r jte. 67 Sounakend, de«$0 Marx 1886. Hl. Jahre. MerNKMI! Krgsn skr die Interessen der Arbeiter. 4 Da«.B e r l i»- r«olksblatt" . Vau« 4 Statt (Smgetragen in der PoftzeitungsprnSliste für 1886 unter Nr. 769.) Kedadtio«: Keathftratze 2*— Grpedtti»»: Zimmerstraße 44. Abonnement«-(EinWimg. Unser geehrten auswärtigen Abonnenrm ersuchen wir höflichst, da« Abonnement pro 2. Quartal 1886 auf daö „Kerliner Uolksblatt" mit der Gratisbeilage „Illastrirte- Sonntagsblatt" �ckdigst, jedenfalls so rechtzeitig aufzugeben, dah ihnen ein« JiKhjaijlung von 10 Pf. Etrafbestellgelö erspart bleibt. Auhervem wird durch eine verspätete Bestellung die regelmäßige «nsrndung der Zeitung unterbrochen. Der AbonnementSpret« für da«„Berliner Bolktblatt" beträgt nach wie vor 4 Mark pro S(ftnartal 1886 «et allen Reichspostanstatten. Die Expedition de«„Berliner BollSblatt". _ Berlin SW,, Zimmerstraße 44._ Im isseillichw Grsuidheikxjlezk. 3m preußische» Abgeordneten Hause fand jüngst eine sehr interessante Auseinandersetzung zwischen dem Abgeord- Veten B i r ch o w und de« Kultusminister von Goßler statt über die Maßregel», welche gegen Epidemie« zu treffen seien. Et ist keineswegs unsere Sache, da« dort Gesagte abschwäche« z» wolle«; im Gege«theil find wir mit dem, wa« dort gesagt wurde, im Prinzip einverstanden. Habe» wir doch schon so oft betont, daß die ö f f e n t l i ch e De» sundheittpflege hinter dem, wa« zwilifirte Staate« leisten könne«, bedeutend zurücksteht, und läge et an un«, die Mittel für die Förderung der öffentliche« Gesundheit«, Pflege zu bewillige», so würde» wir damit gar»icht spar- sam sein. Vor alle« Dingen ist unsere Meinung, daß die bisher gebräuchliche Art und Weise, wie man diese Sache behandelt hat, eine veraltete ist. Wa« nütze« den« alle theoretische« Fortschritte der Wissenschaft, wen« man sich »icht entschließe« kann, auch praktisch mit dem alte» Zopf »u breche». Herr Vircho» hat ganz richtig seiner Vcr- Wanderung darüber Ausdruck gegeben, daß man bezüglich der unter de« Thier«» ausbrechende« Seuchen ein de- sondere« darauf bezügliche» Gesetz für nothwendig halte, während man bei de« M e» s ch e« ei, solche« für über- stüsfig zu erachten scheine. Er meinte dann weiter, e« sei «»blich an der Zeit, daß ma» feste Kommissionen bilde, welche sich mit de« menschlichen Seuche», deren Ver« breituvgSgebiet und deren Fortschritte», sowie mit de» Mittel» zur Abwehr zu beschäftige« hätten. Man sollte«icht immer erst warten, bi« die Seuche in ihrer»ollen 3»te»« stottät über un« hereinbräche. KeuMeLon. Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) »Ich Hab' mir sagen lassen/ murmelte Iustu«,„da« soll gut sein. Ec ist schon ganz kalt/— * fem.»!• zwfv#* »iach einer Weile befahl er Johann, nach dem kleine« VOntng« zu sehe», de» ma« nebenan schreien hörte. ,„Den armen Jungen habe« sie ganz allei« gelassen/ '/Pe Johann wieder eintretend.„Die Weibtleute find alle ouf und davon/ . JE) gut, o schön!— Mag der Satan ihnen die Beine Dechen! Nimm de« Zungen fammt den Bette«, Freund, 'leg ih» zu meiner Frau, sie soll ihn abwarten, bi« wir /issev, wa« mit dem Alten wird. Bttte auch Deine Frau, .•*ß sie in die Küche geht und Pfessermünzthee kocht. Soll �Schade nicht fem, st« braucht ja»icht herreia zu » Der Markthelfer stürzte fort, um Justut' Anordnungen llvlg« zu leiste», nahm uoterweg« Schurrig die Ladenschlüssel i»»d brachte st« nebst Edmund zu Echätzlein'« Frau, da.n'Sef«l�e' Be-��ach'w«üche. Eie'verstand sich **4 einigen Gegenreden dazu,«nd bald kehrte Johann an Krankenbett zurück. , Echätzlein, dem der Schweiß au- alle« Po«» ran». bemerkte endlich zu seiner Genugthuung. daß sich der blau' H*-' f-___7 U,» I.... SeL Kmaamo* nio An*. pvw vc» jcuHsmutiMv T— »Leg' noch mehr Holz an, Johann, e» kann gar nicht j-Otm genug sei». Der Alte soll u,« schmore», wie ein �rate» I*_ v Während der Diener»och Holz auflegte, brachte Beate /» Thee, welcher dem Kranken eingeflößt wurde, damit er »..schweiß gerathe. Die kecke Furchtlosigkeit und That- tJfS be« Trödler«, wie die Erbitterung, daß alle Andere», ß die G rundmann und die Wärterl» de« Kleinen, feige Da» Alle« find unzweifelhaft ganz»ortresslich« A» schauunge« und e« ist sicherlich auch erfreulich, daß der Kultusminister den Au-führunge» de« Dr. Virchow beigestimmt hat. Nur wünschte« wir, daß den schöne« Worten auch bald die schöne» Thate» folge« möchte«. Ma» faßte die ausgesprochene Idee in dem etwa» doktrinär klin« genden Wort.Medizinalreform" zusammen. Nu», un« soll ei» nnbeholfene« Wort»icht störe», wen» nur die Ausführung prompt dahinter her kommt. Aber der Herr Kultusminister hat der Sache gleich wieder eine eig«»tküm> lich« Deutung peaeben; er hat gemeint, die Aerzte selbst müßte« die einer Medizinalrefor« entgegenstehende» Schwierig. leite» beseitige»! Was soll da» heißen f Sind die Aerzte den» ein Hinderniß dagegen, daß die von Hm« Virchow vorgeschlagene» festen Kommissionen gebildet werde« könne«? Nun, wen» da« der Fall ist, so hätte sich die Gesetzgebung doch eigentlich sehr wenig um ei» solche« Hinderniß, da« sich nur auf de« pure« EgoiSmu« gründe» könnte, zu bekümmern. Und ohnehin kann e» doch«ur eine gewisse Anzahl von Aerzte« sii», die sich einer ernsten Medizmalreform in dem angedeutete» Sinne widersetze». Der Beruf der Aerzte bringt e« mit sich, daß sie üb-r da« menschliche Elend besser unterrichtet find, al« so mancher Andere, und wer von ihnen ei» ühlende« Herz hat, der kann sich sicherlich auch nicht der Ev kenntniß verschließe», daß für die öffentliche Gesundheit« pflege mehr geschehen muß, al» bisher der Fall war. Die Virchow'schen festen Kommissionen hätte« de« Vorzug, daß man einer Epidemie kaltblütig und mit wohlüberlegten Mittel« in ihre» Anfänge» gegeoübertreten könnte. Gegen« wärtig wartet ma» gewöhnlich, bi« die Epidemie» zu einer gewisse« Höhe gelangt find und dann herrscht vielfa' Kopflosigkeit; e« kommt vor, daß die(Mehrten sich»o über die Theorie streite», während der Würgengel der Pe schon seine Opfer heischt. Da könnte ma» denn freilich fragen: Aber habe« wir den»»icht ein Reich»gesu«dheitSamt? Ist den» diese Behörde nicht dazu da, um Alle« da« zu thu», wa« von Virchow verlangt und vom Kultusminister im Allge- meinen zugestanden worden ist? Aber wir wisse» schon, woran e« fehlt. Beim ReichSgesundheitSamt ist der Name viel schöner und großarttger al« die Institution selbst. Diese Behörde, die eine« absolut unpolitischen Charakter hat, ist unsere« Erachten« mit zu wenig Mittel« und mtt zu wenig Machtvollkommenheit überhaupt ausgestattet. Sonst würde e» sich ganz von selber so gestaltet habe«, daß da« R«ich»gesundheit«amt jene Rolle übernommen hätte, die Virchow den festen Kommissionen zuweist. Oder e« müßte da« ReichSgesundheitSamt doch im Stande sei», solche Korn» misfione« einzusetze». geflohen seien, endlich da» Mitleid für ihren»erlassenen gute» Herr« machten Johann und Beate» rührig und ließe» fie die eigene Angst vergesse«. Der Wage» de« Phyfiku» Nagel rollte herbei, Beat« leuchtete dem alte« Doktor die Treppe empor, und er eilte wortlo« an'« Bett de» Kranke». „Gottlob/ sagte er»ach kurzer Paus«,„er hat ja wieder Lebentfard« und schwitzt! Ist den» da« ftei« willig?"— „So freiwillig, Herr Doktor, al« ma» i» dieser Temperatur»ur schwitze« kann, wen» Einem eine Stund««i»'« Pferdestriegel» zugesetzt wird!" antwortete Schätzlei«. .Prächtig! Woher habe» Sie da», mein Lieber? Bureau liege», da Hab' ich mich de»» mtt Johann seiner erbarmt!' Hm, hm!— Da« ist viel, da« ist sehr viel!"— Nagel setzte sich hin und schrieb da« Rezept, welche« Beate sofort machen ließ. Inzwischen wurde» warme Umschläge besorgt und heiße Steine für Henning«' Füße. De« Kranken lethargischer Zustand ließ endlich«ach. Er erkannte gegen Morgen sein« Umgebung, und sei» große» graue« Auge weilte mit«igen- thümlichem Ausdruck auf Justus, der mit ihm wie eine Mutter mit ihrem willenlose» Kinde umsprang. „Wird er auftommen, Herr Physiku«?" ftagte nach mehreren Stuade» Iustu» halblaut de« beobachtende« Arzt. „Allem Anschein nach, ja. Wir müssen indeß die Wiikuag der Medizin ganz abwarten. Schwitze« ist die Hauptsache, kurz die strengste Pflege. Um acht Uhr bi» ich wieder hier. Nehmt ih« ja vor Erkältung i« Acht, der kleinste Rückfall ist sicherer Tod I"- Iustu» nickte und Dr. Nagel verließ da» Hau». Al« der Tag kaum graute, erschien der Polizcikomissa- riu« de» Revier» und ei« sogenannter Choleradeputirter, bisichtigten den Kranke», nahmen den Choleraschein, welchen Dr. Nagel ausgestellt, und bezeichnete» die Smbevthür mit Man vergleiche damit einmal, wie andere öffent» liche Institutionen organisirt find. Das M'Iiiärwesin kan» un« hier gleich ei» Beispiel bieten. Die Rnchsarmee hat ihren große» Generalstad, der sorvfältig überwacht, wie sich die HeereSorganisatione» anderer Länder gestalten, wie stch die Verbesserung der Waffen entwickelt und wa« Alle« da« mtt zusammenhängt. Ma» wird nicht leugnen wollen, daß beim großen Teneralstab Alle« aus'« Vortrefflichste organi- firt ist. Und doch wäre eine Organisation zur Verhü-ung und Bekämpfung de? Epidemien unserer Meinung nach un« gleich wichtiger, al« die Beaufsichtigung der militärische« Einrichtungen andere, Staaten; sie würde zur Besserung unserer inneren sozialökonomischen Verhältnisse unendlich mehr beitragen. Dann aber kommt für un» die Hauptsache. Professor Virchow sowohl fal« der Kultusminister bleibe» bei ihre» Anregungen wie gewöhnlich auf dem halben oder viertel« Wege stehen. Et kan» heute für Niemand mehr ei» Zweifel darüber bestehen, daß zur Abwehr der Seuche« und Epidemie» auch noch andere Dinge erforderlich sind, al« eine Medizinalreform Weit wichtiger al« d>e Medizinal- reform ist eben und bleibt die Sozialreform, von der die Mevizinalrefotm nur ei« kleine« Stück ift, und zwar die Sozialreform nicht etwa im Sinne der Kranke«» und Unfallversich e, un g, sondern voll und ganz auf die ökv« nomische Besserstellung der Arbeiterklasse gerichtet. Wer da weiß, daß große Massen unserer Bevölkerung kaum glaub» lich schlecht genährt und gekleidet siad, wer da weiß, daß sie ihr Leben in elende» Behausungen hinbringe» müssen, daß fie oft kaum a« Sonn» und Feiettauen Zeit zur Erholung haben, wer da weiß, daß»er Zusammenhalt der Familie aufgehoben wird und den Kin» der» die nothwendigste Pflege durch die Eltern verloren geht, wen» die letzteren igten körperlichen Unterhalt verdiene» wolle», der wttd auch begrette», weshalb die herein« brechenden Epidemie» unter den Masse« oft so reißead um sich greife«. Di« Aerzte allei» können die Epidemie» nicht abwehren; eine erhöhte Lebenshaltung der Volk«- masse« ist dazu unerläßlich. Leider haben sich Herr Virchow und Genossen von ihrer einseitige« Auffassung noch »icht bekehren könne» und werde« wohl auch in Zukunft schwerlich dahin gelange». Politische Ueberstcht. Zur Affaire Mahlow-Jhriug. Der R«ich»tag»abge« ordnete Singer hatte seiner Zeit der königl. Staatsanwaltschaft zu weiterer Veranlassung Miitheilung von dem Te- dem gebräuchlichen Zeichen, verboten ferner jede Gemeinschaft der Krankmpfleger mit anderen Leuten und fügten, in sicherer Voraussetzung, daß Henning« so gut wie todt sei» hir zu, daß heute Abend der Sarg«nd in der Nacht de» Leichenwagen komme« werde. „Schön von Ihne» I Wünschen Sie vielleicht Herr» Henning« zu beerben?" grinste Justus.— Die Be- amten gingen achselzuckerd fort; erfüllten sie doch nur ihre Pflicht. I« höchster Besorgniß hatte nämlich die Regierung verordnet, daß fernerhin bei jedem bedenklichen Fall der Sarg gleich in« Hau« de» Kranken geschickt und �der Todte«och in derselbe» Nacht flll begraben werbe, damit längere« Stehe» der Leichname»icht zu«euer Ansteckung beitrüge, und da« Begräbniß am Tage»icht feiner auf die entsetzten Gemttther eine» niederschlagenden Eindruck mache. Genügte doch schon die bloße Angst, um der Krankheit an« heimzufalle». Trotzdem nun aber da« Begräbniß Henning»' auf amt- liche« Befehl vorbereitet wurde, erholte er sich wieder. Sei« erste« Zeiche» von Besserung benutzte er, Iustu«, ver neben ihm saß und eine Pfeife schmauchte, gerührt die Hand zu drücke». Er wollte ihm danken. „Still, Herr, sprechen Sie nicht! E« ist besser, Sie chvaen sich; erzählen können wir uns später»och genug. Thun Sie doch der Etolataxe nicht de» Gefalle», zu ster- den. Wa« habe» Sie denn davon, e« kommt noch, weiß Gott, zettig genug. Alle« im Hause ist in der schönste» Ordnung, der Kleine wohl aufgehoben, und Sie brauchen blo» gesund zu werden!" Damit verwies er den Kranken zur Ruh«.— Mtt der Ordnung im Hause aber stand e« so so I Die Wärterin, welche in grenzenloser Unvernunft da« Kmd ihre« Herrn verlasse», war au« Furcht nicht wieder- 8«kommen, ebenso wenig die alte Grundmann; auch da» Üeschäft blieb mehrere Tage geschlossen. Herr Sckurrig, der Buchhalter, fragte nur alle Morgen bei Schätzlein a», wie e« stehe. „Na, todt ist er«och nicht/ lachte hämisch Iustu», iahren deS Teheimpolizistm Jhring gemacht und darauf fei* «enden Bescheid erhallen: Berlin, den 18. Mär, 1886. Auf die Anzeige vom 20. Februar d. I. gegen den Schutz« mann Jhring benachricklige ich Ew. Wohlgedor�Lergedenst, daß ich n'cht in der Lage bin, strafrech'.Iich einzuschreiten. Irring ist im vergangenen Jahre mit der Ueberwachung der Ätitglieder-Versammlungen deS Arbeiter-BezictSvereinS für den Osten Berlin? amtlich betraut worden. Um feiner Aufgabe ausreichend und unauffällig gerecht zu werden, hielt er es für zweckmäßig, dem Verein unter dem Ziamen Madlow und Angade seiner früheren Profcsfion als Mechaniker deizu« treten. Er hat auch, wie er sofort offen angegeben, in der Absicht, etwa auftauchendem Mißtrauen zu begegnen, einer Anzahl von Mitgliedern des Ver>tnS gelegentlich vertraulicher Be prechung daS Verfahren einer Geheimschrift und ähnliche in weiteren Kreisen bekannte Operationen gezeigt. S-in erster amtlicher Bericht datirt vom 29. Dezember o. I. Noch am Tage des Eingangs deffelben ist er von seinem Vorgesetzten angewiesen, fich vollständig passiv zu verhalten, und er ver- sichelt, diesem Befehle durchweg Folge geleistet zu hadm. Er hat demnächst, bis seine Eigenschaft alS Pol'zribeamter entdeckt wurde, in einer Reihe ruhig und objektiv ge« halten«: Berichte wichtige Beobachtungen, welche er in Eonderveretnigungen hervorragender Mitglieder jenes Vereins machte, zur Anzeige gebracht, Beobachtungen, deren Tragweite von den Mitgliedern Christcnsen und Berndt gewiß am wenigsten unterschätzt find. Wenn nun der Privatlehrer Chrißensen die in Ihrer An- zeige angedeuteten überaus gröblichen MajestätSbeleidigungen dem Schutzmann Jhring zur Last legt, so wird er fich wegen di:ser MittheUung an Ew. Wohlgeboren auf den deshalb er« bobenm Strafantrag des Jhring wegen verleumderischer Be- leidigung deffelben zu verantworten haben, da er. wie er selbst -einräumt, diese Thatsache nicht beweisen kann. Gegen Jbring aber auf Grund des Zaugniffes des Chriftensen wegen jener angeblichen Majestätsbrl«oigung einzuschreiten, erscheint nach dem oben Mitgjetheilten völlig autaeschloffen, ganz adaesehen dawn, daß er von seinen Vorgesetzten als ein zuverlässtger Beamter geschätzt wird. Es kommt aber noch hinzu, daß er, wie er behauptet, den Ehristensen, zu welchem er im Anfang deS Dezember die Mo* jestätSdeleidigung geäußert haben soll, erst am 27. Dezember v. I., dem Tage seiner ersten Anwesenheit bei den nicht bffent» lichen Sondervereinigungen.» äher getreten sein will, eine Behauptung, die in seinen Berichten Unterstützung findet. Die unter daS Zeugniß des Tisch!« s Berndt und des HutmacherS Urban gestellten Tbatsachen erfüllen nicht den Thatbestand einer strafbaren Handlung, insbe'ondere nicht den des Vergehen? gegen die§§ 110, III und 49 a Straf-Gesetz« Buckcs(vergl. Absatz 3§ 49 a), würden aber auch durch die genannten Zeugen nicht erwiesen werden können. Hier steht nicht nur Aussage gegen Aussage, sondern eS erscheint höchst unwahrscheinlich, daß Jhring, während er die Rolle eines Parteigenoffen spielte, hervorragenden Mitgliedern des sozial- demokratischen Vereins anaerathkn haben soll, öffentliche Ge« bäuve mittelst Dynamitbomben in die Luft zu sprengen, damit die herrschenden Klaffen vor Berathung des Sozialistengesetzes Angst bekämen. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Atten« tat den auf Aufhebung des Gesetzes gerichteten Bestrebungen der sozialdemokratischen Partei geradezu entgegen gewirkt haben würde, und es ist ganz unglaubhaft, daß Jhring einen so wtverfinntg motivirten Rath, der ihn sofort verdächtig machen mußte, gegeben hat. Aber auch ganz abgesehen von dieser Erwägung, stehen dem Berndt dieselben Bedenken der Glaubwürdigkeit entgegen, welche oben gegen Christensen erörtert find. Der zur Zell in RummelSburg in Strafhaft befindliche Hutmacher Urban hat fein Zeugniß zu polizeilichem Protokoll verweigert, seine gerichtliche Vernehmung herbeizuführen lag um so weniger Veran- laffimg vor, als er wiederholt bestraft ist, namentlich auch wegen Unterschlagung. Der Erste Staatsanwalt. Angern. An den ReichStagSabgeordneten Herrn Paul Singer. ES will uns scheinen, als ob der Herr Staatsanwalt sich gleich zum Verlheidiger des„pflichttreuen Beamten", welcher fich unter falschem Namen in einen Arbeiten Verein eingeschlichen, und dort„Geheimschriften" lehrte, gemacht hat und wir müssen nunmehr abwarten, waS die Verhandlung gegen die angeklagten Zeugen Berndt und Ehristensen ergeben wird. Vielleicht findet der Richter, welcher eine große Anzahl Zeugen über das Auftreten Jhring's zur Verfügung haben wird, ebensowenig Veranlassung,„wegen verleumderischer Be« leidigung" zu vcrurtheilen, wie der Herr Staatsanwalt nicht in der Lage war. strafrechtlich gegen Jhring einzuschresten. „ich hoffe, er wird bald Kraft genug haben, alles Lumpen» voll aus seinem Hause zu schmeibe» l" Diese» Argument und°Henning»' zunehmende Besserung, damals als ein halbe» Wunder angestaunt, bewog Schurrig am dritte« Tage, nach dionse« Räucherungen mit Chlor, Essig und flüchtigen Essenzen, da» Geschäft wieder zu öffnen, und da» P.rsonal kehrte sämmtlich, außer Wärterin und Köchin, wie der Gruvdwann, zu gewohnter Pflicht zurück. Der Sarg für Herrn Josua, welcher auf Befehl der Cbolcradeputatio» geliefert worden, fand keinen Ab« »ehmer. Doch Justus, um lange Streitereien zu»crmei« den, bezahlte ihn und ließ ihn lachend in seine« Keller bringen. ,Hui, den behalt' ich gewiß als Ladenhüter für mich selber!" War es Hartnäckigkeit oder Stolz, kurz, Schätzlein sagte ro« den häuslichen Vorfällen Hennings kein Wort. Seine Frau pflegte nach wie vor den kleine« Edmund gleich einer Mutter, und da» Kind de» Trödlers und de« reichen Kauf« tnavnS spielte« mit einander sorglos im dunklen Keller, oder auf dem Hofe, wo Chrifiinens Auge über sie wachte. Phyfi« ku« Nagel indessen und Johann nebst Beate, besonders da letztere sich nun auf ihre Bravour'was Rechte« zu Gute thaten, schwiegen um so weniger, und Henning», der bereit» ei« paar Stunden auf dem Sopha zubringen durfte, erfuhr die ganze Größe von Justus' Aufopferung und daß der« selbe allein mit Johann sich seiner angenommen habe, sei« Sohn ferner bei der Trödlerin in Pflege sei. Er bat Justus, welcher sich, nachdem alle Lebensgefahr vorüber, wieder in seine« unterirdische» Dachsbau zurück- gezogen, sogleich zu sich. Justus erschien und«ickte fröhlich, da er seine« Patiente» so gebessert sah. „Schätzlein, lieber Schätzlein!" und Josua's Stimme zitterte vor Rührung, als er de« Trödler neben sich auf de« Stuhl zog.„Ich Hab' Ihnen so viel zu danken, vaß ich nicht w«ß, wo ich aufhöre» soll!" „So fange« Sie nicht erst an! Danke« Sie lieber Gott, daß es so gekommen ist. Verflucht genug sahen Sie aus, als Sie im Komptoir lagen, wie ei« Haufe« zusammen« Zur geschäftliche« Lage de» Reichstage» können wir den entgegenorsetzten Nachrichten der Presse gegenüber auS zuverlä figer O lelle mittheilen, daß die zweit» Berathung der Branntweinmonopol- Vorlage nicht nächsten Dienstag, sondern erst nächsten Freitag stattfindet. In die zweite Berathung de» Sozialistengesetze» aber tritt der Reichstag Montag, den 29, oder Dienstag, den 30. d. Mts. ein. Wenn die Regierung keine neuen Vorlagen mehr macht, wird der Reichstag Mt-e April geschloffen. Neuerdings aber verlautet, daß der Reichskanzler, nachdem das Menopol abgelehnt worden, es mir neuen Steuervorlagen, um höhere Er. trage aus dem Branntwein für das Reich zu erhalten, ver- suchen wolle. Geschieht dieS, dann allerdings müßte der Reichstag nach Ostern noch einmal zusammentreten. Selbst den Nattonallibe-ale« schlägt bei der Frag» der Verlängerung des Sozialrstengesetzet das Gewissen— sie suchen dasselbe zu reinigen und schauen flch nach Mitschuldigen um. Recht bezeichend ist eine Expektoration des national« liberalen„Leipziger Tageblatt", welche Stimmung für die Verlängerung deS Sosi.Iistengesetzes zu machen»ersucht. Hören wir:„Et kommt jetzt weserttlich darauf an, eine Form zu fin- den, welche dex OrdnunaSparteien die Annahme der Verlängerung ermöglicht, und in dieser Beziehung wirs eine Verständigung zwischen den Konservativen und Narional- liberalen und deder mit der Regierung leicht zu erreichen sein. Die Sozialdemokraten im Reichstage debaupten, daß ohne das Sozialistengesetz der Polizekach Rumpfs noch am Leben wäre und daß Mo« nicht die„Freiheit" herausgäbe. Außerdem weifen sie darauf hin, daß der Züricher„Sozialdemokrat" trotz des Gesetze» rege!« mäßig in die Hände der deutschen Leser gelange und daß die Zahl der sozialdemokratischen RetchStagsabge« ordneten fich verdoppelt habe. Der Werth und der Umfang dieser Beweismittel lönnen auf eine durchschlagende Wirkung keinen Anspruch erheben, denn die Herren Bebel und Genossen find uns den Aufschluß darüber schuldig geblieben, was geschehen wäre, wenn das Sozialistengesetz nicht be> stände. Die Ordnungsparteien hegen die Ueberzeugung, daß wir ohne das Gesetz nicht auskommen können, und diese Ueber« zeugung ist auch bei anderen Parteien, beim Zen« t r u m und bei den Freisinnigen vorhanden, wenn fie auch nicht ausgesprochen und sogar theilweise verleugnet wird. B<»or vre Rollen vertheilt werden für die Abstimmung, wird sich Mancher, der gegen die Verlängerung stimmen will, zuerst darüber orientiren, ob auch die Mehrheit der dafür Stimmen« den gesichert ist, ohne diese Sicherheit würde er es vorziehen, der Abstimmung fern zu bleibe n."— Wir überlassen es natürlich dem Zentrum und den Deutschsreistnnigen, fich selbst mit den Nationalliberalen abzufinden, obwohl wir eingestehen, daß da» genannte Blatt mit setner Hoffnung auf klenkale und freisinnige Unterstützung gar nicht so unrecht hat, wenn man da« frühere Verhallen dieser Parteien ins Auge faßt.— Wenn nun aber das nattonalliderale Blatt soweit geht, sich bei Ver- längerung de» Sozialistengesetzes auf da» Ausland zu berufen, so— doch wir wollen erst den betreffenden PassuS abdrucken. Derselbe lautet:„England und Frankreich haben es bisher verschmäht, dem Beispiel Deutschlands im Kampfe gegen den Sozialtsmus und Anarchismus Folge zu leisten; wir haben gesehen, mit welchen Nachthetlen für die öffentliche Sicherheit. In O e st e r r r e i ch ist man anderer Meinung, dort hat man die Veisaffung für Wien und die benachbarten Gerichtssprengel theilweike außer Kraft gesetzt, um gegen den Anarchismus mit voller Machtentfaltung einschreiten zu lönnen. In England geht die Gleichgiltlgkeit gegen anarchistische Kundgebungen so weit,"— Wir brachen oben den Satz ad, so— ja so er- klären wir, daß«in nationalliberales Organ, welche? bei Kulturfragen England und Frankreich verleugnet und fich auf da» durch Ungarn und Slaven beherrschte Oesterreich beruft und gewiß auch demnach Rußland dem deutschen Vaterlande als Vorbild anempfehlen mochte, eine Schmach für Deutschland ist, ebenso wie«0 die so genannte national- liberale Partei ist. ES ist in der That soweit gekommen, daß diese Partei die Helfershelferin der internationalen Reaktion geworden ist. „Obstruktionspolitik" treiben die konservativen Mit« glieder der Wahlprüfungskommisfion des Reichstage», indem dieselben sämmtlich tn den Sitzungen fehlen, um dirselben be- schlußunsähig zu machen. So licat jetzt die Abstcht in der Wahlprüfungskommisfion vor. die Wahl des Abg. Lötz(Kassel) für ungiltig zu erklären. Dies Vorhaben vereiteln nun die Konservativen durch ihr„Schwänzen" der Kommtsfionssstzunge». Und diese selben Leute sprechen von Obstruftionspolilik der Oppofition? Sie, die einen gerechten Spruch durch solche kleinlichen Mittel hintertreiben! Ucbrigen» würde die Be- schlußlähigkeit der Wahlprüfungskommisfion leicht herzustellen sein, wenn nur die sämmtltchenMllglieder der Oppofition ein« mal am Platze wären. Ueber da» Urtheil in der Frankfurter Friedhof»« Affäre schreibt die„Voll» Ztg." sehr zutreffend:„DrS Urtheil, weiches die Strafkammer deS Landgerichts zu Frankfurt a. M. gegen den Polizeikommlssar Meyer wegen der Frankfurter gefegter Lumpe«. Das hat der liebe Gott so gewendet, nicht wir Menschen!"— „Justus, Sie habe» wie ein barmherziger Samariter an mir gehandelt, und— ich,— ich schäm mich— daß, — na daß ich Sie so lange in meine« Hause habe und doch nicht besser kennen lernte. Vor ollen Dingen thu« Sie mir nur den Gefalle« und schicken Sie mir den Kün- diguvgtbrief wieder, de» ick Ihnen geschrieben bade. Sie bleiben, und wenn Sie ,n de« Posamentierlaoe« ziehe» wollen, höre« Sie,— so soll er nicht theurer sei», als der alte Keller, Freund. Ihre Frau hat sich meine» armen ver« lassene» Jungen angenommen, da diese Brut, die ich über« reich mit Wohlthaten gespickt, mich und ih« im Stiche ließ. Ich vergess' es Ihnen nie, Justus, beim ewigen Gott! Es ist eine Lehre vom Himmel, daß ein Reicher eben auch ein elender, hilfloser Wurm ist, Justus, und ein warmes, fühlende» Mensche« herz in der Roth brauchen kann. Nie Hab' ick mehr gefühlt, wie ich allein steh', al» jetzt, und daß S,e«ein einziger Frennd gewesen!" Thränen der Wehmuth und Dankbarkeit glitten Hea- »ingS über die Wangen, und er drückte des Trödlers Ha,d krampfhaft an sei« Herz. Keine Zähre kam in Schätzlein's Auge, aber er zitterte an Leib und Seele, seine Stimme war ungewiß, seine Rede abgebrochen. „Lieber Herr Henvirg», regen Sie sich doch nicht auf. — Seheu Sie, ich bin ein verbltterter, spöttischer Kerl, es ist wahr, aber hier drinnen sieht's doch rechtschaffen au». Ich Hab' eben gar zu viel Schlimmes schon erfahre», und dadurch bin ich so bissig geworden. War auch'mal wohl- habend,— päd, nun handle ich mit Scherbe» und Lumpen! Aber ich»er! hat etwa mein Geld nicht! Wollt', ich hätt's aethan, dnn» besäß' ich wenigsten« die Erinnerung lustiger Stunden! Andere habe» sich'» von dem Meinigen wohl sei« lasse» und— Eh, daß ich eben zu gut und zu dumm war, muß ich jetzt büße»! Da Sie mir»dessen den Lade» geben, denk' ich, soll sich'» schon besser mache», und mein Kind wird auch nicht mehr so bleich sei», wie in dem dumpfigen Keller."— „Ist Ihr Töchterchen den« kränklich?— Da» geht nicht, Justus!— Hören Sie, im zweiten Stock ist eine Friedhofsaffäre gefällt hat, wird in dem Rechtsbewußtsein de» Volkes eine wohl uv eingeschränkte Zustimmung finden. Indem das Gericht dem Angeklagten mildernde Umstände versagte, kennzeichnet« es genügend die Brmaliiät seiner Handlungsweise; indem es ihn aber zu dem straftechUich niedrigsten Matz von drei Monaten Gesängniß verurtheilte, berückfich igie es ge* bührend den Umstand, daß die eigentliche Schwere der Schuld nicht auf den M-yer fällt, sondern auf das System, dem ti diente, auf dasselbe System, welches jetzt durch die Verlängerung des Sozialistengesetzes oollent» zu einer dauernden Einrichtung des Deutschen Ruch» gemacht werden soll."— Hierzu wollen wir noch bemerken, daß sämmtliche Polizeibeamte, die als An- geklagte und Zeugen vor dem Gerichtshof standen, den Em- druck machten, als ob fie die Echuls von fich selbst auf einen anderen schieben wollten. „In der Berliuer Sozialdemokratie und Arbeite»« Welt— schreibt die„Nationalztg." vom 18. März— herrsch« augenblicklich reges Leben. Außer den zahlreichen Gewerkschaft»' Versammlungen, die fich ausschließlich mit der Lohnftage und einem eventuellen Streik beschäftigen, finden täglich Volks' Versammlungen statt, die jedes Mal von taufenden von Arbeftern besucht find. In Folge deS Tagens de» R-ichstags befinden fich die Leiter der Berliner Sozialdemokratie in der günstigen Lage, in der Reihenfolge der Redner bunte Ab- wechselurw eintreten lassen zu können. Im vorigen Iah« ß* stattete die Polizd meisten» nur die Volksversammlungen,>« denen Singer als Reterent angekündigt war. In diesem Iaht« läßt die Polizei den Sozialdemokraten die vollste Versammlung« fteiheit, alle sozialdemokratischen Abgeordneten können unge* hindert al» Redner auftreten. So erörtert jetzt Haseticlever, der seit 3 Jahr« hier nicht sprechen durste, wöchentlich mehrere Male vor seinen Gestnnungsaenoffen die brennenden politische« und sozialen Fragen; Liebrnecht, Auer, Kayser, Pfannku» u. s. w. haben wiederholentlich in VollSvetsammlunaen und tn den Ardeiter-Bezirlsvereinen gesprochen; nur Bebel ist bis sitz' auf Ver Rednertribüne in eurer Volksversammlung nicht er- schienen: tür morgen ist er jedoch alS Redner angekündigt- Alle diese Voiktzmrsammlungen sied, wie gesagt, von Taufende» besucht und»erlaufen in ihrer Mehrzahl ruhig. In den meiste« Volksversammlungen wird aber bereits auf die nächste« ReichstagSwahlen hingewiesen, die Parteigenoffen wer« den aufgefordert, die Agitation auf dm 2. und 3. WablsieiS, die man das nächste Mal erobern müffe, zu konzentrire«. Angestcht» dieser rastlosen Arbeit der Sozialdemokraten werde« die Lideralm bei den nächsten Wahlen noch schwereren Elans als 1884 am 28. Oftober haben; und darum möge man in liberalen Kreisen nicht mebr vornehm die Hände in den Schoos legen."— An welche Liberalen richtet die„Nationalztg. eigentlich ihre väterlichen Ermahnungen? Der deutsche 0% sinn war ihr in der letzten Zeit immer ein Dorn im Auge, W ihn wird fie doch kaum sorgen. Sollten die Nationalliderale« etwa fich zu neuer Kraftprobe rüsten? Sie dürftm allerdings bei den nächsten Wahlen gar keinen„Stand" mebr hade«> Oder ist die„Nationalztg." in ihrer beängstigenden Wandlung� fähigkeit nunmehr wieder bei dem deutschen Freisinn angelangt Dann wird ste freilich bei den nächsten Wahlen auch kern' Freud« in Berlin erleben. Ksattlreich. Am Jahrestag der Kommune(18. März) wäre« in Paris alle Truppen und Polizeimannschasten zum Aus- rücken bereit. Die musterhafte Selbstbeherschung der Ardelter hat fich auch bei dieser Gelegenheit wieder gezeigt. Keine Spw von Tumulten und Straßenkundgcdungen, da die FLb/kl dieses wtderrathen hatten und die Denkfeier bloß in festäche« Vereinigungen begehen wollten. Einige anarchistische Hitzkögi» sollen allerdings im neunzehnten Stadtbezirke Äuftufe zu Bt> wassneter E> Hebung angeschlazen haben, die Ardeiter haben st» aber natürlich zu solchen Selbstmordversuchen, die gaW anderen Leuten zu gute kämen, nicht verleiten laffen. Belgien. In Lütttch hat der Jahrestag der Pariser Kommun« die beschäftigungslosen Arbeiter zu einer Kundgebung anlaßt. Polizei und Truppen warm konfignirt, fanden aber keine Gelegenheit zum Einschreitm. Großbritannien. Die Regierung defindet fich gegenwärtig in allerlei Vere legenheitm. Ministerkrtsis, Aufgabe deS Sudan- Birma— überall Niederlagen oder Verwickelungen. H? läßt fich über die hinterindischen Zustände die„Pol. Korres?- folgendes aus London schreiben: Die Eroberung von Bir»» macht den Engländern noch immer viel zu schaffen, und w» inneren Schwierigkeiten der Sache werven durch die Ansprüas Chinas vermehrt. Die chinesische Diplomatie in Europa h� an die englische Regierung das Ersuchen gerichtet, daß Bham», am Flusse Jrawadvy, mit dem umliegenden Gebiete an da» chlnestsche R«tch abgetreten«erde. Es ist aber nicht die ßc' rrngste Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die englische Reg� rung diesem Wunsche Rechnung tragen wird, da der Best» von Bharro für die englischen Interessen in jenem Gebiete Urtf entbehrlich ist. Die Engländer bestehen darauf, daß der Fl«» große Hivterstube leer, ziehen Sie hinein bi» Neujahr! Wa»? Und— und Sie müssen mir noch Ein» zu Gefalle« thu» I"— „Ich? Ihnen? Wär' doch neugierig—!" „Aber übel nehme» müssen Sie'» auch nicht. Freu««' 's ist ein ganz kaufmännischer Vorschlag!" „Na wa» denn?"—. „Ich Hab' da tausend Thaler müßig im Sekretär,«% kann keine ordentliche Hypothek beschaffen, die sicher ist«f® nicht gar zu schlechte Zinsm trägt. Da» Geld— zu Piozent können Sie'» haben!"— „Schwere Roth!" Justus prallte auf und ging'!* Zimmer auf und nieder.„Des ist eine zu— zu gros!' Versuchung, Herr Hennings! Solch' Erbieten müssen& einem armen Manne nicht machen! E» ist nicht recht!""7 „Justus, ick bitte Sie herzlich, nehmen Sie da» G-l® doch I Meinen Sie den», wen« ich gestorben wär', tausend Thaler hätten sie ruhig in der Schublade liegt« lasse«, dieses Gesindel, das mich oerließ?!—", „Auf vier Jahre Jahre und zu fünf Prozent, anW nicht!"-.„ „Gut, Schätzlei«, wie Sie wolle«. Morgen soll Notar die Geschichte abmachen, nehme» Sie nur indetP da« Geld mit!" Er stand langsam auf, öffnete de« Sekretär und zählte das Geld hin. Mit feuchten, funk«!«' den Auge» strich es Schätzlei» ei» und dankte tief«* bewegt... „Nicht» da, mein Alterl Geht, geht und sinnt, profitabel Ihr'» anlegt. Noch Eins, Justus, kann ich mew- Jange« den« noch nicht sehen?"— .Nein, Herr Henning». Sie sind«och zu angegrm',' und besser ist besser. Fragen Sie morgen de« Dr. Nag' dann mögen Sie in Gottesnamen den kleine» Bengel wie»' haben!". Beide Männer schüttelten einander mit freudiger � wegung die Hände, und Schätzlei» stieg mit recht wu«® baren Gefühlen die Kellertreppe hinab. Christine saß bei de» Kinder« und nähte. (Fortsetzung folgt.) yrawaddq v»llstil«dig in ihren Lefitz gelangt, un> fie bedürfen Bbamo's in erster trnie, um eine Handeltftraße für die Tin- Uhrung der englischen Äanufaktur. Uljeugnifie in die reichen Provinzen von Suchuen und Bünnan zu«öffnen, ferner um eine Eisenbahnlinie zwischen Birma und stallutta zu bauen. Diese Linie würde durch an Mineralien sehr reiche Gegenden ziehen, zur Pazifiziruna der bisher nicht niedergeworfenen dir- manischen Etämme wesentlich beitragen und den Thce»fiamern in Afsam chinefische Arbeiter zuführen, deren Erfahrung in dem Bau dieser Pflanze für die ersteren von größerem Werth« »ire. China bafirt sein erwähntes Verlangen auf die Euzeränetätirechte, die ei über die Könige von Birma auSgc« übt zu haben behauptet. England erkennt daS Bestehen dieser Rrch ie nicht an, ist aber, um dem Streite ein Ende zu machen, bereit, die ehemalige Tributleistuna de» Königs von Birma seinerseits weiter zu zahlen und die englische Grenz« in den Gebirgen von Kaschyen, zwanzig Kilometer östlich von Bhamo festzustellen. ES wäre dieS eine natürliche Grenze zwischen England und China, und eS ifl wahrscheinlich, daß der eng. lischt Vorschlag zur Lösung dieser Schwierigkeit angenommen »erden wird. Eine den Beschäftigungslosen in Manchester abgegebene Erklärung der Stadtbehörden, daß fie den Arbeitern augenblieklich keine Rrdrit geben könnten, rief am Donnerstag «ine Kundgebung von Arbeitern hervor. Ein großer tzaufe versammelte fich vor dem Stadthause. Einige verlumpte Ge- feilen denutzten leider wieder ven Auflauf, um die Fenster eines großen Modewaarengeschäftel zu zertrümmern. Weitere Ausschreitungen find, wie selbst Wolff'S Telegraphenburau zugesteht, nicht vorgekommen. ««tzlchnd. Aus Petersburg wird berichtet, der Zar und die Zarin würden Anfang» Mai von der Krim au» nach ZiowotscherkaSk zu den Don-Kosaken gehen, um denselben ihrea Hetman, den Thronfolger, vorzustellen. Sie werden End« Aai Her zurücke iw artet. Schon heute wird von den„umfafienden Sicherheitsmaßregeln" gesprochen, welche an allen Punkten der Reiseroute getroffen werden sollen! Koziale«««> Arbriterbemegung. *»« die Maler Verltu». Kollegen! In ernster Sache treten wir heute an Elrch heran und appelliren an Eure Lieb« zu unserer großen, edlen Sache. Wie Such Allen bekannt sein wird, hat fich in Berlin am 1. Juni v. I. ein Gauverein der Maler und BerufSgenoffen über ganz Deutschland konfliwirt. Der Zweck»es Verein» ist die Befferung der geistigen und materiellen Lage seiner Mitglieder auf gesetzlichem Wege. Wir denutzten da» den Arbeitem durch Gesetz zugesprochene Recht, sich zum Zweck ihrer ökonomischen Befferstellung vereinigen zu dürfen. Ist doch allein die Vereinigung Aller da» einzige Mittel zur dauernden Ausbefierung unserer so tief traurigen Lohnoerhältniffe. Saat, wie wollten wir ander» unsere Lage verdeffern, als durch eine große, Alle umfaffende Organisation. Leicht fällt der Einzelne, der dm Muth hat, fich gegen die Vergewaltigung seines Arbeitgeber» aufzulehnen, a!S Opfer seiner Ueberzeugung. Die Vereinigung, die Gesammtheit aber bat dm Respeckt für fich. man wird fich gezwungm sehm, mit ihr zu rechnen. Kollegen! Blickt auf die Errungenschaften an- derer Organisationen, Pehm wir ihnen Asten nicht beschämt gegenüber? Müssm wir un» nicht gestehen, daß wir bisher nichts zu leisten im Stande waren? Und nun fragt Euch: Warum dieses traurige Resultat, warum? Weil wir un» nicht R; ermannen vermögen,«eil der Geist der Kollegialität voll. Sndia verloren gegangen ist. weil kleinliche und einseitige Bedenken de» Einzelnen un» stet» hindernd in den Weg ge- treten find. Also, Kollegen, ermannt Euch, steht fest zu« sammen, tretet dem Gauverein bei, und der Erfolg ist un» ficker, wenn wir nur die Kraft und dm guten Wtllm haben, brüderlich mit einander zu verkrhrm und unS zu de« rathen. Wir find daher im Vertrauen auf Eure Beihilfe de« reit, in eine energische Lohnbewegung einzutreten. ES ist nicht unsere Ai ficht, uns schroff und feindlich den Meistem gegen» über zu stellen, auf dem Wege der Güte»erden wir versuchen, einen Vergleich anzubahnen, und sostte diese» fehlschlagen, erst dann wollen und müffen wir mit aller Energie unsere be- rechtigten Forderungen auf eine andere Weise durch, ubringen suchen. Nur durch ein feste» und mannhaste» Auftreten, durch ein festes Zusammenhalten werben wir dem Hohnlächeln ge» wiffer Herren Prinzipale begegnen können; die Forderungen einer geschlofienen Masse müffen berückstchtigt werden, man fie nicht zurückweism. Bedenkt die jetzige Lage unsere» kann Geschäfts, und Ihr könnt Euch der Anficht nicht erwehren, daß die Lohnverhältniffe bringend einer Autbesserung bedürfen. Wir baden an die Meister Berlins und Umgcamv folgende diS AbendS 6 Uhr. mit Einschluß'/. Stunde Frühstückspause, 1 Stunde Mittag und V- Stunde VeSper. 2) Die Ein» führung eines MinimallohneS von 24 M. pro Woche. 3) Be- Ans Kunst und Zeven» Im Oftenb'Tbeater findet die bereit»«oistite Benefiz. Vorstellung von„Maria Stuart" bestimmt heute(Som abend, den 20.) statt, und zwar wird Frl. Klara Meuer in der Titel. rolle und Herr Eugen Müller al»„Mortimer" gastiren, wah» rend der Beneflziant Herr Zwenger den„Leicester" spielt. Ueber die Schiffbrüchiaeu an deutschen Küste», die Zahl der Geretteten und die Art der Rettung bttngt die letzte Nummer der vom Vorstande der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bnau»ge�benen ��°M�r»schrist 1 „Von dm Küsten und au» See"(Verlag von Wichlein in Bremen) eine interessante Zusammenstellung. Danach find, unter ledigltcher Berückfichtrguna der schwereren Eeeunfälle, in den letzten 20 Jahren nachweislich durch Schiff. brüche an deutschen Küsten gefährdet gewesen 9524 Personen. Hiervon find nachweislich gerettet 8755, nachweislich umge. kommen 769 Personen. Gerettet wurden durch eigene Hilfe 8778, durch Hilfe seitens Anderer 4976 und«war durch die Stationen der deutschm Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger 1578. durch Privathllfe vom Lande 1585, durch Hilfe von Schiffen in See 1813. Die Zahl der Gefährdeten und Ge. retteten ist natürlich in den verschiedenen Jahren eine sehr ver. schieden«, je nachdem die WitterungSverhältniffe derselben»er ss ÄS'/sz-H-'W auf mit 793 und 745 Personen, die geringste Zahl da» Jahr 1885 mit 191 un» 172 Personm. Die größte LM der durch Stationen de: deutschen Gesellschaft zur Rettung Schi�rüchiger gerettetm Personen ergab da» Jahr 1373 mit 145 Personen, %«%%%%%&' Ä.r£ Z»JÄAÄ«'1 durch Selbsthilfe, 249 durch Hilfe Anderer und zwar 79 durch eS?:%%%.&.° »igssÄS?» zMRPaaa der Geretteten sicher eine recht ertreultche. seitigung der Mord-, Sonntags- und Ueberfiundm. Arbeit. 4) In nachntillich dringenden Fällen aber find für die Ueberstuade oder für die Stunde am Sonntag 75 Pfennig zu zahlen. Kollegen! Wir glauben, daß die Forderung gereckt ist, wir bitten Euch nochmals, fest zu uns zu stehen; die Erfahrung lehrt un» ja Alle, daß selbst die tüchtigsten und brauchbarsten Arbeiter, nach jahrelanger pstichtgetreuer Arbeit bei einem Meister, unbarmherzig auf's Pflrster gefetzt werden, wenn ihre ArseilSkraft� dem Herrn Prinzipal nicht mehr genug leistet darum schafft Such wenigstens für die Zeit, wo Ihr noch nicht der Gnade Eurer Brodherren verfallen seid, einen den heutigen Zeitperhältniffen angrmeffencn Lohn. Nur eine einheitliche Organisation, wie fie schon durch die Gründung de» Verein» angebahnt, kann alle Jetzt bestehenden Mißstände beseitigen. Kollegen! Aaitirt in Euren Werkstellen, sucht immer mehr zu unserer Verblndung heranzuziehen, und vor allen Dingen wählt Euch einen Vertrauensmann in jeder Werlstelle, der mit der Lohnkommiffion in Verbindung zu treten hat. Pflicht de» Betreffenden wirb es sein, für die gewissenhafte Emkasfirung und Ablieferung der Beiträge Sorge zu tragen, sowie erforder. lichcn Falls der Lohnkommiffion über unwürdige Arbeits» verhältntffe in feiner Werkstelle Bericht zu erstatten. Aber wählt zu diesem Amte nur Solche, von denen Ihr überzeugt seid, baß fie mit Ernst und Eifer gewillt find, für unsere ge« rechte Sache einzutreten. Also vorwä-t», und der Sieg ist unser. Mit kolleiialischem Gruß: Die Lohnkommiffion der Malergehilfen Berlin». I. A.: L. Buchholz. bk». Die K»rbera«»e» de» vr«gr»m«» der die». jährige» Berliner Tapezi-eraehtlfe»» Loh«beweg«»g, welch« den Prinzipalen und Meistern des htefigen Tapezirer. gewerde» im Laufe det heutigen oder»orgigen Tage», also noch vor dem eigentlichen, für Sonnabend, den 20. d. M., anberaumten Herantreten der Gehilfen an bi« Unternehmer in den einzelnen Werkstätten, von der Gehilfenlohnkommisfion al» „Ultimatum" zugesandt werden, lauten gemäß jenem Z .,... Jlrlrriar an die Prinzipalschaft ausführlich wie folgt:„1. Lom 20. Marz d. I. ab dauert die tägliche Arbeitszeit 9'/» Stunde einschließ. lich je einer einoiertelstunbigen Pause für Frühstück und VeSper. 2. Der Mimmallohn für mtnbestleistende Gehilfen beträgt 22 M. 50 Pf. wöchentlich. Tstchtige, mehrleistenste«ehllfen erhalte» entsprechend mehr. 3. Ueberstunden» und Sonntag». arbeit ist nur in aanz dringenden Fällen statthaft. 4. Die Stück,(ober Rkkord-Mrbeit ist mehr und mehr behufs endlicher Abschaffung einzuschränken und zu vermeiden. Gehilfen, welche die Stückarbeit im Einverständniß mit bem Piinzival trotzdem aufrecht halten, haben fich nach dem(im vorigen Herbst aufge. stellten und schon zum großen Theile durchgeführten) Minimal- Stücklohn-Taaif zu richten und nicht unter demselben zu arbeiten, gleichviel welcher Art die Ausführung der Arbeit fei." Aeusterungen der Unzvfriedenheit mit den bisher er. reichten Stücken der Arbeiterversicherung tauchen jetzt bereit» an allen Ecken auf, und die Verwirrung kann eine herllose werden, wenn fich die Regierung erst einmal auf da» schwierige Gebiet der Altersversorgung wagt, um daß fie nun feit Jahren hemmgeht, wie die Katze um den heißen Brei. Bei der Unfallverfichemnä ist e» besonders der schwerfällige und kofl« spielige Slpparat der Berufkgenoffenschaften, der den B« heiligten lästig fällt. Die Bildung großer, über daS ganze Reich yin- wegreichmder Genossenschaften mit zahlreichen Gettionen und einer au» Delcgtrtenwahlen hervorgegangenen Generalverfamm« lung ist in der Regel ein Mißgriff gewesen. ES giebt BemfS« genoffenfchasten, deren Vorstand feine erste und wichtigste Auf. gäbe, ein vollständige» und zuverläsfige» Genossenschaftskataster aufzustellen, heute noch nicht zu Ende geführt hat. Leute, die früher zu den begeistertsten Verfechtern der„nationalen Idee" großer ReichsdemfSgenoffenschaften gehörten, verweisen heute bereits die kostspielige SektionSbildung. Am schnellsten und verhältnißmäßig am besten sind— nach der„Breil. Morgen« zeitung"— diejenigen Industriellen unter Dach und Fach ge« kommen, denen e» vergönnt war, für ihre Provinz oder einen LandeStheil von mäßiger Größe eine leistungsfähige eigene BemfSgenoffenfchaft unter Zustimmung de« BundesratheS zu bilden. Hier regelt fich alle» schon um deswillen leichter und besser, weil die BetriebSuntemebmer großentheil» einander kennen und alle Vorgänge vom Sitz der Genossenschaft aus fich ungefähr übersehen und kontroliren lassen.— Ader auch solche Vorstände, denen die Arbeit hiemach minder schwer al» anderen fällt, stehen oft Fragen gegenüber, die ihnen vergeh- liche» Kopfzerbrechen verursachen. Um ein Beispiel anzugeben. Der Bestimmung im Z 5 des Gesetzes zufolge beginnt die Leistung dar BemfSgenoffenschaft für solche Personm, die auf den Bezua einer Rente Anspmch haben, erst mit der vier. zehnten Woche, welche auf den Tag deS Unfalls folgt. Bi» dahin ist die Krankenkasse refp. von der fünften Woche ab, in Verbindung mit ihr, der Betriebsunt-rnehmer zur Fürsorge verpflichtet. Hierbei wird jedoch immer sttllschweigmd voraus- gesetzt, daß der Verletzte noch nicht geheilt, noch der Kranken. pflege bedürftig ist. Diese Voraussetzung trifft aber in Folge der großm Fortschritte, welche die neuere Chirurgie in der Behandlung von Wunden gemacht hat, häufig nicht zu. ES find Fälle bekannt, wo Ardeiter, denen sofort nach dem Unfall dort unter Sängern, Mufikem und dem Publikum de» Par- quetS Entsetzen und allgemeine» Flüchten hervorgerufen hat. E« war gerade während einer rührenden LteblingSszene, der erste Tenor versicherte in den höchsten Tönen der angebeteten Primadonna, daß Tod und Hölle ihn nicht von der Seite seiner Geliebten treiben würden, als plötzlich da» Fatum in Ge. statt einer großen Ratte auftrat, welche die Klänge der Musik wahrscheinlich au« den Tiefen de» Kellers hervoraelockt hatte, und welche nun auf die Liebenden loSrannte. Die Primadonna fiel natürlich in Ohnmacht, der Tenor vergaß seine Stdschwüre und lief, statt den Degen zu ziehen, davon. Die Ratte, ebenso erschrocken wie er, sprang von der Bühne herab in» Orchester, dem Schläger der großen Trommel aradwegS in den Schooß. Der schlug wie ein Unfinniger«it dem Pauken- stock um fich, woraus die Ratte flüchtend den übrigen Must- kern zwischen die Beine lief; diese warfen nun ihrerseits die Instrumente von fich und kletterten auf die Stühle, aber der schwarze Störenflied sprang über die Orchestcrbrüstuna in'» Parquet, unter die— Damen. Die nun folgende Szene spottet jeder Beschreibung. Der eine Theil de» Publikums be- kam Lachkrämpfe, der andere Weinkrämpfe, die Damm, welche nicht in Ohnmacht fielen, sprangen aus, hielten ihre Kleider fest an dm Leib gepreßt oder flüchteten auf die Sitze hinauf. Zur Unehre der Herren sei eS gesagt, fie benahmen fich nicht viel besser. Manche von ihnm nahmen vor der Ratte Reiß- au»; so groß wurde die Panik, daß man flch schließlich ge- zwungm sah, die Notbthüren aufzureißen. Erner der anwesen. den JDf fixere zog endlich den Degen und machte dem Urheber .!iIS mit einem wohlgezielten Hiebe den GarauS, worauf fich nach und nach Alle« beruhigte und die unter- brochme Vorstellung ihren Fortgang nehmen konnte. Da» Eife«bahn«nglück bei Monteearlo. Dem„Eclai. rem" von Nizza entnehmen wir folgende» über die Eisenbahn- Katastrophe: Schon am Mittwoch Abend, nachdem die Nach. richt von der Katastrophe eingelaufen, verfügte fich der Polizei- Kommissär de» Bahnhofe» von Nizza unverzüglich nach Roquebrune, um eine vorläufige Untersuchung einzuleiten. Nach seinen Erhebungm trüge nicht der Chef dieser Station, sondern ein Kondukteur der ersten Klasse die Schuld; dieser aber vertheidtgt fich gleichfalls und behauptet, die nächste Station avistrfzu haben, kann fich jedoch nur auf da» Zeug- niß von zwei Männern berufen, die leider verunglückt find, nämlich auf den Maschinisten Domergue und auf den Zug- sührer Feraud. Drei Waggons und ein Gepäckwagen deS von Nizza abgegangenen Zuges 483 waren gestürzt; man fand in ein Vorderarm abgelöst werdin mußte, fünf Wochen später als vollständig geheut aus der Sqtlichm Behandlung entlassen »«den konnten. In solchem Falle hört die Krankenkasse natür« lich auf zu zahlm, für Gesunde ist fie nicht leistungSpflichfig, und fv kann die verunglückt« Person in eine höchst traurige Lage kommen, und zwar zu ewer Zeit, wo ihr der Gesetzgeber durch die Erhöhung deS„Krankengelde»"«uf den Zweidrittelbettaa de» ArdeULverdienstes eine reichliche Unter- stützung zugedacht hatte. Die Genossenschaft kann vor Ablauf der 13. Woche mit ihren Leistungen nicht deginnen. Borgen wird man dem Bezugsberechtigten aber nicht leicht etwa», weil die zu erwartenden Rmtmbezüge nicht mit rechtlicher Wirkung verpfändet werden können.(§ 68 U.-U.-G.)— Do» Kranken- kaffmgefctz steht«llerding» außer der eigentlichen Krankenunter- stützung auch eine Entschädigung für die Erwerbtlofigkett vor, welche durch Krankheit herbeigeführt ist. Aber ist„Verstümme- lung" gleichbedeutend mit Krankheit? Dem allgemeinen Sprach» gebrauche entspräche eine solche Gleichstellung wohl nicht. Es scheint also hier eine Lücke in den Gesetzen vorhanden zu sein, auf deren Ausfüllung man wird Bedacht nehmen müffen.— Sin andererLall. Bekanntlich richtet fich die Höhe der Rente, welche dem Beschädigten zu gewähren ist, nach dem Grade der Er»erd»unfähigkeit, welche durch die erlittene Verletzung ein« getzret« ist. Die Genossenschaften können, wenn die maßgebenden Verhältnisse fich ändern, eine Erhöhung oder Er- Mäßigung der festgesetzten Rente eintreten lasten. Immer vor- auSgesetzi ist»er, daß bei Ablauf der 13. Woche eine totale »der parttelle Erwerbsunfähigkeit vorhanden war, also irgend eine EntschädigungSfeststellung von AmtSwegen bald erforder- lich wurde, oder daß dem Vorstande innerhaw der zweijährigen präklufivischen Frist(vergl.§ 5911/3.®.) ein Entschädigungsanspruch angemeldet wird. Nun kann es doch sehr leicht vor- kommen, daß eine nur wenig verstümmelte Person, welche *. B. einen Finger ober ein paar Fingerglteder verloren, od« eine steife Hand behalten hat, zunächst unter ganz un« verändert« Bedingung von dem Betriebsleiter wieder an» nenommrn und zwei Jahre lang od« läng« weiter be- schättigt wird. ES fiele also für den GenossenschastSoorstand vie Aufgabe hinweg, dem Beschädigten eine Rente auszuwerfen, und dies« hätte auch keinen Anlaß, einen Anspmch anzu- melden. Wenn aber nach Jahren der betreffende Betrieb ein» gestellt wird»nd der Arbeiter genöthigt ist, fich nach anderer Beschäftigung umzu'ehen, so findet er nachträglich, daß seine Mwerdsfähiakeit gestört ist. In manchen Fällen wird aller» ding» die vestimmunz im zweiten Alinea de»§ 59 de» Unfallvttficherungs-Gesetzei dem V«letztcn zu Gute kommen» lautend: „Nach Ablauf dieser(zweijährigen) Frist ist der An- Meldung nur dann Folge zu geben, wenn zugleich glaubhast bescheinigt wird, daß die Folgen deS Unfall» «st später bemerkbar geworden find oder daß der Ent- schädigungsberechtigte von der V«folgung seine» An» spruche» durch auß«halb seine» Willen» liegende Ver« Hältnisse abgehalten worden ist"— aber die Aussicht, auf diese Weise d»ch noch zu einer Aner« kennung des Anspruchs zu kommen, ist eine sehr unsichere. Die �Breslau« Morgenztg." erwartet hi« von der Loyalität d« Borstände resp. der mit den Schädenfestsetzungen betrauten Ausschüsse, daß fie in vorkommenden Fällen etwa durch Au»- fttzuna de» Beschlusses od« motivtrte zeitweilige Ablehnung einer Entschädigung selbst die Hand dazu bieten wttden, daß dem Beschädigten sein Recht gewahrt bleibe— ab« einem Gesetzgeber, der an dem guten Willen der ausführenden Organe appelliren muß, um seine Schützlinge nicht zu Schaden kommen zu lassen, kann man gewiß keine glückliche Hand nach- rühmen. Der„Korrespondent", da» Organ der deutschen Buch. drucker und Schristgießer, wendet fich neundingS gegen die „Arbeiterpartei" mtt einer Leidenschaftlichkeit, die unS nicht mehr verständlich ist. Hat daS Blatt etwa» an unS auszusetzen, so find wir stett gern zu Rede und Gegenrede b«eit. Ader Schmähungen und Unwahrheiten gegen un» zu schleudern, daS entspricht weder der Würde eine» ArveiterblatteS, noch kann es un» im Geringsten ine machen in unserem Streben, in dem wir un» mit der großen Mehrheit der ganzen deutschen Arbeiter« schaft einig wrssen. Der„Korrespondent" entnimmt schleimig» schen Zeitungen„die interessante Thatsache, daß der Führer der sogen.„Alberterpartei" in Schleswig- Holstein, Schneider Heinzel aus Kiel, in einer in Flensburg abgehaltenen Wahlvnsamm» lung dies« Partei die Einführung eine« JnseratenmonovolS zu Gunsten der(politischen) Gemeinden al» wirksamstes Mittel zur Vernichtung der Presse empfahl." DaS genügt dem„Korrespondenl", um unS vorzuw«fen, wir wollten die Buchdruckergehilfen außer Brod setzen,„um bei der dann natur» gemäß entstehenden Roth wahrscheinlich für die Parteizwecke eine obwohl er doch wissen könnte, welche systematischen Fälschungen diese Blätter fich«lauben, wenn fie den Ärbeit«n schaden können. Von„Vernichtung der Presse" ist unsererseits nie-- ihnen einen Todten und die stark verwundete Familie Novaro. D« auf Mentone abgelaufene Zug 502 war arger mitgenommen: auf ihm befanden sich die Familie Pricur, vi« Choristen de» KastnoS in Monteearlo in Gesellschaft von zwei FriuttinS; ste erlitten sämmtlich, wie auch die Echwieg«mutter des Be- fitzer» de»„Grand Hotel", starke Vnletzungen. Die Eisenbahn- Gesellschaft dürste eine Entschädigungssumme von anderthalb Millionen FranlS kür die Opfer zu tragen haben. Der länafte Tunnel der Welt. Heb« den gegenwärtig mit größter Energie betriebenen Bau einer neuen Wafferlei- tung für die Stadt Newyork werden im„Mouvement indu« Set" interessante Mtttheilungen gemacht. Die schon bestehende asserleitunq Newyorks wurde im Jahre 1832 mit einem Kostenaufwande von 70 MM. Frks. hergestellt; für die heutige Bevölkerung der Riesenstadt genügt selbstverständlich jene Lei« lung nicht mehr und man sah fich deshalb genöthigt, den Bau einer zweiten Wasserleitung in Anariff' zu nehmen." Es gehört ~' tigsten, was fich denken läßt. die» Unternehmen zu dem Großartig CS muß nämlich, u« das Wasser deS Cronlon-See» in die ResttvorrS in Neywott zu leiten, ein 46 km langer Tunnel unter der Erdobeifläcke gegraben werden. In Schichten von je 3000 Mann find 6000 Arbeit« Tag und Nacht beschäftiat, um dieses Riesenweik auszuführen, um letzteres von mög- ltchfl»ielm Angriffspunkten au» gleichzeitig beginnen zu können, wurden 26 Schachte gegraben. Jeder Unier- nehmer arbeitet vom Boden feines Schachtes au» nach beiden Richtungen gleichzeitig, so daß die Ärbetter je- in der Mitte zwischen zwei Schachten aufeinanderstoßen weilen......... M_____ werden. Ueber 100 Bohrmaschinen find beständig in Thättg keil und zur Förderung deS Schuttes und Gestcins werden gewaltige Hebemaschinen verwendet. Das Unternehmen, dessen Gesammtkosten auf 300 MM. Frks. berechnet find, wird erst in zwei Jahren beendigt sein. Man hätte dieselben zwar ganz bedeutend verrngern können, aber auf Kosten der Herst«!. lunaSzeit, wenn man nämlich die Zahl der Schacht« und An- Itiffj:"'".....---------- .«punkte vermindert hätte. Gemäß dem Grundsatz„Zeit . Geld", haben die Amerikaner eS vorgezogen, nicht da» letz- lere» sondern das erpere zu sparen. BemertenSwerth ist. daß dies« Tunnel alle bisherigen ähnlichen Bauten übertrifft und gleichwohl«m wenigsten Zeit zu seiner Ausführung in An- spruch nimmt. Am Moni Cenis- Tunnel(12620») bat man 14 Jahre gearbeitet, der Gotthard- Tunnel(14 900 m) wurde in 8 Jahren vollendet und für den Arlderg-Tunnel(10 270 m) war eben so viel Zeit«forderlich. «als die Rede gewesen, sondern nur davon, daß die Presse unabhängig werden soll von den r«jlamebedürstigtn ftttjllo« listen, nur davon, daß der Presse der Charakter eineS Epeku- lationSinstituti genommen«erden soll. Wüßte daS der «Aorrespondent". so würde er auch zweiten! nicht bibaupten, wir wollm den Buchdruckern die Arbeit rauben. Wir wollen «öthiaen Falle!— denn vor der Hand handelt e! sich ja nur um individuelle Wünsche, nicht um einen Punkt de! Parteiprogramm! — da! Annonzenwesen nicht aufheben, sondernin vie Hiindeder Ge« meinden legm, wir wollen den dadurch erzielten Gewinn der Allgemeinheit zuwenden, aber auch nicht eine Annonze au! der Welt schaffen— woher soll also die Schädigung einer so ausgezeichneten Ardeiterklasse, wie die der Buchdrucker kommen? Und endlich— eine„reaktionäre", sogar eine erzreaktionäre Maßregel soll e! sein, die wir befürworten? Hat denn der „Korrespondent" nie etwa! von L a s s a l l e gehört, der zuerst da! Jnseratenwesen den Privaten entziehen wollte— oder war Laffalle auch ein Erzreaktionär? Also etwa! mehr Bescheiden« hett und Versöhnlichkeit! Aus die Verbindung zwischen Unternehmern und Arbeiter« in der votgtländischen und erzgebiigi chen Schiffchen« stickerei haben wir seiner Zeit schon hingewiesen. In einer Hauptversammlung find nunmehr die atohn- und Arbeit!« dedingungm zwischen den Mitgliedern geordnet worden und zwar tn folgender Weise: 1) Da! Minimum de! Preise! für Lohnarbeit wird auf*/« und'% Rapport 8ellia auf 75 Pf. pro 1000 Stiche und per Wagen festgesetzt. Der Minimal« lohn versteht fich gegen baare Kasse ohne Skonto. 2) Mit« glieder de! Verein! dürfen nur an VereinSmitglieder Arbeit ausgeben und nur solche von Mitgliedern annehmen. 3) Et wird eine NormalardeitSzeit von 11 Stunden täglich(mit Ausschluß der Pausen) festgesetzt. Hinsichtlich etwaiger Ueber« stunden wird da! Nähere vorläufig dem Vorstande überlassen. 4) Im Falle der Zuwiderhandlung gegen die vorstehenden Bestimmungen unter 2 und 3 tritt die Strafvorschrift de! 8 13 der Statuten in Kraft.(Dieselbe bestimmt Konventionalstrafen in Höhe von 50 bi! 500 M., beziehentlich Autschluß au! dem Vereine.) 5) Vorstehende Beschlüsse treten mit dem 31. März diese! Jahre! in Kraft. Die wichtigsten Bestimmungen dieser Vereinbarung zwischen Arbeitern und Unlernchmern find offenbar die Festsetzung einer MaximalarbeitSzeit und eine! Minimallohne!. Diese soll dmch Strafen gegen Ueber» tretungen gesichert werden. Ob da! gelingen wird, ist freilich mehr wie fraglich. Man muß bedenken, daß jeder Fabrikant, welcher seine Arbeiter mehr drücken will, al! ihm da! Statut erlaubt, einfach au! dem Verein austreten kann, und daß außerhalb de! Verein! viele Fabrikanten stehen, welche an den Tarif nicht gebunden find und durch ihre Konkurrenz vielleicht den Verein selder noch untergraben. Außerhalb Plauen! find allerding! die Befitzer von dreiviertel aller Maschinen im Dereine vertreten, tn Plauen waren aber bisher nur 21 Befitzer mit 78 Maschinen beigetreten; 53 Lohnmaschinen stehen dem Verein noch fern. Da! alle! beweist, daß nur eine öffentliche Organisation der Untemehmer und Arbeiter, wie fie der sozialistische Arbeiterschutzgesetzentwurf in den Arbeit!» tammern verlangt, nicht eine private Vereinigung, in der die Mitglieder wie in einem Taubenschlag kommen und geben, eine dauernde Regelung de! Arbeit!« und Lohnverhältniffe! treffen kann. Ueber die Ausdehnung der Kmbpjsche« Etablissement! erfährt man, daß nach den nemsten Angaben die Aibetterzahl 24 000 überschreiten soll; von dieser Zahl find 12 800 in der eigentlichen Fabrik in Essen thätig, während die anderm in den verschiedenen Bergwerken Krupp'!, tn Neuwild, Sage und Bilbao in Spanien, von welch' letzeren er sein beste! Erz be- zieht, beschäftigt find. Sein Reich, dessen Einwohnerzahl jetzt wohl 80 000 beträgt, verfügt über 4 große Dampfer, 42 Meilen Eisenbahnen mit 29 Lokomotiven und 888 Waggon!, 40 Meilen Telegraphenlinien mit 33 Stationen und 50 Mmse-Apparaten. Wie kolossal selbst die Nebenbetriebe in diesem Riesenetabliffe« ment find, die mit der Fabrikation selbst gar nicht! zu thun haben, diene al! Beispiel, daß für die Druckarbeiten allein 3 RorationSmaschinen und 6 Handpressen nothwendig find. 439 Dampfkessel und 450 Dampfmaschinen entwickeln in diesem Etablissement die erstaunliche Summe von 18 880 Pferdekräflen. Der Tagesverbrauch von Koak! und Kohlen beträgt 3l00Tonnen, der de! Wasser!, wa! von der Ruhr in die Fabrik geleitet wird, 24 700 Kubikmeter. Diese Zahlen genügen, um fich einen Begriff von der Leistungsfähigkeit de! Krupp'schcn Etabliment! und dem Absatzmarkte zu machen, welchen dasselbe, um unau!« gesetzt, wenn auch nicht immer in gleicher Jntensttät, in Thätig- k-it zu bleiben nothwendig hat. Die bejammerntwerthe Lage der«tederrheiuischev HanSweber ist ebenso bekannt wie ohne tiefgreifende Maß« regeln unheilbar. Auch der jüngst in Berlin gewesenen De« putation der niederrheinischen Weber hat bei allen Sympa« thien für ihre Jntereffm von der Regierung keine Hoffnung gemacht werden können. Der Kampf de! mechanischen Web» stuhl! gegen den Handstuhl ist einmal ein VemichtungSkampf, in dem der Untergang der Hausindustrie besiegelt ist. Den Vertretern de! einst so blühenden Haußweberstande! bleibt nur übrig, fich aus andere Beschäftigungen einzurichten. Je eher die! geschieht, desto besser. Mehrere alte Krefelder Firmen voran haben bereit! namhafte Summen zur Abwendung der Roth gespendet, aber fie vermögen dadurch da! Uebel nur vor« übergehend zu lindern, nicht zu beseitigen. Den Webern den Uebergang zu anderen Geschäftszweigen zu erleichtern, hat neuerding! eine alt renommirte Firma(Niedick u. Ko.) in Lobberich einen Fond! von 26 000 Mark gestiftet, au! welchem solchen Webern, die fich einer anderen Beschäftigung zuwenden, zur Erleichterung diese! Schritte! Prämien gewährt werden sollen. I« einer Versammlung der Tischler in Barme« wurde konstatirt, daß die Gesellen bei einer mehr al! zehnfiündi» gen Arbeitszeit durchschnittlich nur 2,50 Mark pro Tag ver» dienen. In einer bi! in da! Kleinste ausgearbeiteten Berech» nung wird nun der Nachweis gefühlt, daß bei diesen Lohn» Verhältnissen ein« Familie nicht existhen könne. Nach dm Vorschläam einer Kommission beschloß deshalb die Versamm- lung, dahin wirken zu wollen, daß vom 1. April ab: 1) die Ar« bettszeit auf 10 Stunden pro Tag und zwar von 7 Uhr Mor« gen! bi! 7 Uhr Abend! einschließlich 2 Stunden Pause festgestellt werde, 2) die AuSlöHnung statt wie bisher am Sonnabend, wöchentlich am Freitag geschehe. 3) die Stellung von Licht, die bis jetzt noch in 30 von 96 Werkstätten dm Gesellen obliegt, fernerhin vom Meisterzu verlangen, und end« lich 4) einen Minimollohnsatz von 3 Mark pro Tag zu sor» dem. Eine Kommisfion von stehen Mitgliedem wurde mit der Vollmacht versehen, eine Einigung mit dm Meistem auf gütlichem Wege anzustreben. Da fast mit Sicherheit anzu> nehmm ist, daß die Meister in dem etnm oder dem anderm Punkte die Forderungen der Gesellen dewilligm werde», wird «tn allgemeiner Streik wohl vermieden werden. 500 beschäftigungslose Arbeiter in Nizza zogen am 16. März vor da! Etadthau!. Eine Deputation derselbm wurde vom Bürgermeister empfangm, der ihnen»ersprach, demnächst einige öffmtliche Bauten zu vergebm, um dadurch Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Kereine mh Uersammlungen. hfs. Die dritte Versammlung sämmtlicher Hand« werker und Arbeiter der Baugewerbe fand am Sonntag Vormittag Kottbuserstr. 4 a unter dem Vorfitze de! Bautischler! Hrrm Fncke und de! Anschläger!, Herrn Baumgarten, statt. Dieselbe war von ca. 450 bi! 500 Theilnehmern au! den ver« schievensten BaugewerbSdranchen besucht. Laut bekannt ge» «achter Tagesordnung sollte die Versammlung die„Wahl einer Kommisfion" zur Regelung de! Streikwesen! in Berlin vollziehen. Der Referent über diese Angelrgenheii, Her, Mickel- se«, befürwortete unter Hinweis auf die Beschlüsse der beidm BaugewerbShandwerker- und Arbeiter> Vorversammlungen im Monat Februar d!. IS. die Erweiterung der gegenwärtig be« stehendm„Provisorischen Mamer« Kommisfion" behui! Rege- jung der Streikangelegenheiten zu einer Streik> Regelung!. Kommisfion der Arbeiter aller Berliner Gewerbe. Indem er der Versammlung empfahl, die Einsetzung einer sol- chen Kommission zu beschließen, aber die Wahlen zu derselben in einer demnächst zu veranstaliendm allgemeinen Handwerker- und Arbeirerversammlung aller Gewerbe vorzunehmen, erörterte er eingehend die Voithetle» welche da! Wirken einer der« attigen, das Streikwesen regelnden Kommisfion zur Folge haben müßte, und schilderte er die vielfachen Kalamitäten und ver- hänanißvollen UnzutrSglichketten, durch welche die hiestge Ge- werrschaftSbewegung in Folge de! planlosen, oft gleichzeitigen Streiken! in den verschiedensten Gewerlen oft schwer geschädigt worden sei. In der darauffolgenden lebhaften Diskusston. an der fich besonder! die Herren Reg.»Baumeister Keßler, Piich (Schlosser), Baumgatten(Bauanschläger), Netzdand(Klempner), Frigge(Bautischler), Krankemann(Maurer), Strelow und Merkel(Tischler), Marx(Bauanschläge.) ,c. bethriligten, gab der erste Redner, Herr Keßler, dem Referenten zwar zu, daß, um Ordnung in die Etreikangelegenheiten zu bringen und die nutzlose Verschwendung von Streikunterstützungen und daraus entstehende Geldkalamitäten bei auSfichtsvollen Streikfällen zu vermeiden, e! fich allerdings empfehle, eine zweckentsprechende Konttoleinttchtung zum Wohle der Äesammtheit zu treffen, dagegen aber müßten, um bei dem vom Referenten angeführten Gleichniß von dem vereinigten Bündel Pfeile zu bleiben, erst Pfeile da sein, bevor man fie zu einem Bündel vereinigen könne. Daher müsse erst die Organisation der einzelnen Gewerbe hinlänglich gestärkt werden, ebe man daran denken könne, die Organisationen zu zentralifiren respektive eine einheitliche, zentraltfftte Organisatton zu errichten. Doch sei, seiner Anficht r ach, hierbei nicht ausgeschlossen, daß fich ein- »elne kleinere Gewette, die für fich leine genügende Anzahl von Theilnehmern an der ständigen Fachverttnigung aufzudttngen vermögen, zu einer gemeinsamen Organ, satton zusammen- schließen. Auch wäre es nothwendig, die Sammlungen für Streik! planmäßig zu gestalten. Unter allen Umständen aber dürfte eine Vereinigung der Organisationen sämmtlicher Ge» werbe, wie sie vom Referenten im Ramm der bestehenden provisorischen Neuner-Kommission der Baugewerbe vorgeschlagen stt, noch veifrüht sein. Statt dessen beantrage Redner die Annahme folgender Resolution:„1. E! sollen öffentliche Ver« sammlunaen berufen werden, um d!« gewerkschaftliche Bewe« auna in kleineren Gewerkschaften zu fördern, besonder! um die Fachvereine zu stärken. 2. Bei vorkommenden Ausständen (Streik!) sollen öffmtliche Versammlungen einberufen werden, um die Unterstützung zu regeln. 3. Die bistehende provisorische Neuner- Kommrsfion bleibt vorläufig bestehen." Herr Fr. Winter hatte beantragt, zu beschließen, daß vor Ausbruch resp. Proklamirung eines Streik! jede betreffende Gewerkschaft ver- pflichttt sein solle, die Beschlußfassung hierüber einer einzuberufenden allgemeinen Versammlung aller Gewerkschaflen zu unterbreiten. Doch wurden, ebenso verschiedene andere, der Versammlung vorliegende Resolutionen und Anträae gleich diesem hinfallig, da die Versammlung mit üderwaltigmdtr Majorität die oben mitgetheilte Keßler'sche Resolutton zum Be- schluß erhob. Selbstverständlich konnte daher auch von der Neuwahl bezw. Ergänrung einer für sämmtliche Gewerbe ein- zusetzendenden Streik Regulirung!» oder Kontrol-Kommisfion nicht mehr die Rede sein. I« de» Gewerkschaft der Metallarbeiter sprach am 16. d. M. im Weddingpark der Etadrv. Herr Gö.ckt über die Bestrebungen de! Verein!. D-ttelbe fühtte aus, daß alle Mißgeschicke der letztm Zeit die Metallardeiter nicht abhalten können, fich immer wieder von Nemm zu organifiren, um Zu stände herbeizuschaffen, unter denen dem Arbeiter ein für ihn und seine Familie zur Fttstung eine! menschenwürdigm Daseins autreichender Lohn gefichett wird. Diese! sei jedoch nur zu erreichen, wenn die Kollegen auch außerhalb der Gewerkschaft immer wieder mahnend an den Gesetzgeber herantreten, damit dieser Gesetze schaffe, welche nutzbringend für den A, beilerstand find. Die Kttfi! in der Montanindustrie ruhe schwer aus den Metall« orbtttern. Wo früher rauchende Schornsteine verkünd.tm, daß fleißigeHSnde schaffen, sei e! heute still geworden. Der Fabttkbefitzer lebr von dem„Entbehrungslohn", welchen er fich tn den fetten Jahren„abgedarbt" habe. Welchen Kontrast biete hiergegen der Arbeiter, welcher jetzt stierend und hungernd vergeblich nach Arbeitsgelegenheit umschaut. Redner weift femer darauf hin, daß mit Erhöhung de! Lohne! noch sehr wenig erreicht sei» sondem daß die Arbeiter ihre ganze Kraft einsetzen müffm, um den vollen Ardeitserirag zu er- langen. Wenn man die Organisation der Metallarbeiter auch aufgelöst habe, so würden die Arbeiter mit Vergnügen von neuem anfangen. Ein Mißerfolg darf die Arbeiter nicht hindern, denn der Regulator ihrer Thätigkttt sei ihre Uederzeugung, deshalb müßte jeder agttiren, damit die Gewerkschaft groß werde und gute Früchte trage. Hieraus wählte die Versammlung Herm Lenzner als ersten Kasstrer an Stelle de! ausscheidenden Herrn Wolf. Der Vorfitzende theilte dann ein Schreiben de! kgl. Bolizeipräfidium! mit, welche! den § 1, Absatz c und« und§ 3 und 4 de! Statut! beanstandet, und auffordert, entweder die staatliche Genehmigung nachzu- suchm, oder ein verändette! Statut vorzulegen. Der Vorstand hat die staatliche Genehmigung de! Statu!! nachgesucht, und beschloß die Versammlung, fich abmattend zu verhaltm. * Im Louisenstädtische« Beztrksverein„vorwärt!" hielt am 17. d. M. der Reichstagsabgeordnete Kapser vor einer zahlreich besuchten Versammlung einen Vortrag über„Die jetzige politisch« Lage." Redner ktttifirte zunächst da! Ver« hatten einzelner Zettungen und Volksllassen dem Reichstage gegenüber, welcher fich, seiner oppositionellen Stellung wegen, die mit den PolenauSweisungSdedatten begonnen haben soll, einer allgemeinen Unbeliebtheit in jenen Kreisen zu erfreuen ! litte. Seiner(Redner!) Meinung»ach gehöre die Polcnange- egenheit vor da! Forum de! Reichstages, da etwaige au! diesen Maßregeln sich entspinnende Folgen nur durch dm Reichstag geregell werden könnten. Redner beleuchtete dann die Stellung der einzelnm Patteim den sozialreformatottschen An- trägen gegenüber, speziell die Stellung de! Zentrum!. In der Hand dieser Patt ei läge auch die evmtuelle Verlänge» rung de! SozlalistmgesttzeS. Er(Redner) zweifele nicht daran, daß Herr Windthorst Mittel und Wege findm wird, da! Ge- setz wieder durchzudiückm. Die allgemeine Rathlostgleit und Verwirrung, welche fich im Reichstage geltmd mache, würde sich nur zu Gunsten der mehr linksstehenden Parteien klären. (Beifall.) Nach dem Vottrage lud der Vorfitzende die Mit« glieder nebst Familim zu eine« gemüthlichm Zusammensein am Sonntag Abend 6 Uhr in Gratweil! Bterhallm, Kom- «andantenstr. 77/79(oberer Saal) ein. Die nächste Versamm- lung findet am 7. April statt. Im Fachverei« sämmtlicher im DrechSlergewerbe beschäftigten GewerkSgmoffm sprach am 15. d. MtS. in den Gratweil'schm Bterhallm Herr Michellen„Ueber Streik!, ihre Regelung und Wirlungen". Der Referent erläuterte in eingehender Weise die heutige Produktionsweise und die fich dar« au! ergebende traurige Lage des Arbeiterstand«!, welche es dem Arbeiter zur Pflicht macht, energisch für seine soziale Besserstellung zu ringen. Wenn nun, wie zur Zeit, oft der Lohn für geleistete Arbeit ein derartig niedriger ist, daß der- selbe kaum für dm nothwendigsten Lebensunterhalt ausreicht, der Ardeiter zum Streik greift, dann sei ein solches Vor« gehen voll und ganz gerechtfei ttgt. ES entsteht für dm denkenden Arbeiter nun die Frage, wie diese Streiks geregell werden sollen, damit nicht etwa durch den Ausbruch mehrerer größerm Streik! zu gleicher Zeit der Arbeiterstand aeschädigt wird. Vor Allem sei es Pflicht der organifitten Arbeiter, in den Fachvereinen die Regelung de! Streil! zu veranlassen; obne Organisation sei jeder Streik verloren. Jeder Arbeiter müsse den Fachvereinen beitreten. An der Diskutfion b'tbeiligte fich nur der Vorfieende im Sinne de! Referentm, indem derselbe, eingebend auf den Streck der Arbeiter in der Stetnnußknopftabttk'ivon Siegel, konstatirt?, daß auch in diesem Streiffalle der Ärbcitslobn derart heruntergegangen sei, daß die Berechtigung dieses Streik! von jedermann anerkannt werden müsse. ES sei Pfl cht der Gc- werkSgenoffen, mit aller Kraft die Streikenden zu unterstützen. Hierauf machte der Vorsttzende bekannt, daß Sammetlistm für die streikenden K' opfordeiter beim Kasstrer zu haben si d und ersucht um rege Verwmdung derselben. Das virie Snftu' ß!1 fest des Vereins findet am Sonnabend, den 27. März, in Krieger'S Salon, Wafftrthorstr. 68, statt. LillttS find bei fol« «enden Mitgliedem zu babm: Sündermann, Gischineiftr. 61 Ehlert, Alte Jakobstr. 133 Hof L bei Prüßmann, Buchnumn. Naunynstr. 4 III., Kollehn, Adalbert ftr. 72, Pietfch, Geor.en- kirchstr. 53, Siemer, Admiralstr. 13, Tettcke, Borfigür. 19, Schulz, Pücklerstr. 60, Schröder, Lüdbmcrstr. 3 bei Rekihn. Nächste Vereinsverfammlung am 5. Apttl. Delegirtm-Ver« sammlung der Drechsler und rerwandten Beruisgenoff-n am Mittwo», den 24. März, bei Tratweil, Kommandanten« straße 77-79. * In der öffentliche« Versammlung der Schmiede svrach am 14. d. Ä. in Keller! Lokal, Andrea str ße 21, Herr ReichStagsabzeordncter Meister über:„Die Lage de! Hand« werk! und welche Mittel find anzuwenden, dieselbe zu ver« bessern?" Referent fühtte ungefähr folgende! au<:„Es gab wohl eine Zeit, wo da! Handwerk noch einen goldenen Boom batte, heute sei e! aber ganz ander! geworden. Seit der Erfindung der ersten Maschine sei e! unaufhaltsam bergab ge« gangen. Mehr und mehr Erwerbt zweige verfallen de- Troß« wdusttte, mit welcher naturgemäß der kleine Handwerker nicht konkurriren könne. Viele Meister würden schließlich gezwungen, in die Fabriken zu gehen, um dort ihre Existenz ,u fristen. D!e eiste Maschine war zugleich der Nagel zum Sarge de! Handwerks. Nun wolle man dem Handwerk wieder durch die alten Innungen zu Hilfe kommen,«a! aber ein vergebliche! Beginnen fei. Heute fragt Niemand mehr danach, od Jemand fein Meisterstück gemacht habe oder nicht, sondern Jeder kaust da, wo gute Arbeit geliefert wird. Früher waren ja die In« nungen zweckmäßig, damals dienten dieselben zugleich zum Schutz gegen da» Raudritterthum. Damal! kannte man noch nicht die furchtbare Konlurrenz der Maschinen, welche heute zu Tausenden die Arbeiter brodlo! macht und könne de!i,«ld die schönste Innung nicht helfen, denn die Maschine, welche»um Segen der Menschhell erfunden wurde, sei durch die verkehrte An« Wendung im Interesse der Kapitalisten zum Fluch für den Arbeiter geworden. Eine Hilfe sei nur auf dem W:ae der Sozial« reform zu ermatten, z. B. Abschaffung der SonntagSarbeit, Einführung de! NormalarbeitStaoe! u. f. w. Freie Ver« etnigunaen feien die Mittel, den Weg dazu zu bah en.(Leb« hafter Beifall.) An der hierauf folge,- d-n Diskussion be« theiligten fich die Herren Menzel, Mathee! und Löfchke. Letzterer deleuchtete besonder! die Verhältnisse in der Eckert« schen und Beennann'schen Fabrik. Von den anwesende« Meistern dclheiligte fich Herr Heidenreich an der Debatte. Hierauf wurde folgende Resolution ohne Debatte einstimmig angenommen: Die heute in Keller'! Salon tagende Versamm« lung der Berliner Schmiede erllätt fich mit den Au!« führunzen de! R-fermten voll und ganz einverstanden, nament« lich aber gegen jede Einführung obligatorischer Arbeitsbücher, weil dadurch die Arbeiter zu Staatsbürgern 2. Klaffe herab« gedrückt würden, und hält eine Hebung de! Handwerl! resp. de! Arbeiterstande! nur durch Einführung de» Arbeilerschutz« Gesetze!, wie diese! von Seiten der sozialdematratischen Fraktion dem Reichstage vorgelegt ist, für mögl-ch. Rur durch Hilfe der Gesetzgebung kann der Arbeiter gegen Ueber« vorthttlung geschützt werden. Hierauf wurden noch verschiedene Werlstellen-Angelegenhetten verhandelt. Schluß der Versamm« lung IV» Uhr. ♦ Im Fachverei» de» Metallschleifer refetttte He« Krohm am 15. o. Mi!, über den Arbeiterschutzgesetzentwurf. Redner schildette die heutigen sozialen Uebeistände und beleuchtete die fich sttt! stetaernde veschättiaungSlostgkeit der Arbeiter. Daß die jetzige Majorität de! Rdchttape! trotz ihrer scheinbaren Ardellnsreundlichseit den sazialen Mißständen nicht ernstlich zu Leibe gehen wolle, zeige ihre Stellung zum Ar« bttterschutzgesetzentwurf, durch dessen Annahme viele Mißstände beseitigt werden könnten. Sehr segensreich würden fich Wirkungen der von der sozialdemokratischen Fraktion in ihrem Entwurf geforderten Regelung der ZuchihauSarbeit, Einschrän« kung der Ausnutzung der Lehrlinge, Avschaffung der Kinder» und Beschränkung der Frauenarbeit in den Fabriken für den Arbeiter gestalten. Die Frauen würden in Fabriken nur de!» halb beschäftigt, weil ihre Arbeitskraft billiger zu haben im al! die de! Manne!. Die Regelung der Arbeilszeit dura Einführung eine! gesetzlichen Rormalarbeitstage! sei vor allen Dingen dringend erforderlich: wenn derfelbe auch"U» auf zehn Stunden vorläufig festgesetzt würde, müß» stch die Nachfrage nach Arbeitskräften wesentlich steigcrir. Dadurch würde aber auch der Lohn tn die Höhe gehen und d» Arbeiter lonsumtionSsähiger werden. Von der Zentrums» ftallion sei ja ein Antrag gestellt auf Abschaffung der Frauen- arbeit, aber man wisse nur allzu gut, wa! davon zu haften ftj» da e! ja bekannt sei, wie diese Herren über die Klagen� ctt Arbeiter denken und darum ist e! Pflicht aller Ardeiter, dafür zu sorgen, daß der von der sozialdemolratischen Fraftioir einge» brachte Gesetzentwurf zum Gesetz erhoben werde. In dn W*' kusston, an welcher fich die Herren Quirner, Reckner u A. theiligten, sprachen fich sämmtliche Redner im Sinne ve Referenten au!. Zu„Vettchtedcne!" beschloß die VersamrmunS- den Streik in der Werkstelle von Wolther aufrecht zu erhalte und für die Stretkenben eine Tellersammlung zu veranstaue? Außerdem machte der Vorfitzende bekannt, daß die Stre Unterstützung nach wie vor bei Sodtle, Rllterstr. 123 in»• pfang genommen werden kann.„ * Fachverein der Former und verwandten Bemfigenon � Sonntag, den 21. März, Vormittag 10 Uhr, in K ieger s(w Wafferthorstr. 38, Mitglieder. Versammlung Tagesordnung Vortrag. DiSkuffion. Verschiedene!. Kassenbericht. kästen.— Gäste willkommen.— Reue Mitglieder werden a genommen._ ♦ Verein der Sattle»««d Fachgenoffe«. Sonnade den 20. Marz. Abend! SV. Uhr. Mirglieder-Vers.mmlung� Gratweil'! Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79. Ordnung: 1. Stellungnahme der Täschner- und Kofferar Berlin). Sonn.dend, den 20. Mäiz, Abend! 8 U'5t,(norfog. mandantenstr. 20, Versammlung Tagesordnung:„-.«ftr. 2. Ersatzwahl de! Kasstrer!. 3. Verschiedene! und FraZeia' Sachveret» sämmtlicher an Holzbearbeitung»* schienen deschäftigte» Arberter. Versammlung am S den 21. d. M., Vorm.ltag! 10'/. Uhr. Kopnicke�' � Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. Gai kommen.«üd» * verein der arbeitenden vevölkerung ven Westen Berlins. Montag, den 22. d. M, „Kaiicrhallen". Alte Jakobstr. 120, Versammlung- Ordnung: 1. Vottrag de! Herrn Krobm über.&ag(» nommen. Veraniworuich«. Redakteur R. Troatzettu m Berlin. Druck und. Verlag von Max Bat» tag in Bettin 8W„ Beuthftratze 2. Hierin tiat Beiia««' Beilage zum Berliner BolNlnti ♦ 67. Sonnabend, den 20. Marz 1886. III. Narlameutsberichte. Deutscher Reichstag. 70. Sitzung vom 19. März, 1 Uhr. «m Tische des Bundesraths: von Burchard und Kommiffarien. (Singepangen find zwei Gesetzentwürfe, betreffend einen Lirsatz zu§5 des ZolltarifgesetzeS und betreffend die Ad- inderung deS EirvidtarifS.und die«lassenetnthetlung der Orte. Vor der Tagesordnung verlangt das Wort der Abg. Ni ckert: Der Abg. Graf Behr hat am 19. Februar seine frühere Beharplung, daß der verstorbene Abg. Hu.ter bei den Wablvelsammlunaen den Wirthen je 100 M. tür Miethe dcS Lokals, sfierbier, Zigarren k gegeben habe,-wir insofern ein- geschränkt, als er zugegeben ha», daß er in d-r Erregung deS Augenblick«„überall" gesagt hrbe, wo es vielleicht nur in ein leinen Fällen vorgekommen sei; er hat diese letztere Angabe aber aufrecht erhalten, bis der Gegenbeweis erbracht sei. Obwohl diese Forderung eines Gegenbeweises eine ganz un gewöhnliche ist, hat sich daS liberale Wahlkomitee in GreifS- Wald in dankrarer Erinnerung an den von der Bevölkerung sehr hochgeschätzten Abg. Dr. Hueter für verpflch'et erachtet. diesen Gegenbeweis, soweit eS irgend in seinen K äftm lag, durch die umfangreichsten Ermittelungen zu rrbrinaen. Die Relultate derselben liegen mir hier vor. Mit Ge Nehmiaung deS Prästdent-n dringe ich zur Kenntnis des Hauses 1. eine gemeinschaftliche Erklärung der Herren Fielitz, A. F Müller, C. Jahnke, Prof. Dr. Susemihl und «äste, w.-Iche den Abg. Hüeter auf den Wahlreisen begleitet haben und nichts davon wissen, daß de'selbe den W rthen Geld gegeben oder angeboten habe. 2. Erklä ungen von 12 Inhabern von Lokalen, in denen Hueter gesvrochen, welche de- ftrritm von dem Abgeordneten Hueter G-ld für Miethe, Frei» dier k. erhalten zu herben. Die einzige die'er Erklärungen, welche einen Anhalt geben könnte, ist die des GastwtrthS Borg- Wardt in Laffan, der aussagt, daß der Adg Hueter nur sein Zimmer und was er genossen bezahlt, daß dagegen ein Herr aus Wolgast, als Hueter bereits abgereist war, nach dem Preise deS Saales ae tragt, und als der Wi th ertlärte, e» koste nichts, lwei Achtel Freibier gegeben. Der betr. Gaftwirth fügte hinzu, daß er bei der Rede de« Gegenkandidaten Landraths v. Jagow rdenfalls keine Saalmiethe genommen, daß aber auch dabei vier Achtel Freibier gegeben und von einem Arbeiter bezahlt seien. Die Inhaber von drei Lokalen find inzwischen gestorben; Ditjcnigen aber, welche die Vorgänge in denselben miterlebt haben, bezeugen, daß ihres WtffenS der Adg. Hueter keinerlei Beld für Miethe, Freivier sc. gegeben. Daffelde haben 4. vor Leugen erklärt die Inhaber der noch fehlenden Lokale in Wolgast und Gstirmv. Od hiermit der von dem Adg. Grafen Lehr verlangte Gegenbeweis geführt ist, stelle ich Ihrer Be- urthetlung anHeim. Die Konsequenzen auS diesen Mitthei- lungen zu ziehen, wird Sache des Abg. Graf Behl sei». (Redner legt die Erklärungen auf den Tisch det HausrS Aieder) Abg. Graf». Behr: AlS dieser Gegenstand hier zur Sprache kam, erklärte ich ausdrücklich, daß es mir durchaus fern gelegen habe, gegen die Ebre des betreffenden Herrn anzugehen, Und daß ich ihm nichts Emenrührige» habe nachsagen wollen. geh hob dabei hervor, daß ich diS auf Weiteres keine Veian« fiung hätte, die Aussagen meiner Gewährsmänner fallm zu lasten. Ich füge dem jetzt hinzu, daß. wenn mir im Voraus klar geworden wäre, daß ich dem betreffenden Herrn einen fitt. Uchen Makel zum Vorwurf gemacht hätte, eS mir ganz fern gelegen haben würde, trotz der starken Provokation von der Tegenseite, dm Namen deS Verstorbenen zu nmnm. Ich »ehme nun nach den Mittheilungen dei Abg. Rickert gar keinm Anstand, die von mir gethanen Aeußerungen zurückzunehmen, da ich die Aut sagen meiner Gewährsmänner nicht mehr glaub« aufrecht halten zu könnm; dieselben find von einer irrig-n Austastung ausgegangen. Ich kann aber vn sichern, daß ich bona fide ge- handelt und auch nur so dm Ramm det verstorbenen Abg. hueter in die Debttte gezogen habe.(Beifall.) . DaS Hau« tritt nunmehr in die dritte veraihung deS Ge» setzentwurfs, betr. die Erhebung einer Schisffahrtsabgabe auf der Unterweser, ein- Abg. W i n d t h o r st: E» kann nicht meine Absicht sein, Geschichte eines Smetlike». Nach dem Italienischen deS Saccianiga. Di« Vorseh«»« beschützt die Mameluken. Der Vize. Kuig ,o« Egvvte», Mehemet»li, ließ bei de» Feierlich. leite» zu Ehren seine» Sohne» am 1. März 1811 vierhundertsiebzig Mameluken enthaupten und beschloß di, vollständige Ausrottung der Raffe, al, er mit innerem Wohlbehagen die abgehauenen Köpfe betrachtete,»nno 1814 fand ein neue« Gemetzel statt, durch welche» man da« Ge- schlecht vertilgt glaubte; aber man dacht« dabei mcht an dre v'ele« kleinen Pfleglmge auf dem Lande, welche frihlrch vussproßte« und bald nach allen HimmelSaegmdm auswan- verten, so daß die ganze Welt sich mit Mameluken füllte. .«bul Zabel, einer der Gerettete», hatte e« in Kon- v»»trnopel zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht, da» vei seinem Tod auf Mustapha, seinen einzigen Sohn, über- Mustapha verbrachte die Zeit in seinem Kiosk am Lviporu«, unter d.m Schatten der Zppreffm, von Odali». fr* und türkischen Pfeifen umgebe». Auf weichen, mit persischen Teppichen belegten Kiffen ruhend, fand er inmtt- fr» der Rauchwolken eine» herrltch duftenden Tabak», daß * doch nicht glücklich sei. vei dm türkischm Frauen»ermißte er die wahre Liebe, * Kovstantinopel die Freiheit. So en-schloß er stch denn,«ach diesen beiden Güter« Äwachtend, seine Heimath verlaffm und fem Zdeal ,n Europa zu suchm. Unsicher, welche« Land er vorziehm f'llte, wandte er sich an einen in Pera wohnenden Mimischen Kaufmann, dm er vertrauensvoll um Auskunft i*d Rath bat. Selbstvnständlich empfahl ihm derselbe Mlien und schilderte ihm die Halbinsel alt eine der glück- "chstm Regionen der Erde. � �Welche Aufnahme finde« aber dort die Mameluken?" � allen damit verbundenen Vortheilm, so daß Sie die Beschlüffe zweiter Lesung rückgänaig zu machen, aber ich hatte fie jedenfalls iür verfrüht gei�off.n. Ein so großartiges Unternehmen, wie das d.-r Stadl Bremen, hat etwas Blenden- d«, wobei manches übt rf eben wird Hätte man früher den selben Gedanken a-hadt, so wäre vieles an der U terweser nicht geschehen, Bremerhaven vielleicht nickt entstanden, Geestemünde stch« nicht so eingerichtet sein, wie eS ist, und auch»n E'sflceth und Brake wären manche Kosten erspart. Und wenn Br-men den Zweck seineS Projektes erreicht, so müssen diese Plätze Stillstans oder Rückgang r leiden. Wäre die Sache nicht so rapide hier gemacht, so würden die Remonstrationen von dort noch zahlreicher eingehen, als eS schon der Fall ist; mir gehen fie täglrch zu. Od das Projekt für Bremen rentabel ist, da» zu prüfen, ist Sache der Bremer Herren, die biffer unteriichtet find und Keffer rechnen können alS ich; denn dai verstehen sie meisterhaft.(Heiter- keit.) Ich hätte erwartet, daß die preußisch, und olvenburgische Regierung unS näher dargelegt hätten, wie fie von Geeste- münde refp. von Brake und Eltfleeth die Nachtheile deS P ojekteS adzuwendm gedenken. Auch die Kommission hat sich darüber keine Sicherheit verschafft. Sodann wird, wenn die Weser bis Bremen große Schiff« tragen soll, die Fluch weiter hin aufdringen und die anliegenden Giundstücke, namentlich die Marschwiesen sehr leicht und oft mit Meerwafftr, alio mit Salzwasser üb-rst ömen und ihi e F�uchtba.ki it schädigen. Man will auch Vor ichtungen tr-ff-n, um das Eindringen deS SeewaffcrS zu ve- hüten und die nölhige Bewässerung mit glußwaffer zu beschaffen, und S werde darüber zwischen den drei Ufeistaa'en verhandelt. Die Verträge darüber müßte man doch zuvor kennen, um sicher zu sem, daß das Projekt keinen Schaden stiftet; ste muffen dem Reichstag zr-gietch mit der Vorlage vorgelegt wirden, die oh re dieselben für die Beschluß- fassung nickt reif ist. AuS jcnenVerliägen werden eihtblicheKosten für B-Wässerung und EuiwLffeiung erwachsen, die Bremen zu tragen haben wiid. DaS stlle» muß vorher geordne» und festgesetzt sein, ehe die Aibeit beginnt. In jedem Fall dürfen die Matze an der Unterweser nicht ganz leer ausgehen; man muß die Eis ndahnoerblndungen und den Verkehr der Züge beff-r ordnen als bisher, so daß Br merhaven, Brake und Eis« flteth mit Bremen ksnkuniren können, und nicht dadurch, daß B emen wesentlich der Knotenpunkt wird, an dem alle Züge anhalten, noch einen neuen und doppelten Verlust erleiben. Die Hauptsache ist, daß die Plätze an der Unterweser durch richtige Einrichtung der Eist nbahnen und der Züge mit Bremen konkurrenzfähig erkalten werden. Daß envlrch mit Annahme der Vorlage eine Verfaffungtänderung verbunden ist, ist für mich unzweifelhaft. Abg. Gebhard: In dem früheren Stadium, als die Bremer Handelskammer, nicht der bremische Slaat, die Sache beb« delte, suchte sie nachzuweisen, daß eigentlich P erß n und daS Reich ein größer- S Interesse zur Suche habe als Bremen, und daher d-e Kosten auf diese Drei zu oertheilen seien. Jetzt ist aber die Voraussetzung eine andere: der bremische Staat hat sich die Auffaffung seiner Handelskammer nicht angeeignet, will die Korrektur lediglich auf eigene Kosten herstellen und verlangt nur, durch E.hebung einer Abgabe die Ver'infung, Tilgung und Unterhaltung auf- bringen zu können. Da trat nun an die Unterwif-rpläpe die Frage heran, ob fie gegen diese Vorlage beim Reichstag Schritte thun sollten. Sie konnten aber auf deren Erfolg nicht rechnen, da die preußische Regierung ihren Hafenplatz Geestemünde durch da» Projekt nicht alt gefährdet erachtete und der Reichstag ihm seine Sympathie in sehr hohem Grade dewie». Nach Vertiefung der Unterweser, also nach 6 Jahren, werden nahezu'/• der Schiffe, die jetzt in jenen Pläyen ein- laufen, bi« Bremen hinaufgehen, ihre Bcnachiheiligun�. leuchtet also ein, und die Vorlage selbst erkennt dieselbe durch die Be« rechnung an, daß Schisse von 650 000 Register alevann bi» Bremen gelangen. Aber außerdem werden Geschäfte in jenen Plätzen ihr Domizil nach Bremen verlkgen, die sehr rührigen Holzhändler tn Geestemünde find jetzt schon davon überzeugt. Dazu der Verlust an Passagier oerkehr. ES würde wohlandcrS gekommen fein, wenn die Sache nicht so eilig betrieben worden wäre. Aber die Regierungen werden jetzt daran denken müssen, in der etnen oder anoeren Weise für die Unterweser« plätze Fürsorge zu treffen für die Nachtheile, die ste erleiden werven. Syndikus, Deputirter, Präfekt und Minister werde« können." „Ss viel verlange ich nicht; mir genügen Liebe und Freitzeit." „Reisen Sie mit dem nächste« Dampfer." Watzlversehe« mit Geld, sowie mit den besten Empkehlun« gen n« bre herworragnudste« Persönlichkeiten fuhr Mustapha nach Italien, erstaab«in Besitzthum mit präch igem Palaste und erwarb ohne jegliche Schwierigkeit die Naturalisatton, im Folge deren er alle bürgerliche» Reckte erhielt. Da» Klima sagte ihm sehr zu, die Frauen fand er hübsch, den Wein»orttefflich, den Tabak— erbärmlich schlecht; da in« deß der etwa» zweideutige Ruf der Regiezigmren bi» nach Konstanttnvpel gedrungen war, so hatte er sich mit türkischem Tabak hinlänglich versehe« und hatte keine Vergiftung zu befürchte«. Der eroberungslustige Mustapha nahm sich nunmehr vor, da» Reich zu durchwandern und zu erspähe«, wo die Frauen am liebenwürdigsten wären. Die Liebe will gesucht sein— die Freiheit aber kam ihm entgegen. Ei« höflicher GenchtSdiener brach:« ihm die Einladung zur Theilnahm« an einer S-ssion de» Schwurgericht«. .Zum Gerichte?" rief der Ramelute überrascht au«. .Da» ist ja, glaub' ich, der Ort, wo die Verbrecher vsr« urtheilt werden?" �Zuweilen," antwortete der Bote. „Und die Ehrenmänner.. „Immer I" ergänzte der Gerichtsdiener. „Ich bin ei« Ehrenmann," sagt« der Mameluke. „Gerade deshalb wurde Ihre Exzellenz verurtheilt, al« Geschworner zu erscheinen." „Aber ich soll in wichttzer Angelegenheit verreisen." „Sie müssen, um eine» Ihrer wichtigsten Rechte au»« übe« zu könne«, die Reise verschieben, andernfalls könne« Sie persönlich bei dem Gerichtshof reilamiren." E« galt sich zu schicken, obschon der arme Mustapha sich nicht zurechtlegen konnte, daß die erste Wirkung der Frei» heit für ihn eine F.ssel sein sollte. E» war daran nicht» zu ändern und so begab er sich genau am bestimmten Tage mit seinem EntlassungSgesuch«ach dem Gerichtshause. Nach dem Abg. Barth: Der Abg. Windthorst hatte keinen Grund« die VeifaffungSfroge a!S in der Kommission und im Hause nicht genügend berücksichtigt zu bezeichnen. Die Kommijston hat fie vielmehr sehr eingehend untersucht und ihren Referenten (Pfafferott) ausdiücklich mit der gestern von ihm abgegebenen Erklärung beauftragt, daß auch fie die Abweichung der Vor» läge von Art. 54 der Verfassung anerkenne, aber durch die Erklärung deS StaatsselietäiS von Boetticher, die erforderliche Majorität für die Verfassungsänderung sei im BundeSrath vor« banden gewesen, wie seine Zustimmung zur Vorlage beweise, vot> ständig beftiedigt sei. Auch die übrigen Punkte des An» stoßeS, für die der Abg. Windthorst noch Orientirunq und In- formation verlangt, sind feit Jahr und Tag m den Kreisen der maßgebenden Interessenten sehr gründlich erörtert worden, und die Zustimmung Preußens und OtdenburaS zu dem Projekt beweist doch wohl, daß die Interessen dieser Staaten ge« nügend gewahrt find. Ich wünsche, daß sich Genoffen« schafttn bilden, welche die unteren Läufe auch anderer deut-cher Stiöme regulire.r. Wenn der Unternehmungsgeist Bremens anderwärts Nachahmung findet, so würden leicht auS den Mitteln Derjenigen, die den Nutzen davon haben, noch weitere so großartige Unternehmungen inS Leben gerufen werden können, wie die Essckließung der unteren Weser für die große Eeeschifffahrt.(Beifall.) Die Vorlage wird unverändert angenommen. Die zweite Berathung de» Zucker st euergesetze» wird fortgesetzt. Abg. Gehlert(kons.): Dies Gesetz sollte eigentlich heißen: Gesetz zur Subvention der Zuckerindustrie und der Landwirthschaft. Alle Achtung vor der persönlichen Jntegrilät und Autorität der Miiglieder der Enquete, auf welche die Vor» läge sich stützt, aber diese Herren müssen mein äußerstes Miß» trauen hervorrufen, weil fie es find, welche die Subvention für sich verlangen. Die Materiaibesteuerung ist eine ungleiche und ungerechte, überhaupt eine steuertechntsche Ungeheuerlichkeit. Wir sollen hier ein Gesetz machen, dem jede statistische Unter- läge fehlt. Warum halten noch so Viele an der Materialsteuer fest? Weil sie ein Feigenblatt für die Subvention de» Staates ist. Wollte hier Jemand offen und bestimmt eine Subvention für da» Zuckeraewerbe fordern, er würde wohl nicht zum zweiten Mal in den Reicks lag gewählt werden. Ander» unter dem Helldunkel der Mtterialsteuelreform. Sie ist aber auch eine ungleiche Steuerreform: fie strangulirt nach oben und privilegirt nach unten hin. Wir haben mit der bisherigen Sudventionirung lediglich England genutzt. Ich finde, daß diese» System un» zum Otjekt der Heiterkeit der Engländer gemacht hat. Ist die deutsche Industrie gesund, wozu dann die Subvention? Sollen wir die Gesundhiit gesund machen? Ist sie krank, dann beseittgen Sie die Ursache der Kranlheit, die Materialsteuer und damit die Staattsubvention. Offen ge» sagt: Die Zuckerindusttie ist jetzt nicht» anderes als eine SlaatSindustrie der alltlschlechtesten Form. Derjenige Theil der Zucke-industrie, dessen ganze Existenz mit der Staatskasse anfängt und aufbött, muß zu Grunde geh-n, je eher je besser für die gesunden Theile, welche auS dem Mail ihrer Knochen ihre Kräfte ziehen. Zahlreiche Existenzen sollen au! dem Spiele stehen, dai mag sein. Ader soll der Staat jetzt den Verlust repariren, nachdem der Pendel der Spekulation auf die Gegen- seile gefallen ist? E» ist wahr, meine Wähler haben mich nicht hierher geschickt, um gegen die Regierung eine oppofiltonelle Rede zu halten.(Heiterkeit link».) Aber ich bin kein Byzantiner, der der Repierung Unfehl» barkeit zuspricht. Ich habe die aufrichtige Ueberzeugung, daß die Regierung auch bei dieser Vorlage von den aller» besten Absichten geleitet ist, aber fie dtfindet stch in einem schweren Jirthum. Auf wen wollte fie auch nur etnen Theil ihrer Verantwortung abwälzen? Auf die Enquete doch gewiß nicht. Auf den Reichslaa? Wir haben je kein parlamen- tartscheS Regiment, und Gott fei Dank, daß wir eS nicht haben; denn offenbar find tn dieser Frage unbewußte Unter» st-ömungen im Parlament vorbanden, die stch mit dem Staats« intereffe nicht völlig decken. Ich glaube der Regierung nie» malt ireuer zur Seite gestanden zu haben, als in diesem Augenblick, wo ich herzlich wünsche, daß Alles abgelehnt wird, wa» uni vorliegt, und daß die Regierung eine Niederlage er« leide.(Lei'all linkt.) Abg. Graf v. Hacke(liberal): Der Staatssekretär von Aufruf der Geschworne« verlas der Sekretär die Name« der um Ditpensatto»«ingekommeren Würdenträger, unter denen sich auch Mustapha befand. Al« Mameluke bat er de» ehrenvollen Amte« enthoben zu werde«, mit der AuS- rede, die Landessprache nicht zu verstehen und Andere» mehr. Seine Exzellenz der Herr Präsident befrug hinüber di« Regierung, welche antwortete, daß da« Gesetz die Mameluke« keineswegs von dem Gerichte ausschließe, wenn sie ita» lienische Bürger geworden seien und darauf verfügte, der Herr Mustapha, obgleich Mameluke, habe als Geschworner zu funktionrren. „Ich will durchaus frei sein und werde meine Gründe durch eine« Advokaten geltend machen lassen." „Da« Urtheil bleibt unwiderruflich," erwiderte der Prä» stdent,„verfüge« Sie sich also ruhig an Ihre« Platz." Ein Blick de« Brigadiers der königlichen Wache über» zeugte ihn, daß jeder Widerstand unnütz wäre. „Eine bittere Pille," dachte der Mameluke, indem er, sich iv» Unvermeidliche schickend, seinen Platz einnahm und leise murmelte:„Während ich Lube und Freiheit suchte, fitze ich wie angenagelt vor Verbrechlrn, welche weit besser dran sind, al» ich, mdem sie wenigstens eine« Advokaten zur Vertheidigung erhalten. Nie hätte ich geglaubt, daß im Land« der Freiheit ehrliche Bürger schlimmer gehalten sind al« die Spitzbuben." Der arme Mustapha, gewohnt, mit gekreuzten Beinen auf dem Diva« zu sitzen, mußte sich nun der europäische« Sitte unbequemen, seine Pfeife entbehre«, hungern anstatt zu frühstücke« und stundenlang in der schwüle« Hitze de» GerichtSsaaleS verhanen. Schmerzlich gedachte er seiner ge» scheiterte« Reisepläne; schließlich tröstete ihn die Hoffnung, seine Rechte als italienischer Bürger würde« ihm andere Bor» theile gewähren. E« begannen jetzt die komplizirten Verhandlungen eine» Prozesse» betreffend Körperoerletzung,— da« lange Ab- lese« der Verhöre, da« MoralitätSzeugniß de« Angeklagten, alle Variationen desselben Gegenstandes; zugleich sah man das Mtsser und die blutige« Kleider des Opfer», als Zeichen der Wuth und des Hasses im Lande der Liebe. Burchard bat für den Fall der Ablehnunk der Regiemngs» und der Annahmt der Kommissiontvorlage die Eocntualität in Aueficht gestellt, daß unsere ganze s tzige Zuckelsteuriges-tz gebung im August inö Freie fallen und daS Gesetz von 1369 wieder in Kraft treten könne. Halte er uns die Möglichkeit des EmtrittS dieses Vakuums schon in der Kommisston nahe gelegt so wären wir jetzt jedensalli weiter alS wir find; aber in der Kommisfion haben stch die Rcgierungivertreter zu allen Anträgen neutral verhalten uns nur die Regierun gkom läge vertheldigt. Daß die Melaffebesteuerung undurchführbar sein soll, kann ich nicht einsehen, zumal der KomwiistonSvorschlag auch für die Vteuerveraerwaltung genügend fichere Kriterien zur Durchführung der Melaffesteuer angiebt. Ich werde iür eine Herabsetzung der Rübenfteuer und der Bonifikation stim» wen; daS wird anfangs schädlich, später aber von dauerndem Nutzen(dn, Soll die bestehende Ungleichheit beseitigt werden, so sehe ich dafür kein anderes Mittel, alS die Annahme der von der Kommisston vorgeschlagenen Melaffesteuer. Wenn die Regierungen nur postitv an der Reform mitwirken wollen, so hoffe ich, zwischen der 2. und 3. Lesung wird stch noch spatinm finden für einen zweckmtsprcchrnden Aui gleich der stch jetzt noch bekämpfenden Anstckten. Abg. Dr. Müller(Sangerh) fnat.-lib.) dedauert sehr, daß seitens der Vertreter der verbündelen Regierungen leider die Erklärung cdgegeben worden, daß die von der Kommisston vorgeschlagene Konektur der Zuckersteuer teine AuSstcht auf An- nähme hat, namentl ch hätten ihn die gegen eine Besteuerung der M-laffe vorgebrachten Gründe wegen der Schwierigkeiten der Unterscheidung und Kontrole nicht überzeugen können; jedenfalls bewäl ige die Steuerve- waltung andere grözere Schwierigkeiten. Durch die Melaffebesteuerung glauben wir die von der Regierung gerechter Weise gewünschte Mebrein« nähme auS der Zuckeiinbustrie zu erreichen und diesen nöthigen Betrag auf billige Art und Weise auf Industrie, Landwtrth- schaft und Konsument zu vertheilen. Schließlich bifürwortet Rcdner im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit, auch der Melasse die„Füllmaffe" gletchzusetzen und demgemäß diese hinter dem Worte„Melasse" einzuschalten. Geheimrath B o c c t u s: Die RegierungSvertrcter haben in der Kommisston darüber keinen Zweifel darüber gelassen, daß alle daselbst gestellten Antröge für die R gierung unan« nchmdar s-ien. Dazu gehörte auch die besond-re Besteuerung der Melasse. Diese Erklärung involvirt für den Fall des Scheiterns der Vorlage die Eventualität des WiederantrittS deS Gesetze« von 1869. Der Abgeordnete Graf Hacke hat zur Begründung der Melassesteuer kein neueS Argu« ment angefühlt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser Steuer wird von den verehrten Herren begreiflicher Weise nicht so hoch veranschlazt, wie von der R'giemng, welcher die Ausführung obliegt und der man man- gelnse Umsicht Schuld geben kann, wenn die Sache in praxi nicht geht. Vor Allem fehlt es an einer festen Umgrenzung deS Begriff« M-laffe. Man würde immer darauf angewiesen sein, den Ab- und Zugang von Melasse in jeder Fabrik steuer» amtlich zu kontroliren. Auch da« vom Vorredner gestellte Amendement der Einfügung de« Worte»„Füllmasse" hinter Melasse, bitte ich Sie, abzulehnen; denn dann müßten Sie jeden Rohzucker mit einer Zuschlagssteuer belasten, weil jeder Rohzucker, auch der beste, em Quanium Melasse enthält. Wenn ferner die Ausbeute auS der Melasse besonder« besteuert werden sollte, dann müßün Sie ja auch die besseren Rüden höher besteuern, weil au« ihnen eine höhere Ausbeute möglich ist; und Sie kämen dadurch zur RübenqualitätSsteurr. Ein sehr wesentliches Brdenken liegt aber darin, daß durch die Melaffebestemrung eine Verminderung der AuS fuhr bewirkt«ürde. Man wird doch damit sehr vorstchtig sein müssen, und Sie betreten mit der Melaffesteuer eine sehr abschüssige Bahn, die Sie zu ganz anderen, als den von Ihnen erstriblen Zielen führt. Es ist daher sehr wohl« gcthan, wenn Sie diese Maßregel verlassen und die von den verhündeten Regierungen vorgeschlagenm Wege betreten. Eine Reform ist ja von allen Seiten als dringend nothwendig an« erkannt. Abg. Pfafferott: Ich hätte erwartet, daß die Regie- runa meinen Antrag nicht von vornherein vermtheilen würde. Es ist jedenfalls der praktischste VermiitlungSvor schlag. Der Kommtsston habe derselbe auch schon vorgelegen; dort erklärte der Gehcimrath Bocc-uS, daß der Antrag zwar einen guten Steuertrag verlpieche, daß er aber trotzdem unannehmbar sei» meil er auf die Fabrikatsteuer hi" steuere. Gerade aus diesem Grunde ist er gestellt worden. Denn ich bin der Anficht, daß wir über kurz oder lang doch zur Fabrikatsteuer werden greifen müssen. Herr Robbe hob damals hervor, daß der Antrag zu ein-r Vertheuerung deS ZuckerS und damit zu einer Vermin« derung des Konsums führen werde. Wenn mein Antrag an- genommen würde, würde daS Pfund Zucker um 4 Pf. theurer werden. Ich würde daS nicht beklagen, denn ich halte den Zucker für ein zweckentsprechendes Eteuerobjekt. Abg. Trtmborn: Ich stehe prinzipiell auf dem Boden der Regierungsvorlage. Männer von praktischer Ledenkerfabiung, die nicht um schöner Ideen willen das Bessere in Gefahr bringen wollen, stehen auf meiner Seite. Ich unterlasse es zu Nun hörte er da» Plardo�er de« Staatsanwaltes. Er motwirte klar und bündig die Anklage i« einem Fall, der keine Einrede zu gestatten schien. Es betraf eine« junge« Mann, welcher einem Ehemann die Nase ab« geschnitten hatte. Der Satz, von dem die Anklaae ausging, war uianfechtbar:„Wenn die Gatten da« Recht haben, Nasen zu besitze», wie wäre e» möglich, meine Herren Ge- schworne», denjenigen nicht zu verurtheile», der da« Gesicht eine» derselben schändet?' Eine erfolgreiche Vertheidiguvg schien undenkbar. Nu» kann man da« Staunen de» Mameluken ermessen, als er dm Advokaten zwei volle Stunde» gegen die Ehemänner, Nichter und selbst gegen das M-niflenum deklamiren hörte. Gr sang da» Lob de» Attentäter«, machte da« Opfer lächer- lich und verlangte mit einem sonderbare« Schlüsse die Frei« sprechung de» Angeklagten. „Wie könnten Sie, meine Herren," rief der Verth«- diger,„den Beklagten verurtheile», ohne in Ewigkeit Ge- wissevsbisse zu empfinde»! Wenn die Nase den Schmuck de« Gesichtes bildet, so wird letztere« dagegen durch ei« allzu langkS Riechorga« schmählich verunstaltet. Sehen Sie jene« geehrten Herrn Richter zur Rechten de« Präsidenten, beobachtm Sie seine lange und schlechtgeformte Nase'— der bezeichnete Herr rutschte verlege« auf seinem Sessel hin und her—„wie vortherlhaft wäre e» für ihn, wen« der übergroße Erker, der sein Gesicht entstellt, ihm abgeschnittm würde I' Stürmischer Applaus im Publ kum energischer Protest de» Richter«, Entrüstung deS Präsidenten, welcher droht, den Saal räume« zu lassen und de» Vertheidiger zur Ordnung ruft. Letzterer protestirt gegen die Verkürzung der Rechte der Vertheidiguvg. Mit lebhaftem Interesse verfolgte der Mameluke den Streit, der seine Neugierde erregt hatte; ihm waren die Künste advokatischer Brredtsamkeit völlig fremd. Der Präsident verbot dem Vertheidiger, verletzende An« spielungen gegen da» Gericht vorzubringen und duser gelobte, sich zu mäßigen; alle« Persönliche vermeidend, führt er im Allgemeine» au«, daß, wenn irgendwelche allzulang wiederholen, waS gestern und heute zu Gunsten der Regierungsvorlagen vorgebracht ist. Ich bin der Meinung, doß der von der Regierung vorgeschlagene Weg der gangbare ist. Dom führt mich die Erwägung, daß dieser W-g schon früher mit Erfolg betreten ist. Schon dr imal Hub n wir, den Fort- schritten der Technik und Landwirihschatt folgend, die Rüden- steuer erhöht, und dabei hat stch Landwirthichatt und Jntustne wohl befunden. Wenn heute, allerdings etwas spät, die Bun deSregierunaen den'elben Weg einschlagen, so können fie stch auf dl« früheren Erfolge beruten. Ich habe Ihnen zunächst vorgeschlagen, daß der unterste VergütungStatz festg-ft-llt werde auf 89 pC. Polarisation. Mein zweikr Antrag soll eine vexatorische B>stimmung un« dem jetzigen Zuckersteuergesitz entfernen, indem er bestimmt, daß der Zucker, der über 99 /,»Ct. polarifirt. und der Würfe zucker in die höchste Boni- sttat'onsklasse gesetzt wird.(Die weitere Begründung dieser Vorschläge bleibt bei der anhaltenden Unruhe de» Hause S auf der Tribüne unverständlich.) BundeSkommiffar Geh. Ralh F r i t s ch«sucht, den An- trag Trimborn abzulehnen. Die Beantwortung d-r Frage, ob d'e Zuckeifabiikate nicht blo« nrch Form und Ralfination, son- dern auch nach Maßgabe der Polonsaston in die eiste Boni- fikationsklasse anzureihen telen, müßten erst technische Unter« suchungen bezüglich der Wukung eines solchen ModuS voiher» gehen; die Annahme det Antrags würde also die Regierung im jetzigen Augenblick unvorbereitet treffen. Die Diskussion wird hierauf geschlossen. In der Abstimmung wiid zunächst der Antrag Rohland(Herabsetzung der Rübenfteuer auf 1,20 Mail und der Ausfuhrvergütung auf 12 Marli gegen die Stimmen der Freisinnigen und der ElkZsser, darauf der Antrag E af Stolverg(Beibehaltung der Rübenfteuer von 1,60 M. per 100 Kilo und Herabsetzung der Bonifikation von 18 Mk. auf 17,40 relp. 18,40 Mk) gegen die Stimmen der Polen und eineetheil« der Freisinnigen und der beiden konser- vativen Parteien, endlich auch die Kommi stons- und die Regierung« vorlaae abgelehnt. Für die KommisstanSdeschlüffe stimmen die Volkspartet und die Elsässer geschlossen, alle üdri- gen Parteien find gespalten. Für die u spiüngliche Regte- rungSoorlage erheben sich nur einige Mitglieder der nattonal- liberalen, der konservativen und der ReichSpattei. Ein positiver Beschluß ist also nicht zu Stande gekom- men, so daß, falls in Konsi quenz diese« Beschlusses auch die übiigen Theile der Vorlage abgelehnt werden, eine dritte Lesung nicht mehr stattfinden kann. Um 5'/« 11 zr wird die weitere Beratbung auf Sonn- abend 1 Uhr vertagt. Vorher zweite Lesung de« Gesetzentwurf«, betreffend die Heranziehung der Mtlitärpersonen zu den Gemeindeobgaben._ Abgeordneteuhau». 45. Sitzung vom 19. März, 12 Uhr. Am Ministertische: Kommiffarien. Auf d-r Tagesordnung stehen lediglich KommisfionSbnichte über Petirionen. Die Peiitien verschiedener Gemeinden um Aufhebung der Wegebauedikle für daS Fürstenthum Magdeburg vom 14 Juli 1742 und für daS Fürstenthum Halderstavl vom 21. Mai 1743 wird nach kurzer Debatte der Regierung alS Matertal für den Erlaß einer Wegeordnung für die Provinz Sachsen über- wiesen. Der Gemeinderalh von Beckingen a. d. Saar hat stch in einer Petrtton über die seitens der Regierung festgesetzte Herabminderuvg der Kommunalbesteuerung deS EisenbahnftSku« beschwert. Auf den seitens der Gemeinde an den Oderpräfi- denten der Rhetnprovtnz erariffenen RekuiS ist abweisender Bescheid ergangen, und der Minister det Innern hat auf er- hoben« Beschwerde reskribirt, daß es beim Bescheide de« Oder- prästdenten sein Bewenden haben müsse. Die Gemeindekommtiston hat mit allen gegen 2 Stimmen den Ueb«gang zur Tagesoidnung beschloffen. Abg. Lehmann(Zentrum) beantragt, die Petition mit Rücksicht auf d'e Notblage der petitiontrenden Gemeinde der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Barth(frerkons) tritt für den Kommisfionibeschluß ein. Die Petition müsse schon aus dem Grunde abgewiesen werden, wril die Gemeinde ihren Anspruch nicht spezistz rt habe und auS der Petilion daS Vorhandensein eines Entschädigungsanspruchs gar nicht hervo gebe. In der Kommtsston hohe sich ein lebhafter Streit über die Behauptung deS Kommissars des Ministers des Innern erhoben, wonach die Ert- scheidung de« Obervrästdenten nach rheinischem Recht letzttn- stanzlich und endgtllig sei und im vorliegenden Falle auch durch einen Beschluß de« HauseS refp. durch eine Verfügung des Ministers gar nicht abgrändert werden Tonne; dies sei aber eine Doktorlrag.', die zu entscheiden die Petition gar leine Ver- anlassung biete. In der weiteren DiSkusstcn wird fast ausschließlich diese allgemeine Frage, sowie die fernere behandelt, od überhaupt der betreffenden Gemeinde angeficht» der einschlagenden Be- ftimmungen der rheinischen Slädteordnung daS Petitionsrecht zugestanden habe. gediehene Nase das Geficht eine» Menschen vnunzine, die Amputation derselben nur von Vortheil sein könne, hauptsächlich in den höheren Kreise».(Neue Unter- brechung und Beifall de« Publikum«, wiederholte Drohung de« Präsidenten.) Zu den Geschworenen gewendet, fuhr der Vertheidiger fort: Morne Herren, man spricht hier vo» einer Verwun- dung; der Angeklagte selbst leugnet die That nicht. Aber was bedeutet denn die» Alle»? Auch die Chirurgie operrrt mit Messern und behauptet, e« geschehe die« zu ei»«m guten Zweck. W r müssen also de» Verbrecher vom Chirurgen unterscheide«. Könnte« Sie nun aber mit ruhigem Ge« wissen einen junge» Mann au« guter Familie, der nur«iue Nase verkleUerte, al« Missethäter bezeichne«? Sahen Sie die Nase vor der Amputation? Kannte» Sie vorher den Herr»,»elcher dieselbe so dreist herumtrug? Nein! Der Mann war Zh»e» unbekannt, so daß Sie mir unmöglich sagen können, ob er jetzt häßlicher al« zuvor sei. Ich aber, meine Herren, kann Sie versichern, daß er e« immer wax und jetzt sich reizend präsevtirt; auch werden Sie nicht leugnen wolle«, daß er noch interessant genug ist. Meine Herren Geschworenen, ich rufe Ihre Unparteilichkeit an und im Vertraue« auf dieselbe bin ich gewiß, daß Sie keine» Moment zöger», de» Angeklagten freizusprechen." E« war spät geworden, die Richter waren müde, die verlürzte Nase verschwand im Halbdunkel; der Ehemann schien im Ganze» doch noch ziemlich vollständig zu sei», der Sünder wurde daher mit Mehrheit fteigesproche» und so« gleich in Freiheit gesetzt. Die anwesenden Freunde de« Advokaten drückten ihm die Hand und wünschte» ihm Glück zu seine« Sukzeß. „Um so besser," sagte sich Mustapha,„die Frei- sprechung de« Angeklagte» bringt auch den Geschworene» Erlösung." Doch auch hierin inte sich unser armer Freund. Wen« auch der Freigesprochene sofott auf freien Fuß gesetzt wirb, so dauert die Gefangenschaft für den Geschworne» bis zum Schluß der Session fort; er ist an seinen Marterstuhl gefesselt. Abg. v. Oertzen(Jüterbog!) bejabt letztere« und be« antragt, die Petition zur nochmaligen Erö terung der aufge- tauchten formalen Rechtefragen der Gemeinvekommrjfion zurück- zugeben. w Geheimer Ralh Nöll erläutert den Standpunkt de» Regierung dahin, daß allerdings eine nicht abzuändernde letztinstanzliche Entschndung des Oderpräfident-n vorliege. Derselden Meinung ist Abg. von Lyncker(kons.), der die qu. Entscheidung des Oberprästdenten alt eine rechlstrastige bezeichnet. Abg. Gn eist verwahrt stch gegen die Auffassung, al« od der Gemeinde da« Petrtionirecht in diesem Falle nicht zur Seite stehe oder als od gar das Haus d-r Abgeordneten einen nichtigen Beschluß fasse, wenn es die Petition dem Ministe» überweise.„ReclilSkräflige" Entscheioungen von Ver valtungi- behörden gebe et llderhaupt mcht. DaS Haus aber rönne auch jederzeit durch Ueberne sung einer Petition an die Regierung letztere einladen, von ih-em— unbeschränkten— A uf st chts- recht Gebrauch zu machen; diese Praxis sei immer befolgt worden, solald man die Verwaltung in ver Lage glaubte, au» Zweckwäßigleits' oder Billigkeilsgiünd n einer Beichwerde abhelfen zu lönnen. obne He A chte Dritter zu alterirem Abg. Dr. W e h rhs' Märkten herauSgedirde». Leisten und nützen können ti« Ausstellungen nur, wenn fie international find, und einer solche» würde ich allen Erfer und alle Hilfe widmen. D r He'r Oberbürgermeister hegt zu große Hoffnungen von dem Nutze* einer nationalen Ausstellung in Berlin, die deutsche Jnvust-fe ist auch vollkommen ebenbürtig und konkurrenrsähiZ auf dem Weltmarkt. Auf Ausstell ,ngen soll man lehren und lernen. Die Leute, welche Ausstellungen beschicken, woll«» prakrilchen Nutzen von den Ausstellungen haben, und das it» nur möglich, wenn wir die anderen Kulturstaaten zu uns i* Gaste laden und in friedlichen Wettstreit mit ihnen treten- DaS Gefühl der Aberkennung sür die L istungen der deutsche* Industrie ist allgemein verbreitet. Durch eine internatroia» Ausstellung würde ein ganz anderer Nutzen erreicht werden, In diese« langen Stunden dachte unser Mameluke au« der Türkei an seine KioSkt, an die Ovalisken, an langen Pferfen zurück und verglich damit die Sklaverei i>* Lande der Freiheit. Heimkehrend fand Mustapha auf seinem Tische schieden« Znkulare, welche ihm sein« Ernennung zum Ge- mnnderath, zum Prooinzialrath und zum Mitglied eine» Hilf«- und Versicherungsgesellschaft mittheilten und ihn ein- luden, an mehreren andern, für einen Mameluken»*? ehrenvollen Kommissionen iheilzunehmen. Schleunigst begav er sich zum Notar, bat ihn, seine Besitzung zu verkaufen«*' ihm den Betrag nach Koastantinopel zu sende». Zur El klärung seiner beschleunigten Abreise erzählte er demselben ausführlich die schmerzliche Geschichte seiner Illusionen»n» der erlittene» Täuschungen. „Aber so rasch!" bemerkte ihm der Noiar. sollten zuwarten und die Wohlthate« der Freiheit erp schätzen lernen."__ „Die eine Probe gmügt mir," antwortete der luke,„nach andern gelüste ich nicht. Ich werde unoerzügU� abreisen."» „So muß auch ich mit einer langen Nase abziehen, erwiderte betroffen der Notar. „Haben Sie Acht, daß Ihren dieselbe nicht ab« schniiten wird," fügte Mustapha hinzu,„die Gerechltg�. im Laad« der Freiheit würde Ihnen nur Schaden»* Spott eintrage».'. Einen Monat später schlürfte unser Mameluke am«o poru», we'chgebettet auf drm Divan seine« KroSl'S,®. Kaffee mit einigen Freunde», und vom Rauche der iW'M Pfeife» umhüllt, erzählte er seine E lebnrsse in Italien.. Von Zeit zu Zeit wurde er über den MechavtSt» der Freiheit jenes Landes befragt; dann schlug er mit u» schreidlichem Lächeln die Augen zum Himmel auf. Sprach man ihm von dem italienischen Negretabak, i verstopfte er sich die Nake, und wurde er allen Ernste«* die in der mohamedanrschen Polrgamie unbekannte® � Liebe ausgeforscht, so erwiderte er:„Auch diese*>»- eigentlich ein Traum sein, wie die Freiheit." als durch«ine nationale. Die Großindustrie wird stch auch durch eine nationale Auistellunft in Berlin nicht abhalten laffin. die prejeltirte Wtltausstrllung in Paris zu beschicken. Jeder in Deutschland weiß, wo er sich die Erzeuknisse deS deutschen GewerbefleißeS beschaffen kann, dazu dedarf es leiner Ausstellung. Eine na'.ionale Autstellung wird kaum viele auswärtige Käufer anziehen, daS kann nur eine in- ternational«. Pflicht der Reichshauvistadt ist es, dem Beispiele von Paris, London, Wien u. s. w- zu folgen. Wenn Berlin eine Weltstadt sein will, darf es vor einer inter- nationalen Ausstellung nicht zurllckscheuen. Dazu gehört na« türlich die gemeiniame Theilnabme aller Faktoren, dazu gehört vor allem die Th-ilnahme des Reichs, die ist aber auch zu einer internationalen Autstellung noihwendig. Da bis jetzt die Re- gierung fich für eine Weltausstellung nicht erwärmt hat, will man wenigstens eine nationale haben. Dieses Auikunftsmittel ist kein glückliches. Der Gedanke, der gefördert werden sollte, wild dadurch geschädigt. Auch bestreite ich, daß die 30 000 M., die wir zu Vorarbeiten bewilligen sollen, uns nicht bindend verpflichten. Man sagt, Berlin wird durch den Fremdenzufluß großen Rutzen haben, ich will mich auf Wahrscheinlichkeii� Rechnungen nicht einlassen. Ader man hofft in den Kreistn der Fntereffenten, daß die Stadt einen Zuschuß von 2 Millionen Mark leisten wird. Nun man wird wohl mit fich handeln laffen. Die Geldausgabcn find übrigens in letzter Reihe erst Gründe gegen die Ausstellung. Doch wird man da», was man von der nationalen Ausstellung er- wartet, nicht erhalten. ES sollten alle Kräfte für eine inter- nationale Ausstellung eingesetzt werden. Gegen eine nationale Ausstellung aber erklare ich mich entschieden. Nach einer Erwiderung deS OberbürgermeisttrS und des Stadtv. Löwe weiden 30000 M. für die Vorardeiten zu einer nationalen Ausstellung in Berlin von der Majorität bewilligt. Lokales. Immer neue und sehr interessante Mittheilungen in den Sitzungen des Vereins der vereinigten Berliner Sarg- fabrikantenrc.illustriren die Mißstände, welche bei hiefigenK anken- HSu'ern und Parochien bestehen. Auch die gestern Abend im Rlstaurant„Ält-Berlin" stattgehabte Versammlung der Mit- gl,ever des Vereins der vereinigten Berliner Eargsadri.anten zeigte wiederum, wie sehr e» im Interesse deS großen Publikums liegt, wenn hier endlich ein Wandel zum Besseren geschaffen werde. Daß man den durch die Zeitungsberichte bekannt werdenden Vorgängen aus den Versammlungen der Eargfabrilanten an interesfirter Stelle die größte Beachtung schenkt, beweist das Vorgehen des Dirigenten der königl. Ent- bindungsanstalt, Herrn Geh. Rath Dr. Schröder, welcher bereits mehrere Sargfadrikanten zu fich hat ent- bieten laffen, um ihre in den Zeitungsberichten enthaltenen Auslaffungen über die Leichenwäscherin Frau E. zu protokolliren. Obgleich die Beweiilast gegen diese Frau erdrückend ist, leugnet fie Alles hartnäckig ad und hat sogar den Sargfadrikanten Schulz aus der Z«gel- straße vor den Schiedsmann wegen Beleidigung laden laffen. Ueder eine Leichendeckr, welche fie von einem Sargfabrikanten ohne Bezahlung entnommen halle und den Betrag auch nicht von dem Käufer erhalten haben will, liegt eine Quittung von ihr vor, in der fie u. A. den erhaltenen Betrag für die Decke erhalten zu haben bescheinigt. Die Herren C. Kaiser (Vorsttzender) und dessen Bruder A. Kaiser tLandsbergerstraße) berichten über einen jüngst bei ihnen stastgehablen Besuch der Frau S., welcher zeigt, wie ae— weckt diese Frau ist. Bei einer nachgesuchten„verti aultchen Unterredung" verschloß fie hinter fich unbemerkt die Zimmerthür, so daß Niemand mehr das Zimmer betreten konnte. Zufällig entdeckten dies die beiden Ehefrauen und es wäre beinahe zu einer ehelichen Differenz gekommen. In den Unterredungen bat fie„die Herren, fie doch nicht un- glücklich zu machen")c. Einen Brief an Herrn Tapczirer Jack unter schrieb fie nur mit dem Luchstaben S. Der Bru« der dieses Herrn, der Schneidermeister I., hatte in dir Erauenkltnil wegen der Flau S. eine Vernehmung, wobei m von dem ihn vernehmenden Inspektor mitgetheilt wurde, daß eS in jener Anstalt„Usus" sei, daß jeder„anstän« dige Mensch" der Leichenwäscherin sür Waschen und Anziehen der Leiche 3 M. bezahle. Wohl nicht mit Unrecht bemerkte hierauf Herr Jack, daß also Derjenige unanständig sei, welcher diesen„Usus" nicht beachte und daß in einem königlichen In« stilut doch bestimmten Grundsätzen gehuldigt werden müßte. Herr Schulz(Ziegelstraße) hielt es unter allseitiger Zustimmung für werthvoll, wenn Personen aus dem Publikum, die jemals mit der Leichenwäscherin Frau S. in Differenzen geralhen find, ihre Angelegenheiten zur Kenntniß deS Vor« fitzenden des Vereins der Vereinigten Berliner Sargfabrt- kanten jc-, Herrn C. Kaiser, in Firma Gebr. Kaiser, Lands. bergerstr. 27, bringen würden, der im Anschluß hieran fich dereit erklärte, alle Beschwerden auS dem weiteren Publikum über die Angestellten in Krankenhäusern re. entgegenzunehmen. In einer Besprechung über eine Berichtigung der Charit«- Direktion, den Küster Morrtz betreffend, in welcher dem p. Moritz ein ganz une'gen« nützigeS Verhalten im Jntereffe namentlich der ärmeren Klaffen nachgerühmt wird, legt der Vorfitzende, Herr Kaiser, ein Rech. nungSfoimular der kgl. Charitee-Kaffe über Begräbnißkoftm und.Gebühren vor. Indem er ein Bild über die primitive inner« Au, stattung der Särge, wie die Einsargung über- Haupt giebt, rechnet er dem Küster Moritz bei den Sterbe- Anzügen einen Verdienst von 100 Prozent und darüber nach. Bei dem großen Bedarf in der Charit« muß dieses Geschäft einen guten Verdienst abwerfen. Moritz zahlt keine Gewerbesteuer, hat freie Wohnung und ein festes Einkommen von 3000 M, außer den weiteren Emolumenlm. In der vorgedachten„Berechnung" ist and IV die Position „Gebühren" aufgeführt und zwar: ,,11 M. für mannliche Lerchen, 10,50 M. sür weibliche Leichen, 0 M. sür Leichen von Kindern unter 12Jahren." Man höre hierüber die von Herrn Kaiser gegebene Erklärung, welche von hohem allgemrinen Interesse ist. Ver« unglückt Jemand oder wird ein Kranker nach der Chantee ge- bracht und stirbt dort, so gehört er dem Kirchspiel»er Charit« an, welche einen eigenen vegräbnißplatz befltzt. Die Leiche muß, wenn fie auf einem anderen Kirchhof dcerdrgt werden soll, hier«rst ausgekauft werden und dafür werden vorstehende Gebühren berechnet. Sine derartige Ein« richiuna dest-ht bei keinem anderen Krankenhaust- Daß übrigens der Küster Moritz von der Charit« ein wenig Respekt vor neuen Anklagen gegen ihn in den Versammlungen der vereinigten Berliner Earatischler erhalten hat. beweist eine viel Heiterkeit erregende Mittheilung de» Sargfadrikanten Schul,(in Firma Schulz und Robert), nach welcher der Charrteeküster in einer Unterredung wegen der Beerdigung eines velstorbenen Kindes ihm gegenüber vor einigen Tagen geaußert hat:„Ich will Ihnen waS sagen, seitdem die Sargfabrikanten die große «-ZttSS. tr ir.ÄÄf*4 von anderen Instituten kommen ähnlicht Beweise zur Kcnntnrß der Versammlung, daß die Agitation der Sargfabrikamen schon Vortheile zeigtigt. Auf die werteren, ebenfalls sehr inter- rfianten Vorgänge in der Versammlung kommen wir noch . lieber eine kostspielige Zimmerheizung wird uns ge- schrieben: Ein in der Bergmannst.aße wohnhafter Fuhrherr hm am 17. d. M. AbendS beim Verlassen feiner Wohnung leine Weithpapiere im Betrage von 16 700 M. angeblich zur besseren Sicherheit in den Ofen gesteckt und am andirn Mar- gen vergessen, dieselben wieder herauszunehmen. Arn folgenden �age, während der Fuhrherr seinen Geschäften nachgegangen war, heizt« das Dienstmädchen den Ofen und verbrannte die darin befindlichen Papiere. Dieselben bestanden auS zwei Oppelner Zement-Aktien Nr. 3387 und 919 a 600 M.. Diskonto< Kommandit. Anthelle Nr. 14769, 21361 und 21814 a 600 M., einer Russtschen 18L4er Anleihe Nr. 5835 a 500 Pfd. und 5 Stück Rusfische 1860« Anleihe 4 pCl. Nr. 626 796 biS 800. Zur Warnung vor einer Schwindlerin sei folgendes mitgerheilt: Vor erwa 10 Tagen erschien in einem am Spittel- markt belegenen Geschäft eine anständig, dunkelgclleidete Dame im Alter von etwa 35 Jahren, welche fich als die Wittwe eines Ingenieur Hertzderg vorstellte und unter Ueberreichung eines ärztlichen Attestes um eine Unterstützung dehufS Errichtung etneS Kindergartens bat. Gleichzeitig präsenlirte die Dame eine Liste, auf welcher bereits Beträge von 10 bis 20 Mark, im Ganzen etwa 400 Mark gezeichnet waren. Eine Einzeich- nung in diese Liste wurde in drm Geschäft nicht gleich gemacht, wetdalb die angebliche H. die Papiere zurückließ. Als später die Papiere nach der angegebenen Wohnung, Lützowstr. 21, durch die Post zurückgeschickt wurden, konnte die Bestellung deS Briefes nicht erfolgen, da Adiessalin im genannten Haufe nicht zu ermitteln war. Durch weitere Nachforschungen wurde noch ftstgestellt, daß daS der Bittschrift beigefügte ärztliche Attest ge« fälscht war. DaS Gesetz, welches die Feier des Osterfestes auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond legt, wird in diesem Jahre in seinen Wirkungen auf die bürgerlichen Ver- bältniffe recht unbequem fühlbar. Durch«ine Diffaenz von 12 Stunden wird eine Verschiebung des Festes um volle fünf Wochen herbeigeführt. Der Frühling beginnt dies Mal am 20. März, Nachmittags 5 Uhr, während an dem Morgen dei- selben TageS, 5 Uhr 32 Min., Vollmond eintritt. Mithin muß man den nächsten Vollmond abwarten, der aunahmSweise erst nach 29 Tagen und bann wieder an einem Sonntage eintritt, so daß abermals 7 Tage bis zum nächsten Sonntage abge- mattet werden müssen, der endlich daS ersehnte Ostern bttngt. Die Schwierigkeiten, die auS dieser Verschiebung des Osterfestes er- wachten, machen fich in dem wirthschaftlichen Betriebe in ver- schtedener Weise fühlbar. Am empfindlichsten wird der Lehr« gang an den niederen und höheren Schulen durch eine starke V-rtürzung des Sommerhalbjahrs beeinträchtigt. Treten auch die Nachthcile, welche mit dem Wechsel des Ostertermins ver- Kunden find, glücklicherweise nur selten so grell hervor wie in diesem Jahre, so«scheint doch gerade gegenwälttg der bereits vor einem halben Jahrhundert gemachte Vorschlag des sranzö- fischen Astronomen Ärago unv de» deutschen Chronologen Ivel«, den Ostertermtn, ohne Rückficht auf den Vollmond, auf den ersten Sonntag deS April festzusetzen, der Erörterung der weitesten Kreise Werth. Juaendttche Diebe. Gestern Nachmittag wurden in dn Neuen Jakobstraße drei Knaben bemerkt, welche vor einem Barbierladen standen und stch ein Thrimometn längere Zeit besahen» bis endlich der größere einen der kleineren Knaben in die Höhe hob, so daß dieser das Thermometer abnehmen konnte. AIS fich die drei Knaben nach Autführung der That beobachtet sahen, matten fie da« Instrument fort und ergriffen die Flucht. Der Thäter, der lljähttge Knabe K., wurde jedoch festgenommen und gestand derselbe, daß er von dem größeren Knaben zu dem Diebstahl»«leitet worden sei, und daß fie Tagt zuvor in der Ftschnstraße auch ein Thermometer gestohlen hätten. Ei« bedauerlicher Unglücksfall mit tödtlichem Aus- gange ereignete fich, wie uns mitgerheilt wird, am Mittwoch auf d« Berlin« Charlottenburg« Eisenbahn. Als der Kutscher eines WagenS dies« Gesellschaft vom Bahnhof in Charlotten- bürg nach Berlin fuhr, bog er fich zu weit über die Schutz« wand des Vorderperrons, vnlor d:s Gleichgewicht und stürzte vom Wagen. Er kam so unglücklich zu liegen, daß ihm der link« Arm total zerquetscht wurde. Obgleich dem Verunglückten ofott ärztliche Hille zu Thell wurde, ist derselbe bereits am olgenden Tage verstorben. Polizei-Bericht. Am 18. d. Ml»., Morgen«, stürzte fich in der Gneisenaustraße ein Dienstmädchen, angeblich aus Lebensüberdruß, nachdem eS kurz vorher auch noch Zuckersäure getrunken hatte, au» dem 2 Treppen hoch belegenen Küchenfenster in den Hof hinab. Daffelb« erlitt durch den Fall einen Bruch deS linken Unterschenkels und mußte mittelst Kranken- wagen« nach ver Charit«« gebracht werden.— Zu derselben Zeit brach ein Dienstmann vor dem Hause Elsafferstraße Nr. 68 beim Fallen auf dem glatten Bürgerfteia das Bein. Er wurde nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht.— Am Vormittage desselben Tages wurde eine Frau in der Et. ThomaS-KIrche plötzlich unwohl und vettlarb bald darauf in der Sakristei am Herzschlag.— Zu derselben Zeit wurde ein Mädchen in der Wohnung seiner Mutter in der Friedenstraße und ebenso ein Mann in seiner Wohnung in der Elisabelhstraße erhängt vor- f efunden. Die Leiche de« ersteren wurde nach dem Leichenschau« ause gebracht.— Am 18. d. Mts, Abends, wurde der Wächt« Biedermann, als er fich zum Antritt des NachidienstcS meldete, plötzlich unwohl und rerstarb, nach Haufe gebracht, gleich nach der Ankunft daselbst am Echlagfluß.— Am 13. d. Mts. war in einem Zuckerwaarengeschäft, An der Stechbahn Nr. 1, ein Thürvorhang in Brand gtlathen. Das Feuer wurde von den Anwesenden noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht.— In der Nacht zum 19. d. MtS. entstand in dem Ziganenladen von Loefer u. Wolff, Oranienstraße Nr. 57, dadurch Feu«, daß Zigarren, welche in der Nähe eines geheizten eisernen Ofens standen, fich entzündeten. DaS Feuer wurde von der Feu«. wehr bald gelöscht.__ Vereine mh Versammlungen. hr. In einer öffentlimen Versammlung der Schnei- der, welche am Donnerstag Wilhelmstraße 113 unter dem Vor- Stze der Herren Pfeiffer und Täterow stattfand, hielt d« letchStagSabgeordnete Herr Pfannkuch einen beifällig aufge- nommenen Vottrag üb«:„Die heutige Produktionsweise und ihre Erscheinungsformen." Der Vottragende besprach in ein- gehender Weise die mit der modernen kapitalistischen Produk« tionswttse verbundenen Erscheinungen, dir bis zum Aeußersten gehende Theilung der Arbeit, die an Stelle der Lohnarbeit ge- lretene Akkordarbeit, die dem Dienste de» Kapitals verfallene, von Kauflcuten und Fabrikanten nach Möglichkeit ausgebeutete Ardtttslraft der Handwerker, nicht allein der Gesellen, sondern auch der Klclnmttfter, die daS zum fabrikmäßigen Betriebe ibrcS Gewerbes nöthige Kapital nicht befitzen, die infolge der Einfübrung und Vervollkommnung d« Maschinen stets wach« ende Reservearmee arbeitsloser Arbeiter, welche genöthigt find, hre Arbeittkraft zu dilligeren Preisen aiijudieten und da- durch die Löhne herabzudrücken, die in Folge der planlosen Maffenprodukrion»on Zeit zu Zeit mit Noihlvendigkeit ein- tretenden Krisen, durch welche die No'.hlage des Handwerker- standeS mehr und mehr aefieiactt wird. Der Redner wieS dann auf das ausstchtslose Streben Derjenigen hin, die unter den heutigen Produktionsverhältnissen das Zunftwesen des Mittelalters neubeleben und dadu-ch eine Besserung der Lage des Handwerkerstandes herbeifübren wollen. Er fühtte dann au», daß das Ziel einer gründlichen Sozialreform nur die» sein könne, an Sirlle d« jetziaen kapitalistischen ProduktionS- weise, deren naturgemäße Wirkung die Anhäufung von Reich« thümern In den Händen einer kleinen Minderheit und die mehr und mehr zunehmende Verarmung der großen Massen der Handwetter und Ardeiter ist, welche durch ihre Arbeit alle Werth« und alle Reichihümer schaffen, eine andere der Gerechtigkeit mehr entsprechende Produktionsweise, nämlich die genoffenschaftliche Produktionsweise herbeizuführen, dei welch« ie Arbeit« nicht mehr Werkzeuge zur Bereicherung der Unter« nehm«, sondern freie, lediglich in ihrem Jntereffe arbeitend« Menschen find. Eine solche wirkliche Sozialreform herbelzu- führen, sei vorzugsweise die Aufgabe der arbeitenden Volks- klaffen. Die nächste Etappe auf dem Wege, der zum Ziele führt, fei die Organisation der Arbeiter in Fachvereinen. Ver« einzelt sei bei den gegeuwättigen Produktionsverhältnissen der Arbeiter macht- und rechtlos; eine Vereinigung fämmtlicher Ardeiter einer Branche, z. B. aller Schneider Berlin», habe aber die Macht, kürzer« Arbeitszeit, höhere Löhne und was sonst zur Besserung der Lage der Arbeiter erforderlich ist, Herbeizuführen. Die Ardeiter seien aber auch verpflichtet, fich am politischen Leben zu bethttligen und dahin zu wirken, daß die Anzahl ihrer Vettreter in den Parlamenten eine größere werde und die Macht gewinne, auf die G-setzgebung einen entscheidenden Einfluß auszuüben. Zur DiSkusston nabmen die Herren Pfeiffer, Tät-ro«, Imme, Schwerin daS Wort, um ihre Zustimmung zu den Ausführungen deS Referenten auszusprechen. Die Herren Pafforke und Zilm versetzten dadurch, daß fie ihre alten Anschuldigungen gegen die ftühere Lohnkommisfion von Neuem anbrachten, die erstgenannten zwei Herren in die Noihwendig- keit, daS, was fie zu ihrer Vettheidigung schon oft gesagt, von Neuem sagen zu müssen. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, in welcher fich die Versammlung mit den AuS« führungen des Referenten einverstanden erklärt und anerkennt, daß eS nur auf dem Wege d« Organisation möglich ist, der heutigen ProdukiionSweise«irksam entgegenzutreten. In einer zweiten Resolution erklätte die Versammlung, daß fie in An« betracht, daß die Subkommisston der Aufforderung dei Echiedi- aettchtS in der Angelegenheit der Lohnkommisfion nicht nachge- kommen ist, jede Anschuldiauug ali unwürdig verwerfe. Im Kachverei« der Rohrleger sprach am 14. d». Mts. Herr Michelsen über„Streiks". Referent wieS nach, wie fchäd- lich ein Streik für die Arbeit« ausfallen könne, wenn dieselben nicht gehörig organifirt find. Nur durch festes Zusammenhalten der GewerkSgenvffen sei auf diesem Wege etwas ErfptteßlicheS zu«reichen. Redner bemerkte, weil der Bauaroeit« nur im Sommer Arbeit habe, da fein Gtfchäft im Winter darnieder liegt, müßte fein Lohn ein derattiger fein, daß er auch im Wint« nicht zu darben brauche. Zur DiSkusston sprachen die Herren Reckner und Schweizer im Sinne de» Referenten. Herr Frisch stellte den Anttag, die resttrenden Mitglieder nicht zu streichen; der Antrag wurde einstimmig angenommen. Dann sprach der Metallschleifer Herr Knappe über den Streik dei Woller. DreSdenerstraße 33. Für die streikenden Echleti« wurde eine Tellersammlung veranstaltet und der Betrag Herrn Knopp« übergeben. Dann wurde die Verlegung deS VeieinSIokalS beschlossen und ein Veranügungs- Komitee zum Stiftungsfest gewählt, welche» im Mai statt- finden soll. In der Versammlung de» Kachverein« der Posa- menttere und Sridenknopfmacher vom letzten Montag erregte nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Mittheilunaen besonder» ein Schreiben der in d« Posamentier-Waarenfabrik von Jean Arolv in Nürnberg beschäftigt gewesenen Gehilfen allgemeines Jntereffe. Dieselben theilen mit, daß fie auf Grund verschiedener ehrenrühriger Reden, welche fich Herr Arold gegen fie erlaubt hätte, die Arbeit niedergelegt haben und ermchen den Zuzug nach Nürnberg möglichst fernzuhalten. Die Versammlung beschließt demgemäß. Hierauf theilt der Vorsttzende mir, daß stch in Offenbach a. M. ein Fachverein der Posamentiere und Sttdenknopfmach« gegründet habe. Die Versammlung nimmt freudig hiervon Kenntniß, umsomehr, als die« leider erst der einzige Fachverein in der Posamentier« Branche ist, welcher außerhald Berlin» w Deutschland besteht. In der fick hier anschließendm Diskussion wird jedoch der Vor« schlag der Offenbacher Kollegen, welche einen Verband grün« den wollen und den Berliner Verein zur Theilnahme einladen, von der Versammlung abgelehnt. Zwar nicht auS prinzipieller Gegnerschaft gegen einen etwaigen Verband, sondern weil, wie die meisten Redner befürchteten, die Zeit zur Gründung eines solchen au» verschiedenen politischen und andnen Gründen keine günstige sei. Der Vorstand wird beauftragt, unter Be« tonung de» freundschaftlichsten Entgegenkommens in anderer Beziehung, diesen Beschluß der Ansammlung den Offenbacher Kollegen zu übermitteln. Eine Generalversammlung der Maurer Schönebergs und Umgegend, von mehr als 100 Personen besucht, fand anr 15. März in Heckendorf'« Salon, behufs Gründung eines Fachverein«. statt. Herr RegierungSbaumeist« K ßler hielt einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über Zweck und Ziele der„Fachvereine." Redner betonte hauptsächlich, daß die heutige ungünstige Lage der Arbeiter durch Gründang von llachvereinen, durch Organisation fämmtlicher Arbeiter wesent- lich gebessett werden könne. An der DiSkusston detbeiligten fich mehrere Redner, welche alle die Gründung des Vereins empfahlen: ein diesbezüglicher Antrag wurde einstimmig ange- nommen und zeichneten fich fofott 40 Mitglieder ein. Zum provisorischen Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Herr Gärdig zum eisten, Herr Albrecht zum zweiten Vorsttzenden, Herr Hagen als Schriftführer. * Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Maler und verwandtin BerufSgenossen(E. H. Hamburg). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Theilung Berlins in 4 Filialen am 14. Februar begonnen hat, und werden diejenigen Mitglieder der Kasse, welche nicht im Süden oder Südosten wohnen» ettucht, stch spätestens bis 1. April an der alten Stelle abzu« melden und in den Filialen, denen ste dann angehören, fpätrstenS bis dabin einschreiben zu lassen, da sonst im Er« kranlungsfalle Weiterungen entstehen und auch die Bücher nicht in Ordnung gebracht werden können. Die Kaffenstunden find in jämmtlichen Filialen Sonntag, Vormiitags von 9 bis 1 Uhr, und Montag, Mittwoch und Freitag, Abends von 7 bis 8 Uhr. Ferner werden die Mitglieder ersucht, in den Quartals» Versammlungen recht zahlreich zu erscheinen: dieselben finden statt: für Filiale I Nord am 6. April im„Vorstädtischen Kafino",»ckerftr. 144; sür Fillole II Ost am 13. April im Restaurant Hiidrbrand, Weberstr. 17: für Filiale IN Süd am 20. April im 6# Reiher, Alte Jakobstr. 83; sür Filiale IV West am 20. April in der„Anhaltschen Ressource", Möckern. straße 114. Alle Versammlungen beginnen Admds 8 Uhr und werden dteselben seiner Zeit noch im Annonzentheil dieses Blattes bekannt gegeben. * Fachverein der Tischler. Die Versammlung am Mon» tag, den 22. d. M., in Jordans Salon, Neue Grünstraße 28, fällt aus, dafür findet am Dienstag, dm 23. März, Abends 8Vi Uhr, in dem genannten Lokale eine außen» dentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung stehe Inserat. Die Zahlstellen deS Vereins befinden sich: 1) Blumenstraße 56 (Tischlerherberge), 2) Skalitzerstraße 18 bei Stramm, 3) Belle» Allianzeplatz 6 bei hilscher, 4) Zionilirchplatz 11 bei Hohn, 5) Müllerstraße 184 bei Hähring. Daselbst werden jeden Sonn- abend, AbendS von 8'/, bis 10 Uhr, Beitrage entgegen« und neue Mtlglteder aufgenommm. * Gesansverein„Sängerlust", Pallisadenstr. 9, jeden Sonnabend Adend 9 Uhr. * Veretuigung der deutschen Schmiede(Mitglied- schaft verlin). Heute Abend 8'/, Uhr Vnsammlung in Gratweii't Bielhallen, Kommandantenstr. 77—79.(Näheres stehe Inserat.) *»eneralversammluna der Kisten- und Koffer- macher verltn« Sonntag, Vormittag« 10>/, Uhr. Tog-s- ordnung: 1. Stellungnahme zum Streik bei Simon u. Müll r. 2. Verschiedene». Die VersammlungSauzeige z« der V-lkSversamn«. lung, in welch« gestern der Hirr ReichstagSabgeordntte August Bebel in Keller'« Salon, Andreaistr. 21, sprach, hat in uns«« gestrigen Nummer durch ein bedauerliches Versehen emeS Setzers im redaktionellen Theil unsere» BlatteS leider keine Aufnahme gefunden. Die volktversamml«»« in Killer'» Saal. ZlndreaZfirate, in wellber gellern der Reichstaasabgeordnete August Bebel jtber„Die U- fachen und Wirkungen der Krilen und die Sozialreform" sprach, verfiel nach«a. 1 ständiger Dauer der »olijeilichen Auflö ung. Bei den Worten:„Während die Frau am Webstuhl hanttrt, fitzt der Mann zu Hause am Feuer« bcrd erfolgte der politeiliche Schlug. Die etwa 8000 Köpfe starke Versammlung vrrließ unter Hochrufen auf d»n Redner in vollster Ordnung den Saal. Auiführlicher Bericht morgen. * I« der fretreltaiöse« Kemeinde spricht am Sonntag Dorm. 10 Uhr. Roseuchalerstr. 38, Herr Schäfer über die Gr» schichte de» Humanismus.— Zutritt steht Jedem frei. * Nllgem. Kranke«-«nd Eterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29), Hamburg, Filiale 5. Versammlung Sonnabend, den 20. d. Mts., Abend» 8V« Uhr, Lothringerstraße 81. Statutenberathung. * Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlin» und Um, gegend. Äiiglieder Versammlung am Dienstag, den 23. März, Abend» 8 Uhr, in den Jndustriehallen» Mariannenstr, 31/32. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Zadeck. 3. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zu- tritt, neue Mitglieder werden aufgenommen. * Verein zur Wahrung der materielle« Interesse« der Fabrik- nnd Handarbeiter. Versammlung am Sonntag, den 21. März, Vormittags 10Vi Uhr bei Mablitz, Andrea»- straße 26. Tagesordnung; 1) Vortrag über„Produktion und Konsumtion. 2) Monatsbericht der Revisoren. 3) Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste find gern ge sehen. Billet» zum Familienkränzchen am 27. d. M. werden in der Versammlung ausgegeben. * Fachveretn der Drechsler, Knopfmacher und Berufs« genoffen. Sonntag, de« 21. März, Vorm. 11 Uhr, bei Säger, Grüner Weg 29, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Der Streik in der Knopffabrik von E. M. Siegel u. Komp. 3. Verschiedene» und Fragekasten. Gäste willkommen. * Fachverei» der Töpfer Berlin» und Umgegend. Sonntag, den 21. d. MtS., Vormittag» 10 Uhr, Versammlung bei Eeefeld, Grenadierstr. 33. Tagesordnung': 1. Die Bedeutung deS 2. deutschen TöpferkongreffeS. 2. Die Maßregelung der Kollegen hierorts. 3. Verschiedenes. * Fachveretn der Schlosser und Beruf»genossen. Heute (Sonnabend) große Versammlung.(Näheres stehe Inserat.) * Verein znr Wahrung der Interesse« der Korb- macher Berlins und Umgegend. Versammlung am Sonntag, den 21. März, Vormittags 10 Uhr, bei Otto, Adalbcrtstr. 21. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herrn Christensen. 2. Bricht über den beendeten Streik. 3. Erhöhung deS Beitrag». 4. Ver« schiedeneS und Fragekasten. Neue Mitglieder werden ausge- nommen. * Verein deutscher Nähmaschinenreisender. Ordent- liche Sitzung Sonnabend, den 20. März, Abends 9 Uhr, Neue Friedrichstr. 20. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Geschäftliche Besprechungen. Kleine Mittheilttttgett. Pose», 18. ÜRärz, Mmgens. Die meisten Züge auf dm hier einmündenden Bah strecken find bis jetzt nicht emgettoffm. Der von Berlin hier Morgens 4 Uhr 40 Minuten täuige Kourterzug liegt bei der Station Buk fest. Die Kreuz- burger Bahn ist vollständig untahrbar. Der gestern Abend von bier nach Oftrowo abgelassene Zug mußte wieder umkebrm. Warschau, 17. März. Wegen Schneeverwehungen ist der Personenverkehr auf der Weichseldahn, die Strecke Warschau- NowogeorgiewSk ausgenommen, bis auf Weiteres eingestellt; desgleichen der Güterverkehr auf der Eisenbahn Jwangorow- Dombrowo. Rom, 17. März. Ein schreckliches Brandunglück hat fich gestern nächst Cioitaoccchia ereignet. Während des gestrigen Unwetter» flllchleten nämlich 36 Fraum mit ihren Kindern in eine Grotte nahe der Stadt, woselbst fie, um fich zu wärmen, ein Feuer anzündeten. Unglücklicher Weise fingen mehrere Strohbündel Feuer, daS fich nun mit rasender Geschwindig- kett durch den Raum verbreitete und einen furchtbaren Qualm erzeugte. Nun entstand eine unbeschreibliche Verwirrung. Die Frauen wollten in« Freie flüchten, doch gelang eS nicht allen, den Ausgang zu finden, und so wurde« nachher 17 Personen theil» erstickt, theils verbrannt in der Grotte gefunden. Kriefkaste« der Kedaktio». Zum Streit bei Simon«. Müller find un» von beidm Seite« Einsendungen zuaegangen, die wir wegen der darin enthaltenen persönlichen Gehässigkeiten nicht aufnehmen könnm. Einsendungm, welche rein sachlich gehalten find, nehmm wir gern auf. Wo befindet fich die Aufnahmestelle drr eingeschriebenen Hilfskaffe für Buchbinder im SO Berlins k Vielleicht sendet uns der Vorstand die Adresse. Kistenmacher. Sie haben nicht angegeben, wo die Ver« samm lung stat> finden soll. C. M. Da Ihr Prinzipal fich verpflichtet hatte, Ihnen in Kranlheitifällen den Lohn weiter zu zahlen, war er nicht berechtigt, bei Ihrer letztm Krankheit den Lohn unter der An- gäbe, da» Geschäft gehe schlecht, einzuhalten. Da Sie jedoch 7 Monate bei ihm weiter gearbeitet und niemals Ansprüche auf während der Krankheit verdientm Lohn erhoben, vielmehr die späteren Lohnzahlungen ohne Vorbehalt angenommm haben, könnm Sie jetzt Ansprüche nicht mehr gestmd machen. S. St. Memelerftr. Wtrchaben in unserem Bericht keinen Namen genannt und können daher auch auf Ihre Auseinander« setzungen nicht eingehen. Wir rathen Ihnen jedoch, in der nächsten Versammlung Ihres Verein» die Sache zur Sprache zu bringen. N. 54. Das Eisenbahn-Regiment rxistirte vor 1870 noch nicht. O. v. Sophtenstr. Wenden Sie fich an Herrn Bremer. Welndergiweg 15 Hof part. S. 54. Die freie HilfSIaffe ist zur Gewährung der Srzt« lich verordneten Korkstiefel und Bäder unsere» Erachten» ver- pflichtet, nicht aber zur Gewährung einer Maffage-Kur, da letztere einen Thett der der Hilfskaffe nicht odltegendm Srzt« liehen Behandlung bildet. St, S. 174. 1. Dadurch, daß Ihnen in einer Prozeßsache da» Armenrecht bewilligt wird, gehen Sie des Wahlrechte» nicht verlustig. DaS ist keine„öffentliche Nrmmunterstützuvg." 2. Wenn Ihre Frau nach der ihr in dem gerichtlichen Rück« kehrbefehle gesetzten Frist zu Ihnen zurückkehren will, so brauchen Sie dieselbe nicht mehr aufzunehmen. O. G. 4. So lange Sie der Krankmkaffe angehören, in der Sie jetzt find, kann Ihr Arbeitgeber nicht angehalten werden, Sie einer anderen anzumelden. K. T. Sorauerstr. 1. Bei derartig kowplizirten Ver« trägen, wie der Ihrige mit dem Uhrmacher zu sein scheint, kann man ein Urtheil mit einiger Bestimmtheit nur abgeben, wenn man dm Kontrakt gelesen hat. Schicken Sie uns doch eine Abschrift deffelben. Einen Rechtsanwall gebrauchen Sie zur Anstellung de» ProzeffeS nicht. 2. Ihr Arbeitgeber ist unter allen Umständen verpflichtet, ein Drittel der Ihnen auferlegten Kaffenaeiträge zu tragen. 3. Für die Ausnahme zum Militär- dimst ist e» ganz gleichgiltig, ob Jemand verheirathet ist oder nicht. 6. G Glatz. Die Schriften„Der Jrrgang de» Leben» Jesu" von Dr. Dulk und„Die mohammedanisch-arabische Kul« turperiode"»on Bebel find nicht verboten. Dadurch erledigt fich wohl Ihre zweite Frage. H R. Wenn ein Dienstbote au» Fahrläsfigkeit eine Sache der Dienstherrschaft beschädigt, so muß er den Schaden ersetzen. Ob dieser Schade in Ihrem Falle wirklich 6 M. beträgt, ent« zieht fich unserer Bmnheilung. A. T. Nttterstraße. Geld, welche» Ihre Frau vor der Verheirathung verborgt hat, können Sie nur auf Grund einer Vollmacht NamenS Ihrer Frau einklagen. Zuvor muß aber, wenn nicht etwa» Andere» vereinbart ist, eine vierwöchentliche Kündigung stattfinden. Zuständig ist da» Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner jetzt wohnt, und auch dasjenige, in deffen Bezirk Ihre Frau zur Zeit der Hingade de» Geldes wohnte. W. H. Schlosser. Wenn Ihr Vermiether nicht einen stichhaltigen Grund angiebt, au» welchem er Ihnen die Wetter« vermiechung Ihrer Wohnungan einen Anderen untersagt, so find Sie berechtigt, ihm die Wohnung an einem der drei ei stm Tage de» April zu kündigen und am 1. Juli auszuziehen. Wenn Sie jedoch nachweisen können, daß Sie durch eine nicht freiwillige Veränderung in Ihrer Person oder in Ihren Umständen,(also z. B. durch den Tod eine» Angehörigen, durch Einziehung zum Militär, durch eine erhebliche V-rminderung Ihre» Einkommen» oder dergl) außer Stand gesetzt find, von der gemieteten Wohnung ferner Gebrauch zu machen, so könnm Sie sogleich vom Kontrakte zurückt-etm und ausziehen, sobald der Wirth ohne erheblichen Grund die Annahme de» von Jhnm vorgeschlagenen MietherS verweigert. LonisenftSdttfche» Theater. Abracadabra. Tevtral-Theater. Der Stab»- Trompeter. »ittort«- Theater. Meffalina. Ostend- Theater. Maria Stuart. »mertean- Theater. Große Spezialitäten« Vorstellung. Theater der ReichShallen. Große Speziali« täten-Vorstellung. Kaufmann'« Variete. Vorstellung. Konkardia. Große Große Spezialitäten« Vpezialttäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15.[851 Heute»nd folgende Tage: Der Dämon des Spiels. Voll»schauspiel mit Gesang in 4 Aktm. Vor der Vorstellung: Hr. Konzert der Kmukflptft*. Anfang de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7*/, Ugr. Anfang de» Konzert» Sonntag» 0 Uhr, der Vorstellung 7'/# Uhr. von» haben Wochentag» Giltigkeit und find im xheettndureau(12-1 Uhr) grati« zu haben. """" iÄ,r"tS Kaiser-Pavorama. n. Abth.: Amerika« Kali- o r n i e n. Baden« Heidelberg. Kcmftan,, Wies« m w. H« rth a» R eise.» Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Korbe« erschiene«: t[1004 Die ÄMldkMkntlt vor dem veutschen Reichstage. Stenographischer Bericht der Verhandlung de» Deutschen Reichstage» am 18.Febml Heft.— Preis M. 0,30. 1. ebruar 1886. Zu haben in unserer Grpeditio«, Zimmer- ftrass« 44. 1. Die Verfügung de» Kgl. Poiizeipläsidium», betr. Abänderung der§5 ld, 3, und 5 des Ver« einsstatut» oder Nachsuchung der staatlichen Ge- mhmigung de» Statuts. 2) eomt. Aenderung de» Statuts. 5) Bericht der Fachkommiffion in Sachen Ackermann. 4) Verschiedene». Qutt« tungibuch legitimirt.[1043] Der Vorstand. ZonisenstSdtischer Kezirks-veretu �Vorwärts". Sonntag, d. 21. März, Abend» 6 Uhr, gesellige» Zusammensei« der Mitglieder mit Familie in Tratweil'» Bierhallm(»derer Saal), Kommandantmstt. 77/79. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 1 1046] Der Vorstand. Verelniguijg der demtechen Schmiede. (Mitgliedschaft Kerlin.) Versammlung am Sonnabend, den 20. März, Abend» 8'/» Uhr, in GratweU'« Oierhatlen, Kommandanten- Straße 77-79. Tage»-Ordnung: Vortrag deS Herrn Schweitzer: Zur Geschichte der Gewerkschaftsbewegung. Diskussion und VerschiedmeS.[1056 Um zahlreiche» Erscheinen ersucht O t to Matthe», Bevollmächtigter. Große öffentliche Versammlung deS Fichnerms der Schlosser und KernfogenossV« heute Abend 8'/, Uhr, in vratweil'» Bierhalle», Kommandanten- Straße 77/72(unterer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Laake:„Die Be« völkerungSftage.[1057 2. Diikusfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Bericht über daS stattgesund. Stiftungsfest. 5. Verschiedenes und Fragetasten. Zahlreiches und pünlttiche» Erscheinen erwartet Der Vorstand. Eine möbl. Kchlafstellr zum 1. April z. verm. Marienstr. 7. Hof l. 2. Ausg. 2 Tr. bei Magnitz. Arbeiter Bez.- Verein d. Oranienb. Vorstadt u. d. Wedding. Montag, de« 22. d. M., Nbend» 8 Uhr:[1050 Ugfr Grosse Versammlung"MW in Meine's Salon, Gerichtsstraße Nr. 10(Ecke Hochstraße). Tagesordnung: 1) Die Zukunft des Handwerkes. Referent: Herr Wilhelm Koy. 2) Diskussion. 3) Beschlußfassung über die Stellung zur Kommunal« wähl. 4) Verschiedenes. 5) Fragekasten.- Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand.� Allen Freunden und Bekannken ,ur Nachricht, daß ich ein Restaurant Wienerstraße 31 eröffnet habe und bitte, mich durch geneigtenZuspruck unterstützen zu wollen. F■ IVlitsiiiW H. Liewald's Weiß- u. Bamsch-Bier-Lokal, Frankfurter Allee 143, empfiehlt fick allen Freunden und Bekannten zur geneigten Beachtung!_ 64z /achverem der Drechsler, K«opf- arbeiter «nd verwandte« verufsaeuossen. Am Sonntag, den 21. März, Vorm. 10 Uhr, in Säger'« Salon, Grüner Weg Nr. 29, Versammlung. Siehe redaktionellen Theil.[1049 _ Der Vorstand. Fachoerei« der Merkzengmache» Oerlins. Oerfammlnvg am Montag, den 22. d. M., im Lokole deS Hm. Eichholz, Köpnickerstr. 158. TageSordnunarvird dort bekannt gemacht. Auf- nähme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. Kerren-«nd Knabe«' Harderobe empfehle in gediegenen Stoffen und eleganter Ausführung.[1051 Ganze Anzüge»o» 15-45 M„ Frühjahrs-Ueberzieher«. 12-30 M., HostU von 3-15 M. Auch nach Maaß in kurzer Frist. hm Preuss. Leihhaus, Aenthstr. 14, Aktie«.«-f-Nschaft, bdoiht[1017 Waaren aller Art. Sophas nnd Matratzen sowie Polsterwaaren werden gut und auf? Billigste hergestellt.[994 H. Krämer, Lindenstraße 107. Die Beschuldigungen, die ich über Heim Wilhelm Benzin ausgesprochm habe, nehme ich als unwahr zurück und erkläre denselven für ehrenhast.[1060]«. Delitz. Allen Freunden und Bekannten zur Nach« richt, daß ich Fehrbellinerstraße Nr. 21 ein Restaurant eröffnet habe und bitte, mich durch geneigten Zuspruch gütigst unterstützen zu wollen. Hochachtungsvoll A Klein. 1059] Früher Maurer. Ich empfehle mein Schnhmaaren-Geschäft r selbstoefntlgten Herren-. Käme«, und Kinber-Stiefel» zu soliden Preisen. 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Verantwortlicher Redakteur».«*•«*»» w m»eui* Druck und Vertag»on M« vadin«» verlin 8W, Benth straße 2.