:o# De tu zielt" w b6«> W i ein % )«■'' ine ÄN-t! Nr. 58. Dottuerstag» de« 4. März 1886. III. Jahrg. crlintrlolbblall Brgs« für die Intkrrffen der Arbriter. 4 „FmzpWieii." Viele uvserer Leser wissen wohl kaum, was daS vor« gehende Wort.Fangprämien" bedeuten soll. Ein oder der Ädere denkt vielleicht daran, daß in verschiedenen Ländern & ein paar Wolfsohren oder, wie m Indien, für den mg giftiger Schlange» u. s. w. Prämien gezahlt würden. 3« sogcnannlen Heuschrecken- oder Maikäferjahrea wurden »in Deutschland immer noch in den heimgesuchte» Te- en Prämien gezahlt sür ein gewisse« Quantum diese« derheerende« Ungezrefer«. Aber Prämien auf de« Menschenfang!? Zn de» Sklavenländern wurden für den Fang flüch- Rer Schwarzen Prämien gezahlt und auch in unserem Saterland« werden ja noch immer Piämie« gesetzt auf den Sang flüchtiger Verbrecher. Auch erhielte» früher die Polizeimanvschaftm wohl in R»«* Deutschland sür den Fang von Leuten, die mit den Polizeiverordnunge» und Tesetze» in Konflikt gerathen waren, durchweg ihre Prämien. Daß solche Prämien ausnahmsweise noch jetzt bei flüch« %» Verbrecher« von Fall zu Fall festgesetzt werden, ist ganz Natürlich und anch kaum zu bekämpfen, daß aber noch in vielen Gegenden unsere« Vaterlandes.Fangprämien" für die Ergreifung von Bettlern ausgesetzt wer« den, die« ist in der That«in traurige» Zeiche» de« geringe« Fortschritt», den wir in Bezug auf eine verstäadige Polizei- wirthschaft, auf eine verständige RcchtSaaschauung gemacht haben. So erhalte» in Mecklenburg und auch in Lübeck die Polizisten und Gendarmen noch immer„FangplSmien" für die Ergreifung von Bettlern. Zn Mecklenburg war bis vor Kurzem die Prämie für jeden einzelnen Fall auf eine Mark festgesetzt; der mecklenburgisch? Landtag hat die Prämie nunmehr von 1 Mark auf 50 Pf. reduzirt. Aber die Ergreifung von Bettlern ist in den letzten Zahre« nicht geringer geworden trotz der Arbeiterkolonicn. Man kommt unwillkührlich dabei auf den Gedanken, daß die Polizisten der„Fangprämie" halber manchen ehr« liehen Handwerktbursche» zum Bettler gemacht habe« und wohl noch immer machen. So ist noch vor Kurzem in Lübeck der Fall vorge- komme», daß ein Polizist dies erhalb zu sechs Monate» Tefängniß verurtheilt worden ist. Die Polizisten in Lübeck, die ein DurchschnittSgehalt von 1200 Mark jährlich beziehen, erhalten nämlich 30 Pf. für die Ergreifung eine» jeden Bettler». Der betreffende Polizist wollte einen anständig gekleide« ke« Handwerktbursche« durch Züchtigung und Anlegung von WeuMeton° Die Tochter des Dankrotteurs. Roman au» der Gegenwart von Gustav Lössel. . Da« Unglück fügte e« nun so, daß die Baronin, auf ver Rückreise begriffen, in jener Nacht wirklich in der Rest« vi°z gewesen und am nächsten Tage erst wieder weiter ge- teest war. Da« Hotel, in welchem sie logirt hatte, wurde frmittelt und hier festgestellt, daß sie an jenem Abend und 'peziell zu der Attentatszeit nicht im Hotel gewesen. , Nun schritt man unverzüglich zu der Verhaftung der Unglücklichen. Sie wurde gefangen«ach der Hauptstadt gebracht. ,.Wo waren Sie an jenem Abend?" fragte sie der Untersuchungsrichter Ortmann. „In der Oper," lautete die stolz«, kalte Antwort. „Können Sie irgend«inen Zeugen dafür aufbringe»?" »Nein. Zch war allein." „„.Und was veranlaßt« Sie zu Ihrem vicrundzwanzig« stund-gen Aufenthal« in der Hauptstadt?" .„Die Sorge um die Verschwundene hatte mich au» ver Stille von Selchow vertrieben hinaus in die wette Welt. fp konnte nach ihrem gänzlichen Schweigen nicht ander«, 'ch Mubte nn ihr«. llnMmlh»weiseln. Da» aber erweckte zu suchen, ..............._________________ atte Zch während der ganzen Zeit meiner Abwesenheit erb« Mußte an ihrer Unschuld zweifeln. Das aber erweckte wir Höllenpein und«öthigte mich, Zerstreuungen �ttflnügunge», denen ich mich längst entfremdet Z°kte e« während der ganzen Zeit meiner Abwe,enyirr ao« Mich vermieden, ein- Zeitung zur Hand zu nehme«. Hier Aber erkundigte ieh mich doch einmal nach dem Schicksal der erkundigte ich wich doch einmal nach dem©eptaiai ver »erschollenen, und nun hörte ich, wa» Ihnen von Erna'S kernercn Schicksale« bereit» bekannt geworden. Man sagte % auch gleich, daß sie da« Krankenhau« längst wieder ver« ,%« Da» war mir natürlich eine große Freude "vb doch war ich nicht frei von Besorgniß. Konnte Erna Schweigen nach dem Bekanntwerde« ihre,»ufent- Wie» falsche Deutung gegeben und sich ander»woh,n Handschellen zwingen, wahrheitswidrig zu gestehe«, daß er gebettelt habe. Der Polizist ist schon lange im Dienst und die Ver- Handlung ergab, daß sich derselbe e« sich schon immer de« sonder« angelegen hätte sei« lassen, die„Fangprämiea" zu verdienen. Welche Fülle von Grausamkeit und Demoralisation eröffnet sich da den Blicken eine« vernünftigen, humanen Menschen I Und wen« auch diese Art„Fangprämien" in den meiste« Gegenden Deutschlands abgeschafft ist, so ist doch eine andere Art wohl überall geblieben: Die Tüchtigkeit eine« Polizisten wird meist nach der Zahl der Fälle, die er zur Anzeige bringt, abgeschätzt. Ze mehr Denunziationen, desto mehr Be- lodigunge», je mehr„Fänge", desto größere Autsicht auf Avanzement I Daß aber bei solchem System ähnliche Fälle vorkomme» müssen, wie der oben erzählte Lübecker, ist bei unserer Menschennatur unzweifelhaft. Wäre diese ÄnerkennungS« sucht nicht vorhanden, dann würden die obere» Polizei« behörden und die Gerichte mit viele« Fällen»erschont bleiben, die so unendlich unbedeutend sind, oder aber al« unaufgeklärt zurückgewiesen werden müsse«. Aber die indirekte.Fangprämie", da« Lob, die Aver- kennuag, die Hoffnung auf Beförderung tritt hier in ihr „Recht". Und gar bei Autnahmegesetze», wo da« Spioairsystem groß gezüchtet wird und sich die Vorfälle meist im Dunkel abspielen?! Wa« da zusammenfabulirt wird, um die in« direkte Fangprämie zu verdiene«! Der Fall Mahlow-Jhring wird ja hoffentlich genügend aufgeklärt werden, um al« leuchtende« Beispiel zu dienen, welche Wege die Polizisten nicht wandeln sollen. Auch dieser Herr wollte seine„Fangprämie" verdienen, und zahlreich« seiner Herren Kollege» handeln ebenso, oder versuche» e« wenigsten«.--- Welche Aufgabe aber hat die Polizei im Grunde ge- nommen? Doch nicht bloS„Fänge" zu machen, nicht blo« die Handwerksburschen nach dem Bettel« abzufangen, nicht die Menschen nach den verübte» Verbrechen zu fistiren, sondern da« Betteln, da» Stehlen, da« Rauben in der Hauptsache zu verhüten! Nicht die Polizei ist eine gute zu nennen, in deren Revier recht zahlreiche Vlrbre�en und Vergehen durch ihre Findigkeit zur Anzeige gelange» und geahndet'werden, sondern diejenige Polizei ist die richtige, in deren Revier recht wenige Fälle vor« kommen. gewmdet habe» als nach Selchow? Zch fand mich durch diesen— leider bewahrheitete»— Gedanken so beunruhigt, daß ich jene Zerstreuung suchte, um mich davon abzulenken. Zch wollte am nächsten Tage Erkundigungen über Erna'« Verbleib einziehen und blieb zu dem Behufe in der Stadt. „Unbekannt wohin verzogen" lautete die Auskunft. Nu» blieb mir nur noch eine Hoffnung, daß Erna doch nach Selchow geganae«. Ich fand sie dort nicht, und meine Verhaftung ttaf mich weniger schwer, al« jener Schlag. Nun ist sie mir gewiß verloren für immer; und wer weiß, ob sie sich nicht ein Leids angetha». Mußte sie sich doch von Allen verlasse« wähnen und auch von mir, ihrer treuesten und besten Freundin." Diese» offene Bekennwiß der Baronin hob ihre Haft nicht auf. Man zweifelte an der Wahrheit ihrer Angaben auch bezüglich ihre» früheren Aufenthalt», als hier die ver- fchleierte Dame dann zum ersten Mal aufgetaucht sein sollte. Die Untersuchung zog sich infolge dessen sehr m die Länge. Gontard lachte sich dazu in'S Fäustchen. Was kümmerte ihn die Baronin! Winter sen. sagte aber:„Zch freue mich doch, daß Alles so gekommen. Der mir von Zhne« eingegebene Gedanke, daß Adler der Dieb gewesen, war mir äußerst peinlich." „DaS hätte ich gesagt?" rief Gontard entrüstet.„Wie können Sie e» wagen, meinen harmlose«, wohlgemeinte« Worten eine solche Deutung zu geben?" „Wagen?" erwiderte Winter mit kaltem Hohn.„Wo« her nehmen Sie den Muth, gegen mich, Zhren Borge« setzten, Zhren Wohlthäter, solche Worte zu gebrauchen?" „Meinen Wohlthäter!" spottete Gontard und lachte. „So konnte wohl der Kommerzienrath mit einigem Rechte sich nenaen, weil er mich zu dem gemacht hat, was ich bin.".... „Und doch habe« Sie ihn verrathen!" warf Winter wüthevd ein. „Um diesen Dank zu ernten!" entgegnete Gontard, nicht minder gereizt.„Sie machen mir wohl noch gar Vor- würfe, daß ich Sie vor einem großen Unglück, Zhr Haus vor einem schweren Schlage bewahrte. Denn, wen» diese Wo die wenigsten„Fangvrämien", direkte oder indirekte, jlt würden, da sind die Polizisten und Gendarmen am irävesten, am wachsamsten. Wo viele„Fangprämiea" ge- leistet werden, da zeigt die Polizei, daß sie nachlässig ist bei Verhütung von Fehlttitten.--- Und nun gar erst da« widerwärtiaeWort Fangprämie"! Bei den Negerverfolgungen auf Zamaika und Kuba wurde» Fang- Hunde gebraucht, die, mit großem Spürsinn autgerüstet, die Sklaven autfindig machte» in Bergen, Schluchten und Sümpfe«. Die Lklavenvögte hetzten diese Bestien auf die meist Wehrlosen— al»„Fangprämie" erhielten die Fanghuvde eine gute Fütterung, die Sklavenvögt« aber klingende Dollar«! „Fangprämie"— möge die« Wort selbst baldigst an« dem deutsche« Sprachlexikon ausgelöscht werde». Da» Wort schon gereicht weder der Polizei, noeh den deutschen Lande» zum Ruhme. Selbst die«ationalliberale„Magdeb. Ztg.", der wir die Mittheilung aus Lübeck entnommen haben, ist nicht einmal erbaut von den„Fangprämien", sondern hofft, vaß dieselbe» so bald als möglich abgeschafft würden. Und wahrhaftig, eine solche Institution ist unwürdig de« biedern deutschen Volke« und de« deutschen Vater» lande«._ Nolitifchr Uebersicht. Der Schluß der Neichstagssesflon soll, wie in parla« mentarischen Kreisen verlautet, kurz vor Ostern erfolgen. Da- gegen hört man auS sogenannten„unterrichteten" Kreisen, daß die Aufgaben für den Reichstag mit dem Branntweinmonopol durchaus noch nicht abgeschlossen seien, daß vielmehr noch wichtige Ueberraichungen im Hintergrunde lauerten, mit denen der arme Reichstag demnächst noch überfallen werden würve. Welche Lesung die richtige ist, das werden heute nur sehr wenige wissen; bei den Parlamentariern wird wohl die Be» hauptung, daß baldiger Schluß eintrete, der Wunsch der Vater deS Gedankens sein und umgekehrt wird man in Regierung«- kreisen die Behauptung, daß noch Uederraschungen bevorständen, schon deihalb nähren, um den vielgeplagten Reichstag noch mürber zu machen. Unter sich! Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt:„Um auch in seiner Redeweise der sogenannten Kaplanpreffe sich eben- dürtig zu zeigen, glaubt der„ R e i ch S b o t e" unsere Bemerkungen zu dem parlamentarischen Auftreten de« Herrn v. Mever in der Polendebatte und dessen Fruktistzirung sertenS der freifinnigen Presse al«„ein paar Fußtritte und eine Hand voll Grobheiten" charakterifirm zu sollen. Die Feinheit dieser Auffassung steht auf gleicher Höbe mit der unmittelbar daran fich knüpfenden Anmaßung de» Ausspruchs, daß Herr v. Mey-r dem„Reichsboten" ungeachtet seiner abweichenden Meinung nach wie vor als„ein konservativer Ehrenmann" erscheine. Der„Reichsbote" ist am Ende naiv genug,«ine solche Be- scheinigung auch noch für ein Kompliment zu halten.— Lieser Verbindung wirklich zu Stande gekommen wäre und der Bankrott brach über die Firma Eschenbach herein, wäre Zhre Stellung i» der Geschäftswelt nicht minder erschüttert gewesen. Trotz aller Gegenversichsrungen hätte man doch a» starke Verluste Ihrerseits geglaubt und Zhne« den Kredit gekündigt." Da» leuchtete selbst Winter eva, ei». „ES sollt« kei« Vorwurf sein," sagte Winter«en. einlenkend.„E« ist wahr, Sie habe« mir Dienste erwiese», große Dienste, Herr Gontard; dennoch werde ich e« niemal« ruhig hinnehmen, wen» Sie— wie in der letzte« Zeit schon öfter— einen To« gegen mich anschlagen, der Ihrer Stellung durchaus unangemessen ist. Sie sagten allerding« nicht, daß Adler da» Depositium des Engländer« entwendet habe; aber ihre Worte konnte« bei den übrige» Verdöch- tigunge« diese« Herr« füglich in emem falschen Sinne ge» deutet werden." Gontard zuckte die Achseln. „Wa« kümmert mich Herr Adler," sagte er gering- schätzend.„Er soll ja nicht mein Kompagnon werde», und über die Verdächtigungen Zhre« Herr» Sohne« gegen mich kann ich nur lachen." „Verdächtigungen Bernhard« gegen Sie?" staunte Winter.„Wer hat Zhne» denn gesagt--" Er schwieg verwirrt. Goatard triumphirte. „Zch hatte damal« enre Teschäftsfrage an Sie zu rich» ten," sagte er,„und man bedeutete mir, wo Sie zu finde« seie»— i« Ahrem Kabinet. Zch hatte Sie ja dort nicht zum erste« Male aufgesucht uad begab mich dahi« auch letzt. Zch zögerte einen Augenblick einzutreten, die Sache war der Störung nicht werth, und da hörte ich den» meine« Name« nennen." „Mit einem Wort," fiel Winter ein,„Sie habe» ge« lauscht I" „Um so mehr Wunder über meine Eselsgeduld," lacht« Gontard,„daß ich mich dafür nicht rächte. Eine perfive Verleumdung al« Dank von dem Mann, de« ich dem Ge- Wsaaebrief des offiziösen Blattes, an die Adrefie des Herrn Stöcker gerichtet, ist doch wohl recht deutlich. „Aufhängen kann man die Reichstagsmajorität tticht", so bedauert die„internationale Revue über die ge» sammten Armeen und Flotten". Daselbst heifit es in einer Betrachtung über die Polendebatte:„Eine solche Opposition, wenn ste zur dauernden Majorität werden sollte, bekommt einen landesvenätherischen Cbarakter, ebenso wie die Majorität in der Konstiltszeit von 62—66 ihn hatte und ist viel gefähr« licher als die Leute, d>e mit Dynamit arbeiten, denn diese kann man„aufhängen", aber die Reichstagsmajorität nicht. DaS ist der Ernst der Situation."— Uns kommt die Phrase der„Revue" ungemein lustig vor und wahrscheinlich auch der Reichstagsmajorität selbst. Bon dem Vertreter der„entschiede« sozialen" Rich» tuna in der norddeutschen Demokratie, Herrn F. G i l l e s »u Elberfeld, erhalten wir ein Schreiben, dem wir folgendes entnehmen:„In Nr. 48 des„Berliner Volks blast" stellen Sie die Frage an mich, wie viele Anhänger jede der d r e i Richtungen in der demokratischen Partei Norddeutschlands habe. Ich bin gern bereit, diese Frage zu beantworten. Die demokratische Partei zäblt in 11 Vereinen etwa 900 bis 1000 eingeschriebene Mitglieder, davon etwa dreifünftel in Rheinland-Westfalen. Wie viel Wähler hinter diesen demo« kratischen Vereinsmitgliedern stehen, wcifi ich nicht; bei den letzten ReichstagSwahlcn gab'S ja noch keine demokratische Partei in Norddeutschland. Was nun die drei Richtungen in dieser Partei anbetrifft, so zählt die„entschieden konstitutionelle" die wenigsten Mitglieder, die„entschieden soziale" aber zweifellos die meisten; die„politisch radikale" Richtung befindet stch meiner Meinung nach noch in einem UebergangS« stadium und wird über kurz oder lang ebenfalls eine soziale Färbung erhalten. Hiernach glaube ich behaupten zu dürfen, daß der Schwerpunkt der jungen norddeutschen Demokratie entschieden bei der am weitesten links stehenden sozialen Richtung derselben zu finden ist. Diese Thatsache sollte die Organe der Arbeiterpartei der jungen benachbarten Richtung gegenüber doch wohl zu einer freundlicheren Haltung veranlaffen."— Wir wollen hierzu nur bemerken, daß wir der norddeutschen Demokratie im Allgemeinen sympathisch gegenüber stehen, daß wir fie aber überall da bekämpfen werden, wo dieselbe, wie z. B. in Harn- bürg, den Versuch wagt, ihre Reihen auf Kosten der Arbeiter- Partei verstärken zu wollen. Zwischen einer„entschieden sozio« len Demokratie" und der„Sozialdemokratie" aber dürfte doch wohl kaum ein Unterschied sein; weSbalb denn schon der beffe- ren Bezeichnung halber der Name Sozialdemokratie vorzustehen ist. Oder i st ein Unterschied vorhanden, welcher denn? Nach der Bezeichnung„junge benachbarte Rich- tung" wäre allerdings ein Unterschied da. Benachbaite Rich- tungen giebt es für die Sozialdemokratie in einzelnen Fragen sowohl rechts, als links. In der Frage des Verbots der Sonn- tags- und Kinderarbeit find die Konservativen und Klerikalen die benachbarte Richtung, in Bezug auf die Frage der direkten und indirekten Steuern darf fich die Fortschrittspartei schmei- cheln, Nachbarin der Sozialdemokratie zu sein. In Bezug auf Politische Freiheiten begrüßt die Sozialdemokratie die Demo- kraten selbstverständlich als Nachbarn, nur dürfen dieselben ihr nicht ins Gehege kommen. Ein Rüpel. In der„Etraßburger Volkszcitung" befindet fich folgende Notiz:„In der Fabrik Vaucber in Mül« hausen verlangte letzter Tage ein Arbeiter, der von seinem Meister wegen unordentlicher Arbeit getadelt vorden war, vom Direktor der Fabrik sofortige Bezahlung und Entlaffung und stürzte fich, als der Direktor ihm bedeutete, daß dies nicht sofort, sondern erst nach vierzehntägiger Kündigungsfrist geschehen könne, mit seinem Meffer auf den Vorgesetzten, nicht ohne ihn aesährlich zu verwunden. Solche Kanaillen von Ar- beitern werden in unserer hyperphilanthropisch angehauchten Zeit noch künstlich herangehätschelt, obwohl der Strick um den HalS ihnen besser stände. Die Arbeiter haben ganz vergeffen, daß Arbeit ihnen Niemand auf der WeU schuldig. Konsequenz?"— Ja, die Konsequenz dieser Notiz ist, daß der Schreiber derselben den Namen, den wir an die Spitze gestellt haben, vollinhaltlich verdient. Wollten wir in den wlberwärtigen Ton der„Straßburzer Volkszeitung" verfallen, so könnte man in der That dehaupien, daß der Herr Verfasser obigen Geschimpfes gar nicht einmal den Strick um den Hals werth sei.— Fern sei es von uns, die Handlungsweise des wahrscheinlich betrunken gewesenen Arbeiters irgendwie be« schönigen oder gar vertheidigen zu wollen, aber dabei von „Kanaillen von Arbeitern" in der Mehrzahl zu sprechen,„denen der Strick um den Hals besser ständ»", zeugt von einer Rüpel- hastigkeit eines sogenannten Gebildeten, die in halbwegs anständiger Gesellschaft nimmermehr geduldet werden kann. Daß die Redaktion der„Straßburger Volks zeitung" aber derartige Notizen aufnimmt, dürfte das Blatt in den Volks kreisen zur Genüge kennzeichnen. Wir können dasselbe lediglich rohen Burschen zum Lesen empfehlen. Wir hatten vorstehende Notiz eben geschrieben, als uns die„Frankfurter Zeitung" zur Hand kam, welche den Vorkall folgender Maßen berichtet: ,4M ü l h a u s e n, 1. März. Der fängniß entrisse»,..... es mar gerade genug, um mich zu einer passenden Gegenleistung herauszufordern." „Meinen Sie?" höhnte Winter.„Nun, vielleicht waren Ihnen, da Sie die Beweise außer Händen gegebe», die Arme gebunden und vielleicht traten Sie seit- dem auch nur deshalb so gegen mich auf, weil Sie sich er- kannt sahen und wußten, wie aussichtslos Ihre hochfliegenden Pläne waren. Die Trauben hängen zu hoch ynd nur des- halb finden Sie sie sauer." Tontard zog einen Brief hervor, den er emporhielt. „Hier—", sagteer,„hier habeich e« schwarz auf weiß, was noch heute Ihren Herr» Sohn aus der wetten Welt, in die er gegangen, zurückbringe« kann. Zch ahnte diese Stunde und behielt deshalb de» kompromittirendsten der Ihnen über- gebenen Briefe zurück. Ware« mir wirklich die Arme gebunden? Nein, ich habe noch heut dieselbe Aknonsfteiheit wiedamalS, im Gegcntheil, dieser einzige Brief wird Zhne» heute viel gefährlicher, al« damals all' die anderen. Sie wissen wohl, welchen Stum der Entrüstung das neue Attentat gegen die unbekannten Urheber desselben entfesselt hat, das heißt gegen diejenige«, welche den armen Kommerzienrath in de« Tod getrieben. Ich schicke diesen Brief anonym an die Polizei ein, speziell an die Adresse des so stark angegriffenen Korn- miffärs Romberg, der schon einmal bei Zhnen nach einer solchen Verbindung forschte; und die Folgen können Sie sich denken." Winter senior war bei diesen Worten GontardS zur Bildsäule erstarrt. Er blickte furchtsam und zweifelnd auf das verhängnißvolle Schriftstück. „Sie glauben nicht an feine Echtheit?" sagte Gontard mit feivem Lächeln. Er entfaltete den Brief.„Sind das Ihre» Sohne« Schriftzüge oder nicht?" fragte er. „Sie sind es," entgegnete der Arkrs dumpf.„Und wie viele solcher Bliese haben Sie noch in Ihrem Besitz?" „Nur diesen einzigen noch; er est von Sechsen der letzte." Es sah so aus, als wenn Winter sen. sich am liebsten auf Gontard gestürzt und ihm den Brief mit Gewalt ent- r ssen hätte; aber er bezwang sich. Vorfall in der Fabrik Vaucher, wo bekanntlich ein Fabrik- dtrektor von einem Arbeiter einen Messerstich erbielt, ist noch heute Gegenstand des allgemeinen Interesses. Der ver- letzte Direktor, dessen Wunden, beiläufig gesagt, durchaus nicht gefährlich sein sollen, ist eine bei den Arbeilern nicht beliebte Persönlichkeit; natürlich wild aber der verdrecheiische Anfall auf den Direktor von den Arbeitern mißbilligt. Dieselben haben dieser Tage fich an den Elaenthümer drr Fabrik ge- wandt und über die Härte des Direktors beklagt, zu- gleich dessen Entfernung fordernd. Dieses Verlangen ward rhnen zwar nicht zugestanden, allein der Eigenthümer machte ihnen bekannt, daß der Direktor fich feierlich verpflichtet habe, fortan humaner auftreten zu wollen. JmFalle der Nicht- einhaltung dieses Versprechens hat derFa- brikeigenthümer entsprechende Schritte ge- gen der! Direktor in Aussicht gestellt.— Was den Angriff auf den letzteren anlangt, so erfährt man jetzt, daß der Arbeiter durch eine Ohrfeige gereizt worden sei. Von den dem Direktor zu Hilfe eilenden Arbeitern ist der Angreifer übrigens so schwer verletzt worden, daß er hossnungslos im Hospital darniederlieat."— So! Also die„Kanaille von einem Arbeiter", der„ein Strick um den Hals besser stände", ist von einem unbeliebten hartherzigen Direltor durch eine Ohrfeige erst gereizt worden und hat darauf hin den Direttor— jedenfalls einen viel stärkeren Mann— mit dem Messer bedroht und leicht verwundet, worauf er leider von den dem Direktor zu Hilfe eilenden Arbeitem tödtlich verletzt worden ist. Und dann kommt noch dazu ein Flegel in der„Straßdurger VollSzeitung", der mit„Kanaillen von Arbeitern" um fich wirft und den Strick für dieselben anprrist. Pfui Teufel! Oefterreich-Ungarn, Das neue Landsturmgesetz wird, wie die„Weser- Ztg." schreibt, sowohl in den Parteien Oesterreichs, wie im Volke äußerst lebhaft besprochen. Die Lücken im Motiven- berichte find für Jedermann klar, andererseits leugnet man die traurige Nothwendigkeit nicht, die Wehrkraft Oesterreichs zu erhöhen, so weit es die schlechte Finanzlage nur gestattet. Unbedingte Oppofition werden die Deutschen nicht machen; die Gerüchte, die hierüber von Wien aus in einem gewissen Theil der deutschen Presse verbreitet werden, find erfunden. Es ist Pflicht der deutschen Oppofition, alS der linzigen Trägerin des StaatsgedankenS in Oesterreich, sorgsam darüber zu wachen, daß dem Staate nicht Lasten auferlegt werden, die er nicht ertragen kann, und fich dessen zu versichern, daß der Landsturm eine österreichische Einrichtung bleibe und nicht eine gefährliche polnische oder czechische Landmiliz werde. Die Betrachtungen, die hierüber von uns angestellt wurden, find nämlich rasch zur Wahrheit geworden. Polen und Czechen verlangen bereits für ihre Unterstützung des neuen Gesetzes eine Art nationaler Miliz von der Regierung. Tie czechische Presse gaukelt ja ihren Lesern bereits vor, wie herrlich eine„altslavische Uniform" den künjtrgen Landesvertheidigern„paffen" werde. Vielleicht soll der husfilisch« Morgenstern seine Auferstehung feiern? Das Gebahren der Polen und Czechen gerade in dieser Frage— müßre der Regierung die Größe der Gefahr klarlegen, mit welcher man bisher spielen zu dürfen glaubte. Frankreich« Auf die Prinzen von Orleans ist die„Kölnische Zei- tung" recht schlecht zu sprechen. Das Blatt erklärt diese Prin- zkn als die Träger der Revanche Idee und sagt dann:„Die Prinzen müss-n fich nur nicht der Täuschung hingeben, daß die Liebe Deutschlands zum Frieden und unsere Neigung, denselben zu erhalten, uns abhalten würde, den orleanistischen Handschuh, mit dem wir bedioht werden, an jedem Tage auf- zunehmen, an welchem die Prinzen in der Lage sein werden, ihn hinzuwerfen. Die Möglichkeit, den Frieden zwischen den beiden benachbaiten Rationen zu erhallen, ist schon heute für den Fall einer orleanistischen Thronbesteigung sehr viel ge- ringer geworden als für jede andere Regierunasform in Frank- reich."— Eonach wäre wenigstens in Frankreich die Republik doch besser, als ein Königthum. Arme„Kölnerin", wie wirst Du jetzt angepackt werden im eigenen Lager, Du verschämte Republikanerin!— Die Gesellschaft der Kohlenwcrke zu D e« c a z e v i l l e wollte folgendes Plakat an die Mauern schlagen lassen, doch wurde dasselbe vorher polizeilich inhibirt:„Die Arbeiter, welche die Arbeitsplätze verlassen haben, seitdem die Anschläge, betreffend die Verschalungen, bekannt gemacht wer« den, werden hiermit benachrichtigt, daß fie stch al« entlassen anzusehen haben. Ihre Wiederaufnahme wird vorkommenden Falles nur von dem Verwaltungsrathe und auf ein Gesuch, welches Jeder einzeln einzureichen hätte, beschloffen werden. Der Präsident: Löon Tay."— Die Erbitterung unter den Arbeitern ist am Wachsen; man befürchtet erneute Unruhen. G r o tz b r i t a« n i e«. Nunmehr ist man in London allseitig überzeugt, da weder Sozialisten noch Arbeiter die Ausschreitungen in der Hauptstadt und auch in Manchester verursacht haben. Dies erklärt auch in einem Schreiben der Premierminister Glad- stone. Am letzten Februar fand in Manchester, Vormittags, eine Maffenoersammlung von 10000 Personen statt, welche „Zch sehe, wir müsse« hier zu eirer endgiltigen Ver« ständigung und möglichst friedlichen Beilegung unseres Slreitk» kommen," sagte er.„Zch hatte Zhnen eine leitende Stellung in Rio de Janeiro zugedacht; aber ich möchte Sie nun selbst bitten, daran nicht weiter zu denken. Zwei so harte Steine wie wir, mahlen nicht gut zusammen. vielleicht ist Ihnen auch besser und dauernder damit gedient, wenn ich Zhnen die Mttlel zur Selbstständigkeit gewähre. Sie sind ja als Kaufmann sehr tüchtig und werde» auch mit lleisen Mitteln Großes erreichen. Sind Sie zu einer Verständigung unter diesen Bedingungen bereit?" „Zch bin zu jeder Verständigung bereit, die auf die Lösung unseres Vertrages abzielt," sagte Gontard kühl. „Beweisen Sie mir den Dank, von dem Sie sprechen, und dann werden Sie mich zu jeder Gegenleistung bereit finden. Nach Brasilien zu gehen, verspüre ich selbst auch nicht die mindeste Lust."------------ Als Tontard an diesem Tage das Wivter'sche Haus verließ, war es für immer. Er war mit dem für Bern- hards letzten Brief gezahlte« Preis weitaus zufriedener, als mit der„sichere« Sielluv g", welche er für Auslieferung aller früheren erhalten halte. Aber auch Winter sen. war mit dem Ergebniß ihrer Verhandlungen sehr zufrieden. „Fünfzehntausend Mark," sagte er.„Was vorschlägt mir das? Und ich bin den saubere« Patron wieder loS, vor dem mein braves Bernhard mich warnte. Zch übergebe hiermit den letzten Brief den Flammen und damit die Erinnerung Alles dessen, was zwischen ihm und Herrn Eschenbach je gewesen." Er begab sich zu seiner Familie. Mutter und Tochter waren allein. „Nun, Mama," sagte er mit seltener Liebenswürdig- kett und seiner Frau die Wange klopfend,„Dein Protegs nicht hier?" Mutter und Tochter wechselten eken erstaunten Blick, den Winter aber nicht sah, da er nach einem Settevtische ging, um dort eine Ztttung aufzunehmen. „Mein ProteaS?" fragte die erster« spitz, denn sie hielt seine Frage für eine Ironie auf Adler'« Anhänglich- ruhig verlief. Des Nachmittags aber sammelte stch � Gesindel, welches anfing, Fenster einzuwerfen. Ddflw wurde aber bald schon von der Polizei zerstreut. Serbien. M Der serbisch< bulgarische F r t e d e ist eint � zogene Thatsache. Der serbische Delegirte für die Frieds' Verhandlungen, Mijatowic, erhielt ern Telegramm WJr nisteis Garaschanin, in welchem derselbe mittheilt, daß serbische Regierung den neuen von der Türkei vorgeslblaM Aitikel annehme. Madjid Pascha und Geschoff erhielten � sprechende Mitthcilrmgcn ihrer Regierungen. Man«Q# daß der Friedensvertrag nunmehr schleunigst fcrtiagestellt«-*• In Ergänzung dls Obigen wird aus Paris depeschirt, daß> Ministerrathe Freyctnet bestätigte, das Einpernehmen Serbien u.'d Bulgaeien sei hergestellt. Parlamentarisches. — Die Kommission des Reichstages zur Vorberathung� Gesetzentwurfes über die Unfallversicherung la>>° und forstwirthschaftlicher Arbeiter begann>>>. Sitzung am Dienstag mtt der DiSlusston d-S§97, welcher� dcn LandesversicherungS-Aemtern alS Ausfichtsbebörde der® rufsgenossenschaften handelt. Von konservativer Seite war?! antragt, einige Paragraphen einzuschalten, deren erster%' ., Gegen die von den LandesoerstcherungSämtern in den der§§ 67 und 68 erlassene En schlidungen kann daS 9»®"? mittel der Revision binnen einer Frist von vier Wochen"k Zustellung der Entscheidung bei dem Reichsversicherunp®; eingelegt werden." Die fich hieran knüpstnde TiskusstAN� besonders durch die Stellungnahme der verschildenen der verbündeten Regierungen intmfiant. Der bayriche a treter erklarte, daß stine Regierung fich der Annahme»"'k träges entschieden widersitzcn und bei dessen Annahme% auf die Errichtung eines Landesverficherungkamtes werde. Weniger entschieden sprach fich der wülttemWtt, Vertreter aus; er hatte an fich gegen eine ZentlaUnstaNl viel einzuwenden. Herr v. Boeuicher 0 ln« äußerte fich WZ pathischsten für den Antrag, nährend von anderer LeiK. Gedanke angeregt wurde, an E* f1' wieder zu kommen," sagte er.„Er hat davon Gevra macht, und da« ist Alles!". „Gontard fort!" riefen Gattin und Tochter au Athem. Winter senior nickte. Pf -Fort— aogethan," sagte er.„für immer. 3*, f de« erbärmlichen Menschen jetzt von Grund auf t» lernt, und Eure längst bestandene Abneigung 6*9�«« selben macht mir Euer Urtheil auch iu anderen DMS« nehmbar, nämlich in Betreff Eurer gemeinschaftlw? neigung Mr Herrn Adler. Er ist am Ende d»#. JW schlecht wie sein Ruf und aan» Schwiegersohn. Ader wo hier nicht mehr so oft wie merksamkeiten so leicht gewesen sein, war««?' oie sonst. Oder sollte«' '" p ,# .UM nicht,' tnljtjnele H»wi» mit'S „Er müßte eben blind und taub gewesen sei», w# J ff' bemerkt haben sollte, mit welcher Mißgunst Bewerbungen blick, est. Du hast mir ja übrige»»-.$. ganz zu vergessen scheinst, auf da« Allerbestin»"'' �il daß Du in eine Verbindung mit ihm tuerna. fi!S, würdest. Was blieb mir da weiter, al« w'äl' Ich habe ihm dann auch keine Ermunterung mey» v (Fortsetzung folgt.) Paragrovhen lieferten eine mehr oder weniger scharf.- Kritik der Mrer Zeit von den Freisinnigen dekämpften Bestimmungen dcS «rankenkassengesetzes. Der Paragraph wird mit einem Amende- st ein-#' IS' n schlag««' 1 hielten«» fi erwam # en m«nt angenommen, welches dazu bestimmt ist, den etwaigen «ersuch et,"---■" —_.lnzelner Gemeinden zu verhindern, fich der Armenlast durch die ertheilte Ermächtigung zum Erlast statutarischer Be« mmmungen zu entziehen. Im Uebrigen wird der ganze Ab- ichnitt angenommen. Zokales. . In zwei von dem Berliner Massagearzte Dr. Zablu- dow Ski, Assistenten deS Geheimraths v. Bergmann, veröffent- Men Monographien unter dem Titel„Die Bedeutung der waflage für die Chirurgie und ihre physiologischen Grund- %n" spricht sich der Verfasser über die durch die Musik, Namentlich daS Klavier, hervorgerufenen ModekranIH-iten in w folgender Weise aus:„Wähend wir Aerzte es bei den Wo- «arsten und Dilettanten zu thun hatten, waren die Pianistinnen vorwiegend Fachmusikerinnen. Die Patientinnen kamen in unsere Behandlung, nachdem sie mehr oder weniger lange Zeit �4 Monate) daS Spielen ganz hatten aufgeben müssen. Wir Men es mit der sogenannten paralytischen Form zu thun. Es wandelte fich bei jedem Versuche zu spielen um eine zunehmende Amerzhafie Ermüdung in Hand und Vorderarm, in einigen 'Wen bis zur Schulter und diS zum Rücken hinauf; bei den •Jflen einseitig, bei den anderen zweiseitig. Zweimal konnte o-r Schmerz als vom vierten Finger der linken Hand aus- S-hind bezeichnet«erden. Diese Patientinnen waren talent« «°Ue und fleißige junge Mädchen. Um den an sie ge- Mten Forderungen nachkommen zu können, waren sie Knöthigt, sechs bis acht Stunden täglich zu spielen. Krankheit wirkte auf sie sehr deprimirend. Da sie zur "Kossagebehandlung erst dann kamen, als sie schon mehr oder Einiger lange Zeit nicht gespielt hatten, gestattete ich ihnen, U dem Beginn der Kur täglich eine Viertelstunde zu spielen. •tö- drei Tage dehnten wir diese Zeit um fünf Minuten aus, wobei aber nach jeder Viertelstunde eine fünf Minuten lange «W« gemacht wurde. Zugleich mußten fich die Patientinnen M wenig Fingerübungen beschränken und mit dem Spielen v* älteren klassischen Autoren(Haydn, Mozart, Beethoven) jMgen. Die neueren(Chopin, LiSzt, Rubinstein), bei deren Zielen sie fich daS Leiden zugezvgen halten, durften sie wäh- N der Behandlungsdauer nur selten vornehmen. Bei den Atlanten erzielten wir nach ca. sechswöchiger Behandlung T%0; Rückfälle treten nicht ein. Die Fach Pianistinnen trotzdem sie in einigen Wochen die Möglichkeit, einige Kunden lang schmerzfrei zu spielen, erlangt hatten, bekamen %% Zeit nach ihrer Entlassung aus der Kur, sobald sie die "«ierrichtSstunden wieder aufnahmen und die Spieldauer auf JG Stunden und darüber ausdehnten, Rückfälle. Nach mehr- Monatlichem Laboriren sahm sie sich genöthigt, die Musikschule � verlassen." Franzosen auS Rußland. Am Dienstag Morgen trafen Al dem Bahnhofe Friedrichstraßt •T' viiii-Oaynyvse lyucwumiuuBc gegen zwanzig französische Zdeiter mit ihren Familien ein» die fich, aus Moskau kom- q™«, bis zu ihrer Weiterreise nach Paris mit dem Kourirzug i" Uhr 30 Minuten AbendS, hier aufhielten. Dieselben waren 5 etwa zwei Jahren von einem russischen Unternehmer nach Wilau für eine dortige Telegraphenfabrik engagirt worden. M Kontrakt war nun zu Ende und sie zogen es vor, den« >«»«n nicht mehr zu erneuern, da ihnen das russische Klima Mo die russische Lebensweise nicht behagtcn. Sie reisten Amtlich 2. Klasse, wofür ihr Moskauer Fabrilherr, ebenso K' seiner Zeit für ihre Hinreise, die Kosten zu tragen hatte. L°gleich die Leute ihrem Aeußern nach für Russen gelten Tauten, denn sie trugen BSrcnmützen und Krempstiefel, so Mte dock in jeder Weise der leichtlebige Franzose auS ihnen fttJUä. Nachdem sie fich genügend gestärkt hatten, nahmen sie !« der Zrit, die ihnen noch bis zur Weiterreise blieb, verlin " Augenschein. Einem von ihnen war Berlin nicht mehr ganz -�bekannt, da er im Jahre 1870 als Kriegsgefangener hier »'Wesen. Sie waren von Allem, was sie sahen, sehr entzückt *üd lobten unsere Stadt über alle Maßen. I�. Aus einem Steuer- Prozesse. der jjon der Zweigniedcr- Uuna eines sächsischen Bank-JnstitutS gegen den hiesigen Magistrat geführt wurde, sind sehr intereffanre Einblicke in die Nchastlichen Verhältnisse und auch in den BesteuerungSmodus ofl der Kommunalsteuer solcher Institute bekannt geworden. al', Einschätzungsbehörde hatte erfahren, daß die hiesige Zweigniederlassung_ det betr. Bank- Instituts in den letzten j-Ibl Mren recht gute Geschäfte gemacht habe und veranlagte die- v- zu einer jährlichen Steuer von 148,600 M. Auf die er« Reklamation deS Instituts kam die Sache im Verwal« !%Dfi Iii» Reklamation deS Instituts kam die Sache im Verwal- UüSstreitverfahren zum Austrag. DaS klagende Institut hatte Jj i« einem Steuersatz von 34 200 M. jährlich erboten, wurde zu eimr Steuer Von 55 800 M. für das laufende Steuer« vcrurtheilt, der Magistrat mit der Mchrforderung abge« Nach dem umir den Parteien nicht streitig: n, also »,,,4.allS auf Grand der Geschäftsbücher festgestellten �vlt, hatte daS klagende Institut anfangs mit Sach« crnem Aus Kunst und Zeven« .Deutsches Theater. Herr Dr. Förster kehrt Ende dieser töj d vonj-inem Urlaub zurück und wird am nächsten Mon- deie,�.' ,um tt�en �aI tDiellargie man um viuj v».,' o,,; JionA'in wohlverdienter war. Außer dieser guten Akqut« «nSo. hQt die Direktion ferner einen guten Trefftr durch daS ,- stimmungsvollen Duetts.... ,, Grundkapital von 10 Millionen Mark gearbeitet und damit einen Reingewinn von 9,65 pCt. erzielt; im Jahre 1883 war dai Geschäftskavital auf 14 Millionen erhöht und damit ein Reingewinn von 8,37 pCt. erzielt worden, wäh rend im Jahre 1884 eine abermalige Erhöhung des Grund- kavitalS auf 22 Millionen stattfand, das einen Reingewinn von 7,37 pCt. abwarf. Während nun der Magistrat den Steuer« satz nach dem höchsten Reingewinne deS letzten Jahres berech- nct hatte, mußte nach den Vorschriften des Steuer-ReguIativS der Durchschnitts ertrag der letzten drei Jahre als steuerpflichti. ges Einkommen berechnet werden, was die oben erwähnte Ermäßigung des Steuersatzes zur Folge hatte-— Den großen Nutzen, den solche Bank' Institute für den gesammten Verkehr haben, darf man gar nicht verkennen; aber wenn man bedenkt, daß hier eine solche Zweigniederlassung im Zeitraum von etwa drei Jahren 3V« Millionen Mark in Berlin verdient und an daS Hauptinstitut nach Sachsen abgeführt hat, so kann man sicher den Wunsch nicht unterdrücken, daß solche Institute etwas schärfer zu den Kommunal« Abgaben herangezogen würden. Ei« entsetzlicher Vorfall, der fich am Montag Mittag in der Nähe des Rangirbahnhofes der Niederschlesifch-Märki' schcn Eisenbahn ereignete, verursachte sowohl unter den Bahn- beamten wie unter den Bewohnern Rummelsdurgs ungemeine Aufregung. Als der Personenzug Nr. 2873 de« Rangirdahn- hof pasfine, sprang plötzlich, ehe dies verhindert werden konnte, ein Knabe vor den Zug und ließ sich überfahren. In der Leiche wurde die deS 11 Jahre alten Sohnes eines auf dem Bahnhof beschäftigten PutzeiS R. erkannt. Der Junge hatte auS Furcht vor Strafe wegen eines geringfügigen Vergehens sich daS Leben genommen. Der in der Nähe befindliche un- glückliche Vater nahm die Leiche auf die Schultern und trug dieselbe in seine Wohnung.— So berichten verschiedene hie- stge Zeitungen. UnS wird dieser überaus betrübende Vorfall in folgender Weife dargestellt: Der lljährige Sobn des auf dem Rangirbahnhof beschäftigten und Prinz Albertstraße wohnenden Ardeiters Röhrborn hatte fich am Sonntag, den 28. Februar, auf der dortigen Eisbahn 65 Pf. verdient. Erfreut darüber, begab er sich in das in derselben Straße de- Kgene, dem Kolonialwaarenhändler Graffert gehörige Geschäft, um fich für 10 Pf. ausländische Briefmarken zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit will Frau Graffert bemerkt haben, daß der Knabe einige Briefmarken heimlich wegnahm. Frau Gr. ging am Montag zu dem Lehrer Sckulz, in dessen Klaffe fich der Knabe defand und bat um die Bestrafung deS Kindes. Der Lehrer, welcher dem Knaben ein Geständniß nicht entlocken konnte, legte ihn über und appliziite ihm nach Angabe der üdiigen Kinder zwanzig Schläge mit dem Stock, so daß dieser zerbrach. Der Lehrer ließ nun einen anderen dickeren Stock auS setner Wohnung bringen, wobei er gegen den Knaben die Drohung ausstieß, daß, falls er Nach- mittags nicht gestehen würde, die Strafe wieder- holt und er auch noch eingesperrt werden würde. Da der Knabe auf dem Nachhausewege auch noch die Stiche- leien seiner Mitschüler anhören mußte, so muß wohl sein Ehr« aefühl empfindlich verletzt worden sein. Er kam nach Hause, legte seine Bücker fort und wollte fich gerade wieder entfemen, alS ihm seine Mutter den Auftrag gab, vom Schlächter etwaS zu holen. Nach kurzer Zeit wurde den ahnungslosen Eltern die Schreckensbotschaft, daß ihr Kind von einem Eisenbahnzug überfahren worden sei. Der Knabe ist von Personen gesehen worden, wie er am Brückenpfeiler bei der Station Kietz-Rum- melSburg gestanden hat. Jedenfalls ist er, als langsam ein Zug auf der Verbindungsbahn einfuhr, den Damm hinauf. gekrochen und hat fich vor die Räder des letzten Wagens geworfen, wobei ihm der Brustkasten und ein Arm überfahren wurde. Der unglückliche Vater schaffte am Abend den Leichnam seines KindeS nach seiner Wohnung.— Soweit der uns zugegangene Bericht. In höchstem Grade muß eS befremdend erscheinen, daß die Kaufmannsfrau den Knaben nicht sofort zur Rede stellte, alS sie sah, daß er fich widerrechtlich Briefmarken aneignete. Sie hätte ihm dieselben dann einfach wieder abnehmen und dann veranlassen können, daß der Knabe in entsprechender Weise bestraft wurde. Wenig« stenS hätte es fich dann feststellen lassen, ob der Knabe wirklich einen Diebstahl begangen hatte.— Außerdem aber ist die Methode deS Herrn Lehrers Schulz, ein Geständniß zu er- zwingen, geradezu bardarisch. Wenn der Knabe,— waS uns nach der obigen Darstellung durchaus wahrscheinlich zu sein scheint— die Briefmarken überhaupt nicht genommen hat, so kann er fich doch auch eineS Diebstahls nicht schuldig dekennen, oder ist eS vielleicht eine neue Anschauung der Pädagogik, daß man durch Stockhiebe und Drohungen leichter ein Geständniß berbeiführen kann alS durch eine sachliche Untersuchung des Thatbcstandes? Jedenfalls ist der ganze Fall danach angethan, daß er auf daS Strengste geprüft und die Schuldigen zur un« nachfichtlichen Verantwortung gezogen werden. Der grimmige Nord-Ost-Wind der letzten Tage hat außer zahllosen Katari hen und Schleimhautentzündungen auch die bösartigsten Husten bei Leuten jeden Alters und Geschlechts hervorgerufen. In den Schulklaffen während deS Unterrichts Veten Grazie bei ihrem Austreten sofort die Szene zu beleben. Am Sonnabend, den 27.». M-, hat, wie wir hören, der be- liebte Salon- Komiker Herr Paul Meinhold sein Benefiz, ,u welchem die renommirten Stettiner Kouplet- und Quartett- sänger ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt haben, Abermals die Tortur i» Ungarn. Vor Kurzem erst belichteten wir über einen haarsträubenden Fall von Vexationen, welche ungarische Gendarmen gegen drei des RaubeS beschul- digte Szerpadser Einwohner verübtin, von welch letzteren Einer sogar den Peinigungen erlegen ist. Heute find wir wieder einmal in der unangenehmen Lage, über die Unmensch« lich grausame Behandlung. welche mehrere G-ndarmen Häft« lingen gegenüber an den Tag gelegt haben, zu berichten. Wie nämlich ein von der königl. Staatsanwaltschaft in Rosenberg an die königl. Ober- Staatsanwaltschaft eingelangter Bericht besagt, wurde vor Kurzem ein des Diebstahls bezichtigtes In- dividuum von Gendarmen dem königl. Gerichtshöfe in Rosen- berg eingeliefert. Der Verhaftete gestand in der Vorunter. suchung das ihm zur Last gelegte Verbrechen ein und fand sich über dieses Geständniß auch ern Protokoll vor. Die beim Ge- ricktShofe gepflogenen Erhebungen eraeden jedoch, daß der be« treffende Häftling zur Zeit, alS daS Verbrechen begangen wor- den, fich in Untersuchungshaft befunden hat. Als der Häftling befragt wurde, wie er denn ein Geständniß ablegen konnte, erklärte er, daß die Gendarmen ihn durch Schläge zur Able- gung des Geständnisses gezwungen hätten. Er wies" auch ein blutiges Hemd zum Beweise semer Behauptung vor. Dieses blutige Hemd wurde sammt dem Berichte über den Vorfall dem kompetenten Gmdarmerie-Kommando eingeschickt. Der Donau-Oder-Kanal. Seit vielen Jahren taucht periodisch immer wieder das Projekt der Herstellung einer Wasserstraße auf, welche durch Verbindung der Oder mit der Donau den direkten Verkehr zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meere herstellen soll. Der Gedanke ist bereits in den Zeiten Kaiser Rudolj'S II. zum ersten Male und seitdem wiederholt angeregt worden, denn die Bedeutung eines solchen, die Mitte Europas durchziehenden Wasserweges ist zu erficht« lich, alS daß sie nicht immer wieder zu neuen Versuchen der Realifirung hätte führen sollen. Es find auch bereits mannig- fache Pläne dafür ausgearbeitet worden, theilweise im Zu- sammenhange mit der Regulirung des MarchflusseS und der Bewässerung des MarchfeldeS. Die Angelegenheit ist nament- lich für Niederösterreich und Mähren von größter Wichtigkeit und berührt überdies auch daS vollswirthschastliche Interesse deS westlichen Ungarn sehr nahe. Es ist begreiflich, daß man busten Schüler und Lehrer um die Wette, in den Hörsälen der Univeifität geht es nickt besser, viele Vorlesungen fallen ganz aus. Sogar in den öffentlichen Versammlungen, wo nur gut organistrte und widerstandsfähige Kehlm zur Geltung kommen, herrscht bei den wichtigsten Reden der Husten in allen Ton- arten; das Gleiche gilt von den Herren im Parlamente, wo man von dem kräftigen Keuchhusten deS westfälischen In« dustriellen bis zu dem quiekenden Keuchhusten eines zattorgo- nifirten Geheimraths die ganze Stufenreihe der Tonstärke wäh« rend der Debatten vernehmen kann. Ein geistreicher Medi- ziner, der beim Mangel einer ärztlichen Praxis fich auf das Parlamentarische geworfen hat, ist fest überzeugt, daß fich der reichsfeindliche von dem staatserhaltenden Husten deutlich unter» scheiden läßt; er hat über dieses Thema sofort eine größere wissenschaftliche Arbeit in Angriff genommen. Die Mitglieder der EtnschätznngSkommisstov für die Klaffensteuer find gegenwärtig vollauf beschäftigt, die gegen die von den Kommissionen bewirkten Einschätzungen von der Staatsbehörde gezogenen zahlreichen MonitaS zu erledigen. Wäbrend die Kommisfionen bei der Einschätzung deS Ein- kommen? die bisherigen Grundsätze«alten ließen und auS den gesammten Verhältnissen der Einzuschätzenden deren Einkommen demaßen, verlangt die königl. Regierung, daß daS Einkommen aus der Höhe der gezahlten Wohnungsmiethe vier bis fünf mal multiplizirt festgesetzt werden soll. Bekanntlich find in der letzten Zeit zahlreiche Miether von ihren WirthSleuten ge- steigert worden und haben fich der Steigerung aus begreiflichen Gründen willig gefügt. Da aber damit ihr Einkommen nicht gestiegen ist und fich die Betroffenen in Folge der MiethS- erhöhungen anderweitige Beschränkungen auferlegen müssen, so soll dieser Umstand auch noch dahin führen, die an fich schon große Steuerlast zu vermehren. Jeder Zoll ein— gestürztes Pferd,— so konnte man vorgestern Abend sagen, alS gegen 6 Uhr ein Schneegestöber die Straßen und Plätze Berlins wie eine Eisbahn glättete. Hier ein dumpfer Fall, dort ein Krachen der zersplitterten Scheerbäume, dazwischen daS Fluchen und Schimpfen der Wagenführer— das war die Signatur deS Abends. Dieser Zustand währte die ganze Nacht hindurch bis zum frühen Morgen. Am bedauernSwerthesten waren die armen Omnibus« pferde, welche, geänstigt und unficher geworden durch daS fort« währende Ausgleiten, nicht im Stande warm, den schweren, dichtbesetzten Wagen hinter sich fortzuziehen. WaS half auch bei den Pferdedabnwagen der schleunigst herbeigeschaffte Vor« spann, was' die Streumaschine, mit welcher der Schnee von den Schienen fortaethaut werden sollte. ES wurde nur zum geringen Theil Abhilfe geschaffen und große Ver« spätungen treten auf vielen Linien ein. Droschken warm bald nicht mehr zu haben; entweder ste waren besetzt oder die Droschkenkutscher weigerten fich zu fahren. Man konnte es ibnen schließlich nicht verdenken, denn fie riSkirten eine Be« schädigung deS Pferdes oder der Droschke, welche das Fahrgeld nicht aufwog. Ueberall, wo ein Pferd gestürzt war, sprangen sofort Passanten hinzu, um dem Kutscher beim Aufrichtm behilflich zu sein. Es gereicht diese Bereitwilligkeit dem Berliner wieder einmal zur Ehre. Auch die Menschen fielen oft zur Erde und namentlich die Damen kamen sehr zahlreich zu Fäll. '"""......" ihr- Hoffmtlich werden keine großen Unglücksfälle gemeldet. Ueberall vermißte man ein rechtzeitiges Bestreuen der Trottoire und der Straßendämme. Ueber eine« Unglücksfall in Folge Nichtbeleuchtung der Trebbe wird uns Nachstehendes berichtet: AlS am 25. v. M. die im Quergebäude deS Grundstücks Belle-Alliance« Straße 21» im ersten Stockwerk wohnhafte Wittwe K. gegen 7 Uhr AbendS ihre Wohnung zu einem Geschäftsgänge ver« ließ, trat fie bei der auf der Treppe herrschenden Dunkelheit fehl und stürzte die 11 Stufen hohe Treppe hinab. Frau K. hat sich durch den Fall eine Gehirnerschütterung zugezogen, welche ste wochenlang anS Bett fesseln wird. Gegenwartig ist fie noch nicht vernehmungsfähig. Erfroren! Vorgestern früh wurde auf dem Terrain der Berlin-Dreidmer Eisenbahn in einem Adbruchsgebäude der verlängertm Schönebergerstraße die Leiche eines unbekannten, dem Arbeiterstande angehörigen ManneS vorgefunden und nach dem Leichmschauhause geschafft. Allem Anschein nach hat der Unbekannte an dem Fundort genächtigt und ist dort während der Nacht erfroren. Der Verstorbene ist etwa 25—30 Jahre alt, hat krauses, dunkleS Haar und Schnurrbart, starke Nase, braune Augen und war mit einem dunklen Stoffrock und Weste, sowie mit einer englisch ledernen und einer schwarzen Hose, baumwollener Unterjacke, grauwollenem Hemd und Schaft« stiefeln beklewet. I« einem hiesigen AnktionSlokal wurde gestern ein Mann angehalten, welcher nachstehende Schmucksachen zum Kauf anbot: 1. einen goldenen Herrmring, zur Hälfte schwarz emaillirt, mit einem» jour gefaßten Brillant von etwa 1 bis l'/t Karat; 2. eine goldene flache Herrenuhr, auf der Rückseite mit Blümchen und einer Aehre. 3. ein altmodisches ziemlich breiteS Gliederarmband, die einzelnen Glieder aus vier Ab- sätzen. 4. Ein goldener Siegelring mit einem Almandln. Vorgenannte Gegenstände will der Inhaber vor etwa vier fich namentlich in Mähren, welches seiner ganzen Breite nach von dieser Wasserstraße durchschnitten würde, sehr lebhaft um die Möglichkeit der Herstellung derselben bekümmert. Bereits vor fünfzehn Jahren ist ein Plan ventilirt worden, der Haupt- sächlich die Anlage eines Echifffahrlskanales zwischen Oder und Donau im Auge hielt, welcher der Nordbahn im Maffentrans« port, namentlich in jenem der Kohle, Konkurrenz zu machen bestimmt war. Dieses Projekt ist seitdem eingeschlafen, dafür aber find andere Vorschläge für den Ausbau der Wasserstraßen in Oesterreich gemacht und die Regulirung der March, sowie die Bewässerung deS MarchfeldeS in den Landtagen von Mähren und Niederöstcrreich zur Sprache gebracht worden. Ueber die Benutzung der Korkabfälle macht das Journal„EygWne ponr tvus" interessante Mittheilungen. Da- nach verbindet fich der zerkleinerte Kork gut mit Asphalt. Der Asvhalt-Kork kann über eine ganze Fläche oder auch in be- liebiger Quarreform verwandt werden. Solche Ueberdeckung ist durch die Komposition des EtoffS leicht, wasserdicht, rauh, gesund und unverdrennlich. Außer diesen kostbaren Vorzügen besttzt der Kork- Asphalt Elastizität, Unempfindltchkeit gegen Hitze und Kälte und bcseiligt jedeS Geräusch. Er eignet fich vorzüglich als Deckbelag für Seeschiffe, widersteht allem Fuhrwerk und allen Manövern, der Kälte und der Hitze biS zu 80 Grad und bleibt vom Mecrwasser unberührt, Seine Ündurchdringlickkeit erlaubt es, ihn mit großen Wassermaffen abzuwaschen. Seine hygienischen Eigenschaften find ein Prä» servatio gegen jede Art schädlicher Insekten und seine Leichtigkeit vermehrt die Last des Schiffes nur sehr gering. Mit einem Wort, der Kork- ASphalt kann überall angewandt wer« den, wo es gilt, der Hitze, der Kälte, der Feuchtigkeit oder der Beschädigung durch Reibung Widerstand zu leisten, indem er den Bedingungen einer relativen Leichtigkeit, Reinlich- keit, bequemen Reinigung, und der Beseitigung eines schlechten Geruchs durch Undurchdringlichkeit der Materie ent- spricht. Der Korkstaub, in Vasen kalzinirt, dient auch der Druckerei mit einem sehr kostbaren Schwarz und ist ebenso sehr geeignet zum Metallreinigen. Die Gürtel, Westen und Malratzen, die auS ihm verfertigt werden, dienen im Seewesen alS RettungSwerkzeuae. Der Koilstaub wird noch zum Fabriziren von Leinölteppichen verwandt. Man formt davon einen dicken Teich, indem man den Staub mit gekochtem Leinöl mischt. Mit diesem Gemenge bedeckt man ein roheS Gewebe und regelt die Dicke deS Auftrags mittelst einer Preß» walze, trocknet dann daS Ganze und bedeckt dasselbe mtt WachS» tuch, welches man noch durch Pressen dekoritt. Wochen von einem jüdischen Handelsmann gleichfalls in einem Aultionilolale gekaust und noch nicht den zehnten Theil des WertheS für dieselben gezahlt haben. Es ist daher anzu- nehmen, daß die Sachen aui einem Diebstahl herrühren unv können dieselben bei der Kriminalpolizei besichtigt »Verden. Polizeibericht. Am 1. d. M. zog sich in der Brauerei Tivoli der Böttcher Veidt beim Auspechen von BierfSffern in strolae eigener Unvorfichtigkeit durch Begießen mit stedendem Pech bedeutende Brandwunden an beiden Händen zu.— In der Nacht zum 2. d. M. wurde ein Herr an der Ecke der Friedrich?« und Leipzigerstraße von mehreren bisher unermittelt gebliebenen Personen überfallen und durch Faustschlaae und Fußttitte so schwer aemißhandelt, daß er mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— Am 2. d. M. MorgenS wurde auf dem Terrain der Berlin Dresdener Eisen bahn in der verlängerten Schönebergerskaße in einem Schuppen ein unbekannter, anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger Mann erstoren aufgefunden. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage wurde Mittags auf dem Flur de« HauseS Grenadierstr. 17 ei« Mann mit erfrorenen Füßen und völlig entkräftet, aber betrunken, aufgefunden und mittelst Droschke nach dem städtischen Kranken« Hause am Friedrichshain gebracht.— An demselben Tage Nachmittag« wurde eine Frau nebst ihrer Tochter in ihrer in der Kaiserstraße belegenen Wohnung bewußtlos in Folge EinathmenS von Kohlendunst aufgefunden. Anscheinend hat eS dem im Zimmer befindlichen mit Steinkohlen geheizten Kachelofm an genügendem Zug gefehlt. Soziale» und Arbeiterbemegang« Die Karenzzeit bei der Unfallverficherung, durch welche alle diejenigen Unfälle, deren Heilung die Dauer von 13 Wochen nicht übersteigt, dm Krankenkaffm zur Last fallen, zeigt so recht ihre verderbliche Wirkung bei einzelnen besonders gefahrvollm Gewerben. So stnv im Monat Januar nach einer soeben ausgegebenen Ueberficht der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft— dieselbe erstreckt sich über daS ganze Deutsche Reich einschl. Elsaß. Lochringm— an Un« fällen gemeldet worden 191 gegen 182 im Monat Dezember. Äon Viesen Unfällen find 165 nicht entschädigungspflichtig (leichtere Fälle) und unter das KrankmoerfickerungSgesetz fallend, wahrend 26 für die Genoffenschaft entschädigungS- vflichtia find. Unter diesen befinden sich 8 Todesfälle.— Also elnhundertfünfundsechSzig Unfälle fallm auf die Krankenkassen, zu denen entweder ganz oder zum größten TheU die Arbeiter die Beiträge leisten und nur f e ch S u n d« zwanzig Unfälle hat die Unfallverficherung zu tragen, bei der die Unternehmer die Beiträge in der Hauptsache zahlen. DaS ist kein gerechtes Prinzip I Geae« de« Mädchenhandel wendet fich der„Pester Lloyd" in folgendem: DaS Kavitel„Mädchenhandel" will au« den Spalten der Tagesblätter nicht verschwindm. Beinahe alltäg- lich werdm Fälle derichtet, in welchen unerfahrene Frauens» personen von gewissenlosen Agenten unter allerlei Versprechun« gm inS Ausland gelockt und dort an Eeelenhändler verkaust werden. ES ist ein öffentliches Geheimniß, daß die Schand« bäuser Italien?, Rumänien«, Bulgariens, GricchmlandS, de? » Irkei und KleinastenS, Egyptens und Ostindiens größtcntheilS -mit ungarischen Mädchen bevölkert find, daß selbst auS Buenos« Avreb Rio de Janeiro, aus Peru und Chili die Befitzer solcher Häuser ihre Agenten„Waare" auS Ungarn beziehen. Wobl lbw,n We Behördm, voran das Ministerium deS Innern, daS Möalia. fte' Um diesem entsetzlichen Handel nach Kräften zu stmern allein' Umstände der. verschiedensten Art find eS, welche alle Be. jungen zunichte machen. Bereits in den Jahren 1868 und 1869 erließ daS Ministerium des Innern Verordnungen, um dem Uebel soviel als möglich zu steuern. In erster Linie besteh» eine Verfügung, wonach e? den Be« Hörden strengstes unte�gt ist, dienstthuenden Frauen. zimmern Pässe nach �ern Orient auszufolgen, deren Ansuchm dem Ministerium nicht zu unterbreiten, die Bewerberinnen um Pässe ar'f die Gefahrm, die ihrer im Morgenlande harren, aufmerkz am zu machen— ja sogar bei solchen, welche behaupten, bereits einen Posten bekommen zu haben und fich zum Antritte desselben nach dem Orimt be« geben, fich von der Wahrheit dieser Angabe durch daS be« treffmde k. k. Konsulat zu überzeugen und dann erst die AuS« folgung deS PaffeS zu empfehlen! Abgesehen davon, daß ern roßer"Theil unserer" Behörden noch immer in Paßangelegen« Um viel zu lax ist— finden es die Herren Händler jund deren Agenten gar nicht für nöthig, ihrer„Waare" bier Pässe zu besorgm. Es bestehen in Rumänien sowie im Orient in jeder größeren Stadt ganze Paßbörsen, wo fich die Händler zu festgesetzten Preisen mit den nöthigm Dokumenten versehen — waS bei der großen Oberflächlichkeit der üblichen Perfons- beschreibungen in den PSffm nur zu leicht möglich ist. ES «erden in Rumänien ganz einfach Pässe rumänischer Frauen und Mädchen aufgekauft; bereit« dort befindlichen Ungarinnen wird vorerst der Paß abgenommen und mit demselben wieder nme Waare eingeschmuggelt und der Grenzbeamte kann den mit regelrechtem österrcichisch-ungarischen odir rumänischen Paffe Versehmen den Uebertritt nicht verwehren. Eollm die ver« fchärftm Paßvorschristm für den Orient nicht wirkungslos bleiben, so muß jede nach dem Orient reisend« Frauensperson mit einem Passe versehen sein, welcher ihre an demselben un« trmnbar befestigte abgestempelte Photographie enthält. Mit dieser Maßregel wäre in erster Reihe der Paßhandel voll« kommen lahmgelegt. DaS zweite und bei weitem größere Uebel liegt darin, daß die Behördm die„Waare" und die Händler nicht kmnm. Soll mit diesem Gelichter gründlich aufgeräumt werden, müßten vor Allem energische und tüchtige Agentm sveziell zu diesem Zwecke nach den hauptsächlichen Export- resp. Jmpottgebieten gesendet werden, um an Ort und Stelle so« wohl die Händler als deren Agenten kmnm zu lernen. WaS Rumänien und Serbien anbelangt, bilden unsere Cafö Chantant» Sängerinnen einm sehr lebhaftm und vielgefuchten Export« artikel für diese Länder. Man frage nur, waS für Etadliffe« mentS die Wacker und Silber in Galatz, die Ttmka Panaiolta in Sofia und viele Andere, die ihren Bedarf a» ttünsilerinnm Sanz unaenirt von hier beziehen, haben! Noch mehr! Ein >err„Direktor" Siegfried akquirirt hier ganz offen Chan« sonetten-Sängerinnen für New Uork. während Her Silber aus Galatz durch einm Agmtm die Werbetrommel rühren läßt, nachdem er erst im November 14 Damen nach Galatz in sein berüchtigtes Etablissement„zur Stadt Petersburg" führte, über derm Verbleib hier alle weiteren Nachrichtm feylm.— Die geschilderten Zustände haben auch die Aufmerksamkeit deS Ober-EtadthauptmannS v. Törökzu Budapest auf fich ge« zogen uud liegt gegenwärtig dem Minister des Innern ein längeres Elaborat des Polizeichefs vor, in welchem die Unge« legenheit deS Mädchmhandel8_ eingehend erörtert und vei gleichzeitiger Unterbreitung von Vorschlägen um die je baldigere Schassung etneS konkreten, dm Mädchenhandel al« Verbrechen SUSSSs-W« Kereine mh Versammlungen. •---w-w ▼-w|«v hfe. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Metall. Arbeiter, welche am Sonntag Bormittag im Louisen stadtischm Theater stattfand, beschäl tigte fich mit der„Stellungnvhme der Berliner Metallarbeiter zur Gründung einer UnterftützungS« kasse für Arbeitslose". Als Referent sprach der Medailleur Herr Krohm, welcher die Errichtung einer derart'gen freien HllfSkaffe befürwortete und die Möglichkeit der Gründung und Aufrechthaltung einer solchm darzuthun suchte. Redner ging dabei von der Annahme au», daß jeder Berliner Metallarbeiter durchschnitlltch dreizehn Wochen im Jahre arbeitslos und der Unterstützung durch die Kasse bedürftig sei. Er schlug vor, die regelmäßigm Mitgliedsbeiträge auf 50 Pf. wöchentlich festzusetzen und vom Eintrittsgeld mindestens je 1 Mark zur Äil« dung eineS Reservefonds und je 20 Pf. zur Anschaffung der Etatutendücher zu verwenden, sowie Anspruch auf Unterstützung nur den nachweislich unverschuldeten Arbeitslosen einzuräumen. In der mehrstündigen animirten Diskusston bezweifelte u. A. Herr Bremer die Möglichkeit, ohne Zugrundelegung und Vor- bandensein einer verlässtgen ArdeitslofigkeitS-Statistik für alle Berliner Metallindustrie- und Gewertsbranchen ein geeignete« Statut zu einer existmzfähigm derartigen Unterstützungskasse auszuarbeitm. Auch sei ohne amtliche» statistisches Material daS vom Gesetz geforderte Sachverständigen« Gutachten, sowie eine Gmehmigung der Behörde zur Errichtung der Kasse nicht zu erlangen. Herr Schultz und andere Redner machten unter Hinweis auf die erfolgte polizeiliche Auf- lösung der Mannheimer„Allgemeinen Vereinigung der Metall- arbeiter Deutschlands" gewisse Bedenken geltend, und sprachen die Befürchtung auS, daß eine zentralifirte freie HilfSkaffe für Arbeitslosen. Unterstützung leicht von demselben Schicksal be- troffm werden dürste. Herr Günther hielt solche Befürchtung für unbegründet. Auchßsolle man nicht, meinte er,» tout prix und bei jeder Gelegenheit daS Prinzip der Staatshilfe al« un- umgangliche Vorbedingung hinstellm und behauptm, ohne dieses Prinzip könnte ver Arbeiter nicht« erreichm. Femer suchte er die Lebentfähigkeit einer derartigen Hilfskasse nachzu« weism, und betonte, daß den Regierungen daS Entstehen einer solchm Kasse angenehm sein würde und fie daher demselben eher fördemd als feindlich gegmüberftehen würden. Herr Gottfried Schultz trat hierauf mit Entschtedmheit für den Standpunkt ein, daß derartige Kassen Etaat»sache und nur mittelst Staatsmitteln existmzfähig zu machen seien, waS dm Referenten Herm Krohm veranlaßte, in seinen Schluß- worte fich gegm die Widersprüche zu wenden, in welche gegen- wärtig so ost Diejenigm geriethen, die da heute für„Freie Htlfskaffen" gegen„staatliche ZwangSkassen" und morgen für „Staatskassen" gegen„Freie Hilfskassen" Partei erariffm. Die heutige Versammlung möge deshalb getrost eine Statutenent« wurf« Kommission wählen und beherzt den erstm Schritt zur Errichtung einer Arbeitslosen-Unterstüvungäkasse wagen. Da jedoch bei der Abstimmung hierüber dai Resultat zweifelhaft blieb, entschied man fich zuletzt dafür, vie ganze Angelegenheit bis nach erfolgter Entscheidung des Polizeiprästdiums über daS Etatut der»Vereinigung der Metallarbeiter Berlin»" zu ver- tagm. Der Fachverei« der Former«nd verwandte« ve« rufsgenossen Berlin» und Umgegend hielt am Montag eine öffmtliche Mitglieder Versammlung im„Salon zum deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37, ab. Der Vorfitzmde Herr Müller sprach sein Bedauern darüber au«, daß die Versammlung so schwach besucht sei, trotzdem in verlin zirka 2500 Former beschäftigt wärm. ES sei bedauerlich, daß die Kollegen so schwer zu dewegm seien, in die Versammlung zu kommen, um zu hören, waS der Verein wolle. Erst wenn ihnen da« Messer an der Kehle fitze, erinnerten fich viele, daß ein Fachverein der Former existire; dann würde absolut die Hilfe des Verein» ver- langt, und wmn dieselbe dann nicht nach Wunsch der Be« treffenden ausfalle, so hieße eS ost,„der Vorstand schlafe". Diese indifferentm Kollegen müßtm fich ermannen und fich rege an der Organisation betheiligen.— Hierauf hielt Herr Dr. Bohn einen mit größtem Beifall aufgenommenen Vortrag über Darwin'S„Kampf um'S Dasein" al« Fortsetzung eine» früher im Verein gehaltenm Vortrag«. AlSdann verlas der Vorfitzende ein Schreiben der Ottmsm'er Klempner, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß ihr Streik nur durch eine stramme Organisation gewonnen worden sei. So- dann wurden die von dem Berliner Meisterverein benutzten „MaßregelungSscheine" einer verurtheilenden Kritik unterzogen. Darauf sprach Herr Kerstm über die„Fremdmkaffen". Er bemerkte, daß e« höchst bedauerlich sei, wenn verschiedene Werkstätten ihre„Groschmkassm" eingehm ließen und trotzdem kein einziger dieser Kollegen fich dem Fachverein anschließe, sondern die fremden Kollegen einfach an den Fachverein ver- weise mit dem Bemerken:„dort gebe e« Unterstüpung". Redner machte der Versammlung den Vorschlag, einen Fond« zu gründen, um auch Kollegen, welche nicht FachvereinSmit- glieder find, eine geringe Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Es wurde beschlossen, eine Tellersammlung zu diesem Zwecke ,u veranstalten; außerdem wurden den streikenden Metall- Schraubmdrehern von Voß, Schall u. Co. 10 M. bewilligt. An alle Schmiede»(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) Ber- lint und Umgegend. In Bezug auf da» vom Schankwirth Herm Guiard, Weberstr. 22 versandte Flugblatt, in welchem Segen das mit der Echmiedeherderge(Eigenthum der Schmiede« Innung Berlins) verbundene ArbeitSnachweisedureau zu Felde gezogen wird, fühlen wir unS verpflichtet, folgende» zur Klar- stellung der Sachlage zu veröffentlichen: Zunächst bietet der ehrenwertde Herr seine iüchttgm Arbeitskräfte al« gute Schirr meiste?, Feilbänke?, Rettschmtede rc. an, wir müssen aber doch sehr bezweifeln, ob solche bei ihm zu finden find, denn warum läßt er sonst welche von der Mulackstraße holen und sucht welche per Annonze?— Femer führt er an, daß bei ihm die Gesellen eingestellt werdm wie fie paffm, al» ob die« überhaupt an- ders möglich wäre; dann behauptet er, daß in der Mulack- straße die Gesellm nach der Reihe eingestellt werdm, ganz gleich, ob dieselben den Posten bekleidm könnm oder nicht. DieS erklären wir einfach für eine Unwahrhett, denn e« wird von jeder Branche immer nur derjmige eingestellt,»velcher am längstm arbeitSlo« ist und die betteffmde Stelle bekleiden kann. Durch diese Einrichtung soll daS System der Scklaf- burschenwirthschast, durch welche« gerade die sogenannten Her- bergsbrüder großgezogen werden, verhindert und dem Unwesm der Ausbeutung der ArbeiStlosen gestmert werdm. Wenn Herr Guiard femer vehauptet, daß, wmn ein Meister Sonntag« mal arbeiten lassen müsse, um einem Kunden auS der Noth zu helfm, der Name de« betreffenden Meisters laut Tafel bekannt ge« wacht und er keine Gesellm mehr bekomme, so müssen wir auch dieses, um nicht einm härteren Auidruck zu gebrauchen, al« eine Unwahrheit bezeichnen; nach denjenigen Werkstätten nur, wo Sonntags regelmäßig gearbeitet wird, werden keine Ge- sellm hingeschickt und eine Tafel ist überhaupt nicht vorhan« den. Was die Aeußemng, daß ihm schon im vortgm Jahre der Arbeitsnachweis vom Vorstande des ehemaligm Fach- vereins angeboten wurde, anbelangt, so ist dieS allerdings Thatsache, wmn er aber behauptet, nach denselben Para- graphen, wie fie hmte der Vorstand der Innung angenommen hat, so schlägt der edle Herr der Wahrheit so grob inS Geficht, daß wir darauf verzichten, dieser Behauptung den richtigen Namen zu geben. Das Reglement für dm Arbeits« neckweis in der Mulackstraße wurde von einer Kommisfion von 9 Mitgliedern ausgearbeitet, vom Altgesellen dem Jnnungs- vorstände unterbreitet und von letzterem, vertreten durch den Obermeister Herm Wamke, nach einigen Abänderungm ange- nommm und unterzeichnet. Ei ist also klar und deutlich, daß hier kein Arbeitsnachweis der Vereinigung der deutschen Schmiede allein existirt, sondern auch der Echmtede-Jnnung Berlin«; dieses geht auch au« dem Beschlüsse der Mitglieder- Versammlung der Vereinigung der deutschen Schmiede vom 6. Febmar 1886 hervor, welcher lautet:„Die am 6. Februar 1886 tagende Mitgliederversammlung der Vereinigung der deutschen Schmiede erklärt fich mit dem von der Kommisfion mit dem JnnungSvorstande vereindattm Regelement für den Arbeitsnachweis einverstanden und beschließt folgedessen, den Arbeitsnachweis der V«reinigung mit der Jnnungshttieig«� verbinden und verpflichtet fich, mit allen Kräften f dieselbe eintreten, so lange die ArbeitiauSgabe nach lw? Grundsätzen gehandhabt wird, und der Vorstand sämm ltche Bekanntmachungen im Herbergslokal aushängen% Daraus geht doch deutlich hervor, daß die Vereinigung auf � Errichtung eines selbstständigen ArbeitSnachweisebmeau verzM so lange eben nach den Grundsätzen, welche im Reglement A' gesprochen find, die Arbeit ausgegeben wird: diese GninW find Humanität und Gerechtigkeit, und wenn die Innung p mit solchen Grundsätzen einverstanden erklärt, so kann ihr w* ■—'-'—" t_..W faHtu Hl»»(VIU-'VII Vf/lUlIVfW�VI» V»IIVV4|«W>»VV1» VltaMVIf JV•*•«»••• ▼. � selbe nur zur Ehre gereichen. Wenn nun Herr Guiard g hervorhebt, daß die vom Gesellenverein Gewählten die g ausgeben, so ist daS nur ein Beweis, welche Achtung fi«� hervorhebt,' ausgeben,(o tft das nur etn vervcev, u-uwr üiuiu-m i"-,. Verein allerseil« erworben hat. Die am 14 Februar 1886'® Keller'« Salon getagte öffentliche Bersammlung der Schmiede(Meister und Gesellen) bot übrigens den Besaw der Vereinigung der deutschen Schmied« zu dem ihrigen und wurde beschlossen, von diesem Tage an nur in oeraP», straße zu verkehren. Wir bitten daher alle GewerkSgenosstK an die Tiraden de« oben erwähnten FsugblatteS nicht zu und fich eintretenden Falles nur an dai unentgeltliche nrvr� nachweisedureau der Schmiedeherberge, Mulackstraße»-•: wenden. Die ArbeitSaußgabe erfolgt laut Reglement air«-. Wochentagen Vonntttog« von 9 bis 11 Uhr, Abend« � di« 9 und Sonntag« Nachmittag von 4 bi« 6 Uhr. U« ganze Machwerk des Herrn Guiard in da« richtige stellen, werden wir in der am Sonnabend, den v. Z» Abend« 8'/, Uhr, in den Gratweil'schen Bierhallen Saal) stattfindenden Versammlung der Vereinigung der � schen Schmiede den ganzm Sachverhalt klar legen, und � wir, recht zahlreich zu erscheinen. Mit kollegialischew«L /n er rt t w• w cvn C*«..... lt. A4ff iDWu »u» �kvii|u�v*»»vvv«» vvv«w— gemeine Menschenliebe, die dem Manne von Nazaretb,«ufSi, i die christliche Religion zurückgeführt wird, daS ZBefWjjjpii mm Schluß der Dislusston wurden dann i»ranrenunr�i-v« i> gesuche bewilligt. Darauf theilte der Vorfitzende ttm, � Fragebogen behufs Aufstellung einer Statistik der Loh»" /j nisse zu Ende der Woche ins allen Klavierfabriken M theilt«erden, und sprach die Hoffnung au«, daß die v p» Statistik gegebene Kenntniß Fabrikanten .der Lage der Klavierorbe� z reellen Fabrikanten veranlassen werde, den Ar%� f Kampfe gegen die Schundfabrikanten Beistand zu 0%�'** die Mechanik- und Klaviaturmacher stellte er die$'0#°»r lange besonderer Fragebogen in AuSficht. Ein Antrag"Jjf k»»t, ob stände», dahingehend, daß Vereinsmitglieder, rvelchr-rechte« 2 worden und auf die krankcnunterstützung Anspni»..pf tjez ersten wollen, verpflichtet sein sollen, ihr Kranksein binnen|,P dem Vorstände anzumelden, und daß sonst ihre Antr��P nicht derückfichtigt werden sollen, wurde nach längeren mit allen Stimmen gegen drei angenommen. E>n f daß bei Beerdigung eines VereinSmitgliedeS für Grabe gesorgt und die Kostm aus der Unter mAj f Kasse bestritten werden sollen, wurde mtt großer M»' g- lehnt. Die i* derHvtfnbrikation beschäftigten Arbt"� am Montag Abend im Saale drS Schützenhauses g,' besuchte öffentliche Versammlung ad. Nachdem die —- � in Pr, «au dre Au,l Vorrechte »nd mo Auffassu gehuldig, von Nat Paria« j fich höchj iwischei, »od Beh »arntte n i» welche «ttSbeuti in« Zahl getrng r n»st Wnzipltl ((worden *»( neue i» �'ngte flnet Aui Wrchschaf M von «chen Hö � Alter Wnzip tr «, be» Thars »»b da« «egenfaf} geklärten $• Di- «oOwunbi grißtenth» «tt.t Me° fassen d Justiz uni so, des„Verein«.zur Wahrung, der Interessen d« in � � fabrikatton beschästigten Arbeiter" verlesen worden fich sämmtlicke Redner dahin ausgesprochen halte? durch Organisation und festes Zusammenhalten eu.... reichen sei, traten fast sämmtliche der Erschienenen vc„.jW bei-. s° paß. derselbe jetzt schon ei« ganz stattlich« MD v«f i«« vwp w, � jvV.• rs---') i-—-»«nlTJl** zahl aufweist. AlSdann wurde beschlossen, die gliederversammlunfl mit der Tagesordnung: am 15. März, in Siemund's Saal, Linienstr. lassen. Reue Mitglieder werden täglich bei Seeger, straße 39, aufgenommen. * Verband deutscher Zimmerleute(Lokalor.�.�l lin 8.) Donnerstag, den 4. d M.. Abends 8UKg, � straße 31/92 bei H. Klose, Bersammlung. aufgenommen. Gäste willkommen. Mitgl W fch«nedei Jst, welch brperlrche bnabweisl % in �«iss« .�»Senhei W » 3« j, Rüther Agaut,! ist Gememnutziges. Mittel gegen die schmerzhafte« a« de« Füße«. 3,0 gr, Jiimi Extra« von indischem Hanf, 25,0 gr Kollovtuw.� Mittelst eine» kleinen Pinsels auf die harte Haut,, r zu streichen, täglich einmal. Die schwielige Hau»' prA einer hornartigen Kruste zusammen und löst fich � f derselben liegenden T heile ab.�so daß fie leicht, � fli aufgehoben werden kann.— Die Bevinselung lichst auf die Schwiele beschränken, die gesunve v berührt werden.,___-.«lg« ,,/ Nährwerth de» Käse«. Angeficht« der�� krists ermuntert vielleicht folgende eindrinzlichr anslrebenswerthen Konsum ve« nahrhaftesten mittel«, die wir in einem landwirihschaftttchen s ®cnb, A, so«ut, al« zwet.Pfund Fleisch. 3IuS.««s�sm- und Kraft. Da« wissen die Engländer � 0i England werden jährlich über 300 Mill. Pf"" � in Nordamerika gegen 200 Mill. Pfund. R" g* «»ir petfö. in Nordamerika gegen ZOO Nttll. Psuno. fjr" J man dm großen Segen de« Käsegenuffe« nt«'' Ja _________... M im «lyzerin „Dampf". *■-—.»»«uwSfi., IUI. wen ywi/v»Uf Verbrühungen und trockenen Peibfennung« sogenannte gelbe Glyzerin, wie solche« von v � ,.il L" JÄ.Ä'Ä.«««tf 6-19 MtauUn Uaiin. Im-«»„>>«?" Kll'l.l MMZZSW jttw miii uiu nijunv.. wohl ähnlich, ist aber feiner Kostspieligk-tt. seiner Flüchtigkeit wegen minder r Glyzerin unbeschadet seiner Wirkung Gel äße bereit gehalten werden kann. N«rantworllicher Redakteur«. Eraahetm w verlin. Druck und Verlag vo««ax Vadivg in Berlw 8W., Beuthfttaße 2. Hierzu lbttgtL Tm M tn m iÄ ö» nungp i II B-N Besl wffw.f" „ti3 fi« V> t ssfit.; i? AWl� Sf T-r» R-l'Ä I V Beilage zum Berliner Bolksblalt. Nr. SS. Doutterstag, de« 4. Marx 1886. III. 1 > A ■b# 9 'K N I 1 .eittt i tisi M iäuf' S 1 i Der Mische nnb mitchschoslliche ftbetalisnras— f# Bunte man wohl einen Abschnitt aus dem ersten Kapitel *8* Her tzka'S aufsey-nerregendem Werke:«Die® e« lahr der soziale nsEntwickelung", überschreibe«, °eu wir hier mittheile« wollen. Einst war wirthschaftliche Ungleichheit, bi« Ausbeutung der große« Massen durch eine Anzahl Be- vorrechteter, bewußt das Tiundpiivzip jeder staatliche« und moralischen Ordnung; gleichviel, welcher politischen Auffassung die Staaten des Alterthums und Mittelalters Schuldigt habe« mochten, der Grundsatz, daß die Menschen von Natur au» nicht ctleich seien, daß eS Bevorrechtigte und Parias gebe, war Allen gemeinsam, und sie unterschieden W höchstens durch die Methode von einander, nach welcher iwischen Bevorrechteten und Hintangesetzten, zwischen Herren Uad Beherrschten die Grenzlinie gezogen war. Demokratisch Mute man nach damaligen Begriffen jene» Staatswesen, U welchem ganze Bolksilassen an der Herrschaft und an der Ausbeutung therlnahmen; aristokratisch dasjenige, in welchem °>r Zahl der Herren im Verhältnisse zu jerer der Beherrschten S'Ullg war. Seit der großen französische« Revolution � ist die absolute Gleichheit vor dem Gesetz zur bkinzipitllen RechtSüberzeugung aller zivilisirte« Staaten ättvotben, ja man körnte sagen, daß kaum jemals zuvor neue Zvee so vollständig triumphirt habe, wie diese. rjir dieser Anerkennung de» Prinzip» steht die Unfrucht- Mit desselben im praktischen Leben gegenüber. Die un- Mgte Gleichheit vor dem Gesetze geht Hand in Hand mit iliier Ausbeutung der arbeitenden Klassen, die sich— in �tihschastlicher Beziehung nur der Form, nicht dem Wesen M von der antrken Sklaverei odrr von der Mittelalter- '�chen Hörigkeit umerfchzidet. Während also in den Staaten Alterthums und MitteralurS da» herrschende Rech!»- Mz'p mit dem praktischen Lebe« in vollem Einklänge sich �fand, gähnt jetzt zwischen T?eorie und Praxis eine Kluft, sie niemals zuvor zwischen den Zvee« und zwischen Thaisachen einer ganzen Welt ähnlich bestanden hatte, da» Merkwürdigste dabei ist, daß dieser unerhörte %ensatz zwischen Theorie und Praxi» unserem auf- Siklänen Zeitalter lange Zeit gänzlich verborgen geblieben Die besten, edelsten, freisinnigsten Männer glaubten ein �hrhundert hindurch beinahe ausnahmslos und glauben S�ößtenthnls heute noch, daß d'e Freiheit und Gleichheit � r Mealchen dadurch zur Thatsache geworden sei, daß den Mffen das politische Stimmrecht, die Gleichheit vor der Justiz und da» Recht gewahrt wurde, über ihre Per- '»n nach Gutdünken zu verfügen. ES ist nicht «r lange her, daß man ernstlich darüber nachzudenken be- pn«t, ob denn mit all' diesen an sich ganz wecthvrllen Aechten Demjenigen gedient sein könne, dem die Ausübung ersten utb wichtigsten aller Menschenrechte, nämlich deS Aechtes, zu leben, verweigert ist. Jetzt erst beginnt man M wieder daran zu erinnern, daß der Mensch ein Wesen 5 welche« nicht blo« geistige und politische, sonder» auch �rperliche Bedürfnisse habe, ja daß die letzteren, als die «itabweislichstea und dringlichsten, auch die wichtigsten von Mn seien. In einer Geselltchaft, wo mit Ausschluß r* athmospärischen Lust Alles seinen Eigenthümer r*- in der Bedürfnisse und Gewohnheiten entstanden 0*0, die ohne Eiaenthum, ohne den Schatz von �nntnissen und ArbeitSbehtlfen, die aus der Ver- Wgenheit aufgestapelt wurden, gar nicht befriedigt werden .°?nen, in einer solchen Gesellschaft ist Freiheit und Gleich- ?!* sin leerer Schall für Denjenigen, der vom Besitze jener �Aer ausgeschlossen wurde. » In jenem Zeitalter, wo genügsame Lebensfreude die Jftrüthsr der Me-sten beherrschte, kannte selbst der elendeste �Sant, dessen Schicksal e» war, an irgend einer Waldes- £ hilflos zu verkommen, nicht jene bittere, unablässige cjaft vor dem Hunger, die heute, wo die Mehrzahl y Menschen zu unausgesetztem VerzweisiungSkampfe 1$* den Hunger verurtbeilt ist, selbst Diejenigen frei läßt, die im Ueberflusse schwelgen. Unser Zeit- . rst von, Wahnsinn der Furcht vor dem Hunger be- Man betrachte den Millionär, dessen Bedürfnisse 'illeicht gering sind, der die Zinse» seiner Zinsen nicht ver- l'l'« kann und der dach unablässig nach neuem Besitze rj1* und jagt, sich de« Erworbenen nicht freuen kann, «Zl neuer Erwerb all' sein Sinren und Trachten erfüllt! ist er, wenn nicht ein Wahnsinniger, der inmitten auf- Lauster Schätze zu verhungern fürchtet, und wo anders C-l1® Quelle seines Wahnsinn», al« in dem Schauspiele, üJ.'in ring» umgiebt, in dem grauenerregenden Sioßen Käuzen seiner Mitbürger, denen daS Hungergespenst L; 4 a« Leib und Leben geht. Man glaube auch nicht, jd» hiermit eine Ausnahme gezeichnet ist; so allgemein .--®r Wahnsinn, daß die wenigen gesund Gebliebenen �.�vnderUnge verlacht werden."Wir"Älle, unser Besitz grob nV\.r nrrinn f.tn zittern vor dem Elend, da« Uns, BtoB oder gering sein, zittern vor dkm Elend, da Z.«?, Brüder erwürgt, wir werden gepeinigt durch eine ÄeitÜ?' der gar nicht unser persönlicher, sondern der unseres t»itÜ»'st, dessen Quelle in Motiven liegt, mit denen W«sö>ilich wenig, vielleicht gar nicht, gemein haben, fieiii®**» Gewalt aber die überwiegende Zahl der Zeit- 0nm steht moderne Liberalismus mit seinem tui�atze politischer Gleichheit und ei� i h s 4 östliche: Ungleichheit enthält also Ä. FL SS« 3"«schlug, der in seinem weiteren Verlaufe zur vollen Gleichberechtigung führen muß. Die politische Emanzipation war blas der erste Schritt, der allein aber die Voraus- fetzungen schuf, auf die gestützt die ferneren voll- bracht werden müssen. Jene« Geschlecht, welche« die Revolutionen des vorigen Jahrhundert» vorfanden, mußte zur Freiheit erzogen werden, und e« ist im Wesen der Sache begründet, daß die politische Erziehung früher vollendet war, als die wirthschaftliche. Wer wcht Gegenstand der Ausbeutung fein, wer nicht zu Nutz und Frommen Dritter arbeiten will, muß selbstständig produziren, und es wäre Wahnsinn gewesen, von einem vielrausendjäh-iger Sklaverei noch gar nicht entwachsenen Geschlechte die Fähigkeiten selbst- ständiger Produktion zu erwarten. Diese lassen sich nur all- mälig und mühsam erlernen, e« muß dazu eine Organisation der Arbeit erst geschaffen werden, und zwar geschaffen im Wege organischer Entwickelung. Es ist also richtig, daß der Liberalismus noch nicht erfüllt hat, wa» er versprach, daß er der Menschheit die volle Freiheit und Gleichberechtigung noch nicht zu geben vermochte; ebenso richtig ist. daß Jene dem menschlichen Fortschritte einen schlechten Dienst erweisen, welche, die bisherige Unfruchtbarkeit diese« Prinzips auf wirthichaftlichem Gebiete verkennend, die menschliche Entwick- lungSgeschichte mit der heutigen Gesellschaftsordnung gleich- sam für abgeschlossen halten. Trotzdem ist der Liberalismus nicht, wie feine Gegner von recht« und links behaupten, der kolossalste Jrrthum, den die Menschheit jemals begangen, sondern die gewaltigste Thai, von deren Früchten noch kom- mende Jahrtausende zehren werden. Die Entwickelung der wi:thschaft!ichen Gerechtigkeit aus der politischen Freiheit wird den Einklang zwischen Prinzipien und Thatsachen wiederherstellen, der Menschheit an Stelle der verloren gegangenen neue Ideale geben. Narlamentsberichte. Deutscher Reichstag. b7. Sitzung vom3. März, 2Uhr. Am Tische des BundeSrathS: von Boetticher. von Bronsart, von Schelling, von Burchard und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht zunäcbst die Bcrathung der Petitionen, welche als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erachtet find. Abg. K ay ser(Soz.) legt Verwahrung ein gegen diese Abschlachtrnig von Petitionen en gros, welche das PetitionS- recht des Volkes illusoriich mache; die Landtage, speziell der preußische, widmeten ihnen mehr Sorgfalt, als der Reichstag, dessen Verfahren zwar nach der Geschäfts oidnung»uläsfig sn, aber mit diesem Verfahren sei seine Partei überhaupt nicht ein- verstanden; denn eigentlich müßte über alle Petitionen im Plenum verhandelt werden. Abg. Ricke rt wäre glücklich, wenn er wüßte, was der Vorredner eigentlich dezweckt. Nach§ 28 der Geschäftsordnung müssen alle Petitionen im Plenum erörtert werden, bei denen dies von der Kommilfion oder von 15 Mitgliedern beantragt wird. iHört, hört!) Hat Herr K yser einen solchen Antrag ge- stellt? Rein! Wenn er ibn stellt, ist Rickert bereit, ihn zu unterstützen und die 15 Mitglieder zu stellen, um damit zu zeigen, daß von einer Maffenavschlachlung der Petitionen hier nicht gesprochen werden kann. Uebrigens werden die Petttio- nen im preußischen Abgeordneter. hause genau so behandelt, wie im Reichstage. lBeifall) Abg. Ragsei behauptet, er bade früher öfter Anträge auf Erörterung von Petitionen im Plenum gestellt, aber ohne Erfolg, wril ste als Jaltlalivanträge behandelt worden seien. (Rufe: Nein!) Abg. v. Köller bestreitet diese Behauptung; die Ge- schäftsoidnung sti richtig angewendet worden. Eingega», cn find 13000 Petitionen; die Zeit, ste alle im lenum zu erörtern, hat doch weder daS HauS noch der Abg> Kagser. Ab. v. Bernuth erwartete von Krgser einen Antrag auf Aenderuna der Geschäftsordnung; statt dessen hat er nur ganz allgemeine Klagen vorgebracht. Er weiß also ent- weder nicht, was er will, oder er will es nicht llar aus- sprechen. Abg. Meger(Halle): Herr Kagser mußte nachweisen, daß die Geichästsordnung in diesem oder jenem Falle verlev sei, dann wäre Nemedur geschaffen worden; oder er mußte die Abänderung der Geschäftsordnung beantragen, wenn ste ihm nicht genügt. So lange aber die jetzige besteht, müssen wir ihr pcrnäß verfahren. Wir find stets destrebt, den Petitionen zu ihrem Recht zu verhelfen, aber wir können nicht die Zelt des Hauses ml! der Erörterung unberechtigter Petitionen verderben. Es gehen in jedem Jahre sehr viele Petitionen ein, welche offenbar unllar find oder nicht lzur Kompetenz des Hauses ge- hören oder rechtskräftige Urtheil« angreifen oder wo die Pe- tenten den vorgeschri-benen Instanzenweg nicht innegehalten haben. Wollten wir diese alle vor daS Plenum bringen, so hätten wir für die berechtigten keine Zeit mehr übrig. Gerade mit Rücksicht hierauf ist die Geschäftsordnung gemacht; ste gründet fich auf Erfahrungen des preußischen Abgeordnetenhauses, wo man, ehe die Geschäftsordnung entsprechend geändert toiribe, mehrmals schriftliche Berichte über Petitionen hatte erstatten müssen, die von offenbar geisteskranken Menschen her- rührten. Wenn Herr Kagser über etwaS klagen wollte, so wäre es höchstens, daß Fälle vorkommen, wo einzelne Mitglieder deS Haus-S nicht zur rechten Zeit anwesend find, wenn sie eine Sache fördern könnten, und daß fie nachher ungerechtfertigte Beschwerden erheben.(Sehr richtig!) Abg. Kagser erklart nochmals, daß seine Partei mtt dem üblichen ModuS der Erledigung von Petitionen nicht einver- standen sei, und wird eine Aenderung der Geschäftsordnung, die er übrigens sehr gut kenn?, s. Z. beantragen. Di- An- spielungen auf seine Person kämen ihm geradezu komisch vor. Die Entscheidung darüber, ob eine Petition ungerechtfertigt sei, dürfe nicht schon von der Kommission getroffen werden, sondern müsse dem Plei um vorbehalten bleiben. Abg. L i p k e: Dem Abg. Kagftr ist von allen Seiten in der Petitionskommiision, deren Mitglied er ist, die größte Berücksichtigung zu Theil geworden. Gleich als er hineinkam, hielt er eine große Rede, daß die ganze Sache anders behandelt merdm müsse. Dann blieb er im vorigen Jahre den Sitzungen meist fern, und in der ersten Sitzung dieses Jahres trug er darauf an, daß eine Präsenzliste der Mitglieder geführt werde und daß jeder, der nicht komme, fich entschuldigen möge. DaS wurde ihm bewilligt? die Präsenzlisten find geführt worden; und wer immer zu denen gehört hat, die am seltensten zugegen waren, war der Abg. Kagser.(Heiterkeit.) Er war oft auch in Sitzungen ab» weftnd, wo er Korreferent war, so erst wieder einmal ganz vor Kurzem, und da hat erstch auch nicht einmal entschuldigt. Ich protestire gegen die Redensart„Adichlachtung der Peiitionen". Die Petitionen find stn der Kommission stets sehr gründlich berathen worden; und wenn irgend etwas zweifelhast war, haben wir einen Regierungskommissar zugezogen. Herr Kagser kann das natürlich nicht wissen, da er eben nur selten da war. (Hetterlett.) Was er heute sagte, war nur eine Dellanration für das Land, keine Rede zur Sache.(Lebhafter Beifall.) Abg. K a v s e r: Diese Bebaupttinaen entsprächen nicht den Thatsachen, wie eine einfache Etnstcht in die Pro>okolle ergeben werde. Gerade Lwke habe oft verhindert, daß Petitionen im Plenum erörtert wurden, da er verlangte, daß nur gut auS» gearbeitete an daS Haus gelangm sollten. ES könnten doch nicht alle Petenten ausgebildete Juristen sei. Abg. Rickert fordert Kausir nochmals auf, jetzt einen Antrag zu st llen, in dem gesagt ist. welche der Petttionen, um die es fich heule handelt, er im Plenum erörtert sehen will. Für die nöthige Unterstützung dieses Antrage? werde er sorgen. Wenn Kagser einen solchen Antrag nicht stellt, so sei zu kon- ftaliren, daß er die Zeit des Hauses in ganz rücksichtsloser Weise in Ansvmch genommen hat.(Sehr richtig!) Nachdem auch W i n d t h o r st fich im Sinne RickertS und Megers ausgesprochen, beantragt Abg. Kagser zwei von den Pettiionen, welche die Kommilfion für nicht geeignet zur P'encrberathung hält, und welche die Vermehrung der Zahl der Reichstagsabgeorvneten verlangen, im Plenum zu er- örtcrn, und fie dem Reichskanzler zur Berückfichligung zu über- weisen. Nachdem Rickert darauf aufmerksam gemacht Hai, daß das Haus vor der Erörterung im Plenum doch nicht wissen könne, od es die Petitionen zur Berücksichtigung empfehlen könne, wird über den letzteren Satz des Anttags getrennt ab» gestimmt werden. Abg. v. Köller: Herr Kagser hat gesagt, unser« An» spielungen hätten einen komischen Eindruck auf ihn gemacht; er sollte doch so gefährliche Ausdrücke gerade in s-iner heutigen Situation nicht brauchen; denn darüb,r wird im Lande nur eine Etrmme fein, wer in der heutigen Diskusston die komische Figur gespielt hat.(Hei'etkeii und Beifall.) Da der Antrag Kagser von mehr als 15 Mitgliedern, u. A. von zphlrnchen Mitgliedern der deuttchfreifinnigen Partei unterstützt ist, wird d-e Petitionskommisston über die beiden e? wähnten Petttionen Bericht an das Plenum erstatten; der zweite Theil deS Antiaps wird abgelehnt. Die übrigen Petitionen werden dem Vorschlage der Kommission gemäß im Plenum nicht erörtert werden. Zur ersten, cvent. zweiten Berathrng steht darauf derBe» schluß des Bundcsraths, betr. die Auinahme der C e l l u I o s e» f a d r i k e n in das Verzeichne der einer besonderen Ge» nehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen. Abg. Rickert: Der Beschluß des BundeSrathS ist durchaus zweckmäßig. Diese Fabriken bedürfen zweifellos der Ge» nehmigung und vor Allem genauer Prüfung vor der Konzesston. Die Umgegend von Dan, ig hat unier einer Zellulosesabrtk so zu leiden, daß an manchen Tagen der Bevölkerung die Luft zu dhmen r ergeht. L ider steht die�Fadrik thetls unter der Polizei des Stadt und thetlS des Landkreises, und es war bisher eine Abhilfe auf dem Wege des Verwaltungsstreitverfahrens nicht zu erreichen. Ick'ürchte, daß, nachdem die Fabrik einmal de» steht, auch der Mintstcr nicht wird Remedur schaffen können. Die Sache schwebt noch in der höher, n Instanz, aber im Wege der Ges.tzgebunz wird sich schwerlich etwas erreichen lassen. Um so nothwendlger ist eS, dem Beschluß deS Bundes- raihs zuzustimmen. Staatssekretär v. Boetticher: Die Belästigungen, von denen der Redner sprach, waren ja wesentlich daS Motto zu diesem Bundesrathsbeschluß. Ein Eingreifen der Polizei be« stehenden Anlag-n gegenüber, welche Belästigungen für da» Publikum mit sich führen, ist doch letzt schon da zulässig, wo vre Anlagen eine Gefahr für daS Publikum in sich schließen. Im Geltungsbereiche des preußischen Landrechts wenigstens— und dazu gehört auch Danzig— hat die Polizei das Recht, die nöthraen Anstalten zur Aufrechrerhalluna der öffentlichen Eicherbeu und O dnung und zur Abwehr bestehender Gefahren zu treffen. DaS Recht dazu wird auch von den Behörden in vollem Umfange angesprochen. Qnaestio facti ist allerdings immer, ob wirklich ein gefährlicher Zustand vorliegt.— DaS Haus genehmigt den Beschluß des Bundesraths auch in zweiter Berathuna. Es folgt die erste Berathung deS NacktragSetats. 776 500 M. zur Errichtung eines sechsten ZioilsenotS beim Reichsgericht, zur Erwerbung eines Grundstücks behufs Eirtch, tun« eines DienstgebaudeS für daS Patentamt und zum Aus- bau des Dienstgebäudes Wilhelmplatz Nr. 2 für die Zwccke deS Reichsocrficherungkamts, sowie des Reichsschatzamts. Ada. Dr. Hammacher beantragt, den Nacbtragsetat der Budgetkommtsfion zur Prüfung zu überweisen. Ec vermißt in demselben eine Forderung für die projekttrte vkgfikalisch-tcchnische Reichsanstalt zur Beförderung der exatten Ntturforschung. Be- kanntlich hat eine der bedeutendsten Autonta en auf rem Ge» biete der deutschen technischen Praxi», der Geheimraih Siemens in Cbarlettcnburg, für die Zwecke dieser Reichs nstalt etwa Vj Million zur Verfügung gestellt. ES hat nun in technischen Kreisen ein erklärliches Staunen hervorgerufen, daß für die Zwecke dieser Anstalt keine Forderung in diesem Nachtragsetat erschienen ist. Staatssekrär v. Boetticher: Die Reichsverwaltung hat mit garr, besonderem Dank und mit ganz besonderer Freud« die hochherzige Offerte deS Herrn Geheimraih Werner Siemens angenommen, der zur Begründung einer tcchnisch-phgstkaliscken Reicksanstalt ein Terrain in Charloltenburg mit einem unge» fährem Werth« von'/, Million hergeben will. Es stnd in Folge dieser Offerte die nölhigen Vorardciten gemacht worden, welche dazu dienen sollen, um eine solche phgsikalisch» technische ReichSanstalt in'S Leben zu rufen. Es ist auch bereits ein Eta'.sanschlag für die Dotirung dieser Reichsanstalt aufgemacht worden. Sie sehen daraus, daß das Projekt des Herrn Dr. Siemens, welches in den wissenschaftlichen Kreisen der Nation als ein sehr gesundes und nützliches erkannt war» den ist, auch der ReickSoerwaltung am Herzen liegt. Wenn wir davon Abstand genommen haben, durch den gegenwärtigen Nacktragsetat den Reichstag mit der Angelegenheit zu befassen, so ist drcs lediglich auS dem Grunde geschehen, weil wir eS zu vermeiden wünicken. nicht absolut dringliche Dinge im Wege deS Nachtragsetats der Bcschlußmffung des Reichsiags zu unter» breiten, und eS vielmehr vorzuziehen, solche Ausgaben, die einen kurzen Aufschub vertragen können, in den ordentlichen Etat einzustellen. Ich kann Ihnen in Aussicht stellen, daß diese Ausgabe im nächsten ordentlichen Etat erscheinen wird, und ich hoffe, daß dann daS Haus dieser Anstalt dieselbe Eympathie entgegenbringen wird wie die ReichSregierung. (ÖeifaH) Abg. Dr. Baumbach wünscht eine kommissarische Prüfung darüber, ob nicht die geforderten Preise für die zu erwerbenden Grundstucke für das Patentamt in Berlin zu hoch seien. Staatssekretär v. B o e t t i ch e r: Die von uns akzeptirten Preise für die beiden Grundstücke find weitaus die billigsten unter denen, die unS angeboten sin». Tie Lage dieser Grund» stücke gewährt außerdem eine bequeme Verbindung mit den übrigen Reichsämtern und mit dem Polytechnikum in Char- lottendurg. Der getorderte Preis ist auch deshalb nicht zu hoch, sondern im Gegentheil ein geringe''. Der Nachtragsetat wird der Budgetkommisfion überwiesen. E« folgt die erste Berathung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Ausprägung einer Nickelmünze zu 20 Pfennig. Abg. Ubden: Die kleinen filbernen Zwanzigpfennig» stücke baden stch im Verkehr, namentlich der ärmeren Bevöl» kerung, als durchaus unpraktisch erwiesen. Ebenso nothwindig wie die Ausprägung von Zwanzigpfennianickrlstücken ist aber die Ausprägung von 2'/-> Pfennigstücken in Kupfer. Der arme Mann, der Arbciter muß bei seinen täglichen Ausgaben mit Pfennigen rechnen. ES liegt in seinem Interesse, daß auch der Pfennig noch halbtrt wird. Jetzt bezahlt er für verschiedene Bebü-fniffe, die er in kleinsten Mengen ankauft, oft einen Halden Pfennig oder noch weit mehr, leviglich, weil eine Vier» theilung beim Dezimalsystem nicht möglich ist. So entsteht oft eine für sein Budget nicht zu unterschätzende Verlheuerung der Waare. Abg. v. Kardorff hat bis jetzt noch keinen Menschen gefunden, der ein Bedürfniß nach einem Zwanzigvsennigstück in Nickel empfunden oder ausgesprochen hätte. Die ffiickel- münzen find überhaupt garnicht so angenehm; wie leicht können die Zehnptennigftücke in Rollen verpackt mit den filbernen Fünfzrgpfennigstücken verwechselt werden! Man kann stets gewärtig sein, in einer Rolle filberner Fünfziger einige Nick-l vorzufinden. Man sollte die Nickelmünzen durchlöchern, um fic von den filbernen Fünfzigpfennigstücken sofort unter» scheiden zu können. Der Vertreter der verbündeten Regierungen möge uns doch sagen, ob fich denn wirklich ein so dri genves Bedürfniß nach Zwanzigvfennigstücken in Nickel, wie hier behauptet wird, geltend gemacht bat. Staatssekretär v. Burcharv: Der Abg. v. Kardorff hat keine Sympathie für Nickelmünzen, aber andere Nationen find dem Bersprele Deutschlands gefolgt, wie die Schweiz und Amerika. Nach meinen Informationen liegt eS auch in der Abficht Frankreichs, Nickelmünzen einzuführen. Die Vorlage beschäftigt fich dock aber, und das bitte ich zu beachten, mit der Frage, neben den filbernen Zwanzigpfennigstücken auch solch« in Nickel auszuprägen. ES soll doch nichtS NeueS eingeführt werdrn. Der Behauptung, eS bestände kein Bedürfniß für ein Zwanzigpfennigstück in Nickel, muß ich ausdrücklich wider- sprechen, es bat fich in verschiedenen Landestheilen, namentlich in Norddcutschland, das Bedürfniß dringend geltend gemacht. ES ist ja von vornherein naturgemäß, daß zwischen dem 10» uns dem 50 Pfennigstück eine Nickelmünze geschaffen wird. Natürlich muß das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, eine Münze zu schaffen, welche nicht leicht verwechsell werden kann. EmeDurchlochung, und damit die sogenannte chinefische Form einzuführen, hat biS jetzt entschieden Abneigung ge- funven. Die Größe der Münze wird ungefähr die deS Zoanzigmarlstückes sein, doch wird fie erheblich dicker auS- fallen. Diese Fragen wird der Bundcsralh zu erwägen und zu entscheid'» haben, vielleicht entscheidet man stch für eine Erhöhung des RandeS oder eine Vertiefung im Felde der Münze. Was den Wunsch des Herrn Abg. Uhden nach einem 2V» P ennigstücke in Kupfer betrifft, so können die verbündeten Regierungen ein dringendes Bedürfniß dafür nicht anerkennen; eS ist ja auch nicht zu verkennen, daß darin eine Abweichung von unserem Münzsystem läge. Aag. Dr. Bamberger: Ich muß sagen, ich stehe der Vorlage sehr neutral gegenüber; warum sollen wir den Ver« such, Zwanzigpfennigstücke in Nickel auszuprägen, nicht machen? Hier folge ich— ich scheue mich gar nicht, es auszusprechen — dem Satze:„Prodiren geht über Studiren". Wenn die verbündeten Regierungen sagen: eS ist ein Zwanzigpfennigstück in Nickel nöthig, so habe ich nichts dagegen einzuwmden. ES kommt eben nur darauf an, den Versuch zu machen; wenn die Sache nicht gelingt, haben wir im Grunde nicht viel verloren. (Sehr wahr! links.) Für die Ausprägung möchte ich doch aber bitten, dieselbe mit etwas mehr Liebe und Sorgfalt aus- zuführen. Daß die verbündeten Regierungen keine Veran- iaffung fühlen, deshalb das filberne Zwanzigpfennigstück einzu» ziehen,— damit bin ich durchaus einverstanden, ich halte übei Haupt die Feindschaft aegen daS filberne Zwanzig» Pfennigstück für etwa» übertrieben, ebenso wie die gegen- über dem goldenen Fünfmarkstück. Ich wenigstens habe in meiner Praxis stets gesehen, daß die Leute sehr gern goldne Fünfmartstücke nahmen— nicht bloS, wenn man fie ihnen schenkte.(Herlerkeit.) Ter Herr Abg. v. Kardorff hat eine gewifie Feindschaft gegen die Nickelmünzen dokumentirt. Ich habe keine Veranlaffung, fie zu verlheidigen, denn einmal bin ich ihreiwegen in den falschen Verdacht gekommen, Nickel» gruben zu befitzen,— vielem Verdacht hat ja auch Herr Pastor Dieye, der fich besonderer Freundschaft hier im Hause erfreut, Ausvruck gegeven— andei erseit« bin ich garnicht einmal der Urheber dieser Münzen. Aber N:ckelmünzen find doch sehr viel properer und schöner, als Kupfermünzen, auch ist die Gefahr der Fälschung bei jenen sehr viel geringer. Da ich soeben hö-e, daß Herr von Schalscha der nächste Redner sein wird, so möchte ich ibn bitten, uns doch einiges Nähere über die Fälschung von Thalern in der Schweiz zu erzählen. Die Klagen über die Einschmuggelung von Zehnpfennigstücken in Fünfzig« pfennigrollen kann ich als berechtigt nicht anerkennen, denn die letzteren find doch nicht dazu destimmt, im Verkehr in Rollen verausgabt zu werden. Prägen wir die neuen Zwanzig« Pfennigstücke in Nickel sorgfältig und sauber aus, so entgehen wir allen Gefahren, welche aus Verwechselung entstehen können. Asg. v. Schalscha: Was die Nickelmünzen betrifft, so find dieselben kein schönes Geld; aber man fragt nicht nach der Schönheit des Geldes, wenn man nur genug davon hat Wichtig wird es sein, der neuen Nickelmünze eine Form zu geben, die fie vor Verwechselungen schützt. Man hätte schon das Zehnpfennigstück, da eS doch nur ein Werth-eichen ist, kleiner machen sollen. Die Lochung der Nickelmünzen würde vor betrügerischen Mani- pulationen, wie fie Abg. v. Kardorff geschildert, nicht schützen. Man sollte fich lieber die Frage vorlegen, ob es nöihig ist, die runde Form bei den Nickelmünzen festzuhalten. Im Jnter- esse meiner Taschen will ich nicht eine viereckige Form empfeh- len, wie fie lrüher die schwedischen Münzen zeigten, aber eine ovale Gestaltung der N'ckelmünzen würde eine Verwechselung derselben mit anderen Münzsorten unmöglich machen. Für die Einführung eines 2',-Pfennigstückes bin ick früher bereits ein- getreten; ich freue mich dahrr, daß Herr Kollege Uhden diese Gelegenheit benutzen will, um einen Antrag auf Einführung eineS 2'/, Pfennigstückes einzubringen. Abg. v. Kardorff tritt für diesen Vorschlag gleichfalls «in. Wenn man fich zu einer Lochung der Nickelmünzen nicht verstehen kann, so mag man dieselben durch einen Ausschnitt am Rande kennzeichnen. Beffer wäre es vielleicht noch für die Schetvemünzen, eine Legirung von Kupfer und Silber wieder in Anwendung zu bringen. Man erhielte dann gewiß ein angenehmeres Geld als das Nickelgrld. Die Fünfmarksiücke aus Gold haben vielfach Mißsallen erregt. Jedenfalls liegt jetzt kein Grund vor für die Reichsbankverwaltungen, die Fünf- Markstücke aus Gold zurückzubehalten. Für die zweite Lesung, in welche das Haus sofort eintritt, liegt vor ein Antrag des Abg. Uhden zur Einführung eines 2'/,-Pfennigstückes. Staats sclretär v. B u r ck ard bittet von der Aufnahme dieser Forderung in das Gesetz abzusehen, dagegen hat er nichts dagegen, wenn dieselbe in Form einer Resolution weiter verfolgt wird. Eine neue Münze kann nur eingeführt werden, wenn ein Bedürfniß dazu voi banden ist. Ein solches Bedürfniß hat bezüglich deS 2'/,-Pfennigstücks bis jetzt noch nicht konstatirt werden können. Die 20-Pfennigstücke aus Silber sollen nach Prägung der 20- Pfennigstücke aus Nickel nicht kasfirt werden. Die Ausprägung derselben wird in nicht zu großen Beständen erfolgen. Ueber die Form derselben werden sorgfältige Erhebungen stattfinden. Abg. Bamberger: Die niedrigen Silberlegirungen haben uns das häßlichste Geld gebracht, waS ich kenne. Bleiben wir daher bei den Nickelmünzen, Herr v. Kardorff. So schön wie Gold find fie nicht, für Sie, Herr v. Kardorff, vielleicht nicht einmal so schön wie Silber.(Heiterkeit.) Gegen dm Antrag will ich, wenn er uns in Gestalt eines besonderen An- trags vorgelegt wird, keinen Widerspruch erheben. Abg. K alle bitte', dem 20- Pfennigstück aus Nickel die Größe eines 20 Markstücks zu geb« n, dann sei jede Verwechs- lung ausgeschloffen. Für die Einführung eines 2'/>-Pfennig- stückeS liege ein Bedürfniß nicht vor, er werde deshalb auch gegen eine dahingehende Resolution stimmen. Abg. Uhden zieht seinen Antrag zurück und bringt an Stelle oeffen eine Resolution ein, in der die Reichsregierunz aufgefordert wiid, in der nächsten Eesfion einen Gesetz- entwurf, betreffend die Einführung eines 20. Pfennigstückes, vor- zulegen. Abg. v. Schalscha befürwortet diese Resulution als eine durch die Verhältniffe dringend gebotene Korrektur unseres Dezimalsystems. A»g. Uhden weist darauf hin, daß für die Einführung eines 2'/,- Pfennigstückes ein dringendes Bedürfniß vorhanden sei. Auch Abg. Bamberger habe die Nützlichkeit s.ines An- trags anerkannt. Abg. Bambe'rger: Ueber die Nützlichkeit dieses An- trag? habe ich michZnrcht geäußert, sondern nur erklärt, daß ich egen eine Prüfung deS Bedürfnisses nicht Widerspruch er- eben will. Der Gesetzentwurf wird angenommen. Ueber die Resolution wird erst in dritter Lesung abgestimmt werden. Es folgen Wahlprüfungen. Die Prüfung der Wahl deS Abg. Frege wird auf den Antrag des Abg. Cysoldt nochmals der Wahlprüfungskommisfion überwiesen, nachdem der Referent Möller konstatirt hatte, daß in seinem Bericht ein thatsächlicher Jrrthum bezüglich deS Inhalts der sächfifchen Landesgesetze enthalten sei; die Unrichtigkeit beruhe auf den Er- klärungen des sächstschen Kommissars. Abg. von Kölker bezeichnet daS Vorgehen des Referen- ten als eine Ueberrumpelung deS HauseS; solche Jnthümrr hätten in der Kommisston zur Sprache gebrachi werden müssen. Die Abgg. Hänel und Möller halten eS für die Pflicht deS Referenten, auf solche thatsächlichen Jrrthümer auf- merksam zu machen; in der Kommisfion sei keine Gelegenheit mehr dazu gewesen, weil die Sache auS der Kommisfion de- reits an das Haus gelangt war. Hinfichllich der Wahlen der Abgg. v. Ungern-Stern« bera, Meyer(Halle) und Meter(Bremen) wird gemäß den Anträgen der Wahlprüfungs Kommisfion der Beschluß über die Giltigkeit ausgesetzt und Beweiserhebung beschlossen. Die Wahlprüfung deS Abg. Bürklin wird auf Antrag deS Abg. B a u m b a ch von der heutigen Tagesordnung ab- gesetzt, diejenige deS Abg. Groß(1. Pfalz) in die Kommisfion zurückverwiesen. Damit ist die Tagrsordnung erschöpft. Der Präfident schlägt vor, mit der ersten Lesung der Branntweinmonopol- Vorlage morgen 12 Uhr zu beginnen. Abg. Windthorst bitter, den Beginn auf 1 Uhr festzusetzen, um etwas mehr Zeit zur Vorbereitung zu gewinnen, und außerdem mit Rückstcht darauf, daß morgen im Abgeord- netenhause die Kreisordnung für Westfalen zur Berathung steht, an welcher Denjeniger., die fich für dieses wichtige Gc- setz tnteresfiren, doch die Theilnahme ermöglicht oder erleichtert werden muß. Abg. Bamberger schließt fich diesem Ersuchen an. Abg. Hänel: Ich will gegen die spätere Stunde, da auch Herr Bamberger fie empfiehlt, keinen Widerspruch erheben; wohl aber erhebe ich entschiedenen Widerspruch dagegen, daß diese Verlegung geschehe auS Rückficht auf den preußischen Landtag. Ich halte es umgekehrt für eine unerhörte RückftchtS- lofiakeir deS preußischen Landtags, morgen überhaupt Sitzung zu halten, und noch dazu eine Sitzung mit einer so eminent wichtigen Tagesordnung.(Sehr richtig! links.) Ein solches Verfahren wird hoffentlich die Geduld des deutschen Volkes schließlich erschöpfen! Abg. Windthorst: Auch ick kann den Beschluß deS Abgeordnetenhauses, der gefaßt wurde, nachdem ich eS bereits verlassen hatte, nur mißbilligen; daS Zusammentagen in dieser Weise kann unter keinen Umständen zum Heile, zum Frieden und zum Besten deS Landes gereichen.(Zustimmung und Bei» fall im Zentrum und links.) Der Präfident tritt auch seinerseits dem Vorschlage bei, die Sitzung um 1 Uhr beginnen zu lassen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. (Branntweinmonopolvorlage.) Abaeordnetenhaa«. 33. Sitzung vom 3 März, 11 Uhr. Am Ministerttsche v. B o e t t i ch e r und Kommissarien. DaS Haus erledigte in dritter Berathung ohne Debatte die Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung von Amtsgerichis- bezirken und betreffend die Kirchenverfaffung der evangelischen Kirche im Bezirke deS Konsistoriums zu Kassel. Bei der dritten Berathung des Entwurfs einer Land- aüter-Ordnung für die Provinz Schleswig-Holstcin mit Ausnahme deS KreiseS Herzogthum Lauenburg weist Abg. Zelle darauf hm, daß sowohl der einzige Redner, welcher für die Vorlage in der ersten Lesung zum Wort ge- meldet gewesen, aber thatsächlich gegen dieselbe gesprochen habe, wie auch der Referent des Herrenhauses daS Bedürfniß dieses Gesetzes für Schleswig- Holstein geleugnet hätten. Es wäre doch sehr interessant, zu erfahren, wie viel Höfe in Branden- bürg und Schlefien in die Höferolle eingetragen seien. Er halte das Gesetz nicht allein nicht für unschädlich, sondern geradezu für gefährlich, und es sollte fich jeder schleswigholsteinische Bauer dreimal überlegen, ehe er stch in die Höfe- rolle eintragen ließe. Abg. Hansen spricht fich für daS Gesetz aus. Abg. v. Minnigerode wünscht, daß vie Beamten der Provinz für die Durchführung des Gesetzes mit Eifer eintreten möchten. Die Bedenken deS Abg. Zelle wurzelten doch wohl in städtischen Anschauungen; auf dem Lande denke man ander?. Nachdem noch Graf Baudissin fich für daS Gesetz ausgesprochen, wird dasselbe unverändert angenommen. Die zweite Berathung des Etats wird fortgesetzt. Zur Berathung steht der Etat des Ministeriums für Han- del und Gewerbe. Bei den Einnahmen der Baugewerkschule in Nienburg spricht Abg Goldschmidt seine Befriedigung aus über die Einführung von Sommerkursen an dieser Anstalt und wünscht, daß dieselben auch an den übrigen Baugewerkschulen, spezW in Berlin, eingeführt würden. Unterstaatsselretär v. Möller: Die Regierung beabstch' tigt, auf eine größere Frequenz der Sommerkurse an den Bau- gewerkschul-n hinzuwirken. Zum Thetl ist dies schon geschehe durch eine bessere Dotirung der Lehrer. Der Baugewerkschule in Berlin wird die Regierung ihre desondere Ausmerksammt widmen. Die Einnahmen werden bewilligt. Bei den Ausgaben(Minister ohne G-Halt) macht Abg. Dr. Wehr(Tisch.- Krone) den Handelsministec darauf ausi merksam, daß durch Einführung eines AusnahmetarifS na» Mittel- und Südrußland, der der Ostdahn nur geri ge einnahmen bringe, d-e Konkurrenzfähigkeit der rusfischen Hilm zu Ungunsten des Danziger Hafens ganz bedenklich erhöh! werden wüide. Ter Handelsminister möge den Eisenbahn- minister veranlaffen, von der geplanten Tarifermäßizung Ad- stand zu nehmen. Abg. Gras Kanitz bittet den Handelsminister, bei dn» Reichsamt des Innern dahin zu wirken, daß das statistw Amt des Reichs die Ein- und Ausfuhrbilanzen nach befsiiw Grundsätzen, als bisher, aufstelle. Aus ver bisherigen Ej'' tistik sei gar nicht erstchtlich gewesen, daß in einem der letzte» Jahre eine Unterbilanz der Ein- und Aus'uhr von ca. einer Milliarde hervorgetreten sei. Dem Abg. Wehr könne er m» den Rath geben, seine Wünsche in der Kommisfion, welch«»« mit dem Bericht über die Verhandlungen des Landeseisenba»»- rath beschäftigt, zur Sprache zu bringen. Unterstaatssekretär v. Möller hält den Zeitpunkt noch nickt für gekommen, jetzt schon eine Entscheidung üb« 0» Aenderung der Handelsstatistik zu treffen._ Abg. Rumpfs spricht den Wunsch aus, daß die kasifl' liehen Konsuln angewiesen werden möchten, möglichst genau' Berichte über die Zuckerprodultion auS Zuckerrohr einzureichen Außerdem wolle die Staatsregierung darauf achten, daß o» Zucker nicht Spekulationsobjekt we de.... Unterstaatsselretär v. Möller erwidert, daß% Intentionen der Staatsregierung fich in dieser Richtung K' wegen.... Der Titel wird bewilligt, ebenso der Rest des pitels. I Bei Kap. 69, gewerbliches U n t e r r i ch t i w e s� erneuert Abg. v. Schenkendorff sein im Vorjahre aiw! sprocheneS Ersuchen um Vorlegung eines OrganisationspW' für das technische UnterrichlSwesen. Unterstaatsstkretär v. Möller: Die königliche Staat*' regierung ist allerdings nicht in der Lage, einen Organisation»' plan für das technische Unterrichtswesen dem hohen Haust zulegen. Ich hätte nicht arglaubt, daß der Herr Abgeord«» so bald die im vorigen Jahre erhobene Forderung erniun? würde, nachdem daS Handelsministerium kaum vor JahressN? daS technische Unterrichts wesm in sein Ressort überno«»� hat. Die Arbeit ist nicht so leicht, und ich kann auch die nächsten zwei Jahre nicht versprechen, einen solchen ' 81$j. Wehr(Deutsch Krone) richtet an den die Bitte, die Bougewerksschulen, sobald der Etat on. selben mit einem Defizit zu kämpfen hat, zu unterstütz«»' Redner wünscht speziell einen Zuschuß für die Schule in Dew� Krone.- Geheimer Ober- Regierungsrath£ Ü d e r S daß die königliche Staatsregierung fich die Pfleg« Baugewerkschulen sehr angelegen sein laffe, ein Mehr««"' als jetzt geschehe, zu thun, sei fie indessen nicht in der Lag«- Abg. Dr. Langerhans richtet an die StaatsreqierM die Bitte, die Handweekersckule Berlins mit reichlicheren schüffm auszustatten. Die Regierung habe mit Errichtung Polytechnikums in Charlottenburg allerdings einem anerkan»!? Bedürfniß abgeholfen, indessen fei durch diese#«»% sation eine Lücke entstanden, welche auszufüllen die 9% werkerschule berufen sei. Die Regierung möge der letztere»� her ihre Hilfe ganz besonders zuwenden. � Minister v. Boetticher: Die Regierung wird, bisher, ihr warmes Jntereffe diesen Anstalten zuwenden bemüht sein, sobald ihr bestimmte Anträge entgegenged'°. werden, diesen nachzukommen Für den vorliegenden* ist eine Berückfichtigung dieser Wünsche allerdings»UW schloffen.. Abg. vom H rede bittet die StaaiSregiemng, aus° � FondS der Zuschüsse zur Unterhaltung von(l<®«lb Zeichen-, Baugewerk-, Webe- und anderen Fachschulen, der Iserlohner Fachschule, deren Erweiterung ein«Hl« anerkanntes Bedürfniß sei, eine höhere Subvention ZU r währen...»je Geh. Rath L ü d e r s entgegnet, daß, nachdem üb« � Vertheilung der Zuschüsse beretts diiponirt sei, für dieses o � dt« Erfüllung des Wunsches deS Abg. vom Heede nick! gängig erscheine. � W Unterstaatssekrelär von Möller: Die Regierung� nirgends die Verpflichtung anerkannt, Baugewerkschulen 0 aus Staatsmitteln zu unterhalten, sondern fie 0»' Standpunkt eingenommen, daß da, wo lokale unv allg«�, Interessen bezüglich der Einrichtung resp. Foitführung. artiger Anstalten Hand in Hand gehen, die ersord Koftenbeiträge zwischen den Interessenten und dem S»a theilt wurden. Der Staatsbeitrag soll jetzt eihöhl in Damit ist die wohlwollende Haltung der preußcn wird fich leicht eine anbete Stadt finden, jjiji zu den Kosten beiträgt, sobald Deutsch-Krone du» mehr will.... st- Der Titel sowie der Rest deS OrdinariumS wer»« DaS Exiraordinarium des Etats deS Ministeriums Handel und Gewerbe wirft im Ganzen 139 510 M- w« von 80000 M.„behufs Ueber nähme des Lootsenw«!«» Stadt Stralsund aus den Staat, insbesondere J«*® 4�' von sechs Loolsenwohnungen und eines Wackthames ä» Höst, sowie zur Beschaffung der Lootsendoote" bestimm � Die Abgg. Jmvalle und L eber beantragen die Ablehn» letzteren Forderung. Abg. Jmvalle begründet den Antrag mit oug �ffef« SparsamkeitSrückstchten, man dürfte der Stadt für V>{wg. v. Zedlitz: Das Haus hat daS dringendste In- die nächste Zeit für unsere Etatsberathungen voll zur Fügung zu haben; wir schweben schon fast in der Gefahr, Etat nicht bis zu dem gesetzlichen Termin zum Ab- .™>ß zu bringen. Die Unterstellung, daß mit der Be- Uung der Kreisordnung unsererseits ein politischer �Aachzug gegen den Reichstag gemacht wird, weise ich Mck; man wird draußen unsere sachlichen Gründe verstehen, 7° man fie verstehen will. Die freifinnige Partei ist ja zudem �Kräften, an Rednern, an Geist so reich(Heiterkeit rcchtS), fie uns auch hier vortreffliche Reden zur Kreisordnung Mzeitig mit ihrer Beth:iligung an den Reichstagsdebatten Wten wird. v Abg. Hänel: Für die letzte Anerkennung bin ich sehr -wikbar; fie war allerdings nur persönlich und ist sachlich wohl zutreffend. Eine Gefahr für den rechtzeitigen Abschluß ? Etatiderathung ist absolut nicht vorhanden; eS war das �Vorredner nur angedeutet, um einen gewissen Zweck zu (Chol rechts.) Vor zehn Jahren wäre ein Ratio» Muraler, der fich so wie beute Herr v. Eimern geäußert Jinlf' ou8 �er Partei ausgeschlossen worden.(Unruhe bei den »nonalliberalen). Daß unser Beschluß, morgen zu tagen, jMnein als Demonstration gegen den Reichstag aufgefaßt Im rohd, ist keine Unterstellung, sondern meine aufrichtige Zeugung- der Erfolg wird mich rechtfertigen. k: Abg. v. Zedlitz: Ich bin entgegengesetzter Meinung und die Ueberzeugung, daß der Abg. Hänel selbst nicht glaubt, üi soeben gesagt hat.(Heiterkeit und Unruhe.) Da ich k? Sewohnt bin, zu glauben, waS ich sage(Heiterkeit), so L'*Wj aufrecht, was ich über den Abschluß der ElatS» J�Wng gesagt habe. Der Abg. Hänel hat fich die Lage der w""HI ordentlich angeschen. Hkt�taflC«nt v. Koller wünscht, daß die beiden Vorredner w; Scht ziehen; in diesem Falle aber haben fie ordentlich ge» (Heiterkeit rechts.) n »Ni Abg. Dirichlet: Ich muß Herrn v. Zedlitz überlassen. Zinkit f1 ma�en' wai e�ne ölkhende Kutsche ist.(Stürmische bis Vorschlag de« Prästdenten wird gegen die Stimmen %.» nidrs, der Freifinnigen und einiger Natronallrberalen "'Mwren. Kch�bluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. ftfofen) 8 Kreis- und Provinzial> Ordnung für Lokale». dem Jnseratenmartt der Zeitungen soll fich die % h!" �krntlich fernhalten, aber bisweilen findet fie, zumal »Hb h'Ivser MaSke des Geschäftlichen, auch dort Unterschlupf aiä°°nn bergen fich hinter der Maske ost interessantere Züge, M«r» gründlichste Leitartikel aufweist. � So fand fich �dserat- den größeren Berliner Blattern folgendes �„ Bekanntmachung._,...„ Berliner Bureau der„Hamburger Nachrichtm, �su»?ltraße Nr. 53/54 dortselbst ist wegen ArbeUsüber» M des bisherigen Leiters aufgehoben und fallt ganz fort, i" �..Unterzeichnete eine in's Auge gefaßte direkte Vertretung Dl-.. ,(«'Vbiuar 1886. der Hamburger Nachrichten. WMMWD � tntjchlascnen„Volksfceund" nicht ganz unbekannt sein. Besagter Herr, unstreitig ein industrielles Genie, hat die Eni- deckung gemacht, daß man mit leiner Waare vortheilhafter haufiren könne, als mit oifiziösen Nachrichten und treibt damit fest geraumer Zeit ein schwungvolles Geschäft, das ihn aber nicht hinderte, auch noch andere Artikel in Kommisston zu nehmen, so z. B. die geistigen Fabrikate der schutzzöllnerischen Industriellen, die es bekanntlich dazu haben, fich einen Herold zuhalten, wozu fich Herr Schweindurg schon um deswillin eignete, weil bei ihm die schutzzöllnerische Waare fich unter offiziöser Flagge bergen konnte. Zwei Organe versahen diese Dienste, die„Berliner Polit. Nachrichten", d:s eigentlich offiziöse, das durch seine Verbindungen mit einem preußischen Ministerium in der Lage war, Aktenstücke jeglicher Art, na- mentlich Gesetzentwürfe zur K-nntniß der Welt zu bringen, von denen selbst Mitglieder des Bundcsraths noch nichts wußten, und die„Neue Reichskorrespondenz", die fich der Industriellen für Geld annahm. Namentlich mit der«rsteren beherrschte Herr Schweinburg den publizistischen Markt; aber dabei blieb er nicht stehen, er sagte fich, ehe die Milch an die große Masse der Kunden kommt, läßt fich der Rahm abschöpfen und an ein- zelne bevorzugte Kunden zu guten Preisen absetzen. Bei der konservativen Presse fand diese Thätigkeit wenig Beifall; man mißbilligte dort die Verquickung offiziöser und industrieller Leistungen, zumal letztere fich nicht selten gegen den immer stärker werdenden Appetit der agrarischen Bestrebungen wandten und wiederholt wurde sogar derjenige Minister, der anscheinend Herrn Schweinburg patronifirte, auf das Doppelspiel des- selben aufmerksam gemacht. Obne Wirkung, im Gegentheil, der offiziöse Charakter der„Verl. Pol. Nachr." trat immer deutlicher hervor und ihrem Herausgeber wuchsen die Flügel derart, daß er fich zu eigenen Fabrikaten verstieg, dir denn doch, wie z. B. jüngst die Drohung, die Regierung werde die Kolonialpolilik, um fie gegen die Obstruktion des Reichstags zu schützen, vereinzelstaatlichen, d. h. auf Preußen übertragen, selbst bei den gewohnheitsmäßigen Hurrahschreiern starken An- stoß erregten. Besagter Schweinburg war aber auch noch Vertreter meh- rerer auswärtiger Blätter, darunter der„Hamb. Nachrichten", deren Berliner Bureau er repräsentirte. Mit Bedauern nahm man wahr, daß die„Hamb. Nachr.", früher ein durchaus un- abhängiges Blatt, durch die kritikloseste Kolportage der offiziösen Leistungen aus dem Bureau Schweinburg zur Stufe der Reptilicnpresse hinabsanken; der Umstand, daß man in Hamburg für diese Metamorphose, die an anderen Stellen Geld einbringt, noch Geld aufwandte, verschlimmerte die Sache. Fälschungen, Schmähungen gegen die oppofitionellcn Parteien und deren Führer, die man anderSwo ignorlrte, die selbst die -Mord. Allg. Ztg." verschmähte, fanden bei den„Hamb. Nachr." gnävrge Aufnahme; bier durfte fich Herr Schweinburg in Artikeln, Telegrammen, Notizen nach Belieben austoben und er that es mit jenem Eifer des Dienstes, der noch durch die lockende Sicherheit reicher Bezahlung von Seiten des Blattes erhöbt wurde. Aber der Krug geht so lange zu Wasser biS er bricht. In einer guten Stunde müssen die Eigenthümer der„Hamb. Nachr." doch dahinter gekommen sein, daß fie mit ihrem guten Gelde eigentlich den Verlust ihrer Unabhängigkeit und ihre? guten Rufs bezahlten, fie werden gefunden haben, daß man nicht zweien Herren dienen kann, geschweige denn noch mehreren, und davon glebt daS oben mitgetheUte Inserat der Welt Kunde. Mit der„Ardeitsüberhaufung" deS Herrn Schweinburg wird es die gleiche Bewandtniß haben, wie mit den„Gesundheitsrückfichtcn" bei den Demisfioncn von Ministern' die Fassung der Anzeigt läßt keinen Zweifel darüber, daß hier Jemandem der Stuhl etwai unsanft vor die Thüre gesetzt worden ist. Der Schlossermeister Schael Hierselbst hat ein von ihm erfundenes durch Retchspatent vom 12. Februar d. I. geschütz- teS Allarmschloß der Kriminalpolizei zur Bestchtigung und Be- gutachtung vorgelegt. Die Konstruktion dieses Schlosses ist eine derartige, daß, wenn ein anderer alS der zur ordnunaS- mäßigen Oeffnung bestimmte, eigenartig geformte Schlüssel be- ziehungsweise anderes Instrument mit dem Schlosse in Be- rührung gebracht wird, der mit dem letzteren verbundene Alarm- apparat sofort in Bewegung gesetzt wird und bis zur Abstellung derartig fortarbeitet, daß der Lärm auch den in den entferntestrn Theilen der Wohnung befindlichen Personen nicht entgehen kann. Auch daS Einstoßen der Thür oder das Ausschneiden der Thürfüllung setzt den Apparat in Bewegung. Die An- bringung des Schael'schen Älarmschloffes an den Eingangs- thüren zu Wohnungen oder Geschäftsräumen kann wohl empfohlen werden, weniger an den Hausthüren, weil zu besorgen steht, daß durch Muthwillige die Hausbewohner ohne Grund erschreckt werden könnten. Ueber de« starken Schneefall schreibt der Hamburger Meteorologe der„Voss. Ztg.":„Am Montag früh zrigte das Barometer in Hamburg noch einen Stand von 12 mm über normal, der Himmel war heiter, frischer Ostwind wehte bei 11 Grad CelstuS Kälte. Am West- und Südwest-Horizont zeigten fich aber Zirruswolken, welche aus südlicher Richtung emporzogcn, daS Barometer war in der Nacht schon 2 mm gefallen. Diese Anzeichen deuteten auf das Herannahen einer Schnee bringenden Depresston aus West; dieselbe wurde von der Scewarte gemeldet und lag mit einem Druck von 10 mm unter normal zwischen Inland und der Eüdwestspitze Englands, dort schon am Montag Schnee und Regen erzeugend. Im Laufe des Montags nahm die Zirruibewölkung zu und am Dienstag Morgen war der Himmel völlig mit diesem hohen Gewölk bedeckt. Das Barometer war 12 mm gefallen, aber daS Thermometer zeigte in der Frühe noch 12 Grad ZelstuS Frost. Stürmischer Südost-Wind wehte die Källe auS dem Innern des Kontinentes heran, woselbst in Folge der Schneedecke und der zuvor heiteren Luft Kälte bis 20 Grad Frost fich entwickelt hatte. Starker Schneefall trat in Hamburg am Dienstag 2 Uhr Nachmittags ein, und der stür- mische Wind fegte ttefe Schneewehen zusammen. Das Baro- meter war im Ganzen in 2 Tagen bis zu diesem Abend 23 mm gefallen. Von Montag auf Dienstag vertiefte fich die Depresston von 10 auf 20 mm unter normalem Stande des Barometers; dieselbe hatte die Nordsee erreicht und die Zug- richtung war etwa von Süd-England gegen Schleswig ge- richtet. Da auf der Nordseite der Deprelsion kalte Nordwinde wehen und ei nicht ausgemacht ist, ob die Nordscite oder die Südseite mit den warmen Winden unser Gebiet treffen wild, so ist es auch nicht entschieden, ob die eintretende Erwärmung von Dauer sein wird." Die Krage der Einführung der Stenographie in die Schulen beschäftigte die Hauptversammlung deS Stolze'schen Stenographenvereins, welche am Dienstag Abend im Saale der Kaiserhallin tagte. Bei der Wichtigkeit der Sache wohnten außer den Vereinsmitgliedern zahlreiche Schulmänner der Ver« Handlung bei, ebenso die Abgg. Schmidt-Stettin, v. Schenten- dorf, Limbourg, Cahentz, Geh. Rath Blenck vom Statistischen Amt u. A. Die Petition, welche der Verein an das Abge- ordnetcnhaus gesandt hat, hat in der UnterrichtSkommisston noch nicht den erwünschten Erfolg gehabt— vielleicht deshalb, weil dieselbe sofort auf die obligatorische Einführung der Stenographie in die höheren Schulen gerichtet war. Der Vor« tragende des Abendi, Prof. Dr. Petrr, schilderte aus eigener Praxis die Licht- und Schattenseiten, welche aus der Verwen« dung der Stenographie in den Schulen zu erwarten seien, recht anschaulich und kam dabei zu dem Schluß, daß die Licht- selten weit überwiegen und der stenographische Schulunterricht nicht nur für den Schüler selbst, sonvem auch für dai spätere praktische Leben unendliche Vortheile in fich schließt. Diese Gedanken wurden von dem Vorfitzenden Herrn Mox Bäckler, dem Geh. Rath Blenck, einem Senior der Stenographen, dem Abg. v. Schenlcndorf als Mitglied der Untenichtskommisfion, dem Abg. Schmidt-Stettin u. a. noch weiter ausgeführt. Man war übereinstimmend der Ueberzeugung, daß die Einführung deS Stenographie- Untterichts in den höheren Schulen ein Be- dürfniß der modernen Zeit sei und nicht die Ueberbürdung vermehren, sondern derselben kräftigst entgegenwirken würde. Alle Schulmänner, welche selbst Stenographen stnd, theilen nicht die Oppofition gegen diesen Gedanken, da fie den Segen der Stenographie zu genau kennen. Ebenso war man über« wiegend der Anficht, daß es zweckmäßig sei, vorläufig nur beb bei vem fakultativen Unterricht stehen zu bleiben und daß die Systemfraae nicht unlöslich erscheine. Besser sei es, irgend ein stenographrsches System in den Schulen verwendet zu sehen, als gar teinS. Abg. Schmidt erinnerte daran, daß er 1862 über dieselbe Frage im Abgeordnetenhause seine Jungfernrede ge- halten und das Haus damals einm günstigen Beschluß gefaßt habe; die Oppofition der Schuldirektoren sei aber bald hinter» her gefolgt.— Das Rcsumö des Abends drückte fich in der Hoffnung aus, daß daS Plenum des Abgeordnetenhauses an» ders beschließen werde, als die Kommisfion und in dem festen Vorsatz, in der Propaganda für die Einführung der Steno» graphie in den Schulen auch fernerhin nicht nachzulassen. Geh. Rath Blenck theilte zum Schluß mit, daß er demnächst eine Statistik der Stenographie in der statistischen Zeitschrift er- scheinen lassen werde. Et« ziemlich umfangreicher Brand hatte gestern Vor- mittag gegen 11 Uhr die Feuerwehr alarmirt. In dem Hause Prinzcnstraß« Nr. 28 war in dem Putz- und Weißwaaren Ge» schäft von Hugo GlaS auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise Feuer entstanden, welches, durch die leicht entzündbaren Waare« reiche Nahrung findend, größere Dimenfionen annahm. Merk- würdigcrweise waren Schaufenster und Ladenthür durch Jalou- fien halb geschloffen, so daß die Mannschaften der Feuerwehr mit Äexten erst Luft schaffen mußten. Alsbald schlugen die hellen Flammen aus den Oeffnungen und«un begann der Angriff erst mit einer Handdruckspritze und dann mit der Dampfspritze. Dieselbe mußte volle 20 Minuten unausgesetzt in Thätigkett bleiben, bis die Macht des Feuers gebrochen war. Der Laden ist als ausgebrannt zu betrachten, auch in die erste Etage hatte fich daS Feuer Eingang verschafft. Gegen Vil Uhr waren die Löscharbeiten beendet. Vereine und Versammlungen. * Eine öffentliche Ve»sammlung der HandlungS-- gehilfen Berlin« fand am Dienstag Abend im Buggenhagen- schen Etablissement unter Vorfitz des Kaufmanns Rosenthal statt mit der Tagesordnung:„Die Handlungsgehilfen-Bewegung und die Parteien im Reichstag". Zu dieser, etwa 800 Theil» nehmer zählenden Versammlung waren wieder Einladungen an die Mitglieder der Arbeiterschutz-Kommisston deS Reichstages und andere Abgeordnete ergangen. Die Abgeordneten Dr. Th. Barth(dfr.) und Paul Singer(Sozialdem.) waren er-- schienen; Dr. Lieber, Dr. Haarmann, Ludwig Löwe, Dr. Schneider, Lohren und Klemm hatten fich brieflich entschuldigt. Der Referent, Handlungsgehilfe Auerbach(Hamburg) ent» wickelte die schon bekannten Bestrebungen der HandlungS- gehilfen bezüglich der g-setzlichen Kündigungsfrist, Verkürzung der Arbeitszeit und der Sonntagsruhe. Redner unterzog einen Artikel der„VollS.Zeitung", in welchem der Abgeordnete Dr. Baumbach seiner Freude Ausdruck gicbt, daß er seiner Zeit nicht im Kreise der Berliner Handlungsgehilfen erschienen ist, weil diese im sozialdemokratischen Fahrwasser schwimmen, einer scharfen Kritik. Diese Behauptungen seien unzutreffend, die Handlungs» gehilfen bewahrten fich in ihrer Gesammthett eine neutrale Haltung in der Politik und seien bereit, von jeder Partei die Unter- stützung anzunehmen. In der Diskusfion, welche fich an den Vorttag knüpfte, suchte Herr Singer den Nachweis zu führen, daß die Handlungsgehilfen ihre Lage verkennten, wenn fie fich den politischen Parteien neutral gegenüber vcrhal» tcn wollten. Da von allen Parteim nur die sozialdemokratische ihre Forderungen in ihrem vollen Umfange für gerechtfertigt ansehe, so erheische es ihr Interesse, bei den Wahlen für die sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmen. Redner erklärte serner, um Mißverständnissen vorzubeugen, daß seine Partei nicht für die Forderungen der Handlungsgehilfen eingetreten sei, damit diese an dem Wagen seiner Partei ziehen sollen, sondern deshalb, weil die Kaufleute auch Menschen find(Bei» fall); deshalb habe fie die'Forderungen bezüglich deS Arbeiter» schutzes auch im Allgemeinen in ihr Programm aufgenommen. Redner kiitifirte dann an der Hand der kaufmännischen For- derungen die konservative— und die deutschfreistnnige Partei. Charakteristisch sei eS, so führte er aus, wie diese Partei, alS der Reichskanzler fich nicht für die Sonntagsruhe erwärmte, sofort umschwentte und die vorher so eifrigen Agitatoren für die Sonntagsruhe mit Sack und Pack ins andere Lager mar- schirten, diejenigen, welche bisher noch zur konservativen Partei gehalten, werden wohl bald einsehen, daß ihre Hoffnungen trügerische find. AlSdann ging Herr Singer dazu über, die deutschfreistnnigePattei wcgenihresmanchcsterlichenStandPunkteS anzugreifen und die freie Vereinbarung für ein Unding zu erklären. Abg. Dr. Th. Barth führte darauf unter dem lebhaften Widerspruch der Versammlung aus, daß die Handlungsgehilfen nicht auf dem rechten Wege feien, ihre Lage zu heben. Nicht als Politiker wolle er sprechen, nur der Umstand, daß er Jahre lang fich mit Handelsfragen in seiner früheren Eigenschaft alS Syndikus einer Handelskammer und Vorfitzender eines großen kaufmännischen Vereins beschäftigt, habe ihn hergeführt. Ihn habe eS sehr seltsam berührt, daß man den Deutschfreifinnigen den Vorwurf gemacht, fie hätten kein Verständniß für die pro» duttiven Stände. Mehr als Andere find wir im Stande, die allgemeinen Interessen des Handels wahrzunehmen und halten eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur für den Handels» stand, sondern für alle andern nothwcndig. Aber die Frage ist die, auf welche Weise erhält man dieses Ziel am ehesten? Dadurch, daß man an die Gesetzgebung herantritt und wünscht, daß fie die Fülle ihres Horns über uns ausgießt, oder nicht besser dadurch, daß man selbst Hand anlegt. Si-ht die jetzige Sozialreform- Gesetzgebung nicht wie Spott und Hohn auf die Bestrebungen der Arbeiter aus?— Bezüglich der Sonntags- arbett herrscht ja ein großer Zopf, aber halten Sie fich denn selbst für so machtlos, daß fie obne Gesetzgebung nichts machen zu können vermeinen?(Rufe: Ja I— Nein!) Dann machen Sie fich schlechter als Sie stnd. Wenn Sie an die jetzige Gesetzgebung heranttetcn, glauben Sie denn, daß man ohne Weiteres auf Ihre Wünsche eingchm wird? O nein I dann wird man„organisch", wie man eS nennt, zu regeln anfangen, und dabei dürften Sie nicht gut fahren. Wir werden Sic unterstützen, wenn Sie darauf verzichten, an die Gesetzgebung heranzutteten(Rufe: Niemals!) und selbst Ihre Geschicke in die Hand zu nehmen. Der Vorsttzende brachte darauf nachfolgende Resolution zur Verlesung, während deren Abg. Dr. Barth den Saal verläßt:„Die am Dienstag, den 2. März, im Buggenhagen'schen Saale versammelten Handlungs» gehilfen Berlins beschließen in Anbetracht der alles Maß über» steigenden Noth in diesem Stande, den Reichstag(X. Kommisfion sür Abänderung der Gewerbeordnung) aufzufordem, nach fol- gendcn GestchtSpunklen bei Festsetzung des Arbeitsverhält- niffeS der Angestellten im Handelsgewerbc zu den Prinzi- palen zu verfahren:». Die im Handelsgesetzbuch vorgeschricbme Kündigungsfrist bleibt als Maximalgrenze bestehen. Andere Abmachungen mit Ausnahme einer vierwöchentlichen Probezeit find unstatthaft, d. Die Lchrieit darf die Dauer von drei Jahren nicht übersteigen, c. Die Arbeitszeit der Angestellten im HandelSgewerbe unter 18 Jahren darf die Dauer von acht Stunden exkl. Pausen nicht übersteigen, ä. Die Arbeitszeit der Angestellten im Handelsgewerbc darf die Dauer von zehn Stunden exkl. der Pausen nicht übersteigen, e. Die Arbeitszeit darf an Werktagen nicht vor 8 Uhr und an Sonn- und Fkstiagen ebenfalls nicht vor 8 Uhr Morgens beginnen und darf nicht über 8 Uhr Abends refp. 1 Uhr Mittags ausgedehnt werden." Diese Resolution wurde mit allen gegen eine Stimme angenommen. In der Versammlung de» Verbandes deutscher Simmerlente(Lotalvcrdand Berlin« Westen), welche am März in Gründer'» Salon, Echwerinsfr 26, tagte, hielt Herr Dr. Lütge"»» einen Vortrag über„DaS Handwerk in der Gegenwart". Referent legt klar, daß daS Handwerk in der Gegenwart so gedrückt wäre, daß der kleine Handwerker sowie der Lohnarbeiter unter dem Drucke deS Großkapitals nicht mehr im Stande seien, ihre Existenz zu fristen. Redner kommt auf die früheren Zünfte und auf die sogenannte„gute alte Zeit" zu sprechen und legt klar, daß damals der Handwerker fich in mancher Hinsicht Keffer stand, als heute, wo der eigentliche Mittelstand immer mehr von der Bildfläche verschwindet. Auf der einen Seite tritt ein überflüssiger LuxuS und Uebeifluß, auf der andern Seite Hunger und Elend immer mehr in den Vordergrund. Weiter kommt Referent auf die LehrlingSfrage zu sprechen und meint, daß die jugendlichen Leute, welche fich zu tüchtigen Handwerkern auSdtlvm wollen, heute nicht immer Gelegenheit dazu haben, weil sie g'ößtentheils nur als Laufburschen ausgebeutet werden. Der kleine Handwerker, wel- cher allein oder mit ein paar Gesellen arbeitet und der Ron« kurrenz deS Großbetriebs ausgesetzt ist, könne dieser nicht genug Widerstand leisten. Die„freie Konkurrenz" bedeute Niederlage deS wtrthschattlich Schwächeren gegenüber dem wirthschaftlich Stärkeren. Da der Großbetrieb mit leichter Mühe und wenig Arbeitskräften kolossale Maffen von Waaren mit Hilfe der Maschinen herstellen kann, nehme daS soziale Elend der arbei« tenden Bevölkerung von Tag zu Tag mehr zu. Unter diesen Verhältniffen sei es die höchste Zeit, daß die Arbeiter sich ver> einigen, um eine Besserung ihrer gedrückten Lage herbeizuführen. Refermt bespricht nunmehr eine Statistik deS Herrn Geheimrath Engel auS dem �ahre 1875 über die Gewerbezählung und meint, O......... Ms sei darin„ Großbetried. arbeit aus, daß durch dieselbe dem Manne eine furchtbare Kon- kurrenz gemacht wird und Abhilfe dringend nothwendig sei. Referent weist auf die Nothwendigkeit hin» daß der Ar» heiter« und Handwerkerstand fich zusammenthun müsse zu groß'« Vereinigungen zur Verbesserung ihrer Lage, wie sie theilweise jetzt schon geschaffen sind. Viele der Mängel, welche jetzt bestehen, könnten dadurch abge« schafft weroen. Die gesammte Bevölkerung habe daS Recht, ein menschenwürdiges Dasein zu führen.(Großer Beifall.) In der Diskussion sprach der Vorsitzende, Herr Loß, fich im Sinne deS Referenten aus. Hierauf wurden verschiedene ge- schäftliche Angelegenheiten verhandelt Dann folgte eine längere Debatte über daS Verhalten der Meister gegenüber den Ge> sellm und über die am Freitag stattgefundene Versammlung der Maurer betreffs Wahl einer Kommission und über die Schritte, wie fich die Zimmerleute dazu stellen würden. bft. Im Verein zur Wahrung der Interesse« der Beritner Maurer hielt am Montag Abend im Louisen« städtischen Komcithause Herr Michelsen seinen bekannten, von den Zuhörern beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Tendenzen der Gesellschaft", nach dessen Beendigung der Revisor Herr Braun den Revifionsbericht erstattete und Herr feterS zum Revisor gewählt wurde. Der VeieinSoorfitzende rothmann forderte alle Mitglieder dringlich auf, gerade im aegenwärtigen Augenblicke eS nicht an der energischsten Agitation unter allen noch nicht dem„Verein zur Wahrung der Jniereffcn der Berliner Maurer" angehörenden Gewirks- t enofien fehlen zu lassen, um dieselben zum Eintritt in den !eretn zu bewegen, damit man um so sicherer auf eine ebenso rasche alS günflige Erledigung der Veibandlurg-n mit der Meister-Lohnkommisfion zählen könne. Mit Rücksicht darauf dürfe sich jetzt kein einsichtiger und tüchtiger Berliner Maurer der Pfl'cht der VcretnSangehörigkeit noch ferner entziehen. Herr Biaurock erklärte, unter Bezugnahme auf einen den bevorstehenden Maurerkongreß betreffenden Artikel der Nummer ß des„Bauhandwerier" über:„Die Regelung der Ar- beitSeinstellungen", daß die m demselben dargelegten AuSfüh» rungen, spciiell hinsichtlich des V-rhältriss-S der örtlichen Kom- misstonen und der gemeinsamen Kontroltommisston zu einander, sowie die am Schlüsse des Artikels dem Kongresse vorgeschlagene Resolution lediglich ein MeinungSauSdruck der Redaktion und nicht mit den etwaigen Anschauungen der Preß-Kommission zu identifiziren seien, wie man in einzelnen Kreisen der hiesigen Kameraden trtthürmlich angenommen habe. Dasselbe wird auch seitens der Herren Grothmann und Schmidt bestätigt. Zum Schluß beschloß die Versammlung nahezu einstimmig, bis auf Weiteres die wissenschaftlichen und sonstigen Vorträge in den VereinSversammlungen ausfallen und dafür nm über gewerk- schaftliche Angelegenheiten verhandeln zu lassen, da die Rück- ficht auf den aftuellen Charakter der augenblicklichen Sttuation des GewerkS es erfordern. tb. Die kisen bahn- Arbeiter hielten am S. d. M. in Altermann'S Salon, Dennewitzstraße 13, unter Vorsitz deS Herrn Dennier zur Besprechung ihrer Lage wiederum eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Herr Krüger erörterte die bereits in der ersten Versammlung klargelegten Uebelstände unter lebhaftester Zustimmung der Anwesenden in eingehendster Weise und legte sodann die von der erstm Versammlung be- schlossene, nunmehr von dem damaligen Bureau ausgearbeitete Petition der Versammlung zur Kenntnißnahme und Beschluß« fassung vor, welche in ihrem Wortlaute also lautet:„In Er- wägung, daß Versuche der dem Deutschen Reiche angehörenden unterzeichneten Eisenbahn-Arbeiter, welche dieselben zur Auf' besserung ihrer Lage an kompetenter Stelle unternahmen, sämmtlich gescheitelt find; in Erwägung, daß die willkürlichen Handlungen der Eisenbahn- Verwaltungen, wie vierzehntSaige resp. vierwöchentliche postnumerando Lohmahlung, sowie, daß die jetzige Höhe des Lohnsätze»(2—2,50 M. pr. Tag), welche ein menschenwürdiges Dasein nicht ermöglichen läßt, nach- theilig gewirkt und viel Roth und Elend hervorgerufen baben; in Erwägung, daß den Eisenbahn-Arbeitern keinerlei Gewähr geboten ist, fich gegen ungerechtfcrtig e Maßregeln schützen zu können: so rufen die dem Deutschen Reiche angehörenden Eisenbahn- Arbeiter den Hohen Reichstag ganz er« gebcnst um Hilfe an. Hochderselbe wolle beschließen: 1. die bei ßden Königlichen Eisenbahnen eingeführte unbezahlte Uederfeierabendarbeit abzuschaffen oder gesetzlich zu regeln. 2. den jetzigen Lohn der Eisendahnarbeiter einer gütigen Prüfung zu unterziehen, damit derselbe demnächst nach lokalm Verhältnissen(jedoch nicht unter 3 M. pro Tag) erhöht resp. geregelt werde. 3. den Ei enbahn-Arbeit-ln, gleich den Beamten, alle 14 Tage einen freien Sonntag gewähren zu wollen. 4. eine gleiche geregelte Arbeit bei allen Königlichen Eisenbahnen schaffen zu wollen» damit allen willkürlichen Bestimmungen, wie: ». Kautionen der verschiedenen Bahnen, b. ungerechte oder be- vorzugte Lohnsteigerung verschiedener Arbeiter, a. Arbeiter über 30 Jahre alt nicht in Arbeit einzustellen, ä. polizeilich oder ge- richtlich bestrafte Arbeiter nicht anzustellen resp. dieselben auS- zustoßen u. Vgl. m. abgeschafft resp. gesetzlich geregelt werden. Diese Petition dem Herrn Reichskanzler mit der Aufforderung zu überweisen, dem deutschen Reichstage baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher eine Regelung der Interessen der Eisenbahn-Arbeiter in fich trägt. Zur Unterzeichnung dieser Petition sollen weitere Versammlungen veranstaltet, sowie die- selbe in ganz Deutschland verbreitet werden. Zur Deckung der Unkosten wurde sofort eine Sammlung veranstaltet. * Ortskrankenkasse der Tischler und Pianoforte-Ar- beiter. Freitag, den 5. März, Abends 7 Ubr, im Bürgersaale d-S Raih Hauses, Generalversammlung. T.-O.: 1. Wahl der 3 Kasfirer. 2. Beschlußfassung wegen Anstellung eines 4 KasfirerS event. Wahl desselben.§ 50 Absatz 9. 3. Antrag Furchtbar und Gen., bett. Abänderung der§§ 32 und 46 des Statuts. Zur Legitimation ist die bereits ausgehändigte Katte erforderlich. * Oeffentliche Arbeiterinnen-Versammlung Donnerstag, den 4. d. M., Abends 8'/, Uhr, in Bötzows Brauerei, Eaarbrückerstr. 4. Tagesordnung: Vottrag der Frau Henrich- Wilhelmi. Um zahlrerches Erscheinen wird dlingend gebeten. Männer haben Zuttitt. Die Versammlung des BezirkS-vereinS der arbeiten- den Bevölkerung deS Süd- West findet heute, Donnerstag Abend 8'/, Uhr in den Kaiserhallm, Alte Jakobstraße 120, statt. Tagesordnung: 1. Vottrag deS Reichstage-Abgeordneten Bock. 2 Verschiedenes und Fragekafien. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die Mitglieder werden er- sucht, recht zahlreich zu erscheinen. Nermisehtes. Barbarische Rohhett. Vor einigen Tagen kam die Polizei in Petersburg einem empörenden Verbrechen auf die Spur. Der in der Puschkinskaja Rr. 3 wohnhafte Kollegien- asseffor Markowin hatte, wie der„Petersb. Lest." berichtet, zu Ende deS vergangenen JahreS einen sechsjährigen Knaben, welcher ihn Onkel nannte, zu sich ins Quartier genommen. Bald verbreitete fich im Hause da» Gerücht, daß der Knabe unerhötten und unmenschlichen Strafen unterzogen werde. Die OttS- polizei richtete ihre Aufmerksamkeit darauf und überzeugte fich bald von der Richtigkeit des Gehöften. Ihren Augen stellte fich folgendes jammervolle Bizd dar: im Schlafzimmer Marko- win'S befand fich rire Bettstelle, an deren vier Füßen Riemen angenagelt waren. Mit diesen waren Hände und Füße deS unglücklichen und fast völlig nackten KindeS nach oben nach unten straff ausgespannt: ein fünfter an der Tm festgenagelter Riemen war stramm um den Leib» KindeS geschlungen und an den Fuß eineS massiven TW befestigt. Unter den Rücken deS Knaben hatte der Uiraw ein Holzscheit gelegst dessen Rinde die entblößte Haut% KindeS zerriß und fich in dieselbe hineinbohrte; der M Körper war mit S.ttemen,. Beulen und blauen Flecken, sichtbaren Spuren von Schlägen übersäet. In diesem ßekl» ztgten Zustande hielt Markowin den Knabm täglich dm mehrere Stunden und allnächtlich. Wevn daS bejamrnew' werthe und erschöpfte Kind um Wasser flehte, so erhieu» Faustschläge auf die Nase, in Folge dessen Kopfkissen und# euch starke Blutspuren auswiesen. Eden so wurde, wenn arme Knabe bat, ihn zu befreien, um ein natürW Bedürfniß zu befriedigen, den Foltern kein gemacht, sondern er wurde oft in peinlicher und barischer Weise mit einem Riemen gezüchtigt, blutige Striemen auf dem Körper des Unglücklichen hin» In diesem Zustande fand die Polizei den Knaben um U. NachtS in Abwesenheit Markowin'S festgebunden und � gewannt. Diese Marterwerkzeuge, sowie die Wäsche wurden als Beweisstücke von der Polizei in BeM genommen. Der Knabe wurde ins Krankenhaus gebracht m die Sache dem Gerichte übergeben. Bei Autnahme J Protokolls begründete Markowin iein grausames und unwenff licheS Verfahren mit„pädagogischen und hygieinischen � regeln, welche nöthig seien, um üble Neigungen deS zu beseitigen." Ein Gerücht jedoch erklätt die Veranlaß ander? und bringt fie in Verbindung mtt der ße% deS Knaben und verleiht der Sache eine ganz ro Unterlage._ Kleine Mittheilungen. Königsberg i. Pr.(Ein Original.) Am 15. März feiert die allbekannte„Tante Fischer", die Besitzerin WA staurants„Zur Wolfsschlucht", ihren 100. Geburtstag. JrJ Fischer ist 83 Jahre am hiessgen Orte ansässig. Ihre% Eigenthümlichkeiten, ihr Abscheu vor Bayerisch'Bier, in ihrem Lokal, wo nur Braunbier getrunken wird, noch/A ör.& vi» ivvtiii 4;u(u»r wu nuv, otuunviu ucvvuiucn wuv, nvu,,Lf4 Eingang gefunden hat, sowie ihr geflissentliches Nichtig von Eisenbahnen, deren fie noch nie eine gesehen hat, gemein bekannt. Di« Bedienung in ihrem RestauratioM? esorgt die verhältnißmäßig nock sehr rüstige Frau selb» Hilfe ihrer 63jährigen jüngsten Tochter. London, 1. März.(Schneestürme.) Aus sämwb� Theilen deS Landes gehen Berichte über Schneestürme ei»-� wurden nicht allein Bahnzüge eingeschneit, sondern der TW ist auch im allgemeinen sehr beeinträchiigt. In SchotM«« innert man fich eines so strengen Winter» nicht seit 183� London hat der anhaltende Schneesall die Straßen in e>' solch unpasstrbaren Zustand versetzt, daß hundette von� schäftigungslosen Arbeitern bei deren Reinigung Arbeit Ketzte Nachrichten. Die ReichStags-Ersatz wähl im 19. säch MjAS Wahlkreise(Schneeberg> Slollberg). Nack den Wj! vorliegenden Berichten erhielt bei der am 2. d. M. vollzog. Wahl der sozialdemokratiiebe Kandidat Geyer 8543 Sl�% für den Kandidaten der„OrdnungSparteien" Zschierlich 7462 Stimmen abgegeben. Aus einigen kleinen welche jedoch an dem Gesammiresultate Nickis mehr können, fehlen die Bettchte noch. Demnach ist die Geyer'S, deS„Ersten vom dritten Dutzend" der sozial kratischen Reichstagsabgeordneten gesichert. S. L. stelle dem Kriefkaste« der Redaktion. Unseres ErachtenS muß die gekaufte Bcgri�A Käufer derselben diS zu seinem Tode ohne � beschränkung reservitt bleiben. Vielleicht ist aber in den* j maligen Kaufvertrag die Bestimmung mit aufgenommen, � das Recht deS Käufers nach Ablauf einer bestimmten � elnxl 95 Rnkron«#rfnnt utih einer%% kontrotte„.vu,.., p zu widersprechen, ausdrücklich entsagt baben. müssen fVi fich gefallen lassen, daß durch Neubau deS Seitenflügels Küche verdunkelt wird. Nur wmn durch den Bau mietheten Räumlichkeilen zur zweckmäßigen Benutzung ß#* untauglich weiden, könnten Sie Aushebung de» Mietyscern und Entschädigung verlangen. � Theater. Donnerstag, den 4. März. VittMhav«. Keine Vorstellung. Tanuspeelliaus. Tilli. Ässtschs» Theater. Ein Tropfen Gift. SaLuer-Theater. Alfred'S Bttefe. KeAdeuz-Theater. Denise. iSeSe-Alliauee-Tiheater. Pariser Leben. Komische Operette in 4 Akten von Meilhac und Halevy. Sriedrich- WilhelmftädtischeS Tbeater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Anlhalla- Theater. Das lachende Berlin. Hettere» aus der Berliner Theatergeschiebte mtt Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Z4«tsenstädtisches Theater Abracadabra. L ntral-Theater. Der Stabs- Trompeter. SiNorta" Theater. Meffalina. fl Kend») heater Der Graf von Monte Christo Schauspiel in 3 Abtbeilungen nach Alex. Dumas von Dr. Carlschmidt. Nmertean« Theater. Große Spezialitäten« Lorstellung. Theater der Reichshalle«. Große Speztali« täten-Vorstelluna. K-insmann's Variete. Große Spezialitäten« Vorstellung. Äsnkordia. Große Spezialitäten-Vorstellung. Aihainbra-Theater. vallnertheaterstraße 15.[851 Heute: Zum 6. Male: Das Haidepmzkßlhea. VollSschausplel in 4 Allen von Ad. Oppenheim. Neu bearbeitet von Hugo Busse. Vor der Vorstellung: #« Konzert der Hanskapelle. Ansang deS Konzetti Wochentags 7 Uhr. der Vorstellung 7»/« Uhr. Anfang des«onzett» Eorrntegr, 6 Uhr, der Vorstellung?>/, Uhr. Ron» haben Wochentags Gittigkett und find im Theaterdmkau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Passage 1 Trepve. 9 U. Morg. biS 10 U. Ad.[852 Saifer-Pauora««. Nur diese Woche: Türkei, Artechenland, Suezkanal. L ZykluS: Schweiz, St. Gotthardbahn. Hertha- Reise. Ein« Reise 20 Pf,»mder«rr 10 Pf. Masken< Garderobe F. Stenzel, Mr. Kl, Dresdener Ktratze Ur. 81. Elegante Kostüme zu den solrvesten Preisen. 745| Vereine Ermäßigung. Ein eleg. Damenmaskenanzng ist zu rer- leihen Adalderrftt. 75, Hof II. recht».[859 W arum erfreut fich meine Gummi-Wäsche einer immer größeren Beliebtheit? Ein Herr braucht jährlich wenigstens: 3 Dtzv. leinene Kragen» 700 Pf.— 1400 Waschgeld per Tag a 5 Pf....--- 1800 «otalkoft. d. Irin. Masche p.Iahr� 3800 4 Stück Gummikrrgen n 60 Pf..----- 2,40 2„ Seife a 20 Pf.....= 40 TstalKost d. KummiKrg. p. Jahr— 8,80 E"v!>rniß zu Guntten der Gummiwäsche also 89,80 M. K-i Manch-tt-n ist der Usr- th-U«och gröh-r. 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Um zahlreiches Sri«. ersucht[867] Der Vorsts Keztrksveret» d.»rdtiwldt» KMkmnlß »es SW. Kerliss. Eonnabend, den 6. d. M., Abends 8 Uhr, Geselliges Veisainmensein im Restaurant K. Klink-, Admiralstraße 33, wozu die Mitglieder nebst Familie und Be- kannte ergebenst eingeladen find.[876 NB. Außerdem werden die Mitglieder hier- durch noedmals auf die h-nt- Abend statt- findende Versammlung aufmerksam gemacht. Die Buchdruckerei Ton MA% BADING BERLIN S W., Beuth-Str. 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druckarbeiten jeder Art bei prompter und billiger Bedienung. Kosten-Ansehläge und Papierproben gratis und franco. VersammlmU? deS Verbandes_.Li deutscher ZimmerB' (Lokalverband Berlin V-) und Nmg-g-nd g# am Donnerstag, den 4. d. M., Adds- Mattannenstraße 31/32 bei K. 91 Mitglieder werden aufgenommen. £>1, 91t. 26 M „Wahren Jakob" ist erschienen und in der Expedition�- straße 44, zu haben. 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