»r. 65. Donnerstag, den 18. Marz 1886. III. Jahrg. ttlimVÄMI Krgsn für dir Interrsftn der Arbeiter. 4 Da«„Berliner VolüSblatt" »scheint t-�s�Mor�enS aujer nach Sonn«»uü> Le�agen. LdonnementSprei� für Berlin frei i Marl. Redaktion: Kenthstraste 2.— Grpedttion: Zimmerstraße 44. Abonnements� Einkaäung. . Unser geehrten auswärtigen Adonnemen ersuchm wir «Glichst, das Abonnement pro 2. Qaartal 1886 auf daS »»Kerliner Uolksvlatt� mit der Gratisbeilage „Illnstrirtes Konntagsblatt" �ldigst, jedenfalls so recktzeitia aufzugeben, da� ihnen eine Kachjahlung von 10 Pf. Etrafbestellgelv erspart bleibt. Außerdem wird durch eine verspätete Bestellung die regelmäßige Zusendung der Zeitung unterbrochen. . Der AbonnementSprei» für daS„Berliner volttblatt" »trägt nach wie vor .. 4 Mark pro» Euartat 1886 »l allen Reichspostanstalten. Die Expedition de«„Berliner Lolttblatt". Berlin 8W., Zimmerstraße 44. ! GWSs« Gllukklspttl. Unter den mancherlei interessanten Dinge«, auf welche Unsere Offiziösen in der letzte« Zeit ihre Aufmerksamkeit haben richten müsse«, ist der«euliche Wahlsieg der Sozial- temokratc« m Sachse» besonders zu beachten. Da« Kanzlerblatt hat sich erst spät von seiner Ver- vliiffung über diese kleine Ueberraschung erholt. Es wollte luerft gut« Miene zum bösen Spiel mache« und begnügte sich mit der einfachen Mittheilung de« Resultat». Als aber Manche oppositionelle Blätter mit besonderem Nachdruck be- tonten, der gewählte Sozialdemokrat sei der erste von dem vom Fürsten Reichskanzler selbst ewünschte» dritte» Dutzend der sozial» emokratischen Fraktion im Reichstage, da wurde da« offiziöse Blatt unruhig, wandte sich hin und her, machte einige bissige Bemerkungen, kam aber zu keiner «estimmteo Entscheidung. Nachdem aber die„Bolktzeitung' in Berlin da» Wahl- »sultat al» eine« Sieg der allgemeinen liberalen Sache über die Reaktion begrüßt hatte und al« nun gar da« «�Berliner Volksblatt' sich besonder» darüber freute, daß b» Steg über eine» Konservative« errungen worden m und e» für erstrebenSwerth erklärte, daß auch die elf Weiteren vom Reichskanzler gewünschten sozialdemokratischen Wahlsiege über Konservative gewonnen würden, da wurde ** dem Blatte doch zu eng in seiner Haut und wüthend Mhr e, lo»... m . Zuerst bestreitet e« die symptomatische Be- ° rutung de« sozialdemokratischen Wahlsiege». Da» Blatt JeuMeton. Der Trödler. Roman von A. S. Brachvogel. (Fortsetzung) »in Hrnnings war groß, etwa» korpulent und von sehr Z* typischer Manier, wenn er nur nicht seine bewichsten in, bärmel anhatte. Lebhaft im Verkehr, immer lächelnd, soliden Luxu« nicht abgeneigt, und von dem Be- r fr? Mne» Reichthum« und Ansehen« getragen, hielt pet« str,,g auf„Farbe', wie er sagte, vor Allem liebte L/Mrive« Leuten ehrfurchtsvollen Respekt. Za seinem Ichaft Ii«g«e Zeit mit Glück servirt zu habe», war in »„.'Uufmännischen Welt ei« offener Empfehlungsbrief, eine ,?alme, snach welcher jeder Ritler von der Düte 3" strebte.— Besonders würdevoll sah Herr Zosua �j.'.'Ukvn er in weißer Kravatte, an der die goldene Busen- .c f?'1 Brillanten funkelte, und dem zimmetbraunen Rock, iL Patten die blüthenweiße Busenkrause spielte, de» »d Ü'n die Kirche, oder Abend« in Gesellschaft ging vaz Bambusrohr mit goldenem Knopfe zierlich wie zwischen de« waschledernen Finger» ... sein HauSwesen ei» Glück genannt »tH«, 0n"te' daß Hennings nach nur zweijähriger Ehe bie» geworden, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls 'd c? de« Verlust seiner Gattin leicht zu verschmerzen ,s..''ch für da» mangelnde Eheglück durch Genüsse der iti»,'. Gemeinschaft seiner Freuade und öffentliche Ver« ungen schadlos zu halten. Daß er wenig Neigung ...|tje�en> gab er oft f, f?°e» konit, Jf -spärt?" schadlos zu halten. Daß er »Ig dur/���n'« Ehejoch zu kriech. i de* Ich Aeußerung zu erkennen:„Ein Juaggesell * jedem o' deneideySwertheste Geschöpf von der Welt.' aiftr m Ä�el spielte er den liebenswürdigen Maitre de ' Kour. ch.ee trotz feines reifere« Alters den Dame« flott ch>er um /ch�'d«» wußte, wa» sich denn auch die meisten tljea gT'0 mannbaren lieber gefalle« ließen, als jede ihren »"ug Kraft zutraute, um Herrn Zosua zum Aufsucht sich zu trösten damit, daß bei einer Einzelwahl die sozialdemokratische Partei ihre Kräfte konzentrire, wa» dann zu einer Ueberraschung geführt habe. Trade al« ob die vereinigte«„OrdnungSparteien' nicht gleichfalls ihre Kräfte konzentrirt und alle Macht aufgeboten hätten? Selten hat der Kandidat irgend einer Partei in ernem Wahlkreis seine Pferde und die eigene Lunge so an- gestrengt, wie der Kandidat der vereinigten Ordnungspar teien, der Fabrikbesitzer Herr Zschierlich. Nach einigen allgemeinen Ergüssen seine» AergerS wendete sich dann da» Kanzlerblatt mit grimmer Wuth gegen die„Volkszeiwng", welche von de» vorläufige» ge meinsamen politische« Ziele« der wahr Haft Liberale» und der Sozialdemokraten gesprochen hatte: „Die Hauptsache für beide Parteien bleibe, daß die regierungsfreundliche Stimmenzahl immer mehr und mehr zur Minorität herabgedrückt werde. Der sozialdemokratische Sieg sei also ein liberaler Gewinn. Wenn wir diese Aeuße« runge» interessant finden, so gewiß nicht deshalb, weil ei» Organ des demokratifirende» Bürgerthums de» Math oder die Naivetät besitzt, angesichts neuester Vorkommnisse in anderen Ländern, die Sozialdemokratie harmlos al« bloße Zu- kunftSmusik zu behandeln, um welche man sich vorläufig so wenig zu kümmer» habe, daß e» gar nicht darauf ankomme, ob man selber zur Exekutirung dieser Musik vorbereitende Hilfe leistet; da» Erschreckende in den Auslassungen des bez. Organ» liegt aber darin, daß ei dieselbe» nicht wagen würde, ohne die Ueberzeugung zu habe«, für dieselbe» in weiten Kreisen bereite Aufnahme zu finde».— Und leider kann man ihr die Berechtigung zu dieser Ueberzeugung nicht bestreite». Wenn die„Volk«- Ztg.' den sozialdemokratischen Sieg feiert, weil dadurch die Opposition gestärkt werde, so weiß sie, daß ein großer Theil der Bevölkerung die Opposition lediglich al» Sport betreibt und in ihr die Befriedigung politischen Selbstbe- wußtsein« gewinnt, ohne danach zu frage«, in welchem Um- fange und unter welchem Vorwande die öffentlichen Znter» essen geschädigt werden. Und wa» da» schlimmste dabei ist: es find nicht blo» Parteifanatiker, welche auf de« Leim der Opposition gehe«; da« Gros der oppofitionellea Wähler- schaft, welche sich für die Fahne Richter oder Windthorst anwerbe« läßt, rekrutirt sich au» Leuten, welche gar nickt au« irgend welchem Grunde Gegner der Regieruvg sind. Sie haben ihren Spaß an der Opposition, weil sie ihn für ungefährlich halte«, und sie halt te« ihn für unge- nd, daß .. e« werde, um die' schlimmste» Folgen einer Oppofition abzuwenden, welche auf Lähmung der Staat«- und Regierungsgewalt fährlich, weil sie fest davon überzeugt sii die Regierung stets die Einsicht und die Kraft Hab' eben seine» WittwerstandeS zu bewege«. Es konnte de«- lb nicht verwundern, daß da« hinterlassen« Liebespfand einer selige» Gattin, ein Sohn allein der Obhut der alte» Wirthschafteri«, Mamsell Grundman», und der Amme an- heimfiel. Einerseits war Henning« wohl stolz und befrie- digt, eine» Erben zu befitzen, wußte er doch nun, in welche Hände sei» irdische« Gut kam, aber er empfand auch keine übermäßige Liebe für de» kleine» Edmund. Was sollte der trotz fünfundvierzig Jahre« höchst lebenslustige Wittwer mit einem neugeborene» Sprossen beginne«, da er doch nicht wieder heirathen wollte? Er konnte ferner das Kinder« aeschrei nicht vertragen und war froh, wenn er durch de» Anblick des Knaben nicht an den Ernst seiner Baterpflichte» gemahnt wurde und— daß er doch eigentlich kein Zung- gesell mehr sei. Seine» Obliegenheiten gegen Edmund glaubte er überflüssig zu genügen, wenn er ihm eine Wär- teria und die nölhigen Lehrer hielt, kurz, eine Erziehung eben ließ, wie sie für de« Sohn eine« reiche« Manne« 'icklich war. Sein Nachbar und MiethSman«, Justus Schätzlei», der Trödler, dagegen hatte mit ihm keine Spur von Aehn- lichkeit. Justus war klein, sein Körper, wen« auch nicht " hwach, hatte etwa« Lässige», Hinfällige». Er war etwa» ter al« Henning«, und sein hoher Schädel, über den sich von hinten«ach vor» einige Streife« grauer Haar« legten, seine buschigen Augenbraue« auf der faltenreichen, stet« be- wölkten Stirn, und die schmalen Lippen, unter der ge- bogenen Nase stet« scharf zusammenqekniffen, ließen Jeder- mann glauben, daß er hier eine» Spitzbube» vor sich habe. Um de» dürre», sehaichten Hals ein braunröthliche«, bäum- wollenes Tuch geschlungen, de» Körper in einen defekte« Echlaftock von grauem Zeug gehüllt, welcher mit schwarz und weißem Schaftfell gefüttert war, da» etwa« schwäch» liehe Gebein in ei» Paar faltenreiche Unaussprechltche ge» steckt, deren Farbe nicht mehr festzustellen war, so sah man ihn Jahr aus Jahr ein auf Filzschuhen umherschlurre« und vie schwarze Manchesterkappe auf dem eine« Ohr, die große Hornbrille auf der Nasenspitze balanzire». Er war da« Gegentheil aller Noblesse und Liebenswürdigkeit. Nicht genug, daß er von den Formen de» äußeren Leben« Znicht» abzielt. Dieser leider nur allzugrvße Bruchtheil der Bevölkerung, welcher au» der vi« jetzt gesicherten Be- häbigkeit seine« DasemS die Zuversicht gewonnen hat, daß ti immer so bleiben müsse, u>d sieh deshalb bei dem Kampf der Regierung mit Parteren, welche in der Feindschaft gegen die Kräftigung de« Reich« ihren Vereinigungspunkt finde», vergnügt die Hände reibt, wird freilich dadurch, daß jetzt daS dritte Dutzend„angeschnitten' sei, sich noch kaum er- nüchtern lassen.— E« wrrd noch stärkerer und ein- dringlicherer Witzigunge» bedürfen, be- vor jener Theil der Bevölkerung au« seinem Schlafwandeln aufgeschreckt wird, und wir fürchte», daß diese nicht ausbleiben, vrelmehr den bleiche» Schrecken auf die feiste« Gesichter Derer werfe» werden, welche jetzt zu dem guten Witze der„Volks-Ztg." lächeln, die da sagt, man brauche sich j tzt um den Zukunft«» staat der Sozialdemokratie so wenig zu kümmer», wie darum, ob die spanischen Luftschlösser«ach gothischem oder anderem Stil erbaut werden." So die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung', der wir nur aufrichtige» Dank für die letzte» treffliehen Worte sage« könne». Sie kann doch in der That gar nicht« andere« mit den„stärkeren und eindringlicheren Witzi- gungen' meinen, al« die elf weiteren Wahlsiege der Soz'al» demokrate», welche ihr Patron, der Fürst Reichskanzler, ge- wünscht hat. Das Kanzlerblatt darf doch unter keine« Um- ständen den Kanzler deSavouire»— da» könnte Herr» Pindter wohl schlecht bekommen. DaS Kanzlerblatt will doch am Ende mit seine« dunkle« Andeutungen nicht de» bekannte» blutigrothe» Lappe» schwingen, um die Philister, wie der Berliner sagt,„jraulich' zu mache» i Wir halten in der That nicht viel von dem liberalen und fortschrittlichen Philister, den Bamberger jüngst so tteffend in der„Nation' t gezeichnet hat. bAer Alle« . 1______ i S' /E t t e— t-—-— t.--- ,,----.—--- ff-------- t D'0"T•***'* vw** nimmt sein Ende und selbst da« rothe Gespenst verfließt schließlich auch in Dunst und Nebel. Die reaktionären Blätter habe» nämlich seit dem Jahre 1848, also seit fast vierzig Jahren, den alten Kohl so oft aufgewärmt, daß selbst der hasenherzigste Philister ihn satt bekommen hat. Da« Auftische» desselben lohnt sich also nicht mehr der Mühe. Und sollte die„Nordd. Allg. Ztg.', die ja auf die „Arbeiterunruhm" im Auslände anspielt, am Ende glauben, die deutschen Arbeiter ließe« sich zu Putsche» aufhetzen, so im da» Blatt gewaltig— mögen diese Aufhetzereien komme», von«elcher Leite sie wollen. Die deutschen Arbeiter find viel ut zielbewußt und habe» bereit« viel zu viel politische Schulung genossen, zu wisse« schien, ungesellig und mißtrauisch war, er besaß auch die unangenehme Eigenschaft, herzlich grob, von ua- bezwivglichstem SarkaSmu« zu sei« und gegen Jedermann, besonder« de» Posamentirer, eine nichtswürdig lächelnde Verachtung an de» Tag zu legen. Viele sagten ihm nach, er sei ein Wucherer, der Geld zu unmäßigen Zinse« gegen werthvolle Psänder und auf knappe Frist ausleihe, er drücke und maltraitire die Armen, welche gezwungen wäre«, ihre geringen Habseligkeiten an ihn zu veräußern. Andere redeten wieder ganz entgegen- gesetzt, schilderte« ihn al« einen wohl finster«, spöttischen aber durehau« redlichen Mann, den das Leben hart mit- enommen. So viel war indeß gewiß, daß der Menge bunst wie Ungunst Herr» Justus schrecklich gleichg'-ltrg war und auf sei» Geschäft keinen Einfluß übte. Sein« Erfahrung auf de« verschiedenste« Gebieten de« Leben», besonders dem de« mensehlichen Herzen«, wie seine allge- meine Bildung war nicht gewöhnlicher Natur, und sein Ge- schäftSverkehr mit Leuten der verschiedensten Stände schien wieder zu veweisen, daß er mit aller Welt wohl fertig zu werden verstand. Justu« hatte eine Frau, eine häßliche, vergrämte Er- scheinung mit großen, überaus frommblickende» Augen und einem Benehmen, das augenscheinlich auf mehr Erziehung und bessere« Herkomme« sehließen ließ, al» man bei ihrem Stande vermuthen sollte. Ihre Ehe war keine besondet« glückliche. Zwei Söhne starben den Schätzlein« kurz nach» einander, und al« nach längerer Pause eine Tochter ge. boren ward, schien dieselbe so klein und schwächlich, daß an ihrer Lebev»fähigkeit mit Recht gezweifelt werden konnte. Wie gesagt, e« war eine düstere, unheimliche Familie, die des Trödlers, von Jedermann, selbst der Nachbarschaft, ge» miede», etwa den alte» Handelsjuden Bleichmann aus- genommen. Anno 1830 hebt unsere Geschichte an. Es war ein trauriges Jahr für die R>sidenz, ja da« ganze Land. Die asiatische Cholera, eine bi« dahin unbekannte Krankheit, war auf den Kontinent gekommen und wüthete in Nord- deutschlanv, besonder« zu B...... so toll wie die Pest vordem in London. Mitten auf der Straße wurde» kern- A« auf de« Leim zu gehe«, de« die Reaktion so gerne lege« möchte. Die„stärkeren und eindringlicheren Witzigunge»" werden also autbleibe«, wenn das Kanzlerblatt etwa« An» bete« darunter verstehe« sollte, al» sozialdemokratische Wahl» stege.—-- Z« einer weiteren Nummer wirst die„Nordd. Allg. Ztg.- de» sozialdemokrarische« Reichttagtabgeordveten vor, daß sie die Reich«tag«tribüue lediglich zu Agitationtzwecken brauchten. Obwohl diese Ansicht nicht ganz zutrifft, so wolle« wir einmal den Fall setze«, c« hätte mit demselbe« seine völlige Richtigkest. WaS dann? Die Zahl der sozialdemokratische« ReichStagtabgeord- «ete« ist immer noch so gering, daß a« eine fruchtbringende gesetzgeberische Thätialeit nicht zu denken ist. Dethalb agitiren sie\a, wie Zedermann steht, und wie auch ganz Natürlich ist, innerhalb und außerhalb de« Reichstag» mit aller Kraft und Energie, um ihre Anzahl zu»ermehre». Gelingt die« i» progresfioem Maße, da«« ist die Zest ja nicht mehr fer», daß die Sozialdemokra» tie im Reichstage eine unmittelbare prak» tische gesetzgeberische Thätigkeit verrichte« kann— was also doch auch«ach Auffassung der„Nordd. Allg. Ztg." als lobentwenhe« Thun bezeichnet werde« muß. Was die„Nordd. Allg. Ztg." ihnen vorwirft, ist also «icht« weiter al» ei» erster Schritt zu Dem, wa« sie vo« ihnen verlangt.— Also nochmal«! Die Sozialdemokratie wird sich be» fleißigen, de« Wunsch de» KanzlerblatteS zu erfüllen, sich an der praktische« gesetzgeberischen Thätigkeit lebhaft zu be» theilige«, wen» e« ihr gelingt, wa» ja kaum zu bezweifeln ist, noch einige Dutzend Abgeordnete i» de« Reichstag zu bringen. Oder sollte dieser Wunsch der„Nordd. Allg. Ztg." auch zu dem offiziösen Gaukelspiel gehöre«? l Politische Ueberstcht. Gegen de« Antrag der Sozialisten ans Erweiterung de« Wahlrechte« polemifirt in längerer Ausführung die „Nordd. Allgem. Ztg." Dieselbe bestreitet nicht, daß„eS Leute giedt, die bereit» mit 21 Jahren reif wären", fie bestreitet aber, daß dies im allgemeinen irgendwie zutreffe. Darüber mag man, je nach den Kreisen, in denen man zu verkehren ge» wohnt ist, ja verschiedener Meinung sein. Der schon von frühester Jugend an auf stch selbst angewiesene, in der Welt umhergeworfene, in der Schule der Roth erzogene Arbeiter be» fitzt nach unseren Wahrnehmungen all das gesunde Unheil und die Selbstständizkeit de» Denken», welche gerade wir bei jedem ReichStagSwähler wünschen wieweit fie in anderen Schichten vorhanden find, wollen wir nicht beunheilen, aber gerade die „Nordd. Allgem. Ztg." wird sich gegen diese Kreise keine ab« fällige Beurtheilung erlauben. Die Schweiz gewährt ihren Bürgern, wie man nicht vergeffen sollte, bereits vom 21. Jahre an daS Wahlrecht und gerade die Schweiz ist mehr verschont geblieben von solchen inneren Krisen, wie wir fie in Deutsch« land recht häufig durchzukosten haben, trotz der„stabilen" Regierung und trotz der größeren Reife der Wähler- Wir halten eS für unsere Pflicht, darauf hinzuwirken, daß ge« rade die jüngere Generation mit ihren fortgeschrittenen An« schauungen und ihren nach weiterem Fortschritt verlangenden Be« strebungen möglichst stark vertreten sei gegenüber der altenGenera« tion mit ihrer vielfach überlebten Ideenwelt und ihren reaktionären und ängstlich konservattvenTendenzen, keine Gefahr, sondern ledig« lich einen Vortheil für unsere ganz«EnIw!ckelung erblicken wir daher — entgegen der„Nordd. Allg. Ztg." in der ausgedehnten Theil« nähme unseres Nachwuchses an den öffentlichen Angelegen« Helten.— Was die„Nordd. Allg. Ztg." aber bei diesem An» laß über die Heuchelei des Liberalismus bemertt, ist leider nur zu richtig. Als der Liberalismus noch im Kampf stand gegen die vererbte, ihm feindlich gesinnte RegierungSgewalt, da war « für dai Recht und die Freiheit de« Volke». Heute tritt er nur soweit dafür ein, als er dabei noch einen Profit er« zielen kann, aber weiter nicht, und wo die Macht deS Volkes seinem Eigennutz entgegentreten könnte, da ist er mit jedem Wahl« System zufrieden» Sesunde Menschen überfalle«, sanken nach de« heftigste» !rämpfen tobt zusammen und wurden blauschwarz. Die Aerzte, denen die neue Epidemie»och ganz fremd, waren rathlos, und Tag und Nacht rasselte» die Leichenkarre«. Der bürgerliche Verkehr stand fast still, die Behörden, scheu gemacht, schloffen diejenigen Häuser, in welche« steh Kranke befanden, und malten zur Warnung ein Kreuz an die Thür mit der Aufschrift:„Cholera morbus". Man dachte so die Krankheit durch Absperrung zu ersticke»; doch umsonst, da« Elend wollte kein Ende nehmen.— Zm„kalten Stein" hingegen schien man sich nicht besonder« um da» allgemeine Loo» zu bekümmern und in seiner Seelenruhe da» beste Schutzmittel gegen die Epidemie zu befitze». Der Posa» mentier Pinkert, welcher gehört hatte:„Spirituosa seien 5ut gegen da» Uebel," verfehlte nicht, immerwährend einen Irak de Goa bei sich zu führe», so daß er in jener Zeit stet» in einer gelinde» Lethargie war. Schätzlei» blieb, ohne dergleichen Kraftmittel, so gleichgiltig, finster und iro» nisch wie immer, Herr Gotthold Henning» aber war viel zu beschäftigt, zu lebenslustig und vornehm, um, so lange se,n Hau« kein Unglück traf, mehr al« eine gelinde menschen« freundliche Theilnahme, ein allgemeine« Bedauern zu äußer«. Genua, wenn täglich sein Hausarzt, der PHyfikuS Nagel, vorfuhr, um bei Austern und Malaga mit ihm Über die Lage der Dinge zu plaudern.— Es war am Morgen de« 3. November, al« Schätz- lein'« Frau, Christine, die Lider de« Keller» aufklappte, während ihr Mann im hintere» Theil de« Gelasse«,»elcher zum Wohnraum diente, und dessen Fenster auf de» Hof ging, Koffte auf einer alte» Stürzmaschine kochte, die kleine sech, jährige Mathilde, welche in ihrem Bettchen schlum- merte, beobachtete und dann seinen Blick ab und zu einem alten, wie e« schien, werthvollen Buche zuwendete, in dem er angelegentlich blätterte. Der Kaffee war bereit« fertig und die alte Bnnzlauer Kanne gefüllt. Da« Kind begann auch unruhig zu werden und erwachte endlich. Die Trödlerin erschien»icht. Schon wollte Zustu« ärgerlich werde», al« Christine rasch die Keller« treppe herabstieg. „Justus, Zustul l" rief fie.„Denk Dir nur, Henning« das er sonst nicht scharf genug»erurtheilen konnte. In Bei« gien protestirt er gegen da? allgemeine Wahlrecht und für ein„Jntelligenzwahlrecht", weil er ultramontane Wahlen fürchtet, und in Deutschland werden sich Leute finden, die sich liberal nennen und trotzdem für eine Hinauischiebung der Wahlberechtigung bis auf 30 und noch mehr Jahre— ganz wie die Regierung befiehlt— eintreten werden, weil fie sozia« listische Wahlen fürchten. Grundsätze hat der Liberalismus nicht mehr, nur noch die Furcht, seine Herrschast vorzeitig enden zu sehen; Recht und Freiheit de« Volles, de« ganzm und ge« rade de« gedrückten Volke«, finden heute nur an den Vertre« tern der Arbeiterpartei ihre selbstlosen Vertheidiger— das wird fich gerade bei Berathung deS Antrages, den die Sozial« demokraten bezüglich Abänderung deS Reichswahlgesetzes gestellt haben, von neuem zeigen. Schlag auf Schlag. Unter dieser Ueberschrist schreibt die „Hamb. Bürgeizeitung" nachstehendes: Am 11. März 1886 verurtheilte oat Landgericht Naumburg den ReichStagiabge« ordneten Heine zur HerauSzahlurg der angeblich von ihm empfangenen Diäten an den FiSkuS, und gab durch seinen Entscheid dem Bestreden deS Fürsten Bismarck, den Reichstag und die Volksvertretung mehr und mehr herabzudrücken, die richterliche Sanktion. Am 12. März 1886 warf die zur Prüfung de« SchnapsmonopolS vom Reichstage erwählte Kommisston daS„Lieblingiprojekt", daS letzte Ideal des Fürsten Bismarck«ans kaoon in den Papierkorb, machte den Monopol« träumen ein jähe« Ende, und versetzte der„SchnapSpolitik" einen tödtlichen Streich. DaS war Schlag für Schlag. Und der Schlag, den der Reichstag geführt, war der stärkere Schlag. Daß die ReichStagSkommilfion, als fie so scharf gegen die Re« gierung vorging, an da« Naumburger Erkenntniß und den be« rüchtigten Kaltwafferstrahl de« sog. Kanzlerdlattes dachte, kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen. Dm Reptilien ist da« Freudengezisch über den Naumburaer Sieg ihreS Brotherrn in der geschmierten Gurgel stecken geolirden; der Keulenhieb deS KommisfionSbeschluffeS hat den Jubel in bittere« Leid um« gewandelt. Dem Reichstage aber rufm wir heute wieder zu, waS wir ihm vor acht Wochen, nach dem Beschluß in der Polmfrage zuriefen: nur fest! nur immer muthig werter auf dem Wege der Selbstbehauptung! Wer in Brennneffeln zu greifen hat, muß fest zugreifen; je fester er grnft, desto wmiger brennen die Nesseln. Der Erfolg de« 15. und 16. Januar, wo der deutsche Reichstag fich von dem Banne de« potttischm Bonzenthum« befreite, hat die« auf's Glänzendste bewahrhettet. Der Reichstag ist nicht von dem Allmächtigen pulverifirt, nicht von der Tatze de« ergrimmten Löwen getödtet worden, wie von den Angftmicheln prophezeit war. Der Allmächtige hatte keine Allmacht, und die Tatze de« Löwen blieb ruhig und lammfromm, weil fie andermfalls wohl selber hätte Noth leidm können- Durch seine muthig« Haltung gewann der Reichstag an Würde und Ansehen— und an Macht, so daß der Reichskanzler fich nicht stark genug fühlte, ihm de» Handschub hinzuwerfen. Wie wir seiner Zeit sagten: vom Standpunkte deS Reichskanzlers gab eS nur zwei Ant» warten auf das Votum de« 16. Januar: Entweder Auflösung oder Staatsstreich. Indem der Reichskanzler fich weder zum einen noch zu dem anderen mtschlteßen konnte und statt dcffen im preußischen Landtage einen partikularistischm Kleinkrieg pur dütaiice eröffnete, verrieth er die Schwäche seiner Pofition und gab fich in seinem ersten ernsthaften Zusammenstoß mit dem Reichstage für geschlagen. An dieser Thatsache läßt fich nicht« ändern. Keine Sophisterei vermag etwa» davon wegzudeuteln. Die Lehre ist gut. Sie zeigt der deutschen Volksvertretung den Weg zum Sieg: je kräftiger der Reichstag vorgeht, desto ficherer ist sein Erfolg. Durch daS Votum deS 16. Januar hat der deutsche Reichstag stch mündig gemacht, und ist in den Augen de« Volle« zu einer wirklichen VollSoettretung ge« worden. Der KommrsfionSbeschluß des 12. März war eine gute Fortsetzung de? Votums vom 16. Januar. Da« Plenum deS Reichstags wird im Einklang mit dem KommisfionSbeschluß handeln. Die RegierungSvertreter werden zürnen und drohen, Die Reptilien werden zischen und Gift speien— der Reichstag braucht nur deS klugen Sprichworts eingedenk zu sein: Bange machen gilt nicht! und auf jeden Schlag von recht« einen stärkeren Schlag von link« folgen lassen und Alle« wird glatt und gut gehen. Je kräftiger der Reichstag handelt, desto mächtiger ist er, desto sicherer ist die Nation vor deklagens» werthen Krisen in ihrer nächsten Zulunft. lieber die Diätenprozesse urtheilt da«„Berk. Tagebl." in folgender Weise: Davon wird die öffentliche Meinung fich niemals überzeugen lassen, daß die Annahme von Patteidiäten der ,/Ehrbarleit zuwiderlaufe, und mag also das Erkenntniß de« Naumburger OberlandeSgerichtS in Sachen FiskuS contra Heine juridisch noch so gut begründet sein, ja, mag e« an Rechtsfindung formell Eminentes leisten, eS wird keinen zu überzeugen vermögen, daß der vom FiiluS verklagte Abgeord- nete schuldig sei, die ihm zu Theil gewordenen Zuwendungen hat den Pinkelt« auf Neujahr gekündigt! Gott sei Dank, endlich hört der Aerger und Skandal einmal auf I— „Dem Pinkert? I" schrie der Trödler auf,„dem roth» köpfige« Ellenretter? Kreuzsakerlot!— Wenn'S nur wahr ist?"- „Zohann, der Markthelfer, der eben vorbei ging, Hat'S gesagt. Hat ihm ja selber die Kündigung gebracht!— Horch! Hörst Du, wie sie oben Skandal mache«? Wie Pinkert rast und tobt?"— „Hiehie!— Laß höre», Frau!"— Damit rannte er in den Vorderkeller, wo man sehr deutlich den posamen« tierische« Zornausbruch vernehme» konnte.—„Haha, da« freut mich!— Keinem Menschen hält' ich den Aerger so gegönnt, wie diesem fuchsige», dickmäulige» Schurken mit de» Bretzelbeioen! Heh, nun schmeißt er was entzwei I— Soll ich ftagen, ob ich ihm helfen kann?!"— Wahrscheinlich hätte der Trödler sein freundschaftliches Anerbieten gleich in Person oben angebracht, hätte ihn Christine»icht zurückgehalten.„Zch bitte Dich, Mann, laß e» um'« Himmels willen I Soll'S neues Halloh und Aer- gerniß gebe»?— Zch dächte, wir hätte» an dem Lärm von vorgestern genug, wo Du Pinkert ganz rasend gemacht hast! Wir brauchen uns gar»icht so arg zu freuen, und wen« der Posamentier gescheidt wäre, würde er sich nicht so um die Kündigung ereifern. Er hat Geld und wird irgend in der Nähe schon einen andern Laden finden, so daß fich die Kundschaft nicht verläuft."— „Ändern Lade» in dieser Gegend? Unsinn!— Ach ja, e« wird ihm auch gerade Jemand de« Gefalle» thun und wegen ihm ausziehe»! Hier, wo der größte Verkehr in der Stadt ist, wär' Einer ein Esel, der sein Gewölbe im Ettche ließe, damit Gevatter Krummbei»'rein kann. Nein, «ei»! Pinkert ist au« der Gegend weg, ganz weg I Hahaha!" und Schätzlein überließ fich dem volle« Kitzel seiner schaden« frohe» Laune. Christine ließ ihre« Mann eine« Augenblick gewähren, dann richtete fie einen schmerzlich vorwurfsvolle» Blick auf ihn.„Pinkert hat Geld, Znstu«! Wir nicht, und—" sie stockte. Schätzlein fuhr grollend auf.„Schwere Roth, ich—| herauSzuaeben. In dem Naumburger Falle bewahrhettet M bec alte Satz: summurn jns— summa injuria.(Dat sonnen� klaiste Recht kann unter Umständen zum grellsten Unreift werden.)— Die Appelliv stanz hat zu Viele« bewiesen, und deshalb halten ihre Schlußfolgerungen die Kritik deS geiundeo Menschenverstände« nicht auS, der fich fest überzeugt hält, onW Gerichtshöfe werden arder« entscheiden, und die letzte Instant werde die öffentliche Meinung mit der Rechtsprechung aus« söhnen. Ein einzige« Moment bleibt ausschlaggebend, und die» eine Moment hat in Naumburg am wenigsten BerückstchtigM gefunden. Der FiSkus kann ebm nur, wie daS Landrecht stt ausdrückt, Gelder„an fich reißen", wenn da« Geschäft, w* welchem die Summe resuttirt, der„Ehrbarkeit" widerstreitn, und dieser wichtigste Punkt des ganzen Streitfalls hat in deo Erkenntniß so gut wie gar keine Erwähnung und BegründuaS Der Mangel an„Ehrbarkeit" ergiebt fich dem Ap# die RtichSoerfaffung S'S'J Wenn h» � erfahren. richtet ohne Weiteres daraus, daß... Diätenzahlungen schlechtweg ein Veto einlege........ von Parteidiäten die Rede sein kann, weil, wie allseitig JUU* geben wird, solche ausschließlich gezahlt worden find, so SG hieraus hervor, daß es fich in dem Prozeß Heine um etu»» Anderes handelt, als wovon in der Verfassung gesprochen die klar und bestimmt erklärt, eS solle der Abgeordnete für W» deutschen Reichstag Diäten nicht beziehen, also Tagegelder au« der Reichskaffe nicht erhalten. WaS nebenher stallfindet, i» «ine Sache für fich und hat mit der Verfaffung nicht« zu thu»- Drei Briefe für Herru Etöcker, welche der Abgeordnete Professor Baumgarte nzu Rostock gtschi«°-? hat, haltm wir für eine unverkürzte Wiedergabe interefsaiu genug: Der Redakteur Bommert in Siegen hatte öffentlich M Hofprediger Stöcker der Unwahrhafiigteit beschuldigt. hat dieser Hofprediger ihn vertlagt. Jüngst hat nun da« � licht über diese Sache verhandelt und der Urtheilspruch% auf Freisprechung deS Angeklagten. ES ist damtt ouft.% konstatirt, daß eS Jedem frei steht, diesen Hofprediger olll» lich auf Unwahrheit anzureden. Trotzdem hat nicht« da°° verlautet, daß dieser Hefprediger um Entbindung von stwfj! hohen Predigtamt eingekommen sei. Und trotz alledem M es immer noch kein Berliner Prediger, diesen lirchenschäno� den Unfug deS Hofpredigers öffentlich zu rügen. Wenn I öffentlich und mehrfach konstatitte Unwahrheit eS wagen d®* die Hauptlanzel in der protestantischen Metropole zu bestell!' wa« will man dann für geistlichen Segen erwarten von Vorträgen und Andachten in dm christlichen Theeabmden i Rostock, 19. Febmar 1886. Baumgarten. Der Hofprediger Stöcker muß entweder die öffentlick� Aergemiffe, mit denen er die Kirche Christi beleidigt hat, welche ich in dem„Prot. Sonntagidlatt" Nr. 2, S. 27�%' Nr. 6, S. 89-95; Nr. 8,®. 128; Nr. 9, E. 143-« S. 160 öffentlich gerügt habe, mit aufrichtiger Reue und ost�, lichem Widerruf sühnen, oder er muß mich verklagen und mir in« Gericht gehen... Tertinm von datur.(Ein Dritte« ist nicht gegeben.) Rostock, 1. Mär, 1836. M. Baumgarten. Der Hofprediger Stöcker hat zweimal, 1881 und mich öffentlich schwer beleidigt. Mein Freund, der Ziegler in Liegnitz, hat in der„Prot. K.'Ztg." Nr. 32. � tember 1885, an genannten Hofprediger wegen dieser«t» gung eine christliche Ansprache gerichtet und dieselbe chw/jj sönlich übersandt. AIS darauf keine Antwort erfolgte, havf-L in der Beilage zur„Vosstschen Ztg." vom 12. November im Interesse der öffentlichen Moral von Etöcker einen säumten Widerruf seiner Worte:„Al» Baumgarten in RWjj war, mußte er seine Professur niederlegen", verlangt. � ,z. hat Stöcker in einer christlich- sozialen Versammlung November 1885 erklärt: er begriff« mein Verlangen gar Ei was er gesagt, sei die Behauptung einer unleugbaren�� fache. Dieser scknöden Heuchelei gegenüber habe ieb der„Vosstschen Ztg.", Beilage vom 21. November 13°K. den Ernst des Gebote« Christi, Matth. 18, verwiesen.. � F ist Etöcker verstummt. Aber keine Spur von Jnfichgehn»'„j Seldstbestnnung! Ich habe mich sodann in Anlettun" Matth. 18 an diejenigen gewandt, welche unter dem> Kreuz im Juli 1885 für Stöckeri« Christenthum mit Namen fich verbürgt haben(„Protestantische« Sonn! Nr. 6). Den Führern dieser 7000 EideShelfer Hab« christliche Ansprache zugehen lassen, damit fie thätcn, wie geboten. Auch diese scheinen stumm zu bleiben. Wohlan-, � trete ich zurück auf den Standpuntt der natürlichen Morm � erkläre nunmehr die obenbezeichneten Motte Etöcker s freche Fälschung einer allgemein bekannten mich betten p kirchengeschichtlichen Thatsache und den Urheber derselb lange er anstatt den schuldigen Widerruf zu leisten, wu jjjrf wüsten Demagogie fortfährt, für dm frechen Falttbfmj-» allgemein dekannten mich betreffmdm kitthmgef®'® Thatsache. Rostock, den 1. März 1886. M. Baumgatte� % Nein doch,— ich will«icht fluche«, Christel,—'Pj �1 weißt, damit greifst Du mich an meinem wunden Kann ich dafür, daß ich mein ehemalig Gut aus y Mitleid— an eine« Betrüger lieh!— O, sei nur � still, Schatz!- Geld willst Du?- Na, wer w-'v,„ß Alles noch mit un«— nicht wird, hoho!— etwa wieder in's Kopfhänge» komme»? Wir 5 M unser Brod und kommen schon durch, unser Hettg° endlich auch'n Bissel mit.- Holla, da will 5'0i ÜKflt -> kaufen!" Er eilte zum Eingang de« Keller«,, seinen Name» rief. E« war Johann, Henning« Helfer.. fl-jef � „Eine Empfehlung vom Herr». Da ist er" v Sie, Herr Schätzlein!'— ßii� „Brief für mich?- Teufel!"- Der Trödler � blaß. Dann«ahm er den Brief.„Schon et, � Ihre Worte wurde» unsicher und zitternd, kau«, erbleichende Frau ihre1 Andacht mit Mathilden Darauf nahm sie die Kleine auf den S« ®tn Blick genügte.- Er ließ dm Brief fW" deckte zitternd die Auge». (Fortsetzung folgt.) pB d-» 0 iWat ausnahmsweise lafyin«« Oesterreich Ungarn. Der Handeliminister Baron von Pino hat seine Entlaffuna eingereicht. Es ist naturgemäß, so dernerkt die ,,N. Fr. Pr", daß man diese Demission mit den stürmischen Debatten in Zusammenhang bringt, welche über die Borlage, betreffend die Erwerbung der Prag-Duxer und der Drix« Bodenbacher Bahn, im Adgeordnetenhause stattgefunden haben. Die Rolle, welche der Minister in dieser Angelegenheit spielte, war eine so unglückliche, seine Vertheidigung gegenüber den persönlichen Angriffen eine so wenig befriedigende und die Haltung der Regierung während dieser Debatte eine so charakteristische, daß ei in den Kreisen deS Parlaments und des Handelsministeriums alS eine feststtbende Thatsache galt, die Stellung deS Freihenn von Pino sei erschüttert und seine Demission sei nur eine Frage der Zeit. Deffenungeachtet wirft ei überraschend, daß die Demission deS Freiherrn von Pino kaum drei Wochen nach der Beendigung dieser Debatte im Adgeordnetenhause erfolgt, in einem Momente, wo die Frage der Dux-Bodenbacher und Prag'Duxer Bahn im Herrenhause noch schwebt, wo die Altion bezüglich der Ausgleichs Verhand. lungen, an welchen Freiherr von Pino vermöge seines Ressorti einen wichtigen Antbeil nehmen muß, noch nicht zu Ende ge» führt ist. Die Demission deS Freiherrn von Pino im jetzigen Augenblicke wird umsomehr in Erstaunen setzen, als dadurch die Majorität deS Abgeordnetenhauses, welche sich durch ihr Votum für ihn einsetzte, in eine peinliche Situation gebracht wird. Wir haben bereits erwähnt, daß nach den Vorgängen im Adgeordnetenhause die Demission des Freiherrn von Pino thatsächlich bereits entschieden war, wenn auch die Anficht vor» waltete, den Wechsel im Ministerium erst zu einer späteren Zeit vorzunehmen. Eine sozialistische Demonstation fand am vorigen Sonntag Nachmittag auf dem Schmelzer Friedhof bei Wien statt. Etwa 400 Eozralisten hatten sich zu dem Obelisk der Märzgefallenen begeben, wo sie Hochrufe ausbrachten. Die Poltzeikommiffare schritten ein und forderten zum Auseinander» gehen auf. Die Arbeiter leisteten Folge und zogen unter Ab» singung von sozialistischen Liedern in zwei Trupps gegen Breitensee und Ottakring ab, wo sie von Gendarmen und Po« lizisten auseinandergejagt sich in die Wirthshäuser begaben. Zwei Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Polizei hatte Zahlreiche SicherheUSwachen in Bereitschaft. Frankreich. — JnderDeputtrtenkammer sprach bei der Ver- Handlung über die Interpellation wegen der Arbeitsein» nellunginDecazevtlle Laguerre(äußerste Linke) die Hoffnung aus, die Arbeitseinstellung werde mit dem Siege der gerechten Ansprüche der Grubenarbeiter endigen. Er gab zu, daß dir Regierung da« Zerwürfniß durch eine fteimüthige republikanische Sprache zu vermeiden gewußt habe, ab-r er tadelte die zu großartigen militärischen Maßregeln und die un« gerechte Verurtheiluna mehrerer Grubenarbeiter; die Lage sei jetzt so, daß die Regierung sofort die Bergwerksgesellschaft be» fettigen, die Gruben in Verwaltung geben oder selber die AuS» fllhrung der Konzession übernehmen müffe. Der Kriegs» minister Bo»langer entwickelte, wie er die Rolle der Armee unter den jetzigen Verhältniffen auffasse: Die Armee sei verpflichtet, das Land gegen da» Ausland zu vertbeidigen und im Innern Ruhe und Ordnung zu beschützen. Die Armee sei jetzt ein Volttheer, daS nicht mebr im Dienst und Willen eines Einzigen stehe, sondern das Werkzeug des Willens Aller. Dieser Charakter der neuen Armee vereinfacht die Stellung der Regierung bedeutend; sie wolle nicht mehr die Wieder» holung von schmerzlichen Ereignissen; ein Zusammenstoß zwischen Soldaten und Arbeitern würde ein öffentliches Unglück werden, und die Regierung habe Alles aufge» boten, um«S zu verhüten. Ein Zusammenstoß werde nicht erfolgen, dafür bürge die Mäßigung, die dem Fübrer der bewaffneten Macht empfohlen worden, und daS Zeugniß Camelinal'S selbst.(Unterbrechungen.) Camelinat freue sich über die Herzlichkeit, die zwischen den Truppen und Ein» wohnern von Decazeville bestehe, und daS könne auch gar nicht anders sein, die Armee sei ja daS Volk:„Unsere Arbeiter, die gestern noch Soldaten waren, können keinen Groll gegen die Soldaten vom morgigen Tage heam. Die Regierung hat keinen Druck auf die Bergleute ausüben, sondern sie gegen sich selber und selbst gegen ihren Zom und ihre Leidenschaften vertheidigen wollen. Es wurde behauptet, es seien so viele Soldaten wie Arbeiter in Decazeville. DaS ist Uebertreibung, aber man sollte sich nicht darüber beschweren, denn jeder Soldat tfceilt jetzt mit dem Ardeiter seine Portion Suppe und Brod." (Beifall.) Nach eingegangenen Nachrichten auS Hanoi find die zwischen den französischen und chinesischen Kommissaren be» Zügltch der Feststellung der Grenze entstandenen Schwierig. leiten beigelegt. Die chinesische Regierung hat ihren Agenten Unrecht gegeben und ist der französischen Anficht beigetreten; die Grenzabsteckungsarbeiten sollten gestern wieder aufgenommen � Aus Decazeville wird mitgetheilt, daß in einer P«iw7 Die königl. Hofschauspielerin Frl. Klara Meyer und der königl. Hofschauspieler Herr Eugen Müller haben hierzu ihre liebenswürdige Mitwirkung dereitwrlligst zugesagt. ,„Hamlet" von Taubstumme« aufgeführt. Eine sett» fame Thealer Vorstellung, so schreibt man aus London, fand 3. d. in den Horn Affembly Rooms, in der Kennrngton fear äs c MWSWW wäre. Die anwesenden spiel mit der größten Auf. anm mm Massenversammlung beschlossen worden ist, den Streik mit aller Energie fortzusetzen. Die Bergleute zu Firmy werden sich den Streikenden anschließen. G r o tz b r i t a«« i e«. Eine MtnisterlrisiS ist ausgebrochen. Dieselbe kann nach der„Voff. Ztg.", vielleicht noch abgewendet werden, wenn Gladstone sich entschließt, seine Plane gemäßigter zu formuliren; anderenfalls ist der Rücktritt ChamberlainS und Trevelyans unvermeidlich. Wie verlautet, soll Gladstone auch nicht auf die Unterstützung Chtlders, Harcomts und Kimder» ley's zählen können. Der(im Abendblatt angekündigte) Kabi- netSrath wurde abgesagt, um den Zusammenbruch deS Kabi- netS nicht zu beschleunigen. Chamberlain beanstandet den Bodenankaussplan Gladstone'S, well derselbe den englischen Steuerzahlern ungeheure Opfer auferlegt, ferner die Herstellung deS irischen Parlaments ohne genügende Garantten für die englischen Interessen. Gladstone hofft noch die Bedenken seine» surchtsamm Kollegen zu überwinden; wo nicht, so ist er, wie „Daily NewS" andeutet, fest entschloffen, sein Kabinet durch radikale Elemente zu ergänzen, sein Programm dem Parla« ment zu unterbreiten und mit demselben zu stehen oder zu fallen. Bright, Cowen und Fowler würden die ausscheidenden Minister ersetzen.— Wie es heißt, sollen die EntlaffungSgesuche Chamberlain'S und Trevelyan'» durch eine MUtheilung Glad- stone's im letzten Ministerrathe veranlaßt sein, nach welcher die Verwaltung der Fond» für die Expropriation der irischen Gmndeiaenthümer dem irischen Parlamente anvertraut werden sollte. Gladstone hat auf die Schreiben Chamberlain'S und Trevelyan'S, in welchen sie ihre Entlassung nachsuchen, in ver» söhnlicher Weise geantwortet und sie ersucht, eine definitive Entschließung noch einige Tage zu verschieben, da er auf eine Beilegung der Differenzen hoffe. Der Nothschrei der Armen dauert noch immer fort. Der Mansion» House» UnterstützungSfonds geht auf die Neige; biS jetzt find im Ganzen 69 700 P'd. Sterling eingegangen, die di» auf 2800 Pfd. Sterling verausgabt sind, ohne daß viel Gutes mit dem Gelde gethan worden wäre, da die Erlangung von Unterstützung mit solchen Schwierigkeiten ver« knüpft war, oft noch von Empfehlungen von Geistlichen u.s.w. abhängig gemacht wurde, daß Viele den Muth verloren und nach dem ersten Versuch keinen zweiten mehr machten. Der Lordmayor wird wahrscheinlich in Kurzem einen neuen Aufruf an das Publikum um»eitere milde Gaben für die Arbeitslosen erlassen. Wie unzufrieden letztere mit der bisherigen Verthei» lung der Armengelder find, geht aus der nachstehenden Reso« lution hervor, welche ein in London abgehaltenes Massen» Meeting von beschäftigungslosen Arbeitern faßte:„Dieses Meeting verzeichnet seinen entrüsteten Protest gegen den Miß- brauch, der mit dem dem Lordmayor anvertrauten Fonds für die wirklich beschäftigungslosen Ardeiter der Metropole getrieben wird. Der größere Theil der gezeichneten 70000 Pfd. Sterl. ist Leuten zugefallen, welche zu Empfängern des Geldes zu machen die Geber niemals beabsichtigten und die chaotische Verwirrung wurde dadurch herbeigeführt, daß Lords und Geist- liche die sogenannte Organisation hauptsächlich leiteten. Wir hoffen, daß daS Publimm dem zweiten Aufruf nicht Folge leisten, sondern seine Gaben an die Armenkassen der Haupt- städtischen Polizeigerichte abführen werde, damit ehrliche Armuth schleunige Unterstützung erlangen möge." Inzwischen gehören Kundgebungen der Arbeitslosen in London wie in dm Provinzm zur Tagesordnung. So wurde eine Massenversammlung von beschäftigten und beschäftigungS- losen Arbeitern in London Field»(Hackney) abgehalten, welche den Zweck hatte, zu erwägen, was zur Linderung deS Roth» tandei in den erwähnten Distrikten gethan weiden könnte. >a» Meeting faßte Resolutionen, welche die Lokalbehörden aufforderten, sofort Nothbauten wie z. B. die Errichtung ge- sunder Arbetterwohnungen in Angriff zu nehmm, und es der Regierung an'S Herz legten, sofort auf legislatorischem Wege die tägliche Arbeitszeit in allen Industriezweigen auf acht Etundm zu beschränken, und der Extra Arbeit in Fabriken und Werkstätten, durch welche die Zahl der Arbeitslosen ver» mehrt werde, ein Ende zu setzen. Es hattm sich etwa 4000 Menschen zu der Kundgebung eingefundm, die ohne Ruhe- störung veilief. Ein Eozialistm-Meeting fand am Sonntag auch in Glasgow in Gegenwart von etwa 40000 Personm statt, auf welchem der Sozialist BurnS aus London alS Haupt- redner austrat._ R u k l a» d. Ein kaiserlicher UlaS genehmigt die Expropriation vonprivatem unbeweglichem Etgenthumzum Zwecke der Errichtung von ort h o d ox en Kirch en, Friedhöfen, Pfarrhäusem, Bethäusem und Schulen in dm baltischen Provinzen und ordnet die Ausführung derselben nach einem heigegebenen besonderen Reglement an, wonach unter Anderem mit Wohnhäusern, Oekonomiegebäudm und Gärten besetzte Grundstücke, welche keinen Bestandthetl einer bäuer» lichm Arrende oder zinSpflichtigen Lande« bilden, die Expro- priation nicht unterliegen. DaS Gleiche soll bei den nicht von Bauern arrendrrten Wohn- und Oelonomiegebäuden nehme sich ihrer an, um sie auS diesem jammervollen Lebm zu reißen; wie gem würde sie weiter leben, aber es sei nicht mehr zu ertragen, da sie ihm, den sie so innig liebe, nicht für das Lebm angehören dürfe.„Weine nicht zu sehr um mich, mein Geliebter�, schreibt sie,„laß mich ruhig schlafen; im Himmel sehe ich auf Dich herab, dort findm wir un» wieder." Auch die andere schreibt in ähnlicher Weise, klagt, daß ihr Ge» liebter den ganzen Abend nicht gekommen sei, und bittet ihn um Entschuldigung, daß der Brief nicht frankirt sei, aber sie habe„keine S Pfennige mehr" in ihrem Befitze. Der eine Brief schließt mit einem kurzen, anscheinend selbstver- fertigten Gedicht, der andere mit dem bekannten Verse: ES ist bestimmt in Gottes Rath, daß man vom Liebstm, waS man hat, muß scheiden. Aus beiden Briefen, die voll sind von rührenden Versicherungen ihrer Liebe zu ihren beiden Geliebten — dem Vernehmen nach find es junge Kaufleute— geht deut» lich hervor, daß die armen Mädchen von ihrem Dasein gerade» ,u angeekelt waren und, der ewigen pekuniären Bedrängnisse endlich müde, den vielleicht schon oft zuvor besprochenen Plan, sich da» Leben zu nehmen, in tiefster Verzweiflung nunmehr ausgeführt haben. Man fand sie in dem Durchfluthgraben hinter der Echtemstraße, und zwar scheint dort ein Gegenstand unter dem Waffer, vielleicht der Ast eines Baumes, ihr weitere» Forttreiben verhindert zu haben. Sie hatten sich mit einem Strick zusammengebunden, an diesen einen schweren Ofenrost befestigt, und hietten sich fest umschlungen. Die Namm der Unglücklichen find: Louise Grosse aus Berlin, 22 Jahre att und Marie Kühne aus Jerxheim, 20 Jahre alt. Uuglückselige That einer Mutter. Wien, den 16. März. Ein tragische» Familtendrama, dessen Motto bis zum Wahnsinn gestkigcrte Mutterliebe war. macht gegenwärtig in Simmering viel von sich redin. Eine Frau, welche krank darniederlag und von dem Gedanken gequält wurde, daß ihre unmündigen Kinder im Falle de» Tode» mutterlos zurückblei- den, faßtet den schrecklichen Entschluß, vereint mit ihren Kindem zu sterben und brachte dieses Vorhaben Sonnabend zur Aussührung. Man berichtet über den erschütternden Vor- fall nachfolgende Details: Im dritten Stocke deS HauseS Nr. 42 der Hauptstraße in Simmering hat Herr Leopold Stockin- ger mit der au» seiner Gattin Elisadeth und drei Kindem im Alter von sieben, fünf und zweieinhalb Jahren bestehenben Familie seit einer Reihe von Jahren eine bescheidene Wohnung inne. Vor ungefähr drei Monaten erkranfte Elisa» beth Stockinger, eine 36jährige Frau, am Halskrebs und die Frau wußte, daß ihr Leiden unheilbar sei. Frau Etockinger, der Fall sein, falls die Arrendatoren abtreten. dieselben nicht freiwillig Berichtiguug. In dem ersten Artikel unter„Politische Ueberficht" in der gestrigen Nummer unserer Zeitung muß es in der zehnten Zeile von oben anstatt„mit großer Nach» ficht redigirtes Organ der Sozialdemokratie" heißen: mtt großer Umsicht revigirteS Organ der Sozialdemokratie. P arlameutari sches. — Der Reichstagsabgeordnete Viereck hat in einer kleinen Schrift„Zur Kritik de» Dynamitgesetzes" die „Motive" zu dem Antrag der Sozialdemokraten auf Aufhebung deS Reichsgesetzes gegen den verbrecherischen und gemeingefähr» lichen Gebrauch von Sprengstoffen vertheilen lassen. Es heißt in der Einlettung: Das Reichtgesetz vom 9. Juni 1884 gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen charakterifirt sich als ein Produkt gesetzgeberischer Uebereilung. Da» Gesetz wurde zu dem Zwecke erlassen,„der in dem Mißbrauch von Sprengstoffen liegenden gemeinen Ge» fahr entgegen zu treten." Thatsächlich scheinen aber bisher Fälle, in denen durch da» Gesetz Dynamitattentate verhindert worden wären, überhaupt nicht vorgekommen zu sein— wenig- sten» hat in der Oeffenttichkeit nirgends davon etwas verlautet — wogegen die Fälle, in denen durch das Gesetz der legitime Gebrauch deS Dynamits als eines für die moderne Technik geradezu unentbehrlichen Hilfsmittels drakonischen Strafen unterstellt wurde, nachgerade eine stehende Rubrik in der TageSpreffe bilden. Eine Reihe von Zeitungsberichten girbt ein bunteS Bild von den Prozeffen, die au» der Praxis deS Dmmmitgesetzes seit etwa Jahresfrist sich ergeben haben. Weit entfernt, ein erschöpfendes Material zu bieten, kann der Anttagsteller im Gegentbeil nur konstatiren, daß zahl- reiche Betheiligte, die dem bürgerlichen Erwerbsleben als Unter» nehmer angehören, auS zum Theil sehr naheliegenden Gründen AlleS daran gesetzt haben, die Thatsache ihrer Verurtheilung nicht öffentlich bekannt werden zu lassen. In mehreren Spe» zialfällen wurde sogar die behufs Verwendung zu diesem Antrage im Reichstag nachgesuchte Mittheilung deS Aktenmaterials verweigert, da die Bettoffenen andemfalls ein ungünsti« Ses Schicksal de« von ihnen eingereichten Gnadengesuches be» irchten zu müssen glaubten. Die Arbeiterschutzkommission deS Reichstags hat aestem die Debatte über die Anttäge fottaesetzt, welche die Festsetzung einer MaximalarbeitSzeit für verheirathete Frauen betreffen. Ei liegen hierüber drei Anttäge vor. Der eine, vom Abg. Dr. Lieber gestellt, will nur eine sechsstündige, der andere, vom Abg. Halben eingebracht, eine achtstündige Ar- beitszeit zulaffen, während der Abg. Kalle eine Resolution be- antragt, in welcher Vre verbündeten Regierungen zu einer Vor» läge aufgefordert werden, welche die verheiratheten oder einem Hauswesen vorflehenden Frauen den jugendlichen Arbeitern (von 14 bis 16 Jahren) gleichstellen. Die Debatte wurde nicht zu Ende gebracht, eine Beschlußfassung findet erst heutt statt. Der dem preußischen Abgeordnetenbause gestern zugegangene Entwurf eineS Gesetzes, betreffend den Bau neuer Schiff» fahrtS-Kanäle und die Verbefferung vorhandener Schiff» fahtts Straßen, lautet: § 1. Die Staatsregierung wird ermächtigt: 1) zum Bau eineS SchifffahrtskanaleS von Dortmund bezw. Herne über Henrichmdurg, Münster, Bevergern und Papenburg nach der unteren Ems, einschließlich der Anlage eineS SeitentanalS aus der EmS von Oldersum nach dem Emdener Binnenhafen nebst entsprechender Erweiterung des letzteren, 2) zur Verbefferung der EchifffahrtSverbindung von der mittleren Oder nach der Oberspree bei Berlin durch den unter theilweiser Benutzung des Friedrich-Wilhelm-Kanales zu bewirkenden Neubau eineS KanaleS von Fürstenberg nach dem KerSdorfer See, durch die Regulirung der Spree von da bis unterhalb Fürstenwalde und durch den Neubau eines daselbst beginnenden Kanalcs bis zum Seddin-See, nach Maßgabe der von dem Minister der öffent» lichen Arbeiten festzustellenden Prospette die Summe von zu 1. 53 400 000 M., zu 2. 12 600 000 M-, im Ganzen 71 000 000 Mark zu verwenden. § 2. Mit der Erbauung des im§ 1 zu Nr. 1 gedachten SchifffahrtSkanal» ist erst vorzugehen, wenn der gesammte zum Bau. einschließlich aller Nebenanlagen nach Maßgabe der von dem Minister der öffentlichen Arbeiten festzustellmden Projekte erforderliche Grund und Boden der Etaatsregierung aus In- tereffentenkreisen unentaelllich und kostenfrei zum Eigenthum überwiesen, oder die Erstattung der sämmtlichen, staatiseitig für dessen Beschaffung im Wege der freien Vereinbarung oder der Enteignung aufzuwendenden Kosten, einschließlich aller Nebenentschädigungen für WIrthschastSerschwerniffe und sonstige Nachthefle in rechtSgiltiger Form übernommen und sicher» gestellt ist. § 3. Der Finanzminister wird ermächtigt, zur Deckung der im 8 1 erwähnten Kosten im Wege der Anleihe eine ent» sprechmde Anzahl von Staatsschuldverschreibungen auszugeben. welche mtt inniger Liebe an ihren drei Kindern, Anna, Franz und Josef, hing, wurde trotz der Tröstungen ihres Gatten mit jedem Tage melancholischer und verzweifelter. In diesem Zu» stände faßte sie den schrecklichen Plan, ihre Kinder mit sich im Tode zu vereinen. Sonnabend Abends um halb 9 Uhr, während der Gatte der Kranken noch im Dienste war, brachte Elisabeth Stockinger ihr Vorhaben, mit dem sie sich wohl schon seit Langem getragen haben mochte, zur Ausführung. Sie sperrte die WohnungSthüre ab, kehrte dann ins Zimmer zurück und gab ihren drei Kindern Laugenessenz zu trinken, worauf sie selbst eine beträchtliche Ouantttät dieser Flüssigkeit zu sich nahm. Durch daS schmerzvolle Stöhnen und die Jammerruse der Unglück- lichen kleinen Ge schöpfe wurdenNach barn aufmerksam gemacht und der herbeigerufene Hausbesorger sprengte unverzüglich mit einer Hacke die, wie beret-S erwähnt, verschlossene WohnungSthüre. Die Eintretenden fanden Mutter und Kinder entkleidet in zwei nebeneinandergestellten Betten bereits bewußtlos vor. Es wurde schleuniast der in der Nähe wohnende Arzt Dr. Schmied requttirt, welcher eine Laugeneffenz. Vergiftung konstatirte und den vier Personen kräftige Gegenmittel reichte. Der klein« Franz, welcher nur wenig getrunken hatte, kam bald zur Be- sinnung, indeß seine Geschwister und die Mutter trotz ärztlicher Bemühung nicht zum Bewußtsein gebracht werden konnten. Auf Anordnung des Arztes wurde Elisabeth Stockinger in daS Rudolf. Spital, die drei Kleinen in das Kinderspital gebracht. Es ist nur wenig Hoffnung vorhanden, Frau Stockinger, ihre Tochter und den kleinen Josef am Leben ,u erhallen. Der unglückliche Gatte und Vater erfuhr erst spät Nachts bei der Heimkehr das große Unglück, das ihn betroffen hatte. Eine Juvalideutaxe. Als im Jahre 1781 die holländi» sehen Generalstaaten ein Krieg mit England bedrohte, veröffent» lichten dreselden in nicht eben zartfühlender Weise nachstehen» den Prämientarif für die vrrwundeten Marinesvldaten. Für ?.■?«ä ixr&«i.ä'ää rechten Arme« allein 450 Gulden, des linken allein 350 Gul» den, beider«eine 700 Gulden, eines Beines 350 Gulden. Für beide Füße erboten sie sich 450 Gulden, für einen Fuß 210 Gulden an Entschädigung zu zahlen. � Das moderne Ctaatsleben. Ein amerikanisches Organ bttngt folgenden drasttschen Vergleich:„DaS moderne S aatsleben, st ein Orgelspiel. Die Minister spielen auf, daS Parla» ment macht den Wind dazu, und die Völker find die Bälge, die getreten werden."- Stimmt. Winn, durch welche Stelle und in welchen Beträgen, zu welchem Zinsfüße, zu welchen Bedingungen der Kündigung und zu welchem Kurse die Schuldverschreidungen verauSgabs werden sollm, de« stimmt der Finanzminister. Im Uebrigen kommen wtgen Ver- wattung und Tilgung der Anleihe, wegen Annahme derselben alS pupillen- und depofitalmäßigc Sicherheit und wegen Verjährung der Zinsen die Vorschriften veS Gesetzes vom 19. Dezember 1869 zur Anwendung. § 4. Die Ausführung dieses Gesetze« wird, soweit solche nach den Bestimmungen deS§ 3 nicht durch den Finanz« minister erfolgt, dem Minister der öffentlichen Arbeiten über» tragen._ Gerichts-Zeitung. o. k. Die Frankfurter FriedhofS-Affäre vor Gericht. Frankfurt a. M., 15. März 1886. Erster Tag der Verhandlung.(Fortsetzung.) Schutzmann Pfannmüller: Ich sah, wie ein Mann in der«inen Hand mll einem Regenschirm, in der anderen mll einem Hut in anscheinend drohender Haltung auf dm Ange» klagten Wingleit loikam. Wingleit versetzte dem Manne einen Säbelhieb über den Kopf; eS machte auf mich den Eindruck, alS woMe Wingleit einm beabsichtigten Schlag dei ManneS abwehren.— Präs.: Da standm doch aber mehrere Schutzlmte? — Zeuge: ES befanden sich nur drei Schutzleute, die etwa je 10 Schritt von einander entfernt waren, an jener Stelle.— Präs.: AlSdann kann doch aber von einer Bedrohungkeine Rede sein?— Zeuge: Mir schien eS, als wollte der Mann mll seinem Schirm auf Wingleit losstürzen. Gürtter Dtppel: AlS die Aufforderung, den Kirchhof zu «erlassm, erfolgte, eilte ich zum Portal, dorr angelangt, erhielt ich von dem Schutzmann Wingleit mit seinem Säbel einm Hieb über dm Kopf und einen, wellen über den Arm.— Wingleit giebt zu, den Zeugen geschlagen zu haben, daS sei aber nicht am Portal, sondem an der Stelle und in der Weise geschehen, wie der Zeuge Pfannmüller eS bekundet habe. Er (Angellagter) habe angesichts der Haltung deS Dippel anneh- mm müssen, daß letzterer ihn angreifen wolle, deshalb habe er fich veranlaßt gesehen, diesem Angriff vorzubeugm. Schneidermeister Degen bestätigt die Bekundung deS Dippel. Auch er(Degm) habe von Wingleit einen Hieb über dm Rückm erhalten, in welcher Folge er drei Tage lang Schmerzen empfand. Schuhmacher Fader bekundet daffelbe; auch er habe. alS «r zum Portal hinaus wollte, von Wingleit einen Schlag über den Rücken erhallen, so daß er einige Tage Schmerzm hatte. Reichstagsabgeordneter Frohme: Ich habe die Rede Leyen» deckerS nicht gehört und weiß auch nicht, wann Leyendecker zu reden aufgehört hat. Ich ging mit einem Bekannten, NamenS Rese, zum Portal hinaus. Ehe ich dieS jedoch that, begab ich mich in«ine Bedürfnißanstalt. Während dieser Zeit fragte Res« den ihm bekannten Schutzmann Winglell, weshalb eine so große Polizcimacht aufgedotm sei. Wingleit versetzte dem Rest:„Wenn unsere Herren da oben verrückt werden, dann werden sie gewöhnlich zunächst im Kopf verrückt." AlS ich auS der Bedürfnißanstalt heraustrat, sah ich, wie Wingleit auf eine Anzahl Leute, die bei ihm vorbei flüchteten, mit dem Säbel ein» schlug. Ganz speziell sah ich, wie Wingleit auf Dippel einschlug. AlS ich den Kirchhof verließ, lief ich Gefahr, von den reitenden Schutzleutm auch einen Hieb zu erhalten. Ich war jedoch be» müht, mir die Sachlage näher einzusehen. Ich nahm schließlich mit mehreren Verwundeten eine Droschle und fuhr mit denselbm nach dem Poltzeipräfidium. Ich traf dort dm Polizeikommissar Meyer. Dieser drückte mir über die Vorkommniffe sein Be- dauem aus, mit dem Bemerken, er habe nicht Befehl ertheilt, von der Waffe Gebrauch zu machen, dies sollte nur im äußer» flen Rothfalle geschehm.— Wingleit stellt entschieden in Ab- rede, Jemanden am Portal geschlagen oder die erwähnte Redensart gemacht zu haben. Schutzmann Hohmann: Polizeikommissar Meyer sagte nur: Wenn ich rufen werde„Zur Waffe", dann ist der Degen zu ziehen und die Leute nrcht mit der Hand, sondem mit dem Säbel zmückzudrängm. AlS nun der Befehl„Zur Waffe" er« tönte, da wurde von vielen Schutzleuten mit der Waffe einge» ! lauen. Ich selbst habe nicht gehauen, da ich keine Veran- affung dazu hatte. Ich war von den Schutzlmtm einer der ersten am Portal, ich habe jedoch nicht gesehen, daß dort Jemand geschlagen worden ist. Schutzmann Fischer macht bezüglich der von dem Kommissar Meyer dm Schutzleuten ertheilten Jnstrullion dieselben An> gaben, wie die bisher vemommenen Schutzleute. Die Menge §nabm, alS Polizeikommissar Meyer zum Auscinandcraehm auf» äderte, eine Haltung an, alS wollte fie sagen: WaS wollt hr Schutzleute nun thun? Polizeikommissar Meyer komman» dirte nun:„Zur Waffel" In Folge dessen wurdm sofort die Säbel gezogm und auf die Menge mit flacher Klinge ein« aehaue«.— Präs.: Haben Sie auch geschlagen?— Zeuge: Jawohl. Kaufmann Füllgrabe: Polizeikommissar Meyer bedeutete mir, er könne Reden am Grade nicht zulaffm. AlS ich ihn nun fragte, ob kurze Widmungsworte bei Niederlegung von Kränzen gestattet seim, bemerkte Polizeikommissar Meyer: Da- gegm ist nichts einzuwendm, wenn die Worte nichts Sozial» demokratisches mthalten.— Polizeikommissar Meyer: Ick be» streite daS ganz mtschiedm, ich habe nicht gesagt, daß Wid- munglworte gestattet seien.— Zeuge: Ich habe meine Aussage beschworm und halte dieselbe aufrecht.— Auf weiteres Be» fragm des Präßdmtm demerkt der Zeuge: Der Zug war etwa 80V bis 1000 Mann stark; die meisten der Theilnehmer deS Leichenzuges tmgm im Knopfloch rothe Abzeichen. Während L-ymdecker seine wenigm WidmungSworte sprach, rief Polizei- kommissar Meyer:„Ich löse die Versammlung auf Grund deS Sozialistengesetzes auf und fordere die Anwesenden auf, aus- «inander zu gehen. Zum ersten, zum zweiten Male." In diesem Augmblick blitzten auch schon die Säbel der Schutzlmte und letzter« hieben auf die Menge ein. Ein Kommando zum Blankzichen habe ich nicht gehört. Ich eilt« zum Portal, bort wurde ich nebst mehrerm anderen Leuten mll dem Säbel ge- schla�n.fisch� �W(1Jjg.Nb«mdneter, Redattem Ullrich(Offenbach) macht dieselben Deposua, wie der Vorzeuae. Die Schutz- leute schlugen AlleS nieder, waS ihnen in den Weg kam. Ich sah selbst, wie eine Anzahl Frauen und Kinder niedergeschlagen wurden. Ich habe selbst einige Kinder aufgehoben.— Staatsanwalt Dr. Gordan: Da ist eS ja ein förmliches Wunder, daß nicht Leute todtgeschlagen worden find.— Zeuge: Allerdings.— StaatSanwall: Wurden Sie auch geschlagen i— ��tedakteur Jahn(Offenbach) und Gastwirth Müller(Darm» stadt) machen dieselben Bekundungen. �_ Schneider Schäfer und Schneider(Heiligenstadt) bekunden übereinstimmend: AlS Polizeikommissar Meyer die Versamm» lung für aufgelöst erklärte, sprach Leyendecker nicht weiter.— Die Sitzung wird alldann gegen 8'/, Uhr Abends auf morgen (DimstagS) Vormittag vertagt. Zweiter Tag der Verhandlung. Präsident Landgerichts» Direttor Kömer eröffnet gegen 9'/« Uhr Vormittags wiederum die Sitzung. ES erscheint zu» nächst als Zeuge Polizeikomunssar Koeppe: Ich hatte den Aufttag, außerhalb deS Kirchhofs die Ordnung ausrecht zu er- kalten und sollte, sobald der Zug emen demonstrativen Charakter annehme» denselben auflösen und alSdann dahin wirken, daß, außer den Angehörigen des Verstorbenen, kein Zugtheilnehmer dm Kirchhof bettete. Ich fand jedoch keine Veranlaffung zur Auflösung. Ich hörte, allerdings von ziem- licher Entfemuna, wie Polijtikommiffar Meyer während der Rede Leymdecker s die Versammlung auflöste. Ob Leyendecker nach eifolgter Auflösung noch weiter gesprochen hat, kann ich nicht sagen, jedmfallS blieb er nachher noch stehen. Die drei» malige Aufforderung deS Polizeikommissar Mryer zum Aus einandergehcn der Menge schtm mir etwaS schnell hintereinander zu geschehen. ES machte auch auf mich den Eindruck, alS wäre daS Einhaum mit der Waffe zu schnell erfolgt. Ich sah selbst, wie ein Schutzmann einm Mann schlug: ich rief dem Schutz» mann zu:„Nicht hauen!"— Verth. Rechtsanwalt Dr. Evv- stein: Hätten Sie, wenn Sie die Versammlung aufgelöst hättm, ebmfallS so gehandelt?— Zeuge: Ich hätte jedenfalls dm Leyendecker verhaftet.— Verth.: Hätten Sie aber alSdann auch einhaum lassen?— Zeuge: DaS hängt ganz von Um- ständen ab.— Wenn ich die Menge dreimal in angemessenen Pausen zum Auseinandergehen aufgefordert hätte und eS wäre meinen Befehlen nicht Folge gegebm worden, dann hätte ich»ielleicht auch Gewalt gebraucht.— Verih.: Würden Sie bei passtvem Widerstande von der Waffe Ge- brauch gemacht babm?— Zeuge: Bei passivem Widerstand würde ich allerdings niemals von der Waffe Gebrauch machen oder Gebrauch machen lassen. Zur Waffe würde ich erst dann greifen, wenn ich angegriffen werde.— Präs.: Wurde dmn der AufforderungdeS Polizeikommissar Meyer zum Auseinander- gehen in keiner Weise Folge geleistet?— Zeuge: Soweit ich e» beobachtm konnte, ist daS nicht geschehm. Allerdings stand ja in der Nähe des Grabes ein solch dichter Mmfchmknäuel» daß eS für den Einzelnen sehr schwer war, fich zu entfernen.— Pras.: WaS hättm Sie nun getban, wmn Sie die Versamm» lung aufgelöst hättm und die Menge wäre, ttotz dreimaliger Aufforderung, nicht auseinander gegangen?— Zeuge: Diese Frage kann ich nicht bestimmt beantworten; jedenfalls hätte ich den Leyendecker verbastm lassm.— Präs.: Hättm Sie eö für erfolglos erachtet, die Mmge von den Schutzleuten mit der Hand zurückdrängen zu lassm?— Zeuge: Keineswegs, ich hätte jedmfallS erst diesen Versuch gemacht und zur Waffe erst dann, wmn direkter Widerstand entgegmgefetzt worden wäre, greifm lassm.— Angell. Polizeikommissar Meyer: Der Herr Kollege wird mir zuaebm, daß eine Verhaftung i« einer wmultuarischen Versammlung sehr schwierig, ja kaum ausführbar ist?— Zeuge: Allerdings, ich löste auch einmal eine Wählerversammluna in Bornheim auf und wurde alSdann von der Menge umringt und mir„Schuft",„Schurke",„Runter mit dem Hund" zu» gerufen. Der Herr Präfidmt bedeutete mir, ich hätte vie betreffmden Rufer verhaftm müssen, dies ist jedoch in einer mtt TabakSqualm angefüllten Versammlung noch schwieriger, alS in einer Versammlung unter freiem Himmel. Fnedhofs Aufseher Echickedanz: Polizei-Kommiffar Meyer lab den Befehl, blo» daS Hauptportal offen zu lassen und die leiden Seitenportale zu schließm. Nachdem am Grabe ein Lied gesungen, wurden verschiedene Kränze in'S Grab ge- warfen und dabei kurze Reden gehalten. Auch eine Frau brachte e Mwurf, der ihre Stellung gesetzlich regelt, wodurch ein Ersatz fiir die ursprünglich verlangten Arbeittan ter geschaffen werden soll. In einer zweiten Resolution verlangt die Kommission Jlnen Gesetzentwurf, betr. die obligatorische Einführung von wwerbcgerrchten.) Abg. Groht: Die Volkspartei wird für den Theil deS zntragS Auer eintreten, der sich auf die Einführung dei "ormalarbeitStageS, Beschränkung der Frauen» und Kmder» arbeit, sowie daS Verbot der Sonntags» und der nächt, »chen Arbeit bezieht, aber nicht für die Kontroleinrichtungen, d. h. di- A.beitikammem und Arbeitsämter; nicht well wir, wie der Abg. Kalle, dai Uedergewicht der Ardeiter in den» selben fürchten, da sie zu gleichen Thellen, wie der Arbeit »eber, geheim und separat gewählt werden; aber die ganze Ainrichiung erscheint uns zu schwerfällig und unfähig, die Überwältigende Arbeit, die ihr zufallen würde, ihrem Zweck »rmäh zu erledigm. Mit den Arbeitsämtern verhält es sich rbenso; wozu eine derartige neue Behörde einführen? Wir haben ja die Fabrilinspekloren, mit denen die Arbeiter im «roßen und Ganzen, wie der Abg. Auer selbst in der Kom- Zisston erklärt bat, vollständig zufrieden sind, nur daß die vnspektionäbezirke für die Kontrole zu groß sind. Die Kom» »tission empfiehlt daher ihre Verkleinerung und eine Ver» Gehrung der Inspektoren; S ist da» notbwendig, weil sie, wie Are Berichte beweisen, höchsimS 15 pCt. der ihnen unter» Menden Anlagen im Jahr zu besichtigen im Stande ?nd. Bei der großen Arberterfreundlichkeit, die bei M Wahlen alle Parteien zeigten, hätte man zwar na etwas reichlicheres Produkt der KommisfionSberathungen erwarten können, aber wir nehmen auch eine Abschlagszahlung als einen Sporn, für die Jntereffen der Ardeiter auch �«iter einzutreten, soweit fie den Schutz dei Staates in so- Mer und humaner Beziehung zu beanspruchen daS Recht Ädg. Hartmann: Ich habe zunächst eine Lanze zu blechen für den Referenten, welchem vorgestern vom Abg. llapser Mangel an Objektivität vorgeworfen wurde. Der Re» lerent soll nicht eine theoretische Abhandlung über den Gegen- ftand der Berathung liefern, sondern eine einfache Erzählung her Hergänge in der Kommission; und dieser Aufgabe ist der «rr Berichterstatter auch in umfaffender Weise gerecht ge- worden. Die Organisation, wie die sozialdemokratischen Ab- Kiordneten sie vorschlagen, ist nun nach meiner Auffassung Durchaus unhaltbar, und ich dedauere die Art, wie der Abg. Mser jene Vorschläge hier vorgestern vettheidigt hat, da sie »urchau» im Gegensatz steht zu der Haltung der sozialdemo- �tischen Abgeordneten in der Kommisston, welche eine Zechaus sachliche, fast möchte ich sagen versöhnliche war. Abgeordnete Auer ging in der Kommission in seinem Ntgegenkommen sogar so weit, daß er selbst zugestand, «n Antrag habe erhebliche Mängel; und ich sage daS nicht, itti ihn bloßzustellen, im Gegentheil, ich mache ihm mein Mpliment dafür und wünschte nur, eS würde von allen fixten so unbefangen verhandelt; dann würde eS in mancher Uehung um unsere Geschäfte beffer stehen.(Sehr richtig!) rttne politischen Freunde werden also alle den sozialdemo- .Mischen Entwurf ablehnen. WaS die von der Kommission Erschlagenen Resolutionen betrifft, so sind wir zunächst für £«ste, welche eine Vermehrung der Fabrikinspektoren und t Verkleinerung ihrer AufstchtSbeztrkc erstrebt, S eingenommen. Herr Kayser hat sich vorgestern bei �.«ung seines auf Einführung einer zentralen Arbeiter» Pffrtuna für daS Reich gerichteten Vorschlages als„national s dai_____________________________________ m nel; thatsächlich aber war er unitarisch; diese beiden Be« hat er eben verwechselt. In der sächsischen Kammer er sich im Gegensatz dazu immer als sächsischen Par» en auf und ist durchaus kein Unttarier. Ich sage MS immer, wenn ich solchen richtigen sächsischen Bar- !en sehe: das muß ein guter Men'ch sein.(Heiterkeit.) .»tte Sie, beide von der Kommission vorgefchlagenm ii?N(onen anzunehmen; wir werden damit wieder einen Aorist, E» SM Schritt vorwärts'in der Sozialreform getban haben. mit eigenen Augen schauen werden, daS wissen wir ja rM! sollte ti uns aber nicht vergönnt sein, so werden unsere «« und Enkel die Früchte ernten.(Beifall rechts.) * Bevollmächtigter zum BundeSratb, Gebeimrath Loh» Meine Herren, daß die§§ 130-142 de» Antrages hier im Hause keine Annahme find.n werden, scheint mir �Ittzt sicher zu sein, und ich habe deshalb auch keine Ver» mich über den Inhalt dieser Anträge zu verbreiten. möchte ich mir gestatten, einige Worte zu der bean» 0% ve» "sei-- LM Resolution zu sagen. Wenn der ReichSIag ein Be» hM findet, in irgend einer Form den Wunsch auszu» daß die Zahl der Fabrikinspettorm vermehrt werdm Ä?' in einer bestimmten Weise thätia zu werden, so werden V:Tt Än'SÄ«Ä die».«ntsprechen werde. In dieser Beziehung erlaube ich «atauf aufmerksam zu machen, daß daS �tikN."-«' ausmriiiain u>*wi»»o Gesetz die CT""« der Aufstchtibeamten den Landesregierungen Mar» die Zahl zu bestimmen, in welcher diese Beamten an» »eo ftwerden sollen und die Bezirke zu begrenzen, innerhalb Kfi�itsitlich davon ad, wie die Bevölkerung oder drejenigen ISfÄÄÄ 8« roitd" man weniger Beamte bedürfen, wo tt schwach " ist, wird man deren mehr bedürfen. Ich sühre dieses AlleS an, um Jhnm zu zeigen, daß der Herr Reichskanzler gar nicht in der Lage ist, ein sicheres Urtheil daiüber fällen zu können, od eine bestimmte Landesregierung eine ungenügende Zahl dieser Beamten angestellt hat, und unter diesen Umstandm würde eS für den Herrn Reichskanzler sehr mißlich sein, über die Zahl der aufzustellenden Beamten den Landesregierungen auch nur einen Rath zu ertheilen. Meine Herren, es ist von dieser Stelle schon bei anderer Gelegenheit wiederholt ausgesprochen worden, daß man von der Tbä igkeit der BerufSgenoffenschasten rrne Ergänzung der Thätigkeit der Fabrikinspektoren in einem sehr wesentlich n Theile ihres Berufes erwartet, und der Herr Reichskanzler hat eS seiner Zeit ausgesprochen, daß eine weitere Entnickcluna der Institution der Fadrikeninspektoren nicht wohl eher in Angriff genommen werden könne, alS bis man zu übersehen im Stande sei, inwieweit«in Theil ihrer Funktionen von den Organen der BerufSgenoffenschasten über- nommen werden könne. Nun, meine Herren, sind die BerufS- genoffenfchaftm eben erst im Anfange ihrer Thätigkett; wir wissen noch nicht, wie weit fie diese Thätigkeit erstrecken und mit welchem Erfolge fie diese Thätigkeit ausüben werden. Allerdings ist uns schon bekannt, daß fie auch diese Seite ihrer Tvättgkett hie und da schon sehr energisch in die Hand ge» nommen haben. Noch neuerdings ist uns berichtet, wie eine Anzahl von BerufSgenoffenschasten und Berus SgenoffenschaitS» Settionen, welche in Köln ihren Sitz haben, sich zur gemein- fernen Anstellung eines auf dem Gebiete der Unfallvrrhüiung außerordentlich bewanderten und diesen Aufgaben ohne Zweifel völlig gewachsenen Mennes vereinigt haben, um für die Be- triebe aller dieser BerufSgenoffenschasten eine vollständig« Ueber- wachung herzustellen; das ist ein Anfang. Abg. Baumbach: Von der Thätigkeit der BemfS- genossen schaften auf dem Gebiet deS ArbeiterschutzeS verspreche h mir so wenig, daß ich es nicht für rathsam halte, die Frage der Fabttkinspektion mit der Entwicklung der Berufsgenoffen- schatten in Zusammenhang zu bringen. Dem Vertreter der Regierungen kann ich darin nicht beipflichten, daß diese Reso« lution beim Herrn Reichskanzler an die unr-chiige Adresse ge- langen werde. ES handelt sich hier um Bestimmungen zur Gewerbeordnung, einem ReichSgesetz, wo also dem Reichskanz- ler die Oberaufsicht zusteht. Ich gebe zu, daß die thatsäch- lichen Verhättniffe in den Einzelstaaten außerordentlich ver- schieden find, und daß ei bedenklich ist, in der Generalisirung von vornherein zu weit zu gehen. Darum muß ich mich gegen den(nicht genügend unterstützten) Antrag Halben erklären, daß jedeS Etablissement in jedem Jahre revidirt werden muß. Ich halte dieS bei vielen Betrieben gar nicht für nolhwendig. Den Antrag Auer halte auch ich für undurchführbar und unprak- tisch. Die Arbeitskammern sollen darnach die Aufgabe haben, auch die Minimallöhne festzustellen. Nachdem diese Forderung vom Reichstage mit großer Mehrheit abgelehnt ist, würde auch der Gedanke einei NormalarbeititageS im Sinne der Sozial- demokraten nicht aufrecht erhalten werden können. Wer soll denn dm Minimallohn feststellen? Die ArberlSkammern sind dazu theilS zu klein, theilS zu groß. Soll z. v. eine vorwie» ?end aus Vertretern der T'xrilindustrte bestehend« Arbeits- ammer über die Löhne in allen anderen Branchm entscheiden und sogar den Akkordlohn festsetzen? Ein Arbeitertag als oberste Instanz ist vollends ein ganz ungeheuerlicher G-danke. Abg. v. h e r t l i n g: Ich glaube, daß wir trotz der Er- klärung des Herrn Bevollmächtigten an der Resolution fest- halten können. Eine Vermehrung der Fabrikinspektoren wird nur da gefordert, wo die besonderen Verhältnisse in den ein» zelnen Bezirken eine solche nothwendig machen. Der Reichs- kanzler wird lediglich aufgefordert, sich zu diesem Zweck mit den einzelnm Zentralbehörden der Bundesstaaten ins Ver- nehmen zu setzen. Die Sozialdemokraten sprechen hier von Organisation. DaS ist ein bloßes Schlagwort. Wenn man in der Organisation einen Gegensatz anerkennt zwischm dem, waS organisch, lebendig gewachsen, und dem, waS mechanisch, todt gemacht ist, so kann ich von einem organisatorischen Gevankm in diesem Gesetzentwurf nichts erblicken. ES ist nicht die Rede von innerlich wirksamen Kräften, sondern von ganz mechanisch, bureaukratischen Schablonen der Zenttalinstanz. Mitteltnftanz und Unterinsianz. Keine Gliederung nach Jntereffengruppen, die geschieden und doch wieder verbunden sind, sondern ein Konglomerat nach der Zahl der Urwähler. An einem schwerfälligen Apparat fehlt eS auch nicht Diesen Apparat soll die Gewerbe-Polizei in die Hand nehmen. Seine Befugnisse reichen sogar in die Sphäre der ordentlichen Polizei. DaS Arbeitsamt soll die ihm„nothwendig scheinenden" Anordnungen treffen. Von irgend einer Um- grenzung seiner Befugnisse ist nicht die Rede. Zur Durch. führung der Gewerdepolizei find nicht solche Organe geeignet, welch« auS der Wahl der Arbeitgeber oder Arbrtter hervorge» Sangen sind, sondern die unparteiisch über beidm bestehendm irgane des Staates. Darum ziehe ich auch die Ausübung der Gewerbepolizei durch die Fabrikinspektoren der durch die Be- rufSgenoffenschaiten vor. DaS ArdettSamt soll auch die Be- fugniß des Arbeitsnachweises haben. Wie man sich daS denkt, ist nicht gesagt. Wenn man den Ardetter nicht verpflichtet, seine Arbeitsstelle bei dem Amt anzuzeigen und dieses um Ar- beit anzurufen, hat die ganze Sache gar keinen Zweck. DaS Pariser Ärdeiterparlamenr oon 1848 zeigt genügend, daß Sie auf falschem Wege find. Ihr Antrag bedeutet nicht» weiter als eine Vermehrung der Beamten, deS RedenS in den Par- lamenten, und— waS ich beinahe vergeffen— eine Vermehrung deS bureaukratischen EchreidwesenS. Davon werden die Ardeiter auch sehr viel haben!(Beifalls Abg. Mirda ch schließt sich in allen Punkten dm AuS- führungen seines Landsmannes Hartmann an. Aog. Halben: Die Eoualvemokraten erstreben drei verschiedene Instanzen: eine Arbeitskammer, ein Arbeitsamt und ein ReichSamt. Die elftere hat einen vollständig demokratischen, die mittlere einm demokratisck.bureaukr-ttschm und die letzte einen rein bureaukratischm Cbarakter. Der Ardeiterkammer liegt ein richtiger Gedar ke zu Grunde. Sie ist eigentlich nicht» andere» alS eine Gewerbekammer. Wir weiden schließlich dahin kommen müssen, auch den Arbeitern eine selbstständige Ver- tretung zu geben, nachdem wir die Meister zu Innungen zu- sammmgebracht haben. Der Arbetter darf seinem Bideilg-b-r nicht rechtlos gegenüberstehen. Die Thättgkeit der Ardevskam- wer muß aber erheblich rrduzirt weiden, wenn die Arbeiter nicht ihrem Beruf entzogen werden sollen. Die Resolution der Kommission ist sür mich unannehmbar, weil viel zu vage. Daß man meinen Antrag nicht genügend unterstützt, hat mich um so mehr gewundert, alS eine Reih« von Parteiführern sich da- für ausgesprochen hat, daß dre Fabrikinspektoren die Betriede alle Jahre mindesten» einmal besichtigen sollen. Um die Durchführung meiner Idee zu erleichtern, stelle ich nunmehr den Antrag, daß die Zahl der Fabrikinspektoren soweit erhöht werde, daß diele innerhalb eine» JahreS mindestens die Hälfte ihrer Betriebe besichtigen können. Abg. P f a n n k u ch: Wir müssen durchaus auf unserem Standpunkt verharren, wenn wir auch in einzelnen Punkte« gern vernünftigen Einwänden gegenüber entgeaenkommend find. So haben wir z. B- in diesem Jahr von unserer Forderung eine» obligatorischen Minimalarbeitslohnes abgesehen und viel- mehr beantragt, daß nur auf Antrag der Betheiligten durch die Arbeitskammern ein Minimallohn festgesetzt werden soll. Weshalb die Herren hier so eifrig unsere Forderung einer wirth» swalrlrchen Interessenvertretung für die Arbeiter perhorresziren, ist klar: eS ist eben die Furcht, daß die Sozialdemokraten, die ja allein bisher mit Energie die Sache der Arbeiter gerührt haben, die Ardeitskammern beherrschen und an Macht gewinnen würden. Daß die Arbeitgeber in den Arbeitsk-mmern ihre Interessen nicht genügend würden wahrnehmen können, glaubt man wohl weder auf der Rechten, noch im Zentrum, wenn man eS auch behauptet. Wollte nur die Arbeiterschaft mit derselben Energie und Einsicht, wie die Unternehmer e» bisher gethan haben, ihre wahren Interessen erkennen und vertheidigen, dann hätte meine Partei wohl noch größere Erfolge aufzuweisen, alS eS thatsächlich der Fall ist. Ohne daß die jetzt bevor» zugten Gesellschaftsklassen auf viele ihrer Privilegien ver» zichlen, ist frellich keine wirkliche Eozialreform durchführbar; und deshalb finden wir hier im Hause so viel Gegner. Unsere von Herrn von heriiing bekämpfte Fordemng de» Instituts eine» offiziellen Arbeitsnachweises ist von eminenter Bedeutung; eS würde dann ziffermäßig nachge« wiesen werden können, wie groß der Umfang der vorhandenen Arbeitslosigkeit ist; und damit würde der jetzt befolgten Vogel- strauipolilik ein Ende gemacht werden, welche absichtlich sich der Tvatsache verschließt, weil viele Tausende von Ardeitern obdachlo» auf die Landstraße und auf die private Wohlthätig» keit ihrer Kollegen angewiesen sind. Unsere Forderungen ver» folgen hohe ethische Ziele; und wenn unseren Worten nicht Gehör geschenkt wird, so könnten wir bald etwa» vernehmlicher werden 1(Beifall dei den Sozialdemokraten.) Abg. Grillenberger wendet sich zunächst gegen die AuSfübrungen Hertmanns und bestreitet, daß durch die In» nungen irgend eine wirksame Vertretung der Ardeiterintereffen geschaffen worden sei. Di« Resoluttonen, welche jetzt vorge» schlagen sind, bedeuten gar nicht»; sie legen ja alle» in daS freie Ermessen der ReichSrrgierung. Sie haben unfern Entwurf» der eine gute Organisation der Arbeiter vorschlug, und an dem wir in allen Punkten festhalten, rücksichtslos abgeschlachtet auS Furcht vor einem etwaigen Mach'zuwachS unserer Partei. Die große Erregung, mit der Herr von hertling gesprochen hat, kommt lediglich daher, daß eS in den katholischen Arberterkreisen bedenklich zu rumoren beginnt, daß man dort bereits anfängt, da», was das Zentrum für die Arbetter thut, für ganzlicb unzureichend zu hallen. Wenn Sie angeblich keine neuen Reichsämter wollen und deshalb unsere Vorschläge bekämpfen, weshalb agitiren Sie denn fortwährend für ein Reichs JnnungSamt? Mit der Eozialreform soll nach Herrn hartmann langsam vorange» gangen werden; wenn eS sich um neue Steuern, um Mono- pole, um Militarvor lagen oder um daS Sozialistengesetz han» delt, dann ist Ihnen keine Art des Vorgehens schnell genug. Herr v. hertling, dieser große Sozial««lehrte de» Zentrum». hat eine absolute Unkenntniß der praktischen Arbeiiervnh.ilt» nisse an den Tag gelegt und alles vom hohm Roß der theoretischen„Wrssenschast" herab behandelt; ich rufe ihm dies heute so laut zu, damtt die katholischen Arbeiter im Lande eS hören; und damit fie zugleich sich erinnern, wie gut daS Zentrum, wo eS nur will, für seine wahren Schützlinge zu sorgen versteht. Ich erwähne nur den Namen Rittler in München und den neu ernannten Direktor der höheren Töchterschule daselbst. Ich bitte jeden, der da» Fabrikinspeltorat ernstlich weiter entwickeln will, unserm Antrage, und nicht dem KommisfionSvorschlage, zuzustimmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. hertling: Wenn der Vorredner von meiner Erregung sprach, so habe ich allerdings heute meinem Unmuth etwas mehr al« sonst die Zügel schießen lassen; denn die So- zraldemokraten haben unS einen Antrag vorgelegt, der nirgend» die Kritik auShält. UebrigenS war auch der Vorredner erregt, und zwar über meine AuSfühmnaen. die er dabei noch gar- nicht einmal verstanden hat.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ich freue mich heute doppelt, gesprochen zu haben, gerade weil ich hoffe, daß die katholischen Ardeiter von meinen Worten Kenntniß nehmen, und daß fie nicht so verblendet sein wer- den, um nicht zu verstehen, wo die falschen und wo die wahren Freunde der Arbeiter find.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Die Diskussion wird geschloffen. Nach persönlichm Be» merkungen der Abgg. Kayser, hartmann und Mirbach werden die§§ 130—133 abgelehnt, desgleichen das Amen» dement halben zu der von der Kommission vorgeschlagenen Resolution, ebenso wie die vom Abg. Auer vorgeschlagene Re» solution. Dagegen gelangt die von der Kommission vorge« schlagene Resolutton zur Annahiiie. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. (Zweite Berathung de» Gesetzentwurfs, betr. Schifffahrts- abgab« auf der Unterweser; zweite Berathung der Zuckerstcuer» vorläge.)_ Ubgeordnetenhan». 43. Sitzung vom 17. M ä r z, 11 Uhr. Am Ministertische von Puttkamer, von Scholz LuciuS und Kommiffarien. Die zweite Berathung de» Staat» hauShattSetatS pro 1886/87 wird fortgesetzt. Zum Spezialetat der Lottterieverwaltung hat die Budgetkommisfion den auS ihrer Mitte gestellten Antrag, durch Verdoppelung der Anzahl der Loose die Einnahmen auS diesem Etat gleichfalls zu verdoppeln, mtt 10 gegen 4 Stimmen angenommen. Der Ueber schuß au» der Lotterieverwal- tung würde sich dadurch von 4 auf 8 Millionen Mark pro Jahr erhöhen. Da für die erste der in daS Etatsjahr 1886/87 fallenden beiden Ziehungen, die schon im Monat April ihren Ansang nimmt, die Durchführung der qu. Maßnahmen nicht mehr thunlich ist, schlägt die Kommisston vor, pro 1886/87 die sämmtlichen EtatSsätze in Einnahme und Ausgabe nur um die Hälfte zu erhöhen und außerdem folgende Resolution an- zunehmen; »Die StaatSregierung aufzufordern, für da» EtatSjahr 1887/88 durch Vermehrung der Loose um die doppelte Anzahl eine Erhöhung der Einnahmen um daS Doppelte her- beizusühren." Referent Abg. Graf Limburg-Stirum hebt hervor, daß der diesmal zur Annahme gelangte Antrag auf Ver- doppelung der preußischen Lotterieloose lediglich die Wieder- holung eine» gleichlautenden Antrags sei, der in voriger Session vom Plenum mit geringer Majorität abgelehnt worden sei. Die Staattregieruna habe durch ihren Kommissar in der Kommission ihre Geneigtbeil, auf den Antrag einzugehen, de- kündet, zugleich aber die Erklärung abgeben lassen, daß eS nach der vorjährigen Ablehnung nicht habe»ugemuthet werden können, ihrerseits diese Erhöhung der Einnahmen in dem EtatS> entwurf zu beantraoen. Der Kommisston sei vom Minister auch ein reiches statistisches Material übermittelt worden, auS dem fich ergebe, daß von den an der preußischen Lotterie de- theiliaten Spielern«fp. Einlegern 97 pCt. wohlhabende, gut sttuirte Leute seien, daß mithin eine unzulässtge Begünstigung der Sptelsucht im Volte in dem Antrage zu erkennen sel. Abg. v. d. R e ck beantragt, obiger Resolution folgenden Zusatz zu geben:„und womöglich noch im Laufe dieser Sesfion einen Gesetzentwurf einzubringen, durch welchen die Gewährung von Tantiemen und Gewinnanthetlen für den Vertrieb von Loosen beseitigt und dem Zwischenhandel mit Loosen gesteuert wird." Abg. v. G e r l a ch(Gardelegen) giebt die Hoffnung noch nicht auf, daß der KommisfionSantrag wie im vorigen Jahre auch heute wieder vom Plenum verworfen werden möge. Im Jahre 1885 habe fich die Regierung dem Antrage gegenüber kühl verhallen: nicht kühl„bis anS Herz hinan", sondern kühl in dem Sinne, wie ein junges Mädchen fich einem Freier gegenüber zurückhaltend und spröd< zeige, während doch ihr Herz bereits der beste Verbündete des FreierS ist.(Heiterkeit.) Für die Vermehrung werde geltend gemacht, daß man die außerpreußischen Lotterien auS Preußen oerdrängen, ihnen den unberechtigten Gewinn ablagen müffe. Man habe daS Gefühl auch innerhalb der Regierung, daß da« staatliche Lotteriesptel nicht gerade eine Sünde, aber auch nicht hübsch sei. Die Einsätze würden doch zum allergrößten Theil von den ärmeren Volkskiaffen aufgebracht; gewinne ein Wohl- habender dai oroße LooS, so müßten die Aermeren ei ihm bezahlen. Während man sonst die Staatsbürger durch Spar- lassen und so weiter von Staats- und Reichswegen einlade, einen geordneten HauShast zu führen, benutze man hier das Ansehen der Regierung, um die ärmeren Volksklaffen anzu- reizen, ihre steinen Ersparnisse zum Fenster hinauszuwerfen. (Sehr richtig!) Die Vermehrung der Loose in Preußen würde die endliche Abschaffung der Lotterie aufS Aeusterste erschweren. Abg. v. Rauchhaupt: Ich habe im vorigen Jahre gegen den Antrag votirt; heute werde ich mit einem nicht unerheblichen Theil metner lonservativen Freunde für denselben Simmrn. Diejenige Majorität deS Reichstags, welche allein urch Bewilligung neuer ReichSeinnahmen der Finanznoth der Einzelstaaten hatre abhelfen können, hat durch ihre jüngsten Beschlüsse bewiesen, daß fie dm Willen dazu nicht hat. DaS Zentrum hätte in der Monopollommisfion meiner Anficht nach den Weg andeuten müssen, auf welchem man zu den höheren Einnahmen auS dem Branntwein gelangen könnte(sehr gut! rechts); daS ist nicht der Standpunkt einer großen Partei, zu erklären, man habe fich nicht den Kopf det Finanzministers zu zerbrechen. ES bleibt uns jetzt in Folge der Taktik de« Zentrum« nur übrig, dm ersten Schritt auf dem Wege zu thun, den Staat Preußen finanziell so selbstständia wie möglich zu machen. Ich warne Sie im Interesse de« Reiche« selbst davor, noch ferner in einer Obstruktionspolitik zu ver- harren.(Große Unruhe im Zentrum und links; Rufe: Hundertmillionenfonds!) Wir brauchen die Mittel, die zur Befriedigung der preußischen Staatsbedürfniffe erforderlich find, und wir werden fie zu finden wissen.(Beifall rechts.) Abg. Meyer(Breslau): Im vorigen Zahre bat mir der Abg. v. Rauchhaupt vorgeworfen, daß ich mich nicht mt- fchiedm genug gegen die Lotterien ausgesprochen hätte, er wolle Tt» nicht in derselben milden Weise aussprechen. DaS ist mir sehr zu Herzen gegangen.(Heiterkeit links.) Ich habe mich bestrebt, Herrn v. Rauchhaupt nachzukommm, und nun ich die Stelle erreicht habe, ist er fort.(Heiterkeit.) Da« betrübt mich in hohem Grade. Ich würde freudiger in die'heutige Diskussion eingetreten sein, wenn ich ac fühlt hätte, daß die Hand des Herrn v. Rauckhaupt seaneno auf meinem Haupte lieg«.(Heiterkeit.) DaS Lotteiiegeto wird ebenso unnachficht« lich eingefordert und dezahtt wie eine Zwangsforderung, denn mit dem Verlust des Looses droht der Verlust deS Gewinn«, wo- möglich deS großen Looses. Dieses Geld wird nützlicheren Zwecken entzogen. Der Spieler begeht damit eine Unterschlagung gegen fich selbst. Besonder« wtderwältig ist der Schmarotzer- gewinn der Kollekteure(sehr richtig! link«), mindesten« ebenso verwerflich wie der mühelose Gewinn deS Zwischenhändler« mit Loosen, den man von jener Seite so sehr bekämpft. Da« Lotteriespiel ist aber auch der Nährboden für den allerblödesten Aberglauben. DerZEpieler tritt au« dem natürlichen Zusammen« hang oer Dinge heraus, verläßt da« Gesetz der Kausalität, der Teleologie. vertraut fich unbekannten Mächten an.(Heiterkeit.) Ich bin überzeugt, c« würde dem preußischen Staate möglich sein, wenn er emstlich wollte, die Beseitigung aller Lotterien zu bewirken; den Weg zu diesem Ziele will ich nicht verlegen. (Sehr gut! links.) Nun bat Herr v. Rauchhaupt die Frage aus dem Rahmen der sachlichm Erörterung herauSgehobenIund fich auf dm politischen Standpunkt gestellt, er will die Ver« mehrung der Lotterieloose als Ersatz de« Branntweinmonopols ansehen.(Lachen links.) DaS klingt so, alS hätten wir auf dem Stuhle de« Herrn Finanzministers Jemanden fitzen, der zu alt und krank gewordm ist, um auch nur die kleinste Steuer selbst auszudenken(Heiterkeit), der ermüdet wäre von den vielen Sleuerprojettm, mit denen wirunS beschäftigt haben. Mir verbietet die Achtung vor dem Herm Finanzminister, mir in dieser Be> zirhrng seinen Kopf zu zerbrechen.(Heiterkeit.) Ich bin fest überzeugt, eS wird dem Herrn Finanzminister nicht daran fehlen, die Zahl seiner Kinder, TabakSmonopol und Branntweinmono- pol, noch zu vermehren.(Stürmische Heiterkeit.) Wir erwarten von der Regierung, daß fie nicht nur Vorschläge mache, sondern auch geeignete Vorschläge.(Ironischer Zumf rechts: Sehr gut!) Sehr unverständlich ist mir aber vor Allem der Zu- sammenhang zwischen Monopolablehnung und Loosevermeh- rung, der auS den Ausführungen hervorleuchtet; weil es miß- lungen ist, im Reichstage einen Damm aufzuwerfm gegen die Branntweinpest, müssen wir jetzt die Pest der Lotterie aus- dchnm brlfen.(Große Heiterkeit.) DaS heißt doch wahrlich, den Teufel durch Beelzebub austreiben. Auf diesen Weg wer- den wir nicht eingehen; ich bitte Sie, den Anttag der Kom« misfion abzulehnen.(Beifall link«) Abg. Kies chke: Mir scheint die Frage ohne jede Ver- anlassung aufgebauscht und zu einer politischen bezw. Partei- Sache gemacht worden zu sein. Für mich ist in dieser Frage bestim- mend.daß verändette Umstände auch andere Motive ergedm, und die veränderten Umstände finde ich in der Wirkungslosigkeit deS von unZ erst kürzlich durch höhere Strafen verschärften Verbot«, in ftemden Lotterieen zu spielen. Die Sache liegt einfach so, daß wir zwischen den zwei Uebeln zu wählen haben: entweder zulassen, daß die Leute ihr Geld außer Land tragen, indem sie in allerhand anderen Lotterien spielen oder durch Vermehrung der Loose der preußischen Lotterie dieses Geld am Ausströmen aus dem Land« zu verhindem. Ich halte das letztere Uedel für das bei weitem geringere und deshalb stimme ich für den Antrag der Kommission._ � Abg. Dr. Gneist: ES mag vom praktischen Standpunkte auS ganz richtig sein, zu sagen: so lange im Deutschen Reiche noch andere Staatslottcrien besteben, hat Preußen durchaus keine Veranlassung, einen ideal sittlichen Standpunkt durch Aufhebung der Slaatslotterie einzunehmen, im Gegencheil hat eS ein wirthlchastlicheS Interesse, da« Geld nicht ins Ausland gehen zu lassen und für fich zu behalten. Aber so liegt die Sache doch nicht. Der Hauptgrund, der uns verhindert, dem Anttag zuzustimmen, liegt darin: wir wollen nicht, daß der Staat Unternehmer ist und den Leuten zuruft:„Kommt her, det mir zu spielen." Finanzminister v. Sckolz: Bezüglich deS Kommrsston«- antrages kann ich nichts Anderes sagen, al« waS ich am 25. Februar vorigen JahreS auS demselben Anlaß bemerkte, daß nämlich die Regierung in dieser Sache die Jnittative nicht er- greifen wolle und könne und daß fie vielmehr wünsche, e« möge daS Hau« mit der Initiative vorangehen, der Beschluß desselben würde bei der Regierung Beachtung finden, und fie würde nicht anstehen, dem Antrage Folge zu geben. Dem Herrn Abg. Gneist möchte ich bemerken, er übersteht, daß der Staat gegenwärtig Unternehmer ist und Unternehmer bleiben muß bis zu der Zeit, wo vielleicht einmal die Lotterien ganz abgeschafft werden, und daß wir gar nicht daran denken wer- den, irgendeinem Anderen an Spelle deS Staates das Lotterie' w«s«n zu übertragen. Die deutschfreifinnige Partei ist am wenig- sten berufen, die Macht de« preußischen Staate« im Reiche über seine Grenzen höher darzustellen, als fie wirklich ist. Es würde vielleicht anders sein, wenn die fteistnnige Partei fich hätte immer vom ReichSgedanken erfüllt sein lassen.(Unruhe links; Sehr wahr! recht«) Nun habe ich aber noch ein de- sonveres Interesse, mich gegen die Unterstellung zu wenden, ich würde mit Lächeln über die Kleinigkeit hinwegsehen, die Herr v. Rauchhaupt mir anbietet. Ich fühle mich ja allerdings in erster Linie als ElaatSminister und dann erst als Finanz minister, aber ich fühle mich doch auch al« Finanzministcr, und al« solcher würde ich unverantwortlich handeln, wenn ich über eine Einnahme von Millionen Mark lächeln würde. Wenn einmal einige Millionen in der Kasse liegen, so habe Ich sofort Verfügungen erlassm, die Summe zinsbar anzulegen und wenn e« 100C0 Mark Zinsen find, welche ewkommen.(Sehr gut recht«.) Abg. Cremer(Teltow): Die Ausführungen des Mi- nisterS deruhigen unS wenigstens über einen Punkt: er wird daS Geld annehmen.(Herterkeit.) Den Zwischenhandel bttt« ich aber jedenfalls unter die schärfste Konttole zu nehmen. Gegen Herm Meyer bemerke ich, daß man doch nicht mehr verlieren kann al« man eingesetzt hat, daß ein so geradezu philisterhafte« Spiel wie die StaatSlotterie also absolut mit den Hazardspiele« nicht in Vergleich gestellt wer- den kann. Er speziell habe noch niemals in der Lotterie ge- spielt; nur einmal habe er ein Loo« von einer Kochkunst- auSstellung geschmkt erhalten und darauf eine gepökelte Zunge gewonnen.(Große Heiterkeit.) Redner empfiehlt die Annahme de« KommisfionSanttageS, erklärt fich indeß gegen dm Zusatz v. d.Reck; ein Damm gegen den Zwischenhar.dll könne vielleicht dadurch aufgerichtet werden, daß man kleinere Antheile schafft, nicht bei den Vierteln bleibe, sondcm zu Achteln oder Zehnteln übergehe. Abg. Windthorst: Die von Herrn v. Rauchhaupt beute mtwickelte Moral ist für mich neu gewesen. Es ist eine in der That merkwürdige Erscheinung, jetzt zu sehen, wie so- wohl von der Regierung, als auS den ihr nahe stehenden Kreisen fortwährend Angriffe auf den Reichstag gemacht wer. den.(Sehr wahr! link« und im Zentrum.) Früher war der Reichstag Alle«, die Einzelstaaten mußten zurück- treten, e« konnte gar nicht rasch genug gehen mit der Verfolgung der unitarischm Ideen. Jetzt wird zurückgeblasm» und zwar deshalb, weil der Reichstag sich nicht bequemen will, alle« Geld herzugeben, was man von ihm verlangt. Die Majorität dieseS Hause« trägt kein Be- denken, hundert Millionen herzuaeden, um die polnischen Gut«. befitzer auszukaufm, 200000 M. auszugeben, um über da« Maß die Fortbildungsschulen aufzubeffem, und hätte nicht der Finan«minister gezögert, so hätten wir auch schon die Vorlage, welche die Schul« in den polnischen LandeStheilen zu verstaat- lichen bezweckt. Da« alles haben Sie vorweg bewilligt, und nun kommen Sie und klagen, daß der Reichstag die großen Bedürfnisse nicht befriedige. Sie sagen, der Reichstag habe dai Branntweinmonopol nicht bewilligt(Ruf recht«: Leider!), ich sage nicht„leider!"(Heiterkeit.) Daß der Reichstag höhere Mittel au« dem Branntwein nicht bade gewähren wollen, ist unwahr.(Ruf rechts: O nein I) Dem Reichstag hat nichts al« daS Monopol vorgelegen, daß auch Herr v. Rauchhaupt nicht bewilligt haben würde. Dann kann er fich sehr leicht hitlherstellm und den Reichstag anklagen(Widerspruch rechts); auch die Majorität der Konservativm hätte daS Monopol verworfen! Es war ein sehr wenig glücklicher Ge- danke. daS Monopol aufzugreifen; man hätte fich von vorn- herein sagm müssen: eS ist undurchführbar.(Unruhe rechts.) Will die Regierung diese vier Millionen auS dem Beutel der Unterthancn nehmen, so hat fie die Pflicht und Aufgabe, dies selbst beim Hause zu beanttagen; so lange fie aber Anstand nimmt, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß fie mit der Spielsucht der Unten hanen ein Geschäft treibt, thue ich es gewiß nicht; so moralisch wie Herr von Scholz bin ick auch! (Große Heiterkeit.) Von den Bemühungen, die Aufhebung sämmtlicher Lotterien herbeizuführen, hat unS Herr v. Scholz gar nicht« berichtet; e« heißt nur, unsere Verbündeten verge- waltigen wir nicht. Nun, wa» Braunschweig detrifft, so würde ein Schreiben des Herrn v- Scholz an den Grafen Görtz ge. nügen, um die Braunschweiger Lotterie zu beseitigen, Ich bleibe aber vor Allem dabei: ich offertre der Regierung nicht, waS fie selbst nicht verlangt.(Lebhafter Beifall im Zentrum) Minister v. Scholz: Ich bin leider von der Macht der preußischen StaatSregierung nicht so durchdrungen wie der Vorredner. Ein Schreiben des FinanzministerS von Preußen wäre ein verfehlte«, wirkungslose« Unternehmen, selbst die Geltendmachung der berechtigten Machtstellung PreußenS in Deutschland würde eine fichere Erreichung diese» ZielS nicht verbürgen; Herr Windthorst gerade hat zur Schwächung dieser Posttion sehr viel beigetragen. Meine Worte in der gleichen Debatte des Vorjahres bat er nicht richtig aufgefaßt. Für etwa« Unmoralisches hält die StaatSregierung die Fort- sctzung und Vermehrung der Lotterie nicht, fie würde sonst dem KommisfionSantrag nicht zustimmen, auch wenn er mtt%- Majorität zum Beschluß des HauseS erhoben würde. Herr Windthorst gehörte jedenfalls bisher nicht zu der verschwindenden Minorität, die zu behaupten wagt, durch namhafte Ersparungen am Militäretat seien die Mehrdedürfnisse zu befriedigen. Sein FraVionSgenoffe». Huene hat fich im Reichstage ganz anders ausgelassen. Ich habe heute mehr als je die Ueverzeugung, daß da« Monopol nicht nur nicht undurchführbar ist, sondem auch die Hoffnung, daß Herr Windthmst noch lang« lebt, um diese Durchführdaikeit und die Einführung de« Monopols in Deutschland zu erleben.(Heiterkeit.) Täglich mehrt fich die Zahl derjenigen, die dem Monopolgedanken zustimmen.(Abg. R i ck e r t: Hört, hört! Heiterkeit linkS.) Der nationalliberalen Resolution gegenüber habe ich nicht ein ablehnende«, sondern ein entgegenkommende« Verhalten bewiesen; ich habe fie auS> drücklich begrüßt und gemeint, an ihrer Hand sei noch«ine Unterhaltung über die anderweiten Mittel und Wege möglich. DaS wurde aber nicht beliebt, und gerade das Zentrum legte eine ablehnende Haftung an den Tag. An dm Fingerzeigen außer dem Hause fehlt eS der Regierung nickt; eS feylt ihr nur an der Jnsormation darüber, zu welchem Schritt fie eine Zustimmung deS Parlaments zu erwarten hätte, daS ist daS einzig inter« essante Moment. Damtt wäre nicht viel, aber dock etwai gr- wonnm. Viel wirklich nicht, denn dmken Sie doch daran, wie bier im Hause mit erdrückender Mehrheit die Resolutton auf Reform der direkten Steuern angenommm wurde, wie die Regierung die Resolution gewissenhaft in GesetzeSparagraphen brachte, und wie nachher aus der ganzen Sache nicht« ge- worden ist. Bleiben Sie aber bei dem reinen Achselzucken, bei der bloßm Negation stehen, so haben Sie e« fich selber zuzuschreiben, wenn wieder Projekte kommen, die dann auch sofort wieder von Ihnen für unausführbar weiden erklärt werden. DaS ist die billigste Krftik, die Jeder fich erlauben kann, der berufen wäre, an etwas Besserem mitzuwirken.(Bei- fall rechts.) Ein Schlußantrag wird hierauf angenommen. Abg. v. E y n e r n konstattrt zur Geschäftsordnung, daß ihm durch den Schluß der Debatte die Gelegenheit gmommn» sei, auf die Ausführungen de« Abg. Gneist zu erwidern. Er begreife allerdings die Ungeduld deS Hausei, mit einer De- batte zu Ende zu kommen, welche nur durch einige langaihmige Reden, die fich mit ganz anderm Gegenständen beschäftigt hättm, zu solcher Länge gediehen wäre.(Unruhe rechts; Lizepräfident von Heereman erklärt die in den letzten Worten liegende Kritik für parlamentarisch nicht zuläffig.) Der Antrag der Kommtsfion auf Verdoppelung der Lotterie- loose wird in namentlicher Abstimmung mii 19 l gegm 131 Stimmen angenommen: 2 Abgeordnete enthaften fich der Abstimmung. Die von der Kommtsfion vorgeschlagene Resolution wird unter Ablehnung des vom Abg. v. d. Reck beantragten Zusätze« gleichfalls angenommen. Der Rest deS LotterieetatS gelangt mit den dem Beschluß zu Titel 1 entsprechenden Modifikationen zur Annahme. ES folgt die Berathung einer Reihe einzelner Titel auS verschiedenen Etats, die zur nochmaligen Prüfung an die Budgetkommisfion verwiesen werden. Im Extraordinarium de« EtatS der Bauverwaltung werden zum Neubau der Brücke über den Vorgrabe« bei Cosel 280000 M. als 1. Rate gefordert. Die Posttion wird nach dem Vorschlage der Kommission bewilligt. Zur Erweiterung deS Archiv- und Bibliothek- aebäude« in Hannover find als erste Rate 150 000 Mark in da« Extraordinarium d«S EtatS der Archivoerwaftung erngestellt. Die Kommission beantragt, die Forderung zu streichen. Referent Abg. F r a n ck e hebt hervor, daß die Bibliothek in Hannover Eigenthum der welfischen Familie sei. Abg. Minnigerode deantragt an Stelle der Worte „150000 M." zu setzen„120000 M.". Der Anttag der Kommission wird unter Ablehnung de« Antrages v. Mmnigerade angenommen. Um 4'/« Uhr wird die weitere Berathung vertagt blS Donnerstag 11 Uhr. Parlamentarisches. — In der Arbeiterschutzkommission, in welche an Stelle der Herren Auer und P f a n n t u ch, die einen längeren Urlaub erhalten haben, die Herren Dietz und Grillenberger eingetreten find, standen am Dienstag und Mittwoch die Anttäge betreffs Einschränkung der Frauenarbeit in den Fabriken zur Diskusfion. Nach zweitägiger Debatte gelangten folgende Anttäge zur Annahme: § 136 a, I. Arbeiterinnen, welche ein HauSwesen zu be« sorgen haben, dürfen in Fabriken nicht länger al« neun Stunden täglich beschäftigt werden. Im Falle besonderer Bedürftigkeit kann die OrtSbehörde für einzelne Arbeiterinnen Ausnahmen gestatten. Arbeiterinnen, deren Kinder daS vierzehnte Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben, find zur Arbeit in Fabriken ortf zuzulassen, wenn fie der OrtSbehörde den Nachweis liefern, daß diese Kinder während der Arbeitszeit der Mutter unter Aufficht erwachsener Personen stehen. Am Donnerstag gelangen die Anträge betrrffs deS Verbot« der Nacht« refp. Sonntag«- arbeit für jugendliche Arbeiter und Flauen zur Vtthandlung. Anträge dazu find von allen Parteien eingelaufen. Lokales. Der a« 1. f. M. beginnende Umzug muß nach Mit- theilung der Polizeibehörde bei kleinen, auS höchstens 2 Zim- mein nebst Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittteren, auS 3—4 Zimmern nebst Zubehör be- stehenden Wohnungen am 2. k. M-, Mittags 12 Uhr, bei großen Wohnungen am 3. k. M. beendigt sein. Die Eröffnung der städtischen Markthalle« und die damit verbundene Aushebung der Wochenmärkle wird von vielen je eher, je lieber herbeigewünscht, während andere wieder den diesbezüglichen Termin je länger, je lieber, womöglich für alle Zeiten hinausgeschoben wissen möchten. Zu diesen letzteren gehören in erster Reihe die Inhaber der in unmittelbarer Nähe der Houptmärkte gelegenen RestaurationSIokale, für welche der rege Marktverkehr die Grundlage ihrer Existenz bildet. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, an einem Markttage ein solche» RestaurationSlokal zu besuchen, der wird eS begreiflich finden» daß diese Restaurareure nicht mit Frohlocken der Aufhebung der Märkte entgegensehen, denn diese bilden die Quelle, au« der ihnen reiche Einnahmen zufließen. Alle die Martthändler, die sich von nah und fern, zum Theil schon in frühester Morgenstunde zusammenfinden, benützen mit Vorliebe diese Lokale zur Befriedigung ihrer unabweislichen leiblichen Be- dürfnisse. Der Besuch an den Markttagen ist daher ein ganj enormer, der glückliche Wtrth mit seinen Helfern hat vollauf alle Hände voll zu thun, um allen Anforderungen seiner Gäste zu genügen nnd Küche und Keller vermögen oftmals nicht, der Nachfrage zu entsprechen; die Berge von warmen Würsten, die Eisbeine, die MittaoSportionen gehen nicht selten schon vor der Zeit zu Ende. Die Pfropfen der Weißbieikruken knallen unaufhörlich, eine Vierteltonne nach der anderen wird aufgelegt, und in daS chaotische Elimmengewrrr, in das Geklapper der Gläser und Teller mischen fich wohl auS die schmelzenden Akkorde einer„fliegenden" Kapelle und ver- leihen dem Ganzen einen romantischen Anstrich. Ein solcher Markttag ist zwar ein anstrengender Arbeitstag, aber auch ei» reicher Emtetag für die Wirthe. Mit Befriedigung können si* am nächsten Tage der Ruhe pflegen und Tags darauf m» froher Zuverficht ihre Vorbereitungen treffen für den kommenden Markttag. Zwei solche Tage in der Woche, daS genügt! dem Aufhören der offenen Märkte versiegen natürlich auch reichen Einnahmequellen und«S ist begreiflich, daß fich diel' Gastwirthe nicht für die Markthallen vegeistern können. De» ganze Verkehr rvird fich fortan hauptsächlich im Innern de» Mark hallen und der dort befindlichen Restaurationen konzen- triren, für die äußeren Restaurateure dagegen, im Vergleich 8» jetzt, nur wenig übrig bleiben. Die AnSlegung der Gesetze durch gelehrte Rtchte* führt mitunter zu Ergebnissen, an die der phantastereichste nicht denken würde, so lange ihm die Geheimnisse der real» wissenschaftlichen Ausleoungskunst fremd finv. In einem Nachbarstädtchen von Berlin, dessen Umgegend wegen ihre» Wilvreichthums von den Berliner Sonntagsjägern vielfa« heimgesucht wird— man sagt boshafter Weise, die Hase» wären dort infolge dessen schon ganz zahm geworden— Mr nach einem solchen fidelen Jagdtage ein dortiger Vorwerksv� fitzer ein Reh auf seinem Grund und Boden, dem zwei Law zerschossen waren. DaS Thier war jedenfalls noch eine Stre» weit gelaufen, dadurch dm Augen der Jäger mtschwunvm und wurde nun in diesem ttaurigen Zustande von dem"K fitzer auf seinem Giund und Boden gefunden. Mehr a» Mitleid mit dem armen Thier«, alS auS Habsucht tödtete dasselbe, da er kein Schießgewehr zur Hand van»- in allerding« wenig waidmänntscher Weise durch mtt der Axt und verwendete den Körper Thiere« für sich, machte auch von dem ganzen BMI kein Hehl und erzählte davon seinen Nachbaren, von den � fast Jeder eine ähnliche Geschichte zum Besten gab, bei der,. Pointe dann immer auf die Schteßfettigkeit der Berliner Ja« � gelegt wurde. So sprach fich die Sache hemm und der AM'- nicht wenig erstaunt, plötzlich eine Anklage wegen�un<. war Pointe dann immer auf die Schteßfettigkeit der Berliner 0«� sprach fich die Sache hemm und der Ma- _'staunt, plötzlich eine Anklage wegen un. fugter Ausübung der Jagd zu erhalten. Er verlheioigte P* so gut er und sein Rechtsanwalt es konnten; vergeblich, einigen Tagen ist ihm die höchstinstanzltche Entscheidung J{ gestellt, wonach wegen unbefugter Ausübung der Jagd allerdinzS nur vtthSltni�matig geringe Strafe festgesetzt w trd. — WaS wird der spätere Ente! dazu sagen, wenn er in den Annale» der Rechtspflege dai unwiderleglich beglau digt« Faktum findet, daß in den märkischen Wältern noch im r leun» zehnten Jahrhundert die Jagd— streng im Sinne des i Gesetzes— mit der Axt ausgeübt wurde? Arge Enttäuschungen erleben Stellesuchende, natr«entlich stillesuchende jung« Kaufleute, wenn fi- fich auf An nonzen melden, wie eS die folgenden find:„Junge Kauflei Ue als Reisende für gangbare Artikel gesucht"—„Junge K aufleute werden zu einer eintiäglichen Beschäftigung. 3—6 M. täglicher Verdienst, gesucht" oder„Provifionsreisende für eine Reuhcit" oder gar„Junge Kaufleute finden guten Verdienst-- 16 M. wöchentlich Gehalt bei In allen diesen Fällen tadelt eS sich nämlich weder um guten Verdienst, noch um feste Stellung, sondern einzig und allein um Gewinnung von jungen Leuten zur Kolportage von Romemen und Kalendern, un o um den Abonnentenfang für geringwcrthige Oeldruckbilder. Der junge Mann erhält weder festes Gehalt noch irgend ein'tlequioalmt, sondern ihm wird nur eine Provifion für daZ Verlauste zuge« standen, die er in sehr seltenen Fellen sofort ausgezahlt erhält. Gewöhnlich muß wochenlang bis zur angeblicher« Abrechnung E wartet werden. Und damit ist doch einem feiernden und ngernden Menschen nicht gedient. Recht appetitlich. Seit längerer Veit hatte«in in Reinickendof wohnhaftes Ehepaar einen Fleischhandel eröffnet, in welchem das Fleisch unglaublich billig verkauft wurde. Dem Gendarm Julian kam der Handel verdächtig vor, obgleich daS Ehepaar angab, daß es daö Fleisch von dem Bruder der Frau P., welcher auf dem Viehhof als Schlächter beschäftigt sei, geschenkt erhalten und deshalb fo billig verkaufen könnte. Der Beamte stellte fest, daß die Frau P. mit einem auf der Ad- deckerei thätigen Arbeiter in vertraulichem iL erhältniß steht, daß dieser fortgesetzt Fleisch, welches als zur menschlichen Nahrung ungeeignet der Abdeckerei übergeben war. gestohlen und der Frau gegeben hat, die«S verkaufte. Dieb und Hehler find bereit« zur Untersuchung gezogen.„. 3« de« benachbarte« Ortschafte« werden gegenwartig von den AmtSvorstehern eingehend« Erkundigungen bei den einzelnen Landwirthen eingezogen, bei welchen Hagel- und Vieh-Verficherunaen fie verstchert find und ob und eventuell welche Unregelmäßigkeiten in dem Verhalten der betreffenden Verstcherungsgesellschasten vorgekommen find: namentlich wird zu ermitteln gesucht, ob etwa in einzelnen Fällen durch Ver« zögerung der EchadenSfeststellung oder durch ähnliche Umstände ein Druck auf den Versicherten ausgeübt worden ist, um ihn zur Heradminderung der ihm»ertragsmäßig zustehendm For- derung zu nöthigen.— Diese amtlichen Erhebungen haben natürlich bei den interesstrten VerficherungSgesellschaften ge- wältig böseS Blut gemacht. Im viiflofleuen Jahre find in Berlin 505 männliche, 170 weibliche Personen auf gewaltsame Weise umS Lebm ge- kommen. Durch ftemde Hand wmden getödtet 2 Männer, 4 Frauen, durch Selbstmord lamm um 293 Männer, 92 Frauen, es verunglückten 199 Männer, 67 Frauen; bei 11 Männern, 7 Frauen konnte die gewaltsame Todesursache nicht näher kon« fiatirt werden. Was die durch fremde Hand umgekommenen Personen betrifft, so wurde 1 Person erdrosselt, 1 erstickt, 1 heruntergestürzt, 1 erschaffen, 2 erstochen. Von den Selbstmördern wählien den Tod durch Gift 25 Männer, 30 Frauen, durch Kohlenoxyd« oder Leuchtgas 4 Männer, durch Ertrinken 63 Männer. 20 Frauen, durch Erhängen 133 Männer, 29 Frauen, durch Ucderfahren von der Eisenbahn 1 Mann, durch Sturz 7 Männer, 8 Frauen, durch Erschießen 52 Männer, 2 Frauen, durch Schnitt- oder Stichwunden 8 Männer, 2 Frauen. ES verunglückten durch Gift 5 Männer, 2 Frauen, durch giftige Gase 4 Männer, 2 Frauen, durch Verbrennung 12 Männer, 18 Frauen, durch Erfrieren 2 Männer, dmch E:trinken 10 Männer, 3 Frauen, durch Ersticken 9 Männer, 2Frauen, durch Hitzschlag 1 Mann, 1 Frau, durch Bli»schlaa 2 Männer, durch Exploston 2 Männer, 1 Frau, durch Neberfahren 32 Männer, 4 Frauen, durch Sturz oder Fall 115 Männer, 24 Frauen, durch Schntttwunden 1 Mann, in Folge einer Operation star- hen 3 Männer, 10 Frauen. Da im verfloffenen Jahre in Berlin 31 483 Personen gestorben find, so beträgt der Äntheil der gewaltsam Umgekommenen 2,1 Prozent, eine Zahl, die keineswegs geringfügig erscheint. Die Polizeibehörde von Hamburg theilt mit, daß durch rechtskräftiges Erkenntniß des dortigen Landgerichts vom 23. Januar 1886 der Buchhändler Ferdinand Ludwig Gustav Krämer wegen Verbreitung der unzüchtigen Schrift:„Die Geschichte der Prostitution" auf Grund deS§ 184 des Strafgesetzbuch« in eine Geldstrafe von 40 M. event. 8 Tage Gefängntß verurtheilt worden ist und daß die vorgefundenen 482 Exem- vlare dieser Schrift vernichtet worden find.— Der Buchhändler Herr Kramer war eS, der in einer für Schüler bestimmten An- zeige diese und ähnliche erotische Schriften empfahl und als Antwort euf die darüber gemachten Bemerkungen mit Anmengung von Klagen drohte. Die Sache hat nunmehr durch seine Verurteilung ihre Erledigung gefunden. Gerichts�Ieitung. , Dt« Reichstagsabgeordneten Ludwig Löwe und Paul inger, vertreten durch den Rechtsanwalt Freudenthal, traten ftern vor der 99. Abtheilung hiesigen Schöffengerichts als livatlläger gegen den Agenten Gottlieb Pächnatz, ein be> mntes Mitglied deS deutschen Antisemitendunde«. auf. Zum 4. November v. I. war in dem Hoffmannschen RestaurationS- Zkale. Dreidenerstr. 27, eine Sitzung der Fachkommifston der ; schier einberufen, zu welcher bi« 9 Uhr Abends eist 4 Mit- Keder erschienen warm. Dieselben unterhielten fich über die ? diesem Tage stattgehabte Stadtverordnetenwahl, namentlich ber die Chanzen der Arbeiterkandidaten. Der im Lokal an- Zfsmde Angeklagte trat an die dtSkutirenden Herren mit dm Lorten heran:„Daß die Arbeiter wählen, ist ja g-nz gut, ab« ?h fie so dumm find, Juden zu wählm, begreife ich nicht. Singer ist n Schuft, und eben solcher Schuft ist Ludwig Loewe." Die jngesprochenm verbaten fich wiederholt jede Einmischung deS ngetlagten in th« Unterhaltung, dieser fuhr aber zu schimpfm und namentlich äußerte er wiederholt:„Einger und Lowe nd Spitzbuden. Hallunken, einen größeren Schuft als Singer ."bt(3 überhaupt nicht." DaS war den vier Mitglledern der ?chkommiiston, die fich in ihrem RetchStagsvertreter ebenfalls ?wer verletzt fühllen, zu viel, fie ließen daher durch einen schutzmann den Angeklagten zur Ruhe bringen und deffen Mionale feststellen. Beim Schiedsmann beanspruchten beide »g« nur, daß der Beschuldigte die auSaestoßenm BeleUii' Äsen zurücknehme, darauf ging derselbe aber nicht ein. Im Mgen Termin gab er an. von nichts zu wiffm. auch die jjiwmcheit als Rr" zur FUtst'ellung gebrachte lästige«utdring- DW-LHH'ZIZM nb Lj"8 dem Umstände hervor, daß der Angeklagte nach be- auf dem Gericht skorridor auf„die verdammten �aensettig�Mberlistung trug dem einm der Kon- %% föÄÄÄÄ'X � aeklaate bot-vämlich in dm Zekkngm«in Mitte! gegen die Trunksucht für 6 Mark a«. Ein Konlurrmt von ihm bestellte unter einem fremden Ramm nach außerhalb hin das Mittel gegen Postnuchnahme, um ihn alsdann wegen Verkauf« von Arzneimitteln zu dmunziren und um da« corpris delicti beifügen zu können. Der Angeklagte, welcher durch irgend einen Zufall hiervon Kmntniß erlangte, sandte zwar ein Packetchm ab und nahm 6 M. dafür nach; in demselben befand fich aber nur daS Rezept zu dem Mittel und eine große Masse von Papierschnipseln. Der Konkurrent honorirte in dem Glauben, da« richtige Mittel zu erhalten, die Postnachnahtne, und ist somit der Reingefallme. DaS Ende von der Sache war aber doch der Reinfall det Angeklagten, welcher ge'fiem von der BerufungSkammer zu obiger Strafe vermtheilt wordm ist. Soziales und Arveitervewegaug. * Zum Streit in der Kiftenkabrik vi»« Simon und Müller. Die Lohnkommisfion der Kistenmarher veröffentlicht folgendes:„Da die Kommisfion von den s, mannten Arbeit- gebern den Bescheid erhiett, daß letztere nach dem vom Verein aufgestellten Preistarif nicht bezahlen wollen und Alles auf- bieten werden, diesem Preistarif mtgegmz uarbettm, und da durch diese« Vorgeben der Arbeitgeber eine groß« Schädigung der Kollegen mtsteht, bitten wir alle Kolleg en, den Zuzug von der Werkstatt der Herren Simon und Mü'ler— welche fich früher der größten Achtung in Kollegen kreism zu erfreuen hattm, und für deren Jntenffen beide genannten Herren früher tüchtig mitarbeiteten— streng fernzuhalten. Leider hat der Kollege Pfärrig an Stelle der Streikend m in der Werkstatt Arbeit genommen, wir erwarten jedoch, daß«S bei diesem Einm bleibt. Die Kommisfion." Die Herren Simon«nd Müller bitten un« um Aufnahme folgender Notiz:„In Betreff de I Aufrufs der Kisten- macher, welche in unserer Werkstatt die S lrbeit eingestellt haben, theilen wir mit, daß«5 unwahr ist, daß non unS die schlechtesten Löhne gezahlt werden. Daß wir inde ß nicht wch dem vor 3 Jahren aufgestellten Tarif bezahlen, ist richtig. Wir können dethalb nicht nach diesem Tarif bezahlen, weil diet lein einziger Arbeitgeber thut. Wollten wir allein d en Tarif hochhaltm, so wäre unser gänzlicher Ruin die unaufibleidliche Folge, falls nicht in allen Kistmfabrikm Bezahlung nach diesem Tarif ver- langt wird. Wir meinen, datz ein partieller Streik bei kleinen Fabrikanten, wie wir«S find, nur dazu angethan ist, diese gänzlich verschwinden zu machen und dem Großbetrieb Thür und Thor zu öffnen. Weshalb fängt man nicht bei den großen Fabrilantm an, sondem bei den kleium, welche oft weniger haben, als der Arbetter? Die Verständigung mit der Lohn- kommisfion scheiterte übrigm» nur an dem unqualifizirbaren Austreten des Herrn Wahrmann, wodurch dieser steh sogar einm Verweis des Herrn Schahle(Mitglied der Lohnkommisfion) zuzog. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die Unterzefichneten auch fernerhin— wenn es gilt für die Ardeitersache einzutreten — ihre Schuldigkeit ckhun werdm. Wenn aber die M itglieder der Lohnkommisston, welche bei großen Fabrikanten arbeiten, selbst dort nicht richtig nach dem Lohniarif bezahlt werdm, wie kann man dann von uns die tarifmäßige Bezahlung ver» langm? Simon und Müller." Uereine«nd Nersammlungeu. * be.„Soziale Frage«" lautete daS Thema, über welche» der R-ichstagSadgeordnete Herr Hasenclever in der imposantm Bolliversammlung sprach, die am Dienstag, den 16. d. M., in „Sanssouci", Kottbuserstr. 4a, unter Vorfitz deS Herrn Zudeil stattfand. An 3000 Personen hatte der große Saal und di e Galerien aufgenommen und noch mußten Hunderte wieder um- kehren, va wegen der herrschenden Ueberfüllulig die Thürenge- sperrt wurden. Von stürmischem Beifallsjubel begrüßt, führte der Refermt etwa folgende« au«: Wenn vor ungefähr 20 Jahren jemand von der sozialen Frage redete oder reden wollte, gab es eine Menge von Leuten, die da sagten, eS gebe gar keine soziale Frage, man lebe in der besten aller Wettm, und niemand sei mit dem Lauf der Dinge unzuftieden. Und alle diejmigm, welche fich um die soziale Frage kümmerten, wurden verdächtigt, fie wollten selbstsüchtig« Zwecke verfolgm, fich einen Namen machen und auf Kosten der Arbeiter leben, oder man sagt?, fie seien Un- ruhstister, die nur Haß und Zwietracht in die Gemüther säen wollten; ja triumphrrend rief Ende der 60er Jahre Herr GiLkra, der österreichische Ministerprästdent, au«: In Oesterreich haben wir keine soziale Frage!— Da« ist nun alles im Lauf de: Zeit anders geworden. Jetzt beschäftigt fich jeder Mann, jeoe Partei, ja selbst die Regierung mit der soziale« Frage. Die liberale Partei war eS, die ihrem wirthschaftltcheu Grundsatze: Machtausbildung des mobilen Kapitals, getteu am längsten behauptete, alles sei vortrefflich. Aber auch in dieser Partei ist eine Aenderung der Anschauung eingetreten, wenn auch nicht in der Art, daß fie etwa die soziale Frage im Sinne de« ArbeiterstandeS lösen wollte. So wenig pofittves Schulze-Delitzsch geleistet hat, er hat doch den AffoziationSgedanken angeregt, in dem ein Körn- chen Wahrhett steckt, daS man anerkennen muß Mag man über die Gewerkoereine denke« wie man will, mag man fie bekämpfen, weil fie so manche» Gehirn verkleistern (Heiterkeit), fie erkennen doch die sozial« Frage an, fie versuchen fich doch in ihrem Sinne an der Lösung. Selbst die Partei also, die alles gehen laffen will, wie e» geht, greift ein in den naturgemäßen Kerlauf der Dinge und wird ihrem wirthschast« lich-liberalen Prinzip untreu. Es istßgut, daß es auch in diesen Köpfen zu dämmern anfängt.(Bravo.) Auch die konservative Partei erkennt die Existenz einer sozialen Frage an. Sie will hauptsächlich der Landwirthschaft unter die Arme greifm, dann haben, so sagt fie, auch die industriellen Arbetter höhere Löhne. Darin liegt dag Zugeständniß, daß e» dem Arbeiter schlecht geht und daS seine Noth kein müßiges Agitatorengeschwätz ist. (Bravo.)— Die fromme katholische Partei vertröstet den Ar- better allerdings auf den Himmel, aber fie kann fich doch nicht ganz der Aufgabe entziehen, ihm schon auf Erden Erleichte- rangen zu schaffen. Vor durchgreifenden Mitteln, die dem Ucbel an die Wurzel gehen, lchreckt sie freilich zurück, der Arbeiter hätte dann ja die himmlische Belohnung nicht mehr nöthig, die ihm versprochen wird, wenn er hier viel darbt, zu Gunsten einer kleinen Minderheit.(Stürmischer Beifall.) Solche Arbeiterfreundlichkeit ist bei diesen drei Parteien dann am meisten vorhanden, wenn es zur Wahl geht, aber da» Eine ist jeden- fall» erreicht, fie gestehen zu, daß eS eine Arbeiterftage giebt und daS ist ein aroßer Schritt zur Lösung.(Sehr richtig.) Auch die deutsche ReichSreaierung verkündet in offiziösen und offiziellen Prollanialionen, daß fie der Arbeiterklaffe helfen wolle. Daraus geht hervor, daß die Arbeiterklasse hilfsdedürftig ist, denn man kann nur den aus dem Wasser ziehen, der darin liegt. Dann muß fie auch zugeben, daß die Arbeiterklaffe, die im Elend steckt, selbst die Wege angiedt, die auS dem Elend Herauslühren.— Die sozialdemokratische Partei nennt seit 23 Jahren diese Wege, welch« die soziale Frage im Sinne der Arbeiter lösen. Und nun stecken wir ja auch mitten in sozialer Reform. Ich bin durchaus kein Gegner verständiger, volks- thümltcher Reformen. ES ist nöthig, daS Volk emporzuheben und zu kräftigen, damit eS fich in der Verfolgung weiterer Ziele später besser Hilst, alS jetzt.(Lebhafter Beifall.) Aber detrachte man doch die Sozialreform der Regierung, das Kranken- und UnfallverficherungSaesetz und daS Gesetz über die Alterversorgung der Aroeiter, daS noch immer nicht da ist, wenn es auch eine schwierigere Materie zu regeln. hat. Die beiden vorhandenen Gesetze athmen einen Geist bureaukratischer Verwaltung und polizei- lieber Bevormundung(Lebhafter Beifall). Dem Arbeiter find gewaltige Leistungen auferlegt worden und er darf die Gelder nicht einmal selbst verwalten, die er aufbringt. ES ist sehr fraglich, ob ein verbessertes Haftpflichtgesetz nicht tauglicher ge« wesen wäre, als W jetzige Unfallverficherungsgesetz, daS nichts weiter ist als eine Hilfeleistung für die Unternehmer. Wenn das Alteroersorgungsgesetz in derselben Art zugeschnitten ist, werden wir dagegen stimmen.(Bravo.) Die großen Mittel, die hier nöthig find, kann der Arbeiter nicht aufbringen, hier muß der Staat mit seiner Machtfülle eintreten. Der Staat, der weit über'/, Milliarde Mark jährlich für Miittärzwecke auSgiebt, kann dafür sorgen, daß der Ärdeiter nicht am Abend seines LebenS zu betteln braucht.(Stürmischer Beifall.) Ali Grundsatz sollte für die drei Gesetze gelten: Bei der Kranken« verficherung zahlt der Arbeiter Alles und verwaltet Alles: bei der Unfallverficherung zahlt der Unternehmer AlleS, denn die Unfälle find im Dienste deS Kapitalismus geschehen, und hat die ganze Verwaltung in Händen; bei der Altersversorgung ist der Staat verpflichtet, alles zu zahlen, denn in seinem Kulturdienste find die Arbeiter grau geworden.(Lebhafter Beifall.) Diesen Standpunkt werden wir vertreten, wenn daS Gesetz über die Altersversorgung vorliegen wird. Die Beitragspflicht deS Staates werden wir energisch betonen.— Alle diese Verflcherunasaesetze haben aber nur den Sinn, daß fie schon vorhandene Schäden heilen, schon auS« gebrochene Kranl hellen kuriren sollen. Der moderne Arzt, der Hygieviker, aber sorgt dafür, daß eine Krankheit gar nicht ent- stehen kann. Was für den einzelnen Menschen gilt, gilt für den ganzen StaatSkörper. Auch die sozialen Krankheiten sollen nicht zum Ausbruch kommen und das einzige Vorbeugungs- mittel ist eine vernünftige Arbeiterschutzgesetzgedung, wie fie der Entwurf unserer Partei angiebt. Betonen wir immer und immer wieder diese Forderungen, laffen wir den Muth nicht stnken; was heut nicht ist, kommt morgen.(Lebhafter Betfall.) Wenn die Arbeiter einmüthig hinter ihren Vertretern stehen, werdm dieselben immer wieder zur Attaque vorgehen, damit«S endlich klar werde in den Köpfen.(Bravo!)— Zum Schluß habe ich noch«ine Frage zu berühren, die Frage nach der RützliÄeit der Fachorganisationen. Wohl ist eS richtig, daß ».ur die Gesetz gebung, der Ausdruck de« großen VollSwillens, die soziale Frage zu lösen im Stande ist. Ader eS kann geraume Zeit verstreichm, bevor wir soweit sind. Bis Hahin giebt e» nur ein Mittel, wenn auch nicht die Roth zu enden, so doch kleine Vortheile dem Arbetter zu verschaffm» daS Zauberwort: Vereinigung der Kräfte! Ich bin kein Freund der Streiks; aber e» liegt in der Natur der Dinge, daß jeder, der fich gedrückt fühlt, fich zum Widerstande aufrafft und an diesem FreihettS- und ErlösunaSgedanken, der im Streik vorhanden ist, sollte man nicht Hochmüthig vorübergehen. Aber gut organifirt muß man sein, denn eine Niederlage der Ar» veiter erhöht den Uebermuth deS Kapital». Aber abgesehen von diesen kleinen Eroberungm im wirthschaftlichen Kampfe, so liegt der Hauptwerth der Fachorganisationen darin, daß fie da» Gefühl der Zusamm mgehörigkeit, d«S Pflichtbewußtsein« im Arbeiter erhöhen, un d e« ihm nahe legen, fich dem großen, sozialen Ziele, der lImanzipation der Arbeit, anzuschließen. (Stürmischer Beifall.) Man überschätze, man unterschätze aber auch nicht die Fachor-zanisation. Die Bedeutung der Einigkeit wird von dcn Arbeite rn vielmehr verstanden, als von allen andern Klaffen, weil:t)er einzelne Arbeiter viel ohnmächtiger ist, als jeder andere. Ein Rothschild repräsentirt in sozialer Be- ziehung 100000 Arbeiter. Da wir nun kein« Rothschilds find, so müssen wir die hunderttausende zusammenfassen, zu einem Willen und einem«Nedanken vereinigen.(Stürmischer Beifall.) Einzeln kann man die Arbeiter unterdrücken, die zusam« mengefügte Arbeitermaffe nie und nimmermehr I(Stürmischer Beifall.)— In der DiSkusston sprach zunächst Tischler Herr NöSke und verlangte, daß die sozialdemo- kratische Frattion einen Gesetzentwurf über die AlterSver- sorgung ausarbeite und«indringe, da die Regierung zu lange warten laffe.— Sodann nahm ebenfalls von stürmischem Bei- fall begrüßt, Reichstagsabgeordneter Psannkuch das Wort, um die von dem Referenten angeregten Gedanken noch wetter au«- % Ä rathloS hin- und heriaste und nicht wiffe, was fie der sozialen Gefahr geaenüber machen solle. In dem ChaoS der Unwiffen- heit und llnfahigkert der herrschenden Parteien sei eS die Ar« beiterpartei allein, die mit klarem und bewußtem Willen ihr festes Programm vertrete. ZOann kam der Redner auf die„be. seidene" Forderung deS Professor Wagner zu sprechen,„die Sozialdemokratie solle mit Sack und Pack in daS konservative Lager abmarschiren", well er(Prof. Wagner) einige For- derungen der Sozialdewokraien billige. Wenn man die «lassen wollten aber von ihren Vorrechten, Privilegien SWMrt&fcES 5er sozichldemokrattschen Partei zwischen Radikalen und Ge- maßigten zu lonsttutren, wie die Offiziösen ei wünschten, «erde man niemals gehen. Die Pläne der konservativm Partei das Wahlrecht zu deschränken, seien zu deutlich. Die Herren wollten den Arbeiter nicht als gleichberechtigten Faktor aner- Ä;.»«f deutsche Arbeiterpartei zu ihrem fetzigen Siegeslaufe gekommen, fie werde auch fernerhin alle Hoffnungen der Gegner zu Schan« den machen. Die Welweschichte lasse stch nicht machen, aber auch nicht aufhalten. Die„Christianifirung" des Kapitals helfe nicht» Die EigenthumSordnung ist nicht von Gott, sondern eine historische Kategorie, die verschiedene Wandlungen durch. gemacht habe und durchmachen werde.(Stürmischer Beifall 1 T Zum Schluß berührte der Redner den Streik der Bergleute Mg?% battf, nahm der Reichstagsabgeordnete Hasenclever in seinen Schlußworten Gelegenheit, da» Verlangen, welches Herr Nöske sefttllt hatte, zu besprechen. Er wieS darauf hin. daß die Re- srartt1 ä d« hohm Regierung zu zerbrechen. Doch würden ah und zu, vielleicht zu Anfang der nächsten Sesston, öffentliche Anfragen an die Regierung gestellt werden, wie es denn mit (.ÄiÄtTrr«s dann ja sagen, daß man es seinerseits versuchen wolle. Da« würde ein viel wirkungsvollerer Effekt sein. Die Absicht ver sr säfHs dem sogenannten Zwiespalt in der sozilildemokratischen Fraktio» bemerkte her Herr Haser, clever zum Schluß etwa folgende»: Wa« ist denn dieser Zwiespall und diese den« Temperamente, 2o verschiedene Chaiakteie! Daß da bei %%% ßtamm und haben als Ziel im Auge. und die Arbcttclfraae zu lSsen. Ich gii braoe Soldaten in dem großen Lefreiun (Stürmischer Beifall.) Mit einem Hoch_ demolratie, in welches die Versammlung Ich glaube, wir find aÜcsamwt ZefteiungSlrieae der Menschheit! die deutsch« Sozial- begeistert einstimmte, _„............... der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter. Bezugnehmend auf unseren Aufruf vom Dezember vorigen JahreS fordem wir diejenigen Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstände find, auf, dieselben schleunigst an unsere Zahlstellen abzuführen. Gegen die Mitglieder, welche AuSführungei fand einstimmige schloß der Vorfitzende die Versammlung. Zentral- Kranken- und Sterbekasse und erhalten bat— ersuchen wir die ihrer Arbeiter, welche vor- die Mitgliedsbücher nachzu- „ der betr. Arbeiter der Kasse angehört, und hauptsächlich ob derselbe auch seine Beiträge be< zahlt: es könnte sonst leicht der Fall eintreten, wenn derselbe keine Stundung beantrag in Anwendung zu bringen. Desgleichen Herren Arbeitgeber, bei denieniger geben, obiger Kasse anzugehören, sehen, und fich zu überzeugen, ob glied bei unS kunaSfalle die Berlin. daß daS"Mit. ier im Erkran- gestrichen ist und der Arbeitgeber...-------- 'urkosten zu zahlen hat.— Die OrtSverwallung den 14. d. M., fand dei Herrn Nieder eine lgender Tagesordnung: rt: Reichitagsabgeord- ich die Charlottenburger _. J)o8 Branntweinmonopol. Referent......—. neter Herr Liebknecht. 2. Wie stellen fich die Charlottenburger Arbeiter zum Arbeiterverein? 3. Vorleauna der Petition an den Magistrat und die Stadtverordneten.Versammlung betreffs Errichtung einer städtischen SanitätSwache und VolkS-Bade- anstatt. Da der Referent Herr Reichstagsabgeordneter Liebknecht leider am Erscheinen verhindert war, übernahm Herr OSkar Krohm das Referat über das Branntweinmonopol, welches er in sachlicher Weiser kritifirte und namentlich die Stellungen der verschiedenen Parteim dazu beleuchtete, wobei er aleichzcitig auf deren Stellung zum Sozialistengesetz hinwies. Di« Ver- sammlung zollte dem Referenten ledhastm Beifall für seine im. Eine dem Referat entsprechende Resolution Annahme. In der Resolution spricht die Volksversammlung zugleich ihr Bedauern darüber auS.daß kein Mitglied der soz'aldemokratischen RrichstagSfraktion in der Ver- sammlung erschienen sei. Zum zweiten Punkt der Tagesord- nung entspann fich eine lebhafte Debatte zwischm den Herren Krohm, Gehrke, Schacht und den L-itern der Versammlung über den alten Verein, der den Namen„Arbeiterverein deS Wahlkreises Teltow-BeeSkow-Stolkow Charlottenburg" führt, und über die Stellung der Arbeiter CharlottenbmgS zu diesem Verein. In der Debatte traten die Herren Gehrke und Schacht mehrmals gegm Henn Krohm auf, wurdm aber von diesem und dem Leiter der Versammlung widerlegt. Die Gründung eines besonderen Verein? für die kommunalen Interessen Char« lottmburgS wurde abgelehnt und auf dm bestehenden Verein verwiesen. Zum 3. Punkt wurde von Herrn Nieder eine Petition an die städtischen Behördm verlesen und von der Versammlung einstimmig angenommm. An der Debatte dar- über betheiliaten fich die Herren Krohm, Gehrke, Schacht und Nieder. Mir einem dreifachen Hoch auf die deutsche Arbeiterpartei wurde die Versammlung nach 3'/, stündiger Dauer von Herrn Nieder geschloffen. * Demokratischer Verein in Berlin. Gedächtnißfeier zur Erinnnerung an dm 18. März. Donnerstag, AbmdS 81/» Uhr. in dm Arminhallm, Kommandantmstr. 20(Garten- Saal), Ansprachm. * Arbeiterinnen-Verein. Versammlung am Donnerstag, dm 18. d. M-, Abends 8V> Uhr, in Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79. Vorfrag deS Herrn Limp recht. Thema: DaS Volkslied.— Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. * Verband deutscher Zimmerleute.(Lokalverband Süd und Umgegend). Versammlung am Donnerstag, dm 18. d. M., AbendS 8 Uhr, Martannenstr. 31/32, Jndustriehallen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Betreffs der Delegirten zum Hand- werkertag. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. * Große öffentliche Eisenbahn-Arbeiter- Versamm- lung Freitag, den 19. März, Abends 9 Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 9—10. Tagesordnung: Die Lage der Elsenbahn« Arbeiter. Referent: Herr Kördel. Ardeiter anderer Branchen haben Zutritt. Abgeordnete sämmtlicher Parteien find hierzu eingeladm. * Oeffeutliche Volksversammlung für Krane«»nd Männer heute, Donnerstag, AbendS 8 Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 10. Tagesordnung: Vortrag der Frau Kolbe über „Die Frauenfrage." DiStusfion. Verschiedenes. Letzte Nachrichte«. kfurter FrtedhofS-Affäre wi ndtgung der Beweisaufnahme Zur Frankfurter. det:„Nach Beendigung wall Holdheim, ob dem Angeklagten Meyer wird noch gemel« teweiSlmfnahme fragt RechtSan- „. bekannt war, daß im Hofe der Kommandantur eine Reserve von Polizeimann» schatten aufgestellt worden war; er bitte darüber den Polizei« rath von Hake und den Direktor Langer alS Zeugen zu ver- nehmm. Erfierer deponirt, darüber nichts zu wissen, jedenfalls sei eine solche Anordnung nicht von ihm ausgegangm; Poltzeidirektor Langer erllärt, eine Reserve von 10 Mann sei dorthin gelegt wordm, weil die Möglichkett be- stand, daß der Zug schon am Sterbrhause aufgelöst werdm müßte, wegm evenweller Vorgänge auf dem Friedhof sei jme Reserve nicht bestellt worden. Schutzmann Kern erklärte eidlich, daß der Kommissar M-ycr nicht nur den Gebrauch der Waffe, sondem auch die Mitnahme scharf geladener Revolver befohlen habe. Der Angeklagte stellt di-S m Abrede, worauf der Zeuge erwiderte, er lüge nicht, ohne den Befehl des Kommissars hätte er die Schußwaffen nicht an die Schutzleute Georg und Nolle vertheilt, eS habe der strikte Befehl zur Mitnahme der Schußwaffen vorgelegm. Der Schutzmann Weiter, welcher die vor dem Friedhofe aufgestellte berittme Schutzmannschaft kommandirte, behauptet, er und seine Leute hätten dm Säbel gezogen, aber nicht in die Aktion eingegriffen. Die Zeugenvemehmung ist hiermit geschlossen. Der Staats« anwalt stellt nach eivstündiger Rede den Sttafanttaa und zwar legen Meyer 3 Monate Gefängniß, gegm den Schutzmann sw» u«tawuwsi, vü/HuziyuvBf bvHv" vv" "gleit auf 2 Monate, gegm dm Schutzmann Hohmann auf 3 Wochen, gegm den Schutzmann Schweiger auf 5 Tage und gegm Leymdecker auf 6 Wochen." Theater. Donnerstag, den 18. März. OVerahant. Alessandro Stradella. roman- tische Oper in 3 Adtheilungen mit Tanz von SchmrsptelhauS. WaS ihr wollt! Lustspiel in 4 Allen von Shakespeare. Deutsche« Theater. Da» Käthchm von Heil- Wallner-Theater. Gastspiel des Herm Ernesto Rosst. Der Königslieutenant. Restbenz- Theater Denis«. Schauspiel in 4 Allen von A. DumaS(Sohn). »elle-Alltaaee-Theater. Gastspiel deS Herm IWkr. Der Zigeunerbaron, von Foh. Strauß. ichmde Berlin. ___ Zigeunerbaron. �, Walhalla- Theater. Das Hellere« au» der Berliner mit Gesang und Tan und 3 Akten von Fako.,...——. Lonisenftädttsche« Theater. Abracadabra. Eentral-Theater. Der Stabs- Trompeter. Viktoria-Theater. Große Volks-- Versammlung am Freitag, den 19. März, AbmdS 8 Ubr, in D-nackh« Lokal, All-Moabit 89—90. Tagesordnung: 1. Das Wahlgesetz zum Deutschen Reichstage. Refermt: Reichstags- Abgeordneter Herr W. Hasenclever.[1030 2. DiSkusfion. Zur Deckung der Unkostm Entree nach Be- lieben. Der Einderufer. E. Bley, Bandelftraße 32. Ostend- Theater. Pflegekind. ffalina. Der Leiermann und sein Große Speziallläten- American- Theater. Borstellung. Theater der Reich«halle«. Große Speziali. Kaufmann'« Variete. Große Spezmlitätm- Borstellung. Konkordta. Große Spezialitätm-Vorstellung. Alhambra-Theatör. Wallnertheaterstraße 15.[851 Heute und folgende Tage: Der Dämon des Spiels. Volksschauspiel mit Gesang in 4 Allen. Bor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapeke. �*• ÄÄ"®' Anfang de» Konzert« Sonntags 8 Uhr, der Vorstellung 7V, Uhr. SgjSÄÄÄÄL 'Äsr1"® f ornien. Baden-Heidelberg, fitmftanj, Wiesbaden»c. Hertha-Reise.» Reise 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Alle Freunde und Bekannte mache auf mein Weiß- uud Bairisch- Bier-Lokal aufmerksam. Bairisch-Bier« Seidel 10 Pfg., Weiße 20 Pfg. Achtungsvoll C. Pfister, 1032] Waldemarstrasse 61. Dienstag, den 16. d. M, verschied nach lan- em, schwerem Krankmlager unser Kollege, der klaviaturtischler Wilhelm Schnellte«. Die Beerdigung findet Sonntag. den21.d. M., Vormittag» 11 Uhr, von der Leichenhalle der Thomas-Kirchengemeinde, Britzer Chaussee, auS statt. Die Kollegen J1026 der Neumeyerffchm Pianoforte'Fabrik. «rohe Meider-Nnsiimmlu«« heute, Donnerstag, den 18. März, AbdS. 8V» Uhr, im Deutsche« Nereinohanst, Wilhelmstr. 118. TageS-Ordnung:[1028 1.„Die heutige Produktionsweise und ihre Erscheinungen." Refermt: Herr Reichstags- Abgeordneter W. Pfannkuch. 2. Die neuen Geschäfte in der Friedrichstadt. 3. Ecgänzungswahl der Lohnkommisston. Um zahlreichen Besuch bittet Die Lohn-Kommission. Große öffentlich» Eisenbahn-Arbeiter- Versammlung Freitag, dm 19. März, AbendS 9 Ubr in der„Mrimia", Wrangel-Sttaße Nr. 9—10. TageS-Ordnung: Die Lage der Eisenbahn-Arbeiter. Refermt Herr Kördel.[1029 Arbeiter anderer Branchen haben Zutritt. Große öffentliche Volksversammlung Freitag, den 19. Märf. Abend» 8 Dhr, im Lokale des Herrn Keller, Andreasstr. 21, TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Herm ReichStagSabgeordnetm Behel über:„DU lUfadst« ttttfe Wirkungen der Krisen und dU Sozialreform." 2. Diskussion.[1027 _ Der«inbernfe». Einem geehrten Publikum empfehle mein W e i ß- und%%%%? sowie Mittagstisch m. 12 biS 2 Uhr, mit Bier i Kouvert 50 Pf. Arbeltsnachwela für Klarier arkelter."WW Achtungsvoll, Hermann Stramm, Restaurateur, Skali�erstr. 18. Möbel-, Sopha- n. Matratzen-Fabrik J A. Schulz, Wasserthorstr. 34(auch Theilzahluug). Reichhalt. Abendtisch. Zu jeder Tageszeit: Könissberger & Portion 25 427 KaiiM-Mer-LM Geffentliche Dersammlnng des Flichveeeiss sihmnll n tzolchfit- dettiigs Meschiita deschSstgi Aedettee Sonntag, dm 21. d. M„ 10'/» Uhr, Köpntcker- straße 158. T-O-: Vortrag, Verschiedenes. Um zahlreiche» Erscheinen ersucht Der Vorstand. Gäste willkommen._[1022 Oeffealliiht©nittnng über gesammelte Gelder für die streilmdm Knopfarbeiter Berlins im Bettage von M. 38,16, welche die Tellersammluna ver öffentlichm Volkssammlung am 16. d. MtS. in Sanssouci ergab, erhallen zu haben, bescheinigt[1031 Der Vorstand. nttalstr.38 C1. Sodtk©. Admiralstr. 88 iräfttge Bouillon von 10 Uhr ab» 15 Vf. SÄrÄXÄÄ- mch nach- Belieben. Billig und kräfttg.[939 Saehlam» Anhllem. Donnerstag, den 18. 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Femer den GerichtSsaal Hamburgs, darunter die humoristisch aeschildertm, hochinteressantm polizeigerichtltchen Fälle;— den auswärtigen GerichtSsaal;— die Lokal-Chronik, in welcher alle in Hamburg und auf Hamburger Gebiet vorkommmdeu Ereignisse, Unglücks- fälle, Verbrechen und sonstige Stadtneuigkeitm in wabrheitsgetrmer und oft pikanter Weise mitgetheilt werdm;— die beliebten„historischen Skizzen aller Länder", sowie„au» alter Städte Chroniken";—„Hamburger DöhnjeS",—„Typen au» dem allen Ham- bürg";„jüdische Geschichten";— die komische Tutti Frutti-Zeitung; Berichte auS der weiten Welt;— Artikel über vaterstädtische und allgemeine Angelegenheiten, Börse und Handel ic.— und für die immer zahlreicher werdmdm Leser auf dem Lande: Kleine Zeltnnc für den l-andmunn(Agrikultur-Berichte, Getreidepreise,„Technische Mittheilungen" u. s. w.)— Im Feuilleton findet der Leser, außer der Gallerte höchst interessanter Justizmorde(die fortgesetzt wird), Oliginal-Kriminal- Novellen der berühmtesten Autoren, Gedichte, Kunstkritu» Männer c.— Jede Sonntag« Nummer enthält die beliebte Laterne von Hamburg. hat.— In einem Briefkasten wird jedem Leser Rath und Auskunft ertheilt.— Den Lösern der allwöchentlich in der„Tribüne" erschetnendm„Preiiräthsel" bietet fid und andere Todelschau berühmter fich Ge- machtvoll künstlerisch auS« gfachm, reichen JnhalleS, vierteljährliche legmheit zur unentaelllichm Erwerbung von„Prämien" in v geführten„Ocldruckbildcrn" bestehmd!— Trotz diese» mannif zumal durchweg Original, wie ihn kein zweites Blatt bietet, deträgt der. AbonnemmtSpreiS der täglich erscheinenden Zeitung nur 3 Mark 90 Pfg., also pr. Rummer nur 5 Pfg. Die„Hamburg-Altonaer Tribüne" erfreut fich bekanntlich der allgemeinsten Beliebtheit und ist unbestrittm die gemgelesenste, wellverbreitetste Zeitung der zweitgrößten Stadt Dmtschland». Sie empfiehlt fich deshalb auch sehr zu Inserate« aller Art, die, per Zeile mit 80 Pfg.— im Reklammtheil mit 1 Mk.— derechnet, die welleste Verbreitung finden. Grpeditione« werden gegen hohe Prooifion in allen Städten, Flecken und Dörfern errichtet und belieben fich Rrfiektanten, wozu fich namentlich Gemeindeboten, Wirthe, Buch- und Papierhandlungen>c. eignen, in portofreien Briefm an die Expedition der Hamburg-Allonaer„Tribüne" zu wendm. Verlag der Hamburg-Altonaer„Tribüne" 1021] in Hamburg. Deutsche Kunstgewerbe-Lotterie, 1.-4. 5! 5000 Gew. im Gesammtw. von 62 900 M. Oripsl-Loose 1 1t 11 Loose 10 HL 910] empfiehlt und versendet, so lange der Vorrath reicht _ General-Debi« II N.B. 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