Sr. 57. Dienstag, den 9. März 1889. IH. Jahrg. crliurVÄMll Krgan für die Interessen der Arbeiter. Kit dn„Lisiwz iirr siziilw Frlze" �schäftigt sich jetzt alle Welt, weshalb sollte ma» e< dem IchleSwig-holsteinischeuProviazial'Land» *»8 oetbtale«, daß auch er sein Scherflem zu dieser Lösung °iitrafte» wollt». Zm Allgemeinen hat dieser„Tag" seine Arbeite« Wer# rasch erledigt, nur bei der sogenannten Vaga« �»ndenfrage machte er Halt und gab de« einzelnen Mitgliedern Gelegenheit, ihre Weisheit in ausgiebigster W«ise kund zu thun. Mit der Arbeiterkolonie Rickliug will eS nicht so recht "WttätM gehen. Dieselbe schwebt immer in Geldkalamitäten, �gleich ihr die Provinz M. 65 OOO geliehen hat und die Heu Hautkollekten M. 97 000 eingebracht haben. AuS Kalamitäten geht hervor, daß die Kolonie auf die Mtier nicht aut PrrvatmUtel» erhalten werden kann und Ni der Staat oder die Provinz sie übernehmen muß, wenn � bestehen bleiben soll. _ Vor der Hand hat ma» auf dem Proviazial-Landtage ™ 100 000 auf die Dauer von 5 Jahren bewilligt, ob« äUich der Landesdirektor von Ahlefeldt sich gegen vat «nieheu aussprach,„weil provinzielle Beiträge de» ?»Ichei« erweckten, als übernehme die Provinz die «flicht, Arbeit zu schaffe«, was ei» sozia listisches «rinzip sei." Der biedere Landeidirektor! Ein sozialistisches Prinzip � die von der Provinz unterstützten Arbeiterkolonien! %*»« find auch die jetzt schon bestehende» Armen- und Arbeitshäuser, die ja nach dem Fürsten Bismarck„dat Recht ?Uf Arbeit' für jeden Preußen garantire«, erst recht ei» �jialistische» Prinzip. Für diese Auslegung de« Soziali»- *ivg bedanken sich aber trotz de» Herrn Landesdirektors die Sozialisten am allermeisten. , Sin Antraq, Ermittelungen über die Ursache der in Hl« Zeit in Schleswig-Holstein wieder in erhöhter Weise �ftretenden..Vagabondage' anzustellen, wurde abgelehnt. Diese Ablehnung wurde von dem Bürgermeister von Schleswig, dem früheren Staatsanwalt Herrn Heiberg, be- Windet. Arbeitslosigkeit spielt nach de« Anschauungen WsiS Herrn nur eine geringe Rolle bei der Vagabondage. P'r Arbeitslosigkeit aber könne man sehr leicht Abhilfe Raffen durch Neubelebung und Erfiarkuna de« JnaungS- SHn«. Hört Ihr eS, Arbeiter von Schleswig I Di« , kbeitllosigkeit, die so ungemein drückend auf ..serm gesammte« wirthschaftliche» Lebe« lastet, die zahl« �«Familien der Arbeiterklasse unglücklich macht, sie könne beseitigt werde». Ein Hofiannah Eurem Bürger- KeuMeton° Die Tochter des Bankrotteurs. Roman au» der Gegenwart von Gustav Lössel. *] �»Tr ist mir für immer verloren,' schloß sie ihren er- Winden Bericht,.und dennoch gehöre« meine Liebe und W» Leben ihm. ihm ganz allein. Er achtet Beide« nicht, ichreitet darüber hmweg zum Altar mit einer Anderen Z-- gleichviel, in meinem Hnzen erlischt di« Erinne. nicht; ich war einst vorübergehend glücklich durch ,h». in»"Ntr et auch nur ei» Traum von Glück, so will ich Mich *«ie aus seinem Banne begebe»---* ,,, Ehe Frau Dahlberg noch etwa» erwidern konnte, er« te die Hausglocke. Erna sprang auf. | jwvon, und ich will nicht, daß er seine« Haß '/Bernhard wirft. Ich geh« solange«uf mer« Zun. *• Wen« er fort ist. laffe« Sie e« mich durch erne "orin wissen" Die««ar halb geflüstert, und mit dem letzten Wort Zugleich wurde' die fernere Thür ungestüm geöffnet und Hd trat herein. Er kam rasch'»banger Erwartung . chon von weitem bemüht, in seiner Verbündetea Zügen i.en. Er hatte Frau Dahlberg um diese Unterredung VAK & ÄÄf f "�eh«» blieb..Was sagt Ihre Tochter, $%%%% «eister und rasch in de« deutsche« Reichstag mit ihm! Das ist der Manu, de« da» arbeitende Volk braucht, da» ist der Messias de« neunzehnten Jahrhunvert«, de« der Heros desselben füglich beneide« muß. Einen wesentlichen Theil der Schuld an der Vaga- bondage trage die Sozialdemokratie. Dieses große Wort sprach der frühere Herr Staatsanwalt gelassen au», ohne dasselbe näher zu begründen, al« durch die Bemerkung, die Sozialdemokratie erzeuge Unzufriedenheit. Andere Leute wollen wissen, die Unzufriedenheit mit den Verhältnissen er« zeuge Sozialdemokraten. Aber ein Staatsanwalt hat ja immer recht— und damit basta! Di« Hauptschuld aber, so erklärte dieser geniale Volkswirth weiter, trage der Reiz, welcher-in dem Vaga- bundenthum liege.— Ein netter»Reiz" da«! Vor un« liegt eine Statistik aut Leipzig, die der dortige Staat»« anwalt angefertigt hat, au« der ma« ersieht, daß in einem Jahre in 68 Fällen Personen verurtheilt worden find, die ei» Verbrechen oder ein Vergehen begange» habe», auSg«- sprochenermaße«, um von der Landstraße fort in» Gefängniß zu komme». Und wie in Leipzig, so geschieht die» in taufende« und abertausend«» Fälle» im ganze» Deutschen Reich! O dieser„Reiz" des Vagabundenlebens, wenn der Magen knurrt, wenn da» kalte Echneewasser durch die zerrissene« Stiefeln dringt, wen« der in Lumpe» gehüllte Reisende dem schneidende« Ostwinde entgegenkeucht und endlich an einem Strohdieme» niedersinkt, um in Kälte und Elend zu Grunde zu gehe». O dieser.Reiz' des Va- gabundenleben»! Ja, da« ist ein viel größerer Reiz, al« wenn ei» Herr Bürgermeister behaglich im Lehnstuhl mit der lange« Pfeife sitzt und in aller Gemüthsruhe feine« Namen unter die vorgelegten Aktenstück« zeichnet, oder wenn, wa« wir übrigen« jedem Mensche» wünsche«, ein Herr Bürger- meist« im Kreise seiner Familie seine Tasse Mokka schlürft «der im MrthShause bei einem Glase Rothwein am Stammtisch plaudert und dort die schwere« Amtssorge« ver- gißt. O, d a« hat gar keine«.Reiz'; wie viel besser hat e« doch der Vagabund, wie herrlich ist doch da« Vagabunden« lebe«! E« ist nur unbegreiflich, daß der frühere Herr Staat«- anwalt und jetzige wohlbestallt« Herr Bürgermeister nicht selbst einmal de«„Reiz" de« Vagabundenlebens durch- kostet, er begeht ja durch diese Enthaltsamkeit ein Unrecht gegen sich selbst. Auch hatte Herr Heiberg große Sympathie für die Stockprügel, die jedenfalls den„Reiz" de« Va- gabundenleben» noch erhöhen solle», doch fand er dabei ihr Innerstes. Sie warf durch die Thürritze eine» zorn- sprühenden Blick auf de« Sprecher; aber der Ausdruck anf seinem todten, bleiche» Antlitz ließ sie erschrocken zurück- fahre». Sie wollte sich fortwenden, al» Frau Dahlberg selbst die« vereitelte, indem sie rasch auf die Thür zuschritt, die- selbe noch weiter öffnete und so nach der fernere» Thür spähte, welche geschlossen war. „Siill I' rannte sie dabei warnend dem Andere» zu. .Wa« giebt'S?' fragte Gontard leise. .Nicht«, nicht»,' sagte ste beruhigend.„Sie ist schon hinaus. Aber lasse« wir die Thür so offen; die andere ist zu. War Jemand im Vorzimmer?" .Nein." „Dann find wir geschützt vor Lauscher». Setze« Sie sich." Er that eS, sehr unzeremvniö«, wie e« Erna schien, welche ihre« Wachtposten nicht mehr verlassen konnte. Die fernere Thür, die einzige, die au« dem zu« Glück dunklen Zimmer führte, war emaeklinkt und bis zu ihr Hera» fiel ei« breiter Lichtstreifen. Erna hätte sich also bemerkbar mache« müsse«, wenn sie fort wollte; und letzt wäre sie Gontard um keine» Preis entgegengetreten. „Ihre Umständlichkeit läßt mich nicht« Gute« erhoffe»,' «ahm er wieder da» Wort.„Wird Erna meinen Antrag annehme»?— ja oder nein?" Es lag eine so rücksichtslose Rohheit in dem To« dieser Frage, daß Erna das Blut in die Wangen trat und sie zu« nächst eine heftige Zurechtweisung von Frau Dahlberg zu hören erwartete. Statt dessen bebte ei» schüchterne».Nein" über die Lippen der letztere», kaum laut genug, um von Erna vernommen zu werden. .Nein,' wiederholte Gontard brutal,.ich hatte von Ihnen nicht« Andere« zu höre» erwartet. Und ich kann mir auch denken, warum diese«„Nein"; Sie liebt eine« Anderen Frau Dahlberg schwieg betroffen. „Liebt ihn noch immer," fuhr Gontard fort.„Ihr Schweige» bestätigt e« mir." Er sprang auf.„Und da« «ach so langer Trennung!' sprach er zornig. nur gering« Gegenliebe, so daß er sich mit seiner„An- regung" der Prügel zufrieden gab, die nach seiner Ueber- zeugung jedenfalls einigermaßen Wandel schaffen würde», die aber„in Hinblick auf die moderne Anschauung von der sogenannten Würde des Menschen und der Freiheit de« Individuums" nicht mehr in Anwendung kommen könnte«. Da« hat der prügellustig« Herr Bürgermeister doch herausbekommen, daß die„Würde des Menschen", und sei e» auch nur die.sogenannte", doch schon einige« Recht beansprucht und daß an diesem Rechte mancher RcaktionS- stier noch seine Hörner ablaufen wird.— Aber unser braver Bürgermeister hat auch in der That ein ganz probate«,«in radikales Mittel, um die Vaga- bundesfrage zu löse», dessen Empfehlung er sich zum Schlüsse seiner Rede aufsparte. Dieser Man« hatte den Muth, fol- gende« zu erklären: „Wenn die Uebervölkerung erst derartig zugenommen hat, daß die Existenz und da« Wohlbefinden des ganzen Volke« bedroht erscheinen, dann wird man diese Anhängsel de« Volke«, da« arbeitsscheue Gesindel, ge- waltsam ausmerzen. Man wird sie exportire» und eine Art afrikanischen Sibirien« installiren müsse». .Arbeitsscheues Gesindel!" Vor wenigen Tage« hat der Begründer der ersten Arbeiterkolonie, Herr Pastor von Bodelschwingh au« Bielefeld, in einer Versammlung zu Leipzig erklärt,.daß heutzutage so Mancher, der da« redliche Bestrebe« habe, Arbeit zu er- lange», solche doch nicht erlangen könne'— dadurch werde dann der von allen Mittel« entblößte Mensch leicht zum„Vagabunden".---.Diesem traurige» Ver- hängniß gegenüber, da« so manchem Brave« drohe, dürfe die christliche Nächstenliebe nicht müsstg bleiben." Herr Bürgermeister! So redet ein hochkonservativer Mann, ein Pastor, mit dessen übrige» Ansichte« wir un« allerding« nicht befreunden können. Einem konservativen Staatsanwalt, einem konservative» Bürgermeister aber müßten jene Worte der Milde, der Menschenliebe, de» Christenthum« doch in da» Gewisse» reden, wenn dasselbe nicht allzusehr verhärtet ist.— Arbeitsscheues Gefindel I Fort mit ihm nach Kamerun, damit e« gewaltsam ausgemerzt werde— der soziale Doktor Eisenbart sagt: Ja, schlagt die arme» Leute todt, Dan« ist geendet alle Roth!— und die soziale Frage ist gelöst. „Woher kennen Sie denn die Geschichte?" fragte Frau Dahlberg erstaunt.„Erna meinte doch---" „Ich kenne sie nicht," fiel Gontard lachend ei».„Frei- lich ließ ich sie in diesem Glauben, um mich nicht intereffirt scheinen zu lassen. O, ich kenne sie besser, al« sie selbst sie kenn», diese Geschichte, in welcher ich selbst die Rolle der Vorsehung übernommen habe." „Sie?" .Ich, Madame; und um Ihne« da» zu erklären, will ich Ihnen mit kurzen Worten berichie», wa« von meiner Seit« Alle« geschehen, um meine« Nebenbuhler au» dem Sattel zu heben." Er erzählte nun Alle», wa« wir aus dem ftüher Berichteten schon wissen, mit seiner ersten schlechten Auskunft an Winter senior beginnend, bis zu der hier gesprochenen Lüge von Bernhard» naher Hochzeit. „Und alle» Das", rief er am Schluß verzweifelt,„um heute diese Antwort von Ihnen zu erhalte»! Ich weiß überhaupt»'cht, woher Sie angesichts der Ihnen bekannte» Thatsachen de« Muth zu einer solche« Antwort an mich nehmen. Oder glauben Sie wirklich, daß Sie mich mit einem einfache«:„Nein— sie liebt einen Anderen" abspeisen körnen, Frau Kommerzienräthi»? Sie vergesse« wohl zu Zeiten, daß Sie in meiner Gewalt sind, und d«ch «S mich ei» Wort kostet, um Sie in'» Zuchthaus zu bringe«.' „Jn'S Zuchthaus— mich?" fuhr Frau Dahlberg auf. „Eher kommen Sie dorthin, Sie Elender!' „So?" sagte er mit kaltem Hohn..Nu», ich lebe einer bessere» Hoffnung. Vielleicht gestatte« Sie«inst weile»«in paar kleine Erinnerungen.... de« Mord de« arme« Baron» von Selchow— Sie habe« ihn auf dem Gewisse«.... das Zuqeständniß an Ihren Gatte», daß Sie schuldig— Sie habe»«s unterschriebe«.... der Ruin de« brave» Manne»— er ist Ihr Werk.... den Diebstahl der halben Million— Sie habe» ihn ausgeführt..... und wer weiß, ob e» wirklich nur ein Schlaganfall gewesen, der Ihre« Gatte-, de« arme» Kommerzienrath, meinen Chef, todt auf den Teppich niederstreckte!„Sie wird ei doch nicht wage», mir Gift zu geben!"...... Da» waren seine von dem Kammerdiener überhörten Worte am Abend de« Tage», an Politische Urberstcht. De« Verla«f der Verhandlunge« in der Sozialisten- gesetzkommisfion kann man jetzt ziemlich genau voraussagen. Die Windthorstschen AbänderungSanträge werden sämmtlich von dem Zentrum, den Deutschfreifinnigen und der Volks- xaitei und»war bei voller Besetzung der Kommisfion mit 12 gegen 9 Stimmen angenommen. Dann wird über daS ganze Gesetz abgestimmt und diese» nach den Wtndthorst'schen Anträgen umgeänderte Gesetz wird gegen die Stimmen des Zentrums überhaupt verworfen werden. Die Linke stimmt da- gegen, weil sie überhaript kein Sozialistengesetz will, die Rechte stimmt dagegen, weil das umgeänderte Gesetz ihr zu wenig scharf ist, oder bester gesagt, weil die Regierung daffelbe nicht akzeptirt. Dann wird die Regierungsvorlage, da das Zentrum dieselben Vorschläge im Plenum wieder machen wird, wie in der Kommisston, als Gmndlage der zweiten Berathung im Hause dienen. Hier werden wahrscheinlich wiederum die An« träge deS Zentrums angenommen werden. Die Regierung er« klärt dann daS so veränderte Gesetz wiederum für unannehm- bar und droht mit Auflösung, wenn die Vorlag« der Regie- rung bei der dritten, entscheidenden Berathung nicht wieder hergestellt werde. Die Konservativen und Nationalliberalen, d. h. die vereinigte Regierungspartei im Reichstage bringt nun zur dritten Berathung Anträge ein auf Wieder- Herstellung der Regierungsvorlage. Auf Kommando erscheinen dann die Mitglieder dieser Partei vollzählig, während von den Mitgliedern der deutschfreifinnigen Partei eine kleinere An- zahl, wahrscheinlich wohlentschnldtgt.von dem Zentrum aber eine größere Anzahl, wahrscheinlich kaum entschuldigt, fehlen wird. Außerdem erklärt ein Theil deS Zentrums, daß er allerdings gehofft habe, die Regierung werde auf die Wtndthorst'schen Amendements eingehen, daß es auch eine Sünde»on der Uegierung sei, dies nicht gethan zu haben aber — da nun einmal die Regierung auf dem vollen Sozialisten« gesetz beharre, so könne man nicht Nein sagen, wenn auch daS Ja mit schwerem Herzen gesprochen werde. Die Todfeinde der Kirche dürfe man nicht ganz ohne Fisteln lasten. Und Dr. Windthorst schiebt seine Brille in die Höhe und blinzelt ver- ständnißvoll mit den Augen. DaS Sozialistengesetz aber wird mit Ausnahme der beantragten Verlängerung von 5 Jahren, die auf 2 oder 3 Jahre ermäßigt werden, mit 10 bis 15 Stimmen Majorität verlängert werden. Signatur der Zeit. Unter diesem Titel brachte der RerchStagSabgeordnete Bamberger, eines der klügsten und auch in gewistcm Sinne der ehrlichsten Mitglieder der deutschfret- finnigen Partei, kürzlich einen Artikel in der„Nation", dem wir folgende Aeußerunpen entnehmen:„Nicht die Junker deS Nordens, wahrlich ein Geschlecht, vor dem man Achtung haben muß, denn es weiß ganz deutlich, wai es will, nämlich die Klinkt der Gesetzgebung in die Hand bekommen, um Macht und darum auch ein sehr greifbares Stück der Macht, d. h. Geld, an fich zu bringen— nicht die Junker haben Deutsch« land betrogen sondern der deutsche Michel betrog fich selbst, und alle, die an ihn glaubten. Waren eS denn die preußischen S unker, welche jüngst, fich ihrer Schulzeit erinnernd, von ihren änken emporschnellten, als der Reichskanzler im preußischen Landtag erschien, um zu bethätigen, daß in Zukunft daS Reich wieder In die Einzelstaaten zurückverlegt werden solle? Wenn Fürst Bismarck morgen den Kaffelern ihren guten Kurfürsten wiederschenken wollte und de« Naffauern ihren lieben Herzog, weiß Gott, die hesfischen Innungen und die nauffauischen Hof- lieferanten würden dieselben flammensprühenden Dankadressen für diese„nationalen Thaten entsenden, wie damals für den dritten Direstor im Auswärtigen Amt oder kürzlich— um ein Haar— für die Austreibungen barmloser Kaufmanns- und Handwerkerfamilien aus Posen. Nichts aber so sehr, wie der Wandel des Verhaltens in den kirchlichen Streitigkeiten, giebt einen Maßstab für die Halt- und WiderstandSlofigkeit der Gestnnungstüchtigen. Am Ende der fechSziger und im Anfang der fiebenziger Jahre schöpfte die Begeisterung derselben Leute in Wahrheit ihre meiste Kraft aus dem Haß gegen daS, waS man„die katholischen Waffen" nannte. So wenigstens war es in vielen Theilen von Deutschland; gewiß in denen, die mir am besten aus eigenen Erlebnissen bekannt find. Ich rechne ihnen daS nicht zum Ruhme an. Im Gegentheil: trotz allem, was man für diesen Kampf sagen kann, lief auch recht viel be- schräntte Leidenschaft mit unter. Aber, ob gut, ob schlecht, so« viel ist außer Zweifel: die Schlachten für daS Reich, für die Emheit, gegen die Demokratie, gegen den PartikularismuS welchem Sie ihn zuletzt besuchten, am Abend des Tages, an welchem er(uaS Allen unbekannt) seine Tochter beimlich aus dem Hause sandte, um Ihnen, ihrer braven Mutter, zu entgehen. In der Harb de« Tobte« faud sich ei» ge- leeries Gla«, welche? der Kammerdiener schon nach Ihrem heimlichen Besuch bei Ihrem Gatten im Kabinet gesehen haben will, und zwar mit Wasser gefüllt. Aber gleich- viel.... ob Sie dieses Wasser hineingeschöpft, ob Sie e« vergiftet haben oder nicht; von dem jähen Tod Ihres Gatte» können Sie fich doch nicht rein waschen, auch dann nicht, wenn es nur ein Schlaganfall gewesen. Der Dieb« stahl, nur der Diebstahl hat ihn herbeigeführt. Und nun Zhre Tochter.... wa« hat die Aermste nicht unschuldig gelitte« um Ihretwillen! Selbst die Baronin, der Sie den Gattin gemordet, hat unter dem Verdachte, die verschleierte Dame zu sei», die Sie selbst gewesen, eine schmachvolle Kerkerhaft erdulden müssen, welche ihre« letzten Rest von Kraft gebrochen und sie dem Grabe nahe gebracht hat... WaS giebt es überhaupt, das Sie, die Ihr Gatte seine« Todfeind nannte, nicht verschuldet und nicht begangen hätten? DaS ganze Elend, welches über die Familien von Selchow und Eschenbach gekomme«.... eS liegt an Ihrer Thür! Und nun sagen Sie mir noch einmal:„Nein, Sie könne» Ecna'S Hand nicht bekommen! Gehe 1" Ich werde sie dennoch erringen, und wen» nicht anders, dann mit List und Gewalt! Zch habe mich, weiß Gott, lange genug in Geduld gefaßt und es Ihnen überlassen, mir den Weg zu Erna'S Herzen zu ebnen. Jetzt bin ich so thöricht nicht mehr. Binnen acht Tage« werden Sie die Hand Ihrer Tochter als die meiner Verlobten in meine eigene lege«, oder ich werde von den in meinen Händen befindlichen Papieren den Gebrauch machen, welche» Pflicht und Gewisse» m1* gebieten." „Pflicht und Gewisse» in Ihrem Munde!" höhnte die so schwer Bedrohte.„Ich verschmähe e«, mich vor Ihne» zu rechtfertigen; und was nützte mir das auch! Sie würde» auch meine Rechtfertizang nur als ein neues Zu- gestandniß gegen mich benutzen. Es scheint, daß mein Ver- hänguiß sich erfüllen soll; aber noch möchte ich eS abwenden;— auf eine kurze Zeit. Renne» Sie mir den Preis wurden hauptsächlich mit der einen stärksten Waffe geschlagen, mit dem Haß gegen die römische Kirche. Wenn etwas ernst gemeint war, so war es das. Hätte man darnach nicht denken müssen, die in Rom paktirende Kanzlerpolitik weide dieser den» selben„nationalen" Anhang wieder abspenstig machen, welcher einst ihr unter der Fahne deS Kulturkampfes so vuthentbrannt zugeströmt war? Denke man fich, es hätte Jemand in den — auch damals auf Bestellung entfeffelten— Pctitionssturm gegen die Jesuiten hineingerufen, derselbe Kanzler werde den Papst zum Schiedsrichter in einem Streit mit Spanien er> beben, wie wäre ein solcher Lästerprophet gesteinigt worden! Jetzt findet man fich frühlich damit ab; ebenso fröhlich würde man einem neuen Krieg gegen Rom zustimmen. Das politische Philisterium hat eben gar keinen Inhalt mehr, keinerlei Ideen, keiner- lei Ueberzeugung... Wie in dem Haß gegen den Uttramontanismus, so auch in dem Drang nach Schaffung deS Reich? und dessen Erhebung über die Einzelstaaten war seiner Zeit ernste Ueberzeugung. Um dieser Ziele willen jubelte man Bismarck zu als ihrem Vorkämpfer. Heute jedoch ist an die Stelle auch dieses Inhalts lediglich die Person deS Kanzlers getreten, und die Begeisterung läßt jeden Inhalt fallen und nimmt jeden Inhal! aus, welchen er ihr zu nehmen oder zu geben beliebt"— Bamberger geht dann deS weiteren auf die Erfolge der Ackermann'schen Politik ein und erörtert dabei auch zugleich die Methode dieser Politik. „ES ist schon fichtbar— fährt er fort— daß die Kolonial« wie die Sozialpolitik nicht über die kärglichen Anfänge hin- auskommen werden, die zu ihren pausdackiaen Ankündrzungen in kläglichem Widerspruch stehen. Und für diesen schnellen Mißerfolg spricht auch jene Besonderheit des Bismarck'schen Ingeniums, welche fich darin Suß-rt, daß alle?, waS nicht sofort fich erfolgreich zeigt, prompt fallen gelassen wird, Menschen wie Pläne. Diese Wandelbarkeit in den Plänen und Werkzeugen, welche die Kennzeichen eines immer hastiger und ungeduldiger werdenden EmpiriSmuS und PlaustbiliSmuS find, stehen nicht im Gegensatz zu der Zähigkeit und Ausdauer im Trachten nach gewissen Zielen. Man darf, um hier richtig zu unterscheiden, nur nicht ver« kennen, was Zweck und waS Mittel ist. Je mehr man fich mit der Geschichte der Biimarck'schen Politik beschäftigt, desto mehr wächst der Einblick in die große Anzahl und Verschieden- bei! der Mittel und die Heine Zahl und Einfachheit der Zwecke. Beinahe AlleS, was eine Zeit lang der Well als Zweck erschien, entpuppt fich nach und nach immer wieder als Mittel, und daS Gedeimniß vieler Jllufionen— sofern es fich nicht um die rein künstlerische Bewunderung eine» in der That über Lebensgröße hinaus angelegten MenschenphänomenS Handell— liegt darin, daß die Verehrer da ihre Ziele verfolgt sehen, wo doch nur Mittel verwendet werden. Je weiter vom Schauplatz, desto mehr stehen fie unter dieser Täuschung, und auch daraus zum Theil erklärt fich das Vorwalten der blinden Begeisterung in dem nichtpreußtschen Deutschland!"— Was der Ada. Bam- berger hier zum Bisten giebt. trifft vollständig ,u. Die Ein- geständnisse über die Servilität deS liberalen deutschen Philister- thums, die Herr Bamderaer macht, hat derselbe übrigens schon einmal in folgendem Ausrufe viel trefflicher zusammengefaßt:„Hunde sind wir ja doch!" Bei Ablehnung de» Branntweinmonopols wird be- kanntlich die Emführung einer in großem Maße erhöhten Lizenzsteuer auf Echankwirthschaften geplant. Daß die servile Majorität deS preußischen Abgeordnetenhauses derselben ohne Bedenken zustimmen wird, ist seldstverständlich. Dabei will man gleichzeitig deantragen, daß dann auch die Steuer- Vergütung für ausgeführten Branntwein erhöht werde, damit doch für die armen adligen SchnapSbrennrr wenigsten? ein fetter Bissen abfalle. Dieser Gedanke ist ja recht schön, die Herren aber haben nicht bedacht, daß zur Genehmigung solcher Anträge der böse Reichstag erforderlich ist, der eS doch wohl in feiner OdstruktionSpoliltk soweit treiben könnte, diese„billigen und gerechten Wünsche" der preußischen Schnapsbrenner underückfichtigt zu lassen. Von seine» Rechten soll der deutsch« Reichstag etliche opfern, da er seinen Pflichten, nach Anficht des offiziösen„Deutschen Tageblatt", nicht genügt. Dem edlen Blatt sei nur gesagt, daß der deutsche Reichstag bei solchem Opfer selbst gefragt werden muß. Bei seiner jetzigen Zusam- mensetzung aber istZer nicht geneigt, zu dulden, daß ihm da» Fell über die Ohren gezogen wird. Znm Zeugnißzwang. Der Versuch, den Zeugnißzwang, der der Presse so viel zu schaffen macht, auch auf daS P a r l a- ment und seine Müglieder auszudehnen, erregt großes und peinliches Aussehen. Der Thatbestand, der dem Zwischenfall zu Grunde liegt, ist in Kürze folgender: In der Münzdebatte, die am 10. Februar d. I im Reichstage stattfand, habe der Abg. v. E ch a l s ch a behauptet, Berliner Firmen ließen in der Schweiz preußische Silberthaler prägen, die fie nachher bei der Rvichsbank gegen Gold umtauschten, um die Werthdifferenz zu gewinnen. Auf Anfrage des Abg. Bamberger konstatitte Herr v. Schalscha in der Sitzung am 3. März, er habe die betr. Firma, der vom Tische des BundeSraths auS an ihn er- — die Summe, wofür Sie mir die Papiere unverzüglich übergeben wollen... fordern Sie mein halbe», mein ganze» Vermögen! Ich gebe c» hin. Nur schweige» Sie, nur lassen Sie mir Erna, meine Tochter...! »Daß ich ein Narr wäre!" lachte Gontard.„Wenn ich Erna heirathe, komme ick so wie so in den Besitz Ihres ganze» Vermögens, denn Sie haben keine Kinder weiter, und natürlich werden Sie Ihrer Tochter Ihr ganze» Ver- mögen vermachen. Das ist eine zweite, unweigerliche Be« dingung, welche ich stelle. Ei» paar hunderttausend Mark werde» Sie mir sogleich am Hochzeitstage aushändigen und da» von mir aufgesetzte Testament, das Sie unter- schreiben werden, gerichtlich deponiren. Wozu dieser nutz« lose Widerstand. Sie kennen meinen Entschluß— Sie kennen meine Macht.......... Sie müsse» mir ge- horchen........" „Ich muß eS leider— ja," sprach die falsche Dahl« berg gebrochen.„Aber waS zwingt mich dazu? Ihre Au»- sagen nicht, denn die könnten ebenso gut erfunden sein .......... die Papiere find eS, die Sie in Händen haben, die schriftliche» Beweise meiner Schuld. Sie sage», Sie habe» fie, aber gezeigt haben Sie fie mir noch niemals ....! Da», Herr Gontard, erweckt mir bei Ihrer allge- meine« Verlogenheit den Verdacht, daß Sie die Papiere überhaupt nicht befitzen." Gontard lachte. „Und meine Kenntniß aller dieser Dinge?" „Kann Ihne« auch anderswie geworden sein; Sie können selbst die Papiere einmal in Händen gehalten haben, denn sie lagen ja in einem Ihnen zugängliche» Schrank ...... aber, ehe Sie mir nicht beweisen, daß Sie wnk« licher Besitzer der Papiere find, daß Sie fie haben, dürfen Sie auf meine Mitwirkung zu Ihre» Plänen nicht mehr rechnen; und Sie wissen doch, ohne dieselbe sind Sie eben« fall» machtlos. Erna liebt Sie nicht, sie würde also nur auf meine flehentlichen Bitte» hin au» Dankbarkeit sich opfern, und mein Vermöge« können Sie niemals erlangen, ohne daß ich es Ihnen übergebe oder vermache. Sie sehen also, Herr Gontard, daß ich mindestens ebensoviel Macht über gangenkn Aufforderung entsprechend, namhaft gemacht. Gestm> nun theilte Herr v. Schalscha mit, er sei vom Berliner Atntt' gericht in der Untersuchungssache gegen„Unbekannt"»um Zeugniß aufgefordert, habe dasselbe aber in seiner Eigenschm als Abgeordneter verweigert; darauf sei ihm mit den dekannten Maßregeln zur Erzwingung des Zeugnisses gedroht worden. Herr v. Schalscha, von dessen Auftreten in jener Münzdebatte wir bier absehen wollen, hat dem Gericht gegenüber unserer Meinung nach völlig konekt gehandelt. Aach Artikel 30 der RcichSoerfaffung darf ,ckein Mitglied de» Reichstags wegen der in Ausübung seine» Berufe? gethanen Aeußerungen außerhaid der Versammlung zur Verantwortung ge' zogen werde n." Mit dieser Bestimmung ist ein Zeugnis Zwangsverfahren gegen Abgeordnete als solche, wenn au« nicht ausdrücklich, so doch dem Sinne nach ausgeschlossm."f jeden Zweifel auszuschließen, haben die Abgeordneten Wint� Horst und Genossen sofort eine Erklärung beantragt, naS welcher ei« derartiges ZeugnißzwangSverfahren unzulasfig"" Die Erklärung dürfte mll großer Majorität angenommen wer« den, und wir geben unS, so meint daS„Berl. Tageblatt", t# Hoffnung hin, daß auch die Regierung einer solchm authenn- schcn VerfassungSinterpretation deS Reichstags keinen Wider- stand entgegensetzen wird. Oder sollte man wirklich kein xff denken tragen, die ohnehin schon so große Anzahl der Etrctr- objekte zwischen Regierung und Reichstag ohne Roth noch Vf ein sehr ernsteS zu vermehren? Sollte man diese Zeugwi' zwanaSaffaire benutzen wollen, um auf einem Umwege«W Handhabe zur Lahmlegung der parlamentarischen Redefreihi« zu gewinnen? Wir wollen daS trotz der trüben Erfahrungw der letzten Jahre bis auf Weiteres nicht annehmen, find adn jetzt immer auf schlimme Erfahrungen gefaßt.— Wir«der, nämlich die Redaktion des„Berl. VolkSdlatt", können uni dieser optimistischen Anschauung deS„Berl. Tageblatt" nicht schließen. Da»„Nurempel«" können die deutschfreifinnigen Bläittt nun einmal den Sozialdemokraten gegenüber nicht Schweigt die„Freis. Ztg.", fängt die Breslauer„Morgen Zeitung" an. Wir würden diese„Anrempelet" an fick 0% nicht Übel nehmen, da unS die Verth« idiaung manchmal rw viel Vergnügen macht. Aber e? muß doch ein Grund»um Anrempeln vorhanden sein! Die BreSlauer„Morgen Zeitu"» aber denunzirt die sozialdemokratische Fraktion deS stteidiätW; vor dem Volke, deshalb, weil— kein Redner derselben der Mühe werth gehalten hat, zu dem Antrage der Regrerung- Zwanzigpfennigstücke aus Nickel zu prägen, zu reden, da solcher Antrag doch im Interesse der Arbeiter liege. Der W trag der Regierung erfuhr von keiner Seite Widerspruch, uß dernfalls hätte fich wohl ein Sozialdemokrat berufen für daS Nickelzwanzigpfennigstück einzutreten. WaS also sola. „Anrempelet", die von echt deutschfreifinniger Kleinigkeit krämerei zeugt, bedeuten soll, das verstehm wir nicht. Schweiz.. Auch die Schweiz wird fich demnächst mit der A l k o h o> frage zu beschäftigen haben. Von der Bundesregierung F' der Älkoholkommisfion zwei Em würfe zugegangen, deren eine Besteuerung des im Jnlande produzenen, sowie einen fchlagszoll für ausländischen Spiritus verlangt, während � zweite auf ein Staatsmonopol zusteuert, bei dem die Brennnei ihren Rohspirius dem Bunde zu einem festzusetzenden »u verkaufen haben und letzterem allein daS Recht»um Spiritus aller Grade zc. zu impmtiren. Soweit fick läßt, hat keine dieser Vorlagen große Ausficht, zur Durchführe zu gelangen... Franreeich.. Aus P ariS bringt die„Voss. Zeitung" folgenden■ effanten Bericht: Die Decazeviller Ardeitsei st e l l u n g schließt die Keime sehr großer künstiger Entw� lungm in fich. DaS Gesetz von 1810, welches von den»em baubewilligungen handelt, stellt als Grundsatz fest, daß°( unter der Erdoberfläche verborgmen Werth« dem oioo gehören: das MuthungSrecht wird Jedem gewährt, der bestimmten Formen darum nachsucht. Hat J-mand erne u/ gefunden und vom Staate die Erlaudniß ihrer AuSdeui erhalten, so wird er ihr Nutznießer; doch kann der Etaar Erlaubniß wieder zurückziehen oder für verwirkt("'o wenn der Ausdeuter durch Entlass u n g- Arbeiter und Einstellung deS Betriebes seine Abficv «kennen giebt, von ihr keinen Gebrauch mehr zu machen- Decazeviller Bergleute find nun keineswegs Anarchisten i Träumer, sondern, wie eS scheint, sehr posttive, wenn% leider nicht eben kaltblütige und besonnene Menschen, ur- � wissen genau, wa» fie wollen. Mit dem Lohn, den m L die reiche Decazeviller Aktiengesellschaft bezahlt, können nicht auskommen; fie fordern also eine Erhöhung„ selben. Di« Gesellschaft rechnet ihnen vor, daß fie heutigen Kohlen- und Eisenpreisen und bei den hoben der Eisenbahnfracht nach Bordeaux, dem Einschiffung*«.� ihrer Gruben- und Hochofenerzeugnisse, nicht mehr w könne, ohne Schaden zu erleiden. Freilich verschweigt stc_ Sie besitze, wie Sie über mich. Also zeigen Sie Papiere, lasse« Sie mich fie sehe«, m Händen hal« bann——" „Dann?" fragt« er gespannt. gpa) „Wie können Sie«och fragen!" entgegnete st*- bleibt mir barn weiter, als Ihrem Willen zu und meine Tochter Ihnen mit meinem Vermögen z liefern." „Bedingungslos?" Die»$ ,Jch habe keine Bedingung weiter zu stellen. „dui denn," sagte Gontard mit einem diabo s � Lächeln,„Erna und Ihr Vermögen find mein! in die Brusttasche, hatte aber ein größeres Kouoeri«p- � 1----------—" zu dem Zimmer fich � Frau Sie pstd hervorgezogen, als die Thür..... v,. in welchem Erna sich befand. Eine Dienerin kam. Dahlberg zu fragen, ob sie den Thee fervire» f""'' wurde abschlägig beschieden, Madame würde klingelu wüascht« keine Störung weiter.. � Erna, welche so lange wie betäubt gewese», � lieben« jw . Zimmer angekommen, schloß 1%* � uuj dann preßte fie da« Taschentuchs gegen�dw �ck��pfeS I« ihrem ab, dann preß.»„u» den Aufschrei ihres Inner» zu ersticken. Nur ew älechzen rang sich zwischen ihren geschlossene« hervor. Sie wankle zu einem Sessel, doch eh« ße densel «reichte, sank fie auf die Kaie. (Fortsetzung folgt.) ZÜ"* nomger Schätzung ablösen, etwa unter Vermittelung des Staate? Wh eine jährliche Abgabe. Die Gesellschaft scheint zur An« ichauung gelangt zu sein, daß fich dieser Plan bei der heutigen polttischkn Lage thatsächltch verwirklichen könnte, und fie läßt Mt» mebr von einer Betriebseinstellung verlaute«. Allein i« Aussicht, Eigenthümer der Mine zu werden, könnte die Zttgleute wohl veranlaffen, die Versöhnung mit der Gesell« M von Bedingungen abhängig zu machen, auf welche diese Msächlich nicht eingehen könnte. Dann erleben wir vielleicht %(|(n ersten Veisuch, den Arbeitern die Ausbeutung von ?Wu! schätzen zu eigenem gemeinsamem V o r t h e i l zu uderlafftn, und wenn er gelingt, so ist nicht zu zweifeln, daß W die Bergleute aller andere« Minen Frankreichs mit allen Mteln in den Besitz ihrer Minen zu gelangen suchen wer- Die Umgestaltung dieser Arbeiter in freie, verbündete xßenthümer ist dann nur eine Frage weniger Jahre. Die Bedeutung einer solchen Umwälzung, ihre Wirkung auch M andere Gebiete deS WirthschaftslebenS, brauche ich nicht lang und breit darzustellen. Ich wollte nur fgen, welche Tragweite die Decazeviller Arbeitseinstellung er« kann. Großbritauuie«. „ AuS II r l a n d meldet der Telegraph einen A g r a r« Patrick Farrell, ein GerichtSvollzieger in Woodford wweit Galway, wurde erschoffen vorgefunden. Verhaftungen r Zusammenhange mit dem Verbrechen find noch nicht erfolgt. ?? der Nachbarschaft haben neulich PachtSauStreibungen statt- fnunden, woraus man auf das Motiv der Mordlhat schließen «in. Gleichzeitig wird eine neue Art von Gewaltthätigkeit dem kleinen Dorfe Tournagulla gemeldet. Dort besuchte Mtlicher Weise eine verkleidete und bewaffnete Bande von Mondscheinlern" den Pächter Thomas Leahv und befahl dem« Wen bei Todesstrafe, die Verheirathung seiner Tochter mit Wem unbeliebten Pächter auf einer benachbarten Befitzung zu Gebieten. Leahy versprach dem Anfühier der Bande, daß die Mbeirathung nicht stattfinden solle, worauf fich die ungebetenen entfernten. Afrika. n Der Streit um den Kso n g o dauert fort. HerrPechuel» �°s ch e weist in einer Schrift„Herrn Stanleys Partisane und Mne offiziellen Berichte vom Kongolanve" auS dem Wortlaut Wer vom Kongo an die Leiter deS Kongo� Unternehmens nach Mffel erstatteten Berichte nach, daß die Zitate im„Mouvem. �ographique", dem Organ deS Kongostaates, willkürlich aus JW Zusammenhange gerissen, zum Theil vollkommen entstellt �ren und daß diese seine Berichte den sanguinischen Schilde- Ugen Stanley? von den unmittelbar erreichbaren wirthschaft« Kn Erfolgen schon damals entgegentraten. Herr Pechuel- bleibt dabei, daß die Kenntniß deS Kongo-EtromeS noch kein Uctheil über das Kongo>Land ermögliche, daß die Mey'schen Darstellungen das Höchste an Reklame leisten, M er vergleicht daS Unternehmen der Geldbeschaffung für eine cjongo Ersenbahn mit dem„Südsee-Schwinvel" d«S vorigen varlameutarische». a." Zweite Sitzung der Sozialistengesetz« Immission. Als Regierungsvertreter find anwesend v. Pütt. W"«. Graf Hohenthal(Sachsen), Kästner(Bayem).- CS toJ1*,' vom Hoftheater in Kassel, Martimer: Herr Carl Baffen, W bof. Burgtheater in Wien, Burleigh: Herr Fritz Kanow, �.Grand.Theater zu Amsterdam, e»r-v«bury: Herr Mb Haak, vom Germania-Theater zu New-Nork, Paulet: Q: Henberg vom Refidenz-Theater. und Melvil: Herr Ober. Meur Reuter, vom Stadttheater in Breslau, der das Stück setzen wird. SJkiMI"»m fägWfff. Die Poffe„Moderne V-gabonden" wurde recht bei- & JWASRiA der Herren Betz und Seefeld. 'ovimen wolle. me wird mit der Berathung deS§ 9, Versammlungen betreffend, begonnen. Abg. Windthorst beantragt, Absatz II zu streichen. Sonach sollen sozialdemokratische Versammlungen von vornherein nicht mehr verboten werden dürfen. Abg. Fritzen (Zentrum) begründet diesen Antrag. Er sagt, jetzt sei den Sozialdemokraten das Versammlungsrecht verkümmert. Es werden Versammlungen allein deshalb verboten, well ein Sozialdemokrat als Redner auf der Tagesordnung steht. Man müsse den Sozialdemokraten das Versammlungsrecht wieder eröffnen, ihnen Gelegenheit geben, in loyaler und ruhiger Weise öffentlich zu verhandeln. Man könne dann auch Keffer daS geheimnißvolle Dunkel, welches jetzt über den Sozialdemokraten lagere, aufklären. Jetzt wirke das Ge< beimnißvolle anziehend und verstärke die sozialdemokratische Partei. Durch ein Versammlungsverbot werde aber noch der Uedelstand herbeigeführt, daß man die Sozialdemokraten ver- anlasse, die Versammlungen anderer Parteien zu besuchen und zu stören. Sogar Wählerversammlungen hätte man verboten und erst der Reichstag habe bei den Wahlprüfunaen Abhilfe geschaffen. Minister v. Puttkamer lebnt jede Abschwächung des Gesetzes Namens der verbündeten Regierungen ab, weil alsdann eine wirksame Handhabung desselben nicht möglich ist. Der Herr Minister schlldert hierauf die große Verantwortlich« keit, die man bei Ausführung dieses Gesetze? trage, die Distinktionen seien sehr fein und die Handhabe im Einzelnen darum sehr schwer. Im einzelnen Fall sei eS nöthia, die Handhabe in dir Hände sehr untergeordneter, wenig Bildung und keinen politischen Blick befitzender Beamter zu legen. Es mußten so Verstöße vorkommen, aber die einzelnen Verstöße seien kein Giund, den ganzen Absatz Ii zu streichen. Man werde bei Abschaffung deS Verbots mehr Auflösungen herbei« führen. Das Verbot sei eine drakonische Bestimmung, aber es schneide von vornherein jede Agitation ab. Es sei eine äußerst heilsame Fessel für Umsturzdestrebungen. DaS münd- liche Wort ist daS geeignetste Agitationsmittel, besonders der Sozialdemokraten. Ein einzelnes Wort wirke, die Auflösung komme dann zu spät. Die Regierung könne nur ihre große und moralische Verantwortlichkeit tragen, wenn man fie nicht verhindere die Ziele de» Gesetzes zu erreichen. Abg. Baum- bach schildert die Ungleichartigkeit in der Behandlung sozial« demokratischer Versammlungen. Nicht nur in verschiedenen Gegenden, nein, am selben Ort werde das VersammlungS- recht ganz verschieden gehandhabt. Die Behörden werden vor Aufgaben gestellt, denen fie nicht gewachsen find, man muthe ihnen einen Seherdlick zu, den ste nicht haben. Man verhindere die Erörterung sozialer Probleme, verbiete auf Namen hier mitunter allein die Versammlungen. So er- schüttere man das Rechtsbewußtsein der Bevölkerung. Abg. v. K ö l l e r hält eS für gleich giltig, ob jetzt die Waffe des Ge- setze» abgestumpft werde, weil doch das Resultat, wie vor 2 Jahren, herauskommen werde. Die verschiedenartige Hand« habung sei nothwendig. Wenn heute ein Agitator komme, könne man ihm eine Versammlung erlauben und morgen au» verschiedenen Umständen verbieten. Man müsse das Feuer nicht erst zünden lassen und dann auslöschen, nur auSnahmS« weise verliefen sozialdemokratische Versammlungen ruhig. Seine Freunde werden mit ihm gegen die Ab« schwächungen stimmen. Abg. Meyer(Halle) meint, eS gehörten sehr kräftige Schultern dazu, um die Verantwortlichkeit zu tragen. Die Polizeibeamten machten eS sich einfach bequem. Er wisse auS seiner Erfahrung, daß es Polizeibeamten gebe, die schon bei Anwesenheit eines bekannten Sozialdemokraten am Ort Angst bekommen, die Versammlung einfach verbieten, ohne noch Nebenumstände als Begründung anzuführen. Der Herr Minister sei dann gar nicht in der Lage, weil ohne Kenntniß der eigentlichen Ursache, Abhilfe zu schaffen. Die jetzige Bestimmung sei dazu angethan, dem Gedanken Zügel anzulegen, v. P u t t k a m e r: Die angelegt« Fessel sei Ursache, daß gemäßigtere und nicht so brandlegende Reden gehalten werden. Alle Bestimmungen ständen im organischen Zusammenhang, nehme man einen Stein herau», so stürze daS Ganze. In Berlin dürften in diesem Jahr höchst bedenkliche Ei scheinungen hervortreten, nämlich die Lohnbewegungen. Da sei Voificht und alle Kautelen des Sozialistengesetzes nöthig. DaS Koalitionsrecht solle zwar unangetastet und die Behörden neutral bleiben, aber auch für diese Seite der Frage sei eine präventive Polizei nöthig. Die Einmischung der Sozialdemo« kratie gebe der Bewegung einen anderen Charakter. Er verweise auf den letzten Maurerstreik, wo 40000 Personen(?) gefeiert hätten. Das sei eine Gefahr. Wie fich unsere wirthschafllichen Ver« hältnisse entwickelten, sei eS nöthig, alle Kautelen beizubehalten. Abg. G r o h ö hebt hervor, daß man in der Pfalz der Volks- panei eine Versammlung verboten habe, weil Sozialdemokraten auS Mannheim zu dieser kommen könnten. Abg. H ä n e l führt aus, daß daS Gesetz nur die AuSbrettungsfähigkeit der Sozial« demokratie erhöhe. Seine Partei werde eventuell für Ab- schwächungen stimmen. Abg. Windthorst: Die Re- gierung wolle keine Verständigung, für fie gelte nur die Frage, wo ist die größere Zahl der Stimmen. Den Grundanschauungen der Deutschen widerspiicht ein Ausnahmezustand. Man provozire nur die Gewalt, wenn George Stephenson in England und war die erste auf der Camden und Amboy Bahn, speziell auf der Strecke zwischen Bordentown und Süd-Amboy vor etwa 50 Jahren eingestellte Maschine. Die Bahn war damals nur zwischen diesen Punkten fertig und wurde voiher mit Pferden betrieben. Die„John Bull" blieb im Dienst während einer Reihe von Jahren, und als fie schließlich dmch st ästigere Maschinen eisefct werden mußte, wurde fie in den Camden und Amboy-Werkstättm in Bordentown aufgestellt und sorgfältig verwahr». Als die New Jerfey-Bahnen von der Pensylvania Eis-nbahnaesellichaft pacht- weise übernommen wurden, verblieb ste in den Werkstätten und wurde von letzteren bei der Ausstellung in Philadelphia ausgestellt. Im Alter von 122 Jahre« starb vor Kurzem in Detroit, Vereinigte Staaten, ein Farbiger spanisch-afrikanischer Abkunft. Der Verstorbene war zweimal verheirathet, das letzte Mal vor 45 Jahren. Seine jüngste Tochter ist 60 Jahre alt und stand seinem HauSwesen vor. William Royestown in Chicago, sein jüngster Urenkel, ist 22 Jahre alt. Die Nachkommenschaft de« verstorbenen Patriarchen an Kindern, Enkeln und Urenkeln zählt 138 Personen. Um eine« Tanze» willen. In Paris fand, wie man der„W. A. Z." schreibt, vor einigen Tagen ein Kränzchen statt, dem auch Fräulein Marie Bartet. Tochter eine« Beamten, beiwohnte. AlS der Kotillon herankam, und die Paare Auf. stellung nahmen, sab da» Fräulein mit Schrecken, daß fie nicht engagirt werde; sämmtliche Herren, bis auf einen jungm Mann, Mr. Dumont, der an einem Thülpfoste« lehnte, nahmen an dem Tanze theil. Sie bemerkte noch, wie ein Komitee- mitgli-d aut Mr. Dumont zuschritt und ihm etwas zuflüstelte. Der Mann blickte auf daS Mädchen, schüttelte dann kaum merklich den Kopf und verblieb auf seinem Platze. Als Mr. Dumont am nächsten Tage sein Bureau verließ, harrte eine verschleierte Dawe seiner, die eine Karaffe voll Vitriol nach seinem Kopfe schleuderte. Mr. Dumont war nur leicht ver- letzt; in der Thäterin erkannte man Fräulein Bartet, die fich ruhig zur Polizei führen ließ und dort sagte:„Er hat mir gestern vor zweihundert Personen eine tödtliche Insulte zu- gefügt; wäre ich ein Man», hätte ich ihn zum Duell gefordert, so muß ich auf andere Weise meine Revanche baten." Die Hinterlassenschaft einer Königin, Madame Jo- sephine Fischer in Chicago hat einen Advokaten dieser Stadt beauftragt, in ihrem Namen auf die Hinterlassenschaft der im April v. IS. ohne Nachkommen verstorbenen Königin Emma man mit Gewalt vorgehe, der Deutsche erträgt keine AuS- nahmegesetze. WaS seien das für Thatsachen, auf Grund deren man von vornherein Versammlungen verbiete? Wie wolle man erkennen, waS der Redner sagen werde, bevor er noch das Wort ergriffm? Die Konsequenz der Regierung müsse sein: „Jede Versammlung, in der sozialistische Erörterungen statt- finden, sei verboten," das gehe aber bei unserem jetzigen EntwickelungSzustand nicht. Abg. Meyer(Halle) geht auf die Aeußerung deS Ministers von Puttkamer ein wegen der Lohnbewegung. Lohnbewegung mit Sozial» demokraten zu idennfizirm, wäre sehr verhängnißvoll. Wer die bestehende GesrllschaftSordnung lieb habe, müsse in Bezug auf die Lohnbewegungen den Arbeitern fteie Hand lassen. Minister v. Puttkamer will ausdrücklich konstatir-n, daß er verlange, daß die Behörden daS KoalitionSrecht aner- kennen, doch müßten die Angriffe auf Albeitgeber ac. verhindert werden. Abg. Windthorst: ES sehe sehr angenehm auS, wenn man Alles unterdrücken könne, wenn die Willkür herrsche, daS allgemeine RecktSgefühl leide aber dann- Er wolle durch einen Uebergang eine Versöhnung in dm Gemüthern herbeiführen, da die Entwickelung eine be» dauerliche Schärfe annehme. Abg. Kröder macht darauf aufmerksam, daß da, wo die sozialdemokratische Partei Macht habe und auf die Lohnbewegung einwirle, Krawalle verhütet werden, während in Königshütte, in Zabrze, in den Zucker- industriegegenden, wo die Sozialdemokratie keinen Einfluß habe, eS zu Krawallen bei Lohnstreitigkeiten gekommen sei. Die Sozialdemokratie verhindere derarligen Aufruhr, well ste bei den Ardeitern die Einstcht verbrette, wie nur die organisch» wirthschaftliche Entwickelung helfe.— Man gelangt hierauf zur Abstimmung. Der AntragWindthor st wird mit 12 g e g e n 7 Stimmen angenommen.— Zu§ 11, Presse de» treffend, liegt ein Antrag deS Abg. Windthorst vor, wo» nach eine periodische Druckschrist erst für die Dauer verboten werden kann, wenn vorher eine einzelne Nummer schon verbotcn wurde. Abg. Fritzen begründet den Antrag damit, daß eS fich um ein VermögenSobjelt handle und da sei es nöthig, daß dem Verbot«ine Verwarnung vorangehe. Minister v. P u t t» k a m e r: Da die Regierung fich einer Koalition gegenüber be» finde, so sei eS für fie überflüsstg, zu deduziren. Die Redakteure sozialistischer Blätter wußten genau, wie fie fich verhalten mußten, nicht auf den gespannten Ton. sondem auf die ganze Tendenz komme es an. Wenn diese Bestimmung und die der aufschiebenden Wirkung angenommen würde, solle man lieber den ganzen Paragraph streichen. Abg. Windthorst: DeS Ministers Standpunkt sei, alle» Sozialistische zu verbieten. Dieser Zustand sei schlimmer, wie der unter der Zensur. Es sei zu hart, wenn Jemand einen Fehler mache, ihm gleich daS ganze Kapital ruintren. Minister v. Puttkamer bestreitet, daß keine Distinktionen gemacht werden, in Berlin z. B. er- schieren ja unbehindert sozialdemokratische Blätter. Abg. Windthorst: In der jetzigen Bestimmung läge ein unge- heueres Maß von Willkür. Uebrigens werde die Sozialdemo« kratie durch die Wissenschaft genährt. Der Kathedersozialismus, der RegierungSsozialiimuS seien viel gefährlicher alS die So« zialdemokratie. ES erfolgt Abstimmung. Der Antrag Windt- Horst wird mit 12 gegen 7 Stimmen angenommen. In der letzten Sitzung der Arbetterschutzkom- Mission des Reichstags wurde nach längerer Debatte auf Antrag deS Abg. Halde»§ 136 Abs. 3 der Gewerbeordnung in folgender Fassung angenommen:„An Sonn- und Festtagen sowie während der von dem ordentlichen Seelsorger für den Katechumenen- und Konfirmanden-, Beicht- und Kommunton« Unterricht bestimmten Stunden dürfen jugendliche Ar» b e i t e r nicht beschäftigt werden. An den Tagen dieses Unter- richts sowie deS auf Grund§ 120, 2 eingerichteten Fort» bildungischulunterrichts dürfen die Unterrichts- und Ardeitszett zusammen die Dauer von 11 Stunden nicht überschreiten." Lokale». Der Polizei-Prästdent Freiherr von Richthofe« hat an die Vorstände der Berliner SanitätSwachen eln zweites Schreiben gerichtet, welches folgendrn Wortlaut hat:„Im Anschluß an mein Schreiben vom 15. v. Mts. thcile ich dem Vorstände unter'eraebenstem Dank für daS freundliche Entgegen- kommen mit, daß ich zur Vermeidung einer Ueberdürdung der SanitätSwachen die Reoierbeamten nochmals dahin angewiesen habe, daß nur Schwerbetrunkene oder solche Personen, welche scheinbar betrunken find, also Zweifel darüber lassen, ob Krank« heit oder Trunkenheit vorliegt, den SanitätSwachen zuzuführen find. Die begleitenden Schutzleute haben auf der Sanitäts- wache die Entscheidung des dortigen Sachoerständigen, der eventuell zu unterstützen ist, über den Zustand deS Vorgeführten und dessen weitere Behandlung abzuwarten, um. falls Zurückweisung deS letzteren erfolgt, beziehungsweise die Ueder- führung in ein Krankenhaus für ratbsam erachtet wird, daS Weitere sofort zu veranlaffen. UebrigenS beabsichtige ich in nächster Zeit eine Besprechung der Angelegenheit zwischen dem diesseitigen Dezernenten Herrn Regierungs. und Medizinalrath Dr. Pistor und den Vorständen sämmtlicher SanitätSwachen der SandwichS-Jnseln Anspruch zu erheben. E» scheint, daß diese Dame, sowie ihre Schwester, eine Frau Smith, ebenfalls auS Chicago, in der That die nächsten Verwandten der ver- storbenen Königin und somit auch deren Erben find. Mit der Verwandtschaft verhält eS fich folgendermaßen. Im Jahre 1789 wurde ein Matrose der amerikanischen Goelette„Eleanor". NamenS John Uoung, von den Eingebornen der Sandwichs- Inseln gefangen und sollte zu Ehren der Sandwichs- Götter ge- schlachtet und verzehrt werden. Aber die Tochter deS Sandwich-Königs, die junge und hübsche Kanoahea sah den Fremd- ling, verliebte fich in ihn, erhielt seine Begnadigung und heirathete ihn später. So wurde John Uoung Schwiegersohn einet König» und ein angesehener Mann. Er starb 1835 und hinterließ seiner Tochter em ungeheuere» Vermögen in Gütern und Vieh jeder Art. Die Königin Emma, die ohne Nachkom« men starb, war seine Enkelin. Die Schwestern Fischer und Smith find ihrerseits die einzigen Nachkommen gerader Linie von der Schwester John Noung's, die in den Vereinigten Staaten geblieben war. Auf Grund dieser Verwandtschaft ver- langen die beiden Damen nun zwar nicht die Krone der Sand- wichS-Jnseln, wohl aber alle andern sehr beträchtlichen Reich- thümer, welche die Königin Emma hinte> lassen hat. Lauern- Unruben in PrekrizSje. Wir lesen in der „Agr. Ztg.": Die Pretrizijer Pfarrlinge versammelten fich am 21. Februar vor der Kirch« und erwarteten den Pfarrer, um der Andacht beizuwohnen, nachdem die Glocken daS Zeichen dazu bereits gegeben hatten. Da kam der Pfarrer in Beglei- tung zweier Gendarmen angerückt, trat vor und erklärte dem Volte, daß heute keine Andacht abgehalten wird. Andro VlaficS frug ihn, weShalb nicht, da sagte der Pfaner:„Weil ihr hetzt!" und indem er auf Vlafics zeigte:„DaS ist der Hetzer!" SS ist erklärlich, daß daS Volk zu murren anfing, worauf der Pfaner mit den Gendarmen fich zurückzog, auf den Gang des PfarrhofeS trat und die Gendarmen ihre Gewehre laden ließ. Der Pfarrer trat hinter die Gendarmen und drohte dem Volke mit der Faust; einige wollen auch einen Revolver in setner Hand gesehen haben. Franz lPovrzsenicS sagte den Gendarmen, fie sollen ihnen den schriftlichen Auftrag zeigen, auf wessen Ordre fie erschienen find, und nachdem die Gendarmen nichts erwidern konnten, meinte man, daß das de» Pfarrers Werk sei, mit welchem die Pfarrlinge wegen zahl« reicher Unzukömmlichkeiten sehr unzufrieden find, so daß in der Folge famsch Revolten mit schweren Folgen austauchen könnten, wenn dem billigen und gerechten Verlangen deS armen Volkes höheren OrtS nicht willfahrt werden wird. herbeizuführen und ersucht um gefällige Aeuhtlunx, od der Vorstand geneigt ist, in eine derartige Besprechung, in welcher auch andere Punkte der ersten Hilfeleistung zur Erörterung ge- langen könnien, demnächst einzutreten." Die beim Magistrat angestellte« juristischen Hilfs- arbeite» stehen vor einer wesentlichen Aufbefierung ihres(Se- haltS. Bisher erhielten dieselben, abgesehen von dem ältesten, welcher 225 M. monatlich bezog, pro Monat nur 180 M., also den Liätensatz, welchen die Gerichte Affefforen bei Kommiffarien in der Justizverwaltung beziehen. DiescS Honorar soll nun künftig für eine Probezeit von etwa einem Jahre, bewährten Kräften aber dann mindestens 3600 M Jahresgehalt bewilligt werden. Dabei ist eine Erhöhung dieses Honorars auf 4200 M. nach weiterer dreijähriger, guter Dienstleistung in Autficht ge« stellt. Im Echooße deS Magistrats glaubt man durch diese Gehaltsaufbesserung die vorhandenen gut bewährten Kräfte der Verwaltung länger zu erhalten und auch künftig tüchtige juristische Hilfsarbefter zu gewinnen, da eine längere Be« schästigung bei der Kommunaloerwallung geeignet erscheint, den Betreffenden günstige Ausstchten auf ein Fortkommen in Kommunalstellungen überhaupt zu eröffnen. w. Zum Bau einer Pferdebahnlinte Chauffee« und Snvalidenstrahe-Ecke, Veteranenstraße-Zionskirchplatz- Kastanien« llee, Ecke der Schönhauser Allee, hat daZ kgl. Poltzeiprästdium der Groden Berliner Pferde-Gisenbahn-Aktien-Gesellschast die Genehmigung ertheilt. Die Linie soll noch im Laufe dieses Jähret gebaut werden. Mit einem ganz entsetzltchev Raffinement, dasinder Berliner Selbstmörder-Chronir entschieden einzig dastehen dürste, hat am Sonntag ein in der Linienstraße 241 in Chambregarni wohnender 29jähriger Kaufmann Oskar Thorsen seinem Leben ein gewaltsames Ende gemacht. Derselbe, der schon seit län- gerer Zeit an einem alten Brustleiden Kit, scheint dadurch ver« anlaßt worden zu sein, fich daS Leben zu nehmen und bemerk- stelligte diei nun, um auch ficher vom Leben zum Tode beför« dert zu werden, auf folgende, geradezu grausame Weise. Er befestigte zunächst an der Decke einen Haken und an diesem einen zu einer Zugschlinge geformten Strick, sodann schraubte «r in die Dielen zwei eiserne Oesen und band seine beiden Füße daran an, nachdem er noch vorher, um seinen Körper ge« rade zu halten, fich am Rücken eine starke Holzstange, mit zwei vorn fest verschlossenen eisernen Ketten angebracht hatte. So vorbereitet, legte er seinen Kopf in die Schlinge und bewirkte nun durch ein geringes Heben der Füße, daß fich die Schlinge zuzog und ihn auf diese Weise vollständig erdrosselte. Das eigmthümliche, mll der ganzen Exekution verbundene Geräusch hatte die Aufmerksamkeit anderer Hausbewohner erregt, doch war Th. beim Eintritt derselben bereits eine Leiche. Erst durch Zerschneidung der Stricke konnte der Selbstmörder aus der entseylichen Lage gebracht resp. von den Fesseln an den Füßen befreit werden. Auf Anordnung der sofort benachrichtigten Revierpolizei wurde die Leiche nach dem Leichenschauhause geschafft. In der Klosterstraße, fum die Kaiser.Wilhelmstraße herum, wird jrtzt auch unter den alten Häusern tüchtig aufgeräumt, nicht zum Schaden der Straße, denn fie bekommt Lust und Licht und tritt auS ihrer lleinstädtischen Abgeschlossenheit der« aus. Aber ein Stück Alt-Berlin verschwindet damit wieber. An Stelle deS alten düsteren KalandihofeS erHeden fich bereit» schmucke Kaufhäuser mit Eiknern, Giebeln undThürmen. Wie wenige Berliner mögen diesen Winkel an der alten Stadt« mauer gekannt haben, von dem fich die Berliner im 15. Jahr- Hunden die pikantesten Geschichten erzähtten. Ursprünglich warm die KalandSbrüder eine sehr fromme Gesellschaft. Priester hattm fie gegründet, um fich gegenseitig in Roth und Tod bei« zustehen. Der Orden aber wurde bald reich, umgab fich mit dem Reiz de» Geheimnisses und zog dadurch auch splendide Laim in seine Kreise. Ter StisturgSbiief stammt auS dem Jahre 1344, aber schon im Jahre 1381 war er im Stande, dem Rath von Berlin 72 Schock böhmischer Groschm zu leihen, wofür dieser die Fischereien und die Pacht vom See bei Stralow verpfändete. Im KalandShofe ging eS nach den religiösm Verhandlungm sehr lustig zu, man sprach von richtigen Orgien und Papst Eugen IV. hob auf Antrag Kurfürst Friedrich Ii. den Orden gänzlich auf. Im Jahre 1698 ging der Kalandshof in dm Beste der Stadt über, welche ihn in ein Kriminalgericht mit dem obligaten Stadtgesängniß verwandelte. Eine hohe Mauer umgab nun den Kalandshof und nach der Seite der Königsmauer befanden fich die festen Verließe für die TodeS« kandidaten. Im Jahre 1797 trat das Stadtgesängniß auf dem Molkenmartt an die Stelle deS KalandShofe« und die Grund« stücke gingen im Privatdefitz über. Heut erbeben fich hellere Bauten mit hellen Spiegetscheidm an Stelle deS alten dunklen Gemäuers. Der Einbreche« und Johlegänger, Kistmmacker Franz Letzin ist wieder einmal au« der Irrenanstalt zu Dalldorf mt- wichen. Im November 1883 gelang tS ihm in Gemeinschaft mit zwei anderm wildm Männern, die zu den gefährlichsten Eintirechem Berlins gehörten, Halsband und Wessel, von dort zu mtkommm. Der letztere ging damals, nachdem er hier noch mehrere Diebstähle auSgefühtt hatte, nach Amerika, wo er eine Schlächterei begründete und noch betreibt. Halsband und Letzin wurden aber wieder ergrissen und nach Dalldorf zurückgebracht. Kennllich ist der 27 Jahre alte, ziemlich schwächlich gebaute Letzin an einer Narbe unter dem linken Auge und zwei erbsen- großen Leberfleckm auf der linken Rückenselle. Räch einer Mtttheilnng deS AmtSvorsteher» zu Treptow wurde am Sonntag, den 1. d. MtS, Nachmittags, in der Nähe deS EierhäuSchenS die Leiche eines unbekanntm ca. 25 Jahre altm ManneS auf dem Eise deS linkm Spree-Ufer» in einem Loche steckend aufgefundm. Die Leiche hat schwarzes Haar und ist bekleidet mit einem graubraunen Ueberzieber, eben« solchen Tuchdeinkleidern und Zugstieseln. Die eine Hand der« selben war noch mit eine« schwarzen Glacöhandschuh bekleidet. Angaben über die Persönlichkeit deS Aufgefundenen werden bei der Kriminal-Polizei entgegengenommm. Sin SchicksalSfchlag hat den Kellner Schulz, einen or« denttichen, fleißigen Mann, betroffen. Derselbe erkranfte, nach« dem er gegen ein chronisches Magenleiden einige Zeit lang ein Morphium-Medtkament angewendet, vor wenigen Monaten an den Bugen. Da« Uebel verschlimmerte fich von Tag zu Tag, bis schließlich auf dem einen Auge vollständige Erblindung eintrat. Die Aerzte konstattrten eine unheilbare Atrophie der Sehnerven, und Schulz dürste auch bald den Verlust deS zweiten Auges zu beklagen haben. Der Bermste, welcher fich noch in der Klinik befindet, ist durch daS Unglück selbstver« ständlich erwerbsunfähig geworden. Er sowohl wie seine Fa- Milte sehen daher der bittersten Roth entgegen. Mildthätige der schwergeprüften Herzen würden fich durch Unterstützung Familie den aufrichtigsten Dank derselvm erwerben. Die Wohnung der Leute befindet fich Großdeerenstraße 90, 4 Treppen. Jede, auch die bescheidenste Gab« ist willkommen. Zeichen der Zeit. Um ein Unterkommen zu finden, hat in der Nacht vom 7. zum 8. d. M. der obdachlose Korbmacher Nitsche die Schaufensterscheibe eineS GarderobengeschäftS in der Gertraudtenstraße mit einer Branntweinflasche adfichtlich zertrümmert. Wie N. wurden auch zwei obdachlose Hand- werker, der Maurer K. und der Tuchscheerer M., in Haft ge- nommen, welche am 7. d. M. Abends das Schaufenster einer Kolonialwaarenhändlerin in der Höchstestraß« zerschlagen hatten.__ Soziale» und Arbeiterbewegung� Gewerbestatistik. Im Anschluß an die bisherigen Ver« öffentlichungen de« taiserl. Statistischen Amt« über die Ergeb« nisse der BerufSzahlung vom 5. Juni 1882 ist jetzt als 7. Band neuer Folge der Statistik deS Deutschen Reichs die Gewerbestatistik der deutschen Staaten und ihrer größeren VerwattungSbezirle erschienen. Die mit der Bemiszählung verbundene gewerbestatistische Aufnahme erstreckte fich bekannt- lich auf die Betriebsstätten der Industrie, einschließlich deS eigentlichen Handwerks, ferner der Handels-, VerficherungS- und VerkehrSgewerbe(mit Ausnahme der Eijendahnen), und zwar auch auf die Betriebe vom kleinsten Umfang, selbst auf diejenigen, in denen nur eine Person nebensächlich thättg war. Für alle diese Betriebsstätten wurde ermlltelt: die Zahl der in denselben thätigen Personen, deren Arbeitsstellung, ob und welche Arten von Motoren im Betrieb Verwendung fanden, ob und inwieweit Hausindustrie dabei vorkam, endlich in welchem Befitzverhältniß fie standen. Alle diese Momente find in den Nachwetsungen berückfichtigt, die sowohl für die Ge- werbe im Ganzen, als auch mit Unterscheidung von 20 Gewerbegruppen und von 243 Gewerbearten geboten werden. WaS die Hauptresullate der Aufnahme anbetrifft, so find im Ganzen 3 609 801 Gewerbebetriebe im Deutschen Reiche gezählt worden; davon waren 3 005 457 Haupt- und 604 344 Neben- betriebe, d. h. solche, in welchen keine Person, weder als Leiter noch als Gehilfe, mit ihrer Hauptbeschäftigung thätig war, die vielmehr nur eine oder meh.ere Personen lediglich nebensächlich beschäftigten. In den Hauptbetrieben waren im JahreSdurch« schnitt 7 340789 Personen thätig. An der Bevölkerung ge- messen, giebt daS auf 1000 Einwohner 79,8 Gewerbebetriebe und 1623 gewerbthätige, d. i. in Industrie, Handel und Ver« kehr beschäftigte Personen. Der durchschnlltliche Umfang eineS Hauptbetriebes, nach der beschäftigten Kopfzahl bemessen, stellt fich auf 2,44 Personen."— Nach dem Verhältniß der gewerb« thätigen Personen zur Bevölkerung ragen unter den einzelnen Staaten und Provinzen mll einer mehr alS 200 betragenden Ziffer hervor: Stadtkreis Berlin(307), Rheinland(205), Königreich Sachsen(263), Sachsen-Äeiningen(213), Sachsen. Altenburg(201), Reuß Greiz(277), Reuß-Gera(238), Lübeck(256), Bremen(309), Hamburg(319). Erklärt fich für die drei Hanse- städte die ausgedehnte Gewerbthätigkell schon aus dem Vor. wiegen deS städtischen Elements unter ihrer Bevölkerung, so haben fie doch als Seestädte hinfichtlich deS Gewerbes deS WafferverkehrS noch eine besondere Bedeutung; Hamburg insbesondere zeichnet fich überdies durch die starke Entwlckelung seines Handel» auS, in welchem allein 100,4 Personen, auf 1000 der Gesammtbevölkerung berechnet, thätig find. Berlin verdankt seine hohe Ziffer der Entwickelung einer größeren Anzahl von Gewerbszweigen, für welche die Großstadt den geeigneten Boden abgiebt. Den besonderen gewerblichen Charakter der übrigen hier namhaft gemachten GebietStheile anlangend, so find im Rheinlande die Gewerde- gruppen des Bergbaues und Hüttenwesens, sowie der Textil- Industrie vergleichsweise stark vertreten, im Königreich Sachsen die Textil- und die Papierindustrie, sowie die polygraphischen Gewerde, in den beiden sächfischen Herzogthümern die Industrie der Steine und Erden und die der Holz- und Schnitzstoffe, in den beiden Reuß die Textilindustrie, insbesondere in Reuß j.L. auch die Maschinen« und die Lederindustrie.— Bei Unterscheidung der Provinzen bezw. Staaten nach Bezirken treten als industriell stark entwickelt zu den eben genannten Distritten noch hinzu der Regierungsbezirk Arnsberg mll 226,9 und der Bezirk Ober Elsaß mit 229,0 gewerbthätigen Personen auf je 1000 Einwohner, und zwar Arnsberg wegen der hier sehr ver« breiteten Gewerbe d«S Bergbaues und Hüttenwesens, wie auch der Metallverarbeitung, Oder Elsaß in Folge seiner bedeutenden Textilindustrie, die nicht weniger alS 115,3 unter je 1000 seiner Bewohner beschäftigt. Rückgang der Löhne. DaS offiziöse.Deutsche Tage« blatt" schreibt;„Sollten die ungünstigen wirthschaftlichm Ver- hältniffe noch lange anhalten— und ei ist noch nicht abzu- sehen, wann eine Besserung eintreten wird— so wird eine Maßregel auf die Dauer nicht zu vermeiden sein, welche jeder so lange als nur irgend möglich hinauszuschieben wünscht, weil die Folgen unter allen Umstanden beklagenSwerth und zuweilen von sehr bedenklicher Art find. Der Rückgang aller Preise und die theilweise Stockung des Absatzes muß ftüher oder später eine Herabsetzung der Löhne zur Folge haben, denn dieselben bieten alsdann daS einzige wirksame Mittel, um eine gewisse Rentabilität zu erhallen und um den Ruin der Unter« nehmer abzuwenden."— Wenn offiziöse Organe den unver- meidlichen Rückgang der Löhne zugestehen, dann kann derselbe ficherlich nicht mehr geleugnet werden, da jene Blätter biS jetzt im Interesse der deutschen Schutzzoll« und WirthschaftSpolink die Oberleugner solchen Rückgangs gewesen find. Der Streik der Wetmartscye« Handschuhmacher ist in der Hauptsache dadurch beendet worden, daß die meisten der Streikenden anderwältig Arbeit gefunden haben. Die Ver- bleibenden haben eine kleine Lohnaufbesserung und eine Ver- ringerung der Arbeitszeit erzielt. Also besser wie gar nichts. Der Streik in Deeazeville nimmt immer größere Dimenfionen an. Es ist aber Ruhe eingetreten. Die Strei- kenden warten den Ausgang der Anstrengungen ab, die von ihren Freunden in der Kammer und bei der Regierung gemacht werden. Die amerikanifche Eisenindustrie erfreut fich noch immer nicht deS gewünschten Aufschwungs. Die Lageroorräthe nehmen von Tag zu Tag zu; die Löhne find gedrückt. Zahl« reiche Eisenarbeiter find ohne Verdievst. Die deutschen Metall« arbeller find dringend vor Auswanderung zu warnen. Vereine und Versammlungen. * I« der Generalversammlung der Maurer Berlin» und Umgegend, welche von ca. 2000 Thellnehmern besucht, am Sonntag, den 7. d. M., Vormittags, unter Vorsitz de» Herrn Grothmann in der Tonhalle, Fucdrlchstr. 112, tagte, referirte Herr Regierung»baumeister Keßler über die Bedeutung deS Kongresse» der deutschen Maurer. Redner unterzog zu« nächst den§ 152 der Gewerbeordnung einer Besprechung. Dieser Paragraph sei e», welcher den Arbellern gestattet, fich zu»ereinigen um bessere Loh»« und Arbellsbedingungen zu erzielen. Diese» könne jedoch nickt allein dadurch geschehen, daß man fich auf Grund der den Arbeitern gesetzlich zustehenden Koalitionsfrethett w sogenannte Fachverelne vereinige, sondern eine Vereinigung über ganz Deutschland könne diese» nur herbeiführen. Da eS aber auf Grund der bestehenden Vereinsgesetze verboten ist, daß polllische Bereine mit einander in Verbindung treten,— die Fachvereine aber von den Be- Hörden vielfach zu polllischen Vereinen gestempelt würden— so müßte man suchen, die im Gesetz befindlichm Lücken auSzu- nützen, und andere Mittel und Wege suchen, um eine gegen« sellige Verständigung herbeizuführen. DieseS kann dadurch ge. fchehen, daß man öffentliche Versammlungen einberuft, und dort seine Vertreter wählt. Die auf diese Weise gewählten Vertreter treten min mit dm nach gleichem ModuS in anderm Orten Gewähltm zu einem Kongreß zusammm. Dort könnm die Lohn« und Arbellsbedingungen über ga«j Deutschland be« sprochm und geregelt werde«, ohne die Grenzen deS Gesetzes dabei zu überschreiten. Redner ging sodann noch auf die ein- zelnen Punkte der Tagesordnung deS nächsten Konareffes ein. Besonders hervorheben wollen wir, daß nach den AuSführun. gm de« Redners auch die WanderuntnstützungSkassm, welche von den Fachvereinm einzelner Städte ins Leben gerufen find, und auf Grund von Kartellverträgen ihre Mitglieder unter« stützm und dadurch daS Wandern erleichtem, auf dem nächsten Kongreß besonders berückfichtigt werdm sollen, damll auch hierin eine einhellliche Regelung geschaffm werde. Auch in der Agitation zur Organisation der Gewerk chaften der kleineren Städte müßte der Kongreß eine Regelung schaffen. Welche guten Früchte eine mll Nachdruck geübte Agitation zur Reife bringe, haben die AgitationSreism gezeigt, welche dieftn Winter von Berliner Mamern gemacht wordm find. In der darauf folgmdm DiSkusfio« schloffen fich die Herren Bock, Grothmann und Weiße den Ausführungen deS Referenten m vollem Sinne an. Dm zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Besprechung deS ThemaS:„Wie stellen fich die Berliner Maurer zu einer etwaiam Verlegung deS Fachoraan„Der Baru Handwerker". Eämmlltche Redner sprachen fich dahin aus, M die Berliner Delegirten, fall» diese Frage auf dem Konarez zur Sprache kommm sollte, ganz entschieden gegen die Ver' legung von Berlin Front machen müßten. Folgende Resolutron wurde angenommen:„In Anbetracht einer etwaigen, von der Konttolkommisfion in Ausficht gestellten Verlegung deS.Bau« Handwerker" beschließt die heutige Versammlung wie folfl'! 1. Der„Bauhandwerker" und die dazugehörige Kommisston bleiben in Berlin, und beauftragt die Versammlung die Ber« liner Delegirten, mll allen Kräften dafür einzutreten. 2. Die Kontrolkommisfion und Preßtommisfion bleiben getrennt. 3. Gegen eine etwaige Verlegung der Kontrolkommisfion mehr nach der Mitte Deutschlands, hat die Verfammlung nichts ern- zuwenden. Zum dritten Punkt der Tagesordnung:„Wahl der Delegirtm zum Kongreß", wurde von Heim Grothmann mu- Selheilt, daß die Maurer Hamburgs fünf Delegirte und dr» iontrolkommlsstons-Mllgliedtr zum Kongreß entsenden. He» Krieg empfahl— da die Berliner Maurer noch nie mebr fünf Delegirte-um Kongreß gesandt haben— den alten Modu» auch für dieses Jahr beizubehalten, trotzdem im Verhältniß zu Hamburg, Berlin die doppelte Zahl zu stellen hätte. Die Ber« liner Maurer würden aber nicht diktatorisch, sondern demotta- tifch bandeln und empfahl Redner deshalb fünf Delegirte und drei Mitglieder der Preßlommisston zu entsenden. Dieser An- trag wurde angenommen. Ferner wurde beschlossen, den«e? liner Delegirten 7 M. Spesen pro Tag und daS Eisenbahn- Fahrgeld 3. Klasse zu gewähren. Al» Delegirte wurden»� wählt die Herren: Grothmann, Behrend, Bock, Scheel und K'.ügw zur Vertretung der Preß komm.! sston die Herren Wille, Weise un» Blaurock. Zu„Verschiedenes" kritistrte Herr A. Jänicke, daß du Lohnkommisfion, dem Kasstrer des ÄeneraliondS pro Monat M Mark Veraürigung bewilligt habe. Die Versammlung beschloß- daß da» Vorgehen der Lohnkommisston zu billigen sei und der Beschluß bestehen bleibe. Ferner wurde ein Brief, welcher an den Vorfitzenden der Lohnkommisfion Herm Wille gerichtet wad verlesen und lautet derselbe wle folgt:„Berlin, den 6. 1886.— Lieber Freund! Roth bricht Eisen. Heute MoM kam ich zu unserm Freund August Plath, Naunynstr. 72. ich oben kam, war mein Freund Pl. nicht zu Hause. Der?ia»- bar öffnete die Thür und theilte mir mit, daß die Frau uns«'' Freunde« in Ohnmacht liege. Der Mann sei fortgegangen, um einen Arzt zu holen. Ich ging hinein, fand aber lcm Ohnmächtige, sondern erne Leiche. Ich kann konstatllen, da« die arme Frau viel geduldet hat. Mit ihren Kindern h« st: Leid und Qual mit ihrem Mann getheilt um der Gesawmt�n» willen. Meinen Augen entflossen Thränen und ich kann n'», i Kindern ha« in der Wirthschast� mehr schreiben. Zwei von den armen Kindern biS auf wettere» zu mir genommen. In der Wirt,.., nicht» Entbehrliches mehr zu finden. Der Wifth fordert, Miethe und der Steuermann klopft auch an die Thür. ist ein Bild vom„Berliner Hungertyphus". Karl SjwidO Der Bruder dieses so fchwer heimgesuchten Maurers bat die Versammlung um eine leihweise Unterstützung d' selben, um die verstorbene Frau unter die Erde bringen können. Mit Opferfreudigkeit beschloß die Versammlung einstimmig, dem so schwer Getroffenen 100 Mark zu bew welche jedoch nicht nur alS geliehen zu betrachten find (U. Erledigung einiger weniger interessanter Angelegenheiten>«. der Vorfitzende mit einem dreifachen Hoch auf die Einigkeit Maurer Deutschlands die Versammlung. Der Verein zur Wahrung der Interessen licher t« der Hutfabrikatioa beschäftigten Arbeiter l konstttuirt und findet die nächste Versammlung am A. den 15. d. R.. Abend» 8 Uhr. in Siemundt'S Resta�W Linienstr. 8, statt. Kollegen, zeigt, daß Ihr die Mi#k*L Eurer Lage und die Nothwendigkm einer Organisation erkan habt. Beseitigt allen Kastengeist der Ardeiter in unltt. Branche und tretet Mann für Mann dieser Vereinigung � denn nur in großen Massen vereinigt werden wir im®IBavi sein, di�Befferung unserer Verhällnisse herbeizuführen. � auf die Tagesordnung dieser Versammlung vre gesetzt ist, kann nur Mitgliedern der Zuttitt gestattet w« � Aufnahme von Mitgliedern findet täglich statt bei A' Seeger, Prenzlauerstr. 39, sowie am Abend der Versarnmw am Eingänge deS VersammlungSlokaleS.„«,5� ♦ 5. ReichStngS-Wahlkrei». Dienstag, den 9. A � Abends 8'/, Uhr, Versammtung bei Jacobi, LandSdergerft■. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Gerifck über Leben und Wirken". 2. Diskussion. 3. Verschiedene». 4.»tB8 kästen. Gäste willkommen. Aufnahme neuer MUgliedn--, * Produktiv« und«ohstoff.Genossenschaft derWp der zu Berlin(E. G.) Zimmerstraße Rr. 30. Heute, D � tag, AbendS 8'/, Uhr, im Lokale de» Herrn Fr- L: Mohrenfiraße Nr. 40, General-Versammlung. Tagesorvo 1. Jahre»- Abschluß wie Beschlußfassung über die (Heilung und die_dem Vorstand zu 2. Ausschluß von Mitgliedern. 3. Wahl der VerwaltungSrathSmitglieder. 4. Geschäftliches. * verltuer Turngenosseuschast(6. Lehrli lung), jeden Dienstag und Freitag von 8—10 Uhr der Turnhalle, Zehdenickerstr 17. * Rauchklub„Zum Wränget". Jeden Dienstag 8'/, Uhr im Restaurant Wrangelstr. 32. ;Wf Wir erhalten folgende Zuschrift: � Die verehrliche Redaktion wlld um Aufnahme nächst� Erklärung gebeten: W- In verschiedenen Zeitungen habe ich»u mem° luNS- wunderung gelesen, daß mir Vorwürfe in einer Velfaw die in der vorigen Woche im Restaurant SarrSsouct � funden hat, darüber gemacht worden find, daß W a-ltu"�! erschienen bin. Gelesen habe ich in der betreffenden notiz, daß ein Vortrag von mir über den Nordol> mittelst Säulmanschlag für jene Versammlung ong worden sei. Ich erkläre hiermit, daß die» obne met pH* und Willen geschehen ist; daß mich vor der vor ipraa; raj rur orn oura, zeranryeir veromo«.....- � knecht in einer Versammlung in der Habelschen vrauer�.�, i* Beendigung derselben hörte i chjuerft, �da ß� ich ""fleb*' Sanssouci reden sollte. Ich erklärte aber..., an dem Tage durch Arbell verhindert sei; wäreich< vorher davon unterrichtet worden, daß ein Vottrog Eünscht würde, so hätte ich mich einrichten können-, pt ist es eine Unfitte, Referenten auf die Tage5 �„ et Referat palten, wenn ich nicht vorher davon. worden bin und meine Zustimmung gegeben have-#«ißy� B,rt über da» vorgeschlagene Thema: Nordosts«'. mehr ohne besondere Veranlassung mespro*'"* n. Regierungsvorlage endgiltig angenommen wm»' � e � mehr daran zu ändern"ist." Meine Fraktion Verantwortlecher Redakteur«.»rvutzei« i» Berka. Tmi rmd Verlag von Max vadiug in verlin Beuthstraze 3. mung im Reichstage zur Genüge entwickelt. Berlin, den 6. März 1886., � Hier«" eis» Beilage zum Berliner Bolksblatt. k 57. Dienstag, den 9« März 1886. III. Varlamentsverichte. Deutscher ReichStaa. LI. und 62. Sitzung vom 8. März, 1 Uhr. . Am Tische des Bundesratbs: von Boe tticker, von Willing. Die Bänke des Hauses find sehr schzrach . Die Aufnahme der Zellulosefabriken in daS Verzeichnifi -�besonderer Genehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen "*0 in dritter Beralhung genehmigt, und soll darauf die Berathung deZ von Rcichensp rg-r eingebrachten G.-E, Wnd die Einführung der Berufung, fortgesetzt «wen. *bg. ReichenSperger(rur Geschäftsordnung): DaS besetzte HauS wäre wohl im Stande, heute die Ber- cbwng mit Worten weiterzuführen, aber außer Stande, Mlilffc zu fassen, die in jedem Fall für spätere Zeit und I? beschlußfähiges HauS vorbehalten werden müßten. Dos »««de aber die für ernen so wichtigen Gegenstand bedauerliche haben, daß alsdann die heute Anwesende?- mitvotiren Men, ohne die heutige Verhandlung und die Argumente, » ne zu Tage fördert, zu kennen. Er beantragt daher die mg der Verhandlung, da er sonst an das Bureau die >« richten müsse, ob es daS HauS für beschlußfähig hält. ».Der Antrag auf Vertagung wird durch die Stimmen der Wt-n und'~....... einiger Nationällideralen abgelehnt, worauf Perger an den Piästdenten die angekündigte Frage Der Präsident lehnt ihre Beantwortung in diesem Jj�ent ad, da sie nur vor einer Abstimmung aufgeworfen S.ben kann, nicht nach derselben.(Stimmen rechts: Sie 5% Ihren Zweifel aussprechen sollen, bevor Sie den Antrag � Vertagung stellten!) k,. Der Präfivent eröffnet die Verhandlung über die Be- Jyg und ertheilt'dcm Abg. ReichenSperger das Wort�der einst» ?>en darauf verzichtet. Abg. Mündel beantragt den ffjuß der Debatte und spricht zugleich seinen Zweifel an der Mußfähigkeit des Hauses aus. In dieser Verbindung, mit y vor einer verlangten Beschlußfassung des Hauses aus- Hachen, kann er nur die Folge haben, daß der Präsident .�-itamensausrui vornehmen läßt, der trotz zahlreicher ihAonen nur 136 Mitglieder als anwesend konstatirt. Der k lident schließt die Sitzung und setzt eine neue um 2>/> Uhr liiküi burrh eine frisch gedruckte Tagesordnung als 62. de- wird. te. zuzustimmen. Insbesondere sei daS Argument der (Jj1«« der Berufung hinfällig, daß der zweite Richter schlechter jCWrt sein solle als der erste. Die ganze Rechtsordnung in Mfchland beruhe auf der Berufung als einem wesentlichen M«: in allen Zivilprozeffen, bei der gesammten Verwaltung, sin« Strafverfahren bei den Schöffengerichten gebe eS die vJJjrong. Der BerufungSrichter werde gegenüber den Ur- der Strafkammern freilich nicht sehr oft in die Lage ,t werden, einen anderen Thatbestand festzustellen, als Strafkammer, wohl aber komme eS häufig vor, daß die Mammer aus einem richtig festgestellten Thatbestand un- a« Schlüsse ziehe, die das Berufungsgericht rektifiziren müsse. i, in in«n Erfahrungen als Richter beim Obeitcibunal kann i, Mdner verstchern, daß er und seine Kollegen dort oft genug �fiöpfe geschüttelt haben, wie falsche Schlüsse vielfach die Mvftonz aus den durch daS Beweismaterial festgestellten flachen gezogen habe. Durch irgendwelche neu zu schaffende Sutten für die Rechtsprechung erster Instanz könne die Be- fL�g nicht ersetzt werden. Alle diejenigen aber, denen eS ? mit Wiedereinführung der Berufung ist, müssen W.? KommijfionSantraa stimmen, da dieser im Bundeslathe die preußische Regierung für fich habe. Der An- iut BerufungS- -------...._____—...........----- will, habe im vrathe durchaus keine Auificht auf Annahme. tart l* Hänel: Wir haben vor wenig Jahren eine Straf- tob?°�ung eingeführt, die darauf zugespitzt war, die Be» «>«>.» LLvrfiüsfig zu machen durch die ganze Konstruktion des '«tfc v,• durch die darin der Vertheidigung gewährte Rolle, - die Wiederaufnahme deö Verfahrens rc. Wenn ich mich ob die Vorschläge der Kommisfion eine Verbesserung k. ut)ec der Strafprozcßo dnung enthalten, so muß ich unbe» Kerliuw Thexler. Wallncr-Theater. >!« onl»'-Leichte Streiche" so betitelte fich eln Schwank, o» � Sonnabend im Wallner-Tbeater über die B.-etter ging. «?ie Anforderungen, welche an einen Schwank zu t lotih«' immer auf einem gewissen Niveau halten muß, %%% man mit dem hier Gebotenen leidlich zufrieden sein. i�ii�io» lachen will, ohne fick über Ursprung und Be- � Cm8 b und Erholungsreise antreten ic. (Heiterkeit.) Es war also nirgends von Pflichtwidrigkeit die Rede, auch nicht, als der sel. v. Mallinckrodt in Folge seiner Anfrage vom Ministerpräfidenten die Antwort erhielt, daß es fich eigentlich nur um Formalien handle, da man an Stelle der Abtheilung die Einsetzung eines apostolischen Nuntius inS Auge gefaßt gefaßt habe. Am 18. März 1872 erhielt Herr Kratzig auch noch den Klonenorden Iii. mit dem rothen Kreuz.(Hört! im Zentrum.) Am 10. Mai 1873 kam Fürst Bismarck bei Gc« legenheit der Aufhebung der Art. XV. und XVIII. der Verf. auf die katholische Abtheilung zu sprechen; er bestrstt ausdrück- lick, daß der Vorlage ein konfesfioneller Charakter inne wohne und sagte über die katholische Ablheilung: er habe fich, als er aus dem Kriege zurückgekommen, gewundert, welche Fortschritte dieselbe in Bekämpfung der deutschen Sprache in polnischen Landesgebieten gemacht hätte. Diese scharfen Worte hätten damals Herrn v. Mühler zu der Entgegnung veranlaßt, (Kreuzztg. v. 14. März e, a), daß die Abtheilung nie eine selbstständige Behörde gewesen, sondern stets unter Kontrole des Unterstaatssekretärs gestanden und niemals eine Thätigkeit im Schulwesen und besonders in der Sprachenfrage ausgeübt habe.(Hört! hört! im Zentrum. Lebhafte Bewegung.) Die „Nordd. Allg. Ztg." habe diese Worte nicht aufnehmen dürfen, dagegen habe fie auf dieselben eine scharf polemische Erwide- rung gebracht, in welcher jedoch von polonistrenden Tendenzen, Pflichtwidrigkeit deS letzten Leiters der katholischen Abtheilung, oder aar davon, daß die Echulstaae von ihr reffoittrt habe, kein Wort) enthalten gewesen.(Hört! hört! im Zentrum) Minister v. Mühler habe fich weiter dauernd seiner Beamten angenommen, namentlich öffentlich erklärt: eS hindere ihn die aus tiefer liegenden politischen Rückfichtcn erfolgte Auflösung der katholischen Abtheilung nicht, unschuldig angegriffene, noch lebende Beamte derselben zu oertheidigen.(hört! im Zentrum.) Trotz deffcn sei wiederum Minister Falk am 10. Dezember desselben Jahres auf die Auflösung der katholischen Abiheilung eingegangen und habe mit wohlwollender Milde über dieselbe und deren Leiter fich ausgesprochen. Nicht lange darauf sei Herr Krätzig um seinen definitiven Abschied eingekommen, der ihm denn auch mittelst Kabinetsordreg vom 19. Dezember 1874„in Gnaden mit Penston und unter Bezeugung der Zufriedenheit mit seiner Dienstsühruna" ertheilt worden sei.(Hört! hört! im Zentrum; Bewegung) Seit jener Zeit ist nun absolut nichts eingetreten, waS so harte, wie am 28. Januar d. I. gefallene Beschuldigungen hätte rechtfertigen können. Herr Krätzig hat fich daher in einem auSführlichenSchreiben an den Herrn Kultusminister gewandt. In demselben protestirt er namentlich dagegen: 1. amtliche Aktenstücke nicht ausgeliefert zu haben— das müßten die Alten und alle noch von damals lebenden Registraturbeamten bestätigen—, 2. jede Gelegenheit, «inseitige Versügungen im Jntereffe der von ihm vertretenen Sache zu treffen, benutzt zu haben— AlleS sei seinen geord- neten Gang durch Unterstaatssekretär dezw. Minister ge- gangen, und außerdem seien von der katholischen Abtheilung niemals Kommiffaricn zu Staatkministerialfitzungen zugelassen worden(Hört! im Zentrum)—, 3. mit den Bestrebungen be» züglich des Pelpliner Domkapitels je etwas zu thun gehabt zu haben,— er meine, eS sei damals Wethbischof Jeschke, ein Deutscher, Dompropst geworden(Hört! im Zentrum)—, und 4. je mit hoben Familien im antipreußischen Sinne konspirirt zu haben. Allerdings stelle er nicht in Abrede, im Sinne der JnstallationSurkunde die katholischen Kirche stets vertreten zu haben.(Beifall im Zentrum.) Er bitte schließlich den Minister um Veröffentlichung aller bezüglichen Aktenstücke.— Ich meine zwar— schließt Redner—, daß dieS nach einer solchen Rechtfertigung, wie durch solche Aktenstücke, kaum noch von Nöthen wäre, indessen schließen wir unS, meine Freunde und ich, dennoch dieser Bitte gern an.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Minister v. Goßler: Den Wunsch des Vorredners, daß eS möglich gewesen wäre, die ganze Frage inzwischen zu erledigen, kann ich ja von meinem Standpunkt aus theilen. In demselben Augenblick aber, in welchem ich Herrn Dr. Krätzig auf sein Schreiben vom 29. Januar eine Erwiderung zugehen lassen wollte, kam mir ein Artikel der„Germania" vom 5. Februar in die Hand, worin ich unter Hinwei« auf das Schreiben deS Herrn Krätzig zu einer„Ehrenerklärung für diesen schwer gekränkten Ehrenmann" aufgefordert wurde. Nun ist es eine alte Regel innerhalb der preußischen Verwal- tung, daß, wenn eine Beschwerde an irgend eine Zenttal- behörde eingeht und gleichzeitig Preßartikel veröffentlicht wer- den, auS denen hervorgeht, daß der Inhalt dieser Beschwerde der Presse bekannt geworden ist, eine Antwort nicht erfolgt (große Bewegung im Zentrum). Den Grund können Sie äch ja selbst leichNagen. Wenn auf Grund eines solchen erfolgt wäre, die Herrn Krätzig als eS vielleicht meine heutigen so würde man natürlich den Agttation in der Presse die Nichts ist schwerer, als Verfll .. �WMW. am Artikels nun eine Antwort wohlthuender berührt hätte, Erklärungen sein werden, Eindruck haben, daß die Veranlassung gewesen ist. gungen zu erlassen unter dem Druck derartiger Pceßerzeug- nisse, gewissermaßen aus Angst und Furcht vor Drohungen. DieS ist der einfache Grund. DaS Konzept des Schreibens liegt vor mir, und ich bedauere, daß ich nicht in die Lage gekommen bin, eS abzusenden. Herr Krätzig berief fich in dem Eingänge seines Schreibens an mich auf ZeitungSreferate. Ich wäre in der sehr angenehmen Lage gewesen, ihm| durch Uebersendung des stenographischen Berichls einen ganzen Theil seiner Irr- thümer über meine Aeußcrungen zu zerstören. Mir ist auch daS abgeschnitten worden. Ich werde lediglich für das einzu- treten, was ich wirklich gesagt habe. Ich habe hier dem Ge- danken Ausdruck gegeben, daß nach meinem Wissen die katholische Abtheilung fich allmälig zu einer selbstständigen Be- Hörde im Organismus des Staats entwickelt und fich als solche gefühlt habe. Ich habe dazu erklärend bemerkt, daß Aktenstücke fehlten. Ueber manche Verhandlungen mit Bischöfen fehlte etwaS, und es wären auch dem Unterstaatssekretär und dem Minister gegenüber Entziehungen eingetreten; beide seien nicht bei allen den Punkten zugezogen worden, wo die Geschäfts- instruktion dieS forderte. Auf die Person deS Herrn Krätzig bin ich in dem Zusammenhang nur eingegangen, weil auf ihn der landräthliche Bericht von 1871 Bezug nahm und darauf hin- wies, daß mit polnischen Angelegenheiten der damalige Leiter der katholischen Abtheilung befaßt gewesen sei. Ich werde Ihnen an der Hand der Akten eine kurze Schilderung der katholischen Abtheilung geben. Auf den Antrag deS Kultusministels Eichhorn genehmigte Ee. Majestät die Gründung einer Abtheilung im Kultusministerium, welche die katholischen Angelegenheiten bearbeiten sollte, als Beirath deS Ministers, bestehend aus einem Direktor und zwei Rüthen. Diese Abtheilung sollte zu dem Ministerium kein anderes Verhältniß haben, al» wie die anderen schon vorhandenen Abtheilungen im Ministerium. Für dieselbe wurde eine Instruktion erlassen, ganz in derselben Weise wie für die anderen Adtheilungen, und die Maßregel den Provinzialbehörden und den Herren Bischöfen durch ein Rund. schreiben mitgetheilt. Naturgemäß begab fich eine so eigen ge- artete Abtheilungsallmälig auf einclelwaij gesonderte Stellung, weil fie den Eindruck hatte, fie hätte ganz besondere Pflichten und Rechte wahrzunehmen. Der Direktor Aulecke gerirte fich denn auch in seinem Rechenschaftsbericht von 1851 über die zehnjährige Thätigkeit der Abtheilung wie der politisch verant- wortliche Chef eines besonderen Ministeriums. Als solcher hat er ganz bestimmte Defideria auch nach der Richtung deS UnterrichtswesenS aufgestellt. Aulecke erachtete fich so« Sur für ermächtigt, über seinen Minister eine Be- hwerde an deS Königs Majestät zu richten. DaS machte nun in der Thai ein sehr großes Aussehen. DaS StaatSministerium lehnte den Antrag vis Herrn Direktors ad und faßte in sehr besttmmter und ernster Weise eine Entschei- dung darüber, daß die Auffassung, von welcher der Herr Direktor bei seiner Vorstellung an Se. Majestät ausgegangen war, eine absolut inige wäre. Der Minister Raumer gab in seinem Bericht, trotz seines Wohlwollens, selbst ,u erkennen, daß die Abtheilung fich noch einer ganz andern Richtung entwickelte, als man fich bei der Gründung derselben gedacht hatte, was nothwendig zu Reibungen führen müßte. Diese Propbe- zeihung ist steigend immer mehr zur Wahrheit geworden. Die allerhöchste Entscheidung fiel gegen den Direktor au*. Nach dem Tode AuleckeS wurde die Aufhebung der katholischen Ab- theilung lebhaft diskutirt. Sie wurde als eine Art Dependenz der römischen Kurie dezeichnet, dazu berufen, die Interessen RomS im Ministerium zu vertreten. DaS Ministerium ent- schloß fich mit einer ganz kleinen Majorität für die Aufrechterhaltung der Abtheilung. Herr Krätzig wurde aber berufen unter Vorbehalt„einstweilen" und„vorübergehend", woraus hervorgeht, daß die Sache im Staatsministerium in vollem Fluß war und allmälig zur Aufhebung führen mußte. 1871 hat dann der Kultusminister selbst die Aushebung der Abtheilung beantragt. In seinem Jmmediatbericht wird insbesondere darauf hinge- wiesen, daß die Mitglieder der Abtheilung sich mehr und mehr als Vertreter der katholischen Kirche gegenüber dem Staat be- trachteten, so daß der Minister genöthigt gewesen, die Kor« respondenz über Angelegenheiten der katholischen Kirche, namentlich über den diplomatischen Verkehr mit Rom der Kenntniß der katholischen Abtheilung zu entziehen und solche Sachen ausschließlich im Zentralbureau zu bearbeiten. DaS war noch schärfer als ich es gesagt habe, und Sie werden es mir nachfühlen, wenn ich sage, daß dieser Bericht für mich ausschlaggebend ist. Ich stehe hier nicht als Kritiker, sondern alS historischer Referent. Eine Bemerkung von mir ist etwaS scharf gedeutet worden. Ich soll die Enthebung deS Herrn Krätzig von seinem Amt alS eine Disziplinarstrafe bezeichnet haben. Das ist unrichtig. Ich habe fie nur alS eine DiSziplinarmaßregel bezeichnet, und wenn Sie erwägen, daß daS StaatSministerium in der Folgezeit eS stets abgelehnt hat, den Wunsch des Herrn Krätzig, wieder in den Staatsdienst zu treten, zu erfüllen, so werden Sie wohl den Eindruck mit mir haben, daß eS fich um eine sehr ernste Maßregel handelte. WaS nun die Theilnahme des Herrn Krätzig an der Einsetzung deS DompropsteS Jeschke bettiO, so liegt die Sache folgendermaßen: Nachdem der Bischof von Kulm Herrn Jeschke zum Dompropst vorgeschlagen hatte, erhob der Ober- präfident hiergegen Bedenken; Herr Jeschke habe zwar früher als ein Mann von deutscher Gefinnung gegolten, aber fest dem Tode des früheren DompropsteS sei bei ihm ein GefinnungS- Wechsel eingetreten, man dürfe einen Mann, der, wie er, eine Todtenfeier für den Polenkönig Kafimir in dem ihm unter- stellten geistlichen Stist geduldet habe, diese einflußreiche Stelle nicht bekleiden lassen. Herr Krätzig hat die betreffenden Ver- Handlungen mit dem Bischof geführt; wir befitzen darüber ein von seiner eigenen Hand geschriebenes Protokoll. Der Bischof stellte jene Todtenfeier al* ganz harmlos dar, Herr Jeschke habe fich bei der Theilnahme der Schwestern und Schülerinnen an der Messe nichts gedacht. Auf Grund dieses Berichts wuide Jeschke später bestätigt. Der Direktor Krätzig war also mit dieser polnischen Angelegenheit ganz besonders ver- mischt.(Lachen im Zentrum.) Es fällt mir ja gar nicht ein, zu behaupten, daß Herr Krätzig einen polnischen Priester wissentlich in die Dompropststelle hat einführen wollm. Ich führe hier noch ein anderes Beispiel an, welche* zur Vorficht mahnt. Der jetzige Generalvikar Klingenberg gilt bei den Be- Hörden der Provinz als ein ganz entschlossener Polonisator, obwohl er deutscher Abkunft ist. Er war Mitglied der Liga PolSka und an der Steuerverweigerung im Jahre 1848, wie auch der vielgenannte Echaffranek bethelligt. Er saß in der Nationalversammlung auf der äußersten Linken und detheiligte fich an den radikalsten Beschlüssen. So stimmte er für die Streichung des Titels von GotteS Gnaden, für die Volks- souveränetät, für die Abschaffung deS Adels, der Orden jc. Trotz dieser Vergangenheit schlug der Bischof von Kulm dessen Ernennung zum Domherrn vor. Ee. Majestät nahm aber Anstand, einen solchen Priester zum Domherrn ernennen. Später fand dann eine Besprechung zwischen dem Minister und dem Bischof über diese Angelegenheit statt. Der Herr Bischof gab zu, daß ihm das Auftreten Klingenbergs im Jahre 1848 vollkommen bekannt gewesen sei. Herr Klingen- derg sei aber inzwischen ein anderer Mann geworden. Darauf hin wurde dieser von Er. Majestät bestätigt. Dieses find Thatsachen, die ich mich bemüht habe objekliv vorzu« tragen. Nun will ich sehen, waS Sie noch auszusetzen haben. (Beifall rechts.) Abg. v. Eynern verzichtet nach den Erklärungen deS Abg. Windthorst auf das Wort. Abg. Windthorst: Ich habe niemals eine wunder« licher« Vertheidigung gehört, als die des Ministers gegenüber den Angaben des Kollegen Porsch. Die auffallende Thatsache, daß der Minister auf einen freundlich gehaltenen Brief nicht geantwortet hat, soll durch die gleichzeitige Erwähnung der Sacke in der Presse erklärt werden; wenn aber Herr Krätzig eia Recht auf Antwort nicht hatte, so giebt es doch gewisse gesellschaftliche Pflichten, die kein Minister außer Acht lassen darf, am wenigsten einem von ihm selbst angegriffenen Manne gegenüber. Der Minister hat eine Menge Material vorge- tragen, das mit seinen Anschuldigungen gegen Geheimen Rath Krätzig gar nicht den mindesten Zusammenhang hat; jene Beschuldigungen aber find durch die Darlegungen des Abgeordneten Po:sch als völlig grundlos erwiesen. Herr v. Goßler hat fich über seine frühere Behauptung, die Zurdis- pofitionSstellung drs Hirrn Krätzig sei eine scharfe Disziplinar- Maßregel gewesen, heute völlig ausgeschwiegen. Alles, was gegen den Herrn vorlag, befand fich damals wie heute in den Akten; w-Shald denn damals die Anerkennung des Herrn Krätzig, seine Belohnung mit Orden und Ehrenzeichen? Sind die darauf bezüglichen Jmmediatderichte an den König nicht wahrheitsgetreu gewesen? Ist einer auf der Anklagebank, so ist eS der Minister Mühler, nicht aber sein nachgeordneter Rath Krätzig!(Sehr richtig! im Zentrum.) Die Abtheilung arbeitete lediglich unter der Verantwortlichkeit des Ministers, alle Schuld fällt auf diesen. Sehr übel angebracht ist es, lst' Heime Räthe zu Sündenböcken tür die Feblcr der Minister K machen. Wir erleben doch alle Tage, daß Minister weggesM werden, weil sie— nun, ich will es nicht weiter eröriern, wissen eS ja Alle.(Große Heiterkeit.) Und daß die nöthiG« Mißklänge nicht fehlen, dafür wird ja durch die offiziös-n£<' gane reichlich«sorgt; ich will Herrn v. Goßler jetzt nicht cov führen, was Alles hinter ihm noch herklingen wird. die vom Minister verlesenen Akten der katholischen% theilung und die Geschichte dieser Einrichtung betn", so empfehle ich allen meinen Glaubensgenossen, fltc' und klein, den vertrauensseligen wie den kritisch angelegte, aufmerksam diese Ausführungen des Ministers zu lesen. man bei solchen Anschauungen, wie fie in den Regierung� kreisen vorherrsch:», Vertrauen haben?(Sehr gut! und P stimmung im Zentrum.) Stehen wir nicht da, wie Untertham» zweiter»lasse? Mit solchen Anschauungen konnte man eine katholische Abtheilung nicht brauchen. DaS ganze Mma sterium ist in seinen sämmtlichen wichtigen Branchen mit W testanten besetzt: heute haben Sie uns den Beweis gelitsm, daß Sie tief befangen find, daß wir von Ihnen keine GeneW keit zu erwarten haben!«Beifall im Zentrum.) Nach diele» Enthüllungen können wir uns gar nicht eher beruhigen.)>« wir wieder eine kräftigere, ausreichende Vertretung im sterium haben(Unruhe rechts); jetzt endlich betonen wir um"' Ebenbürtigkeit, fie muß und wird anerkannt werden.(Lebhast" Beifall im Zentrum.)„, Minister v. Goßler: Auch bei der böswilligste» SM' legung meiner Worte kann die Beschuldigung, daß Herr Krak'S Altenstücke unterschlagen habe, darin nicht gefunden weiK» (Widerspruch im Zentrum),— wenn ich Ihnen sage, es ist mir eingefallen, daS zu behaupten, so müssen Sie eS mir glaud'm Ich lasse mich nicht irre machen durch die Preßerzeugnisse, das behauptet haben. Ich hatte nur objektiv ausgesproae", es fehlen Aktenstücke. WaS meine allgemeinen AusführunF betrifft, so wiederhole ich, daß ich nicht deduzirt, sondern � referirt habe. Abg. Diricklet: Ohne jedes Spezialintercsse für Krätzig muß ich doch sagen, daß, waS heute diesem H""1 pasfirt ist, morgen irgend einem Andern, vielleicht uns noc Stehenden geschehen kann. Dieses Prozedere überhaupt, � den Akten der Regierung nachträglich Schuldbeweise zu füh"� ist in Preußen erst unter der gegenwärtigen Regierung aiw kommen. ES ist dieser Fall der zweite derart; der erste die seitens des Herrn Finanzministers v. Scholz gegen st'T Vorgänger Herrn Hobrecht aus den Akten zitirte stimmungsmotivirung zum Tabaksmonopol. Der tf* Fall giebt mir Veranlassung, eine Prophezeihung sprechen, obwohl sonst das Propbezeihen mein M"' nicht ist: Wern zu Preußens und Deutschlands Glück Herr Reichskanzler noch recht lange an der Spitze der Ges»° bleibt, so wird nach sechs oder acht Jahren, wenn der Jstr mehr als organifirte Polenhetze lokalifirte Kulturkampf falls Fiasko gemacht haben wird, der Hern Reichskanzl" wiederum an demselben völlig unschuldig sein, und man dann wiederum irgend einen vorragenden Rath— ich nalüilich jetzt noch nicht, welchen(Heiterkeit)— zum Sünd«" bock machen.(Beifall links.) ,u Abg. Porsch wendet fich nochmals gegen den ihm nf genügend widerlegt erscheinenden dem Geh. Rath Kräk' durch gemachten Vorwurf, daß Herr v. Eynern nach der rung deS Kultusministers am 28. Januar d. I. gesagt, r „Die Römlinge verstünden es, Papiere verschwinden zu lafF. Er habe indessen die Aeußerungen deS Herrn Minister* bs« bar dahin aufgefaßt, daß der Vorwurf unrechtmäßig«% worden sei; indessen bedaure er doch sehr, daß der M>w". kein Wort der Genugthuung für den vielgeschmähten G.! Rath Krätzig gehabt habe, um somehr, da die„Nordd.*%', mit allerhand Perfldien noch weiter gegangen sei. bleibe jedenfalls bestehen, dem Geheimen Raih Krätzig sei eine Spur unehrenhafter Handlung nachgewiesm.(BlifB Zentrum.) � Abg. v. Zedlitz: Ich muß mich aufs Entschied««®, dagegen verwahren, daß der Abg. Windthorst die kathoW«« Staatsbürger all Unterthanen zweiter Klaffe bezeichnet.«F. er dem Minister Mangel an Urbanität vorwirft Herrn gegenüber, so hatte letzterer doch da« Recht darauf oe#*::, als er seine Beschwerde gleichzeitig zum Gegenstand einer demonstralion machte.(Sehr wahr! rechts.) Uebrigen* Herr Windthorst doch über den Mangel an Urbanität hWm sehr klagen, wenn selbst von hochgestellten Staatsbeamten Unterbediente bezeichnet.(Vizepräsident v. HeeremaN�., llärt, gehört zu haben, daß der Abg. Windthorst von dimsteten". nicht von Bedienten sprach; andernfalls würbe � den Ausdruck gerügt haben.) Wir haben das feste BewuW und den festen Willen, die katholischen Mitbürger mit selben Maße, wie uns selbst, zu messen, aber Sie müssen jj verlangen, einen Staat im Staate zu bilden.(Lärm im d. trum.) Wenn Herr Windthorst subjektiv das Gefühl Preuße zweiter Klaffe zu sein, so lerne er von uns.(GeW®„ im Zentrum), fich auf den Boden deS preußischen Staate» stellen. Abg. Bachem: Derselbe Herr v. Zedlitz, der »Wßz. /v w v M»•-wv»| vw v 17'ig ÖlC Friedensflöte geblasen Jjat, ist sammt seinen Freunden st-� _ sjl servativen denn stets die Vorlagen der Regierung, welche �......____„-.......' Ursache dazu gewesen. Friedensströmungen zu verhindern. rfnV gut! im Zentrum. Oho! rechts.) Warum haben die Meu.. f & zesfionen für die Kirche enthielten, zu verschlechtern RVT�tii Warum werden solche Beschuldigungen, wie fie Herr v. ausgesprochen hat, nicht zurückgenommen, nachdem der Minister selbst erklärt hat, daß der Verdacht grundlos (Beifall im Zentrum.) w Abg. v. Eynern: Ich hatte die Aeußerungen des v � Kultusministers am 28. Januar allerdings dahin verstan � daß dem Chef der katholischen Abtheilung damit der Po*g, gemacht worden sei, Aktenstücke beseitigt zu haben. N«® � aber der Herr Minister v. Goßler erklärt hat, nehme ich lichweise keinen Anstand, Herrn Krätzig öffentlich i»® el aus meiner Aeußerung Alles wegzunehmen, roa» � egen fich daraus entnehmen könnte.(Lebhafter Best»" entrum.)._„%iP Abg. Windthorst: WaS ich in Bezug auf den sagte, hat seine Beziehung auf die ganze kirch«JÄ$» Lage, das, was nachher kam, ist nicht von mir provozst>,>° � durch die Aeußerungen deS Herrn Ministers. Dann soll«d � bührlich von irgend welchen Beamten gesprochen haben. Da» t' j|(f der Fall. Ich habe gesagt wörtlich:„Wir find Preuße".}..� Klasse, über welche fich Unterbedlinte, Prästdenten und M � in beliebiger Weise unierhallen."(Unterbrechung bei konservativen) Ron? Haben wir nicht eine ganze Retyo bedienten in der Verwaltung?(Unterbrechung bei den A servatioen.) ES ist doch sprachlich sehr wohl zulaffiü' ei« Unterbediente» zu reden. Bedienen ist eben Amt.(Zuruf recht!:„Mangel an Takt!") Nein,, Herren.(Heiterkeit.) Wenn Herr v. Zedlitz gemeint ha wir verfichert sein könnten, er und alle seine Kollegen\t den Katholiken jeder Zeit Gerechtigkeit widerfahren lan bitte ich ihn, den Worten Thaten folgen zu lassen; bw«, djS es nicht der Fall. Im Uebrigen empfinde ich gar ntw � ich irgendwo»weiter Klaffe bin, ich stehe voll und Reihe, wo ich bin(sehr gut! im Zentrum), und ich mich sehr wohl, werde weiter für meine Sache känM�F verlange dafür von keinem Menschen etwaS.(Lebhai« im Zentrum. Heiterkeit link«.). ger Das Gehalt des Ministers, sowie die übrigen düngen des Ministeriums werden genehmigt. Um 3V< Uhr wird die weitere Berathung des K» auf Dienstag 11 Uhr vertagt. Zokales. . Thierschutz. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ein dunkles Kapitel in dem Leben der Menschen ist ihr Verhalten (Mtn die Thier«. Der Mensch wurde durch seine Ueberlegen- deit der Herr der Thierwelt, aber er bat kein Recht, deren Tyrann zu sein. Wie die vertßnstelten Stuben', Sladt- und valonmenschen fast alle BeziebungenZzu der Thierwclt abgebrochen haben und fich höchstens noch durch einen im Kerker sitzenden, schmachtenden Vogel an die Lebewesen da draußen erinnern laffen, so haben fie auch gar keine Fähigkeit mehr, mit der Thierwelt recht zu verkehren. Hochmüthig steht man auf «ieThiere herunter(außer auf die Echooßbündchen. D. Red), M fie ferne von fich, geht ihnen, wie Unholden, aus dem Wege, und der bloße Name„Thier" ist diesen Menschen schon eine verächtliche Bezeichnung.(Siebt es aber Jemanden, der da sagen kann, warum er selbst nicht ein Thier wurde, anstatt ein Mensch? Es ist wahr, eS liegt ein unermeßlicher Borzug darin, Mensch zu sein: soll indeß derjenige, dem «ine solche Bevorzugung unverdient zu Theil geworden, sich deshalb davon entbunden betrachten, Barmherzigkeit Segen die zu üben, denen solches Glück nicht beschieden wurde? D a r w i n hat ein Buch über den Ausdruck der Ge« müthsbewegungen bei den Thieren geschrieben und darin ge» ««igt, daß die Aeußerunaen de? Schmerzes, der Jreude, deS Widerwillens k. fich bei den höchst entwickelten Thieren und den Naturvölk-rn ähnlich und gleich find. Im schönen Werk von k ch e i t l i n:„Tbierseelenkunde", wird auf vielerlei Züge von Dankbarkeit und Treue bei den Thieren aufmerksam ge- wacht, sowie auf deren Mäßigkeit im Genuß von Speise und Trank, ihre Geduld im Ertragen von Schmerzen und Krank- beit, ihren Fleiß nnd ihre Ausdauer bei der Arbeit, ihre llederlegung und Klugheit, ihre Liebe und AufopferungSfähig- für ihre Jungen rc.— und beide Gelehrte beweisen hier- vurch, daß keine so große Kluft den Menschen vom Thier« «rennt, als es der dünkelhaste„Herr der Schöpfung" bisher ahnte oder arigeßand. Solche Beobachtungen haben vielleicht Friedrich den Großen veranlaßt, von seinen Lieblingsthieren zu sagen:„Sie besaßen alle Tugenden der Menschen ohne deren Laster." � Lamartine schreibt in dem Humanitären Gedicht„Der Fall des Engels": «Ihr sollt selbst mit den Tbieren Freundschaft schließen; Sie haben einen nur dem Grade nach verschiedenen Geist; Ihr sollt ihn anerkennen. In ihren Augen schlummert wie ein Traum DaS Morgenroth der werdende« Vernunft; Ihr sollt nicht dieses mäste Licht ersticken, Die Strahlen einer höheren Bestimmung. Versüßt ihr LooS und lernt ihr Wesen kennen!" Strebst du, lieber Leser, wahrhaft nach edler Menschlichkeit, io kannst Tu es bekunden, indem du folgende Grundsätze zur Richtschnur deines Handelns nimmst: 1. Verursache einem Thier« nicht Schmerzen, die irgendwie >u vermeiden find. Soll da? Thier geschlachtet weiden, so ge- ftehe«z mit möglichster Schonung und mit möglichster Rasch- xii bei der Ausführung. Bei überflüsfigen oder schädlichen Thieren giebt die Nothwendigkeit, fie zu vernichten, dir noch «in Recht, fie zu quälen. Darum tödte schnell und möglichst leicht. _ 2. Halte die Kinder vom Schlachten der Thicre fern. Wenn dem kindlichen Herzen durch häufigen Anblick deS unge- »nderten Schmerzes das Mitleid verloren geht, dann werden «n demselben die besten Vorsätze so wenig Wurzel fassen und im Reife gelangen, so wenig der beste Pflanzensame auf wirrem Fels gedeiht. , 3. Pflege deine HauSthiere und halte fie rein. Niemand Masse fich Thier« an, falls er fie nicht zur Genüge füttern Nn. Lasse ein krankes Thier nicht arbeiten, sondern sorge tzafür, daß ihm die nothwendige Behandlung widerfährt. 4. Ermüde deine Zugthiere nickt übermäßig, lasse fie weder jji starker Hitze, noch bei strenger Kälte lange im Freien stehen. Schlage kein Thier im zornigen GemüthSzustande, mißhandele «S nicht mit unmenschlichen Hieben, vielleicht in der irrigen Meinung, daß daS Thier aus bewußter Bosheit nicht folgen wolle. _ 5. Schone die Wald- und Singvögel: fie befreien die Tärten, Aecker und Wiesen von schädlichen Jnseften. Wer die jungen Vögel auS den Nestem holt, handelt nicht nur roh, sondern auch höchst unklug. , 6. Wenn du stehst, wie Andere den Tbieren BöseS thun, so widerrathe ihnen und belehre fie in den Pflichten des Thier» nutzes. � Vor dem Ehrenrath der Anwaltskammer wurde am Sonnabend unter dem Vorfitz deS Justizrath Wilmowiki in ««Nem Saale des KammergerichtSgebäudes gegen den biefigen Rechtsanwalt und Notar Qumstädt in ISstündiger Sitzung verhandelt. Unter den Belastungszeugen figurirte namenllich ?uch der Kellner oder Geschäftsführer einer hiefigen Wein« NNdlung, welcher eine von dem betreffenden Rechtsanwalt in Aigen wart seiner(deS Rechtsanwalts) Gattin und anderer Kirsonen gemachte Äeußerung in weitere Kreise gebracht hatte. fRr Angeschuldigte, welcher bekanntlich schon vor dem Audienz- «rmin seine Stellung al« Rechtsanwalt freiwillig aufgegeben Und dies auch dem Vorstand und dem Ehrenrath der AnwallS« «ammer angezrigt hatte, was indeß letzteren doch nicht hinderte, L?S eingelertete Verfahren zum Abschluß zu bringen, war zum Finnin erschienen und vertheidigte fich selbst, ohne jedoch einen ififolg zu erringen, denn eS wurde gegen ihn auf Entziehung ver Befähigung zur Ausübung der Anwaltspraxis erkannt.— gS ist dies seit Bestehen der neuen Justizorganisation der fünfte pull innerhalb des KammergerichtSdezirkS, daß Rechtsanwälte n dieser Art ihreS Amis verlustig gingen. Vier dieser Fälle «Wimen auf Berlin, einer auf Brandenburg. i*. Da« LSjiihrtge GeschäftS-Jubiläurn deS Hoflieferanten Wein-Großhändlers Friedrich Schulze, Königgrätzerstrahe 15, Med in geschäftlichen Kreisen mit Interesse erwartet. Der Chef Firma, welcher jetzt im 50. Lebensjahre steht, etablirte am l April 1861 im Eeegert'schen Hause sein erstes Geschäft. Ein Jtohr später eröffnete er den weit über den Bereich der Restdenz Mannten„Leipziger Garten", der noch jetzt, ebenso wie die Zisiamationen der drei Parlamente, deren Lieferung Herr {»■ Schulze hat, von ihm kaufmännisch betrieben wird. An- gUß« der 70er Jahre ei wetterte fich daS Geschäft, nachdem der Inhaber korporirtes Mitglied der Kaufmannschaft geworden, M entstand dasjenige rn der Königgrätzerfiraße 15, daS in Monster Blüthe steht._. i. Tausende und Abertausende von Schlittschuhlaufern „'Pen am Sonntag wieder die Eisbahnen in und um Berlin Ugesucht. Es zeigte fich allerdings bei den meisten künst- N«n, d. h. durch L-ttungS- oder Brunnenwasser beigestellten �bahnen, daß die Tazessonne doch schon zu große Gewalt xwonncn und die Bahnen unbrauchbar gemacht hatte. Das |!ä auf der Rousseau-Insel und auf dem Karpfenteich bei 5'«Dtow, sowie auf den Seen der Umgegend bot aber noch % vorzügliche Bahn und es waren deshalb alle diese Orte «ch außerordentlich delebt. w.. Ein unficheres Hau«. Das HauS Landsberger straße 32. �lch-z dem Landrath und Kataster-Kontroleur H., beide Nverhald wohnhast, gehört, und von dem Stadverordneten und ?«ch>sanwalt H. verwallet wird, hat zwei Straßenfronten, erne M der Landsberger- und eine nach der Landwehrstraße, und M täglich von Tausenden von Menschen als Durchgang bc- M. Die Miether find nicht im Stande, diese Benutzung zu N°ern und die Anlegung eineS vrrscklossenen GitterS quer ltn bot ist nicht zu erlangen. Dem Einschleichen von Nnbel ist hierdurch Thür und Thor geöffnet, zumal die 6 Treppenaufgänge zu den Werkstatt« und Lagerräumen. z-N« nach Schluß der Werkstätten nicht benutzt werden, ohne 'irren find. Vor ungesah: drei Wochen ist schon auf dem Grundstück ein Boden erbrochen und Wäsche gestohlen, dann einige Tage später dem Tischlermeister G. Bretter, und in jüngster Zeit wiederum eine Kiste, und von dem fich auf dem Hofe befinden- den Wagen Verpackungsmaterial zum Möbeltransport fortgenommen worden. Vorgestern Abend kam nun das Fuhrwerk deS Tischlermeisters G. sehr spät nach Hause, und da dasselbe beladen auf dem Hofe stehen blieb, war er besonders wachsam und gab Obacht, wer fich auf dem Hofe herumtrieb. Seine Aufmerksamkeit wurde bald durch ein paar Leute erregt, welche fich in auffälliger Weise auf dem Hofe zu schaffen machten. Herr G. forderte die Leute auf, den Hof zu verlassen. An« scheinend kamen diese auch der Aufforderung nach, allein Plötz- lich drehte fich einer der Strolche um und stürzte fich mit drohen- den Worten und erhobener Faust auf G- E« gelang Herrn G., den Angreifer festzuhalten; ali die» jedoch die Komplizen sahen, fiel einer derselben Herrn G. von hinten an und zwang ihn, den Erstgcpackten loszulassen, welchen Augenblick dieser benutzte, einen Spaten zu ergreifen, einen Schlag auf den Kopf des G. zu führen und diesen befinnungSlos zu Boten zu schlagen. Durch den entstand, nen Lärm waren mehrere Hausbewohner aufmerksam geworden, welche nun dem G. zu Hilfe kamen und wenigstens ernen der Strolche, welche zu entrinnen versuchten, festnahmen. Nur dieser unerwartet kommenden Hilfe hat an« scheinend Herr G. es zu verdanken, daß er nicht schwerer miß« handelt oder gar getödtet worden ist. Um dem Hungertode zu entgehe«, stürzte fich am Montag, den 8. d. M, Nachmittags 4'/, Uhr, ein anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger Mann in den dreißiger Jahren an der Halleschen Thorbrücke am OmnibuS« Halteplatz von einem dortstehenden Kahn auS ins Wasser, nachdem er noch vorher zu einem Gasanzünder geäußert:.Letzt habe ich be> reits 13 Wochen keine Arbeit, ehe ich verhungere, lieber gehe ich ins Waffer." Den Worten folgte auch alSbald die That, indem er dieselbe in obiger Weise ausführte. Der Gasan- zünder, welcher ihn beobachtete, ließ durch die betreffenden Schisser sofort Rettungsversuche anstellen und gelang eS, den Unglücklichen noch lebend dem nassen Grabe zu entreißen. Er wurde nach der Wache des Polizei-Revier« am Bellealliance- Platz gebracht. Poltzeibericht. Am 5. d. M. Abends stürzte fich ein Mann in selbstmörderischer Abfickt auS einem Fenster der im ersten Stock des HauseS Bernauersttaße 18 belegenen Wohnung auf den Bürgersteig hinab und erlitt dadurch schwere Ver- letzungen, so daß er mittelst Tragkorbes nach dem Lazarus- Krankenhaus« gebracht werden mußte.— Am 6. d. M. Morgens versuchte ein junger Mann fich in seiner Wohnung in der Ackecstraße daS Leben zu nehmen, indem er fich mittelst eines Revolver« einen Schuß in die Schläfe und einen Schuß in dm Mund beibrackte. Er wurde, tödtlich verletzt, jedoch noch lebend, nach dem LazaruS-Krankenhause gebracht.— An dem- selben Tage Morgens wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Großen Hamburgerstraße erhängt vorgefunden.— An demselben Tage Abends wurde auf dem Flur deS HauleS Papenstraße 20/21 eine etwa 25 Jahre alte unbekannte FrauenSperlon krank und bewußtlos auf- g-funden und demnächst nach der Charitee gebracht.— In ver Nacht am 7. d. M. wurde ein unter fittenpolizeilicher Konttole stehendes Mädchen auf dem Flur deS HauseS Amalienstraße 21 von einem Manne durch Messerstiche in die Brust und in'« Gestcht anscheimnd schwer verletzt. Dasselbe wurde mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhaus« am FriedrichShain ge- bracht. Der Mann wurde verhaftet.— Am 7. d. M. Morgens sprang ein Mann in selbstmörderischer Abficht von der Michaels- brücke aus in die Spree, wurde jedoch von vorübergehenden Personen hinter dem Grundstück Holzmarllstraße 17/18 nach lebend aus dem Wasser gezogen und nach seiner Wohnung ge« bracht.— Zu derselben Zeit erschoß sich ein Mann, vermuthltch auS Schwermuth, in seiner Wohnung in der Schmidsttaß«.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Linienstraße erhängt vorgefundm. Beide Leichen wurden nach dem Leickenschauhause gebracht.— Am 7. d. M. Vormittag« hatte ein Mann in der Greifswalderstraße den Versuch gemacht fich zu erhängen, wurde jedoch noch recht- zeitig abgescknittm, mußte aber wegen andauernder Bewußt- losigkeit nach dem städtischen Krankenhaus« am FriedrichShain gebracht werden._ Gerichts-Zeitung. Die Geschäftsthätigkeit der sogenannte» natu»« ärztlichen Hetlinstttute wurde in einer gestern vor der 87. Äbtheilung deS hiefigen Schöffengericht» stattgehabtm Ver- Handlung gegen den Naturarzt Dr. philad. William Becker, Pritzwalkerstraße, wegenß? vollendeter und 20 versuchter Be- trugSfälle einer einschneidenden Erörterung unterzogen. Der Angeklagte giebt an, im Januar 1845 in Sudenburg geboren zu sein und bis zu seinem 14. Lebensjahre die dortige Schule besucht zu haben. Nach seiner Konfirmation will er nach Amerika auSaewendert, bei seiner Ankunft erkrankt sein und in dem Hospital, in welchem er behufs seiner Heilung Aufnahme gefunden, fich al» Apotheker ausgebildet haben. Später habe er in Amerika Medizin studirt und fei 1867 nach Deutschland zurückgekehrt. Anfangs habe er fich mit Unterricht- ertheiiung in der englischen Sprache befaßt und, nachdem er hierzubleiben beschlossen hatte, seine ärzt« liche Kunst ausgeübt; aus den Personalien des Angeklagten wird eine fünfmalige Bestrafung wegen Anmaßung eine? arzt« ähnlichen Tttels und wegen Uebertaffung von Medikamenten an Andere konstatirt. Vor Ku.-zem wurde wegen der letzten Uedettretuna eine mehrtägige Haftstrafe gegen ihn verhängt, doch ist gegen dieses Urthetl Berufung eingelegt. Der Angeklagte bezeichnet die Art seiner Heilkuren entweder atS„Naturheil« Methode" oder als„Tropische Kräuter- Heilmethode". In zahl« reichen Inseraten der Taaesblätter und in einer eigens zu diesem Zweck herausgegebenen Druckschrift„Der fliegende Rathgeber für HauS und Familie" empfiehlt fich der Ange- klagte zur Heilung sämmtlicher Krankheiten, auch solcher, die von anderen Aerzten alS unheilbar bezeichnet find. Seine Kur zerfällt in drei Abschnitte: in die Vorkur, in die Regene- rationSkur und in die Nachkur, für welche je ein Honorar von 5 Mark gefordert wird, und zwar muß dasselbe vor Begine jeder Theilkur franko eingesendet werden. Für jede Anfrage muß extra 1 M. und die Mtdikamente, welche in der Flora- Apotheke deS Herrn Reichnow angefertigt find, außerdem an den Versender, Spediteur Fr-edrich, bezahlt werden. Nach einer Schätzung beliefen fich die Einnahmen für 6 Monate deS Jahre» 1884 auf einige sechSziptausend Mark. Die Druckschrift„Der fliegende Rathgeber" ist zeitweiS in 400000 Exemplaren verbreitet worden. Der Patient, welcher fich an den Angeklagten wendet, erhält ein Zirkular, in welchem 14 verschiene Fragen gestellt find, welche der Heilsuchende be- antworten muß. Der Angeklagte beschäftigt in seinem Institut 3 approbirte Aerzte. Nach Angabe deS Angeklagten werden die eingehenden Krankenberichte von ihm und den drei Aerzte« zu gleichen Theilen bearbeitet, die Diagnose gestellt, und die VrrhaltungSregeln gegeben. Nach der An« klag« bestehen die Medikamente großcntheilS aus Thee'S und Pillen, die ganz indifferent find. Dem Lehrer Schieb in Regen- thin sandte der Angeklagte Pillen gegen«in nervöses Kopf- leiden, während derselbe an einem Rachen- und Ohrenkatarrh litt; dem Büchsenmacher Bamberg in Minden hat der Ange- klagte gegen ein Blasenleiden ein Medikament gesandt, welches, wenn er eS eingenommen hätte, dessen Tod zur Folge haben konnte; die Doris Ukub wollte der Angeklagte durch Pillen von einem Magenkrebs heilen; dem Häfner Johann Hardt in Koßhagen sandte der Angeklagte Thee gegen ein schweres Augen- leiden; der Müller Mekne erhielt Pillen gegen daS Ausfallen der Haare, welche Diarrhoe zur Folge hatte; der Herdergs- wirth Seventisch in Magdeburg erhielt Thee zur Beseiti« gung einer Harnröhren- Verengung, die nur durch eine Operation beseitigt werden konnte; und der Arbeiter Reinicke in Volple erhielt Pillen und Thee gegen einen unheilbaren grauen Staar.— Geheimer Medizinalrath Dr. Wolff erachtete die gelieferten Medikamente zum Tbeil für indifferent, zum Theil sogar für schädlich. Seiner Anficht nach mußte der Angeklagte von der WirkungSlofigkeit der verabfolgten Heilmittel vollkommen überzeugt sein. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Holz beantragte, die Aerzte Drr. Hertwig, Hagen und Hahn als Zeugen über den guten Glauben de« Angeklagten von der Wirkung seiner Kur zu ver« nehmen, der Gerichtshof lehnte diesen Antrag aber als uner- heblich ab. StaaiSanwalt Wagner plaidirte auf Schuldig und beantragte, den Angeklagten zu einem Jahr Gefängniß und 2 Jahren Ehrverlust zu verurtheilen. Rechtsanwalt Hol, ver- weist auf die hunderte von Attesten von Hoch und Niedrig, die der Angeklagte geheilt habe, für dessen guten Glauben an seine Heilmethode. Damit aber sei der Anklage der Boden entzogen. Eventuell würde fich eine ganz geringe Strafe recht- fertigen. Der Gerichtshof veruriheilte den Angeklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts zu einem Jahr Gefängniß und zweijährigem Ehrverlust. Der Gerichtshof beschloß die sofortige Verhaftung deS Angeklagten und lehnte die Eni« lassung auch gegen eine Kaution von 10000 M. ab. Die Falzer nnd Packer in Bnchdrnckereie«, welche die gedruckten Schriften zur Versendung fertigstellen, find nach einem Urtheil deS Reichsgericht«, 2. Strafsenat«, vom 5. Januar 1886 gewerbliche Arbeiter im Sinne der ReichS-Gewerbe- ordnung, und die Beschäftigung jugendlicher Personen mit Falzen und Packen in einer großen, mit Maschinen und zahl- reichen Arbeitem funktionirenden Buchdruckerei ist den Bestim« mungen der Reichs Gewerbeordnuaa über die Beschäftigung jugendlicher Fabrikarbeiter(§§ 135 ff.) unterworfen. Der Vor« steher der Druckerei der Zeitung„Germania" hatte mehrere Knaben unter 14 Jahren in den Druckereiräumen mit Falzen, Zettelaufkleben und Verpacken von Zeitungen bi« 10, bezw. 1 1 Uhr Abends beschäftigt, und er wurde von der Strafkammer wegen Vergehens gegen die§§ 135, 136, 146 Z. 2 der Ge« werbeordnung veruttheilt, da nach§ 136 die Arbeitsstunden der jugendlichen Fabrikarbeiter nicht über 8'/, Uhr Abends dauern dürfen. Die von dem Verurtheilten eingelegte Rcvifion wurde vom Reichsgericht verworfen. Ein krasser Fall von Kurhfuscherei lag einer An- klage wegen fahrlässtge« Körperverletzung mit Ueber- tretung der Bernftpflicht zu Grunde, welche heute gegen den 70 Jahr alten Heilkünstler Johann Carl Rudolph Anton vor der zweiten Strafkammer hiefigen Landgerichts l verhandelt wurde. Der 30 Jahr alte Kaufmann Brandstetter leidet seit ca. 4 Jahren an einer chronischen Entzündung deS rechten Kniegelenks. Nach dem Gutachten deS Oberstabsarztes Doktor Hahn kann fich die Heilung einer derartigen Krankheit viele Jahre lang hinziehen, welcher Umstand den Patienten in die Hände von Kurpfuschern treibt. Deren Köder ist daS Ver« sprechen, die Heilung in möglichst schneller Zeit zu bewirken, welches ein Arzt niemals abgeben darf. Dem in der Behand- lung deS Dr. Coblenz befindlichen Brandstetter, der noch im Julr v. I. fähig war, fich ohne Krücken fortzubewegen, deren er jetzt bedarf, erschien die mit ihm vorgenommene Kur nicht schnell genug Erfolg zu versprechen; er wandte sich deshalb an!den Angeklagten, der als Masseur einen weit verbreiteten Ruf genießt. Derselbe unterwarf ihn der schmerzhaftesten Operationen, welche nach dem Gutachten des später wieder zugezogenen Dr. Coblenz nicht nur eine be- deutend« Entzündung der Gelenke, sondern auch eine Zerreißung des inneren Gelenkbandes hervorgerufen, also die Verschlimme- rung deS Leidens veranlaßt haben. Der letzteren Anficht tritt Oberstabsarzt Dr. Hahn nicht bei, er hält vielmehr die Zer« reißung de« Gelenkbandes für ausgeschlossen und meint, daß der verschlimmerte Zustand sehr wohl eine Folge der Krankheit sein könne. Dagegen stimmt er mtt dem Dr. Coblenz darin überein, daß die Entzündung und der Schmerz ohne Grund ver- mehrt worden find. Staatsanwalt Weichert beantragt bei dieser Sachlage 150 M. ev. 15 Tage Gefängniß, der Gerichtshof er« achtete aber bei der Gemeingefährlichkeit derartiger Kurpfuscheret eine Gefängnißstrafe für geboten und bemaß dieselbe auf vier- zehn Tage._ Soziales und Arveitervewegang. An die Arbeiter Berlin«. Kollegen! schon find zirka 14 Tage verflossen und noch ist der Streik in der Metall- schrauben- und Facondreherei von Voß, Schaal u. Komp., Stallschretberstraße 59, nicht beendet, da die Herren begünstigt find durch die schlechte GeschäftSkonjunftur und weil durch eine Anonze einige Schlosser fich veranlaßt gesehen, in der Werk- statt in Arbeit zu steten. Die Folge hiervon ist, daß die Prin« zipale Voß, Schaal u. Komp. nicht geneigt find, mit der Kommisfion zu verhandeln. Arbeiter Berlin» l Der Fachver« ein der M-tallschrauben-, Facondreher und Berufsginossen hat bei jeder Arbeitseinstellung jeder Branche, ob Maurer, Zim- merer, Tischler, Korbmacher u. s. w.» fich mit den Streikenden solidarisch erklärt und diese« durch pekuniäre sowohl wie durch moralische Unterstützung bewiesen. Augenblicklich find wir genöthigt, an Euch heranzusteten mit der Bitte, unS zu unterstützen. Zeigt, daß die Arbeiter Berlins soli« darisch find und unsere Hoffnungen nicht unbegründet waren. Mit Eurer Hilfe, gestützt auf die Gerechtigkeit unserer Sache, werden wir kämpfen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen» wird der Sieg auf unserer Seite sein. Seid verfichert, daß nach beendetem Kampfe wir ebenfalls mtt der größten Opfer- Willigkeit, wie bisher, hinter Euch stehen werden, falls Ihr in eine ähnliche Lage kommen solltet. Darum haltet den Zuzug insbesondere von Schloffern und Drehern fern, und bedenkt, daß in unserer Einigkeit unsere Stärke liegt, leiht uns Eure Unterstützung, so wird und muß der Sieg der unsere sein. Arbeiter Berlins, bedenkt, daß dieser Kampf geführt wird wegen Einführung eine« Mintmal Lohnsatzes. Alle Geldsendungen wolle man an unfern Kasstrer Albert Zimmermann, Zrugbof- straße 10 IV, oder an Otto Ringer, Ersendahnstraße 19, Hof 2. Eing. I, einschicken. Alle Briefe find an Albert Äühlenfels, Waldemarstraße 67 IV, zu senden. Im Austrage: Otto Ringer, Eisenbahnstraße 19. Aufruf! Am 8. März legten die Arbeiter der Steinnuß« knopsfabrik von E. M. Siegel u. Co.. Haidestr. 48, in Berlin, wegen Lohndifferenzen die Arbeit nttder. Da die von den Ardeitern gewählte Kommisfion, trotz mehrmaliger Unter« Handlung, eine Einigung mit den Fabrikanten nicht erzielen konnte, so steht fich dieselbe veranlaßt, an daS KollegialitätS« gefühl der Ardeiter Berlins zu appelliren mit der Bitte, die Streikenden in ihren gerechten Forderungen zu unterstützen. ES streiken 20 Mann, sämmtliche Plattenschneider, Fraiser, AuSdreher und Hobler. Dieselben gehören sämmtlich dem Fackveretn an. Es ist Pflicht aller Kollegen, den Zuzug von genannter Fabrik fern zu halten und für die pekuniäre Unter« stützung der Streikenden Sorge zu tragen. Etwaige Gelder find an den Kasfirer de« Fachvereins der Drechsler, Knopf« arbeiter und verwandten Berufsgenoffen Berlins, A. Mönch, Adalbertsst. 26 rv, oder an den Kasstrer der Kommisfion, P. Luttig, Demminerstr. 6 Hl abzuliefern. Die Kommisfion. An die Töpfer Deutschland» I Die Scheibenarbeiter Berlins und Umgegend befinden fich seit dem 1. März d. I. im Streik, um einen einheitlichen Lohntarif zu erzielen. Wir ersuchen unsere Kollegen, uns in unserer gerechten Sache nach Kräften zu unterstützen und den Zuzug nach hier streng fern zu hallen. Sendungen find an den Kollegen Hermann Borr« mann, Berlin, Brttzerstraße 10, zu richten. Die Lohn« kommisfion. Uereine und Versammlungen. Die Ortökraukenkasse der Tischler u«d Piavoforte- Arbeiter BerltttS hielt am Freitag, den 5. d. M., Abends 7 Uhr, im Bürgersaale deS RatbbauseS ihre zweite General- Versammlung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl der drei Kasstrer. 2. Beschlußfassung wegen Anstellung eines vierten Kasfirers eventuell Wahl desselben.§ 50 Absatz 9, 3. Antrag Furchtbar und Gen., betr. Abänderung der§§ 32 und 46 des Statut?. Nachdem Herr Witte, der bisherige Rendant, die Der« sammlung eröffnet und je einen Delegirten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu Beifitzern ernannt hatte, stellte Herr Tutzauer die Anfrage, weshalb nicht der in der ersten Generalversawm- lung zum Rendanten aewählte Herr Hubert den Vorsitz in der Versammlung führe. Herr Witte erwiderte, daß die Wahl deS Herrn Hubert durch die Behörde nock nicht bestätigt warben sei und er(Witte) provisorisch mit der Leitung der Kassengeschäfte betraut worden sei. Herr Schmitz frug an, weShald dem Dele- gtrten Herrn Müller seine Delegictenlarte, die dieser im Kassen- lokal gefordert habe, nicht ausgehändigt worden sei. Herr Witte erklärte, daß dies deshalb nicht geschehen sei, weil Herr Müller sein Mitgliedsbuch nicht bei sich hatte, sich mithin nicht legitimiren konnte. Hierauf wurde zur Wahl der drei Kasstrer geschritten. Abgegeben wurden 159 Stimmzettel, davon waren zwei ungiltig. ES erhielten die Herren: Stäps 109, König 102, Greiner 90, Schröpffer 166, Ludwig Schmidt 61. Paul 29, Richter 5 und Hähnet 1 Stimme. Gewählt find demnach die Herren EtäpS, König und Greiner. AlSvann wurde die Wahl eines vierten Kasfirers ohne Diskussion beschloffen. Herr Schmitz bedauerte, daß bei der ersten Wahl die Stimmen sich allzusehr zersplittert hatten und ersuchte bei der Wahl des vierten KassirerS alle Stimmen für Herrn Schröpffer abzu- geben, der bei der ersten Wahl von allen nichtgewählten Kan- didaten die meisten Summen erhalten hatte. Von anderer Seite wurden noch die Herren Schulz(bei Pietsch« mann) und Hähne! in Vorschlag gebracht. Dos Resultat der Wahl war folgendes: Abgegeben wurden 145 Stimmzettel, von denen einer ungiltig war. ES fielen auf die Herren Schulz 62, Schröpffer 60, Schmidt 11 und Hähnel 11 Stimmen. Da also der Rath deS Herrn Schmitz nicht befolgt worden war, und nach den Bestimmungen deS Statuts die absolute Majorität nicht erforderlich ist, vielmehr die relative Majorität genügt, batte Herr Schulz mit zwei Stimmen Mehr- heit über Herrn Schröpffer gesiegt. Nach beendigter Wahl gelangten die von Herrn Furchtbar und Genossen gestellten Antrage zur Verhandlung. Der Antrag:„Die in den Quit- tungsdüchern befindliche Rubrik, in welche von den Arbeitgebern der Tag, an welchem der Inhaber deS Buches bei dem betreffenden Arbeitgeber in Arbeit getreten und ebenso der Tag, in welchem er aus der Arbeit entlassen wurde— künftig in Wegfall zu bringen", wurde an« genommen. Ein zweiter Antrag, welcher dahin ging, die Sta- ruten in Zukunft in die Quittungsdücher einheften zu lassen, wurde nach kurzer Diskusston abgelehnt. Ein weiterer Antrag, betreffend die Abänderung des§ 46 des Statuts, wurde wegen vorgerückter Zeit bis zur nächsten Generalversammlung vertagt. Nachdem noch eine Anfrage deS Herrn Schäfer, ob die neugewählten Vorstandsmitglieder schon von Herrn Witte zu einer Sitzung einberufen worden find, von letzterem dahin be- antwortet worden war, daß der neue Vorstand— von welchem mehrere Mitglieder durch die Behörde nicht bestätigt worden seim— erst dann seine erste Sitzung abhalten könne, wenn die Ersatzwahlen vollzogen find, wurde die Versammlung ge- schloffen. tb. Der Streik bei der Firma Sckaal, Voß u. Ko, Stallschreiberstr. 59, beschäftigte am 7. d. Mts. in Wohlhaupr's Salon, Manteuffelstr. 9, unter Vorfitz deS Herrn Reuter eine öffentliche Versammlung der Metallschrauben-, Facondreher und BerufSgenoffen Berlins. Die Arbeiter dieser Firma verdienten, wie mUgetheilt wurde, im Akkord durchschnittlich 12—15 M. die Woche und sollten fich bei diesem Verdienst noch einen Abzug an den Akkordsätzen gefallen lassen. In Folge dessen wurde die Arbeit eingestellt, um so mehr, als ein Minimaltarif, welcher einen Minimalverdienst von 21 M. pr. Woche festsetzt, zurN Einführung gelangen soll. ES streiken gegenwärtig 29 Arbeiter und dauert der Streik hauptsächlich deshalb bereits 14 Tage, weil 8 Schlossergesellen dort in Arbeit getreten find. Wenn eS gelänge, diese Schlossergesellen zu entfernen und die alten Arbeiter wieder einzustellen, dann, meinte Herr Reuter, würde der Streik zu Gunsten der Arbeiter entschieden werden. Er appellirte an alle Schrauben- und Facondrehcr, die Werk- statt zu meiden, und an die Schlosser Berlins, dieselben dadurch zu unterstützen, daß fie die gegenwärtig in jener Fabrik arbeitenden Schloffer wieder herauszuziehen. In anverm Fabriken wird, wie Herr Reuter konstatirte, für die Firma Schaal, Voß u. Ko. nicht gearbeitet. ES schloß fich hieran die Berichterstattung über die Konferenz mit den Herren Arbeit- gedern, betr. Einführung deS Minimal-LohntaritZ. Die hierzu gewählte Fachkommisfion hat einen Minimal-Lohntarif auf. gestellt, welcher bestimmt: 1. Junge Leute im Alter von 16 bis 18 Jahren erhalten, wenn dieselben daueind an einer Schrauben, resp. Faconbank beschäftigt werden, im ersten Jahre 12—15 M. festen Lohn: stellt fich der Verdienst der betreffen- den Arbeiter(die Arbeit zu Aikordpreisrn berechnet) höher, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Akkordpreis auszuzahlen- Leute von 18 Jahren und darüber erhalten im ersten Jahre 14—17 M. festen Lohn. 2. Schrauben- und Farondreher, so- wie Berufsgenoffen» welche im zweiten Jahre an einer Bank beschäftigt werden, erhalten 17—19,50 M. festen Lohn; im Uebrigen wie aä 1. 3. Schrauben» Fasondreher und Berufs- §«nossen, welche im dritten Jahre ununterbrochen an einer Zank beschäftigt werden, erhalten 18—21 M. festen Lohn. 4. Schrauben-, Fasondreher und Berufsgenossen, welche länger als 3 Jahre im Fack thätig flnd, erhalten, wenn fie im Lohn beschäftigt werden, 21—24 M. festen Lohn. 5. Die Preisbestimmung bei Alkordardeiten bleibt Arbeitgebern und Arbeit- nehmern überlassen, doch darf der Verdienst fich nicht unter dem Minimal-Lohntarif stellen. 6. SonntagSarbeit ist nicht ge- stattet, mit Ausnahme derjenigen Arbeiten, welche zur Instand- hallung des Betriebes erforderlich find. Dieser Lohntarif ist nur an die Inhaber von Epezialwerkstätten zur Versendung gelangt und waren die Herren Prinzipale gleichzeitig zu einer gemeinsamen Besprechung dieses Tarifs eingeladen worden. Bei dieser stattgehabten Konferenz waren die Arbeitnehmer auS allen Werkstätten vertreten, während nur 9 Arbeitgeber erschienen waren. Zu einem deflniliven Resultate kam eS indessen in dieser Konferenz noch nicht, da die Prinzipale fich vorbe- hielten, erst noch eine Besprechung dieses TarifeS unter fich zu veranstalten und wird auch die Fachkommisfion noch eine Be- rathung haben. Bedauert wurde lebhaft, daß die Kollegen von Fristcr u. Roßmann, sowie von Siemens u. HalSke fich von dem Fachverein gänzlich fern halten und daß der Werllührer von Siemens u. Halske nicht auck zu der stattgehabten Tarif Kon« ferenz eingeladen wordensei. ES wurde auch der Antrag a> stellt, denselben zu der nächsten Konferenz einzuladen. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, weil die Fabrik von Siemens und Halske nicht zu den Spezialwerkslälten zu rechnen sei. Es wurde ferner darauf hingewiesen, daß durch die vielen Adressen, die bei Siemens u. Halske abgegeben würden, die dort arbeitenden Kollegen arg geschädigt werden, da durch das starke Arbeitsangebot die Löhne sich nicht auf ihrer jetzigen Höhe zu hallen vermöchten. Herr Reuter wieS noch darauf hin, daß der Lohntarif vielfach falsch verstanden weide. Die Akkordsätze sollten nur so bemessen werden, daß ein tüchtiger Arbeiter bei normaler Arbellszeit im Stande sei. einm Mindest- verdienst von 21 M. zu«zielen. Sei dieser Verdienst bei den vereinbarten Akkordsätzen zu erreichen und ein Ardeiter erreiche diesen Lohnsatz nicht, so sei der Prinzipal keineswegs verpflichtet, dem betr. Arbeiter den Fehlbetrag zu«gänzen. * Werkstatt-Deleoirtev-Versammluvg der Drechsler und verwandten BerufSgenoffen, heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, in Gratwetl'S Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Das Programm unserer diesjähngen Lohn« bewegung und die Nothwendlgkett der Ausarbeitung von Lobn- tarifen für sämmtliche Branchen. 2. Verschiedenes. Alle Werkstätten müssen vertreten sein.— Als Gäste haben nur GewerkSgenossen Zutritt.(S. Inserat.) * Oeffentliche Versammlung der Schueider. Mitt- woch, den 10. März, Abends 8'/, Uhr, in Bräuers Salon, Große Frankfurlcrstraße 74—75. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Die Aufgaben der neugewählten Lohnkommisston. Referent Herr Pfeiffer. 3. Diskussion. Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlins und Um- . Den Mitgliedem zur Nachricht, daß die am Dienstag, en 9. März, beschlossene Mitgliederv«sammlung für dm Norden im Wedding-Park Fastnacht's halber ausfällt, dagegen die nächste Versammlung für den Norden am Dienstag, den 16. März, die für den Süden am Dienstag, dm 23. März, stattfinden wird. Tagesordnung: Vortrag deS Herrn Dr. Zadcck. Näheres durch die Ännonzm. Letzte Nachrichte«. Wie in parlamentariichm Kreisen verlautet, fällt die ReichstagSsitzung für morgen deshalb aus, well eine ganze Anzahl von rheinischen und bayerischen Mitgliedern deS Zentrums in der Heimath den Karneval feiern wollen. Diese Reise halten wir für unnütz, da die Herren die karnevalistische Komödie, welche gegenwärtig bei Berathung des Sozialistmzesetze« gespielt wird, viel näher haben. Das auf Grund des Sozialistengesetzes von der preußi chen Regierung zu Düffeldorf erlassene Verbot des fcrnerm Erscheinens der„Freien Presse für Berg und Mark" ist von der Reichslommijston ausgehoben wor- den. Dahingegen bleibt das Verbot der Nummer 1 des BlatteS aufrecht erhalten. Die„Freie Presse für Berg und Marl"«schien in Elberfeld, und war ein„Organ deS werk« thätiam Volks". Der französische Kriegsminister wird ein im Staatsrathe ausgearbeitetes Gesetz über die Spionage rm Flieden dm Kammern vorlegen. Ein Theil dn Pariser Presse hat dieses Gesetz schon lange mit dem Hinweise gefordert, daß Frankreich das einzige Land wäre, welches ein solche? Ge- setz, durch welches es fich gegen die Spionage schützte, nicht besäße. Durch ein in den s ä ch s i s ch e n K a m m e r n verlesenes königliches Dekret wird der Schluß deS Landtages auf den 25. März festgesetzt. Nach Meldungen von London war die von den sozial- demokratischen Vereinen in Manchester und Saltord auf dri» 6. März einberufene Versammlung von etwa 5000 Personen besucht. Die dabei gehaltenen Reden waren gemäßigt und ruhig, es wurden mehrere Resolutionen auf Beicdaffung von Arbeit für diejenigen, welche wegen Mangels an Arbelt Hunger leiden, sowie auf Ausführung von öffentlichen Arbeiten, welche den dabei Beschäftigten einen für ihren Lebensunterhalt aus- reichenden Lobn gewähren, angenommen. Nach Annahme dieser Resolution amg die Versammlung ohne jede Störung der öffentlichen Ordnung ruhig auseinander. W'e dem„Daily Nervs" aus Kairo telegraphirt wird, aeben England und Egypten den Sudan auf. Eir Drummond Wolff hat Instruktionen erhalten, Wady Halfa als Grenze Egypten? und die Ersetzung der dort stehenden eng- lischen Truppen durch egypttsche vorzuschlagen. Erster« sollen sobald als thunlich nach Unteregypten zurückkehren D« Vor- schlag, Dongola wieder zu besetzen, solle nicht erörtert werden. — Wenn England schon vor vi« Jahren»u diesem Entschlüsse gelangt wäre, eS hätte sich ungezählte Millionen, das Leben von taufenden wackerer Soldaten, vor Allem General GordonS, und eine Reihe schmachvoller Nied«lagm erspart. Ein wahrhaft kläglich« Ausgang einer mit soviel Zuoerficht begonnenen Unter« nehmung!_ Kriefkaften der Redaktio«. Drüben. Wann daS Schiff angekommen ist, erfahren Sie am besten durch den Besitzer veffeiben. Eine Seereise in in dm Somm«monaten immer am ungefährlichsten. Die anderen Fragen können wir Ihnen nicht beantworten. O. K. Reinickendorf. Die fehlende Nummer d« Sonn« tagSdeilage können Sie durch unsere Expedition, Zimmer« straße 44, beciehen. Maler Netzerau. Senden Sie uns Ihre Adresse ein- ES ist danach bei uns angefragt worden. C. H. Ein solch« Verein ist unS nicht bekannt. F. N. 59. Für Ihre Auswanderung nach Amerika be« dürfen Sie eines Passes nicht unbedingt. Wir rathen Ihne» jedoch dringend, sich einen solchen beim Polizei- Präfiviuw- Abtheilung für Paßwesen, Poststraße 16, zu beschaffen, um aegm etwaige Scherereien der amerikanischen Behörden gr- sicher� zusein. durch d. Haid«, 3. C. Blank in Wurzbach, Reuß.. Abonnent seit April 1884. Die Frage können wir im Briefkasten nicht beantworten. Kommen Sie zu uns ov« senden Sie uns ihre Adresse. Theater. Dienstag, den 9. März. OpernhanS. D« Trompet r von Säkkingm. Schausptelhan». Johannistrieb, Schauspiel in 4 Allen von P. Lindau. DentscheS Theater. Ein Tropfm Gift. Wallner-Theater. Leichte Streiche. Vorh«: Groß Reinemachm. Residenz-Theater. Dmise. Belle-Alliance-Theater. Paris« Leben. Ko« mische Operette in 4 Akten von Mellhac und Halevy. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. D« Zigmnttbaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. Helleres au? d« B«lin« Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. LouisenstädttscheS Theater. Abracadabra. Central-Tbeater. D« Stabs« Trompet«. «tttoria- Theater. Messalina. Oftend-Theater. Faust. America«- Theater. Große Speziallläten- Lorstellung. Theater der Reichshalle«. Große Speziali- täten-Vorstellung. Kaufmann'S Variete. Groß« Spezialitäten- Aonko�ha��Große Svezialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 16.[851 Heute und folgende Tag«: MMtlt UllgllbOkikll, ®<,fle"sLIilTaW Äa®*-®t'- Bor der Vorstellung: Gr. Homert der Hauskapelle. Anfang dei Konzerts Wochentags 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang de? Konzerts Sonntags 6 Uhr, »»nS�ben W�m�lkS�iftigkett und fta* hn "C�Mrfrtbuteou(12—1 Uhr) gratis zu haben. «aiser-Panorama. Nur»Vdiese'W» Woche: Eine int«eff. Wanderung d. W i e n. 1. Abth.: iäk itoirÄ nur 10 Pf. Danksag«»»«.[926 Meinen herzlichsten Dank dem H«rn Pre- dig« Grauenhorst für die trostreiche Rede am Sarge meine? dahingeschiedenen ManneS, deS Möbelpolireri Heinrich Döring, ebenso dm H«ren Säng«n(Gesangverein„Mandoline"), welche durch ihren Gesang die Leiche meines thmren Manne» feierlich empfingen, sowie auch dem Möbelfabrikanten Her n A. Treue mit allen bei ihm beschäftigten Pttsonm, und Allm, welche an der Feierlichkeit theilnabmm. Die ttefbetrüdt<[Wittwe Emilie Döring,'? ___ geb. Klein._ Grtskrankenkajse ck. Zigarreumalker, fta6al|plnnec und Zigarrensortirer. Gttzttal-Ntlsmmlsug am Dienstag, den 16. März, AbdS. 8'/, Uhr, Gypsstr- 11. TageS-Ordnung: 1. JahreS« refv. Kassenbericht deS Rendanten. 2. Bericht deS Ausschusses zur Prüfung d« JahreSrechnuna. 3. Borlage von Abänderungs- anträaen oes Statuts zu den§§ 10, 13, 18, 32, 33, 35, 45, 47, 51, 60. 4. Bericht und Rech- nungslegung der Vergnügungs-Kommisfion. 908 D er V orftand. Neu! Rüdersdorferstraße Nr. 8. Neu] Restaurant zum Feuerhaken -°» Um 11 Böhl. Empfehle allen Freunden und Bekannten mein vorzüalicheS Meissrier. Dfefferbecgcc Kier-Ansschank. Vorzügliche Küche. Großer Frühstücketifch. Um recht zahlreiche Beiuch bittet [8901 I. A.: W. Haugk. Iihllcidkr-Dersammlllug am Mittwoch, den 10. d. M., AbdS. 8'/» Ubr, in Krener'» Kalo«, Gr. Frankfurterstr. 74/75. Tag eiordnung: 1. Vortrag(Referent wird in der Vrrsamm- lung bekannt gemacht) 2. Die Aufgaben d« neugewäblten Lohnkommisston. Referent: Kol- lege L. Pfeiffer. Um zahlreichen Besuch bittet 909] Die Lohnkommission der Berliner Schneider. AezirKsver. d. werkty. Walkes der Schönhauser Worstadt. Am Mittwoch, den 10. d. M., AbendS 8»/, Uhr. BerfammluZtg in Keefeld'» Kalo«, Grenadierstraße Nr. 33. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Chitstensen. 2 Ver- schiedeneS. 3. Fragekasten. Gäste, durch Mit- glteder eingeführt, willkommen. Neue Mit. alieder werden aufgen ommen.__[905 Sauber« Damen-MaSkmanzug dtll. zu v«l. Frau Strauch, Mariannenpl- 11, P.[917 Täglich: Königsberger Fleck, ä JJottion 25 _ w Keßs-rmä Skkllihtrkkäjje 18 tri Stramm.__ Möbel-, Sopha- u. Matratzen-Fabrik I A. Schulz, Wafferthorstr. 34(auch Theilzahluug). Delegnten-Vers ammlung der Drechsler und yerw. Berufsgenossen Heute, Dienstag, Abend? 8 Uhr, in Gratweil'» Kierhallen, Kommandanten« Straße 77-79. Taa-sordnung stehe redaktionellen Thrll dies« Zeitung. AI? Gäste haben nur GewerkS- Benoffen Zutritt. 922 Die Lohn-Kommission. Den Knopfarbeitern zur Nachricht, daß in der Fabrik von E. M. Siegel u Ko., Haidestr. 48, der Streik ausgebrochen ist. Zuzug ist fem zu halten. Siehe redaktionellen Theil. 925_ Die Kommission. Heute gr. Wurstessen, wozu ugebenst einladet 941 Ma» Kreutz,«ottbuler Platz. Ein tchönes Bett, neu, sof. f. 22 M. ,u verl. Reichenbergerstr. 183 im Kistenaeschätt. 1874 Masken- Garderobe F. Stenzel, Nr- Dresdener Ktraß. Kr.»1. Elegante Kostüme zu den foliotften Preisen. 745]_ Vereine Ermäßigung. 1 Piano, f. g., 20 Thlr, Oranienstr. 4, II. I.[923 Die Buchdruckerex von � MAX BADIITG BERLIN S W., Beuth-Str. 2 empfiehlt sich zur_ Anfertigung von Druckarbeite' jeder Art bei prompter und billiger Bedienung. Kosten-Ansehläge und Papierproben 61 und franco. Ein Zinkgieffe» nach Bromberg, kann fich meiden AbendS 7-9. Woinar, Waldemarftr. 38,�� Ktepper. Knopfloch- und »ftnnen auf Tiikottatllen verlangt W gü? Landwehrstr. 9, Hof Hl._____ Tüchtige Arbeiterinnen auf Trikotta jg# verl. Koppenftr. 66, Hof pari._____ Der unentgeltliche 8$� Nachweis der Klavierarbeiter g befindet sich SkalitzeiM bei Stramm. Veramaontt»««eoalleur*. t» Maui».».ruck und Siertog nun Hstai»aötaj u» Berlin aW, Beuthstraß« 2.