'FL Sä werd«,l» lilaitim® ehandlunl iindttN# So«tttag» den 28. Februar 1886. III. Jahrg. ,kK i"Sö itfüaniflj® chtSlo« y S tftit&d 0 Brgan für die Interessen der Arbeiter. Da« berliner Bolksblatt" ,fiO K».• H V« v**"- w mwmmmmmwm# Redaktion: Kenthftraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. ,9 87« 1 llBg Ä Üa»„KerUnerNolksblatt" sich beim Monatswechsel dem Berliner h�'um und besonders den Berliner Arbeitern zum Mnement. in der nächsten Zeit das politische Leben in j �schland speziell in parlamentarischer Beziehung iup lebhafter sich gestalten wird, so durfte eigentlich I Familie eine politische Zeitung fehlen. Sesed zweite und dritte Berathung des Sozialisten- «04£ das Branntweinmonopol werden den Reichstag ;A.'" aufregender Weise beschäftigen, während der Landtag die Polenvorlagen in den Kom- tt[�ntn und in den zweiten und dritten Lesungen zu Ik �o«„Berliner Volksblatt" wird wie bisher au«- I vV Berichte über die Verhandlungen des Reichs- und Landtags bringen. .. Außerdem aber wird dasselbe ganz besonder« der Men und sozialen Bewegung im Deutschen '4 e seine Aufmerksamkeit schenken. Iis■ �p�iell die Bevölkerung der R e i ch S h a u p t- z interessirendcn Angelegenheiten wird da»„Ber- �Bolksblatt" nach wie vor in eingehender Weise �er Abonnementsprei« des 'Kerliner Uolksvlatt� der wöchentlichen Gratisbeilage L,.»IU«strirt-s Sonntagsblatt" für Berlin pro Monat 1 Mark 35 Pfg., pro 35 Pfg. � Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitung«- �teuren, sowie von der Expedition unseres Blatte», u»Uferstraße 44, entgegengenommen. . Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonne- für den Monat März gegen Zahlung von ?ark 34 Pfg. an. Zaktton u. Expedition d.„Berliner Vottsblatt". Freie Kmitiiimilz ii der Presse. iWÄ% Pod etwa 50 Zahre her, seit ia Pari»«in Duell tonet? öwe, jungen Journalisten stattfand, da« berühmt 'st-.Der eine der Kämpfer war Armand Garrel, »tte Emile de G i r a r d i n. Der letztere hatte in IeuMeton« Die Tochter des Kankrotteurs. Roman auS der Gegenwart von Gustav Lössel. !$», empfand jene allgemeine Verurtheilung um so „ r, al« auch die Baronin nicht ander» zu denken »Si jt««ne Zeile empfing sie von ihr; sie kam nicht her, at'f.i it t' �rost und Rtuth einzusprechen, nicht einmal, um sie � vi« Ä% nk'°d«» denn wahr sei, wa« man von ihr sagte. h u»»"'cht, daß jene ebensoviel um sie gelitte», al« t I �;(urJ Tag verrann und die erwartete vertrauliche Mit- 1? aUi®tna8 an sie noch immer nicht kam. Wo immer ch weilte, dachte die Baronin, einen Brief ohne %(J!;'»«nte Erna an sie doch gelangen lassen, und wenn %.ch?icht« enthalte« hätte, al« die Versicherung ihrer 1 I ImT JC..rv rr\.• IaW-.*(aiAom frontet« 5 o�fe srr.— o— r- SnW 1. P* zu einer freiwilligen Verbannung außer i!cht Fern von der Heimath weilte sie»och P\ kss"jl ängstlich mied sie jeden Blick in eine Zeiwng, I l�nell. P» diese unerwartete Wendung der Dinge wohl m �Ü»«ug in ErnaS Arme geführt haben. Dies« aber J\ l»etj.k? � um einen Brief nach Selchow zu richten, und Ivl He sich beide in Sehnsucht zu einander, so klagte« »schon 0n» ohne den wahren Sachverhalt und die i« der sie sich von einander befanden, zu ahnen. .,, rchchuf r at0nin gedachte erst im Sommer«ach Selchow ttakÄ«Mw m'ten' und schon mit den ersten warme« Tage« t 5rl ster hn1*" �a8 Krankenhaus, welche« ihr jetzt wie ein •& .. Da« Ausbleiben jeder hatte sie zum ersten Male '.. r wl. r>> rr. Uufäuld. S. A®?"-"5®- SSÄJt'4. Apw«. solchen beruhil mit de« Te« dieser Te- Sxrtl �«anlassung des Oberarzte», der....... H fieL®Ä ihr« Krankheit und an ihrem ferneren Schick- wurde ihre kleine Barschaft durch Verpfle- '" nicht weiter geschmälert. E:na war also in der ei» lebhafte» seinem Blatte angekündigt, daß er den AbonnementSpreiS herabsetze« werde, worauf Garrel antwortete, bei so niedrigen Preise» könne ein Schnftsteller unmöglich mit Ehren be- stehe». Die darau« folgende Polemik führte zu eine« Duell, welchem mittelalterlichen Brauch bekanntlich die französischen Journalisten aller Parteischattirungen heute noch ergeben find. Der Ausgang war tragisch: der edle und muthize Garrel fiel unter der Kugel de« Gharlatan« Girardin und der letz- tere lebte noch lange, um der-bekannte„König der Presse" zu werde«. Armer Garrel! Er hat sei» Blut umsonst vergossen. Wen» er heute sehe« könnte, wa« au« der Presse im Allge- meinen geworden ist, er würde trauernd sein Haupt ver- hüllen. Die höhere Auffassung von der Aufgabe der Presse, vo» ihrer Bedeutung al» Lehrerin de« Volke» und al« Hüterin seiner Rechte, al« Pflegeria seieer Ideale ist fast überall verschwunden. I« der Gesellschaft de« Kapitalismus gilt eben da« Preßerzeugniß einfach al« W a a r e nnd wird nicht«ach der geistigen Höhe seine« Inhalts, sondern nach der Höhe deS sich aus dem Vertrieb ergebenden Profits abgeschätzt. Daß sonach die kapitalistischen Unternehmer auf dem Gebiete der Presse unter einander in die»freie Konkurrenz" eintretea, ergiebt sich von selbst. Und so werden auch in die Presse alle die tiefen Schäden hineingetragen, die von dem System der»freien Konkurrenz" unzertrennlich find. Man drückt die Preise der Waare herab und unterbietet sich gegenseitig, um eine« größeren Massenabsatz zu erzielen und die Konkurrente» zu verdränge». Die mittleren Journale unserer große« Städte kosten durchschnittlich 3 bi« 4 M. vierteljährlich; also 1 M. bis 1 M. 35 Pf. pro Monat. I« schlechteren Zeiten wird vo» Ein- zelue« geklagt, daß da« zu viel sei. Da» bringt eine« „fix«" Unternehmer auf eine Idee- ein billige« Blatt, billiger al« alle andere», muß Herl E« kostet 90 Pfennig pro Monat. G« gewinnt sofort einen große« Lesirkrei«; aber da kommt ein Anderer, der nur 80 Pfennig pro Mo- nat al» AbonnementSpreiS nimmt. Er überflügelt sofort den Vorgänger; aber kaum sitzt er im Sattel, so kommt ei« dritter, der nur 70 Pfennig pro Monat nimmt, und wirft ihn wieder herab. Und so geht da« fort, bi« an die Grenze der Möglichkeit. Die Wische, die auf solche Art entstehen und mit dene» die große« Städte überfluthet werden, kann man nicht mehr al» Zeitungen bezeichnen. Es versteht fich ja ganz vo« selbst, daß je geringer der Preis, auch d.sto geringer die Qualität de« Inhalt« ist. Selten lesen wir da einen Leitartikel; meistens nur einige eilig zusammengestoppelte, au« anderen Blättern geschnittene Notizen, den unentbehrlichen Lokalklatsch, eine«„spannenden" Roman oder auch zwei Romane werden ent- Lage, sich ihre Zukunft selbst gestalte» zu könne« und ihre« Aufenthalt bi« zu einer Beschlußfassung nach Belieben zu wählen. Sie miethete sich nun in einer entlegenen Vorstadt unter dem angenommenen Namen»Walten" ei» bescheidenes mö- blirtc« Zimmerchen, ihren Wirthsleuten erklärend, daß ihre Sachen ihr von Stralsund nachgeschickt werden würden, sie habe dieselben dort al« Frachtgut aufgegeb». Man glaubte ihr. Sie machte einen so vertrauenerweckenden Eindruck, schien so hilflos und leidend, daß man sie schon um de«- willen ungern fortgewiesen hätte. Erna bezahlte auch de» kleine« Miethibetrag pränumerando, und damit schien jeder Zweifel an ihrer ZablungSfähigkeit gebannt. Es war ein niedrige«, bescheidene« Dach, welche« ihr jetzt gastlichen Schutz gewährte, aber um Alles in der Welt hätte sie e» nicht mit dem de» Selchower Schlosse« oder de« eigenen Vaterhause« vertauschen mögen. Hier hatte sie kein Recht mehr zu sein; die Gläubiger hatten es in Beschlag genommen, und demnächst sollte e« mit allem lebenden und tobten Inventar zum Verkauf kommen.... in dem Schloß aber, wo man sie ja auch nicht fort- gewiesen hätte, wäre sie ihrer Meinung nach nur eine Ge- duldete gewesen; und da die Baronin ihre Unschuld nicht bedingungslos anerkannte, wollte sie auch gar keinen Versuch mache», sie davon zu überzeugen. Selbst ihre W-.rthtleute sprachen lieblo« von Erna Eschenbach, die sich nicht kannte«; fie verurtheilten sie, ohne zu prüfen, ob sie auch schuldig ei; und so war Tina doppelt froh, ihre» Name» geändert und sich so alle» unliebsamen Auseinandersetzungen ent« zogen zu haben. Die allgemeine Verurtheilung und die besondere der Baronin drückten sie doppelt schwer in dem Gedanke«, daß nun die Zeit henannahe, wo Bernhard von seiner zwölf- monatlichen Reise zurückkehren mußte. Wie wohlfeil wurde ihm nun die Entschuldigung für da» Eikalten seiner Liebe, für da« Einstellen seiner Korrespondenz! Sie vergrub ihr schamerglühtes Antlitz zwischen den Händen, wenn sie an den Augenblick dachte, wo sein Vater ihm mit triumphiren« der Miene die Zeitungsberichte über den gewaltsamen Sturz weder au« ausländischen Blättern entwendet oder au« jene» Romanfabrike» bezogen, die für den Schrifisteller da» find, wa« die industriellen Fabriken für de« Handwerker. Dan« findet man»och Reklamen und Annonze« und die„Zeitung" ist fertig. Diese« Piraten« und Schmarotzerthum schießt heute so zahlreich wie die P-lze au« der Erde, um sich überall einzu- nisten und die Presse auf sei« Niveau hiaabzudrängen. E« gelingt ihm meisten« nur zu gut. Wir kennen deutsch« Städte, wo Blätter vo« nicht unbeträchtlichem Umfang für 30— 40 Pfennig monatlich erscheinen. Dadurch ist e« denn auch an jenen Orten so weit gekommen, daß die Presse daselbst nur eine Karrikatur von dem ist, was sie sein soll. Für den Schriftsteller und de» Journalisten bleibt unter sol- che» Umständen gar nichts mehr zu thu» übrig. Solche Blätter, wie wir sie geschildert haben, kann ja Jeder zusammen- stoppeln und wenn er vorher Eselstreiber oder Schafhiite in der Lüneburger Haide gewesen wäre. Man braucht ja nichts zu schreiben; man stiehlt einfach die Arbeit der Schriftsteller und Journalisten, die für andere Blätter arbeiten. So kann man auch die Preise niedrig halten. Wir kennen ei» weitverbreitete« ZeitungSunternehmen, da« vor 30 Jahren an einem kleinen Orte gegründet wurde, Der Gründer war damal« unfähig, einen Artikel zu schreiben, und ist es heute noch. Allein er war fähig zu stehlen, er beraubte die Blätter der ganzen Provinz und wenn sie sich darüber beschwerten, so tgnorirte er da» mit einer Kalt- blütigkeit, die einer bessern Sache würdig gewesen wäre. Er hatte Glück und nachdem er seine Gewohnheit«vi«berei 30 Jahre lang fortgesetzt hatte, war er ein sehr reicher Mann, während mancher von denen, deren Arbeit er sich rechtswidrig«»geeignet, im Elend schmachtete. Al« der brave Unternehmer reich geworden war, begann man ihn auch sür geistvoll anzusehen. Er war na'ürlich ein sehr liberaler Mann und machte immer de» größten Eindruck, wen» er von der Heiligkeit de« EigenthumS sprach. Solche Erscheinungen waren früher vereinzelt; heute tauche« sie en masse auf Die Schuld darau, daß sie über- Hand nehmen, trägt Niemand, als da« Publikum selbst, da« sich mit der elendsten geistigen Nahrung be- gnügt, wen« sie billig ist. Beareiflich ist da« bei dem Heu- tige« schlechten Verdienst bei Vielen, aber keineswegs bei Allen. Wenn da« Publikum will, kann e« die Piraten« blätter beseitigen. Allein e» giebt leider so viele Leute, die ei« Blatt lieber haben, da« ihnen gar keine geistige» An- forderungen stellt, al« ein solche«, da« nicht nur unterhalten, sondern auch belehren will. Wa« soll man dagegen thun? Eine schärfere Be- flrafuva de« Nachdruck« eintrete« lassen? Da« würde nicht viel helfen, denn man kann e« leicht umgehe«. E» wird de« Hause« Eschenbach vorlegen würde. Ei« wußte, daß nicht nur sein Vater, daß seine ganze Familie ihrer Ver- bindung entgegen war, und es bedurfte keiner zu lebhaften Phantasie, um sich die Situation auszumalen, wie sie fich hier gestalten mußte. Sie hatte auch ganz Recht mit ihre» Vermuthungen bezüglich der Angehörigen Bernha>ds, nur gehörte das ja Alles schon der Vergangenheit an, wa« sie mit Bangen vo» der Zukunft erwartete. Zu dem Häuschen, in welchem Erna Wohnung ge» nomme«, gehörte ein Gärtchen, und ia diesem weilte sie am liebsten. Im Rücken des klemm Hauses breitete es sich au» wie der überreiche Garten hinter dem Palaste ihres Vater«, und ebenso still war e« hier, ebenso unbeachtet konnte sie hier auf und nieder wandeln und ihren theilS trübe», theil« finsteren Gedanken nachhängen. Sie hatte Alle«, Alle» verloren, was ihr da« Lebe« schön und werth gemacht hatte, und Alles— das fühlte sie — durch die einzig eine Hand, deren Walte» wie ein Fluch über ihrem Dasein ruhte. O, wenn sie ihm einst begegnen sollte, diesem Todfeind ihr- Vaters, wenn er nur dl« Much haben wollte, Herr n und ihr ins Geficht zu sagen, daß die» sein".. gewesen...... Sie hatte zwar noch keine bestimmte Vorstellung von dem, wa« dann aeschchev, was sie dann thun würde; aber die furchtbare Erregung ihres Innern sprach laut dafür, daß sie sich rächen würde, so oder so. Die angestammte Wildheit, welche vo» Zeit zu Zeit auch ia ihr emporloderte, ließ in Augenblicken, wo sie daran dachte, ihre Augen blitzen und ihre Faust sich ballen, als gälte e» schon jetzt den Kampf, den sie mit einem wahren Heldenmuch herbeisehnte. So verging Erna der nächste Monat. Länger hatte e« aber nicht bedurft, um ihrer jungen starken Natur zum voll« kommenen Siege über ihre todtbringende Krankheit zu ver» helfen. Sie fühlte sich jetzt stark genug, um in dm Kampf ums Dasein einzutreten, ia welchem sie fortan redlich mit« streiten und ihre Kraft erproben sollte. Sie hatte inzwischen auch Zeit gmug gehabt, um zu überlegen, wie sie ihre Zu- kunft gestaltkn wollte. ,be» so lange nicht besser werden, bis das Publikum an Bildung im Allgemeinen gewonnen hat. Dann wird es größere Anforderungen an die Zeitungen stellen, denen das von uns gefchilverte Preßpiratenthum, wenn es bestehen will, nicht wird genüge» könne». Wenn die Umgestaltung der Presse in der gegenwär- tige« Art weiter geht, so ist eS nicht unmöglich, daß wir in einem Jahrzehnt eine Menge von Blättern mit relativ gutem Inhalt durch die elendsten aber billigsten Preßerzeugnisse verdrängt sehe« werde». DaS Publikum kann sich in diesem Fall, wen» es will, selbst helfen; möge ei unstre Mahnung «icht unbeachtet lassen I Politische Uebrrstcht. Die Partei Bismarck«ans phrase scheint auS- einanderbröckeln zu wollen. Diese Partei besteht im preußischen Abgeordnetenhause auS den Alt-Konseroativen, den Freikonser- vativen und den Nationalliberalen. Daß ab und zu einer der alten preußischen Liberalen, oder sagen wir A l t l i d e r a l e n, die jetzt in der nationallideralen Partei aufgegangen sind, über die Stränge schlagen und nach links abtreten müßte, ist wohl verständlich, doch hat daS nichts zu bedeuten, weil ein solcher Versuch wegen Altersschwäche immer mißlingt. Erschöpft ver- wickelt sich der Abtrünnige in den Strängen und, sich selbst fesselnd, sinkt er wieder zurück in die Partei Bismarck sana phraae. Wenn aber ein Hochkonservativer, ein muthiger, feuriger Renner über die Stränge schlagt, so ist daS ganz etwaS anderes. Der Hochkonservatioer Abg. v. Meyer (ArnSwalde) ist auS der konservativen Partei ausgeschieden— und zu ihm stehen die Abg. v. Gerlach und v. Schwerin— weil die konservative Partei lediglich eine Regierungspartei, eine Partei Bismarck aana phraae geworden ist ist. Solche tonservative Selbstständigkeit kann uns wohl gefallen, schon deshalb, weil sie einen schroffen Gegensatz zum National« liberaliSmuS bildet. Auch im Herrenhause, d m sonst unwandelbaren, hat sich ein Wandel in der konservativen Partei vollzogen. Drei« zehn Mitglieder find unter der Führung dcS Herrn v. Rochow aus der„Fraktion Stahl", diesem alten reaktionären Erbstück deS Herrenhauses, ausgeschieden. Die fortdauernde BeschlußunfShigkeit deS Reichstags hat endlich das steinerne Herz d:s Prästoenten v. Wedell er- »eicht. Im Einverständntß mit den Fraktionen will derselbe dem Reichstag einige Tage Ferien geben, damit die Reichs- boten nach denselben mit erneuter Kraft sich auf daS Brannt- weinmonopol weifen können, um dasselbe entweder in langen LommisfionSsstzungen durchzuhecheln oder, waS besser wäre, im Seime zu ersticken. Wir wünschen dem Reichstag dazu«ine gute Verrichtung. Etuer ProduktionSsteuer auf SpirituS geht man, um die Separatintereffen der Agrarier zu wahren, weit aus dem Wege. Wenn einmal der Branntwein höher besteuert werden soll, so möge man bei der Quelle ansangen— daS ist die Meinung der großen Mehrzahl deS Volkes. Die„Nordd. Alla. Ztg." aber bemerkt im Gegensatz dazu:„Kurzum, die Aufgaden, die die Regierung bei einer Reform der Branntwein- fteuer allein im Auge haltin dort, lassen sich nur durch das Monopol oder die Lizenzsteuer lösen; auf keinen anderen alS auf diesen beiden Wegen ist eS möglich, eine ge« rechte Erhebung der Steuer zu sichern und zugleich der lieber« handnahme des BranntweingenuffeS entgegenzutreten." Man kann sich übrigens hierbei trösten. Das Monopol erhält die Regierung nicht und die Lizenzsteuer in der Höhe, wie die Regierung sie geplant hat, ist unmöglich, weil dann der Brannt- wernkonsum'.7. den Wirthschasten aufhört und die Steuer IlichtS eindringt. Schöne Kosename» legt die freikonservative„Post" bei Besprechung der Debatten über die Schulvorlagen(Polen- vorlagen) im preußischen Abgeordnetenhause dem Abg. Pro- fessor V i r ch o w, diesem vielseitiaen bedeutenden Gelehrten zu. DaS konservative Blatt hat den Much, Virchow einen„BerufS- voltttker" zu nennen, obwohl sich der Gelehrte ungemein wenig, zum Schaden seinerFraktion, um Politik bekümmert. DaS Blatt schimpft Virchow eine„lächerliche Figur" auf dem Gebiete der auswärtigen Politik, wohl nur deshalb, weil Virchow einer der wenigen Männer im Parlament ist, dem Fürsten Bismarck auch in Hinficht auf dessen„Altentheil" muthvoll zu widersprechen. Gerade dadurch»Hut er sich weit- auS hervor, und seine Fraktionskollegen, die Herren Richter und Rickert, Hänel und Bamberger könnten sich an Virchow ein guteS Beispiel nehmen. Daß Professor Buckow gerade den Zorn des„BotschaiterorganS" durch seinen Widerspruch gegen des Reichskanzlers äußere Politik hervorruft, ist ja selbst« Bald«ach ihrem Einzug hatte sie die nothwendigste« Anschaffungen für sich gemacht und alle Packete nach einem Geschäft d'.rigirt, in welchem ein neuer, großer Koffer, den fi« gekauft, der Aufnahme derselben harrte. Diesen ließ sie Abends in ihre Wohaung schaffen, wo sie dann die ge- kauften Sachen auepackte und ordnete. Ihre Wirthsleute meinten nun, der Koffer sei von der Bah« gekommen und damit Alles bestätigt, was Erna versprochen hatte. Sie aber freute sich des Gelingens ihrer unschuldige» List, hing die Entdeckung ihrer Täuschung doch an solchen Kleinigkeiten! Sie war also reisefertig und Geld zu einer längere« Reise blieb ihr auch noch. Nun galt es, sich die Stellung zu suche», welche sie für sich als passendste dachte; das war als Gouvernante oder Gesellschafterin, zu etwas Anderem fühlte sie weder Neigung noch Beruf. Eine solche Stellung konnte sie aber nur mir Hilfe einer Zeitung finde». Ihre Wirthsleute hielten nur ein Blatt untergeordneten Ranges, und Erna versprach sich herzlich wenig davon, als Se jene bat, sie möchten ihr täglich eine» flüchtigen Blick in affelbe gestatten. Sie mottorrte das mit ihrem Stellen- gesuch, und nun wurde sie aus'« angenehmste über- rascht. .Eine Stelle als Gesellschafterin, Fräulein?" rief die Tochter des Hauses.„Die kann ich Ihnen gleich nachwerfen. Hier! Gesellschafterin bei einer ein» zelnen Dame aus den höheren Ständen... Allerding« scheint die Dame schwer zufrieden zu stelle», denn die Annonze figurirt hier schon seit 14 Tagen— Tag für Tag, und daß sie in unserem Blättchen erscheint, ist ein sicherer Beweis für ihre Aufnahme in sämmtliche Blätter der Weltstadt." »Ja, die reichen Leute habe» so ihren eigenen Ge» schmack," meinte die Mutter des jungen Mädchens dazu. „Und je mehr sie haben, um so mehr verlangen sie. Jene Anzeige kostet der Dame schon viel Geld, der beste Beweis, daß sie viel hat und daß sie es sich etwa« kosten läßt, ihren Geschmack vollbeftiedigt zu finden." verständlich, dürfte aber dem Angegriffenen keinerlei Schaden zufügen. Aus Turnerkreisen wird der„Franks. Ztg." geschrieben: „Jede poliiisch: Parteistellung, so besckloß der Goihaer Tuen- tag des Jahres 1861, muß den Turnvereinen als solchen durch- auS fern bleiben. Dieser Satz ist auch heute noch prinzipiell unanfechtbar, ein gcarnrketliger Beschluß nie erfolgt. Daraus folgt, daß Niemand rm Rahmen des Vereins und der Vereins b'strebungen, wie fi: in den Statuten gekennzcicknet sind, das Reckt hm, Angehörige anderer Parteien, diese selbst, ihre Rick- tung u. s. w. zu bemängeln, zu rerdäcktigen oder anzuklagen. Die 2. Beilage zu Nr. 3 ver„Deutschen Turnzeitung" bringt unter der Rubrik„Turnbauschule" eine Aufforderung deS Geschäftsführers der deutschen Turnerschaft, Herrn Dr. med. G oetz in Lindenau, worin den M.tgliebe-n die Förderung der Turn- bauschule ans Herz gelegt wirv. Es heißt darin:„Es muß ein kräftiges, gesundes, treues Gr schlecht heranwachsen, um daS kaum gewordene Deutsche Reich und das überall angefochtene Deutschthum gegen die vielen Feinde zu schützen die schwarz und r o t h und in allen Farben und Zungen, offen und heimlich, von außen und im Innern am Vaterlande herumzetern." WaS diese Redens- arten besagen, ist klar, selbst wenn der Mann, der es geschrieben, nickt Görtz hieße. Solch Hinein ziehen der„nationalen" Hetze in die deutsche Turn- bewegung erscheint überhaupt nicht, an der dazu gewählten Stelle aber am allerwenigsten am Platze und eS wird Pflicht der turnerischen Gau- und KreiSorgane sein, zu erkennen zu geben, daß derlei Aussckr-ilungen deS Herrn Geschäftsführers alles andere, nur keine Anerkennung verdienen."— Eo die „Frankfurter Zeitung". Dr. Ferdinand Goltz, früher der„Ra- ditalsten" einer, der die tollsten Phrasen noch im gesetzten ManneSalter in den„Kneipen", auf Turnplätzen und Festen brauchte, dem es„blutcsfigsauer" wurde, das neue Reich„an- zuerkennen", ist schon längst ein Reaktionär, ein„OrdnungS- mann" geworden. Ein demokratischer Philister ftühcr, ist er ein konservativer Philister geworden— ein Philister und be- schränkt«! Mensch ist er geblieben. Deshalb thut die„Frank- furter Zeitung" gut daran, den„Turnkunstmeister" Goetz nicht ernst zu nehmen. Wir müssen über die literarischen Bocksprünge desselben immer recht herzlich lachen. Oesterreich-Ungar»». Der§ 1 deS projektirtcn Sozialistengesetzes lautet:„Di- Bildung von Bereinen, bezüglich deren durch Thatsachen die Annahme gerechtfertigt ist, daß ste solchen sozio. listischen Bestrebungen dienen werden, welche auf den gemalt samen Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschastsord- nungen gerichtet find, ist zu untersagen."— Fast wörtlich ko» pirt auS dem deutschen Sozialistengesetz l Fsankreich. Der Kriegsminister Boulanger, welcher mit großer Energie die monarchischen Wühlereien in der Armee unterdrückt hat, geht ebenso schonungslos gegen das republt- konische Protektionsunwesen los. Er hat ein Rundschreiben er- lassen, in welchem darauf hingcwiesen wird, daß in Zukunft alle Empfehlungen von Seiten der Deputirten und Senatoren. sowie der übrrgen„Notabilitäten" der Republik wirkungslos bleiben würden. G r o tz b r i t a«« i e«. Die ersten, welche von der Aufforderung Gladstone's in seinem Schreiben an Lord de Vekci, daß Jedermann in Irland ihm über die irische Frage seine Meinung und Raihschläge mittheilcn mögen, Gebrauch gemacht haben, find die irischen Bischöfe, in deren Namen der Erzbischof von Dublin dem Premierminister ein Schreiben Ldersandt hat. In demselben heißt eS u. A.: 1) Betreff« der Selbstregierung oder Hormule ist eS. unsere feste und gewissenhafte Uederzeugung. die, wie wir gleichen, auf die vollste, verschiedenartigste und gleichzeitig zuverläfstgste Information gegründet ist, daß dieS allein die Bedürfnisse, die Wünsche und die legitimen Bestrebungen dcS irischen Volkes befriedigen kann... 2) In Betreff der Regelung der Landfrage nehmen wir durchaus keinen Anstand zu konstatiren, daß sie nach unserer Ansicht jetz! gebieterisch eine Lösung verlangt, und daß dies nicht besser bewirkt werden kann, als durch die Maßregel, welche gewisse englische Journalisten und Staatimännar neuerdings befürwortet haben, nämlich durch den Ankauf deS Gutsherrn- JniercffeS an dem Grund und Boden seitens der Regierung und die Weiterverpachtung seitens der letzteren an Farmer zu einem Pachtzinse, der fich beträchtlich unter der gegenwärtigen gerichtlich festgestellten Pachtrente bewege... 3) Betreffs der„gesellschaftlichen Ordnung" beschränken wir unsere Bemerkungen auf zwei Punkle: öffentliche AuSfchreitun- gen, nämlich persönliche Einschüchterung, um an der Erfüllung von Kontrakten zu hindern und die persönliche Freiheit des Handels einzuschränken. Wir find fest überzeugt, daß nach der Regelung der Landfrage auf der obigen oder irgend einer an- deren BafiS kein Anlaß zu Beschwerden in dieser Hinficht mehr gegeben werden wird. „Um so weniger Hosseung für mich 1" entgegnete Erna, indem sie die Annonze überflog.„UebrigenS steht hier nur eine Zmtiale, und wer weiß, was und wer sich dahrnier verbigt." „Doch wohl nur die Dame selbst," sagte lächelnd die Wirthin.„Die Herrschaften nennen ja meistens nur Jni. tiale», wenn sie»ach Jrtsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeven. ProjektirteS Repertoir der Königlichen Schauspiele vom 23. Februar bis 7. März 1886. Im Opernbaus e. Sonntaz, 23.: Die Meistersinger von Mrndera; Montag, 1. März; Orpheus und Eurydice; Dienstag, 2.: Fidelio(Herr Niemann): Donnerstag, 4.: 2. SuojkriptionSball; Freitag, 5.: Die Hochzeit deS Figaro; Eonnabend, 6.: Der reisende Student, Der Kurmärker und die Pikarde, Wiener Walzer; Sonntag, 7.: Ferdinand Cortez(Herr Niemann).— Im Schauspielhaus e. Sonntag, 28, auf Begehren: Rosenmüller und Finke: Montag, 1. März: Unel Acosta(Herr Sauer als Gast); Dienstag, 2.: Die Journalisten; Mittwoch, 3.: Egmont(Hur Sauer als Gast); Donnerstag, 4.: Tilli; Freitag, 5.: Ter Mr Gladsione zeigte unterm 20. dZ. den Empfang � obigen Schreibens an, indem er gleichzeitig seinen auftichV Dank für die Mitiheilung ausdrückte. Rußland. Die PeierSburzer Blätter sind über das Larrdstrirtf- gesetz in Oesterreich durchaus nicht erbaut. Sie rtm taliren die politischen Verhältnisse, mit welchen die mW Reform in Oester rc ich zusammenfällt, und folgern nichts Mi-» für die Zukunft. Die„Petcrsburgiija Wjedomostt" st ht brr« die Verwirtlichung vis Projekts den europäischen Frieden n-ch dedroht als durch irg-nd welche Mobilistrung. Was auch, � merkt daS Blatt, die Wiener und Pesier Freunde des Fliedrm sagen mögen,„Maxnahmen wie das Verbot der PferdeciwW aus Bosnien und der Reorganisation des Landsturmes trw durchaus nicht Symptome des Vertrauens und berechtigen wv zu der Hoffnung, daß die politische Krisis eine friedliche finden und das Frühjahr Frieden und Eintracht bringen, v»':. — Wir find durchaus nicht betrübt darüber, wenn dreErnr« zwischen Rußland und Oesterreich und hoffentlich auch Rußland und Deutschland gestört wird; diese Eintracht immer nur die Eintracht der Reaktion. — Die„MoSkowskija Wjedomosti" meiden, daß in M k a u dieser Tage fich ein aus 2 0 S ch u l m ä d ch e n btsteh«�. Komitee gebildet habe, um Sammlungen„für die dar®«: Regierung verfolgten Personen" zu veranstalten. Die s®» Vorsteherin verbot die Sammlungen, mußte aber schiuP®' sie keinen Gehorsam fand, die Polizei herbeirufen. A® darauf fand man einen Entwurf zu einem Schriftstück, im Namen deS„Weiblichen RevolutionSkomitces von, gegen daS oben erwähnte Verbot protestirte.— ES nicht wundern, wenn man in dem heiligen Rußland, ber um rem„Erbfreunde", gegen die Schulmävchen mit dem vir»» und Sibirien vorgehen würde. erbien. daß diejenigen, die unser theures Vaterland an den_ Abgrundes brachRn, selbst nach der entsetzlichen KataK nicht von dem gefährlichen Wege ablenken wollen, W r w treten, und aus welchem das Serbenoolk zu Grunde/.'!, muß. Der Mörder des Volkes brockte dasselbe dahin, jetzt gleich einem auS der Mitte der Slavenfamilie Vast�. dasteht, daß es, ein flavischer Kain, die Hand gegen liehen Bruder in jenem großen Augenblick erhob, alSdW" ,, seine Freiheit und Einigung rang. In einem solchen wurde das Serbenvolk zum Brudermörder gemacht. Ihr müßt zur GotteSgrißel werden, die aus Eurer Mim�u Urheber allen Unglücks, daS Euch betroffen, verjagt!"" fW ist ein„Ton" in der Sprache, vor dem sich die Anarchisten" zu schämen brauchten. Rumänien.„ Die„Nordd! Allg. Z g." schreibt:„Auf eine Bukarest ist telegraphisch die Nachricht eingelaufen, Meldung der„Neuen Freien Prefft", wonach die rUtf�L Regttruvg fich für daS französische System der PanzerM, zur Befkstigung von Bukarest entschieden habe, unwa»!, � Wir glauben allerdings nicht unerwähnt lassen zu dün«n,.■ diese Berichtigung vorerst immer nur privater Quelle enM« � von einem amtlichen Dementi der am Sonntag in dff-Q Fr. Pr." mitgetheilien Nachricht ist uns bisher nichts i"11 geworden."— Also erst abwarten! Amerika.« Mit der„Revolution" in Uruguay wär's also „Stolz wie ein Spanier" erläßt der Präsident dieser an jeinen Gesandten in Paris folgendes Schreiben: Sie Jenen, die sich mit einer Revolution in Uruguob, schäftigen und die erliären, daß die Bewegung 5000 mit Krnpp'jcher Batterie rc. habe, daß die Regierung Mann hat, mit 20 000 Remingtongewehren, 10 KrM? p Batterien und 40 Nordenselt'sche Kanonen, um sich tl'0®«' machen und alle Jene zu besiegen, welche denöffentlrcheni�i den stören wollen. Bis zu diesem Augenblick stiebt e» � einen einzigen Revolutionär im Lande."— Den Mu" � der Herr Präsident jedenfalls ein bischen sehr voll geflOw Parlamentarisches.(1 — Die wichtigst- Kommission deS Reichstags ist(eil hast die Arbeiterschutzlommission, die nunnM� einigen Monaten tagt. Derselben find bekanntlich Jttitf1 Anträge der Sozialdemokraten, der Konservativen, deS p'_ w- und der Nationalliberalen, die fich auf die Arbeiterschull � gebung beziehen, übergeben worden. Mit Ausnahme paar Refolutionen, die fich auf Vermehrung h, Fadrtlinspektoren und Einführung ß* es licher Schiedsgerichte beziehen, konnte man Kommission bis jetzt nichts Pofitioei berichten. W»* zerbrochene Krug, Durch's Ohr; Eonnabend, 6.: Hamlet, jjjt von Dänemarl(Herr Sauer alS Gast); Sonntag, Karolinger. u Im Deutschen Theater wird beute, Sonntag,„De" W lieutenant" und morgen, Montaa.„Don CarloS" geg/ven- m Niemann kehrt Anfang dieser Woche von ihrem Urlarw und wird am nächsten Donnerstag, den 4. Marz. zum, pii Mal wieder als„Hertha" in„Ein Tropfen Gift /gnjel>a' Außerdem bringt das Repertoir dieser Woche noch, m holungen von„Der Bureaukrat",„Romeo und Julia» � KönigSlieutenant" und„Die Lorelei". Mit der morgigen 25. Borstellnng des„Ztgtw/L, im Fliedrick-Wilhelmstädtischen Theater begehen au® M steller der Haupttollm eine Art Jubiläum: das b-r vräsentatton der von ibnen kreirten Rollen. Mit ungel®, p Humor waltet der Echweinefürst Wellhof seines Am. reich führt der Ztgeunerdaron Steiner seine originellen � hN Truppen an, die in Easfi Drucker und CSivra-Stern � pf «tragendsten Vertreter haben und alle finden Beifall deS ausverkauften HauseS. gelangt urch Kvniianimoprr, uim wiii Put»»» der erste Zyklus von der Schweiz mtt den lohnend nahmen der G.ttthardbahn zur Ausstellung.„ ü«« lautet:«Die gewerbsmäßige Beschäftigung von Kindern vierzehn Jahren ist verboten"— wurde abgelehnt mit di,..Segen drei Stimmen. Dafür stimmten nur k. berden sozialdemokratischen Kommisfionsmitglieder und tzj Abgeordnete Löwe(Berlin). Der Antrag Halden:„Kin« ' 1/. welche daS vierzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet - oder welche noch zum Besuch der Volksschule verpflichtet dürfen in Fabriken und in der HauSindusttie außerhalb «c;r elterlichen Wohnung nicht beschäftigt werden," wurde b�Mnt mit allen gegen vier Stimmen. Dafür die Sozial- stJfMaten, Löwe und Halben. Ein Eocntual-Antrag von bt,°en, welcher die Kinderarbeit nur verbietet, soweit die Kin« qp J04 zum Besuch der Schule verpflichtet find, fich also nicht Jto«» vollendete 14. Lebensjahr bindet, wurde mit allen aLt Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten außer den w?. Sozialisten und den deutsch- freifinnigen Jntranfigenten irnw ote Zentrumsleute Racke, Graf von Galen und Stötzel ' der fretkonservative Abgeordnete Klein. Der Antrag ...•„Kinder unter zwölf Jahren dürfen gegen Lohn nicht ior �«erden"— wurde mit 18 Stimmen angenommen. wurde der weitere Antrag deS genannten Abgeord« 3 die Kinderarbeit in dem Alter von 12—14 Jahren auf "bcfr.i zu beschränken, mit allen gegen drei Stimmen Ito* �nt. Es folgte nunmehr die Abstimmung über den An« 1% P1; Lieber:„Kinder unter 14 Jahren fcütfen in Fabriken �tim��aftigt weiden."— Derselbe fand mit 12 gegen 11 Annahme. Dafür stimmte das Zentrum(8 Stimmen) bist, ofi«r, die Sozialdemokraten und Löwe und Halben. Nach« Iii„M noch die Resolution Hartmann:„Den Reichskanzler «or Jüchen, thunlichst bald dem Reichstag einen Gesetzentwurf durch welchen die Beschäftigung von Kindern im -'be k., unter der nöthigen Rückficht» de S Verbots der Kinder Jahren auch auf die HauS« i't ai* und daS Gewerbe und daS Verbot 'rj,«V'Nderarbeit unter 14 Jahren in Fo« Nach den Feststellungen der Fadrikinspektoren Jahre 1884 in den Fabriken ca. 19-20000 Re s, Zwilchen 12—14 Jahren beschäftigt, wobei für Sachsen fiiii>>.u«gende Tendenz in der Beschäftigung schulpslichttger �i« bemerkbar machte, während im übrigen Deutschland L 0 üf____________________ find daran noch gerechte Zweifel erlaubt, denn nach %%% d« in Fabrisen"beschSftigten Kinder in der Abnahme % Diese zirka 20 000 Kinder würden also die Fabrik jMch Aüffen, wenn der Kommisfionibeschluß Gesetz würde. der Regierungskommiffare scheint im BundeSrath __________________________ WWW» &So �ust vorzuherftchen, in puncto Arbeiterschutzgesetz Ar.l.Ö'ud etwas NennenSwerthes zu thun. Aber auch für U%b ist der Beschluß der Kommisfion noch nicht maß' �'zeichnender Weise haben die deutschkonservativen ffit uÄ>lglieder geschlossen gegen den Antrag Liefe« ge« NKZLÄSW.M Ritten Z? Einschränkung der Kinderarbeit im Plenum noch «tt�n �pfen führen und bleibt im Interesse der heran« Äipin-Auflend nur zu wünschen, daß dieselben im Sinne dttat und der Vatei landsliebe entschieden werden. zokal»».i Die FrühjahrSskyonzett für Fische beginnt nach den gesetzlichen Bestimmungen in der Provinz Brandenburg mit dem 10. April und dauert bis zum 9. Juni. Für die Dauer dieser Schonzeit ist in den derselben unterstellten Gewässern jede Art des Fischfanges verboten. Die Bezirksregierungen können indes eme Ausnahme insofern gestatten, als fie den Fischfang an drei Tagen jeder in die Schonzeit fallenden Woche zulassen. Da! Fischen mit dem großen Netz ruht jedes Jahr vom 1. April bis 24. August. Die Oberste Medtzinal-Verwaltung läßt fich die Unter« suchungen des Schweinefleisches sehr angelegen sein. Der vor» tragende Rath in dem Ministerium der Medizinal Angelegenheiten Geh. Ober-Medizinal Rath Dr. Hermann Eulenberg bringt in dem letzten Hefte seiner Vierteljahrkschrift einen auf die Ergebnisse d« neueren Untersuchungen bezüglichen Aufsatz, in welchem auch des Instituts der die Flcischschau gewerbS« mäßig betreibenden Personen erwähnt und dabei bemerkt wird, daß fich unter den eigentlichen Fleischbeschauern zwar nur ein geringer Prozentsatz solcher Personen befindet, welche zur An« stellung selbstständiger wissenschaftlicher Untersuchungen befähigt find, daß jedoch jene der Wissenschaft keine geringen Dienste geleistet haben,„denn nur den die mikroskoprsche Fleischschau praktisch ausübenden Personen ist es zu danken, daß wir jetzt mit ziemlicher Sicherheit über die Häufigkeit deS Vorkommens trichinöser Schweine, sowie über die Verbreitung der Trichinen, mindestens in Norddeutschland, unterrichtet find, und zweifellos würden uns ohne deren Mitwirkung manche andere Parafitcn und andere Vorkommnisse im Schweinefleisch noch vollständig unbekannt geblieben sein." Schließlich«wähnt Eulenberg einer auf dem Berliner Zentral-Schlachthofe getroffenen Anordnung, „welche auch bei der Beralhung deS demnächst zu erwartenden Nahrungsmittelgesetzes" Beachtung verdient. Eine bochinterefiante Cteuerdefraudationssache ist zur Kmntniß der hiestgen Steuerbehörde gelangt. Nack dem Zollgesetz ist die Einfuhr von Straußenfedern für fertige Waare mit 900 M. pro 100 kg, für unfertige Waare mtt nur 3 M. pro 100 kg belegt. Eine hiesige Firma kam nun auf den „glücklichen" Gedanken, durch folgendes Verfahren den hohen Zoll für ihre aus Paris kommenden Straußenfedern zu ersparen. Sie ließ fich nämlich Federn senden, welche bis auf daS Kräuseln vollständig fertiggestellt, d. h. gefärbt und genäht waren, und richtig wurden fie auch nur mit 3 M. pro 100 kg versteuert, denn das Gesetz kennt nur„fertige" und„unfertige" Straußen» federn und den nichtgekräuseltm steht man ihre Unfertigkeit so- fort an. Die Art und Weise dei Imports bekam nun die Steuerbehörde zu hören und hier eine große Lücke des Gesetzes erkennend, hat fie einen höheren Steuerbeamten mit der Tamm» lung des einschlägigen Materials beauftragt, mit welcher dies« gegenwärtig durch Rücksprache mit hiestgen Firmen d« Strauß- sedernfabritatton beschäftigt ist. Es find demnach bezügliche Abänderungen bezw. Ergänzungen zu dem in Frage kommenden Gesetz schon in allernächster Zeit zu erwarten. Die Kellner de# Ostend-Theater# und des Albambra« Theat«S veranstalten zum Besten ihres verunglückten Kollegen Frohmann am Mittwoch, den 3. März, AbenoS 8 Uhr, einen Familienball im Etablissement„KönigSbank", Gr. Frankfurter- siraße 117. EntrecbllletS a 50 Pf. find bereit# jetzt in beiden Theatern zu haben. DaS betreffende Kellner- Personal, dem andere Arrangement# nicht zu Gebote stehen, möchte für den hilfsbedürftigen Kollegen gem etwa# thun, und bittet daher um rege Theilnahme. In brutaler Weise wurde in der Nacht zum Freitag der an der Spandmer Brücke 8 wohnende Arbeit« P. in der Zimmer« und Jerusalemerstraße angefallen und recht übel zu- gerichtet. P. trug eine Latte auf der Schulter und ging ruhig seines Wege#. An d« gedachten Stelle kamen ihm vi« Mann« entgegen, welche ihm die Latte entrissen und mit der« selben derartig rob auf P. einschlugen, daß er mit ein« klaffenden Wunde am Hinterkopf nach d« EanitätSwache in der Markgrafenstraße geschafft w«den mußte. Es ist gelungen, die Thäter festzunehmen und fie zur Polizeiwache zu fistiren. Echo« wieder ist ein nächtlicher Einbruch in den Laden eines Juweli«S in der Brunnenstraße mit Erfolg, und ohne daß die Thäter bemerkt wurden, ausgeführt worden. Ge» stöhlen wurden etwa 200 goldene und silberne Uhren, einige Dutzend Talmi« und Nickelketten, Uhrschlüffel, Medaillon# und Zigarrenadschneider im Gesammtwerthe von 8000—10000 M. Die Diebe haben in dem kleinen Hofe des Grundstücks, in welchen fie durch Uebersteigen au# einem benachbarten Hof ge« langt sein müssen, da# durch eine Eisenblech-Jaulofie und eine eiserne Vorlegestange geschützte Küchenfenster gewaltsam«brachen, find durch dasselbe in die Küche eingestiegen und von hier auS in den anstoßenden Laden gelangt. Der bereit# mehrfach, zuletzt mit einem Jahre Ge» fängniß wegen Betröge# bestrafte Kaufmann Rothe wurde am Freitag wegen versucht« Erpressung wiederum zur Haft gebracht. Balv nach seiner am Freitag erfolgten Enlaffung auS Plötzensee schrieb er einen Brief an eine hiefige Firma, mit welcher« früher als Reisend« in Verbindung gestanden hatte und ersuchte um Ueb«sendung von 50 Mark, indem er gleichzeitig drohte, im Falle der Weigerung ihm bekannt ge« wordene Unregelmäßigkeiten, die in den GeschästSbüchnn der Firma vorgekommen sein sollten, zur Anzeige zu bringen. Mit der Abtragung des Briefe# betraute R. einen Dienst- mann, während er in d« Nähe d«S Geschäfts auf Antwort wartete. Letztere«folgte in ein« nicht ewarteten Weise, näm- lich durch seine Festnahme. Zwei an andere Firmen gerichtete Briefe wurden bei ihm noch vorgefunden. Aufgefundene Leiche. Ein entsetzlicher Anblick bot fich am Sonnabend früh den Passanten der Burgstraße. In un« mittelbarer Nähe jen« Stelle, an der noch vor Kurzem die Kavalierbrücke gestanden und demnächst die Kaiser« Wilhelms- drücke aufgeführt werden soll, lag auf einem der dort im Wasser verankerten Fischkästen die Leiche eine# Manne# in mittleren Jahren, und zwar derart, daß d« Oberkörper auf dem Kasten, der Unterkörper dagegen im Wass« lag. Die Oberfläche de# Kastens war dick mit geronnenem Blut bedeckt, und am Kopf des Todten bemerkte man eine große klaffende Wunde. Von dem Vorfall in Kenntniß gesetzte Schiffer brachten die Leiche auS der eigenartigen Lage und benachrichtigten, nachdem die« selbe in einen kleinen Handkahn gelegt und zugedeckt worden war, sofort die Kriminalpolizei. Allem Anschein nach ist der Unbekannte in angeheitertem Zustande über das eiserne Ge« länder, da# den Straßendamm der Burgftraße von der Spree trennt, gefallen und auf den Fischkasten gestürzt, wo er zunächst betäubt liegen blieb und dann in Folge der Kälte und de# Blut« verlusteS verstorben ist. Die Leiche, bei der keinerlei Leaitt« mationSpapiere gefunden wurden, ist behufs eventueller Rekog« nitton nach der Morgue geschafft. Selbst im Vollgefühl seiner Unschuld soll man vor Gericht nicht ohne Anwalt erscheinen. In Weißensee hatte ein liebenswürdiger Nachbar eine arme Wtttwe beschuldigt, fie habe ihm 11 Epheupflanzen gestohlen. Die Frau betheuerte ihre Unschuld, wurde aber gleichwohl zu acht Tagen Gefängniß ver» urth'ilt. Nun erst eilte die arme Frau zu einem Rechtsanwalt, welch« die Berufung einlegte. In dies« Instanz wurde nun festgestellt, daß dei der stattgehabten Haussuchung durch einen Gendarm der angeblich Bestohlene die bei der Frau vorgefun« denen Epheutöpfe nicht al# die seinigen zu rekognosziren vermocht habe, ferner bekundete ein Gärtner als Sachverständiger, die Pflanzen seien bereits durch die Töpfe gewachsen gewesen, fie konnten also nicht frisch eingesetzt sein. Hierauf hin wurde die arme Frau steig« sprochen und der Gerichtshof legte auch die Kosten de# Venheidign# der Staatskasse zur Last. So zu lesen im konservatioen amtlichen Anzeiger für Rummelödurg und Friedrichsdng. Wie viel Angst und Sorgen mag die arme Frau ausgestanden, wie viel von ihrer Arbeitszeit— fie näht auf der Maschine— verläumt haben. Polizei Bericht. Am 26. d. M. gab eine Frau in der Wriezenerstraße ihrer an Lungenentzündung«krankten 2jährigcn Tochter aus Versehen anstatt der verordneten Arznei Karbol» säure ein, welche in einem ähnlich aussehenden Fläschchen auf demselben Tische stand. Das Kind starb trotz der sofort vom Arzt angewandten Gegenmittel noch an demselben Abend.— An demselben Tage wurde ein OOjähriger Mann in der Königstraße vor dem Hause Nr. 31 von einer Droschke überfahren und am rechten Unterschenkel und linken Arm leicht verletzt.— An demselben Tage, Vormittags, geriethen Rittcrstraße Nr. 119 hinter einem Dfcn zum Trocknen aufgehängte Kleider, und Nacht# Badstraße Nr. 26 einige Möbel in einer Küche in Brand.— Die Abends von der Wache in Schloß Monbijou nach Hamburgerstraße Nr. 20 gerufene Feuerwehr trat nicht in Thätigkeit._ Soziales«nd Arlreitervemegimg. Diebeste Arbeiter-Organisation ist diejenige d u r ch kleinere, fachliche OrtSvereine, wie fie vielfach, namentlich auch in Verbindung mit Konsumvereinen bestehen und wie fie fich al# segensreich erwiesen haben— so verkünden triumphirend deutschsteistnnige Blätter. In solchen Vereinen, so heißt es dann weiter, find einmal die Interessen der Arbeit« besser vertreten, alS in den aus verschiedenen Elementen be» stehenden Arbeiterkammem und dann find fie die geeigneten Orte, an denen der Arbeiter selbst seine eigene Meinung kund geben kann und nicht von dem Votum eine# Vertreter# abhän- gig ist. Nur muß dabei die Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, daß diese Vereine nicht sozialdemokratischen Agitatoren anheimfallen. Zu dem Zwecke ist eS nöthig, daß die In» dustriellen fich ihrer annehmen. Sie werden auf diese Weise zugleich auch Bindeglieder zwischen Arbeitgeber und Abeit» nehmer, und Stützen de# sozialen Frieden# sein.— Natürlich „kleinere" Fachvereine, fie sollen und können fich gegen den Kapitalismus dadurch wehren, daß fie den Rücken beugm und in allen Dingen nachgeben. Ein solche#„vindcalied zwischen Arbeitgeber und Aibeitnehmer" ist natürlich den Ver» ttetern des Kapital# sehr genehm. Deshalb auch die Freude, welche derartige Preßorgane darüber äußern, daß in d« Arbeit«» schutzkommisston des Reichstags die große allgemeine Arbett«» organisation verworfen worden ist. Daß dadurch auch die Ar« beiter in dm Besitz einer gewissen Macht den„Arbeitgebem" gegenüber gekommen wären, hat eben zu der Ablehnung geführt. Man will eben die Arbeiter in keinem Falle zur Macht gelan» gen lassen. Und dennoch werdm die Gegner d« Arbeiterklaffe auf die Dauer nachgeben müssen. Da# elektrische Licht, diese# hoffnungsvolle Kind d« Elektrotechnik, fängt an der Schrecken d« Gasfabriken zu wer» den. Nach den Beobachtungen, die in der RegierungSdruckecei zu Wasbington, dem Government Printing Office, gemacht worden find, stellte eS fich heraus, daß während früher im Setzersaal 700 Gat flammen brennen mußten, nach Einführung de# elektrischen GlühlichtS 400 Glühlampen genügten, und daß die Kosten für eine Brennstunde einer 16 Kerzenstärken-Lampe fich auf 2,77 Pf., die Kosten für die Brennstunde einer Gas« flamme dagegen fich auf 3,99 Pf. bezifferten. Der Koftenver- gleich zeigt die Vorzüge der Edisonlampe im hellsten Lichte. Die Quelle, aus der wir schöpfen, ist eine amtliche; die obigen Mittheilungen hat der kgl. Bauinspektor C. Hinckeldeyn, technischer Attache in Wasbington, dem Zentralblaft der Bau- Verwaltungen gemacht. Man weiß, daß die Mehrzahl der deutschen Gasanstalten in den Händen kleiner mächtiger Kapi- talistengruppen fich d findet, die auS den Erttägen kolossale Dividenden herauSschlagm. Wenn irgend eine Einrichtung kommunalistrt zu werden verdient, so ist eS die städtische Be» leuchtung. Nicht# wäre also mehr zu wünschen, als daß die Gemeindevertretungen daS, waS fie beim Gas versäumt haben, beim elettrischen Licht nachholen, daß fie dasselbe in Regie» betrieb nehmm. Od eS geschehen wird? Wenn eine Mehr» heit wirklicher VolkSoertreter in den Stadthäusern fitzt, dann ficherlich; so lange aber die Geldsackspolitik hinter den Koulissen die Fädm in der Hand hat, so lange wird auf solche gesunde Neuerungen nicht zu rechnen sein. Au# dem Regierungsbezirk Magdeburg wird berichtet, die Zuckerindustrie leide noch immer an den Folgm der Ueberpcoduktion d« früheren Jahre. Die Hoffnung, daß die drei letzten Monate de# vorigen Jahres, welche für den Zuckerhandel sonst von hervorragmder Bedeutung zu sein vflegm, einen belangreichen Abzug, und in Folge d« gegm die Vorjabee bedeutend geringeren Produktion auch ein we« sentlich besseres PreiSverhältniß mit fich bringen würden, hat sich leider nicht erfüllt. Die noch auS der vorigen Kampagne b«üb«genommenen großen Vonäthe und die nicht befriedigende Ausfuhr ließen eine günstigere Stimmung nicht aufkommen.— Für die Ardeiter in der Provinz Sachsen lauten diese Nach« richten nicht tröstlich— Lohnredukttonen und Arbeitslofialeit find die Folgen der Uederproduktion und der planlosen Pro- dultionSweise. Die Arbeiterbewegung in England zieht immer weitere Kreise. Es meldet ein Telegramm aus Birmingham vom 26. Februar: In Smethwick, unweit Birnringham stellten heute Morgen etwa 3000 in der Schraubenfabrik von Nettlefold befchäftrgte Arbeiter in Folge der Reduktion ihres Lohne# um 10 Prozent die Arbeit ern. Zur Arbeiterbewegung in Spanien. Von dem Prä» festen der Provinz Caceres ist in Madrid die Meldung einge- gangen, daß sich unter den Grubenarbeitern von Zarza la Mayor» im Bezirk Alcantara, eine gewisse Erregung bemerkbar macht, welche dadurch hervorgerufen ist, daß die Lohnzahlungen an die Arbeiter nicht regelmäßig erfolgten. BUH« find Unruhen noch nicht vorgefallen._ Vereine und Uersamminngen. * General» Versammlung der Putzer Berltu# und Umgegend am Sonntag, den 28. d. M., Vormittags 10 Uhr, im Louisenstädtischcn Konzeithaus, Alte Jakobstr. 37. Tages« Ordnung: 1. Wahl der Delegirten zum Kongreß deutscher Maurer. 2. Bericht üb« die am 21. d. Mts. stattgefundene Verhandlung mit den Meistern. 3. Verschiedene#. * Fachverei« der Metallschleifer und veno. Berufs« genossen Berlin#. Versammlung Montag. Abends 8 Uhr, in Rieft'# Salon, Kommanoantenstt. 71/72. Vortrog de# Tischler# Herrn Boy. Diskussion, Geschäftliches, Verschiedenes und Frage- kästen. Aufnahme neuer Mitglieder. DaS Einschreibegeld de« trägt 25 Pf., der wöchentliche Beitrag 10 Pf. * Verband deutscher Zimmerleute. Lokaloerband Berlin W. Montag, den 1. März, Abends 8 Uhr, in Gründer# Salon, Schwerinstr. 21, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau über: Das Handwerk in der Gegenwart. 2. Anträge. 3. Verschiedene# und Frage» kästen. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden auf» genommen. * Oeffentliche Versammlung der in der Hutfabrt» kation beschäftigte« Arbeiter am Montag, den 1. März, Abends 8 Ubr, in Saale de# SchützenhauseS, Linienstr. 3-5. Daselbst werden die Mitgliedsbücher für den Fachverein auS- ßeße«wfce Volks.Versammlung Montag, den 1. März, Abends 8 Uhr, in Habel'# Brauerei. Berqmannstraße 5/7. Tages'Ordnung: DaS Wahlgesetz. Referent: He« Reichs- taasabqcorvneter Wilh. Liedknecht. * Verein der Modell-Tischler. Montag, Abend# 8 Uhr, Ackerstr. 63, Vortrag des Herrn Ingenieur L. Wolfsd«g über Kraftmaschinen. Gäste willkommen. *«roßt öffentliche Versammlung der Steinträaer Berlin» und Umgegend Sonnlag. den 28. Februar, Vor- mittags 10'/: Uhr, in Bötzow'» Brauerei, Saarbrückeistraße 1/2. Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele der Fachvereine. Re. ferent: Herr Christenfm. Vorlegung deS neu auSgearbetteten Lohn-TarifeS. 3. Verschiedenes. * Große voll»• Versammlung sür Männer und Kranen. Montag, den 1. März, Abends 8 Uhr, in der „Urania", Wrangelsttatze 9/10. Tagesordnung: Welche Vor« theile bietet den Arbeitern Berlins der neugegrllndete Eani« tättveretn für Arbetter beiderlei Geschlechts. Referent: Herr Reichstagiabaeordneter Heine. Mehrere andere Reichstags« abgeordnete haben ihr Erscheinen gleichfalls zugesagt. Frauen sind zu dieser Versammlung besonder» eingeladen. Allgemeine Kranken« und Sterbekasse der Metall« arbeite».(E. H. 29 Hamburg) Filiale ll. Dienstag, den 2. März, Abends 8'/: Uhr, im«onzerthause Sanssouci(oderer Saal), Kottbuserstraße 4a, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Statutenberathung. 2. Kandidaten-Vorschlag zur Generalversammlung. * Fachverein der Former und verwandte« Berns«« genossen. Montag, den 1. März, Abendi 3 Uhr, im Salon zum sammlu lasse. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. * Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlin, Osten. Versammlung am Dienstag, den 2. März, Abends 8 Uhr, im„Neustädter Voltigarten", ProSkauer« straße 37/38. Diese Versammlungen finden regelmäßig jeden Dienstag nach dem 1. und 15. im Monat statt. * Allgemeine Kranken« und Eterbekasse der Metall« arbeite»(E. H. 29, Filiale 9.) Versammlung Montag, den 1. März, AbendS 8 Uhr, Alt-Moabit 90, bei Dohnat. Tagesordnung: Statutenberathung und Wahl eines Deleg'r'.en. * Verein der Mäntelnähertnne«. Montag Abend 8'/: Uhr im„Königstadt-Kafino, Alexanderstraße 21, Mit- glieder-Versammlung. Neue Mitglieder werden aufgenommen. * Fachverein der LuxuS-Papier-Präger»nd Pavier« Schläger. Mitglieder Vmammlung am Montag, den 1. März, Abends 8'/« Uhr bei Seefeld. Grenadi-rstraße 33. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskusston. 3. Verschiedene». Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen. • Rännergesangvere«„Schneeglöckchen" jedm Man« tag Abend im Restaurant Naunynstraße 78. verein zur Wahrung der Interesse« der Klavier- arbeite» Berlin». Der diesjährige Maskenball findet am Sonnabend, den 6. März, in den elektrisch erleuchteten Räumen der„Philharmonie", Bernburgei straße 22a und 23, statt. BilletS find bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern S Person 60 Pf. zu haben. * Fachverein der Drechsler, Knopfarbeiter und ver- wandten Bcrufsgenoffm. Diejenigen Mitglieder, welche noch im Befltze von Billets zum 13. Februar find, werden dringend aufgefordert, dieselben am Sonntag, den 28. Februar, Nachmittags von 3 Uhr ab, im Lokale de« Herrn Foge, Köpniker« straße 191, abzuliefen, da die Ab:cchnung bereits in der Ver- sammlung, welche am Dienstag, den 2. März, bei Saeger, Grüner Weg 29, stattfindet, gegeben werden soll. Die Mit- glieder, im Besonderen die Vertrauensleute und Vorstandsmit- glieder werden ersucht, bei der Abrechnung recht zahlreich zu erscheinen, da die Gelegenheit zu einem gemüthlichen Bei- sammmsein benutzt werden soll.(Siehe Annonze in heutiger Nummer.)_ Kleine Mittheilungen. De» Anzeiger de» deutsche« christliche« verein» junger Männer zu London schreibt in seiner Nr. 6 vom Februar c.:„Warnung. Die Weihnachtsfeier mit den stellen- losen Deutschen hat unS wieder gelehrt, wie nöthig eS ist, junae Deutsche zu warnen, ohne feste Ausficht nach England zu kommen. Unter diesen Stellenlosen befanden fich Leute mit glänzenden Zeugnissen, Kenntnissen und Erfahrungen, die doch hier zu keiner Stelle kommen konnten, trotz aller eigenen Be- mühungen ur.d derer deS Verein». Es sollte in Deutschland weit und breit bekannt gemacht werden, daß die Zeiten hier entsetzlich traurig find, und daß wir Kaufleuten, Handwerkem und selbst Handarbeitern dringend rathen, fich nicht verlocken zu lassen, aufs Gerathewohl nach England zu kommen.— Auch von anderer Seite werden warnende Stimmen laut, die fich gegen eine Auswanderung nach England aussprechen. Warnung. Der Reichskanzler erläßt folgende Bekannt« machung:„Mit Bezugnahme auf die Vorschriften, welche von den Reqierunzen der BundeSseestaaten wegen der gesundheit- lichen Kontrole der einen deutschen Hafen anlaufenden See« schifft erlaffm find, wird hierdurch bekannt gemacht, daß der Hafenplatz Rio de Janeiro, als eine», nicht bloS auf sporadische Falle fich teschrankenden, Ausbruchs deS gelben Fieber» verdächtig anzusehen ist. In Kiel dauert die Untersuchung gegen den verhafteten Redakteur Prohl, vom konservativen„Kieler Tagebl." fort. Vorgestern würbe nun auch die Frau de« Verlegers Böckel, Chefred ilteurs deS konservativen„Kieler Tagebl.", wegen Ein- Verständnisses mit Prohl verhaftet. Böckel selbst hatte vor einigen Tagen noch eine Erklärung erlaffm, wonach er(unter Hinweis auf die Stellung Proht'S in den Kriegeroereinen) an dessen Schuld nicht recht glaube. London, 25. Februar. Von einer„ministeriellen Schwieligkeit", welcher trotz ihres heiteren Anstrichs der ernste Hintergrund nicht fehlt, weiß die„Daily NewS" zu berichten: Ein Mitglied der neuen Regierung weigert fich, di" Minister- Uniform anzuziehen, die altem Herkommen gemäß von den Ministem bei Galagelegenheiten getragen wird. Dasselbe soll, dem genannten Blatte zu Folge, erklart haben, daß«S noch niemals einen Frack besessen habe und nicht vorbereitet W plötzlich in Hofuntform zu erscheinen. Ein gleicher Fall ist bereits ftüher vorgekommen; auch John Bright hat fich seiner Zeit beharrlich geweigert, eine mit goldenen Tressen besetz" Uniform anzuziehen, und man gab fich schließlich bei Hofe z«- friedm.„Daily NewS" meint, auch der jetziae Anspruch de« neuen Ministers werde anerkannt werden. Den Namen W Ministers efährt man nicht, doch kann man, falls eS fich f"* ein Kabinetsmitglied handeln sollte, füglich nur auf Morletz» den Obersekretär von Irland, rathen. Theater. Sonntag, den 28. Februar. Ti»«r«hav». Die Meisterfinger von Nümberg. Gr. Oper in 3 Akten von Rich. Waaner.— Montag: Orpheu» und Euryvice, Oper in 3 Akten von Moline. Uchansptelhau«. Rosenmüller und Finke. Orig� Lustipiel in 5 Akten von Dr. Carl Töpfer. — Montag: Urtel Acosta, Trauerspiel in 5 Akten von Carl Gutzkow. Ntntsche» Theater. Der Königslieutenant.— Montag: Don Carlo». »nSner-Theater. Alfred'» Briefe.-Montag: Dieselbe Vorstellung., w, ri AeRbenz-Theater Zum 1. Male wiederHoll: Herr Godin und seine Töchter. Vorher, zum 1. Male; Der zündende Funke.— Montag: Dieselbe Vorstellung. Ztelle-Alltanee-Tbeater. Pariser Leben. Ko- mische Operette in 4 Akten von Meilhac und Halevy.— Montag: Dieselbe Vorstellung. »tztadriq« Wtthetmstädttsche» Tdeater. Der Zigeunerdaron, von Joh. Strauß.— Montag: Dieselbe Vorstellung. Lbathalla- Theater. Das lachende Berlin. Hellere» au» der Berliner Theatergeschichte mll Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Wilkm.— Montag: Dieselbe Vorstellung. Iintsenftädttsche« Theater Adracadabra.— Montag: Dieselbe Vorstellung. «»»tral-Theater. Der Stabs- Trompeter.— Montag: Dieselbe Vorstellung. DMaria« Theater. Däumling.— Montag: Dieselbe Vorstellung. Vst-nd« j heute». Der Graf von Monte Christo. Schauspiel in 3 Abtheilungen nach»lex. Duma« von Dr. Carlschmidt.— Montag: Dieselbe Vorstellung. »«ericav- Theater. Große Spezialitäten- Lorstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialt« täten-Vorstellung. Aauftnauu'» Variete. Große Spezialitäten- Lorstellung. Kenkordia. Große Spezialttaten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15.[620 Heute: Zum 2. Male: Po« KoidtprioMeo. Volksschauspiel in 4 Alten von Ad. Oppenheim. Neu bearbeitet von Hugo Busse. Vor der Vorstellung: vr. Konzert der Hauskapelte. Anfang de» Konzert» Wochentag« 7 Uhr, der Vorstellung 7»/« Uhr. Anfang de» Konzert» Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7'/: Uhr. Aon» haben Wochentag» Gilligkeit und find im Theaierdmeau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Montag: Dieselbe Vorstellung. Maske«< Garderobe F. Stenzel, Nr. Kl, Dresdener Ktraste|tr Elegante w- E]_ Kostüme zu den' solrvesten Vereine Ermäßigung. »1. Preisen. Maftken- Garderobe Fr. Panknin, Orantenstr. 178, t>. n. Ecke Adalbertstr. Achtung! M, Passage 1 Treppe. 9 u. Motg bi» 10 U. Ab.[640 ■r Kaifer-Vanoranrn. Nur diese Woche: Türkei, Griechenland, Suezkanal, l. ZykluS: Schweiz, St. Gottharddahn. Hertha- Reise,»im«eise 30 Pf.,«mder nur 10 Pf. H. F. 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Zimmer-Strasse No. r Kerren-Harderoe«« 9nu iÄ Brr und Lerwaitans � Üb litt 1 Verantwoniicher Redatieur St. Ersayer» tn tverim. Druck Beilage zum Berliner Bolksblatt. Vr. 50. �ontttag, den S8. Februar 1880. III. Uarlamentsverichte. Deutschs» A-ichStag. 56. Sitzungvom 27. Februar, 12 U h r. Avi Tische des Bundesraths: von Schelling, von "listner, Hecrwart und Kommissarien. Eingegangen ist der Äiachtragsetat für 1886/87 und ein Metzentwurf, betreffend die Ausprägung von Zwanzigpsennig- Alten in N ckel. . Die zweite Berathung des von A e i ch e n s p e r g e r �gebrachten Gesetzentwurf, betreffend die Einführung «er Berufung gegen Urlheile der Strafkammern, wird fort- , Bevollmächtigter für Eachsen-Weimar Etaatsrath Doktor veerw art: Den gestrigen Darlegungen der Gründe, auS welchen die Mehrheit des Bundesralhes fich gegen die Ein« ">h, mag der Berufung ablehnend rerhalten hak, kann ich Mnerseits nur vollständig beipflichten. Auch im Gebiet der «Atokischen Gerichtsgemeinschaft ist ein Bedürfnis, gegen die Urthelle der Strafkammern das Rechtsmittel der Berufung zu "Offnen, niemals herangetreten. Sowohl die Kollegialgerichte, 5!» die EtaatSanwallschasten haben stch übereinstimmend da- M geäutzert, daß die vorhandenen Garantien, insbesondere u �ksetzung der Strafkammem mit fünf Richtern, die Vor- Misten im§ 261 und 266 der Strafprozeßordnung und die Ahte Wiederaufnahme des Verfahrens vollständig ausreichen. foju kommt, daß die Zeit, welche seit der Organisation von M abgelaufen ist, doch in de: That zu kurz ist, um diese 'sroge zu einem Abschluß zu bringen und die getroffenen Ein» Hungen schon jetzt wieder in Frage zu stellen. Für die von mir ' Uretenen Regierungen war aber noch der Gestchtspunkt vor- Mroeise maßgebend, daß die Frage der Einfügung der Be- in das System der Rechtsmittel nicht tsolirt erfolgen % sondern nur im Zusammenhang mit einer allgemeinen des Gerichtsverfaffungsgesetzes und der Strafprozeß- ./Mng. In dieser Auffaffung, daß nur eine organische Re- Ä der Rechtsmittel am Platze ist, können ste durch die /Mditäge der Kommisston nur bestärkt werden. Denn diese Ulen offenbar in das bestehende System die Berufung nur "Irlich anheften: fie schaffen mehr einen Nothbehelf als eine bem erforderlichen Ansebn ausgestattete Berufsinstanz. Ich Ma daher nur empfehlen, die Frage der Wiedereinführung ,5 Berufung nicht, wie hier geschehen soll, für fich allein, roffdern in oiganischir Weise bei einer später doch einttetenden ,, �Meinen Revifion deö GirichtsoerfaffungsgesetztSzur Lösung � Bingen. u Abg. RetchenSperger sp'-icht sein Bedauern aus, daß S1 Mthcheit des Bundesraths die Berufung nicht wolle. ja den südb utschen Staaien, dercn Vertreter stch hier so Sl'Wt gegen die Berufung erklärt haben, mache sich in der Östlichen Meinung ein b-denkiiches Mißtrauen gegen die �sttheude Strafrechtsvflrge und eine überwiegende Strömung ro Hunften der Berufung bemerstich. Der Abg. Marquardsen 1,1 früher in Bayern genau den entgegengesetzten Stand- i.ff't wie heute eingenommen. Man möge doch auch nicht -� doktrinärer Weise allzuviel Werth aus die strikt« Durch« jffhrung der Prinzipien der Mündlichkeit und Unmittel« Mkeit legen: in den Zivil« unv in den Etrafvrozeffen ?°r den Schöffengerichten, wo eS eine Berufung gebe, habe jene Prinzipien auch nicht absolut festgehalten, sondern Bedürfnissen des praktischen Lebens mit gutem Erfolg Mnung getragen. Er hoffe, daß der Reichstag den Be« JS'ijssen der Kommisston zustimmen und fich dann auch die Majorität des Bundesraths durch das Votum des Reichstags iroas mehr als sonst imponiren lasten wird, weil hinter dem W°�chstagsbe chluffe diesmal die preußische Regierung steht. un auch der Kommisstonsbeschluß vielleicht noch nichts Voll- menes biete, so möge man ihn doch schon aus der Erwä« nicht verwerfen, daß das unenelchbare Bessere der Feind Guten sei. » �Bevollmächtigter für Baden, Frhr. von Marschall: M die dadische Regierung ist eine Gegnerin der Berufung, durchaus dieselbe Stellung ein, wie die bayrische und .ffurstembergische, hat im vorigen Jahre im Bundesrath so vo« und inzwischen keinen Anlaß gefunden, diese Stellung »uT? aufzugeben. Die Verhältnisse in Baden liegen wie in xffrttemderg. nur daß in Baven die jetzt so heftig angegnssene z-Mchtung schon einige Jahre länger besteht als dort. Die 3sjustt,geleBe haben in dieser Beziehung bei uns rncht ijustizgeseee haben in dieser Beziehung KerUner Sonntagsplauderei. R. 0. Das Schellengeläute der Schlitten ist längst gffUtpgtB. Quf ben glattgefegten Straßen, durch welche der Meldende, eistge Wind weht, liegt kein Schnee mehr, aber »Mter ist x, trotzdem immer noch, bitterer, kalter, grimmiger &• Es ist die Jahreszeit der fliegenden Eile Niemand b«. � länger draußen, al« es durchaus nöthrg ist. Alles sucht tz? Winnenden Ofen auf. Aber denn-ch bieten heute die &%4en Berlin» einen lehrreichen Anblick. Wie vielen sck�? begegnet man nicht, die mit einem dünnen, faden- �igen Röcklein btkle det, die blaugefrorcnen Hände m l,.-Hosentaschen, durch die langen, einförmig«! Straßen Ab w'°ls ob sie irgend etwas zu versäumen fürchten,- würde man ihnen folgen, so®ü:be man be- Ueau"' daß sie planlos umherirren, daß sie sich nur Be- dj,»8 wachen, um die erstarrenden Glieder zu erwarmen; Sei,,"ffsl- da« lähmende, beängstigende Gefühl der gezwun- "gesperrten Raubthieren so häufig beobachten können. i» �ohl, eingxspxrrt find sie in der Freiheit, dem grausamen, mitleidslosen Freihnr, die �s-l. �"blicklich überflüssigen Menschen mit hartem At�cktn hie Eclaubniß ertheilt, zu verkommen, * k S. I etwaS Neues geschaffen, sondern nur einen bereits seit 15 Jahren bestehenden Zustand aufrecht erhalten. Bereits die badische Strafprozeß- Ordnung vom 1. Oktober 1864 kannte keine Berufung gegen Strafkammer- mtheile, sondern lediglich eine Nichtigkeitsbeschwerde an den obersten Gerichtshof, und ich kann auch nach meiner eigenen Erfahrung bestätigen, daß diese Einrichtung in 22 Jahren nir- gendS erheblichere Mißstände hervorgerufen, und daß es biS vor ganz kurzer Zeit in Baden überhaupt eine Berufungsftage gar nicht gegeben bat. Bis vor etwa 2 Jahren die Agitation zu ihren Gunsten im Reichstag hervortrat, ist fie weder in der dadischcn Prcffe noch in der badtschen Kammer überhaupt Ge- genstand der DiZkusflon gewesen. Der Herr Vorredner hat nicht übel Lust gezeigt, den Gegnern der Berufung Doktrina- rismuS vorzuwerfen und fich und die Anhänger der Berufung als Männer zu bezeichnen, die ihre Argumente aus dem vollen Leben der Prax-S schöpfen: in Baden liegt die Sache genau umgekehrt, doit ist die Praxis gegen die Berufung und die vorwiegend doktiinäre Anschauung verlangt sie. Der Vorredner wirft wiederholt seinen Gegnern doktrinäre Schablone und An- schauung vor, über die Gutachten der Gerichtshöfe und Staats- anwalttchasten, die doch am ehesten in der Lage find, aus der praklischm Erfah:ung fich ein Urtheil zu bilden, geht n leicht hinweg. Nachdem die Gerichtshöfe in Baden fich einstimmig gegen die Wiedereinführung der Berufung ausgesprochen haben, darf ich Sie namens der badischen Regierung bitten, die Kam- misstonsbeschlüffe nicht anzunehmen. Abg. Hart mann: Ein Theil der Konservatsoen ist für die Berufung, ein anderer, zu dem auch ich gehöre, meint zwar ebenfalls, daß in unserer Strasrechtspflege nicht AlleS so ist, wie es sein könnte und sollte, Hütt abcr die Berufung nicht für daS richtige Mittel zur Abhilfe und sucht die Bcfferung in der Bei mehrung und Verstärkung der Garantien für eine richtige Urtheilsfindung in erster Instanz. Der Redner, dem die Berufung mit dem mündlichen Verfahren und der freien Beweiswürbigung unvereinbar erscheint, beruft fich auf die guten Erfahrungei', die man in Sachsen mit der früheren Sirasprozeßordnung gemacht, welche vierzehn Jahre hindurch in Geltung war, und ebenfalls eine Berufung nicht kannte. Insbesondere könnten die einzelnen Landesjustizverwaltungen viel idun, um eine gute Rechtsprechung in erster Instanz zu garanttten unv in die ganze Sirafrechtspflege wieder den rich- tigen Geist hineinzubringen. Für eine generelle Revifion der Reichsjusttzgesetzzebung sei der Zeitpunkt noch nicht gekommen; später werbe man vielleicht eine solche Revifion mit Erfolg vornehmen können. Die Berufung sei auch namentlich deshalb bedenkliä,, weil fie leicht zu ungerechten Freisprechungen führen könne, die ebenso schlimm seien, wie ungerechte Verurthei- lungen- Abg. Traeger bedauert, daß immer, wenn es fich um juristische Fragen handle, auch wenn fie wie die heutige, von allgemeinster und tiefgehendster Bedeutung sei, alle Nichtjuristen fich, wenn nicht verpflichtet, so doch veranlaßt fühlten, den Sitzungen fern zu bleiben und dann daS Geseyemachen den Juristen allein zu über- lasten, die fich doch durchaus nicht immer alS die besten Gesetz- geber bewährt haben.(Sehr richtig!) Der Redner empfiehlt feinen und MunckelS Anirag, wonach die Berufung gegen die Uitheile der Strafkammern nicht, wie Reichenspergcr und die Kommisston eS wollen, vor besonderen Berufungskammern der Landgerichte, sondern vor den OberlandeSgerichten verhau- delt werden soll. Daß der gegenwärtige Zustand auf die Dauer unbaltaar sei, folge schon auS der großen RechiSunficher« hiit. die beim Mangel der Berufung gegen die Strafkammer- urlheile die Vorsckrifl des§ 75 des Gerichtsversaffungsgesetzes zur Folge habe. Dieser gebe nämlich den Strafkammern der Landgerichte die Befugniß, fihr zahlreiche und besonders häufig im praklifchen Leben vorkommende Kategorien von Straffällen nach Belieben entweder selbst zu emscheiven, oder fie den Schöffengerichten, zu deien Kompetenz diese Fälle an und für fich nicht gehöien, zu überweisen- Von dieser Befugniß werde auch sehr häufig Gebrauch gemacht; und da trete denn der Fall ein, daß in ganz analog liegenden Strafsachen das eine Mal. wenn die Ueberweisung an das Schöffengericht erfolgt, der Angeklagte noch das Rechtsmittel der Berufung hat, das andere Mal, wenn die Strafkammer selbst da» Er- kenntntß fällt, dem Angeklagten kein Rechtsmittel mehr zusteht. Diese grobe Ungleichmäßigkeit, die besonders geeignet sei, das Vertiauen in die Strafrechts. erwarten, der ihnen wenigsten» die Wohllhat der freien Be« wegung gestattet! DaS ist das Berlirer Lebe», wie«» weint. Wer achtet auf jene unglücklichen Geschöpfe, die uns Abend« mit vsr- klammten, unbeweglichen Fingern alle möglichen Gegenstände zum Kauf anbieten? Wenn der wüthende Nordost mit seinen langen, regelmäßigen Stößen, die wie Sensenhiebe bi« in unser innerste« Mark dringen, um die Winkel und Ecken der Straßen pfeift, dann erreich» den verspäteten Wan- derer ziemlich häufig die mit bebender Stimme vorgetragene Bitte:„Kaufen Sie mir doch ein Sträußchen Veilchen oder ein paar Apfelsinen ab!* Em flüchtiger Blick— man steht ein blasse«, schlecht genährte« Kind, in ein dürftige«, abge- tragenes Tuch gehüllt, die steifen Finger krampfhaft unter der Schürze zusammengeballt, den Korb am Tragriemen um den Nacken—„kaufen Sie mir etwa« ab!"„Es ist ein Skandal/ brummt der Passant in Anbetracht de« jugend« liche« Alter« der kleinen Verkäuferin; damit glaubt er dann aber Alle« gethan zu haben, wa» zur Bethätigung seine« mitleidige» Herzen« gehört. Er eilt vorüber, er denkt nicht daran, etwa« zu kaufen, e« wäre unerhört, wenn er bei der Kälte den wärmenden Ueberzieher öffnen sollte, um einen armseligen Nickel hervorzusuchen. ES ist ihm einfach zu kalt. Vielleicht kauft dir Nächste etwas. Inzwischen aber weht ein Wind über die Veilchen, der wilde Wind des Winters, er macht sie erstarren mit seinem brutalen Hauch, und er entführt ihren lieblichen Dust vielleicht zugleich mit den bitteren Thränen de« armen Kinde«,— Veilchendust und Kindnthränen; wa« kümmert e« den Wind, wa« er vor sich hinjagt, ihm ist es gleichgiltig, ob Straßenstaub ob Rosenblüthen. m, Ja, die Kälte tödiet und lähmt Alles. Wa»«och vor kurzer Zeit unier den erwärmenden, fruchtbringenden Strahlen einer Gnadensonne lustig grünte und blühie uud üppig ins Kraut schoß, da« liegt heute verödet wie ein kahle» Stein« feld, auf welchem niemals ein lebensfähiger Halm sproßte. „Ach wie bald schwindet Schönheit und Gestalt—" noch vor Monaten ein gebietender, allgewaltiger Herr, der da meinte mit einer Handbewegung die Welt reformiren zu pfleger zu erschüttern, mache allein schon die Einfühmna der Be« rufung gegen die Strafkammerurtheile nothwendig. Daß auch die Garantien für eine gute Urtheilsfindung in der ersten Instanz vermehrt werden müssen, gebe er dem Abg. Hartmann zu. Die Berufung gegen Uttheile von Landgerichten wieder vor den Landgerichten verhandeln zu lassen, wie ReichenSpera« wolle, empfehle fich deshalb nicht, weil die Kollegialität der Richter an den Landgerichten darunter erheblich leiden werde, und weil das Publikum es nicht werde verstehen können, daß ein und daffelbe Gericht in zwei Instanzen entscheide. Deshalb habe er als zweite Instanz für die Strafsachen der Land» gerichte die Oberlandesgerichte vorgeschlagen, au denen stch die tüchligsten richterlichen Kräfte befänden. Finanzielle Bedenken dürften dabei nicht in Betracht kommen, wo eS fich darum handelt, Deutschland den Charakter eines Rechtsstaats zn wahren. UebrtgenS habe fich in der Kommisston auch der Ver« treter der preußischen Regierung wesentlich in demselben Sinne geäußert. Staatssekretär v. Schelling stellt die letzte Bemerkung des Vorredners dahin richtig, daß keiner der Vertreter der preußischen Regierung» namens derselben in der Kommission Stellung genommen habe. Im BundeSrath habe Pieuße» fich für die Bildung der Berufungskammer bei den Land- gerichten erklärt. Abg. v. B u o I stimmt im Wesentlichen mit Hartmann überein, steht aber der Berufung noch etwas freundlicher gegen» über, als dieser. Abg. Pfafferott befürwortet sein Amendement, daß Zioll-, Eiraf- und Strafberufunaskammcrn in der Besetzung von nur drei Mitglied-rn einschließlich des Vorsttzenden ent> scheiden sollen. Abg. Veiel(nat.-lib.) hält die Berufung gegen die Ur» tbeile der Strafkammern für bedenklich, und bestreitet jede» Bedürfniß zu einer Aenderung der ReichS-Justizgesetze in dieser Richtung. Abg. Rintelen spricht stch übereinstimmend mit Reichensp erger auS. Um 4'/, Uhr wird die Verhandlung wiederum abge- brachen. Nächste Sitzung Mittwoch, 2 Uhr.(Vorlagen, be» treffend die Zellulosebriken, NachtraqSetat, Ausprägung von 20- Pfennigstücken, Wahlprüfungen. Der Präsident beabfichtigt, die erste Lesung der Branntweinmonopol- Vorlage auf die T.>O. am Donnerstag zu setzen.) Abgeordnetenhaus. 30. Sitzung vom 27. Februar, 11 Uhr. Am Ministertische: Maybach und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht: erste Berathung des G e se tz» entwurfS, betreffend die Erweiter un a und Vervollständigung des Staatseisenbahn- neyesund die Betheiligung des Staate« bei mehreren Privateisendahn- Unterneh« m u n g e n. Zum Worte melden fich 29 Redner. 17 gegen, 12 für die Vorlage. Abg. Jacobs(LandSberg) bittet, in vie nächsten Sc- kundärbahnnetze eine Linie Meseliy-Schwelin-LandSderg auf- zunehmen. Abg. Lehmann steht der Vorlage sympathisch gegen- über, bedauert aber, daß die Rheivproolnz nur mit zwei Bahnen bedacht ist. Vor Allem sollte die Fortsetzung der Eisenbahnlinie von Trier nach Hermeskeil in Erwägung ge- zogen werden. Abg. Meyer(Breslau)«eist darauf hin, daß zur Be- gründung der projektirten Bahnlinie Teutschenthal-Salzwünde auf die Zuckerfabrik in Benkendorf und die Kalköfen in Cölme hingewiesen ist. Aber Benkendorf, das an dieser Bahnlinie liegt, besitzt keine Zuckerfabrik und die Kalköfen in Cölme brennen nicht mehr. ES wäre überhaupt richtiger, Salzmünde an Halle anzuschließen. Abg. E b e r t y weist darauf hin, daß der Bau einer Eisen- bahnlimc Hieschberg-Böhmischc Landesgrenz« schon vor langer Zeit in Erwägung gezogen sei, ohne daß er bi» jetzt zur Aus- führung gelangt wäre. Abg. Olzem ersucht um Fortsetzung der Linie Tiier- Hermeskeil und um eine Verbindung der Rhein-Nahebahn mit den pfälzischen Bahnen. können, heute der Vasall einer unzufriedenen, enttäuschte« Menge, die jetzt„Kreuzige" rufen möchte, wo sie früher „Hosiannah" schrie. Das ist Herr Stöcker, der ramponirte Hofprediger. Der Jrrthum muß bitter fein für einen auto» krattfchen Mann, wenn er merkt, daß er ein stumpfe« Werkzeug in der Hand eine» Andern gewesen ist, daß er sich hat brauchen lasse», und daß er achtlos bei Seite geworfen wird, sobald er seine Schuldigkeit gethan hat. Zn die Rumpelkammer, in die Vergessenheit mit ihm, dem einst so Vielgepriesenen; ein Glück für ihn, daß der kalte Wasser» strahl ihn noch während einer milderen Jahreszeit traf, heut« wäre Herr Stöcker wahrscheinlich zum Eiszapfen erstarrt, und es hätte gewiß recht lange gedauert, bis für ihn die FrühliugSfonne mit ihren wärmenden Strahlen erschiene« wäre, die ihn aufgethaut hätte. Darauf hätte er warten können, bis fein urgermanifcher Körper die Hautsarb« unserer vielgeliebten Landtleute aus den Sandlöchein von Kamerun angenommen hätte. So schwindet der Ruhm der Welt dahin. Herr Siöcker scheint au» der Mode gekommen zu sein; der frisirte Pöbel Berlin« hat sicher auch seine Laune». Der Geschmack scheint in dieser Beziehung zu wechseln wie die Haartrachten der Gefolgschaft des Herrn Hofpredigers: heute bi« in« Genick gescheitelt, morgen geniale Künstler- locken. Heute Siöcker, morgen Pickenbach— wa« übermorgen sein wird, kann man heute natürlich noch nicht wiffen. Gespannt wird keiner darauf sein, so wenig gespannt, daß die Zeitungen e« nicht einmal der Mühe für werth halten, B-richte von de« ftommen Bierrrden de« Herrn Stöcker zu bringen. Da« ist immer da« erste Zeiche« de« Anfanges vom Ende, hoffen wir, daß der Mummen» schanz für alle Zeiten vorbei sei. Den Mummenschanz, den Fasching überholt der Frühling, das ist ein ewiges Gesetz der Natur und jedes Kind kennt et; die Reaktion hat ihre KanevalSzeit hinter sich, und hierauf folgt freudige Früh» lingistimmung des Geiste! und der Wahrheit. Den alters- schwache«, winterlichen Händen einer hinsinkenden Zeit entstnkt daS Szepier,— der kraftstrotzende, blühende FrühlingSknab« einer neuen Zeit wird e« ergreifen und nicht wieder fallen lassen. Minister Maybach erwidert, daß auch die R-kierung die Ueberzeugung habe, daß für d n Ausbau des Eeiundar- bahnnetzeS noch viel geschehen miiffe. Indessen auch daS bis- her Erreichte ist erfreulich. Seit dem Jahre 1880 sind 6400 Kilometer neuer Bahnen gebaut werden, d. h. so viel als der Umfang des ganzen Eisenbahnnetzes des Königreichs Boyern beträgt. Die Regi-rung wird darauf bedacht sein, in den Pro- vinzen Ost- und Westpreußen, in der Rheinprovinz und Schle- fien den laut gewordenen Wünschen Rechnung zu tragen. Daß Herr Abg. Meyer für den Anschluß der Salzmünder Bahn an Halle eintritt, erklärt sich wohl daraus, daß er ReichStagsab- geordneter für Halle ist. Es kann in diesem Augenblicke nicht schon über alle neugeforderten Projekte Auskunft ertheilt werden- aber die vorgetragenen Wünsche sollen registrirt und einer ein- gehenden Prüfung unterzogen werden. Abg. zur Nedden tritt für die Herstellung einer Per- dindung zwischen der Ober-Westerwald-Bahn und der Deutz- Gießener. Bahn ein. Abg. v. Bismarck(srlatow) befürwortet den Bau einer Bahn von Rakel nach Deutsch-Krone. Abg. Graf(Elberfeld) wünscht, daß die in Aussicht ge- nommene Linie Elberfelv-Kronenberg Hahnerberg berühre. Er bitte, die Vorlage an die Budgetkommission zu verweisen. Abg. Broekmann bittet um die Ausarbeitung eines BahnprojektS, welches die Kreise Prüm, Daun und Bitburg erschließt. Abg. Wehr bedauert auf daS Tiefste, daß auch in dieser Vorlage der Osten nicht so berücksichtigt ist, wie derselbe eS verdient. Sie mögen Kolonisation treiben, so viel Sic wollen, Ihre Industrie kann nicht blühen, so lange Sie daS Hinterland im Osten vernachlässigen. Abg. Möllmann tritt für den Ausbau deS Zentral- Personenbahnhofs in Osnabrück ein. Abg. Schmidt(Stettin) weist darauf hin, daß gegen einen Rothstand der Landwirthschast in den östlichen Provinzen die Ermäßigung der Zinsen für die von den Landschaftsbanken gewähtten Darlehen spreche. Abg. Seyfarth(Rotenburg) wünscht bei dem weiteren Ausbau des Sekundärbahnnetzes eine größere Berücksichtigung der nothleidenden Landwirthschast im Rhöngebirge. Minister Maybach erklärt, daß seit der Verstaatlichung der Eisenbahnen Westen und Osten der Monarchie mit gleicher Elle gemefien werde. Abg. Rumpfs dankt dem Minister für die Bewilligung der Linien Elberfeld. Cronenberg und Wülfrath-Verprl. Abg. B e r g e r erklärt, niemals einen schärferen Angriff auf den Eisenbahnminister und unqualifizirbarere Beschuldigungen gegen den Westen gehört zu haben, als beute von Herrn Wehr. Er weiß nichts von einem Gefühl des RetdeS auf den Osten, auch davon nichts, daß die Vortheile der Verstaatlichung der Bahnen dem Westen zugefallen wären. Abg. Steinmann legt im Interesse seines Wahl- kreises Gewicht auf den Bau einer Linie Etallupönen- Tilsit. Abg. Meyer(Breslau): Ich weiß nicht, wie der Herr Minister meine Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter für Halle in Verbindung setzen konnte mit der Kriiik, die ich an der Motivirung deS Bahnprojekts Salzmünde. Teutschenthal ausgeübt, Ihm ist diese Kritik scheinbar unangenehm gewesen, mir ist meine Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter für Halle sehr angenehm.(Heiterkeit.) Abg. Bork wünscht, daß beim Bau der Linie Sarnau- Frankenberg die Einbeziehung des Verkehrs des Ederthals be- rückfichtigt werde. Abg. V o p e l i u S hält den Anschluß der Rhein-Rahe- Bahn an die rheinpfälzischen Bahnen für wünschenswerth. Abg. Wehr beruft sich auf daS Zeugniß deS Abg. Hänel, der gleichfalls vor wenigen Tagen erst noch über die Vernach- lässtgung des OitenS geklagt habe. Abg. P l e ß wünscht von Seite der Regierung darüber eine beruhigende Auskunft, daß auch nach Fertigstellung deS zweiten GeleiseS auf der Linie Deutz'Kalk die Linie Deutz- Boppert nicht eingehen solle. Abg. v. Schorlemer- Alst weist gegenüber dem Abg. Wehr nach, daß stets im Hause den Bedürfnissen und Wün- schen deS Ostens die größte Rücksicht erwiesen sei. Er möge nur an die Kanalvorlage denken. Die Auffassung desselben von den Getreivezöllen sei eine kleinliche. Die Freunde der Schutzzollpolitik haben sich nur gefragt: waS ist ein Interesse deS Vaterlandes? Abg. v. B e t h e ersucht um Fortsetzung der Bahn Ro> gasm.Jnowrazlaw über Czarnikau. Abg. H u y s s e n weist nach, daß der Anschluß der Salz- mündtner Babn an Halle anstatt an Teutschenthal die AuS- sührung des Projekts um daS Sechsfache vertheuert werde. Abg. Mooren tritt für neue Bahndauten in dem Elfelgebret und für den Ausbau einer Bahn Viersen- Straelen ein. Abg. v. Rauchhauvt muß gegen die Vorwürfe des Abg. Wehr entschiedenen Widerspruch erheben. Die Verstaat- ltchung der Eisenbahnen ist gemacht, um die Differentialtarife zu beseitigen, und nun kommen die Interessenten und wollen sie wieder einführen. Das sind Sonderbestrebungen, die keine Berücksichligung verdienen. Abg. v. Fürth weist auf die Rothlage der Eifelgegenden hin, die wirksam nur durch die Förderung deS EisenbahndaueS ,u bekämpfen ist. Abg. Wehr: Herr v. Schorlemer hat meine Rede nicht gehö-t, und doch polcmifirt er gegen dieselbe. DaS ist eine ritterliche Kampfesweise, die haarscharf vorbeigeht an der Klopf- fecktcrei. In Betreff der Differentialtarife bin ich mit Herrn v. Rauchhaupt einverstanden. Run führt aber der Herr Minister selbst auf weite Strecken Ausnahmetarife ein, um der Schiff- fahrt wirksame Konkurrenz zu machen. Abg. v. Strombeck ersucht die Kommission, auf die Prüfung der Beitragspflicht der Gemeinden zu den Grund- erwirbskosten Sorgfalt zu verwenden. Abg. v. Rauchhaupt erwidert, daß er sich lediglich f legen daS Streben des Ostens gewendet habe, AuSnahmetartfe ür ihre Getreidetransporte nach dem Westen zu gewinnen. Diesem Bemühen hat daS StaatSeisenbahnsystem einen Riegel vorgeschoben. Rachdem noch der Abgeordnete Sander sich für die Vorlage ausgesprochen, wird dieselbe an die Budgetkommisfion verwiesen. Schluß 2Vt Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. (Kleinere Vorlagen.)_ Herrenhaus. 6. Sitzung vom 27. Februar, 12 Uhr. Am Regierungstische: v. Puttkamer, v. Goßler, Dr. Friedberg, v. Boetticher und Kommissarien. Nachdem Herr v. TbczanowSki auf die Verfassung vereidigt, genehmigt daS Haus in einmaliger Schlußderathung den G. E.. betreffend die Aufhebung des Amtsgerichts zu Reu- stadt-Magdeburg. nr � � Es folgt die Berathung des Antrags Dr. Dernburg und Genossen, betreffend die Polenfrage. Derselbe lautet:„In Erwägung, daß eS dem preußischen Staate verfassungsmäßig obliegt, daS Zurückdrängen des deut- schen Elements durch das polnische in einigen östlichen Pro- vinzen der Monarchie zu verhindern, und daß die LandeSver- tretung das Recht und die Pflicht hat, mit der königlichen Staatsregierung bei Verfolgung dieses Zieles nachhaltig zu» sammenzuwirlen, zu erklären: daß daS Herrenhaus die königl. Staatsregierung dauernd bei ihrer Aufgabe, den Bestand und die Entwickelung der deutschen Bevölleiung in jenen Pro- vinzen sicher zu stellen, unterstützten wird." Der Berichterstatter Graf Udo zu Stolberg- Wernigerode beantragt: dem vorstehen« den Antrage unverändert die Zustimmung zu ertheilcn. Dagegen bean'.ragen Fürst Ferdinand Radziwill, v. Koscielski, Graf Kw'lecli, Graf Mielzynski, v. Slasli, Graf Skorzewski, v. Zoltowilt: in Erwägung, daß der Antrag Dernburg und Genossen danach angethan est, Mißhelliakeit und Zwiespalt unter den in den östlichen Provinzen der Monarchie zusammenlebenden Staatsangehörigen hervorzurufen, daß ferner der Antrag der Pflicht des Staates, alle Unterthanen ohne Unterschied der religiösen und sprachlichen Verschiedenheit in ihrer geistigen und materiellen Wohlfahrt gleichmäßig zu schützen, zuwiderläuft, über den Antrag Dernburg und Genossen zur Tagesordnung überzugehen. Berichterstatter Graf Udo Stolberg- Wernigerode: Ich fasse den vorliegenden Antrag auf als einen Protest gegen einen Beschluß des Reichstags und ein Vertrauensvotum für die preußische Regierung. Es ist eine alte und gute Sitte, die Beschlüsse einer anderen parlamentarischen Körperschaft nicht direkt einer Kritik zu unterziehen; aber diese Rücksichtnahme hat ihre Grenzen. Wo eS sich um vitale Interessen handelt, hört die Höflichkeit aus, und an ihre Stelle tritt der gesunde Selbsterhaltungstrieb und der berechtigte Egoismus eine? großen Staatswesens. In unserem Antrage liegt in keiner Weise die Her« Vorkehrung eines preußischen Standpunktes, keinerlei paitikulart- stische Ueberhebung, denn wir verfolgen mtt ihm nicht blo! ein spezifisch preußisches, sondern zugleich ein allgemeines Reichsinter- esse und können ohne Ueberhebung sagen, daß in dieser Frage daS deutsche Nationalbewußtsein in dem preußischen Landtage zur Zeit stärker pulsirt als an der Stelle, wo eS eigentlich den prägnantesten Ausdruck finden sollte. Unser Antrag stellt der Regierung unsere Unterstützung für ihre Maßregeln in Aus- ficht. Er soll kein Blankowechsei sein, sondern dem Hause die Prüfung jeder einzelnen Maßregel vorbehalten. Jeder Pole muß deutsch lesen und sprechen können. Das ist sehr leicht ge- sagt, aber sehr schwer ausgeführt. ES scheiterte bisher an dem Widerstände der polnischen Geistlichkeil und auch an der Art der Schmverwaltung selbst. Jetzt führen in den polnischen Städten der polnische Rechtsanwalt und Arzt das große Wort, und dadurch dekommt die Stadt ein polnisches Gepräge. Das ändert sich mit einem Schlage, sowie Militär hineingelegt wird. Auch für die Umgegend bildet eine solche Garnison einen KristallisationSpunkt. WaS den Antrag deS Fürsten Radziwill anlangt, so will ich seine Begründung abwarten und enthalte mich zunächst darauf einzugehen. Man könnte unserem Antrage vorwerfen, daß er post festurn komme und räch den Verhandlungen deS anderen HauseS kein aktuelles Interesse mehr habe. Ich möchte dem widersprechen. Wir haben hier im Herrenhause Klage darüber geführt, daß wir von der Staats» regierung vernachlässigt werden, daß man uns die Gesetze erst in zweiter Linie vorlegt. In dieser Beziehung ist eine erfreu- liche Wendung eingetreten. Ich bitte Sie, dem Antrage zuzu- stimmen.(Beifall.) Professor Dr. Dernburg: Der Antrag deS verehrten Fürsten Radziwill geht doch auch von seinem Standpunkte etwas zu weit. ES ist ja leicht begreiflich, daß unser Antrag nicht die allgemeine Billigung findet, und namentlich für die Preußen polnischer Zunge auf den ersten Blick verletzend er« scheint. Wir wollen nicht„Mißhelligkeiten und Zwiespalt unter den Staatsangehörigen hervorrufen", sondem den preußischen Staat und seine Ehre schützen und gedeihlichere Zustande inner- halb der Bevölkerung schaffen. Dem Polen seine Muttersprache zu rauben, ist nicht unsere Absicht, auch ganz unmöglich. Keine Nation, die bereits zum Bewußtsein ihrer Nationa- lität gekommen ist, und eine dedeutende geistige Kultur hat — und die Polen haben eine der ersten unter den Slaven— läßt sich ihre Nationalität entreißen. Ich verwahre mich ausdrücklich gegen den Ausdruck „Germanistrung". Damit arbeitet man nur der polni» schen Propaganda in die Hand. Die Polen sollen Polen bleiben, odrr besser polnische Preußen. Ich will die Er- Haltung deS zweisprachlichen Charakters der Bevölkerung in den östlichen LandcStheilen, aber Ausschließung der gegen die Integrität des preußtlchen Staates gerichteten Agitation. Fürst Ferdinand Radziwill: ES kann uns natürlich nicht in den Sinn kommen, diesem Hause, einem hervorrazenden Theil der LandeSvertretung des leitenden deutschen Staats, zuzumuthen, auf den Ausdruck und die Kundgebung eines gerechten nationalen Stolzes auf deutschen Geist, deutsche Bildung und Kultur deshalb zu verzichten, weil eine Minderheit eines anderssprachlichen Volksstamms in diesem Staate Heimathirecht hat. Wir haben im Gegentheil volles Verständniß für die Aufgabe und daS Bestreden des preußischen Staats, seine administrativen Maßregeln dabin zu lichten, möglichst allen Staatsbürgern die Kenntniß der deutschen Sprache zu vermitteln. In allen Beziehungen des öffentlichen Rechts ist ja auch der polnischen Bevölkerung der Besitz dieser Kenntniß unentbehrlich. Jndeß gehört die Erreichung dieses gerechten Ziels so sehr zu den selbstverständ- lichen Aufgaben deS preußischen Staat?, daß ich mich wirklich fragen muß: hat es denn zur Erreichung dieses Zieles einer so feierlichen Kundgebung der Regierung, und seitens des Hauses einer so feierlicten Akzentuirung deS FesthaltenS an diesen Zielen bedurft, wie sie der Antrag Dernburg proponirt? Auf Kultur und allgemeine Bildung können doch die Prinzipien deS Schutzzolls und deS Prohiditiosystems nicht angewendet werden, namentlich in einem Gebiete nicht, durch welches sich die Sprachenarenze der slavischen und ger- manischen Welt hinzieht. ES ist absolut eine xetitio privnpii, das Vordringen des polnischen Elements gegen das deutsche als notorisches Faktum hinzustellen. Das vorgebrachte statistische Beweismatial widerspricht zum Theil direkt dieser Behauptung, auf die allein der Antrag Deindurg sich gründet. Nach den vom Minister Lucius selbst angegebenen Zahlen ist der pol- nische Grundbesitz in den letzten Jahren im Großherzogthum Posen um 195 537 Hektcren= 800 000 Morgen zurückgegangen, und dies gilt eben gerade vom größeren Grundbesitz, den die Regierung als den Mittelpunkt d-r gegen sie gerichteten Bestrebungen betrachtet. Ich will gewiß nicht Oel in die Flammen gießen, aber ich muß doch aussprechen, daß meiner festen Ueberzeugung nach der Kulturkampf mit diesem Vor- gehen aufS Innigste zusammenhängt. Die Fürsorge des Staates soll allen seinen Angehörigen zu Gute kommen; hier räumt man der Regierung fast unkontrolirbare diskretionäre Gewalten ein. Polnischen Bauern soll nichts au? dem Fonds zugewendet werden' anderen, abgelegeneren, ihrer Qualität nach ganz unbekannten Staatsbürgern sollen die Vortheile zufließen. DaS können St« nicht gutbeißen. In dem kirchenpolitischen Kampf haben wir den Ehrenplatz an der Seite unserer Mitbürger deutscher Nationalität behauptet und werden ihn nicht aufgeben. Wir werden weller kämpfen an der Seite der Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht. Beim AuS> bau der Staatsverfassung auf wahrhaft konservativer Grund- läge können Sie die Bausteine nicht ignoriren noch missen, w«ch; Ihnen auf dieser Grundlage in der polnischen Bevölke- rung zu Gebote stehen. Ich hoffe, daß Sic dieses Material in d-n Fundamenten mit werden verwenden können, und bitte Sie in diesem Sinne über den Antrag Dernburg zur TageS- Ordnung überzugehen. t„ v. Bethmann- Hollweg: Ich halte eine„fererliche Kundgebung, wie sie der Vorredner nennt, nicht für übnflüsfig. ES ist nicht nur hohe Zeit, daß die Regierung den Verhält- nissen in den östlichen Provinzen ihre Aufmerksamkeit wieder zuwendet, sondern auch Zeit, ausdrücklich auf diese Nothwendrg- keit hinzuweisen. In der deutschen Bevölkerung war das Ge« fühl weit verbreitet, daß man sie in neuerer Zeit im Stiche gelassen hatte. Vor ein paar Jahren setzte die Regierung in Posen eine bestehende Verfügung von 1863, betreffs des Gebrauchs der deutschen Sprache in Wirksamkell; sie wurde von der Zenttalstelle deSavouitt. Ein härterer Schlag war den Deutschen seit Jahrzehnten nicht zugefügt worden. Al! ich nach dem Baden« Attentat auf den König eine Loyalität?- adreffe in Umlauf setzte, verweigerten meine polnischen baren die Äetheiligung(hört, hört!), und seitdem ist daS Wer- hältniß nie wieder so freundlich geworden als vorher; des' halb find auch die im Antrag Radziwill ausgesprochenen Besorgnisse völlig illusorisch. Die Masse der Polen kann man nicht bekehren, wir können nur verlangen, daß sie gute Preußen find. Die Aktion der Regierung sollte also dahin gehen, die Deutschen zu fördern durch Kolonisation, durch Verbesserung der Kommunikationen der Provinz, durch Förderung der kirch- lichen Bedürfnisse der Deutschen in der Diaspora(Hort! hört.), auf dem Gebiete der Schule die Simultansckule zu pflegen (Unruhe), die in gemischten Bezirken sehr am Platze find, und die Schule überhaupt von allen geistlichen Einflüssen zu fe- freien, sie als Staatsschule unabhänging zu stellen.(Beifall-) v. Zoltowski: Der Antrag wiederspricht in sein« Tendenz sowohl der Bestimmung des Allgemeinen Landrech», daß sich die Fremden aller Richte der übrigen Einwohner p erfreuen habe» sollen, als auch dem Art. 4 der preußischen Verfassung, daß vor dem Gesetz alle Unterthanen gleich stw sollen. Die Regierung kommt immer mehr und mehr auf du schiefe Bahn der Ausnahmegesetze, die zahlreichen Katholiken' gesetze, die neue Auflage des Sozialistengesetzes und d» neuen Polengesetze beweisen dies. Es wird nicht mehr lange dauern und der Art. 4 d« Verfassung ist sattisch dadurch aufgehoben, daß die Unterthanen, welche wirklich vor dioi Gesetze gleich find, die Minorität im Staate biltun- Sie werdm mir glauben, wenn ich Ihnen sage, daß es m» sehr schwer geworden ist, Verhällnisse, welche meine zarteM Gefühle aufs Schmerzlichste berühren, hier ganz objettiv zu% sprechen; ich habe es gethan, um keine Leidenschaftlichkeit"s die Debatte hineinzubringen. Folgen Sie meinem spiele, lehnen Sie den Antrag Dernburg ab durch Annale d« motivirten Tagesordnung des Fürsten Radziwill. v. Kleist-Retzow: Von Anfang an bin ich gegen stj* Kullurkampsmaßregeln gewesen, die mir manche schmerch«' Stunde bereitet haben. Unser Antrag hat, wenn er au» � Allgemeinen dasselbe, wie der im Abgeordnetenhause vcrll� delte, verfolgt, die Abficht, eine Korrektur deffeiben vorzM mcn, indem er nicht bcstimmmte Maßregeln inS Auge W sondern nur Schutz des Bestandes und der Entwicklung/" deuschen Elements. Wir wollen verhindern, daß AgstaM und Agitationen sich Mühe geben, den Lauf dn G.-scöichü � korrigiren. Die Ereignisse des Jahren 1863 haben gezeigt. � ein ganzer OraanisattonSapparat auch für die Provinz fertig war. Solchen Aspirationen gegenüber hat der 61J. die Verpflichtung, die weniger zuverlässtgen Elemente zudrängen. Ich bitte Sie, unfern Antrag anzuneh»� (Beifall.) ix... Bischof Dr. Kopp: Die ersten Tage, an denen f® Ehre habe, den Berathungen deS hohen Hauses beizuwohu� stellen mich sofort vor eine Frage, die nicht an fleh, aber»f® für mich einige Schwierigkeit in stch schließt. Der Antrag, von dem Herrn Vorredner eben vertheidigt worden ist, die Sicheiheit des aefammten Vaterlandes. Diesem AntiaS' an stch betrachtet, kann ich wohl ohne Bedenken zustiw®?l (Sehr gut!) Die Liebe, das Interesse und der Sinn für° Würde und Größe des Vaterlandes muß jedem LanbeKin innewohnen(Bravo!), und ich glaube, Sie haben«in dieses ganz besonders von Denen zu verlangen, welche i'"' ihre? Amtes berufen find, die fittliche Tugend im Volke wecken und zu pflegen. Nun hat der Redner des Geaenantwe die Befürchtung ausgesprochen, daß mit diesen WaßnaW? nur der Kulturkampf fortgesetzt und erweitert werden sollie,® ich muß bekennen, daß mich dies« Anklang etwas traurig stimmt bat. Ich beklage nichts mehr, als die veifloffevcn' Jahre, ich beklage ste für meine Kirche, aber auch für die fammlheit deS Vaterlandes.(Beifall.) Ich stimme auch � allen Maßregeln zu, welche der verehrte Herr Belhmann angegeben, aber ich enthatte mich, auf � angegeben, aber selben einzeln einzugehen, well noch Gelegenheit dazu haben. i wir ja sonst vielle>« Aber, meine hochverehrt. Heuen, einen Gesichtspunkt muß ich doch geltend machen"L der bezieht sich denn auf meinen Entschluß. Die Wege, n!r>> bei der Erreichung dieses Zieles zu aeben find, die werden''. nicht immer auf dem Wege der Milde, der Schonung u, Versöhnlichkeit bewegen können. Ich habe die feste Zuvert®' daß aus dem? Zusammenwirken der verschiedenen des Gerechtigkeitssinnes der Regierung, deS ritterlichen 6W,i dieses hohen HauseS und der Weisheit des anderen keine Resultate sich ergeben, denen zuzustimmen mir verrv' sein würde.(Beifall.) m(l Oderbürgermeister Winter(Danzig) erkennt in den lagen der Regierung Akte deS Friedens und der Abweh* berechtigter polnischer Tendenzen.„_ Die Diskussion wird geschlossen. Als Mitantragsteller Antrages Radzrwill erhält das Schlußwort_ gw v. Koscielski: Den Antrag Dernburg und die � sichten der Regierung trennt eine große Kluft. Mit_ ließe sich reden, mtt diesem nicht. Nach dem Antrag bürg komme es bloS auf eine Vntretung der deutschen vpM nicht auf Vernichtung an, die Regierung aber hat immer betont, daß die Vorlagen rein defensiv seien. Der kanzler hat die Polen in Acht und Bann getban. sprechen auch Sie nicht offen aus, daß die vollständige� nichtuna deS Polenthums der wahre Grund und daS ät> d-r Polenvorlage ist. Bei der Spannung zwischen 0'%� gierung und den Eingeborenen find die Beamten t" Linie interessirt an dem Fortbestehen deS Zwiespalt?. tutK UI» vm,(yvuvilHVt"»»» aber auch daS einzige Sprachrohr, durch welches die R«0,p Kunde erhält von den Wünschen und Besttebungen der � tigen Bevölkerung. Wären wir so, wie man»nS 1®� dann wären wir allerdings zum Hängen reif.(HeiterkenO aber die Regierung beffer informirt, so hatten wir ni®* l I ISS6S Regierung W... Ausnaswegesetze. Herrn v. Bethmann frag daß wir Zeit haben, unS unprodultiven S--------.. geben? Warum grei en Sie immer auf 1848 zurück?®L stit Sie. daß wir in den letzten 40 Jahren, namenM � 1870 nickitS gelernt haben? Bei uns vrrtrodel' Mensch seine Zeit damit, um auf ge�rap?«s Karlen die LandeSgrenzen seines ehemaligen Var-r zu übermalen. Jeder abeitet bei unS ruhig und stju- arbeiten und still abwarten, was da kommen mag! .....-- kein territ-n gr Bewegung und Unruhe.) er bewegt sich auf einem Unser Kampf ist u»» er oervegr nw aus einem andnen Schlachtfelde. vJ? asiori'1, Haltung unserer geistigen Güter werden wir unsere P°'$ ck behaupten. Sie mögen darüber noch so lachen, �„e® Ernst damit. Den Gedanken, daß wir doch einmal*,(W- politischen Leben auferstehen w«den, wollen wir nie auw� (Aha! Anhaltende Unruhe.) Ad« aui welchen The»'" �if"' ehemaligen Vaterlandes dieses neue Vaterland vinzen des alten Polen zu einem selbstr*.{ us weiche Provinzen des alten Polen zu einem st wüst. � Leben zusammenzutreten das Glück haben wttden, dar zM bricht sich bei unS kein Mensch d:n Kopf.(Lachen)# Recht beklagen Sie sich, daß Ihre Stawmesgenossen g.L land, Livland und Siebenbürgen vergewaltigt Werve liegt ein analoger Fall vor. Em edler, konservative Heu v. Gerlach, hat im Adgeordneienhause gesagt' g riszire von vornherein alle Maßregeln, welche tw. zgon gegen mich gerichtet wurden, mißbillige. Diese schon wollen Sie beherzigen. �......% DaS Schlußwort erhält Professor Dernburg t'jm bie Polen leitet uns bei unseren Bestrebungen nicht. Bericht« statter Graf Udo Etolberg(Wernigerode) de« ?!">. daß die Polen eine doppelte Sprache führen; sie er- (.n(n Zuerst immer, daß ste friedliche Leute seien; dann aber Üv in eine andere Tonart und sagen: Wir find Polen bleiben Polen und das Polenreich wird wieder hergestellt >>nden. Verzichten Sie auf Ihre Träume, dann ist es mit 1 polnischen Frage vorbei.(Beifall.) j, In der Abstimmung wird zunächst der Antrag des Fürsten �obziwill gegen die Srimmen der Polen, des Freiherrn �onbsberg und des Herrn HauSmann abgelehnt; der An- D e r n b e r a aber mit 108 gegen 13 Stimmen an- �Nammen. Mit..Nein" stimmen außer den Polen u. A. Hompesch, Freiherr v. LandSberg, Graf Schulcnburg �'Ajnborf), Bischof Kopp und Graf Brühl enthalten fich Abstimmung. Echluß 4'/« Uhr. Nächste Sitzung unbestimmt. Kommunales. Der Etatsautschuß der Stadtverordneten-Ver« Mtnlung beschäftigte fich am Freitag Abend u. A. mit dem der Waisenverwaltung. Neu eingestellt wurden in den �ol die Kosten zur Errichtung eines Erziehungthauses für »Upahrlosti Knaben. Die vom Magistrat Kittfür geforderte Mme von 11 700 M. wurde bewilligt. Die ebenfalls ge- 10000 M. alS Pauschquantum zur Deckung der Elenden Ausgaben, Anstellung des ErziehungS-Jnspektors so- js/es Hilfslehreis und eines Aufsehers sollen auS den be- zur Ditpostlion gestellten Mitteln mitbestritten werden. N, ljngestelll ist die Pofition für den Betrieb der öffentlichm �»infektioni- Anstalten in der Reichendergerstraße pro >,»April 1883, 87 in de« Titel für Gesundheitspflege. Der» bafirt darauf, daß durchschnittlich täglich die Sachen von Z. Familien zu desinfiziren find, und daß diese Sachen ».�.Rauminhalt von zusammen 24 ebm haben, sogdaß T Aahr(300 Arbeitstage) rund 7200 cbm der Deiinfek- W Merworfen würden. Es ist ferner angenommen, daß von 2'2 Familien Vi zahlungsfähig, V» nichtzablungSfähig find q«! M von dem Rauminhalt der zu deSinfizirenden Sachen �Lbte zahlungsfähigen Familien pro Jahr durchschnittlich 2� cbm und auf die zahlungsunfähigen durchschnittlich zusammen 7200 cbm entfallen. Bezüglich der DeS» Iii i n von Wohnräumen ist angenommen, daß durchschnitt- Krankenzimmer gegen Bezahlung und 8 Wohnungen Wottelter Leute zu desinflziren find. Da der Tarif für die w.MttionSgebübren noch nicht festgestellt ist, so find die Ge- iAIitze vorläufig wie folgt veranschlagt worden:1 für DeS- J. ,'0n von 1 cbm Sachen 3,00 M. 2. für den Transport � l cbm 1,00 M, 3. für die Desinfektion eines Kranken- Snz 1,50 Mark, 4. für die Desinfektion einer tÄ�ng bestehend aus Stube, Kammer und Küche 1,50 M. »innahmen find festgestellt auf 21 000 M., die Ausgaben die Aufstellung deS Magistrats von 34 400 M. auf nur jJ1® 3R. Demnaid hat die Stadt Hauptkaffe einen Zuschuß lohrlich 10400 M. zu zahlen. Die in«ster Lesung ye- ».�.Anfrage in der MagistratSkommisfion, betreffend den »nd der Angelegenheit wegen Uebernahme resp. Sud- -'vtoniwng der Sanitätswachen seitens der Stadtgemeinde, hortete der Kämmerer Runge dahin, daß die hierfür ein« feit£ Kommisfion ihre Arbeiten noch nicht beendet hat. Der «er Park« und Gartenverwaltung erlitt einige höhne Ab- (.'M So wurden von den verlangten 80000 M. für Fort- tqNü�orbeiten zur Vollendung des Treptower ParkeS lyg% abgesetzt für daS nächstfolgende EtatSjahr, ebenso von den 15 000 M., welche zur Erweiterung k., VlänterwaweS auf den städtischen Ländereirn /nier Treptow gefordert wurden, wurden 5000 M. für u'nSchste Etatsjahr abgesetzt.' _.. Dagegen genehmigte der Aus- unter Andnm zur Herstellung von Echmuckanlagen auf � Dönhofsplatze alS erste Rate 40000 M„ desgleichen be« dj, �»r die Mittel zur Herstellung von Schmuckanlagen um � Lankeekirche. auf dem Pappelvlatze, auf den Plätzen zu Seiten des Kanals am Thorbecken, genannt Waffer- �kplatz w. ,c. Lokales. «* Der Verein der Berliner EngroS-Echlächtergesellen ».Mt uns um Aufnahme deS folgenden: «Kiehofahi 1 ._ Die von hiefigen ebrachte Notiz, wonach„Schlächtngesellen vom 'm».«—--vf am 21. d. in einem Tanzlokale an der Lands« � Allee arge Exzeffe verübt hätten", kann nach eingehenden jJP'rchrn dahin richtig gestellt werden, daß kein einziger der Zentral-Vieh. und Schlachthofe in Arbeit stehenden isi Aergesellen bei jenen Schandthaten betheiligt gewesen bill., solche und Gefindel aller Art giebt's dort freilich auch; Q«..aber sollte nicht mit ehrlich schaffenden Schlächtergesellen Endweiche Verbindung gebracht werden. bei s?�eit macht da» Lebe« süh, aber es giebt Leute, welche tsiJJvrm Arbeit durchaus keinen desonderen Geschmack adae- U«,, Zl können, und zu diesen Leuten dürste gegenwärtig die «fckZRehrzahI unserer Parlamentsberichterstatter gehören. Der lldn/'fvtarische Normalarbeitstag, für welchm gewöhnlich daS heilspensum auS einer vier- his fünfstündigen Sitzung der �en wurde, hat fich seit einigen Tagen derart verlängert, 'ibtr-L parlamentarische Körpersch asten gleichzeitig neben ein- Sitzungen in einer desammtdauer von zwölf bis Stunden abhalten und dabei über Gegenstände ver« die sämmtlich von größtem Jntereffe für die weitesten � ver Bevölknung find. Die parlamentarischen Bureaus ...-"hT''">re Arbeit s- !achtheil für «ew 7ä"u»eli,allung gescheven. Wer es emmar versucht hat, einer lebhaften Verhandlung auch nur während bz�unde zu folgen und dabei zu gleicher Zeit zu sehen, Nunn!?''u denken und zu schreiben, der wird die hochgradige �»""urrg nachempfinden, von denen diese Berichterstatter oft � wnden. Als ironisches Reizmittel in diesem Zu« % U.c ,ienen dann die Debatten über wucherische Ausnutzung Mcr„.fUSkraft bei irgend welchen privaten oder öffentlichen PsterL v, die irgendwo an den Grenzen des deutschen iten, � betrieben werden. An die Journalisten- Tribüne "»qe». v von de« Herren nur dann, wenn eine ihrer Aeuße« %"icht zutreffend wiedergegeben ist und dann gewöhnirch rem u" wohlwollendsten Weise. Man spricht viel von Zurückgehen deS Ansehens der Parlamente infolge dieses Sm ztf ln NebeneinandertagenS; darüber mag man streiten. Ht die Berichterstattuna leidet empfindlich unter M h�/amentarischen Uebnprodultion und damit zugleich �ubli�eck der parlamentarischen Verhandlungen, nämlich Oerichts-Zeitung. WÄ« w &tnb kenntniß der Mafien zu finden. Nachdem noch mehrere neue Mitglieder fich in die Liste eingeschrieben, wurde die Versamm» lung um 12 UKr geschloffen. ♦m. Der Verein der Parquett- Kußbodenleger hielt am 22. Februar Mauerstr. 86, eine öffentliche Versammlung ab. Herr Dr. Gerlach hielt einen Vortrag über„Arbeiter- Hygiene". AlS einen wesentlichen Faktor beim Entstehen von Kcankheiten der Arbeiter nimmt der Vortragende das in den verschiedenen Branchen zur Verarbeitung gelangende Material an. Er schilderte in anschaulicher Weise, welche Menge schäd» licher Stoffe in Gestalt von Staubtheilen dem Körper zugeführt werden, und auf die einzelnen Organe deffelden zerstörende Wirkungen ausübe. Als weitere Ursache bei Krankheits-Er« scheinungen bezeichnet der Vortragende die Körper- Stellung, welche der Mensch bei Ausübung seines Berufes annimmt, und bezeichnet dabei die fitzende und gebückte Stellung als die schädlichste in ihrer Wirkung auf die Gesundheit. Ferner stellt Redner die körperliche Ueberanstren- gung als eins der größten Uebel hin, welches sofortige Stö« rungen in den Funktionen der Lunge sowie des BlutumlaufeS nach fich ziehen kann. Die Beschaffenheit der ArbeitSräume besprechend, kommt Redner zu dem Resultat, daß wohl auf diesem Gebiet daS meiste gesündigt wird, indem eS zum großen Theil in den Werkstätten und Fabriken an der nöthigen frischen Luft und an Licht fehlt. Luft und Licht wären in allererster Linie zur Erhaltung der Gesundheit nötbig. Redner betont, daß es Sache der maßgebende« Behörden wäre, darauf zu achten, daß in dieser Hinficht mehr wie bisher den sanitären Anforderungen Rechnung getrogen werde. Vom sanitären Standpunkt wäre es geboten, in allen Fabriken besondere Räume herzustellen, wo die Ardeiter während der Ruhepausen ihre Mahlzeit einnehmen, auch müßte für Reini- gungs Eimichtungen Sorge getragen werden, damit der Ar- beiter nach vollbrachter Arbeit fich genügend reinigen könne. Nachdem der Vortragende noch gegen die verschiedenen Ursachen von Krankheiten Schutzmaßregeln empfohlen hatte, ging der- selbe zu dem Thema der Frauen- und Kinderarbeit über und betonte, daß dieselbe vom hygienischen Standpunkte aus auf's schärfste zu bekämpfen sei. Durch die Arbeit der Kinder in Fabriken wurde zum großen Theil schon der Keim zu ver« heerenden Krankheiten gelegt. Aus solchen Kindern könne fich nie eine kraftige Gmeration entwickeln. Jene Herren Manchester- männern, welche im Parlament die Kinderarbeit immer noch als nicht entbehrlich für gewiffe Industriezweige oder als zweckentsprechend für die Kinder hinstellen, möchten doch ihre eigenen Kinder in die Fabrik schicken, sie würden dann viel- leicht eineS Befferen belehrt werden. AlS eine weitere Forde- rung auch der Hygiene bezeichnet der Vortragende den gesetz« lichen Maximalarbeitstog und die Sonntagsruhe. Er wies nach, daß dadurch viel zur Hebung der sanitären Verhältnisse im Arbeiterstande beigetragen werden könne- Redner kam hierbei auf die schweizerische Fabrikgesetzgebung zu sprechen, und bemerkte, daß dieselbe in diesem Sinne schon segendringend gewirkt habe, daß hingegen durch unsere jetzigen gesetzlichen Bestimmungen in diesem Sinne nicht viel für den Arbeiter zu erreichen sei. Deshalb hätten die Arbeiter die Pflicht, immer von neuem die Forderungen nach gesetzlichem Schutz zu stellen. Nur durch daS Gesetz könnten dauernde Verbesserungen für den Arbeiter und seine Familie erreicht werden. Reicher Beifall lohnte den Redner. An den Vortrag schloß fich eine DiSkusfion und Fragestellung, und beantwortete der Vortragende die gestellten Fragen in eingehender Weise. Von Herrn Zimmermann wurde hierauf der Antrag gestellt, „an sämmtliche Inhaber von Parquettsadriken ein Zirkular zu richten, und dieselben auf den Arbeitsnachweis hinzuweisen." Nach lebhafter Debatte wurde beschlossen, diesen Antrag der nächsten geschloffenen Mitgliederversammlung zur Beschluß« faffung zu überweisen. Zum Schluß ermahnte der Vrrfitzende die Mitglieder zu reger Betheiligung an den Versammlungen und zu festem Zusammenhalten. * Der Arbeiter• Bezirksverein„Unverzagt" hiett am 23. Februar bei Jakobi. Landsbergerstr. 86, eine Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der erste Vor- fitzende einen Rückblick auf das zweijährige Bestehen des Vereins. Er führte aus, daß der Verein trotz mancher Wider- wärtigkeiten zu den schönsten Hoffnungen berechtige und brachte ein Hoch auS auf daS fernere Gedeihen des Vereins, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Hierauf hielt Herr Dr. Gerlach einen Vortrag über„Arbeiter Hygiene". Referent behandelte in fesselnder Weise das für den Arbeiter so wichtige Thema.(Wir verzichten auf die Wiedergabe der Ausführungen deS Vortragenden und verweisen unsere Leser auf den in der beutigen Nummer die>eS Blattes enthaltenen Bericht der Ver- sammlung de« Vereins der Parquetbodenleger, wo Herr Dr. Gerlach über dasselbe Thema sprach.)— In der sehr animirten Diskusfion erklärten fich sämntlicke Redner mtt den Ausführungen deS Vortragenden einverstanden. * Bezirksverew de« werkthättge« Volke« der Schön- hauser Vorstadt. Zur Bequemlichkeit der Mitglieder hat der Vorstand die Einrichtung gekosten, daß der Kasfirer die Bei- träge auch SonntagS Vormittag« von 9—12 Uhr entgegennimmt bei Kuhlmcy, Weinbergsweg 15c. ßetzte Nachrichten. Die jetzige Zusammensetzung de« Reichstage«, auS welcher in politischen Fragen dem Fürsten Reichskanzler durchweg eine ovpofitionelle Mehrheit erwächst, soll in hochstehenden politischen Kreisen, wie die„Magd. Ztg." erfährt, den Gedanken rege ge- macht haben, Aenderungen der Verfassung deS Deutschen Reich« in Erwägung zu ziehen. Danach wäre ja der Versuch, den Schwerpunkt der Gesetzgebung in die Einzellandtage der Partikularstaaten zu verlegen, als gescheitert zu betrachten. Zu einer Aenderung der Reichsverfassung aber bat der Reichstag seine Zustimmung zu geben. Ein Reichstag aber, der dabei dem Reichskanzler den Willen thun würde, wäre kein oppofitioneller mehr und machte eine Ver- faffunasänderung üderflüsfig. Ohne Zustimmung deS Reichstag« aber kann man die Verfassung nicht ändern, eS sei denn, man machte einen Staatsstreich. Für 1887 war für Chemnitz eine sächstsche Jnd»' strie-AuSstellung geplant. Die Raths- und St�t»» ordneten-Kommisfion aber hc-t die Betheiligung der Gemeinde an der Zeichnung zum Garanticfonds p die pro 1887 projektirte Industrie-Ausstellung einstimmig ad' gelehnt. Hauptgrund der Ablehnung ist die für 1888 P plante Berliner deutsche Ausstellung.— Bravo! Im englischen Unterhause wurde der AM Stuart's, daß die Reform der LondonerP o 1 1]1' zugleich eine Reform der städtischen Verwaltung in fich(#4* müsse, welche den Vertreten der Londoner Steuerzahler 0 direkte Kontrole über die Polizei fichcre, von den Vertteßs der Regierung bekämpft und nach mehrstündiger Debatte gelehnt._ Hriefkaste« der Redaktion. W. P. 5. 1. Gesetzlicher Vormund über ein unebeMjjj Kind ist der Vater der unehelichen Mutter, also der Müttern» Großvater. DaS VormundschaftSgericht kann aber aut e®? anderen Vormund bestellen, und es ist Jeder, also eoent. der uneheliche Vater des KindeS, zur Uebemahme dieser W mundschaft verpflichtet, wenn ihm nicht einer der im Gesetz®» geführten Ablehnunas, gründe zur Seite steht.— 2. Der 0®# eines unehelichen KindeS muß dasselbe dt« zum rollend� 14. Lebensjahre alimentiren, später nur, wenn dasselbe w Krankheit oder sonst erwerbsunfähig ist ,.,a M. Arbeiter. Die Armenverwaltung, welche einenM bedürftigen unterstützt hat. kann fich an alle Diejenigen welche privatrechtlich zur Unterstützung deS elfteren veriip� waren. Das Gesetz legt nun den Kindern die Verpflick'� auf, für ihre unterstützungsbedürftigen Eltern zu sorgen..� nur, wenn die Kinder hierzu in der Lage find. Letztere ko»«- fich also gegen eine etwaige Klage de« Octsarmenverb«� durch die von ihnen zu beweisend« Behauptung vertheilw* daß ste zur Unterstützung der Eltern nicht im Stande P* ohne ihren eigenen Unterhall sowie den von Frau und zu beeinträchtigm..A W. P. Gerichtstraße. Darüber können wir% leider leine Auskunft geben. Wenden Sie fich an eine amme. JL G. G. 12. Ein Lehrling ist nicht verpflichtet, ssjj? Lehrherm einen bei der Arbeit zerplatzten Zylinder zu wenn nicht eine Fahrlässigkeit seinerseits vorliegt. R. K. Orantenstraße. Wenn ein schriftlicher WL kontrakt abgeschlossen und von beiden Theilcn einmal% schrieben ist, so behält derselbe Giltigkeit, gleichviel ob% stempelt ist oder nicht, und ob die Unterschrift des noch vorhanden oder aber vom Wirth eigenmächtig abgch"- ist. Wenn daher der Wirth Ihnen die Uebergabe verwnps so können Sie nach Ihrer Wahl auf Immission(Einräu®� der Wohnung) oder auf Schadensersa? klagen. Sie»fZ aber, wegen Stempeldefraudation mtt dem vierfachen der zogenen Stempelsteuern destraft zu werden. Der Wirtb der gleichen Strafe unterliegen und außerdem mögl'chnZ noch wegen Urkundenbeschädigung(§ 274 Str. G-B) bist® werden. Danksagung. Den zahlreichen Freunden. Verwandten und Bekannten, sowie auch insbesondere dem Gr- sangverein„Brunonia" und dem Röhr'schen Gesangverein(gemischter Chor), welche unseren lieben Bruder Angnst Adam zu seiner letzten Ruhestätte geleiteten, hiermit für ihre ehrende Theilnahme unseren innigsten Dank. 832s Die Ge'>tzLder Adam. Die Nr. 26 des „Wahren Iakov" ist erschienen und in der Expedition, Zimmer- straße 44. zu haben. 820 Moß-Habak. Sämmtliche in- und ausländische Tabake offe- riren in Ballen und ausgewogen. 831 Sumatra von 165— 500 Pf. Berthold Frank& Co. N., Brunnenstr. 7. Empfehle meine SchloFeeet med Nähmaschinen- Reparatur- Merkstatt. Näh. Maschinen sämmtlicher Systeme aut Lager. 834j R. Plew, Muskauerstr. 38, SO. Uhren-Geschäft von ß. Rittershansen, Fehrbelliner- Straße 1, Ecke der Schönhauser Allee, empfiehlt sein wohlaffortirte« Lager sämmtlicher Uhren zu den billigsten Preisen. WM- Um den«inkans zu erleichter«, werden auch sämmtliche Arte« Uhren ohne jede Preiserhöhung gegen geringe Theilzahlungen abgegeben. Reparaturen werden solide und billig ausgeführt. ; KmriciWl: Zigene Züchterei mit höchsten Preisen prämiirt. Lager von Bogel- Hcckbauern. Alle Futterarten. Kesten süße« SommerrLbsen. Echte« Kantussamen regen Heiserkeit und zur Beförderung deS Ge. angks. Alle Utenstlim für Vögel.— Gold- lsch Depot.[830 Julius Mlchow, Berlin SW., Friedrichstraße Nr. 247. Arbeiter-Bezirksverein f. d. Osten Berlins. Diesmal Mittwoch, de« 3. Mörz. Adds.%% Uhr, ¥ er sammln ns: in ICeller'B üokal, Andreasstraße Nr. 21. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Herrn Ang. Heine über: Schttlftltgt". 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Gäste, �durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt.— Neue Mitglieder werden aufge- tatuten können�gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte in Empfang ge- nommen.— Die neuen nommen werden. Der Vorstand. Di» am 7. Februar in meinen Geschäftsräumen Ierusalemerstraße 21 durch Brand und Wasser beschädigten Damenmantel, besteheud in Regenmäntel, Kommerumhäuge«, Dollmau», Paletot«, Einsegnung«» mäntel» Kindermäutrl, Wintermäntel, gelangen seht, nach beendeter Ab- schähung seitens der Feuerverstcherungs-Gesellschaft, zum Ausverkauf zu Tarpreis»« alltäglich Vormittags 9—12 Uhr, Nachmittags 2—5 Uhr. Ferner muß wegen Abbruch des Hauses mit sämmtliche« unbeschädigten Damenmäntel» zu jedem nur annehmbaren Preise total geräumt werden.[798 DM" Dieser Ausverkauf wird nur ganz kurze Zeit stattfinden."MW William Herz, I-r«salem»rstr. St. 4Kie Unterzeichneten ersuchen alle, welche noch ** gesammelte Gelder für die streikenden Gloceehar.dschuhmacher in Händen haben, die- selben nebst den betreffenden Listen abzugeben im Bureau Jnvalidenstraßc 16 bei Liebrecht. Die Lohnkommisfion d. Handschuhmacher Berlins. Mafchinenmeifter Am Sonntag, den 28. d. M., Vorm. ll � Allgemeine Versammlung in Schultheiß' Krauerei-Ausschank,' Jakobstr. 24/25. TageS- Ordnung: � 1. Besprechung über Regelung der und Arbeitsverhältnisse in unserem 2. Wie stellen fich die Maschinenmeisters lin« zu der in ganz Deutschland bevorsteht Bewegung behufS Regelung der Lohnfrage- 793_ Der Einbetu� fr jltkJüfrel« I. itkeitriln KevMft« 1» SW. Kerlin. Die Versammlung findet nicht Montag, 1., sondern Umstände halber. Donnerstag, den 4. M#* AbendS 8 Uhr,. A in den Kaiserhalleu, Alte"■ Zwanzig Mark 26 Pfg.» Tellersammlung von der Versammlung am 26. Febmar in Sanssouci, habe ich heme von Herrn Zubeil empfangen» was ich hiermit dankend bescheinige. 3421 Puthk«, Waldemarstraße 32 Kanarienhähne verk. Ginsert, Möckernstraße 82. Eine Flöte m. 6 Kl. z. verk. b. Urban, Forfterstr. 56. Gute alle Betten, sowie 1 Lehnstuhl, billig zu verk. D. Sommerfeld, Oranienstr. 199.[847 In einer möblirten Stube kann ein Herr mit einwohnen, Waldemars«. 72 bei Mehnert.[840 Eine Schlafstelle zu vermieihen Avuldert� straße 9, 4 Tr. vecht« b. Miele.|845 Freundl. und saubere Schlafstelle zu ver- mielhen Skalitzerstr. 27, vorn 4 Tr. rechts.[846 Fachvereiu der Drechsler, Kuopf- arbetter und Verufsgeuosseu. Am Dienstag, den 2. März, Abends 8'/, Uhr, Versammlung in Säger'« Salon, Grüner Weg Nr. 29. T.-O.: Vortrag. Diskusfion. Siehe revak- tionellen Theil heutiger Nummer. 818 DerVorstand. Unserm Freund und Kollegen Adolf Achter zu seinem heutigen Wikgenfeste die herzlichste Gratulation und ein donnerndes Hoch, daß der ganze Kottduser Damm wackelt. 823_ R. P. A. T. Große Volks- Versammlung Montag, den 1. März, Abends 8 Uhr, in Habel« Krauerei, Bergmannstraße 5/7. Tag esordnung: DaS Wohlgesetz. Referent: Herr Reichs- tagSabgeordneter Wilh. Liebknecht.[817 willkommen. Berfiammluug der Platzdeputirteu der Zimitkerlei*� am Mittwoch, den 3. Märl' Abends vünktttch 8 Uhr, in Gratwril» Kirrhallen, Kommando Straße 77-79. _ Tages-Ordnung:. 1. Dai Verhalten der Meister-Lohnkoww � welche am 4. Febiuar von den jjl geschättS-Jnhabein eingesetzt gegenüber den Zimmergesellen B(%>zt> 2. Vorschiedenes., JhC Jeder Deputirte ist verpflichtet, ln Versammlung zu erscheinen.„,„ Die Lohn. Kommission� I. A.: I. E-itzt. Schönholzechr�� Achverciil dkl Fchocidtr. Versammlung am Montag, den 1. März, Abend« 8'/, Uhr, t««ratweil'« Bierhallen, Kommandanten- Straße 77779(oderer Saal). TageS-Ordnung: 1. Abiechnung vom 4. Quartal. 2. Die religiöse Geistesbildung als Grund- läge der Moral. Referent: Herr Metzner. 3. Bericht einiger Kommisstonen.[801 4. Wichtige Vereinsangelegenheiten. Nicktmitglieder haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder in den Verein und zum Zu- schneidekursuS findet statt. Gute elegante Herren- und Knaben-Garderode in großer Auswahl. Gute getr. Hosen v. 2 M. an. D. Sommerfeld, Oranienstr. 199.[848 Unterstützungsvereiu der binder:c. Montag, den 1. März, Abends 8'/» Alte Jakobstraße 75, General-Versammluog.. Tage?- Ordnung: Verband«-'Raa eventuell Austritt aus den Verband.__ Sk«tril'Kr»Iltll- ul de« i deutscheu Senefelder- Bu" (E. H.. Verwaltungsstelle»«J'W Dienstag, den 2. März. Ab*.}il im Restaurant Meick, Alexanderm-. Mitglieder- Versammlung Tagesordnung:, 1$� Rechnungkbericht pr. 4 Quartals Neuwahl sämmtlicher Kassenbeamten.[0 über die General-Versammlung., 1. 1 tvjsx Paul vi------- 1 Tischlerg Hof 2 Tr. Bernmworlttchrr Rev-tt-ur». Cvrckem in Betti». Druck und Verlag von Mar«ading in verlin«euthstraße.Z.