an, bat* wat«M fte on W Iöm««i Ä? : 8ig(% esclden h 48. Freitag, den 26. Februar 1886. III. Jahrg. «t M Zdruk»I1 W �__ ■Ä> «»a- ist auck � idtsoelro� Hz meng ich.. Haftung (oben, Krgan für die Interessen der Arbeiter. DaA„Berliner BulkSblatt" nach Tonn- und Festtagen. Nbonnementspreii für Berlin frei monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Einzelne Zlummer 5 Pf. Sonntags. Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PofizeitungspreiSliste für 1886 unter Nr. 769.) *506 f monatlich 1,35 Mark, wöchentlich usertio»«gebühr betrögt für die 4 gespaltete Petitzetle oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Austragen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bit 4.. Nachmittags in der Expedition» Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bmeaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Kedaktia«: Keuthstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. lich'".5-. ?»»„DerUnerNolksblatt" bt. � sich beim Monatswechsel dem Berliner Mmum und besonders den Berliner Arbeitertl zum dement. * in der nächsten Zeit das politische Leben in j�Wand speziell in parlamentarischer Beziehung !. lebhafter sich gestalten wird, so dürfte eigentlich Familie eine politische Zeitung fehlen. ,'e zweite und dritte Berathung des Sozialisten- !i' tas Branntweinmonopol werden den Reichstag aufregender Weise beschäftigen, während der Är � Landtag die Polenvorlagen in den Kom- (rfl0l,en und in den zweiten und dritten Lesungen zu M hat. „Berliner Volksblatt" wird wie bisher au«- Berichte über die Verhandlungen des Reichs- " � Landtags bringen. [i�Setdent aber wird dasselbe ganz besonder« der Ü«* und sozialen Bewegung im Deutschen A t seine Ausinerksamkeit schenken. bi.». �p�ell die Bevölkerung der Reichshaupt- L L iuteressirenden Angelegenheiten wird das„Ber- L? Volksblatt" nach wie vor in eingehender Weise ��deln. .3» zahlreichenl Abonnement beim Monalswechsel �tion u. Expedition d.„Berliner Volksblatt�. träze zm ibjMrkil Kkirlheillliz ia SxziiilKms. hiebet einmal steht der Reichstag vor der Frage der /lingerung des Sozialistengesetze«. Wendeten Regierungen verlangen eine weitere Giliig» �Aelben auf fünf Zahre. Und wie motiviren sie diese �Nina? Mit den schon so oft gehörten und gewiß tz,,. Udserer Leser bekannten Behauptungen: daß die j�Mche Bewegung in ungeschwächter Kraft fortbesteh« uM f»e von ihrer„Gefährlichkeit für Staat und Gesell» Lichts verloren habe. �ti»,'k immer, so ist auch in diesem Falle die konser» hhJWb liberale Presse freiwillig den verbündeten Re« „zu Dienst' erbölig, um die öffentliche Meinung gfeutOfeton« Tochter des So»krotte«rs. leist m s D Sie E«1;' ten, „hng"'' ob-o 01 Roman au« der Gegenwart von .«ustav Lössel. ,'Wer senior machte noch mancherlei Einwände. Er .ot Sohn lieber hier behalten und Tontard statt '.°ch der brasilianischen Hauptstadt geschickt. Aber ° btharrte auf seinem Willen. Dennoch konsultirte Jie et seine Zustimmung zu dem atürlich begrüßt« letzterer diesen ______ ibuhlet« mit heimlicher Freude, wenn äußerlich bestürzt darüber stellt,. Er fand t« t v.� uach weiterer Ueberlegung für gerathen, in Bern» i« willigen; seine bleibende Umkehr zu den alten «ist, war ja dann nur noch eine.Frage der Zeit. So lich �®"Jard, und Winter sen. adoptirte seine Meinung. SeiL �Bernhard gerade nach Rio de Janeiro trieb, ahnten bie verzweifelte Hoffnung, daß Erna doch t! dort hingereist sei und ihn da nun vergeben» lld!"R®?j#Wal warf er sich seinem Vater an die Brust, '»tele# ,a oder nie wieder zu betreten. Hier fand »Ich ,5u'nüpfungSpunkte. zu viele Erinnerungen an J» erbinn... � mti müd Nur im persönlichen Umgebung [fireuung und allmälige n. brütet« über den Akten «elche ihm auf seinen Wunsch zur zurückgereicht worden waren. Es war � iu Gefühl für den erprobten. Beamten, sich St|» ba� tt nicht» zm Aufklämng diese« merk- ?' wohl aber Alle» zm Verdunkelung de«- fit«nie». �°oer me wie« er zu verrenn. r-l"%:%%%&% Ä ,'%? er ttoi l""" örtlichen und persönlichen-----„ «*, i'V S'Rg sei. M«*» zeitweilige Zerstreuung und allmälige chmerze« zu finden. ~ brütete über den der Forderung und ihrer Begüudung geneigt zu machen. Alle», wa» im Laufe von mehr al» zwei Jahrzeule« über die„ V erderbl ich keit' und„Verwerflich- k e i t' der sozialistischen Theorien und der sozialistischen Bewegung gesprochen und geschrieben worden ist, wird von jener Presse wieder ausgegeben und gebraucht nach de« Grundsatze: Der Zweck heiligt die Mittel. Von einer ob» jektiven Beurtheilung und gerechten Wür» d i g u n g der sozialistischen Theorien und der au» ihnen resultirenden Bewegung findet sich dabei selbstoerständ« lich keine Spur, wo e» ja lediglich darauf ankommt, beide» al«„Autgeburt verruchten Wahnwitze«' zu schildern, wa« natürlich nicht möglich ist, ohne die Tendenzlüge zu Hilfe zu nehmen. Solchem Beginnen gegenüber ist e» um so mehr Pflicht der unabhängigen Presse, den kulturellen Werth und die t h a t s ä ch l i ch e n V e r d i e n st e de» SozraliSmu« nachzuweisen. Um da» zu thun, dazu braucht man wahrlich kein enragirter Sozialdemokrat zu sein und auf kein sozio- listische» System geschworen zu haben; dazu bedarf e« viel« mehr lediglich der Wahrheitsliebe und allg-mein-humanitärer und sozialpolitischer Bildung, die— ganz abseit« vom Parteigelriebe— sich der Macht der Thalsachen, die unsere gesammte humanitäre und sozial-pol'tische Entwicklung legi- timiren, beugt. Wa» in dieser Hinsicht über den Sozialismus gesagt werden kann, da« geht füglich jeden Menschen an ohne Unterschied der Parteirichtung. Bereit» vor 26 Jahren,— also ehe«» nach eine sozialdemokratische Partei und Bewegung in Deutschland gab, zu einer Zeit, wo die Masse der Durchschnitt» Gebildeten den Sozialismus kaum dem Namen nach kannte— gab der österreichische Nationalökonom Professor Dr. Kautz') die, Erklärung ab: daß der Sozialismus und seine Doktrin ein« außerordentlich bedeutsame und beherzigentwerthe g e s ch i ch t- liche Thatsache sind, die vernünftigerwerse weder ge- leugnet noch vornehm ignorirt werden kann, sondern in ihren Gründen und Ursachen, in ihrem Wesen uvd Zwecke scharf erfaßt und in ihren berechtrgten Elementen aner- kann» werden muß, und daß in ihnen„abgesehen von dem negativen und destruktiven Charakter, den sie häufig haben," doch eine Menge beachten«we!therWnhr- heiten vorhanden ist. Wer möchte dann wohl ernsthaft leugnen»ollen, daß die modern« Zivilisation und Kultur, besonder« auf wirth- schasrlich-soz'alem Gebiete, neben vielen Wohlthnten und segensreichen Früchten auch manch furchtbar schwere und schmerzliche Uebel mit sich gebracht hat? E» ist leider nur *) Kautz„Theorie und Geschichte der Rationalökonomie" S. 769 ff. Er war nicht allein. Er theilte da» niedrig«, schlecht erhellt« Büreau mit noch anderen Kollegen, welche trotz ihrer Arbeit Zeit genug fanden, um über sein Mißgeschick m». quaute Bemerkungen zu machen. Wer den Schaden hat, braucht um de» Spott nicht besorgt zu sei». „Sagt, waS JHr wollt,' brummte Romberg;„ich werde e« schon noch herausbekommen. Ein Geheimniß stickt dahinter. ein tiefe« Geheimniß.... aber ich«erde e« mit de« Licht meine» Geiste« durchdringen und alle« bisher Da- gewesen« in den Schatten stellen. Ihr sollt noch Augen mache«... Herrn Polizeikommissär Romderg!" meldete in diese« Augenblick ein»nstaltSbote,«elcher, di« Mütze in der einen, ein Briefchen in der ander.-n Hand, im KommissariaiSzimmer etfdneti. Aha! In Sachen Eschenbach... zischelten di« Kollegen, dabei leise lachend, während Romberg mit einem wüthenden„Hier I" die Hand nach dem Billet au»- Adresse zeigte eine ihm fremde Manneshand; gleichgiltiz öffnete er. Die anderen Herren blickten gespannt zu ihm hinüber. Da» Billet enthielt nur wenig« Zeilen, welche er rasch überflog; und indem er die» that, klärten sich seine eben «och so finstditn Züge vollständig auf. .Ich werde sogleich mitgehen," sagt« er zu dem noch wartenden Boten. Mit ungewöhnlicher Hast verschloß er die Akten in seinem Pult und verließ dann mit dem Boten da« Bureau, die spöttischen Blicke seiner Kollegen mit eine« triomphiren- den Lächeln erwidernd. Er wußte selbst noch nicht, um wa, e« sich handelt«; aber e« war doch gu». wenn die ä aar#%=%%% brachte ihn nach dem städtischen Krankenhaus?. Romberg ließ sich dort dem Oberarzt melden und wurde auch sofort vorgelassen. zu wabr, daß alle die großen und schönen Siege, die her Grundsatz der Freiheit und Gleichheit bi» jetzt errungen hat, nicht ausreichend sind, eine Garantie zu bieten für die Er» füllung der berechtigten Ansprüche gerade der zahl» reichsten Gesell>chaft«klasse, deren Lop« mühevoll« Arbeit ist. Hand in Hand mit der vordringenden Freiheit«» und GleichheitSidee traten ollmöliq alle die großen Mißstände, welche die ökonomische Umgestaltung der Epoche, die unge» hemmte Konkurrenz, die freie Bodenmobiltftrung, die Ein» führung de« MaschtnenwesenS, da» Uebergewicht de» Kapital» llbrr die besitzlose Arbeit« auf allen Gebieten und in allen Kreisen der �Gesellschaft in» Leben rief oder wenigsten» zur vollen Entfaltung brachte, im- mer schroffer und gefahrdrohender auf. Und so find wir denn am Ausgange de« neun- zehnten Jahrhundert», kaum hundert Jahre nachdem di« große französische Revolution den mittelalterlichen feudale« Institutionen endziltig da«Urtheil gesprochen, dahin gelangt, daß der Glaube au die Wohlthaten und dm Segen der herrschmdm wirthschastlich-sozialen Ordnung in weiten Kressen bereit» vollständig überwunden, in anderen mindesten« stark erschüttert ist. Wer sehen kann und will, der muß sehen, welch' fürchterliche Kluft, welch' unerhört schroffer Gegensatz besteht zwischen den idealen Forderugen der neuen Zeit» und Geistesrichtung und den realen Thatsachen der düsteren, konkreten Wirklichkeit. Da»„rothe Gespenst", da» au« dieser Kluft un» entgegmqrinst, es ist lerne Einbildung, sondern nackte, graustge Wirklichkeit; e« schwebt leibhaftig und greifbar in gar mancherlei Gestalt über dm Fluthcu der sozial« Frage, die um die Felsblöcke der s o z i a l i st i» scheu Theorien brandet und ein Stück festen Boden» nach dem andern in ihre Strudel reißt. Wer hat die sozialistsschcn Theorien geschaffen? Eine Reihe ernster Denker, die da« Studium der Mißstände und die Auffindung der Mittel zu ihrer Beseitigung sich zur Aufgabe gemacht. Darüber nun ist die wahre Wissenschast längst nicht mehr im Zweifel: daß in der That bissen Theorien da» Verdienst gebührt, die Erkenntniß und Be» achtung gewisser sozialer Gefahren und Uebelstände wssent- licki gefördert, ja»um Theil erst geschaffm zu haben, für die man früher weder einen Namen, noch ein Heilmittel, noch überhaupt Interesse gehabt hat, daß also den sozialistischm Theorien zunächst hinsichtlich de« p r a k t i s chen Leben« eine große Bideutung zukommt. Wir stehen nicht an, mit Immanuel Hermann Fichte— dem Sohne Johann Gabriel Fichte'«— zu etklären: daß di« sozialistischen Systeme dm ersten groß- artigen Versuch enthalten, Staat und Gesellschaft, welche „Ich habe nach Ihnen geschickt," sagte der letzter«, „weil eine vor längerer Zeit al« unbekannt eingelieferte Patientin Ihre Gegmmart dringmd forderte. Sie hat sich inzwischen von einem nervösen Fieber, welche« ihren Geist lang« umnachtet hielt, so weit erholt, daß sie die unerläß» lichsten Fragm beantworten kann. Ich mußte die erste Ge« legmhsst ergreifen, um diese zu stellen, denn ihr Leben ist noch nicht außer Gefahr und wir müssen doch wisse», wohin wir un« um Entschädigung und so weiter, im Falle ihr?» Ableben«, zu wendm haben. Sie verweignte mir aber jede Auskunft über sich selbst, auch dann, al« ich fi« auf ihren gssährlichm Zustand aufmerksam machte. Sie habe etwa» zu gestehen, sagte sie, und nur Sie könnten ihr Geständniß hören." „Und ich kann die Kranke sogleich sprechen?' fragte Romberg leicht erregt. „Die Umstände gebietm e» sogar,' entgegnete der Arzt. „Ich selbst werde Sie zu ihr geleiten." Der Andere verneigte sich. „Vielleicht ist e« nicht gut," sagte er,„wenn da« Ge- ständniß der Unbekannten zu unberusmen Lauschern dringt. Kann nicht irgenwie eine Absonderung derselben von de« anderen Kranren erzielt werden?' „Eine solche ist bald nach ihrer Aufnahme erfolgt," entgegnete der Arzt.„Ihr gefährlicher Zustand, welcher die größte Ruhe essorderte, machte die vollständige Jsolirwrg rothwendig. Uebrigent handelt e» sich hier um eine Dame, welche allen Anzeichen»ach den vornehmen Ständen angehört. Ich halte dafür, daß sie ihren Angehörigen entlaufen und bemüht ist, ihre Flucht auch ferner noch geh«« z« haften." In Romderg« Brust stürmte e» gewaltig. Wenn c« Erna Eschmbach wäre, welche hier von ihrem Schicksal er- eilt worden! Es war ein verwegener Gedanke, aber doch nicht zu kühn, um ganz unmöglich zu erscheinen. Von de» Oberarzt geführt, begab er sich mit dem Ge» richtsschrssber zu der Kranken. In dem öden, alle« Komfort» baren Zimmer» desselben erfreute nicht», nicht einmal der Blick auf da» i« jungem FrühlmgSgrü« prangende Wäldchen, welche da» Krankenhiu» gesetzlich u>sb mit Bewußtsein bisher nur auf die Idee de< Rechtes gegründet wann, nunmehr nach der Zdee der ergänzende» Gemeinschaft fortzu« bilden, indem sie durch die Begründung positiver Aufgabe« für das Zusammenwirke» der Menschen und in der Hervor« Hebung der segensreichen Wirksamkeit de« großen Kultur prinz'p» der Assoziation, der Vergesellschaftun a der m Fähigkeiten der GesellschastSglieder geistigen und materiellm zu einer, den ethische» unv pöliiisch-sozialen Anforderungen unscrer Zeit entsprechenden Um» und Weiter- bildung der wirthschaftliche» Zustände und Einrichtung«» einen nicht unwesenilichen Beitrag geleistet habe». Zedevfall« fleht fest, daß die sozialistischen Theorien und Systeme auf da» in vielen Fälle» Ungenügende und Unbe» friedigende des abstrakten FreiheitSprinzip», des abstrakten Gehen- und Machen laffenS, de» staatlichen ZndifferentiSmuS in wirthschaftlichen Dinge» aufmerksam gemacht habe«. Sie habe« durch entschiedene Hervorhebung de! so unendlich wichtigen Prinzip» aktiven, ordnenden und fördernden Ein- greifen» der Staatsgewalt— und zwar vom Standpunkte der Gesammtheit und der GesammtwohlfahrT— zu manch' wesentlichen Modifikationen diesbezüglicher Ansichte« und Ein» richtungen den Anstoß gegebe«; namentlich aber auch auf die Rothwendigkeit einer neue» vollständigen Auf« fassung des StaatSbegriffe« hingedeutet und dazu mitgewirkt, daß der Staat nicht blo» al« eine recht« lich«, politische und p o liz ei Ii ch e A n sta lt, sondern auch al» eine höhere, die ethischen, nolkS» wirthschaftlichen und soziale» Momente de« Menschenleben« zu würdige« berufene Kulturinstitu« tio» betrachtet wird. Dem Sozialismus gebührt ferner da» Verdienst, wenig« stens einen Versuch angestellt zu haben, an die Stelle de» Eigennütze», der entarteten Selbstsucht und de« Zufall» die Herrschaft des G em einsin n e», die opferfreudige Hm« Sabe an das Ganze, den Grundsatz der sozialen l s s i st e« z und P r o v i d e n z zu setzen,— mit einem Worte: eine Versöhnung zwischen dem Prinzip deS ZndinidnaliSmu sunddesG esammtinterefse«, zwischen Freiheit und Ordnung; zwischen freier "" itlicher"'" Selbstbestimmung und staatlicher Äeschrän« k u« g anzubahnen. Der Sozialismus war es auch, der de» schönen, tiefsinnige» Gedanke» zuerst auSgesproche», daß die Arbeit allein durch Neigung und Lust, statt durch die eiserne Roth bestimmt werden soll, worüber Fichte bemerkte: daß hierdurch auf die h ö ch st e u n d f r e i e st e Form der Produktivität, auf die Arbeit de» G e» i u» hingedeutet werde, in welcher erst die wahre Ge- stalt der Arbeit und Produktivität zu Tage trete.„Es kündigt sich in all diesen Ideen die eigenthümliche Lösung einer der höchsten ethischen Aufgaben an, nämlich: Neigung und Pflicht, Arbeit und Genuß mit einander zu verbinde» und die A r b e i t, die Lust aus und an der Thätizkeit, zur Quelle des Glücks, der steten sich selbst erzeugende» und erhaltenden Quelle der Lust und Wohlfahrt zu machen. Politische Wrbrrficht. Gleiche» Recht für Alle. Jeder Beamte bezahlt seine jtommunalsteuer und besond-rs auch von seinem Prioatotr- mögen; nur die Osstziere nicht. Deshalb kann kein PenfionS« aesetz für die RetchSbeamten zu Stande kommin, weil die Mehrheit des Reichstags, und mit Recht, daS Zustandekommen deffelben von der Kommunaldesteuerung der O'fijiere abhängig macht. Die Regierung will nicht nachgeben, da fie den O st- zierstand für einen ganz ander» gearteten hält. alS den vür- gerstand, doch wird fie fich, wenn sie daS ReichSpenfionSgesetz Sir Beamte baden will, zu der Kommunaltesteuerung min« e stens d»S PrtvatoermögcnS der Offiziere bequemen müssen. Offiziös verlautet nun auch, daß die dem preußischen Landtage zu unterbreitende Vorlage wegen Aufhebung der Kom« munalsteuerfretheit der Offiziere darauf bafiren soll, daß nur dasjenige Privatvermögen der Offiziere, welches dm Betrag des sogen. KommißvermögmS(des für dm Hei- rathskonseni nachzuweisenden Kapital») übersteigt, besteuert werden, und daß diese Besteuerung in der ganzen Monarchie eine gleichmäßige sein und den Prozmtsatz der EtaatSeinkom« mensteuer nicht übersteiaen soll. Während in einzelnen rhet« nisch-westfälischm Städten die Bürger biS zu 500—600„Et. der StaatSeinkommmsteuer als Kommunalsteuer bezahlen, wür« den dort garnisonirende Offiziere nur zu 100 pEt. herangezogen werden können.— Daß der preußische Landtag«in derartiges Gesetz gutheißen wird, daS ist selbstverständlich; ob aber der deutsche Reichstag mit einer derartig verstümmelten Offi« «mhegte; den» das einzige hohe Fenster war verhangen. Dem von draußen Hereinkommenden erschien der Raum völlig finster. Erst»ach und nach gewöhnte sich daS Auge an das darin herrschende Dämmerlicht. „Hier ist die Kranke," sagte der Arzt, indem er Rom« berg vor das Bett derselbm führte. Dieser blickte in ein Siisterhast bleiche» Gesicht, dessen fieberhaft glänzende dunkle ugen furchtsam auf ihm ruhte«. „Sind wir allein?' fragte»ach kurzem Schweige» eine »ratte Stimme, in welcher der Kommissär vergebens»ach einem bekannten Klang suchte. Er blickte verlegen ans den Oberarzt. „Unbesorgt," sagte dieser, halb zu der Kranken ge- wendet,„ich gehe und lasse Sie mit dem Herr», nach dem Sie verlangte», allein." „Dank, tausend Dank," flüsterte die Kranke, Romberg verneigte sich und jener ging. „Aber da rst noch Jemand," sagte die erstere ängstlich. „Mein Schreiber," entgegnete Romberg.„Man sagte mir, oaß Sie mir ein Gestäadmß zu mache« haben." „Sie erkenne» mich wohl nicht wieder?" fragte die Krank«. Der Beamte, dessen Auge sich nun schon an da» Halb- dunkel gewöhnt hatte, blickte aufmerksam in da» ihm zu- gekehrte Geficht. „War'S möglich!" rief er da»».„Doch»ei«! diese Veränderung...." „Nein," sagte die Andere traurig.„Keine Täuschung. Ich bin«s— Erna Eschenbach I" Romberg prallte zurück. Au» ihrem eigenen Munde hörte er nun die Bestätigung seiner verwegenste« Hoffnung; und dennoch wagte er daran nicht zu glauben. Was war i» der kurzen Zeit au« dem blühenden jungen Mädchen ge« worden! Bis zur Unkenntlichkeit abgefallen und entstellt war fie, und selbst ihre Stimme hatte eine« andere» Klang »«genommen. „Wie aber kommen Sie hierher?" fragte er noch immer zweifelnd. zier-Kommunalbesteuerung fich zufrieden gebrn und daS ReichS- beamtenpenfivnSgesetz auf diese Abschlagszahlung hin bewilligen wird, ist eine Frage. Wir können un» mit einem solchen Kommunaisteuergesetz für Ossiziere nicht einverstanden erklären. Die Diätenprozesse gehören, wie die„Volks- Zeitung" schreibt, glücklicher Wei!e nicht in ihrer thatsächlichen Tragweite, wohl aber in ihrer rechtstchen Bedeutung zu den ärgsten An- forderungen, welche jemals an die Rechtsprechung der deutschen Gerichte herangetretm find. Sie waren in dieser Beziehung gewissermaßen ein klasfischer Prüfstein dafür, wie weit die Recht- sprechung der Gerichte fich von dem Rechtsbewußtsein des Volkes zu entfernen vermag. Denn daS letztere hatte über die Diäten- prozesse längst sein unwiderrufliches Ürtheil gefällt, w-lches durch keine Macht der Welt mehr umgestoßen werden kann, auch durch die entgegengesetzten Urtheile sämmtlicher deutscher Gerichte nicht einmal erschüttert werden würde. DaS öffentliche Interesse an diesen Prozessen richtete Rch nur noch darauf, ob und in wie weit die Gerichte trotz alleS dessen, was offenkundig hinter den Diätenprozeffen stand, dennoch ihren inneren Zusammen- hang mit dem allemeinen Rechtsbewußtsein zu wahren wissen würoen. Und alS fieb-n Landgerichte die Klagen deS preu- ßischen FiSkuS abwiesen, da war eS nicht etwa die Frende über die richtige Entscheidung einei an fich zweifelhaften Falles, son« dern einfach die Genugihuung über die UnabhänLigkeit der Gerichte, welche im Volke eine um so lebhaftere Theilnahme hervorrief, als dadurch lang gehegte Befürchtungen beseitigt zu werden schienen. Und wenn nunmehr daS Verfahren der höheren Instanzen zu bestätigen scheint, daß man den Tag nicht vor dem Abend loben soll, so ist eS wiederum nicht die Furcht vor dem ungünstigen Entscheide der Oderlandesgerichtr, dessen juridische unv moralische Tragweite in einem vom öffentlichen Rechtsbewußtsein längst abgeurtheilten Falle keinen verständig;» M-nschen schrecken könnte, sondern einzig und allein die Be- fürchtung einer weiteren Ädiuung der Rechtsprechung von der einzig-n Quelle deS Rechts, welche die unabhängige Presse zu lebhaften Ausdrücken der Besorgniß veranlaßt. Si» Urtßetl über geheime Polizeiagenten. Trotz seiner Entrüstung, die der Herr Minister von Puttkamer über diejenigen geheimen Polizetagenten zur Schau trug, welche andere Personen zu verbrecherifchen Handlungen aufreizen und dadurch fich bei ihren Vorgesetzten in ein günstiges Lickt setzen wollen, konnte er doch seine Vorliebe zu den geheimen Agenten an fich nicht verleugnen. Dieselbe klang aus allen seinen Reden, die er kürzlich im Reichstage gehalten hat, immer hervor. Auch n«vm er den Rapport deS Herrn Mahlow- Jhring für baare Münze, und wunderte fich darüber, daß dieS auch nicht andere Leute thaten. Sein Vetter, der Herr Reichs- kanzler, kaute früher wenigstens solchen Rapporten geheimer Polizeiagenten nicht viel zu, denn er schrieb über dieselben als Bundettagsgcsandter recht verdrießlich folgendes:„Ihre(der geheimen Agenten) Beobachtungen lassen ihrer Natur nach eine Kontrole ihrer Genauigkeit und Wahrheitsliebe durch die Bc- Hörden nicht zu, und nur wenige der unmittelbaren Agenten dürften ehrlich genug sein, durch daS Eingeständniß, daß fie seit längerer Zeit nichts zu melden haben, fich in Gefahr zu bringen, für überflüsfig gehalten zu werden und die Einnahmen zu verlieren, welche nicht selten das einzige Existenzmittel bil- den. Ebrnso häufig als daS Gelvbedürsntß, ist daS Bestreben, fich nützlich zu machen und für unentbehrlich zu gelten, die Quelle von Erfindungen und Uebertrerbungen durch Leute, deren Broterwerb und Fortkommen davon ah. hängig ist, daß st- die Behörden in Sorge erhalten."— Wir glauben, nicht Herr v. Purtkamer, sondern sein Herr Vetter hat in seiner Beurtheiluna der Polizeispitzel recht.— Weshalb ist denn eigentlich die Spionage, die fich Jahre lang den sozialdemokiatischin Reichslagsabgeordncten gegenüber in wider- wältigst« Weise breit machte nun endlich aufgcbobcn worden? Weil dl- geheimen Polizeiagenten ihren Vorgesetzten das Blaue vom Himmel herunterloaen,„um nicht für üoerflüssta gehalten zu werden" und deS„Geldbcdü.fniffeS" wegen. Nachträglich entpuppten fich die Berichte denn auch immer alZ Lügen und Uehertreibungen und die in der That bei den sozialistischen ReichstagSadgeordneten nur Spott erregende Maßregel wurde endlich aulgehoden. Hätte man sich vorher an dm Herrn Reichskanzler gewandt, um dessen Anficht über die geheimen Agenten zu erfahren, so hätte man die Spionage in dieser Hin- ficht wohl nicht eingeführt. Im Auslande find die Deutschen nun einmal nicht be- liebt; die einzelnen Personen allenfalls, aber die Deutschen als ganze? genommen nicht. Sie waren eS früher nicht und find es nach Errichtung deS Deutschen Reiches erst recht nicht. Wohl hat man vor den militärischen Erfolgen der Deutschen eine gewisse Achtung, aber man hat noch mehr Furcht. Auch unsere wirthschaftliche und industrielle Tüchtigkeit imponirt nicht besonders. So lesen wir in der„Post" folgenden Stoß- seufzer:„Die rumänische Regierung hat, ttotzdem hei dem Probeschießen das deutsche Softem fich dem franzö- fischen weit überlegen gezeigt hat, beschlossen, den Bau.der 56 Panzeithürme zum Schutze von Bukarest den franzö« fischen Konkurrenten zu übertragen." Wir wollen ein- mal annehmen, daß die„Post" recht hat, daß daS deutsche „Da» ist e» eben," entgegnete Erna,„was ich Ihnen in Kürze erzählen muß, um mit Ruhe dem Augenblick ent- Siegen sehen zu können, der mich von allem Erdenleid erlöst ür immer." „Sie fürchte«, daß Sie sterbe« werden?" fragte Romberg. Sie nickte bejahend. „Und im Angefichte bei nahe» Todes," sagte sie,„in dem Bewußtsei«, bald vor meinem Schöpfer erscheine« zu müffe«, sage ich Ihnen, wo« ich weiß und wa» Sie wisse» müsse«, um Ihre Verfolgungen auf die Bahn des allein Schuldigen zu lenke», um de« unzeitrgen Tod meine« guten Vaters zu rächen." Romberg konnte keine beruhigende Versicherung geben. Er dachre an die Worte des Arzte«, und e« hätte auch seine« Intentionen wenig entsprechen, wenn Erna de» Gedanken de« nahe« lodeS«och einmal abgeschüttelt und ihre Aus- sage» unter dem Eindruck abgegeben hätte, daß si« bald wieder genese« werde. Eben jene» beängstigende Vor- gefühl de» nahe» Todes gab ihre» Worten den Werrh, welche« Romberg«icht im geringste» vermindert wünschte. Der Schreiber hatte fich inzwischen au dem am Fenster stehenden Tisch niedergelassen und die Portiere nur soweit zurückgeschoben, daß ein schmaler Lichtstreifen auf da» unter seinen Händen ausgebreitet« Protokollpapier fiel. Er hatte — kaum, daß Erna ihren Namen nannte— die Einleitung schon gemacht; und al« ihm Romberg jetzt ein Zeichen gab, begann er zu schreiben. .Um de« unzeitige» Tod ZhreS Vater« zu räch»»?" wiederholte letzterer jetzt mit Bedacht.„Sie find also der Meinung, daß Ihr Vater keine» natürliche» Tode« ge- starben?" „Ich wage keine« so schreckliche« Gedanken zu fassen," entgegnete Erna,„und doch deuten gewisse Worte meines selige» Vater» darauf hin." „Sie meinen, was er am Abend vor feinem Tode von einer möglichen Vergiftung.... Aber min, das können Sie ja nicht wissen, da waren Sie ja schon aus dem Hause." System dem französische« überlegen ist, dann find entwedei st deutschen Unternebmer allzu theuer gewesen, oder der Haß M die deutschen im Auelande ist so»roß, daß ein Staat, an W Spitze ein Hohrnzollcr steht dieses Hasses wegen den st-V fischen Unternehmer bevorzugt. Auf alle Fälle giebt diese i# zu denken. Ueber die Ausweisung des Tapczirer« Grürlft» a«S Hamburg» welche durch den Abgeordneten Froh«» Reichstage zur Sprache gebracht wurde, äußert stch daS„9# burger FremdendlaU", ein den sozialdemokratischen Bestredr' höchst feindseliges Blatt in folgender Weise: „Die Handhadurg deS Sozialistengesetze» in einzeln Fällen ist, wie der Minister v. Puttkamer in seiner vP Reschsiagsrede gesagt hat, sehr häufig eine drakonische geweft Wir erlauben uns zu diesen drakonischen Fällen auch denj«W der Ausweisung des TapezirerS Grün o ell auS unserer Stadt zu rechnen. Senator Bersmann W• seiner Rede im Reichstage eine Darstellung dieses VoiM pegeben und weitere Aufklärungen zugesagt. Vor(I# Tagen verbreiteten die„Sozialdemokraten von Hanrifl Altona und Umgegend" massenweise sauber in KouvertZ � geschlagene Flugblätter, welche einen Brief des ausgewüM Gründerg auS Hannover abdruckten. Dieser Brief enthält Darstellung derAuswrisungsbandhabung, die fich in der iraj mit derjenigen des Senator Bersmann deckt, im Kolorit sehr verschieden ist. Es muß konstatirt werden, daß Flugblatt in einer Beziehung seinen Zweck erreicht hat:«* in den nichtsozialdemokratischen Kreisen iß ff Unwille über die Weise, wie Gmnberg, einem Verbrecher(pS über die Grenze bis nach Lüneburg kansportirt worden? groß. Glaubt man in den RegierungSkreisen durch rückstchislosks Vorgehen dein Sozialistengesetz Achtung 1 ringen, so irrt man fich ganz gewaltig. Mitleid und 1% werden zu lebhasten Beschützern der für vogelftet erUgr Sozialdemokraten, deren Freunde dadurch nur zahl«M werden müssen. Die schwere Ungerechtigkeit, welche zialistengesey für einen großen Bruchthetl der deutschen kerung geschaffen, wird von Tag zu Tag tiefer empfunde*c bemerkt Jeder, der Ohren hat, zu vören und Augen, zl> W ttotzdem Herr�v. Puttkamer Jdie Kühnheit hat, zu behiu� das deutsche Volk wolle die Verlängerung des unselige« nahmegesetzes, welches die Erschütterung und den �»in" jeden Privatmannes der Willkür der Polizeiorgane M? giebt."— Wir haben diesen Ausführungen nichts r setzen..a, Die„norddeutsche Demokratie". Der„HambrfL Cmrespond-nt" läßt fich vom Niederrhein folaendes „Daß der Versuch einer norddeutschen demokratischen VJJ bildung mißlungen, ist bekannt. Auch in ihiem rheinisa�, fälischen Zw-ige hat die norddeutsche Demokratie gar � Glück gehabt. D.'ffen Parteiorgan, die„Rheinisch-W st'?� Blätter", ist schon vor Monaten in'S bessere Jenseits gegangen und zu den äußeren Mißerfolgen gesellten stlb Zwistlgkeiten der Ausschußmitglilder untereinander. kleinsten Anstoß in d-r Partei erregte es, daß der Rct�, der„Rh. Wests. Bl." Herr Ferdinand Gilles nach derea gehen die Leitung der„Freien Presse für Berg und eines auf Betreiben der Elbcrfelder Arbeiterpartei und r* felsohne auch mit deren Mitteln begründeten Blattes � nahm, das jedoch schon nach vierzehntägizem Bestehen D'% Regierung verboten wurde. Zwei andere ohne Verzug folgte Zeitungen wurden als angebliche Fortsetzunge!' s „Freien Presse" beschlagnahmt. Die Geschichte dieirt JV glückten ZeitungZgründungen handelt Herr GilleS in Franz Duncker in Leipzig soeben erschienenen Broschüre interessant aber ist, waS der Verfasser über seine und M Freunde Stellung zu der Sozialdemokratie darin«!% Cr unterscheidet drei Hauptschat tirungen in der dimo'«"!!� Partei: eine entschieden konstitutionelle, Mtfresm-e, i ««res, in we M Ende der ««st haben, i ««ehrfähii W, unterlie °uß« Dienst �gehörigen 9 bewaffnet ■ rj— i Wwpsttcht e Mgern,' —gemeinen ifle Körpersel «nvarmerie »imnpflidjt wichen unl Landfiv Ar das erst, DZ ? auf Sri -"w, te.* RU ter gp W welche vom Freisinn hauptsächlich durch dessen extreme Manchester litfi D rebungen getrennt wird; eine politrsch- radikale. flr vom deutschen Freisinn in erster Linie durch dessen 2Ä? offen in der Sozraldemokratte erkennt. Herrn Lenzmann- � Reichstagsabgeorvneten für Dortmund, nennt er den v � matavor der erstgenannten Richtung, während er sich st1?! � letztgenannten Richtung zuzählt, zu welcher übrigens wa � sämmtliche Hamburger, sondern auch die meisten westfälischen Demoleaten, ferner ein Bruchthetl der(, und der Leipziger gehörten.— UebrizenS möchten wir i GilleS fragen, wie viele Anhänger jede der drei Richtung� der demokratischen Partci Norvoeutschlands hat? Oesterreich Ungar«. als die Werke deS Friedens. Anstatt vernünftige, o0l f!(r lich Sozial Reformen einzuführen, stehen die Heere«'''., s überall im Vordergrund. Eo hat die österreichische%- � eine Landsturmvorlage vorgelegt, nach welch'v Oesterreicher bis zu n vollendeten 60. Lebensjahre dienM / „Vergiftung?" stammelte Erna starr.„Hat jt» Vater gegen irgend Jemand von einer Vergifw"» spräche«?" Rombevg zögerte einen Augenblick, ehe er Dann sagte er rasch:„Ich werde Ihnen daS 1& Es hält zu lang« auf, Ihnen Alle« zu erkläre«, den Umständen nach noch nicht wissen könne». i? Sie mir gefälligst eist, was Ihnen allein bekannt»P- werde Ihnen keine Auskunst verweigern.". t« Erna nickte befriedigt, und nachdem fie noch tin Athem geschöpft, begann sie: „Ich greife nicht werter zurück, al« biß zu dn» J an welchem ich fliehend da« Elternhaus verließ- gegen Abend und ich allein auf meinem Zimmes/ mich mit einer Handarbeit beschäftigte, al» mein# Kj mir eintrat. Ein erster rascher Aufblick verrieth«üf er au» keinem gleich zrltigen Anlaß komme. Z» ft'"# w arbeitete«S wie von einem innere» Kampfe, � J! geben« Herr zu werden strebte. Die Furcht, ein'- hütete« HerzenSgcheimniß ihm verrathe« zu sehiV.,* erbebe». Mein Vater war niemals besonder« zän t mich gewesen, daS lag nicht in feiner Natur und Trennung...".„=,(# „Ich bin von derselben schon unterrichtet, st- � „Die Baronin.. Aen»? „Ja so; ich vergaß", entgegnete Erna. »ch zitterte in banger Erwartung dessen, waS wir zu sage« haben würde." fl#ch"Vi Er verschloß hinter sich die Thür, macht-» � flüchtigen„Guten Abend' einen rasche» Zimmer und nahm dann mir gegenüber tn ew � Platz.", ri j«tif,■( „Lege Deine Arbeit auf eine« Hand, Erna," sprach er,„ich habe fehr Ernst- j «den—", W „Zch kam seinem Wunsche nach, wagte ab«. Auge zu ihm zu erheben, au» Furcht, Ci, tut* l?" HS henonno* fSsetMo llitPTtß. Ol) ein. zu begegnen. Seine Stimme zitterte, al»".,�e er mußte wirklich sehr erregt fern, �ine folgte. 1 .nitwbe!* «W» i!, an Iwn W ditse KV •fMM NÄ ZestrckM» b dcajM- i rünitt! mn W« d Boifa"' Bot elnls» a.'ttS � M TA 5« gl« icrW* ch 'M % | Nach der Vorlage find zum Landstürme alle wehrfähigen dIM bürget, welche weder dem Heere, der Kriegsmarine oder Ntttsetve, noch der Landwehr angehören, vom Beginne deS Wies, in welchem dieselben ihr 19. Lebenisahr vollenden, bis M Ende des Jahres, in welchem ste ihr 42. Lebensjahr voll» ?��ben, verpflichtet. Der Landsturmvflicht, nach Maßgabe ** Wehrfähigleit und zwar bis zum vollendeten 60. Ledens» Wt, unterliegen alle dem Ruhestande und dem Verhältniffe °u»rr Dienst deS HeereS(Kriegsmarine) und der Landwehr MrbSrigen Personen, in so fem ste nicht in jenen T heilen «wasfnetm Macht verwmdet werden.— Die Land xWvsttcht erstreckt stch fmrer— unbeschadet der früher im Wemrinen festgesetzten persönlichen Verpflichtungen— auf �«Körperschaften, welche einen militärischen Charakter, be» lMrigiweise militärische Abzeichen tragen. Das Personal der Gendarmerie, Finanzwach« und EtaatSforstm ist zur Land» Mmpflicht nach Maßgabe, al« eS die Kriegsverhältniffe er» Mchen und die DimsteSrückstchten gestatten, heranzuziehen. �Landsturm Pflichtigen werden i" zwei Aufgebote eingetheilt. N dai erst« Auftzebot gehören alle landsturmpflichtigm Staats- Mer vom Beginn deS Jahres, in welchem dieselben ihr �.Lebensjahr vollenden, bis zum Ende desjenigen JahreS, in 5*«bem sie ihr 37. Lebentsahr vollstreckt haben, einschließlich j!c auf Grund deS bestehmden Wehrgesetzei zeillich Befreiten M vorzeitig, so wie nach vollendeter Dienstpflicht aus dem Kriegsmarine, Ersatzreserve und der Landwehr Ent- Mnen. Das zweit« Aufgebot umfaßt dre gleichen Personen i«l• Januar jeneS JahreS, in welchem ste daß 38. LebenS» vollenden, bis 31. Dezember jenes Jahre», in welchem K.tosl 42. Lebensjahr zurückgelegt haben. Eine durch die Ver» Luisse gebotene ausnahmsweise Verwmdung des Landstur- £?-a.u ß erhaldderGrenzendrsStaatSgebieteS ??arr der Ermäcktiauna durch ein ReichßaeseN. Nur bei Ge» «imninjoriurq ocr oifmcrung, gegen nawirogiioje diu» �uig zur genehmigmden Kennwißnahme an den ReichSrath ""««ordnet werden. '_ Grotzbritaunie«. «•,*)« Präfident des englischen Locol Govemment Board, '«.m d er! ai n, empfing heute eine Arbeiterdeputation, �2« um die sofortige Inangriffnahme eines größeren Aus- ??««rungSprojekteS nachsuchte. Chamberlain antwortete, er Irin Amt mit der Abficht übernommen, die Lage der Ar- verbeffem. Der Minister rieth den Arbeitem von ltigkeit ob und erklärte weiter, der Auswanderung &7T?" Schwierigkeiten im Wege; er habe ein leb» »et' Interesse an der Einsetzung der Ar» IntL«' in den Besitz von Grund und Boden; dieÄ stch Aussicht dafür biete, werde er fein Bestes tbun, £ foi Gedanken auszuführen. Chamberlain sprach stch weiter- ,��rn öffentliche Bauten auf Staatskosten, wie die Anlegung x?/rttungShäfen w. aus. well dieselben nur an Ort und aJfr« Linderung der Zloihlage bewtrkm würden und befür- «..�«dagegm die Ausführung vonBauten seitens Lokalbehörden in ihren Bezirken.— Man muß ftfoJ/2«,«n' was der„radikale" Minister Chamberlain von urn Versprechungen hält. Daß er bei dem pegenwärtiaen i�Nen Stande, den daS liberale Ministerium hat. den Ar» schmeichelt, ist natürlich; ob er aber Wort hält, resp. halten kann, das ist eine andere Frage. Amerika« h,.9n der südamerikanischen Republik Uruguay greift der "«muth gegen den jetzigen Präsidenten San tos immer »«»r um sich._ Derselbe hat sich durch ein sehr eigenmächtiges ™.., Tomas To« ift 0t/' �«r Kandidat der Opposition für die Präfidenschaft, ci>Ulf einem ausländischen Kriegsschiffe in Buenos AyreS, »st Hauptstadt der Nachbar-Republik Argentinien, angelangt. gW« gemeldet wird, verfügt er über 5000 Mann, mit drei Mipp'schen Batterien und einem tüchtigen Kavalleriekorps. Fttgrößere Theil des Volkes ist der Revolution günstig und 7% Santos'sche Regierung trifft daher alle VorfichtSmaßregeln "« Vertheidigung._ Parlamentarisches. Anleihe von 9 Millionen Lstrl. zu derathen. S' -T nnt ist! ein-"»' '*iM «er, h i stlSi-- ?°wml.fion beschloß, dem Plenum die unveränderte Annahme Vorlage zu empfehlen. dem Bund »kehr mit Kui„| WWW flsräume und sonstigen Verkaufsstellen einschließlich der vorläge «ir Em dem BundeSrathe vorgelegter Gesetzentwurf g?? den Verkehr mit Kunstbutter lautet wie folgt:§ 1. Die jn'�sftSräum« und sonstigen Verkaufsstellen einschließlich der Zustände, in welchen Kunstbutter gewerbS, � feilgehalten wird, müssen an in die Augen| deutliche, nicht verwischbare Inschrift:„Verki «werbSmäßig verkaust fallender Stelle auf von Kunst» »Du mußt fort, Erna," sagte er plötzlich. »Ich— Papa?" fragte ich erschreckt. »Augenblicklich," entgegnete er. fceii starrte ihn jetzt verwundert und mit Thränen in " Äuqen an; denn wenn mein Vater mir bisher auch .»ig Pi.K. n—;-f— hatte und mich sozusagen gegen Licht liebte ich ihn doch, und der Tedanke, ganges nicht mehr für würdig halten ----- mich tief. ? Von Dir, Papa?" fragte ich deshalb bewegt. k � arich denn so tief vergangen, daß—" schnitt dem Gestindniß meiner heimlich genährte Ki»? t Wort ab, indem er selbst ausrief:»Du, mein üie.'Jaft Dich in keiner Weife vergange«. Ich liebe Dich h�,°"lMaßea;�u»d wen« ich Dich jetzt bitte, unser schj.. und meine Nähe auf längere Zeit zu meide«, so ge- Ichg�°uch da» nur au» Liebe zu Dir und um Dich zu >r«.."�u schützen?" staunte ich.„Wovor, Papa? Gegen iL, und welch' stärkerer Schutz kann mir irgendwo zu toetho»~r7__ «itv % mir ei-« fstnb �"stweilen erfahre nur daS: Ich habe einen Tod» «' wieder� der mich verfolgt und bedroht; erst «bevf� sprang auf. zornglühend, erregt; und ich erhob mich u''°b«r in starrem Entsetze«. (Fortsetzung folgt.) Au» Kunst und Zeven. bullet" tragen.—§ 2. Die Gefäße und äußeren Umhüllungen, in welchen Kunstbutter gewerbsmäßig verkaust oder feilgehalten wird, müssen an in die Augen fallender Stelle eine deutliche, nicht verwtschbare Inschrift tragen, welche die Bezeichnung „Kunstbutter" enthält.— Wird Kunstbutter in ganzen Ge» binden oder Kisten gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten, so hat die Inschrift außerdem den Namen oder die Firma de» Fadrilanten zu enthalten.— Wird Kunstbutter in einzelnen Stücken gewerbsmäßig verkauft oder feilge- halten, so müssen die letzteren von rechteckiger Form sein; auch muß derselben eine die Bezeichnung„Kunstbutter" und den Nam.n oder die Firma de» Verkäufers enthaltende Inschrift eingedrückt sein, sofern sie nicht mit einer diese An- gaben tragenden Umhüllung versehen find.—§3. Kunstbutter im Sinne diese» Gesetzes find diejenigen der Milchbutter äbn- lichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt.— Die Vorschnften diese» Gesetzes finden auf solche Erzeugnisse der im Absatz 1 bezeichneten Art, welche zum Genüsse für Menschen nicht bestimmt find, keine Anwen- duna.—§ 4. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der 88 I und 2 werden mir Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Hast bestraft.— Neben der Sttafe kann auf Einziehung der diesen Vorschriften»uwider verkauften oder seil- gehaltenen Gegenstände erkannt werden, ohne Unterschied, ob sie dem Verurtheitten gehören oder nicht.— Ist die Verfolgung oder Venntheilung einer bestimmten Person nicht auS» führbar, fo kann auf die Einziehung selbftftändig erkannt wer- den.—§ 5 Die Vorschriften in den§§ 16, 17 de» Gesetzes, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln. Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 14. Mai 1879 finden bei Zuwider» handlungev gegen die Vorschriften de» gegenwärtigen Gesetzes Anwendung.— Die§§ 10, 11 desselben Gesetzes werden durch die Vorschriften deS gegenwärttgen Gesetze» nicht berührt.— § 6 deS gegenwärtigen Gesetzes tritt am 1. Juli 1886 in Kraft. — In unserer gestrigen Notiz über die Arbeiter» s ch u tz k o m m i s s i o n ist ein Jrrthum unterlaufen. Die Be» schlüffe waren folgende: Der Antrag Lieder, welcher die Ar» deit der Kinder unter 14 Jahren in Fabriken«erbietet, wurde angenommen; gleichfalls ein Antrag Hitze, der auch die Arbeit der Klndrr bis zum vollendeten 12. Jahre in der H a u S i n d u st r i e u. f. w. verbietet. Ein Antrag deffelden Abgeordneten, welcher die Arbeit der Kinder von 12 bis 14 Jahren in der Hausindustrie u. f. w. auf 3 Stunden täglich deschränken will, wurde abgelehnt. — In der gestrigen ReichstagSfitzuna wurde da» Vieh- s e u ch e n ge s e tz beraihen. Ein konservativer Herr sagte wörtlich: Nach statistischen Mittheilungen kommt in Deutsch« land auf 2,9 Personen ein OchS."— Die Konservativen müssen da» ja am besten wissen, da schon der Geheime Rath Wagener seiner Zeit,«lS er noch Parteiführer war und nach dem Stand seiner Partei gefragt wurde, seufzend erklärte: „Die Einen find——— von Natur, dle Andern au» Prinzip."_ Lokales. Die Reklamationen der Reservisten, Sandwehrlente und Erfatz-Referviften 1. Klaffe um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung werden nur auS folgenden Gründen berückfichtigt: 1) wenn ein Mann als der einzige Ernährer seine» arbeitsunfähigen Vaters oder seiner Mutter oezw. seine» Großvaters oder seiner Großmutter, mit denen er dieselbe Feuerstelle bewohnt, zu betrachten ist, und ein Knecht oderGe- selle nicht gehalten werden kann, auch durch die der Familie bei der Einberufung gesetzlich zustehende Unterstützung der dauernde Ruin de» elterlichen Hausstände» nicht abgewendet werden könnte; 2) wenn die Einberufung etneS Manne», der das dreißigste Lebensjahr vollendet hat und Grundbesitzer, Pächter oder Gewerbetreibender oder Ernährer einer zahlreichen Familie ist, den gänzlichen Verfall des Hausstandes zur Folge haben und die Angehörigen selbst bei dem Genüsse der gesetz» lichen Unterstützung dem Elende preisgeben würde; S) wenn in einzelnen dringenden Fällen die Zurückstellung eine» Man- ne», dessen geeignete Vertretung auf keine Weife zu ermög- lichen ist, im Interesse der allgemeinen Landeskultur und der VolkSwirthschaft für unabweitlich nothwendig erachtet wird. Die bezüglichen Gesuche müssen beim Magistrat, Gemeinde» oder GutSvorsteher der betreffenden Wohnorte bis spätestens zum 1. März angebracht werden. Opfer des Wucher» ist eine Serie von Artiteln in der „Staatsbürger-Zeitung" überschrieben, in welchm an dem Fall Bombe daS schändlichste aller Gewerbe eingebend geschildert wird. Auch der Fall Gabriel, den die Stadt Berlin mit weit über 100000 M. hat bezahlen müssen, wäre hierzu wohl ge- eignet gewesen, aber es fehlen die genauen Einzelheiten. Das Leben de» Rektor» Bombe ist fast typisch für die Laufbahn un» endlich vieler Beamten aller Kategorien. Als er hier mit einem Gebatt von 300 Thalern als Gemeindelehrer angestellt war, verheirathete er fich, auf seine Arbettslraft vertrauend, im Alter von 28 Jahren. Kurz hinter einander wurden zwei Kinder Vorstellung verspricht um so interessanter zu werden, da Frau- lein Marie Adrö neben Herrn ArdrS stch in der höheren Magie beim Publikum einführen wird. Das Künstlerpaar Herr Bikesch und Fräulein Teklini haben bereits al» neue Nummer einen Czsrdss eingelegt, welcher allabendlich außerordentlich gefällt. Etne Lokomotive i« Wartesaal« In dem neuge- bauten Wartesaale deS Bahnhofe» zu Kempen, der vorläufig al» Wartesaal Ii. Klaffe benutzt wird, saß am 19. d. Mt»., Mittag», ein Passagier an einem der großen Eaalfenster und stärfte fich zur bevorstehenden Reise mit Speise und Trank. Außer ibm waren noch einige Herren anwesend, in stiedlicher, eifriger Unterhaltung begriffen. Plötzlich wurde die Ruhe durch einen grellen Aufschrei unterbrochen. Der essende Herr steht auf, bemerkt zu seinem Entsetzen, wie der eben von Venlo einlaufende Personenzug das Geleise»erlassen hat und den Weg auf den Wartesaal zunimmt. Er springt auf, die Leute Kd noch nicht auS dem Raum entflohen, da erfolgte ein fürch- liche» Krachen wie bei einer Detonation und— die Lokomotive des ZugeS steht im Wartesaale. Man denke fich die Angst auch der Passagiere deS Zuge». Ob der Lokomotiv- führet den Dampf nicht zettig genug gesperrt hatte, oder ob ein anderer Unfall vorliegt, wird die Untersuchung ergeben; Thatsache ist, daß die Maschine deS ZuaeS, welcher in einen tobten Strang einläuft, die schweren Stiebeschienen einfach glattfuhr, alsdann stch ohne Schienen weiter schob, um schließ« lich, die Saalwand durchschlagend, in dem Gebäude stehen zu bleiben. Wie die„Barmer Ztg." mitt heilt, find ernste Per- sonen'Verletzungen nicht vorgekommen, jedoch fielen in manchen KoupeeS durch die Erschütterung Koffer rc. von den Gestellen lherunter, wodurch einige der Passagiere kleinere Unfälle er» litten. «u» Algier komme« immer noch Hiobsbotschaften. Durch eine große Uederschwemmung ist Konstantine von dem übrigen Algser abgeschnitten, mit welchem e» bis auf Weitere» nur per Draht verkehien kann. Nicht weniger als Algier wurde auch Tunis durch die letzte« Stürme und stromartigen Regen» aüffe heimgesucht. Die bezüglichen Berichte find traurig; man fürchtet sogar, noch nicht den vollen Thatbestand de» angerichteten Schadens zu kennen. Auf der Eisenbahnlinie wurden fünf Brücken fortgerissen, Zusammenstürze und Einreißen der Schienen- dämme warm allgemein. Der Bahnveilehr mit Algier ist unter- brachen und die Züge könnm nicht weiter al» 25 Kilometer von der Stadt Tunis. Die Medjerda, die im Winter die Ebene oft mtt Wasser bedeckt, ist in bisher ungekannter Au»- dehnung ausgebrochen. Zahlreiche Felder find rutntrt; während geboren, die Beide nach längerer Krankheit starbm. Hierauf erkrantte die Frau, um nach zweijährigem Krankenlager eben-- fall» zu sterben. Es mtstand in diesen Jahren ein unabweis-- barei Kreditdedürfniß. Verwandte und Bekannte, welche um ein Darlehn angegangen wurden, lehnten solches ab. In einem unglücklichm Augenblick gcrieth Bombe einem Herrn in die Hände, welcher ihm 50 Thaler auf 3 Monate gegen Hinter» legung seiner Vokation und eine» Wechsels lieh. Die Zinsen verzehrten da» Gehatt zum großen Theile; eine neue Kredit» quelle mußte gesucht werden, die natürlich ähnliche Bedingunaen stellte. Eine Schuld von 300 Thalern fraß unter diesen Um» ständen schon das ganze Gehalt an Zinsen weg. Diesen Kampf mit seinen Gläubigern, deren Zahl schließlich aus 25 stieg, hat Ernst Bombe 21 Jahre lang gekämpft. Er hat gearbeitet mit unerhörter Kraft, immer hoffend, endlich irgendwo ein niedrig verzinsliches Darlehn zu erhatten, groß genug, um alle seine Schulden zu tilgen. In dieser Hoffnung hat er seine Schulden. von Vierteljahr zu Vierteljahr weiter geschoben, immer die hohm Zinsen zahlend. Die zwette Frau brachte 600 Tblr. in die Ehe mit, aber e» war ein Tropfen auf einen heißen Stein, zumal auch die Ausgaben wieder bedeutend stiegm; denn es wurden in kurzen Zwischenräumen sechs Kinder geboren, von denen einige lange krank waren. Da Niemand von feiner Verschuldung etwa» erfahren sollte, verzichtete er auf die Rechts» wohlthat des Gehaltsabzugsverfahrens, obwohl ihm, da ihn seine Behörde wegen seiner hervorragenden Leistungen inzwi- schen zum Rektor der 59. Gemeindeschule ernannt hatte, mtt einem bedeutenden Gehalt von 3180 M. nebst freier Wohnung und Heizung, auch nach Eintritt des Gehaltsabzugsverfahrens eine mehr al» ausreichende Summe übrig geblieben wäre. Bei Publizirung de» Wucheraesetzes im Jahre 1881 verlangten sämmtliche Gläubiger ihr Geld. Diejenigen Gläubiger, welch? keine Bürgen hatten, ließen das Mobiliar öffentlich versteigem und delegten dai Gehalt in seinem pfändbaren Theil auf Jahre hinaus mit Beschlag. Die übrigen Gläubiger, welchen Bombe sichere Bürgen gestellt hatte, stellten aber Agenten an, welche nunmehr mit dem Rettor Bombe wie mit den unzähligen ver» schuldeten Beamten in Beziehungen traten. DaS Institut der über die sämmtlichen Verhältnisse und Beziehungen ihrer Opfer genau unterrichtet. Ihre Thätigkett besteht darin, Wechsel zu„kaufen" und dieselben dann wieder an den Geldgeccr zu verkaufen, um auf diese Weise den Wucher zu verschleiern. Beim Ueberbringen des Kaufaeldes an den Geldsuchenden wird natürlich ein„Damno" abgezogen, daS fich zwischen 80 und 120 pCt. p.». bewegt. Der Geldgeber steht als unbe- kannteS Fattum im Hintergrunde und lentt an unsichtbaren Fäden die Schicksale seiner Kreaturen. Ihr Bestreben geht dahin, künstliche Kriminalfälle zu konstruiren, in welche die. Geldsucher event. zu verwickeln wären, um so ihrersetts gründ« lich dagegen gestchert zu sein, daß der Bewucherte in seiner Verzweiflung schließlich doch den Schutz des Gesetze» anrufe.. Vor 2'/, Jahren war Bombe nahe daran, vollständig gerettet zu werden. Em evangelischer Geistlicher hatte eine Anzahl von Kapilalisten gefunden, die bereit waren, eine genügend große Geldsumme zusammenzubringen, um ihn gänzlich auszulösen. Die Befreiung eine» so werthvollen Opfer» konnte aber nafür» lich nicht allen Wuchergläudigem angenehm sein, und es fehlte nicht an Versuchen, das Vorhaben zu hintertreiben, bis eS schließlich gelang. Man gab vor. die Familie Bombe sei nicht sparsam genug, und doch ist selten in einer Familie in ähnlicher Stellung der Hauthalt mit geringeren Mitteln ae ührt worden. DaS Gehalt BombeS belief fich in den letzten Jahren auf 3540 M. nebst 600 M. Miethsent- schädigung und freier Heizung. Das jährliche Nebeneinkommen dieses mit fabelhafter Energie arbeitenden ManneS hielt sich eine Reihe von Jahren hindurch auf 3600 bis 4000 Mark, d. h. sein Gesammteinkommen war so groß, daß er, wäre eS ihm gelungen, feine Verhältnisse durch ein ausreichendes, niedrig verzinsliches Darlehn zu regeln, seine Schulden schnell hatte tilgen und dann noch ein Vermögen hätte ansammeln können. ES laßt fich rechnungsmäßig nachweisen, daß er in den letzten 17 Jahren z'.rka 70000 Mark zur Bereicherung der Gläubiger hergegeben habe. Am 9. o. M. wurde der Rektor Bombe auf dem G-orgenkirchhof beerdigt, nachdem er fich, wie bekannt, am 4. vergiftet hatte. Bedrängt und gehetzt von allen Seiten, hatte der hochbegabte Mann, wie in seinem herzergreifenden Abschiedsdriefe an seine unglückliche Familie zu lesen ist, keine Rettung mehr gewußt.— Ein solcher Fall ist allerdings tief bedauernswerth. Indessen darf nicht ver« aeffen werden, daß Arbeiter, Handwerker und namentlich kleine Gewerbetreibende den Gefahren des Wucherthums viel mehr ausgesetzt find, als Beamte, die doch niemals der Konjunktur, GeschästSttisen u. s. w. ausgesetzt find, und zu allen Zeilen Über ein gewisse» Einkommen verfügen. Wie viel mißlicher ist die Lage eines Familienvaters auS dem Arbeiterstande! Er erhält überhaupt kein Darlehen, für ihn find die gewerbs- mäßigen Wucherer diejenigen Leute, welche ihm seine Bedürf« niffe auf Abzahlung gewähren und in dieser Weise den größten mehrerer Tage führten die Gewässer dieses FluffeS Baum» stämme, Schafe, Ochsen, Zelte der Beduinen und Leichname der von den Ueberschwemmungen überraschten Unglücklichen nach dem Thale mit fich. Und während der Norden überschwemmt ist herrscht die Dürre im Süden und trägt ebenfalls dazu bei, die ErnteauSstchten zu trüben. Reklame. Welche Findigkeit englische Verleger besttzen, ihren Druckerzeugnissen Absatz zu verschaffen, bekundet der Herausgeber des in London und Manchester erscheinenden eng» lischen UnterhattungsblarteS„Tit Bits", welches folgende Art von Lebensversicherung ankündigt: Von dem Eigenthümer der „Tit-BitS" werden 100 Pfund Sterling dem nächsten Ver» wandten einer jeden Person ausgezahlt, welche bei einem Eifmbahnunfalle umi Leben kommt und im Augenblick deS Unglückes die laufende Nummer des Blattei bei fich trug. Er« Drama im Etsenbahn-Koupee. Auf der Fahrt de» am 20. d. M. Abends von Salzburg abgegangenen Post» zuge» hat fich zwischen WelS und Linz in einem Koupee erster Klaffe eine Szene abgespielt, die ohne Intervention eines frem« den Passagiers zweifellos einen hochdramatischen Abschluß ge» funden hätte. Im Bahnhofe zu Salzburg hatte ein dortiger Bürger mit seinem siebzehnjährigen Töchterlein ein Koupee ge» sucht, daS die beiden allein benutzen wollten. Dies gelang ihnen jedoch bei dem Andränge von Paffagieren nicht; fie mußten vielmehr einem Bahnbeamten, der ebenfalls nach Dien fuhr, Raum in ihrem Koupee gestatten. Der letztere, dem daS hübsche, aber auffallend bleiche Mädchen ausfiel, wollte ein Gespräch anknüpfen, bekam jedoch keine Antwort. Ungehalten über dieses etwaS sonderbare Benehmen, lehnte er fich in seine Ecke und schlief als- bald ein. Plötzlich wurde er durch einen Luftzug, der scharf über seine Dangen strich, aus seinem Schlummer geweckt. In demselben Momente gewahrte er, daß das junge Mädchen, welches den Fensterflügel herabgelassen hatte, mit dem Oder» körper beretts außerhalb der Koupcethür stch befand, während der Zug im raschesten Gange war. Jnstinktto erfaßte er dasselbe an den Füßen, weckte jedoch zu gleicher Zeit durch einen Stoß den erschreckten Vater, mit dessen Hilfe er dann da» Mädchen, daS fich mit aller Kraft dagegen wehrte, gewaltsam in'» Koupee zurückzog. Die Aufklarung erfolgte sofort. Da» Mädchen sollte nämlich von dem Vater nach Wien in ein Kloster gebracht werden. Die» brachte da» junge Mädchen zu dem entsetzlichen Entfchluffe, fich beim Wagenfenster hinauözu» stürzen, dessen Ausführung der junge Bahnbeamte glücklch verhinderte. Theil des so sauer erwordenen AibeitSverdiensteS adsordiren. Wird«ine Arbeiterfamilie von tkranlheitSfSllen oder anderen widrigen Umständen betroffen, so ist zunächst dai LeihbauS der erste Zufluchtsort und wenn alles Versetzbare verpfändet ist. so ist gewöhnlich der Weg ins Lumpenproleta- riat geebnet. ES ist daher sehr einseitig, wenn man in diesen Berhältniffen nur für die Beamten Partei nimmt; alle übrigen Gesellichaflsllaffm, und namentlich diejenigen, welche au». schließlich auf den Ertrag ihrer Arbeit angewiesen find, find in vielen Fällen den Gefahren deS WuchnthumS noch mehr auS- gesetzt al» die Beamten, nur findet fich fast niemal« Jemand, der dem Ruin einer Handwerker- oder Arbeiterfamilie ein nach- haltigeS Jntereffe widmet; für die befitzenden Klaffen ist der Stoff metstentheils nicht intereffart genug, und gewöhnlich verzichtet der Arbeiter auch darauf, sein eigenes, persönliches Unglück an die große Glocke zu hängen. Die deutschen Behörden und namentlich daS Auswärtige Amt erhaltm auS den verschiedensten Theilen deS Reiche» und auch aus dem Auslände fortgesetzt zahlreiche Gesuche um An« stellung, Verwendung und Anfiedelung in den unter deutschem Schutze stehenden überseeischen Gebieten, um kostenfreie Be- förderung nach denselben, um Zulassung zum Militärdienst daselbst, sowie um Belehrung und AuSkunftSertheilung über die dortigen Verhältnisse. Es daher wiederholt aufmerksam zu machen, daß daS Rerch Stellen in den Schutzgebieten nicht mehr zu vergeben hat und daß Unterstützungen an Auswanderer um so weniger gewährt werden können, al» überhaupt nicht die Abstcht besteht, eine Auswanderung nach jenen Gebieten zu lenken. Auch steht in den Kolonien kein Militär, eS bietet fich daher auch keine Gelegenheit, daselbst der Militärpflicht zu genügen. Die Behörden befinden fich somit nicht in der Lage, dm Gesuchen der erwähntm Art irgend welche Folge zu gebm, könnm fich auch nicht auf eine Konespondenz mit dm zahl- reichen Gesuchstellem einlassen. Wenn man Nachtwächter werde« will, muß man keinm zu gesunden Schlaf haben— wenigstens in der Nacht nicht, sonst geht eS einem wie einem der probeweise in Potsdam ein- testelltm Nachtwächter. Der war de» NachtS so fest auf seinem iostm eingeschlummert, daß ihm, wie die„Frets. Ztg." be» richtet, während deS Schlafes die Jnfignim seiner Nacht- wächterwücde. Pfeife und Horn, abgmommm wurden, und zwar, wie sich am nächsten Morgen herausstellte, durch den Nachtwachtmeister, welcher über vm Vorfall Anzeige er- stattete. St» junger, sehr elegant gekleideter Man« wurde gestern Abend in der Oranimftraße auf der Erde liegend an- getroffen. Nachdem fich ergeben, daß der Betreffend« an epi« leptischen Krämpfen leidet, wurde er von zwei Schutzleuten unter der Gefolgschaft einer großen Mmschmmenge nach der SanftätSwache in der Adalbertstraße gebracht. Hier gelang eS nach etwa einer Stunde, den Kranken soweit wieder herzustellen, daß seine Ueberführung nach dem Krankmhause Bethanien er< folgm konnte. Der Unbekannte sprach währmd der Anfälle zu dem ihn behandelnden Arzt nur griechisch und von einem Examen, so daß anzunehmen ist, eS handle fich hier um einen Studirmdm, welcher vor dem Examen steht. I« Bezug anf unser gestrige» Gerichtsreferat er- halten wir folgende, bemerkenswerthe Zuschrift: In der gestri. gen Nummer Ihres von mir sehr geschätztm Blatte» bringm Sie die traurige Geschichte zweier mtsprungenm Häusling« auS dem städttschen ArbeitShause zu Rummelidurg. Da ich daS„Vergnügen" hatte, daselbst einige Monate zuzubringm, so werden Sie eS vielleicht erklärlich finden, wmn ich einige Unrtchtigkeitm dieses Artikels im Interesse Ihrer Leser richtig zu stellen versuche. Zunächst heißt eS da: die beiden seien in Folge ihrer guten Führung in der Anstalt nach der Rieselfeld- station Neubeeren gebracht worden. Die gute Führung hat aber darauf gar keinen Einfluß. Jeder, der in die Anstalt eingeliefert wird und anscheinend arbeitsfähig ist, kommt zu- nächst auf den Holzhof. Hier findet jeden Sonnabend Nach- mittag der„Menschenmarkt" statt, d. h. der Werkmeister sucht sich auS dem„Zugang" diejenigen Leute heraus, deren körperlicher Zustand eS noch erlaubt, die anstrengende Arbeit auf den Rieselfeldern mit zu machen. Da die Leute höchstens 8—14 Tage in der Anstalt find, so ist die Direktion aar nicht in der Lage, besonderes über die„Führung" der Leute zu erfahren, und würden eS auch wohl viele deS Häuilinge al» ein beson- denS Glück bewachten, sich durch schlechte Führung von den Rieselfeldem zu drücken und die„Korreltion" in der Anstalt abmachen zu können. Ferner heißt eS: Von den ihnen ge- zahlten Arbeitslöhnen hätten ste fich Spiritus gekauft. DaS ist aber nicht gut möglich, denn der Verdienst wird ja erst bei der Entlassung auS der Anstalt ausbezahlt. Darin hat jedoch Ihr Berichterstatter Recht, daß im Sommer der Aufenthalt auf den Rieselfeldern für jeden, der fich noch halbwegS als Mensch fühlt, geradezu unerträglich ist. Die Arbeitszeit ist eine bar- darische. Von Morgens 4Vi biS Abends 8 und 9 Uhr. Ich weiß nicht, ob eS Ihnen bekannt ist, daß vergangenen Sommer die HäuSltnge auf der Rieselfcldstation HeinerSdorf, dieselbe, wo ich meine Strafe absolvwt habe, Streik machten, um auf diesem Wege fich kürzere Arbeitszeit zu verschaffen. Di« Ge- schichte dieses Streiks ist auch für die freien Arbeiter sehr lehr« reich. WaS die Behandlung der HäuSltnge betrifft, so war ich hei meinem Eintritt aus daS Echiimmste gefaßt, war jedoch von der Humanttät und ich möchte sagen von der GemülhUch- keit der meisten Beamten auf daS Angenehmste überrascht. Die Verpflegung in der Anstalt ist sowohl in Bezug auf Qualität wie auf Quantität gut; auf den Rieselfeldem jedoch bleibt in dieser Beziehung noch manche» zu wünschen übrig, da eine Kon- wol« darüber fehlt._,_,, Poltzeibertckt. Am 24. d. MtS„ früh, stürzte fich ein Mann, vermuthlich in einem Anfall von Geistesstörung, auS dem Fenster setner in der Swlnemünderstraße 4 Treppen hoch belegenen Wohnung auf den Bürgersteig hinab und blieb auf der Stelle todt. Die Leiche wurde nach dem Letchmschaubause gebracht.— An demselben Tage, Abend», wurde ein Mann vor dem Hause GreifSwalderstraße Nr. 1 von einer Equipage überfahren, so daß er bewußtlos liegen blieb und nach dem städttschen Krankenhause im FriedrtchShain gebracht werden mußte.— Am 25. d. M., früh wurde eine ältere Dame in ihrer Wohnung am Engelufer erhängt aufgefunden. Soziales m» Arbeiterbewegung. Neue« Unteruehmerkartell in Sicht. Die deutschen Fabrikanten der für die Herstellung der Dachpappen nöthigm Rohpappen werden dieser Tage in Berlin»usammmweten, um eine Vereinigung zu gründen, der ste vor„femeren Schleuder- preisen wahren" soll. DaS ist die Kommunismus der Bour- aeoiste, der eben auf Kosten der Arbester sich vollzieht durch— Einschränkung der Produktion. Ueber de« Nothstand in Steeraue läßi fich die„Volks- zestung" wester schreiben, daß stch der Etadtralh e n d l ich selbst zu dem dort herrschenden Nothstand bekannt bat. daß also Alles, wa» die„Volkszcitung" über denselben berichtet hat, aus ge- nauer Information beruhte. Auf Anregung de« StadwathS hat nämlich nunmehr da» Stadtverordnetm< Kollegium be- schloffen, zur Anschaffung von Bettstellen, Bettstroh, Betten und sonstigen Lagerstätte nb e st a n d t h e i l e n und leihweiser Uederwssung derselben an bedürft ige F a- Milien 500 Mark zu bewilligm. DaS ist zwar nicht viel. aber«S ist doch der Anfang gemacht, der Roth zu steuern. DaS Eingeständniß de» viothjtandes aber ist schon die halbe Abhilfe desselben, da nunmehr der löblich« Stadtrath von Mee- ran« gewiß nicht mehr gegen ein NothstandSlomitee und gegm 1 auswärtige Hilfe protestiren wird. I Z» Dresden scheint die Lohnbewegung unter den Vau- arbeitem»um guten Ziele zu führen. In einer Versammlung der Baumeister und Bauunternehmer hielt ein Vertreter der Lohnkommissto« der Maurer- und Zimmergesellen einen län- geren Vortrag, in welcdem er für die Arbeiter eine zednstün- dige ArbettSzeit, einen Mnimallohn von 35 Pf. in der Stunde und Beseitigung der Uederstunden und der Akkordarbeit for- dette. Wenngleich man keine Einigung erzielte, wegen der reservirten Haltung der Baumeister, so glaubt man doch, daß letztere zum Entgegenkommen derest seien und die Hauptforde- rungrn der Arbeiter bewilligen würden. In Pose« ist in einer größeren Zigarrenfabrik ein Streit ausgebrochen; gegen 40 Mann haben die Arbeit einge- stellt, weil der Fabrikant die Entlassung eines Arbeiters nicht rückgängig machen wollte. Im Norde« Frankreichs dauert die große GeschäftskrifiS fort. Bankerotte find an der Tagesordnung, die fich natürlich auch auf die ArbeitSverhSllniffe übertragen. So find in Calais und Umgegend 2000 Tüllarbeiter ohne Arbest. AuS Liverpool wird geschrieben: Der Streik der Schiff- bauer auf den Werften Nord- England» in North- ShieldS, Hull x., ist nunmehr beendet. Die Unternehmer haben die in AuSficht genommene Lohnreduktion von 12'/, auf 7'/, Prozent ermäßigt und ist darauf auch aut Seiten der Ardester die Sttm- mung versöhnlicher geworden. ES wurde noch beschloffen, die Reduktion anzunehmen unter der Bedingung, daß zum Früh- jähr die Löhne wieder erhöht werde«. Uereiue und Uersammlungen. hk*. Im verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Manrer hielt am Dienstag Abend Herr Baak« einen Vortrag über:„Soziale AuSgleichSmittel". Die soziale Frage, so ungefähr führte der Redner au», bilde gleichsam da»„bleue mens tekel«varsin"! der modernen kapitalistischen Gesellschaft, in der die menschliche ArbeUStraft nach dem Gesetze von An» gebot und Nachftage gezwungen wird,»um jeweiligen Markt- preise fich zu verlaufen, stet« aber zu einem Preise, der nur ausreicht zur Fristung und Fortpflanzung der proletarischen LebenSexisten». Zu den Zeiten des handwerkerlichen Kleinbetriebes, in denen der Arbeiter meist noch selbst im eigenen Befitze deS Handwerkszeug«» war, brauchte derselbe seine Arbeits- kratt noch nicht irr dem Maße wie heute zu jedem Preise loSzu- schlagen; alS aber der Kapital befitzende Meister und Untemehmer fich in monopolifirten Eigmthümer aller Arbeitsmittel veiwandelte, warm die zünftlerichm Schranken unhaltbar gewordm, die Gewerbefteihett und Freizügigkeit traten an ihre Stelle. WaS unausbleiblich war, trat ein: die periodische Unterkonsumtion bezw. Uederproduktion, die immer heftiger und in kürzeren Zeiträumm auftretmdm Krism und der fast permanente soziale Nothstand. Redner erörterte sodann die verschiedenm, theilS auf der sogmanntm„Selbsthilfe", theilS auf„StaatShilfe" be« ruhenden Vorschläge zur Lösung der sozialm Frage, wobei er der Arbeiterschupaesey�edung mit dem NormalarbeitStaz und «irklicher KoalitionSfreihett die größte Bedeutung beimaß. Hierauf berichtete der VereinSvorsttzende, Herr Grothmann über die am 21. d. M. stattgehabte Versammlung von Bauge'chäfts- Inhabern zum Zweck von. Verhandlungen mit einer Gesellen- kommisfion. Einstimmig wurde folgende Resolution zum Be- 'chluß erhoben:„In Anbettacht der den Fachv-reiniaungm öchst ungünstlgm gegmwärttgen VereinSaesetze steht fich der «rein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maureroer- anlaßt, von jeder Berathung und Beschlußfassung über die am 21. d. M. im hiestgm Klubhause, Krausenstraße 10, stattgehabte Versammlung von BaugeschästSinhadern behufs Ver- Handlungen mit dm Gesellmkommisfionen der Berliner Maurer Abstand zu nehmen um nicht mit dem§8 de» VereinSgesetzeS in Konflitt zu gerathm. Die heutige Versammlung deS Verein» ersucht daher die Lohnkommisfion der Berliner Bauge- fchäftSinhater, gefälligft in der am Freitag, dm 26. d. M. in der„Tonhalle", Friedrichstr. 112, durch Säulmanschläge ein- berufenen Generalversammlung der Berliner Maure, fich einfin- den zu wollen, in welcher vorauSstchtltch zu jener Angelegen- heil Stellung genommen werden wird." * Der Fachverei« der Tischler hielt Montag, den 22. Februar, eine außerordentlich« Generalversammlung Neue Grünftr. 28 ab- Nach Erledigung geschäftlicher Mitthmungm selten» de» Vorsttzendm verlas derselbe eine Postkart« vom Tischlermeister Herrn Thieme. Fürbringerstr. 9, durch welche letzterer die Fachkomwisston ersuchte, die Arbeit eineS dem Fach- verein angehörigm Gesellen, der bei ihm gearbeitet habe und wohl Klage gegm ihn führm würde, in Augenschein zu nehmen. Der betteffende Geselle war in der Versammlung anwesmd und klärt« die Sache dahin auf, daß er bereits über vier Mo- nate bei Herm Thieme gearbeitet habe und derselbe biS dato feine Arbeit stets gut befunden habe. Er(Redner) habe w letzter Zeit Differenzen(dm Verein betreffmd) mit dem Meister gehabt und habe dieser ihm a« letzten Sonnabmd über 30 M. inne behalten, weil angeblich seine Arbeit nichts tauge. Herr Schäfer führtt noch weiter au», daß wohl ein bei Th. arbeiten- der Kollge, welcher ftüher Mitglied de» FachvereinS war, ein gut Theil Schuld an der entstandmm Differenz habe, da derselbe jetzt in ganz unqualifizttbarer Weise gegm den Fachreretn opponire. ES wurde diese Angelegenheit deHufs Klarstellung der Fach« kommisfion überwiesen und diese beauftragt, nach stattgehabter Verhandlung mit Herm Thieme Bericht an den Vorstand und die Generalversammlung zu erstattm. Hierauf wurdm mehrere Anträge d«S Vergnügung« Komitees durchberathen. Auf An- trag Winter»mde einem Sollegm, der fich nach längerer Krankheit und ArbeitSlofigkett in hilfsbedürftiger Lage befindet, eine Unterstützung von 12 R. auS der VereinSlaffe bewilligt. Von mehreren Rednern wurde noch die verwerfliche Unfitte deS CinstandgebenS(„EtnketlmS"), welche noch in vielen hiefigm Werkstellen herrscht, einer scharfm Kritik unterzogen. Diese» Thema soll in einer der nächstm Vereinsversammlungen speziell behandelt werden. Der Verein veranstaltet am 13. März in der„Berliner Ressource", Kommandantenstr. 57, einen Wiener Maskenball. BtlletS hierzu find zu habm bei den Vereins- Mitgliedern Böhm, Johanniterstr. 10, Hof III; Fest, Hollmannstraße In; Grumwaldt, Piinzenstraße 6, IV bei Krause; Thumann, Raunynstraße 77, Iii; Riska, Wimerstraße 42, I; Thierbach, Neu« Königstraß« 72, Hof Hl; Witte, Invaliden- sttaße 21, Ii; sowie an Wochentagen jeden Abmd und Sonn« tags, Vormittags von 9—11 Uhr, bei den Arbeitivermittlem Blumenstr. 56(Tischlerherberge) und Sonnabend AbendS auf den Zahlstellen. Der verein zur Wahrung der Interessen der Korb- macher Berlins und Umgegend hielt am Sonntag, den 21. Februar, Adalbertstr. 21, unter Vorfitz de» Herm Carl eine Versammlung ab. An Stelle de» angekündigten, jedoch am Erscheinen verhinderten Herm Michelsen, sprach Herr Friedrich Franke über die englischm Gewerkveretne und die deuische Ge- werkschaftSbewegung. Die Ausführungen de» Redners fanden den Beifall der Versammlung. AlS, wetter Punkt stand auf der Tagesordnung: Der Streik in der Werkstatt von Anton Schmid. Der Borsttzmde theiltt der Versammlung mit, daß der zu dieser Venammlung eingeladene Herr Sckmid brieflich mittheilt, daß er geschäftlich verhindert sei, an der Versammlung theilzunehmen. Dieser Brief wurde tn der Versammlung verlesen. Herr Schmidt erklärte darin, daß nicht im Stande sei, den biSI in Rede stehende Arbett auf.---------------- mithin Gesellen auf diejen Artikel nicht mehr beschäftigen. Auf Anftage Betheiligter, ob der Stteik nun eingestellt oder weitergeführt«erden soll, beschloß die Versammlung, dm Stteik weiterzuführe«, da bei gegenwärtiger Einstellung des- selbm ebenfalls Lohnreduzirungen tn dm anderen Werkstättm zu erwarttn seien. Die Sttetklommisfion wurde von der An- sammlung anerkannt; Kasstrer ist August Reddemann, Wraiv gelstr. 109 und find etwaige Geldsmdungm an denselben p> richtm. Vor Schluß der Versammlung theilte Herr IM' nicke! noch mit, daß in Zeitz mit dem 1. Februar d. I.("( Zentral-Kranken- und Sterbekasse für die Korbmacher Deuw landS inS Leben gerufen worden sei und avistrte eine dein« nächst in dieser Angelegmheit einzuderufme große Korbmach«« Versammlung. de. Der Arbeiter-vezirkS-Berei« der Orantenburstt Borstadt und de» Wedding hielt am Montag, den» d. M., im Weddingpark, Müllerstraße 178, eine Versammlung ab, um fich über seine Stellung zu den StadtverorSneten« wählen klar zu werdm. Herr Flatow übemahm daS Refn«. Er führte aus, daß die Stadtoerordnetmwahlm für die beiterpartei doch wohl einen gutm Zweck hätten. Könnten aus die 5 Vertreter der Majorität gegmüber nicht viel ausrichte», der Anregungen gingen doch genug von thnm auS. Man» innere fich der Verhandlungen über Gewerbeschiedsgerich«. MirthSsteuer u. f. w. Femer erführ« man auch, wie eS w Allgemeinen im rothen Hause zugehe. Laffe man also v« Kommunalwahlen nicht ganz außer Acht, sondern suche in%» Bezirken, wo Hoffnung auf Erfolg sei, einen Kandidaten vm»' zubringen. Wtt find verpflichtet, unsere Ideen überall zum Au»' druck zu bringen. Hierauf wurde folgende Resoluno» verlesen:„Der Arbeiter-BezirkS Verein der OranttnbMSZ Vorstadt und d«S Wedding beschließt, für eine Wiedemar der Arbeit er. Stadtoer ordnettn einzutreten, jedoch in den vn zirken, in dmm keine AuSficht auf Erfolg ist, von der Am' stellung eineS Kandidatm Abstand zu nehmen." In der D» tusfion sprach Herr Zachau. Derselbe meinte: Sind wtt»um Stmerzahlen gut, so müffm wtr mrS auch trotz des ungünstw» Wahlsystem» an dm Wahlen becheiligm. Wir müffm nnN»- wa» mtt unserem Geld« gemache wttd. Ist auch die Arbeiter» partei die bekämpfte, zum Siege wird fi« doch gelangen; sttm? man deshalb für die Resolutron. Nun nahm die Versa?» lung einm unvorgesehenm Verlauf. Zu einem vom Hm. Lu% beim gestellten Antrage, welcher dahin ging, die Redefreihest � der DrSkusfion auf 10 Minutm zu beschränken, machte derG? nannte noch einige Bemerkungen, welche den überwach««»? Polizeilieutmant veranlaßten, die Versammlung auf Grund f § 9 für aufgelöst zu erklären. � Eine zahlreich besuchte öffentliche Versammln««,? Bnchbtadergehilfen aller Branchen, der auch die sozisf? schm Abgeorvnetm Auer, Kräcker und Kayser beiwohnten, l?* am Mittwoch Abend in den Gratweiweil'schen Bierhallm# Vorsitz deS Buchbinders Höhne statt, um den Antrag% mann betreff« den Befähigungsnachweis der Handwerksgeseum und Meister eine Besprechung zu unterziehen. Der Vorst»?»' deS Unterstützungsoereins, der Buchbinder Herr Jost, refen»' über dieses Thema und sprach fich gegm die Zweckmäßig»» dieseS Antrages unter dm heutigen ProduttionSverhälinlW auS. Desgleichen die Abgeordneten Auer und Kräcker. Versammlung nahm schließlich einstimmig folgende Resolutt»» an:„Die am 24. Februar 1836 tagende Versammlung»* Buchbindern aller Branchen erklärt dm durch die Adgeordn««* Ackermann und Genossen im Reichstage beantragten M'aL gungSnachweiS für den selbstfiändigm Gewerbebetrieb alS dem Zeitgeist entgegenstehende und mit dm Verhältnissen u»» Bedürfnissen nicht im Einklang zu bringende Einrichtung. erklärt fem er auf Grund der Ausführungen der verschiede»'' Redner, den Bestrebungen auf Einführung der genanntm v» richtung den ernstesten Widerstand entgegmzusetzm."„ ♦ Zeutral-Keanken- und Eterbekasse der Fabrik-«»' Handarbeiter und anderer gewerblicher Arbeiter beiderlei � schlecht»(E. H. Dresden), örtliche Verwaltung Berlin.% Mitgliedern zur Nachricht, daß auf Beschluß deS Ausschuß und deS Zentralvorstandes vom 1. März 1886 auf nur kuu» Zeit die Beittäge um 20 pCt. erhöht werden(laut§ 10 j? Statut»). Diese Erhöhung betrögt bei der 1. Klasse 4# 2. Klaffe 5 Pf., 8. Klaffe 6 Pf., 4.«lasse 7 Pf„ 5. m' 9 Bf. Die Ortsverwaltung ersucht die Mitglieder, den»� treffenden Kaffmbeamten bei Erhebung der erböhtm BeittA keine Schwierigkeiten entgegenzusetzen. DaS Nähere be% die in den Zahlstellen, sowie beim Vorfitzenden und«o™ aushängenden Plakate. * Große öffentliche Versammlung der Tlsfl'� Berlin« am Freitag, den 26. d. M„ Abends 8'/, Uhr. t. Konzerthause„Sanssouci", Kottbuserstr. 4a. TageS OrdnUNs. Die Petirion des BundeS deutscher Tischler Jnnungm an»? Reichstag wegen Einführung obligatorischer Arbeitst Referent Herr ReichStagSabgeordneter Max Kayser. a * Oeffentliche Versammlung sämmtltcher schrauben- und Facondreher heute Abend 8 Uhr im Lw? des Herm Wohlhaupt, Manttusselstraße 9. TageSordnu»»' Stellungnahme zu der tn der Fabrik von Echaal, Voß u.% ss iß Stallschreiberstraße 59, eingetretenen Kommisfion spricht die Ermattung auS, daß bei der der Tagesordnung all« Mann am Platze sein werdm.— � die» der erste Fall, wo eS fich um Einführung d«S w»,. Fachkommtsfion ausgearbeiteten Minimal LohntarifS Handels. * Verein sämmtltcher BernfSklassen Berlin!.(&** Sonnabend, dm 27. d. M., Abends 8 Uhr, Münzftt Vettammlung. T.« O.: Vottrag deS Herrn PtteS über schifffahrt". * Allgem. Kranken- und Sterbe- Kasse der arbeiter(E. H. 29 Hamburg). Filiale Berlin Vi,@onn<% dm 27. d. M.. Abend» 8'/. Uhr. Mitglieder- Versaw-nM Gattenstr. 123 bei Krüger. T.-O.: Etatutenberathung. stellung eines Kandidaten zur Gmeral- Versammlung. schiedme».— Die Zahlstellen find an diesem Abend geschloß Beittäge werdm in der Versammlungangmommm. Versammlung sämmtltcher Metallschraube«- Facondreher Berlin« heute(Freitag) Abend 6 Uhr; Lokale dcS Herrn Wohlhaupt. Mantmsselstr. 9. TageSordNtw Stellungnahme zu dem in der Fabttk Von Schaal, Voß»- eingetretenen Streik.., Große öffentliche Versammlung der Eteintt»�, Berlins und Umgegend am Sonntag, dm 28. Februar,�., mittags 10'/, Uhr, in Bötzows Brauerei-Ausschant brückttstr. 1 und 2. Tagesordnung: 1. Zweck und Fachvewine, Referent Herr Chttstensm. 2. Vorlegung 5(9 ausgearbeiteten Lohntarifs. 3. Verschiedenes. Eine Versammlung für die Mitglieder der A s meine« Kranken- und Sterbekasse der Metallaro � E. H. 29 Hamburg) Filiale I, stndet am Eonnabmo� 27. Februar, Abmd» 8'/, Uhr, im Lokal von Rothacker halle), Teltow«: st raße 3, statt. Der wichttgm Tagcsor» wegen ist daS Erscheinm der Ritglieder dringend a�hl- Beiträge werden in der Versammlung angmommen. � stellen bleiben dm Abmd geschloffen. I« dem Bericht„vychdr«cker-Ge«eralvers--,„ zu Gotha" in der gestrigen Nummer dttsser Zeitung<#. geführt, daß außer anderen Personen fich auch die©»»Jvl jst Hirsch und Kamien eingefunden harten. Um nrm«'"jjer- Meinung aufkommen zu lassen, al» ob der..Uttterstutzu v � ein deutscher Buchdrucker" in irgend einer Verbindung»L �ir bekannten Harmoniedoktor oder(einen Adjunkten steh»' ght- wir ersucht, mitzutheilm, daß fich genannter Herr oh». W ladung sowohl hier tn Berlin im Mai o. J-, alS a wieder in Gotha einfach al» Zuhörer«ingefunvm ha»- �pe Versuch von ihm, fich an der Debatte»u bttheiligen, abgelehnt.— Im Uebrtgm beutthcilt die Mehrzahl druckeigehilfen da» Borgehen der nur die Selbst� predigenden Apostel genau so wtt jeder arrder« dm» � bettet: alS ein Hinhalten der arbeitenden Klaffen in den —— ist'- traurig'« ArbeitSzuständm. Verantwortlich« Redakteur«. Eppnhetm tn verlin. Druck und Vorlag von«tut»adtng in Berlin 8W„ Beuchstraße 2. Hierzn et«« BtiW*" d« Stf selben Pi : IM' , I. eW Deutsch» ine dw» bmach«» Beilage zum Berliner BolNlatt. Dr. 48. Freitag» de» 26. Fedrttar 1886. III. SX % W» ndelt.., Set» ofsf* .*» SZok' 'S< dt- »er- Die Allj'chmt im Jlluzemerbe. , seiner trefflichen Red« aegm den Ackermann.Biehl'schen Z«r»a auf Einführuna deS BesShigungsnachweisiS hat der -inchStagsobaeordnete Trtllcnberger daraus hingewiesen, yd euch in vaS Baugewerbe bereits die maschinelle Technik ungedwi.gen sei. Einen sehr interessanten Beleg für diese wichtige Thatsache �nden wir in dem bekannten Momleur der Baugeweelsme ister, "�r-Baugewerks-Zeitung" vom 6. Februar I. I. . 8n einem Echluhartikel über die Päeler'sche Bouwinde »trd ausgeführt, wie die Einführung derselben eine Arbeiter- �ejfrie, die SteintrSger, nach und noch überflüssig zu ??chm im Stande sei. Der Artikel vnräth mit solch naiver *7 iw Herzigkeit die innersten Gedanken unseres Unternehmer daß es nicht ohne Werth sein wiid, ein wenig auf den« Mdm einzugehen. Di« durch VaS Baugeschäst PäSler u. Ratho in Beilin her «hellte Bauwinde ist eine Hand winde, arbeitet also noch M einmal, wie z. B. der Flohr'sche Hebekrahn, mit Dampf. �chtZdefloweniger ist die Wirksamkeit dieser mechanischen Vorrichtung bereits eine ganz bedeutende. Die Bauwinde hat den Zweck, die zum Bau nSthigen ?n»urermattrialten, alS Steine, Kalk, Zement u s. w. durch Mch« Arbeiter auf eine bequemere und billigere Art nach der Zrbeitisttlle zu schaffen, als dies in Berlin bisher in Aulbea durch Träger üblich war. Die Winde kommt beim �stauch auf diejenige Balkenlage oder Rüstung zu stehen, «er zur Zeit gearbeitet wird, damit der hinauf- Mene Kasten mit seinem Inhalt direkt auf eine Zr niedergelassen nach der Arbeitsstelle verkarrt und «rsstt werden kann. Zur steteren Fühiung der Kasten doppelter Schacht aus Brettern oder Latten erfoiderltch, W1* den beiden entgegengesetzten Schmalseiten offen bleiben Äu jeder kompleten Bvuwinde liefert die Firma ein &% Meter langes starkes Drahtseil mit zwei doppelten Ä-ln zur Aufnahme der Kasten. Tie Vertbeilung der Lr' erfolgt so, daß zwei Kasten an der Winde hängen, von Lr" der eine beladen hoch geht, während der andere leer sM �mmt. Gleichzeitig wird der dritte Kasten unten ge- und nach der Hedestellt angekarrt, der vierte aber oben z>, uer Rüstung nach der Arbeitsstelle geschcfft und entleert. kj oi&tiger Handhabung der Winde schaffen 4—5 Mann, tonL 3 Mann je nach der Höhe zum Drehen, ein Mann JVl?dkarrtn unten und ein Mann zum Verlarren oben, pro StoLv* zehnstündiger Arbeitszeit 7000 Steine mit dem nöthigen Kochel nach der Arbeitsstelle in den mschiedenen Siockwenen. SL � ziemlich gleichgtlrig ist, od dieselbe zwei oder vier «�ppen hoch belegen ist, da die Hebung des Kastens pro nm ca. 10 Sekunden in Anspruch nimmt. ES können Sin. S.1* Winde game Tonnen Zement, Eisendahn-Schienen Foäger in die Höhe gezogen werden. z,, �u« dieser kurzen Beschreibung, bei der wir dem Prospekt genannten Firma gefolgt find, ergibt fich, doß die Bau menschliche Arbeitskraft erspart und an Stelle geschickter »eu die unqualiftzirte Arbeit gewöhnlicher Tagelöhner setzt. vier vollzieht fich also derselbe Vorgang, den wir in jeder Mustrte, welcher die Maschine fich bemächtigt, beobachten 7«,en, das Freisetzen zahlreicher„Hände" und dadurch Ver« ckung der industriellen Reservearmee, und die Verdrängung ? gelernten Arbeiter durch die einfachen,«hne viel Uebung �Ähne lange Lehrzeit erlernten Handreichungen gewöhnlicher Wie stellt fich in unserem Falle die Sache? Unsere Quelle giebt darüber die beste Auskunst. W*lne Winde, so wird ausarfühit, leistet im regelmäßigen �.-Mebe und zweckmäßiger Ausstellung bei 5 bis 6 � fcssUm# 7ooo Mauersteine einschließlich d«S in 10 Arbeitsstunden. dazu ann Be- nöthigen % find bei 7000 Steine--- 140 Kosten a 50 Steine, W 100 Steine ein Kasten Mörtel-- 70„ H,{x Summa 210 Kasten irt.AOOO Minuten Zeit zu fördern; dies macht in 10. 60 vro Kasten Nun braucht ein Hub bis auf etwa M'etwaZMnuten-.._ Höhe nur 1 Minute, es haben also die Dreher zwi. *0? kber Arbeitsleistung von einer Minute eine Ruhepause JlLtoti Minuten. Der Abkarrer hat für jeden Karrgang drei diiiz�n. Fn Fällen, wo die Materialien weit gekarrt werden %«erden zwei Karrer eingestellt. steht, jede Sekunde ist berechnet, der Mensch gilt nur Schräudchen im Mechanismus, sein„Recht auf Muhe� �vn.u, wiv guill wMivu.ifv»».» � iaeWu!}Pen' abgezirkelt auf da« Genaueste, dürfen sich nur z�verthschaffeiche Arbett umsetzen. % 2 swi T Vorhergehenden geht klar hervor, daß, wenn man w. i? kln-n Hub macht und dopvelte Kanmannschatt Tagesleistung der Winde in 10 Stunden bis auf rJliih* ne einschließlich Mörtel gesteigert werden kann. L�anii, n zur Bedienung im Ganzen 9 Mann nöthig, iu,m Drehen, 2 unten zum Herankarren, 2 oben zum h.'5. ein Mann oben und unten zum Ab- und An» Di.«.�en. Ädi« J%kWne arbeitet, daS ist ein Hauptzweck, billiger Ldeit ��uteager. ES stellt fich nämlich einschliehlick der jssnt(%; Veränderung der Windenstelluna das Tausend . Wöitel, dt» zum Dach eines fünfstöckigen HauseS 5?»dl, ungefähr gleich dem Tagelohn eines Ii!' in».Jl' 1 8 oder Tagelöb, erS bei zehnstündiger Arbeits- A, ü*j'et>Jjn also jetzt 2,50 Mark. Dazu kommen Reparatur- �°zen,i.. k Amortisation des Anlagekapitals. Selbst bei �iiesi��dschreibung aber stellt stch das Tausend Steine W»echnA Mörtel erst auf 2,62 Mark. bei nun den ungünstigsten Fall, die Winde kann CTAtni 2? RoHHau denutzt werden und soll das ganze An- «Weiü, 400 Mark verloren gehen, dann erst wild das & fon ne 4,04 Mark zu beföidern kosten. Beweis: die .v°m 1. Stock bi>"'• eines Rohbaues 210000 i �»sten de» Transport» o« -4 22 -4.95 -5.46 -3.75 gegenWindentranSport bei einem mittelgroßen Wohn- Hausbau. Beim Bau eine» WohnhauieS mit zwei Seitenflügeln und Q«rgedSude sollen 30 Maurergesellen beschäftigt werden. Da- find zwei Winden nöchig, zu welchen 4 Schachtöffnungen ge- baut werden. In runder Summe sollen verarbeitet werden 420000 Steine. Diese kokten an Etelnträgerlobn: nach dem 1. Stock zu'r-gen 100000 Stück inkl. Mörtel mo Tausend..... 8,50 M. � 3.50 M. nach dem 2. Stock zu tragen 96 000 Stück tnll. Mörtel pro Tausend..... 4,50 nach dem 3. Swck zu tragen 90000 Stück inkl. Mörtel pro Tausend..... 5,50 nach dem 4. Stock zu üagen 84000 Stück inkl. Mörtel pr» Tausend..... 6,50 nach dem Dochbodm und Echo nstein 50 000 Stück inkl. Mörtel pio Tausend.. 750_ Sum-i e 2198 M. Dagegen fördert eine Winde in 5 Wochen resp. 30 zehnstündigen A beitStagen 210 000 Steine inkl. Mörtel für 450 Mt., also hier 2 Winden daS Doppelte 420000 Steine in 30 Arbeitstagen -- 9C0 Mk. 25 pCt. Amoittsation von 800 Mk...= 200„ r-___ 1100„ Bleibt zu Gunsten der Winden........ 1098 M, DaS heißt: Der Betried mit Winde kostet die Hälfte dessen, waS die Steinträger gezahlt erhalten. Obige Stünträg erpreise, sagt der Artikelschreiber der„Bau gewerk Ztg." find im vergangenen Sommer von den Unter- nehmnn willig als normale gerablt worden; wenn nun aber, wie im Herbste, diese Steinträger übermüthig weiden, weil st- fich für unentbehrlich hielten, dann müßten Forderungen von 10 M. pro Tausend ihnen ost bewilligt werden." Dieser Satz muß gebührend niedriger gehängt werden. Zeigt er uni noch die Herren Arbeiterfreunde ohne Maske in ihrer ganzen Glorie. Mi! weitem verbiffenen Ingrimm von „diesen Steinirägern" gesprochen wrd, die so„übermüthig" find, stch nicht widerstandslos aui's äußerste ausnutzen zulassen, die unter dem Druck der wirthschasuichen Mißstände Lohn- erhöhungen anstreben. Solte Ueberhebung ist strafbar, denn die Unternehmer find am empfindlichsten, wenn ihnen auf daS kapitalistische Hühnerauge getreten wird. Ganz abgesehen davon, od in Berlin solche Lohnsätze, wie ste die„BaugewerlS- Zeitung" anführt, wirklich üvlich waren, drängt fich doch von selbst die Frage auf: Muß nicht die körperlich am meisten angegriffene Gruppe der Bauhandwerker, müssen nicht gerade die Steinträger angemessen bezahlt werden, damit fie im Stande sind, ihre aufrervende Arbe't auf die Dauer leisten zu können s Die Verausgabung der Arbeitskraft geht bei den Stetnträgern in solch' unerhörtem Maßstäbe vor fich, daß zur Reproduktion derselb-n kräftige Einährung, zur Beschaffung der letzteren aber eine entsprechende Löhnung unbedingt nothwendia ist. Un- bedingt nothwcndig, soll der Arbeiter nicht von vornherein, statt von den Zinsen, gleich von seinem Kapital, der Leben»« kiast, selbst leben. Was kümmett aber dteS Alles die Herren Baugewerksmeister I dieselben schwärmen nur für eine Lohnerhöhung, für die möglichste Vergrößerung ihre» „SntbehiungS"lohnes aus Kosten der Arbeiter. Noch aber haben wir nicht alle Vorzüge der Winde Tennen gelernt. Beim Windendetrieb hört alles Auswerfen der Steine auf, es fällt daher noch eine andere Arbeitergruppe, die der Klamottenträger, ganz fort. Ferner find nicht so viel Leitergänge zu bauen u. s. w- Klar und scharf spricht die„Bgw.-Ztg." die Tendenz dieser Reform au»:„In erster Reihe emanzipirt un» die Winde von dem Steinträger, damit ist schon viel erreicht, wir haben doch genug mit den anderen Akkord« ardeitern zu kämpfen; find wir nicht den Aktordmaurern, Putzern vollständig in die Hände gegeben?.. Die armen, bedauernswerthen Unternehmer, die»ehrlos „diesen übeimüthigen" Arbeitern gegenüberstehen! Doch bleiben wir ernst. Fest steht, daß auch daS Bau- gewerbe nicht m-hr gegen die maschinelle Technik gefeit ist. Dadurch wird die Bauha-'dwerkersrage noch schärfer zugespitzt, alS bisher. Die soziale Noch wird noch Sraer werden, wo die arbeitssparende Maschine hunderte aui'S Pflaster wetfen kann. Und noch immer keine sozialen Reformen?! P arlamentsverichte. Deutscher Reichstag. 64 Sitzung vom 25. Februar, 1 Uhr. Am Tische deS BundeSrachS: von Boetticher, von Schelling, von Bronfart und Kommiffarien. Ohne DiSkusfion wird tn dritter Beraihung die Abände- rung deS§ 137 de« GerichtsverfaffungSgesetze« nach den Be« schlüffen der zweiten genehmigt. SS soll also vor der Sntschei- dung der vereinigten Strafsenate oder des Plenums sowie in Ehe und Entmündigungssachen der Obtr< Reichsanwalt mit seinen schriftlichen Anträgen gehört werden.(Antrag v. Graevenitz.) Sodann steht zur dritten Beraihung der G.-E., betr. die Herstellung des N or d- O st s e e-« a n» l S. Das HauS hat die Vorlage bekanntlich nur in dem einen Punkt geändert, daß der Adgadetatif nicht dauernd, sondern nur im ersten Betriebs- jähr vom Kaiser im Einoernehmen mit dem BundcSrath, später durch Gesetz festgestellt wird.(Z 3.) Adg. Windthorst erklärt es für angemessen und billig, wenn der Ingenieur Dahlström für seine Arbei'en und Ver- dienlle bei den Remunerationen, für die ja eine Summe in Ausficht genommen, nicht allein seine Auslagen ersetzt erhielte, sondern auch eine Entschädigung, die seinen Arbeiten und Ver- diensten entspricht. Abg. Broemel bringt die Tendenz der Eisenbahn- Verwaltungen verschiedener Staaten, hauptsächlich PreußmS, zur Sprache, durch Ermäßigung drr Tarife die Schifffahrt aus dem Veikehr zu verdrängen. Allerding« find dafür der preußische Landes• Eisenbahnrath und Landtag die eigentliche Instanz, aber absehen kann der Reichstag davon nicht in dem Moment, wo ein Kanal von höchster Be- d'vtung für die Schtfffahrt hergestellt werden soll, deren Interessen durch jene Tarife aufS Tiesste geschädigt werden. Ich verlange für die Scb'fffahrt keine Sonderdeaünstigung, sondern nur Freiheit im Wettbewerbe, damit eine Privatindu- strie nicht durch«in Machtmittel der Staatsverwaltung aus ihrem redlichen Srweib g'waltsam herausgetrieben werde. Gegen diese etnseitiae partikulare Sisenbahntarifpolltik im Namen de« Reiches Verwahrung einzulegm. ist jetzt der geeia- nete Moment. Zugleich sollte man daran denken, der Schiff- fahrt durch Erleichterung der Zollabfertigung aufzuhelfen, die für fie wichtiger sein würde, als der Nor �Ostsee- Kanal. Abg. T r i m b o r n: Die Rentabilität des Kanal» wird abhängen von der Herstellung guter Waffe: straßen im Binnen» lande. Ich hoffe, daß die Bewilligung des Norv-Osisee-KanalS daS beste Mittel fein wird, um uns auch den Rhein Ems« Kanal und die Kanäle in Lberschlcsten zu bringen. WaS das Herrn Dahlström zu bewill'gende Honorar betrifft, so hoffe ich, daß der Appell an die Hochherzigkeit der Reichsreaierung nicht vergebens erfolgt ist. Ich persönlich bin Zeuge der Opfer, welche dieser Herr 8 Fahre lang gebracht hat. Staatssekretär v. Boetticher: Die verbündeten Re« gierungen stehen gewiß hinter dem günstigen Urtheil und hinter der Anerkennung, welche der Herr Abgeordnete Windt« Hoest und der Herr Abgeordnete Trimborn gegenüber den Verdiensten deS Herrn Dahlström um den Nord Ostsee- Kanal ausgesprochen hat, nicht zurück. Es ist anzuerkennen, daß Herr Dahlström mit großem Eifer, mit großer Gründlichkeit und Un- ermüdlichkeit das Projekt gefördert hat, und mehr noch ist die Bereitwilligkeit anzuerkennen, mit welcher er die Ausarbeitungen, welche er zur Herstellung d:S Projekts selbst angefertigt yai resp. hat anfertigen lassen, der Regierung zur Dievosttion ge« stellt hat. Ich kann nur wiederholt dem Herrn Abg. Broemel anheimstellen, dafür zu sorgen, daß die Bedenken und Ein- Wendungen, welche er gegen die preußische Tarifpolitik bat, im preußischen Landtage zur Sprache gebracht werden. Sofern aber setner Meinung nach die Fateressen der Scbifffahrt darauf hinweisen, demnächst b,i der Gestaltung drs Tarifs für die Benutzung deS Nord-Osee-Kanols Beschlüsse zu fassen, welche diese Benutzung in eine angemessene Beziehung zum Eisenbahn- Transport setzen, so werden wir ja innerhalb der nächsten 8 Jahre noch hinreichend Zeit haben, uns daS zu überlegen, waS wir, wenn eS zur Feststellung des Tarifs für den Nord« Ostsee-Kanal kommt, als den zweckmäßigsten Beschluß zu fassen haben werden. Abg. Halben(deutschfreis.) kommt auf die von Behm bei der zweiten Berathung geäußerten Bedenken gegen die Ver- legung der Schifffahrtsstraße in die Hamburger Bucht zurück. AuS der von der Admiralität veroffentlich-en, theils von hamburgischen Beamten aufgenommenen Karte der Elb» Mündungen ergtebt stcb, daß das 10 Meter tiefe Fahrwasser, durch welches die Schiffe, die lünftig den Kanal benutzen wollen, hindurchgehen müffen, eine Breite von 500- 1000 Meter bat, und daß es nur am einer kurzen Strecke durch ein nur 9 Meter tiefes Fahrwasser durchbroeben ist, das aber noch eine viel bedeutendere Breite bestyt. Heute stehen wir vor dem abschließenden Votum; ich denke, ei wird ein einstimmiges sein; und unter den Sroßihaten, die in der Re- aierungSzeit de» Kaisets Wilhelm vollbracht wurden, wird der Nord Ostsee-Kanal einen hervorragenden Platz einnehmen; nicht allein, weil er ein nationales Band ist, das die deutschen Küsten der Nord« und Ostsee miteinander verbindet, sondern namentlich auch deshalb, weil er in dieser Zeit der troßen Gegensätze zugleich ein internationales Band ist, daS die Völker miteinander veiknüptt.(Beifall.) Adg. v. S ch a l s ch a bedauert, daß der preußische Eisen- bahnminister daS Hauptgewicht auf die Steigerung der Ein- nahmen au» den Eisenbahnen legt. Daher erklärt stch, daß dai BinnenlandSkanalprojckt bis jetzt noch nicht zu Stande ge- kommen ist. Staatssekretär v. Boetticher: AuS den Ausführungen deS Herrn v.Schalscha klingt aueb wieder der Vorwurf heraus, als ob der preußische Herr Ressortminister den Eisenbahn- verkehr zu Gunsten deS Schiffsah' tsverkehrS begünstige, und daß er bestrebt sei, den Schifffahrtsverkehr lahm zu legen. Meine Herren, Sie wollen stch doch vergegenwärtigen» daß gerade in Preußen der Ersenbahnmintster gleichzeitig auch Minister der öffentlichen Bauten ist, und daß dieser selbe Mi- nister der öffentlichen Bauten ein eifriger Förderer der Kanal- Projekte ist. die demnächst die preußische Legislatur beschäftigen werben. Es wird an der Zeit sein, fich darüber schlüifiz zu machen, wenn der Kanal dem Betrieb übergeben wird. In der Regel wird ja auf solchen Straßen die Zollkontrole da- durch geübt, daß entweder die zollpflichtigen Waaren unter zoll« amtlichen Verschluß genommen werden, oder daß das betreffende Vehikel, also hier die S-tiffe, die den Kanal passtren, unter Zollbegleitung gestellt werden. Ich nehme an, daß vorbehält- lich eines etwa später nuch zu erfindenden besseren Modu» einer von diesen Wegen bei den Schiffen, die diesen Kanal passtren, gewählt wird. Abg. Graf B a l l e st r e m betont, daß der Minister May- iach, der allerdings auch Minister für öffentliche Atdetten fei, das Haupiintereffe für die Unternehmungen zeige, welche das meiste Geld einbringen. DaS liege einmal im fiskalischen In- teresse. Abg. Graf Holstein erklärte fick für die Vorlage, die im militärischen Interesse geboten sei; B r ö m e l und Schräder lonstatiren nochmals, wie durch die Tarifermäßl- jungen der Staatsdahnverwaltung der Schifffahrt die Kon- urrenz mit dm Eisenbahnen etschwert sei. Adg. Meier(Bremen): Ich wunderte mich über die Klage Brocmel's. Wir find sonst immer der Meinung, er be« günstige die Sch'ffsahrt, den Handel insofern nicht, al« er un» höhere Tarife von den Hafenstädten nach dem Innern auferlegt, und die Ausnahmetaiife beseitigt. Die Eisenbahnen solltm gar keine fiskalrsche Seite haben, gar keine U-berschüffe liefern, und so billige Tarife haben, daß fie zwar Kosten und Zinsen decken, aber auch weiter nichts. Staatssekretär v. Boetticher: Der Herr Abg. Broemel bat bedauert, daß ich der Anregung, die er und der Herr Abg. Schräder gegeben, nichts weiter als volle Passtoität entgegenzusetzen aewußt habe. Meine Herren, der Vorwurf ist un- degründet. Ich habe mich gar nicht passto verhalten; ich habe den Herren den Weg bezeichnet, auf dem allein ihre Beschwerden und Defidcrien verhandelt werden können, nämlich dm Weg der preußischen gesetzgebenden Faktoren. Also, meine Herren, daS einzige, was von Ihrer Aktion übrig bleibt, ist da», daß Sie sagen können: Die Tarlffeststelluna für den Nord Ostsee-Kanal wird beeinflußt durch die Lage ver preußi- seben Tarifpolitik! und bezüglich dieser Frage will ich in die Aktm schreiben:„Reproelnratur nach 8 Jahren!" Dann bin ich recht gern bereit, mit Ihnen diese Sache sehr gründlich zu diSkutiren. Heute ist alleS, was Sie darüber sprechen, ein Monolog, der absolut gar keinen Erfolg haben kann!(Sehr richtig! rechts.)„,„ Abg. Behm: Wenn der Abg. Halben erklärt hat, jetzt würde für das Elbfahrwasser von Hamburg Genügende« ge- than, und der Zustand deS Fahrwassers von Kurbaven fei nicht so schlimm, wie ich gemeint habe, so muß ich sagen, daß ich, der ieb die jetzigen Leistungen deS Staates Hamburg in dieser Beziehung überall nicht beurtheilen kann und aueh nicht will, jedenfalls mich hierüber nicht zu Ungunsten Hamburgs aus- sprechen werbe, bei der früher ausgesprochenen Anficht stehen bleibe, daß nämlich Schiffsunfälle und KoHifionm in großer • Anzahl In d«r Eide, namentlich in der Nähe von Kurhaven vorgekommen find und noch vorkommen, dah vielleicht zukünftig nock 18000 Sckiffe mehr dicie Stellen pasficcn werden und die Zahl der Kollifio�cn in der Eibe künstig wachst, daß endlich nach Angaben Sachverständiger die KiieaSdampfer, welche 8 Meter tief gehen, F drwaffer von kaum 3—400 Meter Breite an der betreffenden Stille haben. Mögen die verbündeten Regierungen, wenn es nörhig sein sollte, stch mit dem Staate Hamburg in Verbindung setzen und dafür Sorge tragen, daß in genügender Weise dai Fahrmaffer der E!be bei Fertigstellung des Kanals erweitert sei, damit daS befürchtete Unheil nicht eintreten kann. Abg. Halben: Es ist mir nicht eingefallen, die Angaben Wehms zu krüistren, ich theile nur nicht seine Befürchtung und beziehe mich dafür auf daS offizielle Material. Abg. S ch r a d e r weist darauf hin, daß Artikel 45 der Reichsverfaffung dem Reich die Kontrole über das Tartfwesen einräumt. Auch das Reichseisenbahnamt ist enichtet zu dem Zwecke, die Aufficht über das Eisendahnwesen zu führen. Die Bestigniß de« Reichs— beim preußischensEisenbahnminister über Klagen in Betreff deS Tarifswesens vorstellig zu werden, steht also unbestritten fest. Abg. Bamberaer: Es ist begreiflich, daß in dieser Zeit auch der Herr Maatssekretär darauf achtet, daß das Reich nicht in ungebührlicher Weise eingreife in die Befugnisse eineL Bundesstaates. Trotzdem hat weder ein Vertreter der Kriegs- Verwaltung noch ein Vertreter der Marineverwaltang hier das Wort ergriffen, um unS zu erklären, daß fie wirklich durch- drunaen se en von der Nothwendigkeit dieses Kanals im milt- tärischen Interesse. Ich weiß, daß die Herren stch in der Kommiifion in dieser Beziehung ausgelassen haben. Aber sehr ausgiebig ist eS nicht gewesen. Wenn ich nun daran denke, daß die erste militärische Autorität, der Abg. Graf Moltke, sich früher gegen daS Kanalprosekt ausgesprochen hat und daß dieser Ausspruch nicht zuiückaezogen ist, so wird man mir den Wunsch nicht vnübrln, auch hier im Hause zu hören, daß die Summen, welche wir bewilliaen, wirklich im Interesse der LandeSver- theivigung verwendet werden. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: Ich finde es ja sehr begreiflich, daß jeder der Herren, der bei dieser sehr wichtigen Vorloge sein Votum abgeben soll, auch die Eicherdeit dafür gewinnen will, daß dieser Kanal nicht blos wi thichaftlich, sondern auch, wie die Motive es in den Vor- dergrund stellen, den LandeSvertheidigungiinteressen dient. Diese Sicherheit besteht aber, wie ich glaube, ohne Weiteres dadurch, daß Fhnen der Gesetzentwurf im Auftrage deS Kaisers vorgeleat ist. Der Kaiser ist nach der Verfassung die Autorität, div cllein zu befinden hat. Daß alle militärischen Organe, die bei dieser F.age in Betracht gezogen werden, auf keinem andern Standpunkt, als auf dem Er. Majestät deS Kaiser? stehen, ist selbstverständlich. UebrigenS war mein Kommissar zu jeder gewünschten Auskunft in der Kommisston bereit, und ich bin eS auch jetzt noch, aber, meine Herren, auch in der Kom« misston, denn dieses find doch wirklich nicht Srörtungen, die sich für daS Plenum eignen. Staatssekretär v. B o e t t i ch e r: Der Herr Abg. Bam- berger hat in der Art und Weise, wie ich den Ramen des Herrn Abg. Büchtemann ziiirt habe, eine nngerechtc Schärfe gefunden. Ich bin mir einer solchen Schärfe nicht bewußt. Ich liebe rs nicht, persönlich scharf zu werden, sondem ich habe nur daS sachliche Interesse im Auge, und das sachliche Linter- esse weist darauf hin, daß die preußische Tartfpolitik Gegen- stand der Erörterung im preußischen Landtage, nicht aber hier sein sollie.(Bravo) Abg. Dr. B a m b e r g e r: Ich höre, daß Herrn von Boetticher ein Wort entfallen ist, dessen er stch nicht mehr zu erinnern scheint. Er hat ausdrücklich gesagt, wie ihm daS Stenogramm nachher beweisen wird, daß Herr Büchtemann den Eiienb-hnministec ficher angegriffen hätte, wenn Beschwer- den dieser Art vorgelegen hätten. Ich habe den Eindruck, daß fich die Kriegsbehörde jetzt zwar zustimmend zu dieser Vorlage verhält, daß aber die Initiative zu derselben nicht von ihr, auch nicht von der Marineoerwaliung, sondern von der Reichs« kanzlei ausgegangen sei. Sollte die Initiative doch von der Landrsverthervigung ausgegangen sein, so würde das gerade die Auskunft sein, die ich am meisten zu haben wünschte. Kriegöminister Bronsart v. Schellendorff: Der Abg. Bomberger hat jedenfalls, wenn auch nicht gerade einen Vorwurf, so doch seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß bisher in dieser Frage meinerseits vaS Wort nicht ergriffen worden ist Gewiß hat auch der Antragsteller nichts im Sinne gehabt, als eine ausdrückliche Erklärung der Militärverwaltung, daß der Kanal auch durchaus den Interessen der LandeSver- theisiguug diene. Eine Verpflichtung, dieS auS meiner Jni- tiative hei aus zu erklären, kann ich mit Rückstcht auf meine Stellung zu diesem Gebiete gar nicht anerkennen. Ferner ist es doch nicht üblich, über die Entstehungsgeschichte von Vorlagen innerhalb der Regierung Aufklärungen zu geben, wie fie der Abgeordnete Bamberger wünscht. Wir haben auch gar keinen Brotueid auf einander, wer bei solcher Vorlage das Hauptverdienst hat. Die Haupt» fache ist die, daß Ihnen hier ein« Vorlage gemacht wird, die allen Interessen entspricht, und ich kann nur versichern, daß auch die Militärverwaltung vollständig bei der Feststellung des Materials betdeiligt gewesen ist. Abg. v. Helldorff erklärt, daß über das Interesse, welches vre Landesvertheidigung an der Vorlage hat, in der «ommisston zur Genüge geredet ist. Beschwerden über daS Tmifwisen der preußischen Bahnen gehören nicht hierher, son- dern in das preußische Abgeordnetenhaus. Abg. H ä n e l- Es liegt hier eine Reihe von Mißver- ständn.ffen vor. Abg. Bamberger hat angeführt, daß bisher nur Gründe wirthschaftlicher Natur vorgebracht seien. ES ist klar, daß dieselben nicht genügen zur Rechtfertigung dieser Vorlage. Auch daS militärische Fn'ereffe muß«18 maßgebend matti.t werden. Damit das geschehe, hat Herr Bamberger die Herren von der LandeSvenheidigung aufgefordert, zu bestätigen, daß vom militärischen Standpunkt die Vorlage eine maß- gebende Bedeutung habe. Auch ich lege Gewicht darauf, daß uns dteS noch einmal bestätigt wird._ KriegSminister Bronsart v. Schellendorff: ES ist ein Mißverständniß, daß ich gemeint haben soll, mit einer Vorlage im kaiserlichen Austrage u. s. w. wäre diese ganze Frage abgeschafft und erledigt. Abg. Bamberger: Ich habe meinen Zweck einiger- maßen erreicht. Die Situation ist klarer geworden als vorher, aber nicht in der erwünschten Weise. In mir hat fich der Eindruck verstärkt, daß die Landesvertheidigung nicht mit be- sonderem Nachdruck für diese Vorlage eingetreten ist. Die Vorlage steht auf zwei Füß-n, der eine ist der der Küstenver- therdiaung, der andere der deS wirthichaftlichen Interesses. Aus dem Bei lauf der DiSkusfion habe ich die Uederzeugung gewonnen, daß das eine winhschaftliche Interesse nicht auS- reicht, viefe Vorlage zu rechtfertigen. Deshalb hatte ich den Wunsch, die Herren von der LandeSvertheiviguna zu hören. Ich verlangte nicht die Veröffentlichung von G-beimniffen; ich wollte nur eine runde Erklärung darüber, daß die Vorlage im Interesse der LandeSvertheidigung liege. Diese ist nicht erfolgt. Abg. v. Helldorff: Die E örterungen Bamdergers waren zwecklos und üderflüsfig, da über den Gegenstand, den et angeregt hat, bereits ausführlich verhandelt worden ist. Nachdem noch B a m b e r g e r dies bestritten und W o e r- mann darauf hingewitfen, daß die militärische und maritime Bedeutung deS Kanals allerdings bereits eingebend in der Kommisston klargestellt worden sei, wird die Vorlage un- verändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung an- genommen. Es folgt die zweite Berathung des Entwurfs, betr. Abänderung des Gesetzes über die Abwehr u nfd Unter« drückung von Viehseuchen. Das Ergebniß der Kommisfioniderathung ist, wie auch Referent Trtmborn autfühet, ein wesentlich negatives gewesen. Die Kommission hat die Regierung so orlage abzulehnen beschlossen und empfiehlt ... statt ihrer folgende Resolution:„Den Reichskanzler zu ersuchen, dafür sorgen zu wollen, daß die Vorkehrungen zur Verhinderung deS Schmug- aelS, sowie die Vorstchtsmaßregeln bei der Vieheinfuhr vom Ausland in ein richllgeL Verhiliniß gebracht werden zu den auf die Verminderung von Viehseuchen gerichteten wohlberech- tigten strengen gesetzlichen Bestimmungen im Jnlande, ferner d«ß der p-nodisch-n Desinfizirung der G�fthosställe und der Ställe der Viehhändler seitens der Polizeibehörden dieselbe Aufmerksamkeit zugewendet werde, wie der Desinfizirung der Eisenbahnwagen." Die Distusston wird zunächst eröffnet über Art. 2 der Vor- läge, welcher dem§ 45 des Viehscuchengesetzes folgende Fassung geben will: „Die Polizeibehörde hat die Tödtung der nach dem Gut« achten des beamteten ThierarzteS an der Lunaenseuche erkrank- tm Tbiere anzuordnen und kann auch die Tödtung verdäch tiger Thier« anordnen. Ist die Seuche festgestellt, so müssen alle verdächtigen Thier« mit einem dauernd haf enden Kennzeichen versehen werden. Die L«ndesregi«runaen find ermächtigt, für den ganzen Umfang ihres Staatsgebiets oder für Theile desselben die Fmplung sämmtlicher Rinder in dem Gehöfte oder in der Ortschaft, wo die Lungenseuche ausge- brachen ist, anzuordnen." Abg. v. H a s s e l d a ch befürwortet hierzu ein vom Grafen v. Behr und ihm gestelltes Amendement. Abg. Graf Adelmann hat gleichfalls ein Amendement gestellt. BundeSbevollmächtiater, LandwirtbschaftSminister Lucius empfiehlt unveränderte Annahme der Regierungsvorlage, durch welche der reelle Betrieb des Viehhandels und der Landwirth- schaft keineswegs geschädigt werde. Abg. Witt erklärt fich gegen die Amendements, insbesondere gegen den Antrag Behr Hasselbach und bittet. daS HauS möge wir die Kommisfion votiren. Das bestehende Viehseuchen- gesetz sei, wenn eS nur zweckentsprechend gehandhabt werde, recht wohl ausreichend. Die weitere Berathung wird noch 5 Uhr bis Freitag 1 Uhr vertagt. Außerdem dritte Berathung der Zusatzabkommen zum Weltoostvertiag-, egtzptische Anleihe Antrag Reichmiperger wegen Wtedereinsührung der Berufung. HemuhanS. 4. Sitzung vom 25. Februar, 12 Uhr. Am Regierungstische: v. Puttkamer, Frtedberg und Kommiffarien. Die Kommisfion zur Vorberathung der kirchenpolstischen Vorlage ist gewählt und hat fich konstituitt: Graf zur L i v p e, Vor fitzender. Graf Brühl, Stellvertreter des Vorfitzenden, Frhr. von Manteuffel, Schriftführer, G:af Pückler-Schedlau, Stellvertreter des SchnftsührerS; Adams, Beseler, Dernburg. Fürst Hatzfeldt, Fürst zu Fsenburg-Birstein, v. Kleist-Retzow, Dr. Kopp, Mener(Celle), Miqucl, Oehl- schläacr, Ostermeyer, v. Pfuel, v. Rochow, v. Schöning, Frhr. v. Solemacher. Graf Udo Etollberg. Auf der Tagesordnung steht die Berathung der Kreis- und Provtnzlalordnung sür die Provinz West- falen auf Grund deS Berichts der IX. Kommisston. Der KommisfionSanttag wird angenommen. Fn z 28 wird nach längerer Debatte die Regierungs- faffung wiederhergestellt, wonach die AmtSoerbände und Land- gemeinden zu einem Kaffenverband vereinigt werden sollen, dem dle Zahlung der den in Ruhestand versetzten besoldeten Beamten zustehenden Penfioiren obliegt. §§ 29—32 werden ohne erhebliche Debatte nach der Vor- läge genehmigt. Um 4 Uhr wird die weitere Berathung auf F r e i t a g 11 Uhr vertagt. Vorher soll die Vereidigung mehrerer neu eingetretener Mitglieder stattfinden. Abgeordnetenha«». 28. Sitzung vom 25. Februar, 11 Uhr. Am Ministerttsche: von Goßler und Kommissarien. Die Berathung deS G-setzentwurfs, betr. die A n st e l l u n g der Voltsschullehrer in d en P r« vi n z en W est- vreußcn und Posen und im Reg.-Bezirk Oppeln wird fortgesetzt. Abg. W i n d t h o r st: Die Schlußszene der gestrigen De- datte mit Herrn Kollegen v. Gerlach scheint mir daraus hinzu- deuten, daß wir beschlossenen Dingen gegenüberstehen. Ich könnte deshalb fast auf das Wort verzichten, aber es giebt doch Gründe, die mich zu sagen zwingen, was mir«uf dem Herzen liegt. DaS Gesetz hat nicht nur sür die Gegenden, für welche eS bestimmt ist, eine hohe Bedeutung, sondern ist vor allen Dingen von dem Standpunkte auS zu betrachten, daß die Echulgesetzgebung Preußens davon beeinflußt«erden muß. Nach den Ausführungen der Kollegen Gneist und Graf Schwerin ist mir klar geworden, daß die Schulgesetzgedunz nunmehr bei uns in Fluß kommt, und, wie mir scheint, sollen die ganzen Verfassungsbcstimmungen über dai Schulwesen über den Haufen geworfen werden.(Sehr gut! llnlS und im Zentrum; Oho! rechtso ES hat ja überall der Gedanke durchgeleuchtet, auch beim Minister, daß es fich darum handelt, den Einfluß der Geistlichen auf die Schule zu vermindern, zu eltminiren; fie sollen ja die Träger der großpolnischen Agitation sein. Da» Gesetz ist eine eminent antrkatizolische Maßregel: eiperi- mentnm fit in corpore Tili.(Heiterkeit. Sehr wahr! im Zen- trum.) So wird man denn da» Anstellungsrecht den pro- testantischen Gutsherren lassen, den katholischen nicht; und ebenso wird eS din Städten gegenüber gchandhabt werden, je nachdem fie vorwiegend protestantisch oder katholisch find. Warum sagt man daS nicht deutlich V Man setze eS ruhig hin- ein und eS wird besser sein, alS die Belaffung der Unklarheit. DaS Gesetz ist ein verhängnißooller Echrttt. Wer die Ver- sassung erhatten will, wer nicht einseitig strenge Maßregeln gegen einen Theil der Bevölkerung schaffen will, muß gegen vaS Gesetz stimmen. Ich werde eS thun. Und ich sage noch einmal: daS Gesetz ist nur ein Ansang in den Ostprovinzen, die Ausdehnung sür die ganze Monarchie steht dahinter.(Sehr gut! im Zentrum.) Darum rufe ich: Videant consuleg, ne detrimentum reg publica c&piat!(Lebhafter Beifall im Zen- trum und links.).. �. Abg.». Körber: DaS vorliegende Gesetz hat nach meiner Anficht nur einen provisorischen Charakter und soll nicht auf die ganze Monarchie ausgedehnt werden. Es ist unrichtig, die ganze Monarchie ausgedehnt werden. UM' r unirmug, daß die Regierung die katholischen Echulveihältniffe weniger berückfichtlgt babe, alS die evangelischen. DaS Gegentheil ist richtig.(Zustiwmung rechts.) Die Regierung in Marien- werder hat die eoangelstchen Schuloerhältniffe nicht genug be- rückfichtigt. Die Germanifirung der natürlichen Entwickelung zu überlassen, verbietet fich schon deshalb, weil beispielsweise in Westpreußen dir polnischkatholische Bevölkerung stetig an Zahl zugenommen hat, während in der Mitte dieses Jahrhunderts noch die deutsckevangelische die katholische Bevölkerung über- wog. Der vorliegende Gesetzentwurf wird in Verbindung mit den übrigen eine Stärkung des veutschen Elements in den vor- tig n Gegenden herbeiführen. Dieses Ziel würde eher erreicht werden, wenn die dortige katholische Geistlichkeit weniger pol- Nische Tendenzen verfolgte, und wenn die Regrnung mehr evangelische Kirchen gründete. Die evangelrsche Kirche befitzt in Westpreußen nur 88 Pfarreien, die katholische dagegen nur 194.(Ah I im Zentrum und bei den Polen.) Ich beavttagt kommissarische Berathunz.(Beifall rechts.) Abg. v. Zalrzewski: Der Kultusminister sprach v« seiner friedliebenden Gefinnung. Run, ich werde seine Rede ins Polnische übersetzt drucken und verbreiten lassen, da»» wollen wir sehen, ob fie die Herzen der Polen erobern wir» Di« Mißerfolge der Germanistrung liegen lediglich an der Methode. Jetzt lernen die polnischen Kinder nicht polnisch und nicht deutsch, und d« wundert ma» fich über die große Zahl der Analphabeten. Sie wolle» sür den polnischen Bauer Wohlwollen haben und schließ«« ihn von der Parze llirung der großen Güter aui? iRedn« bleibt darauf in seiner Rede stecken, da er daS Manuskript bezw. seine Notizen nicht bei fich hat. Nachdem er eine Zeit lang danach vergeblich gesucht, verläßt er die Tribüne.). r Abg. Wessel: Ich bestreite aus meiner näheren örs«»' rung entschieden, daß in Westpreußen die katholischen Eckuies zu kurz kommen. Der Abgeordnete Windthorst hat von diel«« Verhältnissen gar keine Ahnung. Diese ganze Gtsetzgedu»» findet ihre Begründung für meme Heimalh in dem Treibe« der polnischen Presse und der Vereine. Es werden in der val- nischen Presse die gehässigsten Konduitenlisten geführt ü-cr Diejenigen, welche in Kommunal- und anderen Wahlen nuV im polnischen Interesse stimmen. Sie werden als V-nä!««« an der gerechten Sache bezeichnet; polnisch und katholisch identifiürt. Was da? vorliegende Gesetz selbst betrifft, so W' fich darüber reden, ob nicht den Städten über 10 000 Ö«' wohner das Beruferungslecht der Lehrer zu belassen ist; das platte Land und die lleinen Siädte, wo ohnehin J* Schulaufficht eine mangelhafte ist, darf der Staat auf das kationsrecht nicht verzichten. Der Aufhebung des§ 33 J« Gunsten der vollständigen Befreiungen der Gutsbezirke Schulletstungen kann ich nickt daS Wort reden. Sie eine Mißstimmung hervorrufen unv auch polttisch bedenk» sein. Ich werde für dieKommisfionSberathung stimmen.(**" fall rechts.) Abg. von Jazdzewski: Die polnischen Eltein% großen Werth darauf, daß ihre Kinder deutsch lernen, f, Meihode aber, wie den Kindern das Deutsche beigebracht>»«? verfehlt ihren Zweck und führt zur Verdummung. So ist Wunver, daß im Lause der Zeit die Kenntnrß des DcntW" abgenommen hat. Der Minister sprach von seinem wollen" gegen die Polen, als ob dieS nicht Pflicht und«&»£ digkeit der Regierung wäre. Viele latholischen Eltern fin&£ nöihigt, ihre Kinder in evangelische Schulen zu schicke«, ihnen evangelische Anschauungen eingepflanzt werden. Regierung wird durch diese Vorlage nicht die Germanist«?? sondern die Zähigkeit und den Widerstand der polnische««� 1 vöikerung befördern.(Beifall bei den Polen.) Die Ditkiisston wird geschlossen und die Vorlage a« Kommisfion von 21 Mitgliedern verwiesen. ,> Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs,%, die Bestrafung der S chulversäumnisse im � biete der Schulordnung für die Elementarschulen der Preußen vom 11. Dezember 1845 und des Schulreglew«« vom 29. Mai 1601 für die niederen katholischen Schule». den Städten und auf dem platten Lande von Schlefie« ver Grafschaft Glatz.. z, Abg. Szm ula spricht fich gegen die Bestrafung der®4&> gründe begutachten, daS kann allein der betreffen»« � 1' Vorsteher. Würden Sie solche Bestimmungen etnsuv würden viele Gutsbefitzer— ich würde eS ficher ihan�£(# die Strafgelder schädigen laffen. auch gegen die Zentrum.) Minister v. aus ihrer Tasche zahlen, als die AuS diesen Gründen würde«® Vorlage stimmen.(Beifall linlS u«d ,14 % oßler: Diese Vorlage ist doch-. alS der Vorredner glaubt. 1883 hat die Mehrv«,> Hauses zugegeben, daß die bestehenden Vorschriften n Wv' reichen, um einen dcsseren Besuch der Volksschule d � zur Pflicht zu mach.n. Ostpreußen hat mit de frage gar nichts thun. In Oberschlefien j'«."v des NothstandeS mit demselben Ei folg sucht worden; auch in Westfalen— ich glaube, im R 8 bezirk Arnsberg— und im Regierungö bezirk fi'P- man ebenfalls dazu mit Nutzen übergeganaen. irren, wenn Ei« meinen, wir stehen in dieser F/ng« � Poiizeistandpunkie; wenn etwas, so" K« einseitigen'-puiijcviumupuiuec, wenn eiwun,-- Volksschule ans Herz gewachsen, denn diejenigen, Kinder dorthin schicken, find die ärmsten und cl materieller und geistiger Beziehung.(Beifall« frage Sie: ist eS denn möglich, mtt einem.jj XPW operiren, welches zugiebt, daß Eltem nur dann» � t A find, wenn die Kinder hintereinander fünf Woche die Schule vcrsä.imen? Lässigen �y.�geWL� Eltem gegenüber enthält diese vefugniß gar keine '■■ in der Kommiifion oder»» mit ver kann Sie nur bitten, Frage mit derselben Objektivität zu prüfen. selbe herangetreten bin.(Betfall rechts.). u ein«« Abg. Gerlich: Wäre der Gesetzentwurf � g,- iT ren Zeit als gerade mit den Polenoorlagen aN tz�,.« tSt.— steht doch lein Wort von�. Polen<« da., kommen, so glaube ich, hätte er keine Gegner gab dem, Herrn Dirichlet Veranlaffung, auf vw lommen? Es'steht doch lein Wort von Por Sache ist doch sehr einfach, man kon solchen Lizenz nicht mehr durch, leicht längere Zeit der Schule n deshalb muß die Entschuldigungsbedingu«'� rfty polizeüiche Verordnung eintreten, letzter«, hervorgehoben, fich am besten den Lokalverhai vsa■ Ä-ffuno ä !>er i. "S itiiK CJf '4 oß die«ue EeltflmnvaltungSgesetzgebuiig, in Eon- die Kreisordnung, ist die im§ 4 der Schulordnung IlLJ®*? dem Landraih beigelegie Leirig, iß, an Sielle der 2.%'" enispretend Hast und vefängniß zu dest.etiren, «GGefalltn und deshalb ist es am besten, den§ 4 selbst durch «w onbert Bestimmung zu ersetzen. Die Diskussion wild geschloffen. „ bemerkt Abg. Dirichlet dem Herrn Gerlich, zjr""* Moiive nicht gelesen haben, denn dort werde MMich hervorgehoben, daß diese Vorschrislen gerade mit auf die polnisch sprechende Bevölkerung noth seien. k« Ur Oirlich giebt zu, daß Abg. Dirichlet die Vorlage «Ä1* hade als er. vorhe<'®en �omm'f�on überwiesen,»ie {o!ßi die erste� Berathung deS Gesetzentwurfs, belr. Anstellung der Jmpf ärzte in der Provinz '•ttn. -.Abg. v. Schorlemer: Dieses Gesetz hat ein allgemeines M i/ln des KcpfeS erregt.(Heiterkeit.) Ich will es nicht � unklar(Hkiterüit.) Was das Gesetz eigenUich will, n.. Minister v. G o ß l e r: Die Vorlage hat eine rein sack« ft! m#f*ä- Seit dem Erlaß des Jmpfgesktzes von 1874/75 m w eo?fn ist die Meinung bcrvorgetrelen, daß der Verzicht U die Anstellung der Jmpfarzte sertenS der VerwaltungSbe- falsch mar. glg; anderen deutschen Staaten find davon gegangen, daß beamtete Aerzte die Träger des JmpfwesenS nmilff-n. Seit etwa 30 Jahren ist das Bestreben dahin Mken, den nationalpolnischen Mittelstand, Aerzte und Rechts- T�ite, in kleinen Städten zum Mittelpunkt der Agitationen wachen. Fast in allen kleinen Städten bilden die Aerzte "tchlsanwälte die Zentren der polnischen Agitation.(Bewe- S2® im Zentrum und bei den Polen.) Eine vernünftige Staats- .,?"ung muß den einzelnen Maßregeln dieser Agitation nach- mVlifte mu6 versuchen, diese Personen des amtlichen Nimbus ?.?Nleide« und daher auch den Muth haben, solche Vorlagen f«n rrtr Erkenntniß vor dem Lande zu vertheidigcn.(Bei- »» techts.) � Kinauf vertagt das Haus die Fortsetzung der Berathung bi» F�itag 11 Uhr.(Außerdem Gcsetzeniwurf, betreffend -...«mrichtuog von Fortbildungsschulen in den Provinzen 'W'ußen und Posen.) Schluß 4 Uhr._ Zokales. jw Landgericht»- Präfident von Bardeleben hatte �'inigen Tagen verfügt, daß Geh. Rath Profeffor Dr. dirk. gerichtlichen Obduktionen nicht mehr persönlich mit- 0,,'�' sondern nur zugegen sein solle. Es war dieS die Brr« dtftn"» JU"vem EntlaffungSgesuche des Geh. Raths ge- jetzt nicht mehr verschwiegen �Wung der Staatsanwaltschaft war die Obduktion einer lim/-*m Obvuktionshause angeordnet und von dem mit der »u"iuchung beauftragten Untersuchungsrichter die gerichtlichen Msiker Geh. Rothe Liman und Wclff zu dem im Obduk- »"Mause anberaumten Termine vorschrtstsmäßig geladen �dcn. Gxh. R»lh Wolff und der Untersuchungsrichter mit Errichtischreiber waren pünktlich zur Stelle, Geh. Rath aber nicht. Letzterer erschien erst eine Halde Stunde htt®tr Untersuchungsrichter nahm nun Veranlassung, ihn So li aufmerksam zu machen, daß ein Zeuge oder Sachver- JSJtg«, welcher zu einem anberaumten Termine ohne genü- i�be Entschuldigung ausbleibe oder nicht pünltlich erscheine, z. Seidstrafe bis zu 300 M. belegt werden lönn.'. Gegen �."nwendung dieser Strafbcstimmung auf sich glaubte nun Rath Liman Verwahrung einlegen zu müssen, der Unter- Mngörichter bedeutete ihm aber, daß er fich nicht veranlaßt '*)(, von allgemein geltenden gesetzlicken Bestimmungen im fliegenden Falle abzuweichen. Geh. Rath Lima» weigerte fxrrüßmehr, die Obduktion vorzunehmen, worauf der Unter- Uungsrichter eine Geldstrafe von 300 M. gegen Geh. Rath �«nan festsetzte und hinzufügte, daß die Festsetzung de« Maxi- Vlbelrages der durch die Etrafprozcßordnnuna angedrohten Fjofe bei dem Bildungsgrade des Geh. Raths und seiner f�orragenden Stellung gerechtfertigt erscheine. Die Strasfest- leirmg wurde dem Gcrrchtsschreiber zu Protokoll diktirt. Nun- Nr nahm Geh. Rath Liman im Verein mit Geh. Rath Wolff rk. bduttlon vor. Die Straffestsetzung des UntersuchungS- r™*"* wut de höheren OrtS gebilligt, und Geh. Rath Liman gegen ihn rechtskräftig gewordene Strafe von 300 " Wochen sudstituirt waren, bezahlen & die_„..WWW für welche event. 6 v-i-Die neue Morgue. Am 1. März d. I. wird das neue �enschaukaus, Kommunikation am Neuen Thor Nr. 19, in �Illlche Benutzung genommen und gleichzeitig das Bureau tz, polizeilichen Leichen- Kommissariats nach dem bezeichneten st�ude verlegt. Der Leichenschauraum befindet fich im Mit- hM und ist durch eine Glaswand getheilt. Innerhalb der fu�en werden die Leichen unbekannter Personen mit vorge- sL.erien Kleidungsstücken und sonstigen Effekten in schräger W,iUm Zwecke der Rekognition ausgestellt. Zu dem äußeren Övli. es LeichenschauhauseS hat das Publikum von früh 9 ZbcndS 7 Uhr, im Winter bis Abends 5 Uhr Zutritt. � dieser Zeit findet auch daS Einbringen der Särge L v0or nächst liegende Flügel ist dem medizintsch-foren- GitjL.Znstttut« eingetäumt, doch befinden fich h-er auch der Ü!>d d. � Obduktionssaal,-in Zeugen. Richter-. Arzt Zemmer �sck-�MenIionszelle für solche Beschuldigte, welchen nach des§ 83 der Etraf-Prozeß-Otdnung dte Leiche zur �. evnun»-------- w„erden muß.— Es ist übrtgeuS die Bezug auf die Leichenschau endlich einmal -""' g-radezu uner- MÄ'ÄrfÄ-JC._ a(n F kw'cinÖt- Wir denken heute immer nock mit Schrecken h> �jTag.zu-jtck, an welchem, das große Eisenbahnunglück 5.sten hen war betraten. und wir das alte Leichenschauhaus Man glaubte stch in eine mittel- '" in die Morgue Aierlt�?— KM# #sa# unzweckmäßigste. DaS mit vier Mundoblaien befestigte Plakat versammelt, so lange ei festfitzt, eine Menge Neugieriger auf dem Slraßendamm und»oc dem geschlossenen Schaufenster, die nur daS Trottoir sperrt und die Polizeideamten ärgert, btS ein mitleidiger schärferer Lustzug eine Oblate nach der andern loS- löst und die„gerichtliche Konkurseröffnung" in alle Winde weht. Hält da! Gericht die Bekanntmachung von dem erfolgten Ausbruche des Konkurse? an den geschlossenen Geschäftsräumen für durchaus enotderlich, so ließt sich dafür wohl eine unseren VeikehrSverhälintssen besser angepaßte Form finden. Ein festes Schild mit deutlicher und weithin lesbarer Schrift, das einfach die Thatsache der KonkurSeiöffnung verkündet, würde den angestrebten Zweck besser erfüllen, als die ganze lange Litanei der Konkurs- Proklamation mit den Daten der Zahlungseinstellung, der ForderungS Anmeldung und der Forderungi Prüfung, wofür daS große Publllum doch lein Verständmß haben kann.— Auch uns find diese Konkurs- Eröffnur.gm aufgefallen. Allerdings hat uns das angeklebte Papier weniger interesfirt, wir haben eS vielmehr als ein sprechendes Zeichen der Zeit aufgefaßt, daß in dem ftequente- sten Theil von Berlin fich die Konkurse in so erschreckender Zahl vermehren. Ist eS angeficht» der oben aeschilderten Thai« fachen noch nölhig, daß man viel von der Ueberproduktion und dem mangelnden Absatzgebiet spricht? Die Kaufkraft deS gioßen Publikums ist im Schwinden begriffen, daS zeigen vor allen Dingen die meisten Plakate deS Gerichtsvollziehers. Die Folge» eine» Unfälle», der stch vor etwa Jahres- frist Hierselbst in der Reichenbergerstraße ereignete, haben sich für die Äetbciligten in recht unangenehmer Weise bemerkbar gemacht. Im März». I. war der Geselle eines dortigen Bäckermeisters mit tzolzabladen beschäftigt; er hatte die Decke von dem»or der Eingangsthür des Hauses befindlichen Licht- schacht hinweggenommen und dte Holzscheit« in die Oeffnung gesteckt, von wo auS ste von in den Kellerräumen befindlichen Lehrlingen weiter befördert wurden. Der dreijährige Sohn eines im Hause wohnenden Tischlers kam durch die Thür und stürzte so unglücklich in die Oeffnung, daß er an den Folgen der erhaltenen Verletzungen starb, nachdem er«och vteczehn Tage lang in einem Krankenhause verpflegt worden war. Der betreffende Bäckergeselle wurde wegen fahrlässiger Tödtung mit drei Monaten Gesängniß bestraft; zugleich aber nabm der Vater des verunglückten KindeS den Bäckermeister in Anspruch auf Erstattung der VergflegungS- und Begrädnißkosten und daS hiesige Amtsgericht I hat vor einigen Tagen den Bäcker- meifter zur Zahlung dieser Kosten verurtheilt. Der Verklagte — so führt die Entscheidung auS— habe fich eines vertret- baren Versehens schuldig gemacht, indem er die Arbeit seines Gesellen nicht überwachte. Daß der V-rklagte nicht mit seinem Gesellen zugleich bestraft worden sei, vielmehr das Strafver- fahren gegen ihn eingestellt werden müsse, widerlege noch nicht seine zwilrechtlicke Verantwortlichkeit zum Schadenersatz für ein begangenes Versehen, vielmehr ergebe fich aus der Straf- einstellung nur, daß dies Versehen den Verklagten nicht zugleich auch strafrechtlich verantwortlich mache. Wie sehr der konfessionelle Hader, der häufig Er- wachsen« entzweit, auch auf dte Jugend übertragen wird, beweist folgender Vorfall. Jedermann weiß, daß manche Kinder eine große Vorl ebe für Stammbücher und Albums befitzen, in welche ste ihre Schulfreunde mehr oder weniger tieffinnige poetische oder prosaische Betrachtungen eintragen lassen. Man hat in späteren Jahren ein seltsames Vergnügen daran, die alten, vergilbten Blätter zu betrachten, man mnnert fich vielleicht alter Bekannter und mancher fröhlichen Stunde. So gab vor einigen Tagen eine Schülerin einer hiestgen„höheren" Töchterschule einer Freundin ihr Stammbuch mit, in welchem fich dieselbe mit einem kleinen Vers verewigen sollte. Am fol- genden Tage brachte die Kleine daS Buch jedoch unbeschrieben mit zur Eckule zurück und erklärte, daß ihre Mutter nicht wünsche, daß ste sich in daS Buch einzeichne, weil die Freundin ein Judenmädchen fei.— Das sind die Früchte der Thäligkeit eines Herrn Stöcker und Genoffen. Den Schullindern sollte man doch solche niedrigen und gemeingefährlichen Gesinnungen noch nicht einimpfen. Ein Exzeß, der fick zugleich als Landfriedensbruch darstellt, ist soeben bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht II zur Anzeige gebracht worden. An der Landsberger Chaussee, dinier den Buggenhagen'schen Häusern, liegt das Eander'sche Vergnügungslskal. Das Betreten des Tanzsaales war einigen Schlächtergesellen, die als berufsmäßige Schläger bekannt find, untersagt. Unter ihrer Führung sollen am Sonntag Abend mindestens 20 Schlächtergefellen in daS Lokal eingedrungen fein. Ueder das, waS fich nun abspielte, theilt ein Bericht- erstatter Einzelheiten mit, von denen wir nur wünschen können, daß ste sich als übertrieben herausstellen möchten. Gewöhnlich werden nämlich Schlägereien und dergleichen unliebsame Vor- lommniffe kolossal aufgebauscht, da» hindert aber selbst söge- nannte„arbeiterfreundlicke" Zeitungen nicht, dieselben mit un- verkennbarem Behagm ihren Lesern aufzutischen, während ste sorgsam Alle? verschweigen, waS den Herren Bierphilistem un- angenehm sein könnte._ Gerichts-Zeitung. Ein Börsenrenkontre zwischen zwei Brivatmakiern lag einer Prioatklage zu Grunde, welche der Maller Blumen- thal gegen den Kaufmann Cuttmann angestrengt hat und welche gestern vor der 98. Abtheilung des hiesigen Schöffen- 8erlchts verhandelt wurde. Nach Behauptung des Klägers hat ,n der Beklagte nach Beendigung der Börse vor den ver- sammelten vörfenbesuchern einen Schwindler und Betrüger genannt und gegen ihn außerdem den Vorwurf erhoben, falsche Aufgaben gemacht zu habe«. Als Zeugen wurden vier Börsen- besucher vernommen, von denen nur der eine zu bekunden vermochte, daß es ihm vorschwebe, als ob vom Angeklagten die Worte„Schwindler und Betrüger" gefallen seien. Wenigstens habe er diese Worte gehört zu einer Zeit, in der nur die beiden Parteien in einem Wortstreit begriffen waren. Die zweite wkrimlnirte Aeußerung vermochte keiner der Zeugen zu bekunden, wohl aber sagte ein vom Prioatlläzer geladener Börseaner au», daß dieser i« der That Aufgaben gemacht habe, die fich nachher als falsch erwiesen. Der Gerichtshof nahm als erwiesen an, daß der Beklagte die ersten inkrimtntrten Aeußerunaen gethan hat, da kein Anderer die von einem Zeugen gehörten Worte gesprochen haben könne; nicht aber erachtete er auch die zweite inkriminirte Aeußerung als festzustellen. Der Beklagte war daher wegen einfacher Beleidigung zu bestrafen. Da aber der Beweis als geführt zu erachten ist, daß Privat- kläaer falsche Aufgaben gemacht, also unrechrmäßige, nach Börsenanficht betrügerische, so war die Strafe nur äußerst niedrig zu bemessen. Von diesem Gesichtspunkt wurde der Be- klagte zu 20 M. ev. 4 Tagen Gesängniß verurtheilt. p. Eine folgenschwere Landpartie unternahm im Sommer v. I. der Kaufmann Rudolf Grätzinger. In der Umgegend von KönigSwusterhausen hatte Grätzinger in Ge- sellschaft guter Freunde fich„jotwoll vergnügt", schließlich aber des Guten zuviel gethan und auf dem Königs-Wusterhausener Bahnhof seine Begleiter verlassen. Ohne seinen Willen war Grätzinger dann in einen nach Berlin bestimmten Personenzug der Görlitzer Bahn gerathen und in einem Koupee eingeschlafen. Ali der Zug fich bald darauf in Bewegung gesetzt, trat der dienstthuende Billetschaffner auf den Schläfer zu und weckte ihn mit der Frage nach dem zu koupirendm Billet. Statt jeder anderen geziemenden Antwort erhielt der Beamte von Grätzinger sofort einen Schlag mit der Faust, dergestalt, daß er fich an der Koupirzange eine schwere Hand- Verletzung zuzog. Als nach Beendigung dieses Zwischen- falls der Zug in Johannisthal angelangt war, wurde Graetzrnger von dem Stations-Borsteher daselbst ausgefordert dm Zug zu verlassen und im Stations-Bureau sein Rattonak anzugedm. DieS konnte schließlich nur unter Hinzuziehung eines Gendarm bewerlstelligt werden, denn Grätzinger benahm fich dabei höchst ungeberdig; aus dem Zug endlich mit Gewalt heruntergeholt, beschimpfte G. den Staiions-Borsteher im Bureau und versuchte dann auf den in Bewegung befindlichen Zug wieder hinaufzuspringen, als er hieran verhindert wurde, schlug er mit dem Kopf seines schweren SpazierstockeS dem Vorsteher auf den Kopf und leistete schließlich noch dem Gen» darm, den er außerdem beschimpfte, ebenfalls thätlichm Wider- stand. Das Köpnicker Schöffengericht erkannte gegen Grätzinger wegen Widerstand, Beleidigung k. auf 2 Monate Gesängniß. — Mit dem Einwände, seine damalige Trunkmheit babe ihn zu jenen Bravourstückchen verlettet, legte Grätzinger Berufung ein und bat im gestrizm Audimz Termin vor der Strafkammer des Landgerichts II um Umwandlung der er- kannten Strafe in Geldstrafe.— Die Strafkammer legte jedoch auf den obigen Einwand des G. gar kein Gewicht und be» fiätizte unter Verwerfung der Berufung das erstergangcnr Artheil. SieichsgerichtS- Enifcheidnug. Leipzig, 24. Februar. (Keine Notbwehr.) Am 19. Juli v. I. war in einem alten- burgischen Dorfe Tanz gewesen, welcher zu Streitereien zwischen einigen jungen Leuten Veranlassung gegeben hatte. Einer der Streitenden, der Wirthschaftsgehilfe Metze aus Königshofen� war mit feinem Mädchen hinausgegangen und hatte fich gerade auf eine Bank gesetzt, als seine Gegner auch herauskamen und unter Echimpfwotten den Dasitzenden zu schuppen anfingen. Das Mädchm entfloh, sah aber noch, wie Metze von zwei an« deren angeanffen wurde. Diese beiden erlitten aber durch den fich zur Wehr setzenden Metze schwere Verletzungen, bei welchm auch ein Schlüssel oder Messer benutzt zu fem scheint. Metze wurde deshalb vom Landgerichte in Altendurg wegen schwerer Körperverletzung zu 6 Monaten Gesängniß verurtheilt. Seine Re»iston, welche unlängst vor dem dritten Strafsenate des Reichsgerichts ,ur Berhandlung kam, wurde vom Reichs- anwalte insofern für begründet erklärt, als eine Verletzung des Begriffs der Notbwehr gerügt war. Cr führte folaendrs auS: DaS Gericht könnte stch nicht in die Lage einei Ange« griffenen versetzen. Feflaestellt ist, daß die beiden Verletzten muthwilligerweise den Anaekiagten angegriffen haben, also von zwei verschiedenen Seiten. Dte größere Körperstärke deS Metze scheint den Angreifern nicht so imponirt zu haben, wie den Herren Richtern. Daß da eine Gegenwehr erlaubt ist, scheint doch außer allem Zweifel zu sein. Da! Gericht sagt, die Streitenden hätten fich der Tanzbuve genähert und der Angeklagte hätte ja um Hilfe rufen können. Wo steht aber geschrieben, daß jemand mit der Gegenwehr warten soll, brS andere kommen und bis er erfahren hat, ob sie geneigt find, ihm zu helfen. Wo steht denn ge- schrieben, daß der Angegriffene immer erst Messerstiche oder tüchtige Hiebe abwarten müsse, bis es ihm erlaubt ist, irgend etwas zur Wehr anzuwenden? Ich würde mich hüten, einen solchen Angriff erst abzuwarten. Die ganze Theorie der Roth» wehr, wie sie das Untergericht auffaßt, ist rechtSirrig. Es de- rast fich allerding» auf ein ReichSgerichtsmtheil, worin es heißt, baß die Frage, ob die Nothvehr berechtigt sei, objektiv aufzu- fassen sei. DaS ist richtig, aber den Nachsatz hat das Geuchs unbeachtet gelassen: eine andere Frage ist es, ob nicht die Strafbarkeit ausgeschlossen sein würde, wenn der Angeklagte irrthümlicherwcisc der Anficht war, daß seine Handlung zur Nothwehr geboten war. Ja diesem Falle würde wegen Man« aelS des Dolus die Strafbarkeit ausgeschlossen sein. Einem Angeklagten wird es aber ganz gleichgiltig sein, ob er wegen Nothwehr oder des mangelnden Dolus freigesprochen wird. Wenn Jemand sagt: ich bin in Nothwehr gewesen, so sagt er damit: ich habe geglaubt in Nothwehr zu fem, denn den Vor» behalt deS Jrrthums muß jeder machen, der fich ganz konelt ausdrücken will. Wenn also der Angeklagte geglaubt hat, in Nothwehr zu sein, so hat er ohne Dolus gehandelt. Ich bean- trage daher das Urtheil aufzuheben und dte Sache zurückzu- verweisen.— Trotzdem erkannte das Reichsgericht auf Ver» werfung der Revision, indem es ausführte: Die Revision sagt, daß erst eine bloße„Schupperei" gewesen sei und daß nachher der Angeklagte einen neuen Angriff erlitt;» habe, zu dessen Abwehr er geschritten sei. Nach dem Urtheile verhält sich daS aber nicht so. Danach ist angenommen, baß die Schupverei und Schimpferei ohne Unterbrechung fich bis an die Tanzbude hingezogen habe und daß bis dahin kein Schlag gefallen war, als der Angeklagte den Schlag nach dem Kopfe des einen Gegners führte und ihm die Wunde beibrachte. Wenn im Urtheile gesagt wird, der Angeklagte hätte andere Personen herbeirufrn können und dann die Notbwehr verworfen wird, so liegt darin kein Rechüirrlhum. Es ist nicht der allgemeine Rechtssatz im Urtheile ausgesprochen, daß der Angegriffene, beoor er fich selber Hilfe schaffe, srmde anzurufen und zu schaffen suchen müsse, sondetn daS Gericht hat au» der Art und Stärke der vbwehrmittel die Festelluirg gezogen, daß daS, waS der Angeklagte that, zur V-rtheidigung an fich nicht diente, und daß er gewaltthätig und ohne gegründeten Anlaß einen gefährlichen Charaltcr seiner Abwehr beilegte. Uerewe und Uersammlungem br. Der Lokalverband deutscher Zimmerleute Verlin.„ Mitgliedern für die dem Vorstand im Interesse der Kasse stets so bereitwilligst mann gegebene M. 741,70. laufend? Beiträge enh Lte 1884_ steuer M. 205,35, Krankenunterstützung 8510 M. 55 Pf-,€ Beamtengehalt 417 Unterstützung. ne Kassenbericht Der von dem Kasstrer Herrn cht ergab folgendes: Saldo von H. 13 338, Deleoirten- Aufnahmen und Statuten M. 351,70. an 246 Mitglieder für 4320 Tage terbegeld 240 M., Arzt-Honorar 190 M. M. 12 Pf., andere V-rwaltungskosten 136 M. 65 Pf., der Hauptkasse 4400 M. übersandt und am Orte per 1886 behalten 744 M. Nachdem der Kontroleur Herr Adam die Richtigkeit dieser Angaben bestätigt und die Decharge einstimmig ertheilt war, wurde zur Wahl deS Vor- stand«? gesch itten. Gewählt wurden die Herren C. Holtkamp zum Vorfitzenden, R. Liedemann zum Kasstrer und Heinrich Adam zum Kontroleur; alS weiter« Vorstandsmitglieder die Herren Schönemann, Schultz«, Christoph, Münnich, Nicolau» und Ostertag. Außerdem wurde noch eine größere Anzahl Mitglieder zu Krankenbesuchern gewählt; ferner wurde de« unsten der Familien derjenigen Mitglieder, welche schloffen, zu Gunsten der Familten derjenigen M>tgiieder, welche durch längere Krankheit in Bedrängniß gerathen find, ein würdiges Sommerfest zu veranstalten, und mit der Ausführung und Leitung eine Kommisfion von 7 Mitgliedern Nach Eiledigung mehrerer interner Angelegenheilen der wurde die Versammlung um 12 Uhr Nachts geschlossen. Ueber die Zustände im Feuer-VerstcherungSwese« hielt am Dienstag Abend in G'atweils's Bierhallen der Ver« ficherungsbeamte Herr v. Ubüch einen Vortrag. Die Ver« sammlung war meistens von VerstcherungSbeamten besucht.— Diejenigen„gelehrten Herren"— meinte der Vortragend«— welche über das Versscherungswesen viel drucken ließen, möch- ten doch die Aeußemngen deS Freiherrn v. Stauffenberg vom 11. Dezember 1885 deherzigen, welcher klar ausdrückte, daß man über dieses Tbem« nichts Vernünftiges ohne Praxis schaffen könne. Alle Schichten der Bevölkerung seien bei der Sache interesstrt, besonder? auch die Arbeiter. Letztere haben aber entweder gar keine VerstcherungSgelegenheit oder doch nm sehr theure. Di« 3 Klassen der in Deutschland arbeitenden FeuerverficherungS Gesellschaften besprach Redner nach der Reihe. Bei den Sozietäten hob er die Berliner Sozietät be- sonders hervor, welche seit 1718 bestehe. Aber auch in kleineren Städten arbeiteten solche Sozietäten zur Zufriedenheit. Die P ovinzal Sozietäten müssen gestärkt werden. Von den Privat- Gesellschaften auf Gegenseitigkeit sei die Gothaer Bant die de- acktenSwertheste. Verficherungen der Ardeiter fänden aber selten Aufnahme, desgleichm gefährlichere Risiken. Nur ver« hältnißmäßig wenigen stände diese Bank offen. Von den an« deren Instituten hatten die meisten nur lokales Interesse und bei manchen herrschen gar verwunderliche, ganz un« erlaubte Einrichtungen noch jetzt im Jahre 1886. Die Aktien-Gesellschaften seien zu reinm Erwerbi»Gesellschaften geworden durch die Suckt nach hohen Dividenden. Letztere seien zu einer wahren Sündengeldfluth angewachsen. Und während einersctt» die Aktionäre, Direktoren jc. ganz enorme Summen, oft ohne Gegenleistung, einheimsen, müßten anderer- settS die wirklichen Arbeiter mit den kärglichsten Besoldungen ihr Leben kümmerlich fristen. Und trotzvem jene Herren so große Summen oft unverdient beziehen, scheuen fie fich, fich als Ver stcherungS-Beamt« zu bezeichnen. Daher kommt eS, daß die letzte Berufszählung s» wenig VerficherungSbeamte auS« «eist. Daher kvmmt eS auch zum größten Theil, daß die Ver« ficherungSdeamten nicht für voll gerechnet werden, halb Kauf« mann, halb Beamter,„nicht Vogel noch Mau?" seien. DaS Volk müsse endlich verlangen, daß seinem Zweck, der Gemeinnützigkeit, dann für ewig diesem Zwecke und wenigen Anwesenden auS dem Kreise der Verstcherten nebst einigen Beamten zollten dem Vortragenden ihren Beifall. Gegner waren natürlich die Beamten der verschiedenen Aktien« Gesellschaften unter Führung zweier Herren von der genügend bekannten Verficherung» Presse. Einer dieser Herren wollte schon beim Anfang seinen Wünschen Geltung verschaffen. Der Vortragend« kannte diese Herren. Er stellte eS ihnen mit Ruhe» aber Entschiedenheit frei, entweder de« Vortrag anzu« hören,«der abzutreten. Di« mit allen möglichen gedruckten Büchern versehene« Gegner verhielten fich darauf ruhig. Der Fachverein sämmtltcher an HolzbearbeitnngS- Maschine« beschäftigten Arbeiter tagte am Sonntag Köp> nickerstraße 158. Ein Mitglied legte den Kollegen an's Herz» fich zahlreich der Organisation anzuschließen, dadurch würde eS nur möglich sein, daß solchm Maßnahmen, wie fie i« einer zeren Werkstell« vorgekommen, erfolgreich entgegengetreten werden kann. In der betreffenden Werkstelle war eines Tage» kurz vor 6 Uhr daS Gaslicht erloschen. Die unfreiwillige Pause benutzt; ein Arbeiter, um fich ein Liedchen zu pfeifen, waS ihm vom Werkführer schroff untersagt wurde. Ferner be« tonte Redner, daß auch daS„Aussetzen" jetzt sehr Mode wäre. Gegen derartige Manipulationen helfe nur eine stramme Orga» nisation. Am 7. März findet AndreaSstraße 21 bei Keller eine öffentliche Versammlung statt. Nähere» wird im„Berliner VolkSblatt" bekannt gemacht werden. Am 3 April feiert der Verein sein erstes Stiftungsfest Gr. Frankfurterstraße 27 bei Fiebieg. Oeffentliche Versammlung der in den Buchbindereien, Album«, Lederwaaren-, Karton« und Luxuspavierfabriken be- schäfttgten Arbeiterinnen, Freitag, den 26. d. M„ Abends 8'/, Uhr. Tagesordnung: Die Lohnverhältniffe der in obigen Branchen beschäftigten Arbeiterinnen. Wie ist die Lage der- selben zu verbessern? Gäste haben Zutritt. Uermischte». Unter der Ueberschrift„Der Kohlenktttel" erzählt das „Jll. Wiener Extrablatt" eine gar romanhast klingende Geschichte:„Herr von P...... auS einer angesehenen Präger Familie stammend, defand fich Anfang» der fünfziger Jahre alS Freiwilliger bei einem in Venedig garnisonirenden Husaren« Regiment, alS er die Nachricht von dem plötzlichen Tode seine» Vaters und zugleich die traurige Kunde erhrelt, daß ihm auS dem alS bedeutend erwarteten Nachlasse desselben kaum einige Hundert Gulden zu Theil werdm würden. Diese plötzlich« Umwandlung seines Schicksals wirkte um so niederschlagender auf unseren jungen Husaren, als er fich wobl bewußt war, daß er nicht zu denjenigen gehöre, die ihre Jugendzeit so an« gewendet und fich einen solchm Schatz von Kenntniffm er« worden, daß fie der Zukunft ruhig entgegensehen können; die Sorge um seine Zukunft überwog daher fast dm Schmerz um dm Tod deS Vaters. Nachdem er seinm Abschied vom Militär genommen und vergeblich hier und da um eine kleine Stelle angeklopft hatte, wandte er fich endlich mtschlossen nach Wim(eS war dies im Herbste deS JabreS 1859), kaufte fich hier einen kleinm Wagm mit zwei Hundm und aus dem schmucken Husaren ward— ein schwarzer Kohlmmann. Von früh bis Abends spät führte er Kohlen vom Nordbahnhofe nach der Stadt und verdimte für fich und seine Hunde sein, wmn auch oft recht kärgliches, tägliches Brod. Ader seine Kohlen warm gut, sein Maß reell und die Bestellungen wurden .........'« seiner Kr prompt besorgt: so kam eS, daß der Kreii seiner Kundschaften fich immer mehr erweiterte. Unter seinm Abnehmern def-ndsit auch die Familie v. H.... auS der Praterstraße, und Sie ew »ige Tochter de» HauseS, der daS stille, bescheidene Wesen«» Kohlenmannes aufgefallen, sorgte stets, daß demselben tm Portton Essen oder ein Butterdrod zu Tbeil ward, wen«* seine Kohlen abgeliefert hatte. So vergingen Monate, und w die Brust des jungen Kohlmmannes hatte fich unbemerkt mden dem Gefühle der Dankbarkett auch noch ein anderes eingedwnfl, daS er aber, seine Lage bedenkend, still bei fich trug. Dai jungt Mädchen war das einzige Wesen auf der Welt, da» an WJ Armm theilzunebmen schien; was Wunder, wenn er ihr eme» TageS keine Schicksale und seine Abstammung avettraute. vm dieser Zeit entspann fich zwischen Beiden ein Verhältniß, w» um so inniger werden mußte, je geheimer die Liebenden Gefühle ihre? Herzen? zu hatten gezwungen waren, bis enom die Tochter den Eitern ihre Neigung mit allm Nebenumst'" offmbarte, und diese nach langen, langen kämpfen dem «efühte ihres Herzens zu hatten gezvungen waren, 0"'rC die Tochter den Eltern ihre Neigung mit allm fiiebenumstanM offmbarte, und diese nach langen, langen kämpfen dem Eiw dei einzigen KindeS nichts mehr in den Weg zu legen w» sprachen. DaS Kohlenfuhrwerk verschwand, und der schwav �Kittel verwandelte fich alsbald in die Kleidung eines Jkaoali™ (tu* ULVVUiV U» Vit--- deren Träger bald der glückliche Gatte seiner Angebeteten wurde. liche Ungefähr wollte außerdem, daß reiche VerwaM _ n Frau zu dem neum Eh- paar zogen und vr treulich gepflegt wurden, wofür eS fich bei dem bald Das glückt Tode der Allen als Erbe eineS großen Vermögens sah.- �. v. P..... lebt noch, und zwar alS Besttzer von«indes«» einem halben Dutzend Stadthauser. DaS Glück hat ihn eden> fowmig stolz gemacht, als da» frühere Unglück ihn zu zu brücken vermochte, und gern erzählt er den ihn besuchen»' Freunden seine Schicksale. Sein Kohlenkittel aber hängt wo?. verwahrt in einem seiner Zimmer. Er soll ihm dereinst, M testammtarischer Verfügung, mit in dm Sarg hin ein M werdm._ Ketzte Nachrichten. Am Balkan hat man endlich die Feindseligkeiten � gestellt. Es war die höchste Zeit. AuS Belgrad kommt lich die köstliche Kunde, daß der KnegSminister nunm-br. Ordre zur Einstellung aller Feindseligkeiten erlaffm W- scheinlich bleibt Alles beim Alten, und bei paffender hell werden fich die Herrschaften doch wieder in dm 9� liegen. Kriefkaste« der Redaktia«. «. 6., Kattenberg. DaS Flugblatt ist, soviel Mitteln konnten, nicht verboten. O. M. 99. Besten Dank für Ihr freundliches SAeiie� ES wird sofort Abänderung getroffen werden. Was SlJ L Ihrer eigenen Schreibfertigkeit berichten, ist wohl nur w große Bescheidenheit. � Pentzsch. Daß auf Lossen, Kaffmscheinm und dergl.® laufenden Nummern in der Weise geschrieben werden, 04911, 00047, erklärt fich sehr einfach. Zur Herstellung� Stummem wird e i n Stempel gebraucht, in welchen die zelnm Ziffern eingesetzt und wieder herausgenommen wer»? Sind nun 100 000 Loose vorbanden, so wird zu derM% stelluna ein Stempel mit 5 Ziffern gewählt und, wenn Looszahl wmiger Stellen hat, der entstehende freie Raum W eine Null ausgefüllt. B. Markutstr. 1. Sie müssen die am 1. März Pränumerandomiethe pünktlich zahlen, sonst kann S'? Wirth nicht nur auf Zahlung, sondem nach den Bestimmu»»� der meisten Miethskontrakte auch auf Exmisston verklag� ,<1 2. Ein Gläubiger kann, wenn nicht ein Arrest ausgebracht g überhaupt keine Zwangsvollstreckung gegen den mit Prozesse befindlichen Schuldner vornehmen, ehe nicht � Urthell ergangen und dem Gegner zugestellt ist. Wellert in H. ES fehlen noch 2 M. 20 Pf.. M. M. Ravensburg. Ein Fabrikant ist nicht ohne � tereS berechtigt, seinen Arbeitern wegen Zuspätkommens ufzu yat. Bei einer Verspätung des ÄrbeiterS um eine w;i(» kann aber natürlich der Fabrikant dm Arbeitslohn für Stunde lnnebehalten. Eine Klage des Ardeiters auf deS nach Obigem zu Unrecht zurückb Ausficht und Erfolg; dieselbe wäre zustellen.. O. 28. 1. Sie haben keine Verpflichtung, einem einer früheren Ehe stammmden Sohn Ihrer verfiorbenM u ,........... Zabg halten«» Lohnes vrtst' beim Gewerbegerichtt zu unterhalten, ebensowenig wie einen unehelichen Soh» selben. Der Vater dieses Sohnes muß vielmehr für den un halt sorgen. 2. Jemand, der von einem Echanlwirthe marken zum weiteren Umsatz übemimmt, ist ohne b-so� Vereinbarung nicht berechtigt, dieselbem unter dem UW'%a Preise weiterzuverkaufen; er muß dem Echankwittb den festgesetzten Preis für die Btermarken zahlen und kann W durch Klage angehalten werden. B. K. Bericht in nächster Nummer.— Bitte das skript nur auf einer Seite zu beschreiben. Theater. Freitag, den 26.Februar. Aentsche» Theater. DaS«äthchen von Heil. dronn. Wallaer-Theater. Alfred'« Briefe. »kftdenz» Theater. Denise, Schauspiel in 4 Akten von A. DumaS(Sohn). Ktekle-Alltanee-Theater. Die scköne Helena, Operette in 3 Akten von Meilhac und Halevv. »»tsdrich» WtlhelmstädtischeS Theater. D« Ztgeunerdaron, von Joh. Strauß. »alballa« Theater. Das lachende Berlin. HettrnS auS der Berliner Theatergeschichte mtt Gesang und Tanz in einem Vorsviele und 3 Aften von Jakobson und Witten. »Ä»ÄÄ. M«.. »«eriean• Theater. Große Speziatttäten- »htt�dtt�Reichshalleu. Große Speziali. ».rÄmann? Vanete. Große Spezialitäten- »snkorbia�Große Spezialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertbeaterstraße 16.[620 Heute: Nur einmalige Aufführung: Pe GtstigMe de« Köllme oder: Der Thmm m*Wk. Htftor. Drama in 5 Akten nach dem Franzöfischm d«S Gaillardet. Regie: Hr. Seefew. Vor der Vorstellung: Gr. Klmzert der Hauskapelle. Anfang de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7»/« Uhr. Anfang de» Konzert» Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. Hsn» haben Wochentag» Gilttgkett und find tat Dheaterdureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. In* d iVf* r'kBoche* ürkei, Griechenland, Dänemark, Schwe- »en, Norwegen. Hertha. Reise,«a- ,oltnen»Snseln tc.«tne Reis« 20 Pf„ Kind« mtt(0 Pf. Abonnements. Oeffentl. Versammlung sämmtticher Metavschrauben- und Facondreher Berlins heute Absnd 8 Khr, tn Mohlhaupt's Lokal, Manteuffelstraße 9. Tage»- Ordnung: Stellungnahme zu dem in der Fabrik von scheinen. [811] Die Kommisfion. Möbel-, Sopha- n. Matratzen-Fabrik, A. Schulz, Wafferthorstr. 34(auch Theilzahluugs. Achtang Herr H. Wichmann, welcher anfangs der siebziger Jahre bei der hannoverschen Maschinen« bau-Aktiengesellschafi tn Linden als Meister angestellt war, wird gebeten, wegen einer wich- ttgen Angelegenheit seine Adresse an den Unter- zeichneten einzusenden. Sollte ein Leser dlescS Blatte? Kenntniß von dem Aufenthalt deS ae- nannten Herrn haben, so möge derselbe idn gütigst von dieser dringenden Bitte benachrlch- ttgen.#. Engelmann, Schlosser, Manege- gaffe 78, Mülhausen Ü/Slsaß._[812 Verein zur Wahrung d. Jnter- effeu der Klavierarbeiter. Sonntag, d. 28. Febr, Vormittag? 10'/, Uhr, Mitglieder-Vers ammlung in Gratmeit'« Kierhallen, Kommandanten- Straße 77—79(untere Säle). Tagesordnung: 1. Dortrag des Herrn Dr. HanS Land über: „Die Werthschätzung deS Menschen in unserer heutigen Zeit". 2. UnterstützunaSaesuche und weitere Besprechung der AtbettSlosm-Unter. stützungSkaffe. 3. Verschiedene» und Frage- lasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 806 Der Vorstand. Die Adresse deS 1. Vorfitzenden ist: Fr. Zubetl. Waldemarstr. 73, v. 2 Tr.; die deS 1. KaffirerS Fr. Haak, Manteu ffelstr. 86, v. III Metallarbeiter Berlik und Umgegend. Große öffentliche Versamwlu« sämmtlicher Branchen, alS: Maschinen" Gürtler, Klempner, Schlosser, Hobler, Eormer, Gießer, Dreher, Mechaniker, rumentenmacher, Ziseleure, Graveure,©»rw schneider. Schleifer. Putzer, Echnitiarbeitrf. wie sämmtlicher Hilfsarbeiter X- am Sonntag, den 28. d. Tl., Vorm. 11 iJ/jj. imLonistnstadt. Theater, Dresdenerstr' Tage?« Ordnung: 1. Wie stellen fich die Berliner oll«««««»«» etirtmr t-d. ventuelle Wahl___________ Kommisfion. ES ist Pflicht etneS jeden arbeiterS, der wichtigen Tagesordnung pünktlich am Platze zu erscheinen._____ Ärbeitsmarkt. 3 Zwei tüchtige Korbmachergesefi� g, '----- t, GitschinerI� Süßwa�os Scheenarbeit verl. E. Voigt, Wohairhäkler verlangt Langestraße 62, Hof 3 Tr. «In tüchtiger Metalldreher% dauernde Beschäftigung bei A. I c[gl' Metallgießerei, Brandenburg a. H. Verantwortlicher N-dotteue».«eontzetM W»ettin. Druck und Verlag-on«ax Badt«a in Berlin 8W, Beuthstraße.tz.