linistttiu, cn. -ttze sed« k#, ein» In 47. Donnerstag, den 25* Februar 1886. HI. Jahrg. : Set« Ä imttffl," mdeß-W ormirt- ein Dk" der l-l" aenomAttl allen% Bonap»«' •S tionär ww ist in Krgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„Berliner Volksblatt" ienS außer nach Sonn« und Festtag« n.»donnementspreii für Berlin frei vieckljäbrlich 4 Marl, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Einzelne Nummer 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSprerSliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnfertiousgebühr beträgt für die«gespaltete Petttzelle oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pfennig«. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uyr ZiachmittagS in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce»� Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. BI# stuf' st«» w Ifl" DedMio«: Kenthstraste 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. ! Moululurssarbtit. .»%enb die Abgeordneten der Arbeiterpartei im beut- � Reichstage einen Gesetzentwurf einbringen, der[eine U rwwS, vei"* ■ U** .Ä? M de Sicherung' der Wahlfreiheit be« At,' wnncn andere Leute nicht ruhig schlafe», weil da» K.�iMeine Wahlrecht in semer gegenwärtigen 5�»och besteht. Zwar will heute noch Niemand laut SöiM 5 bekennen, daß er ein Tegncr de» allgemeinen Wv*'1 sei und sogar die Konservative« haben sich, nach Wr.�UtzlüAca Vochoß de» Herr« von Helldorff, @2 W erklären, daß sie keine Gegner de» allgemeinen SttnUi � seien. Man weiß eben gar wohl, daß da« all- tj..� Dahlrecht eine der populärste» Znstitu» ist und daß da» Volk auf dieselbe einen größere« M«. CeBf' als auf alle jene Phrasen, welche dahin «j» r/kaß man, um ein politische» Recht auszuüben, auch hg.'Mnunte» Einkommen und eine bestimmte gesellschaft- «».Vollung habe« müsse. Der demokratistrende Charakter »« x et,,en Entwickelung hat eben da» Seinige gethan, »M Massen die Bedeutung de« allgemeine» Wahlrecht« § wachen. du,« dessen setze» die reaktionäre» Elemente die Maul- »�'karbeit gegen da» allgemeine Wahlrecht eifrig fort. 5, 5 ttwähnte Antrag der Abgeordnete» der Arbeiterpartei z�gt das Wahlrecht zum deutschen.Reichstage vom U/Mhw an. Dem tritt NU» der durch seine parlamen» Ilhe» Ungeschicklichkeiten bekannte«ationalliberale Abge- Iii*'** und Heißsporn Dr. B öt t ch er in seiner„National- W, Korrespondenz- entgegen und behauptet, man schon zu große Konzessionen gemacht, indem C* Wahlrecht und Wählbarkeit mit dem 25. Zahr beginne« I* Er verlangt dann, daß für Wahlrecht und Wählbar» 11 künftig mehr al« 25 Jahre erforderlich sei« sollen. » Biese Nationalliberalen find doch diensteifrige Leute. gRmb vom Regierungstisch einige Aeußerunge« zu Gunsten Allgemeine» Wahlrecht« gefalle« und schon kommt Dr. Mer mit bestimmte» Vorschläge». Daß da« allgemeine Ulrecht, obwohl seiner Zeit unter Mitwirkung der Herren �'«nalliberalen eingeführt, unheilvoll wirkt, steht nun für jjJBüttcher und Genossen fest, nachdem e« von Seite» der �*ru«g so behauptet worden ist. Eine Verschiebung der Grenze der Wahlberechtigung oben ist schon an fich eine Einschränkung Wahlrecht«. Da« weiß der Herr Böttcher ßut, daß»ach Verwirklichung seine« Vorschlag« da« »e Wahlrecht nur»och eine Phrase wäre. E« wäre «ur noch die äußere Form ohne de« schwer» Ödsten Theil de« Inhalt« vorhanden. IeuMeLon° Die Tochter des Kankrotteors. Roman au« der Gegenwart von Gustav Lössel. .s«r'i'�a» er brechen wird", entgegnete Bernhard heftig, iihio. aushörst, da« willenlose Werkzeug seiner ehr- Pläne zu sein.", »Si*, bin ich nicht", rief Winter»eulor unnnllig. % vaube, Du verkennst denn doch die Bedeutung was Herr Tontard für Drch und damit zur !LWdJ« un'etet Hautehre gethan. Man hat Dich verdächtigt, indem Hertel, de» ich forliagte, llzix. Beziehungen zu Erna überall breitgetreten hat. Mm Umständen hätte e« nm der Auffindung Briefe an Erna bedurft, um Jedermann zu Pl�Sm, daß Du der Ui Heber ihre» verbrecherische« %ei«kwese». Freilich mag Dir da« im Augenblick noch mir aber ist t« vollkommen be- Iis kennst Tontard nicht, Vater!" beharrte Bern- w n0tb weniger," entgegnete Winter. sei«??. Erna hat mir genug von ihm erzählt, um zu lehren. Wesen von Grund au« kennen ist Ehrgeiz, jener Ehrgch, der rückfichtslo« Jw et_ wo» sich ihm entgegenstellt; außer diesem wne Leidenschaft für Erna. Au« diesen beide« Firma»aturgemäß der Gedanke, fich zum Soziu« ist dach zu mache« und Erna« Hand zu er- � dtefm strebte er, um da« nächst höhere Ziel S! ihm �lber Erna hat ihn energisch zurückgewiesen toSmq i®°tt vornherein jede Aussicht auf eine Sinnes- �»«„�""wmen, der Bankrott ihre« Vater« hat seinen kR* er E,-... Übungen einen Riegel vorgeschoben. % liieb«, nun sie im Unglück ist, inAen Wind 'w», respektive mich zu Dank zu verpflichten strebt, Wa» aber wird der Herr Dr. Böttcher zur Begrün- duag seine« Vorschlag« vorbringe« könne»? Nun, weiter»icht« al« die alte Phrase, daß Leute von 21 Jahre« noch«icht die nothwendige„politische Reife' be- säße», die zur Ausübung eine« so wichtige« politischen Rechte» erforderlich sei. Wen» Herr Dr. Bötücher dabei von seiner eigene« werthen Person ausgehe» will, so habe« wir«icht» dagegen einzuwenden. E« ist ja möglich, daß dieser„Staat»- mann", dessen große Idee die schnöde Welt bisher so schlecht zu würdige» wußte, mit 21 Jahren«och nicht die zur Ausübung de« Wahlrecht« erforderliche politische Reife besessen hat. Wir müssen aber, um die Sache zu beurtheile», von allgemeine» Verhältnissen ausgehen und nicht von der Person des Herr» Böttcher. Da« Gesetz erklärt de» Staatsbürger mit 21 Jahren für mündig und damit auch für fähig, seive eigene« An- gelegenheite» selbstständig zu verwalten. Man kann sich mit 21 Jahre» verheirathen, ein selbstständige« Geschäft be- trüben, ei» wichtige« Amt bekleiden und eine große öffent- liche oder private Verantwortlichkeit zu tragen habe«. Wen« da« Gesetz die» zugiebt, so kann man doch wohl auch »icht« dagegen haben, wen» e« de« Leute« von 21 Jahre« zu- traut, ihre politische» und sozialen Interessen erkannt zu haben. Man nehme an, die Leute, die 30 Jahre zählen, sagten: Wer erst 25 Jahre alt ist, kann»och nicht für da« Wahlrecht reif sein!— Dan« könnte» aber mit demselben Recht auch die 40jährigen Leute kommen und sagen: Erst in unserem Alter ist man weise genug, um wahlberechtigt sein zu dürfe». Die 40jShrigen Leute aber könnte« wieder von den 50jährige» übertrumpft werde» und so könnte e» dem Dr. Böttcher selber heut««och passiren, daß ältere Leute käme» und ihm kurz und rund erklärten, sie hielten ihn noch«icht für reif genug, um da» Wahlrecht au»- zuüben. Die Verschiebung der Altersgrenze ist sonach eine eigene Sache, wenn sie genügend motivirt werden soll. Allein man findet de« Pudel« Kern schon herou». Dr. Böttcher weiß ganz gut, daß i« der Masse der jüngeren Wähler der„Z u g»ach link«" am stärksten ist. Wen« man also diese autschließt, so hofft er dadurch zugleich, seiner eigene» sinkende» Sache aufzuhelfen und der Regierung einen Dienst zu erweisen. Mag nun kommen, wa« da wolle— der National- liberaliSmu« ist»icht mehr in die Höh« zu bringe». Mit dieser Partei kann e« nur noch abwärt« gehen; da« wird alle MaulwurfSarbett absolut«icht zu hindern im Stande sei«. so kann ich mich dem Gedanken«icht verschließe», daß er auch da« au« einem eigennützige» Motiv thut. Du hast ja auch eine heirath»fähige Tochter, und wenn e« nun mit Erna» Hilfe gelingt, mich au« Deinem Hause und Herze« zu verdrängen, kann er vielleicht da« Ziel, da« er dort verfehlte, bei Dir erreichen....... Begreifst Du da«?" „Ach, Unsinn I" lachte Winter.„Ersten« einmal wird ihm ein so dummer Tedanke gar nicht kommen, und dann ist Hedwig mit Adler so gut wie verlobt." ,Wa« ihn«icht hindern wird, Dich vor diesem zu warnen l' fiel Bernhard ein. Der kleine Herr blickte verdutzt empor. „Aha?" rief Jener triumphirend.„Er hat c« schon Schon. Sehr gut! Nur weiter so, und Du wirst meine orte noch bewahrheitet finden." „Allerding»," bestätigte Winter oenior etwa« kleinlaut, hat er mich vor Adler gewarnt, aber nur au« annehmbare« Gründen. Und wa« erreicht er für fich selbst, wen« e« ihm gelingt, ihn und Hedwig zu trennen? Nicht« l Hedwig ist denn doch nicht weniger stolz al« Erna und ganz herzlos. Es wird ihm also niemal« gelingen, eine« Eindruck auf sie zu machen. Nu» und wa» uns betrifft— Dich und mich, «ein Sohn— so wird nun wohl nie mehr eine Wolke unser Zusammenlebe« und Wirke» bedrohen. Erna Eschen« dach flüchtig und al« Verbrecherin verfolgt, kann doch von einer Verbindung zwischen Euch nie«ehr die Rede sei«. Ich lea« Dir sonst keinen Zwang auf. Wähle«och ein- mal nach Deiner gesellschaftliche» Stellung und nach Deinem Geschmack. Die Weltstadt ,st reich genug an schöne« iunae« Patrizierstöchtern, und ich glaube Drr versichern zu können daß Winter junior von de, Frrma„Winter und K c. rtnflfinFwn mtvfc* Politische Urbrrstcht. Der dem Reichstage zugegangene Branntwein« Monopolentwurf bietet, wie die„Voss. Ztg." m«int, nach den vorangeganzenen Veröffentlichungen zu ergänzenden Mit« iheilungen kaum noch Anlaß. Die erste Beraihung der Vor» tage im Plenum wird für Anfang März erwartet, und wmn die zur Zeil herrschende Stimmung fii bis dahin nicht ganz- ltch verändert, so dürfte die endgiltige Enticheivunq noch recht- zeitig genug fallen, um die Session deS Reick- tagS, wie all- f.'itig gewünscht wird. biS Ostern zu schließen. Wie seiner Zeit beim Tabaksmonovol, wird auch beim Branniweinmonopol die eingesetzte Kommission Ihre Aufgabe wohl nur al« Formsache de- trachten und sich der Durcharbeitung deS umtangreichen Detail« maierials entHoden fühlen, wmn über den ablehnenden Stand- punkt deS Reichstags kein Zwe fel herrscht. WaS seither über die Auffaffuna der Parteien bekannt ist, reicht zu der Ueber- zcugung völlig hin, daß das Branntweinmonopol den Weg deS Tabaksmonopols gehen wird, selbst wenn ein Theil de» Zentrum» mit einigen agrarischen Polen und etwa die Hälfte der Nationalltberalen sich auf seine Seite schlagen sollten. Da von der lirchenpolttischen Taktik der Regierung Beeinfluffungm nach dieser Richtung hin nicht zu erwarien find, so läßt fich annehmen, daß das GroS der ZentrumSpartei in seiner biS» hertaen Gegnerschaft gegen das Monopol verbleibt, womit eine Mehiheit zu dessen Gunsten ausgeschlossen wäre. WaS nach der Ablehnung etwa kommrn würde, mag in Ruhe der nächsten Session üderlaffen bleiben. Neue Polenvorlage. Der auch von uns schon ange» kündigte Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung und Unter- Haltung von Fortbildungsschulen in dm Provinzm West- preußen und Posen, bat folgende Bestimmungen:§ 1. Zur Errichtung und Unterhaltung von Fortbildungsschulen in den Provinzen Westpreußen und Posen werden dem Minister für Handel und Gewerbe aui Staatsmitteln jährlich 200 000 R. zur Verfügung gestellt.§ 2. Der Minister für Handel und Gewerbe ist ermächtigt, den Arbertem unter 18 Jahren (Gewerbeordnung§ 120) in denjenigen Orten jener P orinzen, in welchen eine Fortbildungsschule errichtet worden ist, die Verpflichtung zum Besuche derselben aufzuerlegm.§ 3. Die auf Grund dieses Gesetzes zu erhebenden Ausgaben sind vom I.April 1887 ab in den SraatShauShalttetat aufzunehmen.— Man siebt, daß für die Gennanistrung der polnilchen Lande«- theile heidenmäßig viel Geld vorhanden fein muß. Zur Arbeiterschutzgesetzgebung. Dr. A. Adler, einer der fadesten nationalökonomischm Schwätzer, der die sonst in vielen Hinfichten vortreffltchm„Jahrbücher für Nationalökonomie" durch sogenannte kritische Besprechungen verunziert, hat wieder einmal einen kritischen Polichinelltanz aufgeführt. Der Herr ist natürlich einer der eifrigsten und unwissenschaftlichsten„Ver« nichtrr des Sozialismus", Sozialistentödter ersten RanaeS und wird wild, wrnn er etwas liest, was der deutschen Arbeiter- günstig ist. Eo verarbeitet er im Januarheft der er" die kleine sehr empfehlenSwerth« Schrift de» Dr. !ax Quarck: Die Arbeiterschutzgesetzgebung im Deutschen Verlag von I. H. W. Dietz.) Der Maxi- Reiche(Stuttgart, darüber denke», auch über Tontard, yo« deffe» Treue und Ungefährlichkeit Du Dich inzwischm wohl über- zeuge« wirst." „Ich werde nie meine Gesinnungen in diesem Punkte ändern," entgegnete Bernhard fest,„auch über Herr» Gontard«icht. In welcher Stillung befindet er sich hier s" „In noch keiner befestigten Stellung." erwiderte sei» Vater ausweichend.„Während Deiner Abwesenheit diente er mir ack latus..." „Ich versteh:— und nun ich wieder hier bin?" „Da«— werde» wir noch besprechen. Gönne Dir einstweilen Zeit zur Ruhe und zur Ueberlegung. Wir werdm schon einen Modus finden. Und wen« Dir sewe Gegenwart unangenehm ist, errichten wir in Rio de Janeiro ein Zweiggeschäft, deren Führung er dann selbstständig übernehme« mag. Da» wird auch seinem Ehrgeiz ge- nügm, von dem ich allerding« bitlang»och wenig bemerkt habe." Bernhard nickte wie Jemand, der fich willenlot in fem Schicksal ergiebt. Gontard war ja auch Nebensache; seine nächste Sorg« galt Erna, deien geheimnißvolle« Verschwinden ihm keineswegs den Glauben an ihre Unschuld raubte. Jene« zu ergründen und diese zu erweisen, be« trachtete er fortan al« seine« Lebenszweck, und dazu konnte ihm vielleicht selbst Gontard behilflich werden.---- Bernhard Winter hatte Zeit und Mittel genug, um seine Nachforschungen nach der Verschwundenen mit aller gebotenen Vorficht und Energie zu führen, und seine Liebe hielt alle« Ueberanstrengunge« und Enttäuschungen die Sei« Vater ließ e« zwar an liebevollen Abmahnungen «icht fehle», und Tontard jäete auch mit eigener Hand manche« Tiftkor» dazwischen, welche» mit der Zeit aufgehen und gute Früchte bringen konnte; aber da« und alle seme Mißerfolge brachten Bernhard von seinem Vorhabe» nicht zurück. Er hatte nun schon alle ehemaligen Dienstbote« de« Eschenbach'sche» Hauses aufgesucht, auch die darin verbliebe- «en WiSmann und Friedrich. Aber Aller Berichte lauteten übereinstimmend: Erna habe ohne Vorwisse» ihre« Bater» malarbeitttag, für den Ouarck, wie jeder einsichtige Sozial« polititer,»intritt, ist dem A. Adler«in großer Giäuel vor dem Herm.„Eine nationale Regelung der ArdeitSzeU", zetert er, „könnte wirklich dai eine Land gegenüber dem andern, in welchem eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit nicht besteht, auf dem internationalen Markt konkurrenzunfähig machen." So schreibt der He» Doktor mit der eisernen Stirn und blechernen Ignoranz im Jahre des Heils 1886 in einer wiffen« schaftlichm Zeitschrift. Diese Unwissenbeit, die sich nicht darauf zu besinnen weiß, daß in England seit mehr als 40 Jahren der zehnstündige MaximalarbcitStag besteht und daß trotzdem oder gerade deswegen England der bedeutendste Industriestaat der Welt, der Herrscher deß Weltmarktes ist, solche unver« froren« Vogclstraußpolitlk reiht diesen Adler ebenbürtig neben den Hirsch den„sozialen Dottor". Hirsch und Adler bilden ein edles Paar. Sin solcher Adler ist wirklich ein seltener Vogel. Man sieht aber, mit wie wenig Verstand„wiffenschast- liche" Rezensionen gemacht werden. ES lebt die Schablone, die Jnteresscnpolttik, VaS Manchesterthum I Zu de« Diätrnprozessen. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung", welche noch der empfangenen Lektion in der Frage der Diatenprozesse sich gekuscht hatte, nimmt nunmehr ihr Ge« dellfer, durch die Ausführungen des Naumburger Rechtsanwalts Herrn Tollkiemitt veranlaßt, wieder auf. Das Blatt meint, daß ei selbst nur eine„andere Rechtsanschauung", als die erstinstanzlichen Urtheile zu Tage gefördert, während der Rechts« anwall der Verklagten den preußischen Richtcrstand auf daS Gröblichste angegriffen habe. Bei den Ausführungen der „Nordd. Allg. Zig." aber hätte die„gutgesinnte Presse" ob solchen FreoelS getobt, während sie die tnjuriösen Auslassungen des Rechttanwalls Tollkiemitt schmunzelnd abdrucke. Hier tritt so recht die ganze Unverschämtheit deS offiziösen Blattes zu Tage. Die Winke mi: dem Zaunpfahl den Äppellinstanzen gegenüber find wohl nicht beleidigend für den preußischen Richterstand? Die Andeutung auf daS MtethSoerhältntß, in welchem sich RelchStagsadgeordnete ihren Auftraggebern der „Nordd. Aug. Zig." zufolge befinden sollen, ist wohl nur eine liebenswürdige Tändelei deS edlen Blattes? Sine ruhige, ver« ständige, geistvolle Antwort aber auf den Geifer, der von der Wilhelmsttaße auSgespntzt wird, das ist eine injuriöse AuS« laffung.— Doch man thut am besten, diese Repttle ruhig weiter zischen zu lassen. Möge solche„Mufil" Einzelnen wodllhuend in den Ohren klingen, dem Volke auf die Dauer wahrlich nicht. Stimme patriotischer Besorguiß. Unter dieser Ueber- schrift veiöffemlicht daS offiziöse„Deutsche Tageblatt" einen Artikel, in welchem eS wörtlich heißt:„ES würden die Pa- trioten aufathmen und neue Hoffnungen schöpfen für des Vaterlandes Zukunft, wenn eine energische Hand die Thür des Parlamenthauses schlöffe, wie eS einst Cromwell und Na» voleon l. gethan und— wenn auch in etwas urbanerer Weise— die Reichsboten nach Hause schickte. Keine Hand würde fich erheben, nein, ein Hvbngelächter würde fich erheben aller Orten."— DaS„Deutsche Tageblatt" gilt alS Organ de« Herrn Ministers von Puttkamer.— Wir haben eS hier mit öffentlicher Anpreisung eincS Staatsstreich?, eines VerfassungS- bruchs zu thun. Und daS Blatt deS Herrn Reichskanzlers, die „Norddeutsche Allg. Ztg.". druckt den Artikel der sehr ehren« werthen Kollegin ad, ohne ein Wort hinzuzufügen! So schwingen in der deutschen Reichshauptstadt unter den Augen der Wächter der Ordnung zwei gelesene Zeitungen daS auf« rührerische Banner der rothen Reaktion! Der arme Gutsbesitzer. Fortwährend hört man Klagen in der konservativen Presse, daß die Landwirthschast fich nicht mehr lohne; der Staat müsse für die dedrohte Landwirthschast eintreten. Nun hat er die» bekanntlich zum Schaden der arbet« tenden Bevölkerung durch Korn« und Fletschzölle, durch Sperren und Verbote schon genügend gethan und dennoch nimmt daS Jammern kein Ende. Wir haben den Herren GutSbefitzem angerathen, daß fie fich auch nach der Decke zu strecken hätten, daß fie nicht einen großen Theil ihrer Einnahmen durch Schlemmerei und allzu LppigeS Leben vergeuden dürften, wäh- rend fie den Arbeitern Enthaltsamkeit predigten— natürlich wurde die Schlemmerei geleugnet und von unverschämten De« magogen gesprochen, die das Volk gegen die soliden, mäßigen, darbenden GutSdesttzer aushetzten. Nun lesen wir aber in einem solchen GutSdesttzer Organ, in der„Post", folgende Notiz mit der bezeichner.den Ueberschrift:"B auern« Vö l I e r e i.' Diese Notiz aber d. d. Wallwitz. vom 22. Februar d. I. lautet wörtlich: Am 19. und 20. d. M. fand die Hochzeittfeier der einzigen Tochter des hiefigtn Bauer guttbesitzerS H. statt. ES wurden dazu geschlachtet 1 Rind und 2 Schweine, für Fische— hier das Lieblingsgericht— verausgabt 8 Mark, aus« gebacken wurden 4 Zentner Welzenmehl, und außer hinreichen» em Wein und EchnavS noch 4'/, Hektoliter Bier, größtmtheilS bayrisch, angeschafft. Und daS für einige 60 Personen zu Tt ch. Dazu kommt noch die althergebrachte Sitte, daß am zweiten Hochzeitstage jeder biestge Gast sämmtliche Gäste mit Kuchen, kult.m Aufschnitt, Wein und bayerischem Biere be« wirthet."— Wir baden dieser Mittheilung eines Gutsbefitzer« blattes, der„Post", nichts hinzuzufügen und fragen nur: heimlich das Elternhaus verlassen; in der letzten Zeit vor ihrer Flucht sei sie stets traurig und verstimmt gewesen. Jenny, das Stubenmädchen, sollte in ihrem Vertrauen gewesen sein und mehr wissen, al» fie zu sagen beliebte. Aber Jenny suchte Bernhard ebenfalls vergeben». Sie hatte die Aufhebung der Polizeiaufsicht benutzt, um „unbekannt wohin" nach außerhalb zu verziehen, was ihr bei der Behandlung, die ihr hier zu Theil ge» worden, kaum zu verdenken war. Aber weder Bernhard »och sonst Jemand wußte etwas von dieser Behandlung, und so konnte er sie auch nicht als Grund für Jennys heimliche Entfernung ansrhen. Jenny, die vertraute Dienerin Ernas,— und auch spurlos verschwunden. ...... DaS erweckte zum erste» Mal seine» Ver» dacht und seine Eif-rsucht. Nie gekannte Gefühle von Haß und Rachsucht schwellte« seine Brust, nicht gegen Erna, wohl aber gegen de» oder diejenigen, der oder die so auf sie ein- gewirkt hatten, daß sie, aller gegebene« Versprechungen und Schwüre eingedenk, einem anderen al» seinem Rufe 5«folgt war uad seine Liebe in de» Wind geschlagen atte. Dennoch stellte Bernhard seine Nachforschungen nicht em. Von der engeren Umgebung Ernas während ihre« Ver« weilen« im Vaterhause richtete er sein Auge weiter hinaus in« Land und zwar zunächst«ach Selchow, wohin Erna zu- nächst oeflüchter war. Er kannte ihre Beziehungen zu Frau von Selchow; und bei dieser hoffte er endlich Verständniß für seine Gefühle und eine Erna günstige Beurtheiluug z» fiaden. Er machte seine« Vater mit seinem Vorhabe« bekannt. Dieser zuckte die Achseln. „Du jagst einem Phantom nach, mein Sohn," sagte er,„und diese« Phantom ist— die Treue der Treulose». Sie hat Dich verlasse«, und das eben ist es, was Du nicht einsehen willst. Suche und forsche immerhin, Du wirst daS Verlorene nicht wiederfinde«. Wenn Du aber meinem Rath« folgst, wendest Du Dich von dieser Schatten» jagd ab und wieder den praktische» Frage« d«S Leben» zu. „Wenn daS bei einem B-uerngutibefitzer geschieht,«i« soS's beim Rittergutsbesitzer werden?" Oesterreich-Uugar». AuS S t e y r wird gemeldet:„In der htestgen Waffen» fadrik ist nach den Anordnungen d«S Generais Werndl ein Gewehr zusammengestellt worden, welche« AlleS auf d-m Ge« biete der Waffrnfadrikation bisher Erreichte weit übertreffen soll. ES wird verstchert, daß man au« dieser Waffe mit Leichtigkeit 40 Schüsse in der Minute abgeben lönne. Der Mechanismus diese« Gewehre« soll so einfach sein, daß derselbe nicht viel höher komme, als ein gewöhnlicher Einzelnlader. In Folge dieser Einfachheit sei auch da« neue Gewehr viel leichter im Gewicht und sei auch minder schwierig zu handhaben und im Stand zu halten, al« andere Repetir» gewehrt. Man hofft in Eteyr, daß diese« Gewehr alle an- deren jetzt in Gebrauch befindlichen Revetirer verdrängen und daß die Erzeugung desselben der Waffenfadrik reichliche Arbett erringen werde."— Wir haben schon daS erbauliche Schau- spiel, daß Panzer und Kanone fich acgensettig auf Kosten der Zivilisation und Kultur den Ranz ablaufen, und nun werden noch dazu alle fünf Jahre Gewehre erfunden, von denen da« eine noch viel.tödter" schießt, als daS andere. Die Zeit wird übrigen« hoffentlich nicht mehr fern fein, wo eS den Militär- staaten glücklich gelungen fem wird, fich gege-'seilig, wie die Löwen in der Fabel, aufgefreffm zu haben. Dann wird'S doch endlich Ruhe geben. Italien. Vor dem Schwurgericht zu Venedig beginnt in den nächsten Tagen wegen„Verschwörung gegen die innere Ordnung de« Staates" ein neuer Strafprozeß. Anlaß dazu haben die maffenweisen Arbeitseinstellungen der ländlichen A rd eiterb ev ö lkerung und die damit verbundenen tumultuarifchen Austritte gegeben, deren Schauplatz die Provinz Mantua im vorigen Jahr« war. Die Mehrzahl der 22 Angeklagten find arme Tagelöbner, die fich hadm zu Gewaltthätigkeitm hinreißen lassen; aber es befinden fich unter ihnen auch einige Führer der Bewegung, Männer von Bildung, die an der Spitze der sozialdemokra» tischen Arbeiteroereine standen, Veteranen der Verschwörungen, auS denen der italienische Einheitsstaat her- vorgegangen ist, die jetzt daS Recht beanspruchen, gegen die Mißregieruna der Savoyarven ebenso zu verfahren, wie fie ehrmals gegen vre österreichische Regierung vorzugehen gewohnt gewesen waren, um endlich ihr Jveal zu erreichen.— Man ist auf den Ausgang de« Prozesses mit Recht gespannt, besonders da vor Kurzem in Rom wegen derselben Drlrkte die Ange» klagten steiaesprochen und nach ihrer Freisprechung im Lande mit großen Ovationen begrüßt worden find. find. Krausreich. AuS dem Inhalt der von uns gefiem erwähnten Pro- klamation deS Prinzen Jerome Napoleon«ollen wir unfern Lesern noch folgendes mittbeilen:„Ein Verban« nungigksetz nach der Art deS jetzt beabstchtigten sei«in Gesetz gegen Verdächtige und überlirfere Diejenigen, gegen die es ge. richtet, lediglich der Laune deS Ministers. CS sei unerhört, die, Orleans und Bourbons und die Glieder der großen napoleo nischen Familie zu identifizirrn; erster« hätten daS Vaterland immer verrathen, die letzteren bäittn all Kinder der Revolution stets für die Ehre de« Vaterlandes gekämpft. Er sei ein französtscher Bürger und seine Richter hätten nichts geam ihn vorbringen können. SletS habe er anerkannt, daß die Re- publik die logische Folge d«S allgemeinen Stimmrecht« sei. Die Republik in ihrem jetzigen Zustand, wie fie von der monar- chtschcn Nationalversammlung eingesetzt worden, sei allerdings nur eine parlamentarische Otigarchie, die zur Jsolirung Frank- reichS und zur öffentlichen Misere führe. Die Republik müffe daher reformirt, nicht gestürzt werden. DaS Volk selbst müsse sein Oberhaupt wählen; den Anford:rungen des demokratischen Prinzips müsse ebensoviel Rechnung getragen werden, wie din> jenigen der Freiheit im Allgemeinen."— Wir betonten schon, daß in Frankreich die Proklamat on nicht ernst genommen werde. Von den Proklamationen des großen Oheims zu dem kleinen Neffen Loui« und dem noch kleineren Neffen Jerome ist wahrlich ein Himmelwetter Unterschied. Grosjbritauute«. Die Sammlungen zur Linderung der Nothlage der Arbeitslosen haben bis jetzt 68 000 Lstrl. eraebm. Die mit der Verlheilung des Geldes betrauten Komitees haben große Mühe, die mildthätigen Gaben in die richtigen Kanäle zu lenken. Außer der Gewährung von Unterstützungen werden städtische Verschönerungsvereine u. s. w. durch Beiiräge aus städtische Verschönerungsvereine u. s. w. durch Beittäge dem Mar stow House-Fonds mit Mitteln versehen, um verschie» dene Arbeiten ausführen zu lassen, an denen zahlreiche brodlose Arbeiter beschäftigt werden, während Arbeiten in ähnlicher Richtung noch in Aussicht stehen. Einen Lichtblick inmitten des ArbeiterelendS bildet die Nachricht, daß die Fairfieid EchiffSbangesellschaft in Gooan soeben von der Orient-Dampf. schifffahrtSgescllschast einen Auftrag für den Bau eincS großen Ozeandampfers von 6000 Tonnen mit dreifachen Expanfions- Greif« zu ernster Arbeit, beschäftige Deinen Geist, dann wird der jetzige Schmerz ausblute« Solche und andere wohlmeinende Ermahnungen ver« hallte« ungehört an Bernhards Ohr. Er wollt« den Becher de« Leidens durchkosten bis auf die Hefe, ehe er ihn von de« Lippe» wieder absetzte. Um keinen Preis wäre er jetzt von seinem Den haben, Frau von Selchow aufzusuchen, zu- rückgetretcn. Er konnte seinem Vater nur verspreche«, daß diese Begegnung ausschlaggebend sein sollte. Frau von Selchow war Ernas älteste und beste Freundin, und je»ach« dem fie den Fall bcuriheille, wollte er feine eigene Auf» faffung daran modifizire«. In solcher Absicht reiste er«ach Selchow. Er gelangte auch glücklich bis an da» Schloß, fand aber keine» Einlaß in dasselbe. Der mürrische Thorwart sagte ihm, daß Frau von Selchow zur Kräftigung ihrer stark erschütterten Gesund- heit eine Reise«ach dem Süden unternommen und daß es u«b> stimmt sei, wann sie zurückkehren werde. Und so war es in der That. Die Baronin hatte später die Angelegenheit wtt Gollnow in Ruhe besprochen und daraus de« fie tief erschütternden Verdacht arschöpft, daß Erna unwahr gegen sie gewesen und wirtlich fliehend das Elternhaus»erlasse» habe, um ihrem heimlichen Verlobte« nachzureisen. DaS Sinzliche Ausbleibe» seiner Briefe konnte ihr eine» solche» ledanke len wohl eingeben und fie veranlassen, jene» ver- hängnißvolle» Griff in ihre» Vater» offenen Geldschrank zu thun. Ohne dessen plötzliche« Ablebe« würde die Welt wohl nie etwas davon erfahre« haben;«her hätte er sei« Letzte» daran aewandt, um das entstandene Manko zu decken. Wie e» war, tonnte von einer Reparation nicht mehr die Rede sein, auch nicht von ErraS Seite. Sie aar als Ver- brecherin vor der O»fftntlichkeit gebrandmarlt; und ihre wiederholte Flucht, auch au» dem Schloß, war nicht g«. eignet, sie von dem auf ihr lastenden Verdacht zu reinigen. Im Vollgefühl ihrer Unschuld hätte sie fich freiwillig dem Strasrichier stellen und beweise« müssen, daß fie da« Opfer eines unglücklichen Mißverständnisse» war. Statt dessen floh fie«och weiter; und trotzdem sie nun schon wiffen mußte, welch jähe» Ende ihr armer Vater gefunden, kehrte Maschinen von 8000 Pferdelraft erhalten hat. wodurch>? Mann für«In Jahr Arbett haben, während durch Ai# de» Streiks in den Steinbrüchen zu LlanberiS in Wold, am Sonnabend nach ümonallicher Dauer durch einen fi» Arbeiter befriedigenden Kompromiß beendigt wurde, W 3000 Leute in Arbett kommen.*1 T Parlamentarisches. . j rne'1 Bestrebü n'gen"der Sozi alluoü gefährlichen»eftrevungen der voztatoem' kr atte, besteht aus �den Abgeordneten: v.Helldorsf� Hartmann, v. Köller, Freiberr v. Manteuffcl, Graf o. ßk Schmenzin, Prinz zu Carolath- Schönaich, Graf v. BoÜeP� Graf v. Hompesch, Fritzen. Graf von und zu HoenM� Graf v. Praschma, Dr. Windthorfi, Dr. Hänel, Dr. � dach, Dr. Meyer(Halle), Mayer(Württemberg), ß"'!; Groh», Dr. Marquardsen, Dr. Mryet(Jena), Dr. — Die Kommisfion deS Reichstages zur VorberathunP Antrages R i n t e l e n(Bestrafung der Ardeitget� ÄfuirÄjS � hat ihre erste Sitzung abgehalten. Abg. v. Köller eM fich mtt großer Enfichiedenheit gegen den Rinte!en>� Antrag, der praktisch zu den übelsten Konsequenzen W müffe. Für den Fall der Annahme de? Rintelen jedoch kündigte er zwei Amendement» an,**1 die Wnhlaailation treibenden Geistlichen und ebenso vw.-cuuvmnuuuv" vycifumjcn unv«vwm-|» wissentliche Verbreitung unwahrer Nachrichten über Rang mit strenger Strafe dedrohen. Vom Abgeordneten des Untei Wbtn ge, den Rom! maimfä« »« die sich fich a fZf Sä «Kjug au , w.3 i**g sol junger Le M �eputatic (k die, un ;en Das «on F. 3 «efiellte i wurde ein Antrag gestellt, welcher den§ 109 deS buch» dahin erwettert, daß die Wahlbehinderung eines durch Drohung oder Gewalt ausreicht, eine strafdatt lung zu konstetiren. Der als Kommissar der Rcgrerungen fungtrende Geheimrath Dr. Meyer dctheW' an der Debatte nicht. — Die UnfallversicherungS- Ko m miiLß beendigte die Diklusston über die Aniräge der SudloS� � und die Anträge Behr und beschloß gegen die SiilM�U Freisinnigen nach§ 13 deS Gesetzentwurfs, betreffend verstcherung der land- und sorstwirthschaflltchen ArW� § 13a folgende neue Bestimmung oufzunebmm: Dcr<.� gesetzgcbung bleibt üderlaffefi, die Formel für die und die Verwaltung der Bemfsgenossenschasten, den für die Umlegung der Beiträge, daS Verfahren bei WF# legung, sowie die Organe zu desttmmen, durch welche LH. walwng der Berufs- Genoffenschaft geführt wird. einem Bundesstaate bis zu einem noch näher zu bestlaff�zi Termin landesgesetzliche Vorschriften nicht«lassen find oof», Organisation nicht durchgeführt ist, finden die§§ 14-*' «ufer 9 1 tonische 'ewstellt Finger W gros — In der Arbeiterschutzgesetz-Kom wurde der Antrag Li e ber, betreffend die Beschäftig11� 14 Jahren in Fabriken zu verbiet««' A Kinder unter_____.»............... nommen; ebenso der) Antrag Hitze: daß Kinder unter Jahren gegen Lohn, außer in der elterlichen Wohnung. alt drei Stunden täglich nicht beschäftigt werden Außerdem wurde eine vom Abg. H a r t m a n n deai solution angenommen:„Die Regierung zu ersuchen, der Beschäftigung der Kinder in der Hausindust solche mtt Gefahren für Gesundheit und Liltlichkeit ist, eine gesetzliche Regelung herbeizuführen".,.„ — In der Wahlprüfungs-Kommis s Reichstags wurde gestern ein vom Abgeordneten gegen die Wahl de» Bürgermeister» H e I l w i g von%% zum Abgeordneten für den Kreis Hanau-GelnhausenL',� handelt- Die Kinnnriifllm d-WiinS mif STiifrn« h,« WhflNWi.i Sing. 1 zu deanstanden. handelt. Die Kommisston beschloß aus Antrag beä Abg(0%,i er— und zwar e i n st i m m i g— die Wahl Kommunales. w. von der Ausstellung im Jahre 1888.. selbst tagende Komitee für die Veranstaltung einer nationalen Gewerde-AuSstellung in Berlin während de» � 1888 hat dem Magistrat ein vom Vertreter des Reicht ReichSamt d«S Innern, StaatSminister v. Böttlcher, r Schreiben zur Kenntnißnahme unterbreitet, nach raeloP y weiteren Schritte zur Verwirklichung der Ausstellung Jnttiattve der Unternehmer überlassen werden mfißch Bezug auf die an den Reichskanzler gerichtete Bitte un« und find topuloei "burtheili ... Eine 0 j�be»erst i |S M unser s! Wferd Bf i&y diirchzusetz ürs W über st sä w ermäßigung für die AuSstellungS-Gegenstände auf den �,».m bekar eisendahnen ist dem Komilee geantwortet worden, daß n� der in 3 Reichskanzler-Amt, sondern nur die betheiligten aMeblgr kompetent und daher an dies« bezügliche Anträge$ f 8g|jU® seien; der StaatSminister Bötticher hat sich indessen gofW erklärt, seiner Zeit, falls daS Zustandelommen der gesichert sei, seine Vcrmittelung eintretm zu lassen, üy könne er erst Entscheidung treffen, wenn über die Au# bleichte» Antlitz zu werfe« und ihm die Ehre zu erweisen. Was sonst noch ko»» ,J davon zurückhallen, al» ihr Schuldgefühl? Da* sich«in Jeder und das sagte sich zuM Ernas Pflegemutter und beste Freundin. wenigstens noch an fie geschrieben und den Bersu A,« Rechtfertigung gemacht hält« l Aber nicht«—«w'* spurlos zu verschwinde« und nicht» mehr von st?* lasse».....«S war zu arg!..... � Die Baronin hat merzienralhS nicht erst. über da« Vorgefallene machte sie krank. Sie n»®1 wr noch da« Folgende ab; und als Erna nicht, tauchte, während ihr immer neue llnonnehmW�# der Verbindung mit derselben drohten, folgte � gen ihre» Arzte« und begab sich auf eine italienisch" der fieauch nicht so bald zurückzukehren gedachte. 0�% lich war ihr der Gedanke von Erna« Sa»' � geradezu schrecklich der, daß jene ergriffen und F ru f ge» werde« könnte, für oder gegen fie vor G#?!. gen. Da« bestimmte fie, einer solche» EoeatuaW® � einzig mögliche Weise au« dem Wege zu gehe»," dem sie auf längere Zeit ins Ausland ging._ So fand denn Bernhard auch hier verschlusse und schroff« Abweisung.. u Wie bei Jenny, kannte er auch hier die Be®. welche für die Reise der Baronin bestimmend 0* � so suchte er an dieser Stelle nach denselben u" �, twe«, wie dort. Die Freunde Erna» schiene» � wider ihn verschworen und der wortkarge K"! j weigerte ihm jede Auskunft. fn r Enttäuscht verließ er das Schloß, z« dt« � «ungsvoll emporgeblickt hatte.© war in einem Mieth.'wagea von vi n tif V>#r ffpfe CT Äll Qpil 1dl gekomme». Aus der Rückfahrt ließ er schänke halten, m welcher Gollnow in der lttz Hierseins«ivlogirt gewise«. Bernhard wußte h � g" er wollte nur noch ia der nächste« Umgebung % kt fat Schi errich «% .aller, -lbe II «t S St. H#i« f°wk in ai Fj% sich aui «odmt � urck n Wa!�! einen ftr�' ourde, WJ N hiUdorff. L 3raf»SM o. Saatfcfl Äl i omnt'J]� Ludloo� � # - Dtgjä D 0 omtn�'ji schästigu«. t bieten, � let untet� Unternehmen» und über die finaruleven Grundlagen de»« >nben genaue Angaben vorlägen. Auf Grund der zwischen den ikommifsaren de» Magistrat» und den Nettesten der Sauf- «annschaft'gepslogenen Berhandlungen werden jetzt Vorarbeiten »der die Angelegenheit vorgenommen werden, welche nament- U stch auf die Wahl de» AuSstellunglpIatze«, sowie auf die Mantiiiung de» Unternehmens erstrecken werden. Zur Leckung der Kosten dieser Vorarbeiten hat der Magistrat de- Ichlossen, die Summe von 30 000 Dl. bei der Stadtverordneten. Versammlung zu beantragen, ohne stch Inbesten hierdurch in Lezug auf die Ausstellung selbst schon zu binden. W. 9){t Kittfr« N»» ittth df« Bbeaa-Stib lun8ei üeute, welche stch gewerblich fortbilden wollen; 3000 Mi f" Oberbürgermeister zu Unterstützungen verschiedener Art; �00 M. die Part-Devutation zur Anlage kleinerer öffentlicher Jarls. 2. aus der Abegg'schen Stiftung V« die Gewerbe» Deputation zur Unterstützung von Anstatten und Einrichtungen >« die arbeitenden Klaffen,'/, die städtische Taubstummen- Mle und'/» die städtische Blindenschule zur Unterstützung Wenigen Zöglinge, welche sich weiter zu bilden wünschen. # M litte uwll Sf II im* di« fich� „V : stricht N *':)! Upfc* -j il ry Lokales. Da« Polizei-Präsidium erläßt folgende Warung: Da» »on F. W. Barella, Hierselbst Friedrlchstr. 234 wohnhaft, dar- JeftelUe und durch einzelne hiesige Apotheker in den Verkehr gebrachte Unioersal-Magenpulver soll nach Angabe der Ver» Uufer 9 bis 10 Prozent Pepsin enthalten. Amtlich veranlagte Gemische Untersuchungen de» Barella'schen Pulver» haben aber leftgestellt, daß der Gehalt an wirklichem Pepsin ein sehr ??inger ist und daß da« verwendete sogenannte Pepsin in % großen Mengen Milchzucker enthält. Der für da» in lolcher Weise hergestellte Magenpulver geforderte Prei» ist ? hoch, daß durch denselben die Sätze der preußischen Arznei- für ärztliche Bermdnungen(Rezepte) überschritten werden, �d find in Folge besten die Verkäufer des Barella'schen Ma- »enpulverS vom Richter wegen Ueberschreitung der Arzneitaxe �nmheilt worden. . firre Zeitungtannonze ist an und für sich nur ein M tznscheinbare» Ding. Wie mächtig eine solche jedoch sein welche immensen Erfolge durch geschickte» und nachhalti- � Mseriren errungen werden können, dafür wird jetzt kein Mngrrer in» Treffen geführt, als der englische Premier» Mlsier Gladstone. Gelegentlich einer Unterhaltung über dieses rmt äußerte sich der englische Premierminister, daß zwetfel- % Ann on, leren einen großen W-rth befitzt, wenn da» verständnißvoll betrieben wird. Die Macht der gedruck- C Annovze ist enorm, führte Gladstone au», und der Ein» den dieselbe auf den Leser macht, hängt nur davon ab, % oft die Annonze jenem vor Augen geführt wird. Gladstone �«rterte seine Mnnung durch einige Beispiele, die wir im »."wehenden wiedergeben. Wenn unser Jahrhundert für die j�-breitung de» Jnseratenwe enS al» epochemachend gilt, dann � der bekannte Londoner Pillenfabrikant Holloway seine Zeit �Mglich verstanden und ferne Worte, daß e« ihm immer noch möglich sei, soviel Geld für Annonzen auszugeben, al» e» 2* Gewinn, welchen er au» denselben zieht, bedingt, haben M Unser Publikationswesen, weil dieselben von der kompetentesten Persönlichkeit ausgesprochen wurden, einen gewissen aktuellen �ierth. Die erste Annonze von Holloway. in welcher er seine unübertrefflichen Pillen zur Heilung jeder Magenkrankheit an- erschien am 15. Ottober 1837. Eine ganze Zeitperiode Wodurch waren seine Anstrengungen, um das Publikum 22 lein Geschäft aufmerksam zu machen, von wenig «rfolg gekrönt, aber sein Glaube an die Wirkung 2* Annonze war so fest, daß er fast den letzten -lest seines Vermögens ausgab, um feinen Willen birrchzufetzen; sein Erfolg rechtferlrgte in glänzender Weise die beharrliche Durchführung seine» Prinzips. In demselben Ver» wtniffe wie sein Geschäft stch vergrößerte, so vergrößerte er Kuh da» Anpreisen seiner Artikel, und im Jahre 1842 belief ?ch da» Jnseratenkonto seiner Firma bereit» auf 100000 M., A Jahre 1845 verausgabte er bereits da» Doppelte, im Jahre 851 bis 400000 M.. im Jahre 1855 bis 600000 M. und KW übersteigen die Kosten, die das Holloway'sche Geschäft für Mnonzen ausgibt, bereit» 800 000 M jährlich. Mr. Holloway, r* mit kleinem Kapital angefangen hatte, starb mit Hinter» Mng eine» Vermögen» von 20 Millionen Mark. Genau �leloen Fall, erzählt Gladstone weiter, könnte ich Ihnen von bekannten Fabrikanten chirurgischer Instrumente I. C. 2% in Maffachusett»(Amerika) anführen, welcher Dank dem iTWebigen Gebrauch,»eichen er von der Publizität de» °"ungswesenS machte, bei seinem Tode ein Vermögen von zjdiillionen Mark hinterließ. So können wir noch eine «enge von Beispielen anführen, welche sämmtlich den hohen ß'elh bezeugen, den sich da» rationelle, verständnißvolle .�azieren in unserem heutigen öffentlichen Leben erworben hat. -lsen Herrin einige Nachfrage halten, und dazu schien Hau« da» geeignetste. � Nun wollte e« da» Unglück, daß Börne— der Wirth Mann, gleich unmäßig im Essen, Trinken und iti«&,n~ voa der Baronin aus all diesen Gründen sJ�Jöienstes bei ihr entlassen worden war, und daß er sijrt �nke an der Grenze ihre» Gutes nur mit der Ab« h,-erichtet hatte, um sie ju ärgern. Seine Gaststube war, «eisende an dieser Straße nicht gab, der Sammel- .- bte&K � unlauteren Elemente der Umgegend, welche natürlich »iß dc< näf!ü Abneigung gegen die ordnungsliebende Baronin ie Der Name derselben fiel also von Bernhard» » w-rl-' J ui«* wie ein Funken in» Pulverfaß. E« bedurste nicht» �"m eine Fluth von Schmähungen gegen die Rw" iu entfesseln; all« Anwesenden waren ein» der Verurtheilung dieser sehr ehrenwerthea Hauptwort führte Börne, welcher sich beeilte, seinem 5!?ttl,n4 spendablen Gaste alle Vorgänge gelegentlich Iii-�Haftung Erna» zu berichten, von der er sagte, daß de, 1 ganzen Umkreis für die nicht anerkannte Tochter »Menin gelte. Er schilderte den zunehmen» �»rb.» � de» Gute» und Schlosse« in grellen JU y" und stellte ei so hin, al» habe die Baronin Erna «1»,» Dubstahl angestiftet, um sich mit ihrer Hilfe von in kC: Menden Htzpotheken» und sonstigen Schuldenlast die»"en. Natürlich hatte sie, nach Börne'» Ausfassung, Kit-Mgene befreit und die bewachenden Beamten « eint« Schlafmittel» widerstand»!»« gemacht. Se f3"Q,< Flucht al» gelungen angesehen werden uichlk Eiligeres zu thun, al« ebenfall» zu �s si,°�t der Bericht Börne'«, der von seinem Hörer« 'Ulk hier unerwähnt gebliebenen Detail» bestätigt s S' iT I"den m nur ein Vertheidiger der Baronin unter N»b Lesenden gefunden..... aber nein, für sie Stimme in dieser Versammlung und in Bernhard» Brust. Wie konnte er -e wußte ja an die Wahrheit dessen glauben, *4 nicht Die klare, nicht marttschreierisch« Annonze ist heute eine Macht, mit der unsere Industrie, ob lletn od groß, zu rechnen hat. Anläßlich der Coztalistendebatten im Reichstage läßt Ed der konservative„Hamb. Korresp." über da» Verhültniß r Berliner Sozialdemokraiie zu dem jeweiligen Polizeipri» fidenten einen längeren Aussatz sebreiben, au» dem wir unseren Lesern einige Ausführungen unterbreiten möchten.—„Aul mannichfachenß Andeutungen der sozialdemokratischen Redner, so schreibt da» Blatt, gehtß hervor, daß speziell die Berliner politische Polizei den Sozialdemokraten dmchau» nicht ge- wachsen ist. Die Verbreitung de» Züricher„Sozialdemokrat" und selbst der Most'schen„Freiheit" nach Tausenden von Exemplaren, die Abhaltung sozialdemokratischer von Tausenden besuchter Versammlungen unter freiem Himmel in der nächsten Nähe von Berlin wirst nicht eben ein glänzende» Licht auf die Befähigung der Berliner pvlttischen Polizei. Die Ursache liegt iheil» in der Organisation, welche noch vielfach genau dieselbe ist, wie sie Hinckeldetz Anfang der fünfziger Jahre geschaffen hatte, und welche doch den mit der Entwickelung der Stadt zur Reichshauptstadt so ungemein gewachsenen Aufgaben nicht mehr genügt. Zum Thetl liegt fie aber auch in dem Um» stände, daß an der Spitze der Berliner Polizei ein zwar über« au» verdienter- aber für die Bewäliigung der durch die sozialdemokratische Bewegung an die Polizei heran» tretenden Aufgaben zu aller Mann stand. Da«, wa» zur Ueberwachung dieser Bewegung geschah, trug häufig einen un» aelenlen und subalternen Charakter, man verbrß sich in äußeren Kleinigkeiten und wurde nur zu oft von den Eozialdemokra« ten duvirt, welche durch solche die Aufmerksamkeit von der wirklichen Aktion abzuleiten wußten. Der neue Polizeipräsident ■findet auf diesem Gebiete ein weite» Feld fruchtbarer Thätig- keit; daß e» ihm an Energie nicht fehlt, erscheint nicht zweifel» Haft, dagegen darf billig bezweifelt worden, daß ihm in seinem bisherigen WirkungSlrerse da» Maß von Erfahrung erwachsen ist, welche» zur Lösung der Aufgabe nahezu unentbehrlich ist." — Da» Hamburger Blatt dürfte mit seinen Ausführungen in Berlin selbst wenig Anklang finden, denn in Arbeitelkreti'en find unsere« Wissen» nach bi» jetzt wenigsten» noch keine Klagen darüber geführt worden, daß unsere Polizei etwa nicht „stramm" genug wäre. Im Gegentheil, gerade in dieser Be- ziehung leisten die ausführenden Organe alle» Denkbare. Auch vorüber läßt stch streiten, ob die Direktive unter dem alten Polizeipräsidenten eine weniger energische gewesen ist als unter dem neuen, und vor Allem ist e» die Frage, ob der Be» vöikeruna besonder» viel an einer großen Energie oder„Schnei- digkett" de» leitenden Beamten, namentlich in politischer Be- ziehung gelegen ist. E» könnte stch doch höchsten» darum ha«- deln, eine große, zielbewußte Arbeiterbevöllerung mundtodt zu machen; od aber heute noch die Theorie de» einfachen„Mund- verbieten»" überhaupt durchführbar oder auch nur opportun ist. kann man füglich dezweitettr. Im Uebrigen aber glauben wir, daß e» unter dem augenblicklichen Regime reckt überflüssig ist, die Beamten zu besonderer„Schneidigkeit", wenn auch nur indirett, aufzufordern, der Wind weht ohnedie»„schneidig" genug. Et« in thatsächlicher und rechtlicher Beziehung inter» essanter Rechtsfall ist kürzlich vom Kammergerichte al« Berufungsinstanz entschieden worden. Der Antiquitätenhändler Wollmann in der Königgrätzerfiraße hatte wenige Stunden nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise seinem langjährigen Kunden, dem Rechnungirath Warnecke, eine sogenannte Relref- Marten-Krone für den Preis von 75 M. verkauft. Letztere war vom Verkäufer auf der Erwähnten Reise von einem Bauern für 3 M. erstanden. Die Krone war au» vergoldetem Silberdraht und mit vielen Steinen, welche offenbar von dem Kontrahenten für unecht gehalten waren, besetzt. Lei Abschluß de» Geschäfte» war über oie Echtheit oder Unechcheit der Steine nicht gesprochen, wohl aber erwähnt worden, daß dieselben wegen ihrer vorzüglichen Faffung zur Verarbeitung für einen Schmuck geeignet sein könnten. Al» der Rechnungsrath W. die gekaufte Krone einige Zitt später dem Hofjuwelier Schaper in der Potsdamerstraße zeigte, konstatirte dieser, daß eine große Anzahl der an der Krone befindlichen Diamanten, Perlen, Smaragden und Rubinen echt seien. Die Juwelen find dem« nächst, nachdem die Krone auch dem Direktor deS Kunstgewerbemuseums, Professor Lesfing, gezeigt und von ihm als ein sei- ten es Prachtstück befunden war, weiter verarbeitet worden und sollen nach der allerdings bestrittenen Behauptung de» jetzigen Klägers einen Prei» von 45 000 M. erzielt haben. Sobald der Veriäufer von dem wahren Werth« der Krone Nachricht er- halten hatte, strengte er gegen den glücklichen Käufer die Klage an, in welcher er den Verkauf wegen Jrrthum» im Haupt- gegenstände de» Geschäftes anfocht. Kläger wurde jedoch ab« gewiesen, indem da» hiesige Landgericht I annahm, e» läge in der That ein Jrrthum und zwar ein solcher in gewöhnlich vor« ausgesetzten Eigenschaften vor, jedoch sei derselbe nicht geeignet, da» Geschäft zu entkräften, weil Kläger seinen Jrrtbum durch eigene», mindesten» mäßige» Versehen veranlaßt habe(§ 82 Allg. L�R. I, 4). Da» Kammergericht bat da» erste Urtheil mit der abweichenden Begründung bestätigt, daß der zweifel» lo» unterlaufene Jrrthum weder den Hauptgegenstand de» Ge« wa« man ihm hier erzählte; und da« war ganz geeignet, ihn auch auf Srna mit derselben Verachtung blicken zu lasse«, welche er für ihre Pflegemutter, oder— wie diese Leute fie nannte«— ihre„Mutter" schon em» pfand. „Und wie hat e« geschehen können," fragte er den Wirth empört,„daß ma» die Baronin unbehelligt ließ, während man da» arme, bethörte junge Mädchen»och heute steck- brieflich verfolgt?" „Wie*» möglich gewesen I" lachte Börne.„Weil die alte Dame zu schlau gewesen ist für die Polizei und vorher alle Briefe von Fräulein Erna» und ihre« Vater« Hand verbrannt und da« Geld zu gut versteckt hatte— so ist e» möglich gewesen, mein Herr. Man konnte der guten Dame nicht» beweisen und ihr darum auch nichts an» haben. Ja dem alten Neste da drübe« könnte einer mit Argusaugen suche» nnd er würde doch nicht die Hälfte der dorm verborgene» Verstecke finde». Nun freilich dürfte e« zu allem Euchen für immer zu spät sein. Nun hat Madame de« wohlgrborgenen Raub»ach Jtalie» ia Eicher« heit gebracht, wo fie ihn möglichenfalls mit der jugend» lichen Diebin theilen oder verprasse« wird." Bernhard blieb nicht, um«och mehr zu höre«; er hatte scho» a» dem Wenige« genug. Z« seinem Kopf wirbelt« es und seine Pulse flogen, al» er wieder allein in seinem Wage« saß und dem ferne» Mirow znsuhr. Sei« Herz krampfte stch zusammen; er fühlte e», Erna war ihm verloren für immer I „Ich werde Euch wieder verlasse» und meine unterbrochene Weltreise fortsetze«," sagte er am nächsten Morgen zu seinem Vater. E« duldet mich hier nicht länger, und ich vermag meinen Schmerz über die Ver» lorene nicht mit der heiße» Luft der Arbeitsstube ZU er» sticken wie Du es wünschest. Darum, wen» Du mich Dir und unserem Geschäft erhalte» willst, so setze meinem Wille« keine« Widerstand entgegen. Ich«erde in Rio de Janeiro schäfte», not ausdrücklich, stillschweigend oder gewöhnlich vor« ausgesetzte Eigenschaften betroffen habe, weil der Umstand, daß einzelne Schmucksteine echt oder unecht seien, nicht» an der Wesenheit der Martenkrone, welche den Gegenstand de» Ge« schaste» gebildet habe, ändere.— Der Rechtsstreit geht jetzt an das ReicbSg'dcht, auf dessen Entscheidung die hiesige Juristen- weit und nicht zum wenigsten diejenigen Richter, die in der Sache erkannt haben, gespannt sind.— Und wo bleibt der Bauer» der den werthvollen Gegenstand zuerst für 3 Mark verkaust hat? Er geht höchstwahrscheinlich leer aus, obwohl er doch daS größte Recht auf eine entsprechende Entschädigung *%« den 54 328 weiblichen Personen, welche nach der letzten Feststellung Berlin mehr al» Mäuner aufzuweisen bat, stnd in den letzten Tagen zwei unter etwa» romanhaften Um» ständen unter die Haube gekommen oder haben doch die AuS« ficht dazu bekommen. Ein hier wohnender amerikanischer Zahnarzt hat sich plötzlich mit einer Dame verlobt, die zehn Jahre älter ist als er, ja nicht einmal im Momente in Berlin weilt, sondern in Sizilien, dem klasst'chen Lande der CiciSbeo'S. Er hat die Zeit bi» zu ihrer Rücklehr gar nicht abwarten können, Post und Telegraph wurden dazu In Bewegung gesetzt und das Erstaunlichste rst, daß die Beziehungen der Neu-Ver» lobten bi» dahin gar nicht die freundlichsten waren. Und der Grund? Unser amerikanischer Zahnarzt soll in einem Eheschci« dungiprozeff« zwischen seinem bisherigen HauSwirthe und dessen Gattin die Rolle de» Mitbeschuldigten übernehmen und di« in Sizilien weilende Schwester der Freu Wirthin würde wohl die belastendsten Aussagen haben machen können. Der schlaue Banktt hofft das Zeugniß der Dame beseitigen zu können, indem er zu ihr in ein verwandtschaftliches Verhältniß tritt, daS nach seiner Anffcht fie zur Verweigerung ihrer Aussagen berechtigen würde. Inwieweit er damtt rn diesem Falle durchkommen wird, dürste die Folge lehren.— Die zweit« Glückliche ist die Köchin eines hiesigen Rechtsanwalts. Au» Nevada hat ein Sattler auS Braunsbera an sein« hier lebende Schwester geschrieben und st« um baldige Verfrachtung einer Maid ge« beten, die geneigt sei, ihm ihre Hand zu reichen. In einem 16 Seiten langen Briefe aiebt er getreue und befriedigende Auskunft über stch, fein Leben, feine AuSfichten. Eine gewisse Biederkeit leuchtet aus seinen Darlegunaen und da auch eine eingeschlossene neueste photographische Ausnahme einen ganz passabeln Burschen zeigte, so entschloß stch eine Bekannte der Schwester, eben de» Rechtsanwalt» Dienstmädchen, zu dem etwa? gewagten Unternehmen. Seit einigen Tagen schwimmt fie berertS auf einem Bremer Dampfer ihrer neuen Hrtmath zu. Ueber„Revolver'Journaltsten", welche den Stand der Gastwirthe heimsuchen, deklagt stch auch daS„Gastbaui", da» Organ deS deutschen Gastwirthi'VerbandeS. AuS Furcht vor öffentlichen Anariffen machten Gastwirthe solchen Leuten Kon- Zessionen. Jahrelang wurden von solchen mit der Feder ar» bettenden Freideutern die Inhaber von Gast» und WtrthS» Häusern gebrandschayt, ohne daß e» bisher gelungen wäre, stch diese» SchmarotzerthumS zu erwehren. Denn habe ein solcher Bursche erst ein Mal Echweiggeld von dem eingeschüchterten Wirthe erpreßt, dann halte er seine Opfer fest und lasse e» nicht wieder loS. Auch daS Sammeln von Inseraten für Reisehandbücher findet das„Gasthaus", und mit Recht, nicht in der Ordnung. Da» Blatt weist auf Bädeker hin, der seine Bücher von Inseraten frei hatte. Der Berliner Karneval tritt jetzt in den Straßen N., S. nnd O. recht auffällig in die Erscheinung: häufig begegnet man zu der Stund«, wo die Volks. Maskenbälle beginnen, einzelnen vorüberhuschenden seltsamen Gestalten, die sichtlich jede Begeamma meiden und die größte Eile zu haben scheinen. Ei find Mosten, welche das dum« Flitterwami mit dem Winterüderzieher verdecken und dadurch einen recht komischen Anblick gewähren. Gewöhnlich werden die aus blauen oder grünen HöSchen schauenden, weiß bestrumpsten Füße zum Ver» räther, andernfalls ihut«S daS schlecht zu verbergende Ritter« schwert oder Hellebarde und zwingt den verkappten Götz von Berltchlngen oder Landsknecht zur eiligen Flucht. Die Satire ist noch(östlicher, wenn ein Lohengrin oder Page den blinken» dm Helm bez. Frderbaret in» Taschentuch gebunden vorstchtig an der Seite trägt, auf dem Lockenhaupte aber einm Filzhut deS allerältesten Jahrganges. Mtt feinem Spürstnn hat die Menge bald da» Lokal entdeckt, wo ein Maskenball stattfindet: Alt und Jung stellt sich am Eingange mit bewundernSwerthcr Geduld auf, um den Einzug der Gaste anzusehen. Bei dieser Gelegenheit kommt der echte Berliner Humor zum vollm AuS- druck, jede Maske wird mit einer scherzhaften Bemerkung de» grüßt, die natürlich in der Korona die größte Heiterkeit her» vorruft. Trotz der Verhüllung wird der Charakter der bunten Typen mit großer Sicherheit errathen. und wärm es auch nur die„Beene", an denm, wie behauptet wird, sogar die Persön» lichkeit des Verkleideten zu erkennen ist.— Gegen 10 Uhr ist keine der MaSken mehr auf den Straßen zu erblicken, ste tauchen erst wieder auf, wmn die Hähne krähen. WaS stch vielleicht zum Hinwege eine» WagenS bediente, lehrt nun zu Fuß zurück. Augenscheinlich treten die Ritter, Zigeuner, Othellos und Rattenfänger jetzt muthiger auf, trotzig raffe n ste Zerstreuung trete« lasse». Mehr verlange nicht von mir, weil ich mehr nicht gewähre» kann. Mein ganze» Bemühen soll jetzt sei», da» Bild einer Unwürdigen aus meinem Herzen zu reißm und zu vergesse», daß ich in dem Gedanken an ihre Liebe jemal» glücklich gewesen."(Forts, f.) Aus Kunst und Zeven. Im Ostend-? Iiralcr wird am Freitag, dm 26. Februar, zum Benefiz des tüchtigen Charatter Darstellers Herm Michaelis da» 3aNtgt Schaufp el„Der Graf von Monte Christo"(nach dem gleichnamigm Roman von Alexander DumaS von Dr. Carlschmidt bearbeitet) zur einmaligen Aufführung gelangen. Der Benestziant, welcher die Titelrolle, den„Edmond DanteS", späteren„Graf von Monte Christo" spielt, gehört unstreitig zu dm bestm Kräften des Ostend. Theaters, der sich deS Vor- zug» erfreut, von der gefammten Krittt stets in wohlwollmdster Weif« behandelt worden zu sein. Die übernommene Rolle bietet ihm in ganz besonderem Maße Gelegenheit,.seine schau» spielerische Kraft zu verwerthen; eS dürfte demnach den Be« suchern de» Ostend« Theaters an jenem Abmd ein besonderer Genuß in Aussicht stehen. Eine Extra-Borstellnng, deren Ertrag der Familie d«S am 8. Februar bei dem Unfall in der Schiilingfiraße schwer verletzten Kellners Frohmann zu Gute kommt, findet statt am Sonnabend, dm 27. Februar, im Alhamdratheater. ES gelangt zur erstmakigm Aufführung daS VolkSschaufpiel von Adolf Oschenheim:„DaS Haideprinzeßchen". Btllet» find vorher an der Theaterkasse(Vormittags II— 1 Uhr), sowie bei Frau Frohmann. Weinmeisterstr. 2a, ,u haben. Tiefenmessung de» vodensee». Da» württembergische Ministerium der auSwärtigm Angelegenheiten hat bei den de« theiltgtm Staaten eine Vereinbarung zu gemeinschaftlicher und gleichmäßiger Vornahme der Tiefenmessungen des BodensecS und Herstellung einer Bodenseekarte in Anregung gebracht und damit den Vorschlag verbunden, in Fnedrichohafm eine Kommisfion von Sachoerständiam zufammmtreten zu lassen, welche dm Auftrag erhieve, über Umfang und Methode der auszuführenden Arbeiten, sowie über die Zeit der Ausführung eine Verständigung»» tteffm. Der schweizerische Bunde-. rath hat seine Bereitwilligkeit erklärt, diese Kommisfion zu de. schicken und hat die e Anregung freudig begrüßt, um so mehr. al» sSwehertscherseit» der Haupttheil der Arbett bereits auSge« führt ist. im schützenden Dunkel der Nacht mit ihrem Gewehr und Waffen.?m Uebrtgen huldigen die bunte« Gestalten recht friedlichen Neigungen: dem bekannten Rufe folgend:„Warm find sie noch!" eilen fie der Stelle tu, wo aus dem g' heizten Llechkasten deS Wurst-erkäuferi der Duft von Knoblauch" und„Jauerfchen" emporsteigt. Da stehen Fürsten, Grafen, Ritter. Mönche, HarlcquwS, Klowni, Sultane, Trmpelhcri'N, und Vertreter verfchiedmer Nationen friedlich um den Mann mit der weißen Schürze, deffen Vorräche inkl. Mostrich bald aufgezehrt find. Kopfschüttelnd ziehen d'e Bäckersungen mit ihren frischen Maaren an der merkwürdigen Gmppe vor« über, schon gehen die Nachtwächter nach Hause und bald find auch die Maiken von der Lildfläche verschwunden. Die Leistuuae« der sechs städtische« Normal Ubre« waren nach dem Berichte, welchen der Direktor der königlichen Sternwarte, Dr. Förster, über dieselben erstattet, im Garnen befriedigende. Von den sechS Uhren baden drei, nämlich die Uhren am Spiitelmartt, am Hackeschen Markt und am Oranien« burger Thor ohne Unterbrechung stets innerhalb zwei Sekunden richtige Zeit anzegeden. Diese Angaben find sogar fast daS ganze Jahr hindurch nahezu auf die halbe Sekunde richtig ge« wesen. Eine beinahe eben so gute Leistung hat die Uhr am Moritzplatz und die in der Lindenstraße dargeboten; dagegen hat die Uhr am Potsdamer Thor, den strengen Anforderungen, welche von der Sternwarte an die Uhren gestellt werden, nicht immer ganz entsprochen. Die dieS begründenden Unfälle sollen in Zukunft vermieden werden. Da die Zahl derjenigen sehr groß ist die für wiffmschaftliche und technische MefsungS, wecke genaue Zeitangaben von den Normaluhren entnehmen, wird in diesem Jahre in allen den Fällen, in welchen die Angabe deS Sekunden-ZifferblatteS einer der Normaluhren eine Fehlergrenze von einer halben Sekunde merklich überschritten hat, der Betrag der eingetretenen stärkeren Abweichung, welche bisher nur elnzelnm Jntereffenten mitgetheilt zu werden pflegte, mög« itch st schnell veröffentlicht werden. Da» große Schadenfeuer auf dem William Herz'schen Grundstüch Jerusalemrrstraße 21, entschieden daS größte in die« ser Saison, daS bekanntlich dort am 7. d. NtS. stattfand, hat, wie jetzt durch die BranduntersuchungS Kommission festgestellt, «inen derartigen Schaden angerichtet, daß da» ganze Gebäude bis zum April d. IS. vollständig niedergeriffen werden muß. An seiner Stelle wird dort ebenfalls ein Prachtbau entstehen. Augenblicklich find die Inspektoren der Feuerverstcherung» Be» sellfchasten, sowie die gerichtlichen Taratoren noch mit der Fest« stellung des BrandschavenS beschäftigt, während andererseits die großen Lagerräume förmlich von Kauflustiacn belagert find, um von den vielen durch Waffer und Feuer beschädigten Waaren, die jetzt zu Schleuderpreisen fortgegeben werden, sogenannte„Gelegenheitskäufe" zu machen. Sin betrügerischer Koup. bei dem e» auf eine Schädiaung der städtischen Armenkaffe abgesehen war, ist vorgestern Abmo gleich beim ersten Versuch vereitelt worden. Am Sonnabend Nachmittag kam dem„Verl. Tagebl." zufolge ein etwa 40 Jahre alter Mann zu dem Graveur Stachow, Rosenthaler« straße 55, und bestellte einen runden Kautschukstempel mit dem Bär alS Wappen in der Mitte und der Umschrift:„Städtische Armen> Direktion Berlin Nr. 188." Derselbe leistete eine An- zahlung von 75 Pfennig und wollte Montag Abend, bis wann der Stempel fertig sein sollte, ihn abholen. Herrn Stachow fiel eS auf, daß ein unbekannter Mann mit der Bestellung eine» so wichtigen Stempel» beauftragt sein sollte, während er wußte, daß der Magistrat derartige Stempel stet» direkt und gleich en rnasae für sämmtliche Ai menkommisfion». Vorsteher in Bestellung zu geben pflege. Er machte daher dem Magistrat von dem ihm eriheilten Auftrage Mtttheilung und sprach die Vermuthuna au», daß eS sich wahrscheinlich um eine Fälschung handle, weSbalb er vorläufig den Stempel nicht an« fertigen werde. Vom Rathhause wurde sofort die Kriminal« polizei in Kenntniß gesetzt und alS der Besteller de» Stempels Gestern Abend gegen 6 Uhr zu Herrn Stachow wiederkam, um den Stempel abzuholen, waren bereits zwei Kriminalschutz« leute anwesend, welche anscheinend sehr eifrig auch mit der Auswahl von Stempeln beschäftigt waren. Herr St. theilte dem Unbekannten mit, daß er dm Stempel noch nicht habe anfertigen können, weil er ungewiß sei, in welcher Größe die Aufschrift angefertigt werden solle. Der Unbekannte gab darauf nähere Anweisung und zeigte alS Muster drei Abdrücke eine» anderen ArmendireftionSstempelS vor, die auf einem anscheinend abgerissenen Papierfetzen gemacht warm. Darauf schritten die Kriminalbeamten ein und fistirten dm sonderbaren Besteller zur Revierwache, wo derselbe alS der Maler H. Adametz, Chaussee« straße"iß, zwei Treppen wohnhaft, ermittelt wurde. Nach einem kurzen Kreuzverhör legte er da» Geständniß ab, daß er den Stempel benutzm wollte, um damit Fälschungen zum Schaden der städtischm Armenkasse auszuführen. Nach Aussage städti- scher Beamten hätten mit Hilfe jeneS Stempels Summen bii zu 1500 Mark bei der Stadtlaffe erhoben werden können— allerdings nur einmal, denn der Betrug wäre an demselben oder dem folgenden Tage noch entdeckt wordm. Der Graveur Stachow hat übrigen» schon eine gewisse Routine in dem Auf- decken derartiger Fälschungsversuche erlangt, dmn er hat bereit» verschiedentlich derartige Betrüger abgefangen, so u. A. einm in großem Maßstabe opertrenden Fälscher von Kupon» Berliner Stadt- Obligationm, der dafür zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verunheilt wurde. Wieder verschwindet ei« Berliner Origival-Etablisse« «re«t, die Lehmkute am Kreuzberge. Tief untm im Grunde, wo man früher Thon zum Brennen und Baum gegraben hat, da wo schon die Ziege lschmne lag, welche der Ritter von Wybede 1290 den Franziskanern in Berlin schenkte, erhob stch inmitten von Schuttwällen der Berliner Abtuhr ein urwüch« figes Sommer- Etablissement, wo eS manches Mal etwa» bunt zugegangen sein mag, dmn S wurde dort sogar einmal ein Gast erstochen. Aber der Wirth machte ein viel beneidetes Ge« schäst. Jetzt ist er gestorbm und da» Lokal geht ein: am Frei« tag findet die Auftion d«S aesammten Inventars statt. Auf der Stätte der urallen Ziegelscheune, welche einst den Franzi»« kanern die Steine zu ihrm Klosterbauten in Berlin lie fette, soll fich jetzt eine Fabrik erhebm. Die Lehmkute aber wird noch lange im Gedachtniß der Berliner fottlebm» denn ihres Gleichen gab eS nicht zum zweiten Male. Polizei-Bericht. Am 23. d. M. Morgens entleibte fich ein Mann in einer am Kottbuier Ufer belegenen ASphallfabttk durch ewen Messerstich in die Brust. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Arr� demselben Tage Mit« Wohnung und demnächst nach Bethanien gebracht.— An dem. selben Tage Nachmittag» getteth ror dem Hause Unter den Linden Nr. 12 ein Knabe, alS er neben der Mufik einer mar« schirenden Truppen-Abtheilung herlief, unter die Räder einer Droschke und wurde am linkm Beine anscheinend nicht unde« deutend verletzt.— An demselben Tage Nachmittags wurde «in Mädchm beim Besteigen eine» PferdebahnwogenS auf dem Hackeschm Markt von ihrem Begleiter derartig mit dem Stock über dm Kopf geschlagen, daß eS wegen der erhallenm Wund« nach der Charitee geschafft werdm wußte. Der Mann wurde zur Hast aebracht.— In der Nacht zum 24. d. M. versuchte ein Herr in seiner Wohnung in der Gttschinnstraße fich mittels PhoSphorS zu vergiften.__ Soziales«ni> Arbeiterbewegung. Die Metallschrauben- Facondreher und Berufs« «mossen der Fabrik von Schaal, Boß u. Komp., Stallschreiber« raße 59 in Berlin, haben gestern die Arbeit niedergelegt und bitten, dm Zuzug fernzuhalten. Der Back»um Gärtner. Die„Deutsche volkSwtrth- schastliche Korrespondenz", dai Organ des ausgeprägtesten Fabrikantenthum« wendet stch gegm die Vernehmung der Fabrilinspektoren und bttngt einen au» industriellm Kreism hervorgegegangmen Vorschlag, daS Fabrikinspcktorat gänzlich adzuschassen und dm Unfallversicherungsverdan« den die Revision der Fabriken und Arbeitswerkstätten zu über« tragen. Der Vorschlag wird folgendermaßm begründet:„Die auS solchm Verbänden herangezogenm VettrauenSmänner find aus derJndustrie hervorgegangen; es find prak« ttsche Leute, die von den Sektionen gcwählt find und die daS Interesse der Verbände warnehmm. Diese Leute haben einm ganz anderm, einm praktischm Blick und besttzm auch mehr Geschick für die Lösung der Aufgabm, welche jetzt den Fabttk- wspettoren gestellt find, dmn ste beurtheilen ja die Arbeit»« stälten, welche fie selbst von Gmnd auS kmnm. Sie werden da» leisten, wa» man von dm Fabrikinspektorm eigentlich ver> langt. Sie werdm nicht nur die maschinellen Einttchtungen prüfm, sondem fie werden fich auch darum bekümmem, ob trauenSmänner" find au» der Industrie hervorgegangm und deihalb werden fie auch die Votthelle der Industriellen vor« weg in» Auge faffm. Da find uns doch die Staatsbeamten al» Aufseher viel lieber. Wenngleich auch wir wünschen, daß womöglich keine Offiziere und Unkundige mit dem Posten eines FabritinjpektorS detraut werdm, so müssen wir uni doch noch mehr gegm die aus Fabrikantenkreisen hervorgegangmen, von Fadttkantenverbänden abhängigm Aufseher wenden. Diese wären da» größere Uebel. Am besten wäre e» allerdings, wenn die Fabttkinspevoren von dm Arbettem gewählt würdm. Die NothstandSaffaire i« Meerane, von der wir schon wiederholt bettchret haben und die immer noch ihre Beendigung nicht gefunden hat, trägt doch schon, wie der„VolkSzettung" Seschttebm wird, gute Früchte und nicht nur in Meerane und mgegend allein, sondem auch in den Nachbarstädtm und Nachbarotten. Die Behördm traten dem überall in unseren Fabttkottm mehr oder weniger herrschmdm Nothstande näher und schon dadurch erfolgte manche Linderung. So erfähtt man au» F r a n k e n b e r g, daß zahlreiche Kinder in armseligen Pantoffeln in diesem Winter zur Schule gegangen find, durch welche Schnee und Regen schonungslos Eingang fandm. In« zwischen aber habm fich, angeregt durch die Presse, dott bemittelle Einwohner gefunden, welche durch Sammlungm zirka 500 M. aufbrachten und dafür Stiefel und Schuhe anschasstm. Man steht, daß in solchm Dingm die Veröffentlichung solcher Rothstände viel Segm schaffen kann. Auch hat die Schul« direktton zu Frankmderg in Ermittelung gebracht, daß eine größere Anzahl von Schullindem vollständig nüchtem in Kälte und Schnee frühmorgm» zur Schule kam; so warm an einem Morgen achtundzwanzig Kinder vorhandm, die absolut nichts gefrübstückt hattm, weil, so meldet daS dottige Lokalblatt,— die Eltern selbst nicht» hatten. Von nun an sollm diese Kinder bttm HauSmann jedm Morgm eine Tasse Milch und ein Brötchen erhallen.— In Meerane selbst leugnet der Stadttath hattnäckig dm„Nothstand", unterstützt von dem dortigm„Tageblatt, welche« einer Erllämna de»„Fachver- ein» für Weber" die Aufnahme versagt hat. Da» scheint unS sehr verkehtt zu sein, zumal in seiner Erklärung eine ganze Anzahl von Einzelfällen angegeben werdm soll. Mit dem stadt- rärhlichen Verbot elne» Nolhstandskomitecs und der Ntchtauf- nähme einer NothstandSerklärung schafft man wahrlich dm Nothstand selbst, der in der Thal vorhanden ist, nicht au» der Welt. Eine solche Vogel-Strauß.Polittk ist unter keinen Umständen angebracht. Zur Lage der Textiliudustrie. In der General- vmammlung der deutschen Jute« Industriellen, die am 1. und 2. Februar in Berlin tagte, wurde die Ueberproduftion der deutschen Industrie nachgewiesen, und die Situation al» eine ungünstige gekennzeichnet- Man beschloß, die Pro- duktton einzuschränken, d. h. also eine Anzahl Arbeiter auf'» Pflaster zu setzen, die Löhne zu kürzen u. s. w.— AlS Ergänzung zu der vor kurzem im„Berliner VolkSblatt" veröffmt- ltchtm Zusammmstellung über dm durch die maschinelle Technik im erstm Viettel diese» Jahrhunderts erzieltm Aufschwung der nordameritanischen Baumwollen«Industrie (Nr. 29 vom 4. Februar) können wir heute folgende Ueberfickt über die Zahl der in dieser Branche thätigen Spindeln 1879 bi» 1885 bringen. Es betrug die Zahl derselben: In den Nordstaaten Südstaaten Zusammm 10 653 551 Spindeln 11375000 12000000 12 660000 13 200000 18250000 1879-80... 10111387 542048 1880- 81... 10765000 610000 1881-82... 11320000 680 000 1882-83... 11800000 860000 1883-84... 12100000 1 100000 1884-85... 12100000 1150000 Im Jahre 1875 betrug die Gesammtzahl der Spindeln nur 8000001 Die Gesammterhöhung in dem Jahrfünf beträgt 2 569 000 oder 24'/, pCt.; erstaunlich ist die Vermehrung der Spindeln in den Südstaatm, in dmm vor 1870 eigentlich jede Industrie nur vegetttte. Jetzt wird Baumwolle dott nicht nur in größerem Maßstabe angetaut, sondem sogar nach dem Norden in Gestalt von Gam verkauft. Man steht, die Groß« industrie bemächtigt stch auch der Agrikulturstaaten in immer größerem Maßstäbe.— Die Gladbach er Baumwollm« Spinnerei zahlt 4 pCt. Dividmde.— Die Dividend« der Vtersener FlachSspinner wird für 1885 auf 12 pCt., also noch höher, al» in den beiden Vorjahren geschätzt. Zur Lage der Industrie in Sachsen. Obgleich gegen« wältig auS dem Voiatlande über einm befferm Geschäfts» gang in der Textilindustrie berichtet wird, bleiben die Löhne doch sehr niedrig. Dabei spricht man aber in interesstrten Kreism schon die Befürchtung auS, daß der„bessere Geschäfts« gang" veranlassen würde, neue Etabliffemmts zu errichten, wo- durch dann die Konkurrmz vergrößett und wiederum recht rasch „Uederproduktion" erzmgt würde.— Ganz dasselbe wird auS dm benachbattm r e u ß i s ch e n Fürstenthümern bettchttt: besserer Geschäftsgang, aber niedere Löhne und bei der Teppich« Weberei Furcht vor Ueberproduktion. Nur in der Harmonika« Industrie ist in der That der Geschäftsgang ein leidlicher. Sonst aber ist bei dm Arbettem im Voigtlande sowohl und in den angrmzenden Fürstenthümern, al» auch im Erzgebirge, die Roth in diesem Winter unter den Webem eine recht große. Die Srbeit»ei«ftell«ug der Bandwtrker in einigm Fabttken zu RonSdorf(Rheinprovinz) hat mit einem Siege der Arbeiter geendet. Die Lohnerhöhung ist bewilligt worden- Die ,.«era de»«ationalen Wohlstände»", die von der belgischen Regierung im vorigen Jahre verkündet wurde, ist noch immer nicht angebrochm. Die KttfiS tritt viel« mehr oller ott» sehr scharf auf, tausende von Arbettem find unbeschäftigt und man hött von zahlleichm FalliffemmtS. Allgemeine Klagen ertönm über dm witthschaftlichen Roth« Der Streik der Kutscher i« Rom hat schon nach vier Tagm sein Ende erreicht. Die Kutscher haben da» vom Ma« gistrat eingefühtte neue Reglement schließlich angenommen. »«» Nordamerika laßt fich das große Börsenblatt, die ..Frankfutter Zeitung", folgende« schreiben:„In der Stadt New- Vor k vereintgtm fich vor einigen Wochen die Ziaarrenfabrikanten über einm neum Lohntarif, der im Ganzen keine Lohn-Reduvion dedeutete, wohl aber für ein- zelne Artikel eine Verringerung, für andere eine Erhöhung der Löhne bestimmte. Der Vorstand der Zigarrenmacherver bindun- gm, deren e» in New-Vork zwei giebt, beschloß, zuerst für die eine, dann für eine andere Fabttk den Ausstand anzuordn«, um die Fabttkantm der Reihe nach mürbe zu machen. Diese aber kehrtm dm Stiel um, well ste auf längere Zell rnü Waaren versehm warm, und ordneten für einm beftimmtea Tag eine Sperre aller großm Zigarrenfabrllm an, in Folse deffen 10000 Arbeiter ihre Beschäftigung verlorm. Diese müssen nun von dm Verbindungen anderer Arbeiter unter- halten werden, w o d u r ch etwaige Ersparnisse der letzteren wieder draufgeyen. Sin anderes Hebet dieser Arbelterverdindungm ist der tzanazum WirthS- hauSleben, der fich auS dm v i elen B ersammlun« gen, die immer in Wirthihäusern abgehalten wer- den, entwickelt, und welcher selbstverständlich daS Familienleben zerrüttet und den Wohlstand untergräbt. In dm großen Städtm deS Lande» mehren fich die WitthShäuser in solcher Weise, daß ste dem Tempermzwesm neue Nahrung geb.n.- Und die„Frankfutter Zeitung" wird oft genug alS ei««r- beiterfreundlicheS Blatt empfohlen! Uereine und Nersammlnnge«. Der Fachverei« der Berliner Stuckateure tagte«J Montag Kommandantenstr. 71/72 bei Niest. Ein von Herrn Dr. v. Kalkstein gehaltener Vortrag über daS Zunttwrsen 16. und 17. Jahrhundett gegenüber dem heut aufstrebenden JnnungSwesen wurde sehr beifällig aufgenommm. in» Wahrung der Rechte der Kollegen wurde eine Rechtsschtitz«»*' misfion gewählt, ferner zur nochmaligen Unterstützung ew« armen Wittwe eineS Sollegen die Veranstaltung einer Mwiw in ÄuSficht genommen, deren Ertrag der Wittwe übermineu werden soll. Von dm vereinigten Meistrm war ein Schrei»? an die Lohnkommisfion betreffend Anbahnung von 1%" Handlungen über dm Tarif eingegangen, ebenso ern»e- schwerdeschreibm einer unlängst öffentlich gmanntm«effg Firma. Die» Schreiben verwie» der Vorfitzende an die ojjt� ltche Versammlung. Nächste Vereinsversammlung am 8.3%«» AbendS 8 Uhr. n_ Buchdrucker-Seneralverfammlnng zu Gotha. Z». � am 15. und den beiden folgenden Tagen abgehaltenen aiM ordentlichm Generalversammlung de» U n r er stü tz unSf Vereins deutscher Buchdrucker warm 57 Delegirte K mmgetretm. Außer diesen waren 2 Vorstandsmitglieder«? bayerischen UnterstützungSverein« au» Nürnberg, der% der deutschen Gewerkoereine, Herr Dr. Max hlrsch, uni% Vorfitzende de» Maschinenbau Verbände», Herr Kamien," Berlin, sowie der Redakteur de»„Korrespondent für D% land» Buchdrucker und Schttstgießer", Herr Richard Härtel? Leipzig, erschimen. Veranlassung zur Einberufung der Gen?? Versammlung gab in erster Linie die von der preul'ff Regierung alS Grundbedingung zur Gmehmigung der tuten verlangte Verlegung de» seitherigen VereinSfftzeS von gatt nach einer preußischen Stadt, wa» zunächst mit 34 Cp 23 Stimmen angenommen wurde. Bei Berat hung der tutenvorlage wurde ober, nachdem die Mitthellung eingeg� war, daß da» ganz ähnliche Statut de» Gewtrkoerein» � Buchbinder, Pottefeuiller k. mit dem Sitz in Siutigart. Berlin genehmigt wordm sei, bei der Abstimmung übttJZj ganze Statut die Zweidrittel Majorität nicht erreicht und byL, einstimmig deschloffen, da» Statut zur Gmehmigung m»£? und der Eitz nach Hannooer verlegt werdm. � Metallarbeiter Berlin» und Umgegend. Sonntag, � 28. Februar, Vormittag» 11 Uhr, im Lo«ismstädtlschen DreSvenerfiraße 72/73, öffentliche Versammlung sämmlU, Metallarbeiter aller Branchm, al»: Maschinmdauer, Wie stellen fich die Metallarbeiter zur Gründung einer losen- UnterstützunaSkaffe event. Wahl einer Kommisfio�, � Vorstände von Metallarbeiter-Fachvereinen werden diesem Tage keine Versammlungen einzuberufen, fä tt1 Sonnabend durch Säulenanschlag. Die zum 28. plante Metallarbriter-Versammlung in der Sozietäts- � fällt au«..... 9ttt\* Bauhandwetter und Bauardeiter von der Neuner-flott» einberufen wird. Die regste Betheiligung ist w#',]!? Lokal und Tagesordnung werden durch Inserat im VolkSblatt" sowie durch Säulenanschlag bekannt gemac»'' * Große öffentliche Frauenversammluna% drichSverg und Umgegend, heute(Donnerstag), Abend»,.ö. in Spitzig'» Salon, Friedrich»derg. Männer habm Z�t j# Große öffentliche Versammlung htt XiWLm Sonntag, den 23. Februar, Vormittag» 10'/, Uhr, w Salon. AndreaSstr. 21 und Ziel der Fachkommisfion statistischen Fragebogen, und jjle stellen ii, Vormittag» 10'/, Uhr, w Tagesordnung: 1. Lohnfrage- � nisfion und die Nothwendia»� reich und pünktlich zu erscheinen....„„es C Alle vorstände der vereine«ud Kommisst»? M Baugewerbe» werdm ersucht, am Sonntag, den' � P keine Versammlungen einzuberufen, indem auf Bei« Versammlung in der Tonhalle am 14. Februar K Tage wieder eine allgemeine Versammlung Die Wichtigkeit der in dieser Versammlung zu# Fragen macht eS nothwendig, daß in derseldm allev»,� w. und Arbeiter de» Baugewerbe» vertreten find. halb ersucht, in dieser Versammlung reckt zahtrnch l und dieses in den weitesten Kreism bekannt zunj0®� ö Tagesordnung sowie daS Versammlungslokal wird l �» durch Plakate und Annonze im„Berliner VolkSv, öffenllicht werden. Arnold Frigge, Fürstenbergerstt«», * Volksversammlung am Donnerstag, den- v',,, AbmdS 8 Uhr, im Lolal de» Herrn Donath. Alt-M. � Tagesordnung: 1. DaS Branntweinmonopol, RenbStagSabgeordntter Pfannkuch 2. DiSkusfiom ♦ Demokratischer am Donnerstag, mandantenstr. 20.---------...__... internationale Schiedsgerichte." Referent Herr nkoinf� Döpner. 2. VereinS«An gelegenheiten. Gaste will giy, iä ä'ä Mitgliederversammlung bei Nteft, Kommandant« Gäste willkommen. Hriefllaste»»er K-dakti«»-,,.,, Wir mache« darauf aufmerksa«, Zuseratenthetl«usere» Blatte» bestimmten»�. an die Expedition de»„Berliner vo straße 44, gerichtet werbe« müsse«- für etwaige Unregelmiißigkette« 8'# � �""Ällert. Sie lönnen von Nrem SchlaMl� F Sie hat also Anspruch nur zum Ablauf eine» Quartal» gittig'st- Verantwortlicher»edadem«. Kroutztim in Berlin. Druck und Verlag vo» Max Badwg w Bettln 8W., Beuchstraß« 1 Hirn» et«» Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 47. Donnerstag, de« 33. Februar 1886. IIL ZatzW. Parlamentsderichte. Deutscher«eichetag. Lz.Sitzung vom 24. Februar, 2Uhr. «*wn Tische deS ZVundeSrathS: von Boetticher» von « r o n s a r t und Kommissarien._ .. Eingegangen ist d-r Gesetzeniwurf, bktreffmd die Aust Mwe der Zellulosefadriken in daS Verzeichnis der konzesstons- Wanigen gewerblichen Anlagen. . Auf der T.> C. st-hen zunächst die Anträge von Hell« yOtff und Auer, betreffend die Dauer der Legislaturperiode *'* Reichstagz<5 resp. 2 Jahre). . Ädg. Graf Ballestrem beantragt mit Rvckstcht darauf, mehrere seiner politischen Freunde(vom Zentrum) duich � gleichzeitige Sitzung im preußischen Abgeordnetenhause ver« sind, stch ihrem Wunsch gemäß an der Verhandlung n. obigen Anträge zu betheiligen, dieselben von der heu- «gm T..O. abzusetzen. >. Abg. v. Helldorff: Ich bitte, diesem Antrag nicht 0% zu geben. Der Gegenstand selbst ist gründlich erörtert Troern, und eS liegt tein Grund vor, augenblicklich, wenn es Nascht wird» oder, wenn diese nicht gewünscht wird, in eine Miimmung einzutreten. ES ist ja richtig, daß tn den Häusern "-.preußischen Landtags Sitzungen stattfinden, meiner Jnfor« L«wn nach aber nur erste Lesungen, bei denen die Frequenz TAtnigen, die sich für die betr. Fragen interesstren, nicht so �bedingt geboten ist. Ich möchte daher bitten, S bei Ver �'Borvnung zu belassen. «bg Dr. Bamberger: Ich schließe mich dem Antrag .".Trafen Ballestrem an. Ich bin erstaunt, daß Herr C�lldorff und seine GestnnungSgenoffen immer mehr fich ...Anficht zuzuneigen scheinen, daß eigentlich ein Parlament (j,.i unabhängig von der Anzahl derer existiren kann, die theilnehm'N, daß man Berathungen pflegen kann, ohne to™p«ie eine Quantität von Berathenden vereinigt zu haben, J-toch als die eigentliche Voraussetzung deS ganzen parla- Miarischen Verfahrens dient. Ich bitte einen Blick auf die J# des HauseS zu werfen und fich zu fragen, ob die gegen« Versammlung der Bcratbung eines nach der Anfichr ».„Herren(rechts) so wichtigen Gegenstandes entspricht. Eine jWll der Aufgab«, die jetzt im preußisch m Abgeordneten« Me vorliegt, steht unS nicht zu. Ob ihre Gegenwart im Hause nöthig ist oder nicht, daS können wir den wren dort zu erwägen füglich überlassen. Gerade in ihiem 'senen Interesse sollten Herr v. Helldorff und seine Freunde Richen, daß d!e zweite Berathung und Abstimmung über bre Anträge vor einem solchen Hause nicht stattfindet.(Zustim« links.) M Abg. v. Helldorff: Ganz gewiß wünsche auch ick, daß wichtigen Gegenständen der Reichstag möglichst vollzählig fMmmmeß wäre. Aber der Abg. Bamberger weiß so gut wie A, daß daS faktisch nicht der Fall ist auS den alleroerschie« hosten Gründen. Wir haben daS bereits in diesen Tagen Mrfach erlebt. Ich habe garnichtS dagegen, wenn eS konsta- «N wird, daß eine große Anzahl von H irren fehlt. Diejenigen »oer, die im Abgeordnetenhause find, bilden von denen, die Überhaupt fehlen, nur einen außerordentlich kleinen Theil.(Sehr ttchtigl rechts.) Der Präsident holt die Entscheidung d«S HauseS ein, die für das Bureau zweifelhast ist. Es wird zur Zählung ge- schritten, welche die Beschlußunfähigkeit deS Hauses konstatiren b>uß. Für die Absetzung stimmen 73. dagegen für Festhalten on der T. O. 74 Mitglieder. Der Präsident hebt die Sitzung sofort auf und setzt die nächste auf D o n n e r st a g 1 Uhr an. >Dritte Lesung der Gesetz Entwürfe, betr. die Abänderung det 8 137 des GerichtSselfaffungcgesetzeS und betr. den Nord Ost- �r-Kanal. zweite Lesung deS G. E., betr. die Abänderung v«S •rsetzeS über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen.) Abgeordneteuhau». 27. Sitzung vom 24. Februar, 11 Uhr. j.. Ministertisch«: von Goßler, Dr. Lucius, Friedberg und Kommissarien. Eingegangen ist ein G- E.. betreffend die FortbUdungS« �ulen in Wtstprrußen und Posen. v Zur Berathung kommt vor. den„Polengesetzm" zunächst �Vorlage, betreffend die Anstellung und daS Dienst« '•'Mltniß der Lehrer und Lehrerinnen an den öffent« Der SlhulkMeriid. Von Josef Moutct. ». Der Senator Kovstaotiu Varadine trat soeben in sei» �dertskabinet. Nach Teflogenheit der Russe« machte er ei» wächtige Züge au« einer Zigarette und wollte sich ge« Bb« an de» Schreibtisch setzen, als sei» Die«er eintrat. ei» Mann ist unten, der Sie zu spreche« er will aber »Was will er vo» mir?" »Er will e» nur 3h«en jagen." »Wie heißt er de»»?" »Er sagt seine» Name« nicht!" »So schicke ihn weg l" Vicht �be schon versucht ihn abzuweise», � stehen." »Wal, er will nicht gehe«?" Und C* J8#» daß er ein Zugendfreund Euer Exzellenz sei Si« cZ®uet Exzellenz fich sicher sehr ärgern würde», wenn stA de» Vergnügen« beraubte«, ihn zu sehen." ''«a» ist doch sonderbar l Na, er soll heraufkommen!" Thg.�i Minuten verstriche«. Hierauf öffnete sich die �viUor"™ Mann erschien auf der Schwelle. Der "o et«_______ dtiew* Varadine war nebe« seinem Tische stehe« ge- Zin» v'rjM% an und erkannte ihn nicht. Der Fremde e»°,/8!che» Schrittes gerade auf ihn zu und ehe Varadine "hindern konnte, hatte er ihn in die Arme geschlossen. ,Wie freue ich mich, dich .ich7� Wie geht e» dir, seitdem ich diese« Vergnüge» � wehr hatte. Hoffentlich gut?" iit Mühe machte fich der Senator vo» ihm lo«. so do»/ entgegnete er äußerst kühl,.sind Sie dessen w- wir derart befreundet sind?" S�lndm Du zweifelst»och? Mein Gott, habe ich mich so widirte�'»'wtdem wir im Lyzeum zusammen unser Jus "Äm Lyzeum? I lichen Volksschulen im Gebiete der Provinzen West« preußen und Posen und des Reg. Bez. Oppeln. Zum Wort find 33 Redner(19 gegen und 14 für die Vorlage) gemeldet. Abg. Dr. P o r s ch: Der vorliegende Gesetzentwurf bezieht fich auch auf die Provinz Schlesten, inebesondere auf den Reg.« Bez. Oppeln mit vorwiegend deutscher, und ich füge hin> zu, katholischer Bevölkerung. DaS beweist, daß diese Vorlage nicht nur gegen den Polonismus, sondern auch gegen den Katholizismus gerichtet ist. Eine Begründuna dieser Ausdehnung finde ich in den Motiven nicht. Der Minister« präsivmt sowohl wie Herr v. Puttkamer haben der Loyalität der oderschlefischen Bevölkerung VaS beste Zeugniß ausgestellt. Der von dem Reichskanzler gegen den verstoidenen Pfarrer Schaffcanek wegen seiner angeblich polnischen Bestrebungen ge» richtete Angriff in diesem Hause ist durch nichts begründet. Auch jetzt stiften die oderschlefischen katholischen Geistlichen groß, polnischen Bestrebungen keinerlei Voischub. Die oberschlefische Bevölkerung ist ja auch polnischen Zuflüssen so gut wie garnicht zugänglich, wie auch von gegnerischen Blättern anerkannt wird Eine gewaltsame Germanist, ung wüide den entgegengesetzten Zweck erreichen.(Sehr wahr! im Zentrum.) Meine polttilchm Freunde find prinzipaliter gegen den ganzen Gesetz n'wurf, eventualiter gegen den Einschluß d«S Regierungsbezirks Oppeln. Die Herzen der polnischen Bevölkerung können Sie durch Ge« waltmaßregeln nicht für fich gewinnen.(Ledhafter Beifall im Zentrum.) Abg. v. Bitter: Wir wollen und werden unS durch diese Vorlage gerade die Herzen der Polen nicht nur in Ober schlesten, sondern im ganzen Osten erwerben, die unS durch die Agitation entfremdet worden find. Ich gebe zu, daß die ober- schlestsche Bevöllerung polnischen Einflüssen n cht in dem Maße zugänglich gewesen ist, wie die der Provinzen Posen und West« preußen. Daß aber auch dort eine polnisehe Agitation besteht, beweist die Existenz deS Blattes„Katholik".(Widerspruch im Zentrum.) Die Schulverhältniffe in Oberschleften liegen sehr im Argen. Hier muß im Allgemeinen etwaS geschehen, darum bestreite ich auch, daß fich die Vorlage nur gegen die Katholiken richte.(Widerspruch im Zentrum.) Sie trifft ebenso die evangelischen und katholischen Schulen tn Westprmßen. Ich bedauere, daß die Freifinnigen im Widerspruch mit ihrem eigenen Gegenantrag zum Antrage Achendach stch zu dieser Vorlage ablehnend verhalten. In den iünf R gierungsbezirk-n, um die et fich hier handelt, find in 236 S.ädten und 7204 Landgemeinden 508 l Lehrer angestellt. Die katholischen Kinder find aber hinfichtlich der Beschulung hinter den evangelischen zurückgeblieben. Denn während ein evangelischer Lehrer durchschnittlich 75 Kinder zu unterrichten hat, fallen auf einen katholischen Lehrer über 100 Kinder. Hier ist eine materielle Abhilfe dringend erforder« ltch. Der durch daS SchulauffichtSgesetz beschränlte Einfluß der Geistlichen ist auf Schleichwegen wieder in dir Schulen ein« gedrungen, um den Unterriibt im Deutschen nur zu einem mechanischen herabzudrücke.(Oho! bei den Polen.) Ja, dar- über gtebt eS amtliche Altenstück n. Seit 1882 hat die Zahl der Analphabeten und der der deutschen Schulbildung entdeh renden Leute stetig zugenommen. Jeb will den Lehrern daraus keinen Vorwurf machen; denn ei ist ganz narürlich, daß sie unl-ewußt zu Werkzeugen der polnischen Agitationen geworden find. Die Muttersprache, jeneS heilige Vermäehtniß fürs Leben, wollen wir den Polen nicht rauben, aber wir verlangen, daß sie fich der Kenntniß der deutschen Sprachen und deutschen Kultur nicht verschlossen, deren s i e gerade dringend bedürfen. Abg. Dr. Virchow: Meine Partei ist weit entfernt davon, in diesen Dingen bloß Motte zu machen und ein Spiel zu treiben. Der Minifierprästvrnt und die Regi-rung ver» danken nur der Fortichttttsoartei die Einführung deS Schul- auffichtSgesetzeS. Hätte die Regierung ernsthaft und konsequent diesen Weg weiter detreten, so würde sie jetzt weiter lein. Auch ich verlange, daß jede» polnische Kind die Schule verläßt mit Kenntniß der deutschen Sprache; ich verlange dies ober ohne Tendenz der Germanistrung. sondern im wirthschattlichen Interesse der Leute selbst. Eine gewaltsame Germanistrung halte ich für verderblich. Liegt denn eine so dringliche, große europäische Gefahr vor, um mn einem Male zu einem so kolossalen gewaltsamen Mittel zu greisen? Ich begreife nicht, wie die Regierung in ihrer Antipathie gegen einzelne Bezirke auch ihre Freunde züchtigen will, auch diejenigen Schulen unter daS Gesetz „Gewiß! Ich sehe schon, daß ich dir meine« Name» sagen muß. Ich hoffte, du würdest ihn allein finden, aber dein Gedächwiß ist leider minder treu, al« da» meinige! Vafsili Earkoff! Erkennst du mich jetzt?' Vasfili Sarkoff? Der Senator konnte sich in der Thai an diese» Name» erinnern. Aber noch Verlauf von 25 Jahre« ist(« wohl gestattet, die Beule nicht auf den ersten Blick zu erkennen. „Entschuldigen Sie," sagte er mit verbindlichem Lächeln, „aber ich muß gestehen, daß ich Sie seit so langer Zeit ei» wenig au« dem Gedächtnisse verloren." „Undankbarer I" entgegnete der Fremde im Tone leise« Votwurf».„Haben wir doch so manche schöne Augenblicke i« unsrcr Jugend miteinander verlebU' Der Fremde halte sich zum Tische gesetzt und benahm fich so familiär, wie einer, der thut, al« ob er zu Hause wäre; er hörte nicht aus zu sprechen und sprach mit so liebentwürdi« ger Harmlosigkeit, wußte den Senator an so viel au« der Jugendzeit zu erivnern, Daten zu zitiu« und Namen mit seltener Präzision zu nennen. Da xabS wohl nun keinen Zweifel mehr. Vassili Sarkoff war es, sein alter Freund, de« der Senator vor sich hatte. Prächtiger Kerl, dieser Vasfili! Ein« u»v-rsiegliche Quelle! Ec hörte nicht auf zu plaudern, er schwatzte ohne fliuhe, ohne Rast und ließ seinem Hörer kaum Zelt, hier und da und dann und wann ein einsilbig Wörileia einzufluchten oder mit einem Kopf« schütteln darei-zusprechea. Valsili war ein bullanter Plauderer und mehr noch, er sprach von ollem mit großer Uvumwundenheit, dabei sachlich, philosophisch zuweilen und stets mit sprudelndem Humor. De» Senator amüfirte die Plauderei: er hörte zu und konnte im Verlaufe einer halbe« Stunde nicht zu der sehr natürlickien Frage gelange«: Warum, zum Teufel, hat dieser famose Vaisili nach einer Trennung von 25 Jahren plötzlich da» g ebieterische Be« dürfniß empfunden, gerade um'/,6 Uhr Abend» in mein Kabinet zu trete» und ein Brillantfeuerwerk zu entwickeln, bei dem ich noch immer auf da« Schlußbouquet warte? Und indem der Senator der Logik seine» Gedanken» folgte, kam wirst, welche bisher die deutsche Kulturarbeit in diesen Gegenden ollein besorgt haben iSehr richtig! link».) Städte wie Danzia, Thorn und Elbing find seit dem deutschen Orden die Mittelpunkte der nationalen Entwtckelung gewesen. E« scheint, als od die Regierung die Gelegenheit denutzen wollte» um einmal einen recht großen Rückschtttt auf dem Gebiete der Schulgesetzgebunz zu beginnen. Die Freiheit ist ja heut zu Tage kein Gegenstand de» Streben« mehr.(Zuruf link» r „Leider.") Ich begreife ja auch, daß eS den Hetren von der „nationalen" Seite schwer wird, für solche Leute stch zu be« geistern.(Heiterkeit.) Damals war man eben so naiv, und ich werfe keinen Etein auf diese Naivität, ich erinnere mich mit Rührung der Bewegung, welche durch die Gemüther ging, und ich sage Ihnen, ohne diese Bewegung würden wir vielleicht nicht hier fitzen, unsere Verfassung nicht haben und andere Dinge vielleicht nicht zu Stande gebracht haben.(Zuruf von rechts.) Sie können ja vielleicht die Dinge nicht so hoch schätzen.(Heiterkeit.) Es ist doch aber die einfache histotische Konsequenz der B'wsgung(Zuruf von rech»:„Von 1848!") — ja wohl von 1848, daS war ein sehr großes Jahr, wa» Sie wahrscheinlich heute noch nicht begreifen.(Große Heiterkeit links und im Zentrum.) Sie vermögen eben vor lanter PtrteiianalismuS, gar nicht fich in einlache historische Vorgänge hineinzudenken(sebr gut! link«) und zu begreifen, we eS zugegangen ist, daß Preußen zu einer Verfassung gekommen ist.(Zuruf deS Abg. v. Ttede« mann.) Sic scheinen zu glauben, Herr v. Tiedemann, die Vettassung wäre ohne dies gekommen.(Große Heiterkeit linkS und im Zentrum.) Wir meinen, daß Polen sich damals er» hoben hat wegen der unerhörtesten Mißhandlungen, welche«» durch die rusfische Regierung erfahren mußte.(Sehr richtig!) In immer breiterer Weise macht fich der PanslaoiSmuS in Oesteneich geltend und überall ficht er unsere deutschen Land»- leute in Rußland und Oesterreich nicht nur zu drücken, sondern auch zu unterdrücken. DaS Zentrum der Bewegung ist ohne Zweifel in Petersburg(Zuruf:„MoSkau!")— nun, oder in Moskau. Hin und wieder kommt eine Reprimande, etwaS stiller zu fein, aber noch nie ist eine definitise Unterdrückung der panslaoisti'chen Agitation oder eine Beseitigung der leiten- den Persönlichkeiten erfolgt. Da liegt die Gefahr für da» Teutschthum, und ich möchte dem Herrn Mintsterprästventen gegenüber bemerken, daß di'S der Grund ist, warum die libe» rale Partei feit lange mit Mißtrauen auf die rusfische Re« aierung ficht.(Lachen rechts.) Wir haben uni dieser Lpposttion nicht geschämt. Ich will dabei heroorb'ben. ich Sehe nicht so weit, etwa das ganze russische Volk zum Gegen« and meines Hasses oder Angriffes zu machen(Lachen rechts, unwillige Bewegung lmk«) sondern ich weiß, daß da vorzüg- licht Elemente und große Parteien existiren, mit denen wir in jeder guten Kulturbewegung zusammen arbeiten können. Aber der russischen Regierung muß ich den Vorwurf machen, daß sie Umube über Europa erhält. Da liegt auch der Grund, welcher 1863 daS HauS bewegte, als die Bewegung jenseits der Grenze einsetzte. ES hat unS der Herr Ministerpräfident auseinandergesetzt, daß«r ein Jahr vorher mit dem Kaiser von Rußland, entgegen dem damaligen allmächligen Kanzler Gor- tsbakow, zu einem Einoerständmß gekommen sei, da« in einer bestimmten Konventtim AuSdruck fand. Ich weiß ja, daß die ganze Politik deS Mintsterpräfidcnten auf diesem russtichen Einvernehmen beruht und ich will darüber hier keine Kritik eintreten lassen. Daß da« HauS von dem geschlossenen Schutz« bündniß nichts wissen konnte, darf ich doch wohl behaupten. Dennoch sagte der Ministerpräsident, wir hätten die Re- gierung nicht ohne Erfolg in Pa-iS und London zu ver- klagen versucht wegen ihrer russenfreundlichen Politil, und trug sogar kein Bedenken, hinzuzufügen, daß er durch Beschlag« nähme stanzöstscher Papiere im Jahre 1870 den Indizienbeweis dafür erlangt habe über Verbindungen, welche von Mit« gliedern der Oppofi'ion 1863 mit der französischen Gesandtschaft stattgefunden hätten, und er fügte wohlwollend bei:„Ich weide daS Gehttmniß auch ferner bewahren, well ich die Ver« öffentlichung nach 23 Jahren nicht für nützlich erachte."(Heiter- keit.) Ich war sehr erstaunt, daß er hier auf diese Sachen nach 23 Jahren in dieser Ausführlichkeit und Heftigkeit der Em- pfindung zurückkam, der eigentliche psychologiscke Zusammen- hang ist mir ganz unverständlich. Stach einer solchen Beschul- digung kann man fich doch nicht mit der wohlwollenden Wen- dung auS der Sache ziehen, daß man sagt:„ich werde das Acheimmß auch ferner bewahren ic." Ich provozire den Herrn ec zu dem Schlüsse, daß diese» Bouquet sich wahrscheinlich al» eine Anleihe vo» 500 Rubeln entpuppen werde. Da trat der Bediente ein. „Exzellenz, e« ist servirt!" Konstantin Varadine warf einen dankbare« Blick auf die Pendeluhr. „In der That, 6 Uhr!" sagte er.„Sie werde« mich eutschnldigen, mein lieber Sarkoff, aber da» Di«« ist servirt und meine Frau erwartet mich. Auf Wieder- sehm also l' „Konstantin," rief Vassili,„da» ist nicht schön von dirk du bist kalt mit mir!" „Wieso kalt? Mein Diner wird e» vielmehr werden!" „Wir werden e» deshalb nicht mit geringerem Ver» gnügea verspeisen." „Wer, ,wtrt?" -Du und ich und selbstverständlich auch Deine Frau!" „Sie laden sich ein?" „Ach, ich bin nicht so zudringlich! Du ladest mich ein!" „Glauben Sie?" „Ich bin dessen sicher!" Ganz nonchalant zog Vasfili Sarkoff bei diesen Worte» einen Revolver au» der Tasche, de« er auf den Tisch legte. Varadine empfand unwillkürlieh einen Schauer und zog sich hinter de» Fauteuil zurück. „Mein lieber Freuiid", begann Vassili wieder, indem er nachlässig mit seiner Waffe spielte,„ich bin so glücklich, dich heute nach so langer Trennung wieder zu sehen, daß ich mich nicht entschließe» könnte, dich so rasch schon zu veelassen. Außerdem ist da« Interesse, welche« ich für dich hege, so stark, daß e« sich nicht auf deine Person allein beschränkt. Ich habe daher den wirklichen und festen Wunsch, auch die deinige» kennen zu lernen, deine Frau. deine Kinder, wenn du welche Host, lurz, deine Familie! Die Gelegenh'it ist günstig; wir setzen un« gemüthlich zu Tische. Ich kenne dich, Konstantin, du hast ein zu gute» Herz, um mir diese« bescheiden en Wunsch zu versagen!" Konstantin Varadine ließ seine» Blick durch da« Zimmer schweife». Er befand fich mit dem Fremden all»» ZMiflerp afidenten, diestS Tehcimniß zu k>r«Sen und un* mitzutheilen, wat di'S für Perfooen grwesrn ßnb, auf welche fich daS Geheimnis; dezteht.(Ledhafte Zustimmung links.) Ick war damali der Einige der fich in jener Debatte aut'ührlich auf Akte, stücke und Reden bezog, aber ich Hab« schon damals nachgecvieskn, daß jene Aktenstücke und Reden Jeden Sffent ick mgänglick wa-en. Ich Haie fit auf dem gtwöhn lichsten Wege durch die Post dezoaen und bedurfte k»ner de- fondricn Freunde in London und Paris. Das Einzige war, dafi ich di' Sacken gelesen habe, während die M hrzahl fie nicht gelesen hatte.(Heiterkeit.) Run muß ich doch entschieden Protest einlegen, daß unser Verfahien irgend einen schädlichen Einst-ß auf die Hallung des Ruslarde» ausgeübt hat. Ich kann mich decken mit den Ausführungen eineS der damaligen Redn'r Damals stand nicht bloi die Fo fchrilSga tei, sondern die gesammte liberale in Opposition', Herr v. Hybel war damals Reie ent und Sie können auS seiner Rede fi den, daß wir viel milder gesprochen haben. Hinfickllich des Gesetzet muß ich das Bedauern aussprechen, daß wir nicht im Stande stnd, diese G-setze in ihrer Totalität zu demtheilen', eS wird mir er.ählt, daß wir roch ein neues bekommen sollen.(Ruf: »Ist ja heut geschehen!") Rein, noch ein neues!(Heiterkeit.) Wir verhandeln immer nur üder einen Tors« und wieder ein-n Torso. Den Kommüsto- sberathunzen entziehen wir uns keineswegs und stnd bereit zu untersuchen, wie virl e>wa auS dielen Gesitzen zu brauchen ist und wie fie umzugestalten st in dürsten, um fie brauchbar zu macten. Bedenklich wäre es nur, wenn tagend Jemand im Haus« glauben sollte, die Vorlagen seien so, wie fie stnd, annehmbar. Wir find gem be e>t, inneihald der Grenzen, nicht Mos der zwetfel» ha'ten. sondern der wahren Gleichbe'echtigung Aller, diejenigen Mittel zu finden, welche eS ermöglichen, daß die deutsche Sprache in allen Schulen dieser Provinzen vollständig Eigen- thum der K nder wird, daß fie in jedem Theile des großen deutschen Vaterlandes ihr Unterkommen, ihre Arbeit, ihren Er« »erb und ihrc Hetmath finden können. Das wünsche ich diesen Leuten von ganzem Herzen. Ich glaubr, auck Niemand von den p lnischen Abgeordneten wird bestreiten können, daß wir die Verpflichtung haben, die Einzelnen so weit auszurüsten, daß fie im Stande sind, den Kampf umS Dasein in bester Weise zu führen. Das ist unsere Aufgabe. Ick bin derUeber- zeugung, daß, wenn Deutschland, waS ich annehme, im Stande ist. den Besitz dieser Gegenden zu behaupten, daß dann die eigentliche Gcrmanisirung allerdings nur als eine Frage der Zeit zu betrachten ist.(Lebhafter Beifall links.) Kultusminister v. Goßler: Nur in einiger Beziehung muß ich auf Aeußerungm des Vorredners zurückgreifen, die im Widerlpruch mit seinen rig-nen Ausführungen standen. Er hat einerseits, von seinem Verstand bewogen, gesagt, daß die Aspirationen unserer polnischen Mitbürger zurückgehalten werden muffen; aber vom Standpunkt seines Gefühls auS hat er ei als erklä lich erscheinen lassen, daß man jenen Re- stredungen mit Wohlwollen gegenüderstebt. Wir alS Re» äierung können ja Sympathie und Wohlwollen oder, wie er sagte, Rüh-ung nicht walt-n lassen, denn die geschichtliche Er- fahrung zeigt, daß diese„Rührung", mit welcher die polnischen B stredungen in den vierziger und sechziger Jahren begleitet wurden, dem preußtlchen Staat viel Blut und uneihört viel Geld gekostet hat. Im Anfang der fi.bziger Jahre stnd wir wied-r zu einem System zurückgekehrt, das biS 1842 vortheilhaft gewirkt hatte. Jetzt nach V/t Jaor zehnten körnen wir unS wohl Rechenschaft geben» wie die 1872 für die Echu'verwallung aufgestellten Grundsätze pewirkr haben. 1672 kamen Klagen der po enschen Beamten an die LanveSoertrelung, daß ihre Kinder gewaltsam polonisirt würden. Aus den Kreisen selbst kamen Nachnchten, die auf ganz u- glaudliche Zustände in Posen schließen ließen. Wiederholt wurde ausgesprochen, daß wir in Bezug auf die Vcrbrertung der deuischen Sprach« 1842 viel weiter gewesen seien. Es wurde deshalb unter Mitwirkung von Privaipasonen ein« Reviston des Schulwesens oo-mnomnun, und es ergab fich, daß die Schulen überfüllt, die Echulgchäunde unzulänglich und ein Mangel an Lehrern vorbanden sei. Der Schulbesuch fand unregelmäßig statt. Das bellagen wir auch jetzt noch. Eliern wechseln ge ade deshalb häufig ihren Wohnfitz, um ihre Kinder vom Schulbesuch kern zu halten. Wenn Herr Virchow auf die K ssuben hingewiesen und gemeint ha', daß hier die Bevölstrung durch»inen natürlichen Prozeß gcrmrnrfirt sei, so muß ich dem widersprichen. Die Kaffuhcn harten mit den Ration alpolen nichts gemein, im G-gentheil, fie sondern fich bewußt von ihnen ab, und zwar um so mehr, als die Bischöfe darauf drangen, daß die deutsche Svr- che in Schule und Kirche Eingang finde. In Posen und Weftp-eußcn machen wir die E fahrung, daß Kinoer, welcke zwei Jahre auS d r Eckule entlassen sind, wenn fie vor Gericht erscheinen, einen Dolmetscher verlangen, weil fie der druischen Sorache nicht mäwt'g seien, obgleich feststeht, daß fie während ihrer Schulzeit in dculscher Schrift und Sprache fich vollständig korrclt auszudrückin vermochten. Ich werde noch mit weileren Forderungen an S e herantreten müssen, ich werde dazu schon Gelegenheit finden bei Berathung dcS EratS, wenn wir uns über die Swulaufsschl zu unterhalten haben, zunächst aber «ud dieser hö te nicht auf, de« Kolben seines Revolvers zu liebkosen. Wie ein Bl tz schoß ihm der Gedanke durch den Kopf, daß, wenn er sich weigere, auf die Wünsche de» Fremden einzugehen, ehe er Zeit gefunden, zu rufen, zu läuten, so könne er sich„in demselbe» Mcmevte als einen tobten Mann betrachten. „Einverstanden, lieber Freurd", sagte er daher mit liebens mürdrgem Lächeln,»Sie werden mit uns diniren." Vassilr erhob fich und steckte seinen Revolver in die Tasche. „W üst du br sonders liebenswürdig sein?" fr agie dieser, indem er seine« Arm in jenen des Senaiors legte„So dutze mich em wenig! Warum solltest Du mich auch nicht dutzen 9" „Legen Sie Werth darau,?* Gieße«. Unter alten Schulkameraden ist ja dies da« Mindeste, uas man sich gegenseitig schuldet. Nicht wahr?" „Sie Hab— Du hast recht I" antwortete Varadine. Dre beiden Märner begaben sich in den Speisesaal. Anderthalb S unden später öffnete sich die Tbüre de« Arbeittkabwer« wieder. Der Senator und fem Gast traten ei».— Varadine machte noch immer gute Miene zum bösen Spiel; aber einem oufme'k'amen B obachter konnte>» richt schwer fallen, in sein.« Zügen zu ltsen, daß er nun gerade genug von»einem„Schulkawerader" habe. Dazu war ja auch oll r Grund vo-hcnd n. Andeithalb Stunden mußte er b> Tische vis-ä-vi» s-iner Kaitin und a» der Ee'te fettes Schulkameraden sitzen, in dem peinlichen Bewußtsem, daß dieser— wenn rr selbst irithümlch glauben würde, man h de um Cu'kurS gesckick'— ihm im rächsten Augenblicke ei»« Kmei duich den Kopf jage. Er kannte es dbiT nicht einmal wacea, dem Bedievten ein l-'se« Zeichen zu geben. Daß Varadine sich silbst auf eine S künde evtfernie. ging schon gar n'cht an und eS würde die« den Verda-hr seine« Gaste» erst recht provozirt baben Die Vernunft trat ihm somtt gebieter'sch mit einem Worte entg'gen und die« h'eß: Resignat'on, Ergebung in Dinge, die da kommcn würden. Varadine hatte denn auch müssen wir daran festhalten, daß die Lehrer alle der deutschen Sprache mächtig sind. Es ist bereits erwähnt worden, daß von polnischer Seite direkt die Anweisung an die Lehrer gegeben worden ist, daS Deutsche nur mechanisch zu lehren. Im Staraarder K eise züchiigte ein Organist seine Kinder, wenn fie zu Hause Deutsch lernten. Schulversäumniß wurde in der Presse veithetdigt. Im Kreise Neustadt äußerte fich ein Schulvorstand: der deutsche Lehrer sei ein Hundeblut, und wer Deutsch lerne, auch. Alles da« ist amtlich konftatirt worden. Dabei-wurde«in ungeheurer Druck auf die Lehrer ausgeübt, um fie zu veranlassen, ihre Pflicht zu veinachläsfigen. Sie werden aus meiner Red« ent» nebmcn, daß der Staat ein eminentes politisches Interesse da- ran hat, daß die deutsche Sprache auch da Eingang findet, wo man fich hermetisch gegen di-selbe abschließt. Wir haben die gemeinsame Webrpflrckt die gemeinsame Schulpflicht und die gemeinsame vcl tische Vertretung, umsomehr haben wir die Pflicht, auch der polnischen Bivölkerung die Wege zu ebnen, die zur deutschen Kultur führen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. G n e i st: Meine politischen Freunde stnd prin- zipiell mit der Vorlage einvei standin, halten aber nur Ergän« jung derselben für noihwendig. Mit der gehobenen Bildung der Elemcntarlehrer muß ihre Stellung als Staatsbeamte Hand in Hand gehen. Ein erweitertes VokationSrecht des Staates wirv für die L hrer auch eine erweiterte Besoldungzur Folge haben müssen. Die Aushebung de«§ 33 Tit. XII Theil 2 des Allge- meinen Landrecht« bat eine große Bedeutung. Wie kommt der Gutsherr dam. Schulgeld für Kinder zu zahlen, für welche er aar keine wiithschaftliche oder sonstige rechtliche Verantwortlich- kett und Veipflichtu.ra bat?§ 1 des Entwurfs wird zur Folge haben, daß in der nächsten Eeifion alle Gutiberrschaften dm Antrag auf Aufhebung de«§ 33 stellen. Ich möchte Sie bitten, dieie Vorlage einer besonderen Kommisston von 21 Mitgliedern zu üdeiweisen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Ger lach(tons.): Ich spreche nur in meinem eigenen Namen. Ich will mit dem M.nister v. Puttkamer keinen Ausrottunzikrieg gegen die Polen, darunter verstehe ich: keine gewaltsame Expropriation; ich will mit ihm eine positive Zurückorängung der Agitation, wodurch die Polen uns ent- fremdet werden und die Kiu't zwischen den Polen und uns erweitert wird. Dazu dient aber das gegenwärtige Gesetz. Ich fieue mich als Deuischer, wenn deutsche Kraft und deutsches Weien Fortschritte machen gegen die Polen, aber nur mit Hilfe legitimer Mittel.(Abg. v.Quast: Gesetze find legitime Mittel!) Hat yerr v. Quast die Aufhebung des Jagdrechts auch für ein legitimes Gesetz gehalten?(Abg. v. Quast: Gewiß!) Ist eS ihm dann erwünscht, daß noch mehr solche„legitime" Gesetze gegeben werden?(Nein!) Ja, Bauer, ich rede hier nicht von Herrn v. Quast(Heiterkeit), das ist etwas andere». Ich halte nicht für weise, Mittel anzuwenden, welche den entgegengesetzten Zweck erreichen, so die Verminderung des fiskalische» Grund und Bodens in Posen und Westpreußen. (äbg. Wehr: Zur Sache!) Es ist Sacke des Herrn Präst» denken, mich zur Sache zu rufen- Ter Abg. Virchow hat über Fragen, die zu diesem Gesetze nicht gehören, eine halbe Stunde abgehandelt. Also ich bitte Herrn Wehr, mich nicht zu unter- brechen, wenn er eS überhaupt lassen kann.(Heiterkeit.) Ich halte e« nicht für einen Fortschritt, wenn man Einrichtungen trifft, welche wider den Deutschen noch den Polen Vortheile bringen, sondern einer gewissen Rasse, welche in jenen Gegen- den besonders staik oertreten ist. Sie werden den Hauptprofit von jenen 100 Millionen zieben, indem ste die Hypotheken aufkaufen und der Regierung DaS beste und legitimste neben der Schule die Armee. durch höhere Jvtelligenz und Sparsamkeit ein gutes Beispiel. Gerechte Regierung, gute Justiz! Durch die vorliegenden Mittel germanistren wrr nicht, sondern polonistren.(Beifall links, im Zentrum und bei den Polen.) Abg. Graf Schwerin-Putzar stimmt dem Gesetz aus nationalen Gefichtspunkten zu; kvnfesfionclle Bedenken, wie fie der Abg. Porsch in der Vorlage gefunden, seien doch nur künstlich in dieselbe hinein zu interpretiren. Allerbinas trete neben dem nationalen auch der büreaukratische Charakter der Vorlage stark in den Vordergrund. Unter normalen Verhältnissen würde Redner der Verschiebung der Schul- DotationS« Pflicht der Privaten, eines w-rthvollen Stücks altpnußischer Selbstverwaltung, nicht da» Wort reden können' heute aber käme in den polnischen LandeStheilen der preußische Gesichts- punkt bei der Handhabung dieser Eeldstoerwaltungsrechte doch so sehr ins Hintertreffen, daß man von der Uebertragung auf den Staat wirklich einen besseren Schutz der Reichs- und EtaatSinteressen ermatten müsse. Hiernach wird die Forts, tzung der Berathung vertagt. P-rsön ich bemerkt Abg. v. Quast gegen den Abg. von Ger lack, daß letzterer seinen Zwilchenruf mißverstanden habe. Im Uebiigen müsse er seine Verwunderung darüber aus- sprachen, daß Herr von Gerlach von der ihm durch die ton- seroative Fraktion gestalteten Freiheit, seinen entgegengesetzten Standpunkt im Plenum geltend zu machen, einen so weit gehend-n Getnuch gemach» habe. polnischer Grundb- sitzet diese Güter offeriren. GcrmanifirungSmtttel ist Geben wir den Polen resignirt. Er war freundlich und dutzte Vasfili.— Vassili aber zeigte fich al» ei» amüsanter Gesellschafter x»r eicellence und als ein Mann von feinster Lebensart und chev-lereskem Benehmen. Den einzigen Vorwurf, den man ihm machen konnte, war der, baß er das Diner über Ge- bühr ausgedehnt. Ohne Zweifel gefiel eS ihm recht gut bei T'fche. Madame Varadine, die in» Theater fahren wollte, mußte die Tafel aufhebe«. Sonst säße Vasfili sicherlich jetzt noch bort.—— Vassili zündele sich eben ein« Zigarette an und wendete fich zu Varadine.„Mein Bester", sprach er,„ich habe dir jetzt nur noch meinen besten Dank auszusprechen für deine liebenswürdige Gastfreundschaft. Trotzsem möchte ich mir aber noch einen Gefallen erbitten. Mach' mir da» Vergnügen, mich bis zum Hausthor zu begleiten und schüttle mir die Hand auf deiner eigenen Schwelle. Du weißt, daß die« eine schöne Sitte unserer Vorfahren ist und ich halte elwaS auf diese biederen alten Gebräuche." Konstantia warf einen erstaunten Blick auf fernen Freund Vassili. „Mi inst du da« im Ernst?" fragte er. „Ja vollkommenem E-»st!" Er meinte e« entschieden im vollste« Ernste; den» der liebenswürdige Vassili griff in seine Tasche und der Lauf de« abscheulichen Revolvers funkelte wieder zwischen seinen F vgern. Varadine war demnach von dem Ernste überzeugt und verbeugte sich. „Gehen wir also!" rief er so fteundlich, al« er nur konnte. Sie ginge«. Im Vorzimmer warfen ste ihre Pelze um und Konstantin begleiieie Freund Vassili bi« zur Schwelle. Ist doch ein ganz braver Bursche, dieser Vasfilii Er konnte sich von seinem alten Kameraden gar nicht trenne« und zog ihn mit kräftiger Hand bi« beinahe auf die Straße hinaus. Konstantin wollte sogar bemerkt haben, daß er eine Thräne abtrockoe. „Adieu!" seufzte endlich Vasfili, pfiff einen JSvostschik, stieg gemächlich in daS F-Hrzeua, gab dem Kutscher seine Befehle und fuhr schleunigst von danne». Abg. v. Gerlach erwidert, daß er aus diese Interna dv Fraktion nur eingehe, nachdem Herr v. Quast sie in die D«' batte gezogen. Er habe dem Borstand der Fraktion Mit' theilung davon gemacht, daß er in der Weise, wie geschehe» seine Stellung zur Vorlage skizziren werde, und die Z-o stimmung des Vorstandes, speziell d � wußte», daß er in der Hauptstadt sei, und waren nahe daran, ihn zu erwischen, als der geschickte fie auf falsche Fährte lockre, indem er bei 3h#� trat 1" ii?1 „Nun erklärt sich ja alles! Seine Zudringi'ch�' beim Diner zu bleiben---' � „Sein Manöver, um die Tafel zu verlängern „Sein Wunsch, sich gerade auf der Schwelle Thorr« von mir zu verabschiede«.. ß „Ein Mittel, um die Leute erst recht irre zu Falle, daß fie Ihr HauS bewacht hätte«. O, w" ■ n öchuft unfern Fallstricken entgeht I „Und ich bin eS, ich, Konff onstanti« Varabrne,..ß# und getreuester Uuterthan de» Zaren, der diese«« � Vorschub geleistet, der sein Komplize gewesen! theurer Minister, lebeoSlang werde ich mich nnsst beruhige« und trösten können!'?% Der Senator Konstantin Varadine ist«in Geist und ein loser Streich gefällt einem Manne stets, selbst wenn er ihm gespielt wird. Konstant bin« hat sich daher zur Stunde schon vollständig und gettöstet. Diese Geschichte, mein bester Leser, ist kew Sie hat fich in Petersburg vor ungefähr einem ha zugetragen. foliifiet Schlüssel tn die Die Thäter. Gebrüder P.. sich gestern Morgen den Aus Dem Hause 9k. 146 haben, indem sie mttielst t»ng des letzteren eindrangen. »Wim verhaftet. »«In entsetzlicher Nnblick bot Manien der Ewinemünderstrassc.------- �._ ntfi ein ungefähr 50 Jahre aller Arbeiter aus dem vierlen Packwerke auf die Straße gestürzt. Ueber die Motive der ™ etlichen Thal war nichts sicheres zu ermitteln, wahrschein- »ch aber werden 9iahrungssorgen den alten Mann in den Tod inrieden baden. ... Am Dienstag früh hat fich der Kaufmann S., Geschäfts« S?»r in einer Dachpappen- und Asphaltfadrik, durch einen »»niistich in das Herz das Leben genommen. Veranlassung Vorhaltungen, welche ihm se tenS seines Prinzipals wegen Mschungen in den Geschäftsbüchern, welche auf Veruntreu- ipi schließen ließen, gemacht wurden. Vor seinem Tode hat j\a"i einem Zettel die Erklärung niedergeschrieben, daß erden «l1 Schande vorgerogcn have. ».n?? Wegen Diebstahl» und Betrugs bereits vorbestrafte w um lost Kaufmann Frantzen wurde am Mittwoch wegen '�em Raube gleich zu achtender Erpressung—§ 255 m®-*®-— iur Hast gebrocht, weil er am Dienstag jj�sttag bie unter fitlenpolizeilicher Kontrole stehende un- f.». te G, seine angebliche Geliebte, von der er sich unier- Wwm läßt, auf dem Hackeichen Markt mit einem Knotenstock ftrarttg auf den Kopf geschlagen hatte, daß der Stock zer- Ms und die G. in Folge der erlittenen Verletzungen in £?(acholische Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Ver- «neie haite von der G. auf der Straße wiederholt Geld klangt und fr: im Weigerungsfälle mit Schlägen bedroht. v,,W« ttekbetrübter Vater» der Arbeiter Becker, ersucht ,�P°iizei-Piäsidium und das Publikum, ihm zur Auffindung 8Vi Jahre alten Sohnes, der am 15. d. Mts. während «?.�i>rmittagipause aus der Gemeindeschule in der Hirten- tntlaufen ist, und den er seitdem rastlos, aber leider Jkfoltt auf den Straßen Berlins gesucht hat, behilflich mJ!.' Der Knabe hat eine blaffe Gifichtsfarbe, dunkel- yjts haar und ist hauptsächlich an seinem Gang kenntlich, J-jfa er mit den Fußspitzen nach innen geht. Bekleidet war Lr]' einem dunklen Jaquet, eben solchen kurzen Beinkleidern, M'M wollenen Strümpfen, Lederschuhen mit Schnüren und h�Menem weißen Shawl. Die Kopfbedeckung hatte er in rbule zurückgelassen. vilÄLnseratenthetle unsere» heutigen Blatte» finden -.""«der die uns seit vielen Jahren wohldekannte Phy- unseres durstigen Klostcrfreundes, der uns zur Zeit 7%« Bockbier-Saison stelS mit fröhlicher Miene zum 't des vtelberübmten Spezia! Gebräues der Moabiter einladet. Wir zweifeln nicht, daß auch diesmal der fi.., kr Bock, welckier acnau nach der Art & an We Urquelle seiner Entstehung pilgern, um stch per« » davon zu überzeugen. die Ä? Velle-Alliance-Theater finden heute und morgen siir en Vorstellungen ron der„Schönen Helena" statt, da bi», Sonnabend die erste Aufführung von„Pariser Leben" de- Bg'h der Vorstellung betheiligen sich die besten Kräfte Iz Aasserstand der Spree in der Woche vom 7. bis �'stbruar 1886.(Angabe in Metern.) Tage 2,47 �berbaum «•. 2.« Bg'.l.,» 7-/2. 8-/2. 2,47 2,41 1,13 9/2. 2,47 2,41 1,13 10/2. 2,47 2,41 1,13 11/2. 2,44 2,39 1,11 12/2. 2,44 2,37 1,09 13./2. 2,42 2,37 1,07 Gerichts Iettttng. �.. Vorzeitiger Verkauf von Pfändern tn sieben Fällen Me den Pfandleiher Bemhard Siegmann vor die Schränken ...„.a Schöffengericht». Die gegen ihn erhobene Anklage te auf wiederholte Unterschlagung. In einem Falle waren fes,_____, JJ verpfändete Bettstücke, in den anderen Fällen Uhren, Ringe f.. Kleidungsstücke nicht mehr vorhanden, als die Verpfände! iwlösen kamen. Der Angeklagle behauptete, daß die Bett. bei einem bei ihm statigehabten Brande mit verbrannt Cr un� daß seine Buchhalterin, Frl. Richter, die bewirkten - ,°agationrn einzutragen vergessen hatte, so daß er annehmen � die qu. Gegenstande wären verfallen gewesen. AuS ? Grunde habe er dieselben mit zur Auktion gewiesen und Melben verkaufen lassen. In der Beweisaufnahme wur« �r» Angaben des Angeklagten vollauf bestätigt und außer« «ei �wiesen, daß derselbe die Beschädigten entschädigt hat. �aliz�vichtshof erkannte daher dem Anirage des StaatSan« Entsprechend auf Freisprechung des Angeklagten. taJ"« viele Leute tst der Aufenthalt im Korrektion»- klya,»eradezu unerträglich. Sie machen die unerhörtesten aihi,, Äsungen, von denen ste eigentlich durchaus überzeugt sein % daß dieselben keinen Enolg haben können, nur, um Wch% Zeit dem ArbeilShause entfliehen zu können. ES 8%: treffend durch den folgenden Bericht illustrirt.— �itw" oJasstn des RummelSburger Strafgefängnisse», der„Ar- !°°r«n,°dert Welze! und der Tischler ,"ranz Ltto Kölpin, ' z I wsolge ihrer guten Führung während ihres Aufent- >.« Gummelsburg tn die in der Röhe von Großdeeren W v»ilial Strafanstalt Neu- Beeren gebracht; auf dem dor- d�/vtr Stadt Berlin gehörigen Vorwerk gleichen Namens »l/- Beide mit ca. 150 anderen Schicksalsgenossen auf den *4*,� � beschäftigt biS zum Ablauf der ihnen zuerkanntm in ,?vrrektionSbaft.— Schon längst halten Welze! und .d«?»ihrem Loo e i...... ,, eh.» kw- von einem______...WI %tn Z am 7. Juli v. I. pir Ausführung brachten: als fich pH%«unstige Gelegenheit bot, gab Kölpin daS verad- £% fjK,�n?»um Aufbruch und am hellen Tage sprangen 5S den die Anstalt! barocken umschließenden Bretterzaun ald. DaS erste, was die Flüchtigen, nachdem ste -vio.d« Anstalt belegene RublSdorf auf dem Wege nach S ton ballen, für zweckmäßig erachteten, war der An« Spirituosen, um mittelst deren Zuhilfenahme die dins� nneve Freiheit in's rechte Licht zu setzen. AuS Z!?»i>Lu!.iichtn Riitleln wurde von den rhnen ausgezahlten Wo% 60 Pf. BrennspiriluS gekauft und in der J vaide a poco vertilgt. Länger aber sollte vorerst Urft., an der Neu-Errungenschast nicht andauern: ein in st Äibtr beschäftigter Häusling war inzwischen zum b, bte �'worden und haltte bei den Anstaltsbeamten, als gei?!. dt- Welzel und Kölpin wahrgenommen, sofort tt%l(n. K�fftn. Unverzüglich brachten die beiden Anstalts« Vi*. 8eu,n uar Franke und Staey, ihre ca. 150 Häftlinge ...Si,-. n hinter Schloß und Riegel und begaben fich auf Mild � der Haide angelangt, traf der Aufseher Franke jiet �'gen', der, dem Einfluß d, s genoffenen Alkohols �""'auf'"" %('»(ich„nf., Grase ruhte und fich ruhig fassen �il�ttdinL � Frage nach dem Versteck seines Gefährten Ql Aal; Kölpin fügte fich weniger geduldig in sein �niAauf«n��stnahme widersetzte fich Kölpin und bei dem [%/kn ol> d nntnden Renkontie ging eS nicht ohne Blut- � �.Aeriflnf �vin soll hierbei— genau hat dieS im ffther der Sache nicht festgestellt werden können— «tankt mit einer Schnapsflasche geschlagen haben, infolgedessen Franke ihm eine blutige Kopfwunde beibrachte und ihm eine rtestge Baumwurzel, mit der er fich außerdem bewaffnit, auS der Hand schlug. Unmittelbar darauf, als dieser erste Fluchtversuch mißglückt und Kölpin und Welzel in Jsolir- Zellen untergebracht worden worden, unternahmen die etnze- fang.-nen Flüchtlinge wiederum einen zweiten Fluchtversuch, welchem noch ein dritter und vierter in der Nacht vom 7. zum 8. Juli folgte. Die Jsolirzellen, in welche Welzel und Kölpin gebracht, lagen nebeneinander und waren nur durch eine dünne Wand getrennt. Welzel durchbrach nun, nachdem er mtt Kölpin fich durch Zeichen verständigt, die Zwischenwand derartig, daß Kölpin zu ihm in die Rebenzelle gelangte. Von diesem Zeitpunkte arbeiteten die beiden Genossen gemeinschaftlich an der Zerstörung deS Mauer« und Balkenwerks� der äußeren Umfassungsmauer; mtt den Nägeln aus den Absätzen ihrer Fußbekleidung lösten fie den Möriel zwischen den Mauer- steinen und Dann folgte Stein auf Stein, bi» eine genügend große Oeffnung geschaffen worden war, durch die ste ins Freie gelangen konnten. Der Ausseher Staetz, der dazu kam, als Welzel eben durch die Oeffnung hinauSgekrochen, wurde durch ein auf ihn eröffnetes Bombardement mit Steinen vertrieben und nun stürzten die beiden Ausbrecher nach der Anstaltsküche, um den Häusling Arandt, welcher vorher ihre Flucht ver- rathen, gehörig durchzuprügeln. Mtt einem Bett, das er in der Küche vorgefunden, stürzte Kölpin auf Arandt loS, während Welzel ihn mit Fäusten bea beste. Die Angreifer wurden indessen bewältigt und schli-ßlich wieder in ihre Zellen gebracht; von dort auS unternahmen ste wiederum einen dritten Fluchtversuch, der aber wiederum wie zuvor verettelt wurde. Bei dem darauf folgenden vierten Fluchtversuch gelang es den hartnäckigen Ausbrechern, ihren Wellen durchzusetzen: in der Stille der Nacht, als die Thurmuhren der nahe belegenen Dörfer Mitternacht verkündeten, durchbrachen fie in der oben geschilderten Weise wiederum— aber geräuschlos— die Außen wände uns flüchteten. Diesmal war eS geglückt und erst nach geraumer Zeit ward Welzel wieder ein gefangen, während Kölpin in seiner Heimath im Königreich Sachsen, wohin er geflohen, bald nach seiner Ankunft zu 2 Jahr 1 Monat Zuchthaus verurtheil worden war. AuS dem Zucht Hause zu Lichtenberg vorgeführt, erschien Kölpin gestern vor der ersten Straftammer des Landgerichts Ii, mit ihm der Genosse seiner Fahrten, Welzel, der zur Zeit im Moabiier Untersuchungsgefängniß fitzt.— Die Anklage lautete auf Ver- leitung und Beihilfe zur Meuterei, Beamten- Beleidigung, Widerstand, Körperverletzung und Sachbeschädigung. DaS Leugnen der Angeklagten erforderte eine umfangreiche Beweisaufnahme, welche indessen die Angeklagten vollständig be- lastete, bis auf einen Punkt, nämlich die den Angeklagten Kölpin zum Vorwurf gemachte Körperverletzung deS Aufseher» -tränke; derselbe verwechselt fortwährend die Namen der beiden Angeklagten und kann nicht mit Bestimmtheit bekunden, ob K. oder W. ihn der Ruhlsdcrfer Haide mit der Flasche geschlagen. Das Urlheil gegen Welzel lautete auf 1 Jahr 3 Monate Gefängniß Gesammtstrafe, gegen Kölpin wegen Ver« leitung zur Meuterei>c. auf 1 Jahr Z achthau», zusätzlich zu der anderweitig ihm zuerkannten Zuchthautstrafe. Vereine nnd Versammlungen. br. Am Verein der Sattler und Fachgenosseu hielt am Sonnabend Herr Michelsen einen Vorttcg über„Die Ten« denzen der Gesellschaft." Der Vortragende wies darauf hin, daß die Krankheit deS menschlichen Gesellschaft»« Organismus ebensowenig wie die des individuellen OrganiSmuS gründlich nicht geheilt werden kann, so lange die Ursache der Krankheit nicht erkannt ist. Die Aufgabe der Gesetzgebung sei eS, daS gleiche Recht Aller im Jntereffe des GesammtwohlS der Gesellschaft zur Geltung zu bringen. Die Gesetzgebung werde aber diese Aufgabe um so eher und um so leichter lösen können, je mehr die großen Massen deS Volk», denen zu ihrem Rechte verholfen werden soll, auch selbst in Koa- litionm und Organisationen, die gesetzlich gestattet find, für ihre berechtigten Interessen eintreten und die Faktoren der Gesetzgebung auf die Mißstände, unter denen fie leiden, und auf die Mittel, die geeignet find, den Mißständen abzuhelfen, hinweisen werden.— Nach dem Vortrage wurden die auf die Frage:„In welcher Weise kann der Fachverein groß und stark gemacht werden fich beziehenden Verhandlungen, welche der Vorsitzende bereits vor dem Vortrage(da Herr Michelsen nach Eröffnung der Ver« sammlung noch nicht anwesend war) etngeleilet hatte, fortge- setzt. ES wurde der Vorschlag gemacht, in einer öffentlichen Versammlung aller Saltler und Fachgenoffen eine Lohnkom- Mission zu wählen, welche die Wahl von Subkommisfionen für die einzelnen Branchen veranlassen sollte. Diese Eubkom« misfionen sollten dann Minimallohntarife aufstellen und unter Leitung der Lohnkommisston zur Geltung bringen. Für jede der 400 Berliner Werkstätten sei ein Deligirter zu wählen, durch welchen die betreff-nde Subkommisston über die Lohn- Verhältnisse der W-rkstätte in Kenntniß zu setzen sei. Diesem Vorschlage gegenüber wieS Herr Michelsen darauf hin, daß durch Lohnbewegungen, unter Leitung von Lohnkommtsstonen, die nicht unter Kontrole der organifirtcn F chvereine gestanden, bisher eine dauernde Aufbesserung der Lohnvcrkällnisse noch nicht bewirkt worden, und ertheilte den Rath, daß der Fach- verein auS seiner Mitte eine aus höchstens 9 Mitgliedern be- stehende und unter der Kontrole des Vorstandes bleibende Lohn- kommisston wählen möge. SS wurde deschloffen, die angeregte Frage tn der nächsten Versammlung noch weiter zu diSkutirm. dr. Im Unterftütznngtverein der deutscheu Schuh- macher, hielt Herr Liefländer einen Vorttag. in welchem er darlegte, woher es kommt, daß bei den großartigen Fortschrttten, die in den letzten fünf Jahrzehnten auf allen Gebieten der Industrie gemacht worden find, die Lage der industriellen Ar- beiter eine immer schlechtere geworden. Denen, die dieS in Abrede stellen zu rönnen meinen, weil die Arbeitslöhne im Laufe der letzten Jahrzehnte doch etwas höhere geworden seien, gab er zu bedenken, daß mit der fortlaufenden Kultur die Be« dürfniffe fich steigern und daß die heutigen Löhne eS den Ar« beitern nicht mehr möglich machen, in dem Maße ihre dringendsten Bedürfnisse zu deiriedigen, in welchem ste dieS früher vermocht. Der Vortragende wieS dann darauf hin, daß bei der herrschen- den kapitalistischen ProduktionSweife von Zeit zu Zeit Arbeits« stockunaen eintteten müssen, die für die Ardeiter Mangel an Ardkitsaelegenbeit, Einken der Löhne und Schwinden der Kauf- und Konsumtion» kraft zur Folge haben. Es sei die Hauptaufgabe der Arbeiter, nicht bloß im eigenen Jntereffe, sondern auch im Jntereffe der gesammten Gesellschaft eine Steigeruna ihrer Löhne herbeizuführen. Zu diesem Zwecke müß'en fie Berufsorganisationen ins Leben rufen, die, je größer die Zahl der in ihn« n verernigten Berufsgenoffen wäre, desto mehr«acht dadm würden, und auch die gesetzgebenden Faktoren dahin zu biinaen In der Diskussion wurde die Zustimmung zu den Aus« rnrn# K&gmessss Ei hatten sich auch mehrere Jnnungsmeister und der Innung nicht angehörende Meister und Prinzipale eingefunden. Die Versammlung verhandelte zunächst über„Die Zwecklostgkeit der JnnungSbestrebungen" und beschäftigte fich alSdann mit der „Berichterstattung der Lohnkommisfion über die gegenwärtige Situation im Berliner Tapeziergewerde". Ali Referent über den ersterwähnten Punkt der Tagesordnung trat Herr Wild- beiger für die Integrität unserer wirthschaftSpolitischen Errun- S enschaiten der Gewerbefreihett und Freizügigkett gegen die leaktionSbestrebungen der Innungen und ihrer Schirmherren ein. Redner wandte fich dann speziell den neuesten Kraft« leistungen der hiefigen Tapezirer- Innung zu und geißette mtt scharfen Worten verschiedene Hetzartikel ihres jetzigen Organs, der„Saltler- und Tapezirer- Zeitung", welche die Gewnk- schafttbewegung der Gehilfen verunglimpft und verleumdet» indem ste dieselbe als nur böswilligen und egoistischen Mo» tiven„sozialdemokratischer Agitatoren" entstammend darstellt» die mit den erbeuteten Ardeitergroschen lediglich ein bequeme» Leben führen. Alle derartigen GeisteSprodukte würden aber noch bei Weitem durch daS vom JnnungSvor» stände versandte Zirkular übertroffen, welches der Redner zum großen Ergötzen der Versammlung verlaS. In diesem Zirkular wird zunächst mitgetheilt, daß die Tapeztrermeister Berlins un- mittelbar vor einem Streik stehen, den ein Theil ihrer Ge- Hilfen zum 15. Mär, d. I. zu inszeniren beabfichtigte. Die Ansprüche der vom Verein beeinflußten Gehilfen an die Meifier seien so hoch, daß ste durchaus unerfüllbar; im Bewilligungs- falle wllrven ste die Existenz der Meister auf das Spiel setzen. Hieran knüpft schließlich die Innung an die„Kundschaft" der Tapezirer(an Ew. Hochwohlgeboren") die Bitte, der oben geschilderten Sachloge gütigst Rechnung tragen und alle Tapezterardeiten, welche„in Ihrem geschätztrn Haushalte" zum kommenden Frühjahr nöihig werden sollten, dem mit ihrem Vertrauen beeh.t-n Tapezirer möglichst schon jetzt zuweisen zu «ollen, damit er dieselben pünktlich erledigen könne und nicht durch den Verlust der werthen Kundschaft in seiner Existenz geschädigt werde. Eventuell dürfe derselbe wohl auf freundliche Nachstcht der Kundschaft rechnen, wenn er durch die Verhältnisse an der schnellen Erledigung der Auf« träge gehindert sein sollte. Herr Wildberaer unterzog nun» mehr dieses Zirkular einer verurtheilenden Kritik, indem er de- tonte, daß, während alle übrigen Arbeitgeber stch anständiger Weise darauf beschränk hätten, die in zahlreichen Gehttsenver« sammlungen aufgestellten bescheidenen Mehrforderurrgen streng sachlich zu behandeln, zu billigen oder zu bemängeln, eS nur die Innung fertig bringe, mit Unwahrheiten, Verleumdungen und Beschimpfungen dagegen zu Felde zu ziehen. Es sei ent- schieden unwahr, daß die Innung ihren angeblichen guten Willen vergebens zu bethätigen gesucht habe, um den Streik unnöthig zu machen. Im Gegenlheile habe die Innung sogar die ihr von der Gehilfen- Kommisston vorgeschlagene Vorbe« sprechung der Angelegenheit schroff zurückgewiesen. Charakteristisch für dieses Zirkular sei auch die Thatsache, daß sein geistiger Urheber, der Verfasser des Schriftstück», der jetzige Redakteur deS erwähnten JnnungSorganS und ehemalige Buchhalter de» Polstermaterialien-HändlerS Herrn Berg ser. Nicht minder charakteristisch für den fittlichen Werth jenes Schrift« stückS sei die gleichfalls erweisbare Thatsache, daß mehrere auf demselben unterzeichnete Vorstandsmitglieder nachträglich die Erklärung abgaben, fie würden dazu nie ihre Unterschrift gegeben haben, wenn fie den Inhalt desselben ge- kannt hätten. Gegenüber so rückfichtslosen Mitteln, mit denen die Innung operire, sei eS, damit schloß der Redner, doppelte Pflicht eineS jeden Berliner Gehttfen, fich dem Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Tapezierer anzuschließen. (Stürmischer Beifall.) In der fich hieran anschließenden DiS« kulfion, an weicher stch viele Redner beiheiligten, sprach man fich allgemein in demselben Sinne auS. Selbst von den an« wesenden JnnungSmeistem bezeichneten ein paar Redner da» famose Zirkular an die Kundschaft als einen„Wisch". Herr Sander übte behufs Charakteristik der den JnnungStendenzen entspringenden gesetzgeberischen Anträge eine scharfe Kritik an den bekannten wiverspruchsoollen Verathungen und Be- schlüffen der ReichstagS-Kommisfion für die Anträge Acker- mann und Genoffen, betreffend den BefähigungS« Nachweis für Handwerker; der ganze Antrag, erklärte der Redner, laufe schließlich doch nur darauf hinaus, den Kleinmeistem des HandwerlS die Existenz zu erschweren, während die großkapitalistischen Unternehmer, die Industriellen und Fabrikanten, nach wie vor die„Hauptmacher" im Kon- kurrenzkampfe bleiben würden. Herr Klotz(Mitglied der Innung) konstatirte, daß er nur mit einem gewissen Theile der JnnungSbestrebungen sympathifire, soweit stch dieselben auf wiiketch praklische und realifirbare Zwecke, wie z. B. auf die Hebung der sachtechnischen Ausbildung, auf daS Schul- und Lehrlingswesen, die Schutzeinrichtung gegen professtonelle, dös- willige Schulvenmacher rc., beziehen, wogegen er alle rückläufi- gen und im eigentlichen Sinne„zünftlerischen" Tendenzen der Innungen mißbillige. Nach Beendigung dieser DiSkusston er- stattete Herr Sander Bericht über die derzeilige Siluatton im Berliner Tapeziergewerbe. Der Redner begann mit dem Hinwei» auf den bekannten Beschluß deS im Januar d. I. in Frankfurt a. M. abgehaltenen Tapezier� Kongresses» eine geistige Zenlralisalion aller im Tapeziergewerde beschäf- tigten Berufsgenoffm in der Weise anzubahnen, daß in allen Städten zunächst Tapezier« Fachvereine zu bilden und deren Wünsche und Bestrebungen(In Beziehung auf Lohnerhöhungen» Verkürzung der Arbeitszeit, Gewährung von Reiseunterftützung» Unterstützung in dringenden Nethlällen, Rechtsschutz, Arbeitsnachweis u. s w) unter die einheitliche Leitung einer in Nürn» d-rg ihren Sitz habenden Kontrol- Kommisston und eines tn Mainz domizilirten Ausschusses zu stellen find. Auf Grund dieses Beschlusses habe die Berliner Lohnkommisfion die neu- gewählte Kontrol- Kommission von dem hiefigen Stande der Dinge in Kenntniß gesetzt und derselben den zur Lohnbewegung im vorigen Herbst aufgestellten und zum Theil bereits durch« geftihrten Gehttfen. Tarif unterbreitet, welcher ihre vollständige Billigung fand und von ihr al«„außerordentlich maßvoll und bescheiden" bezeichnet wurde, weshalb denn auch die Kontrol« Kommission fich vollständig damit einverstanden erklärte, daß im Frühjahr resp. zum gerignetsten Zeitpuntte mtt den aufgestellten Forderungen wieder vorgegangen wird. In allen vorkommenden Fällen aber dürften speziell die Berliner Taperirer, welche den anderen Gewerken gegenüber bei Streiks die Pflichten der Solidarität stets gewissenhaft erfüllt hätten. auf dre sympathische Unterstützung der übrigen Gewerkt allezeit mit Sicherheit zählen können. Was nun da» Vorgehen mit den Forderungen im Berliner Topeziergewerbe betrifft, so könnte eS ja bei dem merkwürdiger Weise, schon von der Innung selbst hierfür anberaumten Zeitpunkt verbleiben. Der JnnungSvorfiand bezeichne mit der ihm eigenen Scher« gäbe bekanntlich als den(selbst der Gehilfen-Lohnkommisfion noch nicht einmal bekannten) Tag des Vorgehens den 15. März d. I- und man könnte ihm daher wohl den Gefallen thun, ihn in dieser Beziehung nicht Lügen zu strafen. Es würden also in nächster Zeit schnell nach einander mehrere öffentliche Tap-zirer- Versammlun am zur Besprechung und Beschlußfaffuna hierüber stattzufinden haben und ein von der Lohnkommisfion bereits ausgearbeitetes Ultimatum an alle Prinzipale und Meister versandt werdm. In dem von Herrn Sander hierauf verlesenen Entwurf dieses Schriftstücks wird unter Anderem aus« gesprochen, daß die durch eventuelle Nichlbewilligung der For» derungen zur Niederlegun« der Arbeit entschlossenen Gehttfen auS dem GeneralunlnstützunaSfondS ausreichende Unter- ftützungen erhalten werden. Sehr scharf tadelt- auch dieser Redner daS oben erwähnte Zirkular des Jnnungsoorstandes an die Kundschaft von Mitgliedern der Innung. In der nach. folgenden Diskusfion sprachen fich alle Redner im Sinne deZ Referenten ou8 und forderte man«neroisch ,um raschen An» schluß an den Verein»m Wahrung der Interessen der Berliner Togezirer auf. th. Weber-Betsammlung. Der Vorstand der Allge- meinen Eluhlalbettel' Vereinigung hatte»um Eonntag, den 21. d.M., eine öffentliche Versammlung sämmtlicher Stuhlar« beiter einberufen. Den Vorfitz führte Herr Scholz, während Herr Reichstagsabgeordneter Harm einen Vortrag über:«Die tulimhistolifche Bedeutung der Weberet und die inneren soz'ale« Verhältnisse derselben" hielt. Referent gab seiner Fteude darüber Ausdruck, daß ihm Gelegenheit geworden sei, in einem größeren Kreise früherer Beruföaenossen zu sprechen. Er selbst habe vor 20 Jahren hier als Wedergeselle gearbeitet und kenne daher die Verhältnisse in der Weberei auS eigener Erfahrung. Niemand könne in Abrede stellen, daß die Weberei eine große kulturhistorische Bedeutung habe. Der Weberstand alS solcher bestehe seit dem Mittelaver. Diesem Zeitabschnitt widmete Referent eine längere Betrachtung, ging auf daS Zunft» und Jnnungswesen ver damaligen Zeit ein und wieS darauf hin, daß die Weber» und Tuchmacher-Jnnunaen zu den reichsten und vornehmsten gehörten. Die Verhältnisse ver- änderten fich aber, die Innungen üderlebten stch mit der fort- schreitenden Zeit und als die Gewerbefreihett nothwendiger» weise eingeführt wurde, da wurde auch in der Weberei dem Maschinenwesen Thür und Thor geöffnet, ohne Rückstcht darauf, daß tausende von Handwebem dadurch überflüsstg wurden. In den Provinzen noch mehr, alS in Berlin, verdränge die mechanische Weberei immer mehr die Handweberei. Jetzt werde eifrig nach Mitteln gesucht, daS verlorene Gleich. gewicht wieder herzustellen. Die Einen messen den Maschinen die Schuld an den ungesunden sozialen Verhältnissen bei und verlangen Besteuerung der Maschinen. Eine solche Steuer würde die Arbeiter nur schädigen, indem dieselbe doch auf ihr« Schultern abgewälzt werden würde, entweder durch Ver- kängerung der Arbeitszeit oder durch Verkürzung der Löhne. Die AnderenIverlangten obligatorische Innungen dadurch wer« den nur die alten Streitigkeiten wieder heraufbeschworen, wie fie jetzt in Oesterreich zu Tage treten, der Aufsaugungiprozeß deS Kleinbetriebes durch den Großbetrieb aber nicht aufgehal- ten. Mit aller Macht müsse dagegen angekämpft werden, daß derartige reaktionäre Bestrebungen über daS Handwerk herein- brechen, daß die ohnehin schwere Existenz des Einzelnen durch Innungen mit ihren Attributen noch mehr erschwert werde. Die Tage des WeberstandeS seien gezählt, weil in der Weberei der AuisaugungSgrozeß am weitestm vorgeschritten sei. Schon jetzt bekämen die Handweber keine Wohnungen mehr und wür- den schließlich froh sein, wenn st« in mechanischen Fabriken arbeften könnten. Deshalb sollten fie darnach trachten, ihre Zukunft ficher zu stellen durch eine freie, die sogenannten Meister wie Gesellen umfassende Organi- sation, der KorporationSrechte zuerkannt werden müßten. Sin wunder Punkt der Großindustrie in der Weberei sei die Frauenarbeit, deshalb müsse daS Verbot der verbeiratheten Frau in der Fabrik gefordert werden, da diese zugleich eine schwere Schädigung der kommenden Geschlechter in fich berge. Die Willkür deS Kapitals müsse degrenzt werden durch einen ge- setzltchen NormalardeitStag: um die Krisen weniger drückend zu machen, müsse ein MaximalarbeitStag von 10 Stunden gefordert werden. Desgleichen müsse die konkuriirende Zuchthaus- arbeit verschwinden. Zum Schluß befürwortete der Vortragende den Anschluß an eine freie Organisation, Fachverein, Innung oder Zentralisation: auf den Namen nicht, wohl aber auf daß Wesen derselben komme eS an. Die freien Organisationen wür« den gerade so die Kultur aufgaben lösen, wie im Mistel- alter die Zünfte eS gethan haben.(Anhaltender Beifall.) Hieran knüpfte stch eine lange und lebhafte Diskusfion. Herr JnnungS- meister Rönick erkannte an, daß das Ende vom Lied« für dai Handwerl schließlich die Fabrik sein werde, wünschte aber. den Uebergang für die in Berlin und Umgegend noch stark vertretene Hau* und Handwederei so lange wie möglich hm- autzuschieben, damit nicht die alten Weber noch genöthigt würden, in die Fabrik zu gehen. Er hiett dieS für möglich, wenn der Lohn durch eine Organisation auf einer auSkömm- lichen Höhe erhalten würde und die Nebenarbertcn dezahlt würden. Am liebsten wünschte er einen gesetzlich fixirten Minimallohn. Herr JnnungSw erster Wagner kam auf die Be- steuerung der Maschinen zu sprechen. Diese sei in der Petition nur gefordert worden mit der Maßgabe, daß die Erträgnisse dieser Steuer zu einer Altersversorgung der Arbeiter verwendet werden solle». Ferner fordere die auch von hiefigen Innungen an den Reichstag gerichtete Petition die Beschränkung ver Frauenarbeit auf acht Stunden in mechanischen Fabnkrn, deS- gleichen daS Verbot der Kinderarbeit unter 16 Jahren in mechanischen Fabrikm. Die Meister seien durchaus nicht stolz auf ihren Meistertitel, sondern sehr gem bereit, mit den Ge- sellen Hand in Hand zu gehen. Auch er glaubt, daß nur durch eine starke Organisation etwa» zu erreichen sei.— Herr Klösterlein wandte stch namenstich gegen eine Besteuerung der Maschinen zum Zwecke der Altersversorgung der Arbeiter. Dadurch würden diese nur zu Almosenempfängern degradirt. Herr Becker theilte mit, daß eine Fabrik in Schönweive 800 Personen beschäftige, von diesen seien 700 weibliche. Ferner lasse die Fabrik in drei Zuchthäusern arbeiten und 18 Gefangene auS Rummelsburg wären dort in Kost und Logis. Die Versammlung schloß mit der Annahme einer Resolution, welche den Anschluß an die bestehmde Organisation derAllge- meinen Stuhlarbester-Vereinigung befürwortet. Ketzte Nachrichten. AuS London wird telegraphirt:«Ter nunmehr ver- öffentlicht« Bericht der Kommisston über die jüngsten Ruhe- störungen im Westend unterzieht daS Verhalten der Polizei einer strengen Kritik, bezeichnet die bezüglich der Kund« gebung auf Trafalgar-Square von der Poll, ei getroffenen Vorkehrungen als unzulänglich und ohne Umficht entworfen und kommt zu dem Resultai, daß die Verwaltung und Organisation der Polizei eine gründliche Untersuchung erheische."— AuS dieser Miitheilung geht schon hervor, daß lediglich die Ohn- macht der Polizei Verwaltung daran Schuld gewesen ist, daß die Exzeff- einen rtwaS heftigeren Charakter angenommen haben. Von einem organistrien Aufstande aber kann nach diesem Be- richt gar nicht mehr die Rede sein. Der Sturm im Glase Wasser scheint nun auch sein Ende erreicht zu haben. Die beiden„Mächte" Serbien und Bulgarien wollen stch wieder vertragen; Serbien hat seine sämmtlichen Militärbestrllungen ststirt. Die Prügelei auf der Balkanhalbinsel war auch in der That sehr überflüistg. Die Brrufung des S t a a t S r a t h S soll dehufS Feststel- lung der Funltionen der Kommisston, welche zur Durchfuhrung der 100 M illionen-Vorlaze eingesetzt werden soll, in der nächsten Zett erfolgen. BtS jetzt glaubte man, W* hohe StoatSrath denselben Weg deS Fleisches wandern»M* wie der bekannte VolkSwirthfchaflSralh. DaS Beste an du» Art von„Räthm" ist, daß fie nicht viel verderben können, fie Definitives nicht zu entscheiden haben. In Krakau wird wie verschieden« Blätter mel Gesellschaft gebildet, welch« die Aufgab« haben Versteigerung gelangende Güter polnischer Etge» thümerin Posen anzukaufen, damit dieselbe« der preußischen Regierung in die Hände fallen.,. ES ist nunmehr fest bestimmt, daß in Oesterreich Sozialistengesetz gemacht werden soll. BiSlanflJJ man der Memung, daß der von der Regimmg eingebr« Entwurf fich lediglich gegen den Anarchismus ritte.«" aber der Ausschuß zur Berathung deS Entwurfs daS „anarchistisch" akzeptiren wollte, trat dagegen der M Graf Taaffe auf und setzte durch, daß der AuSdruk*i listisch" in den Entwurf aufgenommen wurde. Kleine MittheUtmgen. Der wegen Landesverrath« zu 12 Jahren Zmb verurtbeilte ehemalige dänische Kapitän Sarauw, welch« kanntlich seine Strafe in der Strafanstalt zu Halle vtt wird, wie daS„Leipz. Tagebl." erfährt, in der Anstatt Kräuterschneiven beschäftigt. Diese Beschäftigung ist amb.� zu längerer Zuchthausstrafe verurtheillm LandeSven»� Janssen zu Theil geworden... u Halle a. d. E., 24. Februar. Auf der Gemarkung � benachbarten Dorfes Zöschen ist eine Ackerfläche von 103*? plötzlich versunken. Mehrere Arbeiterhäuser mit drei find verschlungen. Glücklicher Weise waren die weim" � wohner außerhalb auf Arbeit. Unter dem niedergegangt Acker war ein alter Schacht, der anscheinend zusammenge«� ist. An Stelle deS Landes ist jetzt ein großer Teich. u Kiel» 23. Februar. Hier erregt die Verhaftung.� RedafteurS deS konservativen„Kieler Tagebl." Prohl, � mit Sarauw in Verbindung war und im Verdacht stw% selben sekrete Sachen der Marine übermittelt zu habe«. 3BL ordentliche? Aufsehen. Sarauw hat hier im Jahre 135t � mit Prohl verkehrt. Letzterer war früher Zahlmeistewe" bei der Marine._ Krieflmsten der Kedaktiom � Ruppinerstr. Der Milchkühler ist zur Zahlung menten verpflichtet, sofern er dem Dienstmädchen in de�y lichem Zeitraum« beigewohnt hat, waS ihm aber werden muß. Wenn daS Mädchen in jenem Zeiirau� � mit einem Andern verkehrt hat, waS durch Zeugen ode-.p durch EideS, uschiebung zu beweisen wäre, so würde d>« Verpflichtung zur Alimentenzahlung beseitigen. H. R. Reichen Sie eine Denunziation bei der jf anwaltschaft deS königlichen Landgerichts I hier ein nennen Sie Jbren Freund als Zeugen. Seien Sie, der Wahl der Worte ja recht vorflchlig, schreiben w. waS Sie oder Ihr Freund nicht auch beschwören Ihre Aeußeruna:„Der Mensch wird ja behandelt, Stück Vieh" geben Sie nicht an, fondern sagen Sie hätten Ihrer Verwunderung über diese Behandlung gegeben. Theater. Donnerstag, den 2S.Februar. vtzttmhau». Die Walküre, Oper in 3 Akten von Richard Wagner. GchiMsVtelda«». Die I aumalisten, Lustspiel in 4 Akten von Gustav Freytaa. Deutsche« Theater. Die armen Reichen. Wallner- Theuter. Altred'S Briefe. Mestdenz- Theater. Denis«. Schauspiel in 4 Akten von A. DumaS(Sohn). iSelle-Alliance-Theater. Die schöne Helena, Operette in 3 Akten von Meilhac und Halet)y. gfriedrich- Wilhelmstidtische» Tbeater. Der Zigeunerdawn, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. HettrreS auS der Berliner Theatergefckichte mtt Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Sautseuftädtische« Theater. Abracadabra. Eeutral-Theater. Der Stabs- Trompeter. Dtttoria-Theater. Däumling. vstend-Theater. Da» bemooste Haupt, Schau- spiel in 4 Akten von Benedix. >«ertea«- Theater. Große Spezialttäten- Lorstellung. Theater der Aeichthallea. Große Speziali- täten-Vorstellung. Rauftuau«'« Bartete. Große Spezialitäten- Porstellung. Kaakordia. Große Spezialitäten-Vorstellung. ■f«aiser-vanarama. In dieser Woche: Türkei, Griechenland, Dänemark, Schwe- den, Norwegen. hertha-Reise. Ka- »o linen- Jnleln%.#st» Reise K Pf« Kinder nur 10 Pf. Abonnement». Alhambra-Theater. Wallnertbeaterstraße 16.[620 Heute: KitstIM nnb seilt Nichte, od«: Nie Dmeu mm Killet. Posse mtt Gesang und Tanz in 4 Abtheilungm von A. Weihrauch. Bor der Vorstellung: Gr. Ko»)ert der Hamkapelle. Anfang de« Konzert« Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang de« Konzert« Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 71/t Uhr. » n» haben Wochentag« Gilttgkett und find im »heaterbureau(12-1 Uhr) gratis zu haben. Gr. öffentl. Versammlung »er Tischler Berlins m Freitag, dm 26. d. M., Abend« 8'/* Ubr, it Konznlhause„Ka«»so«ri", Kottbuserfir. 4». TageS-Ordnung: Die Petition des Bundes deutscher Tischler- nnungen an den Reichstag wegen Einführung Higat arischer Arbeitsbücher. Referent Herr leichitagSadgeordneter Max K a y s e r.[707 Ortskrankenkasse d. Tischlern. Pianoforte-Arb. Tie Vertieter der Herren Arbeitgeber, sowie die Vertreter der Herren Arbeitnehmer werden zu der am_ Freitag, den 5. März ds. Js., Abends 7 Uhr, im Kurgersaale des Rathhauses stattfindenden Generalversammlung obiger Kasse ringe- laden. Tagesordnung: 1. Wahl der 3 Kasfirer. 2. Beschlußfassung wegen Anstellung eineS 4. KafstrerS event. Wahl desselben.§ 50 Absatz 9. 3. Antrag Furchtbar und Gen. betr. Abänderung der§§ 32 und 46 deS Statuts. Zur Legitimation ist die bereits ausgehändigte Karte erforderlich. 799 D e r V o r st a n d. Di» am 7. Februar in meine« Geschäftsräume« Jerusalem erstrass« 21 durch Brand und Wasser beschädigten IIa III(kIIIII a II lel, bestehend i« Regenmäntel, Sommerumhänge«, Dollman«, Patetot«, Ginsegnung»- mäntel, Kindern» äutet, Wintermäntel, gelange» jetzt, nach beendeter Abschätzung seitens der Fenerverstchrrnngs-Grsellschaft, zum Ausverkauf zu Tarpreisen alltäglich Vormittags 9—12 Uhr, Nachmittags 2—5 Uhr. Ferner muß wegen Abbruch des Hauses mit sämmtliche«««beschädigten Damenmänteln zu jedem nur annehmbaren Preise total geräumt werden.[798 >M- Dieser Aueverkauf wird nur ganx kurze Zeit stattfinden. William Herz, z-r«saiem-rstr. 21. 1 Allen Freunden und Bekannten, meinem lieben Mann, dem SchriM| Wenzel Baumann die letzte Ehre erwiesen haben, meinen innigsten Dank._ Wittw« Kau«-«» Allen Freunden und Bekannten, meinem lieben, so ftüh heimgegange � Gatten die letzte Ehre erwiesen Voa sage ich hiermit meinen tiefgew herzlichen Dank._ Frau Marie Köckenh-«� Allen meinen Freunden und Nachricht, daß ich Fangrstraße Kr. RoGtanranty vbemommln habe und bitte mich �.�5 Unternehmen gütigst unterstützen zu n 705 Achtungsvoll H. Mit dem Versandt und Ausschank unseres an« erkannt vorzüglichsten 788 M-te in Gebinden und Flaschen beginnen wir heute vouuerstag, den 25. Februar ct. Bestellungen diiten wir direft an unsere Brauerei zw richten. Aktien- Brauerei- Gesellschaft Berlin NW. Die Buchdruckerei MAX BADllf BERLIN SW., Beuth'ßtf' empfiehlt sich mr.«jj Anfertigung von Druckar0 jeder Art � bei prompter und billiger be«* Kosten-Ansehläge und Paplerp�** und franco. Selbstunterricht in der einfachm und doppei- männtschen � Bnchföhroste, JSÄ&Ir ifrß Methode von T. Kch«i>t, ix W»; „<<\ Reichhalt. Abendtisch. Zu jeder Tageizeit ktoni�sberarr ä Portion 25 427 Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und Reichhalttper kalter und »ich. Qy v•• I?_ warmer FrLhstöch»-, r iaitifift Jiec=iolift[ r* Ar beltsnach weis für Klarlerarkelter."WK Achtungsvoll Hermann Stramm, Restaurateur, Skalitzerstr. 18. Maske«> Garvert F. Stenzel.«b Arbeii-««ät ... Ewm «eramwonttcher«edatteu,«.»»«AHetm m-vettt». Druck und Verlag von««»«ding i» Berlin SW* Bmthstraß« 2.