Kr. 63, Dienstag, den 16. Marz 1886. m. Jahrg. 1 mW M**' gehokW Tä erlittet WblWI Mgan für die Interessen der Arbeiter. 4 ¥ liilimlltfianfe Frechheit. . Wen« cS eine Partei in Deutschland giebt, welcher Be itytbenljeit, volle und ganze Bescheidenheit geziemte, so ist die nationalliberale. Der jähe Sturz von der leitenden, '»n einem großen Theile des Volle« vergötterten parlamen- mischen Partei zu einer schwachen, führerlosen, im Volle pachteten Partei ist doch wahrlich eine Lehre, die man nicht "»beachtet lassen sollte. Aber mein! Gerade wie der nationalliberal gewordene Ueche« Austreten zu verdecken. %.Und die die« hauptsächlich thuv, sind durchweg die »rationale» in den Kleinstaaten und anneltirten preußischen Provinzen, während die altpreußischen Nationalliberalen »och noch immer den Anstand zu wahren und ihr Geschick «rt Würde zu tragen wissen. . Ist da die Wahl eines nationalliberalen Brauereibesitzer«, °r« Herrn Zeitz von der Wahlprüfungskommission r* Reichstags für ungiltig erllärt worden; diesem Votum j!|»«r Kommission wird sich sicherlich der Reichstag in seiner Morität anschließen. Anstatt daß nun die nationalliberalen Rätter de« ersten meiningischen Wahlkreise« ihre Wähler F reuen Kraftanstrengungen, den alten Kandidaten wieder .urchzubringen, anfeuern, wa« ihnen sicherlich nicht verwehrt % schimpfen sie auf die RnchStagimajorität. Zunächst auf den Abg. Richter, dessen Wahl wegen �ehörden! und nicht die Richter'jchen Wähler oder die »eutschfreifionige Partei. Unrechtmäßige Verbote sozialdemo» statischer Wählelversammlungen und Wahlkomitee« sind «rund zur Beanstandung der Richterschen Wahl. Dann schimpfen die meiningischen Blätter weiter auf bie Sozialdemokraten und das Zentrum, weil die Ver- 'tfter derselben in der Wahlprüfungskommission gegen die Billigkeit der Wahl de« Abg. Zeitz sich erklärt haben. � Der Hauptgrund aber zur UngiltigkeitSerklärung dieser �ahl find„grobe Formverstöße-, w?Iche die siegende natio» �liberale Partei und ihre Freunde selbst verübt w&en. Vor allen haben die Kriegervereine und ihre Obristen in geradezu bedrohlicher Weise Wahl- »kinflussungen geübt. � So etwas läßt sich eben der deutsche Reichstag nicht �ehr bieten. Er will das HauS rein halten von Elementen, »t lche durch künstliche Mittel, durch unrechtmäßige Beein- Miungen aller Art in den ersten gesetzgebende» Körper Das nasiltize Ehrpalir. (Nach Chambers Journal im Nordwest.) (Schluß.) , Unter den 004 dem Hintertheil de« Schiffes und sah einen �iela,??' ,m Wasser verschwinden; dann gewahrte er im "»b m\ b«ei Köpfe, einen dunklen, einen kleinen blonden hoch von den Wellen getragen, den bunten her».. Matrose, der auf dem Hinterdeck putzte, lief »efan""d rief dem Kapitän zu: Ihr Sohn ist über Bord 'bru»� Kapitän, und ein Passagier ist ihm nachge- Augenblicklich lag die Hand de« Kapitän« am de« äi'g�aphen, und die Signale gingen in die Tiefen »ar v�'lle«. Der Maschinist saß mit ein paar Gehilfen %**** jßoßen Maschinen, in der au« Tage«licht und rlr gewischten Dämmerung, welche in jenem »(%,«.rj�sch� Einige von den Leuten hatten sich auf ju iFjui �jl'.ee des Fußbodens ausgestreckt, denn eS war nicht« gut im%. Die Maschine arbeitete mit voller Kraft und war ,,, a"üe; einer erzählte gerade eine Geschichte, da er- »et q.'; m Erstaunen aller die Glocke des Telegraphen, und WS* auf der Signalscheibe, der auf„Füll Speed- hatte, rückte nach„Stand 69- Wa« ist los? ist z,;a durcheinander. Wieder klang die Glocke, und �eken? rückte auf„Stopp!- Die Maschine kam zum . i>IIe L.• Schraube drehte sich nicht mehr; eine seltsame s°ust i,[m Maschinenraum ein, und das Ztttern, da« %** bZV" g°»ze Schiff aeht, hörte auf Alle sahen 'tilget �..Telegraphen. Die Glocke klang wieder, und der -Half Ep��/ch:«Rückwärts, langsam,- gleich darauf nach .�Uf 3% fand der Maschinenmeister seine Stimme wieder: "»d 5.:®'st wa« passirt. Einer von euch laufe hinauf schnell Bescheid. "h'l, einer von den Heizern, mit nackten Füßen und Deutschlands hineingebracht worden sind. Und da« ist nicht blo« sein Recht, sondern auch seine ernste Pflicht. Dies verlangt daS Volk von ihm, wenigsten« der größte Theil des Volke«, der das allgemeine gleiche Wahlrecht hochachtet als ein Palladium de« Rechte« und der Freiheit. Zedoch den Nationalliberale» gegenüber von Recht und Freiheit sprechen— daS ist vergebliche Mühe, so vergeblich, als mit dem Fingerhut das Meer ausschöpfen zu wollen. Diese Herren haben längst vor dem Liberalismus keine Achtung mehr, sonst würde« sie nicht fortwährend daS gleiche Recht attaquiren, sie haben aber noch weniger Respekt vor der deutschen Nation, sonst würden sie nicht bei jeder Gelegenheit den deutschen Reichs» tag, diesen ersten nationalen Vertretungskörper, in widerwärtigster Weise herunterzusetzen suchen. Sie sind ja bekanntlich willenlot hinter dem ReichSl kanzler hergelaufen, als derselbe im Unmuth da« partiku- laristische preußische Abgcordnetenhau« gegen den deutschen Reichstag ausspielte.--- Und in dem vorliegenden Falle, bei der Ungiltigkeit«» erklärung der Wahl des Abgeordneten Zeitz erdreisten sich die nationalliberalen Organe in Thüringen, bei einer bevor- stehenden Neuwahl der Majorttät des deutschen Reichstags die Drohung zuzuschicken, daß die nationalliberale Partei im ersten meiningischen Wahlkreise den Gegnern bei der Neuwahl gründlich zeigen würde, wa« ein solcher Wahlprotest zu bedeuten habe. So l Die ReichStagSmajoritiit hat de« Wahlprotest in der Art gewürdigt, daß eine Ungiltigkeit der Wahl auSge- sprochen wird— eS sind Wahlbeeinflussungen von der siegenden Partei, der nationalliberalen vorgekommen, welche den Beschluß des Reichstages herbeiführten. Das gemrt diese Herren aber nicht, zu drohen, sie würden dasselbe Spiel noch weiter treiben. Diese freche Auflehnung gegen den Reichstag würde später der Reichstag sicherlich nochmals zurückweisen und so die nationalliberalen Wähler im ersten meiningischen Wahl- krei« schon mürbe kriegen. Und d a S ist bei Nationallibe» ralen überhaupt nicht schwer, die jetzt nur im Gefühl ihrer Ohnmacht kläffen und belfern.--- Möge der Reichstag aber fortwährend so wie in de» letzte» Jahren die W a h l f r e i h e i t schützen; er wird dadurch viele seiner Sünden wieder gut machen. Da» Geschrei der Nationalliberalen aber zeigt ihm, daß er hier die richtigen Wege wandelt. Politische Ueberstcht. Der Plan einer deutschen Ausstellung in verli« nähert sich der Verwirklichung. Unsere Anficht über die AuS- nackten Schultern, stand am Fuß der fast senkrechten eiser- nen Leiter; auf da« Wort des Maschinisten kletterte er so flink wie ein Affe hinauf, aber er kam nicht wieder. Dan« lief ein andrer ihm nach und brachte athmenloS Bescheid von dem, was vorgefallen, und erzählte, er habe Michel in dem , das zur Rettung ausgeschickt werde. Nun stürzten alle die fortkonnten, aufS Verdeck, um zu sehen, Boot gesehen, das zur Rettung«»«geschickt werde. n alle die fortkoi wie"eS würde. Der Obermaschinist wollte seinen Posten nicht verlasse«. Da» Umdrehen der Maschinen hatte de« Dampfer jetzt znm Stehen gebracht. Da« nächste Signal kam:„Langsam," und das gute Schiff zog langsam auf seiner Spur rückwärt«. Der Kapitän, der keine« Augenblick seine TeisieSgeaen- wart verlor, hatte beim ersten Ruf, während er in den Ma- schinenraum telegraphirte, dem zweiten Offizier ein Zeichen gegeben, und dieser rief hinunter: Mann über Bord I Tretet an und setzt daS Boot au«. Die Matrosen, die gerade auf Deck waren, liefen hin, um diese» Befehl auszuführen. Ein Bootsmann und 4 Mann traten sofort zusammen, daS Boot wurde schleunigst in« Masser gelassen, und die Leute griffen zu den Rudern. Ehe es abstieß, rief der Bootsmann hinauf: Ich brauche noch einen Mann vorn! Michel der Heizer wartete auf keinen Befehl; er faßte die Taue, schwang sich über Bord und glitt in da» Vordertheil de« Boote« nieder, da« nu« sofort abstieß. In demselben Augenblick warf Frau Fairmount, die an die Seit« de» Schiffes gelaufen war, den schottischen Plaid in das Boot hinunter, auf welchem ihr Mann auf Deck gelegen hätte. Frau Fairmount war ganz ruhig, aber e« schien, al« wenn die ander» Reisenden sich scheuten ihr nahezukommen. Einige von den Damen fielen in Krämpfe. Alle andern beobachteten mit der größten Spannung den Kur« des Boote« und versuchte« das Kind und den Schwimmer weit hinten in der Ferne zwischen den Wellen herauszufinden; der Dampfer hatte noch mehr als eine Viertelmeile zurück» gelegt, ehe das Boot ihn verlasse» konnte. Die Leute im Boot ruderte» gewaltig. Die Passagiere konnten sehen, wie der Bootsmann und der Mann vorn aufstanden und in de« Wogen umherspähten, aber selbst stellung ist unseren Lesern bekannt. Wir haben schon wieder» holt erllärt, daß Berlin längst an der Reihe sei, eine int er« nationale WeltauS st ellung herzustellen; wir haben den maßgebenden Gewalten Vorwürfe auf Vorwürfe gemacht über ihre Unterlassungssünden und erklärt, daß Deutschland, welches in militärischer Beziehung an der Spitze der Stationen steht, fich endlich auch emporraffen möge, in wirthschastllcher und künstleri!cher Hinsicht den Rang einzunehmen, der ihm ge- bührt. Dazu aber würde eine Weltausstellung in Berlin wesentlich beitragen. Wir haben auch wiederholt darauf hin» gewiesen, daß Weltausstellungen zur Versöhnung der Nationen beitrügen und daß wir ste deshalb als VölkerverbrüderungSfeste mit Freuden begrüßten. Diese unsere Ansichten haben wir nicht geändert. Da aber für jetzt an eine Welt- auSstellung in Berlin nicht zu denken ist, schon deshalb, weil 1889 in Pari» eine solche in Verbindung mit dem hundertjährigen Erinnerungstag der ersten großen französischen Revolution, welche Licht und Freiheit in wirthschaftlicher und sozialer Beziehung weit über die Grenzen Frankreichs hinaus verbreitet hat, stattfindet, so nehmen wir auch mit einer allgemeinen deutschen Kunst- und Jndustrie-AuSstellung für das Jahr 1888 in Berlin vorlieb, da wir der Meinung find, daß dieselbe immerhin eine Anregung giebt zur Förderung der wirthschaftlichen Interessen unsere« Vaterlandes. Jedes Zusammenströmen von Kräften, welche demselben Ziele zusteuern, kann nur mit Freuden degrüßt werden und wird, wenn auch vielleicht keine reichlichen, aber doch immerhin einige Früchte tragen. Außerdem ist Berlin im rapiden Aufblühen begriffen; dasselbe zu unterstützen, ist Jede» Pflicht und auch die unsere— eS wäre in der That kein Unglück, wenn Berlin für Deutschland würde, waS Paris für Frankreich ist. Der Widerstand, der in Deutschland Haupt- sächlich sich gegen die deutsche Ausstellung in Berlin gebildet hat, ist durchweg ein p a r t i k u l a r i st i s ch e r, der glücklicherweise nach und nach überwunden worden ist. WeShalb wir aber ganz besonders wünschen, daS die allgemeine deutsche Ausstellung in Berlin im Jahre 1888 glänzend und glorreich ausfallen möge, daß ist d'r Gedanke: die deusche Kunst und Jndustie wird dann mit Selbstbewußtsein auf sich blicken und alle Kraftanstrengungen machen, daß die Völker der Welt bald schon zu einer WeltauS st el- lung.zueinem friedlichen Wettkampfeinge- laden werden nach des Deutschen Reiche» Haupt st ad t.— Schon deshalb drängen mir alle kleinen mit Ferngläsern vermochten sie nicht» von dem Schwimmer zu entdecken. Ein berühmter General, der ein große« Heer zum Siege geführt hatte, war an Bord; er kannte da» Ehe- paar Fairmount nicht, aber er trat jetzt auf die Frau zu, nahm den Hut ab und sagte: Gnädige Frau, Ihr Herr Gemahl thut ein edle» Werk. Solch unerschrockener Muth ist ei« großartiger Anblick. Ich hoffe, daß Sie ihn bald wiederhaben werden. Wollen Sie mtt auf die Brücke kommen, wo der Kapitän ist, und von wo Sie das Meer besser übersehen können, und wolle» Sie vielleicht mein Fernglas benutzen? O, ich danke! sagte sie. Da« will ich gern thun— fall» der Kapitän e« erlaubt, setzte sie lächelnd hinzu. Aber ich glaube nicht, daß mein Mann in Gefahr ist; er ist schon oft lange im Wasser gewesen und kann auch in seinen Kleider« gut schwimme». S« ist noch hell genug, daß da« Boot ihn finden kann. Ich hoffe nur, daß er de» lieben kleine» Jungen ftüh genug eneicht. Das Boot muß bald bei ihnen sein. Der General führte Frau Fairmount auf die Brücke und sagte dem Kapitän ein Wort. Der Kapitän ttat zu ihr heran und sagte: Da« Boot ist sitzt dicht bei ihnen; ich habe ste eben vor kaum einer Minute durch mein GlaS oben auf einer Welle gesehen.„ Können Sie sie noch sehen? Sind sie zusammen? fragte Frau Fairmount...._.. Ja, erwiderte der Kapitän, ich glaube eS.— Aber ferne Stimme klang plötzlich wie gebrochen, und er faßte Frau Fairmount« Hand. Ich beobachtete mein Kind von hier au» durch das GlaS, bis e» so tief sank, daß ich e« kaum noch sehe« konnte; und gerade al» eS unterzugehen schien, schoß Herr Fairmount über die Stelle hin, wo e« war, und ich sah an einer Handbewegung, die e, nach demSchiffe zu machte, daß er es gepackt hatte. Er wartet jetzt auf da« Boot.— Wa« für ein prachtvoller Schwimmer! Ja, er schwimmt gut, versetzte die Frau. Ich freue mich daß er in der Nähe war. Ich glaube gewiß, Herr Kapitän, daß er Ihren kleinen Jungen wohlbehalten zurück-. bringen wird. Bedenken, die mit mehr oder weniger Recht gegen eine allge- meine deutsche Ausstellung in Berlin jetzt gemacht werden, gern zurück. Da» Nichterscheinen des Kanzlers in der Vranvt- Weinmonopol Kommission wird noch immer lebhaft kommen- tirt Jedenfalls um den Herrn Vizekanzler aus seiner schiefen Lage zu bringen, wird der„Kölnischen Zeitung", die fich viel- fach offiziöser Mittheilunaen erfreut,„auS der unmittelbaren Umgebung" des Fürsten Bismarck folgendes mitgetheilt:„Der Reichskanzler hat ursprünglich die Absicht gehabt, an den Ver- Handlungen deS Reichstages über die gedachte Vorlage theil- zunehmen. Als am Sonnabend Morgen zu feiner Kenntnis) gelangte, daß unter den Reichstag smitgliedem daS Gerücht verbreitet werde, er sei ein Gegner deS Monopols, glaubte er selbst den Rath seines ArzteS außer Acht lassen und in die Sitzung deS Reichstages gehen zu sollen. Inzwischen aber verschärften fich die rheumatischen Schmerzen so bedeutend, daß ihm das Sprechen unmöglich wurde, und der Reichskanzler wählte daher den schriftlichen Weg; er richtete an den Staats- minister von Bötticher das Schreiben, welches letzterer im Reichstage zur Verlesung gebracht hat. Ei geschah dies zu einer Zeit, wo die Verhandlungen vom letzten Tage der Mo« nopolderathung und die Zusammensetzung der Kommisfion dem Reichskanzler noch nicht bekannt waren. Nachdem er die Rede deS ZentrumssührerS am Schluß der Verhandlung gelesen, mußte er über seine Theilnahme an den KommisfionSverhand. lungrn nothwendig anders denken, und das Ergebniß der Wahlm zur Kommisston konnte ihn in seiner Sinnesänderung nur bestärken. Herr Windthorst erklärte klipp und klar, daß er entschlossen sei, auS der Kommisston nichts Pofitives herauskommen ,u lassen, und im Verein mit seiner freifinnigen, pol- Nischen und sozialistischen Gefolgschaft ist er seines Erfolges sicher. Fürst Bismarck sollte nach Wunsch deS Herrn Windt- Horst in der Kommisston nur zu dem Zweck erscheinen, damit er, der ZentrumSführer, dessen Erklärung entgegennehme. Daß der Kanzler de» Reichs fich eine solche Rolle nicht zumuthen läßt, daS dedarf keiner weiteren Ausführung."— Wenn diese Mittheilungen auf Wahrheit beruhen sollten, so hätte ja erst recht die„kleine" Exzellenz über die„große" Durchlaucht einen Sieg davon getragen. Unsere WahrscheinlichkeitSberechttung t« Bezug auf den Ausfall der Berathungen des Sozialistengesetze» wird offiziöserseitS stark kommentirt. Eo erhalten der„H a m« bürg. Rottes p", die Münchener„Allgemeine Zeitug" und die„Elberfelder Zeitung" folgende gleichlautende Mittheilung aus Berlin:„DaS„Berliner Volki- dlatt", Organ dersl Arbeiterpartei, rechnet bestimmt mit der Wahrscheinlichkeit, daß da» Sozialistengesetz schließlich vom Reichstag« ohne die Windthorst'schen Anträge werde angenom« men weiden. ES denkt sich die Sache so. daß man, während die Bänke der Nationalliberalen und Rechten bis auf den letzten Mann besetzt find, vom Zentrum viele sehen werde, die nicht da find, daß einige„Bourgeoisfanatiker" aus den Reichslanden die Reise machen, um mit Ja zu stimmen, daß der F-isinn einige Lücken aufweise und daß Zentrumsleute in genügender Zahl für daS Gesetz eintreten— e» gelte ja dem Todfeinde der Kirche— um die Annahme mit 20 bis 30 Stimmen Mehrheit zu ermöglichen. Dadurch werde da» Gesetz zu einer stän- digen Reichsinstitution erhoben weiden. JnRegierungS- kreise n soll man nicht so sicher in derBerech- n u n g sei n."— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeit» ng" ist ihrer Sache sicherer- Dieselbe erklärt, daß da» „Berl. Volksblart" mit dem von ihm vermutbeten wetteren tarlamentarischen Verlauf deS Gesetzes wohl das Richtige treffe. )ann bringt das ossiztöse Blatt den Schluß unseres Artikels, der lautet:„Das Gesetz wird dann mit einer Majorität von 20—30 Stimmen wiederum angenommen und in der That dadurch zu einer ständigen Reichsinstitution er» hoben werden."— Dazu sagt daS Kanzlerblatt, daß b i S auf den letzten Punkt diese Annahmen de»„Berl. Volksblatt" im Wesentlichen zutreffen dürsten. Die„Nordd. Allg.Ztg." ist also entgen gesetzter Anficht, wie der OsfiziösuS der genannten auswärtigen Zeitungen; nach ihrer Meinung ist man in den Regierungskreisen sicher, daß das Sozialistengesetz wieder verlängert wird- Daß die„Nordd. Allg. Ztg." sich dagegen wehrt, daß da» Sozialistengesetz zu einer stän« digen RelchSinstitution erhoben werden solle, liegt ja sehr nahe— doch ändert diese Verwahrung an der That« fache selbst nichts, besonder» wenn man bevenkt, daß die Regierung die Verlängerung des Gesetze» auf fünf Jahre deantragt Hot. Zur Reichstagsauflösuna. Wenn vielfach die Behaup« tung ausgesprochen wird, die ReichSregierung sei entschloffen, in dem Falle der Ablehnung der beantragten Verlängerung deS Sozialistengesetzes auf fünf oder auch auf zwei Jahre, den Reichstag aufzulösen, oder richtiger, die Auflösung desselben im Bundesrathe zu deantragen, so glaubt die„Mgv. Ztg" allen Grund zu haben, diese Behauptung für durchaus unhümlich zu kalten.„Unseres Wissen» dentt die Regierung nicht an Auflösung des Reichstage?, da sie der Meinung sein dürste, Herr Fairmount war so schnell über Bord gesprungen, daß er nicht sehr weit von dem Kmde in» Wasser tauchte; er wußte aber, daß alle« davon abhiag, wie bald er e« er« reichen konnte, und er sah e« nur dann, wenn die Welle« sie beide zugleich in die Höhe trugen, das genügte indeß, um ihm die Richtung zu geben. Ohne sich darum zu grämen, daß der Dampfer mit der Schnelligkeit von fünf« zehn Meilen die Stunde sich von ihm entfernte, und er mit einem kleine» versinkenden Kinde in der Mitte des großen Atlantische» Ozean» allein zurückblieb, schwamm er so rasch wie möglich, sah da» Kind an der Seite einer Welle, schnellte sich dahin und ergriff e« beim Arm, al» e» gerade sinken wollte. HanS, der ganz hübsch schwimmen konnte, hatte sich so lange tapfer gehalten; gerade jetzt über- wältigte ihn die Furcht, er ließ die Hoffaung fahren; aber nun faßte er sich zusammen und griff mit einem Schrei«ach Zohn Fairmount» Bart. Fairmount hob den Kopf d«S Kinde» so hoch empor, wie er konnte, und legte dessen Wange an seine eigene, während er den linken Arm um Häuschen» Körper schlang. Hau» begann sich von seinem Schrecken zu er- holen, und da er oft in»och kälterem Wasser gebadet hatte, al» die See jetzt war, so that ihm da» weiter nicht viel, da er sich jetzt anfassen konnte. Na, Hänscheu, sagte Fairmount. den« mich was machst du jetzt? Warum bist du denn in« Wasser gesprungen? O, bring mich doch zurück zu Papa— bring zurück«ach dem Dampfer. Wo ist der Dampfer? Jetzt mußt du ganz ruhig sei» und dich nicht unartig anstellen, sagte Fairmount. Wir müsse« warten, bis wir geholt werde«. Dein Vater schickt uns ein Boot.— Friert dich, HänSche»? Nein, nicht viel, sagte Han«, aber zeig mir, wo der Dampfer ist. Na, sagte Fairmount, wisch dir mal an meiner Backe da» Salzwasser au« den Auge«, dann will ich mich um« drehen, in« wir das Gesicht nach dem Dampfer haben, und sobald wir dann oben auf eine Welle kommen, mußt du schnell hinsehen. Sie sahen hin, und da lag etwa eine Viertel» «eile entfernt da» große Schiff mit den vier Masten und daß Neuwahlen zur Zeit keinen weniger regierungsfeindlichen Reichstag dringen werden als den jetzigen. Die Zusammen- setzung des neuen Reichstages dürfte vielmebr ungefähr dieselbe bleiben. Die Regierung wi d leinessalls die Windlhorst'schen AbschwächungSanträge annehmen, dagegen im Fall der Ab- lehnung deS ganzen Gesetzes die Verantwortlichkeit auf die be- treffende Mehrheit des Reichstags schieden und ihrerseits zu sehen, wie weit sie im Stande ist, auch ohne Sozialistengesetz gegenüber dem dann zu erwartenden stärkeren Anstürmen der ioztaldemokiattschcn Fluth in Presse, Vereinen und Versawm- lungen die öffentliche Ordnung und den Schutz der nicht sozial« demokratisch gesinnten Staatsbürger auirecht zu erhalten. Sollten die Thatsachen der dann folgenden Entwickelung deS öffentlichen Lebens den Beweis führen, daß ohne Ausnahme- bestimmungen gegen die Sozialdemokratie die Ordnung nicht in der erwünschten Weise überall aufrecht erhalten werden kann, so dürfte dieRegierung als dann denZeitpunkt für gekommen'erachten, vor einen neuen oder erst neu zu wählenden Reichstag mit erneuten Gesetzesoorschlägen zu treten."— Wir find nickt der Meinung der„Magd. Ztg.", welche der liberalen Oopofition mehr Widerstandskraft zutraut, als wir. Der Reichskanzler weiß, was er dieser breiartigen Opposition bieten darf und er wird eS ihr bieten. Und wenn die fortschrittlichen Abgeordneten diesmal noch so tapfer find, die deutschfreifinnigen Spießbürger im Lande knicken noch immer vor einem reichskanzlerischen Etirnrunzeln zusammen wie Taschenmesser. Zum Sozialistengesetz läßt fich die„Franks. Ztg." auS Berlin schreiben:„Im Reichstage hat es in letzter Zeit nicht an Bemühungen gefehlt, eine Majorität zu Stande zu bringen, die das Sozialistengesetz nach den Windthorst'schen Anträgen amendirt annehme, in der ficheren Voraussetzung, daß die Re« gierung daS Gesetz dann ablehne. Es wäre daS der einzig mög liche Weg, die V e r l än g er u n g de S Gesetzes,» verhüten. Die Versuche sind aber alL ge- scheitert anzusehen, weil die Sozialdemokraten nicht nur selbst gegen daS amendirte Gesetz stimmen werden, sondern auch verlangen, daß die Freiflnnigen dasselbe thun." Ein Uriheil über die deutschfreisinnige Partei. Das nationalliberale„Leipziger Tageblatt" schreibt:„Seit geraumer Zeit ist nun die deutsch freisinnige Partei in eine Art Kartellverhältniß mit dem Zentrum und den Sozial- demokraten getreten, und ste hat damit das Maß des schmachvollen AergernisseS erfüllt, welches ihre Hai« tung in den Augen aller Patrioten hervorbringt. Wie weit die Abstreifung deS nationalen Empfindens bei den Deutschfrei- finnigen bereits geht, daS haben sie bei den Polendebatten und bei der Behandlung der Kolonialfragen gezeigt.— Die deutsch- freisinnigen Redner im Reichs ag schäumen auf, wenn ihnen diese antinationale Haltuug vorgehalten und der Werth ihres Patriotismus darob angezweifelt wird, aber an der Thatsache, daß daS Reich und seine Institutionen heute in der deutsch- freifinnigen Partei nur noch sehr schwache Stützen finden, wird deshalb nicht? geändert. Unter den Parteikämpfen ist daS Ver- ständniß für nationale Fragen in dieser Partei so weit abgestumpft, daß ste den ganzen Gang der Ereignisse in den letzten 25 Jahren verleugnet und meint, daß, wie«s ver Ada. Träger in Leipzig behauptete, die„deutsche Einheit dem Fürsten Bis- marck als reise Frucht in den Echooß gefallen ist". Dem Reichskanzler Dankbarkeit zu bekunden für dai, was er an unserem Vater lande gethan und ihn zu unterstützen, bezeichnen die Deutschfreifinnigen al»„hündische Schweifwedelei", und der größte aller lebenden Staatsmänner muß es fich ge- fallen lassen, daß er heute von beut chfreifinnigen Rednern im tarlament und in deutschfreifinnigen Blättern in schimpflicher leise angegriffen wird, wie eS früher vor dem Erlaß deS Sozialistengesetzes nur die sozialdemokratischen Blätter thaten. Herr Eugen Richter, der„Höchstkommandirende" der Deutsch. freiflnnigen, hält den Zeitpunkt wieder für günstig, um im Reichstag, wo er schon früher einmal das bekannte Wort:„Fort mit Bismarck", sprach, eine seiner Reden mit dem Satze zu schmücken,„So kann, so darf nicht weiter regiert werden." Und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß dieser Eniwicke, lungsgang der deutschfreifinnigen Partei noch nicht abgeschlossen ist. Diese Partei, daS ist ihr unabänderliches Schicksal und da» hat schon eine ihrer früheren Größen, Johann Jacoby, ge,eigt, rutscht immer tiefer und tiefer und wo sie schließlich anlangen wird und anlangen muß, das ist klar— bei der Sozialdemokratie, die sie ja auch schon jetzt bei den Wahlen und bei anderen Gelegenheiten unterstützt, um natürlich auch umgekehrt den gleichen LtebeS dienst geleistet zu erhalten."— So das nationalliderale Blatt. Was dasselbe sagt, ist ja ungemein nett— wenn's nur wahr wäre! Die„Freie Presse für Berg und Mark", deren Ver- bot bekanntlich von der ReichSkommisfion aufgehoben worden ist, soll vom 27. d. M. an in Elberfeld wiever weiter erscheinen. Redakteur war bekanntlich Herr Ferdinand GtlleS, der auch die Redaktion fortführen wird. Zur Bildung der„Gebildeten". Im Einjährig. Frei« willigen-Examen, welches am 11. und 12. dieses Monat« in de» niedrigen rochen Schornsteinen fast ganz still auf dem Wasser; aus den Sicherheitsventilen stiegen weiße Dampf- wölke» auf. Fairmount konnte sehen, daß das Oberdeck und die Schanzverkleidung und da» unter« Takel» werk von Leute« vollgepfropft war; es schien alle», waS an Bord war, herausgekommen zu sein. Al» die nächste Woge sie emporttug, sah plötzlich alle« anders au»: die Sonne war untergegangen. Fairmount sah sie gerade verschwinden, die Oberfläche de» Wassers wurde vunkelgrau, aber auf de» Masten und Schornsteine« de» Dampfer« lag«och für ein paar Sekunde» das helle gelbe L'cht. Die beiden, der Mann und seine kleine Last, schwammen so tief, daß die Lrute im Boot sie noch nicht gesehrn hatte«; aber er sah das Boot gerade als die Sonne verschwand und wußte nun, von wo er e» zu erwarten hatte. Er zog au« fewer Rocktasche ein weiße« Taschentuch und schwenkte e» laut rufend, sobald sie oben auf der Welle waren; aber der Ruf blieb unbeachtet, da» Wasser schoß unter ihnen weg, und sie waren wieder in der Tiefe, ehe da» Boot hoch kam. DaS nächste Mal gelang e» besser. Beim Emporsteige» des Bootes hörte der Bootsmann de« Ruf und sah die Schwimmer«uf einer Welle. Der Kur» des Bootes wurde ein wenig geändert, und in wenigen Mmuten lag e« quer vor ihnen. »# $ Die ganze Zeit hindurch hatte Fairmount sich damit begnügt, Wasser zu trete», scharf auszusehe« und Han» zu«rmuthigen; viel länger hätte Han» aber nicht Srand gehalten. Der Schreck und die Kälte fingen an ihn zu lähmen; gerade als da« Boot herankam, schlössen sich seine großen Auge», und sein Köpfchen fiel schwer an Farrmount« Wange. Jetzt übernahm der Bootsmann die Führung. Lasse» Sie sich Zeit, Herr, rief er aus. Wie ist'S mit dem Zungen? O, eS geht wohl, sagte Fairmount; vor einem Augen- blick war er«och ganz munter. Vorsichtig jetzt, rief der Bootsmann; sachte, Jungen! Merseburg stattfand, bestanden von e l f Aspiranten nur z» mitmacht. Herr Senatspräsident Tessendors, den Berliner»r- bettern sehr wohl bekannt als Staatsanwalt am Berliner Laiii» gericht— man gab damals dem verehrten Herrn den Nam? „Sozialistentödter"— soll an Stelle des verstorbenen Frei- Herrn von Eeckendorff zum Ober.Reichsanwalt ernanm worden sein. Oesterreich-Ungarn. In Angelegenheit der Betheiligung Oesteneicks an bn Pariser Weltausstellung im Jahre 1889 werben Anzeichen wahrnehmbar, so schreibt ein Wiener Blatt, daz man fich hier in dreser Frage, und zwar sowohl in den sta«' lichen al« industriellen Kreisen, sehr kühl verhalte. Die Ursnoe ist vor Allem darin zu fuchen, daß man mit Rückficht auf b« ftanzöstschen Zustände nicht überzeugt davon ist, daß genügerbe Bürgschaften für die Sicherheit geboten seien, welche dock b»» erste Erforderniß für die Entsendung von Ausstellunasodjlltt» bilden muß.— Eo die Nachricht aus Wien.— Wir hak* schon früher einmal betont, als ähnliche Befürchtungen seiteiv deutscher Blätter in Be>ug auf die Betheiligung des Deuitänr Reichs an der Pariser Weltausstellung laut wurden, daß die- selben grundlos seien. Wenn jemals die franzöfische NaM zur Gastlichkeit gestimmt sein wird, dann ist fie eS an den bundettjährigen Crinnerungitagen der ersten großen ftanzöfis«0' Revolution, welche Freiheit und Humanität cerkündete. Eine Nichtbetheilirung Oesterreichs sowohl als Deutschland« an der Pariser Weltausstellung wäre in der That ein gemeiner Mißgriff, der tief in das eigene Fleisch einlchnettu» würde. Fr aurreich. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Baihaut, wies k der Deputirtenkammer die Beschwerden des soziaW' sehen Deputirten Camölinat bezüglich der Arbeitseinstellung Decazeville zurück und versprach, demnächst einen Gesetz«ntw>m behufs Reform der Bergwerksgesetzgebung einzubringen. E«* von dem Oppottunisten Letellter beantragte Tage�ordnM. welche daS Vertrauen der Kammer zu der Initiative der gierung hinfichtlich einer Reform der BerawerkSgesctzgebuNll ausspricht, wurde, obgleich dieselbe von dem Ministerium akfp' tirt worden war, von der Kammer mit 256 gegen 226 6'®' men abgelehnt. Die Rechte hatte sich der Aostimmung trI' halten. Eine von dem Deputitten Viette? vorgeichlageee Tagesordnung deS Inhalts: die Kammer, von der Nothwr»' digkett einer Revision der BergwerlSgcsetzgebung behufs Si««' stellung der Reckte des Staat» an der Erhaltung der werke und der Interessen der Arbeiter überzeugt, nimmt von den Erklärungen der Regierung— wurde mit 251 gtliss 239 Stimmen ebenfalls abgelehnt.— Der G e m e i n d e r a U von T o u I o n hat daS Beispiel der radikalen Etadtväter bo franzöfijchen Hauptstadt nachgeahmt und 500 Fr. zur Unw' ftützung der streikenden Bergleute von Decazeville vonw — AuS Decazeville telegraphirt man dem„Temps", eene» fanatischen Bourgeoisblatte:„Die Kammerdebatte wird«f« den Bergleutm, die zablreiche Gruppen auf den Straßen bilkn, lebhaft erörtert; doch ist die Ordnung ungestört. Der Bürql«- meister von Decazeville hat die 10000 Fr., die der Paew' Gcmeinderath für die nothleidenden Bergleute bewilligt der ihm vom Sclnepräfekt gegebenen Weisung entsprecht*?' nur an die Bedürftigen von Drcazeville und nicht auch an«' der Nachbarorle Combes und Firmy veitheilen lassen, trotz«' ihm von Abgesandten der Ardeiter gemachten VorstelluNfP' Es herrscht darüber lebhaftes Mißvergnügen. Petitjean,»ss waltungSratb der Bergwerksgesellichaft und zugleich Mitgv«? der Armenpflege, erklarte, er wünsche an der Vertheilung«% Geldes keinen Antheil zu nehmen. Die Ankündigu»» von Unterstützungen seitens verschiedener meindebehörden regt die Gemüther auf u" trägt zur Verlängerung eines ZustandeS bei, der für die Send verderblich rst. Die Lage der Gesellschaft wird hwieriger."— Die demokratische„Frankfurter Zeitung". L ' fingt, laßt F lUtivrn*(suj ftu v t»| u**» ui in v fr ii* jyvuu| w fr u#» v fr � fall der Aroetter in Firmy. Doch wird gehofft, die � nähme der Tagesordnung Brouffe, welche ein direktes greifen deS Staats ausschließt, werde beruhigend wirken. Wir find gerade im GegentheU der Anficht, daß sich T, Situation in Decazeville durch den Abfall der Arbeiter- Firmy zu verbessern scheint. Es kommt ja lediglich doj® an, od man die Angelegenheit vom Standpunkt eines B o v geois oder eineS Arbeiters ansteht. Grosibritanuien.„„ In South shieldS fand eine Demonsttation Mattosen gegen die Anstellung von Ausländern auf englii®-. Fahrzeugen statt. Später wurde eine öffentliche Versamwlr®° abgehalten und eine Resolution angenommen, welche(st»* ganz vorsichtig. Einer faßt da» Kind beim Arm, einer k* Fairmonnt hatte die Hand leicht auf de« Booisra� gelegt und hielt HänSche««och immer fest. Mich"* Heizer klemmte feine Zehen zwischen die Bretter, die* Boden de» Boote« bedeckten, streckte fich über den Ra*' bis fei« Gesicht beinah da» Wasser berührte, faßte Hän««*? erst bei einem Arm, dann bei beiden, hob ihn mit einer» schickten Wendung behutsam ans dem Wasser und legte'?■ auf de« Boden deS Bootes««der. Dann packten r() Matrosen Fairmount bei den Schultern und zogen ihn 9L ein; sie klopfte« ihn, in seemännischer Weise ihre Theilnsh. und ihren Beifall auszudrücken, auf Rücken und Schult*' dann riefen sie hurrah und schwangen«ach dem Schill*� die Mützen. D'e Ruderer nahmen ihre Plätze wieder da« Boot wurde langsam herumgedreht, und nun 0,B8 «ach dem Dampfer zurück. � Herr Fairmount und Michel bekümmerten sich. Kind. Ihm kehrte jetzt die Farbe zurück, die Augen«fi te» sich und c» richtete sich auf; da« Wasser lief auS ft®, leinene» Anzug. Fairmount gewahrte fem im Boote 0*0 � de« Plaid und rief dem Bootsmann zu, eS ihm herüm � Da« hat eine Dame hereingeworfen, als wir abstießt' sagte der Steuermann. O ja, ich weiß wohl, wer die Dame war, versetz® andere. Ich wollte, ich hätte sie jetzt hier, daß sie sti«, kleinen Junge« sorgte. Dan» sah er, in welcher zäM� frauenhaften Weise Michel fich mit dem Junge» abgaf,■„ sagte: Ich möchte Euch schon al« Wärterin anstelle», ärf schwarzer Freund, wenn Hänichen sich nicht vor dem fürchtet.. dM# Hänichen blickte auf, und als er m dem H"?** feiner Freund« erkannte, schlug er die Aermchen um o rußten Hal«. Hänichen kennt mich recht gut, Herr, sagte jh, Dann zieht ihm das nasse Zeug aus und wia in mein Plaid. � j* uaiK Das geschah, und Hänichen wurde ganz trocken» haglich zu Muth. Wie eine kleine Mumie lag« iie Beschäftigung ein« großen Anzahl fremder Matrosen pro- «stirt, wahrend englische Matrosen arbeitslos seien. Schweden und Norwegen. Der Reichstag hat in gemeinsamer Abstimmung den Einfuhrzoll aufGetreide mit 181 gegen 164 Stimmen abgelehnt. Rußland. Kaum vergeht ein Tag, ohne daß von einer neuen G ewal t ma ßre ge l der russischen Regierung gegen ihre deutschen„Untertbanen" in den Ostseepro. »inzen berichtet würde. ES scheint, so meinen die kon- fervatioen„DreSd. Nachr.", als ob das Zarenthum diese Krön» latider um jeden Preis russtfiziren wolle. Die feierlichsten Versprechungen früherer russischer Herrscher stnd keinen Pfifferling mehr werth; in die Kirchen«, Schul- und Gemeindeverfaffungen, so verbrieft sie find, wirdrückfichts« los eingegriffen; mit falschen Vorspiegelungen und sogar Be> lrug werden die Leute aus der evangelischen Küche herausge- lockt: sogar die Unterstützung deS Nihilismus verschmähen die Rusfifizirer nicht. Im Allarmeinen find leider Deutsche leichter zu entnationalifircn als Angehörige anderer Nationalitäten; zudem ist der Posten, auf dem unsere Brüder in den Ostsee- Provinzen stehen, sehr«xponirt. Diese liegen geographisch so» weit vom Km per der deutschen Nation entfernt, daß die Hoff- uung, fie jemals wiederzugewinnen, also ein greifbares praktisches Interesse an der Wahrung der deutschen Nationalität daselbst, für uns nicht vorliegt. Das wiffen die Ruffen selbst sehr genau. Deutschland hat jedoch aus hohm kulturellen Rücksichten dringendes Interesse daran, daß seine Stammesan- gehörigen in den Ostseeprovinzm nicht ihrer Nationalität de- raubt werden. Ein Grund zur Rusfifizirung liegt nicht vor. ?i'cht der leiseste Verdacht läßt fich begründen, daß die Deutschm in Rußland von dem Zarenreiche loswollten; fie find von je- her die loyalsten, treuesten Anhänger Rußlands gewesen; der deutsche Adel speziell stellte dem rusfiscken Reiche ununter- irochen die vorzüglichsten Beamten und Offiziere. Was wäre Rußland ohne die Deutschen in seiner Zivil- und Militärver- waltung? Gelänge es dem Zarenreiche, das Teutschihum in feinen Ostseeprovinzen zu vertilgen, so würde es selbst den schwersten Nachtheil davon tragen. Parlamentarisches. — Das Petitionsmaterial des Reichstages, betreffend die Arbeiterschutzgesetzaebung, wächst noch immerfort an. Unter Anderem hat fich auch dir»Pfälzische Handels« und Gewerbelammer" berufen gefühlt, in der Frage der Sonntags- ruhe, der Kinder- und Frauenarbeit und deS Moximalarbeits- tageS ein Urtheil abzugeben. Selbstverständlich weist die die Hntcreffen der großen Unternehmer vom echt manchesterlichen Standpunkte wahrende Petition all« in Bezug auf vorgenannte Punkte gemachten Reformvorschläge zurück. Betreffend dir Sonntagsruhe wird u. A. mit wahrhaft rührender Naivetät behauptet: das Gesetz habe kein Recht, dem Arbeiter, welcher tm„Bewußtsein seiner Verpflichtung nach Kräften für seine Familie zu sorgen fich bemüht", die Sonntagsarbeit zu ver- bieten;„selbstverständlich" müßte der Arbeitsunternehmer selbst zu deurtheilen haben, waS ihm in seinem Geschäfte hinfichtlich der Arbeitszeit„nothwendig dünke".— Gegen die Kinderarbeit wird die alte dumme Phrase, daß. wenn die jungen Leute von gewerblicher Arbeit fern gehalten würden, fie„schlechthin zum Richtithun, d. b zum Verkommen, gezwungen wären", wieder aufgetischt.— Von der Frauenarbeit in der Textil-Jndustrie aber wird keck uud kühn behauptet, daß dieselbe, wenn auch Nachts verrichtet, die Gesundheit nicht schädige, da die Arbeit„nichts weniger als anstrengend sei". — Eine Reihe von Terttt■ Industriellen Elberfelds wendet fich in einer langen Petition gegen den Maximal« arbeitStag; fie fordern den Reichstag auf, den Anträgen der Sozialdemokraten und des Zentrums,„soweit solche eiven Maximalarteitstag von 11 bezrv. aar von 10 Stunden für den erwachsenen Arbeiter in der gesammten deutschen Industrie bezw. in der Textil- Industrie erstreben, die Annahme verwei- gern zu wollen."— Diese Forderung suchen fie besonders durch die Behauptung zu rechtfertigen, daß die Textil-Jn« dustrie, insbesondere die Weberei, auf einen„tntenfiven ve- trieb" angewiesen sei und„Stücklöhne" zahle, bei welchen Ein richwnaen, ihrer Anficht nach, der Arbeiter fich sehr wohl fühlen soll. Die wackern Manchestermänner sagen dann:„Wie würde die Einnahme des Arbeiter» fich bei beschränkter Arbeitszeit ge- stalten?" Und fie antworten darauf:„Belastung der alten Stücklöhne würde als der für den Arbeiter denkbar günstigste Fall zu betrachten sein, seine Einnahmen allerdings bei Be« schränkung der Arbeitszeit auf 10 Stunden voraussichtlich um ein Elfte! bis ein Sechstel heruntergedrückt werden, je nachdem «r bisher 11, 11V« oder 12 Stunden pro Tag arbeitete. Die Arbeiter aber würden in den meisten Fällen auf den Lohn ver« sichten müssen, den sie jetzt über den Standard of lifo be« jiehtn und der gerade dazu dient, ihnen das Leben behaglicher zu gestalten und für die Zukunft zu Michels Knieen. Dann reichte«wer der Leute Fanmount «ine alte grobe Zacke, die er über fewe«äffe» Kleider zog. Der Dampfer hatte gewendet, bis seine Breitseite nach dem Boote zu lag, und da er also seinerseits die Entfernung nicht verringern kovnte,«ußten die Lent« im Boot umso stärker rudern. Sie kamen nur langsam weiter, de»» das Wasser war etwa» bewegter geworden, und das Tageslicht nahm ab. Der Kapitän stand noch auf der Brücke der„Atalanta" und beobachtete das Boot durch sein Fernglas. Er sah, wie der Mann und der Knabe in» Boot gezogen wurden, und danach konnte er nur wahrnehmen, daß die Leute sich mit etwa« auf dem Boden des Boote« zu thun machte»; hernach sah er Fairmonnt aufrecht sitzen«nd ein braunes Bündel in den Armen des Heizer». Er wußte, daß die« sei» Junge war, in irgend etwa« eingewickelt; wie konnte er sich der bange« Frage erwehre», ob lebend oder tobt? rau Fairmouvt stand noch«eben dem Kapitän und was thn bewegte, Da» Boot kam näher; sie sahen veide scharf hin, aber es wurde zu dämmerig, um genau zu Uaterscheide». Jetzt gewahrten sie beide, daß Herr Fairmount aufstand und mit der rechten Hand eine eigenthümliche Be« wegung in der Luft machte. Da» war ei» Signal; was bedeutet das? fragte der Kapitän. Warten Sie ewen Augeublick, bis er es wiederholt. 3» jetzt sehe ich e» deutlich. Es soll heißen: Alle» wohl! Entgegnete Frau Fairmount.. Diese Worte wurden von einige« Schiffsosfiztere» und Retsenden, die i» der Nähe standen, aufgesavge«, und fie stießen einen Zubelruf aus, der auf dem ganze« Schiff widerhallte und bis an das herankommende Boot drang. Gott sei Dank I sagte Kapitän Hood. Nu» habe« wir sie tzleich an Bord. Er ließ dann de» ersten Offizier an seiner «>att auf der Brück« zurück und ging mit Frau Fairmouvt ?ach dem Hinterdeck, wo da» Boot anlegen wußte. Hier wurde 'haen auf einen Wink Raum gemacht uud die Stewardeß her« '''gerufen, während ein Steward den Auftrag erhielt, sofort Ei« warmes Bad für de« Knaben zurecht zu machen. * ♦ sichern. Perschlimmern müßten fich diese Folgen aber noch für die betroffenen Arbeiterfamilien, sofern die Frauenarbeit in den Fabriken noch weiter bezw. unter die Arbeitszeit der Männer beschränkt werden sollte."— Wen glauben die Herren Fabrikanten mit solch handgreiflichen Thotheiten noch düpiren zu können? Jedenfalls wird jeder auch nur halbwegs nationalökonomisch gebildete Mensch, drr sich Rechenschaft zu geben weiß über die winhschaftlichen Zu sammenhänge, derartige Ausführungen nicht ernst nehmen. Sehr ernst hingegen ist eine von Angehörigen deS Buchdruckgewerbes in Dresden ausgehende Petitton zu nehmen, welche„einen gesctzlichkn Maximalarbeitstag in Höhe von neun Stunden für die gesammten industriellen und gewerblichen Arbeiter des Deutschen Reiches" verlangt. Zur Begründung dieser Forde- rung erklären die Petenten u. A.:„Es ist eine unumstößliche Thatsache, daß durck eine lange Arbeitszeit einer großen Anzahl von Arbeitern die Möglichkeit genommen wird, Beschäftigung und Verdienst zu finden. Die verbesserte Technik d-s Masch, neu- wtsens trägt gleichfalls dazu bei, die Zahl der Arbeitslosen ganz außerordentlich zu vetmehren. Dutch die vermehrte Arbeits- lofigkcrt aber wird dos Wobl der Gesammtheit in hohem Grade aeschävigt und zwar einerseits dadurch, daß die in Arbeit Sie« henden nicht Zeit haben, fich von den körperlichen Strapazen zu erholen, noch weniger, fich geistig auszubilden und so phyfisch und moralisch zu Grunde gehen' andererseits dadurch, daß die Arbeitslosen der Roth und dem Elend und in Folge dessen nicht selten dem Laster und Verbrechen in die Arme getrieben werden, weil ihnen jegliche Existenzmittel fehlen. Die Arbeits lofigkeit hat aber auch noch ein anderes Uebel im Gefolge. Sie ist die Ursache der maßlosen Konkurrenz der Arbeilskräste unter fich, und diese wieder bedingt ein bedeutendes Sinken der Löhne, so daß dieselben unter den gegenwäiligen Verhältnissen nicht ausreichen, die nothwendigen Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Die lang« Arbeitszeit ist also die Ursache der geringen Kauf- kraft der Masse, fie ist die Ursache der Massenarmuth und deS Massenelends. Die Unterzeichneten erblicken in einer aesetz- licken Regelung der Arbeitszeit daS einzige Mittel wirlfamer Abhilfe. Die Gewerkoereine find unter den gegenwärtigen poetischen Verhältnissen außer Stande, fich genügend zu organistren, um eine solche tiefeinschneidende Maßregel selbst durchführen zu können, fie find eS unter den bestehenden sozialm Verhältnissen noch weniger, das beweisen die vielen verunglückten Lohnkämpfe."— Schließlich erklären die Petenten, daß fie einen neunstündigen Maximalarbeitstag für alle industriellen und gewerblichen Ardeiter deshalb fordern, weil es nicht im Interesse der Arbeiterschaft liegen könne, daß einzelnen Arbeiterklaffen gesetzliche Vorrechte geschaffen werden, welche die anderen entbehren. Durch solche Vorrechte würde die Konkurrenz der Arbeitskräfte in den bevorzugten Gewerben durch- aus nicht beseitigt, sondern die Arbeiter der minder begünstigten Gewerbe würden fich dm begünstigteren zudrängen und so den alten unerträglichen Zustand konservirm. Ali Beweis hierfür wird angeführt, daß da» deutsche Buchdruckgewerde bei etwa 19 000 Gehilfen 8000 Lehrlinge zählt. Dieses Verhältnis) ist ein durchaus unnatürliches und wirthschastlich ungesundes.„ES muß durch möglichste Gleichstellung der ArbeitSdedingung-n den Ardlitgedern die Möglichkeit gegeben werden, ihre Leute ordentlich für ihre Arbeit zu entschädigen, dann wird die un- gesunde Konkurrenz der Arbeiter unter fich aushören und Wohl- definden und Gesundheit da einkehren, wo jetzt Roth und Krankheit geherrscht haben."— Möge der Wunsch der DreS- dmer Buchdrucker recht bald erfüllt werden. Schon der in d,m bekannten Arbeiterschutzgesetzentwurf geforderte 10 stündige Moximalarbei'stag wäre ein sehr glücklicher Schritt vorwärts aus dem guten Wege. Das, beiläufig bemerkt, ist dabei wohl jedem Dmkenden klar, daß die„Lösung der sozialen Frage" weder durch den zehn-, noch durch den neun, noch durch den achtstündigen, noch überhaupt durch irgend einen Normal« arbeitStag direkt und allein herbeigeführt wird. Dieselbe kann überhaupt nickt durch irgend einen gesetzgeberischen All, gleich« sam mittels Alladins Wunderlampe, kurzer Hand dem Volte auf den Geburtstagstisch gesetzt werden. Zur wirklichen Lösung der„sozialen Frage" gehört die organische Ausbildung der Gesellschaft auf einer neuen gesunden wirthschastlichm Grund- läge. Zur Beförderung dieser Ausbildung, zur Sicherung de» Gedeihms einer gesunden, kraftvollen Pflanze, ist ein rationeller Normalarbeitstag, einer, der— den speziellen Verhältnissen entsprechend— etwas Reelles leistet, ein äußerst werthoolles, vielleicht unentdehrliches Mittel, und deshalb verdienen gerade im gegmwärtigen Stadium die Bestrebungen, einen derartigen NormalarbettStag einzuführm, die kräfttgste Förderung. — Die Kommisfion des Reichstags für den Antrag Rin- telen, betr. die W a h l b e i n f l u s s u n g e n, hat die erste Lesung deendigt und folgende vom Abg Letocha(Zmtr.) beantragte Fassung angenommen:„Wer einen Deutschen durch Gewalt oder durch Bedrohung mit einer strafbaren Handlung oder mit Nachtheilen für Leben, Gesundheit, Freiheit, Ehre oder Vermögen verhindert, in Ausübung seiner staatsbürger- lichen Rechte nach seinem freien Willen zu wählm oder zu stimmen, wird, gleichviel ob die Drohung ausdrücklich auSge« sprochm oder auS Umständen zu entnehmen, ob fie gegen dm Jetzt lag da» Boot an der EchiffSseite unter den Davit». Die Haken zum Aufwinden wurden in die Ringe gehängt, um das Boot empor zu heben; alle Seeleute, die drin saßen, bis auf zwei, kletterten an dm Taue« in die Höhe, um es zu erleichtern, und eine Mmge williger Hände an Deck halsen die Taue aufholen. Da« Boot verließ das Waffer und erhob fich langsam in die Lust, bi» eS über dem Geländer de» Schiffe» schwebt«; die Davit« schwangen sich herum, und dann wurde e» behutsam auf Deck nieder» gelassen. Da erscholl ei» gewaltige» Zubelgeschrei, Hüte und Taschentücher wehten, und ein Hurrah nach dem ander« brauste über da» Waffer hin. Der kleine Hans blickte mit lächelndem Gesicht aus seinem Plaid heraus, als Michel sein kostbares Bündel dem Kapitän auf die Arme legt«; gleich darauf steckte Hänsche», unter der Obhut seiner Freundin, der Stewardeß, in einem warme» Bade, und»in Viertelstündchen später sprang er in trockenen Kleidern, mit vergnügtem Gesicht, als sei nichts vorgefallen, im Salon umher. Sobald Fairmount das Deck unter de« Füßen hatte, streckte er seiner Frau die Hand hin; dann aber drängten fich die Umstehmde« von alle» Seiten herzu und schüttelte« ihm beide Hände mit Macht, bis der Kapitän ihn befreite und auch in ei» Badezimmer führte, wo ein warmes Bad und trocken« Kleider ihn erwarteten. Als er nach einer halben Stunde im Salon erschien, begann da» Händeschütteln von neuem. Der Kapitän sagte ihm, was er zu sagen hatte, mit wenig Worten, aber mit einem Händedruck, der mehr sagte, als Worte. Von da an war das„«infältige Ehepaar" die Helden de« Schiffes, und als die„Atlanta" in de« Hafen von New> Bork einlief, entging John Fairmount nur mit Hilfe des Kapitäns dem Schicksal, von den amerikanischen Zei- tungsschreibern„interviewt" zu werde«. Die Zeitung»- schreiber indessen hörte» die Geschichte von den Offiziere« und de« Reisenden, und die beiden Fairmount» wurden berühmte Leute in Rem-Bork, ehe fie noch gelandet waren. Ehe die Reisegesellschaft auseinander givg, hatten sie so viele Einladungen, daß sie fich ganz gut ein Jahr oder länger mit Besuchemache» in Amerika hätten aufhalten Wähler oder Stimmberechtigten selbst oder gegen einen seiner Angehörigen gerichtet ist, mit Gefängniß oder mit Festungshast bis zu fünf Jahren bestraft. Ist die angedrohte strafbare oder nachtheilige Handlung zur Ausführung gebracht worden, so ist auf Gefängniß nicht unter 1 Monat zu erkennen. Reden der Gefangnißstrafe kann auf Verlust der Ehrenrechte erkannt werden. Ter Versuch ist strafbar. Gerichts-Zeiwng. o. k. Die Frankfurter Frtedhofs-Affäre vor Gericht. Frankfurt a. M., 15. Marz 1886. Erster Tag der Verhand- lung. Die Frankfurter Friedhoss-Uffäre, die seiner Zeit allge- meines Aufsehen erregte, gelangt heute vor dem Forum der Strafkammer des könrgl Landgerichts zur Verhandlung. Am Morgen des 23. Juli 1885 fand hier selbst das Leichenbegäng- r.iß des Sozialdemokraten Ziseleur Hugo Hiller statt. Die Behörde vermuthete, daß anläßlich dieser Beerdigung eine große Demonstration stattfinden würde. Das hiestge lönig« liche Polizei- Präfidium ordnete deshalb zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung 38 Schutzleute zu Fuß und 5 zu Pferde ab und übertrug dem Polizei- Kommissar Mever das Oberkommando. Letzterer erhielt die Weisung, jede Demon» ftration bei dem Leichenbeaängniffe zu verhindem, und außer einem Geistlichen, Niemanden am Grade sprechen zu lassen. Hiervon hatte Polizei» Kommissar Meyer die Angehörigen des Verstorbenen zu verständigen. Er hatte. außerdem die Weisung: wenn diesen seinen Befehlen zuwider gehandelt werde, die Versammlung am Grabe, auf Grund d:S Sozialistengesetzes, aufzulösen und seine Anordnungen event. unter Anwendung von Gewalt zur Geltung zu bringen. Polizei« Kommissar Meyer war mit den ihm unterstellten Schutzleuten vor dem Friedhofs- Portal stationirt. Als nun der Lcichenkondukt an dem Friedhofs- Portal angelangt war. eröffnete der Polizei- Kommissar dem Bruder deS Ver- stordenen, daß weder Reden noch sonstige Demon« strationen auf dem Friedhofe zugelassen werden würden. Dieselbe Mittheilung machte er dem Kaufmann Oskar Füllgrabe, welcher fich im Zuge befand und mit einem, mit rolher Schleife versehenen Kranze an thn herantrat. Füllgrabe entfernte die rothe Schleift. Alsdann ließ Meyrr das Leichengefolge in den Friedhof eintreten, obwohl eine ganze Anzahl von Personen roihe Blumen im Knopfloch trugen. Die etwa 300 bis 400 Personen zählende Menge drängte sich um daS unweit vom Portal gelegene Grab deS Hiller. An diesem hatte fich auch Meyer mit 25 seinem direkten Befehl unterstellten Schutzleuten und 13 Polizeibeamten, die der ihm beigegedene Kommissar Koeppe kommandirte, aufgestellt. Die fünf Schutzleute zu Pferde, geführt von dem Schutzmann Weiter, hatten außerhalb deS Friedhofes, seitwärts vom Ein- gange, Posta gefaßt. Es wurde nun zunächst an der Gruft ein Lied gesungen. AlSdann begann Füllgrabe eine Rede mit den Worten:„Geehrte Genossen 1" Polizeikommissar Meyer unterbrach den Redner, indem er ihn nochmals darauf aufmerksam machte, daß Reden nicht gehalten werden dürfen. Mllgrabe brach in Folge dessen ab und legte einen Kranz am Grabe nieder. Dasselbe Ihaten mehrere andere Eozialvemokraten. Einig« warfen auch rothe Schleifen ins Grab. Alsdann'begann der Schneider Joseph Leyendecker(Mainz) von einem Grabhügel auS eine Rede an die Menge zu halten, indem er dos Leben und die Thaten Hiller's für die Sache der Freiheit verHerr« lichte. Meyer verbot ihm di'S. Da aber Leyendecker seine Rede fortsetzte und den Polizei- Kommissar sogar zu überschreien suchte, so forderte Polizei- Kommissar Meyer, unter Berufung auf§ 9 des Sozialistengesetzes, die Menge auf, auseinander zu gehen. Da jedoch auch diese wiederholte Aufforderung wi'kungslos blieb, so befahl er den Schutzleuten, die Menge mit der Wisse auseinander zu treiben. Gleichzeitig zog er seinen Degen, dasselbe thaten die Schußleute, die er bereiis vorher angewiesen hatte, auf dieses Kommando hin mit flacher Klinge einzuhauen. Die Schutzleute sollen nun auf die dichtgedrängte Menge eingehauen und dieselbe vor fich her- getrieben haben, so daß der Friedhof in wenigen Minuten ge« räumt war. Bei dieser Gelegenheit soll eS nun zu argen Szenen gekommen sein. Ein Schneider RamenS Berthold soll in daS offene Grab gestoßen und, als er fich herausgearbeitet hatte, von einem Sehutzmarm mit flacher Klinge auf Arm und Rücken geschlagen worden sein. Aebnlich soll eS noch mehreren anderen Personen ergangen sein. Man sprach von zahlreichen, erheblichen Verwundungen. Es sollen auch eine Anzahl solcher Personen verletzt worden sein, die offenbar bemüht waren, dem Befehle zum Verlaffen deS Friedhofs so schnell alS möglich Folge zu leisten. Sogar Leute, die lediglich zufällig auf dem Friedhof waren, um die Gräber ihrer Angehörigen zu schmücken und zu begießen, sollen mißhandelt worden sein. Anläßlich dessen haben fich heute: 1. der Polizei« Kom» missar Meyer, 2. der Schutzmann Adam Wingleü, 3. der Schutzmann Bartho!omäu» Hohmann und 4. der Schutzmann Eduard Schweiger wegen Verletzung des§ 340 des Straf» Gesetzbuches zu verantworten. Dieser Paragraph lautet:„Ein Beamter, welcher in Ausübung oder in Veranlassung der können. Die Einladung, welche sie zuerst annahmen, war die von Kapitän Hood nach seinem Hause am Hudson, wohin Hänichen seiner Mutter die erste Nachricht von dem Abenteuer brachte, welches seine erste Seereise auige« zeichnet hatte.- Aus Kunst und Leben. Im Älhambratheater hat das Volksschauspiel:„Der Dämon des Spielt" eine freundliche Aufnahme bei dem am Sonntag fast ausverkauften Haufe gefunden. Die Darsteller, hauptsächlich die Herren Scefeld und Gericke, spielten unter großem Beifoll des Publikums. Krdsenkungen. Man schreibt der„N. Fr. Pr."»uS Nassau: Di« Bewohner des naffaischen Amtes Hadamar wer- den durch fortgesetzte, in der Nähe sei Ortes Domdorf statt« findende Eldsenkungen in Auftegung versetzt. Zu Hunderten strömte die Bevölkerung aus der näheren und weiteren Um- gebung zusammen, um die seltsame Naturerscheinung zu be- trachten, über deren Ursachen noch keine zuverläsfigen Er- Hebungen veranstaltet worden find und deren schließlichem Ausgange man nicht ohne Besorgniß entgegensteht. Schon im Dezember vorigen Jahres wurden in der Wbe eines isolirten Rergkegels von unzweifelhaft vulkanischem Charakter bei dem Orte Domdorf Erdttsse demeitt, die fich von Tag zu Tag erweiterten und nach den Häusern des Olteß fortsetzten, bis schließlich erhebliche Senkungen des BodrnS konstatrrt wurden. Die unmittelbare Gefahr für dm Ort selbst ist ncuerdinaS geschwunden, da etwa 100 Meter vor den ersten Häusern der Erdriß eine andere Richtung an« nahm, fich aber auch nach dieser hin beständig verlängernd und verbreiternd. Die ganze Einbruchöstelle hat bereits vi« Länge von einer halben Stunde; dieselbe scheint eine KreiSform von etwa 20 Minuten Durchmesser annehmen zu wollen, innerhalb deren fich stündlich vermehrende beträchtliche Hebungen und Senkungen deS Bodens bemeillich machen. Währmd man einerseits das merkwürdige Phänomen durch den vulkanischen Charakter der Gegend erklären und die Erscheinung auf Bor» kommniffe im Erdrnnern zurückführen will, die fich währmd der letzten Wochen durch anhaltende Erdstöße und anhaltendes unterirdisches Getöse bemerllich machten, suchen Andere die Senkung des Bodens durch Annahme einer unter der Ober» fläche herführenden Eanddüne, wie sie am Eüdadhange des Wtsterwaldes häufig vorkommen, die durch«Indringend« Ge» wäffer ausgespült wurde, erklärlich zu machen. Ausübung seines AmteS vorsätzlich eine Körperverletzung begeht oder begehen läßt, wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann die Strafe bis auf einen Tag Gefängnis ermäßigt oder auf Geldstrafe bii»u neunhundert Mark erkannt werden. Ist die Körperverletzung eine schwere, so ist auf Zuchthaus nicht unter zwei Jahren zu erkennen- Sind mildernde Um« stände vorbanden, so tritt Gefängnißstrafe nicht unter drei Monaten ein. Kitte reichsgerichtliche Entscheidung bezüglich deS DynamitgesetzeS. Nach§ 9 deß SprengstoffgefetzeS wird mit Gefängniß von 3 Monaten bis zu 2 Jahren bestraft, wer im Befitze von Sprengstoffen betroffen wird, ohne polizeiliche Er- laubniß hierzu nachweisen zu können. AuS dieser Etrafbe« stimmung war der Bauer L. zu R-, wie daS„Leipz. Tagebl." referirt, angeklagt, jedoch vom Landgericht freigesprochen. Wie dasselbe feststellt, find am 17. Dezember 1884 gelegentlich einer Haussuchung nach Jagdaeräthschasten in dem von dem Ange- klagten bewohnten und bewirthschasteten, dessen Tochter Katha- rina L. gehörige Anwesen in einem auf dem HauSboden stehen- den Koffer fechi Dynamitpatronen mit 12 Zündhütchen vorgefunden worden, bezüglich deren der Angeklagte nickt nachweisen konnte, daß er für deren Brfitz eine polizeiliche Genehmigung nachgesucht und erlangt habe. Diese Dynamitpatronen find, wie testgestellt worden ist, im Jahre 1875 oder 1876 dem Sohn deS Angeklagten von einem Eisenbahnarbeiter zur Aufbewahrung übergeben und von dem Angellagten damals in den Koffer gelegt worden, in welchem dieselben bei der Haussuchung vor« gefunden worden find. DaS Landgericht hat angenommen, daß der Angeklagte als Befitzer deS serner Tochter gehörigen, aber von ihm bewirtbschafteten Anwesens anzusehen sei und daß er auch» alS ihm die Dynamitpatronen von seinem Sohn in einem Päckchen übergeben wurden, den In« halt dieses Päckchens kannte. ES hat aber der Berficherung deS Angeklagten Glauben geschenkt, die Thatsache, daß ihm die Dynamupatronen übergeben und von ihm aufbewahrt worden seien, fei im Laufe jder Jahre ganz seinem Gedächtniß ent- schwunden, so daß er sich zu der Zeit, alS das erwähnte Gesetz Gellung erlangt habe, nicht mehr bewußt gewesen sei, solche Pattonen im Befitz zu haben. Aus diesem Grunde hat eS den Angellagten von der Beschuldigung, dem§ 9 des angeführten Reichsgesetzes zuwidergehandelt zu haben, freigesprochen, indem es noch ausführte, das Nichterinnern an vaS Vor« handensein deS Dynamits könne dem Angeklagten mit Rück- ficht auf fein Alter von 63 Jahren und den seit Erlangung deS DynamllS verflossenen langen Zeitraum nicht als Fahr- läsfigleit angerechnet werden. Die hiergegen von der Elaats- anwaltschaft eingelegte Reviston hat daS R. G., I. Strafsenat, vom 8. Juni v. I. verworfen und hierbei unter Anderem folgendes ausgeführt. Nach dm§§ 7, 8 und 9 des Gesetzes vom 9. Juni 1884 macht der Lefitz von Sprengstoffen unter bestimmten Voraussetzungen Denjenigm strafbar, der als Be« fitzer anzusehm ist. Der hier erwähnte Befitz liegt aber nicht schon dann vor, wenn Eprmgstoffe in der Wohnung einer be- stimmten Person vorgefunden werden. Vielmehr wird nach all- gemeinen Rechttgrundsätzen in allen diesm Fällen vorausgesetzt, daß die Person, welcher ein solcher Befitz zur Last aeleat wird, von dem Vorhandensein der Sprmastoffe Kenntmß hat und deren Wille auf die Jnnehadung derselben gerichtet ist. Sind die Sprmastoffe ohne Wiffm und Willen deS Eigenthümers oder MietherS einer Wohnung in diese gebracht worden, und hat derselbe auch später von deren Vorhandensein Kmntniß nicht erlangt, so ist derselbe alS Befitzer dieser Sprengstoffe im Sinne der angeführten Gesetzesbestimmung nicht anzusehen. Daraus, daß nach der autdrücklichm Vorschrift deS§ 8 nur derjenige mit Sttafe bedroht ist, der Eprmgstoffe„wissentlich in seinem Befitze hat oder an andere Personen überläßt", darf nach der Entstehungsgeschichte dieser Bestimmung nicht ge- schloffen werden, in dm unter§ 9 gehörigen Fällen sei die Kenntniß von dem Vorhandensein der Sprengstoffe nicht er« forderlich, damit ein Befitz derselben angenommm weiden könne. In dem Entwurf des Gesetzes fehlte daS Wort wiffentlich auch im§ 8. Bei der dritten Beralhung wurde deschloffm, im 8 8 daS Wort„wissentlich" einzuschalten, allein dadurch sollte, wie stch auS den Verhandlungen deutlich ergiebt, der Sinn der in Frage stehenden Bestimmung nicht geändert, sondem nur voll« ständig klar gestellt werden. Der Antragsteller selbst führte auS, er Halle es ebenso wie die Regierungen für selbstverständlich, daß derjenige, der Sprmastoffe befitze, ohne eS zu wiffen, nicht bestraft werden könne, aber eS sei doch nicht ganz un- möglich, daß fich in der Rechtsprechung in einzelnen Fällen eine andere Auffassung Bahn breche, deshalb empfehle er die Hinzufügung deS Wortes„wissentlich", die jedmfallS nicht schaden könne. Aus dem Zusatz deS Wortes„wissentlich" im § 8 d«S Gesetzes kann hiemach nicht gefolgert werden,§ 9 setze nicht voraus, der Angellagte habe von dem Vorhandensein der Eprmgstoffe Kenntniß gehabt. Nach§ 8 müßte auch, wenn eS bei der Fassung d«S Entwurfs geblieben wäre, dem Thäter diese Kmntniß nachgewiesen werden. Ebenso wird aber, damit der die Unterlassung der Einholung der im Z 1 vorgesehenen polizeilichen Genehmigung mit Strafe bedrohende§ 9 Absatz 1 zur Anwendur g gebracht werden kann, vorausgesetzt, daß der Angeklagte zur Zeit, al» diese Verpflichtung an ihn herantrat, wußte, daß die Sprengstoffe fich in seinem Befitze befinden. Darauf, od der Anaeklazte, wie die Staatsanwaltschaft de« hauptet, nur in Folge einer Fahrläsfiakeit fich nicht mehr erinnerte, daß er im Jahre 1875 oder 1876 die Tynamit- patronen erhalten habe, kommt im vorliegenden Falle über« an. UebrigmS ist auch vaS Vorhandensein Fahrläsfigkeit von dem Landgericht verneint Haupt nichts einer solchen wordm._ Soziales und Arbeiterbewegung« Den Kisten««nd Koffermachern zur Nachricht, daß in der Kistenfadrtk von Simon u. Müller ein Stteik ausgebrochen ist. Die Herren Simon u. Müller waren bei der Begründung de» Verein» der Ktstm- und Koffermacher Berlins hervorragend betheiligt. Elsterer ist noch jetzt VorstandsmUglied de» Verein« und letzterer zählte früher zu dm eifrigsten Verthcidi. gern de» aufgestellten„Preistarifs", während jetzt in der Werk« statt der nkdiigste Preis gezahlt wild. ES wird gebeten, den Zuzug von der betreffenden Werkstatt streng fernzuhalten.— Die streikenden Ardeiter der genannten Fabrik. * Der Streik der Korbmacher in der Werkstatt von Anton Schmidt in Berlin, Andreasstr. 30, ist nach fünfwöchentlicher Dauer beendet; er ist leider nicht zu Gunsten der Stiei- kenden ausgefallen, dmn nach einer Dauer von 3 Wochen er« klärte Herr Schmidt, daß er dm betreffendm Arttkel wegen der großen Konkurrenz von Breslau nicht mehr anfertiam lassm würde.— Von den 14 streikenden Kolleam konnten infolge dessen nur 4 wieder bei Herm Schmidt eintteten, dieselben felligen andere Arbellen an, welche der Meister tarifmäßig bezahlt.— Die übrigen Kollegen haben in anderen Werkstellen Arbeit gefunden. Trotzdem Herr Schmidt mll Breslau nicht konkurriren konntt und er die Arbeit aufzugeben erklärte, wird der betr. Allikel dmnoch hier in einer anderen Werkstatt angefertigt, trotz der Konkurrmz au» Breslau.— Hätten die Streikenden die Arbett für dm gebotenen Preis geliefert, so wären jedm- fall» die anderm Meister mit Lohnabzügen nachgekommen. Darum, Kollegm! Ist der Streik auch nicht zu Gunsten der Stteikenden ausgefallen, so doch zu Eurm Gunsten. Wir sagen allm Kollegen für die uns gewählle Unttrstützung unsem verbindlichstm Dank und ersuchen diejmigm, welche noch Listen in Händen haben, dieselben bei Herm Reddemann, Wrangel- straße 109 abzuliefern. Da» Streik- Komit«. Billigste Arbeitskräfte! das ist die Losung deS Unter- nehmellhums aller Länder. Je niedriger die Löhne, desto fetter der Profit. So entwickett fich jetzt in TranSkaukastm der Kupferdergbau zu lebhaftem» äußerst rentablen Betriebe. Wie nun ein Herr Davydoff i«„Jonmal des mines"(Zeit« schllft für Bergbau) mittheilt, ist eine der Hauptursachen für diese günstigm Verhältnisse die Thatsache, daß„Handarbeit zum allerniedrigsten Preis gekaust weiden kann." Da liegt der Hase im Pfeffer. Es kann dann gar nicht fehlen, daß der „EntbehrunaS lohn" wächst, um so höher hinauf, je tiefer der Arbeits lohn steht. Die Arbeiterkolonie« haben wenigstens daS Gute, daß wir in ihren Benchten gelegentlich Andeutungen über das ent« setzliche Elend uasercr hundrrttausmde von Arbettslosen findm. Eo erfahren wir auS dm„MonatSdlättern für innere Misfion" über die Arbeiterlolonie in Rickling(Holstein) einmal, daß der Andrang„in den letzten Wochen ein sehr großer gewesen sei-; in der dritten Fedmarwoche mußten 57, in der vierten 53 abgewiesen werdm." Danach kann die Zahl der Arbeitslosen ge« wiß nicht zurückgegangm sein! Weiter aber hören wir, daß der Andrang„trotz der sehr hallen Arbeit in dm Moor- dämmm" ein Anwachsen zeige. Arbeitsscheu können danach die„Vagabunden" nicht sein, vielmehr greifm fie giellg nach jeder ehrlichen Beschäftigung, und wenn fie noch soviel unter „Frost und Schneestürmm" zu leiden haben,„waS— nach dem Bericht— um so mehr anzuerkmnen ist, da viele von den Kolonisten ihr Leben lang noch keine Schaufel gefühll habm." Eo weit spricht alleS an dem Bericht für da» Elend und f ü r die ArbeitSwilligkeit der so oft beschimpften armen Reifendm. WaS der Bericht sonst noch sagt, enthüllt unS auf der andern Sette ein Bild deS bis zur Brutalität gettiedenen Ab- fchreckungSsystems, daS man in Rickling gegen vie unschuldigm Opfer unserer WtllhschaftSordnung befolgt. Die Krankenstubm waren beständig„stark besetzt, die Mehrzahl hatte wunde Füße", wunde Füße vom Wandern und— wie wir annehmen müssen — von den Ardeitsmallem in dm Moordämmen. Barm- Herzigkeit!— diese Chllstenwgend scheint unsere„Innere Misfion" danach mehr von anderen zu verlangen, als selber zu üben. Die Staubiuhalationtkcankheiten find eine der größten Gruppen in dem System der Geweibekrankheiten. AlS die gefährlichstm Stauballen find die mineralischen anzu- sehen. So hat der bekannte Gewerbehygieniker Dr. L. H i r t nachgewiesen, daß die Feuersteinklopfer, die in Pochwellen der Glashütten beschäftigten Arbeiter und die Schleifer von zu Bauwellen benutzten Ouarzsteinen unter 100 Krankm 80 an Auszehrung Leidende haben. Der Schutz der Arbeiter gegen diese furchtbarm Gefahren aber ist in den meisten Be» Illeben gleich Null, oder aber die Maßregeln find so unzu« länglich und unbequem, daß fie nicht einmal den niedrigstm Anforderungen der Hygiene mtsprechen. Zur Lohnbewegung schreibt der„Hamb. Korrespondmt": Fast jede Abrechnung über einen Streik hat die Thatsache er« härtet, daß für die Strllkendm nicht nur in ganz Deutschland gesammelt wurde, sondern daß auch die Arbeiter in den außer« deutschen Staaten insofern ihre Soltdalltät mit ihren streiken- dm Kollegen auSdrücktm, als fie denselben pekuniäre Hilfe brachten. Die gmau spez'alifille Abrechnung über dm Töpfer« streik in Magdeburg, welche jetzt vorliegt, beweist auch wiederum diese Behauptung. Die Gesammteinnahme beziffelle fich auf 2390 M. 65 Pf., der eine ebenso große Autgade gegmüber« stand. AuS allen Etädtm Deutschlands kämm für die Sttei- kenden Geldsammlungen, freilich meistens nur kleine Posten. AuS Hamburg wurden in vier Raten 100 M. eingesandt, auS Berlin in fieden Raten 212 M. 21 Pf. Beiträge au» dem Auslände wurden übermittelt auS Bukarest» Kopenhagen und Riebor(Ungarn). Weberelend. Dem„Voigtländischen Anzeiger" schreibt man auS dem Gebirge:„Der schlechte Geschäftsgang hat jetzt sein höchstes Statium in gänzlicher Verdienst« I o f i g k e i t erlangt. Schon 25 Wochen feiert die hiefige Weberdevölkerung. Die Kartoffeln, das HauvtnahrungSmittel birfiger Gegend, gehen zur Neige oder find schon aufgezehrt. Der Holzvorrath ist bll dem anhaltenden strengen Winter zu Ende, und der tiefe Schnee gestattll jetzt nicht, zur Holzlese zu gehen. Die Hoffnungen auf eingehende Aufträge haben fich auch nicht erfüllt."— Der„Voiglländische Anzeiger" ist lln farbloses Blatt, welches aber zur Unterstützung der Regierung jederzeit berllt ist. Wmn dieses Organ die Roth in jenen Gegenden in so einfacher aber desto deredttr Weise schildert, dann kann von llner Uebellreibung nicht die Rede slln. WaS sagen aber zu solchem Elend die offiziösen Regierungsorgane? Sie prahlen noch immer, allerdings nur in ihrem Interesse, von dem Aufschwung der wirlhschaftlichcn Verhältnisse, der seit der neuen Zoll- und Willhschaftkpolitik deS Deutschen Reiches entstanden sll. Aber Niemand läßt fich durch derartige Flunkereien mehr bethören, da die Thatsachen so traurige Wahrhllten verkünden. Vom Rhein bellchtet man über dir ungünstige Lage der Textilindustrie: WaS die Spinnerei betrifft, so liegt insbesondere die Baumwollspinnerll schwer darnieder. Die englischen Fabllkanten dieser Branche find infolge von Ueber« Produktion und der fich infolge dessen ansammelndm Vorräthe gezwungen, die Gespinnste für jeden Preis auf den Weltmallt zu werfen, und infolge dieses UmstandeS find die Preise für Baumwollgarne so gedrückte, wie fie sllt 18i9 nicht mehr zu verzeichnen gewesen find. Auch in dem stolzen Hamburg ist gegenwärtig die No!h llne große. Vor llniam Tagm kamen mehrere hundert Frauen in den Vorsaal deS RalhhauseS; dieselben begehrten Stundung der fälligen städtischen Abgaben, welche zu bezahlen fie fich außer Stande erklärten. Den Bittstellellnnen wurde wettest» gehende Berücksichtigung versprochen. Ans England wild gemeldet, daß in Folge der anhatten« den Stockung in der Stahl- und Eisenindustrie von SüdwaleS die meisten dortigen Fabrikanten beschlossen haben, Ende dieses MonatS den Betried entweder gänzlich oder theilweise llnzu- stellen. Dieser Beschluß wird eine Maffenmllaffung von Ar« bettern zur Folge haben. In dm Eisenfabllken von Glamor- ganshtre und Monmouthshire allein find 20000 Menschen beschäftigt. Nord- Amerika. Die Verwaltung der Missouri« Pazifik-Eisenbahn in St. Louis hat 5000 Angestellte, welche nicht gestreikt hatten, entlassen, da fie für dieselbm keine Beschäftigung hat. Die New-Norker Zimmerleute und Schreiner habm dehuf» Erlangung eine» TagelohneS von 3 Doli. 50 Cent, und einer Tagekarbeit von 9 Stunden gestrllft. Der Streik der Schuhmachergesellen von Chicago um höhere Löhne hat damit geendet, daß die Mllster die neuen Lohnsätze dewilligten. Die Arbllter ver« schiedener anderer Gewerke habm ebmfalls Lohnaufschläge er« zielt. Die New-Uork» und New«Haven-Eisen« bahn hat den Lohn ihrer Arbeiter freiwillig auf 1 Doll. 50 Cent, per Tag erhöht. Die Brbeiterverllne jubeln überdies« Zugeständnisse und es ist die Bildung einer politischen Arbeiter« partll angeregt worden. Die amerikanische Eisenindustrie hat durch die internationale metalluraische Krise empfindlich zu leiden. So betrug die Schimenprodumon im Jahre 1878.... 882685 Tonnen 1879.... 1 113 273 1880.... 1461837 1881.... 1844100„ 1882.... 1688794„ 1383.... 1360694„ 1884.... 1144851 1885.... 1090679„ Wie man steht, nimmt die Produktionsziffer von Jahr zu Jahr sllt 1881 stetig ab, um im Jahre 1885 fich der Ziffer de» JahreS 1878 bedenklich zu nähern. DaS bedeutet für da» wersthätige Voll: Maffenentlaffungm, verkürzte Löhne» ver« längerte Arbeitszeit, gezwungenes Feiem, Wachsthum der industriellm Reservearmee, Hunger und Elend. DaS bedeuttt % den Manchestrier: DaS freie Sviel der Kräfte, und die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. Mereine«nd Versammlungen« Im Verein der Einsetzer(Tischler) Berlin» hiett in der letzten Versammlung, 7. März, Herr Dr. Gerlach llnen Vortrag über:„Batterien". Zunächst legt Redner in durchaus klarer und faßlicher Weise daS eigentliche Wesen, Wirken und Fortpflanzen der Bakterien dar. Diese einfachsten der Organismen, well fie nur au» einer Zelle bestehen» b-findm fich außer an lebenden Pflanzen überall namentlich in Grund« und stagnirmdem Waffer aber auch in ttockenem Mauerschutt. Die Fortpflanzung und Vermehrung geschieht durch Spattung, daher auch die Bezllchnung Epattpilze. Sämmtliche ansteckmde Krank- heitm und Epidemim werdm durch Batterien Herrorgerufen. Die Verbreitung und Uebertragung geschieht auf die mannig« fälligste Art und ist wegen der ungeheurm Kleinheit der Körperchm(die wahrnehmbarm find zirka Via» Millimeter groß) schwer festzustellen. In Bezug auf Epidemien erklärt Redner, daß nie zwei verschiedene zu gleicher Zllt und neben einander auftreten. Nun wllß man wohl die Ursache der oben ange« führtm Kranlheitm und zum Tblll auch die Mittel, ihnen ent- gegmzuwirken, aber über das Wie ist in den mllstm Fällen noch nicht» pofitive» festgestellt. Diese so schwerwiegende Frage könne nur durch Experimente gelöst werden und d e Experimente nur an Thierm vorgmommen werden durch die so viel angefeindete Vivisektion. Es seien meistens orthodoxe Gllstliche oder solch„zart besattete" Naturen die, selbst im Pelze steckend, ihren Nebmmenschen mit der größten Ruhe erftieren sehen könnm, aber in Ohnmacht fallen möchten» wenn lln Hund, oder lln Kaninchen zum Wohle der leidmden Menschheit geopfert werden soll, welche gegen die Vivisektion llfern. Nicht alle Bakterien, mllnt der Vortragende, find sckäd» lich für den Mmschm; es giebt auch nützliche Artm. Wir müßten unS den Gebrauch de» EsfigS versagen, wenn der Esfig« säurepilz nicht wäre und hättm ohne dm Milchsäurepilz leine geronnene Milch, in Folge dessen auch kllnen Käse, deffen Rllfe der Buttersäurepilz bewirkt. Redner kommt noch speziell auf die Tuberkulose zu sprrchm und weist auf die Zahnbakterien hin, welche die Zahnfäule und sonstige Mundkranlhetten herbei« führen. Mit dem Hinweis darauf, daß auf diesem Felde der Wissenschaft noch der ganze Oberbau zu machen sei, da bi» jetzt erst daS Fundament steht, schließt Herr Dr. Gerlach seinen Vortrag, welcher sehr bllsällig aufgenommen wurde. AuS den darauf Sestellten Fragm, welche der Herr Vorttagmde klar beantwortete. i llne hervorzuheben:„Wie verhält man fich am Anfang bei einer Stich- oder Schnittwunde?" Dieselbe wurde folgendermaßen beantwortet: Bei llner Stich oder Schnittwunde ist vor allen Dingen kein Waffer zu verwmden(außer gut abge« kochtem), weil im Waffer schädliche Balterim enthalten sein könnm, welche eine sofortige Eiterung, womöglich eine Blut- Vergiftung herbllfübren könnten. Die erste und beste*%« handlung'sei die mit Karbolwaffer, welche» mit eine Kompieff« auf die Wunde gebracht wird. Sind die Wunden schwer, f" wende man stch nach obiger VorfichtSmaßregel schnell an einen Arzt. Bei llner Stichwunde, wo eine starke Blutung erfolgt. soll man den Finger darauf drückm, bis ärzlliche Hilfe zur Stelle ist." Nachdem noch einige VereinSangelegenheiten er- ledigt waren, wurde die Versammlung geschloffm. Eine öffentliche Versammln«« der Marmorarbeiter und Steinmetzen fand vor einigen Tagm in den„Armin« Hallen", unter Borfitz deS Herrn Stieber statt. Anlaß dazu gab die abschlägige Antwort der hiefigm Marmorwaaren' fadrikanten auf daS Echrllben de» Fachvereins der Steinmetzen in Betreff der Regelung der Arblliszeit und Einführung eine» Lohn- und Akkord-Tarifs. Mehrere FachverllnSmitglteder hatten den von den Ardeitgedern zurückaewiesmen Tarif einer nocv' maligm Prüfung unterzogen und wurden die einzelnen Pon' tionen in der Versammlung berathen und angenommm. Hr. Stieber wieS auf die große Schundkonkurrenz in dmMarmorgeschäften hin, auch die Löhne würden immer niedriger; durch co» billige Angebot von ArblltSkrästen würden die Fabrikanten in dm Stand gesetzt, die Waare für einen Spottprll» zu verkaufm. Diejenigen Ardeitgeber, welche bis dam llnen annähernd gutm Lohn bezahlen, beklagen stch mit Reffl* über die große Schundkonkurrenz. Nur durch llnm festgesetzte» Lohn slltenS der Gesellm würden die Verhältnisse gebessert- Mehrere Redner brachten die jetzigen Lohnsätze in verschiedeneu Werkstätten zur Sprache: eS würden dort trotz des verllnbarte» StundmlohneS von 45 Pfg. in der That nur 42'/,, 40, o und 30 Pfg. bezahlt. Herr Hofmann führte auS, daß jetzt Stllnmetzmllster Berlins einen Stundenlohn von 50 Pfg. akzev litt haben, eS sll nun Aufgabe der Gesellen, diesm Lohn au« festzuhalten. Können die Mllnmetzmelster diesen Lohn bezahlen, so könnten eS die Marmorwaarenfabrikanten auch. Die metzm, welche in Marmor arbeiten, wären umsomehr bereSUS' diesen Lohn zu verlangen. ES wurde hierauf llne aus dm 0%. Viereck, LucaS und WolSke befiehmde Kommiffion geway>- welch« sofort mit dm Fabrilanten in Unterhandlung trete soll. Ferner wmde konstatirt, daß von sämmtlichen�Anwete� dm nur 10 angehörten, welche lautete iveicye tauieie; i. ocunae mciiammiung ciuuu>--- dem aufgestellten Tarif über Marmorarbllten vollkommen' verftanven und vervsticktenSstck die Anwelmden, für denie> sowllt fie noch w?» verstanden und verpflichtenßfich die Anwesmden, einzutreten. 2. Die Anwesenden erklären, sowllt, Mitglieder deS Fachoereins der Eteinmetzm find, in Zllt dem Verlln beizuttetm und die Lohnregulirung dem b nächfitt Atexanverstraße ai, tagte, yren verr znunge ernr» über„Anatomie dei menschlichen Fußei". Der Vortrag% erläuterte in cing die Konstruktion bei einem natürtL,...,....... mig" laufen und die gegenwärtige, der Modesucht unterm FußbelllldungSmethode nicht prattisch sei. ES müsse eineS jedm Fachmanns sein, fich die in dieser HivP* bert« wendigm anatomischm Kmntniffe anzullgnm, um orn � schmden Uebelständen entgegentreten zu können. Jevow.j., Niemand glauben, daß, wmn er die nöthigm Kennm sammelt hat, dadurch der Nothstand deS HandwelkS«. yje beseitigt werden könnte, dmn daS Handwerk wttd? heutige ProduttionSweise nach und nach ganzlich?(SLneifl' werdm. Nur wmn die Ardlltßmittel, Maschinen ��nete" gut der Produzenten warm, würde lln Jeder die ange Fachkenntniffe nützlich für sich verwerthm können- �Ml ui der betr. Kommiffion in Folg Berantwortlrcher Redakteur«.«»—hst« in Berlin. Druck und«erlag von«ax Beding in Berlin 8W,«euthstraße& Stiftung" erklärt, au« der W. Kommission in Folg« getretenm Differenzen auSgefchieden zu slln und, varüb« gen, welche Gelder dazu an ihn llnsandten, auffor weiter verfügen zu wollen. Nach Erled�uiig deS F Keilas ProSkauerstr. 37/38." Gäste werdm aufgenommen. habm Htttß«»itf iff» dat Ott« der utet die Beilage nun Berliner Bolksblatt. Nr. 63. Dienstag, de« 16. Marz 1886. HL JaPW. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. �7. Sitzung vom 15. März, Nachmittags 2 Uhr „ Um Tische des BundeSrathS: von Boetticher, von E ch e l l i n g. Die Bänke de> Hause» find schwach besetzt. Nach definitiver Annahme deS NachtiagsetatS tritt das hau» in die dritte Berathung deS von ReichenSperger einge- machten Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung der Berufung gegen die Uitheile der Strafkammern ein. Abg. M u n ck e l: Ich will nur erklären, daß ich den Beschlüssen zweiter Lesung gegenüber meine zum Theil ab- weichenden Wünsche für diese dritte zurückstelle und den Entwurf nach den Beschlüssen der zweiten möglichst einstimmig an- iunehmen bitte, waS ja nach der Besetzung deS Hause» heute nicht einmal eine große Anstrengung sein kann. Mir liegt so Niel daran, daS Prinzip der N>chtunfehldarkeit der Straf. kammern in thatsächlicher Beziehung festgestellt zu sehen, daß ich dagegen alle übrigen zweifelhaften Grundsätze, wer in zweiter Instanz sprechen und wer fie anrufen dürfen soll, gern vor der Hand vertage. Ich glaube, daß der plastische Versuch mit dirsem Gesetzentwurf alle seine Gegner leicht mit ihm versöhnen würde. Allerdings mag manches in der Struktur in Folge einer schönen Bauordnung in dieser Angelegenheit entgegen sein; aber der Beweis, daß die sonstigen Garantien, nie wir für den Ersatz der Berufung hatten, schön seien, ist mir immer vorgekommen wie der Versuch eines Nachweises, daß doch eigentlich etwas, was unS nicht gefällt, schön sein sollte, und man nicht begreife, warum eS nicht schön ist. Es wag gut gemeint gewesen sein, man hat schöne Resultate er- warter, fie hätten einttessen müssen, wenn alles richtig gegangen wäre; aber eingetroffen find fie nicht, und wenn irgend Jemand ktder oie Nothwendigkeit dieser Berufung zweifelhaft ist, dem empfehle ich nicht die Einführung von Berichten oder sonstiaen Sachen, sondern das Studium von Asten und Erkenntnissen erster Instanz, auch den hohen verbündeten Regierungen. Ich besttze ein reichhaltiges Material, da? ich ihnen gern zur Ver- lägung stelle. An der Hand diese» Material» behaupte ich: mit dem Wegfall der Berufung find die Erkenntnisse erster Instanz schlechter geworden, und ich glaube, daß fie mst der Einführung der Berufung besser sein werden. Darauf und auf mese Wirkung kommt es mir»unächst an und auf die Urtheile »weiter Instanz, au» welchem Mund« ste immer ergehen mögen. Sie werden nicht so schlimm sein, wie die vereinzelten Gegner Ner Berufung eS im Augenblick erwarten mögen. Ob der an- genommene Entwurf auf Berücksichtigung Ausficht hat, va» kann man ja nicht wissen. Mein Gefühl ist, daß, wenn die Etaatsregung fich der Idee annehmen wollte, für die Wiedereinführung der Berufung eine Mehrheit in diesem Reichstage sein wird, mag nun die Entscheidung über die Berufung den Landgerichten ober mag fie den OberlandeSgerichten übertragen werden. Nehmen wir daher den Entwurf, wie er aus der zweiten Lesung tlekommen ist, so einmüthig als möglich an! Abg. Reichensperger: Ich halte mich für berechtigt, Namen» der Mitglieder der Kommission, deren Vorsitzender ich war» dem Hause den Dank und die Anerkennung dafür auszusprechen, daß«» durch unveränderte Annahme des Ent- Wurf», wie ihn die Kommisston deschloffen, das erreichbare Gute nicht aufs Spiel gesetzt hat um eine» di» jetzt noch nicht erreichbaren Besseren willen. Ich knüpfe hieran die ganz be- stimmte Hoffnung, daß auch die Regierungen der vom Hause mit so großer Mehrheit angenommenen Vorlage schließlich in der Erwägung beitreten werden, daß der Reichstag dasjenige Organ ist, wo am unmittelbarsten die Bedürfnisse deS Volkes ihren Autdruck finden; und ein solche» Bedürfniß ist in der -ire, ihm eine solche Sitzung zu bezeichnen.(Heiterkeit.) . Auf den Vorschlag R i n t e l e n» einigt man fich dahin, bie Abstimmung noch yeute, aber nicht sogleich, sondern erst, wenn nach Schluß der Sitzung deS Abgeordnetenhauses die litzt dort befindlichen Mitglieder erschienen sein werden, vorzu- bvhmen. . Es folgt die dritte Berathung der vom Hause an Stelle T? ursprünglichen Antrags Lenzmann angenommenen 5viden Gesetzentwürfe, betreffend die Entschädigung für unschuldig erlittene Strafen, und betreffend we Abänderung und Ergänzung der Vorschriften der Straf. Kvzeßordnung über die Wiederaufnahme de» Erfahren». Abg. Hartmann rechtfertigt seinen in zweiter Lesung wst«instimmig abgelehnten Antrag, den er durch«rankhett '»hindert war, persönlich zu vertheidigen, und dm er, alS 'uSstchtZlo», auch jetzt nicht von neuem einbringen M Er führt aus, sein Antrag habe, im Unter. Wtd von den B-schlüffen de» Hause», da» Entstehen des Ent- MdigungSanspruchS beschränken wollen auf Vre Falle, wo »stens deshalb auf Freisprechung erkannt ist, weil die That, deren die Verurtheilung erfolgt war, überhaupt nicht ni» nicht vom Verurtheilten begangen, oder werl die sammt- (wfn Beweise, auf welche die Verurtheilung fich gründete, be- '"igt worden; und wo zweiten» ein erlittener Vermögen«- Nchtheil de» Verurtheiltm evident und genau sudstanziirt sei. Entwurf, wie er in zweiter Lesung beschlossen ist. kann i�ner nicht zustimmen(hört, hört!) auf die Gefahr hin, da» � t solcher Ablehnung verbundene Odium allein zu tragen oder U den Regierungen zu theilen. Er halte ihn für undurch- .......... ttn� auj(gmnb der behaupten. ES sei ein HauS vorzunehmen im «•B'jrr flehe; uvv man mune um ,o vorfichtiger sein, al» �"'fchland der erste Staat sei, der den Entschadrgungkan. '�uch w hfx Gtsetzgebung einführe.. Träger: Nachdem in der letzten .. e k.... 9 r n__ rn_.».f C � Urnen hat, muß ich mich sehr wundem, da» HauS immig an- erade der Abg. alt ü der in derKommiiston ein warmer Befürworter der MSSK-cLLZ-Z E�Ste Volksvertretung wie der Reichstag fich mit solcher Z.�Nigkeit für einen Entwurf erklärt, so ist daS gewiß ein jeden Fall der Verurtheilung eine» den Richterstand kehren. Ein Irr wird der Unwille über Unschuldigen fich gegen thum, dessen Folgen beseitigt werden können, wird dergleichen bedmkliche Erscheinungen nicht nach fich ziehen. Wmn gesagt wird, in anderen Staaten habe man nicht eine solche Gefetz- gedung, wie wir ste hier machen, so meine ich doch, Deutsch land ist groß und mächtig genug, um auch für fich allein das Rechte zu thun; und es wird fich gerade dadurch, daß es auf diesem Gebiet dm ersten Schritt wagt, ein unsterbliche» Ver- dienst erwerben. Ich dedaure sehr, daß die Regierungen über dm Gegenstand noch nicht schlüssig geworden find. Der frühere wohl- wollende aufgeklärte Absolutismus hat vielfach auch wider- willige Völker in die Bahnen de» Fortschritts gezwungen; wenn jedoch heute die Regierung einem einheitlich erklätten Volk»- willm gegenüber fich ablehnend verhalten sollte, so wäre da» eine Art Absolutismus, der weder Wohlwollen noch Aufklärung besitzen würde. Im eigenen Interesse der Regierung wünsche ich, daß fie unserem Beschluß zustimmen möge: fie sollte be- denken, daß sonst jeder neue Fall der Verurtheilung eine» Un- schuldigen eine Anklage gegen die Regierung sein würde. Abg. Reichensperger: Da Herr Hartmann keinen Gegenantrag gestellt hat, so will er, daß nichts geschehe, damit nicht etwa zu milde gegen den Angeklagten vorgegangen werde. Er will nur dem wirklich Unschuldigm eine Entschädigung ge- währen. Ja, kann denn der Richter die absolute Wahrheit finden? Er muß fich doch an die gegebenen Beweise halten, und wenn diese nicht gcnügm, tritt der Angeklagte in die Reihe der übrigen Staatsbürger ein. Ein zu mildes Gesetz ist mir immer noch lieber alS gar kein Gesetz.(Beifall.) Der Gesetzentwurf, betr. die Entschädigung für unschuldig erlittene Strafen, wird gegen die Stimmen mehrerer Deutsch- konseroativm(Hartmann, Äamp, Graf Mottle, v. Kleist-Retzow, Kropatscheck, v. Busse) angenommen. Zugleich hat die Kommission einen Gesetz- Entwurf vorgeschlagen, welcher die Wiederaufnahme de» Verfahrens er» leichtern will. Abg. Veiel erklärt, daß er gegen diese» Gesetz stimmen werde. Abg. R i n t e l e n bemerkt, daß das Entschädigungsgesetz ohne das vorliegende Gesetz nicht durchgeführt werden könne. Der Gesetz- Entwurf wird gegen die Stimmen eines TheilS der Deutschkonservativen und einiger ffiationalliberalen ange- nommen. Auch der Gesetzentwurf, betreffend die Wiedereinführung der Berufung, über den die Abstimmung ausgesetzt war, wird nunmehr gegen die Stimmen der Deutschkonservativen und einiger Rationalliberalen angenommen. Darauf wendet fich das Hau» der Berathung der verschie- denen Anträge zur Arbeiterschutz-Gesetzgebung zu, über welche von der Kommisfion bereits ein Bericht erstattet ist, soweit ste fich auf die Einrichtung der Jadrikinspektton und auf die Gewerdegerichte beziehen. Die von der Kommisston vorge- schlagen« Resolution bezüglich der Fabrikinspektoren lautet: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Ver- mehrung der Zahl der mit der Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten(§ 139 b) unter thunlichster Verkleinerung der AufsichtSbezirke überall da herbeigeführt werde, wo sich daS Bedürfniß einer solchen Maßrcgd zur vollkommenen Erreichung der Aufstchtsz wecke bereits herausgestellt hat oder noch herausstellen wird. Hierzu liegen zwei Anträge vor: 1. Vom Abg. Auer: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, in nächster Session dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Stellung der Fabrikinspettoren(Gewerberäthe) gesetzlich regelt; 2. vom Abg. Halden: dem Schluß der Resolution folgende Fassung zu geben:„überall da herbeigeführt werde, wo die gesetzlichen Zwecke der Äufficht wegen der geringen Zahl der vorhandenen Beamten bisher nicht in völlig genügender Weise erreicht wer- den konnten, oder wo eS nicht möglich sein würde, erforder- lichenfallS alle vorhandenen Betriebe mindestens einmal im Jahre zu besichtigen." Dieser Antrag wird nicht genügend unterstützt. Er ist, wie der Referent Abg. Lohren mittheilt, in der Kommisston mit 12 gegen 8 Stimmen abgelehnt worden. Der eben mitgetheilte Antrag Auer, welcher der Kommisston nicht vorgelegen hat, ist nach Anficht deS Referenten insofern von Interesse, als er da» von den Sozialdemokraten in ihrem ursprünglichen Antrage geforderte Institut der Arbeitsämter aufgiebt. Die Sozialdemokraten haben in der Kommission auch für die Resolution gestimmt. Abg. Kalle: Die Sozialdemokraten haben in ihren An« trägen ein scheinbar weitgehendes Entgegenkommen bewiesm. Ich erblicke darin lediglich einen Akt kluger Politik. Der An- tragsteller ist sich sehr wohl bewußt, daß die große Mehrheit der Arbeitgeber, der besonder» tüchtigen Unternehmer, gar nicht in der Lage sein wird, fich an den Geschäften der vorge- schlagenen Organe zu bctbeiligen, während die Arbeiter stet» vorhanden seien und die Mehrheit bei den Sitzungen der Ar- beitskammer u. s. w- bilden werden. Die ganze Organisation würde dm außerordentlich hoben Kostenaufwand von 3 Millionm jährlich erfordern. Dieses Bedenken ist aber nicht ausschlag- gebend. Der Schwerpunft liegt in den Arbeitsämtern, welche nach der Anficht der verbündeten Regierungen eine Ver- winung in die Kompetenzen unserer Landesbehörde brinam würden. Noch bedenklicher ist die Zusammensetzung der Ar- beitSämter. Glaubt man wirklich, daß Arbeiter, oder gar Flauen, die auch Mitglieder sein können, geeignet find, um der schwierigen Aufgabe der Fadrikbeauifichtigung ,u genügen. Diese erfordert ein ungewöhnliche» Maß techmschm, wirth- lchastlichen Verständniffes, Menschenkenntniß und Objektivität. Meine Partei ist für die vorgeschlagene Resolution und gegen den Antrag Auer. Abg. K a y s e r: Für unS Arblitervertreter handelt es fich vor allen Dingen um die Gewinnung einer offiziellm Stellung des Arbeiters im heutigen Produktionsprozeß. Von diesem GefichtSpuntte au» sind unsere Organisationkanträge zu ver- stehen. Der Arbeiter ist heutzutage nichts andere» alS Roh« Material; er soll aber auch etwa» mitzureden haben in dem Produktionsprozeß. Au» den Arbeiten der Kommission ist nicht» herausgekommen als«ine Resolution, die gar leine prak« tischen Konsequenzen haben kann. Der Staat soll den Krieg Aller gegen Alle mildern. Während die Freunde des Herrn Bamberger durchaus den Arbeiter der freien Konkurrenz preis- geben wollen, fordern wir in Deutschland, wo wir schon so lange von Sozialresorm reden hören(Abg. v. Vollmar:„reden!"), einfach und klar eine Theilnahme de» Arbeiter» an dem Pro- duklionsprczess«. Die Arbeiter haben aus wirthschaftlichem Ge- biet nicht wie die anderen Klaffen ihre Vertretung. Gegenüber der Forderung einer solchen Vertretung sollten Sie sich nicht ablehnend verhalten; denn nur aus dem Mangel derselben oew nnen die Lohnstrettigkeitm heutzutage ihre Schärfe. Der Bericht der Kommisston ist bedauerlicher Weise nicht objeftio abgefaßt, er giebt, wie ich auf meine Erkundigungen erfahrm habe, nicht die in der Kommisfion »um Ausdruck gekommenen Meinungen, sondern zum großen Theil die persönlichen Anfichten deS Herrn Referenten wieder. (Hört!) So steht z. B. darin, daß die Arbeiter in Ausführung des Kranken« und Unfallgesetze» nicht gut genug arbeiten, man müsse die Beobachtung machen, daß die Arbeiter ibre Thätig- keit dabei lediglich als lästige Pfl-cht betrachten. Dieser Vorwurf ist vollkommen ungerechifenigt und in der Kommisfion nicht ausgesprochen worden. Die Fabrikinspektoren sollen nach unserer Me.nung ReichSinstitute sein, denn die so,iale Gesetz- gebung hat ja daS Reich seiner Fürsorge vorbehalten. Des« halb verlangen wir auch eine reichsgesetzliche Regelung, und der Herr Referent erblickt mit Unrecht in diesem Vorschlage einen Büßergang gegenüber unserem Antrag auf Einsetzung von Arbertsämtern. Eine Vermeh-ung von Beschwerden wäre durch diese reichsgesetzliche Regelung durchaus nicht zu be- fürchten, z. B. find bei Weitem mehr Beschwerden aufgetaucht in Folge des den Partikularstaaten zur Ausführung über- lassenen KrankenverficherungSgesetzcS, als gegenüber der durch das ReichsverstchcrungSamt ausgeführten Unfall- Versicherung. Die Resolution ist zwar in der Kommisfion einstimmig angenommen worden, wir werden aber im Plenum gegen dieselbe stimmen, da wir un» von ihr keinerlei prak- tischen Erfolg versprechen können. Der Einward, daß die Durchführung unserer Vorschläge zu viel G-ld kosten würde, ist keinesfalls durchschlagend, ich brauche Sie nur an andere größere Posten de« Etats erinnern, in denen die Anlage bei Weitem nicht so produttiv gemacht ist, wie hier die etcra l1/» Millionen Mark im Interesse der Ardeiterorganisation. Da» bedauerlichste aber ist, daß durch solche Resolution eine systematische einheitliche Sozialgesetzgebung unmöglich wird, da stets nur Flickwerk zu Stande kommt, da» baldigst wieder Korrekturen veranlaßt. Auf diese Weise wird die Hoffnung und da» Vertrau-n der Ardeit r nicht gestärkt, sondern herab. gemindert. Mrt etwas mehr Wohlwollen gegenüber unseren Anträgen leisten Sie der versöhnlichen Stimmung unter den Arbeitern Vorschub. Das bitte ich Sie zu bedenken.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Um 4'/« Uhr wird die weitere Berathung bis Mittwoch 1 Uhr vertagt. Außerdem soll der Antrag Viereck wegen Auf- Hebung des EprengstoffgesetziS berathen werden. Abgeordnetenhau». 41. Sitzung vom 15. März, 11 Uhr. Am Ministertische von Goßler, LuciuS und Kom- miffarien. Eingegangen ist der Gesetzentwurf betreffend den Bau neuer Sch'ffmtntSkanäle und die Verbesserung vorhandener SchifffahttSstraßen. Die zweite Berathung deS K u l t u» e t a t wird in Kap. 122(Kunst und Wissenschaft) fortgesetzt: bei Tit. 20» Metto- rologlsches Institut zu Berlin kommt Abg. L e t o ch a auf die schon in früheren Jahren ange- regte Reorganisation diese« Institut» zurück und fragt, od die Wetterbeobachtungen desselben auch der Landwirschaft zugäng- lich gemacht werden sollen. Ministerialdirektor Greifs kann in dieser Beziehung eine bindende Zusage nicht machen. DaS meteorologische Institut verfolgt vorwiegend wissenschaftliche Zwecke. Abg. Schmidt(Stettin): Seit Jahren ist eine Reform des meteorologischen Institut» angebahnt, zuletzt durch»nträge der verstorbenen Abgeordneten Tdilenius, Huyffen, v. Wedell- Malchow und von mir, ein hydrographisches Institut für dai Binnenland der Monarchie zu errichten und die Reorganisation so zu gestalten, daß eine leistungssähtg« Zen- tralanstalt in Verbindung mit dem hydrographischen Institut gebracht werden könne. Nach G'ündung eine» Lehrstuhles für Meteorologie an der Berliner Univerfilät find die Ausgaben für die Reform im Etat festgestellt und in Aussicht genommen, das projeklirte Zentralinstitut mit Rückstcht auf die hervor- ragenden Leistungen deS Auslandes allmälig zu erweitern. Danach ist anzustreben neben der Vermehrung der Beamten die Vermehrung der Stationen, die Ausstattung der letzteren mit guten Instrumenten rc. Ich dedauere, daß der Abgeord- nete ThileniuS nicht mehr die von ihm so sehr gewünschte Re- organisation erlebt hat, aber ich glaube in Ihrem Sinne zu bandeln, wenn ich seiner heute in treuer Erinnerung gedacht habe.(Beifall.) Der Rest de» Kapital» wird ohne Debatte genehmigt. Bei Kap. 123(Technische« Unterrichtswesen) Tit. 1, Technische Hochschule in Berlin, bemerkt Abg. G o I d s ch m i d t: Die Hochschule wird in dem S!at 5«führt alS Technische Hochschule in Berlin. Die hier angestellten Zrofefforen wohnen fast ausschließlich in Berlin und einige der. selben können schon der Nebenämter wegen nicht außerhalb Berlins wohnen. Auf die Lehrer und Beamten der benachbarten In« genieur- und Artillerieschule, welche den Titel bei Berlin führt, hat die Verleguna keinen Einfluß geübt. Dieselben er- halten den gleichen WohnungSgeldzuschuß wie vor ihrer Ueber- siedelung nach Charlottendurg. Meine Bitte an den Herrn Unterrichtiminister geht nun dahin, falls e» ihm nicht gelingen sollte, die EerviSverhältniffe der Anstalt in der nächsten Zeit zu regeln, auf die kleine, den Ausgleich ermöglichende Summe in dem nächsten Etat Bedacht zu nehmen. Geheimer Rath W e h r« n p f e n n i g sagt eine Berück- stchtigung dieses Wunsches für die nächste Session zu. Abg. Dr. Virchow wünscht, daß gewisse Räume de» Polytechnikums für die Zwecke eines elektrotechnischen Laborawrtum» bereitgestellt werden möchten. Die No h- wendigkeit einer Zentralstelle für Elettrotechnik werde in wissenschaftlichen Kreisen allgemein zugegeben. Es fehlt in Preußen zur Zeit an einem Ort,»o in offizieller Weise die elektrischen Maße autdewahtt werden und eine Kontiole teübt werden kann. Die Bemühungen des Geheimraths )r. StemmS, der zur Errichtung eineS phystkalisch-mechanischen Instituts ein Bauterrain unentgeltlich Ihergegeben hat, scheinen beim Reich keinen Erfolg gehabt zu haben. Wenn da» Reich seine Einrichtungen von Jahr zu Jahr verschiebt, so ist e» eine Ehrenaufgabe deS preußischen Staate», selbftftändig da» zu thun, wa» in seiner Macht liegt. Ick möchte den Ministsr dringend ersuchen, alS Chef de» Polytechnikum« möglichst schnell die von mir gewünschte Einrichtung ausführen zu laffen. Geh. Rath Wehrenpfennig: Das physikalisch- mechanische Institut, von welchem der Vonedner gesprochen hat, war ursprünglich seitens der preußischen Behörde geplart. Aul Anregung des Geh. Raths Siemens, der sehr bedeutende Opfer für den Neubau eines physikalischen Instituts bringen wollte, wurde im Einverstandniß mit dem preußischen Finanz- mininer die Sache an da» Reich gebracht. Seit der Zeit hat von Preußen selbstverständlich nichts geschehen können, da von dem Reich in nicht zu langer Zeit viese Sache in die Hand genommen werden wird. Abg. Virchow bittet die Regierung, ihren Einfluß beim R-ich fitttttib zu mach«», um diese Einrichtung im Interesse unseres nationalen Ruhmes herbeizuführen. Der Tirel wird bewilligt. Bei Titel lS, Zuschüsse für Gewerbeschulen resp. Real An- stalten mit Fachschulen, weist Abg. v. M i n n i g e r o d e auf den stetigen Rückgang dieser Schulen hin. Die obersten Klassen derselben wurden sehr schwach besucht. Dieser Rückgang sei auf die mangelhafte Berechtigung dieser Schulen zurückzu« führen. Die Abiturienten dürften zwar die Bauakademie de- suchen, aussallenderweise aber nicht die Bergakademie. Dies sei sehr zu beklagen. Eine gründliche Prüfurg dieser Sache sn im Plenum unmöglich und demgemäß beantrage er, den Titel an die Budgelkommisston zu verweisen. Abg. Schmidt(Stettin) detont, daß eine höhere Schule nicht ohne ausreichende Berechtigungen in Preußen be- stehen kann. Deshalb falle auch das Eingehen von Anstalten nicht auf— sie gewähren den Ecbülern zu wenig für ihren Lebensberuf. Der Unterrichts> Minister muß deshalb eintreten, um durch Erreichung weiterer gewünschter Berechtigungen die Lebensfähigkeit der Anstalten ficher zu stellen. Letztere haben einen neunjährigen Kursus wie die Real- gymnassen. Geh. Rath Bonitz glaubt, daß die Frequenz dieser Schulen im Allgemeinen doch nicht in so hohem Maße zurück- tegangen sei. Er verweise z. B. auf die Gewerbeschule in j-rlin und Magdeburg. Ueber die Frage der Berechtigung würden die Verhandlungen fortgeführt. Abg. Berger befürwortet die kommissarisch« Prüfung dieses Titel», um zu untersuchen, woran der Rückgang dieser Schulen liege. Der Titel wird der Budgetkommisston überwiesen. Bei Tit. 18, Kunstgewerbe- Museum, erwidert Mini« sterialdirektor Greifs auf eine Anfrage deS Abgeordneten Cremer(Teltow), daß die Anrechnung der Dienstzeit für diejenigen Aufseher deS Museum», welche bereits vor der Verstaatlichung desselben dabei angestellt waren, bei Berech- nung der Penston auf gesetzlichem Wege eine Regelung er- fahren werde. Die einzelnen Posttionen werden genehmigt. Zu Kap. 124, Kultus und Untenicht gemeinsam, liegen folgende zwei Anträge vor: 1. Abg. Freiherr v. Liliencron beantragt:„Der Staatsregicrung daS dringende Ersuchen auszusprechen, in den nächsten Etat de» Staatshaushaltes eine Summe einzustellen, aus welcher die königlichen Superintendenten der sechs östlichen Provinzen eine ihren persönlichen Dienstleistungen und dem durch ihre Stellung bedingten Dienstaufwande entsprechende Entschädigung erhalten." 2. Ada. S l ö ck e r schlägt vor:„Die EtaatSregierung zu ersuchen, Vre geeigneten Schritte zu lhun, daß in den nächst- jährtaen Etat die erforderlichen Mittel behufs Inangriffnahme der Theilung übergroßer Par chten und der Gründung neuer Gemeinden in Berlin eingestellt und den zuständigen Behör« den der evangelischen und katholischen Kirche nach der kon> sesstonellen Verhältnißzahl der Bevölkerung zu weiteren Maß- nahmen überwiesen werden." Abg. Frhr. v. Liliencron befürwortet seinen Vorschlag unter Hinweis darauf, daß der darin ausgesprochene Wunsch ein sehr alter sei, welcher dem Hause bereits zweimal vorge- legen habe. Mittlerweile wäre in drei Generalsynoden die drinaltche Nothwendigkeit einer solchen Gewähr allgemein anerkannt worden. Da der Antrag ohnehin der Budget« kommtsston werde überwiesen werden müssen, so enthatte er fich jedeS speziellen Eingehens auf die Sache, namentlich auf die Höhe der erforderlichen Summe, gebe stch aber der Hoffnung hin, daß diesmal der Antrag das Haus zum letzten Male de- schäfligen werde. Abg. Windthorst erklärt Namens des durch Krankhett verhinderten Abg. Brüel, daß derselbe dem Antrag zustimme. WaS ihn selbst betreffe, so stehe er auch dem Antrage sympathisch gegenüber, jedoch müsse er gegen eine Auffassung protestiren, welche den Superintendenten und Generalsuperintendenten als staatlichen Organen die Zuwendung gemacht wissen wolle. Dieselben seim lediglich Beamte der evangelischen Kirche, als solchen gebühre ihnen aber auch die vom Staate gewünschte Hllfeleistung hin sichtlich der Bureaukosten. Minister v. Goßler: Ein Antrag, wie ihn der Herr Abg. v. Liliencron hier befürwortet hat, ist zum ersten Male in diesem Jahre offiziell zu meiner Kenntniß gekommen und zwar als Beschluß der Generalsynode durch den Oder- Kirchcnrath. Augenblicklich werden in Bezug auf diesen Antrag meinerseits Unterhandlungen mit dem Herrn Finanzminister gepflogen. Der Antrag v. Liliencron geht an die Budgetkommisfion; «» folgt die Berathung de» Antrage» S t ö ck e r. Abg. S t ö ck e r befürwortet denselben vor alle« Dingen unter Hinweis auf den„kirchlichen Nothstand" in Berlin, der da- durch, daß Berlin die Hauptstadt des Deutschen Reiche» geworden und d«»hold der Zuzug fich sehr gesteigert habe, immer mehr und mehr gestiegen fei. Die Parochien seien viel zu groß, der Kirchen viel zu wenige, und jedem Geistlichen seien viel zu viel Menschen zur Seelsorge üderantworiet. Hier müsse der Staat helfen. In einem einzigen Jahre seien für Kunst hier 4'/, Mil- lioncn Mark gegeben worden, für die Kirche seien seit 40 Jahren nur IVj Millionen Mark abgefallen. Er bitte den Minister, die Sache an sein Herz zu nehmen, von dem man ja wisse, daß eS warm für die Kirche schlage.(Beifau recht».) Abg. Zelle. Uedelstände stelle er nicht in Abrede, aber die Schilderung derselben durch Stöcker leide doch stark an Ucbertreidung(oho! rechts); denn an dem Einzelfalle eines graufig verwahrlosten Hause» lasse fich doch nicht» ASge- meines nachweisen. Daß der Vorredner lieber auf eine Ab- stellung der Roth verzichte. alS Kirchen freien PalronatS annehme, sei sehr charakterstisch für seine Stellung. Zunächst werde man fragen, habe denn die Kirche in Berlin nicht selber Mittel genug? Die eigenthümliche Art deS Wachs« thum» einer großen Stadt dringe e« mit fich, daß fich alljähr- lich an der Peripherie eine kleine Mittelstadt ansetze; während also nach Außen zu die Brdürfnisse wüchsen, steigere fich ge« wiffermaßen die Wohlhabenheit der inneren Kirchspiele durch Vellingerung ihrer Seelenzahl. Zu erwmten sei von solchen Gemeinden nichts, denn alt man einer dcr wohlhabendsten, der Domgemeinde, zumuthete, etwas herzugeben, da sprach man so« gar von„deadfichliater Beraubung".(Hört!) Hierbei spiele auch der protestantische Kulturkampf mit hinein, denn es sei doch wahrlich nicht schön, wenn Einem die Gefahr vor Augen stehe, fich aus der Küche hinausgewiefen zu sehen, und e» mache doch muthlo», wenn Diejenigen, welche zur Leitung be« rufen seien, fich immer durch ernen über ihnen stehenden Willen in ihren Bestrebungen lahm gelegt sähen.(Sehr gut! links.) Ein betrübender Fall sei oie Nichtbestätigung des Prediger» Diekmann auS Schleswig, welche deshalb eusge- sprachen worden, weil er nicht im Stande sei, in unserer Lan- deSkirche ein geistliches Amt in Folge seiner Stellung zum apostolischen Bekenntniß zu führen. Ursprünglich sei doch die Union in Preußen viel wciiherziger gedacht, und hier kommt man und richte innerhalb Preußen» einen Schlagdaum auf. (Lehr wahr l linkt.) Der Ko> fistorialprästdent habe sich in der Pastoralfonferenz dahin geäußert, daß der I, beraten Theologie innerhalb der evangelischen Kirche niemals eine Berechtigung eingeräumt werden könne, und alle übrigen Herren seien dieser Anficht beigetreten; man habe den Liberalismus einen Parafiten an der Kirche genannt, ja ein Professor sei so weit gegangen, zu sagen, man müsse, um ihn zu vernichien, eist wieder die Rach psalmen beten lernen, ehe eS besser werden könne.(Redner verliest einige Stellen aus diesen Rach-psalmen.) Herr Stöcker solle nach dem Ausspruche eineS anderen Geistlichen von Gott zu seinem Kampfe legitimirt sein; er(Redner) verstehe die» nicht, denn der Gott deS neuen Testaments, der Gott der Liebe, könne e» nicht sein, und der Gott des alten Testaments auch nicht, denn er habe doch wieder die Juden lieb gehabt.(Hei- terkeit.) Den Herrn Minister bitte ich doch daher, Persönlich- ketten in das Kirchenregiment zu beru'en, welche dem Geiste der Milde entsprechen, von welcher Friedrich Wilhelm IV. bei der S'istung der Union ausgegangen ist.(Beifall linkS; Widerspmch rechts,) Abg. S t ö ck e r: DaS einzig Wahre und Brauchbare in der Rede des Abgeordneten Zelle sei die Anerkennung de» NothstandeS in Berlin. Sonst sei nichts Sachliches darin ge« wesen.'Oho links; Beifall rechts) Wie könne er ihm und seinen Freuden Intoleranz vorwerfen?(Lachen links.) Der Liberalismus sei seiner Natur nach intolerant. Das zeige auch seine Kampfesart, wie sie fich in den „Bliesen moderner Dunkelmänner", welche unwidersprochenen ZeitungSmitlbeilungen zufolge von Pastor Schramm in Bremen herrühren. Er begreife nicht, wie man von Seitender Linken empfehlen könne, die reichen Gemeinden sollten Geld für die nicht begüterten hergeben, während man sonst doch jeden So« zialiSmus und Kommunismus perhoneSzire. Nicht seine Rtch- tung bekämpfe einen solchen Antrag, sondern sein Freund Diestelkamp habe ihn gestellt und sei von der linken Seite gerade deshalb angegriffen worden. Abg. Windthorst: Die Ausführungen der Vorredner stimmen darin überein, daß für die kirchlichen Bedürfnisse Berlins nicht genügend besorgt ist; eS fehlt sowohl an Kirchen wie an Geistlichen. Diesem Nothstande abzuhelfen, muß jedem preußischen Staatsbürger am Herzen liegen. AuS dem Streite der beiden Vorredner geht mir voller Deutlichkeit hervor, weshalb die Mittel zur Abhilfe nicht auS den Gemeinden selbst h-rauS genommen werden können; bei einem solchen Zwiespalt der Anschauungen, bei solchen inneren Zerwürfnissen müßte zunächst vor jeder Bewilli- gung die Vorfrage entschieden werden. Soll die neue Kirche und ihre Pastoren für die Anhänger deS Herrn Zelle oder des Herrn Stäcker bestimmt sein?(Sehr richtig! link».) Nach den geltenden Bestimmungen ist die Aufbringung der Kirchen- baulast Sache der Gemeinde- hier wird ohne Weitere» der Staat angerufen, um die Mittel zur Beseittgung de» Roth. standeS durch Erbauung neuer Kirche« zu gewähren. DaS führt zu einer höchst dedenklichm und gefährlichen Verstaat- lichung kirchlicher Verhättniffe, wie fie auch in der Hundert- Mtllionen-Vorlage angestrebt wird, während uns eine Vorlage noch in AuSficht steht, wonach auch die Schule in den pol« nifchen LandeSthrilcn verstaatlicht werden soll— ein hör« render Gedanke, der hoffentlich an dem gesunden Sinne der Mehrheit diese» HauseS scheitern wird! Ich kann demnach für den Antrag in der vorliegenden Form nicht stimmen, zumal ähnliche Nothfiände auch in anderen Städten und erst recht auf dem Lande vorhanden find. Die beklagten Uedelstände rühren einfach daher, daß der Staat vermessen genug war, zu glauben, er könne auch die Kirche regiere«(sehr gut! im Zentrum), aber daS kann nur die Kirche, und ich reklamire mit Herrn Stöcker diese Freiheit der Kirche, der evangelischen wie der katholischen. Den Antrag Stöcker bitte ich der Budget« kommtsston zu überweisen. Abg. S t ö ck e r wiederholt, daß, nachdem das staatliche Patronat in alter Weise zu funktioniren aufgehört habe, die Berufung auf die Verpflichtung der Gemeinden nichts mehr bedeute. Viel lieber al» der Ausdruck allgemeiner Sympathie würde ihm die Unterstützung seines Antrags durch Herm Windthorst sein. Abg. v. E y n e r n: Herr Stöcker spricht jetzt bereits zum dritten Male für seinen Antrag, eS muß stch also aus seiner Fraktion Niemand außer ihm zum Worte gemeldet haben. Da- mit ist erwiesen, daß auch die Konservativen die ganze Sache für«ine lediglich lokale Angelegenheit halten. Der Ueber- Weisung deS Antrags an die Kommisfion werden wir zustimmen, fall» die konservative Frattion eS wünscht.(Heiterkeit links.) Abg. v. Rauchbaupt erklärt, daß auch die konservative Fraktion den Antrag für der Erwägung werth und die Kom« misfiontberalhung desselben für angezeigt hält. Abg. Hänel: Nach Herrn Stöcker müßte man glauben. daß der kirchliche Nothstand Berlins erst durch die seit 1873 eingetretenen Vernachläsfigungen verschuldet sei. Dieser Nothstand hat fich berettS viel früher unter der Herr- fchast de» PattonatS entwickelt- Der Antrag Stöcker bezweckt lediglich die Auslieferung der Gemeinden an das Kirchenregiment(Widerspruch recht»); bat doch daS Konfist». rium eS schroff abgelehnt, auf den Boden jener von der Stadtsynode vereinbarten Grundsätze zu treten! Um dem Li- beraliSwuS Intoleranz vorwerfen zu können, zttitt Herr Stöcker die„Briefe moderner Dunkelmänner"; in demselben Augen« blick, wo er die Methode dieses Buches tadelt, befolgt er ganz dieselbe von ihm getadelte Methode selbst(sehr wahr! links), indem er die liberalen Theologen mit den schärfsten Angriffen wegen ihre» Standpuntte» zum Bekenntnisse überhäuft!(Bei« fall links.) Abg. v. Schorlemer steht den Antrag Stöcker al» durch die bisherige Debatte bereits todt geredet an. Ein An« trag wie dieser müsse konsequenterweise gleichmäßig auf alle Bekenntnisse, auch auf die ikuden(Heiterkeit) Ausdehnung finden, diesmal habe Herr Stöcker die Katholiken gewissermaßen als Schlepper benutzen wollen.(Große Heiterkeit.) Von der jetzigen Regierung sei für die Katholiken paritätische Behand- lung auch in dieser Beziehung nicht zu erwarten; im Uebrigen sei die Finanzlage nicht danach angethan, um eine Bewilligung der Forderung rälhlich erscheinen zu lassen. Die Debatte wird geschloffen. Abg. Möllmann konstatirt, daß der Schluß der Debatte ihn verhindert habe, seinen Freund Schramm gegen die heute erhobenen, gänzlich ungerechtfertigten Angrisse in Schutz zu nehmen. Der Antrag Stöcker geht an die Budgetkommisfion, Titel 4 wird genehmigt. Bei Titel 5:„Zur Verbesserung der äußeren Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse 3 255600 M." erhebt fich eine längere Debatte über einen Antrag v. Sttombeck, welcher in dem auf die Verwendung bezüglichen Etatsvermerk einige wesentlich redaktionelle Aenderungen dezweckt. Der Antrag, dem Kultusminister v. Goßler und die Abg. v. Zedlitz und Graf zu Limburg- Stirum widersprechen, wird schließlich gegen die Stimmen deS Zentrums abgelehnt und Tttel 5 unverändert genehmigt, ebenso der Rest deS Kapitels. Um 4'/, Uhr wird die Berathung abgebrochen. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr.(KultuSetat, Exlraordinaiium de» Etats der Bau-Verwaltung und Etat der Lotterie-Ver« wattung._ Zokales. er. Mit einer seltene« Leichtgläubigkeit werden selbst von Zeitungen, die auf ernsthafte Beachtung Anspruch erheben. Mittheilungen aufgenommen, die meistens mit der Wahrheit in direktem Wi Zersoruch stehen. Namentlich find eS Vorgänge, die stch in den Kreisen der Arbeiteroereinigungen abspielen, welche, tenvenziös entstellt, einem größeren Publikum aufgetischt werden. Man beginnt heute bereit» mit offenbarer Freude die in Aibeiterkreisen allerdings bestehende Frage einer ferneren Betheiligung an den Kommunalwahlen zu Gunsten der gegnerischen Parteien zu ventilire«; man stellt die Sache so dar, als ob die Arbeiterschaft im Großen und Ganzen sich hereitS über die Nichtbeihciligung schlüssig geworden wäre. Unbedingt sprechen gewichtige Gründe für die Betheiligung. ES ist ferner richtig und soll absolut nicht verschwiegen werden, daß namentlich in den Ar« beiterbezirlSvereinen die Frage in eingehendster Weise diSkutirt worden ist, indessen find in den großen ArbeiterdezirkSvereinen für die Betheiligung günstige Beschlüsse gefaßt worden. Für einen unparteiischen Beobachter ist es nun äußerst interessant» zu beobachten, in welcher Weise die gegnerische Presse eine Meinungsverschiedenheit in der Arbeiterpartei gleich für fich auszubeuten versucht. In der Abendausgabe der„Nat. Ztg. vom Sonnabend finden wir einen VersammlungS- dericht, der den wirklichen Besuchern der in Rede stehenden Versammlung mindestens ein ironisches Lächeln ablocke» muß. ES scheint heute immer mehr zu den BerufSpflichte» einzelner Berichterstatter zu gehören, daß fie über Dinge schrei« den, die sie selbst gar nicht gesehen haben. Doch lassen wir der„Nat. Ztg." zunächst das Wort. DaS Blatt schreibt:„Im Arbeiterbezirksverein der Oranienburger Vorstadt hatte man trotz des ÄbrathenS Tutzauer'S sich unbedingt gegen jede fernere Betheiligung an den Kommunal- wählen erkärt, der Polizeilieutenant löste aber bei den Worten de» Vorfitzenden ZigarrenhändlerS Kunkel gegen Tutzauer die Versammlung auf." Den Mitgliedem des Arbeiter« bezirksvereins der Oranienburger Vorstadt dürfte daS hier Ge- sagte gänzlich neu sein; die obige Darstellung ist einfach aus der Luft gegriffen. Der ArbeiterbezirkSverein der Oranienburger Vorstadt hat eine definitive Erklärung über seine Betheiligung an den Kommunalwahlen bisher noch nicht abgegeben; allerdmgs find von Seiten deS Vereins bereits zweiVersammlungen einberufen worden, um über jene Frage zu entscheiden, beide Versammlungen verfielen jedoch dem Sozialistengesetz. Die ganze Frage ist für diesen Verein also noch eine offene. Die Auflösung der letzten Versammlung deS Verein» verhinderte die Abstimmung über eine Resolution, die fich für Theilnahme an den Kommunal« wählen in den günstigeren Bezirken aussprach, und nach dem ganzen Gange der Verhandlungen erschien unS wenigstens d-t Annahme der Resolution keineswegs zweifelhaft. Die„Nat-« Ztg." flunkert hier dem Publikum etwas vor, und man steht doch offenbar au» den oben zttirten Zeilen, daß allen Gegnern ungemein viel an einem passtvm Verhalten der Berliner Ar« beiter in Bezug auf die Kommunalwahlen gelegen ist. Die für da» Jahr 1888 geplante deutsch-nationale Gewerbe-AuSstellung, für welche fich in Deutschland allent- halben die lebhafteste Sympathie kundgiebt, dürfte nunmem, nachdem auch seitens der Regierung und der städtischen Be« Hörden dieserhalb ermuthigende Aeußerungen gethan worden find und der Vorstand des Verein» Berliner Kaufleute»n® Industrieller allein innerhalb zweier Tage die ersten 300 000 Mark zur Ausbringung deS nöthigen Garantiefonds gezeichnet hat, al» gesichert betrachtet werden. DaS Zustandekommen der Ausstellung wird zweifellos für die weitere Entwickelung un« serer aufblühenden Reichshauptstadt von großer Bedeutung fi» erweisen. In erster Linie dürften an derselben, abgesehen von dem hierdurch nothwendig bedingten Aufschwung der haup>« städtischen Industrie, die HotelS nnd sonstigen Vergnügungs« lokale profitiren, da der Fremdenzufluß gewiß sehr große Dt» menfionen annehmen wird. DaS Geld, welches bei dieser Ge« legenheit unter die Leute kommt, wird aber in weiterer Rück« Wirkung auch den gesammten geschäftlichen Verhättniffe» Z» Gute kommen. Etwa» über da» Meldewese«. Jeder nach Berlm kommende Fremde, resp. Neuanziehende muß fich durch einen Paß oder erne Paßkarte legitimiren können. Diese Legilimo« tionspapicre übergiebt der Reisende dem Gastwirith, dem o»« Hader eine» Hotel gar ni oder wer sonst immer ihn aufgenommen hat, zur Vorlage bei der Polizei. Die diesbezüglichen Me>« düngen find jetzt auch dann abzustatten, wenn die Personen>» einem VerwandtschaftS- oder SchwägerschaftS-Verhältniß stehen und ihr Aufenthalt die Dauer von drei Monaten nicht ertticki'- Besitzen die Reisenden oder Gastfreunde keine Legitimations papiere, so hat dieS derjenige, welcher Obdach oder Unterku»!' gewährt, der Polizei anzuzeigen. Die An- und Abmeldung eine» Reisenden muß innerhalb vierundzwanzig Stunden ni» der Ankunft bezw. der Abreise desselben erfolgen. Gastwittb« und Inhaber von Hotels gamiS haben jedoch über Ankum' und Abreise deS Reisenden zweimal an jedem Tage Meldung zu machen, in der Ast, daß diejenigen Reisenden, rotW zwischen sech» oder abg' diejenigen wtiiwt zwimcn|UII| upi des einen und sechs Uhr Morgen» de» nächstfolgenden 3% zu« oder abgereist find» bis fiebern Uhr Morgen» des letzter' TageS zu melden find. Dabei ifi eS einerlei, ob daS Odva? gege« Bezahlung oder unentgelttich gewährt wird. Die dung ist in dem Bureau desjenigen Polizei- Reviers zu ma«� in welchem der Reisende abgestiegen ist. Uebertretungen dm' Vorschriften werden mtt einer Geldbuße von süns bi» dreM Mark geahndet. DaS bequemste Legitimationsmtttel find hr»,. die Paßkarten. Dieselben dürfen nur solchen Personen ew werden, welche der Polizeibehörde alS vollkommen zuverlalßj und ficher bekannt find. Diese Personen müssen völlig ständig sein und ihren Wohnsitz in dem Bezirke der Behor haben, die um die Ausstellung der Paßkarte angeg�g wird. Nach einem Mintsterial Reskript vom 10. September I?. erhalten Kaufleute, Fabrikanten und HandlungSreisende karten; Handlungsdiener nur auf besonderen Antrag � Prinzipale an dem Wohnort deS letzteren., Der lange Winter beginnt stch auch den Landw« j!„ sehr fühlbar zu machen. DaS Futter wird knapp und fitwun. in Folge dessen ihre Vtehstände lichten. Die Preise Schlachtvieh«» beginnen deshalb erheblich zu finken, W? blikum aber scheint an dem Profit nicht detheiligt»u rverv Die Versuche, die Steinträger durch Maschine» ersetze«, fallen wenig glücklich aus. Am Sonnabend setzte man auf dem Neuban Werststraße 6 einen Fahrst»® fi(t Betrieb, aber schon am Nachmittag riß die Kette und 1 herabstürzende Fahrstuhl traf einen Arbeiter derartig»» jl.ch und Echultem, daß der Verletzte nach dem städtischen gebracht werdm mußte. Die in die Tiefe stürzenden® verwundeten einen Lehrling, glücklicherweise nur letal.% Polizei inhibirte natürlich den Gebrauch deS Fahrstuhles.,�, am Montag traten die am Freitag Abend abgelohnten» träger schon wieder die Arbeit an..„(.w Da» Spiel in erlaubten Lotterien hat. ganz abgei � von den häufig genug gestörten Jllufionen, selbst im Fall« Gewinnes seine sehr mißlichen Setten, welche selbst denerst gfi Gewinner und Kollekteur Erfahrungen unangeneym", � machen lassen. Bei einem hiefigen Kollekteur waren au � St. Ursula-Lotterie in Köln zwei Gewinne gefallen, tn silbernen Ketten bestehend, welche ganz bequem in je zw' geschriebenen Briefen a 30 Pf. von dort eingesandt w konnten. Statt dessen erhätt der Kollekteur dieselben Kiste verpackt überbracht und soll nunmehr dieTranspo mtt zusammen 1,50 M. berichtigen. Auf seine Weigern jst weil er den Gewinnern unmöglich 75 Pf. berechnen«a. ge« er bisher vom Verwaltungsromit« noch keiner Ant« � würdigt worden, wird fich aber wohl entschließen mMl he« verhältnißmäßig hohen Mehrkosten au» eigener TasS �p« zahlen oder aber fie von den glücklichm Gewinnern �Aock) ist da» Monopol nicht offiziell gefallen, ab"�?. athmen die zahlreichen Industrien, welche mit der brauche verknüpft find, wieder aus. In erster U» Au? die Ablehnung natürlich die G oßdestillateure. J» � ge» wiegt fich neuer Muth„Sowie das Monopol de» � fallen ist", meinte einer dieser Industriellen."b£6men Vorher konnte man eS ja gamicht wagen. So iay�, M d«ei zu lesen, als die bekannten Ergüsse des PreßbureauS gegen die ReichstagSmajorität. Der Wirth hält das Kreisblatt oder den amtlichen Anzeiger; er muß ste ballen. Aber hinter dem Schänltisch schänkt er den neuen MonopolschnapS und jubelnd brinat er mit ihm unter Asststenz seiner Gäste ein Pereat dem Monopol. Eine fingirte Selbstverbrennung. In der Nacht zum 6. März d. I. kam mit dem Schnellzuge von Berlin nach Leinefelde ein Reisender und kehrte in einem dicht am Bahn« Hofe befindlichen Gasthause ein, in welchem er telegraphisch ein Zimmer bestellt hatte. Während der Nacht hat er das Bett, nachdem er in dasselbe ein menschliches Skelett und einen Schävel gelegt hatte, in Brand ges-tzt und dann, wie die im Schnee erkennbaren Spuren zeigten, über die Veranda kletternd, sein Zimmer und das Hotel hermlich verlassen. Augenscheinlich war die Abficht deS unheimlichen Gastes darauf gerichtet, den Glauben zu erwecken, daß er in seinem Bette verbrannt sei. Durch eine zurückgelassene Geschästskarte ist die Person als die eines in Berlin wohnenden Kaufmanns S. ermittelt, auch festgestellt worden, daß derselbe das Skelett von einem hiefigen Studirenden gekauft hat. Da S. von seinen Bekannten und Angehörigen als ein exaltirter Mensch geschlldert wird, wurde zunächst angenommen, daß er die That in einem Zustande geistiger Störung verübt habe. Nach den näheren Feststellungen schein! es indeß, als wenn er planmäßig gehandelt hat, und es auf die Benachtheiligung einer LedenSverfichcrungS. Gesellschaft abgesehen war. Seine Ergreifung ist noch nicht 8'""(linttt nicht geringe« Schreck erhielt in der vergangenen Nacht die Tochter einer im Hause Louisen-Ufer 10 wohnenden Wittwe. AIS daS junge Mädchen zu später Stunde aus einer Gesellschaft nach Hause zurücklehrte und die Wohnung der Mutter betreten wollte, fand ste zwar die Thür aufgeschlossen, vermochte aber nicht, dieselbe zu öffnen, da von innen ein schwerer G- genstand vor derselben lag. Nachdem st« einige HauSnachbam alarmirt hatte, gelang eS mit deren Hilfe, den Widerstand zu beseitigen und die Thüre zu öffnen. Nun machte man die schreckliche Entdeckung, daß die Wittwe in einer Blutlache todt am Boden des ZrmmerS lag. Ein sofort herbeigerufener Arzt konstatirte, daß der Tod der Frau in Folge eines Blutstunes herbeigeführt worden war. In der Nacht zum 14. d. M. bemerkte ein Wächter im Rariannenpark eine ältere später als die separirte W. festge« Seilte Frau, welche stch mit einem einige Wochen alten Kinde i auffälliger Weise zu schaffen machte. Der Wächter schöpfte den Verdacht, daß die Frau das Kind auszusetzen beabstchtige, und da ihm auch deren Angabe, ste habe daS Kind am Tage vorher in der Chariteefiraße von einem unbekannten Mädchen übergeben erhalten und sich bereit erklärt, dasselbe als ihr eigenes aufzuerzieben, um so weniger glaubwürdig erscheinen mußte, als die W. obdachlos war, so schritt er zur Verhaftung der letzteren. Durch die Wäsche deS Kindes gelang eS, die Mutter, welche am 13. Mär, er. au» der Cbaritee entlassen worden war, zu ermilteln. Dieselbe hatte ihr Kind bereits seit 24 Stunden vergeblich gesucht und erklärte, daß die Angaben der W. un- wahr seien. Letztere habe ihr bei ihrer Entlassung das Kind unter dem Vorgeben abgeschwindelt, daß fie, die W-, von einem Schankwirth beauftragt sei, diesem ein kleines Mädchen zu verschassen, um es an Kindesstatt anzunehmen. Da Frau W. ihr Vertrauen eingeflößt, habe fie derselben daS Kind an« vertiaut, aber auch an demselben Abend von dem betreffenden Schankwitth erfahren, daß er einen derartigen Auftrag nicht gegeben habe und überhaupt eine Frau W. nicht kenne. Letztere rst wegen Vergehens gegen§ 235 deS Str.-G.«B. in Haft be« halten worden. Der verkehr der Berliner Stadtbahn ist in den vier Jahren, die seit der Eröffnung dieses neuesten und großartig« sten hiefigen Institutes verflossen find, ein ganz gewaltiger ge- worden. Es werden jetzt taalich allein 280 Züge regelmäßig abgelassen, welche nur dem Stadtverkehr dienen; hierzu kommen noch 74 VorortSzüge und 90 Externzüge, so daß nur im regelmäßigen Betriede täglich 444 Züge abgelassen werden müssen. Im Sommer kommen aber hierzu, je nach Bedarf, in den Wochentagen 12—30 Extrazüge, an den Sonntagen deren bis zu 72, bei außergcwöhnltchem Verkehr steigert fich die Zahl der Züge noch bedeutend und bettägt 562 an einem Tage. Die Zahl der beförderten Paffagiere der Stadtdahn betrug im ersten Geschäftsjahre 8396 460 und ist im Jahre 1884 bis 1885 auf 14256490 gewachsen. Erfreulich ist die Thatsache, daß noch kein ernster Betriebsunfall auf dieser zweifellos frequentesten Bahnstrecke des Deutschen Reichs vorgekommen ist. Verletzungen von Paffagieren, Beamten und Ardeitem find die gewöhn- lichen Resultate eines regen Verkehrs und der dadurch herbei« geführten größeren Gefährlichkeit der Strecke. Die zahlreichen Kurven der Stadtbahn tragen nicht eben dazu bei, diese Gesährlichleit bei der großen Zahl der Letriedsbeamten und Arbeiter— zusammen 900— zu vermindern. 64 Maschinen find unausgesetzt thätig und außerdem noch eine An« zahl Reservemaschinen, denn der Dienst kann gerade hier eine Stockung am allerwenigsten erleiden. Die Haupttage deS Verkehrs find natürlich dir Sonntage, und allein an den 17 Sommer Sonntagen vom Mai bis August 1883 wurden 1300757 Personen durch die Stadtbahn deföider', und im verflossenen Jahr ist die bezüglich« Zisser auf 2 Millionen ge« stiegen, obgleich der Hauptoerkehrstag, der zweite Pfingstfeier« tag, in Bezug auf die Zahl der Passagiere gegen das Jahr 1883 zurückgeblieben ist. Da die Stadtbahn eine Länge von 10,08 Kilometer hat, so durchlaufen die 444 regelmäßigen Züge jährlich rund 1620000 Kilometer, d. h. 40 Mal dm Lauf um die Erde. Eine Hauptaufgabe für den Betrieb und sicher der schwierigste Theil der Verwaltung ist das Fortschaffen der Passagiere an Sonn- und Festtagen, denngerade an diesen wächst daS Verkehlsdedürfnlß je nach der Witterung inS Un« Slaubliche, aber auch hier ist die Bahn bis jetzt dm Anforde« rungm gewachsen geblieben. Der Löwmantheil an der Frequenz fällt natürlich dem Bahnhof Friedrichstraße zu, der weil über ein Drittel mehr Passagiere alS Bahnhof Alexanderplatz und wehr als daS Vierfache wir Bahnhof Bellevue und Charlotten« bürg hat. . Eine«ene Erfindung, die gar nicht so übel scheint, wird demnächst im Handel erscheinen. Ein bekannter Theater« Direktor von außtrhald hatte vor einiam Tagen daS Unglück, feinen werthvollen Paletot in einem hiefigen großen Caf r n i e n. Baden, Heidelberg, Konstanz, WieS« den«. Hertha-Reise, a Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Posamentiere und Knopfmacher! Nachdem wir gezwungen find, unsere Stellung bei Herrn A. Arold aufzugeben, weil auf eine ganz rigorose Weise unsere Ehre angegriffen, machen wir sämmtliche Kollegen hierauf auf« merksam, weil Allen mit Gewißheit das gleiche LooS bevorstände und Jeder den unangenebm- sten Zuständen entgegensteht.[1003 Nürnberg, den 14. März 1886. Die Kollegen der I. A. Ärold'schen Posamentierwaaren-Fabrik. Kistenmacher Berlins. In der Kistenfabrik von Kimon«. Mutter ist ein Sttetk ausgebrochen. Hattet den Zuzug fern! [1015] Die Streikenden. Für die streikenden Korbmacher. Es find eingegangen: Von dm Zim« merern Berlins 50 M.; von den Maurern 25 M.; von dem Fachverein der Steinträger 30 M.; von dem Fachverein der Metallarbeiter in GaS-, Wasser- u. Dampf, Armaturen 15 M.; von den Schneidern 9,17 M.; von dm Stein« druckern u. Lithographen 30 M.; von dm deutschen Schmiedm lO M.; von dm Drechslern 2,55 M.; von den Korbmachern Brandenburgs 45,70 M.; von den Korbmachern Schönebecks 10 M.; von dm Korbmachem WandSbeckS 9,80 M.; von den Korbmachern Stettins 12,40 M; öffentlicher BollSverkehr in FriedrichSderg durch Teller- sammlung 13.29 M.; in einer Versammlung des Arb.-Bez.«Veretn« des Süd-Westen Berlins 3,45 M.; durch Listensammlung 88,30 M.; freiwillige Beiträge 13 M. 10161 Das Komitee. Näheres über den Streik im redaktionellen Theil deS Blattes.__ Sud-Ost, Srdentl. MMtrvnsllmullllllg Mittwoch, den 17. März, Abend» 8'/, Uhr, in der„zlruuia", Wrengel-Straße Nr. 9—10. Tages-Ordnung: Die jüngsten Vorgänge in der Etadtverord« netm-Versammlung. Refermt: Herr Mitan. BerschiidmeS. Fragekastm.[1007 Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Der Vorstand. Ich fordere diejmigm Kollegen, welche in der Tischler-Versammlung am 7. Febr. Zeugen gewesm, daß Herr Scheck mich thätlich ange- griffen, biermit auf, ihre Adressm bei mir oder in der Expidition des„Berl. BolkSblatt" ab> geben zu wollen.[1006 H. Schaar, Reichenbergerstr. 125, Hof2Tr. Täglich: Königsberger Fleck, h pirim 25 Pf. im Keßlwrttt SlttUhttjktße 18 bei Stramm. 356 Meine 997] Möbel- und Polster- Maaren- Fabrik befindet fich jetzt nur Ierufalemerftr. 65, nahe der Lindenstraße. Ctaorg Haak©, frafwc Ocammstr. Möbel-, Sopha- u. Matratzen-Fabrik I A. Schnlz, Wafferthorstr. 34(auch Theilzahluug). Fachverein der Sttiili>Nlcktril.KthMilphe« Vers ammlung Donnerstag, den 18. d. M-, Abds. 8 Uhr, im ASnigftädtischen Aast«», Holzmarktstr. 72. TageS-Ordnuna:[1009 1. Abrechnung vom Winterfest.?. Anttag behufS Erweiterung deS§ 4. 3. Verschiedene». 4. Fragekastm. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. KouistnstSdtts'cher Bezirks- Verein„Vorwärts". Mittwoch, den 17. März, AbendS 8'/, Uhr, Verrins-versammlunz in Krieger'» Kalo«, Waffefthorstt. 63. Tagesoidnung: 1. Vortrag dei Reickstags« Abgeordnetm Herm K a y s e r: Di« politische Zage. 2. Diskusston. 3. Berich iedmes und Fragelasten.— Gäste, durch Mitglieder ein« gefühft, habm Zutritt.— Neue Mitglieder werden aufgenommen.[1008 Gewerkschaft der Metallarbeiter Kerlin»«. Zlwgegend.[1005 Mitglieder-Versammlung Dienttag, den 16. März. Abends S'/i Uhr, im Medding-Park, Müllerstraße 178. Tagesordnung: Vortrag deS Stadtv. Herrn Görcki. 2. DUkusston. 3. Wahl eine« ersten KasfirerS. 4. VerschiedmeS und Fragekasten.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Der Borstand. Sophas und Matratzen sowie Polsterwaaren werden gut und auf« Billigste hergestellt._ 1994 A. Kramer, Lindenstraße 107. Soeben erschienen: Kit S'ojialiKtnaltratit vor dem veutscheu Reichstage- Stenographischer Bericht der Verhandlung� des Deutschen Reichstages am 18. Februar 1. Heft.- Preis M. 0,30. Zu haben in unserer Grpedition, Zi««� straffe 44.______ Mbel, Mezel Ii. eigener Fabrik von C. Kertel, TlschUnnst�'' Finten str. 180, dicht a. d. Friedrichst» Große Auswabl tuick ganze Zimmer- EmnrfittinP wirklich reeller und guter Möbel, in Nußbaum und mahagoni, Garnituren. Plüsch, RipS und Phantastestoff. Stoffe H'f.g zur AuSwcchl bereit._ � ■y Tbeittabluna aestattet.— Der unentgeltliche Arbeits- Nachweis der Klavierarbeiter befindet sich Skalitzerstr. 18 bei Stramm._ ÄlS'l Blnmenstr. Mch. Arbeits« Vermitteluna geschieht unenta � Adreffenausgabe an Wochentagen von M 9'/, Uhr Abends. Sonntags von S-ra � Vormittags. Veranw-ortlicher AedUlteur U.«»nfttU in Stslfe.»ruck und Verlag von«« Badt«« i» Berlin 8W,«euthftraß, 3.