Sommbsttd, den 6» War; 1886* III. Jahrg. (tlinecttMlall Lrgan für die Interessen der Arbeiter. | UebnMslgt Rtlifiisfltltn. 3« der Kommission für das Sozialisten« iksetz trete« seltsame Aanchle« zu Tage; solche, die m«i nehmen muß und solche, die man beim besten W llen *'4* ernst nehnen kann. Z« den letzteren gehört sicherlich � Aeußerung bei natiorall'beralen Abgeorvneten Mar« ;?ardsea, die dahin ging, daß die Sozialisten deshalb in die Kommission eingetreten seien, weil sie sich vor viem.parlamentarischen V rhür" gefürchtet hätten. Nun. sämm lichen Abgeordnete», die im Reichstage eine Rolle Men, ,st dieser Erlaager Professor gewiß derjenige, vor dem 4 die Sozialste« am allerwenigsten zu fürchten brauchen, Ab mm» er sich einbildet, irgend'Jemand Furcht einzu» Me», so überschätzt er seine weithe Persönlichkeit ganz Deutend. Wir kennen im Gegentheil eine Menge von �geordneten der»erschi-densten Parteien, auf welche das �usiretea des Herrn Marquardsea durchaus belustigend �irkt. Mit Herrn Marquardsea uns irgendwie weiter aus- Lander zu s-tze» fühlen wir uns daher in keiner Weise »Nnüsstgt; er gehört zu jenen Leuten, von denen Niemand |* leicht bei idigt werden kann. Ader es find«och andere �ute in der Kommission und uns interessict vor Allem die Mtung der Mitglieder der Zentrumtpartei. Diese haben *4 im Allgemeinen dahin geäußert, man müsse dal Sozia- «steng-s tz allmälig beseitigen und auf den Boden dcS„ge- �lnen Rechts' zurückkehren. WaS da» letztere bedeutet, wen wir schon auseinandergesetzt. . Aber Herr Graf B a l l e st r e m, einer der Matadore ** ultramontanen schlesischen Adels, fügte»och hinzu, man 'Wisse sich hauptsächlich mit erzieherischen Maß» segeln beschäftig n,. Boa mehreren Seile» wird die Dichtigkeit dieser Aeußerung sehr betont und wir wollen deshalb einmal näher untersuche», was dahinter steckt. W r soll denn erzogen werden, die Jugend oder die Irmachsenen? Eine politische Erziehung von erwachsenen «tuten ist unseres Erachtens nicht recht denkbar. Die Parteien bilden sich auf Grund von bestimmten Interessen Und d e Bedeutung dieser Interessen wird durch keine«Er« «rhung', wenn man bei erwachsenen Leuten von einer »lchen sprechen tan«, sich aus der Welt schaffen lassen. Der «'ksuch wird allerdings häufig gemacht. Die Arbeiter haben 5w'ß ein bestimmtes Jntereffe, sich zusammenzuthun und eine esserung ihrer Verhältnisse anzustreben. DaS Zentrum, jjem Herr Balleflrem angehört, hat schon mehr als einmal r* Arbeitern ganz offen gesagt, das erstrebenSwertheste �'el fstr sie auf Erden sei die Entsagung. Erziehung «Ut Entsagung! Dafür werden sich alle Arbeiter bedanken, IeuMeton. Die Tochter des Dankrotteurs. Roman aus der Gegenwart von Sustav Lössel. Z7I ,..Sie meinen, daß mein Vater irgend eine Schlechtig- g t. begangen, die ihm diese Rache zuzog?' fragte sie "uster. „.Das sagte ich nicht," beeilte sich die Andere � sichern.«Eine Schlechtigkeit braucht eS darum noch '4- gewesen sein, wohl aber ei» Unrecht....." »Was dasselbe ist l' »Nicht immer!' � .Ich glaube an nichts derartiges. Mein Vater hatte * Mensch ohne Zweifel seine Fehler und Schwächen— a1 hat sie nicht;— aber in seinem Denken und Jodeln war er rein, em Ehrenmann. Ein Feind, der im ,�>Mkein schleicht, kann niemals ein ehrlicher Feind fi v Heimliche Verleumdungen und ein Telddiebstahl '"d keine Waffen eines solchen. Wen« mein Vater wirtlich w? Unrecht begangen und die Rechte eines Dritten irgend- ««schmälert hätte, stand diesem ja der Weg der Klage Ji*"; eine solche wäre bei den Verhältnissen meines Vate-S LT oh'« Erfolg für den Kläger gewesen. Aber nichts S%s sieht man geschehe». Und warum nicht? Doch bat°u« keinem anderen Grunde, als werl z-ner wußte, »7° er kein.»«nfnmA an meinen Vater hatte. »,?>Uben stehen. Ich glaube deshalb an kein Um echt Vaters und verabscheue in seinem Todfeind fernen ».�»Erna! Erna I' rief erschreckt Frau Dahlberg.»Mein «3 wenn man Dich hört---- ich weiß nicht ob tch tief sagen Sie nicht, daß ich mrch verMe. nef Lina > bewegt..Wenn Sie bedenken, was»ch da verloren, die nur noch eine» einzigen selbststäadige» Gedankens fähig sind und nur jene Kreise, den;» die ultramontane Agitation da» selbstständige Denken völlig abgewöhnt ha», können sich eventuell für die„Eatsarung" begeistern. Die Entsagung soll doch offenbar eine Verzichileistung der Arbeiter auf eine durchgreifende und dauernde Besserung ihrer Verhältnisse sein. Ist dem so. dann wissen wir nicht, wozu da» Zentrum überhaupt Sozialpolitik treibt. Die ultramontane„Erziehung' solldem ArbeiterdieUeber« zeugung beibringen, daß die Kirche allein die Mission habe, die sozialen Gegensätze auszugleichen und an Stelle de» beutigen so intensiven Klassenkampfes eine allgemeine Versöhnung treten zu lassen. Aber wird der christlich-soziale Staat, wie ihn einige ultramontane Sozialpolitiker auSge- malt haben, dazu im Stande sein? Ww können das nicht glauben, denn der christlich-soziale Staat paßt in unsere moderae» Verhältnisse so wenig h»ein, wie der FeudaliS« mui von ehedem. Um von der römischen Hirarchie eine den Arbeiterinteressen entsprechende Umgestaltung unserer sozial'ökonomischen Zustände zu erwarte», dazu müßte man so einig sein, wie jene alte» Weiber zur Zeit der fran- zösischen Revolution, die man glauben machen konnte, daß die vom Staate eingezogenen Kircheagüter in Wahrheit,«das Gut der armen Leute" gewesen seien. Wir schwärmen nicht für den groben Materialismus und können u»S eine gute Sache nicht denken, ohne daß sie eine ideale Seite hat. Aber deshalb kann doch die Phrase von der„Entsagung" nicht Über die wahrhaften Arbeiter- inter-sse» hinweg schreiten. An diesen wird auch schließlich der Einfluß der römischen Hierarchie auf die Arbeitermassen zu Grunde gehen. Oder will der Herr Traf Ballcstrem da» Heil der Zu« kunft von der Erziehung der Jugend erwarten? Nun, was die ultramontane Partei betrifft, so weiß man ganz genau, was ihr Ideal der Jugenderziehung ist, nämlich eine solche, bei welcher der Einfluß der Kirche durchaus nur in solchem Grade vorherrschend ist, daß alle andere Einflüsse hinter demselben zurücktreten. Wir haben eine solche Jugenderziehung in Oesterreich, in Spanien, in Italien und in anderen Ländern seinerzeit gesehen und die Resultate derselben sind von der Geschichte verurtheilt worden. Herr Ballestrem und Genossen mögen uns mit ihren veralteten Theorien von Erziehung verschonen. Wenn sie eS mit den Arbeitern aufrichtig meinen, so möge» sie zunächst für die Bes.itigung des Sozialistengesetzes stimme», damit den Arbeitern wieder freie Bewegung gewährt werde; dann aber möge» sie dafür sorgen, daß den Massen eine Bildung ge- währt werde, die den Anfoiderungen der modernen Zeit entspricht. Das werden aber Ballestrem Gnd Genossen wenn Sie bedenken, was ich da gelitten.... die mutter« lose Waise so beraubt..... ist eS nicht schmachvoll?! Ich bin ja freilich nur ein Weib und sollte klagen, wo ich drohen möchte. Aber die Lohe deS Hasses schlägt hoch auf in meinem Herzen, wenn ich daran denke, und etwas zuckt und zieht in meinem Arm, als müßte ich nach dem Dolch dort greifen und jene» Todfeind meines Vaters niederstoßen. Ach, hätte» Sie ihn nur gckannt, fo wie er war, Sie würden mich nicht tadeln, Sie würden meinen Zorn ge- recht und cS begreiflich finden, daß ich dem lichtscheuen Vernichter meines Erdenglückes aus tiefstem Herzen fluche......!* „Erna!' Es klang fast wie ein Angst« und Hilfeschrei von den Lippen der Anderen, welche erdfahl und mit dem Aus- druck starren Entsetzens auf das erregte junge Mädchen blickte. „Ja, meine Theuere," sagte Erna,„nun, vergaß ich mich, da ich S i e mit dem Ausbruch meines Hasses schreckte, der ich nur Gute» und Eclösunz aus der Schmach, dem Elend danke. Verzeihen Sie. E» ist so über mich gekommen. Ich konnte mich nicht mäßigen. Lassen wir diesen Punkt für die Zukunft unberührt. Es ist ei» wunder Fleck in meinem Leben, und wenn man den berührt, dann möchte ich aufschreie« vor Schmerz und tiefem Weh ... Aber ich habe Sie wirklich erschreckt. Sind Sie mir böse?' Frau Dahlberg faßte sich. „Böse— Dir.... Ihnen? Niemal«!" beb!e es über ihre bleichen Lippen.„Aber Sie haben recht, Erna. Kommen wir hierauf nicht zurück. In diesem einzige« Punkte gehen unsere Meinungen auseinander.' Und seit jenem Tage wurde des Gegenstandes und dieser Szene zwischen Ihne» nicht mehr gedacht.--- Als Erna eines Morgen« im Salon erschien, fand sie Hemr Gontard bei ihrer Freundin. Bei ihrem Erscheinen überzog sich das Antlitz der letzteren mit Leichen« blasse. Nicht minder heftig erschrak Erna, auch Gontard wechselte leicht die Farbe. Gleich darauf zuckte aber ein Blitz des Triumphes über seine leidenschaftlich erregten Züge nicht thun. Ja dem Moment, da das Volk Zeit, Gelege»- heit und Mittel hat. sich die Bildungsmittel unserer Tage in entsprechendem Maße zugänglich zu machen, werden die Ballestrem und Genossen so schnell von der politische« Bildfläche verschwinden, wie die Herren Kleist-Retzow und Köller. DaS wissen die Herren so gut wie wir. Also mögen sie ihre Phrasen von„Erziehung' zu Hause lasse». Politische Ueberftchl Die gestrige Monopoldebatte im NetchStaae war wenig anfrezend. Die Redner Iprachen ungemein fachlich, fast allzufachlicb. Da nun die Presse schon seit Wocben in auS- giebigster Weise dm Branntweinmonopol Entwurf besprochen hat, so wurden! doch im allgemeinen nur bekannte Gesichts- punkte berührt. Nur der Ada. Schumacher gab verschiedene interessante Details zum Besten und setzte dem Ava. Eugen Richter den Unterschied zwischen Monopolismus und SozialiZ- mus auseinander.— Allgemein wurde im Reichslage hedauert, daß der Reichskanzler nicht anwesend war, da man sonst wobl anstatt einer im allgemeinen langweiligen Monopoldebatte eine aufregende„Sozialmonopolendebatte" gehabt haben würde. Im Bundeiratb ist ein Antrag Preußens eingebracht worden über die Heranziehung von Militär- perfonen zur Gemeindedesteuerung. Der Gesetz« entwurf enthält nur drei Paragraphen; deiselbe bebt die Steuerfreiheit des außerordenllichen Einkommens der Militär- Personen auf und überläßt die Heranziehung deffelb'n zu Ge- meindeadgaben der LandeSgesetzgebung.— Wenn dieser Gesetzentwurf angenommen wird, dann dürfte auch endlich daS Penstonsgesetz für Reichsdeamte Erledigung finden. Dir Unfallverstcherung der«and« und forftwirth- schafttichen Arbeiter stößt in der R-ichstagslommijfion auf große Schwierigkeiten. Die letzten Beschlüsse über die Ver« tretung der Arbeiter in den Schiedsgerichten bei der Unter- suchung von Unfällen und im ReichsversicherungSamt, so schreibt der„Hamb. Korresp.", beweisen zur Genüge, daß die Majorität der Kommission eine wirkliche Vertretung der ländlichen Arbeitnehmer für unzulässig hält. Die Arbeitcrvcrtreter wcrdm mit Ausnahme des bei dem Mangel der obltgatoiischen Krankenversicherung nur auS- nahmsweise vorkommenden Falles der Wahl durch die Vor- stände der Krankenkassen nicht durch Arbeiter, sondern durch Behörden gewählt, von welchen die Vertretung der Gemeinde- und Kommunalverbände fast allein die Klaffe der Arbeitgeber repräsentiren. Wenn schon die industriellen Arbeiter kein Urbermaß von Rechten bei der Unfallversicherung erhalten hoben, so werden die landwirthlchaftlichen noch viel schlechter behandelt. Den praktischen Werth der Vertretung der Arbeiter mag man ja für jetzt und insbesondere bei den ländlichen Ar- beitern nicht allzu hoch anschlagen; aber sobald die Arbeit« nehme? erst gelernt haben, sich um ihre eigenen Interessen zu kümmern und die richtigen Vertreter herauszufinden, wird ihre hin. Frau Dahlbcrg und er waren offenbar in einer er- regten Debatte begriffen gewesen; jetzt schwebte über de» Dreien jene tödtliche Stille, welche das Vorzeichen des nahe» Sturmes ist. Gontar» faßle sich zuerst. „Fräulein Eschenbach!' rief er, in freudiger Ueber« raschuna ihr die Hand hinstreckend.„Welch' unerwarietc« Wiedersehen......." Und als sie ihn nun anstarrte, ohne die dargebotene Hand zu beachten, legte sich wieder der ihr bekannte höhnische Zug um seine lächelnd verzerrten Lippe», als er fortfuhr:.Allerding« vermögen Sie wohl nicht recht an meine Wesenheit zu glauben....... eS liegt hier aber ein weikwü'dige» Spiel des Zufalls vor, wie es wohl»ur selten im Leven beobachtet wird. Frau Dahlberg, meine Verwandte.. Die Genannte machte eine Bewegung, welche aber mehr der Abwehr, als der Zustimmung glich. Erna blickte sie groß an. � „Allerdings nur entfernt verwandt," sagte Gontard rasch, wie um jene einer Antwort zu überheben; und dann fuhr er mit der gleichen Geläufigkeit fort:„Also, um eine lange Geschichte kurz zu machen: Frau Dahlberg ist die Echwä- gerin meiner längst verstorbenen Mutrer und gebietet, waS Ihnen wohl schon bekannt sein dürfte, über ein kolossales Vermögen. E« bestand bisher eine gewisse Spannung zwischen uns, wie meistens zwischen entfernteren Verwandte», deren Vermögenslage nichi die gleiche ist. Wir korrefpou- dirten nicht, und auch diese Begegnung wäre wohl unter- bliebe«, wenn ich sie nicht durch Urberrumpelung erzwungen hätte,— um Ihretwillen!" „Um meinetwillen?" hauchte Erna, von einem zum andern blickend. Gontard ließ sich weder dadurch, noch durch die tödt- liche Verlegenheit, welche sich in Frau Dahlbergs Haliung bekundete. einschüchtern. „Ja, F.äulein Eschenbach, um Ihretwillen,' bestätigte er.„Ich bin mir leider nur zu wohl bewußt, daß e« mir niemals gelungen ist. Ihr Vertrauen zu gewinnen, oder auch nur ei» gütiges Lächeln Ihnen abzuschmeicheln. Trotz- dem war mir der Gedanke unerträglich, daß Sie, die einzige Tochter des Mannes, dem ich so viel verdanke, aus so hef- Mitwirkung für die Zukunft sehr wichtig und w:rtbvoll sein. Die Zuriickiryung. welche sie nach den bisherigen Beschlüssen der Kommisston erfahren würden, könnte leicht dazu dienen, gerade diejenigen Mißstände hervorzurufen, welche durch die Besch'änkung der Vertretungsrechte vermieden weiden sollen: nämlich der sozialdemokratischen Agitation einen Hebel zur Bearbeitung der ländlichen Arbeiterbevölkerung in die Hand zu geben.— Diese Auffassung des konservativen Blattes dürfte von seinem Standpunkte aus durchaus richtig sein, aber so oder so— der Hebel ist immer da, derselbe liegt in den allge« meinen Verhältnissen. Zum Vranntweinmonodol. Die„Nationalliberale Kov respondenz" bemüht fich, für den ihr wahrscheinlichen Fall de: Ablehnung deS Branntweinmonopols Wege jgr ebnen, die dar- nach eine höhere Besteuerung des Branntweins herbeiführen würden:„Wenn wir auch für das Monopol keine Rettung erblicken, so hoffen wir doch, daß eine Kundgebung einer großen Mehrheit deS Reichstags deS Inhalts erfolgen wird, daß die Gewinnung erheblich reicherer Einnahmen auS dem Branntwein wünichenSwerth und zweckmäßig, daß dieS Eteuerobjekt weit besserer Ausnutzung fähig, daß vaS Monopol nur wegen feines zerstörenden Eingriffes in zahlreiche wirth- schaftliche Verhältnisse zu verwerfen ist, und daß man ander- weitigen Vorschlägen für eine stärkere Ausnutzung der Steuer- kraft des Branntweins größtes Wohlwollen entgegenbringen wird. Einer solchen Erklärung fich zu entziehen, hätte keine Partei Veranlassung, auch die deutschfrcifinnige nicht, die seit Jahren unausgesetzt auf die höhere Besteuerung des Brannt- weinS hingewiesen hat und davon erst still geworden ist, seit- dem die Regierung mit ihren Monopolprojekten hervortrat---- Nehmen die Dinge den angedeuteten Verlauf, so könnte die Verhandlung über die Monopolvorlage noch den günstigen Erfolg haben, den Weg zu einer befriedigenden Lösung der Frage gewiesen und vorbereitet zu haben."— Wir find gegen jede höhere Besteuerung des Branntweins, besonders gegen eine Konsumtionssteuer und gegen die Lizenzsteuer. Wenn aber einer Erhöhung nicht auS dem Wege gegangen werden kann, dann ist eine Steuer an der Branntweinquelle, eine Produk- tionssteuer allen andern vorzuziehen. Welche Freude wird der Herr Reichskanzler wohl darüber empfunden haben, daß die Sozialdemokraten seine Wünsche so prompt berückfichtigen. Kaum war eine Reichstags, Nachwahl nöthig in einem Krnse, wo die Sozialdemokraten auf Erfolg hoffen konnten, da rafften fie fich auch zusammen und entrissen diesen Wahlkreis, den 19. sächfischen, den Deutsch- Konservativen, so daß nun der erste der von dem Herrn Reichs- kanzlcr gewünschten neuen zwölf sozialdemokratischen Abgeord- neten in den Reichstag eintritt. Bei etwaigen allgemeinen Wahlen wird der Wunsch des Herrn Reichskanzlers flcherlich vollständig erfüllt werden; den guten Willen haben die Sozial- demokraten jedenfalls dazu. Es ist für die Sozialdemokraten auch besser, da fie dann selbstständig Resolutionen und An- träge zur dritten Lesung des Etats, die 30 Unter stützungS- stimmen erfordern, stellen können. Aber ganz besonders wün- schenSwerth wäre eS, wenn, wie in diesem Falle, die übrigen 11 Sitze den Deutsch. Konservativen abgerungen würden. Ob dieS aber den Wünschen des Fürsten Bismarck entspräche, dürste doch wohl dezweifelt werden, da die Deutsch. Konser- vativen bekanntlich die parlamentarische Leibgarde des Herrn Reichskanzlers bilden. Die fächstsche Regierung versucht durch Abänderung der Landgemeindeordnung, welche den Beginn des wahlfähigen Alters vom 21. bis zum 25. Lebensjahre hinausschiebt, dem Eindringen von Sozialdemokraten in die Gemeinde- Vertretung?- körper vorzubeugen. Ob dies der Regierung gelingt, ist eine zweite Frage. Aber eine durchaus reaktionäre Abänderung liegt hier vor. Das genirt die gemüthlichen Sachsen nicht— hört man doch selbst in der sächfischen Kammer«S aussprechen, daß in keinem deutschen Bundesstaate die Reaktion derart in Blüthe stehe, als gerade in dem Königreich Sachsen— Mecklenburg nicht ausgenommen. Im Kreise Flensburg findet am 29. d. M. eine Nach- wähl zum Reichstage statt. Die Wahl deS nationalliberalen Abgeordneten Gottburgsen wurde bekanntlich vom Reichstage für ungiltig erklärt. Die Nationalliberalen haben denselben wieder aufgestellt, die Dänen den früheren Abg. Johannsen und auch die Sozialdemokraten stellen einen eigenen Kandi« daten auf. Sämmtliche Parteien find sehr rührig; die Ratio« nalliberaten befürchten, mit den Dänen in Stichwahl zu kom« men, weil fie wissm, daß die Sozialdemokraten ficherlich nicht für einen Nationalliberalen stimmen werden. Der Sieg deeGrostbetriebs zur See ist bereits mehrfach von uns behanvclr worden. Derselbe kennzeichnet fich einerseits durch die allmächtige Verdrängung der kleinen durch die großen Schiffe, andererseits durch die konstant wachsende Einfühlung deS Dampfes und dementsprechendes Zurückweichen des Segels in der Schifffahrt. Wir geben in folgendem einige Zahlen, die klipp und klar zeigen, welch gewaltiger Umschwung in der Eeeschissfahrt fich vollzogen hat. Hier eben, wie überall, ge« langt das Großkapital mit seinen gewaltigen Mitleln, seiner intenstoen Ausdeutung der maschinellen Technik, seiner Kunst, tige» Stürmen einer licht- und hoffnungslosen Zukunft ent« gegen gehen sollten. Gleichwohl sagte ich mir, daß Sie viel zu stolz sein würde», von meiner Hand auch nur die geringste Unterstützung anzunehme», obwohl mich eine glück- liche Spekulation in den Besitz eine» für meine Verhältnisse bedeutenden Vermögens gebracht hatte. Ich begab mich also persönlich zu meiner Verwandten, um sie zu bitte«, daß sie sich Ihrer annehme» und zunächst die Verschollene ausspüren möge..... und nun, wie durch ein Wunder hergezaubert, sehe ich Sie vor mir." „Ja, verehrteste Frau Tante," wandte er fich gleich- sam erklärend an Frau Dahlberg,„da? war«S, was mich zu Ihne« führte und nicht, waS Sie vermuthet haben mögen, eine Geldverlegenheit. Nein, Gott sei Dank, die Tage sind für mich vorüber, wo ich die Hilfe Anderer in Anspruch «ehmen mußte, um mein Auskomme« zu finden. Die treff- liche Schulung, welche ich in dem Geschäfts Ihres Herr« Vater» genossen, Fräulein Eschenbach, sowie meine Spar- samkeit, haben mich in den Stand gesetzt, Geschäfte auf eigene Hand zu mache». Daß Glück bat mich begünstigt, und so bin ich auf dem beste« Wege, e,n reicher Mann zu werde«..... Aber nun genug vo« mir," brach er kurz ab;„und vielleicht ist es nicht unbescheiden zu frage», wie Sie auch ohne mein Dazuthu» hierher ge» komme»?" „Ganz und gar nicht," entgegnete Erna, vo« dieser Er- klärung beruhigt,„und einem Verwandten meiner Be- schützerin biete ich gern die Hand. Ich verdanke dieser Dame alles, alles was ich bin und habe, die Rückkehr zum Licht, zum Leben und ich darf wohl sagen zum Glück. Ist e» nicht so, mnne theuere Freundin?" Frau Dahlberg erkannte die Nothwendigkeit, auf diese direkt« Frage etwa« Passendes zu erwidern, und so er» mannte sie sich zu einer Antwort. „Meine gute Erna," sagte fie liebevoll und doch nicht frei von Befangenheit,„Sie überschätze» meine geringen Verdienste um diese erfreuliche Wandlung, welche in der letzte» Zeit mit Ihnen vorgegangen. Allerding» ist eS ein höchst merkwürdiges Zusammentreffe», daß wir Beide, ich die menschliche Arbeitskraft theils zu„ersparen", theils für billigste Preise die längste Zeit auszunützen, zur alleinigen Herrschaft. Die Zahl der Segelschiffe an den deutschen Küsten, in der Größe von mehr als 50 Kubikmeter Raumqe- hall, viränterte fich vom 1. Januar 1871 bis 1. Januar 1885 wie folat: 1871: 4529, 1872; 4460, 1880; 4403 1881: 4246, 1882: 4051, 1883: 3855. 1884: 3712 1885: 3607 Segelschiffe. Die Größe(Ladungsfähigkeii), die 1871 netto 2 589 240 Kubik» meter betrug, belief fich 1885 auf 2 494 012 Kubikmeter. Sie betrug dagegen im Durchschnitt pro Schiff 1871: 571,70 Kubik- metci, 1885: 691,44 Kubikmeter. Die Gesammtzahl der regel- mäßigen Bes-tzunq fiel von 35099 Mann im Jahre 1871 auf 33 448 in 1875. 32 158 in 1880, 31 003 in 1881, 29 593 in 1882, 28094 in 1883, 26 937 in 1884 und betrug 1885 nur noch 26 014. So kommen an durchschnittlicher Besatzung auf ein Sck'.ff 1871; 7,75, 1875: 7,50, 1880: 7,30, 1881: 7,30, 1332: 7,31, 1883; 7,29, 1884: 7,26, 1885: 7,21 Mann. Ein ununterbrochener Rückgang! Die Zahl der Schiffe ist in 15 Jahreu um 23.57 pCt., diejenige der Besatzung um 2445 pCt, In beiden Fällen also um beinahe ein Viertel gesunken. Wenn die Ladung?» fähigkeit der Segelschiffe in weit geringerem Maße gefallen ist, so beweist dies nur, daß die klernen Schiffe es find, denen zuerst der Garaus gemacht wird, daß in dem Wettkampf zwischen Dampf und Segel fich nur d-r Segel großdetrieb noch einige Zeit über Waffcr halten kann.— Was zeigt nun die amlliche Statistik bei der Dampfschifffahrt. De Zahl der Dampfer stieg von 147 im Jahre 1871 auf 299 in 1875, 374 in 1880, 414 in 1881, 458 in 1882, 515 in 1883, 603 in 1884. bis zu 650 in 1885. Die Größe betrug 1871 netto 228 937, 1885 abcr 1 172 675 Kubikmeter, stieg also durch- schnittlich vro Sctiff von 1557,39 Kubikmeter im Jahre 1871 auf 1804,12 Kubikmeter in 1885. Die Gesammtzrkl der Be- satzung betrug 1871: 736, 1875: 9339, 1880: 8131, 1881: 8657, 1882: 9516, 1883: 10937, 1884; 12 678, 1885: 13 897 Mann. Es ging die vurchschnitlliche Begasung pro Schiff zu- rück; dieselbe belief fich 1871 auf 32,22, 1875 auf 31,23, 1880 auf 21,74, 1881 auf 20,91, 1882 auf 20,78, 1883 auf 21,24, 1884 auf 21,02, 1885 auf 21,38 Mann.- Wir sehen also: die Dawptschiffe haben eine fast um dreimal größere Durchschnittsgröße als ihre Konkurrenten, die Segelschiffe, fie wuchsen seit 1880 von Jahr zu Jahr ganz erheblich an Tragfähigkeit. Aber die Zahl der auf ihnen be> findlichen Mannschaften bleibt stabil, wir können einen relativ verringerten Bedarf an Mannschaften annehmen. Wie in der Fabrik die Maschine immer mehr„Hände freisetzt", d. h. über- flüjfig macht und dadurch neue Rekruten der industriellen R.- serveormee zuführt, so ist es auch zur See. Das Dampfschiff überflügelt daS Segel und verringert durch seine fich immer mehr vervollkommnende Technik die Zahl der nothwendigcn menschlichen Arbeitskräfte. So ergiebt es sich, daß, obgleich die G'öße unserer gesammtcn Kauffahrteischifffahrt von 1871 diS 1885 von 2 818177 auf 3 666687 cbm gestleaen ist. die Kookzohl der Besatzung unverändert blieb(1871: 39 835, 1885 39911). Die großkapitalistische Entwickelung vernichtet den Kleinbetrieb, vernichtet durch„arbeitsparende" Maschinen die Arbeitsmögltchkeit für Tausende von Existenzen, vereinigt immer größere und zahlreichere Produktionsmittel in immer weniger Händen, züchtet in unserem Falle ein Seemanns- Proletariat und zeigt uns, wie nothwendig auch auf diesem Gebiete sofiale Reformen find. Den Seeleuten fehlen noch wehr als den Landarbeitern gesetzliche WohlfahrtSeinrtchtungen. Wie noth thut, um nur Elms H-: auSzugreifen, eine Unfallgesetzgebung für Seeleute! Aber selbst zu der Dar« reichung solch armenpflegerischer Palltativmittel in homöopathi« scher DofiS bat fich bis heute die gesetzgebende Körperschaft des Deutschen Reiches nicht auftaffen können. An der Zeit wäre es. Oesterreich-Uugar«. Der Paragraph 12(Strafparagraph) des Sozalisten« g e s e tz e s lautet nach Vereinbarung in der ReichreckiSkom- misfion folgendermaßen:„Wer an einer geheimen Gesellschaft, von der er weiß, daß fie den im§ 1 angeführten Bestrebungen dient, theilnimmt, macht sich eineS Vergehens schuldig und wird mit strengem Arrest von secks Monaten bis zu drei Jahren, womit eine Geldstrafe von 100 biS 500 Gulden verbunden werden kann, bestraft. Gegen Ausländer ist auf Abschaffung zu erlennen."— Die Strafen find schärfer, wie bei dem Sozia« listengesetz in Deutschland. Serbien« Der Friedensvertrag zwischen Serbien und rren ist am 3. März unterzeichnet worden. Bulgai Frankreich. In der französischen Deputirtenkammer er« klärte der Ministerpräfident Freycinrt bei der Verhandlung über den Antrag auf Ausweisung der Prinzen, er müffe den Antrag als unnütz und inopportun zurückweisen; die Regierung werde, wenn es die Umstände erheischen sollten, die erforder« lichen Maßregeln zu ergreifen wissen. Die Kammer dürfe auf die Wachsamkeit und Energie der Regierung rechnen. Der Antrag DuK's auf sofortige Ausweisung der Prinzen wurde und Herr Gontard, unbewußt demselben Ziele zufireden, nämlich dem, Sie glücklich z» sehen." „In Wahrheit ein ganzer Roman," lachte Gontard, „und ich bin sehr begierig zu erfahre», wa» meinem innig- ste« Wunsche so rasche Erfüllung brachte." Frau Dahlberg zögerte noch, die gewünschte Erklärung zu geben; aber Erna kam ihr zuvor. „Ich sehe eS jetzt ei«, Herr Gontard, ich habe Ihnen Unrecht gethan," sagte sie mit einem offenen Blick auf de» frechen Lügner,„und der Man», der das volle Vertrauen meines Vater» besessen, sollte mir kein ganz Fremder mehr sein. Sie wahren ihm ein liebevolles Andenken, de« so viele tadeln, und da» ehrt Sie in meinen Augen, da« giebt Ihnen einen Anspruch auf meine Dankbarkeit. Laffen Sie mit diesen schlichten, aber herzlich gemeinten Worten da» Ei» zwischen un« gebrochen sein, und nun höre« Sie, wie «» mir weiter ergangen." Frau Dahlberg machte noch eine« schwache« Vetsuch, vo« dem Gegenstände abzulenken, indem sie eine gelegenere Stunde für vertraulichere Mittheilungen in Vorschlag brachte; aber Erna verstand de» Wink nicht und Gontard ermunterte sie«och weiter. Er lauschte Ernas Bericht mit vieler Aufmerksamkeit. „Welche glückliche Fügung!' sagte er am Schlüsse desselben.„Ich wußte, daß Sie nirgends so gut aufgehoben sein würde», wie hier, und ich freue mich, das au» Ihrem eigenen Munde bestätigt zu hören." „Und wie ist e» Ihne« ergangen?" fragte Erna. „Ich kann nicht klagen," entgegnet« Gontard.„Zch fand eine sehr einträgliche Stelle in dem Winter'schen Export» Geschäft. Ich war sehr gut aufgehoben dort." „So... dehnte Erna, plötzlich sehr blaß geworden. Und als fie Gontard? Auge auf sich gerichtet sah, sagte sie verwirrt:„Gewiß, gewiß; es ist ja auch ein große» Hau». Und Sie find jetzt noch dort?" „Nein..... die vorgenannte« glücklichen Geschäfte und dann der Wunsch. Ihnen irgendwie zu Hilfe zu kommen, veranlaßte» mich, meine Stellung wieder aufzugeben. Zch werde mich jetzt selbstständig mache»— vielleicht hier, viel» hierauf mit 345 gegen 195 Stimmen, der Antrag RivetS k« treffend die fakultative Ausweisung der Prinzen mit 333 gegen 188 Stimmen abgelehnt. Eine vom Ministerium angenem- wene Tagesordnung, welcke besagt, daß die Kammer im«ev trauen auf die wachsame Energie der Regierung und in«« Ueberzeugung, daß die Regierung gegen die Prinzen diejenige» Maßregeln ergreifen werde, welche die Umstände erheische» würden, zur Tagesordnung übergehe, wurde mit 353 gegen 112 Stimmen angenommen. Der Minister des Innern berichtete über die Lage>» Decazeville und die durch die Vertreter der Rrgiening mit der Kompagnie angebahnten Unterhandlungen. Tie Lage ist ernst und man kann leider nicht voraussehen, wann der Streik ein Ende nehmen wird. Der Minister de? Jnnein theilte mit, daß, entgegen gewissen Behauptungen, die»cr« treter der Regierung fich nie in die Lohnftage gemengt haben, diese beschränkten fich darauf, der Kompagnie Raibschläge M Voificht zu ertheilen, die Einwürfe anzuzeigen, die geßw Personenftagen verursachten, und auf die Gefahren ginnn» Entschließungen hinzuweisen; so namentlich auf die W beHaltung des Ingenieur» Blazy und auf die Veröffentlichung deS Beschlusses des Berwaltunqsrathes betreffend die AW' rung der Kompagnie, gewisse Kategorien von Arbeitern misbn auszunehmen. Da die Kompaanie trotz alledem auf ihren BP schlüffen beharrte. bat der Minister deS Innern den watturgsrathen schriftlich angezeigt, er ergreise wohl alle Aw regeln zur Aufrichterhaltung der Ordnung, müsse aber M V-rantwortung für die Folgen der Beschlüsse deS Verwaltunf rathes ablehnen. Auch fei der Präfekt angewiesen worden,' nicht mehr in neue Unterhandlungen zu mengen, da r Schritte fruchtlos geblieben find. G r o tz b r i t a n« i e«. Im Unierbaufe lenkte Bradlaugh die Aufmerksamkeit m Hause» auf die Methode der Sammlung von Ardeii* Statistiken in den Vereinigten Staaten und Kanada u»° stellte den Antrag, daß unoerzüglich Schritte ergriffen sollten, um in England die volle und genaue Sammlung vn» Veröffentlichung von Arbeits Statistiken zu fichem- Zur gründun g dieses Antrags bemerkte Bradlaugh, daß die fl'gj* wärtige Loge der Arbeitertlassen in England eS höchst � schenSwerth mache, dem Publikum genaue und zuoerlaM Nachrichten über die Ärdettsverhältniffe im Lande zu ..-' ,(t die Arbctttifranrn intereistrien jetzt mehr oder weniger die zivilifirte Welt. Der Sozialismus habe in England bitl� keine Wurzeln gefaßt, allein eS sei Pflicht der Regie!«' nichts ungethan zu laffen, wodurch das Umstchareifen desic�.' verhütet werden könnte. DaS statistische Material, Sammlung und Veröffentlichung er wünsche, würde 0% und Gewerksstreitigkeiten allerdings kein Ziel setzen, aber" würde viel dazu beitragen, dieselben zu verhindem unv° Ursachen zu beseitigen, welche zu Arbeitseinstellungen und/;' beMsperren zu führen pflegen. Nachdem Burt den unterstützt hatte, beantragte Stanhope, der frühere deS HandelSamts, die Rrederfetzung eines Sonderausschuß� der die besten Mittel zur Sammlung und Veröffentliauu» von Statistiken über die Arbeitsverhältnisse im vereinM. Königreiche erwägen solle. Mundella, der jetzige Ehsf f. Handelsamtes, belämpfte das Amendement, da die EtoWn erneS solchen Ausschusses einen Zeitverlust zur Folge würde. Er drückte schließlich seine Bereitwilligkeit aus, s», zur Vorbereitung eines Bandes zu schreiten, der gaben über ArbeitSmärkte, Arbeitslöhne und««.rim....--- � während der letzten 60 Jahre enthalten werde. StdnhZMi; hierauf sein Amendement zurück und Bradlaugh'S wurde absttmmungSloS genehmigt..„i, Der„anarchistische" Agitator H n n d m a n befitzt.® englische Blätter melden, angeblich ein Vermögen oon s' 50000 Pfund Sterling(1 000000 Mark). Sein üppig%% richteteS Haus steht in der von lauter reichen Rentiers wohnten Devonshire. Straße im Westend London?. 0% war Mr. Hpndman Mitglied deS N«w Univerfify Klub. ganz aristokratischen Vereinigung. Seine Maßlofigleneu Rede und Schrift hatten zur Folge, daß ihm zu verstehen 8 geben wurde, er möge seinen Austritt erklären. Du»» schah; Mr. Hyndman ist aber von da an nur noch rvilv»» worden. R u tz l a u d. lieber dos Deutschth um in den Ostsekp� vinzen erhält das„Deutsche Wochenblatt" aus Riga/� stehend!« Situationivericht: Obgletch die Deutschen ij rusfischen Ostseeprovinzen den übrigen Bewohnern«Nj-U, bedeutend unterlegen find, kann man doch mit Recht dehour daß fie in jeder Hinficht das Heft in Händin haben. 3'?.«. falls ist das die Konsequenz'ihrer geistigen Uebetleßf�j Die ursprünglich«» Bewohner(Letten, Mhen und haben, hauptsächlich in den Städten, fich den Deutschen w'j ordnen müssen, so daß auch die städtischen Lt häusliche« Angelegenheit, verließ den Salon und in die Einsamkeit ihre» Zimmer». jht Hier trat sie in hessiger Erregung zum Fenster, I, Auge glitt träumerisch über die duftige, bunte Blumem' � de» Gartens. Käfer summte«, Schmetterlinge tumm sich im Sonvenschem. E» war ein Anblick schaffe«, um ei« liebekranke» Herz in süßester Hoff«" 0 schwelle». gv Gontard war in seinem Haus« gewesen, haue"i yf sehen, mit ihm zusammen gearbeitet..... und letztere vielleicht auch nicht, so konnte er ihr doch � �; verrathe», wa» ihr bi» jetzt«och in Dunkel gehüllt � wann Bernhard zurückgekehrt, wie, und ob sie, VgrAft« Schlimmste ftirchte« müsse, daß er sei« Herz an et»« verschenkt hatte..... g,pa'< Große Thräne« traten bei diesem Gedanken Augen; fie faltet« die Hände und schüttelte � Haupt, al» wenn sie an diese» Ende ihrer http «immer glaube» könne.....,.Mtu fw Kaum hatte Sie de» Salon v rlasse«, so sk# Frau Dahlberg wieder zu ihrer vollen Höhe auf-.„ps wenden Blicke», stolz und gebietend ltaL JL« � Gontard zu, bis ihr fliegender Athem fast feto*™ rührte......._. sagt- „Und nun, mein Herr, ei» Wort für viele, 1 � a? .Wozu diese ganze Komödie, wo der Vorwaud S>° schäftliche» Erledigung genügte, um Erna zu tättsih Aick haben die Papiere---- Sie haben sie viel.... Sie haben sie, Sie find gegevw-w'g �f.-- derselben und so bi» ich genöthigt, fie 3#*..■ Nenne« Sie den Preis, de« Sie dafür verlang � d ich werde ihn bezahle«, wenn ich kann. Da»« Ach»« Papiere und Hivaus aus meinem Hause, vest Sie nie mehr verdunkel» dürfen." Sfrooljntt gegen sich wachrufen, liegt auf der Hand. Auch der Regierung Alexanderi in. wird die überhandnehmende Ger» wnifirung der Ostseeprooinzen auS naheliegenden Gründen unbequem. Könnte doch dadurch der Gedanke, daß Rußland °uch eine Verfassung haben müsse, an Ausdehnung gewinnen, auch ist nicht abzusehen, welche schwerwiegenden Folgen das lltbergewicht deS deutschen Elements bei einem Zusammenstoße Deutschlands mit Rußland nach fich ziehen könnte. Auf alle nallc werden die rusfischen Politiker Alles au! bieten, um die ■»euere Ausbreitung deS Deutschthums möglichst zu verhin» wun- Verschiedene Anzeichen deuten schon darauf hin. Eo wurden die Stadtväter von Riga und Reoal im Herbste »oriaen Jahres abgesetzt, weil ste als Leiter der Rekruten- nuShebungskommisston die Schriftstücke in deutscher Sprache udfaßten. Gleichzeitig wurde angeordnet, daß die Poiizetver» waltungen, rvelche stch der deutschm Sprache als Geschäfts- >?rache bedienten, fürderhin die rusfische einzuführen hätten M daß aller Schriftwechsel mit Regierungsbehörden in rufst- * Sprache zu führen sei. Soeben hat ferner der livländi- W Gouverneur in Riga eine Verfügung getroffen, wodurch «Iva hundert deutsche Lfteratrn vom Wahlrecht an den Stadt« »ktordnetenwahlen ausgeschloffen werden. Die rusfiscken und Mschen Preßorgane find natürlich darüber ganz entzückt und ihren Deutschenhaß unverhohlen zum Ausdruck. Ein poßer Stein des Anstoßes ist den Russen, daß die Deutschen w der Industrie hier eine große Rolle spielen. Man verlangt der Regierung, daß ste die Fabriken, welch« in den Hän« *■> von Ausländern find, exvropriirt und von Russen über- »thmin läßt. Jeder, der ein industrielles Geschäft betreiben W- soll zehn Jahre rusfischer Unterthan sein müssen; die der Ausländer verlangt man höher zu besteuern u. f. w. u» die russische Regierung so weit gehen und diese Forde- realifiren wird, wer weiß es?! Vielleicht haben Die- fjwn Recht, welche meinen, eS ständen den Deutschen ähn- "we Maßregeln bevor, wie dm Polen in Preußen. Parlamentarisches. , � In der ReichstagSkommisfion für den vom Abg. Rin« 'Wn eingebrachtm Gesetzentwurf betreffend die Ergän« �dg deS Strafgesetzbuchs, hat der Abg. Munckel M von ihm angekündigten Antrag in folgmder Fassung ein- M°, unzuverlässig. Nach längerer Diskussion wurde be- en, dem Herm Reichskanzler die Petitionm mit dem Er- ien zu übersmdm, daß, um Klarheit über die Lagt der rthschaft zu erlangm,«ine Enquete über die Verhält- .»So? Meine«— Sie?" höhnte Tontard.„Gemach, 2* Kommerzimräthin Escheabach, so weit find wir noch 3 Hätten Sie Ihre Tochter nicht schon selbst gesucht fich genommen, ja, hätte ich Erna hier heute nicht �he«, so würde ich Zhvea die Papiere für eine» annehm- S? Preis überlassm habe«. Die Anwesmheit Ihrer ��e* in Ihrem Hause ändert die Sache/ »Inwiefern?"_ m, /-Insofern, al« Erna« Hand mir dm Preis, de« S,e fi ftr diese Papiere johl« werdm, erhöh« soll. ZAliebe ß,,' Tochter mit einer nie versiegend« leidmschaftlrchen und ich werde nicht ruhen, br« ich mir ihre Gegen- »worben, ihre Hand mir errungen habe." .Sie --Ich. Scheint Ihn« das so ungeheuerlich?v w— so ganz unannehmbar, daß rch um diese» Preis �n Besitz der Papiere verzichte." �.'�ahrhaftig?" lachte Gontard.„Nun gut. dann K.'ch. Apreren?",_. ließ ei» klare«. dmtlicheS Ja vemehm«. Sre üch unter seinem durchbohrend« Blicke. vorher Fried« machen." MSN niffe der landwirthschastlichen Lage im Allgemeinen, über die Belastung der landwirthschastlichen Grundstücke mit Hypotheken, StaatS- und Kommunallasten und über die Rentadilttät des ländlich« Grundbesitzes im Besonderen vom Reich veranstallet werde. Wir erhalten folgende Zuschrift: Verehrliche Redaftion. Hierdurch bitte ich um Aufnahme nachstehender Erklärung: Der letzte Parlamentsbericht über die Behandlung von Petitionen durch den Reichstag ist t«. denziös günstig für die deutschfteifinnigen Abgeordneten und dm Abg. v. Köller gefärbt. Die Reden der Abgg. Meyer, Lipke und v. Köller find fast wörtlich wiedergegebm, während meine Antworten zumeist um das Zehnfache verkürzt sind. Sodann wird in allen Parlamentsberichten die Sache ganz verkehrt dargestellt. Ich habe das bisherige Prinzip be- kämpft, in Massen, d. h. Kundert« von Petttionen für nicht geeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären, ohne daß mit wenigen Ausnahmen die Abgeordnet« wissen, was in diesen Petitionen steht- Ich bezeichnete bei einer solchen Behandlung der Petttionen daS verfassungsmäßige Petitionsrecht als werth- lo«. Um ihre Haltung zu verschleiern, machte man mir settenS der MajoritätSpartei« persönliche unwahre Vorwürfe.— Wie wenig man auf der Journalist«- Tribüne wußte, um w«S e« fich handelt, geht daraus hervor, daß mitgetheilt wird, es bandelt fich um Petttionen, welche nur die Vermehrung der Reichstagsmitglieder betreffen. Ich führt« 9—10 wichtige Petition« an, und um zu zeigen, daß man nicht einmal auf der Journalisten- Tribüne wußte, wa« beschloff« wordm ist, be- merke ich, daß eine Petition die Enichtung von StaatSlehr- Werkstätten betraf, welche Petition von den Berliner Bild- Hauern ausgegangen ist. Berlin. 4. Mär, 1888. MU Hochachtung Max Kays«, Reichstags- Abgeordneter. Kommunales« Stadtverordnetm-Verfammlung. SitzungvomDonnerstag, den 4. März. Die B e r a t h u n g'der� übrig« Ab, Heilungen des Etats der Unterrichtsverwaltung(Taubstummen schule, Blindenschule, FortdildungSschul«, gewerbliches UnterrichtSwesen) ruft keine Debatte hervor. Die Anträge de« Ausschüsse« werden an- genommen. Kapitel VI und Kapttel vn(Kirchliche Zwecke und Armenverwaltung) werden debattelos nach den Anträgen.deS Ausschusses bewilligt. Bei Kapitel VIII(Krankmhäuser und Einrichtung« für die Gesundheitspflege) demerkt der Referent Stadtv. S p i n o l a zu der Frage der Uebernahme der SanitätSwachen in städtische Verwaltung- daß die Deputation für öffentliche GesundheitS» pflege eine Subkommisfion mit der Prüfung der Angelegenheit, besonders mtt der Aufgabe stattstischeS Material Herderzuschaffen, betraut habe. Diese Subkommisfion habe ihre Arbeiten noch nicht beendet, man müsse ihre Antwort abwarten. Auch Kapitel VIII wird nach den Anträgen des Ausschusses festgesetzt a« Projekt zum Neubau eine« AfylS für Obdachlose und einer DeiinseftionSanstalt an der Prenzlauer Allee wird nach kurzer DiSkusfion einem Ausschuß von zehn Mitglied«« überwiesen. DaS Projekt deS NeubauS zweier Gemeinde- schulen und die Vorlage, betreffend den Verkauf de« Grundstücks- Komplexes am Werder'schen Markt wird einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwies«. Eine Reihe weiterer unwesentlicher An- träge wird deoatteloS durch Annahme der MagistratSoorlag« erledigt. Einrichtun'gen von Regenbädern in drei Ge- meindefchulen. Der Magistrat deantragt: Die Versammlung ist damit einverstanden, daß in drei Gemeinde- Dopvelschul« warme Regenbäder für Schulkinder eingerichtet, und solche un- entgeltlich währ«d des EtatSjahreS 1886/87 gegeben werden. Sie bewilligt für Einrichtung und Betrieb 10 000 Mark als Extraordinarium zum Etat 27. Stadtv. Dr. Gerstenderg erklärt stch auS prinzipiellen Gründm„um die individuelle Freiheit zu schütz«" gegen den Anttag. Es würdm Sachen in die Schule hineingetragen, die nicht hineingehören. Die Sorge für die Reinlichkeit müsse der Familie überlassen bleiben. Zu einem„Badezwang" bade man kein gesetzliches Recht. Man solle auf die Volktbäder warten. Stadtschulrath Bertram vertheidigt auf daS Ledbasteste die Vorlage. Die Schule müsse Gelegenheit geben, die Regeln, die ste gtevt, auch auszuführen. Eine große Anzahl Famllten gl im Winter nicht in der Lage, ihren Kinde« warme äder zu geben. Für die Stadtverwaltung seien alle die Dinge der Fürsorge werth, welche von den einzelnen Familtm nicht und ihre Tochter warf. Er hatte die Mittel in Händen um ihr diese wieder zu entfremde», um sie von ihr zu trenn« sür immer: und da e« einzig und allein die Liebe und Achtung E«a« war, für die sie kämpfte, so brauchte Gontard wegen de» Erfolge« seiner Werbung nicht mehr im Zweifel zu sei».------------ Freilich, wenn er zurückgeblickt, w«n er gesehe« hätte, welch« Sturm er indem Herzen dieser Frau«tfacht hätte, würde er w«iger zuversichtlich in die Zukunft geblickt Hab«. „Bube l" zischte die al« Kommerzicnrälhi« Eschenbach «tlarvte Frau Dahlberg..Du warst es also, der al» Knabe meinem Gatt« da« venieth, was un« sür immer tr««te; und»un zum Manne herangereift, willst Du es wieder sein, der mich um die schwer erkämpfte Liebe meiner Tochter bringt? Sieh Dich vor! Wenn es die Rettung ihre« KindeS gilt, dann wird die Mutterhand zur Mörder- Hand, die nach dem Herzen ihre« Opfer» zielt; und da» wärst Du!"..... (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst«nd Zebe«. Wie man'» macht. Der Pariser„Time»". Korrespondent hat bekanntlich vor einiger Zeit ein paar Pariser Joumale an den Pranger gestellt, die ihre ausführlichen Prioat-Telegramme lediglich auf Grund der Phaniaste ihrer Redafteure beziehen. Er kommt jetzt auf dieses Thema zurück und konstatirt folgende Fälle: Ein Pariser Blatt brachte kürzlich in einem riesigen Spezialtelcgramm die Beschreibung etneS stattgehabten Hof. balle« in St. Petersburg acht Tage bevor er überhaupt adge« halten wurde. Ein anderes Blatt brachte„von unserem Spezial- korrespondmten" ein Telegramm aus Rangun von 2300 Worten, da« beinahe so viel kostete. alS die Zeitung selbst Kapital zur Verfügung hatte. Der„TimeS"- Korrespondent sprach TagS darauf d« Herausgeber, der nicht einmal wußte, wo Rangun liegt und sehr ang«ehm berührt war, zu hören, daß er do:t einen„Epeztalkorrespondenten" habe. Aber auch wo fie wirklich einmal einen Epezialkorrespondenten Hab«, können diese geleistet werden könnten. Der Schulbehörde werde eS niemal» in den Sinn kommen, Kinder zum Baden zu zwingen, nur die Gelegenheit solle geboten werden. Auf die Volksbäder könne man nicht warten. Der Versuch müsse auf jeden Fall gemacht werden und es sei zu hoffen, daß er zum Segen für die Stadt, zum Segen sür den Sinn für Hygiene ausschlagen werde. Stadtv. K a l i s ch erklärt stch für d« Antrag. Stadtv. Kreitling spricht daS Bedenken auS, daß daS Zusammenbadm in einer Wanne JnfeftionSkrankheiten für die Kinder der besser fitutrten Klassen herbeiführen könne. OberbürgermeisterDr. vonForckenbeck bittet die Vorlage anzunehmen. DaS Badewesen, wie es fich ge- staltet hat, entspreche den Bedürfnissen nicht. Die Lösung dieser Aufgabe müsse vorbereitet werden. Stadtv. Dr. Fried em ann spricht stch für die Vor- läge auS. Stadtv. Spinola meint, daß der Anttag auf«ine ab- schüssige Bahn führe und zu sozialistisch sei. Sehr viele Kin- der der Armen hätten kein oder ein zerrissenes Hemd. Ihr Schamgefühl werde verletzt, wenn fie mit anderen Kinde« zu« sammen baden müßt«. Stadtv. Dr. Stryk dringt aus d« Erfahrungen der Schulbäder in Göitingm den Beweis, daß die Einrichtung nur segensreich wirken könne. Stadtv. T u tz a u e r: Als zum ersten Mal in den Schul« daS Tum« eingeführt wurde, hatte man vielfach dieselben Be» denken dageg« wie jetzt gegen die Einführung der Badeein- richtunqen. Ich habe zu der Zeit gerade die Schule besucht; viele Elte« waren der Anficht, daß nach Einführung deS Turnunterrichts in den Schulen ihre Kinder Arme und Beine brechen würden. Diese Bedenken haben fich als unbegründet erwiesen. DaS, waS in Göttingm fich praktisch bewährt hat, wird fich auch in Berlin bewähren. AlS wir vorhin über den Bau der Kaiser-Wilhelm Brücke beriethm, da legt« Sie große? Gewicht auf daS Urtheil eines Fachmannes, deS Kolleg« Hey« den. Jetzt, wo Kollege Stryk, der wohl auf diesem Gebiete al« Fachmann gelten kann— für die Bade> Einrich- tungcn in der Volksschule eintritt, wollen Sie da« von nicht» wissen. Man steht in der Vorlage etwa? sozialistisches. Herr Spinola sprach dai off« au«— und dai ist für viele der Hauptgrund fie abzulehnen. Wenn da» nun wirklich ein sozialistischer Antrag ist, den der Magistrat gestellt hat, so fteue ich mich deffm; so zeigt eS fich, daß eS ein gesunder Sozialismus ist. der stch selbst in den Reihen deS Magistrats Bahn brechen kann.— Ali von Frank« reichs Grmzen her die Cholera einzufallen drohte, da verlangte man Geld, um Desinfektionsanstalt« zu bauen; aber die Einrichtung der Schulbäder wird ein besseres Mittel gegen Epidemien sein, als alle Räuchereinrichtungen. Man soll den Brunnen nicht eist zudecken, wenn daS Kind hinein gefall« ist. Bei einem Etat von über 50 Millionen spielen die verlangt« 10000 Mark gar keine Rolle. Selbst wenn der Versuch, zu dem fie verlangt«erden, mißglücken sollte, würde eS mich doch nicht reuen, fie bewilligt zu haben. Bei der Abstimmung wird mit geringer Majorität der An- ttag Tutzauer, die Vorlage einem Ausschuß von 15 Mitgliedern zu überweisen, abgelehnt. Dasselbe Schicksal hat auch die Magistratsvorlage. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß'/.10 Uhr. ßoltale». DaS Romanlesen hat auch eine politische Seite. Fast immer find in deutschen Romanen Herren und Damen de» Adels die Helden der Erzählung. Und gewiß verlöre diese Kunstgattung nicht, xwenn dem anders wäre! Oder fängr der Mensch noch immer erst beim Baron an? Doch auch der Romanschriftstellerei scheint fich der Adel mehr und mehr be» mächtigen zu wollen, so daß sogar die„Kölnische Zeitung", welche an manchem Diplomatmtisch und in manchem Ritter« schloß Zutritt bat, fich ein Her, faßt und zu tadeln anfängt. Daß fie stch dabei gegen Demokratische" Gesinnung verwahrt, ist selbstverständlich, wenn auch unnöthig. In auffälliger Weise— liest man da— hat fich die Zahl der Romane und Novellen schreibenden Gräfinnen und Baroninnen vermehrt. Theilweise hüllen fie fich in ein männlich bürgerliche« Pseudo- nym, für dessen baldmöglichst« Enthüllung aber Sorge ge- tragen wird; vielfach treten fie sofort mir ihrem vornehm klingenden Namen auf. Dagegen wäre nun nichts zu sagen. Zu den Rechten jedes Deutsch« gehört eS, gute und schlechte Romane, so viel er will, zu schreiben, und es wird von diesem Rechte der ausgiebigste Gebrauch gemacht. Man erkennt in dies« adligen Schöpfungen, daß die Verfasserin, ehe ste selbst zur Feder griff, sehr viele, zumal englische Romane gelesen hat, und findet, daß fie mtt gewissen Erscheinungen deS Sports und der äußeren Lebensführung eines hochadligen Hauses besser vertraut ist, als mit emsten Lebensfragen der m-nschlichen Gesellschaft, bei deren Berührung ihr mancher grober Schnitzer begegnet. Dagegen hat die Dame meist ein gewisses Talent, Blätter daS Aufschneid« nicht lassen. Eo schickte an« läßlich der jüngst« Unruhen in London ein Pariser Blatt einen Spezialkorrespondentm in die britische Haupt- stadt, der bei mehreren hervorragenden Personen ein- geführt wurde und Alles gut in Augenschein nehmen konnte. Sein erstes Telegramm, das in seinem Blatte erschien,«digte mtt folgenden Worten:„Die eine Hälfte der Stadt ist in Aufruhr, die andere in Bestürzung. Die sozialistische Be« wegung hat so weit um fich gegriffen, daß ste ohne ein Blut« bad nicht enden kann." Man machte ihm nun in London Vor« würfe darüber, wie er so etwas habe ttlegraphir« können, aber er war selbst von dem Schlußsätze seines Telegramms höchlich überrascht,— die Redaktion selbst hatte den Satz dazu gesetzt, weil eS mehr Aufsehen machte, wenn die Kolpoiteure auf den Boulevards daS Blatt mit dem Zusatz„Revolution in England" auirufen konnten. Eine gesegnete Familie. Die Eheleute Carmouch« in Enghien im delgijchen Hennegau habm dieser Tage ihre gold«« Hochzeit gefeiert; derselben wohnte die Mutter der Jubelbraut bei, die jetzt ihre volle 93 Jahre zählt und bei 8uter Gesundheit ist. Dieselbe sah bei dieser Gelegenheit fünf Generationen um fich mtt zusammen 62 Kinde«, Enkeln und Urenkeln. Drei inhaltsschwere Worte. Im Jahre 1830 trat der erste Landtag deS Königreichs Sachsen zusammen, oder wie man ihn damals noch nannte, der„Ständetag". Man ver« sprach stch außerordentlich viel von dieser Versammlung, und e« war daher, wie die„Gartenlaube" schreibt, natürlich, daß fich auch die Mitglieder derselben eine außerordentliche Wichtigkett betlegten. Eo kam eS, daß die gewählten MUglieder inSge» sammt deschloff«, fich ein jeglicher porttätiren und daS Porträt lithographiren zu laffen. Man konnte also durch den Ankauf aller in �gleichem Formate gehaltener BUdniffe fich für ein billiges Stück Geld eine schöne„Gallerte zukünftiger Berühmt- heiten" anlegen, und jeder einzelne konnte seine Verwandten und Freunde mit seinem Bildniffe erfreuen. Jeder mußte seiner Unterschrift irgend ein schönes, klangvolles Motto, womöglich mit den Wort« eines groß« Dichters, beifügen, und wer selbst in den Dichtem keinen recht« Bescheid wußte, der zog einen Literaturtundigm zu Rathe. Da« Ständemitglied Neumann, ein tüchtiger Bauer, aber sonst kein Echriftgelemster, gerieth an einen Spaßvogel und auf deffm Rath schrieb er unter sein Porträt:„Drei Worte nenn' ich Euch inhaltsschwer: Johann Gottfried Neumann l" kleine menschliche Schwächen, besond-rS der äußern Erscheinung, mit Spott zu behandeln, und ebenso zeigt fie, zuweilen etwas aufdringlich, daß fie in Literatur« und Kunstgeschichte zu Hause ist. Letzteres namentlich, wmn fie auf ihrer Hochzeitsreise in Italien gewesen. Hat aber einmal Gräfin T. einen Roman veröffentlicht, dann sagt fich die Baronin U.:„Das kann ich auch!", denn ste hat ebenfalls schon alS Mädchen als höchst geistreich gegolten, hat ebensoviel gesehen oder noch mehr Ganz anders wird jedoch die Sache, wenn dieses Spiel mittelst der ReName dem Publikum als eine ernste Sache hingestellt wird. ES kommt der Verleger und giebt der Alugkrast des adeligen NomenS ein über coS Gebiet deS Gothaischen HofkalenderS weit hinausgehendes Ziel Er bat bereits erprobt, daß eine gräfliche oder freiherrliche Verfafferin ieinem Unternehmen in diesem oder jenem Salon Eintritt verschafft hat. Er weiß aber auch noch, daß nach alter deutscher Gewohnheit das Beamtentöchterchen und die be scheidene Hausfrau des Mittelstandes einen ganz außerordent lichen Reiz darin empfinden, sich wenigsten? in der CinbildungS> kraft an der Hand eines solchen RomanS, deren Verfafferin doch sicher wiffm muß,„wie es dort zugeht", in jene hochvor« nehmen Kreise hineinzuleben. Ist es schon schön, vom milliu nenreichen Kommerzienrath und seiner prachtvollen Villa zu lesen, so macht fich so ein Graf oder Fürst auf seinem Schlöffe oder auch die diplomatische Gesellschaft in den Weltstädten doch noch schöner. Verlag und Redaktion gewisser illustrirter timilienblätter bauen auf der Kenntniß dieser Schwächen deS udlikums nun ein System auf, welches dahin geht, möglichst »tele derartige adelige Namen für daS Blatt zu gewinnen. Früher galt es alS eine immerhin seltene Auszeichnung, wenn Bilvniß und LebenSgeschichte einer Persönlichkeit in einem solchen Blatte veröffentlicht wurde. ES widerfuhr diese Ehre nur solchen Personen, deren Bedeutung der Mehrzahl der Leser schon vorher bekannt war und die nun über die bekannte Per« sönlichkeit Nähere» hören sollten. Jetzt dient das Bildniß dazu, die adelige Schriftstellerin, die N)ch zu wenig bekannt ist, be- kannt zu machen. Zwar wird zuweilen mit einer gewissen Schüchternheit der Platz in dem betreffenden Blatte anders ge« wählt als hei rechten Größen. Man setzt dann die Gräfin oder Baronin in die Nachbarschaft deS BiiefkastenS und der ver- mischten Nachrichten, aber man hat doch damit die Mitarbeiterin in den Augm des Publikums zu einer Größe gemacht, denn die Sie Leserin kann fich daS gar nicht ander? denken, als daß man on sehr derühmt sein muß, um in einem solchm Blatt abae« bildet und mit der LebenSgeschichte versehen zu werden. Zugleich aber hat man einem billigen Vergnügen der Leserinnen gedient, die es freut, Bild und Lebensgeschichte der Dame zu kennen, nicht gerade weil ihre Romane so mächtig gewirft haben, sondern weil eS„interessant" ist, zu wissen, wie diese adelige Schrift« stellerin aussieht, ob fie hübsch, jung ist u. s. w., uno dann zu lesen, ob, mit wem ste vcrheiiathet ist u. s. w. Man führt auch damit daS Blatt wiederum sehr günstig ein und giebt den adeligen Damen Anreiz, fich schriftstellerisch zu versuchen. So entsteht mit fichtlich wachsender Schnelligkeit eine Eigenart unserer Belletristik, welche in ihrem ganzen Charakter etwaS «on dem sonstigen weiblichen Schriftstellcrthum Verschiedene? ist. Zugleich aber verschiebt diese Reklame das Bild unserer Literatur, giebt dem Publikum ganz falsche Maßstäbe in die Hand, indem fie angebliche Berühmtheiten schafft, welche für die ernste literarische Welt als solche gar nicht in Betracht kommen können. ES geht daraus eine emstliche Schädigung unserer Literatur hervor, denn mehr noch als durch schlechte Leistungen wird der Geschmack dadurch verdorben, daß man die Mittelwaare über Gebühr erhebt. Die Sirbeiterhrefie hat stch da» Verdienst er« Woroe«, dem Volke die ziffermäßige Darstellung sozialwirth- schastlicher Thatsachen und Vorgänge etwa« näher gebracht zu haben. Keine Klasse hat ein größeres Interesse an der Pflege dieser Wissenschaft als die Arbeiter. Die wissenschaftlichen Entscheidungsschlachten deS Proletariats werden auf dem Felde der Statistik geschlagen werden. Von entscheidendem Einfluß ist die Erziehung in den Gewerkschaften, die berufen find, wenn ihre Aufgabe richtig erfaßt wird, ein hochwichtiges Organ der Statistik zu werden. Die Ardeiteroerbände sollen ihre Mitglieder praktisch unterweisen und stetige Aufnahmen über die Arbeitsverhältnisse ihrer Branche vornehmen. Wenn es richtig ist, daß eine durchgreifende gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterwelt die Grundlage für die soziale Um« und Neu- bildung sein wird, so muß die statistische Funktion derselben ficher eine ihrer bedeutsamsten Ledensäußemnaen sein. Der Leiter deS Bureaus für Arbeiterstatistik in Ohio, Mr. Luskey, hat anerkennend hervorgehoben, daß er erst von der Zeit an eine fichere und genügende Bafis für seine Untersuchungen gewonnen hat, seitdem er seine Fragebogen ausschließlich an Arbeiter ausschickt. Von diesen erhält er ungeschminfte, ehrliche und klare Auskunft über die Lage der Dinge auf dem ÄrbeitSmarfte. Noch aber herrscht im großen Publikum und auch bei den Arbeitem, dm sonst so lemeifrigen, eine ausgesprochene Zahlenscheu. Noch find die meisten nicht geschult, die Zahlenbtlder in Vorstellungen, die Ziffern in Ge- vantenreihen umzusetzen. Da» Leidm der Zahlmschm äußert fich in einem ungemessenen Respekt vor Zahlen und Tabellen und in der Neigung, dieselben mit fieberhafter Schnelle zu überschlagen. Aber wer schwimmen lernen will, muß inS Waffer gehen, und wer die Zahlen nicht lesen will, der wird nicht statistisch denken können. Wer aber als klassenbewußter Ar- beiter nicht mit statistischen Daten zu operiren versteht, be< raubt fich einer Schutz- und Trutzwaffe, wie fie vorzüglicher kaum zu findm ist.— Daß die Förderung und Ausübung der Arbeiterstatistik eine der wichttasten Aufgaben der Arbeiter- "organisationen ist, diese Cinffcht hat in letzter Zeit überraschend schnelle Verbreitung gefunden. Die Ortskrankentassen werden noch eine ganze Zeit brauchen, ehe ste in Ordnung kommen. Die der Backer wurde neulich auf Antrag der Gewerbe-Deputation gepfändet. Der Bäcker K. hatte einm Hauitnecht zum Holzhauen und Semmel- austragen. Derselbe verletzte fich beim Holzhauen die linke Hand. Nachdem er auf Kosten des Bäckers im Krankenhause kurirt worden war, kündigte ihm der Bäcker den Dienst. Er verklagte nun seinen Meister bei der Gewerbe-Deputation und diese sprach ihm während seiner Rekonvaleszenz ein wöchent« liches HauSkrankengeld von 9 M. zu, da er im Betriebe einer Bäckerei beschäftigt gewesen sei. Da der Mann der Orts« Krankenkasse garnicht angehört halte, weigerte fick der Rendant, zu zahlen, und nun wurde die Kasse in Höhe von 4i M. 50 Pf. gepfändet. Die Kasse muß fich nun wieder an den Meister ��Die Gefährlichkeit de« hohe« Fußgängerbrücke« konnte man in den letzten Tagen recht deutlich an der Ger- traudtendrücke beobachten. Bei der durch den Frost erzeugten Glätte zogen es die meisten Passanten vor, die gefährlichen Bergbesteigungen der Settenübergänge zu vermeiden und gingen auf vem Fahrweg dicht an dem Geländer mtlang. Hier aber aeriethen infolge der Glätte die Fuhrwerke oft in eine schleudernde Bewegung und drohten die geängsteten Paffanten Segen daS Geländer zu quetschen. Mehrsach konnte man uauen beobachtm, die in solcher Situation, mit Kindern an der Hand, rückwärts flüchteten. Vielleicht wartet man auch bter wieder, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Die steil ansteigenden Seitengänge find bei Glätte so gut wie un- pasficbar; will man fie durchaus beibehalten, so lege man Stufen zu denselben an. Einen««geheueren Auflanf verursachte in der ver« gangenen Nacht gegen 12 Uhr in der Viinzenstraße vor der zjentral-Turnhalle ein junges hübsches Mädchen, welches in Tobsucht verfallen war und einen Mordsskandal machte. Mit großer Mühe und Roth gelang eS zwei herbeigeeilten Schutzleuten, das fich wie wahnstnnig geberdende, sehr kräf- tige Mädchen in eine Droschke zu bringen und eS so nach der SanitätSwache in der Adalbertstraße zu transportiren. Hier begann daS Mädchen bald derartig zu toben, daß alle Anwohner au» dem Schlaf geweckt wmden und die nach der Siraße führenden Fenster ihrer Wohnungen öffneten. Einen der Schutzleute hielt die Tobsüchtige, der man vergeblich Chloro form beizubringen versuchte, für ihren Bruder und erzählte ihm, daß den in Westpreußen wohnenden Ellern daS beste Pferd, eine schwarze Stute, gefallen sei. Nach längeren Bemühungen hatte man die Bedauernswerthe so weit gebracht, daß ste unter Asststenz eines Schutzmannes mittelst Droschke nach dir Charitee überführt werden konnte. Et«««heimliches Packet, welches ganz die Form einer in Leinewand genähten KinveSleiche hatte, flog am Mittwoch Abend einem in der IWassergasse wohnenden Schuhmacher meister plötzlich durch das offene Fenster in die Stube. Nach dem ersten Schreck und nach nur oberflächlicher äußerlicher Be- fichtigung begab fich der Meister auf das 55. Polizeirevier, wo fich bei der Oeffnung deS PacketS herausstellte, daß dasselbe einen tobten Hund enthalte. Von dem Ucheber des boshaften Attentats fehlt jegliche Spur. Der Maurer Sil! wurde gestern Abend von einem Brauer- wagen am Kottbuser Thor derartig unglücklich überfahren, daß ihm daS linke Auge nicht unbedeutend verletzt wurde. Sill war auf dem glatten Straßendamm ausgeglitten und kam unglücklicher Werse direkt vor einen dahrrfahrenden Brauer« wagen zu liegen. Berltuer Asyl-Verei« für Obdachlose. Im verflossenen Monat Februar nächtigten im Männer Asyl 8383 Personen, davon badeten 1722 Personen; im Frauen-Asyl 1386 Perfonen, davon badeten 118 Personen. Der Vorstand macht darauf aufmerksam, daß der Verein einen ArdellS-NachweiS eingerichtet hat und bittet, von Vakanzen jedcr Art. männliche Arbeiter betreffend dem Hauivater de? Männer-Asyls, Büschingstr. 4, weidliche Ardeiter betreffend der Hausmutter des Frauen- Asyls, Füfilierstr. 5, Kenntniß zu geben, damit eine Zusendung der qualifizirten Personen erfolgen kann. Soziales««d Arbeiterbewegung. I« die oberschlefisisen ArbeiterhauShaltSbudgetS gewährt die„Zeitschrift deS Oderscklefischen Berg, und Hütten- männischen Vereins"(Julihrft 1885) einen Einblick. Nach der- selben betrug nämlich die Jahresdurchschnittsentnahme eines Mitgliedes bei den Konsumvereinen: an Speisemehl Brod Kartoffeln Kaffee und Kaffee« surrogaten Butter Zucker Petroleum Tabak und Zigarren Sal, Seife Fleisch Kurz-, Schnitt-, Eisen- Waaren, Kleider, Schuhe, Pantinen Bier Wein, Rum. Brannt- wein, Liqueuren, SpirituS diversen anderen Waa- ren tHülsenfrüchte, Gegräupe) auf 71,- 15,20 3,20 3,50 34,10 4 60 11,80 6,30 9,70 35,10 Mark 53,50 5,— 10,50 26,30 Summa 314,80 Mark Man erinnere fich nun, daß zu den sogen. Lrdeitcrkonsum- vereinen durchgängig bloS die besser fituirten Arbeiter, ferner die Vorarbeiter, Werlführer, Handwerksmeister, kleinen Ge- schäftstteidenden u. s. w., gehören, und betrachte nur die einzelnen Posten etwas genauer. Da finden wir, daß solch' ein Mitglied für fich und seine Familie— denn der Etat ist für Familien berechnet— jährlich die kolossale Summe von 35 Mark 10 Pf. für Fleisch, Das beste aller NabrungSmittel, verbraucht. DaS heißt mit an- deren Worten: Eine Familie von 4 Köpfen lonsumtrt monat« lich für 2 Mark 92 5 Pf Fleisch. Rechnen wir den Durch- schnittspreis deS PfundeS Fleisch mit 55 Pf., so entfällt auf die Familie ein Monatsverbrauch von etwa 5'/, Pfund, oder pro Kopf und Tag von rund 22 Gramm Fleisch! Ein kläglicheres Ergebniß läßt fich kaum denken. Und, wie be- reitS betont, gehören derartigen Instituten durchschnittlich doch nur günstiger gestellte Arbeiter an. Die LebenShallung der breiten Masse deS oderschlefischen Proletariats ist eine noch viel erbärmlichere, wie wir an der Hand deS konservativen Agrar- Politikers A. v. MiaSkowski bereits mehrfach in diesen Blättem dargelegt haben. Gerade diese Bezirke find es, in denen die mächtigen Grubenbarone herrschen, die Großgrundbesitzer über ganze Fürstentbümer r-gieren, wo Getreidezoll und Holzzoll die ewig offenen Taschen der Magnaten füllen, wo der chronische Nothstand periodisch in Hungerepidemien zu Tage tritt, wo der Fürst Pleß rund seine StandeSgenoffen die erste Geige spielen, wo die Apostel der Sozialreform zu Hanse find. Es ist eine Lust zu leben! WohnungSnoth der Arbeiter. In einer öffentlichen Versammlung zu Frankfurt a. M. wurden folgende Reso- lutionen angenommen:„In Erwägung, daß die allgemeine WohnungSnoth im innigsten Zusammenhang mit der gegen- wältigen Produktionsweife steht, spricht die Versammlung ihre Anficht dahin aus: Die vollständige Beseitigung der Wohnungs- noth ist nur möglich mittelst der Umgestaltung dieser Produltions- weise selbst; jedoch forden die Versammlung zur einstweiligen Linderung dieser Roth, daß sowohl der Staat alS die Gr« meinden in möglichst ausgiebiger Weise für bessere Wohnungm sorgen, insbesondere, daß die städtischen Behörden angefichtS der allgemein anerkannten schweren WohnungSnoth die nöthigen Schritte thun, damit einersellS die röthige Anzahl gesunder Wohnungen gebaut, andererseits vor allen Dingen eine scharfe gesundheitspolizeiliche Kontrol: der vorhandenenen kleineren Wohnungen ausgeübt und mit dem Verbot der vielen unge- sunden Wohnungen energisch vorgegangen werde. 2) Die Versammlung erlaubt stch, angefichtS der von verschiedenen Seiten?:ojektirten Errichtung von Wohnhäusern für Arbeiter in Frankfurt, die maßgebenden städtischen Körperschaften zu er- suchen, dafür wirken zu wollen, daß derartige Wohnungen möglichst zerstreut, sowohl im Zentrum alS in der Peripherie der Stadt errichtet werden. Als unerläßlich für die gesundheit- lichen Verhällnisse erachtet fie außerdem, daß die fraglichen Wohnungen auS zwei Stuben nebst Küche und einem Trocken- boden bestehen. DaS Projett, derartige Wohnungen ohne Küchenraum zu errichten, hält fie für unerträglich für sanitäre und Familienverhältnisse überhaupt; fie würde eS auch de- dauern, wenn, wie anderweitig erwogen, der ganze Komplexbau derartiger Wohnungen auf daS Terrain an der Albusgasse zu« sammengedrängt werden muß." Die Cardon'sche Flach«schwingmaschine, eine fronzö« fische Erfindung, bedeutet für die Flachsspinnerei emen gewal- tigen technischen Fortschritt. Ihre Bedeutung liegt darin, daß fie den großen Verlust von Flachsfasern vermeidet, das dm 'Flachsstroh bei dem jetzt gebräuchlichen Schwingen mit der Hand oder der Maschine erleidet. Nahezu die ganze durch die jetzige Schwingmanipulation in'» sogenannte Schwingwerg geschlagene Flachsfaser wird durch die neue Maschine alS Langflachs erhal- ten, und so ein 25 pCt. größeres Quantum geschwungenen FlachseS produzirt. Der neue Schwungprozeß hat femer die Erscheinung, die jeder maschinellen Verbesserung eignet, im Ge- folge, daß ste bedeutend weniger und fast gani ungeschulte Arbeitskräfte verlangt. Also rli-dn- gere Arbeitslöhne auf der einen Seite, Vermehrung der Ar- btttSlolen auf der anderen Seite I DaS ist so der Lauf d» industriellen Entwicklung. Der Streik«uter de« Arbeiter« der Schrauben- fabrite» bei Birmingham bietet jetzt nickt viel Auksilit auf eine baldige Beilegung. In einem gestrigen Massen- Meeting der Arbeiter wurde einstimmig belchloffen, sich lOproz. Lohnherabfetzung nicht zu fügen. Später hatte erne Deputation der Arbeiter eine Besprechung mit den Spitzen«*' Nettletold'schen Gesellschaft, aber da letztere die Ankündigung der Lohnermäßigung weder zurückziehen noch modisiziren wru- ten, so blieb die Konfermz resultatlos und die Arbeiter zogts fich mit der Erklärung zurück, daß fie die Arbeit nicht wieber aufnehmen würden, falls die Direttorm nickt einer tzalbirunz der Reduktion ihre Zustimmung ertheilen. Wie verlautet,»c- die Gesellschaft gegenwärtig 7 Millionen Schrauben mehr aüf Lager, als fie zu dieser Jahrekzeit habm sollte. Die Geschäfttlage i« Rußland ist sebr flau. Tausmbe Arbeiter, Handwerker und Kommt» find beschäftigungslos,-i-ss Lohn wird jetzt auf das Minimum gedrückt. Vor einer W Wanderung nach Rußland muß nachdrücklich gewarnt werW' W« Uereine und Uersamminngen. * Verei« der Sattler und Sachgeuossen. Sonnaberb- den 6. März, Versammlung in Gratweil's Bicrballen, mandantenstraße 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag Herrn Th. M e tzn e r über:„Religiöfe Geists sbildung% Grundlage der Moral." 2. DiSkusfion. 3. Verschiedene» un» Fragetasten. ,, * Vereinigung deutscher Stellmacher(MitaliedM Berlin). Sonnabend, den 6. d. M., Abend? 8 Uhr,®' sammlung in den Arminhallen, Kommandantcnstraße- TageS- Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Herrn GlauW- 2. Regelung des Arbeits-NachweiS. 3. Verschiedenes. 4. Fr»� kästen.. * vezirktverei« der arbeitende« Bevölkerung, ft. Süd-Westen Berlin?. Sonnabend, den 6. d. Mls.. 8 Uhr, Geselliges Beisammenfein im Restaurant R- 0% Admiralstraße 33, wozu die Mitglieder nebst Familie# Bekannte ergebcnst eingeladen find. * Allg. Kranken««nd Eterbekasse de? Metallarbn!� (E. H. Nr. 29) Hamburg, Filiale 4, Sonnabend, den 6. Abends 8Vs Uhr, Versammlung Andreasstr. 26. TageSK, nung: Kassenbericht. Statutenverathung. Verschiedenes. Zahlstellen befinden stch: 1. Fruchtstraße 53 bei Loch, 2. Fwft furter Allee 143 bei Leewald, 3. Krautsstraße- und Kl. straßen-Ecke bei Blamburg. * Verein der Berltuer vananschläger. Sonntag, 7. März, Vormittags 10 Uhr, Vereinsoersammlung bei PttUi' Oranienstr. 51. QuittunaSbuch legitimirt.... * Oeffentltche Versammlung jämmtlicher an dearbeitungs-Maschtnen beschäftigter Ardeirer Berlins a„ Sonntag, den 7. d. Mts., Vormittags lO'/i Uhr, in Ktv" Lokal, Andreasstr. 21. Tagesordnung: Die heutige 9# dultionswetfe. Die Prinzipale find zu dieser Versammlung � sonders eingeladen., * Allg. Kranken-«od Eterbekasse der MetallarbeU (E. H. 29 Hamburg). Filiale 1. Sonntag, den 7. März, mittags 10'/- Uhr, Versammlung im Lokale des Rothacker, Teltowerstr. 3(Gloshalle). Tagesordnung: setzung der Statutenberathung.. * Große öffentliche Ttschler-Versammlung am tag, den 7. März, BormittazS 10 Uhr, im Lokale de? Rothacker, Teltowerstr. 3, Eingang vom Garten. TageSordnu"»' 1. Lohnfrage und Fachorganisation. 2. DiSkusfion. 3. � schiedeneS. Referenten die Herren Furchtbar und Schmitz- * Einsetzer-lTischler)'Leretn. Große Virsammlung\ Sonntag den 7. März, Vormittags 10 Uhr, Neue Frievrickfift� Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn Dr. Ger lach. 3.* kusfion.— Fachgenoffen sowie Freunde find willkommen- � * Fachveretn der Böttcher. Sonntag, den 7.% Vormittags 10V« Uhr, Mitgliever-Versammlung bei Lichtenbergentr. 21. Tagesordnung: 1 Vortrag des v Mtchclsen. 2. Innere Vereinsanqelegenhettcn. 3. Versa, H neS. QuittungSbuch legitimirt, ohne daffelbe ist der tr' nicht gestattet.-.ij« » Kranken««nd Begräbuißkasse der Berliner E'U schmiede und Berufsgenoffen(E. H. 72) am Sonntag-�,, 7. März, Vormittags 10 Uhr, in Niest'S Salon. dantenssr. 71—72. Tagesordnung: 1. Statutenänderung !§ 4, 5, 7. 11, 16, 18. 19, 24, 29. 2. Antrag wegen A ning eines vierteljährlichen Extta-Beitrags zum Reserve!»� 3. Verschiedenes.— DaS Kassenbuch legitimirt. * Zentral« Kranke«- und Sterbe-Kasse der und anderer gewerblicher Arbeiter, ö.Utche VerwaltunS�, K (Moabit). Montag, den 8. März, Abends 8 Ubr, Alt> 90 bei Donath, Mitglieder« Versammlung. Tagesorvn � 1. Wahl ves KasstrerS. 2. Lokalftage. 3. Verschiebend M tglirdsbuch legitimirt. P Vermischtes._ Grüuberg, 28. Februar. Einen schnellen und eiuK» � Tod zand gestern gegen Abmd die Arbeiterfrau "-—— ,u gleicher Zeit v-r tä' hier und tödtlick verletzt wurde____._ Schreck. Beide Personen trafen einander auf der straße, unweit de» HotelS zum Schwarzen Adler; OL,— digte gerade der ,c. Jrmler Geld ein, welches fie geme W lich mit Holzspalten verdimt hatten, als ein Eckl-tleri�� heransauste und die beiden Leute zu Boden riß: unglu- w weise stürzte noch ein Pferd des Gespanns und law„ji beiden Personen zu liegen. Die Frau war sofort Aussöge deS ArzteS hatte fie durch den Anprall gzg- und durch den Huischlag der Pferde tödtlich« lu"# letzungen erhallen. Schreck war bestnnungSlos und 1« 1# «»s'$ dichte Menfchenmenge den UnglückSort und in w j# SS kurz vor der Zufall, daß da« Gefährt einem Rollwagen auswct-v � ob dazu kam dir Schlitten in eine große Schleuder W, Gewalt drängten die Pferde nun nach der linken V z(uct> p KÄää'ä" KT sVSsiff fe schilderten Momente den Unglücksfall kaum»"hck Unklug handelte der junge Z. insofern, alS« �lunb L "«ach den Veru'' glückte"„kin K liuu,(irnucui uaiuuuim unv l;. Wnl* wenn dieser junge Herr mit seinem SchltUen das � V Die getödtete Frau Jrmler war Mutter 00 ��«� 1 Kindern und eine äußerst„01 noch unerzogenen brave Frau; Mann. auch Schreck war ein fleißiger Verantwortlicher»evafteur«.«««ayetm in Berlin. Druck und.Veriag von«tax«adiag in Berlin SW, Beuthstraße 2. Beilage tum Berliner VolNlatt. Ar» 55» Sonnabend» den 6» Marz 1886. III. Parlamentsberichte. Deutscher Neichttag. 59. Sitzung vom 5. März, 1 Uhr. Nm Tische des BundeirathS: von Boetticher.von Scholz, von Burchard. Tie erste Berachung deS G-setzeniwurfs, belreffend daS Branntweinmonopol, wird fortgesetzt. Zunächst verwahrt der Bevollmächtigte für Mccklen «urg.Sckwirin v. Pro l liu s seine Regierung gegen den vom �lbg. Richler gestern erhobenen Vorwurf, dieselbe habe bead- stchligt, eine besondere Rübensteuer einzuführen, welche der Bunvesrath für mit der Versaffung nicht im Einllang stehend erachiet bade. Es habe stch um die Veranlagung zur Gewerbe steuer gebändelt, namentlich um d e Frage, ob sie an die er- bodene R-ichssteurr angelehnt rrerden könne, und habe der Bundes alh durch Beschluß vom 30 Mai 1879 diesen van der Bwdknburgi Aen R gierung bcabstchtigten Modus der Veran- iagung der Gewerbesteuer der Zuckerfadrikanten für zulässig er» »chlet.(Hört! rechis.) Abg. B uh l(nat.-lib.f: Meine volitischen Freunde und Hh find nach eingehender Prüfung der Vorlage zu der Ueber pugung gekommen, daß dieselbe für uns unannehmbar ist stfi es in erster Linie richtig, in einer so arbeitsarmen Zeit, wie die gegenwärtige, 200000 Existenzen— 100 000 mögen ja JJ der Monopoloermaltung Beschäf igung finden— um ihren « werd zu d ingen? Auch den politischen Bede ken der Abgg. v. virene und Richter können wir unS nicht verschließen. Es sollen '0000 Branntweinverschlcißer auf Widerruf angestellt werden. Nun bin ich weit entfernt, der gegenwärtigen Regie ümg gegenüber nach dieser Richtung hin irgend einen Arg' wohn auszusprechen. Ader daß diese Verschlcißer, die nach der lonzen Natur des Geschäfts mit dem P-btikum in besondere xrührung kommen und als widerrullich angestellt von der wegstrung besonders abhängig sein müffen, zu allen möglichen »vecken mißbraucht werden können, liegt auf der Hand. So- «onn glaube ich nicht, wie der Finanzminister, daß die Bren- dereien in ihrem seitherigen Umfange erhalten werden können. Ber Bedarf des Weltmarkts an Alkohol betrug in den ver- $�g?nen Jahren höchstens 150 Millionen Liter, davon lieferte *00 Millionen Deutschland, 30 Millionen Rußland und N Millionen Oesterreich. Nun hat fich aber in letzter Zeit daS AerhSltniß dadurch wesentlich verschoben, daß hauptsächlich der Bedarf von Spanien durch die geänderte franzöfiche Gesetz llebung ein viel kleinerer geworden ist. Wir haben f-tzt nur woch einen Gesammtdedarf deS Weltmarkts von 120 Millionen eüter, davon hat Deutschland im letzten Jrhre 78 Millionen fieliefert, und Rußland und Oesterreia, ca. 42 Millionen. Nrch ven Motiven der Vorlage würden wir eine Ueberproduliion bon 178 Millionen Liter haben, davon ab 18 Millionen für fiewerbltche Zwecke, bleiben 160 Millionen bei einem Be darf des Wcltmarks von nur 120 Millionen! Man hat W parlamentarischen K eisen den Scherz gemacht, man wüffe den Uederschuß in den Nord» Ostsee- Kanal Wirten lassen. Ich frage: Ist es wirthschaftlich iulosilg, mehr zu produziren als man auf dem W-ltmarlt Unterbringen kann? Ich fürchte, daß«ine ganz nothwendige Und beinahe unmittelbare Folge des Monopols die Kontingen» «rung der Brennereien in ihrer Produktion sein würde, und iwar mit schwerer Schädigung deS Betriebes. Und wie denkt »an fich eipentlich ihre Durchführung? Ich bin w it entfernt, Segen die Regierung einen Argwohn auszusprechen, aber es könnten doch bei dieser Kontingentirung Licht und Schatten sehr uerschieden artig vertheilt werden. Ferner: wenn die Vermin derung deS KonfumS größer sein sollte. alS die Motive an« uebmrn, e wa um 33'/, statt um 20 pCt., und auf eine solche Möglichkeit muß man einem so unficheren Faktor gegenüber drch vorbereitet sein, so hätten wir sofort eine deutsche Ueber broduklion von ca. 200 Millionen Liter. Der unoerwendbare Uederschuß fübrt mit Nothwcndigkeit zur Einschränkung der Brennereien. Daß die für den Monopolbranntwcin vorgc« stbenen Preise billig und gerecht seien, kann ich dem Finanz« ?'nister nicht zugeben. Glaubt er, daß der Branntwein für M inneren Konium um eine große Anzahl von Millionen Zirurer verkauft werden kann als auf dem Weltmarkt? Durch P übertriebenen Export drücken fie den Weltmarktpreis Künstlich herab und reduziren dadurch auch den Werth des Branntweins für den inneren Markt. Den Branntweinbrennern Aus Kunst und Kedeu. > Herr Direktor Hasemann hat soeben eine größere Reise r TeuisdstonD und Oesterreich beendet, welche den Zweck ver- neue Kräfte, neue Stücke zu erwerben, und find wir in P Lage, als Resultat dieser Reise folgende Mittheilunven ,u «Jüchen: Engagirt wurden zunächst alS Partnerin Ernefto ?�>fi's Frau Amölie Carkowtka für den Rest der Saison mit Jpuelier Verlängerung ihres Kontrakts für das nächste Jahr v,mid. Ende Mär, stch Hnm Direktor Hasemann am Rest« pi' Theater in Dresden in einer größeren Aufgabe vräsen. A» öei welcher Gelegenheit auch einem Theil der Berliner Nss- Gelegenheit gegeben wird, die Dame kennen zu lernen. Liebhaber und Bonvivantwurde Herr Carl Echönteldl vom kgl. «?�estheater in Prag, alS muntere Liebhaberin Fräul. Riesa Karltheater in Wien gewonnen; beide werden fick bereits �.dem htefigen Publikum vorstellen. Mit Herrn Thomas, her zu —, trovvem ein Rcengagement nicht zu Stande kam, Neuen Direktion die freundschaftlichsten Beziehungen unter. b,,,' ist ein G-stfpiel Vertrag abgeschlossen, laut welchem der s.,ple Künstler noch im Laufe dieses Monats eine Reihe besten Repertoir-Rollen spielen, außerdem aber zwei Wvtrollen in Novitäten kretr en wird.- Auch für eine künst- »om J1 und Ersatz für Emil Thomas ist Herr Georg Wander "euJ�serl. Deutschen Theater in P-tersdurg. erne viel. �mdn &:###### mmm 'SÄÄ wird mit dem Monopol keineswegs ein Geschenk gemacht, wie Richter annimmt. Sie würden fich vielmehr in kurzer Zeit überzeugen, daß ihre Lage fich verschlechtert bat. Der Rr anstelle Ertrag deS Monopols, in den Augen der Regierung jedenfalls das Entscheidende, ist in den Motiven zu hoch geschätzt, weil die Entschädigungen zu niedrig gegriffen find. Bemißt man die RealentschäSlgungen nach den geltenden Expropriationsgesetzen, so kommen viel höhere Beträge heraus alS in der Vorlage. Auch die Personalentschädigunaen find zu niedrig taxirt und ganz unberückstchtigt rst die Werthvcr Minderung der Grundstücke geblieben, in denen bisher daS Schankgewerbe betrieben wurde. Schreitet man aber wirklich zu einer Ei höbung derselben— der Finanzminister hat ja diefe Frage für diskutabel e-llärt— so könnten wir doch nicht den Leuten soviel Geld geben, daß fie ein neues Geschäft anfangen könnten. Die Stadt N ardhausen produzirt den zwölften Theil des deutschen Branntweinkonsums. Diefe ganze Stadt steht und fällt mit dem Monopol. Selbst wenn große Entschädr gungsdeträge nach Nordhausen flössen, so würde eS doch außer ordentlich schwer sein, dieser Stadt durch Anfiedelung einer entsprechenden anderen Industrie wieder zu einer neuen Blüthe zu verhelfen, denn die Gewerde dieser Stadt hängen fast alle mit der Branntweinsabiikation zusammen. Mit dem Abg Richter glaube ich, daß auch die Entschädigungen kür die Ver. schleißer zu niedrig find. Da nun aber für die Verschleißer 55 Millionen vorgesehen find, so würde eine Steigerung auch nur um das Anderthalbfache eine Verminderung der Monopol. einnahmen von 27 Millionen bedeuten. Die Konsumvermin. derung— damit komme ich zur Hauptsache— scheint mir von der Regierung zu niedrig, auf 20 Prozent, geschätzt zu sein. Ter Arbeiter, der einen erheblichen Thril der Steuer aufzubringen hat, kann für den Branntwein nicht erheblich Geld mehr ausgeben als bisher. Um so viel, als der Branntwein vertheuert wird, wi d der Konsum zurückgehen. Eine Konsum Verminderung von'/» in rninirno würde aber die Einnahmen der Monopoloerwaltung um mindestens 70 Millionen schädigen. Die meisten Kulturstaaten ziehen hohe Einnahmen aus dem Branntwein, aber keiner von ihnen war bisher genölhigt, zum Monopol überzugehen. Die Branntweinmonopolvorlage ist sonach für uns unannehmbar. Dagegen find wir dereit, auf anderen Wegen(ab! ah! links) mit der Regierung«ine hohe Besteuerung des Branntweins zu suchen. Die Herren von der Fortschrit spartet waren ja vor noch gar nicht langer Zeit d-rselben Anficht.(Zurufe links: vor 1879!) Nein, nach 1879! Meine Partei hat fich seit Jahren für eine erhöhte Be steuerung des Branntweins ausgesprochen, so 1885 in einer Resolution. Erlbstocrftändlich dewilligen wir keine neue Steuern ins Blaue hinein, sondern nur dann, wenn fie für die Bedürfnisse des Staats unumgänglich notbwendig find oder andere d ückendere Abgaben beseitigen. Neue Steuern find nothwendia zunächst mit Rückficht auf daS Reick. Ich er« innere an die Erhöhung des Etats, den Bau des Nordostfee- kanals und an dos in Ausficht genommene Relikten- und Penstonsgesctz, wofür ja auch die freifinnige Partei gestimmt hat oder stimmen will. Nur insoweit können wir Ihnen(links) auf dem W ge der Ersparnisse nicht folgen, wenn nämlich da« durch die Schlagfertigkeit unseres HeercS in Frage gestellt wird.(Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen; aha! links) Ich glaube dies von der freisinnigen Partei nicht. Aber abgesehen vom Militäreta' könnten wir nur unbedeu- tmde Ersparnisse im Reich machen. Denken Sie auch daran, daß wir in einer verhältnißmäß'g kurzen Zeit mit der Tilgung unserer Reichsschulden anfangen müssen.(Hört! hört! und sehr wahr! bei den Nationallrderolen.) Von den Einzelstaaten verdient zunächst Preußen eine besondere Berücksichtigung. Ich bebe vor Allem hervor die Entlastung der Kommunen. Im Jahre 1880 hat auch der fortschrittliche Abg. Zelle für diesen Zweck den Branntwein als ein sehr geeignetes Eteuerobjetl bezeichnet. Eine solche Steuererhöbung ist aber auch geboten im Interesse der Polls vohlfahrt. Daher zahlreiche Petilionen gegen das Monopol die Zalässtakeit einer böheren Brannt- wcmsteuer vollauf anerkennen. Gerade die Schrift der Ver- einigung ,ur Bekämpfung de- Monopols, die der Abg. Richter ols statistische Unterlage für seine AuS'ührungen benutzt hat, macht Vorschläge, wie in entsprechender Weise der Branntwein zu besteuern sei.(Zuruf: nicht richtig!) Ich habe die Vor- schläge bei mir(Zuruf: Das ist die Schrift von H. Gutmann!) Au'gade der Kommilfion— ich beantrage eine solche von 23 Mitgliedern— wird es nicht sein, eine verbesserte oder amen übersetzte Posse„Die MagistralSperson", welche gegenwärtig Abend für Abend in London ausverkaufte Häuser erzielt und welche stch Herr Direttor Hrsemann demnächst persönlich in der englischen Hauptstadt ansehen wird, um die Szenirung rc. nach dorl bewährtem Muster einzurichten. Im Mai d. I. beginnt das Gastspiel ver Münchener, während dessen Herr Hasemann mit seinen Kerntrupven am Dresdener Refivenztheater eine längere Reihe von Vorstellungen giedt. Man wird angestchtS des Obigem zugeben müffen, daß der neue Chef deS Wallner. Theaters eine kolossale Arbeitskraft entwickelt— hoffen wir, daß die Theilnahme des Berliner Publikums feine Anstren- gungen lohnt und auch der materielle Erfolg seiner reichen künstlerifchcn Thätigkeit und Umficht entspricht. Zu dem Kapitel„Unschuldig verurtheilt" erzählt die „Ostd. Pc." zwei Vorfälle, die stch beide im Kreise Wangro« witz zugetragen haben. DaS genannte Blatt schreibt:„In dem ersten Falle wurde ein bäuerliches Ehepaar inhaftlrt, weil alle Indizien dafür sprachen, daß fie Jemand in der Nähe ihreS GebösteS ermordet und beraubt hätten. Die beiden Äermsten wurden beide nach einander wahnfinnig, die eine Person starb, die andere ist im Jrrenhause. Dann wurde durch Zufall der Mörder entdeckt und nach seinem Geständniß zum Tode ver- urtheilt. Die Wirthschast der Leute, well ganz ohne Ausficht, wurde total ruinirt und dann sudhastirt. Die armen kleinen Kinder fallen den Verwan ften und der Gemeinde zur Last. Im zweite« Falle, der stch in allen Einzelheiten nicht für die Oeffentlichkeit eignet, hatte ein bäuerliches Ehepaar eine ihnen sehr ergebene treue Magd, die eben deshalb auch von ihnen lehr hoch gehalten wurde. Diese wurde von einem Weibe im Dorfe angegangen, ihrer Herrschaft Verschiedenes zu ver- untreuen und der Versucherin zu geben. AlS fie hierauf nicht einging und vielmehr drohte, hiervon ihrem Brotherrn Mit- theilung zu machen, schwur die Andere Rache. Einige Zeit darauf erkrankte daS Mädchen an einer schweren UnterleibSkrank« belt und wurde dabei sehr stark, so daß man imDorfe munkelte, daß ie angeblich eine Niedtrkunft erwarte, und zwar wurde ihr Herr dabei mit ins Gerede gebracht. Einige Zeit darauf wurde fie eines TageS auf dem Felde, wo alle Hausgenossen beschäftigt waren, von großen Schmerzen befallen. Der Wirth und dessen Frau brachten fie mit ihrem Fuhrwerk zu Hause inS Bett. Nach einigen Tagen konnte die Kranke wieder aufstehen, und nun verbcettete stch daS Gerücht, fie habe einem Kinde daS Leben gegeben, und die Feindin der Betreffenden behaupte e, die Wirthsleute hätten daS Kind heimlich umgebracht, natürlich dirte Monopolvorlage zu machen, sondern mit der Regierung andere Wege zu suchen, um ohne Schädigung berechtigter In« tereffen höhere Erträge auS dem Branntwein zu erzielen. Auch ich bin für eine Konsumsteuer. Zum Schutz der b-stehenden Brennereien werden wir die Maischraumsteuer aufrecht er- Hilten müffen.(Zuruf deS Abg. Richter.) Ich will den Brennern kein Geschenk machen(Na, na! li'ks), aber dem Osten die Kartoffel' und Branntweinproduktion erhalten. (Beifall.) Heben wir die Maischraumsteuer auf, so würde die Rübe zum Theil an die Stelle der Kartoffel treten. Am wichtigsten aber ist die Bekämp'ung deS AlkoboliSmus der im Fuselgehalt deS Branntweins seinen Arund hrt. Schreiben wir eine zwangsweiie Reinigung deS Branntweins vor, dann werden wir die Konsumsteuer einlegen können in dem Mo- mente, wo der Branntwein die R-inigungsstelle verläßt. Möchte es gelingen, für ganz Deutschland eine gemeinschaft- lrche Steuer zu schaffen.(Beifall links.) Flnanzmtnister v. Scholz! Dem Vorredner gegenüber kann ich zunächst dankbarst anerkennen, daß er hinstchilich der Zweckmäßigkeit, ja Nothwendigkeit ein«r höheren Branntwein- desteuerung ein lebhaft tbeilnebmendes Empfinden geäußert hat. DaS ist ja schon immerhin sehr viel. Sodann kommt es mir vor allen Dingen darauf an, einzelne feiner Behauptungen, von denen er selbst in einer gewissen großen Täuschung fagte: „ick habe nachgewiesen", zurückzuweisen, denn es waren nur nackte Behauptungen. Für die Bebauvtung, es wü-den durch daS Monopol 300000 Erwerbstbätlge aus ihrem bis« herigen Erwerbe verdrängt, 100 000 würden wi-der verwendet, eS blieben also 200000 auf der Straße liegen, hat er nicht die geringste Beweisunterlage beigebracht. Er hat dann gesagt:„70 000 Verscklerßer. welche Möglichkeit de» politischen Miß brauckS!" Er nahm allerdings, und dafür danke ick bei dieser Gelegenheit, die gegenwärtige Regierung aus. Aber auch hier fehlt jeder Nachweis. WaS find denn diese Verfchleißer? Er hat fie als Angestellte bez-ichnet: es sollen aber nach dem Gesetze keine Beamte sein, sondern Aaen« ten, angenommene Besorger eineS bestimmten Geschäfts. Daß diese fich in einer ganz besonderen Abhängigkeit gegenüber der Regierung befinden können, muß ich bestreiten. Wenn heut zu Tage irgendwo die Polizeibehörden gegenüber den Sckank« wirthen ihre Pflicht erfüllen, dann ist die Abbärgigkeit dieser heute gerade so wie fie fich etwa für die Verschleißer nacb Ein« sübrung des Monopols ergeben könnte. Ich glaube im Gegen« lh'il, der Verschleißer würde die Monopolvr waliung mebr zu seinem Schutze haben, mcht den bloßen poliz-ilicben Schutz. Ebenso irrig ist der Hauptangriff, daß der Besitzstand der Brennereien durch die Vorlage nicht geschützt werden könne, er benutzte dam eine Deduktion auS dem Bedarf des Weltmarktes von 120000000 Liter. Es würde also unmöglich s.in, die 178 000 000 Liter, welche der Gesetzentwurf als Ausfuhr an» nehme, unterzubringen. Aber der Monopolentwurf hat gerade die Adficht, die Brennereien im bestehenden Um- fange zu erhalten. Der Spiritus bat doch bisher auch seinen Absatz gefunden, es kann fich d-ber nur um die Frage handeln, wohin kommt der nach Verminderung des Konsum? übrig bleibende Spiritus? Es wird nach unsei er Meinung die Aufgabe unserer Monopoloerwaltung mit fein, den Konsum deS vei unS produzirten EpirituS zn vermehren, so viel, wie möglich!(Hört, hört! links.) Nickt als Trink« branntwein, sondern für gewerbliche Zwecke, zu Beleuchtungs« und Hcizungszwecken.(Lachen links, Hört, hört! rechts.) Nach der Meinurg Sachverständiger besteht mit Hilfe von neuen vorzüglichen DenaturirungSmitleln noch ein weites Gebiet der Steigerung deS Verbrauch». Es wird auch die Tha fache gar nicht in Abrede zu stellen sein, daß, wenn eine einheitliche Morovolverwaltung die Aufgabe hu, jährlich 180 Mit. L ter, oder auch erheblich weniger, möglichst vortheilb-ftt ins Auoland abzugeben, fie vom auslandischen Markte eine R-ibe von Kon« kurrenten verdrängen wird. Ich habe gestern au« einer ötter« reichischen Zeitung vorgelesen, daß die dortige Epiritueindustrie zu einem Werthbetrage von etwa 5 Millionen Gulden z. B. jetzt uns Konkurrenz macht. So absolut find diese Dinge nicht mit Dokumenten zu beweisen, daß nickt irgend Jemand, der besonders zur Sorge angelegt ist, auch hier solche emptände. Der Abg. Buhl scheint fich über die Grundlage des Entwurfs nicht ganz informirt zu haben; er äußerte die„B sorgniß", daß wir zu einer Kontingentirung der Brennereien kommen müßten. Diese„Besorgniß" hätte er allerdings gegenüber§ 4 sofort haben müssen; daS ist der oberste Grundsatz des E>twurss. mit dem Wissen und Willen deS Mädchens. ES wurde nun eine Untersuchung veranstaltet, und da auch ein A zt die An« ficht aussprach, daß die Magd eine K-burt übcistrnden habe, so erfolgte die Verhaftung der drei Personen, trotzdem diefe ihre Unschuld behaupteten. Im Hause ging nun Altes drunter und drüber; waS der Gerichtsvollzieher nicht nahm und für ein Spottgeld verkaufte, nahmen Debe. Nachdem inzwischen auf die fortwährend betheuert« Unschuld der Magd durch höheres ärztlich-S Gutachten festgestellt wurde, daß daS Mädchen noch nie ein Kind geboren habe, vielmehr an einer bösen Unterleibskrankheit leide, und die Personen nun entlassen wur- den, war die Familie ruiniit. Die Wirtbschaft ist subbastirt, der Mann und die Frau gebrochen, und fie stnd nunmehr mit stehen kleinen Kindern auf die Uoterstützung mitleid'ger Men« schen angewiesen, da fie keinen Groschen retteten. Ist e« an- gefichtS solcher Fälle nicht Pflicht der G setzgebung, alles Er« reich ba-e zu thun, um hier Abhilfe zu schaffen?" Ei» Familiendrama. In der Gemeinde CSeteny im Veßprimer Komi'at(Ungarn) ermorderte der dortige wohlhabende Bürger I. B. im Vereine mit seiner Mutter und seinem B'U> der seine junge Gr'tin, die er erst vor zwei Jrbren geebelicht batte. B., der in der letzten Zeit mit seiner Galtin häufig Zwistigkeiten hatte, wurde von seiner Mutter dazu bewogen, dem unleidlichen Verhältniss« ein gewaltsame» End- zu machen. Als eines AvendS B. inS WHHSbaus ging und fich betrank, begab stch dessen Mutter zu ihrer Tochter und übernochiete bei derselben. Am nächsten Morgen erkundigte stch die Mutter bei ihrem Sohne, od er die Tbat vollzogen, und als ders lbe ver« neinte, ermordeten die Mutter und deren beide Söhne die nichts Böse« ahnende Fi au. Hierauf schleppten fie die Leiche inS Nebenzimmer, henkten dieselbe an einen Balken au' und bellten einen Schemel unter die Füße. AIS die« geschehen war, theilten fie dem Vater der E. mordeten wehklagen? mit, daß die arme Frau einen Selbstmord begangen habe. Der Vater jedoch, der sofort gegen seinen Schwiegersohn Verdacht chöpfte, erstattete bei dcr Bebö'de die Anzeige in Folge dessen der OitSrichter an Ort und Stelle eilte und dos Zimmer, in welchem die Leiche aufgefunden wurde, verschloß Noch am (Iben Tage erschien der Zirczer Stublrichter mit Gendarmen in der Oilschaft und verbastete die Mutter und de'en beive Söhne. Gleich dat erste Verhör, welches mtt den Deteni'ten vorgenommen wurde, hatte«in pofitioes Refultat, indem die« elden ein Geständniß über ihre That ablegten. Die Ermor« vele war in gcsegneten Umständen. Wmn er daS nicht anerkannt hat, dann fürchte ich, bat er den ganzen Entwurf mißverstanden.(Sehr richtig! rechts.) Ohne eine «onlingentirung der Brenn« leien hätten wir Ihnen den Vor- schlag gar nickt machen können. Er hat sodann in national« ökonomischer Weise die Preisbildung besprochen, die durch den Weltmarkt bedingt sei, und hat dann zu mir gesagt:„Hält der Ftnanzwinister für möglich, daß, wenn sich nachher lange Zeit hindurch findet, daß die JnlandSpr-ise so hoch, die Aus- landsprcise so niedrig find, die Monopolpreise für die Brenne« reien beibehalten werden?" DaS ist wieder ein Grundgedanke vks ganzen Systems! Hielte ich dies nicht für möglich, ich hätte die Ausarbeitung der ganzen Vorlage nicht in die Hand nebmen können. Die Sache beruht eben darauf, daß eS sich nicht um irgend einen Auslandsureis handelt, den wir bezahlen wollen, und der, weil Weltmarktspreis, als angemtssener zu be> urtheilen wäre, sondern daß wir aus den Produktionskosten mit denen die Landwirthschast überhaupt bestehen kann, den wirklichen natürlich«» Preis für dieses Produkt suchen, und daß wir den bezahlen wollen. Nur nach einer Richtung hin ist es nachtheilig, je niedriger der WeltmatkispreiS, defro größer ist der Verlust an dem für uns abzusetzendem Quantum auf dem Weltmarkt, sonst stört er unfern Kalkül und unsere Zwecke gar nicht. Wir wollen der Landwirthschast das Bestehen ge« rade mit diesem den Produkiionskasten entsprechenden Preise ermöglichen.(Beifall! rechts.) Nach all' Vielen Richtungen hin hat also der Herr Abgeordnete Buhl die Ab« sichten der Vorlage offenbar nicht richtig verstanden, also auch diese selbst nicht richrig würdigen können. tEehr richtig! rechts.) Ueber die Entschädigung der in Frage kommenden Realträien, sowie über die persönlichen Ent« schädigungen wird ohne Zweifel zwischen denen, welche das Gesetz und seine großen Zwecke wollen, eine Verständigung erreichbar sein. Die verbündeten Regierungen find vollkommen dereit, wenn dieser Punkt sachgemäßen Einwendungen begegnet, sich mit den Herren zu verständigen. Ich bin Herrn Buhl dankbar, daß er bei dieser Gelegenbcit der Stadt Nordhausen besonders Erwähnung gethan hat. Es ist mir ja bekannt, daß der Gesetzentwurf für die Stadt Nordhausen von sehr ein« schneidender und bedeutsamer Einwirkung sein würde. Ich habe mir aber nur vergegenwärtigen können, daß die Verhält« niffe einer einzigen Stadt unmöglich entscheidend sein können bei der Beschlußfaffung über ein solches ProjeN für das ganze Deutsche Reich. Was tst im Jahre 1879 bei den VerHand- lungen über den Zolltarif von dem Interesse der Seestädte und deren bevorstehendem Untergänge— ich möchte einmal sagen— gefabelt worden! Dann werden Sie mir in der An- nähme hier leicht folgen können, selbst, wenn die Verhältniffe in Nordhausen so arg lägen, wie fie von der Agitation und in den Zeitungen dargestellt werden, so dürste uns das doch nicht abhalten, ein sonst zweckmäßiges, dem großen Ganzen wi.kl'ch zweckmäßiges Gesetz zu machen.(Sehr richtig! rechts.) ES bliebe unS nur die Sorge übrig, aus preußischen Landes« Mitteln der Stadt in der reichlichsten Weise zu Hilfe zu kommen, Um fie über die schwere Zeit hinwegzubringen, die fie im Interesse des Ganzen über fich kommen lassen würde. Der Herr Abgeordnete hat der Regi-rung früher mit dem dekannten Brustton der fittlichcn Entrüstung den Vorwurf oft gemacht, fie nehme fich heraus, Beunruhigung in die Re hen der Be« völkerung zu tragen; er hat es seinerseits gethan zu einer Zeit, alS er der dringendste Mahner zur Erhöhung der Zucker« und der Branntweinsteuer war. Er hat allerdings dabei den glück« Itchcn Vorzug gehabt, daß er die betreffenden Kreise in Wirk- lichkcst nicht beunruhigt bat, denn Jedermann sah in seinen Ermahnungen nichts Gefährliches für den detreffenden Betrieb (Lachen rechts), es würde sonst nahe gelegen haben, daß, wie wir mtt dem Monopolentwurf kamen, fie sich nach einem anderen Helfer umgesehen hätten, da er selbst früher bei jeder Gelegenheit für die Erhöhung zugeredet hat. Ader fie kann« ten ihn besser, als fich-r in der Vertretung ihrer Interessen gegen die Regierung, alS Jnstanfigent, der zum Pazisztren mit der Regierung nicht mehr die Hand bieten, da sein einziges Wort ist:„Fort mit Biimarck, fort mit dieser Regierung." Er war also der ficheiste, begabteste, fleißigste und eifrigste Verbündete der Interessenten. Es ist denn auch der gemein« samen Arbeit mit wunderbarem Erfolg gelungen, eine ziem« lich verbreilete Agitation in Szene zu setzen. Aber, darüber täuscht fich wohl auch der Abg. Richter nicht: weite Kreise des Volks hat die Agitation doch nicht ergriffen. Ein nationaler Zug ist nicht zu Tage getreten, etwas im Allge» meinen HerzeiquickendcS nicht, sondern fie ist bisher eben eine Agitation von Interessenten geblieben, die man diesen nickt verdenken kann, die alle Theilnahme verdienen, weil fie hier etwaS opfern müssen auf dem Altar des Vaterlandes, und die wir gern soweit als möglich entschädigen wollen, denen wir auch nach altem deutschen Recht eS nicht übel nehmen würden, wenn fie nach dem ergangenen Erkenntniß drei Tage darüber raisonniren. Der Herr Abgeordnete hat dann geglaubt, einen gewissen unbequemen Druck zu üben, indem er behauptete, die Herren Sozialsten dürften ja nicht so entschieden gegen die Regierung Front machen, weil der Minister doch ganz ihre Lehre vertreten habe. DaS ist ein lleines Manöver, um die Regierung nach einer anderen Seite hin in ein sckicleS Lickt zu stellen. Dabei ist ihm ein kleiner Jrrthum pasfirt. Er fragte, wenn nun schon mal monopolifict wird, warum nicht alleS, warum nicht die Brennereien? Ja, weil die zu unserem Plan nicht nolhwrndig find. Das unterscheidet unS eben wesentlich von den Herren Sozialisten oder Sozial- demokraten: wir wollen nicht alles, nicht um der Monopolistrung willen, sondern wir wollen die Monopoltstcung nur insoweit, wie fie nothwendtg ist zur Erreichung unseres klaren, greifbaren, guten Zweckes. Unsere Tendenz ist, daß jede Brennerei womöglich da bleibt, wo fie jetzt ist, in Verbindung mit der Landwirthschast und zum Nutzen derselben. Wir wollen überhaupt Niemand expropriire», wo nicht der gemeine Nutzen eS unbedingt ertordert. Erforderte es daS allgemeine Interesse, daß wir den Rock des Herrn Ab- geordneten Richter expropriiiten, so würden wir daS vorschlagen, wir brauchen ihn aber nicht.(Heiterkeit rechts) Herr Richter hat eine Dotatron von 1'/«— l'/i Milliarden für die großen Brenner herausgerechnet und bestritten, daß für die lleinen Lr« triebe etwas hecauäkSme. Würden aber an S'.elle des zur Brenneret mit Kartoffeln bebauten Landes ca. 1 Mill. Morgen mit Sommergetreide bebaut, so würden, da der Morgen Kar» toffeln 18,3 Arbeitstage mit 15,20 M. Togelohn, der Morgen Eommergetr-ide 4,3 Arbeitstage mit 3,50 M. Tagelohn erfordert, der ärmsten Bevölkerung 14 Millionen Arbeitstage oder 12 Millionen Mark Arbeitsverdienst entzogen weiden. Ich glaube, die 3000 Großgrundbesitzer, eine unenidehrlicke Staffage für die Agitation gegen das Monopol, müßten schwinden vor jeder sachverständigen Bcurtheilung. Herr Richter urgirte dann daS von mir berührte ausländische Interesse an unserer Gesetz« gebung. Er sagte: mir gefällt, um mit dem Herrn Reichskanzler zu reden, diese Ausländerei nicht. Ich glaube, er hat nicht das Recht, stch mit ihm in ein« Parallele zu stell. n, um so wenig«, als der Reichskanzler hinreichenden Grund hatte, vor Ausländerei zu warnen. Die Thatfache ist nun dock einmal nicht wegzu- leugnen, daß das Ausland auf unsere Gesetzgebung Acht giebt. Allein von diesem Standpunkte aus habe ich von einem auS« ländischen Interesse gesprochen. Ich möchte dies namen lich Herrn von Huene gegenüber bemerken, der in meinen Worten «inen Vorwurf erdlrckie. Herr Richter hat fich dann verwundert über die Anlage, betreffend die Wirkung der Branntweinpest. ES ist eben darin die uns zugesandte, neueste Statistik des RcichS. Gesundheitsamts. Die R-pierung ist weit davon ent« sernt, die moralische Wirkung des Gesetzes auf dieie statistische Anlage zu stillen. Es freut mich übrigen?, daß der Herr Abg. Richter daran erinnert hak, früher selbst eine höhere Be« sti-u.rung deS Branntweins vorgeschlagen zu haben, aber nicht mehr seit 1679. ES ist sehr bedauerlich, daß er uns bei seinem intranfigenten Standpunkt nicht sagt, wie eS gemacht werden soll. Er hat weiter die M-inung ar sgesprochen, für den F nanzminister scheine der Tabak ein noli rne längere zu fein. Für mich ist er nun und nimmer ein noli nie längere! < Lachen links.) Es ist bedauerlich, daß er fich hier diesen Charakter holen mußte. Aber einen größeren Schutz könnten Ete ihm nicht gewähren, als wenn Sie daS Branntweinmonopol beschließen.(Hört! links.) Wenn wir haben, was wir brauchen, so kommen wir nicht mehr. Den Herren o. Huene und Buhl gegen- über muß ich ab« darauf eingehen, daß fie»und und nett erklär! haben, ihre Parteifreunde hätten fich fast Alle gegen das Monopol entschieden. Ich würde zu dieser Erklärung zweier großer Parteien dieses HauseL ein lebhaftes Bedauem, eine gewisse Entmuthigura an den Tag legen, wenn ich meinte, daß eine so groze Sache auf den«st-n Anlauf zu nehmen wäre(hört! hör!! link�), um so dankbarer bin ich den beiden Herren Redn«n, vaß fie nicht nur mit der Verweisung an eine Kommisfion von vornherein einverstanden gewesen, sondern das Bedürfniß für vorliegend und die richtige Richtung des von der Regierung empkoblencn Mittels anerkannt haben. Ich zweifle nicht, auch nachvcm ich Ihre Ausstellungen gehört habe, daß fie aus den Berathungen in der Kommisfion, oder wenn auch diese noch zuerst vergeblich verlausen sollten, aus der weiteten Diskussion in der Oeffentlichkelt, sobald man fich nach und nach von ver Vorzüglichleit und Güte des Entwurfs über« zeugt haben wird, gewinnen wird. Sie wird schon gewinnen in der Kommisfion, und fie würde heute schon gewinnen, wenn das Bedürfn'ß zu einer lebbasteren Anerkennung gelangt wäre alS bisher. Ich hoff- und wünsche, daß dieS geschieht. Dazu sei Ihnen die Vorlage empfohlen.(Ledhafter Beifall rechts.) Abg. Kroeber: Die Volkspariei wird gegen das Monopol stimmen, bedauert die Verweisung an eine Kommisfion und hält es für korrekter, fie kurzer Hand abzuweisen, damit der Reichsregierung die Lust vergebt, fie so bald wieder einzubringen. Warum wieder eine so weitgehende neue Steuervorlage, nach- dem«st im vorigm Jahre 50 Millionen an neuen Steuern und Zöllen bewilligt find? Die V-rih«ilung an die Ein-el- staaten ist doch wohl nicht ernsthaft gcm-int, daS Li-d haben wir schon oft gehört, aber es fehlt mir der Glaube. J-de neue Vorlage bedroht ganze Klaffen in ihrer Existenz, die uns fort- während mit ihren Bitten bestürmen, fie vor dem Ruin zu bewahren. Jetzt hören wir daffclde von ganzen Städten, wie von Nordhausen. Sind neue Steuern wirklich n.othAendig, so hol« man fie doch da, wo viel zu holen ist, aber nickt aus den Taschen der Armen und bedrohe nicht ganze Schicht-n in ihrer Erwerbstdäiigknt! DaS Monopol soll bei einer Ein« nähme von 668 Millionen nur 303 Millionen Ertrag liefern, auf ErhebungS. und Verwaltungskosten entfallen also 55'/, xCt. der Neitoetnnnhme. Ist das eine richtige Steuer, die 100 M. auS den Taschen der Armen nimmt, um 44 M. 66 Pf. in die Reichskasse zu liefern? Die bayrische Regierung, ins- besondere unser Ftnanzwinister v. Riedel, ist Feuer und Flamme für das Monopol; die 20—30 Millionen, welche der bayrischen Staatskasse zufließen sollen, haben ihn bewogen, leichten Herzens ein bayrisches Reservatrecht, die B. anntweinsttuer, preiszugebrn, die allerdings zur Zeit nur 2'/, Millionen Mark einträgt. Die bayrische Kammer bat zur rechten Zeit ihr Votum gegen das Monopol abgegeben. Der Abg. Richter hat mit Recht auf die Konsequenzen deS Mono- polS für Bvy.nn hingewiesen: bei gleicher Vertheilung der Einnahmen erhielte es von Norddeutschland ein Geschenk und es sollte dann auch leine Braustcuer in die Reichskaffe fließ-n lassen. Herrn v. Rievel ist das vorgehalten worden. Wir wollen aber keine Geschenke von Preuß-n für Bayern, brauchen fie nicht und find doppllt mißtrauisch, wenn man unS etwas schenken will. Bon diese c Seite haben wir die Herren noch nicht kennen gelernt, wollen aber auch unseren Malzaufschlag für uns dehatten. In dieser Frage find alle Bayern einig. Ich erkläre es für unsere Pflicht, die gesammtcn Res«rvatrechte deS Landes Bayern zu wahren, d!e Branntweinsteuer tnklufive. Herr v. Riedel hat stin Gewissen zu faloiren gesucht, indem er Echutzbestimmungen für die mittleren und kleinclen Brenne- reien durchsetzte, die ihren Untergang doch nicht aufhalten würden. In fünf Jahren bestände unter dem Monopol reine einzige mehr, unsere Bauern könnten dann zusehen, wo fie mit ihrem Odst bleiben, und fich on den preußischen Kartoffelschnaps gewöhnen. Lehnen Sie dieses Gesetz kurzer Hand ad! Bayrischer Bevollmächtigter Graf v.Lerchenfeld: Tie Behauptungen deS Abg. Kroeber über die Stellung der boy- rifchen R-gierung zu dieser Vorlage waren unvollständig und un- richtig. Sie erkennt daS Vorhandensein«beblicher finanzieller Bedürfnisse beim Reich und bei den Einzelstaaten an, um so mehr, alS die nothwendigen Ausgaben tiotz aller Sparsam- keit foriwährend steigen Die bayrische Regierung fleht deshalb auf dem Standpunkt, duß fie eine Fortsetzung der Reichs« steuerreform für«forderlich bält; fie meint ferner, daß von allen in Frage kommenden Steuerprojekten für dieS Monopol die erheblichsten Gründe sprechen; fie geht davon aus, daß daS Monopol in fittlicher Beziehung gute Wirkungen hat und daß eS die einzige Form der Besteuerung deS Branntweins ist, welche große Einnahmen verspricht, ohne gleichzeitig die mitt- leren und kleineren Brennereien zu ruiniren. G-rade das In terrffe der mittleren und kleinen Brennereien war vorwiegend maßgebend für die Stellungnahme der bayrischen Regierung. Sic wird stch darüber auch mit dem bayr.schen Landtage noch auieinandersttzen. Uedrigens glaube ich, daß wenn daS Monopol im Reich Gesetz werden sollte, auch kehr Viele, die jetzt in Bayern Gegner desselben find, es fich noch über- legen wnden, ob Beyern fich allein von diesem Gesetze aus- schließen soll. Abg. v. Kardo rff: Die Vorlage verfolgt nach vielen Richtungen große und bedeutende Ziele, namentlich auch wichtige ethische Zwecke. Bedenken Sie, daß zur Zeit 200 Millionen Liter unentkuseller Sprit vom deutschen Volke getrunken werden; und daß— vorüber Herr Richter aller« dings sehr leicht hinwegging— die Branntweinpest vor- zugsweise durch den Fuseistoff vorbereitet wird. Herrn Richter ist es z>em ich gleichgilltg, ob so und so viel Tausende an der Branntweinpest nnben.(Abg. Richter: Warum brennen Sie den SetnapS?) Ein zw-iieS großes Ziel der Vorlage ist die Herstellung der wirthschaftlichen Einheit zwischen Nord- und Eüdd'Utschland. Während Herr Richter auS der Vorlage eine loloffale Dotation für die großen Brennereihe- fitzer her ausrechnet, ist eS dock iniereffant, daß die Besitzer ihrerseits, die doch den Verhältnissen viel näher stehen als Heer Richter, vielfach der gegentheiligen Meinung find und von dem Monopol nur Nackthell und Verlust erwarten. Herr Richter hat ferner vergessen, daß eS fich nicht blos um die Brennereibefitzer handelt, sondern daß hinter diesen unzählige Existenzen stehen, deren Wohl und Wehe durchaus von der Btülbe des KattoffelbaueS abhängt. Herr Richter hat seidst konstatirt, daß allein das Brenner- igewerbe im letzten Jahre einen Verlust von 16 Millionen Mmk gehabt hat. Bedenlen Sie, daß neben diesem Verlust der Landdwiithe ebenso«heb- liche Mindereinnahmen aus Wolle, Vieh, Getreide und Zucker- rüben gleichzeitig einh-rgehen. Dann erhallen Sie ungefähr das richtige Bild von ver?heuilgen Lage der Landwirth'ch.ift i Warum bat sodann Herr Richter gestem mich besonders apofiro- phirt? Meint er etwa, daß der Finanz-minister gerade mit mir zu Ralhe gegangen ist, alS er die Vorlage ausgearbeitet? Ich glaube, ich wäre der Letzte gewesen, den Herr von Scholz zu Rattze gezogen hätte, denn ick würde ihm g-sazt haben, daß ich allerdings das landwirthschaftliche Elend heilen zu können glaube, aber nur dadurch, daß man endlich zur Doppelwährung übergeht.(Große Heiterleit.) Ich stehe in dieser Währungsfrage an der Spitze von vielen tau« send Landwirlhen. Wir werden also die Vorlagt in der Kom« misfion sehr eing-hend prüfen, und ich bin bereit, auch auf den von den Abgg. v. Huene und Buhl angedeuteten Weg einzulenken, d. h. die Maeschraumsteuer besteh-n zu lassen, sie vielleicht nach dem bayrischen System zu gliedern(sehr richtig!) fie für die drei Sommermonate zur Verhütung einer zu starken Produltion zu erhöhen und daneben eine Konsumsteuer einz» führen. So könnte der Branntwein schon jetzt einen Mehrer« trag von 100 bis 150 Millionen Mark dringen, und uirr hat en noch den Voriheil gegenüber dem Monopol, daß die Aöhilfe der jetzigen Mängel nicht noch auf Jahre hinausge« schoben wird. Eine Vorlage, wie Herr v. Huene fie andeuie>e, könnte ganz gut noch in dieser Sesston fertiggestelli werden- Herr Richirr spielte dann an auf die kirchenpolttische Wendung im Landtage. Daß diese Wendung Ihnen sehr unbequem weiß ich, und deshalb begrüße ich fie mtt Fr-uden. Es mach! einen wunderbaren Eindruck, wenn der Staatsmann,»m den uns alle anderen Nationen beneiden, hier dargestellt wird als ein solcher, dessen ganze Politik eine Kette ver- brecherischcr Thorheiien, ein Attentat auf die bürgerliche und politische Freiheit des Landes sei. Was wäre die Folge ge- wesen, wenn wir einen Reichskanzler gehabt hätten auS Hcrm Richters Partei?(Ruf links; Wir wollen gar keinen!) Icker- innere nur an ihren berühmten übiüstungiantrag. Ein solcher Reichskanzler häite ferner den Freihandel in vollem Umfange eingeführt; dann würde fetzt ganz Deutschland mit Ruinen de« deckt sein!(Ruf links: Hat ja Bismarck vorgeschlagen! find die Ruinen da!) Die Politik deS jetzigen Reichskanzlei» hat uns fünfzehnjährigen Frieden bewahren können; und die» allein sollte ihn schützen vor solchen Angriffen, wie Richter sie gestern gegen ihn schleuderte.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Schumacher: Der Finanzminister hat die Ein« bringung des Monopols mtt dem Defizit in unserem Lud«» begrünset. Das Vorhandensein eines Defizits gebe ick zu,«<'» wic wissen auch, wie es entstanden ist. Seit dem Jahre 1°'' ist die Reichsschuld angewachsen auf 430 Millionen, uns«» Ausgaben für das Reichsheer find von 262 Millionen w Jahre 1872 bis jetzt auf 334 Millionen angewachsen.% kann etwas erspart werden, ohne daß die Wehrkraft des Volk» beeinträchiigt wird. Man weist auf die Klagen der Scknav� brenn.« hin. Aber verdienen nicht auch die Arbeiter, die deiterfamilien, welche die Erträge des Monopols werden au? bringen müssen, B«ückfichtigung? Der Trinker wird seine« Konsum nicht einschränke», wenn das Monopol den Preis dtt Schnapses rertheucrt; er wird den Mehrbetrag zahlen und dlu mit seine Familie zwingen, fich in ihren Ausgaben für ihr«» Lebensunterhalt einzuschränken. Herr Richter hat unS porge warfen, daß wir nicht kräftiger gegen das Monopol aufgetre»» feien. Urs hindert das Sozialistengesetz an jeder Agualioil- Nur hier in Berlin deweist man gegen die Versammlung!» von unseren Gesinnungsgenossen eine etwas größere Tolera«!- Wir haben uns auch jeder Einwirkung auf die Arbeiter cm hallen, weil wir glaubten, daß dieselben so wie so gegen dieie« Monopol sein würden. Wir find nicht gegen die Monop�' überbaupt. Wir find für die Eisendahn.verstaatlichung cing« treten, wir würden auch gegen eine Verstaatttchung der Apoto»'" nichts einzuwinden haben. Aber wir wollen niemals verstau'' lichen lediglich zu dem Zwecke, um Millionen Herauszuschlag»? wie daS Herr v. Scholz erklärt hat. AuS diesem Grunde fm wir gegen eine kommissarische Berathuna der Vorlage und a» diesem Grunde werden wir gegen eine Erhöhung der Branm weinsteuer stimmen.(Betfall bei den Sozialdemckraten-) Q Abg. v. Sczanrecki(Pole) erkennt an, daß ein sammenhang zwischen Landwirthschast und Brennerei daß die eine die;a»dere bedinge und daß ein Nothstand wie h«»!!? auch dort demerklich mache. Er sehe indessen davon ad,» Bedenken, die er wie der Abg. v. Wcdell-Malchow gegen' Vorlage im Einzelren habe, hier im Plenum vorzubringen'-� deHalte fich das für die kommissarische Berathung vor, fß* auch seine Partei stimme.. Abg. Simonis(Elsäffer): Wir in den ReichSkW befinden unS in einer ungleich schlimmeren Lage als die i» deutschen Staaten. Diese gehören der Branntweinsteu»g meinschaft nicht an, können also der Monopolfrage nach.ck«.. Belieben zustimmen; wir aber find bei der Annexion � Gemeinschaft einbezogen worden und haben vergeblich v«!»»# daraus defreit zu werden. Da wir uns also nicht davon machen können, so müssen wir unS auf daS Allerentsch'«�«�, gegen das Monopol erklären. Von allen Argumenten für» selbe ist wohl die Bekämpfung der Brannlweirpcst glücklichste. Eine Erhöhung der Preise des Branntwein t' ja dem Alkoholismus entgegenwirken; aber daß man nur Alternative haben sollte, entweder das Volk ruhig wette-». giften zu lassen oder der Regierung sofort ein ganzes Mono mit Hunderten von Millionen Profit zu bewilligen. daS u, steigt meine Fassungskraft vollfiänvig. Wenn die R'ß' alles Interesse daran hat, daß möglichst viel Schnapp sumirt wird, w-e kann man da von dieser Einrichtung erw». j daß fie daS Volk mäßiger machen wird? Die Regierung, stch dann immer mit dem alten Worte trösten: w. Die Eirzeldestimmungen deS Entwurfs find bedenklich" Der Detailverkauf joll zu EngroSpreifen erfolgen, ba*' � doch den Konsum nothwendtg vermehren. In den Morw J, sehr viel von der Fabrikation nur gesunden, reinen ßti weinS die Rede, m der Diskussion ist gar nichts mehr o »u hören gewesen. Will die Regierung wirklich f�., Wichen wndheit des Volkes sorgen, so kann fie daS auf Wegen ohne Monopol. Wir haben'® gegen diese Vergiftung; man wenden. Nach den Bef 30000 elsässtschen Brennereien ...........«««« Nach den Bestimmungen des Entwurfs i>tf,w zu ..sässtschen Brennereien einfach unmöglich, aiha\it*i bestehen, sie können dann unmöglich die Konkurrenz aus« M........„____„..................... Nack den«�. fchriften über die Entschädigung wnden von den KchlaS weil fie nicht so billig produziren lönnen. . �ntschädigu ncreien 10 000 ohne jede Ent! ............tschädiqung mit dem ersten todtgeschlagen, auch die übrigen müssen bald u»''.�n während für die großen die Entschädigung in M- �n, geht. Redner bemängelt in seinen weiteren AuSfud � � die bei der steigenden Unruhe deS Hauses im Emz»..gj-eii verständlich bleiben, die Konirolvorschristen mit Eindringen in die innersten häuslichen und nisse, erinnert an die verhaßten„Kelletralten" der ftam � Monopoloerwaltung in seiner Jugendzeit, denm i» s. rv- Speiseschiankratten, Kommodenratten(große Herterrenr gwet* einem erneuu» v � --------- Ich habe nicht die todie Monopol noch ein Wort zu verlieren, nachdem v. Kardorff fich mit einigen allgemeinen Symparhren,. jrü>« der Vorlage gegenüber abgefunden hat, aber wau � vi« schließlich mtt uns dagegen stimmen wird. Für u mach« Hauptfrage: Wag kommt jetzt? Und in dieser Bezi» mich die Umarmung dir Herren v. Huene und» stie- besorgt. Ich glaube aber doch, daß Herr v. Huenc> � et nicht so auffassen wird, als ob er jetzt verpflichtet 10" zu %4ie% machen I Nun wird cr stch ganz einfach aus ,�ßi Mission zurückziehen, und Sie wollen ihm dort bei � qu iekten helfen. Diesen Dienst, hoffe ich. wird H-».st,< n� ää1« den Kommisstonsbcrathungen heraus! Einfaeyc zugesellen würden, und gegen die Vorlage. Abg. Rickert: Finanzxrojikte vorzuschlagen. Wenn uns der eine derartig schwach begründete, in fick Vorlage gebracht hat, so lassen Sie weiter arbriien! Seine Pflicht ist es-- cinfaco aur ffofl der Finanzminister sich selbst den Kopf zerbrechen! quhrm Sie doch nicht die parlamentarische Regierung bei uns «m, vor der die Herren ja sonst einen solchen Horror haben! «onopole werden bei unS nicht mehr eingeführt werden; auch Rohspiritus-Monopol wird nicht kommen. Leider hat fich >us die letzten Tage des grasten Königs Friedrich des Einzigen Iiner Schatten gelagert, daß er in schweren Zeiten durch das »asfeemonopol besonders hohe Jntraden aus dem Volk herauk» Neffen wollte; und daS Volk jubelte auf, als sein Rachfolger »Kaffeeriechern" ein Ende machte. Den Herrn Finanz- Minister frage ich: Wie vereinigt eS fich mit der von ihm be» Mpruchten Objettivität, wenn er heute die ganz unbegreifliche veschuldigung gegen die Linke bezüglich der Veröffent- «Hungen über das Monopol ausspricht durch ungetreue «tamte, deren Verbindungen bis zum Abg. Richter reichen? Wie kommt der Herr Finanzminister zu solcher unerhörten Be« Mplung? Schon vor Monaten war bekannt geworden, daß «r Prof. Alglave in Frankreich durch den Botschafter Fürsten Menlohe darüber ausgefragt wurde, wie er zu einem deutschen «onopol stehe. Es wunden mich, dast der Finanzminister das «tcht weist, dast er nicht weist, dast Graf Herbert BiSmm ck schon for langen Monaten klar und deutlich in einer Rede erklärt w. dast die Einführung des Branntweinmonopols beabfichtigt o>ttde? Wie kommt eS denn, dast eine offiziöse Korrespendenz 7- der Minister weist wohl, welche ich meine— schon am &?anuar den preustischen Monopolgesitzentwurf Terbotenns �lösfentiicht hat, während erst am 14. Januar der Bundesrath diesem preustischen Antrage Kenntnist erhielt? Angefichts «fien will der Minister von der Untreue der Beamten sprechen? M sagt jener Korrespondenz direkte Verbindungen mit dem «wister nach. Woher hat denn diese den Wortlaut? Doch »ohl aus dem Finanzmmisterium! Od der Minister das billigt, 7"! ich nicht; jedenfalls hat er keine Schritte gethan, um eS N««hindern. Der Chef dieser Behörde sollte doch die armen Beamten mit solchen Angriffen verschonen, wenn die Thatsachen ««artig gegen ihn sprechen.(Zustimmung linkS.) Hrrr v.Kar- «ernt, wir seien über die neueste Wendung der Kirchen- Mrk ärgerlich, und deshalb gerade freut er fich. Warten Sie «°ch ab, wie wir uns dazu stellen werden. Bringt die Vor« 3 fc'n Frieden und das Ende der Verhetzungen, die wider �>«en Willen jahrelang getrieben worden find, dann werden 7�. damit ebenso zuftieden sein, wie er. Herr v. Wedell und rH der Herr Finanzminister haben in einem verächtlichen Ton« ,«>1 den Schanlwir hen gesprochen. Wir kennen diese Methode "b Bei den Getreidezöllen waren es die Bäcker, die so be« „>elt wurden, bei der Börsensteuer die Kausleute, die in licher Weise behandelt wurden. Aber ist es despektirlicher, rpS zu verkaufen, als Schnaps zu brennen? Der Herr izminister hat gemeint, dast wir der Regierung getrost das trauen schenken dürften, dast fie bei der Bergedung der Muren und Verschleisterposten nicht willkürlich verfahren Sl'• Ich erkläre offen, dast wir, soweit Preusten in Betracht Ant, dieses Vertrauen nicht haben. Und wie sollten wir das 3 der Erklärung des Herrn v. Puttkamer, dast die Regierung .77t Wohlthaten an Beamte ertheilen könne, die ihr politisch Wnlibelständen. Herr v. Scholz meinte weiter, dast wir dem L-ak leinen grösteren Schutz gewähren könnten, als wenn wir �.„Branntweinmonopol bewilligten. Ich behaupte, dast Bewilligung dieses Monopols uns mit Nothwendigkeit zu Tabaks- und Biermonopol oder zu einer erhöhten Steuer " dieselben führen, wird. Denn wie können alle die Be- Mniffe, die der Minister unS aufgezählt hat, mit den Er- 3l«i deS Branntweinmonopols befriedigt werden? So lange w r find, werden wir eine Methode bekämpfen, die uns �„�wiuiaungtmaschinen für die Einzelstaaten herabdrücken % Ich warne gerade die Föderalisten auf diesem Wege uT« zu gehen, der zum UnitariSmus führt. Der Minister uns unter Verlesung eines Artikels aus einem öfter« en Blatte, dessen Namen er gar nicht genannt hat „Neue freie Presse"!), davor gewarnt, ausländische zu treiben. Ich möchte diesem Artikel den eines Monalliberalen Blattes, der„Magd. Ztg.", entgeaenhalten, 5 bemerkt wird, dast daS Einbringen solcher Vorlagen, «as Branntweinmonopol, auf unsere Industrie schlimmer Mrken, als der äustere Feind. Ich freue mich daher darauf, der Reichstag auch dieser Vorlage ein kräftiges Nein ent- �«"stellt(Beifall links.) Darauf wird die Debatte vertagt. Persönlich bemerkt Ä- Meyer(Halle), dast er allerdings in seiner vom Finanz- ft, Ü« zittrten Rede die Schwierigkeiten einer Fabrikatsteuer K Branntwein anerkannt habe: aber er halte fie nicht für so Achtend, dast fich deshalb ein Finanzminister hinsetzen müstte, ÄM/ch unbrauchbares Werk zustande zu bringen. l,. Abg. Richter(persönlich): Der Herr Finanzminister «ii». Vermuthung ausgespiochen, dast meine vorzeitige Alar« gegen daS Branntweinmonopol verschuldet sei durch «ndiskretion oder Untreue eineS Beamten. Diese Beschul- � gegen die Dienstehre deS gesammten Beamtenstandes tob,,(t Beamten d«S Finanzressorts im Besonderen «ffl!"'ich folgendes zu erklären: Ich bade weder Cfflw noch unmittelbar irgend eine Andeutung seitens B eines Beamten, irgend eines ReffortS erhalten iJjllet Ausnahme. Diese Ausnahme bildet der Sohn des bi»? Kanzlers, der in einer für die Regierung allerdings vor- Vsrn Weise in einer Wahlversammlung in Lauenburg auf �iit.«polprojekt öffentlich aufmerksam gemacht hat. Ich «lo, 18 danach dem Herrn Finanzminister überlassen, ob und %" nach Mastgebe seiner Anfichten gegen den genannten veranlassen will.., A°�chlust 5% Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 1 Uhr. «»Ddung der Berathung des Branntweinmonopol» und der der �"ng deS Antrages Rerchensperger wegenWiedereinführung Lakales. H)5t®!nuS> um die -9t wählt: Carl Stchr, Stromstr. 45, 1. Vorsitzender. I. Krause, WilSnackerstr. 1l, 2 Vorsitzender. R. Thtcnst und A. Vogt zu Schriftführern und R. Schulz, Stromstr. 4, alS Kasflrer- Ferner wurde beschlossen, daß die Versammlungen des Lokal» Verbandes jeden Montag vor dem 1. und 15. jeden Monats tn oben bezeichnetem Lokal stattfinden. Der Verband Berlin Süd hielt seine dritte ordentliche Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 4. Mär», in den Jndustriehallen in der Mariannenstraße ab, in welcher der Redakteur des VerbanoS> Organs einen Vortrag über die Nütz» lichkeit des Arbeitsnachweises hielt. Rede er führte auS,daß die Hamburger Zimmerleute hierin ihren deutschen Kameraden ein gutes Beispiel gegeben haben; daselbst ist von dem Lokal» vrrband ein Arbeitsnachweis auf Grund eineS gut durchdachten Statuts gegründet worden. Sollte auch in Berlin eine der» artige Einrichtung im Anfang auf Schwierigkeiten stoßen, so dürfe man nicht gleich zurückschrecken und die gute Sache fallen lassen. Wie bei ausdauernder Beharrlichkeit eine gute Jnsti- tutton fich nach und nach doch einführt, zeigen die jetzt äußerst zahlreich besuchten Versammlungen der Platzdeputirten. Zu „Verschiedenes" wurde von mehreren Redner das Verhalten der Lohnkommisfioi�gegenüber dem Vorgehen der Meister sür Der Kachverein der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chirurgischer und anderer Jnstrumentenmacher hielt am Mitr woch, den 3. März bei Nieft, Kommandantenstr. 71/72, eine sehr zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ab. Tagesord- nung: 1. Dortrag deS Herrn Schäfer. 2. Diskulston. 3. Ver» schiedeneS. 4. Fragekastcn. 5. Ausgabe von Fragebogen. Nachdem Herr Schäfer seinen zirka einstündigen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über„Heilslehre der Völler" beendet, verlas der Vorfitzende eine ihm zugesandte Fabriksordnuvg der Telephon-Bau-Anstalt von Mix u. Genest. Diese„Muster» Fabrikordnung" übertrifft in der Thai alles b sher in diesem Genre «leistete und gab selbige Veranlassung zu sehr lebhafter DIskusfion, an welcher fich viele Mitglieder betheiligten.— Weiter wurde Stellung genommen zu dem in der Nr. 6 der „Deutschen Metallarbeiter-Zeitung" veröffentlichten Aufruf: „An die Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chirurgischer und an« dern Jnstrumentenmacher", worin die Kollegen oben genannter Branchen zur Beschickung eines während den Osterfeiertagen tn Mitteldeutschland stattfindenden Kongresses eingeladen wer» den. Die Versammlung beschloß, 3 Deltgirte dorthin zu sen» den. Ein zu dieser Sache gestellter Antrag, eine Extrasteuer von 0,15 M. pro Mitgliev zu erbeben, zur Unterstützung der von der Versammlung gesandten Telegirten, wurde mit großer Majorität angenommen. Nachdem noch ein Redner die Meihode einzelner Prinzipale, für die den Arbeitem abgezogenen Srraf- gelder Vergnügungen rc. für die Ardetter zu veranstalten, wo- nach dann gewöhnlich lange Berichte über das gute Einver« nehmen zwischen Ardeitpeder und Arbeitnehmer in den Zeitun en folgen, gehörig kritifirt, schloß der Vorfitzende die interessante 'ersammluna um 12'/, Uhr. Jntmsseu-Verei« der Kiste«' und Koffermacher, Montag, den 8. März, Abend« 8'/, Uhr, in den„Armin- Hallen", Konnnandantenstraße 20, Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzner über die religiöse Geistesbildung als Grundlage der Moral. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Verct« der Taubenfreunde jeden Sonnabend 8'/, Uhr, im Restaurant Kieemann, Laufitzerstraße 41. T.'O.: Flug» tauben Angelegenheit. Oeffentltche Versammlung sämmtlicher Marmorar- bester(Hauer) und Steinmetzen. Heuie, Sonnabend, Abends 8'/, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Tages» ordnung: Wie stellen fich die Marmorarbeiter zu den vom Fachverein der Steinmetzen vorgelegt/n Lohntarif? Versammlung des Bezirksvereins der arbeitenden Bevölkernng des W sten am Montag, den 8. März, Abends 8'/, Uhr, in Gründer's Salon, Schwerinstr. 26. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten W. Liebknecht. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. * Kochverein der Tischler. Montag, den 8. März, Abends 8V, Uhr, in Jordan'« Salon, Neue Giünstraßc 28, Versommlug. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Ger- lach über„Ardeiter-Hygtene". Diskussion. Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden ausgenommen. BilletS zum Maskenball, welcher am Sonnabend, den 13. d. M, in der„Berliner Ressource" stattfindet, find in der Ver» sammlung und auf den Zahlstellen zu haben. Die Zahlstellen definden fich 1. Blumenstr. 56(Tikchlerherberge); 2. Ekalitzer« straße 18 bei Stramm; 3. Belle Alltanceplatz 6 bei Hilscher; 4. Zionsknchplatz 11 bei Hohn und Müllerstr. 134bei Hähring. Das'lbst werden jeden Sonnabend, Abends von 8'/,- 10 Uhr, Beiträge entgegengenommen und neue Mitglieder aufgenom- wen. Die nächste Vereinsversammlung im Osten Berlins findet am Montag, den 15. d. M., in SaegerS Lokal, Grüner Weg 29, statt. * An die Drechsler und verwandten BernfSgenosseu. Die Werlstatt Delegiiten-Versammlung findet nicht am Montag, den 8., sondem Dienstag, den 9. März, AbendS 8 Uhr, bei Gratweil, Kommandantensttaß« 77—79, statt. Tie Kollegen werden ersucht, in allen Werlstätten die Wahl der Delegirten vorzunehmen und dieselben mit dem betreffenden Mandat zu versehen, welches den Namen deS Delegirten und der Werkstatt unter Angabe der Branche, sowie die Anzahl der dort be« schäftigten Arbeiter erkennen läßt. Da in diesrr Versammlung alle auf die diesjährige Lohnbewegung bezüglichen Organisation!» fragen berathen werden sollen, so ist es Pflicht der GewerkS- genossen, für die Vertretung jeder einzelnen Werkstatt mit allen Kräften zu agitiren. Mit kollegialischem Gruß! Die Lohnkommisston. * Kachverein der Putzer. Sonntag, den 7. d. Mts„ Vormittags 11 Uhr, Mitglieder-Versammlung in Echeffer'S Salon, Jnselfir. 10. Tagesordnung: Wahl der Depmirten zur Gesellen� Vertretung. Vereinsangelegrnheit. * Kachveret« der Steinmetzen Berlins. Sonntag, den 7. März, Vormittags 10 Uhr, Generaloersammlung in Ahl» grimm's Salon, Sophienstraße 34. Tagesordnung: 1. Vorlegung des von der Kommisston mit den Meistem vereinbar» ten Tarifs. 2. Der Kongreß der deutschen Steinmetzen zu Köln. 3. Verschievenes. Kleine Mittheilnngen. Mainz, 4. März.'Zu der Hinrichtung des Mörders Herbst waren der hiesigen Bürgermeisterei von der Staats« anwaltschaft 19 Karten zur Vertheilung in der Stadtverordneten» Versammlung zugestellt worden. Die Stadtverordneten b» schloffen indeß, es abzulehnen, alS Stadtverordnete an der W kution theilzunebmen. m... Au» der Rhetnvrovinz, 3. März. Der frühere P»«» lieutenant Nobiling, der nach dem Attentat seines Bruderi W Namen Edeling erhielt, war nach seinem Ausscheiden au«M Militärverhältniß mit der Verttetung einer Firma# G-evenbrotsch betraut und hatte in Köln seinen Wohnort o» dieser Stellung hat Edeling bedeutende Unterschlagungen w gangen und ist tam 1 er. gefänglich eingezogen worden. Oel», 4. März. In dem Dominial-Dörrbause zu Sk*#; waren vorgestern in den ebenerdigen Räumlichkeiten 10 MnM. in den oberen 37 Frauen mit Flachsbrechen beschäftigt. M? mittags 2 Uhr brach, wie die„BreSl. Ztg. mitthettt, im N «schoß Feuer aus, welch? S die Treppe ergriff, bevor sich Wr den oberen Räumlichkeiten beschäftigten Frauen ins W flüchten konnten. Die Bed�uernsweithen suchten fich lflL durch Herabspringen vom sicheren Tode zu retten, erlitten«»' dennoch mehr oder minder gräßliche Brandwunden. Aon« 37 Personen sind nur 2 unversehrt davongekommen. übrigen 35 wird eine noch gänzlich vermißt. Fünf find Laufe der Nacht bereits gestorben; fünf sind im Oeller tz«1 krankenhause untergebracht, 24 liegen noch im Domnw/ hause, größten theilS schwer verletzt, darnieder. Zu W" wurden von Trebnitz zwei Schwestern geholt.— Der Jam« unter den Kranken und deren zahlreichen Familien- hörigen ist grenzenlos.... Krakau. 2. März. Die jüdischen Eheleute Rltter von dem Krakauer Schwurgericht dreimal wegen ritueu Mordes eines Christenmädchens zum Tode veruriheitt Zweimal hob der KassationShvf in Wien daS ErkenntmM' und ordnete eine neue Verhandlung an, das dritte Mal lo% er die Angeklagten frei und oerüate sogleich die F-eilM f derselben. Dieses Erkenntniß, das in geheimer Sinuna«« wurde, konnte nach der Strafprozeßordnung nur und mit Zustimmung deS General Prokurators elfolgen. Eheleute Ritter wurden am 10. März 1882 in Haft aenomvA nahezu vier Jahre also haben stc die Leiden des Gefängwm und die Auflegungen der gerichtlichen Prozedur erduldet, ihre Freisprechung erfolgte. setzte Nachrichten. Aus London wird gemeldet, daß die Bill betreffen� Entschädigung der Opfer der Londoner Unruhen au« städtischen Polizeifonds mit 106 gegen 79 Stimmrn in Lesung angenommen wurde. Aus Paris telegraphitt man unter dem 4. März:'. Schluß der beutig-n Sitzung der Dcputirtenlammer brea der Sozialist Camclinat eine Interpellation an die über die Vorgänge in Decazevtlle ein. Dfl«- rathung derselben wurde auf nächsten Donnerstag vertagt- Kriefkastr« der Redaktion. Die Adresse des Vor fitzenden des FachvereinS der metzen ist:„Joseph Stieder, Moabit, Havelbergerfir. 10. H. S. Gürtler, Naunynstr. Wenn beim Skat„Rai»!® gespielt wird, fo hat derienia«. mtlthrr die Noints so hat derjenige, welcher die meisten Points Pf.' an die Keinen anderen Mitspieler zu zahlen. In Ihrem tst also dnjemge. welcher über 60 h�t, der alleinige Berfäj Maler A. B. Anonyme Einsendungen können nicht W rückfichttgt werden. Ferner haben wir wohl oft genug hingewiesen, daß alle für den Druck bestimmten Eiasenbu"� nur auf einer Seite des Papiers geschrieben werden düifl"-,, S-omke, Tischler in Königsberg i. Pr. Senven v>> un» Ihre Adresse ein, damtt wir Ihr Schreiben beantM"" können. T. 14. Wenden Sie fich an den Vorstand der Berl� AnwaliSkammer hier, Gr. F.iedrichstraße 191, und geben an. welche gehört haben, daß Ihr Gegenanwalt Mite Gebühren verzichtet hat. Bezüglich der Einstellung re®' Aushebung der Zwangsvollstreckung ist der Ihnen als anmalt zugewiesene Rechtsanwalt verpflichtet, Ihren B zu pewäbren. Allerdings ist die Sache sehr zweifelhaft. Theater. Sonnabend, den 6. März. Opernhau». Der reisende Student. Müss. kalischeS Quodlibet in zwei Aufzügen von L. Schneider. Musik von verschiedenen Kom» vonisten. Hierauf: Der Kurmäiker und die Picarde, Genrebild von L. Schneider. Tanz von Ch. Guillcmin. Zum Schluß: Wiener Walzer in 3 Bildern von L. Frappart und F. Gaul. Echausptelhau». Hamlet, Prinz von Dänemark. Trauerspiel in 5 Atten von Shakespeare. Deutsche» Theater. Die Lorelei. Wallner-Tbeater. Leichte Streiche. Vorher: Groß Reinemachen. Restden,-Theater Denise. B« lle-Alliauee-Theater. Pariser Leben. Ko- mische Operette tn 4 Akten von Mellhac und Halevy. Friedrich» Wilhelm städtische» Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Sflauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. Hettere» mit Ge und 3 i___________________ Louiseustäd tische» Theater. Abracadabra. Gentral-Theater. Der Stabs« Trompeter. »iktorta• Theater. Messaltna. Ostend- Theater. Die Räuber. Trauerspiel in 3 Alten von Fr. von Schiller. Ameriea«- Theater. Große Spezialttäten» Borstellung. Theater der Reichshalle«. Große Speziali« läten-Vorstellung. Kaufmann'» Variete. Große Spezialitäten» Vorstellung._ Koukordia. Große Spezialitäten-Vorstellung. Passage 1 Treppe. 9 U. Mora. dit 10 U. Ad.[852 Kaiser-Panorama. Nur diese Woche: Türkei, Griechenland, Suezkanal, i. ZylluS: Schweiz, St. Gottharddahn. Hertha» «eise,-eine Reise«Pf.,»inder nur>0 Pf. Alliambra-Theater. Wallnertheaterstraße 16.[851 Heute und folgende Tage: Pobttnc Nfigabondtv, Posse mit Gesang in 8 Bildern von Dr. Ed. Jacobson. Musik von Michaelis. Vor der' Vorstellung: Sr. Rou�ert der Hauskapelte. finfang de» Konzert« Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung T*u Uhr. Anfang de» Konzert« Sonntag« 6 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. llon« haben Wochentag» Giltigkett und sind im Theaterdureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Fachverein d. Böttcher. Am Sonntag, den 7. d. M„ Vorm. 10'/, Uhr, Mitglieder-Versammlung bei Heist, Lichtenberger« Straße Nr. 21. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Herrn Michelsen. 2. Innere Veretnsavgelegenheiten. 3. Verschiedene». Die Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich zu er» scheinen. Quittung! buch legittmirt, ohne das- selbe ist der Zuttitt nicht gestattet. Gleichzeitig werden alle Diejenigen aufgetordett, welche mit den Beiträgen noch im Rückstände sind, diese ungesäumt begleichen zu wollen. 886 Der Vorstand. Arbeitsmarkt. «i« tüchtiger Zusammen sther für Me» chanik wird verlangt bei Richter u. Becker, Bethanien Ufer 6.[697 Ein Mädchen von au Alte J-kobstr. 60, pari, links. 'ann fich melden [898 Neu! Riidersdorferstraße Nr. 8. Neu� Restaurant znm Fenerhaken Emil Böhl. von Emvkehle allen Freunden und Bekannten mein vorzüalicheS MeiSi»ier. Kier-Ausschank. KoriLgliche Küche. Grosser Frühstückotisch. Un bittet[8901 I.«.: W. Hailgfc Grosser Fruhstuckstisch. Um wbt zadlret� Ein Heckbauer und eine Kinderbettstelle zu verk. Admiralstr. 16, H. II b. Wegner.[895 Möbel, Spiegel u. jlollletiaitattn! n- Sertiner Stvckateur-Verelv. Montag, den 8. d. M.. Abend» S W Berfiammlung in Niest» Kalo«, Kommandantenstr.'' TageS-Ordnung:„ gw» 1. Vorlage der Geschäfts- Ordnung. gp schiedeneS. 3. Fragekasten. Um zahlreicht scheinen bittet 893 eigener Fabrik von