>r. 58, MMwoch. den 10. Marz 1880. III. Jahrg. MttNlsibllill Drgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Unsere nkodeviischr Inzend. »Möge die Hand verdorren, welche«» wagen sollte, m Leben unserer akademische» Zugend zu beschmutzen!" So schrieb einst der berühmte Börne, aber er schrieb * vor langer Zeit. Er hatte eine andere akademische �»gend vor Augen, als die von heute. Es war jene 3%ab, die auf den Schlachtfelder» von Leipzig und Wa- 'erloo ihr Blut vergossen hatte, um den Sturz des korsischen Unterdrückers herbeiführen zu helfen. Vom Strudel jener großartigen Erhebung Deutschlands mit fortgerissen, haben V jene Jünglinge ihre eigene» politischen Ideale geschaffen. hofften, aus dem großen Kampfe werde ein groß-S, Uuiges und freie« Deutschland hervorgehen und als sie sich dieser Hoffnung getäuscht sahen, erhoben sie dahin Wende Forderungen. Aber dai damals wie ein Alp M Europa lastende Metternich'sche System schlug die junge» meiheitsträume nieder und ihnen folgten die sogenannten �«magogenverfolgunge», von denen wir die Alten oft so «ivegt erzählen höre«. Heute würde Börne daS akademische Lebe« wohl mit '"fctten Gefühle» betrachten. Es ist zwar nicht leicht, mit Einigen Worten zu sagen, was das akademische Leben von 'MU bedeutet, im Verhältniß zum früheren. Der Haupt- N, welcher dem heutige« Studenthum anhaftet, ist die That- daß ein gewisses Streberthum, da« später nach Mandcner Staatsprüfung auf wohldotirte Staatsflellen lot» jkuert, sich in Gestalt von flaumbärtigen Zünglmgen schon 'n der Studentenwelt bemerkbar macht. Wir sehen da U»e Reibe von sehr jugendliche«»StaatSmän- Wn* erstehe«, die e« für ihre wellhistorische ™ tfion zu erachten scheinen, den politischen Parteien und �»nentlich auch den parlamentarischen Körperschaften ihren sbit großer Würde vorgetragenen Tadel zu widmen oder ihnen aui dem tiefen Born ihrer Weitheit geschöpste Rath» IhlSge zu ertheilen. Namentlich bei Gelegenheit der letzten «olendebatten hatte man Gelegenheit, von den erleuchtetea �iusenföhnen über die Missethaten der„undeutscheo" Reicht- �Majorität belehrt zu werde«. Außer den konservativen "«b offiziösen Blätter» nimmt diese Dinge freilich Niemand Die reaktionären Kundgebungen der akademischen Tugend werden von jenen Blätter« in demagogischen Leit- Wikeln gefeiert und zu bedeu'samen Ereignissen ausgebauscht; �folgen aber auS studentischen Kreise« einmal Kund- Mungeu im Sinne der Opposition— was allerdings U»e» der Fall— so erklären dieselben Blätter daS »unausgegohrene Ideen unreifer Leute". . Eine große Anzahl von studentische« Korporationen 5°be» sich die Gewohnheit zugelegt, politische Kommerse Zuhalten und bei vielen Gelegenheiten politisch zu demon- JeuilleLon° Nie Tochter des Konkrottenrs. Roman au« der Gegenwart von (Rttfmv Lössel. |V 9p m ZDeme»«yxmuicb» vv* ;e trat; die früh verklärte, zu der ich wie zu einem Einbilde aufgeblickt?— Unmöglich, nnn— und doch, 'st sie es, und mich will sie dem ungeliebte« Manne ver- sü, um sich zu retten...1 Pfui! O Vater, Vater! �a, Wiest recht; sie war ein Todfeind Dir und mir, und *' tnchts kann mich vor ihr retten, als die Flucht. Das '?st Du. das weiß ich heute---- und Selchow war 'st die einzige Zufluchtsstätte, wohin mein böser Engel «'cht folgen darf. Lieber dort, lieber vor der Baronm .&u Füßtn werfen, um Gnade flehen, als hier die '» werden. Eine Mutter, die ihr Kind ve:kauft, ver- � den Namen Mutter nicht. Zch hasse si«.»w Du, 1 Bater. sie gehaßt, und fern von ihr will ich nur Demer �denken als de« unzige« Menschen, der mich wahr "eu geliebt* Sie erhob sich und rasch in aller Stille raffte sie da« !'«' tusammev, wa» sie mit Recht ihr-'gen nenne« ,— wie sie gekommen, arm, doch re,a von Schuld, 'Mw« werfen konnte........... Mutier saß«och strireo. Nicht alt ob wir so engherzig wären, ihnen das Recht dazu bestreiten zu wollen! Wir reden in solchen Dinge» nicht leicht einer Beschränkung das Wort. Merk- würdig ist nur, daß alle diese Demonstrationen, mit ganz verschwindend geringen Ausnahme», sich in derselben Richtung bewegen! Unbedingte Verherrlichung der jemeilt herrschenden Regierungspolitik und unbedingte Ver- dammung Aller, die in dies Hosiannah! nicht ein- stimmen wollen— da« ist regelmäßig der Zuhält dieser Kundgebungen. Mit dieser Umwandlung find auch manche gute« Eigenschaften die ftüher im studentischen Leben bemerkbar waren, verschwunden. Die Studentenschaft war früher im Allgemeinen ein harmloses Völkchen, das viel»Ulk" trieb und manchen originellen Scherz machte. Der zuschauende „Philister" söhnte sich deshalb mit de« immer nebenher gehenden unmäßigen Trinkgelagen und den Raufereien einigermaßen aus, während diese Dinge vor einer gesunden Anschauung nicht bestehen können. Aber aus dem Studenten- thum von früher mit seiner mehr hannlose« Fröhlichkeit ist eine steife Gesellschaft geworden; der alberne Bier-Komment wird wie eine Militärstrasprozeßordnung gehandhabt und wessen Gesicht nicht wie eine rohe Kotelett« aussieht, der gilt nicht als ein Mitglied, das seiner Korporation zur Ehre gereicht. Daß unter der akademische» Zuaend Re- formbestrebungen vorhanden find, ist unS wohl bekannt; indessen beziehen sich diese Bestrebungen fast nur auf das Duell und den Bier>Komment. In poli- tischer Beziehung sind sie bedeutungslos. Aber e« giebt Elemente unter den Musensöhne», die nicht nur in politischer Weisheit, sondern auch in Bezug auf Moralität dem deutsche» Volke voranzuleuchten bestrebt sind. So haben sich zweihundert Greiftwalder Stu- dirende zu einer Petition an de« Kultusminister vereinigt, um Maßregeln zu verlange» gegen die Verderbniß, welche die Prostitution dem studentischen Lebe» bereitet. Et wird ausdrücklich hinzugefügt, daß die Petition von. Stu- direnden aller Fakultäten unterschriebe« sei. Wir glauben das gern. Zm Uebrige« nimmt sich solches großväterliche« Austrete» fludirender Jünglinge recht interessant aus. Wir ratyen ihnen, die moderne Sozial- u»d Moral-Statistik zur Hand zu nehme». Dort werden sie äußerst reichhaltiges Material für weitere Petitionen finden: über die Verminderung der Eheschlie- ßunge», Vermehrung der unehelichen Geburten und Ver- mehruvg der Ehescheidungen. Wir bestreiten nicht de« verderbliche» Einfluß der Pro- stitution und wollen sehr vergnügt sei», wenn man ihn beseitige» wird. Nur erwarten wir da« von anderen Zn» triumphirend, daß diese Anklageschrift an ihren irdischen Richter nicht gelangen sollte..... Zhr gegenüber, auf der anderen Seite des Tische«, saß Gontard. Er hatte sich Z» dem sich entlaubenden Garten von Selchow wan» delten ein Herr und eine Dame in vertrautem Gespräch.. e» waren Bernhard Winter und die Baronin. Er war vor einer Stunde angekommen und von der unglückliche« Schloßherria auch sogleich empfangen worden. Sein Name war ihr kein unbekannter mehr, und als er kam, leuchtete eine schwache Hoffnung in ihr auf, daß er gefunden habe« könnte, wonach sie noch immer vergeben» suchte.... eine Spur von Erna! In der gleiche» Hoffnung war Bernhard hergekommen; und nun fanden sich Beide enttäuscht, konnte» sie nur ihre Klage« um die Verlorene vereine». Im Gegensatz zu der Baronin hatte Bernhard fleißig die Zeitungen gelesen. Er hatte sich sogar die Haupiblätter der Residenz auf seinen Reisen nachschicken lassen, und aus diese» hatte er dann erfahre», daß und wo man Erna ge- funde«. Man hatte da« Verfahren gegen sie einstelle« müsse», und da» war ihm Beweis genug, daß si« un- schuldig litt. Zetzt, wo ihm da« sein Herz sagte, eilte er zu ihr, um sich ihr reuig zu Füßen zu werfe» und ihr de» Verdacht abzubitten, welchen er selbst vorübergehend ggen sie gehegt halte. Er war aber zu weit entfernt u»d m zu spät, um Erna» Zukunft durch die Wahrmachung seirtes ihr gegebenen Versprechens sicherzustellen. Es hatte dieferwegeu einen harten Kampf mit seinem Vater gegeben, welcher von einer solche» Verbindung durchaus nichts wissen wollte. Aber Bernhard blieb fest.„Und wenn nicht mit, dann wider Deinen Willen!" hatte er in wildem Trotz gesagt; und so war er hierher geeilt, um die Baronin nach Erna zu befragrn und sie in sei« Vertrauen zu ziehen. „Und warum schrieben Sie denn gar nicht mehr an Ernas" sragte eben die Baronm.„Das war es, was sie \o namenlos unglücklich machte, wa» sie zu mir trieb und stanze», alt von der Initiative jener Greiftwalder Stu- denten. Da sehe» wir in diesem ganzen heutigen Studenten- leben nicht« von den neuen Ideen, die unser Jahrhundert in Bewegung gesetzt haben. Da» Alte wird fast gewaltsam aufrecht erhalten und jeder sr.sche Luftzug sorgfältig ob- gesperrt. Man übt sich in der Liebedienerei schon bei Zeiten und die künftigen große« und kleinen Bureaukrate« wachsen in Schaar«« h-ran. Un« kann'S im Grunde gleichgiltig sein, denn die Zu- kunft Deutschlands hängt wahrlich nicht von der studirevde» Zugend ab. Aber et giebt Leute, die von der studirende« Zugend große Dinge erwarten. Und zu diesen wollte» wir sprechen._ Politische Wederstcht. Die Affatre det Herrn von Schalscha. Der Reichs- tagSadgeordnete von Schalscha hat vor Kurzem im Reichstage erklärt, daß zwei Berliner Häuser preußische Thaler im Aus- lande fabriziren ließen, um fie dann bei der Reichsdan I in Gold umzutauschen. Auf eine Bemerkung deS Abgeordneten Bamberger, von Schalscha möge doch die Berliner Häuser nennen, erklärte derfelde, daß er im Reichstage die Firmen nicht namhaft machen wolle, einer Aufforderung vom Bundes- rathstische aber habe er entsprochen. Nach einigen Tagen er» hielt von Schalscha von dem Amtsgericht zu Berlin eine Zcu- genaufforderung gegen„Unbrkannt", der er nicht nachgekommen ist. Man vermuthet, daß von Schalscha nicht etwa die beiden Berliner Firmen namhaft machen soll— dieselben hat er ja dem BundeSrath bekannt gegeben, sondern, daß der Reichs- tagSadgeordnete denjenigen nennen soll, der ihm die beiden Häuser denunzirt hat. Dieser„Unbekannt" soll nämlich ein Beamter sein, der das AmtSgehetmniß gebrochen habe. Das klingt allerdings ungeheuerlich, denn dann müßte ja die Re- gicrung mit den beiden betrügerischen Firmen unter einer Decke spielen.— Doch der Fall Schal.cha an stch inter- esfirt uns weniger. Für unS handelt e« fich um die Immunität der Abgeordneten überhaupt. Wenn nämlich der Artikel 30 der Reichsverfaffung auf den vorliegend-n Fall keine Anwendung fände, dann würden den Abgeordnetm alle die- jenigen im Interesse des Reichs liegenden Mittheilungen ab- geschnitten werden, von denen die Reichsregierung vermuthete, daß fie nur durch Verletzung deS Amtsgeheimnisses dem de- treffenden Abgeordneten zugegangen seien, da bei Ausübung deS Zwangsverfahrens eine solche Mitthrilung aber für jeden dann die ganze lange Kette unglückseliger Mißverständnisse «ach sich zog." „Ich hätte nicht mehr an sie geschrieben?" staunte Bernhard.„Zhr Schweige« auf alle meine Briefe war es ja, wa» mich aus werter Ferne nach Hause eilen ließ, um mir Aufklärung zu verschaffe«." „Unerkärlich!" entgegnete die Baronin.„Erna be- hauptet, keinen Brief mehr von Ihnen erhalten zu habe»— seit Monate« nicht." „Wenn ich Ihnen aber versichere, gnädige Frau," eiferte Bernhard,„daß ich dieselbe« gesandt, und daß sie nach Erna« Flucht in deren Zimmer von Herrn Gontard gefunden und — jedenfalls in keiner guten Absicht— an meine» Vater ausgeliefert wurde»..." „Gontard", sagte die Baronin gedankenvoll,„da» war der Prokurist de« KommerzienrathS—" „Derselbe." „Der Erna ebenfall» liebte und seine bevorzugte Stellung bei ihrem Vater benutzte, um sich ihr aufzudrängen. Sie haßte ihn und gab et ihm zu erkennen, daß sie et that. O, ich durchschaue Alle«." „Sie meinen—" „Daß Erna bei der Vorsicht, mit welcher si? ihr Herzens- geheimniß wahrte, und bei ihrer grenzenlosen Liebe für Sie diese Briefe, selbst wenn sie sie empfangen, nicht bei der Flucht vergrssen habe» würde. Sie hat si; eben gar nicht erhalten. Gontard hat sie unterschlagen und Ihrem Vater nur ausgeliefert, um die zwischen Ihnen und Erna aufge- worfene Kluft»och mehr zu erweitern." „Wie Recht Sie haben!" stimmte Bernhard bei,„dieser Schurke! Zch will e« Zhae« nur ganz offen eingestehen, er hat die Briese an meinen Vater verkauft, weil ich E-na darin in jugendlichem Ungestüm zu dem Schritt beredet hatte, welchen Sie dann unabhängig davon gethan. Sie sollte von Hause fliehen.... zu mir, und die im Ausland vollzogene Trauung sollte unsere Verbindung unwiderruflich machen." De« Weiteren berichtete Bernhard, wa» ihm sei« Vater von Gontard« Entlassung au» seinen Diensten erzählt hatte. «Ja, ja," sagte er am Schluß,„nun sehe ich klar, und nun «hrenhaftm Abgeordneten 6 Wochen Haft bedeuten würde. Also Haftstrafe für eine Mittheilung im Jntereffe deS Reicht! Der Artikel 30 der Verfassung aber bestimmt, daß lein Mit- glied deS Reichstags für seine in seiner Eigenschaft ali Reichs« tagtabgeordneter gethane Aeußerungen außerhalb deS Reichs« tagS zur Verantwortung gezogen werden könne. Durch die einfache Aufforderung zur Ablegung eines ZeugniffrS wird allerdings ein Abgeordneter nicht zur Verantwortung gezogen, verweigert er aber daS Zeugniß im Interesse seiner Stellung alt Abgeordneter, so wich er dann durch dm Zeugnißzwang zur Verantwortung gezogen resp. mit Hast bestraft. Die Aufforderung zur Zcugnißablegung widerstößt somit in vor» liegendem Falle nicht gegen die Verfafiung, sollte aber ein Zeugniß zwang angewendet werdm, dann hätten wir allerdings die Verfassung! Verletzung. Die Berliner„BolkSzeitung" wendet fich gleichfalls gegm die Auffassung, all wenn der Artikel 30 der Verfaffung vor dem Zeugnißzwange nicht schütze. DaS Blatt meint, wenn der in dem Falle Schalscha zum erstenmale gemachte Versuch gelinge, daS Damoklesschwert deS Zeugnißzwange! über den Häuptern der Abgeordneten schweben zu laffm, dann sei eS vorbei mit der Unabhängigkeit der Volksvertreter, vorbei mit der parla« mentarischen Tribüne, dem letzten Asyl der Redefreiheit. An einem sehr naheliegenden Falle erläutert dann das genannte Blatt diese Behauptung:„Bekanntlich hat der Reichstags« abgeordnete Singer auf Grund der Aussage von acht un« bescholtenen Arbeitern einen überführten Polizeisplon noch anderweitiger verwerflicher Handlungen beschuldigt. Herr Singer ist jedenfalls seiner moralischen Verpflichtung durchaus eingedenk gewesen und hat zwei setner Zeugen dem Minister des Innern genannt. Diese beiden Zeugen find nun sofort in die Rolle von Angeklagten versetzt und dem Angeklagten die Rolle eineS Zeugen vorbehaltm worden. In lobenswerther Kennt- niß der verkehrtm Welt, welche daS System Puttkamer vorstellt' hat Herr Singer die Entwickelung der Sache vorausgesehen und die Namen der anderen sechS Zeugen vorläufig für fich behalten. Wie nun, wenn Singer selbst durch ein Zeugniß» Zwangsverfahren gezwungen werden könnte, dieselben zu nennen? Nun, so würden auch fie auf die Anklagebank wandern, es bliebe als einziger Zeuge nur der Spitzel übrig, und wer zweifelt daran, daß derselbe nach der Methode deS Hofpredigers Stöcker fich rein und weiß schwören würde, wie einen Engel deS Lichts."— Dieser Vergleich ist zutreffend und zeigt die Gefahren, welche eine solche Interpretation deS Artikel! 30 der Verfassung über die Redefteiheit der Abgeordnetm verhängen würde. Der Abgeordnete Windthorst hat einen speziellen An- trag eingebracht, der diese Angelegenheit zu Gunsten der Rede« fteiheit regeln soll. Derselbe steht heute im Reichstag auf derTageS« ordnung. Wie»erlautet, soll derselbe der GeschästSordnungs- kommisfion zur Berathung zugewiesen werden. Daß schließlich die Majorität deS Reichstags der Windthorst'schen Anschauung zustimmt, ist wohl zweifellos. Aber der Bundesrath hat daS letzte Wort und ohne da! Einverständniß deffelben hat ein« Interpretation der Verfassung keinen Werth. Daß wir aber daran zweifeln, daß diese Körperschaft der Anschauung der Majorität d«S Reichstag! beitritt, haben wir schon gestern er- klärt. Dann haben wir einen neuen Konflift und die Preß« reptile erneute Gelegenheit, von der„Obstruktionspolitik des Reichstags zu schreiben. Kommen aber wird ficherlich bald schon der Tag, wo in der„Nordd. Allg. Ztg." mit dicken Lettern gedruckt steht:„Der deutsche ReichStagist der schli'.mmste und gefährlichste Reichsfeind!" Reform der Branntweinbesteuerung. Nachdem der Monopolentwurf einer Kommisston überwiesen worden, wa! in diesem Falle mit einer Ablehnung gleichbedeutend ist, tritt die Frage in den Vordergrund, wie die Regierung den Brannt« wein al! Steuerobjekt zu verwerthen gedenkt, um hohe Erträge zu erzielen. Der„hamburgische Korrespondent" schreibt hierüber; „Wie die Dinge liegen, ist es wahrscheinlich, daß zunächst in Preußen mtt einer Schankgewerbesteuer nach Ad« lehnung de» Monopol! vorgegangen wird. Verfaffungs- bedenken hiergegen bestehen für die Regierung und die Mehr« heit de! Landtags nicht, zumal nachdem der BundeSrath aus« dlücklich, in einem bestimmten Falle sogar gegen die Stimmen von Preußen, für die Selbstständigkeit der Cinzelstaaten in der muß fich meine arme Erva auch von mir verlasse« und un» geliebt wähne». Wahrlich, Sie habe» Recht...... so viel Jammer könnte die Unglückliche zu einem Schritt ge» triebe« habe», der auch meine Zukunft auslöschen und mein Lebe«, wenn ich es nicht verschleudere, zu einer bloße« Schattenexistenz herabdrücken müßte. Aber noch lassen Sie uns dieses Aeußerste nicht denken; lasse« Sie uns vielmehr noch weiter überlegen, wie wir das durch Sturm und Wetter aus seinem Nest verscheuchte Vögelchen wieder ein« fangen." Sie schritte« eine Weile schweigend«eben einander her. „Wie wäre e« denn mit einem diskreten Aufruf i» de« Blättern?" fragte endlich die Baronin.„Es ist wohl an« «ehmbar, daß Erna gerade jetzt eifrig die Zeitungen liest, um zu erfahren, was in ihrer Sache»och weiter geschehen werde." „Daran habe ich auch scho» gedacht," entgegnete Bern« hard.„Ader mein Name darunter...... da« könnte sie beleidigen und meinen alte» Vater doch zu sehr kränken; auch köanten sich die böse« Nachbar» der Sache bemächtige« und neue Verlegenheiten schaffe»..." „So setzen Sie getrost meinen Namen darunter," sprach die Baronin.„Mag alle Welt eS wissen, daß ich meme« verlorene» Liebling suche. Ich habe dem Welturtheil mehr al« einmal getrotzt und bis nach Selchow dringt der Stadtklatsch«icht. Ich leihe bereitwilligst zu allem meine« Name» her, was mir Erna zurückbringe» kann." Bernhard drückte ihr gerührt die Hand.„Zu Ihnen hat mich«ei« guter Seniu» geführt, Frau Baronin," sagte er.„Mit vereinten Kräften wolle» wir danach streben, wa« d:m Einzelne»«icht gelinge« will. Erna muß ihrer unsiche« ren Zukunft entrissen und einem würdigen Dasein zurück« gegeben werde»...... da« ist das Nächste, Beste, wa« wir thu« könne»!" Acht Tage waren seitdem vergange», und die Baroaw verzehrte sich nun in Unruhe um die Wirkung de« i« alle» Zntuoge» erlassene« Aufruf». Derselbe lautet«:„Theuerste Erna! Kehre zurück zu deinen tiefbetrttbte« Freunde», welche in ihrer Treue und Aufleguna von Gewerbesteuern entschieden hat, und bei den früheren Schankstcuergesetzentwürfen von den damaligen Mehr- heften deS Landtags dieser Weg als verfassungsmäßig gangbar erachtet worden ist. Ausgeschlossen ist eS allerdings nicht, vaß doch im Reiche noch eine Konsumsteuer eingeführt wird, aber gewiß nicht in dieser Sesfion."— Daß eine Erhöhung der Schankgewerbesteuer in Preußen im Plane des Fürsten Bis- marck liegt, haben wir schon mehrfach erwähnt, jedoch liegt die Sache so einfach dabei nicht. Während man den Branntwein allein treffen möchte, trifft man dabei aber auch alle übrigen Getränke, vier, Kaffee u. s. w., die in einer Schankwirthschaft verabreicht werdm; ferner die Speisen. Es wird dadurch bewirft, daß auch diese theurer oder schlechter werden. DaS aber wäre in der That eine sehr verderbliche Steuer. Wir bleiben also dabei, daß, wenn eine Branntweinsteuer unvermeidlich sein sollte, diese nur eine Fabrikatsteuer sein darf. Offiziere im Parlament. In parlammtarischen Kreisen hat eS bekanntlich Befremden hervorgerufen, daß auf die bei der dritten Lesung de! Gesetzentwurfs, betreffend die Her- stelluna de« Nord Ostsee- Kanal», im Reichstage seitens deS Abg. Lamberger an die Regierung gerichtete Anfrage, wie der Abg. Graf Moltte über da» Kanalprojett jetzt denke, der KrtegSminister Br.insart v. Schellendorff erwiderte, daß der Feldmarschall seine Autorität nicht gegen die des Kaisers au!« spielen könne. E» wird daran erinnert, daß, als zur Durch- führung der KreiLordnuna im Herrenhaus« der„PairSschub" vor fich ging, von dem Minister Grafen v. Roon da», damals von offiziöser Seite nicht dementirte Gerücht verbreitet wurde, er habe eS bisher für im Interesse der Armee bedauernSwerth aehalten, wenn Militärs im Parlament Sitz und Stimme hätten, und daß in Uebereinstimmung hiermit im Jahre 1873 der General v. Goeden auf die an ihn gerichtete Anfrage wegen event. Annahme eines ReichstagSmandats für den Wahlkreis Herford-Halle die Antwort ertheilt hat, daß er die Stellung eine» VollSoertteterS nach seiner Auffassung der Pflichten deffelben für durchaus unvereinbar halte mit der Stellung eineS aktivm Offiziers und deshalb daS Mandat ab- lehnen müsse.— Wir theilen diese Anficht des verstorbenen General« v. Goeben nicht. Keinem Staatsbürger dürfte es verboten sein, in daS Parlament einzutrelen, aber— keinem Staatsbürger dürfte eS auch verboten werden, fich an der Wahl zum Parlament zu dctheiligen. Die Sol« daten aber in Deutschland find nach dem Gesetz zum Wählen nicht berechtigt, während ihrer Wahl al« ReichStagSmitglieder nichts entgegensteht. So ist eS ein Widerstnn, daß z. B. der Generalfcldmarschall Graf Mottle nicht da! Recht hat, fich aktiv an der ReichStagZwahl zu betheiligen, während er ein ReichStagSmandat annehmen darf. Zum Dynamitaesetz. Der Anttag der Sozialdemokraten auf Aufhebung der Gesetze gegen den verbrecherrschen und ge- meingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen vom 9. Juni 1884 giedt, wie der„Voss. Ztg." aus Schlesien geschrieben wird, dem gouvernementalen„Oberschl. Anz." Anlaß, auf die Roth- wendtgftit einer Aenderung deS GesitzeS hinzuweisen, daS für den Bergbau mancherlei Unzutiäglichkeftcn im Gefolge hat. Die drakonischen Strafdestimmungen haben die Wirkung ge- habt, daß tn einer großen Anzahl von Gruden der Gebrauch von Dynamit bei Eprengarbeiten abgeschafft ist, weil die Be< triebSletter ihre ohnehin schon große Verantwortlichkeit nicht noch dadurch vergrößern wollen, vaß sie fich den Folgen det Gesetzes aussetzen. Auch ist, wie der„Oberschl. Anz." hervor- hebt, Betriebsleitern die Genehmigung des BefitzeS von Spreng« stoßen aus Gründen ganz unerheblicher Art versagt und da- du ch die Existenz ganzer Familien vernicktet. Das Blatt fordert die Interessenten auf, den Reichstagsabgeordneten recht- zeftig geeignetes Material zu unterbreiten, damit dieselben auf eine angemessene Abänderung der Gesetze hinwirken können. Eine einfache Ablehnung des Antrag» würde nach seiner An« ficht nicht im Interesse deS Bergbaus liegen. Der Philosoph des„Nnbewustten", Herr E. von Hartmann nimmt den Mund einmal wieder recht voll. Er ist nämlich vom Zuge der Zeit erfaßt und reaktionär geworden durch und durch. Dem Branntweinmonopol spricht er die Zu« fünft zu und schreibt:„Die politische Arbeit der nächsten Generation wird zum guten Theil in der Liquidation und Regulirung de! Bismarck'schen JdeennachlasseS bestehen; wenn der echt germanische Widerstand gegen die Person gegenstandslos geworden sein wird, dann werden die Ideen derselben ihren Siegeslauf erst recht ungehemmt de- ginnen."— Dazu bemerkt die gemäßigt-liberale„Magd. Ztg." zutreffend: Bekanntlich find die Ideen, welche die innere Politik des Reichskanzlers geleitet haben, sehr wider« spruchsvoll. Vor einem Jahrzehnt z. B. war er Frei« Händler der reinsten Art und erklärte, daß sein Ideal die englische Zollpolitik sei. Später vertrat er eine entgegengesetzte Idee. Die Kulturkampfreden deS Fürsten Bismarck ferner find noch in Aller Gedächtniß. Heute aber wird die Maigesetz« Sedung abgebaut u. s w. Wir glauben, daß in spateren leiten fich politische Bestrebungen der verschirdensten Richtungen auf die Worte deS Reichskanzlers zu ihrer Begründung werden Liebe gegen Dich niemal» wankend gewesen. E« verzehrt fich in Sehnsucht nach Dir Deine susrichtige Baroni» von S......" Bernhard hatte ihr«in Eremplar desselben gesandt und ihr«och ernmal versichert, daß er sofort an sie telegraphiren werde, wen» er ein Lebenszeichen von Erna erhalte; um« gekehrt sollte sie ihn auf dem kürzesten Wege seinen Zweifel« entreißen. Nun»erging aber Tag um Tag und noch immer kam keine Nachricht von Erna! Die Baronin hatte gehofft, daß sie sich«och in der Residenz verboroea halte. Nun stand et außer Zweifel, daß dies nicht der Fall war. Wohin aber hatte sie sich von dort gewendet?------ Endlich kam die heiß ersehnte Depesche au« der Residenz, aber nicht von Bernhard Winter, sondern vo« Erna selbst. „Schicke mir nach Neu-Strelitz eine« Wage«. Ich komme. Erna." Da« war eine Post! Die Baronin brachte selbst dem kleine« Hauspersonal die beglückend« Kunde, und so wurde die Freude in Selchow eine allgemeine. Die Leute hingen mit seltener Liebe an der Pflegetochter der Baronin, und während diese selbst nach Neu-Strelitz fuhr, machte sie sich daran, der Zurückkehrende» einen würdigen Empfang zu de« reite«. Der Garten wurde von seine» letzten Blume» ge« plündert und alle Hände waren thätig, um Tuirlande« zu winden.-------------- Der Baronin hatte die Fahrt über Babke nie so lange geschienen, und die Pferde mußten tüchtig auSgrciseu, um ihrer Ungeduld Genüge zu thu». Endlich war das Ziel ihrer Fahrt erreicht; sie eilte auf de» Perron. Aber auch dort mußte fie»och längere Zeit warte». Sie telegraphirte an Bernhard:„Erna kommt." Nu« brauste der Zug Hera« und Erna kam— sie kam wirklich. Es war ein bewegte«, freudiget Wieder- sehen. Auf dem Wege«ach Selchow dahinfahrend, sagte Erna:„Du fragst, Mama, ob Deine Annonze mich her- gerufen? Leider nei«. Ich komme, wie ich gegange« berufen können. Herr von Haltmann und Genoffen sollt« doch also ihre großspurigen Reden lieber unterlaffen. Einen recht alberuen Angriff führen die kons er- vativen„DerSdener Nachrichten" auf die Deutsch- Frei- sinnigen und Sozialdemokraten aus. DaS»il» sagt nämlich, daß diese Parteien im Parlament eS leicht hitM, für allerlei ReichsauSgaben zu stimmen, da fie dem Reiche we nöthigen Mittel dazu vorenthielten. Dabei exemplisizirl du» Blatt auf den Norostsee-Kanal und auf die ablehnende Haltung jener Parteien in Bezug auf eine höhere Branntweinbestcuerung- Vergeffen hat jedenfalls der Leitarttlelschreiber der„Dresdener Nachrichten" in seiner Karnevalsstiwmung. daß bei der stimmung über den Nortostsee- Kanal der ReichSregieruna sie Erhebung einer Anleihe von 106 Millionen Mark bewlll>?> worden ist, für die auch die Sozialdemokraten und Deufl» Freifinnigen gestimmt haben. WaS aber die Zinsen dieser«n- leibe detrifft, so würden dieselben leicht auf Jahre hinaui ß decken sein durch die Verwendung des Welfenfonds, d« I» 48 Millionen Mark beträgt, zu nützlichen Zwecken. Außerdem dürfte es nicht schwer sein, am Militärbudget soviel abiuzwacM- daß durch den Bau des großen nationalen Werkes daS deuW Volk nicht mehr belastet wird. Also nicht: neue Steuern, dem verständige Regelung der Ausgaben.,.. Wieder Einer! Man hat in Erfahrung gebracht, M vielfach diejenigen Polizeibeamten, die fich mir einem gew'sf" Uebereifer auf die Verfolgung von Personen werfen,»w der politischen Opposition angeboren, nicht immer die sauderps» Elemente find. Der Polizeikommiffarius G s ch w i n d LudwigShafen war ein gar stolzer Mann und beweg fich in politischer Beziehung vollständig auf dem StandMU' der sogenannten„Ordnunysparteien". Wehe dem Opposttion«' mann, den er nur von Weitem witterte. Dieser„Gcseüswan� retter" ist nun plötzlich wegen Unterschlagung verbau" worden. Dabei war der Herr Polizeikommiffarius nickt n" ein sehr stolzer Mann, sondern auck ein sehr schlauer Man höre nur die Ursache seiner Verhaftung. Bei Erhebungen über die Hundrstmer ergab fich, daß eine von Fällen vorliegen, auS denen hervorgeht, daß die Einw� ner ihre Hundesteuer bezahlt haben, daß solche aber nickt' das Kaffenduch eingetragen und da« Geld nicht in die eingelegt wurde. Um vor Verrath ficher zu sein, sollen dan die Hundemarken, die jeder Hund am Halse zu tragen Jr nicht ausgegeben worden sein, wobei der Beschuldigte die-ö«!' ficht geb auchte, fich zu diesen Operationen solche Leute herau» zusuchen, von denen er wußte, daß ihre Hunde wenig gar nicht und nur in Begleitung der Eigenthümer auf° Straße kamen.— Diesen klugen Herrn Polizeikommiff« A. „Gesellschaftsretter" hat nun das Schicksal ereilt. Also: Einer!<, Im Diätenprozeß Kisku» wider Kräcker findet,® die.Äolks-Ztg." vemimmt, die Vernehmung der Zeugen-Ös?, Liebknecht und Singer am 19. März vor dem AmtSg�'A Berlin statt. Die Hauptfrage hierbei ist bekanntlich die, od r Abgeordneten, welche Diäten bekommen, fich verpflichten muw' im Parteiintereffe zu stimmen. Sozialistische Agi-ation i« Posen. In der Nackt«s. '"' M. find in die CegielSki'sche Masckinenfad-u 5. bis 6. d. an.(HIV in vir vsr»irt»» lojf aimim»»»;*'- 50 Exemplare eines sozialistischen Aufrufs in polnischer Epl«? geworfen worden; ebenso wurde auch die Zeyland'sche Daws. Tischlerei, in welcher gleichfalls polnische Arbeiter besckN find, nicht vergeffen. Einige Exemplare wurden an die 3flU gellebt, so daß man fie gut lesen konnte. Oesterreich-Ungaru.. Das Landsturmgesetz ist nun den VeitretM körpem beider Reichshälsten zur verfassungsmäßigen Handlung vorgelegt worden und eS ist kaum zu zweifeln,°° dasselbe in den wesentlichen Punkten angenommen«ei" wird. Sollen aber aus der Durchführung dteseS Gefeßc» v/ Staate keine finanziellen Opfer erwachsen, so müßte das%%, des Landsturms lediglich in der personellen Verpflichtung Einzelnen bestehen, im Ernstfalle dem Rufe deS allerhowjv. Kriegsherrn zu folgen und in der einschlägigen Kontrole d>�, Verpflichtung, d. i. in der Evidenthaltung der Landstu� männer durch die Gemeinden. Für die große Masse adtt scheint die Selbstbewaffnung des Einzelnen ausgeschlossen, her noch ein weiter Weg zurückzulegen ist bis zu jenem organifirten bewaffneten Landsturm, wie ihn�beisplelSweiß� schon die lokale Vertheidigung Tirol! und Vorarlbergs Nur Rücksichten finanzieller Natur waren eS, welche vre jv-'-jj Verwaltung abhalten konnten, von der BewaffnungSftagt l Landsturmes dermalen abzusehen und nicht zu verhindern,,„ diese neue Institution vorläufig nur auf dem Papier �bep-" wird. Man will die Lösung dieser Frage mit der über> oder�lang nothwendig werdenden Nrubewaffnung der Wird mit MagazinSgewehren in Verbindung bringen, n»-» Neuerung durchgeführt, dann sollen die von der Armee legenden Gewehre dem Landsturm zugewiesen werden. 8%,, hängt die Neubewaffnung unserer Armee wieder von dem„ halten der ftemdländlschen Staaten ab, welche alle länaü>7 das gleiche Ziel planen, fich aber der Kosten wegen einem Systemwechsel des Armeegewehres nicht cntsÄ1'" bin, als eine Hilfesuchende, Verfolgte und— schrecklich- sagen— meine Mutter ist eS, vor der ich fliehe." Die Baronin zuckle, tödtlich erbleichend, zusammen- „Du verflehst mich— Du kennst fie?" Die Baronin legte die Hand über die Auge». „Ja, ich kerne sie, die Frau, die mein LedeaSglü» nichtet hat," stöhnte sie dumpf. „Deine! und das meine," entgegnete Erna,»v, ich sie nie gesehen hätte!" �c» „Und daS solltest Du auch nicht, nach dem � Deines Vater»," sprach die Baronin;„solltest nie elfa°, daß Deine Mutter noch unter den Lebende« wem- j« hast Du eS doch erfahre« und hast fie kennen gelernt,-, sie ist... das ist ein« Fügung des Schicksal», dem j, un! beugen müssen. Nu« aber erzähl« mir, wa! se>> u ner Flucht aus dem Schlosse geschehe«. Jederfau» Deine Mutter Dich aufgesucht?" „Sie that es unter dem Namen einer Frau berg."„ „Ihr früherer Name. Sie war Wittwe, al» Vater sie heiralhete, die sehr jugendliche Sfßitto»*,, Wiener Millionär!, dessen einzige Erbin sie gewesen. „Und wie konnte fie Dein Lebensglück vernlck Deine» Gatte»..." ,, ti« »Nicht jetzt— nicht heute,«icht hier!" Baronin mit leisem Schauder.„Wir sprechen erne! fp � Tages davon... wenn es Zeit ist, Kind. Nun av ginne Deine Erzählung.". fci* Erna kam ihrem Wunsche«ach. Später st Baronin von fich und von ihm, dessen Name» Er«« nicht zu nennen wagte— von Bernhard. ti* Der Empfang i« Selchow war ei« neuer(l({ Siebe, welche man hier Erna bewahrte. ES war v Umkehr zu ihrer ersten glücklichen Jugend, und erste« Male vergoß sie ThrS«e«, die ihr«icht der � Noch am Abend diese« ereigaißvolle« TageS da! Glück, Bernhard zu begrüße«, welcher auf»£.�[10 der Baroni« sofort herbeigeeilt war, um das U S_ m mtt eigenen Auge« zu schaue« und Erna ebensa J konnten. So ist denn die Bildung des Landsturmes in seinem materiellen Theile einem späteren Zeitpunkte vorbehalten, der sich heute auch annähernd nicht feststellen lätzt. Von zehn zu zehn Jahren muß bekanntlich zwischen Oesterreich und Ungarn der Vertrag emeuert werden, auf welchem daS dualistische Vrrhältniß dieser beiden stamefischen Zwillinge beruht. Man nennt diesen Vertrag gewöhnlich »A u S g l e i ch". Da nun die zehnjährige Periode wiederum ihrem Ende naht, so wurden vor längerer Zeit bereits zwischm den Kabinetten von Wien und Pest die nölhigen Erneuerungs- Verhandlungen eingeleitet. Einer Nachricht des Wiener Korre- spondenten des„Verl. Tagebl." zufolge find vorläufig die Aus- gleichsoerhandlungen als gescheitert zu betrachten. Die Ursache rst der P'troleumzoll, über welchen eine Verständigung nicht gelang. Auch der gemeinsame Ministerrath, welcher fich mit dem Ausgleich beschäftigte, blieb resultatlos. Die ungarischen Minister verließen bereits Wien. Vorerst ist es noch ungewiß, ob deswegen eine Kündigung des Zoll- uno HandelSbündniffes Wischen beiden Reichshälsten erfolgt. Jedenfalls wird der Abschluß des Ausgleichs erheblich verzögert.— Mit der Kün- d'gung wird es wohl noch gute Wege haben; es Handell fich dabei, wie vor zehn Jahren, nur um ein Feilschen, bei welchem itde Reichshälste die größeren Vortheile für fich heraus« schlagen möchte, bei welchem gewöhnlich Oesterreich den Kürzeren zieht. Fraureeich. Die Pariser Anarchisten werden seit dem Attentat m der Börse streng überwacht. In einer Anrrchistenversamm« lung wurde deschloffen, für die streikenden Grubenarbeiter in Decazesille Geldsammlungen zu veranstalten. Auch soll dem Attentäter Grllo ein Verlheidiger beschafft werden. Die Po- »zei hat einige'ausländische Anarchisten verhastet; zwei deutsche, zwei belgische und ein rusfischer Anarchist wurden am Bonn- abend aus Frankreich„abgeschoben" und bis an die Grenze tranSportirt. Grotzbritanuie». . Ueber die Pläne GladstoneS in Bezug auf die irische Frage läßt fich das„Berk. Tagebl." aus London schreiben: Der Premicr-Minister wird in den ersten Tagen des April seine Vorlage bezüglich der Schaffung einer eigenen aesetzgebenden Körperschaft in Dublin sowie bezüglich der Regelung der «mdverhältniffe in Irland dem Unterhause auseinandersetzen. «owohl die eine wie die andere Maßregel sollen drastische, Unz durchgreifende sein. Nach der ersten Lesung wird Gladstone das Parlament auflösen und allgemeine Neuwahlen für das Unterhaus ausschreiben und zwar aus folgendem Gründe: Im gegenwärtigen Augenblicke droht seiner Vorlage Oppofition im Kabinette, im Unter- und im Oberhause. Es unterliegt nicht dem mindesten Zweifel, daß irgend eine Bill, welche den Jrländern Selbstregierung gewähren würde, auf ben allergrößten Widerstand seitens des Oberhauses stoßen wird. Wenn das jetzige Unterhaus eine derartige Bill für Irland annimmt, kann daS Oberhaus auf seiner Oppofition unter dem Scheine beharren, daß dos Unterhaus in dieser Frage nicht den Willen des englischen Volkes darstellt, daß rs nicht für diesen Zweck gewählt wurde, und dergleichen wehr. Wenn jedoch ein neues Unterhaus mit voller Kenntniß des Gladstone'schen Planes für Irland nach Westminster »«schickt wird, und dann doch denselben annimmt, dann slnkt die Oppofition des Oberhauses in ein absolutes Nichts jurüer. Die Lords werden fich dann hüten, einen Konflikt heraufzubeschwören, bei dem fie nicht Steger bleiben wnnten. Ebenso würde Gladstone die widersttebenden Ele- wente in seinem eigenen Kadinette ganz niederhalten können, wenn daS Volk fich bei den Neuwahlen für seinen irischen Plan ausspreehen sollte. Und Gladstone hofft mit Sicherheit, das Volk werde eine solche Majorität in das Parlament Wicken, und er werde die irische Schwierigkeit binnen JahreS- mft gelöst haben. Trotz des Drängens der konservattven Oppofition im Unterhause hat fich die englische Regierung nicht veranlaßt ge- mnden, der Abhaltung von öffentlichen Versamm- «Un gen auf freien Plätzm Hindernisse in den Weg zu legen. Dagegen geht aus Erklärungen, welche der Minister deS Annern, Childers, vor einigen Tagen im Unterhause abgegeben W, hervor, daß die polizeilichen Anordnungen bei derattigm Versammlungen jetzt mit größerer Umficht getroffen werden Und die Polizei dadurch in Stand gesetzt wird, jeden Versuch von Ausschrettungen des Pöbels, wie fie im vorigen Monat »n Londoner Westend vorgekommen find, im Keime zu ersticken. R u h l a n d. In Abänderung der bestehenden Bestimmungen beschloß ge Kommisston zur Feststellung der Rechte der Ausländer', dresen in den Grenzgebieten Landerwerb ganz ZU verbieten und ihre Gleichberechtigung mtt rusfischen Unter« wanen nicht wie brSher bloS von der Naturalifirung, sondern ?uch von darauf folgendem zehnjährigem Aufenthalt in Ruß- �nd abhängig zu machen. Dte Vorlage wird bald dem Reichs- U'h vorgelegt werden. Schern, daß seine Gestnnunge«»och heute dieselben seien, wie wn Tage ihrer heimlichen Verlobung. , Er war von Mirow herübergekommen und kehrte auch Mte»och dorthin zurück; er wollte mit seiner Braut nicht Unter einem Dache«eilen. Auf dem Wege nach Mirow Uifand sich ja die Schenke des alten Börne, und Bernhard Ae/t« im Interesse der Baronin für angezeigt, sich dort uuf seinem Heimwege noch einmal sehen zu lasse».... (Fortsetzung folgt.) Ana Kunst«nd Leben. a.. Da„DaS lachende Berlin" fich voraussichtlich noch lange U auf dem Repertoire deS Walhalla- Theaters behaupten »wb, ist Herr Direktor Steiner genöthigt, verschiedene mit Autoren und Komponisten gettoffene Vereinbarungen zu pro« r#tn. ES ist dies zum Theil mit großen pekuniären Opfern Knüpft, aber dte glänzenden Kaffenresultate der lustigen r%ue bieten dafür reichlichen Eis»,. Die erste Jubiläums. Wellung des„'achenden Berlins" war fast noch glänzender J'ücW, als die vorangegangenen Vorstellungen und brachte Darstellern vielfache Ovationen, dem Direktor Steiner Mckwünsche von nah und fem. Eine originelle Gratulation Mte ein Intimus des HauseS. Er schickte einen kleinen fe.r-&&%%%(%% Ml nämlich, der- Bei«?„lachenden Berlin" bisher— Al°hambr�?bmter.°"'„Der Dämon des Spiels," Bolls. 'wüten statt ■liBi Parlamentarisches. — Dritte Sitzung der Sozialistengesetz- K o m mt s s i on. Die Berathung beginnt mit§ 13. Abg. Windt Horst beantragt, daß in allen Verboten von Druckschriften die Stellen bezeichnet sein müffen, welche zum Verbote Veranlaffung ge- geben. Minister». Puttkamer bekämpft diesen Antrag, weil die Herren wissen, um was es fich handelt. In Bebel s Buch über die Frau sei Seite für Seite staatigefäbrlich, wie solle man da die einzelnen Stellen anführen. Abg. W i n d t h o r st: Man müsse doch angeben, um was es fich handelt. Abg. H ä n e l: Wo Seite für Seite staatsgefährlich, sei es erst recht nicht schwer, destimmte Stellen anzuführen. Der Antrag Windthorst wird mit 11 gegen 7 Stimmen angenommen.— Bei§ 14 beantragt Abg. Windthorst bei periodischen Druck- schriften dem Rekurs eine aufschiebende Wirkung einzuräumen. Minister v. Puttkamer erklärt fich aus den gestern angeführten Gründen entschieden dagegen. Abg. H ä n e l: Man behielte ja immer noch die Mittel deS gemeinen Rechts. Abg. Windt- Horst: Man solle das Schicksal einer ganzen Famrlie nicht abhängig machen, von einer einzelnen Verfügung. Abg. v. Helldorff: Die öffentliche Ruhe ist unter Umständen wichtiger, als daS Schicksal einer einzelnen Familie. Abg. H» n e l: ES giebt auch andere Schriften als sozialistische, die aufteilend und gefährlich wirken und die Bürger zu Gewalt- thätigketten auffmdern. Da glaube man ja mit den Mitteln des gemeinen Rechts auszukommen, darum könne man doch nicht bei einer so außerordentlichen Maßregel, wie dem Ver- bot einer periodischen Druckschrift, die aufschiebende Wirkung für gefährlich halten, umsomehr, als daS Verbot jeder einzelnen Nummer bestehen bleibe. Der Antrag Windthorst wird mit 11 gegen 7 Stimmen angenommen.— Man gelangt zu§ 22, welchen der Abg. Grohs zu streichen beanftagt. Der« selbe Handell davon, daß die Richter für Jemanden, der wegen Verletzung deS Sozialistengesetzes bestraft ist, die Zuläsfiakeit der Beschränkung deS Aufenthalts erkennen können. Die Lan- despolizet gewinnt alSdann das Recht, einer solchen Person den Aufenthalt überall da zu untersagen, wo fie fich noch kein halbeS Jahr aufgehalten hat. Abg. GrohS begründet den An« trag damit, daß in diesem Paragraphen die Möglichkeit liege, den Richter zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. Wie sehr das in Sachsen geschehen sei, beweisen die Wahlatten von 1881. Er ziehe den Fall Kavser an. Es war vor den Wah- len 1881 und diese Zuläsfigkett der Beschränkung wurde für ihn ausgesprochen. Er wurde alsdann auS der Kreishaupt« Mannschaft Dresden ausgewiesen, wo sein alter Wahlkreis lag, dann folgte seine Ausweisung auS der KreiShauptmannschast Zwickau, alsdann aus der Stadt Breslau, wo Mutter und Bruder des Abg. Kayser wohnen, die er mitunter zu besuchen pflegt. Sodann wurde er aus Erftnt und dem Dorf JlvertS- geHofen ausgewiesen, weiterhin noch auS Elberfeld, Barmen, Ronsdorf, Remscheid und davon benachbarten Orten, wo er fich noch nie aufgehallen hatte. Der Zweck deS Verbots, die Wahl des Abg. Kayser zu verhindern, sei nicht erreicht worden, da er doch 1881 wie 84 unser Kollege geworden sei. In denselben Gegenden, wo der Abg. Kayser ausgewiesen sei, können fich die Abgg. Bebel, Vellmar, Hasenclever u. A. bewegen. Da bei den schwersten Verbrechen die Polizeiaufficht auf Zeit be- schränkt sei, müsse doch auch hier die Befugniß der LandeS- polizeibehörde ein Ende finden und dürfe nccht ewig dauern. Abg. Fritzen ist gegen den Antrag GrohS, weil dieser nicht bloß einen Stein entferne, sondern ein Schnitt in das Gesetz sei. Da ein gerichtliches Erkenntniß zu Grunde liege, so sei die Willkür ausgeschlossen. Abg. tzänel: Wenn ein Paragraph eine Härte gegen die Person enthalte, so sei es dieser. Der davon Betroffene sei wie ein gehetztes Thier. Die Ermächtigung durch daS richterliche Erkenntniß giebt der Polizei die Macht, immerwährend die ganze Existenz eines solchen Mannes in Frage zu stellen. Abg. Baum dach wünscht Auskunft über Anwendung deS Paragraphen. Minister ».Puttkamer: In Preußen sei von diesem Paragraphen ganz geringer Gebrauch gemacht worden, doch sei er gegen die Streichung, da es vorkommen könne, daß eine bestimmte Person für bestimmt« Orte von ganz besonderer Gefährlichkeit sei. Graf H oh e n t h a l(Sachsen) erklärt, er sei nicht in der Lage, Auskunst zu geben, doch müsse so schlimm nicht in Sachsen geaen den Abg. Kayser verfahren worden sein, da er fich ja ungehindert in Dresden aufhalten könne. Abg. Grohs erkläft, daß der Abg. Kayser, welcher anwesend ser, bereit sei, Informationen zu ertheilen und beantragt derselbe, den Abg. jtayser zu hören. Abg. Meyer(Jena), nat.'lib., widerspricht. Es entspinnt fich nun eine sehr lange Geschästsordnungsdebatte. Die Abgg. von Helldorff, von Kölker, von Kar. dorff und Meyer(Jena) bestreiten der Kommission das Recht, Ntchtmitglieder der Kommission zu hören, sobald Wider» spruch erhoben. DaS sei eine Machterweiterung des Reichs- tag». Die Abg. Windtstorst, Hänel und B a u m b a ch find anderer Meinung. Die Kommisston müsse fich bestimmte Informationen geben laffen können, in anderen Kommisfionen werde so verfahren, wenn es fich um Postbauten x. handle. Die Kommisstonen des Reichstages hätten so wie so schon sehr kuna ist es z. B., wenn er, nur eine Hand b-nützend, piccicato spielt, wenn er, zum Theil sogar hinter dem Steg, verschiedene Thicrsiimmen mit überzeugender Treue kopirt und schließlich selbst die volltönenden Akkorde einer Orgel dem kleinen In- strument entlockt. Auch sonst weiß D., der eine wohlklingende Stimme besitzt, durch sein Lach-Kouplet, welches er durch meisterhaftes Banjospiel unterstützt, zwerchfellerschütternd auf sein Auditorium einzuwirken. Was daS sonstige Programm anbetrifft, so setzen Gebr. Richter mit ihrer wieder neuein« studirten„Perlederger Feuerwehr" und dm„Zwei vom Ballet" allabendlich die Lachmuskeln in krampfhaste Bewegung. Der urkomische Bendix und der gemüthliche Emil Neumann kom- plettiren daS humorgefüllte Programm mit bekannter Verve. „Amor und Psyche", die lustige Linderer-Thiele'sche Operettm- BurleSke, geht mit ungeschwächtm Kräften der 100. Aufführung entgegen, während die Schlußpicce„Berliner Photographien" von W. Köhler jedes Mal ungezählte Heiterkeitsstürme er- weckt. Si« ersticktes Kind. Tyroler Blätter berichten: Letzter Tage überfiedelt« eine Familie, Graziadei mit Namen, von Nonsberg nach dem Sarnthale, woselbst der Ernährer der Fa» milie Beschäftiaung erhielt. Am Montag sollte der Vater mit seiner Familie m Bozen zusammentteffen, und von dort aus wollte er mit derselben die Weiterfahrt nach seinem neum Be« stimmungSorte fortsetzm. Als die Mutter von Nonsberg fortreisen wollte, herrschte eine grimmige Kälte. Die besorgte Mutter bettete die fünf Kinder sorgfällig ,n eine große Kiste und deckte dieselbe, damit fich die Kinder nicht erkälteten, mit einer Decke zu. Während der Fahrt blickte die Mutter wiederHoll in die Kiste und scherzte mit den Kindem; alS fie aber in St. Michael ankamm, fand fie zu ihrem Entsetzen eines der Kinder tobt. In Bozen angekommen, wurde das tobte Kind in Folge Ver« sügung des Bezirksarztes in die Leichenkapelle gebracht und von dem Vorfalle der Staatsanwaltschaft die Anzeige erstattet. Zur Konftatuung der Todesursache wurde die Obduftion der Leiche angeordnet. Dieselbe ergab, daß da» Kind erstickt sei. Die Mutter wurde in Folge dessen gerichttich vernommen. Eisenbahnen in Südafrika. Die in Südafrika nun- mehr vollendete Eisenbahnverbindung zwischen Kapstadt und Kimberley, der Stadt der großen Diamantgruben, 1045 Kilometer lang, blldet einen eigenthümlichen Beitrag zur Eisen- bahngeschichte, denn es find an dieser Linie nach und nach die verschiedenen Systeme der Normalbahn und der Schmalspur« bahn erprobt worden. Die ersten 80 Kilometer, welche im wenig Macht gegenüber anderen Parlamenten, daß man fich dieses Recht nicht verkürzen laffen dürfe. Eine Gefahr sei ja auch damit nicht verbunden. Die Kommission beschließt, den Abg. Kayser zu hören, damit er die ihn betreffenden Vor- gänge bekannt gebe.— Abg. Kay ser schildert nun, wie er auf Indizien hin verurtheilt sei, wie er ein Zigarrengeschäft zur damaligen Zeit gehabt habe und wie trotzdem wahrscheinlich nur auf eine Polizeimittheilung die Zulässigkeit der Be- schränkuna des Aufenthalts deschloffen wurde, ohne daß vorher oder im Termin diese Nedenstrafe auch nur erwähnt worden sei. In Dresden könne er nur wohnen, weil er die halb- jährige Schutzfrist besessen habe. Er könne aber nicht einmal auf's Dorf oder in's Freie spazieren gehen. Er bedürfe dazu der Erlaubniß der KreiShauptmannschast, die noch zumeist ver« weigert werde. Er sei nur aus den beiden KreiShaupt« Mannschaften ausgewiesen, wo seine Wahl in Frage komme, au» den anderen nicht. Da die Abgg. Bebel, Vollmar, Stolle ,c. überall in diesen Gegenden ogiltren könnten, so habe die Maßregel die Wirkung einer persönlichen Chikane. Die Wirkung, seine bürgerliche Existenz zu ruiniren, sei nicht ge« lungen, weil er selbst wenn auch nur geringe Mittel zur Verfügung gehabt habe.— Abg. v. Köller macht fich den Spaß zu bemerken, das seien nicht bloß Informationen sondern auch Deduktionen gewesen. Abg. Windthorst: Es sei zwar mit Hätte veifahren worden, doch sei er gegen dte Streichung. Warum sagt aber Herr Windthorst nicht. Der Antrag Groh« wird mit 12 gegen 5 Stimmen abgelehnt.— Die Anträge aber, die Aenderung der Beschwerdckommisfion betreffend, find völlig irrelevant. Ob lauter Richter, ohne die jetzige Mischung, wird an den Entscheidungen dieser nichts ändern. Dte Aenderung der Zusammensetzung wird mit 12 gegen 8 Stimmen beschlossen. Man gelangt nun zu§ 28(kleiner Belagerungszustand). Abg. Windthorst beantragt, daß in Zu- kunst nur noch in Berlin der kleine Belagerungszustand solle verhängt werden dürfen. Abg. Fritzen rechtfertigt den An- trag damit, daß Berlin der Sitz des Kaisers, der höchsten Behörden sei, daß Fremde von allen Seiten zustießen und daß darum besondere Garantien gegeben werden müßten. Graf Hohenthal(Sachsen): Die sächfische Regierung legt Werth darauf, den Belagerungszustand in Leipzig beibehalten zu können. Die ausgewiesenen Elemente würden zurückkehren und Leipzig wieder der Zentralpuntt der sozialdemokratischen Agitation für Mitteldeutschland werden. Die Polizeiverhältniffe lägen auch ungünstig. Leipzig sei in der Hauptsache Industriestadt. Die Vorstadtdörfer, die hart in die Stadt hineinragen, haben eine eigene Polizei. Die Vor- stadtvötter haben eine außerordentlich fluktuirende Bevölkerung, es sei schwer, dott die Ordnung aufrecht zu erhalten, besonders wenn die ausgewiesenen Elemente zurückkehren. Auch sei der Belagerungszustand zum Schutz des Reichsgerichts nöthig. Abg. B a u m b a ch: Die Freifinnigen hätten früher einer solchen Ausnahmestellung für Berlin nicht zugestimmt, fie werden auch gegen das ganze Gesetz stimmen. Sie seien für die Ab- anderung, um einmal einen Anfang mit der Aufhebung zu machen. Der Belagerungszustand sei lein wirksamer Schutz. Wer wittlich schwere Verbrechen vor hat, lasse sich durch die Strafen für Rückkehr und durch die Ausweisung nicht ab- schrecken. Abg. T r ö n d l i n, Bürgermeister von Leipzig— nat.-lib.: Bei den ersten Ausweisungen sei die Maßregel eine barte gewesen, jetzt aber nicht mehr. Das Gesetz existitt 7 Jahre, und wer ausgewiesen werde, müsse das Bewußtsem haben, er habe gegen daS Gesetz verstoßen, er befinde fich im Verbältniß eines GesetzübertreterS. Die Organisation der Sozialdemokratie sei eine militärische(?), man müsse darum den Generalstab verhindern, wirksam zu sein. Auch die Propaganda an der Univerfität müsse gerade in Leipzig verhindett werden, denn was in Würzburg und Jena nicht gefährlich sei, sei in Leipzig gefährlich, wo solche Bestre« düngen einen Rückhalt an der Bevölkerung haben. Da Leipzig die gewerbreichste Stadt Deutschlands seh müsse der Belage- rungszustand fottdauern. Auch sei die Mehrzahl der Bürger- schaft für diese Sicherheitsmaßregel. Abg. Windthorst legt auf alle anderen Bestimmungen wenig Werth, wenn dieser Paragraph nicht abgeändert werde. Gerade dieser Paragraph gebe den Sozialdemokraten Waffen in die Hand und erzeuge Anarchisten. Minister». Puttkamer weist es entschieden zurück, daß man zum Schutze deS Kaisers den Bclagerungszu- stand für Berlin aufrecht erhalten wolle. Der Kaiser wie der König von Sachsen hätten auf den Schlachtteldern gekämpft und verlangten keinen besonderen Schutz für fich, sondern für die Nation. Auch sei gerade dieser Paragraph mit großer Mäßigung angewandt worden. Es habe nahe gelegen, in Elberfeld-Barmen, in Frankfutt a. M. den Belagerungszustand zu verhängen, aber gerade er, der Minister, habe fich dagegen erklärt. Die Abänderung wird mit 12 gegen 8 Stimmen angenommen, ebenso die Dauer des Gesetzes bis zum 30. Sep« tember 1868(2 Jahr) mit 15 gegen 5 Stimmen. Abg. von H e l l d o r f f will keine zweite Lesung, Abg. v. Köller will heule noch in die zweite Lesung eintreten. Doch wird auf Ver- langen der Abgg. W i n d t h o r st und Baum dach beschloffen» eine zweite Lesung vorzunehmen, deren Termin der Vorfitzende, Graf Hompesch, bestimmen wird. Jahre 1860 von Kapstadt aus gebaut worden find, wurden mit normaler Spur und mit sanften Kurven und Steigungen an« gelegt. 15 Jahre später wurde die Bahn um 460 Kilometer verlängert, und dabei die Spur von 1,066 Meter angewendet. Dabei wurden alle möglichen Ansttengungen gemacht, um die Anlagekostcn auf das gerinste Maß zu beschränken; es wurden leichte Schienen und Lokomotiven gewählt. Bald zeigte fich jedoch, daß die leichten Lokomotiven nicht im Stande waren, solche Züge zu befördern, welche noch einen Gewinn über die Betriedekosten ergaben. Man wählte daher wieder stärkere Lokomotiven, und infolge dessen mußten auch wieder stärkere Schienen in Anwendung gebracht werden. Schließlich entschied man fich im Jahr« 1880 dahin, sowohl in Betreff der Schienen wie deS rollenden Materials wieder zu den Typen einer Nor- malbahn zurückzugreifen. Gegenwärtig ist von der Schmal- spmbahn aber nur noch die Spurweite von 1,066 Meter übrig, und eS ist nur nöthig, diese Strecke in Bälde auch noch zur Normalspur zu erweitern. Et««eueS lenkbares Luftschiff von kolossalen Dirnen« fionen wird demnächst in Berlin von seinem Eifinder Hermann Ganswindt gebaut werden. Herr GanSwivdt will durch die enorme Größe des Luftballons eine so große Eiaengeschwindig« keit desselben erreichen, daß fie diejenige der stärksten Winde unserer Zone zu übertreffen vermag. Die Windgeschwindigkeit üdcrfieigt in unseren Gegenden in der Näh« der Erdoderflache nicht 12 Meter in einer Sekunde, während das GanSwindt'sche Luftschiff für eine Geschwindigkeit von 14 diS 15 Meter in einer Sekunde konstruirt ist. Das neue Projekt hat in verschiedenen Fachkreisen Anerkennung gefunden. Dir Zeichnungen deS Projekts liegen vor, zum Vergleich zusammengestellt mit den vier namhaftesten bisher versuchten lenkbaren Luftschissm: 1) Projekt Giffard(versucht 1852 zu PariS). 2) Dupuy de Lome (versucht Februar 1872 zu PariS), 3) Hänlein(versucht Dezember 1872 zu Brünn), 4) Krebs Renard(versucht August 1884 zu Meudon bei PariS). Der G rnSwindt'sche Aörostai ist ein Rotationsellipsoid von 150 Meter Länge, 15 Meter Durchmesser und 18000 Kubikmeter Inhalt(beinahe 10 Mal sogroß alS der Krebs Renard'sche). Die Belastung wiegt ca. 430 Zentner, wovon über 100 Zentner auf die Ballonhülle(inkl. Netz) und der Rest auf 2 Dampfmaschinen»on zusammen über 100 Pferde- stätten, auf Luftschraben(2 vettikale a 10 Meter Durchmesser und eine horizontale von 7'/, Meter Durchmesser), Steuer, Drahtseile, Spreizrohr, Plateaux, Waffer, Kohlen. Personal jc. kommt. Die Ausführung soll zitta 100000 M. kosten. — Die Wahlprüfunas» Kommission d«S Reichstages beendigte gestern die Prüfung der Wahl deS Abg. Zeitz(nat.-lib.) in i. Meiningen- Nachdem bereits mit 7 gegen € Stimmen beschlossen worden, daß die Agitation de« deutschen KriegerbundeS, namentlich bei Vorfitzendm desselben, deS Oberstm von ElponS, für den„Kameraven" Zeitz als ein er- hedlicher Eingriff in die Freiheit der Wahl zu erachten sei, wurde mit 6 gegen 5 beschlossen, beim Plenum die K assirung der Wahl zu beantragen. — In der Arbeiterschutz- Kommission deS Reichstages hat der fretfinnige Abgeordnete Halben folgende neue Anträge betreffend die Frauenarbeit eingebracht: § 135. Wöchnerinnen dürfen während eines Zeitraums von vier Wochm nach ihrer Niederkunft in Fabriken nicht beschäftigt werden. Auf ärztliche Anordnung muß dieser Ausschluß bereits 14 Tage vor dem vorausfichtlichm Termin der Niederkunst «intreten und bis auf 6 Wochen nach derselben erstreckt werden. Eine Kündigung oder Entlassung auS der Arbeit ist während dieser Zeit nicht gestattet.§ 136. Arbeiterinnen, welche ein HauSwesen zu besorgen haben, dürfen in Fabriken nicht langer als acht Stunden täglich beschäftigt werden. Ardeiterinnen, deren Kinder das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, find zur Arbeit in Fabriken nur dann zuzulassen, wenn fi« der OrtSbchörde den Nachweis liefern, daß diese Kinder während der Arbeitszeit der Mutter unter der Aufficht erwachsener Personen stehen.—§ 139a. Werden Arbeiter und Ardeiterinnen gleichz-ilig zur Nachtarbeit in Fabriken verwendet, so ist dafür Sorge zu tragen, daß der Wechsel der Arbeitsschicht für die Arbeiterinnen min« VestcnS zwei Stunden früher oder später erfolgt, als für die Arbeiter. — Die GewerbeordnunaS-Kommisston erledigte gestern in erster Lesung die Anträge Ackermann, Bichl und Genoffen, betreffend die Erweiterung der Vorrechte der Innungen, welchen mehr alS die Hälfte der Arbeitgeber der in ihnen vertretenen Gewerbe angehören, denselben müssen auf ihren Antrag die Vorrechte des§ 100e übertragen werden. Unter der gleichen Voraussetzung find diese Innungen berech- tigt, alle in ihrem Bezirk vorhandenen sclbstständigen Gewerbe« treibenden und deren Gesellm zu den Kosten der Fachschulen, der zur Förderung der gewerblichen und technischen AuSbil- dung der Meister und Gesellen geeignete Einrichtungen, der Gesellen« und Meisterprüfungen und der Schiedsgerichte heran- zuziehen. Zokales. Verlorene Padtere. Auf eine unterm 12. Febmar d. I. in der„Vosfischen Zeitung" erschienene Annonze, nach wcl- cher ein jüngerer Mann, der Soldat gewesen, als Aufseher für eine Fabrik gesucht wird, hat der Steindruck« Max Gries hier« selbst, Rosenstrahe 6, 3 Tr. wohnhaft, früh« Sergeant d« 7. Kompagnie deS Leid Grenadier« Regiments Nr. 8, seinen Militärpaß und sein FührungS- Attest unter Chiffre Gl. 53 in der Expediiion dn genannten Zeitung niedergelegt, und find die Papiere auch abgeholt worden. GricS hat bis beute weder eine Antwort euf seine Bewerbung um die qu. Stelle, noch seine Papiere zurückerhalten. Der Einsender der ftaglichen Annonze hat nicht ermittelt werden können, und wird dnselbe dah« auf diesem Wege«sucht, dem«. Gries die von ihm eingesandten Papiere zurückzustellen, da angenommen wird, daß die Zurücksendung der letztnen bis jetzt auS Ansehen unterlassen worden ist. Der Gürtler Gustav Mahlow, Brunnenstr. 105, ersucht unS, darauf hinweisen zu wollen, daß er keineswegs mit dem oft genannten Pseudo Mahlow, dem Geheimpolizisten Jbring, identisch ist. Wir kommen hiermit dem Wunsche deS Herrn Gustav Mahlow gern nach. Ueber deu so jäh ums Leben gekommene» Droschken- kutscher Ernst Jungfer werden verschiedene Gerüchte laut, aus welchen zu ersehen ist, daß d« Tod durch Ersri«en nicht «inaetteten ist. Wie uns von zuverlässtger Seite mttgetheilt wird, schreibt die„A llg. Fahr Ztg.", vermuthet man, daß« von seinen eigenen Fahrgästen, welche er läna«e Zeit umher- gefahren hatte und die zuletzt im Köpnick« Keller, an der Ecke der Ncanderstraße, eingekchn waren, durch irgend ein Mittel zuerst betäubt und, da dieselben vielleicht ohne Geld waren, in diesem Zustande vom Bock« gestoßen worden ist. Sehr deut» lich spricht auch für diese Annahme der Umstand, daß fich die Fahrgaste sofort entfernten und den Unglücklichen liegen ließen. Den FuhrKerrn Bruder, welch« schon im Begriffe war, neben der Droschke deS Verstorbenen vorbeizufahren und so denselben überfuhr, soll keinerlei Schuld treffen. Wie uns mttgetheilt wird, soll der Tod durch den Sturz vom Kutschnbock cinge- treten sein. Am Sonnabend, den 6. d. M., Nachmittags 4 Uhr, wurde Jungfer auf dem Friedhofe d« Parochial- Gemeinde am Boxhagmer Weg zur letzten Ruhe bestattet. Der verwerflichen Geschäftshraxi» eiuts hiesigen Schlächters, d« gewöhnlich die Wochenmärste in Spandau besuchte, ist dem„Anz. f. d. Holl." zufolge die dortige Polizei auf die Spur gekommen und hat ihm das Handwerk gelegt. D« Schlecht« bcm«Ne am Sonnabend Vormittag, daß auf dem Martte da» zum Verkauf gestellte Fletsch revidirt wurde. Sofort traf er Anstalten, einen Theil der in sein« Bude be« stndlichen Waare bei Seite zu bringen. In der That gelang eS ihm, Kopf und Schinken eines Schweines in den Gasthof zu schaffen, in welchem« ausgespannt hatte. Die Manipu« lation wurde aber von dem mit d« Revifion beauftragten Polizeibeamten bem«tt und dies« wandte fich auf dn Stelle dem Standplatz deS verdächtigen Schlächters zu. Er kam rechtzeitig genug, um noch fast das Fletsch eines ganzen Schweines vorzufinden, daS mit Rochlauf behaftet und schon „abgestorben" war. Darauf wurde der Gasthof durchsucht, und auS dem Stall unter der Pferdekrippe und aus dem Heuboden die versteckten Fleischstücke, Kopf und Schinken, die gleichfalls unbrauchbar waren, hervorgeholt. Das sämmtliche zum Genuß für Menschen untaugliche und der Gesundheit ge« fährliche Fleisch wurde konfiszirt und der Abdeckerei übergeben. Dem gewissenlosen Schlächter, d« im Dezemb« v. I. schon beim Verkauf von finnigem Fleisch abgefaßt wurde, ist ver« boten worden, in Zukunft Fleisch zu den dortigen Wochen- märtten zum Verkauf zu bringen. Auß«dcm steht« seiner Bestrafung wegen V«gehcnS gegen daS NahrungSmittelgesctz entgegen. Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den V«- Lffenttichungen deS fiattstischen Amts d« Etadt. Die fortge- schriebenc Bevölkerungszahl betrug am 13. Februar inkl. der nachträglichen An« und Abmeldungen 1 321 119, hat fich dem nach gegen die Woche vorher um 929 Seelen vermehrt. In der Woche vom 14. bis 20. Februar wurden polizeilich gemeldet.1935 zugezogene, 1348 fortgezogene Personen; standcS« amtlich wurden 192 Ehen geschlossen. Geboren wurden 853 Kind«, und zwar lebend: 417 männliche, 428 weibliche, zusammen 845(darunter 103 außereheliche), todt männliche 22, weibliche 18, zusammen 38 idarunter 10 außereheliche) Kind«. Die Lcdendgedoicnen, aufS Jahr berechnet, bilden 33,4, die Todtgeborencn 1,5 pro Mille der Bevölkeiung, die außnehelich Gebormen 12,70 pCt. all« in d« Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 12,07, die bei dm Todtgebormm 26,32 pCt. In der Kgl. Charitee und Entbindungsanstalt wurd m 47 Kind« geboren. Gestorben(ohne Todtgedorene) find 531, nämlich 295 männliche, 236 weibliche Personen. Von diesen warm unter 1 Jahr alt 137(inkl. 25 außereheliche), 1—5 Jahre 101(inklusive 4 außereheliche), 5—10 Jahre 15, 10—15 Jahre 3, 15-20 Jahr« 9, 20-30 Jahre 35, 30-40 Jahre 51, 40-60 Jahre 87, 60-80 Jahre 78, üb« 80 Jahre 15.- Die Sterbefälle, beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 44,82 pCt. sämmt-» lich« in dies« Woche Gestorbmen auS. Von dm im All« unter 1 Jahr gestorbmen Kindern starbm 41 im ersten, 12 im zweiten, 11 im dritten, 12 im vierten, 7 im fünften, 9 im sechsten, 45 im fiebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben warm«nährt 23 mit Muttermilch, 1 mtt Ammm- milch, 54 mit Thiermilch, 3 mit Milchsurrogaten, 27 mtt ge- mischt« Nahrung, von 29 war es unbekannt. Todesursachen warm besondtts: Lungenschwindsucht(82), Lungenentzündung (45), Bronchiallatarrh(22), Kehlkopfentzündung(19), Krämpfe (34), Gehirnschlag(16), Gehirn- und Gehirnhautentzündung (12), Herzfchler—, Krebs(16), Alterschwäche(17), Lebens« schwäche(23), Abzehrung(12), Masern(11), Scharlach(5), Diphtherie(29), Typhus(1), Diarrhöe(7), Brechdurchfall(9); an anderen Krankheiten starben 165 und durch Selbstmord 6, davon durch Vergiftung 1, durch Erschießen 2, durch Erhängen — Die Sterblichkeit der Woche aus das Jahr b«cchnet, kommen durchschnittlich auf 1000 Bewohn« in Berlin 21,0, in Breslau 22,8, in Frankfurt a. M. 25,6, in Köln 27.4, in Dresden 26,9, in München 27,0, in Bremm 29,9, in Stuttgart 20,5, in Wim 32,5, in Paris 28,7, in London 25,6, in Liverpool 26.— In der Woche wurdm dem Poli« zeipräfidium gemeldet alS erkrantt: an Typhus 6, an Masern 107, an Scharlach 37, an Diphtherie 129. In dm 9 größeren Krankenhäusem wurden in d« Berichtswoche 890 Kranke aufgenommen, davon litten an Masem 2, an Scharlach 1, an Diphtherie 32, an TyphuS, an Rose 9. Es starbm 128 Per. sonen oder 22,1»Ct. aller in der Woche Gestorbenm; als Bestand verblieben 4202 Kranke. Wasserstand der Spree in der Woche vom 21. bis 27. Februar 1886.(Angabe in Metern.) Tage AmObttbaum Dammmühle, Oberwaff«. Dammmühle, Unterwass«. Polizei-Bericht. altes Kind, während 21./2. 2,41 2,36 1,06 22./2. 2,40 2,36 23v2 2,40 2,36 1,05 24/2 2,41 2,35 1,04 25/2. 2,40 2,35 1,04 26., 2, 2,39 2,35 27./2. 2,39 2,36 1,06| 1,05| 1,04| 1,04| 1,04| 1,04 Am 3. d. M. wurde ein 7 Monate es auf dem Schooß der Mutter saß, durch einm vom Tisch h«unt«gezogmm Teller mit heißer Suppe deraitig an beiden Beinen verbrüht, daß eS trotz d« sofort in Anspruch genommenen ärztlichen Hilfe am 8. d. M. früh starb.— Am 8. d. M. früh wurde ein Mann auf dem Bötzow'schen Grundstück am„Verlorenen Weg" und am Nach- mittag« desselbm Tages eine Frau in ihr« Wohnung irr d« Melchiorstraße erhängt vorgefunden. Die Leiche des erst«en wurde noch dem Leichenschauhause gebracht.— Am 8. d. M Nachmittags sprang ein Mann in selbstwörderisch« Abficht in den Landwehrkanal, wurde ab« von vorüb«gehenden Per- sonen herausgeioaen und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— In dm Abendstunden desselben TageS geriethen die Waarenvorräthe deL Posammticrgcschäfts Bellealliarcestraße Nr. 4 in Folge ein« Unvmfichtigkeit beim Anzünden d« Schaufensterdeleuchtung in Brand. Das Feu« nahm die Thätigkeit der Feuerwehr läng«e Zeit in Anspruch. Gerichts-Zeiwng. Eine vor Kurzem ergangene Entscheid»«« des Kam« mera«ich>s, wonach die zur Verabreichung von Bi«, Wein rc. in Gast- und Schanlwirthschaften denutzten Schankgefäße mit nur einem Füllstrich verseken sein dürfen, ist wohl geeignet, außer dem Interesse der Schankwirthe auck das deS konsumirm- dm Publikums zu«weckm. Bei einem Weinwirth waren 9 zum Ausschank benutzte Weingläser in Beschlag gmommen wordm, welche eine doppelte Bezeichnung ihres Rauminhalts durch zwei besondere Füllstriche von 0,2 und V« Liter hatte», die beide fich in vorschriftsmäßiger Entfemung vom obnen Rande der Gläser defanden und zwar ohne daß fie einm ge- ringeren Raum alS den angegebenen begrmzten. Ter in den Antlagezustand versetzte Wirlh hielt dieses Anbringm doppelt« Füllftriche an demselben Schankgefäße für durchaus zuläsfig, sof«n nur jeder derselben den gesetzlichen Anforderungen mt- spräche. Dieser Anficht ist das Kamm«g«icht indeß nicht bei- getreten, indem es auS dem Zweck, dem Zusammenhange d« §§ 1 ff. und den Motiven deS ReichSgeietzeS vom 20. Juli i71 deduzirte,„daß eine Mehrzahl von Füllstrichen an dem- selben Gefäße jedenfalls Hot ausgeschlossen werden scllm. Zweck des Gesetzes sei, den Konsumenten völlige Klarheit und Gewißheit über den Inhalt des Schankgefäßes zu gebm und jeden Zweifel an dessen Sollinhalt zu beseitigm. Solche Zweifel würden aber entstehen, wenn statt eines eine Mehr- zahl von Füllstrichen an demselben Gefäße zugelassen würde, besonders dann, wenn die mehreren Füllftriche fich dicht bei einander befänden. Nun erfordere§ 2 des Gesetzes, daß dn Abstand deS Füllstrichs von dem oberen Rande deS GefäßcS nur zwischen eng bemessenm Grenzen(bei Gläsnn zwischen 1 und 8 cm) liegen darf; würde also ein zweiter oder dritt« Füllstrich an dem Glase rc- angebracht fein, so würde derselbe entweder dieser Vorschrift nicht gmügen, od« doch der Soll« inhalt dem Strich nicht entsprechen und d« Abficht deS Gesetz« febns durch die Möglichkeit von Jmrngm und die Ungewiß« eit über den fattischen Inhalt entgegmgehandelt, übrigens auch die polizeiliche Kontrole erschwert werden. Der Gesetzgeb« hat also nicht etwa neben den obligatorischen Füllstrichm noch and«e Fakultative zulassen wollen." Ein Mörder. Hildesheim, 5 März. Ueb« den Mord- prozeß wider den Kand. phil. Friedrich Stolle aus Sarstedt, der mit einem Todesurtbeile abschloß, berichtet der„Hann. Kur." wie folgt: Dn 25jähiige Stolle ist das älteste von vi« Kindern deS am 20. Oktober 1877 verstorbenen Gastwirths Hr. Stolle in Sarstedt und dessm Wittwe, geb. Kiß, jetzt aber« mclS verwittweten Prigge. Cr desuchte die Schule in S., dann die Realschule 1. Ordnung in Hannover, von wo« Ostern 1878, 17 Jahre alt, nach bestandenem Maturitätsexamm die Univerfität Göttingen bezog, dort drei Jahre neune Sprachen und Geschichte studirte, und dieses Studium noch halbjährig« Unterbrechung während eines ferneren Semesters fortsetzte. Hinnach war«— hauptsächlich zur eigenen Erwerbung von Mitteln zur Fortsetzung der Studien— bis Weihnachten 1883 Hauslehrer beim Baron v. Erlang« in Nted«-Jngelheim. Diese Stellung ließ ihm nicht die nöthlge Muße zur Vorde- reitung für das große Staatsexamen, und d« Angeklagte ging deshalb in da» elterliche HauS zurück. Um Pfingsten 1884 «hielt« auf seinen Wunsch die schriftlichen Prüfungsauf- gaben; er hat die Arbeiten aber nicht gemacht, auch die Zelt, während welcher« berechtigt gewesen wäre, sein« Militärpflicht als Einjährig Freiwilliger zu genügen, unbenützt vnstreichen lassen, weil fich— so sogt der Angeklagte— schon im August 1884 bei ihm der Entschluß festgesetzt habe, diejenige That auS- zuführen, welche ihn gestern vor die Geschworenen geführt hat. Während zu Lebzeiten des Vaters daS Familienverhältniß im Stolleschen Hause ein sehr herzliches und liebevolles gewesen, ändnten fich diese Verhättniffe, nachdem der Mufiker Prigge da« selbst alS Kostgänger Aufnahme gefunden und fich dann spät« mit der Mutter deS Angeklagten vrrlobte. Dieses Vttbältniß habe ihn, sagt Stolle, tief verletzt; er habe eine zweite Heiraih überall nicht mit seinen Änfichten über Ehe und Familienleben in Einklang bringen können; gegen Pr. aber, der etwa 20 Jahre jünger al» seine Mutt« gewesen sei, habe er ein« unübnwind« liche Abneigung gehabt, bigründet in dem Mißvnhältn.ß im Alt«, Charakter, Bildungsgrad und vielen anderen Vntält- nissen. Seine Mutter habe, aller inständigen BUtrn und Vorstellungen ungeachtet, im Novemd« 1878 fich mit Pr.«r- beirathet. D«selbe sei zwar ein fleißiger und ordentlicher Mensch gewesen, indeß habe«. St., bald erkannt, daß sein Stiefvat« nur seines eigenen Vortheils wegen die Heirath em- gegangen sei; während er die Meinung zu erwecken gesucht oabe, e» sei daS aui Rückficht für die Mutter geschehen. Es, St., habe mit tiefem Schmerz wahrnehmen müssen, daß die Ehe eine unglückliche gewesen. Pr. habe gegen die Mutter sich gleichgiltig gezeigt, fie unwürdig behandelt, recht häufig häusliche Szenen veranlaßt, und namentlich, wenn die Mutter wirthschaftliche Ausgaben habe machen wollen, das Geld unter Zank und Schimpf«eien, auch wohl noch Schlimmerem, ver- weigert. Den jüng«en Geschwistern habe Pr. eine bessere Schulbildung nicht gewährt,« sei immer nur auf Erwerb de« dacht gewesen u«d habe die Geschwister demgemäß ausgenutzt- Angeklagter habe fich bei Seite gedrängt, dre Beziehungen zu lieben Verwandten abgebrochen, den Familienfrteden gestört gesehen. Er habe darüber nachgedacht, od das eheliche Band zwischen den Ehegatten auf gesetzlichem Wege wohl wieder zu lösen, fich ab« überzeugt, daß da» nicht möglich sei. 8" Anlaß der geschilderten V«hältnisse habe er mit Pr. oft Zwistiaketten, bald leichter«, bald ernsterer Art gehabt, sein Haß habe fich immer mehr vertieft und da»# so liebe Elternhaus sei ihm entfremdet. Schließlub habe Pr.««langt, daß er das HauS verlasse, die Mutter sei einverstanden gewesen und habe ihn zur Ausführung gedrängt. Sein Haß gegen Pr. sei so stark gewesen, daß er geglaubt, gegen ihn, in dem« nur den unmittelbaren, rückfich»' losen und abfichtlichen Zerstörer seines Familienlebens, den Urheber seiner verlorene» Zukunft gesehen, könne er nur mu einem letzten Mittel vorgehen: er müsse ihm da» Leben nehme»- Er habe fett Jahresfrist fich mit diesem Gedanken getragen, sein Vorhaben alS Alt geistig« Nothwehr angesehen. Er habe st? eine» Revol»« und spater, weil er bei seiner Kuizstätikleu hätte fehlschießen könne«, auch noch ein Dolchmess« gekauft! ab« immer wied« habe ihm die Kraft zur Auesühiung ge' fehlt. Da sei endlich der Tag herangekommen, an welchem er seinem Gegner daS Few habe räumen, daS Vaterhaus habe v«laffen sollen: der 29. November 1885, ein Sonntag. Geschwister seien in der Kirche gewesen, die Mutter zum Kaut' mann gegangen; da habe« die Erinmrung an all' seine zer« ftötten Hoffnungen, an sei» zerstöite» LebenSplück in fich wirke» lassen und sei mtt den Mordwaffen in die Swbe getrete«,'» welcher sein Sttef,at«, dem Eintretenden den Rücken zugekemt, fich befunden. Er habe einen Schuß gegen ihn abgefeuert, P«- habe fich umgedreht und sei fortgelaufen. Ueber den wcilere« Verlauf der Katasttophe ist dann festgestellt, vaß noch zw� Schüsse gegen Pr. abgegeben find, welcher auf den Hof, soda»» auf die Straße flüchtete. Dorthin ist ihm der Angeklagte gefoljo und hat ihm mehrere Messerstiche versitzt, darunter einen, derW große Aorta und die große Lungensch lagadcr öffnete und ven Tod deS Pr. durch Verblutung zur unmittelbaren Folge gebar' hat. Au» der Beweisaufnahme, soweit die Zeugenaussagen in»e- tracht kommen, ist Wesentliches nicht weiter hervorzuheben. M sämmtliche Zeugen bestätigen, daß das P.'sche Familienleben ein glückliche» nicht gewesen ist. Zwei Schul, dezw. Union fitätifreunde de» Angeklagten schilbcrten ihn als einen außer ordentlich ideal veranlagten, aufopfetungifähipen Mensche»»"» nobler Gefinnung und peinlichstem Pfliaftgesühl, der aber aj'® leicht eine Amipachie gegen Personen gefaßt habe. Der A». geklagte ist, wie aui dem vorstehenden Ref«ate hervorgeht," vollem Umfange geständig, seine etwa zweistündigen, j» tiefst« inner« Erregung und mtt oft von Thränen«#%, Stimme gemachten Auslassungen über die FamilienverhäuM», und die Motive, welche ihn zu dem grauenvollen Enttch'U» und dessen Ausführung veranlaßt, waren vom Anfang bis Ende geeignet, das h«zltchst: Mitgefühl für den geklagte u«wecken, eS ist ihm auch wohl von allen im Gericht»� anwesenden zu Theil geworden. D« auf Antrag der»» theidigung zur Begutachtung der geistigen ZurechnungiNfT, kett des St. zugezogene Direktor der hi'stgen JirenanM/' Geh. Sanitätirath Dr. Snell, gab sein Gutachten dahi» T daß d« Angeklagte— was dieser auch nie bestritten L That lediglich in leidenschaftlicher, alle Vernunftgründe»«. herrschenden Vnblendung und vollständig im Rahmen Gesundheit begangen habe. Die Geschworenen bejahten r*- auch die Hauptfrage wegen Mordes, und eS erfolgte data' wie bereits berichtet, die Veiuftheilung des Angeklagten.» Tode. Derselbe nahm dieses Urthett mct ruhiger ElgebunS. sein Schicksal entgegen;« bemerkte,« habe nichts Anve erwarten lönnm, eS sei die gerechte Strafe seiner Hand-u � aber« möchte doch sein Leben nicht mit dem begangene« brechen abschließen,« wolle es zu sühnen versuchen. schworenen baden einstimmig beschlossen, den Angeklagte« königlichen Gnade zu empfehlen. Leipzig, 8. März.(Vom Pferdehandel.) Der mann Hetmich Heinemann in Hadersleben war vom•u«. eerichte in Halberstadt am 23. Dezember v. I. w-gen Betrug rn zwei Fällen auf Grund deS folgenden Thatbestanvio M 3«IfmW.n„nh 3cv> qff cH-INflr.ife veicte'pp. 3 Monaten Gefänguiß und 300 M. Geldstrafe»"nv'fy, worden. Im Februar od« März 1885 tauschte Friedft® der Eohn deS Angeklagten, gegen ein Plerd von ewet«-� wissen Herbst in Königtauc elmn Schimmel und 50%..«i ein. AlS er dieses Thier einige Zeit spät« vor den W 6 j seines Vaters spannen wollte, fing eS an, stark zu zittew% zeigte sich somit zu seinem Zwecke unbrauchbar. Bmec.� Sohn forderten nun den Hnbst auf, daS Pferd zurückzune?- � ab« fie wurdm nicht sogleich einig. Bald darauf"Ui � Angeklagte mit einem Lekonom Krause zusammen, dt« dem Wegen stehend«(von Herbst gekaufte) Pferd Hewc>» 6(I e. Der Vater des Krause kam auch noch hinzu(t .. klagte erklärte dann gegenüber dm beiden Leuten, � an dcm Schimmel außer dm fichtbarm Fehl«n keine» � weitet wüßte. In Folge dessen kaufte d« jüngere Kram w gegen 210 M. und«legte noch an demselben Tag� Thier gegen KaufpieiS. Während d« ersten Tage zeigte dai�Pte.� überschlug.S Ä. fiel nieder. Nachdem d« Krampfanfall dessm. Auf wiederholtes Drängen klärung,« wolle gern auf Ketten, sagte d-r Angeklagte, sprechen- Schließlich wurde eine Einigung ine Einigung -- R»-— s on M. z"Vim WiWKMW f#nt verschafft habe.— Heinemann hätte R-viston der am 4. März vor dem lll. Strafsmate deS R*® stattgehabten Verhandlung den Psarrn seines WoV �ffeN Wiederaufnahmegesuch, ab« nicht die Revifion deshalb wurde die letztere vom Reichsg«ichte v- Verantwortlrcher Redakteur«. Tmhei« tu»s-ltn. Druck und Vertag von Mar»adiug in»erttn 8W, veuthstraße 2. «im» . ort« tltchrt fein . ein» efudit Er. iS die [futtet Beilage zum Berliner VoMblatt. Ar» 58. Mittwoch, de« 10. Marz 1886. III. Parlameutsberichte. Äbaeorduetenhau«. 3K. Sitzung vom S. März. 11 Uhr. Am Ministertische v. Goßler. �_ Eingegangkn ist der Gesetzentwurf, betreffend du Erweite- tung deS SiaalsschuldbucheS._ In die Tagesordnung eintretend setzt das Haus die Be- mthung des Kaltuseiats bei Kap. 110, Gerichtshof für kirchliche «ngelegenheiten, fort._. Sibg. Bachem beantragt, die Posttronen zu streichen. Min ster v. G otz ler bittet dagegen, diesem Antrage nicht {U folgen, da diese Titel auf Gesetz beruhen und daber auch nur durch Gesetz wieder aus dem Etat entfernt weiden dürften. Ein Entwurf, der dieS beabfichtigt, liege ja bereit» vor; diesen solle man erst abwarten. . Die Abgg. v. Zedlitz und v. Minnigerode er- '°ren Namens ihrer Fraktionen, daß sie unter solchen Um- ständen tür die Bewilligung stimmen würden. Die Postrionen werden gegen die Stimmen deS Zentrums Nnehmigt. _ Bei Kap. 112(Evangelische Konsistorien) beantragt Abg. Dr. Wange* bans, die für ein besonderes Konsistorium für West- Preußen gefi-rderten 21 000 Di. zu streichen. Nachdem die Kirche ihre seldstfiändige Verfoffung bekommen habe, müffe dieselbe auch für sich sildst sorgen. Außerdem müffe das Ziel einer pollständigen Trennung von Kirche und Staat fest im Auge oehallen werden; dahin strebe auch sein Antrag. Abg Wehr(Deutsch Krone) ist dagegen der Anficht, daß eine derarliae Folgerung aus der Synodalorvnung nicht gemacht Reeden könne. Die kirchliche Fürsorge für Westpreußen könne picht ersp i- tzlich von Königsberg aus getroffen werden, und beihalb bedürfe jenes eines desonderen Konsistoriums in Banzig; namentlich im Hinblick auf die in den nächsten Jahren M G-und des neuen AnfiedelungSgesetzes zu bildenden neuen Gemeinden müsse dieser Gesichtspunkt besondere Beachtung berbien-n. . Minister v. Goßler erklärt dem Abg. Langerhans, daß Wn Standpunkt irrthumlich sei. Die kirchenregimentlichm xerhältniffe schlössen sich in Preußen an die politische Theilung «es Staates an, so daß, nachdem eine Theilung der Piovinz Mußen in Ost- und Westpreußen vorgenommen, nichts natür- icher sei, als die Bildung eines besonderen Konsistoriums für »tztere Provinz. Auch die Z-ffern sprächen dafür: Ostpreußen habe unter etwa 2 Millionen Einwohnern 1 654 000 evange» «schen Glaubens, Westvieußen unter IV, Millionen Seelen «72000, so daß beide Provinzen zusammen 2 300 000 Eoan- »ellsche zählten, dir man doch nicht von Königsberg auS pastoriren könne. Auch habe kein anderes Konsistorium eine berarlige Ausdehnung.. . Nachdem noch Abg. v. M i n n i g e r o d e die Bewrllrgung Mrwortet, entgegnet der Abg. Langerhans dem Minister, «aß ihm eine Seelenzohl von 670000 Evangelischen nicht ge> biigend erscheine, um ein neues Beamtenheer anzustellen, wäh- rend nochmal« seitens des Abg. Gerlich das dringendste Be- bllrfniß der Trennung beider Provinzen in politischer Hinficht such diejenige in Betriff der kirchlichen Verwaltung folgen zu •äffen betont wird. . Nachdem nochmals Abg. Dr. Wehr» sowie auch die ndgg. B r ü e l und W i n d t h o r st sich für die Genehmigung ausgesprochen, wird das Kapitel mit dieser Mehrforderung be- "billigt; dagegen nur ein Theil der Freisinnigen. . Im Kup. 1)3„Evangelische Geistliche und Kirchen" 1347 366 M ist u. a. eine Mehrforderung von 900 M. zur Zesolvung eines Hilftpiedigers der Filialgemeinde Camberg, JiegierungSbezirk Wiesbaden, enthalten. „ Auf eine Anfrage deS Abg. Dr. L i e b e r entgegnet Mi- Merialdirektor Balkhausen, daß bei der Fürsorge für die schlichen Bedürfniffe auch bezüglich ger Anstellung und B-- "aidung von Hills Predigern resp. der Enichtung neuer Stellen "«llste Parität geübt werde.„. i Da« Kapitel wird mit den Mehrforderungen genehmigt. . Lei Kap. 115„Bisthümer-c.", Titel 1, BiSthum Umland, empfiehlt Abg. Spahn die Beseitigung der Östlichen Lokalschulinspektoren und deren Ersetzung durch die Geistlichen, deren wiffenschaftliche Qualifikation zu diesem Amte �er allem Zweifel stehe. Gerächt! Von Georg Grad. »erbot«,.) t. Eine Zigarre rauchend, saß ich beim Morgenkaffee und Uie über einen bösen Handel nach, de« mir meine Heftig. jll eingetragen hatte. Bei dem Abschiedseffea zu Ehren ja* Bekannte«, der nach dem Lande der Freiheit auSzu- Indern gedachte, hatte ich mich bei einem entstandene» Mttwechsel unier dem Einfluß de» reichlich genossene» S5;'«« leider dazu hinreiße» lassen, Jenem eine schwere Vd'gung in'« Gesicht zu schleudern. Die versuchte Ver- Muvg der übrige» Theilnehmer war Mißglückt da» Fest p: man hatte sich mißgestimmt entfernt und ich war ? alleinige Urheber de- Streite« gewesen. WaS sollte ich i§#» um Jenen zu versöhnen? Der Beleidigte war, wie ,?"asahren hatte, bereit« abgereist. Sollte ich ihm schreiben, irgend eine Genugthuung anbieten? Der Brief hätte "rst erreicht, wen« er längst auf hoher See schwamm. C weinen Gedanken hierüber wurde ich durch ein beschei- w« Poche» an die Thür unterbrochen. --Herein!' »o.'Habe ich da» Vergnüge». Herrn Jngenieur Huber wir zu sehen?" fragte ei» dürres Männchen m kläg- Tone. »8u dienen.' Eec t�ann wollte ich mir erlauben» Ihnen meine neueste khrstK Ä wTK j�ttd"öfoli hervorholend und behutsam auf de» �.isch .tvi,'.hatten Sie mir eine Frage', unterbrach ich ihn, Bei Titel 2„BiSthum Kulm" verwahrt Abg. Neubauer(Pole, Regens und Spiritual am bischöflichen Klerilalseminar zu Pelplin) die frühere und die gegenwärtige geistliche Leitung der Diözese gegen die von den Ministern des Innern und des Kultus wiederholt ausge- sprochenen Vorwürfe, polonistrende Tendenzen gepflegt zu haben. Wie er den Generaloikar Klingenberg in Schutz nehme, müffe er auch den Bischof Sedlag gegen die Insinuationen des Ministers v. Puttkamer verwahren, ihm eine Ehrenrettung zu Theil werden lassen. Bilchof Sedlag habe auch durch die Gründung de» Kulmer Gymnasiums sein Jntreffe für die Diözesanen polnischer Zunge an den Tag gelegt. Kultusminister v. G o ßl e r: Die Tendenz der Ausführungen de« Vorredner« gebt dahin, nachzuweisen, daß die deutschen Katholiken keinen Anlaß haben, von der gegenwärtig in der Diözese Kulm befolgter Richtung sich bedroht zu fühlen. Daß es allerdings in früheren Zeiten in der Diözese anders bestellt war, lehrt der bischöfliche Hirtenbrief von 1832, in dem der Nutzen der Erlernung der deutschen Sprache besonders hervor- gehoben wird. Was die„Ehrenrettung" de« Bischofs Sedlag betrifft, so ist eine Prüfung de« Verhältnisses zu seinen Diözesanen erst in der Mitte der vierziger Jahre eingetreten, als die polnisch-nationale Bewegung sich erhob. Wir besitzen über die damaligen Zustände auisührliche Aufzeichnungen von ihm, die auch darüber Licht verbreiten, in welchen Zuständen sich ein guter katholischer Bischof den polnischen Bestrebungen gegenüber befand. Wiederholt äußert er sich in diesen Aufzeichnungen dahin, daß sein Leben eine fürchterliche Qual sei, daß ihm wiederholt anonyme Briefe mit TodeSdrohungen zu- gingen; und diese« Alles, weil er nicht Demokrat sein wolle. Im August 1849 schreibt er, ein großer Theil seine« Klerus habe die Arbeiter gegen ihn aufgehetzt. Aus diesen summarischen Angaben werden Sie empfinden und an- erkennen die Schwierigkellen, welche einem Bischof erwuchsen, der sich einer erregten polnischen Agitation gegenüber befand. WaS da« Kulmer Gymnasium betrifft, so ergab eine nach dem Weggänge des Rettors Richter, eine« Geistlichen, dort abgehaltene Revision geradezu fürchterliche Zustände. ES hatte sich dort ein Verein von Schülern polnischer Abkunft im bewußten Gegensatz auch zu deutschen Katholiken gebildet, dessen Thätigleit allmälig ganz revolutionär geworden war. Kurze Zeit lang hatte eS allerdings auch eine„Germania" an dieser Anstalt gegeben, welche katholische und evangelische Schüler umfaßte, aber Herr Richter hatte sie ihrer religiösen und revolutionären Tendenz wegen aufgehoben.(Hört, hört! rechttü) Im August 1845 machten die Schüler mit Erlaubniß de« Rektors förmliche AgitationSreisen zu Gunsten de« Polen- thums; wenigsten« wurden sie nach der Rückkehr vcn diesen Reisen wieder in die Anstalt aufgenommen. Der von dem Vorredner verlesene Hirtenbrief ist mir bekannt, Herr Eedlag mußte sich darin gegen den Vorwurf verwahren, er habe plan- mäßig die polnische Agitation unterdrückt. Auch von den Pel- pliner Erziehungsanstalten, dem Kollegium Marianum und der Mädchen-Erziehungsanstalt wird von den Landräthen be- zeugt, daß an ihnen vorzugsweise die polnisch- nationalen Kirchen- feste gefeiert wurden. Ebenso find seit 1856 die deutsch- katholischen Kinder in den polnisch-katholtschen Untenicht eingeführt worden, und die Polonistrung der Kinder machte von da ab solche Fortschritte, daß schon nach kurzer Zeit die Eltern die Kinder nicht mehr ausreichend verstanden. Ein deutscher Pfarrer Mühl wurde genörhigt, seine sämmtltchen Predigten polnisch zu halten, auch den Unterricht polnisch zu ertheilen. An solchen Beispielen fehlt e« bis in die neueste Zeit nicht. Auch der heilige Stanislaus von Krakau, der Patron Polens, wird dort noch in einem besonderen Kirchengebet gefeiert. Jetzt wird wohl Niemand mehr daran glauben, daß die Deutschen in der Diözese Kulm keine Gefahr laufen, von den polnischen Tendenzen unterdrückt zu werden.(Beifall rechts.) Abg. G e r l i ch: Diese Debatte beweist wieder, daß Ka- tholizismus und Polonikmus im Osten identische Begriffe find. Fragt man einen Einwohner, bist du katholisch oder evange- Irsch, so erhält man zur Antwort: ich bin polnisch! Jetzt hört man dort: wir sollen auS dem Lande getrieben werden, man will uns unsere Religion nehmen. Woher kommt eine Anschauung? Doch von der Preffe, den Geistlichen oder den Großgrundbesitzern. In Schwetz wird jetzt gar keine deutsche Predigt gehalten, oeschieht es wirklich einmal, so entsteht ein Scharren in der Kirche und der Geistliche sagt, wir wollen deren Erfindungen ei» kerxetuum mobile konstruirt, von dem ich mir hier Ihnen ein Modell vorzuführen erlaube.' Weiter kam der kleine Man» nicht in seiner Erklärung, den« in demselben Augenblick« wurde die Zimmerthür hastig aufgerissen und eine Gestalt von riesenhaften Dimenfionen zwängte sich, gleichfalls ein Packet in den Hände« haltend, durch diese. .Wer ist von Ihnen mein Freund Huber?— Ah, ich sehe schon", rief der Enaktsohn, auS meinem Morgenkostüm richtig auf den Zimmerherrn schließend,„hier habe ich de« Vogel. Goldstange» sind zu verdienen, Huberchen", schrie er, mir mit seine» breiten Händen höchst vertraulich derb auf die Schulter klopfend.„Ich sage Ihne«, wir machen ein Bombengeschäft. Wen« wir Beide nicht innerhalb von zehn Jahre« Millionär« sind, will ich Mop« heißen," brüllt« er, daß die Wände zitterten.„Wir schlagen jede Kon- kurren, aus dem Felde, ich reise und Sie besorgen die Konespondenz." „Wollen Sie mir nicht bitte erkläre», was Sie zu wir führt", fragte ich, höchlichst erstaunt über den neuen uner» wartete« Besuch. Ha, ha. ha, Sie wollen mich wohl uze», kleiner Schäker,' lachte er und puffte mich fteundschaftlich in die Seite.„Aber gut, Sie sollen eine Erklärung haben. Sehe« Sie hier,' rief er, die Hülle von seinem Packet mit einem Ruck entfernend,„nach vielen Versuchen ist eS mir endlich gelungen, eine Revolverkanone zu konstruiren, mit welcher man im Stande ist, durch einen Schuß hundert und mehr Menschen vom Leben zum Tode zu befördern." „Um Gottes willen," rief ich entsetzt, das ist ja schrecklich!" „Nicht wahr?" bestätigte der Erfinder diese« Mord- inflrumente», während seine Auge» funkelte».„Sehen Sie, hier wird diese Kugel, deren Füllung gleichfalls mein aus- schließliches Geheimniß ist, hineingeschoben, an diesem kleine» Knopf hier braucht man nur leicht zu drücken und bums! Sht die Geschichte los. Soll ich vielleicht mal eine» Probe- uß losfeuern?" ftagte er mit so harmloser Miene, als handle e« sich um ei» Spielzeug für Kinder. Mit einem Satz war nach dieser Frage das kleine lieber polnische Andacht halten. Die deutschen Kinder erhalten keinen deutschen Religionsunterricht. Bischof Sedlag ließ polnischen Unterricht ertheilen. Warum thun die Geistlichen nicht das Umgekehrte? Ja, Neubauer, daS ist etwas anderes. (Heiterkeit.) Abg. Neubauer betont, daß das, waS der Kultusminister über die Verfolgungen IcS Bischofs Sedlag vorgetragen, aus der politisch aufgeregten Zeit von 1846-1848 herrühre. WaS der Minister mit den nationalen Schutzpatronen habe sagen wollen, sei ihm nicht erfindlich, oder sollen etwa auch diese rxpatriirt werden? Abg. W i n d t h o r st: Die früheren Regierungen scheinen geschlafen, oder was ich glaube, nchtig geurth:ill zu haben. Wenn in dieser Weise weiter germanisirt wird, dann müßten sich die Polen mit Gewalt zusammenthun, um dagegen Wider- stand zu leisten.(Hört! hört! recht«.) Ja, wenn man uns die Mutterfiirache nehmen wollte, so würden wir dasselbe thun.(Sehr richtig! im Zentrum.) Wenn der Minister gegen einen abwesenden Prälaten, den Bischof von Kulm, der sich hier nicht vertheidigen kann, vor dem ganzen Lande so schwere Anklagen erhoben hat, so ist das etwas durchaus Ungehörige«.(Lebhaftes Oho! rechts. Vizepräsident v. Benda bittet den Redner, beleidigende Ausdrücke gegen die Regierung zu vermeiden.) Kann der Herr Bischof nicht ein guter Preuße und ein guter Pole zugleich sein? An höchster Stelle denkt man so! Man hat ausspionitt, daß im Hause deS Herrn Bischofs seine Muttersprache gesprochen wird. In seinem Hause kann Jeder sprechen, was er will. In vielen vornehmen Häusern wird französisch gesprochen, um den Kindern den Gebrauch der Sprache zu erleichtern. Ist darüber im Ministerium noch nicht gesprochen?(Heiterkeit.) Ich wieder- hole: es ist nicht richtig, einen abwesenden Bisckof in dieser Weise anzugreifen. Das ist nicht deutsch und hofftniuch auch nicht preußisch.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Wehr(Dt. Krone): Ich konstatire, daß der Abg. Windthorst gesagt hat: wenn man die Polen so verfolge, so sei, es kein Wunder, wenn diese sich mit Gewalt zusammenthun (lebhafter Widerspruch im Zentrum), um Widerstand zu leisten. Es soll Spionage sein, daß der Minister erfahren, daß im Hause de« Bischofs polnisch gesprochen wird? Da ist in der dortigen Gegend notorisch! Der Abg. Windthorst hat kein Recht, dem Minister Vorwürfe zu machen wegen der Hinein» ziehung des Bischof« v. d. Marrrntz in die Debatte. Das hat ja Herr Neubauer zuerst gethan!(Beifall rechts.) Abg. K a n t a k weist die den Polen gemachten Vorwürfe zurück. Abg. Dr. Windthorst: Der Minister hat gestern schon die Verwaltung des Bischofs von der Dtarwiy angegriffen. Herr Neubauer hat blas replizirt. Von Herrn Wehr war es nicht lcnal, mir etwas unterzuschieben, was ich nicht gesagt habe. Ich sagte allerdings, die Polen müßten sich mit G:« walt zusammenthun» d. h. sie find gezwungen, daS liegt in der Natur der Sache. Ich habe die Polen immer vor Ge- waltthaten gewarnt, und ich benutze diese Gelegenheit, unseren polnischen Landsleuten zu sagen: wenn die neuen Vorlagen tief in eure Seele und in euer Herz einschneiden, und wenn Ihr unwillig werdet, so laßt euch um Gotteswillen niemal« dadurch verleiten, irgend welchen Akt der Gewaltthat zu verüben. Das erheischt unsere Religion, Pflicht unv Gewissen. Ich werde immer die Rechte der Polen vertreten, ihre Gewaltthaten aber nimmer billigen. DaS möge sich aber Herr Wehr und diejenigen, welche die Gewalt haben, gesagt sein lassen, man soll den Bogen nicht zu straff anziehen. Es könnte da« sonst Folgen haben, die wir alle vermeiden wollen! (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Spabn glaubt, daß die Regierung selbst die Schuld trage, wenn die Polen kein Vertrauen zu ihr haben und natio- nale Tendenzen verfolgten. Abg. Wehr: Die Worte des Herrn Abg. Windthorst können gar nicht anders, alS ich eS Ihat, gedeutet werden. Nach dem Stenogramm hat er gesagt:„so mußten sich die Polen mit Gewalt zusammenthun, um derartigen Vorgehen Widerstand zu leisten."(Ja wohl! im Zentrum) Nun bitte ich, wie kann Herr Windthorst nun die Sache bestreiten.(Sehr gut! rechts; oho! im Zentrum.) Es freut mich, daß er jetzt seinen Worten eine andere Deutung gegeben hat. Abg. Windthorst: Was ich gesagt habe, bleibt gesagt. Männchen, welches bisher bescheiden im Hintergrund de« Zimmer« gewartet hatte, au» dem Zimmer verschwunden. Ich war mit dem sehrecklichen Menschen allein.„Um keine» Preis," bat ich dringend,„halten Sie ei», richten Sie kein Unheil an." „O, e« ist nicht so schlimm, al« e« den Anschein hat." lächelte da« Ungeheuer diabolisch,„aber ich hoffe, daß Sie noch Gelegenheit haben werden, sich von der Güte meiner epochemachende« Erfindung zu überzeugen. Die Mitrailleuse seligen Angedenken« war ein Spielzeug gegen meine Er- findung. Bedenke» Sie nur, welche« Absatzgebiet un« bei dem henschenden Militärsystem offensteht," fuhr er fort, die verhängnißvolle Kugel langsam in seiner Rocktasche ver- schwinden lassend,„die KriegSminifler von Deutschland, Oesterreich, Frankreich und den anderen Staaten werden un« mit offenenen Arme» empfangen. Wir verkaufe» unser Ge- heimniß nur gegen bar. Ich denke, eine Million Reicht- mark für jede» Staat ist nicht zu theuer. Mit der Türkei werden wir un« allerding« vorsehen müssen, daß wir unser Geld auf Heller und Pfennig erhalten, sie soll oberfaul sei», allein au« de« übrigen Staaten schlagen wir unseren Profit heraus, für Kriegszwecke haben die bekanntlich immer Geld. Nun, wa« sage» Sie dazu?" wandte) er sich von Neuem an mich,„können Sie sich ein bessere« Geschäft denken?" „Eicher nicht," entgegnete ich, während ich immer nach seiner Hand schielte, ob er nicht vielleicht abermal« auf de» unglücklichen Einfall kommen sollte, die Mordwaffe zu laden. „Ihre Erfindung ist ganz entschiede« sensationell," betheuerte ich,„allein, hier liegt unbedingt ein Jrrthum in der Person vor.' „Sie heißen doch Huber,' fragte der Schreckliche, mich mit seine« rollenden Auge« grimmig erstaunt an- blickend. „Allerdings, aber..." „Nun wa« wolle« Sie denn? Gerade Sie suche ick, Sie sind der richtige Man« für mich. Nu», haben Sie sich entschlossen, wolle« Sie sich an der Ausbeutung meiner E.» findung betheiligea?' Herr Wehr hätte nur weiter lesen sollen, da lammen die Er, llärunaen, welche jede falsche Deutung ausschließen. Der Titel wird genehmigt. Beim Titel Bisthum Gnesen. Posen nimmt Abg. O st r o w i c z Veranlaffung. die vom Kultusminister gegen den Propst Damdeck bei Gelegenheit der Polendebatte erhobene Beschuldigung, polonifirend zu agitiren und die deutsche Ep-ache zu vernachlässigen bezw. zu unterdrücken, unter Hinweis auf die ihm vom Beschuldigten selbst an die Hand gegebenen Daten zurückweisen. Der Minister solle doch mit solchen Inkriminationen etwaS vorsichtiger sein. Kultusminister v. G o ß l e r: Ich entsinne mich, daß die Beschuldigung, der Propst Dambeck lasse deutsche katholische Kinder in der Religion polnisch untenichten, die Veranlassung zu einer Untersuchung war, bei welcher durch Zeugen festge- stellt wurde, daß Dambcck Lehrer bestimmt hatte, die Kinder des Deutsch nur mechanisch lernen zu lassen. Zur Charak- tertstik des Mannes füge ich hinzu, daß derselbe 1883 zu 500 Mark Geldstrafe verurtheilt wurde, weil er eine Altardecke mit dem„Boze cos polske"(Gott schütze Polen) aufgelegt hatte. Der Richter hielt dies bei den gespannten Verhältnissen für gefährlich. Der Herr Propst Dambeck hat sich bei diesem Ur« theil beruhigt.(Hört! rechts.) Die Position, sowie der Rest deS Kapitels, wird ohne Debatte genehmigt; ebenso daS Kap. 116, katholische Geistliche und Kirchen. Kap. 116» fordert 43 000 M. Bedürfnißzuschüsse für einen (altkatholischen) Bischof. Abg. T h e i s s i n g(Zentrum) schildert in längerer Aus- sührung die Verhältnisse in Neiffe, welche sich dadurch heraus- gebildet hätten, daß staatlicherseits den Altkatholiken s. Z. die Kreu,kirche zur Benutzung übergeben wurde. Jetzt nach zehn Jahren sei die altkatholi che Gemeinde durch Rücktritt zur katho- tischen Kirche, Tod und Verzug auf ein kleines Häuflein zu- sammengeschrumpft, so daß die schöne große Kreuzkirche leer stehe. Dagegen sei der Nothstand in der katholischen Pfarr- kirche ein ganz ungeheurer. Er bitte den Minister dringend um Abhilfe. Kultusminister v. Goßler: Ich habe vor eini- ger Zeit nach Schlesien die Anweisung gegeben, Verhandlungen zwischen römisch- katholischen und alt- katholischen Gemeinden zur Lösung der EigentbumS- und Benutzungskonflikte wieder anzubahnen, so auch in Reisse. Mir ist auS der Gegend deS Herrn Vorredners versichert wor- den, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo man durch geschickte Verhandlung die Frage zur Lösung bringen könnte. Der Herr Vorredner könnte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender deS dortigen Kirchenvorstandes sehr viel dazu beitragen, meinen Intentionen und denen des hohen HauseS folgend, eine gute Entwickelung herbeizuführen. Ich bitte ihn daher, meine Be- mühungen zu unterstützen.(Beifall im Z:ntrum.) Darauf wird um 4'/, Uhr die weitere Berathung bis Mittwoch 11 Uhr vertagt. Außerdem soll in der nächsten Sitzung die Wahl eines Mitgliedes der StaatSschuldenkom- mission erfolgen._ Kommunales. Die Tagesordnung für die Sitzung der Stadtver- ordneten-Versammlung am nächsten Donnerstag, Nachmittag 5 Uhr, ist folgende: Drei Naturalisationsgesuche.— Berichterstattung über zwei Petitionen.— Vorlagt, betr. die ander- weitige Regelung der Stellung der juristischen Hilfsarbeiter beim Magistrat.— Fortsetzung der Berichterstattung über den StadthaushaltSetat pro 1. April 1886/87, und zwar über Ka- pitel 11, Verwaltungskosten, Abtheilung 3 bis 6, GeschäftSde« dürfnisse, Pensionen und Unterstützungen; Kapitel 12, Polizeiverwaltung, Kapitel 13, städtische Straßenbeleuchtung, Rernt- gung und Belprengung; Kapitel 14, Gcmeinde.Friedhöfe und ZivtlfiandSämter; Kapitel 4, Kapital» und Schuldenverwal- tung; Kapitel 9, Park- und Garten. Verwaltung; Kapitel 10, Bauoerwaltung und Hochbau.— Berichterstattung über den Etat für die Verwaltung der städtischen Gasanstalten pro 1. April 1886/87.— Desgl., über den Antrag von Mitglie- dern der Versammlung, betr. die Erhöhung deS penfionSfähtgen GehaltS der städtischen Tumwarte.— Vorlage, betr. die Be- willigung von Mehrkosten für den Bau der Fußgängerbrücke über den Louisenstädtischen Kanal im Zuge der Äelchiorstraße. — DeSgl., betr. den Tarif für die Anschlüsse der Grundstücke an die KanalisationS Leitungen.— Desgl., betr. die Wahl eines stellvertretenden Mitgliedes zur Bezirks- Kommisston für die klassisizirte Einkommensteuer.— Desgl., betr. die Bewillt- aung eines PatronatSgeschenkS für die Kirchengemeinde zu Blankenburg.— Desgl., betr. die Hergabe einer Parzelle deS Rittergutes Großdeeren zur Anlegung eineS BegrädnißvlatzeS. — Desgl.. betr. die Erwerbung deS von den Grundstücken Gr. Hamburgerstraße 20 und 32 zur Straße freigelegten Terrains. — DeSgl., betr. den Ankauf deS zur Petri-Kirchengemeinde ge- hörigen TheileS deS alten Jakobi-Kirchhofei in der Kürassier- straße.— DeSgl., betr. eine Ergänzung deS RezeßentwurfS wegen Bildung einer selbstständigen Gemeinde Boxhagen» Rummelsburg.— DeSgl., betr. einige Neuanlagen für die „Ich mich betheilige«? ich verstehe in der That nicht..." „Ah, jetzt kommt mir ein Gedanke," rief er, während seine Auge« unheimlich funkelten.„Sie sind ei« Elender!" „Nun muß ich aber dringend bitten," fuhr ich empört auf,„wie können Sie es wage«, mich direkt zu be- leidigen?" „Sie sind ein Elender!" wiederholte der Hüne,„ich durchschaue Sie, aber ich werde meine Maßregel« zu treffe» wissen. Beim Zeus!" fuhr er fort,„wenn Sie auch vielleicht andere Gimpel in Ihrem Netze fangen, mich werden Sie nicht um meine» sauer verdienten Lohn be- trügen I" „Ich ersuche Sie jetzt, meine Wohnung sofort zu ver- lassen," donnerte ich empört über die Uaverschämthett des Patrons, der mich in meiner eigene» Wohnung zu beschimpfe« wagte und»och dazu ohne Grund. „Gut, ich weiche der Gewalt, aber ich wiederhole Ihnen, daß ich Sie durchschaue. Sie haben mich hierher gelockt, um mir daS Geheimniß meiner Eifindung zu entlock. n, aber ich bin eben so klug, wie Sie mein Herr. Sofort eile ich auf's Patentamt, um meine Vorsichtsmaßregeln zu treffen, und es wird mir hoffentlich gelingen, Ihr schändliches Treibe» aufzudecken." Mit ungeheurer Grandezza verließ er, «och einen Blick unsäglicher Verachtung auf mich werfend, da« Zimmer. Unwillkürlich faßte ich mich an die Stirn. Einer von uns beide» mußte verrückt sein, total vei rückt, das stand est. Aber der andere, der vorher gleichfalls mit seiner Er- indung zu mir gekomme» war... Wie hing da» zu- ammen? Mein Nachdenken führte zu keinem Resultat. ES war die höchste Zeit, ich mußte in» Bureau. Soeben hatte ich meine Toilette vollendet, als vor der Thür der Wohnung sich ein lauter Wortwechsel entspann. Deutlich unterschied ich zwei Stimmen, die im Schreien sich zu über- bieten suchte«.„Ich bin zuerst hier gewesen."— Nein, iöb," ertönte die andere. Zum dritte« Mal p ochte es heftig an die Thür und herein stürzte« städtischen Wasserwerke.— Desgl., betr. die Skizze zum Neu- bau einer Gemeinde-Doppelschule in der Mühlenstraße 49/50. — Desftl„ betr- eine Geldbewilligung zum Zwecke von Vorar- besten für eine in Berlin zu veranstaltende deutsche nationale Industrie- und Gewerbe- Ausstellung.— Vier Rechnungen.— Drei Unterstützungssachcn.— Vorlage, betr. die Neuwahl von 3 Mitgliedern für das Kuratorium der Stiftung der Berliner Gewerbe Ausstellung im Jahre 1879.— Außerdem findet in dieser Sitzung um 5 Uhr die Einführung von zwei neuge- wählten Stadtverordneten statt. w. Unter den Petitionen au die städtische Ver- waltung befindet sich eine solche, in welcher um Ermäßigung der Fahrpreise der großen Berliner Pferdeeisenbahn- Gesellschaft gebeten wird. Herr Pcoftssor Dr. Friedrich Petri bittet um Prüfung des Petri'schen WafferreinigungS-VcrfahrenS. w. Vo» den die städtische« Flußbadeaustalte« be- suchenden Frauen wird es als großer Uedelstand empfunden, daß diese Anstalten auch von Kindern benutzt werden. Es werden die Frauen hierdurch gezwungen, da, wo sie sich durch möglichstes Abstreifen allen Zwanges erholen wollen, sich den- selben gerade erst recht aufzuerlegen, und sich der Freiheit zu begeben, die gerade daS Baden so angenehm macht. Diese Uebelstände haben eine Anzahl die städtischen Flußdadean- stalten benutzenden Frauen unter weiterer Ausführung ver erwähnten Unzuträglich ketten veranlaßt, beim Magistrat die Errichtung von für Frauen und Kinder gelrennten Anstalten zu deantragen. w. Im Arbeitshause befanden sich am 1. Februar c. 37 Familien mit 127 Personen. Am 1. März c. war der Be- stand 40 Familien mit 158 Personen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose benutzten im Laufe des Monats Februar 10 399 Personen und zwar 9765 Männer, 634 Frauen. Von diesen Personen wurden 78 dem Krankenhause Moabit, 2 dem Kranken« Hause Fried: ichshain, 1 der Charstee überwiesen, 654 der Polizei vorgeführt.__ Lokales. Die öffentlichen Wochenmärkte, welche gegenwärtig auf dem Alexanderplatz, dem Neuen Mark!, dem Dönhofsplatz, dem Gendarmenmarkt, dem Belleallianceplatz, am Potsdamer Thor, in der Karlstraße(Ecke Louifensttaße) und am Oranien- burger Thor abgehalten werden, werden mit dem Beginn des- jenigen TageS geschlossen, an welchem die städtischen Markt- hallen in ver Neuen Friedrichftraße, Lindenstraße, Zimmer- straße und in der Dorotheenstraße eröffnet werden. Die tarif- mäßigen MiethSpreisc für Verkaufsstellen und besondere Be- dingungen finden unsere Leser im Jnseratentheü deS heutigen Blattes, worauf wir der Wichtigkett halber noch besonders auf« merksam machen. cr. Das„Berliner Tageblatt" ist durch unsere neuliche Zurückweisung einer der Ungezogenheiten, die diesem Blatte eigenthümlich find, ganz auS dem HäuSchen gerathen; daS Blatt schimpft einfach und versucht sich durch leere RedenS- arte» aus der Affäre zu ziehen. DaS„Berliner Tageblatt" vermag nicht ein Wort von dem, was wir gesagt haben, zu widerlegen, es zeiht unS nur der„frechen Lüge!" Es muß unS fern liegen, unsere Wahrheitsliebe dem„Berl. Tageblatt" gegenüber noch besonders zu betonen, ein Blatt, welches hundert- fach auf den ungeheuerlichsten Unwahrheiten ertappt worden ist, hat überhaupt nicht die Qualifikation, andere Leute beleidigen zu können. Selbstverständlich ist unS auch der Ehrentitel „sozialdemokratisches Blättchen" nicht erspart geblieben. Das „Bert. Tagebl." scheint die Bedeutung einer Zeitung nach der Anzahl der Annonzenbeilagen zu bemessen, und eS hat in dieser Beziehung insofern Recht, als seine Leser zu den verschiedenen GeschäftSanzeiaen ja auch täglich einige politische Harlekiniaden miterhalten. Es nimmt unS nur Wunder, daß der politische Theil deS„Berl. Tagebl." nicht auch schon als Gratisbeilage deS genannten Blattes funzirt. ES würde daS mindestens eine ebenso große Zugkraft sein, wie der so sehr„beliebte Ulk." Man merkt dem„Berl. Tagebl." aber an, daß es ihm sehr fatal ist, wenn seine Unversrorenheiten ans Licht gezogen werden. Dieselben mögen seinen freisinnigen Lesern ja recht angenehm sein, in- dessen ist die Bourgeoisie doch schon lange nicht mehr allein der tonangebende Theil der Bevölkerung, auch die arbeitend« Klasse ha» ihr Recht, sie will vor allen Dingen vor Insulten, wie sie vom„Berl. Tagebl." beliebt werden, geschützt sein. Wir unsererseits werden unS, so oft eS uns beliebt und so oft eS nolhwendig wird, die Freiheit nehmen, derartige gröbliche Ausschreitungen zurückzuweisen, nachträgliche Sophistereien können uns davon nicht abschrecken. Klingt eS nicht wahrhaft lächerlich, wenn das„Berl. Tagebl." verspricht,„nach wie vor für die berechtigten Interessen der Arbeiter und für die Hei- lung der sozialen Uedel ehrlich und entschieden einzutreten—" klingt daS nicht wie ein Hohn? DaS„Berliner Tageblatt" und die„berechtigten" Interessen der Arbeiter! Welche Interessen der Arbeiter mag da«„Berl. Tagebl." wohl für berechtigt halten? Wir find der Anficht, daß daS„Berl. Tagebl." an dem Tage für die Interessen der Ardeiter eintreten wird, an welchem sich dieselben mit denjenigen deS Herrn Moffe decken, und der Tag scheint uns noch sehr fern zu sein. Man könnte dagegen dem zwei Gestalten, ei« bereit» bejahrter Mann und er» in schreiende Farbe» gekleideter Jüngling, seinem Aeußeren nach unzweifelhaft ei» Handlungsreisender. „Ich bitte mich zuerst anzuhören," rief der Alte, die Arme wie ein paar Windmühlenflügel in der Lust umher« schwingend. „Nein, mich, meine Erfindung ist von weittragendster Bedeutung I" überschrie ihn sein Konkurrent. „Ich habe Riesenkräfte, mein Herr," brüllte der erstere, „bringen Sie mich nicht in Zorn." „Meine Erfindung ist von weittragendster Bedeutung," wiederholte der Jüngling, sich an mich wendend,„ich de« schwöre Sie.. „Wenn Sie sich nicht augenblicklich alle Beide zum Henker scheeren. lasse ich Sie wegen Hausfriedensbruchs ver« haften," rief ich in höchster Wuth. „Mein Hin," jammerte der Alte,„hören Sie mich an." „Mein Herr," schrie sein Nebenbuhler,„mich hören Sre zuerst." Zch hatte genug. Einen Fluch ausstoßend, rannte ich wie ei« Wilder die Trepp« hinab, die Beide» ihrem Schick- sal überlassend. Mich an der nächsten Straßenecke scheu umseher-d, gewahrte ich, daß mir die Beiden dicht auf den Fersen waren. Mit einem kühne» Satz sprang ich in die Pferdebahn und betrachtete mit Schadenfreude von diesem sichere» Port aus, wie meine Verfolger sich vergebens ab- mühte«, mir zu folge». Immer größer wurde die Eni- fernung zwischen uns. Der Wage« bog um die Ecke, jetzt war ich geborgen. Zch grübelte und grübelte, welcher un- glückselige Zufall es sein konnte, der mir heute das Heer der Erfinder zuführte, die darauf verpicht waren, mir ihre welterschütternden Zdeen mitzutheilen. Kein Resultat! Ent- schieden lag hier eine Verwechselung mit irgend einem Namensvetter vor, der vielleicht als Patentanwalt etablirt war. Schließlich kam mir die Geschichte selbst außerordent» lich spaßhaft vor. Zch hatte meine gute Laune wiederge- wonne», und bei der reiche» Arbeit, die mich im Bureau erwartete, vergaß ich bald das Intermezzo in meiner Woh- „Berl. Tagebl." ein recht umfangreiches Sündenregister vor- halten, in welcher Weise eS bisher den„berechtigten" Interessen der Arbeiter gedient hat; von Anfang an hat es die B-ftre- bungen der Arbeiter verdächtigt, und waS daS„Berl. Tagebl. in Bezug auf Verleumdungen der Arbeiterpartei bisher geleistet hat, daS dürfte jedem einzelnen Arbeiter, der sich irgendwie einmal an einer volitischen Bewegung betheiligt hat, hinlänglich bekannt sein. Es ist immerhin das Zeichen einer keimenden Besserung, daß daS„Berl. Tagebl." seine Taktlosigketten einzn- sehen scheint; daß es sich von denselben loSschwinveln möchte, liegt aber so sehr in der Natur des Blattes, daß wir ihm diese« Benehmen, dem wir keine nähere Bezeichnung geben wollen, weiter nicht übel nehmen. Die parlamentarische Moltkehaftigkeit des Berliner Hospredigers und Eiegener Reichstagsabgeordneten Herrn Stöcker fängt an unheimlich zu werden. Weder beim Sozialistengesetz, noch beim Aibetterschutzgesetz, noch beim Branntweinmonopol hat er seine Donnerstimme erhoben, ja, nicht einmal bei den Ackermann'schen Zunftanträgen. Welche großen Schmerzen müssen dem Herrn Hofprediger seine verkniffenen Reden bereiten?! Welch massenhafter Stoff muß fich da ansammeln? Und welch' gewaltige Explosion wird er« folgen! Wer oder was den armen Mann so lange zu« Schweigen verurtheilt hat, kann'S wahrlich nicht verantworten- Seine speziellen Freunde aber sollen ganz ungehalten über die Etöcker'sche Schweigsamkeit sein._ Da« älteste Witzblatt unserer Stadt, der„Kladderadatsch, der in früheren Zeiten über die reaktionären Gelüste, s» konnten kommen, von welcher Seite sie wollten, die G-ißel der Satire in scharfer Weise schwang, hat nunmehr das Lob der offiziösen„Norddeutschen Allgemeinen Zittung" erhallen. C» der verstorbene Gründer und langjährige Leiter des„Kladderadatsch" Dr. Dohm fich darüber im Grabe umgedreht W, wissen wir nicht, aber wir wissen, daß, wenn dem„Kladderadatsch über derartiges Lob nicht die Schamröthe ins Gesicht steig-- daß dann derselbe aller Scham dar ist.— Im Uedrigen lran» das„älteste Witzblatt" schon längere Zeit am marwmno eemlü- Die„Wahrheit", daS Witzblatt der Antisemiten, hat M erscheinen aufgehört. Der neueste Nachtrag zur Zeitung»« Preisliste führt sie unter den Zeitungen auf, die gelöscht den.— Einen Schaden erleidet die Reichs Hauptstadt durch ba» Eingehen dieses Blattes sicher nicht. ES hatte seit Jah«n überhaupt nur die Aufgabe, seine Inhaber durch allerlei Schnorrereien über Waffer zu halten. Die Anzeige der Geburt von Kinder« wird imm« noch in einzelnen Fällen seitens der hierzu verpflichteten Hem- ammen unterlassen oder in ungenügender Weise ausgesübw Der Polizeipräsident hat daher Veranlaffung genommen,«ie letzteren darauf hinzuweisen, daß sie bei ehelichen Gedurtm nächst dem Vater deS KindeS hierzu verpflichtet find, daß f" aber bei unehelichen Geburten, bei welchen sie zugegen fi*' wesen, vor allen Anderen ihnen die Pflicht der mündliche» Meldung bei den Standesamtern obliegt.,„ Auf eine eigenthümliehe Weise erfuhr gestern Abenv der Inhaber eines PutzwaarengeschäftS in der Bellealliar-c� straße, daß es in seinem Schaufenster brannte. Der„V. B. 0- erzählt:„Eine Dame hatte gerade den Laden betreten und ew Päckchen Wolle verlangt, wo sie in fichtlicher Erregung mehr«* Male den Wunsch äußerte, sofort bedient zu werden. AlS»>* Richte des Ladeninhabers, welche ihr das Gewünschte ver ad reichte, lächelnd fragte:„Warum denn so schnell?" antwoit«* die Käuferin wörtlich:„Bei Ihnen im Schaufenster brennt ja!" Die brave Frau hielt eS für ihre Pflicht, erst ihre Em kaufe zu besorgen, ehe sie sich veranlaßt fühlte, von V«®*« Geschäft drohenden Gefahr Mittheilung zu machen." M(Ü% weile war das Feuer schon so mächtig geworden, daß schließ''« der ganze Laden ausbrannte. Soziales und Arveiterltewegun� Rn die Schlosser Berlin». Kollegen! Traurige Mo»»* find es, welche uns vnlanlaffen, einen Mahnruf an Euch erg dringenden Angelegenheit zu spreche« wünscht." „Zch habe durchaus keine Zeit," rief ich ärgerlich- f „Et ist vo» höchster Wichtigkeit," wiederholte Diener. Zn demselben Augenblick gewahrte ich, mich..,, wendend, die Gestalt des Jünglings im hellkarrirten ue zieher, der wie ein Blitz auf mich losschoß. „Ihre Frau Wirihin war so freundlich, mich verweisen, da Sie vorher nicht Zeit hatten, mich anzuyo Meine Erfindung ist vo» größter Wichtigkeit.." „Zum Teufel mit Zhnen und Ihrer Erfi dunk � lassen Sie augenblicklich da» Bureau. Führe« Sie„ Mensche» hinaus," beauftragte ich im höchsten 3�» Diener.„ uff „Sie sind eS mir wirklich schuldig, Herr Hub«- � der Eindringling, von de» kräftigen Armen de«.ff diener» hinausgeschoben. Der Aufttitt hatte den Burea» herbeigelockt.%(«(# „Herr Huber," begann er, die Stirn in.ernste« legend,„ich muß doch sehr bitte», Zhre Prroatann, � Herten nicht in das Bureau zu übertragen und M Ihren Gläubiger» zu Hause zu arranzirea.",„ ftaiM „Es rst durchaus kein Gläubiger, Herr Baurai h, melte ich verwirrt. �<,,s irO' „Kein Gläubiger?" wiederholte der gestrenge nifch.„Was ich gehört habe, Hab« ich gehört, Her Er sagte deutlich:„Sie find es mir doch schuld«» ich „Unglückseliges Mißverständniß. Herr BauratY, kenne den Menschen garvicht.", her 6 st' Mit einem malitiösen Lächeln wandte mrr den Rücke». Auch Da» noch! Zch knirschte m't dusche" vor Wuth. Zn dem Augenblicke hätte ich(o*- mit kaltem Blute erwürgen können. Auf die W,. per» zentnrte sich mein ganze, Zorn, die hatte mrr g0fot liche Szene verursacht. Ahr wollte ich es"attän �[la nach der Bureauzeit wollte ich ihr de« Sian p können, daß ti keine Miigltrder bcS Fachvereins waren, welche °ti der Firwa Echaal, Voß und Komp. die Arbeit aufnahmen. kenn ein organifirter Kollege kennt die Bedeutung deS Worte? ,, Solidarität" und wird fie zu beherzigen wissen. Mögen die- imigen Kollegen, welche dem Fachveretn noch fern stehen, end« hch zu der Einficht kommen, daß nur auf dem Wege der Ver- migung etwas Ersprießliches«neicht werden kann. Kollegen, Ichließt Euch alle dem Fachverein an, damit stch unsere Zahl mehre, zum Heile des ganzen GcwerkS. Mit kollegialischem wuß der Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. _* Klavierarbeiterstreik in Bayreuth. Kollegen und Berufsgenossen! Leider ist über un» ein Gewitter auSge- brachen, welches unS von allen Leiten zu vernichten droht. Nicht genug, daß die Polizeibehörde unfern gut organifirten verein für politisch erklärte, auch die Pianofortefabrik deS Herrn E- Eteingräber scheint den Moment benutzen zu wollen, um (legm uns Front zu machen. Wie wohl Bielen bekannt sein wird, find wir schon 2 Jahre Bcrbandsmitglieder, aber leider durch höheren Beschluß genöthigt, uns vom Verband fern zu halten. Herr E. Lteingräder übergab am letzten Zahltag jjbem seiner Ardliter einen kleinen Zettel, auf welchem die Worte standen: Arbeitszeit für die Montage von 7—12 Uhr und von 1—7 Uhr. Kaffee zu tragen ist an diesem Tage nicht ge« stattet. Auf dieses hin beabfichtigcn die Arbeiter zu einer Besprechung fich zu versammeln. Die sollte aber vereitelt wer« ?en, indem Herr E. Eteingräber am andern Tage AbendS ltdem bekannt gab: wer fich an dieser Zusammenkunft be« theiligt, sei sofort entlassen. Dem Kollegen, von dem daS Zirkular zur Einberufung der Versammlung ausgegangen ist, wurde sofort g< kündigt. Trotzdem fand die Zusammenkunft stall und waren sämmtliche Arbeiter anwesend. Die Kommisston, welche zur Regelung der Lache gewählt wurde, wieS der Fabrikant mit schnöden Worten ab.„Verlaffen Lie sofort wein Komptoir" rief er und warf den KommisstonSmitgliedern oie schriftlich gestellte Forderung vor die Füße, mit den Worten: »Geht an Eure Bank oder zum Thor hinaus." Demzufolge haben am 2. d. M. sämmtliche Arbeiter der Fabrik die Arbeit nieder- plegt. Kollegen! prüft selbst, wir konnten nicht anders handeln; zuerst wurde den Lohnarbeitern die VeSperzeit genommen, denAkkord« arbeitern bürdet man immer mehr Arbeit auf für de« alten Preis, und jetzt sollten Alle MontagS bis 7 Uhr arbeiten, während wir vorher bis 6 Uhr arbeiteten. Zu bemerken ist Noch, daß in dieser Fabrik nur 12 M.& conto pro Woche ge- Slt wurden, waS gewiß in keiner Pianofortefabrik Deutsch- ds vorkommt. Die Kollegen stellten folgende Forderung: 1- Zehnstündige Arbeitszeit. 2. 2S pCt. Lohnerdöhung. Kollegen, «altet vor allem dm Zuzug fern, der Kampf kann hart werden. Unterstützet unS nach Kräften, dmn Herr E. Eteingräber hat helagt, es mag«in Vierteljahr dauern, so giebt er nicht nach. Briefe und Gelder find zu senden an H. Wellhöfer in Bayreuth, Rünzgasse 170. Mit Gruß die Kommission. . Ei« werthvolles Zugeständnist In dem offiziellen Organe der„Nordd. Texttl>Berus»genossenschaft", in dem »Zentralblatt für die Textilindustrie", befindet fich«in Artikel, überschrieben:„Ersparnisse bei der Fabrikation von Wollm- waaren". Der Verfasser, offenbar ein Fabrikant, derührt dabei vre Frage der Arbeitszeit und sagt:„Die lange Arbeitszeit, vre in manchen Fabriken sogar auf 18 Stunden festgesetzt und oft deS Sonnabends auf die ganze Nacht ausgedehnt wird, ist »r vielen Fällen ganz verderblich und unzweckmäßig, indem Deister und Arbeiter in den letzten Stunden matt und Mäfrig werdm, und nur noch zur Hälfte da» leisten, wa» fie v« frischen Kräften fertig bringen. Außerdem hat man noch wit Fehlem und Schäden zu rechnen, die bei langer Arbeits- Kit in den letzten Stunden und währmd der Nacht nur zu häufig vorkommen. Ebenso ist eS längst bewiesen, daß auch vie meisten Unglücksfälle zu dieser Zeit stattfinden. Viele Fablikantrn find von den Nachtheilen zu langer Arbeitszeit, vesonders der Nachtarbeit, schon längst überzeugt und halten mikt an bestimmten Arbeitsstunden fest. Die tägliche Ar« vv'tszeit wird von denselbm niemals über 12 Stunden auS- fstdehnt, auch dann nicht, wenn dringende Anttäge vor- «legen... Eine praktische Zeit- und ArbeitSetntheilung ist Unbedingt nothwendig, um ein Fabrikationsgeschäft rentabel zu wachen und auf der Höhe der Zeit zu erhalten." Man muß «m Auge behalten, daß der Anikelschreiber vom Standpunkte veS Unternehmeis auS die vorliegmde Frage behandelt und von diesem aus für eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Beschränkung der Nachtarbeit eintritt. Seine Begründung Kigt dieS Lchrilt für Schritt. Er weist mit Recht auf die ad- Nehmende Produklivität der Arbeit bei unmäßig ausgedehntem wrdettStag« hin. Je länger die Arbeitskraft angespannt wird, jiPj so mehr erschlafft fie, um so weniger ist fie zu leisten im Stande. Folgerichtig ergiedt fich daraus die Verschlechterung % Qualität deS gelieferten Produkts. Gleichfalls stellt sich nerthntirdige Wirkung der Uederarbeit die wachsende Ziffer ver Unfälle berauS. Dies AlleS ist auf die Dauer ein Hemm- v-tß für den Fabrikanten, das zu gewinnen, waS ihm allein Zweck der Produktion gilt: möglichst hohen Mehrwerth. kommt der einfichtige Unternehmer zu der Er- Nntniß, die durch die Geschichte der englischen und 'wweizerischcn Fabrikgesetzgebung bereits vollgiltig bestätigt ist, Zachen und sofort die Wohnnag kündige«. VerzweifluagS- voll sank jch auf eine» Stuhl. Wer koante in aller Welt vlw diese L:ute zugeschickt habe». Mein Feind? Der schwamm ich bestimmt wußte, läagst auf hoher See. Ich staad v°r einem unlöslichen Räthsel. ES war mir nicht möglich, ??ch zu sammeln, tausend Gedanken kreuzte« sich in meinem �■n. Wer konnte mir Aufklärung geben? Wenn irgend V«waz im Stande war, mich in meiner traurige« Lage zu ?v»e«, so war es der Gedanke an da« treffliche Mevu, Wen Genuß mir heute in dem Restaurant, wo ich zu �"ttag aß, bevorstand. Erbsen, Sauerkraut und Pökelfleisch, *** ein deutscher Gaumen vermag deren Wohlgeschmack zu Glessen. Meine Phantasie zauberte mir die Schüssel« mit Wl goldgelben Erbsenpuree, dem aromatisch säuerlichen ?vvut, garnirt von de» saftigen Stücke» Pökelfleisches vor Augen, ganz deutlich erblickte ich vor mir meine» Maß- vug mit dem kräfttgen Bier und vor Vergnüge» über den Iii. �wartende» kulinarischen Hochgenuß schnalzte ich ordent- mit der Zunge. Die Uhr schlug Eins, die Erlösung«- �mde war da. Zm Fluge eilte ich, meinem Vorsatze getreu, ,, öchst nach Hause, um meiner Wirthin tüchtig der Leviten lese«. Ich fand sie in höchster Auftegung..H-rr Huber!" 2" sie thrävenden Auge»,.meine flisch gescheuerte Mestteppe l Nicht weniger als zweiundvierzig Personen W 658 i-tzt hier gewesen, die Alle nach Ihnen gefragt Den Klingelzug hat man mir abgerissen, als ich zu- * uicht mehr öffnete." Zweiundvierzig Personen, die mich alle spreche» HJ?" stammelte ich tonlos. »Mit Kisten und Kasten, drei fuhren sogar mit Wage» ' auf denen riefige Maschinen standen." böt wo find fie abgeblieben?" fragte ich, während eine Ahnung in mir aufdämmerte. .«Da Alle zusammen dringend darauf bestanden, Sie tu �chev. habe ich sie«ach dem Lokal geschickt, wo Er« '�ag speisen." tot �»Dachte ich'« doch!' Mit einem riefen Seufzer sank ich � da» Soph? daß der gesetzliche Maximalarbeitstag der Produftion bessere Dienste leistet, als die durch und durch irrationelle Ausdeh- nung der Arbeitszeit bis zu ihrer äußersten Grenze, zur Natur- schranke nämlich. WaS alle die bösen Sozialdemokraten im Interesse der Arbeiterklasse fordern, dafür plädirt frisch, fromm, fröhlich, frei ein Fabrikant im Interesse der Bourgeoisie. Ter Mann hat recht; wir glauben, beide Theile werden bei Ein« führung deS ArbeiterschutzgesetzeS ihre Rechnung finden. Die Unternehmer werden, was die Qualität detrifft, bessere Produkte erhalten, und mit Hilfe der Technik etwaige Verluste ausgleichen, werden durch neue Maschinen die Arbeiter, welche fie in Folge der verkürzten Arbeitszeit aus der industriellen Reservearmee in die Schaar der afttven Jndustriesoldaten her- übernehmen mußten, allmalig wieder„freizusetzen" beginnen. Die Arbeiter werden dem leiblichen und geistigen Entar« tungSprozeß, der durch daS maßlose Exploitationssystem daS Proletariat aller Länder ergriffen hat, auf eine Welle Einhalt gebieten, sie werden fich in festgeschloffenen, mäßig gegliederten Gewerkschaften organifiren, um dadurch die Waffen zu neuen Siegen auf dem Boden sozialer Reformen auf volksthümlicher G undlaae schaffen zu können. Für daS werfthätige Volk darf eS keinen Stillstand, darf eS nur ein Vorwärts geben. Schwindelei««. DaS altberühmte Fachblatt und offizielle Organ der englischen Eisenindustriellen, der„Jron"(Eisen) dringt in seiner Nummer vom 19. Februar d I. einen äußerst schalen Artikel, detitelt:„Verrätherei in Sheffield", in wel- chem die detrügerischen Manipulationen Sheffielder Kaufleute und Fabrikanten der Eisenbranche denunzlrt werden. ES ist nämlich unter diesen Jüngern Merkurs die Geschäftspraxis üblich, auSläundische, speziell deutsche Fabrikate unter der Sheffielder Finna auf den Mar« zu werfen. Sei es, daß bereits in Deutschland die Lieferanten an der ProduktionSftätte die Fälschung vornehmen und die billige deutsche Waare de« trügerisch mit englischem Namen und englischer Schutzmarke ver- sehen, sei eS, daß dieser Prozeß erst in Sheffield vor sich geht, auf jeden Fall werden die Konsumenten betrogen, die für die billt- aere Waare— es find hauptsächlich Scheeren, Feuerzangen, Taschenmesser, Schlittschuhe, also doch wohl zum Theil Solinger Arbeit— denselben Preis wie für die theureren achten Shef- fielder Fabrikate zahlen müssen, damit die ehrlichen Handel«- henen die Differenz in ihre Tasche stecken können. Daß der „Jron" gegen diese Methode das„Glück zu verbessern" nur zum Schutz der Untcrnehmerintereffen Front macht, ist klar: er tritt für die englischen Industriellen ein, die theurer produ- ziren müssen, al« die Sheffielder Fälscher, und deshalb im Wettbewerb von den letzteren geschlagen werden können. Wir aber, so bewerft hierzu die„Deutsche Metallarbeiter-Zeitung", machen besonders deshalb darauf aufmerksam, well wieder ein- mal der deutsche ArbeitSmarkt es ist, der mit seiner„Billigkeit" den britischen Mogeleien, um diesen Ausdruck zu gebrauchen, Vorschub leistet. Und weShalb? Weil die deutschen Arbells- verhäftnisse— schlecht, well die Löhne in der Metallbranche sehr niedrig find, und weil gerade die Gruppen der Eisen« industrie, aus deren Werkstätten die pseudo« Sheffielder Machwerke hervorgehen. die Schleifer u. s. w. durch ihre tief stehende Lebenshaltung, durch ihre kurze Lebensdauer, durch ihre lange Arbeitszeit und schlechten Löhne, kurz gesagt durch die bei ihnen allgemein herrschende Misere fich auf's unvorthellhasteste auszeichnen. Wir haben im vorigen Jahre in der„Metallarbeiter-Zeitung" eine Zusammenstellung über die Eterblichkeitiverhältnisse der Solinger Schleifer ge- bracht, die geradezu tragische Ergebnisse zu Tage gefördert hat. Solche Geschichten tragen wahrlich nicht dazu bei, daß man die Charafteristik der deutschen Industrie al« billig und schlecht für veraltet erklären könnte. Billig durch die billigen ArbeitSIräflc, durch die eminen:e Ausnützung deS„MenschenmaterialS", schlecht in unserem Falle schon deshalb, weil sie dazu beiträgt, den schwindelhasten Operationen gewinnlüsterner Kapitalisten uner- laubten Vorschub zu leisten. Verrätherei in Sheffield— Bei- Hilfe dazu in Deutschland. Wo bleibt die„Moral"? Au» London wird geschrieben: Der Streik der Nestle- fold'schen Schrauben-Fabriken in Birmingham ist dadurch be« endet worden, daß die Arbeiter die 10 prozentige Lohnherabsetzung angenommm haben.— Nachdem der Schiffsbauerstreik in Newkastle und Sunderland ein Ende gefunden, ist auch jetzt die Arbeit auf den Wersten zu Stockton, Hartlepool und Whitby wieder aufgenommen worden. Die Lohnabzüge find, wie am Tyne und Wear, zum Theil auf 7'/-, zum Theil auf 5 pCt. festgesetzt worden. Aus New'Aork wird gemeldet, daß auf der Gould'schen Südwestbahn fich das Zugpersonal den auf dieser Linie strei- kenden Arbeitern anschloß. Der Passagier« und Güterverkehr ist infolge dessen eingestellt. Berichtigung. Der in der gestrigen Beilage auf- Senommene Aufruf:„An die Arbeiter Berlins", enthält auf leile 12 einen Druckfehler; eS mnß dort statt Korbmacher heißen: „Knopfmacher"._ Vereine und Versammlungen. * Im Arbeiter- BeztrkSverei« für de« Weste« Berlins sprach am Montag Abend der RcichstagSabgeordnete „Um Gottes willen, wa« fehlt Ihnen?" rief die Gute erschreckt,„Sie sehen ja leichenblaß aus." „Ich bin nahe daran, wahnsinnig zu werden," murmelte ich.„Zweiundvierzig Erfinder erwarte» mich im Wirths- Haus. Ade, Du schöner Traum eines behagliche» Mittag- essens, ade Erbsen, Sauerkraut und Pökelfleisch." Es klopfte.„Um Gottes willen, beste Frau, gehen Sie hinaus und sehen Sie, wer da ist. Falls mich Jemand zu sprechen verlangt, sagen Sie ihm, ich sei verreist auf immer, sagen Sie ihm, ich sei todt, mausetodt; mich habe der Schlag vor Aerger gettoffen." „Dieser Brief und die Zeitung ist soeben für Sie von einem Boten überbracht worden." „Ein Brief? Gebe» Sie her." Jch öffnete ihn und las folgendes: „Geehrter Herr Huber! Sie nahmen sich die Freiheit heraus, mich vor einigen lagen zu beleidigen. Jch nahm mir die Freiheit heraus, mich zu räche«. Da« roth gezeichnete Inserat in dem beigehende« Tageblatte wird Ihnen näheren Aufschluß geben. Al« zukünftiger Bürger eine» praktischen Landes, glaubte ich auch praktisch in der Ansführung meiner Rache vorgehen zu sollen, und hoffe, daß mir die« gelungen ist. Jeder Versuch einer Rache Ihrerseits wäre überflüssig. Wen« Sie diese Zeilen erhalten, schwimme ich bereits auf hoher See. An Bord der„Saxonia". Ergebenst ». Pfiffig." Die im Tageblatt enthaltene Annonze lautete folgender« maßen: Für Erfinder! Der Unterzeichnete wünscht fich mit 20—30 000 M. an der Ausbeutung einer lukrativen Erfindung zu bethei« ligen. Persönliche Offerte« umgehend erwünscht. E. Huber. Jngenieur. Darunter stand meine volle Adresse. Also da» war'S l Fürwahr, er hatte seinen Zweck im vollste« Maße eneicht. 2ch war geärgert, blamirt, er gerächt! Herr Liebknecht über einige politische TageSfragm. Der Redner begann mit einer Schilderung der großen Bedeutung des letzten Wahlsieges der Partei im 19. sächsischen Wahlkreis und fuhr dann ungefähr folgendermaßen fort: Mit Unrecht behauptet die RcichSregierung, daß daS Sozialisten« gesetz auf die Sozialdemokraten im Allgemeinen und vornehm- lich auf ihre Vertreter im Reichstage erziehlich gewirkt hat. Wir kämpfen durchaus nicht jetzt mit verändetter Taftik, wir sind nur in unserer Gesammtheit im Laufe der Zeit par» lamentarisch geschulter geworden. Nach meiner Auffassung Heden wir uns vorthcilhaft vom Zentrum und den Deutsch» Freisinnigen ab, für welche Parteien Windthorst und Richter und immer wieder dieselben alS Redner auftreten. Dadurch werden diese Parteien auf eines Mannes Schulter gestellt und, abgesehen von anderen Uebelständen, bildet fich in diesen Parteien ein diktatorisches Regiment aus. Wir be» schränken unS aber nicht, einen Redner zu züchten: wir schicken alle Abgeordneten ohne Rücksicht auf ihre Befähigung ins Treffen und verzichten gern auf einen besonderen rednerischen Erfolg. Alle Parteien geben fich heute den Anstrich, al« ob fie von Ardeiterfteundlichkeit überströmen, in Wirklichkeit schlägt ihr Herz nicht« weniger als warm für die Sache der Arbeiter. Ein Beweis hierfür ist die Stellung« nähme der ReichStags-Kommisfion zu dem von uns eingebrach« ten Arbeiterschutz- Gesetzentwurf. Wir find aber mit unserem Mißerfolge, welchen wir vorausgesehen haben, sehr zufrieden, daß Schönste an dem Arbeiterschutzgesetz wird für unS seine Nichtvollendung sein; fottan werden fich die Arbeiter bei den Wahlen von dm Parteien nicht mehr umgarnen lassen. — Bei Gelegenheit der Branntwein-Äonopol-Dedatten fiel auch vom Bundesrathstisch die irrige Aeußerung, daß durch die Vorlage ein sozialistischer Gedanke hindurchgehe. ES handelt fich hier jedoch nur um die alleinige Ausbeutung eines Industriezweiges durch den Staat, während die Hauptsache, daS bisherige Lohnsystem bestehen bleibt. Eine solche irrige Auffassung zeugt wiederum von der Unwiffenschastlichkeit, mit welcher solche Fragen selbst in so gebildeten Kreisen erörtert werden. Es gehen jetzt Gerüchte um, wonach die Reichs- regierung eine Aenderung des bisherigen Wahlsystems plant. Wir müssm mit aller Macht dagegen auftreten, daß an dem geheimen, gleichen und direkten Wahlrecht gerüttelt wird, bei dem Fortbestebm desselben können wir darauf rechnen, daß die Partei dereinst im Reichstage zur Macht gelangt. ES ist hierzu aber auch erforderlich, daß wir immer mehr die Aufklärung unter dm Massen verbreiten und in der Agitation nicht er- lahmen. Wmn wir zurückblicken, wie die Arbeiterbewegung in dm letzten zwanzig Jahren angeschwollen ist, dann dürfen wir darauf rechnen, daß bei weiterer unermüdlicher Thätigkeit für die Arbeiter Deutschlands in ferneren zwanzig Jahren die Zeit gekommen ist, wo fie ihre Ketten abschütteln können. Dem Vor- trag folgte eine kurze DiSkusston. Maurer Behrendt, der Leiter der Lohnkommisston der Maurer, ersuchte die Versammlung, die Worte des Vorredners zu beherzigen und möglichst bald im zweiten ReichstagSwahi'reis die Agitation für die im nächsten Jahr bevorstehenden ReichStagSwahlen zu eröffnen. In seinem Schlußwort gab Herr Liedknecht der Freude über die angenehme Temperatur Ausdruck, welche in der Versammlung herrsch« und gab die Verficherung ab, in nächster Zeit wieder» zukommen. bft. Ein« öffentliche Tapezirer-Versammlung fand vor einigen Tagen Niederwallsttaße 11 unter dem Vorsttze de« Herrn Sander statt. Dieselbe beschäftigte fich mit der „Stellungnahme der Gehilfen zu dem vom Vorstande der hiefigm Tavezirer-Jnnung für den 15. März d. I. prokla- mirten Gehilfenstrike. Der Vor fitzende referirte über daS Verhalten der Kommisfion gegenüber dem bekannten Vorgehen des JnnungSvorstandeS, betreffend die Proklamirung eines Gehilfen- streils durch ein an die Kunden der Jnnungsmeister fich wendendes Zirkular, in welchem, wie der Referent hervorhob, thatsächlich die Gehilfen resp. deren Verttaumsmänner dmunzirt und verleumdet.werden. Während der JnnungSvor- Zirkulär ferner versickere, er habe dm„von sozialdemokratischer die wenig bemittelten Klein- ehilfen von ihrem Vorhaben ab» g sogar zugesagt, die Gehilfen- forderungen resp. deren Durchführung ber den Jnnungsmeistem thunlichst fördern zu wollen, sei von der Innung nicht nur nicht das Geringste geschehen, einen Streik zu verhindern, sondem habe dieselbe ganz im Gegentheil die ihr von dm Ge« Hilten vorgeschlagene Vorbesprechung der Angelegenheit schroff zurückgewiesen, sogar den Gehtlsmstreik bis auf den angeblichen Tag deS Vorgehens mit demselben proklamirt, als er, wie bis zu diesem Augenblicke, noch nicht einmal beschlossene Sache war. Nunmehr aber sei eS an der Zeit, daß die Gehilfen hierüber endgiltig Beschluß fassen. Refermt empfahl sodann der Versammlung, dies hmte zu thun, schlug vor, nicht schon an dem vom JnnungSvorstande proklamirten 15. März, sondern erst am 20. d. M. mit den Forderungen vorzugchen, und forderte alle Theilnebmer an der Versammlung auf, fich hierüber auszusprechm. Die Lohnkommisston habe inzwischen zwei Schrift« stücke ausgearbeitet, die, sobald die mdgiliigen Beschlüsse der Gehilfenschaft gefaßt sein werden, als Flugblätter zur Versendung gelangm sollen. Beide Schriftstücke wurden, als sie Herr Sander zur Verlesung brachte, von der Versammlung sehr bei- fällig aufgenommen. Wildberger mar mit dem Vorsthlage deS Referenten, daß schon die heutige Versammlung darüber Beschluß faffm solle, od und wann mit der neuen Lohnbewegung resp. mir den Tarifforderungen vorzugehen sei, durchaus nicht cinverstandm. Hierzu sei einmal die Versammlung zu schwach besucht, und dann habe eS damit überhaupt keine solche Eil«; erst müsse man in jeder Beziehung vollkommen gerüstet dastehen, die Or» ganisation bedürfe noch der Verstärkung und der GeneralfondS der Vermehrung. Der Gesammtwille der Berliner Gehilfen» jchaft, fich energisch an der Bewegung zu betheiligen, müsse ganz unzweideutig zum Ausdruck gekommen sein und eine große Gehilfen. Generalversammlung nahezu einstimmig beschlossen haben, für die konsequente Durchführung der Forderungen des aufgestellten LtücklohntarifS auf der Basis eines MinimallohnS von 22 M. wöchentlich und einer neunstündigen Arbeitszeit unentwegt einzutreten. Redner schlug sodann vor» erst in einer am 10. d. d. M. oder in einer zweiten, etwa am 15. d. M. abzuhaltenden Versammlung den endgiltigen Beschluß zu fassen. Im wetteren Verlauft der mehrstündigen DiSkusston, an der fich eine große Anzahl von Rednern, auch ein paar Innung?- Mitglieder gegenüber den Bestrebungen der Gehttlen, wobei die erstgenannten beiden Jnnungsmeister den JnnungSvorstand zu vertheidigen suchten, die Ge« hilfcnforderungcn übrigens als gerechtfertigt und billig aner« kannten, aber doch gegen einen gleichmäßigen Minimallohn von 22 oder 21 M. Einwendungen machten. Herr Wildberger giebt zu, daß eS manch« Jnnungsmitglieder ganz gut meinen mögen, ist aber der Anficht, daß fie fich weder über das, waS fie, noch über daS, waS die Gehilfen mit ihrem Fachverein wollen, klar seien und fordert datier alle Jnnungsmeister auf, die nächste öffentliche Gchilfenversammlung zu besuchen und stch über die beider seitigm Befriedungen womöglich zu ver« ständigen. Herr Nicolai berichtete über die jüngste Versamm« lung der Jnnungsmeister, in welcher beschloff- n wurde, einen neuen@ Hilfenausschuß wählen zu lassen und in Verhandlungen mit der Gehilfenschaft nur durch diesen Gehilfenausschuß zu treten. Schließlich nahm die Gehilfenversammlung den Antrag an, am 10. oder 11. und am 15. März zwei weitere öffentl che Tapezirerversammlungen zu veranstalten und in der zweiten derselben desinitiv darüber zu beschließen, od und wann mit den Forderungen vorgegangen wird. Die Vereinigung der deutschen Schmiede hielt am Sonnabend, den 6. Marz, ihre VereinSversammlung ab, in stand in jmem nichts unversucht g« lassen, Seite geplanten Schlag" a«i meistcr abzuwenden und die zubringen und er habe welcher daS von dem früheren Herbergiwirth Herrn Guiard erlassene Flugblatt,«elcher in häßlicher Weise den Arbeits- nachweiS der Vereinigung der deutschen Schmiede angegriffen hat, klar gestellt und so widerlegt wurde, daß der Verfasser wohl zu der Ueberzeugung gelangen wird, daß alle seine Be- mühungen vergeblich waren. Zum Verschiedenen hatte Herr Einicke den Antrag eingebracht, sein Amt als Bevollmächtiger wegen Krankheit niederzulegen, und wurde an dessen Stelle Herr MatheS, Rottbuserftr. 10a, gewählt. Da hierdurch die Zahlstelle für den Süden vakant wurde, wurde Herr Platsch, Wendenstr. 4, dafür gewählt, auch übernahm Herr Einste, Ropfstr. 31, eine Zahlstelle für Rixdorf. Nachdem noch einige Fragen erledigt waren, stellt Herr Drewitz den Antrag, die obligatorische Cinfühmng deS Vereinsorgans auf 3 Monate zu verlängem. Dieser Antrag wurde angennmmen. Demokratischer verein z« Berlin. Versammlung am 11. März, AbenoS 8'/» Uhr, in den Armtnhallen, Rom» mandantenstr. 20. Tagesordnung: 1. Ueber die Zustände im VerficherungSwesen. Referent Herr Ed. v. Ubisch. 2. Vereins- angelegenheiten. Gäste willkommen. Letzte Nachrichte«. Ueber daS Befinden deö deutschen Kaisers erfährt die„Post'', daß in der Nacht vom 8. auf den 9. Mar, der Schlaf dcffelben durch rheumatische Beschwerden öfters Störungen erlitten habe, weShalb der Kaiser auch gestern länger im Bette geblieben sei. �, r Der Gesundheitszustand deS Reichs« k a n z l e r S hat fich nach der„Nordd. Allg. Ztg." wieder ver« erheblich ist. daß sein Stlmmorgan schlechtert. Die rheumatische« Schmerzen haben stch verschärft, waS, wie eS scheint, darauf zurückzuführen Fürst Bismarck gegen dm ärztlichen Rath sein< einer zu großm Anstrengung ausgesetzt hat. Der B u n d e S r a t h hat in seiner letzten Plenarsitzung dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Heranziehung der MilitSrpersonen zu dm Gemeinde-Abgaben seine Zustimmung erthellt. Der Decazeviller Bergmann Soubrie wurde zu vier Monaten Kerker verurthcilt, weil er öffentlich geäußert hatte» man müsse die Arbeiter, welche einfahren wollen, „watrinisiren".— Watrin hieß der Grubendirektor, der bei dem letzten Streik in Decazeville von dm Arbeitern erschlagen wurde. Den Engländern, welche über die leichte Eroberung Birmas die stch ihnm später entgegmstellenden Schwierig« keitm leicht nahmen, macht die Niederwerfung der Aufstände schen jetzt etwaS Sorge. Aus Rangun wird vom 8. d- M. gemeldet: Die auS 300 Mann bestehende englische Garnison in V-methen ist von ca. 9000 Aufständischen umzingelt. General Vrendergast wird morgen mit einigm hundert Mann nach Bemethen vorrücken und wahrscheinlich auf heftigen Widerstand stoßm. Auf dem Marsche erwartet man einen Zusammmstoß. Sobald Prmdergast in Uemethen eingetroffen ist, soll sofort eine Truppenabtheilung von Wandalay zur Unterstützung von Demethen ausrücken. Jmseit« deS OzcanS werden die Streiks epidemisch. Ein Kadel-Telegramm auS New. Kork vom 8. März meldet: Heute haben hier gegen 4000 Tischler und Zimmerleute die Arbeit niedergelegt, von einzelnen Arbeitgebern wurden die Forderungen der Streikenden alsbald dewilligt. Auch unter dm Kohlmarbeitern in Maryland ist ein Streik auSgebroche», aus mehreren anderm Gegenden der Vereinigten Staat«! werden gleichfalls Streikbewegungen gemeldet. KriefKasten der Kedaktio«. O. K. Retnickendorf. Herr R. wohnt Zimmer- straße 38. SW. A K. Retchenbergerstr. Ein Akkordarbeiter kann, wenn nichts Anderes ausgemacht ist, sofort nach Fertigstellung und Abnahme der Akkordarbeit Zahlung verlangn. O. R. Gartenstr. Einem Studenten der Medizin steht für eine unaufgefordert gewährte ärztliche Behandlung ein An- spruch auf Honorar nicht zu. Aber auch wenn eine Aufforde« rung an ihn ergangen ist, sprechen doch die Umstände dafür, daß er die Behandlung auS Gefälligkeit und unentgettlich über- nommen hat. O. S. Die Entsagung einer angefallmm Erbschaft muh schriftlich oder mündlich vor dem Amtsgericht erfolgen, w dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Die Frist beträgt in der Regel 6 Wochen, beginnend mit dem Tage der erhaltenen Kenntniß von dem Tode deS Erb- lafferS. Wenn aber der letzte Wohnsitz desselben über 40 Meilen vom Aufenthaltsorte deS Erben entfemt ia, so beträgt die Frist 3 Monate. Wer die UcderlegungSw ohne Erklärung verstreichen läßt, wird von selbst Erbe mit Vor« behalt, d.h. er haftet für dieNachlaßschulden nur bis zur Hohe des Nachlasses, fofem er innerhalb weiterer 6 Monate ein ordentliches Nachlaßinoentar bei Gericht einreicht. Theater. Mittwoch, den 10. März. Opernhaus. Antigone, Tragödie von Soph olles. Uebersetzung von Donner. Musik von F. MendelSsohn-Bartholdy. Schauspielhaus. Tilli. Lustspiel in 4 Akten von Francis Stahl. Deutsche« Theater. DaS«athchen von Heil« bronn. Wallner-Theater. Leichte Streiche. Vorher: Groß Reinemachm.,,,, Residenz« Theater Denise. Schauspiel in 4 Atten von A. DumaS(Sohn). Belle-Alliauee-Theater. Pariser Leben. Ko» mische Operette in 4 Aken von Meilhac und Halevy. Friedrich- Wilhelmstädtische« Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla-Theater. Das lachende Berlin. HettereS auS der Berliner Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Louisenstädtisches Theater. Abracadabra. Central-Theater. Der Stabs. Trompeter. Viktoria-Theater. Meffalina. Osteud-Theater. Die Rauber, Trauerspiel in 5 Akten von Fr. von Schiller. American- Theater. Groß« Speziallläten« Vorstellung. Theater der ReichShalleu. Große Speztoli« täten-Borstellung. Kaufmauu'S Variete. Große Spezialllaten« Vorstellung. Koukordta. Große Spezialllätm-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15.[851 Heute und folgende Tage: Midtkite ßngiiWl«, Posse mit Gesang in 8 Bildern von Dr. Jacobson. Musik von Michaelis. Vor der Vorstellung: Sr. Konzert der Hauskapelle. Anfang des Konzerts Wochentags 7 Uhr. der Vorstellung 7*/« Uhr. Anfang de» Konzert« Sonntags 6 Uhr, »«l» haben W....... Vb«llerbureau(12— der Vorstellung 7V* Ul. « Glltigkeit und find im Uhr) gratis zu haben. Passage 1 Treppe. 9 U. Morg. bik 10 U. Ad.[852 Kaiser-Pavorama. Nur MF diese'M» Woche: Eine intereff. Wanderung d. W i e n. 1. Ablh.: Die malerische Schweiz, St. Gotthardbahn. Hertha«Reise, a Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf._ Unserm Vereinsmitgliede Rosenow zu seinem heutigen Wiegenfeste ein_[921 MM' donnernde» Hoch!"## P. R. D. L. R. St. B. L. Statt jeder besonderen Meldung allm Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und unser guter Vater Inlin« Kirsche im Alter von 37 Jahrm am 8. d. M. Mittags 12 Uhr seinen langen Leiden erlegen ist. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag 3 Uhr von der Kottbuser- straße 10a aut statt. Um stilles Beileid bittet[932 Die trauernde Mittme«edst Kindern. Den MUglstdern des TischleroereinS zur Nachricht, daß unser Mitglied Joliiig Eirsohe am 8. d. M. seinen langen Leiden erlegen ist. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag 3 Uhr von der Kottbuserstraße 10a aus statt. Um rege BethMgung ersucht 933 Der Vorstand. Harmonie. Den Mitgliedem dieses Vereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Inlin« Kirsche am 8. d.M. gestorben rft. Me Beerdigung findet am Donnerstag Nach- mittag 3 Uhr vom Trauerhaust Kott- buserstraße 10a auS statt. Um rege Betheiliaung der Mitglieder bittet Der Vorstand. I. A.: H. NoeSke. Bekanntmachung. Berlin, den 6. März 1886. Nachdem der Bezirks Ausschuß zu Berlin die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung dazu crthcilt hat, daß die öffentlichen Wochenmärfte, welche gegenwärtig auf dem Alexander. Platze, aus dem Neuen Markte, auf dem Dönhofs. Platze, auf dem Gendarmen-Marfte, aus dem Belle-Alliance- Platze, am Potsdamer Thore, in der Karlstraße an der Ecke der Louisen» straße und am Oranienburger Thore abgehallen werden, mit Beginn desjenigen TageS geschlossen werden, an welchem die städtischen Markthallen in der Neuen Friedrichstraße Nr. 24 bis 27, an der Ecke der Kaiser-Wilhelm« straße(Markthalle Nr. 1., Central- Martthalle), in der Lindenstraße Nr. 97 und 98 und Friedrichstraße Nr. 18(Markthalle in der Zimmerstraße Nr. 89 biS 91 und Mauerstraße Nr. 82(Markthalle Nr. III), in der Dorotheenstraße Nr. 28 biS 30 und Reichstags- Ufer(Markthalle Nr. IT.), sämmtlich dem öffentlichen Marktverkehr über- geben sein werden, bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß in den genannten Marktballen auf Grund der gefaßten Gemeinde« beschlüffe nachstehcnver Tarif zur Erhebung gelangen wird. (Die preise verstehen stch überall pro Quadratmeter uud Tag.) 1. Für Süß waffe' fische.... 60 Pf. 2. Für Fleich. Wild, Geflügel.. 50„ 3. Für Seefische...... 40„ 4. Für Obst, geräucherte Fische, Käse, Butter, Eier, Blumen, Vorkost. Backwaaren, Häringe, frische G-müse, Grünkram.. 5. Für Kartoffeln...... 6. Für grobe Holzwaaren und ähn- liche Güter, in Markthallen, in denen zu ibrer Unterbringung genügender Raum vorhanden ist Zu Position 1 bis 6 überall einschließlich Beleuchtung und Waffer, sowie Reinigung. Die Vermiethung der Stände erfolgt, je nach Wunsch des Miethers, auf Tage, Wochen und Monate. Bei Miethung auf eine Reihe von Monaten wird die Gemährnng eine« Rabatt» vorbehalte«. Für Kellergeschoß zur Aufbewahrung unver« lauster Waare wird pro Tag und Quadrat« meter 10 Pfennig berechnet. Die Bewsllizunz deS Rabatts ist an die Bedingung geknüpft, daß der Verkäufer den Stand für alle Wochemage einschließlich deS Sonntags,«o die Markthalle bis 9 Uhr Vor« mittags geöffnet sein wird, miethet. Unter dieser Voraussetzung sollen folgende Rabatte bewilligt werden: 1. bei einer Miethung auf die Dauer eines Jahres wird vaS Standgeld für die letzten drei Monate, 2. bei einer Miethung auf V» Jahr wird das Standg-ld für den sechsten Monat, 3. bei einer Miethuna auf V« Jahr wer- dm 10'/o deS Standgeldes erlassen. Die vorstehende«, den Rabatt betreffenden Kestimmunge» haben vorläufig «nr«tltigbeit für da» erste Jahr nach Gröffnnng der Markthalle«. Jede etwa gewünschte nähere Auskunft wird da« Marvhallmdüreau— Neue Friedrichstraße 35, part. rechts— in den Dimststunden wochen- täglich von 10 biS 2 Uhr und Abends 5 biS 7 Uhr erthellm. An den Herrn Direftor HauSburg find alle Anstellungigesuche sowie Meldungen zur Miethung von Ständm k. schriftlich zu richten. Die Feststellung deS TageS der Schließung der Eingangs aenanntm acht Wochenmärkte respektive der Eröffnung der vorbezeichnetm vier Markthallen hat stch der BezirkS-Ausschuß vorbehaltm. Die Bekanntmachung des TageS der Eröff. nung der Markthallen wird deshalb, nachdem der Bezi,«.Ausschuß in der vorstehend ge- dachten Weise Beschluß gefaßt hat, ebenfalls in dieser Zeitung erfolgen. Kuratorium der städtischen Markthallen. gez. von Forckenbeck. 30 20 10 I Berliner l-otterie. Hanptgeminne: W. M. 15,000, 8990, 6000, 5000,4000 3t, Gefamuttw.: M. 131,000. ■V Die ans goldene« und stlbernen Münzen bestehenden Gewinne habe« eine» effektiven Merth von 90 Prozent des angesetzten Ketrages."## Loose a 1 Mark zur ersten Ziehung(bereits 7. April). Voll Loose, für alle 3 Klassen giltig, 3 Mk.(für Porto und Liste 20 Pf.) empfiehlt A. Aschenheim, Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und Reichhaltiger� kalter und f? warmer Frühstück»-, Reichhalt. Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: Könizsberger Fleck, ä Portion 25 Pf. � DM Arbeitsnachweis ihr Klavierarbeiter, w Achtungsvoll, Hermann Stramm, Restaurateur, Skalitzerstr. Cigarren- n. Tabak-Handlung em gros en detail Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde"). Import echter Havanna, Lager aller Sorten Rauch- und Schnupf-Tabah6' Reich assortirtes Kager echt türkischer, rnsstscher dhänser «ad amerikanischer«igaretten u. Tabake. Echt pordhänser Kautabake. Möbel-, Sopha- n. Matratzen-Fabrik A. Schulz, Wafserthorstr. 34(auch Theilzahluug). S e,,'Ä Meine Möbel-, Spiegel- uud Polsterwaaren-Fabrik habe ich ron der Oranienstraße 85/86 nach der J erusalemer-Strasse No. 65 verlegt 902__ Hochachtungsvoll«eorer Haahe. Allen Freunden und Bekannten zur Nach richt, daß ich Michaelkirchstr. 5 ein Restaurant eröffnet habe und bitte mich durch geneigten Zuspruch gütigst unterstützen zu woll-n. 9121 Hochachtungsvoll A. Sch&dO. Die am 31. Dezember vom ÜStttüb leicht beschädigt. Herren-Garderoben werden fortges. enorm billig ausverkauft. Winter- u. Sommer-paletot» 5 Mark. KeinKleider von 8 Mark, EinsegnunaS- Anzüge 10 Mark rc.[605 1-. Prinz, Prinzen ftr. 41, neben Rudolf Moste. Verkaufsstelle: Flur rechts.-MW Einzeln« Maske»- Garderobe Kochstraße 31, Hof 3 Tr. Wo speisen Sie? � der alten Pommttsch j ingr.AuSwahl v ! Herren- und Knaben- Garderobe« fertigt modem, gutfieend und billig, a«®o4, Reparaturen C. Siebert, Skalitzerstn�. HT* Kegnlatorfabrik. Wegen Verlegung nach außerhalb verkaufe die vorräthiaen Regulatoren bedeutend billiger! Auch find WirlhschaftSgcgenstände und Hobel» bänke zu verkaufm.[928 I. Korchers, Stallschreiberstr. 11. Die ordentliche Generalversammlung der Ortskrankenkaffe d. Maschineu- bauarbeiter und verw. Berufs- genoffen zu Berlin findet am Sonntag, den 4. April, Vormittags 10 Uhr. im Palmensaal, Neue Schönhauserstr. 20, statt. genommene Prüfung der JahreSrrchnung. 4. Srtheilung der Decharge. 5. Vorlage, betreffend Statutenänderung. rgz? Berlin, dm 8. März 1886. Der Vorstand.«. Kärger. Masken- Garderobe F. Stenzel, o1 Nr. Sl, Dresdener-Ktraste N«- mreist«- Elegante Kostüme zu dm solrvesten P 745]_ Vereine Ermaliaung. � Ärdettsmarkt. Tüchtig« Arbeiterinnm auf Trikottai gfr verl. Roppenstt. 66, Hof part.__— Stepper. Knopfloch- und rinnen auf Tukottaillen verlangt ff*"'"'[0 Landwehrstr. 9, Hof Iii._ Mädchen, welche die Wäschmäherei er Plattenschneider, Fraiser und sonstige Arbeiter suchen Av-d� D-nKn-pw«-«. St. Berantwortttche: Redaktzue S. Trsatzeft» ia Drrlt» Druck und Verlag ven Max Badtag» tzj«lin SW., Beuthstraß« 2