) btn A: t als ihr P:» ut», Doiuiaj angelstraße h Die Frai ereniln: Fl> stnd Hinz» Pianosol ir, Vormitf Vcrsammr elfter Br-n! l Rafienfr auf die : Beslberd# ra Ut Generals ! neugewahM %%% % cagesordiw-'S raA ÄÄ «SS fgcfteüten» tm ronnßW 's löltt« BorwS" Freitag, den 19. Februar 1886. III. Jahrg. H�i, DaS„Berliner VolkSblatt" täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS für Berlin frei vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Pofizeitungsprerslifte für 1886 unter Nr. 769.) rrlinrcDolbblall Brga» für die Interefse» der Arbeiter. 4 JnsertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Nrbeitsmarkt 10 Pfennig«. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. martfMrmsa Ipftt des SiziMeizesches. (, Menschen wollen wir heute nicht reden, auch nicht aOttnngcn un� Teschäsien. Wir denken an die zahl- duugSvereine, welche nach dem Znkraftirete« des Gesetzes aufgelöst und zerstört wurden. Vergebens öjd[it.n, die Warnungen; vergebens wurde auf das enanntev Dicken dieser Vereine, auf die Summe edle» ier B- „Ai'1- i ihnen hingewiesen; vergebens bctont, daß es % LR �>e einzigen Anstalten feien, in denen der Ar- b» UA wissenschaftliche Bildung aneigne», über die wich I Berlins eine' Fragen und Aufgaben der Gegenwart sich lönne. Half nichts— was kann von Sozial- eiiU 7* Wwtes kommen? Es sind Umstürzler, BilduogS- Breill'-.,°rne Barbare». Nieder mit den BildungS- -'»Der Jude wild verbrannt." & �ie BildungSoereine wurden zerstört. ciwg. W» �«no i an;)-nV W seitdem verflossen; und nun fängt man an, zu begreifen, welche« im Uebereifer damals orvc«., rvard. So schreibt z. B. Herr Professor h Einigteu r e 1 1, der karhedersozialistisch angehauchte Man- <« �'drin«"? RcgierungSman», in seiner �Sozialpolitischen S' ben'J k o�betiz" unter dem Titel:„Arbeitervereine und öffent- l''ustitute�sür Jedermann', wie folgt: x" itn. g» 0«. � lcn. da s: 6 leetb'gi""'" iruders iben und t der ieschwi� )5 Pf., :er � i Pfd. ang« jmo,* 40, bei aas�. «Das Sozialistengesetz hat die Aufhebung erner x?ben Zahl von Arbeitervereinen zur Folge gehabt. «a« Ursache dcS Einschreitens wider die letzteren bil- , je natürlich der sozialdemokratische Charakter der- stibe» und von diesem Standpunkte läßt sich»ichtS bege» die getroffene Maßregel sagen. Sieht man nun �er von den sozialdemokratischen Bestrebungen ab, so j zuzugestehe», daß in manchen jener Vereine ein werthvolles bildendes und erzieherische» Element für »sn Arbeiterstand lag. Die Mitglieder fanden hier 'leiner« oder größere Bibliotheken und Lesezimmer vor; »icht ganz selten waren Uatenichtskurse mit den Vcr- einen verbunden, häufig wurden regelmäßige Vorträge, jjsd zwar keineswegs immer partei- politische» In- rltlts, von Mitgliedern wie von außerhalb heran« gezogenen Kräften gehalten. Für den Ausfall fieser seit 1878 unterdrückten Vereinigungen sich nur ganz ausnahmsweise ein Ersatz gebildet. £04 VereinSwese» unserer Arbeiter'»ach jener Zeit vielmehr die Richtung genommen, daß lediglich i�e leidenschaftlichen Anhänger der Sozialdemokratie ' tttehr oder minder versteckten Konv.'niikeln zusam- Inhalten, auf welch' letzteren der eigentliche Zw LVlVtenhaNg der heruht«nn mn niiN dii Partei beruht, von wo aus die W","" gecrtiei werden u. f. w. Die große Masse �sozialdemokratisch wie ntchi sozialdemokratisch ge- JfcuiTCeton. Tochter des Bankrotteurs. Roman aus der Gegenwart von i a Gustav Lössel. „rrnaS � ttW®,'!1'" schien von dem frühe» Besuch nicht ange- UlsjUv e et fnÜ. sch'. Er verhaute einen Augenblick unschlüssig, w$eiWliiberg erwiderte: Die braunschweigische Regierung habe die Wichtigkeit deS Monopols nicht verkannt, fich aber verpflichtet gehalten, die Vorlage zu prüfen von dem Stand- punkte, der für die preußische Regierung bei der Vorlage maß- gebend sei. Es seien drei Gefichtspunkte, die der Vorlage zu Grunde lägen: erstens die finanzielle Seite, um durch die großen Einnahmen deS Monopols das Reich in den Stand zu setzen, den bezüglich des Budgets in mißlicher Lage befindlichen Ein�elstaaten, namentlich Preußen, zu Hilfe zu kommen; zweitens werde nach Anficht der Regierungen nur das Brannt- weinmonopol im Stande sein, dem übermäßigen Branntwein- genuß und den schädlichen Folgen deffelben entgegenzuwirken; drittens glaubten die Regierungen, durch das Monopol der schwer bedrängten Landwrrthschaft eine Unterstützung zu ge- währen. Nach reiflicher Erwägung der drei Gründe habe die Regierung nicht umhin gekonnt, ihrer Ueberzeugung nach dem Monopolentwurf im Großen und Ganzen sympathisch gegen- überzutreten und demgemäß ihren Vertreter im Bundesrath zu instruiren. Damit war die Angelegenheit erledigt.— Der Herr Staatsminister ist— wie die Antwort zeigt— unstreitig ein talentvoller Mann. Karlsruhe, 16. Februar. Der seitens der liberalen Kam- mermehrheit unterm 13. d. Mts. zum Branntweinmonopol eingebrachte Antrag ist heute nach 6 stündiger Debatte ange- nommen worden. Zwei dazu gestellte Ammenvenients, von klerikaler Seite: das Reichsmonopol als unannehmbar zu be- zeichnen, von liberaler Seite: ein Ausspruch über das Mono- pol sei vorerst unmöglich, wurden abgelehnt. Aeaukreich. Der Handelsminister bat die Einstellung der Arbeiten für die Ausstellung von 1889 angeordnet und wird der Depu- tirtenkammer einen Bericht vorlegen, in welchem die Ableh« nung der Mächte und Gutachten der französtschen Handels- kammern, welche einer einfachen Nationalausstellung wenig günstig lauten, dargelegt werden sollen. Das Parlament hat nun zu entscheiden, ob die Ausstellung zu Stande kommen soll oder nicht. Die Regierung scheint für das Zustandekommen jetzt wenig eingenommen zu sein. Rußland. Von dem moralischen Niveau des russtschen Bauem ent« wirft der ehemalige Präfident des Rostow'schen LandschastS- amtS, Herr Titow, in einer auf Staatskosten herausgegebenen Broschüre ein wahrhast erschütterndes Bild, daS dadurch an Bedeutung nichts verliert, daß eS fich nur auf ein Gouverne- ment bezieht, denn in den anderen Gouvernements steht es nicht besser aus. Der einst angeblich so stttenreine russtsche Bauer erscheint in dieser Schilderung vollkommen korrumpirt. Trunksucht in erschreckendem Grade— selbst 13 und 14jährige Mädchen werden als Gewohnheitstrinkerinnen angetroffen!— Unzucht im Verkehr der Dorfjugend unter einander und allge« meine geschlechtliche Sittenlofigkeit auch in den Kreisen der Verhetratheten, Kartenspiel in immer zunehmendem Maße, Putzsucht, Familienzänkereien, Schlägereien, Kindsmord, Räubereien und Händelsucht, Bestechlichkeit und Diebstahl, erschreckende Verbreitung von Geschlechtskrankheiten— das find die einzelnen Züge in diesem düsteren Bilde. Der Autor erklärt diese Erscheinung zum Theil durch die engere Berührung der Bauem mit anderen Ständen,(!) zum Therl dadurch, daß sie so vollständig fich selbst ilderlaffen find, und stellt im Uebrigcn ein umfaffendeS Programm zur Heilung des riefen- großen Schadens auf. Er verlangt Erweiterung des bäuerlichen Landbefitzes, Anlage von Gewerbeschulen, Veranstaltung von Ausstellungen, Eröffnung von Leihkassen, Theehäusem, Volkslesehallen, Bibliotheken, bessere Auswahl von Religions- lehren u. s. w. Im Kreise Luga, zwischen Petersburg und Pletlau, haben die Bauern die Ländereien deS Obersten Pintelejew besetzt und fie konnten nur durch Militär ver- trieben werden. „Erlaube« Sie gefälligst," wandte hier Winter ein, „doch nicht mit der Angelegenheit, welche wir einmal flüch- »ig besprachen. Die liegt doch den letzten Vorgängen im Hause deS KommerzienratheS fast um ganze sechs Monate voraus, und fand auch damals, Dank Ihrer Vermittelung, ihre vollständige Erledigung." „So meisten Sie, ja, ja," bestätigte Gontard.„Ich glaubte es anfänglich auch. Mit der Zeit aber wurde ich anderer Meinung, und jetzt finde ich, daß meine Besorgnisse in dieser Hinsicht nicht unbegründet gewesen." Da« Lächeln schwand von Winters Antlitz. Etwas matt fragte er:„Wie meinen Sie das, bester Herr Gon- tard? Erklären Sie sich deutlicher." „Ist es Ihnen bekannt," fragte dieser,„daß Ihr Herr Sohn und Fräulein Eschenbach mit einander korrespon» dirten?" »Ja wohl— das heißt, ich vermuthete es sehr stark," erwiderte Winter unsicher..Aber Sie wissen e« be- stimmt?" „Ich habe die Beweise dafür in Händen." „Sie haben—" „Briefe Ihres Herrn Sohnes an die Tochter meines ehemaligen Prinzipal»." „Mein Herr!" Winter heuchelte eine Indignation, die er nicht empfand. Wenn Gontard Bernhards Briefe an sich genommen hatte, so war dadurch der Eklat abgewandt, blieb sein Name aus der Geschichte, in welche er um keinen Preis hineingezogen werden wollte. .Sie sind empört," sagte Gontard ruhig,„und haben ein Recht zu fragen, wie ich in den Besitz der Briefe ge- kommen. Sehr einfach, ich fand fie in dem Zimmer des Fräuleins— wahrscheinlich in der Eile liegen ge- lassen— und nahm sie an mich in der Vorahnung, daß sie über die Flucht der Dame einiges Licht verbreiten dürften." „Und da» ist der Fall?" stagte Winter gespannt. „Allerding«! Zn der That ist die Aufforderung zur Flucht aus dem Vatsrhause in dem letzten aus Brasilien datirten Briefe offen ausgesprochen." Schwede«««d Rorwegeu. Der„Hamb. Korresp." entnimmt aus einem im„Sozialdemokrat" veröffentlichten Briefe, daß die Sozialdemokratie in Norwegen bemerkenswerthe Fortschritte gemacht habe. Eigent- lich begründet wurde die norwegische Sozialdemokratie erst vor einem Jahre, fie unterhält aber bereils ihr eigenes Wochen- blatt und hat nächst dem Verein in Christiama auch Zweig- veretne im Lande für ZSvik und Lyiacker, Grorud, Bergen, Skten und Poursgrund. Ihr Haup augenmerk scheint fie auf die Gewinnung der Arbeiterfachvereine gerichtet zu haben, von welchen derjenige der Korkschneider ihr Programm bereits an- genommen hat. Dabei wird behauptet, daß die Agitation in Norwegen sehr erschwert sei. G r o ß b r i t a« n i e u« Die Mitglieder der sozialdemokratischen Föderation, Burns, Hyndman, Champion und Williams, waren am Mittwoch Vor- mittag vor dem Polizcigerichtshof in Bowstreet erschienen unter der Anschuldigung, am 8. d. M. auf Trafalgar Square auf« rührerische Reden gehalten zu haben, durch welche ein» Menschenmenge zum Aufruhr und zum Straßenraub aufge- reizt wurde. Die Angeschuldigten beantragten die Vertagung der Verhandlung, weil fie noch nicht zur Vertheidigung vor- bereitet seien. Der Gerichtshof lehnte indeß die Vertagung ab und der Staatsanwalt beantragte, die Angeschuldigten wegen der oben erwähnten Anklap-vuntte vor die Asfisen(Geschworncn) zu verweisen. Die weitere Verhandlung wurde dann später auf 8 Tage vertagt; die Angeklagten find gegen Kaution auS der Haft entlassen worden. — Der Bürgermeister von Birmingham hat in einer Proklamation Ansammlungen in den Straßen nach Eintritt der Dunkelheit untersagt. — Die Freisprechung deS früheren Ministers Dilke er- regt einiges Aufsehen, namentlich deshalb, weil die mitange« schuldigte Frau Crawford des Ehebruchs für schuldig erklart wurde. Der Fall ist also recht sonderbar; der Richter erklärt die Frau des Ehebruchs schuldig; ein anderer Geliebter alS Dilke wird nicht beschuldigt, und dieser wagt eS nicht, die Anklage eidlich zu verneinen. Und doch wird derselbe nicht für schuldig befunden._ Lokales. *tz. In der hiesigen„Kreireligiösen Gemeinde" treibt die Intoleranz immer schönere Blüthen. Bekanntlich fand am 2. Februar im Saale deS Handwerkervrreins die Neuwahl deS Vorstandes statt, nachdem die in einer früheren Versammlung erfolgte Wahl für ungiltig erklärt worden war, weil anaedlich einige Nichtwahlberechtigte fich an der Wahl betheiltgt haben sollten. Das Resultat der zweiten Wahl war, wie wir b-reits im „Berliner Volksblatt" vom 4. d. M. berichteten, daß in den Vorstand 6 der bisherigen Vorstandsmitglieder wieder- und 4 andere Mitglieder neugewählt wurden. Auch der erste Vor- fitzende, Herr May, fiel bei der Wahl durch und mußte sein Amt an Herrn Friederici, welcher schon früher dem alten Vor- stände angehörte, abtreten. Gegen die Legalität der zweiten Vorstandswahl liegen keinerlei Bedenken vor; jeder fich an der Wahl Betheiligende mußte fich durch Vorzeigung seiner Bei- tragsqulltung legitimiren, wer dies nicht konnte, durfte— falls seine Identität durch die ausliegende Stammrolle nicht festgestellt werden konnte— den Saal nicht detreten. Trotzdem also gegen die vollzogene Wahl rechtlich durchaus nichts etnzu- wenden ist, weigem fich, wie uns von glaubwürdiger Seite mitgethcilt wird, die nickt wiedergewählten alten Vorstands- Mitglieder beharrlich, die Vereins Utensilien sowie den AuSweiS über dos Vermögen der Gemeinde dem neuen Vorstande zu überliefern. In der schamlosesten Weise sucht man die neuge- wählten Vorstandsmitglieder und ihre Wähler zu verdächtigen und zu denunziren. Zum Beweise deffen wollen wir nach- stehenden Protest, welcher dem jetzigen Vorstände in seiner ersten Sitzung unterbreitet wurde, etwas niedriger hängen. Dieses Pamphlet hat folgenden Wortlaut: „In Erwägung, daß die freireligiöse Gemeinde mit Rückficht auf ihre hohen idealen Ziele über den politi« schen Parteien stehen muß, daß aber bei der Vorstands- wähl am 2. d. M. eine festgeschloffene Gruppe, welche die Organisation und das Vermögen der Gemeinde sozialdemokratischen Zwecken dienstbar machen will, ein Wahlergebniß herbeigeführt hat, das den Aufgaden der Gemeinde widerspricht und deren Bestand gefährdet, protestiren die unterzeichneten Gemeindernitglieder gegen diese Wahl und gegen die Auslieferung des Gemeinde« Vermögens an den neugewählten Vorstand. Die Unter- zeichneten machen überdies die bisherigen Verwahrer dieses Vermögens persönlich für jeden Schaden verant- wörtlich, welcher der Gemeinde durch die Auslieferung des Vermögens erwachsen würde, und sprechen die feste Ueberzeugung aus, daß die Verwahrer dre Gemeinde vor dem Verluste des durch weise Sparsamkeit und geordnete Verwaltung im Verlaufe langer Jahre angesammelten Befitzstandes zu bewahren wissen werderr. Die Unter- zeichneten versprechen hierfür die thatkräftigst« Unter- »Nicht möglich!" „Leider ist e» so. Ich denke, wenn irgend etwa«, so macht da» eine Indiskretion entschuldbar. Wären diese Briefe statt in meine in die Hände der Polizei gefallen, so wären Ihnen Unanmhmlichkeilen nicht erspart geblieben. Verdrießlichkeiten werden Zhn-.n ohnedies erwachsen, da das Verhältviß zwischen Ihrem Sohn und Fräulein Eschenbach nicht ganz geheim geblieben." „Hat Fräulein Eschenbach darüber.gesprochen?" „Nein. Aber Sie haben hier ein Faktotum—" „Hertel." „Dirselbe. Dieser Herr ist so liebenswüidig gewesen, seine»gelegentlichen Beobachwngen� unserem Komploirdiener mitzutheilen, der sie wieder nun in der Gesindestube zum Besten gab. Kurzum, man kennt nun die Geschichte und jedenfalls wird die Polizei bei Ihnen Nachfrage halten. Aber wa» will das sagen! Sie hat keine Beweise, auf die fie sich stützen kann. Die Briefe habe ich so zu sagen unter den Händen wegeSkomotirt und natürlich stelle ich sie Ihnen zur Verfügung." Winter streckte die Hand darnach aus und Gontard griff in die Tasche seines OberrockeS. „O weh! sagte er dann mit der Miene wahrer Ent- täuschuag.„Nun habe ich fie doch zu Hause liegen laffen. Wie ärgerlich!' Wrnter verlor seine ruhige Fassung vollständig. „Zu Hause— liegen lassen?" stammelte er, nach Luft schnappend.„Wo devn da? Doch nicht—" „Auf dem Tisch natürlich," fiel Gontard ein,„denn ich hatte fie schon herausgelegt." Der kleine Herr sprang auf. Gontard erhob sich eben- falls. Ein Fuchs wittert de« anderen, sagt man und so war eS'auch hier. Winter wußte so genau wie Gontard, warum dieser die kompromittirevde« Briefe einzustecken vergessen hatte. Er fügte sich also, wie er es seiner Gattin anem- pfohlen hatte, mit Würde in da« Unvermeidliche. „Herr Gontard," sagte er,„Sie haben mich in dieser Angelegenheit schon einmal zu Danke verpflichtet und thun es heute in erhöhtem Maße. Gestatten Sie mir, Ihnen denselben in der annehmbarste« Form, nämlich in der einer stützuna und behalten sich wettere Schritte in ditf gelegenheit vor." Unterzeichnet ist dieses Machwerk, welches uns ß vorliegt, von 60 Gemeindimitgliedern, unter welchen W Damen befinden.— Der neugewählte Vorstand bat,* ferner mitgetheilt wird, einstimmig beschlosseg, diesen„T alS völlig undeglürwet zu verwerfen und mit aller• die Ausliefe: uug des Befitzes der Gemeinde von di« wiedergewäblten Vorstandsmitgliedern zu fordern, evee- Rechttweg zu beschreiten. Darob große Entrüstung 0 der Protestler. Es wurde ein„Komitee der Prottstiic gebildet, welches zu vorstehend abgedrucktem„Protest" FjH unS ebenfalls gedruckt vorliegende„Erläuterungen I liren ließ. „An die geehrten vollberechtigten Mitglieds freireligiösen Gemeinde.— Es zirrulirt ein berfl» 60 Miigl-edrrn unterzeichneter Protest gefl«' Wahl Oes Vorstandes vom 2. d.' und gegen die Herausgabe deS Gemen Vermögens seitens der bisherigen Vorsts glieder an den Gemeinde-Vorstand.— Von' „hochgeschätzten Mitgliede" geht unS nachstehen« läuterung" zu, welche wir zur vorläufigen Jnfow mittheilen.. „Bei der Wahl am 2. d. MtS., an welch« I Ganzen etwa 400 Personen, also noch nicht dü' der Gemeinvemitglieder betheiligt haben, find dn didaten der sozialdemokratischen Gruppe nur au Majorität von wenigen Stimmen gewählt worW' wurden z. B. bei der Wahl des eisten Vorsitzen« ersten Wahlgang für die beiden fich gegenübeM f Kandidaten gleich viel Stimmen abgegeben; im n Wahlgang siegte der jener Gruppe genehme �... ,, mit emer Majorität von 5 Stimmen. Da mit? saenstdar g heit anzunehmen ist, daß die nicht zur Wahl ersflj! mr Bestreb! Gemeindemitglteder fast ausnahmslos auf dem� JMsloben t punkt der Unterzeichner des obigen Protestes W2I find diese berechtigt, fich alS die Vertreter der Majorität zu betrachten und deren Jnterejs«f über jener klrinen, aber rührigen, wohIdflP und daher einflußreichen Minorität zu wahren, u»! als diese Minorität zum großen Theil erst Wf der letzten Jahre in die Gemeinde eingetret« für deren Zwecke sowohl in geistiger al« in l Beziehung nur wenig geleistet hat. Im deffen, daß ihr eine innere Berechtigung zur der freireligiösen Gemeinde nicht beiwohnt, uflU folgung einer klugen, aber durchfichtigen Taktik,> Minorität fich zwar entHallen, den Vorstanv aw aus ihren Anhängern zu bilden; fie hat stck' mit einer stückweisen Erneuerung destelden beB.» insbesondere auch darauf verzichtet, die Stelle J Vorfitzenden mit einem der Ihrigen zu besetze» f ausgesprochenermaßen nur vorläufig! Daß Ende" noch nachkommen werde, daS ist von 1 Gliedern jener Gruppe schon ganz u» aber immer nur unter vier Augen erklärt. — Dieser Sachverhalt macht eS allen den Mv- denen der Fortbestand unserer Gemeinde«»> liegt, welche fich aber an den beschließend«. sammlungen bisher nicht zu betheiligen insbesondere auch an der letzten Wahl nieb'„ nommen haben, zur Ehrenpflicht, auS ihrer 1% heraus- und dem obigen Proteste beizutreten. � einen Funken Liebe und Begeisterung für die' giöse Sache in fich fühlt, wer da nicht will.' Organisation und das Vermögen der Gemeinde Zwecken dienstbar gemacht und daß der Name � «jeveu««» gvu»uu/i MI«V VUB..4» meinde als Deckmantel für Bestrebungen benutz� die einerseits mit den idealen Aniaaken der®«> die einerseits mit den idealen Aufgaben der«A nichts zu thun haben, andrerseits aber den BeFj| letzteren zweifellos auf's Aeußerste gefährden,#„ Ngeduldig stütze mit aller Kraft die ehrenwerthm Mänfl«'� jwrguet nel in dankenswerthem Opfermulhe das schwere' volle Werk auf fich genommen haben, die ________________________, m Gemeinde zu Berlin vor dem drohenden Unterß. �-":a*9 -S bewahren und ihrer eigentlichen, hohen AufM halten! DaS wird und muß gelingen, wen» GcfinnungSgenossen da« kleine Opfer bringt» einige male in den beschließenden Gemeinv« lungen zu erscheinen. Darum komme ein Jedt" der Ruf an'ihn ergeht!" Zum Schluß heißt eS dann: tigten Mitglieder, welche fich dem schließen, ergedcnst und dringend ein, am Mittwoch, den 17. Februar 1886, AbendS pü Uhr, Niederwallstraß« 20, im unteren Saale erfi wollen.— Berlin, am 11. Februar 1886.— Da� der Protestirenden.— Im Auftrag: E. Kreter, Pti"" Nr. 42/43.".M\ Geradezu lächerlich erscheint eS uns, wenn in d«« i:„Wir laden alle»Zl em obenstehenden PM d ein, in einer angenehmen und dauernden Stellung in meinem zutragen. Bringen Sit mir die Briefe und biirwj ¥ U sich von diesem Tage an al« ganz zu meinem Hause Ich glaube wohl, daß Sie noch de« öfreren haben werden, mir Ihre Treue und Aahävglichkeu weisen, die ich nicht unbelohnt lassen werde." Gontard verneigte sich mit einem dankbare» „Ich hoffe, daß Sie von der Interesselosigkeit mefl� lung überzeugt sind," sagte er. m( „Vollkommen," versicherte Winter im Vrufi. Ueberzeugung, obscho» er vom Gegentheil überzt».. Aber was wollte er machen! Ohne diese@»0! würde Gontard, da» wußte er, die Briefe zu» legt" oder gar„verloren" und sie nicht eher t Vorschein gebracht haben, als bis er die ihm»«j Stellung hatte. Besser, er spielte den Großmück 9 �i> gab freiwillig, was Jener ihm mit solchen Verve gegen Bernhard leicht abnörhige« konnte. „Und welcher Art," fragte Gontard bescher»�/ die Stellung sein, welche Sie mir zudachten?" „Natürlich eine exklusive," erwiderte % sagen wir, meine rechte Hand. . Da« ist mir ,2"* u Sohn gewesen. Mit einem Soziu« bevörh'g» pf Heit Ut: Prokuristen, und ich bin auch nicht geneigt, 3h"(ss die Prokura zu übertiagen. Aber ohne Zweifel Laufe der Zeit geschehen, wenn ich Ihre kaust" Talente erst voll habe schätzen lernen.", Er streckte seinem neuen Adlatu« mit falsche � lrchkeit dre Hand hin. Und Gontard verstand de � „Ich werde Ihnen die Briefe selbst bring«», „Wann sind Sie bereit, mich zu empfangen?" jj) „Zu jeder Stunde. Sie können sich denke, mich drängt...". „Gewiß, gewiß," versicherte Gontard.-�, V Stunde dürfe« Sie mich zurückerwarten und Sie inzwischen auch die Bedingungen tneiner � � Stellung fest. Natürlich drängt eS auch mich ordnete« Thätigkeit, wie ich sie so lange 0 wesen." II L itt« in bkkt i-S uns welchen P nd bat, f. diesen„H it aller S e von b<« lern, tverl Lrotest"� lterungen lmd Schmähschrift darauf hingewiesen wird, daß fich am 2. v. M. an der Wahl nur zirka 400 Personen bctbeiliat haben, Mitglied- t ein bere« st geg«'. i 2. d. Gem-' i Vorstaiv — Von l mchstehnibl ;en Inf«» wahrend die Gemeinde mehr ali dorpelt soviel Mitglieder All- Die„Protestler" sollten doch wissen,— und der frühere � Äsende Herr May hat dies rn der Versammlung am 2. d. M. ausdrücklich öffentlich konstatirt,— daß, solange die Gemeinde desteht, noch niemals eine so zahlreiche Betheiligung an der Wahl stattgefunden bat, als gerade bei dieser letzten Wahl am 2. Februar.— Woraus man übrigens schließen will, daß die in der betreffenden Versammlung nicht anwcsen- den Mitglieder„fast ausnahmslos" auf Seiten der Protestler liehen, scheint unS gerade unerfindlich. Dasselbe Manöver wachte man bekanntlich schon, als man die erste diesjährige Wahl annullirte und zur zweiten Wahl sämmtliche vollbcrech« tigten Mitglieder briestich einlud.„Die Geister, die man Ust, die wrrd man nun nicht los"; ähnlich dürfte fich auch die Sachlage bei künftigen Versammlungen der Gemeindemitglieder alten, wenn man fortfahren sollte, in der in letzter Zeit be- nebten gehäifigen Weise gegen die legal gewählten neuen Vor' standimitglieder weiter zu„wühlen". Als eine Frivolität -der müssen wir es bezeichnen, lwenn behauptet wird,„die- l'uigen, welche bei der letzten Vorstandswahl die Majorität wldeten, haben in materieller Beziehung nur wenig für die Zwecke der Gemeinde geleistet." Ist man denn in der ftei- JMösen Gemeinde schon soweit gekommen, daß auch hier die Größe des Geldbeutels entscheidet bei der Ausübung der Rechte der Gemeindemitglieder? Wenn das der Fall ist, dann wufien die Lehren und Predigten des Herren Schäker auf sehr unfruchtbaren Bode« gefallen sein. Auf die vage Behauptung °on der„unter vier Augen" abgegebenen Erklärung Einzelner, duZ das„dicke Ende" noch erst kommen werde, näher einzu- »rhen, erlassen uns wohl unsere Leser. Die infame De mm« Jwuon, daß daS Vermögen der Gemeinde„fremden Zwecken wenubar gemacht und der Name derselben als Deckmantel � Bestrebungen benutzt werden könnte, die mit den idealen Mkaden der Gemeinde nichts zu thun haben, aber den Be- u-nd derselben aufS Aeußerste gefährden", scheint uns das Pro- °utt eines kranken Gehirns zu sein. Man versucht, den indrffe- «nten Mitgliedern der Gemeinde allerlei Gespenster vorzu« Zubern, die in Wirklichkeit gar nicht eristiren, indem man fich dem Grundsatze leiten läßt:„Der Zweck heiligt die Mittel". Menfalls aber werden die Mitglieder der freireligiösen Ge- wende in der nächsten beschließenden Versammlung, welche, r-uns mitgetheilt wird, am Montag, den 22. d. M. statt- �0 soll, den Protestlern die gebührende Antwort zu geben ®Ott einer kleinen Tragikomödie, welche fich am letzten "itaq während der Denise-Vmstcllung vor dem Vorhange �spiett bat, weiß eine hiefige Korrespondenz folgendes zu er- „Der betreffende Held der kleinen„Komödie in der .. wodie" ist ein junger Cand. med., eine, wie es scheint, recht Webte und leichtgläubige Natur, welcher von der Circe -�ede" noch recht tolle Streiche gespielt werden dürsten. Der K?er Kandidatus erhielt nämlich in voriger Woche ein duftendes »'Uetchen auf rosa Papier folgenden Inhalts:„Eine junge L-we, von Ihrer Liebenswürdigkeit und schönen Erscheinung N�ttissen, wünscht auf das Zärtlichste, Ihre nähere Bekannt- zu machen. Sie wird zu diesem Zwecke am nächsten ,,°UNtag im Refidenz-Theater auf dem Parquetplatz Nr. 78 u.„ sstzen und erwartet mit Ungeduld, ihr Ideal neben fich K finden." Welch ein reizendes Abenteuer! Der Herr Kan- lW hätte nicht er selbst sein müssen, wenn er da widerstanden --Ne. Schon zwei Tage vorher ließ er fich den Parquetfitz 79 rechts reserviren und saß am Sonntag bereits um f*, illhr auf seinem Platzt, mit zärtlichem Verlangen daS Er« Annen der holden, die seine üppige Phantafie mit allem st-uber verführerischen ReizeS ausstattete, erwartend. Seine Ugeduld wurde aber auf eine harte Probe gestellt, denn daS Krater füllte fich, der erste Akt begann, der Platz neben ihm -«eb leer. Endlich, nahe am Schluß des dritten Altes, als die Katastrophe auf der Bühne nahte und die Aufmerksamkeit deS Geduldig harrenden fesselte, entstand eine Bewegung im tquet neben ihm. Ein großer Herr mit schwarzem Barte plötzlich an seiner Seit« und flüsterte dem erstaunten Aes« pjünger ins Ohr:„Freu mich, Sie endlich einmal treffen jgb meine Rechnung präsentsten zu können, ich bin der Schneidermeister W. und hoffe, heute endlich zu meinem Gelde L kommen." Eden fiel der Vorhang über der effettvollen Schlußszene des dritten Akts, die beiden Herren verschwanden r V-riA! IfN »em beiri s-äJ rea glichkest kbarea/ t mei-ek Brosts j zum cheibe«,' r S alscher d de», i*' ?". W»M& � dem Zuschauerraum, aber als der vierte Akt begann, kehrte "Ur der Zulctztgekommene zurück, Nr. 79 blieb leer! . Junge Lassen. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß auf .fugen öffentlichen Bällen eine von Paris her gekommen In ll JU Tode gelacht wurde: die rothe Kiavatte. Eine Zeit i."Z betrachtete Berlin die geschmackvollen jungen Herren, die �dieser Weise die Aufmeiksamkeit auf fich zu lenken trachteten bc Unverhohlenem Erstaunen, dann erhob fick ein allgemeiner s.°>eft, der etwa! von der Deutlichkeit des„Nu aber'raus!" ' M barg. In diesem Jahr scheint eS bei der Kravatte sein ik°?fibcn nicht haben zu sollen. In unseren Theatern tauchen �utzter Zeit— allerdings sehr vereinzelt— Gestalten auf, im Winter verstand auch daS fitsten Einvernehmen. und so schieden Beide lu 9*1# Gontard hinaus war, veränderte fich die freund- - Mene de« Kaufmanns in einer für Jenen nichts Gute« "senden Weise. «in-"Schurke!" murmelte er.„Auch wieder so Einer, der in, Jiuuj unschuldige Äußerung meine« verliebten Jungen seh-»"fi eines Verbrechen« deutet. Aber wir werden ja H-?' Wenn ich nur erst die Briefe habe! Da« Andere, "ontard, können Sie getrost mir überlassen." mze.�fifiessen hing auch Gontard seinen Gedanken nach, � M in einem Miethwagen nach Hause fuhr. dachte �"ne gilunpene Entdeckung von mir," er �-»daß sie ihre Briefe unter der Adresse ihres stn i v' Faäulei» Jenny, empfing. Die Briefe ßm#g der*" 1- � faft / \4 durch meine" Hand, und ich brauchte sie blo« aus - fifie verschwinden zu lassen, um mich un- >n ihren Besitz zu bringe«. Der Gedanke, ««acht*, PresfionSmittel auf Winter zu benutzen, hardz nj Genie Ehre. Wie Erna, trotzdem Bern- '» ik�"�°fderung zur Flucht au« dem Vaterhause nicht lasse,,, vänbe gelangte, diesen verwegenen Gedanken ipr ausführen konnte, verstehe ich allerdings Wsttf Ii sjoch nicht. Jedenfalls ist noch ein ,lctz>ec" ....»icht. Jedenfalls... S'ebetdoT,'eme Adresse gekommen, der dasselbe dringend h>». �Nun, ich gebe mich noch keiner Verzweiflung Jsfiser h..? de Janeiro kommt man so rasch nicht. [�cn gg. jC Wilhelm hat der Polizei eine» recht ve, # ie; Und J___„___________, verständet, Um'fik gegeben. Ich habe dem widersprochen, aber in,u. de«onen, daß Herr Winter junior sich gegen- Ut ei» T � brasilianischen Hauptstadt aufhält. Dotthin 'kenov,� und die halbe Million, die sie angeblich fin» lohnt das Depeschsten." (Fortsetzung folgt.) ... Kunst und leb»«. 4% ft'SÄ*. AK L fibl in iü*Jb«<*u8 komische Operette„Die schöne unstlerischer als auch pekuniärer Beziehung zu er- die wie aus den Illustrationen deS„Journal Amüsant" heraus- gesprungen zu sein scheinen. Eng anliegende Kleider von Kopf biS Fuß, tief dekolletirte Weste, Fracks, die wie angeleimt er scheinen, hohe Ch&peaoi Clacqe«, die leise inS Genick gerückt find,— e« fehlt nur daS dünne Spazierstöckchen, um„Mon- steur Artühr" leidhaftiz vom Boulevard de« Italiens in da« Parquet unserer Theater verpflanzt zu wähnen. Ueberaus fremdartig erscheinen dies« Gestalten, die fich Mühe geben, in möglichst gähnender Weile zu sprechen und dabei die Geschmacklofigkeet so weit treiben, den Hut im Theater- saal selbst aufzubehalten, bis die Glocke das Zeichen zum Beginn der Vorstellung giebt. Dem.Lachenden Berlin", welches am Freitag zum ersten Male im Walhalla-Th ater über die Bühne ging, haben wir e« zu verdanken, wenn dem Publikum plötzlich ein Licht aufging, wo es ähn- liche Erscheinungen schon früher gegeben. Es war im ersten Bilde des tollen Quodlibets, das„Fest der Handwerker" wurde ebrn gegeben. Da trat das„Urbild des pichuttenx" auf die Bühnr, etwas vergröbert zwar, aber von unverkennbarer Familienähnlichkrit: der„Drscherjeselle" Hähnchen. Genau so bat er die Angströbre auf dem Kopfe, wie unsere Berliner Boulevardiers, aber Meister Kluck nimmt kein Blatt vor den Mund und hält ihm eine gehörige Pauke. Und jede« Wort paßte auch auf die Jünglinge in den engen Fracks. Nur ein gut Stück blafitter schienen fi« zu sein, wie ihr Freund tzähn« che» da oben. Ter freute fich doch noch seiner neumodischen AuSstaffirung. Dem glänzte daS Geficht vor Freude über die Nankinghosen und die gelbe Weste. Ihm war da« Alles Selbstzweck. Er schmückte fich selbst und wollte allenfalls seinem Liebchen gefallen. Der pschnttenx von damals und au« der Werk!> alt, das war noch ein ganzer Kerl, bei dem nur die überschäumende Lebenslust nach einem beredten Ausdruck suchte. Die psebuttenx von heute, namentliche die abgeblaßten Berliner Kopien der Pariser„Originale", haben mit solcher über- sprudelnden Lebenslust nichts gemein. Wenn sie die Be- merkungen hören könnten, die ringsum über fie gemacht wer- den, wo fie fich zeigen, so würden fie weit hinausflüchten aus dieser verständnißlosen deutschm Welt. Im Interesse des guten Geschmack« ist zu hoffen, daß fie noch schneller von der Bild- fläche verschwinden, als die rothe Kravatte. Die Sperrnng des Fußgängerverkehrs durch die vork- straße nach der Bülowsttaße ist bekanntlich Gegenstand leb- hafler Beschwerden, namentlich der Bewohner der östlich der Potsdamer und Anhalter Bahn belegenen Stadtlheile, gewesen. Der Magisttat hat fich daher veranlaßt gesehen, mittelst eines besonderen Schreibens an die Stadtverordneten-Versammlung die Gründe für die Sperrung mitzutheilen. Dieselbe find folgende: 1. Der Fahrdamm der Norkstraße liegt auf mehreren Stellen so tief, daß da« Grundwaffer über daS Planum tritt; auch die Entwässerung des Lokomotivschuppens und der Gas- anstatt der Dresdener Bahn wird bis zum Anschluß an die Kanalisation dirett nach der Straße geleitet, und verbreitet fich über dieselbe; diese Strecken können daher nicht pasfirt werden. 2. Im Bereiche der Anhatter Bahn ziehen fich die Straße ent- lang, soweit hier eine Letonbettung für die künftige Pflasterung vorhanden ist, zwei offene Seitengräben zur Abführung de« Grundwassers nach einem offenen nicht abgedeckten Kanal von ca. 0,80 Meter Breite, welcher die Straße durchschneidet. Diese Waffcrläufe können erst nach der Kanalisation und mit der definttiven Pflasterung beseitigt werden. Wenn auch eine Paffage bei Tage hier mit einiger Mühe für Erwachsene, nicht aber für Kinder möglich wäre, so ist dieselbe doch bei der Dunkel- hett geradezu als gefährlich anzusehen. 3. Die Straße hat noch keine Beleuchtung, deren Herstellung au« Gründen der Sicherheitspolizei wahrscheinlich verlangt werden würde, sobald eine freie Paffage gestattet wird. 4. Die ganzlich isolirte Lage der Straße würde, selbst eine interimisttsche Beleuchtung vor« ausgesetzt, im ficherheitspolizeilichen Interesse eine Sperrung rvcnrgst-nS während der Nachtzeit nothwendig machen, um Un- fug aller Art, ja selbst Beraubung zu verhüten.£>. Der Theil der Norkstraße, welcher zwischen der Möckernstraße und der An- Halter Bahn liegt, ist als Depotplatz für die Bauausführung der Kanalisation des Radialsystems Vi verpachtet; dieser Depotplatz ist reichlich mit Röhren und Baumaterial aller Art be- setzt. Wenn eS allenfalls möglich wäre, die diesen Devolplatz umgebenden Zäune zu öffnen und eine Fußpaffage hinüber zu leiten, so darf eS doch nicht als ausgeschlossen angesehen wer- den, daß hierdurch Störungen und Beschädigungen eintreten könnten, wie auch durch eine solche Zulassung des Publikum« die richtige Verantwortlichkeit des Depotverwalters für den Materialienbestand nicht geltend gemacht werden körn te. Der Magistrat weist in seinem Schreiben ferner darauf hin, daß vorausstchtlich vor Aufgang des Winters auf der ganzen Länge und Breite der Straße die Bauarbeilen zur Regulirung der- selben mit thunlichster Kraft aufgenommen werden, und daß es, während Kanäle gebaut, Gas- und Wasserleitungsröhren verlegt werden, die Straße dränirt, dctonirt und demnächst ge- pflastert wird, unmöglich ist, den jetzt etwa zuzulaffenden Fuß- gängerverkehr aufrecht zu erhalten. Im Laufe der vergangenen Nacht hat fich ein eigen- thümlicher Unfug in der Ritterstraße abgespielt. Es find an freuen hatte, bestimmte die Direktion, dieselbe noch für einige Tage auf dem Repertoir zu belaffen, und so wird die erste Aufführung der Operette„Panser Leder." für kurze Zeit hinaus« geschoben. Der Ztgeunerbaron, welcher mit den größten künst- lerischen Ehren und dislang noch nie erreichtem materiellen Erfolgen das Repertoir des Friedrich. Wilhelmstädt. Theaters beherrscht, ist auch der Mode und dem Luxus tributär geworden. Zu dem Zigeunerbaron-Papier, welches in zierlichem Stich Szenen und Figuren aus der Strauß'schen Operette aufweist, gesellt fich(ähnlich wie bei GaSparone) der Zigeunerbaronhut, welchen ein findiger hutmacher soeben in den Handel bringt. ES ist ein niedriger weicher Filzhut mit breiter hoher Krämpe, dem von Zsupau getragenen ähnlich. Das erste Exemplar wurde Herrn Wellhof übersandt, welcher diese Faoon„ausgezeichnet" findet. Im Alhambra-Theater hat der erste Liebhaber, Herr Max Gericke, am Eonnabend, den 20. d. M.. sein Benefiz. tur Auffühi ung gelangt ein Überaus zugkräftiges historisches !rama:„Der Mann mit der �eisernen Maske". Die beiden Hauptrollen„d'Aubigne" und„Gaston" befinden fich in den Händen des Regisseur Herrn A. Seefeld und des Bene- fizianten. Bons haben auch bei dieser Benefiz-Vorstellung Gil- tigkett. Der Sängerin letzte« Lied. Fräulein Theresia Winter- stein, die einzige Tochter des Organisten in Fehringsdorf(bei Wien) hat am Samstag der einem dort abgehaltenen Wohl« thätigkeitskonzerte als Sängerin mitgewirkt. Fräulein Winter- stein, welche sich schon vor Beginn der Produktionen unwohl füblte, sang doch, um nicht im letzten Augenblick Ursache zur Abänderung des Programms zu geben. Zwei Piecen hatte fie mit fichtlicher Ansttengung exekutirt. Als fie zum zweitenmal« das Podium betrat, um zu fingen, wurde bald ihre Stimme so schwach und unstcher. daß einige Herren desorgt fich der Tri. düne sofort näherten. Das Lud hatte aber noch mcht sern Ende erreicht, als Fräulein Winterstein zum Entsetzen der Zuhörer in Ohnmacht fiel und nach wenigen Minuten in den Armen ihres trostlosen VaterS den Geist aufgab. Forfchunasexvedition in Neu-Guinea. AuS Eidney wird aemelvct, daß e« der unter Kapitän Everill nach Neu- verschiedenen Häusern die Schilder von Aerzten u. s. w., Tafeln, welche Vermiethungsanzeigen von Wohnungen enthietten, abae- nommen, entfernt und an anderen Stellen wieder befestigt worden. Mit welcher Gemütdlichkeit die Unholde ihr Handwerk getrieben haben, beweist ein Fall, wo dai Schild eines Arztes, das tief in die Mauer eingelassen war, so kunstgerecht aus der- selbe» entfernt worden ist, daß dazu mit Meißel und Hammer ganze Stücke deS Putze« herausgehauen werden mußten. DaS Schild jeneS Arztes wurde im Laufe de« gestrigen TageS in einem Briefkasten gefunden. Diese Vorfälle lassen jedenfalls einen Rückschluß auf die in jenem Theil< der Stadt herrschenden Sicherheitsverhältniffe zu. Ueber die herrschende« Nebelwolke» schreibt der ham- burger Meteorologe der„Voss. Ztg." ck. ck. 16. Februar:„Seit acht Tagen liegt über Zentraleuropa eine trübe Luftschicht, de- stehend aus Nebel und tiesschwedenden Unterwolken. Ueber diesem Gewölk, welches fich von eigentlichen Wolken wesentlich unterscheidet, ist der Himmel in diesen Tagen meist heiter und daraus erklärt fich die Trockenheit und die wieder stattgehabte Temperaturabnahme, da die Nebelluft gegen den kalten Welt- räum Wärme abgiebt und selbst erkaltet. DaS Vorhandensein einer dichteren Wolkendecke würde diesen Prozeß stören. Solche N'.belwolken verschwinden, wenn die Lnft abwärts fällt, well dann die reine, trockene Luft aus größerer höhe fich mit den Nedelwolken mischt und diese zum Vertrocknen bringt. Fallen- den Luftstrom findet man im Zentrum de: Gebiete hohen Druckes und am Rande von Gebieten niedrigen Druckes nur dann, wenn letztere im Zustande der Vergrößerung fich defin- den und fich dem Beobachtungsorte nähern. Beides war in diesen Tagen nicht zu verzeichnen, das Zentmm deS hohen Druckes lag in Rußland. Die Dcpresstonen im Nordwesten entfernten fich nach dem Ozean und die Im Südwest im Bis- kaischen Meerbusen seit dem 15. lagernde Depression zeigte keine Annäherung gegen Deutschland. Also erklärt fich das ttockene und doch gleichmäßig trübe Wetter dieser Tage aus der Unthätigkeit der atmosphärischen Kräfte." Gerichts- Zeiwng. Da«„Neue Berliner Montagsblatt" des erst vor- gestern zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilten Literaten Karl Bergschmidt hat fich in seinen Nummern 41, 43, 44, 45 und 47 von Ende Oktober bis Ende November v. I. mit den Ge- schäften und den Prinzipen der Verficherungs> Gesellschaft „Germania" in Stettin beschäftigt und ist deshalb von deren Direktor Dr. Amelung wegen wiederholter Beleidigung mittels der Presse im Wege der Privatklage belangt worden. In dieser Sache stand gestern vor der 93. Abtheilung des hiestgen Schöffengerichts Termin an. Aus der viele Stunden dauern- den Verhandlung wollen wir nur die beiden Fälle heraus- nehmen, in denen allgemein interesfirende thatsächliche Vor- gange besprochen worden find. Die Angriffe betreffs unge- nügender Prämienreserven und der ungewähnlich hohen Ab- schlußprooistonen, durch welche die Prämienreserven für daS 1. Jahr zum Nachthcil der Lerficherten zu niedrig bemessen worden, lassen wir auf fich beruhen. Kaufmann Mischte ist seit dem Sommer 1872 mit viermaliger Prämienzahlung im Jahre bei der„Ger- mania" verfichert gewesen. Seine damalige Wohnung war Kommandantenstr. 72, sein Komtoir ist ununterbrochen im Hause Wallstr. 1. In letzterm wurden 10 Jahre lang von einem Boten der Gesellschaft die Verficherungsprämien abgeholl, später wurden fie auf die Anforderung der„Germania" in deren hiefigem Bureau von dem Kasstrer deS Mischte bezahlt. Bei seiner Privalinventur im April v. I. vermißte M. die Quittung der Verficherungsgesellschalt seit dem 1. Juni 1885, er sandte die Beträge ein, erhielt fie aber mit dem Bemerken zurück, daß seine Versicherung erloschen sei. Später erfuhr er, daß die Ge- sellschaft ein Mahnschreiben an ihn nach seiner alten Wohnung gesandt hatte und daß dasselbe, obgleich er ein bekannter Ge- schäftsmann sei und stets im Adreßbuch aufnotirt war, als unbestellbar zurückgekommen wäre. Der Zeuge Mischke hat nunmehr gegen die„Germania" eine Zivilklage auf Zahlung seiner Prämienreserve angestellt.— Die Schneidermeister Meiß- ner'schen Eheleute in Frankfurt a. O. haben ihr Leben eben» falls bei der„Germania" seit 30 Jahren verfichert und zahlen die Prämie durch ihren hier wohnhaften Sohn bei der hiestgen G-neralagentur der Gesellschaft ein. D r letztere hatte fich mtt dm am 1. November 1883 fällig gewesenen Prämien um einen Tag verspätet und wurde die alsdann angebotene Zahlung mit der Bemerkung zurückgewiesen, daß die Policen verfallen seien. Eine Belehrung, daß er die Policen wieder in Kraft setzen laffen könne, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt würden, ward ihm nicht zu Theil. Diese erhielt Ä. erst von anderer Seite und gelang es schließlich unter Darbringung eines Opfer? von einigen 40 Ml. die Policen Ende Dezember 1833 wieder in Kraft setzen zu laffen. Diese Fälle hatte das angeklagte Blatt wahrheitsgetreu mitgetheilt und daran eine scharfe Kritik der Geschäftshandhabung der Gesellschaft geknüpft. Der Ge- richtshof verurthetlte den Angeklagten zu 200 Mi. ev. 20 Tagen Gefängniß und sprach dem Beleidigten Publikattonsbefugniß in der„Voss. Ztg." zu. die Grenze des deutschen Gebiets hinaus vorzudttngen. DaS Gerücht, sämmtliche Mitglieder der Expedition seien ermordet worden, war durch die stark übertiiedene Erzählung von einem Angriff der Eingeborenen veranlaßt worden. Bestätigt fich d-r vorläufige und allerdings etwas unklare Bericht über diese Forschungsreise, so würde dieselbe neben derjenigen des Italiener» d'Albertis die wichtigste und erfolgreichste sein, dir jemals in Neu-Guinea unternommen wurde. Kapitän Everill ist mit der Damp barkasse„Bonito", der Reiseroute des Italieners d'Albertis folgend, den Fly Fluß etwa 360 km weit, d. h. bis 70 km oberhalb der Insel Ellangowan, hinaufgedampft. Von hier aus hat man einen au« nördöstlicher Richtung kommenden und an Bedeutung kaum hinter diesem zurückstehenden Zufluß des Fly-StromS etwa 540 km weit, d. h. bis zu 5« 20' nördl. Breite und 142° 10' östl. Länge von Greenwich, verfolgt. Die letzten 140 km mußten, da die Waffertiefe des noch immer 500 m breiten Stromes für die Dampfdarkaffe nicht mehr aus. reichte, vermittelst eines BrandungsbooteS zurückgelegt werden. m Endpunkt der Reise aus habe man das sehr hohe Von dem______ MW..................... yvyv nördliche Küstengebirge gesehen, aber keine Spur von seiner zentralen Kette entdecken können, die auf den Karten als Ar- thuc Gordon-Gebirge verzeichnet ist. Die bedeutendsten Boden- erdcbung-n in der nähern Umgebung deS„Strickland" benannten Flusses seien doch nicht höher als 250 m über dem Wasserstand des Flusses oder etwa 350 m über dem Meeresspiegel gewesen. Der PflanzenwuchS, der anfänglich einen ganz australischen Charakter hatte, sei, je weiter man nach Norden gelangte, immer üppiger geworden und habe am Endpunkt der Reise füglich mit demjenigen der schönen Sunda-Jnseln verglichen werden können. Ader abgesehen von der scheuen und feindseligen Natur der Eingeborenen hätte gerade die alles überwuchernde Vegetation ein Vordringen zu Lande fast zur Unmöglichkeit gemacht. Die botanische Sammlung der Reisenden umfaßt über tausend zum Theil noch ganz unbekannte Exemplare. Von besonderem Jntereffe dürfte eS sein, daß Tabak und Sago- palmen überall wildwachsend angetroffen wurden. Der Boden bestand, wir auch auf vielen Sunda-Jnseln, aus Muscheln, Korallen und Quaiz. Die Temperatur war nicht sonderlich hoch, wirkte aber wegen deS gänzlichen Mangels an Kühlung im höchsten Grade erschlaffend. Da die Eoerill'sche Expedition das Festland von Neu-Guinea auf zwei Drilttheilen seiner größten Breite durchkreuzt hat. so bleibt kaum Raum für jene» Zentralgebirge, we ches nach früherer Annahme die ganze Insel von Ost nach West durchziehen sollte. Sehr verschiede« an Testalt nnb Alter waren die beiden P-rsonen, die sich dem Schöffengericht von der Anklage dank auS vorstellttn, und zwar als erster der IKjählige ArbettS' bmsche Karl Wilhelm Max Theermann und als zweiter der 60 Jahre aste Harmonikaspieler Ferdinand Reinhold Gräbert. Vornehmlich der letztere Angeklagte repräsentirte mit seiner gc- drunaenen, rundlichen Gestalt, seinem vollen, bartlosen Geficht und ver großen Hornbrille vor den kleinen, listig blickenden Augen eine höchst charakteristische Figur. Beide Angeklagte waren des Diebstahls einer filbemen Zylinderuhr im Wcnhe von 15 M. beschuldigt, die fie in der Nacht vom 29. zum 30. Oktober v. I. in einem Schanklokal dem Kochlehrling Eugen Zepernick sollen entwendet haben. Vor fitzender(stch zunächst an den Angeklagten Gräbert wendend): Sie find Harmonikaspieler 7— Angekl. Gräbert: §ck schmeichle mir, musjekaiischer Lkinstler is mein innerster erufi Vors.: Sind Sie schon einmal bestraft 7— Angekl.(nach einigem Bestnnen): Det ick nick wißte. Vors.: Nicht 7 Denken Sie nur etwas nach. Wie Ihre Akten besagen, sollen Sie schon einmal wegen Widerstandes bestraft worden sein?— Angekl.: Ach so, Se meenen die Keilerei von dunnemalS? Entschuldijen Se, Herr Präsident, det ick det sckon längst vor verjährt hielt; aber in Hinficht uf seine Richtigkeit stimmt et. Vors.: Sie find nun jetzt wieder angeklagt, in Gemein- schast mit dem Thiermann eine filberne Taschenuhr gestohlen zu haben.— Angekl.: Entschuldigen Se, Herr Präsident, wenn ick Ihnen unterbrechen muß; aber den Ausdruck stehlen kann ick nich uf mir fitzen laffen, det entspricht nich den janz jenauen Thatdestand. Et kommt ins menschliche Leben manch- mal ville weniger uf det Wat als uf det Wieso an. Aber wenn Se stetigst crlooben, denn will ick Ihnen in meine schlichte Art den janzen Heijang det betreffenden VorjangS auSeenander« dolmetschen. Vors.: Nun, dann erzählen Sie einmal, auf welche Weise Sie in den Lefitz der Uhr gekommen find.— Angekl.: Entschuldigen Se, Herr Piäfidcnt, aber Se find schon wieder in «nen kleenen Jrrthum verfallen. Ick bin nämlich überhaupt jarnich in den Befitz von de Ubr von den Eisten Zepernick je« kommen. Aber wenn Se jütigst erlooben, war det so: An jenen scheenen Dag eenes Abends halte ick meine beeden jungen Freinde Max Theermann und Eujen Zepernick een kleenet Bankett in de Kneipe zum besten jejeben, wie ick det öfter dhuc von wejen meine anjedorene Splendidität, notadene wenn ick selber wat habe, wat ja oock manchmal vorkommen dhut. Ick kann Ihnen bloß sagen, Herr Präfident, wir drei waren seelenvcrjniejt. Wat nu aber der Eujen Zepernick iS, so kann der nich allzu- ville verdragen; schon nach den fiedenten Seidel mit Rum kippte er um, det heeßt, er nickte bloß mit den Kopp sanft« lächelnd in de Welt lin. Bei det Nicken rutscht« ihn aber seine Uhr aus de Westentasche rauS. Ich bimerlte det: und da ick in mein Mitjefiehl den Jungen nich aus seinen seligen Droom usschrecken wollte, sagte ick leise zu Max Theermann, der ihn am nächsten saß: Du, knippre den Eujen'mal fachte seinen Chronometer ad, damit er ihn in seinen Dusel nich noch ver- Itert; wir wollen ihn den Jungen ufheben, bis er wieder nüchtern iS. Bis hierher war der AngeNagte Gräbert in seiner Erzählung gekommen, als ihm sein jugendlicher Genosse Theermann einen Blick zuwarf, der von Gräbert auch ganz richtig gedeutet wurde' denn dieser rief, seine Selbstbeherrschung verlierend, seinen Nachbar entrüstet an:„Weeßt Du det etwa Keffer, dummer Junge?" Vors.: DaS ist sehr wohl möglich, daß Theermann e» besser weiß; denn Ihre Auseinandersetzung klingt doch etwaS sehr unwahrscheinlich. Nun, Theermann, sagen Sie einmal, wie ist die Sache gewesen? Angekl. Theermann: Det stimmt ja, wat er,— dabei wieS er auf Gräbert,— jesagt hat, er hat uns beede frei jehalten. Wir find ooch alle in Thce jewescn, der Zepernick am vollsten, der ooch bald an zu schlafen fing. Da sagte Gräbert zu mir, ick sollte mir Zcpernicken seine Uhr zulegen. Det habe ick denn ooch jedhan, und Gräbert hat mir ooch noch eene Kette dazu jejeben. Vors.: Sie hoben aber dann cie Uhr nicht behalten; Sie haben dieselbe versetzt und daS erhaltene Geld dem Gräbert ge« geben.— Anaekl. Theermann: Det iS richtig. Vors.: Wissen Sie, waS Gräbert mit dem Gelde ange- fangen hat?— Angekl. Theermann(nach einigem Zögern): Det bat er verdrunken. Vors.: Der Zepernick ist wieder in den Befitz seiner Uhr gelangt 7— Angekl. Theermannn: Ja. ick habe ihn den Pfandschein jejeben, und da hat er se fich wieder in- jelöst. Vors.: Nun, Gräbert, waS meinen Sie dazu? Sie haben doch gehört, was Ihr Mitairgerlagter gesagt hat?— Angekl. Gräbert(fich in die Brust werfend): Ja, det habe ick jehört. Ader entschuldijen Se, Herr Präfident, ick habe schon vrllen Quatsch in meinem Leben hören müssen. Ick derf aber woll von Ihren Anstandsgefühl erwarte«, Herr Präfident, det Se mir alten, in Ehien stau jewordenen Mann mehr jloobcn als son'n jrienen Jungen, der man kaum erst in de Welt rinjckuckt hat, jejen mir, der ick uf sechzig Winter retourblicke. Bors.: Sie bleiben also dabei, daß Sie die Uhr dem Z« pernick nicht haben entwenden wollen?— Angekl. Gräbert: Nicht in jelindesten Maße. Im Jejendeel, ick habe ihn eenen Freindschaftsdienst erweisen wollen; dafür muß ick nu büßen nach den dekannten wie traurigen Ausspruch Salomons: Undank is de Welt ihr Lohn. Vors.: Angeklagter, Sie thäten besser, anstatt hier den unschuldig Gekränkten zu spielen, ein offenes Geständniß abzu« legen und stch zu schämen, daß fie den jungen, die her ganz unbescholtenen Menschen hier zum Diebstahl verleitet haben. Sie werden doch selbst nicht annehmen, daß w Arbeiterbewegung. A« die Fabrik- und Handarbeiter Berlins. Arbeiter, Kollegen! Ihr wißt aus eigener Erfahrung, welche traurigen Zustände unter uns Platz gegriffen habin. Die trostlose Lage der arbeitenden Bevölkerung, hauptsächlich der Fabrik- und Handarbeiter, veranlaßt unS, einen Verein zu gründen, welcher unsere materiellen und geistigen Jntereffen nach jeter Seite hin wahren soll. Tie Bewegung, die fich seit geraumer Zeit auf allen Gebieten des gewerblichen Ledens bemerkbar macht, Sat stch also auch in unserer Branche Geltung verschafft. lollegen! Ihr wißt, daß wir leider aezwunden find, für jeden Preis zu arbeiten, wenn wir nicht Hunger leiden oder dem Verbrechen in die Arme fallen wollen. Ihr wißt, daß fich der Lohn stets nach�AnK-bot�und Nachfrage� r-gt�FhrJi sowie find. Sinken der Löhne entgegenzutreten, hat fich der Verein zur Pflicht gemacht, eine Verkürzung der Arbeitszeit zu erstreben. Soll aber etwas erreicht werden, so ist es Pflicht eineS jeden denkenden Kollegen, fich dem Verein anzuschließen, da doch nur durch eine gute Organisation, durch ein geschlossene« Vorgehen das gewünschte Resul'at zu erzielen ist. Darum auf zur Organisation! Einigkeit macht stark! Wir hegen die de- stimmte Erwartung, daß die Kollegen stch nun endlich auf- raffen und in ver nächsten Versammlung deS Vereins zur Wahrung der materiellen Jntereffen der Fabrik- und Hand- arbeiter Berlins vollzählig erscheinen werden. Dieselbe findet am Sonntag, den 21 d. M., Vormittags 10'/, Uhr, im Lokale des Herrn Malitz, Andreasstraße 26, statt. Tagesordnung: 1. Vierteljahresabrechnung. 2. Monatsbericht der Revisoren. 3. Vortrag deS Herrn Dr. Lütgenau über den Arbeiterschutz- Gesetzentwurf. 4. Verschiedenes. Gäste find gern gesehen. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Uereine mh Uersammwnge«. * Sine öffentliche Versammlung der Etuckateure, von der Lohnkommisston einberufen, fand am Montag, den 15. d. M., in dem unteren Saale der Gratweil'schen Bterhallen statt. Die Betheiligung war eine derartig starke, daß ein Thril der Besucher gerötdigl war, auß-rhalb des SaaleS Aufstellung zu nehmen. Der Einberufer Herr Heindorf, welcher nach Kon- stituirung deS Bureaus den Vorfitz übernahm, thcitte mit, daß der Reichstags-Abgeordnete Herr Heine wegen einer Reise ver- bindert sei, den angekündigten Vortrag zu halten. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung übergehend, verlas der Vorfitzende die eingegangenen Antwortschreiben der Prinzipale auf die Zu- sendung des LohntarifS, aus welchen erfichtlich war, daß ein Theil der Ptinzipale, welche nicht der Meister Vereinigung angehörm, die aufgestellten Forderungen voll und ganz de- willigen. Ein dahin lautendes Schreiten des als Autorität im Stuckfach geltenden Herrn Dröse, Lützowstr. 105, wurde mit großem Betfall aufgenommen. Die von einem Meister in seinem Schreiben bekannt gegebenen Motive, warum er einige der aufgestellten Forderungen nicht akzeptiren könne, unterwarf der Vorsitzende einer sehr eingehenden Kritik und bewies in seiner sachgemäßen Ausführung, daß alle die darin vorgebrachten Gründe unhaltbar wären. Der Sckrift- führer theilte der Versammlung mit, daß die Putzer in der öffentlichen Versammlung am 14. diese? Monats einstimmig beschlossen hätten, die Stuckateure bei etwaigen Differenzen mit ihren Arbeiigebern in jeder Weise zu unterstützen; und daß fie fich verpfl chtet haben, keine Ansetz- arbeiten übernehmen zu wollen' dieser Beschluß wurde mit großem Beifall aufgenommen. Ferner wäre der Kommisfion die Mitthcilung gemacht worden, daß die Majorität der Meister- Vereinigung, hauptsächlich die bedeutendste Firma dieser Branche, die Herren Zeyer und Drechsler, für die Bewilligung deS Lohntarifs wären, weil fie zugestehen müssen, daß die aufgestellten Forverungen humane find; es sträube sich nur die Minorität dagegen, welche aus solchen Meistern bestände, die überhaupt nie den Arbeitern ein Zugeständniß machen wollen. Unsere Bewegung, führte der Redner an, wird von einem großen Theil der Meister verkannt; unser Bestreben ist, unser Fach wieder doch zu dringen und vor schmutziger Konkurrenz zu schützen, sowie die Durchführung einer gleichmäßigen Lohn- und Akkord« Bezahlung in allen Werkstätten. Daß ein so schwieriger Lohn« tarif wie der unsrige nicht jedem mundgerecht gemacht werden könne, müßte dock jede-, der ein Verständniß hierfür hätte, anerkennen. In seinen wetteren Aueführungen erwähnte der Redner, daß die bevorstehende Bauperiode eine günsttge Kon- junktur für die Bewegung wäre und daß ungefähr 400 Kollegen jetzt der Organisation angehörten; ferner daß die Opferwilligkeit aber zu dem UnterstützungsfondS, trotz der jetzt herrschenden kalten Wirterung, wo Viele keine Arbeit hätten, eine so große sei, daß fie fich mit der der anderen Korporationen messen könne. Ein der Versammlung mttgetheilter Fall, daß der eine Inhaber der Firma Schulze u. Mielicke nach Eingang des Lohntarifs denselben in Gegenwatt der Ardeiter zerrrssen hätte, ttef allgemeine Entrüstung hervor und wurde sofort der Lohnlommiifion anHeim gegeben, bei dieser Firma zuerst vor- zugehen. Eine inzwi chcn eingebrachte R-so'.ution:„Die heutige Versammlung wolle beschließen, daß an den aufgestellten For- derungen des LohntarifS u. ter keiner Bedingung etwaS ge- ändert wird", wurde einstimmig angenommen. Räch einer sehr lebhasten Diskusston über„Verschiedenes" wurde vom Schrift- führer bekannt gemacht, daß das„Berliner Volksblatt" das Pudlikattons-Organ für die Berliner Stockateure wäre, wozu Herr Werder noch ergänzte, daß es Pflicht aller Kollegen wäre, auf das„Berliner Volksblatt" zu abonniren. da dies voll und ganz die Interessen der Arbeiter vertrete. Vor Schluß der Ver- sammlung machte der Vorfitzende noch bekannt, daß die nächste Fachvereinssttzung am Montag, den 22. d. M-, und die nächste öffentliche Versammlung Sonntag, den 28. Februar, in Niest'S Lokal stattfindet. tb. Einekgroße öffentliche Echneiderversammluna fand mit der Tagesordnung: 1. Vortrag über den Antrag Acker- mann und Gen.(Befähigungsnachweis), Referent: Reichstags- abgeordneter Heine. 2. Der Arbeitslohn der Firma Rosen- bäum, Molkenmarkt 6, am 18. d. M. in Leitmann'S Restaurant (oberer Saal), Brunnenstraße 9. statt. Da Referent, durch eine Fraklionsstyung verhindert, zu Beginn der Versammlung noch nicht erschienen war, so wurde zunächst der zweite Punkt der Tagesordnung erledigt. Herr Pfeiffer, welcher über diesen Gegenstand refettrte, hob hervor, daß schon vor zwei Jahren Klage gefühtt worden sei über die niedttgen Löhne der Firma Rosenbaum. Dieselbe bezahle z. B.:ür Winterüberzieher 1. Qualität 2,75 Mk-, 2. 2,50 Mk., 3. 2,25 resp. 2 Mk. Er bemerkte, daß, wenn es gleich Konfektionswaare sei. dieselbe doch immerbin gemacht werden müsse und daß zur Fettiastel- lung eines Uedei zieher« ein sogenannter„Mecklenburger Tag", sowie die Mithilfe aller Familienmitglieder nöthig sei. Für eine Hose gäbe eS 60 Pfg., für eine Weste 50-60 Pfg. Arbeitslohn. Daß bei solchen Löhren die Sckn.ider den„Hunaer« faden ziehen" müßten und daß solche Verhältnisse nicht werter bestehen könnten und dürften, sei einleuchtend. Nur fachgewettliche Organisationen könnten dagegen ein» schreiten und wenn auch diese nichts vermögen, dann sei der Schutz des Gesetzes in Anspruch zu nehmen. Im Uebttgen konstatirte er, daß daS vormalige öffentliche Vorgehen gegen Herrn Lasfin den Erfolg gehab: habe, daß derselbe bereits 50—75 Pf. Lohn mehr zahle. Die Finna R. deschästiae ca. 200 Schneider, die sämmtlich außer dem Hause und zumeist mit weiblichen Ardeittkräften arbeiten. Nach einer langen und l-bhasten Debatte gelangten folgende nähme:„Die Versammlung erklärt rungen deS Rrferenten einverstanden, einiges Zusammenhalten und immer den Fachverein eine Aufbesserung der. wie schon der Erfolg der ersten Versammlung beweist. Die Versammlung erklätt ferner ihre Zustimmung, daß die Lohn- kommisfion» um die schlechte Konku renz lahm zu legen, dem Publikum die Quellen angiedt, wo den Arvettern im Gewerbe eine humane Existenz gefickett und daS Publikum vor Schaden bewahtt wird. Die Lohnkommisfion wird beauftragt, der Firma Rosenbaum diese Resolution zu übermitteln. 2. Di« Versammlung spttcht ihr Bedauern aus in Betreff der schlechten Preise der Firma Rosenbaum, Mollenmarft 6, und ist gewillt, mit aller Kraft darnach zu streben, daß diese schlechten Preise soviel wie möglich an den Pranger gestellt und in agitatonscher Weise aus unserem Schneiderbandwerk geschafft werden."— Anschließend hieian entspann fich über den ersten Punft der Tagesordnung eine allgemeine Diskusston, an der stch besonder« Resolutionen zur An- stch mit den AuSfüh- sowie, daß nur durch engereS Anschließen an Löhne zu erwarten ist, die Herren Kunkel, Baak«, Jeschonnik, Pfeiffer u. A. bcthnllgten. Eine Resolution wurde nicht ge'aßt. Der Fachvcret« der Echranbe«-, Faeondreher und BeruiSgenossen Berlin« hielt am Sonntag, den 14. d. M„ in Werts Salon, Alexanderstr. 31, eine Generalversammlung ab, mit folgender Tages Ordnung: I.Neuwahl der Fach« kommisfion. 2. Wahl eines beständigen Vergnügun'S-Komitee's. 3. Wahl eineS Adjunkten. 4. Innere Angelegenberten, als: a) Wann der ausgearbeitete Minimallohntarif den Prtnzivälen vorgelegt werden soll; b) die Abrechnung der letzten Listen von 1885; c) Rückblicke auf daS vergangene Jabr. Zu Punkt! machte Herr Hirsch dm Vorschlag, statt der„Fachkommisnoa" eine„Lohnkommisfion" zu näh'en, welche mir dem Vorstand« gemeinschaftlich die A-gelepenheiten der Schrauben-, F.-con- dreher und BcrufSgenoffen Berlins den Prinzipalen gegenüber zu vertretenßhade. Nachdem der Vorfiyende, Herr Jacobs» gegen eine Lohnkommisfion gesprochen, indem er hervorhob, wie schlechte Erfahrungen andere Korporationen in dieser Sache gemacht hätten, wurden folgende Kollegen in die Fach« kommisfion gewählt: Hirsch, Fieker, Meier, Sko:la» Hecht, Teichert und O. Schulz. Hierauf wurdm die Kollegen Meier, Gorn und Stimme! zum beständigen Per« gnügunas-Komttee und Kollege Otto Ringer als Adjunkt gewählt. Zu der Frage:„Wann soll der Minimallohn T-ttf den Prim zwälen vorgelegt werden 7" sprachen die He ren Jacobs, Husch und Lrimmel für sofottige Unterdreitung deS Tarifs. Von der Versammlung wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Mr- nimallohntarif ist sobald als möglich dm Prinzipalen vorzu- legen, glttch'eitig sollen dteselbm zu einer Versammlung,>n welcher der Vorstand mit der Fachkommisfion zusammen tagt, eingeladen werden, damit auch die Pttnzipäle ihre Ansichten über den Minimallohntattf darlegen resp. die Annahme oder Verweigerung desselben anzeigen rönnen. Nachdem der Re»' dant Zimmermann die Abrechnung der Listen gebracht, em' pfähl ver Vorfitzende Jacobs die Beibehaltung der Listen, da die Starten erst wieder ausgewetzt werden müßten, weicht die Streiks des vergangenen Jahre« dem Fonds gebracht hätten. Nachdem Herr Hirsch stch in demselben Sinne cuW sprachen, brachte derselbe einen klaren Rückbl ck über die ö'i' stungen deS Vereins im vergangenen Jahre. Am Schlui seiner Rede forderte derselbe die Kollegen auf, treu zu W Verein zu halten und der Sieg würde ficher lein. Nackdes noch Herr Jacob? der Versammlung recht dringend mrpfafl die errungenen Vortheile auch fest zu hallen, schloß derselbe P gut besuchte Versammlung. * Die Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Da» decker Deutschlands„Einigkeit"(E. v- Nr. 69), Sitz Be:l� hält am Sonntag, den 21. Februar, Vormittags 8 Uhr, ion zweite ordentliche General- Versammlung in dem Lokale er« Herrn Diel, Große Rosenstr. 37, in Hamburg ab. Tagesoid' nung: 1. Entgegennahme der Jahrerbeschlüffe der Hilfskaßt und Entlastung des Vorstandes auf Bericht der R'vii'ortSe 2. Erledigung von Beschwerden über den Vorstand. 3. äW des Vorstandes, der Revisoren, der Sachverständigen rinv Festsetzung der Entschädigung für dieselben. 4. Wahl � Ausschußmitglieder und Erledigung von Beschwerden über selben, sowie die Wahl der Ersatzmänner, welche in Aw srühzritigen Ausscheidens irgend eines Vorstandsmitgliedes dessen Stelle treten. 5 Abänderung der Paragraphen 3, 8, 9, 17, 21, 28, 31, 32, 36, 38 und 40 des Statu''- 6. Einführung einer Extrasteuer zur Deckung der Unkosten � den General- Versammlungen. 7. E: höhung der monatli«� Beiträge um 10 Pf. 8 Verschiedenes.— Di« General- Vtt sammlung wird voraussichtlich nur einen Tag in Ansp u» nehmen und werben die Abgeordneten ersucht, pünktlich zu's scheinen.— Den Beilinet Mitgliedern zur Nachricht, daß b» diesigen Zahlstellen der General- Versammlung wegen Sonntag, den 21. ö. M. geschloffen find und auch die Stti® stunden des Bevollmächtigten der Filiale Berlin an bi'fe® Tage ausfallen. Ä Im Fachverei« der Rohrleger, w Ich er am 14. d. j*; bei Wulff und Krüger. Slantzerstraße 126 tagte, iheilte Vorsitzende den Anwesenden mit, daß da? Vereins Mitglied Werz verstorben ist. Die Versammelten erhoben fich zu En', des Verstorbenen von ihren Plätzen. Dann wurde der vier'' jährliche Rechenschaftsbericht erstattet. Darauf theilte der V's fitzende mit, daß in der Tonhalle eine Versamml ng saw licher Bauhanvwerker zur selben Zeit stattfände und beantrar' die Vereineversammlung, welche nur schwach besucht war,' schließen. Nach Annahme dies: s Antrages forderte der fiycnde die Anwesenden auf, insgesammt die genante A» handiverkervertammlung zu besuchen. Zum Schluß wurde. ein krankes Mitglied eine Tellersammlung veranstaltet" eine Unterstützung auS der Kasse bewilligt. � Fachv rein der Drechsler und verwandte« genoffen Berlins. Die Mitglieder weiden hierdurch c« gefordert, die noch �blenden B'llets zum Wiener Mask'w,. spätestens in der am Dienstag, den 23 Februar, Abends 9� bei Keller, Andreasstr. 21, stattfindenden Versammlung � liefern, damit die Abrechnung schnell zu Stande komm». A"? dem ein Todesfall.(Siehe Inserat.). Zentral-Kranken- und Sterbe-Kasse der «nd Berufsgenossen, Verwaltungsstelle Berlin X. Dtt T j glieder werden hierdu-.ch auf§ 6 und§ 9 Abs. 4 um � Statuts aufmerksam gemacht. Zugleich w:rd mi'gei heilt, bar � Zahlstellen Inhaber berechtigt find, die Ouittungsbüchtt Restanten dtS zur vollständigen Regelung einzuzieh-n. * Oeffentltche Versammlung sammtlicher arbeiter und Berufsgenossen am Sonn'ag, den 21. Vormittags 10'/, Uhr, im Lokale Gr. Franklutterfir. Ü? Mobrmann) Näheres morgen im Jnseratentheil diese«- sowie durch die Anschlagsäulen._ Metallarbeiter Berlin»«nd Umgegend, tp, den 28. Februar, findet eine öffentliche Versammlung aj licher Metallaibeiter statt. Tagesordnung: Wie stelle hingen einzuberufen. Säulenanschlag._ verein zur Wahrung der Juteresse» der Korbm � Berlins und Umgegend. Versammlung am©onnwfl'ptifc fk« cv.t on•. L.» 4 r\ Ca# fTT, Avaibtttstcaß 21. Mithelfen. 2. D Z».... Schmidt. 3. Vereinsangelegenheiten Mitglieder. tust und Aufnahme mtf Verantwortlicher Redakteur R. krouhetm in Berlin. Druck und Vertag von Mar Badtng in Bettm 8W., Beuchstraße 2. beitertnnen werden aufgcnammen. Hierin eint Beilage zum Berliner Volksblatt. k 42. Freitag, de« 19. Februar 1886. III. Parlamentsverichte. Deutscher KetchSta«. 43. S i tz u n g v o m 18. F e d r u a r. 12 U h r. » a« Tisch« des BundeSrathS: von Bo-'tticher, von "ttkamer. . Auf der Tagerordnung steht die erste Berathung des Ge- Entwurfs, betr. die V-rlängerung des Sozialisteiegeseves in 'vindung mit der Beratbung der Darlegung über die ??ber preußischen, sächstschen und hamdurgischen Regierung £» TO}9 jenes Gesetzes getroffenen Anordnungen(den sog. Min Belagerungszustand)._„ km J Hasenclever(Soz.); Hätte ich gestern die Zu« Anstellung der Tagesordnung so verstanden, wie ich fie J'nt, so hätte ich den Gedanken, beide Gegenstände getrennt Einhandeln, angeregt. Das war auch meine Anficht bei iiAMeren Besprechung mit dem Herrn Prästomten bezüg C5" Angelegenheit. Ich bin überzeugt, daß, wenn wir »» rM über die Durchführung deS BeiagerungszustandeS .�tibinduna mit dem Sozialistengesetz behandeln, die Ver- Mhch�it der Regierung h nfichrlich jenes nicht so scharf .-j.�Zise herausgeschält werden kann, wie wenn wir in Ge- lÄ 9eä früheren Vorgens erst über den Belagerun gs- L;. und dann über die Verlängerung de? Geletzrs de- L mj1-%ch bitte Sie, meinem Antrage gemäß eine Trennung ®«luffton in vieler Weise zu beschließen. «z.?iäsident: Ich habe die T. O. genau so vorgeschlagen, !ib°„ vorliegt und ich dedauere, daß dieser Wunsch nicht »hl, Wftem angeregt worden ist. Jetzt bin ich meinerseits in der xiaar, die T.-O. zu ändern, dies kann nur � Beschluß des HauseS geschehen. rWr5 Richter: Ich möchte mich lür den Antrag Hasen- W, Mrechen: anderenfalls wäre eS ein ganz neuer Vor« v>lr n». �ade bei dieser Materie deS Ausnahmegesetzes sollten Wfti �vch vor einer Ausnahme von der Geschäftsordnung � entspricht ganz der Natur der Sache, erst über den ii, Z Un9 dann über das Gesetz zu dislutiren. Wie wäre man in einer Diskusston über die Uederficht der ? und Einnahmen eines vorausgegangenen Jahres und v»z sftübel den Etat deS nächsten JahreS debatliren wollte? auch niemals geschehen. Ich glaubt daher, daß die ir'Htne Theilung durchaus sachgemäß ist. shh. v. H e l l d o r f f: Ich bitte Sie, cS nach dem Vörie Herrn Präsidenten bei der gestern festgesetzten T.-O. ES wird bei der Debatte ficherlich Niemandem o- jjjin sein, soweit auf den Bericht einzugehen, wie e« zu« Windthorst: Der entstandene Widerstreit vur in dem Wunsche begründet sein, daß die Sozialdemokraten stch voll und ganz aus» können. In einem Momente, wo es sich um �"ge Dinge handelt, haben wir Alle ein Interesse daran. � Zweck, meine ich nun, könnte auch ohne eine Aend:- ,ver Tagesordnung erreicht werden, wenn wir die Be %% der Gegenstände selbst so scheiden, daß wir uns zu- v>isentlich auf den Bericht üher Ausführung dcS Bela- J�WstanbeS beschränken und dann daS Gesetz behandeln 1»} �Heilung in zwei Theile» und b hat der Herr Präsident Hand, und wir auch. Damit wäre alles Erreichbare Ich glaube, die Sache selbst ist ernst genug, daß wir Mt erst um Normalien streiten. Richter: Ich möchte dem Urtheile deS Herrn Prä« "in nicht vorgreifen, aber ich glaube, daß der Vorschlag »»,/! durchführbar sein dürste, bei jeder einzelnen Red« zu C�ieiden, wo die beiden Theile stch trennen. ES würde 0%?% zu unerquicklichen Zuständen führen. Herr Windt- surfte doch zweckentsprechend der Trennung zustimmen. f B e b e l: Ganz mit Recht hat Herr Richter an- daß e» ganz unmöglich sein dürfte, die beiden Gegen- einer Rede auseinander zu halten. Betrachten Sie Dinge, wie fie liegen. Wir haben den Rechenschafts« i über den Belagerungszustand in drei großen � Deutschlands, und es find bestimmte Thersachen im,- welche denselben nothwendig machen sollen. Der l-hdigftit, dabei auf Spezialien einzugehen, kann doch der Debatte über die Verlängerung des Sozialisten' MhrMügt werden. Es wird der Ssch: jedenfalls am zu N tarH sein, wenn Sie die Trennung herbeiführen, und Äim'ie, daß Sie mit Rückficht auf uns diesem Wunsche zr»i»*rS.�agen. DaS ist aber, wenn Sie in eine allgemeine 2? Hit'« e über beiße Materien eintreten, nickt möglich. >.. �.Jalle würden nur etwa zwei oder drei Redner von kommen, im entgegengesetzten vielleicht vier I#,§■'• Helldorff: Gerade auS dem Gmnde, daß eS l„�"ch fein dürste, über den Spezialbericht zu svrechen, �-rki�ikvmeine Gesichtspunkte auszugehen, empfiehlt sich beider Materien Me?«♦. u,t: Wenn es früher möglich war, beide Gegen- vän""k zu behandeln, io wird es auch heute möglich br i" tot, wir diese Tagesordnung erwarten können, dann Kf ä aw ki Vit(�8 aussprechen, aber es ist doch sehr eigenthümlich, xvren von der Rechten diesen UsuS beseitigen zu sollten doch daS Recht des Angeklagten, flut, l blgtn. nicht in dieser Weise beschränken. Lichts) brn Sozialdemokraten. Unruhe und Wider- b, va* y' ltzahn-Gültz: Ich will nur konstatiren, tz-, ist, hg? iben gehörten Aeußerungen ausdrücklich festge- �"."ach der Meinung der Herren aus der sozia- Än die ihnen angeblich ungünstige G:schä?ts. tqövaßt herbeigeführt worden ist, daß die Herren nicht �tj.) v den.(Oho! bei den Sozialdemokraten; sehr gut! r-n«»}iin�/bs er: gjjje dieser Grund irgendwie stich. L Äer di. brauche ich nicht zu erörtern. Mißverständ- Wfiltnun,.FWisordnung ereignen stch in allen Parteien, !», Ii allg.?.,bazu da, solche Mißverständnisse auszugleichen. �>InVL-.«;fichtSpunkte treffen für beide Vorlagen S«r?u8fübrimt Über den Bericht werden die thatsäch. NllnI. Gese«,» 8in den Schwerpunkt abgeben, und, wenn Mg '"fth.ÜJ.s wstd" man' wenn es auch nur von' ein er Seite � Ä sondern well wir glaubten, das HauS werde nach der stühercn Praxis verfahren. Hätten wir ahnen können, daß die Herren von der Rechten unserem sehr bescheidenen Wunsch widersprechen und die R.cke freiheit, welche hier im Interesse der Rrgierung und des ganzen HauseS im vollsten Maße gewährt werden muß. beschränken würden, dann hätten wir ficher unseren Widerspruch gestern begründet. Ich bitte, diese Geschäftsordnungsdedatte nicht dahin kommen zu lassen, daß unsere Wünsche nicht erfüllt wer- den. Herr Windthoist bat ganz Recht, daß in Aller Interesse liegt, die Sache in vollem Umfang zum Austrag kommen zu lassen. Sie können der vollen Redefreiheit aber, die wir, wie Sie sehen, ohne Leidenschaftlichkeit ausnutzen werden, nur ge recht werden, wenn Sie unseren Antrag annehmen. Abg. W i n d t b o r st: Bei dem Vorredner war allerdings keine Lerdenschafilichkeit vorhanden, wohl aber bei Herrn Auer. Droben lassen wir uns nicht, solche Redensarten gehören nicht in das Parlament. Ich glaubte, es würde durch meinen Vorschlag das, was die Herren wünschen, zu erreichen sein. Damit aber Niemand sage, wir hätten die Redefreihei! beschränkt, erkläre ich, daß wir dem Antrage Hasencleoer bei- treten. Abg. Marquardsen: Wir schließen unS diesen Gründen an. Bei einer so ernsten Sache müssen wir auch d.-n Schein zu vermeiden suchen, als od wir irgendwie die Rede- freiheit beschränken wollten. Ter Antrag Hasencleoer wird hierauf gegen die Stimmen der Konservativen angenommen, das Haus tritt daher zunächst in die Berathung der Darlegung über die Anordnung der u. s. w. Regierungen ein. Abg. Viereck(Soz.): Der Belagerungszustand ist nichts weniger als eine nationale Eigenthümlichkeit unseres herrlichen Deutschen Reichs, sondem eine französtsche Erfindung aus der Zeit, wo die Reaktion in Jrankrtich ihre Orgien feierte und aus der Zeit des„weißen Schreckens" in der Epoche ver Revo- lution. Das Gesetz vom Jahre 5 der Republik führte zum ersten Mal den fingirten Belagerungszustand gegen einen inneren Feind ein im Gegensatz zun wirklichen, der nur im Falle thatsächlicher Belagerung durch einen äußeren Feind die Regierungsgewalt auf die Militärbehörde überträgt. Dieser fingirte Belagerungszustand kam du-ch das Gesetz vom 4. Juli 1851 in die preußische Gesetzgebung und durch Art. 33 in die Reichsverfaffung; aus ihm entstand dann der kleine Belage- rvngSzustand von 1878, leider nicht als UebergangSmaßregel, da er seit T/t Jahren eine dauernde Institution deS Reicht ist.„Kleiner Kriegszustand" wäre die paffende Bezeichnung für ihn, der das charakteristische Merkmal für das System ist, unter dem wir seit 25 Jahren daS ziemlich zweifel- hafte Glück haben zu existiren. Seit September 1862 behandelt der jetzige Reichskanzler die Gegner seiner Politik alt Feinde, er hat zwischen sich und ihnen fich einen Kriegs- zustand konstruirt.„Wer nicht für mich ist, ist wider mich" und wer wider ihn ist, ist ReichSfeind, den man ohne Rückficht mit allen Mitteln bekämpfen muß. Zuerst Kampf mit derFort- schrittspartei, der daS innere Düppe- zu bereiten ihm, wie er selbst ausgeplaudert hat, wichtiger war als daS Verfolgen der nationalen Ziele. Es gehörte aber mehr Blut und Eisen, als der Bruderkrieg von 1866 erforderte, dazu, um daS rebellische Bürgerthum in der FoitschrittSpart eiskirre zu matten. Dann kam 1872 das Jesuitengesetz, die Maßregeln gegen Elsaß-Lorhringen, der Kulturkampf als Krieg gegen die katholische Bevölkerung des Reicks, der jetzt mit einem nicht sehr rühmlichen Büßer- gang nach Kanossa endigt. Alle diese Kriegszüge wurden aber durch die Eozialistenhatz übeftroffen, nachdem Alles versucht war, die Soziademokrarie für die Ziele der Reaktion zu ge- Winnen. Der Reichskanzler selbst stellte uns 1878 daS Zeugniß aus, daß wir niemals um ministerielle Gunst gebuhlt haben, stets gerade und ehrlich unsere Weg- gegangen find und keine Verfolgung unS abgeschreckt hat. Daher die systematische Verfolgung. Ich habe selbst seiner Zeit die geheimen Akten in der Hand gehabt und daraus mit In» tereffe entnommen, wie das preußische Staatkmini- sterium, daS bei uns die Rolle des Reichspolizei- Ministeriums vertritt, im Laufe der Jahre in Besttz eines un» endlichen Materials über die Sozialdemokratie gekommen ist. Ich will damit beileibe kein Zeugniß für die Güte dieses Materials ablegen; es find Berichte der Polizisten, Spitzel und Denunzianten, und diese Art muß fortwährend Berichte schreiben, ihre UnentdthtlichMt zu deweisen, von der Vor» ftellung ausgehend, daß der Sozialdemokrat auf Umsturz denkt und womöglich einige Dynamitpatronen für Attentate in der Tasche trägt. Frucht der Verfolgung von 1874 war die Vereinigung der Eisenacher und Lassalleaner, die stch bis dahin zum Schaden der Arbeiterbewegung zerfleischt hatten, zu einer Partei, die 1875 ihren Vereinigungskongreß abhielt, und 1877 der Emzug von 12 mit V» Million Stimmen gewählten Sozialdemokraten in den Reichstag, darunter am 11. Januar 1877 zu Aller Schrecken zwei aus Berlin. Ich glaube, daß in jener Januarnacht in der Wilhelmstraße der Gedanke gereift sein dürfte, den Belagerungszustand über Berlin zu verhängen, um das Wachsthum der Sozialdemokratie aufzuhalten, die ichon 1877 als so stark berechnet wurde, wie die Macht der sozialen Revolution 1871 in Paris war. Die Gardediviston, die wir in Berlm zur Verfügung hatten, war dabei nicht un» thärig für den alten Plan LaffalleS, die Eroberung Berlins zu verwirklichen. Trauerzüge von 50-60000 Menschen bei den Begräbnissen Hetnsch und Dentler waren in der Geschickte der Stadt noch nicht vorgekommen. Der Gedanke deS BelrgerungS- zuftandeS war der Reife nahe, aber wie die Sache inszemren? Da half der blöde Hödur oder Hödel, will ich zunächst sagen. Es war der durch und durch verlumpte Hödel, ein Produkt der Erziehung, wie eS das Proletariat unter den heutigen Ver» hältniffen aufweist, wenn nicht die verfittllchende Kraft der Sozial Demokratie die betreffenden Kreise zu höheren Zielen ge» hoben hat.(Lachen rechts.) Dieser Lumpazius. ein durch und durch verkommener Mensch, schoß damals seine Revolverkugel ad, die man wie ick hiermit konstatiren will, bis heute immer noch nicht gefunden hat, und die Antwott auf diese Revolverkugel des dlödfinnigen Hödel war ein Telegramm auS Friedrichsruhe: MWMMZ Z ÄVL- ä Ä bedurfte eS erst der Vorgänge in N-uiftttin. Auf die Juden- batz folgte die Polenbatz mir 30—40000 AuSwrisungen, gegen 6—700 aus Berlin, Leipzig und Hamburg ausgewiesenen So- ziaidemo.'raten, die ebenso den Zweck hat, die wahren auf das Brannlwtinwonovol gerichteten Adfichten zu verschleiem, wie die Verlängerung deS Sozialistengesetzes. Denn wir Sozial- demolraten, die wir Einfluß auf die Ardeitermassen haben, find die entschiedensten Gegner deS Monopols.(Der Prästdent erinnert dtn Redner an dieser Stelle und auch später, bei der Sache zu bleiben.) Die vorliegende Denkschrift bewegt fich in dem bekannten Zirkelschluß: daS Sozialistengesetz hat ungemein erzieherisch gewirtt und eS hat noch nicht genug gewirkt; aus beiden Gründen soll eS verlängert werden. Ferner soll auf unserer Fahne der Umsturz alles Bestehenden stehen. Das ist einfach eine Unwahrheit. Der Reichskanzler sagte, daß ein Minister das Vaterland auch gegen die Majorität des Parlaments retten soll; wollten wir den Satz für uns an» wenden, so käme ein ziemliche« Umsturzprogramm der besteben- den Staats- und Gesellschaftsordnung heraus. Aber wir Sozialdemokraten sind keine Umsturzmänner, sondern Leute, die wissenschaftliche Smdien über die Bewegungsgesetze der modernen Weltwitthschaft gemacht haben und auS dtesen Studien wissen, daß die kapitalistische PtovuktionSwcise stch so zu- spitzt, daß im gegebenen Moment der Uebergang in die gemern schaftliche Form der Produktion fich unwiderstehlich ergeben muß. Aberwitzig wäre es, zu glauben, daß eine Partei oder einzelne Menschen eS nur von ihrem Willen abhängig machen könnten, od im gegebenen Moment eine derartige weltgeschicht- liche Bewegung verwirklicht wird oder nicht. Wer mit seiner Person Geschichte machen zu können glaubt und mit dem Kopf gegen die Wand rennen will, wird ihn fich ander hatten Logik der Thatsachen einrennen. Wir haben angefichts dieses Pro- zeffeS nur die Aufgabe, die Massen aufzuklären und zu forde:«, daß fie in einer kulturfordeinden Weise an diesem Ziel mitarbeiten. Das ist die ideale Misston, die wir trotz Ihrer Polizei» gesetze erfüllen werden. Wir hatten bei den letzten Wahlen etwa 600 300 Stimmen, das Ausnahmegesetz bat aber schon so gewirkt, daß, wenn wir an die brutalen Instinkte der Massen appelliren und fie zu Gewaltthätigkeiten auffordern wollten, ich fürchte, wir wü den dazn eine größere Zahl gewinnen, als zu unseren friedlichen und gesetzlichen Wahlkämpfen. DaS ist nicht die Schuld unserer Agitation, sondern die Folge der Erbitte. rung, die da« Ausnahmegesetz erzeugt. Sie sollten stch daS immer gegrnwäriig halten und fich freuen, daß in Deutschland eine mächtige Pärtei trotz Ihrer Ausnahmegesetze noch besteht, welche im Stande ist. den anarchistischen Tendenzen, die Sie durch jene Gesetze geächtet haben, die Wage zu halten. Lachen Sie nicht, eS ist bitterer Ernst mit diesem Wort!(Ruf rechts: cS hat ja Niemand gelacht. Heiterkeit.) In Frankreich, wo es keine oder leine nenrenswerthe Sozaldtmokratie giebt, wird ein unbequemer Grubendirektor maffakrirt; find solche Dinge je» mals in Deutschland passtit trotz des Sozialistengesetzes? In London, wo ei keine Sozialdemokratie giebt, gab es Aufruhr und Plünderung, während die Arbeitslosen in Berlin in ihren Versammlungen friedlich und gesetzmäßig diskutiren, ihre Wünsche für das Parlament formuliren uno sagen: wir haben dort Arbeitervertreter, denen übermitteln wir unsere Wünsche, die sollen daS Sprachrohr sein, von ihnen erwarten wir eine Besserung unserer Lage. Wenn Sie diesen werthvollen Vorzug der deutschen Sozialdemolratie für die Kulturentwickung unserer Zeit nicht anerkennen, dann verdienen Sie gar nicht, daß Sie eine so gute sozialdemokratische Be- wegung haben, wie Sie thatiächlich besteht.(Heiterkeit.) Selbst der Streik in der Nähmaschinenfabrik von Koch in Bieletelv, der anscheinend zu Aueschreftungen Anlaß gab, rechtfertigte nicht die Verhängung de« BilrgerungszustandeS Unter den 40 Verhafteten befand fich kein streikender Ardeiter, und um eine Anklage wegen AufrnhrS zu erb den, war schließlich gar kein Material vorhanden. Die Denkjch ist beklagt fe ner, daß die gewerkschaftlichen Vereine einen solchen Aufschwung nehmen, und daß die Sozialdemokraten an ihrer Spitze stehen. Sie begehen doch damit eine gesetzliche Handlung, und es kann doch kein Grund, den Belagerungszustand zu verhängen, darin liegen, daß fie ihre Ideen in diese Verbände trafen. Die Mehrheit der 27 Männer, die den Sch-fflertanz in Münch-n ausführen, find Angehörige des FachvereinS; denken etwa diese Fachveretnsmitglieder, welche die Maskerade aufführen. nichts Anderes, alS Staat und Gesellschaft umzustürzen? Wird jede LrbenSregung der Arbeiter so angesehen, so zeugt dai nicht für daS gute Gewissen der herrschenden Klassen. Daß nach Schließung der inländischen Presse die ausländische eine viel drastischere Sor-rche führt, ist natürlich; der„Sozial« demokrat" kann nicht Attitel im S'yl der„Norodeuticken All gemeinen" bringen. Die Anarchisten find ein Produkt des Ausnahmegesetzes, ohne dasselbe könnte von ihnen üdirbaupt nicht die Rede fein. Die Reg'erung bat nichts damtt erreicht und nur die Zahl der W thler für unsere Kandidaten in Berlin von 1877—1884 von 32 000 auf 68 500, in Lt ipzig von 14 600 auf 26000 erhöht. Ja Leiozig wurden nach der Denkschtift in einem Jahre nur zwii Personen ausgewiesen, kein Beweis für die Stärke der Elemente des Umsturzes. Dazu ist seitdem noch meine Ausweisung hinzugekommen, weil ich gegen die Unterbrechungen durch den anwesenden Polizeibeamten in einer sonst ganz normal verlaufenden Versammlung Einspruch erhob und eine Beschwerde darüber bei der vorgesetzten vtenstbehörde zu defüiworten bereit war. Um dieses Verbrechens willen wurde ich ausgewiesen, wurde mir der Ve>kehr mir meinen Wählern unmöglich gemacht, und jede Woche, wenn ick beim- fahre, muß ich in Leipzig aussteigen, der Polizei meine Reverenz machen und sagen: ich fahre jetzt durch, nehm! gefälligst Notiz davon. Der Schutzmann nottrt es, es wird von einem Bahnhof an den andern telegraphirt und dann kann ich von dem andern weiterfahren. Entspricht das der Würde des Reichstags, wenn er das duldet? Selbst Polizeibcamten find vielfach entrüstet über die Art und Weise, wie unter dem Namen des Ausnahmegesetzes die Polizeidiktatur geübt wird. Der Beamte, der mir 1879 hier die AuSweisungsordre aushändigte(er lebt nicht mehr)— tbat daS mit den Worten:„Nehmen Sie fich die Sache nur nicht zu lehr zu Herzen, es werden ja bald an- dere Zeiten kommen." Es war der Polizcihauvtmann Theiß. Polizeiassessor Bausch in Leipzig beklagte es, daß er seinen Namen zu allen möglichen Schergendiensten hergeben müsse und nahm fich bald darauf dos Leben, das Gefühl seines Standes fraß ihm das Herz. Er war ein geachteter Beamter, ein Ehrenmann und konnte die Handhabung des Sozialisten- gesetzes nicht mehr ansehen. Dazu die Ungleichheit in der An- Wendung: aus Hamburg find nur Auer und Dietz ausge» wiesen, alle übrigen 22 Abgeordneten können nach Hamburg kommen. In Berlin find gemeingesährltch nur Auer, Lied- knecht, Hasencleoer, Rüdiger und Viereck; für die Dauer der Sesston find alle nickt gemeingefährlich u. s. w. Dazu die Ge- fahr, daß daS Koalitionstecht der Arbeiter illusotisck wird. Alles weist darauf hin, daß das Sozialistengesetz nicht ver- längert werden darf.(Beifall links.) Abg. Frohme(So;.): Ich habe hier im vorigen Jahre den Bltonaer Polizeikommiffar Eng?! deb Au tSmi�brauchS be« schuldigt, weil er einen Ho,ia>dkmo?ratm mit Thätlichkeiten dedrobi hat. Ich habe dem StaaiSanwalt in Altona auf seinen Wunsch das Beweismaierial zu geschickt. Der Staatsanwalt bat nun ein Boigehen gegen Engel abgelehnt, da die alt Stutzzeugen vernommenen Unteibeamten meine Angaben wide, legt hätten.„Diese Zeugen, soweit sie selbst nicht angeschuldigt", so heißt es in dem Antwortschreiben,„find mindestens glaubwürdiger als die belheiligtcn Genoffen Ihrer Partei, die selbst größtentheils zu den auf G und deS S�z'alistengescv S ausgewiesenen Personen gehö�n und den Po iMommiffw Engel und die anderen Beamten als ihre Feinde ansehen. Es liegt deshalb die Annahme nahe, daß fie die T o gange abstcht« liw entstellten. Diese Annahme wiro auch dadurch unterstützt, daß aus den Druck'chriften der sozialdemokratischen Partei, insbesondere aus deren Zentralorgan, dem„Sozialdemokrat", ersichtlich ist, daß einerscitZ der Haß gegen die Polizeiorgane, insbesondere gegen Eagel, systematisch gepredigt wird, und daß andererseits die Lehre ve, breitet ist, daß ein Neineid im Jnter» esse der Partei kein Verbrechen und ein wegen eines politischen Meineides Verurtbeilter ein Märtyerer sei." Diese Antwort hat auf mich den Eindruck gemacht, daß sich die Justiz zur feilen Dirne der Polizei erniedrigt, Der Ausdruck mag hart klingen, jedenfalls ist er in Anbetracht der Thatsachen...(Vizepräsi» dent v. Francken st ein ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung. Beifall rechts.) Wo ist daS Tri- bunal, vor welchem ich den S'aat?anwalt zur Verantwortung ziehen kann, daß er eine ganze Anzahl ehrenhafter Männer als res Meineids fähig hinstellt? Wo ist das Tribunal, Herr von Puttkamer, vor welchem dieser Mann ab,uurtheilen ist, wenn nicht da» Tribunal der öffentlichen Meinung, zu welcher'ck von hier aus spreche?(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Antwort des Staatsanwalts ist auch für mich im höchsten Grade beleidigend, denn ich werde gewiffermaßen auch al» ein Solcher hingestellt, der sehr wohl weiß, daß es den Zeugen nicht um die Wahrheit zu thun ist, sondern darum, dem Gr- fühl des Haffes und der Rache gegen Polizeideamte Ausdruck zu geben. Wenn Im„Sozialdemokrat" und in anderen Druckschriften gerade dieser Polizeikommissar Engel von Zeit zu Zeit aufS Korn genommen wird, so hat das seinen guten Grund und eine innere Berechtigung. Wenn irgend ein Mann durch sein unqualifizirbareS Vorgeben geradezu den Haß herausgefordert hat, dann ist eS dieser Mann, der sich gegen Sozialdemokraten der unerhörtesten Amtsmißbräuche schulsig gemacht hat. Vor Gericht würde die Sache einen ganz anderen Verlauf genommen haben. Herr v. Puttkamer nimmt ja stets die lieben Polizeideamtm in Schutz, die als pflichttreue, brave und ehrenhafte Beamte einer ungesetzlichen Handlung durchaus nicht fähig sind. Was wir dagegen vorbringen, ist natürlich beweisunkräftig. Und doch hat noch vor zwei Jahren, gar nicht in Bezug auf Sozialdemokraten, der Staatsanwalt in Ham- bürg gesagt, daß die Beamtenbrutalität ein eingewurzeltes Uebel sei. Wir Sozialdemokraten aber werden für vogelfrei erklärt. Eine Reihe strebsamer, ordnungSretlender Polizeibeamten er- landen sich alles Mögliches gegen unk, denn sie brauchen die Gerichte nicht zu fürchten. Unsere Beschwerden bleiben erfolg« los. Als ich dem Staatsanwalt von Hanau mittheilte, daß ein Bürgermeister in der Nähe zwei ehrenhaften Männern, die sozialdemokratische Stimmzettel vertheilt hatten, gesagt habe, wenn ihr jetzt nicht den Ort verlaßt, so lasse ich euch hinauSprügeln, hat er eS nicht der Mühe für werth gehalten, einzuschreiten. Der Polizei- Inspektor Schröoer in Altona hat einem Ausgewiesenen sein Gesuch, vor seiner Abreise noch Frau und Kinder zu besuchen, in der brutalsten Weise abgeschlagen. Nur durch daS Mitleid eines unteren Polizeibeamten ist es dem Manne vergönnt ge- wesen, auf dem Stadthause Frau und Kinder noch einmal zu sehen, und dann ist er ins Elend btnauSgeschickt worden. (Rufe rechts: lauter!) Wenn dieS für Ihr Gewissen noch nicht laut genug ist, dann kann ich es Ihnen noch eindringlicher sagen. Sie sollten eine gereckte Erregung nicht zum Gegen- stände eine» unqualifizirbaren Spottes machen-(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich erhebe hiermit ausdrücklich gegen den Jnspcftor Schröder die Anklage auf Amtsmißbrauch. Die Frankfurter Friedhofsaffaire ist auch nur eine Konsequenz deS Puttkamer'schen Systems. Die Beamten sagen sich, wenn Herr v. Puttkamer selbst das schneidige Vorgehen gegen die Sozial« demokraten vertheidigt, dann brauchen wir unS gar nicht zu geniren; darauf loSgehauen auf die Bande! Sie baden denn auch in Frankfurt in echt banditenmäßizer Weise blind ringe« hauen auf Männer, Frauen und Kinder. Dafür mache ich Herrn v. Puttkamer verantwortlich, wenigsten» insoweit, als er nicht, wie eS seine Pflicht und Schuldigkeit ist, früher die Unterbehörden mit Instruktionen versehen hat, welche von vornherein derartige Uedergriffe ausschließen. Man hätte doch gar zu gern die Frankfurter Affaire zum Vorwande der Ver« hängung de« Belagerungszustandes genommen. Die Polizei braucht ja Krawalle und wenn die Menschen ste nicht machen, so macht sie die Polizei. Aber die Leute konnten sich gar nicht wehren, sie wurden brigantenmäßig aus dem Gebüsch ange« fallen. Hier aber wird Niemand so ehr« und pflichtvergessen sein, das zu billigen. Die Denkschrift enthält keinen einzigen gesunden Gedanken.(Heiterkeit bei den Sozialdemokralen.) In Hamburg soll die sozialdemokratische Agitation bis über d'.e ReichStagswahlen ausgedehnt worden sein. Soll dies den Belagerungszustand oder seine Verlängerung rechtfertigen? Oder war eZ Ihnen bei Erlaß deS Sozialistengesetzes gar nicht darum zu thun, sog. Ausschreitungen«ntgepenzutreten, sondern die Sozialdemokratie überhaupt zu tödten? Dann soll man Broschüren vertheilt haben, welche den Haß gegen die bestehende Oroniing schüren. Was sind das für Broschüren? Ich habe hier eine in der Hand von mir selbst.(Heiterkeit.) Darin heißt e«:„trotz dielir verkehrten Politik der Regierung kann eS niemals unsere Absicht sein, den gewaltsamen Umsturz her. bcizuführen." Trotzdem verdanke ich dem Eraatsanwalt Tessevdorf 6 Monate Gefängniß, weil ich in einem Blatte geschrieben, dem Unwesen der Gründerei und Gaunerei müsse ein Ende gemacht«erden. Das sollte ein Angriff auf die öffentliche Ordnung sein. Nun frage ich Sie, was hat Herr Sröcker in faszinirenden Flugblättern an Erregung von Haß und Verachtung gegen bestimmte Ge« sellschaftillaffcn wagen können, ohne daß sich dagegen ein Staatsanwalt erhob? Was auch Starkes und Hartes in sozial- demokratischen Versammlungen gesogt worden, erreicht bei weitem nicht diese unerhört frivole Art und Weise, gegen be- stimmte Gesellschaftsklassen und Stände zu hetzen, wie wir es erlebt haben in der Stöckecschen Presse, in seinen Flugschristen, in seinen Zeitungen.(Vizepräsident v. Francken st ein ruft den Redner wegen dieser Aeußerung gegen ein Mitglied des HauseS zur Ordnung.) Ich habe nur von einer bestimmten Richtung gesprochen, für welche das Slöckerscke Vorgehen aller« Vings maßgebend ist. Meine Ueberzeuaung hierüber wird von weilen Kreiien im Volk getheilt. Wir haben unS stets an den vofitivcn Arbeiten dieses Hauses betheiligt. Der Reichskanzler selbst hat hier vor kurzem gesagt, ohne die Sozialdemokratie würde die Sozialreform nicht begonnen sein. Aber nur die Furcht, der Egoismus, nicht der eigene Trieb hat die Sozial« reiorm des Reichskanzlers hervorgerufen. Das erinnert an jene Zeiten im alten Rom, wo das Volk niedergehalten wurde durch Brot und Spiele. Das Voll aber verlangt soziale Ge- rcchlialeit!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Puttkamer: Der Abg. Frohme macht mich verantwortlich für alle Ausschreitungen von Polizeibeamten. Ich habe aber nie, wie er behauptet, solchen Amtsmißbrauch in Schutz genommen: ich Hab: es nur stets für meine Pflicht gehalten, bisher untadelhaste Beamte so lange gegen schnöde Angriffe zu schützen, bis man mich von der wirklichen Schuld dieser Beamten überzeugt. Wie würde denn sonst auch unter den jetzigen Verhältniffen überhaupt noch die Staatsordnung bestehen können? Wenn man, ohne Beweise zu haben, durch beliebige Anschuldigungen den Zorn der Massen gegen ganze Beamtenklaffen, z. B. gegen die Polizei, aus stachelt, Bann trägt das so blutige Früchte, wie die Ermordung des Polizei- rothS Rumvff. Auch die Ausführungen des Lbq Fwhme find deshalb, wenn er keine Belege bringt, unquakifiz'roac und ge- meingefährtich. lieber die Frankfurter F.i-dhofeangilkgenheit kann ich ein abschließendes Urlhell noch nickt ausstellen; der Bemnte deffen Schuld oder Nichtschuld we'- ntiich in Frage ist, unterliegt zur Zeit noch der kriminalgerickt Iben Unienuchung; 'in März wird erst Termin sein. Der Vorfall selbst ist allerdings überaus traurig, und es istcharakteristis» fürdie sozialdemokratische Partei, daß man hier wie in anderen Fällen Leichenbegängnisse be- nutzt hat zu politischen Demonstrationen. Der Ernst des Todes sollte doch davon abhalten; Sie klammern sich aber an jeden Strohhalm, um Ihre Agitation zu machen. Man hatte also bei Gelegenheit des Begräbnisses eines Sozialdemokraten die übliche Massendemonstration inszenirt mit rothen Schleifen, Kränzen u. s. w. Ich allerdings würde als Polizeipräsident ganz anders gehandelt haben; ich würde die ganze Geschichte einfach oerboten haben, was vollkommen berechtigt gewesen wäre nicht nur auf Grund des EozialistmgesetzeS, sondern auf Grund des Vereinsgesetzes, wonach Versammlungen unter freiem Himmel der polizeilichen Genehmigung unterliegen und zu verbieten find, wenn Gefahr für Ruhe und Ordnung zu be« fürchten ist. Letzteres ist aber stets der Fall bei fozialdemokra- tischen Massendemonstrationen. Ich habe deshalb auch vorge- sorgt, daß in Berlin prophylaftisch solche Dinge verboten find; und das mit d-m besten Erfolge. Massendemonstrationen ge< hören nicht an den Rand eines offenen Grabe»; Sie haben ja Gelegenheit genug, Ihre Anficht auf andere Weise zu äußern. verhältnißmäbig großen Differenzen zwischen dem höchsten und nsch.....---. niedersten Kostenanschlag bei Submisfionsofferten hingewiesen. Ein Redner theilte auf Grund amtlicher Dokumente mehrere besonders skandalöse und eklatante Fälle solcher Maximal> und Minimal- SubmisfionS- Prersofferten mit. So, beispielsweise, den bei der Submisston für die Malerarbeiten beim Bau der technischen Hochschule in Charlotten bürg, wobei Malermeister Sievers für den Anstrich deS eisernen GitterS um das Grundstück die höchste Preis- forderung im Betrage von 1915 Mark stellte, während Maler- meister Bodcnstein nur 1031 Marl forderte. In einem zweiten Falle, betreffend die Submission auf Malerarbeiten für das kais. Oberpostamt in der Epandauerstraße betrug der höchste Kostenanschlag eines Bewerbers 1540,60 M. und der niedrigste (die Minimalvfferte) 628 Mark für eine und dieselbe Arbeit. Daraus erkläre fich zur Genüge die in Permanenz erklärte Lobnridustion, die Akkordarbeit und die bei derselben unver« metbliche Ueberanstrenaung, die Ueberstundcnarbeit und die reguläre Sonntaasarbert. Die Lohnreduktionen, eine natürliche ? folge der„Schundkonkurrenz", verschwänden fast zu einer Zeit deS Jahres von der Tagesordnung und machten fich selbst oft noch während des Sommers so be- merkbar, daß bei vielen Meistern die Löhne bis auf 18 Mark herabgedrückt werden. Deshalb müßten die Berliner Maler- gehilfen vor Allem maffenhaft in die Organisation des Ge- werks, den Gauverein der Maler eintreten, damit man stark genug werde, die Abschaffung des Akkordlohnsystems sowie die Beseitigung der Ueberstundcn- und Sonntagsarbeit mit durch« schlagendem Erfolge in Angriff zu nehmen. Nach einer leb- haften DiSlusfion beschloß die Versammlung auf Antrag des Herrn Schweitzer einstimmig:„im nächsten Frühjahr die For- derung eines MinimallohneS von 24 M. wöchentlich, sowie Abschaffung der Akkordarbeit, Ueberstunden- und EonntagSar- beit auf daS Programm der Bewegung zu setzen und zur sofortigen Durchführung zu bnngen." Hierauf wurde nach weiterer Debatte zur Wabl einer provisorischen Lobnkommisston geschritten. Die Wahl fiel, auf die Herren Pusch, Erler, PerzinSti. Buchhol», BaarS, Springer, Ey und Menke. Hieran schloffen fich Vorstands- Ergänzungswahlen. Als erster Vorfitzender wurde Herr Lockamp, als zweiter Kasstrer Herr Kommritz gewählt. Endlich beschloß die Versammlung, daß der Arbeitsnachweis deS Gau- vereins für alle BemsSgenoffen, gleichviel, ob fie dem Verein angehören oder nicht, künftig unentgeltlich sein soll. Auch wmde mitgetheilt, daß das Fach- und Verbands- Organ, die „Maler-Zeitung", bereits erfreulich an Abonnenten zugenommen hat und daher hoffen läßt, der Gewerkschaftssache der Maler« gehilfen noch große Dienste zu leisten. Im Fachverei« der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen hielt am Sonnabend, den 13. Febr., im oberen Saal der Gratweil'schen Bierhallen Herr Gottfried Schulz einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Werth und Mehrwerth. Redner geht zurück auf die Zeit, wo der Mensch aller Geräthschaften bar ausschließlich auf vegetabilische Kost angewiesen war und wie derselbe in dem Maße an Werth zunahm, als er es lernte, fich Instrumente zum Erlegen und Einsangen von Thieren und zur Urbarmachung dei Lan- des zu verfertigen. Redner geht schrittweise weiter, bis er auf die heutige technische Vollendung der maschinellen Einrichtungen zu sprechen kommt, die anstatt den Arbeitern zum Segen zu S ereichen, nur Nachtheil bringen, weil dieselben bei der hrankenlosen Konkurrenz so ungeheuer viel Arbeiter brodloS machen. Hier müsse, wenn man nicht auf einen vollständigen wirthschastlichen Bankerott gelangen will, die Staatsregiemng eingreifen und Gesetze schaffen, welche den Arbeiter vor über- großer Ausbeutung schützm. Pflicht aber jede? denkenden Arbeiter i sei es, fich dem Fachvcrein seiner Branche anzuschließen, damit die geschlossene Maffe einen Druck auf die Fabrikanten ausüben könne, um dem Sinken der Löhne ein Ziel zu setzen und durch Petitlonen an den Reichstag immer und immer wieder auf die Nothwendigkeit des ArdciterschutzeS hinzuweisen.— Dem ge- gebenen Kassenbericht zu Folge betrugen die Einnahmen inkl. Bestand von 84,07 M 212,87 M. und die Ausgaben 165,15 M, bleibt ein Bestand von 47.12 M.; außerdem befinden fich in der VergnügungSkasse 237,25 M. Nachdem noch einige Ersatzwahlen zur Fachkommisfion vorgenommen waren, verlaS der Vorfitzende ein Schreiben der streikenden Korb- macher, doch konnten denselben wegen des schlechten Kassen- bestandeS nur 15 M. bewilligt werden. Den Kollegen Jtit Nachricht, daß die Zahl- und Aufnabmcstellen fich dei dn> Mitgliedern Krause, SolmSstr. 49, Ritter, Skalltzeifir. l>'l Arndt, Zedenickerstr. 7a, Wieden, Brunnenstr. 146, Müll-r Landwehrstr. 9, und der Arbeitsnachweis bei W. EgM Echlcgelstr. 30 befinden, woselbst wie bei allen Vorstands« Mitgliedern Billette zu dem am 20. März in den BürgersaW staltfindenden Wiener Maskenball zu haben find. Die nachM Versammlung ist am Montag, den 15. März bei Gratwnl». Kriefkafte» der Kedaktio«. S. W. Es ist ein Ebescheidungsgrund, wenn der Mm seine Frau verläßt und während dreier Jahre nicht für tori" Unterball sorgt. W. S. Strelitzerstr Wenn die Ehe hier geschWfa worden ist, so erbt der Mann die Hälfte vom Vermögen du Frau. Die Wirthschaftsgegenständ«, welche während der Lt« auS Mitteln des ÄanneS angeschafft worden find. R#"" aber diesem und fallen nicht unter den Nachlaß der Frau. Abonnent Mittenwalderstr. 1. Eine Forderung P auf Abzahlung gelieferte Sachen verjährt bezüglich jeder ein« zelnen Rate in zwei Jahren, beginnend mit dem 31. DezembN desjenigen Jahres, in welchem die betreffende Theilzah uni fällig wurde. Durch Leistung einer Theilzadlung wird adn die Verjährung unterbrochen. 2. ES kann auf Grund des 5� lungsbefehls gepfändet werden._ i � Treuer Abonnent. Unseres WiffenS existirt eine stimmte Vorschrift über Reinigung von Dampfkesseln n# DaS Gesetz vom 3. Mai 1872 legt aber den Befieern Dampfkesseln und den bei solchen beschäftigten Arbeitern T Verpflichtung auf, dafür Sorge zu tragen, daß während« Betriebes die bei Genehmigung der Anlage oder allgemein o* geschriebenen Sicherbeits oorri chtunxen b stimmungsmäßig? nutzt, und Keffel, die fich nicht in gefahrlosem Zustande' finden, nicht im Betriebe erhalten weiden. Auf die UP laffung dieser Fürsorge ist eine Geldstrafe bis 600 Mark Gefängnißstrafe bis zu 3 Monaten gesetzt. Da dei nicht' folgender Reinigung der Damp leffel dieselben leicht in nicht gefahrlosen Zustand gerathen können, so kann fciPr auch die Unterlassung der ordnungsgemäßen Reinigung P bar machen. x H. N. Gitschinerstr. Nach der gegenwärtigen ERtPR vorläge kann Jeder Schnaps«rschänken, muß denselde«� von den amtlichen„Versch'eiß-rn" entnehmen. Theater. Freitag, den 1. Februar. Dtserabans. Orpheus und Eurydice, Oper in 3 Akten von Äoline. UchausptelhanS. Tilli, Lustspiel in 4 Allen von Francis Stahl. Nentsche« Tbeater. DeS MeereS und der Liebe Wellen. «alluer-Theater. Alfred'S Briefe. Ntstdenz- Tyeater Denise, Schauspiel in 4 Allen von A. Dumas(Sohn). s-Sellt-Alliauce-Theater. Die schöne Helena. Arftedrich- Wtlhelmstädtisches Tbeater. Der Zigeunerdaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. Heitere? auS der Berliner Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorspielt und 3 Akten von Jakobson und Willen. Ävaisenftädtische» Theater Abracadabra. y-«tral-Theater. Der Stabs- Trompeter. chMoria-Theater. Däumling. ftend-Theater. Ertra-Vorstellunq zum Besten der Hülsenstittung. 1. Die Waise r. Lowood (Vorspiel). 2. Euphrofine. 3. Liedervorträge. 4. Das Tagebuch. Ameriean- Theater. Große Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Steichshallen. Große Speziali- täten- Vorstellung. Swrhnaim'« Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Kaakordia. Große Spezialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertbeaterstraße 16. Heute: Unserm Freund Aerrma« gatttr zum heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! 744_ Familie Mittst-ck I. Zentralkranken- u. Begrädniß- kasse für Frauen u. Mädchen in D-ntschland(E. K. 26 Gffenbach a. M). Sonnabend, den 20. Februar, Abends 8 Uhr, in Gratmeil« Kierhallen, Kommandanten- Straße 77—79. Vorver sammlang zur außerordentlichen Generalversammlung am Sonntag, den 21. ct. und folgende Tage. Em- pfang der Abgeordneten und Verschiedmes. Mitglieder haben Zutritt. 751_ Der Vor st and. Zl«ss-r»rd-«tllch- ArbeiterillueN'Nlrsomllilulig Berlins im Wedding-Parlr Kliillerstrass- Mr. 178. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Frau CantiuS über:„Rechte und Unrechte der Frauen". 2. DiSkusston und Verschiedenes.— Männer haben Zutritt. Der Reichstagsabgeordnete Pfannkuch hat zugesagt. 748 D t e Einberuferin. General-Versammlung der Die Verschwörung der Frauen. Historisches Lustspiel in 5 Allen von Atthur Müller. Vor der Vorstellung: Gr. der Hauskapelle. Anfang dei Konzert? Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang deS Konzerts Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. Won« baden Wochentag» Giltigkeit und find im Theaterdmrau(12-1 Uhr) gratis zu haben. »■»••• yÄ«?."-""1- Kaifer-Pauorama. In dieser Woche: Däne- mark, Schweden, Norwegen. Eine intereffante Reise durch Holland. Neu! Hertha-Reise. Karo linen-gnseln k. ein« Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Ver- einSbtlletS. DrlnAende Bitte! Ein armer Familienrater von 5 Kindern befindet fich, da er fett lange vor Weihnachten ohne Arbeit ist, auch solche ttotz aller Be- mühungen biS jetzt nicht finden konnte, auch seine Frau krankheitshalber nichts verdienen kann, in der bittersten Noth, auf Grund dessen er die Mildthätigkeit edler Menschen antust. Fr. Koch, Eltsabethstraße 47, Quergedäude 2 Treppen. Fachverein der Drechsler, Äuopf- arbeiter uud Serufsgruosseu z« Kerlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Vereinsgenosse, Knopfarbeiter Ernst Kleul am Mittwoch Vormittag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. Februar, Nachmittags 3V, Uhr, vom Trauerhause Skalitzetstraße 78 aus nach dem Thomaskirch- Hofe statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 752 Der Vorstand. produktiv- u. Nohstoss-Eeuosseu- schast der Schneider zu Derlin (fc. G) Zimmelstr. 80 am Mittwoch, den 25. d. M., Abb?. 7'/, Uhr, im Lokal des Herrn Mehman«, Leipziger- Straße 9k. 33. TageS- Ordnung: 1. Jahres- Abschluß wie Beschlußfassung über die Gewtnn-Vertheilung und die dem Vorstand zu erthrilende Decharge. 2. Ausschluß von Mitgliedern. 3. Antrag Hartfuß. 4. Wahl des Vorstandes und der VerwaltungSrathsmii- alieder. 5. Geschäftliches. 753__ Der Vermaltnngsrath. Verein der Sattler u. Fachgen. Sonnabend, den 20. Februar, Abends 8'/, Uhr, Mitglieder-Vers ammluug in EratweU'« Kierhallen, Kommandanten- Straße 77/79. Die Tagesordnung wird in der Versamm- lung bekannt gemacht. Gäste willkommen. Um »ablreichen Besuch bittet 749 Der Vorstand. Masken-Garderobe C. Tietz, Dresdenerstraße 37. Geschmackvolle Kostüme von 1 bis 30 Mark. Vereine besondere Begünstigungen. Die Buchdruckerei MAX BADIHG BERLIN S W., Beuth-Str. 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druckarbeiten jeder Art bei prompter und billiger Bedienung. Kosten-Anschläge und Papierproben gratis und franco. Arbeitsmarkt. Arbeiterin auf Unterröcke w. verl. Aleran drinenstr. 54, v. Iii. b. Mähl. 747 Oessentliche Versammlung der Tischler nnd Pianofortearbeiter Berlik am Sonntag, den AI. Februar, Normittags 10'/, Ahr, in Kellert Isokai, Audreasstraße Nr. 21. Tages-Ordnung: � 1. Obermeister Brandes und Genossen und deren Verhalten zur Oftskrankenkasse.* T. Antwort des Heim Polizei-Präfidenten auf die Ortskasse. 3 Der Bescheid vom Bezirks-Ausschuß tung und Leitung der Kaffengeschäfte durch den provtiorticycn otenvaniril veiin auuie. ÜB. Schmitz.— Sämmtliche Tischler und Pianofortcarbeiter, welche Mitglieder der Kasse Swie Herr Odermeister Brandes find zu dieser Versammlung besonders eingeladen.(Siehe nschlagsäulen am Sonnabend.) 780) Der Einberufe r. Wir haben eine ganze Menge Leinen- und Baumwoll-Waaren zu außer« gewöhnlich billigen Preisen angekauft und offeriren demzufolge solche jetzt sehr viel billiget Hemdentuchr Mtr. 30—40 Ff Rantorcö Mtr. 40—45 Pf. Cretonne fort S'faÄTÄ'iJÄS: Mtr. 50 Pf Shirting- ST a"4 Mtr. 35«. 30 Pf Chiffon»'ÄVÄÄT Mtr. 30«. 35 Pf. Gutes Hausmacherleinen-d Atr. 40 u. 45 Pf. Gutes breit. H ausm acherleinen 1 Mk. ÄW i.-wK tt J____. W X tt j in rtrnn utih ttiMfi. 1# Gute Küchen-Handtncher VSÄS M Gute Ktuben-Haudtücher�S 2% S> S\m Echtes gut. Kettzeug%% 5"!: Mtr. 35 u. 40 Pf. Uafa und gestreifte Iulets Mtr. 50 u. 60 Pf Drilliche, ganze Bettbreite.......... 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