(. Vsn D'.> 'SÄ 16. üirbner. mit 9)üi Mittwoch, de« 20. Januar 1880. III. Jahrg. MerVlllksblalt Brgan für die Interessen der Arbeiter. >ec L-uch Mio«. .mg der_ es Wohmc- haben. t« an ih.en c ichtct, M eittn für«----- 'ie Höhe» Das„Berliner Volksblatt" «,�int täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei C sn).«rt�aug vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement t""SkI. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. zegedene V(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) 4 nsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträaeu hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition. Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. en schlecht«�» sen. EynagoM :son zor W Lerficheru« ib.. Der richtet« lärung ff1 innerhalb Hein Prob R-daKti»»: Keuchstraß« S.— Grprtiitian: Zimmcrstraße 44, Fimlinilho ncut Ktgimiug, ie französische Regierung hat in der Deputirtenkammer ...unge Erklärung verlesen lassen, in der sie die Grund- er�Steutr�ihrzr künftigen Politik darlegt. /zcNan muß dieser Erklärung zunächst das Lob ertheilen, allgemein W" s«hr geschickt abgefaßt ist. Herr v o n F r e y. vom Scbluj' t, der Chef de« französischen Kabinet», ist ein genauer ahres ad deiner Kenner der ftanzösische« Berhältnisie und weiß, aan reden muß, wenn man auf seine Landsleute wirken ' d will. Er hat es auch vermieden, dm in Frankreich äuchlichen Auswand von politischen Phrasen al« AuS- düng der Erklärung zu verwerthen. In knapper, schmuckloser Sprache wird gesagt, was man will; will die in Ostasien begonnene Kolonialpolitik„auf lordentlich einfacher Grundlage" weiter führen, so daß am statt 75 Millionen Franks, deren nur noch 30 pro steh maä>' erforderlich sind, und auch von diesen 30 Millionen hofft HHl», daß sie in einigen Zahre» nicht mehr erforderlich sei» on Fußbinen. Wenn man das so durchführen kann, ist das un- /elhaft ein groß« Vortheil für Frankreich und wen» 20 Pf. f die Tovgking-Frage auch nicht sofort los wird, so den Fall des Gelingens des Projekts vorausgesetzt, als IWT zugegeben werden müssen, daß sich Herr von Freycinet �»ickt aus d« Affaire gezogen hat. R��D«st Dana besteht die Absicht, laut der Erklärung, die iatSauSgaben zu vermindern und die dringendsten Bedürf- j» doch zu befriedigen, ohne dem Lande neue Steuern f,.ch. m »Teh, Fritz, sieh einmal zu, wer da ist," sagte Mutter „_.„ r zu dem Klown, d« diensteifrig aufsprang und fl�öMell eine» Blick durch das Guckloch in der Korridorthüre Mit allen Zeichen des größten Erstaunen» kehrte er „Alle Wetter, Frau Weber," flüsterte et,„draußen steht e pikfeine Dame. Soll ich sie hereinlassen?* »Es wird wohl der Besuch sein," entgegnete die Frau ektorin,„wird auch was Nettes sein. Meinetwegen lass' herein, od« lass' sie draußen, mir ist da« ganz gleich- „Dann w«de ich sie hereinlassen." Er öffnete die Thür. „Zch wünsche den Herrn Direktor Web« zu sprechen," Martha, denn sie war e«, nachdem sie den fast ehr- chtSoolle« Gruß des Klown» oberflächlich erwidert hatte. „D« H«r Direktor ist augenblicklich nicht zu Haufe, lein, er muß jedoch jeden Moment zurückkommen," segnete Fritz.„Würden Sie inzwischen nicht einen geublick«»treten wollen?" bin so frei." Martha trat in die Küche und d« Klown führte sie in Zimm», in welchem Mutt« Weber immer noch »starrte�%em Stuhle saß und wehmüthig vor sich Martha war auf d« Schwelle de« Zimmer« stehe» ge- '«'�Ftben und sah ziemlich«staunt in da« wirre Gerümpel auf die angetrunkene große Frau. reich wird eine kräftige Stütze für den Völkerfriede« überhaupt bilden und da» wird Niemand unterschätze» wollen. Der größte Theil der republikanischen Preffe ist von diesem Regierungtprogramm über die Maßen ent- zückt. Wir müssen gestehen, daß wir das übertrieben finde«. Was in dem Programm gesagt ist, da« darf man — mit Ausnahme einiger Punkte— als gut bezeichnen. Allein es ist eben zu wenig gesagt. Wenn eS am Schlüsse heißt, daß die Republik nicht stille stehen könne, sondern daß ein beständiger Fortschritt und eine beständige Hebung de« materiellenundmo- ralischen Niveaus der Demokratie in Frank- reich stattfinden müsse, so ist da« offenbar sehr gut gesagt, aber leider ist nicht gesagt, wie d« Fortschritt herbei- geführt, wie das moralische und materielle Niveau der De- mokiaiie gehoben werden soll. Heutzutage genügen solch allgemeine Redewendungen nicht meht; am allerwenigste» den skeptische» Franzosen. Man will genau wissen, um wa« e» sich handelt. Da die Erklärung d« französische» Regierung aber bei der allgemeinen Phrase stehen bleibt, so muß da« gerade als ein sehr empfindlicher Mangel bezeichnet wnden, welcher die öffentliche Kritik herausfordert. Eine demo- kratische Regierung in Frankreich muß doch auch noch andere Ziele haben, als die Ordnung der Angelegenheiten in Tongking und die Herstellung des Gleichgewichts im Staatsbudget. ES ist doch merkwürdig, daß auch den republikanischen Regierungen in Frankreich da« Wort im Halse stecken bleibt, sobald sie in Berührung mit den für unsere so charakte- ristischen und so wichtigen wirthschaftlichenFragen in Berührung kommen. Das ist auch diesmal so gegange». Die Erklärung der Regi«ung hatte doch offenbar den Zweck, da» Land über seine Zukunft zu beruhigen und anzukündigen, daß eine neue Epoche in der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten eingetreten sei. Allein warum sprach man da gar nicht von der Arbeiterfrage? Diese enthält für viele Millionen von Franzose« doch unendlich Wichtigeres als die Tongkingfrage. Wenn es der Regierung«nstlich darum zu thun ist,„das materielle und moralische Niveau d« Demokratie" zu heben, so muß sie doch auch auf eine durchgreifende Verbesserung deS Looses d« arbeitenden Klassen bedacht fein. Da« wird nunmehr in Frankreich Niemand mehr leugnen wollen, d« begriffe« hat, wohin sich die sozialen Strömungen uns«« Zeit richten. Die G a m b e t t a' sche Auffassung der wirthschaftlichen Frage« ist längst v«altet. Man hat auf diese Regierung große Hoffnungen ge« setzt. Wenn sie nicht in den Fehl« ihrer Vorgängerinnen verfallen, und wenn sie diese Hoffaungen rechtfertigen will, so wird sie nicht damit zögern können, ihre s o z i a l p o l i» trschen Anschauungen und Pläne darzu- lege«. Zn Frankreich will man neue Thaten sehen, nachdem so viele und so große V«sprechunge« gemacht und nicht«füllt worden sind. „Sie entschuldigen," sagte sie einigermaßen»«legen, „der He« Direktor Weber hat mich hierh« bestellt, ich be- finde mich doch in sein« Wohnung?' „Jawohl, da sind Sie ganz recht," erwiderte Mutt« Web« mit etwa« lallender Zunge,„setzen Sie sich nur einen Augenblick,« wird wohl bald kommen. Fritz, bring' doch mal em GlaS h«ein. Fräulein wird wahrscheinlich nicht au» der Flasche trinken wolle«!" Zch danke Zhnen sehr," wehrte da» junge Mädchen ab,„ich trinke überhaupt nicht." Machen Sie nur keine Umstände," entgegnete Frau Weber mit d« Beharrlichkeit, die trunkenen Menschen eigen- thümlich ist,„wenn Sie einmal unt« die Künstln gehen wollen, dann müssen Sie sich auch in ihre Gewohnheiten schicke» Bei uns ist das einmal so Sitte, daß wir eine» neuen Kollegen mit einem frischen Trunk begrüße«. Also, brachte auf diese Weisung ein kleines Schnaps- giäsche«, welches er mit einem ziemlich unsauberen Handtuch auswischte.,. Mutt« Web« schenkte er». „Sehen Sie," sagte sie dann, dt« Flasche m d« Hand behaltend,„wir Künfll« sind doch gute Leute. Sie thun Recht daran, daß Sie nicht mehr unt« den gewöhnliche» Menschenkindern bleibe« wollen. Es giebt nicht« schön«e» auf d« Welt, als wen» man ftei, von allen Sorgen be- freit sich d« staunenden Menge zeige« kann, wenn ei» tausendstimmige« Bravo sich«hebt, das uns Künstler stolz und glücklich macht. Sie hätten mich sehen sollen, sage ich Zbnen. als ich vor einigen Zahren im Zirkus auftrat. Ab« trinkm wir erst; Ihre Gesundheit Fräulein!" Martha«griff ihr GlaS und trank von dem scharfen Branntwein. Sie blickte mit einem Gemisch von Furcht und Staunen auf den ungeheure«' Fleischklumpe«, in ihrem kurzen Leben hatte sie bereits manche Stätte de« Elends gesehe«, sie war mit der tiefsten Verworfenheit de» mensch, lichen Leben» in Berührung gekomme«, diese« Weib jedoch Die letzten Wahlen waren ein mahnender Fingerzeig, sie lieferten den Beweis, daß man da« Verirauen ves Volkes recht leicht«werben kann, daß man aber seine Handlungen darnach einrichte« muß, um es festzuhalten. Mögen die jetzt in der Regierung befindliche» französischen Staatsmänner die« nicht übersehen; sie sind bei den Wahle» gewarnt worden. politische Ueberftcht. Der Reichstag verhandelte am Dienstag bei sehr schlecht besetztem Hause über den Po st etat und genehmigte neue Postgebäude. Dann kamen die Ausgaben für die Kolonie» daran, was eine Debatte über Kolonialpolittk herbeiführte. Herr Wörmann, der Hamburger Kaufmann, legte eine Lanze für den Schnapshandel ein, den er in Kam:run höchst« selbsten betreibt. Er fand Widerspruch bei Windthorft und Richter, von denen der letztere stch namentlich darüber lustig machte, daß Wörmann Kamerun als ein Paradies de» zeichnet hatte. Die SchnapSdebatte erreichte den Höhepunkt, als auch S t ö ck e r in die Diskussion eingriff und den be» kannten Ausspruch Wörmanns heranzog, der dahin ging, daß die Zivilisation„scharfer Reizmittel" bedürfe. Der in die Enge getriebene Wörmann vertheidigte die kulturelle Misston seines Schnapses sehr schlecht und wurde hitzig, da er sich namentlich über die Bemerkungen Stöckels geärgert hatte. Stöcker„machte" schließlich auch noch in Judenhetze, indem er sagte, er würde die Bekämpfung der Juden aufgeben, wen» sie nach Kam«un gehen wollten, dagegen wolle er die Ka- merunneger bekämpfen, wenn ste nach Berlin kommen und i» die R-daktionen der Tageblätter eintreten würden. Herr Windthorft stritt stch dann noch wegen der Missionäre mit Stöcker, worauf die Debatte wieder auf das p?rsönliche Niveau hinabsank. Schließlich wurden die Posten bezüglich der Ausgaben für Kamerun wieder an die Budgetkommisfio» zurückverwiesen. Da? Gezänke wegen der Karolinen-Angelegenheit dauert noch immer fort. Man wird stch entsinnen, daß seiner Zeit von der gesammten gutgesinnten Presse behauptet wurde, die spanischen Schiffe hätten die Insel Zjap erst erreicht, nach- dem bereits die deutsche Flagge aufgehißt war. AuS ven Erklärungen, welche die„Nordd. Allg. Ztg." vor einigen Tage» vom Stapel ließ, ging nun aber hervor, daß die Spanier fak- tisch schon die Inseln in Besitz genommen hatten, als der deutsche Dampfer anlangte. Der„RetchSbote", welcher immer mit großer Emphase auf daS Zuspäikomm-n der Spanter hin- gewiesen hatte, fühlt stch durch diese Mitthcilung sehr be- klommen. »Ist das richtig?"— dem«» daS genannte Blatt— „Bisher hieß es immer, daS deutsche Schiff sei dem spanischen zuvorgekommen! Dann hätte Deutschland in Rücksicht auf muhte sie mit fast«schreckt« Neugi« betrachten, etwas AehnlicheS war ihr noch nicht vorgekommen. Matt« Weber hatte schweigend die Flasche ihrem Kumpan gereicht, und dieselbe nach gehöriger Benutzung wieder auf den Tisch gestellt. „Wovon sprachen wir doch, Fritz," fragte Mutter Weber, indem sie ihren schw«e« Kopf auf die Seite neigte. „Sie wollten«zähle«, wie sie im ZnkuS auftraten!" «Ach ja, ganz Recht. Za, Fräulein, da Härten Sie mich sehen müssen. Es gab keine bessere Reiterin wie mich. Zed«man» war nach mir vernant, alle Zeitungen sprachen von mir, man üb«schüttete mich mit Blumen, mit Liebe»« briefen, kurzum ich war die beneide«Sw«theste Person voa d« Welt." Sie began«, von d« Erinnerung bingerisse», förmlich zu schluchzen. „Heute glaubt e» Niemand mehr," fuhr sie fort,„abrr e« waren doch schöne Zeiten. Niemand konnte dess« auf dem Pferde stehen wie ich, damals verhätschelte man mich, jetzt freilich ist e» and«S gewordin I" Bei den letzten Worten war ihre Stimme schwächer geworden, sie schwieg jetzt, nur schwere», stöhnendes Athmen zeigte an, daß»och Leben in dem riesige» Körp« war. Es gehörte zu den besond«en Eigenthümlichkeiten der Mutter Web«, in trunkenem Zustande von ihren Errungen» schaften al« Zirku«reit«iu zu spreche«. Allerdings wußte .Niemand vö« ihrer Umgebung etwas Genau««» über diese Periode ihres Leben», vielleicht hätte der Drrekior Web« hierüber Aufschluß geben können, er war indessen viel z» schweigsam, um üb« Sachen, die ihn näher angingen. Mit« theilunge« zu machen. Sie verlangte jedoch von jedem ihr« Zuhör« unbe» dingte« Glaube«, und nicht« konnte sie mehr in Wuth ver« setzen, al« wenn Jemand Zweifel an ihrer Kunstfntigkeit al« Reiteria äuß«te. Spanien aber auch sofoit zurücktreten können, und die An> ruf un o d-r päpstlichen Vermittelung erscheint dann erst recht unbegreiflich."..... Hierauf replizirt die offiziöse„Nordd." folgendermaßen: „Der„Reicht böte" geht offenbar von der Voraussetzung aus daß die Karolinen in der Nähe von Potsdam gelegen find. DaS trifft ind. ffen ncht zu. Tie genannte Inselgruppe ist von Berlin sehr neit entfernt, und die Frage, od Deutschland oder Spanien in der Befitzergieifung vie Priorität gehabt habe, war daher nicht so schnell und so leicht zu entscheiden, als der „Reichsbote" es annimmt. Zunächst mußten die Berichte der deutschen Offiziere abgewartet werden. Aus letzteren ergab fich, daß unsere Offiziere streng nach ihrer Segelordre verfahren waren. Sie hatten die deutsche Flagge auf der Inselgruppe aufgehißt, weil fie dort keine spanische Flagge vorgefunden hatten. Andererseits wurde aber auch festgestellt, daß zu der Zeit, als unsere Schiffe nach der Kaiotinengrupve gelangt waren, seitens der Spanier bereits seit mehreren Tagen dort verschiedene Akte vorgenommen worden waren, welche als eine bona fide. Besitzer greitung anerkannt werden mußten. Sie hatten Häuser ausgeladen. Beamte ausgeschifft u- s. w. Als eine Spanien befreundete Macht durste Deutsch« land seine Anerkennung der Okkupation nicht von dem Auf« hissen einer Flagge abhängig machen. Um zu einer staats« rechtlichen Entscheidung der Frage wegen der Priorität der Befitzergreifung zu gelangen, bedurfte eS eben aller dieser Feststellungen. Auch dann hätte man noch darüber streiten können, ob die Befitzergreifung der Insel Uap die ganze Karolinengruppe decke. Die Seche schien indeß nicht wichtig genug, um ihretwegen mit Spanien Zwifligkeiten an« � Air haben von vornherein den Standpunkt vertreten, daß eS sich der Karolinen-Inseln halber gewiß nicht verlohne, mit einer befreundeten Macht Streit anzufangen, wenn wir auch andererseits der Meinung find, daß das Einlenken der Reichs- regierung keineswegs lediglich aus vorstehenden Gründen er« folgt ist. Die ganze Angelegenheit ist ficher dazu angethan, den Kolonial- EnthufiaSmus etwas abzukühlen und das ist jedenfalls ein nicht zu unterschätzender Erfolg. De« Motiven zum Gesetzentwurf detreffend die Ein« sührung des Branntwein-MonopolS ist eine Ueber« ficht der ii Frankreich, England, Rußland, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Belgien, den Niederlanden und Schweden im Ganzen und auf den Kopf der Bevölkerung auf- kommenden Steuerbeträge aus dem Branntwein und deS Branntwein Konsums beigegeben. Danach beträgt in Frank« reich die Netto-Einnabme aus dem Branntwein 237,500,000 FrcS., pro Kopf 6,73 Frcs, in England 15,000,000 Lstr., pro Kopf 0,41 Lstr.. Rußland 250,000,000 Rbl., pro Kopf 3 Rbl., Vereinigte Staaten von Nordamerika 74,500,000 Dollar?, pro Kopf 1,5 Dollar. Belgi n 27,000,000 Frcs., pro Kopf 4,9 FrcS, Niederlande 22,000,000 fl„ pro Kopf 4,9 fl., Schweden 19,500,000 Kronen, pro Kops 4,33 Kronen. Der Konsum reinen Alkohols stellt fich pro Kopf der Bevölkerung in Frank- reich auf 5 Liter, England 2.75—3 Liter, Rußland 7.5 Liter, Vereinigte Staaten von Nordamerika 5,5 Liter, Belgien 5,75 Liter, Niederlande 5-6 Liter, Schweden 4,5 L.ter. Betreff« de« Verkehrs mit Arzneimitteln steht nach der„Pharm. Ztg." eine Reoifion der Reichsoerordnung vom 4. Januar 1875 im Aussicht. Den Einzelregierungen ist seitens des ReichsamtS des Innern eine darauf bezügliche Vorlage zur Begutachtung überwiesen worden. Tie Kommisston der ärzlichen BezirkSvereine und des Apothekervereins in Berlin hatte bereits vor einiger Zeit dem Reichskanzler ein Gesuch um Bekämpfung des Geheimmittelwesens übersandt, in welchem die Aushebung der vorerwähnten Verordnung und deren Er- setzung durch eine andere befürwortet wird, wonach daS An« f eiligen, Feilhalten, Feilbieten und der Verkauf von Arznei« Mitteln jeder Art mit Einschluß der Geheimmittel und der pharmazeutischen Epezlalitäen zu Heilzwecken im Kleinhandel ausschließlich den Apotheken zugewiesen wird.— Die Herren Apothekern scheint eS demnach zu gcniren, daß nicht Alles bei ihnen gekauft wird. Vielleicht träK aber gerade ihr Vorgehen mit dazu bei, die Apothekenfrage im Reichstag zur Sprache zu bringen und auf eine gründliche Abänderung des jetzigen Monopolwesens hinzuwirken. Die Maßregeln zur Zurückdrängung de« polnische« Elements sollen nach einer Berliner Korrespondenz der„Pol. Korresp." in dem Ankaufe von Länvereien bestehen, welche zur Seßhaftmachung deutscher bäuerlicher Elemente benutzt werden sollen. Es dürsten zu diesem Zweckt mehrere Millionen Mark von dem Landtage gefordert werden. Ueber die Art der AuS- sührung dieses Projeltes ist noch nichts Näheres bekannt, doch geht man schwerlich fehl, wenn man annimmt, daß kleine deutsche Bauerndefitzungen in Form von Rentengütern geschaffen wer« den sollen, jenem Projekte gemäß, welches kürzlich Gegenstand der Erörterung des LandeSökonomiekollegiums war. Die Be- fitzungen würden demgemäß in das Eigenthum der Bauern übergehen gegen eine unablösbare Rente.(Vorläufig haben wir es jedenfalls nur mit Muthmaßungen zu thun. D. R.) Im Bundesrathe find, wie verlautet, zu Referenten über daS Branntweinmonopol der sächstsche Geheime Finanz- rath Voltz und der württembergische Oder-Sleuerrath Fischer bestellt. Man vermuthet, daß die Autschußberathungxn nicht vor dem Ende der Woche, beginnen werden und das reichlich Martha war still auf ihrem Stuhl sitzen geblieben, sie hatte mit sehr getheilten Gefühle« der Erzählung gelauscht. Es fing w dem Zimmer bereits an zu dunkel», der Direkior hatte sie um drei Uhr hierher bestellt, e» war bereit« vier Uhr vorbei. Mutter Weber faß zusammengesunken auf ihrem Stuhl, nur hin und wieder entschlüpfte ein gurgelnder, unartiku- lirter Ton ihrer Kehle. Der Klown hing mehr auf seinem Stuhl, als er saß, er hatte die Geschichte der Mutter Weber schon hundert Mal mit angehört, er hatte dieses Mal fast gar nicht auf dieselbe geachtet. Sei e« nun, daß er von dem Genuß de« Schnapse« um seine gesunde UrtheilSkraft gebracht war, sei e», daß er die Absicht hatte, die fremde Dame zu unterhalten, kurzum er nahm das Gespräch wieder auf. „Za, Mutter Weber," lallte er,„daS, was sie da er- zähle», mag Alles sehr schön sei», und ich glaube e« ja auch, aber wenn man Sie heute sieht, sollte man kaum glaube», daß sie früher so behende waren!" „Was sagst Du da?" ftagte die Frau Direktorin zu« nächst mehr erstaunt als erzürnt über die Dreistigkeit ihre« Untcraebeaen. „Ich meine, entgegnete der Klown, daß zum Austreten als ZirkuSreiterin doch eine gewisse Leichtigkeit gehört, und, Mutter Weber, Sie sind doch gerade keine Feder!" Er stützte de« schweren Kopf auf den Ellenbogen und lachte über seine Anspielung leise vor sich hin. Mutter Weber war roth geworden vor innerer Wuth. Sie vermochte im ersten Augenblick nichts zu erwidern, aber einer plötzlichen Eingebung folgend, ergriff fie de« Klown im Genick und hielt ihn in ihrer mächstge» Faust wie m einem Schraubstock fest. „Aber, Mutter Weber," sagte der arme Kerl, dem trotz seiner Trunkenheit da« Gefährliche und Beschämende seiner Lage klar wurde, ängstlich und besänftigend,„ich habe e» ja nicht böse gemeint, bedenke« Sie doch die fremde Dame I" „Mich scheert kein Teufel etwa«," fuhr das wüthende der Monat Februar herankommen dürfte, bis der Entwurf an den Reichstag gelangt.— Heute werden fich die Ausschuß arbeiten im BundeSralhe auch der Vorlage über die B e s ch ä f- tigung jugendlicher Arbeiter in denFabrtken zuwenden. Ans Schneeberg(Sachsen) wird der„Nat.-Z'g." ge- meldet: In unserem(19. sächsischen) Wahlkreise findet bekannt- lich, da der konservative Abgeordnete Edert sein Mandat nieder« gelegt hat, eine Nachwahl zum Reichstage statt. Die Sozraldemokraten machen große Anstrengungen, um unseren Wahlkreis, welcher Jahre hindurch sozialvemokratisch vertreten war, zn erobern. Der sozialdemokratische Kandidat wird Schuh machermeister Eeyffert aus Zwickau sein. Ueber die Ausstellung der Kandidaten der anderen Parteien verlautet noch nichts. Der a«S Berlin ausgewiesene Oesterreicher»r. phl:. Emil Kaler-Rheinthal-r hat sein Domizil jetzr in der Schweiz (Zürich) grnommcn. Derselbe thcilte einem Korrespondenten der „Franks. Zig" folgendes mit: Er traf im November in Berlin zum ausschließlichen Zweck ein, in der dortigen königl. B blio- tbek für eine wissenschaftliche A-beit Studien vorzunehmen. Diesen Zweck seines Aufenthalts thcilte er der Polizei mit und blieb fünf volle Wochen gänzlich unbelästigt. Er besuchte weder eine Versammlung, noch schrieb er irgend etwas für eine Zei tung, lebte vielmehr ganz seinen Studien. Er war daher nicht wenig überrascht, als er eines Morgens früh 6 Uhr durch einen Geheimagenten zum Polizeiprästbium gebracht wurde, um so fort ausgewiesen zu werden. Als er nach den Gründen seiner Ausweisung forschte, erhielt er die Antwort, er sei in Oester- reich im Jahre 1881 wegen Majestättbeleidigung ic. bestraft worden. Auf seinen Einwand, daß es doch unerhört sei, einen Menschen nach dem, was er vor einer Reihe von Jahren ge- than, zu beurtheilen und dafür in Strafe zu nehmen, erhielt er die Bemerkung, daß dir Polizei für die Ausweisung überhaupt keine Gründe anzugeben brauche. Auf seine Anfrage, ob es einen Instanzenweg gebe, um gegen die Ausweisung Beschwerde zu führen, erhielt er eine verneinende Antwort und wurde ihm bedeutet, daß ihm nur noch die Bitte an das Polizeiprästbium offen stehe, ihm eine Frist zur Ordnung seiner Angelegenheiten zu gewähren. Er bat um eine vierwöchige Frist, um wenig« stens die allerwichtigsten Studien zum Abschluß bringen zu können. Statt der vierwöchigen Frist erhält er eine 24slündige, unter Androhung einer Gelosttafe von 100 M. ev. 10 Tagen Gefängniß, wenn sie nicht eingehalten würde. Diese Hätte schien selbst den Beamten zu stark zu sein, sie rlethen zu einer neuen Eingabe an den Präfidenten. Dr. Kaler folgte dem Rathe, konnte daS Resultat der neuen Eingabe aber nicht ab- warten, da er an die erste Verfügung gebunden war und fich der Gefahr einer Verhaftung nicht aussetzen wollte. Nachdem er bereits abgereist war, bezüglich nach Ablauf der 24stündigen Frist, wurde in seiner Wohnung ein Dekret des Polizciprä« fidentcn behändigt, wottn Dr. Kaler eine fünftägige Frist ge- wähtt wurde. Dem weimarischen Landtag, welcher soeben eröffnet wurde, liegt ein Antrag zur Errichtung eines G ö t h e tfw vT■...... Museums vor. Eine Vorlage an Der„Nat.-Ztx den Landtag wird darüber geschtteben: !ezieht fich auf das Gölhc- HauS, das nebst den Sammlungen durch den letzten Enkel deS Dichters, Wallher von Götbe, dem weimarischen Staat ver- macht worden ist. Die unmittelbare Veranlassung der Vorlage giebt der Umstand, daß der überaus klägliche bauliche Zustand, rn dem fich das Haus defand, umfangreiche Reparaturen noth- wendig �gemacht hat, die einen Kostenaufwand von etwa 36000 M. erfordert haben. Die Regierung ersucht den Land- tag um seine Zustimmung dazu, sowie über Verwendung einer weiteren Summe von einigen tausend Mark für die innere Herstellung der Räume in einer ihrem nunmehrigen Zwecke als Gölhe-National-Museum entsprechender Weise. Ferner werden als dauernde Ausgaben eine Besolvungszulage für den mit der Leitung deS Museums beauftragten Hofrath Roland und Besoldungen für untere Beamte:c. zunächst für 1885 und 1886 gefordert, während diese Posten später tn den regelmäßigen Staatshaushalts Etat eingestellt werden sollen. Ucdrigens hat der Staat mit dem Hause bekanntlich auch ein Kapital von 30 000 M. ererbt, dessen Zinsen zu der Unterhaltung des Hauses dienen sollen. Die Eröffnung deS Göthe. National- Museums, als welches da« GöthehauS mit seinen Sammlungen durch einen landesherrlichen Sllstungsbrief vom 8. Aug. v. I. bezeichnet wird, dürfte im Vorsommer stattfinden. Daß der Eintritt desselben ein stets freier sein sollte, liegt nicht in der Abficht der Regierung, doch wird wohl an ein oder zwei Tagen der Woche der Einttttt frei sein, an dm anderen nur ein mäßiges Eintrittsgeld erhoben werden. Die Sammlungen werden in den an den Landtag gettchteten Aktenstücken als sehr reichhaltig bezeichnet; die Sammlung an Handzeichnungen umfaßt über 1000 Nummern und enthält ebenso wie die der Kupferstiche und Holzschnitte äußerst kostbare Blätter, die Sammlung von Majoliken über 100 Stück zum Theil so seltener Art, daß fie als eine der interessantesten in Europa bezeichnet werden kann. Uebrigens ist die Katalogistrung noch nicht vollendet. Verfichert gegen FeuerSgefahr find vie Sammlungen und daS Mobiliar mit 179 650 M. unter Zugrundelegung des Marktwetthes. Die Unterhandlungen betreffs der Posen- Gnesener Erzbischofsfrage sind, wie der päpstliche„Offervatore Kattoliko" Weib auf,„wie kannst Du Hungerleider es wagen, Zweifel an meinen Worten zu äußern!" Sie drückte ihm da« Gesicht auf die Tischplatte nieder, daß er beinahe erstickte. „Nun, so sprich doch wenigste«»," sagte fie, indem sie fich an den Krümmungen ihres Opfers ergötzte,„wo ist den» Deine Frechheit jetzt gebliebe»?" Sie riß ihn plötzlich empor und schlug rhm mit der sreim Hand mehrere Male heftig rn« Gesicht, so daß dem armen Menschen das Blut aus der Nase spritzte. Dann stand fie, ohne ihn loszulassen, auf und warf ihn in die dunkle Küche hinaus, wo er polternd zusammenbrach. Krachend warf sie die Thür hinter ihm zu. Martha war erschreckt aufgesprungen. Sie hatte häufig blutige Schlägereien gesehen, wo Menschen wie die wilden Thiere aufeinander stürzten und sich mit Messern und Bier- gläsern bearbeiteten. Auch Frauen hatte» sich daran be- the'Iigt, sie hatten aber stets au« Nothwehr oder aus Liebe gehandelt, eine solche Bestialität hatte sie niemals bemerkt. Die Direktorin hatte sich nach der gehabten An- firengung keuchend auf ihrem Stuhl niedergelassen, die Röthe ihres Gesichte« hatte einer tiefen Blässe Platz gemacht, ihre Fäuste waren krampfhaft geballt, Matths fürchtete zeden Augenblick einen neue» Wuthaus- bruch, dessen Opfer, da Niemand außer ihr zugegen war, wahrscheinlich fie selbst geworden wäre. Sie wagte kaum zu athmen, um die Aufmerksamkeit de» Kolosses nicht auf sich zu ziehen. Die Situatton wurde immer gefährlicher und unange- nehmer, das junge Mädchen hätte sich am liebsten leise ent- fernt, die Direktorin saß jedoch dicht bei der Thür, so daß sie unbemerkt bei derselben nicht vorbeikomme« konnte. Da endlich giva draußen die Korridorthür. Martha athmete erleichtert aus. Mochte e« sein, wer es wollte, jeden- falls wurde sie aus der peinlichen Lage befteit. „Weshalb brennt hier kein Licht," hörte man draußen aus„guter" Quelle verfichert, noch nicht zum doch sei ein solcher binnen Kurzem zu erwatten. W. über die in Berlin zu erttchtcndc Nuntiatur seien ad« verfrüht. Der„Kölnischen Ztg." wird auf neutrdW und Berlin eingezogene Erkundigungen übereiastW stätigt, daß die ganze Nachricht von der Errichtung» lichcn Nunliatur in Berlin aus der Luft gegnffen# Recht interessant find die Gründe, welche den* Kaiser veranlaßien, den früheren chinesischen 0# Deutschland, Li-Fong-Pao, zu degradiren. Das Dekret hat nack Uedersetzung aus dem Ehinestfchen 1 Wottlaut:„Peking, 22. November. Der B-aB Klaffe, Geheimer Kadinctsrath dritter Klasse, nottt Range eines Tautai, Li-Fong-Pao, Charaktrr: schmutzig(fleckig), Kunst: fich einzuschmeicheln, liinj erlangen; öfter und von vielen Personen wurde van« geführt. Ich befehle, ihn zu degradiren, und W gestattet werden, ihn wieder als Beamten zu rentt«' Frankreich. Die ministerielle Erklärung, welche am? in der Kammer den lebhaftesten Beifall der ra> Linken erregt«, wird dem entsprechend von den# Pattei so warm gelobt, wie dies schon lange lci» gebung der Regierung widerfuhr. Henri Roch es oll fie im„Jnttanfigeant" mit folgenden Watten: i Endlich hat man der Landesvertretung eine| geboten, die etwas sagen will. Alle Abgeordnete' daher mit wachsendem Eistaunen an. War dal Das Ministettum äußerte sich unverhohlen gegen dil Unternehmungen und kündigte offiziell an, ei solb Steuer eingeführt wert e i. Tai waren zwei Etreii auf die Backe Jules Feriy's, der unS auf steini nach Tongktng geführt hatte, der andere auf Briffon's, welcher unS im Beginn der Sesston mit würdigsten Miene von der Welt zu verstehen ga ernstlich damit um, die Abgaben aller Art, unter stöhnen, noch zu erhöhen.... Auch dir Rest der ist viel verheißend. Das Parlament wird also ni schuldigen sein, wenn es nicht endlich die Resor» Hand nimmt, die bisher immer aus Furcht vor dl> stände der Regierung vettagt wurden. Die„Justice" meint, der größte Fehler der gex klärung sei der, daß fie zwei Monate habe auf B lassen. Wenn Herr Bciffon fie am 16. Novemt� neuen Kammer gehalten hätte, so wäre Alles nach gangen. Von dem, was die Erklärung enthält, ver! den genngsten Tadel, und wenn man Vorbehalte so könnten fie nur auf die Auslassungen Bezug sckiedcnes, was darin hätte erwähnt werden so! Stillschweigen übergangen worden. Es handelt fich um die Amnestie, dann um die radikale Reform> aesetze und, wie daS Blatt andeutet um gründlich« ü Neuerungen. UnS scheint, daß fich die Herren Rochefott und allzugroßen Ermattungen bezüglich dessen hingebe». neue Ministerium leisten wird. Herr Lockroy, der minister, hat zwar Reformen im Innern des__ kündigt, allein welcher Art diese sein sollen, ist noä 'sim gesagt worden, abgesehen davon, daß nlündigung und Ausführung ein weiter liegt. Will das Ministerium den Weg wirfli reformen antteten, so wird das gewiß im ganzen Freuden begrüßt werden, andernfalls dürfte dci eine längere Lebensdauer beschieden sein, wie gängern. Es muß fich ja bald genug zeigen, wohi» dinet Freyclnet steuern will. _— Louise Michel hat fich nur mit WidttP Entlassung aus dem Gefängnisse gefügt. Sie macb«' rektor des Gefängnisses Sarnt-Lazare die zornigste» weil er die„Infamie" der Regierung begünstige, � für den Fall, daß fie nicht frelwiMg gehen wollte,� wegen mrt gewaltsamer Ausstoßung gedroht habe.® Blätter bringen Protestschreiben von ihr. Sic desck» Rochefort, Elsmenceau und alle Uedttgen eine? un» Betragens, mit aller Gewalt hätte man fie dral wollen und die Herren hätten sich nichts daraus sogar ins Narrenhaus sperren zu lassen, wenn fie Sorge um fie entbunden worden wären. Eobal* Mutter, die noch im Grade der Familie FenS Ii Ehren erwiesen habe, werde fie auswandern, w noch nicht, vielleicht nach Neu Caledonien, vielleicht päilches Land, wo Bedrängte ihrer bedürfen— i» das nur dem Namen nach eine Republik, in ein Kaiserreich sei, bleibe fie nie und nimmermehr. Großbrita»»ien. Terittschen National- Liga, an deren steht, droht dasselbe Schicksal, welches ihre Vor! irische Landliga, vor etwa Jahresfrist betroffen hat< lische Kabinel hat am Eonnabend die Räthlichkett' Nationalliga für eine„ungesetzliche Vereinigung" Ein endgiitiger Beschluß wurde zwar noch nicht i würde eine derartige Maßregel fich ganz selbstv' das System der Ausnahmegesetzgedung ernfügen, r: Kabinet Salisbury Irland gegenüber von Neue»' m die unwirsche Stimme des Direktors sagen, vetteufelte Witthschaft. Kommen Sie nur hier � Die letzten Worte waren an de» Klaviecj richtet, in dessen Begleitung der Direktor% Thür trat. Mit einem Blick überschaute er die\ „Guten Abend, Fräulein," sagte er, indem#, seine Frau nicht bemerkte, entschuldigen Sie, matten ließ, es war jedoch nicht meine Schuld." ist Ihren hier nicht« Unangenehme« passirt l" J „Fritz hat ein paar Ohrfeigen bekomme»,"L für sune Frechheiten gebühren," mischte sich u ins Gespräch.„Er kann noch mehr erhalten. wünscht."� Ihr Kopf sank gegen den Ofen, ei»e schlaffuna machte sich auf ihrem breiten bar, sie seufzte ein paar Mal tief auf, dann zuschlummern. Der Direktor unterdrücke nur mit Mühe Mit feindseligem, kaltem Blick bettachtete er ei»« feine Frau. Dann zucke er die Achsel«»»» Martha: „Sie sind wahrscheinlich Zeugin einer u Szene geworden. Nun, hoffentlich sind Sie Sie wissen ja, wie manche Frauen find. 34 Sache übrigens später in Ordnung bringe«. wünschte ich überhaupt nicht, daß Sie mit m«!? 1 Berührung komme«, mir stehe« noch andere 9« � Verfügung. Kommen Sie, wir wolle» Der obere Theil der Wohnung bestand Sei Zimmern und einer dunklen Kammer," J own als Aufenthaltsort diente./ Die beiden Zimmer, die durch eine Por�j� waren, entbehrten nicht einer gewisse« Moh" � f, waren nicht ohne Eleganz möblirt, indessen w jjjf kato, daß Alle«, war man hier sah, a" Trödlerläden stamme« mußte. befindet s Amte bel Wiedereii gemeine nächste Z. lischen Di schäiler); ein Präte erhoben. scharfe M Die prost wie wella fick die ai kann fie v fie hat. Dei 1886/87 gekomme nähme i zwar ein zu»uschrei Etats ui Erhöhun in AuSfi das Ordi bedeuten! den Sie 100 pCt. werden kommen waltung auf an d tionSbetr städtischer müssen, a verwaltur 1 288329 die Eine übrigen E Einnahm. ex das Extrc gabesumn nämlich b 10 958571 dann foI( die Kapit. heblich ge waltung 5282 909 mit 2 951 2 463 236 Gesundhei deleuchtun ist so klei Straßen i zahlt wild derselben, 532 945 1 Etat soll i o.k.« soll ein a Klavie und b nieder, seines' dem" «wir 1 aufgel mich j werde gerade hervoi 9 dann t S der A stimm. der K werde, gire ic wir t findet gi., U wenbutm bringen will. Der irische Erzbischof Walsh bat vor einer Versammluna in Thurles auf daS Bestimmteste eine Erneuerung der Mord» und Dynamitpolitik, sowie die Zerstörung englischer Städte vorhergesagt, falls das irische Volk jetzt abermals in seiner Hoffnung auf Frei« heit getäuscht werde. Hilfe erwartet der Erzbischof nur noch von Gladstone, dm hoffentlich die Auflehnung einiger seiner hervorragendsten Anhänger nicht ent> nerven werde— Herr Gladstone ist ficher nicht der Mann hier Wandel zu schaffen. Er sowohl, wie auch die jetzigen Leiter der Regierung haben nichts gelernt, aber alles vcrgeffen. Wäre das nicht der Lall, so würoe es unerklärlich sein, daß heute noch das alte Mittel, die Ausnahmegesetzgedung, in An» Wendung kommen soll, obgleich mit derselben noch nie etwaS anderes erreicht wurde, als eine Vergrößerung des haffcS gegen die Urheber und Anhänger derartiger Maßregeln. UedrigenS dürfte fick die Sache nicht so glatt machen laffm, da die irischen Abgeordneten eine so respektable Minorität im Parlamente bilden, daß eS ihnen ein Leichtes sein wird, b:i Fragen, in welchen unter den anderen Parteien nicht volle Einigkeit vorhanden ist, dm Sturz jeder unliebsamen Regie» rung herbeizuführen. — Die britischen Truppen in Birma find von einer starken Schaar Freischärler angegriffen worden. Zahlreiche Offiziere Snd getödtet, viele verwundet. Eine große Anzahl Kranker efindet fich im Hospital zu Mandalay Die zum Theile im Amte belassenen birmanischen Minister betreiben König Thibo's Wiedereinsetzung und bereitm der englischm Verwaltung un» gemeine Schwierigkeiten. Alle militärischen Pläne für die nächste Zeit find durch Verrath von birmanischen, in den mg« fischen Dienst getretenen Beamten in Besttz der DakoitS(Frei- schärler) gekommen. In einem der letzten Gefechte ist zwar ein Prätendent gefangen worden, aber schon haben fich andere erhoben. Die englischen und indischen Blätter verlangen scharfe Maßregeln und verhehlen die schwierige Lage nicht.— Die profitlüstemen Großkrämer möchtm am liebsten Jeden auf- fich die angeblichen Störenfriede auch„kriegen" laffen. Man kann sie mit dem besten Willen nicht eher hängen, als bis man fie hat.__, Kommunales. »°°�'.�?"han«l>altS. Etat für Berlin auf das Jahr 1886/87 ist in der gestrigen Magistrats Sitzung zum Vortrag gekommen. Derselbe schließt, der„Nat.-Ztg." zufolge, in Einnahme und Ausgabe mit 57 792 406 M. ad, während die Schlußsumme des Etats des laufenden JahreS nur 51 234 267 M. ist. Ein kleiner Theil der Mehreinnahmen und Ausgabm ist zwar einer mrändertm Buchung des Ueberschuffos der Werke zuzuschreiben: immerhin bleibt aber diese Steigerung deS Etats um mehr als 6'/, Millionen sehr bemerkenswerth. Eine Erhöhung des Prozentsatzes der Einkommensteuer steht nicht in AuSficht. Von den Einnahmen kommen 49876588 M. auf das Ordinarium, 7 915 828 M. auf daS Extraordinarium. Di« bedeutendste Einnahme im Ordinarium ist die Einnahme aus den Steuern, die indeß, sobald' die Einkommensteuer auf 100 pCt. festgesetzt worden ist, um rund 600000 M. ermäßigt werden wird. Sie ist mit 29 588 295 M. angesetzt. Dann kommen die Einnahmen bei der Kapital- und Schuldenver- waltung mit 7 911318 M.(Erstattungen an städtische Werke auf an die Stadt-Hauptkaffe gezahlte Zinsen und Amortisa- tionSdeträge), die Einnahmen aus der Verwaltung der städtischen Werke, welche an die Stadt-Haupttaffe gezahlt werden müssen, auf 5 368 989 M. Die Einnahmen auS der Unterrichts- Verwaltung mit 1 760 870 M., auS der Bauverwaltung 1 288 329 M., die verschiedenen Einnahmen mit 840 418 M-, die Einnahme bei der Armenverwaltung 747 029 M. Alle übrigen Einnahmen find erheblich geringer. Di« extraordinären Einnahmen mit 7 322 300 M- find zum größten Theil Zu» schüffe zu extraordinären Ausgab« n auS der Anleihe. Bei den Ausgaben deläuft fich daS Oidinarium auf 46 221 004 M„ daS Extra-Ordinarium auf 11571402 M. Die größte Ausgabesumme hat die Bauverwaltung(Hochbau und Tiefbau), nämlich im Ordinarium 4 187 040 M., im Extra-Ordinarium 10 958 570 M., zusammen also nicht weniger als 15 145610 M.; dann folgt die Unterrichtsverwaltung mit 10617 594 M. und die Kapital- und Schuldenverwaltung mit 9 381 249 M. Erheblich geringer find die Ansätze für die gesammte Armenver- waliung mit 6 130 513 M. und die Verwaltungskosten um 5282 909 M; an diese schließt fich an die Polizciverwaltung mit 2953989 M., der Zuschuß zur Kanalisation mit 2 463236 M., die Krankenhäuser und die Einrichtungen für Gesundheitspflege mit 2483 759 M. und die städt. Straßen- deleuchtung und Straßenreinigung mit 1 762 089 M. Letztere ist so klein geworden, seit das GaS zur Beleuchtung der Straßen und Plätze an die Stadt-Hauptkaffe nicht mehr ge- zahlt wird. Die übrigen AuSgabm find viel kleiner, die größte dAelben, die Park- und Gartenverwaltung, beziffert fich auf 532 945 M.— Dre öffentliche Auslegung des Stadthaushalts- Etat soll am 21. d. M- beginnen. o.k. Zwangserziehung verwahrloster Knaben. Berlin soll ern auf städtische Kosten zu errichtendes ErziehungShaus 'S L n<£ -d A "4 In dem zweiten Zimmer stand ein Pianino. Der Klavierspieler, ein juvger Mann von ängstlichen Manieren und blassem, abgehärmtem Gesicht, hatte sich vor demselben niedergelassen und erwartete jedenfalls die Anordnungen seines ArbestgcberS. „Nun, Fräulein," sagte der Direktor verbindlich, nach- dem er das junge Mädchen zum Sitzen eingeladen hatte, „wir können jetzt mit der Probe beginnen." " Sie sah ihn etwas erstaunt an. „Ich bin augenblickl ch eigentlich nicht zum Singen aufgelegt," entgegnete fie nicht ohne Ironie.„Ich kann mich ja nicht über allzuschwache Nerven beklage», aber Sie werde« selbst zugebe», daß eine Begegnung mit Ihrer Frau gerade nicht dazu angethan ist, eine fröhliche Stimmung hervorzurufen. Trotzdem will ich es probiren." Der Klavierspieler schlug einen Akkord an und intonirte dann die Melodie eines bekannte« Volksliedes. Martha sang die Melodie mit volltönender, hinreißen- der Altstimme, sodaß selbst der Direktor mehrere Male zu« stimmend mit dem Kopf nickte. „Sie haben eine wunderbare Stimme, Fräulein," sagte der Klavrerspieler, nachdem daS Spiel beendet war,„Sie werden viel Aufsehen erregen." - den», Fräulein," sagte der Direktor,„dann enga- grre rch Sre also. Ueber die näheren Bedingungen sprechen wn noch. Dre Kapelle ist jetzt vollzählig, in acht Tage« findet du erste Vorstellung statt."(Forts, folgt.) Aus Kunst«ud Zeven. Loutsenstädtisches Theater. Donnerstag, den 21. d. M., rt im Louisenstädtischen Theater ein Benefiz für Frl. Ida _ statt. Die junge Künstlerin, eine frühere Schülerin von Frl. Jenny Meyer, hat zu ihrem Benefiz eine Auswahl '?? Dpern„Orpheus� von Gluck.„Romeo" von Bellini, *%% und„Troubadour" von Verdi aetroffem und wird in den beiden erstgenannten Opern die T die Äzurena fingen. Litelrolle und im Troubadour für verwabrloste Knaben erhalten. DaS ErziehungShauS soll mit dem Rummelsburger Arbeitshause in engem Zusammen« hange stehen und zwar insofern, alS ein Pavillon des Arbeits« hauseS durch die auf den Rieselfeldem beschäftigten HäuSlinge frei geworden ist. Die bisherige Praxis der Waisenverwaltung, die zur Zwangserziehung verurtheilten Knaben ausschließlich außerhalb Berlins wohnenden Familien anzuvertrauen, hat die gehoffte Wirkung nicht ergeben. Mehrfach ist es vorgekommen, daß solche Knaben ihren Erziehem den Rücken kehrten auf Nimmerwiedersehen verschwanden. DaS ErziehungShauS ist daher vornehmlich auf solche Verwahrloste berechnet, die mehr« fach rückfällig geworden find. Die Privaterziehung, Vereins- Sättgkeit ,c. soll für die weniger verwahrlosten jugendlichen ebelthäter beibehalten werden. DaS HauS soll aber nach Möglichkeit als Durchgangsstation für alle zur Zwangserziehung Verurtheilte werden und ist daffelbe vorerst auf 120 Zöglinge be- rechnet. Die Anstalt wird fich mit 4 Kategorien Verurtheilten be- schästigen müssen und zwar mit solchen zur vorläufigen Beobach- iung, zur Vorbereitung für die Familienerziehung, zur vollen Anstaltserziehung und zur Korrettur mißrathener Burschen zwischen 14 und 18 Jahren. Während der Zwangserziehung, welche fich zumeist bis zur erfolgten Konfirmation ersttecken wird, empfangen die Zöglinge außer Untenicht in den Ge« rneindeschulfächern, noch Unterweisungen in daS später zu wäh- lende Handwerk und in der Gartenarbeit. DaS ErziehungS« Haus wird außer einem VersammlungSsaal 4 Schlafsäle, Woh« nungen für die Lehrer, Inspektoren, noch Baderäume und eine Jsolirzelle erhalten._ Zokales. r. DaS Prinzip der theilweisen Heranziehung zur Kommunalstener, das seit dem sogenannten Kommunalsteuer- Roihgesetz besonders eiftrg von den Kommunalverwaltungen und namentlich auch von unserer Berliner Stadtverwaltung kultivirt wird, scheint in der praktischen Anwendung und in der Auslegung der betreffenden Gesetzesbestimmungen zu recht verschiedenen Auffassungen Anlaß zu geben. Der Kaufmann B. in Charlotten bürg ist stiller Gesellschaster bei einer hiefigen Firma. Dieser Umstand kam irgendwie zur Kenntntß der Ein- schätzungSkommisfion, die fich natürlich beeilte, einen ent- sprechenden Theil deS B.'schen Einkommens zur hiefigen Kom« munalsteuer heranzuziehen. Der Einspruch B.'S gegen seine Veranlaguna'zur Einkommensteuer in Berlin wurde zurückge- wiesen und B. erhob nun Klage im Verwaltungsstreit-Ver- fahren. DaS Oberverwaltungsgericht hat in der Sache zu seinen Gunsten entschieden. Wenn eS auch zulässtg sei, den Kommanditisten in dieser Weise zur Steuer heranzuziehen— so führt die betreffende Entscheidung aus— so ist doch der stille Theilnehmer nicht als Kommanditist anzusehen; zwischen Beiden bestehe ein erheblicher Rechtiuntersch'ed. Weder daS Sleuer-Regulativ der Stadt Berlin noch die Städte-Ordnung unterwirft den stillen Theilnehmer der Steuerpflicht. Er de- treibe alt stiller Theilnehmer weder selbst daS Gewerbe, noch nehme er an dem Gewerbe-Betriebe direkt Theil.— Für die bevorstehende Steuer- Veranlagung ist die? Prinzip jedenfalls wichtig. Es dürfte freilich meist nur wohlhabenden Leuten zu Gute kommen, denen ei nicht darauf ankommt, eine Pferde- bahnlinie weiter nach einem der Vororte zu verziehen, wenn !le dadurch eine entsprechende Summe an Steuern ersparen önnen. von der segensreiche« Wirkung einer mit genügenden Hilfskräften funkt'onirenden Sanitätswache, legt der JahreS- bericht der Sanitätistation„der äußeren Louisenstadt" ein be- redtes Zeugniß ab. Im Lau'e der vier Monate wurden 717 Fälle, denen Hilfsleistungen direkt in der Etation 406, in den Wohnungen 311 geleistet. Dieselben dezogen fich auf 36 geburtshilfliche, 355 innerliche und 326 chirurgische. Unter letzteren waren nur 43 aus Schlägereien herrührende Fälle. Die Behandlung folgte 505 Mal ganz unentgeltlich, während in 212 Fällen eine Entschädigung gern und freiwillig geboten wurde. Die Jahres-Einnabmen belicfen fich auf 7293 Mk. 26 Pf., die Ausgaben auf 4762 Mk. 83 Pf., so daß der Station augenblicklich nur ein Bestand von 2530 Mk. 43 Pf. zur Verfügung steht. Die Einnahmen resultirtcn vornehmlich aus Konzerffestlichkeiten, da im Allgemeinen daS hauptsächlich interesfitte Publikum, die Bewohner jener Gegend zu bestimm- ten laufenden Beiträgen schwer heranzuziehen find. DaS Ku- ratorium der Station bereitet einen Aufruf für diesen Zweck vor, und hofft daS Interesse dieser Kreise durch einen auSführ« lichen Bericht über die Thätigkeit der Station zu erregen. Jedenfalls ist der Erfolg dieser Station während der verhält« ntßmäßig kurzen Zeit ihres Bestehens ein außerordentlicher und legt Zeugniß von der Willensfestigkeit der interesselos für die Sache arbeitenden Männer ab. »« mortnis nll nisl bene! ES ist zwar ein höchst menschliches Gebot, von den Todten nur GuteS zu reden, da der Tod mit allen Fehlem und Schwächen aussöhnt, doch wird die Befolgung diese« Gebotes oft bedeutend erschwert angefichtS der Thatfache, daß die Menschen eben zu komische Leute find. ES ist zwar sehr rühmlich und schön, daS An- denken großer Todten durch Monumente, Gedächtntßfeier und dergleichen mehr zu ehren, wenn die Nachwelt dieS aus eigenem Antriebe thu«; wenn aber Jemand selber Sorge dafür trägt, daß dai Gedächniß an seine Person alljährlich aufgefrischt „Verein Berliner Presse." DaS diesjährige Ballfest deS„Vereins Berliner Preffe" findet am Sonnabend, den 20. Februar, im Wintergarten deS Zentralhotel statt. Münster i. Wests. In dieser Woche werden eS 350 I a h r e, seit in unserer Stadt die Häupter der Wieder« täufer, Johann Bockelson von Leydm, Bemhard Knipperdolling und Krechting, hingerichtet wurden. Dies Ereigniß dürfte be- deutungSvoll genug sein, um es in kurzer Beschreibung den heute Lebenden ins Gedächtniß zurückzurufen. Wir folgen da- bei auszugsweise einem seltenen, alten Werke(Kerßenbroick's lateinischer Geschichte der Wiedettäufer von 1568) welches in deutscher Uebersetzung von 1771 vorliegt. Diese Quelle b> richtet zunächst, wie die drei grausam Hingerichteten am 12 Januar 1536 nach Münster gebracht und im Gefängniß verwahtt wurden.„Vor dem Rathhause wurde unterdessen auS drei Wägen, über welche starke, eichene Bretter gedeckt wurden, ein Gerüst und Schaubühne gebaut, damit man näm- lich einen erhabenen Ott haben möchte und das Volk nicht zu nahe herbeilaufen könnte; auf diesem Gerüste war auch noch ein Pfahl, mit beweglichen Halseisen versehen, aufgettchtet, und an demselben ragete noch eine Elle hoch über den Brettern ein Zwerchhol»(Querholz) hervor, auf welchem die »ur Todesstrafe Verurlh-ilten fitzen sollten." Nach längerer Schilderung über das Verhalten Bockelson'« im Ge- fänaniß heißt es dann weiter:„Hierauf find dm 22. Januar (nach anderen Quellen war der Hinnchtrmgstag jedoch der 23/ Januar) Vormittags nach acht Uhr die Stadtthore verschlossen mit seinen Hofleuten auf die Schaubühne gekommen, so fiel er auf die Knie und betete nach seiner Art mit verschiedenm Ge- betern zu dem Vater; als fie aber wieder aufgestanden waren, so schaueten fie ttngS um fich her und sahen mtt betrübtem Geficht bald den Haufen der Scharftichter an, bald den Pfahl mit dem HalSeisen, wo fie hingettchtet werden sollten, bald den Bischof, der gegenüber in dem Hause des Jodock Holzhausm saß, bald die große Menge des zusammengelaufenen Volks, bald auf die zwei eisernen Kohlenpfannen und die drmnenden und glühenden Sohlen, so darinn waren, und bald die vier Zangen, Über deren Anblick man erschröcken mußte, ja auch bald den Lambertsthurm, an welchen fie nach ausgestandener wird und zwar durch ein„Festessen", so muß dieS zum min- besten sonderbar erscheinen. Eine derartige Erscheinung ist daS sogenannte.�L'Abbaye Essen". Aus den Zinsen de« Ka- pitals, daS zu diesem Zwecke von den in den dreißiger Jahrm hier verstorbenen Staatsraih L'Abbaye gestlstet ist, werden nach seinem Wunsche alljährlich am 17. Januar, dem Geburtstage deS Testator«, hundert von dm Armen-Kommisfionm Berlins dazu ausgewählte würdige Arme(Männer und Frauen) festlich gespeist. DaS Mmu ist von dem Stifter selbst vorge- schtteden und darf niemals das Berliner Donnerstagsgericht Erbsen, Sauerkohl und Pökelfletsch nebst dem obligaten Kümmel fehlen. Zum Schluß de« Festessens wird neuerdings jedem der würdigen hundett Armen ein Sollen, sowie ein Geldgeschenk von 2 Mark verabfolgt. E« ist ja den würdigen hundert Armen gewiß von Herzen zu gönnen, daß ihnen Ge- legmheit geboten ist, fich alljährlich einmal im„Englischm Hause" in einer Weise, wie eS ihnen sonst wohl selten oder nie vergönnt ist, fich zu delektiren und satt zu essen und oben- drein noch eine Kleinigkeit mit nach Hause zu nehmen in ihre ärmliche Klause und eS ließe fich durchaus nichts einwenden gegen eine solche Stiftung, wenn das Ganze eben nicht einzig und allein geschähe— zu seinem Gedächtnisse. Doch— de mortnis nil nisi bene— von dm Todten soll man nur Gute? sprechen. r. Da« Zurückbehaltungsrecht der Wtrthe an den von den Miethern eingebrachten Sachen weam gller Ansprüche aus dem Kontrakt hat auch seine Schattenseiten. Der Eigen» thümer Sch. in der Ritterstraße behielt einem seiner Miether wegen rückständiger Mtethe einen großen Spiegel und eine Polstergarnitur ein, die er auf dem Boden seines HauseS un« terbrachie. Nach einiger Zeit entttchtete der Schuldner auch die rückständige Miethe mit 85 M., weigert« fich aber, die Polstersachen und den Spiegel zurückzunehmen, da diese in« zwischen verdorben, die Polstersachen von Motten zerfressen und der Spiegel blind geworden war. Auf die gerichtliche Klage des früherm MiethcrS ist der HauSwitth verurtheilt worom, jenem die einbehaltenen Eachm in demselben Zu- stände, wie er solche übernommen, zurückzugeben, oder, wenn er hierzu nicht im Stande, deren Äetth mit 220 M. zu ersetzen. Da nur die letztere Alternative möglich ist, so büßt der Witth durch seine unvorstchtige Handlungsweise seine Mieths- forderung ein, zahlt noch 135 M. zu und trägt außerdem die sehr erheblichen Genchtskosten, die fich durch die Gebühren mehrerer Sachverständigen, deren gerichtliche Vernehmung nöthig wurde, bedeutend aufgesummt haben. «ein Selbstmo dversnch. Durch einen Theil der TageS- presse lief vor einigen Tagen die Notiz, daß zwei bei einem in der Koloniesttaße wohnhaften Schlächtermeister beschäftigte Gesellen durch Einathmen von KohlengaS einen Selbstmord- versuch ausgeführt hätten. Herr Schlächtermeister C. Eichler, Koloniestraße 13, der nur der in jener Notiz erwähnte Meister sein kann, dementirt nun diese Nachricht in einem an die„Allg. Fleischerztg." gerichteten Schreiben, in welchem er den Sachverhalt folgendermaßen richtig stellt. Danach hatte er seinen beiden Gesellen Oskar Kupsch und Hermann Albrecht am verflossenen Montag einen neuen Schlafraum angewiesen, in welchem fich ein seit Jahren nicht mehr geheizter Ofen befand, in welchem die Geselle« kurz vor Schlafengehen Kohlenfeuer anmachten. Ä'Ä äää ish und er stieg durchs Fenster in den Schlafraum. Sofort wurde iw klar, daß hier eine Kohlenoxyd. Vergiftung stattgefunden; wahrend Kupsch anscheinend leblos im Bette lag, gab Albrccht durch ein Röcheln noch Lebenszeichen von fich. Die Verun- glückten wurden sofott hinausgeschafft und schleunigst ärztliche Hilfe rcquirirt. Den umfichtiaen und energischen Bemühungen deS Arztes und eines Heilgehilfen gelang eS denn auch, alle beide, die fast dem Tode anheimgefallen, zu retten. Albrccht rst bereits wteder hergestellt, während Kupsch noch krank dar« niederlreat. Da« Unglück ist lediglich durch den defekten und mcht mehr gehörig fvnktionirenden Ofen herbeigeführt und kann von einem Selbstmordversuch keine Rede sein. _.Ueber die bereits am Freitag Vormittag erfolgte Festnahme eines Diebeskonsortiums wird unS folgende Mel- dung gemacht: Den Bewohnern des Hauses Leip'igerstr. 65 mm e« einiger 3«it auf gefallen, daß aus einem zu den Geschaftslokalitaten der Trikotagenfabttk von Max Glan, gehörigen Räume in der dritten Etage, der gleichsam al» Rumpelkammer dient, während der Nachtstunden und zeitweise auch bei Tage fich ein verdächtiges Geräusch vernehmm ließ. Man ahnte aber dennoch nicht« Böses, weil man den Haus« diener deS Geschäfts häufig in die Kammer gehen und aus derselben herauskommen sah. Als aber das verdächtige Treibm auch in den letzten Nächten beobachtet wurde, setzte man die Revierpolizei in Kennlniß und unter Beisein einiger beherzter Hausbewohner drang man in die Kammer, deren Thür von innen zuzuhalten versucht wurde. Hier fand man nun zwei Kerle. deren einer bereits wegen Eigenthumsverbrechen vorbestraft sein soll. Vier Oeldruckdüder, welche in der Kammer standen, wurden von einem Kriminalbeamten sofort als diejenigen er- kannt, welche als gestechten gemeldet worden waren. An an« scheinend gestohlenen Gegenständen wurden ferner noch u. A. Stoffe gefunden. Die emgeleiteten amtlichen Erhebungen er- Lebensstrafe in eisernen Kefigen sollten aufgehänget werden." Nun werden ausführlich die Vorbereitungen zur Hinttch- tuvg aeschildeit und dann fortgefahren:„Alsbald haben die Schinder zuerst den König in daS HalSeisen geschlossen und an den Pfahl gebunden, h-rnach die glühenden Zangen ergriffen und denselben an allen fleischlgten und äderigten Tbeilen seine» Leibes dergestalt gezwickt, daß von einem jeden Ott, der von der Zange berührt wurde, die Flamm« herauSgelodert. Mrt gleicher Strafe find auch die Uebrigen belegt worden, welche jedoch diese Folter mit weit größerer Ungeduld und Empfindlichkeit als der König ausgestanden und ihren Schmerz durch daS viele Wehklagen und Rufen zu er« ttnnen gegeben haben. Nachdem aber Knipperdolling über den Anblick der entsetzlichen Matter erstaunele und in Furcht ge- rieth. so hängete er fich in daS HalSeisen, mit welchem er an den Pfahl angebunden war, suchte fich damit die Kehle abzu- schneiden und seinen Tod zu beschleunigen; allein, da dieses die Schrnder wahrnahmen, richteten fie ihn wieder auf, ttssen ihm den Mund weit auseinander, zogen ihm ein Seil durch die Zähne und banden ihn dergestalt vest an den Pfahl, daß er weder fitzen, noch fich die Kehle ad» reißen, viel weniger den Athem einhalten und fich, da ihm die ganze Kehle aufgesperret war, ersticken konnte. Da fie aber inSgesammt lange genug gemattett und noch leben- dig waren, so riß man ihnen endlich mit einer glühenden Zange die Zunge aus dem Hals und stieß ihnen zugleich mit einem Dolch, so stark als man konnte, in daS Herz, damit, wenn man ihnen dm Sitz des Lebens verwundet hätte, fie dasselbe desto geschwinder verlieren mögten. Hernach find ihre Leichname auf den Lambettskirchhof gefahrm, in eiserne Kefige gethan und damit fie aufrecht stehen konnten, mit dcm Kopf an den obersten Theil de» Kefigs bevestiget worden; endlich aber find fie auf den obersten Theil des Lamdertsthurmes auf die Südseite gestellt und solchergestalt nebeneinander gehängt worden, daß ver König in der Mitte den fühmehmsten Platz bekam, die übrigen aber neben ihm mit den gettngeren Plätzen fürlieb nehmen mußten/ Wir überlassen es denjenigen Leuten, welche so sehr für die Wiederherstellung mittelalterlicher Zuflände schwärmen, zu dem vorstehenden grauenhaften Bericht dm nöthigen Kommentar zu liefern. gaben, daß der Hausdiener deS Glanz'schen Geschäfts schon seit Monaten die beiden Kerle in dem gedachten Räume unbe- merkt beberberate und jedenfalls an deren Raubzügen Thell nahm. Die beiden Individuen wurden festgenommen und nach dem Polizeibureau am Molkenmaikt fistirt. Der Haus« dien er hatte den Vorgang rechtzeitig erfahren und fich aus dem Staube gemacht, wurde aber noch am Nachmittag deffelben Tages durch Zufall von einem Angestellten deS G'schen Geschäfts in der Königstraße betroffen und ebenfalls festgenommen. Die kriminalvolizeilichen Ermittelungen werden erst feststellen, bei welchen Einbrüchen bezw. Diebstählen das nette Kleeblatt sonst noch betbeiligt gewesen. Wie zahlreich die Unglücksfälle in Folge deS Glatt. eiseS am Abend deS 17. und in der darauffolgenden Nacht gewesen find, beweist der Umstand, daß allein in der Sanitäts- wache in der Adalbettstr. drei Arm. bezw. Beinbrüche zur Be- Handlung kamen. D'e Verletzten sind: Das Frl. R, Elisabeth. ufer 58, welche ein Bein brach, der in der Manteuffelstr. 59 wohnende Schlosser A., der fich einen Armbruch zuzog und schließlich der Ingenieur L., Reichenbergerstr. 46, welcher fich beim Fall den Daumen der rechten Hand ausbrach und hier- durch entsetzlich« Schmerzen auszuhallen hatte. Seitens der Kriminal-Polizei finden gegenwartig in Betreff deS UeberfalleS deS cand. jnr. H. in der Nacht zum 15. d. M. am Halleschen Ufer umfangreiche Erhebungen be» Hufs Ermittelung deS ruchlosen Attentäters statt, ohne daß es jedoch bis jetzt gelungen wäre, denselben zu eruiren. Wie die ärztliche Untersuchung ergab, hat H. es nur seiner guten Konstitution zu virdanken, wenn die beiden Messerstiche in die Brust nicht für ihn von verhängnißvollen Folgen begleitet find. Der Kriminal Polizei wird die Aufgabe, den Thäter zu er« Mitteln, dadurch sehr erschwert, daß weder andere Personen noch H. selbst in der Lage find, auch nur den geringsten An« Haltepunkt über daS Aeußere des Unbekannten zu geben. j. Eine wilde Jagd fand am Montag in Britz statt. Ein junger Mann aus Nachhausen bei Königsberg in N. war nämlich in der Jägerstraße nahe einem Mietbskomtoir einem Bauernfänger in die Hände gerathen, welcher ihm vorsviegelte, er könne ihm in Rixdorf die Stelle eines Dieners verschaffen, und ihn einlud, ihn sofort mit seinen Sachen dotthin zu be> gleiten. Letztere holten beide aus einem in der Frankfuttcr- straße, nahe dem 44. Polizeirevier, belegenen Hause ab. Zum Glück nahm der Provinziale nicht seine ganze Baarschaft, son- dern nur 12 Mark mit. In Rixdorf brachte ihn sein Führer zunächst in ein großes Haus, ersuchte ihn, unten zu warten, weil er erst nachsehen wolle, ob der Chef da sei. Dann kehrte er zurück und erklärte, fie müßten nach Britz, wo der Chef seine Privatwohnung habe. Dabei fragte er, od jener ihm nicht 100 Mark wechseln könnte. Schließlich bat er, als ihm der Provinziale über seine„Kaffcnverhältnisse reinen Wein ein- 8«schenkt hatte, um die 12 Mark„bis nachher", weil er ein« ileinigkeit in einem benachbarten Laden bezahlen wolle. Später fing er plötzlich so schnell zu laufen an, daß sein Opfer endlich Verdacht schöpfte, die seine Sachen enthaltende Kiste hinstellte und ihn einzuholen resp. festzuhalten suchte. Der wilden Jagd schloffen fich eine Anzahl Slraßenpaffanten an. Dessenungeachtet entschlüpfte der Betrüger. Der Geprellte mußte froh sein, als er seine'Kiste noch dort vorfand, wo er fie hingestellt halte. j. An Fettsucht ist kürzlich die 11 Jahre alte Tochter des Konditors G. gestorben. Das Kind war seiner Körperfülle wegen in weiteren Kreisen bekannt und sein Bild war in ver- schredenen photographischen Schaukästen als Merlwürdigkeit �Steckbriefe gegen die berüchtigte Wucherschlepperin Witlwe Vogel, Auguste, geb. Rackow, verwiltwet gewesene Köhler, sowie gegen den Gerichtsvollzieher Ernst Otto Bock hat der Untersuchung! richter bei dem Landgericht l unter dem 15. Januar erlassen. Als Delikt wird bei der Vogel, welche !ich verborgen hält, angegeben wiederbolte schwere Urkunden- älschung, Unterschlagung und Betmg, bei Bock, welcher flüchtig st, Unterschlagung und wiederholte Unterschlagung im Amte. Die Vogel ist 44'/, Jahre alt, von untersetzter Slatur, dunkel- blondem Haar, hoher Stirn und hat als besonderes Kenn zeichen einige vernarbte Schnittwunden an der linken Halefeite. Bock ist 32 Jahre all. Sollten die Steckbriefe Erfolg haben, dürfte ein äußerst interessanter Prozeß in Ausstcht stehen. Gerichts-Iettmig. Für die bekannte Konfekttonifirma August Lüders in der Friedrichsttaße arbeitete im verflossenen Jahre ein junges Mädchen, deren Angehörige in Potsdam wohnen, Damen- kostüme und erhielt zur Anfertigung derselben stets größere Zeugstücke in ihre Wohnung. Als daS junge Mädchen fich eines TageS in Geldverlegenheit befand, versetzte fie die Gegen- stände der einem Pfandleiher. Hiervon erhiett Herr LüderS Kenntniß und beantragte die Bestrafung wegen Unterschlagung, worauf die Staatsanwaltschaft die Anklage auf Grund deS 6 246 des Str.-G.-B. erhob. In dem vorgestern vor dem königlichen Schöffengericht stattgehabten Termine wurde die Angeklagte— entgegen dem Antrage deS Staatsanwalts auf eine Swöchige Gefängnißhaft— von der Anklage freigesprochen, nachdem der Gerichtshof die Anficht deS Vertheidigers adoptirt hatte, daß das Verpfänden fremder Gegenstände nicht immer eine rechtswidrige Zueignung enthalte, namentlich dann nicht, wenn der Verpfänder die Absicht hatte, die Gegenstände wieder einzulösen und fich bewußt ist, daß er dazu im Stande sein wird. Dies treffe bei der Angeklagten zu, denn fie sei zu ihren Angehörigen nach Potsdam gefahren und habe dieselben zur Hergabe der erforderlichen Geldmittel veranlaßt. Fahrlässige Tödtuvg i« Folge Genüsse» trichinSse« Schwetnefleisaies. Eine darauf gerichtete Anklage gelangte gestern zum wiederholten Male gegen den königlichen Förster Bünger auS Rehbergen vor der zweiten Strafkammer hiefigen Landgerichts l zur Verhandlung. Der Angeklagte ist, wie seiner Zeit berichtet worden, wegen obigen Vergehens zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt, das Erkenntniß aber vom Reichs- gericht aufgehoben worden. Der Angellagtc, welcher fich bis nun vorigen Jahre der Trichinenkranlbeit gegenüber ungläubig "" in Folge dessen auch die von ihm gezüchteten zahlreichen Schweine nicht auf Trichinen untersuchen lassen und wurde auch durch den Umstand von seinem Zweifel nicht gehtilt, daß im Jahre 1883 der Schlächtermeister Ullrich eines dn von ihm getauften Schweine nach dem Gutachtm deS Fleisch- beschauerS für trichinös bezeichnete und Entschädigung verlangte. November 1884 schlachtete der Angeklagte wiederum ,wei Schweine zum eigenen Bedarf, ohne dieselben auf Trichinen untersuchen zu lassen. Einen von diesen Schweinen erzielten Schinken machte die Eheftau deS Angeklagten der ihr befreun- deten Frau Zahnarzt Dr. Grohnwaldt zum Geschenk. Infolge des Genusses davon«krankte dieselbe und verstarb darauf; außerdem erkrankte ihr Ehemann, während ter Assistenzarzt und das Kind des Dr. Gr, die von demselben Schinken ae- Nossen hatten, von jeder Krankheit vnschont blieben. Die Ob- duklion ergab Trichinofis als Todesursache. Außerdem er- krankten verschiedene Personen, welche bei dem Angeklagten zu Gaste waren und von dem Fleisch der betreffenden Schweine gegessen hatten, an Trichinofis. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden dieser Unglücksfälle ließ der Angeklagte feine sämmtlichen Fleischvorräthe untttsuchen und wurden dieselben als stark trichinenhalttg befunden. Nunmehr hat der Angeklagte sämmtlich« Vorräthe vergraben lassen. Dies vermochte ab« nicht, die obige Anklage und seine Verurtheilung von ihm fernzuhalten. Auf die von dem Vertheidiger Rechts- anmalt Dr. Sello eingelegte Revision hob der zweite Sttaf- senat des Reichsgerichts daS erste Urthell auf und wie« die Sache zur erneuten Verhandlung in die erst- Jnstauz zurück. Der höchste Gerichtshof nahm an, daß der Kausalzusammen- hang zwischen der Unterlassung deS Angeklagten und dem Tode der Frau Dr. Gr. nicht hinreichend festgestellt sei. Namentlich fehle jed« pofitive Anhalt dafür, daß der Angeklagte von der Weggabe des Schinkens an Frau Dr. Gr. Kenntniß hatte. Nachdem die umfangreiche Beweisaufnahme«rnuert worden, plaidirte Staatsanwalt Weichert für Verurtheilung drs Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Sello für Freisprechung desselben.— Der G«tchtshof unter dem Vorsttz des Land- gerichlS-DirektorS Lüty, war der Auffassung, daß das Reichs- gericht nicht so weit gegangen sei, zu verlangen, daß der An« geklagte den Erfolg gerade bei Dr. Gr. voraussehen mußte, sondern daß er als genügend annahm, wenn der Angeklagte die Gefahr der Trichinose kennen mußte und fich bewußt war, daß Personen derselben ausgesetzt wurden. Dieser Gefahr mußte fich der Angeklagte aber bewußt sein, als er nach der von Ullech erhaltenen Äitihetlung es unterließ, die Schweine auf Trichinen untersuchen zu lassen, und er hat sonach auch für die schlimmen Folgen seiner Unterlassung aufzukommen. AuS diesen Gründen mußte die ftüh«e Feststellung aufleckt erhallen und der Angeklagte zu vierzehn Tagen Gefängniß veruttheilt werden. Der frühere Polizeilieutenant Erich Riehl war nebst zwei anderen Personen w gen eines am 22. Dezemb.r pr. in der Milscher'schen Wcinhandlung vorgekommen en Exzesses zu 14 Tagen, die beiden Metangeklagten zu zwei Monaten und 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Auf die von den Angeklagten eingelegte Berufung wurde bei dem Haupt- Ang-klagten die Strafe auf einen Geldbetrag von 100 Mark eichsgerichtS Wegen Vergehens - Entscheidung. Leipzig, 18. Januar. _, egen das Nahrungsmittelgesetz war der Fleischermeister Ernst August Freitag in Erfurt vom dortigen Landgerichte unter Anklage gestellt, aber am 10. November auf Grund des folgenden ThatbcstandeS fleigefprochen worden. Am 15. Juli v. I., MoraenS nach 5 Uhr, ging der Wiegemeister im städtischen Schlachthause nach der Wohnung des Ange- klagten, fand fie ab« noch verschlossen. Erst gegen 6'/« Uhr wurde der Laden geöffnet. Der Beamte trat dann in denselben ein und bemerkte sofort einen ekelerregenden Geruch, welcher von faulem Fleisch herrührte. Bald wurde auch die Quelle deS Gestankes in Gcstalt je eines Stückes Rind- und Schöpsen- fleisch ermittelt und mit Beschlag delegt. Bei der um 9 Uhr vorgenommenen ärztlichen Unt«suchung wurde das Rindfleisch als durchaus gesundheitsschädlich, das Schöpsenfleisch als nicht unbedingt nachcheilig für die Gesundheit erkannt. In der Verhandlung vor dem Landgericht bekundete d« als Zeuge vor- geladene Geselle des Angeklagten eidlich, n sei von Freitag angewiesen, jeden Morgen das im Laden befindliche Fleisch zu revidiren und daS etwa vndordene zu entfernen, damit es den Hunden vorgeworfen werde. Zu dieser Zeit seien gewöhnlich noch keine Kunden im Laden gewesen, und wenn eS doch ein- mal der Fall gewesen seh so hätten fie bis nach Beendigung d« Reoifion warten müssen, ehe ihnen Fleisch verkauft wurde. An dem fraglichen Morgen habe die Revision noch nicht statt- gefunden gehabt, die Kunden kämen gewöhnlich erst zwischen 7 und 8 Uhr. Das Gericht nahm deshalb an, daß ein Feilhalten verdorbenen Fleisches nicht stattge- funden habe und erkannte auf Freisprechung deS An- geklagten.— Auf Veranlassung der Polizeiverwaltung legte die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Uttheil ein und begründete dieselbe folgend«maßen. Wenn das Fleisch am 15. Juli Morgens faul war, so muß es auch schon am Abend vorh«, als der Laden den Kunden noch zugänglich war, faul gewesen sein und das Feilhalten wurde am 15. früh, als der Laden geöffnet wurde, wieder hergestellt. Auf den Antrag des Reichsanwalts verwarf aber das Reichsgericht tili. Straf- senat) am 14. Januar die Reoifion und führte dabei folgendes aus. Es ist«ine unrichtige Behauptung, daß die Fest- stellungen die Ausschließung der Anwendung des§ 14 deS Nahrungsmittelgesetzes zu rechts rtigen nicht geeignet seien. ES ist im vorliegenden Falle festgestellt, daß das Fleisch, um das eS sich handelt, gar nicht feilgehalten worden fei; hi«mit ist sowohl die Anwendung des§ 12 als des§ 14 ausgeschloffen gewesen. Auch die Behauptung, daß daS Gericht die Anwend- barkrit des§ 14(fahrlässiges Feilhalten) hätte prüfen müssen, ist unrichtig, denn die Anklage ging nur auf eine Zuwider« Handlung gegen§ 12 und ein Antrag der Staatsanwaltschaft, diesen§ 14 anzuwenden, lag nicht vor. Wenn sodann die Revision d« Staatsanwaltschaft noch herbeizieht, daß schon am Tage vor dem Vorfall, welch« Gegenstand der Entscheidung ist, vaS gesundheitsschädliche Fleisch feilgeboten worden sei, so ist das ganz»..statthaft, denn htttauf erstrecke fich wed« die Anklage noch die Entscheidung. Vom Duell. Daß außer den Theilnehmern am Duell auch die Mitglieder drs sog.„Ehrengericht»" zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden könnm, dürfte denjenigen, welche dem Gesetze die gebührende Achtung gewahrt wissen wollen und Gegner des Duells überhaupt find, angenehm sein zu hören. In LudwtgSlust wollten sich zwei junge Doktoren duelliren, aber der eine verstand fich nur auf daS Pistolen- schießen, der andere nur auf die Handhabung des Säbels. Die beiden Streitsüchtigen üb« trugen nun die Entscheidung bezüg- lich d« Waffe dem„Ehrengerichte", und dieses bestimmte, daß der Pistolenkundige innerhalb 6 Wochen das Fechten gelernt haben müsse und daß dann das Duell mit Säbeln aus- aefochten werden solle. DaS geschah dann auch. In der Thätigkeit des Ehrengerichts erblickte das Landgericht in Schwerin eine Beihilfe zum Zweikampf und verurtheilte die drei Thellnehmer zu je 4 Wochen Festungshaft. Die Revision der Angeklagten wurde vom Reichsgericht am 18. Januar verworfen. Uereine und Nersammiungen. Der Fachverei» der Töpfer Berlin» hielt am 17. Ja- nuar eine Versammlung ab mit folgender Tagrsordnung: 1. Kassenbericht vom IV. Quartal 1885. 2. Beschlußfassung über den deutschen Töpfer-Konareß. 3. Innere Vereinsange- legenheiteit. Zum 1. Punkt, Kassenbericht, verlas der Kasfirer dre vierteljahrlrche Ein- und Ausgabe deS Vneins. Die Abrechnung wurde von den Revisoren für richtig befunden und dem Kasfirer Decharge ertheilt. Wegen Bewilligung der Vor- standsspesen für eine VorstandSsttzung wurde von ein ig m Mitglied«» Einspruch erhoben. Tie Angelegenheit wurde aber r---- o-'------:---- it-«—< �..«v.v'AenVv»» ivuivc. uvti durch den Hinweis auf We hinauf bezüglichen Paragraphen des Statuts«ledigt. Di« Versammlung genihmtgte durch einen defimtioen Beschluß für den Vorstand die Spesen mit £» Pf. für jedes Vorstandsmitglied. Der hierauf erfolgte Einspruch wegen deS Gehalte« des Bevollmächtigten fand s.tne Erledigung dadurch, daß fich die Versammlung für die weit«« wöchentliche Entschädigung von 30 M. entschied. Zum 2. Punkt d« Tagesordnung: Wahl d« Delegirten für den am 1„ 2. und 3. Matz in B«lin tagenden Kongreß, wurden die H«ren Bormann, Thieme, PrutulSIr, Pritsch und Schmidt gewählt. letzterer als Vertreter der Wertstubenarbeiter, jedoch mit der Voraussetzung, eventuell fich durch Hnrn Jakobi antreten zu lassen. Ueber den 3. Punkt der Tagesordnung: inn«e Ver- einsangelegenheiten, entspann fich namentlich durch Verlesung e.ne» Br.efeS aus Charlottenburg eine rege Debatte. Nachdem tzMMFs-W wurde vre Versammlung geschlossen. MDDsÄN MäI lr. Am Wahlrecht. Ter Vortragende wies darauf bin, daß diese» Wahlsystem zugleich mit dem KonstitutionaliSmus eingesührt. ad« später durch das Dreiklaffenwahlsystem einfach ersetzt wurde. Durch die Klaffrnwahlen werde der Arbeiterstand schwer geschädigt. Derselbe habe fich namentlich heute bei dem häufigen, oft schroffen Wechsel deS Besitzes aber von der Anficht emanzipirt, daß größerer Befitz auch größere Intelligenz bedinge. In einem Staate, in dem gleichmäßig Steuern erhoben würden, in dem die allgemeine Wehrpflicht bestehe, sei eine Klaffenwahl ein Unding. Die arbeitende Bevölkerung sei von der Ueberzeuaung ver Nothwendigkeit, daß hier weitgreifenb« Reformen am Platze find, durchdrungen. Das allgemeine Wahlrecht werde von dem Volke als Lebensbedingung betrach'et; dieses verkümmern, heiße die Lebensbedingung deS Volkes verlümmem, deshalb habe das Volk ein ausgesprochene» Jntneffe daran, daß das für den Reichstag gellende allgemeine Wahlrecht unangetastet bleibe und die Pflicht» jeden Versuch, das allgemeine Wahlrecht zu verkümmern, energisch zurückzuweisen. Das allgemei e Wahlrecht sei eine Waffe, zu deren erfolgreicher Handhabung das Volk einer lang-.. jährigen Erzi.hung bedürfl. Das Volk war bisher noch nickt geübt im Gebrauche der Waffe, doch sei es erfreulich, zu sehen» Die daß das Volk immer mehr lerne, das allgemeine Wahlrecht P tats gebrauchen und daß die Zahl der Vertreter der Arbeiter im � Dt, steten Wachsen begriffen sei. Die Geheimheit der Wahl lasse»>nder! allerdings noch viel zu wünschen übrig, doch sei zu hoffen, daß tmm.be die Mängel, die fich in dieser Beziehung herausgestellt hab-n»"% beseitigt würden. Auch würde die gleichmäßige Beiheiligung(X>1 d« Arbeiter an den Wahlen durch die wirthschastlichen Pe- hältniffe stark beeinträchtigt, deshalb fei es nolhwendig, daß'"lagt. der Wahltag auf einen Sonn- oder Feiertag verlegt werde.: Dann würde es auch ermöglicht werden, Mann« in den Reichstag zu wählen, welche mit warmem H«zen für die Arbeiter eintreleit"L.fz' und ihnen eine gesicherte Existenz zu schaffen hemüht find; dann.® würde eine würdige Vertretung der Nation zu Stande kommen. L.., 7, Das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht sei der ��lich Felsen, auf dem daS Gebäude d« Zukunft aufgebaut werden- solle. Je mehr da» ollgemeine Wahlrecht in Frage gestel»���. werde, desto mehr müsse davon Gebrauch gemacht wetden» zum Besten der arbeitenden Klaffen, zum Besten des ganzen � Landes.— Eine Diskussion knüpfte fich hieran nicht. T* resgleich Erledigung von Vereinsangelegenbeiten und des Fragekasier.» füllte den übrigen Abend aus. Am Sckluffe der Versamm«{„ lung wurde eine Tellersammlung für die streikenden Handschuh« Zahr in macher veranstaltet. u mieth Eine öffentliche Betsammlung der Hutarbeiter, �meist k von etwa 150 Personen besucht, tagte am Sonntag Vormittag � �di 11 Uhr, unter Vorfitz deS Herrn Seeg«, im Saale des Schütze�g Jahr, baus-s, Liniensir. Nr. 5. Zweck der Versammlung war bfttitQdjfci Gründung eines Vereins für die Interessen der in der Hw'.ichen j fabcikation beschäftigten Arbeiter. Herr Sckuhmachermelstei Baum Mctzner referirte über die Nothwendigkeit ein« FachorganisatioitLozialve und den Zweck derselben für die in der Branche beschäftigte» etwas se Arheit«. Referent erörtei te die Verhältnisse der Zeit, in welckck Wahlint, die Innungen und Zünfte in der Blüthe standen. Unt« Wo. Steps jetzigen Verhältnissen seien dieselben werthlos geworden, b»«endig| durch Erfindung von Maschinen auf allen Gebieten eine Ueber« als man Produktion eingetrettn ist, wodurch viele ArbeitSfläfte über' fie feien flüsfig und d« kleine Handwerker durch den Kapitalismus v, Markte verdrängt wird. Im weiteren Verlauf seines Vott kritifirte Redner in eingehender Weise die ZuchlhauSai wodurch die Arbeits lostgkeit noch bedeutend gesteigert rp! welch' letztere den Arbeiter vielfach auf die Bahn deS brechens dränge. Ueber das Bestreben einiger Handw« meister, die Innungen wied« zu verjüngen, äußert fich R rent dahin, daß todte Körper eben nicht wied« lebensfi zu machen find und daß die« auch von den In unter den jetzigen Verhältnissen gilt. Im? teren«ötterte der Redner den Zweck der Fach.. wieS darauf hin, daß nur in großen Massen vereinigt et» zu erringen ist, und der Einzelne nichts erreichen lonne- verwieS ferner auf die Arbeitec-Organisationen Englands � Amerikas, sowie auf die Vereinigung der Buchdrucker Demi lands. So'che Erfolge seien aber nur Schritt für Schutt erreichen. Die Frauen- und Kind«arbeit �berührend, -N Redner nach, daß dadurch den Frauen ihr Beruf als dm Kindern aber ihre Jugend verloren gehe. Reicher lohnte den Ref«enten. An der Diskussion betheiligtW£ die Herren Augustin und Weinigel im Sinne des Referem� «genübe «er Kai anze Bi «ecke v Adg .aben es sedeS uni s«e F nolhwent blieb nicl unsere E, bewilligt, alle zum gelehnt. leitet, no Sieuerza! Di» eines re allerdrin, Herr Augustin kriiiflrte die schlechten Verhältnisse der F>� dranche, namentlich in der Fabrik der Herren Z. und d« Köpenickerttraße, woselbst nach Angabe deS Redners.' Arbeiter mit Tttulationen belegt werden, die man im gew»� lichen Leben für Menschen nicht in Anwendung zu brtw pflegt. Herr Rolak erörterte die Mißstände der Stroh? blanche und foidett alle Kollegen auf, ob Strohhut' Filzhutarbeiter, dem zu bildendm V«eine beizutreten. �■ Resolution in diesem Sinne wurde einstimmig anaenock In den ausgelegten Listen«tlä ten fich 128 Hutarbeitec% dem Vereine ajs Mitglieder beizutreten. Herr Seeg« die Anwesenden zum Abonnement auf das„Berliner VolkSm» als einziges Organ für die Interessen der Arbeiter, auf die Kommisfion zur Ausarbeitung der Statuten w/, folgende Herren gewählt: Seeg«. Rolak, Gause, WW' Etemmlcr, Albrecht und Paim. Die nächste Versammlung für Montag, den 1. Februar, in Ausficht genommen. Nähere später._ � f Kichstsches ihn schor fich die I wurde u lich ist d binausge Leipzig m'meier m Folgen f pudlikm sein. D lässtg ur ämtern> Wenn i «ntschloff legenheit Der Verein zur Wahrung der Interessen dert «acher hielt am 17. d. M, bei Otto. Adalbettstr. 21. Gtnet aloersammluna ab, in welcher Herr Prediger«wer. Keno einen mit vielem Beifall aufgenommmen Vortrag» Thema:„Werth der Arbeit für die Volkswirthschast und. ralilät" hielt. Arbeit sei zweckmäßige mmschliche Th»! zur Herstellung der oerschiedenarttgstm Produkte W produzfl Fräuliü dennstri Neue i äbr begann dn Redner— Arbeit ist die erste Tugenv�z � mrthin ihrem Wesen nach etwas hochfittlicheS. Einem � der so viele Millionen umfaßt, wie der d« Arbeiter, wmf der Unfittlichkeit zu mackm, sei selbst etwaS lief/ luheS. Die Grundlage allen ReichthumS sei die Arbeit. Arbeit« habe ein Recht, an den Ertrag des Produkte» Arbeit einen ihm gebührenden Anlheii zu haben, le'W arbeite er für and«e immer mehr, alS für stch selbstunv?j L-benSglück, fline Gesundheit. Es sei Ef dabei sein-------„—,...,„ Arbeiter selbst, für die Bessergestaltuna ihrer traui'S� einzutreten. Leben Sie nicht in dem Aberglauben � Asdner der Versammlung zu- daß andne für 6«%� stände schaffm; das wäre Selbstmord! Es ist der Werth für die Volkswirthschast wie für die Moral zu allererst von den Arbeitern selbst zur® Ii rÜ?1"fh lst t8 zu diesem Zwecke nothwendig. � Arbnter eine feste Organisation unter fich btlden, w'.» so find die Erböhung deS Lohnes, sowie Kürzung zeit die«sten Forderungen, welche die Ardeiter machen haben; kämpfen Sie für die Besscrgestaltung &%%%' find.. An dn dem Vorttage folgenden Tiskusfion fich die Herren Friedr. Franke und Hol, im Sin"/ f0| tragenden; ebenso wurde eine dementsprechende angenommen. dier-Platz 7. Gäste find willkommen. w 65.; De bar ma besten K tiopen« Tr. in die i «ar ga, Mährens eifersück bringen Gtfällis 8 and d -luth, Beiden D. st-ff. Frau g hau«, s vorbrin Muskel, Weis« i spielte mal Ml sich dal Wasser zum dr dem H V«-uuw«t,tcho***«,».»„rtt«»»»ta.»n* Uuk. w, � laß diese? eingeführt. ich ersetzt beiterstand ;t bei dem »er Anficht Zntelligenz Steuer» bestehe, sei terung fei itgreifende■ allgemeine betrach'et; ei Volle? esprochene? nde allge« Pflicht. elümmer», t sei eint Beilage zum Berliner Volksblatt. lr. 16. Mittwoch, de«%0. Januar 1886. III. Jahrg. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 28. Sitzung vom 19. Januar, 1 Uhr. fn.r TnnA» Am Tisch des BundeSralhes von Boetticher, von noch 3t Stephan und Kommifsarien. ru seben, Die Diskusfion der einmaligen Ausgaben deS P o st- rblrccht m tats wird fortgesetzt. Es handelt sich um erste Raten für Irlieiter im«ue Dienstgrbäude in Ludwigslust, Werdau, Allcnstrin, Brieg, Ntnbl lasse Gondershausen und Landsberg an der Warthe, mit einem Ge> mffen dafi rmmibetrage von 506 400 M., welche die Budgetkommisfion 'nt f,'afc.n, u streichen deantragt hat. Die erste Rate lür Brieg '.beiliauna lSOOOO M.) und für Sondere Hausen<50000 M.) zu de- ichen Vc'«'tlligen, wird heute von v. Heydebrand, resp. Lipke be- �ie eiste Rate für LuwigSIust wird ohne Debatte abge- %•t?eI ehnt. Die für Werdau(>m Königreich Sachsen) 60 000 M. ll Abg. K ay s er gegen den Antrag der Kommisston be- lligcn, die leine Grüiche�sür ihr ablehnendes Votum ange« r Reichstag er eintrele» oiumvHf viv vs/.mi-w im«, lyt uvicgncii�cxi ovtUlt» uiiyc t"?<.eben hat, während er als Sachse daS Bedürfnis dieses Neu- « lommea. dt sei der at werde» ge gest, >t werde». es ganze» eS genau kennt. Uederhaupt sollten Neubauten dieser Art iglich nach dem Verkehrsinterefie beurtheilt und nicht auS . �arsamkiit zurückgestellt werden. In diesem wie in allen fieicharligen Fällen sei die Bewilliflüng auszusprechen. Abg. 'Urnm äußert sich in Bezug auf Werdau ebenso, ohne da- ..it die Anschauung der Reichspartei aussprechen zu wollen; »'cht. Lesgleichen Hammacher, der bereits in der Kommission für rafiela'iei!» Gerdau eingetreten ist mit seinem Postoerkehr von 4 Millionen VersaanNMark in Ein- und Ausgängen und 118000 Telegrammen pro Handschutz» Zghr in einem unzulänglichen Gebäude, während ein besseres , ,, u miethen unmöglich ist. Wie dringend das Bedürfniß ist, LtarbeiM» �xjst dem Adg. Günther die odrge Aeußerung Kapser'S; Vormittag»fe Industrie in dem betr. Theile Sachsens ist in den letzten s Schütze»»<0 Jahren rapide und der Postoerlchr Werhaus um 171 pCt. I war dlHewachsen. Eine Ablehnung in diesem Fall würde alle ahn- n der.ichen Bewilligungen unverständlich erscheinen lassen. Adg. ichermeLsl» k a u m b a ch finvet diese ungewohnte Harmonie zwischen cganisat!0»Lozialdemokraten und den konservativen Herren aus Sachsen lcschästigü» etwas seltsam und vielleicht nicht außer Zusammenhang mit , in w«llbe»Wahlintereffen. In der Kommisston habe Staalssekrctär Unter bc» o. Stephan auf die Frage, welche Forderungen dringend nolh- lorden, �wendig seien, erklärt sie seien alle dringend nothwendig; und eine Ueiek'Als man weiter in ihn drang, die allernothwendiasten zu nennen, raste übe'' sie seien alle gleich dringlich.(Heiterkeit.) Dieser Auskunft ismu? vo-sdegenüder seien Fehlgriffe rn der Entscheidung nicht unmöglich. 5 Vortrags Heer Kays-r werde für Werdau, schließlich aber gegen da? lhausardeitzvanze Budget stimmen, ein Bewcis, daß er nur agitatorische igert itichfölveckt verfolge. n de?% Adg. v. Francken st ein: Meine politischen Freunde handw'»� haben � in der Kommission für Pflicht gehalten, die Kosten für sich R�sjedeS unumgänglich nvthwendige Gebäude zu bewilligen. Auf ItbensfMJjunfere Frage erklärte der Herr Staatssekretär, sie seien alle gleich Jnnu»S? nolhwendig. Da wir unmöglich alle bewilligen konnten, so Im f" blieb nichts Anderes übrig, als einen anderen Maßstab für Fachvei nigt et» tonne. % ; Schr'tt uligte» SftfP und iednerS »hhutl reten. ngenowl b tc w unsere Entscheidung zu suchen. Wir haben deshalb alle Bauten bewilligt, welche im vorigen Jahre schon gefordert waren, aber alle zum ersten Mal an unS herantretenden Forderungen ab- elehnt. Diese Sparsamkeit hat uns bei der Abstimmung ge- itet, namentlich mit Rückficht auf dU gebotene Schonung der Sieuerzahler._ m Direktor im Reichspostamt Fischer: Die Bewilligung «ineS reichSeigenen Postgebäudes in Werdau gehört zu den allerdringendst n Bedürfnissen, der Ort ist der Mittelpunkt der sächsischen Weberei. Ein Wall von Schornsteinen kennzeichnet ihn schon von Weitem als Industrie platz. Trotzdem befindet fich die Post noch in dem Hause, das vor 25 Jahren gemiethet wurde und schon damals nur gerade genügte. Selbstverständ« lich ist der Verkehr gewaltig über die damaligen Verhältnisse hinausgewachsen. Nach dem Bericht des OderpostdirektorS in Leipzig würde die fernere Benutzung deS nur 114 Quadratmeter umfassenden Grundstückes unstreitig von nachtheiligsten Folgen für die Gesundheit der Beamten begleitet, auch daS Publikum selbst bei seinem Verlehr in der Postanstalt aefährdet sein. Deshalb erklärt jener Bramte die Diensträume für unzu- lässig und mangelhaft und unter allen ihm unterstellten Post- ämtern das von Werdau als der Abhilfe unabweisbar bedürftig. '?Nilksbl«t£ Wenn Herr v. Franckenstcin absolut NolhwendigeS zu bewilligen r auf. Ä entschlossen ist, so bittet fich hier sicherlich die geeignete Ge- rA ammlu»� nrnen- Ä übe» >3 Tuge»» mem� gv ! legenheit, Kerlim Theater. Louisenstädtisches Theater. I � I-.„DielustigenWeibervonWindsor" produzirten sich zum Benefiz für die Koloratursängeri» Fräul-in Mrnnie Frey in dem Musentempel der DreS- denerstraße und gaben den Mitglieder» dieser Bühne aufs Neue Gelegenheit, den Beweis zu liefern, daß sie sich auch den größten Anforderungen gewachsen fühlen. Der Dichter hat Zustände und Charaktere in der denk- bar markanteste« Werse gezeichnet und eS find daher die w»- besten Kräfte erforderlich, wenn die Darstellung seinen Znten- dulteS� � trauen entsprechen soll. bstunbAÄ Trotzdem wußte» die Mitwirkenden die Originale bis " i» die kleinsten Detail« getreu zu kopiren: Fräulein Frey war ganz die liebenswürdige und lebenslustige Frau F l u t h, während ihr Gatte, Herr Reiche den bis zum Wahnfin« eifersüchtigen Ehemann nicht minder gut zum Ausdruck zu bringe« vermochte. Fräulein Wichman«, welche au? Gefälligkeit für die Benefizianiin als Frau Reich funairte, stand der von dem Gatten so eifersüchng überwachten Frau Fluth recht passend zur Seite und daS Zusammenwirken der Beide» war nach jeder Richtung ei« votressliches. Der bramarbarisirende Schlemmer Sir Zoha Fall» st a f f, welcher sich in jede Frau verliebt und fich von jeder Frau geliebt glaubt, obgleich sein Schmeerbauch, wie über» haup. seine Gesammtfigur den abschreckendsten Eindruck her» vorbring», während seine Allüren unwillkürlich alle Lach- muskek» in Bewegung setzen, wurde in unübertrefflicher Weise von Herrn Rein ecke wiedergegeben. Der Künstler spielte die Rolle des alten, verliebte« Tölpels, der nicht ein- wal merkt, daß er von den Weibern nur genarrt wird und stch daher arglos in den Waschkorb packe« läßt, um in? Wasser geschüttet zu werden, der dann zum zweiten und zum dritten Male in die Falle geht und schließlich unter dem Hohngelächter der gesammte» Gesellschaft als Narr und iuWä he» nicd>, 5- Abg. Kayser: Trifft uns deshalb ein Vorwurf, wenn wir für einzelne Positionen eintreten und doch daS gesammte Budget nicht annehmen? Durch Annahme oder Ablehnung des EtatS bei der Gesammtabstimmung drückt man überall sein Veitrauen oder M ßirauen gegenüber einer Regierung aui, unsere Epezialabstimmung hat also damit gar nicht? zu thun. Sie haben ja genau ebenso gehandelt. Sie von der deutsch- freisinnigen Partei stimmten vielfach gegen einzelne Bestim- mungen des Krankenkassen- oder Unfallverstcherungsgesetzes und haben dasselbe schließlich doch in seiner Gesammtheit, wie es eben war, angenommen. Wenn Herr o Franckenstein erst dann neue Positionen zu bewilligen bereit ist, wenn sie schon einmal im Etat gestanden, aber nicht die Genehmigung erlangt haben, so nenne ich daS eine Art von Versteckspielen: dann werden eben künftig die gesammten Forderungen auf derartige Schemata zugeschnitten. Man kann es mir doch nicht verargen, daß ich hier für Werdau gerade das Wort ergreife, ich kenne eben die dortigen Verhältnrffe genau und deshalb kann ich mich nur eingehend für die Nothwendigkeit des Poftamtbaue» verwenden. Ich würde aber auch ebenso für Ludwtgslust eingetreten sein, ebenso wi- ich gegen die übrigen Streichungen stimmen werde. Die Hauptsache aber ist: es wird gar nichts erspart, wenn weiter das Miethslolal beibehalten wird, deshalb bewilligen Sie am besten gleich den Neubau. Abg. v. Köller: Der Herr Abg. Klemm hat zwar gesagt, er- spreche nur für seine Person, er hat aber doch voll und ganz die Anficht derer getroffen, welche von unserer F at- t on in der Kommission gesessen haben. Wir werden auch heute für die Bewilligung des Postg-bäudes von Werdau stimmen, weil wir die vorgebrachten Gründe für zutreffend, die Verhältnisse für dringlich halten. Die Position wird mit III gegen 93 Stimmen, entgegen dem Vorschlage der Budgetkommisston, bewilligt. Dem Annage der Kommission, 70000 M. als erste Rate für ein neues Possgebäude in A l l e n st e i n zu streichen, tritt das Haus bei, trotz deS Antrag-s deS Abg. BorowSkt auf Bewilligung und der starken Zunahme der Bevölkerung in Allenstern, auf welche der Direktor im Reichspostamt Fischer hinweist. Für Brieg tritt Abg. v. Heydebrrand mit seinem Antrage auf Bewilligung der ersten Rate(136000 M.) ein; zwei Petitionen schildern die Räumlichkeiten für das Publikum und den Gelchäftsoerkehr als absolut unzureichend, und der Pack- und Annahmeraum ist so beengt und klein, daß eine prompte Abfertigung deS Publikums unmöglich ist. Abg. Baumbach: Es liegt auch eine Petition gegen den Neubau vor. Interessant ist übrigens die Stellung, zu der die Sozialdemokraten inzwischen gelangt. Bei der Aus- wkism gSfrage war nach Herrn v. Hammcrstetn der Abg. Liebknecht der Führer der Majorität- heule scheint Herr Kayser die Führerschaft der Majorität übernommen zu haben. Dadurch scheint sein Selbstbewußtsein etwas gesteigert zu sein. (Heiterkeit.) Direktor im ReichSpostamt Fischer bestätigt aus eigener Anschauung, daß der Zustand in Brieg unhaltbar ist. Für eine so große und todustriereiche Stadl fino die Posträum« einfach jammervoll. Die zuletzt erwähnt: P-nrion stillt diese Mängel auch an: man in Abrede, sondern richtet stch nur gegen die Wahl des Bauplatzes mtt Unrecht, denn einen besseren giedt eS dort nicht. Abg. v. K ö l l e r:- Es ist doch ein großer Unterschied, ob die Sozialdemokraten in einer einzelnen Angelegenheit au? sachlichen Gründen mit der Mehrheit gehen, oder in prinzi- pieller Opposition unter der Führung Liedknecht'S aggressiv gegen die Regierung vorgehen. Abg. v. Heydebrand: Die Kaufmannschaft BriegS hat fich für den Bau erklärt. Das beweist mehr als die von Baumdach erwähnte Potilion. Tie Position wird nach dem Vorschlage der Kommission abgelehnt. Zur Herstellung eines DienstgebäudeS in EonderS» hausen, erste Rate 50000 M, deantragt die Kommisston zu streichen. Die Abgg. Lipke und Meyer(Jena) beantragen, die Position, welche in der Kommission nur mit Stimmengleichheit abgelehnt ist, zu bewilligen. Die jetzigen Posträume seien voll- kommen unzulänglich, außerdem handele ei fich nicht um die Errichtung eines Prachtbaues, sondern eines einfachen zwei- stückigen Gebäudes. In diesem Falle wäre also Sparsamkeit falsch angebracht. Bramarbas entlarvt wird, so gut, daß die Zuhörer zu einem wahren Beifallssturme hingerissen wurden. Fräulein S ch w a r tz e legte als Jungfer Anna Reich wieder Proben ihre? unstreitig großen künstlerischen Talen» ab, hingegen ließ die Stimme ihre« Liebhaber« F e n t o n (Herr Telek) Einiges zu wünschen übrig, waS vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß derselbe nicht gerade gu diSponirt war, wie das bekanntlich auch dem besten Künstler ��Der Berrefiziantia wurden eine große Anzahl Kränze überreicht, ein Beweis, wie-sehr fich dieselbe die Sympathie» des Publikums erworben hat. Wie wir hören, wird demnächst wieder die Posse ihre« Einzug in« Louisenstädtische Theater halten und eS soll -unächst eine Novität:„Abrakadabra" zur Aufführung kommen. Es ist nun zwar recht erfreulich, daß die jetzigen Kräfte der Bühne auch ferner angehöre» werden, aber anderer- seit« wäre eS sicherlich doch von nicht zu unterschätzender Bedeutung gewesen, wenn die Oper auch serner das Reper» toire beherrscht hätte..., ,. Berlin besitzt außer dem könrglrchen Opernhause kern Institut, welches sich die Aufführung von Opern zur Auf» gäbe gestellt hat und da das Opernhaus, adgegesehe« von seiner Abgelegenheit, schon wegen seiner verhältnißmäßig hohen EiotrittSpre se dem Handwerker und Arbeiter nicht zu- aäaglich ist, so würde e» gewiß mit Freuden zu begrüße» gewesen sein, wenn da« Loursenstädtische Theater die Oper«. Vorstellungen fortgesetzt und dadurch auch den minder B:- güierten Gelegenheit zu einem wahren Kunstgenuß ge- geben�hätte.g daß die Opernaufführungen nicht so besucht worden find, wie eS dem Aufwände nach nöthig war. Aber der Grund hierfür dürfte schwerlich in dem fehlenden Kurstsian de» Publikum», sondern vielmehr in der wirthichaftliche» Lage im Allgemeinen zu suchen sein, welche eS dem kleine» Mann nicht ermöglicht, einer derartigen Er- holung nachzugehen. Wir glauben daher, daß auch die Posse keine bessere» materiellen Erfolge zeitigen wird. . Staatssekretär v. Stephan: Während sonst bei Reichs» bauten und namentlich bei Reichspostbauten über all:s Maß hinausgehende Forderungen für den Giund und Boden gestellt werden, wohl in der allgemein verbreiteten Meinung, die Post habe einen sehr großen Geldbeutel, erleben wir hier zum ersten Male in erfreulicher Weise das Gegentheil. Durch daS freundliche Entgegenkommen der Regierung in Sondershausen ist es der Reiwspostverwalwng gelungen, einen vorzüglich gelegenen, gut abgeiundeten Bauplatz von 1100 Quadratmeter für 6000 M. zu erwerben. Die gesammten Baukosten betragen nur 102 000 M. Es ist auch sehr fraglich, od wir später so biuige Arbiiislöhne werden zahlen können, wie jetzt. Hiernach zwerfle ich nicht, baß die Majorität diese Forderung bewilligen wird. Die Position wird mit geringer Mehrheit bewilligt. Auf den Antrag der Kommission werden weiter 127 400 M. zur Erwerbung eines Giundstücks in Landsberg(Warthe) gestrichen. In Konsequenz aller dieser Abstriche werden in den Ein» nahmen in T't. 6 von den in An'atz gebrachten 200500 M. für den Erlös von verkauften Glundstücken rc. 9600 M. abgefetzt. Die zum Postetat eingegangenen Petitionen werden durch die gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt. - Dir Etat der Reichsdruckerei wird ohne Debatte genehmigt. Damit ist der Postctat erledigt, worauf der Handels-, SchifffahrtS- und Konsularvertrag mit San Domingo vom 30. Januar 1885 in erster und zweiter Lesung bewilligt wird. Ten Etat deS A u s w ä r t i g e n A m t e S hat die Kom» Mission unverändert zu genehmigen vorgeschlagen.(Referent Hammacher.) Das Haus bewilligt bei den ordentlichen Ausgaben ohne Debatte nnter Anderm folgende Mehrfordcrungen: Für vier ständige Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt zusammen 22800 M.; Zulage für den Gesandten in Madrid an Repräsentationskosten 9000 M.; desgleichen für den Gefandten in Tokio 15 000 M.; für ein neues Generalkonsulat in Kalkutta 48000 M.; und für einen Vizekonsul tm PiraeuS 10000 M. Zur Subvention des zoologischen Instituts des Dr. Dohm in Neapel weiden wiederum wie in früheren Jahren 30 000 M. bewilligt. Zur Einleitung der Maßnahmen, welche zur Durchführung der dem Reich in den Schutzgebieten von Kamerun, Togo und Angra Pequena zufallenden Aufgaben nöthig find, sowohl zur Remunerirung von Beamten, wie zur Ausführung unbedingt erforderlicher Bauten wird im Ganzen ein Pauschquantum von 300 000 M. gefordert, um 52000 M. mehr als daS im vorigen Jahre, hauptsächlich weil in Lüderitzland ein Gouveriicurhaus zu bauen ist. Abg. Windthorst: Ich werde vielleicht in dritter Lesung die Absetzung der Rtehrforderung beantragen, nicht w-gen meine? Standpunttes in der MtsstonSirage, sondern weil man für daS GouverneurhauS noch keinen passenden Bauplatz ge» funden hat, und wir so wenig substantiirte Bewilligungen hier nicht aussprechen dürfen. Ich würde von einem solchen Antrag nur dann absehen, wenn die Regierung unS ietzt ausdrücklich erklärt, daß die hier geforderte Summe auf daS folgende EtatSjahr nicht überttagbar ist, daß also, wenn sie im Jahre 1886/87 nicht verwendet wird, kür 1887,88 ihre neue Bewilligung erforderlich wird- In der Mlfionsfrage behalte ich mir vor, wenn bis zur dritten Losung von der Re» gierung keine beruhigende Erklärung abgegeben ist, zu bcan» tragen, daß der Reichstag die Erwartung aussprechen möge, daß die in der Kongoakte generell für das Missionswesen auf» gestellten Grundsätze auch in den deutschen Schutzgebieten an» 8-wendet werden. Will denn von allen Staaten, die Kolonicen aben, Deutschland allein intolerant sein? Abg. Schräder: Da wir die Beamten für die Kolonien einmal bewilligt haben, so müssen wir nun auch sorgen, daß sie dort wohnen können: ich bin also für Genehmigung der Mehrforderung mit der Maßgabe, daß ihre Nichtltbcrtragbarkeit auf den folgenden Etat hier ausgesprochen wird. Darüber daß Angra Pequena und auch Kamerun nur wenig Werth baden, find wir wohl nun alle bald einig; indessen das einmal Geschehene müssen wir anerkennen. Ich wünschte übrigens wohl, daß man bald damit deginnt, die Kaufleute, die in den Kolonien Handel treiben, mit zu den Kosten der Koloma cher- waltung heranzuziehen. Die Herren würden dann wohl rtwaS vorsichtiger und nicht mit solchem Uebereiser vorgehen, wie dieS in jüngster Zeit mehrfach geschehen ist. Die R Eine Ge elllchaft bat sich grbitvet zum Plantagendau dort; ob fte tcuffut, das hängt davon ad, ob eS geling!, freie Ardeiter in genügender Zahl zu gewinnen. Ich hoffe, das wird mög» lich sein und d>e gmen Folgen weiden dann bald auch auf Deutschland selbst nützlich zurückwirken. Wenn wir sehen, wie vortrefflich unsere Beamten in Kamerun geregelte Berhältniffe jetzt schon angebahnt haben, mit welcher Pünktlichkeit und Energie die Verwaltung gehandtabt wi.d, trotz wiederholter Krankheit der Beamten, dann wundert man fich nicht, daß diese Herren fich bei allen Eingeborenen, sowie bei den englischen und deutschen Firmen der größten Achtung erireuen; und wir können in aller Ruhe die heutige Pofttion bewilligen. Ich hoffe, daß das, waS von deutscher Seite in Afrika geschieht, nicht nur den Zweck erfüllen wird, der deutschen Industrie ein neues Feld zu e öffnen, son« dein daß die do>t erreichten Erfolge auch dem deutschen Namen Ehre machen werden.(Beilall.).. Staalssekretär v. B o etliche r: Die Regierung hat bis jetzt keinen Slnlaß, von den Zielen abzugehen, die der Herr Reichskanzler für erstrebeniwerih auf dem kolonialen Gebiet bezeichnet hat. Ich möchte heute nur sagen, daß die Frage der Uedertragbarleit fich wohl leicht erledigen läßt, Sie haben daher die Pofition anstandslos bewilligen können. Vielleicht hätte man richtiger diese Pofition getheut in eine persönliche für die Biamtrn und eine sachliche lür die Bauten. Dann wäre der persönliche Fonds unzweifelhaft nicht übertragbar und der säch- ltche übertragbar. Daraus aber, daß der Fonds der Regie- rung als Pausckquantum bewilligt, und ihr also auch die ganze Verantworlltchkeir für die Verwendung zugeschoben wird, schließe ich, daß die Regierung eine Uebertrogurg der Fonds auf dae nächste Jahr soweit vornehmen darf, als es fich um die Weitertührung einmal begonn-ner Bauten handelt. Wenn also das Gebäude in Angra Pequena im Jahre 1886/87 zwar ange» fanuen, aber nicht vollendet wird, so würde die Regiemng m°t dem Rest des heute bewilligten FondS den Bau im Jahre 1887,88 weiterführen können; wird dagegen der Bau im Jahre 1886/87 überhaupt nicht begonnen, so meine ich, ohne präjudlzirlich sein zu wollen, daß vte R- gierung dorn, die für das Gebäude nöthige Summe von nru m vom Reichstag müßte bewilligen laffen. Wollte man noch weiter gehen und den FondS für alle Fälle und in vollem Umfang unübertragbar machen, so wü'de die Schwierigkeit entstehen, daß die Regierung dal Bedürfniß für daS folgende Jahr garnicht rechtzeitig in den Etat einst llen könnte, da die Rechnungen ja immer erst im Mai deS folgenden Jahres zum Finaladschluß gelangen. Ick bitte, bewihigen Sie den Fonds', baut die Re« gierun? in diesem Jahre nicht auS dem Fonds, so wird fie für die Gebäude, die fie jetzt nicht baut und die fie gleichwohl im nächsten Jahre tür nothwendig hält, die volle Summe in den nächsten Etat einstellen: damit kann fich wohl der Reichstag vollständig befriedigt erklären. Abg. Win dr Horst: Ich wünsche Herrn Woermann, daß alle Hoffnungen, die er an die Entwickelung von Kamerun geknüpft, in Erfüllung gehen mögen. Aber ich habe auch von ihm gehört, daß bis jetzt noch nichts erreicht sei. Er sagt, daß in den wenigen Monaten, in denen eine geordnete Vermal. tung in Kamerun bestehe, noch nicht viel habe erreicht werden können' aber es lasse sich doch erkennen, wie das Rechtsgefühl der einheimischen Bevölkerung fich gesteigert habe. Ist das der Fall, so beneide ich Kamerun darum; hätten wir fie in Deu sckland gehabt, so würde manches nicht pasfirt sein. (Heiterkeit.) Die Summe, um die es fich hier handelt, ist übrigens ein Pauschquantum. Sie ist in dieser Form bewilligt, um unS den Rückzug zu erleichtern, wenn die Sache nicht gehen sollte. Sehr interessant war mir die Bemerkung Woermanns, daß Kamerun fich für den Plantagenhau eigne. Er hält diese Kolonie also für die deutsche Emwanderung geeignet. (Rufe: Nein!) Ich konstatire, daß durch diesen Ziö»ich-nruf festgestellt ist. daß auch Kamerum kein geeignetes Terrain für die deutsche Einwanderung ist. Was die Branntweineinfuhr detrifft, so bin ich mit Herrn Zahn einverstanden. Derselbe ist ein ernster Mann, der gewiß nicht, zumal in Bremen, wo es so viele Sachverständige dafür gicut Bebauvtungen hätte auf» stellen können, die so schlecht begründet find, wie Herr Wörmann unS daS dargestellt bat. Ich laffe daher zunächst Herrn Zahn das Wert, ehe ich mich in dieser Angelegen- deit enlsch-ide. Schon jetzt aber kann ich sagen, daß ich den Brannt vein für eine schlechte Vorbereitung der Zimlisatwn an. sehe. Wenn das Branntweinmonopol geschaffen werden sollte. so müßte dafür gesorgt werden, daß der Branntweinexport ,n Kolonien aufhört.(Abg. Richter: Darum wird eS ja ge- schaffen!) Mir ist übrigens.gesagt worden, daß von allen Exportartikeln der B.annlwntt der wesentlichste und nutz- �bgf 9t 1 4 t e r beantragt, die Pofition nochmals an die Kommisfion' zur Prüfung der Frage der Uebertragbarkeit oder Nichtübertiaobarkrit zurückzuweisen. Dre Auslegung der Frage seitens des S aatssekretärS v. Boelticher steht einzig da. Die U-derlragbarkeit einer Pofition ist eine Ausnahme von der all- gern inen Regel, daß die Ausgaben für ein einziges Jahr be- williat find, und fie ist nur da vorhanden, wo dreS im Etat auS- drücklich vermerkt ist. Hier steht kein solcher Vermerk, es kann also keine Uebertragung stattfinden wcder im Ganzen noch für einzelne Theile. DieS müßte in ernem schriftlichen Bericht Hat ausgesprochen werden. UebrigenS liegt die Frage hier er m a ieute" find mit der Regierungkgewalt veltraut. Zunächst wäre es Sache dieser fürstlichen Kaufleute, dem kaiserlichen«ouv». neur, der fie mit ihier Gegenwort beehrt. eine anstandige Wohnung zu schaffen. In englijchen Aktenstücken fft über ähnliche Fälle ausdrücklich vorgesehen, daß die kaufmännischen Korporationen sogar verpflichtet find, daS Gehalt deS Gouver- neurs zuzahlen. He! r Woermann hat fich an meine Adresse gewandt, in Wirklichkeit aber an die Adresse deS MisfionMn. szektors Zahn, auf den ich meine Behauptungen stützte. Auf dem Bremer Kongreß der MisfionSgcsellschasten ist von einer bestimmten Statistik in Bezug auf die Branntwein- Ausfuhr nach Westafrrka nicht die Rede gewesen, dageaen wurde her- vorgehvben, daß dorthin Spirituosen mit gesundheiisschadllchen Stoffen ausgeführt werden, und eine amtliche Untersuchung des ausgeführten Branntweins auf Grund des Nahrunai- Woermann nicht geäußert, und wenn er meint, der Brannt- Ä VÄ'S käs; smm nialpolttik freundlich oestin-mt find. Herr Woermann meint, wenn in Europa, in Deutschland der'Brannlwrinhand-l mcht verbotm sei, so brauche et ouch in Kamerum nicht verboten sein. Teutschland ist zum Gtück nicht Kamerum. Das K ima ist dort gin, anders. Der Reichskanzler hat gerade die Kälte der Witte ung an den norddeutschen Küsten für den B-anntweinkonsum bei uns angesührt. In«amenm aber soll es nach Allem. waS wir von dort hören, sehr heiß sein lHeiterleit) und darum der Branntweingenuß besonders schad- lich und zerstörend wirken, namentlich auf die Gesundheit der Eingeborenen, die Herr Woermann zur Arbeit und Zivilisation herangezogen wissen will. Ich möchte aber dem Herrn Reichskanzler ein Kompiomiß in dieser Frage vorschlagen. Möge er unS in Deutschland mit dem Branntweinmonopol verschonen und es in Kamerun einführen(Heiterkeit), die deutsche In- dustrie nicht stören und nur Herrn Woermann und dessen Ge- schästsfreunde in Kamerun stören. Dort ist vielleicht daS kaiserliche Monopol im Interesse der Zivilisation und Ge- sunvheit der Bevölkerung sehr nutzbringend, während es für uns absolut nicht paßt. Wenn der dorrige Gouver- neur fich wirklich, wie Herr Woermann meint, der besonderen Achtung der Eingeborenen, Engländer und Deut- schen erfreut, wie kommt es dann, daß ein Diener des Gou- verneurs, ein Garde>Unterosfizier von Berlin, die Neaer mit Kavaller elarabinern und scharfen Patronen einübt? Eine Tamp barkasse ist dorthin noch unterwegs, wo fie liegt, weiß man nicht, fie„kippelte" bedenklich.(Heiterkeit.) Herr Woermann hat Kamerun als Paradies geschildert, allerdings nicht in Bezug auf den Kleiderluxus. Ich möchte es das Paradies nack dem Sündenfall nennen. Aus dem ersten Paradies wurden die Menschen vertrieben, in dieses Paradies sollte kein Earoväer gehen. Der Herr Staatssekretär verficherte uns, daß die Stellung des Reichskanzlers in Bezug auf die Kolonial- Politik eine unveränderte sei. Wie reimt fich nun mit dieser Erklärung die letzte Flaggenaufhissung auf den Marshall- Inseln? Herr Boetticher hatte uns versichert, es sollten nur solche Kolonien erworben werden, für welche die eingesessenen Kaufleute die Schutzhoheit übemähmen. Auf den Marshall- Inseln ist die Firma Hernsheim angesessen. Diese hat nach der offiziösen P.esse für die Karollnen-Jnseln jede Schutzboheit abgelehnt und wird in Fo'ge dessen von der offiziösen Press« Nürnberger P'essersack titulirt. Wie steht es nun mit der Hoheit auf den Marshall-Jnseln? Denkt da die Regierung anders als in Bezug auf die Karolinen-Jnseln? Nimmt fie hier eine andere Stellung ein, so steht das im Widerspruch mit den Bemerkungen des Reichskanzlers übcr die Kolonial- Politik. Auch in dieser Beziehung ist eine Aufklärung in der Kommisfion erwünscht. Abg. Etö cker: Herr Windthorst hat gemeint, wenigstens eS durchblicken lassen, eS sei bedenklich, für andere als Aus« wanderungSkolonien Geld zu bewilligen. Das halte ich für falsch, andere Nationen betrachten gerade ihre Pflanzungs- und Handelskolonien als ihre Juwelen, und man würde die De- batte verwirren, wollte man sagen, daß nur die Auswanderungs- kolonien einer R-ichSzuwendung werth seien. Kamerun ist ficherlich zur Auswanderung Nicht geeignet. Gegenüber dem von Windihorst erhobenen Vorwurf der Intoleranz protestanti. scher Misfionare erachte ich es für geboten, im Namen des Deutschen Reiches dagegen zu proiestiren.(Oho! im Zentrum) Wollen Sie mit mir in eine Diskussion darüber eintreten, ob die katholischen Misfionare oder die protestantischen intolerant gewesen find?(Rufe aus dem Zentrum: Ja wohl!) Ich glaube, eS ist nicht im Interesse des Reiches, festzustellen, wo die größere Intoleranz liegt, ich werde Herrn Windthorst den Be- weis liefern, daß die größere Intoleranz auf Seite ftanzöfischer Katholiken gelegen dat.(Widerspruch im Zentrum.) Herr Woermann hat, glaube ich, die Glaubwürdigkeit des Rcferenien auf der Bremer Misfionskonferenz ohne Glück in Zweifel gezogen. Die Konferenz hat die genauesten Nachrichten von den Negern im Westen Afrikas und ist, glaube ich, kompetent über die Quantität und Qualität deS dort verschenkten Branntweins. Herr Woermann braucht fich nicht wundern, daß daS Publikum über seine Aeußerunger. unruhig geworden ist, er verdankt eS seinen eigenen Aeußerungen vom vorigen Jahre. Da hieß es:„Sollen wir aus reiner Liebe zu den Negern, die doch noch nicht unsere Brüder find, einen großen Geschäftszweig unterbinden; ich glaube, daß eS hier und da, wo man Zivilisation schaffen will, scharfer Reizmittel bedarf." Ich proteftice gegen diese Worte als unrichtig und inhuman. Die Neger weiden doch nicht erst dadurch unsere Vrüder, däv ü* deutsche Unterthanen werden, sondern fie find es immer gewesen Daß wir aus ihnen einen Geschäftszweig einschränken, der fie ruinirt, finde ich seibstver« ständlich, der Scknaps als Reizmittel zur Zivilisation ist uner- höit. Diese Aeußerungen haben zum Theil Unwillen hervor- gerufen. Nichts wirkt bekanntlich verderblicher auf die unzivi- liffrten Völker, als der Beauntweingenuß. Deshalb ist der Nothschrei der Herren in Bremen auch du chaus gerechtfertigt, um den Reichstag und daS ganze Volk aufmerksam zu machen. Wir find erst kurz in die KotoniaipMik eingetreten und ich glaube wohl, von dem humanen Geiste unseres Volkes er- warten zu dürfen, daß«z den Fehler vermeidet, den es anderen Völkern vorgeworfen bat: die Ausdeutung der fremden Völker. Dieftnigen, welche unsere Unterthanen werden, vor jeder mora- lischen und phyfischcn Gefahr zu behüten, daS ist unsere heilige Pflicht. Woermann: Wenn die Herren Etöcker und Richter gemeinsam angreifen, dann mag es schwer sein, fich zu vertheidigen.(Ada. Richter mft:„Wenn fie Recht haben!") Herrn Windthorst bemerke ich zunächst daß ich nicht gesagt habe, daS RechtSgefühl der Neger habe bereits die Oberhand ge- mannen, sondern es werde im Laufe der Jahre durch Bestre- bungen dcr Beamten die Oberhand gewinnen, auch habe ich nicht von freien Arbeitern aus Europa gesprochen, sondern von freien schwarzen Arbeitern im Gegensatze zu Sklaven. Niemals habe ich ferner angedeutet, daß Kamerun ein Land für Aus» Wanderung sei, ich habe im Gegentheil vor Einwanderung dort- hin gewarnt ES ist femer ein Jrrthum, wenn Herr Windt- borfi meint, eS sei nur ein Hafen da, es girbt schon jetzt deren drei oder vier. Was die gesundheitsschädlichen Stoffe betrifft, so weiß ich ja, daß Sie mir nicht glauben, Sie haben es ja gesagt. Herr Richter und Herr Stöcker, und vielleicht haben Sie Recht, um nicht zu glauben, weil ich Interessent binj; eS giedt aber auch Interessenten, welche die Wahrheit sagen(Zu- stimmurg), und ich kann Ihnen nur sagen, daß nur gute Waare eingeführt wird. Ich stelle Herrn Stöcker und Herrn Richter gern Proben zur Verfügung.(Hiiterkett.) Wenn die Misfionare sagen, daß die Waaie schlecht sei, so haben fie fie nicht prodtrt; fie haben fich ja stets geweigert. Wenn Hr. Richter eine Untersuchung der Waare wünscht, so pflichte ich ihm gern bei. Tbatsache ist, daß die nach Kamerun gehende Waare zu einem Diittheil aus feinstem Demerara- oder Havanna- Rum besteht, zum Theil in Original dorthin geht, zum Theil mit bestem hiefigen Alkohol verschnitten. Was von schlechter Qualität in Betracht kommt, bezieht fich auf ftanzöfisches Gebiet, geht nach dem Senegal oder Kongo. Für Kame:un bestreite ich ganz entschieden, daß schlechte Qualität hinkommt, und wenn Herr Stöcker meint, die Misfionen wüßten dort ganz genau Bescheid, so ist doch erst jetzt eine von Basel dorthin gekommen, um überhaupt«st Informationen einzuholen. Die Miliz ferner dient weniger zum Schutz des GouvemeurS. als zum Schutz deS Landes. Herr Stöcker hat auch daS, was ich über den Alkohol als Reizmittel gesogt habe, mißverstanden- ick meinte nur. was ich selbst in Aftrka unendlich oft g-sehen habe, wenn die Schwarzen etwas Tüchtiges leisten sollen, so müssen fie Abends ein Gläschen Branntwein haben. Das ist dort so wenig wie hier schädlich. Wenn Sie dadurch die Neger veranlassen können, besser zu arbeiten, so ist die« doch nicht inhuman. Wenn nun aber Stöcker es ferner als inhuman bezeichnet, daß ich davon spreche, die Schwarzen seien erst tigste, oder, wie der Engländer sagt: cbarity begiM" (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Direktor im Reichsschatzaml Aschenborn:»» faffung deS Abg. Richter von der Uebertragbarkeit* titel deckt fich mit den auch für das Reich geltende«' mungen des preußischen EtatsrcchtS nicht. Schon inj struttion für die Oberrechnungkammer von 1324 nw BaufondS als ohne Weiteres übertragbar bezeichnet> Komvtabilitätsgesetzentwurf bezeugt dies unter auf jene Quelle nochmals aui drücklich. Im E ist überhaupt niemals ein besonderer Vermerk üb» tragungsfähigkeit eines einzelnen Titels gemacht etatsrechtliche Frage an fich ist, wie ich in der Kv! reitS ausführte, sehr streitig, fie gehört zu de» Doktorfragen, deren Lösung im einzelnen Falle sucht werden muß. Wie fie im vorliegenden ge! soll, ist schon vom Herrn Staatssekretär aus' worden. Abg. Windthorst: Ich unterstütze die« Kommisfionsderathung; die Sache ist gar so klar wie fie anfangs schien. Herr Stöcker irrt doch sehr, glaubt, die großen Kolonialmächte hätten gerade kolonien als die Perlen ihres Kolonialdefitzes betll englischen, französtschen und nordamerlkanischen weisen das direkte Gegentheil. Mit Recht aber gewarnt, den fremden Schutzgebieten unseren Sri zuschicken. Ob er gut oder schlecht ist, können wir statiren, denn waS zwischen Hamburg und Kamerun selben geschieht, ist schwer zu sagen(große Hntei» die Miifionare in Afrika davon nicht trinken wollen, ich es ihnen auch gar nicht übelnehmen.(Erneute I Erfreulich find mir auch die Ausführungen Woer» manchen Zweifel beseitigt haben. Er Neue vor der Auswanderung nach Kam? um so werthvoller ist, als ich überall im f? hin ick kam, auf die Meinung stieß, man• bedenklich dorthin gehen, lieber die ToleranzfroS» jederzett mit Herrn Etöcker diskutiren,. heute ist es« schon zu spät. Die letzten Verhandlungen, die wir tz haben. ließen jedenfalls für einen Unbefangenen j? von Toleranz vermissen. Man ging so weit, den> ttgen und maßgebenden Standpunkt der Kongoak« lassen; was diese bestimmt, ist tolerant, was in» geschieht, ist intolerant. Mit dem Hinweis auf bü' Europa gebilligte Kongoakte wird Herr S? ständig widerlegt; er hat heute keinen Beweis vc« gegeben. Abg. S t ö ck e r: Eine ungleiche Behandlung d gesellschasten der beiden Konfesstonen findet nicht st spruch im Zentrum.) Wenn bestimmte Orden ausgenom bat daS seine besonderen Gründe.(Widerspruch' in» Es steht nichts im Wege, daß fich in Deutschlanl Misfionen ausbilden und nach Kamerun gehen.( im Zentrum.) Herrn Woermann erwidere ick eine schminkende Brücke war von den Kamen zu den Juden. Wenn jetzt die Kamel nach Berlin kommen wollten, um in den Tagedl litik zu machen, so würde ich fie auch bekämpfe»! verpflichte ich mich, wenn die Juden nach KamN» wollen, von jeder Bekämpfung derselben abzusehe«' Heiterkeit) Abg. Windtborst: Jetzt begreife ich,«f Stöcker solche Begeisterung für die KolonialpoM Bezug auf die Misfion in den Kolonien sollte m»� land zum Vorbild nehmen, daS doch gewiß kein Staat ist. Ich verlange einfach gleiches Recht für fall im Zentrum.) Abg. Richter: Daß Herrn Siöcker die der Juden in den Redaktionen nicht erwünscht begreiflicher, als in den Redaktionen seiner B und allerlei zweideutige Personen deschäst wie aus den Stöcker. Prozessen genügsam bekannt keit links.) Aba. Stöcker: Herr Richter scheint mll lichen gründen zu Ende zu sein, wenn er solch« vorbringt. Wirklicher Geh. Legationsrath Krauel:. hat über die Hoheitsrechte in den westaftikonisve.l irrthümliche Vorstellungen. Auf den Maishallm deutsche Flagge allerdings gehißt, nachdem die dort — eS ist nicht nur die Firma He inSheim, die dort kommt— fich bereit erklärt hüben, zu den Kosten Die Reichsregierunz geht auS von der Anficht, Reichsfonds nur die Kosten zu übernehmen find, o>' erfordeilich find, daß dagegen die Hauptlasten den Firmen aufgebürdet werden..* Abg. Richter: Mit diesen Erklärungen oerä»' Natur unserer Kolonialpolitik. Der Reichskanzler haM wir nur dort Kolonim erwerben würden, wo v» bereit seien, die Regierung zu übernehmen. 9% daß die Flagge da gehißt wird, wo die Kaufleute.« und bereit find, zu den Kosten beizutragen. N»#, i frage ist die Hauptsache, sondern das Essentielle sürstlichen Ka.fleute selbst die Regierung üderntträ Von dieser Bereitwilligkeit haben wir auf den �- nichts gehört.. Die Pofition wird darauf derBudgelkomniilst�. maligen Berichterstattung überwiesen. Um 5'/. Uhr wird die weitere Berathuna- woch 1 Uhr vertagt. Außerdem steht auf der D G.-E., betreffend die Rechtspflege in dem Schützt der Zölle und Verbrauchssteuern und der SteMi» Parlamentarisches — In der gestrigen Sitzung d«« schutzkommission wurde die Debatte über v der Anträge Auer und Genoffen in Verbind» Lieber'schen Resolution! fortgesetzt. Zu � Resolution sind Amendements gestellt von den Abg» Baum dach und Franz, dre sämmtlich die®'° Fabiikinspektorats, entweder durch Vermehrung inspettoren resp. Anstellung von Asststenten auch durch Verkleinerung der AuffichtSbezirke ge) weitgehendste Amendement ist daS deS Abg.& die Verkleinerung der AuffichtSbezirte«fp' mehrung der Fabrikinspektoren derart Ke einmalige jährliche R-oiston erreicht Drslusfion, rn der auf allen Seiten b»«, des Fadrikinspektorats als wünschenSwerth bei. und nur Meinungsverschiedenheiten über daS%% «klärte fich der Abg. Lieber für da« AmeiZZ will jedoch der Aufnahme desselben in seine � zuchmmm, um deren Annahme nicht zu gefa«"! h Baumbach und Schneider, die FraftionSgenofien neten Halben,«klären fich für die Resolution das Amendement Halben. Abg. Baumbach wem{ Nickt darauf an. wie oft revidnt w«ve, foudtt* werde. Abg. Haarmann ist für Vermehrung %%%%%,%%%% 8Iuf eine Aeußerung deS Abgeordneten%; von ihm gewünschte Vorschlag recht für be" "der dessen Asfistenten seitens der Krankenlan � barePnsonen bezeichnen werde, alsjedtd«� fi entgegneten die RegierungSkommissare Boss«" Die vorzuschlagenden Personen könnten von den Betheiligten nicht geprüft werden. Die Arbeifer würden stets die Arbriter« sreundlichkeit und nicht die Qualifikation deS Vorzuschlafenden als Bestimmungsgrund gelten laffen. Von den Fadrikinspek- toren Priufiens seien nur 2 Berufssoldaten gewesen, davon habe jedoch der eine 4 Jahre die technische Schule in Aachen, sowie der andere 2 Jahr ein Technikum besucht. Abg. P f a n n« k u ch wies darauf hin, daß die Dedatre ergeben habe, daß der Grunvgeoanke in dem sozialdemokratischen Antrag: die Zentralisation der Ueberwachuna der gewerblichen Betriebe, M Anerkennung verschafft habe, und nur der vi Ä? eit halber, die �Reichsgesetzgedung abzuändern, die Majorität fich begnügen wolle, ein Institut ■r welches wie allgemein anerkannt, seine Wurzeln in der Aeichsgesetzgebung habe, dadurch dem Äedürfniß anpassen wolle, daß man den Reichskanzler ersuche, seinen Einfluß auf die Einzclstaaten dahin geltend zu machen, daß die Licbersche Be- solution die Richtschnur für dieselben bei der Ausbildung deS ffabrilinspektorats abgebe.— Wahrlich sehr bescheiden. — Die polnische Fraktion des Abgeord- netenhauses wird nunmehr, nachdem der Reichstag seinen Beschluß über die AusweisungS-Anträge gefaßt hat, unoerweilt die geplante Anfrage an die preußische Regierung einbringen. Au« der letzten Kanal-KommissionSfitzung ist noch nachzutragen, daß der Staatssekretär von Bötticher auf eine Ansragr deSAdg. Hasenclever, ob de m Bau deS Kanals auch genügende Sorge für Entwäfferungs. und Bewässerungs» Anlagen getroffen iberden würden, erklärte, daß die preußische Regierung schon in ihrem eigenen Jntereffe dafür Sorge tragen und daß oeshalb Alles geschehen würde, nach dieser Richtung hin die von dem Fragesteller angeregte„Kolonisation im Innern" zu fördern. Kommunales. ..Dieneue Anleihe der Stadt Berlin. Der Magistrat hatte bekanntlich bereits in einer früheren Sitzung die Auflage einer neuen Anleihe von 50000000 M- beschlossen. Ueder diese Anleihe hat der Kämmerer Runge jetzt Bericht erstattet. Die- selbe wrrd zu 4 pCt. verzinst und mit 1 pCt. und den ersparten Zmsen deS getilgten Kapitals amortistrt werden. Die Amorti- sation soll mit dem Jahre 1890 beginnen. 25000000 M. der Anleihe werden in den nächsten 5 Jahren für die Fortführuug der Kanalisation, für Regulirungs« und Planirungsarbeiten der Rieselfelder gebraucht werden. 5 bis 6 Millionen stnd erforderlich zur Erbauung fester Brücken, 6 Mil- Nonen wird der Neubau des Polizei. Präfidial- Gebäudes in der Alexanderstraße erfordern. 1 000 000 M. werden zur Erbauung und Einrichtung eines dritten städtischen Krankenhauses erforderlich(der Bau desselben ist auf 1500000 M. veranschlagt, doch sollen 600000 M. aus dem Beschort'schen Stistkapital der Bestimmung der Etifterin gemäß entnommen werden). Zur Erweiterung der Waffcrwerke, namentlich zur Erbauung von Filtern in Tegel, zur Anlage (iv(3. Waffeithurmes auf dem Tempelhofer Berge find 2000000 M. erforderlich und 11000000 M. werden die noch zu erbauenden resp. noch zu vollendenden Markthallen be- anspruchen. Zakale». ar. Die Arbeit eines Handlangers wird durch eine kleine Statistik recht deutlich illustrirt. Da fitzt in einer Fensteröffnung in der 2. Etage des im Abriß begriffmen Hauses Papenstiaße 14 ein Ardeiter, der die Aufgabe hat, die ihm zugereichten Steine auf einer schiefen Ebene heruntergleiten zu lassen. Zwölshundert Steine defördert der Mann in einer Stunde hinab, bei zehnstüngigcr Arbeitszeit also täglich nicht weniger als 12000 Steine. Die einzige Abwechselung, die er fich gönnt, ist, daß er hin und wieder seinen Platz verändert. Angenommen, der Arbeiter erhält für den Tag 3 Mark, so bringt ihm das Hinunterwerfen von 1200 Steinen 30 Pfennige, zu einem Pfennig gehören also 40 Steine und etwa 2 Minu'en Zeit. Man steht, auch diese Steine können reden.— Das Baumaterial der abgeiisstnen Häuser ist übrigens ein sehr ge- suchter Artikel und kommt hauptsächlich in den Vororten Berlins zur Velwmdung. So find einige Neubauten in Weißensee aus den Trümmern der Häuser hervorgegangen, die der Kaiser Wilhelmstraße zum Opfer fielen. Neues Leben blüht auch hier- aus den Ruinen. Haussuchung. Am Sonntag, den 17. d. M., wurde bei dem Schriftsetzer Kunkel eine Haussuchung abgehalten. Die Behörde soll eine Anzahl Schriften mit Beschlag belegt haben. — Auch in Friedriche berg wurde am Sonntag an einer Stelle eine Haussuchung vorgenommen. Die Sonnabend-Vorstelluug von„Dentse" im Rest- denztheater, deren Reinerlös den Unterstützungskaffen deS „Vereins Berliner Presse" vom Direktor Anno in anerkennenS- werther Weise zugesichert war, hat einen recht günstigen finanziellen Erfolg erzielt. Wie wir hören, ist der namhafte Betrag dem Vereine bereits zugegangen. Poltzeibericht. Am 17. d. M. Abends fiel in der Dan- ziaerslraße eine 72 Jahre alte Frau in Folge Ausgleilens zur Erde und brach den rechten Lb«schenkel im Hüftgelenk. Sie wurde noch der Königl. Klinik gebracht.— Am 18. d. M. Morgens nahm eine Frau, in der Alrxandrinenstraße wohnhast, durch Verwechselung der Flaschen, anstatt der ihr««ordneten Medizin flüchtiges Liniment ein. Sie erlitt dadurch so schwere Verletzungen im Munde und in der Speiseröhre, daß ibre Uederfuhiung nach der Charite« nothwendig wurde.— An demselben Morgen wurde der Viehtreiber Füller auf dem städti- schen Zentral. Viehboke im Rinderstalle von einem Stier mehrere Male gegen die Wand gedrückt, so daß er schwere innere Verletzungen erlitt und nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— An demselben Tage Mittags entstand in dem Lag«. kell« deS Kaufmanns Mcn, Chausseestt. 16, dadurch Feuer, daß der Hausdien« Gollnow beim Abfüllen von Benzin fahr- läsfigerwetse mit Licht demselben zu nahekam, so daß dieses fich an d« Flamme entzündete und exvlodirte. Gollnow e-litt hierbei so dedeutende Brandwunden, daß er nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht werden muhte. Das Feuer wurde von der Feuerwehr sehr bald gelöscht.— Um dieselbe Zeit fiel der Maurer Klose auf dem Neubau Kastani-n-Allee 29 30 beim Fortschleifen einer Rückstange über die nicht abgedeckte Balken- tage vom ersten Stock bis in den Keller hinab und erlitt dabei IjS1 �sbtsseitigen Rippenbruch und eine Ausrenkung der rechten Schulter. Gerichts-Zeitwig. Eine taubstumme Diebin stand gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts u. Die 16 jährige Bertha Kabel aus Berlin gehört zu jenen unglücklichen Geschöpfen, welchen die Gabe zu reden und zu hören von d« Natur versagt ist. Trotzdem aber ist fie schon 4 Mal wegen Etgenthumsv«gehenS de- ttrast worden und hat den größten The« ihres jungen LebenS un Gefängniß oder Aibeitthause zugebracht. Im März v. I. befand fich die Angeklagte in dem unter Leitung der Frau uofahl stehenden ReltungShause in Reinickendorf. Von dort war die Kobel entwichen unter Mitnahme von KleidungS- stucken, welche der Anstalt gehörten. Nachdem durch einen ge- rechtlichen Sachverständigen die ZurechnungSfähiakeit d« An« geklagten festgestellt worden war, erkannte der Gerichtshof auf S Monate Gefängniß. Koziales«nd Arbeitervewegnng. An die Buchbinder und Kachgeuosse« speziell d« Albeiter der Albumbranche«geht folgender Ausruf: Kollegen! Von Jahr zu Jahr find in unserem einst so schönen Industrie- zweige Lohnreduktionen mehr und mehr vorgekommen, so daß man meinen sollte, es wäre jetzt zur Unmöglichkett geworden, noch weitere Reduttionen vorzunehmen. Leid« aber tritt man mit verartigen Anfinnen fortwährend an die Arbeiter heran. Diesem Beginnen muß endlich einmal ein Halt geboten werden. Kollegen! Auch in der Fabrik von Fäsfia und Ehrenstein find Lohndifferenzen(welche Reduktionen gleich kommen) auSge- brachen. Die Kommisston der Albumarbeiter sah fich gmöthigt, da keine Einigung zu rrz elen war, den Streik zu erklären. Ehrensache eineS jeden ArbetterS muß es sein, während deS Streiks dort nicht zu arbetten. Selbst in der schlechtesten Ge« schästszeit muß den Fabrikanten bewiesen werden, daß die Arbeit« zu d« Einficht gekommen find, daß eS so nicht weit« gehen kann und darf. Die Kommisfion d« Albumarbeiter. Abnahme der Wanderbettelei. Die in der Nähe von Bielefelv get.gene Arbeiterkolonie„Wilhelmsdorf" hatte, wie der kürzlich veröffentlichte Rechnungsabschluß ergiebt» im v«- floffenen Jahre eine Einnahme von 53 000 M., darunter 9000 M. daarer Verdienst der Kolonisten. Die Unterhaltungs- kosten betrugen 88 520 M., so daß noch ein Defizit von 35000 M. zu decken ist. Durch die Landesmeliorationsarbeiten der Kolonisten, die ganze Strecken des öden Haidelandes, der sogenannten Senne, in der bekanntlich die Kolonie liegt, urbar machten, ist allerdings dieses Defizit so gut wie ausge- glichen, wenn auch vorläufig noch nicht an eine Ver- zinsung des Anlagekapitals zu denken ist. Die Zahl der brs jetzt in die Kolonie aufgenommenen heimathlosen Wanderer betrug insgesammt 3400, darunter 1940 Protestanten, 1450 Katholiken und 11 Israeliten. Gegenwäit-g befinden fich 259 Mann in der Kolonie» die, da bekanntlich die beiden für die Rheinprovinz projekt-rten Kolonien noch nicht errichtet find, vorläufig auch noch Rheinländer aufnehmen wird. Nach den Berichten der Landräthe soll fich seit dn Errichtung der Kolonie eine Abnahme der Wand«bcttelel von mindestens 50 pCt. konstatiren lassen. Mit dem letzten Satz, auf den es unS besonders ankommt, wäre also auch dem Blödesten klipp und klar bewiesen, was ein kleiner Theil d« Linkenpresse schon seit Jahren unabläsfig betont hat, daß nämlich die Wander- bettelet in direktem Zusammenhange mit der Arbeits- lofigkeit steht, und nicht wie der größte Theil unserer Zeitungen zum Theil aus Schmähsucht und zum Theil aus Svperklugheit oder Unwissenheit stets behauptet hat, daß fie eine besorgnißerregende Erschewung deS überhandnehmenden Hanges zur Faulheit sei.„Vagabunden",„arbeits- scheues, die Landstraße bevölkerndes Gestndel", das waren die Epitheta, die' fich ehrliche, von ArdeitSlofigkeit auf die Land- straße getriebene Handwerksgesellen und Arbeiter an den Kopf werfen laffen mußten und noch werfen laffen müssen von Menschen, die keine Ahnung von dem Zusammenhange gesell» schastlicher Erscheinungen haben. Und hier wird endlich die schon längst von der voltt freundlichen Presse betonte, wahre Ursache einer solchen Erscheinung wider Willen bestätigt. Schafft Arbett!— DaS ist das Zauberwort, welches die „Vagabondage", die Wanderbettelei beseitigt, oder doch auf ein geringes Maß hcrabdrückt. Aber die heutige Gesellschaft kann das Zauberwort nicht erfassen; fie kann den bösen Geist, den fie selbst heraufbeschworen, nicht bannen. DaS ist die Aufgabe der neuen Zeit, und dies« Aufgabe muß fich Jeder widmen, der für die Erscheinungen dies« Zeit nicht blind ist. Uerewe mh Versammlungen. de. Die Arbeiterinnen- Versammlung, welche am Montag, den 13. d. M., in„Sanssouci" unter Vorfftz der Frau Dr. Hofmann stattfand, war äußerst zahlreich besucht, wohl 1000 Frauen und 500 Männer waren anwesend. DaS einleitende Referat über den„Zweck und die Ziele deS Arbeite- rinnen-Vneins mit besonderer Berückstchtigung der Lohnfrage" h.tte Frl. Wabnitz übernommen. Ernste Pflichten, so etwa begann fie, find es, welche heute jeder denkenden Frau auf- erlegt find. Sie ist berufen, das an Generationen ihres Geschlechts verübte Unrecht wieder gut zu machen. Es handelt fich um keine vorübergehende Aufregung, sondern um eine mit Nothwendl gleit aus den Bedingungen der Industrie und des Kapitalismus heroorgeaanget.e Bewegung. Wer die Lebens- bedingungen einer Arveiterfamilie kennt, wird zugeben müssen, daß bei den heutigen Dw chschnittslöhnen ein Familienvater ohne die Mithilfe seiner Frau seine Angehörigen kaum er- nähren kann. Die Kinder bleiben fich selbst überlassen und Bot« und Mutter wissen nichts von ihnen. Die Frauen ffnd in dm Dienst der Industrie gespannt; spe- lulative Kaufleute verwenden fie als Reisende, fie bezahlen fie elend. Wir dürfen dem Manne nicht durch billigeres Angebot Konkurrenz machen und müssen uns veleinigen, um höhere Löhne zu erzielen. Eine Lohnerhöhung der Frauenarbeit be- dingt auch eine der männlichen Arbeit.(Beifall.) Um aber mit Erfolg an eine Lohnbewegung heranzutreten, müssen wir zunächst feststellen, welche Löhne in den verschiedenen Branchen gezahlt werden. Hmt herrscht größte Willkür in der Fest. sctzung der Preise für dieselbe Arbeit. Heut zahlt ein Unter- nehmer für daS Nähen und Besetzen einer Schürze 7 Pf., ein anderer zahlt aber gar nur 2 Pf. Zum mindesten müssen hier einheitliche Minimaisätze festgestellt werden. Die Arbeitgeber müssen fich daran gewöhnen. nicht länger mehr auf vierzehn. stündige Arbeitszeit, auf dir Sonntagsarbeit, die Nachtarbeit, die Bedürfnißlofigkeit und Bescheidenheit der Arbeiterin zu rechnen.(Bravo.) Wir werden zunächst versuchen, mit den Ardeitgebem zu verhandeln; ich hege die Hoffnung, daß die anstäw digen Elemente unter ihnen die G-rechtigkett unserer Forderungen anerkennm w«den. Eine jede Frau schließe fich einem Ardet .rdÄÄS ä&ä «fühls der Arbeiterschaft sicher sein und auf ihre Unterstützung rechnen können!(Lebhafter Beifall.) Vergessen wir aber auch nicht, daß die Gesetzgebung vor allen Drnaen uns die Sonn tagiruhe gewähren, uns ernen MaximalarbeitStaa fichern muß. MssseMtzZ Berliner Gla�handschuhmacher verlesen und empfahl eine Teller säaasasa Ä. 8W. «hen und allenfalls partielle Streiks hervorrufen. lÄSfÄ ÖÄ« Ä'S Mäntelnaherinncn- Kommisfion, 4 Schneidermeister in diese Kommisston aufzunehmen. Hierauf erwiderte Frau Büge, das Görcki und Frau Nerrlich gesprochm hatten, machte eine andere Frau Angaben üb« den äußerst geringen Lohn, den der Schneidermeister Lulließ, vpandauerdrücke ö. seinen Arbeiterinnen in nicht vor- zahlen solle. Für das Fntigstellm einer Militärhose mit Biese, an der fie(Rednerin) als geübte Arbeil«in 2'/, Stunde zu arbeiten habe, zahle dies« Meister 20 Pf. Sie habe im Zeit- räum von 12 Stunden bei angestrengter, unaufhörlicher Arbeit 1 Mark verdient, von denen 30 Pf. noch auf Auslagen au wim w. abgegangen wären. Auf ihre Klage Über zu geringen '«dienst, habe man ihr gtrathen, in der Nacht zu arbeiten. Hierauf sprach Herr Michelsen und verlangte daS aktive und passive Wahlrecht für die Frauen. Als der Redner in seinen weiteren Ausführungen die herrschenden Zustände kritifirte» erklärte d« übnwachende Polizeibeamte auf Grund des So- zialistengesetzeS die Versammlung für aufgelöst. hr. I« der Versammlung des»achvereinS der Steinmetzen Berlins, die am Sonntag in Ahlgrimm's Salon tattfand, wurde d« Jahresbericht erstattet. Es find 187 neue Mitglied« in den Verein eingetreten. Die Mitgliederzahl ist gegenwärtig 247. An Krankenunterstützungen hat d« Verein 460 M, nermjSoobt. Auf Unterstützung streikend« Kollegen wurden 1888 M. verwendet, nämlich 702 M. an Berufsgenoffen in Berlin, 586 M. an auswärtige Berufsgenoffen, 500 und 100 M. an die Maurer und die Töpfer in Berlin. Durch Sammlungen find für diesen Zweck 1226 M. aufgebracht worden; 662 M. hat die Vereinskasse b«gegeben. D« Kassen« dericbt über das IV. Quartal ergab 1161,85 M. Einnahmen und 873,40 M. Ausgaben. Das in Reichspapteren angelegte V«» einSvermögen benagt 2004 M. In der FremdenunterflützungS»- äffe, aus welch« im Jahre 1885 153 fremde Kollegen 462 M. erhalten haben, verblieb ein Bestand von 500 M-— D« Vor- ttzende berichtete dann, daß in Bennigsen b. Hannov« die Gesellen dei Meist«s Menfing, 40 an der Zahl, vor 14 Tagen die Arbeit niedergelegt haben, weil derselbe ihnm die Alternative gestellt: entweder auS dem Fachverein auszutreten und den „Bauhandwnker" nicht mehr zu lesen od« die Arbeit bei ihm niederzulegen. Eine läng«« lebhafte DiSkusfivn führte dazu, daß der Vorstand ermächtigt wurde, UnterstützungSgelder in Raten bis zu einem Gesammtbetrage von 500 Mark nach seinem Ermessen aus der Vereinskaffe zu entnehmen und nach Ben nigsew abzusenden.— Der Vorfitzende thetlte noch mit, daß die Mit- gliederoersammlungen von jetzt an regelmäßig am nächsten Sonntag nach dem Ersten jedeS MonatS stattfinden und die Einladungen durch Karten nicht mehr erfolgen werden. In Bezug auf die wöchentlichen 10 Psi-Beiträge für den Fremden- Unterstützungsfonds wurde beschlossen, daß dieselben für die Zeit von Mitte Dezember bis zum 1. April nicht erhoben werden sollen. Die Zentral- Krankenkasse der Maurer, Steinhauer, Gypser und Stuckateure Deutschlands(Grundstein zur Einig- eit), örtliche Verwaltungsstelle Berlin I, hielt am Sonntag Vormittag im„Palmensaal", Neue Schönhauserstr. 20, unter Leitung des Bevollmächtigten, Herrn Peter, eine Mitglieder- Versammlung ab. Die Abrechnung vom 4. Quartal 1885 ergab für die örtliche Verwaltung Berlin ein befriedigendes Resultat. Die Gesammteinnahme betrug 17 690,40 M.; davon wurden an die Hauptkasse abgeliefert 5700 M.; für Unterstützungen an Kranke und Verwaltung wurden ausgegeben 11 376,30 M.; der Bestand am Orte betrug 614,10 M. Die Abrechnung wurde von den Revisoren für richtig erkannt und dem Kasfirer Blaurock Decharge«theilt. Hierauf erfolgte die Ernennung d«. Krankenbesucher. Ferner sprachen die Herren Dietrich und Dr. Großmann über die Vortheile deS SanitätSv«eins. Herr Dr. Großmann betonte besonders, daß er nicht auS Prinzip, sondern nur im Interesse der Arbeiter für dieses so sehr empfehlens- werthe von Arbeitern für Arbeiter gegründete Institut spreche. Pflicht eine? jeden Arbeiters sei«S, darnach hinzuwirken, daß der Verein größer werde. Ganz besonders sei dieses den Mit- gliedern der freien Hilfskaffen zu empfehlen. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Wunsch laut, Herr Dietrich, als Vorstandsmitglied des SanitätSv«eins, möge dafür sorgen» daß in nächster Zett eine GewnkschattSversammlung zur allge- meinen Diskussion üb« den Sanitätsverein stattfinden möge He« Dietrich versprach, in diesem Sinne zu wirken. Hiernach wurden noch einige interne Kaffenangelegenheiten geregelt. worauf dann der Schluß der Versammlung«folgt«. Der Fachverein sitmmtlicher an Holzbearbeitnnas- Maschinen beschäftigten Arbeiter tagte am Sonntag Vormit- tag im Lokale Köpenickerstr. 158. Der erste Vorsitzende, Herr Zwirner, erstattete einen kurzen Rückblick auf die Thätigkeit deS Vereins. Er drückte sein lebhaftes Bedauern auS, daß der Verein noch so schwach sei. Redner zog eine Parällcle zwischen der jetzigen Bewegung und d« Bewegung zu Anfang der 70er Jahre, und kam zu dem Schluß, daß damals eine Besser- stellung der Arbeitsverhältnisse weit leichter zu erzielen ge- wesen sei. als heu e, weil damals die Konkuttenz in der „Fraiseret" noch nicht so groß war als heute. D« Arbeiter muß heute in Folge der niederen Preise ein weit größeres Pensum liefnn. Die Folge davon ist, daß die Kräfte des Arbeiters weit früher aufgerieben werden. Das» selbe Verhäitniß bestehe auch bei den„Gatterschncidern". Redner schloß mit der dringenden Mahnung, fich zahlreich an der bestehenden Organisation zu bethtiligen; dadurch werde es nur möglich sein, den bestehenden Uebelständen abzuhelfen. Die Diskussion bewegte fich in denselben Bahnen. Ein Anttag, die Versammlungen Dienstags abzuhalten, wurde abgelehnt, ein Antrag auf Abhaltung ein« öffentlichen Versammlung, de» Hufs Wahl von Werkstattendeleairten, angenommen. Diese Versammlung wird im„Berl. Volksblatt� bekannt gemacht werden. Sonnabend, den 23. d. Mt«., veranstaltet d« Verein einen Wiener Maskenball in der„Urania", Wrangelstr. 9/10. Die Kollegen werden ersucht, fich recht zahlreich zu belheiligen. BilletS find in allen mit Plakaten belegten Lokalen zu haben. Die nächste Versammlung findet Sonntag, den 7. Februar, im genannten Lokal statt. Stenographie. D« Arendsffche Stenographen- V«etn „Alt-Köln" ist zu dem Roller'schen System übergegangen und eröffnet in diesem System am Donnerstag, Abend im Brauerei- Ausschank, Gerttaudtenstt. 8, am Pctriplatz einen unentgeMfchew Lehrlursus. Derselbe erfordert 4 Lehrstunden; die vollständigen Lehrmittel tosten 3 M. Berichtigung. In dem Bericht des Fachver�ins dn Etcln« träger in Nr. 10 des„Berliner VolkSblatt" muß eS heißen: 300 Mark(nicht, wie der Schrift füh'« irrthümlich berichtete» 400 Mk.) find dem Unterstützungsfonds überwiesen. Driefkaften der Redaktion. Ein Freund. Die Entscheidung d« Gewnde-Deputatiott ist unrichtig. Erheben Sie gegen dieselbe sofort Berufung auf den Rechtsweg beim Amtsgericht l._ A. Kuntske. Aus dem Sachvcrhältniffe laßt fich schw.r konstrui'en. Sie müssen zuerst das Fräulein die Sühne daselbft� Moabit, Privatklagc er- eine Beleidigung___________ vor den Schiedsmann laden und wenn fruchtlos ausfällt, beim Amtsgericht i, erheben..• I. St. Einen Rath können wir Ihnen nicht eher theilen, als bis wir wissen, aus welchen Gründen fie ausge- � F. �R. Vor der Entbindung können keine Ansprüche gegen Sie geltend gemacht werden, nach der Entbindung Nwderkunsts-, Tauf-, vechswochenkosten, sowie Alimente für � W. Langt. Erheben Sie im nächsten Termin den Ein» wand, daß Kläger fich verpflichtet hat. die Klage zurückzuneb- men, und Sie mit ihm das Uebneinkommen getroffen, für die Klagesumme einen Anzug zu liefun. Theater. in Mittwoch, dt» 20. Januar. Vpervha»?. EUgfiied, Mufil» Drama 3 Akten von Rildard Wagner. echauspieldaus. Die Geyer Wally, Schau spiel in S Akten unv einem Vorspiel: Die «lötze von Rosen. Deutschet Theater. DaS KSthchen von Heil« dronn._.... Nefidenz« Theater. Denise, Schauspiel in 4 Akten von A. DumaS(Sohn). Friedrich- Wilhelmstädttsche» Theater. Rafarla. Operette in 3 Akten von Max Wolf. Walhalla-Operetten-Theater. Gilette von von Narbonne. Operette in 3 Akten von Chivot und'Duru. �. Belle. Alliance- Theater. Kmitz Pyritz Tentral-Theater. Der Etabs� Trompeter. Louisenftädtisches Theater. Der Wrldschütz. Komische Oper in 3 Akten. Biktoria-Theater. Meffalina. Oftend<> Z heater DaS LooS der Armen Lebensbild in 5 Akten von F. v. Stenglin «meriean- Theater. Große Spezialitäten. Vorstellung. Theater der Reichshalle«. Große Speziali- täten-Vorstellung. Saufmann'» Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Koukordta. Große Spezialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertbeaterstraße 15. Die beiden Harfenmädchen. Charaktergemälde mit Gesang in 4 Akten von Emll Gallert. Mufik von Ludw. Bußler. Vor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapelle. Anfang des Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang de» Konzerts Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung V/t Uhr. Bon» haben Wochentags Gittigkeit und find im u(12-1 Thcalerdureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. M !lgt« Rhein. ~ it Pf. Inseln. Uap io r-— Passage 1 Treppe. 9 U. SKotg. bi5 10 U. Ab. «aiser-Panorama. Eine intereffante Wanderung dmch Eine bequeme Reise am schönen ertha-Reise. Karolinen» Eine Reise 20 Pf.,«inver nur Abonnements- und VeretnibilletS. Herzlichen Dank sagen die Unterzeichneten allen Theilnehmern an dem Begräbniffe des Tischlers Andrea» H i 1 g e r. Insbesondere ist eS un» Bedürfniß, den Kollegen des Verstorbenen aus der Neumeyer- schen Pianoforte-Fabrik. sowie den Mitgliedern des Gesang-Vereins„Echo Hl" und des Tischler- Vereins für diesen Liebesdienst, den fie dem torbenen erwiesen, zu danken. �ie vielen Beweise der Theilnahme und de» Beileides, die uns von Freunden und Kollegen unseres Gatten, Vaters, Br ZruderS und Schwager» gegeben wurden, legen Zeugniß dafür ab, daß sein Andenken außer in setner Familie auch noch im Gedächtnisie vieler Anderer fortleben wird, und find unS ein reicher Trost bei dem harten Verlust, der uns betroffm. 1485 Berlin, 19. Januar 1886. D i e trauernden Hinterbliebenen. O. ßichter's Restaurant, Kottbuserftrahe S, der geehrten Nachbarschaft ium geneigten Besuch. S i empfiehlt der geehrten Nachbärschaft seine Loka litäten zum geneigten Besuch. Sonntags und Mittwochs Frei Konzert. 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Empfehle mich allen Freunden und Be- kannten und meiner geehrten Nachbarschaft zur pünklichen Kesorgnna deS„Berliner Volks- Watt", sowie der, zlruen Weit',.Vene« Zeit", de«„Danhandwerker«", der,.Deutsche« Metallardeiter- Zeitung" und aller ardeiterfreundlichen Joumale.[495 Zeitungs-Spedittou W. Iwantzky, Nannynstrasse 19, Hof. 1 3 4 5 6 Abrechnung über die eingelaufenen Gelder für die Arbeiter der abgebrannten Fabriken von Kiegel u. Komp. und Schmidt». Komp. Nr. der Ouitt. Fabrtkm x. Mark LouiS Werner 3,— Freund 21.80 Dietzschold 9 35 Fräseret Echadow 8 65 Schleiferei u. Galvaniseure Keyling u. ThomaS Becker G-rwig Durch Herrn Jost Lentschow u. Markert Schlick Karl Hoppe Berliner u. Ziegler Hölzerlein u. Komp. Wienert Durch Herrn Galle Durch Herrn Sievert Ernst u. Komp. Emst u. Komp.(Komptoirpers.) Nöffel Otte Gebert Kühn u. Komp. Haselwander Durch Herrn Brösel jfachv. d. Stelndr. u. Lithographen Ferdin. Voigts teu Taetsch GrofinSly u. Eisenmark Durch Herrn Mönch Koch u. Bein Kutzner u. Berzer Schwarzkopf Leipbolz Klavierarbeiter-Verein WeidenSlaufer Durch Henn Nowack Dührung 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 31 32 33 34 85 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 49 50 51 52 53 54 55 56 58 63 64 65 Franke Kol adzwick Kückermann u. Komp. Lohnkommission der Drechsler Durch Heirn Mönch Durch Herrn Oskar Schulze Durch Herrn Nieß aus Jeßnitz Buchwald u. Riegel Brunzel Weckmeister Budweg u. Sohn Scheidert Dmch Herrn Meyholdt Bemhard Kasche 67/243 Hirschhorn 69"■ 70 Durch Henn Bader Hcymann u. Schmidt Oberneck Durch Herrn Walter Mechanische Werkstatt Eck Redaktion d.„Etaattb. Ztg.' Durch Herrn Rüdiger Durch Henn Kuhfal Altmann u. Komp. Schröder u. Perner Durch Herrn WittkovSly Durch Henn Jacob 5.70 12,80 2,30 2.— 47,70 2,— 15,45 7 25 2015 -.70 11,14 6,— 19,77 3,— 15,60 3,50 25,30 10,90 18,85 Ä- 3,10 20,75 4,10 4,70 3,— 7,70 8,45 6,75 43,25 23,- 5,10 6,20 13,70 7,70 —,85 3,40 1,85 2,05 100,- 1,55 1,90 11,20 4,80 3,75 6,50 17,20 1,75 74 88 101 102 79 Hmniger u. Komp. Durch Herrn Ahmer 9,55 6,75 14,10 iE 5.95 2,20 2.50 16,85 14,55 K 3,85 3,60 3,— Summa M. 770,86 «»gab». M. 27,86 96,— 255,- 108,- 64,— 170,— 20,— -- 30.— Summa M. 770,86 Vorstehende Abrechnung ist von un» revidirt und richtig befunden. P. Luttig. R. Siegmann. der Unterzeichnete im Gleichzeitig saar oer unlerzetchp Namen der Arbeiter seinen herzlichsten Dank und werden dieselben in gleichen oder ähnlichen Fällen ihren Kollegen stets treu zur Seite stehen. Berlin, den 19. Januar 1886. _ I. A.: C. S ch w i t t a u. Achtung! In der Albumfabrik von Frässtch u. Ehren. stein am Moritzplatz haben die Kollegen die Arbeit eingestellt. Ehrensache eine» jeden Ar- bctterS ist eS, keine Arbeit dort zu nehmen. 486'_ Die Kommission. Fachverein der Stmilrllckttu.5lthl!srllphtv Donnerstag, den 21. d. M, ÄbendS 8'/, Uhr, General-Versammlung im KSnigstädttsche« Kastno, Holzmarttstr. 71 TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag deS Herrn Dr. Stahn über: „Darwinismus". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Gäste, welche fich als Mitglieder aufnehmen laffen wollen, haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 492 Der Vorstand. Masken-Garderobe «»». gante C. Tietz, Dresdenerstraße 37. Geschmackvolle Kostüme von 1 bis 30 Mark. Vereine besondere Begünstigungen. Anzeige Einem geehrten Publikum erlaub: mir hierdurch anzuzeigen, daß ich die Inillngs- aiul loun\a(-(gfpedition des Äeccn Gr. Schi am 1. d. M. käuflich elworden babe und verpflichte mich bei geschätzten Aufträ zur prompten Lieferung.— Inserate für sämmtliche Berliner Zeitungen werden PreiSaufschlag stetS entgegen genommen. Hochachtungsvoll Theod. Schmidt, Zkito-gsspektte«, Awtrilstrtße 39 Preußische Loose: Hauptziehung 22. Januar 6. Februar. Original 1 72 Mk. Antheile 7,50 Mk., 1|64 4 Mk. 350 Mk., 30 Mk., 16 150 Ä 15 32 Borchardt Gebrüder,' Wichtig für Hausfrauen, Waschanstalten ic Seifenpulver .... F. E. Leisel, Mühlheim am Rhein.. W« d Dasselbe ist anerkannt da» beste, billigste«nd bequemste W asch mittel, �''ch tn at sich in Hunderten von Haushaltungen ganz unentbehrlich gemacht. svnnavevo, Si von Masche. auch ohne und hat.. Man erzielt damit blendend weisse Zeit und Geld bei grösster Schonung der Stoffe. DaS viele Reiten der Wäsche wird vermieden und bleibt dieselbe viel in gntem Znstande, als bei allen anderen Waschmethoden. Die Anwendoflc ist e««s einfach:.ern nehme Man löst V« Pfund Seifenpulver in etwas kochendem Waffer durch fleiß>g?Liudtbor Herumrühren vollständig auf und vermischt diese Lösung mit 25—30 Liter(gleich- V, lauter bis 3 Eimer) lauvarmem Wasser. 'Zierin weicht man die Wäsche ein und läßt fie über Nacht darin liegen. e. und sp-chreußischen zeberdet fic längit'ie Herren nit der Ra m folgenden Tage wird die Wäsche in warmem Wasser ausgewaschen daß fich der Schmuß von selbst vollständi Beim Kochen der Wä!< gelöst: e fetzt' Man wsrd dabei finden, und bei leichtem Reiben sogleich verschwindet. dem Kessel eine Hand voll Pulver zu. Dieses Eeifenpulver eignet fich auch vortrefflich zum Reinmachen von böden, ThLbe« und Fenster«, sowie zum Reinigen von Geschirren. eitung" un -och in c» gen Her Hern:„SB einen d «n Manne esessene Te, deutscher egistriren; Laut Analyse enthält dieses Seifenpuloer keine der Wäsche schädliche....... stanzen, sondern konservirt dieselb:..�'ammerstem Jeder selbst angestellte Versuch wird ergeben, daß F eiset'» Seifenpulve»*7� y, behaupteten Eigenschaften wirklich besttzt. �»aben" in de, Dasselbe ist zu haben in Packeten von zirka'/, Pfund Inhalt zum Preis«%, 20 Pfennig pro Stück. ,tt Vrrraufsstellen haben die Herren Keimann. Bukowerstraße 10, Mola, Skau��effen vertr flraße 104, übernommen.>beal der BCngo Jacobsohn& Co., Genera l-Pebitenre, Berlin S., Jitrtfitr> Straße 106. ommers Aber m Zeutral-Kranken- u. Sterbekajft Sophas und Matratjj der Dachdecker Deutschlands fDrBie y<0lftttm,mren � flUt m „Einigkeit"(E. H- Nr. 69.). Sitz Kerli«. sowie Polsterwaaren werden gut Billigste hergestellt. H. Kramer, Lindenstrar Sonntag, den 21. Februar, Vormittags 8 Uhr, zweite ordentlich» [ureau für Rechts- * Jnvalidenstr. 139 II. General-Versammlung i. in dem Lokale des Henn Diel, Große Rosen Straße Nr. 37, in Hamburg. TageS-Ordnung: Entgegennahme der Jahresbeschlüsse der' HilfSkasse und Entlastung deS Vorstandes auf Bericht der Revisoren. 2. Erledigung von Beschwerden über den: Vorstand. 3. Wahl des Vorstandes, der Revisoren, der Sachverständigen und Festsetzung der Entschädigung für dieselben. 4. Wahl der Ausschußmitglieder und Er- ledigung von Beschwerden über dieselben, sowie die Wahl der Ersatzmänner, welche in Folge frühzeitigen Ausscheidens irgend eines Vorstandsmitgliedes an dessen Stelle treten. 5. Abänderung der Paragraphen 3, 4, 3, 9, 17, 21, 28. 31, 32. 36, 38 und 40 des Statut?. 6. Einführung einer Extra- Steuer zur Deckung der Unkosten zu den General- Versammlungen. 7. Erhöhung der monatlichen Beiiräge um 10 Plennig. 8. Verschiedenes. Die General-Versammlung wird vorauistcht- nur einen Tag in Anspruch nehmen und werden die Abgeordneten ersucht, pünktlich zu erscheinen. 484 Der V orstand. #i F.B llhcen�ftö lich in Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen. 2. StUttül-Nnsamlilug Donnerstag, den 21. Januar, AdendS 3 Uhr, «ratweit'» Kieehallen. Kommandanten- Straße 77—79(oberer Saal). Tagesordnung: 1- Statutenberathung. 2. Wahl einer Fach. kommrsfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. legitimirt.— Gäste haben [489 no. fWt Berlin S, Dresden empfiehlt alle Arten U Regulator 1. Qualität. Werke in den Mustern zu Fa«.-�, 5 jähr, reeller Garant� zahlung ohne Preiserb" stattet. Reparawren gu» a den nqtioi iß einige bi ch auch i tschen R 'er Reichitc isung nich echcn. Js ch nicht ein fich prinz nur den tzm r n nur i. Es darf ven und «Heu, al b nur in «vug, um f forte l' so und wird, d en" müf Da läßt (St l Kottbusnstraß« Kein Laden, nur eigene Fabrikation. � 1 Mark. 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