Ur. 70 Mittwoch, den S4. Marz 1986. ni. Jahrg. rtlintrliilMiitl Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner VolkSblatr' gcn. ÄbonnementSpreis für Berlin ftci wöchentlich 38 Pf. Postabonnement ,_ mit illustririer Beilage 10 Pf. Mngetragen tn der PostzcitungZprelSliste für 1886 unter Nr. 769.) JnfertiouSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitz�le oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmartt 10 Pfennige. Bei größeren Austragen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden biZ 4 1% Nachmittags in der Expedrtlon. Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«. Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKittm: Deuthßraßr— G»xeditio«: Zimmerstraße 44. „Ich tlaze mich! mrhr!" So äußerte sich jüngst Herr Hofprediger S t ö ck e r in einer Versammlung und wir wollen unser Theil dazu thuu, diese Neußeiung festzunageln, denn sie ist charakteristisch für de» Mann und für die Atmosphäre, in der er sich bewegt. Der streitbare Vorkämpfer des Antisemitismus wird uni zwar nicht zugeben wollen, daß dieser sein Ausspruch einen Abschluß seiner politische« Lausbahn bedeute. Er kann da» auch nicht zugeben. Aber er gesteht mit seinem Aus» spruch indirekt zu, daß er sich aus der Offensive in die D e v e» s i v e zurückzieht. Und da» will b:i einem solchen „Stürmer und Dränger" etwas heißen! Seinen Gläubigen und polnischen Freunden wird Herr Stöcker— so darf man doch wohl an« nehme«?— einreden, daß er„nach den gewechten Erfahrungen" sich gegen alle öffevtlichm Angriffe doppelt und dreifach gepanzrrt fühlt und ihnen von nun ab eine unerschütterliche Gleichgiltigkeit entgegensetze« werde. Biel« leicht weist er auf das Beispiel der englische» Polstiker hin, die sich auch nicht so leicht durch Angriffe der öffentlichen Blätter au» der Faffung bringen lassen und die nur im äußersten Fall den Beistand der Gerichte anrufe». Aber das wird dem Herrn Stöcker, mit Ausnahme seiner blindwüthigen Anhänger, schwerlich Jemand glaube». Man weiß doch und hat tausend Beispiele dafür gesehen, daß gerade die j konservativen Kreise gegen öffentliche An« griffe in Zeitungen und Versammlungen am empfind- lichsten und am ehesten geneigt sind, Strafantrige ,u stellen. Daß unter dieser Gesellschaft gerade Herr Stöcker der weiße Rabe sein sollte, will uns absolut nicht einleuchte«. Er hat doch bewiesen, daß er sehr empfindlich ist. Und das Temperament ändert sich nicht so leicht. Wenn ei» solcher Kampfhahn wie Herr Stöcker weh- müthig und resignirt auSsprtcht:„Ich klage nicht mehr!" so bedeutet das so viel wie daß er selbst seine politische Rolle für ausgespielt hält. Wer den Man» sich zu vem obige« Ausspruch entschlossen hatte. Wenn die politische Rolle der Herrn Stöcker zu Ende ist, so wird es in Deutschland nicht allzuviele Leute geben, die da» bedauern, und ebenso wenig wird man bedauern, wenn die ephemere Parteibilduog, die sich an seine« Namen knüpft, wieder verschwindet. Herrn Stöcker« Verehrer werde« seine„Verdienste' rühmen. Nun, Herr Stöcker hat den in Deutschland schon überreichlichen Partnzank um ei» Erkleckliche« vermehrt, hat ihn sogar auf die größtmöglichste Höhe getrieben und hat JanlXeton- Der Trödler. Roma« von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) Diese Auskunft schien ihm vom Schicksal selbst in de» Weg geworfen, da er, am kalte« Stein angelangt, Henning« in der Thür stehe« und rhm winken sah. Er trat zu rhm sieh da," lächelte Henning»,„schon auswärts ge- wese»? Haben Sie wieder ei» rechte« Profitche» ge« macht?" „Na. man muß zufrieden sei«. Ich danke, e« ging an. Habe eben das ganze Jnventarium vom russische» Gesandte« gekauft, süperbe Sache» und billig!". .«aha, wie der Alle da» so vorschmuvzeltl Das grebt wieder eine« kleinen Pfandbrief ab, wie?- Höre« St-, Zustuschen. ich glaube, es wär' gar kern so schlechte« Ge. schäft, Ihr Schwiegersohn zu werden I Wie viel knegt Ihr �tldchen mit?"— fÄflÄrÄ ßt&w,-«« siattung. wie sie für solide Leute paßt, meinen Segen und sich seiber. Wer meine Toch'ec nimmt, lieber Herr Hennrng«, Muß sie auch erhalte», und nicht darauf zu warten brauche«, °b denn der alle Justus nicht in'« Teufel-n°men bald ab- fahre» will.— Da wir gerade auf da« Kaprtel komme», Möchr' ich wohl zwei Worte mit Ihnen aller« reden. E« rst e*.®.M.«.■«*. vutmüthig. schalkhafte Lächeln. Er warf dre Oberlippe etwa» # ÄÄÄÄr,«. Sohn ist ausgegangen, Sie können also stanz ungezwungen sprechen," erwiderte der Kaufmann. die Unduldsamzeit m ein religiöZ-sozial-polittschcS System zu bringe« versucht. Man glaubte die finsteren Schatten mittel- alterlicher VerfolgungSmanie wieder auftauchen zu sehe«, wen» man auf das wüst lärmende Heergefolge des Herrn Stöcker sah. Indessen bilden die bekannten Prozesse nur den formell äußerlichen Abschluß der Siöcker'schen politischen Rolle; an ihnen allein wäre eine so energische Nawr, wie Herr Stöcker sie darstellt, nicht gescheitert Der gesunde sinn der Massen, der Arbeiter war der Fels, an dem das Schiff der Stöcker'fchen Agitation zerschellen mußte. Das wird sich der Herr Hofprediger nun sagen müssen, nachdem er mit all seine» agitatorische» Künsten schließlich doch politisch bankerott geworden ist. Und er hatte sich'» doch so schön gedacht. Dem viel« umstrittene» arme» Man« hatte er einen Phrasen« brei eingerührt, der die Bewunderung aller kon- servativen Sozialdemagogen erregte und mittelst dessen man glaubte, die Arbeiter so recht zu den lammfrommen und hypergenügsamen Mustermenschen aufpäppeln zu könne», deren die kooselvative Sache, wenn sie sich«och enthalten will, so dringend bedarf. Aber die Stöcker und Genossen irrte« sich in der Zeit. Sie glaubten die Arbeiter für sich heranzuziehen, indem sie die Verfol- guog de« Judenthums zur Parole ihrer Agitation erhoben, und sie kannten die moderne Arbeiterwelt schlecht genug, um nicht zu ahnen, daß sich alle selbstfiändigen, denkende« und vorgeschrittenen Arbeiter von diesem Pronunziamento der Unduldsamkeit nicht nur stolz abwenden, sondern sich auch energisch gegen dasselbe kehren würde». Von ihrem be- schräukten GesichtSkreii aus hatten sie geglaubt, die tiefen Gedanke« von Hum«ni-ät und Duldsamkeit, die unsere beste» und edelste» Geister seit Jahrhunderte« gelehrt, seien nicht in die Masse« edrunge», sie seien nur ein gelegentliche« Spielzeug der errfchenden Klaffen gewesen. Man wird nun einsehen, ehr man sich in diesen Dinge» getäuscht hat. Herr Stöcker wird»atüclich nicht verfehlen, zu sagen, daß diese schnöde Welt für seine staatsmännische» Idee« nicht da» genügende Verständniß gehabt habe. Seinem Vor« gänger, dem braoen Pastor Knaack, hat die schnöde Welt denselben Schabernack gespielt. Wir stehen eben dicht vor dem zwanzigsten Jahrhundert unserer Zettrechnung. Er klagt nicht mehr!!! Und wir klagen darum auch nicht. Politische Urberstcht. A«r parlamentarischen Lage. E» steht jetzt fest, daß die Regierung noch in der laufenden Sesfion deS Reichstags E» lag in Hennings' Benehmen eine gewisse beleidigende Vornehmheit, die ihm nur in außerordentlichen Fällen und Justus gegenüber sonst nie zu Gebote stand. Der Trödler fühlte dies sofort, zog daraus seinen Schluß und begann, ohne sein Benehmen im Mindesten zu verändern, folgendermaße«: „Lieber Herr Henning»! Wir Beide wissen, was vor langen Jahre» zwischen uns vorgegangen. Wir sind ein. ander wie Christen beigesprunge», und ich bin dadurch in de« Stand gesetzt worden, mich zu einiger Wohlhabenheit zu bringen." .Sie habe« mir aber das Lebe» gerettet, Schätzlei», ich vergess' e« nie!' fuhr in einer edle« Aufwallung Hennings dazwischen. „Na ja, e» ist ja gut!— Wir sind so zu sagen ein. ander gegenseitig zu Dank verpflichtet und ich gewiß Ihnen am meisten I Da« aber abgerechnet, sind wir seit 1838, «o ich Ihne« da« geliehene Kapital mit Zinsen zurück. stellte, gegenseitig quitt!" .Gut, also, quitt!— Nun?"— .Wen» Einer dem Andern also waS ExtraeS zu Liebe thäte, finge cine neue Rechnung an I— Da«, sehen Sie, will ich nicht, will Niemandem verpflichtet sein und anch Niemand soll wegen mir Ueberlast haben!"— „So so,— nur zu!" .»m allerwenigsten aber, Herr Henning», will ich Anlaß werden, daß mir Alles, was Sie zu meinem Glücke thaten, ein Fluch werde, oder Ihnen gar leid thäte. Also'rau« mit der Sprache, dann wissen wir doch, wie wir mit einander stehen!"— „Also'rau« damit! Ich höre,"— „Hoffentlich auch mit dem Herzen, und nehmen'« auf, wie'» gemeint ist?" .Gewiß, Justus! Ich denke, wir kennen uns doch!" „Nun, ich habe Ihne««ine Nachricht zu bringe», die mir, glaube« Sie, noch unangenehmer ist, als Ihne«.— Ihr Herr Sohn, der Studiosus, und meine Mathilde haben ei« LiebeSverhältniß I Gestern Abend kam ich da« hinter!"— Hätte Herrn Hennings eine Natter gestochen, er wäre eine neueBranntweinsteuervorlage einbringen wird. Der Reichstag wird fich etwa am 12. April vertagen, um nach Ostern wieder seine Geschäfte aufzunehmen. Ob die dritte Be» rathung und somit die endgiltige Entscheidung über daS So- ziali st engesetz schon vor Ostern getroffen wird, ist nun« mehr auch fraglich geworden. Zeit genug wäre allerdings big dahin vorhanden, aber— Herr Windthorst wird fich erst die neue Branntweinsteueroorlage genauer ansehen wollen, um bis dahin freie Hand zu behalten. Möglich ist es aber auch, daß die Regierung eS nicht ungern steht, daß zwischen der zweiten und dritten Berathung deS Sozialistengesetzes die Osterferien fallen. Da giebt es noch Gelegenheit, die Schwankenden fest zu machen, da läßt man die lokalen Einflüsse noch spielen, da kommen Landraths und KommerzienrathS mit der Familie deS liberalen KreiSrichters oder mtt dem kleritalen Junggesellen zusammen, da wild die Größe Bismarcks besprochen und der renitente ReichSbote unter Androhung der gesellschaftlichen Ungnade be- schworen, dem Fürsten Reichskanzler doch noch einmal den Willen zu thun und gegen die bösen, ungläubigen Sozialisten zu Felde zu ziehen. Wir zweifeln zwar auch so nicht an der Verlängerung deS Sozialistengesetzes, aber die Regierung wird denken: Doppelt genäht hält besser! Auch der Unmuth über das Branntweinmonopol ist bis dahin im Volle etwas ver- raucht und so wird dasselbe nach den Osterferien viel kühler der projektirten Branntweinkonsumsteuer entgegensehen, wie jetzt. Und sollte dann doch das Sozialistengesetz in der dritten Lesung abgelehnt werden, woran wir, wie gesagt, nicht glauben, so würden die Neuwahlen nicht unter dem frischen Eindruck deS abgelehnten Branntweinmonopol», sondern unter dem der neuen Branntweinkonsumsteuervorlage stattfinden. So vereinigen fich die Interessen der Regierung mit denen des Zentrums, so daß es wohl möglich ist, daß neben der neuen Branntweinsteuervorlage auch noch die dritte Lesung de« Sozialistengesetzes erst nach Ostern erfolgt. � Ueber die neue Branntweinstenervorlage wird offiziös dem„Hamb. Korresp." geschrieben:„ES wäre ver. früht, schon jetzt auf eine allgemeine und zum Theil unbe. stimmte Grundlage hin in eine Kritik deS Planes eintreten oder die AuSficht desselben auf Verwirklichung erörtern zi« wollen. So viel ist aber immerhin sicher, daß derselbe nicht wie das Monopol, aus prinzipiellen Gründen» limine zurückgewiesen werden kann, sondern zurEinzelberathung der sämmr- lichen an die Besteuerung des Spirrius fich knüpfenden Fragen nothwendig führen muß. Daß die Regierung dabei Gelegen- heit finden wird, die Vorzüge, welche ver»ronopolentwurf in ihren Augen hat, in das gehörige Licht zu stellen, ist klar und mag angeficht« der AusstchtSlofigkeit einer Detailberaihung unmöglich mehr erschrocken. Sei« Gesicht ward lang und starr, dann puterroth. Seine Lippen kniffen sich zusammen. um die Verwünschungen zu ersticken, welche ihm auf der Zunge saßen.— Mit große» Schritte» maß er das Zimmer. .Höre« Sie mich ruhig an, Herr Hennings, und ich denke, wir werden mit einander zufrieden sein I Ich habe Sie nur um eine Kleinigkeit zu fragen, da« Uebrige ist bald gesagt.— Sie werde« Ihre« einzigen Sohn der Tochter eine« Trödler« doch nicht geben, eines Lumpenhändlers, der im Keller gewohnt hat und, haha, mtt alte» Sachen handelt' Was?— Graderau»!" „Nun den», zum Sakerment, graderau«! Nie! Nie. mal«!"— Justus athmete tief auf und ward blaß. Aber geschickt verbarg er das Zittern feines Herzens wie seiner Slimme in einem kurzen Gelächter. „Hoho, wüßt' ich'» doch! Sehen Sie, ebenso geht eS mir mit Edmund!— Ihre Person in Ehren, aber— ich gebe meine Tochter keinem leichtsinnigen Sausewind, dessen Motto nur ist:„Mein Lebenslust ist Lieb' und Lust und lauter Wind, juchhei."— Mein Schwiegersohn muß ein respektabler Mann von solidem Charakter sein der arbeiten kann und mein Kind glücklich macht. Ich gebe meine Mathilde Ihrem Sohne nicht,— niemals!"— .Herr l!" brüllt« Henning«,.und da« wage« Sie mir, dem Vater, zu sagen, Sie, der—!" der Alte stockte.— „Der war'S, Herr Hennings? I Der doch wohl ein red- licher Man», obscho» nur ein Trödler ist I— Meine Tochter paßt Ihnen nicht, Ihr Herr Sohn mir nicht, ich denke, vir sind wieder quttt, wie?"— Hennings schwieg und ging langsam einige Male auf und nieder. Endlich wandte er sich. „Ja. lieber Schäülein, wir sind— quitt!— Im Guten wie im Bösen, und so brauchen wir nur diese Liebelei zu lösen, als Männer von Ehre zu lösen, dann sind wir ja die alte» Freunde."— „Es ist möglich, daß Ihr Herz in diesem Augenblicke anders denkt, als Ihr Mund spncht, ich aber mein' es auf- dieses Entwurfs mit dazu beigetragen haben, ihren neuesten Entschluß zur Reife zu dringen."— Wir find auch der An« ficht, daß die Regierung damach trachtet, die ganze Brannt- wrinsteuerfrage eingehend dtkkutiren zu lassen, um schließlich einen möglichst großen Vorthetl für den WSkuS herauszuschlagen. Bestätigt wird aber auch hier, daß die ReichStagSsesfion fich noch bw gegen Pfingsten dahin schleppen wird. Der Retchtfinanzverwaltang liest die„Pos. Ztg." in fol- gendem ganz nachdrücklich den Text. DaS Blatt richtet fich gegen die Zuckersteucroorlagc und ihr wohlverdientes Schicksal und fährt dann fort:„Aber die Verantwortung für den gänz« lichen Ruin der Zuckersteuer trifft doch die Reichsfinanzverwal« tung. Hätte fie ihre Schuldigkeit seit Jahren gethan, so wür« den die Unteiströmunzen im Reichstage nicht zur Geltung ge« langt sein. Unsere Fir.anzverwaltung sucht fortwährend nach neuen Steuern und läßt die alten immer mehr in Verfall ge- rathen. Eine unglücklichere Ftnanzwirthschaft wie diejenige deS Reichs und Preußen? in den letzten Jahren können wir uns kaum denken. DaS Resultat derselben ist denn auch eine wohl« verdiente Reihe von Niederlagen in großen Fragen, wie fie noch selten die Finanzverwaltung eineS großen Staatswesens so kurz hintereinander erlitten hat. Wir brauchen hier nur an die Verwerfung deS Tabaks-Monopols, an die Ablehnung der versuchten Reforn der direkteri Steuern in Preußen, an die Verwerfung der Biersteuerverdoppelung, des Branntwein-Mo« nopolS und der jetzigen Zuckersteuervorlage zu erinnern, um darzuthun, wie groß die Reihe der Mißerfolge unserer Finanz- leitung ist. In einem einigermaßen konstitutionellen Staats« wesen würde nur ein kleiner Theil dieser Niederlagen zu einem Wechsel der leitenden Personen geführt haben. Und ein solcher wird auch trotz der bekannten Dauerhaftigkeit unserer Minister unvermeidlich sein, denn aus die Länge kann fich auch bei uns keine Verwaltung am Ruder erhalten, die niemals die geringste Fühlung mit der Volksvertretung zu gewinnen verstanden hat. Wäre nur eine Spur solcher Fühlung vorhanden, so würde Herr v. Scholz nicht, wie seine Offiziösen melden, nach dem Scheitern seines Monopolprojektes und am Ende einer fünf« monatlichen Sesfion, jetzt noch den Versuch machen, ein neues Branntweinsteuergesetz im Reickstage einzubringen. Damit ist «S für diese Sesfion vorbei. So schnell lassen sich die schwer« sten Fehler unserer Finanzpolitik nicht wieder gut machen. DaS dürste auch Herr v. Scholz wiederum erfahren."— Durch die letzte Mahnung läßt fich aber weder Fürst Bismarck noch Finanzmtnister o. Scholz, wie wie auS den letzten offiziösen Nachrichten erfahren, irgendwie abschrecken. DaS Branntwein« steuergesetz wird noch in dieser Sesfion eingebracht werden,— hoffen wir auf eine emeute Niederlage der ReichSfinanzver« waltung. Seiner Unzufriedenheit mit dem gegenwärtige« Reichstage hat Für st Bismarck in einem Schreiben an den Grafen Pfeil zu Halle Ausdruck gegeben. Dai Schreiben lautet:„Berlin, 18. März 1836. Euer Hochgeboren und Ihren Auftraggedern danke ich verbindlichst für die Be« grüßung durch das Telegramm vom 16. d.MtS. und die darin ausgedrückte Zustimmung zu unserer Kolonialpolitik. Bei der Zurückhaltung, mit welcher die Mehrheit des Reichs« tages unseren kolonialen Bestrebungen bisher gegenübersteht, vermag ich dem deutschen UnternehmungSgeiste in anderen Welttheilen nicht daS Maß von Unterstützung zuzuwenden, welche? dem nationalen Interesse entsprechen würde. v. Bismarck."— Seitdem Fürst Bismarck mit dem Reichstage unzufrieden ist, find wir mit demselben etwaS zufriedener. Auch daS Voll scheint mit demselben zufrieden zu sein, sonst würde eS denselben nicht gewählt haben. Außerdem kann der Kanzler ja den Reichstag auflösen, um fich einen besseren wählen zu lassen— aber das Volk? Die Zufriedenheit deS Volkes muß für den Reichstag doch unendlich wichtiger sein, als die Zufriedenheit dei Reichskanzler«. Der Reichstag soll doch die Vertretung deS Volke« sein. Der Kanzler ist allerdings sehr verwöhnt worden, da die Konservativen und Nationalliberalen fich eben nicht alS Vertreter deS Volkes, sondern lediglich alS Vertreter deS KanzlerwillenS bis jetzt ge« zeigt haben. Unsere KolonijationSbestrebungen in Afrika scheinen vollständig am Fieber zu scheitern. Der Gesundheitszustand des Gouverneurs von Kamerun, deS Herrn von Soden, ist ein recht schlechter; derselbe leidet unausgesetzt am F i e b e r. Wenn das aber schon am grünen Holz geschieht, wie soll's am dürren weiden?— Ein Gouverneur oder sonst ein höherer Beamter kann fich immerhin pflegen in dem schlechten Klima, während ein Arbeiter noch neben dem ungesunden Klima An« strengungen und Entbehrungen erdulden muß, denen er dann bald schon zum Opfer fällt. Möge man doch endlich von dem überseeischen„Kolonialsckwtndel" ablassen und vor der eigenen Thüre mit dem Kolonialbesen ordentlich kehren. Reptiliengeztsch. Die den Arbeitercxzeffen in London und Manchester und den Gewaltthätigkeiten der Bergleute von Decazeville auf dem Fuße nachfolgenden Arbeitenevolten in Lültich. über welche berichtet wurde, geben den offiziösen„Ber» liner Pol. Nachrichten" Veranlassung zu einem Artikel, der in energischer Weise für die Verlängerung deS So« richtig.— Wir mögen übrigen« gegenseitig von«inander halten, was wir wolle«, in einem Gefühl sivd wir gewiß einig, wir liebe» Beide unsere Kinder und wolle« sie glück« lich sehen, Papa Hennings. Daß die Sache so gekommen ist, daran sind wir Beide nicht schuld, und daß da« Ver» hältniß nicht mit Skandal gelöst wird, dafür bürgt mir Ihr gefühlvolles Herz, Ihr Halten auf Farbe und Ihr alte» Wohlwolle«! Die Kinder sind mit einander auf« gewachsen wie Bruder und Schwester, wir haben uns nichts Arges dabei gedacht, und so ist eS denn so weit ge» kommen. Es ist eben eine Zugendliebe, wie sie Zeder ein« mal gehabt hat.— Gebe» wir ihr aber mehr Bedeutung, Herr Hennings, dann kann'« zu unserm beiderseitige« Elend gereichen, verstehen Sie wohl?!— E» ist hier also nur die Rede davon, wie löse» wir die Sache geschickt, ohne Skandal und große Seufzerei? E« giebt nur drei Mittel. Entweder ich ziehe aus, oder ich schicke meine Tochter weg, oder Sie Ihren Sohn."— Hennings sah ihn starr an, eine eigenthümliche Be« wegung kam über ihn.— „Wenn ich ausziehe« würde aus dem gutm alten„kalten Stein", Herr Hennings, es bräche mir das Herz, und mein mühsam emporgebrachte« Gewerbe ging wieder de» Krebsgang. Da« werden Sie gewiß richt wollen! Kann ich's denn überdem verhindern, wenn Edmund Mathilde» doch sieht?"- „Nein, lieber Schätzlein, das könne» Sie nicht. Zch will auch nicht, daß Sie ausziehen, das dürfen Sie auf keinen Fall!"— „Meine Tochter fortschicken, zu Verwandte» etwa, kann ich nicht! Warum? Ich habe keine, will auch keine!— Ach, das Mädel ist unsere einzige Freude, und deshalb möchte ich Sie bitte«, daß Sie de« Musje Edmund irgend wohin, in eine andere Stadt, oder ein autwärtiges Gericht schicken, Sie haben ja gewiß überall viel Bekanntschaft. Etwaigen Briefwechsel könnte man verhüten, und wenn erst Ihr Soh» in andere Luft, unter andere Gesellschaft kommt, hübsche, reiche, wohlgeschniegelte und parfumirte FrauenS« ieute sieht, passen Sie'mal auf, in einem Zahre hat er die zialistengesetzeS Stimmung macht. Der Aifikel be« ginnt:„Die Lütticher Arbeiter.Unruhen, an deren hochernstem Charakter ein Zweifel nicht obwalten kann, fügen ein weiteres Glied zu der Kette krankhafter Erscheinungen, welche fich in den westlichen Industriestaaten Europas seit kurzem recht be« denkltch häufen. So unerfieultch es sein wag, daß die in England und Frankreich thätigen Mächte nun auch schon nach Belgien hinüber, üngcln, von wo der Weg bis zur deutschen Grenze nicht mehr allzu weit ist, so kann dock, dei näherer Ueberlegung, das Frltum selbst über« raschen." Nachdem daS offiziöse Organ alSdann die Ursachen näher beleuchtet hat, welche gerade Belgien zu dem gefähr« lichsten und fruchtbarsten Boden für sozialistische Ausschreitungen machen, schließt es seine Auslassungen mit folgenden in ihrem Zielpunkte nicht mißzudeutenden Worten:„Es wird der unverdroffinen fozial-resormatoiischen Arbeit langer Jahre und mittlerweile der Anwendung strenger Repressiv« maßregeln bedürfen, um die UnteilaffungSsünden d«S Manchesterthums einigermaßen weit zu machen. DaS deutsche Volk aber dürfte in seiner weit übeiwiegendcn Mehrheit um so weniger Neigung verspüren, auf die Wohlthaten des Sozialistengesetzes zu verzichten, je mehr vom Aus« lande her fich die Beweise für den schlimmen Gährungsstoff häufen, den schrankenlose sozialrevolutionäre Agitationen in Arbeiterkreisen zu erzeugen vermögen."— Das offiziöse Organ kann fich bcrubwn— daS Sozialistengesetz wird auch ohne sein Gezisch verlängert werden. Aber auch diese Verlängerung dürfe den Wunsch verschiedener Elemente in Deutschland nicht in Erfüllung gehen lassen, daß die deutschen Arbeiter fich auf die Wege zahlreicher romanischer Arbeiter drängen lassen. Die deutschen Arbeiter werden trotz aller Wünsche und Provoka- tionen, daS möge fich da« offiziöse Blatt hinter die Ohren schreiben, den Säbel nicht zum Hauen und die Flinte nicht zum Schießen kommen lassen. Die Gerichtsverhandlung über die Frankfurter Fried« hofSaffäre scheint der„Kreuz Zeitung" Gelegenheit zu allerlei „eigenartigen" Betrachtungen zu bieten. Sie beweist dann sogleich ihre individuelle Eigenart, durch Mißdeutung eine? Satzes au» der Rede deS Abg. Frohme vom 18. Februar zu dem Schlüsse zu gelangen:„daß ohne da» energische Ein« schreiten deS Kommissar« Miher die sozialdemokratische Menge Zeit zum Sammeln, d. h. zum offenen Widerstand gefunden hätte." Danach hätten fick also die wegen vorsätzlicher Körper« Verletzung bestraften Beamten, denen der Gerichtshof auch nicht einmal mildernde Umstände zuzubilligen vermochte, eigentlich um die Erhaltung deS öffentlichen Frieden« verdient gemacht, und die Säbelhiebe wären eine Art von Wohlthat gewesen. Man könnte dergleichen für Scherze halten, aber der„Kreuz- Ztg." ist es hoher Ernst damit, wie fie durch nachstehende Satze beweist:„Wer die Entstehungsgeschichte revolutionärer Putsche kennt, weiß, daß fie stets nur dadurch zum blutigen Ausbruch gekommen find, daß eS den Behörden an der nöthigen Energie gefehlt hat, sofort die ersten Regungen auch auf die Gefahr hin, den Vorwurf scheinbar ungerechtfertigter Härte auf fich zu laden, zu unterdrücken. Man wird fich nach dem AuSgang deS Prozesses kaum wundern dürfen, wenn bei spä« teren Gelegenheiten der Muth der Verantwortlichkeit bei un« seren Polizeideamten durch des Gedankens Blässe fich ange- zränkelt zeigt, während die Sozialdemokratie mit dem Gefühl größerer Sicherheit ihre Demonstrationen in Szene setzen wird." — Hierzu bemerkt die„Franks. Ztg.": Also auf einen revo- lutionären Putsch hatte eS das Letchengefolge Hiller'S abae- sehen, und Herr M-yer und die Schutzleute wandern ins Ge« fängniß, weil fie den„Muth der Verantwortlichkeit" gehabt haben, Frankfurt durch Säbelattaken auf eine friedliche Menge vor einem blutigen Zusammenstoß zwischen Polizei und Be« völkerung zu— retten. Dieser„Eigenart" der Auffassung wird man lächelnd nicht nur die Herrn Meyer und Genoffen versagten mildernden Umstände, sondern auch die Wohlthat de» Art. 51 deS Strafgesetzes(Ausschließung der Strafbarkeit durch den Zustand der Bewußtlofigkeit oder durch krankhafte Störung der GeisteSthätigkeit) gerne gewähren. Der„verttner Börsen-Konrter" gesteht jetzt zu, daß sein Reporter von dem Herabreißen der Schutzleute von den Pferden nichts gesehen habe.„Mehrere Personen haben aber später erklätt, das Heradzerren der Schutzleute gesehen zu haben, während ein Schutzmann, der mit in die Affaire eingegriffen, nur einräumte, eS fei der Versuch dazu gemacht worden." Also der betheiligte Schutzmann räumt höchstens den Versuch ein und nur der Repoiter ist e«, der die Betheiligten dann voll« endS auS dem Sattel wirft. Für diese Heldenthat wird ihm a der klingende Lohn nicht gefehlt haben. Daß der„Börsen« ourier" fich aber nicht schämt, in solcher Weise seine Darstellung zu vertheidigen, charafterifirt diese Art von Presse! Au« Bayer« wird uns geschrieben: Die Bayerische Handelsbank, eines der bedeutendsten süddeutschen Geld« instttute, thellt in ihrem Geschäftsbericht über das Jahr 1885 u. A. mit, daß daS Münchener Lagerhauigeschäft„über eine ungünstige Konjunktur zu klagen habe, indem fich der Ge- treidezoll.... immer empfindlicher geltend mache." WaS Thilde vergessen! Wir aber werde« schon mit unserm Kinde fertig werden!' Bei der Zumuthung, seinen Sohn sortzusende«, schrak Henning« zusammen. So wenig er sich sonst übermäßig um seinen Spiößling bekümmert hatte, erregte ihm dieser Gedanke doch einen plötzliche», eigenthümlichen Schauder. Er schüttelte denselben aber bald ab und hörte Justus' Argumente ruhig zu Ende. Dan« stand er vom Sopha auf, in das er sich vorher geworfen, trat zu Schätzlein und legte seine Hand auf dessen Schulter. „Mein lieber alter Freund," und er schüttelte seine Hand,„Sie haben mir viel Ueble« und— und Beleidigendes gesagt, aber ich e kenne aus'« Neue, wa« Sie für ein grundrechtschaffener Kerl sind. Was Sie mir da vor- schlagen, daß Edmund weggehen soll, ist wohl da« Beste; mein Hirn ist nur heute so krau», daß ich nicht Za, nicht Nein sagen kann. Morgen, wo er um zehn Uhr im Examen ist,— er macht de« AuSkultator— reden wir weiter.— Aber, Justus, wen« er nun»ach zwei, drei Jahre« wieder- kommt und fie liebe« sich noch? Wa« dann?!"— „Warten Sie's doch ab?— Ich sage Ihnen, er hat fie vergessen, oder ich müßte mich da« erste Mal in einem Charakter getäuscht haben!"— „Sie denke» überaus gering von meinem Sohne!" „Ich denke nicht gut, nicht schlimm von ihm. Herr Edmund hat ei« gute» Herz, treffliche Fähigkeiten, er kann und wird, hoff' ich zu Gott,«in gar tüchtiger, ein höchst vornehmer, ein— Man« im Staate werden!— Darum eben wird er mein Kind, vergessen! Er wird, sag' ich;— Bis dahin kann ja meine Mathilde auch verheirathet fein I Dann ist fie zwanzig Jahre, na, und hat doch der Teufel fein Spiel, und das können wir bald genug erfahren, — so nehme ich mein Kind, packe auf— und der„kalte Stein" wird den alte» Trödler für immer los.— Zst schon gut, Herr Henning», lassen Sie nur! Ich sag' Ihne», ich werd' die Sache mit des Himmels Güte schon abwickeln. Nur Stillschweigen und Schonung, darum bitte ich!"—— Dieser Unterredung gemäß thaten beide Väter, al« de- merkten sie das V-rhältniß der jungen Leute nicht, aber tbut e» aber, wenn auch daS für Deutschland nothwendige, billige Getreidekorn des Auslandes durch chincstsche Schutzzoll« mauern unS ferngehalten wild, wenn nur die notdleidendm Herren Großgrunvdesttzer einen tüchtigen Profit dabei machen. Es geht ihnen ja trotz alledem, trotz Vieh-, Holz«, Kornzöllen so gottsjämmerlich schlecht, daß die Regierung ihnen mit dem Fuselmonopol beispringen wollte. DaS scheint ja vorläufig ver« eitest. Vielleicht geht das Staats-EchnapSrektifikationi- und Verschleiß Projeft das nächste Mal um so glänzender durch. Die Nationallideralen de« Reichstags müssen fich ja bereits von ihren eigenen Parteigenoffen, von dem Führer der „schäußlichen Völlerschaften" des EüdenS, von dem Ober- renommisten und Reichstagsdurchfallkandidaten in perpetvmn, dem Herrn von Echauß in der Münchener„Süddeutschen Presse" wegen ihrer unerhötten antikanzlerischen Bockdeinigkeit abkanzeln lassen. Abkanzeln wie Schulbuben, die ihre Lektion nicht gut haben aufsagen können. Der arme Dr. Buhl wird von dem Edlen auS dem Geschlecht der Sckäuße der Mangel- haften Information,»uf deutsch ver Unwissenheit beschuldlgt. Nun ist es ja nicht zu leugnen, daß Herr von Schauß an den Folgen seines chronischen Wahldurchfalls schwer zu leiden hat, er leidet an zurückgetretenem ReickStagsmandat, einem Uebel, das dei diesem Herrn aller VorauSficht nach unheilbar sein dürfte. Eo wenig ernst der korpsstudenttsche Blagueur zu nehmen ist, der auf der Tribüne der bayerischen Kammer schon so manchen Heiterkeitscrfolg zu verzeichnen hat, so ist doch das ganze Vor- gehen der bayerischen Heidelberger charakteitstisch für die in der liberalen Bourgeoifie henschende stürmische Neigung, vollständig im BiSmarcktullus aufzugehen. Der desttzende Kern der Nation, wie Herr von Puttkamer bei der Eoztalistendebatte so schön gesagt hat, weiß aber auch ganz genau, warum er dies eaerißeio dei intelletto so bereitwillig darbringt. Jphigienie hat fich nicht so eifrig zum Opfertod bereit erklärt, als der„besitzende Kern" zur Drangabe seiner politischen Selbstständig- kett.— Aus dem bereits erwähnten Bericht der Vereinsbank entnehmen wir auch, daß der Auffichtsrath(bekanntlich sind Auffichtiräthe die reinen, Tag und Nackt zur Plackerei verur« theilten KuliS) eine Tantieme von 10 pCt. 78605 M- 70 Pf., und ferner die Direktion als vertragsmäßigen Gewinn- antheil 44 302 M. 89 Pf.«hielt, ein„EntbehrungS"lohn. vor dem man alle Achtung haben kann.— Die Diskonto- Gesellschaft hat eine Steigerung deS Nettogewinns um V- Million zu verzeichnen, so daß 11 pCt. Dividende zur V-r« theilung gelangen konnten. O diese armen Aktionäre!— In gleichem Vnhaltniß mit dem Wachsen der Dividenden und sonstigem Unternehmcrgewinn finlen überall die Arbeitslöhne. Wie Sie bereits gemeldet, haben die Arbeiter der BernaiS'schen Schuhfabrik in Fürth dt« Arbeit wegen Lohnheradsetzungen, die zum Theil biS zu 40 pCt. betrugen, und wegen unerhörter Ausdehnung der Nachtarbeit einen Streik inszeniit. In einer am 15. März abgehaltenen großen Volksversammlung seien die Mißstände in der Bernais'ichen Musteranstalt einer scharfen, gerechte» Kritik unterzogen worden. Zwei Vorarbeitern wurde vorge« worfen, daß ste gegen Arbeiterinnm stch unsittlicher Handlungen schuldig gemacht hatten; der betreffende Redner machte den überwachenden Polizeibeamten ausdrücklich auf diesen Umstand aufmerksam. Hoffentlich findet stch die Staatsanwaltschaft oer« anlaßt, einzuschreiten, um Licht in dieses— Halbdunkel zu bringen.— Die Sozialdemokraten deS jetzt durch Stauffenberg ver« tretenen WabllreiseS Erlangen- Fürth> Hersbruck beginne« bereits jetzt mit einer umfassenden Agitation. So sprach am 14. März Dr. Bruno Schoenlank in Bruck, einem In- dustrieort bei Erlangen, vor einer äußerst stark besuchten Ver- sammlung über„die Arbeiter und der Reichstag". Nächsten« findet eine VollSversammlung, die erste seit 8 Jahren, in dem Sitz de» nationalliberalen Oderpriesters Prof. Dr. Marquardsen, in Erlangen statt, in welcher gleichfalls Schoenlank da« Referat haben wird. Die Arbeiterpartei hofft das nächste Mal in die Stichwahl zu kommen.— Die Schreiner in der Steingräb-r- schen Pianofortefabrik zu Bayreuth streiken noch immer- Hoffentlich nimmt diese erste Arbeitseinstellung der Bayreuther Arbeiter einen guten Ausgang, hoffentlich ist fie eine gu>< Ouvertüre zu einer noch besseren ZukunftSmufik über ras Thema: Verbesserung der Lage der Arbeiter.— Die Bau- Handwerker in Nürnberg haben Ausficht, mit ihre« 1386« Programm:„1. Einführung eines zehnstündigen»E beitstages; 2. Regelung des LehrlingswesenS; 3. Kampf die Schmutzkonkurrenz der böhmischen Arbeiter; 4. Ausfalul! der Frauenarbett auf Bauten; 5. Einführung eines Gesellen- auSschusseS in den Meisterrath dei Berathung von Lohn, Ar beitszeit und Lehrlingswesen," Erfolge zu erzielen. Die Bau tust ist nämlich in Nürnberg selten so rege gewesen, wie gerade in diesem Jahre- ein Blick in das Amtsblatt unS, wie jede Woche die Zahl der eingereichten und bewiM. tm Baugesuche mit geradezu lawinenhaster Geschwindiglt' wächst. Wenn die Nürnberger Bauhandwerker stch den vereinen ihr« Branchen massenhaft anschließen, und es" Ausficht dazu vorhanden, so können ste auf ein günstiges llu sultat ihreS Lohnkampfes rechnen. nur um fie desto gewisser auSeinand« zu bringen. war beschlossene Sache zwischen Henning« und Schätzik'- daß Edmund B.... verlassen sollte, sobald sich eine sck'? liche Gelegenheit finde» würde. Dieselbe fand sich nachdem Edmund glücklich da« Auskultatorexamen hs"- sich hatte. Hennings theilte nämlich insgeheim se"£ Freunde, dem Kammergerichtsrath Korell, mit: es sei> Wunsch, daß Edmund bi» zum Assessorexamen an eine Provinzialgericht beschäfttgt werde, um ihm eine uspafft' Liaison au« dem Hirn zu bringe«. So ward Herrn kultator Edmund Henning« durch Ministerialreskript ««chdrückliche Wunsch ausgesprochen, welcher in diesem o.. einem Befehl gleich galt, sich nach dem Ob«landeSger � zu S... zu verfügen, der Hauptstadt ein« vördUck Provinz, berühmt wegen feines Hafens, feines mäch"*- Handels und der reichen Kaufmannschaft. i,# Wie ei« Donnerschlag traf diese Nachricht die Lieben, und zertrümmerte alle ihre seligen Pläne, die kurze Wo.� zeit d« erste», heiße«, Alles verzehrenden Liebe.„ glich einem Schatten, wie ein Schlaftrunken« stante muud vor sich hin und schien de» Gedanke« d« �re« «rst?ar nicht fassen zu können. Christine war außer fich, doch wagte sie nicht, wi v � Klage der Tochter Her, noch mehr zu beschwere», � den Unwillen ihre» Manne« zu wecken, kannte sie voch i unverrückbare»vsicht. � et Selbst Hennings senior war es weh um S � wußte nicht warum I— Konnte ihm doch nicht« er®. U** fein, als die endliche Lösung dies« ihm höchst l HerzenSaffaire feines Sohne«. Derselbe blieb I*'. ,u« Jahre fort, konnte sogar die GnichtSfenen day bringe», was wollte denn also der Alte? vane„ich* jemals so für seinen Sohn interesstrt,®arf va& stet» seinen allen Gewohnheiten m>d Gesellschas, � gegangen, ohne sich um Edmund'« Lebenslauf» kümmern, außer wo er Schulde« für ihn zu bezay �< ge- wa« ihm manchmal eben so kostspielig wie verd � Der Einzige, welcher, kalt wie Ei«, �it Sc Heuren Gleichgiltizkeit dreinschaute, war Sch§ Belgie«. Wenn die offenbar ütenriedenm fich vielfai wider sprechenden Nachrichten über die Tumulte irgend etwa» klar stellen, so ist cS nur die Unwissenheit und Gehäsfigkeit unserer Organe der öffentlichen Meinung, vom Reporter und Zeilen« schrciber an bi» herauf zu den offiziösen TelegraphmdureauS. Gestern waren eS noch Sozialisten, welche Steine warfen und Läden und Cafss plünderten und demoliiten, heute find e» Anarchisten,— qU ob daS alle» ein» wäre! Auch der Sozialdemokrat W a g e n e r aus Herstal hat fich über Nacht in einen Anarchistenapostel verwandelt. In der That, trüber können die Quellen nicht sein, auS denen unsere gefinnungS« tüchtige Preff« schöpft. Hören wir nun, waS ein Korrespondent der„Voff. Ztg." schreibt:„Für den ganzen angerichteten Schaden hat gesetzlich die Stadt aufzukommen- bis jetzt find 60 000 Franks zum Schadenersatz angemeldet. Die Banden(!) haben aber nicht nur die Schaufenster eingeschlagen, sondern auch aller Orten tüchtig gestohlen; so dem Juwelier Drion für 8000 Franks Schmucksachen, einem anderen Juwelier für 1500 Franks Uhren; dem Schirmfabrikanten Leruite wurden sämmtliche 40 im Schaufenster befindlichen Schirme entwendet; Bäcker- und Kaufmannslädm in der Rue du Pont wurden geplündert und die Waaren auf die Straße geworfen. In der Taverne Royale find 43 kostbar geschliffene Scheiben zer- trümmert worden I"— Seltsam erscheint uns, daß hier immer nur von Juwelen-, Schmucksachen« und Schirmdiedstählen die Rede ist, daß aber Brod und Nahrungsmittel auf die Straße geworfen wurden! Hungrige„Arbeiter" würden doch mit diesen etwas befferei angefangen haben! DaS weitere mag richtig sein:„Die lange industrielle KrifiS, besonders! in der Metall« und Kohlen- Industrie, hat tausende von Ar- beitern unbeschäftigt gemacht, die mit ihren starken Familien hungern, und selbst die Beschäftigten erhalten, da die Arbeits« whne fortdauernd heruntergesetzt werden, meist wahre Hunger- löhne.... Da zahlreiche Kohlenwerke wieder die Löhne her- absetzen, auch einen Thcil der Arbeiter entlaffen, so stellen die aufgestachelten Arbeiter die Arbeit ein. Die Verhältniffe find ernst. ES ist sehr zu beklagen, daß die großen öffentlichm Arbeiten, deren Ausführung die Regierung versprochen, nicht ausgeführt werden; als Grund giebt ste die schlichte Finanzlage an. Jedenfalls haben die Lütticher Vorgänge dem Lande die Augen über die traurigen Arbeiterverhältniffe geöffnet, nicht minder über da» gewissenlose Treiben der anarchistischm Führer. Die Gährung ist unverkennbar groß. In einem sol« chen Moment wied das neue Militärgesetz publizitt, daS der Senator Graun treffend charakterifirt:„I n Belgien herrschen die Reichen, die Armen habeneSzu v e r t h e i d i g e n."— Etwas märchenhaft klingt auch die Nachricht der„Köln. Ztg.":„ES wurde ein Zug der Eisen« bahn Jcmappes-Lüttich am Sonnabend Abend vei Seraing durch Arbeiter angegriffen. Die Fenster deS Wagens erster Klasse wurden mit Steinen eingeworfen, dann fielen Schüsse auf dm Wagen. Die Angegriffenen s ch o s s e n e b e n f a l l s in die Menge. Niemand wurde ver- letzt." Ueber letzteres freuen wir un», nur die Schüsse scheinen unS ziemlich zweifelhafter Natur. Seit wann fährt man denn in der Eisenbahn mit Revolvern und Flinten?! Trotz alle- dem mag ja die Lagt sehr ernst sein. Daß der Kriegsminister nach Lüttich und Seratng abgereist ist, spricht dafür. Hoffen wir, daß Ausschreitungen von beiden Seiten in den Streikdistrittm unterbleiben. Frankreich. Deutsche chauvinistische Blätter ereifern fich darüber, daß es die französischenKünstler definitiv abgelehnt haben, §h an der im Sommer stattfindenden Berliner akademischen ubiläumifeier ,u betheiligen. Nachdem dieselben Blätter nicht gmug vor der Theilnahme an der Pariser Weltausstellung ge> wamt haben, thäten fie wahrlich besser daran, über das gleiche Verhalten der Franzosen zu schweigen. Die Streitenden in Decazeville finden fast überall die lebhafteste Sympathie. Dem„Cri du veuple" wird unter dem 19. d. M. zwar telegraphirt, daß der Gemeinderath von Lyon den Antra», für die Streikenden von Decazeville einen Kredit von 5000 Franken zu bewilligen, mit 26 gegen 13 Stimmen verworfen hat. In derselben Nummer des sozialistischen Blatte» liest man aber, daß der Gemeinderath von Marseille gestern für die Streikenden 1000 Franken votirte und daß in Decaze« ville der Pariser Gemeinderath gegen den Seinepräfetten bei der Vertheilung der 10000 Franken Recht behält. Statt des Unterstützungsdureaus ist nämlich außer dem Matre eine Delegation der Streikenden damit betraut und es erhalten die Ar- men, derm Noth nicht von der gegenwänigm Arbeitseinstellung herrührt, nicht». G r o b r i t a«« i««. Daß die P-melliten Gladstone jede Verlegenheit ersparen wollen, zeigt fich bei allen Gelegenheiten. So richtete neulich Michael Davitt in Oxford einen warmherzigen Zuruf an snne Landsleute, fich der agrarischen Verbrechen zu enthalten, weil diese der Sache der Home Rule schaden, das englische Vor« urthell wachrufen, und den Charakter des irischen Volkes verzog bei dem bleichen, verweinte» Aussehe» seiner Tochter keine Mien", sprach kein Wort der Tröstung, er war auf Wrn d-. letzten Zeit nicht mehr sicher gefühlt, so hatten sie Beaten« Srube, welche«ach Johann'« Tode HauShälterm Josua« geworden, nicht mehr für ei» rathsame« Asyl gehalten, sonder« in der schwärmerischen Romantik der Zugend den Heiligen-Geistlirchhos vor der Stadt zum Stelldichern er- wählt. Keinen Vertrauten hatte« fie, als Mutter Chnstme, die um so mehr der Schwäche ihres Herzen«-achgab, als sie der Starrheit des Vater« glaubte die Wage halte» zu müssen, und sie von der Sittenstrenge und Reinhett rhre« Kindes überzeugt grnug war.„Man kann Nichtwissen, ob sie nicht doch ei« Paar werden!" raunte ihr die Hoff« »ung zu, die Hoffnung, jene große Tauschen» aller 53 Am" Abend vor der Abreise trafen sich Mathilde und Edmund zum Abschied auf dem Gottesacker. Difsmal Aufregung herbeiführen könnte. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und itbtn. sWMZSNZ schädigen müßten. Er avpellirte an da! irische Volk, den Premier- minister in seinem Bestreben, Irland dm ersehnten Frieden zu geben, nach Kräften zu unterstützen. Davitt will übrigens dem in AuSficht stehenden irischen Parlammt die Kontrole über die Polizei und die Macht zur Auferlegung von Import« zöllen übertragen sehen. Er geht also weiter, als die meisten englischen BefürwoNer deS HomemleplaneS. Mr. Chamberlain hat als Präfidmt deS Lokalregierungs- amis ein Rundschreiben an die Armenväter im ganzen Lande erlaffm, worin er empfiehlt, statt der Arbett deS WergzupfenS und Steinklopfens in dm Armenhäusern die besser lohnende Spaten-Jndustrie einzuführen. Damit erreicht man natürlich weiter nichts, als daß die billige Armenhausarbeit der privaten GewerbSthätigkeit auf einem bisher unbehelligt gebliebenen Gebiet Konkurrenz macht. Amerika. Wir wiesen neulich bereit« auf die beschämende Be« stechungsaffäre hin, welche die Verhaftung des Gemeinde« ratheS Jahne herbeiführte. Das EenatSkomitee, welche« die Angelegenheit untersuchte, und nicht weniger als ISStadträthe al» der Bestechung verdächtig schilderte, sagt in seinem Bericht wörtlich folgendes: Die Wirkungen solchen Unrechtes auf gute Regierung und soziale Ordnung treten immer klarer zu Tage, wenn wir Tag für Tag den Mangel an öffentlicher Moral und den Verfall amtlicher Unbcschottenheit und Ehrenhaftigkeit wahrnehmen. Die Anhäufung enormen Reichthumi auf irgend welche Art, wie strafbar fie auch immer sein mag, ruft nicht mehr aufrichtige Entrüstung hervor oder veranlaßt keine Pro« teste der öffentlichen Meinung mehr. Die größten Uedelthäter werden entschuldigt, weil fie erfolgreich find, die Gerechtigkeit wird feil und da« Gesetz wird umgangen; und so frißt fich der Krebsschaden der Korruption bis zum Marke deS Gemein- wesens ein, bis die Gefahr vorliegt, die Zeit fei nicht mehr ferne, wenn unser Maßstab der amtlichen Ehre und Unbe- scholtenheit Niveau welches_,... W glaubt, daß dasselbe rasch zum Ziele führend, gründlich und zuvcrläsfig sein müsse. Rasche und summarische Justiz soll gegen alle Schuldigen geübt werden und, waS eben so wichtig ist, die Flüchte ihrer Verbrechen sollen ihnen fortgenommen werden. Keine Vergettung wird genügen, keine Strafe wird jemals Abhilfe schaffen oder Männer in der Zu- kunft von der Begehung gleicher Verbrechen abhalten, wenn nicht die ungerecht erworbenen Gerechtsame und Eigenthum in jeder möglichen Wei'e den rechtmäßigen Eigenthllmem zurückgegeben werden. In der raschen Ausführung dieses Planes wird man die einzige angemessene Strafe oder das einzige ab- schreckende Beispiel kür die Habgier unehrlicher Menschen finden." Wenn die große nordamerikanische Republik den Krebsschaden der Feilheit und Käuflichkeit der Beamten aus« rotten könnte, würde fie allerdings ganz anders gedeihen, als beute, wo ihr von gewissenlosen Schmarotzern ihre besten Kräfte entzogen werden. Parlamentarisches. — Der Abgeordnete Heine hatte gestern die Abficht, im Reichstage vor Eintritt in die Tageiordnung eine Erklä- rung gegenüber den Mittheilungen des preußischen Justizminister« in der Sitzung de» Abgeordneten- Hauses vom 21. d. M. abzugeben. Nach einer daraufhin gepflogenen Unterredung mit dem Präfidenten deS Reichstag« nahm der Abg. Heine für gestern von seinem Vorhaben Ad« stand, da der Präfident glaubte, erst nähere Kenntniß von den headfichtigtcn Ausführungen nehmen zu sollen, die schriftlich zu geben der Abgeordnete Heine keinen Anstand nahm. In einer der nächsten Sitzungen wird die Angelegenheit erledigt werden._ Zokales. Ein edler Arbeitgeber. In der Elsafferstraße befindet fich die Filzschuhfabrik von vi. E. E. Der Inhaber dieser Fabrik beschäftigt seit Jahren drei Arbeiter, mit denen er nach Belleben verfährt. Der eine davon ist bei dem Fabrikanten gegen Lohn beschäfttat und macht dafür, wa» der Her- von ihm verlangt. Er ist Zuschneider, Arbeitsmann, Hauidiener und zur Roth— Dimstmädchen. In Folge der vielseitigen Funktionen wird er auch etwas vorgezogen. Die beiden andern arbeiten außer dem Hause; natürlich geht e» diesen auch nicht viel besser, im Gegentheil noch schlechter. Diese beiden Arbeiter erhalten pro Woche 4, sage vier Dutzend Filzpantoffeln a 1,25 M.— 5 M. Dieses ist aber kein Verdienst, wenn nämlich die Auslagen abgerechnet werden, bleiben 4,40 M. Dabei muß die Frau helfen, daS Futter nähen und die Pantoffeln einfaffen. Dem Arbeiter bleiben ganze 2 M. Die« ist die stille Geschäftszeit. In der flotten Geschäftszeit be- kommen fie vielleicht 8—10 Dutzend; daS ist aber da» Höchste, d. h. wenn der Herr Fabrikant nicht verreist ist, waS öfter wie einmal vorkommt. Dann müssen fie eben feiern, oder unfrei- am Mittwoch zur nochmaligen Aufführung zu Vor einigen Tagen wurde „Die Räuber" bringen. Verhungert und erfroren.„„_____ Abend« in einem Straßengraben in Floridsdorf bei Wien von einer Sicherheits« Patrouille ein in Lumpen gekleideter Mann bewußtlos aufgefunden und auf die Wachstube gebracht. Der Bewußtlose, nach einigen bei ihm vorgefundenen Papieren der 42jähnge, arbeitslose Tagelöhner Johann Bloy, war durch den in letzter Zeit ausgestandenen Frost und Hunger zu einem Skelete abgemagert und am Kopfe fanden fich mehrere blut« unterlaufene Sellen vor, die wahrscheinlich vom mehrmaligen Auffallen auf die spitzen Steine herrühren dürften. Nachdem ein herbeigerufener Arzt fich vergebens bemüht hatte, den Be- wußtlosen wieder zur Befinnuna zu bringen, wurde derselbe zu Wagen in ein Spital nach Wien gebracht, wo er jedoch, ohne noch vorher das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, am nächsten Morgen verschied. Nach ärztlicher Aussage ist der Tod in Folge mangelhafter Nahrung und Einwirkung der Kälte eingetreten. Schneesturm in Oberitalie«. Aus Venedig wird ge- schrieben:„Es will auch in Italien durchaus nicht Frühling werden. Ein fürchterlicher Schneesturm hat in den Tagen vom 13. bi» 15. d. fast ganz Oderitalien tn heftigster Weise heim- gesucht. Fast au« allen Städten laufen gleichlautende Berichte über daS in dieser elementaren Gewalt bei uns glücklicherweise zu den größten Seltenheiten gebörende Unwetter ein. Nament« lich Genua, Mailand, Turin, Cremona, Bergamo und Venedig wurden arg mitgenommen. In Genua schneite eS ununterbrochen durch 24 Stunden; am Morgen deS 15. d». bot der Hafen mit den schneebedeckten Schiffen und Raaen und den Ichneeweißen Gipfeln seiner Bergumrahmung ein charatteristt- sches Bild einer nordischen Hofenstadt. Auch in Mailand, Turin und Bergamo gab es heftige Schneegestöber bei unge« wöhnlicher Kälte. Am ärgsten wüthete daS Unwetter natürlich auf dem flachen Lande, wo stellenweise förmliche Schneevcr- wehungen stattfanden; fast alle Eisenbahnzüge hatten mehr- stündige Verspätungen. Auch die List« der glücklicher Weise meist nur in leichter Weise Verunglückten und Verwundeten ist eine bedeutende. Wie Nachrichten au« den Abruzzen melden, wüthete der Schneesturm an den Bergesabhängen mit elementarer Gewalt; der Schnee liegt stellenweise 80 Zentimeter hoch." Et« Bild der Lokomotive. Eine der hübschesten Schil- derungen der Lokomotive überhaupt und insbesondere der ersten Lokomotiven findet fich in den Briefen der englischen willige Spaziergänge unternehmen, waS man im gewöhnlichen Leben bummeln nennt. ES kommt auch vor, daß zur Messe gearbeitet wird, dann natürlich hat ja der Arbeiter 12—15 M. pro Woche Verdienst, macht aber dabei einen 15— löstündigm Arbeitstag. Man muß fich nur wundern, wie diese Arbeiter immer noch mit ihrem traurigen Loos zufrieden find. Sie können fich eben nicht trennen, trotzdem der Fabrikant fie wie kleine Kinder behandelte. Ist nun einmal viel Arbett, so daß noch Leute angenommen werden müssen, so müssen diese neuen Arbeiter fich eben in die Launen jenes Herrn fügen, wenn fie e» nicht vorziehen, wieder aufzuhören. Natürlich hat der Herr Arbeitgeber die edle Dreistigkeit, fich seinen Arbeitern gegenübcn noch als besonders human hinzustellen. Wir sparen unS ein Urtheil über solche Humanität. Besagter Herr wird plötzlich einmal«inen andern Artikel fabriziren lassen. Dieser Artikel ist noch neu, er vereinbart mit einem anderen Arbeiter einen' Preis, d. h. nur mit diesem, denn derselbe ist schlauer wie die andern; die andern arbeiten eben ohne zu wissen, waS ste für ihre Arbeit erhalten und wie lange fie zu thun haben, und nehmen dann, waS ihnen der Fabttkant giebt. Als nun die Arbeit fertig war und e« zum bezahlen kam, da lügt er dem Arbeiter, man höre und staune, geradezu ins Geficht, einen viel geringeren Preis vereinbart zu haben. Dieser Arbeiter hat nun ebenfalls dasjenige nehmen müssen, wa« er bekommen hat, da er es vorzog, fich nicht mit diesem sauberen Herrn vor Gericht auszusprechen. Die andern Arbeiter waren ja zufrieden, denn Hunger thut weh. Verdient solches Gedahren eine« Ar- beitgeber« nicht, an den Pranger gestellt zu werden? ,. wie der Vogel werden wir Menschen m.S bald durch die Lüste schwingen können! Dem Klempner Herrn BaMsch, Melchiorflraße 44, ist eS gelungen, eine Flugmaschine zu erfinden, mit deren Hilfe wir den gefiederten Lustdewohnern Konkurrenz machen können. Welch' eine herrliche Perspektive eröffnet fich un» da?! Ueber Wälder, über Felder, über Seen und über Meere werden wir dahinsausen in schnellem Flug und lächelnd werden wir herabdlicken auf das Dampfroß, dem wir nunmehr an Schnelligkeit weit überlegen find. Wie fein und lieblich werden fich in Zukunft die Sommerausflüge ge- stalten! Äännlein und Weiblcin werden ficher ein ganz de« sonderes Vergnügen daran finden, schwarmweise, etwa wie ein Flug Kohlweißlinge, Partien zu unternehmen, obgleich eS auch nicht minder vorkommen wird, daß die Liebespaare, abgesondert von der Welt, hoch unter der azurblauen HimmclSdecke, daS wonnige Alleinsein zu genießen suchen. Ja, daS wird hübsch werden! Doch halt, lieber Leser und schöne Leserin, noch find wir nicht so weit! Der genannte Erfinder hat zwar daS Modell bereits fix und fettig, aber noch nicht den eigent- lichen„Vogel"— denn so kann man den Apparat wohl be- zeichnen- in dessen Gerippe fich der Mensch derartig hinein- setzen soll, daß er fich gleichsam auf einem Sattel befindet. Nur wird statt der Steigbügel ein Apparat anaetracht werden, der so konstruitt ist, daß bei jedem leichten Druck mit einem Fuß ein gleichzeitiger Schlag beider Flügel erfolgt. Ist der eme Fuß ermüdet- so kann der andere in Funktion treten und rn Folge dessen ist e« auch dem Schwächsten leicht, seine „Schwingen" zu entfalten. DaS Ganze soll überdies äußerst emfach und leicht hergestellt und der Natur nach Möglichkeit angepaßt werden. H:rr Baudisch glaubt die erste Maschine brnnen einigen Monaten getreu nach seinem Plan und Modell fertig stellen zu können, wenn e« ihm gelingt, die dazu er- forderlichen Mittel zü erlangen. Wir wollen hoffen, daß ihm diese recht bald zu Theil werden. Sobald die erste Flug- Maschine fertig sein wird, werden wir nicht verfehlen, weiter über dieselbe zu berichten. _?uch das Königstädtische viertel hat fich seine SamtätSwache geschaffen, was zum Nachtheile der dortigen Bewohner noch wenig bekannt ist, obgleich diese Eanitätswache bereits seit Anfang Januar d. I. in Thätigkeit ist. Dieselbe befindet fich auf dem Grundstück Linienstraße 245, vis-ä-ria dem Schüsenhause und bietet, abweichend von den meisten der üdttgen Santtät«wachen. auch ärztliche Hilfe am Tage dar. sis-s a MÄniÄÄsa% sra isä%%=%%% li-b- Erkrankungen, unt« letzteren 11 Knochenbrüche. Die größeren Falle betrafen 2 Selbstmorde durch Erhängen und eine in einer Droschke verstorbene Person. In 53 Fällen �anitStSwache für den Stadttheil zwischen Landsberger, und Rosmthal-rsttaße ein sehr großes Bedürfniß ist und daß ihre dauernde Erhaltung nicht nur im Jntereffe der Armen, sondern auch der wohlhabenden Bezirksbewohner liegt. «erliner Bastille. Unter dieser Spitzmarke erzählt »ÄM niß für Staatsverbrecher benutzt. Das kleine Hau«, daS durch eine hohe Mauer von dem sogenannten C-Flügel de» Haupt- Schauspielerin Anne Kemble, welche im Herbst 1829 die Probefahrt auf der Strecke Liverpool-Manchester an der Seite Stcphenson's selbst mitmachte.„Die ganze wundervolle Ge- schickte seiner Erfindung"— bettchtet die Künstlettn—„hörte ich von seinen eigenen Lippen. Er war ein ernst angelegter Mann mit dunkeln, tief markitten Zügen. Der Zauber dieser Geschichte, von ihm selbst erzählt, während sein zahmer„Drache" stöhnend mit uns auf seinem Eisenwege hinflog, üdettttfft den Eindruck weit, den einst da« Lesen von Tausend und eine Nacht auf das Kind gemacht hatte. Er war wunderbar herab- lassend und gütig im Beantwotten der Fragen, die meine eiftige Unwissenhett an ihn richtete, und ich lauschte seinen Motten«it Augen voll Thränen der Begeisterung, als er mir von all' dem Wechsel von Hoffnung und Furcht, von seinen Versuchen und tiefen Täuschungen erzählte. Mit feinem Spott sprach er davon, wir die„Parlamentsleute" ihn mit ihrer Bücherweisheit gequält und verhöhnt hätten.... Wir wurden vorher der kleinen munteren Maschine vorgestellt, die uns die Schienen entlang ziehen sollte. Zügel. Gebiß und Trense, mit denen dieses wundervolle kleine Thier geritten wird, bestehen zusammen aus einem kleinen Stahlhebel, der den Dampf auf die Beine oder Kolben wirken läßt, oder ihn davon ablentt. Die Kohlen, welche der Hafer des Thiercs find, hegen unter der Bank, und am Kessel ist ein kleines GlaSrohr mit Waffer gefüllt, das durch Fülle oder Leerheit anzeigt, ob die Kreatur Waffer braucht. Es ist auch ein Rauchfang am Ofen, da man aber KoakS brennt, so ist nichts von dem abscheulichen Rauche zu spüren, der beim Reisen auf dem Dampfschiffe so b-lästigt. Dtesek kleine schnarchende. Thier, daS ich mich immer versucht fühlte, zu tätscheln, wurde nun vor unsere Wagen gespannt, und nachdem wir Platz ge- nommrn hatten, fuhren wir ungefähr mit zehn Meilen in der Stunde ab... ®?Weic?1e* in der Fremde«nd Fremde i« der Schweiz. Nach einer vom Sekretär deS eidgenösfischen sta« tistischen BureauS kürzlich veröffentlichten Statifttk über die Schweizer in der Fremde" befanden fich um daS Jahr 1880 in Italiener ermittelt, zusammen 203 754 Personen. Die Zahl der in den Vereinigten Staaten von Amettka am Schlüsse deS �"8 1884 vorhandenen Schweizer schätzt der Verfasser auf ltinv lud 7uu �etlonen. gebäudeS und dem daranstoßenden Gartenhof abgeschlossen ist, wird im Erdgeschoß fast nur von Staatsgefangenen bewohnt; der erste Stock ist zum Lazaretb eingerichtet. Im Erdgeschoß weilte AraSzewSki viele Monate in verbältnißmäßig behaglich eingerichteten Räumen. Er bewohnte ein großes Gemach mit bequemer Ausstattung, hatte eine Kammer zur Toilette und ein ebenfalls behaglich eingerichtetes Schlafzimmer. In demselben Gebäude war Hauptmann a. D. Hentsch untergebracht. Die „Berliner Bastille" öffnete fich auch für Kapitän von Sarauw, ferner für verschiedene in der Zahlmeister-Rffaire verwickelte Persönlichkeiten und jetzt wieder für die Kieler Landesverräther Prohl und Schwarz. DaS HauS eignet fich vortrefflich zu der für Staatsgefangene erforderlichen Jsolirung. Ein langer von einem dicken Tcppich bedeckter Gang läuft an den Zellen(es find ihrer etwa 20) entlang. Die Außenseite ist durch Fenster mit blinden Scheiben für Auge und Ohr gesperrt. Beim Pasfirm deS Ganges ist eS den Gefangenen streng untersagt, an den polirtm Thülen, die keineswegs gefängnißmäßig aussehen, stehen zu bleiben oder gar durch daS runde, finnreich ausgeschnittene Bcobachtungs- loch(in Moabit nennt man es, wie in Franko ich, Judas) zu sehen. In Folge der Tcppiche, welche allenthalben, auch in den Zellen, gelegt find, entgeht selbst dem schärfsten Ohr der Schritt der vorübergehendm Aufseher oder Ung'ücksgefäbrten. Jeden Tag dürfen die Gefangenen V, Stunde Vor« und Nach« mittag« an die Lust; die Staatsgefangenen werden aber nur einzeln auf dm kleinen, mit wenigen Bäumm und Büschen geschmückten Hof gebracht. DieZellm werdm täglich mehrere Male defichtigt. Gegen 10 Uhr erscheint der Ober- Inspektor Herr Matz, ein Beamter, dessen Freundlichkeit gerühmt wird. Der Ober'Aufseher, welcher fich ebmfallS einstellt, hat besonders über Reinlichkeit zu wachm, denn die Gefangenen müssen, falls ihnen nicht ein besonderer Kalefaktor zugetheilt worden ist, die gebahnten Dielen selbst säubem, dir rein» lichen, mit blendend weißer Wäsche bezogenen Betten vor« schristsmäßig in Ordnung bringen ic. Einmal am Tage er- scheint der Aufseher„deS Unternehmers" mit einem mächtigm Kontobuch, um die Bestellungen der Selbstbeköstiger in Em- pfang zu nehmm. Jedes Viertelpfund Wurst, jede Flasche Bier»c. wird verzeichnet, und der Aufseher hat dafür zu sorgen, daß die Gefangenen nur so viel anfchreidm lassen, wie ihnen von der höheren Behörde erlaubt ist. Wurst z. B- darf gewöhnlich nur für 50 Pf. wöchentlich verbraucht werden. Abends 6 Uhr kommt die Nachtvistte. Dann bleiben die Ge- fangmm in ihren durch Gas hell erleuchteten Zellm fich selbst überlaffm. Bei der Nachtvistte werden auch die am Tage vom Untersuchungsrichter durchgesehenen Briefe übergeben. BiS 9 Uhr dürfen die Gefangenen lesen, die Lektüre erhalten fie aus der Anstaltsdibliothek oder aus Leihbibliotheken. Diese und andere Vergünstigungen bleiben lediglich Sache deS Unter« suchungsrichterS. Er herrscht in diesen Räumen alS König. Die Verwaltung hat blindlings seine Befehle auszuführen. Während der Nacht versteht ein besonderer Aufseher dm Dienst auf dem Gang. Ihm ist eS nicht gestattet, die Zellm, deren Schlüssel er hat, ohne zwingenden Grund zu betretm. Geschieht eS dennoch, so muß er»S schleunigst durch den elek- irischen Telegraphm, der wie in Hotels in jeder Zelle ange« bracht ist, der Kontrole meldm, von wo aus er überdies stündlich kontrolirt wird. Bei den Staatsgefangenen ist die Anordnung getroffen, daß der Aufseher die Zelle nie allein de« tritt. Bei KraSzewsti wurde z. B. streng darauf gehaltm, daß stets zwei Aufseher zu ihm gingm. Täglich darf in dem großen Badezimmer, das im Erdgeschoß liegt, gebadet werden. Will Jemand einen Brief schreiben, muß er dies durch den Aufseher dem Gerichtsschreiber melden lassm, der das Gesuch dem Untersuchungsrichter vorlegt. Der Entscheid kommt ge- wöhnlich erst nach 3 RS 4 Tagen, rvaS eine kleine Ewigkeit für einm dringlichen Brief ist. Ebenso müssm Zusammenkünfte mit dem Untersuchungsrichter beantragt werdm. Die Insassen des kleinm MännergefängniffeS, gewiffermaßm die Honoratio- rm von Alt-Moabit, genießen dabei wesentliche Vergünstigungen. Ihnen darf die schreckliche Zellen-Nummer, ein großes Blechschild, nicht, wie den Gefangenen des Hauptflüqels, beim Gang zum Untersuchungsrichter auf die Brust ge« heftet werden. Auch brauchm fie dabei nicht die Anstaltspantoffeln, welche Entweichm verhindern sollen, zu tragen, nur Üeberrock und Kopfbedeckung ist ihnen unter. sagt. Auch werden fie beim Ein« und Ausgange gewöhnlich nicht untersucht. Sie werdm außerdem nicht auf dem ge« wöhnlichen Wege, durch den 0« Flügel, vorgeführt, weil fie sonst auf Treppen und Korridoren zu sehr mit dem Publikum in Berührung kommen würden. Ihr Weg geht vielmehr durch dm B, Flügel direkt in da« Arbeitszimmer des Landgerichts- raths Brausewet er, der vom Reichsgericht zu diesen schwierigen Untersuchungen abgesondert ist."— Nach dieser Schilderung scheinen die Landesverräther unter den„Verbrechern" immer noch als besonders noble Leute zu gelten. Mit politischen Gefangenen, die fich wegen anderer Sachen in Untersuckungs- hast befinden, macht man viel weniger Umstände, im Gegen- theil ist man ziemlich häufig bestrebt, dieselben mit gewöhn- lichen Misselhätern auf eine Stufe zu stellen. Soziales»nd Arveiterbewegung. * Zum Streik der Berliuer Tapezirer- Gehilfen er- läßt die Gehilfmschaft folgenden Aufruf an die deutschen Arbeiter, speziell an die die deutsche Tapezirer- Gehilfenschaft: „Freunde und Kollegen! DaS Berliner Tapezirtr.Gtwerbe ist — für den Arbeitnehmer- Stand— eine« derjenigen, welches durch seine glänzende Außenseite sehr oft den hungernden Magen verdecken muß. Von 1000 bier am Orte besckäftigtm Gehilfm hadm notorisch 300 durch 7 Monate und 600 durch 5 Monate im Jahre keine Arbeit. Bei Beginn der Saison, also in den Monatm März, April, September, Oftoder, möchten wir Nächte hindurch arbeitm, um die riefigen Auf träge zu bewältigen. und Schaaken von zugereistm Kollegen find uns dabei behilflich, um nachher zum vegetirm, nein— der Wahrheit die Ehre— direkt zum hungern unS verurtheilt zu sehen. AlS Minimallohn werdm 12—15 M. gebotm, dafür aber noch verlangt, möglichst im Gesellschaftsanzuge anzutreten, um der vomehmen Kundschaft Sand in die Augen zu streuen. Unsere Arbeitgeber kennen diese Zustände, bestretten nicht die Berechtigung einer Aufbesserung, aber dieselbe, soll erreicht werden durch JnnungS- Ausschüsse, durch dm Befähigungs- nachweiS ic. Diesen Zuständm wollen wir ein Ende machen und in richtiger Auffassurg der jetzigen Situation u.id da ferner in Güte nichts»u erreichm ist, stehen wir im Streik, haben wir Mann für Mann die Arbeit niedergelegt. Unsere Arbeitgeber find bt» jetzt noch vertreten durch dm Innung«- vorstand und derselbe wendet fich in höchst sonderbarer Weise an die Kundschaft unter Anführung durchaus un- wahrer Thatsachen. Die Nebmbemerkung:„daß unsere Bewegung eine sozialdemoftotische sei", soll wahr- scheinlich nur dm Zweck haben, die Hilfe der Behörde zu erbitten, wmigstmS hat fich bis jetzt noch kein Ar- bettgeber eines anderen Gewerbes, odmdrein noch der Kund« ichast gegmüber, zu solchen Denunziationen hinreißm laffm. Unsere Antwort wird naturgemäß unser Sieg oder die Nieder- läge sein: wir wollen keine Verständigung, wenigsten« nicht mit solchen Vertretern. Da wir jedoch eben erst die traurigste Geschäfttperiode zurückgelegt und einen Uebergang eS bei uns nicht giedt; da ferner der Ausstand einsehr langer und harter werden wird, bittm wir um Eure Unterstützung, bitten wir um Sure Hilfe durch Fernhalten von Zuzug und Sommlung sür unsere Nothleidmden. In jeder Versammlung muß die Mit- theilung gemacht werdm, daß bekannte Tapezirer davon zu be- nachrichtigen find: für das Jahr 1886 ist der Zuzug nach Berlin im Interesse des TcpczirergewerbeS zu unterlass.n uno Verantwortlicher Üöedäftmr tf für die Verbreitung dieser Bitte Sorge zu tragen. Freunde und Kollegen! Die Bitte um Sammlungen hat nichts Er- Niedrigendes, wenn die Zustände und Ausfichtm dieselbe recht- fertigen und wmn der Bittmde selbst keine verschlossenen Ohrm zur Zeit gehabt hat. Im Interesse der Arbeiterbewe- gung, im Interesse unserer Nothleidmden seid uns das, waS wir noch Erledigung unserer gerechten und maßvollen Forde- rungen wieder sein werden: Freunde in der Roth. Alle Smdungm find an den Kasfirer Herrn Nicolas, Möckern- straße 127 in Berlin zu richten und wird in geeigneter Weise darüber quittirt werdm. Mit kollegialischem Gruß und Hand- schlag: Die Berliner Tapezirer-Gehilfmschaft. I. A.: R. Sander, Vorfitzender des Fachvereins und der Lohnkommisfion." Zum Streik der Möbelpolirer in der Pfaff'sche« Möbelfabrik veröffentlicht die unterzeichnete Fachkommisston folgenden Bericht:„Von den Möbelpolirem genannter Fabrik wurde verlangt, daß dieselben SonntagS und nach Feterabend arbeitm sollten. Diese Forderung wurde von den Poliretn ganz entschieden abgelehnt, und zwar deshalb, weil zur Zett mehr als genug Kollegen arbeitslos find, welche gern arbeitm möchten, und weil noch genügend Platz für neue Arbeitskräste in der Fabrik vorhanden ist.— Hierauf wurden sämmiliche Polirer deS Saale« Nr. 1 entlassen, welche, unter Protest gegen daS Ungesetzliche dieser Entlassung, die Fabrik verließm. Unmittelbar darauf wurden die Entlassenen wieder zurückgerufen und ihnen erklärt, daß fie weiter arbeiten könnten. — Der hinkende Bote kam jedoch nach, denn als dieselben eine Woche gearbeitet hatten, wurde ihnen von ihrem Meister auf Drängm deS Fabrtkdirigenten gekündigt, folglich find fie als Opfer der so viel gepriesmen„Selbsthilfe" anzusehm.— Wir find nun der Meinung, diese Männer hätten dem Herrn Kommerzimrath Pfaff in ihrer Einigkeit imponiren müssen, jedoch ist das gerade Gegentheil der Fall, denn die Polirer wurden mit einem Male der NachlässtgkeU in der Arbeit beschuldigt, welchen Vorwurf jedoch der Polirmeister Herr Schubert als eine Unwahrheit bezeichnet hat. Für diese Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit de« Herrn Schubert ist der« selbe mit den Polirern zugleich entlassen worden. Da nun alle Mittel, die Angelegenheit auf gütlichem Wege zu ordnen, an der zähm Festhaltung des vom Herrn Kommerzicnraih Pfaff gegebmen Befehls gescheitert find, so fordern wir Euch, Kollegen, auf, haltet den Zuzug von der Fabrik fem, und zeigt, daß Ihr alS Kollegen zu handeln wißt. Auch Euch, Kollegen, die Ihr mit den Entlassenen die Arbeit niederzulegen versprochen habt, rufen wir zu: Tretet muchig ein für unsere gerechte Sache, zeigt, daß ihr Männer seid, und jeder in der Fabrik, von den Tischlem bis zum letzten Arbeiter, wird Euch als solche achtm. Die Fachkommission des Verbands der Möbelpolirer für Berlin und Umgegend. I. A.: E. Krähe, Andreasstraße 66. Eine für die Fachvereine äußerst wichtige Ent- scheid««« fällte am Sonnabend das Schöffengericht in Al« tona. Angeklagt war der Maurergeselle Stamer, dem zur Last gelegt wird, als Vorfitzender des Maurer- FackvereinS mit anderen Vereinen gleicher politischer Tmdcnz in Verbindung gestanden zu haben(Uebertrewng deS§ 8 des VcreinSgesetzes). Der Angeklagte erklärt, daß die Tendenz deS Vereins vre Hebung der materiellen Lage der Mitglieder sei, Politik aber gänzlich auSgeschloffm sei. Die Anklage behauptet dagegen, daß am 7. Juli in einer Sitzung deS vetr. Verein« politische Gegenstände, wie ZuchthauSarbeit, Sonntagsruhe, Ardeiter-Schutzgesetz»c., ver« handelt wordm find. Die Vereinigung mit anderen Vereinen gleicher Tendenz wird dadurch begründet, daß auf einem Kon- greß in Hannover eine sogenannte Kontrolkommisston ernannt ist, an deren Spitze der Maurer Knegendorf in Hamburg steht. Die Polizei hat bei Mitgliedem dieser Kommisfion Haussuchung gehalten und zahlreiches Material gefunden,«elches nach Aus« sührungm der Anklage.�unzweifelhaft eine Verbindung sämmt- ltcher Fachvereine durch Vermittlung dieser Kontrolkommisston feststellt." Da« Gericht erkannte schließlich auf 30 Marl Geld- strafe event. 6 T ge Gefänaniß und auf Schließung deS Altonaer Verein«. Hoffmtlich wird eine höhere Instanz anders urtheilen. Denn wenn Vereine, welche die Frage der Wanderunterstützung, der Zuchthausarbeit, der Arbeitszeit er« örtern, wenn Vereine, welche fich gelegentlich einmal einen Vortrag von einem Reichstagsabgeordneten hatten lassen— wie dies in Altona alt belastend hervorgehodm wurde— sofort alS polittsche Verbindungen erklärt werdm dürfen, so find aller« dingS alle Organi'ationen der Arbeiter ganz und gar der Willkür der Behörden preisgegeben. Die Knappschaftskasse« erfreuen fich in ihrer heutigen bureaukrattschm Organisation durchaus keiner Beliebtheit bei den betheiltgtm Arbeitern. So ist, wie aus Westfalen ge« meldet wird, unter den Mitgliedem deS Märkischen KnappschaftSvereinS eine ledhafte Bewegung ent- standm, welche auf eine Aenderung der Verwaltung des ge- nannten Vereins abzielt. In einer vor einigm Tagen in Bochum stattgehabten Versammlung der Delegirten der ein- zelnm Bergwerks vereine wurde eine Petttion an den Minister der öffentlichen Arbeiten beschlossen, in welcher die Bergleute die freie und direkte Wahl ihrer Vertreter, der Knapvschaftsältesten. die freie Wahl der Aerzte, Abänderung des Zahlungsmodus des Krankengeldes und Amderung, bezw. Beseitigung der Befugniß d«S KnappschaftsvorstandeS bei der Penfionirung verlangen. Die Knappschaftsältesten wurden bish-r in der Weise gewählt, daß nicht die Gesammthett der Mitglieder des Knappschaftsoereini die Vertreter destimmte, sondem die« nur seitens der Mitglieder der ersten und zweiten Klaffe geschah. Von den genannten drei Personen kann dann der KnappfchastSvorstand eine alS den Arbeitervertreter wählen, und daß der Gefügigste gewählt wird, braucht wohl nicht her« vorgehoben zu werden. Was daS Krankengeld anbetrifft, so find bezüglich der Zahlung desselben die Mitglieder in drei Klaffen eingetbeilt. Die erste Klaffe zahlt an monatlichen Bei» trägen 3 Vi. 50 Pf., die zweite 2 M. 75 Pf., die dritte 2 M 25 Pf. Die der ersten und zweiten Klaffe angehörmden Mit- glieder find ättere Leute, denen die schwere Bergmannsarbeit nicht mehr so gut von statten geht, alS den jüngcrm Leuten, aus denen die dritte Klasse desteht. Die letzteren haben einen höherm Verdienst und erhaltm, da nach den Vorschriften deS neuen Krankenlaffengesetzes die Krankmunterstützung fich nach dem Lohn lichtet, eine größere Unterstützung im Krankheitsfälle, als diejenigen, welche doch mehr an krankendeiträgcn leisten. Es liegt in diesem Modus eine große Ungerechtigkeit. Auch die Forderung der Bergleute bezüglich der freien Wahl der Aerzte itt eine durchaus berechtigte, da, wie mannig« fache Vorkommnisse gezeigt haben, der Zwang, fich an die von dem KnappschaftSvorftand bezeichneten Aerzte zu wenden, schon große Unzuträglichkeiten für die Ardeiter mit fich gebracht hat. Hoffentlich hat der Minister ein Sinsehm und verhilft den Petenten zu ihrem Rechte. tb. Bravo k Die am 1. Oktober 1885 zu Erfurt von 3 vereinigten Fach« und UnterstützungS-Vereinen gegründete Zentral Herberge ist ein leuchtendes Beispiel wahrer Arbeiter- solidarität. Die Zenlral-Hei berge wurde bis Ende Februar d. I. von 220 Rcisendm besucht, welche fich auf die einzelnen Ge- werbe wie folgt vertheilen: 15 Schuhmacher, 13 Schneider, 20 Tischler, 9 Glaser, 8 Buchbinder, 44 Buchdrucker und Schnftsetzer, 5 Maurer, 11 Zigarrenardeiier, 8 Zimmerer, 20 Schlosser, 21 Brauer, 5 Metallarbftter, 4 Fleischer. 5 Bergleute, 3 Stellmacher, 5 Kellner, 3 Bäcker, 5 Schmiede, 1 Gerber, 2 Tapezirer, 4 Kordmacher, 2 Maler, 1 Gärtner, 2 Porzellanmaler, 1 Photograph, 1 Buchhalter, 1 Müller. Verbunden ist die Zentral-Herberge mtt einem unentgelllichm Arbeitsnachweis für Vereinsmitglieder. Um dieS möglichst zu verbrettm, wurden Plakate angefertigt, auf denen angegeben ist, zu welcher Zeit die betreffenden Arbeitsnachweis» und vrouhetm in verlin. Druck und Verlag von Mar Badtng Kontrol-kommiffionS-Mitglieder anwesend find, von welchm jeder Zugereiste Auskunft erhält, wie die Verhältnisse in seiner Branche find und ob Arbeit vorhanden ist oder nicht. Die Kosten hierzu find von den betreffenden betheiligten Vereinm gedeckt und die Plakate auch nach anderen Städten an die Be» vollmächtigtm und Kasfirer, sowie an die Herbergen sett'st ge- sendet und an geeigneter Stelle aufgehängt worden. Jeder Fachgenoffe wird gebeten, die Reisenden daraus aufmerksam zu machm und fie soviel alS möglich nach der neu und gut ein- gerichteten Zentral-Herberge, Gasthaus zum D rutschen Kaiser, Große Arche Nr. 6, zu senden, woselbst fie reelle Bedienung und toulante Preise finden. Ueber den Nothstand in Hamburg schreibt das gewiß unverdächtige„Hamb. Fremdendlatt":„Niemand hat eine reale Vorstellung von der Armuth zahlreicher Familten, als derjenige, der fich die Mühe und Zeit nimmt, einmal in die engen Höfe zu gehen und dort in die kleinen dunllen Woh- nungen, genannt Buden, zu treten, oder die Keller und Böden zu besuchen, wo so viele Menschen, groß und klein, zusammengedrängt, ihren Tages- und Nachtaufcnthalt haben. Eist durch eigene Anschauung gewinnt man� einen annähernd richtigen Einblick in die wahre Noth, die in der reichen Stadt Ham- bürg Tausende von Menschen drückt. Am schlimmste« scheinen mir diejenigen Ardeiter gestellt zu sein, die bisher gewohnt waren, durch eigene Thätigkeit ihre Familten aus- reichend zu ernähren. Ihnen kam es sehr ungewohnt vor, jetzt milde Gaben annehmen zu müssen.... Ich traf viele Familien mit 5, 6 und mehr Kindern, deren Oberhauvt über 10 Wochen keinen Verdienst mehr gehabt hatte. Starke Männer, die gerne arbeiten, blickten gebeugt und ernst auf ihre unversorgte Kinderschaar, und auf den andauernden Frost, der die AuSficht auf Erwerb in Frage stellt. Aus vielen Beispielen will ich nur einige anführen. Ein Mann wohnt bei seiner Frau und drei Kindern in einem Raum, der sonst alS Vorplatz dient. DaS würde nun freilich nicht angehen, wenn sie Mobilien hätten. Auch Betten fehlten ganz, diese befinden fich nebst anderen Sachen im Leihhause oder sonstwo. Ein spärliches Laqer auf dem Fußboden dient ihnen als Nachtquartier. Eine andere Familie mit fieben kleinen Kindern war ebenso arm, aber ich sah doch noch einige leere Bettstellen mit alten Kleidern. Eine junge, kranke Frau, deren Mann außerhalb der Stadt Arbeit sucht, saß entkräftet auf einer Seite der Bettstelle und neben ihr lag ein 10 Wochen altes Kind im Sterben. Es fehlte Feuerung und Brot; die Bude war dunkel und feucht. Eine kranke Wittwe, die ihren Mann vorigen Herbst durch den Tod verlor und bei dessen Pflege selbst ihre Gesund- heit einbüßte, lag auf einem alten Sopha, umringt von sechs Kindern, die noch im schulpflichtigen Alter waren. In einer kleinen Wohnung sprangen mir drei hübsche Kinderchen ent- gegen; die Mutter weinte und der Vater sah ernst darein, er hatte ichon lange vergeblich auf Ardett gewartet. Er war nicht unhöflich, aber auch nicht dankbar, alS seine Frau die Karten annahm. Familien, die sonst ihr guteS Auskommen hatten, find gänzlich auf den Strand gerathen und blicken mtt Sehn- sucht dem baldigen Witterungswechsel entgegen, wo fie durch Arbeit wieder in den Stand gesetzt werdm, für ihre Familie zu sorgen. WaS den Anblick der materiellen Roth verschlimmert, find die denkbar ungünstigm Wohnräume ohne Lust und Licht, in den engen Höfen, Gängen und Gassen, aber daS tritt vor« läufig zurück vor der Frage nach Broderwerb. Der Besuch dieser Behausungen menichltchm Elend« erfordert viel versön« lichen Muth und gute Nerven, aber er wird auch reichlich be« lohnt durch die Freude der Kinder und durch die Dankes- tbränen der Bedrängten."— So daS Hamburger Fremdm- blatt", und wir möchtm dem nur noch die Frage hinzufügen: wenn schon Wohlihrtm, denm immer der Makel des AlmosenS anhaftet, so tröstend aus dm Arbeiterstand wirkm, welchen EnthufiaSmuS würde erst eine Gesetzgebung hervorrufen, welche dem Arbeiter ein fichereS AuSkommm aus seiner Hände Arbett verjchafft? Welch eine Hobe Aufgabe winlt hier dm Vertretern des Volles und der Regierung! Freilich fassen wir diese Aufgabe nicht so auf, wie die Ham- burger„Reform", welche lürzlich schrieb:„Wmn jemals die soziale Pflichterfüllung am Platz war, wenn won jemals mtt Grund an die werlihatiqe Hilfeleistung appellirte, so ist es jetzt, heute. Es gtll den Männern und Familien, die, sobald nur wieder ölrdett zu habm ist, ihre Kräfte einjetzen für die Ver- mehrung deS Kapitals. Daher mag letzteres einmal einen kleinen Tribut ohne scheinbar sichtbare Gegmleistung der Arbeit zollen." Rein, darum wünschen wir allerdings eine arbeiterfteundliche Gesetzgebung nicht, weil sie im Interesse des Kapita-s liegt, und weil die Arbeiter erhalten werden müssen, damit später da? Kapital wieder seine goldmm Früchte brechen kann. Die Arbeiter, die Schöpfer alles Reichthums, haben das Recht, wrnigstmS ein anständiges Auskommen zu fordern, auch wenn das Kapital nichts davon hat. So wie die HaM- burger„Reform" begründet man wohl Maßregeln für unoer- nünftige Arbeitsthiere, aber nicht für eine Menschenllaffe, deren Gleichberechtigung heute auf polttischem Gebiet bereits grund- sötzlich anerkannt ist und nur auf wirthschaftlichem Gebiet noffl hartnäckig geleugnet wird. Rothstandsnachrichten erfchallm auch aus Ottensen bei Hamburg und auS Schwerin. In Ottmfm starben zroer Kinder, deren Mutter, eine Wittwe, im Wochmdett liegt, inj buchstäblichen Sinne deS Wortes HungerS und zwar«n dem Augenblick, als der Polizeiarzt von Ottmien die Mutter besuchte, um ihr Hilfe zu leisten. Die armm Würmer hatten in den letzten Wochen ausschließlich von Kartoffel� schalen, die fie fich selbst rösteten, gelebt. Der Arzt kon» statirte den Hungertod. Drei andere Geschwister hockten hungernd und friermd in der Ecke der elenden Wohnung v» Wöchnerin. Der Arzt war von dem Anblick so erschüttert, daß er sofort für Nahrung sorgte. Jetzt hat sich die Stadt der Nothletdenden anaenommm. ,,, Eine neue Arbeitertkolonie„Lühlerheim" in der Lübler Haide, etwa 2'/, Stunden von Wesel entfernt, ist am 15. tv' druar in aller Stille eröffnet worden. Obwohl nichts davon verlautete, war fie sofort von 94 Personen gefüllt, mehr n»r 100 können überhaupt»übt Aufnahme finden! Die„ G« r' m a n i a", der wir dies« Nachricht entnehmen, rechnet heraus, daß die Kolonie der umwohnenden Gegend viel Geld ersparen werde, weil nothwendtg der Bettel zurückgehen müsse. Trotz' dem lobt daS uliramontane Blatt die„altbewährte Opftr wtlliglett" der Provinz. Wenn man profltirt, opfert man nichts! Zigarrcnarbeiter streik. Wie wir schon gemeldet bjW: ist in O st r o w o in der Fränkel'schen Zigarrenfabrik ein Strn ausgebrochen. Die Unterstützungen haben es ermöglicht, vai die Streikenden diS jetzt aushalten konnten. Aus anderen Gc genden neu engagirte Arbeiter weigerten fich, die Arbeit in o Fränkel'schen Fabri! aufzunehmen, als fie hörten, daß dasftop der Streik ausgebrochen fei. Eine hierauf seitens des Fränkel mit der Verwaltung des Ostrower Justiz-Gcfangni"� beabfichtigte Vereinbarung, Stäslinge der Gefangenanfialr � nach dem im Rawiischer Zuchthause eingeführten Syfiew.. mit Anfertigung von Zigarren für Rechnung deS Herrn Mn zu detrauen, zerschlug fich, wie man sagt, an dem Hauplsan. daß die Sträflinge dortiger Gesangenanstatt eine viel zu w_ Strafhaft zu verbüßen haben, um während derselben die K» des Zigarrenmacher-s mit Nutzen für den Unternehmer ann*> den und ausführen zu können. Herrn Fränkel wird h«*" ,, nichts anderes übrig bleiben, als den Streikenden Konzeiff zu machen.— Man steht hier, Litt welchem Fanatismus, Herren Unternehmer fick dagegen sträuben, den Arbeitern zejstonen zu machen. Und da nimmt man eS den Aro � übel, winn fie energisch auf ihren Forderungen den bleiben t_____ � x Berlin BW, Beuchstraß« 2. Hierin eine Beilage zum Berliner Volksblatt. Ar. 70. Mittwoch» de« 24> Marz 1886. III. Uarlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 72. S i tz u n g v o m 23. M ä r z, 1 U h r. Am Zische d«S BundeSrathS: von Boetticher» v. Bronsart, v. Echelling. Zur dritten Beralhung steht der Gesetzentwurf, betreffend die Heranziehung der Militärpersonen zu den Ge« meindeabgaben. Ada. Dr. L a m b e r g e r: Ich habe namenS meiner poli« tischen freunde die Siklärung abzugeben, daß wir die lommu- nale B'st uerung der Angebörigm der Armee entsprechend der Emhertlrcdkeit dieser Jnftilutton nur im Wege einer einheitlichen ReichSgesetzgebung glauben regeln zu können. Die gegenwärtige Veranlaffuna ist um so weniger ein Grund, von dieser einheit» lichen Regelung abzuweichen, alS die von der Mehrheit in der »weilen Lesung angenommene Raffung diese» Gesetze« nicht bloS diese einheitliche Regelung preisai.bl. sondern ste sogar in daS künftig ungewisse und von der Mi Wirkung deS Reiches unab hängiger Weise widerrufliche Belieben jeder einzelnen Gesetz gebung stellt. AuS diesem Grunde werden wir die Vorlage 1- vritter Lesung ablehnen. Ete wird darauf gegen die Stimmen der deutschsreistnnigen Partii angenommen. Einstimmig geschieht dasselbe in erster und zweiter Be> rathung mit dem Zusatz zum§ 5 de» Zolltarif gefetzt», der für den Bezug von Materialien und Dtenftulenstlien den Nachbar- staaten für Eisenbahn-, Grenz- und Wechselstationen innerhalb des deutschen Zollgebietes Zollfreiheit gewähren soll. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung speziell betr. die Verleihung der Rechte juristischer Personen an die Jnnungs verbände. Ada. Schräder: Ich habe gegen die Vorlage nament- lich deshalb kein Bedenken, weil fie den Jnnungsoerbänden die Korporationsrechte nicht aufdrängen will, sondern den Bundes- rath ermächtigt, diese Rechte va, wo er eS für zweckmäßig hält und wo eS von den Betheiligten beantragt wird, zu verleihm. So ist ei durchaus Sache der Jnnungioerbände selber, od ste juristische Personen werden, und fich damit auch gleichzeitig der sehr weitgehenden behördlichen Äufficht, welche der Entwurf ihnen für diesen Fall auflegt, unterwerfen wollen oder nicht. Daß den JnnungSver bänden, wenn fie juristische Personen ge- worden find, gleichzeitig, wie man dieS ins Auge gefaßt hat, großer Kredit bei der Reichibank eröffnet werden könnte, glaube ich nicht. Die ReichSbank ist nur in der Lage, ganz solide Anlagen zu machen, und daS JnnungSverbandivermögen wird meist nicht so erheblich sein, daß daraufhin den Verbänden große Kapitalien geliehm werden könnten. Von der Regie« rung vermisse ich sehr eine Erklärung über ihre heutige Stellung zu den Bestrebungen, die auf gewissen Seiten de- zügltch der Weiterentwickelung deS Innung» wesens vorhanden find und namentlich die Eintühruna von Zwangiinnungen de- treffen, deren entschiedener Gegner ich auch jetzt noch bin. Ich beantrage, die zweite Lesung im Plenum stattfinden zu laffm und von einer KommisfionSberathung Abstand zu nehmen, da ich wünsche, daß diese Vorlage abgesondert für fich erledigt weide und nicht den Anlaß biete zu einer Erörterung der JnnunaSfraae im Allgemeinen. »dg. Meyer(Jena): Ich bin mit diesen Ausführungen im Ganzen einverstanden; ich halte die Vorlage zwar nicht für eine bedeutende und besonder» nützliche, wohl aber für durch. aus zweck- und sachgemäß. Sie stellt fich durchaus auf den Boden der freien genoffen'chaftlichen Vereinigung und enthält kein Moment, daS zu ZwangSinnungm führen könnte. Die Stellung der Regierungen zur Jnnungifrage bedarf nicht, wie Herr Schräder meinte, der Klarstellung, da die Vertreter der Regierungen wiederholt geäußert haben, daß der BundeSrath auf dem Boden des Gesetzes von 1881 stehen bleiben wolle und nicht daran denke, die Einführung von ZwangSinnungm vorzuschlagen. Ich bin durchaus ein Gegner der Zwang«» Innungen; ebenso auch eine» Reicht innungSamteS; eine solche bureaukratische Institution, auf die freien Innungen aufge» pfropft, könnte der Entwickclung de» Handwerkerstandes nur schädlich werden. Eine KommisfionSberathung hatte auch ich für unnöthig. Abg. v. Kleist-Retzow: Auch ich werde der Vorlage zustimmen, da fie durchaus auf dem Wege liegt, den wir seiner Zeit mit unseren Jnittativ-Anträgen zuerst betreten haben. Wir wollen eine Entwickelung de» JnnungSwesenS in dem Sinne, daß daS Handwerk fich zu korporativen Verbänden ver« einigt, welche es befähigen, der Konkurrenz der Industrie und der Autbeutn�g durch daS Großkapital kräftig zu widerstehen. DrShalb find die JnnungSoerbände von unt geschaffen worden, welche die Vorlage fester organifiren und kreditfähig machen will, damit fie auch durch materielle Hilfsleistungen die I titer- essen deS Handwerks fördern können. Wer eine gesunde soziale und politische Weiterentwickelung Deutschland» will, der muß unsere Bestrebungen unterstützen, welche vor allem den Hand« werkerstand wieder zu einem kräftigen und gesunden Faktor unsere» wirthschastlichen Lebens machen wollen. Ein blühender Handwerkerstand ist eine wesentliche Garantie für die Blüthe de» Vaterlandes.(Beifall rechts.) Abg. Kräcker: Wir Sozialdemokraten werden der Vorlage zustimmen und behalten un» dabei die Einbringung eine« Antrags vor, dahin gehend, daß auch den Arbetterfach- vereinen die Rechte juristischer Personen verliehen werden Damit schließt die erste Berathung; die zweite wird im Plmum stattfinden.„ r., ES folgt die zweite Berathung deS Gesetzentwurf», betr. die Rechtspflege in den deutschen Schutz. gebieten, auf Gmnd des KommisfionSberichts. Die Kom» misfion hat dm Umfang des Entwurfs, der in der RegierungS. vorläge nur einen Paragraphm hatte, dadurch erheblich er» wettert, daß fie darin die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete überhaupt geregelt, dementsprechend auch die Ueberschrtft deS Gesetzes verändert. § 1 der«ommtsstonSdeschlüffe lautet:„Die Schutzgewalt in den deutschen Schutzgebieten übt der Kaiser im Namen deS v. B u o l und v. S t r o m d e ck lZentrum) wollen neben dem Kaiser noch dem Bundesrat b slne„der Rcichsverfaffung entsprechmde Mitwirkung an der Ausübung jener Schutzgewalt, und Abg. K a y ser fie auch noch dem R�e«n/M�?e r'(Jena): Die Kommisfion hat den Ent« wurf eingehend berathen und hat es schließlich wr nothwendig erachtet, die Ausübung der HoheilSrechte in k�n Schutzgebieten, wie die« ja auch bei d-r Einverleibung Elsaß Lothringen» ge« schehm ist. durch ausdrücklich« reichSgesetzliche Vorschriften BTeezjZM.« auch der Kommission bereits vorgelegen und ist von ihr abgelehnt worden. So fern eS der Kommisfion lag, irgend in die verfassungsmäßigen Rechte de» BundeSraths einzugreifen, meinte fie doch, daß bei den wenig entwickelten Verhältnissen in unseren Kolonien eine möglichst einheitliche Direktive bei der Ausübung der Hoheitsrechte nöihig fei und hat deshalb diese Ausübung in die Hand de» Kaisers allein gelegt. Abg. v. Buol(Zentrum): Die Vorlage ging dahin, daß der Krone mit Zustimmung des Bundesraths die Rege- lung der RechlsverhSItniffe in dm Schutzgebieten durch Gesetz übertragen werde. Die Kommisfion hat nicht nur die Rechts- Verhältnisse, sondern da« gemmmte Gebiet der Schutzgewalt zu oidnen sich bemüht. Das Gebiet der Rechtspflege soll als mit dem Reichstag und BundeSrath geregelt zu beobachten sein, auf allen anderen Gebieten aber der Krone daS volle freie DiSpofitior.Srecht überlassen werden. Nun kann ich bei aller Bedeutung deS Gebiets der Rechtspflege eigentlich nicht die Nothwendigkeit einsehen, warum gerade auf diesem die Zustimmung deS Reichstags und deS BundeSratheS er« forderlich sein soll, auf allen anderen wichtigm Gebieten deS StaatSlebenS aber, Finanzm, Verwaltung, KultuS keine Mit> Wirkung deS Reichstag», nicht einmal die vom BundeSrath für fich hinfichtlich der Rechtspflege in Anspruch genommene gewährt wer- densoll. Es lag unS daran, dem föderativen Charakter deS Reichs und seiner Verfassung hier Ausdruck zu geben und ihn an dieser Stelle aufrecht zu erhalten. DaS Gesetz von 1871 über die Staatsgewalt in Elsaß Lothringm schuf allerdings auch etwas Neues, aber warum wegen dieses Präzedenz von der Regel abgehen, welche die Verfassung festgesetzt hat? Wir ver langen nicht bie Zustimmung deS BundeSrath» im Einzelnen, denn mit dieser Forderung gingen wir weiter alS die Ver faffung, welche die Entschließung der Krone nur in gewissen Fällen an die Zustimmung deS BundeSratheS knüpft. Wir wollen die ganze Materie selbst mit den Kontroversen, die de> kanntlich über die Voraussetzung der Zustimmung deS Bunde» rathS zu Maßnahmen der Krone bestehen, unberührt, so wie fie ist und wie sie gilt im Reiche, auch auf die Schutzgebiete erhalten wissen. Die Verhältnisse diffcrirm ja in mancher Be zichung sehr erheblich, und eine freie Bewegung ist hier für die Bewegung der ReichSgewalt angezeigt; aber eS ist kein Grund anzunehmen, daß der BundeSrath von dieser seiner verfassungsmäßigen Bekugniß einen die Krone hemmenden Ge brauch machen werde. Es steht ihm ja zu, die freie Bewegung zu gewähren, aber ihm jede Mitwirkung zu versagen, dazu kann fich meine Partei nicht entschließen. Abg. H ä n e l: Verfassungsmäßig ist zur Regelung der Rechtsverhältnisse in den Kolonien eine Mitwirkung sämmt- licher gesetzgebenden Faktoren erforderlich: aber darüber, wie nun diese Regelung zu erfolgen habe, giedt unS die Verfassung keinen Anhatt. Sre gicbt weder dem BundeSrath, noch dem R-ichStag, noch dem Kaiser sozusagen angeborene Rechte in Bezug auf die Kolonien; wir haben durchaus freie Hand. Wir haben uns nun in der Kommisfion entschloffen, die Hoheitsrechte namenS deS Reiches dem Kaiser zu überiragen; und damit geschieht krineSweas irgend einem verfassungsmäßigen Rechte deS BundeSrath Abbruch. Wenn schon für Elsaß Lothringen eine Konzentration der Staatsgewalt beim Kaiser nöthig erscheinen mußte, so ist die» bei den Kolonien doppelt und dreifach der Fall, ohne daß dadurch das löderative Prinzip irgend verletzt würde. Mich persönlich bestimmt dazu, den KommisstonSdeschluß anzunehmen, noch besonders dai Verhält» niß, in welchem der BundeSrath zum Reichstage steht. Info» weit wir dem Bundesrat!) eine Mitwirkung an der Regierung in den Kolonien gebm, soweit konstituiren wir einen unS unverantwortlichen Faktor. Anders, wenn wir diese Gewalt dem Kaiser übertragen. E» tritt dann die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und seiner Stellvertreter ein. Der Antrag v. Buol ist für mich ein voll- kommenes Räthsel; welchen Sinn sollen denn die Worte„der Verfassung entsprechende Mitwirkung deS LundeSratbS" haben? Schon der Mangel jeder präzisen Definition dieser Mitwirkung macht unS den Antrag v. Buol unannehmbar. Ich bitte Sie daher, dem Kommissionsantrage zuzustimmen. Auch in den mgiischen Kolonien sind die Rechtsverhältnisse ähnlich geregelt, wie wir es hier vorschlagen. Abg. W i n d t h o r st: Ich kann für die Vorlage, wie fie aus der Kommisfion hervorgegangen ist, nicht stimmen» und bitte alle, welche den föderativen Charatter deS Reiches aufrecht erhalten wollen, für den Antrag Buol zu stimmen. Ich bestreite, daß die ReichSoerfaffung über die Stellung des Kaiser» und deS BundeSraths zu dm Kolonim keine ausreichenden Bestimmungen enthält. Eine Reihe von Sachen überwacht der BundeSrath selbstständig. DaS Reich ist eine Vereinigung der Fürsten und freien Städte, ihr Präfident, Se. Majestät der König von Preußen, der den Titel Deutscher Kaiser führt. Sie wollen nun hier dem Prästdmten deSBuiidc S B riuaniffe einräumen, welche ihm nicht zustehen. Der Kaiser handelt nicht alS Monarch über den Monarchen, sondern mit dem Reichstag und Bunde»- rath zusammen. Der Hinweis auf Clsaß-Lothringen ist nicht zuircffend. Dort find die Einwirkungen des BundeSratheS und deS Reichstage» in verschiedenen Spezialgesetzen ganz genau geordnet und gesichert. Hier ist aber gar nicktS gesichert, son- dem die Kommisfion überläßt einfach der kaiserlichen Gewalt das Finanzrecht, die Polizeigewalt, dm KulluS u. s. w. ohne weitere Kontrole. Wir konstituiren damit eine absolute Ge- walt, der ich auf keinen Fall zustimmen kann. Die Vorlage der Regierung verdient vor der der Kommisfion immerhin dm Vorzug, weil sie diese Fragen ganz unberührt läßt und nur da» absolut Nothwendige feststellt. Der Antrag Buol ist keineswegs unklar. Er will nicht» anderes, alS daß der Bun- deSraih in den Fällen, wo er mitzuwirken hat, auch mitwirtt nach Maßgabe der Verfassung. Bedauern muß ich, daß die Kommisfion nicht mtsprechend den Grundsätzen der Kongoakte die Freiheit der ReligionSübung klar und bestimmt auSge- Krochen hat, um jeden Zweifel auszuschließen. Vielleicht hat die Kommisfion eine solche Bestimmung für übeiflüsstg gehal- tm, denn ich kann mir nicht dmken, daß fie die Erklärung deS VerireterS der Regierungen, daß die Bestimmungen der Kongo- atte für die Schutzgebiete maßgebend sein sollen, hätte de»» avouiren wollen, aber ich hätte doch gewünscht, daß fie diese Grundsätze genau fixirt hätte.(Beifall im Zentrum.) Abg. Äarquardsen: Meine Parlei wird für die Vorlagt der Kommisfion stimmen, die da» Verdienst hat, die Vorlage der Regierung erst mit dem eigentlichen Inhalt erfüllt zu haben. Darin stimme ich mit Herrn Windthoift überein, daß auch ich die volle Freiheit der Konfessionen in den be> treffenden Gebteten gewahrt wissen will. Darüber, welche Rechte der Kaiser hat, brauchen wir hier nicht zu streiten. Wir haben ja daS Recht, unter Theilnahme de» anderen gesetzgebenden Faktors zu bestimmen, was von nun an da» Recht des Kaiser» in diesen Schutzgebieten sein soll. Herr Windthorft hat fich zum besonderen Fürsprecher de» BundeSraths gemacht. Ich würde dieS verstehm, wmn er deduziren wollte, daß dem BundeSratbe gewisse Rechte zur Zeit nicht zustehen. Ii denke der hohe BundeSrath wird wohl selber ManneS genug sein, um zu wissen, mit welchen Vorschlägen er sich einverftanven erklärt oder nicht. Der hohen Weisheit deS BundeSmthS wird hier ja kein Hemmniß bereitet. Wenn e» mit dem föderativen Charakter de« Deutschen Reiches vereinbar war, dem Kaiser die Staatsgewalt in Elsaß-Lothringen zuzuschreiben, so läuft der Föderalismus auch nicht dadurch Gefahr, daß wir in den Schutzgebieten die Schutzqewalt, keine volle Staatsgewalt, dem Kaiser überlassen.(Beifall.) Abg. v. G r a e v e n i tz: Die Kommisfion ist im Gegensatz zur Vorlage zu dem Schlüsse gekommen, daß die Machtvoll- kommenheit, die Hoheitsrechte des Reiches unbeschränkt und unabhängig von den gesetzgebenden Faktoren dem Kaiser zu übertragen seien, abgesehen von der Beschränkung auf dem Gebiete der GerichtSrfl-ge. Sie hat den richtigen Weg ge- troffen einerseits zwischen der angemessenen und zweckmäßigen Handhabung der Gesetze und der richtigen Stellung der kaiier- lichen Gewalt und andererseits zwischen den Rechten der gesetz- gebenden Faktoren. Indem fie die kaiserliche Gewalt an die Spitze stellte— es handelt fich hier um dauernde G'ttaltung — bat fie eine feste und sichere Grundlage für die Ordnung der Schutzaebiete überhaupt getrofft n. Ich treue mich besonders, daß die Bestimmungen de«§ 1 deS Gesetzes nicht nur mit voller Einstimmigkeit der Majorität beschloffen worden find, sondern daß der Wortlaut desselben sogar von einem Mitgliede der Opposttion herrührt, dessen Formulirung von der Kommisfion dankbar akzeptirt worden ist. Ich habe daher die Zuverficht, daß auf Gmnd der KommisstonSbeschlüffe der Getetzmtwurf die Zustimmung deS Reichstags finden wird. Da» föderative Prinzip— um dem Vorwurf des Mangels eines solchen zu begegnen— ist geschützt, einmal dadurch, daß wir uns mitten in der Gesetzgebung selbst befinden, andererseits dadurch, daß die Regiemng telbst den Weg der Gesetzgebung b schritten hat und der Gesetzentwurf selbst die Mitwirkung der Gesetz- gebung in Ansvruch nimmt. Abg. v. Stromdeck: Eine Parallele zwischen dem Bundesgesetz für Elsaß-Lothringen und dem vorlteaenden läßt fich nicht ziehen. Nach dem Gesetz vom 9. Juni 1871 wurde bis zur Einführung der ReichSveriassung am 1. Januar 1873 die voll« Staatsgewalt dem Kaiser übertragen unter Zu- stimmung des BundeSraths. ES war also biS 1873 eine zeit- liche Beschränkung statuirt. In der Verfassung steht allerdings nicht, wie die Regelung der kolonialen Verhältnisse erfolgen soll, aber im Sinne der Verfassung liegt eS, daß hier eine dauernde Mitwirkung deS Bundestags und de» Reichstags er- folgt. Nach dem Grundsatz der Kommisfion könnte auch die Ausführung der Gesetze des Deutschen Reichs dem Kaiser über- tragen werden- DaS wäre dasselbe für daS Jn'and wie für die Schutzgebiete. Die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers wird durch den Antrag Buol nicht derührt. Sie bleibt dieselbe, mag man den BundeSrath mitwirken lassen oder nicht. Nach der Verfassung ist zur Giltigkeit der Reichsgesetze die Gegen» Zeichnung deS Reichskanzlers erforderlich. Abg. Kays er vertheidigt den von ihm gestellten Antrag, betreffend die Mitwirkung deS Reichstage» als wesentlichstrs und unveräußerliches Recht der Volksvertretung. Zur Zeit seien die Verhättniffe derartige, daß man entweder die Kolonien annektiren oder die Verantwortung für dieselben und für den Gang der Dinge in ihnen denen überlassen müsse, welche dort Geschäfte trieben, so zu sagen die Gründung gemacht hätten. DaS deutsche Volk habe jetzt schon alle au» den kolonialpoli» tischen Bestrebungen erwachsenden Kosten au» seiner Tasche zu zahlen, ohne auch nur eine Spur von Mttrederecht zu genießen. Werde der von ihm gestellte Antrag nicht angenommen, so müßten er und seine Freunde fich gegen jede andere Bestimmung erklären. Abg. v. K ö l l e r findet, daß der Abg. Kayser die Vor» lag« nicht mit dem nöthigen Ernste beurthetlt hat. Er hat fich zuerst für den Antrag von Buol erklärt, um sodann die ganze Vorlage abzulehnen aus einer gewissen Schadenfreude, weil er glaubt, dem BundeSrath Verlegenheiten bereiten zu können. Ob die Kolonialpolitik für den Arbeiierstand von Vortheil sein wird oder nicht, darüber will ich kein Prognostikon stellen. Ich glaube allerdings, daß die» der Fall sein wird, insofern als die Kolonialpolitik unseren Export Heden wird. Den Antrag v. Buol bitte ich abzulehnen. Abg. v. Buol erklärt, dem Amendement deS Abg. Kayser nicht zustimmen zu können, weil der Reichstag nicht daS Jahr hindurch beisammen ist. Die DtSkusston wird geschlossen und§ 1 unter Ablehnung sämmtlicher AbänderungSanträge nach dem Vorschlage der Kommission angenommen. Die§§ 2 3 und 4 werden ohne Debatte dem Antrage der Kommiffion entsprechend angenommen. Abg. v. Buol schlägt folgenden§5 vor:„Der§ 1 tritt 10 Jahre nach Verkündigung dieses GeietzeS außer Kraft" Adg Windthorft hebt hervor, daß daS Gesetz eine Art kaiserlicher Diktatur schaffen will, die sich mit dem föde- rativen Prinzip, daS sonst in der Verfassung zum Ausdruck kommt, nicht vereinbaren läßt. Da in den Motiven sowohl, alS auch in den Berathungen der Kommisfion stets betont ist, daß da» Gesetz nur einen provisorischen Coar alter tragen soll, so empfiehlt eS fich, dem Antrag v. Buol entsprechend einen Endtermin in daS Gesetz selbst hineinzutchreiden. § 5 wird gegen die Stimmen de« Zentrums und der Sozialdemokraten abgelehnt. Schluß 4'/, Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr 'Irdeiterschutzgesetz, Dynamitgesetz, dänische« Sprachengesetz, ettltonen)._ »bgeordneteuha«». 47. Sitzung vom 23. März, 11 Uhr. Am Ministertische: von Goßler, von Boetticher, von Scholz und Kommissarien. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt der P r ä s i d e n t mit, daß da» Präsidium Er. Majestät dem König zu seinem Geburtstage die ehrfurchtsvollen Glückwünsche des Hauses dargebracht habe und daß Ee. Majestät dieselben hu voollst ent- gegenqenommen habe. Die dritte Berathung deS Etats wird fortgesetzt beim Etat de» Kultus. Abg. Neubauer(Pole) berichtigt eine Behauptung des j. Gerlich in der zweiten Lesung über angebliche Vernach- läsfigung der deutschen Predigt seitens deS Pfarrer» in Schwee auf Grund eine» Schreibens der letzteren dahin, daß in der Schwetzer Pfarrkirche polnisch und deutsch gepredigt, und auch sonst für die Deutschen seelsorgerisch hinreichend gesorgt werde. Abg. Gerlich spricht seine Freude darüber au», daß der Schwetzer Pfarrer fortan die Deutschen mehr berückfichtig-n wolle. Abg. K a n t a! lonstatirt, daß der Schwetzer Pfarrer bi»- her bereits so gehandelt habe und nicht handeln wolle. Abg. Ger lich widerspricht dem auf Grund seiner Privat» infonnationen. Auf eine Anfrage deS Abg. v. JazdzewSki über die Beschäftigurg polnischer LchramtSkandidaten in der Provinz Posen erklärt Minister v. Gosjler, über eine generelle Ver sügung hier eine Auskunft nicht geben zu können. Abg. K a n t a k glaubt, daß dieser Fall des Pfarrers in Echw'tz die Art und Weise kennzeichne, wie man heutzutage öffentliche Meinung mache. Der Reichskanzler habe, gestützt auf den Bericht eines LandratheS, behauptet, daß ein polnisch» katholischer Pfarrer den Dienstboten verboten habe, bei Evangelischen zu dienen. Diese Beh-uptung sei durch gericht- ltche Verhandlung widerlegt worden. Davon habe man offiziell nicht Notiz genommen. Dagegen sei eine falsche Behauptung in Millionen von Exemplaren verbreitet worden. In Hannooer hätten nationalliderale Versammlungen die Lache für ihre Zwrck« ausgebeutet. Abg. Windthorst mahnt zur Vorsicht bei der Be- Nutzung derartiger„amtlicher" Berichte. Abg. P a y e r bestreitet die frühere, gegen die Ober- leitung der Diözese Ku!m gerichtete Behauptung deS Kultus Ministers, daß in Pclplin der deutsche Gotteiotenst vernach- lässtgt werde. Dem widerspreche der Bericht deS RegierungS» präfiventen. Minister v. G o ß l« r verspricht, den Fall zu untersuchen. «r habe sich früher auf den Bericht deS Präfidenten von 1372 dezogen. Dieser Bericht stehe in den Akten, und er bitte, doch nicht gleich mal» fides vorauszusetzen, wenn diese aktenmäßigen Thatsachen nicht ganz übereinstimmen. Di« Wahrheit liege oft in der Milte. Abg. v. Lchorlemer glaubt, daß der Minister auch in diesem Falle wieder, wie im Falle K-.ätzlg, die Unwahrheit gesagt habe. Immer wieder habe er da« Bedürsniß, den Bischof von Kulm, diesen ehrwürdigen loyalen Greis, anzu- areifen und stch eine Niederlage zu holen. Warum gebe der Minister nichr offen und gerade diejenige Gcnugthung, die schon bei der ersten G'legenheit verlangt worden sei und die ihm zur Zierde gereicht hätte? Diese Alt des Vorgehens tangire auch daS Ansehen der Regierung. In welchem Lichte stehe der Minister da bei einem solchen Vorgange? Bei dem Kapitel Zuschüsse für Mädchenschulen beklagt Abg. Schläger» daß noch immer, namentlich in der Provinz Hannover, der Unterricht in den Mädchenschulen nicht überwiegend von Lehrerinnen ertheilt werde. Man müßte den Lehrerinnenmangel durch Errichtung von Volksschullehrer innen» Seminaren vorbeugen. Beim Kapitel Elementarschulen beschwert sich Abgeordneter D i r i ch l e t darüber, daß die Schulaufstchrsbehörden sehr häusig fiskalische Interessen wahrnehmen. In streitigen Fällen hätten sie die Enrscheidung der Gerichte abzuwarten wie jeder Private, statt ihr angeblich zustehende Leistungen auf dem Wege der Exekution einzutreiben. Zum UnterstützungSfonds für ausgeschiedene Elementar» lehrer und-Lehrerinnen(Emeriten) bemerkt Abg. v. Sch enckendorff: Dem im vorigen Jahre an- genommenen Volksschullehrer- Pensionsgesetz konnte eine rück- wirkende Kraft nicht gegeben werden; eS hätte dies daS Zu» standekommen deS Gesetzes selbst gefährdet. Dagegen wurde eine von mir und dem Abg. Luckhoff vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen, deren Inhalt etwa war, daß dieser UnterstützungSfonds dauernd in einer Höhe erhalten bleiben solle, welcher die Emeriten vor wirklicher Roth schützt. Die große Zahl der in diesem Jahre wieder eingegangenen Peti- tionen dürfte aber doch die Vermuthung rechtfertigen, daß diese Roth noch lange nicht beseitigt ist. Und doch find schon jetzt im ersten Jahre 10000 Mark auf den Titel 29 über. nommen und im künftigen Jahr sollen weitere 31 000 Mark in Fortfall kommen. Ich möchte daher an den Herrn Finanzminister die dringende Bitte richten, bei dem Absterben ver Emeriten nur ganz allmälig mit der weiteren Herabsetzung dieses UnterstützungSfonds vorzugehen, und in jedem weiteren Jahr die Frage von Neuem zu prüfen, ob den dann noch verbleibenden Emeriten, besonders den im Alter vorgerückten und in ärmlichen Verhältnissen lebenden, nicht eine weitere Aufbesserung auS den flüsfig gewordenen Geldern zu Theil werden könnte. DaS Hohe Haus und die Regierung haben den Emeriten stetS das größte Wohlwollen zugewendet, und ich erinnere daran, daß. als auf den Antrag v. Bennigsen vor 3 Jahren dieser Fonds um 100000 Mark erhöht werden sollte, die Regierung nach Feststellung der aller- dringendsten Bedürfnisse diese Summe noch um 60 OCO Mark erhöhte. Diese Vorgänge rechtfertigen meine Bitte gewiß. Der Herr Finanzminister möge, wie ich ja gern anerkenne, sparen, wo eS irgend angängig ist, aber nicht bei den alten und armen Eme-iten. Der KultuSetat wird im Uebrigen nach einigen Bemerkun- gen der Abgg- Jansen, Christophersen und Wuer» meling unbeanstandet genehmigt. E« folgt der Etat deS Handelsministeriums. Zu demselben liegt folgender Antrag zur Vorberathung des Ge- setzentwurss, betreffend die Entchtung und Unterhaltung von Fortbildungsschulen in den Provinzen Westpreußen und Posen, gewählten Kommission vor:„In Kap. 69 der dauernden Ausgaben als Tit. 7a einzustellen: Zur Errichtung und Unterhal- tung der Fortbildungsschulen in den Provinzen Westpreußen und Preußen 200000 M.(Bestände können zur Verwendung in die folgenden Jahre übertragen werden.)" Referent Abg. v. Zedlitz begründet den Vorschlag nach der staats- bezw. budgetrechtl'.chen, wie nach der materullen Seite hin. Die Kommission habe zunächst die drei Fragen geprüft, ob überhaupt eine solche Beihilfe zu gewähren sei, in welcher Höbe und in welcher Form, ob in Form der vorge- schlagenen Etatepofition oder durch Votirung deS Gesetzes. Die Kommission habe die erste Frage schon um deswillen bejaht, weil sich bei der ersten Berathung des Gesetzes im Hause kein prinzipieller Widerspruch geltend gemacht habe. Ebenso wenia habe man die Höhe der Summe bemängelt. Nach dem Urtheil der Kommisston präjudizirt eine derartige Bewilligung in keiner Weise dem Votum des anderen Hauses. Abg. R o z a n s k i bittet den Antrag abzulehnen. Abg. Fehr. v. Echorlemer-Alst: Wäre daS Gesetz fertig, so hätte eS nichts auf fich, diesen Posten«inzustellen, aber das Herrenhaus hat doch noch nicht über daS Gesetz selbst votirt. Da-demselben nur zusteht, den Etat im Ganzen anzunehmen oder abzulehnen, so würde die Einstellung und An- nähme dieses Postens doch ficherlich dem Herrenhause bezw. dem Urtheil desselben über daS Ge>-tz präjudiziren. Warum denn die Sache so üderstürzen? Man kann ja ganz ruhig «inen NachtragSetat machen. Ich bitte Sie, den Antrag ab- zulehnen.(Beifall links und im Zentrum.) UnterstaatSsekretär Dr. v. Möller: Ich muß Sie im Gegentheil bitten, den Antrag Ihrer Kommission anzunehmen. Durch die Beschlüsse der letzteren ist der Gesetzentwurf dahin Geändert, daß er nur noch Fragen deS materiellen Rechts ent- ält, aber kein Wort von der Geldbewilligung. Der Regierung wäre die gesetzliche Regelung vortbeilhafter erschienen, aber, da die Kommission diese Trennung beliebt hat, so will die Regierung nicht widersprechen. Sie können die 200000 Mark ruhig bewilligen(Heiterkeit), ohne dem Gesetze selbst und seiner Gestaltung vorzugreifen Der§ 1 deS Gesetzes enthält ein«erthvolles materielles Recht, sehr werthvoll an sich, aber doch nicht so werthvoll wie dir Bewilligung der 200 000 M.(Große Heiterkeit links.) Das HauS hat durch Annahme des Antrages Achenbach den Deut- schen in den polnischen Landestheilen die Zuficherung ertheilt, daß ihre Interessen nachhaltige Förderung erfahren sollen (Hört! linkS). ich möchte Sie bitten, diese Zusage nicht dadurch abzuschwächen, daß Sie die Gewährung dieses Postens auf» schieben.(Hört! links.) Man hofft in den Ostprovinzen auf die Erfüllung der durch Annahme deS Anttage« gegebenen Verheißung. Die Herren Polen und deren Freunde mögen ja daS Gegentheil wünschen, aber die Staatsregierung hofft, daß die Majorität treu der früheren Zusage die Postiion annehmen wird.(Beifall rechts; Lachen und hört! links.) Abg. Dr. Meyer(Breslau): Man wird stch in dieser Sache allein von dem G-fichtSpunkte aus entscheiden können, ob die Bewilligung wünschenS merth ist oder nicht. Wir selbst halten eine Erledigung durch Bewilligung eineS Etatsposten für die geeignetstt, und hätte die Regierung allein diesen Weg gewählt, so würde wohl Niemand wiedersprochen haben, denn auf allen Seiten besteht volle Sympathie gegenüber den Fortbildungsschulen. Gegenüber dem heutigen Entgegen- kommen der SraatSregierung werde ich für die Bewilligung stimmen. Abg. H o b r e ch t tritt in gleichem Sinne für die Geneh« migung der neuen EtatSposttton ein, namentlich da derselbe nach keiner Richtung hin dem stließlichen Urthcile über die be- treffende Gesetzesvorlage präjudizire. Abg. K i e s ch k e ist dagegen der Anficht, daß Gesetz und Pofition untrennbar seien, denn in einem Paragraphen jenes Gesetzes werde der Zweck der letzteren angegeben. Trenne man beides, so sei die Regierung in keiner Weise gebunden, die 200000 M. im Sinne deS Gesetzes zu verwenden. Deshalb werde er seinerseits die Aufnahme dieser Pofition in den Etat nicht zugeben. Abg. Graf Limburg-Stirum würde keine verfassungS- mäßigen Bedenken haben, die für Fortbildungsschulen in West- preußen und Posen gefoiderten Gelder durch besonderes Gesetz zu gewähren, hält indessen den von der Kommisston empfohlenen Weg für korrekter und wird demselben zustimmen, um so mehr, alS ja doch die Mehrheit deS HauseS notorisch für da« Gesetz votiren werde. Abg. Dirichlet bekämpft den KommisstonSantrag, der im Grunde doch nur die Zustimmung zu einer antipolnischen Vorlage vorweg verlang-. Redner kann nicht glauben, daß fich der deutschen Bevölkerung in Posen und Westoreußen tiefste Niedergeschlagenhett bemächtigen werde, wenn man die Bewilligung um 14 Taae verschiebe; denn länger werde daS Zustandekommen eineS NachtragketatS fich kaum hinausziehen. Und was solle geschehen, wenn etwa Westpreußen demnächst aus dem Gesetz gestrichen werde? Abg. R i ck e r t: Die Regierung legte ein besonderes Gesetz vor, nach welchem jährlich 2(0000 M. für Fortbildungs. schulen in Posen und Westpreußen ausgegeben werden sollten. Bei der ersten Lesung habe ich auf diese« ganz ungewöhnliche verfahren, die Sache außerhalb deS Etats und für die Dauer zu regeln, hingewiesen und eine Regelung im Etat, ganz ad- gesehen von dem Gesetz, gefordert. Darauf ist die Kommisfion und auch die Regierung, obwohl ste früher widersprach, einge- gangen und ich werde daher wie der Abg. Meyer-BreSlau jetzt für die Bewilligung im Etat stimmen. Daraus ergeben fich keinerlei Schwierigkeiten. Die EtatSpofition ist ebenso un- abhängig von dcmGesetz, wie die 197 000 M.. die schon jetzt für Fortbildungsschulen im Etat bewilligt werden. Für dteZukunftund für daS Gesetz behält der Landtag völlig freie Hand. Die Frage ist jetzt nur erstens: ist die Förderung von Fortbildungsschulen in Posen und Westpreufen nöthig? Diese Frage ist von der großen Majorität bejaht, und ferner: werden die 200000 M. im nächsten Jahre Verwendung finden können? Auch diese Frage ist in der Kommiision bejaht und von der Regierung die Verwendung nachgewiesen. Ich bitte also im Interesse der Förderung der Fortbildungsschulen, die gerade in diesen Provinzen dringend nöthig find und von Allen gewünscht werden müssen, die 200000 M. zu bewilligen. DaS Gesetz wünsche ich gar nicht. Möge man doch erst einmal rer- suchen, od nicht mit den bisherigen Bestimmungen au!» zukommen ist. Hiernach wird der KommisstonSantrag mit großer Majorität genehmigt; gegen denselben stimmen Zentrum, Polen und etwa die Hälfte der Freistnnigen. Abg. Reinhold(nat.'lib.) befürwortet die Vermehrung der Fabrikinspektoren, speziell die Anstellung je eineS Jnspck- tors für Ost- und Westpreußen, sowie eine Theilung des Be- zirlS Aachen- Trier. Außerdem betont Redner daS Bedürfniß der Beschaffung eines technisch besser dmchgebildeten Gewerbe- Polizeipersonals. Im Königreich Sachsen sei das Institut der Asststenten der Fabrikinspektoren weit umfassender durchgeführt als bei uns. Die Regierung möge in Erwägung ziehen, od nicht im nächsten Etat Mittel zur Vermehrung der AuffichtS- kr äste zur Verfügung zu stellen wären, damit eine häufigere Revision der Fabriken möglich werde. Unterstaatssekretär v. Möller gicbt zu, daß einige Be- zirke zu groß seien; der gegenwärtige Moment sei aber für grundlegende Aenderungen nicht geeignet, da daS Institut der Gewerderäthe stch noch in einem UebergangSstadium befinde. Damit ist die dritte Berathung des Etats erledigt. Nach den Beschlüssen derselben deläuft fich der erforderliche Anleihe- betrag auf 8 770800 M. Die Einnahme beträgt 1 299 474 312 Mark, daS O dinarium der Ausgaben 1 262 836 621, daS Eitra- ordinarium 36 637 691 M. Mit diesen Z-ffern werden das EtatL« und daß An- leibegesetz im Ganzen definitiv genehmigt. Aus Antrag deS Abg. Kieschke wird der 37. Bericht der StaatSschuldenkommission der Budget-Kom- misfion zur Vorberathung überwiesen. Der Gesetzentwurf, betr. die Erweiterung des Staatsschuld buchS, gelangt ohne Debatte in erster und zweiter Lesung unverändert zur Annahme. Esf folgt die erste Berathung des Gesetzentwurf!, betr. die Kantongefängniffe in der Rheinprovinz. Abg. Mooren bedauert, daß die Regierung den Ent- wurf in der Form wieder vorlege, die im Vorjahr die Zusttm- mung deS Herrenhauses nicht erhatten habe. Letzteres habe, den Wünschen des rheinischen Provinzial-LandtageS und dem Ergebniß des historischen Ganges der Entwickelung ent- sprechend, die Forderung der Regierung abgelehnt, welche da- hin ging, daß nach staatsseitiger Uebernahme der Verpflichtung zum Bau und zur Unterhaltung der Kantongefängniffe die Polizeistrafgelder hinfort nicht mehr den Gemeindekassen, son- dem der SiaatSkasse zuzufließen hätten. Jetzt erhebe die Regierung wiederum dieselbe Forderung und stütze sie auf die schon im Vorjahr vorgetragenen Gründe, die seiner Anficht nach heute ebensowenig beweiskräftig seien wie damals. Redner beanttagt kommissarische Vorberathung und zwar in einer besonderen ad hoc zu wählenden Kommisfion. Letzteren Wunsch theilen die Abgg. Jordan(nat.-Iid.) und Lehmann(Zentrum), während von den Abgg. v. Rosenberg»GruSzinSki(fteikons.), Kieschke und v. R a u ch h a u p t die Vorprüfung deS Gesetzentwurfs in der Gemein dekommisfion empfohlen wird. Das Haus beschließt dem letzten Vorschlage gemäß. Schluß 3'/, Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. (Petittonen und Wahlprüfungm.) Kommunale». w. De« vom Markthallenkuratortum dem Magistrat vorgelegte Entwurf einer Polizei- Verordnung für den Markt- hallenverkehr beschäftigte daS Magistrattkollegium in seiner gestrigen Sitzung längere Zeit. Der Entwurf bestimmt, daß die Zentral Markthalle in der Neuen Friedrichstraße für Ein- bringung von Marktgut in die Stände und für den Groß« Handel von 1 Uhr Nachts an geöffnet sein soll, während die übrigen Markthallen für den Greßhandel im Sommer von 4 und im Winter von 5 Uhr Morgens ab offen sein werden. Für dm Kleinhandel soll die Ocffnung sammilicher Hallm gleichmäßig im Sommer um 6 und im Winter um 7 Uhr erfolgen. Für daS Publikum werden die Markthallen von dieser Zett an bi! Mittags 1 Uhr und von 4-8 Uhr Abends geöffnet sein. An Sonn- und Festtagen erfolgt der Schluß der Hallen um 9 Uhr MorgenS. Jeder Gewerbebetrieb im Umhergehen, mit AuS- nähme des Verkaufs von gekochtem Kaffee, soll untersagt sei». Verboten ist das Mitbringen resp. Lagern und Handeln roher Thierfelle. Pferdefleisch darf nur in solchen Ständen feilge» boten werden, in denen anderes Fleisch nicht zum Verkauf auS- liegt, auch muß der betreffende Stand eine Ta'el mit der beut« lichen Aufschrift:„Roßfleisch" tiagm. Ebenso müssen Kunstbutter und Milchbutter beim Verkauf gesondert gehatten und durch Anbringung von entsprechenden Schildern kenntlich ge» macht werden. Das Mitbringen von Hunden sowohl feiten! der Käufer als auch der Verkäufer in die Hallen ist untersagt. Der Magistrat hat dem Entwurf zugestimmt. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten« Versammlung am Donnerstag, den 25. März c., Nachmittag! 5 Uhr. Einige PenfionirungS- und Anstellungssachen— Vier Naturalisationsgesuche— Berichterstattung deS Etats» Ausschusses über die Vorlage, betr. die anderweitige Regelung der Stellung der juristischen Hilfsarbeiter beim Magistrat— dekgl. über die noch nicht zur Feststellung gelangten Spezialetats de! StadthaushaltketatS pro 1. April 1886/87— desgl. über die Etats für die Verwaltung der städtischen Wasserwerke, für dm Zentral- Vi- hmarkt ic. und für die Verwaltung der Hauptkaffe der städtischen Werke pro 1. April 1886/87— Berichterstattung über die Vorlage, betr. da! Projekt zum Neubau eine! Asyl! für Obdachlose und einer Desinfektionsanstalt an der Prenzlauer Allee— deSgl. über die Vorlage, betr. die Aufnahme von zwei neuen Straßen in die Abtheilung Xlll,2 des Bebauungspläne! — Wahl von vier Mitgliedern für die gemischte Deputation zum Ankauf von Grundstücken am Mühlendamm— Vorlage, betr. die Anstellung von Versuchen behufs Gewinnung eines reine« Brunnenwasser«— deSgl., betr. den Ankauf von Terrain de! Grundstücks Friedrichstraße 127 zur Verwendung für da! Friedrichs- Gymnafium— deSgl., betr. die Anlage von zwei neuen Straßen zur Verbindung der Blumenstraße mit der Großen Frankfurterstraße und mit der Schillingstraße— Fort« setzung der Berathung über eine Petition, dett. die Wieder» Herstellung von AuSladestellm am Görlitzer-, Kottbuser-, Plan-, Elisabeth- und Kohlen-Ufer— Vorlage, betr. daS Verhältniß, wie der Ladeverkehr fich am Landwehr- Kanal gestaltet— deSgtt, betr die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Bera« thung der Frage, welche Stellung die Stadtgemeinde zu dem Projekt der Epreereguiirung einzunehmen hat— desgl., betr. das Projekt zur Errichtung eines Pavillons auf dem Arbeits« hauSgrundstücke zu Rummelsburg zu einer Anstalt für ver« wahrloste Kinder— desgl., betr. die der Haupt SlrtungS-Kaffe im Jahre 1885 zugewendeten Vermächtnisse und Geschmke— Etat der Reuter- Stiftung pro 1. April 1886/87— Vorlage, betr. die im Oktober- Dezember- Vierteljahr 1885 durch die städtischen Gasanstalten gespeisten Flammen— desgl., betr. die Festsetzung von Baufluchtlinien für die Verlän» gerung der Charlottenstraße von der Georgenstraße bis zum Weidendamm und den Verkauf der Bau- lichkeiten der Grundstücke Dorotheenstraße 12 und Georgenstraße 32 zum Abbruch— deSgl., betr. die Verlängerung der GiltigkeitSdauer der Bestimmungen für die Geschäft!- führung bei den im Bereiche der Kanalisation vorkommenden Bau-AuS ührungen— desgl., betr. einige Abänderungen de! neuen Gemeinde-Einkommensteuer-Regulativ! für die Stadt Berlin— Berichterstattung über eine Petition— einige Unterstützungssachen— Vorlagen, betr. die Neuwahl von 3 MU» gliedern für das Kuratorium der„Stiftung der Berliner Ge- werbe Ausstellung im Jahre 1879"— Vorlagen, betr. die Reuwahl je eines Lürgerdeputirten für die Gewerde- Deputation, für die Schul-Depulation und für das Kuratorium de! städtischen Turnwesen!— Vorlage, betr. zwei Wahladlehnungen — deSgl.. betr. die Gewährung deS Stellengehalt! für einen mit der kommissarischen Verwaltung einer Vorschullehrerstelle beauftragten ehemaligen Schuloorstcher.— Außerdem, und zwar um 6 Uhr. wird von dem Herrn Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck die Einführung eines nnbesolveten Stadt« rath! bewirkt werden._ T Lokales. Auf den Rasenfläche« unserer Schmuckplätze stehtda! Thauwasser in großen Lachen. Dem Landmann bieten seine Aecker einen ähnlickin Anblick und für ihn ist daS ein ernstes Bild. Aus der Umgegend schreibt man: Di« Mafien von Schnee und Eis, welche bisher auf den Aeckern lagerten, find bereits geschmolzen, der Erdboden aber ist noch etwa meter- tief gekoren, so daß das Wasser nicht einziehen kann und schon jetzt an vielen Stellen fich zu Seen angesammelt hat. Die Wintersaat, die nicht von dem Frost vernichtet ist, fällt nun dem Waffer zum Opfer, so daß dem Landmann die Aus« ficht blvoisteht, die ganze Wintersaat noch einmal unter den Pflug zu nehmen. Bei der vorgeschrittenen Zeit häuft fich die Arbeit derart, daß ein großer Theil der Aecker wird unbestellt bleiben müssen, da eS an Arbeilekräften zur Bewältigung der Arbeit fehlen wird.— Die letztere Annahme erscheint un! un» gerechsseriigt, da an Arbeitskräften schwerlich so leicht ein Mangel eintreten wird. Die 9. Fortbildungsschule, Fruchtstr. 38, schloß am vergangenen Sonntag ihr achtzehnte« Semester durch Vertheilung der Zensuren und Entlassung der Abgehenden. Tie Schule wurde im abgelaufenen Wintersemester von 972 Schülern in 45 Kursen besucht, welche fich auf deutsche und französtsche Sprache, Rechnen, Geometrie, einfache und doppelte Buchs ührung, Körper» und Gypszeichnen, sowie Hochzeichnen für Tischler, Schloffer, Maschinendauer, Mechaniker, auf Modelliren in Thon und Wachs, und auf Phyfik erstreckten. DaS Sommersemester beginnt Sonntag, den 4. April, und werden Anmeldungen neuer Schüler täglich von 11—1 Uhr und von 4—7 Uhr im Amt!» zimmer, Schulhaus der 52. Gemeindeschule, 2 Treppen hock, von dem Vorsteher der Fortbildungsschule, Rettor W. Zietztt, entgegengenommen. Wieder stellt der Hamburger Meteorologe der,, Voss. Ztg." kaltes Wetter in Aukficht. Er schreibt d. d. 22. Mär,: „Ter 22. Mäiz brachte Hamburg unfreundlich trübe! Nebel- weiter und zeitweise Regen. Leichter, kühler Nordwind wehte und deutete im Verein mit dem steigenden Luftdruck an, daß wieder ein Gebiet hohen Drucke! in der Ausbildung begriffen fei, welches abermals die Entstehung kalter Nordostwinde her» beisühren und Nachtfröste im Gefolge haben werde".— Hoffentlich irrt fich der sonst so zuverlässtge Wetterprophet diesmal gründlich! Die Mutter als Heirathtvermittleri«. In der gestrigen Berliner Blatte! findet fich folgende Anzeige: Nummer eims---------------------„.... „Eine adlige Dame sucht für ihren 26 jährigen, lebensttäftigen(!) Sohn, angehenden Kreil thierarzt. Zeitmangel! wegen(!!) eine treue LedrnSpefährtin." DaS Glück, die Gattin dieses hoff- nungSvollen Edelmanns zu werden, ist jedoch durch viele Be« dingungen erschwert. Die„Bewerberin"— die Rollen find hier vertauscht— muß 22 Jahre alt, gesund, hübsch, edlen Charakter! und gebildet sein. Neben unschätzbaren häusliche« Tugenden darf auch die schätzbare eines Besitzes von 30 bt! 40 000 Thalern nicht fehlen.„Zeit ist Geld", sagt da! Sprüchwort. Sollte hier„Zeitmangel" vielleicht— Geldmangel de« deuten?! Vor 8 Jahre« wurde hier die Wittwe Cabatzk�� mordet, die Thäter find bisher unbekannt geblieben... meldet man der„Magd. Ztg." unter dem 21. d. M. au« Wittenberg. Vor einigen Tagen hat fich ein im MilitÄgc- fängniß zu Torgau eine Ettafe abbüßender Soldat, angedlr« I von Gewissen«bissen gepeinigt, gemeldet und die Bebauptung aufgestellt, daß er vor etwa acht Jahren, im Alter von 14 Jahren, in Gemeinschaft mit noch zwei Altersgenossen, eben- sallS Berliner Kindern, die Witlwe Sobatzky in Berlin er« mordet und beraubt habe. Od an dem Geständniß deö Tor- gauers e!was Wahres ist, wird die Untersuchung an den Tag dringen. Einstweilen ist hier gestern in der Cache ein Ge« freiter deS 20. Regiments unter dem Verdacht der Mitschuld verhaftet und nach Torgcu überführt worden. Der Ver» hastete, dem von seinen Vorgesetzten Lob ertheilt wird, hat an- gegeben, von der Sache nichts zu wissen. Der wissevschaf-liche Streit über die Miesmuscheln ist noch immer nicht abgeschlossen. Dr. Lohme per in Emden hatte bekanntlich behauptet, daß die Wilhelmshaven« Gift« muschel als eine von der typischen, eßbaren Miesmuschel v«. schiedene und eingeschleppte Abart(Mytilua edoli» L.) M bar« stelle. Von anderen Seiten wurde die Richtigkeit dieser Drag« nose nicht anerkannt, so insbesondere vom G- Heimen Medizinal- rath Virchow, welcher in der„Berliner Medizinischen Gesell« schaft", gestützt auf ein Gutachten der Zoologen von Martens und F. Eilhardt Schultz? die Aufstellung einer besonderen Ab« art nicht sür berechtigt erklärte. Demgegenüber vertheidtgt jetzt Dr. Lohmeyer in einem längeren Artikel der„Klmischen Wochenschrift" seine Anficht, die auch von Dr. Kobelt, einem hnvoragenden Kouchyologcn, sowie von englichen Gelehrten ge« theilt wird. Gegen den Einwand VirchowS, der fich auf die Einschleppung b-zieht, bemerkt der Verfasser:„Einschleppung ist sie und muß fie sein, weil st- sonst nirgends, weder im Umfange der oststiefischen Küster matten, noch an den Stranden der � Kil{<*4*4•nur he» und hier zu Docks ic. sehr häufig vorkommende Muschel." Nach Anficht verschiedmer Kapitäne soll unter den Seeleuten die Ucber« zeuaung hnrschen, daß man„Mnshela"(Miesmuscheln), welche tm stillen Wasser leben, nicht essen dürfe. Auch soll nach Mit- theilung des Dr. Kobelt in Amerika, wo man doch sehr viele Schaalthie e esse, die Miesmuschel in schlechtem Kredit stehen. In Anbetracht der traurigen, in WilbelmShaorn verursachten Vergiftungen und auf Grund seiner Erfahrungen kommt Dr. Lohmeyer ,u folgendem Eigebniß:„Für die Proxrs ist die gestreifte Miesmuschel, obwohl fie nicht immer giftig ist, em für alle Mal sür giftig zu erklären und d«en Genuß zu ver« bieten, sowie alle Miesmuscheln, welche in stillem Wasser, in DockS, Häfen, Buchten von Flußrevinen gefunden werden und streifig. Hellbraun oder orangeroth— anders als die gemeine blaue Miesmuschel- gefärbt find, ohne Weiteres als im höchsten Grade verdächtig anzusehen!" o. Mord. Die Nachricht von einer entsetzlichen Blutthat verbreitete fich am Dienstag in der dritten Nachmittagsstunde mit Windeseile in der Rosenthaler Vorstadt und versetzte die Bewohner deS NoiddisttiktS in ungeheure Aufregung. Eine Mutter hat ihre leidlichen Kinder, einen Knaben von IV« Jahr bezw. ein Mädchen von 5 Monaten, mittels eines Küchenmess«S mit kaltem Blute hingemordet und fich sodann auf gleiche Weise der irdischen Gerechtigkeit entzogen. Auf Grund am Thatorte eingezogener persönlich« R cherchen wird uns von unserem Referenten nachstehende detaillirtel Mittheilung ein« esandt: In dem Parterregeschoß de« Seitenflügels leterancnstraße Nr. 3 bewohnte der Konfektionischneidc: von der Firma Jacob Landsberger. Hermann Grieger, mit seiner Frau nebst 6 Kindern im Alter von 11 Jahren, Ä Jahren, 7 Jahren. 4 Jahren, IV, Jahren und 5 Monaten eine aus drei Piecen bestehende Wohnung. Die G.'sche Fa« milie, welche fich in dortiger Gegend eines tadellosen RuseS «freut, wohnt seit Jahresfrist im genannten Hause. Bei d« Firma I. Landsberger bat G. eine seit drei Jahren sehr gut dotirte Stellung, üd«haupt gilt die Familie als leidlich gut fituirt. In der Mittagsstunde etwa gegen 12'/« Uhr hörte die mit der G.'scken Familie auf selbigem Treppenflur wohnende Vizewirthin Frau Malcholz weinerliches Geschrei und als fie die Mobnungithür öffnete, trat ihr der vierjäbrige Gustav mit schreckensbleichem Geficht mit dem AuSruf entgegen:„Tante, liebe Tante, meine Mutter hat fich in den HalS gepiekt. Die blutet so!" AlS Frau Malcholz sofort die G.'sche Wohnung be- trat, bot fich ihr ein araufiger Anblick dar. In der Wohn- gebe lag die am 14. Oktober 1849 zu Lauban geborene Frau nna Grieger geb. Grothe noch röchelnd und mit durchschnitte« nem Halse auf dem Fußboden; fie blutete stark und daS Messer stach ihr noch in der Kehle. Neben ihr auf dem Boden stand eine Flasche, wie fich herausgestellt mit Zuckersäure ge« füllt, wovon die G. genossen hat. Auf dem Sopha lag mit gleich- falls durchschnittenem Halse der am 2. Dezember 1884 geborene Georg Grieger. während die fünf Monat alte kleine Liesbeth G. mit durchschnittenem Halse in der Wiege lag. Sofort be« nachlichtipte Frau Malcholz die im Vorderbause wohnende HauSwirihin Frau Palm, alsbald wurde der Vorstand deS 62. Polizei. Reaier und sofort mittels Zirkulardepesche der I.Staats- anwalt v. Angern, der Chef d« Kriminalpolizei Graf Pücklcr, Untersuchungsrichter LandgerichtSrath Hollmann, der Kriminal« inspettor von der Inspektion L. Herr v. Meerscheidt. Hüllessem rc. von d« Blultbat in Kenntniß gesetzt. Auch der prakt. Arzt Herr Dr. Gulhmann sowie der Kriminalschutzmann Mück au« dem Polizei-Revier waren schon um V,1 Uhr am Thatorte. Der Arzt konnte nur den bereits eingetretenen Tod der Mör- derin und ihrer Opfer konstattren. Nachdem durch die Gerichts. Ärzte Geheimrath Prof. Liman rc. die vorläufige Leichenschau stattgefunden und der Tbatbestand wie oben beschrieben fcstge« stellt war. wurden um 7'/, Uhr AbendS die Leichen nach d« neuen Morgue üd«gtführt. Der Mann, welcher von der Ar- beilistelle nach seinem Polizeibureau fistirt worden war, wurde alsbald auf freien Fuß gesetzt.- Nach anderer Verston soll die Frau G. seit mehreren Tagen Spuren von GemüthSkrank« k'* Pottzci�Bertcht. Am 22. d. M. Vormittags wurde an der Waisenblücke die Leiche eines unbekannten, etwa 40 Jahre alten Mannes und Nachmittags an der Stadtschleuse die Leiche einer und, kannten Frauensperson auS dem Wasser gezogen. Beide Leichen wurden nach dem Leichenschauhause gebracht.- An demselben Tage. N-chmittagS gegen 1 Ubr. entstand n der Happoldt'schen Brau«ei, Hais« Haide Nr. 6, und zwar in der Darre, auf bisher unaufgcllärt gebliebene Weise Feuer, welches den Dachstuhl und daS zweite Stockwerk, sowie sammt« liche Malzvorräthe im Betrage von etwa 10000 Zentnern vernichtete. Bei den AuftäumungSarbeilen verrmgiocktt ein Spritzenmann dadurch, duß er etwa 4 Meter ttef hmadfiel und ttch durch den Fall eine Verstauchung de« Rückgrats zuzcg. Er wurde mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht.- In der Nacht zum 23. d. M. erhielt ein Schutzmann, als er an der Ecke der KrauSnick« und Großen Hamburaerstraße Sä- ss �erhaftet. Der Schutzmann mußte fich sofort nach dem Et. HedwigS-Krankenhause begeben, um die Wunde zunähen und �»binden zu lassen.__ Gertchts-Ieitims..... ÄÄÄ Ä oolten Betrugs und»ersuchten Betrugs, welche gestem gegen den ZÜSÜÜ meistem und Konditoren in den verschiedenen Städten der Provinz Brandenburg«klärte der Angeklagte auf deren Be« merkung, daß fie ihre Butter bisher von Greier in Küstrin be- zogen:„Ach was, der kann Ihnen ja die Butter nicht so billig liefern, als Edinger, da er ja erst von diesem seine Butter, und zwar auf Kommisfion, beziehe. Auch hat er bereits fallirt/'S�Der letztere, welcher nierrals von Edinger Butter bezogen hat, brachte diese ihm zu Ohren gekommenen falschen Vorspiegelungen deS Angeklagten zur Anzeige und die S'.aatSanwaltschaft erhob die obige Anklage. Das hiefige Schöffengericht verurtheille denn auch den Anae« klagten zu einer Gesammtstrafe von vier Wochen Gefängniß. In d« gegen dieses Urtheil eingelegten Berufung machte der Angeklagte geltend, daß er fich bezüglich seiner Aeußerung im guten Glauben und in der Abwebr gegen Gr. befunden habe, der seinen Prinzipal in gleicher Weise verleumdet und dafür mit 150 M. bestraft sei, sowie daß die qu. Kunden fich zur Bestellung nur wegen des gering«« PreiteS haben bestimmen lassen. Der Staatsanwalt plaidirt für Verwerfung d« Be« ruiung.e wohingegen der Gerichtshof auf Freisprechung des An« geklagten erkannte, da, obzwar die Rechtswidrigkeit desselben feststehe, anzunehmen sei, daß die Kunden nicht durch die falsche Thatsache, sondem lediglich wegen deS billigen Preises bestellt haben. RetchSgerichtS-Entscheidung. Leipzig, 22. März 1886. Wegen Verlaufs einer unzüchtigen Schrift) waren die Buch- und Kunsthändler Oskar Sachse und Otto Heinzelmann in Hannover vom dortigen Landg«ichtelunter Anklage gestellt, aber freigesprochen wordm. Es handelte fich um den Verkauf des Deeamerone, welch« nach der Anficht des Landgerichtes all«dings ein Bild großer fittlicher Entartung entrollt, aber im allgemeinen als ein stttliches Buch anzusehen sei. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts seien notorisch die höheren Stände von Franz l. von Frankreich herab in Sittenlostgkeit versunken gewesen, auch die Geistlichkeit, und gegen diese sei insbesondere daS genannte Buch gerichtet. Allerdings bilden, wie daS Gericht weiter sagt, Verführungen und andere geschlechtliche Dinge den Hauvtinhalt deS Buches, aber bei der durch Erhabenheit deS Charakters ausgezeichneten Verfasserin, der Herzogin von Alengon, sei die Annahme auS- geschloffen, daß eS ihre Abfickt gewesen sei, geschlechtlich zu reizen. DuS Buch sei ein Sittenspiegel einer Jahrhunderte zurückliegenden Zeit; das werde schon durch die vorliegende Bearbeituno und die in derselben gegebenen Bemerkungen be- wiesen. Hiergegen, nämlich gegen die Verneinung der unfltt« lichen Tendenz, kämpfte die Staatsanwaltschaft in der Re- vifionSinstanz an. Der Reichsanwalt beantragte jedoch die Ver« Weisung deS Rechtsmittels, da die Feststellungen des Land- gerichteS unangreifbar seien. Demgemäß verwarf der dritte Strafsenat deS Reichsgerichtes die Revifion, obgleich er in einem früh«« Falle anerkannt hatte, daß der Deeamerone ein unsttt- lichei Buch sei._ Soziales und Arveitervemegung« * An die Drechsler und verwandten Berufsaenossen richtet die unterzeichnete Kommisfion den dringenden Mahnruf, mit aller Kraft für die.streikenden Gewerksgenossen der Siegel« schen Steinnußknopffadrik einzutreten, vor allem.durch materielle Unterstützung. Wir ersuchen alle bereits gesammelten Gelder in der heut Abend bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79, stattfindenden Deleairten- Versammlung abzuliefern. Wir geben in Weiterem den Gewerksgenossen zu bedenken, daß, sollte der durchaus gerechtfertigte Streik durch ungenügende Unterstützung zu Gunsten des Fabrikanten und zum Schaden der streikenden Arbeiter zu Ende gehen, die Drechsler und verwandten Be« russgenossen Berlins fich von dem Vorwmf nicht werden freisprechen können, daß fie je 3 vor allem waren, welche die Solidarität der Ärbeiter-Jnteressen nicht hochgehalten haben. Daß dieser Vorwurf uns nicht gemacht werden kann, dafür einzutreten ist die Pflicht deS Einzeln« wie der Gesammtheit. Gewerksgenossen, zeigt durch allseitige Unbrstützung dieseS kleinen Streiks innerhalb der Gewerkschaft, daß wir, nachdem wir durch die Unterstützung der gesammten deutschen Arbeit«» schaft bei unserer vorjährigen Lohnbewegung in den Sattel ge« Hoden, nun auch in diesem Falle beweisen, daß wir reiten gelernt haben. AlleS weitere in der Deleairten-Versammlung, wo jede Werkstatt vertreten sein muß.(Siehe Inserat.) Mit kollegialischem Gruß! Die Lohnkommisfion der DrechSI« und verwandten Berufsgenossen Berlins. I. A.: R. Sündermann, Gitschinerstr. 61 i._ Uerewe mtfc Uersammllmgen. * Eine öffentliche Eisenbahnarbetter-Versammluna, von ca. 2000 Personen besucht, tagte am Freitag, den 19. d. M., Wrangelstr. 9/10, in der Urania. Schon lange vor der Eröffnung war der Saal überfüllt, so daß beide Galerien geöffnet werden mußten, von sämmtlichen Berlin« Bahnhöfen waren die Ardeiter erschien«. JnS Bureau wurden die Herren Papke zum 1. und Felgentreff zum 2.Vorsttzenden und C. Schulz als Echriftführer gewählt. Herr Kördel als Referent sprach in sachlicher Weise ca.'/« Stund«. Redner führte un« gefähr folgendes auS: AIS einen der wundesten Punkte bei den Eisendabnarbeitem sei unbedingt die lange Arbeitszeit zu dettacht«, insbesondere wenn man erwägt, daß die An« strengungen der Arbeiter oft derartig find, daß nur die stärksten und gesundesten Leute für die Dauer fich als widerstandsfähig erweisen. Rechnet man noch hinzu, daß bei einem Lohn von 2 M. täglich für einen Familienvater auch nicht die g«ingste Möglichkeit vorhanden, dem Körper die»«brauchten Kräfte wieder zu ersetzen, dann sei eS kein Wunder, wenn selbst bei sonst braven Leuten die Ehrlichkeit in Frage gestellt werde. Wenn nun noch Verstaatlichung der Bahnen, noch Neuerungen eingeführt wurden, wie z. B. die vierwöchentliche Lohn- zahlung, dann dürfe man keinen Augenblick mehr warten, um daS unendliche Elend zu beseitig«. Der geeignetste Weg sti eine Petition, da eS nun an den Reichstag einmal nicht geht, an den preußischen Landtag. Der Reichstagsabgeordnete Herr K-äck«, mit stürmischem Beifall begrüßt, führte hierauf ungefähr folgendes aus: Meine Herren, da ich 13 Jahre Lohnarbeiter war, werden Sie mir glauben, daß ich die Ver« hältniffe genau kenne. Die Ausführungen deS Refnenten be« weisen mir, daß fich die Lage der Eisenbahnarbeiter nicht zum Vortheile derselben entwickelt hat, wenn die ohnehin viel zu niedrigen Löhne nicht, wie bei den Beamten, pränumerando gezahlt werden, dann müßten dieselben wenigstens wöchentlich zur Auszahlung gelangen. Ein Sturm von Petitionen sämmt« lich« Eisenbahnardeiter hätte bei der Neu«ung der 4wöchent- lich« Lohnzahlung an den Landtag ergehen müssen. Wenn man ad« Petitionen an den Landlag schicke, dann müsse man alle Mißstände genau aufführen und dieselben mit Beweisen belegen. Man solle fich nicht in allgemeinen Forderungen er- geh«, sondern alle Forderungen genau präzifiren, sogar die Folgen der herrschenden Mißstände, als auch die Folgen et- waiger Besserungen in da» richtige Licht zu stellen suche,,. Redn« hofft, daß, wenn die Ardeiter mehr zum Klaffende- wußtsein erwacht, eS ihnen vielleicht gelingt, selbst unter dem Dreiklaffen> Wahlgesetz in den Landtag zum Segen der Ardeiter wahre Vertreter d«selben senden zu können. Reicher Beifall lohnte dem Redner. He« Krüger schloß fich in der Hauptsache dem Vorredner an und behielt fich vor, au«- führlicher in der nächsten Ansammlung zu berichten. In län« g-rer Ausführung krilifirte hierauf Herr Görckt die Frauen- arbeit auf den Bahnen und ermahnte zur Organisation. In demselben Sinne äußerte fich Herr Schulz. Unter großer Heiterkeit der Versammlung theilte noch ein Etsenbahn-Arbeiler mit, daß e« seinem Kollegen gelungen sei, nachdem bei sämmt« lichen Instanzen vergeben« darum ersucht wurde, durch die Vernittlung deS Her« Hofprediger Stöck« wenigstens alle 3 Wochen einen freien Sonntag zu erhalten.— Eine Resolution im Sinne de« Referenten wurde angenommen. Der Ref«ent ermahnte in seinem Schlußwort noch die Eisenbahnaibett«, nicht nur in den wenig«, ihre eigenen Interessen berührend« Versammlungen zu erscheinen, sondern fich mehr und mehr öffentlich an der Arbeiterbewegung zu betheiligen, und wmn wieder einmal d« Tag der Wahl gekommen sei, fich den Kan« didaten genau anzusehen. Nur einem solchen sollten fie die Stimme geben, der mit den Interessen der Arbeiter eng ver« wachsen und für dieselben unter allen Umständen einzutret« gewillt sei. Mit einem Hoch auf die g«echte Sache und der« Gelingen schloß d« Vorsitzende gegen 1 Uhr die Versammlung Im Arbeiter-Vezirksverein„Süd-Ost" hielt am 17. d. M. der Stadtverordnete He« Mitan einen beifällig aufgr« nommenen Vortrag über„Die neuesten Vorgänge in d« Stadtverordneten-Versammlung". Redner gab zunächst ein Bild von dem Anhalten vieler Stadtverordneten während der Ver- Handlungen. Statt sich an denselben zu betheiligen, führten dieselben oft so laute Zwiegespräche, daß es dem Einzeln« wegen der herrschenden Unruhe oft sehr schwer werde, den Verhandlungen zu folgen. Redner besprach dann den von den Arbeitelstadtverordneten gestellten Antrag, betreffend die Zah- lung eines Minimallohnes von 3 M. für die städtischen Ar- beiter, und das Verhalten der Majorität d« Stadtverordnet«» Versammlung demselben gegenüber. Besonders scharf rügte Redner die Ausführungen deS Stadtv. Hoffmann II, der«klart hatte, daß eine Erhöhung der Löhne gar nicht nothwendig sei, da der Lebensunterhalt nicht theurer, sondern billig« geworden sei und besonders die Wohnungsmieth« nur einen gering« Theil deö Einkommens absorbirten, da für 100-120 M. genügende Wohnungen vorhanden seien. Bei Besprechung des Magistratsantrage«, betr. die Einführung von Regenbädem in den Gemeindeschulen, tadelte Redner unter dem Beifall der Versammlung in herb« Worten die Art und Weise, in der die Redner der Majorität die ganze Sache behandelt hätten. Er drückte besonders seinen Unwillen darüber aus, daß der Stadtv. Kreitling die Kinder der Arbeiter als oft mit ansteckenden Krankheiten dehaftet bezeichnet habe. In der DiS- kusfion sprachen fich sämmtliche Redner im Sinne de« Re- ferenten aus und wurde folgende Resolution einstimmig an- genommen:„In Erwägung, daß die in der letzten Stadt« v«ordneten-Versammlung speziell von dem Stadtv. Hoffmann II aufgestellten Behauptungen über ArbeitcrwohnungSverhältniffe mit den thatiächlichen Verhältnissen im krassesten Widerspruch stehen, spricht die heutige Versammlung des Arbeiter-Bezirks- Vernn„Süd Ost" ihre Entrüstung darüber au«.— Fern« protistirt die heutige Versammlung energisch gegen die in den Ausführungen deS Stadtv. Kreitling liegende Unterschiedung. alS ob die Kind« der Arbeiter mit ansteckenden Krankheiten behaftet sei«."— Nachdem hierauf für ein ehemaliges Mit- Med, welches durch Krankheit in Noth gerathen ist, ein« Tellersammlung, welche 8 M. 86 Pf. ergab, beschlossen und der Fragetasten erledigt war, schloß d« Vorfitzende die Ver- sammlung um 11'/, Uhr. Der Verein zur Wahrung der materielle« Interesse« der Fabrik-«ud Handarbeiter hielt am Sonntag, den 21. März, seine regelmäßige Verfammlung bei Malttz, Andrea«- straße 26, ab. Die Tagesordnung lautete: Vortrag deS Her« M. Kreutz über„Produktion und Konsumtion", Monatsbericht vom Februar und Verschtedme». Referent legte zunächst klar. wie thöricht eS sei, wenn man glaube, die Innungen könnten dem beute so sehr daniederliegenden Handwerk aufhelfen od« den Arbeitern eine soziale Besserstellung schaffen. BiS zu Anfang dieses Jahrhunderts hätten die Innungen wohl in mancher Beziehung etwas leisten können, seit aber die Technik solch' ungeheure Fortschritte gemacht, sei es unmöglich, ein« Innung noch irgend welchen Werth bei- zulegen. Als man die Gewerbefreiheit und Freizügigkeit. welche Herr Kreutz in warmen Worten vertheidigt, gefchaffen. hätte man auch gleichzeitig Gesetz«, schaffen sollen, die eine Grenze setzten, wie weit die Ausnutzung der Arbeitskraft von Seiten des Kapitals gehen dürfe. Bei der heutigen schranken- und planlosen Produktionsweise käme es nur darauf an, recht große Kapitalien zu befitzen, um einen auftauchenden Kon- kunenten immer wieder überflügeln zu können. Täg» lich würden durch das Großkapital kleine Gewerbe, treibende in die Rethen deS Proletariats gedrängt. Diese seien dann gezwungen, in die Fabriken zu gehen und drückten dadurch wird« den Lohn der Fabrikarbeiter auf ein Minimum herab. Auf diese Weise würde das Kopital in immer weniger Hände gebracht, während die große Masse deS Volkes nicht einmal soviel befitze, um ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Wenn es so weiter gehe, dann käme eS in abfehbar« Zeit dahin, daß der Arbeiter übnhaupt nicht mehr erist«z« fähig sei. Einer der bedeutendsten Männer habe'jetzt von neuem darauf hingewiesen, in welch erstaunlicher Weise die Produktion steige, während die Konsumtion im stet« Sinken begriffen sei. Wmn auch die Statistik nachweise, daß in einem gewissen Zeitraum so und soviel Waaren nach Amerika od« andnen überseeischen Ländern geschafft würden, so sei damit doch noch nicht brwiesen, ob man diese Waare auch verbraucht habe oder ob fie dort noch aufgespeichert sei- Alle diese wirthschaftlichen Uebelftände— so fuhr Referent fort— können nur beseitigt werden, wenn man der Gegen« wart angepaßte Gesetze schafft. D« fozialdemokrattsche Arbeit«. schutzgesetzentwurf sei ein solcher, den heutigen Vnhältniffm Rechnung tragender Vorschlag; derselbe würde aber von den Heuligen Gesetzgebern verworfen und aus diesem Grunde sollten die Arbeiter dafür sorgen, daß Leute inS Parlament kämen, welche das Wohl deS arbeitenden Volkes imm« im Auge Hab«, dann würde eS nicht lange dauern und die Schaar der Arbeits- los« würde verschwind«. Nachdem der Vortrag«de noch in überzeugender Weise darauf hingewies«, wie nothwendig eS sei, daß fich jeder Arbeiter einer Fachorganisation anschließe, gelangte folgende Resolution zu einstimmiger Annahme:„Tie heutige in Malitz' Lokal tagende Mttglieder-Vnsammlung deS Vereins zur Wahrung»c. erklärt fich mit Hrn. Kreutz einoerstau- den und verpflichtet fich, tm Sinne seiner Ausführungen zu wirken." In der Distusston wieS Herr Paulikat auf die Schäden hin. welche die Akkordarbeit für den Arbeit« sowohl als auch sür die Industrie überhaupt mit fich bringe. Wenn man die Ar- beiter fragen würde, ob fie für oder gegen die Maschine seien, so würden fie fich vielleicht sür daS letztere entscheiden(?) mindesten» sei die Entscheidung zweifelhaft(y. Herr Kreutz destritt die letztere Ansicht ganz entschieden und wünschte, die Technik möge fich immer mehr und mehr entwickeln; nur sollen die Maschinen nicht zum Nutzen Einzelner dienen, sondern dem Arbeiter die Arbeit erleichtern und der gesammten Menschheit dienstbar gemacht werden. In seinem Schlußwort streifte der Referent noch das Unfall- verflcherungSgesetz, lritifirte in scharfer Weise die Hirsch. Duncker'schcn Gewerkoereine und beleuchtete die Rückwärts« bestrebungen der christlich-sozialen Partei. Nachdem die V«- sammlung den Vereintbericht vom Februar entgegen genommen. wurden noch einige interne Vereinsangelegenheiten erledigt. worauf der Vorfitzende die Versammlung schloß. Der V«ein hält biS auf Weiteres seine Versammlungen jeden Sonntag nach dem 15. im oben genannten Lokale ab. * Große Volksversammlung im 3. Berliner Reichstags- Wahlkreise, am Mittwoch, den 24. März, Abends 8 Uhr, im Louifenstädtischen KonzerthauS, Alte Jalobstraße 37. Tagcö- Ordnung: Die Etein'sche Städteordnung, deren heutige Ge- stall und unsere Ziele auf diesem Gebiete nach den Waldcck'- schen Vorschlägen. Referent: Herr Reichstagsabgeordneter August Heine. Kachveretn der Schneider. Am drittm Osterfeiertage veranstaltet der Vorstand im Deutschen Vereinshause, Wilhelm« straße 118, eine gemüthliche Abendunterhaltung, bestehend in GtsangS. und humoristischen Vorträgen, ausgeführt von her- vorragenden Künstlern. Darauf Tanzkränzchen. Alle« Nähere über Programm und Bezug der Billets in nächster Zeit. verein zu« vertmung der Interessen der«r- beiterinne«. BilletS zu dem am Eonnabend, 10. April, in Keller's Salon stattfindenden Stiftungsfest, zum Preise für Herrn 50 Pfg., für Damen 25 Pfg., find bei folgenden Ver- etnsmitglievern zu haben: Frau Gubela, Frankfurter- Allee 109; Fr. Kreutz, Skalitzerstr. 28; Fr. Stägemann, Barnimstr. 20; Frau Stetndorff, Marienstr. 14. * Bezirksveretn de» werkthätige« Volke» der Schön- hauser Borstadt. Mittwoch, den 24. März, Abend» 3'/, Uhr» im Lokale des Herrn Seefeldt, Grenadicrstr. 33, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Vaake. 2. Diikusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Gäste, durch Mitglieder «ingeführt, haben Zutritt. Aufnahme neuer MMieder. * Berei« für Technik«ud Gewerbe, Mittelstraße 65. Mittwoch, Abends 81/, Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Letzte Uachrichte«. Laut Telegraph, der nach dem Ausdruck deS Fürsten BiS« marck:„Gelogen, wie telegraphirt", von haarsträubenden Ueber« treibungen strotzt, nehmen die Zustände in Belgien nach« ? trade den Charakter einer„sozialistischenRevolu- ton" an. Anlaß zu solchen Phrasen giebt die große AuS« brettung deS Streik» in Seraing und die Befürchtung, daß in dem Lütticher Bezirk gleichfalls die ArbeitSeinstellunam stch vermehren werden. Streiks wegen Lohnerhöhung und Arbeits« zeitoerminderung nennen natürlich die Anbeter des goldenen KalbeS, da»„Berliner Tageblatt" voran:„sozialistische Revo« lution". Man steht, daß der rothe Lappen nicht nur von Reaktionären, sondern auch von Deutschfretfinnigen geschwungen wird. Die englische MinisterkrisiS ist zu dem Punkte gelangt, daß die Herren Chamderlain und Treveluan, die fich mit Gladstone in der irischen Frage nicht einigen können, nun« mehr bestimmt auS dem Kabinet austreten werden. Der Streik in Decazeville besteht in aller Ruhe weiter und breitet fich immer mehr aus. ES werden allerdings keine hohen Unterstützungen gezahlt, doch regelmäßig«. Die dortigen Bergarbrtter find sehr bescheiden und harren treu und etnmüthig auS, so daß die Gesellschaft wohl wird nachgeben müssen. AuS N e w- N o r k wird telegraphirt, daß am Montag in West Pennsylvanien gegen 4000 Grubenarbeiter dm Sirctk er« klärt haben. Auch haben sämmtliche Weichensteller der Kansas« Eisendahn die Arbeit eingestellt, so daß der Verkehr der Güter- züg« völlig auf dieser Bahn unterbrochen ist. Literarisches. Bon dem illttstrirte« UnterhaltunaSblatt„Dte Neue Welt", Hamburg. Verlag von I. H. W. Dietz, ist soeben Heft 13 deS eisten Jahrgangs erschienen. Inhalt: FrühlingS-Sonnenstrahl. Novelle von Paul Feld« bürg.(Fortsetzung.)— Eine Frühjahrs Wanderung durch Feld und Wald. Von W. Sorka.— Ein Lebensbild aus dem hohen Norden. Von M. Thoresm.(Schluß.)— Warum? Ein Skizzenblatt von C. ColoniuS.— Gebrüder TherfiteS. Eine literar-krittsche Skizze von Bruno Geiser.— Die englische Fabrik« und Arbeitcrgesetzgedung. Von August Heine.— Die Städteheizung in der Technik und Volkswirthschaft. Von Dr. Mehner.— Ein Abenteuer im Bett. Amerikanische Erinne« rung von O. v. Briefen.— Unsere Illustrationen. Romeo und Julie. Im Eise fischmde Elstern. Eingeschneit auf der Paziflkbahn. Negerkampf in Venezuela.— Für unsere Hausfrauen.— Vermischte».— Rechen« Aufgabe. — Rebu».— RedastionS» Korrespondenz.— Aerztlicher Rathgeber.— Wie wird Bier gebraut?— Mannichfalttges.— Humoristische»._ Kriefkasten der Redaktion. R. S. Tasdorf.„Die VollSstimme" kostet vierteljährlich bei der Post abonnirt 1 M. In der PostzettungSpreiiliste ist daS Blatt unter Nr. 5512» 1. Nachtrag eingetragen. Lustiger Adolf. 1. Daß Ihr Wirth, in dessen HauS Sie einen Posamentierladen inne haben, einen anderen Laden an ein ähnliches Geschäft vermiethet, giebt Ihnen nicht das Recht, vom Miethstontrakte zurückzutretm. 2. Der Abgeord- nete Bebel gehört dem Reichstage von allen sozialdemokratischen Abgeordneten am längsten an. A. F. T., Brunneustraße. Jawohl, aber nicht zu lang. A. B. Ein Minderjähriger kann, wenn er ohne Gemhmi« grng deS Vormundes an einem anderen Ort Arbeit nimmt, auf Anordnung deS Vormundschafttgerichte» zurückgebracht werden. Das Gericht wird eine solche Anordnung aber nur auS besonder» wichtigen Gründen treffm. Wochenabonnent Sk. 20. Die Räumungsfrist für Wohnungm richtet fich nach der Zahl der vorhandenen heiz« baren Zimmer, ohne daß es auf dm MiethSpreiS ankommt. ES müssen geräumt werden: Wohnungm mit 1 oder 2 heizbaren Zimmern am 1. April, 12 Uhr» «?» f" n H 2.„„„ „ mit mehr als 4 ,,„ ,, 3.„„„ L. ft. 1. Die an Dienstboten gemachten Weihnachts- geschenkt können, wie alle anderen Geschenke, in der Regel innerhalb 6 Monaten widerrufm werden, und zwar ohne An« gäbe von Gründen. Wenn aber daS Dienstmädchm durch be« sondere ungewöhnliche Dienstleistungen stch der Herrschaft ver« pflichtet hat(z. B. durch aufopfemde Pflege während einer Krankheit, durch U bernahme von erheblichm Extraarbeitm), so findet ein Widerruf nicht statt. Ist ein Geschenk gtltig wid-rrufen, so muß dasselbe in dem Zustande zurückgegeben werden, in welchem e» stch zur Zeit de» Widerrufs befindet. Der Dicnstbote, dem z. B. ein Kleid geschenkt worden ist, braucht nicht den ursprünglichen Werth herauSgegedm. Wenn Geld geschenkt wordm ist, so kann die Herrschast den später fälligen Lohn in Höhe deS Geschenke» einbehalten. 2. Einen Schaden, den ein Dienstbote durch Unvorstchtigkeit der Herrschaft verursacht hat, muß derselbe ersetzen. W. S., Halle a. S. DaS Verlangen der Polizei« Be« Hörde ist durchaus gerechtfertigt. Sie müssen die Urabstimmung wiederholen, und zwar, da doch nicht alle Mitglieder an einer und derselben Verhandlung theilnehmen tönnm, am besten folgendermaßen: Sie lassen daS Statut in beliebig vielen Ex m« plaren bei allen einzelnen Mitgliedern zirkuliren und ersuchen alle diejenigen, welche daS Statut genehmigen wollen, dasselbe zu unterschreiben und ihre Unterschrist durch die Polizei oder den Bezirks- Vorsteher beglaubigen zu lassen. Sie ersuchen ferner dte einzelnen Fach« vereine um Uedersmdung eineS MitgltederverzeichnisseS und stellen hieraus das Gesammtverzetchntß für die ganze Ver« einigung zusammm. Theater. Mittwoch, den 24. März. vsteruhau». Lohengrin. Schausptelhau«. Frau ASvasta. Deutsche» Theater. Don Carlos. Wallner-Theater. Gastspiel de» Herrn Thoma». Hasemann'S Töchter. Refidenz« Theater Frau Doctor, Schwank in 3 Akten von P. Ferrier u. H. Bocage. »elle-Alliauce-Theatcr. Gastspiel de» Herin Felix Schweighofer: Sein Spezi. Friedrich« Wtlhelmstädttfche» Theater. Der Zigmnerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. Hettere» au» der Berlwer Theateraeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorsviele und 3 Akten von Jakobson und Wiltm. Loutsenstädtische» Theater. Die Räuber. Aeutral-Theater. Der Stabs« Trompeter. Viktoria- Theater. Messalina. Ofteud-Theater. Benefiz für Frl. Ida Müller. Die Waise auS Lowood. American« Theater. Große Spezialitäten- Korstellung. Theater de« NeichShalle«. Große Spezialitäten-Vorstellung. «aufmau«'» Variete. Große Spezialstäten« Lorstellung. ttoukordta. Große Spezialitätm-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15[851 Mittwoch, de« 24. März 1886: Sitra Ys stelling. Einmalige Aufführung von: Der SluKichitt m Min. Original-Schauspiel in 3 Akten von Ziegler. Besetzung der Hauptrollm: Johanna Land: Hedwig Wiese, Gottlieb Koke: Alfred Seefeld, Hamilton: Max Gericke, Harrison: Theodor Betz. Donnerstag, 25. März: Schloß Gretffenstein. Vor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapelle. Anfang de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang de» Konzert» Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. ■ ml haben Wochentag» Giltigkeit und find im Theaterbureau(12—1 Uhr) gratt» zu haben. Unterstützungsverem der Buch- binder zc. Die Beerdigung unseres so stüh verstorbenen Kollegen Milhelm Flöier findet Mittwoch, dm 24. d. MS., Nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Loutsen-Gemeinde(Britz) auS statt. Die großen Verdlmste, welche stch der Verstorbme im Vereine erworben, lassen eine rege Betheiligung voraussetzen.[1101 Der Vorstand. D-l-girteu-Vrrfammluug[1104 der Drechsler und verw. Berufsgenossen beute, Mittwoch, AbendS präiise 8V, Uhr, b. Gratweil, Kommandantenstr.77/79, oberer Saal. AlleS Wettere stehe redaktionellm Theil dieser Zeitung. DieLohnkommtssion. Kaiser-Panorama. Nur diese'*# Woche: Vom Feldzng 1370/71? Eine Reise d. d. schöne Spanien. Hertha- Reise. Caro« l i n e n« Inseln. Eine Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonnement. Nächste Woche: WW Tirol."#■ Durch dte Geburt eine» kräftigen Jungen wur« den erfreut Fritz Grimpe und Frau. Berlin, den 22. März 1886.[1099 Unserem Kollegen Gustav Mardiaoki ein donnerndes Hoch zum heutigen Geburtstage![1100 Die Kolleoeu der Kchwar,'scheu Fabrik Allen lieben Fceundm und Bekannten zur Nachricht, daß unser Kollege und Mitglied deS FachvereinS, der Sattler Fried». Dohköhler, am Sonntag früh 5'/, Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, Nachmittag» 4 Uhr, von der Leichmhalle de» neuen Louisen-Kirch. Hofe», Britzer Chaussee, au» statt.[1102 I. A.: F. C H a p e a u. Vers ammlung des Verbandes deutscher Ztmmerleute (Lokalverbad Kerlin Moabit) am Donnetstag, den 26. März, AbendS 8 Uhr, in Douatlfs Lokal, Alt- Moabit 90. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Hm. Boy über:„Auf- und Niedergang deS Handwerks". 2. Vorschläge zur Delegirtenwahl und Reste- unterstützungsftage. 3. Verschiedene».[1090 Der Vorstand. Große Versammlung der IlhmldtMtisttr ll.-Ecfk»ku Donnerstag, den 25. März, Abends 8 Uhr, im Louisenst. Coneerthau», Alte Jalobstr. 37. Ta geSordnung: Die Handwerker« und Arbeiterfrage« vor dem Deutschen Reichstage. Referent: Herr ReichStagSadgeordneter Max Kayser. Freie DiSkusfion. Die Innung ist eingeladen. Um zahlreiche» Erscheinen ersucht.[1106 Der Einberufer. Die Zeitungsspedition von Max Kirsch, 28 Admiralstraße Nr. 28, empfi'hlt stch zum bevorstehenden QuartalSwechsel zur pünkttichen Besorgung deS„Berliner Volk»« blatt", sowie aller andern Zeitungen.[1069 Ad 1. April erscheint in München täglich: Bayerische Volksstimme Slgul fSr dss trbtttesde Molk. Herausgeber: G. v. Vollmar.— Verantw. Redakteur: Friedr. Löbenberg. Abonnementspreis: bei den k. Poststellen vierteljährlich M. 1,60, in München vierteljährlich M. 1,50, monatlich 50 Pf.[1698 Probe-Uummer auf Verlangen gratis und franko. München, im März 1886. Administration der„Bayerischen Volksstimme", Ueuthurmstraste Ba. Das iamhutget Icennfen-ifatf (58ster Jahrgang) erscheint allabendlich mit dem Neueste« de« Tage« ans allen Gebieten und ge« langt»och mit den Abendposten zur Versendung. Inhalt: Entschieden liberale Politik, orienttrende politische Urberficht, parlamentarische Or ginal- Konespondcnzm aus hervorragender Feder, Reichstag«, und Landtag». Berichte, Epe- zial. Telegramme über die ParlamentS-Sitzungen deS Tage», sämmtliche Depeschen de» Bureau Reuter. Vorzügliche Lettar ikel. Sehr reichhaltiges Feuilleton: Lnginal. Abhandlungen bedeutender Autoren über Au». stellungm, Mustkfeste ic., Korrespondenzen auS London und Pari», Modebriefe, naturwissenschaftliche Feuilleton», Roman, Konzert« und Theater- Referate, Allerlei von dm Gebieten der Künste und Wissenschaften. Landwirthschaftliche Original- Artikel und Antworten durch einen Fachmann, Volkswirth- schafttiches, Industrielle», Post- und Eisenbahn- Tarife. Handel»««. BörseN'Nachrichteu au» Hamburg vom selben Tage in umfangreichem Maße, tägliche Koursberichte, Wochenbericht des Hamburger Waarenmarktes, Fonds- und Waaren-Tclegramme von allm Handelsplätzen. Lokal-Nachrtchten und Neuigkeitm auS Schleswig- Holstein, Mecklenburg, au» dem Han- noverschen u. s. w., Schiffsberichte, Schiffilisten der täglich Cuxhaven passtrenden und im Hamburger Hafen aus- und eingegangenen Schiffe, Witterungl-Beobachtungen Ver deutsche« Seewarte. Sport-Neuigkeiten, sofortige telegraphtsche Meldung der Rennresultate von alle« Rennplätzen, Famstim Nachrichten, Falliffcmente aus allen Ländern u. s. w. Da« allwöchentlich erscheinende ZiehungSlistenblatt„Fortnmm erhalten die Abonnenten de»„Fremden-Blatt" gratis. Allen auswärt» lebenden Hamburgern, ferner den mit Hamburg in Geschäftsverbindung stehenden Deutschen und Ausländern, sowie allen Inhabern von HotelS und Restauration»- Etablissements, CafäS u. s. w. aller Länder sei da» in Hamburg beliebte und stark ver- breitete„Hamburger Fremden-Blatt" zum Abonnement destmS empfohlen. Aklmnemmis-Jlllis inkl. Postaufschlag pr. Quartal M. 5. Anzeigen, pr. Zeile 35 Pf., finden die weiteste und wirksamste Verbreitung. Probe-Exemplare auf Verlangen franko.[1097 Prems. Leihhaas, Aeuthstr. 14, AkttouG-s-llschaft, beleiht go,, Waare« aller Art. «dmiralstr-gS O. Sodtfce. Avmiialftc. 36 Kräftige Bouillon von 10 Uhr ab a 15 Vf. MittagStisch(HauSmannSkost) a 50 Pf. mit Bier. Abendtisch nach Beliebm. Billig und kräfttg.[939 Neu Meine Möbel- und Polster- Waaren- Fabrik vrstndet stch fetzt nur Jerusalemerftr. 65, nahe der Lindenstraße. 997, Qeorg Ilaahe, M«(Wimik.«m«. Möbel-, Sopha- n. Matratzen-Fabrik| A. Schulz, Wasserthorstr. 34(anch Theilzahlung). 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