>*♦ 56 Sonntag, den 7. März 1886. ni. Jahrg. MnVMKIl Krgan für die Interessen der Ardeiter. 4 Da«„Berliner Bolksblatt" nach Eonn- und Festtagen. RbonnementSpreiS für Berlin frei monallich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Pf. EonntagS Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostjeitungSprnSliste für 1886 unter Nr. 769.) Kedaktio«: Kenthstraße 2.— Grpedition: Jimmerstraße 44* in stzioldkmiikriilislhe Uahlsleg im 19. fiGschw WiMrri!. An und für sich kau» eS der Sozialdemokratie gleich- sein, ob 25 oder 24 ihrer Vertreter im Rrich«ta?e * Ader als symptomatische Erscheinung hat die Wahl JuS Sozialdemokraten bei einer Nachwahl gerade jetzt Deutung, da der deutsche Reichstag sich mit der Verlän- "**0 des Sozialistengesetzes beschäftigt. % Bon einer durch da« Sozialistengesetz hervorgerufenen Mdichung der Sozialdemokraten kann in der That keine mehr sein. .Auch glauben wir, daß das„erzieherische Moment" r Ausnahmegesetzes durchaus nicht vorhanden ist im Sinne r Berthewiger des Tesetzcs. Wenngleich zugestanden wer- f"* soll, daß die öffentliche« Aeußerungen in Versamm- .�e» seitens sozialdemokratischer Redner vorsichtiger wie sind, um die drohende Auflösung zu vermeiden, so .."S doch zu gleicher Zeit auch zugestanden werden, daß der Troll, die Unzufriedenheit unter den Masse» der Wstl« größer und intensiver geworden sind. , Eo liegt in der That kein Grund auch im Sinn« der �gierungSgewalt vor. da« Sozialistengesetz zu verlängern. ,. Und da« hat auch«ach jeder Richtung hin die Wahl- Nation im 19. sächsischen Wahlkreise gezeigt. ■ Keine einzige sozialdemokratische Versammlung wurde Vorau« verboten und was wichtiger ist. keine einzige der Ahlve�ammlungea ist polizeilich aufgelöst worden. Der �lchgtag hat den„gemüihlichen" sächsischen Behörden aller- rW da« indirekte Gebot zukomm n lasse«, sozialdemo- Wische Wahlversammlungen im Borau« nicht zu ver« und in der That hat die sächsische Polizei dem Reichs- Mebot Folge geleistet. Da« ist übrigens recht schön und ""»oll von ihr. k Daß aber auch keine einzige Wahlversammlung bei der ??lagitatio» aufgelöst worden ist, zeugt gleichfalls von r&ew Takt der sozialdemokratischen Redner. Aber daran da« Sozialistengesetz durchaus keine Schuld. t Genau der allgemeine Zustand vor der Herrschaft de« °i>aliste»gesetze», wo auch kein« Versammlungen imVor- ;''«boten und nur selten sozialdemokratische Wahlver- Ölungen aufgelöst wurde«, war während ca. 4 Woche» im ;' sächsischen Wahlkreis bezüglich der Abhaltung von V«- Ölungen vorhanden und dieser Zustand hat zu keinen oder sonstigen Unannehmlichkeiten geführt! L Daraus sieht man die vollständige Wirkungslosigkeit L Iozialistevgesetze«, sowohl in Bezug auf die„Erziehung � Sozialdemokraten", als auch in Bezug au, die Unter- u'g oder auch nur die Schwächung derselben. JeuiMLon« Die Tochter des Daukrotteurs. Roman au» der Gegenwart ls, von Gustav Lössel. i�.,�it jenem ersten Ecscheiae» Tontard'S in der Dahl- Villa waren Wochen vergangen und er verkehrte l«ol"nmer dort. Seine Besuche waren immer häufiger ge- 3 4 leicht dem falschen F----------*... g.�chem Tontard sie umgab, war meisterhaft gewoben. S* e sich so. al« habe er«ich» die geringste Kennt«, ß C Wa, Verhältniß zu dem junge» Winter und plaudttte £ bevorstehende Vermählung desselben mit einer V�.PatrizierSiochier mit der größte» Unbefangenhnt. M. T'UMa—....(«I«**»(/&%*** Me, welche Stiche er damit dem Herzen seiner schönen Swl*»«setzte: ab« seine Miene blieb kalt. Und wen« halb unbewußt, eine Thräne zu ihrem Auge empor- %%*** er den Blick ab, als bem«ke« die Wirkung K* nicht. Er war ein Meister in der Verstellung�. v,',« wollt« sich etablire«. hatte« gesagt, und er»«. W Ä w ÄU'-LÄ Z« .«CT** fortoef»*,»««larfKA«, Svekulatioae». H ew�..meinen lauen rönnen.-a"?........ L,.tt"vböt willenlos in das Uav«me,dl,che. w!.'Z»d wann Ki- mir d e Paptere< ''''.'TNZÄTSs Auch war in dem 19. sächsischen Wahlkreise die Agi tatioa d« Sozialdemokraten eine d«art lebhaste, daß sie fi< kühn mit jed« Agitation vor Erlaß de« Ausnahmegesetze« messen kann. Genügende Geldmittel sind jedenfalls vor- Hände» gewesen und zahlreiche tüchtige Redner habe« für die Sozialdemokratie Propaganda gemacht. Da Hilst alle« Lamentire« de« nationalliberale«„Leip- zig« Tageblatte«" nicht, welche« die Reich«tag«majorität an- klagt, da« Sozialistengesetz während d« Wahlperiode illu- sorisch gemacht zu haben, da in d« That lediglich die durch das allgemeine Gesetz verbürgte Wahlfreiheit geschützt wird; da hilft auch die Anklage gegen da« Reichswahlgesetz nicht, welche« man so gern im reaktionäre» Sinne zu einem Klassen- Wahlgesetz umwandeln möchte. Da Hilst auch nicht da» Gezeter des genannte« Blatte«, welches von de» friedliebenden und genügsamen«zgebw gische» Arbeiter» redet, welche bei d« letzten Wahl zu Gunsten d« sozialdemokratischen Kandidaten bearbeitet worden seien. Wen« dies wirklich wahr wäre, wenn wirk- lich in wenigen Tagen stüdliebende in dem Sinne d«Lib«» -'■-rbei.....-' ralen„genügsame" Arbeiter zu„kriegerischen" und unzu fnedenen Sozialdemokraten gemacht worden wären, so würde ja diese Thalsache von den Forderungen und den Idee« d« Sozialdemokratie da« glorreichste Zeugniß ablegen. Ab« so arg war e« ja gar nicht. Dt««zgebirgischen Arbeit« sind schon seit Jahren nicht mehr.genügsam' al» sie sei» müssen, sie habe» schon durch die mehrmalige Wahl de« Abgeordneten Liebknecht gezeigt, daß sie au«.ihrem Elend befreit sein möchten. V o r und nach de« Sozialistengesetz dieselben Erscheinungen— die soziale Lage d« Bevölkerung bewirkt in erst« Linie die Wahl von Sozialdemokraten, in zweit« Linie allerdings die politische Aufklärung, gegen welche ja auch da» Sozialistengesetz Front zu machen versucht, all« ding« ohne jede mögliche Aussicht auf Erfolg. Wir wolle» diesen kurze« Bemerkungen nur noch hinzu füge», daß zunächst die Reich»tag«kommission zur Bnathung de» Sozialistengesetz ihr Augenmnk auf die Mahnung richten möge, welche die Wahl des fünfundzwanzigsten sozialdemo kratischen Abgeordneten so eindringlich predigt, daß ab« dann auch d« Reichstag selbst sich mit d« Angelegenheit lebhaft beschäftigt, damit die Majorität desselben sich nicht mehr hinter die Nützlichkeit de« Gesetzes verstecken kann, soadtt« dem Volke kundthu« muß, daß sie lediglich dem Gesetze»u- stimmt, weil d« H«r Reichskanzl« von demselben nun er»« mal nicht ablasse» will. Dadurch wird dann vor dem Volk« dokumentirt die Gesinnungslosigkeit einer solche« Minorität und die« trägt dann zur Aufklärung de« Volke« doch in soweit v«gesse« zu mache«. da» regste Zat«esse d >eit zu vernichten und diese für imm« ül« Ihr Schwiegersohn habe ich selbst daran, Erna nicht zu vttrathe«, welchem Umstände ich mein lang ersehntes Glück»«danke. Sie w«- de» Ihre Tochter imm« um sich habe«, und ich selbst will Alle« thun, um Ihne« Ihre Lieb« voll und rein zu«- halten. Bin ich vielleicht ei» Spiel«, Trunkenbold od« Verschwend«? Nicht« von alledem. Ich habe nur eine Leidenschaft— die Liebe zu Ihr« Tocht«; die ab« be- herrscht mich ganz, ihr opfere ich Alle«. Also«wäge» Sie wohl alle Vortheile ein« Verbindung mit mir, und vergegenwärtige» Sie sich dann die Nachtheil«, welche Ihnen erwachsen, wenn Sie meine» Wünsche« entgegenwirken. Ich glaube, darin liegt Ihr Verhalten al« vernünftige Frau vorgezeichnet. Unser« Znt«essen habe« mehr al« einen Be- rührungSpunkt, und meine größte Schuld ist die, meine« Vortheil genutzt zu haben, wo« sich mir bot." Dennoch fügte sich die Kommttzienräthin nicht freiwillig, sonder» zähneknirschend. Wäre e« nur da« gewesen, daß« ihr Geheimniß seinen Zwecken dienlich machte, so hätte sie dafür manche annehmbare Entschuldigung beibringe« können, welche sie in ihrem innersten Gewisse» beruhigte. Ab«« hatte ihr in d« Erregung d« ersten Besprechung vnrathe«, daß er e« war, d« durch«ine» groben Vertrauensbruch ihre lebenslängliche Trennung von ihrem Gatte» bewirkte, und daß er da» au« rein materielle» Gründe» getha»; und da« zeigte ihn ihr al« einen Verworfenen, dessen vorherrschend sinnliche Richtung keine Gewähr für die glückliche Zukunft ronnte ihr glitaucyei �u,ammenreoen mn wtna zerporen, mit einem Schlage vernichte», auf einmal und für imm«. Da» unterjochte sie seine« Willen. Gonturd»«langte, daß die Kommerzienräthin selbst Erna auf die Annehmlichkeit einer dau«»den Verbindung mit ihm hinweise» sollte, um so seine eigene W«bung vor- zubereite«, deren Anbringung ihm für die Zeit noch nicht gerathe» schien. Sie übttvahm da« auch; war e» ihr doch selbst darum zu thun, in Erna'« Hnzen zu lesen und wenigstens die eine trostreiche Ueberzeugung zu gewinnen, bei, daß die Majorität im Laufe der Zeit zur Minorität wird. Da« ab« würde d« jetzt mächtige» Reaktion eine» Dämpf« aufsetze». Kolttische Ueberstcht. In der gestrige« Sitzung de« Reichstag« wurde die Monopoldebatte ,u Ende geführt. Der Staatssekretär von Böttich« gab die Erklärung ab, daß e» durchaus nicht zutreffe, daß Fürst Bismarck leichten Sinne» das Monopol opfere, wenn« in anderer Form eine ausgiebige Branntwein- besteuerung erhatten könne. Nach wie vor hatte der Reich»- kanzl« daS Monopol für die weitaus beste Besteuerung des Branntwein?; er werde auch in der Kommisston und in der »weiten Berathung feine Anschauungen über daS Monopol persönlich kundgeben. Die verbündeten Regierungen hielten an dem Monopol fest und hofften, daß dasselbe auch in Deutschland noch eingeführt werden würde. Auf einige Zwischenrufe nnd auf da« erfolgte ungläubige Lachen, rief der Minister mtt großem Pathos au«:„Wer zuletzt lacht, lacht am besten!" Danach muß die Regiemng doch noch große Hoffnung haben, daS Monopol durchzudrücken. Tie Nationalliberalen allerdings haben durch ihren Redner, den Abgeordneten Buhl, erklären laffen, daß fie geschlossen gegen daS Monopol stimmen wüidm, aber daS geschah in der Zeit, als fie glaubren, daß Fürst Bismarck selbst daS Monopol schon aufgegeben habe. Da war e« denn recht leicht, vor dem Volke fich„radikal" auf« zuspielen. Run abn'hat der Reichskanzler erklärt, daß er bei dem Monopol beharre und— Zeit genug haben ja die National« Liberalen noch, fich bi« zur zweiten Lesung zu definnen und zu— bessern. Komisch aber klingt nach den gestrigen Er- klätungen de« Staatssekretärs von Böttich« die Drohung der „Norddeutschen Allg.-Ztg.", die Tag» zuvor erklärte, daß die Ablehnung de« Monopol» dahin führen müsse,„daß das Schwergewicht der fich immer wieder in den Vordergrund schiebenden finanziellen Bedürfnisse de« Reich«, der Einzel- staaten, der Gemeinden dazu veranlaßt, nach Mitteln und Wegen zu suchen, durch welche diese Bedürfnisse Befriedigung finden können, ohne an die im Reichstage maßgebenden Faktoren verwiesen zu sein. Und so würde der„Sieg", den Herr Eugen Richter und seine Freunde vielleicht errungen zu haben glauben, eben nicht« andere» al»% eine Niederlage de« Reichs- tage» sein."— Dir« steht nun doch so au», als wenn bei daß demselben mit dieser V«biadung kein Zwang augethg« ««de. Erna begegnete ihre« erste» Anspielungen darauf mit einem unbefangene« Lächeln. Gontard hatte längst aufge- hört, für sie der Unverschämte zu sein, al« welchen sie ihn früher angesehen und behandelt hatte. Da« Unglück halte ihr stolze« Haupt gebeugt, und seine Heuchelei lhat da« Uebrige, um sie in dem einst V-rachteten einen neue« Freund suchen zu lassen. Seine angebliche Verwandtschaft mit ihr« Wohlthäteri» vollendete die Täuschung, in der sie sich jetzt über ihn befand; und al« Frau Dahlb«g frage- weise auf ein« Verbindung mit ihm anspielte, empfand sie keine Entrüstung. Sie glaubte die Anspi lung sch«zhaft ge- meint, venieth doch Gontard« ganze» Gebahnn nicht ,m mindeste«, daß« in sie verliebt sei. E« hatte eine Zeit gegeben, wo««» gewesen; ab« da« war nach allem Da- zwischenliegende» schon recht lange h«; und die Zurück- Weisung, welche fie ihm damalt habe zu Theil werden lassen, hätte ihn nach ihr« Meinung von d« Autfichts- losigkeit ein« solche» einseitigen Liebe vollkommen über- zeugen müsse». Frau Dahlberg blieb ab« bei der bloße» Anspielung nicht stehen. Erna« Lächeln war so nichtssagend, daß darin ebenso wohl ein« Ermunterung, wie ein« Zurückweisung«nt- halte« sein konnte. Sie ging auf dem betretene« Wege weit«. Erna ab« dachte:.Laß fie gewähren, fie befindet sich in einem Znthum, von dem sie ein Hinweis auf Äon- tard« besonnene« Verhalten befreie« wird.' Sie gab dies.» Hinweis; ab« Fraa Dahlbttg verstand denselben falsch. Sie hi«t«brachte Gontard, wa« Erna gesagt; und so fand auch « sich«muthigt, mit der eigenen Werbung, allerdings noch sehr vorsichtig, zu beginnen. Zu spät erkannte E va mit Schrecken, daß sie die Zllusion ihr« Freundin nicht mr- triebe», so»d«n auch auf Gontard übertrage« hatte. Sie veritaud seine überaus zarten Anspielungen sehr wohl, und doch hatte sie nach fem« ihr bewiesenen Freundschaft nicht de» Muth, denselben sogleich enngisch entzeüevzutreien. So verging wieder einige Zeit. Der Sommer neigte sich jetzt seinem Ende zu; aber Gontard sprach wed« davon, Wie« zu verlassen, noch sein Geschäft hier am dem Herrn Reichskanzler die Hoffnung völlig geschwunden wäre, daS Monopol zu erhalten. Wer ist nun besser über die Intentionen des Kanzlers unterrichtet, der Herr Vizekanzler oder daS Kanzleiblatt? Vielleicht find beide noch nicht voll« ständig darüber aufgeklart, waS der Kanzler will. Doch die Sache ist sehr einfach. Die Politik des Kanzlers ist die„von Fall zu Fall"; erhält er daS Monopol nicht, so ist er auch mit wenigerem zufrieden— er nimmt,„wo er es kriegen kann." Das wird ja in unserer eminent prattischen Zeit „praktische Politik" genannt und der praktische Politiker be» herrscht die Gegenwart.— Im Uebrigen stand die ganze Monopoldebatte nicht auf der Höhe— eS war schon allzuviel vorher über das Monopol geredet und geschrieben worden, so daß neue Gefichtspunkte nicht vorgebracht werden konnten- UedrigenS waren die ReichSboten froh, daß fie endlich auS der SchnapSathmosphäre entlassen wurden. Von den Gerüchten, die Uhändernug der Reich»« Verfassung betreffend, nimmt nun auch die Münchener„All« gemeine Zeitung" Stottz. Danach soll die ReichSregierung die Absicht haben, Diäten den ReichStaasabgeordneten zu be- willigen, wenn der Reichstag auf eine Abänderung des Wahl« gesetzei eingeht, die geheime Abstimmung zu beseitigen und daS Alter für da» aktive Wahlrecht zu erhöhen.— Dieser Handel wäre allerdings für die Regiemng ein sehr vor« theilhafter— fie würde einen vollständig reaktionären Reichs» tag erhalten, der ihr dienstwillig, wie jetzt daS preußische Ab« geordnetenhau», stch zu ihren Füßen legen würde. Und dafür die paar Mark Diäten! Der deutsche Reichstag wird Hassent» lich, wenn das Gerücht auf Wahrheit beruht, ein solches Sündengeld nicht annehmen. Die Landtage find nationaler al< der Reichstag, deshalb müssen dem letzteren die deutschen Kolonien entzogen und auf die Landtage übertragen werden. Diese reptuische Drohung haben wir unseren Lesern schon mttgetheilt und an dieselbe unsere Betrachtungen geknüpft. Auch die„Bürger« zeitung" in Hamburg schreibt über diese Angelegenheit und kommt zu folgendem Schlüsse:„Was unS an dieser fürchterlichen„Drohung" hauptsächlich, ja allein interesfirt, da» ist die Behauptung, daß die deutschen Einzellandtage„nationaler" seien, als der Reichstag. Diese Behauptung zeigt so recht handgreiflich den Unfug, welcher mit dem Worte„national" getrieben wird. WaS heißt„national"? Den Interesse«, dem Gefühl, dem Denken der Nation entsprechend. Die„Nation", welche hier in Frage kommt» kann aber selbstverständlich nur die deutsche Station, oder auf gut deutsch ausgedrückt, das deutsche Volk sein. Nun aiedt e» nur einen einzigen BertretungSkörper, der das Fühlen des deutschen VolkeS zum Ausdruck bringt, also„national" ist— und das ist der d e u t s ch e R e t ch s t a g, der aui dem allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechl hervorgegangen ist und die ae« sammte Nation vertritt. Die Einzellandtagc vertreten nur Bruchtheile der Nation und find obendrein inS» gesammt au» beschränktem Wahlrecht hervorgegangen— der preußische Landtag insbesondere, den die Reptilien uns als Muster hinstellen, auS dem erbärmlichsten Wahlgesetz, daS je existirt hat, um mit Fürst Bismarck zu reden. Trotzdem haben die Repitilien die Stirn, die Eimellandtage für„nationales zu erklären, als den Reichstag. Es bewerft die», daß fle das Wort„national" in einem Sinne gebrauchen, den es gar nicht hat. Diese Leute wissen überhaupt gar nicht, was eine Nation ist. Für fie ist Fürst Bismarck die Nation. Was derselbe fühlt und denkt, hat„nationale" Geflnnung: wer ander» fühlt und denkt, ist unnational, antinattonal, Reich»« feind u. s. w.„National" ist für die Reptilien(und deren gehorsame Schüler und Nachbeterl gleichbedeutend mit„bis- märcktsch", mit servil, jasagertsch! Das muß man dem politischen GlaubenSbelenntniß unserer Reptilien lassen; eS ist außerordentlich einfach, und in seiner Art logisch. Bismarck denkt und fühlt für die Nation; in seiner Person verkörpert fich die deutsche Nation; außer ihm kein nationales Fühlen und Denken. Er ist gewissermaßen die Normaluhr, nach der alle anderen Uhren gestellt werden müssen."— Wir find mit dem Vorstehenden einverstanden und haben in demselben Sinne die Frage schon behandelt, doch möchten wir ausdrücklich bei dieser Gelegenheit nochmals betonen, daß nicht bloS die„Reptilien und deren ge« horsame Schüler und Nachbeter" national mit servil ver« wechseln, daß vielmehr jene Partei, welche fich als die wahre Vertreterin der deutschen Nation hinstellt, die national« liberale Partei gleichfalls national und servil als gleichbedeutend erachtet. Und das ist doch viel schlimmer, als daS Repttliengezisch, da jene Partei noch immer fünfzig Vertreter im deutschen Reichstage hat. Verurtheilung de» Sozialistengesetze». Die gemäßigt liberale„Weserzeitung" läßt fich aus Berlin schreiben:„Der fünfundzwanzigste Sozialdemokrat ist bei der Nachwahl im 19. Wahlkreis veS KönigSrcichs Sachsen, Schneeberg, an Stelle des Mitgliedes der Deutschkonfervativm, Ritter gutSbefitzer Ebert, Orte zu begründen. Erna fand da« etwas seltsam. Sie hatte anfänglich wirklich geglaubt, daß er nur mit der letzteren Abficht hier weile; jetzt zum erste« Mal dämmerte ihr der Gedanke, daß sie aller» eS sei» könnte, welche ihn hier fesselte. Da«n aber mußte ein heimliches Einverfiändniß zwischen ihm und seiner Tante bestehe», dessen Zweck jetzt immer offener zu Tage trat. Erna fand sich aber noch nicht ernstlich beunruhigt. Wie die Verhältnisse lagen, konnte ihre Beschützerin trotzdem aus de» reinsten Motiven so handeln, wie sie es that, und mit keiner andere« Abficht, als um Erna'« Zukunft sicher zu stellen. Vielleicht hatte die ganz vereinsamte reich« Frau vor, ihren Neffen zu ihrem Erben zu mache«, und dann war eS allenfalls nur ein neuer Beweis ihrer Liebe für Erna, wenn sie bemüht schien, sie, die in Armuth ver« sunkene, dem reiche» Erben zu vermähle». Ei« nahm sich vor, Frau Dalberg bei Gelegenheit die Auge» über ihren Zrrthum zu öffnen, und diese Gelegenheit bot fich bald und oft, aber immer wieder ließ sie Erna ungenützt verstreichen. Die Verbindung schien ei« Herzenswunsch ihrer Wohlthä- terin, und e» kam ihr schwer an, denselben zunichte zu mache«. Für so viel empfangenes Gute, so viel Undank... nein, daS befreiende Wort wollte ihr nicht von den Lippe». Frau Dahlbera glaubte nun ihrer Pflicht gegen Gon« tard und gegen sich selbst genügt zu haben; fie ließ de« Gegevfiaud fallen, schuf aber fortan gern Gelegenheiten für«in ungestörtes Zusammensein der beiden junge« Leute. Mit derselben Beharrlichkeit wich Erna diesen Ge« lezenheiten auS. Gontard runzelte die Stirn, fem Blick wurde finster und zuweilen, wenn er dann seiner Tante begegnete, drohend. Die letztere zeigte wieder dieselbe tödtliche Verlegenheit, wie bei seinem erste« Erscheinen hier. Erna bemerkte das Alles mit stiller Verwunderung. Sie erkannte nun selbst, daß e» hoch an der Zeit war, ein entscheidendes Wort zu sprechen..... ES war ein Herbstabend, so kalt und unfreundlich wie der, welcher ihr ewig unvergessen in der Erinnerung stand— der Abend ihrer Flucht aus dem Elterahause. Bleifarbenes schweres Gewölk bedeckte den Himmel, an dessen welcher sein Mandat niedergelegt hatte, in den Reichstag ge« wählt worden. Der Kandidat der Sozialdemokraten, Cfryer, hat den konservativen Gegenkandidaten, Fadrikbefitzer Zschirlich, mit einer Majorität von ca. 1000 Stimmen geschlagen. Unter der Herrschast deS Sozialistengesetzes hat die sozialdemokratische Partei stets steigende Erfolge erzielt, welche nur zu sehr ge« eignet find, die Lodredner diese» Ausnahmegesetzes verstummen zu machen. Die verhängnißvollste Folge diese» Systems der Ausweisungen, der Beschränkungen der Presse, deS Vereins« und Versammlungsrechte» ist auf der einen Seite die Ver- bitterung der von den Vortheilen des gemeinen Rechts auS« geschlossenen Arbeiterbevölkeruug, auf der anderen Seite aber die Einschläferung und Entnervung des Bürgerthum». Di« sozialdemokratische Irrlehre von der einen, die staatssozialistische Theorie von der anderen Seite nehmen daS deutsche Bürgerthum in die Mitte und drohen es zu zerreiben. Die Schnee« berger Wahl enthält eine ernste Mahnung an die„staatS« erhaltenden" Parteien, endlich daS Ausnahmegesetz zu be« seittgen und dem Wahn, alS ob ein paar oder ein paar Dutzend Polizeimaßregeln der sozialdemokratischen Bewegung ein Ziel setzen könnten, ein Ende zu machen."— AuS diesen Klagen ersteht man, daß daS liberale Bürgerthum am schwersten durch da» Sozialistengesetz getroffen wird. Au» Mecklenburg wird der„Voss. Ztg." geschrieben: „Nach dem W a h l 0 es e tz für den Reichstag find Personen, welche eine Armenunterstützung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln bezichen oder im letzten der Wahl vorauf« gegangenen Jahre bezogen haben, von der Berechtigung zum Wählen ausgeschlossen. ES ist nun in Mecklenburg vielfach vorgekommen, daß bei Aufstellung der Wählerlisten dieser Be« stimmung ganz allgemein auf solche Personen Anwendung ge- geben ist, denen für ihre Kinder aus öffentlichen Mitteln Bei« Hilfen zur Beschaffung von Lebensmitteln oder zur Bestreitung deS Schulgeldes gewahrt worden find. Hiervon haben nun mehrere großhcrzogliche Amtsbehörden Anlaß genommen, die Gemeindevorstände ihrer Amtsbezirke darauf hinzuweisen, daß die Gewährung solcher Beihilfen an einzelne Personen, deren Hilfsbedürftigkeit nicht festgestellt worden ist, nicht a l S e i n e Armcnunterstützung im Sinne des§ 3 Nr. 3 des ReichSwahlgesetzcs anzusehen ist, die betreffenden Personen also nicht von der Berechtigung zum Wählen auSzu« schließen find."— Die so vielfach als reaktionär geschmähte mecklenburgische Regierung zeigt ssch hier einmal viel liberaler, alS die preußische oo:r sächfische Regierung, unter deren Aegide eS oft vorgetommm ist, daß die Wahltähigkett eines Wählers von der Empfangnahme eines Schulbuches oder einiger Schreibmaterialien für seine Kinder abhängig gemacht worden ist. Auch der Reichstag sollte bei seinen Wahlprüfungen die Maxime der mecklenburgischen Regierung zm Richtschnur nehmen. „Der Geierkamps im Erzgebirge", so erzählen die konservativen„Dresdener Nachrichten", Hai damit geendet, daß der sozialdemokratische Geyer auS Großenhain den Fabrikanten auS Geyer bestegt hat. Daß der stet» schwankende WahllreiS diesmal zum Geier ging, ist schmerzhaft für die Ordnung»« Parteien, aber die Nachricht trifft fie nicht unerwartet. ES ist ein alter ErfahrungSsatz, daß die vereinzelten Nachwahlen stets radikaler ausfallen, alS die Hauptwahlen. Richtiger auSge« drückt: bei den Nachwahlen ist die Oppofitton stets im Vor- theil gegen die Regierungsparteien. So machen in England die Konservativen stet» beffere Geschäfte bei den Nachwahlen, als die Liberalm, wenn letztere am Ruder find. In Frank- reich und Deutschland fallen käst immer vereinzelte Wahlen gegen die Regierung aus. DaS hat seine naheliegenden Gründe. Bei Hauptwablen entscheiden die Wählerschaften nach aroßm durchgebenden Gefichtspunkte«, bei Nachwahlen machen sich allerhand Nebenfragen mitbesttmmend geltend. Noch ein- flußreicher aber ist eS, daß die radikalen Parteien bei einzelnen Nachwahlen im Stande find, ihre ganze AaitationSkraft, die fie bei den Hauptwahlen über alle Wahlkreise vertheilen müssen, auf den einzigen Punkt zu konzentriren. Eo haben auch diesmal die Sozialdemokraten wiederum ganze Schaaken von Agitatoren über den erzgebirgischen Wahlkreis Schneeberg- Stollberg-Lugau-Zwönitz losgelassen. Der ganze hohe Rath der Sozialdemokratie stand dahinter, die Parteileitung in Zürich bewilligte die Geldmittel, die Reichstagsabaeordneten feuerten ihre bestm Wähl-Agenten persönlich an. Es lag dm sozialdemolratischm Führern in Zürich ganz besonders viel an der Wahl G�yer's, der als noch weiter linksstehend gilt als selbst Liebknecht und Bebel. Zu seinem Siege wirkten aber noch mehrere besondere Umstände mit. DaS Branntwein- Monopol ist inzwischen am politischen Horizonte aufgetaucht; eS treibt viele bei Wahlm besonders einflußreiche Leute, die hierdurch ihren bisherigkn Erwerb ganz zu ver- lieren oder geschmälert zu sehen fürchten müssen, ins sozialdemokratische Lager, als da find: kleine Dorf« kramer, Gastwirthe und Schnapsverkäufer. Andere wieder, Berglmte und Fabrikarbeiter, befürchten eine Vertheuerun g des SchnapscS- Der Kandidat der OidnungSparteim, Fabrikant Zschiellich, hat zwar auf das Bestimmteste erklärt, daß er gegen daS Brannrwein.Moncpol stimmen würde; aber ei half ihm westlichem Rand ein blutrother Streifen fich hinzog, der Widerschein der soebm untergegangene» Sonne. Der Nacht« wind strich seufzend durch die Zweige, derm herbstlich ge- färbte Blätter pflückmd, welche dann wirbelnd die Luft durch- fausten. Von dem«ahm Flusse stiegen Nebel auf und verbreiteten fich schichtweise zu beiden Seite« der Ufer. Und über diese lichwolle Fläche krochen spinnenartig die Schatte« der Nacht............. „Ganz wie an jenem Abend," dachte Erna, und leise schaudernd wandte sie fich in da» Innere de» schön er« wärmte« Zimmer». Frau Dahlberg war darin. Sie saß vor dem Kamin und starrte sinnend in die lustig brennende Flamme. E« war«ine Stunde,kwie geschaffen zu einem»ertraute« Zwiegespräch und Erna beschloß, die Gtlegenheit wahrzu« nehmen, um ihrer Freundin Alles zu sagen. Aber Frau Dahlberg kam ihr zuvor. Sie mochte dasselbe Bedürfniß zu einer Erklärung fühlen und jeden Augenblick konnte Gontard zu seiner gewöhnliche« Abend- vifite komme«. .Setze« Sie fich zu mir, Erna," sagte die ältere Dame, .ich habe mit Ihnen zu reden." »Und ich mit Ihne«, theuerste Freundin," entgegnete Erna,.und w««n ich der Stimme meines Herzens trauen darf, so ist e# ein und derselbe Gegenstand, von dem wir sprechen werden." .Da« wäre?" „Gontard» Werbung um meine Hand," .Hat er Zhnm schon einen Antrag gemacht?" fragte Frau Dahlberg überrascht. „Nein, ober Ihre Frage bestätigt meine Vermuthung, daß er mir eine« Antrag machen will und zwar bald." .Allerdings, mein Kind, so ist eS; und da wir mal so rückhaltlos darüber spreche«, sage« Sie ganz offen und ehrlich, wie denken Sie darüber?" .Ganz offen und ehrlich denn," entgegnete Erna, liebe Herrn Gontard nicht, ja, es gab sogar eine Zeit, ich ihn haßte. Sie ist vorüber, im Zeitenstrom verrauscht. Die Empfindungen wechseln, die Ansichten- und es kann wohl vorkomme», daß ehemalige heftige Gegner einander e,«' mir »ich wo nichts bei den geflissentlich mißtrauisch gemachten Arbeitern. Auch die Frage deS Haustrhandels spielte mit in die WB und zwar zu seinen Ungunsten. Gerade auS jenem W gebirgischen Wahlkreise ziehen jedeS Frühjahr viele Hund?« von Haustrern au», die Blechwaaren, Spitzenklöppelarveiien Posamenten und der«l. vertreiben. Diese wackeren Leute v«' dienen fich mit dem Haustren ihrer zum guten Theil selb? 8*" fertigten Erzeugnisse einen sauren Bissen Brod, den ibn« Niemand schmälern wird. Sie unterscheiden fich ganz rneW' lich von jenen aufdringlichen Haustrern mit sogenannten EueN' waaren und allerhand Tand und Echundzeug, die für v>e Landwirthe eine unausstehliche Landplage geworden find. bäuerlichen Wähler verlangten vom Kandidaten Zschiellich. w er mithelfe, fie von diesen Schmarotzern zu befreien; da ist es denn ungeheuer schwierig; den bravm Blechlöffelleuten un» Posamentirem dei Erzgebirge» begreiflich zu machen, daß w redlicher Haufir betrieb bestehen beiden kann und soll, auch we»» die Gesetzgebung jenem AuSwuchse zu Leib« geht. Die demokraten haben leichte Arbeit, fie gegen einen Kandtdale« einzunehmen, dm man als Feind allm HaustrgewerdeS My dachügt. Weiter hat die schwankende Haltung der Fortschritt partei adermalt den Sozialdemokraten ihr Geschäft wesenluv erleichtert. Der WahllreiS war ernstlich von den Soziavewo» kraten bedroht; er ist mehrere Male von Liebknecht oertret?» 8° wesm. Da« war bekannt. Jede« Austreten einer MMirL liehen Kandidatur konnte nur dm Sozialdemokraten»u®u» kommen. Zwar hat daS loyile Verhalten der fortschrittWfl? Abgeordneten in der 2. Kammer dies Aeußerste verhul"' aber Eugm Richter in Berlin war damit nicht vn standen. Mehrfache Anläufe zu fortschrittlicher Sond? kandidatuc wurden auf sein Betreiben hin gemacht und wen» gleich aufgegeben, brachtm fie doch Verwirrung in die R#» ver Ordnungsparteim. Man kann nicht mit Bestimmtheit haupten, daß fortschrittliche Wähler au» Aerger darüber, der auch mehrmals von einem der Ihrigen vertretme kreis ihrer Partei ganz verlorm gegangen ist, diesmal»» durch Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel gerächt Aber die Fortschrittspartei hat den Ordnungslandidate« w» lau unterstützt und nickt» für ihn öffentlich gethan.-- eine andere Persönlichkeit als Zschierlich bessere Auifichttn 8� habt bätte, kann man wohl kaum sagen. In seinem 3% orte Geyer selbst siegte er glänzend(587 gegen 208) ütersA Gegner. DaS Vertrauen Derer, die persönlich sein W>». kennten, bat ihm also doch wohl nicht gefehlt und man«r diesem Manne für seine große THStiAeit im Interesse Ordnungsparteien dankbar sein. Es ist ebm nicht Iederma% Sache, fich dem Fegefeuer der Wahlaufregung binzugeben»' mehrere andere Personen hatten fich geweigert, stck% Schmähungen und Verdächtigungen der Sozialvemokrate«. dazu bei der Unterstützung einzelner Ordnungsparteien,«"L setzen. Bei der Hauptwabl am 28. Oktober 1884 hatte, konservative Ebert mit 7692 St. über den Sozialdem. knecht(6065) gesiegt. Jetzt bat Eberts Nachsolaer 7400® ivkrat Geyer 8500 St. Die Forstet erhallen, der Sozialdemokrat ler find also wahrscheinlich zu Hause geblieben, haben. mit gestimmt und die Zahl der Sozialdemokraten rvu«« � trächtlich. Da« ist ein unerfreuliches Ergebntß— ein 9, von dort faßt Alles in die Worte zusammen: Schlechte i)'* das!— aber ein Grund zum Verzagtsein liegt nickt Die Ordnungsparteien werden bei den künftigen vauptn�j, ihre Sache besser machen, fich enger zusammenschließen, nambu lich werden, von dieser Erwartung mögen wir un»«ock" J trennen, die fortschrittlichen Wähler Sachsen« künftig«tetz» Jj( daS Urtheil der fortschrittlichen LandtagSstaktion, alS»"Lg Hetzereien Eugen Richter'» hören. Dann werden wteo« � die Ocdnungiparteien ihr patriotisches Banner über � Wahlkreise wehen sehen, den jetzt der Geier geholt DieseS köstliche Sammelsurium von Gereimtheiten und u jL reimtheiten, die das Dresdener Blatt austischt, wollte» � unseren Lesern nicht vorenthalten schon daS Amüsement» die dasselbe sicherlich bereiten wird. Reporterunwesen. Durch verschiedene Berliner urw r-tt reiche auswärtige Blätter geht folgende Notiz:»A? sozialdemokratischen Volksversammlung in Berlin bat d? � Hasenclever das von seinen Parteigenossen im gebrachte Wahlgesetz besprochen, dessen wichtigste 23$® tit die Einführung verschlossener amtlicher Umschläge]»,„uf Stimmzettel und die Herabsetzung de? wahlfähigen Altem � 21 Jahr: find. DaS Interessanteste an dem Vortrage unter bitteren Klagen vorgettaacne Mittheilung, baB mand im Reichstag, selbst die Demokra � nicht, mit der Herabsetzung deS wahlfähigen Alter» e � standen sei."— Es ist dem Abg. Hasenclever gar gefallen, zu sagen, daß Niemand im Reichstage auB�st Sozialdemokraten für die Herabsetzung des waklfäh gk» w auf 21 Jahre einverstanden sei. Da würde derselbe ja bessere» Wissen die Unwahrheit gesagt haben, da in d» j mehrere Demokraten resp. Vollßparteiler in dieser p den Sozialdemokraten einig find. Der Abg. Ha(eiw° wie unser genauer und ausführlicher Bericht über die bc» � Versammlung destaligt, lediglich von der Haltung�� in einer spätere» Zeit«och einmal recht freundschas� � Hand drücken. So ist e» auch mit un» geworden, und Herrn Gonltcb. Ich kann ihm jetzt in, die Hand biete» als einem Man«, de« ich eivmal fi � könnt habe und der von mir jetzt umsomehr � dern kann. Da beginnen und da enden nnsere Bezre» Ich achte ihn, und da» ist Alle»." �..«.„pK# „Und Sie glauben, daß auch nicht die Z$,# wird, wo ihre Freundschaft in Liebe übergehen Schritt wäre wenigsten« weniger groß, al» der von schaft zur Freundschaft." oMali� „Und er läge nicht außer dem Bereich der�Mog wcnn— mein Herz überhaupt«och frei wäre. „Es ist e» nicht?" „Nein, ich liebe eine» Anderen." frff „Wen?.... Au» Freundschaft, au«—" ich, Erna. Wen— wen liebe» Sie?"_ Erna nannte den Namen, und indem st» v„u» sprach, erklang er in ihr selbst wie eine Erlo!# schwerem Bann. Wenige ermunternde Worte � älteren Freundin genügten, um sie Jener ihr O813 ausschütte» zu lassen. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und Feben..� derm Gift,„f iw Ilten iauufcn uuu Projektirtes Repertoire der 7 hiä 1A lüQß Q, r tropjen wrr uno morgen, iKonicg,- mv*:. leben. Außerdem dringt daS Repertoire dieser lerholunaen von„DaS Käthchen von Heilbronn■» � 8,,'W&rrÄr.Ä��{ vom 7. bis 14. März 1886. Im Opern ha» I g. � den 7.: Lohengrin(Herr Niemann); slj Stumme von Vortici: Dienttaa. den 9.: Der � veN- den i.: alohcngrm(Herr Riemann;; Stumme von Portici; Dienstag, den 9.: D? M, Söllingen; Mittwoch, den 10.: Antigone;%% Tannhäuser(Herr Niemann); Freitag, den g,,,.. Tilli; Donnerstag, den 11.: Minna von» Uwtischm„Frankfurttr Zeitung" gesprochen und »Kse allerdings in scharfer Welse getadelt. Von Demolraten wnhzlb und außerhalb des Reichstags war sonst nicht mit "Mi Worte die Rede. " Dänemark. . Großes Aufsehen erregte der„Voff. Zt." zufolge vor wtjem»in öffentlicher Aufruf des PastorS "»ntoppidan an die gesammte Geistlichkeit Dänemark» ?kgin Erlaß eines Protestes gegen den VerfafsunaS» r�uch der Regierung. Wir haben dieses Aufrufs seiner Zeit kurz erwähnt. In der Einleitung defielben heißt e»: Ach klage die Regierung an, die Heiligkeit dei Eidei gekränkt, 'Jt Ehre GotteS mißachtet und den Kleinen im ganzen Lande P»ergeruiß gegeben zu haben. Ich bringe diese Sache»or Richinstahl der Gewiffen. Hier werden der Regierung BertheidigungSgründe nichts helfen, womit fie stch dem �MSgericht gegenüber zu decken beabsichtigt haben mag. Ein Nmer Eidbruch würde nicht so viel Stoff zum Aergerniß Malten, wie diese» beständige stch Durchhelfen mit Kniffen. � christliche Moral hat ihr Urtheil seit Langem gesprochen." Aufruf schließt mit der Aufforderung an die dänische Tnstlichkeit, die„noch einen Blutstropfen in stch hat", an den -»«ersten Bischof" der Landeskirche stch zu wenden und ihm»u Wen:„Schaffe dieses Aergerniß fort!" Die Regierung hat »9 natürlich beeilt, die Stiftsbehörde in AarhuS zu oeauftragen, Grfien Pastor Pontoppidan die Anklage wegen Mtntsterl- »eletdigung zu erheben. Belgien. w AuS R on aix werden«rbeiterunruhen gemeldet. AlS «t Gendarmerie einschreiten wollte, wurde fie von der Maffe Vgigriffen, so daß Kavallerie zu Hilfe gerufen wurde. Der ««»minandeur derselben wurde durch einen Steinwurf tödtlich »«letzt. Fraur'reich. . Die Drohung des VerwaltungSrathe« der Bergwerke und v»chöfin von D e c a z e v i l I e, den ganzen Betrieb einzustellen, »«anlaßt die meisten radikalen Blätter, denen stch auch„Paris" M einige andere opportunistische Organe anschließen, auf die Uvwerksgesetzgebung hinzuweisen, nach welcher die Konzession 2* Richtbetried widerrufen und vom Staate selbst ausgebeutet jMen kann. DaS„Paris" stellt die Organistrung eines MatsdergwerlS in AuSstcht und meint, wenn der Versuch ge« so werde Leon Say mit seinem Widerstände nicht blos x» Gesellschaft von Decazeoille aetövtet haben. In gleichem ?nne schreibt die„Lanteme":„Die Gesellschatt droht, den Be» "%» einzustellen. Der Staat hat fie nur beim Wort zu nehmen: 5 möge stch der Bergwerke bemächtigen und deren Etgenthum jMllttnehmen."—„Die„Justice" trat, dem gleichen Jdeen- FB folgend, für die Verstaatlichung der Bahnen ein:„Eine N.wichiigst-n Fragen, die das republikanische Frankreich de« Hastigen können, wird gegenwärtig in der Kammer berathen: % der Eisenbahnen und Tarife... Wir find einer Finanz- Marchie preisgegeben, die den Staat brandschatzt— wir wer» j*" dieses Jahr m-hr als 100 Millionen an Zinsgarantien stahlen—, die noch mehr da» Land brandschatzt, die es in 7»lstr Krifis ruinirt. Und wenn wir zu widerstehen versuchen, !» bemerken wir, daß alle unsere Rechte vreisgegebm find! ES B hohe Zeit, dieser tödtllchen Lage ein Ende zu machen. DaS m eine Lebensfrage für da» Land. Die großen Gesellschaften. M dem Auslände verbündet, halten fast ganz Frankreich be- %t. Ist nicht der Augenblick gekommen, das Landesgebiet von ,u befreien?"— lins scheint diese VerstaatlichungSde- �liung auf reckt gesunden Grundlagen zu beruhen. , Am 5. d. M. feuerte gegen Schluß der Börse ein unbe» Fnter Mensch von der inneren Galerie der Börse aus meh« ,«» Revolverschüffe auf die im Saale befindlichen Börsenbe« JHer ab. Einer der letzteren wurde, wenn schon nur ganz 7»«heblich, verwundet. Der Thäter verweigert« die Angabe HbeS NamenS und erklärte, er sei ein Anarchist und wollte L« Kapitalisten bestrafen, welch« da» Volk ausbeuteten.— Mich warf derselbe in den inneren Raum der Börse eine pasche mit ätzender Flüssigkeit. Er nannte stch Petovich; man 'and bei ihm anarchistische Journale. G r o ß b r i t a»« i e«. . Die der sozialdemokratischen Föderation Miirten sozialdemokratischen Vereine in Manchester und �»lford baden eine Versammlung einberufen, zu welcher ?uch die Arbeiter zu Manchester, dre Arbeit habe.r, wie die« H>igen, melche ohn« Beschäftigung find, eingeladen worden. Als "'"'''in, die Regierung zur kjeniaen zu veranlaffen, .....______■I. Arbeit Hunaer leiden, w zum Beginn mit Ausführung öffentlicher Arbeiten, die , dabei Beschäftigten einen für ihren Lebensunterhalt aus« Minden Lohn sichern.— Inzwischen hat der Asstsen-GerichtS- Min London gegen acht der Theilnahme an den Ruhe« Längen vom S. v. M. Angeklagtm da» Schuldig auSge« Mchen und«inen derselben zu öjähiiger, drei zu l'/.sähriger �ngi arbeit, die übrigen zu Smonatlicher vis Ijähriger ZvangS« "beit verurtheilt. v In dem Institut der«Optischen Reisen" im Kaiser« jauorama Passage gelangt in dieser Woche neben der inter« ?»«Jen Schweizerreise eine Wanderung durch Wien � Ausstellung. S Wie wir erfahren, find die Bureaux von„Mode und , praktische illustrirte Frauenzeitung, zufolge der großen Mahnung, welche das Unternehmen angenommen, nach der 'Utzowstr. 81 i verlegt worden. IX«"« IpßA �U�r�NachmMags) �e"Äft� von Stettin 2 Ewinemünde(gegen 70 Kilometer) auf Schlittschuhen zu« Mlegt. Der zwei Zoll hoch festgeftorene Schnee, das un« V» Eis. sowie die zu förmlichen steinen �gen zusammen- K"?. SS w (UvU- O-D gänzlich offen war. »W »vsvtv Isii gewesen wäre. Nord-A«erika AuS N e w« B o r k wird vom S. d. M. telegraphirt: In Folge eineS allgemeinen Streiks der Angestellten der New-Norker Pferdebahn ist der Betrieb der Pferdebahnen heut früh eingestellt. Gestern begleitete eine starke Polizeiabtheiluna einen Pserdebahnwagen, um demselben Durchgang durch die Menge zu verschaffen, die für die Streiken« den Partei genommen hatte. Die Menge griff die Polizei an. so daß diese gegen dieselbe mit der Waffe vorgehen mußte._ Parlamentarisches. In der R» i ch S t a g» ko m m t s st o n für dag Sozialistengesetz haben die abgeordneten K r ö b e r und G r o h s (VolkSpariei) al» Zusatzantraa zu dm Anträgen Windthorst die Streichung des 8 22 dei Sozialistengesetze« beantragt. Der- selbe läßt gegen Personm, die wegm Zuwiderhandlungen gegen das Sozialistengesetz verurtheilt worden find, die Einschränkung des Aufenthalts in bestimmten Bezirken oder Ortschaften zu, in ihrem Wohnfitz nur dann, wenn fie dmselden nicht bereit» sechs Monate inne haben. Kommunales. w. Das neue Polizei- Präsidial« Gebäude. Der Magistrat hat das Bauprojekt des Stadtbaurath» Blankenstein gmehmigt und soll daffelde der Stadtverordneten. Versammlung zur Zustimmung vorgelegt werden. Die Faffäde soll in rothem Lackstcinbau ausgeführt werden, weil au» Sandstein hergestellt, der Bau 400 000-600 000 M. mehr kosten würde. Nach«ittheilung de» Statistische« Amts der Stadt verlin find bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 21. Februar bis inkl. 27. Februar ct. zur Anmeldung gekommen: 183 Eheschließungen, 887 Lebendgeborene, 33 Toot- geborme, 574 Sterbefälle. w. Senkung de» Wasserspiegels der Spree. Der Magistrat bat beschloffm, dei der Stadtverordneten-Versamm« lung die Niedersetzung einer gemischten Deputation zu bean« tragen zur Berathung der Angelegmbeit betreffend Senkung des Wasserspiegels der Spree durch Tteferlegung deS Spree« bette». dem ana« Lokales. So wird de«« demnächst eine neue Münze verkehr übergebe« werde«, der„Doppel- Nickel" wie log der Bezeichnung„Doppel-Krone" das neue 2 Pfennigstück wohl getauft werdm wird. Der Reichstag ha. ein seltener Fall, seine Zustimmung ohne abweichende Stimme ertheilt, kein Wort der Theilnahme ward dem„Silber- Zwanziger" nachgesprochen, al« man daran ging ihm das Grab zu schaufeln. Au» der Vorlage der Regierung ersteht man, daß im Ganzen 35 717 923 Mark in Zwanzig-Pfenntgstückm ausgeprägt worden find, daS heißt eS befinden fich nahezu 190 Millionen Stück dieser winzigen Geldmünzm im Verkehr. Gegen 41 Millionen, so erfahren wir weiter, waren in der RerchSmünze festgelegt. Wo aber find die verbleibenden 150 Millionen hingerathrä? Wer hat fie jemals in nennmSwerther Zahl im Geldverkehr gesehen? Unsere Frauen können darüber die beste Auskunft geben. Sie find festgelegt in der sogenann- ten„Strumpfdorte". Mtt einem wahren Feuereifer fahnden Zehntausende von Frauen und Mädchen am diese Minimal- münzen, auf diese Zwerge unter dm Geldstückm. Kein größere» Veranügm, alS wenn fie ein Eremplar erhaschen kön- nm, um es ihrer Sammlung beizufügen. Aber eS passtrt ihnen dieses Glück jetzt nur sehr seltm. Daß ein großer Theil der Zwanzigpfennigstücke auch ihatsächlich verloren gegangen ist, daß die kleinm, kaum faßbaren Dinger, nachdem fie gefallen, kaum wieder auffindbar warm, steht fest. Deshalb wird es auch allseitig mit Freudm begrüßt, daß zunächst neben dem Silber nun auch ein andere? Metall für die Zwanzigpfennigstücke zur Verwerthung kommen soll. Aber wird der Ersatz auch ein willkommmer sein? Die Regierungsvorlage giebt über die Größe der beabfichtigten neuen Münze nichts an. ES wird nur erwähnt, daß fie derart zu gestaltm ist, daß fie stch von dm Markstücken, den Fünfzigpfmniastücken und den Zehnpfmnig- stücken in Bezug auf Gewicht, Durchmesser und Gepräge leicht unterscheiden läßt. DarauS scheint hervorzugehm, daß der „Dopvel-Ztickel" an Umfang zwischen dem Zebnvfennigstück und der Marl stehen wird. AuS dem schlankm Mädchen soll nun mit einem Male eine behäbige Matrone werdm. Wie bei der Mode ist ist der Umschlag im Geschmack ein jäher und plötz- licher. Früher marschittm die Zwanzigpfennigstücke in mg- anliegender Gewandung einher, jetzt solle« ste sich die Krino- line anziehen und verdrängen in dem Portemonnaie die übrigen Passagiere durch ihr anspruchsvolle» Auftreten. ES soll kein voreiliges Utthetl abgegedm werden, aber etwaS von dem Mißtrauen, das stch in den Reden der ReichStaasabge- ordneten tund gab, theüt man in dem Publikum bezüglich der Handlichkeit der neuen Münze auch. Die Schaiengkeit liegt allerdings in der Natur der Sache. Zwischen Silber und dem filberlcgnten Nickel giebt eS eben kein Metall, das bis jetzt für die kleinen Münzen fich empfohlen hätte und es bleibt da wohl kaum etwas übrig alS zwtfchm der zierlichen und der plump erm Gestattung hm- und herzufchwankm. Da« Epandauer Stadtviertel, da» in seiner äußeren Erscheinung auch heute noch da» alte Berlin mehr wie jede andere Etadtgegend naturgetreu zur Anschauung dringt, wird binnen Kurzem ein vollständig neue» Gewand erhalten. Die Durchlegung der Kaiser-Wilhelmstraße hat die Bauthätigkeit auch hier in einer noch nie dagewesmm Weise wachgerufen, an Stelle der altm, zum gtoßm Theil dem vergangmen Jahr« hundert entstammmdm Hänichen sollen demnächst moderne Prachtbauten treten, welche fich den projeftirten Neubauten in der Kaiser- Wtlhelmstraße würdig zur Seite stellen werden. Eine Anzahl von Grundstücken, besonder» am Neuen Markt, ist bereits in die Hände von Baukonsortien übergegangen und die Nachftage nach Baustellen noch fortdauernd im Steigen begriffm. Sin Theil der hier zum Abriß destimmim Grund- stücke muß, wie die„Ben. Vörs-Ztg." schreibt, schon zum 1. April geräumt werden, so daß mit dem Beginn des Früh- jähr» mit der Bauausführung bchonnen werden kann. Die prensttfche Regierung hat, wie wir bereits mitae« theilt, die hiesige EinIchätzungSkommission angewiesen, nicht mehr, wie bisher, nach dm gesammten Verhältnissen der Ein« zuschätzenden deren Einkommen zu tariren, sondern nach der vier« bi» fünfmal multlpltziiten Woynupgsmiethe da» Ein» kommen zu berechnen. Daß diese» Versahren zu den sonder« barsten Resullatm führen muß, dürfte einem jeden, mit den Verhältniffm einer Großstadt Bewanderten sehr bald einleuch» tm, wenn man bedenkt, daß ein großer Theil der in Berlin Arbettenden in nahe gelegenm Ortschaften ihre Wohnunam miethen, und diese daher nebm der billigerm Wohnungsmiethe auch noch weniger Steuern zu zahlen brauchen. Dieses wäre jedoch noch leichthin zu nehmen. Anders stellt fich jedoch die Sache, wenn wir Familien in Betracht ziehen, welche wegen de» geringm EinkommmS fich genöthigt sehen, zu einem Nebm- erwerb zu areifen, und diesen in dem Wiederoermirtli-n ihrer zu diesem Zweck gemietheten Wohnungm suchen. ES würde also nach dem von der Regierung gegebenen Rezept ein Ar- beiter, welcher zu dem gedachten Zwecke eine Wohnung, sagen wir zu 600 M miethet, zu ca. 3000 M. Einkommen gelangen und darnach abgeschätzt werden, während im entgegengesetzten Falle ein vermögmder Mann, welcher fich„einzurichten" ver- steht, nach diesem ModuS sehr gut wegkommen würde. Wir glauben daher, daß eine derartige Aenderung im Sinschätzungs- verfahren nur größere Unzuträglichkeiten herausfordert. Will man einmal reformtren, so fasse man auch die Sache am rechten Orte an, und schaffe eine proaresfive Einkommensteuer mit Selbsteinschätzung. Nur diese» letztere dürste die großen Un- gleichheitm in unserem Steuersystem auSgleichen-I Verhaftung. Der frühere Direktor S. der deutfchen Exvort-Muster Loger. Gesellschaft„Union", welche fich die Her- stellung einer Vermittelung zwischen Fabrikanten und Abnehmern zur Aufgabe gemacht hat, ist heute verhaftet worden. ES wird ihm zur Last gelegt, daß er zur Hergabe von beträchtlichen Kautionen deziebungSweise Einlagen, die er demnächst für fich verwendete, mehrere für die„Union" engagirte Buchhalter. Kasstrer und Lagerverwalter dadurch bestimmt hat, daß er durch Vorlegung eineS falschen vankbuches fie über seine Vermögens» Verhältnisse täuschte-und insbesondere den Glauben erweckte, daß er bei der Deutschen Bank Einzahlungen biS zur Höhe von 10 000 bi» 20 000 M. geleistet und ein Guthaben von 70 000 M. habe, während ausweislich des echten BankbuchS die bei der Deutschen Bank gemachten Einzahlungen erheblich geringer warm. Die Käufer seines Geschäftes find von ihm dadurch geschädigt worden, daß er die Verpfändung der Mobilicn verschwieg. Betrug. Anfangs dieses MonatS erschim bei einer Arbeiterfrau in der Pücklerstraße der bereits wegen Betrag» destrafte„Arbeiter" Rtek in der Uniform eines Bahnbeamten und mietheteleine Schlafstelle, indem er vorgab, als Heizer und Rangirer zur Vertretung eines erkrankten Beamten nach dem Görlitzer Lahnbof kommandirt worden zu fein. Der Arbeiter« frau kam daS Verhalten deS neuen Mtethers, nachdem fie den« selben beköstigt hatte, verdächtig vor, fie zog deshalb Eikun« digungm bei der vahndirettion ein unv erfuhr, daß ein Be« amter NamenS Riek nicht existtre. ES wird angenommen, daß Riek, welcher verhastet wurde, noch ähnliche Betrügereien sich hat zu Schulden kommen laffm. Polizeibericht. Am 5. d. M, Vormittags, glitt eine Frau vor dem Hause Waffetthorstraße Nr. 74 auf dem Bürgersteige aus und erlitt durch den Fall einen Bruch de» rechten OberschmkelS. Sie wurde zunächst nach ihrer Wohnung, dann auf ärztliche Anordnung nach der Charitee gebracht.— An demselbm Tage, Nachmittag», wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Gerttaudtmstraße erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Zu der« selben Zeit wurde ein Knabe an der Ecke der Mohren- und Friedrichstraße von einer Droschke überfahren und an den Rlppm nicht unbedeutend verletzt. Er wurde nach der elter- lichen Wohnung gebracht.— An demselben Tage, Abends, waren Waarm und Laden-Einrichtuna tn dem Seifengeschäst Kaiserstraße Nr. 43 und Nacht» auf dem Boden deS Hause» Friedrichstraße Nr. 178 die Dachschalung in Brand gerathen. Beide Feuer wurden bald gelöscht.— Außerdem wurde die Feuerwehr Abends nach Boyenstraße Nr. 15 gerufen, wo ein Wasserrohr geplatzt war und eine Kellerwohnung über» schwemmte._ Soziales«ttd Arkeitervemegang« Zur Beschränkung des Betriebs. Bei Besprechung der Beschränkung des Großbetriebs versteigt fich ein Mitarbeiter der„Kölnischen Zeitung" zu folgender von sozialwissenschaft- licher Unkenntniß strotzender Bemerkung:„Wie sehr es Noth thut, die Erzeugung nach Nachftage und Angebot zu regeln, zeigt u. s. w."— BiS jetzt haben sämmtliche Nationalökonomen den Satz ausgesprochen, der Arbeitslohn regele fich nach Angebot von Händen und Nachftage nach Händen. Was dieser Satz aber mit der Regelung der Produktion zu thun hat, das können wir nicht verstehen. Daß man die Poduttion regeln sollte nach der Nachfrage, nach der Konsumtion, daS wäre allerdings recht hübsch, aber bei unserer beutigen Privatproduftion ist vaS ganz unmöglich, da in der That die Konsumtion fich auch vielfach nach der Produltion richtet. Aber was daS„Angebot" mit der ganzen Frage zu schaffen hat, versteht niemand. Welches Angebot ist gemeint? Da» Angebot von Produttion an die Konsumenten? DaS würde der Nachftage der Kon- sumenten an die Produzenten entsprechen. Aber das ist ja nationalökonomischer Unfinn— Regelung der Produktion durch Angebot und Nachftage. Es ist aber herzerhebend, daß in unserer Zeit, wo selbst ein Landrath etwaS von der Sozial- ökonomie verstehen muß, ein Korrespondent deS i heinisches Weltblattes keine Ahnung von derselben hat. Bei dem Zentralverband der Stickerei-Jnduftrie in Sachsen, der erst am 9. Februar dieses Jahre» ins Leben gerufen worden ist, haben fich schon Befitzer von 3500 Stickmaschinen angemeldet zum Beitritt. Dieser Verein hat zu- nächst die Frage an die Mitglieder gestellt, wie hoch de: Minimallohn festgestellt werdm könne? Diese Frage soll der nächste Delegittmtag beantworten. Dieser Minimallohn soll ein Riegel sein, der verhindert, daß keinem Sticker Arbeit zu einem geringeren Preise angeboten werden soll. Jeder Kaufmann, Fabrikant, Sttckmaschinenbesttzcr. welcher dem Ver« band beigetreten, ist verpflichtet, nur für solche zu arbeiten und nur von solchen Arbeit anzunehmen, die Mitglieder deS Ver« bandes find. Will ein Ärbeitaeber, der Mitglied ist, einem Sticker Arbeit geben, der eS nicht ist, verfällt er in Strafe und so umgekehrt.— Zunächst sieht man aus diesen Vorgängen, daß«an auch im Allgemeinen um die Frage deS Minimal« lohns stch auf die Dauer nicht herumdrücken kann, dann aber wird es immer mehr klar, daß nur eine Organisation der Arbeit Hilfe schaffen und die gegenwättiaen unleid« lichm wkthschaftlichen Zustände zum Heile der Gesammtheit reformirm kann. Zum Sklavenhandel. Im Mai jedes Jahres beginnt in dm Südsee-Jnfee die Saison für die sogenannte A n w e r- bung schwarzer Arbeiter oder vielmehr für den Sklavenhandel. Dieser Handel wird von Queensland und den Fidschi- Inseln au» durch sogmannte Arbeitcrschiffe betrieben, welche ein RegierungSagmi begleitet und welche, den bcstehmven Gesetzen noch, nur solche Eingeborene anwerben Diese Gesetze werden An« lenten unmöglich, ihre ...... ämme auf dm Insel- Siippm der Südsee in ihrm Sprachen und Mundarten so ver- iedm find, daß auf allen Stationen nur durch schwarze Dol« metscher verhandelt werden kann, welche ihrerseits dem Regie« runaßagenten die vorgelegten Fragen im Sinne und nach der Vorschrift des Echiffssührers beantworten. Die Häuptlinge der Stämme verkausm einfach ihre StammeSgenoffen gegen Feuer« aewehre, und die so erwordenen Arbeiter werden in Queens- land dem Schiffseigner mit etwa 22 Pfd. Sterl. dezahlt, wovon der Schiffsführer 1 Pfd. Sterl-, der Steuermann etwa 10 Sh. für jeden„Angeworbenen" erhält.— Durch die neue deutsche Kolonialpolittk, die fich bekanntlich in hervorragender Weise auf die Südsce-Jnseln ausdehnt, wird das Deutsche Reich stch auch in diese Angelegenheiten mischen müffen— und zwar ohne Erfolg. Es wäre viel besser, wir ließen unsere Hände von sol« chem Schmutze! Die niedrigsten Löhne werden im ManSfeldschen de« Bergleuten in diesem Zahre bezahlt. Die Stimmung ist allerorts sehr gediückt. Bislang standen fich die Bergleute in der Eislebener Gegend noch verhältnißmäßig gut, desto schlimmer der ungemeine und plötzliche Rückschlag. Dazu mußte noch der Betried auf dem Ottoschacht bei Wimmelburg tn Folge großen ZudrangeS von Waffer vorläufig eingestkllt werden. Auf wie lange, kann noch nicht gesagt werdm. Die ca. 800 Bergleute, die in dem betreffenden Schachte beschäftigt waren, find auf dem Martinsschachte bei Crauöfeld und dem Emstschachte bei Kelbra vertheilt worden. Ei« großartiger Streik wird, nach dm in einer öffent« lichen Schuhmacher-Lersammlung gefaßten Beschlüffm unter den(Seiellen in Et. Pauli und Altona ausbrechen. SS wurde, dem„Hamb. Korresp." zufolge, in dieser Versammlung ein PreiStourant für sämmtliche Arbeiten mit einer Erhöhung bis zu VSpCt. vorgelegt, der einstimmig genehmigt wurde und den Meistern vorgelegt werden soll. Ver Streik soll sofort be» ginnen, wmn die Annahme nicht erfolgt. Zur Unterstützung der streikenden Gesellen und um die Unverheiratheten in de« Stand zu setzen, Altona sofort zu verlaffen, wurde bereits ein F.ndS gesammelt._ Uereine und Uersammlunge«. Aus Lübeck wird unS geschrieben: Vom Kampf mit dem Schatten des Mittelalters. Durch das Vorgehen der Jnungen find wir gezwungen, auch unS'mal hören ,u lassen. Vor Jahresfrist hat stch der Vorstand deS Fachvereint der Schneider mit dem Vorstande der Innung dahin vereinigt, daS arbeitSnachweisebureau gemeinsam zu regeln und zu kontra liren, und alt Unterstützung von jeder Seite an Fachvereins. Mitglieder 50 Pf. zu entrichten, an NichtfachvereinSmitglieder 25 Pf. DieS ist brS vor kurzer Zeit innegehalten und auf's Vorzüglichste geregelt worden. Ende Januar aber erhielten wir die Kündigung in kurzen Worten zugestellt, daß die In» nung vom 1. Februar an hiervon zurücktrete, ohne irgend einen Grund anzugeben. Daß die Jnnungm dabei einen Koup im Schilde führten, ahnten wir. Darauf erschim denn auch «in Inserat in den hiefigen„Lübeckischen Anzeigen", daß sämmt- liche Innungen fich mit dem Verein Zargen hautbettelei in't Einvernehmen gesetzt und ein Zentral-ÄrbeitsnachweisungS- Bureau gegründet hätten, um entschieden Front zu machen gegen die Fachvereine. Die Schneider-Jnnung ging noch weiter, indem fie in der Versammlung vom 1. Februar beschloß, laut Statut§ 44» Absatz 9, keine Gesellen vom AlbeittnachweisungS« bureau deS FachvereinS einzustellen, bei einer Strafe von 10 M, wenn es nicht von einem JnnungSmeister überwacht würde. DaS ist nämlich früher geschehen. Man steht, daß eine förmliche Ver- schwörung seitens verJnnungSmelster gegen dieFachvereine existirt. Dagegen anzukämpfen, halten wir natürlich für unser« mora- lische Pflicht. Die JnnungSmeister gehen sogar schon mit di- retten und indiretten Maßregelungen vor— z. B. bei den Tischlern hat ein JnnungSmeister FachvereinSmitglieder gemäß- regelt mit den Worten:„Wie können Sie als FachoerrinSmit- glied noch Arbeit von mir verlangen?" Bei unS Schneidern ist ein Herr Lüstermann— ein großer liberal-konservativer Zünftler— früher große Arbeiterfrrund— der bat stch die Sache leichter gemacht, indem er von früheren zugeschickten Ge- sellen, welche die Preise einigermaßen hochhielten, verlangte, fie sollten im Februar JacketS mit 4 Taschen und Futter für 1,50 M. machen, was natürlich angenommen wurde. Da er nun erkärte, keine andere Arbeit zu haben, so wurden die Ge- sellen, weil fie die JacketS nicht machen wollten, entlassen. AlS diese aufhörten, ging Herr Lüstermann zum jetzigen Jnnungk- instttut» verbunden mit dem Verein gegen HauSbettelei, be« stellte Gesellen und erhiell auch welche. Dieselben find aber schon wieder über alle Berge. So wird eS auch bleiben. Kein Arbeiter wird fich da aufhalten, wo Derartiges vorkommt. Herr Lüstermann und die anderen„Ackermänner" irren fich ganz grwallig im Jahrhundert. Wir haben nun in der letzten Versammlung beschloffen, daß Nicht» innungSmitglieder unentgelttich Gesellen zugeschickt er- halten, wohingegen die InnungSmitglieder 1 M. Einschreibegebühr zu entrichten haben. Bezüglich Einiger ist beschlossen worden, daß ihnen überhaupt gar keine Gesellen zugeschickt werden sollen. Wir bitten alle Kollegen, Sorge tragen zu wollen, daß der Zuzug soviel wie möglich ferngehalten wird, damit wir nicht in eine schlimme Loge kommen. Ferner er- suchen wir alle Kollegen, die den Fachoereinen noch fernstehen, fich diesen anzuschließen, damit solche feindselige Angriffe der Innungen uns organistrt und zur Abwehr bereit finden. Jeden hier zugereisten Kollegen bitten wir, genau auf Firma und Hausnummer unseres Verkehrslokals zu achten, da die In» nungen ihre Herberge„geradeüber" unserem VerkehrSlakal ein- gerichtet haben und also Arglose leicht abgefangen werden können. Unser VerkehrSlokal befindet fich im„holsteinischen Hause" bei Herrn Rumohr, MarleSgrube Nr. 22, von oben rechts, von unten links. Jeder zugereiste Kollege erhält, wenn er auf unferm Verkehr logtrt, vorlaufig eine Unterstützung von 50 Pf. Der Fachverein der Schneider zu Lübek. * Grobe öffentliche Verfammlung der Tischler. Heute Sonntag, Vormittags 10 Uhr, im Lokal d«S Herrn Rothacker, Teltowerstraße 3(Eingang vom Garten). Tagesordnung: 1. Lohnfrage und Fachorganisation. Referent: P. Furchtbar. Korrefermt: W. Schmitz. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Arbeiter-vezirks-Beret« de« Oranienburger Vorstadt «ug des Weddtng. Am Montag, den 8. März. Abend» 8'/, Uhr, Versammlung im Weddingpark, Müllerstr. Rr. 178. Tagesordnung; 1. Wie stellt fich der Verein zu den Kom< munalwahlen. Referent: Herr Tischler Gustav Voigt.(Fort- setzung der durch Auflösung unterbrochenen Tagesordnung der letzten Versammlung). Die Stadtverordneten der Arbeitervartei find eingeladen. 2. DiSkusston. 3. Verschiedenes. 4. Frage- kastm.— Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden auf« genommen. * Flugtauben-Klub. Jeden Montag, Abends 9 Uhr, in Restaurant Preuß, Oranienstr. 51. * Berliner Etuckateur-Äerein. Versammlung am Man- tag, den 8. März, Abend» 8 Ubr, im Lokale deS Herrn Niest, Ksmmandantmstraße 71/72. TageSordnnng: 1. Vorlage der Geschäftsordnung. 2. Verschiedenes. 8. Fragekasten. * Verein zur Wahrung der Interesse« jder Tischler. Montag, den 3. März. Abends 8'/, Uhr Naunpnstraße 44 Versammlung. Tagesordnung: Innere VereinSangelegenheiten. Zum Beste« de««Nationale« kaufmännischen Sra«» ken-«nd Sterbekasse"(E. H: 71) findet am Donnerstag, den 11. März, im„Köntgstadt-Kafino", Holzmarktstraße Nr. 72. ein Kränzchen, verbunden mit Vorträgen und kleinen Ueberraschun- gen, statt, wozu sämmtliche Kaufleute de» wohltbätigen Zwecks wegen eingeladen werden. BilletS 75 Pf. für Herren. SO Pt. für Damen find bei dm Herrm Augast Hintze,. Prinzmfiraße 6, IV bei Krause; Thumann. Naurynstraße 77,% RiSka, Wienerstraße 42. I; Thierbach. Reue Königstraße<4 Hof Hl; Witte, Jnvalidenstraße 21, II; sowie an WocbmtaM jedm Abend und Sonntag», Vormittags von 9—11 Uhr,* den Arbeittvermittlecn, Blumenstraße 56(Tisch lerherbeMtl L haben. Die nächste Vereinsversammlung im Ostm Berlm» findet am Montag, den 15. d. M, in SaegtrS Lokal, Grünet Weg 29, statt.„ * verband der Möbelstolirer verli«» und Umaes� Montag, den 8. März, AbendS 8 Uhr, Grüner Weg 29, Wj Saeger, Versammlung. Tagesordnung: DaS Arbeitersau»' gesetz. Referent Herr ReichStagSabgcordneter Frohme. 2.»m- legung der Fraaebogm zur Lohnstatifiik. 8. VerchiedeneS unj> Fragekasten. Gaste willkommen. Neue Mitglieder werden am genommen. • Allgemewe deutsche Krauke«-«nd vegräbnißkam für Wirker, Weber, Sviuner, Färber und Arbeiter in»et wmchten Beruf»zweigen b. G. iE. H. 67, Chemnitz). 9%*? den 8. März, AbendS 8 Uhr, Generalversammlung, Gr. piw' furterstraße 131. Tage»- Ordnung: 1. Kassenbericht»? 4. Quartal 1885. 2. Statutenderathuna event. Anträge an m Gmeraloersammlung, welche am 28. März in Gera ftoOTnj** 3. Wahl eine» Delegirten zu der Generaloersammlung. 4. wähl des Lokalvorstande». Die weiblichen Mitglieder wer-m edenfall» ersucht, stch zahlreich an der Versammlung zu ligen, auch fie sollen Mitderather sein über die Angelegenheim' » Verband deutscher Zimmerleute.(Lokal- Bei ba� Berlin-Roabit.) Montag, dm 8. März, AbendS 8 Uht,1" Donath'schm Lokale, Versammlung. Tagesordnung: 1. bewegung. 2. Verschiedene». Gäste willkommen. Mitgltevet werden aufgenommen._ Theater. Sonntag, den 7. März. Opernhaus. Lohmgrin. Romantische Oper in 3 Atten von Richard Wagner. Montag: Die Stumme von Portict. Oper in 3 Atten von Scrid«. Schauspielhaus. Die Karolinger. Trauer- spiel in 5 Akten von Emst von Wtldenbruch. Montag: Das Stiftungsfest. Schwank in 3 Atten von G- von Moser. Deutsches Theater. Ein Tropfen Gift. Montag: Nathan der Weise. Walluer-Theater. Leichte Streiche. Vorher: Groß Reinemachen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Refidenz-Theater Denis«. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alliance-Theater. Pariser Leben. Ko- mische Operette in 4 Akten von Meilhac und Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich» Wtlhelmstädttsche» Theater. Der Zigmnerdaron. von Joh. Strauß. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla« Theater. DaS lachende Berlin. Vettere» au» der Berliner Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Dmsviele und 3 Atten von Jakobson und Wilkm. Montag: Dieselbe Vorstellung. Loutsenstädttsches Theater. Abracadabra. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gentral-Theater. Der StabS- Trompeter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Viktoria- Theater. Messalina. Montag: Dieselbe Vorstellung. Oftend-zhemter Der Kaufmann von Vmedig. p Montag: Dieselbe Vorstellung. Anreriea«- Theater. Groß« vpeztalitätm- Borstellung. Theater der Reichshalle«. Große Speziali. «aufmaun's Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Konkordia. Große Spezialttätm-Vorstellung. Nu? Uit Vi.(" W-t-; Eine interess. 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Dies ist �.«eranlaffung dazu geworden, daß ich eine Ladung vom in Amtsgericht l zum 1. d. M. zur Zeugenvernehmung Ich war am 1. d. M. verhindert zu erscheinen, ent wi-k* mich und fand dieselbe Ladung vorgestern wieder '',.,?ie war versehen mit der üblichen Warnung gegen das Mchuldigle Ausbleiben vom Termin, und es sollte der C" dazu dienen, mein Zeugniß abzugeben gegen„Unb:- J• Ich habe dieser Ladung entsprochen. In der Erwä» .i«°ber. daß, wenn die Praxis Platz greifen sollte, daß �"UtgSabgeordnete für das, was fle erfahren und waS f.., im Vertrauen mitgetheilt worden ist, zur zeugcneidlicken iagSabgcordnete für das, was fie erfahren und waS , im Vertrauen mitgetheilt worden ist, zur zeuj. CT*. Kizwungen werden könnten, daß dann den Mitglie .�eS Reichstags Informationen auS dem Volke, welche bisher vertraulich zugegangen, und, auf die fie ange- Jb and, nur außerordentlich spärlich zufließen, ja vielleicht k4 unterbleiben würden,— in weiterer Erwägung, daß mnete deS Reichslags zu einer Rückficht gezwungen ,!,. würden, welche die verfaffungsmäßige Rede- M illusorisch machen würde, daß es fich also x�iin wichtiges Recht deS Reichstags handelt— -cMe ich jede Aussage, die fich auf meine Thä« ff ulz Reichstagsabgeordneter bezieht, bestritt auch, daß die tqJUmsfigen Zwangsmittel mir als ReichStageordneten ge> iß* zuläsfig seien, auch, nachdem mir erklärt worden, nicht und der Aeußcrung im Reichstag, sondern wegen der >ger Verhandlung vor dem Richter ausgesprochenen 8 seien dieselben zuläsfig. Ich stellte demnächst in q;?' daß ich dem hohen Hause hiervon Kenntniß geben k** Entscheidung desselben über mein Verhalten provo» Zuirde. dem Abg. W i n d t h o r st ist in Bezug auf diese eil folgender Antrag eingebracht worden:„Der M u wolle beschließen, eine Erklärung dahin abzugeben, Im? unzuläsfig sei, einen ReichStagsaogeordneten wegen Amgen über Thatsachen, welche ihm in dieser Eigenschaft Mlt find und welche er in Folge dessen im Reichstage üJ°Sen hat. einem Zeugniß. Zwangsverfahren zu unter« Der Abg. Winvtboist wünscht, daß sein Antrag so« mönsi» auf die Tagesordnung gefetzt werde. Der ■).. gesetzt werde. wird bei Feststellung der nächsten Tagesordnung auf »-wünsch zurückkommen. iJ'«tfr Berathung deS Gesetzentwurfs, betreffend das -..u t w e i n m o n o p o l, wird fortgesetzt. �utsminister v. B ö t t i ch e r: Es ist nicht meine Ab- .seriell in die Frage, die unS heute schon am dritten TOaftfgt, einzutreten; ich bin der Meinung, daß volle 1 ltder Abstcht und Grund der Vorlage der verbündeten �>gen durch die lichtvollen Vorträge meines Herrn 5 deS preußischen Finanzministers, gegebm worden ist. � ich daS Wort erdeten habe, liegt lediglich darin, daß flnei Auftrags deS Herrn Reichskanzlers zu entledigen sicher dem hohen Hause sein lebhaftes Bedauern ausdrücken läßt, daß er durch seinen GesundheitSzu« Ehalten ist, bei der ersten Berathung der Monopol« ch zu detherligen. Fürst Bismarck hofft aber zuver- einer W* ten»:„jo % m f AK Äf. T-bak- r. 7. hi J die Verhandlungen in der Kommisfion, an die ja, 5* Anzeichen nicht trügen, diese Vorlage verwiesen wer« ihm Gelegenheit geben werde, seine Anschauungen Deutung und Werth der Vorlage dort auSeinanderzu« ,"�tventuell sie hier in der zweiten Berathung varzu- Ht? Zweite Auftrag, dessen ich mich zu entledigen J; der, daß der Herr Reichskanzler den Gerüchten .tUireten wünscht, welche, wie ihm zu Ohren -". ist, über seine neueste Stellung zu der iur Umlauf fich befinden. Meine Herren, auch Astern dai Gerücht zugekommen, daß der Herr 2" bezüglich seiner Stellung zur Monopolvorlage w gemacht habe; auch mir ist gesagt worden, > e». �krücht vei breitet, als wünsche der Herr Rerchs« - nicht die Annahme deS Monopols. Es ist sehr daS dies Gerücht gerade Bohcn gesunden hat in �Verliver Konntagsplanderei. Die Vereinigung Berlin« mit Sibirien schien C®M«« Winter« oftmals dem Ziele recht nahe zu Reffen war es manchmal eine Wonne, zu sehen, ..iT" Eifer der Frost die Stadt dekorirte. Er nagelte att Giebel und Erker, behängte die«ante« �ir» blitzenden Schnüren, urd verhüllte die Fenster Jaue» Schleier». su Zeit wagte fich schüchtern ern junger herunter, um unverweilt wieder zu seiner h.Heimath emporzueilev. Auf de« Feldern Vii selbst in der Stadt hielten die Krähen ihre S),L**d sprachen so hitzig, als verfechte« fie das fo«rnoncpol. Die Sperlirge aber kauerte» melan« �2*6« Fassaden der Häuser; manchmal flatterte W.?al5 nach einem ausgehängte« Thermometer, um Sw �* Temperatur immer noch um den Nullpunkt B Da kam endlich der Schneefall, mit ihm zu« fich die langersehnte« Sonnenstrahlen rn der >«eh, einige Augenblicke sehe«. , Cl*« Ahne« durch die Gemüther,'N manchen �- schon heimliches Grün; wen» der März m,t l boj iss den kommenden Frühling einläutet, erwacht --«"ff 'S" Ä A& 6SÄ Äs � Schimmer der Freude auf die welken Züge '»S*?** Wind, der mit der ganzen Hesirgkert elueZ >Äen �"hlosen uns um die Ohr.« pfiff, hat lrn« iV JU.«eichen, der harte Bann, st gebrochen,- fi� die heißerfehnten Steuern wreder �ZlÄSarsten von allen Geschöpfen bleiben doch schtt». Es war eine unglückliche Idee, daß sie K:eism, die sonst sehr gern bereit find, dem Herrn Reichskanzler emen Vorwurf daraus zu machen, daß er von einmal konzeptirten Plänen nicht lasse, daß er mit denselben wiederkomme und immer wiederkomme, auch wenn fie leine AuSficht auf Annahme befitzen. Nun, meine Herren, an diesen Gerüchten ist nicht ein Wort wahr. Der Herr Reichskanzler steht, wie ich bereits vorher zu bemerken die Ehre gehabt habe, auf dem Boden, daß er da« Monopol als die zweckmäßigste Form der Branntwelndesteuerung erkennt- Für den Fall, daß meine Worte, in die ja füglich ein Zweifel nicht zu setzen ist, gleichwohl noch Bedenken erregen sollten, stehe ich nicht an, einen PassuS auS dem Schreiben vorzulesen, welches mir heute Morgen vom Herrn Reichskanzler zugegangen ist, und in welchem er an mich die Bitte richtet, hier neben der Entschuldigung für seine 99(i binderung an der Theilnahme dieser Berathung zugleich seinen Standpunkt darzulegen, den er nach wie vor der Monopoloor läge gegenüber einnrmmt. Er sagt:„Ich lege Werth darauf, daß dies— nämlich die Entkräftung des Gerüchtes— auch durch Ihre gütige Vermittelung ohne Aufschub geschehe, da ich auch nur für kurze Zeit den Verdächtigungen nicht auSge« setzt bleiben möchte, welche für meinen politischen Charakter und für meine Aufrichtigkeit meinen Mitarbeitern gegenüber in jer em geflissentlich verbreiteten Gerüchte liegen.(Abg. Rich« ter: Wer hat es denn verbreitet?) Daß ich nach wie vor in dem Monopol die zweckmäßigste Besteuerung deS Branntweins sehe, ist Ihnen bekannt." Nun, meine Herren, mir ist die Kolportage solcher Gerüchte nicht neu(Rufe links: Wo denn?), fie ist schon früher bei fast allen wichtigen Vorlagen der Re« gierung bemerkbar geworden. Ich erinnere beispielsweise an die Kanal-Vorlage im Landtage, wo ich persönlich damit zu kämpfen hatte. Man hat fich immer ein Gewerde daraus ge- macht(Rufe links: Wer denn?), vor dem entscheidenden Momente zu sagen: der Herr Reichskanzler will nicht mehr; es ist das Gescheidteste, wir lassen die Vorlage fallen. Meine Herren, wir halten an der Hoffnung fest, die gestern mein Herr Kollege ausgesprochen hat, daß, je länger und je mehr über dieses Projekt in der Kommisfion und im Plenum veihandeit werden wird, auch die Zahl der Freunde der Vor- läge zunehmen wird.(Lachen links. Sehr richtig! rechts.) Ja, meine Herreu, das Lachen bitte ich aufzuschieben bis zu dem Moment, wo die Vorlage in zweiter oder in dritter Lesung abgelehnt sein wird. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.(Sehr richtig! rechts. Zuruf links: Wie beim TaHakSmonopol!) Gut, es mag ja sein, Herr Abg. Richter, daß'die Sache so kommt, wie beim Tabaksmonopol, aber auch, wenn wir mit dieser Vor» läge unterliegen, so werden wir doch von der Ueberzeugung nicht lassen, daß die sehr gründliche Erwägung, die wir ange- stellt haben, und die sehr gewissenhafte Erörterung, die unserem Beschluß vorausgegangen, eine so werthvolle ist, daß wir die Richtigkeit unserer Entschlüsse nicht in Zweifel zu ziehen nöthig haben.(Sehr gut! Bravo! recht?.) Abg. Graf Bismarck: Ich war gestern Nachmittag leider durch wichtige Dienstgeschäfte in meinem Reffort verhindert worden, den Debatten dieses Hohen HauleS beizuwohnen, und habe daher erst heute Morgen aus der Oldenbergschen Korre- spondenz ersehen— der stenographische Bericht liegt noch nicht vor—, daß mein Name in die DlSkusfion gezogen worden ist. Der Abg. Rickert hat nach jenem Bericht, ich weiß nicht, ob er ganz genau ist, gesagt:„eS wundert mich, daß der Herr Finanz- minister da? nicht weiß, daß er nicht weiß, daß Graf BlSmarck schon vor einer Reihe von Monaten klar und deutlich in einer Rede erklärt hat, daß die Einführung deS Brannlweinmono- polS beabsichtigt werde." Diese Worte find thatsächlich nicht richtig. Die Rede, auf die hier angespielt worden ist, habe ich in Ratzeburg, in meinem Wahlkreis, im April vorigen IahreS gehalten. Meine Aeußerung über daS Monopol knüpfte fich damals an eine Beleuchtung deS allgemeinen FinanzzustandeS an und an die Nothwendigkeit, höhere Einnahmen zu schaffen. Ich lege Werth darauf, vor dem hohen Hause zu erklären, daß ich im April v. I. nicht gesagt habe und nicht habe sagen können, daß die Einführung des Branntweinmonopols von der Regierung beabstchtigt werde; denn mir ist davon, wie ich auS- drücklich versichere, damals absolut nichtS bekannt gewesen. Ich habe in der Ratzeburger Versammlung lediglich alS Privat- mann gesprochen und einer Auffassung Ausdruck gegeben, der ich innerhalb meiner. Fraktion auch von Kollegen begegnet war. Aber ich hatte niemal« mit irgend einem Beamten vorher über diese Frage gesprochen, alS ich im April v. I. in Ratzeburg redend austrat. Abg. Fürst v. Hatzfeldt-Trachenberg: Ich er- kläre zunächst, daß ich seit zwei Jahren keine einzige Brennerei erschaffe« wurden. Wären, nachdem derGeistder Erde vollendet, einzig Blume«, Sterne und Vögel hinzugefügt, so wäre ein« ganze Menge trüber Erfahrungen erspart geblieben. Za de« Fluthen der See» spiegelten fich jetzt die grünen Wälder und die Rosen blühte« in stiller Schönheit. Aber so! Eine einzige Sitzung im rothen Hause belehrt un«, daß eS nicht wenig überflüssige Leute auf der Welt giebt. Unter diese Kategorie rechnen wir ,. B. diejenigen, welche ei» Bad zu den nothwevdigen Bedürfnissen des menschliche» Lebens rechne«. Al« ob die Menschen mit Flossen und Schuppen oder wenigsten? mit Schwimmhäute« an Hände« und Füßen da? Licht der Welt erblickten! Ein größerer Uvfin» rst ge« wiß noch niemals ausgeheckt worden, al« uns staubgeborene Menschen plötzlich unter die Wasserthiere einzurangiren! Glücklicher Weise giebt e« unter unseren Stadtvätern eine ganze Anzahl ehrenhafter Leute, die mannhaft für die Wah« rung unserer Menschenwürde al« Landbewohner ein« treten. Wie kann man bei de» schlechte» Zeiten nur auf de« aberwitzige« Gedanken komme», so- genannte Regenbäder inj dreh Gemeinde- Schulen einzuführen? Die Leute, welche den Antrag verfochten, kennen höchstwahrscheinlich die schöne Eigenschaft des Schmutzet aarnicht, nämlich— daß er warm hält. Natürlich, Per« fönen, die fich selbst täglich waschen oder bade», kennen die Annehmlichkeiten einer widerstandsfähigen Schmutzkruste auf dem ganzen Körper, au» eigener Erfahrung wenigsten«, ganz entschieden nicht. Man hätte aber wenigsten« von ihnen erwarten könne«, daß sie eingehende Erkundigungen bei de» Männern einzogen, die berechtigter und sachverständiger Weise gegen den Antrag waren, über das mollige Gefühl, welches un« ein Körper, der wochen- und monatelang vor jeder Berührung mit dem nassen Element auf da« Sorg- famste bewahrt wird, verursacht. Denn jene Leute müsse» doch da» ganz bestimmt wisse». Aber auch in anderer Beziehung war die letzte Sitzung der Stadtverordnete» äußerst lchrrreich. Der Herr Stadt« befitze und daß fich auf meinen Gütern keine Brennerei befindet, welche etwa einem meiner Pächter gehören könnte. Ich gebäre also nicht zu den schlefischen Großgrundbefitzern, die der Abgeordnete Richter vorgestern so liebevoll gekennzeichnet hat, und habe nicht daS geringste persönliche Interesse zur Sache. Schon vor zwei Jahren hatten wir eine Enquete darüber beantragt, wie ohne Schädigung der landwirthschaftlichen Interessen eine Bronntweinsteuerreform in die Hand genommen werden könnte. Leider hat solche Enquete nicht stattgefunden', sonst würden wir über manche Punkte der Vorlage klarer sein. Ich halte nach wie vor eine Branntweinsteuerreform für dringend notbwendig zur Erzielung höherer Einnahmen, zur Bekämpfung der Brannt« weinpest, und ohne Schädigung der Landwirthschaft. Deshalb standen wir von vornherein der Vorlage, die diese Ziele ver» folgt, sympathisch gegenüber. Früher war eine Reform der Branntwein- und Zuckersteuer auch eine Hauptforderung der Liberalen, besonders des Abg. Richter. Jetzt, wo die Regie« rung mit solchen Maßregeln kommt, thun die Herren, als od e« fick um ganz etwa« Entsetzliches handelte, als ob die Aufrichtung der Guillotine hier vorgeschlagen wäre! In der repub ikanischen Schweiz sogar hat fich gegen das dortige Projekt eines Brannt« weinmonopols kein Sturm der Entrüstung erhoben. Sie wer« den auch jetzt wieder Nein sagen, wie ja die große Mehrheit der Fortschrittspartei schon zur Verfassung des Deutschen Reichs Nein gesagt hat.(Sehr gut! rechts.) Wann haben Sie je« mal« an der Gesetzgebung de» Reiches schöpferisch mitgewirkt? Ihre Abstimmungen find bisher lediglich eine Kette von Ver- neinungen. Daß wir Mehreinnahmen bedürfen, ist klar. Die landwirthschaftlichen Interessen dürfen allerdings bei der Branntweinsteuerreform nicht geschädigt«erden. Wäre selbst nach Herrn Richter» Ausführungen die Vorlage ein Geschenk an die 3000 Brenner, so wäre eS immer nur ein freiwillige« seitens der SchnapStrinker, denn mit der Behauptung, SchncpS gehöre zu den Nahrungsmitteln, dürften Sie kein Glück haben. Augenblicklich nach Einführung des Monopols würden die Brenner nach dem jetzigen Weltpreise kein schlechtes Geschäft machen, ein wirklicher dauernder Gewinn würde ihnen nicht erwachsen. Nach§ 23 der Vorlage ist den Brennem nicht einmal der Minimalpreis deS Weltmarktes von etwa 35 Mark garantiii; dazu kommt die Beschränkung in der Produktion und Fabrikation. Wir beklagen es tiel, daß durch die Vorlage eine Menge Existenzen aus ihrem bish-rigen Erwerbsleben herausgerissen werden sollen, um ihrer selbst willen; volkSwirth« schaftlich können wir eS nicht bedauern, wenn eine Menge Brannt- weinschänken eingeht. Ein großer Theil der Branntweinhändler sucht nicht blos den Uebergang von der Produktions- zur KonsumiionSstätte zu vermitteln, sondern den Weg möglichst weit auszudehnen, um möglichst Gewinn abzubröckeln. Das hat volkSwirthschaftlich keinen Werth. Nach den Motiven soll ein ganzes Heer von ungefähr zwei mobilen Armeekorps von Verschleißetn angestellt werden. Ich habe durchaus daS Ver« trauen zur jetzigen Regierung, daß ste diese 70000 von ihr abhängigen Verschleiß« zu keinen unerlaubten Zwecken ge« brauchen wird! aber bei künftigen Regierungen könnte eS doch einmal anders sein; und deshalb wünschte ich wohl, daß die Verschleiß« nicht von der Regierung, tondern von den Selbst« v«waltungSorganen, in Preußen ,. B. den KreiSauSschüffen angestellt werden.(Sehr richtig!) Trotz aller Anfeindungen, welche die Vorlage erfahren, geben wir die Hoffnung noch nicht auf, daß die Vorlage in ein« Kommisfion die Verbefferunaen und Leschneidungen, vielleicht mit dem Rückgang auf ein Roh« spirituSmonopol, erfahren möge, daß die Härten gemildert wer- den und daS Haus die Vorlage annimmt. Die von Buhl ae- wünschte H«aufpfropfung einer Konsumsteuer auf uns«e brk- herige Maischraumsteuer würde unser B!enn«eigewerbe schwer« lich vertagen. Mag die Monopolvotlage populär sein oder nicht, der Gedanke, den Branntwein zu stärkeren Abgaben h«, anzuziehen, ist populär: und dieser Gedanke wird fich auch hi« im Hause endlich Geltung verschaffen.(Lebhafter Beifall recht?.) Abg. Oechelhauser: D« Abg. Rickert hat die Br- sorgniß ausgesprochen, daß daS Zentrum mit der nationallibe- ralen Partei Arm in Atm in der Branntweinstemrfrage gehen wolle. D« ZentrumSredn« hat fich in Bezug auf die Präzi- strung der posttiven Aufgaben eine diplomatische Resttve auf«- legt. Er hat gemeint, daß eine Konsumbesteuerung in Er- wägung gezogen werden könne, im Uebrigen ab« wollte« fich nicht festnageln lassen. Ab« wenn auch die Besorgniß des Abg. Rickert begründet wäre: können wir unS nicht auch einmal mit dem Zentrum zusammenthun?(Heiterkeit links.) Ich würde mich freuen, wenn wir auf diesem posttiven Gebiet mit dem Zentrum zusammengehen könnten. In der Verwerfung verordnete Kreitling traf dm Nagel auf den Kopf, indem « sein Bedenkm aussprach, daß da« Zusammenbaden in einer Wanne Jnfeklionskrankheiten für die Kinder der besser situirten Klassen herberführe« könne.— Giebt ei eine edlere Menschenfreundlichkeit? Die Kinder weniger gut situirter Klasse» find solchen Gefahrm natürlich in keiner Weise au«« gesetzt, und wm« es trotzdem der Fall ist, wa« schadet e« dann? Al« ob ein armer Familienvater denselben Schmerz üb« den V«lust eine« Kindes empfände, al« ei» reicher. Denn zugleich mit dem Besitz überkommen den Mensche» ganz and«e Gefühle, ein Renti« denkt und empfindet ganz ander« wie ein gewöhnlich« Arbeit«, und der Herr Stadt- v erordnete und Rentier Kreitling hat dah« Recht, wenn er die obige» Befürchtungen aussprach. Auch Herr Epinola rettete die reiche» Kinder vor ein« allzu intimen Bttührung mit den armen. Der Antrag ist zu sozialistisch, er führt auf eine abschüssige Bah», dm» sehr viele Kind« der Arme» hätten kein od« ein zerrissene« Hemd. Ihr Scham- gefühl werde verletzt, wenn fie mit anderen Kind«« zu» sammen bade« müßtm.— Wie zartfühlend dies« gütige He« doch ist! Nur nicht das Schamgefühl der armen Kinder verletzen, nur nicht Sachen zur Sprache bringe», die gewissen Hern» unangenehm find! Die reiche» Kinder würde« dumme Witze über de« kleine» Proletari« reißen, d« ohne Hemd zur Schule kommt— wie genau Herr Epinola seinen Nachwuchs kennt! Sollte jmm Herren nicht auch der Gedanke nahe gelegen haben, daß e» besser vermieden wird, die Zugend in allzu nahe Berührung zu bringen, dmn die Kinder würdm sonst vielleicht merke», daß die eine Sorte Menschen garnicht mit Sporen an dm Beinm auf die Welt kommt, und daß die andere von Natur gamicht mit Sätteln ausgerüstet ist,— so daß also von Rechtswegen die eine Gesellschaftsklasse auf der anderen herumzureiten absolut nicht b«ufen ist. DaS ist gefährlich, da« demoralifirt— darum keine Bäder! deS Monopols begegnen wir uns mit der freisinnigen Partei. Ich stehe nicht an, eS auszusprechen, dah die von dieser Partei gegen das Monopol ins Werl gesetzte Agitation daS Schicksal der Vorlage in diesem Hause und ihre Aufnahme im Volte außerordentlich wenig beeinflußt hat. DaS Monopol bat in den weitesten Schichten des Volkes einen energischen Wider- spruch gefunden. Der Finanzminister meinte, daß die Oppo- fition gegen die Vorlage mit der Zeit schwinden werde. Ich glaube gerade das Geaentheil nach den Erfahrungen mit dem Tapaksmonopol. Es ist eine alte Forderung der gesammten liberalen Partei ohne Unterschied der Nuancen gewesen, daß der Branntwein daS geeignetste Steuerprojckt sei. Nehmen mir es die Herr«« von der freifinntgen Partei nicht übel, aber die Gründe, die sie jetzt gegen die Erhöhung der Branntweinsteuer auf- führen, find wirklich so dünn und fadenscheinig, wie ich eS selten bei ihnen erlebt habe. Sie sagen, daß die Erhöhung der Branntweinsteuer Zug um Zug erfolgen müsse mit der Aufhebung der Steuern für die notrwendigsten Lebensmittel. Sie wissen doch, daß hier in absehbarer Zeit an eine Auf- h-bung der Kornzölle u. s. tv. nicht zu denken ist. Sie wollen also die Branntweinsteuer ad celendas graecas vertagen, Sie wollen absolut keine höhere Branntweinsteuer.(Widerspruch links.) Ich fasse die Kommisfionsverweisung nickt als AchtungSbezeugung vor der ReichSregierung auf. Es find dieser Kommission außerordentlich große Aufgaben gestellt: ste soll nach allen Richtungen die Wege ebnen, um für die nächste Legislaturperiode ein durchsetzbaieS Gesetz vorzubereittN. Was soll schließlich alle Gesetzesfabrikation helfen, wenn die ver- schiedenen gesetzgebenden Faktoren nicht in Ucbercinstimmung find? Ohne Vre Stellungnahme meiner Frakrionsgenossen zu vinkuliren, sprach ich mich für die Konsumbesteuerung des Branntweins aus. ES fragt fich nur, wo wir dieselbe einsetzen sollen. Jedenfalls nicht in dem Moment, wie in Frankreich, deS UebrrgangeS zum letzten Konsumenten, sondern in dem Moment, wo der Branntwein aus den staatlich kon- trolirten Niederlagen in die Hände des RasfineurS übergeht. Sine Verdoppelung der jetzigen Steuer wäre doch bedenklich für die Lardwirthschaft, der doch daran liegen muß, daS bisherige Absatzgebiet zu behalten. Die Frage der G-sundheitSschävlichkeit deS Branntweins wird die Kommisston sorgfältig zu prüfen haben. Daß man mit einer bloßen Preiserhöhung deS Branntweins dem Alkoholismus, der Trunksucht nickt wirksam begegnen kann, beweist schon der Umstand, daß die Zahl der Alkoholisten in Schleswig. Holstein doppelt so groß ist, wie in Ostpreußen, trotz des fünffachen Preises. Man spricht von dem Branntwein als dem Getränk des armen Mannes. Wenn ich der Erhöhung der Brannt- weinfteuer das Wort rede, so möchte ick, daß die Einführung der Weinsteuer ihr folge; hoffen wir, daß die Kommisstor etwas Gedeihliches zu Stande bringe.(Brifall bei den National- liberalen.) Abg. v. H e l l d o r f f: Dt« konservative Partei hält dafür, daß der Ausbau der Getränkesteuer, vor Allem der Brannt- weinsteuer, eine der wichtigsten Aufgaden der modernen Steuer- politik ist, und daß, wenn wir auch jetzt nicht vorwärts kam« men, die Zukunft uns eine Lösung dieser Frage bringen muß und bringen wird. Es handelt fich ja hier keineswegs nur um ein paar tausend Brenner, wie Herr Richter gemeint hat, son- dern um die Frage der Erhaltung unserer Kultur auf wetteren Strecken unseres Vaterlandes.(Sehr richtig! rechts.) Das ist nicht zu übersehen. Daß wir vor dem Gedanken «ineS Monopols nickt zurückschrecken, hat schon Herr von Wedell hervorgehoben. Aber wir wollen prüfen, wie weit die Expropriation gehen darf. Auch ich bin überzeugt, daß es Punkte giebt in der Vorlage, wo eine Reftrrklion ernstlich in Erwägung gezogen werden muß. Ich kann sagen, daß gerade die Brenner unter den deutschen Landwtrthen die schwersten Bedenken gegen die Vorlage hatten.(Widerspruch links.) Ich halte im Gegensätze zu Herrn Oeckelhäuser die Anficht fest, daß eine sachliche Erörterung der Vorlage günstig wirken wird. Sie wird den Gedanken derselben dem Ver- ständniß immer näher bringen und man wird lernen, daß das jetzt diskrcditirte Gesetz doch besser ist, als man heute sagt. Man wird fich sagen, daß die in demselben berührte Frage gelöst werden muß im Interesse der Finanzen und der Kultur, und schließlich wird eine solche Anschauung die Oberhand ge- Winnen üb-r die aufgertgtcn Massen.(Betfall rechts.) Abg. Dr. Bamberger: Mit Bedauern haben wir ver- nommen, daß der Reichskanzler durch seine Gesundheit verhindert ist, an dieser wichtigen Verhandlung Theil zu nebmen. Unter seiner Theilnahme hätte fich das Haus tiefer ergriffen, alS dies bis jetzt geschehen ist. Aber ich freue mich, daß seine Adwesen- heit nicht die Fortsetzung jenes acheillischen SchmollenS ist, das wir seit der Verhandlung über die Polenfrage konstatiren mußten. Im Uebrigen macht mir die Erklärung des Staats- selretärs meine heutige Aufgabe angenehmer und dankbarer, als ich es mir noch gestern Abend dachte: denn es giebt kein unangenehmeres und undankbareres Geschäft, als offene Thülen einzuschlagen. BiS dahin war eS wirklich schwer, fich alS Gegner des Monopols hier mit Anspruch auf Interesse zu konstituiren. Der Reichskanzler hält aber am Monopol fest, daS ist wichtig und wir dürfen die Sache nicht so leichthin nehmen, wie es nach derSiimmung von gestern möglich schien; denn der Reichskanzler ist kein zu verachtender Gegner, und es verlohnt fich, einen Gedanken zu bekämpfen, bis er ihn selbst aufgegeben hat. Ich glaube dem Herrn Finanzminister gern, daß die verbündeten Regierungen, wie ich mit dem setzt üb- lichcn Euphemismus sagen will(Heiterkeit), von der Wichtig- keit dieser Vorlage überzeugt find, aber ich bitte auch ihn, zu glauben. daß die Gegner dieses Gesetze? von der Richtigkeit shres Widerstandes durchdrungen find. Hier steht Prinzip gegen Prinzip, und Slreitigkeiten um Prinzipien sollen ruhig und unbefangen geprüft werden. Ich möchte abweichend von den bisherigen Rednern nicht bloS fragen, welches find die Schäden des Monopols, derentwegen es zu verwerfen ist, sondern, wie find wir zu dieser Monopoloorlage gekommen? DaS seit 5 bis 6 Jahren eingeleitete Staatssystem, daS man weiter ausbilden zu wollen erklärt, sühst uns norhrvendig zu Monopolen; die großen Ansprüche an die Staatsmacht find nicht anders zu befriedigen, als durch solche monströse Ein- richtungen, welche unvermeidlich auch die Zerstörung ver Privat. thätigkeit zur Folge haben muß, um als allgemeiner V-rwalter der allgemeinen Gütergemeinschaft nach Gutdünken verthetlen zu können. Allerdings herrscht ja in ganz großen Kreisen Gebildeter und derer, die von Regierungsanfichten beeinflußt werden, die Auffassung, jede neue Steuer sei eine neue Wohl- that für daS Land und komme nicht aus den Taschen der Er- werbenden, daher auch die wunderbare Anschauung, alS müsse man fich wie ein Angeklagter vertheidipen, wenn man eine Steuer nicht bewilligen will.(Heiterkeit lmkS.) Wir würden unS vielleicht auch in der Vergangenheit gehütet haben, manche Million zu bewilligen, für welche wir jetzt aufkommen sollen, wenn wir immer daran gedacht hätten, welche große Uebel eine Branntweinmonopol Vorlage für unser Volk fern würde. D.e Herren Oeckelhäuser und Buhl wollen mit dem Zenttum gehen, um neue Wege der Besteuerung de# BrannlwernS zu jweten und damit das Monopol nicht bloS an uns scheitere. DaS Zentrum kann fich rühmen, die Geliebte zu sein, um die alle Patteten buhlen und Penelope Windthoist verneigt fich dankbar gegen mich.(Heiterkeit.) Es ist uns daS ganz lieb, machen Sie Ihre Veriucke. mit dem Zentrum zu gehen, aber nennen Sie uns nicht VaterlandSverräther, wenn wir auch einmal mit ihm gehen.(Heiterkeit.) Erinnern Sie fich an das, waS am BundeSrathStisch alS ZulunftSmustk hier vorge spielt ist, in welcher Herrlichkeit und Pracht daS Deutsche Reich in Zukunlt erblühen sollte bei den Steuern, dle jetzt schon auf 180 Millionen angewachsen fiad; und nun wird das Alles für ungenügend erklärt! Wir haben dagegen protestirt, daß wir helfen sollen, wahr zu machen, was Sie nicht halten können. Wie Herr Oeckelhäuser di-sen Grund fadenscheinig nennen kann, ist mir unerfindlich. Wir müssen daran denken, daß der Moment kommen wird— und er näaert fich ficht. bar— wo die jetzige Zoll- und vandelspolitik fich als nicht mehr haltbar erweisen wird. Ist dieser Moment gekommen, so werden wir Rede und Antwott stehen und Branntwein und Zucker für etwaS Besteuerbares halten. Aber nickt in diesem Moment, wo Sie in Stockung gcrathen find mit Ihrem System. (Sehr gut! link«.) Dies jetzige staatssozialistische System, daS System, den Staat zum allgemeinen Vermehrer deS Einkommens der Bewohner zu machen, ihn für daS Glück eines Jeden verantwortlich zu machen, hat nothwendig zur Folge, daß er ausgehen muß wie ein hungriger Löwe, um zu suchen, qnern deroret. Da kommt es natürlich darauf an, fich zu sagen, wo ist ein gutes Geschäft, das ich mir aneignen kann. Jetzt find die Witthe an die Reihe gekommen. Eine Privat- thätigkeit nach der anderen wiro mit einem Anathema ve: letzt; auch die, welche jetzt die besondere Gunst der ReichSregierung genießen, find nickt ficher davor, daß auch ste einmal gekränkt werden können. Ich höre mit Erstaunen, daß die Herren es jüngst von fich gewiesen haben, daß durch fie so.iaiistische An- schauungen genährt seien. Die Herren wissen dann gar nicht, auf welchem System fie strhen. Herr von Putlkamer und Herr von Schlieckmann haben mir die Ehre erwiesen, meine Aus- sprüche über das Sozialistengesetz zu zitiren, wie um mich dar- auf festzunageln. DaS hat mir gezeigt, daß Sie gar nicht wissen, wie wir tvto coelo von einander ver-chieden find, daß ich den Geist des Sozialismus bekämpfe, daß Sie aber mtt polizeilichen Mitteln Ausschreitungen der Sozialisten bekämpfen, während wir durch die Schuld der verbündet-n Regierungen immer tiefer in die sozialistischen Anschauungen hineingerathen.(Sehr richtig! links) Der Finanzminister, dem man doch gewiß Gedanken- schärfe nicht absprechen kann, hat mich überrascht durch das harmlose Geständniß, daß man von angemessenen Preifen so spräche, als wären die angemessenen Preise der Gegenwart solche, die vor einem vemünftigen Urtheile bestehen könnten. Wenn er nicht anerkennt, daß das ein von Grund auS sofiali- stlscher Ausspruch ist, dann find wir mit einander noch nicht einig genug über das, waS überhaupt Sozialismus ist, um ein Sozialistengesetz vereinbaren zu können.(Httterkeit.) Die Sozialdemokratie hat nur den GerechtigkeitS- und Billigkeits- vorzug unter allen Einwohnein eines Staates, dieses System nach gleichem Maßstade einzuführen, während Vorlagen wie diese nicht sozialdemokratisch, for dern sozmlaristokratijch find, (Lebhafte Zustimmung links.) Der Finanzminister ist in der sozialistischen Atmosväre bereit» so befangen, daß er sogar den Rock deS Herrn Richter zum Wohle des Staates gegebenenfalls expropttiren möchte. Nun, Herr Richter tann einstweilen noch ruhig sein.(Heiterkeit.) Mobilien zu, xpropriiren, dafür habm wir bis jetzt noch kein Gesetz. Wenn wir einmal auf diesem Wege gingen, so müßten wir dahin kommen, pro bono pnblico den Kopf oeS Abg. Richter zu erpropriiren. ES gäbe viel- leicht Menschen, die diesem exvropriirten Kopf nickt un> sympathisch gegenüberständen. Wissen Sie, welches Prinzip hier vom RegierungStische aus ausgesprochen ist? Vor etlichen Monaten mußten wir unS den Vorwurt hinschleudern lassen» wir wollten Konvent spielen. Ja, das find die Grundsätze des Konvents.(Sehr richtig! links.) Das Konvent hielt alles im Interesse deS Vaterlandes für erlaubt. waS eingriff in die Privatrechte. Ich finde es sehr bedenklich, wenn solche Aus« sprüche gewissermaßen als Axiome vom ÄundeSrathsttsche hin- gestellt werden. Wenn wir so diesem Entwutt entgegentreten und nicht Steuern auf Vonath bewilligen wollen, so brauchen wir unS das nicht erst Monate vorher zu überlegen. Winn mich Jemand fragt, ob ich mir den Kopf abschlagen lassen soll, werde ich auch nicht erst in die Kommisfion gehrn und über- legen, ob mir daS nützlich oder falsch scheint.(Hetterkeit.) Den tausend Bedürfnissen, die in den Formen des Genusses, der G-sunbheit, der Arbeit durch den Branntwein defttedigt werden, wollen Sie mit der Schablone einer von Bureaukraten, auch den intelligentesten und wohlmeinendst.n. geleiteten Fadrika» tion und Handelsmetbode befriedigen? Ist daS nicht eine monströse Aufgabe, vor der man immer mehr zurückschrecken muß, je mehr man ihr in die Augen steht? Der Minister verweist auf den Betrieb der Staat« bahnen alS Beweis dafür, daß wir Methoden haben, allgemeine Bedürf- niffe durch Staatsrinttchtungen zu befriedigen; aber die Eisenbahnen geben überall in denselben Geleisen, das Leben aber in den verschiedensten für Produzirende wie für Genießende, und die Besttedigung seiner Forderungen hat keinen größeren Feind als die schablonenmäßige Vorschrift einer burraukrati- schen Organisation. Forst- und Beigregal waren von allen Zeiten her immer StaatSgeschäfte und mit dem besten Erfolg. Aber winn Sie solche Beweise für das brauchen, was drr Staat kann, schen Sie denn nicht, was fich da von Süden her hervorstreckl? Tie schwarze Hand der Straßburgcr Manufaktur! Diese schwarze Hand erhebt fich, baec nigra est, banc tu, Germane, caveto!(Heiterkeit.) Dort ist unter den besten Um- ständen, auf Grund der geschickten französtsch-n Vergangenheit, in einem Lande, daS an ven schlechten französtschen Tabak ge- wöhnt war mit allen Klugheitsmitteln des Herrn v.Mayr nur ein Fabrikat hervorgebracht worden, das noch heute zum Himmel stinkt wie die Sünde(Heiterkeit). Ich gebe mir keine Mühe weiter, daS Monopol zu vernichten, das tobt ist. De morting nil nisi bene! Diesen Spruch kann ich in diesem Fall freilich nicht befolgen, da man uns sagt, eS sei nicht todt, sondern werde immer und immer wiedettehre. Die Wähler werden also gut tbun, dessen eingedenk zu sein, daß der Reichs- kanzler an einem Geoanken, den er einmal fürnchtig hält, mit Zähigkeit festhält und nur wartet, bis er eine VotlSverttetung findet, die seiner Meinung ist und die er dann für unfehlbar national ertlärm kann. Daß eine solche nationale Vertretung niemals kommen möge, das wünsche ich im Interesse des Deutschen Reiches.(Lebhafter Beifall links.) Minister von Scholz: Die eben zum Abschluß ge- kommen« Rede hat mir von Neuem bewi-sen, daß es ungemein schwer ist, am dritten Tage einer Debatte im großen Style noch irgend etwas Neues vorzutragen. Selbst«in so begabter Rebner wie Herr Bamberger hat es nicht ablehnen können, zu einer so scher, weisen Behandlung zu greifen, wie er ste der Straßdurger Manufaktur hat anarderhen lassen, um nur einigen Effekt zu erzielen. D-n ersten Theil der langen und, abge- sehen von der Etraßburger Manufaktur, in der Form auch sehr hübschen Rede hat bereits vorgestern Herrn Richter, den zweiten gestern Herr Rickett gehalten(sehr richtig! rechtS). Ich scheue mich gar nicht, Herren Bam- berger zuzugeben, daß er zutrefft nd auSgesühtt hat. hier stehe Prinzip gegen Pnnzig, eS liege in der Konsequenz der bisherigen Regierungspolitik, mit ihren An« sprüchtn auf Bewilligungen für allgemeine Zwicke, daß ste auch zu solchen Vorschlägen kommen müsse. Uedettreibung aber ist eS, daß das Prirz-p der Regierurg dahin gehen soll, alleS Mögliche in den Bereich de: Regierung hineinzuziehen, daß hier kcin Ende abzusehen sei. Darin lag der Fehler seiner Deduktion; aber soweit wir die Bedürfnisse erkannt und fie zu befriedigen untern, ommcn haben, soweit find wir allerdings ge- nöthigt, auch zu solchen Mitteln zu greifen. Gewiß liegt darin etwas Sozial ist. sch es, nur nicht in dem Sinne, wie es die Herren meinen, die die sozialistische Partei bilden; wir wollen nicht ihre letzten unklaren, unbekannten Ziele, richt ihre ver- wo renen, ungesetzlichen, gewaltsamen Wege: aber sehr vieles Gute, was fie wollen, wollen auch wir.(Bravo! rechts.) AuS dem Programm dieser Pattet wollen wir, was möglich, gut, nolhwendig ist zur Erhaltung unserer staatlichen Extstrnz, auf fttedlichem gesetzlichen vorfichtigen Wege verwirklichen (Beifall recht«), um die Uebelstände zu vermeiden, welche ent- stehen müssen, wenn wir unS mtt Herrn Bamberger dieser Erkenntniß verschließen.(Ruf bei den Sozialdemo- kraten: Dann schaffen Sie doch das Sozialistengesetz ad!) Es gehött mit zu den vielen Verdiensten des von Ihnen nicht aneilannten Mannes an der Spitze der Geschäfte, daß er den Muth gehabt hat, zuerst gerade diese Seite der Sache von der RegterungSbank aus herrorzuheden, von der Erite der konservativen, der Ordnungspatteicn zu erklären: hier muß etwaS geschehen(Bravo! rechts), sonst geht AlleS zu Grunde! Das ist eine einlache Wahrhrit, die von den Herren verkannt wird, die uns leitet und die uns nilttt etwa zum Vergnügen zu Champions einer solchen Politik macht. Mtt dem Monopol schaff.cn wir keine neuen Werihe. sagt Herr Bamberger- ja, daS haben wir schon vorher gewußt, dieser Belehrung können wir entrathen. Wir gehen herum und suchen zu konfieziren, heißt es weiter; allerdings, wenn wir, um da» unabweisbare Bedürfniß zu befriedigen, nach Mitteln suchen, so müssen wir es uns auch gefallen lassen, daß man dieS al« „hungttg herumgehen" bezeichnet. Wir suchen aber sorgst' mg taugliche, unschädliche Mittel, suchen ihnen eine auch T# Sie annehmbare Gestaltung zu geben. Auf die Bedürfniß- frage einzugehen, hüten fich die Herren(sehr ttchtig! recht«), auf dieses Gebiet werden fie uns erst folgen, wenn ste durch ihre Wähler dazu gezwungen werden. Herr Bamberg« ist auch im Jrtthum, wenn er meint» der sozialistische Zug des Monopols sei etwas so Neues, Unerhöctes. fc# Bambergee ist in einem Theile Preußens zu Hause, wo da« Allgemeine Landrecht nicht gilt, mir als landrechtlichem JuriM ist die Auffassung schon aus den Grundsätzen der Einleitung längst zu eigen geworden, daß die preußische Regierung ste» einen sozialistischen Zug im besten Sinne des WoitS hat haben müssen. Auch das„Recht auf Arbeit" ist ein solcher Zug- dem zu folgen aber für uns kein Vorwurf ist, sondern es mu wäre vom manckesterlichen Standpunkte, der nicht der unsettg« ist. Der Abg. Bamberger hat dann von dem großen B«' dienst« seines Freunde» Rechter gesptochen der zuerst du Alarmkonone gelöst und die öffentliche Aufmerksamkeit auf das drohende Mondpol gelenkt habe. Diese Alarmkanone wurde in der Tbat gelöst durch einen Artikel der„Freu finnigen Zeitung" vom 28. November 1885. Da« Blatt rühmt fich später selber, durch diesen Artikel habe«« zuerst auf das Monopol aufmerksam gemacht. Wests nun Herr Richter da gestern den Glauben erwecken wollte, do° die am 23. November 1885 losgeschoffene Alarmkanone zurüa- zuführen sei auk eine Rede des Grafen Bismarck, die diesel am 12. April 1885 in Lauenburg gehalten hat(Heiterkttt), wenn der Abg. Richter mit solchen Mitteln glaubt, meine»» gaben auS der Welt schaffen zu können, so int er fich!(&•' daste Zustimmung techts.) Nein, Herr Abgeordneter, dies« Versuch, meine Andeutungen zu dii lreditirm. ist Jbnen M mißlungen.(Sehr wahr! rechts. Lachen links.) An Entgefl«? kommen zu einer möglichst fruchtbringenden Erörterung std? eS bei der Regierung nicht; und ich halte an der Hoffntw» fest, daß es unserm Zusammenarbeiten gelingen wird, w>b- Sinn für die Vorlage bei Jbnen zu erwecken, als wir bis** gefunden baden.(Beifall rechts.). Abg. Dr. Windthorst: Die Mißverständnisse, die of den Worten des Herrn v. Huene unterlegen wollte, hat dm« gestern bereit» zerstreut. Ich brauche deshalb darauf mehr zurückzukommen. Man könnte zweifelhast sein, ob, noa- dem von allen Seiten, mit Ausnahme der Konservativen v» Bot läge als nicht akzeptabel hingestellt worden ist. und nachdem auch die Konservativen selbst erhebliche Bedenken gegen om selbe geäußett haben, überhaupt noch ein genügender Gm™ zu einer kommiffattschm Prüfung vorhanden sei. Besonder« üb« rascht war ich von der Festigkeit, mir der fich meine nationm- liberalen Nachbaren gegen die Vorlag« erklärt haben(Hm keit). Wenn ich für eine Kvmmisfionsberathung stimme, geschieht eS lediglich deshalb, weil der Reichskanzler uv« 5®* erklären lassen, er werde tn der Komm'sfion writere Erklärt�' gm geben; und bei einem so bedeutenden Gegenstand,»7 demjenigen, der unS beschäftigt, halte ich es für angeM� diese Erklärungen jedenfalls entgegenzunehmen. Ich bevatm indessen, Ihnen(von der Rechten) keine Aueficht darauf maßw zu können, daß die Kommisston, wenn ste die Vorlage ablem� rbrerseitS etwa eine andere Vorlage ausarbeiten wird. Reichstag hat durchaus nicht den Beruf, solche_ nemm Projekte zu machen; dies ist vielmehr Aufgabe Regierungen. Wir werden in der Kommisfion lemfl* zu erwägen haben, ob daS, waS der Herr kanzler uns noch weiter sagen wird, im Stande-t' die Anschauungen, die zur Zeit bei unS zur Gellung komme- zu rektifiziren. Ist letzteres nicht der Fall, und wird dle% läge abgelehnt, so erwatten wir neue Vorschläge von der m gierung, machen aber unsererseits keine solchen.(Beifall Zentrum.) � Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird s'L, die Stimmen der Deutschfreifinnigen, der Sozialdemon®.-, und der Volkspartei einerKommission von 28 A* gliedern überwiesen. Schluß 5 Uhr. Nächst« Sitzung Montag 1 Uhr. lagen, betreffend Konzesfionspflichtrgkeit der C-lwlosefadN und betreffend Wiedereinführung der Berufung gegen c kammeruttheile.)_ Kokales. � Was ist der Gifstel der Unverschämtheit-. � ist entschieden eine schwierige Frage, die gewiß nicht w � zu beantworten ist. Wir wollen darüber auch nicht grübeln, sondern eine andere Frage aufwerfen. sagen:„Dieser oder Jener scheint«in ganz anständiger»».�- zu sein, obgleich er für das„Berliner Tage bt Leitartikel schreibt?" Wir würden eine solche AuSdrua � im gewöhnlichen Verkehr nicht für pissend halten. wird dieser Ton jetzt beliebt, wie wir sofort nachwcrsenm DaS„Berliner Tageblatt" hat in sein« Ausgabe vom 4. März einen Leitattikcl, in welchem Jemand den bekannten 70 000 Abonnenten seine Anficht« G-Heimpolizei und„Epitzelthum" auskramt. ES ist ganz 0 gilttg, wie jenes Blatt über diese Gegenstände denn, einen politischen Einfluß haben die Auslassungen des"jett Tgdl." in ernsthaften Kreisen wohl niemals gehabt und � fie nie erhalten. Wenn fich ein solches Blatt aber et große Frechheit erlaubt, so muß dieselbe gebührend p g�r z ichnct werden. In jenem Leitattikel sagt daS„ � „Ein Abgeordneter, dessen persönliche Ehtcnha�hek ifet'Ü er. trotz seiner Zugehörigkeit zur Sozialvewo undezweifett dasteht, erbebt u. s. w." Wir verschonen unsere Leser abstchtlich mit� den � jgj Ausführungen jenes KlatschblatteS, und wir gestehen'.z«r ein, daß wir jenen Attilel am Tage seines Ersche �chea gesen haben, weil das. waS daS„Berl. Tagebl- Dingen sagt, doch Niemand interesfirt. Wir find vA von dritter Seite auf die Infamie aufmerksam gem den. Was bedeutet nun jenes„trotz" in den obig � �% Es bedeutet, daß die Redaktion deS„Berl. Tagebl- deren Sozialdemokraten außer dem einen Abgem �$9 für persönlich ehrenhast hält. Seit langer'Zeit ist der sozialdemokratischen Partei ein größerer EchitnPi � npr t �ng, die fie in der That verdienin,»ran c 4 tele nicht auf ihr JJidmrüriigcs Geschwätz. Eine solche Behandlungsweise scheint «ikse Solte von Leuten leider nickt zu verstehen, fie werden wch und dreist wie kläffende Köter, denen man bin und >r'eder eins auf die Nase geben muß, um fie zum Schweigen 'u bringen. Ein solches Geschäft ist unangenehm, es muß aber loch geschehen; wir we-.den der Gesellschaft auf die Finger l'htn, damit in Zukunft derartige Gemeinheiten wenigstens nicht ungestraft in die Welt geschrckt werden. , Zur polizeilichen Kenntniß und Untersuchung ge- inngtin im Monat Januar d. I. auf sämmtlichen hteflgen Pserdeeisenbahnlinien 184 Zusammenstöße und Betrieos- borungen und 11 Unglücksfälle. Veranlaßt wurden von den �rtriebsstörunpen 1 durch Zusammenstoß von Pferdebahn- Waggons mit Straßenfuh» werken und 83 durch andere Um liände. In Folge der Zusammenstöße wurden 102 Pferde- whnwaggons und 50 Etraßenfuhrwerke beschädigt. 2 Zusammenstöße wurden durch Verschulden von Pferdebahnkutschern, 56 durch Verschulden von Privatkutschern und 43 durch andere umstände h-rbeigesührt. 5 von den Unglücksfällen entstanden dum Auf- und Abspringen am Vorderperron und 3 durch „Erfahren. Unter den Verunglückten befanden fich 8 Fahrgaste und 3 andere Personen. Von den Unglücksfällen ent> standen 9 durch eigene Unoorfichtigkeit und 2 durch andere umstände. Mysteriös. Ter Buchhalter Hermann G. von einem Wgen Hotel, ein noch junger Mann von 25 Jahren, verwerte vor Kurzem sein Leben mit 15000 M. bei einer Leben s- °ustcherung. Bald nach Abschluß der Verflcherung erkrankte Derselbe wurde nach der Charitee übergeführt, woselbst er wlnige Tage nach seiner Einlteferung starb. Wie uni nun 5?tstchert wird, hätte die Lebensverficherung den Hinterbliebenen 2' Verstcherungssumme sofort ausgezahlt. Jetzt ist jedoch die Staatsanwaltschaft der Angelegenheit näher getreten, indem fie Anficht ist, G. habe fich zu Gunsten seiner, in sehr be- längten Verhältniffen lebenden Mutter vergiftet. Die AuS- Stabung der Leiche ist angeordnet. , Ein trauriges LooS größter Roth und Entbehruug Merte der in der Manteuffelsttaße wohnende arbeitslose xt'chSler H., welcher gestern Abend in der Brückenstraße in '?lge gänzlicher Enlkräftung in heftige Krämpfe verfiel und in 5>item Zustande von Schutzleuten auf der Erde liegend ange- uoffen wurde. Nach der SanitätSwache in der Adalbertstraße ?.'bracht, wurde er hier soweit zu Kräften gebracht, daß seine Überführung nach der Charitee erfolgen konnte. , � Eine« jähen Tod fand gestern Mittag gegen 12 Uhr die ls' der Naurynstr. 72 wohnende, ca. 40 Jahre alte Frau des Maurers P. Frau P. stand gerade im Begriff, das Mittag- riien in der Küche ihrer Wohnung zuzubereiten, als fie plötzlich iu Boden stürzte und regungslos liegen blieb. Der schleunigst mrbcigkrufme Inhaber der SanitätSwache in der Adalbertstraße, �ir Heise, konnte nur noch konstatlren, daß der Tod inzwischen angetreten sei. Ueber die Todesursache hat fich Bestimmtes noch nicht feststellen laffen und dürfte Näheres erst die Obduktion Nor Leiche ergeben. Vier unerwachsene Kinder, sowie der ganz nnzweifelle Mann betrauern die Verstorbene. Die Verhältniffe «er P.'schcn Familie find recht bedauernkwerthe und werden Mch diesen schweren Schicksalsschlag noch bedeutend un- Dünstigere. . Der Wollen- und Fantasiewaaren-Fabrikant G. in KrauiSstraße beschäftigte die noch nicht 14 Jahre alte Emilie Schlüter, Swinemünderftr. 136 wohnhast, von Mitte i Kreisen" Kannte Persönlichkeit, ein ehemaliger Konditorlehrling H., der �0«l rechtzeitig gemerkt haben mochte, daß der Berliner Boden Mer seinen Füßen warm zu werden beginne, rerschwand vor .�»em von hier. Er verfügt seit einigen Jahren über bedeu- 'Nde Geldmittel, von denen die Bezugsquelle durchaus nicht �«Mitteln ist. ES wird vermuthet, daß er Mitwiffer ver- Widener, noch nicht aufgeklärter, vielleicht nie in die Oeffent- Msst gedrungener schwerer Verbrech-n ist. Einem Gerüchte Mge soll fich der„Nasenprinz" nach Belgien gewendet haben. Zl}\ den Recherchen nach H., dessen vergangenes Leben theil- N in ein unlüftbares Gehrimniß gehüllt scheint,, st einer "Wer gewiegtesten Kriminalbeamten detraut. Gerichts-Zettmig. v«3w Chemnitzer Sozialisteu-Prozeß erfolgte folgen- 2 Beschluß des königlichen Landgerichts Frciberg, Strafkam. l. i» Strafsachen wider Ferdinand August Bebel und - 7'"°ffen, vom 22. Februar 1886; In Erwägung, 1) daß "h die reichsaertcktlickc Zurückoerweisung der Sache(Blatt «« ein Zusammenhang im Sinne ron§ 3 der Strafprozeß. vorhanden ist.- 3) daß das gegen diese beiden An. °Sten aus§§ 128, 129 des Strasgesrtzduches eingeleitete KWWßU'Dß —-•...■<>-O O k.»«««P.'O.j.— gegen die jj�/spttbunbentn" neun Etaa�sverdrecher büefte itn i-öufc -Uinn 4 men, zu dem Trödler Jeremias in Magdeburg und verlangten alte Stiefel>u sehen. Als Jeremias eben im Begriffe war, ein zweites Paar aus einem Fache zu nehmen, packte ihn Knochenhauer um den Hals, drückte ihm die Kehle zu und warf ihn auf den Fußboden. So hielt er ihn eine Weile fest, wäh- rend Puffelt die Beine hielt. Letzterer sagte, Knochenhauer solle den HalS noch nicht freilassen, derselbe tbat es aber doch und nun schrie Jeremias leise um Hilfe. Pustelt sagte darauf: Der hat ncch nicht genug, dem werde ich das Nöthige besorgen. Dann packte er den I. an der Kehle, setzte ihm die Kniee auf die Brust und„dämpfte" ihm so lange, bis er todt war. Jetzt fingen nun die Mörder zu rauben an; fie nahmen 40 Mark, die Uhr des Ermordeten und verschiedene KleidungS- stücke mit. Zwei Taae darauf macht« Knochenhauer in einer Destillation in trunkenem Zustande Mittbeilungen über das Verbrechen und in Folg« dessen wurden die beiden Thäter ver. haftet. Am 21. Januar wurden beide vom Schwurgerichte in Magdeburg zum Tode verurtheill. Knochenhauer war durchaus geständig und gab ausführlich an, daß er mtt Pusselt die That geplant und ausgeführt habe. Letzterer dagegen leugnete und suchte einen Alibi-Beweis anzutreten, der ibm jedock nicht gelang. Als das Ui theil gefällt war, sagte Pusselt: Ich ver« lange Revifion, ich bin unschuldig. Nachdem er die Reoifion zu Protokoll des GerichtSschreiders erklärt hatte, kam dieselbe am 1. März vor dem 3. Strafsenate deS ReichSgerichtS zur Verhandlung. Zur Begründung des Rechtsmittels hatte er folgendes angeführt:„Ich bin völlig schuldlos und an der That nicht bethriligt gewesen. Mein Verthetdiger hat während der Verhandlung geschlafen. Der Staatsanwalt hat den Geschworenen ans Herz gelegt, unS beide schuldig zu sprechen, während ich doch unschuldig bin. Es hat fich jetzt Jemand gefunden, von dem ich die Uhr des Ermordeten gekauft habe. AuS den Akten wurde hierzu vom Referenten bemerkt, daß die Anwesenheit deS Vertheivigers, nicht aber die vom Angeklagten in Bezug auf denselben behauptete Thatsache im Protokoll ver. zeichnet sei, daß der betreffende Zeuge, dem Antrage des An. geklagten gemäß, zwar gesucht, aber nicht gefunden worden sei. Der Reichsanwall beantragte die Verwerfung der Revifion und daS Reichsgericht erkannte diesem Antrage gemäß unter folgender Begründung:„Dem Angeklagten war ein Verthetdiger gestellt; daß derselbe in der Hauptverhandlung geschlafen habe, ergiedt das Protokoll nicht. Die Revifion würde auch darauf nicht gestützt werden können. Die Art der Stellung der An« träge seitens der Staatsanwaltschaft kann nicht Gegenstand der Beschwerde werden." So würde denn an beiden Angeklagten demnächst die Todesstrafe vollstreckt werden müssen, falls nicht ihre Begnadigung erfolgen sollte. Vereine und Versammlungen. * tb. Zu einer großen Demoustration gegen die Anträge Ackermann auf Wiedereinführung des Befähigungs- Nachweises»-nd der obligatorischen Innungen gestaltete sich die öffentliche Volksversammlung, welche am 5. d. M. in Bieuer'S Salon, Frankfurter straße 74/75 unter Vorsitz des Herrn Chri« stensin adgehalten wurde. Herr Reichstagsabgeordaeier Auer als Mitglied der Kommisfion zur Vorberathung der betreffenden Anttäge referirte in höchst sachlicher Weise wie folgt: Gleich dem Mädchm au« der Fremde, daS alljährlich Gaben spendend wiederkehrt, so ist es bereits Sitte geworden, daß alljährlich zur Eröffnung der ÄeichStagssesfion Herr Ackermann Anträge stellt betreffend Abänderung der Gewerbeordnung. Alle diese An« träge gehen von dem Gesichtspunkte aus, daS Prinzip der Ge« werbefreiheit durch Schranken verschiedenster Art zu erschüttern. Laffalle sagte f. Z. über Fragen, wie Gewerbefreiheit, Freizügigkeit u. a. m. sei nicht zu diskmiren, sondern diese würden einfach dekortirt. Wie sehr er fich geirrt, beweise der Umstand, daß heute das Parlament deS Deutschen Reiches fich ernstlich mit Anträgen Ackermann befassen muß. Die Zeiten, wo solche An» träge einfach dem Fluche der Lächerlichkeit verfielen, find leider vorüber. Heut heißt eS, denselben fest in« Auge blicken, denn hinter diesen Anträgen steht eine Macht, von der man fich früher nicht« träumen ließ. In der Hauptsache handelt eS fich hierbei um Schaffung eines Zwanges dem stet entwickelten Ar« beiterstande gegenüber, sowie um Schaffung von Privilegien der sogenannten Meister zum Schaden der Handwerker und Arbeiter. In Bezug auf Werthschätzung und Nützlichkeit der Innungen könne man verschiedener Meinung sein. Schaden würden fie nichts, wenn fie fakultativ, d. h. freie gewerkschaftliche Vereinigungen von Handwerks« meistern wären. Dielen brauchte man fich nicht feindlich gegen« über zu stellen. Anders liegt die Sache jedoch, wenn die In- nungen, mit allerlei Privilegien ausgestattet, Änspiuch darauf erheben, die einzigen Repräsentanten des Handwerks zu sein und sogar die Handwertsmeister und Ai better bevormunden wollen, die nicht zur Innung gehören. Und auf diesen Stand« punkt find wir heute glücklich angelangt. Die jetzige Vorlage betrifft die Wiedereinführung deS Befähigungsnachweises zur Ausübung eines Handwerkes und seit Wochen beschäftigen wir unS nun schon mit dieser hochwichtigen Frage, welche die Kunst und Geschicklichkeit, deren wir uns bei der heutigen Gesetz- gebung befleißigen, in's rechte Licht stellt. Unter der Heiterkeit ver Versammlung giebt Redner einige Proben aus den Kom« misfionsberathungen zum Besten und fährt dann fort: Für wette Kreise, wre Buchbinder, T»schler:c. ist thatsäcklich der alte Handwerksbetrieb in Folge der Ardeitötheilung nicht mehr vorhanden und die heranwachsende Generation kann nicht mehr, wie früher, ausgebildet werden. Die alte Gewerbegesetz- gebung schloß fich den damaligen Verhältnissen an, daS Gewerberecht war den lokalen Verhältnissrn angepaßt, deshalb konnte es zu damaliger Z.it eine Stütze des Handwerks sein. Heute aber für daS ganze Deutsche Reich mit seinen sehr ver« schieden entwickelten Provinzen derartige allgemeine giltige Be- siimmurgen treffen zu wollen, ist einfach ein Unding und eS ist traurig, daß fich daS deutsche Parlament mit solchen An- trägen befassen muß. Von außerordentlicher Wichtigkeit ist die Frage, vor wessen prüfenden Augen die zu Prüfenden den Befähigungsnachweis zu erbringen haben. Daß die Prüfung von den Konkurrenten vorgenommen werden soll, ist daS Wesentliche an der Sache und eS liegt dieGefahr sehr nahe, daß die Jnnungsregenten fich Konkurrenz fernzuhalten suchen werden. Der Arveiterstand hat demnach ein eminentes Interesse daran, daß diese Bestrebungen nicht Gesetzeskraft erhalten, namem.lich die Bestrebungen nicht, die darauf hinauslaufen, den Handwerks- meistern und Arbeitern, die außerhalb der Innung stehen, eine Steuer aufzuoktroyiren für Institutionen, die lediglich JnnungS« zwecken dienen und deren Verwaltung einzig und allein in den Händen der Innungen ruht, wie Herbergswesen, Arbeits- Nachweis und dergl. Ich und mein Kollege in der Kommisfion, sowie, wie ich anerkennen muß, alle liberalen Mitglieder der- selben haben Alles gethan, um den Ansturm der Hereindrechen- den Reaktion zurückzuschlagen, doch steht unS eine' geschlossene Majorität gegenüber! Der nicht zu verkennenden Gefahr kann nur erfolgreich begrenzt werden dadurch, daß Handwerker und Arbeiter energisch Front machen gegen die reaktionären Be« strebungen. Sie hierzu aufzufordern, war der Zweck meines Erscheinens und hoffentlich bleibt derselbe nicht ohne Erfolg. (Stürmischer Beifall). In der TiSkusfion, in der fich sämmr- ltche Redner im Sinne des Referenten äußerten, wurde u. A. auch der Wunsch laut, daß Herr Ackermann den BetähigungS« Nachweis zum Gesetzgeber erbringen möge. Gegner meldeten fich nicht, welcher Umstand den Abg. Auer veranlaßte, in seinem Schlußwort darauf hinzuweisen» daß die Reaktionäre fich wohl bewußt wären, daß fie fich mit der Volismeinung nicht im Einklang befinden. Die Heiren Ackermann und Gen. härten leider nur schon zu oft den Befähigungsnachweis er« bracht. Die Prüfungimeister seien in diesem Falle die Wähler. Traurig sei eS allerdings, daß eS noch solche Wähler gebe, und sei hieraus erfickilich, wie viel noch zu thun sei, um hier Aufklärung zu schaffen. Er setze zwar die Hoffnung auf die Regierung, daß jene Anträge nicht durchkämen, doch könne eS fich ereignen, daß dieselben als Tauschobjekt be» nutzt und gegen die Beschränkung weitgehendster politischer Rechte eingetauscht werden könnten! Diese Anträge seien nur ein Glied jener reaktionären Kette, die um das Volk gelegt w.rdenl soll; jeder wahrhaft freifinnige Mann müsse dafür sorgen, daß diese Kette nicht geschlossen werde. Und die«, schloß Redner, unter dem stürmischsten Beifalle der Versammlung, muß auch unsere Aufgabe sein. Fort mit den Vagabunden! Fort mtt den schlechten Wählern! Das soll unsere Losung sein! Die Versammlung schloß mit der Annahme folgender Resolution:„Die heutige, von mehr als 800 Per» sonen besuchte öffenttiche Volksversammlung spricht dem Refe» renten, Reickstagsabgeordneten Auer, ihren Dank aus, erklärt fich mit Entschiedenheit gegen die Anträge Ackermann u. Gen. und oerspricht, der Partei deS Referenten treu bleiben und für dieselbe wirken zu wollen." Unter Hochrufen auf Auer gingm die Anwesenden auseinander. br. In e-ner öffentlichen Arbeiterinnen-Versamm- lung, welche am Donnerstag in Bötzow'« Brauerei unter dem Vorfitze der Frau Dr. Hoffmann stattfand, referirte Frau Henrich-Wilhelmi über„Die Lage der Frau". Nicht in London allein, sondern in allen großen Städten, so führte die Rednerin aus, wird im Interesse reicher Wüstlinge ein schmachvoller Madchenhandel betrieben. Vorzugsweise fiird arme Arbeiterinnen die Opfer dieses Handels. Vereine find bestrebt, die materielle Nvtb, die zur Unfittlichkeit treibt, zu lindern, die Sittlichkett im Volke zu beben und auf eine gesetzliche Lösung der Frauen» frage hinzuwirken. Letztere ist aber damit zu beginnen, daß der volttischen Rechtslofigkeit und der geistigen Verkümmerung der Frauen ein Ende gemacht wird. Die Großindustrie, welche die Frauen« und Kinderarbeit geschaffen, hat der Frauen» emanzipation eine praktische Wendung gegeben; als Arbeiterin ist die Frau der Vormundschaft d«S Mannes entrückt und ein selbst- standiges G-ied der Gesellschaft geworden. Die Empfindung, daß ihn-n Unrecht geschieht, indem fie von den Männern als nicht gleichberechtigte Wesen behandelt werden, haben die Frauen, die besser fituirten ebenso wie die Arbeiterinnen; aber das Bewußtsein, die klare Erkenntniß ihrer Gleichberechtigung fehlt noch den meisten Frauen und zwar den materiell besser fituirten mit verfehlter Bildung mehr, als den dem Arbciterstande angebörigen mit mangelhafter Bildung. Die wahre Ehe, die Grundlaae des stttlichen Kulturlebens, die Ehe, in welcher Mann und Frau durch gegenseitige gleiche Liebe und Werth« schätzung mtt einander verbunden find, ist heut zu Tage in den höheren Ständen noch seltener, als in den niederen. Die au« egoistischen Motiven geschlossenen Ehen, die gegenwärtig die Regel bilden, find nicht weniger unstltlich, alS die Prostitution. Das eheliche Leben ist in den meisten Fällen kein beglückendes; wo Liebe vorhanden ist, fehlen die nöthigen Existenzbedingungen, und wo dies« vorhanden find, fehlt die Liebe. Unter dm gegenwärtigm sozialen Ver» hältniffen ist eine große Zahl von Mädchen und Frauen darauf angewiesen, durch Erwerbsthäiigkett selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Daß für weidliche Ar» beit geringere Löhne zu zahlen find als für männliche, gilt immer noch al« seldstv-rständlich. In Amerika ist zuerst das uralre Vorurtheil praktisch widerlegt worden. Mädchen und Fraum beweisen dort thatlächlich, daß fie auch Aerzte, Advokaten, Richter u.dgl. sein können. Man verwende also auf die geistige Ausbildung d-r Mädchen mehr, als eS bisher geschehen» die gleiche Sorgfalt, wie auf die der Knaben; man gewähre ihnen den Zutritt zu den Unterrichlsanstalten, auch zu den Unioerfitäten und zu allen Berufs- und Erwerbszweigen, für welche fie fich berufen fühlen und fich als befähigt erweisen. Die Emanzipation deS Weibes, die gegenwärtig gefordert wird, bedeutet nicht, daß das Weib gewisse äußerliche Manieren und Sitten oder Unfitten, die bisher nur dem Manne eigen waren, fich anrignen soll, sondern nur dieS, daß die Frauen auf dem Gebiete des wirthschaftlichen, sozialen, politischen, stttlichen und geistigen LedenS in Bezug auf Rechte und Pflichtm dm Männern gleichgestellt werden sollen. Vor Allem müssen wir an unS selbst die Arbeit der Befreiung beginnen. Werden wir selbst besser, dann wird e« besser in der Welt werden. * Im Arbeiter-Bezirksverein„Süd- Ost" hielt am Mittwoch Abend der Stadtverordnete Herr Görcki einm bei» fällig aufgenommenen Vertrag über„indirekte Steuem". Redner beleuchtete eingehend das Wesen derselben, die immer Konsumsteuern siien und darum die arbeitende Bevölkerung am meisten belasten, wohingegen die befitzenden Klaffen nur einen sehr gelingen Prozentsatz der indirekten Steuern aufzubringen hätten. ES sei deshalb auch ganz erklärlich, daß das indirekte Wahlrecht mit dem indireften Steuersystem im engsten Zu- sammenhang stehe; denn da die besitzenden Klaffen vom indirekten Steuersystem Vortheile haben, sei eS ganz natürlich, daß fie auch stets destrebt find, fich denjenigen Wahlmodus zu erhalten, welcher ihnen die Majorität in den gesetzgebenden Körperschaften sichert und womöglich die Arbeiter ganz aus- schließt. Pflicht aller Arbeiter sei eS daher, überall für daS allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht energisch ein- zutreten, denn nur dadurch sei eS möglich, die Forderung nach einer einzigen progressiven Einkommensteuer, welche die einzig gerechte Steuerform sei, zur Geltung zu bringen. Nach einer kurzm Diskusston hierüber sprachen die Herren Schulz, Körtel, Wuckauer, Görckiju. a. über die„Anträge Äckermann" und waren alle Redner der Ansicht, daß dieselben nicht geeignet wären, den Handwerkerstand zu heben und konkurrenzfähig zu machen, sondern daß fie, falls ihre Annahme erfolgt» die Arbeiter noch mehr in Abhängigkeit dringen würden, weshalb jeder verständige Arbeiter entschieden Front machen müsse gegen derartige reaktionäre Maßregeln. Nachdem dann noch die eingegangenen Fragen erledigt waren, trat um 11 Uhr Schluß der Versamm- lung ein." * OessentlicheVersam« lung sämmtlicherMetallschran- den, Facondreher und Bcrussgenossen. Heute, Sonntag, Vor« mittag 10'/, Uhr, im Lokal de« Henn Wohlhaupt, Manteuffel- straße 9. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über den Streit bei der Firma Schaal, Voß u. Co., Stallschreiberstraß« 59. 2. Berichterstattung über die Konferenz mit den Herren Arbeitgebern unserer Branche, betr. Einführung des Minimal Lohn- tarifs. Kollegen, am 26. Februar hat eine von 500 Personen besuchte Versammlung stattgefunden, welche einstimmig die Arbeitseinstellung in oben genannter Fabrik für gerechtfertigt anerkannt hat; eine Einigung ist bis heute noch nicht erzielt worden, wir haben eS da: halb für unsere Pflicht erachtet, Be» richt zu erstatten. Zeigt bei dieser Versammlung, daß-Ihr Eure Lage erkannt habt, denkt daran, daß unsere Freunde nicht allein für fich, sondern auch für uns kämpfen, und daß wir verpflichtet find, Mann für Mann für dieselben einzutreten. Insbesondere erachten wir unS für verpflichtet, mit der Mahnung an diejenigen Kollegen, welche dem Verein noch fern stehen, heran zu treten, fich endlich von allen Vorurtheilen los zu reißen. Fort mit dem JndifferentiSmuS und betheiligt Euch an der Organisation zu unserem Wohle und zum Wohle unserer Mitmenschm. Tdut Jeder seine Schuldigkeit, so ist der Sieg der unsrige. Erscheint also Mann für Mann in dieser Versammlung, verbreitet diese Einladung in den weitesten Kreisen unserer Kollegen und sucht dem Verein neue Mitglieder zuzu« führen. Der Vorstand des Vereins der Metallschraubcn-, Facondreher und BerufSgenoffen. * Karion» und Luxuspapterardeiter. Montag, den 8. Mäzt er., AbendS 8 Uhr, Blumenstr. 56, Versammlung. Tagesord' ung: 1. Die Frauenarbeit in unserer Branche, Referent Freudenreich. 2. Ergänzungswabl der Kommisfion. * UurerstützungSveretn deutscher Schuhmacher. Mon» tag, den 8. d. M., Abends 8'/» Uhr, im Lokale deS Herrn Weick, Mexanderstraße 31, Versammlung». Tageiordnung: 1. Vortrag über die Anatomie deS FußeS. Reier. Herr Runge. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten.— Gäste willkommen. * BezirkS-Verei« de« werkthätige« Volkes der Schönhauser Vorstadt. Die nächste Versammlung findet Mittwoch, den 10. März, Abends 8V: Uhr, im Lokal von See« feidt, Grenadierstraße 33, statt. Näheres im Jnseratentheil der Dienstag-Nummer dieser Zeitung. Der Aachverein der Drechsler, tknopfarbeiter und ver« wandten BerufSgenoffen hielt am 2. d. Mts. eine, wegen der ungünstigen Witterung leider nur schwach besuchte Versamm« lung ab. Her W. Lieflander hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Produktion und Konsumtion. An der Tiskusston betheiligten fich die Herren Schräder und Kiehl. Herr Hirsch ersuchte im Namen der streikenden Schrau« dendreher um Unterstützung derselben. Darauf wurde ein An» trag deS Herrn Weißfluck„dm streikenden Schraubendrehern den Ueberschuß deS letzten Vergnügens im Betrage von 33,35 M. zu überweisen, einstimmig angenommm. * Verein der Parauettbodenleger Berlins. Montag, den 8. März, Abend« 8 Uhr, geschlossene Mitglieder-Versamm« lung im Lokale deS Herrn Pieper. Mauerstraße 86. Tages« Ordnung: 1. Abrechnung des Vergnügungskomitees. 2. Ver« schiedmes. 3. Fragekasten. * Freie Vereinigung der Vergolder und Fackgenoffen. Versammlung am Montag, den 8. März, Abend« 8'/, Uhr, bei Keller, Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1. Abrechnung der beiden Kasfirer der alten Vereine. 2. Wahl deS Vorstandes. 3. Verschiedenes. - Ar beiter-Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt. Montag, den 8. März, AbendS 8 Uhr, Jnvalidenstr. 16, Ver« sammlung. Tagesordnung: 1. Wie stellt fich der Verein zu den Kommunalwahlen? 2. DiSkusston. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Sämmtliche Stadtverordnete der Arbeiter« partei find zu dieser Versammlung eingeladm worden. Die Zahlstelle des Vereins befindet fich Ackerstraße 143(Ecke der Jnoalivenstraße) bei Herrn Schocher, Sonntag Vormittags von 10—12 Uhr. Daselbst findet auch der Umtausch und daS AuS« geben der VereinSbidltothekSbücher statt. * Verband deutscher Zimmerleute(Lokalverband Berlin C.) Dienstag, den 9. d. Mts., Abends 8 Uhr, Kom» mandantenstr. 77/79, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vor« trag. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Aufnahme neuer Mit» glieder. Wochenbeitrag 10 Pf., Schreibegebühr 50 Pf. * Wirkergesellen-Verbaud. Die MonatS.Ver sammlun« gen finden von Montag, den 8. März ab, im Lokal deS Herrn Julius Zimmermann, AndreaSstraße 37, Abends 8 Uhr, statt. 1 Ans Veranlassung des Areidenker-VereinS„Lesfing" hält am Mittwoch, dm 17. Marz, Abendi 8'/, Uhr, im großm Saale von Buggenhagen, Oranienstr. 147, Herr Professor Dr. Ludwig Büchner auS Darmstadt einen Vortrag über: „Religiöse und wissenschaftliche Weltanschauung." Einlaßkarten für NichtMitglieder zum Preise von 2 Mark. 1 Mark und 50 Pf. find bei den Herren Otto Fricderici. Kleinbeerenstr. 6 und Julius Freund, An der Jerusalemer Kirche 2, sowie in den später zur Anzeige gelangenden Verkaufsstellen zu haben. Der Eintritt ist Herren und Damen gestattet. Mitglieder haben gegen Vorzeigung der Llutttung pro 1885/86 freien Zutritt auf dem Iii. Platz. Gegen Nachzahlung von 1,50 Mark rftp. 50 Pf. können dieselben Einlaßkarten für den i. resp. Ii. Platz erhatten._ ßetzte Nachrichten. Der deutsche Reichskanzler leidet, wie die„Nord« deutsche Allgemeine Zeitung" meldet, seit drei Tagm an einem schmerzhaften MuSkelrheumatiSmuS in Brust und Schultern. Seiner Abficht, fich am zweiten Tage an der Reichktags>De« batte über daS Branntwein-Monopol zu betheiligen, ist im Hinblick auf früher von ihm erlittene Anfälle von Lungen« und Ämstfell-Entzündung ärztlicherseits so bestimmt entgegen ge« treten wordm, daß darauf hat verzichtet werden müssen. Die Gesellschaft der Landwirthe in P a r i s, in welcher Alglave das Branntwein-Monopol vettheidigte, nahm dass'lbe sehr schlecht auf. Mehrere Redner sagten ihm, daS Monopol bezwecke bloS die Deckung deS Fehlbetrages, der durch die elende Finanzwirthschaft seiner Freunde, der Gambetttsten, entstanden sei. Ter„Attentäter", welcher in der Paris erBörse mit einem Revolver an die Wände, schoß ist ein Bretagner mit Ramm Gallo. Derselbe ist schon wegen Falschmünzerei ver- urtheilt worden, nennt fich„Anarchist" und ist verrückt. Aus Paris wird ferner gemeldet, daß der Gemeinde« r a t h unter der Form der Unterstützung von Bedürftigm 10 000 Franks für die Streikendm zu Decazeville votitt hat. Bravo! Auch ln Schweden find jetzt K o r n, ö I l e eingeführt wordm. Der Reichstag genehmigte mit 105 gegen 99 Stimmen einen Einfuhrzoll von 2 Kronen per 100 Kilogramm für Roggm, Weizen, Gerste, MaiS, Erbsen und Bohnen Do« wird dm deutschen Ostseehandel empfindlich treffen. Doch— wie ich Dir, so Du mir! Wir leben nun einmal in der Aera der Kampfzölle und daran trägt das Dmtjche Reich mit vre größte Schuld._ Kriefkaste« der Nedaktwtt. F. 26. Nachdem Sie sowohl mit Ihrer Reklamation al« auch mit dem Rekurs an den Finanzminister abgewiesm find, könnten Sie eS höchstens mit einer— voraussichtlich erfolglosen — Jmmediateinaade an dm König versuchen. V. d. M Unverständlich. C D. Sie fragen wohl im Scherze an, ob auch ein In« Haber der 1848/49 von Friedrich Wilhelm IV. gestifteten Münze vom Sozialistengesetz betroffen werden könntej? Natürlich, ivenn er der bösen Sozialdemokratie angehört. E. H. Wethenburgerstraste 1. Sie wiffm selbst mcht, welcher Beruf fich für Ihren Sohn am besten eignet, und wünschen nun von unS Auskunft: daS ist doch wohl etwas zu viel oerlangt, wir find doch auch nicht allwissend. 2. EinFamtlien» vater, der in Berlin blo! arbeitet, aber an einem anderen One wohnt, braucht nur an letzterem Steuern zu zahlen. 3. Wenn, wie kaum zu erwarten ist, der Reichstag die Verlängerung de« Sozialistengesetzes ablehnt, so können nach Ablauf der Gutrg« keitsdauer des alten Gesetzes, also am 1. Ottober d. FS., alle Ausgewiesenen ohne Weiteres nach Berlin zurückkehren. H. Et. 100. Da Ihnen der Meister beim Engagement gesagt hat, es solle während der ersten 3 Tage tägliche Kün« vigung bestehen, können Sie ihn nur auf eintägigen Lohn beim Gewerbegericht verklagm. Abonnement A. B. Ter Umstand, daß Sie unver- heirathet find, schützt Sie nicht gegm die unwillkommmen Be« suche deS Gerichtsvollziehers Sie haften für die Gerichts« und Anwaltskosten,[nicht aber Ihr« spätere Ehefrau. Da« dieser bei der Verheirathung gehörende Vermögen bleibt deren Eigcnthum und kann wegen Ihrer Schulden nicht gepfändet werden. Sorgen Sie aber für einen genügenden Beweis da« für, daß die einzelnen Gegenstände Ihrer Frau bei der Ver« heirathung gehören. Es ist ganz rathsam. wenn auch nicht un» bedingt nöthig, daß Sie vor Ihrer Verheirathung auf Ihr Verwaltungs« und NießdrauchZrecht durch notariellen Vertrag verzichten und in letzteren die einzelnen Vermögensbestand» thetle Ihrer Frau aufnehmen. 5. Wahlkreis. Dienstag, den 9. März, Abends 8Vi Uhr, bei Jarobi, LandSdergerstraße 82, Versammlung. Tagesordnung; 1. Vortrag deS Herrn A. Gerisch über:„Lessing'S Leben und Wirken." 2. DiSkusston. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Gäste willkommen.— Aufnahme nmer Mitglieder.[883 Der V orstand. Heute Abend versammeln fich die Mitglieder nebst Familie zu einem gemüthliche« Zusammensei« in demselben Lokale. Bekanntmachung. Die ordentliche General-Uersammlung der Orts-Äraukeu-Sasse der Möbel- pollrer findet am Sonntag, d. 14. März, Vormittags 107» Uhr, Grüner Weg 29, statt, wozu die Herren Vettreter der Kasse hierdurch eingeladen werden. Tagesordnung: 1. JahreS- Bericht über den Stand der Kasse. 2. Bericht der RevifionS Kommission. 3. Regelung der Kranken-Kontrole.[892 4. Anträge und Verschiedenes. Der Vorstand. Karl Lederhause» Gustav Mülbrod, Vorfitzender. Schriftführer. /achtztreiil der Nschln. Montag» den 3. März, AbendS 8'/, Uhr, in Jordan'» Salon, Neue Grünstt. 28. Versammlung. Tagesordnung: Vortrag deS Herrn Dr. G e r l a ch über:„Arbeiter« Hygiene". DiSkusston und Fragekastm. Gäste find willkommen. 900_ Der Vorstand. Kr»»kt>'U>ttrstjlhkmgS'Kaffe d. Cd. Meth« lm'scht, Itbi«Akb.(8. K. 48). Außerord. Generalversammlung Sonntag, dm 21. d. M., Vorm. 10% Uhr, im Lokal Restaurant Malterstei«, Janowitz-Brücke 2. Tagesordnung: Amderung der§§ 4, 7, 20, 21. Wahl eines KasstrerS. Beschluß über Auflösung der HilfSkaffe.[903 De r Vorstand. H. Stanz. I. Wendler. Arb.-Le).-Vereiu im Westen Lerl. Versammlung Montag, den 3. März, AbendS 8% Uhr, in«rSnder» Salon, Schwerinstraße Nr. 26. TageS-Ordnung: 1. Vortrag d«S Reichstagsabgeordneten Wilh. Liebknecht. 2. Verschiedenes und Fragekastm.[896 Mitglieder werden aufgenommen. Oeffentl. Versammlung der Posamentiere. Seidenknopfmacher und Kernfsgenossen Montag, den 8. März, AbendS 8% Uhr, imKLnigftSdtische« Kettino, Holzmarttstr. 72. Tagesordnung: Die Produktion der Gegenwart und der Niedergang deS Handwerks. Re« fermt: Herr M i ch e l s e n.— Alle Kollegen werden ersucht, zu erscheinen.[906 _ DerEinberufer. NB. Montag, den 15. März, Versammlung des FachoereinS. Kartouarbeiter-versammlnug am Montag, den 8. d M., Abends 8 Uhr, in Gderdach« fokal, Blumen straße 56. Tagesordnung; Die Frauenarbeit in unserer Branche. Referent: Herr Freudenreich.[919 Die Wein-GrosshandluDg 889] ton Friedr. Schulze Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Friedrich Karl von Preussen, Lieferant der 3 Parlamente: Reichstag, Herrenhaus, Abgeordnetenhaus, Berlin W., Königgrätzer- Strasse 15, empfiehlt ihr Lager gut gepflegter Rother Bordeauxweine als: •> i» >• I88lr Medoc Lamarque.. „ Pontet Canet. ,, St. Julien.. 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Fragekastm.[915 Die Stadtverordneten der Arbeiterpartei find eingeladen.— Neue Mitglieder werden auf« gmommen.— Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Allen Freunden und Bekannten empfehlen wir unser Cigarren-«nd Tabak-Gefchäft (eigenes Fabrikat). Lager von rnff.«. türkische« Cigarette«, pordh. Kautabak und alle Sorten Kanchtabake. Ballmüller«t Steinlcke, 916] N., Veteranen-Straße 28, Ecke Brunnen-Straße. Ein«leg. Danrenmavkenanzug ist zu ver- leihen Adalbenstr. 75, Hof Ii. recht«.[920 Wo speisen Sie? In der alten Pommersch en Küche b. Klein, jetzt Oranienstr. 181, Hof p. «edieg. Mlttagstisch m. Bier 50 Pf. Abendtisch ingr.AnSwahlv.Z9Pf. an. Angenehmer Auf» enthalt mit Billard. Empfehle meine Schlofferei und Nähmaschinen- Reparatur- Merkstatt. Nähmaschinen sämmtlicher Systeme auf Lager. 834] R. Piew, Muskauerfir. 38, SO. Aoß-Haöak. Größte Auswahl sämmtlicher in« und auSländl- scher Sorten, sowie guten[546 Sumatra-Schnitt zu billigsten Preisen Lnuineukralie 141142, Heinrich Franst. 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