Donnerstag, den 11. Februar 1886. IN. Jahrg. n. Zonntag, 'eidjtn�t von fflti mkcn eine ung h man A il aber« luS Belli» exte Eh« AuisteM itt Vem wurden Pj «4 Wann, us-Z dlilben Ul friintrHollistilnll Drgan für die Interessen der Arbeiter. 4 -var.. in und flranjflt •den« 6.1 >e»V� dkl SA Z-idL Hein, M ccbni?"■ Da«„B et Ii«er V o l(«blaff SibonnementSpreiS für Berlin frei (P) ,''------ i mc � m Vilich 35 Pf. Postabonnement Wtnjelne Nummer 5 Pf. Sonntags Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungsprersliste für 1886 unter Nr. 769.) � WV ft«» V«- �7 v ♦ ♦ V V , TOHm täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. t*n■ 8 vierteljährlich 4 Ma.k, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich « Mark m___ r-- cr\________ c cn L /fr___ vn___ Bureaux. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße Ä.— Erpedition: Zimmerstraße 44. ion Erde fldffl igen Vlnfprat'i aldemouf n Berlck leiter, 0� »Erf< In Boußikl zwischril "i P»u|ifd)CH Abge»rdlle!c»hll»se«ib dm dnitschm Reichstage. geradezu merkwürdige Erscheinung ist da« gegen- , W'�erhältn.ß de« deutschen Reichstag« zum preußischen ■ttftt J%k"*)aufe. %,:+ Uf: tWttioi preußische Abgeordnetenhaus ist in seiner gegen- n lidr lchen» Zusammensetzung reaktionär und steht der preußi- Neichj�Nung vollständig zu Diensten. Der deutsche Iten attung* U'iäjk Dez«»� fSM die« ginnt �1 Viertel,� nur köf«� aber ist in politischen Fragen vielfach bort(■'U und es gelingt nicht immer dem Reichskanzler, Mtn Willen zu bekommen. zu tchjC' kern w ir t h s ch aft li ch e n Fragen, Zoll- auch j"g°n. Bevorzugung der Landwirthschaft ist allerdings biid«,,?!"chStage eine regierungsfreundliche Mehrheit vor- die.'in* jedoch, wenn eine wirthschastliche Maßregel, ,_ u i das Branntweinmonopol, die Machtverhaltmfse Regierung im Allgemeinen zu steigern geeignet ,st, Minorität umschlage» kann. Nur lv""' i � umiu�vuycn«uuu. e na(M€f a8 Branntweinmonopol an sich genirt da«( i Bestii»» i aus wirthschaftlichen Gründen würde eS Zentrum sicher im _. N ih''" Großgrundbesitzer demselben zustimmen. Aber an au« dem Branntweinmonopol ungemein ge« itk �. Jki.'.-'.fo daß die mehr oder weniger partikuläristisch an- Min Zentrumsleute nicht für das Monopol stimmen. k J®18 Deutschfreisinnigen sind nun einmal an G z�an jeglichen Staatsbetrieb, deshalb auch gegen daS /'dtweinmonopol aus rein wirthschaftlichen Gründen; ta;?r5�en auch gegen daS Monopol fein, wenn gar keine '«lihen Bedenken entgegenständen. r'fo fd»9|t> Frage: Monopol oder nicht, beantwortet die Ultc J�.deiter Partei, die sich sonst prinzipiell auf den i,»:?»-°en de« Staatsbetriebs stellt, in verneinendem Sinne üsächlich aus politischen Gründen. Die Abhängigkeit �lelen Monopolarbeiter von einer reaktionären Re« ""Ü, die großen Reichseinnahmen aus dem Monopol, i« Mürlich auch zu solchen Ausgaben führen, welche ----------- i•|.--" und von besonderen . ich ableh- �«flißin� das Branntweinmonopol zu verhalten. Au« strd j«'1 Unters� KÄ Abend» um Vit" Gründen yar ,re ,,cy, einer«e» gegen oas jG�vivnopol erklärt, trotzdem zahlreiche Tabakarbeiter bis 30 l durch daS Monopol au« ihrer wirthschaft- stiguNM Ä X)# seiner m M »ahl J" IeuMeton° Sie Tochter des KanKrotteurs. Roman auS der Gegenwart von Gustav Lössel. wenn ich Sie versichere," entgegnete erregt die ..»daß mir dieser ganze Vorgang von A bi« Z �tsen»""dlich ist, wie mir überhaupt noch nie etwa» )] inte�S0 nn ist vielleicht Fräulein Eschenbach um so besser OSfdP Met!" sagte Romberg schneidend. Narv�/ �hl di�zg�*" fragte staunend und nicht ohne Mit» k junge Mädchen schüttelte in abwehrender Weise zh«r M weiß von nicht», Mama," sagte sie. Al» sie dann tak,.. Beamten Auge starr und durchbohrend auf sich ifs% s°h, erbebte sie wie eine Schuldige. e?. Baronin bemerkte da» nicht. w wollen un« also nicht sagen—" begann sie At.. �t88fhetmntfe 1* entgegnete er achselzuckend. .kamen Möller und Gollnow zurück. von s tata 3 Einseg"� t». 10« tv6* � wvu.» unw vs/wwnv.v quluu. FcNCt daS�Alle?" fragte der Kommissär mit einem . die Baronin. kgiM, 7.'inne sie nicht, fragen Sie meinen Diener," ent- en. ji, V«*fe kalt! [ nste a��teIIan versichert, daß keine anderen daseien," K**■A'm* 8Ut," sagte sein Vorgesetzter.„Gehen wir!" bi'' s-' wollen Sie anfangen— hier?" fragte die bot/v Verlaub in den Zimmern des Fräulein», die - wohl begteitet!" entgegnete Romberg. �bob sich mechanisch. Am Arme der unge- Baronin wankte sie hinau». Die Beamten lichen Misere, in der sie sich bei der planlosen Privatvroduktion befanden und noch befinden, erlöst zu werden. Stehen aber die oben genannten Parteien zusammen, zu denen noch die sieben volksparteilichen Abgeordneten und ca. 5„Wilde"(Lenzmann, Langwerth jc.) kommen, dann ist ohne Polen und Elsasser, auf die man im Allgemeinen sich sehr schlecht verlassen kann, eine Mehrheit im Reich»- tage vorhanden. Man sieht also, daß der Reichskanzler sich auf den Reichstag nicht verlassen kann; besonders wurde ihm daS klar bei der Behandlung der AuSweisungSfrage von Per- sonen fremder Nationalität aus Theilen des deutschen ReichSgebietS. Al« diese Ausweisungen im Reichstage ihre Verurtheilung fanden, sollten dieselben vom preußischen Abgeordnetenhause gebilligt, es sollte von dieser partiku- laristischen Körperschaft dem deutschen Reichstage ein Paroli geboten werden. DaS war in der That von einem deutschen Reichs- kanzler kein glücklicher Gedanke. Konnte er sich mit dem deutschen Reichstage nicht einigen, so stand der Weg offen, zur Auflösung desselben zu schreiten. Aber eine Partikular- gesetzgebung und sei es auch die des preußischen Staates um Hilfe anzurufen, das war unseres Erachten» wenig klug von dem„Begründer des Deutschen Reichs." Und wer leistete ihm wiederum, wie immer, blindlings Heeresfolge? Die Nationalliberalen, die ja neben dem Reichskanzler die eigentlichen Reichsbegründer sein wollen. Nicht nur die preußischen Nationalliberalen, nein auch die süddeutschen blasen in das partikularistisch-preu- ßische Horn! Es ist zum Lachen! Die Nationalliberalen sind eben„weder national, noch liberal', sie sind einfach bismarckisch und rutschen vor dem„HeroS de« neunzehnten Jahrhunderts" auf dem Bauche. Dadurch allein erklärt sich daS würdelose Verhalten dieser Partei. Daß die K o n s e r v a t i v e n, die ja in ihrer innersten Seele durchweg echt partikularistisch-preußisch immer gewesen sind, sich in dem Konflikt des deutschen Parlaments mit dem preußischen Abgeordnetenhause auf Seite de» letzteren stellen, ist ja selbstverständlich und nicht anders zu erwarten. Sie haben eben niemals vom Deutschen Reiche etwa» ge- halten, sie haben diese neue Schöpfung immer nur als eine Dekoration für da» preußische Königthum angesehen. Vorläufig ist das preußische Abgeordnetenhau» im Kampfe gegen den deutschen Reichstag unterlegen. DaS Volk ist aufmerksam geworden auf die Servilität des ersteren gesetzgebenden Körpers und hat etwas mehr Achtung bekommen vor dem Reichstage. DaS Volk weiß ja auch, daß daS preußische Abgeordnetenhau» auS Wahlen hervorgegangen ist, bei welchen der Besitz ent- schloffen sich an und zwar so eng, daß ihnen kein leise gewechselte» Wort der beiden Damen entgehen konnte. Die Haussuchung war beendet und fruchtlos ausge» fallen. In arger Verstimmung kehrte der Kommissär nach dem zuerst betretenen Zimmer zurück. Die Baronin folgt«. Ihre Lippen kräuselte ein übermüthige» Lächeln. Möller, der auch mit herein gekommen war, verhielt sich abwar- tend in der Nähe der Thür. Erna und Gollnow blieben fort. „Nun, Herr Kommissär," sagte die Baronin zu dem finster blickenden Beamten,„was sagte ich Ihnen gleich Anfangs? Ich habe nicht» zu verbergen. Selbst meine Privatkorrespondenz ist Ihrer Revision nicht entgangen, und auch darin haben Sie nichts gefunden. Ich meine, Sie müßten nun überzeugt sein, daß Sie sich hier aus einer falschen Fährte befinde»." „O ganz und gar nicht, Madame," entgeanete gereizt der Andere.„Das, wa» ich erlangen wollte, habe»ch ja doch bewirkt, nämlich Fräulein Eschenbach hinter Schloß und Riegel zu bringen." Das Lächeln schwand von den Lippen der Baronin, sie erbleichte. „Kamen Sie in solcher Absicht hierher?" stammelte sie. „Würden wir denn die Dame sonst so verfolgt haben?" fragte Romberg dagegen. Die Schloßherrin blickte ihn starr an. Er legte die Hände auf den Rücken und machte einen Gang durch'« Zimmer. Es entstand eine peinliche Pause. „Und weswegen verfolgen Sie Erna?" fragte Jene dann gepreßt. Er blieb vor ihr stehen und blickte sie finster forschend an. Sie hielt diesem Blicke Stand. „Weswegen verfolgt man denn einen Menschen wie ein gehetztes Wild?" fragte er. Und sich unwillig ab- wendend, fügte er hinzu:„Aber was rede ich noch? Sie wissen ja Alles und Möller!" „Herr Kommissär?" fragte der Beamte bescheiden. „Protokoll I" sagte Romberg befehlend. Man sah es ihm an, der Unmuth drängte Worte zu seinen Lippen, die er gewaltsam wieder hinabwürgte. scheidet und nicht das Volk. Da» Volk liebt daS allge« meine gleiche Wahlrecht trotz seiner Mängel al» ein volks» thümliche« Recht und ihm ist deshalb der Reichstag trotz seiner Schwächen und Gebrechen gleichfall« eine volks- thümliche Institution, die es gegen allerlei Herrschergelüste und vor allen Dingen gegen das anmaßliche, reaktionäre, partikularistische preußische Abgeordnetenhaus vertheidigen wird,— Möge man doch den deutschen Reichstag auflösen! Die Gelegenheit ist ja günstig, die„Obstruktionspolitik" dieser Körperschaft zu brechen. Also nur zu I Oder hat man Furcht, daß durch die Neuwahlen die Reihen der Opposition gestärkt werden. DaS scheint fast so! DaS Volk aber und besonders das arbeitende Volk wird, ob jetzt der Reichstag aufgelöst wird oder nicht, durch eine gewaltige Betheiligung bei den nächsten Reichs- tagswahlen zeigen, daß da» allgemeine Wahl- recht den Sieg über alle Klassenrechte davon trägt. Dir llllwhw m ßonbon. — t. In Bezug auf die sogenannten„sozialistischen" oder „anarchistischen" Unruhen in London wird uns geschrieben: Auf Grund meiner genauen Kenntniß der englischen und ins- besondere der Londoner Verhältnisse muß ich Sie vor den Zeitungsberichten und Telegrammen über die jüngsten Lon» doner Vorkommnisse auf daS Dringendste warnen. Menschen» ansammlungen von 10 000 Personen wollen in einer Stadt, wie London, gar nichts bedeuten, wo es kinderleicht ist, auf einem entsprechend großen Platz hunderttausende zu versammeln, winn man will. Ich er« innere nm an die bekannte Anekdote, daß der Witzbold Charles Lamb einst wettete, auf Trafalgersquare binnen V» Stunde 100000 Menschen zusammenzubringen und seine Wette auch dadurch gewann, daß er hartnäckig nach dem Löwen de« Northumberland-House aufschaute und die Meinung aussprach, der Schwan, desselben bewege fich.— Die bloße Thatsache, daß die Menschenzahl am vorigen Montag b l o» auf 10000 Personen geschätzt wird, beweist, daß kein Plan bestanden haben kann, Massen zusammen zu drin- gen. Denn dann wären es mehr gewesen. ES war eine einfache Versammlung, veranstaltet von der „Soziademokratischen Föderation", einer ganz einflußlosen und keineswegs populären Gesellschaft.— Herr Hynvman, welcher al»„anarchistischer Brandredner" aufgeführt wird, ist ein ent« schiedener Gegner der Anarchisten; und Alles eher, nur kein Revolutionär. ES erhellt dies zur Genüge daraus, daß er v■ t., nm**& rn■_.. i—\##„ .Ich schwöre e» Ihnen zu," rief die Baronin„ich weiß von nicht«!" Er lachte kurz und höhnisch. „Um so besser für Sie," sagte er.„Einstweilen müssen Sie schon die Güte haben, mir noch zu einem Protokoll zu sitzen. Die Dienerschaft und Fräulein Eschenbach werde ich morgen Früh vernehmen." Die Baronin richtete sich zu ihrer vollen Höhe auf. „E» ist zehn Uhr Nachts, mein Herr," sagte sie,„und ich werde Ihnen heute nicht mehr Rede stehen." „Ich habe meine Gründe, hierauf zu bestehen/ er- widerte er schroff.„Möller— fertig?" . Bereit I' war die Antwort. Der Genannte hatte sich zum Tisch gesetzt und einen Protokoll-Bogen vor sich ausgebreitet; die Feder in der Hand, blickte er erwartend auf seinen Vorgesetzten. Die Baronin warf sich übellaunig in einen Sessel. S« vergewaltigt zu werden— ei war hart für ein« so stolze Dame, und dennoch hatte sie nicht den Much, dem Beamten zu trotzen. „Fragen Sie," sagte sie,„nur machen Sie es kurz. Ich bin müde und möchte noch ein Wort der Beruhigung und de» Tröste» an Erna richtm." „Versagen Sie fich das," entgegnete mit kaltem Lächeln der Kommissär..Sie werden Fräulein Eschenbach heute nicht und kaum überhaupt noch einmal sehen." „Wie meinen Sie das?" fragte bange die Baronin. Er betrachtete sie verwundert. „Wahrhaftig," lachte er,„wenn ich nicht Romberg wäre, könnte ich mich von Ihnen täuschen lassen. Aber nicht umsonst hat«an mich mit der Voruntersuchung in diesem schwierigen Falle betraut; mich täuscht man nicht, und Ihre entrüsteten Wallungen imponiren mir so wenig wie Fräulein Eschenbachs Thränen mich rühren. Ich werde sie morgen trotzdem gefangen fortführen." „Eefangen?!" rief die Baronin starr. Gefangen?!" — Sie war aus ihrem Sessel emporgeschnellt. Bleich und bebend, die Hand auf den heftig wogenden Busen fgepreßt, stand sie vor dem Kommissär. rst n a ch der Versammlung vor. Nichts spricht dafür, daß die Tbeilhader der Versammlung an den„Unruhen" irgend betheiligt waren.— Wer nun London kennt, weiß, daß wo von Menschen angesammelt find, auch Gefindel: Taschendiebe»c. fich einzufinden pflegt. Ob eS ein Gedränge vor oder in einem Theater, vor oder in einer Kirche oder auf der Straße ist, das ist ganz gleichgiltig— die Spitzbuben versuchen eS, einen �ischzug dabei zu machen und wenn die sogenannten Rouahs, die Handfesten, ungefähr den amerikanischen RowvieS entsprechend, mit auf die Bühne kommen, dann kann es hart hergehen. Und am Montag war das offenbar der Fall. Die PickpocketS (Taschendiebe) find feig: wenn ihnen nicht durch die Roughs der Rücken gedeckt wird, greifen fie keine Läden an. Ein paar Hundert PickpocketS und Roughs reichten für die MontagS« standale auS.— Arbeiter plündern nicht— auch wenn fie arbeitslos find. ES giebt momentan, nach mäßiger Schätzung, zweimalhunderstausend beschäftigungsloser Ardeiter in London. Wären diese Massen in Bewegung gebracht worden oder von selbst in Bewegung gekomuMi, so würden wir von hundert- taufenden gehört haben, statt von winzigen zehntausend, was für London ungefähr so viel ist, wie 2500 für Berlin. Wer Dicken? „Barnabtj Rudac" gelesen hat, weiß, wie London aussteht, wenn der„Mob" wirklich in Fluß kommt. Und die damaligen No Popery-Kravalle GordonS waren ein Kinderspiel, verglichen mit dem, waS wir heute bei wirklichen Ardeiterunruhen erleben würden.— Nein— Unruhen haben am vorigen Montag in London nicht stattgefunden— nach einer Vollsversammlung wurde von ein paar hundert Roughs Radau gemacht— daS ist AlleS. Der„Sozialismus" und„Anarchismus" find jouma« listisch'telegraphische EensattonSzugabe. Politische Ueverstcht. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, laut welcher Kinder zwischen zwölf und vierzehn Fahren, sowie Arbeiterinnen in Draht- ziehcrcien mit Wasserbetrieb, in welchen wegen Wassermangel, Frost oder Hochflurh die Eintheilung deS Betriebes in regel» mäßige Schichten von gleicher Dauer zestweise nicht inne« gehalten werden kann, bei der Herstellung deS Drahtes nicht beschäftigt werden dürfen, während die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in denselben gewissen, näher destimmten Beschränkungen unterliegt. In der klerikale« Presse bat sich ein Sturm gegen den badischen Landtagsabgeordneten Dekan L e n d e r erhoben, weil dieser, obwohl er selbst zu den Klerikalen zählt» fich in weg- werfender Weise über die ultramontane Presse im Allgemeinen und den„Bad. Beobachter" im Besonderen ausgesprochen hat. Der Fraktionsgenoffe deS Herrn Lender, Abg. Wacker, erließ daraufhin im„Bad. Beobachter" eine längere Erklärung, in welcher er dem ersteren scharf entgegentritt und zu deren Rechtfertigung er u. A. sagt:„Es erschien mir als Pflicht der Ehre und der Gerechtigkeit gegenüber der ZenttumSpreffe in Baden und ganz Deutschland, wie namentlich gegenüber den Männern, die nicht selten Freiheit und Gesundheit in die Schanze schla- gend unter den ungünstigsten Verhältnissen Tag für Tag die Sache unserer Partei gegen„Feinde ringsum" zu vcrtheioigen haben und gerat« den parlamentarischen Vertretern der Partei die Wege zu den Parlamentssitzen ebnen, in dieser Sache daS Wort zu ergreifen."— Die„Germania" läßt fick zu dieser Streitsache folgendermaßen vernehmen: ..Wir haben unsererseits über diese akute Verschärfung der Gegensätze in Baden unS noch nicht geäußert, weil wir eSfür eine Pflicht des Herrn Abg. Lender breiten, in ruhiger Stunde seinen nur aus Leidenschaft zu erklärenden Angriff auf die Presse entweder zu widenufen oder zu beweisen. Nachdem nichts von beiden geschehen, die Entwickelung der Dinge in Baden aber zur Klarheit drängt, können wir auch unsererseits die Zurückhaltung in dieser Angelegenheit nicht mehr bewahren. Wie zahlreiche andere katholische Preßorgane schon gethan, weisen wir zunächst die unqualifizirbaren Angriffe des Herrn Lender, für welche übrigens auch seine Anhänger in der Karls- ruher Fraktion sämmtlrch die Verantwortung ausdrücklich ab« lehnen, hier mit Protest und mit Dank für die würdigen Worte deS Herrn Abg. Wacker einfach zurück."— EtwaS anders urtheilt Dr. Siql, der bekanntlich mtt einigen Parteiblättern immer in Fehde liegt, in seinem „Vaterland". Er schreibt:„Von der katholischen Presse im Allgemeinen, hatte der Herr Dekan Unrecht, von einzelnen und gewissen Blättern gesprochen, hatte er aber gewiß Recht, wenn er sagr, daß diese Presse„die Gebote der Wahrheit und der Nächstenliebe in schreiender Weise verletze." UnS gegenüber geschieht daS von den meisten Zentrumsblättern sogar in der Regel, und erst vor ein paar Tagen hatten wir einen solchen Fall von verlogener Büberei bei der Ber- liner„Germania" zu lonstatiren und festzunageln. Wir selbst find wohl auch zuweilen über das Gebot der Nächsten- liebe etwa« gestolpett, aber man darf nicht vergessen, mit wel- chem— Volk wir unS Fahr aus Jahr ein herumschlagen müssen und wie wenig liebevoll dasselbe unS mitspielt; was »Ja, gefangen!" erwiderte dieser mit grimmer Be- frredigung.„Und Sie werden Sie mir nicht mehr ent« reißen. Ich habe sie in ihrem Zimmer eingeschlossen; hier, Madame, sind die Schlüssel zu beiden Thüren. Gollnow hält auf dem Korridor Wacht, und daS zweite Stockwerk dürfte zu hoch sein, um einen Sprung auS dem Fenster als möglich erscheinen zu lassen. Kein Spalier führt zu demselven empor. E« giebt also keinen AuSweg auS dem Zimmer, als den ich der jungen Dame öffnen werde. Es ist ihre letzte Nacht im Schloß. Morgen Abend befindet sie sich in der Detentionszelle." Ein Schauder durchrieselte die Gestalt der Baronin. „O mein Gott!" stöhnte sie.„Ihr unglücklicher Vater—" Sie hatte noch etwas sagen wollen, doch verstummte sie plötzlich und legte die Hand über die Augen, als wolle sie eine schreckliche Vifion daraus verbannen. Die beiden Beamten wechselten einen bedeutungsvollen Blick. „Ja, Madame, ihr unglücklicher Vater!" sagte Rom» berg mit einem Anflug gefühlvoller Erschütterung.»Aber . lassen wir daß Thema jetzt ruhen und beantworten Sie meine Fragen. Ich bemerke Ihnen gleich, daß Sie wahrscheinlich in die Lage kommen werden, alle Ihre Aussagen beschwören zu müssen. Alle Unrichtigkeiten und Ungenauigkeiten in Ihren jetzigen Angaben können nur dazu beitragen, Sie selber zu inkriminiren." „Jnkriminiren— mich?" hauchte die Baronin dann sank sie wie gebrochen auf einen Stuhl. Unbekümmert darum begann der Kommissär Verhör mit den üblichen Fragen nach Alter, Herkunft und so weiter, welche alle rückhaltlos beantwortet wurden. Sie war vierzig Jahre alt, eine geborene Veltenberg, also von Herkunft eine Bürgerliche und Wittwe. „Wie langes" fragte Romberg mit Bezug auf die letztere Angabe. „Seit sechzehn Jahren," lautete die gebrochene Ant« wort. „Ihr Gatte war Offizier? Fiel er im Kriege?" „Rein— im Duell.' Das Wort, kaum gesprochen, machte sie eine Be» also und sein aber die Wahrhett betrifft, so haben wir wenigstens niemals eine bewußte Unwahrheit niedergeschrieben und jederzeit, sobald wir unS überzeugt, daß wir einmal etwas Unrichtiges vorge- bracht, dies freiwillig zurückgenommen und bezw. richtig gestellt, was unsere Gegner bei uns niemals gethan haben"—„Verlogene Büberei" und„bewußte Unwahrheit" wirst also Herr Sigl der Kollegin in der liebenswürdigsten Weise an dm Halt! — DaS läßt tief blicken und giebt der Auffassung Raum, daß Herr Lender seine Genossen denn doch nicht so falsch beur« theilt hat. Ueber die Verlängerung deS Sozialistengesetzes bringt daS offieiöse Organ des PapsteS, der„Monitcur de Rome, einen Artikel, welcher darauf berechnet scheint, das Zentrum für die Verlängerung deS Ausnahmegesetzes zu be- stimmen. Das päpstliche Blait führt sehr eingehend die be- kannte These au«, daß ein„fteier" katholischer KleruS der furchtbarste Feind der Sozialdemokratie sei, und daß die„Be- frciung" der katholischen Geistlichkeit Preußens von den Fesseln der Maigesetze daher die sonstigen Maßregeln gegen die Sozial» demokratie ergänzm müsse. Die letzterm aber werden, ins- besondere die Verlängerung des Sozialistengesetzes stvird mit unverkennbarem Wohlwollen behandelt, indem der„Monitmr" ausdrücklich daran erinnert, daß bereits 1884 ein Theil des Zentrums für die damalige Verlängerungsvorlage gestimmt hat. In Folge der bedeutenden Mindereinfnhr an Ge- treibe im Kalenderjahr 1885 wird der den Kommunalverbän- dm auf Grund deS Gesetzes vom 14. Mai v. F.(lex Huene) aus dem Ertrage der Vieh- und Gettcidezölle für das Etats- jähr 1885/86 zu überweisende Antheil nur eine sehr bescheidene Summe erreichen. Man hatte bisher angenommen, daß für daS laufende Etatsjahr etwa 10 Millionen Mark zur Ueber- Weisung kommen würden. Nach den Einnahme- Ergebnissen für die abgelaufenen drei Quartale gewinnt es jedoch den An- schein, als ob der zu vertheilende Betrag hinter dieser Summe noch erheblich zurückbleiben wird. Auf Grund der monatlichen Einfuhrlisten deS statistischen Amts berechnet fich die Einnahme an Getreide- und Viehzöllen für die Zeit vom 1. April biS 31. Dezember 1885 auf 24 354000 M., wozu an Verzollungen auS den Privatniederlagen für Getreide noch etwa 2 000 000 M. steten, mithin zusammen 26 354000 M. Wird von dieser Summe noch der Antheil Luxemburgs mit 120 000 M. in Abzug gebracht, derselben dagegen der auf die landwirthschaft- lichen Zölle entfallende Theil der Zollaversm für die außerhalb der Zolllinie liegmden Bundesgebiete mit ca. 570 000 M. hinzugesetzt, so ergicbt fich für dm genanntm Zeitraum ein an die Einzelstaaten zu vertheilender Gesammtbestag von 26 804000 M. Hiervon erhält Preußen nach Maßgabe seiner Bevölkerung rund 16 160000 M., von welcher Summe gemäß § 1 dei Gesetzes vom 14. Mai v. F. 11 250000 M. der Staats» fasse verbleiben und 4 910 C00 M. an die Kreis- und Kommu- nalverbände zu vertheilen find. Von letzterem Bcstage fällt etwaS über die Hälfte(2 600 000 M.) auf das 3. Quartal. Da für das 4. Quartal nur auf eine etwa ebenso hohe Ein- nähme wie für daS 3. Quartal gerechnet werden kann, dürften die Kreise und Kommunen also für da« ganze EtatSjahr 1885/86 nicht mehr als ca. 7 500 000 M. aus dem Ertrage der Vieh- und Getreidezölle zu ermatten haben. Für 1886/87 find die Ueberwetsungen in dem gegenwärtig der Berathung im Abge- ordnetcnhause unterliegenden StaatShauShaltsetat auf 19 850000 M. veranschlagt. Bei dem Antrag auf Erneuerung des Sozialisten» gesetzeS ist von Interesse, fich die GiltigkeitSdauer nach den verschiedenen Gesetzentwürfen zu vergegenwärtigen. Der erste, im Mai 1878 vorgelegte, vom Reichstag abgelehnte Entwurf schlug drei Jahre vor. Der zweite, im September 1878 vorgelegte Entwurf enthielt eine Zeitbeschränkung überhaupt nicht, der Reichstag setzte aber eine GiltigkeitSdauer von 2'/, Jahren (bis 31. März 1881) fest. Im Februar 1880 wurde alSdann eine neue Vorlage eingebracht, welche die Giltigkeit des Gesetzes auf fünf Jahre(bis 31. März 1886) ausdehnen wollte. Der Reichstag setzte aber 3'/, Jahre fest(bis 30. Scptember 1884), indem er von der Anficht ausging, daß einer ganzen Legislatur- Periode die Entscheidung über em so wichtiges, auf Zeit er« lasseneS Gesetz nicht entzogen werden dürfe. Der im März 1884 vorgelegte Gesetzentwurf schlug von Anfang an eine GiltigkcitS- dauer von nur zwei Jahren vor(bis 30. September 1886) und der Reichstag beschloß demgemäß. Aus den Mitteln de» ReptiltenfondS find, wie der «Freis. Ztg." derichtet wird, 500 000 Exemplare der Reden des Reichskanzlers in der Polenftage in der Norddeutschen Druckerei hergestellt worden, und zwar auf direkte Bestellung deS Herrn Dr. Klee, welcher dem unter der Leitung des Herrn Geh. Rath Bitter stehenden literarischen Bureau angehört- Diese Reden werden anscheinend unentgeltlich im Lande ver- breitet. Die Flugschttsten beschränken fich nicht dloS auf den stenographischen Wottlaut der Reden d«S Kanzlers, sondern zerlegen diese Reden in Abschnitte, denen pointirte Ueber« schttften gegeben find. Diese Ueberschriften geben theilweise den Inhalt der Reden des Kanzlers tendenziös zugespitzt wieder, in einer Weise, welche dem Inhalt der Reden nicht entspttcht. So trägt ein Abschnitt der Rede vom 29. Januar wegung, als wenn sie es gern zurückgerufen hätte. Aber Möller hatte eS rasch und mit einer gewissen Befriedigung protokollirt. „Im Duell mit wem?" forschte der Kommissär begierig. Die Angen beider Beamten ruhten bei dieser Frage voll auf dem blassen Gesicht der Verhörten. „DaS— weiß ich nicht!" brachte diese gepreßt hervor. „WaS Sie sagen!" rief Romberg in spöttischer Ver- «underung.„Offiziere pflegen doch für gewöhnlich ein amenkanifcheS Duell nicht anzunehmen, und nur bei diesem erfahren die ferner Stehenden den Namen d»S überlebenden Duellanten nicht." „Ein solches war e» nicht," erwiderte sie stolz,„eS war ein Duell auf Pistolen." „Wie—. und Sie kennen Ihren Todfeind nicht— nicht den Mann, der Ihr LebenSglück vernichtete nach kaum zweijähriger Ehe?" Sie preßte die Hand aufs Herz, ihre Augen funkelten bedrohlich, um ihre Lippen aher legte sich ein schmerzlich weher Zug; sie schüttelte den Kopf und schwieg. „Da« heißt Sie wollen ihn nicht nennen?" „Vielleicht I" „Sie vergessen, Madame—" l„3ch vergesse durchaus nicht, wo mir die Rücksicht gegen Andere zu schweigen gebietet," erwidette sie scharf. „Wenn da» eine Veruttheilung meines Verhalten« sein soll," sagte Romberg gelassen,„so bin ich im vorn- hinein entschuldigt und nicht in der Lage, dasselbe zu ändern. Ich frage nicht aus bloßer Neugierde; ich ftage au« einem sehr triftigen Grunde. Wollen Sie mir wirk- lich eine so einfache und naheliegende Frage nicht beant- worten." „Nein." „Schreiben Sie," wandte sich der Andere zu de« Protokollführer,„Antwott verweigett." Dann fuhr er fort:„Ich komme jetzt zu Erna Eschenbach." Die Baronin machte eine Bewegung. „Nehmen Sie diese Bewegung der Dame zu Proto- koll!" rief der Kommissär dem Beamten zu.„Es ist wichtig, daß das verzeichnet steht!" die Ucberschttft:„Herr Windthorst gesteht zu, daß er fich im Angriff gegen die Regierung befindet," ein anderer schnitt ist überschrieben:„Unwahrheit der Behauplun» J*J Abg. Eugen Richter, daß der Reichskanzler einen StaatiM beabstchtrge". Eine andere Ueberschrift in der Red« vom-- Januar verdächttgt die FortschttttSpattei dahin, daß fie ihr Verhalten in der Polenfraze„die Stellung Napoleoni � gestärft habe".— Gedruckt find die Flugblätter in der W deutschen Buchdruckerei und VerlagSanstalt. Ein Verleger> im Widerspruch mit den Vorschriften deS Preßgefetzet# genannt.. Zu dem Verbot der Veröffentlichung der Eetti»* listen auswärtiger Lotterie», welches bekanntlich vor mf Tagen in zweiter Jnstan als zu Recht bestehend aner!» wurde, schreibt die„Boss. Ztg.": Die für diese Entscheids geltend gemachten Gründe we.den nicht verfehlen, aiijt- juristischen Kreisen auf Widerspruch zu stoßen. Wenn§/ deS ReichSpreßgesetzes vom 7. Mai 1874 bestimmt:„Dieb» antwortlichkeit für Handlungen, deren Strasbarkeit durch � Inhalt einer Druckschrift begründet wird, bestimmt fit n" den bestehenden allgemeinen Sttafgesetzen", so muß dieser? halt, also der betreffende Attikel oder das Inserat als so«» materiell strafbar sein, z. B. den Thatbestand einer Sw® gung, einer Aufforderung zum Hochverralh u. s. w. darstt� Davon kann hier nicht die Rede sein. Nicht der Jnfrns.a Druckschrift degründet die Strasbarkeit, sondem ledigu und allein— und daS ist der Kernpunkt der Sache-r Akt der Veröffemlichung Es ist auch nicht in dem(MssL Veröffentlichung auswärtiger Gewinnlisten allgemein und Haupt, also das Auslegen in öffentlichen Lokalen, sondern � die Veröffentlichung durch die Zeitungen verboten. G* t also lediglich ein Verbot vor, welches der Presse �. schränkung in der Publikation an fich strafloser Kundg> auferlegt. Solche Beschränkungen, auch wenn fie den», der Druckschttst betreffen, haben mit dem§ 20 1. c. n#� thun und find nach dem Reichsgeley nur noch im Wegs Reichsgesetzgebung zulässig. Die§§ 15—17 desselben enlp solche Einschränkungen und find unter die Rubrik:„Ordnm� Presse" aufgenommen worden. Sie betreffen gerade Verd»- Veröffentlichung an fich strafloser Inserate. Wenn da« gesetz solcheEinschränkungen einzeln austühttund zugleich daß vie Freiheit der Presse, d. h. also das Recht der W1 kation, nur denjenigen Beschränkungen unterliegt, weicht'� tias KkseN selbst varoeschrieben nNer lunelnffen finh. st®* iß fr, irgend ein'kriminalistischer Zusammenhang' zwischen fr das Gesetz selbst vorgeschrieben oder zugelassen find, big geregelt und die Landesgesetzge«�, so wert außer Thätigkett gesetzt. Anders läge die Sacfr össentlichung der Gewinnlisten und dem Spielen in auäfl� Lotterien stattfände, diese Veröffentlichung also als gung, Anstiftung oder Hilfeleistung zu diesen Evielen� fassen oder als„Beförderung des Verkaufs von Looses»«ei eine Mtttelsverson" anzusehen wäre. Das ist aber i"®. Fall. Die Angelegenheit wird jedenfalls noch das ß-ai «rieht in der Revifionsinstanz beschästigen und durch 1 Erkenntniß seine endgiltig.' Lösung finden. Sefangenen-Stattstik. Nach der kürzlich ersch>f?? Statistik der zum Ressott des Ministeriums deS Jn»� hörenden(also nicht dem Justizministerium lnstwM preußischen Straf- und Gefangenen- Anstalten«ro. 1884/85 waren am Beginn des Jahres detinirt 24 924%% 4193 Frauen. Der Zugang im Jahre bettug 70 679 25730 Frauen, der Abgang 71 679 Männer und 157' Am Jahreschluffe verblieben: Zuchthausgefangene 1731 und 2706(Frauen, Gefängnißgefangene 4712 Mi 615 Frauen, Haftgefangene in geschärfter Hakt 494 und 337 Frauen, Häftlinge in einfacher Haft 86 MjW* 24 Frauen. Der tägliche Durchschnittsbestand an war 22098 Männer und 4183 Frauen. Der gi,--, stand am 31. März 1885 hat fich im Vergleich zum 3% 1884 um 1,97 pCt. vermindert, der Zuchlhausgefange®� 2,80 pCt. In Frankfurt a. M. hiett der„Demokratische � eine Versammlung ab, in welcher nach einem Referat Sonnemann folgende Resolution angenommen wurde:."„IM Aulweisung vieler Tausende von Personen aus den Provinzen Preußens ist in den Verhandlungen d» Df tages und des preußischen Abgeordnetenhauses in keift? p gerechtfertigt worden und erscheint auch im Lichte.# Handlungen als eine grausame, mit der Humanität rechtigkeit unvereinbare und für die Erhaltung des thumS unnöthige Maßregel. 2) Der Deutsche Reichstag& j» seinen Beschluß vom 16. Januar, welcher die Att und fang dieser Ausweisungen tadelt, dem verletzten der Nation Auidruck gegeben, der Sache der Ker der Zivilisation einen großen Dienst geleistet. 3) die aus Klassenwahlen hervorgegangene Kammer staates gegen den auS dem direkten und gleichen hervorgegangenen Reichstag auszuspielen, nimmt FL k Beschluß deS letzteren nichts von seiner großen Bedeutu jrt aber namentlich im Hinblick auf daS ganze WrWr BundeSraths in der Ausweisungsangelegenheit als" iBM Sie sandte ihm einen vernichtenden Blick}u', aber nichts., Er überlegte«inen Augenblick, wobei« 8, mit der Hand über den wohlgepflegten dunkeln strich. Indem sie erwattungSvoll zu ihm mustette sie seine Erscheinung, welche beachtet hatte. ES war ein großer, der Mitte der Vierziger. Haar und melirt; die hohe Stirn verrieth Intelligenz; dr( �■ nase und die zusammengewachsenen Brauen 9 gr Augen etwas Düstere«, Raubvogelartige» � wegungen waren rasch und energisch; seine?ie litte er sehr geschickt nach den Empfindungen, � dem Anderen zu erwecken wünschte. Er verschie> j» mal seinen Blick, um da« Auge dann plötzlich durchbohrend auf den Gegner zu richten. ri Da» that er auch jetzt, al« tx fragte:. verkehrte Erna Eschenbach in Ihrem Hause? grnti#%) „Seit längerer Zeit," lautete die unsichre V „Längere Zeit l" wiederholte er abwehtt'Aeh� können Wochen, Monate, Jahre sein. Wozu e � Z- niß daraus machen? Da« erfahre ich i'.* a*#® Dienern— in der Umgegend—— Se» Genau, wenn ich bitten darf!" (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Im Ostend-Theater gelangte am � gruberS 5 allige S Trauerspiel„Hand und Her»# führung. ES ist dies eine Arbeit Anzengrudeis. seinen Schöpfungen wohl am seltensten zur � g#( langt, wohl, weil es nicht die beste ist,.denn WitfL{ Sprache des Dramas ist. so überaus fein«jj zeichnet find, so ist es doch mehr Bühnenstück. Es fehlt an den erforderlich«" JXt M umgegangen. Die Darstellung war. abgesehen von �e�« schnitzern. die bei einer ersten Aufführung™ vorzügliche. Der verkommene„Georg Frievner rva Ä- Üb-r den Ge «ifttarschuler den Gemein und Mitglied werden. Michelin�u über die Ver Nen. Der nug, well er ip % fe �"belg Dehnung d Niedergelegt. ®ttchwa|[en fiten Malis..,. Kuniveit «lbester?„ •Pf bog Ansehen und die Rechte der Vertretung der deutschen Xalion auf das Entschiedenste zurückzuweisen." Frankreich. .»er französtsche Senat nahm nach dreitägigen Debatten über den Gesetzentwurf betreffend die Umgestaltung der Ele» wntarichulen den Artikel an, nach welchem der Unterricht in Gemeinde-Elementarschulen Laien übertragen weiden werden �der Kongregationen von denselben ausgeschlossen — Die Deputirtenlammer berieth den Antrag MklmS und anderer Jntranstgenten, welche eine Enquete Uder dre Verantwortlichkeit in der Tongkingangelegenhett ver> langen. Der Konseilpräfident Freycinet bekämpfte diesen An- »ag, weU er darauf abziele, die Vtitglieder der früheren Kam- ?'?Lleichsam unter Anklage zu stellen, und da derselbe ferner UWiche Präzedenzfälle schaffen, sowie die Einigung der re> bublikanischen Parteien hindern und die Autorität Frankreichs ähnlichen Fällen vermindern würde. Der Antrag wurde AWich mit 268 gegen 154 Stimmen abgelehnt. Die Rechte Wem ü* der Abstimmung.— Henri Rochefort hat in Wandelgängen ver Kammer erklärt, er habe in Folge der di��g�deS Amnestieantrages sein Mandat alS Abgeordneter r- Paris, 8. Februar. Die Betheiltgung an den gestrigen — blen für den Pariser Gemeinderalh war noch geringer, Wjocht Tagen. Damals stimmte etwaS über die Hälfte 'r Äahler, am 7. Februar schritten von 69 339 eingeschriebenen «tttzletn nur 33 756 zu den Urnen. Auw im Viertel Val-de. rnffi(ö. Arrondiffement), wo ein gemäßigter Republikaner, N�Earle, der politische Direktor des„Paix" durchdrang, iM", uberall— cS waren 9 Gemeinderäthe zu ernennen— Radikale, darunter die Journalisten Alphonse und Longuet, daS Viertel Clignancourt schickte den ldeiterkandidaten Joffrin wieder in da« Hotel de Ville. Paris, 9. Februar. Die Deputirtenlammer beschloß, Iml ln ir e Anträge in Erwägung zu ziehen, nämlich den An« w»,."ue auf eine Reform der Steuerveranlagung, ferner siir-r 5� Thiesse auf Einfühlung einer AufenthattSsteuer . R ,'rttmbe und einen Antrag, wonach ausschließlich fran» '*( Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten verwendet ft, sollen.— Nach hier eingegangenen Nachrichten auS Cuenlin haben v'ele Arbeiter die Arbeit wieder auf- »kommen. Der Streik dürfte demnächst beendet sein. fcnW.Paris, 9. Februar, Abends. In einer heute stattge« Um,» �erredung des Konsetlpräfidenten Freucinet mit den l��Wmern dei Antrages auf Ausweisung der Prinzen er« es»r-Ä�cinet, er sei bereit, zu handeln, wenn die Umstände nehm. � wolle aber keine bestimmte Verpflichtung über« der U.; auch einen bestimmten Zeitpunkt festsetzen. Nach apfr��edung beschloffen die Unterzeichner, ihren Antrag S p a n i en. ztale Frage Mgggf rgrund. T Regierung g ">uß. Allein_ "Wenig wie anderswo entschließen. Man glaubt genu> z» Spanien. den m' soziale Frage tritt auch in Spanien immer mehr in dabJv Urgrund. Die Demonstrationen der Arbeitslosen sesiW, Regierung gezeigt, daß absolut etwas zur Abhilfe hirr s�n muß. Allein zu durchgreifenden Reformen kann sie fich »u haben, wenn man fich entschließt, durch Jnanariff« . Aner Reihe von öffentlichen Arbeiten und durch Wohl« «n», Einrichtungen der allergrößten Roth etwas entgegen« dj, w: Und so haben denn der Magistrat von Madrid und dl, �llierung Tausende von nothleidenden Arbeitern engagirt, � ,°dtr nicht auf längere Zeit beschäftigt werden können, weil »n leine Mittel in den öffentlichen«äffen vorhanden find. On deginnt in den leitenden Kreisen sehr unruhig zu wer» weil man unter solchen Umständen nicht weiß, wie die "e«nden soll. __. Amerika. h-Mashingto«, 7. Februar. Der Senat hat mit 32 gegen de»» kn den Gesetzentwurf angenommen, durch welchen .'Territorium Dakota in den amerikanischen Staaten» b and als der 39. Staat augenommen wird. Der Ent» Alft theilr daS gegenwärtige Territorium Dakota im 46. Mtengrade, läßt den südlichen Theil als einen neuen Staat rund macht aus dem nördlichen Tbeile ein neues Territorium, Lincoln genannt werden soll. Die Republikaner und der ??>okratische Senator VoorheeS von Indiana stimmten für, � anderen Demokraten gegen die Vorlage. Dieselbe geht ™ an das Repräsentantenhaus. Parlamentarisches. l,.3n derSitzunng der X. Kommission(Ar bei« s ch u tz) vom 10. d.M. wurde die Diskussion über die Frage der de r a r b e i t fortgesetzt Eingegangen find Anträge der taf/JjDr. hartmann und Dr. Schneider. Letzterer verlangt die Ver- »..llltung einer Enquete pt Ermittelung der Zahl der beschäf« Dr. Hartmann ' dem ReichS- die Beschäf« tz.'."ung einer Enquete zur Ermittelung L.? Kinder, sowie die Art der Beschäftigung. Di Wh St' Den Reichskanzler zu ersuchen, baldigst «"Hen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen sei,, Herrn Michaelis, voller Verve und feiner Nüanzirung; "Jtode gepeinigtes Weib, die„Katharina Weller", die SairfsP1 Mann für todt hielt und eine zweite Ehe mit (Herr Zwenger) eingegangen ist, an dem sie Oiij,' Keller"(Herr Zwenger) eingegangen ist, an dem sie <\r\t Endlicher Liebe hängt, fand in Fräulein Ida Müller "nd d.»(Herr Grimm), der„Wirth Schäuflein"(Herr Wiese) Und Weib„Margarcth"(Frl. Benringshausen), scharf aus dem Rahmen des Ensembles hervor. Das W nur mittelmäßig besetzt, da» Publikum kargte trotz« >.. wit seinem Beifall. bei ch�e schöne Helena" bildet den zweiten Operettenabend Mitling,, s'�lliance-Theater». Frl. Helene Meinhardt singt die bebüti.i.> Herr Weidmann den Paris; als MenelauS m Dt'fav,n"euer Komiker, Herr Hanno vom Restdenztheater NchL?en' Den Agamemnon spielt Herr Swoboda, den Btau m?eer Binder, den Orestes$tl. Fehl, die Klntämnestra die beiden Ajax die Herren Hambrock und »De» aVe erste Vorstellung findet Sonnabend statt. �hiatkr �«(sieunerbaron" ha? im Friedrich-Wilhelmstädtischen �eq stets ausverkauften Häusern seine Melodien er« übewri«r tin Resultat, welche» selbst den„Bettelstudenten" W" I, egsried ife'"."S m Berlin". Dann folgen am 18. Februar »idifchf» Z??uwsch:„Der Naturalismus in der modernen ita« S°("r und seine Stellung zu den Frauen", am Hfb am 4 q�r- JultuS Stinde:„Urber Gelegcnheitsdichtung" Alchen mZyPi Julius Stettenheim mit einer seiner humo« �ußerg.�sungen. die vor Kurzem in Wien. Prag. Breslau Alt» Beifall aufenommen worden find. ""'4el. Höchst naiv waren die Theater« Ein solcher aus dem Jahre 1730 lautet: oder vier Nationen als Liebhaber, als w�uie ein�7,1"'„Italiener und Franzosen. Eo wollen •«hr Schonen wollt unS sämmtlich besuchen; MM tigung von Kindem im Gewerbe außerhalb der Fabriken unter der nöthigen Rücksichtnahme auf die körperliche, sittliche und intellettuelle Entwickelung der Kinder geregelt wird. Im Laufe der Diskussion wurde noch vom Ageordneten Haarmann keine Resolutton eingebracht, dahin gehend, den Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorz ilegen, durch welchen die gewerbsmäßige Beschäftigung schulpflichtiger Kinder unter 14 Jahren in Fabriken und Werkstätten thunlichst verboten werde. Auch in dieser Sitzung wurde von allen Seiten die Bereitwilligkeit zugestanden, etwas in dieser Frage zu thun, well aber immer vorhander e Jntereffen verletzt werden, ist man über das Wie äußerst schwankend und unschlüssig. ErwähnenS- und beachteniwerth ist eine Erklärung des Re- gierungskommissarS Lohmann, dieselbe lautete: Die verbündeten Regierungen wünschen das gesteckte Ziel— Beschränkung resp. Aufhebung der Kinderarbeit— zu erstieben, soweit der Unter- richt und die körperliche E- twickelung der Kinder dies gestatte, müffen fich jedoch dagegen verwahren, mitzuwirken, wo dies gleichbedeutend sei mir Eingriffen, wodurch die Lebenshaltung der Ardeiter herabgesetzt werde!! — Der Entwurf eineS Gesetzes, betreffend die Be« förderungen deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen, ist nunmehr dem Abgeordnetenhause zugegangen und hat folgenden Wort« laut: Wir Wilhelm»c. verordnen unter Zustimmung beider Häuser des Landtages der Monarchie, was folgt: § 1. Der Staatsregierung wird ein FondS von 100 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, um zur Stärkung des deutschen Elementes in den Provinzen Westpreußen und Posen gegen polonifirende Bestrebungen durch Ansiedlung deutscher Bauern und Arbeiter 1. Grundstücke käuflich zu erwerben, X. soweit erforderlich, diejenigen Kosten zu bestreiten, welche entstehen a) aus der erstmaligen Einrichtung. o) auS der erstmaligen Regelung der Gemeinde-, Kirchen« und Schuloerhältniffe neuer Stellen von mittlerem oder kleinem Umfange oder ganzer Landgemeinden, mögen sie auf besonders dazu angekauften(Z. 1) oder auf sonstigen, dem Staate ge« hörigen Grundstücken errichtet werden. § 2. Bei der Ueberlaffung der einzelnen Stellen(§ 1) ist eine angemessene Schadloshaltung des Staates vorzusehen. Die Ueberlaffung kann in Zeitpacht oder zu Eigenthum er« folgen. § 5. Die Beträge, welche der Staat als Schadloshaltung (§ 2) erhält, fließen zu dem im§ 1 bezeichneten Fonds. § 4. Zur Bereitstellung der Summe für die im§ 1 gedachten Verwendungszwecke find Schuldverschreibungen aus- zugeben. Wann, durch welche Stelle und zu welchen Beträgen, zu welchem Zinsfuße, zu welchen Bedingungen der Kündigung und zu welchen Koursen die Schuldverschreibungen verausgabt werden sollen, bestimmt der Finanzminister. Im Uebrigen kommen wegen Verwaltung und Tilgung der Anleihe und wegen Verjährung der Zinsen die Vorschriften des Gesetzes vom 19. Dezember 1869(Gesetzsamml. S. 1197) zur Anwendung. § 5. Die aus Anlaß der§§ 1 und 2 dieses Gesetzes statt« findenden Akte der nicht streitigen Gerichtsbarkeiten, einschließ« lich der grundduchrichterlichen Thättgkeit, find stempel« und kostenfrei. § 6. Dem Landtage ist jährlich über die Ausführung der §§ 1 bis 4 diese» Gesetzes Rechenschaft zu geben. § 7. Die Ausführung dieses Gesetzes wird, soweit solche nach den Bestimmungen des§4 nicht durch den Finanzminister erfolgt, einer besonderen Kommisston übertragen, welche dem Staatsministerium unterstellt ist. Die näheren Bestimmungen über die Zusammensetzung dieser Kommission, welcher je zwei Mitglieder der beiden Häuser des Landtag? angehören sollen, sowie über den Sitz, den Geschäfts« kreis und die Befugnisse der Kommisston, erfolgen im Wege königlicher Verordnung. Urkundlich k. Gegeben jc. — Die Sperrgelder sind nach der dem Abgeordneten« hause zugegangenen Ueberficht über die„eingestellten Leistun« gen auS Staatsmitteln für römisch-katholische Bisthümer und Geisttiche" auf 15 632 134 Marl 31 Pf. gestteyen. Der Be« stand aus dem Rechnungsjahr 1883/84 war 15132861 Mark 55 Pf.; dazu sind 1885/86 gekommen 499 272 Mark 32 Pf., zusammen 15 632 134 Mark 86 Pf., wovon an Rückzahlungen auf abgelieferte eingestellte Leistungen 31 331 Mark 36 Pf. kommen, so daß die oben genannte Summe übrig bleibt. Uerewe«nd Versammlungen. * Der Arbeiter« Beztrksverein de» Westen Berlta» hielt am Montag Abend in Gründer'S Salon, Schwerinstr. 26, feine regelmäßige Versammlung ab. Bevor zur Erledigung der jedoch nicht zu viel von dem Theatro mit nach Hause nehmen; sonst möchte es um Eure schmachtenden Liebhader geschehen sein.— Unter einem Zettel von 1739 findet sich folgende An- merkung:„Madame Gödel wird heute die Rolle der Ophelia präsenttren und zeigen, was die Schauspielkunst für eine große Wirkung vermag, und Mr. Gödel wird durch sein metster» Haftes Spiel als Hamlet ein hochpreisliches Publikum ent» zücken. Auch werden Kostüme und Dekorationen ganz neu sein, wie auch der Degen, mit dem der große Brockmann als Hamlet exzellirt hat, als er neulich in Wien die TUelrolle prästirt hat. Da ver Direktor als Geist nicht selbst an der Kasse sein kann, bittet er einen hohen Adel, eS nicht seiner Gattin entgelten zu lassen, dadurch, daß man ausländische Münzen ihr als Zahlung anbietet." Ein harter Winter mit Schnee, Ei» und starker Kälte liegt seit Wochen auf Thüringen und Sachsen, treibt die Vögel und die Thier« des Waldes in die Nähe menschlicher Wohnungen, und die armen Reisenden, welche auf den Land« straßcn dahinziehen, in dünnen Röcken, zerrissenen Hosen, halb darfuß treibt er in dm Tod. ES vergeht kein Tag, an dem nicht dieseS oder jenes thüringische oder sächsische Lokalblatt be« richtet, daß in dem Gemeindehause dieses oder jenes Dorfes ein sogenannter armer Reisender, der den Abend zuvor ange« kommen, gestorben ist. In den Krankenhäusern größerer Städte liegen sie, wie der„V.- Ztg." geschrieben wird, in Masse mit erfrorenen Füßen, am TyphuS oder an der Schwindsucht. Die lenteren welche noch in einem Krankenhause Aufnahme gefunden haben gehören noch ,u den Glücklichm. Auch die, welch- in einem Gemeindehaus-(Armenhaus) eines Dorfes starden, find noch nicht am deklagenSw-rthesten. Sie haben doch, wenn K«K-MÄWZ _ vi- hinter einem Getteidebaufen auf offenem Felde S' ÄmÄ5 Stunde Daß alle diese armen Reisenden arbeitslose Bummler mmimm Tagesordnung geschritten wurde, ehrte die Versammlung das Andenken des aus Berlin ausgewiesenen, in Weißenfels ver« storbenen Klempners Kunow durch Erheben von den Sitzm. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Reichstags- Abgeordneten Kräcker über Arbeiterbewegung und Fraum« Emanzipation. Da der Referent nicht erscheinen konnte, so hielt an deffm Stelle Herr Krohme einen Vortrag über„Frauen» bildung". Die Frau, so führte Redner aus, sei noch lange nicht so gebildet, um den heutigen Verhältnissen Rechnung tragm zu könnm, daS beweise die schlechte materielle Lage der« selben, hauptsächlich der Arbeiterinnm. Wenn alle von ihnm den Bildungsgrad besäßen, der ihnm von rechtSwegen zu- kommt, nur dann könnten sie den Kampf umS Dasein mit Erfolg führen, denn„Bildung macht frei". Redner bedauette, daß in den meisten Fällen die Töchter dm Söhnen gegmüber zurückgesetzt werden, weil sie nicht den gleichen Unterricht in den Schulen genießen, und führte dafür einen Vergleich der „höheren Töchterschulen" mit den Gymnasien an. Redner erntete reichen Beifall. In der Diskusston sprachm die Herren Pankow und Plötz, zu V-rschicdenes die Herren Dennier, Süßmeier, Klcinert und Bartsch. Zu Vertrauensmännern wurden altdaan die Herren Lemm, Meier, Eckert, Otto Hoff- mann, Dudine und Goppe gewählt. Sodann wurde ein Antrag von Herrn Kleinert gestellt, für die Frau des ausgewiesenen früheren Vorfitzenden Eitner eine Tellersammlung zu veran« stalten. Der Antrag wurde angenommen. Die Sammlung ergab einen Bettag von 10 M. 70 Pf. * br. Mit dolizeiliche? Auflösung endete nach etwa U/, stündiger Dauer die mehr als 2000 Theilnehmer zählende, Volksversammlung, welche am Dienstag mit der Tagesordnung, „Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Hasmclever über das' Thema:„Der Nord Ostsee-Kanal im Deutschen Reichtage"" in' der Tonhalle unter der Leitung des Herrn Ballmüller statt- fand. Schon zur angesetzten Stunde war das große Lokal überfüllt-, Hunderte, die später kamen, mußten am Eingänge zurückgewiesen werden. Der Vortraaende. mit lautem Beifallsjubel empfangen, begann mit der Bemerkung, daß der Nord« Ostsee-Kanal schon vor 25 Jahren in einer Broschüre, an wel» cher Liebknecht mttgearbeitet habe, als ein nothwendigeS Kultur- werk im Interesse eines leichteren und gefahrloseren Schiff- verlebrs, nicht aber in der Absicht, die Militärmacht über« Haupt und insbesondere die Angriffsttaft Deutschlands gegen Rußland zu verstärken, gefordert worden sei. Auf demselben demokratischen Standpunkte stehe jetzt die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages, indem fie für die Vorlage betteffend den Nord-Ostsee.Kanal eintrete. Daß die VertheidigungSkraft deS Deutschen Reichs gegen Rußland, die Vormacht der Reaktion und der Unkultur, durch diesen Kanal verstärkt werde, ohne daß dazu erforderkich ist, die Zahl der Kriegsschiffe zu vermehren, daS müsse jedem deutschen Patrioten erwünscht sein. Die Ostsee werde künstig allen Nationen für den Handelsverkehr zugänglich sein. Wo aber Handel und In« dustrie blühe, da habe die Reattion keine Macht. Denen, die für deutsche Kolonialpolitik schwärmen und in der Hoffnung, daß diese durch den Nord-Ostsee-Kanal einen großen Aufschwung gewinnen werde, der Vorlage zustimmen, gab der Vortragende zu bedenken, daß ei in Deutschland noch viel öde Ländereicn äiebt, in denen mit geringeren Kosten und mit besseren Erfolgen, als in Afrika und anderen fernen überseeischen Ländern, Kolonisation betrieben werden könnte. ES sei erfreulich, daß bereits auf die Roth- wendigkeit etnei neuen Elbkanals und eines Kanals zur Ver« bindung des Rheins mit der Ems und der Weser hingewiesen werde. Durch einen Abzug von 100 Millionen am Militär« etat würde man die Mittel zu Kolontsattons« und MeltorationS- Arbeiten in Deutschland gewinnen können, die der AuS. Wanderung uno dem Vagabundenthum ein Ende machen würden. Arbeiterkolonien zur Pflege der Orthodoxie und der Reattion, wie die in Wilhelmsdorf, würden dann unmöglich sein.— Aus den Verhandlungen in der Kommission, deren Mitglied Herr Hasenclever ist, theilte derselbe mit, daß ein RcgicrungSkommissarius fich dahin ausgesprochen, die jetzige deutsche Flotte werde, da die Nordseeflotte durch den Kanal die Möglichkeit haben werde, fich in kurzer Zeit mit der Ostsee« flotte zu vereinigen, dazu ausreichen, die deutschen Ostseeküsttn gegen die verewigte dänisch.russtsche Flotte zu schützen. Diese Aussicht sei um so erfreulicher, da eine ANiengesellschast in Kopenhagen eben dabei sei. 24 große Dampfschiffe für den Transport, die mit je 12 Grschützen armirt werden können, zu bauen. Weiter derichtete der Vortragende, daß er im Etnvrr« ständniffe mit den FrattionSgenossen in der Kommisston den Antrag durchzubringen versucht habe, daß die preußische Regie- mng, welcher die Ausführung des Kanalbaus übertragen wer« den soll, durch die ReichSrcgrerung verpflichtet werden möge, dafür zu sorgen, daß die bei dem Kanalbau beschäftigten Ar- beiter die in Holstein üblichen Löhne bekommen. Er hob her« vor, daß, wenn der Kanaldau mit niedriger bezahlten Arbeitem ausgeführt würde. alle Arbeitslöhne dort finken und die arbeitende Bevölkerung, die dort noch besser situirt ist, als in anderen Gegenden Deutschlands, für Gene- rattonen schwer geschädigt werden würde. Leider habe die Kam« pflichtungen zu übernehmen, die Landgemeinden und Oekonomcn suchen solche Leute, wenn die Emte vorüber ist, auch recht bald loS zu werden, ihren UnterstützungSwohnsttz haben fie oft verloren und so bleibt ihnen leine andere Heimath— als die Landstraße. Viel leiden die armen Reisenden, unter denen ja, wie wir schon bemerkt, manche schlechte und dreiste Elemente find, welche besonders die Landbevölkerung delästigen, unter dem lieblosen, ja rohen Ton, in welchem in vielen Lokal« blättern über fie geschrieben wird. Am meisten in Blättchen, welche in christlich-konservativer Gesinnung fich sonnen, aber dielen armen Retsenden gegenüber oft eine Herzlofigkeit zeigen, welche um so verurtheilenswerther ist, alS viele Leute durch derartige gedruckte Urtheile ihre Gleichgiltigkeit gegen daS Schicksal oft nur unglücklicher und schuldloser Menschen gerecht- fertigt finden. Ein bedauernswerther Unfall wird von den Shetland« Inseln gemeldet. Vorigen Sonnabend früh fuhr die den Ver- kehr zwischen Lerwick und Sumburgh vermittelnde Schaluppe „Columbine" mit ihrem Kapitän, zwei Bootsleuten und einer alten kranien Frau, die in Lerwick ärztlichen Rath holen wollte, der auf den vereinzelt gelegenen Inseln nur schwer zu erhalten ist, von Gruitneß-Hafen nach Lerwick ab. Unterwegs wurde der Kapitän über Bord gespütt, worauf die beiden Bootsleute sofort die Segel festmachten, den Anker fallen ließen und ein Boot herunterließen, um den Kapitän zu retten, der jedoch in den hochgehenden Wellen verschwunden war. Als die beiden Bootsleute nach längerem vergeblichen Suchen nun nach der Schaluppe zurückkehren wollten, bemerkten sie zu ihrem Eni- setzen, daß dieselbe mit der hilflosen alten Frau fortgetriebcn war. Vergeblich strengten fich die Leute an, da» in der Ferne noch kaum stchtbare Schiff wieder zu erreichen; nach mehr» stündigem erschöpfendem Rudern mußten fie noch froh sein, durch die hohe Brandung glücklich das Land zu erreichen, von wo so schleunigst als möglich der Dampfer„Gipsy" abgesandt wurde, um die verlorene Schaluppe zu suchen, der jedoch am Sonntag zurückkehrte, ohne das Schu/ch-n gefunden zu haben. Darauf wurde der Dampfer„Earl of Zetlanv" ausgesandt, der aber ebenfalls mit leeren Händen zurückkehrte, so daß, wenn die Schaluppe durch ein zufällig vmÜderfahrendeS Schiff nicht ge« borgen wurde, die alte Frau verloren gegeben wird. Obschon Lebensmittel für 8 Tage an Bord waren, so war dieselbe doch zu krank, um dieselben holen zu können, auch war das Wetter so kalt und stürmisch, daß man nicht glaubt, daß die alte Frau in ihrem Zustande da» Unwetter in dem so mangelhaft ge« schützten Schiff überleben wird. »isfion füc den beantragten praktischen Arbeiterschutz keine Eym> palhie gehabt, trotzdem, dah der Regierungskommiffar Herr v. Bötticher gesagt, daß ihm der Antrag„aan, sympathisch" sei. Man habe darauf hingewiesen, daß die Alkordarbeiter höhere Löhne würden durchsetzen können. Die Ablehnung deS An« trageS werde daS Gute haben, die Einficht unter den Arbeitern zu mehren, daß fie selbst ihre Rechte und Interessen zu wahren haben.„Wir(die Arbeiteroertreter)— schloß der Redner— find die Alten geblieben und werden immer die Alten bleiben." (Lang anhaltender stürmischer Beifallsjubel)— In der Dis« rujfion sprach Herr Dietrich die Besorgniß aus, daß, wenn die Kanalarbeiten durch Submission an Unternehmer vergeben wer- den sollten, diese auS anderen Gegenden möglichst dillige Arbeitskräfte heranziehen würden, um für fich möglichst große Gewinne herauszuschlagen. und empfahl energische Agi- tation für den das Eubmisstonswesen in einer für die Arbeiter günstigen Weise regelnden Arbeiterschutz- Gesetz- entwmf der sozialdemokratrschen Fraktion des Reichstages. Herr Stiller theilte mit, daß er in einer Bezirksvereins-Ver« sammlung, in welcher man es als wünschenSwerth hingestellt habe, daß die im JuliuSthurm liegenden 40 Millionen zu Kolonisationszwecken und zur Aufschließung neuer Absatzgebiete in Afrika für unsere heimischen Jndustrieerzeugnisse verwendet werden möchten, darauf hingewiesen habe, daß mit den 40 Millionen Viel zur Hebung der Kultur und der allgemeinen Wohlfahrt geleistet werden könnte. Herr Kunkel sprach fich da, hin aus, daß die sozialdemokratische Fraftion ihre Zustimmung zu der Kanal-Vorlage von der Annahme des Hasenclever'schen Antrages abhängig machen müßte. Herr Frigge gab dadurch, daß er die Arbeiter, insbesondere die Bauarveiter, ermahnte, «fich von den Arbeitgebern nicht daS Fleisch, was fie noch auf den Knochen haben, abzwacken zu lassen," dem überwachenden Polizeibeamten Veranlassung, die Versammlung aufzulösen. * Der Kachveretn sämmtlicher an Holzbearbeitung»» «aschine« beschäftigte« Arbeiter hielt am Sonntag eine Sit besuchte Mitglieder Versammlung Köpnickerstr. 158 ab. n derselben referirte Tischlermeister Herr Mitan über den «Arbeiterschutz» Gesetzentwurf". Er würde, so begann der Redner, weit lieber über ein Arbeiterschutz. Gesetz sprechen, aber leider existirt ein solches noch nicht. Referent sprach zunächst über die Regelung der ZuchthauSarbeit, welche der Entwurf des Gesetzes verlangt. Es wäre richtig, daß die Sträflinge in in den Anstalten auch beschäftigt würden» aber eS dürfe dem freien Arbeiter keine schädigende Konkurrenz dadurch entstehen; die Sträflinge müßten nur für den Staat und die Kommune arbeiten, während heute Staat und Kommune die Arbeiten der Strafanstalten in Submission vergeben. Es sei traurig, daß heute durch die Konkurrenz der ZuchthauSarbeit so viele freie Arbeiter brodloS würden. Redner ging sodann zur Forderung deS Maximal- Arbeitstages über. Für diejenigen, die heute schon kürzere Zeit arbeiten, als in dem Entwurf vorgesehen, sei folgender Passus eingerückt: Eine kürzere ArbeitSxit, bleibt der ftcren Vereinbarung überlassen. Ferner betonte Redner die Nothwend'gkeit der Sonntagsruhe. Wir schwärmen nicht für eine puritanische Sonntagsruhe, wollen aber, daß der Arbeiter wenigstens einen Tag in der Woche habe, wo er fich ganz seiner Familie und der Er« holung widmen kann. Die gesetzliche Beschränkung der Frauen« und Kinderarbeit sei ebenfalls eine dringende Roth- wendigkeit. Wenn man auch zugebm muß, daß daS allein« fiehende Mädchen arbeiten soll und muß. so gehört doch die Muiter unbedingt in die Familie. Dieselbe dürste nicht auch dem Manne Konkurrenz machen. Das Kind unter 14 Jahren gehöre in die Schule und auf den Spielplatz, nicht aber in die Fabrik, denn die Kinderarbeit ist so billig, daß z. B. in der Nähnadelfabrikation nicht einmal die Maschine damit konkurriren kann. DaS Gemüth des KindeS würde in Folge der Kinderarbeit schon frühzeitig verbittert. Redner erläuterte dann deS Näheren die in dem Entwurf vorgeschlagenen Arbeitsämter und Arbeitskammern, die gewerblichen Schiedsgerichte rc. Wir hätten zwar heute schon ein sogenanntes gewerbliches Schieds- gericht in Berlin, aber dost fungire eine einzelne Magistrats- person als Richter, die ja nicht wissen könne, wo dem Arbeiter der Schuh drückt. Das Schiedsgericht müßte zu gleichen Theilen aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzt sein. Der beschwerdeführende Arbeiter könnte dann eber ein freies Wort sprechen, weil er weiß, sein Kollege fitzt als Richter dort. Hierauf erklärte der überwachende Beamte die Versamm» lung für aufgelöst. Als der Vorfitzende nach dem Grunde der Auflösung fragte, gab der Beamte den§ 9 des Sozialistengesetzes an. Die nächste Versammlung findet am 21. d. MtS. in demselben Lokal statt. * Der Fachveret« der Tischler hiett am Montag, den 8. Februar, eine außerordentliche Generalversammlung Neue Grünstraße 28 ab. Nach Erledigung geschäftlicher Mittheilungen seitens des Vorfitzenden Herrn Tutzauer trat die Versammlung in die Berathung eines von Herrn Vogt gestellten Antrags, der verlangle, daß in allen Werkstätten, in welchen Vereins« Mitglieder beschäftigt find, Vertraucnsmänner gewählt werden sollen, die in besonders einzuberufenden Versammlungen die Werkstättenverhältnisse in den verschiedenen Stadtbezirftn klar« legen sollten. Nach eingehender Motiv irung des Antrags settens deS Herrn Vogt wurde derselbe von den Herren Wiede- mann, Strehlow, Schmitz und Furchtbar bekämpft, da nach Meinung genannter Redner in den jetzt vom Verein abge- haltenen Bezirksversammlungen die Lohn- und Arbeitsoerhalt- niffe distutirt werden könnten. Hauptsache sei für's erste, daß die Fachkommission ihre Thärigkeit entwickele und seien zu diesem BeHufe olle Unregelmäßigkeiten in den Werkstätten der Fachkommisfion zu melden. JedeS VereinSmitglied müsse in vieser Hinficht Vertrauensmann sein. Der Anttag Vogt wurde abgelehnt und es der Fachkommisfion überlassen, wenn fich daS Bedürfnlß nach besonderen Vertrauensmännern fühlbar mache. einen diesbezüglichen Antrag einzubringen. Weiter wurde be« schlössen, von jetzt ab alle Mitglieder, die drei Monate gce Beiträge schulden, brieflich auf die statutarische» estimmungen aufmerksam zu machen. ES nmi« bierauf zum zweiten Schriftführer Herr Nickel gewäblt. In die Fachkommisfion wurde an Stelle deS Herrn Schaf« Herr Schmitz gewählt. Ein Redner machte dann auf die stätte des Herrn BreSke, Fürbringerstr. 9, aufmerksam. Daselbst wurden die Gesellen von dem Meister aufgefoidert, Sonntags und nach Feierabend zu arbeiten; da jedoch die Gesellen dies« Aufforderung nicht entsprochen, legte ihnen der Meister eine „Wirkstattordnung" vor, die die Arbeitszeit festsetzte und die vierzchntägige Kündigungsfrist aufhob. Diese„W rkstattoid« nung" wurde nur von einem Herrn Grunewald unterschriebe». während die in der Werlstatt bcschäfiigten Fachoeieinsmitglieber die Unterschiift verweigerten, worauf ihre Kündigung erfolgte. Herr Furchtbar machte sodann noch darauf aufmerksam, daß in kürzester Zeit die statistischen Erhebungen mittelst Fragedoae» in Angriff genommen werden sollen. Es traten in der wy sammlung wieder eine größere Anzahl von Personen dem Verein alS Mitglieder bei.. * Oeffentliche Versammlung der Tischler Berlin» und Umgegend heute. Donnerstag. Abends 8'/, Uhr. im König« städtischen Kafino, Gr. Fiankfurterstr. 77. Tagesordnung stehe Inserat. Kriefkasten der Redaktion. Wir mache« darauf aufmerksam, daß alle für de# J«serate«theU unseres Blatte» bestimmte» Etnsendunge# a« die Expeditton de«„Berliner volkSblatr, Zimmer» straße 44. gerichtet werde« müsse«, anderenfalls für etwaige Unregelmäßigkeiten nicht anflo««e* können. F. H„ Elsasserstr. Graudenz hatte bei der VolkSzähl»"} im Jahre 1880 17 321 Einwohner. Das Resultat der k# Volks, äblu«g ist noch nicht bekannt. Lustige Skatbrüder. Es hat nur der verloren, rvel:# auf 167 Points stand.. Karl K. Langeftr. Sie können im Allgemeinen nm� 14tägiger Kündigung entlassen werden und hätten sonach,? Ihre Entlassung am 3. Februar d. I. erfolgte, Anspruch? Schadenersatz für die Zeit bis zum 16. Februar inkl. jedoch Ihre Krankheit derartig war, daß Sie dadurj? Fortsetzung der Arbeit am 3. Februar unfähig wurden,(ot Ihr Arbeitgeber zur sofortigen Entlassung berechtigt und � können keinerlei Ansprüche gegen ihn erheben. Die Lest? mungen einer Ihnen nicht bekannt gemachten FabrikordM find aber für Sie nicht bindend. . 3» T wesentlich »Ct Seweinnütz wuchten, c k sind Pastor v.Z «"zelne Z Wttlenker *« in TWOltlOf Zuverl °uf dem 6, wnttauschu, Werste w «fc »ate ß der s Theater. Donnerstag, den 11. Februar. LPernhan». Der reisende Student, mufikali« scheS Quodlibet in 2 Aufzügen von L. Schneider. Hierauf: Der Kurmärker und die Picarde, Genrebild von L- Schneider. Uchanspielbau». Kabale und Liebe, Trauer« spiel in 5 Akten von Schiller. deutsche» Theater. Die Loreley. Wallner-Theater. Sammet und Seide, Lust- spiel in 4 Akten von OSkar Blumenthal. »estdenz- Theater. Denise, Schauspiel in 4 Akten von A. DumaS(Sohn). lSelle-Alltance-Theater. Orpheus in der Unterwelt. Burleske Oper in 4 Bildern von Offenbach. Friedrich» Wtlhelmstädtische» Tbeater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Mamsell Angot, Operette in 3 Ästen von Clairville, Srraudin und Aanisenftädttsche» Theater Abracadabra. Teatral-Theater. Der Stabs- Trompeter. «Utoria-Theater. Däumling. vsteud» Theater. Hand und.Herz. Trauer stiel in 5 Alten von F. Anzengruber. »merita«» Theater. Große Spezialitäten- Vorstellung._ Theater der«eichshallen. Große Speziali- »anwran«'» Variete. Große Spezialitäten- Lorstellung. Konkordia. Große Spezialitäten-Vorstellung. Staatlich concessionirte pentsche Kunstgewerbe- Lotterie. Ziehung in Berlin am 24., 25., 26. Februar 1886. 5000 Gewinne im Gesammtwer-He von «S,SOO Mark. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Heute und folgende Tage: Madame Potiphar. Eharaktergemälde mit Gestma in 6 Bildern von H. Charles Duchow. Mufik von L. Brandt. Vor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapelle. Anfang deS Konzerts WochentaaS 7 Uhr, der Vorstellung 7*U Uhr. Anfang dei Konzerts Sonntag« 6 Uhr, der Vorstellung 7% Uyr. Von» haben Wochentags Billigkeit und find im Theaterbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Bf Kaiser-Panora««. Zum ersten Male: DaS südliche ff rankreich. Eine Wanderung durch Hol« and. Hertha« Reise. Karolinen« Inseln%.»ine Reise 20 Pf� Kinder nur Abonnements. in Selbstunterricht der einfachen und doppelten männtschen kauf- Bnchführnng und Darstellung eines nt*tn adae- Kürzte« Kystoms zur doppelten Buch- Methode von«. Kchmidt. 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Arbeitsnachweis für Klarier arhelter. Achtungsvoll Hermann Stramm, Restaurateur, Skalitzerstr. 18. Msttagstisch». 12 bis 2 Uhr, mit Bier Vorläufige Anzeige! Den Mitgliedern des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter Berlins, sowie Freunden und Gönnern des Ver« eins zur Nachricht, daß der diesjährige gtr Maskenball"Wg am Sonnabend, de« 6. Marz, in den elek- irisch erleuchteten Räumen der Philharmonie, Berndurgerstraße 22» und 23 stattfindet. BilletS find dei sämmllichcn Vorstands. Mitgliedern 60 Pf. zu haben. Der Vorstand. Fachvereiu der vrechsler, Knopf- arbeiter und Kerufsgeuosseu S-rtins. Am Sonnabend, den 13. d. M. Groß. Mieorr Moskenboll in der„Mrania", Wrangel-Straße Nr. 9—10. Billets find zu haben bei sämmtlichen Mll- gliedern des Vorstandes und VergnügungSko- mitee'S, sowie in den mll Plakaten delegten Handlungen. Um zahlreichen Besuch bittet 677 Das Komitee. Geffentiiche Versammlung der Töpfer Serlius u. Umgegend am Donnerstag, den U.d.M., Adds. 6'/, Uhr, im Königstädt. Kastno, Gr. Frankfurterstr. 77. Tages-Ordnung: Bestätigung der vorgeschlagenen Dele- 1. girten zum Kongreß. 2. Vorlage deS Meister. und Gesellenlohntarifs für Berlin und Um- gegend. 3. Diskussion.— Um daS Erscheinen aller Kollegen ersucht die Lohnkommisfion. I.A.: Hermann Kormann, Britzerstr. 10.[680 Nmjther-GeselltllsW. Am Freitag, den 12. ds. Mts., AdendS 8 Uhr. General-Versammlung sämmtlicher Kteinseber-GeseUen Kerlin« in Krefeld'» Kalo«, Grenadierstraße Nr. 33. Tages-Ordnung: 1. Die Lohnfrage. Referent: Altgeselle L. Nolte. 2. Jahresbericht über den Stand der Invaliden- und Junggesellen-Kaffe. 3. Wahl der Deputirten zur Jnvalidenkaffe. 4. Wahl von 9 Krankenbesuchern. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht[678 Der Vorstand. F. Uolte, Altgeselle. Ordentl. Generalversammlung der Mitglieder der Kranken- und Ke- gräbnistkalse der Kerlwer Gürtler und Kronzenre(G. K. 60) am Sonntag, den 14. d. M, Vorm. 10 Uhr, im konzerlhause„Ka««souri", kottbuserstr. 4». Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Wahl des gesammten Vorstandes und der Ausschußmitglieder.— Es ist Pflicht eines jeden Mügliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. Als Legitimation muß da« Quittungsbuch am Eingang vorgezeigt werden, ohne Quittungsbuch kein Einlaß. 671 Der Vorstand. Fette Oderbrucher Gänse (noch bis Ende Februar) auch ausgenommen und gethetll, Leber, Liesen und Klein, reineS Gänseschmalz« Pfd. 1 ML, sämmtliches Wild pfundweise, feinste große äsen, fette Puten und Enten, sowie allerlei eflügel täglich frisch, empfiehlt billigst R. Sasse, Adalbertstr. 4 im Wlldkeller. Wegen Umzug nack außerhalb ist zu»4 1 Gaslraftmaschine(1 Pserdekr.), 3 Drehdo� 1 Bohrmaschine, 1 Biel, 1 brauner alles gut erhalten, bei Mattern, PallisadenK Ein Stand guter Betten, neu, 22 Mrw z. verk. Reichenbergerstr. 133, im KiftengtsZfi- Eine gut erhaltene W.-M.-UäbmasA� ist billig z. verk. Brunnenstr. 54» IV. 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Es ist bekannt, daß zu Ende �vierziger und zu Anfang der fünfziger Jahre, dann in der Gründerzeit vielfach ähnliche Gedanken in Pnunnützigen Vereinen, in kommunalen Vertretungen auf- t*??' 0�ne freilich zu besonderen Ergebnissen zu führen. ?t sind es wiederum Vereine, Geistliche(u. a. der Wr v. Bodelschwingh, der Gründer der Arbeiterkolonien), "»zelne Zeitungen, welche weitere Kreise auf die Frage MUllenken versuchen, und man wird natürlich abwarten J|tn' inwieweit der Erfolg diesmal ein größerer und ölhaltigerer sein wird. Soviel darf man aber schon heute Zuverficht behaupten, daß für die große Masse us dem betretenen Wege nichts zu ereichen sein wird als sm�ng über Enttäuschung. s, Welch eine Unkenntniß der ökonomischen Lage der quersten Schichten der Bevölkerung gehört z. B. dazu, -" eine irgend ausgedehnte Thätigkeit der Bau- IL's» ssenschaften zu erwarten, ferner aller derjenigen Wüute, welche die Arbeiter zu kleinen Hauseigen- lUi nf>tn wellen! Es wird gewiß möglich sein, .�.Wohnungen billiger zu bauen, als es durch die pri- o.* Spekulation heute geschieht. Aber einmal ist die � alsdann— wenigstens in den beständig„über- ��ßstädten— die Grundrente nicht verschlingen auch bei niedngerem MiethSpreis, neben der »etil n�t no<� Raten zur Abzahlung deS Kapital- %g k« Wohnung oder des Häuschens aufbringen. j� IJßütndhat man dieseErfahrung längst gemacht, wenn man . uuch oft genug verschweigt, und selbst ein so wohlwollen- �turtheiler der boilding societeg, wie es Plener ist, 5 1 cht zu, daß eigentlich nur kleinere Kapitalisten mit Hilfe �g?n®cnoffenfäQftcn*n �en Besitz von Häusern ge- ». Endlich ist nichts falscher und schädlicher, als gewisse .einbürgerliche Ideale in die Arbeiterwelt hinein- J�n zu wollen. Für den kleinen Beamten, Handwerker, . aufmann Gelehrten, mag es ein unschätzbarer Vortheil ftss- aus der MiethSwirthschaft herauszukommen und eigner Q* eignen Hause zu werden. Für den Arbeiter jedoch, von jeder Äenderung der Konjunktur hin und her ge- Menen, ist der Besitz eines eigenen Hauses nur ein Hin» �rniß der freien Bewegung, die ihm zum Leben nöthig T Wenn er heute in diesem, morgen in jenem Viertel üner Riesenstadt arbeitet, soll er, in seinen Kräften erschöpft, Wh immer wieder zu derselben Wohnung zurückschleppen, Wag sie auch noch so entfernt liegen? WaS wird aus 'si»em Besitz, wenn eine Krisi« seine Beschäftigung am Arn Ort und in der alten Industrie ganz lahmlegt, wenn gt Auswanderung in die Provinz, in eine andere ?iadt seine letzte Zuflucht vor drohender Verarmung Met? Der kapitalistische Eigenthümer vieler Wohnungen zdn im allgemeinen dem Wechsel seiner Miether mit großer 'Me zusehen; verliert er den einen Miether, so gewinnt ?ilnen andern, und im Nothsall kann er auf bessere uWten warten. Der Arbeiter aber kann niemals warten, hat auch keine Verbindungen mit Kauflustigen und wird gas Elud. Pariser Sittenbild von Emile Zola. Deutsch von A. Godin. Basler Nachrichten. Januar war hart. Weder Arbeit noch Brot, kein lt. Hause. Morisseaus sind fast umgekommen vor tzj,** Roth. Die Frau ist Wäscherin, der Mann Maurer. her im Bezirk BatignolleS, in einem dunklen Haufe VM» 7»»»I II» VVIIVM» VMI»**VI»«�ru»»|v ■fcet» Kardmer, das Gift für den ganzen Umkreis ist. $)c>cke Mn dringt durch die zerissene Decke ihrer elenden J�r- Dennoch würden sie sich über nicht« be- Nich-; brauchte ihr kleiner Karol, ein zehnjähriger Junge, W*, lo nöthig bessere Kost, um zu einem Manne auf- th zu können. ®eti ist schwächlich, jede Kleinigkeit wirst eS um. mLi'n bie Schule und strengt sich an, um alle« auf seh» i'rnen, so kommt eS krank nach Hause. UebrigenS fhh,�.urgent, ein zu nette« Bürschchen, das Gespräche a.'0*i«te, die weit über sein Alter waren. ßrien ü Tagen, wo seine Eltern ihm nicht» zu essen >» d!.s"Nen, heulen sie wie die Thier«. Um so mehr, da Un9tfunb0U� � r hinsterben wie Fliegen; es ist SSate�t8,®i« auf den Straßen wird losgehauen. Der Hackx wgar Verdienst gefunden; er macht mit einer dach& te. Zossen frei und bringt Abends vierzig S""» �Rer». Bis die Bauten ausgenommen werden, ist * ClTttrtÄ__ c» rv-* r SouS das L . grr»®ö4 gegen da« Verhungern. er K».»? ee Mann aber eines Abends heim kommt, findet ie Hai!'H Bette, die Mutter weiß nicht, was ihm fehlt. e chn nach CourcelleS, zur Tante geschickt, um au- südde 1.° sich nicht unter ihrem Trödelkram eine Jacke mast'.Donner als sein Leinwandkittel, in dem er vor balitot». Die Tante hatte aber nur alte Männer- t* und A"iel zu groß waren, und der Kleine ist 4 hat,. Uber schauernd zurückgekommen, wie berauscht, 4Uf er getrunken. Jetzt liegt er mit rothem Kopf fingt'�en, schwatzt Unsinn, meint Ball zu spielen Ud» ei�.�uttcr hat einen Tuchfetzen vor das Fenster gehängt, »erbrochene Scheibe zuzustopfen; über demselben sind daher vielfach gezwungen sein, sein Hau? oder seine« HauS- antheil zu einem Schleuderpreis loszuschlagen— wenn er es nicht vorzieht. Eigenthümer zu bleiben und eine günstige Arbeitsgelegenheit sich entgehen zu lassen. Man sieht, für daS heutige unstäte Arbeiterleben ist die MiethSwohnung noch immer die beste Form der Wohnung. Dies wird bereits auf vielen Seiten zugestanden, und man verlangt daher neuerdings mehrfach, daß Kapitalver» einigungen sich dem Bau von Arbeiterwohnungen widmen, sich aber, um die Miethe niedrig zu halten, mit einem mäßigen Zinsfuß begnügen sollen. Man vergißt dabei, daß wohl dieser oder jener einzelne Kapitalist zu dieser Entsagung auf den möglichen höchsten Gewinn fähig ist, niemals aber daS Kapital, daß also das vorgeschlagene Mittel wohl in ein- zelnen Fällen, niemals aber der Allgemeinheit deS UebelS gegenüber von Erfolg sein kann. Man verweist zur Widerlegung dieses EinwandeS gern auf England,.das klassische Land der Wohnungsfrage", von dessen Wohlfahrtseinrichtungen überhaupt die sonder- barsten Vorstellungen auf dem Kontinent bestehen. Aber gerade in England haben die„gemeinnützigen Baugesell- schasten" trotz aller Bemühungen bis jetzt so gut wie nicht« für die niederen, also gerade für die bedürftigsten Arbeiter erreicht. E« zeigt sich hier von neuem, was bei Spar- lassen, bei Versicherungsanstalten und ähnlichen Versuchen beständig wiederkehrt: die Wohlthaten ähnlicher Institute fließen thcils Kreisen zu, die mit der Arbeiterwelt über- Haupt nichts zu thun haben, theilS besser gestellten Arbeitern, die der Wohlthaten noch am wenigsten bedürftig sind. Ruprecht führt in seiner Schrift über„Die Woh- nungen der arbeitenden Klassen"(Göttingen 1884) eine Reihe gemeinnütziger Londoner Ballgesellschaften an. Davon hat nur die Victoria D Welling« Association, welche unter dem Patronat der Königin steht, ihre Wohnungen aus- drücklich für ungelernte Arbeiter(labonrers) bestimmt. Da sie aber natürlich nicht» zu verschenken hat, so ist die Folge, daß ihre, wahrscheinlich sehr netten und freundlichen Ge- lasse zu einem guten Theile leer stehen; die ungelernten Arbeiter müssen sich den Aufwand versagen. Die Gebäude der anderen Gesellschaften sind vollständig besetzt, aber durchaus nicht von der fchlechtest gelohnten Schicht der Be- völkerung. Die alte und bedeutende Gatliff-Gesellschaft (Metropolitan Association for Improving tbe Dwellings of tne Indnstrial Classes), welche ca. 6000 Personen Unterkunst gewährt, hat nach Ruprecht„nicht in ausge- dehntem Maße für die armen oder gar die ärmsten Ar- beiter gesorgt, wie das der Kommissisn(von 1881) eingehändigte Verzeichniß der Berufe der Miethcr und der Miethpreise, welche sie zahlen, beweisen. Nur eine ver- schwindend kleine Anzahl zahlt 2,60 bis 3,50 Mark die Woche, die Mehrzahl erheblich mehr." Die Waterlow- (Improved Indnstrial Dwellings) Kompany hat eine Reihe großer Häuser errichtet, welche im Jahre 1881 von 3146 Familien, also etwa 15 000 Personen bewohnt wurden. ..Wie der Sekretär der Gesellschaft selbst sagt, gehören ihre Miether jedoch nicht zu den ärmsten und ärmeren Klassen, welche weniger als 20 M. die Woche verdienen." Eine vierte Gesellschaft(Artisans, Labonrers a General Dwellings Company) schließt durch die Art ihrer Bauten und ihrer Miethpreise, deren Minimum 6 M. pro Woche be« trägt, von vornherein jeden Durchschnittsarbeiter auS. Ruprecht schließt seine Schilderungen zusammenfassend: „Die Thätigkeit aller dieser Gesellschaften darzustellen, würde zu weit führen. Nur eines ist zu konstatiren, daß nur zwei Scheiben frei geblieben, durch welche das fahle Grau des Himmels hereindämmert. DaS Elend hat die Kommode ausgeleert, alles Weißzeug ist im Leihhaufe. Um Brot zu beschaffen, wurden eines AbendS der Tisch und zwei Stühle verkauft. Karol pflegte auf dem Fußboden zu schlafen; seit er krank ist, hat man ihm das Bett überlassen, wo er fchlecht genug liegt, denn eine Hand voll Wolle nach der andern ist aus der Matratze zu einer Trödlerin gewandert, welche zehn SouS für das Pfund Wolle zahlt. Jetzt fchlafen Vater und Mutter in einem Winkel auf dem Strohsack, den Hunde verschmähen würden. Beide schauen aber Karol an, der in seinem Bette aufschnellt. Was hat doch der arme Schelm, daß er sich fo herumwirft? Vielleicht ist er von einem Thiers ge- bissen worden oder Jemand hat ihm etwa« schädliches zu trinken gegeben. Eine Nachbarin, Frau Bonnet, ist ge- kommen, hat den Kleinen beschnüffelt und erklärt, es fei das kalte Fieber. Sie kennt sich darin aus, denn ihr Mann ist an dieser Krankheit gestorben. Die Mutter weint und fchließt ihren Karol in die Arme. Der Vater stürzt hinaus wie ein Verrückter und läuft nach einem Arzt. Er bringt auch einen mit, einen langen mit verkniffenem Gesicht, der den Rücken deS Kindes behorcht, ihm auf die Brust klopft und kein Wort spricht. Dann muß Frau Bonnet auS ihrer Stube einen Bleistift und Papier herüberholen, da- mit er fein Rezept schreiben kann. Als er fortgeht, stumm wie bisher, stürzt ihm die Mutter in ihrer Angst nach und fragt mit erstickter Stimme: „Was fehlt ihm?" „Erkältungsfieber," antwortet er in knappem Ton, ohne etwa» beizufügen als die Frage:„Sind Sie bei der Armen- kommission eingeschrieben?" „Nein, Herr Doktor. Letzten Sommer waren wir noch gut daran. Der Winter hat uns umgebracht." „Um so schlimmer! Um so schlimmer!" Und er geht mit dem Versprechen, wiederzukommen. Frau Bonnet borgt zwanzig SouS für die Apotheke. Für die 40 SouS Morisseaus werden Suppe, ein Licht und Steinkohlen eingekauft. Die erste Nacht verläuft gut. Es wurde geheizt; der Kranke hat aufgehört zu schwatzen, als schläferte ihn die starke Hitze deS Zimmers ein. Seine kleinen Hände glühen. Die Eltern beruhigen sich, als sie ihn so vom Fieber vernichtet sehen. Am nächsten Morgen stehen sie ahnungslos da, abermals keine dieser Gesellschaften bisher in ausgedehntem Maße Wohnungen für die ärmsten Klassen beschafft hat." Für die vielgerühmte Peabody-Stiftung ist dies erst kürzlich vor der zur Untersuchung der Wohnungsfrage eingefetzten königlichen Kommission bewiesen worden.")„Die Zeugen- aussagen, welche über diesen Punkt gegeben wurden, ver- stärken die Meinung, daß derartige Bauten die Klasse nicht erreichen, welche am bedürftigsten ist. Lord ShafteS- buryffabseineMeinungdahinkund,daßdie „Arbeiterwohnungsbauten" derjenigen Schicht keine Erleichterung verschafft haben, auf welche ihreWohlthaten berech- net waren. Daß sie von einer besseren Klasse besetzt find, als die alten, niedergerissenen Häuser, daß sie den Ansprüchen der ganz Armen nicht entsprechen, daß die Miethen zu hoch sind, daß Leute mit großer Familie, ferner Angehörige gewisser Berufe, wie die Höker, nicht zugelassen werden, da« sind nur einige wenige der über sie erhobenen Klagen." Freilich darf das Einkommen eine« Peabodymiethers30 M. pro Woche nicht überschreiten, und man- cheS Familienhaupt verdient weniger als 20 M. Bei diesen Auf- stellungen de« Peabodybeamten ist aber das Einkommen der Frau und anderer Familienglieder außer Rechnung ge- lassen, da der niedrigste Preis für ein Zimmer pro Woche über 2 Mark beträgt, Leute von 12—14 Mark Wochenlohn demnach offenbar nicht mehr als ein Zimmer würden miethen können; da eine Familie mit Kindern aber zuviel für ein Zimmer ist und die Peabodystiftung keine„Ueber- füllung" duldet,— so geht hieraus recht deutlich hervor, wie wenig den eigentlich Nothleidenden auch hier ge- Holsen ist. In der That, wa» in England bisher erreicht worden ist, erscheint trotz alle« Rühmens kläglich im Verhältuiß zur Größe deS NothstandeS. Wollte man die sanitären Gesetze, vor allem die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Ueberfüllung wirklich durchführen, so würde man für etwa 250 000 Menschen allein in London neue Unter- fünft schaffen müssen. Daß der Bedarf geringer sei, hat noch Niemand zu behaupten gewagt"(Ruprecht). Nun betrug aber Ende 1883 nach Octavia Hill, der bekannten Menfchensreundin, die Zahl aller seit dem StiftungS- jähre der gemeinnützigen Baugesellschaften und Stif- tungen(1841) mit Wohnungen versorgten P.'rsonen ca. 60 000. Wie viel mögen davon nach dem oben Ge- sagten Arbeiter, wie viel hiervon wiederum Arbeiter der bedürftigsten Klasse sein? Und was nützt die Unterbrin- gung von 60 000 Menschen binnen 40 Jahren in einer Stadt, welche in jedem Jahre etwa um 50 000 Einwohner zunimmt? Man erwarte also von isolirten Reformen, wie die de» Wohnungswesen«, nicht viel für die Hebung de« Ar- beiterstandeS. DaS Problem, gute, menschenwürdige Woh- nungen zu schaffen, deren Billigkeit der Niedrigkeit des durchschnittlichen Arbeitslohnes entspricht, wird auch durch den edrlherzigsten und erfolgreichsten Appell an die Men- schenliebe nicht gelöst werden— nicht, weil die Wohnungen nicht billiger herzustellen sind, sondern weil das Einkommen der Arbeiter zu niedrig ist. So mündet auch die Woh- nungifrage auS in das große Problem unserer Zeit: wie die allgemeine ökonomische Lage der arbeitenden Klasse zu bessern sei. *) Report 1885, pag. 54—55. von eiskalter Angst ergriffen; denn der Arzt schüttelt mit dem Kopfe und blickt mit der Miene eine« Menschen auf daS Bett, der keine Hoffnung mehr zu geben hat. Während der nächsten fünf Tage ändert sich nichts. Karol schläft, den Kopf tief in das Kissen gedrückt. Da« Elend haucht stärker durch die Kammer, e« scheint zugleich mit dem Winde durch die Spalten des Daches und der Eenster einzudringen. Am zweiten Abend wurde daS letzte emde der Mutter verkauft; am dritten mußten wieder einige Handvoll Wolle unter dem Kranken hervorgezogen werden, um Arznei holen zu können. Dann hat es an Allem gefehlt, es war durchaus nichts mehr vorhanden. Morisseau hackt noch immer Ei« auf; seine vierzig Sou« reichen nicht aus. Da Fortdauer dieser strengen Kälte seinen Karol tödten kann, wünscht er Thauwetter herbei und fürchtet es zugleich. Geht er zur Arbeit, so ist e» ihm lieb, die Straßen noch weiß zu sehen, dann denkt er an den Kleinen, der dort oben im Todeskampfe liegt, und sehnt sich glühend nach einem Sonnenstrahle, einem FrühlingShauch, den Schnee zu schmelzen. Wären sie wenigstens bei der Armenkommission eingeschrieben, dann hätte man den Arzt und die Medizinen umsonst. Die Mutter war auf der Bürgermeisterei, man gab ihr zur Antwort, eS kämen zu viele Anforderungen, sie müßte warten. Doch bekam sie einige Bcoobillets; eine wohl» thätige Dame schenkte ihr einen Thaler. Nachher fing da« Elend wieder an. Am fünften Tage bringt Morisseau sein letzte« Vier- zigsou«stück nach Hause; das Thauwetter ist da, man hat ihn abgedankt. Nun ist es au«. Der Ofen bleibt kalt, eS fehlt an Brod, die Rezepte werden nicht mehr in die Apotheke gebracht. Vater und Mutter klappern vor Frost in dem schwarzen, von steter Feuchtigkeit unlaubern Zim- mer; der Kleine röchelt. Frau Bonnet kommt nicht mehr, weil sie gefühlvoll ist und es ihr zu weh thut; Jeder im Hause beeilt sich, an dieser Thüre vorbeizukommen. Zu- weilen bricht die Mutter in Thränen aus, wirst sich über das Bett, küßt das Kind, als hoffte sie, ihm zu helfen, eS zu heilen. Der Vater steht wie blödsinnig stundenlang am Fenster, hebt da» alte Tuch auf und sieht zu, wie das Eis aufthaut, wie da» Wasser in schweren Tropfen von den Dächern fällt und dir Straße schwärzt. Vielleicht ist das gut für Karol. Politische Urbrrstcht. Der ClraßentrawaU in London füllt mehr oder weniger die Spalten aller Bettungen. Wie auf Kommando wird von einer sozialistislben PSdelbande pelprodcn, welche den Unfug und Raub angestiftet habe. Und der Schlußrefrain lautet wir oeiröhnlich:— man kennt ihn nachgerade schon auswendig— Ukaß.egeln gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokraten.— Noch vor wenigen Tagen wußten die- selben Zeitungen, welche heut am lautesten schreien, zu erzählen, «aß in England die So ialvemoli arie nur eine kaum nennenS- werthe Anzahl von Anhängern habe und daß das englische Volk ihren Lehren nicht zugänglich sei. Doch solche Heine Widersprüche geniren diese Leutchen bekanntlich nicht.— Inzwischen hat fich nun natürlich bereits herausgestetlt, daß die Sozialvemokraten mit der ganzen Sache so gut wie nichts zu thun hatten; die„Arbeiter", auf welche das offiziöse Tele- gramm so große Betonung legte, find dem Spektakel voll« standig fern geblieben. Es war ledigl'ch der süße Pöbel, der die Juwelierläoen erbrach, derselbe Abschaum, welcher bei be« kannten groß.n Festen für einige Gläser„Freibier" Hostannah schreit und bei gewissen feierlichen Grlegenheiten neben der Polizei die S: aßen bevölkert. Nach einem der„Voss. Ztg." ?»gegangenen Telegramm war die Kundgibung auf dem Tra algar Play von Londoner Arbeiterverbänden organistrt und verlief ohne Störung. Zu dieser Kundgebung hatten fich aber auch die oben gekennzeichneten Elemente eingefunden, welche, während die Arbeiter ruhig ihres Weges gingen, fich zu dem Unfug und zur Plünderung ve. einigten. Aber was thufe? Die moralisch verkommene Presse, deren Bedientenseelen um nichts besser find, als der süße Pöbel Londons, hat wieder einmal Wasser auf die Müble und so sehen wir sie denn wetteifern, den Vorfall im Interesse ihrer Dienst« Herren auszuschlachten. Alien voran marschtn natürlich das Organ der Hießgen Bö senjobber, der„Verl. Börsen Courier", obwohl auch das antüchige Blatt des Herrn Masse fich nach Möglichkeit bemüht, seine Unwissenheit und Erbärmlichkett zu dokumenttren. Es läßt fich unschwer bemtheilen, welches Trei« den gemeingefährlicher ist, jenes der enaliichen roughs oder dieses der obigen Blätter. Vor den gewaltsamen Taschendieben kann fich die Gesellschaft schon schüyen, schwer aber vor den viel schlimmeren, den moralischen, welche nicht nur die Taschen ihrer Opfer leeren, sondern obenein die letzteren noch allmälig geistig zu Grunde richten. Grotzbri tauuie«. Am Dienstag Abend sammelten fich nach einem Telegramm wiederum mehrere hundert P rfoncn auf dem Trafalgar Square. Die Fensterläden der dort bifindlich-n Läden waren in Folge Warnung der Polizei ge'chlossen und der Platz wurde von der Polizei gesäubert. Einige der Redner vom Montag, unter ihnen Burns, Champion, lcyndman und Williams wünschten eine Unterredung mit dem Minister Chamderlain, um Abhilfe des NotHstanveS der Arbeitslosen zu verlang n; Csamberlain weigerte fich jedoch fie zu empfangen und erklärte, er erkenne sie nicht als Vertreter der Arbeitslosen an. Dem„Dai y Telegraph" zufolge beabsichtigt die englische Regierung, die Anar- chisten, welche am Montag au- Trafalgars Square und im tzyde- park aufrührerische Reden hielten, in Anklagestand versetzen zu lassen. — Die Minister Chamderlain, Ha.courf und Childers find J-stern unbeanstand-t wiedergewählt. Der Minister Morle? reit am Montag in Newcastle eine Wahlrede, in welcher er sich entschieden gegen ZwangSmaßregeln in Irland erklärte, die Unfehlbar zum Bürgerkriege führen müßten. Uarlamentsbertchte. Deutscher Reichstag. 43. Sitzung vom 10. Februar, 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: v. Boetticher, von Burchard, Lucius, von Bronsart und Kom« Missarien. Die Verhandlungen über den Antrag von Huene, v. Mardorf f und Gen.,„die verbündeten Regierungen zu ersuchen, der Währungsfrage erneut die eingehendste Prüfung zu Thcil werden zu lassen und dem Reichstage von dem Resultat dieser Prüfung Mittheilung zu machen", wird fortgesetzt. Abg. v. S ch a l s ch a führt in fast zweistündigem Vortrag wesentl ch folgendes aus: Nach der Rede Woermanns müßte man glauben, daß Hambu'gs Bedeutung erst seit der Gold- Währung datire. Er bält die Fixirung deS WerthoerhältniffeS zwischen Gold und Silber für unmöglich; weiß er denn nicht, daß der lateinische Münzbund, der eine solche Fixirung durch« geführt, die g'ößten Wandlungen in den P onuttionSverhält- nissen von Gold und Silber überdauert bat? Er meinte, der Eines Morgens erklärt der Arzt, er würde nicht mehr kommen. Da« Kind ist aufgegeben. „Das feuchte Wetter giebt ihm den Rest," fügte er bei. Da hebt Morisseau feine Faust gegen den Himmel auf. Bringt denn jedes Wetter die armen Menschen um! Als «S fror, war das nicht gut; jetzt thaut es und es ist noch schlimmer. Wenn es seiner Frau recht wäre, könnte man einen Scheffel Kohlen anzünden, dann gingen alle drei zu- sammen. Da» wäre schneller gemacht. Die Mutter aber war noch einmal auf die Bürger- meistern gegangen; man hat ihr versprochen, Hilfe zu schicken und nun warten sie. Welch ein schauerlicher Tag k Schwarz und kalt fällt es von der Decke nieder- in der «inen Ecke regnet es, sie haben dort eine Schüssel hingestellt, um die Tropfen aufzufangen. Seit gestern haben sie nichts mehr zu essen; daS Kind trank nur eine Tasse Tbee, welche die Hausmeisterin hinaufbrachte. Der Bater fitzt auf einem Schemel, den Kopf zwischen den Händen, ge» dankenlos, mit sausenden Ohren. Bei jedem Schritte draußen rdie Mutter an die Thüre und glaubt, eS sei endlich versprochene Hilfe. Als es 6 Uhr schlägt, ist noch Niemand gekommen. Die Dämmerung fällt «in, undurchsichtig, langsam und düster gleich einer Agonie. Und plötzlich als es Nacht wird, stammelte Karol ab» gebrochene Worte: „Mama—— Mama——* Die Mutter nähert sich, ein fieberheißer Hauch berührt ihr Gesicht. Dann hört sie nichts mehr; undeutlich unter» scheidet sie den zurückgesunkenen Kopf, den steifgewordenen Hal« des KindeS. Außer sich, flehend ruft sie: Licht! nur schnell Licht!— Mein Karol, sprich mit mir!" Es ist kein Licht mehr vorhanden. In ihrer Hast, Streichhölzer anzuzünden, zerbrechen sie ihr zwischen den B ingein. Dann befühlt sie die Hände, das Gesicht des indes und stößt einen Schrei aus: „O Gott I Er ist todt I— Höre doch Morisseau, er ist todt!' Der Vater hebt den Kopf, die Finsterniß«acht ihn blind. „Nun! Was weiter! er ist todt-- um so besser." Hand-l leide ebenso wie die Landwirthschaft; aber der Handel kann stch den verschiedenen Werthverhältniffen viel leichter anpassen, als die produktiven Gewerdszweige, für ihn ist die Währuvgsfrage von viel geringerer Bedeutung, alS für die Landwirthschaft. Woermann wies darauf hin, daß der große Vetkebr fich nicht ausgleiche in Geld, sondern in Papier. Aber die Form der Abrechnung ist gleichgiltig; auf den Werthmeffer kommt eS an, der an die Waaren gelegt wird. Die Goldwährung aber ist der längere und daher für die Produktion ungünstigere Maßstab. Wir verlieren beim Import von und beim Export nach den Silberländern Asiens jedesmal die volle Differenz der beiden Währungen, wobei der Expoit der Silderländer, speziell Indiens, auch noch aus an« deren Ursachen wächst, in Folge neuer Eisenbahnen und Dam pferlinien. Mit Befriedigung erfüllt es ihn, daß in Deutsch- land 1885 für eben 1000 Millionen Mark neue Kapitalsanlagen stattgefunden haben. Das klingt sehr schön, nur hat fich gleichzeitig eine sehr bedenkliche Verschiebung des Befitzstandes vollzogen. Die Herren, die nur immer das Wort„national" im Munde führen, sehen vielleicht nur darauf, daß jetzt eine Milliarde Kapital mehr in Deutschland vorhanden ist, und fragen nicht, in wessen Tasche es geflossen und woher es ge- kommen ist. Die Parteien aber, die nickt gewöhnt find Alles einfach gut zu heißen, was die Regierung ihnen vorführt, also z. B. meine politischen Freunde, oder die Welsen, oder— gestatten Sie mir den Ausdruck— die Polen(Heiterkeit), die meinen dock, daß jene Verschiebung des Wohlstandes für die zahlreichen Personen sehr bedenklich ge- wesen ist, deren Tasche eine Expropriation erfahren hat, nicht auf Grund deS Enteignungsgesetzes, sondern der Goldwährung. Die Folgen dieser Verschiebung zeigt die stetige rapide Zunahme des Proletariats, und diese Vermehrung der Nicht« steuerzahler ist dem Finanzminister die Ursache großer Beuii' nthigung!(Sehr gut! im Zentrum.) Er betrachtet die Silber- entwerthung und den Uebergang zur Goldwährung als zwei Weltthatsachen, die fich ohne unser Zuthun vollzogen haben und noch vollziehen. Die elftere>st aber wesentlich durch un- seren Urbergang zur Goldwährung mit verschuldet und diese selbst wird und kann niemals allgemein angenommen werden, schon deshalb nicht, weil das dazu nöthige Gold gar nicht vor. Händen ist. Welche Verwechselung! Als ob nicht gerade um- gekehrt die Sildet entwerthung erst durch die Einführung der Goldwährung bei uns entstanden wäre! Ich mache es ja der Regierung nicht zum Vorwurf, wenn fie damals einem allge« mein verbreiteten Jrrthum unterlegen ist; aber zum Ruhm kann ich das doch nicht anrechnen, wie Herrn. Scholz es verlangt. Zum Ruhm würde es ihr vielmehr nur gereichen, wenn fie uns endlich die verhärgnißvolle Goldwährung wieder abnehmen wollte. Redner bespricht sodann die üblen Folgen, welche in Folge der Silderentweithang in unseren Verkihrsverhältniffen eingetreten seien. Die Thaler könne man nur noch durch einen Zwangskurs als Zahlungsmittel neben dem Golde erhalten, in dieser künstlichen Werthsteigerung des Tbalers aber > Sporn zur Nachprägung; und in der That ließen Als Frau Bonnet die Mutter schluchzen hört, ent- schließt sie stch mit ihrer Lampe herüber zu kommen. Und liege ein. zw« Berliner Banquiers in der Schweiz Silderthaler prägen und machten damit ihr gutes Geschäft.(Hört, hört!) Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen.(Unruhe.) Die Schwankungen im Werthoerhaltniß von Gold zu Silber, die mit Meereswogen zu vergleichen find, haben eben solche Schwankungen in den Waarenpreisen zur Folge. Dabei ist aber unser gesammteS Nationalvermögen, eben weil wir die Goldwährung haben, zurückgegangen. Die Behauptung, daß durch die Goldwährung die Kaufkraft deS Beamten- standes erhöht sei, ist ebenfalls ein Jrrthum. Wie stehen damit die fortwährenden Anträge auf Ausbesserung der Gehälter im Einklang? Und wenn wirklich jene Be- hauptung richtig wä>e, sollten wir dann etwa lediglich der Be» amlen wegen die Goldwäh-ung behalten, während die ganze übrige Bevölkerung unter ihr seufzt und leidet? Ich zweiste nicht, daß der Erfolg der von uns beantragten Unsersuchung meine Ansichten nur bestätigen wird.(Beifall im Zentrum.) Kommiffarius Geh. Rath S ch ra ut: Meine Herten! Der Herr Vorredner hat in seine Ausführungen zwei Bemerkungen eingefügt, welche von dieser Stelle aus nicht unwiver- sp rocken bleiben können, weil sie geeignet find, die Zu» verlässtgkeit unseres Münzumlaufs in Zweifel zu stellen. Ich habe bereits im vorigen Jahre bei dem gleichen Anlasse die Bitte ausgesprochen, es möchte trotz der vollen Freiheit der Diskusston der Fehler einer allzu pesfimistt« schen Färbung unten s thatsächlichen Münzumlaufs vermieden werden.(Sehr richtig!) Wenn der tz-rr Vorredner in dieser Beziehung demertte, daß wir zur Zeit nur höchstens zwei Mil« Horden Baargeld hätten, wovon die Hälfte aus vnteiwcrthigem E-lber, die andere Hälfte aus Gold bestände, so ist dies nicht zutreffend. Es find ausgeprägt worden annähernd an 2 Milliarden Mark Gold, wovon nach den Schätzungen bimetallisti scher Schristst ller zur Zeit jedenfalls noch 1700 während die beiden Frauen den Kleinen zurecht mache«, klopft es: Die Hilfe kommt, zehn Franken, BilletS für Brot und Fleisch. Morisseau lacht wie ein Blödfinniger und sagt, daß man bei der Armenkommission immer den Abfahrtszug versäume. Ach! Diese arme kleine Kinderleiche, so abgemagert, leich wie eine Feder. Hätte man einen erfrorenen, von der Straße aufgelesenen Sperling auf daS Bett gelegt, so wäre es kein größere« Häufchen gewesen. Frau Bonnet, die nun wieder sehr zuvorkommend ist, hat eben erklärt, das Kmd würde nicht wieder lebendig werden, wenn man auch noch so lange neben ihm fastete, und erbietet sich, das Brod und das Fleisch zu holen, indem fie beifügt, daß sie auch Licht mitbringen würde. Man läßt sie gewähren. Sie kommt zurück, deckt den Tisch und trägt die noch ganz heißen Würste auf. Und die ausgehungerten MorisseauS essen gierig neben Karol, dessen klei- «'s weiße» Gesicht au« dem Schatten auftaucht. Der Ofen glüht, e« ist febr behaglich. Von Zeit zu Zeit füllen sich die Augen der Mutter; große Thränen benetzen ihr Brot. Wie schön warm könnte Karol es jetzt haben, wie gern würde er eine Wurst essen! Frau Bonnet will durchaus Wache halten. Gegen Mitternacht, als Morisseau endlich eingeschlafen ist, kochen sich die beiden Frauen Kaffee. Eine andre Nachbarin, die achtzehnjährige Weißnäherin, wird dazu eingeladen und bringt, um doch auch etwas beizutragen, einen Rest Brannt- wein in einer Flasche mit. Dann trinken die drei Weiber ihren Kaffee, Schluck auf Schluck, sprechen dabei ganz leise und erzählen fich Geschichten merkwürdiger Todesfälle; nach und nach erheben sie die Stimmen, ihr Geklatscht dehnt sich weiter aus, st« sprechen von den Hausbewohnern, vom Stadtviertel, von einem Verbrechen, das in der Straße Rollet stattgefunden. Zuweilen sieht die Mutter auf und betrachtet Karol, als wollte sie nachsehen, ob er sich nicht geregt hat. Da man den Tod nicht schon Abends angezeigt hatte, müssen sie den Kleinen noch den ganzen folgenden Tag im Hause behalten. Und weil sie nur eine Stube haben, so leben, essen, schlafen fie neben Karol. Manchmal vergessen sie ihn einen Moment; wenn sie ihn dann wiederfinden, ist es, als verlören sie ihn aufs neue. Endlich, am zweitnächsten Tage, wird der Sarg ge- bracht, nicht größer als eine Spielzeugschachtel, vier schlecht Millionen Mark Gold im Umlauf find.(Zuruf Mindestens!) Andere Schätzungen gehen höher— itb mich in dieser Beziehung an den bedeutendsten bimetallistiW Schriftsteller Ottomar Haupt. Auch im Jahre 1885 ist u») Gold reichlich zugeflossen, indem die Reichsbank in der W; war, den Betrag von 126 Millionen Mark Gold anzukaufen Die Bemerkung, daß der Sllderumlauf eine Milliarde detrüze, ist auch etwas übertrieben, er beträgt ungefähr 900 Millione« Mark. Darauf ist jedoch kein besonderer Werth zu legen. Bs Herr Vorredner sagte ferner, soweit ich verstanden habe: z®* Berliner Bankhäuser ließen in der Schweiz für ihre Rechnuvj Thaler ausprägen, welche ste sodann nach Deutschland n"' füg ten und dort in Verlehr setzten, um aus der HöhenwerihM der Thaler in Deutschland gegenüber ihrem wirklicken Sltdd werthe für fich einen velbrecherischen Gewinn zu ziehen. � Regierung hat der Frage, ob unsere Silbermünzen nachgepM werden, unausgesetzt ihre volle Ausmerkiamkeit zu Theil den lassen, es liegen indessen keine Anhaltspunkte dafür e« daß solche als Münzverdrechen zu charafteristrende Jw* Prägungen stattfinden. Bis zur Angabe des nSmf Beweismaterials muß ich in Folge dessen diese% fache direkt bestreiten, und ich glaube, daß der# Vorredner wohl Angesichts der schweren Schädigung, uwj für unseren Münzumlauf aus solchen Nachprägungen erwafflK» könnte, die Verpflichtung fühlen w.rd, der Regierung Material, welches er in dieser angelegenheit hat(große keit), zur Verfügung zu stellen.(Sehr gut! Beifall.), Abg. Kohren: Ich freue mrch, daß die Bimetallisten** diesem Antrage zum ersten Male einen praktischen Boden treten. Bisher haben fie in ipren unzähligen Schriften N« lediglich mit Problemen und Prophezeiungen abgf(W Meine wirthschaftlichen Freunde haben es mir verdacht, ich mich auf die Seite der Goldwährung gestellt habe, könnte ich eine Sache für gut hallen, welche von MonfflfF männetn, Leuten wie Bamberger und Delbrück, auszegawj sei? Es hat mir oft leiv gethan, daß in diesem Hause g Hr. Bamberger die Sache der Goldwährungrpartei im nK meinen oeitielen hat. Ich habe deshalb das Wort genßt# um den Schein vor dem Lande zu beseitigen, als ob t#� Abg. Bamberger ein Wort für die Golvwährung einÄ hat. Die Prophezeihungm der B-meialliften find säiM? nicht in Erfüllung gegangen]» der Silberwert» Z nicht gesunken, vie Reichsdant hat nicht durch% i ziehen der Diskonischraube daS nötbige Gold zur ihrer Noten heranziehen müssen, der Diskont ist von i'n zu bestreiten. Die stnkende Valuta hebt den Export un» dert den Import. Hier ist daS einzige Mittel für ve'säft Staaten, sich wieder herauszuarbeiten. Aber es gesäM.« dem Blut der Arbeiter. Ich bestreite aber, daß die% Verhältnisse Oesterreichs und Rußlands durch das CftimL» Silbers bei uns hervorgerufen find. Der Silberrubel in� Ü d'T fefe land gilt nur 2 M. So lange es den Bimetallisten lirgt, einen rusfischen Finanzminister aus ihrer Mitte zu w "........ der" Rußland und Oesterreich durch Einführung Währung auf die Beine helfen kann, lönnen diese keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung ihrer Verhältnisse erwarten. Der gesammte Welthandel ban.», der Goldwährung. Das mag man beklagen, aber es»Bj aus der Welt zu bringen. Wir würden den ganzen% Handel Deutschlands aufs Aeußerste gefährden, wenn Goldwährung aufgäben. Es ist kein Wunder, daß die Doppelwährung für andere Staaten wünscht, nur n®;, stch. Es könnte damit die ihm unbequeme Konk»rle% Dem Felde schlagen. Darum muß ich das ganze Vorge®°js Bimetallisten für eine internationale Doppelwährung*» tielftem Herzen beklagen.(Beifall links.) In der Kirche Dann geht es wird die Zeremonie weiter auf dem fch1 gezimmerte Bretter, welche infolge des ArmuthSzeui gratis geliefert werden. Und nun vorwärts! Mfi" zur Kirche. J Hinter Karol geht der Vater mit zwei K«»y die ihm unterwegs begegnet sind, dann folgt die y mit Frgu Bonnet und der nachbarlichen Näherin-�/ patschen bis über die Knöchel im Schmutze. Zwnl*ff es nicht, der Nebel fällt aber so feucht, daß er die � 5 durchnäßt. In der Kircke wird die Zeremonie gemacht. Pflaster. Der Kirchhof ist noch außerhalb der FeftusL, Man kommt durch die Allee von St Duen,* 1 Barriere, endlich ist man da. Ein weite« Feld,& gestreckt, mit weißen Mauern umfriedigt. Dort Gras, die aufgelockerte Erde bildet Wellen, in»?. steht eine Reihe dürrer Bäume, die den Himmel# schwarzen Zweigen verhäßlichen. J Der Leichenzug bewegt sich langsam auf dem � Erdboden vorwärts. Jetzt regnet es; während be* � 1 muß man auf den alten Pfarrer warten, der env g einer kleinen Kapelle tritt. Karol wird in der � schlafen, die vielen gemeinschaftlich zugehört. Da* 0 mit Kreuzen übersäet, welche der Wind umgewo*' j Kränze, die im Regen verfaulten, liegen daneben 1� ein Feld des Elends und der Trauer, verwüstet, 9 ji pelt, und dünstet diese Ansammlung von LenS„ji' welche der Hunger und die Kälte von Paris aus häufen.,, � A.. Es ist aus. Die Erde rollt, Karol ist auf dew � der Grube, und die Eltern gehen fort, ohne W. möglich gewesen, in dem flüssigen Kote nieder; den sie einsinken.#(1i Da es immer noch regnet und Morisseau zehn Franken der Armenkommission noch drei ladet er seine Kameraden und die Nachbarinnen QRloiwfMf in#»tmrtci«n ftA j« npftmRn„n• Ntik in s. Kfr % „ Abg. Z JJfcl) niema Kold vorh England ei �Arbeite Mn. han %% iP» «aoiervalu Auktion i der 1 & MB An i m zwei Liter. Als die Gesellschaft nach Paris zur sie sehr guter Dinge. Ach! daS Elend! V ss % ,.-.0. v. Kardorff: Auf di« Anariffe meines Freundes «tett will ich nicht weiter eingehen. Aber wenn er uns den -Mb gegeben hat, dafür zu sorgen, daß ein russischer Finanz- Muster zur Einführung der Golvwährung eingesetzt werde, so «i eS für ihn doch wohl näher, zuerst an sich selbst zu denken, 7?«mit so avodiltischer Echerheit über die russischen Ver« Mtniffe gcurtheilt hat.(Heiterkeit.) Ich lege jedoch, wie be- mit, auf seine Ausführungen nicht soviel Gewicht, als auf M Jiede des Herrn v. Scholz, die einen großen Eindruck im «Mve gemacht hat. Ich siehe in der Benehung mit dem preu» BiW'N Henn Finanzminister auf demselben Boden. Wie er, M auch ich Anhänger des protektionistischm Systems, der Mrekten Steuern und des Fürsten Bismarck.(Lachen links.) u» wohl! Ich habe mich stets der Energie gefreut, mit welcher « die Angriffe zurückgewiesen hat, dre Sie(links) auf den �ho! bn den Sozialdemokraten.) Daß ein Vertrag, wie >hn wünschen, seine Schwierigkeiten hat, gestehen wir Ü. L. ki>l. Die erste Währungskonferenz in Paris ist gerade �diesem Punkte gescheitert. Aber die Schwieogkeiten werden N beheben laffen, sobald die. Rcichsregierung nur unserem ««schlage ernstlich näher treten will. Sie braucht nur ein Mtz zu machen, in dessen§ 1 bestimmt wird, daß die oirlulation und die Prägung Gold und Silber freigegeben Iii?' in dem in einem weiteren Paragraphen dem BunveS- We die Ermächtigung ertheilt wird, das Gesetz in Kraft zu rtzen, sobald die Vereinigten Staaten, Frankreich, Holland r|l- w. analoge Gesetze in Kraft ges tzt haben werden, sowie m wntere Befugniß, die Silderprägunz zu suspendiren, sobald >n nnem dieser Staaten dies geschehen ist. Die Behauptung, M wrr durch einen Liährungsoertrag dieser Art in eine Ab- M'gkeit vom Auslände gerathen würden, ist absolut un- "Mig, wie mein Freund Arendt nachgewiesen hat. Es ist Merholt darauf hingewiesen, daß eine große Menge von Um- Jl darauf hingearbeitet haben, die Preise aller Produkte zu .mäßigen. Die Frage ist nun, weshalb trotzdem daS Preisniveau tat S st* gehoben und so die Produktion lebendig erhalten. K.- Der Grund dafür liegt einzig und allein in dem freien .�»strömen der Edelmetalle in den Verkehr. Dieser Prozeß m.M«biochen durch die Aechtung deS Silbers, die auch den Preissturz herbeigeführt hat. Herr v. Burchard hat erklärt, es N fildstverständlich, daß die ReichSregierung eine so wichtige Sr?' aufmerksam perfolge. Wir wünschen aber lebhast, daß leta. �m Studium der Währungstrage auch daS nicht über- iüt>.?öge, was von wissenschaitlicher bimetallistischer Seite es.ta?�e beigebracht ist. Herr Woermann hat gemeint, daß «nd« unmöglich sei, eine feste W�rthrelation zwischen Gold Weif. ZU finden, als zwischen Heu und Hafer. Ich ver« folrii. m auf den Professor L-xts. der g-sagt hat, daß eine .�-Parallele heiße, die Grundbegriffe der Volkswirtbschaft MilMriren, welche unterscheidet zwischen Dinge, welche eine di�t �nkte Vermehrung zulassen, und solchen, welche sich »c! anmehren laffen. Daß England sich zurückhält in dieser s�'gung. ist selbstverständlich. Dort spricht die Landwirth- ist dort ganz ähnlich hegen aber, die wir befitzen, erhebt �............... oder untergehen L.................. �ung ist uns aber nur durch den Bimetallismus möglich. «er nicht mit, sie ist dort ganz zurückgedrängt von fr,', Industrie und ähnlich liegen die Dinge in WNIreich. Bei unS aber, die wir noch eine h bens- rt IX �tandwirthschast besitzen, erhebt sich die Frage, z. wir dieselbe erhalten oder untergehen laffen sollen. Diese Ob nhff«iir hiirrf» hptt tht-i"1,'11 Antrag angenommen wird, darauf legen wir keinen �scheidenden Werth und auch nickt auf die Rede des Herrn Entscheidend ist allein die Frage, wie■ ?«chskanzhr stellen zu der Frage.(Lehr richtig wird t sich der Er �-««-uanzrer neuen zu oer Mage. zweyr ntpug: links.) esr ejit einzige Mann, welcher eine Lösung dieser Frage herbei- mvren kann Mi? henm w» k�affnung, daß, wie er die Zoll- so auch in der Münzftage kann. Wir hegen die Hoffnung, daß, wie er die Zoll- »-. iL keine Hand genommen, so auch in der Münzftage a? Standpunkt der Herren verlassen wird, auf den er sich jetzt taÜ V®,1 denselben nicht hebaupten können gegenüber Rothstande unseres Landes und darum wünschen wir, daß dresen Slandpunlt bald verläßt.(Beifall rechts) Abg. Auer: Die Sozialdemokraten haben in dieser Frage Jfch niemals daS Wort ergriffen. N cht die Frage, ob genügend Md vorhanden ist, od die Doppelwährung mit oder ohne »ngland eingeführt werden soll, auch der indische Weizen hat «Js nicht veranlaßt, das Wort zu nehmen, sondern Mein der Umstand, daß der Bimetallismus die «reise steigern soll. Darin liegt eine Gefahr für Arbeiter; denn eine Erhöhung der Preise vermindert den Mn. damit die Konsum'ähigkeir der Arbeiter und schließlich "e Nrodultton. An der allgemeinen Wirthschaftskrifis ist nicht Währungsftage schuld, denn in Amerika, wo die Silber- �agung noch in großem Umfange besteht, ist sie ebenso groß, SJe bei uns. Ebenso schlimm steht es in dei N-rvaluta. Die Ursache der Krists liegt in der gooultton, welche die Millionäre vermehrt, aber die arbeiten ».".lassen immer mehr zum P-oletariat heraddrückt. Die Massen werdm konsumunfähiger. Durch die neue Zoll- shMk sollte alles besser werden, der neue Zolltarif ist einge- � man hat 1884 noch einmal nachgeholfen und wir stehen Iiis, sOenso schlecht, ja noch schlechter als früher.(Redner ver- Sk�rcmf eine pathetische Aeußerung Adolf WagnerS für die Hj, �»Goldwährung.) Wer damals Herrn Wagner widersprochen der wäre ein Reichsfeind genannt worden. Wer heute »ft?.?imetallisten Wagner widerspricht, der ist(in Landes- „ta.(Beifall und Heiterkeit links.) � Uhr erhält Abg. Dr. B a m b e r g e r daS Wort. lOota-.' Auf die Tribüne l) Laffen Sie mich nach meiner Ge> z��heit vom Platz aus sprechen— ich fürchte auf der Tri- !ftijlUu..kehrerhaft zu werden— und schenken Sie mir einige sthr. kamkeit; ich verdiene sie. Ich bin ja gewohnt, um 5 lUUr kvrechen, die schwersten Verbrecher lichtet man immer (Hriterkeit.) Mir war lange Zeit nicht so heiter zu wie bei der heutigen Tebaite, und zwar wegen des hJ;*' welchen die Herren, die sich unter den Schutz des An- , vuene gestellt haben, seit drei Wochen zurückgel�t haben. ßeküvta? k>rei Wochen hat die ganze bimctallistische Presse an- schrillest, jeyt wolle sie gegen Herrn v. Sckolz im Sturm- »�..««ogthen und einen rnternationalen Währungsvertrag k�la».' Setzt bequemen sich die Herren dazu, einen Vor« « ZU, Machen, von dem ich mich wirklich fragen muß, war *%. den Reichstag mit einer solchen Luft- zu beschäftigen? Und einen solchen Antrag i die Konservativen, die sonst für Alles was von der Regierung kommt, die ■umdeSverrath halten, waS stch ihr entgenflellt. ja bata-v Gewissen Ihnen erlaubt, solche Anträge zu stellen, Ksgikt,.* �chts dagegen, daß ist Ihre Sache und Sache der Ag,.-..ug. Ferner, achthundert Bauernvereine haben auf Ihre Jkh-n<5?kärt, man müsse schnell zum Bimetallismus über- die b,.„�kse find also nach Ihrer Ansicht völlig ausgebildet, ftivo TjGen nichts mehr zu lernen; aber die dumme Regie- dri»,�««etß nichts!(Große Heiterreit.) In welche Lage !*:eckii»« denn die Regierung V Haben Sie etwa gar den keinen IL Gedanken, der Reichskanzler müsse noch etwas Hoch»'(Stürmische Heiterkeit.) Das grenzt doch beinahe an Ich glaube ja, daß der Reichskanzler, wenn er «bir ,1*1 Seite träte, unser gutes Münzsystem zerstören könnte, ju Stonx?«uerhasten intei nationalen Vertrag kann er nicht .dringen, und er ist klug und gewissenhaft genug, .Musehen. Deshalb wird er Ihren bedenklichen folgen. Ist es_ ferner nichts eigen in den Ländern mit kapitalistischen uK -o". s*, gestern grade aus Paris eine Devcsche in der französtschen ?«ch Herr von Soudeyran in der französtschen 'ergati«eantragt hat, die dortige Regierung möchte einen «Ualen Doppelwährungsverlrag abzuschließen versuchen? Gleichzeitig wurde unS hier der Anftag Huene eingebracht. Genau ein ähnlicher Antrag deS Herrn v. Soubeyran stand Anfang März des vorigen Jahres in der ftanzöstschen Kammer zur Verhandlung, gerade als wir hier wiederum über unser Münzwesen debattirten.(Hört, hört!) Ich bin ein zu frommes Gemüth, um an Zufall zu glauben. Herr v. Kardorff wird wohl trotz der führenden Stellung, die er hier einnimmt, mehr geschoben, als er schiebt. Jenes Zusammentreffen der franzö- stschen und unserer Anftäge ist doch wohl nur berechnet auf Amerika, wo der Kampf um das Silber jetzt lebhafter ent- brannt ist als jemals. Der heutige Antrag hat auch noch den Zweck, so harmlos er aussieht, wenn er angenommen wird, einen großen Lärm in der bimetallistischen Presse zu bewirken über einen angeblichen Erfolg der bimetallistischen Sache.(Sehr richtig! links.) Redner geht sodann auf die angeblich in Folge der Gold- Währung stattgehabten Preisschwänkungen näher ein, be- merkt, daß die statistischen Angaben der Gegner durchaus ten« denziös und unzuverlässig ausgewählt seien. Man sage, der Schuldner sei im Zweifelsfalle vor dem Gläubiger zu bevor- zugen. Ist der Schuldner etwa der arme Mann? Der bezahlt von Woche zu Woche. Die Masse der Schuldner ist in den mittleren Kreisen, bei dm Aktimgesellschaften mit ihren Priori- täten und Obligationen, in den großen Geschäfts- und In- dustriekreisen. Von armm Schuldnern kann also nicht die Rede sein. Man sagt, die Goldproduttion sei in der letzten Ziit zurückgegangen um einige Millionen. Was will daS sagen gegenüber der unbestrittenen Tbatsache, daß in den letzten 20 Fahren viel mehr Gold in die Welt gebracht worden ist, als in den vorausgegangenen 350 Jahren?(Hört, hört!) Wenn Sie nicht Scheuklappen vor den Augen haben, müssen Sie auch sehen, daß die dmtschm Kredit- und Münz- Verhältnisse noch nie so glänzend waren wie heute. Die französische Bank hat über 2 einhalb Mal so viel Bestand an Noten wie an Gold; die deutsche Reichs» bank hat noch nicht einmal daS Doppelte an Noten wie an Gold. Von dem früher uns immer vorgehaltenen angeblichen Abfluß des Goldes nach Amerika spttckt heut Niemand mehr; im Gegentheil, von Amerika kommt das Gold zu uns. Die Herren Landwirthe, die für Doppelwährung schwärmen, erin- nere ich aufs Neue: Sie können die Landwitthschaft nicht tiefer schädigen, als wenn Sie am Kreditsystem des Lindes rütleln. Dadurch aber, daß Sie schlechtes Geld einführen, verschlechtern Sie den Kredit deS Landes und werden höhere Zinsen bezahlen müssen, als zur Zeit, wo der Zinsfuß noch immer im Sinken begriffen ist. Wäre ich der Bundes- rath, der ich glücklicherweise nicht bin(Heiterkeit), so würde ich auf Ihren Antrag antworten:„Ich will mich bemühen, fleißig zu studiren; aber seid Ihr auch recht fleißig." Für mich, für Deutschland, für die Welt ist dei diesem Antrage nur wichtig, daß wir konstatiren können: Herr v.Kar- dorff und seine Anhänger haben vor dr-i Wochen noch ange. kündigt, sie wollten den Entwurf eines internationalen Doppel- währungsa träges vorbringen. Seitdem haben Sie stch aber auf den Weg zu diesem Antrag Huene begeben. Heute vielleicht erreichen Sie den Hof mit Müh' und Noch; aber in Ihren Armen das Kind ist tobt.(Heiterkeit und lebhafter Beifall linkSO Trotzdem nach dieser Rede mehrfache Rufe nach Schluß laut werden, entscheidet sich eine kleine auS den Konservativen und dem Zentrum bestehende Mehrheit für die Vertagung der Debatte. Schluß 6 Uhr. Nächste Sitzung Donner st ag 1 Uhr. (Rechnungsvorlagen; Fortsetzung der abgebrochenen Debatte.) AbaeordnetenhauS. 17. Sitzung vom 10. Februar, 11 Uhr. Am Ministetttsche während der Berathung der Anträge v. Sckorlemer-Alst und v. Dziembowski Niemand. Auf der Tagesordnung stehen die beiden Anftäge bezüglich des§ 27 der Gischäftsordnung.— Der Antrag deS Abg. v. Schorlemer- Alst lautet:„Den§ 27 der Geschäftsordnung kür das HauS der Abgeordneten mit allem dazu ge- hörigen Matertal an die GeschättSordnungSkommisfton behufs Berichterstattung, event. Formulirung einer allen Zweifel auS- schließenden Fassung zu verweisen." Der Anirag v. Dziembowski und Genossen lautet:„In Erwägung, daß der Versuch gemacht ist, den§ 27 der Geschäftsordnung im Widerspruch mit seinem Zweck, seiner Ent- stehungsgeschichte, seiner bisherigen Anwendung, sowie mit der Natur der Sache auf solche Resolutionen zu beziehen, deren allgemeiner Inhalt eine finanzielle Vorprüfung nicht geftattet, in Erwägung, daß es stch hiernach empfiehlt, einer der- artigen unberechtigten Berufung auf den bezeichneten Para> graphen für die Zukunft vorzubeugen, die Geschäftsordnungskommisston zu beauftragen, eine den vorstehenden Erwägungen entsprechende Fassung deS§ 27 der Geschäftsordnung in Vorschlag zu bringen. Nach längerer DiSkusston, an welcher sich die Abgg. von Schorlemer, Gneist, Dr. Hänel, v. Zedlitz, Windthorst, Bachem und Rauchhaupt detheiligten, wird der Antrag von Dziem- bowski gegen die Stimmen de» Zentrums, der Polen, der Freifinnigen und deS Abg. Berger an die um 7 Mitglieder zu verstärkende GeschäftsordnungSkommission ver- wiesen; der Antrag v. Schorlemer ist damit beseitigt. Nachdem hierauf noch die Petition der Schornsteinfeger- Innung zu Frankfurt a. M. um Erlaß eineS Gesetzes wegen Eintheilung der Stadt in Kehrbezirke nach längerer Debatte, an welcher sich die Abgg. Zelle, v. Mey er- Arnswalde, Metzner und v. Minntgerode betheiligten, durch Ueber- gang zur Tagesordnung erledigt worden, vertagt sich das Haus. Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. (Justizetat.)_ Kommunales. w. Wahlprotest. Der von der Etadtoerotdneten Ver- sammlung eingesetzte ständige Ausschuß zur Vorp:üfung der Giltigkeit der Stadtverordnetenwaylen hat am Dienstag Abend über den Protest gegen die Giftigkeit der Wahl des Stadt« verordneten Vortmann(Gegenkandidat Pickendach) berathen. Uebereinstimmend war man hierbei der Anficht, daß die meisten Puntte des Protestes allgemeine Behauptungen enthalten, die durch nichts bewiesen seien und die, wenn man ihnen irgend eine Ber«ch>iguna zuerkennen wollte, die Ungiltigkeitserklärung fastljeder Wahl herbeiführen müßten. Eine Meinungkverschie- denyeit trat nur in Bezug auf die in dem Protest enthaftene Angabe hervor, daß einem Unterbeamten, als derselbe seine Stimme für den Gegenkandidaten abgegeben hatte, von dem Wahlvorsteher zuzeschrien worden sei„Sie werden entlassen", und daß dies zu einer Zeit geschehen sei, alS viel Unterbeamte im Wahllokale anwesenv waren, sowie daß ein solche? Auf- treten deS Wahlvorstehers viele Wähler zurückschrecken mußte. Im Anschuß ging auf einer Sette die Anficht dahin, daß, wenn eine solche Aeußerung seitens deS WahlvorfteherS wirklich gefallen sei, eine gewisse Beängstigung der bet.effenden Wähler wohl herbeigeführt und die Freiheit ver Wahl dadurch beeinflußt sein könne, es müsse deshalb alS angezeigt erachtet werden, den Magistrat ,u ersuchen, hierüber Ermittelungen an- zustellen und bis nach Abschluß der bezüglichen Unter. suchungen die Giltigkeit der Wahl des Herrn Bort- mann zu beanstanden. Die Majorität des Aus- schusses war jedoch der Anficht, daß die Aeußerurg, „Sie werden entlassen", insofern als eine Drohung nicht auf. zufassen sei, als der Wahlvorsteher es gar nicht in der Macht habe, den Angestellten einer Behörde zu entlassen, und da auch in keiner Weste und durch keine Mittel festzustellen sei, inwic- weit eine solche Aeußerung auf andere Wähler von Einfluß gewesen sein könnte. Der Ausschuß hat hiernach auch diesen Punkt des Protestes als nicht unter Beweis gestellt erachtet und wird der Stadtverordneten- Versammlung empfehlen, den Protest im Ganzen als unbegründet zurückzuweisen. Ueber die prinzipielle Frage, ob die Versammlung sämmtliche Wahlen? also auch diejenigen, gegen welche kein Protest eingegangen ist, zu prüfen hat, wird der Ausschuß sich in einer nächsten Sitzung schlüssig machen._ Kokales. Ueber Branntweinbrenner und Destillateure in Berlin schreibt Nicolai vor hundeit Jahren: Letztere bereiten aus ge- wöhnlichem Branntweine feinere Arten ober Ligueure. Einige treiben die Branntweinbrenneret sehr in'S Große, besonders Ludwig George in der Zimmerstraße und Benjamin Claude in der Französischen Straße, deren Brennerei und ansehnliches Lager auch für einen Fremden wohl sehenSwerth ist. Ein Brannt- weiabrenner, der brennen will, läßt sich über sein zur Mühle ge- schickt-sGefteide einenWagezettel geben, gehet damit auf die Akzise, giebt vermöge desselben die Anzahl der Scheffel an, die er brennen will, und erhält einen Erlau bnißschein dazu. Er de« zahll von jedem Eimer Branntwein 10 Gr.(der Eimer wird ihm gerechnet zum Verkauf eu gros zu 64 Quart, eu detail zu 60 Quart); von jedem Scheffel Getreide muß er von Weizen 18, von Roggen 14 und von Gerste 12 Quart versteuern, was die Branntweinbrenner, um alle Weitläufigkeiten zu ersparen, selbst übernommen haben. Die KommiS der Regie müssen über den Bestand deS Branntweins ihre genauen Register führen, weS- wegen der Verkauf im Großen und Kleinen sehr genau angegeben werden muß, weil danach die Abgaben eingenchtet werden. Die Branntweintaxm werden alle halbe Jahre vom Polizei- Direktorium gemacht.— Bis zu Ende des 16. Jahrhunderts diente in Ber« lin der Branntwein nicht als Genußmiftel, sondem nur alS Medikament und führte als solches den ihm von ArnolduS de Villanova beigelegten Namen„Aqua vitae"(Lebenswasser). Michel Schrick schreibt in seinem 1482 zu Ulm verlegten Buche über„Die usgepranten Wasser" von dem„ge- pranten win" folgendes:„Der geprant win ist gut für das gücht(Gicht) dormit bestrichen. W-r hayser sei, d-r bstreich sich mit gebrante win umb den Hals u. trink in drey morgen nüchtern. Auch wer alle morgen trinckt gepranten win ain halbe löfel voll der wird nymer lranck. Item wan aineS sterben soll, so geuß man im ain wenig gepranteS winS in den munt er wird wreden von finem tob. Der geprant win ist auch gut den menschen, den daS hopt(Haupt) wee tät. Wer sin hopt mit zwabet der ist allweg schön on lang iung u. macht gut gedächtnuß, der geprant win sterckt de menschen synn un witz. Wer sin antlitz damit zwabet, der grämet nicht u. s. w."— Erst zu Ende des 16. Jahrhunderts kam man auch in der Mark dahinter, daß Branntwein ein „vorzügliches Geftänk" sei, die Herstellung desselben nahm raschen Ausschwung und schon 1595 findet sich unter den Ein- künsten des Berliner Magistrats ein Blasenzins. Anfänglick wurde bei der Fabrikatton nicht allgemein Korn, sondern meist verdorbener Wftn verwendet; die Branntweinbrennerei aber war es auch, die(den Berliner und märkischen Weinbau wehr und mehr verdrängen half. Ueber die Stempelpflichtigkeit der WohnungSmieths« vertrage herrscht noch vielfach Unkenntniß. Um etwaigen Unterlassungssünden vorzubeugen, möge zur Aufklärung fol- gendeS dienen: MiethSverträge über einen Betrag bis zu 150 M. bedürfen keines Stempels, von 150 M. eines Stempels von 50 Pf., über 150 M- bis 300 M. eines Stempels von 1 M, über 300 M. bis 450 M. einschließlich eines Stempel» von 1,50 M. jc. dergestalt, daß je 150 M. mehr Miethe 50 Pf. mehr Stempel erfordern; stillschweigende Verlängerungen sind ebenfalls stempelpflichtig und muß Miether seinen Kontrast innerhalb 14 Tagen vom Kündigungstermin an von neuem stempeln laffen. Namentlich die letztere Bestimmung ist von Wichtigkeit und der Beachtung zu empfehlen. Von einer Millionen-Erbschaft, die einer armen Ber- liner Familie zugefallen, wird folgendes berichtet: Vor mehreren Jahren verstarb in Reppen der Echuhmachermeistcr Friedrich Plocke; er hinterließ eine Wittwe und vier Kinder in ärmlichen Verhältnissen. Die Wittwe und die älteste Tochter starben auch bald, und die beiden Söhne verzogen nach Berlin, wo die jüngere Schwester bereits seit längerer Zeit in Dienst stand und sich auch verheirathet hat. Ein Bruder deS verstorbenen Vaters Plocke war vor längeren Jahren nach England und von dort nach dem südlichen Afrika ausgewandert und ist dort im Kapland vor etwa fünfzehn Jahren mit Hinterlassung mehrerer hunderttausend Mark, die jetzt mit den Zinsen auf über eine Million angewachsen find, unverheiratbet gestorben. Den hier ansässigen Plocke's, die Neffen und die Nichte deS Verstorbenen, ist eS nun nach vielen vergeblichen Bemühungen gelungen, sich als die alleinigen Erben ihres in Kapland verstorbenen Vater- Bruders zu legitimiren und wird diesen Dreien in Folge statt- gefundener Vermittelung des Reichskanzleramts die geerbte Million Mark demnächst ausgezahlt werden. Ueber die Lohndteuerbörse schreibt man der„Voss. Ztg.": Wer Vormittags gegen 12 Uhr die Schwede'sche Äeißdterstube in der Mauerstraße betritt, wird verwundert sein über daS Publikum, welches er dort trifft. Der ganze ziemlich große Vorderraum ist von einer Kopf an Kopf aedrängten Menschen- menge gefüllt. Ein Stammtisch nur, an welchem einige alten Herren ihrer gewohnten Partie„Echaftkopf" obliegen, befindet sich in seiner gewohnten Verfassung. Allen anderen Gästen aber steht man auf den ersten Blick an, daß sie den gleichen Beruf haben. Jeder steckt in feierlich schwarzer Kleidung, das Gesicht ist meist glatt rastrt, und wo sich etwa ein Bart her- vorwagt, beschränkt er sich auf einen schmalen Strich vom Ohr herunter bis in die Gegend der Oberlippe. Von Zeit zu Zeit öffnet sich die nach dem Nebenzimmer führende Glasthür und ein Name wi'd aufgerufen, worauf der Besitzer desselben eiligst dem Rufe Folge leistet, um nach wenigen Minuten mit der Miene der Befriedigung das Nebenzimmer wieder zu verlassen. Das ist die Berliner Lohndienerbörse. Hier versammeln sich jeden Vormittag die augenblicklich beschäftigungslosen Lohndiener Berlin?. Im Nebenzimmer sitzt der Agent der Börse, selbst ehemals Lohndtener. An ihn wenden sich die Herrschaflen, wenn sie eine Verstärkung ihres Dienstpersonals bedürfen, oder auch wenn ihnen ein Bediensteter unvermuthet auf und davon gegangen ist. Er weiß immer Rath, ihm steht immer eine große Anzahl von Slellenlosen zur Verfügung. Die Leiche de» Tapezier«, der am Sonntag Nachmittag auf der Unterhavel bei Schrldhorn ertrank, wurde vorgestern Abend durch Kollegen mittels eines Wogen» nach Berlin überführt. Der Verftorbene beißt A. Kubusch und war Theilnehmer einer größeren Berliner Möbelwaarenfadrik in der Leipziger- stroße. Er besuchte seit mehreren Jahren gewohnheitsmäßig fast jeden Sonntag Schilbhom, um dort zu angeln. Der Un- glückliche ging bei dec Katastrophe nicht sofort unter, sondern dielt sich noch einen kurzen Moment über Waffer, wahrend- dessen von den Augenzeugen der Szene Versuche zur Rettung gemacht wurden. Man reichte dem Ertrinkenden eine Feuerleiter, die derselbe auch zu erfassen suchte. Die Kraft hatte ibn aber bereits verlassen und er versank vor den Augcn der �Etne'Versicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit in Liquidation bat ein unendlich zähes Leben. Eine solche besitzt in Berlin ein eigenes Haus, sie hat zwei Direktoren mit je 20 000 M. Gehalt, ein Bureau mit zirka 20 Beamten, und die Hauptlhätigteit dieses Apparates beschränkt sich auf die Klagen g-gen jene Unglücklichen, deren Polizen noch nicht abgelaufen find. Das Beispiel zeigt, daß sich zu lange Kontrakte mit nicht ganz berühmten VerstcherungS-Gcsellschasten auf Gegenseitigkeit nicht empfehlen. Da» Polizeiprästdium hat eine Anordnung getroffen, die einem humanen Sinne entspringend mit Freuden zu be» grüßen ist. Es ist angeordnet worden, daß berauschte oder anscheinend berauschte Personen, welche von den Beamten auf der Straße aufgefunden werden, zunächst nicht nach der Polt« sondern nach der nächsten Santtätswache gebracht zeiwache,.. werden sollen. Handelte es fich einfach um Betrunkene, so würde die Maßregel kaum getroffen worden sein. Mit ihnen würde man kein Mitleid zu haben brauchen, eS wäre auch nicht recht erfichtlich, welche Hilfe ihnen die Sanitätswache ange> deihen laffen sollte. Der Nachdruck in der polizeilichen Anord« rung ist jedenfalls auf das Wort„anscheinend" Berauschte gelegt. Allzuoft ist eS schwer zu unterscheiden, ob eine besin- nungslos od« in erregtem Zustande bettoffene Person betrun« ken oder erkrankt ist. Kein Zweifel, es find in dieser Beziehung schon Jirthümer passtrt, die wenngleich nur auf entschuldbaren Hrrthum beruhend, doch verhängnißvoll geworden find. Es ist nicht Sache der Sicherbeitsbeamten, eine ärztliche Diagnose zu stellen und auf den Polizeiwachen befinden fich keine Aerzte, können bei dn großen Zahl der Reviere auch nicht Aerzte an« gestellt sein. DaS nunmehr getroffene Auskunftsmittel scheint allen billigen Anforderungen zu entsprechen. Auf den Sanitätswachen allerdings scheint man, wenn wir einer Mittheilung vertrauen können, die von dort auS in die Oeffcntlichkeit lanzirt ist, nicht sehr erbaut zu sein von dieser Art deS ArdeitSzuwachses. Man hat wohl gerade mit Be« trunkenen, die schwer zu regieren find, dort unliebsame Er- fahrungen gemacht. Trotzdem sollen fie in ein« Zeit, in der fie mit aller Kraft auf— eine städtische od« staatliche An«- kennung und Subventionirung rechnen, mit Freuden jede Ge» legenheit ergreifen, die ihnen beweist, daß man mit ihnen als einem im öffentlichen Leben mitsprechenden Faktor rechnet Erst kürzlich hat man Betrunkene nach der Santtätswache ge- bracht, die bei der großen Kälte der letzten Tage fast«starrt waren. Hätte man diese Unglücklichen direkt nach dem Polizei« revi« geführt und dort, ohne die ihnen in der SanttätSwache gewordene ärztliche Hilfe zum Ausschlafen ihres Rausches in die Zelle gesperrt, so würden fie wohl biS zum jüngsten Tage geschlafen haben. Nicht der Trunkenbold allein ist solcher Ge« fahr ausgesetzt. Auch dem anständigsten Menschen kann Aehn- licheS pasfiren. In der Riesenstadt treten plötzliche Erkrankungen auf d« Straße: Schlaganfälle, epileptische Anfälle, plötzlicher Ausbruch von Jnfinn u. s. w. viel häufig« ein, als man an« nimmt. Ist d« Prozentsatz d« Fälle, in denen eine irrthüm liche Beurtheilung d« Krankheitserscheinungen vorkommt, auch ger, so find solche Fälle doch immerhin vorge- nur ein gering...... kommen. Daß nach Kräften nun dem vorgebeugt werden soll, daß Kranke nicht als Betrunkene in die Zelle eingespent werden sollen, ist eine Anordnung, die überall Befriedigung«regen wird. Poltzei-Bericht. Am 8. d. M Morgens fiel eine Frau auf dem Hofe des Grundstücks Frankfurter-Allee 26—27 in Folge AuSgleitens und brach daS Bein.— Am 9. d. M. Morgens wurde auf dem Flur des Hauses Blumenstr. 75 die Leiche eines etwa sechs Monate alten Kindes, in ZeitungSpapier gewickelt, aufgefunden.— An demselben Tage Nachmittags stürzte ein berittener Schutzmann in der Königgrätzerstraße vor dem Hause Nr. 138 mit dem Pferde und erlitt dabei einen Bruch des Schlüffelbeins, so daß« mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 10. diese? Monats entstand in einer Wohnung deS HauseS Nostiz- strafte 16 Feuer, indem die Balkenlage unter der Kochmaschtne in Brand gerieth. DaS Feu« wurde von der Feu«wehr ge- löscht._ Gerichts-Zeitung. Der unter so eigeuthümliche« Umständen erfolgte Tod des Redakteurs Richard Füterbock wird nun doch noch daS hiifige Landgericht l beschäftige«, indem der Vormund der Hinterbliebenen Kinder des Verstorbenen, Gnichtsberichterstatter S. Fraenkel, gegen den angenommenen Urheber dieser traurigen ataftrophe, dm Eteueraufteher Richard Maas, die Zivilklage auf Entschädigung seiner Mündel angesttmgt hat. Aus diesem vom Mandaten deS KlägnS, Rechtsanwalt Dr. Salomon v«- faßten Schriftstück, in welchem auf die in den Strafakten mt« haltene Darstellung Bezug genommen ist,«halten wir das erste richtige Bild von dem wirklichen Sachverhalt. Darnach v«« trat an dem bewußten Abend deS»weilen Pfingst« eiertageS v. I. der Beklagte den Wirth deS Goebel'schen Lais, Jnvaltdenstraße 40. Der Verstorbene hatte dortselbst eine Zeche von ca. 4 Mr. gemacht und, als er dieselbe um 11 Uhr bezahlen wollte, wahrgenommen, daß er nicht genug Geld bei fich habe. Er bat daher den Maaß, ihm auf seine werthvolle Uhr zur Bezahlung sein« Zeche ein kleines Darlehn zu ge. währm, wurde jedoch mit diesem Wunsche nach der Bekundung mehrerer Zeugm in schroff« Weise zurückgewiesen. Infolge dessen entschlüpfte ihm das Wort„Flegel", worauf er von Maaß eine gewuchtige Ohrfeige erhiett. Trotzdem bat I. den letzteren wegen deS ihm unabfichtlich entfallenden Echimvfworts um Entschuldigung. M. ab« antwortete:„Ach was, bei mir wird nicht entschuldigt, seien Sie froh, daß ich Ihnen nicht die Knochen am Leibe z«schlagen habe." Als I. hiergegen Einspruch «hob, versetzte ihm Maaß eine größere Anzahl von Faustschlä' gm ins Gcficht, biS n röchelnd unv im Fallm seine Wohnung angebend zu Boden sank. Die angestellten Wiederbeledungs. versuche warm fruchtlos. Dies« Thatbestand war den obduzirendm A«ztm zur Zeit der Sektion nach gar nicht bekannt. Dieselbe«gab nm alS Todes- Ursache den Eintritt eineS SchlagfluffeS, ohne daß fich ein Zusammenhang desselben mit den erlittmen Verletzungen fest« stellm ließ. Professor Dr. Lima««achtete eS üdrigms für wahrscheinlich, daß dn Schlaafluß in Folge großer Aufregung «ingetteten ist. Die in der Klage beanspruchte Entschädigung beziffert fich auf ca. 9000 Mark.— Dies« eklatante Fall einer Mißhandlung wird hossmtlich für die Ausfüllung einer Lücke in unserer Sttafgesetzgebung die«forderliche Anregung geben', denn nur dem Umstände, daß d« Gemißhandelte sofort sein Leben»erlor, verdankt der Thät«, daß er strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Daß der Gesetz- geber bei einem so traurigm Ausgang ab« nicht eine Prämie auf die That setzen wollte, ist einleuchtend; eS muß deshalb Vorkehrung getroffen werden, daß, g«ade wie bei minder- jährigen Personen, ein« durch Mißhandlung schw« verletzten Person, die selbst nicht mehr in der Lage ist, einm Straf- anttag zu stellen, zu di-sem BeHufe ein Kurator bestellt werdm kann.— Ueber den Verlauf und AuSgang de» ProzeffeS wftden wir sein« Zeit derichtm. Soziale»>»«>> Arbeiterbewegung. Nürnberg, 9. Febmar. Der Streik der Zwicker in d« Brust'schen Schuhfabrik ist b«eits demdet. Heute früh fand eine Einigung zwischen den Arbeitern und dem Fabrikantm statt, nach welcher letzterer fich bereit«klarte, von seinen un«- hörtestm Forderungen Abstand zu nehmen und bel den meisten Artikeln wied« zuzulegen. D« Abzug bettagt jedoch imm« noch 20 bis 25 pCt. Die Arbnter haben fich rn Anbetracht der schlechtm Jahreszeit vorläufig gefügt. Die»ollektivtftischen vestrebungen deS Groftbetriebs, wie fie in den von Jahr zu Jahr im WirthschastSlebm eine mächtige Rolle spielenden Aktiengesellschaften und anderen Ilntemehmunaen zu Tage treten, zeigen fich auch recht deutlich in den Kartellen, Konventionen, Verbänden von Industriellen einer Branche auf nationaler oder internationaler Grundlage zum Zwecke der Regelung d. h. Einschränkung der Produktion. Die Anarchie unserer Produktionsweise richtet solche Ver> heerungm an, daß die Kapitalisten gezwunam»«den, um fich einig«maßen zu schützen, in Gruppm zusammenzutreten und über die Pro'—-----— Produktion ihr« Industrie eimgermaßm Kontrole zu üben. ES einigen fich z. B- die englischen, ftanzöfischen und deutschen Schienenfabrikanten, gleichmäßig in einem bestimmten Verhältniß die Aufträge, die für ihre Waare einlaufen, unt« sich zu vertheilen. Man steht aber, die modeme Wirthschafts- weise sprengt bereits die ihr zu eng gewordenen Formen und drängt auf eine andere Gestaltung der Produktionsweise. So hat fich jetzt wied« eine neue Konvention, die der Gasflamm« kohlenzechm im Ob«b«gamtSdezitk Dortmund gebildet, um ihren Profit zu schützen. Jmm«yin bedeutet solch eine Kon« vention sozialwiffenschaftlich einen Schritt vorwärts auf der Bahn der ökonomischen Entwickelung. Die Nachrichte« vom europäischen Zuckermarkt be« lehren uns wieder einmal mit einoringlich« Deutlichkeit über die wirthschafttiche Anarchie, die in d«„besten all« Welten" herrscht. Die tolle, zügellose Produttion hat einen Ueberfluß an fertiger Waare hergestellt, für welche nichts weiter fehlt, als gerade das— Nöthigste die ausreichende Kauffähigkeit der Nationen. Bei d« fortschreitenden Verschlechterung der LebenS- Haltung des arbeitenden Volkes ist es selbstverständlich, daß nicht genügend konsumirt werden kann, daß wir Unterkon- sumtton und Ueberproduktion haben. Denn zum Konsumiren gehört wie zum Kriegführen Geld, Geld, nochmals Geld. D« Rückgang d«S Zuckeiveibrouchs bedeutet eine Einschränkung d« nothwendigsten L b-nsbedürfniffe. Wie die Dinge liegen, zeigt folgende Notiz auS dem HandelStheU der„Allg. Ztg.:„Vom Zuckermarkt. Die Kampagne ist nahezu deendet, und eS läßt fich das Ergebniß dneitS einigermaßen üb«schen. Der Ausfall, der fich in d« Produttion in Vngleichung zum Vorjahre ergiebt, entspricht so ziemlich den bisherigen Schätzungen und ist für Deutschland mit 3'/« Millionen, für Oesterreich Ungarn mit 2'/, Millionen metrischen Zentn«n zu beziffem. Ebenso ist die Produktion in Holland, Belgien und Frankreich zusam- men um zirla 675 000 Meter-Zentner zurückgeblieben, wogegen auS Rußland eine Mehrproduktion um rund eine Mil- lion metrische Zentn« gemeldet wird. Es ist dem« nach die gesammte Zuckerproduktion Eu- r o p a s um 5'/« Millionen metrische Zentn« g e- geringer als im Vorjahre. Dessenungeachtet kann eine nachhaltige Befferung der Preise nicht Platz greifen, viel- mehr machte die rückgängige Preisbewegung weitere Fortschritte." Uns«e Manchestrier aber schwärmen noch imm« für das„freie Spiel d« Kräfte", bei dem der Arbeit« die Freiheit hat, zu verhungern. Ueber die Lohnverhältuisse der Arbeiter auf den Staatswnken der preußischen Montanindustrie, dnen Zahl 1884/85 von 48 872 auf 50 042 gestiegen ist, dringt ein scdutz- zöllnerisches Organ die Mittheiluna, daß fie im letzten Etat- jähre günstig für die Arbeiter gewesen seien.„Auf den beiden Steinkohlenbergwerken des Staates in Oberschlefien," heißt es wörtlich,„find die durchschnillich verdienten Bcrgarbeiterlöhne gegen daS Vorjahr sogar zum Theil nicht unwesentlich gestiegen. Auf der Königsgrube v«diente der Häu« durchschnittlich in der Schicht 2,87 M. gegen 2,82 M. im Vorjahre, der Fördermann 1,762 M. gegen 1,759 M. im Vorjahre und auf Königin Luisengrube stellte fich dn Durchschnittslohn bei den Hauern aus 3,14 M. gegen 3,05 M. im Vorjahre, bei den Förderleuten auf 2,01 M. gegen 2,02 M. in 1883/84. Bei den Saarbrücker Steinkohlengruben stellte fich der mittlne JabreSverdienst eine» Arbeiters auf 933 M. gegen 963 M. im Vorjahre, es fand hi« also eine geringfügige Ermäßigung statt; dagegen hat bei den Staats- werken des Obnbergamtebezirk Klausthal der durchschnittliche Jahresverdienst abermals eine geringe Steigerung«fahren." „Nicht unwesentlich" heißt also eine Steigerung um 5—9 Pf. pro Schicht, also bei 300 Schichten von 15 M. bis 27 M. im Jahre,„geringfügig" heißt dagegen eine Er- Mäßigung um 25 M. jährlich I Aus dem Essener Bergreviere kommen traurige Nach- richtm. An vielen Stellen finden Ardeiterentlassun« gen fiatt. Bei Westenfel» ist 30 Bergleuten gekündigt worden, während auf d« Zeche„Zentrum" Arbeitsschichten aus- fallen. Auf Zeche„Konkordra" wurden entlassen 50, auf „Königsgrube" 100 und auf„Henriette" 161 Bergleute. tl». Die Abrechnung über de« Streik der Möbel» voltrer in der Genossenschast„Selbsthilfe" weift folgendes Endresultat auf: Gesammieinnahme 84,90 M. Gesammtaus- gabe(Streilgelder und sonstige Unkosten) 83,50 Pf. Restbestand 1,40 M. Uereine und Nersammlungen. * bfs. Im Verein zur Wahrung der Interesse« der Tapezirer Berlin» wurden am 8. d. M. bei Gratweil zu- nächst mehrere innere V«einsangelegenheiten erledigt. Dann machte der Vorfitzende die Mittheilung von dem eben erfolgten Hinscheiden deS wackeren Kollegen Kubisch, dessen Andmten die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Dn Vnein beschloß, fich an dem Begräbniß deS Verstorbenen durch eine Deputation, sowie durch zahlreiches Erscheinen d« Mitglied« überhaupt und durch Svendung eines Kranzes zu detheiligen. Der Tag der Beerdigung wird im„Bnlin« VolkSdlatt" be« kannt gemacht werden. Ferner wurde beschloffen, am 22. d. M. eine Generalversammlung behufS Vornahme der Vorstands« Neuwahl stattfinden zu laffen. Auch erstatteten die Herren Möllenhof und Wolf die Berichte d« ArbeitsnachweiSkommisfion und deS Bibl olhekarS für daS 4. Quartal. Schließlich entspann fich noch über vorliegende Anttäge, welche fich auf die unlängst von der Gen«alversammlung angenommenen Anträge auf Statuten« änderung bezogen, eine ausgedehnt« Debatte, in der fich die Mei- nungm schroff gegenüberstanden, ohne daß# zu einer eigentlichen Verständigung kommen konnte. Die Versammlung nahm des« halb mit allen gegen zwei Stimmen von einer Beschlußfaffung über jene beiden Anträge vorläufig Abstand. Es wurde mit- getheilt, daß die Statutenänderungen gedruckt und biS 1. März verihellt werden sollen. Die Angelegenheit in Betreff der Un- terstützung zugereister Kollegen wurde dem Arbeitsnachweisvor- steher übertragen. Ferner beschloß der Vorstand einstimmig, die Geschäftsordnung der ZeUungSkommisston dahrn abzuändern, daß der Vnleger oder Eigenthümer der Zet« tung auS den Reihen der KommisstonSmitglieder gewählt werden, der Redakteur �jedoch nicht Kommisfionsmitglted Kajfirer und Lohhüfner zum nsten Schriftführer. Der Vor- stand tritt in der betteffcndm Gen«alv«sammlung für die Wahl der Genannten ein; auch soll dies« Beschluß in der Wahlversammlung zur Verlesung gebracht wnden. Der Vor- stand beschloß, zu beanttagen, daft„kranke Mitglieder für die Dauer ihrer Krankheit von den V«einSbeitrSgcn zu entheben find." Ferner wurde beschlossen, zirka 70 mit ihren Vereins- beiträgen statuttnwidrig im Rückstände gebliebene Mitglieder d« nächsten Mitgliederversammlung des Vereins eventuell als aus dem Verein ausgeschlossen gelten und das betreffende Na- menSverzeichniß zur Verlesung bringen zu laffen. D« Be« schluß wurde in der Versammlung bereits zur Ausführung ge» dr. Die in der Hutfabrikation beschäftigte« Arbeiter brachten in einer gut desuchten Versammlung am Montag (Alexanderstr. 31) die Berathung üb« das von verKommisfion vorgelegte Statut für den Fachverein zum Abschluß. Auch die vorgelegte Geschäftsordnung wurde unverändert angenommen, und nur ein Zusatz hineingebracht, welchem zufolge sämmtliche Anzeigen von Versammlungen und sonstige Bekanntmachungen für den Verein durch das„B«liner Volksblatt" erfolgen � Ä 86, sollen.— Der Vorfitzende theitte mit,„ Hamburg, Bremen und Luckenwalde Zuschriften.___ zugegangen seien, in welchen diese üb« die Gründung--- Fachvereins in Berlin ihre Zustimmung ausdrücken und* Ausficht stellen, daß daS Vorgehen der Berlin« Kollegen* ihnen Nachfolge finden werde. Die Kollegen de Roche.»» Augusttn machten Mittheilungen üb« die von d« Zechalius u. Bntow bezahlten niedrigen Akkordlöhne, bei es den Arbeitern nicht möglich sei, in der Woche 14 Marl vndienen. Weiter wurde Klage darüber geführt, daß die nannte Firma und auch andere Fabrikanten ihre Pflicht, der Betträge zur Ortstrankenkaffe für ihre Arbeiter zu M nicht nachkommen. Ein Kollege theilte mit, daß sein«ri geber ihm 6 Wochen den vollen Beitrag zur Krankenkaffe�» Lohne abgezogin, denselben aber nicht zur Kasse adgel'' habe. Bei seinem Abgange habe der Herr ihm zwar die träge zurückerstattet; er habe aber, weil die Zahlung d« träge unterblieben ist, sein Anrecht an die Kasse eins D« Vorfitzende forderte die Kollegen, welche d«artige u> vorzubringen hätten, auf, ihm die nöthigen bestimmten toben zu machen, damit er daS Weit«e gegen die betreffen� lrbeitgeber veranlassen könne. Mehrere Kollegen kamen 5,(|p Aufforderung nach. Nachdem die Versammlung noch dieW* Mission ermächtigt, die von'....... Aenderungen des Status s>»vi«,iui,v>>j zu, Vorfitzende die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aufd" � ß. C neuen Verein. �'Mart Im Fachverein der Mechaniker, Opttk«, llhra»*' 1 Eu chirurgischer und anderer Jnsttumentenmacher hielt G«lach einen interessanten Vortrag üb«„Ardeitei Redner wies die Nothwendigkett, die Verhältnisse bett«S auch in hygienisch« Hinficht zu verbessern, dad»/ nach, daß z. B. in England das durchschnittliche Lei der sogenannten höhnen Kreise 44 Jahre, das der ardei»-� Bevölkerung nur etwa 22 Jahre beträgt, während aufl ff Kinderfierbltchkeit in den Familien der Arbeit« doppelt felnl ist, wie bei den Begüterten. Die Schädlichkeiten, welche � den Arbeiter bei seinem Berufe einwirkten, seien zu fu#J J)( dem zu bearbeitendem Material, in der durch die Arbnt � elchej, dingten Körperhaltung, in der Ueberanstrengung und in ff k/ mangelhaften Beschaffenheit der ÄrbettSräume. AnscbW?% hieran bespricht der Vortragende eine Reihe von„Amff w l krankhciten" und erläutert speziell die Begriffe„Kohle Eisenlunge, Steinhauerlunge" rc. Auch in Bezug auf Ungli weist Referent nach, daß von 66 146 in den Jahren 1869 Preußen vorgekommmen Verletzungen 39 174, also 59 p Verletzungen im Beruf kommen. Alsdann wendet fich N vre um Ära Demnc W gegen die Kinderarbeit, die vom Standpunkt derHyriene� allen Umständen zu verwerfen sei und kritifirte sowohl Vi-/, schläaigen bis jetzt bestehenden Maßregeln zum Schup ü'»tftess,. Arbeiter, indem er auf daS Unzureichende derselben hi%3Z)i>(i ,« P# Auch die Frauenarbeit sei vom hygienischen Standpunkt s/jW J sich zu rechtfertigen. Zu den Schutzmaßregeln, welche die& u.�'ao unbedingt verlangt, gehöre auch die Forderung deS Mal arbeitstageS und der Sonntagsruhe, welche Postulate Einschränkung zu erstreben find; sodann sei nicht zu schätzen die Wichtigkeit der Beschaffung gesunder Wohn. für Arbeiter, welch letztere unter den heuttgen Verhältnis � duldm müssen, daß man fie als„Trockenwohner" neuer fZ 0" nungen denutzt. Eine wett«e Wichtigkeit legt Referen>- � X'*' rn e " die ab« nur dann 1% ssMumei SS! Reinlichkeit des Körpers bei, werden kann, Zerfügung stehen, Bequemlichkeit und wenn d«en dern ,T' Jv troi _ rn Maße ge» leitet Bäder zur schaften höchste 1_____| I.......... müssen. Wenn die Arbeit« diesen Zielen nackfireben,, folgen fie den Weg d« zu ihrer und ihr«Famlien GeK; führt.(Allgemein« Beifall.) Zu„Verschiedenes" wurde au � i-%' übnaus traurige Lage der Mechanik« und BnufsgsJffAw� �0 hingewiesen so sei es vorgekommen, daß in d« WerksW» Ernecke ein Gehilfe;n dreizehn Arbeitstagen 15 M. habe, also pro Tag eine Mark 15 Pf. ES sei desb Anschluß eines jeden Kollegen an den Fachverein di geboten. Unt« stürmischer Heiterkeit verliest der Vo> hinauf eine ihm zugegangene Werkfiattordnung der e Wolff u. Rieks(Zimmerstr.) und kritifirt dieselbe.% dies«„Musterordnung" lautet:„Lautes Singe« und sowie übermäßiges Rauchen ist nicht«laubt. Jeder im Hause ruhig zu verhalten und fich nicht mit den Bei» des Hauses in Zank oder Skandal einzulassen u. s. w- Erledigung des FragekastenS schließt der Vorfitzende d« sammlung um ll'/> Uhr.""'Wen, * Herr Edmund Fichtuer, Admiralstr. 40-,«s�rtC�e b« R um Aufnahme nachstehender Berichtigung:„Der B«» kons«. Nr. 33 deS„Berliner Volksblatt" über die am n k'�olen r 7. d. Mts., stattgehabte Klempner- Versammlung entb�.>l N h«-.. fichtlich meiner Bemerkung als 2. Vorsttzmd« der Vf'/jHtn[n�l lung Unrichtigkeiten. Ich habe den Fachverein<»» politische Demagogie" nicht denunzirt und ist es quo unrichtig, daß diese Denunzirung alS Lüge bezeichnet konnte. Letzteren Vorwurf«hob der p. Quint«« ..............' n»ch» wirkl. "nem Ni einen