enthält letfeen: es auf ?elchem wen« Freitag, de« IS. März 1886. HI. Jahrg. existlrt udzueil nicht. . 3 der »erlimrWksdliill Krgsn für dir Intrrcfftn der Arbritcr. 4 Da«„Berliner Volksblatt" Mnt tZglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS für Berlin frei 6d, wanzigste ReichttagSmandat gebracht hat, den Öligen Schluß, daß nunmehr die Regierung und die �fervativen Parieien zu der Ueberzeugung gekommen fei« ®Jte», daß da» Gesetz sich al» völlig wnkungslo» erwiesen j'' Wir find weit entfernt, diesen Optimismus der Mlichen Oppositionsparteien in diesem Punkte zu theilen. ' P ja doch bekannt, mit welchen Argumenten die Re- S*® Aussasiung von der Wirkungslosigkeit de» So- Mlstengesetzes zu begegnen pflegt. Gerade der Ausfall der jSl m Schneeberg, so werden wir von den Vertteter» � Regierung sage« hören, beweist eine Zunahme F sozialistischen Propaganda; folglich müssen wir da« Dallstengesetz aufrecht erhalten, um dieser Zunahme Grenzen T* zu können. Die Argumentation ist zwar nicht stich- rß, all« in sie wird immer, so auch diesmal wieder zum Ann kommen und die Anhänger des Sozialistengesetze» .%chz,aze werden froh sein, ihren so spärlichen Gründen S«e Fortdauer de» Gesetze» diese Argumentation beige- � zu können. Hätte im Echneeberger Wahlkreise aber ?»ational-konservative Kandidat gesiegt, so würde man öllf>i*a»»•?,, m n n». VroA l&.n 1 1 an n ofoti f& en für die Verlängerung de» Sozialistengesetze» nicht «leicht fehle». Wir machen un» darüber kein -�fjerbrechen; die Anhänger de» Sozialistengesetze« «_ von dessen Vortrefflichkeit so überzeugt, daß & auch weit schwächere Gründe aenüge« würden, um ° die Verlängerung zu stimmen. Ohnehin kommt ihnen ty der bekannte Ausspruch de» Reichskanzlers zu Hilfe, /doch e« dem leitenden Staatimanne keine« Kummer 2%, wenn die Sozialisten auf drei Dutzend anwachse«. ?dach ist e» eigentlich überflüssig, sich langen Be- darüber hivzugeben, ob sich in de« konselvativen ?. Aterungsfreundliche« Kreise» die Anschauungen über Sozialistengesetz geändert haben. i Dazu kommt noch eine Aeußerung de» Herr« Win dt« ,,�st über die Wendung in de« kirchenpolitische» Verhält- M. Der schlaue Führer de» Zentrum» hat die neue uUo8e, welche die Grundlage der Maigesetze hinwegräumen .chmpathisch begrüßt. Ob dieser„Sieg" dem Zentrum Änißooll werde» wird oder nicht, darüber wollen wir 4.� wieder reden; einstweile« bleiben wir bei unserer |* de» Oesteren ausgesprochene« Meinung, daß e« ein 'u* e d u t s i e g ist, der de» Zerfall der ZenttumSpartei �stch ziehe» wird. Da» Zentrum ist schlau genug, vicht gfeuifffetOKo Die Tochter des Dattkrottenrs. loman au» der Gegenwart >!! von Gustav Lössel. W�ußerde« müßten Sie, gvädige Frau, da« Geld mir tsj' dringen, da mich ei» Fußleiden(eine im Kriege em» llfit' �e ganz vernarbte Schußwunde) an da» Zimmer k*; i" dem ich diese Zeile» schreibe, und meine Gattin % se Zusendung einer so große« Geldsumme(der Wechsel Hhj dei mir zuerst präsentirt werden) ahnungslos bleibe» Es würde ihr zu unnützen Fragen Veranlassung %> Und da ich ihr, um sie über unsere wahren Verhält« weiter zu täuschen, auf eine, von ihr sehr ge- kL™,.e Gutserweiteruvg eine bestimmte Zusage gemacht 'Bunte sie daS Geld von mir fordern und sich wundern, 0�« Nicht mehr da ist; gevug, e» giebt tausend Gründe, V,, Ne ganz heimliche Ueberbringuag de» Gelde« nicht �ch'ferttgev, sonder« gebieterisch fordern/ 4* g'"o, welche so weit mit klarer, manchmal stark zittern- sz s?, Mme gelesen, hielt einen Augenblick inne, um Athem Si a?! f« ließ da» Blatt sinke« und glitt selbst in Ihr« Mutter hatte sich schon früher gesetzt . Tesicht mit dem Taschentuch bedeckt. Vu.''en unbemerkt, erhielt in diesem Augenblick die % a* einer offene« inneren Thür eine« heftige« Ruck. S-t«er halb Ohrmächtige« klammerte sich daran, Ml, r* der Baronin, welche dort lauschend stand. S,e !W* spät noch Licht in Erna'« Zimmer gesehen und ge- lU1.Iene sei— wie e» witklich der Fall gewesen— eingeschlafen. Sie erschien fast gleichzeitig mtt �ittj>ter und wurde so Zeuge diese» erschütternde« % iW® erhob eben da» Blatt wieder, um weiter zu lesen, k.«Mutter abwehrend die Hand erhob. V«*>«ei» Kind,' sagte sie, wa« welter ,« dem Mi, läßt sich mündlich kürzer fasse«, und e» geht allzu undankbar zu sei»; e» wird die Regierung nicht in die Lage bringen, ohne Sozialistengesetz regieren zu müssen. Wir werden merkwürdige Schiebungen erleben. Die Frei- sinnigen werde», wen» wir ander« recht berichtet sind, auch gegen das amendirte Sozialistengesetz stimme» und so dürfte das Sozialistengesetz in unveränderter Gestalt au» dem Schmelztiegel der parlamentarische« Verhandlunge« wieder hervorgehen, wenn auch nur mit geringer Majorttät. Sollte, wa« ja vicht unmöglich wäre, das Gegentheil eintreten, so werden wir darob gewiß keine Beklemmungen empfinden; vorläufig aber find wir, gestützt auf unsere Erfahrungen, so frei, nicht daran zu glauben. Der alte Spruch: Mißtraue» ist eine demokratisch« Tugend! hat nicht unsere« vollen Beifall; e» steckt viel Uebertreibung in diesen Worten, die ohnehin eine Erb- schaft von 1848 find, und wir nehmen heute nicht mehr Alle» für voll, wa» un» jene Zeit an Erbstücken hinter» lassen hat. Aber gerade bezüglich der Abstimmung über da» Sozialistengesetz hat man alle Ursache, gegenüber den Be« theuerungen, die bei dieser Gelegenheit vorher gemacht zu werden pflege», auf» Äeußerste mißtrauisch»u sein. E« entwickelt sich bei dieser Gelegenheit stet» ein sehr lebhafte» Koultssenspiel, von dem nur wenig in die Oeffentlichkeit dringt. Wa« man aber bisher von diesem Koulissenspiel erfahre« hat, ist mehr al» ausreichend, um ei» hartnäckige» Mißtraue« zu begründe». Es kommt vor, daß Umstimmungen der Gegner de» Gesetze» erst im letzten Augenblick vor sich gehe«. Wir er- fahren von zuverlässiger Seite einen solchen Fall au» den letzte« Verhandlungen über da« Sozialistengesetz im Zahre 1884. Auf der Linken waren viele Abgeordnete über da» Schicksal de« Gesetzes bi« zum Moment vor der entscheiden- den Abstimmung tm Zweifel. Ei« sozialistische« Mitglied de« Reichstages traf kurz vor der Abstimmung mit einem sehr einflußreiche« ZentrumSman« zusammen, dessen bisherige Gegnerschaft zu dem Sozialistengesetz bekannt war.„Sie könne« heute Abend einpacken", sagte der Zentmmsman« zu dem Sozialisten,„et steht Alle» fest, da» Sozialistengesetz wird heute abgelehnt und der Reichstag aufgelöst*.— Natürlich war der Sozialist voll gespannter Erwartungen, aber einige Stunde« darauf konnte er mit Scheffel singe»: „Behüt' dich Gott, e» wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, e» hat nicht sollen sein I" Das Gesetz ward angenommen und unter Denen, die dafür stimmten, war auch jener Zentrumtman», der vor der Abstimmung«»»gesehen hatte, al» freue er sich schon auf die Niederlage der Regierung. Der Sozialdemokrat aber war belehrt, daß man sich heute über nicht« mehr wundern soll. schon gegen Morgen. Ehe der aber anbricht, oder man un» hier stör», muß ich wieder fort sein, denn mein Besuch und meine Mittheilunge» gelte« nur Dir, nur Dir allein.* „Erzähle, Mutter*, sagte Erna milde,„ich höre." „Der Baron", so fuhr die Kommerzienräthi» fort, „verräth mir in dem Briefe weiter da« Geheimniß de« ver- borgene» Gange». Ich sollte eine kleine Pforte i» dem alten Schloßtheil offen finde» und mich so hierher begebe». Seine Gattin bewohnte mit dem Kinde den jenseitige« Flügel diese» litzten Anbaue», und sie hatte e« dringend gefordert, daß er wegen seine» Fußleiden» hier berüber ziehe, um ihn um so besser pflegen zu können. Er bewohnte nämlich sonst eine Reihe vo« Zimmer« in dem alten Schloß. That ich Unrecht, daß ich seiner Bitte Gewähr leistete und jene« unglückseligen Schwur gab? Ich habe lange und bitter genug gebüßt. Der Baro« verbat sich jede Vermittlung, jede VertrauevSperso«.... es war genug an dem einen Zeuge« seiner Schande. Ich schrieb ihm die gewünschte Antwort. Dieselbe lautete zustimmend. Ich faßte mich kurz und sagte, daß ich „laut Verabredung" an dem und dem Tage Nacht« kommen und ihm fünfzigtausevd Thaler au» meinem Privatvermögen selbst übergebe« werde. Da» Wettere würden wir dann mündlich bespreche«. Ich übergab diese« Brief dem Schurke« Gontard zur Beförderung auf die Post. Derselbe war damal« al« Lauf» bursche in dem Geschäft Deine« Vaters thätia. Dann reiste ich unter einem beliebigen Vorwavde nach Wien, um mir vo» dort da» Geld zu holen und dann direkt«ach Selchow zu reisen, von wo ich«ach Wie» wieder zurückkehren wollte. So meinte ich, müsse meine heimliche Reise ganz verborge« bleibe«; den« mein Gatte war zur Zeit stark beschäftigt und konnte unmöglich einen Verdacht schöpfe». 3A wagte viel; c» war mein LebevSglück, das ich da opferte..... aber ich wußte e« nicht. Eine südliche Natur, rasch entschlossen, kühn, mit einem Hang zum Romantischen, fand ich an diesem Abenteuer sogar Gefallen; und ich handelte ja nicht nur für de» unglückliche» Freund, sondern mehr«och für sei» Weib, mein« Zugendfreundi« und sein Kind. Jetzt erst, bei unserem letzte« Zusammensein in Wie«, Solche„Umstimmungen* werde« diesmal wohl auch vorkommen und es wird komme», wie ei« Redner voraus- gesagt hat— daß nämlich da» Zentrum genau so viele Stimmen ausbringe» wird, al««othwendig sind, um die Verlängerung de« unveränderten Gesetze» zu be- wirke». Wir kennen die alten Parteien von recht« und link». Da» Sozialistengesetz verschafft ihren gewisse Bequemlich- leiten, die sie nicht aufgebe» wolle« und auch nicht auf- geben werde». Um die« zu begreifen, braucht man nicht einmal hinter die Koulisse« gesehen zu haben. Man könnte sich aber andererseits rechts und links und im Zentrum viele Phrasen sparen; wir legen ihncn keinen Werth bei und wenn sie»och so künstlerisch schön gedrechselt sind. Nolitische Meberstcht. Ueber den wahrscheinliche« Verlaus der Verband- lungen über das Sozialistengesetz(stehe auch Leitartikel) haben wir uns an dieser Stelle schon geäußert, doch ist für unsere Leser die Frage so wichtig, daß wir nicht fehl zu gehen glauben, wenn wir derselben die größte Aufmerksamkeit schenken. Nachdem in der Kommisston sämmtliche Windthorst» sche Anträge und auch die Verkürzung der VerlängerungSfrist auf 2 Jahre angenommen worden find, wird bei der zwetten Lesung, die wahrscheinlich in nächster Woche erfolgt» das ganze Gesetz in der Kommisston gegen die Stimmen de» Zentrum» verworfen werden. Die Konservativen und Nationalltberalen stimmen gegen den n:uen Entwurf, weil die Regietung denselben für unannehmbar erklärt, die Deutschfreifinnigen und die VolkSpartei stimmen gegen denselben, weil fie keinem Ausnahmegesetze, auch nicht einem milderen, ihre Unterstützung leihen wollen. ES gelangt dann der Regierung»«« t- w u r f im Uebrigen unverändert zur zwetten Lesung an den Reichstag resp. an da» Plenum desselben zurück. Wenn von keiner Seit« dann wieder Abänderung»- anträge gestellt würden, so würde ohne besonder« De« hatten rasch über daS bestehende Gesetz und über die Verlängerungsfrist abgestimmt werden. Doch e« soll feststehen, daß der Abg. Windthorst alle seine in der Kom- misston angenommenen Anträge bei der zweiten Lesung im Plenum wieder aufnehmen wird; würde der Zentrumiführer aber au» Aerger, daß ihn bei der Echlußabstimmung in der Kommisfivn die Linke im Stiche gelaffen habe, die Anträge im Plenum nicht crneuern, so darf man annehmen, daß die Deutschfreifinnigen oder die Volkspartei diese Anträge zu den ihrigen machten, natürlich um bei der Gesammtadstimmung habe ich au» Gontard« eigenem Munde erfahren, daß er jene« Brief statt auf die Post zu meinem Gatten trug, welcher schwach genug war, denselben zu erbreche». Er ahmte dann meine Handschrift auf einem anderen Kouvert «ach und sandte den Brief an seine Adresse, gleichzeitig alle Vorbereitungen tteffend, um mit mir zusammen in Selchow erscheinen zu können. Ich fasse mich kurz. Er war schon unter den Ruine« versteckt, al» ich durch die näher bezeichnete Thür in da» alte Schloß trat. Ich Thörin ließ jene Thür offen, und er folgte mir so heimlich, daß ich seine Anwesenheit nicht bemerkte. Ich kannte da« Schloß, waren wir doch schon öfter hier zu Besuch gewesen. Es war eine mondhelle Nacht und auch im Schlosse hell genug, um nicht fehl gehen zu könne», dennoch henschte in letzterem nur ein dämmerige» Halblicht, welche« sich stellen- weise zur Nacht vertiefte. I» dem Ahuensaal verschwand ich durch die geheim« Thür, die Dein Vater nicht kannte. Er blieb in dem Bor- »immer zum Saal zurück; er mochte sich wohl sagen, daß »ch auf demselben Wege zurückkehren werde. Ich bracht« dem Baron das Geld. Er dankte mir unter Thränen der Rührung und gelobte mir— die einzige Bedingung, die ich stellte— daß er fortan ganz seiner Familie leben und seinen Abschied au» der Armee nehmen wolle. Im Uebrigen behandelte er mich mit der größte» Ritterlichkeit, belobte meinen Muth und begleitete mich unter Versicherungen seiner ewige« Dankbarkeit durch da» alte Schloß, trotzdem ich ihn bat, seinen Fuß zu schonen. Schon schwelgte ich in dem Vollgefühl der Rettung eine» dem Tode Geweihte«, der Wiederherstellung eine« halb vernichteten Familienglück«........ da traf«ich au» dem Dunkel de» Vorzimmer» die Faust de» Gatte» mit einem wuchtigen Schlage. Ob er mich, ob er den Baron hatte treffe« wollen— ich weiß e» nicht.... genug, ich stürz« mit einem jähe» Aufschrei zu Boden, noch zweifelnd, daß e« mein Gatt« sei, der mir hierher gefolgt war. Er sprach nicht, wenigsten» hörte ich ihn nicht mehr sprechen.... ich floh au» dem Schloß, e» dem Baron doch gegen das ganze, ob veränderte oder unveränderte, Gesetz zu stimmen. Dasselbe Schauspiel, wie in der Kommisston, wild stch dann im Plenum bei der zweiten Berathung wieder- holen— die Windthorst'schen Abänderungsanträge werden wahrscheinlich angenommen werden. Die Regierung«rllärt, daß daS so veränderte Gesetz für fit unannehmbar sei, aicdt vielleicht in einigen ganz unwesentlichen Punkten nach, ist auch mit einer kürzeren Geltungsdauer einverstanden, droht eventuell mit Auflösung, wartet aber in aller GemüthSruhe und Zuverficht die— dritte, die entscheidende Lesung ab. Und die Regierung wird fich nicht täuschen! Die Konservativen und Nationalliberalen werden Anträge auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage einbringen überall da, wo die Regierung eS.verlangt. Darüber wird vorher eine Verständigung mit derselben leicht erzielt werden. Nun kommen die entscheidende« Abstimmun gen. Bei denselben find die Parteien der rechten Seite deS HauseS inklustoe der Nationalliberalen bis auf den letzten Mann erschienen. DaS Zentrum aber ist schwach besetzt; man wird „Viele sehen, die nicht da find". Auch die elsäffer Protestler werden fehlen, während einige Bourgeoisfanatiker auS den Reichslanden die Reise machen, um mit Ja zu votiren. Vom Zentrum selbst aber wird dann» von ihrem katholischen Ge« wissen getrieben, eine für die Annahme der konservativ, national« liberalen Anträge genügende Anzahl Mitglieder stimmen. SS gilt ja dem Todfeinde der Kirche. Der Freifinn wird ge« schloffen gegen die Anträge der Rechten stch erklären; �selbst- verständlich auch die VolkSpartei, die Polen und Sozialdemo« kratm. Aber der Freifinn wird einige Lücken aufweisen. Man nennt schon die Personen, welche bei der entscheidenden Abstimmung fehlen werden. Nachdem nun die RegierungS» vorläge im Wesentlichen wieder hergestellt sein wird, schreitet der Reichstag zur Abstimmung über daS Gesetz selbst. Diese Abstimmung wird hoffentlich eine namentliche sein. Beantragt wird dieselbe werden; auch ist kaum daran zu zweifeln, daß der Antrag auf namentliche Abstimmung die genügende Unter« stützung findet. DaS Gesetz wird dann mit einer Majorität von 20—30 Stimmen wiederum angenommen und in de1 That dadurch zu einer ständigen Reichsinstitution erhoben werden. Kommt er oder kommt er nicht? Nämlich Fürst Bismarck und zwar in die Bianntweinmonopollommisfion deS Reick tagS— diese Frage beschäftigt noch immer sehr lebhaft die Presse. Ein Theil derselben schwört auf die Worte deS StaaliministerS von BöUicher, ein Theil auf die Auslassungen des Kanzlerblattes. Beide, Vizekanzler und Kanzlerblatt, find durch den Widerspruch, in dem fie fich definden, in arge Ver- legenheit gerathen. Da taucht plötzlich ein anderes offiziöses Organ, die„Berliner Politischen Nachrichten" auf und erlöst die Antipoden aus dieser Verlegenheit. Das Blatt schreibt nämlich:„Wtr sehen in dem Artikel der„Nordd. Allg. Ztg." einen klaren und unzweideutigen Protest gegen den Versuch, den Reichskanzler zu einer Betheiligung an den KommisstonSberathungen zu veranlassen, um ihn hinter- her für dat Ergebniß der Arbeiten dieser Kommtjfion verant» wortlich zu machen. Und diesem Proteste können wir uns nur voll und ganz anschließen. Die Majorität der Kam« misfion setzt fich auS intranstgenten Abgeordneten zusammen, denen nichts ferner liegt, als die Erreichung eineS vosttiven Resultats, die vielmehr die Abstcht haben, in die VerHand- lungen einzutreten, damit nicht nur daS Branntweinmonopol zu Falle gebracht, sondern auch überhaupt eine höhere Be« steuerung deS Branntweins hintertrieben werde.---- Soll also der Reichskanzler fich an den Verhandlungen einer Kommisston betheiligen, von der eS im Voraus außer allem Zweifel steht, daß fie da« Monopol nicht zu Stande bringen will und kann? Die Majorität des Reichstages hat ja von vorn herein keinen Zweifel gelassen, so daß man eigent« lich von einer bona fide geführten Aktion kaum noch sprechen kann, und Fürst Bismarck würde, wenn er fich wirklich an den Verhandlungen der Kommisston betheiligte, fich lediglich zu einem dnps der parlamentarischen Gaukelei machen. Wir halten es für nicht außerhalb deS Bereich» der Möglichkeit liegend, daß der Reichskanzler der Kommisfion einen Höflichkeitsbesuch abstattet, wobei wir allerdings im Interesse der Gesundheit des Fürsten Bismarck wünschen möchten, daß er fich nur dann dazu entschlösse, wenn die Sitzungen der Kommisfion nicht Nacht« stattfinden, damit er nicht, wie vor zwei Jahrev, der Gefahr ausgesetzt ist. stch eine ernste Erkrankung zuzuz ehe». Ueber diesen Höflichkettsbesuch hinaus jedoch mochten wir eine Betheiligung des Herrn Reich«» überlassend, fich mit meinem unbekannten Angreifer abzu- finde«. Er war ja der Herr hier, und meine und seine Ehre konnte« nur gewahrt werde», wen» e» mir gelang, unerkavnt zu entkommen. Um da« ,u ermöglichen, zog ich de« vo» innen steckende« Schlüssel aus der Pforte, welche mir Einlaß gegeben, schloß fie hinter mir ab und steckte den Schlüssel, eher gedankenlos al« mit einer bestimmten Abficht, zu mir. Ich habe ihn dann immer aufbewahrt; e« ist derselbe, de» ich heute benutzte, um unbemerkt hier einzudringen. Zch mußte diese geheime Uaterredung mit Dir nachsuchen, und obwohl ich nicht wußte, daß ich Dich gerade in diesem Zrmmer finde» würde, hoffte ich doch, durch dasselbe bi» zu Deinem Zimmer zu gelange». Unweit de« Schlosses wartete auf mich ei«« Extrapost, die mich im Fluge nach Neu-Strelitz entführte; ich eilte ohne Aufenthalt per Kourierzuz nach Wie» zurück. Dorthin hatte ich Dich mitgenommen..... Du warst damal« zwei Jahre alt; und mein erster Gedanke warst damals Du. Ging diese Verfolgung vo« Deinem Vater au», dan« stand zu erwarten, daß er zunächst Dich mir entreiße» werde, und Dich, mein Engel, wollte ich um keine« Prei» "�34 fand Dich«och daheim in meiner Villa i« Hietziag, derselben, in welcher Du jetzt wieder gewesr«. Zch hatte noch am Tage meiner Abreise an Deinen Vater geschrieben und schrieb jetzt wieder, hoffend, daß meine Ahnung, er sei mein Verfolger, mich betrogen habe. Keine Antwort kam. Zwischen Furcht und Hoffen vergingen mir weitere vierzehn Tage, da»» folgte mir Dem Vater. Er wußte Alle», bi« auf da«, wa« Selchow zu seiner Bitte bestimmt hatte. Ei« Kampf im Dunkeln folgte meiner Flucht aus dem Schloß, tödtliche B-lei. digungen fielen auf beiden Seite« und spöt«, entschied ein Duell den Ehrenhandel. Der Baron blieb, von Deines Vater« Kugel getroffen, todt auf dem Platze. Vorher mußte er wohl de« gesälschien Wechsel eingelöst und vernichtet baden, denn derselbe ist nicht präsentirt worden. Er war gestorben, ohne sein Geheimniß zu verrathcn..... sollte, konnte ich es nun, nachdem er sein Leben geopfert, um seine kanzlerS an den KommisfionSarbeiten nicht wünschen, damit, wie schon gesagt, jedem Versuch, dem Rrichskanzler für die Ar- betten duser Kommisfion irgend welche Verantwortung zuzu- schieben, vorgebeugt werde."— Also der Kanzler kommt; ei macht aber nur einen Höflichkeitsbesuch. Dieser Höf- lichkeitsbesuch, an den wir vorläufig noch nickt glauben, würde davon allerdings zu der„parlamentarischen Gaukelei", von der die„Berl. Pol. Nachr." sprechen, sehr gut passen. Zur Signatur der Zeit. Vor einigen Tagen erwähnten wir eine« Aufsatzes deS Herrn Dr. Bamberger in der„Naiion", in welchem derselbe in geistreicher Weise das liberale Philister- thum geißelte. Die Deduktionen Bamberg, r'S treffen, wie wir schon sagten, vollständig zu; jedoch demerkten wir zugleich, daß Bamberger selbst mitschuldig gewesen sei an der gegenwärtigen Situation. Bezeichnend war ja sein Galgenhumor, als er aus- rief:„Hunde find wir ja doch!"— Der„Mainzer Anzeiger" bespricht gleichfalls den Bamberger'schen Ausspruch und gelangt dabei zu folgendem Schluß:„Es ist hocherfreultch, daß einem so gescheidten Politiker wie Dr. Bamberger die Einficht in die Ursachen d«S politischen Niederganges im Reiche nach so manchen Irrfahrten gekommen ist. Nur sollte er fick hüten, b,ute Die- jenigen anzugreifen, welchen diese Einfickt ein Jahrzehnt früher ge- kommen war, al« chm. Der Herr Verfasser hätte fich dock fragen müssen: Wenn es seit 1871 mit dem nationallideralen Bürger- thum immer mehr abwärts gegangen ist, trägt daran nicht die Führerschaft in der Partei und im Reichstage einen großen Theil der Schuld? Die Kulturkampfhetze hat Herr Dr. Bam» deraer zwar persönlich nicht mttgemacht; er hat fie aber ge- scheym lassen und nickt öffentlich dagegen protestirt. Aber die Sozialistenhetze hat er ansang« mit größtem Eifer mtt- gemacht und mitgeholfen, alle Diejenigen als Reichsfeinde zu verketzern, welche nicht der gleichen Meinung waren. Herr Bamberger wird nickt leugnen können, daß die Ausnahme- gesetze gegen Katholiken und Sozialisten nur wenig dazu bei« gettagen haben, daS RechtSgefühl im Volke abzustumpfen und den Marasmus im Bürgerthum, welchen er so bitter deklagt, herbeizuführen."— Diese Abfertigung des Herrn Bamberger däucht unS vollständig gerecht zu sein. Wir find auch der Ueberzeugung, daß, wenn die Regierung in wirthschaftlicher Beziehung den Wegen Bambergers folgte, Herr Bamberger der Regierung auf ihren reaktionären politischen Pfaden gern daS Geleite geben würde. Für die Entlassung de» Minister» v. Scholz tritt da» offiziöse„Deutsche Tageblatt" in einem Leitartikel ein:„Bamberger in der Lffenstve". ES heißt in dem Artikel, Fürst Bismarck müsse wie einst in der Zollftage, so heute in d-r Währunasfrage erkennen, daß seine bisherigen Räihe nicht auf richtigem Wege find......„Wer wie Fürst Bttmarck die Leitung eine» großen Reiches auf seinen Schultern hat, d-r kann nicht jederzeit jede einzelne Frage gründlich erwägm, er muß fich auf die Männer verlassen, die sein Vertrauen be- fitzen."— Hierzu bemerkr die„Freis. Ztg." folgendes: Ein mit den deutschen Verhältnissen Unbekannter, der diesen Artikel liest, muß nothwendig zu der Meinung kommen, daß in Deutschland nichrder Kaiser, sondern Otto l. regiert, und daß die Minister nicht Vertrauensmänner des Kaiser«, sondern Vertrauensmänner deS Fürsten Bismarck find, welche nach seinem Belieben angestellt und entlassen werden. Aeuderung de« deutschen Preßgesetze». Die preußische Regierung hat im November v.J. beim BundeSrath beanlragt, dem§ 22 des Preßgesetzes folgende Bestimmung hinzuzufügen: „So lange der Thäler nicht ermittelt ist oder außer dem Be- reiche der inländischen GerichtSgewalt fich befindet, ruht die Verjährung gegen denselben," sofern innerhalb der im Ab- satz 1 bestimmten F-ist(6 Monate) > eine richterliche Handlung zum Zweck der V-rfolgung deS Verbrechen« oder Vergehens vorgenommen wird. Sofern nach den allgemeinen Vorschriften de« Strafgesetzbuch» die Verjährung früher eintreten würde, kommen diese zur Anwendung." Im November vorigen JahreS hat die ganze Presse die Unannehmbarkeit dieser Neuerung dargelegt, für welche fich nicht eine Elimme erbob. Man nahm allgemein an, daß der Antrag aufgegeben sei. Jetzt ist er auf die Tagesordnung der heutigen BundeSrarhsfitzung gestellt.— Man steht, daß die Reaktion auf allen Gebieten fich jetzt zeigt. Unsere„Gebildeten" wollen nichts lernen, daS zeigen fast alle Prüfungen bei den Examen zum etnjährtg-freiwilligen Militärdienst. So lieferte eine solche vor einigen Tagen in Düsseldorf daS Resultat, daß von dreiunddretßig Kandidaten nur fünf daS Examen bestanden. Und gerade diese Ge- sellschast rümpft vielfach die Nase über die„ungebildeten" Arbeiter! Oesterreich-Ungarn. Für daS Branntweinmonopol scheint in Oester- reich ein besserer Loden zu sein» alS in Deutschland. Der „Deutsche Club" hat zur Einführung desselben Anregung ge- eben, die an maßgebender Stelle auf guten Boden gefallen st. Ueberhaupt scheint die österreichische Regierung die deutsche in allen wesentlichen Punkten koptren zu wollen.— Arbeiter- verficherungsgesetze, Sozialistengesetz, Branntweinmonopol— Ehre zu retten und seiner Familie einen makellose« Name« zu vererben?— Nein..... außerdem band mich jener Schwur, der mir heilig war. Zch habe ihn gehalten, bi« heule——— Einer außergerichtliche« Vereinbarung zwischen mir und Deinem Vater zufolge sollte ich in Wien verbleiben, meinen früheren Namen wieder annehme« und in seinem Hause für todt gelte«. Auch wurde bestimmt, daß ich Dich mit Deinem vierten Zahre ihm zur Erziehung überlassen sollte. Zch sollte Dich dennoch vo» Zeit zu Zeit heimlich sehen dürfe«. Was blieb mir weiter, wenn ich mich vor öffentlicher Schande bewahrt sehe» wollte, al» auf alle diese Bedingungen ein» zugehe« und um deren pünkliche Erfüllung zu erzwinge«, nöthigte er mich, so etwa« wie ein Bekenntniß der ihm bekannt gewordene« Thatsachen zu unterschreibe«. Da»« selbe hätte allerding« zu einer Trennung unserer Ehe genügt; die aber wollte ich nicht, um— meine« Kindes willen. Zch war ja unschuldig und hätte doch vor Gericht noch weniger sagen können, wa» mich zu jenem heimliche« Besuch in Selchow be» stimmte. Dein Vater machte hiernach eine weite Reise. Al« er zurückkam, entließ er da» gesammte HauSpersonal. De» neu Engagirten galt er al« Wittwer; eine Wirthschafteri» nahm meine Stelle ein. Z» der Bank hieß e», ich sei auf der Reise gestorben: auch Gontaro wurde da» gesagt, der vo» jener Zeit an Karriere machte. Z« Deinem»iertea Zahre wurdest Du mir genommen, und nun war ich noch einmal nahe daran, mein Geheimniß preiszugeben, um Dich mir zu erhalten. Aber immer, wen» es mir auf die Zunge trat, sah ich da» Auge Selchow» drohend oder bittend auf mich gerichtet..... ich vermochte(8 nicht. Auch hoffte ich ja. Dich wiedersehen zu dürfe». Aber Dein Vater hielt mir sei« Verspreche« nrcht. Er hatte mir eine falsche Adresse als Dem nächste» Reiseziel angegeben und ich durfte Dich nie mehr sehen. Was ich da litt, da« kann nur ein Mutterhirz ermessen. Was Wunder, daß ich vo» Zeit zu Zeit die verzweifelste» Anstren- guagen machte, Deine Adresse zu ermirtela und Dich zu alles der Reihenfolge nach und ähnlich wie ein Ei dem anW Wohl bekomms! Dänemark. Urber den Verfassungskampf in Dänemark w stch die gemäßigte liberale„Eiderf. Ztg." auS Kopenbage-i schreiben: Am 8. v. M. vertagte die Regierung den tag, obgleich das Folk-thing furz vorher die Behandlung di« Finanzgesetzes von 1885/86 angeboten hatte. Diese VettaWS war ein sehr eigcnihümltcher Schritt, wenn man bedenkt, M die Regierung und ihre Partei immer von ihrer Versöhnt keit gesprochen haben. DaS Folkething streckt die Hand» die Regierung antwortet:„Geht nach Hause." Der tinzf Vortbeil dieses Auftretens ist, daß man wohl künftig nicht I» viele Phrasen von der VerbandlungSlnst des Ministeriuvi Eirup und seiner Partei hören muß. Und doch find W® stcherem Verlauten in dieser Partei Elemente, die des endlose» Streites müde, gern eine UnterhandlungsdafiS finden möchten! man behauvtet, daß dies fast gelungen wäre, daß aber W fanatische Theil der Regierungsfreund: noch stark genug um die Veriaaung der Kammern zu bewirken, ehe eine u-b«' einkunft des Ministeriums zum Abgänge zwänge. Herr EM bat eS in diesen Tagen nothwendig gefunden, die eizentbu�' liche Vertagung zu motivtren, und zwar durch ViiöffentlichM einer alleruntcrtbänigstcn Vorstellung an den König, in welarl er als Konseilprästdent die Vertagung beantragte. Man flovn in dieser Vorstellung nichts Neues; man kann dasselbe jeW Tag in den R gi-rungez itunaen lesen, es ist nur eine W stellung aller Sünden deS FolkcthingS und eire wahrlB staatsmännische Motivirung der Vertagung, nämlich% Herr Estrup meint, eine Verhandlung würde dock zu nt# führen. Man sollte glauben, daß er dieses doch hätte versucht» können. DaS Foiketh ng hat in der verlaufenen Session getho«- waS vie Opposttton für die Pflicht deS FolkethingS ansah; ti¥ gegen jeden verfaffungSw drig-n Schritt de» Ministerimo» protestirt, seine eigene verfassungsmäßige Stellung behauptet# die einfache Auffassung deS Grundgesetzes festaeschlagen. Sämni� liche provisorischen Gesetze der Regierung find verworfen, daß diese fie noch als geltend betrachtet, schwächt iedenstl» nicht daS Rechtsgefühl oer Opposition. Nach der zweiten, von der R- gierung als giltig anerkannten Verwerfung b« provisorischen Finanzgesetze» von 1885 66 erließ man, onff den Reichstag aufzulösen, am 26. v. M. eine königliche Iitso' lution, wodurch das Ministerium bevollmächtigt wurde, � läufig die klusgaben deS Staates zu bestreiten. Selbst Fr.unde der Regierung räumen ein, daß dieS ein VerfaffuM' diuch ist, fie vettbeidigen ihn aber mit einer eingebildet!» „Noibrrendig'eit". ES ist die alte Rede, daß der Abgang Estrup'schen Ministeriums da» Vaterland in Gefahr fKW'J würde; kein Mensch zweifelt aber daran, daß Graf HolW Recht hatte, als er im Folkething behauptete, ein neues 3� nifierium würde im Laufe von vierundzwanzig Stunden ge»v mäßige Zustände zurückführen. Die Ablösung der königlM» Resolution durch ein neues, provisorisches Gesetz fübrt ju® Herr Estrup als Grund der Vertagung an; wie fich aber damit reimen soll, daß die Regierung früher erklärt hat, � vertage nicht den Reichstag, um provisorische Gesetze zu ctIofF| lönn en schwache Sterbliche nicht fassen. Unter diesen win!? Zuständen kann man fich deS Gedankens nicht erwehren, Verschiedenes von der Regierung vorgenommen wird, well% den Boden unter fich schwanken fühlt; und so ist eS n>o° auch; die verfassungSn idrige erste Vorlage deS Finanzgestt', für 1886/87 im LandSthing soll den hohen Herren dort geschmeckt haben. Es erregte Vizeviäfident deS FolkethingS, große Freude hier, daß dtf« .... Herr Höruv, der wegen W jeftätsbeletdigung vom Krimtnalgerichte zu seckSmonatlicher � fängnißstrafe verurtheilt worden war, von dem Höchsten � richte freigesprochen wurde, und zwar mit Erwägungen, 6«', wobl für den anklagenden ntl ftiiA fÜt wohl für den anklagenden Justizminister, al» auch für Kriminalgericht demüthtgend waren. meldet auS arrgeb� ,1t f Belgien. DaS„Mouvement G-ographique" absolut sicherer Quelle von der Bildung einer Gesellschäl- 800 Millionen Kapital für den Bau chinesischer Eif'l bahnen. Der größte Theil der Mittel werde von•i"', englischen Syndikate gestellt, welches die Lieftt�k alles festen und beweglichen Materials England Belgien vorbehalten habe. Zwei Brüsseler In genieß stehen im Begriff, zum Abschluß der letzten Verhandln"? nach China abzugehen.— Und Deutschland geht natürlich bei wieder leer auS. Man steht, daß in der deutschen JnWPS keine richtige Schneidigkett herrscht, die zum Wettbewerb# anderen Landern treibt. Grotzbrita««ien. Die K risi S nimmt einen raschen Verlauf. Die Trennu der Whig» von den bürgerlichen Liberalen und Radikalen �. in der vorigen Woche schon soweit erfolgt, daß die Tortes � Augenblick für einen Sturmangriff gekommen glaubten., K* diestm ihren Angriff hatten fie freilich kein Glück; das u antragte indirekte Mißtrauensvotum wurde vom Unterhaus»j, einer ziemlich bedeutenden Majorität zurückgewiesen. Dab' sehe«. Daß Du hier warst in Selchow und als PfWLß der inzwi'chen ganz verwaisten Baronin, das freilich ich nicht. Der Edelmuth dieser Unglücklichen muß in � heit groß sein......m Ich fand nirgends Ruhe, keine Zerstreuung � mir Vergessenheit.... meine Gedanken waren!%" Dir." Erna verbarg ihr Geficht. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Leven.(fe Alhambra-Theater. Eine Extravorstellung findet Freitag, ohne Erhöhung deS Eintrittspreises statt, und gelangt auf vielfaches Verlangen das historische Drama» � Mann mit der eisemen MaSke" mit nachfolgend« Bel'W ...______________________ R. nachfolgender zur einmaligen Aufführung. Marie d'OstanneS: Frl.* d'Aubigne: Herr Seefelv, Gaston � Verein„Berliner Presse". Die künstlerischen von fünf Bühnen bilden eine friedliche Allianz, um der M für den Unterstüyu-rgSfondS deS Vereins„Berliner v ■ i m■ SN« oie am Sonntag Mittag 12 Uhr im findet, zum Siege zu verhelfen. Frl. Klara Man« 1�' Kl Prolog.„Sympathie", daS kleine Laftspiel, wild von den Herren Kcßler und Oberländer dargestellt t»r" dem Vati de« fceirn Wellbof Herr „Zigeuner" stehen dem Pati felv— die interessante neue Theaters"— Herr Kurz Theaters"- Herr Kurz vom Wallner-Theater und Leuchtmann vom Refiden, Theater zur Seite. DaS Theater" muß freilich mit der in Auificht gestellten Ofrt fylcf Operette im Rückstände bleiben, da daS Material v«' zu spät eintraf; dafür bringt daS Walhalla-Enstw farbenprächtigen, melodienretchen ersten Akt deS«Don„ � zur Aufführung und Kapellmeister Dellinaer ritt Hamburg herbei, um fein W«rk im Opernhause»u»' ifojl« Meldungen um Billets können am Freitag, den l2i.J aueioungtn um-cnueie lonntn um(jicuuu,«,>»—„«- in den Briefkasten des Kgl. Opernhauses gelegt werv. ji" Kassenverkauf findet Sonnabend von UV» bis 1 Um 60"SÄV Äf» mW«F Ztg." gemeldet: Vor zwei Jahren kam die Theater- w wü % "d ,# % jedoch die Stellung des MinisteiiumZ Gladstone keineswegs gefichert worden— die Tones hatten sich nur in dem richti- gm Moment verrechnet: fie griffen zu früh an, und ein„Zu früh" ist wieder aut zu machen, während ein„Zu spät" die Möglichkeit des Erfolges ausschließt. Die Birne war noch nicht reif. Sie reist aber, und, wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird fie bald geschüttelt werden können. Sir Ran- dolph Churchill, der„Heißsporn" der konservativen Partei, hat dm Schlachtplan gegen das Ministerium Gladstone bereits ent- hüllt. Die Whigs und Tor es sollen fich mit denjenigen dür- gerlichen Liberalen und Radikalen, welche das britische Reich nicht zerstückeln wollen, zu einer großen„Unionsvartet" «reinigen. Da hätten wir eine ganz neue Partei- gestaliung— Ausgehen der zweihundertjährigen Gegen- mßler Whigs und TorieS in eine gemeinsame„nationale" Partei, mit einem Programm, liberal und radikal genug, um auch den bürgerlichen Liberalen und Radikalen den Zutritt zu der neuen Partei zu ermöglichen. DaS ist der Plan, deffen Gelingen von der Haltung der bürgerlichen Liberalen und Radikalen abhängt. Stehen diese fest zusammen und schaaren sie sich um die Fahne der irische Dome Rais. Politik Gladstones, so haben fie, mit den Parnelliten vereinigt, eine kleine, jedoch Mi Regieren ausreichende Majorität gegen die vereinigten Whigs und TorieS. Werden fie zusammenstehen? Das ist die Frage. Oder richtiger: es ist nicht mehr die Frage, denn in den Reihen der bürgerlich Liberalen und Radikalen hat die irische Frage schon offenen Zwiespalt hervorgerufen. Selbst so weitgehende Radikale wie Chamberlain wollen in die Bildung eines besonderen irischen Parlaments nicht willigen, obgleich fie da» Anrecht der Jrländer aus Selfgovernment(Selbstverwaltung) sonst nicht bestreiten. Chamberlain will nicht länger im Kabinet dleiben, und noch ein zweites Mitglied des Ministeriums hat für den Fall, daß Gladstone an die Verwirklichung des irischen vome Rule gehen werde, sein Ausscheiden angekündigt. Wenn solche Differenzen im Schooße de» Ministeriums auftauchen, muß man schlußfoloem, daß im GroS der Partei die näm- nchen Differenzen ovr ............. walten und zu einem Bruch führen müffen, sobald mit der Verwirklichung dcS Home Rule Ernst gemacht wird. und Ernst muß Gladstone machen; denn er ist abhängig von Parnell, und muß im Augenblick fallen, wo dieser die Hand von ihm zieht. Herr Marlcp, der neue Staatssekretär für Frland, hält die Situation deS Ministeriums auch sehr prekär. gn einer Versammlung liberaler Deleairten sagte er:„Wir stehen am Vorabend von Ereigniffen, die unsere Partei spalten werden." Und er forderte die Delegirten auf, fich für eine Parlamentsauflösung vorzubereiten.— Da die Vereinigung oer WhigS und TorieS eine vollendete Tbatsache ist und die vpaltung der bürgerlichen Liberalen und Radikalen schon be- Sonnen hat, so wird Herr Gladstone, will er fich nicht das Steuerruder entschlüpfen lassen, allerdings zu einer Auflösung des Unterhauses zu schreiten aenöthigt sein. Und dann wird England eine stürmischere Wahlbewegung erleben, alS seit den dreißiger Fahren. Neben dem Kampf um die irische «rage wird der Kampf um die soziale Frage die Leidenschaften entflammen und vorausfichtlich in einem Grade, daß jener andere Kampf verdunkelt wird. Wer Augen hat zu jrhen und Ohren zu hören, kann fich der Eckenntniß nicht vrr» Vließen, daß die beispiellose wirthschastliche KrifiS, in der England fich befindet, die englischen Arbeitermaffen mit Ele- Mentargewalt in die politische Bewegung treibt und zum sozialen Emanzipationskampf zwingt. Balkanländer.- Von dem Gebiete der Orientsragen ist die wichtigste vor- liegende Nachricht die, daß die Pforte die Ernennung des Fürsten Alexander zum Gmeralgouverneur von Ostrumelim «n Sinn« des von den Mächten genehmigten türktsch-bulgiri- schen AbkommmS bereits notifizirt hat. Damit ist die oft« rumelische Angelegenheit eigentlich de facto zum Abschlüsse gebracht. Denn ungeachtet des provisorischen Charaktert!, welcher der Genehmigung deS erwähnten Abkommens dadurch wird, daß fich die Mächte die Zustimmung zur lievifion deS ostrumelischen Statuts vorbehalten, hat man es Mit einem Definitivum zu thun. Die eventuelle Nlchtgutherßung des revidirten Statuts kann auf die Ernennung deS Fürsten Alexander zum Generalgouverneur nicht rückwirken, und obgleich diese Ernennung nur für 5 Jahre erfolgt, ist wohl auch an *lne Aenderung nach Ablauf der fünf Jahre kaum'zu denken, da nicht Fürst Alexander alS solcher, sondern der Fürst von Bulgarien zum Generalgouverneur ernannt worden, mithin nicht bloß die Ernennung deS Fürsten Alexander, sondern die vstrumeltsche Union überhaupt rückgängig gemacht werden Aüßte, wenn man eine Veränderung eintreten laffen wollte. Hatten die Möchte eine solche aber im Sinne, so würden fie W wobl vorgezogen haben, die Schaffung der Union jetzt nicht Zuzulassen, wo, wenn fie überhaupt zu verhindern wäre, dieS Achter sein würde, als nach Jahrm, während welcher fich die- Klbe eingelebt und ausgestaltet haben wird. hierher, um hier Vorstellungen zu geben. Unter den Mtg liedein defand fich auch ein sehr jungeS Mädchen von hervorragender Schönheit, Fräulein B., aus gutem, aber später ▼»»wurCuflCnucv CUjÜiilJCUp lylUUltUI UU» uuimif uvtv(puic-v perarmtem Hause in Budapest, welches als Operettmsängerin danralz zum ersten Male ibr ffltftrf nuf den weltdedeutenden ar-'�v zum uutn ihr Glück auf den weltdedeutendm ?restern versuchen wollte. Ihre Schönheit zog die Aufmerk- �Mkeit des SohneS einer in Wimer Finanzkreisen Wohlde- '.annten Persönlichkeit auf fich und die jungen Leute traten ?ald zu einander in ein näheres Verhältniß; in Kurzem sollte ftteitz die Hochzeit stattfinden, sogar da» Brauttleid war schon alS ein Schwager des jungm Herrn vor einigen Tagm 5°n Wien hier eintraf, und zwar mit dem definitiven Veto Eltern und dafür mit dem Antrag einer bedeutendm Ab- Mungssumme für Fräulein B-, welchen dieselbe jedoch auS. �lug. Die Sängerin nahm eine Phosphorlösung und. liegt Die Sängerin nahm eine Phosphorlosung und bereits als Leiche in demselben Brautkleid aufgebahrt, Seches fie auf ihrem Gang zum HochzeitSaltar zu schmücken be. Wirnt war. k, Ein Opfer de» Karnevals. Aus Tarmstadt schreibt Sj? unterm 9. März: Unser Karneval hat ein furchtbares yvstr gefordert. Schon gestern Nachmittag erregte ein Bär, mit einem Bärenführer und einem G-ldeinsammler durch �Straßen tanzte, ein heiteres Aufsehen. In der MaSke ■'' Bären stak ein Arbeiter Namens Amend. Derselbe pro- k. Bären stak ein Arbeiter Namens Amend. Derselbe pro- Utte fich am Abend nach 10 Uhr in seinem Kostüm in einer �whschaft. AlS er fich dabei zum Tanz einm Stock ins sft.- v'«arr. A,g er nw vaor. zu».»wu» »-nick klemmen wollte, kam er mit der rechten Hand der Gas Zyme ,u nah, der»ermel fing Feuer, und als er mit der Hand jum Löschen zuschlug, flammte .........- auch der linke j)a wollte der Unglückliche daS Kostüm auf der NiUdst seine Freunde ließen ihn im Stich. Nur ein ein- k&.-LaaMm? särga fc ki%'S«ufffeSR'wffiS"«» ml! ÄÄÄ Ä■ Ä!«&!& in„p in' unpassen d er� Scherz. Die Gattin eweS Fabrikanten GriwB-nhn,* w Nil-n. erbst Hm*. wvendoif"bet'Wien.' erhielt Dtenstag Abend ein Tele- Parlamentarisches. Die Ardeiterschutz-Kommission begann gestern die Berathung der Anträge über die Frauenarbeit, und zwar wrrrden zunächst folgende Anträge diSkutiit: Antrag Auer: Wöchnerinnen dürfen vor und nach der Riede. kunst, im Ganzen 8 Wochen, in Fabriken nicht beschäftigt werden. Der Wiedereintritt in die Arbeit ist an den AuSweiS geknüpft, daß seit der Niederkunft wenigstens 6 Wochen verflossen find. Diese Frist kann durch ärztliches Zeugniß abgekürzt werden. Kündigung oder Entlassung auS der Arbeit ist während dieser Zeit nicht zuläfig. Der Antrag Lieber unterscheidet fich von dem Antrag Auer nur dadurch, daß er eine Abkürzung der Frist nicht zulaßt. Der Antrag Haibm schlägt nur eine Schon- zeit von vier Wochen nach der Niederkunft vor. Die Abgg. Hitze, Letocha und Graf Galen(Zentrum) halten eine Scho- nuna von sechs Wochen nach der Niederkunft im Anschluß an die Bestimmungen der katholischen Kirche für wün'chenSwerth und eine Entlassung vor der Niederkunft, namentlich für die Arbeiterinnen in Bergwerken, nöthig. Die Abgg. Baumbach und Schneider(d.s.) und von Oertzen(Reichspartei) bestreiten, daß die bisherige Frist von drei Wochen durch die Erfahrung als ungenügend nachgewiesen sei. Geh. Rath Lohmann macht darauf aufmerksam, daß auch daS Krankenkaffengesetz eine Unter- stützung nur für drei Wochen gewahrt. Die bisherigen Er- fahrungen seien nicht ausreichend zu einer Abänderung. Abg. Haarmann(nat.) weist darauf hin, daß bei Annahme deS An« tragS Auer auf ärztliches Zeugniß die Schonung auf weniger als drei Wochen festgesetzt werden könne. Abg. Hitze beruft fich für die Nothwendigkeit der Verlängerung der Frist auf Band 18, Hest 1 der Deutschen Vierteljahresschrift für öffent- liche Gesundheitspflege und den darin enthaltenen Bericht des schweizerischen Fabrikinspektors, sowie Urtheile ärztlicher Auto- ritäten. Abg. Halben(d.f.) hält vier Wochen als Regel, sechs Wochen als Ausnahme genügend. Abg. Auer(Soz.) läßt den Theil seines Antrages fallen, der fich auf Schonung vor der Niederkunft bezieht. Abg. Cepieliki(Pole) befürwortet, eine Abkürzung der sechswöchigen Frist auf eine vierwöchentliche durch ärztliches Zeugniß zuzulassen. Abg. Halben verzichtet für die erste Lesung auf die Schonung vor der Niederkunft. Die bisher gewährte Schonung von drei Wochen nach der Nieder- kunft halt er nicht für genügend: über vier Wochen hinaus- zugehen, sei im materiellen Interesse der Arbeiterinnen unthun- lich. Dadurch würde auch die eventuelle Ausdehnung der Frist im Krankenkaffengesetz allzusehr erschwert. Die Weiterderathung wird vertagt. — DaS dem Reichstage zugegangene Gesetz, betreffend die Erhebung einer SchrfffahrtSabgabe auf der Unterweser, lautet:§ 1. Falls die freie Hansestadt Bremen eine Korrettion der Weser in der Strecke von Bremen bis Bremerhaven ausführt, welche Schiffen bis zu 5 Reter Tiefgang die Fahrt auf dieser Flußstrecke ermöglicht, so kann dieselbe von den Ladungen der die korrigirte Waffer- straße benutzenden auS See nach Bremischen Hafen oberhalb Bremerhavens oder von denselben nach See gehenden Schiffe, welche einen Raumgehalt von mindestens 300 Kubikmetern haben, eine Abgabe nach Maßgabe der für künstliche Waffer« straßen im Art. 54 Abs. 4 der Reichsoerfassung getroffenen Be- stimmungen erheben.§ 2. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt, von welchem an die Abgabe erhoben werden darf. Die„Begründung" führt u. A. aus, daß aus den einschlagen- den Bestimmungen der Reichsverfaffung begründete Einwen- düngen gegen die Zulaffung einer Abgabenerbebung im vor- liegenden Falle nicht herzuleiten sein. Die Reichsverfaffung hat verhindern wollen, daß die natürlichen Waffelstraßen jemals zum Gegenstande fiskalischer Ausdeutung gemacht würden, und fie hat daher auch einen auf dem Abaadenwege zu erlangenden Ersatz für die Kosten der gewöhnlichen Unterhaltung solcher von der Natur geschaffener Verkehrswege ausgeschlossen. Daß sie aber nicht prinzipiell jede Abgabenerhebung vom Wassertransport hat verbieten wollen, zeig; der zweite Satz des Artikels 54 Absatz 4, welcher von den künstlichen Wasserstraßen handelt und weicher in Betreff dieser die Aufdringung der Herstellungs- und Unterhaltungskosten vermittelst einer Abgabenerhebung ge- stattet. Der leitend« Gedanke ist augenscheinlich der gewesen, daß für die bloße Nachhilfe, welche erforderlich ist, um die natürlichen Wafferläufe in fahrbarem Zustande zu erhatten, der Verkehr nicht belastet werden sollte, daß dagegen da, wo durch Anwendung künstlicher Mittel eine Fahrbahn erst ge- schaffen wird, die Deckung der alsdann in der Regel aufge« wandten außerordentlichen Kosten durch eine Benutzungsgebühr innerhalb gewisser Grenzen berechtigt sei. Unter diesem letzteren GestchtSpuntte wird das Projekt der Weservettiefung zu subsumiren sein, da zwar nicht eine durchgängig neue, aber doch an Stelle einer höchst mangelhaften, steter Verschlechterung ausgesetzten und nur in beschranktem Maße brauchbaren, eine allen Anforderungen entsprechende, die erheblichsten, jur Zeit ... PA, j: nicht vorhandenen Verkehrserleichterungen bietende Wasserstraße treten soll, welche für die Praxis als eine ständige Schöpfung anzusehen ist neue und selbst- und welche auch wegen des verheirathet ist, erschrak über den Inhalt deS Telegramms der- art, daß fie sofort in Ohnmacht fiel und später— unter Krämpfen— von einem Blutsturze befallen wurde. Der Gatte der jungen Frau eilte noch in derselben Nacht besorgtzu seinem Schwiegervater und erfuhr dort, daß fich derselbe ganz wohl- behalten im Kostüm eines Bauern auf einem Kostümkränzchen befinde, und daß das Telegramm mit der ominösen Mitthei« lung vom„witzigen" Neffen der Frau Widerer ausgegeben sei, damit diese ihren Vater im Kostüme sehen solle. Die be- dauemswerth« junge Frau liegt jetzt schwer krank darnieder und ist von den Setzten bereits aufgegeben worden. Verhafteter Brandstifter. Au» Deutsch-Umbrach(Elsaß) wird gemeldet: Vor etwa 10 Jahren war eine ganze Reihe einzelfithender Bauernhöfe in Flammen aufgegangen, ohne daß eS gelungen wäre, dem Brandstifter auf die Spur zu kommen. Damals war ein Waisenknabe bei einem Bauern untergebracht worden, bei dem er bi» zu seinem 17. Lebensjahre alle vorkommenden Arbeiten verrichten half. Dann verließ er seinen Pflegevater, ging unter die Fremdenlegion und kam mit dieser nach Tongtmg. Hier nun hat er seinen Waffengefährten in prahlerischer Weise erzählt, in welcher Weise er vie Bauern seine» HeimathSdorfeS durch Aufpflanzung des rotheS Hahnes in Verzweiflung gebracht habe. Diese Erzählungen wurden der Behörde hinterbracht und auf deren Veranlassung de» Brand- ftister ausgeliefert- Eine versuchte Entführung. Au« Rom wird geschrieben: Eine geheimnißvolle Entführungsaeschtchte macht hier unge- heures Aufsehen. Vor zwanzig Jahren nahm ein armer Land- mann auS der Romagna ein Mädchen aus der Findelanstalt, Namens Glulietta, an KindeSstatt an. DaS Kind wuchs heran und gatt in Vicooaro, dem Heimathsorte des Landmannes, als daS schönste Mädchen der Kampagna. Natürlich fehlte eS dem Mädchen nicht an Bewerbern; die römischen Aristokraten verweilten oft wochenlang in dem armseligen Dörfchen Äicovaro der schönen Giulietta halber, aber alleS vergebens, keiner der jungen Dandies konnte fich auch nur des kleinsten Gunstbe- weises deS Mädchens rühmen. Da, Ende Januar dieses JahreS, lief bei dem Bürgermeister deS Fleckchens die Nachricht ein, daß fich bei der Direktion der Findelanstalt der Vater und die Mutter des KindeS, welches seinerzeit dem Bauer Palombaro übergeben worden ist, gemeldet hätten, und daß der Vater. Kommendatore Girardo, daS Mädchen zu fich inS HauS »u nehmen wünsche. Wenige Tage darauf erschien euch schon der Kommendatore beim Adoptivater GiultettaS und nahm trotz dem Weinen und Sträuben des aufzuwendenden Kostenbetrages und deS UmfangeS der Ar- beiten einer künstlichen Wasserstraße gleich zu achten ist. ES dürste daher dem Geiste der Reichsverfaffung durchaus ent« sprechen, wenn das für die künstlichen Wasserstraßen gewährte Abgaberecht auf die korrigirte Unterweser angewandt und Bremen im Wege deS Spezialgesetzes ermächtigt wird, für den Fall der Ausführung des KorrettionSprojektes auf seine Kosten eine Abgabe für die Befahrung deS Stromes nach Maßgabe der für die Auslegung solcher Abgaben in dem Artikel 54 der Reichsverfaffung aufgestellten Grundsätze zu erheben. soziales und ArveiterbeWegung� Ttschlerftreik in Lübeck. An die Tischler Deurschlanvs ergeht folgender Aufruf: Kollegen l Die Tischlergekcllen Lübecks stehen mit den Zünslern auf dem Kriegsfüße. Tischlermeister Timm stellte seine Arbeiter vor die Alternatiae, enteder aus dem Fachverein auszutreten, oder die Werkstätte sofort zu ver« lassen. Dem letzteren folgeleistend, legten alle 8 Mann die Arbeit nieder. Wir wollen keine pekuniären Vortheile, nur daS Recht der freien DenkungSart wollen wir uns flchern. Man mag uns verleumden und verhöhnen, wie wir es alle Tage erleben, aber wenn man sagt: Arbeiter, du darfst daS oder jeneS�nicht denken, dann halten wir es für unsere Pflicht, derartige Bevormundungen energisch zurückzuweisen. Arbeiter handelt. Echt die Listen ibr seht um was es fich handelt. Seht die Listen ftüherer Streiks nach, die beweist n wer wir find. 5 Wochen konnten wir die Kosten für die Streikenden zahlen, jetzt find unsere Mittel erschöpft, wir find gezwungen an Eure Hilfe zu appelliren. Arbeiter, zeigen wir, daß daS Solidaritätsaefübl stärker ist als der reaktionäre Zunstzopf. Mit Gruß: Die Tischler Lübeck?. Freiwillige Beiträge zur Unterstützung der Streikenden sende man anZ den Vereinkasstrer Wichmann. An der Mauer 62, Briefe an Kretzschmann. Weberstr. 12 in Lübeck. Auch ein Zugeständniß. Die Herren Untemehmer lieben es oft, die Ardeiterftage überhaupt zu leugnen. Um so interessanter ist eine Acußerung des„Zentrabl. f. v. Text.. Ind.", eineS Fabrikantenorgans sans phrase, die eS bei der Be- sprechung deS Schmölke'schen Buche»:„Das Wohnhaus des Arbeiters" macht. ES heißt da:„Wer kennt nicht dir elenden Wohnungen und Häuser(wie oft verdienen fie kaum diesen Namen), in denen der oft mit einer zahlreichen Familie woh« nende Arbeiter seinen Aufenthalt hat. Krankheit ist häufig ein ständiger Gast hei diesen Leuten."— Bravo, bravissimo! Ja, die Wohnungsverhältnisse der Proletarier find erbärmlich, find kulturwidrig, find menschenunwürdig; jetzt haben wir eS schwarz auf weiß, sogar in einem Moniteur der Textildarone. Freilich in der verborgenen„Literatur". Ecke nur, aber wir werden nie- malS versäumen, auch solche im Irrgarten deS Kapitalismus bescheiden blühende Veilchen zu pflücken, damit„diese Leute" fie als Trumpf gegen die AbleuanungSversuche der Bourgeoiste zur richtigen Zeil ausspielen können. Nur weiter so im Text! Der Niedergang de» Kleingewerbe» vollzieht fich rasch. Allüberall da, wo fich die G.oßindustrie irgend eineS beliebigen Gewerbzweiges bemächtigt. bleibt kein weiterer Raum mehr für den Kleinbetrieb. Die Maschinen machen die Arbeitskräfte überflüsfig, die mechanische Kraft verdrängt die Kraft der Menschenhände. So hört man aus dem Kreise Erkelenz im Rheinlande, daß dort die Zahl der Webstühle von 1200 auf 200 herabgesunken ist. Die arbeitslos gewordenen Weber aber müffen in diesem Winter mit Gememdearbeiten beschäftigt werden, um den Hunger fern zu halten. Die Noch ist groß in allm dortigen Arbeiterfamilien. Die Trikotfabrikatio« ist wohl derjenige Zweig der Textilbranche, der in den letzten Jahren in Deutschland den größten Ausschwung genommen hat. Die Zahl der Fabriken hat fich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und gleichen Schritt in der Ausdehnung hat die Hausindustrie gehalten. Ader auch in dieser Industrie macht fich, wie daS bekannte Unternehmerorgan, das„Zentral- Blatt f. d. Text.. Ind.", mit- thetlt, daS Uedel der Ueberproduttion geltend.„Absatz, heißt es da. ist für den Artikel zwar genügend vorhanden, fast jede Fabrik arbeitet heute noch mit Ueberstunden, aber die Preise find außerordentlich gedrückt und lassen nur wenig Ver- dünst." Welch charakteristisches Zugeständniß, daß die Arbeiter Ueberstunden mechen müssen, das beißt, daß eine kleinere An- zahl Ärbeitskräst« ein übergroßes Ardeitkquantum leisten muß, während Tausende von Arbeitslosen auf den Landstraßen „walzen"; würden diese in den Fabriken eingestellt, dann wäre keine Ueberarbeit nöthig, dann würde eine normalere Arbeits« zeit herrschen. Die Harmonieduseler schwätzen so viel von der freien Vereinbarung, vermittelst derer die Kapstaltstenllasse den Arbeitstag regeln könne. Wie die Unternehmer ohne gesetzlich!» Zwang diese /.Regelung" auffassen, daS beweisen die Ueber- stunden in der Trikotagenfabrikation. Wie noth thut ein gesetz- ticher MaximalardeitStag! Der Sieg der Dampfer i« uns erst vor kurzem auf Grund worden. Unser Nachweis findet eine weitere Bestätigung durch den Bremer Handelskammerbericht, in dem eS heißt:„DaS auf Mädchens dasselbe mit fich nach Rom in sein PalaiS. Allein plötzlich in der Nacht noch zwei Tagen erschien Giulietta in zerrissenen Kleidern mit unbekleideten Füßen in dem Dörfchen und erzählte ihren erstaunten Pflegeeltern, daß ihr angeblicher Vater in der Nacht einen Angriff auf ihre Ehre unternommen bade. Mit Mühe habe fie fich seiner erwehrt und sei durch daS Fenster geflohen. Die Geschichte brachte daS ganze Dörfchen in Aufregung und entrüstet schwuren die Landleute. Giulietta vor den Angriffen de» falschen VaterS zu beschützen. Und wirk- lich erschienen auch schon am Morgen des nächsten TageS zwei Abgesandte der römischen Polizei rn Vicooaro und verlangten energisch daS Mädchen für den Kommendatore. Allein bei der drohenden Haltung der Landleute mußten die Polizisten von ihrem Vorhaben ablaffen. Die Staatsanwaltschaft, vom Pflege« vater GiultettaS verständigt, verhaftete den Kommendatore Gi- rardo und nach längerem Leugnen gestand derselbe, daß er, be- zaubert von den Reizen Giuliettas, fich den Plan auSgesonnen habe, alS ihr Vater aufzutreten und eine in Rom allbekannte Gelegen hertSmacherin fungirte dabei alS angebliche Mutter. Die Affaire macht, wie schon gesagt, ungeheure Sensation, umsomehr, als Kommendatore Girardo seit längerer Zeit ver- lobt ist. Verwendung von Buchenholz zu Bauzwecken. Neuer« dings angestellte Nachforschungen haben ergeben, daß in früheren Zeiten vielfach Buchenbolz zu Bauzwecken oerwendet worden ist. Eo soll z. B. im 17. Jahrhundert ein ganzes durch FeuerS- brunst zerstörtes Dorf in Thüringen aus Buchenholz wieder aufgebaut worden sein. ElwaS Sicheres hat fich zwar ttotz aller Bemühungen nicht feststellen lassen; eS spricht indeß Manches dafür, daß der betreffende Ort mit rem Dorfe Lenterode im Eichsfeld identisch ist, in welchem fich eine Anzahl angeblich nach dem 30jährigen Kriege aus Buchenholz erbauter Häuser vorfindet. Näheres hierüber enthält ein sehr eingehender Auf- satz des Obersörsters Klauprecht zu Worbis, betitelt:„Ersah. rungen über die natürliche Verwendbarkeit der Buche zu Bau- zwecken", in welchem mebr alS 30 Ortschaften mit vielen auS Buchenholz bestehenden Gebäuden namhaft gemacht werden. BeachtenSwerth ist ferner die Mittheilun, eineS ZtmmermeisterS in Gumpelstadt bei Salzungen, daß er früher in OepferShausen in einem Hause gewohnt habe, dessen ganzer Dachstuhl auS Buchenholz bestehe. � Der Genannte will bei Niederlegung ganz alter Häuser vielfach die Wahrnehmung gemacht haben, daß ein großer Theil der Träger und Pfetten aus Buchenholz be- standen habe. den meisten Gebieten d«S heutigen Erwerbslebens beobachtete Mißveihältniß zwischen Angebot der Nachtrage hat stch im ver- flossenen Jahr in hervorragendem Maße auch in der See- chifffahrt geltend gemacht, tritt doch hier alS daS Angebot von EchiffSräumten steigernder Faktor hinzu, daß die Entmidie« lung immer mehr auf den Uebergang von der Segel- zur DampfschiffSrhederei hinweist." Die maschinelle Technik, die gehorsame Magd deS allmäcbtigen Großkapitals, fegt allmälig den Kleinbetrieb und daS Segel aus der Rhederel mit eisernem Besen fort. Und daß von Rechts wegen. Ueber die Wirkung des«euen Echutzzolltarif« äußert stch die Lübecker Handelskammer folgendermaßen:„Die Fracht» Verhältnisse liegen im Jahre 1885 für die EchiffSrhedereien sehr ungünstig..... Tie höheren Getreide» und Holzzille wirkten... nachtheilig auf den Stand der Frachten. Mit dem Eintritt der Erhöhung der Holzzölle fielen die Frachten hier sofort ungefähr 20 pCt. und haben fich seitdem nicht wieder erholt." Und der versprochene„wirthschastltche Aufschwung"!!? Siegreicher Streik. In den drei bedeutendsten Kohlen« gruben von Monmouthshire haben die Bergleute, wie aus Liverpool gemeldet wird, die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem die Gmbenbefitzer die angekündigte Lohnreduktion von 5 Prozent wieder zurückgezogen haben. Die Grubenbefitzer wurden zum Nachgeben gezwungen, weil fich Mangel an Ar- bcitskräften sehr fühlbar machte. Nach Bekanntgeben deS Ent» schluffeS wurde sofort eine Versammlung einberufen und die Resolution angenommen, die Arbeit zu den alten Sätzen wieder zu beginnen. Durch die Wiederaufnahme ist ca. 3000 Arbeitern dauernder Verdienst auf lange Zeit gefichert. Die Eeideuautfuhr aus Italien belief stch im Jahre 1884 auf einen Werth nach Frankreich.. von 162000000 Lire „ Schweiz...„ 66 866 000„ „ Deutschland„ 48000000„ „ England...„ 6 000 000„ Der Export nach Deutschland hat fich um 28000 000 Lire gegen daS Jahr 1883 geHoden. Ruffische». Die Gesellschaft für Hebung deS rusfischen Handels und der rusfi'chen Industrie will fich bei der zaari- schen Regierung dahin verwenden, daß eS in Zukunft ausländischen Fabnkantm nicht gestattet sei, mehr als ein Viertel ausländischer Unterthanen unter ihrem Arbeitspersonal zu haben; drei Viertel der Arbeiter und der Direktor der Fabrik sollen unbedingt rusfisch« Unterthanen sein.„Haust Du meinen Rüsten, so hau' ich Deinen Deutschen", die PolenauS» Weisungen Preuß-nS erzeugen natürlich Gegenmaßregeln. Wie henlich weit in Nationalitatenhatz und Chauvinismus hat es doch unser erleuchtetes Jahrhundert gebracht! Uereine und Versammlungen. Der Verband der Möbelpolire? Berlin» und Umgegend hielt am Montag seine regelmäßige Versammlung bei Seeger, Grüner Weg 29, ab. Der Vorfitzende ei öffnete die Versamm- lung mit dem Bemerken, daß der Herr ReichStagSabgeorvnete Frohme als Referent über das Arbeiterschutzgesetz noch nicht erschienen sei und somit der erste Punkt der Tagesordnung übergangen werden müsse. Zum zweiten Punkt der TageS- ordnung erklärte der Vorfitzende, daß in der letzten Verbands- Versammlung am 22. v. M. ein Antrag angenommen worden ist, Grund dessen die Fachkommisston aufgefordert wurde, eine Lohnstatistik zu veranlaffen. Der Vorfitzende der Fachkommisfion verlai hierauf zwei von der Kommisfion auSaearbeitete Frage« bogen, von denen der eine allgemeine Fragen enthielt, wahrend der andere sämmtliche Epezialardeiten aufführte. Herr Reuter legt« klar, wie nothwendig die Lohnstatistik sei und eines Lohntarifs leichter gemacht werde, beschloß die Versamm« lung demgemäß und beauftragte die Fachkommisfion, den Fragebogen baldigst drucken und zur Versendung gelangen zu lasten. Hierauf km lasten. Hierauf kam eine in der Möbelfabrik deS Herrn Kom- merzienrath Pfaff. Engel Ufer 1c, demnächst bevorstehende Maßregelung von 13 Kollegen zur Sprache. Der Sachverhalt, welchen mehrere Polirer dieser Fabrik erklärten, ist folgender: In genannter Fabrik, wo zm Zeit 33 Möbelpolirer arbeiten, ist schon zu wiederholten Malen versucht worden, die Polirer zu veranlaffen, Uederstunden zu machen und des Sonntags zu arbeiten. Die Kollegen deS Hrrrn Schubert(Polirermeister in dieser Fabrik) weigerten stch stets standhaft, darauf einzu« gehen, mit dem Hinweis, daß noch mehrere Polirer eingestellt werden könnten und somit einige Arbeitslose von der Straße weg kämen. Der Obermeister behauptet, eS sei kein Platz vorhanden, um noch mehr Arbeiter ein« zustellen. Am 26. v. M. erklärte der Polirermeister Herr Schubert seinen Gehilfen:„Ihr müßt heute eine Stunde länger und auch am Sonntag arbeiten, der Obermeister ver» langt eS." AlS die Arbeiter fich weigerten, erklärte der Meister:„Dann seid Ihr entlassen." Einmütbig packten die Arbeiter ihre Sachen ein und besprachm fich alle zusammen, nur dann wieder anzufangen, wenn die Arbeitszeit wie bisher bestehen bleibt. Unlerdessen hatte man fich aber im„Komtotr" besonnen, daß die 13 Kollegen auch ihre Unterschrift in Betteff der Kündigung verweigert hatten. Um nicht in die Lage ver« setzt zu werden, Jeden für 14 Tage Lohn zahlen zu müssen, legte fich der Herr Obermeister auf's Parlamentiren und ließ die Arbeiter durch den Meister Schubert bitten, doch noch ein« mal nach der Warkstatt zu kommen, waS auch geschah. Hier sagt« der Obermeister:„Meine Herren, thun Sie mir den Gefallen und arbeiten Sie eine Stunde länger und auch am Sonntag, die Arbeit muß fertig und der Herr Rath wünscht immer am 1. jeden Monats die Abrechnung." Man erwiderte:„Wir haben uns gegenseitig verpflichtet, unserm Programm treu zu bleiben und gehen davon nicht ab, denn als die Fraiser vor Weihnachten allabendlich eine Ueberstunde machen mußten, verlang« man nach Weih- nachten, daß dieselben jetzt für denselben Lohn überhaupt eine Stunde länger arbeiten sollen, waS nur durch deren Zu- sammenhalten geschettert ist und so würde eS jetzt auch dm Poiirem ergehen; dann kommm die Drechsler, Bildhauer und zuletzt die Tischler an die Reihe." Mit dm Worten:„Nun, wenn Sie nicht wollen, kann ich Sie nicht zwtngm," verließ der Obermeister die Werkstatt. Der Meister sagte dann, daß die Kollegen wieder weiter arbeiten sollten, was dieselbm auch thaten. Jedoch der hinkende Bote kam nach. Am 6. d. M. kündigte Herr Schubert seinen 13 Gehilfen mit der Motivirung: „Sie leisten nicht mehr genug." Die Arbeiter hatten fich aber schon vorher mit dm Poltrern der andern beiden Werkstätten in derselben Fabrik dahin verständigt, daß fich diese im Falle einer Maßregelung der Kollegen, die für eine geregelte Arbeitszeit eingetreten find, sofort mit den Gemaßregetten solrvarisch erklären würden. waS durch Unterschrift und Handschlag bekräfttgt wurde. Diese Angelegmbeit wurde nun von Kollegen der Kommerzien« rath Pfaff' schm Möbelfabrik zur Sprache gebracht und von den in der Versammlung anwesenden zirka 20 Polirern dieser Fabrik erklärten fich alle mit Ausnahme eines Herrn Streit, welcher in der Kündigung der 13 Kollegen keine Maßregelung sah, einverstanden damit, falls die Polirer deS Henn Schüben am 20. d. M. wirklich entlassen werden sollten, auch sofort die Arbett niederzulegm. Der Vorfitzende Herr Weber stagte den Meister Henn Schubert, ob er vielleicht von oben einm kleinen Wink mit dem Zaunpsahl erhalten habe, oder ob seine Ge- Hilfen in Wirklichkett nicht mehr soviel leistm wie früher, wo- rauf der Gefragte frei und offen erwiderte:„Meine Gehtlfm leisten nach wie vor dasselbe wie früher, ich habe nichts an dm- selben auszusetzen und(auf eine offene Frage gehört eine edmso offene Antwort) ja, ich habe von obm einen Wink e? halten und zwar von dem Herrn Obermeister." Die Herren Reuter, Kurth, Brokmann, Gräbert, Beerenkamm und Andere krttistrten mit scharfen Worten das Verfahren deS Obermeisters und dezeichneten daS Vorgehen gegen Kollegen, die für Pünltlichkett und Ordnung eintreten, für inhuman. Herr Weber machte den Vorschlag, daß fich die Fachkommisfion per einge- schriebenen Brief, unter Darlegung de« Sachverhalts, an Herrn Kommerzienrath Pfaff wenden solle und falls eine Remedur, d. h. Zurücknahme der Kündigung nicht eintritt, im Laufe der nächsten Woche eine Versammlung sämmtltcher in genannter Fabrik beschäftigten Arbeiter alS Tischler, Polirer, Drechsler, Bildhauer, Fraiser u. s. w. einzuberufen, um zu sehen, od fich die verwandtm BerufSgmoffen solidarisch erklären. Der Vor- schlag wurde einstimmig angenommen. Nachdem noch Herr Frohmann die Kollegen, welche BilletS vom Maskenball haben, aufgefordert hatte, baldigst abzurechnen, schloß der Vorfitzende mit dem Bemerken, daß am 14. d. M. die General-Versamm- lung der Krankenkasse in demselben Lokale, daß ferner die nächsten Verbandsversammlungen am 22. d. M. Köpnicker- straße 150 und am 29. d. M. Linienstr. 44, und die General- Versammlung am 5. April Grüner Weg 29 stattfinden, die von ca. 200 Personen desuchte Versammlung. Der Fachverei« der Tischler hielt am Montag, den 3. März, eine öffentliche Mitgliederversammlung in Jordan'S Salon, Neue Grünstr. 28, ad. In derselben referirte Herr Dr. Gerlach über„Ardeiter-Hygiene". In klarer, ausführlicher Weise schilderte derselbe die Ui fachen der verschiedenen, bei den Arbeitem am häufigsten vorkommenden Krankheiten, sowie die kurze Lebensdauer der meisten Arbeiter. Er führte sodann der englischen Statistik entnommene Zahlen über die Lebens« dauer der dortigen Stände an. Nach denselben erreichten die Arbeiter eine LebenSdurchschnittSdauer von 22 Jahren, während die besser fituirten Stände eine solche von 44 Jahren erreichten. Der Referent detailirte sadann die Ursachen der Schwindsucht. sowie der Augen« und anderer Arbeiterkrankheiten. Viele Krankheiten entnänven durch daS Einwirken von Staubthetlen und durch die Gistlofigkeit der zu verarbeitenden Stoffe, sowie durch die Einwirkung der bei verschiedenen Arbetten nvthwen» digen Körperhaltung deS Arbeiters auf die Athmung». und Sehorgane rc. Als ein Hauptüdel bezeichnete Redner die durch daS Zusammenpressen einer großen Anzahl Arbeiter in enge, ungenügend veniiltrte Arbeitsräume entstehende schlechte Luft. Um nun diese Mißstände, die so verheerende Krankhetten und eine allgemeine Entkrästung der Ardeiter herbeiführen, zu beseitigen, sei eS Pflicht der Regierung, eine Arbeitcrschutzgesetz- gebung zur Wahrhett werden zu lasten, da der Arbeiter gegen die llebermacht deS Kapitals, daS mit eiserner Hand jeden Nothschrei der unteren Volksschichten niederdrücke, auf dem Wege der„freien Selbsthilfe" nichts er- reichen kann. Der Referent ging dann weiter auf die jammervollm Gesundheitszustände der arbeitenden Frauen und Kinder über, deren Ursachen nur zu nennen schon bei jedem ehrlich denkenden Menschen Entrüstung hervorrufen müsse. Die Frau gehöre, um eine gesunde Generation zu er- ziehen, inS Haus, in die Familie, und nicht am Tage— und waS sogar oft vorkomme— selbst NachtS in die Faorikräume. Der jetzige Zustand wirke demoralifirend auf Frau und Kinder, welche einem frühen Siechthum überliefert werden. Wenn, wie von verschiedenen Seiten und sogar von Volksvertretern angeführt wurde, dieser oder jener Industriezweig ohne Frauen- und Kinderarbett nicht bestehen könne, so wäre eS. vom htzgienischen sowohl wie vom allgemeinen menschlichen Stand- punkte betrachtet, ein Segen für die Menschheit, wenn ein solcher Industriezweig verschwindet. Selbst die Sonntagsruhe, eine Forderung der Humanität und der Menschlichkeit, würde den arbeitenden Klassen durch die Willkür deS Kapitals geraubt. Redner wünschte in dieser Beziehung, daß die Ausführungen deS DivifionSpfarrerS Rocholl über die Sonntagsruhe(dieselben find kürzlich im„Berliner VolkSblatt" veröffentlicht wor- den) von der Regierung und der Volksvertretung be« herzigt würden. Stürmischer Beifrll lohnte den Referenten für seinen interessanten und lehrreichen Vortrag. Nach kurzer DtSkusfion beantwortete der Vortragende die vielen von Zu» Hörern gestellten, auf den Vortrag bezüglichen Fragen.— Der diesjährige vom Verein arrangirte Wiener Maskenball findet am nächsten Sonnabend, den 13. März, in der„Berliner Ressource", Kommandantenstr. 57, statt. An der Kasse, sowie überhaupt im Lokale werden keine BilletS ausgegeben: nur diejenigm haben Zutritt, welche fich vorher BilletS gelöst haben. BilletS find nur noch bis Freitag Abend zu haben bei den VrreinSmitgliedern Böhm, Johanniterstr 10. Hof 3 Tr.; Fest, Hollmannstr. 1»; Gruenwaldi, Prinzenstr. 6, 4Tr. bei Krause; Thumann, Naunynstr. 77, 3Tr.; R'Ska, Wienerstr. 42, 1 Tr.; Thierbach, Neue Königstr. 72, Hof 3 Tr.; Witte, Invaliden« straße 21, 2 Tr., sowie AbendS bei den ArdeitSvermittlem, Blumenstr. 56(Tischlei Herberge). Die nächste VeieinSversamm- lung im Osten Berlins findet am Montag, den 15. d. M., in Saeger'S Lokal, Grüner Weg 29, statt. bk». I« der Werkstatt-DelegirteN'Verfammlung der Drechsler und verwandte« BernfSgenosse«, welche am Dienstag, den 9. d. MtS., Abends, in den Gratweil'schen Bier- hallen unter Leitung des Herrn Sündermann stattfand, leitete der Vorfitzende die Diskusston mit einer eingehenden Erläute- rung deS Programms der diesjährigen Lohnbewegung ein. Um dasselbe voll und ganz zur Durchführung bringen zu kön- nen, sei eS durchaus nothwendig, Äkkord-Minimal>Lobntarife für jede einzelne Branche auszuarbeiten. Da« leitende Prinzip der bevorstehenden Lohnbewegung müsse sein, durch ange« messen« Regelung und Begrenzung der Arbeitt zett, sowie durch allgemeine Durchführung eineS dementsprechcnden Akkordlohn- tarifS auch dem sogmannten„schwachm" Arbeiter— d.h. dem von den Meistern und Fabrikanten so bezeichneten, minder gewandten, langsamer Arbeitenden— eine auskömmliche, menschenwürdige Existmz zu verschaffen. Unbekümmert um daS Zetergeschrei der Meister und Fabrikanten habe man die Rechte der Arbeit zu vertretm und nur durch Energie und Besonnenhett werde man zum Ziele gelangen. Nach einer leb- hastm, dem Referenten durchweg zustimmenden Diskussion wurdm folgende Anträge angmommm, dezw. begutachtet, um der nächstm Generalversammlung der Drechsler und Berufs« genoffm zur mdgittigm Beschlußfassung unterbreitet zu werden. Dieselbm lauten:„1. Die heutige Delegirtm-Versammlung rc. stellt zur nächsten Generaloersammlung folgenden Antrag: Erstens, den ersten Punkt unseres Programms wie folgt zu ändern:„Forderung einer begrenzten täglichen Arbeitszeit von höchstens 9 Stunden(bis zu 10 Stunden); zweitens. den zweiten Punkt unsere» Programm« dahin zu ändern:„Forde- rung eine? wöchentlichen ArbettSverdiensteS für den„söge- nanntm schwachm Arbeiter", bei obiger Arbeitszeit, im Betrage von 21, anstatt wie bisher 18 M. 2 Die heutige Delegitten- versammluna erklärt fich mit der Ausarbeitung der Alkotd» Minimal-Lohntarife für sämmtliche Branchen einverflandm und beschließt demgemäß auf die Tagesordnung der nächstm Werkstatt-Delegirten-Versammlung zu setzm: Wahl einer Tarif- Kommisfion für jede einzelne Branche, dehufS AuSarbettung der genannten Lohntattfe.— Beim Punkt„Verschiedenes" zahlreichen Anschluß der GewerkSgenossen an den Fachoerein sämmtlicher im DrechSlergewerk beschäfttgten Gewerksgenossm zu agttiren, und knüpfte hieran die Mittheilung, daß die Versammlung deS Fachoerein» am Montag, den 15. d. M., bei Gratwefl, Kommandantenstraße 77—79, im unteren Saale statt« findet. Dimstag Abmd bei Gratweil. Die DiSkusston über Gewerk- schaftSangelegmhetten leitete Herr Darge durch ein Referat über die neuesten Verhältnisse der Zimmerlmte in Hamburg und Umgegend ein. Hiemach hat fich in dm dortigen Lohn- Verhältnissen deS GewerkS, nachdem daselbst schon seit Jahren ein Stundenlohn von 50 Pf. errungen und aufrecht gehalten wordm, in der letzten Zeit eine ungünstige Veränderung be« merkbar gemacht und habm vielfach Lohnreduktionen, sowie ein Wegfall der bis dahin üblichen halbstündigen Vesperpause stattgefunden. Doch wird unter allen Umständen mit Beginn deS kommenden Frühjahr« die Herstellung des früheren Lohnsatze» von 50 Pf. für die Arbeitsstunde, sowie ver verlorenm Vesperpause energisch in Angriff genommen werden. Femer wurde von dort gemeldet, daß die Bemühungen der Innung, die Wahl eineS Gesellen-AuifchuffeS zu Stande zu dringen, gleichwie in den Vorjahren auch in diesem Jahre gescheitert find. Die Innung hatte zum Zwecke einer soliden Wahl Verhandlungm mit dem dortigen Lokalverband deS Verbandes deutscher Zun« merleute angeknüpft, aber, weil ste auf die verlangten Kon« zesfionen nicht im vollen Umfange eingegangen, ein abermalige« Fiasko erzielt. Die stattgehavtc Wählerversammlung lehnte die Vomahme der Gesellm-AuSschuß.Wahl mit Entschiedenheit ab. Ganz so soll eS, wie Referent und sämmtliche in der DtSkusfion sprechende Redner bemerkten, auch hier in Berlin gehalten werden, falls die Innung nicht von der bekannten statutarischen Wahlbeschränkung Abstand nimmt. Der vom Hamburger Lokalverband errichtete Arbeitsnachweis habe fich vollkommen bewährt. Ganz dasselbe sei auch in Berlin zu er« warten; man werde daher nicht säumen, auch hier einen Verbands« Arbeitsnachweis inS Leben zu rufen. — Unter„Verschiedenes" theilte der Schriftführer Herr Loß mit, daß der Vorstand de» hiefigen LokalverbandeS Berlin Vf. in der bekannten, die Wilmersdorfer Badeanstalt von Schramm betreffenden Angelegenheit, beim Kommandeur deS Eisenbahn-RegimenlS vorstellig geworden ist, um denselben zur Rückberufung der zum Ersatz der Zimmerleute adkomman« dtrten Mannschaft zu veranlaffen und daß hierauf bereits ein Antwortschreiden deS Regiments« Kommandeur« an den Bor« stand eingelaufen ist, worin ersterer daS Gesuch abschlägig be« schied, da zwischen dem Kommando deS Regiment«, das in d« ettbt daS Verhalten des RegimentskommandoS als vollständig korrekt und obligatorisch erscheinen lassen. Die Versammlung beschloß» die in Rede stehende Angelegenheit resp. die von der jüngsten Platzdeputirten- Versammlung beschloffene Beschwerde beim Kriegsminister auf die Tagesordnung der nächsten Generaloer- sammlung der Berliner Zimmerleute zu setzen, welche am nächsten Sonntag in der Tivoli» Brauerei stattfinden wird.— Da, wie der Vorfitzende demertte, in nächster Zett auch der von der Lohnkommisfion erlassene Aufruf an die deutschen Zimmerleute in Gestalt von Flugblättern versandt werden soll, ersucht die Kommtiston alle auswärtigen wie hiefigen Kameraden, ihr ohne Aufschub geeignete Adressen von Kameraden zugehen lassen zu wollen, an welche das Flugblatt behufs Vertheuung und Weiterverbreitung in allen Prooinzialorten verschickt wer« den kann. Derartige Adressm wolle man an Herrn Eeitzt, Berlin N., Schönholzerstr. 10a gelangen lassen. Schließlich wurde auch noch ein betrübender Fall von Inhumanität eineS hiefigen Ratbs-ZlmmermeisterS T. gegen einen, durch einm Sturz in'S Waffer von einem Unfall betroffenen Gesellen zur Sprache gebracht und einer herben Kritik unterzogen. be. Der Arbetter-BeztrkSverei« der Oranienburger Vorstadt und de» Wedding hielt am Montag, den 8. v. M„ eine Versammlung ab, um die in voriger Versammlung nicht zu Ende geführte Tagesordnung: Wie stellt fich der Verein zu den Kommunalwahlen? von neuem zu erörtern. Eingeladen waren sämmtliche Stadtverordnete der Arbeiterpartei, erschienen Herr Tutzauer. Der Referent, Herr G. Voigt, erklärte fich im allgemeinen gegen eine Bctheiligung an der Kommunalwahl. er meinte, Reichstags- und Stavtoerordnetenwahl folgten zu dicht auf einander, und die Arbeiter würden dadurch wahlmüde werden. Auch könne man mit dem Gelde, wa» die Kommunal« wähl koste, bei der ReichStagSwahl mehr erzielen. Mindestens sei eS falsch, in allen Bezirken Kandidaten aufzustellen, auch in solchen, wo gar keine AuSstcht auf Erfolg sei. Die öffentliche Stimmabgade hätte zahlreiche Maßregelungen im Gefolge und viele Arbeiterexistenzen würden durch fie vernichtet; Da« allein sei Grund genug, fich nicht zu belheiligen.-- diese Ausführungen bezeichnete Herr Tutzauer als doch nicht genügend, um eine Nichlbetheiliaung an den Kommunalwahlen zu rechtfertigen. Gerade im Norden solle man von Wahl- Müdigkeit gar nicht sprechen, man solle fich lieber Mühe geben, die Bürgerpartei, welche bei der letzten ReichstagSwahl ein« so große Stimmenzahl auf ihren Kandidaten vereinigte, au« dem Felde zu schlagen. Wenn man ferner sage, die wenigen Vertreter der Arbeiter in der Etadtverordneten-Versammlung würden verlacht, so solle man an daS Schicksal der ersten Ver« treter der Arbeiter im Reichstage denken. Spreche man aber von der Nothwendigkeit, fich an einer ZcnsuS« und KlaffenwaA als Anhänger der direkten, geheimen und gleichm Wahl nicht zu bethelligen, so müffe man konsequent sein und fordern, daß auch die Genoffen in Sachsen fich nicht an der Land« tagiwahl betheiliatrn. Wenn die Arbeiter- Bezirks- vereine nur VeretnSspielerei treiben wollten, te wäre es besser, ste zu schließen.— Inzwischen war eine Resolution eingelaufen, welche dahin ging, stch gegen fernere Betheiligung an den Kommunalwahlen zu erklaren- Der Vorfitzende, Herr Kunkel, begründete diesen Antrag unv hob sein volle» Einverständniß mit den Ausführungen ve» Referenten hervor. Ar.f die letzten Worte deS Heim Tutzauer erwiderte er, daß der Arbeiter- Bezirksverein für den Widdrng keine Vereinsspielerei treibe, sondern Politik, und zwar ni»' die Politik Bismarcks, sondem radikale Politik, welche du giele der Eoäaldemokratie zur Durchführung zu dringen su««- ier erhob fich der überwachende Pollzeibeamte, um die V» sammlung aufzulösm, allein der 2. Vorfitzende kam dieser ficht zuvor und schloß die Versammlung. Auf Grund d«S S forderte der Beamte die Anwesenden auf, den Saal zu ver lassen._. ♦ Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metau- arbetter(E. H. 29, Hamburg), Filiale 4. Sonnabend» den 13. Mär*. AbendS 8'/, Uhr. Andreasstraße 26 Versammlung- T.-O.: Statutenberathung. � • Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metau arbetter(E. H. 29, Hamburg), Filiale 6. Sonnabend, oJP 13. März. Abends 8«/. Uhr, Versammlung Lothringerstr.»»■ T.-O.: Statutenberathung und Wahl eines Delegirten. � * Allgemeine Kranken- und Eterbekasse der M«n hilft, oder ob sie gegen Beide zugleich einen offenen politische« Kamps oder einen Dynamit-, Dolch- und Schreckens. krieg führen soll. E« ist der Aristokratie grlunaen, die Arbeiter der Bourgeoisie abwendig zu machen, selbst von der Bourgeoisie hat sie die eine Hälfte zu sich hinüberge- zogen, aber die Arbeiter hat sie nicht gewonnen, nicht zu Anhängern einer aristokratisch. agrarilchen Wfltordnung ge- macht. I» der Mitihnlung jene« sozialdemokratische» Abge- ordneten im Reichstag liegt eine furchibare Mahnunq: ein Konservativer sei zu ihm gekommen, um ihm ein Bündniß gegen de« Liberalen(VolkSpaiteiler) vorzuschlagen, den» ihre beiden Parteien hätten ein gemeinsame« Interesse daran, daß nur die beide« Extreme, Konseivative und Sozialdemokraten, übrig blieben. Das zeigt, wie die Konservativen auf einem Vulkan tanze«; das verräthdie Neigung, ei'en VerzwciflungS- kämpf zu provozireo, in dem sie nur mit Hilfe der Bajonerie siegen können und in dem selbst der Sieg eine furchtbare Zerschmetterung unserer lebendigen Volkskraft, die Niederlage aber eine gänzliche Zerstörung der Ruhe und Ordnung, eine vollständige Revolution bedeuten würde. Denkt man sich in diesem Kriege gar noch da» Heer vom Sozialismus zerfressen, so kann der Ausgang gar nicht zweifelhaft fein. Wai das alle« mit der Verlängerung des Sozialisten- grsctzes zu thun hat? Nun es soll, oh»e direkt sich in die politische» Frage» einzumischen, beiden Parteien inS Gewissen rede», daß sie den Kampf nicht weiter erhitzen, sondern im Laufe nach dem Ziel, nämlich der Steigerung der Wohl« fahrt des Arbnterstande», in positiven Leistungen mit ein- ander wetteifern. Da« konservative Prinzip: Niederhrltung der Arbeiter durch da« Sozialisten geletz und einige kummer» liche Arrangements in Versicherungssache«, diese« bealeret von einer umfassenden Verschiebung der Steuerlast zum Nach- theil de« Arbeiters und von Maßregeln zur Steigerung der Rente— diese» Prinzip wird nicht lange mehr vorhalte». Die Freisinnigen im Reichstag und Landtag aber zeige« leider mehr Eifer, die Regierung des Fürsten Bismarck zu stürzen, als das V-rt:auen de« La-di«, namentlich der Arbeiterkreise zu gewinne«. Die Beseitigung de« Sozialisten- gesetzeS, auch wenn sie durchgesetzt wäre, genügt allein bei Weitem nicht. Für sie ist es eine unentrinnbare Zwangs- läge, durch ernste positive Maßregeln die Arb iter zu über- zeugen, daß sie ihren demokratischen Ausgangspunkt, nämlich die Fürsorge für das Wohl Aller, noch nicht vergessen haben. Dabei darf diese Fürsorge nicht bloS in Freiheiten bestehe»; ein so unschätzbares Gut die Freiheit auch ist, der Mensch lebt nicht von Freiheit allein, so wenig wie von Brod allein. Ohne ernstliche Opfer an Freiheit, ohne wich- tige Zugeständnisse der Bourgeoisie an die Demokratie wird eS nicht abgehr«, wenn man de« Weg zum Herzen der Arbeiter und damit zum sozialen Frieden wieder- finden will. Unser Wunsch ist, daß die abermalige Frist, die dem Sozialistengesetz gewährt wird, in diesem Sinne besser be- nutzt werde als bisher geschehe». V arlamentsberichte. Deatscher«etchStag. 64. Sitzung vom 11. März, 1 Uhr. Am Tische des BundeSrathS: von Boetticher, von S ch e l l i n g und Kommiffarien. Eingetreten ist der als Ersatzmann für den konsetvaliven Abg. Edert, der sein Mandat niedergelegt hatte, gewählte sozialdemokratische Abg. Geier. Die zweite Beraihung des vom Aog. ReichenSperger vorgelegten GesetzentwuifS wegen Wiedereinführung der Berufung wird fortgesetzt. Das Prinzip, die Bildung einer Berufungsinstanz, ist beiettS vom Haufe angenommen. Die Kommisston will fetner in da» GerichtSverfaffungS- gesetz einen§ 78a einschalten, wonach es in das Ermessen der Landes. Justiz Verwaltungen gelegt werden soll, zu bestimmen, daß au« Mitgliedem zweier Landgerichte desselben Oberlandes- gerichtsdezirks eine für beide Landgeiichttbezirke gemeinschaft- liche Strafberufungikammer gebildet wird. Kommissar Geb. Rath v. Lenthe hält die Beschränkung auf zwei Landgerichte für unzweckmäßig und wünscht, daß für alle innerhalb eines Oberlandesgerildts-BeztrkS belegenen Land- aerichte eine gemeinschaftliche Strafberufungskammer soll ge- bildet werden dürfen. Abg. R i n t e l e n äußert Bedenken gegenüber der Mög- lichkeit, daß die Landesregierungen große Straiberufungt- gerichte nach ihrem Ermessen bilden, und bittet daS HauS, bei dem KommisstonSdeschluß stehen zu bleiben. § 73 a wird in der Fassung deS KommisfionSdeschluffeS angenommm. Auch die folgenden Bestimmungen deS Entwurfs, welche Abänderungen der Strafprozeßordnung enthalten, die im Wesentlichen Konsequenzen der bisher gefaßten Beschlüsse find, genehmigt da« Haus nach den Kommi.fionsbeschlüffen. Be- sonders hervorzuheben ist hierbei, daß§ 273 der Strafprozeßordnung eine Fassung erhält, wonach künftig nicht nur wie bisher die Protokolle der Hauptverhandlung vor dem Schöffen- gerichte, sondem auch derjenigen vor dem Landgerichte die wesentlichen Ergebnisse der Vernehmungen enthalten müssen. Die Beobachtung der für die Hauptverhandlung vorgeschriede« nen Förmlichkeiten kann nur durch daS Protokoll bewiesen werden; jedoch soll nach den KommisstonSbeschlüffin gegen den diese Förmlichkeiten betreffenden Inhalt deS PiotokollS nicht mehr wie diSber nur der Nachweis der Fälschung zuläjstg sein, sondern der Nachweis der Unrichtigkeit soll genügen. Während nach den KommisstonSdeschlüsscn die Berufung gegen ein Urtheil der Strafkammer wie vom Angeklagten, so auch vom Staatsanwalt zu Ungunsten des Angeklagten soll eingelegt werden können, vertheidigt Abg. Träger seinen und Munckels Antrag, wonach die zum Nachtheil deS Angeklagten eingelegte Berufung gegen ein Strafkammerurtheil nur auf Beibringung neuer Thatsachen oder Beweismittel gestützt werden kann. Abg. ReichenSperger bittet dagegen um Annahme der KommisfionSdefchlüsse schon aus dem«runde, weil euch gegen schöffengenchtsiche Urthetle der Staatsanwalt Berufung einlegen könne. Abg. Hänel wird für den Antrag T'äger stimmen, da der Staatsanwatt während deS Verfahren« in erster Instanz eine so überwiegende Sielluig gegenüber dem Angeklagten einnehme und so zahlreiche Mittel habe, um alles Anklage- Material umfassend beizubringen, daß man ihm nicht daS Recht geben dürfe, den Angeklagten auch dann noch zu verfolgen, wenn er in erster I stanz fteigesprochen sei. Redner bezieht fich im Uebligen wesen lich auf seine schon neulich über dtesen Punkt gegebenen Darlegungen. Das Haus tritt den Beschlüssen der Kommissson bei, nach denen es auch die noch übrigen Bestimmungen de« Vorlage ge- nehmigt. Als Termin für das Inkrafttreten deS GisetzeS wird der 1. April 1887 festgesetzt. Es folgt der mündliche B-r'cht der GeschästsordnungS- kommisston über den Antrag des Abg. v. Bernuth, betr. die aeschäfiltche Behandlung der zum ReichshauShaltSetat gestallten Resolutionen. Die Kommisston schlägt durch ihren Referenten Abg. Acker- mann vor: Die bei der Berathung des Reichehauihalts-EtatS beantragten Resolutionen kommen nach Beendigung der Be« rathung über die Resolution zur Abstimmung, dafern deren enger Zu'ammenhang mit einer Position deS Etats nicht ent« weder die Verweisung der Abstimmung bis nach endgilttger Festsetzung der Etatsposttion ange,eigt erscheinen läßt, oder ein dahin gehender, von 30 Mitgliedem unterstützter Antrag dieS verlangt. Abg. v. Kölker widersprich diesem Vorschlage, weil der- selbe zu komplizirt sei und keire konstante Praxi« zulasse. Nachdem noch Abg. v. Bernuth den Kommisfions« Vorschlag befürwortet, wird derselbe angenommen. Hierauf vertagte ftch daS HauS. Nächste S tzung Frei« t a g 1 Uhr(erste Beraihung des Gesetzentwurfs betr. die Her- anziehung der Mili ärpersonen zu den Gemeindeabgaben, zweite Berathung des Nachtragsetats, dritte Lesung deS Gesrtzent« wurfS berr. die Ausprägung von N ckelmünzen m 20 Pf., erste und event. zweite B rathung deS Gesetzentwurfs betr. die Ent« richtung einer SchifffahrtSabgabe auf der Unterweler, und zweite Berathung deS Antrags Lenzmann wegen Entfchävt- gung unschuldig Verurtheilter!) »bgeordnetenhan«. 33. Sitzung vom 11. März, 11 Uhr. Am Ministeltische Friedberg, von Scholz und verschiedene Kommissarten. Aus der Zahl der von den Kommisfionen zur Erörterung im Plenum mcht für geeignet erachteten Petionen werden einige auf Antrag der Abgeoidneten Schütt, Rozanski und Rickert zur Berathung an die Kommisfionen ver« wiesen. Die Petition der Aktiengesellschaft deS Eisen« und Stahl- wertS Hoefch zu Dortmund wegen Rückvergütung eines Stempelbetrages von 8633 M. 50 Pf. wird auf Antrag der Kommisston der StaatSrcgierung zur Berücksichtigung tAbgeordneter v. Liebermann beantragte„zur Erwägung'> Überwiesen. E ne P-tition deS SchmtedemeisterS Hammerschmidt in Mtsstnghausm, daß die Eisenbabnverwaltung ang- halten werde, da« Dach ihres HauseS in wasserdichten, trockenen und haltbaren Zustand zu setzen» wird in Gemäßbert des Kom» misfionSvorschlageS durch Uebergang zur TageSord« n n n g erledigr. Ein Antrag des Abg. v. Kleinsorgen, die Petition ver SlaatSregierung zur Erwägung zu überweisen, wurde abgelehnt. In einer P-tilion wird die Bitte ausgesprochen, daS Ab» geordnetenhnis wolle beschließen, „die königliche StaatSiegterung zu ersuchen, dahin zu willen: daß die Stenographie als UnterrichtSgegenstand in die höhercn Lehranstalten Preußens etnaeführt und das für diesen Zweck geeignetste Sonographie- System durck eine wissenschaftliche PrüfungSkommisfion auSge« wählt werde". Die UateniatSkommisston, Referent Abg. Seyffarth (Liegnitz), empfi'hlt mit 9 gegen 7 Stimmen Uebergang zur TageSo dnung- Abg. v. Schenckendorff hat dagegen folgende m o t t v t r t e Tagesordnung vorgeschlagen: „In der Erwartung, daß die königliche Staat»« regierung im Hinblick auf den Nutzen, welchen die Stenographie, als eine verkürzte Schreibweise, so« wohl für den allgemeinen Schulunterricht als auch für daS praktische Leben mannigfach zu gewähren im Stande ist, den auf Veibreituug der Stenographie gerichteten Be« strebungen dort, wo sich ein Bedürfniß hierfür zeigt, auch fernerhin eine wohlwollende Beachtung und Förderung neben dem sonstigen Unterricht zu Theil werden lassen wird, über die Petilion zur Tagetoidnung überzugehen." Abg. v. Schenckendorff: Die Frage, ob die Steno» graphie einen Unterrichisgegenstand in den höheren Lehr» anualten bilden solle, hat daS HauS schon im Jahre 1862 de» sckäftigt. Es zeigt sich indeß die sonderbare Erscheinung, daß die Antheiinahme de« hohen HauseS fich seit dieser Zeit in einer rückläufigen Bewimung dafür vollzieht. Während damals die Angelegenheit der Regierung zur Berücksichtigung empfohlen wurde, nahm das HauS 1867 und 1868 die motiorrte Tages» ordnung an, und heute empfiehlt Ihnen die Unterrichtskom» misfion die einfache Tagesordnung, weist also die Angelegen- heil prinz'piell zurück. In der Sache selbst ist diese rückläufige Bew'gung nicht degründet. Ich stimme mit den Gegnern der Sache darin vollkommen überein, daß diese im Augenblick und wohl auch noch für einige Zeit hinaus nicht in den Rahmen der Schule hineinpaßt, weder in fakultativer, noch in obligatorischer ge» memsamer Form. Auw finde ich mit den Gegnern keinen for» malen Bildungswerth darin, halte die Stenographie vielmehr nur für eine verkürzte Schreibweis-, also eine mechanische Fer- Ii Feit. Dahingegen scheinen mir die in der Kommission selbst gemachten unzutreffend, und ebenso glaube ich, daß die Ange« legenheit daselbst keine allseitige Prüfung erfahren hat. Ich bin allerdings der M.inung, daß die Schule außer der allgemein, n Menschenbildung auch diejenigen besonderen Bildungsbedürf- niffe berücksichtigen müsse, welche entweder allgemein oder doch für große Kreise der Gesellschaft noihwendig find. Die Schule soll doch fürS Leben vorbereiten, wie eS fich gestaltet hat. Die Ttenogiaphie fällt als solche nur in das Gebiet des Schreib- untenichtS. Während die gewöhnliche Kurrentschrift, die doch auch nur eine mechanische Fertigkeit ist, für Jedermann noth. wendig ist, so tritt lür die Stenographie allerdings diese For- derung auch nicht einmal vergleichsweise in gleichem Maße auf. Um deswillen liegt auch beute noch keine Veranlassung vor, dieselbe in den öffentlichen Unterricht aufzunehmen. Wenn ich bis hierher mit den G'gnern übereinstimme, so habe ich aller» Vings doch eine ganz andere Vorstellung von der Zu» kumt der Stenographie, und um deswillen stehe ich derselben auch durchaus sympathisch gegenüber. Schon jetzr wird ste mannigfach mit großem Volts eil verwandt, und ich zweifle nicht daran, daß eS eine vielleicht gar nicht so fem liegende Zeit giebt, wo an jeden Gebildeten die Nothwendigkeit heran- ttetm wird, die Fe>iiak«it der Stenographie zu besitzen. In der That stehen die Eisenbahnonwaltur.g, das Ministerium des Auinartigen und die Postverwaltung schon heute der Sache sehr sirderlich gegenüber. Dem Kaufmann ist die Stenographie sowohl auf der Reise wie im Komptoir schon jetzt oft von großem Nutzen. Das mündliche Gerichtsverfahren und die anerkannt oft unzulänglichen Protokoll«— ich erinnere nur an den Prozeß Graes— machen die Einführung der Stenographie fast nothwendig und für den Richter, Rechtsanwalt und Staatsanwalt zum mindesten sehr wünschen swerth, und jeder Einzelne kommt oft in die Lage, sich ohne Zeitaufwand Ver« merke zu machen. Ader die Freunde dieser Fertigkeit prozediren nicht richiig. Anstatt sich unter einander so hestig zu bekämpfen, sollten sie die Kenntniß des Nutzens der Stenographie und diese selbst mehr verbreiten und damit den Boden für die allgemeine Verwendung bester vorbereiten. Alle Systeme sollten sich zu einem allgemeinen Stenographcnbunde «ereinigen und Privatan stalten einrichten. Nächstdem sollten fie untereinander nach den besten Lystemen forschen, oder sich darüber eirigen. Gerade die verschiedenen Systeme find ein Haupthinderniß für die allgemeine Einführung. Ich schlage also auch die Tagesordnung vor, aber nehmen Sie die von mir moliviite Tagesordnung an, damit im Lande nicht der Glaube erweckt werde, als«kenne das hohe tzauS dem ohnae- achtet nicht voll und ganz den hohen Werth an, welchen die Stenographie für unsere Kulturveihältniffe, in welchen Zeit und Kraft ausschlaggebende Faktoren find, in sich schließt. (Beifall.) Abg. Kropatscheck tritt für den einfachen Uebergang zur Tagesordnung ein; ihm erscheine die formal bildende Kraft der Stenographie doch sehr fraglich; die Stenographie hindere viel mehr am Denken, als daß fie daffelbe befördere, das voll- ständige Niederschreiben der Gedanken eines Vortrages bringe oft Verwirrung im Geiste hervor. Die Petenten seien auch nicht unbefangene Bcurtheiler der Frage, man habe auS diesen Kreisen die Mitglieder des Hauses mit einer Menge etwaS marktschreierischer Broschüren überschüttet. Die Ueterbü.dung der Schüler, speziell der Tertianer, werde durch Einführung der Steroglaphie in die Schulen noch vergrößert. Ich stelle dem Petitum ein entsckietenet Nein entgegen, der Gegen stand ge« höre absolut in die Schule. Die'imoiivirtc Tageso.dnung sei eine Verzuckerung der Zurückweisung der Petenten, welche die letzteren nur ermuthigen würde, da? Haus weiter mit ihren Vorstellungen in Anspruch zu nehme». Damit aber würde man gleichzeitig die Möglichkeit eröffnen, daß ffch die Freunde einer neuerdings aufgetritenen sehr vereinfachten Orthographie ja vielleicht auch d e Ei find« der Weltsprache„Volapück" (Heiterkeit) bei dem Landtag um Unterstützung ihrer Bestie- Hungen wendeten. Abg. Dr. Lang er Hans glaubt, daß Herr Kropatscheck in dieser Sache wenig kompetent sei, denn er habe sich ja nur kurze Zeit und mit wenig Erfolg mit der Stenogrophie be- schäfligt. Die mo'.ioirte Tagesordnung sei da« Mindefle, waS z. B. die Petenten erwarten könnten. Die Stenographie er« tpare Zeit und trage also keineswegs zur Ueberbürdung der Schüler bei. Es wäre münschcnswertb, daß die Stenographie nS an einzelnen Anstalten fakultativ eingeführt werde. w'N'gstenS (Beifall links.) Abg. Peters erklärt sich für einfach« Tagesordnung. Abg. Dr. Virchow tritt den Bedenken entgegen, daß die Stenographie eine Belastung der Schule involvire. Vielleicht könnte man mit dem stenographischen Unterricht statt in der Tertia erst in derS-kunda beginnen. Und was wäre eS denn für et« Unglück, w nn man zu Gunsten der Stenographie etwa eine Stunde alte Grammatik aufgebe? Daß die alten Sprachen etwa noch einen idealen Zweck hätten, sei doch nur eine Ein- bildung verstockter Philologen.(Sehr richtig!) Fn Bezug auf die Wahl de» stenographischen Systems würde er fieb für das- jenige entscheiden, welches in Preußen und speziell im Parlament zur größten ZustiedenheU arbeite. Jndcffen komme eS ihm nur darauf an, daß überhaupt die Stenogrophie, nicht ob dies oder jeneS System, eingeführt werde. G.'h. Rath Bonitz erklärt, daß die Regierung fich fort- dauernd mit der Frage d« Einführung der Stenographie in die Schulen beschästige. Mindestens zehn Systeme verlangten Einführung in die höheren UnterrichtSanstalten und die Akten über diese Frage hätten so stark zugenommen, wie kaum über andere pädagogische Fragen. Vor etwa anderthalb Jahren habe die Unter richtSverwaltung diese Frage nochmals ein« eingehenden Erwägung unterzogen, als auS einim anderen Rissort die Frage an fie gerichtet worden sei, ob«S fich nicht empfehle, die Stenographie in den höhern Schulen zum Gköfnstanb'e deS Unterrichts zu machen. Der Unterricht in der Stenographie finde nirgends ein Hinderniß, an allen höheren Schulen werde er zugelasten, eventuell mit Erlaubniß des Direktors, allerdings erst in der Tertia oder Untersekunda. Aber fast keiner von den Schülem komme über denjenigen Standpunkt der Fertig- keit hinaus, bei welchem die Uebenraguna ein Gegenstand der Ueberlegung bleibt und das stenographische Schreiben ihn vom Gegenstände abzieht. In den letzten Jahren habe die Au«- breituna deS stenographischen Unterrichts an den Schulen nicht zu- sondcm abgenommen. Da nun aber die Kurzschrift inn«- h ilb vier Wochen kontinuirlich«, intensiver Uebung zu«rlcmen sei, so werte das etwa vorhandene Bedüriniß leicht befriedigt werden können. Die Unten ichtSverwaltung sei daher auf dem disherig-n Standpunkte geblieben, die Stenographie nicht al« fakultativen Unter, ich« Sgegenstand einzuführen, dieselbe viel- mehr der freien Entwickelung zu überlasten und wie bisher zu � �Adg. v. Hau g witz verkennt den Nutzen d« Eteno- graphie nicht, erklärt fich aber gegen die Einführung derselben in die Schulen. Der Standpunkt der Regierung sei ein außer- ordentlich korrekter.._, Unter Ablehnung deS Antrags v. Schenckendorff wird der Vorschlag der Kommisfion auf einfache Tagesordnung ange- nommen...... Ueber die Petition, Wiederausschulung evangelischer HauS- väter aui der Ortschasttschulr in Pentkowo, KreiS Czomikau, geht daS HauS gleichfalls zur Tagesordnung über; dagegen wird die Petition um Veibifferung der Einkomenverhältnrffe der Volkssckullehrn in Peterswaldau und Langenbilau der Regierung alS Mat nial für die spätere gesetzliche Regelung der Gehaltsoerhäüwsse der VolkSschullehrer überwiesen. Uever die P> blionen de« Parzellist Hansen und Genoffen im Kirchspiel Düppel, sowie deS BahrhoftrestcurateurS Jo- Hansen in Et. MetaeliSdonn um Gewährung von V-rgütun- gen für im Jahre 1864. erlittene K-iegSschäden beanrraot die PetitionSlommisfion zur Tagesordnung überzugeben. Dieser Antrag gelangt unter Ablehnung eimS GegmantragS Lasten auf nochmalige Prüfung der Entschädigungsansprüche durch die Rkginung zur Annahme. Magistrat und Stadtverordnete von Trebbin petitioniren um Errichtung einei Amtsgerichts daselbst; die Petition wird entgegen dem Antrage der Justizkom.miifion auf Uebergang zur Tagesordnung fast einstimmig der Regierung zur Berück- iich tig un g überwiesen, nachdem ein dahingehender Antrag Wolff auch die eifrige Befürwortung der Adgg. Meyer (Brei lau) und Windt Horst gefunden hat. Die Petition des Magistrats zu Schönebeck a. E., um Uebernahme der Kosten, welche zur Zeit den Schulgemeinden durch die Schu'auificht entstihen, auf Staatsfonds, überweist daS Haus der Regierung aii Material für die iünstig« Schul- gesetzaebung. Nach dem Antrag der Kcmwunalkommlifion soll über die auf gisetzliche Regelung deS Feuerlöschwesens ge» richtete Petition von Etnwohnem einig« westfälisch« und .beinischer Städte zur Tagesordnung übergegangen werden. v. M e y e r- ArnSwalve beantragt die Ueberweisung der Petition an die Regierung zur Erwägung resv. als Mai«ial für die künftige Gesetzgebung auf diesem Gebiete und spricht fich zugleich für die Heranziehung der Feuer- vnficherungS-Gesellschaflen zu den Kosten des Feuerlösch- we>ens aus. Abg. v. Hülsen(kons.) befürwortet eine motivirte Tagesordnung, welche auf bereits früher von der R-gienrng abgegebene Zusagen Bezug nimmt und die hilfsbedürftigen Gemeinden auf die Organe der Eelbstoerwaltung verweist. Letzterer Antrag wird mit groß« Mehiheit angenommen. Der Gesetzentwurf, betreffend die anderweilige Fest- stellung deS GeschäfribneichS rrebrer« kommunalständiich« Änftalren in der Provinz Heffew Nassau wird in drit« Be- raihung ohne erhebliche Diriusfion unverändert genehmigt; über die Petitionen deS Bürgermeisters und deS EtadtraihS in Bockenheim, deS Vereins der Hausbesitzer daselbst und deS Verein» für Handel und Industrie ebenda, welche Ab- änderungen d« Vorlage bezwccken, geht das Haus zur TageS- ordnung über. Um 4'/, Uhr wird die Sitzung auf Freitag 11 Uhr vertagt.(KuItuSetat.) Kommunales. Etadtverordneteu-Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 11. März. Der Stadtverordneten« Vorsteb« Herr Büchtemann «öffnet die Versammlung um 5>/, Uhr. Die feierliche Ein« führung der neugewählten Etartoeroidneten Törmer und Tropske wird vollzogen. Die Abtheilungen haben die Wahl von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung deS Projekts zum Neubau eines AsissS für Obdachlose und einer Desinfektionsanstalt an der Pi enzlau« Allee— und von 15 Mitgliedern für den Ausschuß>ur Vorberathung der Skizzen zum Neubau von 3 Gemeindedoppelschulen und zwar in der Oderbergerstraße, in der Skalitzerstraße 55/56 und in der Derfflingnstraße 18a vollzogen. Nach Eintritt in die Tagesordnung wnden eine Anzahl NUuralisaiionSgefuche geschästsordnungkmäßig er- ledigt. Die Berathung der Petition wegen Gewährung deS Ein- und Ausladens am Landwehrkanal rc. wird auf Antrag deS Magistrats auf die nächste Sitzung»erschoben, weil die vom Magistrat über diese Angelegenheit vorbereitete Denkschrift dann vorliegen wird. Anderweitige Regelung der Stellung der suristischen HilfSarbeit« beim Magistrat. D« Magistrat bean- tragt, daß ,ur ordnungsmäßigen Erledigung der Geschäfte bei dem Magistrat Magistrats- Assefforen unter folgenden Be« dingunacn angestellt werdrn: 1. Der Anstellung geht eine einjährige Prodedtenstleistung voran, während welcher mona lich 180 M. Diäten gezahlt wnden. 2. Nach Ablauf deS Probe- jahreS«folgt bei zufrii d-nstellenden Leistungen unier Präsentation bei der Stadtverordneten- Versammlung dt« Anstellung auf 6 Jahre mit einem Jahres Honorar von 3600 Mark, welche« nach 3 Jahren auf 4200 Mark erhöht wnden kann u. s. w. Zur Besoldung der Magistrats- Assessoren und der zur Probedienstleistung cinbe- ruieren Hilfsarbeiter stellt die Versammlung dem Magistrat 38000 M. zur Verfügung". Eiacto. Jrmer will die Vorlage dem Etats- Ausschuß übnweisen, welch« der prinzipiellen Frage näher zu treten hätte, ob es angehe, daß bei wichtigen Sacken, wo kollegia- lische MagistraiSdeschlüste zu fasten find, Hilfsarbeiter zu verwenden seien. Oberbürgermeister Dr. v. Forckenbeck weist auf die unoerbälinißwäßlg gestiegene GelchäfiSIost d«S Magistrats hin. Die Verlage sckaffe keine definitive Löiung der Schwierigkeit, welche der Zukunft überlassen bleiben müsse. Zu beralhenven und beschließenden S tzungen deS Magistrat« seien bisher nur MagtstralSmitglieder zugelassen woreen. Stadtv. Löwe steht eine Möglichkeit, den Magistrat von der ins Große gewachsenen A.beirslast zu entlasten, nicht in der Verwehrung der MagiftiatSmitglieder, welche zu ein« Schädigung der freien Seltstverwallung führen könne, son- dern in eine Dezeniralisation der Verwaltung, in eine Verleihung größerer Selbstständigkeit an die unteren Organe. Um dem augenblicklichen Noihstand abzuhelfen, solle man dar Vorlage näher treten, die dem Etatt-AuSschuß zu üb«- weisen sei. Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck er- widert, daß die großen Gemeinwesen von PariS und London zentraiistrt seien. Die Zeit zur Entscheidung üb« diese Frage sti noch nicht gekommen. Die Vorlage wird dem Etats Ausschuß überwiesen. Fortsetzung der EtatS-Berathun g. Kapitel Xl, Verwaltungikosten(GeschäftSbe- dürfnisse, Dienstpenstionen, Wittwenpenfionen, Unterstützungen) wird nach den Vorschlägen deS Ausschusses dedatteloS er- ledigt. Kapitel xil. Polizei-Verwaltung(Ortspolizei, Nachtwacht- und Feuerlöschwesen) wird gleichfalls nach den An- trägen diS Ausschusses sestaesetzt. Kapitel Xlll, Städtische Straßen-Be- leuchtung, Reinigung und Besprengung. Abthctlung 1, Stiaßen-Veleuchtuna. Stadiv. Dr. HermeS wünscht besser« Beleuchtung der Straße„Unter den Linden." Oberbürgermeister Dr. v. Forckenbeck«kennt die Roth- wendtakeit an und iheilt mit, daß Verhandlungen schweben. Stedtv. Singer: ES ist ja sehr sckön, daß man für die gute Erleuchtung der Siiaße„Unter den Linden" so eifrig sorgt, aber, da ich doch annehme, daß für alle Stadtgeginden dai gleiche Jntneffe in der Verwaltung vorbanden est, so will ich doch erwähnen, daß«S nock gar viele S raßen in Berlin flieht, wo von GoS noch keine Rede ist und noch Petroleum- lawpen brennen. Da wäre eS sehr wünschenSwerib, daß zunächst für die bessere Beleuchtung dies« Straßen Sorge getragen werde. Möge Kollege Herme« fich einmal nach dem Norden oder nach dem Osten Berlins bemühen, dort kann«, was die Straßenbeleuchtung andet ifft, Ersahn ngen sammeln, die ihn weit riet« beunruhigen körnen al« die Beleuchtung„Ur ter dm Linden", die er für eine der schlechtbeleuchtetfien Straßen hält. Stadtkämmerer Runge: Die 600 Flammen, um die jährlich die Beleuchtung Berlins vermehrt wird, kommen hauptsächlich den äußeren Stadttheilen zu Gute.___, Damit ist die Angelegenheit erledigt. Der Titel wird in Einnahme und Ausgabe dewilligt. Adrheilung 2: Straßen-Reinigung und Be- spr engung. Stodto. Görcki und Genossen beantragen, den Magistrat aufzufordern, den Mindestlohn für die städtischen StraßenreinigungSardetter auf 3 Mark festzusetzen. Referent deS Ausschusses, Stadtv. NamSlau, bedauert, daß dies« Antrag, dem er persönlich sehr sympathisch gegen« über stehe, nicht dem Ausschuß vorgelegen habe. Ter Form wegen müsse der Antrag aber abgelehnt werden» denn es sei unklar, ob alle städtischen Arbeiter nun durch. weg 3 Mark bekommen, od« die besseren L< istungen auch besser bezahir weiden sollten. Außerdem sei hervor zu heben, daß allen städtischen Arbeiterkategorien dann die Aufbesserung zu Thcil werden müßte. Siadto. Görcki motioirt seinen Antrag. Nach längerer DiSlusston, an der fich die Herren Siadtralh Neudrtnk, Stadtv. Limprecht, Dr. Hoffmann und Singer detheiligen, wird d« Antrag Görcki abgelehnt. D« Tit« l wird in Einnahme und AuSgabe bewilligt. (Wir bringen die interessante Diskusfion ausführlich in nächster Nummer nach.) Kapitel XIV.(Gemeinde- Friedhöfe, Zioilstandiämtei) wird nach den Anträgen de« AukschuffcS festgesetzt. Ebenso Kapitel IV.(Kapital- und Schulben- Ber« waltung). Kapitel IX., Park« und Garten-Verwaltung. Etadto. Görcki und Genossen beantragen, den Magistrat zu«luchen, bei der Aufstellung de« CtatS pro 1887/88 darauf Bedacht zu nehmen, daß der Mtndestlohn aller in der städtischen Verwaltung oeschas- tigten Arbeiter nicht unter 3 Mark deträgt. Stadiv. Görcki motioirt den Antrag. Nach kurzer Tis- kusfion wird der Antrag mit großer Majorität abgelehnt- (Ausführlicher Bericht in nächster Nummer.),. Der Etat wird nach den Anträgen des Ausschuffis fest- gesetzt. Einer derselben fordert den Magistrat auf, die Vor« läge, deireffind die Herstellung von Gartenanlagen auf dim DönhofSplatz, zu beschleunigen.,, Kapitel X. Bauverwaltung(Abth. 1. Hochbau). Eine längere D-batie wird durch die Frage hervorgerufen, od Wasser- oder Luftheizung besser sei. Stadtv. R e i ch n o w befürwortet den Antrag des Etats- Ausschusses, die vom Magistrat zur Verbesserung der Luftheizungsanlagen b.aniragten Summen nicht zu bewilligen, sondern fie zur durchgängigen Einführung der Wafferheizung zu benutzen. Der Antrag deS EtatS-AuSschusseS und der Antrag de» Magistrats wurden abgelehnt. Die PoPion(40000 M.) wird gestrichen._ Etadto. Dopp deantragt, in künester Frist eine Ge- meindeschule in der Friedrich Wilhelmstadt zu errichten un» die dilatorische Behandlung der Sache endlich aufzugeben. Stadtschulrath Bertram: Durch die Annahme eine» solchen Antrages würde eine gewaltige Preissteigerung der Grundstücke in jener Gegend eintreten. Die Resoluiion D'pp wird abgelehnt. Die Ausschußavträge«erden angenommen und der Titel in Einnahmen und Ausgaben bewilligt. Etat für die Verwaltung der städtischen Gas- anstalten pro April 1886/87. Stadtv. Löwe beantragt die Absetzung von 20 000 At- in den Einnahmen, um den Magistrat daran zu erinnern, das die Heruntersetzung deS Gas preiseS für ge werbliche Zwicke(er gesetzt weiden soll. Oberbürgermeister Dr. von Forcken de a- Der Magistrat ist in Verhandlungen mit der englischen Gas- gesellschast g> treten, deren Resultat noch nicht vorliegt.. Der Vorfitzende konstattrt, daß die Versammlung beslhius- unfähig geworden sei. Schluß 0'/« Uhr._ Lokales. Checkverkehr bei den Cparkasserr. Um dem Publtkuw Gelegenheit zu geben, sein« nicht zu Kapitaleinlagen bestimm� Isen deponiren und je nc® Geld« gegen Vergütung von Zinsen...........—.. Bedarf wieder taiüder verfügen zu lönnen, war bei öffentlichen Sparkasse die Einfühlung eines Checkverkehrs Aussicht genommen worden. Die Checkeinlagen, welche ww- destenS 50 Mark betragen mußten, sollten von dem auf f'f Einzahlung folgen ven Tage bis auf weit«es mit 2'/» v j verzinst werden. Rückzahlungen sollten in der Regel sota', erfolgen, jeboch sollie d« Sparkasse daS Recht zustehen, a? Rückforderungen von 3000- 6000 Mark eine dreitägige un» lx- von mehr bis 6000 Mark eine aiynaglge jtündigm,»»- dingen. D/t Minister teS Innern hat vi�se Einrichtuna,"T die Blätter neulich melditcn, im Einverstäntniß mit lichen Odeipräfidenten(mit Ausnahme eines einzigen) ve:bo»a- Für die Sirrichtung war aetenv gemacht worden, daß dt° alS«ine sehr günstige G-legendeit zur einstweiligen ficd� Aufbewaheung disponibler Gelder stark benutzt werden an dadurch der Veikehr des Instituts einen bedeutenden � schwung gewinnen würde, sowie daß derart ge Transaliwo. eine desondere Gefahr für da« Institut bezw. den Garon'. eine oelonoere eserayr rur oa» zznnuur orzw. oen insofein nicht töten, als die Sparkaffenverwaltung wentgn' in Frieden�eiten�flei« in der Lage sein�werde, �auch de�g� zeitiger Zurückziehung größerer Checkcinlagen ver au forderlichen Geldmittel eventuell durch Lombardanleihen der Reichsbank innerhalb der vorbehaltenen Ründtgungoi* t, zu beschaffen. Dem gegenüber hat nun der Minister des o nein fich die Bedenken angeeignet, welche fich gegen die lassuna des CdeckverkehrS überhaupt ergehen, wonach der zwick der Sparkassen die Förderung de« Sparflnns bei| ärmeren Bevölkerung sein l(al» ob da etwas zu sparen w» � ärmeren Bevöllerung sein((als ob da etwaS zu spaien Tie Red.) und durch Festsetzung entsprechender Kündigung fristen für höhere Einlagen die Sparkasse davor dcw werden soll, ärößeie Summen unbedingt bereit zu Feiner wird die Gefahr betont, welche Sarin liege, da»�, KriegSzeiten die Rückforderung von Checkeinlagen""tN artigen Umfang gewinnen könne, daß die Sparkasse enrw gar nicht oder doch nur durch Veikauf ihrer Werihpap"" großen Verlusten Deckung zu schaffen im Siatde(ü, Endl ch wird die Verzinsung der Checkeinlage mit 2 /» j t, welche sofort beginnen und vi« zum Tage der Wiederau Ux lung dauern soll» für bedenklich geHallen, da der Chefft**�, die steige Bereitballung eineS weit höheren Baaidefi".� als solcher sonst erforderlich sei, bedinge, und der dtfi � niedrige Stand deS ZinSfußeS für(der Sparkasse all«' piös' stattete) sichere Anlagen bezweifeln lasse, daß eS dersevß«®��,, lich sein werde, mit eigenem Vortheile für die 2'/» rCt Zinsen'U gewöhrm.___.«�»i- Tte interessanten Enthüllungen über das fionsunwesen von Angestellte« einzelner Kran'eny sowie zahlte ch>r Köster, welche in den Versammlung VininS der vereinigten Berliner Sargfablikanten und allt uet vcmniRicn wuvmuviuuuivi» pv von Beeid gungt-Komtoiren zur Sprache kommen, sche'n g* kein Ende nehmen zu wollen. Recht ergiebig in ziehuna war wieder die am letzten Fiettag im RN#. „Alt Berlin" abgehaltene Sitzung. Dei selben wchnt der Inspektor der Frcu.nklinik in der Aitillerüstraß« �le* trage seines Cheis, d,S G'h. Raths Schiöder, bei. V* rem war ruf da» B-sedwerdesch reiben des Vereins Manipulationen der Leichenwäscherin Frau 6- eingegangen, nach welcher dieselbe bei einer vorgeno.� w Vermhwung alle ihr zur Last gelegten Veraehen-ger r, st eitel. ES wurde beschloffen, dem Geh. Rath Sa„ jst «forderlichen Beweise iür die beh'' Hand zu geben, Gleichsam ali Belästigung derselbe noch verlchiedene neue, die Leichenwäscherin Freu S- j„ng« Vorgänge in Gegenwart des Jnspeltors berFrauent thcenk rche ihm gegenüber, als die Rede auf itt''. pte �» sein« Neevoundernna darüber auSaelvrochen habe, � seine Vnwunderüng darüber ausgesprochen bare, v« � o- nennte noch immer in der Klinik thät-g von deren müsse. AlS Treiben doch genügende solche Anstalten, bei denen wie früher geschildertes Provifionsunwisen gar n-ck � Az S Provistonen n cht einmal angenommen und den au' � fadiikanten nicht den Letotragenden«mvfohlen wü I hl i 00! gehoben: dos Elisabeth- �."glintk G stl» anerkennend h, ivotge Hoden: des Elisabeth- � städtische KrankinhauS in Moabits und die kgl-���a�� s paemiwt niaviinpaeo in arivuvn uuv aiile � r, gische) in der Ziegelstraße. Bezüglich der von R � Jif- ausgestillten segerannten Sterbe scheine machr ��««i (Schwedterfiraße) die Mllthellung, daß auf diese i 8«|«uJIran!tn&oufe8 gleich d«r Sargfabrikant empfohlen werde! »ui der Chorttee errählt Herr I. noch folgenden Vorgang. «or etlva 3 Wochen starb in der Chariiee ein in der Ndeint- dergerstroße wohmnder Mann Namens W. Die Frau deffelben bestellte bei ihm einen Sara, und als fie später zu dem Küster nach der Charitee kam, um in der Beerdigungsangelegenheit mit ihm zu sprechen, sagte der Küster Moritz zu ihr, als er von der bereits erfolgten Eargbistellring erfuhr:„Das wird Alles von bier auS desorgt und muh von hier auS besorgt werden." Frau W. kaufte denn auch von Moritz den Sarg und Herr Mchner kam um das Geschäft. Heber den Küster Laubmeyir von St. Je codi wurden mehrere ähnliche Geschichten zur Kennlniß der Versammlung gebracht. So führte Herr Bösel folgltiden Fall an: Am 17. Januar er. starb ein gewiss« r Thal« witz«r, Wafferthorstraste. Kurze Zeit darauf ein gewiffer Reichelt. Louisenuser. Die Angehörigen Beider hatten bei Herrn Bösel Särge bestellt und alS fie zu Laubmeyer wegen der Beerdigung kamen und er die Bestellung der Särge bei Herrn Bösel in Erfahrung gebracht hatte, soll der Kirchendeamte überaus ungehalten gewesen sein und geäußert haben:„Sie haben Ihre Garge von Hermann, Alte Jakodstraße, zu entnehmen." In finem Falle soll er einem Leidtragenden seine Tochter behusS hinführung zu dem Sargfabrtkanten H. mitgegeben haben. »ine rigorose Verordnung der Jakodilirche bringt Herr Kaiser zur Verlesung. Aus derselben geht hervor, daß, wer nicht gleichzeitig die Belegung deS Gradhügels bestellt und be« zahlt, auch keinen Anspruch erbeben könne, daß der Beerdigte überhaupt einen Grabhügel erhält. Auf den Todesanzeigen, welche daS städtische Krankenhaus versendet, befindet fich auf «er Rückseite folgender Vermerk:„Z 1 der Verordnung: Der Leichendlener ist berechtigt, auf Wunsch der Angehörigen der in der Anstalt Gestorbenen Särge und Sterbehemden zu be« sorgen, wenn dieser Wunsch im Bureau kundgegeben wird." Da es nun unerläßlich ist, daß jeder Leidtragende fich an den «ichendiener Lehmann wendet, so ist diesem gleichsam von der «rankenhauidireltion in die Hand gelegt worden, mit der Em« »fehlurrg bestimmter Sargfabrikanten oder der Entnahme der Garge von ihm«in gutes Geschäft zu machen, ohne dafür«ine Atwerdestcuer zu entrichten. Dieses sowie das ähnliche Ver« fahren bei anderen Krankenhäusern hofft man zuverfichtlich durch die beschloffenen Petitionen an die resp. Direktionen, in welchen urn den Erlaß strenger Verbote gegen daS ProvifionSunwesen gebeten wird, zu beseitigen. Auch wird an daS Polizei-Prä- pMum die Bitte um Abstellung deS sogenannten Anreißer- ihums vor Standesämtern seitens Angestellter! von Sarg- üschlern, insbesondere wie dies vor den Standesämtern in der Krangel- und ber Geoigenkirchstraße erfolgt, gerichtet werden. schließlich wurde noch Derjenigen Presse der Dank der Ver- sommluna ausgedrückt, welche den Berichten über die mitge- «heilten Vorgänge aus den Sitzungen der Vereinigten Berliner Gargfabrikanten ihre Spalten öffnete und hervolgehoben, daß «n Folge hiervon von vielen Seiten aus dem Privatpublikum mündlich und schriftlich Danksagungen und Zustimmungen bei vom Verein eingegangen seien. Wie zahlreich neuerdings die Fälle von SetsteSer- krankungen in den Gifängnissen vorl-mmen, darauf läßt tine kürzlich erlassene Verfügung deS Ministers des Innern für die ihm unterstellten Gefängnisse und Strafanstalten fchließen. Fn derselben wird bestimmt, daß es in Zukunft zur Stellung deS Antrages auf Einleitung deS gerichtlichen Ent« wündigungSverfahrens gegen einen im Gesängniß von GersteS- «rankheit Befallenen der bisher vorgeschriebenen, für jeden Fall besonders einzuholenden Genehmigung des Ministers nicht mehr bedarf. Ebenso soll von der Bescheinigung der Rechts- «ast eineS solchen amtsgerichtltchen EntmündigungSdeschlusseS Abstand genommen werden, da dieser gemäß§ 603 der Zivil- Mo, eßordnung mit der Mittheilung an die Vormundschafts- behörde die Rechtskraft erlangt; eS soll vielmehr in Zukunft der Entmündigungsbeschluß dem Minister sofort mit dem An- «rage auf Entlassung des Entmündigten auS der Haft elnge- sercht werden.— Von ärztlicher Seite ist wiederholt darauf hingewiesen, daß die Zunahme der Geisteskranken in den Ge- fängnissen in einem gewissen Zusammenhange zu stehen scheine mit dem jetzt immer mehr zur Einführung gelangenden Prinzip der Einzelhaft. Es wäre gewiß sehr wünschenSweith, wen« man dieser Thatsache eine nähere Beobachtung schenkte und dieselbe einer näheren Prüfung unterzöge. Alle Vorzüge der Einzelhaft würden nicht im Stande sein, den Schaden aufzu- wiegen, den fie durch eine solche krankhaste Beeirfluffung d«S GemüthS und der Gcistesthätigleit der Gefangenen her- betfübrte. Junge Schwäne. Daß es nicht gut ist, dem Berliner Kitze als Zielscheide zu dbncn, diese Erfahrung mußten zwei Zunge Damen in einer für fie nicht gerade schmeichelhastea Weise machen. Die Friedrichs. Brücke bildet alltäglich dm Sammelpunkt zahlreicher Leute, welche dem graziösm Spiel der Schwäne und dem munteren Treiben der Mövm zuschauen Und fich auch wohl daran ergötzen, den„Viechern" Brocken suzuwerfen, welche von dtesm gemeinhin auch dankbar entgegen- Benommen werden. Angelockt von dem fich darbietenden Schau- Öjlele faßten auch zwei junge Damen an dem Brückmgeländer Posta und schauten mit großem Interesse einem Dimstmanne fu. welcher in Ermangelung einer anderen Beschäftigung sein Kühstücksbiod verzehrte und dabei von Zeit zu Zeit einen Rissen in die grünen Wogen der Spree warf, woselbst er gleich •arauf in g ößter Geschwindigkeit von den unten darauf harrenden Schwänen verzehrt wurde. Die Dimenstonen der »Schmalzstulle" waren aber keineswegs derartig, daß dieselbe iur Besriedigung des Appetite« beider Parteien ausgereicht hatte, wober es denn kam, daß die Bissen in die Tiefe ziemlich warlich fielen. Die Zwischenpausen damrten offenbar den Schwänen wie den jungen Damen zu lange, denn beide Theile uuuhtm lange Hälse und warfen sehnsüchtig« verlangende Blicke M die„Schmalzstulle" de» DienstmanneS, wodurch M dieser fichtlich genirt fühlte. Endlich machte die eine der ?«btn Damen ihrem gepreßten Herzen Luft und sp ach mit Stimm«:„Ach, die atmen Thier- find so hungrig! �«ite ich doch etwas, daS ich ihnen zuwerfen konnte! Eln Malier würde nicht im Zweifel gewesen sein, was er in diesem zu thun Hab-; eilfertig würde er dm beiden Schonen seine S,Schwalzftulle" zur Verfügung gestellt und fich ein besonderes �hnügen daraus gemacht haben, fein Frühstück zum Ergötzen qJ* Damen gänzlich ron dm Schwänen ouffrissen zu lassen. 5'k Tienstmsnn wollte ftdoch den zarten Wink duichaus nrcht Sjmehen, brummte vielmehr etwas Unverständliches m den und trug seine Entrüstung über eine solche Zumutbung M-lich deutlich zur Eckau. Tie Fruchtlofigkrit ihreS fceffers flehend, wandt« n die Damen ihre ungeiheilte Aufmerlsamkeit den Schwänen zu und entdecktm nunmehr einige kvpm, welche fich gleichfall» eingefunden hatten und nun AKter zwischen den Schwänen berumschwammen..«Ach. Olga. nur wie reizend! Junge Schwane!» rief nun dre Wort- Are, in von vorhin entzückt und deutete mit der Nein.n Hand ,.J. bie inr Wasser schwimmenden Mövm. Und wie um den '£££ Äffifs ' wissen Sie, wenn det junge Schwane Msnwc Berlin fingt eS, ganz Berlin— von früh bis spät! Man liest eS, man hört es, man athmet es förmlich! Es liegt in der Luft— ein Krankheitikeim, der Bazillus des höheren Blöd- finns! Durch die ftstverrammellen Thüren, durch die dicht- verschlossenen Fenster drängt fich's ein. Der Bäckerjunge, die Waschfrau, die Gemüsehändlerin, der Briefträger bringt'S in's HauS, Jedermann, der dem vielgestaltigen Verkehr der Groß- stadt dient. Die Kinder hören ei in der Schule und lehren ei die jüngeren Geschwister, die noch zu Hause find. ES fingt'S die züchtigt Hausfrau bei der Erfüllung ihrer hausfraulichen Pflichtm und Beschäftigungen und den Mann, der inS feind- liche Leben hinaus muß. begleitet eS auf seinen Berufkwegen..... Leute, die niemals eine Operette gesehen, die von GaSparone niemals etwa? gehört, die so tief ernst und vornehm abgeschlossen find, daß nicht allzu oft etwas ihren Jdeenkreis stört, summen eS vor fich hin— daS Außerordentliche wird Erscheinung— die dummen Verse haben alle Welt ergriffen. Wie entstehen solche Sachen? Wer hat fie zuerst erdacht, ersonnen, gehört? Ist eS ein Gclegenheitidichter, ein VolkSpoet, ein Uebermüthiger, cm Tollkopf, ein Mann, ein Weib, ein Kind—? Niemand weiß Auskunft zu ertheilen auf diese Fragen. EineS TageS hat die Thatsache fich vollzogen, fie ist da, herrschend, gemalt« sam, immer breitere Schichten der Gesellschaft ergreifend, ohne Protest geduldet, nein, nicht bloß geduldet, verhätschelt, ver« wöhnt wie ein ungezogener Liedling— immerhin ein Liebling, wenn auch die Ungezogenheit zugestanden wird. Aus welchen Ursachen entstehi so eine Stavtplage? Wo ist«ein KausalnexuS zwischen dem gesunden Menschenverstände und diesem höheren Blödfinn zu finden? Wo find die psycho- logischen, wo die phyfiologischen Gründe solcher Erscheinungen zu suchen? Haben fie etwa« gemeinsames mit der fixrn Idee Geisteskranker over mit dem ParoxiSmuS der tanzenden Derwische oder der Drehkrankheit der Schafe? Wir wissen nicht, ob fie schon Gegenstand pathologischer Untersuchungen waren, ob daS Leben der Seele Anhaltspunkte tür dieselben giebt,— ater eines steht fest und vieljährige Erfahrungen und Beobachtungen ergeben eS, daß nur die Großstadt und unter den Großstädten vorzugsweise Berlin der Boden dieser Absurditäten ist. Vor einigen Jahren war eS daS„Eins, zwei, drei, bei der Bank vorbei," daS die Metropole in denselben Singzustand versetzte. ES war unmöglich, fich irgendwohin davor zu retten. Daß Melodien populär werden, ist eine natürliche Erscheinung, und war zu allen Zriten und aller Orten der Fall, daß aber ganz thörichte, unfinnige, alberne Worte dieselbe Verheerung erzielen, giebt zu ganz anderen Be- trachtungen Veranlassung. Em Arzt, der fich sehr eingehend mit der Frage beschäfiigie, wollte den Zustand auf«ine Ueber- reizuna der Nerven zurückführen. Er glaubt, daß dai Raissne« ment, ver haar gout der Genüsse, die Subtilitat und Spitz' findigkeil unseres Denkens, der philosophirende, spintistrende Geist— einen Niederschlag heischen, und denselben in diesen finnlosen Versen finden, und auf fich einwirken lassen. ES liegt in dieser Deutung manches, dem man zustimmen könnte, erzahlte Erich Schmidt doch in seiner Lesfingbiographie, daß zur Zeit Friedrich H. eineS Tages ganz Berlin zu einer fimpeln Melodie die Worte sang:„Voltaire hat den Juden bemogelt." Zu jener Zeit war man in seiner Lebensweise noch nicht so überfeinert, in seinem Denken noch nicht so krankhaft, daß man die ordinäre Hausmannskost eines kräftigen UnfinnS auf das tovjovrs perdrix der Geistesfeinheit und Abstraktion hätte setzen müssen— und doch war eS der Fall, man klammerte fich an einen dummen Singsang— waS läßt fich darauf erwidern? „Mutter der Mann mit dem KoakS ist dal» Wer niemals eine« Rausch gehabt, der ist kein braver Mann, aber wenn die Bravheit nach der Stärke deS Rausche« bemessen wird, so dürfte ein hieflger, in der W.straße wohncn« der Techniker zu den bravsten Männern deS Jahrhunderts zu zählen sein, denn sein FastnachtSrausch war großartig und leider von traurigen Folgen begleitet. AuS einer ftöhlichen Gesellschaft helmkebrend, hielten eS zwei seiner Freunde sür ralhsam, ihm daS Geleite zu geben und überlieferten ihn auch richtig seinem Revierwächter, der ihm daS betreffende HauS öffnete und hinter ihm verschloß. Ein später kommender Be- wohner deS HauseS fand den Techniker größtenrheilS enttleidet und fest schlafend auf dem Treppenpodest vor. Mtt Mühe wurde der Schläfer ermuntert und zum Hinaufgehen in seine Wohnung veranlaßt, und der Miether hörte deutlich, wie die Korridorihür geschloffen wurde. Allein in der geöffneten Konidorthür sank der Berauschte abermals schlafend nieder und wurde am Morgen fast gänzlich entkleidet von Hausbewohnern gefunden. Mit Mühe und unt-r ärztlichem Beistande konnte der völlig von der Kälte Erstante ins Leben Mückaerufen wer« den und ei ist zur Zeit noch ungewiß, od die BewegungS- lofigkcit deS linken ArmcS von der Erkältung oder von einem etwa hinzugetretenen Schlagflusse herrührt. Die goldene Taschenuhr deS Berauschten war völlig zertrümmert. Von Frau M. Graffert auS RummelSburg erhalten wir folgendes Schreiben:„Geehrter Herr Redatteur! Heute bekam ich durch Zufall die Donnerstags Nummer JhreS werthen Blattes in die Hände und laS den Artikel den Knaben Röhr« dorn betteffend. Da ich nun die erste Ursache dieses traurigen Vorfalles bin, so ersuche ich Sie, einige Thatsachen, welche in dem Artikel fälschlich angegeben find, zu berichtigen. Zuerst muß ich bemerken, daß es nicht nur einige, sondern 125—150 Briefmarken waren, die einen Preis von 3 Mark repräsentirten, welche mir der R. entwendete. Da ich den Namen deS betr. Knaben nicht kannte, sondern denselben erst am andern Mor» gen'IS Uhr erfuhr, so ging ich allerdings zu Herrn Lehrer Schulz, um ihn zu bitten, die Mappe u. s. w. deS betreffenden Knaben zu untersuchen, damit ich schließlich noch etwas von den Marken rettin konnte. Eine Aufforderung zur Strafe meinerseits ist nicht gefallen, dazu habe ich kein Recht und lag mir auch selbst nichts daran, ob der Knabe destraft würde oder nicht, da» konrten die Eltern abmoch-n. Ich habe nur gethan, was jeder thut, wenn er sein Eigenthum zurückhaben will. Außerdem scheint eS Ihnen befremdlieb, daß ich den R. nicht festnahm und untersuchte. DaS ist auch lediglich meine einzige Schuld, die mir beigemessen werden kann und die ich auch ganz allein verantworten muß. In dem Moment, als ich mich vestohlen glaubte, sah ich sofort dem Knaben scharf inS Geficht, derselbe erwiderte so offen meinen Blick, daß ich eir en Dieb« stahl für unmöglich hielt und denselben auf einen Jrtthum zurückführte. Ich wollte dem Knaben nicht wehe thun. Als derselbe den Laden verlassen hatte, sah ich sofort nach und be- merkte, daß er viel mehr genommen, als ich geglaubt. Mit einer Kleinigkeit hätte ich Den R. laufen lassen und auch nie etwas davon erwähnt. Diese traurigen Folgen sah Keiner voraus, am allerwenigsten ich. Ich kann mich davon frei- sprechen, den Knaben in den Tod getrieben zu haben. Ich möchte aber auch nicht, daß falsche Gerüchte in Umlauf kom men. Hoffentlich wird die ganze Sache ilargestellt werden, wenn eS zu einer Verhandlung kommt. Achtungsvoll Frau M. Graffert. Polizeibericht. Am 10. d Mt?. Morgens wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Spandauerstraße erhängt vorgefunden.— Zu derselden Zeit wurde in einem Kellerraum des HauseS Straußbergerstr. Nr. 7a ein obdachloser Mann neben einem brennenden KoakS- Ofen, offenbar in Folge Ein« athmens ron Kohlen« xydgaS todt aufgefunden. Beide Leichen wurden nach dem Leichenschauhause gebracht.— Zu derselben Zeit versuchte ein Dienstmädchen in der Königarätzerstraße fich mit einem Küchenmrsser den HalS zu durchschneiden. Nach An- legung eineS NothoerbandeS wurde dasselbe mittelst Droschke nach der Cbarttee gebracht.— Am 10. d. M. Mittags wurde vor dem Hause Jnvalidenstr. Nr. 108 ein anscheinend dem Handwerkerstande an gehöriger, etwa 35 Jahre alter Mann be- wußtloi vorgefunden und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— Am Nachmittage desselben TageS gerieth ein Knabe beim Spielen in der Neuen Friedrichstraße unter einirr vorüberfahrenden Omnibus und wurde an Kopf. Schulter und Knie bedeutend verletzt. Er wurde nach der el erlichcn Woh» nung gebracht.— An demselben Tage Abends wurde ein Offizier im Wartesaal deS Anhalter Bahnhofes plötzlich von einem Blutstur, befallen und mußte in Folge dessen nach dem Elisabeth Kranken Hause gebracht werden.— Am 10. d. Mts. Nachmittags wurde die Feuerwehr nach der Kaserne deS 2. Garde-Regiments zu Fuß, Friedrichsstraße Nr. 107, gerufen. ES brannte der Ruß in einem Echoinstein. DaS Feuer wurde bald gelöscht._ Gerichts-Zeitung. Sin Unglücksfall im htestgen Münchener vrauhause beschäftigte u. A. gestern die zweite Strafkammer hiefigen Land» gerichtS l. In dem MaschinenHause der genannten Brauerei ist zur Verhütung von Unglücksfällen Die Anordnung getroffen, daß das Jnbewegungsetzen der Dampfmaschine durch ein Pfeif« fignal angezeigt wird. Dies zu geben, hat der Maschinist Friedrich LouiS Fiedler an einem Novembcrtage de« vorigen JahreS unterlassen und daS Unglück brachte ei so mtt fich, daß der H-izer Ludwig Discher in diesem Moment bei dem Treib» ricmen beschäftigt war und durch daS Ingangsetzen der Maschine in denselben verwickelt und sehr schwer verletzt wurde. Nachdem er zehn Wochen lang im Krankenhause zugebracht, ist Discher heute noch nicht wieder arbeitsfähig. Mit Rückficht auf diesen schlimmen Erfolg belegte der Gerichtshof den Angellagtcn mit einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten. Wegen unbefugter Aufführung de» Martin Böhm» schen Stücke»„Der Feldprediger von verlin" standen gestern die Theaterdirettoren Siezmund Brlnkenhoff und Richard Quarg vor d