Kr. 17. Donnerstag, de» Tl. Jannar 1886. HI. Jahrg. Ul trliimMMl. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksülatt" j erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin ftei ins Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Eiw � zL. j.,uxj w'VI* �JV|*uvvni»v»*ive»» inzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Erpedttion, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Ul lüfl rch slei� :(gleich legen. Ä» he setzt n von ädliche »pulv»� Ke sind Ulieder �entrüstet"! Wer beim? Die Konservativin und die Nationalliberale« atürlich in Folge det ReichstagtbeschlusseS vom vergangenen onnabend, der die Ausweisung der Polen au« dem ■eußischen Staatsgebiet tadelt. Die Presse dieser Parteien �eberdet sich, als ob das ganze deutsche Volk so denke, wie >>ie Herren von H ammerstera und Böttcher und drohen nit der Rache, welche dies deutsche Volk an seinen Vertre- u nehme» wird, die für de« Antrag des Abgeordneten indthorst gestimmt haben. Wenn das deutsche Volk uS lauter KorpSburschen bestände, so könnte« die„Kreuz» eitung" und die„Kölnische" Recht habe». Hörten wir och in einem bekannten Berliner Restaurant einen dieser ngen Herren mit dem obligaten zerhackten Gesicht sich ißern:„Wo nur dieser Reichstag die Stirn hernehmen mag, h eine« deutschen Reichstag zu. nennen?" Dem jun- ,(« Manne trauen wir zwar ein befferes Urtheil über gut« esessene Terzen und Quarten zu, als über den Charakter i deutschen Reichstags; wir wollen aber seine Stimme jistrire» zum besondere» Vergnüge« de« Herrn von mmerstein. Im Uebrigen: Spaß bei Seite! Die Konservativen m ,!i«»Haben in de» verschiedenen EntwickelungSperioden Deutsch- '™t£M»vdS in diesem Jahrhundert lange genug russische In» jO; tu Skal'O�ssen vertreten, um UNS begreiflich zu machen, daß da« Zdeal der Herren von Hammerstei« und Genossen ei« ommerscher Reichstag ist. Aber wo liegt denn der Grund zur„Enttüstung", die den nattonalliberalen Blättern so seltsame Blasen treibt, aß einige dieser Organe das deutsche Parlament, in dem ich auch ihre GefinnungSgenofle« sitzen, als„p o l- ischen Reichstag" bezeichnen zu müsien glauben? er Reichstag hat sich erlaubt, seine Meinung über die AuS» isung nicht naturalisirter Polen au« Preußen auSzu- echen. Ist denn dies etwas so Schreckliches? Er hat ! nicht einmal den Antrag Liebknechts a»genommen, sich prinzipiell gegen solche Ausweisungen autsprach, son» nur den halben und zweideutige» Anttag Windthorst'S Beschluß erhoben, der nichtdi« Ausweisungen selbst, so»- nur ihre Art und ihren Umfang tadelte. ES darf auch nicht unbemerkt bleiben, daß die kons«» wen und offiziöse» Blätter der Sache viel kühl« gegen- "T"T>€»erstehen, als die nationalliberalen. Der eigentliche Lärm �siDkwiird nur in den letztere» gemacht. Und da« ist bezeichnend »tsdenerp'enug, um so mehr, als e« mit dem Umstände zusammen» Wen IW'iiff', baj� in diesem Moment die nattonallib«ale Presse , GoldV�ne« Qualität- ©ataJtffe F. Dl»''? W- nerikawi� eckruf an die nationalliberale artet' veröffentlicht, in dem dies« Partei n so und so viel tausendsten Male die Schmeichelei ge- gt wird, daß ihr die Zukunft gehöre und daß sie„er- en' müsse, um wieder große Thaten zu thun. Da läßt sich den« ohne große Mühe auch herausfinden, Ieuilleton. Dunkle Gestalte«. lrzählung aus dem sozialen Leben der Gegenwart von M ,"Ä T'. beste i.& ! iHrtotcn.) 110 Karl Ztelke. —— D« Kommttzienrath Winkler saß in seinem ivatkomtoir. Er war mit d« Durchsicht der eingelaufene» iefe beschäftigt und sinnend ruhte sein Auge auf einem nea eleganten Briefbogen, den« nun schon seit g«aumer ' in b« Hand hielt. D« Kommerzienrath war ei» schön« Mann. Er war i und breitschultrig, dichte, Haar, welche« erst von ��-�nigen Eilberfäde« durchzogen war, umrahmte seine Stirn, über m- 2/*" Auge blickte starr und fest, und nur ei» ausgesprochen 7. b. 3 �»ul'cher Zug um seine« Mund machte sein Gesicht wenig« lenehm. Er war mit außerordentlicher Sorgfalt gekleidet, .4 nach der neuesten Mode, ab« mtt dn ruhigen Eleganz e« Manne« in gesetzten Jahren. ist die höchste Zeit," sagte er leise vor sich hin, iß ich den Schlingel, de« Julius, v«heirathe. Eine '!Kvdne Partie konnte ich gar nicht für ihn finden, und -vedw�/r blüht ja dann auch da« lang«sehnte Glück. Wie lang« Zk ÜPl»ge ich diese Last mtt mir herum, hoffentlich bin ich am B el meiner Wünsche. Er stand auf und ging unruhig in seinem Komtoir auf nied«. Wiederholt sah« nach der Uhr,« schien von « geheimen Unruhe geplagt zu sein. Schließlich trat er ..„n. Schreibttsch und drückt« stark auf den Knopf ein« j!l$e.tt Klingel. u» Gleich darauf trat ei« alt« Komtoirdien« ein, der be» e» an der Thür stehen blieb. „Gehen Sie auf da« Zimm« de« junge» Henn, Zim» ran», und sagen sie ihm, daß ich ihn«warte, ich habe 'hm»u spreche«.' -id-» •tifflWJ >nv UM Iva, es sich bei d«„Entrüstung" eigentlich handelt. Die biederen Nnionallibnale« glaube», eine Entrüstung«- bewegung' im Volke sei da« wunderthätige Elixir, mittelst deflen sie den zusammengesunkene» Kadao« ihr« Partei ne» beleben können. Sie begehen dabei nur den kleinen Jrrthum, sich selbst mit dem deutschen Volke zu verwechseln. Da« ist bei der Eitelkeit, die den gestürzten„Größen" dieser Partei innewohnt, begreiflich. Ohnehin find sie üb«zeugt, daß ihre Argumente, die sie im Parlament vorzu- bringe« pflege», gewöhnlich unwiderstehlich seien. AI« d« Telegraph die Kunde von d« erregten Polen» Debatte in die Welt hinaustrug, konnte man in de» na- tionallib«alen vi« Preßorganen nicht genug von d«„glän» zenden Rede" des H.rrn Marquardse» lese«. Für echte Nationallib«ale mögen die parlamentarischen Leistungen de« Herrn Marquardsen allerdings„glänzend" fei». Un« will dagegen bedenke«, daß die Leistungen de« Herrn Marquardsen in d« bekannten Kneipgesellschaft„Im Engern" )u Heidelberg seine Zeitgenoffe«, die ihn kennen, dauernd« int«essiren werden, al« seine parlamentarischen und politischen Thaten, denn im Reichstag wird die Abgedroschenheit und Inhaltslosigkeit seiner Argumente nur üd«troffe» von der Stärke seine« Selbstbewußtseins. Der Abgeordnet« Paper hatte Recht, al««' gegenüber den nationalliberalen Phrafe« vom Schwinde» de« nationalen Leben« einfach sagte, nicht das nationale Lebe«, sondern d« Nationalliberalismus sei im Schwinden begriffe«. Da« ist in d« That so und daran werde« die beiden Enttüstung«- StaatSmänn« Böttcher und Marquardse» nicht« ändern können. Sie mögen e« glauben, daß da« deutsche Volk ihrer herzlich müde ist, und daß sie eine„Entrüstungsbe- wegung" in Szene setzen wellen, um da« öffentliche In- t«effe auf sich zu lenken, beweist, daß sie selbst eine Ahnung haben, auf welche« Nweau der NationallibttaliSmu« ge- funken ist. Gewiß; da« Zentrum mit seine» fast nur reaktionären Brstandtheilcn kann ohne Kulturkampf nicht br- stehen; der NationallibttaliSmu« aber kann eS noch viel wenig« und das zeigt am besten d« Umstand, daß diese Partei so sehr zum„Rudiment' geworden ist. Wir stehen deshalb dem Toben und Lärmen, da« d« Nationalliberalismus erhebt, sehr kühl gegenüb«- wer den Pulsschlag uns«« Zeit nur einignmaßen versteht, d« be» greift auch ohne Mühe, daß e« mit dies« Partei nur noch abwärt« gehen kann. Ab« eine Mission hat diese Partei denn doch«och. Wenn man ihre„Größen" so dasitzen sieht und beobachten kann, wie die junge»„aufstrebenden" Elemente sehnsüchtig nach de» Sitze« de« BundeSrathe« blicken, zu denen man in„beff«en Zeiten" emporklimmen konnte: wenn man die wehmüthige Resignation und demuths» volle Ergebenheit auf de» Gefichier« d« ält«e» Führer beobachtet— dann weiß man, daß diese Partei die historische Mission hat, zu beweisen, wie sehr irdische Herrlichkeit v«- gänglich ist. „Sehr wohl, Httr Komm« CS dauerte ziemlich lang« bi« d« Gttufene«schien. Er sah matt und abgespannt au«, seinen müde«, schläfrigen Manieren standen in seltsamem Gegensatz zu de» lebhaften, energische» Bewegungen seines Bat««. Der Komm«zie«- rath verbarg sein Mißfalle» beim Erscheinen seine» Sohne« in �D« junge Man« setzte sich in einen Lehnstuhl und fing an, eine Zigarette zu drehe«. „Du wolltest mich spreche«,' sagte er endlich. Jawohl,' entgegnete d« Kommerzienrath mtt mühsam unttt5rück>em Unwillen,„leid« ist e« mit Dir soweit ge- komme«, daß ich� Dich rufen lasien muß, wenn ich etwa« von � doch nicht riechen, wenn Du etwa« willst," sagte"d« Sohn recht unehrerbietig.„Im Uebrigen, wa« ist ei den» eigentlich?" Der Kommerzienrath antwortete nicht gleich,« trat an da« Fenst« und begann mit de» Finger« gegen die Schei- ben zu ttommeln. Sri« hoffnungsvoller Sohn letzte sein« Zi�meite in Brand und blies den Rauch ziemlich g«äusch. 01)11 Es" bestand eine tiefe, geheime Feindschaft zwischen diesen beide» Männern. ,*0« t- w n D« Kommttzienrath, einer d« reichsten Großindustriellen der Reickshauptstadt, hatte sein Bei mögen auf ziemlich räthselhafte Weise erworben. Noch vor fünfundzwanzig Jahre« ein unbedeutend« Makl«, hatte er e« verstanden, im letzten Kriege eine bedeutende Armeeliefemng zu erhalten, und von da ab dätirt« der Ursprung seine« großen V«- mögen«. Er war damal« noch zu jung, um sich zur Ruhe zu setzen, sei» einzige« Sttebe« bestand darin, fem Ver- mögen imm«»och zu vermehre«, und nebe« der Begittde nach dem Geld« fing schließlich ei« brennevder Ehrgeiz an, sei« ganze« Dichte« und Trachten in Anspruch zu nehmen. Er war Kommerzienrath geworden, bei fefilichc« Gelegen- heiten schmückte« mehme Ordensbänder seinen Frack, Volltische Uebersuht. I« der gestrigen ReichStagtsitzung wurde üb« eine Regierungsvorlage, die Rechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten betreffend, verhandelt. Da S Zentrum gewann auch diesem Antrag eine lultu kämpferische Seite ab, indem der Redner desselben behauptete, daß die bie» deren katholischen Misfionäre den evangelischen rechtlich nachge» setzt würden. Im Uebrigen wahtte der Reichstag in dieser Frage sein Recht, indem er gegen die konservativen Redner die Mitwirkung dcS Reichstage« an den Rechttb-stimmungen verlangte und in diesem Sinne eine Kommisston ernannte. Dann trat der Reichstag in die Berathung der Z ö l l e und Verbrauchssteuern ein, in V-rbindung mit dem fort- schritllichen Antrag, das Branntweinmonopol betreffend. Hier wurden die Debatten äußerst schleppend. Dieselben werden fich wohl noch einige Tage in demselben Geleise bewegen; auch glaubt man, daß die Monopolfrage bei dieser Gelegenheit nur gestreift w«den wird, um bei der Berathung des gegen» wättig im Schooße de« BundeSraths liegenden Monopolgesetz» entwurss mehr Staub aufzuwirbeln. Zur Samoa- Affaire liegen noch immer keine Berichte vor, aus d-ncn man ein zutreffendes Urtheil über den Her- gang gewinnen könnte. Während unsere Offiziösen davon reden, daß d« Vorfall in England und Amerika nicht die geringste Aufregung hervo gerufen habe, meldet ein Telegramm aus Amerika die Absendung eines Kriegsschiffes nach den Eamoa-Jnseln. Ueber die Wirkungen de« Eotiallstengesetze« äußert fich das famose„Leipzip« Tageblatt' folgenvermapen:„Die sozialistischen Agitatoren pflegen bekanntlich in Abrede zu stellen, daß da« Sozialistengesetz ihrer Partei Schaden gebracht dabe. Wir find die!« Behauptung stets entgegengetielen und finden unsere Auffassung neuerdings durch ein Bclenntniß der sozialistischen„Thüringer W a I d p 0 st" bestätigt. In diesem Blat e wird bei Erwähnung der im 19. sächsischen Reichittapswahllreise in Folge des freiwilligen Rücktrittes de» Abg. Ebert nölhig werdenden Ergänzungswahl auf Grund der ziffermäßigen Vergleichung der Reichstagswahlergrdnrsse rück- haltlos zugestanden, daß das Sozialistengesetz ein „schwerer Schlag" gegen die sozialdemokratische Partei war; nur behauptet die„Thüring« Waldpost" noch, daß in der Zeit von 1881—1884 die Sozialdemokratie von diesem Schlage fich bedeutend erHoll habe. Das genannte Blatt hätte noch hinzufügen können, daß, wenn das letztere wirklich der Fall gewesen, die Sozialisten die« in der Hauptsache der durch die ReichStagSmehrheit Herbeigeführten veränderten Handhabung de« Sozialistengesetzes zu danken hilben, indem dadurch da« Gesetz vielfach unwirksam gemacht wor- den ist." Die„Nordd. Allg. Zeit."jiöffnet natürlich? dieser Leistung deS fächstschen Reptil« bereitwilligst ihre Spalten.— Wir würden von diesen Auilaffunarn keine Notiz genommen haben, wenn aus denselben nicht rückhaltlos hervorginge, daß selbst und um sein Glück vollständig zu machen, fehlte ihm nur eine Frau, die in würdig« Weise seinem großen Hauswesen vorzustehen we- stand. Herr Winkl« war seit lange» Jahren Wittwer. Al» seine Frau starb, war sein Sohn kaum zwei Jahre alt ge- weseu. Im Anfange hatte« seine Frau sehr»«mißt, als er jedoch ei« reicher Man« geworden war, hatte« sich üb« den Vttlust derselben zu trösten gewußt. Heute war e» ihm sogar angenehm, daß er Wittw« war, den»« sagte sich, daß seine Frau, die von sehr schlichte», einfache» Sttte» war, sich doch niemals in die veränderten Verhältnisse ge- funde« hätte. Nach ihrem Tode hatte« sich schadlos zu hallen gewußt,« hatte mehme Jahre hindurch ei« Verhält- niß mit ein« jungen Arbeiterin, die in einem Wcißwaaren« geschäft angestellt war, unterhalten, und diese« Verhältniß war auch nicht ohne Folgen geblieben. Da« junge Mädchen war bei d« zweite» Niederkunft grstorbe», und d« Herr Kommerzienrath[[hatte es| nicht für«öthig befunden, sich dann noch weiter um seine Nachkommenschaft zu kümm«n. Nur sei« Sohn machte ihm»och Kumm«. Von Jugend auf waren diesem jungen Manne alle Wünsche seine« Httzen««füllt worden, er batte die verwegensten sein« Gelüste mit dem Gelde seine« VatttS befriedigen lös- «e», und im Laufe der Zeiten hatte d« Sohn e« v«stan- den, ei» vollkommenes Uebergewicht über feine« sonst so hartherzigen und rücksichtslosen Bat« zu erlangen. Er hatte sich in viele d« intimsten Geschäftsgeheim« niffe seines Vaters einzuschleichen gewußt; dieselben mußte» nicht sehr saub«« Natur sein, und der Sohn«ahm ziem- lich häufig Gelegenhett, in recht iudiskret« Weise seinen Vat« hierüber Vorhaltungen zu machen. Da« Verhältniß zwischen Vat« und Sohn wurde hierdurch keineswegs ei» befftte« und mildere«. De« Kommerzienrath bewegte da« geheime Sehnen, sich seines Sohne» zu entledigen, und de«» halb hatte« beschlossen, denselben zu verheirathen. Er ahnte allnding« nicht, daß er von seinem Sohne längst durchschaut war, er wußte nicht, daß e« diesem gelungen o-rl-n«'. daS Wählen, nsp. die Wahlagitation als gemeinaefähr- lich» Bestrebungen betrachtet werden. Man will also unter allen Umständen und mit allen Mitteln verhindern, daß die wirkliche Ueberzeugung des Volkes im Reichstage zum AuS druck gelangt. Und weil die ReichitagSmehrhett den Sozial- demokraten, da dieselben doch ebenso gutzurErhaltuna deS Staates beisteuern smüssen wie jeder anders gefinnte Bürger, das Wahlrecht nicht ganz verkümmern will, so ist dies« mit schul« dig an der Unwirksamkeit des Sozialistengesetz«?. Das ist ge- miß recht lehrreich, wenngleich eine andere Anficht von ob gen Blättern auch nicht zu erwarten war. Daß das Sozialisten» aesetz ein schwerer Schlag war und im gewissen Sinne auch heute noch ist, dürste von den Sozialdemokraten niemals ge« leugnet worden sein. Es fragt fich nur, wem es mehr ge- schadet bat, der sozialdemolratischen Partei als solcher oder seinen Befürwortern. Einzelnen Anhängern der Partei ist unter der Aegide dieses Gesetzes Unheil genug widerfahren, daß aber der Sozialismus trotzdem große Fortschritte gemacht hat und weiter machen wird, beweisen nicht nur die 24 Ver- treter im Reichstage, sondern eS geht auch aus anderen Um- ständen hervor, die Niemandem verborgen bleiben können, der sich der Anerkennung der faktischen Verhältnisse nicht gewaltsam verschließen will. Die geschäftliche Situation de» Reichstage» ist eine recht eigenthümliche. Er hat jetzt nickt weniger al» vierzehn Kommiifionen mit weit über zweihundert Mitgliedern einge« setzt, und bislang find erst zwei Berichte von untergrordnett! Bedeutung erstattet worden. Dabei stehen zwei Vorlagen allerersten Ranges— das Branntwein-Monopol und die Ver« längerung deS Sozialistengesetzes— noch in Sicht, und andere Vorlagen stehen vor der ersten Lesung. Da» ist die Lage zwei Monate nach Beginn der Sesfion, deren Ende hiernach gar nicht abzusehen ist. Einen Antrag auf Zwangsverstchernng bei den pro« vinziellen Keuer-Sozieläten wollen die Konseratioen im Abgeordnetenhause eindringen. Sie verlangen die Vorlegung eines Gesetzes, durch welches die Befitzer von Immobilien ver» pflichtet werden sollen, ausschließlich bei den össentltchen Feuer- Sozietäten Verficherungen zu nehmen. Eingaben in dieser Richtung find bekanntlich wiederholt seitens der fraglichen Feuer-Sozietäten mit der Begründung an die Regierung ge- langt, daß die Privat-Feueroeistcherungen, indem fie gleichzeitig Immobilien und Mooilien verficherten. die Befitzer zwängen, ausschließlich bei den Privat« Gesellschaften zu verfichern. Der Reichskanzler hat schon vor einigen Jahren Verhandlungen mit den Regierungen eröffnet, über die Gründung einer großen ReichS-VerficherungSanstalt. Der Plan stieß aber damals an« geblich bei dem preußischen Minister deS Innern auf Wider- fpruch. Welche Stellung die preußische Regierung jetzt zu dieser Frage einnimmt, und ob fie eS für angezeigt hält, gleichzeitig mit dem Kampf für daS SpirituSmonopol auch die Verstaat» lichung des Feuer VerficherungSwesens in Angriff zu nehmen, n abwarten.— Wir halten den Gedanken, eine Reicks« muß man___________ verficherung für Immobilien sowohl als für Mobilien zu er« richten, an fich für ganz richtig; die Millionen, welche den Privat- Verficherungsgesellschaften alljährlich in den Schooß fallen, könnten ficher eine bessere Verwendung finden. Ob es jedoch unter den jetzigen Verhältnissen rathsam sein würde, weitere Industriezweige zu verstaatlichen, ist eine Frage, welche schwerlich bejaht werden kann. ES ist keine Garantie vor« Händen, daß die Ueberschüffe zu sozialrefoimatoriscken Zwecken Verwendung finden werden, wohl aber würde auch in diesem Falle die Schaar der abhängigen Beamten erheblich verstärkt und daS Budgetbewilligungsrecht weiter geschmälert werden. Ueber die Brennerei des Fürsten Bismarck bemerkt die„Freis. Zta." folgendes:„Während einzelne Konservattve, wie z. B. v. Kleist.Retzow, fich de» BranntweinbrennenS ent- halten, weil fie den Branntwein für einen Fallstrick de» Bösen ansehen, wird auf dem Befitzthum des Fürsten Bismarck, der Herrschaft Varzin, die Branntweinbrennerei in großem Maß- stabe betrieben. Vor dem Ankauf der Herrschaft Varzin wmde dort nur auf den Gütern Wendisch Puddiger und Seelitz in ganz kleinen Brennereien Branntwein durch Handdettieb ge- drannt, mit einer Produktion von vielleicht 15—20 Faß— 9000 bis 12000 Liter monatlich, aus beiden«rennereien zusammen« genommen. Jetzt find auf der Herrschaft Varzin drei Brenne« reien vorhanden, von denen jede einzelne monallich 50 Faß= 30 000 Liter, alle drei zusammen also bis 90 000 Liter liefern können. In Varzin ist erst seit vier Jahren die Brennerei ganz neu gebaut; die beiden Brennereien in Wen« disch.Puddiger und Seelitz find ganz umgebaut worden, wer den mtt Dampf betrieben und kann in jeder viermal abge« brannt werden." � L Zur Waruung für Auswanderer wird der„Post" aus Hamburg folgendes mitgetheilt: Die Einwanderungsbehörden von N e w- V o r k machen seit einiger Zeit, anscheinend um auf eine Beschränkung der Einwanderung hinzuwirken, von der ihnen durch die amenkantschen Gesetze eingeiaumten Befugniß, hilfsbedürstige Personen zurückzuweisen, einen Gebrauch, welcher — wie nachstehender Fall aufs Neue beweist— zu berechtigten Zweifeln darüber Anlaß bietet, was eigentlich von jenen Be- Hörden unter Hilfsbedürftigkeit verstanden wird. Auf einem tzamhmger Dampfer traf im vorigen Jahre ein Zwischendecks« Passagier im Hafen von New-Norl ein, welcher, mtt genügenden Reisemitteln auSgestatiet, behufs späterer Ueberstedelung seiner war, sich Kermtmß von den Wünschen seines Vaters zu verschaffen."._ „Ich wünsche mit Dir ei« ige vernünftige Worte zu sprechen', nahm der Kommerzienrath daS Gespräch auf, „das heißt, wen« es möglich ist!" „Ich wüßte nicht, was dem im Wege stände", meinte der Sohn, ohne seinen Vater auch nur anzusehe«. „Nun, oft ist mir da« nicht gelungen—' „Jedenfalls nicht durch meine Schuld!' „Gleichviel," brauste der Kommerzienrath auf,„jedenfalls habe ich als Vater da» Recht, von Dir soviel Achtung beanspruche« zu könne», daß Du mich wenigstens ohne Unterbrechung anhörst!" „Du wirst mir hoffentlich keine Vorlesung über die Pflichte« eines wohlerzogenen Sohne» seinem Vater gegen- über halte« wollen?" Der junge Mensch sagte das ,n einem To» gelang» weilter Nachlässigkeit, er wußte genau, daß er dadurch seinen leicht erregbaren Vater am besten zur helle« Verzweiflung bringe« konnte. Mtt heimlichem Behagen sah er die Zorns« röthe auf dem Gesicht seines Vaters entflammen; ohne seine Stellung irgendwie zu verändern, warf er die Asche seiner Zigarette auf den kostbaren Teppich, der das ganze Komtoir ti ist eitt Unglück, ei« Fluch, der auf mir zu s Ä M wenn ich Dir einen Rath geben darf, mochte ich Dich bitte«, auf die Sache selbst eingehe« Z» wolle«. Er zog seine Uhr und warf eine» Blick auf dieselbe. „Du hast keine Zett für Deinen Vater?" fragte der Kommerzienrath bitter. „Ich konnte leider gester« nicht wisse«, daß Du mir beute da» Vergnüge« einer Unterredung zu Therl werde« lasse« wolltest, sonst hätte ich nicht mit einigen Freunde« eine Verabredung getroffen." „So, nun, Deine Freunde werde» warten." Familie fich zunächst über die dortigen Verhältnisse zu orien« itren und zu diesem Zwecke nach einem Binnenstaate zu wohl» habenden Verwandten zu reisen beabfichtiate. Wäbiend der Uebcrfahit hatte er in Folge andauernder Seekrankheit fich ein Magenleiden zugezogen, welches jedoch durch ärztliche BeHand- lung vollständig' geboden wurde, so daß bei der Ankuntt in New-Dint der Sch-ffsarzt seinen Gesundheitszustand, abgesehen von einer von den Anstrengungen ver Seereise znrückgebliebenen Schwäche, für einen normalen erklärte. Um jedoch auch die letztere völlig zu beben, ließ fich der Mann für kurze Zeit in da» New« Vmker Emigranten- Hospttal aufnehmen. Hieraus nahm die Einwanderung?« Kommfffion Veranlassung, ihm nicht nur die Erlaubniß zum Aufenthalte in Amerika zu versagen, sondern ihn sogar mit demselben Schiffe, auf welchem er einaeiroffen, auf seine Kosten in die Heimath zurückbefördern zu lassen. Motivirt wurde diese Maßregel anfänglich damit, daß er schwachfinnig sei, später damit, daß er nicht im Stande sei, für seinen Unierhalt in Amerika zu sorgen. Thattächlich war der Zurückgewiesene nach dem übereinstimmenden Uftheile des Schiffsarztes und de» Kapitän» wie auch der Aerzte deS gedachten Hospitals körperlich wie geistig gesund und besaß auch genügende Geldmittel, mindestens um die Reise bis zu seinen Verwandten bestieiten zu können Nach Lage der amerikanischen Gesetzgebung war jedoch dem Manne nicht zu helfen, da die Einwanderung«< Kommisston in derartigen Fällen endgillig entscheidet und gegen ihre thatsächlichen Feststellungen auch eine Berufung an die Gerichte, wie letztere wiederhott aner- kannt haben, ausgeschloffen ist.— Die„Post" will diesen Be« richt au« zuverläsfiger Quelle erhalten haben, ob derselbe voll- ständig richtig ist, muß dahingestellt bleiben. Wir find der Meinung, daß in diesem Falle ficher eine Bürgschaft des Ver« wandten genützt hätte, welche fich der Betreffende wohl, da er angeblich doch noch Mittel hatte, teltgiaphisch beschaffen konnte. Neue Nachrtchte« au» dem deutschen Kamerun- gebiete brachie der vielerwähnte polnische Reisende Rogo- zynski, welcher kürzlich nach Euiopa zurückkehrte. Nach seinem Berichte beträgt die Zabl der Dörfer in der bewohnteren Zone (biS zu 3300 Fuß Höhe) etwa 60, doch zählt jedes Dorf in der Regel nur 4 Hütten und jides Dorf hat einen desonderen Häuptlina. Das Klima schildert R. relativ gut(?), doch ist überall Wasser spärlich. Zur Zeit bilden Palmöl und Gutta- percha die Hauptausfuhraftikel; der Meinung R.'s zufolge liegt aber die Zukunft de« Landes im Ackerbau, denn der Boden»st ungemein fruchtbar. Der Sklavenhandel existirt in der Berg« region nicht. Der Temperaturwcchsel ist nach R.'s Beobach- tungen sehr stark, lieber die Eingeborenen, deren Dialeite R. studirt hat, Uithctlt derselbe nicht ungünstig. Es steht die Veröffentlichung eines Reisewerk? von RogozynSki zu erwarten. — Nach dieser erfichtlich noch sehr rosa gefärbten Schilderung find im ganzen Kamerungcdiet also wenig mehr als 240 Hütten, welche in der Re?el so gebaut find, daß man fie mit einem starken Zaunpfahl ganz bequem umstoßen kann. Wie man damit die optimistischen Änfichten über dieses Land in Einklang bringen will, ist uns unverständlich. Der Kultusminister hat an sämmtliche königliche Regie» rungen und Provinztal Schulkollegien nachstehenden, vom 15. d. datirten Erlaß gerichtet: „Das Gesetz vom 6. Juli v. I., betreffend die P« n s i o« nirung der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen, tritt mtt dem 1. April 1886 in Kraft. Zwar ist auf Grund dieser Bestimmung nicht zweifelhaft, daß diejenigen Lehrer, welche erst nach dem 1. April d. I. tbaisächlick in den Ruhestand treten, an den Vortheilen de« Gesetze» Theil haben, auch wenn die Entschei» dung. daß fie in den Ruhestand treten, vor jenem Zeitpunkte getroffen war. Dagegen erscheint e» nicht unzweifelhaft, ob diejenigen Lehrer, welche„zum" oder„mit" dem 1. April d.J. in den Ruhestand versitzt werden, aus die Benefizien deS Ge- setze» einen Anspruch haben, da ihre dienstliche Laufbahn mit dem 31. März 1886 abgeschlossen ist, und fie sich unter der Herrschaft des neuen Gesetze? nicht mehr in Aktivität befinden. Zur Verhütung möglicher Härten bestimme ich deshalb, daß kein Lehrer zum oder mit dem 1. April d. I in den Ruhe- stand versetzt wiid. Sofern die Penfionirung eineS Lehrer» zu diesem Zeilpunkt bereits verfügt ist, ist unter sonstiger Aufrecht «Haltung der Penfionsverfügung der Eintritt in dm Ruhe- stand auf einen Zeitpunkt nach dem 1. April d. I. hinaus zu schieben. Da» Zentrum feierte am 17. d. M. den 75. Geburtstag des Abgeordneten Windthorst durch ein Festmahl im großen Eaole de»„Hmel de Rome". Es waren gegen 200 Feitgäste erschienen. Die Festredner von Franckenstein und von Schor- lemer betonten die Einmuthigkeii des Zentrums, welche— so wollen wir hinzufügen— vorausfichtiich auch so lange anhal« ten wird, al» der„Kulturkampf" dauert. Der nationall'berale Abgeordnete Gärtner, seit 1875 Mitglied des Abgeordnetenhauses, dem« auch schon früher angehört hatte, ist am 18. dieses Monats in Magdeburg gestorben. Au« Schltswig-Holstein wird gemeldet: Die Aus» Weisungen amerikanischer Bürger dauern fort. Nachdem vor ein'ger Zeit vier amerikm ilche Bürger von der Insel Föhr und zwei aus dem Kreise Hadersleben ausgewiesen worden waren, hal in Viesen Tagen der Sohn deS Landmannes „Vielleicht, jedmfall» bin ich nicht unhöflich genug, Jemand auf mich warte» zu lassen. Ich habe außerdem noch ein« halbe Stunde Zeit, und ich mache mir ei» ganz besondere» Vergnügen dm au«, dieselbe Dir zu widmen." Der reiche, mächtige Fabrikbesitzer war außer sich. Die offene Verachtung der väterlichen Autorität, die ihm hier entgegengesetzt wurde, empörte ihn, und dennoch durfte er seinem Sohn nicht zeigen, wie tief er innerlich über diese» Verhalte« erregt war. Er haßte seinen Sohn, da» fühlte er, aber er durfte seinem Haß keinen offene« Ausdruck «eben, wenn er dem jungen Manne gegenüber sich keine llöße gebe» wollte. Er sah eS freilich nicht, wie ei« hönifche» Lächeln über da» matte Gesicht feine» Sprößling» zog, mtt welcher inne- ren Belustigung dieser seinen Vater beobachtete, wie er glühend vor innerer Erregung auf und niederging und ver» geblich seine« Unmuthe« Herr zu werde« suchte. Der Sohn griff nach seinem unvermeidlche» Monokle und klemmte dasselbe in da» Gesicht. „Ich glaubte, Du wolltest mir einige Mittheilungen von Wichtigkeit machen," begann er wieder. „Ja," entgegnete sein Vater mit dumpfer Stimme, „ich wollte Dtt mttthette», daß ich e» für wünschenswerth halte, daß Du bei der Frau Wilson um die Hand ihrer Tochter anhälst." „So, weiter nichts?" Er sagte diese Worte mit offener Ironie und sarkastischem Lächeln. „Nun, ich meine, daß eine derartige väterliche Mitthei- lung für eine« jungen Mann Deines Alter« immerhin von einer solchen Wichtigkeit ist, daß Du sie wenigsten« mtt dem nöthigen Ernst entgegen nehmen könntest." „Eigentlich ja, doch wie man e« nehme» will. Weißt Du, ganz offen gestanden, mir gefällt da« plötzliche Auf- spielen Deiner väterlichen AutorttP garnicht. Mir kommt e« übrigen« so vor, al» ob Du daran auch keinen besonderen Gefallen findest." HInrichsen zu Gjenner im Kreise Apenrade eine AuSweW�fi��k. Z ordre erhalten, in welcher ihm die Ausgabe gemacht ist, fluL 00' preußische Staatsgebiet vor dem 1. Februar er. zu verÄNand der v Der Ausgewiesene ist 29 Jahre alt. hat fich seit s«»'�ündigt 16. Lebenszahre in den Vereinigten Staaten aufgehalW,?!''"*-� weilt seit Juni 1885 besuch, weise tn der Heima'h" hat den Schutz des amerikanischen Gesandten in BeiW'"�'- gelufen. Der Landesausschuß für Elsaß» Lothringen* am 18. d. M. vom Statthalter mit einer längeren Red«' net. Bei der Wahl des Präfidiums wurden der frühere fibent, Jean Schlumberger, sowie die Vizeprästventen, v. Bulach(Vater) und Jaunez wiedergewählt, ebenso d« Schriftführer, Charpcntier. Im bay'rtschen Landtage brachte der ultra«» Abgeordnete Hafenbrädl den Antrag ein, daß die lassung aus der WeiktagSschule nach sechSjährl Schulbesuch erfolgen soll; gewöhnlich soll eine Prüfung» gehen, bei geistig oder körperlich zurückgebliebenen kann die Prüfung ausfallen; dagegen soll der Besu». ,,,�r Eonntaasschule vier Jahre dauern.— An der S onntogiii*. ist den Herren Hafenbrädl und Konsorten natürlich„W- �"Oageni Stiegen, weil da nur religiöse Sachen gelehrt werden.' heine-r zu denken: Was brauchen die Kinder Rechnen|. Schreiben, wenn fie nur richtig religiös erzogen werden. L,:.», Ultramontanismu« zeigt fich im bayerischen Landtage,»Vv e r'l Nach e würfe soller einem Zoll mit 2 Krön kohlen, welc einbrachte, sucker liegen Lotten) her entstehend« der KriegSn Partei daS Heft in Händen hat, in seiner wahren Gel In der badischen Kammer ist von der national Fraktion eine Jnteipellation eingebracht, welche st Wortlaut hat: 1) Welche Stellung nimmt die großherzogliche R< zu dem dem Bundesraih vorgelegten Entwurf eines' das Branntweinmonopol betreffend. 2) Beabfichtigt die aroßberzogliche Regierung, insl an dem durch Art. 35 der Reichsverfassung dem G« thum Baden eingeräumten Reservatrechte bezw. der Brc steuer festzuhalten? 3) Wenn letzteres nicht der Fall ist, in welcher gedenkt die großherzogliche Regierung die finanziellen Ii des Landes und diejenigen der kleinen Branntwcinbr« zu wahren? 4) Gedenkt die großherzogliche Regierung bezügl Ausgeben» deS Reservatrechts eine die Zustimmung der stände bezweckende Vorlage zu machen? Die Interpellation ist unterschrieben von den Adgei Erledrich. Frieser, v. Neubronn, Hebting, Bassermann,' offmann. Nach der„Franks. Ztg." hat eine Abordi Karlsruher WirthSvereins mit dem EtaatSminister, wegen de« Branntweinmonopols Rücksprache genommen- Minister hat derselben„empfohlen", nicht schroff g(|' Monopol zu agUiren, und angedeutet, daß unter ui für Baden«ine gewisse Steuerermäßigung herausl „wenn nicht da» Reich größere Kosten erheische": ff gab der Minister die„beruhigende Verficherung", Branntweinverschleißer aus Badensern rekrutirt wer! einen hütur OesterreichUngar u. In Brünn wurde die Nummer des„Volksfreund, der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs", vom 14.' staatsanwaltlich konfiSzirt und zwar wegen der Stelle druck der Liebknecht'jchen Rede im deutschen Reichstag Generaldebatte über den Etat am 24. November, in die Ursachen des Rückganges d-S Deutschthums in besprochen wurden. In einer zweiten hierauf verank AuSgade des„Volksfreund" wird die Liebknecht'sck« wiedergegeben mit Weglassung der betreffenden Stelle. J In Bezug a» «läge eim reinigte 5 ntettchiede, uZnahmswi ird den V atsächlich on Irland ekutive Th — Zur lisch« Zeitun uern der 3 »lieben und er fich box lege wurde ach Kräften ache näher t der von s. Zun äs »dem man genblickliä ätzen Versi enen fich j tauglich e r und ni den Bajo 6 er fich h o spröde, di nd nichts n öhnlich ij esttllung r nspeltor hm id John Z oldat aber ajonett nie nde gege «türlich ihr solchen Uwstc � immer ni T P a n i e n., Aus A r Die Regierung soll von dem geplanten Putschet"?� her„N< tagena gewußt haben. Ihre Organe überhäufen Vorwürfen und Schmähungen, während deffen frogreso" behauptet, die Geschichte sei von den sabella's II. in Szene gesetzt worden; ein reicher habe vor wenig Tagen 7000 Duros(4 5 Fr.) zu Zwecke nach Kartagena gesandt, und die Meuterer „Viva Jsabella IL" gerufen. Die liberalen Blätte« auch noch darauf an, daß Börsenspekulanten von lraentina ur ischen Expet Indianer »orten, die »mpf geger »ind mag n x Thatsac •t spanischer und Paris ihre Hände im Spiele haben. Die polttisch��hant in"! sas; a,Ärn gemäß entsprechend Nutzen davon hatten, dürsten des. lutionären Interessen nicht viel nützen. Castelar denn auch schon h-ftige Bannstrahlen auf die Urh Putsche«. Sagasta läßt durch seine Organe verfichern, denke die durch die politische Amnestie eingeleitete J Aeia durch solche Provokationen nicht zu schließen. nach wie vor Freiheit und Ordnung auf seine schreiben. Schwede»»nd Rorwege«� Der schwedische Reichstag ist vorgestern vom Kö einer Thronrede eröffnet worden, worin es unter> heißt: Die Beziehungen. deS Königreichs zu den auSu Regierungen find niemals günstiger gewesen. Was einiger wichtigen Industrien und Gewerbe anbelangt- dieselbe, wie in anveren Ländern auch, eine weniger »ren Jndiai Ingen. De hrlosen In x Rest w lartin" gel mSthieren , Oktober 1 ii Buenos A >an nur noc ssald nach Ai r t Briefen, fftellt worde Menschen »rung diese dt« Jnd Er stand langsam auf, kreuzte die Arme überest� Ostend-' stellte sich dicht vor seinen Vater hin und bettach" es Herrn Z, mtt überlegenem, kaltem Blick.»remiSre:. „Ich glaube," fuhr er fort,„Du giebst Dich �* wohne hin, mich täuschen zu können. Seien wirgavL wenigste«? ich will e« sein. Frau Wilson ist eine A ndauernd, Dame, ihre Tochter nicht minder, sie ist aber"'Tatt der tägl! charmant, sondern auch sehr klug. Sie hat Dir lyfcs Publiku gesagt:„„Herr Winkler, ich weiß, Sie könne« nich'.stdern fich sagte unerbittlich liebe«S, zunächst'�.tl das Th, ohne mich leb'e«. Ich liebe Sie ebenfall«, aber meine Tochter«och mehr. Diese liebt merkwürdig� Ihre» lüderlichen Sohn, und wenn Sie es fertig daß diese beiden jungen Leute einander Heirathen, � ich Ihne» meine Hand reiche«."" Hat sie$'1 sagt?" „Und wenn e« der Fall wäre?" fragte der K» rath erblassend. „Es ist also der Fall Mann.„Weißt Du, Papa, ich liei Verhältnisse« wenigsten« vollständige Klarhett zu ich da? junge Mädchen Heirathen werde, weiß ich � Zedenfall« eilt die Sache doch nicht so sehr. � bei mir nicht. Hast Du mir sonst noch etwa theilen?' .Nein!"_ H Der junge Mann machte fich eine setzte dieselbe in Brand, dann nickte er seinem-*> u lässig zu und ging langsam zum Zimmer 9', wußte, daß er einen vollständigen Sieg über davongetragen hatte. Kaum hatte fich die Thür 9 mmerzienrath erschöpft in t-( ur d ar", am »n lange I Belle»« orstellunger "endermaß tzpochonder" geschloffen, als der Komme« ch genom »t stattfind „Martha .3)it CJ imt am s Eröffnur ,„Pariser endach- Z spricht ein tas sank, er schlug wie verzweifelt beive Hände vor (Fortsetzung folgt.) «W" uit I Auswt's« nacht ist, . zu ven» diamde. Der Regierung seien zahlreiche Petitionen um Ein- füyrung von Schutzzöllen zugegangen, dieselben seien Gegen« stand der verfaffungSmäß'gen Erwägung. An Vorlagen werden «ngekündigt: Gesetzentwürfe über die Umbildung des Reichs- Wesens und des Bankwesens; für die Fortsetzung der nörd- Men Stammeisenbahn werden die erforderlichen Mittel noch» ingeil» en Rede r früh-« sidente� benso d« ultr-m« daß die sjähri Dänemark. Nach einem von der Regierung eingebrachten Gesetzent- würfe sollen Mais und Gerste in ungemahlenem Zustande mit einem Zoll von 75 Oere für 100 Pfund und in gemahlenem mit 2 Kronen belegt werdm. Ferner soll der Zoll aus Stein- kohlen, welcher im Durchschnitt der letzten Jahre 853 000 Kronen einbrachte, aufgehoben und die auf dem inländischm Rüben« zucker liegende Abgabe von 8 bis 10 Oere(10 für die feineren Sorten) herabgesetzt werden. Der dadurch für die Staatskasse entstehend« Verlust wird auf 170000 Kronen veranschlagt. Die Gesetze'~-------- Kinder au» den Armen der voller Verzweiflung weinenden und schreienden Mütter und vertheilten so die bezeichneten Num- mern nach den Bestimmungen ihrer Vorgesetzten! Solche Thaten duldet, ja degeht die Regierung eines Staates, welcher stets von den Fortschritten der Zivilisation redet und schreibt und fich selbst unter die zivilifirten rechnet.- Die oben angeführten empörenden Barbareien kamen am 3. November 1885 in der Devutirtenkammer zur Sprache und wurden ste in den schärfsten Ausdrücken getadelt. Der Kriegsminister versuchte seine Unter« gedenen zu entschuldigen, mußte aber die Thatsache der Nume« rirung und gewaltsamen Vertheilung der unglücklichen Ginge- borenen zugeben. Er versprach Untersuchung und Bestrafung. Es ist im Jntereffe der Argentiner zu würschen, daß diese Be- strafung eine recht schnelle und strengt sei. ,r.L_% y�Die Gesetze sollm vorläufig vom 1. April d. I. bis dahin Wn Si i 90 Kraft stehen.— Den„Hamburg. Nachr." zufolge hat !.r«»liilt k« Kriegiminister den Gesetzvorschlag, betreffend die außer« ordentliche Bewilligung für daS LandeSbefestigungs« Wesen �ch Z'Äopcnl)O0eni' Zurückgezogen. werden-' • Rechnen| g. Lokale«. Zu den großen Aufgabe«,� welche. die r o tz b r i t a«« i e«. Es bestätigt fich, daß dai Parlament angegangen werden lg, in» cm Gr erBr welcher< iellenJnt« weinbre : bczügk rung der cn Adger mann, Abordne linifter enomme -off gego nter um° herauir che"< RkJ u. ksfreund, »om 14. c Stelle ieichstag iber, in lS in lf veran >knecht'sche r Stelle. »rvird, einen beträchtlichen Theil des irischen Verbrechen« �rage,„.«verhütungsges tzeS zu erneuern, namentlich den Artikel m Bezug auf Boycottiren. Alsdann wird die LokalregierungS« orlage eingebracht werden. Dieselbe wird auf das ganze -reinigte Königreich Anwendung haben, mit dem einzigen nterschiede, daß die Kontrole der Polizei in Irland aus eine usnahmsweise Bafis gestellt werden wird. Mr. Stanhope ird den Vizekönig wie den Obersekretär des alten Regime tatsächlich ersetzen. Der administrative Thefl der Regierung on Irland wird sein Zentrum in Whitehall(London) und der ' ekutive Theil in Dublin haben. ...— Sur Zeit des letzten Feldzuges im Sudan theilten eng. ische Zeitungskorrespondenten die Thatsache mit, daß beim Ad. «uern der Martini-Hemy Gewehre die Kugeln im Laufe stecken blieben und die Bajonette beim Angriff nicht selten abbrachen »er fich bogen wie Pfropfenzither. Aehnlich wie beim Krim- �'L�urdm diese skandalösen Mängel der englischen Waffen ach Kräften vertuscht. Die Militärbehöiden ließen jedoch die ach« naher untersuchen und dabei stellte fich denn die Richtig. t der von den Konespondenten behaupteten Thatsachen her. s. Zunächst wurden demnach die scharfen Patronen geändert, bem man harte statt weiche Metallhülsen verwendete. lugenblicklich werden nun in Enfield und anderen Waffen atzen Versuche mit Bajonetten und Säbeln angestellt, von enen fich über 30 Prozent derartig bogen, daß fie für gan. ltauglich erklärt wurden, während der Rest sehr mangelyas r und nur einige wirklich gebraucht werden konnten. Der den Bajonetten verwendett Stahl ist durchgängig so weich, ß er fich beim geringsten Druck biegt; die Säbel wieder find o spröde, daß fie leicht brechen; die ganzen Waffen endlich find nichts weith und müffen durch neue ersetzt werden. Wie �wohnlich ist Niemand daran schuld. Der Fabrikant hat seine est« llung nach dem ihm vorgelegten Muster ausgeführt, der '"""...... gut befundeen t bezahlt; der Putsch« »fen essen den reicher JH Meuterer Blätt� von» nspektor hat die Waffen bei der Ablieferung id John Bull(d. h. das englische Volk)... oldat aber kann mit seinem Gewehr nicht schießen, mit seinem ajonett nicht fechten und ist daher unter Umständen seinem , nde gegenüber wehrlos. Die Armee-Lieferanten haben atürlich ihre Millionen bei der Sache eingeheimst. Unter solchen Umständen ist es recht begreiflich, wenn gewiffe Leute Ich immer nach einem frischen, fröhlichen Kriege sehnen. Amerika. Aus Argentinien(Republik in Südamerika) schreibt an der„Rat.. Ztg.": Es ist bekannt, daß die Regierung der Irgentina und besonders die Führer der verschiedenen mititä- schen Expeditionen, welche zur Eroberung des ehemaligen ndianergebteteS in den letzten 6 Jahren ausgesandt orden, die Eingeborenen sehr hart behandelt haben. Der 'ampf gegm einen wilden und ebenfalls erbarmungslosen ind mag manches entschuldigen; in neuester Zeit haben fich «r Thatsachen ereignet, welche an die schlimmsten Streiche % spanischen Konquistadoren(Eroberer) des 16. Jahrhunderts nnern und durch nichts zu recktfertiaen find. Der Kom« listen d«?, astelar die Ur! serfichern ngelcitete � schließen seine Pr. hrlosen Indianer, darunter Weiber und Kinder, füfilliren l r Rest wurde an Bord des RegierungsdampferS„San artin" gebracht und dort wurden die Unglücklichen gleich usthieren numerirt und in eine Liste eingetragen.~ Oktober 1885 kam der„San Martin" mit seiner Ladung r Buenos Aires an, und nun entwickelte fich eine Szene, die ran nur noch in Zentwl« Afrika für möglich halten sollte. „ Ad«ach Ankunft des Dampfers erschienen zahlreiche Personen , e ge»'»t«riefen, welche ihnen vom Generalstabe der Armee aus« .% asa BZ äs anbelangi' Ans Kunst und Leven. mre überei� Ostend-Theater. Wegen plötzlich eingetretener Heiserkeit 0 betrachn'es Herrn Zwenger konnte gestern, Mittwoch, die angekündigte Zremisre:„Das LooS der Armen" nicht zur Aufführung ft Dich derAangen. Dieselbe geht am Freitag, den 22., zum ersten Male ew"' ist eine aber ««' ai D« P"dlikums richtig getroffen. Auch für die nächsten Tage rkwürdigk�p« lange begehrte„Feldprediger" wieder in Szene. SMKKMZGM teder 5°� ypochondA. 6onnabtnd und Sonntag:.De, WWWM �MKIWTZ armer W über städtische Zentral�Markthälle in der Neuen Friedrichstraße für einen geregelten Marktverkehr zu erfüllen haben wird, geHort in erster Reihe eine sorgfältige, exakte und schnelle Ausführung des Uedemahmedienstes, d. h. die Prüfung der Begleitpapiere, die Prüfung des angekommenen Gutes und die rechtzeitige etwaige Protesterhebung rc. Nach eingehender Erwägung ist der Magistrat dabin gekommen, daß es unumgänglich erforderlich ist, diesen Uebernahmedienst für fich allein zu behandeln und einer besonder« qualifizirten Persönlichkeit zu übertragen. Zahl- reiche Gesuche von Ersenbahnbediensteten, welche zum Theil noch im königl. Eisendahndienst stehen und in erheblicher Zahl gute Qualifikationsnachweise beigebracht haben, liegen bereits vor. Aber auch andererseits ist der Magistrat im Befiy von Bewerbungen solcher Personen, welche das Speditionsfach hier in Berlin mit allen den Einzelheiten des Uebernahme« und Abnahmedienstes auS prastischer Erfahrung kennen. Bei der Altemative, ob an die Spitze des Uebernahme-(Markrhallen-) Amtes eine in der Beamten- oder in der kaufmännischen Lauf« bahn stehende Persönlichkeit gestellt werden soll, hat fich der Magistrat— ohne hierbei schon eine individuell bestimmte Persönlichkeit in das Auge gefaßt zu haben— für eine im kaufmännischen Speditionsfach stehende Persönlichkeit ent kchieden. Sehr oft wohnt kaufmännisch erfahrenen Männern, so heißt eS in den bezüglichen Erläute rungen de« Magistrats, mehr Anpassungsfähigkeit an aktuelle Verhältnisse bei, als Personen deS Beamtenstandes; der Umfang der pofitiven Rechts- und Verwaltungsvorschristen, deren nothwendige Kenntniß hierbei in Betracht kommt und erforderlich sein möchte, ist nicht so erheblich, daß— hierfür spricht die Erfahrung— ein tüchtiger, in der Spedrtions« branche erfahrener Kaufmann solche fich nicht zu eigen machen könnte. Der Magistrat hat fich sonach für die auch hier provisorisch und gegen dreimonatliche Kündigung erfolgende der Stelle eines Verwalters deS Marktballen-Amtes in der Eisenbahn-Cxpedition für einen im Speditionswesen besonders erfahrenen Kaufmann, welchem eine monatliche Re- muneration von 400 Mark zu gewähren sein würde, entschieden. Fast die gleiche Wichtigkeit, wie der Uebernahmedienst, welcher also ausschließlich in städtischen Händen verbleibt, bat der Transport deS übernommenen GuteS, sei eS an die Zentral- halle, sei es in eine Tetailhalle, sei eS an andere Punkte der Stadt. Je zuverläsfiger der Uebernahmedienst fich gestaltet, und je mehr Vertrauen eine rasche, sorgsame, dit Güter schonend und ehrlich behandelnde Ausladung und Fortschasfung fich im Lande erwirbt, um so rascher werden fich, sofern auch die kal. Eisenbahnverwaltung ihre Unterftützmrg gewährt, die Zufuhren zu den Markthallen heben. Der Magrslrot glaubt, was diesen Punkt des Speditionsdienstes nach geschehener Uebernahme angeht, auch hier am vorstchtigsten zu handeln, wenn er an Bestehendes anknüpft, das berechtigte Bestehende auch als berechtigt im Rahmen der neuen Einrichtung anzu erkennen. Dies hat den Magistrat dahin geführt, zunächst negativ festzustellen, daß der Speditionsdienst, worunter auch der Transport angekommenen und übernommenen GuteS in einen Stand der Zentralhalle zu verstehen ist, nicht in eigene Verwaltung zu nehmen, sondern denselben mittelst eines be« sonders abzuschließenden kündbaren Vertrag« derjenigen Speditionsfirma zu übertragen, welche die zuverlasfigste erscheint und das beste Gebot macht. Eine an den Ring deS PolykrateS erinnernde Ge- schichte, die gewöhnlich nur in der„Sauregurkenzeit" zu grasstren pflegt, fich aber außerdem noch dadurch auszeichnet, daß fie nicht„erfunden" ist. Am vergangenen Montag war, wie die„Alla. Fleischer-Ztg" mittheilt, einer der Gesellen des Engros-Schlachtermeifler» Emil Griese, Landsberger-Allee 133, damit beschäftigt, ein Kalb zu schlachten. AlS er den Magen des ThiereS von seinem Inhalt entleerte, hielt er plötzlich etwas RundeS, Blankes zwischen den Fingern, daS fich bei näherer Befichtigung als ein echter, aus Dukatengolde angefertigter, schwerer Trauring erwies. Derselbe trägt im Innern die Initialen U. R. 1853. Herr Griese theilt uns mit, daß das Kalb von einem in Hinterpommern wohnenden Handels- mann Namens Rudolf Jordan gekauft ist, dessen Wohnort er leider nicht anzugeben weiß. Cr hofft, daß diese Notiz, die ihren Weg auch durch die Tagespreffe nehmen wird, dazu bei- tragen wird, den Verlierer des Eheschmucks ausfindig zu machen. Derjenige, der Anspruch auf den Ring zu haben vermeint, möge fich an die Redaktton der„Allgemeinen Fleischer-Zeitung" Berlin 8W, Lindenstr. 43, wenden. R. Wie man fich Zähne verschafft. Zu einem Zahn- techniker in der Bellealliancestraße kam am Freitag voriger Woche ein junges, hübsche» Mädchen und bestellte ein „Gebiß" für fich und leistete eine Anzahlung von drei Mark mit dem Abkommen, bei Abholung des GebiffeS den Rest zu zahlen. Der Techniker ging darauf ein und bestellte die junge Dame zum Mittwoch Voimittag wieder zu fich, um das Be- treffende in Empfang zu nehmen. Die junge Dame erschien auch pünttlich und, nachdem fie das Gebiß„angelegt", griff fie in die Muffe, auS der ste ein Portemonnaie hervorzog. In diesem Augenblick aber wurde der Techniker abgerufen, waS die schlaue„zahnlose" Dame benutzte, um zu verschwinden. AlS bald daraus der Zahnarzt in daS Zimmer zurückkehrte, fand er auf dem Tisch einen Zettel und darauf die mit Blei» stift flüchtig hingeworfenen Zeilen:„Komme gleich wieder, babe nur einen nothwendigen Weg zu machen!" Neben diesem Zettel lag, jedenfalls um zu täuschen— ein leeres, unschein» bare« Portemonnaie. Ein gefährlicher Pferdedieb ist der vielfach vorbesttafte Zuchthäusler Krenkel aus Berlin. Von seiner Geschicklichkeit und Dreistigkeit zeugt folgendes Stücklein, daS die„Rixd. Ztg." erzählt. Am letzten Donnerstag meldete fich ein Herr, etwa 30 Jahre alt, bei dem Fuhiwerköbefitzer Sennwaldt in Dresden „Oberleutnant Friedrich" von den Pionieren Katholiken auf der Erde zusammengestellt und folgende Zahlen Europa' 153 833000 Katholiken oder 47.2 pCt. Die Direktion de« Walhalla- Theaters hat. wieder rdauernd �«steigerte Besuch während dieser Woche beweist, .« Ä.""��ung deS Repertoires den Geschmack cs Publtlums richtig(iktrofien............" Asten Afrika Amerika Australien und Polynefien 9 232 000 2 642 000 51 033 000 672 000 V 50,0 15,6 -Der und bestellte für den____ daselbst einen eleganten Schlitten zur Ausfahrt nach Radeberg. Pünktlich hielt dai Gefährt auch vor der Kaserne und heroor« trat ein Mann, der den Kutscher schneidig anherrschte:„Ist das Fuhrwerl für dm Oberleutnant Friedrich'i"„Ja wohl," ward ihm zur Antwort und der Herr„Oderleutnant Friedrich" warf fich in das im feinsten Stil gehaltene Ruhekiffen deS eleganten SchlittmS, fich in eine ihm zur Verfügung gestellte Pelzdecke einhüllend. Eine kurze Strecke warm fie gefahren» als der Herr„Oberleutnant" den Kutscher halten ließ und ihm mitthetlte, daß sein Bedienter vergessen, ihm einen Korb mit Wein mitzugeben; der Fahrgast hieß ihn zu Fuß den Weg zurücklegen, um gemeinsam mit dem Bedienten den Wein zu holen. Kaum hatte fich der Kutscher entfernt, als der„Herr Oberleutnant" mit dem Gefährt davonjagte. Auf Anzeige bei der Dresdener Polizei wurde der Dieb alsbald verfolgt. ES wurde festgestellt, daß ec wegen Mangels an Schnee in Rinde- bock bei Luckau den Schlittm gegen einen kleinen Wagen um- getauscht hatte. In Zossen jedoch verschwand jede Spur. Der Bestohlene begab fich nunmehr nach Berlin und durchforschte besonders die Umorte. Da bemerkte er denn am Sonntag Vormittag in der Berlinerstraße in RIxdorf an einem Wagen eine Fuchistute, die er trotz des veränderten Aufputzes alS die seinige erkannte. Die Inhaber deS GcfährtS, Krenkel und dessen Ettefoater Wormelker, wurden alsbald verhaftet und ge- standen nach kurzem Leugnen den Diebstahl ein. Auch daS zweite Pferd wurde aufgefunden und seinem Eigenthümer zu« gestellt. Schlitten und Pferde hatten zusammen einen Werth von 4000 Mark. R. Abgefaßt. Am Donnerstag voriger Woche, Nachmittags, engagirte eine elegant gekleidete Dame an der Ecke der Marlgrafen- und Leipzigerstraße einen Droschkmkutscher 1. Klasse mit dem Bemerken, auf Zeit zu fahren, da fie viele Besor- gungen habe. Die Fahrt ging zur Potsdamerstraße, Lützow- straße, Königgrätzerstraßc und nach verschiedenen anderen Straßen, bis zuletzt in der 6. Stunde in der Roßstraße 1 Halt gemacht wurde. Hier bat die Dame den Kutscher, nur einen Augenblick zu warten und fie alsdann nach ihrer in der Mark- grafenstraße belegenen Wohnung zurückzufahren. Vergeblich wartete der vertrauensselige Roffelenter auf die Rückkehr der „feinen Kundin", dieselbe blieb aus und war durch den zweiten Ausgang deS Hauses nach der neuen Jakobsttaße verschwunden. Am Dienstag nun hielt der Kutscher mit seinem Wagen auf. dem Alexanderpratz und— einheistolzirt kam die ihm durchge- brannte„feine Dame".— Mit schnellem Sprung war er von seinem Sitz herunter und an der Seite seiner„Kundin". Auf Aufforderung und Auseinandeisetzung des Kutschers, zu zahlen, erfolgte erst ein verächtliches Achielzucken, dann entrüstete ver- weisende Worte der Dame, aber vergeblich, der Kutscher hatte seine Durchgängerin zu gut erkannt und drohte mit der Polizei, das half endlich, denn die Dame— sah ihren„Jrrthum" ein, entschuldigte fich ganz naiv mit Vergeßlichkeit und mußte schwe- ren Seufzers netto fieben Mail bezahlen. Unter dem Ge- lachter der angesammelten Paffanten verschwand die Abgefaßte schleunigst aus dem Bereich ihres fiegesbewußten, energischcir Mahner». Gemäß den Veröffentlichungen de» Kaiserliche» Gesundheitsamts find in der Zeit vom 3. bis 9. Januar 1886. von.je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchschnitt be- rechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 23,5, in Breslau 24,4, in Königsberg 33,1, in Köln 28,4, in Frankfurt a. M. 21,6, Wiesbaden 18,8, in Hannover 26,0, in Kassel 21,9, in Magdeburg 24,6, in Stettin 24,7, in Altona 21,4, in Etraßbur» 19,9, in Metz 17,4, in München 25,0, in Nürnberg 20,9, in Augsburg 23,7, in Dresden 23,6, in Leipzig 22,0, in Stutt- gart 23,8, in Karlsruhe 12,8, in Braunschweig 26,9, in Hamburg 29,6, in Wien-, in Budapest 30,3, in Prag 33,6, in in Trieft—, in Krakau 18,4, in Basel 28,1, in Brüssel 28,7, in Amsterdam 28,0, in Paris 26,1, in London 22,4, in Glasgow 28,8, in Liverpool 24,2, in Dublin 28,8, in Edinburg Iii ©■g® eJs L DieganzeErde 217 412 790 Katholiken oder 15,0pCt.d.gesammt. Menschheit. Aus diesen Zahlen ergiebt fich, daß die katholische Küche noch weit entfernt ist, der Bedeutung ihre» Namens ,u entsprechen und eine„allgemeine" zu sein. Für die verschiedenen Theile der Kontinente stellt fich daS Vcrhältniß der Katholiken zu den Nichtkatholiken in abweichender Weise. Europa, das die größe« Hälfte aller Katholiken umfaßt, ist bekanntlich in seinem Süden und Westen dem römischen Stuhle unterthan. Herr O. Werner hat für die einzelnen Länder unseres Erd« theil« auf Grundlage zuverläsfiger Quellen folgende Zahlen aufgestellt: Jtalim 28 393 000, Spanien 16 870 000, Portugal 4. Frankreich 36 400000, Belgien 5 502 000, Holland Luxemburg 203623, Deutschland 16 231724, Oester« - Ungarn 29 582 008, Schweiz und Licht enstein J 169 906, noch haben, die alleinseligmachende Kirche in ähnlichen Pro« zentsätzen wie in Europa das Terrain beherrscht. Demgemäß findet man in Asten die größere Hälfte aller afiatischen Katholiken auf den Philippinen mit 5 502000 oder 97,6 pCt. der Gesammlbevölkerung; die kleinere Hälfte ver« theilt fich auf Ostindien mit 1 659 450, China mit 1115661. die astatische Türkei mit 554380 und da» übrige Asten mit 400 915 Katholiken. Etwas anders ist der Zustand der katholt« schen Kirche in Afrika; hier leben zwar auch beinahe die Hälfte AAK schen Inseln 382000 in Algier und 270 000 auf de vor 4 306 554, Frankreich 1 439 137, europ.�Äußland 2 832 991, Polen 4572958, Dänemark» Schweden, Norwegen 4 312, Großbritannien 5 784 378, Balkan- Haldinsel 490000. Diese Zahlen geben aber für fich genommen kein anschauliches Bild von dem Verhältniß der Katholiken zu den Nichtkatholiken; dies gewinnt man erst durch Berechnung der entsprechenden Prozentsätze. Ordnet man diese in aderfichtlicher Weise, so erhält man die folgende interessante Reihenfolge: Portugal hat 99,99, Spanien 99.8, Italien 99,6, Belgien 99,6, Frankreich 96,5, Oesterreich-Ungarn 73,6. Irland?6,7, Schwei, 41,0, Deutsches Reich 35,9. Holland 35,7, England und Schottland 5,0, Rußland mit Finnland 3,7, Balkanhalbinsel 2,8, Dänemark 0,15, Norwegen 0,02, Schweden 0,01 pCt. Katholiken. Die Vertheilung der katholischen Konsesfion in Europa spiegelt fich nun in ihrer geographischen Verbreitung über die anderen Erdtheile aus das getreueste wieder, insofern nämlich. als überall da, wo katholische Europäer Besttzungen hatten oder westafrikani« renen.'aber die katholische Lehre hat' fich' ni'cht mit gleicher Intensität über die Eingeborenen verbleitet wie auf de» Philippinen; in Angola, Benguda und Mossamedes gehört ihr nämlich nur der neunte Theil der Gesammtbevölkerung an: ein noch ungünstigeres Verhältniß findet in Algier statt. Im Nebligen ist die Ausbreitung de« Katholizismus in Afrika allge- meiner als in Asten, denn eS ist kein größeres Gebiet an der Küste vorhanden, das nicht eine Anzahl Bekenner aufzuweise» hätte. Daß die katholischen Misfionare wie die nichtkatholische» den Entdeckungsreisenden und Kaufleuten auch in das Innre folgen, ist eine bekannte Thatsache. Entsprechend der geschicht» lichen Entwickeluna find Mittel- und Südamerika nahezu gar» der katholischen Kirche unterthan; in Südamerika zählt ste 27 268 000 Anhänger, welche 94,7 pCt. der Gesammtbevölkerung ausmachen; in Zentralamerika und Westindten gehören ihr 15329000 oder 91,1 pCt. der gesammten Bevölkerung an. Hier zeigt fich aber schon der Einfluß der protestantischen Eng- länder. Noch kräftiger kommt dieser in den Vereinigteic Staaten zum Ausdruck, wo im Jahre 1884 nach Angabe vo» Sadlter's Directory 6 623 176 Katholiken lebten. Sie repri sentiren 11,5 pCt. der Gesammtbevölkerung und rekruliren fiel» hauptsächlich auS der irischen Einwanderung. Da» britisch- Nordamerika hatte mtt Einschluß der franzöfischen Inseln St. Pierre und Miquelon im Jahre 1881 die beträchtliche Zatl von 1 791 982 Katholiken oder 41,4 pCt. aufzuweisen. Dieser für eine britische Befitzung hohe Prozentsatz erklärt fio» auS der bekannten Thatsache, daß Kanada, der bevölkertste Theil de» britischen Nordamerika, von den Franzosen kolonifirt worden ist._ 16,4, In Kopenhagen 21,9, In Stockholm 25,5, in Christiania 16,3, in Petersburg 28,1, in Warschau 31,8, in Odessa 32,9, in Rom—, in Turin—, in Bukarest—, in Madrid—, in Alexandrien—. In der Zeit vom 12. bis 18. Dejbr.». pr. in New-Bork 23,5, in Philadelphia 19,8, in Baltimore 14,4, in SanFranziSko 22,2, in Kalkutta— ,tn Bombay 25,6,inMadrai 38,6. Der Gesundheitszustand in den meisten Großstädten Europa?, namentlich in den deutschen und englischen, war in der Berichtswoche im Allgemeinen ein etwas günstigerer ali der vorhergegangenen Woche. Insbesondere meldeten die mittel« und norddeutschen Städte meist kleinere, die süddeutschen dagegen vielfach etwaS größere Sterd« lichkdtsziffelm Gesteigert war ziemlich allgemein daS Vorkam- men von akuten Entzündungen der AthmungSorgane, zumeist wohl hervorgerufen durch den fast unvermittelt in der zweiten Wochenhälfte eingetretenen Witterungswechsel. Seltener wurden dagegen Todesfälle an Darmkatarrbm und Brechdurchfällen der Kinder gemeidet, so daß die Theilnahme deS Säuglings- alters an der Sterblichkeit im Ganzen ein wenig kleiner wurde. Von 10000 Lebenden starben aufs Jahr berechnet in Berlin 68, in München 30 Kinder unter 1 Jahr. Von den Infektionskrankheiten veranlaßtm in den Be- richtsstädten Masern, Diphtheriekund Pocken weniger, typhöse Jieder und Keuchhusten etwas mehr, Scharlach und Kindbett« fieber fast die gleiche Zahl von Todesfällen wie in der voran« gegangenen. Woche. Piasem zeigen nur in Amsterdam und St. Petersburg eine Steigerung der Sterbefälle, wäbrend in Barmen, Berlin, Braunschweig, Bremen, Danzig, Dresden, Duisburg, Freiburg i. B., Königsberg, Magdeburg, Budapest. London, Live'pool, Paris die Zahl der Todesfälle zum Theil sehr erheblich abgenommen hat.— Das Scharlachfieber rief in Hamburg, Hannover, Par S, Et. Petersburg mehr, in Altona, Berlin, Christiania weniger Sterb.fälle hervor.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in Berlin, Breslau, Danzig, Dresden, Halle, München, Nümberg, Stettin, Stuttgart, Amsterdam, Budapest, Prag, St. Petersburg keine kleinere, fondem sogar eine etwaS gesteigerte, während da- gegen in Altona, Barmen, Braunschweig. Bremen. Frankfurt a.D., Hamburg, Königsberg, Christiania, London, Paris, Warschau die Sterlichkeit eine geringere wurde.— Typhöse Fieber forderten in Berlin, Hamburg und St. Petersburg mehr, in London und Paris weniger Opfer. AuS Aachen und St Petersburg wurde je 1 Todesfall ort Flecktyphus, aus St Petersburg noch 3, aus Stockholm 2 Erkrankungen daran mitgethellt.— Erkrankungen an rosmartigen Enlzündungm des Zellgewebes der Haut wurden in etwas größerer Zahl auS Berlin, Nümberg, London, Kopenhagen gem-ldet.— Ter Keuchhusten wurde in Berlin, Amsterdam, Paris, London, Glasgow häufiger TodeSveranlaffung, auch in Hamburg stieg die Zahl der Erkrankungen, in Dublin nahm die Zahl der Sterbefälle ab.— Pocken riefen in München, Zürich, Brüssel einzelne, in Liverpool, St Petersburg, Odessa, Prag, Paris, Warschau mehrere Sterbefälle hervor. In Budapest stieg die Zahl der letzteren auf 10. Einzelne Erkrankungen an Pocken wurden aus Breslau, London, Edinburg, mehrfache aus Et. Petersburg, 50 aus Budapest derichtet.— In' Trieft waren biS zum 5 Januar er. keine weiteren Erkrankungen an Cholera vorgekommen. Aus Italien. Spanien und Frankreich liegen weitere Mittheilungen über Cholera nicht vor.— In Nagasaki(Japan) ist die Cholera, amtlichen Mittheilungen zu Folge, erloschen und find die Quarantäne-Vorschriften von Tokio für Schiffe aus jenen Häsm aufgehoben. Dagegen unterliegen Schiffe, welche die Häfen deS Oiaka Fu, resp. |>io||oken angelaufen haben, noch weiterhin jenen Quanrantäne- Polizei-Bericht. Am 19. d. M. Nachmittags glitt ein 6 Jahre alter Knabe beim Spielen auf dem Ettaßendamm an der Ecke der Wiener- und Forsterstraße auf einer Eisfläche auS und brach dm linken Unterschmkel.— Zu derselben Zeit wurde ein 6 Jahre alter Knabe vor dem Hause Bergmanns« flraße 93 von einem Bierwagen überfahren. Er erlitt bedeu- tende Öuetschungen an der rechten Seite des Körpers.— An demselben Tage, Nachmittags, fiel der Kuticher Nett in der Jnvalidenstraße, an der Ecke der Lehrterstraße, während der Fahrt von seinem beladenen ArbeitSwagm, wurde überfahren und erlitt eine bedeutende Quetschung deS linken Fußes, so daß er mittelst Droschke nach der Chatttee gebracht werdm mußte.— Am Abend deffelben Tages gaben ein Gardinen« brand im Hause Potsdamerstraße 73 und ein bedeutendes Feuer auf dem Grundstück Wallstraße 35, wo in einer im Quergedäude belegenen Schlafkammer Möbel in Brand ge- ralhen waren, Anlaß zur Alarmirung der Feuerwehr. Die« Sibe war an beiden Orten nur kurze Zeit in Tbäligkeit.— m 20. d. Miß., Morgens, versuchte ein etwa 25 Jahre alter Mann im Thiergarten in der Nähe des GoldfischieicheS fich durch einen Schuß in den Kopf da» Leben zu nehmen. Der- selbe wurde schwer verletzt, jedoch noch lebend nach der Chatttee gebracht._ Gerichts-Aeituns. Frau Professor Richter hatte heute in einer Strafsache gegen ihren Kutscher August Hübner, welcher angeklagt war, durch Fahrläsfigkeit die Körperverletzung des 82 Jahre alten Oberftlieutenants a. D-, Landes Stallmeisters v. Kotze, herbei« geführt zu haben, vor der ersten Sttafkammer hiestgen Land« gettchts I Zeugniß abzulegm. Am Abend deS 16. Oktober v. I. ging der alte Herr, in der Meinung, daß die Potsdamer Brücke gerade vom Fuhrwerk frei war, schräg über dieselbe hinüber, um fich nach der Matthäikirchsttaße zu begeben, als er plötzlich von dem Scheerbaum eines plötzlich hinter ihm austauchenden WagenS mit Gummirädem anpeftoßm und zu Boden aeschleudett wurde. Er erlitt dabei Verletzungen am linken Arm, an deren Httlung er vier Wochen lang laborirte- Der Angeklagte behauptet, im Schtttt ge- fahren zu sein; der Ueberfahrene sei einer entgegen« kommenden Droschke ausgewichm und auf diese Weise vor sein Pferd gerathen, welches er auf der Stelle paritt habe, sonst wäre der alte Herr unrettbar überfahren worden. Diese Angaben werden unterstützt durch die AuS- sogen der Frau Professor Richter und deS diensthabenden Schutzmanns. Herr v. K. verblieb aber dabei, daß der Ange« klagte im schatten Trabe gefahren sein müsse, da die Brücke ganz leer gewesen sei und er fich kurz zuvor nach allen Seiten umgesehen habe. Der Staatsanwalt erachttte die Aussage diestz Zeugen für maßgebend und beantragte 50 M, wo hingegen ff» Rechtsanwalt v. Thielemann vergebens bemühte. klar zu machen, daß der Ueberfahrene derattig bestürzt gewesen sein wird, daß er über die Situation getauscht worden sei. Der Gettchtshof verurtheilte den Angeklagten nach dem Antrage d«S Staatsanwalts._ vereine«nd Uersammlungen. Der Verein zur Wahrung der materiellen Juter. esse« der«abrik- und Handarbeiter hielt am Sonntag, den 17. Januar, eine sehr gut besuchte Versammlung im Lokole des Herrn Nebelien, Langestr. 106, ab, mit der Tages« Ordnung: Vortrag des Herrn Sladtv. Mitan über„Zweck und Ziele des VerttnS." Vierteljahrsabrechnung. Verschiedenes. In seinem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage wies Referent zunächst darauf hin, daß der Verein vor Allem de« streht sein müsse, fich von dem Druck nicht nur in matetteller, sondern auch in geistiger Beziehung zu befreien. Der geistig «weckte Mann mache eS fich von selbst zur Pflicht, für seine materielle Besserstellung zu sorgen. Biblische Geschichte und dergleichen würde in unseren Schulen genug gelehrt, wahrend gerade dasjenige, waS der Ardttter am allernothwendigsten braucht, wie Rechtspflege, Verfassungskunde, Gesundheit 9« lehre u. s. w. zurückgesetzt würde. Hier sollten die Gewerk« schastS-Vereinigungen soviel wie möglich nachzuhelfen suchen. Kenntntß von der Beschaffenheit seines Körper» sollte jeder A bester haben, dann würde er erst einsehen, wie verschwenderisch er mit seinem Kapital, mit seiner Arbeitskraft umgeht. Redner wies nunmehr auf die hatten Lohnkämpfe hin, oie schon im Mittelalter stattgefunden. In dem heutigen Wirthschafissystem seien die Verhältnisse anders gestaltet, man müsse sein Hauptaugenmerk auf die SonntagS- und Ueder« stundenarbeit richt n, denn diese seien mit die bedeutendsten Hebel; es würden durch dieselben tausend« von fleißigen Arbei- lern auf die Landstraße geworfen und dott als Vagabonden behandelt. Redner appellirte sodann an die anwesenden Gäste, fich in den Verein aufnehmen zu lassen, und ihre freie Zeit nicht in Rauchklubs und sonstigen Vergnügungev. weinen zuzu- bttngen. In der Diskusfion wieS Herr Zubtti besonders dar- auf hin, daß es leider noch so sehr viel Ardttter gebe, welche nicht einmal die Frühstücks- und Mittagspause in den Werk- stellen>c. innehielten und dadurch nicht nur ihren Mitmenschen bedeutenden Schaden zufügten, sondern auch ihren Familien, durch den zu frühen Verbrauch ihrer Aibtttskrast. Herr Paulikat bemerkte, daß eS noch sehr viele Ardttter gäbe, welche glauben, wenn fie sich einer Organisation anschließen, könnten ste in„Verdacht" kommen. Es sei dies jedoch ein großer Fehler. Als Herr Zubeil ausführte: die Arbeiter hätten nicht zu bitten, sondern zu fordern, fie sollten die sklavische Fu cht beseitigen, der Verein habe mit dem bekannten Gesetz nichts zu schaffen, eiklärte der überwachende Beamte Vis Ve-sammlung auf Grund des§ 9 dei Gesetzes vom 21. Oktober 1878 für aufgelöst. In der letzten Versammlung deS Fachvereins der Drechsler. Knopfarbeiter und Berufsgenoffen, welche bei Saeger, Grünec Weg 29, stattfand, erstattete der Kasfirer den Kassenbericht. Derselbe ergab mit dem Bestand vom 1. Ottober eine Einnahme von 192,67 M. und eine Ausgabe von 88,44 M., bleibt ein Kassenbestand von 94,23 M. Nachdem der Vorsttzcnde Herr Hilvedrandt über die Thätigkeit des Vorstan- des berichtet, in welchem er besonders daS erfreuliche Anwachsen des VerttnS an Mi'gliedern hervorhob(der Verein zählt zur Zeit über 300 Mitglieder), wurde zur VorstandSwahl ge« schtttten. ES wurden gewählt zu Vorfitzenden die Herren Schiader 1. und Hildedrandt 2.; zu Kasstrem die Herren Mönch 1. und Lüdge 2.; zu Schrififührern die Herren Vehr 1. und Weißpfuhl 2.; zu Beisitzern die Herren Pohle, Krüger und Bleichert, und zu Revisoren die Herren Kiehl, Kleinett und Böhm, Nach Eiledigung von inneren Vereiniangelegen- heilen schloß der Vorfitzende die Vettammlung mit einem Hoch auf das fernere Gedtthen des. Vereins. Die streikende« Handschuhmacher hielten am Sonntag Vormittag im„Universum", Brunnenstraß: 29 eine öffentliche Versammlung ab. Das Referat über- nahm nach stattglfundener Bureauwahl Herr Wasner. Derselbe giebt in längerer Rede ein Bild der Lohnbewegung und zeigt, wie die Handschuhmacher durch die Intoleranz der Fabttkanten zu dem jetzigen Streik gezwungen seien. Die Fabrikanten, die den am 1. November v I. aufgestellten Lohn« taiif für gerecht anettannten und denselben für vie Dauer von 3 Monaten vorläufig bewilligten, hätten fich, wie Redner de- tonte, nicht gescheut, nach 6—8 Wochen ihr Wott zu brechen, trotzdem, wie ihnen für die Fortdauer des Tattfs versprochen war, die Handschuhmacher in anderen Städten, wie Altenburg, Weimar, Duderstadt, Hannover u. s. w. ebenfalls mit einer Lohnerhöhung vorgegangen find. Der Mitinhaber einer größeren Firma habe im November ver- fichett, er betrachte seine Arbeiter alS seine Freunde, als sttne Kinder, deren Elend ihm nahe gebe, er sei selbst weiter nichts alS Arbeiter u. s. w.— Jetzt befind« fich diese Firma an der Spitze derjenigen, welche die ttarismäßige Lohnerhöhung nicht zahlen wollen und da ihre Arbeiter nicht gewillt find, fich für das Wohlergehen der Arbtttgeber aufzuopfern, so gingen die Herren Fabrikanten zu andern Fabiikanten und bieten ihre Aufträge an, allereingS ohne Erfolg. Leider defänden fich auch unter den Arbeitern Einzelne, die daS Vorgehen der Fa- bttkanten durch Fortsetzung der Arbeit unterstützen. Als fie im November v. I. von der Durchführung der Lohnerhöhung überzeugt waren, fühlten ste das große Wott und traten den Fabtt- kanten scheinbar energisch entgegen: doch jetzt, wo eS fich darum bandelt, daS Errungene zu erhalten, ziehen fich dieseKollegen zurück. Im Laufe der DiSkvsfion waren sämmtliche Redner mit dem Vorgehen der Lohnkommisfion einvetttanden und erklärte letztere noch, daß fie auch die Sympathien der übrigen Aibeiter Berlins für das Vorgehen der Kollegen grwonnen hätte. Schon von vielen Seiten, u. A. von den Maurern, Etttntlägern, Schirmmachern, Wttßgerbern, Hutmachern u. s. w. seien nam« hafte Unterstützungen eingegangen und wurde fernere Beihilfe bestimmt zugesagt. Vielfach werde ange- nommen, die Handschuhmacher hätten einen schlechten Zeitpunkt gewählt zur Lohnbewegung, eS sei dies aber ein Jnthum, dos Enaroi« und Expott- Geschäft sei jetzt, wie von mehreren Rednem erklätt wmde, ein ganz bedeutendes. Es wurde noch eine Fabttk genannt, die stets die niedttgsten Schnittlöhne zahlt und die auch noch außeihaib ttne Filiale befltzt. ES stt schon immer und jetzt hauptsächlich da, Bestreben der Arbeiter gewesen, die dort beschäftigten Kollegen zur Theilnahme an der zeitgemäßen Lohnerhöhung zu bewegen, dieS sei auch insowttt gelungen, alS die Filiale voll- ständig von Arbeitern geräumt ist, während hier ttn Dtttlel die Arbeit niederzulegen fich verpflichtete. Daß dieS nicht mehr find, liege wohl daran, daß die Firma stets bereit war, fich ihrer Ardeiter durch„Vorschußgeben" zu verfichem. Die Ar- beiter verschrieben dafür dem Fabttkanten ihre Witthschaft. Bei dem heutigen Verdienst, beieiner normalen Arbeitszeit von 10 Stunden sei es nicht möglich, fich zu ernähren, wie eS nöthig stt, um fähig zur Arbeit zu sein. Um dies zu ermöglichen, würden 15 und mehr Stunden täglich gearbeitet. Wo solle da die Zttt her« kommen, die eS dem Ardttter gestatte, fich sttner Familie zu widmen, den Geist zu bilden«.? Intelligenz brauche der Arbeiter, nicht die rohe Kraft allttn hilft da. Um aber In- telligenz zu eriingen, müsse dem Arbeiter auch ttn entsprechender Verdienst gegeben werden. Daian habe selbst der Staat ein Interesse. Je weniger der Ardttter verdient, desto elender lebe er dahin, er sinke immer mehr und falle schließlich der öffent« lichen Mildihätigkttt zur Lost Der Fabrikant habe keineff Scha« den, wenn er hohen Lohn zahle, er verlange ebenfalls höhere Prttse. Herr Micbelsen(Buchbinder) als Gast führte in längerer mit großem Beifall aufgenommener Rede auS, daß eS fich bei einer Lohnbewegung in allererster Linie um den Lohn handele. Der« selbe stt in d>n meisten Fällen ein derattiger, daß es kaum genüge, daS Leben dürftig zu fristen, während doch auch der Arberter wissen soll, daß er als Mensch lebt. Die Arbeiter müssen fich so organifiren, daß fie eine geschlossene Kette bilden.. Aber wie selten begrttfe der Arbeiter dies, wie selten begreife daß nur die Organisation ihm helfen kann. Es müsse das er, Bewußtsein unter die Arbeiter gttragen werden, daß fie die erhaltende Kraft der Gesellschaft find. Eine Arbeiterfamilie von 5 Köpfen brauche in Berlin zum nothdürstigsten Leben 24 Mark wöchentlich, aber wie stehen fie Da? Mit 12, 15 und 18 Mark pro Woche gehen viele Arbttter heim. Er, Redner, bettachte es als sttne heilige Pflicht, einzutreten für die Interessen der Arbeiter, die noch nicht so gestellt find, daß fie fich und ihre Familien menschenwürdig ernähren können. Er verfichert noch der Versammlung die größte Unterstützung für ihre gerechte Sache nicht nur auS Berlin, sondern auS ganz Deutschland. ES hatten bereits außer Herrn Michelsen 2 Weißgerber gesprochen, als fich nun der Former Herr Müller zum Wort meldete, protestitte der überwachende Polizttbeamte dagegen mit dem Hinweis, es stt dies ttne Handschuhmacheroersammlung und er dulde* daß fich auch noch andere Profesfiomnen an der Debets therligen. Vergebens war von verschiedenen Sttten herA hoben, daß dies eine öffentliche Versammlung sei, verg» wurde der Vorfitzende aus der Milte der VersammlM' Beschwerde beim Polizeiprästdium au'gefordett, dem B des Beamten mußte Folge gegeben werden. ES sprachen s noch einige Handschuhmacher für strikte Durchführung Streiks. Hierauf schloß der Vorfitzende die sehr animirt« sammlung mit der Bekanntmachung, daß am Sonntag 24. Januar, Vormittags 10 Uhr, wieder eine öffentliche sammlung in demselben Lokale stattfindet, zu der um zahl Erschttnen ersucht wird. t sC- $ 17. K. Zur Wahl de» Jnnungs-Gesellen-AuSschusse»' am Sonntag in Gratweil'S Bierhall-n von dem Cmdw d.r Sattler-, Riemer- und Taschner-Jnnung eine Sßer.'amw Von dem einberufen. Nachdem der Herr Obermeister den ZM?. TOlflenfte 5 Versammlung bekannt gemacht, ließ er den jetzigen t�s Reicht ausschuß einen Bericht abgeben über sttne bisherige 2Mer Volks blat kttt, welche darin bestand, daß er drei Sitzungen wit> l- Bei An JnnungSvorstande hatte; ferner an fünf Schi, dsgerichMv d-m Sirc Handlungen, die zu Gunsten der Kollegen ausgefallen W n0 50 oes R, fünfmal an Lehrlingsprüfungen theilgenommen hat. Da*"8 tomc 16. diese ibre Thätigkcit die Ausschußmitglttder k ine für ri-«oll auigenon sellenschaft wichngen Vortbttle erblickte, lehnte fie ttne die ab und ersuchte die Gesillenschast, ebenfalls von ler».«eine I Abstand zu nehmen. Einer der Herren führte an, daß»r**** urber 1 zu dieser„Komödie" nicht länger gebrauchen lassrn wirlrlovemder, die er auch nicht verlange, daß ein Anden r an sttne Stelle iunzelhaltz.lle Der Herr Obermeister suchte jedoch die Segnungen delfi.w t verlebe nungen klarzulegen, was ihm jedoch nicht gelang. denn�>�°N nhe-t i Chapau zeigte rbm. wie die Ge'cllen über die ThäfiM.» Innungen im 19 Jahrhundert denken, lieber einen®> 5 welcher dahin ging, die Gesellenschaft wolle beföTwl««n? V Ä"'.-S% von oben her den Befehl erhalten zu haben, ttnen G-sfi. t auSschuß wühlen zu lassen. Gewählt werde auf alle Fäll- o t:» ii � d e s wer nicht wählen wolle, möge den Saal verlassen. W 4. Im Oft, forderte er auf, Vorschläge zu machen; als aber keine fl<2m 355, fle Dot wurden, ließ er die Stimmzettel vetthttlen, um auf diese ne zur Wahl zu kommen, alS selbige wieder einatfommclt'�fl est eckt n zu sehr stürmischen Szenen. Die Aufregung stieg aufs Hol Strohlack d als man dem Fachverttn die Schuld an diesen Vorgänge"-�!). Heim zulegen versuchte, doch wurde die Ruhe durch einige K dem er vier eines Kollegen wieder hergestellt. Derselbe wieS darauf s 5 jjm u, t daß die Leute, welche dem Fachverein diesen Vorwurf 0% m, 09 cot selbst schon die Auflösung von Versammlungen hcrdcig� d r i g k e � hätten. AlS die Wahl sonicht zu Stande"kam(die 4 allerdings aangenen Stimmzettel waren unbeschrieben), soiderte deu�,%"0, Obermeister nochmals auf, die Wahl so ordnungsmäßig, r k I e i v u n .-„ uö'#,;] möglich von statten gehen»u lassen. Die Gifellen afigs darauf fir jedoch dm einmal geknifften Stimmzettel nicht wieder Woe Beträge p AlS die Wahlschlacht endlich beginnen sollte, verließ eine Iragen des® Anzahl Gesellen auf Anrathen des Herrn Bätbge den slärt hatte, da Von den 250 Anwesenden wurden 119 Stimmzenebdrohungkörv« Empfang genommen, von denen jedoch nur 58 abgegeben i vor. Cmwed Zieck 9, Wirth 3, Ließ 6<; Vertrauen aflen Mitge Einem , der Thür - dafür Ansta xigkeiten). [8. Ein Aufs. «duloet hatte bsmittel ange s9. Das fron | ist für Hein fmdet worde ng allgemein '10. Etwa so .�bezüglichen S - t wrrden mil �Halberstadt, den. ES erhielten Stimmen: mann 4, Giese 3, Zehdel 3, Chapau 1, Tannhaub'r, diese Gell Schulz 1, Bege 1 und Brasser 1. Als einige Anwescntt.seiner Behau Wahl wegen vorgekommener Unregelmäßigkttlen für umgesteckt. erklärten, schloß der Obermeister dankend die VersamnA 6. Nachdem Von den gewählten ersten 5 Herren haben als alte AuiA Wurst gena Mitglieder Giese, Ließ und WirthS erklätt, eine Wahl nil? Rückverlegung zunehmen. 4e, ist dies u Eme öffentliche Versammlung der Stellmache*' 7. Herne ha am 18. d. M. in Gray' Salon, Brunnen str. 140. Dre Dyuali steig ge ordnung war folgende: 1. Schlußberathung über den o�agelte Krank Lohnkommisfion ausgearbeiteten Lohn« und Alkord'? 2. Wie verhalten fich die Stellmacher Berlins zu demsck 3. Anträge der Kommisston. 4 Verschied, nei. Bein: Punkt der Tages-Ordnung verliest der Vorfitzende den» Tarif über Räder und Gestelle und eröffnet hierauf die' kusfion, an der fich viele Redner dethttligten. Der ganze* wurde mit einigen kleinen Abänderungen angenommen. � wurde eine Resolution angenommen, welche lautet:„Die? tagende öffentliche Versammlung der Stellmacher Berlins r sich mit dem von der Lohn- Kommisston ausgearbttteteN■ und Akkord-Tarif vollständig ttnverstanden und beauftral Kommisfion. wegen Einführung dieses Tarifs mit den', machermeistern Berlins in Unterhandlung zu treten. Wi pflichten fich die Versammelten, mit allen ihym zu stehenden gesetzlichen Mitteln dafür zu wirken, daß der; zur Geltung gelange." Beim zwttten Punkt spricht die l yrisfion ihr Bedauern aui, daß die Kollegen fich so 16*5 der Bewegung betheiligen. Die Anwesenden wurden fordert, fich an der Sache mehr zu betheiligen und an der'Giner � besserung ihrer traurigen Lage kräftig mitwirke».ften, Herr Z helfen. Beim dritten Punkt legten die Herren% nach 10 U und Rodenwald ihr Amt in der Lohnkommisfion% Chestedalter an ihre Stelle wurden die Herren Ulrich und%Üe er, soweü gewählt. Herr Elttn stellt die Frage, wie die LohnkonwAchem Geiste. vorzugehen gedenke. Herr Singettantwortete hierauf, daß ned<'zn nicht völli LohnerhöhungdieEinführungeinerlOstündiacnAlbtttszeit üblichen Besitz, Abschaffung der Lieferung von Kost und Logis durch d-s.Erlaß des<: btttgeber beabfichttgt werbe. Bei Punkt IV der TagesoiM die Sozial! macht Herr Graack bekannt, daß am 30. Januar in den �gemachten, a weil'schen Bierhallen(oberer Saal), die VerttnigrcnsMe auch dad deutschen Stellmacher, Mitgliedschaft Berlin, ihre regcl�zJahressrist« Veftammlung abhält. Herr Elein macht darauf aum� oroneien g daß die Vereinigung am 13. Februar in Bötzow's L�e im etsl ttnen Wiener Maskenball veranstalltt und ersucht uw W'ist'sch l, rege Betheiligung an demselben. BilletS find bei vierbieiturg 1 Komitee-Mitgliedern, sowie auch in den mit Plakaten ohrr meh Handlungen zum Preise von 50 Pf. für Herren und wrr uns für Damen zu haben. Herr Wachhaus macht den KMeriungen üb zum Vorwurf, daß fie fich um den Arbeitsnachweis, Worte s> Lindenstr. 16 wenig oder gar nicht kümmern. Es s�nfst.llettsch häufig Arbeit zu vergeben,-aber kein Geselle melde ficbi�!*/nem And, nähme derselben. j fte Sozialt Die Berliner Turngenossenschaft eröffnete am p�!rt 7/"®" 1 den 12. Januar, in der neuen Turnhalle, ZehdenickerMka ihre 6. LehrlingSabthttlung. Gegen 30 Lehrlinge tratt�j am ersten Turnabend der neuen Abthttlung bei. De*, Miere w feiert Mitte März sein Stiftungsfest durch ein Sch-lE verordneten? Fachverein der Eteindrucker«nd Donnerstag, den 21. d. M, Abend» 8'/, Uhr, im„Köwitütt als bei d Kafino", Holzmatttstraße 72: General-Versammlung Wn doch die ._.._ General-Versammlung. Ordnung: 1. Kaffenbettcht. 2. V ottrag des Herrn De über:„Darwinismus". 3. Diskusfion. 4. Versag Gäste, welche fich als Mitglieder aufnehmen lassen haben Zutritt. Mitgliedskarte legitimitt. BilletS zum feste find in der Versammlung zu haben. Verein zur Vertretung der Interesse« W beiterinne«. General-Versammlung Donnerstag, Januar, Abends 8 Uhr, in Gratweil'S Bierhallen, dantenstraße 77—79(oberer Saal). Tagesordnung, Statutenberathung. 2. Wahl einer Fachkommission. schiedenes. 4. Fragekasten. Mitgliedskarte legitimirt- haben(ttnen Zutritt. � verein Berliner Mechaniker. Hauptversamm'U Donnerstag, dm 21. Januar, AbmdS 8'/, Uhr, im."T Menk", Alte Jakobstr. 128. Tagesordnung: 1. Gest n, so daß, er der Soz igswahlen > Klaffe woh niemal weil fie g * stimmen "Richter D M & Müngia TaRmiK j änderungm. 5. Antrag de- Archivars. 6. Neuwahl-»Dom standS, der Revisoren und deS Ausschusses zur Pfl*S* selligkeit. 7. Verschiedenes(Stiftungsfest). Veranrwottiicher tfUdaltcuY K.»raxtztt« w««Uta. Druck und Vertag von«ar.Vabrna w Berlin 8W, Benthftraße 2 Hierzu ei»« r dulde et DedoLi! eittn hewl sei.-eB sammlMi , dem E- > sprach»' difflhruM animln« Sonnlcfl» öffentliche um M Beilage mm Berliner BoMblatt. itn; D«»«ersti»g> km 21. Januar 1886, III. Iahrz. VolMschr llriierftcht. von dem Sefängnttzvorsrand zu Halberstadt erhalten folgende Berichtigung des Artikels, beireffend Straf- ist deS Rcichsiagsabgeordnelcn H c i n e, in Nr. 9 des„Ber- er Volksblatt" vom 12. Januar 1886: I. Bei Antritt setner Gefangnilstiafe am 13. Juni 1885 _____________;b dim Slrafgefangenen Heine unler Anderem die§§18 -Nan iinlt t'd 50 des Reglements für die Gefängniffe der Justizverwal« P. Tg png vom 16. iUärj 1881 vorgelesen. Hierüber ist ein Pro- i"'tn, jiiltoll ausgenommen und p. Heine hat sich u n» e r s ch r i f t l t ch ', Nn�p� site', diesen Bestimmungen nach ,u leben. * 2. Heine bat während der Straf, eit vom 18. Juni bis fü Nnfi Dez ruber 1885, mit Ausschluß der Zeit vcm 19. bis 25. n,«' m.rdlpvtnrder, die beste und freundlichste Zille Nr. 22, die einzige ü. �-linzelha'tz.lle deS Gefängniff-S, welche mit einem Bl.ndkasten F!>«jtcht versehen ist, dewohnt und hat nie über deren »schAfl»*! m C b'"»? e Vcriai den Zw Aigen sherrge engen >!> dsgl Thäiigl-i einen ���.�irschaff-nheit'«läge geführt. ana. vaaz' 3 Der§ 50 d s Reglements lautet wörtlich: Aller Geschasts- l °«"-uAlbern der Ansta.lt ohne Genehmigung des ' alle t5a» o r st a n d e s irgend etwas anzunehmen. laffsn. t, 4. Im Oktober v. I. ist dem Heine von serner Ehefrau auf '»'ue W-ge von der Inspektion«um Gefängniß hinter dem auf dieseMchen des fie begleitenden Aufsehers eine Quantität Wurst sammelt,«»gesteckt worden. Ein Theil dieser Wurst ist demnächst eg auss W Strohsock des p. Heine versteckt vorgefunden(Durch- Vorgangi�ckerei). Heine weigerte fich anfänglich, denjenigen zu nenren, h ernrge% dem er dieS?iahrungsmittel empfangen hatte. et daraus 15. Um zu ermitteln, oh mcitere uneilütidtr Gegenstände in Zorwurf;»% Nr. 22 vorhanden und obBeamtebrtdenPflicht- in hcrbc'g b drtgkeiten betheiligt seien, wurde Heine rf am(dre � allerdings mit einem Blend kästen versehene Zille Nr. 6 aiberte Am 31. Oktober wurden dinier einer Brett- ungsmaW.rkleivung der Zelle Nr. 22 6 Mark 10 Pf. entdeckt. g-sellen"".......""....... wieder nließ ein« tbge den Stimmze« abgegeben 3. Lie� Tann darauf find eben dort 1 Mark 10 Pf. gefunden, welche ve Betiage p. Heine dort versteckt und auf wiederholtes fragen des Gefängnitz Inspektors auf sein Ehrenwort län haste, daß er Geld nicht in seiner Zelle habe. Erst auf drohung körperlicher VtfitationzeigleHetne daS Versteck des Gel- vor. Enlweder hatte Heine, welcher gemäß§28 deS Reglements Vertrauen auf feine Person bei der Aufnahme nicht vifiltrt diese Gelder damals oder nach einem späteren Besuche Anweseit�seiner Behausung nicht abgeliefert oder fie find ihm später «e steckt. 6. Nachdem p. Heine seine Ehest au als die Uebcrbringerin Wurst genannt und nachdem der Anstallsarzt fich mit der "ckverlegung des Heine nach Zelle 22 einoersranden erklärt , ist dies unverzüglich geschehen. 7. Heine hat wiederholt, odschon er die von ihm verlangte, chali stets gelobte und in quanto mir gegenüber nie de- elte Krankenkost erhielt, von einem dafür disziplinarisch ften Mitgefangenen Anstaltsbrod gegen Entgelt fich geben . Einem anderen Mitgefangenen hat er 50 Pfennige . der Thür seiner Zrlle mit dem Ersuchen z u g e st e ck t, dafür AnstaltSbrode zu verschaffen.(Verleitung zu Pflicht- igkeiten). S. Ein Aufseher mußte disziplinarisch bestraft werden, weil idulvet hatte, daß von p. Heine die zu 7. erwähnten Nährmittel angenommen worden find. v. Das franzöfische Buch über Christenthum und Sozialis- ist für Heine von deffen Ehefrau abgegeben nud nicht de- rdet worden, weil dem p. Heine durch ministerielle Ver- g allgemein franzöfische und englische Lektüre gestattet war. 10. Etwa sonst erforderliche Berichtigungen kann ich, weil bezüglichen Alten seit dem 7. o. M. thetlweise haben ver- „an-J werden müssen, zur Zell nicht geben. lorickt die �Halberstadt, den 16. Januar 1886. --' Der Gefängniß. Vorstand: Schöne, Erster Staatsanwalt. UMDMMWK :n für e Versa S alte At.( - Wahl n# tellmach«« 40. DieZ der den i Alkord 5 zu demi I. Beim mde den. hierauf da Der ganz« >ommen. j >let:„Di« rr BerlinS arbeiteten id beau mit den «ten. Au« hnen zu daß der d) so sch� wurden»? und an dc> amisfion h und Lohnst ruf, daß Ml libsttszeitt z durch dm -r Tagcso> ar in den llereinigunS ihre�W rauf— � öeow's»' rsucht uw find bei slakaten ren und t den nelde fich«� MWUMW Erlaß deS Sogallstengesches Dr. Phillips alle Angriffe die Sozmldemokratcn, gegen die von der Reaktion wehr- lachten, aus den Spalten deS Blattes fern und be- b'Ä"S.f.®SlÄ"m ttmerlurg broroliatifchet Grundsätze segensreich die Begründer selbst denselben waren, MOMZU? MW 1 Birne« die Sozialdemokraten rmlun� M:n doch smm misfion itimirt. versaMw wi 'i!@p euwahl r Pfl-S« fjiv r«55""TwAzai •ZiaVA: Hrnlü',, � e8 Domkapitel in Gnesen seiner Zeit tA- KS Weise zu gedenken. Das Kapitel hat jedoch beschlossen, dieser Anregung nicht Folge-u leiste n. da bei der äugen- blicklichen Lage der Diözese an dem Gottesdienste nichts ge- ändert werden dürfe., Auf Grund deS Sozialistengesetzes verbleiet die könig- licke Regierung zu Arneb rg die nichtperiodische Druckschrift: „Mucker-, P'affen. und Königsschwindel,(Zur Naturgeslbichte der Volksausbeuter)", auf welcher weder der Name de» Ver« fassers, Verlegers oder Herausgebers, noch der Druckort ange- Die polnische Fraktion desAbgeordnetenhauses soll, wie dem„Hamb. Corresp." telegraphirt wird, beschlossen haben, einen Antrag, belrrffend die Ausweisungen, nicht einzu- bringen. Die Ausweisungsfrage wird freilich dennoch auch im Landtag zur Sprachr kommen und bei der gegenwärtigen Zu- sammensetzung desselben dürfte eine dem R-ichStagsbeschluß entgegengesetzte Auffassung zur Geltung kommen. «raukfurt a. M., 19. Januar. Die Friedhofs- a f f ä i r e wird mehrere Verhandlungstage in Anspruch nehmen, denn eS find nicht weniger als 76 Zeugen geladen. Kommissar Meyer wird für die zahlreichen Körperverletzungen verantwmt- lich gemacht; Schutzmann Wingleit wird beschuldigt, drei fliehende bereits am Thore angelangte Thetlnehmer am Leichen- begävgviffe mit seinem Säbel ganz ohne Grund geschlagen und verletzt zu haben, während die Schutzleute tzohmann und Schweiger beim Absuchen de? Kirchhofes einen harmlosen Maurer, der erwiesenermaßen mit der ganzen Sache nicht daS geringste zu tbun hatte, mit ihren Säbeln in Behandlung nahmen. Die Anklageschrift ist den vier Beschuldigten seit einigen Tagen zugestellt worden. Kommissar Meyer wird von Dr. Meyer und die Schutzleute von Dr. Geiger rertheidigt werden, während Dr. Eppstein fich im Auftrage der verwundeten Leichen zug-Tbeilnehmer der öfstnllichen Anklage als Nebenkläger anschließen wird._ **— Zu« valkankrtse liegt die Mitthetlung vor, daß die griechische Regierung den Adrüstungsvorschlag der Mächte abgell hnt, weil die auf der Balkanhaldinsel schwebenden Fra- gen eine befriedigende Lösung noch nicht gefunden, die Frie- densver Handlungen zwischen Bulgarien und Serbien noch nicht einmal begonnen und die Stellung, welche Griechenland ein- genommen habe, in dm verschiedenen Zlrkularnoten dargelegt sei, die seitens der griechischen Regierung an ihre Vertreter im Auslande ergangen wären.— Serbien und Bulgarien haben noch nicht formell abgelehnt, eS scheint aber wenig Aus- ficht vorbanden zu sein, daß die Note Erfolg hat. Schwerlich werden fie versprechen, das Gewehr aus der Hand zu legen, wenn nicht die Türkei ihre ungeheuren Rüstungen rückgängig macht. Die Aufforderung der Mächte ist aber nicht eigentlich in einer Kvllektwnote enihalten. Der Wortlaut der Noten ist verschieden, dem Inhalte nach stimmen fie überein. Betreffs der FiiidenSverhandlungen zwischen Serbien und Bulgarien ist man immer noch nicht so weit, daß man fich über den Ort geeinigt hat, wo die Verhandlungen abgehalten werden sollen. Die englische„Morning Post" das Organ de» Premier- Ministers SaliSbury, erfährt, daß England nölhigenfalls bereit sei, energische Maßregeln zu ergreifen, um Griechenland zur Abrüstung zu zwingen. Für den Fall, daß die britische Re- gierung einen solchen Schritt thue, werde Teutschland ihr seine Mitwirkung leihen._ Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 29. Sitzung v om 20. Januar, 1 Uhr. Am Tische des Bundesraihes von Schelling, von Burchard und Kommissarien. Die erste Berathung drS G. E., betr. die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten, eröffnet Staats- sekretär v. Schelling mit folgender Erklärung: ES ist das erste Mal, daß die gesetzgeberische Mitwirkung des Reichstages im Interesse der Schutzgebiete in Anspruch ge- nommen wird. Wenn man die Art und Weise betrachtet, wie andere Kolonialmächte zu Werke gegangen find, um in den Kolonien nach ihrer Erwerbung die Anfänge staatlicher Bildung ins Leben zu rufm, so hätte es für unS nahe gelegen, diesem Beispiel zu folgen und die unerläßlichen Vorkehrungen für die Rechtspflege im VerordnungSwege zu treffen. Die verbündeten Rrgierungen baden vorgezogen, den Reicbsmg bei dieser Regelung zu beihnligen, weil zur Mitwirksamkeit der zu schaffenden Gmchtibarleit die Wirkung und Rechtshilfe inländ'scher Behörden erforderlich ist. Sie habm um so weniger Anstand genommen den Weg der Gesetzgebung zu de« treten, als es ihnen um praktrsche Ziele zu thun war, in Bezug auf welche fie der Unterstützung des Reichstages ficher zu sein glauben, und weil fie ihrerseits nicht die Veranlassung bieten wollen, daß die Früchte dieses Einvernehmen« durch Her- Vorkehrung konstitutioneller Fragen geschädigt werden. Was nun den Inhalt der Vorlage anlangt, so wird dem Reichstage vor- geschlagen, seine Zustimmung»u der Einrichtung einer deutschen Gerichtsbarkeit in den Schutzgebieten nur im Prinzip zu ertheilen, die nähere Ausführung aber einer unter Zustimmung des Bundesraihes ergehenden kaiserlichen Verordnung zu überlassen. Daß diese Art der Regelung den Verhältnissen entspricht, daS wird wohl auf keiner Seite des HauseS verkannt weiden. Wenn man auch bei der ersten Einrichtung überall daS Richtige treffen sollte, waS fich wohl Niemand zutrauen wird, so find ja die Verhältnisse selbst, mit welchen bei der ersten Organisatwn gerechnet werden muß, einer unaufhaltsamen Umwandlung unterworfen. Es treten neue Erscheinungen, neue Fragen her- vor, und diesem Wechsel der Bedürfnisse werden auch die zu erlassenden Normen folgen müssen. Derartige unfertige und flukluirende Zustände find kein gengneter Boden für eine exakte gesetzgeberische Kognition, und ick glaube, meine Herren, Sie handeln auch im Interesse deS Reichstages, wenn Sie diese interimistische Regelung dem VerordnungSwege überlassen. Abg. R i n t e l e n(Zentrum): Es handest fich hier um eine staatsrechtliche, nicht um eine völkerrechttiche Frage. Nach dem Herrn Staatssekretär berührt die Vorlage nur das Sttaf- und bürgerliche, nicht daS öffentliche Recht. Ich fürchte sehr, daß die Rcichsregierung die Mitwirkung deS Reichstages bei Regelung anderer Verhältnisse in den Schutzgebieten nicht sür nöihia hält. Sie defindet fich überhaupt über die staatSrcchtlichen Beziehungen derselben in erstaunlicher Unklar- b-it. Nach der Denkfchrift über Kamerun und Togo hat der Gouverneur selbstständig einen Verwaltungsrath eingerichtet, Einzelrichter angestellt, kurz Bestimmungen getroffen, die sonst überall im Wege der Gesetzgebung regulut werden.. Nack allen Verträgen hat die Landeshoheit über diese Schutzgebiete Seine Majestät der Kaiser im Namen deS Reichs übernommen. Wer ist nun der eigentliche Träger aller dieser Rechte, der Kaiser oder daS Reich, und, wenn dicscs: der Reichskanzler und der Bundcsrath oder auch der Reichstag? Die ReichSregierung hat mit Rückficht darauf, daß„bei Regelung der Gerichtsbarkeit in den Schutzgebieten einerseits die Mitwirkung inlänvischer Gerichte und sonstiger Behörden des Reiches wie der Bundes- staaten nicht zu entbehren und andererseits den in den Schutz« gebieten ergehenden Akten der Gerichte innerhalb deS Reichs» landeS und d-r diesem gleichgefiellten konsularischen Jurisdik» tionsbezirke dieselbe Wirkung wie den gleichen Ästen deutscher Gerichte zu fichern sein wird" uns diese Vorlage gemacht. Un- mittelbar vor den eben zitirten Worten findet fich aber in den Motiven folgender Satz:„Im Hinblick auf den rechtlichen In« halt der in der übernommenen Schutzberrschaft liegenden Be- fugnisse würde die Regelung der Gerichtsbarkeit wie der fonstigen inneren Verhältnisse der Schutzgebiete lediglich im VerordnungSwege erfolgen können, soweit nicht die Be« willigung von Geldmitteln des Reiches in Frage steht". Dieses ist der Kernpunkt, gegen den ich meinen Angriff richte. ES würde hierdurch, wenn dieses Gesetz von uns als richtig anerkannt würde, ein Präzedenz geschaffen werden für alle fol» genden Zeiten und festgestellt werden, daß in den deutschen Kolonien nicht ein verfassungsmäßiges Verbältniß besteht, son» dern daß fie der absoluten Herrschaft der Reichsregierung. deS Reichskanzlers oder des BundeSraths übergeben find. Diesen Absolutismus können wir nicht zugestehen. Namens meiner politischen Freunde protestire ich hiermit laut und feierlich gegen dieses Gesetz. Ich beantrage, die Vorlage der 3. Kommisfion zur schleunigen Beschlußfassung und Berichterstattung zu über» weisen.(Lebhafter Beifall im Zentrum und links.) KommissariuS Geb. Legationsrath Krauel: Der Vor» redner hat fich hauptsächlich an die staatsrechtliche Seite der Frage gehalten, ob eS dem Geist und dem Buchstaben der ReichSoerfaffung und der Stellung des Reichstags innerhalb derselben entspricht, daß die auf Grund dieses Gesetzes zu er» lassendm Verordnungen der Zustimmung des Reichstags oder nur zur Kenntnißnqhmk vorgeregt werden sollen. Ich beschränke mrch daraus, die praktischen Gründe für den vorgeschlagenen Modui darzulegen. Wir gingen davon auS, bei Regelung der Verhältnisse in den Schutzgebieten in finanzieller wie in admini« Scativer Beziehung nur das absolut Nothwendige zu thun, im ebrigen es der Privatinitiative zu überlassen und von Reichs» wegen nur da einzutreten, wo die Natur der vom Reiche übernommenen Schutzherrschast es unabweislich verlangt. Zu den Aufgaben, die fich von diesem GefichtSpunkt auS nicht abweisen lassen, gehört die Gewährung und Sicherung deS Rechtsschutzes in unseren Schutzgebieten, insofern dort keine anderen dazu geeigneten Organe vorhanden find. Es muß der Zukunft vorbehalten bleiben, Versuche zu machen, mit Hilfe von Schule und Kirche allmälig einen zivilisatorischen Einfluß auf die Rechtsanschungen und Rechtsübungen der Ein» geborenen zu gewinnen. Mit unseren Gesetzen, Rechtsvor« schristen und Prozeßeinrichtungen können wir einen solchen Prozeß nickt improvifiren. Ich glaube, daß, wenn Sie diese Lage der Verhältnisse ohne Voreingenommenheit und Hinter« gidanken betrachten, Sie zu dem Schlüsse kommen müssen, daß daS Mandat, welches wir von Ihnen erbitten» nicht in An« spruch genommen werden soll, um dem Absolutismus zu die» nen, um ein despotisches Regiment in den Kolonien einzu« führen, um den Prärogativen deS Reichstages und der Stel- lung, welche derselbe im öffentlichen Leben einnimmt, zu nahe zu treten, sondern daß daS Mandat, welch-S wir brauchen, nothwendrg ist im wohlerwogenen und woblverstandcnen Jnter» «sse der Rechtsordnung und der RechtSficherheit in unseren Schutzgebieten. Abg. v. Ret nbaben(kons.): Der Abg. Rintelen hat «außen, es ser endlich Zeit, daß über daS staatsrechtliche Ver- altniß unserer Schutzgebiete volle Klarheit geschaffen werde. Iber rch bezweifle, daß er durch seine Ausführungen Klarheit in dieses Verhaltniß gebracht hat. und die unfertigen, unentwtckelsten Zustande unserer Schutzgebiete find auch zur Zeit nicht geeig- n-t. unS zur K arheit zu verhelfen. Der Herr Staatssekretär des RerchS-Justrzamls hat Sic daher mit Recht gebeten, vor Allem praktischen Erwägungen Raum zu geben und nicht konstitulronelle Fragen in den Vordergrund zu stellen, wo eS fich um Territorien handelt, für deren staatsrechtliche Behand« lung bisher keine Normen existiren, deren Staatsrecht in der Enwickelung begriffen ist. Man muß fich hier mit faktischen Verhältnissen abfinden. Ich glaube nicht, daß eS nothwendig ist, den Gesetzentwurf in erne Kommisfion zu senden, und bitte Sie, d-m elden ohne Vorberathung Ihre Zustimmung zu er- theilen.(Beifall rechts.) Dr. Ba mh e r g e r(deutschfreis.): Ohne den staats» rechtlichen Bedenken des Abg. Rintelen in allen Einzelnheiten zu folgen, flehe ich doch seiner Anschauung in dieser Frage viel näher als der, die vom Tisch des BundeSrathes und vom Vorredner vertherdigt worden ist. Einigermaßen eingeschränkt »erden meine Bedenken gegen die Vorlage allerdings durch die Betrachtung, daß ihre prakrische Bedeutung sehr wesentlich dadurch reduzirt wird, daß unsere ganzen kolonialen Unter- nehmungen nach dem Eindruck, den wir gestern bereits konsta- tiren konnten, fich in Zukunft wahrscheinlich in außerordentlich bescherdenen Grenzen bewegen werden. Wenn ich die Stimmung bei der gestrigen Debatte über Kamerun und was dazu gehört, diese« gemüthliche Palaver, um mich kameruni ch auszudrücken, mit den hochauflchäumenden Erwar- türmen hier und noch mehr draußen im Reich vor ein. zwei MWWW als I-'st. nämlich daß unsere ganze Kolonialpolitik nicht« "If"nd'im�Zenttum.)"Deshalb lein Europäer leben, in denen er aber sehr leicht sterben kann, verwaltet werden. Gleichwohl handelt es fich dabei um Prin- LNen. dre wrr hier nicht leichtm Kaufes preisgeben dürfen. Dre Berufung auf das englische Vorbild schwebt völlig in der Lust- Von dem Begriff der Charters an, die wir bezeichnender Weise mit Schutzbrref übersetzen, was fich durchaus nicht deckt, bis zu der Art der Verantwortlichkeit der Regierung ist ein sehr bedeutender Unterschied zwischen dem, was in England und dem, waS bei uns geschieht. In England hat aber schließ- lich daS Parlament da« Recht, alles, waS die Regierung in den Kolonien thut, aus eigener Machtvollkommen. hm- wenn es damit nicht einverstanden ist, hinfällig zu machen. Vor Allem aber kann in England nicht eine Re- gierung existiren, die mit ihren Verwallunpsakten mit dem aUerdinas auch jene VorfichtSmaßregeln nicht. Aber wenn man da« Beispiel England» anruft, um fich damit die Unverant-- wortlichkiit der Regie: ung für Verwaliur gSakie»u holen, dann muß man sich auch erst einmal in ein Verhältniß zur Volks« Vertretung stellen, wie es in England besieht. Bis dabin ver« schone man uns mit dieser ganz falschen Analogie!(Zustim- mung links.) Schon die Erlheilung der Schutzvriefe giebt zu tliftigen Bedenken Anlaß. So wird z. B. der Ostaftikanischen Gesellschaft in ihrem Schutzdriefe volle, unbeschränkte juristisch, rechtliche Macht selbst über Deutsche in jenen Gebieten ge- geben, während in England die Vorschrift gilt, daß jeder Engländer überall ausschließlich unter englischem Recht steht. Wenn diese Gesellschaft aber gar noch Verträge mit den tzäupt« lingen abschließt, in denen von Privatbesitz und Staatshoheit nach deutschem Staatsrecht die Rede ist, dre von Dolmetschem englisch vorgetragen und in die Sprache der Suaheli übertragen werden; und wenn wir uns denken, daß später das Deutsche Reich nielleicht mit den Waffen Partei ergreifen muß für die Ansprüche, die durch solche Verträge zwischen irgend einem mit Rum oder Tabak gewonnenen Negerfürsten und den Agenten zu Stande gekommen find, so folgt daraus, daß wir diese Dinge nicht zu leicht nehmen dürfen, und ich empfehle daher die Ver« Weisung der Vorlage an die Justiz, oder eine andere Kommission. (Beifall link«.) Abg. v. Helldorff(kons; nur schwer verständlich) vertheidigl die deutsche Kvlonialpolitik gegen Bemberger. Sei die deutsche Regierung etwa schuld daran, daß andere Ratio- nen längst die günstigst gelegenen Landstriche kolonifirt haben,? Sei das ein Grund, nun auch jetzt noch nicht die nothwen- digen Schritte zu thun, um wenigstens etwas für Deutschland an Kolonialbesitz zu erwerben? Beachte man doch, wie sehr andere Nationen sich rühren, um ihrer Industrie neue Gebiete in fremden Ländem zu öffnen!(Rufe: Tongking!) Die Angriffe, weil unsere Kolonialpolitit in den sechs Monaten ihres B.stehens noch keine größeren wirthschaftlichen Er« folge gehabt, seien völlig grundlos.(Beifall rechts, Zischen links.' I.) Abg. W i n d t h o r st(Zentrum): Ich w- iß nrcht, woher Herr v. Helldorff die Berechtigung nimmt,«ine solche Kritik am Reichstage zu üben; daS Ansrhen deS letzteren wird durch Angriffe von so autoritativer Stelle jedenfalls nicht gehoben. In der Sache selbst meine ich, daß von Reichsbehörden, auch von denen in den Kolonien nur gehandelt werden darf nach Maßgabe der Gesetze, die der Reichstag hier beschließt. AlleS, wa» hier in Deutschland zur gesetzgebenden Kompetenz des Reichstages gehört, das gehört auch in den Kolonien dazu. Wir verlangen ja nicht, daß jede Verordnung für die Kolonien hier paragraphenweise berathen wird; aber bei den Haupt- normen, nach denen die Kolonien regiert werden sollen, haben wir mitmiprechcn. Ich werde dem niemals zustimmen, daß die erlassen« n Z�MonungM Mts bllls Zlll Kenntnitznahme vorge« legt werden. Wir müssen das Recht haben, solche iLKLIÄKLi'.ze., nicht blos unfruchtbar zu kritistren, sondern auch ste zu ver« Nichten. Ich möchte wenigstens die Neger vor manchen Er- fahiungen bewahren, die wrr hier in Deutschland leider haben machen müssen.(Beifall im Zentrum.) Abg. v. Graevenitz(konservat.): Ich stimme mit dem Abg. Rintelen darin überein, daß die deutschen Schutzgebiete im Sinne des Gesetzes Ausland find. Daraus folgt, daß die Reichsgesetzgebung unmittelbar auf dieselben keine Anwendung findet. Die Frage ist also, wo dort das Recht und die Macht« Vollkommenheit liegt. Ich meine, sie liegt ja auch im Sinne der Verfassung bri dem Kaiser. Wenn ihm die völkerrechtliche Vertretung deS Reichs obliegt, so kann ihm auch das Recht, die Angelegenheiten in den Schutzgebieten zu regeln, nicht de- schränkt werden. Abg. Bamberger: Ich Haie eS immer gern, wenn Herr v. Helldorff fich speziell mit mir beschästigt; denn ich liebe den versöhnlichen Ton, den er anschlägt, obwobl ich hinzufügen muß, daß er mir noch�beffer gesiele, wenn er nicht den saldungs« vollen Ton einer Moralpredigi �mischte, der ich nicht die ge« ringste Demuth entgegenbrm»cT7�?ann.(Heiterkeit.) Er ruft unS zu:„Ihr macht eine große Sache übertrieben klein I" Wir erwidern:„Ihr macht erne kleine Sache übertrieben groß!" (Sehr richtig! links.) Die Sache ist nicht groß und sie wird niemals groß werten, weil eS Kelonialgebiete, durch die das Reich Größe entfalten könnte, nicht giedt, daß wir trotz allem Herumstocbern in Sandwüsten und Fiebernestern sie nicht finden.(Beifall linls�) All diese überseeische Politik kann die Unoerwundbarkeit zu Lande, durch die das Reich so groß und angesehen geworden ist, nur schwächen. Sind denn die Er« fahrungen in der kurzen Zeit, da wir Kolonialpolstik experimm- tiren, so glänzend für die Erhöhung unserer Macht und unseres Ansehens? Ich will die Fraze nicht weiter anrühren, aber find denn die Konflifte der levten Zeit geeignet gewesen, daS Prestige und die Macht des Reiches so besonders inS Licht zu stellen? Das ist meine Anficht nicht, und ich glaube auch nicht, der allgemeine Eindruck. Wir riökiren nur, das Ansehen zu verlieren, nicht zu gewinnen. Ich Hab« gesagt: warum wuft die deutsche Regierung englische Analogien an, wenn sie englische Zustände nicht gelten lassen will? Darauf ist er mir die Antwort schuldig geblieben und wird sie mir ewig schuldig bleiben. Im Uebrigen hat Herr v. Helldorff uns heute durch seine Philippika gegen den Parlamentarismus das Vergnügen gemacht, uns die Debatte wegen Verlängerung der Legislaturpenode in Erinnerung zu rufen. Ich bin ihm dafür sehr dankbar und werde ihm für jeden ähnlichen Anlaß sehr dankbar sein, noch dankbarer aber, wenn er uns auch Ge« legenheit giedt, wieder in zweiter und dritter Lesung mit ihm darüber zu sprechen.(Beifall links.) Abg. v. Helldorff. hebt gegenüber dem Abg. Windt. horstlbervor, daß es sein Recht alS Abgeordneter sei, Ansichten. die ihm nickt lichtig zu sein scheinin, wiederholt zu bekämpfen. Ruch Herr Windthorst kommt in allen seinen Reden auf den Kuilurkampf zurück._..... Abg. W i n d t h o r st: Gewiß hat Herr v. Helldorff daS Recht und die Pflicht, Anfichten, die ihm verlehrt erscheinen, zu bekämpfen. Was mich indessen veranlaßt«, mich gegen ihn zu wenden, waren seine Auslassungen über den ParlamcntariS« mus. Dagegen habe ich mich verwählt; ich.habe hinge« wiesen auf seine Bemerkungen über die Beseitigungen des all« aemrinen SlimmrechiS und darauf aufmerksam gemacht, daß hier ein zweiter Angriff auf das Parlament vorliege. Es ist «in vergebliches Bemühen, zu behaupten, daß ich durch die neuerlichen Verhandlungen in Widerspruch gerathen sei mit dem von mir vertretenen föderativen Prinzip. Ich halte an demselben fest und ich habe für dasselbe einen Schild, der gan, vorzüglich ist: die letzte kaiserliche Botschaft.(Beifall im �'%l% v. Helldorff: Herr Windthorst meint, daß in R«,ua auf daS Parlament etwas vorlieg-. Nach unserer Auf« fassung hat die Regierung sorgsam die Rechte des Reichstags aeachiet. Ich habe daran die Mahnung geknüpft, daß' auch & 6.3 schwanen, gg � n � j � 0, jj. Ich kann mir keinen einsteren An« griff auf den Reichstag denken, alS den, welchen Herr v. Helldorff selbst gemacht. Er hat llar gesagt, daß er em Gegner deS allgemeinen Stimmrech» und daß die Belertigung desselben nur eine Frage der Zeit sei. Daß i einen Worten eine besondere Bedeutung beizulegen war, hat der weilere Verlauf der Angelegenheit gezergt. Me..Kreu,-Zeitung" hatte zuerst behauptet, daß Herr v. Helldorff nur für seine Person gesprochen habe. Darauf kam die Erklärung der„Kons. Korresp.". daß die Auslegung der„K euz-Zeitung" nur An« ficht der Revaftion sei, und das Wichtigste war, daß die Wordd. Alla. Ztg." Partei ergriff ,n Gunsten deS Herrn v. Helldorff. Das bedeutet etwas. In dieser Thaisache hat für mich ein Fingerzeig gelegen, auf der Hut zu sein. Wenn Herr v. Helldorff, der den maßgebenden Persönlichkeiten näher steht als Andere, einen Angriff auf daS allgemeine Slimmrecht unternimmt, so macht mich das bedenklich, und ich nehme Anlaß, auch hier zu rufen: Caveavt consules.(Beifall im Zentrum und links.) Abg. v. H e l l d o r f f: Ich kann nur erklären, daß über die Opportunität meiner Auslassungen über das allgemeine Stimmrecht auch innerhalb der konservativen Partei Meinungs- Verschiedenheiten bestanden haben.(Abg. Rickert: Nur über die Opportunität!) Im Uebrige bemerke ich, daß ich weder der preußischen, noch irgend einer anderen Regierung nahe stehe. Abg. Windthorst: Herr v. Helldorff hat gesagt, es wäre nur eine Meinungsverschiedenheit gewesen über die Op« portunttät; in der Sache find die Herren also einer Meinung gewesm. Die Diskussion wird geschloffen und der Gesetzentwurf an eine besondere Kommisston verwiesen. Es folgt die Berathung der Etats der Zölle und Verbrauchssteuern, dessen unveränderte Genehmigung die Budgetkommisfion(Referent Abg. Witte) beantragt. Abg. Dr. Barth(deutschfreis.): Einen Blick auf die Resuttate der herrschenden Zollpolitik bei diesem Titel zurück- zuwerfen, ist in diesem Jahre besonders deshalb angezeigt, weil im verflossenen die Anschauung, daß die Schutzzollpolttik der letzten 7 Jahre für Deutschland ein Segen gewesen sei, außer- ordentlich an Anhängern verloren hat. BrmerkenSwerther noch als dieser Umstand»st, daß anscheinend auch die preußische Regierung kritisch zu werden beginnt. Ich schließe das aus jenem mit Recht so allgemein beachteten Passus der preußischen Thronrede, in w-lchem ziemlich unverblümt erklärt wird, daß die nicht blos nationale, sondern internationale Ueber- produkiion durch unsere Zollpolitik mit veranlaßt wor- den ist. Kein schwererer Vorwurf konnte gegen diese Politik erhoben werden, denn in der That hat die eingetretene Üeberproduktion zu einer ganz außerordentlich bedenklichen Ent- Wickelung unserer gesummten VolkSwirthschaft geführt. Wenn man von der Nothwendigkeit der agrarischen Zölle spricht, führt man stets die Erhaltung ver Konkurrenzfähigkeit der Landwirth- schaft an- soll diese etwa durch Maßregeln erhalten werden, die in ihrer letzten Konsequenz den Grund und Boden im Preise steigern? Nichts anderes wird beabsichtigt, als durch künstliche Maßregeln bei den agrarischen Zöllen die Grundrente, bei den zollgeschützten Industrien die Rente des darin ange« legten Kapitals zu steigern, darum konfisziren Sie einen Tbeil der Arbeitserträge der großen Masse und opfern fie diesem Az-eck?. Aichs! d:n übrigen bedenklichen Resultaten mutz«w.x solche Politik der künstlichen Begünstigung einzelner Industrie« zweige und Produzentenkategorien noihwendig auch den Effekt zur Folge haben, daß fich in den Kreisen der betreffenden Pioduzenten der Gedanke von d-r unfehlbaren Wirkung dieser künstlichen Mittel festsetzt; wir sehen ja deutlich, wie in den uns besonders alS nothleidend geschilderten Kreisen auf jeden neuen Zoll, auf jedes neue derartige Mittelchen gerechnet wird, um aus der Kalamität heraus« zukommen. Der GetteidepreiS ist in Deutschland durchschnitt« lich 3 M. höher gehalten worden als auf dem Weltmarft; ohne den Zoll würde der Preis 3 M. niedriger sein. Dieser Zoll aber hat wieder nur dazu beigetragen, in weiten Kreisen der Landwirthschaft den Glauben zu erwecken, daß jetzt der Moment gekommen sei, durch Kontrahirung neuer Schulden u. dergl. wieder flott zu werden. Achnliche Vor« stellungen haben f. Z. die sog. Schwindelperiode beherrscht. Daß man jetzt sogar zu der außerordentlich einschneidenden Maßregel deS Branntweinmonopols greift, nimmt mich hiernach gar nicht wunder; es ist die ganz naturgemäße Folge einer wichen Protektionspolitik. Daß man auf diesen Entwurf über« Haupt gekommen ist, beweist, daß man allmälig mit dem neuen wirthschaftSpolitischen Latein am Ende ist, und daß man wieder umzukehren beginnt zur Freihandelspolitik, wie fie vor 1879 herrschend war.(Beifall links; Lachen und Unruhe rechts;) Staatssekretär v. Burchard: Man hat bei der neu« lichen Berathung deS Antrages Ausfeld, brtr. die Behandlung des Petroleum?, behauptet, daß das Verfahren deS Bundesraths mit den bestehenden Gesetzen im Widerspruch stehe, also den schwersten, überhaupt denkbaren Vorwurf gegen den Bundcsrath erKoben, obwohl der Antrag selbst dadurch, daß er einen neuen Rechts, ufiand zu schaffen umschlägt, anerkennt, daß der Bundesrath nicht gegm den bestehenden Rechtszustand gefehlt hat. Die Herren haben gemeint, sie hätten dem Antrage aus Höflichkeit gegen den Bundesrath diese Form gegeben; wir konnten das jedenfalls nicht wissen. Wenn Sie meinten, daß der Bundesrath ungesetzlich verfahren ist, so hätten Sie ja eine Resolution oder Interpellation an uns richten können, wir find g-rn bereit, für alle Maßregeln, die wir ergreifen. Gründe an« zugeben.(Widerspruch links.)§ 2 des Zollgesctzes trifft nur Bestimmung darüber, in welchm Fällen der Zoll vom Biutto«. rn welchen vom Netto-Gewicht ,u erheben ist. also. wenn Petro« leum eingeht, bestimmt er, mit welchem Gewicht es zu verzollm ist, er bestimmt aber nicht, ob und in welcher Weise die Um« schließung von Waaren dann als besondere Waare anzusehen und besonders zu verzollen sei. wenn sie einen erheblichen Ver« drauchS- und VerkaukSwerth für fich haben und wenn fie im Jnlande, nachdem fie ihren Zweck als Umschließung erfüllt haben, noch werter zum Verkauf und Verbrauch gelangen. Die %%%%% ä wra äs #*%%%%%& RKtä-ss; «MMZ Allerdings find mancke Ei doch seit wohl allein. aus? Der Abg. Barth zoll nicht eingetreten das GeKetde noch um auf dem Weltmärkte verhä sei als bei uns. Di« hat gesagt, wenn der Getreide- wäre. so würde bei unS 3 Mmk billiger sein, weil es tmßmaßig um diese Summe billiger ÄÄÄÄ mit KoKales. Der Pfaudverkehr in de» königliche« Leiii> bietet nach manchen Richtungen hin lehrreiche Einvliäe« wirth'chaftlichen Bei Hältnisse gewisser BevölkerrmB Das Pfanvleibqeschäit in den königlichen Aemtern wedle abgelaufenen Verwaltungsjahres hat in jeder Beziebifl! nommen. Die Zahl der einaelieferten Pfänder h>l� 19'/» pCt., die der eingelösten Pfänder um 3'/, pßij dert; aber auch der Taxwerth der eingelieferten ist um beinahe 6'/, pCt. heruntergegangen. Die bestanden aus 113 Stück Wirthpapreren. 2834 Eckuck« Edelsteinen, 66 726 Gold- und Schmucksachen, 19588' 77 151 Bekleidungsgegenständen und GebrauchsstW Art. Was nun die gesellschaftliche Siellung d»* Pfandgeber anlangt, so wurden an einem bestimmten� bei 3000 Geschäften die hierauf bezüglichen Erhebung stellt. Es ergab sich, nach der„Voss. Ztg.", dabei,? Militärs zu den allerseltensten Besuchern der Lei# stellt. Es ergab sich, nach der hören; nur 0,13 pCt. stellten fich zu diesem Kontiss Pfandsucher. Ihnen zunäckst stehen die Rentiers null Bruder Studio mit genau 1'/» pCt. Gelehrte, Literelt fessoren Lehrer, Aerzte folgen dann mit 0,77 pCt., uö hinter ihnen treten Rückkaufhändler, Pfandlnher>» misfionäre mit 0,80 pCt an. Künstler, Maler, S» halten fich mit 1,47 pCt. immer noch auf einem«ss mäßig sehr niedrigen Niveau. Nun aber beginnt dtsj ziffer rasch anzusteigen. Es folgen die Beamlen(M Staats« und sonstige Beamte) mit 4,30 pCt., die IZ Tagearbeiter mit 10,17 pCt., die Wittwen und unvem w.ivlichen Personen mit 20,77 pCt., und die HanW werbetreibenden, einschließlich der Gehilfen und OwJ 60,50 pCt. Unter diesen beiden letztgenannten SRuJJ P andgebern befanden fich die werihvollsten rcrpfän� genstände, die auf dieselben gewährten Tarlehn« W[ auf Summen bis zu 1000 Mark, auf zwei wurden 1» höhere Darlehne bewilligt. ar. Die Neberbürdung der hiestgen Ge» gegenwärtig in den bdheiltgten Kreisen wieder empfunden. Auf dem Amtsgericht l, Zimmer 26. Sachen verhandelt werden, standen gestern nicht 90 Termine an, bei denen zum Theil noch größere« nahmen erforderlich waren. Das ist doch in der« Aufgabe, welche die Kräfte des Einzelrichters bei w-J steigt. Bei einer solchen Ueberfüllung von Projijp denn kein Wunder, daß z. B. in Wechsel achen,% kanntlich ein schleunigeres, abgekürztes Verfahr-n bei«- noch erst Termin nach etwa 8 Tagen zu erwartet!' 3 Wochen yerqeh-n oft bis zül Zustellung des Urth'A solche Ve: Hältnisse aber wird die Ausnakmestellung? zeffe geradezu illusorisch gemacht. Ist es doch kürzA daß in einem gewöhnlichen Prozesse ebenso schnell � 1 gesetzt wurde, wie in einer Exmissionsklage, 14 Tagen. r. Die stenographische Agitation, gern bei den gerichtlichen Verhandlungen...—-u bracht sehen mochte, ist gegenwärtig in Berlin om lebhaft, und da es heute nur noch wenige de»? geläufige Leute giedt, welche nicht für mindestens graphisches System eine besondere Sympathie ea fie dann natürlich auch den Sieg bei dem' dem erwähnten Gebiete wünschen,'so scheint uns e� verständiger Seite ausgehende Aeußerung sehr de«? die zugleich geeignet ist, einige Abkühlung in die stj Kampfeshitze zu tragen. Die Monatsschrift für drtj bringt einen Artikel, in welchem fie aut die schon NC gemachten Bedenken hinweist, die der Verwendufln graphie entgegenstehen, und fährt dann fort�l möchten glauben, daß sich die Stenographie woK# dachte und wohlgesetzte Reden eignet, aber man lXflJ sich ein Stenogramm über den Vortrag eine? 20 Minuten lang geredet hat, obwohl er daS, hatte, in 20 Worten hätte sagen können."— längeren Gerichtsverhandlung beigewohnt hat, menl sicherlich zu würdigen wissen. r. Von zahlreichen Geschäftsleuten und' größeren Gewerbetreibenden, deren Geschäft» größeren Umfang angenommen hat, hört mallfln fach Klagen über die Schwierigkeiten, welche di ihrer Geschäftswecksel ihnen bereitet. Mit* wenigen großen Firmen, deren GeschäitsweeblK., find, d. h. bei der ReichSbank diskontirt werden) fast alle Geschäfte unter dieser Kalamität. keineswegs an flüssigen Baarmitteln für den< das für den geiammten Geschäftsverkehr so W_ des Wechseldiskonts wird von unseren Geld vernachlässigt. Wir könnten mehrere Bank-Jnst'' � y die vor einer Reihe von Jahren ausdrücklich 5B i gegründet wurden, dem nothwendiqen Disn»'„ solche mittleren und kleineren Geschäfts ieu»/! Sie haben sämmtlich so gute Geschäfte heute der nur mit kleineren Summen"dsA lont-Verkehr zu mühsam ist und fie ß*' y vornehmeren und größeren Geschäften zugewen�'D nun mit einer gewissen Geringschätzung auf d>�< so nennen solche Herren alle Wechsel, die Tausend« von Marl lauten— herabsehen, die"y neren Geschäftsleuten zum Diskont angeboten 2 dadurch hervorgerufenen Schwierigkeiten hoB%V habt, daß man jetzt dringend daS Verlangen N.�| tleineren Wechselverkehr die Reichsbank zugaM. also an die Staatthilfe oppellirt. Unter j wäre eS in der That nur billig, wenn jent�g Institute, die an staatlichen Emissionen vrel � auch etwas für den nothleidenden und an r rechtigten und soliden kleineren Wcckselverkey denselben neue Tiskont-Quellen eröffneten. und di der sie unseres daß wi manche: vom„b mütze i 3n noch vo der Hai den ob: Dasein! steht, n schon zr und Nc an alle Wohler, Engste! wöhnliä . Kei besonder -«ffentlick geringen lamenta: different Der unS nütz helfen,- müssen r dienten einmal e dann wi Lust, di schaffen s man Lust Und Geschreii fich allen man es I Nutzen l Unverstai mal die dann stü zu wissen Da komn daktion s ben oder „um ein anderen j Haut wel willig, dr zuspringe: freilich, d selbst nich Fällen m werden,; Antriebe, — am lie Solck öffentliche abhängige Gefahr, u Wahrheit meint zu macht" spi stützung a Jene Ausführu: tarismus, — oder d fluß für il Was werden, w S S; Tag und erfüllender wie für halten? Und, gefichts so vollen En SS legt, um gemeine 3 ihm gehol nicht einm Da fi gerechte Vl fttzuna, d manni�fac r mit bewußtem nicht min) die Geleg fen, die i nehmen, m so— abe: 0. Und Zukunft r< Graf v. Dr. Ded- herzoglte artigeFinanzoperalioncn, und nicht soviel«je( sollte kein ausreichender Grund sein, fie ernsa«- Die Theilnahmlosigkett gegenüber d P Leben Unter dieser Ueberschrift machte Artikel die Rund« durch die Zeitungen, den� y» unseren Lesern wörtlich wiedergeben wollen seinen Jnhall recht beherzigen zu wollen. r **% Äfottjnan W rnlf��sAi aufregen und es sich Zeit und Mühe kosten' f " machm sie doch, jvd ja doch nichts,„oben"________, ES erscheint nahezu unglaublich,— aA, p# j °"ch brüte noch giebt es nicht Wenige, die °drr lenem Anlaß so sprechen hört. Eine S.fr äs? ÄtÄ rÄ« �. gelangt. m-,«e»i geworden, daß Ihr leine Organisation braucht? Habt N vorjährige Assai-.e vergessen, oder habt Ihr keine Hoffnuns nur durch das Zusammengehen sammtllcher Former die Zur hat sich s auch alt befferung der Löhne erzielt' werden kann? Alles organifirt w—�(1; der Hausdiener sowie der Droschlenkutscher, nur viele ff#] r-jn 1 w*. fWWBVSWStt JVJVU. Vtt IlUV U' J i«] scheuen sich noch, Mitglieder derartiger Organisationm den. Liegt da« an Eurer glänzenden Lage? Wir find%%%! am Sonntag entgegengelommen; um eS Euch bequem zu«% gW"» tagten wir im Nordm, aber wo waren die Former de«-*? o�anzvei denS? Wenn der alte Stamm auS dem Süden die Versal hm, und lung nicht besucht hätte, so hätten wir vor leeren Tischen jfz der Zölle können; am annonzirm lag es doch wirlich nicht. Unsere naisi a, stellt w Versammlung ist am Montag, den 8. Februar, in Änstfl tomrne« 1 Salon, Wafferthorstr. 68. Wir würden uns steuen, wenn? dann Antwort für Euer Ausbleiben erhallen würden-� h Zahlstelle, sowie der Arbeitsnachweis ist bei Sodte, �»tnammt straße 123._ C Der Vorstand des Fachvereins der Fort*.. und verwandten Berufsgenossen zu* Kriefkasten der Redaktion. K. 248. Betheiligen Sie stch an dem Unterricht in Handwerkelschule. Meidungen beim Herrn Direkior Kurstr. 52. Das Unterrichtsbonorar beträgt für einen monatlichen Kursus 6 M. Dafür können Sie wöchentli« Unterrichtsstunden besuchen. C. M. Forfterstraße. Aus Ihrem Schreiben ist ersichtlich, welche Fragen Sie meinen, senden Sie un« selben zu. C. R. 1 Ein solches Fremdwörterbuch ist in Expedition, Zimmer str. 44, Haben. 2. Derartige. Lehr« die Emze peuer erk komme-, Defizit ü «direkte, Steuer» weudigsie! erklärlich, keine Bot Bevölkerr der deutschen Grammatik können Sie sich in jeder freudig d lung vorlegen lassen. Theater. Donnerstag, den�21. Januar. ! lust Tpernhaus. 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