleich gut gelaunt." Ach was," sagte er plötzlich,„weshalb sollen wir de« Kopf'hängen lassen, kommen Sie, wir wollen uns amüfiren. Trinken wir, Profit!" Sie stießen an. „Sie müssen doch im Allgemeinen«in recht ange« nehme« Leben führen," fragte er, und sein lauernde« Auas flog mit einem spöttischen Auid.uck über ihre reiche Toilette.„Alle Abende vergnüg«, für den Tag keine Sorge, entwickeln kann. Den» die Kassation der Gottburgsen'schea Wahl wird für sehr viele Leute lehrreich siin. NotitischeUeberflöft. Die Polendebatte, d. h. die Dukusston der wegen der Polenausweisungen eingebrachten Anträge und Reso» lutionen, hatte heute wenigstens für die Tribünen de» Reichs» tages eine bedeutende Zugkraft ausgeübt, es war ein nahezu „ausverkaustes Haus" erzielt. Die Besetzung des Hause« selbst war zwar erheblich stärker als in den letzten Tagen, doch zeig- ten stch immerhin gewaltige Lücken, namentlich auf den Plätzen der Konservativen und Nationalliberalen, die es wahrscheinlich nicht über ihre respeftiven„loyalen Herzen" bringen konnten. eine Debatte, die ihrem„Halbgott" unangenehm ist, auch nur anzuwohnen. Wie ausgekehrt war eß aber auf den Minister» bänken! Nicht eine„Seele" war da; die Mäus che» konnten ruhig auf Tischen und Sitzen, auf denen sonst die gewichtigsten Personen der Gegenwart„Weltgeschichte machen". herum spazieren, ohne Gefahr zu laufen, daß Mißfallen irgend eines großen Herrn zu erregen. Dieses demonstrative Fernbleiben der im Dienste des Volkes stehenden Beamten be- wie« wieder einmal so recht, welchen hohen Respekt diese Herren vor dem deutschen Parlament haben. Es wurde auch von dem ersten Redner, der zur Sache das Wort erhielt, Ab- geordneten Domprobst Dr. v. Jazdzewßki, gebührend gewürdigt. Dieser Redner verwies darauf, daß eine Frage, welche die ganze zivtlistrte Welt bewege, hier vor leeren Ministertischen verhandelt werden müsse; daß, obwohl die völkerrechtlichen Angelegenheiten, die herbei in Frage komm cn. Reichs fache find, der verantwortliche Minister deS Reich», der Reichskanzler, fich weigere, auch nur Auskunft über derartige Maßregeln zu geben, wie die MassenauSweisun« gen von Personen polnischer Nation und vorwiegend katholi- scherlKonfesston auS Preußen find. Das Material, das der polnische Redner anführte, war zum Theil äußerst interessant, einzelne Fälle, auf welche er hin« wieS, von erschütternder Tragik, namentlich bezüglich der Behandlung, welche verschiedene Ausgewiesene erfahren haben. Die Zahl der Ausgewiesenen, ausschließlich derjenigen» welche stch zwar noch in Deutschland befinden, aber die Aus- weisungsordre erhalten haben, schätzt Redner auf zirka 40000! Obwohl im Tone sehr maßvoll, erwies Jazdzerrski fich doch keineswegs als„Waschlappcky", sondem ging der preußischen Regierung energisch zu Leibe, und berief fich zur Begründung seiner Anfichten auf wohl ein Dutzend hervorragender Staatsrechtslehrer und außer derjenigen, wie Sie sich für den Abend recht pikant und geschmackvoll ankleiden werden." Sie schien seine Worte nicht ernst zu nehme«. „Sie wollen sich wohl über mich lustig machen, mein Herr," entgegnete fie. Sie gab sich keine Mühe, den Aerger, den sie empfand, irgendwie zu uniermückcn. „Glauben Sie da« ja nicht, Fräulein, mir liegt eine solche Absicht vollkommen fern. Ader sehen Sie, wenn man alle diese Damen hier beobachtet, wie sie lächeln, wie ihre Auge» glänzen, wie lebhaft ihr Geplauder ist, und wie wenia sie vo» den Sorgen der Alltäglichkeit gedrückt zu sei« scheinen, so kommt man unwilllürlich auf d.n Gedanken. daß eß kaum noch glücklichere Geschöpfe geben kann." .Sie sind wohl au« der Provinz, mein Herr?" ftagte fie. „Inwiefern?" „Nun, mir kommen Ihre Fragen etwa» sonderbar vor." „Und wenn ich nun au« der Provinz wäre, würde» Ihne» meine Fragen dann noch sonderbar vorkomme«?" ,Jn gewissem Sinne immer. Denn ich kann mir nicht denken," fuhr sie mit Wärme fort,„daß es heute noch über« Haupt einen Mann geben kann, der irgendw e auf Bildung Anspruch macht, der nicht wissen sollte, daß Alles das, was sie hier sehe«, nur geborgter Flitterkram, glänzend, s Elend ist. Gestehen Sie es mir, mein Herr, Sie wollten mich zum Besten haben. Sie dürfen es mir ganz ruhig sagen. denn schließlich habe» Sie ja daß Recht dazu, sich hier zu unterhalten, wie es Ihnen beliebt! Die Charaktere sind ja vei schieden, Sie wollen sich eben über mich und über uns Alle hier belustigen!' „Ganz gewiß nicht, Fräulein, ich frage nur, weil ich mich gern über Alle« informire. Sie sah ihn zweifelnd an. Der Direkter Weber sah nämlich eher»ach allem anderen, nur nicht nach Uner- fahrenheit au«. Sein scharf markirteß mageres Gesicht mit den gefühllosen kalte« Augen, mit den tausend Fallen und Fältchen erzählte auch dem Unkundigen, daß über diesen Wottfe EtaatSvertrage. Nur beging er den großen Fehler, viel zu lange(2 Stunden) zu reden und dadurch das Haus außerordentlich zu ermüden. Mit Beendigung der JazdzewSkt- schen Rede war die Interpellation der polnischen Fraltion erledigt und wurde zur Berachung der in der gleichm Sache gestellten Anträge üdergegangm. Der erste Redner hierzu war der Abg. Liebknecht» welcher den sozialdemokratischen Antrag degründete. Derselbe geht bekanntlich dahin:„der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler aufzufordern, die nörhigen Schritte zu thun, damit jene, die Interessen deS deutschen VollS schwer schädigende Maßregel alsbald rückgängig gemacht werde." Liebknecht kritistrte besonders die regierungsseitig auf« gestellte Behauptung, in den östlichm Provinzen werde das deutsche Clement durch das national- polnische verdrängt, mit dem Hinweis auf die kulturgeschichtliche Thatsache, daß nie» mal# daS kulturell höher stehende Volk von dem weniger fortgeschrittenen verdrängt werden könne, sondern umgekehrt. Interessant waren die Vorlesungen, welche der sozial« demokratische Redner den Herren„Patrioten" und der Regierung über Vaterlandsliebe hielt. Nachdem Liebknecht noch den Menschlichkeitsstandpunkt warm betont, schloß er unter lebhaftem Beifall mit einer höchst energischen Sentenz gegen den Urheber der zioilisationSwidrigen Maßregel. Wähiend der Ltebknechr'schen Rede steckte plötzlich irgend ein„kleines" Bundesrathsmitglied den Kopf zur Hinter« thüre herein, zog fich aber schleunigst zurück, alS es keinen seiner Kollegen erblickt. Von der linken Seite wurde dem Herrn zugerufen:„Hier bleiben", waS große Heiterkeit hervorrief. Hierauf begründete JazdzewSki kurz den polnischen Antrag, welcher ein Gesetz fordert, nach welchem„fremden Unterthanen, in wiefern dieselben die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht gefährden, der freie und ungehinderte Aufenthalt inner- halb deS ReichSgebietS gewährleistet und in welchem den Sti« pulationen der Wiener Verträge, welche den Bewohnem der ehemals polnischen LandeStheile innerhalb deS preußischen Staatsgebietes Freiheit deS Verkehrs und des Aufenthalts garantiren, gebührend Rechnung ge« tragen werde." Dr. Möller spricht feurig zu der wässerigen FortschrittSresolution(AuSfeld und Genossen), welche folgender» maßen lautet:„Der Reichstag wolle beschließen, zu erklären: daß die von der preußischen Regierung verfügten Ausweisungen russtscher und österreichischer Staatsangehöriger nach ihrem Um« fang und nach ihrer Art durch das nationale Interesse nicht gerechtfertigt find, humane Rückfichten außer Acht lassen und materelle Interessen von Reichsangehörigen beeinträchtigen." Möller erzählt Fälle haarsträubender Rückfichtslofigkeiten, die gegen Ausgewiesene verübt worden seien, waS auS dem Hause mit diversen„PfuiS" und„hört, hört," die fich natürlich nicht gegen den Redner richten, begleitet wird. Herr v. H e l l d o r f f, als Sprachrohr der Regierung, hält unter großem Lärm und fortgesetztem Gelächter eine ultrareaktio« näre Rede gegen sämmtliche vorausgegangene Redner, spricht von„Konventstendenzen", die der Reichstag habe und sucht den§ 4 der Reicht Verfassung dahin zu interpretiren, daß dem Reiche wohl die Bestimmungen über Frcmdenpolizei und Paßwesen, nicht aber die Aus« führungen zuständen und daher nur der preußische Landtag befugt sei, über die vorliegende Frage zu entscheiden. Der Lärm erreichte seinen Höhepunkt, als Helldorff der Linken vorwarf,„fie besorge die Geschäfte deS Auslandes!" Zurufe, wie„zur Ordnung I"„unverschämt!"„?ihr besorgt die ruf« fischen Geschäfte!"„Ruffenknechte I" u. s.w. schwirrten durch den Saal. Beim Abgang von der Rednertribüne riefen ihm Konservative und ein Theil der Nationalliberalen demon« flrativ Beifall zu, während im Zentrum und auf der ganzen linken Seite anhalten gezischt wurde. Der ultramontane E-entualantrag zu der Resolution Ausfeld will, daß der Reichstag die Heber zeugung ausspreche: „daß die von der königlich preußischen Regierung ver« fügten Ausweisungen russtscher und österreichischer Unter» thanen nicht gerechtfertigt erscheinen und mit dem Interesse der ReichSangehörigen nicht vereinbar find." Mann mancher Schicksalssturm dahingeweht sein mochte; aus s-inen heftigen Bewegungen, aus manchem seiner AuS» drücke, der ihm wider fernen Willen erfuhr, harte daS junge Mädchen, mit der jenen Wesen eigenthümlichen scharfe« 'Beobachtungsgabe längst ersehe», daß der Mann etwa» anderes war, al« er scheinen wollte. r Sie hatte durchaus keinen Grund, ihm hierüber eine Mittheilung zu machen, vielleicht wollte er nur eine flüchtige Bekanntschaft machen, jedenfalls sah sie ihn m ihrem Lebe« nicht wieder. 3 Trotzdem aber kam ihr der Herr unheimlich vor und sie beschloß, vor ihm auf der Hut zu sein. *-„Sie glauben also in der That, mein Herr, daß wir ein so angenehme» Lebe» führen," fragte fie ihn nach einer Pause. „Mindestens hat es für den Uneingeweihten de» An» sschfeiW*, erwiderte er,„eS würde mir um Ihretwillen ieid thulk, wen« es nicht der Fall wäre." �Mem-twegea? Mein Herr, vielleicht find Sie auch «ych.ein so unerfahrener Provmziale, daß Sie nicht einmal wissen, daß solche Schmeicheleien für uns Mädchen hier absolut keinen Werth habe». Was kann ich Sie inter« essifen I" ..Sie mögen ja Recht haben", entgegnete er, indem et,' wie in Gebacken versunken, sich feine» Bart drehte,„in» dessen alle jungen Damen, die sich hier im Saale befinde», Jjid einander doch nicht gleich. Ich bin zum Beispiel fest überzeugt, daß krtne derselben über ei« gleiche« Talent ver« fiügi w e Sie!" „Wa«? Talent? Ich?" Sie lachte so laut und so un- Sevirt auf, daß die an de« Nebentijche« sitzende« Gäste er« aunt aufblickte«. „Sie lachen," sagte er vonvmfSvoll, nachdem er fie be« schwiatigt halte,— das Aus schen, welches er«legt hatte, war ihm entschieden unangenehm—,„devnoch weiß ich ganz genau, daß e« nur an Zhne« liegt, fich eine ganz andere Hierzu spricht Windt Horst, welcher sehr energisch das Recht de» Reichstags zur Erörterung dieser Angelegenheit wahrt und Herrn v. Helldorff bittere Pillen zu schlucken giebt, die auch einen starken Beigeschmack für den Kanzler haben. „Ist denn das vielleicht Patriolismus", ftagt der kleine Zentruwsführer,„wenn w'.r zu den Fehlern der Staatsmänner stets den Mund halten?" Dann sollen wir doch lieber statt Reichstag die bekannte Szene aus der„Zauberflöte" mit dem Hohepriester aufführen."— Im weitern Verlaufe seiner Aus» führungen erklärt er es als„a b s o l u t e U n w a h r h e i t", daß er jemals Unterhandlungen mit fremden Staaten oder Fürsten(Cumberländer!) geführt habe. Hierauf trat die Vertagung der Debatte ein. Der Bundesrath verwies die neu eingegangenen Vor« lagen, die Ueberficht über die Geschäfte des HeimathsamteS im letzten Jahre, den Gesetzentwurf über den Servistarif und die Klaffeneintheilung der Orte, den Antrag Preußens über daS Branntweinmonopol an die Ausschüsse. Im Uebrigen ist von Wichtigkeit, daß die AuSschußanträge, detreffend die Beför- derung gewisser entzündlicher Waaren auf den deutschen Eisen« bahnen, sodann der Handels« und SchifffahrtSvertrag mit der Dominikanischen Republik und endlich die Bürgschaft des Reiches für die Zinsen einer egyptischen Staatsanleihe ange« nommen wurden. Die Petttio« bezüglich des Verbots der Surrogate bei der Bterbeieituug ist nunmehr von dem Ausschuß des demschen BrauerdundeS dem Reichskanzler übel reicht worden. Die Petition geht dahin, eS möge dem Reichstag noch in dieser Sesston ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, wonach das be- stehende Brausteueraesetz vom 31. Mai 1872 dahin abgeändert werde, daß eS ein Verbot aller Surrogate, also die Voischrist entHalle: daS Bier nur auS Malz, Hopfen, Hefe und Wasser herzustellen und daß als KlärungSmittel nur die mechanisch wirkenden ausgelohten Buchen- oder Haseiholzspähne verwendet werden dürfen. Ferner daß die Aufbewahrung von Malz- oder Hopfensurrogaten in zu der Brauerei geHöngen Räumen ebenso strafbar sei alS Verwendung anderer Zusätze überhaupt und daß etwa durch kaiserliche Verordnung eine Vorschrift erlassen werde, daß den zum Verkauf bestimmten Bieren, nachdem fie die Brauerei verlassen, irgend welche andere, d. h. fremde Stoffe nicht zugesetzt werden dürfen. Daß endlich das Verkaufen, Feilhalten und öffentliche Anpreisen von Malz- und Hopfensurrogaten zum Zweck der Verwendung bei der Bier- bereitung verboten ist.— Gleichzeitig hat der Ausschuß an das ReichSgefundhellSamt eine Vorstellung in dem Sinne gerichtet, dasselbe wolle fich für ein Verbot aller Surrogate zur Bier- Bereitung aussprechen. Zur Frage der Wollzölle erhält die„Nordd. Allgem. Zeitung" von„geschätzter" Hand einen längeren Artikel, den fie an hervorragender Stelle zum Ausdruck dringt. In dem- selben wird zunächst die Frage aufgeworfen!„Kann die Wollproduktion ohne Ruin für einen großen Theil der deut- schen Landwirthe von Deutschland nach Australien und Afrika verlegt werden?" In demselben wird die deutsche und die auslandische Wollproduktion in eingehender Weise besprochen und sodann darauf hingewiesen, daß, weil Länder, welche ihre Wollen bei uns steuerftei einführen, für unsere daraus gefer- tigten Stoffe fich sehr hohe Steuern zahlen lassen, unter allen Umständen eine Korrettur nothwendig sei. Zum Schluß wird ersucht, wohlwollend zu prüfen, ob die obige Frage bejaht werden müsse, und wenn dies der Fall, über Mittel zur Ab- hllfe in Diskussion zu treten. Ueber die Verston der Errichtung einer päpstliche« Nunztatnr in Berlin äußert sich die„Germania" dabin, daß sich die Zeitungen, welche derartige Berichte brachten, du- piren ließen. Man habe wohl die Glocken läuten hören, wisse aber nicht, wo dieselben hängen. Wie die Pole« zum Branntweinmonopol stehen, ist, so schreibt die„Germania", noch nicht mit absoluter Sicherheit zu sagen, doch Köit man in Abgeordnetenkreisen, daß Mitglieder der polnischen Fraktion erklart hätten, an die Annahme dieses Monopolprojektes sei gar nicht zu denken. Mit Interesse darf man einer Versammlung entgegensehen, welche von polnischer Seite nach Posen auf den 2l. d.«inberufen ist. Einberufer find Dr. Siegmund v. SzuldrzynSki, Vorsitzender de« polnischen agranomifchen Zentralvereins für das Großherzogthum Posen, und Graf Mieczyslaw Kwilecki. Die Mitgiiever diese» Verein» repräsentiren gerave diejenigen Kreise, welche al» Befiyer von Brennereien an dem Monopol fci hervorragender Weise inter« esstrt find. Die Beschlüsse der Posener Versammlung werden vermuthlich von großem Gewicht für die Haltung der polnischen Fraktton in der Frage fern. VorauSfichtlich werden die 18 Stimmen der polnischen Fraktion nur nach einer Richtung ab» gegeben werden, weil die Frattion das Prinzip der Eoltdarttät aufrecht erhält und eine etwaige Minorität der Majorität fich wohl fügen würde. Vor der eigene« Tbüre kehre«! Die„Kölnische Ztg." läßt fich auS Paris schreiben:„Die Eröffnung der ordert- lichen Parlamentssesfion für 1886 ging bei einer fast un« würdigen Vertretung vor sich. Es ist nicht demo- kratisch für den ftanzöstschen EouveränetätSinhaber, pünktlich Stellung al« Sängerin zu verschaffe«, wen» Sie nur wollen." „Machen Sie sich doch nicht lächerlich, lieber Herr, wir sehen un« heute zum ersten Mal, und Sie wolle» von meinem Gesang spreehen." Sie sagte diese Worte in ironischem Ton, mehr um ihre eigene Aufregung über die uncrwartete Mittheiluvg zu verberge» und ihn zu weiteren Aeußeruvgen zu veranlassen, als ihm überhaupt die Möglichkeit zu nehmen, weiter über diese Sache zu spreche». „Mein Fräulein," sagte er fest und bestimmt, aber i« leisem Tone,„genügt Ihne« die Versicherung nicht, daß ich weiß, daß Sie eine mindesten« sehr angenehme Stimme be- sitzen, daß Sie viel natürliche« Ein« und Talent für Musik haben? Ich würde Ihnen da« doch nicht sagen könne«, wenn ich e< nicht wüßte!" „Da« ist richtig," gab sie zu. Sie hatte unier den be« stimmte« Angabe» ihre« Gegenüber für einen Augenblick vollständig die Fassung verloren.„Wir müssen un« schon irgendwo gesehe« haben," fügte fie hinzu, indem sie ihn scharf fixirte. „Sie täuschen fich, Fräulein," sagte er lakonisch. „Ein Geficht wie da» meinige vergißt man doch nicht so leicht." „Tanz recht, aber—" .Da giebt es weiter kein Aber, ich sage Ihnen, da Sre Konzeltsängerin werden könne», wenn Sie wollen. Zc hoffe, das ist deutlich." Au» To« und Manieren erkannte man bei diese» Worte» wieder den despotischen Schaubudenbefitzer S.ÄÄl"'0 batf 14 3»™--- „3» drei Worten ist die Geschichte abgemacht. Ver« zu sein und so kommt man seiner Pflicht so spät wie«öglj �udTfrfwrf nach. Ueber den P-äsidenten stimmten 293 ad und Rnn wurde mit nur 273 Stimmen ernannt; bei der Wahl M>■;, Vizepräsidenten beteiligten fich 380 Deputirte.- Hierzu W*1'%' smmmsssm oder drei Tagen beschlußfähig war. �1880 mit Ueber die Karolinen.Politik de» ReichSkanzlM diguna der brachte bekanntlich daS„Dtsch. Tagebl." eine Veifion, rvM den Grund den Hamburger Kaufleuten die Verantwortung M Meer daS Einschwenken Deutschlands zuzuschieben oersuchte,«« hier im gii diese fich angebltch geweigert hätten, die Regierung auf W trag über: Inseln selber zu übernehmen. Der„Hamb. Korresp." hat st der aber v> nach dem wahren Sachverhalt erkundigt und theilt als zu«» verboten w läsfig daS Nächst- hende mit: g Besch! Schon vor mehreren Jahren ist die Reichsregierung* Louis Kira die Wichtigkeit aufmerksam gemacht worden, welche die um W o. d. M. b Aequator herum gelegenen Inseln und Inselgruppen I?• Januar, Südsee, die Karolinen-, Marshalls-, Gilberts Inseln,?!« Hotel hier, Guinea, Neu- Britannien und Neu-Jrland, für den deutsch und Wtrku Handel gewonnen hatten, und gebeten worden, die dort v daß die V> bandenen deutschen Niederlassungen unter den Schutz> gegen die i Reiches zu stellen. Diese Bitte ist damals abgeschlagen warb vom 21. C mit der Motivirung, daß die Ablehnung des bekamst den Erlaß Samoa-Anttage« durch den deutschen Reichstag die GelegenP Am 12. v. als wenig günstig zu solchem Vorgehen erscheinen lasse. D» worden, i hat die Sache eine Zeit lang geruht; als aber bei Beginn> insbesondei Lüderitz'schen Unternehmungen in Südwest-Afrika fich I den Weise Deutschland eine für koloniale Erwerbungen sehr günfif find, dassel Stimmung geltend machte, find die betreffenden Firmen gefordert worden, ihr früheres Gesuch zu erneuern, und d« �onetung Weitere ist bekannt. Weite Gidiete auf Neu-Guinea find ist Herstellung Antrag einer Berliner Gesellschaft unter kaiserlichen SÄ wissen der gestellt, dasselbe ist mit Neu-Jrland und Neu Britawm erfolgt fint welchen üt scher Umtr Strafgesetz berg schwel die angen Absatz 1 1 bungen be Beme Reichskanzler durch die angebliche Weigerung der auf etablirten deutschen Kaufleute dazu veranlaßt sei, Aap auszugeben, ist einfach Unfinn. Der Reichskanzler hat treter der beiden einzigen in den Karolinen etablirten deussi Handlungshäuser zu fich berufen, hat ihnen mitgetheilt.« Höhe die aus der Karolinen Angelegenheit entstandene Diss mir Spanien erreicht hatte und hinzugefügt, daß er eS rr über fich gewinnen könne, eines so geringfügigen Gegenflan»«�.�wr wegen es auf einen Krieg ankommen zu lassen, dessen dehnung gar nicht abzusehen sei. Dann hat der ReichskanF İw°anta fich noch mit den betreffenden Herren über die durch seine* klärung entstandene Lage unterhalten, wobei er betonte, daß darauf halten werde, die Freiheit des deutschen Handels den Karolinen fich« zu stellen, und auf den Sulu Vertrag' Muster hinwies. Niemals ist den betbeiltgtm Kaufleuten st nur angedeutet�voiden, daß ihre Erklärung, die Einrichte einer deutschen Verwaltung auf den Karolinen nicht übernehiss .... rjm zu können, von irgend welchem Einfluß auf die Entschließ des Fürsten gewesen. Ueberhaupt müßte es ein wunder! Kopf sein, der dem Reichskanzler zutrauen wollte, die scheiduna über eint Frage des Krieges oder Friedens von solchen Nebenpunkte abhängig zu machen. Der Gewährsmann des„Deutschen Tgbl." hat also einst geflunkert. Einen interessanten Rückblick ans die fi deutschen Münzverhältnisse gewährt eine Denkschrift, das Präsidium. des deutschen HandelStageS einer Ein bkS bleibenden Ausschusses zu einer Sitzung am 5. d- I. bergefügt hat. Wie ein„Märchen aus alten muthet es heute Emen an. wenn man darin liest, daß land noch bis zum Jahre 1873 sich nicht weniger als schieden» Münzsysteme erfreute. In Süddeulschland nämlich der 52'/» Guldenfuß mit einem gradezu erdrückenden fluß an Scheidemünze. In Norddeutschland galt die T Währung mit der Eintheilung deS ThalerS in 30 Silber, zu 12 Pfennig. Sachsen dagegen und einige Nachbar! hatten die Zehntheilung der Groschrn angenommen. Die Mecklenburg wiederum cheilten den Thaler in 48 Schill! 12 Pfennig und Lübeck in 2'/, Mark oder in 40 Schu-tz„ zu 12 Pfennig. In Hamburg galt im täglichen Verkehr? Der Regie Vereinsrhaler al» gesetzliches Zahlmittel; daneben kurß Nr. I 9 alS Scheivemünzen 19 Münzsotten, welche größtentheilS o linge mit Bruchtheilen repräsentirten. Da« geschäfi Zablmittel aber war die Mark danko(59'/, Mark P 1 Zollpfund). In Bremen galt die Goldwährung. Schleswig. Holstein wurde im täglichen Verkehr und für Verhältnisse des bürgerlichen Ledens ver preußische Thaler braucht, welcher in 40 Kourantschillinge eingetheilt war.� allen Zahlungsverhältnissen zum Staat aber mußten, wenM bis zum Jahre 1864, die Bewohner fich deS dänischen münzthalers bedienen, welcher ungefähr 22'/, Sgr. gleist.? und in 96 Schillinge zerfiel. Unter diesen Verhältnissen, C nicht auffallend, wenn der deutsche Handelstag vor 25 0% sein ganzes Gewicht zunächst auf die Herstellung eineS eissC lichen MünzlystemS auf der Grundlage der bestehenden wähmng legte, wenngleich er schon damal« die MöglichkO'' sammlung worden se Hauptmann Versammle Widersprül berufer we Groß steht ein Otte Gr.-j dorf eistre und derer und freie nicht s-hr reiche Thä auch fern fottzusetzer die Mitgli vor einigei eine Verfi buig, dat welcher au fährllchen 1878 eine angeordnet Revision t steherS Ko nachstehen! folgen: Auf( lichen Bef ordne ich leben, K außerorder nehmung: Wanzleber Anordnun ,. Begrl fachen: . 1) D. schredener hervorgego traue» Sie sich mir an, ich bin in der Lage, Zhnea' derartige Stelle zu verschaffen I' Er sagte das brüsk und in einer Weife, als Widerspruch überhaupt nicht dulden würde. Seine gk? Augen hafteten faSzinirend auf dem jungen Mädchtsi fühlte, daß fie unwillkürlich unter dem Einflüsse Blickes stand. „Sie entschuldige«," sagte fie einigermaßen b> «hier ist aber doch eigentlich nicht der Ott, wo man eine« fj Entschluß fassen oder auch nur besprechen könnte. stehe Ihnen ganz offen ein, daß ich Alles daran würde, um aus meiner augenblicklichen Lage kommen, indessen trotz allen Leichtsinn«, de» ma«, gewöhnlich nachsagt, können Sie von mir doch warten, daß ich Ihnen so ohne Wettere» glaube« u«� Ihnen anvettrauen sollte." „Davon ist auch keine Rede," erwiderte er rauh,, frage Sie auch nur, ob Sie, wenn ich Ihnen die zeige, Sängerin werden zu können, auf meine Vflr m 6i«t| Wesentlich der Unpar blicke»Ich nordwestw genden eli ihm Ecbrffenns westliche Tantuilu, andern.; lich zu de steht. D allen Frer Fruchtbarl des üderb! das an G . tz der hei Farbe, gel ihr einen mische Be eingehe» werden." Wenn dieselben Mehrzahl auf Sami .............. annehmbar sind, gewiß;,, nn.-,.««« was ich heute bin. kann ich alle Tage wieder werde* „Das ist ein vernünftige« Wort, ich glaube M"'«ich San ctß ßffßfi rnftAc« vnovfso**..| j. i. kehrt: foi Sie viel Effekt machin werden. „Nun, anpstlich bin ich wenigsten« nicht," dachend, mdem sie ihr Glas ergriff und mit dem, stieß.■/ „Wir wolle» es hoffen, so weit ist die noch mcht, erst muß ich mich mindestens davon üb-n °b � sä dtno«, auS Ihren vorherigen Aeußerungea darauf$ noch nicht zu können, daß Sie von meinen Anlagen überzeug � jWerunk r.Ä"«ä Deutsch la den Auf Tapua, t Im Grui vielmehr i den" (Fortsetzung folgt.) . AeieraangS zur Goldwäbrung WS Auge faßte. Deshalb wurde °uch schon im Jahre 1865 dem Handrlstage die Ausprägung m m m von Goldmünzen dringend empfohlen, und als bald darauf Wahl, o»�ik lateinische Münzkonoention abgeschlossen, durch den 66er Krieg aber der Münzvertrag mit Oesterreich aufgelöst war, 15 j» 4 machte sich der Handelstag sofort zum entschiedenen Vertreter !Ll krr Goldwährung. Diese Stellung hat er unsern Münzver- mm an IT hällmsttn gegenüber auch später bewahrt und noch im November 1880 mit 84 gegen �Stimmen es für eine schwere Schä- suchte, hier im größten Saale Meeranes ver Abg. Bebel einen Vor« ig auf jers trag über:„Die Krisen, ihre Ursachen und Wirlungen" halten, sp." hat p der aber vom hiefigen Stadtrath durch folgende Verordnung It als zu«» verboten wurde: Beschluß des Stadtrat Hz vom 7. Januar er. an Herrn Louis Kirmse hier,(Albertstr. 45), auf seine Anzeige vom 5. d. M. betreffend die Abhaltung einer Volksversammlung am 7. Januar, 9'/, Uhr Abends, im großen Saale von Härtet'S Hotel hier, mit der Tagesordnung:„Die Krisen, ihre Ursachen und Wirwngen auf Handel und Gewerde," ist ju eröffnen, gierung«J die um• ruppen» •n deutsch uno Wniungen aus vanvei unv Gewerde," tst zu it dmt v daß die Versammlung auf Grund von§ 9 des UWc,„, Schutz I gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Eoziatdi mokiatie igen worb vom 21. Oktober 1878 hiermit verboten wird. Maßgebend für i bekanrill den Erlaß dieses Verbots find folgende Thatsachen gewesen. Gelegen� �m 12. v. M. ist in hiefiger Stadt ein Flugblatt verbreitet laffe. D» worden, in dem in einer den öffentlichen Frieden und Beginn% insbesondere die Eintracht der BevölkerungSllaffen gefährden« ika fich( den Weise sozialistische Umsturzbestrebungen zu Tage getreten br aünßif stnd, daffelb« ist nachmals auf Grund von§ 11 de« angezoge- finnen W nen Gesetzes auch verboten worden. Nach den angestellten n und W Erörterungen ist nun Grund zu der Annahme vorhanden, daß ,,'a»nv j Herstellung und Verbreitung dieses Flugblattes nicht ohne Vor id)Cn />«••• aernh■»»— f �-t— cn-�4.. »Britl In gesch rggenhi Das er aus Aap der in"§ 9, bezeichneten Bestre« wiffen der hiefigen Führer und Leiter der sozialistischen Partei erfolgt find. Als zu diesen Führern geböiig ist dem Stadt- rath auch der Einbemfer pp. Kirmse bekannt. Mit Rückficht „ hierauf, sowie auf das Vorleben und die politische Thättgkeit I! d«S als Referenten benannten Abgeordneten A. Bebel, gegen welchen überdies zur Zeit ein Strafverfahren wegen sozialisti« sLn Umtriebe und Zuwiderhandlung gegen§§ 128, 129 des « LrSBs Etrafgesetzbuchs vor dem königlich sächfischen Landgericht Frei« feVttfM berg schwebt, erscheint die Annahme hinreichend gerechtfertigt, daß mels bie angemeldete Versammlung zur Förderung c n ?«l DiftS« Absatz 1 deS angezogmen Reichsgesetzes bezei �.« vi» düngen bestimmt ist. Dr. Koerner. lw«iflnndit Bemerkenswerth ist, daß Herr Bebel vor wenig Wochen MFJaQ Versammlungen mit ähnlichem Thema in Werdau und Glauchau, Nachbarstädten von Meerane, ungehindert abhielt, ebenso in � t. w« Dresden. Auch würde im benachbarten Lichtenstein eine Ver« sammlung gleicher Art mit Bebel als Referenten abgehalten l«hlia J worden sein, wenn letzterer Zeit gehabt hätte. Die Amts- 3 hauptmannschaft zu Glauchau hatte gegen die Lichtensteiner J Versammlung nichts ewzuwenden. Das find doch merkwürdige '�uten � Widersprüche, zu denen das Sozialistengesetz führt. Die Ein- Einrtcvon tzerufer werden gegen daS Verbot Beschwerde erheben. >M>iiIf6ar3 n, Groß-Otterslebe«, den 10. Januar. Hier am Orte be- M* S" Medtzrnal-Vercin. dessen Mi'glieder fich über die . cht Drte Gr.-Oltersleben. Kl.-Ottersleben, Beneckenbeck und Lemi» i jhJ bort eistrecken. Derselbe hat den Zweck, seinen Mitgliedern lS von ev �d deren Familien in Krankheitsfällen seine ärztlcche Hilfe und freie Medizin zu gewähren. Obgleich nun der Verein noch also env nicht seht lange existirt, hat derselbe doch bereits eine segens- J reiche Thätigkeit entfaltet und wir wollen hoffen, daß es ihm e frühes auch semer gelingen möge, sein Wirken in diesem Sinne chritt, tt** fortzusetzen. Eine etwas trübe Stimmung hat vorläufig r EinlabA die Mitglieder erfaßt, weil wie ein Blitz aus heiterem Himmel, n 5. 3*52 vor einigen Tagen dem Vorfitzenden obengenannten Vereins llten ZerZ eine Verfügung des Herm Regiemngsprästventen zu Magde- datirt vom 26. November 1885, zugestellt wurde, laut auf Grund deS§ 3 deS Gesetzes über die gemeinge« fäbrlichen Bestiebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktobi daß De« hmg, nTä fidbl*i tnpTff als acht? welcher auf Grund deS ß 3 deS land bfK fäbrlichen B-stiebungen der Sozracoemorrane vom zi. uttober kendenvl� 1878 eine außerordentliche staatliche Kontrole über den Verein t die TP2 angeordnet wird. In Folge dessen hat am 8. Januar eine silberg.......-.-- tachbarb . Die vchillii 40. t LttkeVZ den luf] 'theils Vim je Thaler j ist war- ii, wen ischen gr-«le tnrssen, or 25' eineS< KW Revision der Kasse und Bücher seitens des Herrn Amtsvor steherö Koch in Groß-Ottersleben stattgefunden. Wir laffen nachstehend eine Abschrift des höchst intereffanten Schriftstückes folgen: Magdeburg, den 26. November. 1885. Der RegierunaSpräfident. Nr. I Pr. E 2969. Auf Grund deS§ 3 deS Gesetzes über die gemeingefähr« lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Ottober 1378 ordne ich hiermit über den Medizinal-Verein zu Gr.-Otters- leben, Kt-Ottersleben, Benneckenbeck und Lemsdorf eine außerordentliche staatliche Kontrole an und habe mit Wahr« nehmung dieser Kontrole den königlichen Landrath deS KreiseS Wanzleben beauftragt, von welchem dem Vorstand die weiteren Anordnungen zugchm werden. Begründet wird diese Maßregel durch folgend« That- fachen: 1) Der Medizinal. Verein ist aus dem Fachverein ver« schredener Berufsgenoffen für Gr.-Ottersleben und Umgegend hervorgegangen. Der Fachverein aber hat den Zweck sozial« Ihne« , als Seine gr» Mädche», nflusse 5 tn ma«» doch be» ua� er ra�, >ie Mög «e Vorsl werde«- de soS� � 5.V fift Aus Kunst und Leben. Einige Notizen über Eamoa, die. wenn ste auch im Wesentlrchen auS englischer Feder stammen, doch den Cbarakter der Unparteilichkeit tragen, dürften im g-genwärttgen Augen« blicke nicht ohne Interesse sein.— Der kleine Archipel, der nordwestwärtS von den Fidschi liegt und jetzt den schönklin- genden einheimischen Namen Eamoa trägt, war einst unter vem ihm von den europäischen Besuchern gegebenen Namen Schrfferinseln besser bekannt. Er zelfällt in zwei Gruppen, die roesutchf umfaßt die größeren Inseln Sawaii, Upolu und Tantuilu, ist bevölkerter und von größerer Bedeutung als die andern. Die letztere, die Manudegruppe, gehört nicht eigent« tieb ZU om, was man politisch unter König: ich Eamoa ver- steh*- Die Naturschönheit auf Upolu und Tantuilu ist von allen Fremden, die sie geseben. mit Recht gepriesen. Die Fruchtbarkeit des Bodens wird von der keines tropischen Lan- des übetboten und die Gruppe hat den Vorzug eines Klimas. das an Gesundheit und Zuträglichkeit da« der meisten Inseln in der heißen Zone übertrifft. Die Bevölkerung ist von Heller Wi W Jaijren tbätia ist, zum�Christent'hum be nrf � stud 5000 römisch-katholische und 2 oder 3000 WeSleyaner. Die Zahl der Weißen beträgt etwa 250, unter ihnen über 100 Deutsche und etwa 80 Engländer. Da« König« ®lJmova, ist eine Schöpfung der Diplomatie, der Vertreter Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten, die den Austiag hatten, Einrichtungen zu treffen, um dem whre angen Krregführen auf der Insel ein Ende zu machen. ES giedt einen Kömg Malietoa Laupapa, einen Vizeköntg Tapua. ein Ober« und ein Unterhaus, die zusammen tagen. Im Grunde giebt es aber gar keine Regierung-, eS herrscht vielmehr eine chronische Anarchie, welche durch die Furcht vor Hemden Kriegsschiffen gemäßigt wird. Die Angehörigen �".Kömgreichs Samoa haben trotz mancher guter Eigenschaften noch nicht den Grad politischer Reise erreicht, daß fie eine starke W-rung.und eine politische beschließende Körperschaft fassen können-, ihre Begriffe gehen noch nicht über die Stammei- zusammengehörignit hinaus, fie gehorchen ihren Häuptlingen demokratische, auf den Umsturz der bestehenden Gesellschasis- Ordnung gerichtete Ideen unter der ländlichen Bevölkerung u verbreiten, wie solches fich auS den bei den VereinSversamm- ungen gehaltenen Vorträgen mit Evidenz ergiebt. 2) Zum Vorstände des FachvereinS, wie deS Medizinal« Vereins gehörte der wegen sozialdemottatischer Umtriebe auS Berlin ausgewiesene Maschinenbauer Max Sendig, welcher auf das lebhafteste im sozialdemottatischen Sinne agitirte und die Arbeiter gegen ihre Brocherren aufreizte. 3) Bei Gelegenheit der polizeilichen Austosung einer Ver- ämmlung des Fachvereins und deS Mediztnal-VereinS haben die Mitglieder desselben zu den am 13./14. Juni v. I. zu Gr-OtterSIeden verübten LandfriedenSbruch mit Veranlassung Beßf Da hiemach in dem Medizinal-Verein sozialdemokratische, auf den Umsturz der bestehenden EtaatS« und GesellschastS« Ordnung gerichtete BefO edungen in einer den öffentlichen Frie- den, insbesondere die Eintracht der BevölkerungSklassm gefähr« dcnden Weise zu Tage getreten find, rechtfertigt fich die ge- troffene Anordnung._ m. Der RegierungSprafident. In Vertretung: Graf Baudissin. An den Vorstand deS Medizinal< Verein? zu Groß-OtterilebrN. Wie wir hören, will der Vorstand gegen diese Verfügung Beschwerde erheben- � Frankfurt a. SR., 14. Januar. Die Anklage gegen den Polizeikommissär Meper. betreffend die bekannte Sozialisten« Affaire auf dem Frankfurter Friedhofe, gelangt wahrschemlich noch in diesem Monat vor der hiesigen Strafkammer zur Ver- Handlung, und zwar wird dafür wegen der großen Zahl von Zeugen der EchwurgerichtSsaal gewählt werden. Wie bereits mitgetheilt, findet gleichzeitig mit dieser Verhandlung dre« cnige gegen den Schneidermeister Josef Leyendecker statt. Die Anilage gegen diesen behauptet, er habe eine rothe Schleife auf den Sarg gelegt und trotz des Verbote« begonnen, am Grabe eine Rede zu halten, die er erst dann abbrach, al« die Schutzleute ihre Säbel zogen. Holland. In Holland haben die orthodoxen Kalvinisten einen kalvi- nisttschen«irchenskandal hervorgerufen. Der Kirchenvorstand der„Neuen Kirche" in Amsterdam hatte den landeStirchlichen Ordnungen den Gehorsam verweigert und wurde in Folge dessen von der vorgesetzten Behörde suspendirt. Der suspenvirte Kir- chen-Vorstand aber wollte trotzdem am 5. Januar in der „Kerkekamer" der Neuen Kirche, seinem gewöhnlichen Sitzung«- lokal, zusammenkommen und konnte nur vurch requirirte Polizei zum Abgange gezwungen werden. Die Kerkekamer wurde fortan b-wacht. Am 7. Januar jedoch gelang e« einigen kal- vinistischen Herren, die von Arbeitem begleitet waren, die Wächter auS ihrem Lokale zu locken und fich durch das Auf« brechen der Schlöffer und Durchsägen der Holzwände den Zu- tritt zur Kirche gewaltsam zu verschaffen. Seither halten fie daS Kirchengebäude besetzt; fie haben fich mtt Betten und Lebensmitteln versehen und find augenscheinlich entschloffen, es auf eine regelrechte Belagerung ankommen zu lassen, denn alle Thüren find mit schweren Balken verbarrikadirt. N u h l a« d. Das Reichsbudget pro 1886 weist an ordentlichen Staats- einnahmen 787 463 691 Rubel und an ordentlichen Staats- ausgaben 812 751030 Rubel, somit ein Defizit von 25 287 000 Rubel auf. Außerdem find noch an außerordentlichen Staats- ausgaben für den Bau von Eisenbahnen und Hafenbauten 52 643 240 Rubel eingestellt, welche, ebenso wie das Defizit, aus den außerordentlichen Hilfsmitteln zu decken stnd.~ Exposö des Finanzministers erklärt das Defizit als eine der gegenwärtigen Krise in Handel und Industrie, von wel,. ebenso wie Rußland, auch andere westeuropäischen Reiche heimgesucht seien. Der Finanzminister bezeichnet es als un- thunlich, das Gleichgewicht im Budget durch sofortige Steuer- erhöhung oder durch Ausschreibung neuer Steuern herbeizu- führen, verstchert aber, die Deckung des Defizits sowohl wie der außerordentlichen Ausgaben werde nicht schwer fallen, indem die Mittel hierzu therlweise schon baar vorhanden seien, theilweise einfließen müßien und theilweise durch Kreditopera- tronen realifirt werden könnten, welche bei der gegenwärtigen Lage des russischen Geldmarktes durchaus ausführbar er- scheinen._ Varlamentarische». I« der ersten ordentlichen Sitzung der Kanal-Kom> misston de« Reichstag« wurde zunächst der geschäftlich- Gang der Verhandlungen festgestellt. Darauf wurde in die Be. Handlung der Frage eingetreten, ob und welchen Nutzen der Bau des Nordostseekanals für die Marine und die Landesvertheioigung habe. Der Abg. Brömel bemängelte nach verschiedenen Seiten hin den Bau des Kanals und kam zu dem Resultat, daß der Nutzen des Kanals für maritime Zwecke nur ein geringer sei, daß eine Vergrößerung der Flotte jedenfalls den Küstenschutz wirksamer vertreten könne. Der Chef des Stabe« der Marine bemerkte, daß eine Verdoppelung der Schlachtschiffe der deut- und diese, wenn es angeht, Niemandem. Unglücklicher Weise haben nun die politischen Angelegenheiten von Samoa ein sehr große« prattischeS Jntereffe für viele Engländer und für viele Deutsche. Das Klima und die Fruchtbarkeit der Inseln lockten seit langer Zeit viele Anfiedler und Händler an. Deutsche Kaufleute genossen eine Art Monopol und ste befitzen noch heute einen großen Theil eines Handels, der, wenn auch nicht sehr bedeutend, doch sehr lohnend ist. Nach dem parlamentarischen Berichte vom vorigen Jahre kamen auf das Jahr 1883 92 deutsche Schiffe mit 19 396 Tonnen und 35 brittsche Schiffe mit 3799 Tonnen. Ein- und Ausfuhr für deutsche Rechnung belies fich auf 119 000 Pfd. Steil., für britische auf 10 000 Pfd. Sterling. Der Handel, welcher früher fich auf den Austausch vom billigeren Kaliko, Eisenwoaren und Tabak gegm KokoS« nußöl oder Kopra beschränkte, ist neuerdingS bedeutend erweitert durch die Ausdehnung der Pflanzungen und diese befinden fich ausschließlich in deutschen Händen. In der Geschichte dieser In« dustrien liegt da« Geheimniß der Wichtigkeit von Samoa für Deutschland und England. Im Jahre 1869 wüthete ein Krieg in Upolu Die einheimischen Kämpfer verlangten Feuerwaffen und deutsche Händler konnten fie liefern, wollten fie aber nur für Land beraeben und darauf entbrannte der Landerwerb zu einem Sä äi?«? ir ä% srafeSShBAK? lietoa den sehnlichen Wunsch zu erkennen gegeben, alle Reg, e »HSSSMlÖaW wie Fidschi von England annektrtt wird. Dre angesessenen Deutschen haben natürlich andere Ansichten von einer Annexion durch England. Apia, die Hauptstadt, sieht einigermaßen auS, wie eine„Konzesston" in einer chinefischen Verttagsstadt. Durch schen Marine dem Reiche dieselben Kosten verursache, wie der Kanalbau. Das Alter des Kanals könne man aber auf hun« derte von Jahren beziffern, das eines Kriegsdampfers aber nur auf 20—25 Jahre. Dann aber kehle es in Deutschland auch an genügendem Menschenmatenal für eine Verstärkung der Manne. Ferner gab der Stabschef der Marine noch die Erklärung ab, daß die vereinigte Flotte der Nord« und Oftsee genüge, eine wirksame Blokade der deut» chen Nordseehä'en zu verhindern im Falle eines Krieges mit einer der Weftmächle, daß dieselbe aber auch stark genug sei. in der Ofisee der vereinigten russtsch-dänischen Seemacht zu widerstehen.— Auf ein: w.itere Ausstellung des Abg. Brömel. daß die Begeisterung für den Nordostseekanal in letzterer Zeit tn Deutschland nicht besonders hervorgetreten sei und daß man ich deshalb nicht so sehr auf den nationalen Gedanken stützen !önne, der den Bau fordere, erwiderte der Staatssekretär von Bötticher, daß schon seit dem Jahre 1866 nicht nur die preu« ßische Regierung der Frage mehrfach näher getreten sei, son- dern daß auch mehrfach Anregungen aus dem Volke gemacht worden seien.— Der Abg. Hasencleoer bemerkte, daß der Bau deS Nordostseekanals scdon vor 23 Jahren von der Demottatie »efordett worden sei. Er erinnerte an eine damals erschienene Broschüre von dem Generalkonsul Stamm, an welcher noch zwei bekannte deutsche Demokraten gearbeitet haben. — Dann erinnert Redner noch daran, daß die dänische Regierung fortwährend durch den rusfischm Einfluß verhindert worden sei, den Kanalbau vorzunehmen. Er begrüße schon deshalb den Bau mit Freuden, well dadurch der rusfische Ein- fluß gebrochen und der Plan, die Ostsee zu einem rusfischen Binnensee zu machen, energisch gekreuzt werde. Nachdem noch ein Regierungskommiffar über die vielfachen Anläufe der da» nischen Regierung, einen Nordostseekanal zu bauen, Bericht er» stattet hatte, wurde die Sitzung vertagt. In der nächsten Sitzung wird über die technische Ausführung des Baues in Berathung getreten. Die zehnte Kommisston(Arbeiterschntz) war gestern zu ihrer ersten Sitzung nach den Ferien zusammen getreten. Die Diskusston drehte fich, nachdem eine zwecklos lang ausge- sponnene Debatte über die beste Art der geschäftlichen BeHand- lung der verschiedenen Anträge glücklich zu Ende gebracht war. hauptsächlich um die Frage der Vermehrung der Fadrikinspek» toren. Seitens deS Abgeordneten Baumbach wurde gegen Verkleinerung der JnspettionSbezirke gellend gemacht, daß da« durch eine noch größere Zersplitterung und Verschiedenarligkcit in der Jnsvcklion und Revision Platz greifen würde, als dies jetzt zum Schaden der Sache selbst bereits der Fall sei. Er wünschte Einführung eines Reichs-Jnspektionsamtes und für die einzelnen Jnspettoren, welche am besten zu Reichsbeamten gemacht würden, daS nöthige Hilfspersonal, um die Revisto« nen im geeigneten Umfange stattfinden laffen zu können. Dem gegenüber wurde geltend gemacht, daß die große Ausdehnung der Bezirke es dem Inspektor unmöglich mache, fich mit den Bedürfnissen genau bekannt zu machen. Außerdem aber sei die Gefahr bei zu großen Bezirken vorhanden, daß der In« spektor fich zum Bureau-Chef autwachse, der die Revifionm seinen Asstst-ncheamten übertrage und so die Verantwortung für seine wichtige Aufgabe nicht mehr übernehmen könne. Der Meinung deS Herrn Lohren» daß die Unfallgenoffenschaften den Inspektoren einen großen Theil der Arbeit abnehmen wer« den, wurde von allen Seilen, auch vom Regierungsvertreter, entgegengetreten und betont, daß e« im Gegentheil Aufgabe der Fadrikinspektoren mit sein wird, auch den Unfallgenoffen- schasten ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vom Abgeordneten Auer wurde angeregt, da man die ArbeitSkammern nicht wolle, ob es nicht am Platze wäre, we« nigstenS den Arbeiterkrankenkaffen, welche ja ein großes Jnter» esse daren haben, daß die Etablissements in Bezug auf sanitäre Einrichtungen und Maßnahmen genau kontrolirt werden, ein Vorschlagsrecht in Bezug auf die Asfistenzbeamten einzuräumen. Der Vorschlag fand besonder« um deswillen Widerspruch, weil die Krankenkaffen-Mitglieder nicht im Stande seien, die Vorzuschlagenden tn Bezug auf ihre technischen Fähigkeiten zu prüfen. Seitens des Vertreters der Regierung wurde unter Hinweis darauf, daß die Fabrikinspettoren Landesbeamte find, bezweifelt, ob der Liebcr'sche Antrag, welcher vom Kanzler ver« langt, eine Vermehrung der Jnspettoren herbei zu führen, vor ersteren akzeptirt werden könne, va er nach dieser Richtung den Einzel-Regierungen keine Vorschriften machen könne. Der Behauptung, daß die gedruckten Berichte einer Zensur unter- warfen werden, widersprach der Kommissar; man suche im Reichsamt deS Innern nur die Berichte, streiche UeberflüsfigeS und die zahllosen Wiederholungen und dränge Urthetle zurück. welche mtt der Lache selbst nichts zu thun haben. Im Uedrigen seien die Jnspettoren in weitem Umfange bereits Vertrauens« Personen von Arbellnehmern und Ardeitgebern. In der GeschäftsordnungSkommisston de« Reichstag« wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, den Anträgen der de- treffenden Staatsanwaltschaften, die Rcdattionen deS„Jauer- schen Stadtblatt" und der„Malchiner Zeitung" wegen Be« leidigung des Reichstags zu verfolgen, nicht stattzugeben. In einem Artikel„Pfingstgedanken" waren allerdings dre gröbsten und derbsten Injurien dem Reichstag angehängt worden, doch war die Kommission der Anficht, daß solche Angriffe d-r Würde des Reichstags keinen Abbruch thäten und daß der Vertrag der Mächte mit Samoa steht die Hauptstadt unter der Regierung der Konsuln und einer gewählten Versammlung. In Apra giebt es eine geordnete Verwaltung mit Gesetzen, Genchten. Polizeibeamten, Einnahme und Ausgabe jc., wie in einem zivilistrten Staate. *** Ei» musikalische« Ereignth erste« R»«aeS dürfte die in dieser Saison am deutschen Bühnenhottzont aufgetauchte neue Oper in drei Akten„Merlin". Text von Dr. L. Hoff« mann, Musik von Ph. Rüfer. sein. Die fich interesfirenden Krerse der Sachverständigen stnd schon ,n der Lage gewesen. Bekanntschaft sowohl mit dem Text, als auch mit Bruchstücken KÄM tzV»Ä:"« hatten Gelegenhert. tn emer Pnvat-Mattnee einzelne Szenen 'TTrt>rftn ha« SRIttTtttn l~. i__ rrr; jc ar-—' der Oper„Merlm" von Philipp Rüfer in trefflicher Ausfüh« nrng zu hören, und haben von der Vomehmheit und dem Erfindunasrerchthum der Tonsprache, ja auch von der drama- ttschen Wirkung derselben den günstigsten Eindruck erhalten und glauben, der deutschen Bühnenwelt eine sehr werth- volle Bereicherung prognosttziren zu können."- Diesem Urtheile können wir uns voll und ganz anschließen. Merlin ist der Sohn des Teufels, in ihm kommt der Konflikt zwischen Himmel und Hölle, der ja die ganze Menschheit be« wegt, zum Austrag. Es handelt fich also nicht um eine Ver- Mehrung der vielen historischen Opern, dem Sujet liegt viel« mehr eine Idee zu Gmnde. Und dem GeHalle dieser Idee ist die Mufik angemessen, der man hinreißenden Liebreiz und packende dramatische Kraft nachrühmen kann. Es ist ein wirk« liches mufikalisches Drama, und ohne Leitmotive ist es dem Komponisten gelungen, seinen Gestalten mufikalischen Charakter zu verleihen. Ein näheres Eingehen auf das Wert müsse» wir uns für die Aufführung vorbehatten. Die Oper ist ja hier bei der tönigl. Generalintendantur eingereicht, und wer« dm wir fie hoffentlich recht bald zu hörm bekommen. Mamsell Nngot wird im Walhalla-Theater bereits am morgendm Sonntag ihre letzte Vorstellung erleben, da die Direttion, einem vielfach geäußerten Wunsche deS Publikums entsprtckmd, am Montag den„Don Cesar" in Szene gehen läßt. Jedenfalls wird aber der so sehr in Gunst stehenden lustigen„Angot" der Abschied am Sonntag recht schwer ge« macht werdm. Reichstag schon seiner Stellmtg halber sich über derartige fe- leivigungen hinwegzusetzen habe. — In die Kommisfion zur Borberathung de« Entwurf« eine« Gesetze« betreffend die Herstellung eine« Nord-Ostsee- kanal« find gewählt worden: Freiherr von Dalwig-Achten« fei«, Graf von Hompesch(Vorfitzender), v. Echalscha, Timmer- mann, Fritzen, Brömel, Dr. Hänel, Lorentzen, Thomsen, Stiller, Gras von Holstein(Stellvertreter de« Vorfitzenden), Freiherr von Hammerstein, Udo Grai zu Stolberg Wernigerode, Graf von Schlieffen(Schriftführer), von Maffow. Dr. von Kulmiz, Hasenclever, Francke, Dr. Hammacher, Woermann (Schriftführer)._ okales. Elektrische Straßenbeleuchtung bat gegenwärtig Berlin nur an der SchillingSbrücke, wo die städtischen Versuchslampen nun schon seit Jahr und Tag leuchten. Noch immer zeigen stch dle Lampen freilich so schmucklos, wie im Anfang, da fie nur provisorisch an den Gaslaternen angebracht find. Die Eitbah« an der Rouffeau-Znsel und am Neuen See im Thiergarten ist nunmehr, nachdem durch eine neue polizeiliche Untersuchungskommisfion überall die erfordeiliche Stärke von 5" konstatirt war, eröffnet worden. Wie ein Lauf« feuer hatte fich die Nachricht verbreitet und sofort nach ihrer Eröffnung war die Bahn von einem zahlreichen Publikum besucht. «n der Westseite de« Nathhause« unweit de« Portal» befindet stch ein Briestasten der kaiserlichen Post. Oberhalb desselben ist ein kleines Schild angebracht mit der Aufschrift: „Der städtische Briefkasten befindet fich im Innern deS Rath« Hauses." Dieses Schild verdankt seinen Ursprung zahllosen Jrrthümern, die seitens des Publikums begangen worden find und fich noch täglich wiederholen, indem die für die städtischen Behörden bestimmten, ausnahmslos unfrankirten Briefschaften in den Briefkasten der Postbehörde gelegt werden. Solche un» stanlirten Sendungen werden nach den postalischm Bestim- mungen nicht an ihre Adresse befördert, sondern an die Absen« der wieder zurückgeschickt. Von de« Berliner Pferde-Kiseubahnen. 3003 Pferde« bahnwagen pasfiren zur Zeit alltäglich die Ecke der Leipziger« und Charlottenstrahe, jenen Puntt in dem weitverzweigten Berliner Straßennetz, welcher überhaupt den stärksten Pferde« bahnverkehr aufzuweisen hat. Da der Betrieb der Pferdebahn in seinem vollem Umfange täglich 15 Stunden umfaßt, so kommen während dieser Zeit auf die Minute mehr als 3 Wa» gen, die jenen Punkt zu kreuzen haben. An diesen kolossalen Berkehr partiziptren elf Linien. Allein von der Linie von der Behrenstraße nach dem Göi litzer Bahnhof kurfiren die Wagen täglich, beide Richtungen vereinigt, 627 mal. Die Hafenplatz» linie weist 308, die Moabiter Linie vom Spitt« lmarkt 244, die vom Moritzplatz 236, die Kreuzberglinie von der Friede richsstraße 240, die vom Köllnischen Fischmaikt 233, die Zoolo« gische Garten linie von der Holzmarttsti aße 242, die Schöne« derger Linie 240, die Linie EchlefischeS Tbor-Bülowfiraße 242, die Linie EchlefischeS Thor- Behrenstraße 232 und die Rirdorfer Linie von der Behrenstraße 154 Fahrten auf. Derjenige Puntt, welcher den nSchftstärksten Verkehr zeigt, ist der Potsdamer Platz, den die Pferdebahn täglich auf 2162 Fahrten berührt. Zu den 8 Linien, die hier in Betracht kommen, gehört auch die Ringbahn mit ihren 372 Fahrten, die Linie Bülowstraße« Köllnischer Fischmartt mit 312 Fahrten und die Linie vom Lützowplatz nach Bahnhof Börse mit 274 Fahrten. An dritter Stelle ist im Innern der Stadt der Spittelmartt zu nennen, der den Ausgangs», End« oder DurchgangSpunkt von 1774 Fahrten bildet, die fich gleichfalls auf 8 Linien vertheilen. 1722 Wagen der Pferdebahn steht täg« lich das Hallesche Thor pasfiren, und 1460 Wagen kreuzen den Platz vor dem Brandenburger Thor. Den Verkehr der Stadt mit dem Kreuzberg vermittelm, wenn man die Tempelhofer Linie einrechnet, täglich 1010 Wagen. Auf der Linie vom DönhofSplatz werden 376, auf der von der Friedrichftraße 240, auf der vom Köllnischen Fischmartt 233 und endlich auf der Tempelhofer Linie 156 Fahrten gemacht. 817 Fahrten beginnen täglich am Zoologischen Garten, bezw. enden dort. Einge« schloffen ist allerdings dabei die von Charlottenburg kommende Linie. Der Verkehr Berlins mit Charloltenburg selbst wird von Seiten der Pferdebahnen durch 733 Fahrten täglich be« wirkt. Mit Rixdoif ist, beide Richtungen vereinigt, 464 Mal, mit Schönebera 240 Mal, mit Panioa» 156 Mal und mit Treptow 31 Mal Verbindung. In Moabit enden und be- ginnen 843 Fahrten Rechnet man den Moritzplatz und die Haltestelle an der Brandenburgstraße als ein einziges Verkehrs« Zentrum, so hat man von diesem aus täglich 2031 Mal Gelegenheit, nach den verschiedensten Richtungen hin per Pferde« bahn zu gelangen. Im Westen ist die Potsdamer- und Lützow« Süßen. Ecke der von der Pferdebahn am meisten frequertirte unkt. Er wird täglich auf 1546 Fahrten gekreuzt. Diese wenigen Zahlen dürften genügen, um ein Bild von dem ge« waltigen Verkehr in den Straßen der R-stdenz zu geben. Es sei zum Schluß noch bemerkt, daß allein die große Berliner Pferdebahn» Gesellschaft täglich 7142 Fahrten macht. Drei Strolche schlugen in der Gollnowstraße einem Herrn den Hut vom Kopfe und verfolgten ihn, als er die Flucht er- griff, bi« nach der Georgenkirchstraße, wo der Angegriffene fich in ein HauS retten mußte. Dann umringten die Exzedenten mit den Worten:„Sie verfluchter Jude" den Kürschner K., ftßen ihn, als er weitergehen wollte, und schlugen mit der rnst auf ihn ein. leisteten auch, al« ein hinzukommender chutzmann ihre Festnahme bewirkte, nachdrücklichen Wider« 'k�Äuf dem Artillerie-Schießplatz bei Tegel werden wiederholt Personen betroffen, welche, entgegen dem polizei« lichen Verbot, denselben unbefugter Weise betreten haben. Da auf dem genannten Platze fast zu jeder Jahres« bezw. Tages« zeit Schießübungen, nicht allein der Artillerie, sondern auch der Infanterie und Kavallerie, stattfinden, so kann die Nicht- beachlung obigen Verbot« neben der angedrohten Strafe für die Betreffenden die schwersten Gefahren für Leben und Ge« sundheit nach fich ziehen. Im eigenen Interesse deS Publi« kumS warnt daher die Schießverwaltungskommisfion auf da« Dringendste vor dem Ueberschreiten der Sckießplatzgrenzen, welche nördlich nach der Berlin-Tegeler Chaussee bin durch einen Sicherheitsgraben, südlich nach dem Berlin» Epandauer Schifffahrtskanal zu durch einen SicherheitSgraben nebst Draht- zäun dezeichnet find._ Gerichts-Zeitnng. k. Egeln, 10. Januar. Am 7. d. M. stand vor dem hiestgen Schöffengericht der Schneidermeister Wilhelm Haber« mann aus Magdeburg mit noch 16 Arbeitern, theils aus Borne, theiis auS Unseburg. angeklagt deS Vergehens gegen den § 17 Abs. 2 de« Gesetze« vom 11. März 1850. Am 28. Juni vergangenen Jahre« sollte in Unseburg eine Versammlung mit der Tagesordnung„da« Ardeiterschutzgesetz" stattfinden, zu welcher Habermann als Referent eingeladen und auch erschienen war. Bei seiner Ankunft in Unseburg erfuhr derselbe, daß die Versammlung seitens des AmtSvorstehers von Unse« bürg verboten sei. Um nun nicht den ganzen schönen Eommernachmittag im Dorfwirthshause verbringen zu müssen. wurde nach dem nahen Buschholz ein Spaziergang Kracht. Dieser Spaziergang— so behauptet nun die Nage— sei eine nicht genehmigte Versammlung unter freiem Himmel geresen, und Herr Habermann erh elt, «eil er in dieser angeblichen Versammlung al« Redner thätig gewesiN sein soll, ein voliz iliches Strafmandat auf 50 M., während die übrigen Theilnehmer mit 5 M. dedacht wurden. Auf rechtzeitig eingelegten Widerspruch fand nun die Verhandlung statt. Eingirwaßen überraschenv wütte der Umstanv, daß der Amlsdiener Becker aus Unsedu g als Zeuge vorgeladen war, um zu bezeugen, daß der deregte Spaziergang eine nicht genehmigte Versammlung gewesen sei. Der Zeuge erklärte jedoch vor Gericht, daß er davon nichts wisse, indem er an dem betreffenden Sonntag aar nicht aus dem Dorfe hinausgekommen sei. Der Gerichtshof konnte au» den Zeugenaussagen nicht zur vollen Klarheit über diesen merk würdigen Fall gelangen, er vertagte die Verhandlung und ordnete eine umfangreiche Beweisaufnahme an. Wir werden nicht verfehlen, über das Endergebniß dieses Prozeffes zu berichten. Hirschberg, 12. Januar.(Härten de« Dynamitgesetzes.) Auf Grund des Dynamilgesetzes vom 9. Juni 1884 wurden heut von der Sttaskammer de« hiesigen Landgerichts zwei Äergmänner zu je drei Monaten Gefängniß, der niedrigsten Strafe wegen Uebertrctur.g jene« Gesetzes, oerurtheilt. Bei einer Hau» suchung in der Wohnung des Bergmannes K. zu Rothenbach fand man in einem Koner drei Dynamitpatronen, die zusammen einen Werth von 45 Pf. repräsentirten. K- giebt Su, dieselben bei einer Tageischicht nicht verbraucht und anstatt ie nach vollendeter Arbeit den Bestimmungen gemäß wieder abzuliefern, für fich behalten zu baden. Und zwar soll er seinen Kameraden gegenüber die Adficht ausgesprochen haben, mittelst der Patronen Fische zu fangen. Jedenfalls ist festge« stellt, daß er im Befitz von Dynamit war, ohne die hierzu nöhige polizeiliche Genehmigung nachgesucht zu haben, und so mußte er denn mit wenigstens drei Monaten Gefärmniß bestraft werden. Da er zudem widerrechtlich in den Befiy der Patronen gelangt war, wurden ihm noch fieben Tage Gefäna- niß zugelegt.— In dem zweiten Falle hatte der Bergmann B. aus Wüsteröhrsdorf sich ein ungefähr 4 Zoll lange« Stück einer Tynamitpatrone zu verschaffen gewußt. Nach seiner glaubhaften Verficherung wollte er es anfänglich zur Spren« gung eines Stockes in einem Busch verwenden, später aber faßte er den Plan, die Patrone al« einen Freudenschuß zur Hochzeit seines Nachbar« lokzudrennen. Als er gerade damit beschäftigt war. den Schuß abzufeuern, sah er, wie zwei scheu gewordene Pferde gegen seine Befitzung hinjagten. Vor Schreck vergaß er die nöthige Vorficht, die Patrone ging vor« zeitig loS und riß ihm die linke Hand, in der er fie hielt, voll« ständig fort. Er wurde somit zum Krüppel zeitlebens. Trotz dieser für ihn empfindlichen Strafe blieb dem Gerichtshofe nach dem Gesetze nicht« anderes übrig, al« unter Aussprechung deS Schuldig ihn wegen unerlaubten Vefitzes von Dynamit zu drei Monaten Gefängniß zu verurtheilen. Der Vorsttzende wies ihn darauf hin, auf dem Gnadenwege einen Erlaß der so harten Strafe nachzusuchen. Uereine mtd Versammlungen. Wv. Der Verein zur Wahrung der Interesse« der Berliner Maurer hielt am 12. v. M. im Wedding-Park eine Mitgliederversammlung ab, welche fich mit dem Zwecke und Zielen deS Verein« in Beziehung auf die Lohnfrage be« schäftigte. Herr Bock leitete die Diskusston durch ein Referat ein, in welchem er auf frühere Jahre hinwies, in denen die Berliner Maurer bei beträchtlich geringeren Lebensmittel und Wohnungsmieths-Preisen b-sser gestellt gewesen wären, alS gegenwärtig der Fall sei. Deshalb müßten gerade jetzt alle Lohnherabseyungen als völlig ungerechlfertigt zurückgewiesen werden. Erfreulich sei, daß e« nach einer Bemerkung der neuesten Nummer der„Baugewerks Zettung" fast den An- schein gewinne, als ob endlich auch jene Herren begriffen hät- ten, daß vaS Jahr für den Maurer, wenn e« hoch kommt, nur 250 Arbeitstage habe und daß ein solcher Arbeiter bei einem Stundenlohn von 50 Pfennig durchau« nicht mehr zu bestreiten in der Lage fei. als wa« zu seinem und seiner Familie Lebensunterhalt durchaus erforderlich. Herr WeiseZ wies in der Diskusston auf die Nolbwendigkett hin, daß Vre Bestimmungen de« Vereinsstatuts in Betreff der Vermeidung aller Ueberstunden- und Aklord-Arbeit streng de- folgt werden: doch werde erst eine umfaffende Arbeiterschutz- Gesetzgebung mtt angemessenem MoximalarbeitStag die Lage der Arbeiter einigermaßen wahrnehmbar und dauernd zu ver- bessern im Stande sein, soweit dies auf der Grundlage der jetzigen Produktionsweise möglich sei. Der Vorfitzende er« mahnte besonders die Maurer des Nordens von Berlin, jetzt, wo fie in erster Reihe von den Lohnabzügen dedroht seien, den alten guten Ruf zu rechtfertigen und mannhaften Widerstand zu leisten. Nötigenfalls.trete der Verein für seine be« drängten Mitglieder und die Gesammtheit für die eventuell arbeitslos gewordenen Gewerksgenoffen ein. Hierauf nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, durch welche dieselbe an dem Beschlüsse der General Versammlung der Berliner Maurer vom Juli v. I. festhalten zu wollen erklärte und fich v-rpflichtete, mit allen Kräften dafür einzustehen, daß keine Lohnabzüge gemacht werden können. Ferner wurden den streikenden Glaceehandschuhmachern 50 Mark dewilligt. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(örtliche Verwaltung Berlin v., Moabit). Montag, den 18. Januar, Abends 3'/, Uhr. Alt- Moabit 90, bei Donath, Mitglieder- Versammlung. Tages« ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal. 2. Wahl deS Schriftführer« und der Revisoren. 3. Verschiedenes.— Mit« gliedSduch legitimtrt. Grone öffentliche Tischlerversammlung am Sonntag, den 17. Januar, Voi mittags 10 Uhr, in Mohrmanrfi« Salon, Gr. Frankfurterstr. 117. Tagesordnung: Berichterstattung der seiner Zeit von der Delegirien-Versammlung gewählten Super- Revisoren über Einnahme und Ausgabe der Ttschler-Lohn« bewegung. Faenverei« der Barbier- und Friseurgehilfen Ber- lint am Montag, den 18. d. M., Abends 10 Uhr, in Breuer's Salon, Gr. Feankfurterstraße 74—75, Generälversammlung. NichtMitglieder als Gäste haben Zutritt. Fach verein der Schneider. Montag, den 18. d. Mt«., in Gratweit'S Bterhallen, Kommandantenstr. 77—79, öffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme des Vereins zur Lohnfrage. 2. Wahl einer Kommisston zur Aul» klärung der Schäden und Mängel im Schneidergewerb«. 3. Verschiedenes.(Siehe Inserat am Sonntag.) Beitrk»verein der arbeitende« Bevölkerung im Südwesten Berlin«. Montag, den 18. Januar, Abends 8% Uhr, in den.Kaiserhallen", Alte JakoMtr. 120. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Stadtv. Herrn Görckt über das allgemnne gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. DiSkusfion. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten.— Um zahlreiche« Erscheinen der Mitglieder wird ersucht. Gäste stet« willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gauveret« der Maler. Dienstag, den 19. d. Mt«., AbendS 8»/, Uhr, im„Restaurant Reyher", Alte Jakobstr. 83, Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag de« Herrn Schweitzer über:„Zur UebervölkerungSfrage". Dis« kusston. 3. Antrag betreffend Beschaffung von Billet« zu er« mäßigten Preisen zu den Badeanstalten und belehrenden tnstituten. 4. Verbandsangelegenheiten. 6. Verschiedenes und ragekasten. Bau- und Fabrik-Arbeiter-Kranken- und Begräbniß- kasse(Eing. Hilss.'affe) am Sonntag, den 17. d. M., Vormittags lOVi Uhr, in Renz's Salon, Naunyr.straße 27, General- Versammlung. T.-O.: Abrechnung vom 4. Quartal 1885. Besprechung der Krankenkontrole. Verschiedene«. Quittung«- buch legttimirt. Verein zur Wahrung'der Interesse« der Klavier- arbetter Sonnabend, den 16. Januar, in Gratweii's Bier- hallen, Kommandantenstr. 77—79(untere Säle) General- K« sammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. CW» und Jahresabrechnung vom verflossenen Jahr. 2. RückdA auf die Thätiakeit de« Vereins im vergangenen Jahr. Refeinü Herr Zubeil. 3. Vercinsangclegenheiten und Verschiedenes.-- Sämmtliche restirenden Mitgireder werden aufgefordert, W Beiträge schleunigst zu entrichten, widrigenfalls fie aus% Mitgliederliste gestrichen werden.— Ouittungibuch legitim" Gäste, welche gewillt find, dem Verein beizutreten, willkomo« Seueralversammlung der Zimmerleute des Nortrf und dessen Umgegend am Sonntag, den 17. Januar,» mittags pünltl. 10 Uhr, im Lokale des Herrn Knebel,# straße 58(Gesundbrunnen). Tagesordnung; 1. Wie v erbest fich die Zimmerlrute des Norden« und der Umgegend zu* Beschlüssen der Zimmerleute insgesammt. 2. Gründung cf Lokal Verbandes. 3. Verschiedenes.— Es ist Pflicht Jeden, in dieser Versammlung zu erscheinen. Oeffentliche Versammlung der Steindrucker? Lithographen am Sonntag, den 17. Januar, Vormiff 10'/, Uhr, im Palmensaal, Neue Schönhauser str. 20. Fachverein der Former. Sonntag, den 17. d. Vormittags 10 Uhr, in Vettin's Salon, Brunnenstraße Mitglieder» Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vl 2. DiSkusfion. 3. Wahl zweier Schriftführer. 4. Versch und Fragekasten. Gäste find willkommen.— Die Zahl- Aufnahmestelle ist außer in den Versammlungen an j Sonnabend nach dem 15. bei Herrn Sodtke, Rilterstraße von 7'/,— 9'/, Uhr Abends. Zentral-Kranken- und Begräbnißkasse der binder(E. H.). Sonnabend, den 16. Januar, Abends 8 in den Armin-Hallen, Kommandantenstr. 20, erste Ha sammlung. Tagesordnung: Neuwahl des Gesammtvorsi Luittungsbuch l.gitimirt. Zahlstellen befinden fich: Dres! straße 38 bei Prinz, Naunynstr. 60 bei O. Schneider, marttstr. 44 a bei Wisenack, Weinmeister- und Rosenl straßen-Ecke bei Schröder, jeden Montag Abend im stützungsverein sowie zu jeder Tageszeit bei Paul Sch Blumenstr. 29. I Verein zur Wahrung der materiellen Jntettl der Fabrik- und Handarbeiter. Mttgliedervnsamach am Sonntag, den 17. Januar, im Lokale Lcngestr. 10» Nebelin. Tagesoidnung: 1. Vortrag über Ziele un des Vereins. Referent: Stadtv. Heir Mitan. 2. jabrSdericht. 3. Verschiedenes.— Neue Mitglieder aufgenommen. Gäste find willkommen. verein zur Wahrung der Interesse« der macher Generalversammlung Sonntag, den 17. Jan» Vormittags 10 Uhr bei Otto, Adalberftr. 21. TageSor! 1. Vierteljährliche Rechnungslegung. 2. Vortrag de« Prediger» emer. Kendziora über:„Werth der Aibeit ffl* Volkswirtbschaft und Moralität". DiSkusfion. 3. Angelegenheit und Aufnahme neuer Mitglieder. Zentral-«, anken- und Sterbekasse der Wagen Versammlung sämmtlicher Berliner Mitglieder am®on| den 17. Januar, Vormittags 10 Uhr, in dem oberen der Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Ordnung: 1. Bericht über das 4. Quartal 1885. 2. Kassen-Angelegenheiten. In der„Freireligiösen Gemeinde" finden am den 18. d. M., Abend» 8 Uhr, im„Gesellschaftsbaus", wallstraße 20, die Neuwahlen für den Vorstand statt. Mitglieder, denen das Wohl der Gemeinde am Herze« und welche eine gewissenhafte und gerechte Verwaliung schen, aber auch die Wiederkehr vorjähirger unliebsam« scheinungen vermeiden wollen, werden gut lhun, fich recht' reich an der Wahl zu betheiligen. Fachveretn der Tischler. Die Zahlstellen befinde»�. Blumenstr. 56(Trschlerherberae): Belle-Alliancer latz& Hilscher: Skalitzerstr. 18 bei Stramm und Ztonskirch«� bei Hohn. Daselbst werden jeden Sonnabend AbenW! 8'/,— 10 Uhr Beiträge entgegen und neue Mitglieder«k nommen. Dienstag, den 19. Januar, Abend« 8 Vi' Generalversammlurg bei Jordan, Neue Grünstr. 28. Fachveretn der Steinmetzen Berlin«. Versam«» am Sonntag, den 17. Januar, Vorm. 10 Uhr, in l'lulpfj Salon, Sophien str. 34. Tagesordnung wird in der' sammlung bekannt gemacht. Zahlreiches Erscheinen ist' wendig. � Tischlerverein. Heute Abend 8'/, Uhr Generalottst" lung im Lokale„Sanssouci", Ko tbuserstr. 4». TageSorb»» Kassen- und Revifionsbericht. Wahl dreier Revisoreir Ausgabe der BilletS zu dem am 6. Febr. stattfindenden»' Maskenball. Kr. Mi auch in obgeleg« des An greifen jene dra mit dem dem HS hebt dar kanntlick 1536 be aud otb der Auf AS Unterha dann w terstütze, %,'S fordern, deS Kirr lcr werd verboten. D'e für Unti Spenden ten, bis eine eige Dui an di« alt belassn. zur Unt« bürdung mit den den Per' beitSfähh bestcht! erhaltene bis zum Verschaff Arbeitsle fähigen e gung in wie fich, wesenS a Armenve Die bürdeten Bestimmt loffen, da Worlhous diesem Z Jahre 171 in der Ar und die 5 soldeter' Aaaeleger heute best erst dem größeier: Reform d Weise( ,.')D lernet h si «ipzig Ii Kleine Mittyeiwttgeit. Barmen, 11. Januar. Beim Eisenbahnbau � Dahlerau ereignete fich am Sonnabend, laut MelluW „Frkf. Ztg.", ein schwerer Ungtücksfall, indem in der Hütte zahlreiche, beim Sprengen denutzte Tynamitpjj explodirten, wodurch zwei Arbeiter auf der Stelle gitöd'" mehrere so schwer verletzt wurden, daß an ihrem Aufr»* gezweifelt wird. Schneewetter und Verkehrthemmuuge«. Sonntag hat im größten Theile SchlefienS ein s Schneefall stattgefunden», während in Nieder- Schleficn bei leichtem Luftzuge der Schnee in dickten � fiel, wurde aus Oberschleften, aus der ganzen Gebirg»« Schneesturm gemeldet. Die meisten VerkehrSstraßen wart» pasfirdar, überall haben die Bahnzüge in den vom We" troffenen Gegenden Verspätungen erlitten. Die Straßenbahn mußte den 5 Minutenbetrieb einstellen, war kaum möglich, mit doppelter Bespannung den 10! betrieb innezuhalten. Aus dem Gebirge wird gemel der Schnee an vielen Orten 2—4 Fuß hoch lag. In mußten viele Arbeiter angestellt werden, um die einigermaßen pasfirbar zu erhatten. Durch diesen uner« lang anhaltenden Schneefall dürfte dem Siadtsäckel deutend: Erleichterung zu Theil geworden sein. I »nVnrwJ» Ich lörm der Klause. e« sich' 'S kein chlichie, Sch kann bekümme« Sch darf brave Fr> zu viel einem® t Ach. betrachtet Fenstern 34 cnomme Sprechsaal. Di« Rtdattion stellt di» Benutzung de» Gprechsaal«, soweit adzugeben ist, d«m Pudlilum zur Besprechung von Ängel-genheiteU Znmefle» tut verfligung: sie verwahrt fich aber gleichteitig bogeg»* »» ibenttstnr' Inhalt desselben ibenttsttirt zu werben. An die Schlosser Berlin«. Kollegen! Vor ein'., erließ Unterzeichneter einen Äuftuf, betr. SsmwlU Geldern zur Unterstützuna eines verunglückten Kollest. Betheiligung an dieser Sammlung ist eine äußer ES bethei.igtm fich bis jetzt daran zwei Vereine der Schloffer und Arbeiterverein„Hoffnung" in berg), eine Tischlerwerkstatt, zehn Schlofferwerkck einzelner Kollege, und eine Sammlung wurde„am von Ungenannten vorgenommen. Bis jetzt ist der r' l 43,45 M. bei mir abgeliefert worden. Wenn w-ur � r denkt, daß wir in Berlin etwa 990 Schlofferwerksta»� außer den Fabriken, so kann man wohl die Behau? stellen, daß da« Resultat ein geringrs ist. In# � Woch: soll die Klage anhängig gemacht werden, uno�i Suche selbst sehr günstig, so daß an ein Verlieren u l zesses nicht zu denken ist. Ich richte deshalb»ockw 9 Appell an alle Kollegen, einzutreten für diese gere« zf damit unser verunglückter Kollege zu seinem Rei Achtungsvoll C. Mrethe, Schloffer, Alexandrinenl Quergb. lV. os leer Fensters glitte«. auffallen! Ö5 Es Limmer K.'«.' war ein dreißig* feit Iah: einzige s das jetzt Sonneus Nu, auf's Fei wacht, u Wittwe und ibre der Mi. Veramwortitch« Stevalleu»«. Crantz et« ta Bert«. Druck und Vertag von«« Battng in BerUn»W, Beuthstraß« 2 Hier»» et»« Beilage zum Berliner Volksblatt. Kr. 13. K- Sonnabend, den 16. Januar 1886. III. Iahrgc Ins nzlische Kmcmesr»*) Von Max Echippel. Mit dkm Sinken der Macht der katholischen Kirche st.len «uch in England manche Aufgaben, welche früher der Kirche obgelegen hallen, dem Staate zu. Besonders auf dem Gebiete des ArmenwesenS fühlte fich letzterer sehr bald zu einem Ein- Seifen gedrängt. Schon lange vor der Retormation erließ er re drakonischen Gesetze gegen Betrler und Vagabunden, welche mit dem Auspeitschen und Ohrer abschneiden deginnen und mit dem Hängen endigen. Die vofitive Thättgkeit des Staates Jebt dann aber erst mit der Reformation an, welcher fich be- rnntlich die Säkulartsation des Kirchenvermögens anschloß. 1536 begann die Aufhebung der kleineren abbeys, priories and other religious houses und zu derselben Zeit, noch vor der Aushebung der großen Abteien und Klöster, erfolgte die Neu- regelung des ArmenwesenS durch Akt 27 Henry VIII. o. 25 Dieses Gesetz macht zunächst die einzelnen Kirchspiele für die Unterhaltung ihrer Armen verantwortlich und unterscheidet dann weiter zwischen Arbeitsunfähigen, welche zu un- terstützen find, und Arbeitsfähigen, welche zur Arbeit zu setzen find(may be dayly kept in continnal labonr). Die Geistlichen wie die OrtSbehörden sollen zu milden Gaben auf« fordern, die eingesammelten Gaben sollen alS common fnnd deS Kirchspiels verwaltet werden. Privatalmosen an die Bett- ler werden bei Strafe der Verwirkung des zehnfachen Betrages verboten. D>e Bettelplage verschwand darum nicht, die Ausgaben für Unterstützung wuchsen, sodaß an Stelle der freiwilligen Spenden allmälig zwangsweise Beiträge erhoben werden muß- ten, bis das berühmte Armengesetz der Königin Elisabeth(1601) eine eigene Armensteuer schuf. Durch daß Gest« der Königin Elisabeth wird in Anknüpfung an die alte Praxis die V:r waltung desArmenwesens denKirchspielen belafirn. In erster Lmie bleiben jedoch die nächst Verwandten zur Unterstützung verpflichtet, und für den Fall einer Ucber- bürdung eines einzelnen Kirchspiels wird eine Ausgleichung mit den benachbarten Kirchspielen erlaubt. Die zu unterstützen� den Personen werden in drei Klaffen getheilt: Kinder, Ar beitsfähtge und Arbeitsunfähige. Die Art der Unterstützung bestcht bei den Kindern nach damaliger und noch lange erhaltener Sitte vor Allem in der Unterbringung als Lehrlinge bis»um 21. oder 24. L bensjahre, bei den Arbeitsfähigen in Verschaffung von Arbeit— im Falle der Verweigerung der Arbeitsleistung soll Strafe eintreten— bei den ArbeitSun- fähigen endlich in Unterstützung mit Zulaffuna der Unterdrin- gung in Armenhäusern. ES ist äußerst lehrreich zu beobachten, wie fich aus dieser ersten umfaffenden Ordnung des Armen- wesenS alle die mvdrrnen Gestaltungen auf dem Gebiete der Armenverwaltung herausentwickelten. Die Ki.'chspiele waren ziemlich frühe der ihnen aufge» bürdeten Last nicht mehr gewachsen. Schon 1723 wird bei den Bestimmungen über die Anlegung von Arbeilshäusem zuge- laffen, daß Kirchspiele, welche zur eigenen Errichtung eines Worlhouse zu klein sind, fich mit benachbarten Kirchspielen zu diesem Z necke verbinden. Durch ein weiteres Gesetz vom Fahre 1782 wird falkultativ eine gemeinsame Armenverwaltung in der Art eingeführt, daß die Anlegung deS Armenhauses und die Verwaltung deS ArmenSwesenS, die Anstellung de» foldeter Armenbeamter«ingeschloffen, zu einer gemeinsamen Angelegenheit der verbundenen Kiichspiele gemacht wird. Die heute bestehenden Armcnverdändc verdanken aber ihr Dasein erst dem Armengesetze von 1834, welches in der Herstellung größerer Bezirke die wesentliche Unterlage für die nothwendige Reform der gesammteu Armenfürsorge erblickte. Nur auf diese Weise glaubte es die nölhigen Mittel und die *) Dr. P. F. Aschrott: Das englische Armenwesen in seiner historischen Entwickelung und in semer heutigen Gestalt. Leipzig 1886. 10 M. Mcm vis-a-vis. Ei« Lebensbild von Hermann Conradi. lRochtam« Mttottn.) Ich wohne still und einsam. Kein Hall vom Riesen- lärm der rauschenden Metropole klingt in meine abgelegene Klause. Da läßt es fich gut sinnen uad träumen, da läßt eS sich fein fabuliren und Märchen erfinde». Und doch ist'S kein Märchen, da« ich hier erzählen will— es ist eine schlichte, einfache Geschichte drüben von meiner Nachbarin. Zch kannte meine Nachbarin nicht, ich habe mich nie um sie bekümmeet. Meine Wirthin hat mir die Geschichte erzählt. Zch darf meiner Wirthin glauben. Sie ist eine ehrliche, brave Frau. Andere Leute sage» zwar, sie habe ei« bischen zu viel Phantasie und Erfindungsgeist— aber das kann «wem Geschichtenschreiber nur lieb sein. Nicht?... Acht Tage lang habe tch gleichgiltig die Veränderung betrachtet, die mit den mir gerade vis-a-vis gelegenen zwei Fenstern drüben im Seitengebäude vorgegangen ist. Zch habe es wohl bemerkt, daß die Gardinen ab» genommen und die Blumenstöcke entfernt sind. Auch über va« leere Vogelbauer da in der rechten Ecke des linken Fensters ist mein Blick wohl dann und wann einmal ge> glitten. Aber ich habe das Alles nicht merkwürdig und auffallend gefunden, um darüber besonders nachzusinnen. Es ist Jemand ausgezogen, dachte ich— was ist da weiter dabei? Es ist auch Jemand ausgezogen, der lange in dem Zrmmer gewohnt haben soll, wie meine Wirthin behauptet, und zwar ausgezogen für immer. Und dieser Jemand, der sert achr Tagen unter den KirchhofSrase» fich zurückgezogen, gtlähmteS, buckliges Mädchen von bald fünfund- dreißrg Jahre»—«in armes hilfloses Menschenkind, da« feit Jahren an der Schwindsucht langsam hinsiechte, deffe» einzige Freude der gelbfedrige Sänger in drm Bauer da, das jetzt leer in der Fensterecke steht, und ein bische» warmer Sonnenschein waren... Nur ein paar spärliche Strahle« konnte die Sonne auf's Fensterbrett streuen— es wurde ihr schwer genug ge- «acht, in die Ecke zu dringen, wo die Wohnung der armen Dulderin lag... Elise wohnte bei ihrer Mutter, einer alten, halbtauben «ilttwe eines Kammerjäger»' Die Mutter unterhielt sich v 15** gelähmte Tochter von ihrer karge« Pension und der Miethe, die ei« kleine«, gewöhnlich an Studenten erforderlichen Behörden zur Durchführung der Neu- organisation schaffen zu können. Feder Armenverband sollte ein gemeinsames Workbouse haben, die Kosten der Ernricktung und Unterha tung deffelben sollten vom Verbände getragen werden; dagegen blieb dem einzelnen Kirchspiele zunächst noch die Erhaltung seiner Armen, sowohl innerhalb wie außerhalb des Arbcrtshaoscs. Bei dieser Erweiterung der Grundlage des Armenwesens blieb es nicht: für einzelne Zwecke wird die Bildung noch größerer Verbände ermöglicht. So sucht im Jahre 1844 die Gesetzgebung Verbesserungen in der BeHand- lung der Armcukinder dadurch herbeizuführen, daß fie die Vereinigung mehrerer Armen erbände zu Arnrenschulbezirken zuläßt behufs Errichtung gemeinschaftlicher Schulgebäude zur Aufnahme von Kindern, welche der öffentlichen Armenlast an- heimfallcn. In gleicher Weise wird die Herste' �ung von Armenverbänden zur Herstellung von Asylen für Obdachl se gestattet. Zur Beschaffung crnes besseren Personals von Rcchnungsrevisoren werden Andit Dii-tricta gebildet, in denen einem D striktsauditor die gesammte Rechnungsprüfung für die in dem Distrikt vorhandenen Armenverbände übertragen wird. Die Errichtung von Jr,enhäusern tällt den Grafichaften zu und Tisraeli war bekanntlich 1850 so radikal, die Uebernahme sämmtlicher Ausgaben der Armenverbände auf den Staat zu beantragen. Hierfür hat fich VaS englische Volk bisher nicht erwarmen können, hingegen ist dem Staat ein immer größerer Einfluß auf die lokale Arm nverwaltung eingeräumt worden. Das Ersetz von 1834 betraute mit der Bildung der Armenverbände eine neu geschaffene Zentialbehöide, Poor Law Commissioners, welche zugleich die Befugniß erhielt, für diese Armenverbände die Anstellung von besoldeten Beamten anzuordnen und die Pflichten und Gehaltsoerhältnisse der letzteren zu bestimmen. Ferner sollten fie spezielle Vorschriften für die Unterbringung und Verpflegung der Armen erlassen, Aufficht über die Lokal' Verwaltungen üben und Beschwerden gegen letztere entscheiden. AuS den Poor Law Commissioner» entstand daS Poor Law Board, welches 1871 mit der Zentralbehörde für die Gesundheits, Wege- und Baupolizei zu dem Lokal Govern- mcnt Board verschmolzen wurde, in dem die Armenbehörde nur ein einzelnes Departement einnimmt. Das Lokal Govern- ment Board hat heute vollständig freie Hand in der Abgren- zung, Bildung und Auflösung der Armenbezirle, es darf ferner die Anstellung besoldeter Beamter anbefehlen, soweit dies zur gehörigen Ausführung der gesetzlichen Vorschriften für ersorder- lich erachtet wird. ES hat ferner durch die ihm zustehende Be- fugniß, den Gehalt des Anzustellenden festzusetzen bez. zu ge- nehmigrn und den von der Lokaloertretung Gewählten zu ver- werfen, einen maßgebenden Einfluß auf die Besetzung aller wichtigeren Stellen in der Armenverwaltung; es übt durch In- svettoren und Revisoren eine sehr eingehende administrative und finanzielle Aufficht; es entscheidet Beschwerden und ist be rathende und informirende Instanz für alle Fragen des Armen- wesens. So ist der Einfluß tes Staates beständig gewachsen. Man sollte erwarten, daß seit den Zeiten der Königin Elisabeth das Almenrecht immer mehr in Einklang mit der Freizügigkeit gebracht worden sei. Anfangs war aber das Gcgenthcil der Fall. Nach dem Gesetz der Königin Elisabeth genügte der einsacke Aufenthalt, um Anspruch auf die Unter. stützung eine« Kirchspiels zu haben; jedermann konnte fich also ungehindert im Lande bewegen, er brauchte nirgends ein voll- stänviges Zugrundegehen oder ein unfreiwilliges Abschieben in seine„HeimathS"gemeinde zu befürchten. Durch das Gesetz Karls Ii. wurde aber das Kirchspiel nur zur Unterstützung der- jenigen Armen verpflichtet, welche in ihm HumatHs berechtigt waren, während nickt ortsangehörige Personen im Falle der Bedürftigkeit nach dem Orte ihrer Heimath zurückzusenden waren. Die Pflicht der Unterstützung wurde somit zu einem Ausfluffe des Heimathsrechtes gemacht und die Neuer- Werbung eines HeimathsrechteS nach dem durch Ge- burt und Lehrltngsschaft begründeten ursprünglichen immer schwieriger gemacht. Weiter wurde eine abgegebenes Zimmer einbrachte. Viel war'S nicht, wa« die Beiden zu verzehren hatten, und erst wen« sich ein- mal kein Miether gefunden uad das Gemach ei« Viertel-, ein Halbjahr lang unbewohnt blieb, kamen gar schwere, dunkle Stunden, wo e» im Schranke kein Brot, im Ofen kein Feuer gab. Von dem letzte« Miether, der ein Semester hindurch dort drüben gehaust, einem Studenten der Medizin, rührte das Bauer sammt seinem Bewohner her. E« soll ein Geburtstagsgeschenk für Elise gewesen sein. Und ei« Geschenk, wie dem Studenten gar kein beffere» hätte einfallen könne«. Er hat sich das Geld wohl wochenlang zusammensparen müssen, um dtm armen kranken Mädchen eine letzte irdische Freude zu machen. ES wäre ja bald aus mit ihr, mußte er sich als Sach- verständiger sagen. Und Elise? Sie hatte keine Worte de« Dankes, nur ein paar schwere Thränen glitten ihr die schmalen, durchsichtig weißen Waagen herab, als er am GeburtStagSmorgen in ihr Zimmer trat und ein wenig verlegen, ohne viele Worte zu machen, das Bauer mit dem scheu hin und her flatternden Vogel vor ibr aus den Tisch setzte. Seitdem hatte sich ein eigenthümlicheS Verhältniß zwischen dem stille«, bescheidenen, fleißige« Studenten und u.b i« m vor— ein Gedicht, eine Novelle, em paar lustige Avek. doten, die Arme anzuregen, aufzuheitern, sanft eine Weile über ihr Elend hinweg zu täuschen Dan« ruhte ihr Auge mit seltsam starrem Blrck auf seinen jugendlich frischen Zügen— und dann hörte wohl Elise in der Regel wenig von dem, wa« der Student vor- to,__ sie sann dann wohl nach über jene« räthselhafte Dina. was die Einen.Liebe', die Avdcr-n„Glück' nenne». Sie kannte weder die Liebe, noch das Glück— ob sie e« wohl noch einmal kennen lernen werde?... Sie wußte darauf keine Antwort. Wen« es aber doch Jemanden auf der weite« Welt geben sollte, der ihr Beide« bringe« könnte, so-- Elise erschrak. Der Student hatte plötzlich zu lesen aufgehört, er streifte sie mit einem namenlos traurigen Blicke— sie wandte sich ab und hielt krampfhaft die Thränen zurück. Sie sprachen Beide kein Wort, es war todtenstill in der Stube— nur Abschiebung nicht nur in den Fällen wirklicher Hilflofigleit zu- gelaffen, sondern schon dann, wenn eine Wahischeinlichtett de- stand, daß die detreffende Person der Armenlast anheimfallen könnte. Erst allmälig traten hier Milverunqen ein. 1795 ward festgesetzt, daß fortab eine Ausweisung Nickt OrtS- angehöriger erst bei einem wirklichen Eintreten der tzilfebe« dürftigkcit zuläjfig sein sollte. 1846 ordnete Peel'« Akt an, daß niemand mehr aus einem Kirckspiel veririebtN werd.n dürfe, in welchem er fünf Jahre lang g-wohnt hat; daß ferner Per- sonen, welche durch Krankheit oder Unglücksfall unterstützungS- bedürftig werden, nur dann entfernt w>rven dürfen, wenn die Krankheit oder der Unglücksfall wahrscheinlich eine dauernde Verdicnstunfähigkeit zur Folge haben wird. Dadurch, daß die dem Peel's- Akt nachfolgende Gesetzgebung die Fälle der Irremovability immer werler ausdehnte, ward die Unterstützung am Heimathsorte thatsächlich zur Ausnahme, die Unterstützung am Aufenthalts- orte zur Regel, und wenn diese thatsächliche Lag« auch noch nicht ihre gesetzliche Sanktion erhalten hat, so dürfte dieselbe doch nur eine Frage der Zeit sein. Was nun die Behandlung der Armen anbetrifft so hat dieselbe bis zum Jahre 1834 mannig'ach-n Schwankungen unterlegen, seitdem ist fie aber strenger uav rückfichrsloser ge- worden— besonders durch immer kons.quentere Durchführung des Workhouse Prinzips. Mit dem Systeme der Unterstützung im Ardeitshause waren bereiiS gegen Ende des 17., sowie im Laufe des 18. Jahrhunderts in einzelnen Bezirken Englands Versuche gemacht worden, aber noch 1334 schreckte man vor seiner stritten Annahme als vor einer zu schroffen Aerderung gegenüber dem bisher in dem Armenwesen allein ausschlag- gebenden Gesichtspunkte der Mildthätigkeit zurück. Man de- schränkte fich darauf, für jeden Bezirk die Beschaffung eines Work- house anzuordnen und übertrug es alrann der Zevtialdetörde, allmälig in den einzelnen Bezirken die Bestimmung einzufühlen, daß die Unterstützung überhaupt oder an einzelne Klaffen von Armen nur noch im Workhouse erfolgen solle. Erst 1844 gelangte man soweit und so ist denn in der letzten Zert die Unleistützung außerhalb deS Morkhauses immer mehr zurück- gegangen, die Adschreckungstheorie immer mehr zur Herrschaft grkommen. Denn abschreckend und entwürdigend ist in der That ein englisches Armenhaus, mag man zu seinem Gunflen noch so viel vorbringen. Man bedenke, daß für alle In äffen eine wahre Gefänpnißordnung besteht: Bei ihrem Eimrrtt müssen fie ihre alte Kleidung ablegen, um sürde-hin den Armenanzug zu tragen; zu einer festgesetzten Stunde muß auf- gestanden und zu Bert gegangen werden; für die Mahlzeiten bestehen festgesetzte Stunden und ebenso ist die Arbeitszeit genau geordnet: jeden Morgen erfolgt nach dem Läuten der Morgenglocke der Aufruf der Jnsaffen in den einzelnen Abtheilungen; geistige Getränke find streng verboten; der Empfang von Besuchen ist auf einen Tag in der Woche beschränkt, bei den Besuchen soll immer ein Anstaltsdeamter zugegen sein; außer der Em- bringung von Lebensmitteln ist auch diejenige von Bückein und Schriften,„welche Insubordination hervorrufen könnten", verboten, alle Bücher haben daher vor ihrer Zulassung die Zensur deS Master zu passtren- W-razupfen bildete bis vor Kurzem beinahe die einzige Beschäftigung im Arbeitshause» dazu find neuerdings bisweilen noch Sleintlopfcn, Holzspalten, Bürstenbtnden und MaUenflechlen gekommen. Geradezu barbarisch ist die Bestimmung, daß, wenn irgend ein Glied der Familie öffentliche Unterstützung erhält, die gesammte Familie, mindestens Vater und Mutier, tn'S Armenhaus ge. bracht werden sollen, Eheleute find doit aber vollnänbtg ge. trennt und in verschiedenen Abthetlungen untergebracht- Es ist wahrlich kein Wunder, wenn immer mehr Ardeiter lieber hungern und verkommen, als daß fie fich einer der. artigen Armenpflege überliefern, und es ist deshalb auch auf den Rückgang der offiziellen, aus den Armenlistm erfichtlichen Armuth in England gar kein W.rth zu legen. manchmal stöhnte und röchelte die Mutter, die nebenan im Lehnstuhl wieder ein paar Stunde» ihres sonnenlose« Leben« verschlief. Dann kam der Semesterschluß und der Student zog fort. Erst nach H�rse— im nächste» Semester sollte er«ach Kiel gehen, also nicht wieder nach Berlin zurück. Er wußte, daß er Elisen nicht wiedersehen würde. Sie war alt, verwelkt, hilflos, häßlich— und doch wurde ihm der Abschied schwer genug. Woher das kam, er konnte eS sich nicht erklären. Das Mitleid wird's gewesen sein, waS ihm das Schei» den so vergällt hat.--- Ein sonniger Märztag, der sich recht frühlingShaft be- «ommen, verdämmerte. Den ganzen Morgen und den ganze» Nachmittag über hatte der gelbwämmsige Gesell im Bauer seine Weisen ge- zwitschert— um die Mittagsstunde war auch die Sonne endlich»ach wochenlargem Ausbleiben wiedergekommen und hatte einen breiten güldene« Lichtgürtel über das Fensterbrett und den angrenzenden Tisch gelegt. Elise wußte, daß sie heute den Vogel zum letzten Male singen hörte, daß sie heute die Lichifluth der Sonne zum letzte« Male sah. Seltsame Gedanken kamen ihr an diesem Tage. Als es dämmerte, ließ sie sich von der Mutter von ihrem gewohnten Platz am Ofen an's Fenster trage». Da saß sie wohl eine halbe Stunde und dachte«och allerlei. Dann öffnete sie da» Bauer und das Fenster— und mit einem hell aufjauchzende» Ton begrüßte der Vogel feine Freiheit.... In der Nacht darauf flog auch ihre Seele aus der Gefangenschaft des Leibes in das Laad der ewigen Freiheit. Acht Tage lang habe ich theilnahmslos die Fenster drüben betrachtet, habe gleichgiltig, mechanisch die Ver- änderung, die sie erlitten, hingenommen. Nun ist es mir oft, wenn ich in der Dämmerung sitze und hinstarre, als tauchte da hinter den Scheibe», die keine Blume mehr schmückt, ein weiße«, blasses Mädchen« Haupt auf, da« mit seltsam leuchtende» Auge» in die Ferne blickt.... Und ich muß de« Studenten gedenke«, den ich nie ge- sehe» und der wohl schon lange die bleiche Duldneri«»er- gesse«, die ihn einmal geliebt hat.... ES ist auch der Febler deS Aschrott'schrn BucheS, dem wir in der voist'henden Skizze der Er twicklung d«S englischen Armenwesenö gefolgt find, dasj es von den rein äußerlichen Erfolgen deS englischen Abschreckungelystems zu sehr eingenom- men ist. Eowert A s ch r o t t die Geschichte und daS Wirken der heutigen Armenvenvaltung schildert, ist ihm seine Auf» oade vorzüalich geglückt, man erhält durch seine Schrift in der That ein überaus anschauliches Bild aller in Betracht kommen- den Verhältniffe— was z. B. dem fleißigen Hasbach'ichen Werk über die englische Arbeiter verficherung in keiner Weise gelungen war. Es mangelt aber A s ch r o t t vollständig an der Erkenntniß des nolbwendiaen Zusammenhangs der Aus- breitung der Armuth mit unserer kapilalrstischen Produktion; er steht individuelle Schuld, wo es stch um eine soziale han- delt, er will das Individuum abschrecken und beffern, wo er eine Aenderung unserer ganzen WirtvschastSverfaffuug verlangen sollte.„Wer die öffcntlrch« Unterstützung in Anspruch nimmt, hat kein Recht, fich zu beklagen, wenn ihm dieselbe in einer Gestalt gereicht wird, welche bei ihm persönlich eine Härte sein mag, welche aber im Interesse der Allgemeinheit für angemessen zu erachten ist"— schreibt Aschrott®. 301, wo er das Zer reißen alles Farrilunlebens im Arbeitshause schildert; er kann nicht oft genug betonen, daß die„zur Unterstützung von Arteits- fähigen" zu treffenden Maßregcln„des Charakters einerStrafe nicht ganz entbehren" dürfen; in Arbeitshäusern und Armen- kolonien erblickt er gar„die mögliche Lösung deS Problems eine? Rechts auf Arbeit"(S. 390, auch bei Aschrott gesperrt gedruckt!). Bon einem solchen Standpunkt auS müssen natürlich manche Maßregeln und Voischläge als unbedenklich und konsequent erscheinen, die von einem anderen Standpunkt geradezu alS brutal und kulturfeindlich bezeichnet «erden müssen._ Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 25. Sitzung vom 15. Januar, 1 Uhr. Die Tische des Bundesrathes find unbesetzt, die Tribünen Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der I n t e r p e l l a t i o n des Abg. v. I a z d z e w s k i, betr. die Ausweisung Nichtdeutscher aus den östlichen Provinzen des preußischen Staates in Verbindung mit den darauf bezüglichen Anträgen der Sozialdemokraten, der polnischen Fraktion, der freifinniaen Partei und des Zentrums. Tie Interpellation hat»olgenden Wortlaut: „In d n letzten Monaten wurden viele Tausende von fremden Unterthanen, namentlich aus den östlichen Provinzen des preußischen Staates, ausgewiesen oder sür die nächste Zu- tunst damit bedroht. Wir richten an die Reichsregierung die Anfrage, ob diese Thatsache und ihre Begründung zu'hrer Kenntniß gelangt ist, und ob dieselbe bereits Schritte gethan hat oder noch zu t un beabsichtigt, um der weiteren Durchführung der verhängten Maßregel entgegen zu wirken." Dazu liegen folgende Antrage vor: 1. des Abgeordneten Liebknecht. Der Reichstag wolle beschließen� grroagun0, daß die Massenausweisungen von russischen und österreichischen Staatsangehörigen polnsi scher und rusfischer Nation geeignet find, völkerrechtliche Verwickelungen mit dem Auslande herbeizuführen; in Erwägung, daß die völkerrechtliche Vertretung Deutschlands laut Artikel 11 der Reichsverl assung Reichs- angelcgenheit ist; �, in lerr erer E wagung, daß die Fremdenpolizei, in deren Bereich jene Ausweisungen fallen, nach Artikel 4 der Rercksverfassung der„Beauffichtigung des Reichs und der Gesetzgebung desselben" mithin der Kompetenz deS ReichsiagZ unteriiegt; w E W1_ in Erwägung endlich, daß die Interessen der Deutschen im Auslände, welche noch Artikel 3 der Reichs Verfassung Anspruch auf den Schutz d-S Reichs haben, dmch die fragliche Maßregel der preußischen Regierung aufs Schwelste geschädigt werden und weiter bedroht find, indem dem Auslande, namentlich den Regierungen Rußlands und Oesterreichs, ein Grund zu Repressalun gelietert und der Bediängung des Deutschthums in jenen Ländern ein Schein von Berechtigung gegeben den Hmn'Reichskanzler aufzufordern, bie nöthigen Schritte Mi thun, damit jene die Interessen des deutschen Volks schwer schävigende Maßregel alsbald rückgängig gemacht werde. 2. dcs Abg. v. Jazdzewski. Der Reichstag wolle be- schließen� Derbünt)eten A��rungen zu ersuchen, in Ausfüh- rung des Artikel 4 Nr. 1 der Reichsverfassung, einen dahingehenden Gesetzentwurf baldigst vorzulegen, in welchem �mdn, Unterthanen, in wiefern dieselben die öffentliche O.dnung und Sicherheit nicht gefährden, der freie und ungehinderte Aufenthalt innerhalb des Reich»- gedieis gewährleistet und in welchem 2. den Stipulationen der Wiener Vertrage, welche den Bewohnern der ehemals polnischen Landestheile innerbalb des preußischen Staatsgebietes Freiheit deS Verkehrs und drs Aufenthalt» garantiren, gebührend Rechnung g> tragen werde. 3. Folgende vom Abg. Ausfeld beantragte Resolution: Der Reichstag wolle beschließen, zu erklären: daß die von der preußischen Regierung ve fügten Aus- Weisungen rusfischer und österreichischer Staatsangehöriger nach ihrem Umfang und nach ihrer Art du ch das nationale Interesse nicht gerechtfertigt find, humane Rück- sichten außer Acht lassen und materielle Interessen von Reichsangrhöiigen beeinträchtigen. 4. Der Antrag des Abg. W t n d t h o r st. Der Reichstag wolle beschließen, die Ueberzeugung auszusprechen: daß dir von der königlich preußischen Regierung ver- fügten Ausweisungen rusfischer und österreichischer Unter thanen nach ihrem Umfangt und nach ihrer Art nicht gerechtfertigt erscheinen und mit dem Interesse der Rrichsangehörigen nicht vereinbar find. Vor dem Eintritr in die Diskussion«klärt Abg. Wind- b o r st daß er in seinen Antrag die ursprünglich darin fehlen- den Worte„nack ib'-m Umfange und noch ihrer Art" nach- träglich eingeschaltet, Zwodurch sein Antrag mit dem der freisinnigen Wer der fianzöfiscken Kolonie 1785 wurde eine Medaille ge- vräat welche den Großen Kurfürsten darstellt, neben ihm die Hauses und die höchsten Wiü dentrager des Staates bethnlrgten, wurde ein. solche Darstellung nicht m hr gewagt, denn um dieselbe Z.it wurden Taulenve aus den östlichen Provinzen Preußens ausgewiesen, denen keine andere personliche Verschul- dung zur Last gelegt werden konnte, als daß fie die katholuche Religion de kennen und zur polnischen Nationalrtat gehören. Sämmtliche russische und österreichische Unterthanen polnischer Nationalität, zirka 40 000- genau kann ich dieZrff.r nrcht angeben- wurden ohne Rückficht auf die Dauer ihres Aufent- Halls im preußischen Lande, aus Geicklecht und Alter, auf rhre Vermögens- und sonstigen Verhältnisse, auf ihre Haltung und Friedfcriigkeit in Fristen von ein paar Tagen oder Wochen wegaewiesen. In dringenden Fällen e, hielten Einzelne einen Ausschub, aber eine Erlaubniß zu ständigem Aufenthalt erhielt kein polnischer Unterihan auS Oesterreich oder Rußland. Aus- gewi sin wurden auch mehrere jüdische Familien, besonders aus Galizien, und verschwindend wenig Deutsche, Protestanten und Echt mat t,r, weil eine Vertiuung des preußischen Minist« s des Innern vom 26. Juli 1885 die Provinzialbehörden anwns, Angehörige von Rußland und Oesterreich, wenn fie deutsch, prorestantisch oder schiimatisch find, von dieser Maß- regel zu verschonen. Die Prüfung dieser einschneidenden Maß regel gehört vollkommen zur Kompetenz des Reich», und ich bin verwundert, daß die verbündeten R'gierungen hier durch ihre Abwesenheit glänzen und aus alle Anirrgen keine Antwort geben werden. Das darf aber nicht abhalten, eine solche Maß- regel vor der zivilrfirten Welt in der einzig zuständigen Weise im Parlament zu«örtern. Die Sache ist keine partikular- preußische, sondern hat eine eminent völkerrechtliche Bedeutung und Tragweite, muß daher in einem großen, so innig ver« schlungenen Staatiwrsen, wie daS deutsche, von diesem selbst als Ganzes geprüft werden, w il es seine Verhältnisse zum Auslande als Ganzes regelt- als GanzeS seine Hand.lsverträge abschließt, die durch eine solche Maßregel sehr empfindlich ge- schädigt werden. Da außndem nach Art. 11 der Verfassung der Kaiser das Reich völkerrechtlich vertritt, so bat der Reichs- r-inzler alS der verantwortliche Minister d's Reiches vor der V-rr e'ung kes VolkeSR-chenichaft über diese völke rechtliche Maß- regelab ulecen, zumal ihre Anwendung auf sremce Untertharen ein P Szedens für andere Staaten bildet, die nach diesem Beispiel u,d Muster auch die deutschen Staats anoehörigm aus i! ren Gebieten ausweisen können. Die Maßregel traf Ausländer, die fich seit Jahrzehnten in Preußen ni-dergelassen, Grundeigenthum erworben haben oder Ge- schäfte beireiben, denen man, wenn auch contra lege«, die Ausübung politischer R chte einräumte. und Pflichten wie preußischen UnteNhanen aufbürdete, die zum Therl ihrer Mili- tärpfl cht genügt h.ben. Es handelt stch auch nicht um be- st-a'te oder irg-ndwie gefährliche Subjekte, sondern um unbe- schollen. Leute. Nach dem modernen Völkerrecht steht dem Staate das R-cht zu, Ausländer, die seine Grenzen über- schreiten oder üüeisct ri ten haben, um fich in demselben nieder- zulassen, aus Rücksichten auf das allgemeine Wohl zurückzu- weisen, eS sei denn, daß die Aufnahme in Folge speziellen Vertrages durch positive Satzungen geregelt ist. Jenes Recht der Ausweisung soll jedoch nur ausnahmsweise im Interesse des Rechtsschutzes und der Selbsthilfe dem Ausland gegenüber oder zum Schutz der Interessen deS Staates selbst in Bezug auf sein eigenes Terriior um zur Anwendung kommen dürfen, so lehren alle Lebrer des Völkerrechts; fie lehren auch, daß von einer solchen Mahregel nur mit größter Umficht und Weis- heit Gebrauch gemacht werden und taß fie nur bestimmte ge« föh-liche Individuen treff-n darf. Die Zuläsfigteit von Massen- auswersungen aber wird in tbesi einmüthig reprobirt, weil fie den Gewohnheiten d s friedlichen Verkehrs unter den Staaten und der Achtung, die fie fich von Rechtswegen schulden, wider- sprechen. Minister v. Puttlamer meinte freilich, daß mit einem solchen Satz die völkrnecht.ich« Unabhängigkeit jedes Staates negin werde und wollt« den StaatSrechtslehrer sehen, der ihn in dieser Schärfe ve theidigen würde. Ab r Alle halten ihn ausrecht. Deutsche, Franzosen und Engländer. Eine Aus- nähme soll der Kriegszustand oder die Erwartung deS Krieges mit einem bestimmten Staat bilden, aber selbst in diesen Fällen stellt fich eine solcke Maßregel nach der moderen Praxis des Völkerrechts als so unbillig dar, daß fie, wenn unklugerweise angewendet, allgemein verurtheilt wird. So nahm Europa 1868 Stellung dagegen, als die Pforte bei drr kretenfischen Verwickelung fie gegen griechische Unterthanen androhte; so war es 1870 in Frankreich, so 1879, alS Peru gegen Chili ebenso handeln wollte. In FriedenSzeiten kann die Auswei- sung eineS Ausländers nicht aus Willkür beruhen, sondern fie muß ausreichend gerechtfertigt sein. Man unterscheidet AuS« Weitungen auf Grund eines gerichtlichen Straferkenntnisses und solche auf Grund einer VerwaltungSmaßregel. Meine Interpellation und die dazu gestellte« Anträge beschästigen fich uur mit den letzteren. Wann und warum ein Ausländer ohne ein vorangegangems gerichtliches Erkenntniß aus dem Reiche oder einem Parlikularstaate ausgewiesen werden darf, darüber bestehen zwar keine gesetzlichen Bestimmungerr, aber eS hat fich hier eine Art von Gewohnheitsrecht herausgebildet, das mit den allgemeinen völkerrechtlichen Grundsätzen überein- stimmt. Danaed rst die Ausweisung gerechtfertigt wegen Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit, wegen Besorgmß einer drohenden Rechtsstörung, wegen Schäd'gung wohlbegründeter Ltaateintneffen und wegen eines von dem AuS« länder begangenen Unrecht» im Wege einer Re- pressalie. Dazu fird alle Lebrer deS VölkersrechtS in der Empfehlung eine» dieser Mittel um so vorfichtiger, alS daS moderne Völkerrecht immer mehr der Theorie sich zu» wendet, daß ein domizilirter Aui länder zu den wirklichen Staatsangehörigen gehört und als solcher zu behandeln ist. Nach den staatsrechtlichen Normen in Deutschland steht keinem Partikularstaat, auch Preußen nicht, das Recht zu, Ausländer auS dem Deutschen Reich auszuweisen. Dagegen hält fich Preußen nach seinem Staatsrecht für defugt. Ausländer, welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden, auszuweisen. In Wirklichkeit ist nun aber die Ausweisung auS Preußen zugleich eine Ausweisung auS dem ganzen Deutschen Reich; denn die aus Preußen Ausgewiesenen find auch überall im Deutschen Reich zurückgewiesen worden. Daß im Laufe dieses JahrbundertS mehrere Tau'end polnische Leute auS Oesterreich und Rußland in den östlichen Provinzen PreußenS fich zu- sammengefunden haben, ist etwa» ganz Natürliches. Seit 1815 haben fich Rußland und Preußen durch Verträge»«pflichtet, eine freie Zirkulation der polnischen Bevölkerung von hüben nnd drüben zuzulassen, und weil die wirthschaftlrchen, sozialen und politischen Verhältnisse in Rußland für die Polen sehr unangenehm find, so haben viele von ihnen in Preußen ihre Wohr.stälte genommen. Die Stipulationen deS Wien« Vertrages find in dieser Beziehung heute noch ebenso verbindlich wie 1815. Danach steht es den Polen frei, ihr bestehendes Unterthanenverhältniß zu lösen und ohne Be« schränkung in den Bereich einer anderen der den Vertrag schließenden Mächte zu ziehen. Friedrich Wilhelm III. hat auf sein königliches Wo« versprochen, für fich und seine Nach- folg« den Wien« Traktat zu halten, und ich glaube deshalb, daß die preußische EtaatSregieruna nicht befugt war, ihn kurzer Hand aufzuheben, ohne nachgewiesen zu haben, daß er die Existenz deS Staates gefährdet. Deshalb war ein Zurück- weisen stemder, aus russtschen Provinzen stammend« Unter- thanen polnisch« Nationalität nicht zuläsfig, bis die Sicherheit und Ordnung deS Staates gesäbrdet war. Diese die Polen speziell betreffenden Vertragsbestimmungen fanden bis in die letzte Zeit binein in den staatkrechtlichen Auffassungen PreußenS noch«ine Erweit«ung, insofern bis zum Jahre 1843 AuSlän- der durch Konstituirung eineS Domizils in Preußen die Eigen- schast eines preußischen Unterthanen erwarben. Das Gesetz vom 31, Dezember 1842 über Erwerbung und Verlust d« Eig« schalt eine» preußischen Unterthanen hat festere Normen aufgestellt, aber die Domizilvnhältnisse der Ausländer nicht berührt. Das Reskript vom 5. Mai 1857 hat es ferner für unbedenklich erklärt, daß Ausländer in preußischen Gemeinden einen Wohnsttz begründen. Durch das Gesetz vom 12. Oktober 1867 üb« das Paßwesen wurde bestimmt, daß von Ausländern beim Eintritt und Aufenthalt im norddeutschen Bundesgebiete keine Reisepapiere gefordert werden dürfen, auch wurden die Aufentballskarten abgeschafft. Dos ReichSgesetz vom 1. Juni 1870 über die Erwerbung der Staat? angehörigkeit hat daS preußiscke Gesetz vom 31. Dezember 1842 aufgehoben, und der Art. iv der Reichsverfassung, dn fich mit der Paß- und Fremdenpolizei beschäftigt, hat in gewisser Hinficht alle Fremden unt« seine Obhut genommen. Seitdem hat auch die preu- ßische Regierung den Ausländ«» dtn Aufenthalt nicht## nicht erschwert, sondern wesentlich«leichtert, wie aus dem 5» skript vom 8. Juni 1872 hervorgeht, wo die Ausweisung«W Person, w'lche polizellich angemeldet war und üb« 2 Jast an einem Orte gewohnt und dort ihren Unterhast errvorm hatte, für r-nzula-fig erklärt wurde. Ebenso wurde durch* skript vom 8. Februar 1870 die Annahme, daß der Gerne* «in unbedingtes Widerspruchsrecht gegen den Aufenthalt e* AuSländerS anstehe, als unrichtig zurückgewiesen. Endlich? stattet das Gesetz vom 8. Mai 1870 jedem Ausländer, Ei«a tbum zu erwerben, was nur Sinn hat, wenn d,m Eigen» El werdenden auch gestattet wird, indem B'fitz zu wohnen» ihn zu benutzen. Diese volksrcchtiichcn Stipulationen im adw» strativen Erlasse haben fich aber, um mich eines drastisch cntoj diuckes zu bedienen, für die Ausländer nur gewiffermaßea» eine von Staatswegen gelegte Falle erwiesen. Man ist H lich über Nacht zu anderen Entschließungen gekommen und k Leuten, die es nicht ahnten, mit kurzen Fristen den Befehlt theitt, die preußischen Lande zu verlassen, und so ihre Ex» ruinirt. Zur Rechtfertigung solcher exorbitanten Maßregel wird! politische Sicherheit deS preußischen Staates, sowie die 3k ficht auf die Pflege des deutschen Wesens und deutscher K» angeführt- in der gestrigen Thronrede heißt es:€i deutscher Vollsstämme gegen die Polonifirung. Diese le? Behauptung, daß das deutsche Element in den Ostprornff zurückgedrängt wird, ist unrichtig, wie fich statist sch für' Jahre von 1880 bis 1885 nachweisen läßt, ebenso steht«S der Gefährdung Preußens in sein« politischen Sil Von der Gefährdung des SiaateS durch eine kriegerische Wickelung scheint auch Herr v. Puttlamer nicht spreche wollen; beides ist aber unbewiefen geblieben. Der Mi bat selbst zugeben, daß unter den Ausgewiesenen fich Viele befinden, die nur dedacht waren, auf ehrliche Weift Brod zu verdienen, die auS Furcht vor der früh« sehr schreckenden Militäraushebung die rusfische Grenze iibersäw» hatten. Solche friedfertige, ruhige, arbeitsame Leute fif* doch die Sicherheit deS preußischen Staates nicht gefähr» trotzdem befürchtet He« v. Puttkam« von den mittlnen* höheren Schichten der polnischen Eingewanderten national sche Propaganda. Ebenso bcweislos wie diese BehaoB bleibt die andere des Herrn v. Puttlamer, daß die große' differente Masse durch ihre bloße Existenz in diesen Laif? theilen eine thatsächllche Bedrohung der Sicherheit Prerft bildet, weil fie für die Anfachung des polnischen FanatiSil ebenso wie die einheimische Bevötkerung, verwendet würden. D» angebliche Fanatismus der polnischen Bevölkerung äußert' eben nur am Festhalten an den durch Naturrecht«roorW oder durch Staatsverträge garantirten Rechten. Wie sehr W Rechte geschädigt find, zeigen die Verheerungen des Km? kämpfet, der verwerflichen Schulpolitik seit 1872 ManJ das Recht des Menschen auf seine Nationolilät und Kirche in uns unterdrückt, vernichtet. Statt Tausende um bloßen Verdachts der Geltendmachung solcher unveräußer' Rechte willen auszuweisen, zu Bettlern zu machen, hätte doch ein Gesetz gegen die gefährlichen Bestrebungen d« nach dem Muster deS Expatriirungsgesctzes einbringen Die Aufrechterhaltung dieser Rechte gefährdet weder die heit PreußenS, noch die deutsche Kultur; gefährdet kann letztere nur durch diese AuSweisungsmaßregel, 0* einen langandauernden Haß gegen daS Deutschthum in Bevöllerung hineinbringen wird. Die Vnantwortung f® lang w F kärglichen �chern� sal lese Leu! mit ihren kinnt. Ja. stundenlan Diese an Nur auf möchte ich durch ein« zeichnet ha nahe warei wordrn un Frauen im Vorgängen zivrirfirten Deutschen' auch das P kennzeichne abgegeben, diese Ding reichen. V Maßregeln Slaatswese Christenihu sation. HI «inen Rein dem Ein,, Etaatswes, denken, da Weisheit Mittel, un schlecht pas Amerika so Spitze sich nrte Mitte spruchs spi preußischen Zentrum.) Nach i dent, daß Redner ger Abg f zu konstatii ledigung g Sicherheit des Staates trifft also einzig die preußisch«, gierung. Wenn nun die gestrige preußische Thronrede lagen ankündigt, die dem Zurückdrängen des de Elements durch das polnische vorbeugen sollen, so st fich jedenfalls auch auf die Angaben des Herrn v. Pü daß von 1870 bis 1880 die deutsche Bevölkerung in Ostprovinzen nicht ebenso stark wie sonst in W K.°b-. Redner weist unter Anführui statistischen Zahlen nach, daß der Zuwachs der vö Bevölkerung in den fraglichen Regierungsbezirken-z von außen gekommen sei, sondern Verhältnissen, welche iJJ halb des Staates liegen, seinen Ursprung vndanke. Bef! wer kann die Behauptung d« Regierung, daß gegenüber� überwiegenden Zahl der Deutschen mit ihren Beamten» Kapitalkraft, olles geschützt durch so und so viel Arm» durch einige Tausend eingewanderte Polen eine gänzlich« g< staltung des ganzen Kultur- und Nationalzust- deutschen Bevölkerung nothwendig eintreten müsse!„ polnische Element wäre das ja ern Beweis großer Krast Viialttät, für daS deutsche keine besondere Schmeichelei,' richtig ist gerade daS Gegenthei! dieser Behauptung. LÄ angedeutete Gefahr wirklich vor, dann würde doch die treibung dieser wenigen, größtentheilS ungebildeten nickt genügen. daS angeblich mit elementarer Gewalt vi gende Polenthum zurückzuhalten. Das Gegentheil ist Mit fiednhaftem VernichtungSeif er arbeitet Preußen Unterbindung der Lebensadern der polnischen Nation! 1 dabei schützt man Furcht vor, ein Kunstgriff, den ffW Alten kannten: üv gedarrt wetvm, qno rnagis concnpwce|j ES ist auch nicht richtig, daß deutsche Insassen durch wanderte polnische Ardeiter verdrängt weiden; die d Einwohner haben fich auch nie üb« dergleichen bei) und die deutschen Grundbesitzer haben selbst um nähme der AuSweisunasmaßregeln gebeten. Die au» land eingewanderten Polen find lediglich an Stell«, jenigen Polen getteten, welche in den letzten Jahren% östlichen Provinzen nach den westlichen und nach% gewandert find, nicht aber an Stelle von Deutschen. I von einer Polonifirnng der Schule in jenen Gegenden' nicht die Rede sein; eine polnische Schule giebt es im t' preußischen Staate nicht. Im Jahre 1822 waren ftrnctJ Hossmanns Statistik 625 327 Katholiken und 272 362* stauten. 1837 gab es 742912 Katholiken. 352 564 Protest? Also es wuchs d e katholische Bevölkerung in viel gerii Verhältniß, als die protestantische. 1875 gab es 1 009 848 Katholiken und 573 995 Protestanten. hat fich also die protestantische Bevölkerung fast die katholische nur um ein Drittel vermehrt, und den Katholiken find zahlreiche von Westen einge» Deutsche. Es wandert ferner(wie Redner mit stab Daten ausführlich nachzuweisen sucht) die deutsche Be�'' aus den östlichen Provinzen nach dem russtschen Polen y größer« Zahl aus, als Polen von dort in Preußen � wandern. Die nationalen Gesichtspunkte also, die 6«? kommen, zr sagen kann Abg. meine" Hai Apparat e ersten best« nun doch g braucht wr damalige€ dekannten der preußis Deutsche gestellt.! dem entge kanzler bei den Parti schrieben w gedankt zu Herren zu, um die F unserer Ku deweisen, d deutschen E dig ist. Das' Reich das allgem- ES ist stär uns ist die ordnet« B für alle mi Ausweisun höhereren des Osten! deutsche EI wohnlichen lich« Vora kionalität s deren Natt Entwickelui Man wirft landsliebe wohnlich w Masse deS ist vor eil «rief des 1 auS dem§ hauplmann deuten vot] merkte:„t brauchen." haben gern, Ausland h chiedensten >ei find. laben, wen aßreael I -vlavregel lichen Verr nicht eins« worden. Kaiser be tritt den S Heitttkeit.) noch fortdc Rußland Blätter üb man von« Wir haben )ur Auswa olge di-s wandern. Die nationalen Gesichtspunkte also, die Puttkam« betont hat, rechtfertigen die Auswei, ungswM absolut nrcht. Es müssen noch andere Gründe«0% 4*?>°llei sein, und zwar, wie auch Graf Taaffe im öftci Rnchsrath betont hat, konfessionelle Gründe. D'C wurden ausgewiesen, weil fie Polen und weil sie �4 find, wie denn in Preußen der Katholik überhaupt an handett wird, alS der Protestant. Die Ausweisung�/ st eine kultur kämpferische Maßregel neuester Erfindung neue Art der Verfolgung der Katholiken. Die Ausw� treffen nicht bloS die arbeitende Klasse, fondem alle Rittergutsbesitzer, kleine Besitzer, Kaufleute, Gewerbe»..� u. s. w. Diejenigen, welche unvnheirathet nach kamen, haben großentheilS hier geb«irathet, die» diesen Ehen find auf preußischem Staatsgebiet gebor�jst Behörden selbst konnten in vielen Fällen nicht unte>> �st wer von diesen Leuten dem Staatsv«bande Preußens«? �"vg. und rn« nirfii und nt.r.(S-AU** N-» rvl�.�nlu-vteir" jM �'"h® a tvlarrechte Diese Leute oder ihre Angehörigen auszuweisen, fV'tcm� «nt Art von Kriegerdenkmal, ein monmnentnm apre y Man hat Arbeiterfamilien ausgewiesen, d«m Nicht aetha rung in K zuringen. Beschluß t streckt wer! deutsche 9 Reichstag, Volk im od« das c ohne einen Drücken S das verdie Demotraten nicht» i§ dnn» R-Ä l etwot* durch* :©erntW ithoil(W Endlich r 'eifleS oohnen• im adnw tischen« itmosen» an ist B irn und? > BM« hre EzD lei alrt' it die A tscher R« s: Ei Diese Ii# B'A siebt e* €i leriftbe sprecht« )er M n Nch >e We zer sebr, übers ieute b t fteb eitleren natiow Behaue, ie große> tfen Lchg I lang in F abrilen und Berkwerken gearbeitet und von ihrem kärglichen Lobn etwaS abgedarbt haben, um ihr Leben zu ver« sichern, satt» fie verßümmell und erwerbtunsähig werden sollten. Diese Leute sind nun zu Bettlern gemacht. Man Hai Frauen mit ihren Kindern in ein Land ausgewiesen, wo fie Niemand kennt. Ja, hilflose Waisen find ausgewiesen worden. Ich könnte stundenlang darüber reden, mit welcher Unmenschlichkeit diese an fich schon barie Maßregel ausgeführt worden ist. Nur auf die Behandlung der Frauen bei der Ausweisung möchte ich die Vertreter der deutschen Nation, die fich ja immer durch eine gewisse Ritterlichke't den Frauen gegenüber auSge- zeichnet hat, hinweisen. Es find Frauen, die der Niederkunft nahe waren, mit der größten Härte über die Grenze gebracht word-n und es find Fälle vorgekommen, daß diese ausgewiesenen Kauen im Eisenbahnwagen Kinder geboren baden. Bei solchen Vorgängen muß der innere Mensch knirschen, fie dürfen bei zimlrstrien Narionen nicht vorkommen und die Vertretung deS Deutschen Rtich-s wird hoffentlich nicht nurdenMulh, sondern auch daS Pflichigefühl haben, solche Maßregeln verdientermaßen zu kennzeichnen. DaS Ausland hat darüber sein Urtheil längst abgegeben, auch die Geschichte wird fich einst darüber erklären; diese Dinge dürften dem Staatswesen nicht zum Ruhme ge- reichen. Von christlichem, humanem Ge tihl kann bei solchen Maßregeln nicht die Rede sein. DaS Staatsrecht jedes geregelten Staatswesens muß, wie Leibniz sagt, auf der Grundlage des ChristemhumS autgebaut werden, senst fehlt die wahre Zivilisation. Hier fehlt die Grundlage, ich bitte, machen Sie fich «inen Reim dazu. Möge der Reichstag bedenken, daß jedes, dem Einzelnen im Staate zugefügte Unrecht dem ganzen Staatswesen angethan wird. Mögen die Deutschen de- denken, daß Großmuth in der Politik nicht selten die größte Weisheit ist und daß kleinliche, gehässtge und niedrige Mittel, um Minoritäten zu erdrücken, zu einem großen Reich Sjlecht paff.n. Bei der Debatte über die Aussöhnung mit merika sagte Burke am 22. Mär, 1775:„Maßnahmen, deren Spitze sich gegen ein ganzes Volk richtet, find nicht daS geeig- trete Mittel, sich Gehorsam zu sichern" Im Sinne dieses Aus. spruchS spreten Sre ihr Urtheil über die Maßnahmen der preußischen Regierung!(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Nach Schluß dieser zweistündigen Rede erklär! der Präst. dem. daß fich zur Besprichung der Interpellation weiter kein Redner gemeldet habe. e,..., Abg. W indt Horst: Ich lege Wetth darauf, ausdrücklich iit Prcr# zu konstatiren, daß damit die Interpellation als solche ihre Er- Fanatiire ledigung gefunden hat und daß wir nunmehr zu den Anträgen kommen, zu welchen Jeder das, waS er auf dem Herzen hat, sagen kann. Abg. Liebknecht: Durch die„Norddeutsche Allge« meine' haben wir erfahren, daß die Materie, gegen welche der Apparat einer Botschaft in Szene gesetzt wurde, durch den ersten besten Winkeladvokaten hätte entfernt werden könne; daß nun doch gegen eine solche kleine Formalität jener Apparat ge- braucht wurde, kann die Würde der Krone nicht erhöhen. Die damalige Szene im Reichstage endete etwas burlesk mit dem dekannten dundesrälhlrchen Gänsemarsch. Es wurde damals der preußische Landtag gegen den Reichstag ausgespielt, taS Deutsche Reich also gewissermaßen unter Preußen gestellt. Nun hat fich endlrch der Reichstag ermannt, dem entgegenzutreten. Es ist interessant, daß ver Reichs. kanzler der eigentliche Vertreter des Reich gedankenS, plötzlich den PartikuIariSmuS. vertritt, der früher Wrndthorst zuge- schrieben wurde. Fürst Bismarck bat gefunden, daß der Reichs- gedanke zu verblaffen anfange. Das trifft doch nur für die Herren zu, welche das Reich bloS für ihre Zwecke benutzt haben, um die Freiheit Deutschlands zu unterdrücken und unS in unserer Kultur zurückzuwerfen. Ein ernster Konfliktfall würde beweisen, daß im Volke der Reichsgedanke, d. h., daß mit der deutschen Einheit auch die Freiheit verbunden sein muß, leben» dig ist. Und wenn wirklich die„Reicksbuve" geschlossen" wird, so werden wir fie wieder ausmachen(Lachen rechtS). Das Reich ist nicht von Bismarcks Gnaden, es ist stark durch das allgemeine Wahlrecht und daS Prinzip der Volkssouverainetät. ES ist stärker als der Fürst Bismarck(Heiterkeit rechts). Für unS ist die staatsrechtliche Frage in dieser Sache von unterge- ordnete! Bedeutung. Die Macht he.rscht, und Gesetze lassen sich 5ür alle möglichen Maßregeln anführen. Wir verurtheilen die Ausweisungen vom Standpunkt der Kultur, Humanität und höherer en Politik. Man deruft fich auf die Ueberschwemmung des Ostens durch flavische Elemente: im Gegentheil, das deutsche Element dringt vor. Die Auswanderung aus dem un» wohnlichen Osten nach dem zivilistrten Westen ist ein natür- licher Vorgang. Die Ausweisungen sollen dieReinheit unserer Nationalität schützen! Im Namen der Kultur fich von einer an- deren Nationalität abzuschließen, ist Barbarei, unsere ganze Entwickelung ist ein forldauernder Sieg über dieses Prinzip. Man wirft uns vor, wir seien eine AuslandSpartei: Vater- landsliebe ist für uns, dafür zu sorgen, daß das Vaterland eu«T»') wohnlich werde, aber nicht Zustände zu schaffen, welche die rußen Masse deS deutschen Volks aus dem Lande treiben. Den Polen Ration!| ist vor einem Jahrhundert schweres Unrecht geschehen. Der en slb«� Brief deS Fürsten Bismarck an die„Magdeburger Zeitung" aus dem Jahre 1848 ist bekannt. Ihn schrieb derselbe Deich- Hauptmann v. Bismarck, von dem, als er zum Ministerpräfi- denken vorgeschlagen wurde, der damalige König schriftlich be. merkte:„rother Reaktionär, riecht nach Blut, später zuge- brauchen." Die Ziele find dieselben geblieben, nur die Mittel haben gewechselt. Ich werde niemals Teutschland gegen daS Ausland herabsetzen, aber die Humanität steht über der Ratio. ualität. Erst find wir Menschen, dann erst Deutsche oder Polen. In der Schweiz und in Amerika leben die ver» schiedensten Nationalitäten friedlich nebeneinander, weil fie fiel find. Die Elsäffer würden nicht ein Herz für Frankreich sin ln' menn auch fie frei wären. Was die Wirkungen der Mvregel betrifft, so glaube ich nicht, daß fie zu Völkerrecht» ltchen Verwickelungen führen wird. Ich bin überzeugt, daß fie einseitig von der preußischen Regierung beschloffen worden, sondem auf einer Vereinbarung der drei Kaiser beruht.(Ein Mitglied des Bundesraths be- �.rit denEaal, verlaßt ihn aber sofort; Rufe linkS: Hierbleiben! Heiterkeit.) Trotzdem find Repressalien eingetreten und werden noch fortdauern. Ich habe darüber persönliche Nachrichtrn auS Rußland und Oesterreich. Die Entrüstung der englischen Blatter über diese Maßregel ist bekannt. In Frankreich erstrebt wan von chauvinistischer Seite eine Besteuerung der Fremden. Wir haben von Repressalien am meisten zu besorgen, weil wir irden. D' I äußert] erworV iie seht J* des K Man t und ende utf leröul >. hätte n der rdet toej ifc*\ onrede 8 so ftl >. Pul in8 Ä ühru il pol Äjj cke. Mf, egenüb«� ramtefl-,� I Arme«? m n Kraft i 3% wch die. [beten wait• eil ist 'Ol ui' ncnpieeesj durch die.. icn bei um 3% ie oul? 1 Stell,; hren nach ttschen. i egende«' es im 8' n ferneti (2 362 1 I ProtepJ el ger cö m d auch einaei ü_, je Bevl en"s«nr Häven von llteprenatien am meisten ,u besorgen, we Wßc" i �.Auswanderung das größte Kontingent stellen. Die schli die dieser Maßregel ist aber die moralische Schab wngs'-'A guten Rufes, unsetetJSHre vor den übrigen Rat schlimmste ., Schädigung .■■... übrigen Nationen. de oofSß ST?!uJ£n w» nun thun? Mit einem bloßen Protest ist es rreichI m*] �an. Wir müssen darauf gefaßt sein, mit der Regie- ü rung in Konflikt»u kommen, ihr Zoll für Zoll unser Recht ab- zuringen. Der Reichstag steht heute vor einem Konflikt. Der Beschluß des Reichstages wird von der Regierung nicht voll' streckt werden.(Sehr richtig! und Heilerkeit rechts.) D-S deutsche Voll aber wird hinter dem Reichstag stehen. Hie Reichstag, hie Rerchskanzler! Wir wollen einmal sehen, ob das Volk im Falle einer Auflösung für das demokratische Prinzip oder das agrarische Junkerihum fich erklärt. Wir können viel eher ohne einen Reichskanzler als ohne einen Reichstag auskommen. Drücken Sie angesichts der zivilifirten Welt dieser Maßregel das verdiente Brandmal auf!(Lebhafter Beifall der Sozial. % ,Jf-» alle m As? Abg. v. JazdzewSki «nuags auf die Erklärung, d»» Kompetenzen deS Reichs gehört. beschränkt fich bezüglich seineS daß die Fremdenpolizei zu den ,.-.....«... Blvört. Einen Eingriff in die Parti- lularrechte bedeutet also Vi« Forderung eines Gesetzes nicht, dos fremden Unterthanen, welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht gefährden, den Aufenthalt im Reichsgebiet ge» währleistet. J, Abg. Möller(deutschfreifinnig): Meine Partei fühlt ebenso deutschnational, als jede andere hier im Haufe. Wir meinen aber, daß eS zum Schutze der deutschen Nationalität ener Ausweisungen nicht bedar, daß fie durch ihre Lebenskraft überall da, wo Licht und Schatten gleich vertheilt find, den Kampf ums Dasein mit jeder anderen getrost aufnehmen kann. Aber Ausweitungen zu diesem Zwecke ließen fich noch begreifen. Was wir nicht begreifen können, ist, daß die Ausweisungen auch erfolgt find in einer rein deutschen Provinz, wie Ost- preußen, denn der kleine Rest von Masuren, der dort wohnt, st wohl von dem Verdacht frei, der polnischen Agitation daS Ohr geschenkt zu haben. WaS sollen wir vor Allem dazu agen, daß die Vertheidigung der Deutschen sogar für nöchig erachtet ist in einer Stadt wie Königsberg? Auf dieTausenve, die auS Ostpre ßen ausgewiesen find, kann auch nicht ein Schatten deS Verdachts fallen, daß fie an der polnischen Propaganda Theil genommen haben. Vielmehr lassen diese Ausweisungen die Maßregel in einem anderen Lichte erscheinen. Bei uns waren fast alle Ausgewiesenen üvischer Religion. Nun bedienen fich aber die pol. nischen Juden, wie ich mich kurz ausdrücken will, alle der deutschen Sprache, fie haben mit den polonifirenden Bestiebungen nichts gemein. Es find auch nicht alle Handelsleute. Viele hat nur der Drang nach deutscher Kultur, daS Bestreben, ihre Kinder besser zu erziehen, zu unS geführt. Entweder bedeuten diese Ausweisungen also einen Schlag gegen daS Judenthum, oder fie find eine neue Variation deS ThemaS vom Schutz der nationalen Arbeit. Vielleicht treffen auch beide Gründe zugleich Schon vor den MaffenauSweifungen find einzelne der zu jüdischen Religion angehö-.ige Korrespondenten ausländischer Blätter ausgewiesen worden. Offiziöse Mitarbeiter biestger Blätter werden allerdings dafür bei unS importirt. Ob das daS Zeichen einer starken Regierung ist, erscheint mir zweifel- hast. ES find rusfische Unterthanenen ausgewiesen, welche rrthümltcherweise an der letzten Reichstagswahl theilgenommen. Redner führt hierauf eine Reihe besonders eklatanter Aus- Weisungsfälle an. Man hat einen Studenten ausgewiesen, der 1870 als Krankenpfleger mit in den Krieg gezogen ist, für seine Verdienste mit einer Medaille dekorirt wurde und auch später in der Presse für daS Deutschthum eingetreten ist. Man hat Greise vertrieben, die krank und hinfällig ficher für die deutsche Nationalität keine Gefahr bildeten.!» Daß alle die AuS- gewiesenen in wirlhschaftlicher Beziehung inS Elend gestürzt find, bedarf nicht erst des BewnseS- Ich weiß wohl, daß eS bei Vielen heißt: waS gehen uns die fremden Leute an? Darauf antworte ich, daß am Anfange aller Kul- tur das Gastrecht steht, und am allerwenigsten kommt eS einem Volke wie dem deutschm zu, das Prinzip des GastrechtS zu verleugnen. Mit diesen Ausweisungen ist, wie Liedknecht mit Recht bemerkte, ein Flecken auf den deutschen Namen ge» warfen, der den Haß deS Auslandes gegen unS verschärfen wird. Bei den Slaven, Romanen, ja selbst bei den unS stammverwandten Dänen, Schweden und Norwegern ist die eindselige Gesinnung gegen uns gesteigert, zwar mit Unrecht, aber der Haß ist blind. Zwar kann man sagen: oäsrivt, dam metuant. Aber der Tag kann kommen, wo dieser Haß zur That wird. Die Leidenschaften der Völker spielen in den polttischen Konstellationen eine wichtigere Rolle, als die Be« rechnungen der Diplomaten. Unsere Kaufleute haben fich 'erner bisher für ihren Handel mit dem Innern Rußlands russtscher Korrespondenten bedient, die der für einen Deutschen 'o schwer zu erlernenden msfischen Sprache mächtig und mit den msfischen Verhältnissen vertraut waren. Auch diese find, »um größten Schaden unseres Handels, fast alle ausgewiesen. In Königsberg stehen zur Zeit in Folge der Ausweisungen über 200 Wohnungen leer; einem einzigen HauSb-fitzer allein 23.(Hört, hört!) Und wenn nun Rußland und Oesterreich den Spieß umkehren und die deutschen Unter- thanen ausweisen? Die Zahl der dort lebenden Deutschen ist viel größer, als die Zahl der Ausländer in Deutschland; und wenn jene Deutschen alle zu uns zurückkehren, so würde daS für die deutsche Arbeit eine ganz andere Konkurrenz geben, als durch die jetzt ausgewiesenen Polen erwachsen war. Sie wissen alle, wie schon seit Jahren die rusfische Presse, an der Spitze das Blatt deS einflußreichsten Mannes in Rußland, des Herrn Katkow. gegen die Deutschen hetzt. Das Prinzip, welches die neue Wirthfchaftspolitik in der Zoll- und Eisen- bahnpolitik verfolgt, wird nun vom Waaren- auf den Per- sonenverkehr ausgedehnt, und das zu einer Zeit, wo man viele Millionen daran wendet, um durch Dampfellinien und Eisen- bahnen neue Verbindungen mit fremden Ländern herzustellen. Wenn Sie wirklich jetzt die Hand dazu bieten, Deuischland mit einer chinefischen Mauer zu umgeben, dann möchte ich nicht zwanzig Jahre in die Zukunft vorauSblicken. Das Bild dürfte kein erfreuliches sein.(Beifall links; Zischen bg. von Helldorff(kons.): ES hat mich eigen- thümlich berührt, daß der Vorredner im Gegensatz zu den polnischen Antragstellern selbst geradezu in Abrede stellt, daß es fich hier um eine politische Frage bandelt, in- dem er die ganze Angelegenheit auf das Gebiet der WirthschaflS- Politik zu verschieben versucht. Ich will jagern glauben, daß die große, gewaltige politische Seite der Frage Ihnen(links) vielleicht nicht zum Bewußtsein gekommen sein mag.(Abg. v. Kardorff: Sehr richtig! Heiterkeit links.) Die vielen an- geführten Spezialitäten waren wohl mehr darauf berechnet, das Mitleid zu erregen. ES ist ja nicht meine Sache, für die Ausführung der AusweisungSmaßrcgeln, die ja ohne Härte nicht abgehen konnten, hier einzutreten(Gelächter links; sehr richtig! rechtS); das Abgeordnetenhaus ist der richtige Ort, diese Seite der Sache zu beleuchten.(Gelächter links.) Hätten die Anttäge nur die Tendenz gehabt, die Regierung zu einer milderen Handhabung der AuSweisungimaßregeln zu de- stimmen(Gelächter linkS), dafür hätte sich gewiß ein Weg ge- funden.(Sehr richtig! rechts.) Aber damit find Sie un» gar nicht gekommen. Die Polen haben die streitige Kompetenz- frage deS Reichstages offenbar am zartesten und konsequente- sten dehandelt. Ganz ebenso konsequent in anderem Sinne ist der Antrag der Sozialdemokraten, die direkt die Rückgängig- machung der Maßregel verlangen. Die übrigen Antrage um- aeben die Haupttrage, indem fie einen Tabel aussprechen, ohne einen Antrag anzuknüpfen. Herr hänel nahm bei der eisten Verhandlung ganz pofitiv für den Reichstag daS Recht in Anspruch, eine, von einem einzelnen Bundes- staat getroffene Maßregel zu redresfiren. Seine Behauptung. daß die Maßregel verfassungSwidlia sei, wider- spricht dem klaren Wortlaut deS Art. 4 der Verfassung, wo- nach Beauffichtigung und Gesetzgebung des RercheS fich auf die Bestimmungen über daS Paßwesen und die Fremden- polizet erstrecken, nicht aber auf Paßwesen und Fremdenpolizei selbst. Wenn man nun gegenüber der fererlichen Kundgebung in der kaiserlichen Botschaft derartige Anträge und Jnter- vellationen stellt, so dürfte doch der Vorwurf deS Reichskanzlers. taaeS erlebt, durch daS ihm zustehende Recht der Wahl ÄVL.lx.W-AV'TsIMÄS deS Reichstages werden am besten dadurch wahrgenommen, und daS Ansehen des Reichstage» dadurch am meisten gestärkt, daß man Uebergriffe auf andere RechtSsphären mit der äußersten Vorficht vermeidet. Mit solchen Uedergriffm ist eS zumal dann ein mißliches Ding, wenn man damit nur den Papierkorb füllt.(Sehr wabr! rechtS, Lachen links.) Auch in der Hal- tutig deS Abg. Windthorst kamen Widersprüche zum Vorschein, die auch die geschickteste Dialektik nicht verwischen kann. Wenn die berufenen Vertreter der Autorität fich auf den ausgesprochensten Standpunkt der Demokratie stellen, wenn fie zugleich föderalistische und unitarische Interessen vertreten, dann kann ich ken logischen Zusammenhang nicht finden, sehr wohl aber begreift ich den taktischen, der auf Ziele hinausstrebt, die nicht die meinigen find.(Sehr richtig! rechts.) Der Abg. Windt« Horst b hauptet, der kon-esfionelle Charakter der Maßregel steh« im Vordergrund. Das ist bis zu einem Grade richtig: der Kernpunkt tst aber die nationale Seite der Frage.(Rute im Zentrum: Kulturkampf!) Es handelt fich um eine Regierung» von der man doch wahrha'tig nicht sagen kann, daß fie in der Behandlung auswärtiger Fragen fich ungeschickt gezeigt hat. (Unruhe links.) Wer solche Kritik zu üben für gut findet vor den Augen von Europa an einer Stelle, wo das Wort am weitesten dringt, der muß fich auch der Konsequenzen seiner Handlungsweise bewußt sein. Welche Geschäfte besorgen Si« denn damit? Die Geschürte deS Auslandes.(Großer Lärm links. Stürmische Zwufe: Zur Ordnung! Sehr gut I und Zustimmung rechts. Abg. Bebel: Sie besorgen rusfische Interessen!) Es liegt mir fern, den Patriotismus eine» Mitgliedes anzuzweifeln, aber Sie handeln im Partei- eifer unpatriotisch.(Stürmische Unteibrechung links.— Präfldent von Wedell erklärt, den Ordnungsruf für die letztere Aeußerung nur deswegen zu unterlassen, well der' Redner vorausgeschickt habe, daß er an dem Patriotismus der Mitglieder des Reichstags nicht zweifle, bittet aber den Redner, seine Ausdrücke noch etwa» voifichtiger zu wählen.) Wenn Sie auf dem Wege fortfahren, die auswärtige Polllik deS Deutschen Reiches zu unterstützen in dieser Bundes» genossenschaft dann hüte fich die deutschfreifinnige Partei, daß man nicbt einmal daS„Deutsch" in ihrem Namen o auffasse, wie den Namen jeneS bekannten BlatteS, das wegen einer hervorragendrn Vertretung deutscher Interessen den Namen„Germania" führt..(Bravo! Sehr gut! recht»; Gelächter linkS, Rufe: Frei nach Bismarck!) Für uns ist in der Angelegenbeit daS Wesentlichste die feierliche Betonung der föderalen Grundlagen des Reiches in der kaiseilichen Botschaft. Wenn ich mir nun das Verhalten des Reichstages in dieser Sache überlege, so werde ich an da» Wort deS Abg. v. Vincke im konstituirenden Reichstage erinnert, daß der Reichstag die este Säule bilden solle, auf der fich unsere Macht in Europa aufbauen müsse. Er dachte hoch von den Aufgaben deS Reichstages. Ein Operation in der heutigen Weise trägt nicht dazu bei, den Reichstag zu einer Säule in diesem Sinne zu machen. Diese meine Auffassung wird im Lande in weiten Kreisen ge» theilt werden.(Lebhafter Beifall rechts, Oho! link.) Der Luxus Ihrer Oppofition und die Verfolgung Ihrer Partei» zwecke vergessen, daß erst fünfzehn Jahre seit der Gründung des Reiches vergangen find. Lassen Sie unS an den Grund» lagen des Reiches nicht zu sehr wackeln!(Stürmisches Ge» lächter link.) DaS ist mir gar nicht lächerlich, daS ist mir bitterer Ernst.(Bravo! rechts, erneute» Gelächter links.) Wir leben jetzt unter dem Schutze von Gewalten, die in Wirklich» teit die schaffenden und treibenden Elemente find. Hüten wir uns, daß wir nicht vor die ernste Frage gestellt werden, zu prüfen, wo das eigentliche Fundament deS Reichszusammen» tangeS liegt.(Sehr wahr! rechts; Zuruf links: Im Reichs- tage!) Ich bitte Sie, diese Frage und diese Mahnung mit dem gehöiigen Ernste zu erwägen.(Beifall rechtS, wiederholte» Zischen links.) ,.6ÄÄ? N WÄ:%%%& menten rütteln wollten(Zuruf wackeln! Heiterkeit)— nun gut, wackeln an den Trägern und Stützen deS Reiche». Herr von Helldorff hat dieselben nicht näher bezeichnet; ich weiß nicht, meinte er Personen oder Institutionen.(Zuruf: wstrtia!) Jnatitia est fundamentnm regnorum!)(Wieder» Holter lebhafter Beifall linkS.) Das Deutsche Reich soll auf diesem Fundament gebaut sein; daS Recht ist % Äitn« v." MX Ä%% s bei der Interpellation fehlten, entschuldige ich. denn manchmal hat man ja Anlaß, auch in Fehlern konsequent zu bleiben. Aber nachdem die Interpellation besertigt ist, liegt gar kein Grund mehr vor, noch weiter so zu verfahren. Herrn v. Hell» dorff war die Beseitigung der Interpellation offenbar unbe» quem; seine ganze Rede war offer bar mehr auf die Jnter- pellation, alS auf die Anträge zugespitzt.(Sehr richtig! links.) Er hat fich fortwahrend auf die Botschaft bezogen, wie wir eS ' tzt so oft erleben, daß der Kaiser unnöthiger Weise in die (batte gezogen wird. Ich habe einst an dieser Stelle ge» standen und mir erlaubt, deS Kaisers zu erwähnen— ich bin allerdings der Meinung, daß er die Hauptstütze und Bafis der Verfaffung ist— da hat Graf Arnim, der erste Magnat der Mark Brandenburg, mich hier zur Ordnung gewiesen, weil ich den Kaiser in die Debatte zog. Ich habe damals remonstrirt. Heut hervorgehoben, weil man keine anderen Gründe hat,(Sehr richtig! links), und um hinter diesen kaiserlichen Schirm zu ver- schwinden. Wir beugen un» mit Ehrfurcht und Gehorsam vor dem Kaiser, das haben wir bei der Interpellation gezeigt. Aber wenn die Rathgeber der Krone einen verkehrten Rath geben. so sprechen wir daS au». Ich freute mich, aus der Thronrede zu vernehmen, daß Se. Majestät aufmerksam den Verhandlungen folgt, da wird er auch gesehen haben, daß wir es nicht waren. die nach der Botschaft eine DiSkusston herbeigeführt haben. (Sehr wahr! links.) Dann hat Herr v. Helldorff mir besonde»« die Le orten gelesen wegen des Partikularismus. Ich wünschte. er wäre mir zu Zeiten, wo ich die Rechte der Einzelstaaten zu stützen bemüht war, zu Hilfe gekommen; dann wäre vielleicht vieles Umecht verhütet worden. Aber da warm die Herrm nicht zu Hause, weil der Herr Reichskanzler da unitarisch vor» zugehen für gut fand. Wenn Sie die Worte der sonst in Be» m°"f Maßregeln der preußischen Regierung sehr zaghaftm österreichischen Staatsmanner hören, werden Sie nicht leugnen können, daß sehr ernste auswärtige Beziehungen in Frage find. Damm ist die Kompetenz auch auf dieser Basis voll- kommen begründet und ich kann zu meiner Befriedigung auf eine in Folge der JnterpellalionS-DiSkusfion entstandene lite- rarische Arbeit aufmerksam machen, die des bedeutenden RechtSlehrers und KennerS des internationalen Rech», Geh. Justizraths v. Bar zu Göttingen. Sie spricht fich in dieser Hin« stchl unzweideutig und klar auS. Mein Herr Kollege wird Ihnen durch eine Blumenlese auS dieser Schrift zeigen, daß sehr ernste internationale Fragen im Gange find und dafür nur der Reichstag kompetent sei. Die Einzelstaaten konntm unS ja mit allerlei Leuten in Konflikt bringen und wir hätte« eS auSzubaden. Was würde dazu der Herr Reichskanzler sagen? (Große Heiterkeit.) Herr v. Helldorff warf uns vor. wir besorgten die Geschäfte auswärtiger Staaten und wären nicht patriotisch. Ist eS denn, um für patriotisch zu gelten, nöthig, jederzeit, wenn die Staatsmänner, welche leiten sollen, Fehler machen, den Mund zu halten? Dann wäre eS am besten, die Szene aus der Zauberflöte aufzuführen, ,nvo jedes Mal, wenn der Oberpriester gesprochen, die Anderen fich verbeugen und den Mund halten. iGroße Heiterkeit.) Der Patriotismus besteht darin, wenn wir die Regierung auf fal- schem Wege sehm, zu sagen: das ist verkehrt und führt un» in Verwickelungen, die wir nicht wollm, denn wir müffm unsere Söhne und unser Geld hergeben.(Lebhafter Beifall links.) Jedesmal hört man von Patriotismus redm, wenn man nicht dem leitenden Staatsmann zustimmt. Hat denn der Ze'tende Staatsmann den PstnotismuS ganz allein gepachtet? 4 Mark.( in dieser Versammlung fehlen. Moritz Voigt, Große? furterstraße 115. Bezirksverein deS werkthättgen Bolket der hauser Vorstadt. Vere nsversammlung am DknWagL 19. d. M., Abends 8", Uhr, Prenzlauer Allee 195, Ecke zsterfiraße. Tagesordnung: Vort ag. Vetschied-ne«. j tasten. Näheres Jnsciat der Sonntagsnummer. Die' zur Besich igung der Virsachsstalton des Herrn P» Dr. Petri in Marienfelde findet bestimmt am Sonnt» 17. d. M, statt. Abfahrt vom Anhalter Bahnhof Von 10 Uhr 15 Min. Herr Dr. Petri hat stch bereit erklärt Versah en an Ort und Stelle zu erläutern und werd Mitglieder ersucht, zahlreich zu erscheinen. Mitglieder< Bezirksoereine, die sich als solche legitimiren, find alS t willkommen. Versammlung der Glace.Hanbschuhmacher E» Vormittags 10 Uhr, im„Universum", Brunnenstt. 29. ordnung: Die Lohnfrage. Allgemeine Kranken» und Sterbekasse der arbeiter(E. H.), Filiale 5. Heute(Sonnabend), M 9 Udr. Versammlung Lothringerstraße 81 bei Ackermann..'Sn»- ist fei Fachveretn der Möbelpolirer für geschweifte �Interessenten „Freie 1 Bekann rhältnisse nit der Pro »ie«„Ueber benso richti Port komm! ■fiche uvd vc virthschaftlic Daß st rbrechen, Montaa, Abends 6 Uhr, Muskaueistr. 28, im Lokale deS t Buch, Vereinsversammlung. Tagesordnung: L Berickt ��ug diese die Vereinsthätigkeit von 1883-1886. II. RevifionSW Unsere III. Auflösung deS Vereins. Fachveretn der Metastarbeiter in Gas-, Masse Dampf- Armaturen. Versammlung am Montag 18 d. HI., Abends 8'/, Uhr, bei Seefeld, Grenadierstr« Tages> Ordnung: 1. Vortrag des Herrn E Müller Photographie und Telephonte mit Experimenten. 2. eines Rendcnten zur Vergnügungskaffe. 3. Verschied Fragekasten. Der diesjährige Maskendall findet am 20. in den Bürgersälen, Dresdcnerstr. 96, statt. Gesang» Verein„Harmonia". UebungSflun' Sonnabend, Abends 9 Uhi, im Restaurant Schümm Jakodstraße 38. !in- und des ntionen" o ichtet wird oduziren. ten solche? cht von all ge gehal sch wieder Diese 1 d für de «« schon in " den Arbe Doch Theater. Sonnabend, den 16. Januar. DpernhanS. Das goldene Kreuz, Oper in 2 Asten nach dem Französischen voi H S. von Moser thal. Zum Schluß: Eine Tänzerin auf Reisen. � Schauspielvans. Ein Schritt vom Wege, Lust- spiel in 4 Alten von Ernst Wichel t. Deutsches Theater. Maria Maadul.na. Nefideuz» Theater Denise, Schauspiel in 4 Akten von A. DumaS(Sohn). ZFriedrtch» Wilhelmstädttswe« Theater. Rafaela, Operette in 3 Akten von Max Walhalla» Operetten- Theater. Mamsell WMucr-Theater. Frau Direktor Striese. Delle» Allianee» Theater. Lucmde vom Teittral-Theater. Der Stabs' Trompeter. LoutsenfrädtischeS Theater Benefiz für Herrn Hugo Rllckauf. D-r Troubadour. Wtttoria»! heuter. Messalina. Dftend»' heiter Wir Berliner. KönrgstSdttscheS Theater. Die Marionettm des Teufels. Nmeriean» Theater. Große Spezialitäten- Vorstellung. m r-, ,, Dheater der ReichShalle«. Große vpeziali- -Kaufmann�Bar�ete. Große Spezialitäten- uKa«ko?dta!"�Große Spezialitäten-Vmstellung. Dem RttchStagS-Adgeordneten Herrn Paul Srnger zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch. 436 Der Vorstand deS Vereins der Fabrik- und Handarbeiter Berlins. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 13. d. M. unser Mitglied Karl Schilling nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 16. o. M, Nachm. SV» Uhr, von der Leichenhalle des Jakotifii chhofeS in Britz aus statt. Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand d Crntral-Drechsler- Kasse IG.«. 48) Filiale C._ Den Kollegen zur Nachricht, daß die öffent- llche Versammlung der Sleindrucker und Litho graphen ülclltj wie Freitag annon- ziit, im Palmensaal, Neue Schönhauser str. 20, sondern im Königstadt-Kafino, Holzmarktstr. 72, stattfindet. 447 Alharnbra-Tbeater. Wallnertheaterstraße 16. Triesel und Wiesel, Posse mit Gesang in 3 Akten(6 Bildern) von Ed. Jakobson. Mufik von G. Lehnhardr. Vor der Vorstellung: Hr. Lonzert der Hauskapelle. Anfang des Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. 6 Uhr. Anfang de« Konzerts Sonnt. der Vorstellung 7-/, ÜU- «onS haben Wo�enlag« Giltigkett und find im Theaterdureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. W Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bii 10 U. Ad. K a i s e r» P a« o r a m a. Eine interessante Rh einreise. Amerika- Kalifornien. Mond. Nur «och diese Woche: WeihnachtS Ausstellung: DaSLeben Jesu. Jerusalem, Bethlehem«. «int Reife 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonnem. Todes-Anzeige. Am 12. d. M. starb unser Kollege, der Drechsler Kart Kwoboda am Herzschlag. Dre Beerdigung findet am Sonntag Nachmrttag 3 Ahr, von der Leichenhalle des Michael«!-Kirch- hofeS(Britzer Chaussee) aus statt. 448 Dir Kollegen der Schirmfabrik von Kemmert. Große öffeutl. Versammlung sämmtl. Metallarveiter, als Schloffer. Maschinenbauer, Dreher, Gürtler, Klempner, Former, Schleifer, Drücker, Gießer, Hobler, Stoßer, Schmiede, Schnitlardetter, so- wie sämmilicher Hilfsarbeiter, am Sonntag, den 17. d. M., Vorm. 10'/, Uhr, im Lokale„Sanosouei", Kottbuferftt. 4a. TageS-Ordnung: I. Zweck und Ziele der Gewerkschaft. 2. Diskusfion. 3. Verfchiedenes.[442 Ärb.-Bez.-Vereiu der Orauieu- burger Vorstadt u. d. Wedding. Montag, den 18. Januar, Abends 8 Uhr, Bersammluna im Medding.park Müllerstrasse Nr. 178. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Christensen über:„Die gegenwältige Lage". 2. Dislulston. 3. Ber> schiedenes. 4. Fragekasten.— Gäste find will. kommen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 446 Der Vorstand. Zonisenstadtischer SestrKs- verein �Vorwärts�. Dienstag, den 19. d. MI«., Abend« 8'/» Uhr, GnttSl-NnsWIIlltlllg bei Marquardt, Alexandrtnensttaße 1 10, Ta geSordnung: 1. Jahresbericht. 2. Wahl des Vorstandes und der R visoren. 3. Verschiedenes u. Frage lasten.— Gaste, welche stch als Mitglieder auf- nehmen lassen, haben Zulritt. Zahlreiches Er» scheinen ist nothwendig. Grch Ko»n!mhlN'|lichrali für ganz Berlin in Keiler'« Salon, Andreasstr. 21, am Sonntag Vorm. 10 Tagesordnung: Rechenschaftsbericht. Niederl, gung der Mandate der Arbeiter Komitee-Millieder. Zu dieser Versammlung find sämmillche Herren Stadlveroidnete eirg., 437 Das Arbeiter-Wahlkomite�J1»�« bavoi »ch die„C So erk .Hannoversch unnöih rtoffeln hl nn wäre t finn! Unsere! opol steh, Meinen Bleivergiftung leidend, und ich nicht mehr a Tage daS ehemalige reunden und Bekannten zeige hiermit an, US Schriftsetzer thätig daß ich, da seit mehreren Jal sein kann, mit dem Ffannkuch'sche Zigarren- Oese «SJ." Chausseestraße 36137 übernommen habe und bitte um geneigten Zuspruch. Bctlin, den 15. Januar 1886. W-Hlert'sche« Grundstück' 445 ttonSweise den kan, Bei dem nde, meld ftlichen, i »en. Aber mi reimt wenig. Welt schc 4 ertönen Die frei' mandowo Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten%. Seifenpulver rk m Anerkannt beste» und billigste» Wasch- und Retnigungsmittrl, macht C- Wäsche blendend weiss, enthält keine veiseldea schädtiche Kestandtheile, erspar zähluna viel Zeit und Arbeit. Eignet stch auch sehr zum Neinigen von Fnssbödck Fenster«. Metalle« rc. �. V, Vfh. de» Nuloer» ersetzt» Pfd. Keife. Probepackete 20 Pf. träge von 10 Pfd. an frei in's Haus.„Run r Respekt. Seifen-, Droguen- und Kosonialwaaren- Handlungen als DebiteUannte diesell werden gesuchfi._. Er lächel lluffo JTacobsohn& Co«,.Seien- Venerat- D-bitenr-, � oe?ii'£W� Berlin S., Altsdriin> svllht 106. will Ich irathet bin, Attest. Auf Verlangen des Herrn Hugo Jacobsohn bischrinige�Ken sein '" rheinischen SodckM."gend. demsrlden Uiermit, daß in meiner Anstalt nur Seifenpulorr der rheinischen Sodab in Gebrauch kommt und dieselbe stch vorzüglich bewährt. Frau Kalberg- Heuer al-Versammlung der JPnixer Berlins und Umgegend heute, Sonnabend, Nachmittags 3 Uhr, in Vratmeil'» Kierhalle«, Kommandanten- Straße 77-79. 443 Sophas und Matra# sowie Polsterwaaren werden gut ü" Billigste hergestellt. 9- Krämer, Linden ftrar� Tagesordnung: Die Nothwrndigleit der ge- werkschattlichen Organisation. Rete Fr- Göicki. Ko.r.feienl: Herr I. A.: Die Kommiifion. erent: Herr Dietrich. Schilling. Volksversammlung Gt-. gante Masken-Gardsi....... l'. Tietz, DresdcnnsttKA'°i<"® »stand versti 1 irgend wi „.Das hä em bitter em sich kbar rna wo mr >t Hinwegs, »Zedenfa Er sah t en. In für Weißensee und Umgegend am Sonntag, den 17. Jan., Vorm 11 V» Uhr, im Lokale dks Herrn Unglaube, Salon Kaiser Wilhelm, Königs- Chaussee 49. DaS AibeiterschutzAesetz. TageS-Oidnung: Referrnt ReichstagSabg Herr Frohme.[438 Geschmackvolle Kostüme von 1 bis � jebenea'Difi Vereine besondere Begünstigung�� � en. auszut Wa« ein mengefai 1 sreundl. Schlafstelle zu verm. straße 18, H. l. 3 Tr. d. Tscharntke Arbeitsmarkt Ein mufikali'ch gebildeter Man" einen älteren Gesangverein im Nwrj als Lehrer geiuchl. AdresstN mit v' unter Cb. 15 dieser Zettung erbeten- Verantworlltcher Redakteur R Crouh.tm in Bert»». Druck und Verlag von Max Badtng tn Berlin QMr o