Kr. 66. Freitag, de« 19. März 1886. HI. Jahrg. ellimVMIM Krga» snr die Interessen der Ardeitcr. ♦ Abonnement»-(Einfodimg. Unser geehrten auswärtigen Abonnenien ersucken wir höflichst, das Abonnement pro 2. Quartal 1886 auf das „Kerltnrr Dolksvlatt" mit der Gratisbeilage „Illnstrirtes Sonntagsblatt" baldigst, jedenfalls so rechtzeitig aufzugeben, daß ihnen eine Nachzahlung von 10 Pf. Etrafbestellgelv erspart bleibt. Außerdem wird durch eine verspätete Bestellung die regelmäßige Zusendung der Zeitung unterbrochen. Der AbonnementSpreii für daS„Berliner Volksblatt' *W-■"*? ÄU p„ 9(,.«W ,886 bei allen Reichspostanstallen. Die Expedition de»„Berliner Volksblatt". Berlin 8W., Zimmerstraße 44. Ei« wichtiz« IrKmiiIliß. Wir lesen in einem konservativen Blatte: „Man muß bekenne», daß in Deutschland die Arbeit»� eiustellungea im Tanze» friedlich verlaufe« und, wie b,i dem vorjährige» Maure» streik in Berlin oder dem Former streik in Leipzig, höchstens einige EinschüchterungS- versuche der Arbeitswilligen durch Streikeode vorkommen, so nehme» die Streiks bei den»omanischen Völkern fast immer den Charakter von Tewaltthätigkeiten an." Wir freuen uns aufrichtig über dieses Bekenntniß; deshalb wollen wir auch kurz die Gründe angeben, w e s- halb in Deutschland die Strrikt sich von Thätlichkeite» ferne halten, weshalb die deutsche» Arbeiter nicht so leicht bei Arbeitseinstellungen zu äußeren Gewaltmitteln greife«, wie die Arbeiter in den romanischen Länder«. Ganz abgesehen davon, daß die Romanen überhaupt heißere« Blut, die Germanen größere Besonnenheit besitzen, liegt der Grund für da« Verhalte« der deutschen Arbeiter bei Streiks in der bessere« Erkenntniß der eigene» Lage und in der bessere» Organisa« tio» derselben. Seit Zahre» haben wir in Deutschland eine Arbeiter beweguvg, welche sich trotz de» jetzt zum Oberreichsanwalt avanzirten früheren ersten Staatsanwalt« in Berlin, de« Herr» Tessenvorff, und trotz des Sozialistengesetzes noch immer eine» innigen Zukammenhang« erfreut, wenngleich die äußere Organisation zerstört ist. I» keinem Lande der Welt werden die Arbeiter, so« weit sie sich überhaupt um ihre gemeinsame Lage bekümmern, gfeuiflfctono Der Trödler. Roman von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) .Zustu»!"— begann die Frau leise und gepreßt, »sag's nur!— Uns ist auch gekündigt!' „O vermaledeit I!' .Zustu«, um Gottes willen I— O,«rcht d,e alte Heftigkeit, ich bitte Dich l'.. ä � v .Hast recht! Will nicht gleich einem HanSwurft wre der da oben rasen!— Za, uo» ist gekündigt l Hennings schreibt, n brauche fortan alle Räume für'« Geschäft und wolle über« dem sein Hau« von Zwistigkeite« und kleine« Muthern rem habe» l"— _.Siehst Du wohl? Hab' ich'« nicht immer gefürchtet? Die Geschichte von vorgestern hat das zu Wege gebracht!— Gort, ich will ja nicht schelte«, Mann! Aber Derne un« !?lige Bitterkeit und Spottlust. Dein Groll und Aerger. den Du an allen Leuten ausläßt, bringe« un« ganz m« Elend I früher war'S Dein—". _„Dein-! Nu«, willst Du's nicht beenden. Frau? Hast Du nicht das Her, dazu?- Bring'«ich nur nicht r3-i Wen auf de» weißen Nacken der«leinen, dre mt ver« Z«Äft und waakeod.„Ich will nur nachdenke«, es— es ,tb sich schon ein« Auskunft finden!" durch die gleiche» Ideen, durch da« gleiche Strebe« so fest mit einander verbunden, wie in Deutschland. Die Macht der Zdee, die Arbeiterklaffe aus ihre» gegenwärrigen Banden zu erlösen, übt eine derartig heilsame Wirkung auf die einzelne« Arbeiter, daß sie sich schämen, Rohheiten und unnütze Gewaltihätigkeiten zu verüben, und so sind durch die Arbeiterbewegung in Deutschland die Arbeiter selbst verständiger und gesitteter geworden. Man braucht sich nur in die Zeiten vor 25 Zahre» zurückzudenken, wo noch das HerbergSwesen herrschte und die Arbeiter und Gesellen sich lediglich an einzelnen über« flüssigen Formen, am«arlenspiel und an der Flasche er» götzte». Und hatte man sich genügend daran ergötzt, so war e« ein verlorener Tag, wenn die Arbeitskollege» sich nicht ordentlich die Köpfe wund schlugen. Z» jener Zeit wäre e« wahrscheinlich auch bei Streik«, die aber gesetzlich verboten waren, zu Gewaltthätigkeite» ge« kommen. Seitdem aber die Arbeiter zum Nachdenke» gelangt sind — besonder« in Folge der sozialdemokra« tische» Agitation, wie kein Mensch leugnen kann— da wissen sie, daß sie Bessere« ihm» können, al« sich gegen« seitig und anderen Leuten die Köpfe einzuschlage«. Man sieht da« am besten daran, daß dort, wo der sozial« Gedanke»och keine starke« Wurzeln geschlagen hat, z. B. im streng katholischen Oberschlesie« am ehestm Ge waltlhätigkeiten feiten« der Arbeiter vorkomme». Ueber> Haupt geschehen dort, wo die sozialistische Bewegung am meisten ausgebreitet ist, wen» man dabei die andere» ein schlägige» Verhältnisse unparteiisch in« Auge faßt, ver« hältnißmnhig die»venigsten Verbrechen gegen Leib und Lebe» der Nebenmenschen. Es ist da» auch nicht so unverständlich. Der Sozial!« muS will ja im Grunde doch nicht« andere« sein, al« ein Evangelium deS Frieden«. Und die Kämpfe, welche nun einmal nothwendig sind, solle« doch in erster Linie Kämpfe deS Geistes sein, sie sollen aber unter keine« Umstände« ihrer selbst wegen auSgefochten werden— daS ist zuge« standenerwaßen sozialistische Lehre. Durch solche Erkenntniß aber werde« die Gewaltthätig keiten leicht zurückgedrängt. Nebe» der Weckung des sozialen Gedanken«,«eben dem Bewußtsein gemeinsamer geistiger Arbeit der deutschen Ar beiter zur Eiringung hoher Ziele, sind eS aber auch nicht in letzter-Linie die FachvereinSorganisatione«, welche strenge darüber wachen, daß besonder» bei Streiks keinerlei Ausschreitungen ihrer Mitglieder vorkommen. Diese gewerkschaftliche« Organisationen, die den Zweck Christine schüttelte den Kopf.— Zeder ging an sei» Tagewerk, ohne gefrühstückt zu haben. Später zog sich Schätzlei« an und machte einige Besorgungen ab, wahr« scheinlich suchte er Rath zu schaffen, um da« bevorstehende Uebel erträglicher zu machen. Er kam mißmuthig und un« verrichteter Sache wieder. Zu Mittag wurden auch nur ei« paar Bissen gegessen, kaum daß man nach Tisch wenige karge Worte wechselte. Wußte doch Keiner, wa« er dem Andern sagen sollte, ohne auf die unglückselige Geschichte »kommen.— fing bereits zu dunkel« an, im Keller war's Nacht. Die Verkäufer schloffen ihre Schräge», Christine brachte ihr Töchterchen zu Bett. Ach, wohl nie ward ein Vater» unser mit größerer Bangigkeit gesprochen.— Zustu« stand auf der unterste» Treppenstufe und starrte empor in da» schwärzliche Himmelsblau, grübelte und zerplagte sein Hirn. — Da« Treiben de« Tage» hatte aufgehört, einzelne Wagen rasselten vorüber, und leise, wie au« einem Grabe, erscholl die Stimme seiner Frau, welche Mathilde» in de« Schlummer sang. War schon sür Pinkert, de» Posamentier, die Kündigung ei« unberechenbarer Nachtheil für sein Geschäft, war sie für Zustu« geradezu ein Verderbe«. AuS dem äußersten Elend hatte er sich mit seiner Familie in so weit herausgearbeitet, um eine» kleinen Handel mit jenen Bagatellen zu beginnen, welche Andere wegwarfen, al« nutzlos, schlecht und überlästia für ei«e Kleinigkeit hingaben: Lumpen, Glasscherbe», alte» Eisen u. s. w. Nur durch den größten Fleiß gelang es ihm, sich u erhalte«, ja nach und nach feine Lebenslage etwas zu >essern, sein Geschäft auf edlere und werthvollere Dinge zu erstrecken. De« bedeutendsten Erfolg seiner Bemühungen hatte er aber nicht sowohl seiner Thätigkeit, al« der über« au« glücklichen und bequeme» Lage seines Keller« zu danken, der, vom lebendiqen Verkehr des Markte«, de« kleinen Bür« gerthum« und Gewerbes umwogt, eine« Anlauf für alle Diejenige» bot, welche dergleichen alte Dinge kauften und verkauften. Da« war nunmehr durch die Kündigung abge« schnitten! 3« einem entfernten, stilleren Stadttheil war Zustu«' Untergang vorauszusehen und die Hoffnung, i« der haben, die Arbeiter vor Allem auf die nächstliegcn- de» Forderunge« zum Nutze» der Arbeiterklasse auf- merksam zu machen, lassen es in Deutschland im Großen und Ganze« auch nicht daran fehlen, in ihren Mitgliedern den ideale» Gedanke» an die allgemeine Erlösung der Arbeit vom Druck« des Kapitals zu nähre» und aufrecht zu erhalte«. Dadurch werden die Arbeiter geistig und sittlich ge- hoben. Sie werden abgelenkt vom Egoismus und an Ge- meingefühl gewöhnt. Geistige und sittliche Hebung aber ist da« beste Gegengewicht der Brutalität, organisatorische Erziehung hält auch die wildesten Elemente von Gewalt- thätigkeiten zurück. Also die Erziehung der deutschen Arbeiterwelt zur so- zialen Erkenntniß und zu verständige« Organisationen, dus ist der Grund, weshalb die deutschen Arbeiter in ruhiger und verständiger Entschlossenheit, mit der sie auch ihre weitere«, ferneren Ziele anstrebe«, sich bei ArbeitSeinstellun- gen bewege«. Möge in dieser Hinsicht die gute deutsche Art sich in immer weiteren Kreisen geltend machen, zum Heile der ganzen Menschheit. Täuschung. Politische Weberstcht. tiung. Die Berliner„VolkSzeituna" „Volkszeitung m Illg.Ztq." folg haben d i e Soziäl'Reformen, welche die Reo bessern bieten kann, für„Krimskrams" erklärt gegenüber Sozial-Reformen, welche der Liberalismus Und hierüber findMß längst vollkommen befindet sich da in vollkommener Täuschung. allerdings darüber klar, daß die Sozial-Reformen, schreibt in einer Polemik gegen die„Nordd. Allg.Ztg." folgendes:„Wir laben die Sozial-Reformen, welche die Reaktion den Ar- den ihnen bietet. find . welche „KrimSkramS" find, hnen Reaktion und Liberalismus bieten, aber, vaß fie dabei den liberalen Sozial-Reformen, die wohl im Monde liegen mögen, da sie uns unbekannt find, den Vor- zug geben, davon haben wir nichts gehört. Wir möchten übri- genS gern wissen, welche Sozial-Reformen die„Volkszeitung" meint, die den Arbeitern der Lideralismus bietet. Meint daS Blatt die dem Liberalismus vor zirka 18 Jahren in den Schooß geworfenen„Errungenschaften", wie Freizügigkeit, Ge- werbefreiheit u. s. w., so find wir ja mit denselben völlig ein- verstanden, aber daS find doch keine Sozial-Reformen, welche der Liberalismus den Arbeitern bietet. Gerade der Kapi- taliSmus ist eS, der in erster Linie bei diesen„Sozial- Reformen" da« Schäfchen geschoren hat. Diese sozialen Re- formen wurden nebenbei dem Liberalismus damals auf dem Präsentirteller entgegengebracht, worauf derselbe als Aequivalent der Regierung die polttifche Freihkit opferte. Dank find deshalb die Arbeiter dem Liberalismus nicht fchulvig. Für die der wirthfchaftlichen Herrschaft dcs Liberalismus günstigen Gesetze in den Jahren 1868—1878, eigentliche» Geschäftsgegend ein geeignete« Lokal zu finden, eitel und haltlos. Alle verzweifelten Empfindungen, die den Gatte« und Vater in de» Stunden drückendster Nah- rungssorgen überkommen mögen, durchschüttelte« ihn fieberhaft, und der kalte Schweiß perlte von seiner Stirn. Zu Henning« zu gehe« und um Zurücknahme der Auf- kündigung zu bitte«, erschien ihm eben so fruchtlos wie lächerlich. Henning« war jovial, wo er sich nrcht genirt oder beeinträchtigt fand, beides aber war hier der Fall, da» fühlte Schätzlei». Ueberdem hatte der reiche Kaufmann seine sehr ernsten, rücksichtslose» Seite«, vollständige Gleich, giltigkeit gegen die Gefühle kleiner Leute und eisernes Bestehe« auf seinen einmaligen Beschlüssen. Die Art, wie er diese seine Obergewalt geltend zu machen pfleg, e, war um so schmerzvoller, als er feine Verfügungen mit einer trockea-scherzhaften Laune traf und alle Dinge al« Kleinig. leite« behandelte, welche er zweimal in den Mund zu nehmen zu vornehm war.— So stierte Schätzlein vor sich hin. Die grauenvollsten Bilder thürmten sich in seiner Einbildungskraft auf und gepreßte Seufzer stiege« empor i« den mächtigen Sternen- räum. Er fuhr jäh empor, al« ein Lehrling Henning«' die Hausthür aufriß und todtenbleich schrie:„Heiliger Sott," die Cholera!" „Halt!" rief Zustu» und wollte den vorübereilenden Zungen fasse«. »Ich muß zum Doktor l" keuchte der Bube und rannte davon. Schätzlein, au« dem Keller tretend, bemerkte nunmehr wie Hennings' Lade« i« größter Eile geschlossen wurde' Ein Kommi«, welcher de« Hut aufstülpend vorbeilief sagte- „Der Herr hat eben die Cholera gekriegt, ich muß auf die Polizei!' Schätzlein's Miene blieb unverändert. Nur ei» leiser Zug verhaltener Ironie glitt wie ein Hauch über sein Ge- ficht.— Er ging rasch hinab in den Keller. „Christine," und er legte die Hand auf die Schulter seiner Frau..Du wirst vernünfttg sein und thun, wa« ich befehle. Gott läßt e« vielleicht zu unser« Heil ausschlagen. welche wohl mit dem Namen„Eozial-Reformcn für die Ar« deiter" von den liberalen Blättern bezeichnet werden möchten, haben wir— um nur einige Punkte zu berühren— durch die Michilfe der Liberalen das M i l i t ä r s e p t e n n a t, den Kulturkampf und daS Sozialistengesetz erhalten, wodurch der politischen Reaktion Thür und Thor geöffnet worden ist. Deshalb geziemt es sich nicht für den LiberaliS- muS, fich aufS Hobe Roß zu setzen. Mag die„Volktzeitung" für fich in Anspruch nehmen, daß fit ad und zu verständige sozial� reformal orische Vorschläge unterstützt habe und der polt- tischen Reaktion scharf entgegengetreten sei, dieS aber auf den Liberalismus ausdehnen zu wollen, ist vollständig unrichtig und Urs unverständlich. Wir wiederholen, daß die„Volks- zeitung" dabei im Jrrthum über die Anschauungen der Arbeiter befangen ist.—„Reaktionäre Sozial-Reformen",„liberale So- zial' Reformen"— wir erinnern an den SchlußverS deS be- kannten Heineschen GedichtS:„Disputation". Eben hatten wir Vorstehende» geschrieben, alS wir die neueste Nummer der„Volkszeitung" zu Gestcht bekamen. AuS derselben hören wir, daß die sozialen Reformen, welche der Liberalismus seinen Grundsätzen gemäß den arbeitenden Klaffen biete, in folgendem bestehe:„unbeschränkte Preß-, Vereins- und Koalitionsfreiheit für die Männer, sowie eine schützende Gesetzgebung für grauen und Kinder."— Diese letztere befürworten übrigens mindestens ebenso warm wie der Liberalismus die übrigen Parteien, und auch Reaktionäre, wie v. Kleist- Retzow u.rd Etöcker, stehen auf dem Standpunkte„einer schützenden Gesetzgebung für Frauen und Kinder. WaS nun abrr die sozialen Reformen für die Männer der arbeitenden Klaffen anbelangt, so kann man doch Preßfreiheit und VereinSfeeiheit nicht soziale Reformen nennen, eS find politische Errungenschaften, welche aber mindestens ebenso sehr der libe« ralen Bourgeoisie zu Gute gekommen find, als den arbei- tenden Klaffen. Bleibt nur noch da« KoalittonSrecht, ganz gewiß eine durch den Liberalismus mit er- kämpfte Sozial- Reform von nicht zu unterschätzen- dcr Bedeutung. Aber, aber— gerade derselbe Liberalismus hat ja diese Sozialreform, hat ja die beiden politischen Errungenschaften, Preß- und VereinSrecht, durch seine Zustimmung zum Sozialistengesetz vollständig wieder auf« gehoben! WaS soll also jetzt daS Prahlen? Wir wissen wohl, daß die„Volkszeitung" jederzeit eine energische Gegnerin deS Sozialistengesetzes war, wir wissen auch, daß sie manchmal ernsthafte Anläufe zu einer verständigen Sozialreform gemacht bat, aber deshalb gerade ist es uns nicht verständlich, daß sie fich jetzt mit dem Liberalismus identifizirt. Oder sollte fie ihre seither innegehaltenen demokratischen Bahnen verlassen wollen? DaS wäre weder brav von ihr, noch klug. Die Verdoppelung der Lotterieloose ist im vreußi- schen Abgeorvnetenhause vorgestern mit 191 gegen 131 Stimmen bischlossm"worden. Die Regierung hatte schon im vorigen Jahre erklärt, daß sie einer solchen Vermehrung zustimmen werde. DmalS wurde dieselbe bekanntlich noch mit einer Mehrheit»on 10 Stimmen abgelehnt. Die Verstärkung der konservalioen Parteien durch die letzten Wahlen bat nun- mehr die Mehrheit in eine Minderheit verwandelt. Die kon- servative Partei betont zwar bei jeter Gelegenheit ihren „moralischen" Standpunkt, fie läßt aber gem alle Bedenken schwinden, wenn eS fich um neue Einnahmen für eine konfer« vatioe Regierung handelt. Herr v. Rauchbaupt, früher ein Gegner der Vermehrung der Spielgelegenheiten, tritt heute dafür ein— weil der Reichstag lein Branntweinmonopol bc- willigt hat! In dcr That sehr folgerichtig: gewährt der Branntweinteufel nicht daS wöchige Geld, so verschaffen wir «S uns durch Förderung de» Spielteufels!— Wir baden unsere Stellung gegenüber der Lotteriefrage schon so oft dargelegt, daß wir un» auf eine kurze Bemerkung zu dem Beschlüsse deS Abgeordnetenhauses beschränken können. Preußen mag den anderen deutschen Staaten gegenüber insofern im Nachtheile sein, als die Zahl seiner Loose verhältnißmäßig gering ist und alS die anderen Staaten durch Einschmuggclung ihrer Loose von den preußischen Unterthanen beträchtliche Gewinne ziehen, welche fich Preußen entgehen lassen muß. Will man aber dieses unge-'unde Verhäuniß beseitigen, so soll man seitens Preußen nicht die Loose vermehren, sondern die andern Staaten zu einer Einschränkung ihrer Lotterien zu bewegen ver- suchen, um einer späteren gänzlichen Beseitigung des nicht genug zu verurtheilenden öffentlichen Glücksspiels die Wege zu bahnen. Je mehr Loose, je größer der Staatsgewinn auS der Lotterie, desto schwieriger wird einst die Abschaffung sein. DaS wissen unsere Konservativen recht wohl und die beutige Begründung ihres Beschlusses ist daher nichts wie Heuchelei: fie wollen die Lotterie nicht beseitigen. Wegen de» sozial-reformatorische« Unterlassung»« sündeu der Retchsregierung gehen die konservativen„Dies- dener Nachr." scharf mit derselben ins Gericht. In Bezug auf die Anträge zur Arbetterschutzgesctzgebung sagt daS Blatt, daß der Widerstand der ReichSregierung es verschulde, daß alle» wahrscheinlich im Sande verläuft.„Der BundeSrathSvertreter ist unermüdlich, in der ReichStagSkommisfion die Schwierig« Eben wird Henning'S Lade« geschlossen, denn er hat die Cholera. Hier hast Du meine Pultschlüflel. ES komme, waS wolle, drinnen ist Geld. Zm Uebrigen ist Gott über un« Allen und weiß, daß Ihr mich nicht entbehren könnt. Ich werde zu dem reiche» Manne, der mir gekündigt hat, gehen und ihm helfe», verstehst Du l So lange— seht Ihr mich nicht!" „Justus! Lieber, einziger Justus!—" „Kein Wort! Ich fürchte mich nicht, und nur wer Angst hat wird krank, ich weiß es. Leb' wohl, der Himmel erhalt' Euch. Ich komm' wieder, Christel, verlaß Dich drauf!" Er ergriff ei« paar alte Pferdestriegel, die er zum Verkauf hatte, nrckte«och einmal und eilte hastig au« dem Keller. Christine hätte ihn so gern abgehalten, fortzugehen, doch fie kannte den Eigensinn ihres Mannes.—„Erbarme Dich, mein Schöpfer!" flüsterte fie, als fie ihm nachstarrte. „Ah, e< ist auch Alles Ems!" murmelte sie nach einer Pause dumpf und schloß die Kellerlider. Justu« trat im selbige» Augenblick in Hennings' Laden. — Der damals herrschende Schreck, welcher wirklich an Verrücktheit grenzte, hatte die Hälfte des HeoningS'schen HavdlungSpersonal« bereit« die Flucht ergreifen lasse». Der Rest war ebenfalls in vollem Aufbruch, kaum daß fich die Leute Zeit ließen, den Lade» ordnungsmäßig zu schließen. Johann, der Markthelfer, welcher mit seiner Frau im Hause wohnte, saß stumpf vor Schreck auf einer Zuckerkiste und starrt« blöde vor fich hin, während der alte Buchhalter Schurrig hastig die Tageskasse abschloß und den Schlüssel einsteckte. „Wo liegt der Herr?!" fragte Justu« kurz. „Da drinnen, Schätzlei»!" und die zitternde Hand de« Buchhalters zeigte nach dem Komptoir, in dem ei« trübe« Licht brannte. „Ihr Flegel!" schrie der Trödler wüthead,„und Ihr laßt Euren Brotherr« da liegen. Könnt Ihr ihn nicht hin- auf in sein Bett bringen?" „Ich, ich rühr'» nicht an! Gott bewahre mich, ich rühr'n leiten der Ausführung zu Mildem. Die Manchesterleute haben daran eitel Freude. Eo leicht natürlich wie die Auf- nähme einer neuen Anleihe macht fich's nicht für die Reichs behörden, Gesetze zum Schutze der Arbeiter auszuarbeiten."— Dann bcmerkt da« konservative Blatt weiter:„Wie be« kiagenSwerth ist dcr Widerstand gegen alle Vorschläge zur Schonung der Arbeitskraft! Alle Maßregeln nach dieser R chtung, die Sonntagsruhe, die Beschränkung der Frauenar- deit, da« Verbot der Kinderarbeit>c. eifreuen fich durchaus keiner freundlichen Aufnahme. Ja, wären'« Eteuergesetze, da würde der Wind anders weben; bei Arb.-iterschutzzesctzen hängt AlleS an tausend Ketten und Banden. Selbst daS einziae der sozialen Refoimgesrtze, daS an den jetzigen Reichstag gelangt ist, die Ausdehnung der Unfalloerficheiung auf die Arbeiter in Land- und Forstwirthschaft, dürste kaum zu Stande kommen." — An daS so oft„in Sicht" verkündete AlterverkorgungSgesetz denkt daS konservative Blatt nicht einmal, andernfalls würde feine Anklage noch wuchtiger ausfallen. Wie die Dinge liegen, scheint die Regierung den früheren Eifer für Sozial- Reformen überhaupt verloren zu haben. Wir halten daS für leinen großen Schaden. Zur parlamentarische« Lage. Sin bekannter parlamen- tarischer Korrespondent der deuischsr-ifinnigen„Posener Ztg." ist der Meinung, daß der Reickstag vor Ostern geschloffen würde, da Alles ziemlich klar sei bis auf das Sozialisten- g e s e tz.„In Bezug auf daS letztere", so schreibt daS Blatt weiter,„daS der parlamentarischen Situation seinen Stempel aufdrückt, ist indcß anzunehmen, daß eS bis zum Ende dieses Monats den Reichstag in dritter Lesung vasfirt haben wird, so daß es also der Verabschiedung deS Reichstage» vor Ostern kein Hinderniß in den Weg legen dürfte. Der Ausfall der Reichstagsverdandlungen hinstchtlich deS Sozialistengesetze« hat keinen Einfluß auf die Beendigung der gegenwättigen Sesfion, wohl aber kann er für die spätere Wiederetnverufung des Reichs« tageS von Bedeutung werden.— Wird daS Sozialistengesetz oh, e die Windthorst schen AmmdementS verlängert, dann wird der Reichstag schwerlich vor dem Herbst wieder zusammentreten. Diese Eventualität scheint un« die größte Wahrscheinlichkeit zu haben. Wir find nickt der optimistrschen Meinung, daß fich in dritter Lesung eine Majorität gegen daS Gesetz finden wird. Dies wird in zweiter L-sung allerdings der Fall sein, insofern in dieser zuerst die Windthorst'schen Amendements angenommen und dann daS ganze Gesetz mit den Amendements von der Rechten wie von der Linken abgelehnt werden dürste. In der dritten Lesung aber werden die Konservativen und National- liberalen die Regierungsvorlage wieder herzustellen suchen, und fie werden vielleicht im Zentrum so viel Stimmen finden, als zur Roth erforderlich find, um das Gesetz durchzubringen, wenn fie fich nur mit einer kürzeren Verlängerungsfrist begnügen wollen. D«S Organ deS Herrn Reichskanzlers trägt fich sogar noch mit der Hoffnung, daß es schließlich gelingen werde, die in dem Gesetzentwurf vorgesehene Gtltigkeitsdauer von fünf Jahren, die eine Zeit lang schon ganz aufgegeben war, mit Hilfe deS Zentrums durchzusetzm, gelingt dies nicht, dann wird fich die Regierung ficher auch mir der Verlängerung auf zwei Jahre begnügen.— Unsere Leser wissen, daß wir über den Verlauf der Sozialisten gesetzbcrathun gen unS schon wiederholt in ähnlicher Werse ausgesprochen haben. Eine Ungenouigkeit aber ist in der vorstehenden Mittheilung der„Pos. Ztg." cnt< halten. Bei der zweiten Lesung im Plenum wird nicht über daS gesammte Gesetz abgestimmt, sondern lediglich die einzelnen Paragraphen beraihen. Das im Windthorst'schen Sinne amenditte Gesetz kann deshalb auch in der zweiten Lesung von der vereinigten Rechten und Linken nicht abgelehnt werden. Die Abstimmung über daS ganze Gesetz findet in der dritten Lesung statt. Die Berathung deS Sozialistengesetzes wird Ende nächster Woche beginnen und dann auch werden die Räthsel für diejenigen, bel denen noch Räthtsel vorhanden find, voll- ständig gelöst werden. Die Affatre Echalsch« soll, wie eS scheint, vollständia unter den Tisch fallen. Zuerst nahm der Abg. Wtndlhorst einen so mächtigen Ansatz, als ob er über die Köpfe des BundeSrathS hinweghüpfen wollte, um mit aller Energie die Redefreiheit der Abgeordneten zu vertheidigen. Welcher Knüppel ihm bei dem Anlauf zwischen die Beinchen geworfen worden ist, daS wiffen wir nicht; kurz, der Sprung ist nicht ausgeführt worden und wird auch wohl nicht ausgeführt werden. Die Geschäftsordnungskommission deS Reichstags, der die Angelegenheit zur Berathung überwiesen worden ist, hat noch keine einzige Sitzung gehabt. Ueber da» Schicksal de» Sozialistengesetze» tauchen noch immer sehr widersprechende Urtheiie auf. So schreibt nun« mehr die„Konservative Konespondenz":«Bleibt die Mehrheit des Reichstages auf demselben Standpunkt stehen, welchen ihre Vertteter in der Kommission eingenommen haben, so wird die Verlängerung deS Gesetzes über den 1. Oktober d. I. hinau» abgelehnt, und die Mehrheit deS Reichstages, bestehend aus Zentrum, Fortschritt und Demokraten, trägt die Verantwortung für die weitere Entwickelung der Sachen, weil fie der Regie« rung ein von dieser für wohl bewährt und im Interesse der öffentlichen Ordnung unentbehrlich erklärtes Gesetz hartnäckig nicht an! Ich habe Kinder!" keuchte Schurrig scheu und zog seinen Ueberrock verkehrt an. „So! Hübsche Kerle seid Ihr! Schickt Euch Gott je ein solche? Uebel, mögt Ihr auch so hilflos daliegen, wie er!— Johann, Du Lümmel, willst Du aufstehe», oder soll ich Dir'was an'» Hirn schmeißen. Mach' Feuer in des Herrn Schlafstube, vorwärts! Sie schließen Alles gut zu, Schurrig, und bringen die Ladenschlüssel'rauf oder an «eine Frau, wenn Sie Angst haben. Geht Alle zu« Teufel!!" Damit stürmte Justus um de» Ladentisch im'» Komptoir. Dort lag Henning» beim Mumievsarge an der Erde, mit dem Kopfe auf einem Fensterkissen, das man ihm rasch untergeschoben. Schätzlei» öffnete schnell die Thür, welche «ach dem Hausflur führte, der matt von einer Oellampe erhellt war, und trug den schweren, leblose» Körper Henning«' mit unendlicher Mühe die enge Treppe hinauf. Die Wärterin des kleinen Edmund, sowie Mamsell Grund- man» kamen ihm bleich entgegen. Al« sie aber den Zu- stand deS Kaufmanns sahen, stürzten sie zeternd nach dem Oberstock und ließen die Zimmerthüre» rffen. Zum Glück kam Johann mtt Holz. „Rasch, um Gottes willen, Freund, hflf ihn mir nur hineinbringen. Zwanzig Thaler für süvf Minute» Kourage! Schnell!!"— Johann ermannte sich in so weit, dem Befehl Folge zu leiste». Hennings ward zu Bett gebracht, Schätzlei« riß ihm die Kleider herab und begann den Körper des Kauf- mannS mit de« Striegel» aus Leibeskräften zu bearbeiten, während der Markthelfer einheizte. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Eeben. verweigeit."— Wir glauben an diese hartnäckige Verweigerung nicht! Z« de« Diätenprozesse« liest man in einigen Blättern folgenre Notiz:„In lonservaiiven Abgeordnetenkreisen wül man wiffen. daß der preußische FitkuS, alias M'.st Bismarck, von der Einklaoung der an Reichstagsadgeordnet« gezahlten Parteidiäten Abstand nehmen urd fich mtt der F- widerung des Abg. Grillenberger, der erklärte, daß wohl keine Partei so wie die klerikale in d e n Staaten, wo fie die Matt bätte, an der Siaatskrippe fich vergnüge, und daß da, wo vre StaatSkrippe zu hoch hänge, immer noch die Kiichenkrip»« gerade für die Pattei deS He'rn von Hertling vorhanden fei. Man steht, daß diese Herren ängstlich besorgt find, daß fie W Krivvenprivileqium verlieren könnten. Verdächtigung? Wir hatten vor Kurzem gesagt, M man in RcichetagSkceisen schon die Namen der allerdings sehr wenigen deutschfreifinnigen Abgeordneten nenne, welche bei der Abstimmung über das Sozialistengesetz fehlen würden. Die „Freis. Ztg." rempelt uns dafür sofort wieder an mit dem AuSruf: Verdächtigung! Wir wollen nicht auS der Stu* plaudern, sonst würde die„Freis. Ztg." ihr Anrempeln an anderer Stelle vornehmen muffen. Uevrigers werden wir ja in 14 Tagen genau wiffen, welche deutschfreifinnigen Abgeort- neien bei der Abstimmung gefehlt haben. Die Wahl de» Abg. Eugen Ntchter wird im Reichs tage wahrscheinlich für ungilrig erklätt werden, da eS fick h"' ausgestellt hat, daß das Bürgermeisteramt zu Hagen da» sozialistische Wahllomitee verboten und somit auch noch so gesetzliche Agitation, wie die stzstematische Verb««- tung von Wahlflugblättern und Stimmzetteln verbinbert h«- Der Spezialkollcge deS Henn Richter, Herr Dr. tzäncl Wj im Reichstage eine derartige Wahlbeetnflussung für unplau»' lich und geradezu unerhön und meinte, wenn sich die Wahl' hctt derselben herausstellen würde, daß dann allerdings." selbst wohl gegen die Giltigkeit der Richter' sehen Wahl st""' men müsse. ES ist nun gar nicht unser Wunsch, H«l» Richter vom Reichstage lern zu halten, da rr. trotz seiner so"' stigcn unangenehmen Gepflogenheiten, in finanziellen""" Etatsachen eine nicht zu unterschätzende Kraft ist und au?- wenigstens in letzter Zert, es nicht an einer gewissen Energ" in politischen Fragen feMen läßt. Doch daS PattetintereM steht höher, als alle persönlichen Wünsche. So können denn unseren Lesern auch mit Freuden berichten, daß in"" fortschrittlichen Hochburg des Eugen Richtcr'schen Wahlkreis«- in Gevelsberg der Abg. Harm eine Vol!Soersammlu"z vor einigen Tagen abgehalten bat, die nach der„Elb. Z'g- eine„sehr große" war. Harm sprach über die Thätigkeit v-» Reichstags und erntete großen Beifall. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, nach welcher fie bei de» nächsten Reichstagswahlen für einen Kandidaten der Arbeit"' pariei eintteten will. Eo kann es leicht dazu kommen, der alte fortschrittliche KreiS Hagen bald schon von einem zialdemolratm erobert wird. Wiederum hat eine Eoldatenquälerei ihre Strafe"� dem Geiick~----- Grenadier den lomme.....„,................„.. �............... rohester Weise mißhandelie, wurde vom Kriegsgericht zu""" Gcfängnißstrafe von einem Jahre, sowie Degradation Versetzung in den Soldatenstard zweiler Klaffe verurtheitt- Belgien. Die Regierung hat die Wiedereinführung Todesstrafe abgelehnt. Fsanlreich... Der Ministerrath hat beschlossen, beim Abgeordnetenho" eine Erhöhung der Alkoholsteuer von 156 auf 215 Fi«1"' per Heltoliter zu beantragen. Großbritannien. Die Ministerkrisis ist vorläufig über»»»*"- Chambcrlain und Trevelyrn bleiben im Amte, da Gladsto eine Aenderung seines Planes für Abfindung dcr trU®* GutSbefiycr in Buificht stellte. Chamberlain und Treoelh bemängeln an dem Plane Gladstone'S, daß derselbe l" Garantie für Rückzahlung des zum Anlauf der irischen%, erforderlichen ReichßdarleyenS von 150 Millionen biete. D' wird jedoch nur als Scheineinwand betrachtet; in Wirtli®'. beanstandet Chambcrlain die Herstellung eines irischen W". men«. Unter diesen Umständen ist wenig AuSstcht auf st. Ausgleich vorhanden. Gladstone wird jedoch, glcichvte» RangirzugeS erfaßt. Die Szene, welche fich nun ercig"�' war, nack den Mittbeilungen der„Hamb. Nachr.", fW**. Das Gefährt, auf welchem fich der Butterhändler Karow � zwet Knaben im Alter von 4 und 5 Jahren befanden, w durch die Lokomotive vom Berliner Bahnhof bis na« B({ Klosterihor-Bahnhof geschleift. Einer der Knaben war � Stelle tobt. Der Mann erlitt furchtbare Echädeloerlitz""?� Das zweite Kind kam mit leichten Verletzungen davon- � Mann, welcher sofort nach dem Allgemeinen Krankem) M"* fördert wurde, ist bereits verstorben. Der Unglücksfall 0". � dadurch ereignet, daß durch den Pfiff der Lokomotive das v. plötzlich fckeu geworden und durchgegangen ist. war derartig verletzt, daß eS sofort getövtet werden wußte. � beiden Knaben find Söhne des Wirthes I I.&- fe« Niedcrnstraße unter Nr. 44. Karow, welcher mtt guew freundet ist, bat, ihm die Kleinen mitzugeben. Die � willigten ein, ohne natürlich zu ahnen, daß ein« ihrer* in Folge deffen so bald den Tod finden werde..nI,,„h,ipbt« Beraubung eine» Eisenbahnzuge». AuS meldet man, daß ein westwärts gehender Zug der s» jz) Rock Island Eisenbahn in der Näbe von Joliet(o � beraubt worden ist. Vermummte Räuber drangen�� VCIUUVI U»wtvvi» V.* O, yV. Wagen der Expreß-Gesellschaft ein, schnitten nach einem � zweifelten Kampfe dem Agenten den HalS ab und wuvi. � dem Geldschrank 30000 Dollar«. Es gelang den Rau»«" � entfliehen und auf die Verhaftung derjelben ist eine Bewp von 15 000 Dollar? ausgeschrieben worden. v Au» de« Redaktton«geheimnissen„loyaler» Di« Eine drollige Geschichte erregt in Ulm mel Lacken- »Franks Z,-' �"'M"" Geburtstag JUtge ratgi m»-X anärz, Ztg." berichtet darüber wie folgt:„Am 6- 5" �tiei" ag deS Königs Karl, pflegen_ die.»loyalen Chamberlain und andere Minister zurücktreten, seinen Plan für Lösung der irischen Frage zur Debatte bringen, um nach einer für die Regierung ungünstigen Abstimmung daS Parlament «ufzulösen. Schwede»»vd Norwegen. Nachdem durch die gemeinsame Abstimmung im Reichs« rath die Einfübrung der Getreidezölle verworfen worden ist, haben die Schutzzöllner beschlossen, auf die Industrie- Zölle zu verzichten. Die Trauben hängen nunmehr allzuhoch. R u h l a» d. Ein Heer von Hofscdranzen umgiebt den Zaren «ller Reußen. Amtlichen Mittheilungen zufolge bestand allein die militärische Suite des russtschen Kaisers zu Anfang diese? Lahres aus 271 Offizieren, nämlich 97 Generaladjutanten, €8 Generalmajors» la snite und 106 Flügeladjutanten. Amerika. Wie das„Argentinische Wochenblatt" mittheilt, lassen die gegenwärtigen Zustände in vcn LaPlatastaaten wiederum den Ausbruch neuer politischer Erschütterungen befürchten. Sehr bedrohlich ist namentlich die Lage im Staate Uruguay, wo es an jedem Zutrauen zur Regierung fehlt und die Politik der Eifersucht und dei NeidcS in vollem Maße ihr Wesen treibt. Man fürchtet einen Einfall von Argentinien aus und bereitet stch gegen denselben vor. Afrika. Aus den F i e b e r l ä n d e r n, die jetzt den Deutschen so vielfach zur Annexion und Kolonisation empfohlen werden, kommt nunmehr auch die Nachricht, daß der so wetterfeste Afrikareisende Lieutenant W iß mann schwer ertrankt ist und so bald als möglich nach Europa zurückkehren wird. 1 Gerichts-Zeitung o. k. Die Frankfurter Friedhofs-Affäre vor Gericht. Frankfurt a. M.. 16. März 1886. Zweiter Tag der Verhandlung.(F rtsetzung.) Kunstgärtner Buch: Ich habe bei der Döll'schen Beerdi- gung gekört, wie die Menge dem Polizetkommissar Mryer zu« rief:„Schlagt den Hund todt, werft ihn ins Grab!" u. s. w. Der Aufforderung, auseinander zu gehen, wurde nicht Folge geleistet, dagegen wurde von einigen Schreiern aufgefordert, zu dem 1848sr Denkmal zu ziehen. Ich habe außerhalb des Fried« hosportalL gestanden, habe aber nicht gesehen, daß die reiten- den Schutzleute Jemanden geschlagen habrn. Gärtner Bock: Die Aufforderung des Polizeikcmmissar Meyer zum Auseinandergehen war derartig, daß die Leute hinlänglich Zeit gehabt hätten, stch zu entfernen. Ich habe ganz genau gehört, daß, als Polizetkommissar Meyer die Ver- sammlung als aufgelöst erklärt hatte, Leyendecker seine Rede noch foitsetzte.— Präs.: Haben Sie die Schutzleute mit den Säbeln schlagen sehen?— Zeuge: Jawobl— Präs.: Sind Sie auch geschlagen worden?— Zeuge: Nein.— Venh eidiger R. A. Dr. Eppstein: Wieso kam eS, daß Sie nicht geschlagen wurden Y— Zeuge: Ich befand mich in meiner Gärtnerklei- dung, jedenfalls wurde ich deshalb von den Scheutzleuten ge- schont.— Verth. R.'A. Dr. Meyer: Ist eS dem Zeugen de« kannt, daß bei der Döll'schen Beerdigungder Skandal so groß war, daß der Abgeordnete Frohme die Menge zur Ruhe auf« forderte Y— Zeuge: Jawobl.,„ � m Privatier Schnaufer: Ich habe außerhalb des Portals ge- standen und habe nicht gesehen, daß von den rettenden Schutz- lcuten Jemand geschlagen wurde. ES erscheinen alsdann mehrere Zeugen, die die Depostta dcS Bauunternehmer Henß bestätigen. Schneider Hefe: In demselben Moment, als die Auf« forderung zum Auseinandergehen erfolgt war, blitzten auch schon die Säbel und die Schutzleute schlugen auf Alles ein, waS ihnen in den Weg kam. Ich wollte gerade ein Kind auf- heben, da erhielt ich mehrere Säbelhiebe über den Rücken, so« daß mein Rock ganz zersetzt wurde und ich mehrere Tage heftige Schmerzen litt. Schneidermrtster Stadler deponirt in sehr weitschweifiger Rede: Ich verließ den Friedhof, als derselbe schon vollständig geräumt war. Am Portal waren eine große Anzahl Schutz- leute postirt; an der Spitze derselben befand fich Polizeikom« miffar Mcyer. Die Schutzleute schlugen unbarmherzig aut mich ein. Ich rief den Polizetkommissar Meyer um Hilfe an. Dieser bemerkte: Lassen Sie den Mann gehen, der hat schon genug Schläge erhalten. Polizeikommissar M'yer: Ich bestreite entschieden, daß der Zeuge, oder überhaupt Jemand in meiner Gegenwart geschlagen worden ist.— Zeuge: Ich habe meine Aussagen beschworen und halte dieselben aufrecht. Schutzmann Schultz: Nachdem die dreimalige Aufforde- rung des Polizetkommissar Meyer, zum Auseinandergehen ker Menge, unbeachtet blieb, zogen die Schutzleute auf Kom- Wando des Polizeikommiffar Meyer ihre Säbel. Die Leute wurden jedoch von den Schutzleuten zunächst aufgefordert, den Friedhof zu verlassen. Nur wer dieser Aufforderung nicht Folge leistete, wurde geschlagen.- Präs.: Haben Sie auch ««schlagen?- Znigt: Jawohl, ich schlug ober nur Diejenigen. die meiner Aufforderung zum Verlassen des Friedhofes nicht Folge leisteten.- Präs.: Hat Ihnen Jemand thät ichen Widerstand entgegengesetzt?— Zeuge: Nein.— Auf weiteres Befragen bekundet der Zeuge: Er bade, in Gemeinschaft mit vohmann und Schweiger, den Kirchhof abpatrourlltrt, er habe ober nicht gesehen, daß viele Schutzleute Jemanden geschlagen hätten. Ein Mann, der mit einem Notizbuch in der Hand auf oiner Bank saß, wurde vom Friedhof gewiesen, dieS war jedoch M Henß. Ich muß noch bemerken: AlS der Zug am Portale angelanat war, da machten mehrere Zugtheilnehmer faöttische Bemerkungen gegen uns. Ich hörte unter an« d'ren das Wort-„Spitzel". Ein Schutzmann bemerkte dar- ouf:„heute giebt es noch Arbeit, die Leute scheinen etwa, vor- oUyaden" MssMWZ ZMMND WMWMW MW tämsmm Säbel dreinhauen.— Präs.: Haben Sie auch ge- schlagen?— Zeuge: Jawohl, ich bade drei Leute geschlagen, nachdem ich fie dreimal vergeblich aufgefordert hatte, den Friedhof zu verlassen.— Präs.: Sie haben zunächst dreimal zum Verlassen des Friedhofs aufgefordert?— Zeuge: Selbst- verständlich. Die Sitzung wird hierauf gegen 8'/« Uhr Abends auf Mittwoch, Vormittags 9 Uhr, vertagt. Dritter Tag der Verhandlung. Gegen 9'/« Uhr Vormittag« eröffnet Prästdent Landgerichts- Direktor Dr. Körner wiederum die Sitzung. Es erscheint heute zunächst als Zeuge der ehemalige Schutz- mann, jetzige Schulpedell Böse: Polizeikommiffar Meyer hat unS instruirt, wir sollen, wenn er die Versammlung auflösen Auseinander« der Waffe Auslösung und dreimalige Aufforderung ergangen war und die Menge fich nicht rührte, da forderte Herr Polizeikommiffar Meyer unS auf, die Leute mit der Waffe auseinanderzutreiben; er fügte jedoch hinzu: nur wenn Widerstand geleistet wirb, soll die Waffe gebraucht werden.— Präs.: Haben das die Schutzleute sämmtlich gehört?— Zeuge: DaS glaube ich mit Bestimmt« heit.— Präs.: Hat Polizeikommiffar Meyer eine solch Bemer« kung bei der Instruktion gemacht?— Zeuge: Nein.— Präs.: Haben Sie auch mit dem Säbel geschlagen?— Zeuge: Ja. — Präs.: Ist Ihnen persönlicher Widerstand entgegengesetzt worden?— Zeuge: Allerdings.— Präs.: Worin bestand dieser Widerstand?— Zeuge: Die Leute wollten nicht gehen.— Präs.: ES wurde Ihnen also pasfiver Widerstand entgegengesetzt, aber kein thätlicher?— Zeuge: Ja. Auf weiteres Bc« fragen des Präfidenten bekundet der Zeuge: Leyendecker habe noch gesprochen, als Kommissar Meyer das Publikum zum dritten Male aufforderte, ausetnarderzugehen; Leyendecker habe den Kommissar förmlich zu überschreien gesucht. Schutzmann Georg macht fast in allen Punkten dieselben Devostta. wie der Vorzeuge. Er bekundet u. A.: Polizeikom« missar Meyer rief erst, nachdem von der Waffe schon Gebrauch gemacht war:„es solle von der Waffe nur Gebrauch gemacht werden, wenn persönlicher Widerstand entgegengesetzt werde." Diesen Zuruf konnten aber nur die wenigsten Schutzleute ver- stehen. Leyendecker, der den Polizeikommiffar Meyer zu über« schreien suchte, hielt seine Rede gerade, während der Kommissar die Menge zum Auseinandergehen auffoiderte.— Präs.: Wie festgestellt, hat Leyendecker nur wenige Worte gesprochen, wenn er also nur während der Aufforderung zum Auseinandergehen sprach, dann muß diese Aufforderung in sehr schnellem Tempo erfolgt sein.— Zeuge: Die Aufforderung aeschah in Zwischen- pausen.— Präs.: Sie fühlten an jenem Tage einen Revolver bei fich?— Zeuge: Jawohl, der Schutzmann Kern, der eben« falls seinen Revolver dei fich trug, sagte mir, Polizeikommiffar Meyer habe die Mitnahme des Revolvers befohlen.— An gell. Kommissar Meyer: Die letztere Angabe bestieite ich ganz entschieden. Schutzmann Weiter: Polizeikommiffar Meyer instruirte uns: Wenn die Versammlung vor dem Friedhof aufgelöst werde, dann sollten wir berittenen Schutzleute herankommen und d-e Menge auseinander treiben. Wenn die Fuß-Schutz« leute den Säbel gezogen hätten, dann sollten wir dasselbe thun.— Verth. R.-A. Dr. Hold heim: Hatten Sie auch Befehl zum Etnhauen?— Zeuge: Nein. Der nächste Zeuge ist der Schutzmann Kern. Präs.: Sie sollen am 22 Juli einen Revolver dei fich geführt und auch den Schutzleuten Noll und Georg j: einen Revolver gegeben haben?— Zeuge: Allerdings, ich that die?, nachdem ich Herrn Polizeikommiffar danach gefragt und er meine Frage bejaht hatte.— Kommissar Meyer: Ich wiederhole, daß ich da» ganz entschieden bestreite.— Zeuge: Ich sage aber die Wahrheit.— Kommissar Meyer: Ich finde das Ver- halten deS Zeugen erklärlich; wenn er die Revolver ohne Erlaubniß mitgenommen, refp. anderen Schutzleuten über- geben hat, dann hat er eine hohe Strafe zu erwarten. — Zeuge: Ich weiß genau, daß ich den Kommissar Meyer gefragt und dieser mir die Frage bejaht hatte, eS ist ja aber auch möglich, daß er mich mißverstanden dat.— Im Weiteren macht dieser Zeuge dieselben Depofita, wie die bis- her vernommenen Schutzleute. Es habe auf ihn den Eindruck gemacht, daß, wenn die Schutzleute mit der Waffe nicht einge« hauen hätten, diese von der Menge vom Friedhof getrieben worden wären.— Präs.: Woraus entnahmen Sie daS?— Zeuge: Weil Niemand Miene machte, fich zu entfernen.— Präs.: Thätlicher Widerstand wurde nicht entgegengesetzt?— Zeuge: Nein. Er treten alidann einige Schutzleute auf, die sämmtlich bekunden, fie hätten nicht gesehen, daß Henß geschlagen war- Verth. R.-A. Dr. Holdheim: Ich stelle noch die Frage, ob auf dem Hofe de» Platzkommandanten in der Bleichstraße eine Anzahl Schutzleute zur Reserve aufgestellt waren.— An« geklagter Kommissar Meyer: Mir ist davon nichts bekannt.— Polizeiratb v. Hake bekundet dasselbe.— Zeitungsberichterstatter I. B. Müller: Ec habe zur Zeit von dem Sohn des da- maligen Stadtkommandanten erfahren, daß auf dem Hofe der Stadtkommandantur eine Anzahl Fußschutzleute zur Reserve aufgestellt war. Polizeidireltor Langer bestätigt die Aufstellung der Reserve- Mannschaften. Diese Maßregel sei getroffen worden, um, wenn die Versammlung bereits am Sterbehause aufgelöst weiden würde, genügendeMannschasten zur Aufrechthaltung derOrdnung bei der Hand zu haben. Die Reservemannschaft habe aus 10 Fußschutzleuten unter dem Kommando des Wachtmeister Hausse bestanden. Die Beweisausnahme ist danach beendet und es beginnen die Plaidoykrs. Staatsanwalt Dr. Gordan: Die dreitägige ausgedehnte Verhandlung bat den Beweis geliefert, daß die Angelegenheit übermäßig aufgebauscht worden ist, dies haben dem Herrn Untersuchungsrichter selbst Sozialdemokraten zugegeben. Immer- hin bleiben die Vorgänge beklageirswerth und zwar ganz de- sonderS deshalb, weil fie den Beweis liefern, daß zwischen der Polizei und einem Theile der hiefigen Bevölkerung eine arge Animosität, rne große Gereiztheit besteht. ES entsteht nun die Frage: W'r bat diese Vorgänge verschuldet? Ich sage, in erster Linie ist die Schuld der Sozialdemokratie zuzuschreiben. In zweiter Linie trifft die Schuld, ich bedauere, dieS hier sagen zu müssen, die Unbesonnenheit und die wenig angebrachte Energie de« angeklagten Polizeikommiffar Meyer. Man hat sogar ver« sucht, die Schuld der Regierung beizumessen. Man sagte: fie wollte einen solchen Zusammenstoß provoziren, um Grund zu haben, den kleinen Belagerungszustand über Frankfurt zu ver- hängen. Polizeirath v. Hake bezeichnete das al« Unwahrheit, ich muß sagen, ich halte diese Vermuthung für einen Ausfluß überhitzter Phantasie. Ich wundere mich blos, daß der An« geklagte Leyendecker von seinen Parteigenossen nicht alS Agent provocateur bezeichnet worden ist. Polizeikommissar Meyer erhielt von dem Polizeiprästdium den Auftrag, dafür zu sorgen, daß bei der am 22. Juli vor. Jahre« stattgehabten Be« crdigung deS Sozialdemokraten Hiller jede Demon« sttation unterbleibe, daß eventuell die Versammlung auf« gelöst und, wenn die Menge nicht auseinandergehe, fie mit Gewalt auseinandergetrieben werden solle. Polizeikommiffar Meyer deutete diesen Präfidialbefehl dahin, daß er den Schutz- leuten sagte, fie sollen, wenn die Menge nach dreimaligem Auffordern nicht auseinandergehe, dieselbe mit blanker Waffe auseinandertreiben. Militärisch geschulte Leute, wie die Schutz« leute find, konnten seine Instruktion nur so verstehen, wie fie fie schließlich ausgeführt haben. Es ist nun von verschiedenen Zeugen bekundet worden, daß fast jeder ZugtheUnehmer ein rothes Abzeichen im Knpfloch trug. Unter ver Herrschast deS Sozialistengesetzes ist eine solche Demonstration sehr gefährlich. und die Führer der Sozialdemokraten hätten besser gethan, wenn fie für die Unterlassung dieser Demonstration gewirkt hätten. Ich bin überzeugt, Polizetkommissar Meyer hätte am liebsten den Zug nicht auf de« Kirchhof hinaufgelaffm. Allein. da er bis dahin nicht aufgelöst war, so mußte er den Eintrttr auf den Kirchhof geschehen lassen. Gleich, nachdem am Grab« ein Lied gesungen worden, wurde dem Polizeikommiffar Meyer insofern Widerstand entgegengesetzt, indem der Zeuge Füllgrabe trotz wiederholten Verbots eine Rede zu hallen begann. Ich komme nun zur Katastrophe. Meine Herren! Jeder, der einmal auf der Univerfität oder Soldat gewesen— Letzteres trifft ja auf den Angeklagten Meyer zu— wird wissen, daß, wenn man jungen Leuten eine blanke Waffe in die Hand giebt, diese auch ausgiebigen Gebrauch von derselben machen. DieS mußte Polizeikommissar Meyer wissen, er mußte wissen, daß, wenn er den Schutzleuten den Befehl ertheilt, von der Waffe Gebrauch zu machen, diese fich nicht erst vor dem Gebrauch derselben in eine Debatte mit dem Publikum einlassen werden. Andererseits spricht jedoch die von allen Zeugen bekundete Tdatsache. daß der Friedhof in wenigen Mrnuten geräumt war, dafür, daß das Publikum dem Polizeikommissar Meyer passiven Widerstand entgegengesetzt bat. Wenn ich auch zugeben will, daß die Schutzleute etwas rück- fichtSlos vorgegangen find, so beweist doch die Thatsache der schnellen Räumung deS Friedhofs, daß das Pubiklum wohl in der Lage war, der Aufforderung des Polizrikommissar Meyer Folge zu leisten. Allerding« messe ich einen großen Theil der Schuld, daß das Publikum sich nicht entfernen wollte, dem Angeklagten Leyendecker zu. Die Leute wollten eben die Rede Leyendecker'» zu Ende hören und ich halte es noch nicht für erwiesen, daß Leyendecker nur die wenigen Worte gesprochen, die er unS hier angegeben. Fest steht ja, daß von den Schutz- leuten mit blanker Klinge auf das Publikum geschlagen wor- den. und daß nicht nur solche Personen geschlagen worden, die vasstoen Widerstand entgegensetzten, sondern daß auch die Fliehenden verfolgt und geschlagen worden find. Allein im Uebrigen verdienen die Zeugen, die fich an dem Zuge bethei- ligten, wenig Glauben. Einige kamen mit einer vollständig einstudirten Rede hierher. Diese Leute find ja selbst- verständlich der Meinung, daß die Polizei imm-r Unrecht bat. Ferner ist zu erwägen, daß die Schutzleute naturgemäß die Vorgänge mit größerer Aufmerk- lamlett verfolgt haben, als die Sozialdemokraten, die ja zur Aufmerksamkeit in keiner Weise verpflichtet waren, denen eS interessanter war, den Worten Leyendecker's zuzuhören, und die ja vielleicht selbst noch Widmungsworte sprechen wollten. Allein fest steht, daß Polizeikommissar Meyer gefehlt hat, er hat auch insofern unrecht gehandelt, daß er den Leyendecker nicht ver- hastet hat. Daß dieS nicht ausführbar war, kann man wohl nicht gelten lassen. Es ist mithin kein Zweifel, daß der Ange» klagte fich im Sinne des§ 340 deS Straf. Gesetzbuches schuldig gemacht hat. Bei Abmessung des Strafmaßes ist zu erwägen, daß der Angeklagte Meyer geglaubt hat, im Interesse des Staates und der öffentlichen Ordnung zu handeln, daß er einer Wiederholung der Vorgänge bei der Döll'schen Beerdigung vorbeugen wollte und daß er den Verweis, der ibm bei Ge- legenheit der Döll'schen Beerdigung, vielleicht mit Unrecht ge- geben worden, nicht noch einmal erhalte. ES laffen stch noch mehrere Milde: unzSgründe anführen. ES ist metner Meinung nach schon Strafe genug, daß ein solch pflichttreuer Beamter, ein Mann, der so viele Jahre seinem Könige treu gedient, die «nklagebanl betreten muß, weil er sich den Sozialdemokraten gegenüber, die die Stcatsgewalt zu stürzen beabfichtigen, Uebergriffe hat zu Schulden kommen laffen. Ferner ist zu erwägen, daß dauernder Nachtheil, mit Ausnahme bei einem gewissen Hoffmann, bei keinem der Verletzten zu konstattren ist. Allein angestchtS der Ausdehnung deS Exzesses, ange- ficht« der großen Animosttät, die durch den Exzeß zwischen der Polizei und der hiefigen Albeiterbevölkerung hervorgeruseir worden, find gesetzlich mildernde Umstände ausgeschlossen. Ich beantrage demgemäß daS niedrigste ordentliche Strafmaß von drei Monaten G-fänaniß, eine Strafe, die trotzdem eine sehr Hobe ist. Was den Angeklagten Wingleit anlangt, so ist fest. gestellt, daß dieser auf Fliehende geschlagen. Insofern schützt ihn der Befehl d-S Kommissar M-yer nicht. Allein mildernd fällt hierbei in« Gewicht, daß die Schutzleute mehrfach be- schimpft worden find, daß die Vorgänge drei Wochen nach dem Prozeß Ltcske pasfirten, daß die Schutzleute noch unter dem vollen Eindruck der Ermordung ihres Chefs standen. Ich nehme hierbei Veranlassung zu erwähnen, daß mich selten per- sönlich etwaS mehr geärgert hat, als ein Artikel des in Zürich erscheinenden„Sozialdemokrat", deS offiziellen Organ« der deutschen Sozialdemokraten, nicht etwa der Anarchisten, da» PoUzeirath Dr. Rumpfs gewissermaßen noch „Polizei- Schuft",„Schurke" u. s. w. nachrief und sogar von „Mitschurken" sprach. Ich weiß nicht, ob man mich zu dielen Mttschurken zählt; allein wenn wir uns über derartige Be- schimpfungen ärgern, dann ist es gewiß lein Wunder, wenn ungebildete Leute fich darüber ärgern. Ich beantrage, ange« stchtS dieser Sachlage, gegen Wingleit 2 Monate G-fänaniß. Die Angeklagten Hohmann und Schweiger halte ich der Schuld für vollständig überwiesen; ich beantrage gegen Hohmann zwei Wochen und gegen Schweiger 5 Tage Gesängniß. Gegen Leyendecker, der den Exzeß wesentlich mit verschuldet hat, recht» fenigt fich eine harte Strafe. Ich beantrage gegen denselben 6 Wochen Gefänzniß. Nebenkläger Rechtsanwalt Dr. Eppstein: Obwohl die Verletzten der Ueberzeugung waren, daß der Herr VtaatSan- walt voll und ganz seine Pflicht thun werde. haben dieselben mich zu ihrem Nebenkläger ernannt. Ich erkläre nun zunächst, daß ich eine Strafe nicht beantragen werde, meine Mandanten behalten fich vor, ihre eventuellen Ansprüche auf dem Zivil« wege geltend zu machen. Der Herr Staatsanwalt hat bis zum heutigen Tage den Erwartungen meiner Mandanten en<- sprachen. Was jedoch daS Plaivoyer deS Herrn Staatsanwalts anlangt, so muß ich dekennen, der genialste Vertheidiger hätte Venn Polizeikommiffar Meyer nicht besser vertheidtgen können, al» es der Staatsanwalt gethan. Ich will dem Herrn Staats. anmalt auf daS politische Gebiet, das er betreten, nicht folgen, sondern di- Sache lediglich nach der juristischen Seite prüfen. Der Nebenkläger erörtert nun in eingehender Weise die In. struktion der Polizeibeamten, die fie berechtigt, von der Waffe Gebrauch zu machen. Darnach— so fährt der Nebenkläger fort— hat Polizeikommiffar Meyer seine Amisbefugniffe we» sentlich überschritten. Daß das Publikum aus Sozialdemo« Iraten bestand, kann doch bei der Beurtheilung der Sachloge nicht in Betracht kommen. Sozialdemokraten haben denselben Schutz des StaaiS zu verlangen, wie jeder andere Staatsbürger. DaS Sozialistengesetz schmälert ihnen dieS Recht nicht. Wenn nun die Zugtheilnehmer rothe Abzeichen im Knopfloch getragen haben, so ist dies gesetzlich in keiner Weise verboten. Wenn eine andere Partei, etwa die demokratische Partei, bei einem Leichenzuge weißrothe Abzeichen getragen hätte, dann hätte jedenfalls Niemand etwas Schlimmes darin gefunden. Mein« Herren! Wir find alle Studenten gewesen. Erwägen Sie. wenn Studenten eine ähnliche Demon sttation inszenirt hätten. und die Schutzleute sofort mit blanker Waffe eingeschritten wären, was hätte die öffentliche Meinung wohl dann gesagt? ch habe aber schon gesagt: auch die Sozialdemokraten find -taatibürger und wre man auch ihre Part-ianschauungen bc- urtherlen mag, so steht doch soviel fest, daß die Sozialdcmo« kraten in Frankfurt fich stets anständig benommen haben. Wenn wirklich Schimpfworte gegen die Schutzleute gefallen find, so ist doch daS unpassende Benehmen Einzelner nicht der Gefammthttt zum Vorwurf zu machen. Ich gebe zu, Polizei« lommissar Meyer hat unter dem Eindruck jenes Verweises ge handelt, den er anläßlich der Döll'schen Beerdigung erholten Hit. Allein andererseits ist doch zu erwägen, daß Polizeikommissar Meyer seit fiebzehn Jahren im Amte ist, er die Tragweite seiner Befehle übersehen mußte und ist eS nur einem besonders glücklichen Umstände zu danken, daß nicht tödtliche Verletzungen vorgekommen find. Polizeikommiffar Meyer hätte fich m diesem Falle wegen eineS ganz anderen Delikts zu verantworten. Allein, Polizeikommiffar Meyer mußte wiffen, daß angefichts der Geipanntheit, die zwischen den Schutzleuten und den Sozialdemokraten herrschte, eS den Schutze leuten eine reine Wollust sein würde, wenn ihnen der Befehl gegeben wäre, die Sozialdemokraten mit der Waffe wegzu- drangen. Angefichts dieser Sachlage erachte ich es nicht für angänglich, die geringste Strafe gegen den Angeklagten Meyer in Anwendung zu bringen. Ebenso Halle ich eine höhere Strafe gegen die angeklagten Schutzleute für geboten. Ganz besonders rechtfertigt fich eine höhere Strafe bei von Angeklagten Wing« leit, der notorisch eine ganze Reihe wehrloser Leute mißhandelt und verletzt hat. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Meycr für den Angeklagten Meyer: Ich bin entfernt, einer Polizciwillkür irgendwie daS Wort zu reden. Wenn ich trotzdem die Bertheidigung für Herrn Polizeikommiffar Meycr übernommen habe, so habe ich eS gethan, weil ich von der Unschuld dieses ManneS, der fich in den weitesten Kreisen der größten Achtung erfreut, überzeugt bin. Ich bin der Ueberzeugung, daß angefichts der großen Erregung, die die Affäre nicht nur in unserer Stadt, sondern ouch in ganz Deutschland, ja sogar im Auslände her« vorgerufen hat, sammiliche Zeugen unter dem Eindruck dieser Erregung ihre Aussagen abgegeben haben. Ich nehme hiervon selbst die Herren Polizeirath von Hake und Polizei« direltor Larrger nicht au». Außerdem bin ich der Meinung, der ganze Vorgang entwickelte fich mit solcher Schnelligkeit, daß die Zeugen kaum die Einzelheiten heute n och genau an- zugeben vermögen. Die hier aufgetretenen Sozialdemokraten sahen selbstverständlich die Sache vom einselligen Standpunkte an, während die hier al» Zeugen vernommenen Schutzleute die Befürchtung hegen mußten, fie haben fich durch ihr Vorgehm einer strafbaren Hanvlung schuldig gemacht. ES rst doch sehr eigenthümlich, daß der einzige Zeuge, der jetzt nicht mehr Schutzmann ist, der Zeuge Böse, bekundet hat, Polizeikommiffar Meyer habe gesogt: Nur wenn den Schutzleuten Widerstand entgegengesetzt wird, sollen fie von der Waffe Gebrauch machen. Daß ver Leichenzug ein demonstrativer war, steht fest, ebenso daß die Zugtheilnehmer den Befehlen deS Kommiffari Wider« stand entgegensetzten und trotz seines Verbotes Reden hielten. Ferner ist auS dem Umstände der schnellen Räumung deS Friedhofs zu schließen, daß die Menge sehr wohl in der Lage war, der Aufforderung deS Polizeikommiffar Meycr Folge zu leisten. DaS Gesetz grebt einem Kommandeur da« Recht, wenn seiner dreimaligen Austorderung nicht Folge gegeben wird, zur Gewalt zu schreitm. Nun wird eingewendet: E« wurde nur passtver Widerstand entgegengesetzt. Ich bestreite das. Ich behaupte: Es war zwar kein thätlicher, aber ein aktiver Widerstand, den die Menge entgegensetzte. Hätten die Schutzleute die Menge mll den Händen zurückgedrängt, dann wäre eS augenscheinlich zu einem Zusammenstoß gekommen; die Menge räumte aber ven Friedhof, da ste die Waffe fürchtete. Diese meine Be« haupiung wird durch folgende Rede deS Reichstagsabgeordneten Frohme destäligt. die derselbe am 18. Februar d. I. im Reichs» tage geHallen hat:„Die Frankfurter Friedhofs-Affäre sollte zu Material zur Verhängung deS kleinen Belagerungszustandes über Frankfurt Veranlaffung geben. Ein Zusammenstoß ist je- doch unterblieben, da daS Emhauen der Schutzleute mit der Waffe der Menge keine Zeit zum Sammeln ließ." Meine Herren: Hieraus geht doch deutlich hervor, daß, hätte mein Klient die Menge nicht sofort mit dem Säbel auseinander« treiben laffen, e» vielleicht zu einem blutigen Zusammen« stoß zwischm der Polizei und der Menge gekommen wäre. DaS war zweifellos meinem Klienten bekannt, denn er ist ein Mann, der in solchen Dingen wohl einer der Kompe» tentesten in Frankfurt ist und dem wir eS vielleicht zu ver« danken haben, daß unserer Stadt die Schande eines blutigen Zusammenstoßes zwischen der Polizei und einem Theile der Bevölkerung erspart geblieben ist. Ich halte sonach meinen Klienten auS moralischen und juridischen Gründen für nichtschuldig. Von welcher Seite man auch die Affäre beurtheilcn mag, so viel steht fest, eine spätere Zell, in welcher vielleicht die politischen Parteigeaensätze nicht so schroff sein werden, wird die Schuld an diesen bellagenswothen Vor» gängm an die Rockschöße der Sozialdemokratie hängen. Ich kann mir ja denken, daß den Sozialdemokraten das Sozialisten- gesetz sehr unangenehm ist. Allein, ihre Pflicht wäre eS ge« wesen, fich der Autorität eines einmal bestehenden Gesetzes zu unterwerfen und nicht jede Gelegenheit zu dcnützcn, um das- selbe illusorisch zu machen. Meine Herren, mag Ihr Spruch ausfallen, wie er wolle, er wird jedenfalls für die Geschichte unserer Stadt, unseres Vaterlandes und der sozialen Bewegung von großer Bedeutung sein. Im Jntereffe der Gerechtigkeit muß jedoch Ihr Urtheil auf Freisprechung lauten. Verth. Rechtsanwalt Dr. Geiger für Wingleit, Hohmann und Schweiger führt in längerer Rede auS, daß die Hand» lungen deS Winglell wohl erwiesen und keineswegs zubilligen seien, allein er habe jedenfalls geglaubt, dem Befehle veS Polizeitommiffar Meyer zu entsprechen, mtthin habe ihm der DoluS gefehlt. Das, waS den Angeklagten Hohmann und Schweiger zur Last gelegt werde, sei nicht aenügend erwiesen. Nehme man aber das Gegenthril an, dann haben dieselben doch ebenfalls nickt dolos« gehandelt. Die Schutzleute konnten dm Befehl de» Polizeikommiffar Meyer nicht anders verstehen, als daß ste auf alle Leute, auch auf die Flüchtenden mll dem Säbel einhaum sollten. Die Flüchtmden hätten ja jede Mi« nute wieder umkehren und fich sammeln können. Er beantrage aui allen diesen Gründen die Freisprechung seiner drei Klienten. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Eppstein für Leymdecker: Die Zeugenaussagen bezüglich der dem Angeklagten Leyendecker zur Last gelegten Handlung seien derartig widersprechende ge« wesm, daß die Schuld Leymdecker'S durchaus nicht erwiesen sei. Angefichts der großen Auftegung und Schnelligkeit, mll der die Affäre vor fich gegangen, sei auch nicht anzunehmen, daß die Zeugen fich auf alle Einzelhellen erinnern können. ES komme hinzu, daß Leyendecker schwerhörig sei und daß in einer Versammlung unter freiem Himmel eine Verständigung viel schwerer, als in einer solchen in geschloffenem Räume sei. AuS diesen Gründm beantrage er die Freisprechung seines Nach kurzer Replik deS Staatsanwalts Dr. Gordan nimmt da» Wort der Nebenkläger» RechtSanwall Dr. Holdheim: Der Herr StaatSanwall sowohl als auch der Herr Vertheidiger deS Polizeikommiffar Meyer schoben die Schuld an dm traurigen Vorgängen der Sozialdemokratie zu. Richtiger hätten fie ge» than, wmn fie gesagt hättm: Die Schuld trägt daS Sozia- ltstengesetz. Gebe eS kein Sozialistengesetz, dann wäre die Affäre auch jedmfallS nicht vorgekommen. WaS habm denn die Sozialdemokraten gethan? Sie haben einem ihrer Genoffen, der kür die Parteigrundsätze gekämpft, daS letzte Geleit gegeben. Da» war einfach ihr« Pflicht und Schuldigkeit, ein einfacher Akt der Pietät, dm andere Parteien jedmfallS nicht unterlaffen würdm. Nun wird eS den Sozial- demotraten übel angerechnet, daß fie rothe Abzeichen getragen habm- DaS ist verbotm, sagte der Herr Staatsanwalt. Der Herr Staatsanwalt hat uns nur nicht gesagt, nach welchem Gesetze daS verboten ist. Zur Sache selbst vemerke ich, daß Herr Polizeikommiffar Meyer fich zu dem Lber-Kommando stets gedrängt hat. ES ist nicht der geringste Beweis erbracht, daß dgendwelche Veranlaffung vorgelegm hat, die Menge mll der Waffe auseinanderzutreiben. Sine Beerdigung, an der fich 3—400 oder auch noch mehr Mmschm bethelligen, ist noch keine Demonstration, und doch auch deshalb nicht, weil die Zugtheilnehmer roihe Abzeichen im Knopfloch getragm und Kränze mit rothen Schleifen auf daS Grab ntedergeleat haben. Wmn eine Demonstration vorhanden war, so kann fie höchstmS darin bestehen, daß 33 Schutzleute zu Fuß und 5 Schutzleute zu Pferde zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten waren. Die durch nichts bewiesene Annahme, ohne daS Einhaum wäre eS zu einem Zu- sammmstoß gekommen, kann doch den Angeklagten nicht ent- lastm. Ebensowenig kann ick der Auffaffung meines Kollegen Geiger beitreten, daß die Schutzleute für ihre Handlungen nicht verantwortlich seien. Es ist gesagt worden: die Handlung deS Polizeikommiffar Meyer ist deshalb in milderem Lichte zu bmrthetlm, weil er fich in dem Kampfe mll dm Sozialdemokratm befundm hat. Ich bin der Meinung: Gerade gegmüber den Sozialdemokraten, die ohnehin unter der Herrschaft eines Ausnahme> Gesetze» stehen, dürfen Uebergriffe von den Beamten nicht geduldet werdm. Erster Staatsanwalt Dr. UhleS: Ech muß zunächst die Angriffe deS Herrn Rechtsanwalt Dr. Eppstein zurückweisen, daß Stromer, Zuhälter u. s. w. milder behandelt werden, als Sozialdemokratm. Ich, der ich an der Spitze der hiestgm Staatsanwaltschaft stehe, muß diesen Vorwurf als Unwahrheit bezeichnen. Die htefiae Staatsanwaltschaft ist entfemt, mit zweierlei Maß zu meffen. Herrn Rechtsanwalt Dr. Holdheim bemerke ich: Wenn man den Kern auS der Beerdigung herauSschäll, dann hat man eS ausschließlich mll einer sozialdemokrattsckm Demonstration zu thun, mit einer sozial. demokrattschen Demonstration mit rothen Schleifm, rothen Blumm, Verhöhnungen der Schutzleute, sozialdemokratischen Reden und passtvem und zum Theil auch thättichem Wider« stände. Die dabei vorgekommenen Verletzungm und Ueber- griffe der Beamtm find zu beklagen, aui diesem Grunde ist auch die Anklage erhoben wordm. Nebmkläger Rechtsanwalt Dr. Eppstein: Ich war ent» femt, der königlichen Staatsanwaltschaft irgend einen Vor« wurf zu machen, ich habe lediglich gesagt, zum mindesten aber sagen wollen: die Polizei würde selbst Stromern, Zuhältem und sonstigem Gestndcl gegenüber nicht immer gleich von der blankm Waffe Gebrauch machen.— Nach noch kurzen Replllen und Duplikm bemerkt der Angeklagte Meyer: Ich bedauere die Vorkommniffe, ich vermochte jedoch, dem Befehle meiner vorgesetzten Behörde gemäß, nicht anders zu handeln. Ich personlich habe lediglich meinen Degen gezogen, ohne Jemanden zu schlagen. Hätten die Schutzleute meinen Befehl richtig ver« standen und daffeibe gethan, dann wäre jedenfalls nicht» pasfirt. Jeder Schutzmann hat seine Instruktion, ich kann de». halb für die Handlungen derselben nicht verantwortlich gemacht werden. Da» Bedauerliche an der ganzen Sache ist, daß mir nicht ruhige und besonnene Schutzleute zur Seite gegeben waren. Ick hatte lediglich Schutzleute zur Verfügung, die kaum vom Militär entlaffen waren und auf den Befehl„Zur Waffe" ohne Weiteres losschlugen, ohne auf meinen sosonigen Einhaltsbefehl zu achten. Ich bitte den hohen Gerichtshof um meine Freisprechung.— Die übrigen Angeklagten bitten eben« falls um Freisprechung. Hierauf zieht fich der Gerichtshof um 4'/« Uhr Nachmittags zur Berathung zurück. Gegen 6tU Uhr Abends kehrte der Gerichtshof zurück. Unter gespanntester Aufmerksamkeit deS überfüllten Audllo« riumS verkündet der Präsident, LandgerichtS-Direktor Dr. Körner: Der Gerichtshof hat für Recht erkannt, daß die An- geklagten, Polizeikommiffar Meyer und die Schutzleute Wing» eit, Hohmann und Schweiger der Verletzung deS§ 340 deS Strafgesetzbuches, der Schneider Leyendecker der Verletzung deS § 17 deS Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie von 1878 für schuldig zu erachten und deshalb Meyer mit 3 Monaten Gefangniß, Wingleit mit 2 Monaten Gcfängniß, Hohmann mit 1 Monat Gefängniß, Schweiger mll 14 Tagen Gefängniß und Leydendecker mit i Monat Gefängniß zu bestrafen und den Angeklagten die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten der Nebenkläger aufzuerlegen find. Der Angeklagle Meyer kann fich nicht auf den Befehl seiner vorgesetzten Be- Hörde berufen. In dem Befehl war gesagt: er solle die Menge im äußersten Falle mit Gewall auseinandertreiben laffen. Der Angeklagte hätte darnach andere Gewaltmittel wie Zurückdrän« gen mit den Händen versuchen sollen. Wenn er sagt, er be- fürchtete, daß eS alsdann zu einem Zusammenstoß gekommen wäre, so kann ihn dieS nicht entlasten. Er war jedenfalls nicht berechtigt, mit der Waffe vorgehen zu laffen, und zwar hätte er dies um so weniger thun dürfen, da, wie er selbst sagt, er eS mit jungen unbesonnenen Schutzleuten zu thun hatte. Mil- demde Umstände konnten dem Angeklagten nicht zugebilligt werdm, da der an die Schutzleute gegebene Befehl ein wohl überlegter war und die Verletzungen ziemlich arge gewesen End. Einer der Verletztm ist sogar von den Krämpfen efallen wordm. AnderntheilS ist erwogen wordm, daß der Angeklagte Meyer den Exzeß nicht pewoM hat und zu solchen Ausschreitungen nicht geneigt ist. Im Uebrigen ist nicht zu verkennen, daß er unter dem Druck der Verhältniffe gehandelt hat. Deshalb ist über dai niedrigste Strafmaß nicht hwauL« legangm worden. Gegen die übrigm Ängeklagtm ist daS lrtheil angefichts der obwallmdm Verhältniffe bemeffen wor- den.— Danach schließt die Sitzung 6'/, Uhr AbmdS. Soziales«od Arvetterbewegnng. Nu die Mechaniker Deutschland». Kollege«! Wir warnm hiermit alle Mechaniker, fich nicht durch Inserate nach hier locken zu laffen, indem wir bereits über 40 arbeitslose Kollegen hier am Orte habm und die Arbeitszeit auf ein Minimum reduzirt worden ist, sodaß eine mmschmwürdige Sxistmz unmöglich ist. Wir bitten den Zuzug nach hier streng fernzuhalten. Näherer Bericht folgt. Die Mechaniker Stuttgart». Die HandelSmühle Krietsch t« Würze«, das größte derartige Institut in Deutschland, hat seine Insolvenz erklart. Bekannt war da» Geschäft in allm Ländern der Welt durch seine BiSouitbäckerei, die ihre Fabrikate weit über dm Ozean sandte. Die Arbeiter und besonders die Arbeiterinnen wurden bei hohen Anforderunam nicht sonderlich gut gelohnt. Der Besitzer hatte fich luxuriöse Paläste gebaut. Die Passiven sollen bedeutend sein. Kommt kein Arrangement zu Stande, dann werden an 1000 Ardeiter brodloS. Ueber die Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen in der Wäschefabrikatton und Konfektionsbranche, sowie über den Ver» kauf oder die Lieferung von ArbcilSmaterial seitens der Arbeit» geber an die Arbeiterinnen bat das Präfidium der Handels« kammer zu Plauen im Voigtlande eingehende Er» Mittelungen bei Arbeitern und Arbeitgebern der Konfektion, Wäschefabrikation, Hut« und Hutstoffnäherei und Korsettfadri- kation angestellt und dieselben dem sächfischen Ministnium bereits zugeschickt. Sie ergeben einen fortwährenden Rückgangde» Verdienste» der im Wäsche- und Kon« feltionSgeschäft beschäftigtm Ardeiterinnen. In Plauen hat da» starke Angebot von Arbeiterinnen die Folge gehabt, daß der Wochmverdienst von 15 M, dm früher eine geschickte und fleißige Arbeiterin erzielte, auf 5— 10M. gesunken ist.— Eine geschickte und fleißige Arbeiterin einen Wochenlohn von 5 M.! Ein Zwanzigmarkstück die Einnahme eineS ganzen MonatS! Wie mögen diese armen Weider und Mädchen leben oder viel» mehr htnfiechen! An» der Raschinenindustrie von Buckau(bei Magde- bürg) erschallen die ledhaftestm Klagen über den beispiellos schlechten Geschäftsgang. Während bisher, nach der„Volk»- zeitung", bloß die für Zuckerfabriken thätigen Maschinen« und Dampskcfiel-ArmatureN'Fabrikm unter dem Drucke der in der Zuckerindustrie eingetretenen Verhättnisse zu leidm hatten, find nach und nach auch andere Fabriken von empfindlichen Stockun« gm im Betriebe bettoffen wordm. Die älteste Maschinen« sabrik de» OrteS, die Maichinenfabrik Buckau,— früher Hamburg-Magdeburger DampfschifffahrtS-Kompagnie— beschäftigt heute nur noch ca. 10 P r o z e n t ihreS frühere« ArbeiterstandeS. Um eine Entlastung des General-Unkosten- Kontos dieser Fabrik zu bewirken, hat man zu dem Mittel Zuflucht genommen, die Gehälter aller Angestellten u m ein Drittel herunter zu setzen. Eine andere bedeu- tende Maschinenfabrik und Eisengießerei deS Ortes, welche m Folge ihrer Spezialität bisher recht gut mit Arbeitem de» setzt war, geht auch jetzt mit Arbeiterentlaffungen vor. Ist eS nun für einheimische Ardeiter schon sehr schwer, hier Arbelt zu erhalten,«eil fast alle Fabriken und gewerblichen Untemehmen unter dem Drucke der ttaurigm wirthschastlichen Lage zu leiden haben, so hat eS hier allgemein überrascht und ventimmt, daß beschäftigungslose Arbeiter auS den königlichen Eisenbahnwerkstätten in Potsdam hierher gewiesen find, um hier bei der Bahn be- schästigt zu werden. In Folge dieser Hinweisung habm st« in letzter Zeit entlaffene Schlosser und Dreher au» Potsdam hier eingefunden, glaubend, daß fie hier in den Bahnhofswerl- stätten, welche bekanntlich im letzten Jahre wesentttch vergrößert ffnd, in ihrem Bemf Beschäftigung findm würden. Diese arme« Lotte find aber sehr mttäuscht wordm; Arbeit ist denselben allerdings in AuSstcht gestellt, aber nicht in ihrem Berufe, son- dem als Erdarbeiter mit einem Verdienste von M. 1,75 den Tag. Für einen solchen Lohnsatz kann hier aber bei unseren theuren Verhältnissen kein rechtschaffener Mann bestehen, zu- mal, wenn er bisher andere Stellungen eingenommen und je*' zur Erdkarre greifen soll. Wir glauben, daß die Herren, welch« die Arbetter von Potsdam hier nach Buckau geschickt, gut ge- than hättm, einem Jedm zu sagen, welche Beschäftigung h# vorliegt, fiatt die Leute mit Hoffnungen in die Wett ziehen laffen, die nicht»füllt werden können. In den sächfischen und böhmische« Gebirgen ist d# Roth sehr groß, da die armm Leute des hohm Schnees halder nicht einmal in dm Wald zum Holzsammeln gehm könne«- Die Arbeit stockt überall und wo noch welche vorhanden ist- da kommt e» vor, daß die Arbeiter der aewaltigm Schncemam" wegen nicht auS ihren Ortschaften fort rönnen, um die fertig� Waaren abzuliefern und Rohmaterial fich zu holen. Man defürchtet nunmehr auch bei plötzlichem Thauwetter Waffer- stürze und Hochfluthm, welche den Ländereim großen Schade» zufügen dürftm. Au» Mühlhausen in Thüringen wird geschrieben: � Inhaber einer hiesigen Färberei waren beschuldigt, j ug e n o- liche Arbeiter unter 16 Jahren länger als 10 Stunde» und über 8'/, Ühr Abmd» hinaus in ihrer Färberei beschäl' tigt zu habm, und wurden von hiestger Strafkammer am Grund der§§ 135 und 136 der Gewerbe- Ordnung zu ein«« Geldstrafe von je 300 M. bezw. für je 10 M. ein Tag Gesang' niß verurtheilt. Die westfälische Steinkohlenindustrie ist, wie „Berl. Bürs.-Ztg." aus Dortmund geschriebm wird, von—. neuen schweren Kalamität bedroht. Der Norddeutsche Llo?° in Bremen, welcher seit fünfundzwanzig Jahren nur westlau sche Kohlen zum Heizen seiner Dampfer verwandte, st-b; Begriff, seinen Bedarf an Brmnmaterial wieder aus England zu beziehen, da die einheimische Kohle durch die zu W Bahnfracht fich gegm da» englische Piodutt zu theuer stem- Der Abschluß eines großen Quantum» bei mglischen Kohlen händlem steht unmittelbar bevor, und ei unterliegt wohl nem Zweifel, daß der Norddeutsche Lloyd auch fernerhin% englischen Kohlen fahren wird, wenn die Verhältnisse fich% bcilt) änbetn unt) blf ß*«iai tu längst vergeblich angef fchheßm. Welcher Ech.�» v».—mrt, und Grubenarbeiter sein würde, liegt auf der Hand; der brauch de» Lloyd beziffert fich im Jahr aus nicht weniger,»s, 200000 Toni, und seinem Vorgange werden bald die' Dampfer-Gesellschaftm folgen. In Wie« find augmdlicklich über 15000, sage schreibe fünfzehntausend Personen arbeitSlo». Wir leben° doch in der„besten aller Welten".. Die Rothlage wird überall größer. So habm nW*„ Schönebeck bei Magdeburg einige Bürger die Summe o. 600 Mar! zusammengebracht, damit diqenigen Eimvoh« welche arbeitslos find, zur Bestreitung der nothwcndw der von eines ynd arbeitet. Lebensmittel und der Feuerung Unterstützung erhalten. Die Löhne auf de« Werften zu Rostock find g«g? wärtig recht niedrig. Die Schmiede, Moschinmbauer{ Eisenvreher erhalten 24 Pf. pro Stunde, die Schifffzim«V, 25 Pf. und die übriaen Werftarbeiter erhalten 18 bis pro Stunde. Den Tag über wird 10 bis 11 Stunde« 0 amerika-ilU Wie entwickelt da» Klaff Arbeiter ist, das beweisen ihre musterhaft und mtt sil' Opfermuth durchgeführten Streiks. Die Anzahl der fl» � wärtig in den Vereinigtm Staaten von Amerika Streue � wird von„Bradstreets Journal" wie folgt veranschlag:�; Pmnsylvanim, Maryland und Ohio 21 480 Gr�enart»,� in New-England 9960 Schuhmacher, Arbeiter in Texlilfa �0 und Metallarbeiter; westlich vom Alleghann-Gedtrg � Nagelschmiede. Diese, zusammen mit cinigm klerneren Gru�jg bringen die Gesammtzahl auf 51 000 Arbeiter, die gegeu.— Arbeit niedergelegt, damals noch dazu nur zu wm«yfck Lohnheradsetzungen zu verhindern. Jetzt wollen d((*\A�n< theilS erhöhte Löhne. theilS die Gewährung anderer«e- gm der Gewerkvereine erzwingen. Außer den vorfieo, nannten ArdeiterUassm find auch die Angestellten u«D. p(t« versebiedmer Pferde- und Eisenbahnm in Lohnkäuw Der große Streik auf den Gould'schm südwestl�«'' ��ost linien dauert fort, aber auS St. Laut» wird der v««�, dl« Unterhandlungen wegen eineS Ausgleich» gemeldet, m Arbeiterkommiffar auS Miffomi als Vermittttr frwg rt- � Die bei der Pferdebahn in Cincinnati«"fÄ! Tag«' 1000 Mann stark, habm 2 Dollar» für zwölfstündtg-�-„g. arbeit verlangt und stellten kett ein,' Spater>»» i"v-r* nahmen ihre Thätigkeit wiederum auf. Auch (Kanada) hat da» Personal der Pferdebahn«, gestr«»1' wenigsten! einen anständigen Vergleich erzielte- Dollar» für»wölfstanmg�hätig' erlangt und stellten schließlich am 13. Märt w„«. ic--«M.K* mtf vLncb WL. fcia t» R Kriefkaften der R-daktio«. � NM w -'-SÄ � 6i( Z. 25. Warten Sie erst die Entsche'vung ve � gefordert waren.----�uia»«- Verantwortlrcher Redakteur». U»»het« in leilir. Druck und Verlag von N«x Babing Beilage zum Berliner Volksblait. Kr. 66. Freitag, de« 19. Marz 1886. III. P arlamentsverichte. Deutscher Retchitag. 69. Sitzung vom 18. März, 12 Uhr Am Tische des BundeirathS: von Boetticher, von Lurchard, LuciuS, v. Scholz. Der Gesetzentwurf. betreffend die Erhebung einer SchifffahrtSabgabe auf der Unterweser, steht zur zweiten Berathung. Namens der Kommiiffon refenrt Abg. Pfafferott: Nur England hat zwei Wasserbauten von der Großariigkeit de« WaffervrojeNs aufzuweisen, Ayde «nv Ttzne. Schiffe der gröjj un Fahrt«ollen aus See 70 K lo Meter weit in da« Binnenland hi ausgeben. Nur ein Mit «li.d der Kommission war der Vorlage nicht günstig gestimmt. Der Besorgnis), daß die Adjazentcn geschädigt würden, daß den olvenburgischen Marschen das Süßwaffer entzogen werde, «ird daS Abkommen Preußens und Oldenburgs mit Bremen begegnen. Die Porlage wird genehmigt. Es folgt die zweite Beraidung des Gesetzentwurfs, betr. die Besteuerung des ZuckerS. Die Rübensteuer beträgt jetzt 1,60 M. pro 100 Kilogramm. Die Borlaoe will sie in zwei Stufen im Zwischenraum eines Jahres auf 1,70 dezw. 1,80 M. erböhen. Die Kommission beantragt dagegen die Aufrechterhaltung d'S bisherigen Steuersatzes, daneben aber eine besondere Melaffesteuer, welche für dies nigen Zackerfabriken, welche die auS den Rüden gewonnene Melaffe selbst entzückern, in Form einet Zaschlagi von 10 Pf. für den Doppelzentner Rüben, von den Fabriken, welche an« gekaufte Melaffe entzuckern, ohne Rüben zu verarbeiten, durch eine besondere Melaffisteucr von 3,30 M. pro 100 Kilogramm Melaffe erhoben werden soll. Die Exvortoergütung(§ 2) soll nach der Vorlage von 18 M. am 18 20 M- erhöbt werden, während die Kommisston eine Ermäßigung auf 16,80 M. für Rübenzucker von mindesten» #0 pßt. Polarisation vorschlägt.(Für raffinirten K. Zucker «erden die ExportdonifikationSsätze entsprechend höher de« meffen.) Es liegen dazu 3 Anträge vor: 1. Rohland will die Rüben�euer von 1,60 M. in zwei Stufen auf 1,40 Mk. bezw. 1,20 Mk. ermäßtaen und dem» rnisprechenv auch die Bonisikation von 18 auf 14 bezw. 12 ff. herabsetzen. 2. Graf Etolberg will die Rüdensteuer auf 1,60 M. belaffen, dagegen die Bonisikation in zwei Stufen auf 17,40 bezw. 16,40 W. ermäßigen. 3. GöyvonOlenhusenund Pfafferott wollen neben einer Rüdensteuer von 1 M. eine Konsumsteuer von 10 ff. per Dopoelzentner Zucker erheben und die Exportdonisitation auf 10,50 M. festsetzen. Außerdem gebt während der Verhandlung 4. ein Antrag der Abgeordneten Heine und Bock ein, wonach die Export- Vergütung noch einer Ausbeute von 1 Zentner Zucker auf 0 Zintner Rüden bei 93 pCt. Polarisation des Rübenzuckers bttneffen werden soll. Referent Witte: Den Vorschlägen der Kommission gegenüd r haben die an dem bestehenden Zustand Jnteresfirien ihre Uneigennützigkeit auf das nachd ücklichste und, wie sie de- haupteten, nur auS sachlichen Gründen betont, und daS bis- weilen in so drastischer Weise, daß die Kenner der wahren Situation sich eines Lächelns nicht enthalten konnten. Die Mehrheit der Kommission ist der Anficht gewesen, daß eine Erhöhung der Rüdensteuer ein höchst nachtheiltgrr Schritt sein werde zur Meiasseentzuckerung. Mit der Einführung der Me- laffesteuer ist die Möglichkeit gegebnt, den Wünschen der In. dustrie in Bezug auf die Festsetzung der Exportbonifikation entgegenzukommen. Die Vortheile, die sich daraus ergeben, werden besonders dm LandeSihctlm zu statten kommen, welche zocke, ärmere Rüben produziren. Ich empfehle daher, die§§ 1 und 2 w der von der Kommisston vorgeschlagenen Fassung an» iunehmen. Staatssekretär v. Burchard: ES wird Niemand Ihrer Kommission die volle Anerkennung versagen, daß sie mft größter Hingebung versucht hat, die höchst sckwierige Frage der Neu- Regelung der Zuckersteuer zu lösen. Um so mehr muß ich es beklagen, daß ihre Vorschläge auS materiellen und formellen «rünben nicht die Zustimmung der verbündeten Regierungen Asrden finden können. Eine Melaffebesteuerung würde in jeder sonn, namentlich aber, wie hier vorgeschlagen, meines ErachtevS "bllig unausführbar sein. Unsere Steuer ist um die Hälfte «iediiger als die in Frankreich; sie ist erheblich niedriger alS bit in Holland und Belgien; sie entspricht ungefähr dem Maß «r»riastung in Oesterreich. Jedenfalls ist zur Zeit kein An. Jj� dieseS wichtige Finanzobjekt allmältg �adbröcktln zu abbröckeln Maffenbclastung darauf hinzuwirken, daß die Kaliitt Thealrr. Ernesto Rosst als«ras Thorane. ■ --"o Rossi als Graf des Konsums sich verringert, und daS würde die Folge deS Stolbrrgschcn Antrages sein. Schon jetzt soll die Busfuhrvergütung herabgesetzt werden, das heißt, eS würde gegenüber dem jetzigen Soll der Stcuerbelastung eine Hrrabs tzung eintreten. Wenn nun nach Verlauf einiger Jahre ein ähnliches Mißoerhältniß zwischen Steuer und Ver- gütung vorliegen sollte, dann würde es allerdings in der Kon» sequenz des Antrages liegen, daß wieder eine Herabminderung der Vergütung stattfinden würde unter Beibehaltung der Sieuei sätze; eS würde mit anderen Worten eine weitere Herab. Minderung der Eteuerauflage auf den Zuckerkonsum herbeige- führt sein. Ich glaube nicht, daß die verbündeten Regierungen bei den gesteigerten Anforderungen an daS Reich und der Schwierigkeit, andere Steuerobjelte heranzuziehen, auf diesen Vorschlag eingehen werden. Er hat eine prinzipielle Bedeutung, weil er im Gegensatz zu dem bisher innegehaltenen Wege eine Herabsetzung deS Maßes der Zuckerbesteuerung zur Folge hat. Auch wtrthschaftlich ist der Antrag bedenklich. Für den inländischen Preis des Zuckers ist mit entscheidend die Höhe der Vergütung. Setzen Sie diese herab, so be. wirken Sie ganz unzweifelhaft damit ein Hcradgehen deS Zucker preise» im Jnlande. Giebt aber die Gesetzgebung auf diese Weise den Anstoß zu einer Baisse, so wird drese nicht bloS auf das Maß der Herabsetzung der AuSfuhrvergütung beschiäntt bleiben, sondern sich wahrscheinlich in noch weUeren Kreisen fühlbar machen. Ferner: setzen wir die Vergütung herab, so wwd natürlich versucht werden, die jetzt lagernden sehr erheb. lichm Vorräthe ins Ausland abzusetzen zum jetzigen höheren Veigüiungtsatze. Das wird unzweifelhaft zu einer Herab. setzu g des PceiseS führen und eS wird nicht gelingen, diese Vorrathe sämmtltch zu den hiheren Sätzen auf den aus ändischm Markt zu werfen. Werden aber die Vorräthe erst nach Ein. führung der niedigeren VergüiungSsätze ausgeführt, dann wird die Industrie erst recht geschädigt. So sehr die verbündeten Regierungen im finaiziellen Interesse natürlich der Fabrikat» steuer zustimmen würden, so erkennen sie die Materialbe» steuerung für unsere Verhältnisse als die richtige Form an. Um diese aber durchzuführen, muß der Reichstag den Vor- schlägm der Regierung entgegenkommen. Sonst würde eS schwer abzuwenden sein, daß die Fabrikatsteuer an die Stelle der jetzigen Materialsteuer trete. Abg. R o h l a n d: Man kann darüber verschiedener An- ficht sein, ob die Matertal- oder Fabrikatsteuer die richtigere sei. Wenn man sich aber für die Materialbesteuerung ent- scheidet, dann wäre es eine Bestrafung der Intelligenz und deS Fleißes, wenn man die, welche Melasseentzuckerungsanstaltm eingerichtet haben, jetzt besteuern wollte. Sie haben es gethan auf Grund der bestehenden Gesetzgebung, und wenn man fie jetzt besteuert, so vt'letzt man ihr Rechtigefühl. Diese Steuer würde aber auch eine ungerechte, weil ungleiche sein. Denn die Rüde in ungünstigem Klima und schlechtem Boden läßt mehr Melasse zurück als die in gutem Klima und gutem Boden. Man sollte die Zucker»Industrie, die sich ohnehin schon in einer schlimmen Position befindet, nicht mit einer größeren Steuer belasten, sondern ihr im Gegenthcil mit Erleichterungen unter die Arme greifen. Wird der Bunvesrath, wenn er in 3 bis 5 Jahren die Jndust ie durch diese Zuckersteuer an dm Rand de» Abgrundes aefübrt hat und gezwungen ist, mit einem Male zur Fabri tatsteuer überzugehen, diese EHetzeSvorlage ver» antworten können? Ich bitte den BundeSrath, sich die Sache noch einmal zu überlegen, ehe es zu spät ist. Agg. v. WedellMalchow: Im Gegensatz zur Re» gierung halten wir eine Melaffebesteuerung für sehr wohl durch« sührbar, glauben auch nicht, daß es nothtg sein würde, zu diesem Zweck in das Gesetz eine Definition deS Begriffes „Melasse" aufzunehmen. Abg. Lohren: Die Majolität meiner Parteigenossen erblickt in den Beschlüssen der Kommisston nicht blas eine V-r» befferung der jetzigen Verhältnisse, sondern auch der Re« gierungsvorlage. Bundetkommiffar Geh. Rath B o c c i u S muß dem Vor» redner gegenüber daran festhalten, daß die Melassesteuer, wie fie die Kommisston vorschlage, zur Zeit nicht durchsühr» � Äbg. Graf Udo Stolberg: Ich verkenne nicht das Wohlwollen, von dem die Regierung bei Eindringung ihrer Vorlage geleitet wurde; trotzdem hat sich letztere nur eines geringen Beifalls erfreut, und in der Kommisfion sind nur zwei Milglicder dafür«ingetreten. Den Zucker so erheblich mehr zu zu belasten, wie es die Regierung will, halte ich schon deshalb für bedenklich, weil er bereits in Höhe der Hälfte seines Werth», also im Vergleich zu anderen Konsumtidilten außerordentlich hoch belastet ist. Abg. Buhl: Der Staatssekretär von Burchard hat die Kommisfionsvorschläge einer sehr abfälligen, schneldigm Kritik stand als günstig hinzu, daß die Rolle in gebrochenem Deutsch vorgetragen werden muß, daS gebrochene Deutsch Rosfi'S war jedoch etwa» zu natürlich gebrochen. Einzelne Laute deS deutschen JdtomS find dem Romanen überhaupt nicht geläufig. für das deutsche„GH" sagt der Italiener sowohl wie der Franzose regelmäßig„K". Außerdem war die Figur des Grafen Thorane gerade nicht diejenige, welche Emesto Rossi be'onderS günstt, liegt. Wer Ecnesto Rossi beispielsweise im o 8n" g-seben hat. wenn er mit der ganzen Gluth unge» zahmler Leidenschaft, mit der überwältigenden Kraft seines GenieS da» Publikum hinreißt, der erkannte ihn vorgestern Abend kaum wiedi r. In einzelnen Szenen kam allerdings sein un« gemeine» Talent zum Durchbruch, er verstand eS. sich in die Herzen seiner Zuhörer einzuschmeicheln durch die Ungelünstclt- heit seiner Naturlaute, durch jene wunderbare Art sich zu geben, dann aber wurde man unwillkürlich wieder ängstlich, man be« dauerte, daß ein so eminentes Talent in einer unpassenden Rolle vergeudet wurde. Dankbar muß die liebenswürdige Künstlerlaune deS großen Tragöden anerkannt werden, daß er fich dem deutschm Publikum einmal in einer deutschen Rolle präsentiren wollte. Leider blieb da» Können hinter dem Wollen ,uttt jjie übrigen Darsteller thaten ihr Möglichstes, um nicht hinler dem Gast zu verschwinden. Herr Biencke verstand eS, mit gutem Humor, die Rolle deS Mack in seiner steifen, dienst. lichen Haltung wiederzugeben, F au Carlsen war als Frau Rath Göthe ganz die liebevolle, forzsame, dabei doch seldstde« wußte Herrin des HauseS, ebenso verstand es Herr Guthery, fich gut mit seiner Rolle alS penfionirter Professor abzufinden. Auch Herr Meißner und Frau Walther- Trost waren recht drastisch. Fräulein Mey»r als Grete! schwärmte sehr anschau» lich für ihren Sergeant Major, den zukünftigen„Entendenten." Weniger befriedigte Herr Kur, als Rath Götbe, er fand sich nicht recht in die Rolle deS freiheittstolien Patriziers. AlS Debütantin trat Fräulein Carlowsfa vom Deutschen Th-ater in Moskau auf, sie gab den jungen Göthe mit vielem Geschick und Feuer. unterzogen; ebenso aber auch der Abgeordnete Lohren die Re- gierungSvortage. Aber wir müssen doch aus dem gegen- wältigen Zustande Heraue. Wie fich der Herr Staats» selretär so prinzipiell ableh-end gegen den Antrag deS Grafen Stolderg verhallen und dessen direkte Ablehnung durch die verbündten Regierungen in Ausstcht stellen konnte, habe ich nickt verstehen können. Nehmen wir den Vorschlag der Kommisfion an, so betreten wir zwar einen schwer gang» baren, aber doch den gangbarsten Weg. Minister für die Landwirthschaft Dr. Lucius: Ich be» baute, daß die Vorschläge der verbündeten Re Gerungen so wenig Anklang in dem hohen Hause gefunden haben, weil ich nach wie vor der Ar ficht bin, daß fie am meisten den Intet» essen der Landwirthschaft und Industrie Rechnung traaen. Die Vorschläge bewegen fich genau auf der Bahn der Ent- Wickelung der gesammten Zuckersteuer, fie verfolgen den Zweck, einmal die Stcueremnahmen auS dem Zucker wieder in ein richtiges Vthältniß zu setzen, fie zu erHöven, andererseits die Exportbonifikation entsprechend den jetzigen Rendementsverhält- wissen zu reguliren. Deshalb wird die graduelle Erhöhung der Steuer um 10 Pfennig für den Doppelzentner im ersten und wieder um 10 Pfennig in dem zweiten Jahre vorge« schlagen; das würde bei Verarbeitung von 100 Millionen Doppelzentnern per Jahr 10 Mill. Mark ausmachen, vom zweiten Jahr an doppelt soviel. DaS ist ein unzweifelhaftes Ergebniß, waS bei keiner anderen Besteuerungsfmm erreicht wird. Mit Herrn Abg Lohren thcile ick vom landwirthschaftlichen Stand« punkte die Anficht, daß die Melaffebesteuerung wünschenSwertH ist, wenn fie nur möglich wäre. Sie ist aber nicht möglich, und meines Erachten» wird der Versuch, die Melaff, steuer einzuführen, kläglich scheitern. Die gleichen Ausführungen de» Dr. Scheibler hierüder find um so zutreffender, alS er ein Anhänger der Fabnka'stcuer ist. Sämmtlicher in der Rüde enthaltene Zucker ist mit der Rohsteuer bereit» getroffen. und eS ist ganz gleichziliig. wie die Säfte nachher weiter dehandelt werden. Pfropfen Sie die Melafststeuer auf die Robfteuer auf. so bahnen S.e damit den Uedergang zur Fabrikatsteuer.(Sehr richtig! rechts.) Dann würde entweder die Melasse noch Frank» reich gehen, wie zum Thetl schon jetzt, um zum Spiritus ver» wendet zu werden, was also indirekt den heimischen Kartoffelspiritus brennern Konkurrenz machen würde, oder nach England, dann würden fich nothwindig dort Strontian- oder Coelestm» fabriken entwickeln und so die heimische Landschaft geschädigt werden. Nihmcn Sie die Vorlage der verbündeten Regierungen unverändert an im Interesse der Landwirthschaft und der In- dustrie.(Beifall rechts.) Abg. Heine(Sozialdemokrat): Ich habe mich an den Berathungrn der Kommisfion nur so lange detheiligt. alS AuS» ficht dafür vorhanden war, die Rohmaterialsteuer durch eine Fabrikatstener zu ersetzen Als eS fich aber nur noch darum handelte, wie hoch die Exportbonifikation zu bemessen sei, habe ich eS im Interesse der fort chreitenden Kultur für besser gehalten, wenn ich nicht mehr thetlnehme(Heiterkeit), ich bereiste deshalb lieber den 19. sächsischen Wahlk, eis, um den fünfimdzwanzigsten Sozialdemokraten durchdringen zu helfen. (Große Heiterkeit.) Die Zuckerindufirie soll nothleivend sein und deshalb noch mehr StaafSunterstützung erhalten. Wenn wir für die nothleidenden Arbeiter etwa» erbitten wollten, würde man uns gar nicht beachten. Die nothleivende Industrie ist freilich etwa» Andere»! Abrr die Roth im Volke ist sehr groß. Hier in Berlin gehen die beschäftigungslosen Arbeiter Abends in den Vororten betteln und nach der„Germania" herrscht in Westpreußen der Hungertyphus ganz schrecklich. Die nothlcidende Industrie ist nur ein ganz imaginärer Be» griff, denn ich kann mir die Fabriken nicht ohne Arbeitgeber und Ardeiter denken. Durch die Unterstützung deS Staates erhalten Besitzer, Altionäre und Rüdenbauer sehr bedeutende Vorrheile, aber nicht die Arbeiter; zergen Sie mir einen einzigen durch die Unterstützung reich gewordenen Ar» beiter I Denen geht eS sehr schlecht. In einer der größte» Fabriken, der des Herrn Kollegen Dietze in Barbu, er harten die Arbeiter in der Mehrzahl 1,50 bis 1,75 M. pro Schicht, natür» lich werden Ueberstunven gemacht, weil dieser Lohn nicht aus« reicht, um die Familie zu ernähren, jedes Versehen kostet Straf» gelder von 50 Pf. bis 3M., der Gesundheitszustand ist schlecht und die Behandlung der Leute läßt sehr viel zu wünschen übrig. Der Ardeiter soll nicht der Industrie wegen da sein. sondern die Industrie des Arbeiters wegen? W»s geschieht aber den Arbeitern? Ueber die vom Lohn eindehaltenen Straf- gelder wird niemals Rechenschaft abgelegt. Thatsache ist. daß die Herren Inspektoren die Strafgelder vielfach in die Tasche stecken und dafür ihre Champognerschuldcn bezahlen.(Hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Unterstützung, welche derStaat bisherge« währt hat, hat fich für die Fabrikanten vorcheilhaft erwiesen, aber nicht für die Arbeiter. Wir halten den Zucker für ein noth« wendiges Lebensmittel und wünschen deshalb, daß der Ver» brauch desselben gesteigert werde. WaS unser» Antrag betrifft, so geben wir unS keinen zu großen Hoffnungen hin. Wollte man endlich zur Fabrikatsteuer übergehen, so würden fich auch die Schäden, welche mit der Exportbonifikation verbunden find, am besten beseitigen lassen. Abg. Härle: Die Mittheilungen des Staatssekretär« über daS Etträgniß der Zucker steuer im laufenden Jahre lauten geradezu erschreckend und überschreiten weit die bisher über den Verfall der Zuckersteuer gehegten Besorgnisse. Die Kom« misfion hat«S aber als ihre Pflicht ansehen müssen, der Frage der Melaffebesteuerung näher zu treten und einen dahin gehen- den Antrag zu stellen. Wenn fie die» unterlassen hätte, dann hätte man ihr von allen Seiten den Vorwurf gemacht, daß fie dieser schwierigen Frage scheu auS dem Wege gegengen fei.— Die Regierung erklärt fich auf» hestimmteste dagegen, und wenn somit keine Auestcht auf Annahme vorhanden ist. dann könnte ich mich am eh sten für den Antrag Siolberg auifpreckn, der bei Beibehaltung der bisherigen Rüdensteuer eine weiter» gebende Herabsetzung ver AuSfuhrvergütung in fich schließt, und der somit den Doppelten Zweck, Vermehrung der Reichs- einnahmen und Entlastung des JnlandSkonsumS, außer dem Antrage der Kommisfion, am besten erfüllt. Abg. Struckmann bittet»ach den Erklärungen deS landwirthschaftlichen Ministers die Regierungsvorlage anzu nehmen. Abg. Dietze(Barby)(persönlich): Der Abg. Heine hat meinenNamenindie Debatte gezogen in ganz underechtigtrr Weise, von den Verhältnissen gesprochen, die auf meiner Fabrik bestehen ollen. Er hat dabei Lohnsätze angeführt, von denen ich sagen muß, daß zwar einige Arbeiter solche erhalten; aber der weit» au« größere Theil meiner Arbeiter erhätt Löhne, die um daS Doppelte höher find, als die höchsten vom Abg. Heine ge» nannten Sätze. In Bezug auf die Strafgelder hat er gesagt, man wisse n cht, wo dieselben bleiben. Ich erwidere, daß auf meiner Fabrik es zu den äußersten Seltenheiten gehört, daß Arbeiter mit Strafgeldern belegt werden. Bis zur Einführung de« KrankenkaffengesetzeS flössen diese Gelder in die Kranken» lasse, au deren Unterhaltung keiner von meinen Leuten auch nur einm Pfennig lonst beigesteuert hat. Ick habe viel mehr selbst alle Kosten der Krankenkasse dezahlt, und die Straf« aclder, die dazu mitvenvendct wurden, beliefen sich im Jahre auf etwa 2—3 Thlr.(Hört! hört! rechts.) Ich über« gehe die anderen Behauptungen deS Herrn, gebe mich aber der Hoffnung hin, daß durch solche Hetzereien daS gute Verhältnis, da« zwischen mir und meinen Arbettem seit mehr als vierzig Jahren besteht, keinerlei Störung erfahren wird. Der beste Beweti für dasselbe ist die Thatsache, daß bei seder Wahl in Borby die Sozialdemokraten es nie zu einer höheren Zahl von Stimmen gebracht haben, als bis auf 20.(Stufe bei den Sozialdemokraten:„Warum denn? wie geht da« zu? Hetzerei ist kein parlamentarischer Ausdruck.") Wenn der Ausdruck zu scharf war, so muß ich sagen, daß es auch kein liebevolles Un erfangen ist, daS gute Verhältniß zwischen mir und meinen Arbeitern aufzulösen.(Sehr richtig! rechts.) Der Präsident erklärt den Ausdruck„Hetzerei" für unparlamentarisch. Abg. Heine: Die Tbatsachen, die ich über Verhält- niffe in der Fabrik des Herrn Dietze anführte, find mir von drei verschiedenen Seiten übereinstimmend mitgetheilt worden. Abg. Dietze: DaS ist doch kein Beweis für ihre Rich> tigkeit; denn daS unter so viel Arbeitern drei Mißvergnügte find, ist kein Wunder. Die weitere Berathung wird um 4'/, Uhr biS Freitag 1 Uhr vertagt. Außerdem soll der Gesetzentwurf, betreffend die Slhedung einer Schifffahrtiabgab« auf der Unterweser, in dritter Lesung berathen werden. «bgeordueteuhau». 44. Sitzung vom 18. Marz. Prifident v. Köller eröffnet die Setzung um 11V« Uhr. — Am Mintsterttsche v. P u t t k a m e r, Dr. v. G o ß l e r und mehrere Kommissarien. Das Haus setzt die zwrile Etat« berathung fort. Beim Etat der Staatsarchive wurde die erste Baurate zur Errichtung des zur Aufnahme des Magdeburger Staatsarchivs bestimmten Gebäudes in Halle(80000 M.) abgelehnt.— Beim Etat deS Abgeordnetenhauses bean« tragt Abg. Douglas(Freit.) die Regierung zu ersuchen, technisch feststellen zu lassen, od fich das ReichStagSgmndstück Kr Errichtung eine» neuen Abgeordnetenhauses eignet; event. zügliche Bausltzzen anfertigen zu lassen.— Abg. v. Heere« man(Zentr.) deantragt hierzu, daß event. die Regierung «inen anderen geeigneten Bauplatz in Vorschlag bringe.— Abg. v. Meyer« ArnSwalde(Kons.) erllärte fich auS finanziellen Gründen gegen einen Neubau, und hält das gegenwärtige Ge- däude für besser, als man es darstelle. Er fühle fich lanni- dalisch wohl darin.— Abg. Jansen(Zentr.) ist für den Antrag Douglas, aber gegen den Zusatz Heereman.— Abg. Windtyorst(Zentr.): DaS s etzige Gebäude reiche nicht auS; es biete weder genügende Räume zur Berathung noch zur Erholung. DaS jetzige ReichStagSgebäude sei baulich man- gelhast; aus dem jetzigen Abgeoidnelenbause müsse man sobald wie möglich fortzukommen suchen zum Schutze deS Lebens der Abgeordneten und Minister. Nachdem noch v. Heereman (Zentr.) und Graf(Nat..Lib.) die Anträge befürwortet, wur« den dieselben mit großer Mehrheit angenommen.— Belm Bergwerks Etat erklärt Reg. Rath H u y s se n auf Anfrage de« Abg. Berg er(Lid.): DaS Camphausener Grubenunglück sei durch vorschriftswidrig- s Umgeben mit einer Davyschen Lampe herbeigefühit.— Beim Eisenbahn-Etat wurde der An- trag Letocha(Zentr.)(Fahrpreisermäßigung für Waisen- hauSzöalinge) der Regierung zur Erwägung überwiesen.— Beim Siat der Landwirthsch,. Verwaltung wurde die Regierung um Erwägung ersucht, od eine beschleunigte Fortsetzung deS Süd. Nord Kanals wirthschaftlich zu empfehlen sei; eventuell soll die erforderliche Summe in den nächsten Etat aufgenom- men werden. Beim Kultutetat endlich wurde die Regierung um Einstellung einer Summe in den nächsten Etat ersucht, zur Entschädigung der Superintendenten.— Schließlich wurde das Etatsgesetz genehmigt, nachdem die EinzeletatS angenom« men worden waren. Damit ist die zweite E'atlesung beendet. — Nächste Sitzung Freitag, den 19. März, 12 Uhr: Petitionen. — Schluß 4 Uhr._ Kommunales. Etadtverordneteu«Versamml«ug. Sitzung vom Donnerstag, den 18. März. Der Stadtverordneten« Vorsteher Herr Bllchtemann eröffnet die Versammlung um öV> Uhr mit geschäitlichen Mit« thetlungen. Der Etadto. Herold sucht um Urlaub nach; seine Vertretung übernimmt der Etadto. G ö r ck t. ES wird in die Tagesordnung eingetreten. Berichterstattung des EtatS-AuSschusseS über den Etat für die Verwaltung der städtischen Gasanstalten pro 1. April 1886, 87. Berichterstatter ist der Etadto. Rattern. Derselbe empfiehlt der Versammluna folgenden Beschluß zu fassen: Die Versammlung ersucht den Magistrat, ihr auf die Anfrage des Etadto. Löwe und Genossen, betreffend die Herabsetzung der Gakpreise für gewerbliche Zweckt, recht bald eine Vorlage zu machen. Etadto. Löwe zieht zu Gunsten deS vorliegenden An« trageS seinen Antrag, 20 000 Mark vom Etat abzu« setzen, zurück. Dieser Antrag habe nur den Zweck ge- habt, den Magistrat zu zwingen, die dilatorische Behandlung der Angelegenheit aufzugeben. Die Herabfitzung des GaS« preiseS für gewerbliche Zwecke werde auch von der„Englischen Gesellschaft" zugegeben werden, da dieselbe in Ehrenfeld bei Köln eine Herabsetzung des GaSpreiseS um 20 pCl. bewilligt habe. Der Antrag des EtatSauSschusseS wird angenommen. Der Etat der Gaswerke wird in Einnahme und Ausgabe auf 14383700 M. festgestellt. Antrag, betreffend die Erhöhung deS pen- fionSfähigen Gehalt« der städtischen Turnwarte.(Antrag Dr. Jcmer.) Der Bertchtelstalter Etadto. Dr. Kürten empfiehlt den Antrag in folgender Form: Die Versammlung ersucht den Magistrat, den Tumwarten künftig eine bestimmte Anzahl von Vfltchtftunden aufzuerlegen und demgemäß ein« entsprechende Eihöbung deS penfionSfähigen GehalleS derselben eintreten zu lassen. Diese Resolution wird angenommen. Etat für die Kanalisationswerke'und die Verwaltung der städtischen Rieselfelder pro 1. April 1886/87. Berichterstatter ist der Etadto. Epinola. Derselbe empfiehlt die Anträge des Ausschusses. Etadto. G ö r ck i: Eine wichtige Frage für die Verwal- tung der Stadt ist eS, ob nicht ein anderes System der Reint- gung der städtischen Spülwässer möglich ist. Es wäre angemessen gewesen, daß der Ausschuß die Gründe angeführt hätte, welche gegen die Prüfung neuer Vorschläge sprechen. Der Magistratsvertreter hat es selber ausgesprochen, daß die Stadt einer Ungewissen Zukunft in der Rieselselderwirthschast entgegen« gehe, sobald alle Theile der Stadt an die Kanalisation angeschlossen find. Die Wissenschaft hat noch nicht festgestellt, od der be« rieselte Boden nicht schließlich übersättigt wird. Und eS ist gesagt, daß andere Städte, welche die Berieselung eingeführt haben, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der MagistratSeertreter hat gegen das Pctri'sche Verfahren nicht gerade glückliche Gründe angeführt. Einer seiner Einwürfe gipfelte darin, daß die Basstns, die bei diesem Ver- fahren nöthig find, ungeheuere Kosten in Frankfurt a. M. ver- msacht haben. Dort wird aber ein ganz anderes chemische? Verfahren angewendet, als Prof. Petri vorschlägt. AuS seiner Kostenrechnung geht hervor, daß die Kosten der Anlage der Basfins seines Systems in kein«» Verhältniß zu der Summe stehen, welche der Anlauf von Rreselfeldern verschlingt. Es ist ferner unrichtig, daß jenes Verfahren fich auf daS Kalkoer- fahren stützt. Aus diesen Gründen ist eS dringend geboten, jeneS Synem zu prüfen und ihm etwas unparteiischer als biS her entgegenzuireten. Sind also nrch in diesem Etat Summen disponibel zu derartigen Uniersuchungen? Stadtv. E a m m hält derartige Untersuchungen für über« flüsfia. Stadtrath Markgraf giebt die Ecfärung ab, daß der Magistrat eS nicht für nö.hig halte, weitere Versuche zu machen. In eine Polemik mit Prof. Petri wolle er fich jetzt nicht einlassen. Doch werde in kurzer Zeit bei der Neu- bewilligung des System? VIII auch über dieses Verfahren Auskunft ertheilt weiden. Der Magistrat werde mit Anträgen auf Bewilligung größerer Summen für die Anschaffung neuer Rieselfelder an die Versammlung herantretm. Sine jetzt vor- zunehmende Prü ung neuer Systeme sei eine Vergeudung von Zeit und Mitteln. Em bestimmter Antrag ist nicht gestellt, die Anftage ist erledigt. Nach einer kurzen Debatte zwischen den Stadtv. Hoff« mann Ii, NamSlau und Epinola wird der Etat in Einnahme und Ausgabe nach den Anträgen deS Ausschusses festgesetzt. Unter großer Unruhe der Versammlung, die zu mannigfachen Beschwerden Anlaß giebt, werden eine Anzahl unwesent- licker Vorlagen debatteloS nach den Anträgen deS Magistrats erledigt. Ankauf deS der Petri-Kirchengemeinde gehörigen Theiles des alten JakobS- Kirchhofs in der Kürasfierstaße. Der soll zu einem Spielplatz eingerichtet werden. :r Gemeinde- Kirchenrath verlangte pro Quadrat« Ruthe zuerst 600, dann 500 Mark. Dieser Preis erschien der Etadtverordneten-Versammlung zu hoch und fie lehnte am 3. September v. I. den Antrag ab Der Magistrat trat in neue Verhandlungen und hegt die Hoffnung, zu dem Preis von 450 M. pro Quadratruthe den Platz zu erhalten und stellt den Antrag, für den Ankauf deS ca. 450 Quadratruthen großen Theile« vom alten Jakobs-Kirchhof die Erhöhung des Kaufpreise« auf 450 M. und die Anweisung des Kauf» preise« auf 215000 M. zu genehmigen. Etadto. Dr. L a n g e r h a n S erklärt fich gegen den An« trag. Die Kirche, nicht die Etadtverordneten-Versammlung hätte entgegenkommen müssen. Stadtv. M a t t e r n empfiehlt den Antrag. Stadtv. G ö r ck i: Welche Ereignisse find eingetreten, uns von unserem früheren Beschluß zurückzubringen? Wir find da- mal? nach gewissenhafter Erwägung zur Ablehnung der Vor« läge gekommen. Wohl wollen wir Opfer für die Ein- richtung von Spielplätzen bringen, aber fie müssen eine Grenze haben. Wenn die Kirche die Aufgaben erfüllen will, die zu erfüllen fie vorgiebt soho!) dann muß fie unS entgegenkommen. Aber dem unersättlichen Appettt der Kirche gegenüber haben wir an den einmal gefaßten Beschlüssen festzuhalten.(Große Unruhe.) Der Antrag deS Magistrats wird angenommen. Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Mühlenstraße 49/50. Nach kurzer Diskussion wird der An- trag deS Magistrats abgelehnt. Geldbewilligung zum Zwecke vonVorar« b e i t e n für eine in Berlin zu veranstaltende deutsche nationale Industrie- und Gewerbe Ausstellung im Jabre 1888. Der Magistrat beantragt eine Bewilligung von 30 000 M. aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben. Oberbürgermeister v. Forckenbeck: Eine nationale AuS- stellung in Berlin würde im hohen Interesse der deutschen Gesammtindustrie liegen. Die Klein- und Mittelindustlie,hege den lebhaftesten Wunsch, eine solche Ausstellung zuhaben; die Großindustrie werde folgen- Gegenüber den Bestrebungen der Nachbarländer für eine internationale Ausstellung sei die na« tionale Ausstellung der einzige Weg, ohne allen Nachtheil der deutschen Industrie die Freiheit der Entschließung zu wahren. Von den berufenen Faktoren müsse die Ausstellung in die Hand genommen werden und daS seien in erster Reihe die Gemeindebehörden der Reichshauptstadt. Etadtv. Singer erklärt fich gegen die Vorlage.(Aus- führlicher Bericht folgt nach.) Nach einer Erwiderung de? Oberbürgermeisters und nach- dem der Stadtv. Löwe eine nationale Ausstellung empfohlen hatte, wird der Antrag des Magistrats angenommen. Eine Reihe unwesentticher Vorlagen werden debattelos an- genommen. Einsetzung einer Spezial-Kommission be- hufS freihändigen Erwerbs der Grundstücke auf der Südseite des Mühlendamms. Der Magistrat beantragt 1. daß eine auS 3 Mitgliedern der Stadtverordneten- Versammlung und 2 Mit- gliedern deS Magistrats bestehende gemischte Deputation behufS freihändigen Anlaufs der Hautgrundstücke auf der Südseite des MühundammS eingesetzt werde, und 2. daß diese Dcpu« tation nach Mehrheitsbeschlüssen selbstständig, ohne einzuholende Zustimmung der städtischen Behörden, die genannten Grund- stücke im Wege freiwilliger Vereinbarung anzukaufen berechtigt ist, jedoch nur unter der Bedingung, daß von der großen Ber- liner Pferdeeisenbabn Aktiengesellschaft zu Berlin der Vertrags- mäßig festgesetzte Betrag von 700000 M. gezahlt wird. Stadtv. Dr. I r m e r hat gegen diesen Antrag verfaffungs- mäßige Bedenken. Die Versammlung gebe ein prinzipielles Recht auS den Händen. Stadtrath Meubrink kann derartige Bedenken nicht finden. Etadtv. Singer: Ich muß ebenso, wie Kollege Inner, mich gegen daS Prinzip erklären, da« dem Antrage deS Magistrats zu Grunde liegt. Wir können da« wichtige Recht der G-ldbnvilligung nicht aufgeben. Welche Meinung würde im Lande herrschen, wenn der Reichstag derartige Delegationen einsetzen wollte. Und dann ist es in der That auch gleichgiltig, od ein solcher HauSkauf 8 Tage früher oder später abgeschlossen wird. Die Kommisfion darf daS Recht seldstständiger Preis« besttmmungen nicht erhalten. Das ist im Interesse der Selbst« Verwaltung gebotm. Bei der Abstimmung wird der Tbeil 1 de« MagifiratS- antrageS in einer von dem Etadtv. Wieck modifizinen Form angenommen, Theil 2 in namentticher Abstimmung mit 58 gegen 27 Stimmen ebenfalls. Aulführung der Fapaden am neuen Polizei« Dienstgedäude. Die Entwürfe werden schließlich genehmigt und ebenso, daß die Vorbereitungen zur Ausführung schon jetzt getroffen werden. Entwurf zum Bau einer höheren Bürgerschule in der Alexandrinenstraße wird nach den MagistratSanträge« ** Damit ist die Tagesordnung erledigt. ES folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Schluß 9 Vi Uhr._ Lokales. er. Noch immer läßt die Kälte nicht nach- die ganze Natur erstarrt immer noch in Eis und Schnee, und vergeblich erwartet Alles die belebenden und erwärmenden Strahlen der FrühlingSsonne. Handel und Wandel liegen darnieder, die Arbeits lostgkeit kann augenblicklich kaum noch gesteigert werden, am meisten leiden wohl die Bauhandwerker unter den Unbilden der Witterung. Die Bauten liegen still und ver« ödet, der Maurer und Zimmermann feiert und mit ihnen zu- gleich müssen nothgedrungen alle die Handwerker und Ardeiter die Hände in den Schooß legen, deren Beschäftigung von dem rüstigen Fortschreiten der eigentliche« Bautbätigkeit abhängt. Der v-rgangene Winter— man kann eigentlich kaum von der Vergangenheit desselben sprechen— war hart und wer viel« leicht einige Mark für die arbeitslose Zell aufgespart hatte, hat das Geld längst ausgegeben und jedenfalls find in unzähligen Familten die unentbehrlichsten Gegenstände auch schon langt inS Leihhaus gewandert. Und immer noch herrscht die Kälte, wie groß auch die Sehnsucht nach einem Umschlag der Witte« rung sein mag— der heiße Wunsch des HerzenS vermag den Schnee nicht schmelzen zu lassm, das glühende Verlangen nach Thätigkeit und Beschäftigung bricht dai Eis nicht, welche? den Beginn der Arbeit hindert. So sehen wir diesmal die Bau« Handwerker unter ungünstigen Bedingungen die Frühjahrs« arbeit aufnehmen oder— was dasselbe sagt— in den Lohn» kämpf ziehen. Noch vor wenigen Wochen, ja noch vor Tage« hatte eS den Anschein, als könnte in diesem Jahre der un seltgeEtreik vermieden werden, die AuSstchten aber auf eine gütliche Beilegung der Lohnstrettigkeiten schwinden mit der anhaltenden Ungunst der Witterung zusehends. Der Arbeitgeber weiß, wie eS mit den finanziellen und wirthschaftlichen Verhällniflen der Arbeit« nehmer steht, er weiß, daß die Roth so hoch gestiegen ist, daß ein längerer und ernstlicher Widerstand kaum zu befürchten ist. und mit dieser Voraussetzung scheint die Meisterschaft des BauhandwerlS diesmal die Gesellen an fich herantreten lassen zu wollen. Man kann fich nicht verhehlen, daß dieser Plan etwas grausam Vernünftiges an fich hat, er zeigt, daß der Arbeitgeber gewillt ist, die fich ibm bietenden Chanzen in der ergiebigsten Weise auszunützen. Noch vor kurzer Zeit konnte man fich der berechtigten Hoffnung hingeben, daß man de« glücklichen Ausweg auS dem Dilemma gefunden hatte; damals allerdings konnte man noch Nichtwissen, daß die Kälte so lange anhalten würde, man mußte annehmen, daß die Bausaise« unter den gewöhnlichen Bedingungen ihren Anfang nehm»« würde. HcMe hat fich die Situation geändert und mit Ihr zugleich die Taktik der Herren Ardettgeber. Wo man noch vor verhältnißmäßig kurzer Zeit Milde und Versöhnlichkeit zeigte, da hält man jetzt Härte und kurze Ablehnung für an« gemacht, und mit den veränderten Verhältnissen haben auch gegebene Versprechen ihre Giltigkett verloren, an die Stelle der bindenden Abmachungen find Winkehüge und leere Redensarten getreten. Die gesammte Berliner Press» machte fich vor wenigen Tagen ein besonderes Vergnüge« daraus, für die chamäleonScutige Haltung der Arbeitgeber und ihreS Organs, der„BaugewerkS-Zettung", beim große« Publikum Stimmung und Propaganda zu machen, tiotzde« aber werden fich die Kundigen und namentlich die ArbeUer nicht beirren lassen, es wird der Meisterschaft der Vorwurf nicht erspart bleiben werden, daß man eine Zusage in dem Augenblick zurücknahm, als man glauben konnte, daß man zum Halten derselben faktisch nicht mehr gezwungen werden konnte. Eine derartige Handlungsweise kennzeichnet fich selbst; wir wollen uns ein Urtheil Über dieselbe ersparen, nur daS wolle« wir hervorheben, daß eine derartige Kampfesweise unter ehr» ltchen Gegnern bisher noch nicht üblich war. Die„Baug«« Werks- Zeitung" weiß, um dm eigentlichen Kern der veränverten Handlungsweise zu verschleiern, nur leere Ausflüchte zu wachem fie windet sich um die wirkliche Sache herum, indem fie fiw an leicht zu widerlegende Aeußerlichkeiten anklammert. So schreibt daS Meisterorgan in seiner Nummer vom vorige» Sonnadmd: „Die Lohnkommisston dürste seitens der Bauarbeit« geberschast als vollgiltige Vertretung kaum angesehe» werden, denn man kann doch nicht behaupten, daß die von 1500 Maurern am 26. Februar in der Tonhalle gewählte Kommisfion alle Maurer Berlin«— man darf die Äesammtzahl wohl auf 12 000 annehmen— ver» tritt; diese Lohnkommisston kann unseres Erachtens schon au» dem Grunde nicht als wirkliche Vertretung aller Berliner Maurer angesehen werden, weil fie die Akkord« arbeit beseitigen will." Ueber den letzten Punkt wollen wir hier nicht rechten, ob« wohl die Lohnkommisfion mit diesen Bestrebungen vollkommen im Recht ist, wie dies übrigens schon mehrfach und von durchaus beachteniwerther Seite nachgewiesen ist. Was nun aber jene Versammlung vom 26. Februar betrifft, so war dieselbe, wie fast alle Mamerversammlungen, äußerst stark besucht, und daß die Tonhalle mehr als 1500 Personen faßt, daS dürfte jedem Berliner bekannt'sein. Außerdem aber fanden mehrere Tausend Maurer keinen Einlaß mehr, und glaubt die„Baugewerks« Zeitung" etwa- daß fich unter diesen soviele Anhänger der Meisterschaft befunden hätten? Wir glauben ihr die deruhi« Sende Versicherung geben zu können, daß unter d esen kein iinziger gewesen ist, der nicht aus tiefstem Herzensgründe de» Beschlüssen der Versammlung zugestimmt hätte. Wie aber w-v denn die„Bauarhettgederschaftt" die Beschlüsse der Geselle« entgegennehmen, wenn dieS nicht durch eine in einer öffentliche« Maureroersammluna gewählte Kommission geschehen soll' Sollen die 12 000 Maurergesellen in einem Lokale Berlins zu» sammenkommen? Dann muß die„Bauarbeitgeberschaft" erst ein solche» auf ihre Kosten herstellen lassen, denn bis jetzt hat Berlin ein derartiges Lokal noch nicht aufzuweisen. Tie„Bau« aewerkS- Zettung" macht im Interesse der Arbeitgeberschaft nur leere Redensarten, um die Sache in die Länge zu ziehen; dt« Meister wollen heute noch keine endgiltige Erklärung abgeben- well bei anhaltender ungünstiger Witterung ihnen die Gesellen — wie fie wenigstens glauben— durch Mangel und Em« behrungen von selbst in die Arme getrieben werden. Das m daS eigentliche Motiv der perfiden Handlungsweise. Hoffentl'v rächt fich dieselbe! Der KrtedrichShain bot diesmal zum 18. März daS B>w der schönsten Winterlandschaft; blendend weißer Schnee oe« deckte Bäume und Rasen, der denkbarste Gegensatz zum 18. März 1848, der ein wahrer Sommertag war. Zahlreia pilgerte man auch diesmal zu den Gräbern der Gifallenen, beständig bewegte fich ein Menschenstrom hinauf und aber die Kränze waren sparsamer gesäet, als sonst, die Linor inmitten des Friedhofes war ganz leer— eS find fchk®;, Zeiten. Da« GroS der Besucher waren Arbeiter und Hanv werker, welche zum Theil dirett von der Werkstatt hierher G» eilt waren. Der Frankfurter Prozeß hallte hier stark Wide'- Sowie fich Einer rührte, hieß eS:„Pst! Frankfurt l" Im Anschlu» hieran wird uns von befreundeter Seite noch folgendes mitgethe»'' „WaS ist heute wohl verboten k" zur weiteren Erörtemng die>' Frage liefert folgende Heine Episode, welche fich gestern M® gen am Eingeng zur Ruhestätte der Märzgefallenen im F% richshain abspielte, ein drastisches Material. Eine Deputatw deS Louisenstädtischen BezirkSvereinS„Vorwärts" war dort e schienen, um im Namen der Mitglieder deS Vereins, zum*3" dächtniß der Freiheitskämpfer von 1843, einen Kranz niederz legen. Zunächst wurde die Deputatton nun ersucht, die wenrg. rothen Blumen auS dem Lorbeerkranz zu entfernen, rvas a» geschah; sodann verlangte der wachthabende Beamte auw», die Entfernung der weißen Schleife von dem Kranz. Dteie trug in rolher Schrift die Widmung:„Den gesallen Freiheitskämpfern; gewidmet vom ArberterbezirkSverein»-u wärts"! Nach einigem Parlamentiren der Deputation ton Schutzmann wurde auch dieser Anstoß beseitigt und nun kon der Kranz seiner Bestimmung gemäß verwendet werden,, in seinem hoffnungsvollen Grün Zeugniß davon S» gkben, die organistrten Arbeiter Berlins stets derer gedenken wer, die für die Freiheit der Menschheit gestritten haben!-* Sonderbarste bei der ganzen Sache ist nur, daß ein vom uro � Bezirksoerein„Osten" mit gleicher Widmung auf w Schleife und goldener Schritt versehener Kranz undeanst plazirt werden konnte I— WaS ist nun wohl verboten« K&rara Empfindung tausendfach auch nur beim Ar i' tinjtlien SlendS. Unsere gebildeten Herren und Damen lennm unfern Göthe und zumal GSthe'»„Faust", find über daZ Gleichen entzüekt und wetnm auch Thränen über dieselbe— Gleichen ist einmal klasfisch und stylvoll—«S würde also un- gemeine„Unbildung" verrathen, wenn man nicht so lhut, alS wenn man Göthe verstände und mit ihm empfände. Jede höhere Tochter weih, daß ste mit Sretchen sympathifiren und sie reizend und entzückend finden muh. Wie aber würde man absprechen, wenn man mit dem Gleichen im wirklichen Leben in Berührung käme; mit einem Gretchen, daS noch lange nicht in solche unselige Verstrickungen und Verhältniffe gelangt wäre, wie daS un» von unserm größten Dichter in rein menschlicher Verklarung vorgeführte Opfer. Wie weih man da die Nase zu rümpfen. w.'lch pharisäischen Hochmuth zu entfalten, wie brüstet fich va die satte und zahlungsfähige Moral, wie spricht man über solche»„Geschöpf" ab, gnadiae Kau und anadige» Fräulein sühlen fich in ihrer zart-ästhctischen Nervosttat höchst unangenehm berührt, und Frau Registrator und Frau Meisterin müssen e» doch der gnädigen Frau und dem gnädigen Fräulein nachthun, weil es ja mit zur Feinheit gehört.„D-r Menschheit ganzer Jammer saht mich an." E» giebt de» Elend» gar so viel und noch mehr der Gedanken- und EmpfindungSlofigkeit, so daß die meisten vielleicht bei einzelnen Fällen aus ihrer Gleichgiltigkeit aufgerüttelt werden, aber in wenigen Minuten fich wieder beruhigen. DaS MenschlichkeitSgefühl, da» in dem Elend de» Einzelnen der Menschheit ganzen Jammer erblickt und uns selbst al» Milleidende ergreift, zeigt man vielleicht, wo e» in poetischer Verklärung fich darstellt, wenn eS ali GSthe'scheS Gleichen oder Correggio'S büßende Magdalene vor geführt wird, aber nicht wenn wir dem Elend in der rauhen und nüchtern. prosaischen Wirklichkeit begegnen. Unsere Leser haben auS der gestrigen Nummer ersehen, daß am Sonnabend zwei Mädchen auS dem Umfluthgraben in Braunschweig ge- zogen worden find. Sie hatten fich zusammengebunden und vereint da» naffe Grad gesucht. Zwei Mädchen von 20 und 32 Jahren. Denkt Euch, von der verächtlichsten Sorte— Tingeltangelsängerinnen, wie die„Lande», eitung" ste nennt. Kann man fich verwerstichere Kreaturen denken? Und zumal wenn solche Geschöpfe noch menschlich zu fühlen und ,u denken fich unterfangen. E» ekelte fie des Elend», das fie umgab, und noch mehr, da zu dem Elend fich noch zu ihnen gesellte da» Licht auf eine deffere reinere Welt. Sie hatten noch ein Herz, in dem die Liebe ihre Stätte fand, und durch diese Liebe murde ihnen erst recht ihre hoffnungslose Lage klar. Die Ge- liebten waren junge KommiS; wo war da die Ausficht, au« ihrer Lage erlöst zu werden? Ueber kurz oder lang hätten die jungen Leute fich doch der geltenden Lebensklugheit fügen müssen. Da beschloffen die Mädchen ihrem Leben ein Ende zu machen: jede von ihnen schrieb noch einen Brief an ihren Ge- liebten, in dem fie ihren Empfindungen der LebenShoffnungS- lofigkeit Ausdruck geben. Die Wasser verschlingen fie und heute deckt fie wohl bereit» da» Grab. Wa» ist da weiter? Die find längst vergessen und die weltklugen Leute sagen mit mephistopbclifcher kalter Gleichgiltigkeit:„Es ist die Erste nicht." Aber eS giebt auch noch Andere, die noch weiter gehen: die fich selbst einen Heiligenschein zu geben meinen, wenn fie so recht von oben herab auf die„Sünder" herab« blicken.„Da steht man'»: das kommt davon. Warum wollen die Mädcbm nicht arbeiten? Uebrrdies haben wir allerlei fromme Vereine, selbst für gefallene Mädchen; wir helfen den Gefallenen und zeigen ihnen den Weg zur Befferung." Wir kennen da»! Wir kennen diesen Weg der Buße! Er ist die Ettödtung der menschlichen Natur, der menschlichm Leben»fteudigkeit: wa» da gerettet wird, ist meistens das, was im Himmel vielleicht sehr viel werth sein mag, aber auf Erden des Erhalten» kaum wetth ist. Die Härte gegen den Nebenmenschen tritt besonder» scharf hervor gerade unter den Frauen selbst und zumal in den feineren Kreisen. Wie ist man entzückt von der reizenden Naivetät der Komtesse, de» gnädigen Fräulein», jener Naivetät, wie st« in den Rollen für vi« jugendlichen Liebhaberinnen tausendfach dar- gestellt wird, aber ander» ist eS, wenn die Lebinslust und LebenSfreudigtett fich in einem jungen Mädchen, vielleicht der Waise eine» bochgestellten Beamten, die al» Gouvernante oder in sonstiger Stellung ihr Unterkommen findet, an einem Ge- sellschaft»abind zeigt und die Tochter deS HauseS in den Schatten steM? Nein, mein. Fräulein, daS schickt sich nicht; Sie find arm und abhängig und sollen fich stet» Ihrer Stellung bewußt sein und daß Sie von unserer Gnade leben. Da» ist da»„beneidenswetthe" Loo» selbst eines Mädchens au»„guter" Familie und von der„guten" Gesellschaft protegirt.— Daß zum Leben etwa» mehr gehört, wie die bloße Nahrung und Kleidung, daß die Lebensfreudigkeit und Jugendfrische, da» warme Herz und das lebendige Em- pfinden erst das menschliche Leben bilden, da» wird den Armen gegenüber zu leicht vergessen. Warum haben die Mädchen nicht arbetten wollen? Warum find 16« und 17jährige Mädchen nicht so ernster Lebentanschauung wie die alte ehrwürdige Stiftidame,(die vielleicht mit ihrer Ehrwürdigkeit ebenso kokettitt wie in ihren jünaerm Jahren mit den frischen Reizen ihrer Person)? Jungen Herren gegenüber, Kavalieren, Stu- denten, Assessoren, Lieutenant» u. s. w.. gehört es zum guten Tone, auch unter sehr würdigen Damen, ihnen tausenderlei Vergehen als„Jugendthorheiten" nachzusehen; aber über ein junge» Mädchen, daS kaum den Kinderschuhen entwachsen rst. da wird von den bejahrtesten Herren und Damen beim ge- ringsten Vergehen der Stab gebrochen. Da» Leben in den Fabriken und sonstigen weiblichen Arbeit»stStten rst nicht so lockend, daß junge, lebensfreudige Mädchen nicht leicht in die Versuchung kommm, fich demselben ,u entziehen und in an- derer Weise da« Leben kennen zu lernen. Ist doch die Lage der weiblichen Arbeiter eine derattige, daß ein nur zu großer Theil den Versuchungen zum Opfer fällt. Was wird alle» den jungen Herren zu gute gehalten? Der muß schon sehr Schlimme» begangen haben, wenn e» ihm auf seinem Lebenswege hinderlich«erden soll. Der kleinste Leichtfinn aber wird dem jungen Madchen schon al» unsühnbareS Verbrechen angerechnet. Warum haben fich die beiden jungen Mädchen nicht an irgend einen der Rettungs- vereine gewendet?„Die„verworfenen Geschöpfe" konnten fich ftewtß nicht mit der Buße in Sack und Asche defteunden: fie bäumten von einem Leben voll Lebensglück und Lebensfreudig- krit, voll Liebe und Sonnenschein, und da ihnen die» versagt war, wählten sie lieber den Tod. Wir leben in einer Zeit, in welcher so ungemein über die zu große„Hunmnilal geklagt wird, wo man die Humanität al» krankhafte Weichlichkeit de« wachtet: wir find nun aber unheilbar von dieser Human, tat angekränkelt und empfinden da» Loo» der Aermstcn und Elendsten al« ganzen Jammer der Menschhett. Unsere Leser und Leserinnen mögen es uns nicht zu übel nehmen, wir könnten fie ja von so vielem herrlich unterhalten, wir könnten Wen von allen möglichen Karnevalsfestlichkeiten erzählen, wir wnnten ihnen die Tolletten der Damen auf hohen und vor- Nehmen Festlichkeiten schildern, welcher Kavalier diese oder jene �ame zum Tanze geführt, und andere ähnliche interessante �inge ihnen auftischen, wir vergessen aber dieses alles gegen- öber dem Loose zweier gewöhnlicher Tlngellangelmadchen. . Ueber Herr« Etöcker und seinen Anhang finden wir w einem auSwältigen Blatte folgende beachtentwerthe Be- Pachtung:„Vor einigen Tagen ist Herr Stöcker be,m Ver- wffen eines Pferdcbahnwagens gefallen und hat fich den m verletzt. Diese Nachricht ist seit langer Zeit die erste, in P* sein Name erwähnt wird, fie erinnert allein daran, daß 2% früher so vielgenannte Mann überhaupt noch existirt. Herr W* wZ 7- was erinnert noch daran? Früher verging kein Tag, ohne uaß man fich mit ihm beschäftigen mußte, heute ist eS allein ein so trauriger Anlaß, der seinen Namen wieder in die Oeffent- lichkeit bringt. Nur in einer Rubrik begegnet man demselben noch hin und wieder; das ist in der Rubrik:„Gerichtsiäle". „Der Redakteur N. N. ist wegen Beleidigung deS Herrn Sröck-r freigesprochen." ,L»err Stöcker ist wegen Be- leidigung deS Herrn P. P. verurtheilt worden."„Herr Etöcker hat gegen daS ihn verurtheilende Unheil Berufung eingelegt"— das find die einstigen Reste der einstmaligen so unbegrenzten Herrlichkeit. Und nicht Stöcker allein ist zurückgetreten, auch sein Berliner General Stabschef Bickenbach hat die Flinte inL Korn geworfen. In einer jüngst stattgehabten Versammlung de» deutschen Antisemitenbundc» hat er feierlich aus einige Zeit Urlaub genommen. Da» Er- holungibedürfniß machte fich bei ihm an dem Tage bemerkbar, an dem er in der Stadtverordneten wähl unterlag. Wa» nützt ihm daS schönste Ehrenpräfidium in dem„Bunde", wenn e» ihn nicht einmal zu einem Vater der Stadt machen kann. Und so schüttete denn Herr P ckenbach sein Herz aus:„Als reicher Mann sei er in die Bewegung eingetteten, als armer Mann verlasse er ste. Zwar werde sein ganzes Leben den Aufgaben gehören, die ihn mit dem D. A.'B. verbunden, aber einst- weilen müsse er fich zu seiner Erholung zurückziehen. Uedrigen» waren seine persönlichen Verhältnisse niemals glänzende. Dieser Versuch, fich mit dem Nimbu» der Uneiaen« nützigkeit zu umgeben, fiel glänzend durch. Auch unter seinen Anhängern weiß man da» besser. Der Rück- gang der von Stöcker geleiteten Bewegung begann mit den öffentlichen Gerichttverhandlungen, in denen er, sei eS al» Zeuge, sei e» al» Angeklagter, zu erscheinen hatte. Seine Er- folge waren PyrrhuSstege, seine Niederlagen geradezu zer- schmetternd. Sir trugen Verwirrung in die Reihen seiner An- Hänger. Al» gar die osfiziöse Welt ihn fallen ließ, war e» ganz mit ihm vorbei. Er wurde vorfichtig. Und da die Vorstcht ihn zwang, maßvoll zu sein, wurde er langweilig. Jetzt wirkte er ermüdend. Seine Versammlungen wurden leer. ES gab keine Zwischenfälle, kein Amüsement; die Blätter fanden nicht» mehr zu berichten. Der letzte Akt hat begonnen, und bald wird eS heißen: der Vorhang fällt, da» Stück ist au». Noch ein- mal bat man versucht, neue» Leben hinein zu bringen, indem von Wien ein paar antisemitische Wanderredner hierher gekommen find. Aber da fie gleichzeitig slavisch gestnnt find, so finden auch fie im Augenblick bei unS keinen Willkommen. Wie Sternschnuppen tauchten ste auf und verschwanden wieder, Nie« mand weiß, wa» aus ihnen geworden. Auch diese Haupt« und Staatsaktion war eine verfehlte." Gegen den Mitinhaber eine» hiesigen Fabrikgeschäft» steht eine bemerkenSwetthe Anklageerhebung in Aussicht. Ein Bruder deS Bettessenven hatte bis gegen Weihnachten hier- selbst ein Geschäft bettieben, dann dasselbe aufgegeben und war zu seinem Bruder, dem jetzt Beschuldigten gezogen; von diesem aus ist er alSbald aus Berlin verschwunden und hat seinen zahlreichen Gläubigern daS Nachsehen gelassen. Diese erstatteten gegen den Bruder de» Entflohenen die Anzeige beim Staatsanwalt, doch lehnte dieser, wie auch der Oberstaatsan- walt ein Einschreiten ab, auf die Beschwerde an daS Kammergericht hat dieses die Erhebung der Anklage gegen dm Odm- genannten angeordnet, weil der Verdacht vorliege, daß derselbe dem Entflohenen zur Flucht behilflich gewesen und fich dadurch der Begünstigung schuldig gemacht habe; hierbei sei eS nicht nötbig, daß er die Strafthaten de» Entflohenen genau kannte; inwieweit ihm dieselben bekannt waren und namentlich ob ste ihm in dem zur Etrafbarkeit erforderlichen Maße bekannt waren, müsse durch die Untersuchung ermittelt werden. Ei« Wiener CafS, welche» vor nicht langer Zeit mit verschwenderischer Pracht Unter den Linden eingerrchtct worden ist, wird, wie verlautet, mit dem 1. April d. I. wegm mangelnder Frequenz eingehen. Da« Bedürfniß nach derartigen Lokalen scheint doch mdlich nicht mehr vorhanden zu sein. Uereine mh Nersammwngen. * Da» sinkende Schiff. Gewiß kennt ein Jeder die äußerst lehrreiche Fabel von den Ratten, die da» Schiff ver- lassen und fich in Sicherheit zu bringen suchen; ein sicheres Zeichen dafür, daß das resp. Schiff dem sicheren Untergänge geweiht ist. Diese Fabel hat im Leben die verschiedenste Nutz- anwendung erfahren und an fie wurdm wir auch unwillkürlich erinnert durch vi« außerordentliche Generalversammlung der Berliner Tischler, welche Herr Krug— Mitglied der verflossenen Zentral-Lohnlommisfion— mit der Tagesordnung:„Die für Gemaßregelte errichtete Werkstelle und die Geschäftshandhabung in derselben", im Namen der in derselbm beschäftigten Arbeiter am 17. Män nach Keller'S Gesellschaftsbau» einberufm hatte. Eine große Anzahl Tischler war erschienen, und diese brauchten ihr Erscheinen nicht bereuen, denn ihnen wurde die Genug- thuung, zu sehen und zu hören, daß dasjenige, was fie schon lange vorauSgesehm und vorausgesagt, fich mit unwidersteh- licher Macht zu vollziehen beginnt, nämlich der Zusammenbruch der letzten Ueberreste der„Rödel'schen Lohnkommisfion". Auch die letzten Pfeller, auf welche da» schwächliche Gebäude fich noch stützte, find umgefallen und ein Windhauch kann über Nacht auch noch die letzten Spuren verweben. Die Kommission»« Mitglieder lehnen sich in corpore gegen ihren Herrn und Meister auf! Welch Schauspiel! Aber ach, ein Schauspiel nur! So erfreulich diese Thatsache an fich auch ist. so bedauerlich ist es doch hinwiederum, daß e» der vorliegenden Motive be« durfte, um fie zum Abfall ,u bewegen. Eine schöne Rolle war eS nicht, welche diese Herren auch am Abend deS 17. März vor der Oeffentlichkeit spielten, al» fie mit Denunziationen gegen den„Geschäftsführer" der Werk- stelle hervortraten. Nur weil fie zu der Uederzeugung ge- kommen, verficherte der Referent, Herr Klose, daß die be- stehende Mißwirthsckast nicht weiter bestehen könne, seien ste veranlaßt, vor die Oeffentlichkeit hinzutreten und den Berliner Tischlern— ein unnöthiges Beginnen— die Augen zu öffnen über die Werkstelle, um ihnen zu sagen, daß dieselbe mit einer ganz bedeutenden Unterbilanz arbeite und die Berliner Tischler zu veranlassen, Hand auf die Werkstelle»u legen, um zu retten, was etwa noch zu retten ist. Eich selber suchten fie rein- zuwaschen von aller Mitschuld durch die Angabe, daß sie nicht» weiter waren, al» lediglich Arbeiter, ohne jeden Einfluß auf die GefchästSführung und auch ohne jede Kenntniß derselben. Der Kaufkontrakt laute auf den Namen de» Henn Rödel, der Miethskontrakt laute auf den Namen de» Herrn Rödel' der« selbe sei uneingeschränkter Herr und Meister in der Werlstille. Sehr tressend bemerkte Herr Schaar, daß der Referent nicht hätte um den Berg herumzugehen brauchen, e» wisse ja doch ein Jeder, daß auch fie nunmehr da» Schicksal ereilt habe, daß fie der„Geschäftsführer" von fich abgeschüttelt habe und daß fie nur auS diesem Grunde mit Anklagen gegen ihr Oberhaupt hervortreten, in der Hoffnung, daß die Berliner Tischler fich ihrer annehmen würden. Darin hätten fie fich aber getäuscht — und fie haben fich thatsächlich getäuscht— denn die Versammlung wandte fich mit Entrüstung von ihnen ab, um so mehr, alS durch den weiteren Verlauf der Debatten Dinge zu Tage gefördert wurden, die jede» RechtlichkeUSgefühl auf das Aeußerste empören müssen. Ein Wunder war es nicht, daß fich diese Empörung in den schärfsten Wotten, in der vernichtendsten Kritik, in der Vorführung de» Sündenregisters der bekannten Personen Luft machte, und namentlich Herr Zubeil war eS, der in wahrbaft ergreifenden Worten über Herrn Klose den Stab brach. Wir haben un» immer gewünscht, den Mann zu sehen, wie er da- saß auf den Trümmern Karthago'»,— jetzt wünschen wir e» nicht mehr. In beherzigender Weise ermahnte er jeden, fich einer festen zielbwußtcn Arbeiterorganisation anzuschließen. Die Versammlung lehnte es mit Entschiedenheit ad, irgend etwaS in dieser Sache zu thun, überließ es vielmehr der vestehenden Revisionskommission, ihr Amt zu Ende zu führen und Herrn Rödel, mit der Werkstelle zu machen, wa» er wolle. Zu holen sei doch nicht» mehr. Daß aber auch da» letzte Haupt der Hydra bald falle, dafür werde gesorgt werden. Mit einem Hoch auf die Fachorganisation der Tischler schloß die Ver- sammlung. bf«. Drei imposante Mafsenversammlunae» der Ber- liner Maurer fanden in Sachen der Lohnbewegung am Mittwoch, den 17. d. Mt»., Abends, gleichzeitig in drei der größten hicfigen Lokale, auf„Tivoli" am Kmizderg(für den Süd« und West-Beziry, in der„Tonhalle", Friedrichstr. 112 (für den Nord- Bezirk), in„Büß' Salon", Frankfutterstraße 87 (für den Ost Bezirk) statt. Eine jede dieser Versammlungen war äußerst zahlreich, biS zur Ueberfüllung aller Räumlich« keiten, besucht und fast überall konnte ein Theil der zu dem Meeting Herbeigeströmten keinen Einlaß mehr finden. Im Ganzen haben nahe an 8000 Berliner Maurer den Versamm« lungen beigewohnt. Der Zuttttt zu denselben war nur Mau» rem. die fich als solche legitimiren konnten, gestattet und die scharf gehandhabte Konttole über den Einlaß— al» Legiti« matton galt ausschließlich daS Krankenkaffenbuch— ermöglichte zugleich einen verläsfigen Ausweis über die Zahl der Theil- nehmer. Hiernach war die Versammlung auf„Tivoli" von 4013, die in der..Tonhalle" von 2383 und die in„Büß' Salon" von 1411 Maurergesellen besucht und belief fich die Gesammtzahl der Theilnehmer an allen drei Versammlungen genau auf 7807. Auf„Tivoli" erstattete Herr Vehrend, int der„Tonhalle" Herr Wille und bei Büß Herr Blaurock Bettch« über den neuesten Stand der Frage in Betreff des VerHand« lungSmoduS zwischen der bestehenden Meister-Lohnkommisfion und einer Gesammtvertretung der Gesellenschaft in Sachen der Lohnfrage»c. Dabei war zu konstatiren und wurde von sämmtlichen Referenten betont, daß die Lohnkommisfion der Meister die bestehende Einundzwanzlger- Gesellen-Lohnkom- misston, d. h. die unlängst mit Rücksicht auf die Einwände der Meister-Lohnkommisfion auf einundzwanzig Mitglieder ver« stärkte, frühere Elfer-Lohnkommisston der Maurer noch immer nicht als verhandlungSfäbig resp. als richtige Vertretung der gesammten Gesellenschaft anerkannt hat und nach wie vor auf ihrem unzulänglichen Standpunkte verharrt, wonach alle Krankenkassen, Körperschaften und Vereinigungen der Maurer und Putzer für je 100 ihrer Mitglieder einen Ver- treter wählen sollen. Dieser Vorschlag der Meister wurde unter eingehender, schon aus früheren Versammlungen und VersammlungSderichten dekannten Äotivirung, als„reich an Widersprüchen und Unzulänglichkeiten der verschiedensten Art" charattettfitt und zrnückgewiesen. Ferner wieS man darauf hin, daß der Vorschlag zur wechselseitigen Verhandlung zwischen den Baugeschäftsinhabern bezw. Meistern und Gesellen nicht, wie die Meister-Lohnkommisfion deHaupte, von den Meistern, sondern von den Gesellen ausgegangen sei, die schon im Juni 1885 und in dem im Dezember v. I. an sämmtliche Berliner Baugeschättstnhaber versandten Zirkular(durch die darin mit« getheilte Resolutton der betreffenden kurz vorher stattgehabten Generalversammlung der Berliner Maurer) solche VerHand- lungen den Meistern vorgeschlagen hätten. Endlich wurde u. Ä. noch eine irrthümliche Behauptung der Meister- Lohn« kommisfion richtig gestellt bezüglich der ersten am 21. Februar d. I. im„Klubhause" in der Krausenstraße abgehaltenen Kon« serenz zwischen der Meister-Lohnkommisfion und verschiedenen von ihr dazu eingeladenen Mitgliedern diverser Vereinigungen und Körperschaften der Berliner Maurergesellen. Dieser Be» richtigung zufolge waren und find die an jener Konferenz de» theiligt gewesenen Gesellen nicht, wie die Meister jetzt meinen, al» erne Vertretung der Berliner Maurergesellen zu bettachten und zwar aus keinem anderen Grunde, al» weil fie von der Meisterkommisfion persönlich dazu eingeladen, nicht aber von der Gesammtheit der Gesellenschaft zu Vettretern derselbm gewählt waren. Eben veShalb könnten, so wurde betont, die Erklärungen und Beschlüsse jener Konferenz vom 21. Februar für die Ge« sammtheit der Gesellenschaft keinerlei bindmde Kraft haben und habe die Maurer-Lohnkommisfion damals auch nicht versäumt, sofott dagegen zu protestirm. Die Di«kusfion war in allm drei Versammlungen eine sehr animitte und in der tzaupftache durch« au» übereinstimmende. Allendhalben sprachen fich sämmtliche Redner dahin au», daß an ein weiteres Mäkeln und Feilschm hinfichtlich der geeignetsten Vettretung der Gesammtheit der Berliner Maurer für die Verhandlungen mit der Meister-Lohn« kommisfion über die diesjährigen ArbeiHbedtngungen unter keinen Umständen zu denken, vielmehr die Gesellmschaft fest entschloffen sei, an der jetzigm Einundzwanziger-Lohnkommisfion der Berliner Maurer unentwegt festzuhalten. Al» die allein maßgebende und allen vernünftigen Anforderungen an ein« Gesammtvettretung entsprechende Körperschaft sei diese Lohn« kommisfion einfach deshalb anzuerkennen, weil fie von einer allgemeinen öffentlichm Generalversammlung der Berliner Maurer, von welcher jeder Berliner Maurer Kenntniß haben konnte und zu welcher ein Jeder Zutritt hatte, gewählt worden ist. In diesem Sinne wurde auch in allen drei Verfamm« lungen einstimmig resolvitt. Schließlich haben wir vor Mit- theilung einer jener Resolutionen nur noch von einem kleinen Intermezzo Notiz zu nehmen, welche», al» die Versammlung bei Büß in der Frankfurter sttaße nach ungefähr einunddreiviertel- stündiger Dauer und nach Erledigung ihrer Aufgabe ohnehin ihrem Ende nahe war, den immerhin etwas befremdenden unfreiwilligen Schluß derselben bildete. Anläßlich einiger, un» sehr harmlos erschienener Aeußerungen de» Referenten in seinem Schlußwort löste nämlich der über« wachende Pslizeibeamte unter Hinweis auf den bekannten§ 9 de» Sozialistengesetze» die Versammlung auf, die fich dann unter stürmischen Hochrufen auf den Steg der gerechten Sache in allerbester Ordnung trennte. Die in der Versamm« lung in der„Tonhalle" gefaßte Resolution, mit der alle übrigen, in anderen Versammlungen ebenfalls einsttmmia angenommenen Resolutionen dem Sinne nach völlig überereinsttmmen, lautet: „Die heutige rc. Generalversammlung der Berliner Maurer deschließt erstens, in Erwägung, daß die am 26. Februar in der„Tonhalle" von un» gewählte Kommisfion, welche mit der Meister-Lohnkommisfion, über Lohn- und sonstige Ardeitsbedin« gungen verhandeln soll, unser volles Vettraue» besitzt, von einer nochmaligen Wahl Abstand zu nehmen; zweitens erkennen wir die nochmals von un» bestätigte Kommisfion als die alleinige und wahre Vertretung der Maurer Berlin» und Um« aegend an; dttttens stehen wir einer friedlichen Lösung unserer brennenden Lohnfrage sympathisch gegenüber und ersuchen wir die Meister Lohnkommisfion bald und ernstlich in die geplanten Verhandlungen mit unserer oben erwähnten Kommisfion ein« zutttten." Wir können und wollen dem nicht» hinzufügen, als daß wir unseren Bericht über die stattgehabte imposante Kundgebung der Berliner Maurer mit dem Wunsche schließen» die bttreffenden BaugeschästSinhaber« und Meistettreife möchten, so lange eS noch nicht zu spät ist, dem im dritten Punkt der oben mitgetheilten Resolution ausgesprochenen Ersuchen der Berliner Maurer die verdiente Beachtung schenken. * Der Fachvereiu der Metallschrauben-, Faeon- dreher und BerufSgenoffen Berlin» hielt am Sonntag in Weick'» Lokal, Nlexanverstr. 31, eine zahlreich besuchte General« Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Bericht über ven Streik bei der Firma Schaal, Voß u. Co., Stallschreiberstr. 59. 2. Bericht der Kommisfion über vir Verhandlungen mit den Prinzipalen in Bezug auf den Minimal-Lohntarif. 3. Verschiedenes. Der Vorfitzende Herr Jakobs machte zunächst darauf aufmettsam, daß in dem Bericht über die außerordent- liche Versammlung bei Wohlhaupt der Name Reuter als d-r de» Vorfitzenden genannt worden sei, dieses sei ein Jrrthum de» betreffenden Zeitungiberichterstatters, da er(JalobS) der Vorfitzende gewesen sei. Zum 1. Punkt der Tagesordnung erklärte hierauf der Vorfitzende, daß vorläufig der Streik bei der genannten Firma fortbesteht. Da die Firma iedoch den Minimal» lohntarif anerkannt habe und ei fich nur noch um einige For» malitSten handele, werde er(Redner) mit derselben in Unter« Handlung treten, um den Streik zu Gunsten der Streikenden zu beenden. Zu Punkt 2 machte der Vorfitzende bekannt, dah in der Aommisfionisttzung vom Sonnabend die Fabrikanten einige Umänderungen sei Minimallohntarifi vorgeschlagen hatten, z. B. zu Z 1:„Junge Leute, welche die Schrauben- resp. die Facondreherei erlernen wollen, haben eine dreijährige Lehrzeit durchzumachen und erhalten dieselben im ersten Jahre 7,50 M- Lohn, im zweiten Jahre den halben Attordprei« der älteren Arbeiter, im dritten Jahre zwei Drittel dei Akkord- vreisei."§ 2 und 3 bei allen Minimallohntarifi fällt fort. ~ 4 soll lauten:„Schrauben» und Facondreher, welche länger als verdienst nicht unter 21 M. betragen."§ 6:„SonntagSi findet nur in dringenden Fällen und bei solchen Arbeiten, welche zur Instandhaltung dei Betriebes erforderlich find, statt. Uederstunden werden auch nur in den dringendsten Fällen ge» macht.— Diese Paragraphen find jedoch noch nicht ali feststehend zu betrachten, dieselben wären vielmehr nur ali Vor» schläge der Fabrikanten zu bettachten, deren Annahme oder Abweisung ganz in Händen der Versammlung läge. An der Diikusfion zu§ 1 betheiligten fich die Herren Jakobi, Hirsch, Gorn, Stimmer und Hecht für die dai Lehrlingiwesen betreffenden Bestimmungen, Herr Zimmermann sprach dagegen, Bei der Abstimmung wurde der Z 1 nach Vorschlag der Fabrikanten mit großer Majorität von der Versammlung angenommen. Auch§ 4 wurde, da derselbe mit dem Minimallohntarif der Arbeiter übereinstimmt, mit Majorität angenommen.§ 5 wurde mit dem Zusätze:„In streitigen Fällen entscheidet ein Schiedi- gericht, welche? aui Arbeimehmern und Arbeitgebern zusammengesetzt ist", angenommen.§ 6 wurde dahin abgeändert, daß Sonntagiarbeit mit Ausnahme der zu Instandhaltung dei Betriebs dringend erforderlichen überhaupt nicht stattfinden darf, und daß bei Ueberstundm 25 pCt. Zuschlag zu dem DurchschnsttS- ANord Verdienst von den Fabrikanten gezahlt werden muß. Nachdem der Vorfitzende bekannt gemacht hatte, daß in der nächsten Versammlung daS Resultat der nächsten KommisfionSfitzung zwischen Fabrikanten und der Kommisfion der Arbester bekannt gemacht werden wird, Ii) eilte der Beisitzer Herr Wüst mit, daß er sein Amt wegen anderweitiger An- sprüche, die an ihn gestellt würden, niederlegen müffe. Für denselben wurde Herr Weber ali Beifiyer gewählt. Nachdem die Versammlung Herrn A. Müller eine Unterstützung zuer- kannt hatte, wurde die Versammlung geschloffen. * Der Kachverei« der Metallarbeiter in Gas-, Wafferund Dampf-Armaturen hielt am Sonnabend, den 13. Marz, im oberen Saal der Gratweil'schen Bierhallen seine Mitglieder- Versammlung» in welcher Herr Canitz einen Vortrag über natürliche Gesundheitspflege hielt. Redner bedauert, daß die Anficht verbreitet sei, wenn Jemand krank sei, so müsse etwai „eingenommen" werden und daß die Krankenkaffen auch die Zahlung von Unterstützung von dem Einnehmen von Medizin abhängig machen, wiewohl fie auf die Dauer dabei nicht zahlungsfähig bleiben könnten. Unser Körper sei mit einer Maschine von unendlich viel feinen Thellchen und Räderchen zu vergleichen, wovon eini dai andere harmonisch unterstützt; krank sein, heiße Störung dieser Harmonie und habe diei meisten* seinen Grund darin, daß wir unfern Körper nicht genug beobachten. Aber Krankheit eintreten und. ardeitstaaei nur das Produtt-■,■ Prinzip ficher auch der Sonntag entstanden sei. Auch die un- gesunde Lust schlecht ventilirter ArdeUSräume habe Schuld an den häufigen Lungenkrankheiten der Ardeiter. Eine große Hauptsache gesund zu bleiben, sei die Reinlichkeit und könne Ker nicht zu viel gethan werden. AlS Getränk sei eben Waffer auch gute* vier zu empfehlen, ein Be- dürfniß dei Sö'.perS nach Branntwein sei nicht vor- Händen. Redner will der vegetarischen Lebensweise nicht dai Wort reden. Der eine bestehe dabei ganz gut, andere find M. jonz und eS entständen hieraus eine ganze Reihe von Magenkrank heilen. Die Na'urheilmethade schließe alle Medizinen auS, ihre Mittel find Abreibungen. Umschläge, Bäder u.s. w., durch die- selben find Scharlach, Masern und Pocken in wenigen Tagen ohne Nachkrankheiten geheitt. Eine Berliner Ottikaffe erkenne wesenden zum Beitritt in den Verein für volkiverständliche Gesundhestipflege auf. In der animirten Diikusfion, an welcher fich die Herren Schulz, Eggert, Prinz u. A. betheiligten, wurden auch Zweifel ausgesprochen. Herr Canitz erwiderte, daß er nicht erwarte Jeden gewonnen zu Halen, nur bitte er die Sache zu prüfen, durch die praktischen Erfolge werde man fich am besten überzeugen. Nachdem noch einige Unterstützungi- antrSge erledigt waren, ersuchte Herr Eggert, welcher den Ar- bettinachweiS führt, daß diejenigen Kollegen, welche Arbeit nachgewiesen erhalten, ihm auch(christlich oder mündlich wittheilen möchten ob fie die Arbeit angenommen haben oder nicht. Am Sonnabend, den 20. d. M, häll der Verein in den Bürgersälen, Dreidenerstr. 96, einen Wiener Maskenball ab. Professor Ludwig Büchner, der Vorsitzende bei beut« schen Freidenkerbundei, sprach Mittwoch Abend im großen Saale von Buggenbagen über„religiöse und wiffenschastliche Weltanschauung". Der Vortrag war vom hiefigen Freidenkerverein„Lesfing�' arrangirt- die zahlreiche Zuhörerschaft setzte fich aui allen GeseMchastiklaffen zusammen. In dichigedräng- ter Form gab der Redner in seiner bekannten populären Dar- stellungiweise einen Ueberblick über den seit Jahrtausenden tobenden Kampf zwischen Glaube und Wissenschast. In An- lehnung an Feuerbach hob Büchner hervor, daß die Furcht der Ausgangspunkt aller Religionen sei. Diese Furcht deS geistig und moralisch noch unentwickelten Menschen vor den ihm un- begreiflichen Naturgewalten habe die Religion stets benutzt, um darauf ihr Lehrgebäude deS Glaubens aufzurichten. Die Wiffenschaft dagegen suche diese Furcht dem Menschen dadurch zu nehmen, daß fie ihn über die natürlichen Ursachen der ihm noch unbekannten Erscheinungen aufkläre. Die Religion also stütze fich auf die Unwissenheit und die daraus entspringende Furcht, suche also grundsätzlich diese Mängel zu erhalten, wüh- rend die Wissenschaft den Menschen geistig und moralisch frei machen wolle. Den Kampf dieser beiden Anschauungen und Geistesmächte verfolgte nun der Redner durch die griechische und römische Philosophie, bii durch daS neu entstehende Christenthum derselbe zu Gunsten des Glaubens durchge« fochten und die Wissenschaft fast gänzlich nieder- geworfen wurde. Selbst die Reformation, welche statt einer geistigen und materiellen Befreiung der Menschheit die alte Unduldsamkeit der katholischen Kirche in ein anderes Gewand gesteckt, habe der Wissenschaft durch- auS nicht die ihr gebührende Henscherftellung ermöglichen können. DieS fei erst geschehen durch die im vorigen Jahr- hundert beginnende Aufklärung, der fich daS moderne Freidenkerthum als berechtigter Nachfolger anschließe. Zum Schluß beleuchtete Redner mit einigen wenigen Worten die Konse- quenzen dei Freidenketthums, welches nicht stehen bleiben solle bei der einfachen Aufkläruno, sondern als letzte* Ziel die Be- thätigung seiner Lehren in der allgemeinen Humanität suchen müsse. So bestehe die eigentliche(praktische) Religion dei Freidenkers in dem Streben nach„Freiheit, Bildung und Wohlfahrt für Alle."— Diese wohl zu beachtenden Worte Büchner* sollten nun allerdings auch Gemeingut der deutschen Freidenker werden, indem fie besonders auf den Schluß„für Alle" den gehörigen Nachdruck legen möchten. Vielleicht ist ei denselben auch möglich, zur Bekräftigung der„Bildung für Alle" Herrn Prof. Büchner zu einem Vortrage zu veranlassen, zu dem der Eintrittspreis etwa* niedriger festgesetzt werden könnte, als zu dem eben besprochenen Vottrage. * Eine öffentliche Versammlung der Dachdecker, von 300 Gesellen besucht, tagte am 12. d. M-, in Sahm'i Lokal, Annenstr. 16. Die Tagesordnung lautete wie folgt: 1. Wie verhatten wir uns den Beschlüssen der Meister gegenüber, be- treffS unseres LahntattfS und wie befestigen wir unsere Organi- sation? 2. Verschiedenes. Der Vorfitzende berichtete über die Berathungen der Meister, die auf dem Verbandstage verhandelt worden find. Sein Vortrag wurde sehr beifällig aufgenommen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die heute tagende öffen'liche Versammlung der Dachdecker Berlins und Umgegend erklärt fich mit dem Referenten einverstanden und wird mit allen ihr zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln dafür eintreten, den im Lohntarif aufgestellten Lohnsatz zu erlangen." Ferner wurde wie folgt resolvitt:„Die GFellen beabsichtigen künftig durchaus keine Uederstunden- und Sonn- tagiaideit mehr leisten zu wollen, fall* nicht für jede lieber- stunde 60 Pf. und am Sonntage pro Stunde 75 Pf. gezahlt werden. Hebet acht Stunden soll deS Sonntags überhaupt nicht gearbeitet werde». Auf diesem Wege glaubt die Ver« sammlung die Uebeistunden- und Sonntagiarbeit allein be- feitigen zu können. Die Beschlüsse werden den Meistern zuge- stellt." An der Diikusfion betheiligten fich die Kollegen Hanke, Wengler, Jacob, Müller, Pretzel, Keller und Feuerstein, die fich sammtlich im Sinne deS Referenten und für die Resolution aussprachen. Die letzten Beschlüsse find mit allen gegen eine Stimme angenommen worden. Zum Schluß wurde dai Unter- stützungigesuch einer Frau, deren Mann in der Jrrenanstall zu Dalldorf fich defindet, dahin erledigt, daß eine Tellersamm- lung für dieselbe veranstaltet wurde. Schluß der Versammlung NachtS 12 Uhr. Der Kachverei« der Marmor- und Granitarbeiter hielt am 14. d. M. eine außerordentliche Versammlung ab in DeigmüllerS Salon, Alte Jakobstraße 48», um über weitere Schritte in Betreff der Lohnregulirung zu berathen. Auf daS vor einiger Zeit an die Arbeitgeber gerichtete Gesuch war eine Antwort eingegangen, in welcher nächster Zeit eine Kommisfion der mitgetheilt wurde, daß in r Arbeitgeber mit der oo« Verein gewählten Kommission in Verhandlung treten soll. Der Vorfitzende, Herr Pohling, berichtete, daß ihm mitgttheitt worden sei, die Fabrikanten hätten den Tarif in Fassung rund abgelehnt. Ei wurde hierauf der Tarif einer nochmaligen Prüfung unterzogen und dle Kommisfion dahin autorifitt, nach ihrem Ermessen die Posttionen festzusetzen. Herr Knorr verlai nun dai von einigen Mitgliedern ausgearbeitete „Regulativ über Krankenunterstützung und Untelstützung an Hilfsbedürftige". Demnach sollen auch Kollegen unterstützt werden, welche nicht dem Verein angehören. Der hierzu erforderliche Fond* soll durch einen wöchentlichen Beitrag aufgebracht werden. Die Herren Baun, Zickert und Hertel sprechen fich entschieden gegen diese* Projett aui. Herr Hofmann führte an, daß ein solches Projekt auch vom Fach- verein der Steinmetzen aufgestellt war, die Behörde aber den Bescheid gab:„zu einer derartigen Unterstützungikasse brauche man die Genehmigung deS Herrn Ober-PrSstventen der Provinz Brandenburg." Um nunffdiesen Formalitäten aui dem Wege zu geben, hatten die Steinmetzen beschlossen, an Hilfsbedürftige Unterstützungen zu zahlen, welche jedoch durch freiwillige Bet» träge aufgebracht werden. Diese Mittheilung fand allgemeine« Beifall. Darauf wurde beschlossen, an kompetenter Stelle Er- kundigungen einzuziehen, event. vorgenannte Einrichtung einzu- führen. Zwei Mitglieder, welche bei Vanelli u. Komp. in Aibeitgetteten waren, also gegen den Vereinsbeschluß gehandelt haben, wurden ausgeschlossen. Für ein kranke* Mitglied wurde am Schluß der Versammlung eine Tellersammlung veranstaltet. Große volki-Versammlung am Freitag, den 19. Matk Abends 8 Uhr, in Donath'* Lokal, Alt. Moabit 89-90. Tagesordnung: 1. DaS Wahlgesetz zum Deutichen Reichstage. Referent� Reichstag*» Abgeordneter Herr W. Hasen- clever. 2. Diikusfion. Zur Deckung der Unkosten Sntree nach Belieben. * Große öffentliche Siseubahn-Arbeiter-versam«- lung am Freitag, den 19. März, Abends 9 Uhr, in der „Urania", Wrangelstr. 9—10. Tagesordnung: Die Lage der Eisenbahn- Arbeiter. Referent Herr Kördel. Arbeiter anderer Branchen haben Zutritt. Oeffentliche Versammlung deS Fachvereins sämmtlicher an Holzbearbeitung� Maschinen beschäftigter Arbeiter Sonntag, den 21. d.M.» 10'/, Uhr, Köpnickerstraße 153. Tagesordnung: Vottrag, Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Große Volksversammlung am Freitag, den 19. März, Abend* 8 Uhr. in Donath'* Lokal, Alt. Moabit 80-90. Tagesordnung: 1. DaS Wahlgesetz zum deutschen Reichstage. Referent Herr Reichstags Abgeordneter Hasencleoer. 2. Diskusston. * Fachverein der Tischler. Dienstag, den 23. März, Abends 8'/, Uhr, in Jordan* Salon, Neue Grünstr. 23, außer- ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Die Verfügung des kgl. PolizeipräfidiumS, betreffend Abänderung der §§ ld, 3 und 5 bei Vereinsstatuts oder Nachsuchung der staat- lichen Genehmigung bei Statut* auf Grund der Bistimmunaen deS§ 360* des Strafgesetzbuch*. 2. event. Aenderung de* Statuts. 3. Bettcht der Fachkommission in Sachen Ackermann. 4. Ausgabe der statistischen Fragebogen. 5. Verschiedene*. QuittungSbuch legitimitt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der deutsche Privatbeamten- verein(Zweigoerein Berlin ll), dem auch Kaufleute, Lehrer>c, wie überhaupt alle im Pttvat- und öffentlichen Dienst Angestellten beitreten können und dessen Bestreben— wie schon früher erwähnt— dahin geht, die Zukunft seiner Mitglieder und deren Familen durch Derficherung gegen Krankheit*- und vterbefälle, sowie durch eine Unierstützungi-Wittwen- und Mitgliederpenfionikasse»c. ficher zu stellen, hält am Freitag, den 19. d. M„ Abend* 8'/, Uhr, in der Schuttheiß'schen Brauerei, Alte Jakobstr. 24, eine Versammlung ab, zu der jeder Interessent freien Zutritt hat und in welcher weitere Auskunft gern ettheitt wird. Sta- tuten deS Vereins und seiner Kassen können daselbst, oder auch direkt vom Vorfitzenden deS Vereins Herrn®. Steuk, S Gitschinerstr. 66, bezogen werden. Kriefkastett der Kedaktio«. F. G. Ein Polier, welcher den von ihm engagitten Arbeitern anstatt des baaren Lohne* Marken giedt, welche zur Entnahme von Speisen oder Getränken von einem Dritten (Budiker oder dergl.) berechtigen, macht fich damit eine* Ver- gehenS gegen§ 115 der Gewerbe Ordnung schuldig. Ob der Polier von dem Budiker eine Proviston oder irgend welche« Entgelt bezieht, kann ,war für die Höhe de* Strafmaße* von Einfluß fern, für die Etrafbarkeit selbst ist eS gleichgiltig. S" hat auch daS ReichSgettcht in einem ganz gleichliegendem Falle entschieden. A. S. Die wechselmäßige Verpflichtung de* Akzeptante« eines gezogenen, sowie de* Ausstellers eines eigenen Wechsel* verjährt in 3 Jahren vom wechselmäßige» Verfalltage ab. Theater. Freitag, den 19. Mär» Dvervha»«. Siegfried, Mufikdrama in drei Akten von Richard Wagner. Schauspielhaus. Uttel Acosta, Trauerspiel in 5 Akten von C. Gutzkow. Deutsche» Theater. Anttgone. �„ a Wallner-Theater. Gastspiel deS Herrn Ernesto Rosfi. Der KönigSlieutenant. Refide«»- Theater Denise. Schauspiel in 4 Akten von A. DumaS(Sohn). Velle-Alltauee-Theater. Gastspiel dei Herrn Felix Echweighofer.'S Nullerl. Krtedrtch-«ilhelmstädttsche» Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. HeitereS auS der Berliner Theatergeschichte mit Gefang und Tan, in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Witten. LootsenftSdttsche» Theater Abrocadobro. Central-Theater. Der Stab*- Trompeter. »tttort«. Theater. Meffalina. Oftend-Theater. Der Leiermann und fein «meriean-�Theater. Große Spezialttäten- ThttlÄ� der�St eichihalle«. Große vpqiali- Kaufmann'» B «ott te. Große Spezialitäten- orstellung. Konkordia. Große SpezialitSten-Vorstellung. *""" s o r n i e n. Baden-Heivelberg, Konstanz, WieS- den w. Hertha-Reise.» Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15.[851 Heute und folgende Tage: Der Dämon des Spiels. Volkischauspiel mit Gesang in 4 Akten. Vor der Vorstellung: Gr. RovM der Hauskapeüe. flttfsng bei Konzerts Wochentag* 7 Uhr, der Vorstellung 7*/« Uhr. Anfang bei Konzert* Sonntag« 6 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. ?«»> haben Wochentags Gittigkeit und find dn Theaierdmeau(12—1 Uhr) gratis zu haben. zum die g< losls August Küsel daß en Tage ein donnernde* Hoch, anze Bergstraße Kopf steht! öffentlich wir etti nicht umsonst verlangen. Ein Schlesinger. Große Mitglieder-Vers ammlung des j[ii»tttitis der Former «nd verwandten verufigenoffe« am Sonntag, den 21. März, Vorm. 10 Uhr, in Krieger'« Kal-n, WaffeitHorstr. 68. Tagesordnung: Vottiag. Diikusfion 'nie: Mitglieder Verschiedene*. Kassenberichts Fragekasten.— Gäste wilttommen.— Neue genommen. werden auf« 1037 Möbel-, Sopba- u. Matratzen-Fabrik A. Schulz, Wafferthorstr. 34(auch Theilzahluug). » N»-" garautirt. Mttne 997] Möbel- und Polster- Waaren- Fabrik befindet fich jetzt nnr Jerusalemerftr. 65f nahe der Lindenstraße. Ctaorg Haake, Mer Gcamensic. 8586. wesentliche Versammlung des Ficht) mius flmmil o« cholsteir- Mstschw»»eschiistg. Arbeiter Sonntag, den 21. d. M., 19'/, Uhr, Köpnickerstraße 158. T-O-: Vottrag, Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Gäste willkommen.[1022 i i D e«t fche Kunstgewerbe Lotterie. 1.-4."ai d. J. Ziehung in Kerli« unwiderruflich iatft ä 1 Md. empfiehlt unv versendet ♦ 10 .. crsei R Sehomacher, Berlin C. 981] Königstraße 14a. Wteoemttiiureni beste Bedingungen. IS 8 ii Vereinig, deutscher Stellmacher Sonnaben?�M?�st�z?AbendS 8 Uhr, Kommandanten fir. 80, Versammlung., Tagesordnung: 1. Vottag. 2. Stfatz®" de, KasstrerS. 3. Verschiedenes u. Fragekafl� 1036] Die OrtSverwoltuNS�. Verein der Sattler u. /achg�- Sonnabend, den 20. Mär». Abends 8'/. Uhr. Mitglieder-Versammluug in«rat»«»'« Kierhallen. Kommandanten- Straße 77—79. ß# TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme. Täschner- und Kofferarbeiter zur Lohnbeweg i'g 2. DiStusfion. 3. Verschiedenes.-- Einzelne Ma-k-n- vard-r-b-»«$30 Kochstraße 31, Hof 3 Tr. § Grosser Ausverkauf von Porzcllanwaaren wegen Geschäftsaufgabe Oranienstr- 85186 «eranttvortlicher»ebafte« K. ts»erli»- Druck und Verlag von M«»«dtnz i»«erlin 8W,«euthstraße 3.