>». 72. Freitag, den 26. März 188». Iii. Jahrg. ((ItololbMi Drgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Abonnement«� Einlaäung. Zum bcvorstibenden VierteljahrSwechsel erlauben wir unS, alle Arbeiier Berlins zum Abonnement auf das „HerHner Ualksblatt" mit der Gratisbeilage „Illustrirtes Sonntagsblatt" einzuladen. �'„Aerltmr Yolksöratt" tostet für das ganze Vierteljahr frei ins HauS 4 Marl, für den Monat April 1 Marl 35 Pf., pro Woche 35 Pfg. Bestellungen werden von fämmtlichen Zeiwngsfpeditemen. sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerftr. 44, ent» gegengenominen. Für außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Marl entgegen. Die Redaktion und Expedition deS„Berliner Volksblatt". Das allzimeiar Wahlrkcht. Wir haben schon mehrere Male darauf hingewiesen, daß unserer Meinung nach das allgemeine Wahlrecht, wie es für den deutschen Reichstag besteht, schwerlich unange« fochten bleibe» dürste. Die Umstünde, die diese unsere Mei- «ung belräftigen, mehren sich von Tag zu Tag. Die gestern von uns schon erwähnte Mittheilung der .Freisinnigen Zeitung", wonach der Reichskanzler mit hervorragende« Rechtsgelehrten darüber konferirt haben soll, ob da« allgemeine Wahlrecht auch ohne Zu st im» mung deS Reichstag» abgeändert werden könne, mag sich nun bestätigen oder nicht— für un« bleibt es außer allem Zweifel, daß das allgemeine Wahlrecht nicht unangegriffe« bleibe» wird. Ueber das Resultat heute schon Betrachtungen anzustellen wäre verfrüht. Wir haben kelne« Grund, u»S über alle möglichen Eventualitäten den Kopf zu zerbreche» Dagegen sind die Staatsmänner groß und kler» an der Arbeit, um auszutüfteln, wie sie die Sache am geschicktesten einfädeln können., Drei Tdatsache» sind e«, dre uns bewerfen, daß man auf Abänderung de» allgemeinen Wahlrecht» hinarbeitet. Zm preußischen Abgeordnetenhause äußert« sich der Minister v. P u t t k a m e r gelegentlich der Verhandlungen über Abänderung des DreiklassenwahlsystemS, daß sich da« allgemeine Wahlrecht„« i ch t b e w ä h rt' habe. Da» war sehr deutlich. DaS allgemeine Wahlrecht konnte sich für JeuWeton. Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) „Der ist ein Lvmp", fuhr er erregt fort,„welcher statt aufwärt« im Leben zu steige», zurückgeht, in Verhältnisse kriecht, die unter thm stehe» und in dctten M leben er weder Geschick noch Neigung hat! Er macht sich und das Wesen elend, welche« sich an ihn f-ss-lte. Du würdest bei dieser Deiner Neigung e« gewlß. Laß dre ganze Geschichte ruhen. Du kennst meine Ansicht, damit rst S abge. macht. Handelst Du dagegen, ob ich lebe oder todt bin. so denke, daß Du'S gegen meinen Willen thust, und da« hat, fo lange die Welt steht, einem Kinde noch keinen Segen gebracht! So!' er küßt, seinen verdutzten, ganz befangenen Sohn.„Nun laß un« sehe», ob dem alte» Schurrig d,e öowle gut gerathe» ist!" Hennings faßte den gedankenvolle«, höchst bestürzten rnd tief erregte» Soh» unter de« Ar« und zog rhn au, feinem Kabinet in die große Wohnstube, wo d,e rerchbesetzte !afel stand und Schurrig im Frack, mrt werßer steifer Hol,. binde nebst riesenhohe» Vatermörder», wie em moderner Tanvmed den dampfenden Trank der Vergessenheit braute, in dessen Fluthen der tief entmuthigte Edmuud seine Qualen mit wahrer Wuth zu ersticken beschloß.— Der Abschiedsabend ging«,e alle dergleichen Festlich' leiten vorüber. Diejenige», denen er galt, langweilte« sich am meisten dabei und mußte« ihr bewegtes Innere dennoch verbergen, um der Pflicht der Unterhaltung und Herrn von Puttkamer und seine Hintermänner natürlich nur dann„bewähren", wenn die Wahlen immer in ihrem Sinne ausfielen. Allein wenn man bei einem Wahl- gesetz dies zur stillschweigenden Voraussetzung macht, dann fällt der Begriff„Wahl" überhaupt fort. Ein allgemeines Wahlrecht bewährt sich dann, wenn es der Stimmung des Volke« in seinen Resultaten korrekten Aus druck giebt. In diesem Sinne hat sich da« allgemeine Wahlrecht, im Ganzen genommen, bewährt, freilich nicht zum Vergnüge» de« Herrn von Puttkamer und seiner Ge» sinnungsgenosse». Einen weiteren Beleg dafür, daß man mit dem allge- meinen Wahlrecht nicht zufrieden ist, bildet eine Aeußerung de« R e i ch S k a» z l'e r S bei einer Debatte im Reichstage über den Antrag auf Gewährung von Diäten. Er sagte damals ohne Bedenken rund heraus, die verbündeten Re- gierunge» würde« der Gewährung von Diäte« zustimmen, wenn man sich entschließen könne, daS allgemeine Wahl- recht abzuändern. DaS war doch auch deutlich genug. Der Preis, der für die Diäten angeboten wurde, schien da- malS dem Reichstage mit Ausnahme der Kon- servativen und der Nationalliberale» zu hoch; ob er ei auch in Zukunft scheinen wird? Wir vermögen diese Frage nicht zu beantworte»; wir meinen aber, ein Zweifel darüber, daß der Reichskanzler die Abschaffung des allgemeinen Wahlrecht« wünscht, könne nach jener Aeuße- rung nicht mehr bestehen. E« mag Leute geben, die das nicht einsehen. Wir gehöre» nicht zu ihnen und wir fürchten nur, daß sie sich noch ftüh genug hinter den Ohren kratzen und ihren Maugel an Einsicht in die Dinge, die sich da vor unS abspielen, beklagen werden. Zum Dritte« war uns der Antrag H e l l d o r f f auf Verlängerung der L e g i« l a t ur v er i o d e» ein Beweis dafür, daß die konservative Partei bereit ist, den Spure» der Regierung auch in dieser Frage zu folgen. Daß der Antrag ei» Korrektiv für die Wir- kunge« de« allgemeinen Wahlrecht« schaffe« sollte, steht außer allem Zweifel. Es bleibt auch ganz gleichgiltig, ob der Antrag im Einverständniß mit der Re- gierung gestellt wurde ober nicht. Jedenfalls war er be- stimmt, den auf Beseitigung des allgemeinen Wahlrecht» gerichteten Bestrebungen vorzuarbeiten oder als Fühler zu dienen. Die Junker& la Helldorff hassen das allgemeine Wahlrecht an sich, seine« demokratischen Charakters wegen. Sie würden schon weit energischer an dessen Beseitigung gearbeitet haben, wenn ihnen nicht durch dasselbe io den Bauern und dem ländlichen Proletariat noch gegenwärtig politische HilfStruppe» zugeführt würde«. Aber sie fühlen wohl, daß sie da einen unsicheren Bundesgenosse« haben. Mit der fortschreitenden wirthschaftlichen Entwicklung tritt einzupacken, während Mutter und Tochter ihre Toilette i» Ordnung brachten. Kmz vor fünf Uhr fuhren sie nach Oberhoff ab.— Eine Stunde später hielt der Poflillo» vor Henning»' Lade«. Edmund'« Sache» wurde» in den Gepäckkasten gebracht,«nd der junge Man»»ahm von seinem Vater und dem Personal der Handlung Abschied. Beate hatte seit ihres Zohavn's Tode keine so rothen, verschwol- leaev Augen mehr gehabt, als heute.— Zeder weiteren Auseinandersetzung, welche Edmuud so gern eingeleitet hätte, ging Papa Henning« geschickt au« dem Wege, hatte er doch ohnedies mit einer seltsame« Rührung zu kämpfen, welcher er so bald wie«röglich Herr zu werde» wünschte. Ehe der Sohn indeß einstieg, sagte Henning« plötzlich: .Daß tch da« auch vergaß I— Willst Du nicht Schätzleiu« Lebewohl sage»? Die Leute sind fast wie Deine zweite« Eltern!* Edmund zitterte und erröthete tief. Da« Hirn wollte ihm springen! „Wenn Du erlaubst," raunte er und stürzte hinaus.— Wohl wußte er, daß die Trödlerfamilie längst fort war, aber konnte er anders Handel«, ohne seinem Vater die letzte« Augenblicke zu verbittern?— Er kam nach wenigen Minuten zurück und sagte beschämt und tonloS:.Sie sind Alle fort,— schon um fünf Uhr zu einer Auktion auf's Land gefahren, Bleichmann hütet den Laden!" .So! Hm!-- Da« ist sonderbar I— Na, um so besser, mei» Sohn!— Wer nicht da ist, ist nicht da, und Du wirst wohl stolz genug sein, Dich zu trösten!"— Der Sohn glühte vor Beschämung. Wohl ihm, daß der Vater den eigentlichen Grund derselben nicht durch- schaute. Ganz andere Sorge», andere« Herzweh lasteten auf ihm, als der sonst so ledenSfrohe, joviale Mann seinen Sohn in die Arme schloß. „Lebe wohl, Du lieber, goldner Herzenssohn I Reise glücklich!— Zch habe Dir nur da« noch zu sagen: erfülle Deine« alten, grauköpfige« Vaters Wünsche, und Du wirst immer zufrieden und beglückt sein. Adieu!"— Edmund konnte nicht spreche». Ein leise».Lebewohl", die Möglichkeit immer näher, daß auch auf dem Lande die Stimmung einmal umschlägt und sich, da« Vera tele beiseite schiebend, den modernen Ideen zuneigt. Da n könnte das allgemeine Wahlrecht der konservativen Sache die schwersten Schläge versetzen. Sonach sind die Bestrebungen auf Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts vorhanden, wenn sie auch tgeilweise noch geleugnet werden. Auf offipöie Demenn« in dieser Sache lege» wir gar keinen Werih mehr. Man werß ganz genau, wie man daran ist. Der Reichstag ist u n b e- liebt geworden; seitdem er den neuen Besteuerungsp o- jekten beharrlich widersteht. Wer da« nicht si dt und wer sich da nicht einen VerS darauf machen kaun, der»Hut uu« herzlich leid. Aber man kann da« Wahlrecht nur mit Zustimmung de« Reichstags abändern. DaS steht so deutl ch in der Verfassung, daß daran absolut»ich!« mter- pretirt werden kann. Oder sollte Herr G n e i st auch zu den„hervorragenden Jurist.»" gehöien und sollte er„beweisen" können, daß man zur Abänv-rung de« Reich«wahlrechtS gerade die Zustimmung de« R.ickSla..« nicht braucht, weil da« Geaeniheil in der Verfassung steht? Bei diesem Tneist ist kein Beweis unmöglich! Vom Reichstage wird e«, sage man wa« man da wolle, denn doch abhängen, ob daS allgemeine Wahlrecht un« er- halten bleibt. Wir wollen das einstweilen hossen. Aber wir wollen diese Hoffnung auch nicht al« Ruhekissen benutzen, sondern genau zusehen, was da vor sich geht! UolMsche Ueberstcht. Der Reichstag in Röthen! Es stiht nun so ziemlich fest, daß der Reichstag bis Ende Mai oder bis tief in den Juni hinein wird tagen müssen. Seit November ist er zu- sammen und so kann eS kommen, daß am Schlüsse seiner Thätlgkeit die Session sich über etwa sieden Monate er» streckt hat. DaS ist offenbar viel zu viel, denn wie viel Leute mag eS in Deutschland geben, die den B-ruf zum P irla» mentarier in sich fühlen und gleichzeitig auch im Stande find, die größere Hälfte de« JahieS in Berlin zuzubiingen? Die nächste Folge solch langer Sessionen ist, wie wir sehen, der außerordentlich schwache Besuch und die häufige Beschluß. unsähigkeit de« Parlaments. Ein solcher Zustand ist undalibar und man muß sich über den— nun sagen wir: Muth der konservativen Blättern wundern, die es wagen, dem R ichsiage selbst die Schuld an diesem unseligen Verhällniß zuzuschieben. Wenn der Reichstag mit einer solchen Fülle von Vorlapen und Entwürfen überschüttet wird, daß er dieselben nicht und Hennings führte, rasch ermannt, den Soh» an de» Wagen, ließ ihn einsteigen, und der Postillon blies. „Leb' wohl, liebster Vater, lebe wohl, Du Jugendhau«, Du redlicher„kalter Stein",»irgend« wird mir so warm im Herzen werden, wie in Deinen dicken Mauern!"— ES ging im Sturmwind nach Oberhoff, den Schätzlein« nach.— Henning« ging sinnend in den Lade» zmllck an sei» Geschäft.— Er war zum erste« Mal wortkarg, zeist eut und aß zu Mittag nichts.— Nach Tisch, al« Schätzlems längst zurück waren, sagte Henning» plötzlich zu seinem Buchhalter: „Schurrig, schreiben Sie doch ei« paar Zeile« an de» Notar Lex, daß ich ihn morgen nach dem Essen in dringen- den Angelegenhnten erwarte!"-------- Die Familie Schätzlein war, wie gesagt, eine Siunde eher nach Oberhoff vorau»gefahre».— Man war überaus schweigsam und betrübt, obgleich«S einer der herrlichste« Herbstmorge» war, der je ,n der altjüngferliche» Farb.n. coquetterie von roth und gelbe» Blättern und buntem Licht- Wechsel prangte. Justus rauchte seine halblange Pfeife, die er bei Spa- ziergängen stets mit sich führte, und unterbrach das peinliche Schweigen erst, al« man bei dem bewußten Friedhofe vor» überkam, wo Mathilde die Mutter flüchtig ansah uvd unwill- kürlich tief ausseufzte. „DaS ist ein schöner Kirchhof! Der hübscheste um die ganze Stadt. Darauf könnt Ihr mich einst begraben und, wenn Ihr wollt, dann bei mir ruhn!" „O, ich will'S gewiß rief hastig Mathilde."— „Ei, mein Schaf, mein kleine», Du hast dazu noch lange Zeit! Dem Alter gebührt allemal der Voirang.— Auf'was Anderes zu kommen, ich brauche Euch wohl nicht zu sagen, daß zu Oberhoff keine Auk>io« ist, wir also de« Vormittag ganz für uns hoben. Was ich bezwecke, sollt Ihr zu gelegener Zeit erfahren. Ich werde Edmund, ich versprich'« Euch, nicht fühle« lassen, daß mir gar Vieles an ihm ärgerlich ist, will thun, als sei er noch dev kleine possirliche Bengel mit rothen Wangen und laugen Locke», der zu meinen Füßen gespielt. Dafür aber, Mathilde, mehr bewältigen kann, so ist es wahrlich nicht seine Schuld. Dabei bat er den ganzen umfangreichen Haushalts« etar zu erledigen und der preußische Landlag, sowie die Land- tage der Einzelstaaten tagen nebenher, so daß eine große An- zahl von M-tgltedern doppelt in Anspruch genommen ist. Selbst der famose Herr Böttcher mit seiner„National- liberalen Korrespondenz", der sonst doch gewiß Alle? ruhig hinnahm, waS ihm die„Vorsehung" auferlegte, wird nunmehr bockbeinig. Er meint, eS sei eine allgemeine Erschöpfung und Ermattung eingetreten. Dann sagt er:„Die gegenwärtige Seiston, die im November begonnen, wird fich, wenn die Branntweinvorlage noch eingeht, bis Ende Mai ausdehnen, das ist die größere Hälfte des JahreS. Unstreitig ist daS zu lange für eine diäten lose Versammlung von auch ander- weitig vielbeschäftigten Männern. Wenn eS zur Regel wird, daß die Eesfionen stehen biS acht Monate im Jahre dauern, so muß die unverme dliche Folge sein, daß Männer aus dem praktischen Leben Mandate überhaupt nicht mehr annnehmen oder ste nur bei ganz seltenen Gelegenheiten auS- üben, daß fich nur noch BerufSparlamentarier, Beamte oder Männer mit sehr viel freier Zeit zu Abgeordneten hei geben, und daS wäre für eine gesund« Zusammensetzung deS Reichstags nicht zuträglich." Das ist Alles ganz richtig und Niemand wird dem Herrn Böttcher bestreiten, daß hier auch einmal ein Nalionalliberaler die Wahrheit gesagt hat. Aber eS ist schon tausend Mal gesagt worden und die Herren Rationalliberalcn stellten fich gewöhnlich, als hätten ste überflüsfige Zeit. ES ist übrigens that! Schlich einzig in seiner Art, wie der Reichstag g-penwärtig traktirt wird. Das Monopol ist noch nicht einmal definitiv abgelehnt und schon schwebt ein neueS Steuerprojekt in der Luft, daS sofort dem Reichstage noch in dieser Sesfion vorgelegt werden soll. Man denkt dabei an daS bekannte Wort, daS einem mächtigen Staatsmann in den Mund gelegt wird:„Der Parlamentarismus muß durch den Parlamentarismus zu Grunde gehen!" Lei einigermaßen aufmerksamer Betrachtung der Dinge wird man fich aber sagen mllffen, daß eS keineswegs der Parlamentarismus an und für fich, sondern allerlei andere Einflüsse und Umstände find, die dem noch jungen deutschen Parlamentarismus ein Grab zu bereiten drohen. Wir würden an diesem Grabe wohl kaum Thronen vergießen; wir vermögen aber nur nicht zu glauben, daß das, was an die Stelle deS deutschen Paria« mer.tariemuS treten würde, besonder« Vorzüge mit fich bringen könnte. Die Verwirrung wird immer größer— nun wir haben ste nicht angerichtet und die fie angerichtet haben, mögen sehen, wie fie damit fertig werden! In der„BreSlauer Morgen, eitung" erhebt fich eine jammernde Stimme über die Vmwürle, welche der Reichskanzler in einem Brief an den Grafen Pfeil dem Reichstage wegen dessen Haltung in der Kolonialpolitik gemacht hat. ES heißt da:„Jeder ruhige Bcurtheiler weiß eben, daß der ReichSIag an den ernüchternden Zwischenfällen unserer noch so jungen Kolontalpolitik keine Schuld trägt. Den Rückzug, den Deutschland in der Kolonien-Angelegenheit antrat, hat ihn der Reichstag verschuldet? Daß in der erst jüngst bekannt ge- wordenen Abmachung mir Frankreich ein Theil deS früher beanspruchten Gebiete« in Westafrika wieder aufgegeben werden mußte, wen trifft dafür die Verantwortung? Trifft die Libe« ralen die Schuld, daß eine wissenschaftliche Kommisston die viel gepriesen Erderze von Angra Pequena für werthloS erklärt? Der R.ichitaa veranlaß«« doch gennß nicht jene Zerwürfnisse, die zu einer Demonstralion der Kriegsbereitschaft vor Zanzibar führten- und endlich trägt derReichttag an demTodeder zahlreichen starten Männer keine Schuld, die die KolonialpolUik schon hinweg- geraffl hat. Holte sich nicht selbst der Afrika gewohnte Nachtigal in Kamerun den Tod? Heute kommt die Nachricht, daß Wißmann, der erfolgreiche junge Gelehrte, umkehren muß, und eS ist nicht unbemern vorüdergr gangen, daß der Sergeant, welcher zur Eindrtllung der Kru-Neger nach Balonaa geschickt wurde, nach entsetzlichem Stechthum vom Fieber dahingerafft wurde. Aber wo hat denn der RcitStag Opposition gemacht? Die Dampfer find subventtonirt worden; die Forderungen für Kamerun find bewilligt worden: da« Gehalt für den Gouverneur, der Betrag für den Bau eines Küstendampfers, daS Geld für die Errich- tung eine« RegierungSgebäudts. Auch mit nur wenigen Ab- strichen find die Beträge für die Vermehrung, Ausdehnung und Neu- Errichtung von Berusskonsulaten zur Verfügung gestellt worden. Der Reichstag beschränk«« fich nur darauf, zur schleicht mir nicht absei«« und vermeidet, waS mich ärgern kann. Ihr sollt die paar Stunden genießen wie die alten fröhlichen Kinder, die nicht über den nächsten Gartenzaun wegdachten, und wir, Mmter, nicht wahr, wir wolle»'s auch! Die Erinnerung ist gar'was Schöne«, Erhabene«, und thut nachher in trüben Zeiten fein« Dienste, fast so gut wie ein Gebet.— Da seht, dort guckt der Thurm von Oberhoff schon aus der rothgelben Laube. Hui, hört Ihr hinter uns das Horn, da Hinte» kommt der Sakerloter auch an- gesegelt!"— Bald darauf fuhr der Wage» bei der Dorfschenke am Wege vor, Justus stieg rasch au», half den Seinen heraus und bestellte bei dem herbeieilenden Wirth ei« gutes, derbes Frühstück, erst Kaffee und Schwarzbrot, um halb zehn Uhr dann ein tüchtiges zweite« Frühstück, Wurst, Käse, Schinken,„was e« giebt, zu trinken habe» wir selber bei Während deS kurzen Zwiegesprächs blie« der Postillo» nochmals, und Edmund kam heran, erröthete und erbleichte, als er des Trödlers ansichtig ward, und zog verlege« de» Hut. Die Frauen wußte» nicht, was fie vor Beklemmung thu» sollte«. Justus trat an die Postchaise und reichte Edmund die Hand.„Guten Morgen, mein Sohn. Na, steig' nur aui, wir warte« schon auf Dich 1"— „Guten Morgen, Vater Justus!" erwiderte Edmund bewegt und sprang aus dem Wagen. „Spann aus, Schwager, wir bleiben«in paar Stunden hier, um elf Uhr fahren wir wieder weiter.— Nu« komm, mein Junge!" Damit steckte er freundlich feine» Arm in de» de« jungen Hennings, welcher ermuthigt Mutter und Tochter die Hand gedrück», und so gingen sie zusammen nach dem Garten, um, wie Justu« sagte, den schönste» Platz zu suchen. Eine Lindenlaube, welche«ach der Seite des Gartens lag, ward gewählt, und der Kutscher brachte aus dem Wagen« kastea mehrere Flasche« Wein, und, o Wunder über Wunver, die alte Guitane Schätzlein's, welche er viele Jahre nicht mihr angerührt. Vorfickt zu mahnen und von der Auswanderung abzurathen. Er befindet fich ja in diesem letzteren Punkte in voller Ueber- etnstimmung mit der Regierung, und doch scheint man eS ihm {u verübeln, daß er rechtzeitig seine Stimme erhob, um zu ver« üien, daß Tausende, die nur auf Losung warteten, fich in Un- glück und fich-ren Tod stürzten." Diese„fieifinnige" Heulmeierei zeigt so recht, wie eS mit der„Opposition" der freistnnigen Partei beschaffen ist. Statt den in den Reichstag«- Verhandlungen über die Kolonialpolitik eingenommenen Standpunkt mannhast zu de« havpten, wird hier jämmerlich zu Kreuze gekrochen und die „Morgenzeitung" nimmt Beschlüsse de« Reichstage« für fich in Anspruch, für welche die Fortschrittler gar nicht gestimmt haben. Wenn man fich hinterher über da», wo« man im Reichstage aethan, nicht der Reue entziehen kann, nun so möge man im Reichstage„in Gotte« Namen" die Opposition aufheben, statt, wenn man wegen dieser Oppofition angeklagt wird, den Loyalen zu spielen und fich zu geberden, al« habe man die heißesten Wünsche gehabt, den Willen der Regierung zu lhun. Aber man möge doch endlich die Heuchelei aufgeben, al« ob Oppo- fition und Loyalität ein und dasselbe seien. O welche Lust Soldat zu sei« I In Frankfurt hat ein Artillerieuntero'stzier auf dem Markt einen Füsilier, mst welchem er in Wortwechsel gerathen, mst dem Säbel erstochen. Bayreuth, 23 März. Eine S ch r e i n e r- Versammlung, in welcher Herr Kloß au» Stuttgart referiren sollte, ist auf Grund de« Sozialistengesetzes verboten worden. Motive: Kloß sei laut telegraphisch eingeforderter Mittheilung der Stutt- garter Polizeidirektion„sozialdemokratischer Agitator", die Ver« sammlung habe am Geburtstage des deutschen Kaiser« statt- finden sollen, und da« sei bei dem Streik in der Steingräber- schen Pianofortekabrik gefährlich! Wer Herrn Kloß, diesen sachlichen und ruhigen Gewerkschaftsredner kennt, der wundert fich über diese» Verbot. Wir Bayreuther freilich find an die Mundtodtmachung durch daS Oktodergesetz schon gewöhnt. Wir daben ja einen nationalltderalen Reichsboten, den Bankmann Feustel, wir haben al« RegierungSprästdenten den früheren Polizeidirektor der bajuvarifchen Haupt- und Residenzstadt, Herrn von Burchstorff, wir haben einen strebsamen Stadt- Magistrat. „Und darum Hilst auS aller Roth Ein flinkes, schneidiges Verbot." Au« München wird un» geschrieben: In den neuen Monstresozialistenprozeß, den zweiten seit dem Jahre 1881, find bereit« über vierzig Personen verwickelt. Es handelt fich um die Verbreitung de« NeujahrtflugblatteS: Profit Neujahr! da« angeblich geeignet ist, öffentliche Einrich- tungen verächtlich zu machen und um„Geheimbündelei". Die Herren Löbenberg, Echönlank, Viereck befinden fich, wie ich er- fahre, gleichfalls in Untersuchung. Ersterer ist bereit« ver- nommen worden. Ueberhaupt finden massenhaft Vemehmungen statt. Wie mir verfichert wird, dürfte der Ausgang dieser hoch- nothveinlichen Untersuchung am besten illustrtrt werden durch den horazischen Spruch:„Die Berge kreißen und ein lächerlich MäuSlein wird geboren." Und»telleicht ist diese MauS auch nur eine— Todtgeburt! Schweiz. Vor dem Bundesgericht kam am 19. ein eigenthümlicher AuS lieferungSfall zur Entscheidung. Die russische Regierung hatte vom BundeSrath die Auslieferung einet ge« wissen Kompowtky verlangt, welcher de« Amtsmißbrauchs an« geklagt war. Dieser dagegen behauptete, er sei Nihilist, und da«, waS er fich habe zu Schulden kommen lassen, gehöre in da« Fach der politischen Verbrechen, weShalb er auf Gewährung eines Asyls in der Schweiz Anspruch habe und da» rusfische Gesuch abzuweisen sei. Das BundeSgericht war anderer Mei« nung und beschloß, dem russtschen Gesuche nachzukommen. Belgien. Gegen die Versuche, die Tumulte der organifirten Arbeiterpartei in die Schuhe zu schieben, et heben fich jetzt von den verschiedensten Seitm Proteste. So schreibt die „Franks. Ztg." sehr vernünftig:„Alle politischen und sozialen Parteien ohne AuSnadme, die autokratischen sowohl wie die demokratischen, haben ihre eviavt, terribles, stire unlenkbaren und undiSziplinirdaren Franktireur«, die daS GroS der Armee oft mehr schwächen alS stärken, ihm mehr zur Gefahr als zur Sicherheit gereichen. In diesem Punkte hat, so glauben wir, leine historische Partei der anderen etwaS vorzuwerfen, und eS wäre gut, wenn man fich allgemein der Wahrheit der Ge- schichte beugen würde; eS wäre an der Zeit, daß alle Parteien davon abkamen, die Jrrthümer und Gewaltthätigkeiten Ein- zelner dem Ganzen zur Schuld anzurechnen. Leider ist dieser politische Edelfinn in unseren Tagen noch recht selten; es ist vielmehr für die meisten Parteien stet» ein wahres Fest, wenn fich der Gegenpartei auf Grund deS Verhaltens Einzelner etwaS anhängen läßt, und welcher Jubel erst, wenn man hoffen kann, den Gegner bei dieser Gelegenheit ganz todt machen zu können! DaS letztere unerquickliche Schauspiel bietet jetzt Belgien; man sucht sogar, da die Ereignisse Vielen noch nicht „Ihr staunt wohl? WaS?— Hättet mir altem Kerl daS nicht mehr zugetraut?— Nun, damit wir wissen, wie wir ei-ander zu nehme» haben, will ich Euch sage», waS ich vorhabe.— Der liebe Gott hat jedem Menschen, dem ärmsten selbst, eine holde Gespielin und Trösterin gegeben, die Einbildung! In ihr find wir alle glücklich, mag fie un« in die Vergangenheit oder in die Zukunft führen, sie begleitet un» ja gar bis in de« Himmel! Dieser lieben Einbildung laßt un«'mal heut« leben. Ich und die Mutter wir«ollen denken, Ihr seid die beide» Kinder noch, die mit eiander getändelt haben, Ihr sollt da« auch denke» und die paar Stunden Euch nicht verbittern, sondern wie Bruder und Schwester zubringe», sollt die drückende Gegen» wart vergesse«, wie ich auch Alle«— wa« mir nicht gefällt, vergessen will. Müßt ihr durchau« in die Zukunft denken, meinethalben! Tapezint fie Euch in Gedanke» rosenroth und himmelblau au», nur vergesset nicht,'« ist eben Alle« i» der Einbildung! Wa« da« Lebe» un« wirklich bringt, ist gar ein anderes Kapitel, da» aber, wen« Ihr einen Funken Liebe zu dem Vater Justu« gehabt, wird heute nicht aufgeschlagen!"— Und mit einer Gelenkigkeit de« Geiste», einer poetische« Farbenpracht ohne Gleichen rollte er die verlebte Jugend vor ihnen auf, wußte jeden eigen- mächtige« Gedanke» zu ersticken, erzählte Ernste« und Drol- ligeS durcheinander, und riß durch die Wahrheit, mit der er alle Vorgänge alter Tage ihnen neu vor die Seele zauberte, Frau und Tochter wie Edmund in den Strudel der eingebildeten Vergangenheit, und:„Vater Justu«, weißt Du noch!"„Ach Mutter Kristine, wie da« schön war!", die alt« Beate, der Johann, Pinkert, Echunig, Gott und die ganze Welt mußte» zum Farbentopf herhalte», um da« Eldorado der Kinderjahre wieder auszumalen. Justu« merkte absichtlich nicht, wie oft Edmund Mathilden die Hand drückte, wie ihre Blicke flogen und bald Rührung bald Lache« ihnen da« salzige Naß aus de« Wimpern scheuchte, da» i» den feurigen Wein troff, der auf„Die Einbildung",„Die Hoffnung",„Da» Glück",„DieJugend", ach— und heimlich auf so viele« Andere noch geleert wurde.— Wohl sah der Trödler durch die Zweige, wie der traurig genug find, auS der eigenen Phantasie nachzuhelfen; man erfindet und vermehrt die allgemeine Aufregung, um dann mit scheinbar um so größerem Rechte da« TodeSurtheil über BlleS zu sprechen, waS Einem politisch unbequem ist. Die Gründe für diese« Verfahren find dmch- fichlig genug." Sranrreich. Der Bericht des Abg. Rioet über den Antrag Michelin befürwortet sehr lebhast die endliche radikale Trennung von Staat und Kirche. Der Bericht bezeichnet die Stellung des Staates zur katholischen Kirche al» unklar und degründet durch eine Masse von Bestimmungen, deren Buch- stabe und Geist gegen die demokratischen Grundsätze des Staat«? streite, daS Konkordat sei ein Machwerk, daS von einem Manne geschaffen worden, der die katholische Kirche zur Befestigung seiner Macht habe benutzen wollen und ihr thatsächlich die An- «rkennung einer Staatsreligion zugestanden habe. Das Ken- lotbat sei eine Verletzuna der Gewiffensfreiheit und der Neu« tralität deS Staates in Religionssachen. Seit der Revolution seien von monarchischer Seite Versuche gemacht worden, dieses Verhältriß zu ordnen, doch vergebens. Die Republik sei e« der GewiffenSfreiheit schuldig, endlich reine Bahn zu machen; die Frage werde mit jedem Jahre verwickelter, und deshalb beantrage der Jnitiativausschuß, daß die Kammer den Antrag in Betracht ziehen möge. Herauskommen wird dabei schwerlich etwaS; denn so entschloffen Regierung und Parlament fich in Betreff der Schule»eigen, um jeden Rückfall zur Herrschast dei Priester« in der Schule zu verhindern, so unschlüsstg ist man, die Kirche auS der Hand zu geben. Die Priester find Beamte, und wenn auch fortwährend Empörer auftauchen und zur Ordnung gerufen werden müssen, so fürchtet man doch den Einfluß der«manzipirten Priester auf die Masse des Land« volkeS und der Frauen. Die Mehrzahl der republikanischen Politiker und Journalisten find nicht für eine Ueberstürzung, sondern für die allmäliaej Beseitigung! des klerikalen Ein« flusses auf die Massen durch die vollständige Verdrängung des Priester« aus der Volksschule.„Wer die Schule hat, der hat die Zukunft de« Staates in Händen!" ist die Losung, die auch bei den jüngsten Berathungen des Elementar schulgesetzes im PalaiS Burbon, wie im Lvxembourg bei der Verwerfung aller Amendements, die den Priester wieder durch die Hinter» thür in die Schule einführen sollten, den Ausschlag gegeben hat. Die ehemaligen Kommunards Jossrin und Chabert brach« ten im Pariser Gemein?erathe folgenden Antrag ein: Daß die BdelStitel abgeschafft werden; daß gegen die Prätendenten ein Prozeß eingeleitet werde; daß die Güter aller fürstlichen Fa« Milien ohne Unterschied eingezogen und dem Nationalvermögen einverleibt werden. G r o ß b r i t a u« i e». Es läßt fich nicht leugnen, daß in London wenigsten« die lange Verzögerung der Vorlegung von Gladstone'S irischen Plänen einen üblen Eindruck auch unter den Liberalen macht. In den Provinzen ist dagegen von jeher da« Zutrauen zu Gladstone stärker gewesen. Auch jetzt wird dort die Parole„Abwarten" defolgt und selbst in Birmingham, dem Wahlorte und der Heimath Chambirlain'S. kommt eS nicht zu einer Bewegung gegen Gladstone'S Reformideen. In ihrer Abneigung gegen die Abfindung der irischen Großgrund« befitzer auS der englischen Staatskasse haben Chamderlain und seine Freunde mittlerwelle einen Bundesgenossen erhalten, auf den fie ficher nicht gerechnet haben. Kein anderer als Michael Davitt, der Gründer der Landliga und der ge« wandteste Agitator seiner Partei, der jetzt in England tzomerule predigt und neulich auch bei den Studenten in Oxford zu Gast war, hat in Manchester erklärt, daß er völlig mit der Abneigung der Engländer, die irischen Großgrunddefitzer aus ihrer Tasche abzufinden, sympatifire. Davitt meint nämlich, die Gerechtigkeit verlange, daß man es den Grundbefitzern überlasse, fich so gut wie es gehen wolle, mit ihren irischen Hintersaffen abzufinden. Da würde eS fich herausstellen, daß 50 bis 60 Millionen Pfund Sterling(da« ist nur etwa ein Viertel oder ein Drittel von dem, was Gladstone vorschägt) genügen würden, um fie zu entschädigen. Auch die radikalen Blätter find wegen der hohen Entschädigungssumme gegen Gladstone'S LandankaufSplan. Für„Reynold'S NewSpaper" z. B. ist die ganze Machination weiter nichts als ein zwischen Gladstone und den irischen Gutsherren verabredetes Schwin« delgeschäft, welches dem Ministerpräfidenten den Beistand der letzteren für eine kommende Homerule- Vorlage um den Kaufpreis von 200 Millionen Pfnnd Sterling sichern soll. Der britische Steuerzahler soll die fünftausend irischen Grund- befitzer mit obigem Gelde bestechen, während doch eigentlich umgekehrt der Grundbefitzer die Nation ob der tausendjährigen räuberischen Vorrechte, die er genossen, entschädigen müßte. Na« türlich hat daS Blatt nichts dagegen, wenn später daS irische f arlament auf eigene Faust die Gutsherren auskaufen will. der vorläufig warnt eS die Nation vor dem alten Gladstone, der in setner Jugend ein Freund der Sklavenhändler und der GutShenen gewesen sei. Postillo» und sein Kutscher befohlenermaße» um elf Uhr leise wieder anschirrten, er ließ nicht« merken, sondirn plauderte immerzu, al« hätte der Tag, als hätte da« ganze Leben kein Ende! „Und«un noch Eins, Kinder! Umsonst Hab' ich die alte Guitarre nicht mitgebracht.— Wißt Ihr noch da« alte Liedel mit der sanfte« Melodie, daS Euch Kindern immer so wohl gefiel? Wie oft Hab' ich'« nicht gesungen! „Ach, singt'S wieder, Vater Justus!" bat Edmund. „O sing' e» un«, so lange habe ich'S nicht gehört, liebes Väterchen!" bat Mathilde. „Na, so gut, wie'« eben noch geht!— Wart'n mal! — Ja, da» ist die Tonart I— Him, Hirn!— Er präludirte ein paar Takte. Dan« begann er mit etwa« bewegter, wohl nicht mehr sehr schöner Stimme folgende» Lied: „Drei Dinge giebt'» im Leben, Die nimmermehr vergeh», Noch segnend un» umschwebe», Wenn wir am Jenseits steh«. Nicht ist's die Gier der Sinne, Der je Erhörung winkt, Das reinste Glück hieniede» Genügsamkeit Dir bringt! Nicht ist'« de« Reize» Schimmer, Der dauernd un« entzückt, Es ist die tiefste Liebe, Die selbst da» Elend schmückt. Nicht ist'S da« leere Träume», DaS Dich von Schuld befteit, Nur aller treuste« Ringen Beseligt allezeit. Und diese Drei erheben, Viel höher als ei« Thron, Da« ärmste Menschenherze Hier auf der Erde schon!" Dem Parlament ist ein ZluSweiS über die Zahl der Per« fönen, die in den drei letzten Quartalen de« veifloffenen Jähret, sowie im Januar und Fediuar d- I. in Irland gänzlich oder theilaeife boqcottirt wenden find, oorgelegt worden. In dem im Juni endenden Quartale wurden 80 Personen gänzlich und 219 theilweise boycottirt; im September Quartal 179 gänzlich und 706 theilweise; im Dezember' Quartal 175 gänzlich und 716 theilweise. Im Januar wurden 181 gänz- lich und 719 theilweise boqcottirt, und im Februar 13 1 ganz- lich und 718 theilweise. Wegen voycottircns wurden im Ganzen 181 Personen in Anklagezusta? d oersetzt und gegen« wärtig sehen 33 Angeklagte ihrem Prozesse entgegen. Balkanländer. Rußland spinnt noch immer seine Jntriguen gegen Bulgarien weiter, nachdem der Fürst Alexander Beweise von seiner Unabhängigkeit gegeben hat. Erst versuchte Ruhland den Battenderger ganz zu beseitigen, jetzt will et die Er- nennung det Fürsten zum Gouverneur von Qstrumelien aus fünf Jahre beschränkt haben, um während der Zeit von neuem gegen seinen früheren Schützling Hetzen zu können. Die Bul« garen scheinen aber heute bereits die Freundschaft Rußlands als sehr mihliedig zu empfinden. So schrieb neulich die„Tirn. Konst.":„Jnsvicsen kritischen Momenten steht Dlr bevor, Bul« gare, dah Du Dich entscheidest entweber jür die Freiheit, oder für die rusfische Knechtschaft, für den Ruhm oder tür die Kette, für eine fichere BafiS und eine große Zukunft, oder für „schwarze Tage", sür die Erhaltung der Nationalität oder lür „Nichts", für die Vergangenheit eines Krum, Simeon, Asen und Samuel oder für eine Zukunft mit fremden Generalen, welche die Knute in der Hand und derbe Worte im Munde führen. Wofür wirst Du Dich entscheiden? Anerkennung ist Edelmuth, sobald fie fich jedoch in freiwillige Knechtschaft ver wandelt, ist sie mehr als Gemeinheit, Wohlthätigkeit ist Groß- muth; sobald man jedoch dafür Prozente verlangt, ist fie un> edel. Alles hat seine Grenzen. Wenn Ruhland mit der ewigen Dankbarkeit unsererseits nicht zufrieden ist, so find wir nicht verpflichtet, ihm in den Mund zu springen, um»S zu sättigen; denn in diesem Falle wäre die Förderung der„ewigen Dank« darkeit" für Ruhland eine Fretzsucht und für uns wäre fie gleichbedeutend mit der Dummheit umsomehr, als es fich nach- träglich herausgestellt hat, dah d e r„S l a v o p h i l i S m u s" nichts Anderes ist, a Ii eine Falle, welche der „Nor den" gel egt hat, damit der„Süden"hinein' fall e."— Auch bei den Mächten scheint Ruhland wenig Glück mst seinen„wohlgemeinten" Vorschlägen zu haben. So hat dt« Pforte den Großmächten eröffnet, fie sei geneigt, den Wunich deS Fürsten von Bulgartm, ohne Zertdestim» m u n g zum Generalgouvernem ernannt zu werden, zu be« rückfichtigen. Auch Jialien soll den Signatarstaaten vorge« schlagen haben, die frühere Bestimmung, d. h. die Ernennung des Fürsten von Bulgarien zum Generalgouverneur ohne Na« menSnennung und Zetteinschränkung wieder aufzunehmen. Die englische Regierung begrühe diesen Vorschlag aufS Freund- lichste und sei bereit, zuzustimmen. Slsie». Die- gemeinschaftliche Kommission zur Feststellung der russisch-afahaniscben Grenze geht unverzüg- lich mit der Grenzabsteckuna auf der Sektion von Merutschak nachtdem QxuS vor. Die Beziehungen zwischen den englischen und russtschen Kommissären find äußerst fteundlicher und herz- licher Natur; aber ungeachtet deS Wohlwollens auf beiden Seiten werden Hindernisse erwartet. Die Grenze soll auf den im englisch russtschen Einvernehmen vom Jah:e 1875 angedeute- ten Linien gezogen werden. Aber die Beschreibung der ange- nommenen Grenze, die in den damals ausgetauschten Mit- thellungen gegeben wurde, war so unbestimmt, dah fie Punkte von der grohten Bedeutung, soweit es thatsächliche Besetzung und die Rechte der Unterttzanen des Zaren resp. des EmirS anbelangt, dem Streite offen läht. Inzwischen werden die russtschen Jntriguen an der perstschen Grenze fortge- setzt thSüg betrieben, und es ist leicht zu sehen, dah die Provinz Khorassan binnen Kurzem dem Wesen nach ein Theil des Zarenreiches sein wird. Soziales und Arbeitervemegung« � An die Schuhmacher Deutschland» ergeht folgender Aufruf: Kollegen! Arbeiter! Seit Jahrcsfnst besteht in Frankfurt a. O. eine Filiale des Unterstütungsverein» deut- scher Schuhmacher. Der Verein hat bisher mst Recht die Interessen seiner Mstglieder zu wahren gewußt. Am 19. März d. I. wurde von der hiefigen Schuhmacher. Innung folgender Beschluß gefaßt:„Die Schuhmacher-JnnungSmeister ver« pflichten sich, alle Mitglieder deS Unterstützungsverein» deut- scher Schuhmacher binnen 14 Tagen zu entlassen, event. die« selben zum Austritt au» dem Verein zu veranlassen und zu« gleich darauf hinzuwirken, dah die Gesellen dem Hirsch« Duncker'schen Gewerkverein beitreten(welcher, beiläufig gesagt, der Geburtshelfer dieses Utase» ist). Arbeitgeber, welche dem Beschluß zuwider Mitglieder des genannten Vereins beschäf- Ein« tiefe Rührung durchschauerte fie Alle. Da spraug Zufius auf; der Postillo» blies. „Fort, fort," schrie der»lte,„verderbt Euch diese ge« segnete Stunde nicht! Haltet fie hoch im Elend, vergesiet fie nicht in der Freude, und Du, Evmund, wen« Du kein Feigling bist, steh' auf. gieb dem Mädel rasch'neu Kuß, in de» Wagen, und Gott erhalte Dich!"— Kein Bitte» um Frist half! Ein finsterer Blick auf Edmund bewies genug! Er preßte Mathiidea an sich, drückte den Elter» die Hand, und„Lebe w,hl' hübe« und drüben und der Jngendgespiele war fort.— Still fuhr der Trödler mit de» Seme»«ach v.... zurück.- Am Kirchhof ließ er halte» u«d ging mit Frau und Tochter an Anuen» Grab. .Mathilde, mein Herzblatt", und er küßte fie.„Ich habe Dir heute viel Glück und Weh dicht bei einander zu« gemuthet. Hier auf diesem Grabhügel legst Du hnlt' die Jugend Deiner Seele nieder. Es soll so fit», ich bm ge- »iß nicht schuld daran. Hör' also auf, ei» Kind zu sei», »erde Dir Deiner edlen Weiblichkett bewußt, die auch das irmfle Mädchen haben soll. Ich bereitete Such diese» letzte«, schmerzlich« schöne« Tag, um Euch zu stählen für das Leben, für die Täuschungen, welche komme». Und läßt Edmund de» guten alten Sinn und seine Liebe zu Dir nicht, ist er ein Sohn nach meinem Herzen geworden, wie er'» als Knabe war, und fem Vater spricht dann kein„Nein", nun, so wird auch der alte Justus kein» sage»!" Mathilde fiel fast bewußtlos dem Vater um den Hals, und Christine schluchzte heinahe wie damals bei der harte» Kündigung.— (Fortsetzung folgt.) An» Knust und Zeben. MWMUM tigen, werden in Strafen von 5 M. und höher gezogen." Auf Grund dessen erfolgte am 20., 21. und 22. v. M. an lämmt« liche 170 Mitglieder des Vereins die Kündigung, und haben fich sogar einige Aibeitgeber, welche nicht zur Innung zählen, veranlaßt gesehen, das Gleiche zu thuir. In der am 22. d. M. stattgehabten, fast vollzählig von allm hiefigen Mitgliedern besuchten Versammlung des UnterftützungSoercins wurde einstimmig beschloffen, an der unS heilig gewordenen Organisation festzuhalten, und in Folge dessen werden am 4. Apcil sämmtliche hiefigen Mitglieder, darunter zirka 70 verheirathete die Arbeit niederlegen- Kollegen! Was sollten wir Anderes thun? Sollten wir uns der Willkür der Arbeitgeber unterwerfen? Dann würden dieselben erst recht mir noch mehr uns herabwürdigenden Anträgen kommen; außcrd.m würden zirka 15 bi» 20 Kollegen gemaßregelt werden. Wir find daher zu diesem Schritt gezwungen und ist die Haltung der von der Maßregel betroffenen Kollegen eine zu« »erfichltiche. Die Vereinsmitglieder bilden hier am Ort die Majorität der BerufSgenoffen und die thatkrästigsten und intelligentesten Arbeiter gehören zu unS. Die Zlrbeitgeder stützen fich zwar auf ihren Waarenvorrath und auf Zuziehung fremder Kräfte; doch hoffen wir, daß dieselben im zweiten Falle nicht richtig rechnen, die Täuschung wird nicht aus« bleiben. Wir rechnen stcher darauf, daß die auiwärttgen Kollegen fich nicht nach Frankfurt a. d. Oder begeben, da hier keine goldenen Berge zu eningen sind, denn wrr können nur unter den größten Entbehrungen unser kümmerliches Dasein fristen; dies ist unS nur durch 15 biS 16 stündige tägliche Arbeitszeit, lange Sonntagsarbeit und körperliche Ueberan- strcngung möglich. Kollegen, wir rechnen auf Eure Hilfe, hallet den Zuzug nach Frankfurt a. d. Oder streng fem. Frankfurt a. d. Oder, 23 März. Heinrich Becker, Bevoll« mächligter, Rosenstr. 74. Die kleinbürgerlichen Gimpel, die kleinen Rentner, die Zwerokapitaliften, mit einem Worte, die petita bonrgeois find gewöhnlich diejenigen Vögel, die den Großkapitalisten bei Gründungen, Staatsanleihen oderfauler Qualität, Börsen« Manövern aller Art bereitwillig in'S Garn gehen. Die Großen schöpfen den Rahm ab und die Kleinen bleiben auf dem Leim kleben, fie werden gerupft, und der Rest ist— herabstnken in'» Proletariat. Seit Isaak P-reire, der größte aller Spekulanten, Ftnanzg— enie vom Schelle! bis zur Sohle, das lösende Wort von der dtwoerutiaation du ersdit gesprochen hat, der Demo« kratifiruna des Kredits, daS heißt aus dem Börsenrothwälsch in'» Deutsche übersetzt, der Ausplünderung nicht blot der großen Kapitalisten, sondern aller Gesellschaftsschichten, wo noch ein Pfennig zu holen ist, seit dieser Zeit haben wir eS auf dieser Bahn herrlich weit gebracht. Der„Deutsche Oekonomtst" ver« öffentlicht eine Zusammenstellung„nothleitzender au»« ländi scher vtaatSan leihe r", d. h. Anlehen solcher Staaten, die zur Zeit weder Kapital noch Zinsen ihrer Riesen« pump» bezahlen. Da haben wir Kolumbien........ Konföderirte Staaten von Amerika Kosta Rica........ Ekuador......... Guatemala........ Honduras......... Liederia......... Louisiana......... Mexiko.......... Misfisfippi......... Paraguay......... Peru.......... San Domingo....... Virginia......... Wcst-Virginien....... Ungefährer Betrag der Anleihen in Umlauf Pfd. Sterl. der zur Zeit noch rückstän- sfiiS 1923 845 2418 800 2 691 300 1824 000 540 200 5 398 570 100000 184432 29441 332 1400000 1505 400 31 843 760 714 300 5 088 298 3 047874 1 122 III 636 239 3 403 246 2119 512 337 440 303 026 6269 550 84000 9113125 3 330 000 1505400 17 887 840 578 583 947 751 unbekannt 46 515712 Kapital... Mk. 1 762 462 220 Zinsen...„ 930 314 420 Summa 2692 776 640 M. Die Böcsenkönige haben, so sicher wie zweimal zwei vier ist, ihr Schäfchen, und zwar ein Schäfchen mit goldenem Vließ, längst inS Trockne gebracht. Auf dem Trocknen aber fitzen die kleinen Kapitalisten, die bei solchen faulen Unternehmungen ihr Vermögen verpulvert haben. Die Summen find geradezu enorm, belaufen fie fich doch auf mehr als 2'/, Milliarden Reichsmark. DaS alte Lied: Ein großer Kapitalist schlägt zehn kleine todt, nur der Entwickelungsprozeß des Kapitalismus mit seiner Konzentration möglichst großer und möglichst vieler Pro- „Zigeunerbaron" debütiren. In der heutigen 50. Vorstellung deS„ZigeunerbaronS" wirken alle in der Premiere beschäftigt gewesenen Kräfte mit, von denen die Damen Fräulein Elise Schmidt, Stein und die Herren Wellhof und Szika eine Art Separat'Jadiläum feiern; fie spielen zum 50. Male die von ihnen kreirten Rollen. Unschuldig verurtheilt. Pohlom, 17. März. Heber die selbstverschuldete Verurtheilung einer Unschuldigen bringt die „Ratibor-Leobschützer Ztg." folgende Mittheilung: Die Hierort» bei dem GutSbefitzer Herrn Mazurek im Dienste stehende un- verehelichte Ena Buchczyk wurde von ihrem früheren Brot- Herrn, dem Bauer Job. Chmiel in W., Kreis Pleß, vor beinahe fünf Jahren verdächtigt, deffen Taschenuhr auS der verfchloffenen Tischschublade entwendet zu habe». Da die Magd, die durchaus nichts von dem Diebstahl wußte, dem Bauer gegenüber ihre Unschuld unter Thränen betheuerte, gerieth dieser dermaßen in Wutb, daß er die de» Diebstahls Verdächtige so lange unbarmherzig mit einem Stticke be- arbeitete, bis fie, den Schmerz nicht mehr ertragend, die ihr zur Last gelegte Beschuldigung wirklich einräumte. Sofort ließ nun der Bauer die Magd nach Sarau in Haft setzen, woselbst fie bei ihrer Vernehmung in ihrer- Angst denn auch zugab. den Uhren-Diebstahl begangen zu haben, worauf fie eine sechs- monatliche Gefängnißstrafe in Ratibor verbüßte. Eist jetzt stellt es fich heraus, daß nicht die auS eigener Schuld un« schulvig Verurtheilte, sondern ein bei demselben Bauer in Diensten stehender Knabe den Diebstahl begangen hat; der Dieb ist bereits amtlich verncmmen worden und des Diebstahls geständig. Gegen den Bauer Ch. find seitens der Staats. anwaltfchast auch die erforderlichen Schritte bereits eingeleitet. — Di« arme Magd aber, welche sechs Monate unschuldig im GefSngniß geschmachtet hat, hat keinerlei gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung. Im Jahrhundert der„Toleranz". Ein seit 6 Jahren in Horrem dft Köln ansäsfiger Rentner starb vor Kurzem. Da der Mann Protestant gewesen, so verweigerte der katholische Pastor von HcmmetSbach die Beerdigung auf dem katholischen Friedhofe, ordnete jedoch nach langen Auseinandersetzungen an, daß in der»rmensünderecke, wo man die Selbstmörder ver- scharrt, ein Grab hergerichtet werde, was auch geschah. Die wenigen hier wohnenden Protestanten aber verlangen nicht nur. daß der Todte ein Grab in der Reihe der übrigen Gräber er« halten sollt, sondern daß auch ein evangelischer Pfarrer die Leiche zum Kirchhofe geleiten und fie dort einsegnen dürfe. Da der katholische Pastor auf seinem Widerstand beharrte, tele- duktionSmlltel in möglichst wenlaHänden massakrtrt mit impo« sanier Kühle das Klein- und MUtelbürgerthum. Zahlen be« weisen! Mit welche« Mittel« das Handwerk sich im Wettbe« trieb gegen die Großunternehmer zu behaupten versucht, dies wutde iüngst in einer Schlofferoersammlung in Nürnberg von Herrn I. Scheren, dem Herausgeber der„Deutschen Metailarbeiterzeitun g" treffend nachgewiesen. Der- selb« theille bei seiner Kcittk deS Submilfionswesens folgendes mit:„Bei der Submission für Herstellung eines 184 Meter langen schmiedeeisernen Geländers zur Einfriedigung deS Hock» reservoir» am Schmausenbuck habe man das Schauspiel erlebt, daß ein K l e i n m e i st e r(Schlossermeister Stepper in Wöbrd) große Fabriken unterboten habe. Während die Maschinenbau« Aktiengesellschaft, die doch mit den besten Werkzeugen ausge« stattet sei und das Rohmaterial jedenfalls viel billiger beziehe als ein Kleinmeister, für den laufenden Meter 13.50 M. forderte, habe dieser Kleinmeister 9.60 M. gefordert und den Zu« schlag erhalten. Das sei eine Schmutzkonkurrenz, die öffentlich gekennzeichnet werden müsse, da doch der Arbeiter darunter zu leiden habe, denn es sei berannt, daß dieser Meister mit die schlechtesten Löhne zahle. So etwa? sei aber nur mög» lich, so lange die Arbeiter unorganistrt find, wären fie orga« nisirt, würden fie einfach eine solche Werkstätte sperren." Der Nothstand in Hamburg wird jetzt auch in der „Nordd. Alla. Ztg." sehr beweglich geschildert. Danach gab es täglich bei den Almosenvertheilungen„große Ansammlung von Menschen, sodaß die Konstabler vielfach absperren mußten. Alles diese» dauert auch jetzt noch fort, und die Zettungen Altonas und Hamburgs enthalten ganze Spalten voll Anzeigen über die dargebotenen Gaben aller Art. Trotz deffen, daß nun endlich Thauweiter eingetreten ist, wird das Elend, des« gleichen man hier und in Hamburg noch nie gesehen bat, noch lange andauern." Streik i« Hörde(Westfalen). Vor einigen Tagen fanden auf der hiefigen HermannShütte die bereits vor einiger Zeit angekündigten Lohnabzüge statt. Infolge dessen legten sofort annähemd 100 Kesselschmiede die Arbeit nieder. Der Mannheimer Maurer« und Eteinhauer-Kach« bereia hat folgende Forderungen an die Meister gestellt: 1. Es wird eine Arbeitszeit von 10 Stunden täglich unter Bei« behaltung der üblichen Pausen eingeführt. 2. Es werden mit Ausnahme dringender Fälle die Ueberarbeit, die Nacht- und Sonntagsarbeit gänzlich aufgehoben. 3. Es wird ein Minimal« lohn von 35 Pf. pro Stunde festgesetzt. 4. Es werden für Ueberarbeit, Nacht« und SonntagSarbeit, wo solche nicht ver« mieden werden kann, pro Stunde bei Tag 45 Pf., bei Nacht 55 Pf. bezahlt und ist dieS gleichzeitig als Minimalsatz zu be« trachten. 5. Es wird die Auslöhnung der Arbeiter am Sams« tag und zwar stets eine Halde Stunde vor Eintritt des Feierabends vorgenommen. Zum ttlavierarbeiterftreik in Bayreuth veröffentlicht die dortige Stretk-Kommmisfion folgenden Aufruf: Kollegen! Drei Woche» find nun verfloffen seit der Arbeitscinstellung in der Pianosortefabrik von Eduard Steingräber in Bayreuth. Der un» so frivol aufgedrungene Kampf scheint ein erbitterter zu werden, da schon in auswärtigen Blättern Arbeiter gesucht werden. Somit ist es Pflicht jed:S Kollegen, dem G-bahren der Firma ganz energisch entgegenzutreten. Wir find 40 Mann, welche der Dinge harren, die da kommen sollen. Der gute Herr will nun absolut von Unterhandlungen mit der Kom« misston nicht« wissen, die er al« Urheber de» Streiks doch �ÄW��-Pbahnen mußte. Die gestellten Bedingungen erklärte Steingräber nicht akzeptiren zu können, well seine Ehre zu sehr darunter leide(die unsere aber soll nicht in Betracht kcnnmen). Einer Arbeitsaufnahme unsererseits stelle er fich nicht in den Weg: wir sollen erst anfangen, und dann de« quem« er fich allenfalls, unsere Wünsche zu hören. DaS gleicht einer Kapitulation aus Gnade und Ungnade. Nun glauben wir annehmm zu dürfen, da» gegnerische Lager sei so ziemlich gesprengt, da der Chef und seine beiden Sohne % mehr einer Meinung find. Die guten Leute wissen selbst nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht; bald !vricht man von Geschäftsniederlegung, bald soll bloS Klavierhandel� betrieben werden und sollen die nicht fertigen Kasten auSwartS fertig gemacht werden u. s. w. Nun aber kommt der Hauptpunkt. Der sehr um unS besorgte Mann, der von Herzensgüte für unser leibliches Wobl überfließt, sagte: Wenn nur erst meine Arbeiter nichts mehr zu essen haben, kommen fie schon von selbst wieder! Dieser Aeußerung gegen. über sollte unsere Organisation ein tausendstimmiges„Bis hierher und nicht weiter!" entgegensetzen. Kollegen! Ihr seht, gebrauchten Aeußerung:„Es hilft ja dochsnichtS!"! ein Ende SKW-Ä MnSL'S z täts sä grapRrte man. nach der„Franks. Ztg.", an den Landrath von Bergheim, welcher zur Sicherung de« Begräbnisses zwei Gen« darmen entsandte Am 15. Nachmittags fand nun unter großer Theilnahme der Vevollerung die Beerdigung statt; die Gen« darmen brachten den Sarg zu jener Stelle, wo der Letztver« storbene begraben lag und dicht nebenan, also in der üblichen Reibe, wurde nun von rcquirirten Arbeitern die Gruft ausae« moNtn. Den Protest, den der Küster auch jetzt noch im Namen de» Pastors erhob, ließ man unbeachtet, der evangelische übliche" W«se°statt®,nfc0nunß*"* die Bestattung fand in Die neue««ömeten. von Fabry in Paris am 1. De« z«mber, von«ernard in Nashville am 4. Dezember 1885 ent« deckt worden, kommen erst im April ,esp. im Mai d. I. in ihre Sonnennahe. Gegenwärtig find diese beiden Himmels« körper nur in großen Fernrohren zu beobachten. Aus den auf sich jedoch annehmen, daß bewe°Komften w Ap?il"dem"unb-! Sichtbarkeit gelangen, und zwar am Eternbilde der Kasfiopeia. laufen und Snde April in größter Lichtentwicklung erschein?» SAgLK AÄ Kfö'ÄÄliSÄHHef tzHWckZMZ -Ww-ZSSS« Fachverein«. Noch sei bemerkt, daß wir die Erzwpatbien der Bewohner Bayreuths im vollsten Maße besitzen, ein Umstand, der die Firma ziemlich kennzeichnet. Also nochmalt, Kollegen, thut Sure Pflicht und bedenkt, daß Alles davon abbängt, uns in diesem Kampfe zur Seite zu stehen und haltet Zuzug fern. Schnelle Hilfe ist doppelt werth. Mit kolleaialischem Gruß und Handschlag: Der.Vorfitzende der Streilkommisston: H. Wellhöfer. Briefe und Gelder bitte an die Adrefle H. Well- höfer, Münzgaffe 170, zu richten. Uereine und Nersammlnngen« th. Die Volksversammlung im dritten Berliner ReichStagSwasilkreise am 24. d. M. im Louismstädtischen Konzerthause, Alte Jakobstr. 37, legte wiederum ein beredtes Zrugniß ab von d und Heerbann u. d. m. und gab seiner Meinung dahin Aus« druck, daß, wmn et auch nicht unser Bestreben sein könne, diese alten Priviiegim zurückzuerobern, et doch unser Bestreben sein müsse, zurückzukehren zu dem demokratischen Urzustände der freien Selbstverwaltung nach Maßgabe der heutigen gesellschast« lichen Verbältnisse, wie ste z.Z. in den Urkantonen der Schweiz bestehe. Im Jahre 1808 wurde die sogenannte Stein'sche Städteordnung in der preußischm Monarchie eingeführt. In einer kurzen aber interessanten Biographie des Ministers von Stein gab Redner ein Bild von dem Wirken, Leben und Leiden dieses bedeutenden ManneS. Sein erster Schritt war die Aufhebung der noch bestehenden Leibeigenschaft und fing er sovann von unten herauf zu reformiren an. Und dieS ist richtig, meinte Redner, denn ein freies Staatswesen ist nur möglich, wenn eine freie Städteordnuna alt Grundstein dient und darauf in demselben Geiste die Kreit- und Provinztal« ordnung und schließlich die ganze Staatsverwaltung aufgebaut wird. DieS ist dat Ideal einet vollkommenen Staate». Die Stein'sche Städteordnung verwirft dat Dreitlaffenwahlsystem, will vielmehr, daß die gesammte Bürgerschaft wählen solle. Doch auf einen rein demokratischen Standpunkt tonnte fich selbst Stein noch nicht stellen, da er immerhin da» städtische Wahl« recht von einem jährlichen Einkommen von 200 Thalern ad« hängig machte. Diese Etädteordnung wurde nach dem Jahre 1813 auch in den vordem von der preußischen Monarchie loS« gerissenen und unter franzöfischer Henschaft stehenden östlichen Provinzen eingeführt, tm Jahre 1831 jedoch„reoidtrt", waS gleichbedeutend ist mit einer Umgestaltung in reaktionärem Sinne. Die also„revidirte" Städteordnung war jedoch immerhin noch ein glänzendes Werk gegen die heut bestehende, nach welcher die Steuerzahler der ersten Steuerstufe, von jedem städtischen Wahlrecht ausgeschlossen find. Durch die öffentliche Stimm- abgäbe seien ferner auch diejenigen im höchsten Maße benach- therligt, welche in abhängiger Stellung fich befinden. Dennoch sei et Pflicht aller dieser, muthvoll auch in diesen Kampf um ihre Rechte einzutreten, um zu erreichen, was nur immer zu erreichen sei. Üeberall, wo man unbeschadet seiner Prinzipien einzutreten vermöge für die Wohlfahrt des Volke?, solle man dieS thun, und sehr zu bedauem sei es, daß noch kein Ver« treter der Ardeiterpartei im preußischen Abgeordnetenhause säße. Auch die KreiS- und Provinzialordnung zeige von liberalen Gedanken keine Spur, trotzdem dieselben alt„liberale Errungen« schatten" mit Vorliebe bezeichnet würden. Im Jahre 1848 wurde von der äußersten Linken der damaligen Rationalver» sammlung der sogenannte Waldeck'sche Gesetzentwurf eingebracht (welcher, nebenbei bemerkt, nicht zur Annahme, ja nicht einmal zur Beraihung gelangte, da die Nationalversammlung aewalt- sam aufgelöst, eine Verfassung oktrcyrt und durch den Minister von Manteuffel eine Städteordnung eingeführt wurde), welcher die Wege zeigt, um auS de» heutigen unleidlichen Zuständen hinaus« und in bessere hineinzukommen, welcher, wie Redner meinte, die Ziele enthält, welchen wir zustreben müssen. Der Waldeck'sche Antrag hebt, den Darlegungen des Referenten zufolge, den Unterschied zwischen Stadt und Dorf auf, wodurch auch die auf dem platten Lande sehr unangenehmen seldststän« digen Gutsbezirke beseitigt werden, welche natürlich durch die „liberale" Gemeinde-, Kreit- und Provinzialordnung voll und ganz sanktionirt worden find. Waldeck legte den Schwer« punkt serner nicht in die Gemeinde- Vertretungen, fondern in die Gemeinde« Versammlungen, in denen jedeS männliche Gemeindemitglied von 21 Jahren Sitz und Stimme haben sollte und in denen auch Diskusstonen stattfinden können. Die einzelnen Bezirke wählen ihre Stadt- verordneten für eine AmtSdauer von 2 Jahren, nach Ablauf deren sämmtliche Stadtverordnete neugcwahlt werden müssen und zwar durch daS allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht. Auch wählen die Bürger selbst ihren Bürgermeister und die übrigen Mcmistratsmitglteder, nicht wie heute, die Stadtver- ordneten. Zu diesen Posten kann ein Jeder berufen werden und ist dies wichtig namentlich für mittlere und kleine Städte, woselbst heute ein häufiger Wechsel d-r Bürgermeister in Folae deS SlrebenS nach besser dotirtm Stellen zu verzeichnen ist, waS der betr. Gemeindeverwaltung gerade nicht zum Vortheil gereicht. Eine Anzahl von Gemeinden treten zusammen und wählen nach demselben System, einen KreiS bildend, nach den heutigen Begriffen den Landrath und so fortschreitend wird auch die Provinzialregierung und der ProvinzialauSschuß direkt aus dem Volke heraus gewählt. Ferner hätten die Gemeinde« Versammlungen daS Recht und die Pflicht, zusammenzutreten und über die wichtigsten Gemlindeangelegenheiten!(Erhöhung bestehender oder Einführung neuer Steuern, Verkäufe und Käufe u. Vgl. m.) zu berathen und zu beschließen. Die dieS« bezüglichen Fragen müssen so gestellt sein, daß fie mit„ja" oder„nein" beantwortet werden können. Dies entspricht der in der Schweiz eingeführten Volksabstimmung oder Referendum. Ferner will auch ver Waldeck'sche Antrag da» BestätigungS« recht der Gemeindebeamten durch die Regierung, sowie die Bevormundung derselben in wichtigen Fragen beseitigen. 33 Jahre find eS her, fuhr Redner fort, daß diese Grundsätze aufgestellt wurden. Alle Unterzeichner dieseS Antrages find, bis auf einen, bereits mit dem Tode abgegangen und wir alle würden hinsterben, bevor diese Grundsätze verwirklicht werden könnten, weil auf der einen Seile die Machthaber dieS nicht zuließen, auf der anderen Seite aber auch der große Theil deS Volkes nicht, welcher glaubt, genug gethan zu haben, wenn er fich an den Haupt- und Staattaktionen betheiliat, fich dagegen von den kleineren kommunalen Aktionen fern halt, ja theilweise denselben feindlich gegenübersteht. Aber auch auf dem kleinen kommunalen Gebiete müßten alle Kräfte angespannt und ge« meinsam gearbeitet werden zm Wohlfahrt und allmäligen Besserstellung d«t Volkes. Referent schloß seine Rede mit dem Vortrage deS herrlichen Gedichtes von Ferdinand Freiligrath: „Trotz alledem!"— Jubelnder Beifall durchbrauste den Saal. Zur Ditkusfion sprach der Reichstagiabgeoidnete Kayser. Den selbe besprach zunächst sächfische Verhältnisse und hob hervor, daß in Sachsen schon seit Jahrzehnten die Arbeiter fich an den Kommunalwahlen betheiligen und auch bereits im sächsischen Landtage die Arbeitervartei vertreten sei. Er hielt eine Be t Heiligung der Arbeiter an den Gemeindewahlen besonders jetzt für sehr wichtig, alS die Gemeindeverwaltungen die AuS- führung vieler fozraler Reformen in Händen hätten, auch eine Emwirkung der Arbeiter auf städtische Angelegenheiten sebr wünschenswerth sei. Daß dieser Einfluß in Berlin noch kein bedeutender, ginge zur Genüge hervor auS der Vernach. ISsfigung derjenigen Stadttheile(in welchen auch die diäten- lose» Reichttagsabgeordneten zu wohnen gezwungen seien) und aus den Verhandlungen in der Stadtverordneten-Versammlung. Mit Erstaunen habe er gelesen, daß man Bedenken trage, Kinder reicher und armer Leute mit demselben Wass-r zu waschen, von dem Gefühle der Schande, daß ein zerrissenet Hemd« erwecken solle, wobei jedoch nicht gesagt worden sei, od ein zerriffmes Hemde eine Schande sei für den, der et trägt, oder für den, der et steht!(Stürmischer Beifall.) Mit Ver- lSunderung habe er aber auch gelesm, daß man in den Ar- beiterbezirksvereinm die Fiage der ferneren Betheiligung an den Etadtverordnetenwahlen ditkutire und theilweile Stellung dagegen nehme. Die Arbeiter sollten nicht bei dem Errungenen stehen bleiben, sondern alle Schwierigkeiten zu überwinden und ihre Rechte, die fie jetzt haben, zu erweitem suchen, um ein leuchtende» Vorbild sür andere Orte abzugeben. Die Stellung der Arbeiter im Reiche, im Lande und der Gemeinde sei heute eine ganz andere geworden. alS fie früher war und die ganze Entwickelung zwinge die Arbeiter dazu, fich am Ge- meindeleben zu betheiligen. Das Interesse dafür sei nicht ab- hängig vom Besitz. Man solle nicht davor zurückschrecken, daß die jetzigen Vertreter der Arbeiter im städtischen Palamcnte gewissermaßen über die Achsel angesehm wüiden. Die» sei den Reichttagsabgeordneten ebenso ergangen und doch hätten dieselben jetzt einen nicht zu verkennenden Einfluß und an Bedeutung gewonnen. Wenn die de- schränkenden Formen nicht hindern werden, daß die Ardeiter überall mitsprechen, dann würde schließlich auf die be« schränkenden Formen kein Werth mehr gelegt werden. Die Arbeiter müßten fich Geltung zu verschaffen suchen, im Kleinm wie im Großen, auf allen Gebieten, welche die öffentliche Wohlfahrt betreffen.(Anhaltender Beifall.) Auch Stadtv. Görcki richtete an die Anwesenden in demselben Sinne einen warmen Appell und legte denselben, gleich dem Buchdrucker Nieke, dringend ant Herz, die gegnerische Presse nicht zu unter« stützen, sondern da»„Berliner VolkSdlatt" zu lesen. Nachdem sodann für einen nothleidenden Arbeiter eine Tellersammlung gmehmigt worden war, wurde folgende Reiolution einstimmig angenommen:„Die heute im Louisenstädtischen konzerthause, Alte Jakobstraße 37, versammelten Parteigenossen erklären sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden und ver« pflichten fich, soweit fie im 3. ReichStagtwahllreise wohnen, dem Arbeiter-Bezirksverein„Vorwärts" beizutreten, da eS nur durch eine feste Organisation im Hinweise auf die im nächsten Jahre statthabenden ReichStagSwahlen möglich sein wird, dm 3. Wahlkreis durch einen Arbeiter-Abgeordneten vertreten zu sehm." Mit begeistertm Hochrufm trennten fich die Anwesen- den in musterhatter Ruhe und Ordnung. Der Arbeiter-Bezirkt-Verein de» Westens hielt am 23. März eine Versammlung ab, in welcher Herr Schweitzer einen Vortrag hielt über:„Die malischen TradeS-UnionS". Der Vortragende wies in sachlicher Weise nach, wie in Ena. land dat Zunftwesen schon im 16. Jahrhundert adgeschefft wurde, während eS in Deutschland noch bis tm 19. Jahrhundert existirte. Er führte hier die Reformation besonders an, welche die Fortentwickelung des politischen und foziaim Ledent gehemmt und dem mitte lalt-rlichen Zunftwesen zu seinem so langen Bestehen verhalf. Wir verachtm dai Zunft- wesen nicht, führte Redner auS, aber für unsere heutige Zeit ist eS überflüsfig, es hat seine Dienste früher gethan, es ist jetzt abgelebt. In England gtngm auS den Gesellcnzünsten die Gewerkschaftm hervor, derm Prinzip dahin ging, den Arbeiter resp. den Gesellen vor den Uedergriffm der Kapitalmacht zu chützen. Durch feste Vereinigungen erreichten diese Geweil- chatten in England ihrm Zweck; allein bald kam der Fabrikant dahinter und wirkte beim Parlammt dahin, daß den Arbeitern durch Gesetze die Freiheit etwaS beschnitten wurde. So fiel im Jahre 1572 dat Gesetz, welches anordnete, aus- kömmliche Löhne zu zahlen, gesunde Fabrikräume zu schaffm, owie einen zwölfstündigcn Maximalarbeitstag innezuhaltm. Man brachte eS selbst soweit, daß ein Gesetz erlassen wurde, welche» alle Vereinigungen der Arbeiter bei Zuchthausstrafe verbot. Dadurch hatten freilich die Gegner der Arbeiterorga- nifation ihrm Zweck erreicht, während der Arbeiter vor Hunger umkam, bis endlich die öffentliche Meinung, ja selbst ein Theil der Fabrikanten zu der Einsicht kam, daß diesem grauenhaften Elend ein Ende gemacht werden müsse. ES wurde eine Fabrik« gesetzgebung durchgeführt, welche wenigsten» die schlimmstm Mißstände beseitigte, so daß sich der englische Ardetter heute bei weitem besser steht, alt ver deutsche. Redner bemertte ferner, daß der englische Arbeiter in der gewerkschastlichm Be- wegung großes, aber in der politischen sehr wenig geleistet habe. BeideS müsse indeß Hand in Hand gehen. Mit der Aufforderung, daß die deutschen Arbeiter fich noch mehr alS bisher am politischen Leben detheiligen müßten, damit ste Ein» fluß auf die Gesetzgedurg erlangen, schloß Redner seinm Vor« trag. An der Diskussion betheiligte sich der Zimmerer Loß, welcher besondert darauf hinwies, daß die Arbeitszeit unter allen Umständen verkürzt werden müsse, wenn nicht daS Elend in Deutschland größer werden solle, alS früher in England. Hierauf wurden drei Mitglieder zu Revisoren gewählt. Der Vorsitzende schloß mit der Aufforderung, recht zahlreich auf dat„Berliner VolkSblatt" zu adonniren, weil letztere» nur allein die Interessen der Ardeiter vertritt, die Versammlung. Noch ist mitzutheilen, daß zu der nächsten Mitgliederversamm- lung Herr Reichstagsabgeordneter BloS einen Vortrag zuge- sagt hat. Der Bezirktverein der arbeitenden Bevölkerung im Südweste« Berlins hielt am Montag, den 22 März, eine Versammlung, Alte Jakobstr. 120, in den„Kaiseihallen", ab. Herr krohm hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über dat Thema-„Der Einfluß der Metalle auf unsere Kultur". Redner theilte die Vorzeit der Kulturentwickelung in drei Pe- rioden: die Steinzeit, Eisenzeit und Bronzezeit. Die ältesten Kulturvölker seien die Chinesen, Inder und Egypter. Wie alt die Kulturentwickelung sei, darüber lasse fich nichts Be« stimmteS festsetzen. Einen kleinen Begriff könne man fich machm, wenn man bedmst, daß man in dem Nilschbamm, in einer Tiefe von 60 Fuß, ein kupfernes Messer gefunden habe, welches wenigstens ein Zeitalter von 12000 Jahren binter fich hat. Weiter entwickelt Redner die Bedeutung der Erfindung det Glaset und der Chemie. Die Chemie habe wieder eine große Bedeutung bei Erfindung der Photographie und anderen Erfindungen gehabt. Später fei man zur Erfindung der Tele- graphie gekommen, welche selbst ein so großer Denker wie Humboldt, anfänglich alt Spielzeug betrachtet habe. Heute haben die Telegraphendrähte den ganzen Erdball um« spönnen. Wetter ging Redner noch auf die Bedeutung der Maschinen und Eisenbahnen ein und schildert auch hier den Fortschritt der Metalle auf unsere Kulturentwickelung und auf die moderne Produktionsweise. Zum 2. Punkt der Tagesordnung berichtete der Bibliothekar über den Stand der Bibliothek. St sei gelungen, eine Anzahl Bücher von Mit» gliedern und Gönnern leihweise zu ei halten. Weiter berichtet ie Deputation det Vereint zur Niederlegung eineS Kranzes auf den Giäbem der Märzgefallenen, daß aui dem den Ge» fallenen gewidmeten Kranze erst die rothe Schleife entfernt werden mußte. In Betreff der Badreinrichtungen in dm Kommunalschulen wurde folgende Resolution angenommen. Der Bezirktverein der arbeitenden Bevölkerung im Südwestm Berlini, bi dauert dm adlehnmdm Beschluß in Betreff der Badeeinrtchtungm in dm Kommunalschulen für Kinder und spricht den Wunsch au», daß die Vertreter der Ardeiterpartei diesen Antrag erneuern, damit derselbe zur Annahme gelange. Ein Antrag, zur Veranstaltung einer Tellersammlung zum In» stände halten der Gräber der verstorbmm Genoffen Heinsch und Dentler wird angenommen. Nachdem noch aufgefordert wurde, recht fleißig auf daS„Berliner VolkSblatt" zu adonniren» indem dieses daS einzige Organ in Berlin sei, welches die Interessen der Arbefter vertritt, schloß der Vorfitzende die Ver» sammlung. Der Fachvereiu Berliner Stuckatenre bielt am 23. d. M. seine regelmäßige Versammlung ad. Bei Punkt 1 der Tagesordnung, Vereinsangelegenheitm, mtspann fich eine leb» haftelDedatte über Wahl einer Statutmberathungt Kommisfion; schließlich wurde eine solche von 3 Mitgliedern gewählt. Ebenso wurde behufs Errichtung eines Ardeitt-NachweiseS eine Kommisfion gewählt, welche mit der Ausarbeitung einer dies« bezüglichen Vorlage dettaut wurde. Unter„Verschiedenes" wurde ein sehr bedauerntwerther Fall mitgetheilt. Einem Kol« legen, Mitglied drt Vereins, wurde von seinem Prinzipal (Gebr. Dankberg, Friedrichstraße 214) mitgetheilt, er verletze da» Vertrauen und schädige die Interessen der Arbeitgeber, well er fich dem Vereine angeschlossen habe, weihalb die Ent» lassung det betreffenden Kollegen angeordnet wurde. Derselbe bat dort über 8 Jahre gearbeitet. Die Rufe„Pfui" waren die einzige Antwort auf diese Mittheilung. Selbstverständlich wird dat entlassene Mitglied unterstützt werdm. Zum Schluß wurde bekannt gemacht, daß in der nächsten VereinS-Versammlung Herr Rechtsanwalt Freudenthal einen Vortrag hallen wird. Am Montag, den 29. März, findet eine öffentliche Versamm» lung der Stvckateure statt. Im Fachveretn zur Wahrung der Interessen der Korbmacher Berlins und Umgegend hielt am Sonntag, den 21. d. M. bei Otto, Adaldertstraße 21, Herr Christensen einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Entwickelung der gegenwartigen wirthschaftlichen Verbältnisse". Altvann erstattete Herr R-ddemann. Kaifirer der Ekeikkommisfion, Bericht über die Einnahmen und Autgaden der Stteikgelder. ES ergab fich ein geringer Uederschuß. Ueber die Verwendung diese» Ueberschuffe» entspann fich eine lebhatte Debatte. Herr vteinicke plaidirte für Errichtung eineS Streikfonds und wollte die erübrigten Streikgelder dazu verwenden, während die Herren Carl, Franke, Fechner und andere Redner der Mei- nung waren, daß der vorhandene Uederschuß der Vereinskasse zu überweisen sei, da jederzeit Streitende sowohl innerhalb deS Gewerks, alt wie auch Andere aut der VereinSkasse unteistiltzt worden seien und auch ferner unterstützt werden würden. Die Anficht der letztgenannten Redner wurde infolge eineS dahin« gehenden Antrag« zum Beschluß erhoben. Ferner wurde be- schloffen, den monatlichen Brilrag von 25 Pfg. auf 40 Pfg. zu erhöhen. * Zur Versammlung der Mitglieder der„alten" Sterbetasse der Maschinenbau Arbeiter, über deren Ver« lauf wirtin unserer letzten Dienstaanummrr berichteten, ei halten wir folgend«„Berichtigung":„Ei find die Beiträge zur alten Kasse vom l.fDezember 1884 nachzuzahlen(nicht, wie tm„Ber» liner VolkSblatt" berichtet wurde, vcm 31. Dezember 1884 ab). Diese nachzuzahlenden Beiträge werden seit dem 15. Oklober 1885 in Ratenzahlungen entgegengenommen, so daß also Nie« mand 5 Mark auf einmal ncchzrnohlen braucht: eS ist über« Haupt nur ein Rest von 3,25 Mark nachzuzahlen- Friedrich Müller, Steinfir. 12, Fr. Hagemann, Beteranenstr. 6, W. Schulze, Rosenstr. 21, K. Kit schnitt, Ackerstr. 32. Sprechfaal. Di«»edattton stell« dt««enutzung de» Sprechsaal«, soweit Raum dafür a»p>«e»en ist, de» Publikum zur Besprechung von»ngclegenheilen allgemeinen Interesse» zur versllgung! st« verwahr» fich oder gleschzeitig dagegen, mit dem Zuhält defielbe» tdenttfiztrt zu werden. S-Hr geehrte Redaktion! In Nr. 69 JhreS geschätzten BlatteS befindet fich unter der Rubrik„Arbeiterdtwegung" eine Notiz, betreffend eine Arbeitseinstellung der Steinmetzen zu Halle a. S. Erlauben Sie daher, daß ich in dieser Sache daS Wort ergreife. Seit der dortige Fachverein der Stein» wetzen besteht, ist e» Gebrauch geworden, in jedem Frühjahr deS laufenden JahreS die Löhne mit den Metstern zu verein« Haren. Der jetzige Tarif ist so mangelhaft, daß nur ein ganz gewöhnliches Stück Arheit berechnet werden kann, ein profi« lirteS und etwaS komplizirteS Stück dagegen— wie eS bei den etzigen Kunstbauten täglich vorkomml— nicht nach dem tarif berechnet werden kann, und bei dm Ausgleichen derartiger Arbeitm die Gehilfen stets zu kurz kommen. AlS der jetzige Tarif im vorigm Jahre berathin wurde, sagten die donigen Meister, daß ste sich beim Theaterbau, welcher jetzt vergeben wird, unmöglich an der Submisston dethetligm könnten, wenn die Gesellen auf dem zur Zeit gilttgen Tarif beständen. Dieses wurde auch von dm Gesellen berückfichtigt. Dm Theaterbau bekam der Mindestfordernde Herr Sleinmetzmeister Plüger aus Berlin. Dieser Herr Plöaer zahlle nun dm Steinmetzen zu Halle an Arbeitslohn 25 bis 50 pCt. mehr, all die dortigen Meister, mit Ausnahme deS Meister» Schulze; natüiltch ohne Einwirkung der Gesellm. Zur Ausbesserung der dietjährigen Löhne wurde dm Hallenser Meistern von dem doitigen Fachverein am 21. Dezember v. I. ein Tarif vorgelegt, nach welchem jedeS Stück Arbell bis in die kleinsten Details berechnet werdm tonnte mit dem nöthigm Prozmizuschlag. Die Antwort der Meister erfolgte erst nach vollen 9 Wochen und lautete:.Leine Berückfichtiauna de» neuen Tarif« refp. der fpeziellm Berechnung, aber ein Prozmizuschlag von 5 pCt. in Nebra'er und 10 pCt. in Pirna'« Sandstein. Die Stein» metzm in Halle arbeiteten zur Zeit 75—100 pCt. billiger alS die Berliner.(Wir haben hier in Berlin 45 Pf. Stundenlohn, in Akkord bis zu 55 Pf) Diehallmfer forderten eine Auf« hefferung von 25 pCt. und die Meister luden die Kommisfion zu einer Besprechung ein, welcher Einladung auch Folge ge» leistet wurde; aber die Ätister ließm fich nicht sehen; zwei hatten Vertrete» entsendet und einer erklärte fich nicht iür kompetmt, und so wurde dmn auch letn Resultat erzielt. Dw Gesellm wandten fich nochmals an die Meister um eine Be- sprechung, erhielten aber von Meister Schober den Beschetv, daß seiner Utberzcugung nach eine Regelung des Tarifs m» den übrigm Meistern nicht zu Stande kommt, er aber vom 15. März d. I. ab noch 5 pCt. mehr bezahlen werde, als ur- sprünglich bewilligt war. Eine gleiche Antwort ßW an den Fachverein, welcher vm Meistern ein dritte Einladung zugeschickt hatte. Die Forderung dt Hallenser Gesellen lautete: 25 pCt. Erhöhung, evmt. kom miffarische Beraihung bkiderseil»." Darauf gingen die Meist- nicht ein. Plötzlich am So» nabend, den 13. Mar», stellten d Meister an jeden eimelnen Gesellen die Frage, sofort zu sag- ob er für den von den Meistem aufgestellten Lohn aniei wolle. Auf diese überraschende Frage erschallte von ftdem � MMiii Berlin, Neue Hochstr. 14._____ Verantwortlicher Redakteur R. Lronhetr» in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badtug in Bertin 8W„ Leuthstraße 3. Htm« eine Betlaa«» Beilage zum Berliner Bolksblatt. »r. 72. Freitag» de« 26. Marz 1886. III. Der Frikittn. Die europäischen Mächte haben es fertig gebracht, Serbien und Bulgarien zum Asschlusse einet Friedens zu »öchigen, de« beide Staate« vo» sich aus vorzunehmen wenig geneigt waren. Bon Oesterreich gedeckt, hofft« König Milan seine Scharte wieder auswetze» zu können und nur der schwarze P-.ter Karaajeorgjewitsch machte ihm Sorge. Alr Heizanlage des Friedrichs Werderschen GpmnastumS zu bewilligen. Der Etat der Steuerverwaltung wird eben- falls genehmigt. Schließlich wird der g a n z e E t a t gegen die Stimmen der Arbeiterpartei angenommen. Projekt zum Neubau eines Asyls für Obdach lose und einer Desinfektionsanstalt an der Prenzlauer Allee. Der Berichterstatter Siadtv. Singer empfiehlt die Annahme des AuiscbußantrageS: Die VtUammIung genehmigt den Entwurf und den mit Aller Augen richteten sich auf den Kapitän Vitalis, der erblaßte und die Lippen zusammenpreßte. Dann erhob er sein Glas, ziiterie aber, so daß eS ihm entfiel und auf dem Boden in Scherbe» zerbrach. Bellemare, der stark ange- trunken war, eilte auf de» Kapitän los und schlug ihn ins Gesicht. Dieser packte de» jungen Menschen bei den Armen, schleuderte ihn zu Boden und wollte ihn mit Füßen treten, als die übrigen sich dazwischen warfen und ihn mit Gewalt aus dem Saale zogen. Em Duell war natürlich unvermeidlich; als Waffen wurden Pistolen festgesetzt, die Distanz sollte fünfzehn Schritt betragen und da« Feuern nach Beiieben stanfineen. Der Kamps sollie am folgevden Mm gen eine Slunde vor dem Ausmarsch der Eskadron vor sich gehen. Bellemare erschien zu dem Rendezvous, indem er in aller GemüthSrube Kirschen aß und sich damit amüsirte, die Kerne jede« Mal mit den Fingern möglichst weit fort- zuschnellr». Die Sekundanten luden die Pistolen und maßen die Distanz ab. Bellemare schien sich»ur mit seinen Kirschen zu beschäftigt«, und im Momente, wo sein Beistand ihm die Waffe überreichte, schleuderte er den letzten Stein in die Luft. Sobalv da? Zeichen gegeben war, feuerte Bellemare; feine Kugel streifte dre Schulter de« Kapitäns, der darüber lächelte. „Meto Herr*, sagte er dann zu dem jungen Lieutenant, Ihnen scheint nicht viel am L-ben zu liegen. Ich habe da- her kein Interesse daran, eine Existenz von Ihnen zu nehmen, die Ihnen gleichgiltig ist.* „Feuern Sie, mein Herr," erwiderle Bellemare vornehm, ich werde keine Gnade annehmen." „Ihr Stolz möge sich beruhigen, junger Mann", gab der Korse zur Antwort.„Es ist festgesetzt worden, daß jeder 1 010 000 M. absckließenden Kostenanschlag zum Neubau eines AiylS für nächtliche Obdachlose und für wohnungslose Fa» mitten, sowie einer öffer.tl.chcn DeSinfeklionsanstatt auf dem zwischen den Straßen 16 und und 13b und resp. 25 und 25* der Abtb ilung Xll deS Bebauungsplans belegenen städtischen Giundstück und stellt zusammen 450 000 M als erste Baurate zur Ver ügung. Die Genehm gung erfolgt debatteloS. Wahl von vier Mitgliedern für die gemischte Deputation zum Ankauf von Grundstücken am Mühlendamm. Gewählt wurden die Herren Karsten, Matern, Franke und Namslau. Ankauf von Terrain deS Grundstücks Fiedrichstraße Nr. 127 zur V-rwenrung für das Frievrichs-Gymnafium. Stadtv. D o p v befürchtet, daß durch irgend eine JndiS« kretion eines städtischen Bea t len der jetzige Besitzer des Grundstückes von der übficht des Magistrais Kenntniß erhallen und deshalb den Preis erhöht hat. Er beantragt, die Verlage einem Aasschuß zu überweisen und hegt die Erwartung, daß in Zu« lunft d-r Anlauf aller der Stadl angebotenen Grundstücke pure abgewiesen werde, die vor kurzer Zeit den Besttzer gewechselt haben. Stadtrath Rodthann bestreitet entschieden, daß irgend eine Mitiherlung über die Adficht det Magistrats in dt»t Ocffent» lichkeit gedrungen fei. Die Vortage wird einem Ausschuß von 10 Personen über- wiesen. Anlage von zwei neuen Straßen zur Verbin- dung der Blim.nstraße mit der Großen Franksurterstraße und mit dir Sch.llingstraße.— Die Vorlage geht an einen Ausschuß. LruSladestellen am Landwehr. Kanal x. Die königliche Mrnisterial- Baukommisston hat s. Z. an den Magistiat ein Schreiben in dieser Angelegen hell gerichtet, das in scharfen Ausdrücken von der Stadt verlangt, den nach Anficht deS Magistrats durch den Staat veranlaßten Rolhstand der auf d-n Waffel veik hr angewiesenen Geschäfte zu beseitigen.— Dre Petiiionskommisfion empsichlt nun, eine mit dies-r Ange- legenheit stch befassende Petition dem Magistrat mit dem Ersuchen zur Berückiichtigung zu überweisen, die Bei Handlungen mit dem lönigl. Fsku« zur Herstellung öffentlicher Ausladestellen am SchifffabriSkanal thunlichst zu beschleunigen und bei dieser Gelegenheit dahin zu wirken, daß bis zur definitiven Regelung dieser Angelegenbeit den jrdjazenten, welche irüher eine Ausladestelle am Kanal be- saßen, eine solche provisorisch wieder gewährt werde. Stadtv. Löwe polemistrt gegen ven Stadtv. Dopp und wendet stch dann zu einer scharfen Kritik des Ve. Haltens deS FiskuS, der durch ven Magrst.at vornehm und in feiner Ironie zurückgewiesen worden sei. Im übrigen empfiehlt er den An- trag der Kommisfion. Rech einer längeren Diskusston, an der fich die Stadtv. Dopp, Virchow und I r m e r detheiligen und in der der Siadrrath Meu drin k die Erklärung abgrebt, daß der Ma- gistrat fich rechtlich allerdings nicht verpflichtet fühle die Angelegcnhrrt in die Hand zu»ehmen, daß er im Jntereffe der Kommune nachgeben und in närtst.r Zell eine Vorlage einbringen werde, wonach die Kosten durch Jntradrn auf den Schiff, verkehr gedeckt würden, wird der Antrag der Petttionslommtsfion mit großer Majoriiät angenommen. Die Vorlage, betreffend einige Abänderungen deS neuen Geneinde Einkommensteuer-Regulativs für die Stadt Berlin, wird dedattelos genehmigt. Hierauf beschließt die Versammlung, die noch unerledigten Gegenstände auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. Schluß 9 Uhr. Es folgt ein nicht öffentliche Sitzung. Eine Ersatzwahl zur Stadtverordneten-Versamnr« lung wird demnächst stattzufinden haben. Der Sradrverorv« nete, Schorn steinfegermerste r Geiler ist am 19. d. Mt«. gestorben, Der Verstorbene v rirat den 30. Kommunal-Wahldezirk (III. Abi Heilung). Der Wahlbezirk umfaßt die Stadtbezirke 202 bis 209._ Fokales. er. Wer kennt die Schrecke« der Wohnungsnoth? Mancher Berline wird fich derselben hcure noch erinnern. In Baracken, in EisendahnwaggonS, ja auf dem freien Felde bivouakirte man dumaiS; sorgenvoll blickten die Familienväter in die Zukunft: man hatte eben nicht, wo man fein müdeS Haupt hinlegen konnte. Und doch war man dowals thöricht, dämlich mörrte man sagen, wenn dieser Ausvruck nicht unpar- vo» uns nach Belieben feuern könne— ich reservire mir also meinen Schuß." „Wie eS Ihnen beliebt, der Schuß gebührt Ihnen, und ich werde stets zu Ihrer Verfügung stehen." „Das erwarte ich!" „Auf fünfzehn Schritt!' bemerkte Bellemare noch, indem er wieder avfiag, Kirsche« zu esien. Von der Stadt her ertönte bereit« das Signal zum Sammeln und bald darauf rückte die Eekadron ab. Der Graf v. Bell mare ging mit nach Bordeaux, Vitalis blieb in Toulouse. SrchS Jahre waren seit dem selrsame« Duell verfloffen. VrialiS hatte es rnzwrsehen erst zum Major gebrocht, da die politischen Ansichten, welche ma» der ihm voraussetzte, seinem Avanzement hiriderlrch waren. Er stand zu Perpigna» in Garnison und war»och immer düster und schweigsam. Eine« Abends erhielt er eine« Brief, bei dessen Lesung sich seiae Züge erhellten. Am folgenden Morgen nahm er Urlaub und reiste nach Bordeaux ab. An der Sttaße nach Medoc lag ei» hübsches Landhaus, zu deffen von Ciemari» umrankrer Veranda erne Lindenallee führte. Es war gegen acht Uhr Abends und an dem wölken« losen Himmel funkelten bereits die Srerne. Eine jener wunderbar klaren und vom Wohlgeruch der Blürhe« durch- dufteten Rächte brach herein. Ja dem zur ebene» Erde gelegenen Salon de« Land« Hauses befanden sich mehrere Personen. Unmittelbar am Fevster saß eiae Dame»on etwa sechsuadzwanzrg Jahre», deren regelmäßige« schöne« Profil sich von dem Halbsunkel in dem Zimmer klar abhob, und auf deren Sinn ein Mo»« den strahl, der durch die Zwerge einer vor dem Fenster stehenden Akazie st l, einen bellen Schimmer warf. Ihre Hände rühren in denen ein 8 OffizrerS, der leidenschaftliche LrebeSworte in ihr Ohr flüstert«. lammlottfdj wäre. SS wäre damals so leicht gewesen, der Herr chenden WohnungSnoth zu steuem, wenn man nur den richtigen Mann auf den richtigen Posten zu st-llen gewußt hätte. Glücklicherweise ist eS heute noch nicht zu spät, denn m aUrrnächster Ziähe droht wieder einmal der I. Avril mit fernen faulen Eckerzen und mit seinem Umzüge. Ter Mann, der daS P oblem der WrhnungSsrage gelöst Hai, wohnt leb.ndig und letlrhaf ig unter unS; der Min dchcU ist ein neuer Eiern erschienen, und wer mühselig und beladen ist, pilgert getrost ,u jenem Mann, er wird rarhen und helfen, und so, wie diessiüh lingSsonne heute glänzend aus unS heiniederlätelt, wird sein freundliches Antlitz alle diejenigen de scheine", die ke'ne ihrem Einkommen angemessene Wohnung finden können. Wie seufzt h-ute der Familienvater, der einen halben Tag der Aibeit ris- kirt hat, um eine Wohnung zu suchen; vergeblich ist er Treppe auf, Treppe ob gegangen, er Hai fich von. den verschiedentlichsten tzauSpaichaS tbeiis mit dnrüih gender Herablassung, theilS mit unversälschter Grobheit behandeln laffen nüffcn, oftmals hat man ihm die Wohnung, deren MiethSpreis er off-nbar doch nicht zahlen tonnte, garnichl gezeigt,— weShalb soll man fich unnöthiger Weise erst seine Mittagsruhe stören laffen, 100 Thaler kann der Mensch in der schäbigen Blouse ja doch nicht für seine Wohnung ausgeben. Und alle diese Leute, die heule nomadenhaft die Etadt durchstreifen, geben fich dem Kummer und der Eorge vergebens hin, denn unter unseren Mitbürgern baden wir denjenigen, der Wohnungen zu einem fast paradi« fischen Preise zu verschaffen in der Lage ist. Dieier Gnadcnspcnder ist der E t a d t v e r o r d n e t e H o f f m a n n Ii, der in der Siavtoerorvnelen Persammlung ganz neue Per fpektiven in Vezng auf die Wohnungsfrage der erstaunten Mitwelt mitgethetlt hat. Es ist Alles Unfinn, Niemand hat das Recht, unter den reizenden Zuständen, unter denen wir leben, über einen Nothstand zu klagen, denn wenn man immer noch eine„sehr hübsche Wohnunq" für 100 Mark jährlicher Miel he haben kann, dann ist Polen noch lange nicht ver- loren. Herr Hoffmann Ii, antisemitischer Eemit, Rechtsanwalt und Etadtveroidneter, muß eS infolge aller dieser Eigenschaften ja wiffen, und eS wäre nur zu wünschen, daß er sein Ge> heimniß nur n cht zu lange bewahrte, denn nach dem 1. April dürfte eS vorläufig für viele Jntereffenten veraltet fein. Wahrscheinlich wird man gespannt sein, waS der Herr Etadt- verordnete eigentlich gesagt hat. Nach dem stenograpbischen Bericht der Sitzung vom.ll..März äußerte fich Herr tzoffmann folgendermaßen: „Ich meine, daß man ohne Weitere« nicht sagen kann, daß ein Arbeiter in Berlin 200 M. Mtethe zu zahlen hat und infolge deffen nur 700 Mark für seine Ledensbedürfniffe Übrig behält. Ich kann da gewiffcr- maßen als Sachverständiger reden.-- Als Verwalter eines großen HauseS, in welchem auch Arbeiter- Wohnungen find, kann ich Ihnen verfichern: es ist sehr schwer, eine Wohnung für 200 Marl überhaupt an Ar- beiter zu vermiethen, ausgenommen, wenn man den- selben Aftervermiethung gestattet; dann nimmt der Miether die Hälfte von den 200 Mark von den Aftermicthcrn ein. Die Wohnung der Ardeiter stellt fich hier im Miethspreise, besonders in den Arbeitervierteln der Stadt, im Osten und Norden — die LandSdergrrstraße ist ja eine ganz gute theuere Gegend— da stellt fich eine sehr hübsche Wohnung auf 120 resp. 100 Mark." Eo diese Zierde der Bürgerpartei, dieser Ersatz für Picken- dach, der den Beruf in fich zu fühlen scheint, die komische Figur in der Etadtvertretung spielen zu müff-n. Kenn wir auch der Anficht find, daß an solchen Figuren gerade im rothen Hause kein Mangel herrscht, so würden wir jenem Herrn daS kindliche Vergnügen doch nicht mißgönnen, wenn die Sache eben nicht so bitter ernst wäre, und außerordentlich dazu ge- eignet, in der überhaupt schon arbeiterfeindlichen Majorität der Etadtvertretung gänzlich falsche Vorstellungen zu erwecken. Kein Mensch, der irgendwie fich jemals um praktische Verhält- niffe gekümmert hat, wird jenem weisen Etadrver- treter glauben, eS ist unnöthig, ihn in Bezug auf die MiethSpreise zu widerlegen. Trotzdem aber wollen wir, wenn wir uns im izirthum befinden sollten, es nicht unterlaffen, den Herrn Etadtverordncten Hcffmann im Jntereffe unserer Leser recht inständigst zu bitten, uns alle die „sehr hübschen Wohnungen" für 100 resp. 120 M. mitzutheilen, wir glauben, daß wir maffenhaft Abnehmer für dieselben fin- den. Ader die Wohnungen müffen auch„sehr hübsch" sein. Nun aber der wichtigere Theil der stadtväterlich- rechtsanwalt- lichen Ausführungen. Der Herr Stadtverordnete sagt: „ES ist sehr schwer, eine Wohnung für 200 Mark überhaupt an Arbeiter zu vermiethen, ausgenommen, wenn man denselben Aftervermiethung gestattet; dann nimmt der Miether die Hälfte von den 200 Mark von den Äftermiethcrn ein." DieseS Mitglied der Bürgerpartei scheint nach vornehmen Mustern zu arbeiten. Es hört fich daS Obige beinahe so geistreich an, wie die Geschichte von dem Zoll, den bekanntlich auch Niemand bezahlt. Wenn aber ein Ardeiter eine Woh- nung miethet, so miethet er dieselbe höchstwahrscheinlich deshalb, um fie auch benutzen zu können. Vermiethet er jedoch den besten und gesundest« n Theil seiner Wohnung, so ist er eben gezwungen, fich mit seiner Familie mit dem schlechtesten und ungesundesten Theil der Wohnung zu begnügen. Er de- zahlt also, wenn er seine Etube an Schlafburschen advermiethet, für die Küche, in welcher er mit seiner ganzen Familie wohnt Auf dem Sopha im Zimmer saß ein älteres Paar; die Matrone streichelte von Zeit zu Zeit die blonden Locke« eines dreijährige« Knaben, der ein hölzernes Pferdchea an einem Bindfade« durch das Gemach zog. Die junge Dame am Fenster war die feit Jahresfrist verwittwete Marquife v. Mary, die sich«ach Ablauf des Trauerjahres mit dem Grafen v. Bellemare verlobt hatte; das Paar auf dem Sopha waren ihre Eltern und das Kmd ihr Sohn. Plötzlich schellte es draußen am Thor, der Gärtner öff» «ete und ein Fremder schritt, nachdem er mit diesem einige Worte gewechselt hatte, auf das Fenster zu, an dem da» Liebespaar saß. Trotz der Dämmerung erkannte er de» Offizier und rief mit scharfer Betonung:„Graf v. Bellemare?* „Vitalis!" „Erkenne« Sie mich also?" „Ja, ich erkenne Sie," murmelte Bellemare. „Wir haben, wie Sie wiffen, eine alte Rechnung zu begleichen." „Ich stehe zu Ihre» Diensten, mein Herr," erwiderte der Graf, indem er mit wenige» entschuldigende» Worte» den Salon verließ. „Wohin sollen wir gehen?" ftagte Vitalis. „Ich werde Sie führen." Sie schritten schweigend nebeneinander dahin; endlich hielt der Graf auf einer genügend weit vom Schlöffe ent« scrnten Stelle, die mitten im hellste» Mondschein lag, an, indem er sagte: „Hier ist wohl ein geeigneter Ort." Während der Graf die Distanz abschritt, stürzte plötzlich die Maiquise mit aufgelösten Haare« und allen Zeichen der größte» Seelenangst herbei. und schläft, einen ganz horrenden Preis, und der Arbeiter, der einen Tbeil seiner Wohnung an Af ermiether abgiebt. thut daS nur deshalb, weil für ganze Familien einzelne Wohnräume nur sehr selten zu baden find. Nach der Auffaffvng deS Herrn Etadtverordr.eten Hofimann kann jedir Mensch mietheftei wohnen, eS ist da« wenigstens sehr leicht, man braucht eben nur von irgend einem Verwalter eineS g'oßen HauseS eine Wohnung zu mielhen und dieselbe wicver zu vermiethen, dann allerdings bezahlt der zweite Miether die Miethe an den eisten Miether, der den Betrag an den Herrn Verwalter abführen kann. DaS Unglück bei der Sache ist nur, daß man wobl Miethe einnimmt, aber keine Wohnung hat. Mit soicher Logik behau delt man die vitalsten Jntereffen der Arbeiter im rothen Hause. Wir verzeihen wirtlich gern manche Dummheit, aber so thörichie Dinge kreucht man doch nicht zu sagen, selbst wenn man Jura studirt hat.— Ein Blick in den Spiegel. Das Berliner Publikum labte fich vor einiger Zeit an einem Skandalprozesse, der vor dem Schwurgericht zu Prenziau verhandelt wurde. Vor den Schianken stai d ein Herr Graß welcher, nachdem er das Ver- mögen seiner eisten F. au glücklich unter die Leute gebracht und sich dann hatte scheiden laffen, die Tochter eines reichen und hochangcsehenen Berliner Verlagkbuchhär dlerS zu angeln wußte. Der gute Schwiegervater kau'tc ihm ein Rittergut und lieferte auch weitere Zuschüsse, so daß de» Herr Graf„vergnügt und nett" mit seinem Weibchen in den Tag hinein lebte, bis die Nolh anklopite. Run wurden die Waldungen abgeholzt und als auf dirjem Boden nichts mehr zu holen war, ver- stiberte der Herr, waS noch zu versilbern war und dann begab fich daS Pärchen auf eine Vergnügungsreise. Aber gewiffe Unternehmer, mit denen er zu thun gehabt, trachteten, zu ihrer Sache zu kommen, vor Allen der edle Bürger, welcher die H-irath vermittelt hat'e und diesen Ritterdienst auf einen Werth von nicht weniger als 12000 M. anschlug. Die Angelegenheit ward zuletzt vor den Richter gezogen und es erfolgte die V-rurtheilung deS Angeklagten zu einem Jahr Gefängniß wegen betrügerischen Bankerotts. Der Prozeß förderte recht häßliche Dinge zu Tage. Erscheint eS auch begrerflich, daß die Söhne des Buchhändlers nicht eben sehr erbaut über den vornehmen Schwager waren, so zeigten sie doch in ihrem Bemühen, diesem womögl'ch eine Zuchthausstrafe zuzuwenden, eine schroffe und in der Form widerwärtige RücksichtSIofigkcit. Die ganze Geschichte ist ein chaiakter«stischer Zug im Wesen unserer in den seltsamsten Widersprüchen fick bewegenden und von der Heuchelei einen sehr ausgiebigen Gebrauch machenden Zeit. Sie spielt in jenen Kreisen, wo einer Sage zufolge Anstand und Sitte vorzugS- weise ihr Domizil haben und wo auch von der Heiligkeit der Ehe nie anders alS mit hohem Ernste gesprochen wird. Was geschieht aber in dieser sehr respektablen Alhmos. häre? Ehever- mittler der dunkelsten Sorte treiben fich dort herum und mit bestem Erfolge. Sie legen Prospekte und Tarif« vor und har-deln mit Herzen, wie man mit Hunden und Pferden handelt. Das Geschäft in seiner rohefien Gestalt, der ruch- lose Schacher ist hier im Schwange; die„zarten Bande der Liebe" find ein Gegenstand deS Wuchers und schmutzige Hörde arrangiren den„Bund der Seelen", den nachher der Priester weihevoll einsegnet. Die Ver- mittler halten eine Auswahl von Myrihenlrärzen auf Lager, verschicken dieselben nach Wunsch zu gefälliger Einficht, und ist die Sehnsucht eineS verlotteiten Aristokraten auf eine stattliche Mitgift gestellt, so freuen fich die Engel im Himmel und der Agent erhebt seine Prozente. Der E.tern Segen bauet den Kmdern Häuser, heißt es in der Bibel und gewisse adelige Kavaliere, denen nichts geblieben ist ais der Stammbaum— „im Winter kann n an fich nicht wärmen, im Sommer fich nicht hängen d'ran"— gehen mit wahrer Leidenschast auf diesen Häuser bauenden Segen aus. Sie verachten das bürger- lichc Pack gründlich, allein wenn eS die Mittel zu gewinnen gilt, um das verblichene Wappen wieder aufzufrischen und fatale Wechsel einzulösen, überwinden fie ihre Vormtheile und spähen nach einer ergiebigen bürgerlichen Partie. Der Mädchen, die nach einem„von" auf der V fiicnkarte oder wohl gar nach einem auf's Taschentuch gestickten Kiönchen gelüsten, giedt eS ja viele und wo die Kinder r icht thörtcht genug find, find eS die lieben Eltern. Der Hochmuthsteufel läßt ihnen nicht Ruhe und der reiche Börfianer scheut, um eine„feine" Ver» wandtschaft zu erwerben, vor keinen Opfern zurück. Er weiß, daß diese Verwandten fich über ihn moquiren, aber unter Seinesgleichen kann er fich brüsten und daS ist süß. Seine Tochter hat allerdings in ihrer neuen Umgebung hunderterlei Demüthigungen zu erdulden, man läßt es fie fühlen, daß fie unterm Range steht; aber fie wird von Gefinve und Krämern alS„gnädige Frau" angeredet,— daS muß ihr genug sein und das geuügt ihr auch zuweilen. Novellen, Romane und Dramen, in welchen dieser aus bürgerlichen Tasch-n lebende Adelsstolz gezüchtigt wird, bcfitzen wie die schwere Menge. Ist derselbe meist elend genug» so ist der Mangel an Selbstachtung im Bürgerthume noch gemeiner. Maß jenem nicht förmlich der Kamm wachsen, wenn er gewahrt, wir dieses vor ihm fich auf den Bauch legt? Wir wiffen, daß reiche amerikanische Er binnen wie toll darauf ausgehen, fich etnem adeligen Habe- nicht auS der Welt an den Hals zu werfen und ähnliche Er- scheinungen will man auch in der Schweiz schon beobachtet haben. Die republikanische Gesellschaft ist noch entsetzlich weit von republikanischer Würde entfernt. Name und Titel gelten ihr mehr alL Charakter; der Schein ist ihr mrhr ali daS Sein. Sie beugt fich demüthig, ja knechtisch vor äußerem Glänze und ahmt sodann daS Beispiel jener Bedienten nach, die in der Abwestn- „Um GorteSwillen, mein Herr," rief sie,„mir ahnt Schreckliche». Was soll hier vorgehen?" „Ich bitte dich, Jcanne," sagte Bellemare todtenblaß, aber ohne mit der Stimme zu zittern,„laß uns allein. Der Herr ist ein früherer Regimentskamerad von mir und wir haben wichtiges zu besprechen." „Nein, nein, ich lasse mich nicht täuschen," beharrte Madame v. Mary,„cS liegt Unheil in der Luft, ich sehe Schatte» vor meinen Augen— ich höre Stimmen in der Luft— ich werde wahnsinnig!" Plötzlich gewahrte[i-t die Pistole, welche Vitalis in der Hand hielt, schrie furchtbar auf und sank vor ihm in die Knie.„O, mein Herr haben Sie Erbarme» mit mir! Ich habe Gaston immer geliebt,— hören Sie eS wohl? Ich liebe ihn mehr als mein Leben; ich bin vor Gott die Seine und ehrlos, wenn er mich nicht heirathet l" Vor Schluchzen konnte sie nicht weiter reden, sonder« rang die Hände in entsetzlicher Qual, während nur noch ein Röcheln über ihre Lippen drang. „Auf fünfzehn Schritte I" wiederholte Vitalis mit kalter Ruhe. Die Marquife sank ohnmächtig zur Erde; Herr v. Bellemare aber stellte sich mit gekreuzte» Arme» dem schrecklichen Gegner auf der vom Mond beschienene» Straße gegenüber. Bei dem hellen Scheine des Gestirns glaubte Vitalis eine Thräne an den Winipern seines Gegner« zu erblicken. „Nun gut, mein Herr," sagte er mit einem höhnischen Lächeln,„Sie werden nicht wieder Kitsche» effeu!" Dann feuerte er und Bellemare stürzte todt zu Boden, die Kugel war ihm ins Gehirn gedrungen. Vitalis hatte noch in derselben Nacht auf einem von Bordeaux abgehenden Schiffe Frankreich verlasse»; die Mar- quise v. Mory verfiel in Wahnsinn. heit ihrer Herrschast in deren Kleider schlüpfen und ihre Ma> nicren nachahmen. Mit der Unterwülfigkcft verbindet fich ein brennender Drang, eS Höherstrhenden gleichzuthun, mit ihnen v rwechsclt oder von ihnen herablassend gegrüßt zu werden. Schon daS Dienstmädchen und der junge Mann, der gut mit Pferden umzugehen weiß, find laut der Annonze„aus gutem Hause": der Pioletarier wird schwach in seinem Ktaffenbaß, wenn ihm ein angesehener Mann dreimal die Hand schüttelt; Demokraten finden fich höchlich geehrt durch eine Zigarre aus liberalem Etui und dem Liberalen ist, als breite fiiv ein Ha ich der Vornehmheit über ihn aus. so oft ein aristokratischer Aermel ihn streift. Alles möchte aus der Haut fahren, um eine noblere anzuziehen; am allermeisten das Protzenthum, das in Würdi- gun g seiner inneren Armutb die ehrbareAnnäherung in„Hittorische" Familien mit förmlicher Gier nachsucht. Ein richitger Parvenü gäbe die Haltte seiner Schätze um einen einzigen Ahnen oder sonst ein leidliches Zeichen von„Abstammung". Den so oft laut weidenden Grimm über dielleberhedung aller Geschlechter und junkerlicher Anmaßung darf man nicht immer wörtlich nehmen. Individuen, die gar zu laut schreien, find nicht selten nur deshalb wüthend, weil es fie ärgert, Plebejer zu sein, und unter dem freifinnigen Ueberrock hervor guckt ihnen bei jeder Gelegenheit der grünliche Neid. Des läppischen Hochmuths ist die Welt von einem Ende zum andern voll, aber den echten, taxfern, auf Tand und Band verzichtenden Stolz, der allein den Menschen adelt, den vergißt man. Und so lange ein Fuß- tritt von einflußreicher hoher Stelle von der Mehrzahl alS eine Auszeichnung empfm den wird, ist auch die Demokratie noch vielorts mehr Devise als Tdatsache. Dte Berliner Kanalisation steht in diesem Jabre bereit« avf eine 25jährige Gcschichle zurück, von denen 15 Jahre auf die Zeit der Vorarbeiten. 10 Jahre auf die Zeit der praktischen Wirksamkeit entfallen. Im Jahre 1861 erschien der Bericht dcs OberbauratbS Wiebe über„Die Reinigung und Ent« Wässerung der Stadt Berlin" nebst ausführlichem Plan über die systematische Kanalisation Berlins. Dieser Bericht war das Ergcbniß der Prüfungen, welche die im Jahre 1860 vom Minister v. d. Heydt berufene, aus dem Oberbaurath Wiebe, Baumeister Hobrecht und Zioilingenieur Vetmcyer bestehende Kommission angestellt hatte. Die städtischen Behörden setzten damals sofort eine besondere Deputation zur Berathung deS Wiede'schen Projekts ein und eS entwickelte fich nun der mehejährige Kampf über die Frage: Kanalisation oder Abfuhr? Das Polizelprästdium erklärte fich in einem Berichte vom 4. Januar 1868 für die Kanalisation nach den Wiede'schen P-inzipien' die städtische Deputation begann im Jahre 1869 unter Mitwirkung von Gelehrten und„Sachrer ständigen" eine Reihe Vorararbeiten und am 16. Januar 1873 erstattete im Namen der Deputation Prof. Vircbow einen G.'ncraibericht, auf Grund deffen fich dte Etadt« verordneten Versammlung am 6. März 1874 im Allgemeinen mit der Kanalisation einverstanden erklärte und die so'ortige Ausführuna derselben im III. Radialsystem beschloß. Letzteres wurde 1875 in Angriff genommen; mit dem Bau deS I, II. und IV. wurde 1876 begonnen, mit dem V. im Jahre 1877. Der ordentliche Betrieb der Kanalisation im Iii. Radialsystem im Jahre 1876, also genau vor 10 Jahren. Jetzt find von dem Rtefenwerk nickt weniger als steben Systeme vollendtt und umsangreiche Rieselfelder im Süden und Norden nehmen die Abwässer der Millionenstadt auf, und werden schließlich die ganze Umgebung von Berlin verjauchen. Die Zeit wird eS ja lehren. Die ortSanwesende Bevölkerung Berlin« am 1. De« zember 1885. Soeben hat das königl. statistische Bureau in einem besonderen Hefte die vorläufigen Ergehniffe der Volks« zählung vom 1. Dezember 1885 veröffentlicht. In Ergänzung der bisher milgetheilten Zahlen, welche fich nur auf die Städte mit über 10 000 Einwohnern und auf die landräthlrchcn Kreise erstreckten, enthält dieses Heft die Ergebnisse der Volkszählung für sämmtliche Städte und im Stande der Städte vertretenen Flecken und avß-rdem für alle Landgemeinden, deren orlSan« wefende Bevölkerung am Zählungstage 2000 Köpfe und darüber betrug. Auch die Bevölke.ung der kleineren Landge neindcn und Gutsbezirke ist, allerdings nur summarisch, angegeben, da in jedem Kreise die städtische von der ländlichen Beoöckerung unterschieden wird. Die Gesammtbevölkerung des vr-ußischen Staates stellt sich danach auf 28 313 833 Personen(199 weniger als laut der Nachweisung vom 17. Februar d. I.), von denen 49,07 pCt. dem männlichen und 50,93 pCt. dem weiblichen Geschlechte angehören. Eine Abnahme der Bevölkerung zeigen die Siandesämter l und Ii. das heißt dieselben Stadttheile, welche auch schon 1880 eine starke Verminderung gegen 1875 erlitten hatten. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Abnahme im EtandeSamtsbeziike l allein oder doch wenigstens zum weitaus größeren T seile für das ältere Berlin gelten läßt, wo wegen der neu entstehenden Kaiser- Wilhelmstraße und der Zentralmarlthalle in den letzten Iah cn eine große Zahl von Wohnhäusern nied-rgeriss-n wurde. Dagegen hat die Bevölkerung der Stadttheile Kölln, Friedrichs- werder und Dorotheenstadt wahrscheinlich noch etwas zugenommen, weil sonst im SlandeSamtSbezirke I eine noch vi» stärkere Abnabme stattgefunden haben müßte. Diele Anficht gewinnt an Wahrscheinlichkeit dadurch, daß in den älteren Sladltbeilen, dem Spandauer- und KönigSoiertel, eine erhebliche Z inahme der Bevölkerung gegen 1880 zu verzeichnen ist- Die meilwüidige Thatsache, daß die sogenannte Zllyblldung in Berlin aufgehört bat, mag darin begründet sein, vaß viele große Geschäfte zur Bequemlichkeit des PubltlumS Niederlagen und Zweiggeschä te in den äußeren Sladttheilen gründete» und der halb nicht nöthig hatten, in der inneren Stadt Wohn« Häuser zu Geschäftszweck-n umzugestalten. ES find im Gegen- theil in manchen älreren Stadttheilcn bisherige Gesckäflshäuser wieder Wohnzwecken dienstbar gemacht worden. Die stärkste Zunahme ver Bevölkerung haben die StandeSamtS dezirte XII, in, IV, Xill und X(a und d) aufzuweisen; fie bestehen aus denjenigen äußeren Siabttheilen im Südwesten, Westen, Nord- wiften und Norden der Stadt, welche auch schon vor 6 Jahren gegen 1875 ein beträchtliches Anwachsen der Bevölkerung � Da« Mißtraue« der Polizei gegen die fliegenden Wursthändler äußert fich immer von Neuem. So meldet der „Gastron.":„Die fliegenden Wursthändler wurden kürzlich Nachts nach den Poltzetdureaus fistirt, um über ihre Wurft- dezugsquellen protokollarisch vernommen zu werden. Diese Maßregel hängt mit einer in Rixdorf gemachten Entdeckung zusammen, wo man in einer Grude eine große Anzahl von Katzen- u- d Hundeköpfen aufgefunden hat. Da fich Verdacht»- momente gegen eine bestimmte Person richteten, die hierzu ßt* hörenden Körper zu Wurst verarbeitet zu haben, so sollte durch obige Maßnahme zu ermitteln gesucht werden, in wie weit stw dieselben bestätigten.", Der gewiß seltene Fall, daß das Urheber- und Verlags- recht von deutschen Romanen durch Zwangsversteigerung, ver« kaust wird, kommt in nächster Zell hier vor. Diese«gen- artige Versteigeruna wird am 6 April durch den kgl. Auktion»- Kommissar, Herrn Rudolf L-vke, ausgeführt. Es kommen vier im Manuskript vorliegende Romane von Conrad Fischer>vau« stein unter den Hammer: 1.„Der Herr Kasflrer", 2.„Kopl oder Münz. Eine rheinische Schiffs oolks- Geschichte, 3.„Mcrne kleine döse Frau", und 4.„Kampf mit Frauenherzen". Ein wackerer Junge. Hiefige Blätter berichten:. Am Montag langte auf dem Babohof Fnedrichstraße, von Ham bürg kommend, ein etwa 8jähriger Knabe an, der ganz selvfr ständig eine Reise zurückgelegt hat, angesichts welcher manch m Erwachsenen ein Gruseln überkommen dürfte. Der Kleine> daS Söhnchen eines weit im Innern des Kavlandes statiomr sucht dir Kleine auf, um fich in seine Obhut zu begeben und sich von ihm für dai Gymnasium resp. die UnivelfitätSkarrier« vorbereiten zu laffen. Selbstoelständlich mit den nöthigen Mitteln u. s. w. versehen, im Uebrigen aber ganz allein, hatte sich der Kleine von Heilbrunn, dem Wohnorte seines Papas in Südafrila, aus aufgemacht, per Achscnwagm die mehrere hun« dert Meilen weite Tour bis Kapstadt ,urückgelegt, war von dort mittelst Dampfers nach London und dann nach Hamburg und Berlin gereist. In diesem Augenblick wird er eS fich jedenfalls schon bei Großpapa bequem gemacht haben. Ei« ehrlicher Finder. Der Bankier E. aus Potsdam, welcher Dienstag Mittag zur Fahrt vom Potsdamer Bahnhofe nach dem Berliner Kassen-Verein in der Oberwallstraße eine Droschke zweiter Klaffe benutzte, vergaß beim Verlaffen der« seiden Werthpaptere in sehr hohem Betrage, welche er neben sich auf dm Siy gelegt hatte. Erst als er bereits die BureauS betreten, entdeckte er seinen Verlust. Eden wollte E. die Polizei behufs Hilfe benachrichtigen, als der ehrliche Droschken- lutscher, deffen Gefährt die Nummer 4802 führt, dem„B. K." zufolge, schon zurückkehrte und das Verlorene dem Eigenthümer wieder zuführte. Voll Freude über die unerwartet schnelle Wiedererlangung seines Geldes übergab Herr E. dem wackeren Roffelenker ein beträchtliches Geldgeschenk. Ei« i« Nixdorf beschäftigtes Mädchen, welches der dortigen Ortskaffe angehört und regelmäßig ibre Beiträge ent« richtet hat, wollte fich bei drm hiefigen Kassenarzt V. einen Zahn ziehen lassen. Der Arzt wicS daS Mädchen jedoch mit dem Bemerken ab, daß sie ja einen reichen Onkel hätte und folglich letzterer die Kosten bezahlen könne.— Also die Beiträge darf und muß man zahlen, aber! aber! wenn man einen reichen Onkel hat, kann man ja die Kosten auch noch bezahlen. Wirk- lich recht niedlich! Der vierzehnjährige Knabe, weicher fich vorgestern der Polizeibehörde mit der Eeldstbcnchtignng, seinen Vater er» mordet zu haben, gestellt hat, ist bei dreser Behauptung stehen geblieben, obwohl ihm vorgehalten wurde, daß seine Angaben über die Personalien und die Wohnung seiner Ettern fich alS unrichtig erwiesen hatten. Er will in der Zeitung von dem Morde des Briefträgers Kossäth gelesen und fich vorgenommen haben, in derselben Weise wie Lobbe einen Briefträger umzu- bringen. Da ihm indeß die Gelegenheit hierzu gefehlt, habe er seinen Vater, von dem er wegen einer Ungezogenheit geschlagen worden sei, am Nachmittage deS 23. März in der elterlichen Wohnung, Franzstraße 10, mit einem Hammer er- schlagen. Der Bezirksarzt, dem der Knabe zur Untersuchung seines GewüthSzustandeS vorgeführt wurde, erklärte ihn für geistig gesund. In Folge der in den Zeitungen über diesen Vorfall gebrachten vlittbeilung meldete fich im Kriminal« kommiffariat ein hiesiger Kaufmann, der in dem festgenomme- nen Knaben seinen Lehrling erkannte, der nach Entwendung einer Summe Geldes aus der Lehre und aus dem Hause seines Stiefvaters entlaufen war. Nunmehr räumte auch der Knabe ein, daß seine Angaben bezüglich deS Mordes fingirt seien. Da der Prinzipal wegen des ihm zugefügten Diebstahls entschädigt worden ist und keinen Strafantrag gestellt hat, ist der Lehrling seinem Stiefvater zurückgegeben worden. Der TtMBiv zur Hauptverhandlnng gegen den muth« maßlichen Mörder Kowalski, welcher fich sett mehreren Monaten wegen der an der Frau Geheimsekretär Paepke in der Dreyse« straße verübten Blutthat in Untersuchungshaft befindet, ist beim Schwurgericht hiefigen Landgerichts l schon in seiner nächsten, am 5.!. MtS. beginnenden Periode angesetzt. Derselbe findet am 12. April statt. Dm Vorfitz wird LandgerichtSdirettor Müller führm und die Verhandlung mehrere Tage in Anspruch nehmen, da beinahe ein halbes Hundert Zeugen zu vernehmen find. Der Angeklagte leugnet noch hartnäckig jede Schuld. Ein Etnbruchsdiebftahl, der in der Nacht vom 18. zum 19. d. M. in dem Depot der Artillerie- Schießschule auf dem Schießplatz bei Tegel verübt worden ist, hat in den betreffenden militärischen Kreisen große Aufregung hervorgerufen. Das mit einem Bretterzaun umfriedigte, verschlossene Depot, von dem etwa 100 Schritte entfernt ein Wachtposten fich defindet, wird zur Aufbewahrung von werthoollen Geräthen und Maschinen benutzt. Die Diebe find nun rn der Nacht, wie die Spuren im Schnee ergeben haben, über den 6 Fuß hohen Bretterzaun gestiegen, haben die Thürm durch Losrerßen der Krammen und Haspen erbrochen, auS einem Räume fich daS Hand- werkszeug entnommen und in einem andern gleichfalls er- brochenen Räume eine Radnabe von Bronze, ein Rohrtheil mit fester und loser Scheibe, eine lose Scheibe, Alles von Bronze, 3 neue Libell> Quadranten, 5 bronzene Rollen zu Hebezeugen und ein Fernrohr gestohlen. Die Naben find mittelst Schraubschlüffel von Geschützrädern abgeschraubt und dann über den Zaun in den Schnee geworfen morden. Die in dem Schnee zurückgelassenen Fußspuren rühren augm- scheinlich von Soldotenstiefeln her, deren Sohlen dicht mit Nägeln beschlagen find. In einer dieser Spuren hatte sich deutlich daS Fehlen eines Nagels abgedrückt, und auf Grund dieser Wahmehmung fand in der Kaserne in der Jungfernhaive eine Reoifion sämmlicher Kommißstiefel statt. Hierbei wurde nun ein Stiefel ermtttelt. der genau in die Spur paßte und dessen Eigentümer am 20. d. M. verhaftet, aber am Montag wieder entlassen worden ist. Die gestohlenen Gegenstände haben einen Werth ron mehr als 500 M- Da der Diebstahl nur von Leuten verübt sein kann, die genaue Lokalkenntniß ge- habt, so wird angenommen, daß die Diebe unter den Kano- nicren zu suchen find, und wird das Personal der Schießschule deshalb streng beobachtet.__ Bei dem Abbruch des alte« Vorstädtischen Theaters am Weinbergsweg ereignete fich vorgestern Nachmittag ein Unglücksfall dadurch, daß ein Arbeiter Hermann B. von einer plötzlich einstürzenden Mauer theilweise verschüttet wurde. Von anderen Ardeitern wurde B. bewußtlos, aber noch lebend, unter dem Schutt hervorgezogen und nach der kgl. Charitee geschafft. Abgesehen von Hautvcrletzungen scheint der Verunglückte einige Rippttibrüche �dav�getm�n�zu ha � wohnhafte Tischler Schütz wurde gestern früh in der Wienerstraße todt aufgefunden. Die Leiche wurde zur Feststellung der Todesursache nach dem OdduttionShause geschafft. Ob hier ein Unglücks'all oder ein Verbrechen vorliegt, hat fich noch nicht ermitteln laffen. Polizei- Bericht. Am 24. d. M. Morgens wurde auf dem Äckerlande hinter dem Grundstück Wienerstraße 52 ein Mann todt aufgefunden. Die Todesursache war mit Sicher. beit nicht festzustellen, wahrscheinlich ist er in Folge der Trunkenheit an einen Schlagfluß gestorben. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause geschafft.— An demselben Tage Nachmittags gerieth aus eigener Unvorsichtigkeit ein Knabe in der Prinzenstraße beim Ueberschreiten deS Fahrdammes unter einen der vorüderlommenden Wagen, so daß er überfahren wurde und anscheinend innerliche Verletzungen erlitt. Er wurde nach der elterlichen Wohnung gebrach'.- Zu derselben Zeit wurde ein 8 Jahre alter Knabe in der Reichcnberaelstraße von einem Schlächterwagen überfahren und am linken Fuß verletzt.___ Gerichts-Zeitung. Eine in ihrem Verlauf äußerst interessante Anklage- WLSSWZD MfMWM Aufsuchen seiner Wohnräume zu bewegen war, gewaltsam in daS Wachtlokal gebracht und dort geknebelt worden. Infolge der bei diesem Renkontre erlittenen Verletzungen hat der An- geklagte in der Charitee Aufnahme suchen müssen und ist aus derselben erst nach dreiwöchiger Kur entlassen worden. Die Ehefrau des Angeklagten hat während dieser Zeit gegen die genannten drei Schutzleute eine Anklage wegen grober Mißhandlungen ihres ManneS und Ui0tr> schreitung ihrer Amtsgewalt bei der Staatsanwalt- schaft eingereicht, ist aber mit derselben, auch auf ihre Beschwerde, abgewiesen worden. Die von ihr als Zrugen lau- dirte unverehelichte Bebr, daS Dienstmädchen des in demselben Hause wohnhasten Restaurateurs Heil, hatte aus dem Polzet- bureau bekundet, von den in ihrer Gegenwart vollführten Miß- Handlungen des Angeklagten durch die 3 Schutzleute und ihren eigenen Dienftherrn nichts gesehen zu haben. Infolge dessen wurde gegen die Denunziantin die Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung erhoben. Außerdem wurde gegen Frau Hetz, welche bezüglich des Restaurateurs Keil zu anderen Per- sonen geäußert, derselbe habe ihren Ehemann mit den Schutz- leutcn zusammen arg gemißhandelt, von Keil die Beleidigungs- klage erhoben. Das diefige Schöffengericht erkannte nach er- hobener Beweisaufnahme auf Freisprechung der Beklagten. AuS den Urtheilsgründen Heden wir folgenden auch für die gegenwärtige Sache wichtigen PaffuS bervor:„Den Be- kundungen der Zeugen Schieferdecker und Rabenholz hat der Gerichtshof keinen Glauben deizumeffen vermocht. Zvar fehlte es an einem gesetzlichen Grunde, diese Zeugen unbe- eidigt zu laffen, denn an der den Gegenstand der Unter- suchung bildenden Thaten der Beleidigung der Angeklagten erscheinen dieselben nicht verdächtig; allein trotz der Be- eidigung ihrer Aussagen stehen denselben gewichtige Bedenken entgegen. Hierbei war vor Allem zu erwägen, daß die Schutz- leute ein erhebliches Interesse daran haben mußten, den Vor- gang so günstig wie nur möglich für fich darzustellen, da ihnen sonst der Vorwurf einer Amtsüberschreitung gemacht werden könnte; daß ferner ihre Aussagen geradezu widerlegt worden sind durch die 3 uninteresstrten weiblichen Zeuginnen, daß end- lich auch ihre Behauptung, der Ehemann der Angeklagten sei trotz mehrfacher Aufforderung noch nicht zu bewegen gewesen, in seine Wohnung zu gehen, endlich dieserhalb die Verhaftung in seinen eigenen Hause erfolgt ist, die Aussage der Zeugin Behr gegenübersteht. Mir der Einstellung des Verfahrens zu Gunsten der Kläger kann vorliegend nichts gefolgert werden; es ist vielmehr anzunehmen, daß, wenn der gedachten Behörde die Aussagen der Behr und der Beck, wie fie in der gerichtlichen Verhandlung abgegeben find, vorgelegen hätten, dieselbe unbedenklich zum Einschreiten Ver- anlassung genommen haben würde." Der Vertheidiger der Frau Hetz, Rechtsanwalt Cassel, reichte auf die gegen dieselhe erhobene Anklage wegen falscher Anschuldigung die in Bezug genommenen Privatklage-Asten ein, und daraufhin zog die Staatsanwaltschaft ihre Anklage gegen Frau Hetz zurück. Der jetzige Angeklagte war auf die Aussage der drei Schutzleute vom Schöffengericht zu 10 M. event. 2 Timen Haft verurtheilt worden und hat gegen dieses Erkenntniß Berufung eingelegt. Im heutigen Termine stellte der Angetlagte den Sachverhalt wie folgt dar: An jenem Spätabend war er bei Herrn Koellen, der aus demselben Hofe wohne, zu Besuch. Bevor er Nach 12 Uhr fich in seine Wohnung begab, revidirte er die im Hofe befindlichen Klosets und fand dieselben wieder ungemein beschmutzt vor. Dies habe ihn zu der Aeußerung veranlaßt:„Die Schweinereien hören gar nicht mehr auf, eS wird ja immer schöner!" Darauf sei er erst von dem Schutzmann Schieferdecker gepackt und mißhandelt und kurz darauf von den Schutzleuten Ebert und Rabenhold, so> wie vom Restaurateur Keil zu Boden geworfen und unter schweren Mißhandlungen nach dem Wachtlokal geschleppt wor- den. Die drei Schutzleute verblieben bei ihren früheren AuS- sagen, wohingegen die unv. Behr bekundet, daß sie infolge des von dem Schieferdecker gemachten Radaus auS dem Schlaf geschreckt worden ist. Sie habe gesehen, wie die Schutzleute den Hetz an seiner Thür ergriffen und alsdann zu Boden warfen, sowie alSdann Keil auf den Hetz gekniet habe. Be- fragt, warum sie vor der Polizei anders ausgesagt, erklärte die Zeugin, daß ihr Dienstherr ihr mit Entlassung gedroht, wenn fie von dem Gesehenen etwaS bekunde, und daß auch der Schutzmann Schieferdecker von ihr aefordrrt habe, nichts aus- zusagen. Keil habe fich nach dem Vorfall damit gebrüfiet, eS dem Angeklagten ordentlich besorgt zu haben.— Die Wittwe Beitz bestätigt im Wesentlichen diese Angaben, fie bat auch noch gehört, wie der Angcklaa'e gebeten, ihn doch loS zu laffen.— Fräulein Winkler bekundet, daß der Angeklagte nur eine ihr nicht verständlich gewesene Aeußerung vor fich hinaemmmelt, aber keinen Lärm gemacht habe- Auch Krellow, Vater und Tochter und Fräulein StameS haben einen Lärm deS Angeklagten nicht gehört, im Uebrigen bestätigen fie einzelne Bekundungen der Vorzeuginncn. RechtS- anwalt Cassel will fich in seinem Plaidoyer im Vertrauen da- rauf, daß die Anklagebehöide gegen die Schutzleute ficherlich einschreiten werde, auf den Anklagefall beschränken, und da vertritt er die Ruffassung, daß den vernommenen Schutzleuten kein Glauben beigemessen werden dürfe. Cr bezeichnet die Be- Handlung des Angeklagten durch die Schutzleute für eine solche, wie fie Beamten Sr. Maj. des Kaisers kaum zugetraut wcrdcn dürfte. Staatsanwalt Stachow findet keinen Anlaß, den Schutzleuten den Glauben zu versagen, beantragt aber die Herabsetzung der Strafe auf 3 M.— Der Gerichtshof er« kannte auf Verwerfung der Berufung, da auch nach der Au?- sage deS Fräulein Winkler der Angeklagte Lärm verursacht habe. Auf die übrigen Punkte der Beweisaufnahme sei der Gerichtshof nicht eingegangen. Köln, 24. März. Der frühere Lieutenant Edeling, ein Bruder des Attentäters Nodiltng, wurde der Unterschlagung von 60 000 M. für schuldig befunden und zu einem Jahre Gefängniß und drei Jahren Ehrverlust verurtheilt. Hagen, 24. März(Unschuldig verurtheilt.) Auf Grund der Wiederaufnahme des Verfahrens ist ein zu einem Jahr Gefängniß verurtheilter Ardeiter OttminghauZ freigesprochen, welcher wegen Theilnahme an einer Rauferei in Plettenberg, bei der ein anderer Arbeiter ziemlich schwer verletzt wurde, an- geklagt war. Bei dem neuen Verfahren stellte fich die Unschuld deS Angeklagten klar heraus und der wirkliche Thätcr wurde ziemlich bestimmt dezeichnet. Bei der ersten GerichtSverhand- lung am 11. Juli 1885 hatte der Angeklagte„vergeblich feine Unschuld betheuert, und der Vertheidiger, Herr Rechtsanwalt Lasse, hatte fich bei seinem energischen und warmen Eintreten für die Unschuld seines Klienten den Ordnungsruf des Präsidentin zugezogen. OttminghauS wurde sofort verhaftet. Der alte Vater desselben nahm fich, da er eine unschuldige Verurthei- lung überhaupt nicht für möglich hielt, die Verurtheilung seines Sohnes so sehr zu Herzen, daß er erkrankte und starb. Mit Rückficht hierauf war Ottminghaus gegen Stellung von tausend Mark Kaution vorläufig entlassen worden. Diese Frist benutzte der Vertheidiger zu neuen Recherchen, auf welche gestützt er daS Wiederaufnahme-Verfahren beantragte. Die Strafkammer zu Hagen lehnte die Wtcderaufnahme ab, und erst auf Rekurs an daS Oberlandesgericht wurde von diesem die Wiederauf- nähme angeordnet. So berichtet die„Kölnische Volks- Zeitung"._ Vereine nnd Versammlungen. * Eine große öffentliche Versammlung derStetnträger Berlins und Umgegend, wozu besonders die Kameraden deS Südwestens eingeladen find, findet am Sonntag, den 28. März, Vormittags 10'/» Uhr, in Ältermanns Salon, Dennewitzstr. 13 statt. * Allgem. Kranken-«nd Sterbe- Kasse der Metall- arbeiter(E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin VI. Sonnabend, den 27. d. M.. Abends 8'/, Uhr, Gartenstr. 123 bei Krüger, Mitglieder. Versammlung. Tagesordnung: Wahl der Delegirten. Verschiedenes.— Die Zahlstellen find an diesem Abend geschloffen. Beiträge werden in der Versammlung an- genommen. * Mäntelnäherinnen- und Trikottaillen-Arbeiterin- ne«-Veret«. Freitag, den 26. d. M., Abends 3'/. Uhr, in Keller'S Salon, AndrcaSstraße 21(oberer Saal), Mitglieder- Versammlung. Mitgiiedikarte legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Ferner veranstaltet der Verein avr Montag, den 29. März, AdendS 8 Uhr, ein Tanzkränzchen, verbunden mit Vorträgen bei freiem Entree, im Louisenstädttschcn Konzerthause, Alte Jakobstr. 37, wozu alle Freunde und Gönner des Vereins eingeladen find. Freie Vereinigung der Graveure, Ziseleuren. Sonnabend, den 27. d. MtS., Stiftungsfest hei Werner, Oranien» straße 172._ Nermtschte». Der vorjährige Chclon im Golf von Ade«. In der letzten Sitzung der„Acadöwie des sciences" zu Paris hat Avmiral Clou« einen Vortrag über den Orkan, der im vkonat Juni 1885 den Meeerbusen von Aden heimsuchte, und dem bekanntlich die deutsche Korvette„Augusta" zum Opfer fiel, gehalten. Man weiß, sagte der Avmiral, daß fich gerade während deS Cyklon zweiunvicrzig große Fahrzeuge auf der Fahrt im Meerbusen befanden. Fünf von diesen Schiffen find verloren gegangen, darunter befinden sich die deutsche Korvette „Augusta" mit zweihundertachtunddreißig Mann Besatzung und der französische Aviso„Le Renard", der einhundertsteden Per- sonen an Bord hatte. Man hat hier und da auf umher. schwimmenden Schiffstrümmern noch achtundvierzig Mann, die verschiedenen Fahrzeugen angehörten, aufgelesen, im Ganzen berechnet man die Zahl der Opfer auf 425. Es ist aber wahr. scheinlich, daß ihre Anzahl doppelt so groß ist, denn eS scheint mir unmöglich, daß auch nur ein einziger Mann von den Be- satzungen der vielen kleineren Schiffe, welche damals auf See waren, dem Orkan entgangen ist. Am östlichsten befand fich damals das englische Dampfschiff„Mergui"; dieses Fahrzeug wurde von dem Cyklone am 30. Mai Abends zweihundert» fünfzig Meilen östlich von der Insel Eocratra überrascht. Alle andern Schiffe befanden fich zu jener Zeit in dem Meerbusen zwischen dem„Mergui" und Odock. Ihre Tagebücher und Aap- porte machen eS möglich, ganz exakt die von dem Cyklone zurück« gelegte Strecke, sowie seinen Umfang und die Geschwindigkeit der Veränderung seines Zentrum» anzugeben. Der Orkan ist namentlich dadurch bemerkentwerth, daß er alle Schiffer ahnungslos überraschen konnte; seit einem Menschenalter kann man fich in dem Meerbusen von Aden eines ähnlichen meteorologischen Ereignisses nicht entfinnen. Nirgends hat das Barometer daS Eintreffen de» Orkans angezeigt, und selbst in dem Hafen von Aden, sowohl in der Stadt, wie auf der Rhede, z. B. an Bord der„Bacchante" fand, inmitten der Cyklone, nur«in geringes Sinken des QueckfilberS statt. Nur auf dem englischen Dampfer„Duke of Devonshire" hat man einen Fall von vierzehn Millimetern konstatiren können. Andere Fahrzeuge«ollen freilich behaupten, daß bei ihnen an Bord daS Barometer um vierzig Millimeter gefallen ist. Die Rtch- tung, in welcher der Orkan seinen Lauf nahm, war auch eine bisher niemals beobachtete. Die Stadt Aden hat stark gelitten; eine große Anzahl ihr angehörender kleiner Fahrzeuge ist gänzlich verschwunden, andere find nur als Wrack in den Hafen zurückgekehrt. WaS die großen Schiffe betrifft, so haben fie fast alle Havarie erlitten. Die Insel Perim wurde weniger schwer heimgesucht, da fie nur dem nördlichen Ausläufer deS Cyklone ausgesetzt war, dagegen ist Obock beinahe gänzlich ver« nichtet worden. Tadjurah, welches mehr westlich gelegen ist, ist ziemlich gut davon gekommen, Zeilah hat nur mehrere hef. SÄfTl = ssf«äs %%% welche daraufhin frühzeitig die Richtung nach ver afnkanischen Küste genommen hatten, seiner Wuih gänzlich ent- gangen. Aber freilich konnte man auch nicht wissen, daß die südliche Seite des Golfes verschont bleiben würde. In Hinstcht auf die im Allgemeinen kurze Distanz, welch- damals alle grö- ßeren Fahrzeuge im Meerbusen trennte, und deren Tagebücher und Rapporte ich zum Theil eingesehen habe, wäre es für fie möglich gewesen, dem Cyklone zu entgehen, wenn fie bei Zeiten gewarnt worden waren, fich eine Zufluchtsstelle aufzusuchen. DieS setzt. Wenn am 31. Mai ein Telegramm von der Insel Eocotra, welches auf das Herannahmen eines Cyklone auf- SMLMMSTSS Fregatte„Bacchante", die beinahe vor Ad-n selbst zu Grunde gegangen wäre, hätte fich in das Rothe Meer zurückbegeben, wie denn überhaupt die meisten Fahrzeuge, anstatt fich in den Meerbusen von Aden zu begeben. Es ist deshalb auf's Leb- hasteste zu wünschen, daß in jenen Gewässern, die seit Er- Mlung de» Euez-Kanals so überaus frequentirt find, ein neuer Schiffs-Signal- Dienst eingeführt werde. «..Eine gut«rotivirte Entschetdnng gab vor Kurzem ein Richter in Texas ab, der die Entschädigungen, welche an die in Folge eine« E-senbahnunfall« Verkrüppelten oder Verwitt« weten zu zahlen seien, zu bestimmen hatte. Da er tiäml-ch einem Manne, der ein Bein bei diesem Unfälle verloren hatte, 12000, einer Frau aber, die ihren Gatten eingebüßt, nur 4000 Dollars zuerkannte, beschwerte fich die Wittwe über eine der- artige Ungerechtigkeit, nach welcher ein verlorenes Bein höher zu entschädigen sei, alS der Tod eines ManneS.„Es bleibt bei meiner Eatscheidigung". entgegnete der Shenff ruhig,„denn fie ist die einzig berechtigte; dem Manne, der sein Bein ver- loren, können selbst 12000 Dollars diesen Verlust bei Weitem nicht ersetzen; aber 4000 Dollars können Ihnen einen neuen Gatten gewinnen, der vielleicht besser ist, als der gestorbene." Kotzte Nachrichte«. Ueber die Unruhen in Lüttich versendet das offiziöse Tele- graphendureau folgende sensationelle Mittheiluna: Lüttich, 25. März. Gestern Abend spät kam eS hier noch zu einem Zusammenstoß zwischen den Truppen und den streikenden Arbeitern, wobei zwei der letzteren verwundet wur- den, davon einer tödtlich. Die Bürgergarde hat seit heute früh das RathhauS besetzt. Die hier stehenden Truppen find durch Zuzug aus Hasselt und Beverloo verstärkt worden. Der Stteit gewinnt noch fortwährend an Ausdehnung. Die Häuoter der anarchistischen Partei predigen offen Plünderung. Die un« mittelbare Umgehung der Stadt ist so unficher, daß die Brief« träger von Soldaten begleitet werden. Zahlreiche streikende Arbeiter durchstreifen die Landorte, indem st« betteln und die Bevölkerung bedrohen. In St. Nicolas machten streikende Arbeiter auf die Wohnung des Bürgermeisters einen Angriff und zertrümmerten die Fenster des Hauses.— Wir haben schon öfter darauf hingewiesen, welcher Werth diesen aufgedauschien Meldungen beizulegen ist. Auf die Lache selbst kommen wir noch zurück. Theater. Freitag, den 26. März. Opernhau». Der fliegende Holländer. Schauspielliau». Di« Räuber. Deutsche« Theater. Der«önigSlieutenant. Walluer-Theater. Gastspiel deS Herrn Thomas. Hasemann't Töchter. Nestdettt» Theater. Frau Dcctor. Schwank in 3 Akten von P. Kerrier u. H. Bocage. Velle-Alliauee-Theater. Gastspiel de« Herrn Felix Schweighofer: Sein Spezi. Kriedrtch-«tlhelmstädtische« Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. Heitere« au« der Berliner Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorsviele und 3 Akten von Jakobson und Willen. LvuisenstädtischeS Theater. Preciosa. Teutral-Theater. Der Stabs. Trompeter. Viktoria• Theater. Meffaltna. Oftead'Theater. Ein alter Husar, oder Treu dem König. ««erieau- Theater. Große Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Reichthalleu. Große vpeziali- «aufmaun's Variete. Große Spezialttaten. Vorstellung. «onkordia. Große Spezialitätm-Vorstellung. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 16.[851 Heute und folgende Tag«: Schloß Greiffenstein. Romantisches Schauspiel in 5 Akten nebst einem Vorspiel:„Zulima, die gefangene Türkin" von Charlotte Birch-Pfeiffer. Vor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapelle. ««fang de« Konzert« Wochentag« 7 Uhr, der Vorstellung 7'/«— Anfang d«» Konzert« Sonntag« 6 Uhr, «m,» der Vorftellüng 7'/, . Wochentag« GMgkeit und find im idureau(12—1 Uhr) grast« zu haben. Passage 1 Treppe. 9 U. Mora bi» 10 U. Ab.[852 «aiser-Pauorama. Nur diese Woche: Vom Keldzug 1870/711 Eine Reise d. d. schöne Spanien. Hertha- Reise. Caro- l i n e n- Inseln. Eine Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonnement. Nächste Woche:«M- Tirol. T— Am 22. d. M. starb nach längerem Leiden im 29. Lebensjahre unser Vereintmitglied. der Zimmerer[1122 Kermmmm Kubisch aus Deutsch-Netkow. Seit Giündung deS Ar- detter-Bezirksoereins für den Osten Berlin« dem- selben angehörend, war er unSein steuer Freund und bewährter Genosse. Sein Andenken wird SiS in Ehren haltm tv Ard.-Kek.-Uevei« f. d. Gste« Zerlins. Oeffeutliche Ouittuug über eingegangene Beiträge für die streikenden Arbeiter der Knopffabrik von Kiegrl«. Ko. bis zum 25. März cr. Von den Knopfmachern Berlins 190,45 M.; von den Perlmutteiarbeitern Berlins 19,45 M.; auf Listen privatim ge> sammelt 29,00 M.; D-stillation von Max Schayer 7,60 M.; Fabrik Kuyner u. Bcrger 4.25 Rt.; Pfeifen> Klub„Seifenschnepper" 2,20 M.; Lüdemann'S Offizin 3,50 M.; Fabrik von Sentker 1,75 M.: Fabrik von Gaebert 12,15 M.; Fabrik von Jacob 3,10 M.; Fabrik von Diülltt 3,05 M.; Fabrik von Gumtau u. Broß 3,25 M.; aus dem Generalfonds der Berliner Zimmerer 50,00 M.; Fachverein der Eteindrucker und Litho- graphen 30,00 M.: Lohnkommisston der Drechsler (Linden-Hannover) 20,00 M.: Fachverein der Drechsler u. Berufsgenossen(Linden Hannover) 39,00 Mj Tellersammlungen: Volksversamm lung in Sanssouci 16./3. 38,00 M.; Versamm- Jung der Drechsler und Knopfardeiter 14./3. 12,40 M.: Mitgliederversammlung der Optiker und Mechaniker 16./3. 11,14 M.; Mitgliederversammlung der Freien Vereinigung d. chirurgi- schen Jnstrumentenmacher 9,43 M; Mitglieder. Versammlung de« Fachverein« der Drechsler, Knopfarbeiter und verwandten Berufsgenossen 6,20 M.; Summa 485,92 M.[1132 Zu gleicher Zeit sagt der Fachverein allen Gedern seinen besten Dank und bittet, da der Streik noch täglich neue Opfer fordert, um wettere Unterstützung. Der Central- Arbeits- Nachweis de» Kchtteide» befindet fich Krausen str. 11(Schneider- Herberge) und find stet« leistungsfähige Leute vorhanden(keine Zugereiste). Die Ver- mttllungSgebühren betragen 20 Pf. und find vom Besteller zu entrichten.[1115 Verein zur Wahrung d. Jnter- effen der Klavierarbeiter. Versammlung Sonnabend, den 27. März, Abends 3'/, Uhr, in GratweU's KierHallen, Kommandanten- Straße 77— 79. Tage«. Ordnung: 1. Vortrag. 2. Der Verlauf de« Streiks in Bayreuth. 3. VereinSanaclegenheiten.[1125 Gäste willkommen. Auch werden in der Versammlung die Fragebogen verausgabt. Die restirmden Mitglieder werden auf§ 6 de« Statuts aufmerksam gemacht. Auch richten wir an sammtliche Kollegen die Bitte, die Sammlungen für die Bayreuther Kollegen am Sonnabend und Montag fort- isetzen und die Gelder au unseren Kasstrer bei tramm, Skalitzerstr. 18, abzuliefern. Der Vorstand. « Volks- Versammlung Sonntag, den 28. MS-z, Vormittags 10 Uhr, in der Tonhalle, Friedrichstr. Nr. 112. Tages-Orvnung: Die bisherige Thätigkett des Reichstags.[1118 Referenten: W. Hasenclever, P. Singer. Gr. öffentl. Versammlung der plltzer Lerlins und Umgegend Sonntag, den 23. März, Vormittags 10 Uhr, im Lokal NeueSchönhauserstr. 20, Palmen-Saal. Tagesordnung: Bericht der Delegaten vom Kongreß der Maurer Deutschlands. Verschiedenes, Zu dieser höchst wichtigen Tagesordnung weiden alle Kollegen ersucht, pünktlich und zahl- reich zu erscheinen.[1150] Die Kommission. Volks- Versammlung beute, Freitag, den 26. März, AdendS 8Vi Uor, im Konzerlhause„Kanosouci", Kottbuserstr. 4a. Tagesordnung: Die B-Handlung der Ar- betteifchutzgesetze und der ReichStaa. R-ferent: Herr Reichstagsabgeordneter Grillenbevger. Alle Parteien find eingeladen.[1124 Der Einberufer. Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk beschäftigten Berufsgenossen. Viertes Stiftungsfest am Sonnabend, den 27. März, AbendS 8 Uhr, in Krieger s Salon, Wasserthorstr. 68. Zu recht zahlreichem Besuch ladet Freunde und Kollegen mit Familie ein[1131 Der Vorstand. Tischler-Verein. Außerordentliche General- Versammlung am Sonnabend, den 27. d. MlS., Abends 8l/a Uhr, Kottbuierstraße 4 a. Ta gesordnung: Statutenberathung. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1116 Der Vorstand. Quittungsbuch legittmirt. Kaffee! Kaffee! Täglich frisch �«röstet a Pfd. von 65 Pf. an, rein- schmeckend. Vorzüglich fein im Geichmack: Mocca Melange a Pid. 1 M. und 1,20 M. Augebrannte Kaffee's in großer Auswahl zu billigsten Preisen- Broohcr 8 Cacao, 1 Pfd.- Büchse 2,60 M. Kern. Zucker, fein weiß, a Pfd. 25 Pf. Potsdamer Raffinade in Broden aPfd. 31 Pf. empfehlen[1130 Gebrüder Maass, Aifmiradtt. 40, Me$Si(i|ecftca§e. Die Zeitungsspedition von Max Kirsch, 28 Admiralstraße Nr. 28, empfi hlt fich zum bevorstehenden Quartalswechsel zur pünktlichen Besorgung deS„Berliner Votk«» blatt", sowie aller andern Zeitungen.[1069 Die Buchdruckerei von MAK EADI1TG BERLIN S W., Beuth-Str. 2 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druckarbeiten jeder Art bei prompter und billiger Bedienung. Kosten-Ansehläge und Papierproben gratis und franco. E. vollst. Echneider-Einricht. u. g. Maschine s. Krankh. h.prw. z vk. Mariannenpl. 13, FenSke. Zum Umzug werden Fuhren gefahren von H. Zander, Schönletnstr. 5 v. Keller. 1117 Ein Handfederwagen ist billig zu verkaufen Ekalitzerstraße 112 im Möbelgeschäft.[1128 Arbeitsmarkt. 1 DrechSlerlehrl. v. G. Weder, Ritterk.114.[1123 Bergolderlehrltnge werden gesucht. 1126 Braun u. Co., Grimmstr. 35. Ein junge Mann, welcher mit einem Pferd Bescheid weiß, wird verlangt. 1127 Skalitzerstr. 112 im Möbelgeschäft. 2 Zigarrenmacher» welche die Wickeln allein machen, verlangt A. F. Dinolage, 1133_ Kottbulerstr. 4, Hof pari. Ein junger Mann, verh, sucht als Arbetter, Hausdiener oder and. Beschäftigung sofort oder z. I.April. Derselbe kann auch Kaution stellen. Näh. Kl. Alexanderstr. 15, Hof in. Chrtstensen. I_--- JS1- �lelmann Rosenberg:, Berlin, Kommandantenstr., Ecke Lindenstr. eröffne««ine« großen Ausverkaus' in modernen Kleiderstoffen, schwarzen Crchemirs, Frühjahrs-Mänteln, Teppichen, Gardinen rc. zu sehr billigen Preisen. Double-Cord, Mt.30 u.IOPf. Fanoy-Diagonal,"SÄÄffi4- Mtr. 35 Pf. Mohair-Satin, mm" Mtr. 35 Pf. Beige Mohair,'ÄSZÄ'Ä Mtr. 40 Pf. PU ä PH, T Mtr. 50 Pf. Chine-Royal,.in.,u!' Mtr. 50 Pf. Chine-Naturell, ÄSÄÄS Mtr. 50 Pf. Samoa-Cachemlr, Mtr. 40 Pf. Crep-Foule, S T' Mtr. 60 Pf. Nouveaute ä Bordüre, Mi. l Mk. Nouveaute Bajadfere, Mtr. 1,35 p. Eine gr.AuSw. hochf. Sommerst. Mt, 1,50 M. Reinw. doppeltbr. Cachemirs Mtr. 1 M. Schw. reinw. Cachemirs KMt4, 1,50, 1,80,3k. 1 Posten wollene Morgenröcke 10, 12, 15, 20 Mark. Hochelegante Frühjahr«- und Sommer-Mäntel in größter Aiivmahl 10, 12, 15 und 20 Mark. llrodt« nüch außerhalb gratis«üb ftauda. I Die von Mitgliedern des Fachvereins der Schneider gegründete |)roMliu-ii. Rohstoffgciiiifleilslhofj der Sthntiiict zu Berlin(E. G.) No. 30. Zimmer- Strasse No. 30. empfiehlt ihr Lager fertiger Herren-Garderobe, sowie ihr reichhaltiges Lager in- und ausländischer Stoffe, ebenfalls Futter, Borte und Knöpfe. BgST Kerreu-Harderobe« jeder Slrt werden nach Maaß angefertigt. Reellt Arbeit.— Vaierhaste Stoffe.— Feste preise. 912 Der Vorstand und permaltungsrath. Killigste Kr[»gsWklle für Gold-«»Ii Sildttnililircit. Zu Fabrikpreisen empfi-hlt Kreuze, Ringe, BontonS, Broche« mit Antrünger, Me- daillon«, Colliers. Herren- und Damenketten nach Gewicht, Chemisett- und Manchetten- knöpfe, Granatsckmuck, Silberschmuck. Trauringe in Dukatengold und in Silber vergoldet stets vonäthig. Werkstatt für neue Atdeiten und für Reparaturen, Gravirungen, Vergoldungen, Verfilberungen ic.[1063 Einkauf von Juwele«, Gold, Silber, Medaillen und Münzen. A. Oertel, Serlin SW,, Lmdeustraße 109. Möbel-, Sopha- n. Matratzen-Fabrik Ä.. Schulz, Wafferthorstr. 34(auch Theilzahluug). Reelle Maare garantirt. Allen Freunden und Bekannten>ur Nachricht, daß ich ein Restaurant Wienerstraße 31 eröffnet habe und bitte, mich durch geneigten Zuspruch unterstützen zu wollen. F. Milan. H. Liewald's Weiß- u. Bairisch-Bier-Lokal, Frankfurter Allee 143, empfiehlt fich allm Freunden und Bekannten zur geneigten Beachtung I 64 Ad 1. April erscheint in München täglich: Bayerische Voltsstimme (Drgio fit das«dttkadt Volk. Herausgeber: G. v. Bollmar.— Verantw. Reoatteur: Friedr. Löbenberg. AdonnementSpreis: bei den l. Poststellen vierteljähllich M. t,60, m München vierteljährlich M. 1,50, monatlich 50 Pf. L1WÖ probe pummer auf Verlangen gratis und franko. München, im Mär, 1886 Administration der„Bayerischen Volksstimme, Uenthurmstraß« 3a. 1 Grosser Ausverkauf von Porzellanwaaren wegen Geschäftsaufgabe Oranienstr. 85180. Veranttvorttichcr Ltedalttur A. Cr, atzet* ts««üia. Druck und Verlag von mar Badtng U Berlm SW, Beuthstraß« 2.