74. Sonntag, de« 588. Marz 1886. HI. Jahrg. SMnVMW Krgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„Berliner Bolksblatr' «scheint täglich Morgen» außer nach Sonn- und Festtagen. LbonnementSprei» für Berlin frei in» Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 36 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntag». Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. Mngetragen in der Post«eiwng»vreljlistt für 1886 unter Nr. 769.) Redaktion: Kenthstratze%.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Abonnement«- Tinknäung. Zum bevorstehendm VierteljahrSwechsel erlauben wir un», alle Arbeiter Berlin» zum Abonnement auf das „DerHner mit der Gratisbeilage „Illastrirtes Koantagsklatt" tinzuladen. Da» „Werliner Aolksölatt" kostet für daS ganze Vierteljahr frei in» Hau» 4 Mark, für dm Monat April 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pfg. Bestellungen werden von sammtlichm ZeitungSspediteuren, sowie von der Expedition unsere» BlatteS, Zimmerstr. 44, ent- »egmgenommen. Für außerhalb nehmm alle Postanstalten Abonnement» iur da» nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen Die Redaktion und Expedition de»„Berliner VolkSblatt" Der Sozilli-ims mii das Christealhum. Gewisse Repräsentanten der christlichm Kirche— so» wohl der protestantische« wie der katholischen wissm gegen den Sozialismus nicht» ihrer Meinung nach schwerwiegendere» vorzubringen, al» die Behauptung: der Sozialismus sei unvereinbar mit der im Christeuthum ge- !>ebenea„göttlichen Weltordnung" und deshalb auf das ent« schiedeuste zu bekämpfm. Da« ist allerdings die denkbar einfachste und bequemste Art, mtt dm sozialistische» Theorim sich abzufinden und einer objektiven Beurtheilung derselbm überhoben zu wer« den I Eine solche Prätention göttlicher Autorität würde, wen» sie vor Vernunft, Wissenschaft und Thatsachea bestehe» könnre, von vornherein einfach die Unmöglichkeit bedinge», soziale Krebsschäden zu kritisirm und Nch de» sozialpolitischm Reformen zu widmen. wäre den fromme« Herren, die sich durch diese Prä- ientio»„auszeichnen� zweifelsohne auch das liebste, wie wir weiterhin sehm werden. Aber wie stark sie auch auf ihre /.Autorität* pochm mögen, so werden sie doch nicht ver» hindern können, daß dieselbe mehr und mehr von ihrer faktischen Bedeutung für da» wirthschaftlich- soziale Leben derliert und schließlich nur noch ein leerer Schall sein Wtrd. Alle Welt», Gesellschaft»« oder Staatsordnung konzm- Wirt sich bekanntlich von jeher auf da» E i g e» t h u m. 3n den Eigenthums«Verhältnissen, in der Art und JeuilLeton° Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) Viele Köche verderbm dm Brei. Die verschiedenartige« entgegengesetzten Einflüsse, welchen Edmund unter« Surfen wordm, hatten nur zur Folge gehabt, alle seine Be» Werden, Leidmschaftm und schlimme» Angewohnheiten um !? zu entfalte«. Sei« Gefühl, von Natur leicht er» .wbar. verrauchte auch eben so leicht, sei» Trieb zur Thätig» .'W war ein lässiger, sei« Wille unmtschiedm und unklar, ■ w- sein Charakter viel zu schwach, um nicht Alle« für efürchtm zu lassm. Edmund lernte bald, sich als eine» reichen Manne» ansehen und vom Ernste der , des Sttebm», der ganzen measchlichm Existenz zoerhaupt''- � t— 6| VWV| V w-».y--—----...... tfc,. h°be. Sein Hang zur Träumerei, zu süßem Nicht»« seine Leidenschaftlichkeit, seine Freude am Sinnenreiz, m-?* wie Wohltebm, und eine exzenttische Phantasie Herten»och die innere Kraftlosigkeit seine» Charakter», 7rMerei seiner selbst. v. besaß aber trotzdem ei« vortreffliche« Herz, allem kSrf, MBk Hohen«schloffen, ein rege» Gefühl für Recht L:. Unrecht, und dm Ehrgeiz, au« sich irgend etwa» Be- Cnde». Große« zu mache«. Er hatte Talent und eine che Grazie, dasselbe geltend zu mache«, endlich einen «uSgefprochcnen Ekel vor d« Lüge, d« Gemeinheit Dummhest. K*«omund vereinte somit alle» Gute und Schlimme in � was ein jung« Mann etwa nur besitzen kann, e» fehlte " nur an der weism, bildmde« Hand des Erzieh«», >« die auten Triebe zu förd«», die schlimmen zu unt«- F»«stand. So ab« entwickelte sich in ihm Alles 'wander, nur sei» Charakt« nicht. Näh« die» zu % Weise der Vertheilung und de» G e b r a u ch e» der Gut« nach Maßgabe historisch erworbener, im Laufe der geschichtlichen Entwicklung entstanden« und zur Herrschaft gelangt« positiver Rechte: in den Jnstitutionm und Veranstaltungm zum Schutze und zur För- d«u«g dieser Herrschaft, sowie endlich in de» Kon- sequmzm, welche sich aus derselben für die Mmschen, einigen zum Vortheil, den anderm zum Nachtheil,«gaben, — tn alledem begreift sich die Welt-, Gesellschaft»» od« Staatsordnung al» organische» Ganzes betrachtet. Dieser Organismus ab« ist nichts ein für alle Mal F«tigeS, sondern dm Gesetze» d« Entwickeluag unterworfm, wonach das Eigmthum, die Eigenthumsbegriffe und«VerhiUtnisse und die sie stützenden historischen Rechte sich beständig v«« ändern. Ohne diese Veränderung wäre ein sozialer Dasein»« und Jntetessmkampf, wie er seit Zahrtausmde» geführt wird und den Inhalt der ganze» Geschichte aus» macht, gar nicht denkbar. Von Zeit zu Zeit wird der Be- griff des erworbenen Rechtes streitig;« geräth in Konflikt mit dem von ihm verleugnete« und verletzten Begriff de« natürlichen Rechte», welche« jedem Menschm ohne Unterschied den gleichen Anspruch auf die Mittel zu«in« menschmwürdigen Existmz verleiht. Z« einer solchen Zeit befinde» wir uns heute.„Der Begriff des erworbene« Rechte»"— sagt Lassalle—„ist wied« einmal streitig geworden und dieser Streit ist es, d« das Herz d« Gesellschaft durchzitt«t bis in die i«n«sten Tiefen." D« Streit dreht sich um's Eigenthum und zwar fordert— wie wir«st kürzlich in einem Artikel«ach. gewiesen haben— d« Sozialismus die Einführung de» individuelle» auf die eigene Arbeit geglündetm Eigenthums, im Gegensatz zu der völlig anarchische« Vertheilung de« Eigenthum» von heute. Die Dogmm d« christlichen Religionen aber besagen, daß das wirthschaftliche Lebe« der Eiozelnm wie der Gesammtheit seinm Zweck nicht in sich selber habe,(!) vielmehr seine wahre Bedeutung nur als Mittel für die Erreichung der„ewigen" Bestimmung de» Menschm Sewinnen; daß jeder irdische Besitz, in welch« Form es geschichtlichen Recht« er auch erscheinm möge, und ebmso die Arbeitskraft in allen ihren Maßen und Forme«„eine G a b e G o t t e S" sei, für derm Ver. waltung und Vermehrung im Dienste der irdischen und ewigen Bestimmung ihr Inhaber eine Verantwortlichkeit „vor Gott" habe; daß also die v«schiedene Vertheilung der Erdmgüt« eine d« wesentlichen Gleichheit d« Mmschen nicht widerstrebmde„Ordnung Gotte»" sei, und der christliche Mann die ihm aufnlegtcn Entbehrungen„ge- duldig und mit Ergebung in dm Willen Gotte«" trage» müsse. untersuche» und einzusehen, fiel Jertn Zosua Henning» leid««st kurz vor und nach der Trennung ei», und« sah nunmehr, wie arg er da» ihm von Gott verliehme Pfand vemachlässigt habe. Dem Befehl de» Vater», Edmund zur Universität anSzubildm, weil er Iura studiren solle, war von Seitm de» ZnstruktorS entsprochen worden, welch« kein«lei Mittel und Kunstgriffe unversucht ließ, seinem Zögling die nöthige Quantität Wissenschaft beizubringm, und ihn die Abiturimtmprüfung siegreich bestehe» zu lassen, im Uebrigen ihm aber zu thun und zu lassm«laubte, was ihm beliebte. So kam Edmund mit genug eindresfirtem Wissm, aber im Uebrigen«och wie ein Kind auf die Uni« versuät, und seine Schulde«, Exz«sse und Tollheiten be« wiesm Herrn HmningS bald, daß er steh zu wenig um die in»«e Entwickelung seine» Kinde» belümm«t habe, daß sich ei» Charakt« nicht anbefehle«, sonder» nur entfalten lasse. Die Augen ginge» eigmtlich dem alten Henn erst bei dem Gespräch mit Zustu» auf, al» ihm derselbe die Entdeckung de» Liebesverhältnisse» machte. So tief e» ihn beleidigte, daß Schätzlein den Sohn eine» reichm Manne« so niedrig anschlug, so betroffen war Hennings von d« Richtigkeit dessen, was drr Trödler über dmselbe» sagte, und eine Angst kam üb« Zosua, eine Ahnung, die ihn in die fieber« hafteste Auflegung vnsetzte, ihm die größte Reue und Selbst« verurtheilung zuzog. Er beschloß fortan unnachsichtig« egm Edmund zu sein, und sein letztes Gespräch vor der lbreise drängte alle Sorgm sein« Seele in determinirte, beredte Worte, die er an da» H«z, wie de« V«stand seine» einzigm Kinde» richtete. Hier fühlte« sich da» erste Mal ganz Vater, empfand seine Vttantwortlichkeit vor Gott,«kannte in sich da»«ste Mal dm alternde« Mann, d« seine zeitlich« Rechnung in Ordnung bringe», Znvmtur üb« sei« Lebe» haltm müsse, ach,— und die Bilanz befriedigte ihn nicht. Dabei üb«schltch ihn eine sonst ganz auß« sein« Natur liegende Todesahnung, ja— es war ihm, al« sollte er de» Sohn nicht wiedersehen, werde zeitiger sterbm, al« e» für da» Wohl seines Kinde« gerathe« sei. In dieser Stimmung hatte« den Notar Lex zu sich entboten und ein Testament aufgesetzt, m welchem« Edmund zum alleinigen Erben Diese Dogmm sind seit nahezu zweitausmd Jahre« immerwährend gepredigt worden und geist« liche und weltliche Macht hat sich gemeinsam bemüht, ihn« praktische Geltung zu geben uud für alle Zeit zu sicher«. Mit welchem„Efolg", lehrt die Geschichte! E« ist ihnen nicht gelungen, gründliche Umgestaltuagm d« Eigmthum»- begriffe und-Verhältnisse zu erstndm, die Armuth mit dem Reichthum auszusöhnen und dm sozialen Friedm zu schasse«. Immer war die Erkenntniß der menschlichm Rechte und de« menschlichen Würde stärk« als da« Dogma von d«„Ge« duld und der Ergebung in den Wille« Gottes I" Eine Lösung d« soziale« Frage im Sinne dieses Dogma» ist nicht in Einklang zu bringm mit dm Gesetzen der sozialen Entwicklung; sie würde, fall« sie möglich wäre, nicht einen Frieden, sond«« lediglich einen Vertrag der Knechtschaft bedeutm und jede« wirkliche« Kulturfortschritt unmöglich mache«. Die seitens der christlichen Dogmatil« von den Arme« geforderte„Ergebung" in ihr Geschick widerstreitet d« innerstm Natur de» Mensche». Die„Ergebung" ist nur möglich, wen« d« Mensch alle egoistische« Ziele in sich »»«rottet. Ei« Mmsch ohne Egoismus ab« steht außerhalb de» Kreises der Kultur; ihm fehlt die Haupttriebfeder de» mmschlichm Handeln», der Anstrengung, seine Lage zu v«- bessern. D« Egoismus in seiner Ausartung hat d« Mmsch» heit tiefe Wundm geschlagen, und doch muß man ihn al« die große bewegende Macht erkmnen, welche wir in allm Menschm, w allm Interesse» und in allmKlassm, in allenZeit» altern und in alle» Ländern wirksam und die Kultur förder« sehm. Das Wesen der Dinge bi» in ihre kleinstm und unscheinbarste« Theile hinein rst aber darauf angelegt: daß die Selbstsucht de» Einzelne« de» Fortschritt der Gesammt» heit beschlmnigt. Niemals kann e» sich vernünftigerweise darum handeln, die Selbstsucht zu vernichte», sondem immer nur sie aufzuklären und unter eine höhere Rechtsordnung zu bringen, sie der Herrschaft der volle» und ganzcn Humani- tät unterzuordnen. E» ist jede» Mmschen heilige« und un« ver äußerliche« Recht, vom Ertrag seiner Arbeit ein d« jeweiligen Kulturstufe entsprechende« menschenwürdige» Da- sein zu führen. Von„Entbehrnngm" im Sinne der christ- liche» Dogmatil kann und darf in ein« wohlgeordnete« Gesellschaft nicht die Rede sei». Jene Selbstsucht, die dem Arbeit« sagt:„Du verdienst nicht, arm und elend zu sein; strebe und ringe nach bess«m Zuständen,"— ist ein kulturell« Faktor von höchst« Bedeutung und zugleich der berechtigst«, dm «S giebt. Ehe d« Kapitalismus, d« die heutige Staat»« und Gesellschaftsordnung bestimmt, zur H«rschaft gelange« eingesetzt, kurz, alle diejenigm Verfügungen getroffen hatte, welche« zur Ordnung seine» Vermögens nöthig hielt. Zndeß ward die Untnzeichnung und Niederlegung seine» letzten Willen» auf dem Gericht von einer Woche zur an« dem»«schoben. Handelsgeschäfte verhinderten ihn, von seinem Sohne liefe» auch ziemlich gute Nachrichtm au« S... ein, und so meinte d« joviale, immer noch leben»« lustige Papa Zosua, er habe die Sache auch gar zu ernst genommen, und mit dem Sterben habe e» gute Wege. So blieb da» Testament ununtnschrieben. Der Verkehr zwischen ihm und Schätzlei« war indeß fett de» Sohne» Abreise kühler geworden. Nicht allein war Hennings von der wenig schmeichelhaften Meinung beleidigt, welche der Trödl« von seinem Sohne hatte, auch da» Herz de» alte« H«rn war dadurch verwundet worden, daß Schätzlei» mit seiner Familie am Morgen der Abreise weg- fuhr, um absichtlich, wie e» schien, Edmund zu vermeiden. „D« einfältige Narr!" brummte Zosua.„Er braucht gar keine Angst zu haben, daß Edmund sein Schwiegttsohn wird; haha, davon werd' ich ihn befreie»! Er hätte dem arme» Jungen, d« an ihm und seiner Familie von Kinde»« deinen an wie eine Klette hing, wohl ein Ade und eine« Glückwunsch gönnen können. Pah, Pack bleibt Pack!"— Von der Begegnung in Obnhoff hatte« natürlich keine Kenntniß. Der Trödler, welcher den kühlen To« de« H«r« Hen- ning« und dessen Ursache bald inne ward, war einerseits wirk« lich zu stolz und sein« rechte» Handlungsweise sich«, um Hennings ei« gute» Wort zu geben; auch lag ihm begreif« lich« Weise wenig daran, daß der Alte hint« die eigentliche Bedeutung der Abschiedsszene komme« möchte.— So ver« flössen den» die ersten Monate, der nächste Eomm« und mit ihm rückten die«ste» G«ichtSferien heran. Ein Müttersöhnchen sei«, ist gewiß kein Glück zu nenne», ab« ein Vat«söhnchen im Sinne Edmund'» ist vielleicht noch Ichlimmer. Wenn unter schwachen Frauenhände» alle Männ- lichkeit geknickt und die ganze Zndividualttät de« Knaben, die geistige wie leibliche, eine larmoyante, weibische Weich- heit und Kraftlosigkeit erhält, wen« da gewissnmaßen das lotmte, mußte et de» Feudalismus, der auch als „u«a»tastbare göttliche Ordnung" galt, bekämpfe» und be« siege». Ueberaus schreckliche Zustände, unerhört ungerechte Eigenthumsverhältnisse waren eS zum Theil, die unter Beruf auf christliche Dogmen„heilig" und„unverletzlich" genannt wurden. Die Geschichte hat sich durch diesen Be- ruf nicht abhalte» lasse», sie zu beseitigen. Sie wird auch i« Zukunft vor diese« Dogmen sich nicht beuge«, sondern dem menschliche« Rechte Rechnung tragen, nach Vorschrift der humanitäre« Erkeuntniß. Die Quelle dieser Erkennt« «iß liegt nicht in irgend einem Rrligionispstem, sonder« ia der Natur det Mensche« selbst. Humanität, Menschenrecht, Menschenwürde und Menschenliebe,— das sind keine Be- gnsfe, die dem Christenthum originär find, in ihm ihre« Ursprung haben, sondern allgemeine Vernunft- Be- griffe, die wir schon in ältester Zeit bei den Indern, Chinesen und Persern und später bei dm Grieche« und Römer» siadm. Auf K o« g- s u- t h e ist das schöne Wort zurückeusühren:„Thue den Andem, wai Du willst, daß er Dir thue, und thue dem Andern nicht, was Du willst, daß er Dir nicht thue." Da« Cimstenthum hat jene Vernunsts-Begriffe aller- ding« akzeplirt, aber verwirklicht hat eS sie « i ch t. Was i» dieser Hinsicht erreicht worden ist, daS konnte nur erreicht werde« im harten Kampfe mit der christlichen Kirche: eS i st erreicht wordm trotz ihres grundsätzlichm Widerstande« gege» die durchzreifmde soziale Reform, in welcher sie ja stet« ein Eingreife« in die„göttliche Welt« ordnung" erblickte, oder richtiger gesagt, ihr» Dogmen«ach erblicken mußte. David Strauß hat ganz recht, wenn er sagt: Das Christenthum preßte sich immer nur ge- z w u n g e n den nothwendige» Verbesserung» an; nichtsdestoweniger gab e« später, in einer vorgeschritten et» Zeit, dieselbe als seine Errungenschaft» an. Der volkSwirthschaftliche ZdeenkreiS de» ChrifienthumS schloß von jeher jed» Fortschritt auf wirthschaktlichem und sozial« m Gebiete, jede Pflege der materiellen Interesse» in der Richtung deS gemeine» Wohles und im Sinne der menschlich» Rechte geradezu au«. Das wollen wir dem- nächst in einer andern Arbeit an den einzelnen Thatsachen zeig». Für heute glauben wir unser« Lesern in allge- gemeinen Umriss» die Stellung de? Sozialismus zum Chrsstenthum genügend erkennbar gemacht und zugleich be- wies» zu Hab», daß religiöse Dogmen, inSbe- sondere die das E i g e» t h u m und die Eigenthums« Verhältnisse betreffenden, für soziale Reforme« ver- nünftigerweise nicht in Betracht gezogen werde» können. Politische Urberstcht. PhtlisterweiShett. Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, daß dem nationalliberalen und konservativen Phtlisterthum diesmal auch nur einigermaßm plausible Gründe für die Verlängerung de« Sozialistengesetze« fehlen. D-Shalb griff man zu dem armselig» Auskunftsmittel, die Tumulte in England und Belgien als Argumente heran- zuziehen. Einen besonderen Eindruck scheint dies nicht gemacht zu haben. Nun aber kommt daS„Leipziger Tageblatt" und Hilst aus der Verlegenheit. Man weiß, daß die Staats« männer, die in der Redaltion deS Leipziger Organs für SchweinS- knöchel fitzen, in ihr» Mitteln nicht wählerisch find; wenn sie nur Hoffnung haben, daß etwas hängen bleibt, so wird stisch darauf lo« verleumdet. So behauptet jetzt daS „Tageblatt", daß durch den Antrag auf Aufhebung de« DynamitgesetzeS und durch die Rede de« Abgeordneten Viereck die Verbindung zwischen Sozialisten und Anarchisten wieder hergestellt sei. Nein, diise Verbindung hat nie bestan« den und besteht nicht; sie konnte dtshalb auch nicht abge- brachen werden. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollten wir, wie chon so oft in diesen Blättern, heute abermals im Detail nachweisen, daß Sozialismus und Anarchismus diame- tral sich entgegenstehen. Der Sozialismus stützt sich doch auf den StaatSgedanken, während der Anarchismus in erster Linie die Abschaffung jeder staatlichen Or- ganisation verlangt. Wer diesen Unterschied nicht be« greifen kann, der darf sich doch sicherlich nicht anmaßen, über dai Veihältnlß von Sozialisten und Anarchisten urtheilen zu wollm. Daß der Viereck'sche Antrag und die zu dessen Herz überentwickelt wird auf Kosten alles Ander«, so ist der Knabe unter ManreShand der Gefahr ausgesetzt, daß sei« Herz hinter seinem Verstände, die zarte seelische Eni- Wickelung, da« weite Gebiet der Empfindung ungefördert bleibe«, während die Leidenschaft, der kecke Wille, der Geist mächtige Jahresringe ansetzen. Was von Edmund'« Ge- müth wirklich entwickelt war, hatte er dem alten Schätzlein, seiner Gespielin Mathilde, seinen innerst» guten Anlagen und der schwärmerischen, ewig angeregten Phantasie zu ver- danke». Das Gefühl, eine Mutter zu haben, war ihm gänzlich fremd, und wenn er seinen Vater auch liebte, herrschte zwischen ihn» weder da« rechte Vertrau», noch die eigentliche Innigkeit, denn Beide« erzeugt sich nur durch stet» Umgang und genaue« Zusammenleben. Hätte Edmund s Iber mit einer geistigen Sonde sei» Inneres untersuchen könnm, hätte er bald gesund», daß er eig»tlich den alte« Justu« viel lieber hatte, ihm viel mehr vertraute, so oft er auch Spott, Tadel, selbst Schläge von ihm erhalten hatte, als seinem leiblichen Vater, für de» er eine Art Furcht und Kälte empfand, obwohl derselbe doch meist nur für ihn wohlwollende Mi»», Entschuldigung» seiner Un- ort» und Geschenke hatte. Zu Echätzltin'S Familie zu ge- hören, war idm etwas Natürliches, das gar nicht erst in Frage kam. Der Sohn seines Vaier« zu sein, war etwa« Besonderes, worauf er sich ordentlich einrichte« mußte, glich fast einer Charge, die ihm besondere Vortheile brachte und eine besondere Würde aufvöthigte. Seinem gesunde« Verstände kam alle« da« oft recht verzwickt und lächerlich vor, aber er hatte von Zugend auf so unter fremd» M»sch», so für sich leben gelernt, daß e» nicht zu ver- wundern war, wenn er sich ganz in seiner Weise ent« wickelte und, wenn nicht bei Schätzlnn, in sich selbst allein Halt und Befriedigung suchte. Die« hatte auch sein Gute», insofern e« ihm doch eine gew'sse Individualität verlieh, welche, zumal er Mathilden schmärmerisch liebte und ehr- geizig phantastisch war, eine Art Energie, ein» Schwung annahm, der d» junge« graziöse» Mann vortrefflich kleidete. (Fortsetzung folgt.) Motivirung gehaltene Rede bestimmt gewesen sei», den Anarchist» in die Hände zu arbeiten, daS zu behaupten, ist einfach ein großartiger Unsinn, den sich daS„Leipziger Tage- blatt" übrig»s schon erlauben kann. DaS Blatt kommt zu dem Schlüsse, daß Sozialist» und Anarchisten dieselben Leute seien und die„Noiddeutsche Allgemeine Zettung" beeilt fidj( diese tiefsinnige Weisheit zu reproduziren. Andere Leute würden sich denn doch geniren, ihre geistige Armuth in solcher Weise vor dem ganzen Publikum freiwillig bloSzustellen. Frei« lich, waS thut man nicht, wenn e« an Argument» für die Verlängerung deS Ausnahmegesetz-» fehlt?— Die„Kölnische Zeitung" zieht auS der Wtndthorst'schen Rede bei Gelegenheit deS Viereck'sche» Antrags d» Schluß, daß e» an einer Mehr« heit für die Verlängerung des Sozialistengesetzes nicht fehlen werde. Da» hat daS edle Blatt jetzt erst bemerkt f Da möchte man daS Wort Oxenstiema'S auf unsere Presse anw»den und sagen:„Du weißt, nicht mein Sohn, mit wie wenig Verstand da« große Pudlttum von den Philisterblättem traktirt wird!" Zur parlamentarischen Ettnation schreibt die„Franks. Zeitung": Die Session de» Reichstag» dauert jetzt über vier Monate und war eine sehr anstrengende. Die Ermüdung der Abgeordneten und noch mehr die Unlust, die die ganze polt- tische Situation erzeugt, haben bewirkt, daß der Reichstag seit Wochen nicht beschlußfähig war. Er wird noch einmal auf wenige Tage beschlußfähig sein. Zur zweiten Lesung deS Branntweinmonopols und de« Sozialistengesetzes haben die Parteien ihre Mitglieder einberufen: find die Abstimmungen aber vorüber, so wird eS kein Halten mehr geben- Der Reichs- tag wird dann wieder sofort beschlußunfähig sein. Der Rest der Vorlagen, die noch zu Stande komm» sollen, kann bis Mitte April erledigt werden, und Alles würde aufathmen, wenn dann die Session schlöffe. Nun soll bekanntlich noch eine neue Branntweinsteuer- Vorlage kommen, manche behaupten vor, manche nach Ostern. Ich habe Grund zu der Annahme, daß eS erst nach Ostern geschieht, denn wie ich erfahre, wiffen die Finanzminister der übrigen Bundesstaaten heute noch g»au so viel und so wenig über den Inhalt der neuen preußiscben Vor« läge wie jeder aufmerksame ZeitungSleser. Wie der Reichstag nach Ostem beschlußfähig zu machen sein soll, ist eine Frage, über die man in parlamentarisch» Krrisen zwar viel spricht, die man aber noch nicht genügend beantwortet hat. AuS der Rede de« Fürsten Bismarck bei der zweiten Lesung deS Branntweinmonopols greift die„National- Ztg." ein» PasiuS heraus, der ihr von der höchsten Bedeutung er« scheint. Ein starkes Heer, gute Finanz» und die Zufrieden« heit deS Volke«, daS seien, so sagte der Kanzler, die drei Stützen, auf welche er jetzt das Reich verweisen müsse, da der Reichstag sich als eine solche nicht bewähre; nothwendig seien 5e insbesondere im Hinblick darauf, daß det einem Kriege, in en wir möglicherweise in der Zukunft wieder einmal mit Frankreich verwickelt werdm könnten, auf die Fahnen diese« Landes der Sozialismus geschrieben sein und dann ähnlich wirken könnte, wie in den Revolu- tionSkriegen am Ende deS vorigen Fahrhunderts die Prinzipien von 1789. Sicherlich hat Fürst Bismarck damit— und zwar nebenbei in einer AuSdruckSweise, welche die Aufmerksamkeit auf daS immer weitere Herabgleiien der französischen Republik zum sozialistischen Radikalismus hinlenkt— etneS der groß» und schweren Probleme der Zukunft gestreift.— Wir bemerken hierzu, daß der Kanzler sowohl alS auch die„National Ztg." sich im großen Frrthum befinden, da unter der Fahne und im Namen deS Sozialismus keine männermordmden Kriege ge« führt werden können. Man braucht nur an die Haltung der französischen sozialistischen Arbeiter im Jahre 1870 zu denken und jetzt an die Gegnerschaft der Sozialisten und Chauvinist«» in Frankreich sowohl al« in Deutschland.— Der Sozialismus ist der Friede! Ueber da« Sozialistengesetz befindet sich folgende osfi« ziöse Notiz in verscdiedenen Provinzialblättern:„In Betreff der Aussichten de» Sozialistengesetzes überwiegt die Meinung, daß eS schließlich mit geringer Majorität werde angenommen werden. Für den Fall ver Ablehnung wird, wie uns destimmt versichert wird, eine Auflösung deS Reichstag« nicht erfolgen, vielmehr soll» auf dem Wege derLandesgesetz« gebung gleiche Maßnahmen, wie sie daS Sozialistengesetz feststellt, für die einzelnen Bundesstaat», vor Allem aber in Preußen, in Aussicht genommm werden."— Danach würde ja doch schließlich der Schwerpunkt der Gesetzgebung in die Partikularstaaten gelegt werden! Und wenn nun dabei ein Bundesstaat renitent bliebe? Dort würden dann zahlreiche Sozialdemokraten hinsttöm» und mit ihnen ein großer Theil der intellig»testen Arbeiter. Mancher wird lächelnd sagen, daß sich sammtliche Bundesstaaten, auch die„freien" Städte dem Wunsche Bismarcks beug» würden. Wir d»ken auch dabei gar nicht an die freien Städte, dre ja bekanntlich bis« märckischer find, alS Bismarck selbst, aber man vergißt seine Durchlaucht, d» Fürsten Heinrich von R»ß ältere Linie, den Sohn der bekannten Fürstin Karoline. Wie oft— sag» wir fast jedesmal— hat Reuß ältere Linie im Bundeirath den Anträgen Preußen? seine Zustimmung versagt und irren wir nicht, so hat sich dasselbe auch gegen daS Sozialistengesetz er- klärt.— So kann eS kommen, daß der Fürst von Reuß ohne daS Sozialistengesetz regiert— ein herrlicher Gedanke: der feudalste Fürst Beschützer der bürgerlichen Freiheit! Der Kulturkampf versumpft immer mehr. Di« preußische Regierung giebt in den meisten Fragen nach, Rom macht gleichfalls kleine Konzessionen. Das HerrenhauSmitglied Bischof Kopp stopft die etwaigen Lücken zu und so wird ein modus vivendi geschaffen, wodurch das Zentrum immer mehr überflüssig wird. Durch seine in letzter Zeit fortwährend schwankende Haltung hat daS Zentrum eine Stellung im par- lamentarischen Leb» angenommen, die seinen Zusammenbruch recht erwünscht erscheinen läßt. Es ist in der That, wenn der Parlamentarismus nicht auch versumpfen soll, nothwendig. daß die Parteien sich schärfer trennen und der Schlachtruf markirter ertönt:„Hie Reaktion! Hie Freiheit!" DaS jetzt so ost düpirte Volk weiß doch dann besser, woran eS ist. Neber die neue Branntwetnsteuervorlage schreibt die „Demokratische Korrespondenz" folgende«:„Der Regierung ist eS offenbar darum zu thun, die erforderlichen Mittel in die Hand zu bekommen, um, wenn eS sich um die E r n e u e r u n g des MilttärseptennatS und die in Aussicht stehenden Mehrausgaben für militärische Zwecke handeln wird, sagen zu können: DaS Geld ist da. ihr braucht gar nicht erst de« sonderS von Neuem in die Tasche zu greif». Geht doch auS anderen Anzeichen deutlich hervor, daß wir wieder in daS Zeichen der Septmnatemeuerung treten. Die auf der ganzen offiziösen und gouvimem»talen Linie seit einig» Wochen wieder losgebrochene Hetze geg» Frankreich ist ja nur auf diesen Grund zurückzufüdrm. Für den Reichstag aber dürfen diese Schmerzen der Regierung natürlich keineswegs ein Grund sein, sich noch in letzter Stunde ein Projekt von so weittragender Bedeutung wie die Branntweinsteuerreform, welcher Art sie immer sei, aufoktrouiren zu lassen und das- selbe über'S Knie zu brechen."— Man kann annehmen, daß die„D. C." die Gedanken der Majorität des Reichstags hier wieder giebt. m Au« WeißenfelS wird geschrieben: In der Nacht zum Montag versuchten vier Person» auf einer in der Nähe deS LämmerhölzchenS stehenden Pappel eine rothe Fahne mit der Inschrift:„Hoch lebe die Anarchie, nieder mit der Despotie!" zu defestigen, wurden aber dabei durch die Polizei abgefaßt, verhaftet und nach Naumburg gebracht. In Spremberg fand» in diesen Tagen bei Sozialist« Haussuchungen statt, wobri sozialdemokratische Schrift» mtt Beschlag belegt wurden. *,* Wilhelm Liebknecht, Mtrglied des deutschen Reichstage», feiert morgen, den 29. März, fein» 60. Geburtstag. Ein lange? Leben voller Kampf und Entbehrungen! Wir wollm keine Biographie des ManneS geben, der im Vordergrunde der deutschen Arbeiterbewegung steht, sondern hier nur bemerk», daß Liebknecht schon als zweiundzwanzigjähriger junger Etud»t sich im Jahre 1343 an dem badischen Aufstände und an dem Reichsverfaffungikampfe betheiligte. Darauf lebte er 12 Jahre als Verbannter im Buslande, wo er als Hauslehrer und Schriftsteller sein Brod erwarb. 1662 kehrte Liebknecht nackt Deutschland zurück und nahm in Berlin seinen Wohnfitz, von wo er wegen seiner Haltung in der Arbeiterfrage ausgewiesen wurde. 1866 redigirte er die„Mitteldeutsche VolkSzeitung" die aber bald unterdrückt wurde. Wegen unerlaubter Rückkehr nach Berlin wurde Liebknecht zu 3 Monaten Gefängniß ver- urtheilt. In Leipzig war er Redakteur des..Demokratisch» Wochenblatts", da» bald darauf in den„Volttstaat" ver- wandelt wurde. Nach der Vereinigung der Sozialdemokrat» Deutschlands redigirte er mit Hasenclever daS in« zwischen verbotene Zentral> Organ der sozialdemokratisch» Partei, den„Vorwärts". Zu zweijähriger Festungshaft wurde Liebknecht zugleich mit Bebel wegen Vorberettung zum Hoch« verrath veruriheilt: er„verbüßte" außerdem noch mehifache Gefängnißstraf». die er im Kampfe für seine Ueberzeugung erhalt» hatte. Zahlreiche Schriften über verschiedene soziale und politische Fragen haben Liebknecht zum Verfasser.— Schneidig in Wort und Schrift, unbeugsam von Charakter, allseitig geachtet von Freund und Feind, steht Liebknecht trotz seiner 60 Jahre frisch an Körper und Geist noch immer in dm ersten Reihen der Kämpfer für die Rechte deS Volkes. Wir wollen hoffen, daß er noch lange Jahre der großen Kultur« bewegung, die gegenwärtig den Vordergrund der gesammtm staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklung bildet, erhalt» bleibe. AlleS in Allem aber ist Liedknecht, um mtt seinem LiebltngSdichter zu red», „ein braver Soldat im großen Befreiung»* kriege der Menschhet t." Belgien. ES ist gewiß kein Zufall, oaß überall, wo die o r a a n i- s i r t e Arbeiterpartei auftritt, Ruhe und Mäßigung herrscht. Eo hatten sich am 25. d. M. während deS Brüsseler Arbeiter» Meeting« etwa 1000 Personen vor dem Versammlungslokal ein« gefunden, welche fich, wie die eigentlichen Theilnehmer, eben» fallS ruhig verhielt». Der Platz war von der Polizei besitzt. Nach Beendigung deS Meetings wurde die Marseillaise ge- jungen und versucht, einen Zug zu bilden, waS jedoch die Po» lizer verhinderte.— Sonst liefen heute folgende Berichte vor, die wir unter aller Reserve mittheilen:„Der Streik hat sich auf das ganze Kohlengebiet von Charleroi ausgedehnt und zwar in Folge von Einschüchterung und Pression seitens anderer streitender Arbeiter, welche zur Einstellung der Arbeit aus« fordern. Bei den Gruben von Chatelineau und den Hütt»- werten von Agoz ist eS zu einem Zusammenstoß mit der Gen» darmerie gekommen, wobei eS fünf schwer Verwundete gegeben hat. Von Tmnay, Ramur und An'.werpen treffen Truvv» daselbst ein. Wie auS Lüttich gemeldet wird, nimmt die Gen» darmerie zahlreiche Verhaftung» unter den bettelnden und mit Waffen versehenen Streikenden vor. In allen Gemeinden patrouillirt die Bürgergarde, um die Bewohner zu schützen. Allem Anschein nach wird bald die ganze belgische Armee im Flußgebiet der Maas vereinigt sein, vorausgesetzt, daß die Städte, deren Garnisonen man verringert, nicht dagegen protesttr» J« Antwerpen ist man nach dem Abzüge eine» TheilS der Trupp«» in großer Sorge. Eine weitere sorgenschwere Frage ist die, ob daS belgische Militär zuverlässig ist. Dieselbe Depesche, welche den Streilbericht bringt, meldet noch:„Ein Unteroffizier und drei G-meine find wegen Insubordination ver- hastet." Die Zusammenstellung ergiedt, daß diese militärische» Vergeben mit der Arbeiterbewegung in Verbindung steh»- Die„Ind. belge" meldet, daß ernstliche Ruhestörungen in de« ganzen Cbarleroler Kohlenrevier vorgekommen seien. In Kohl»* gruben, Walzwerken, Glashütten, Gießereien seien Band» von Streikenden eingedrungen und hätten den Arbeitern, welche die Arbeit nicht niedergelegt hatten, Gewalt angethan; in Lodtlinsart, Verrerie, Modron und Dordolet sei alles von de« Streikenden zerstört worden. Die bis jetzt aufgeboten» Truvperr feien zur Herstellung der Ordnung nicht ausreichend. Einer späteren Depesche zufolge haben fast sämmtlicke in der Um« gedung von Charleroi belegenen Hüttenwerke und Metallfabrilen, in welche die streikenden Arbeiter eingedrungen waren, zu ar- best» aufgehört. In der Kohlengrude Maudurg wurden bv Grubenarbeiter durch die Streikenden an der Fortsetzung V» Arbeit gehindert, eine große Anzahl von Glashütten ist»on den Streikenden geplündert worden. In Chatelineau kam zwischen den Streikenden und der Gendarmerie zu einem thcu lichm Zusammenstoß, wobei mehrere Personen verwundet nn»* den. Nach einem der„Boss. Ztg." au, Brüssel zugehende« Privattelegramm find die Bürgergarden sämmtlicher Gemeinden der Provinz Lüttich einberufen. Im Basfin von Charlerv' streiken 15000 Arbeiter. In Folge TmppenmangelS harsch unter dm Arbeiterbanden(!) volle Anarchie; die Telepbon wurden durchschnitten. Drei Glashütten sind zerst�f,' Die Glashütte Baudour wurde fammt dem Wohnsitz des reltorS angezündet. DaS Ministerium hat beschlossen» J® Äilizllafien einzuberufen.— Der„Naitonal-Ztg." wird un« dem 24. März auS Brüssel geschrieben:„In Namur dura zogen mehrere Gruppm junger Leute die Straßen mit o-u Rufe:„Es lebe die soziale Revolution!" In Möns inftenin» die Arbeiter in den Kohlenbergwerken ebenfalls Knndg bungcn. eS fanden Meetings statt, bei denen der Sozialist Dufuifm* Reden hielt. Die Sozialisten von Gent begaben sich � Wetteron, um die Arbeiter aufzureizen; fie wurden ad«« der Bevölkerung schlecht empfangen und zum Rückzüge gl"", thigt. Der Sozialist Dufuiffeaux hat unter d»» „Der Katechismus des Volkes" eine revolutionäre 23roi® tt veröffentlicht, von der tausende von Exemplaren das vimj° fünf Centime» verkauft worden find. Für die Arbeiter F derns ist die Broschüre auch ins Vlämische übet sitzt DaS Schriftstück beginnt also:„Arbeiter, was bist du--. „Ich bin ein Sklave."-„Woran unterscheidet man i»™ gien den frei» Mann vom Sklaven?"— JD« fr$Ln[i ist reich, der Sklave ist arm."—„Existlrt d« vtlave übera -„Nein, die französische Republik, die Sch®�' und die Vereinigten Staaten S.�len freie Männer." Für einen Sozialist, welch« dera�� schreibt und einen so geringen Einblick in die wahren laaen d» ÜltibSnniakeii der Arbeiter bekundet, dürfte d« lagen der Abhängigkett d« Arbeiter bekundet, dürft konsequente Sozialismus gewiß nicht verantwortlich»u m � sein. Wenn die erwähnte Broschüre endlich Wießt,» � | M lr-i«nMän gemeine Stimmrecht würde die„Sklaven zu machen", so klingt das wahrlich mehr liberal, wenn. nationalzeitungs. liberal, al« sozialistisch. Der Korrc>p wc deS Berlin« Blatte« gesteht übrigens das Unpoltt I belgischen Tumulte zum Schlüsse selbst zu. Er' �hn- Arbeiter verlangen in ihrer groß» Mehrheit«n. erhöhung. Wir sind, sagen sie, gute und ehrliche Ard � keine Revolutionäre. Unsere Forderungen find gcr wir verlangen, daß man fie prüfe." Arattkreich... gwsitt* Der Minister des Innern Earrien hat an die Puffes, ein Rundschreiben, betreffend die Auswanderung» in welchem ei u. A. heißt: I „Eine gewiss« Anzahl von Landsleuten wandert alljährlich ich den velschiedcnen Staaten Amerikas auS, verlockt durch die Hnung auf ein rasch erworbenes Vermögen oder lohnenden sndiinst. Wenn eS Einzelnen gelingt, fich unter günstigen Äbältniffen, aber um den Preis von Leiden aller Art nieder- rlaffen, so scheitern docd die Meisten in ihrem Unter- »hmen und bedauern zu spät den Entschluß, der fie dem timathlichen Boden entrissen hat. Selbst wenn die AuS« »wderung unter den günstigsten Bedingungen erfolgt, so bleibt '! doch immer ein Abenteuer voller Gefahren. Sie bietet -Wgens nur einige Aussicht auf Erfolg, wenn der AuSwan- toer fich in einem Lande niederläßt, wo seine Fähigkesten ver- Zmdet weiden können, und genügende Mittel besitzt, um sein Wommen Kit zu dem Tage zu haben, da er die Gelegenheit Kunden, sein Handwerk auszuüben oder eine Industrie zu be- miben... AuS diesen Gründen habe ich bestimmt, daß von hm ab die Lände r, in welchen die Auswanderung geringe Aussichten auf Erfolg hat, regelmäßig Ihrer Verwaltung de- annt gegeben werden. Augenblicklich ist die Auswanderung ungünstig und find daher unsere iandsleute abzuhalten, in nachstehende Länder auszuwandern, �ch: Mexiko, Sanct Domingo. Venezuela, Brasilien und Ver- »ntgten Staaten Nordamerikas." — Der KriegSmtntster Boulanger hat die von der Kammer, lber noch nicht vom Senat beschlossenen Gtsetzentwürfe über die Rekrutirung und über die Kolonialarmee»urückge. lagen und die Kammern benachrichtigt, daß er einen Gesetz- Entwurf über die gesammte militärische Orga- »isation, mit dessen Ausarbeitung er gegenwärtig be- chästigt sei, biS zum 15. Mai c. vorlegen werde. Gleichzeitig W der KriegSminister denGarnisonwechsel von 36 In« janterie, Regimentern angeordnet. Die Maßregel erregt größtes Eistaunen. Mehrere Blätter suchen zu beweisen, daß da- durch das Territorialsystem zerstört und die Mobilmachung sehr frschwert wird. G r o ß b r i t a«« t e u. Mr. Parnell hat dem Londoner Konespondenten der »New Jork Eun" seine Anschauungen über Gladstone'S Pläne iur Lösung deririschenFrage mitgetheilt- Er sagt, der wichtigste Faktor im gegenwärtigen Augenblick sei unzweifel« hast Mr. Gladstone'S Gesundheit. Wenn dieselbe gut bleibt, Ist Homerule für Irland gesichert, gleichviel, od Cbamberlain °der Trevelyan daS Kabinet verlassen oder nicht. In Bezug °uf die Wahrscheinlichkeiten einer ParlamentSauflösung ist Parnell der Meinung, daß die Uneinigkeiten im Echooße deS «abinetS ein« Berufung an daS Land nicht nöthig machen würden. Er glaubt, Cyamderlain'S parlamentarischer Einfluß Ist übertrieben worden. Sein Einfluß auf Mitglieder des Hauses der Gemeinen sei jedenfalls klein und Gladstene könnte Istne irischen Maßregeln im Unterhause ohne Chamb-rlain'S beistand durchsetzen. Außerhalb deS Parlament« sei Chamber« lain nur einflußreich in den Binnendisttikten Englands. Parnell besorgt deshalb nicht, daß Chamberlain'S Opposition iligen die Pläne de» Premiers die irische Sache sehr schädigen würde. Ties« Opposition dürste dagegen die Folge haben, Lord Hartington in engere Beziehungen mit Glaostone zu Olingen. Ueber seine Meinung betreffs der wahrscheinlichen Haltung deS Oberhauses befragt, erwiderte Parnell, daß die PairS zögern würden. Gladstone'S Maßregeln zu verwerfen, wenn dieselben vom Unterhause angenommen werden. Nach Pamell'S Ermessen dürften die PairS vielmehr ihre An- stiengungen darauf beschränken, den Güterankauf so günstig °lS möglich für die Grur.db-fitzer zu machen.— Je näher der Psttpuntt heranrückt, wo Gladstone seine Pläne kundgeben will, desto schärfer wird das Auftreten der Protestanten Zn Irland. Bei einem zu Ehren der Abgeordneten für Ulster gegebenen Bankett ertheilte der Vorsitzende, Mr. Miller, «n Orangisten und allen Anhängem deS Protestantismus den ttnstlichen Rath, viemalS einem Parlament in Dublin ihre Zustimmung zu ertheilen. Der Reo. S. G. Potter bezeichnete «8 als die Pflicht der Protestanten, wenn fie zum Acußersten Setrteben würden, die Entscheidung durch daS Schwert zu versuchen. Noch heftiger sprach der Abgeordnete Rajor Saunverson. Die Synode der(anglikanischen) Kirche von Irland nahm ebenfalls Resolutionen an, welche gegen Homerule, die Heistellung eineS irischen Parlaments und gegen jede Ge- ftihrdung der legislativen Einheit England» mit Irland pro« �stiren. Die Protestler behaupteten, mehr als 600000 Seelen d-S irischen Volkei zu vertreten. Eine vierte Resolution ver- pflichtete die Anwesenden zum Widerstande gegen jede Politik «i der angedeuteten Richtung. Dänemark. In Dänemark wird auch ohne Budgetbewilligung wester regiert. Der König hat ein„vorlaufiges" Finanzgesetz für 1886/87 erlassen, welches die Regierung ermächtigt, die de- flehenden Steuern zu erheben und die nothwendigen Ausgaben iu bestreiten, jedoch die Budgetvorlage nicht zu überschreiten. - Der Staatsstreich ist somit in Dänemark in Permanenz erklärt. R« st l a n d. . Die Russifitirung w den Ost sevrovinzen soll tttzt auch auf dem Wege der Prämitrung gefördert werden. ES wird nämlich in unterrichteten Petersburger Kreisen der vor einigm Tagen erlassene UkaS betreffend die Einstellung deS PirkaufS von Bauernparzellen auf den dem baltrschen Adel Mher geschenkten Krongütern vielfach dahin gedeutet, daß die Argierung jeneS Land fortan gleichsam als Prämie denzenigen rflhnisch. lettischen Bauern zukommen lassen will, welche den "rtbodoxen Glauben annehmen. Der Vertrag Rußlands mit Korea, der, obschon 1884 ab« geschloffen, erst offiziell publizirt worden ist, wird von der Rest- denzpresse mit Genugthuung begrüßt, da er endlkh auch Ruß« land die gleichen mertantilen und politischen Rechte einräumt, gfle st« dort die Vereinigten Staaten. England und Deutsch. «and seit längerer Zeit schon besitzen. Balkanläuder. . Da» Vorgehen der ttaltenischen Regierung zu Gunsten der .bulgarischen Union hat eine unerwünschte, aber desto uäftigere Bestätigung gefunden. Wie im gestrigen Abendblatt oui Konstantinopel gemeldet ist, hat Rußland dort ange« daß e» den Vorschlag Italien», dem Fürsten von Bul« Karten als solchem(d. h. ohne den Namen deS BattenberaerS ii» erwähnen) das Amt eine» GeneralgouverneurS von Oft- turnelien ohne Zeitbegrenzung zu übertragen, a b l e h n e. Da- ist der italienische Vorschlag gefallen, da er zu seiner Durchführung eben der Zustimmung aller Unterzeichner de« Mliner Vertrages bedurfte. WaS Rußland mit seinem Mrdersprucb bezweckt, ist nicht schwer zu"k-nnen. ES verhin- bilt. daß die Verhältnisse in Bulgarien sich befestigen, domrt !«ne in Verschwörungen wohlerprobte Agenten die Umtriebe Sfßuem fortsetzen können, deren Ziel die Vertreibung des 'forsten Alexander ist. »Äa"l3 ßsaBäaa oar Vertrauensmann deS Sultans, zu schließen. Marlameutarische«. sä flte Notiz: ES habe der Vorsitzende der Kommission des Reichstags, welche sich mit den Anträgen auf Einführung eineS Maximal- Arbeitstages, deS Verbots der Kinderarbeit und der Sonntaai- arbeit, Beschränkung der Frauenarbeit und Regelung der Ge- fängnißarbeit beschäftige, jetzt dreimal hinter einander versucht, die Mitglieder der Kommission zu einer beschlußfähigen Sitzung zusammen zu bringen. Dreimal sei der Vorsitzende mit seinem Versuche gescheitert. Die also bezeichnete Kommission ist die X. sogenannte Arbeiterschutz-Kommisston. In meiner Eigenschaft als Vertreter des(bemlaudten) Vorsitzenden dieser Kommission fühle ich mich gedrungen, der geehrten Redaktion mitzutheilen, daß jene Notiz d Staatsanwaltschaft adovtlrten Anttage gemäß, verurtheiite die Angeklagten zu je 1006 Mark Strafe,«vent. entsprechender Haft, und legte ihnen die gesammten Kosten deS Verfahrens auf.— In der Motivirung wurde besonder« her- vorgehoben, daß die Etempelpflichtigkeit in dem Augmdlick eintritt, wo die stillschweigende Verlängerung deS Miethskon- traktS wirksam wird._ Soziales«nd Arbeitervemegung. * Die Lohnbewegung der Handschuhmacher in Berlt« könnte jetzt so gur alS beendet bettachtet werden. Der Vor« theil, den dieselbe gebracht, ist zwar kein sehr großer, da in verschiedenen Fabriken durch den JndifferentiSmuS einiger Kollegen nur eine geringe Aufbesserung deS Lohnes erreicht wurde. Jedoch den einen nicht zu unterschätzenden Vortheil haben die Arbeiter erreicht, daß eine größere Anzahl Kollegen dem Fachverein beigetreten ist, und daß die Fabrikanten die Forderung der Arbeiter als gerecht anerkannt haben, waS die- selben vielleicht veranlaßt, in nicht allzu langer Zeit einen be- stimmten Lohntarif für ganz Deutschland aufzustellen und zur Durchführung zu bringen. Nun ist jedoch plötzlich wieder ein Rückkchlaa eingetteten, indem in der größtm hiestgen Fabtik(Toster, Paul und Komp.), die am 1. April nach FriedrichShagen überfiedelt, eine Lohnreduktion von 13 bis 20 Prozent geplant wurde. Es legten in Folge dessen am 25. März sämmtliche Kollegen der Fabrik die Arbeit nieder. Die Ledigen reisen sofort ab und die Verheiratheten werden so gut wie möglich am Orte unterstützt werden. Die Lohnreduktion motivirt die Firma damit, daß in FriedrichShagen der Lebensunterhalt sehr viel billiger ist alS in Berlin, waS die Arbeiter sedoch bestreiten. Der Durchschnittsveidienft nach dem alten Lohntarif bei vielleicht 12— 15stündiger täglicher Arbeitszeit beträgt nach den Angaben de« Herrn Geschäftsführers 17 Mark, gewiß nicht dazu ange» than, um fich einen Abzug von 13—20 Prozent gefallm zw lassen. Die Arbeiter hoffen, den Plan des Fabrikanten zw vereiteln und ersuchen, den Zuzug streng fernzuhalten. Die Metallschraubeu» und Facondreher der Fabrik deS Herrn Weisse, Sebastianstraße 72 in Berlin, haben wegea eingetretener Differenzen mit dem Arbeitgeber die Arbeit ein» gestellt und bitten, den Zuzug von der genannten Fabrik ab» zuhalten. Näherer Ber cht folgt. Eine allbekannte Wahrheit spricht nun auch in seinem neuesten Jahresbericht der Fabrtktnspettor von Düffeldorf auS, indem er sagt:„Der Kampf der Maschinen gegen die Hand» arbeit entwickelt sich immer mehr zu Gunsten der ersteren. In der Seiden- und Sammet-Wcberet gewinnt diese in geradezu reißender Weise an Boden. Gewebe, welche«och vor zwet Jahren als der Handarbeit für immer vorbehalten galten, wer» den jetzt auf mechanischen Webstühlen hergestellt. Die Zahl der letzteren wächst immer mehr. Die Zert ist nicht mehr fern, wo die rheinische Seiden-HauSweberei nach harten und leider vergeblichen Anstrengungen und Entbehrungen ihrer Führer und Ardeiter vernichtet sein wird." Hierzu bemerkt die„Ger» mania" ganz tteffend:„Dieselbe Erscheinung tritt auch in der im bergischen Lande stark vertretenen Kleineisen-Jndustrie her» vor; auch hier vollzieht sich, langsamer zwar alS in der Seiden» Industrie, aber eben so sicher, der Untergang altehrwürdiaer ArbeitS> Einrichtungen; maschinelle Betriebe treten an ihre Stelle."— Und dabei will man diese große Krankheit auch seitens der„Germania" mitZJnnungSzwang und Befähigung»» nachwei« heilen.—„Ophelia geh' in ein Kloster!" Infolge der anhaltenden Kälte mehrten sich in Magdeburg die Ansprüche an die Armenverwaltung von Tag zu Tag. Mitte Januar wurden wöchentlich 833 Zentner Kohlen unentgeltlich vertheilt, vom 14. biS 20. März 953 Zentner. In der gleichen Zeit stieg die Zahl der Armensuppen von 1476 auf 1852. Der Modn» der AuSlohnung der bei Unternehmem städtischer Bauten beschäftigten Arbeiter beschäftigte sijj. die Stadtverordneten» Versammlung in Frankfurt a. M., den Magisttat zu ersuchen, den Unternehmern städtischer Bauten unter den AuSführungSbedingungen auch die mit aufzuerlegen, daß die bei ihnen beschäftigten Arbeiter jede Woche auSgelohitt werden sollen, und nicht wie hier üblich, alle 14 Tage. Der Magistrat, der sich hierüber vom Tiefdauamte und der Vau» deputation hat Bericht erstatten lassen, erklärt nun, daß er Bedenken trage, schon gegenwärtig und bis auf weitere Auf» klärung die für die Stadt arbeitenden Bauhandwerker zu einer achttägigen Auszahlung der Löhne zu verpflichten, welche» ohnehin bei den bereit« abgeschlossenen Kontrakten nicht mehr möglich wäre. Der Magistrat beadfichtigt, es djS auf Weiteres bei der bisher bestehenden Einrichtung der achttägigen Lohn» Zahlung bei den unmittelbar im Dienste der Stadt stehenden Arbeitern zu belassen, jedoch wenigstens gegenwärtig nicht in die bestehende übliche Einrichtung der Lohnzahlung zwischen den Unternehmern und den Arbeitern einzugreifen.— Wie rücksichtsvoll ein hochwohllöblicher Magisttat doch immer gegen die Unternehmer ist! Als wenn diese allein Menschen waren l * Großbritannien. Bekanntlich ist seit Generationen in Nottingham der Hauptfitz derTüllfadrikationauf mechanischem Wege. Allein gegenwärtig beginnt e», sein Monopol der Tüll-Jndustrie zu verlieren. Wie daS ge» kommen ist, darüber belehrt unS daS„Bulletin des Soc&s et des Socfiries". Vor ungefähr einem Jahrzehnt hatte der FabrikSagent Mr. Alexander Morton von Darrel bei Ktlmarnock (Schottland) auf einer Londoner Ausstellung eine Tüllmaschine arbeiten sehen und dadurch angeregt, die Tüllgardlnenfabrikation nach Schottland verpflanzt. Schon Ende 1884 bestanden dort nicht weniger al« 15 Tüllgardinenfabriken mit 160 Stühlen, die inSgesammt 25000 Paar Gardinen pro Woche erzeugten. „Man erfuhr", heißt e« nun in dem„Bulletin",„bald in Nottingham, daß die L ö h n e in Schottland um ein Drittel niedriger seien, als in Nottingham und brachte diese That- fache vor die Assoziation der Fabrikanten, welche den Beschluß faßte, dem Lohn-AuSschuß(eine gemischte Kommisston, bald Ardeiter, halb Fabrikanten) ein Projekt vorzulegen, bezweckend dieHerabsetzung der Löhne auf den schottische» T a r i f." Die Nottinghamer Arbeiter aber ließen cS fich selbst» verständlich nicht beikommen, diesen Selbstmord zu begehen und durch die Herabdrückung ihres Standard of life(ihrer wirth- schaftlichen Lebenshaltung) auf daS Niveau der bedürfnißlosere» Schotten ihre Lage zu verschlechtem und der Arbeiterbewegung ein Bein zu stellen. Sie schickten vielmehr einige Abgesandt« ihrer Gewerkschaft nach Ayrshire, um in der schottischen Weberei das Klassenbewußtsein zu wecken und sie dahin zu bringen, Löhne nach dem Nottinghamer Tarif zu fordern. Dieser ver- nünftige Vorschlag fand bei den noch im Sumpf des Jndiffe- rentiSmuS steckenden, unorganifirten Webern leider kein Gehör. „Die schottischen Weber", sagt daS bercttS zitirte kapitalistische „Bulletin",„begriffen recht wohl, daß nur ihre billigen Löhne die neue Industrie in ihr Land ge- bracht hatten und ließen fich auf keine Verhandlungen ein." Welch' klägliches ArmuthSzeugniß für die schottischen Arbeiter, daß fie trotz dieses BegreifenS nicht fich den Forde- rungen ihrer englischen Brüder anschloffen. Unbegreiflich für» wahr I Aber eS ist dieS Zugeständniß, daß nur der niedrige Preis der Arbeitskraft die Einführung der Tüllindusttie bewirkt. wertbvoll genug; man kann damit den Harmonieschwärmem aus die Finger klopfen, die glauben oder doch glauben machen wollen, daß eo ipso die Errichtung neuer Betriebsarten einer ärmer» Gegend Heil bringe: thatsächlich dient in unserer Zeit allüberall die Jndustrialifirung den Zwecken der groß» kapitalistischen Profitmacher. John Bull, der begriff, mit vortheilhast fich in Schottland der„EntbebrungS"lohn auf Kosten der willigen und dilligen Arbeiter Schottlands ver» mehren ließ, benutzte die günstige Gelegenheit; immer mehr Stühle wanderten von Nottingham nach Schottland. Diese Ereignisse spielten fich Ende 1883 ab- Die Union der Tüll» Arbeiter ergriff ihrerseits Gr genmaßregeln und„erklärte jeden außer Nottingham arbeiten lassenden Fabrikanten in Acht und Bann!" Ostern 1884 verließ da» ganze Personal einer großen Tüllfabrik bei Nottingham die Arbeit und weigerte sich für einen Fabrikanten zu arbeiten, der soeben eine neue Fabrik in der Nähe von Glasgow(Schottland) gegründet hatte. Ter Krieg war erklärt. Noch Anfang 1885 streikten mehrere hundert Arbeiter. Und wie wird dieser Kampf enden?.Di« Folg- dieser Zustände dürste sein, daß die Gardinenbranche den Tweed überschreiten und immer mehr gen Norden nach Schottland ziehen wird; die Auswanderung der Industrie wird daS Endresultat der hartnäckigen Kämpfe zwischen Fabri» tanten und Arbeiter sein." Das ist daS Ende vom Lied«. dessen Leitmotiv lautet: Die niedrigen schottischen Löhne. ES ist eine Lust zu leben! Die Wein-Grosshandlung 1040] von Friedr. 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Sitzung vom 27. März, I Uhr. Am Tische deS BundeSrathS: Fürst von Bismarck» von Boetticher, von Scholz, von Burchard. Die zweite Berathung de« Gesetzentwurfs, betreffend daS Branntweinmonopol, wird fortgesetzt. Abg. v. Vollmar(Soz.): Die Vorlage ist hinreichend gerichtet, ich will nur auf die Rede deS Kanzlers Einiges be- merken. Er hat gestern auch meine Fraltion zu den reichs« feindlichen gczäblt; daS ist ja nichts Neues und schmerzt unS auch garnicht. ReichSfeinde heißen ja in Deutschland seit lange die Feinde deS herrschenden SystemS deS Kanzlers. Feinde bes Reiches, d. h. des Gemeinwesens, deS deutschen Volles, find wir jedenfalls nicht, sondern nur Gegner deS herrschenden Systems. Als Vorspann«um Echnapsmonopol hätte der Kanzler diese sozialdemokratischen R'ichifetnde sehr wohl ge- brauchen können, denn er pflegt jede Hilfe anmnehmen, die ihm eine Majorträt verschafft. I tzi macht er eS plötzlich den Geanem de« Monopols zum Vorwurf, daß fich auch Sozialdemokraten unier ihnen definden. Man hätte unS recht wohl gedrauchm können. ES fehlte nicht an Summen, die mir und meiner Partei klar zu machen suchten, daß ja das Schnaprmonopol etgintlich etwas sozialistisches sei, auf daS einzugehen wir gerviffermaßen die Pflicht hätten: daß wenn wir auf dieseS Monopol eingingen, wir sehr wohl unsere Bedingungen stellen könnten, die dann auch angenommen werden würden, wenn fie annehmbar erscheinen; daß dann auch eine andere bis gestern Noch sehr schwankende Partei fich allenfalls auch hätte bereit finden laffen. Ader meine Pattei ist ein für alle Mal für der« artige Machenschaften nicht feil und kann auf sie nicht eingehen, so lange die Regierung ihr gegenübersteht, wie es jetzt der Fall ist. Wir Sozialdemokraten wnden nie und nimmermehr in eine Hand einschlagen, welche Volk und Freiheit unterdrückt. Von den drei Dingen, die der Kanzler alS Grundlage des Reiches bezeichnete' ein starkes Heer, gute Finanzen und die Zufriedenheit der Büiger, ist unS das dritte daS allerwesent» lichste, bei dem fich die beiden ersten von selbst verstehen. Aber von dieser Zufriedenheit ist nich>S zu merken, und darum können wir in diesem wie in anderen Fällen für die Regierung nicht einstehen. Steuerdruck, AuSsaugung der Aermsten, poli« tische und wirthschaftliche Unterdrückung schaffen die Zufrieden» beit der deutschen Reichtdürger nicht. DeS Kanzler# gestrige Rede war der stärkste AuSdruck de# persönlichen Regiment#; «c hält uns nicht für die richrige Vertretung des Volles, läßt fich durch uns auf seinen Wegen nicht hindern, steht eine Demürhigung ohne Gleichen, ein arge# Kanoffa darin, daß er als konstitutioneller Minister zu unS hierher kommen muß, um eine Steuer dewilligt a erhalten, und hält eS für möglich, daß deutsche rsten, da# Opfer ihrer Rechte bereuend, den berühmten ewi> Ken Bund wieder einmal brechen könnten. Dazu dunkle, nicht faßbare Drohungen, eS könne die Zeit kommen, wo das Reich nicht mehr in der bisherigen Weise existirt, und zwar durch Aenderung von oben her, verbunden mit dem etwas deutlicheren «uSspruch:„wer zuletzt lacht, lacht am besten: wir hier bei der Regierung werden lachen, wenn Sie nicht mehr da find Und vielleicht wo ander# lachen werden." Das ist einfach die Sprache de# Diktators, nicht die eines konstitutionellen Ministers. Reden dem Unmuth darüber, daß man zum Reichstage so imechen könne, kann ein Sozialdemokrat noch eine gewiffe Schadenfreude haben. Wenn sonst einer von unS auf die später Reue wegen �«ln hinwies, dann ._________ evolutionäre, drohm, Kit ihnen ist in Ruhe und Frieden nicht zu verhandeln. Aber der Reichskanzler darf einer Volksvertretung, die Nur ihre Rechte autübt, offen und selbst mit An« rufung der blutigen Schatten von 1866 mit ihrer, ja mit der Beseitigung des Reiche# drohen. Man mag unS vieles nachsagen, aber man kann unS unmöglich den Vorwurf —---—-•-»—' w.-*.?- w_» cn �a#<b einem Gründer deS Reiches, seinem eisten Beamten vordebalten, demselben Beamten, der unS als eine Gefahr für vas Reich verfolgt. Er hat dm Reichstag mW der VollSver- "ftung anderer Länder verglichen und diesen Vergleich zu Un- «husten de# elfteren ausfallen laffen. Ader keine würde fich Kerliuer Son«tagspla«derei. . R. C. Darf man vom Wetter reden? Da# ist evt« Wedm gefährlich, denn wenn man fich etwa# vorgmomme» H fich vielleicht schon lange auf eine Sache freut, dann Mrmt gewiß etwas dazwischen, meisten# ein Regenguß. «iiozu wäre der Rege« auch da, wen« er Vergnügen nicht r Wasser werden lasse» könnte? ES ist zwar noch nicht erste April, die geliebte Miethe ist noch nicht fällig, auch °er Steuermann hat noch nicht daS Recht, in unser stilles Lkim einzudringen, trotzdem blüht der etwas verfrühte fiprilscherz schon recht üppig, er hat daS Gute, seine Wir« ihvg niemals zu verfehle«. Schadet nichts, der �vusch gewöhnt fich schließlich an Alles, und soll u** Nicht fröhlich sei«, wen« der Fink in *«uer Luft sei« Oster» Konzert probirt, wen« S*. mit aller Macht Frühling wird, und die winterlichm ?>«be fich zum Abschiedseinbruch rüsten? Die Maikäfer sacken die Fühlhörner aus und mit züchtige», zur Erde ge> svkten Blicke« trippeln Konfirmandinnen daher; fie denken 'lug nach über die ihnen überreich gespendeten Warnung« dm unter Blumm verborgene« Fallstricke« und leise, >e dämmert in manch« der hold« Kinder die Gewißheit daß e# für seine zarten Fiager gar kein hübschere», jigere# Spielzeug geb« könnte, als ein« braven *Bn. Die Sache ist indessen nicht so einfach, und wer sich Ute die Mühenimmt, die Schaufenster in der Rerchshaupistadt ' betrachten, den übe, schleicht ein ganz sonderbare# Gefühl, �B er an seine Zukünftige denkt,— w«« er schon eine - muß es natürlich„Gegenwärtige" heiß«. Brr, die 'che! besten kann man sie mit der ominösen See- 'lange vergleichen, nur mit dem Unterschiede, daß die See« J'aBge gewöhnlich nur einmal jährlich zur Sauregurkenzeit 'faucht, während die Seeschlange Mode zu jeder Jahres« speziell die dekannte Äeußerung de# von ihm nicht genannten fran zöstschm KriegSministerS Boulanger im Sinne gehabt, wenn er die Lage deshalb alS eine flhr gefährliche bezeichnete, weil in ge« wiffen Lände« selbst von der RegierunaSbank herab eine dm autoritären Begriffen nicht entsprechende Sprache geführt werde, die sozialistische Gefahren in AuSficht stellte. Ich finde in dieser Rede nicht daS Geringste, waS einem republikanischen Minister nicht vollkommen wohl anstände. Wenn der franzö« fische Kriegsminister wirklich dos gedacht bat, so gefällt er mir ganz außerordmtlich und ich kann nur wünschen, daß mehrere solcher Minister die ftanzöflsche Echeinrepudltk»u einer wirk lichm machen und daß nicht nur die einzelnen Person«, son> de« der ganze Geist der Republik von dies« Grundsätzen durchtränkt wird. DaS würde aber keine Gefahr für daS Deutsche Reich und das deutsche Volk, sondern nur für daS persönliche Regiment sein, wenn dieser Einfluß fich von Frank« reich auS auf die anderen Länver geltend machte, den« gegen- über ein die Zügel immer schärfer anziehende# persönliches Re- giment allerdings in keine rrfige Lage gerathen würde. Darin hat der Reichskanzler vollkommm Recht; auch darin, daß die Befestigung des Reiches Eile hat. Aber fie beruht auf dem Vertrauen des Volke# und der Achtung der herrschenden Ge- walt vor seinem Selbstbe stimmungsrecht. Sie hat nichts dafür gethan, eine solche Befestigung zu bewirken, dagegen sehr viel, das Reich auf daS Aergste zu schwächen.(Beifall bei den Sozialdemokratm.) Abg. v. Kardorff: Ich spreche zunächst meine Genug, thuung darüber auS, daß die sozialdemokratische Partei fich zum ersten Male in sehr deutlicher Weise voll auf dm Boden deS Deutschen Reiche# gestellt hat.(Zustimmung recht#.) Im Großen und Ganzen hat fie fich sonst auf dm extrem inter- nationalen Standpunkt gestellt und die Gründung deS Reichs als Nebensache behandelt. Wenn der Vorredner aber meinte, der Reichskanzler habe ja die Abficht kundgegeben, diese# Reich zu sprmgen, so hat er diese Äeußerung mißverständlich auf« gefaßt. Ich glaube nicht, daß der Reichskanzler annimmt, daß selbst bei der für mich nicht sympathischen und wünschen», werthm Eventualität, daß der Reichstag in seiner gegenwär, tigen Verfaffung nicht mehr bestände, daß Deutsche Reich zu Grunde gehen würde. Es könnte ja vielleicht eine andere Volksvertretung an die Stelle dieses Reichstage# treten. Gewiß, die Befestigung de# Reiche# beruht auf dem Vertrauen der Bürger. Herr Richter sprach von einem Geschenk an die Großgrundbe- fiper. Hätte die Kommisston die Preiifixirung geprüft, so würde diese wahrscheinlich einer großen Aenderung unter- zogen worden sein. Wenn aber Herr Richter bestrstt, daß er mit jmer Äeußerung den Adel oder die Magnaten treffen wollte, so muß doch jeder Unbefangene gefühlt haben, kdaß den schlefischen Magnaten auf Kosten deS darbend« Voltes etwa# extra bezahlt werden sollte. Mit Recht nannte dies der Reich# kanzler Erregung von Klaffenhaß. Herr Richter ist ja auf die Grundbesttzer in den östlichen Provinzen nicht gut zu sprechm. Sie gehören ebm nicht zur freifinntgen Partei. Ader die ganze Well kann doch nicht aus Preßengeln besteh«, und selbst Herr Richter wird nach seinen Erfahrungen mit der„Freifinnigcn Zeitung" froh sein, daß eS so ist. DaS muß ich allerdings zu» geben, daß durch diese oder eine andere Branntweinvorlage der landwirthschaftlichen Roth im Osten nicht dauernd abgeholfen durch dt« Einführung Die# kann nur geschehen links), wie ja auch von dedeutm' werden kann. der Doppilwährung(Heiterkeit l______—.------------- den Staatsmännern außerhalb Deutschland# anerkannt worden ist, daß die Silbermtwerthung eine Kalamität sei. Ich bedauere, daß wir in dieser Beziehung von dem FInanzminifter».Scholz so wenig unterstützt werdm. Entschließt fich die Regierung, zum BimetalliSmuS zurückzukehren, so wird mit einem Schlage der Wohlstand in den östlichen Provinz« hergestellt.(Oy! links.) In demselben Augenblick, in welchem die preußische Regierung destrebt ist, durch eine große kirchenpolitische Vor« läge(hört----" Abgeordneten Richter folgen in Bezug auf Vorlage, zeit erscheint, ein« ungleich größeren JnteressentmkreiS findet und nicht nur die Küstenstriche, sonder« daS ganze Land heimsucht. Indessen ferne sei es von uns, dem schön« und zart« Geschlecht allein d« Vorwurf zu machen, daß es der Mode unterthan fei. Das starke Geschlecht, dessen Repräsentanten sich bramsiger Weise.Herr« der Schöpfung" nenne«, huldigen der Morde ganz ebmso. Ei« Blick genügt, um da# zu erkennen. Man bezahlt d« Anzug fertig, als solch«; die Folge ist: die doppelknöpfigen Bekleidungsstücke längst durch einreihige ersetzte, nein, nach vo«e schrägt man uns die Eck« fast b»s um Halsausschnitt ab, verengt die Aermel und kürzt und be» chneidei, wo es nur angeht. Bei de« Damen ist es umgekehrt, wie die Natur« geschichte lehrt. Erinnert man fich nicht«och der Zeit, wo die Töchter des Landes in einem flachen, glatt« Kleide einherspaziert« und trotzdem nicht minder niedlich aussah«, wie unsere jetzige Dammwelt? O schöne Zeit, wohin bist Du geschwund«! Aus dem glatten Kleidch« wurde ei« Faltenrock, über diesem entstand die Tunika. Hoffentlich heißt das Ding auch so, dm« ei ist nichts unangenehmer, als w«n man seine Weisheit auskram« will, und das Publikum merkt, daß man von der Sache selbst keine Ahnung hat. Nehme« wir also an, da» Ding heißt Tunika. Als schließlich trotz alle« Äufbauschens sich ei« Mehr nicht anbringen ließ, kam man auf die Idee, den weiblichen Körper künstlich zu ver- länge«. Der Gedanke war nicht Übel' es lebe die Jntelli» genz! Und«un behängte man diese Anbaue mit drei« und vierfachen Lag« und Falte« von Zeugstoff. W«n da# so fortgeht, komm« wir bald dahin, daß das starke Geschlecht im Kostüm de« Apollo von Belvedere welche allein wegen ihres ethischen Gewicht# zu einem anderen Verhalten auffordert. DaS deutsche Volk wird eS einmal müde werdm, dem Dreigesti« Richter, Liebknecht und Wtndthorst zu folg«.(Lebhafter Beifall rechts, Unmhe link#.) Abg. Buhl: Ich habe bei der erflen Lesung erklärt, daß meine Freunde die Monopolvorlage für unannehmbar halt«; und ich sagte die# im Namen metner damals anwesenden poli- tisch« Freunde. Herr v. Fischer und einige Süddeutsche waren durch Landtagsver Handlungen damals abgehalten, hier zu er- scheinen. Ich hielt mich ausdrücklich nicht für autorifirt, auch in ihrem Namen eine Erklärung abzugeben. Im Uebrigen glaube ich, mich auf meine Ausführungen in elfter Lelung blieben zu könnm. WaS den Antrag v. Kardorff betrifft, so erinnere ich daran, daß gerade meine Parteigenossen in der Kommisfion für die Niedersetzung einer Subkommisfion gestiirmt haben; wir blieben damit leider in der Minorität; und ich glaube jetzt nicht, daß der Antrag v. Kardorff Aut ficht auf Annahme hat oder überhaupt noch unserer Berathung förderlich sein könnte. Es müßte denn sein, daß da# Zentrum jetzt eine andere Haltung zur Vorlage annimmt; dann würde auch ich gegm die Annahmt des Antrag# Kardorff nicht# einwenden« BundeSdevollmächtigter Minister v. Scholz: Der Rück« blick auf die stattgehabt« Verhandlungen ist für die Regie- rungen nicht ganz unbeftiedigend und der Ausblick in die Zu- kunft ist hoffnungsreich. Als wir die Vorlage einbracht«, wurde sofort hier darüber daS Verdikt gefällt, fie sei politisch, finanziell und wirthschastlich verwerflich. Die politische Teste der Sache hat nun gestern der Reichskanzler bereit# völlig er» schöpfend dargestellt; in Bezug auf die finanzielle Verwerflich» keit ist in den Verhandlungen deS Plenums und der Kom- misfion auch nicht das Geringste erwies« worden. Und ins- desondere haben die Angriffe de# Abg. Richter gegen unsere Etatsberechnung nicht daS geringste thatsächliche Moment zu Tage gefördert; im Gegentheil haben wir zahlreiche Belege dafür in Händen, daß der Ertrag deS Monopols von unS de« deutend geringer angenommen worden ist, als er fich in Wirk« lichkett stell« würde. Sehr namhafte Autorität« find zu dieser Meinung, z. B. der auf diesem Gebiete sehr vistttrte Rulius Wolff, der Fabrikant� Kantorowicz in Posen u. A. rder die Art, wie die Petitionen, der„EntrüstungS- stürm", beispielsweise in Oberschlefien mit dem de» kannten FreischnapS, in anderen Gegenden mit einem achtbaren Proxenetikum für jede Unterschrift zu Stande ge- kommen find, haben Sie schon genug gehört. In Frankfurt a. M. ist eine große gedruckte Petition in Umlauf gesetzt worden; schöner Druck mit einem roth« Zettel, der den Wirth instruirt, wie er„güiigst" für die Unterschriften zu sorgen habe, und mit vorgedruckten Nummem, so daß auf jedem solchen Tbeillnstrument 130 Unterschriften Platz hatten. Der HerauS» geber war ein Liqueurfadrikant. Ein solche# Exemplar nun z. B. enthielt am Anfang unverfängliche Unterschrift«, wohl von Kunden des betreffenden Wirtks; aber schon bei Nr. 20 und 21, wo Kaspar Spatz und Elisa Ratz anfangen, wird die Sache verdächtiger. Nr. 29 ist Gottfried Reiterstiefel; Nr. 32 Hund MopS- 33 Minna Katz; 36 Hirsch heißt er.(Große Hkiterleit.) Dann kommt 38, 39, 40 Johann Sturm, Cbistian Wind, Ferdinand Luft.(Heiterkeit.) Nr. 69 u. s. w. find« ich Jfidor Cognac, Jean Rum, Hanne# Nordhäuser, LieSbeth Heiterkeit), Adam Anis, Jo''"" Pommeranze(große Heiterleit).' Adam AM,'Joseph Excelfior (Heiterkeit), Ferdinand Gilka, Josephine Chartreuse; Nr. 118: ■ rn 1 4--- re, L.___ ZC.....,, r r« m Eva Sau(Heiterkeit), Adam Eber, Emma Grünschnabel (Heiterkeit); und eine Anzahl Namen, die geradezu inS ganz Zotige hinüberreichen. ES enthielt« diese Exemplare je 130 Unterschitsten; und eS find sehr wohl 8000 Unterschrift« angekommen. Ich nehme ja nicht an, daß alle diese Unterschriften in der Weise hergestellt find(Fürst Bismarck: Doch, dock!) aber ein großer Tbeil davon gewiß. Welch frevelhaftes Spiel ist hier mit dem Reichstag gespielt worden(sehr richtig I recht»), wie bedauerlich ist eS, daß dies« Petitionen die Kommisfion nicht näher getreten und auf den Grund gegangen ist, wenn auch nur ein Abgeordneter sein Votum ausdrücklich auf den „Enstüstungssturm bafirt und auf den„herzerquickenden na- tionalen Zug, der von Josefine Chartreusr ausging!" Das find die Mittel, die man in Bewegung gesetzt hat, um eine an fich gute und vortreffliche Sache, eine jedenfalls in der besten Abficht von der Regierung Ihnen vorgelegte Sache in einer elend« Weise zu diSkredinren, in einer elenden Weise! ifall rechts.) Da ist eS erklärlich, daß der ------ Scheu de« _______.. m m------„.......... Erörterung derselben einzugehen. Der Abgeordnete Richter hat in der Kommission versucht, nur die Zahl der Unterschristen für einherschreitet, während die Dam« wandelnden Kleiderriegel» gleichen. Hoff«tlich geht auch hier der Krug so lange zu Waffer, bis er bricht. Da« ist unsere einzige Hoffnung. Frau Mode ist eine wetterwendische Dame. Wer weiß, wie lange es dauert, dann kommt der Umschwung. Vielleicht dauert es nur noch einige Jahrzehnte, und der Herr der Schöpfung vergräbt sich in zehnfache Lage« von Normalzeug und Nor- malwoll«, und unsere Dame«? Na, das können wir ja ruhig abwart«. An» Kunst und leiten. Die övste Vorstellung vom„Ztgeunerbaron" hat am 26. d.M. im Friedrich-Wilhelmstädtisch« Theater ein volle# Hau« versammelt, welche# nicht nur in antheilsfroher Etim- mung den einschmeichelnd« Melodien lauschte, sondem auch die oft bewähtten Darsteller der Hauptrollen mit Beifall und Blumen überschüttete. Jeder hafte seinen Antheil an dem Blumensegen, Saffi-Drucker und Varinkay-Stetner, welche an diesem Abend wiederum die volle Schönheit ihrer pastosen Stimm« zu fiegreichem Z meillang vereint« und all« ihre Nummem wiederholen mußten; ebenso Fräulein Stein als Czipra, Herr Szika als Homoney. Selbstverständlich war nicht vcraeffm worden de# jovialen Schweinezüchters Wellhof, welchem als originelle Ovation ein aus Blumen gewundenes Schweinchen überreicht wurde, ebenso deS Fräulein Wrada, deren anmuthtge Arsena nebst vielen anderen reichen Blum«- spmdm mit einem Blumentisch von«tzückendem Arrangement geehrt wurde. Auch der kleinen Zigeunerrangen war gedacht worden: jeder konnte zur Feier des Tage# in seinen malerisch zerlumpten Kittel einen Extra Kraizer stecken. DaS Publikum stand mit seinem Beifall ebenfalls auf festlicher Höhe, so daß man auch der zweiten Hälfte des Zigeunerdaron-Hunderts ein günstiges Prognostikon stellen kann. Im„Deutschen Theater" wird heute, Sonntag.„Romeo und Julia" und morgen, Montag,„DaS Kathchen von Heil- dronn" gegeben. Am nächsten Dienstag, 30, d. M., geht„Die Wne Sache nutzbar zu wachen, indem er die Kommission ein» lud, doch wenigstens durch den Referenten konfi aliren zu lassen, wie viel Petitionen mit wie viel Unterschriften gegen die Sache eingegangen find.(Abg. Richter: Und für!) AIS darauf die Kowmlsston aber erst die Petitionen auib näher prüfen wollie, hat niemand so eifrig wie Herr Rickter davor gewarnt, fich mit den Petitionen noch aufzuhalten.(Hö t, hört! rechts.) DaS ist bezeichnend; und ich hoffe, manche der Herren, die aus Slbeu vor irren Wählern jetzt gegei- die Vorlage find, werden noch zu einem andern Votum kommen, wenn fie sehen, wer im Lande eig'Ntltch gegen das Ronopoi aufgetreten ist. Von uni geht also Niemand zerschmettert auS diesen Verbandlungen her« vor; wir find in keiner Weise von der Verwnflichkeit unserer Vorlage überzeugt worden. Weisen Sie also das Projekt von der Tagesordnung, aber glauben Sie nickt, daß Sie eS damit todt machen. Es liegt in ibm ein gesunder Gedanke, der in den Anschauungen des Volkes wachsen und gedeihen und eines Tages den Rock der Gesetzgebung anziehen wird. DaS wird um so schneller eintreten, je mehr die gestrigen Drohungen deS Abg. Richter in Erfüllung gehen, daß Sie den redlichen Be- wühungen der Regierung, nunmehr wenigstens ein Minus mit Ihnen zu vereinbaren, noch grausamer entgegentreten wollen, als Sie diesem Projekt entgegengetreten find. Thun Sie das lieber nicht!(Ledhafter Bestall rechts.) Abg. W in d th orst: Die uns hier beschäftigende Frage, od eS richtig sei, derartige Monopole zu schaffen resp. fie zu vermehren, ist wiederholt Gegenstand der Erwägungen seitens deS Reichstages gewesen, bei der TabakSvorlage hatte sogar der letztere die Entschndung zu fällen zu einer Zeit, wo er noch mehr als heute von der Regierung freundlich angesehen wurde. Es beruht bei meinen Freunden und mir unser Uc» theil auf der durchaus nickt zu erschütternden Ueberzeugung, daß derartige Monopole nicht zum Guten führen, daß fie unS dm sozialistischen Plänen näher dringen und daß außer- dem die StaatSomnipotenz geschaffen resp. gefördert wird. Wir müffen über die Bedürfnisse im Klaren sein, sowie darüber, daß nun mit dem Fordern ein Ende gemacht wird, sonst finkt der Reichstag in den Augen deS Volkes zur Steuerbewilligungs- maschint herab, während er sich vor Diskrediliruna um so mehr zu hüten hat, alS, wie eS scheint, die frühere Liebe nicht mehr fortdauert. AuS all' diesen Gründen können wir auch dem Vorschlage deS Heim v. Kardorff auf nochmalige Verweisung der Vorlage an die Kommisston nicht beipflichten, zumal keinerlei neueS Mommt für die Vorlage beigebracht worden ist WaS die Petitionen anbetrifft, so spricht stch die Mehrzahl entschieden gegen daS Monopol aus namentlich die auS dem Westen; über die Stimmen aus dem Göltingenschen bin ick sehr überrascht gewesen. Wir wollen also recht gründlich Alles überlegen, ich glaube, es wäre für alle Therle ohne Aufnahme nützlich,«ine ira et studio in größefstr Ruhe die Dinge zu erörtern und persönliche Angriffe zu vermeiden. DaS würde für die Sache, für die Personen und daS Parlament gleich förderlich sein.(Bestall im Zentrum.) Abg. v. W ö l l w a r t h: Bei unS im Lande Württemberg herrscht eine tiefe Erbitterung über die Art der Behandlung, welche diese Vorlage hier erfahren hat, darüber, daß die Kam- mi fion in einer geradrzu noch nicht dagewejenm Weise über dieselbe zur Tagelordnung übergegangen ist. Ich weiß sehr wohl, daß ich etn»n verlorenen Posten vertheidige; aber ich erinnere daran, daß s. Z. auch daS Tabaksmonopol in der selben Weise abgewiesen wurde, während in den vier seitoem verflcffenen Jahren Viele, die damals dag' gm waren, jetzt dafür gewonnen find.(Hört, bört! rechts.) Wohl begreife ich den Standpunkt vieler Norddeutscher, die gegen das Monopol stimmen, weil, wie Herr Sombart auf der Versammlung der EpirituSintereffenlm sagte, man ihnen doch nicht zumu hen könne, alle Jahre so viel Millionen auf den süddeutschen Altar zu legen; aber ich degret'e nicht, wie süddeutsche Abgeordnete gegen das Mono- pol, gegen daS Jntereffe ihreS mgeren Vaterlandes stimmen können. Ich will Sie nicht länger authalten.(Ironischer Beifall links.) Sie werden auch diese Vorlage, die dem Reiche, dm Staaten, den Gemeinden Entlastung dringen sollte, ab- lehnen. Es wär' eben zu schön gewesen, es hat nicht sollen sein!(Stürmische Heiterkeit links.) Abg. P ay er(Volkspartei): Es berührt ja recht wohl« tbätig, auch einmal einen warmen und wah m Freund der Monopole zu hören; um so bedauerlicher ist aber, daß auch die Freundschaft deS Vorredner» für daS Branntweinmonopol nicht ganz uneigennützig ist, daß ihn ein gut Stück königlich württemdrrgischer EgoiSwuS dabei leitet.(Ja wohl! Sehr richtig! rechts.) Da er für unmöglich halt, daß ein süddeut- scher Abgeordneter die Vorlheile des Monopols von der Hand weisen sollte, so erwidere ich ihm zunächst, daß uns in Süd« Deutschland von einer besonderen E.brtierung über die Be- Handlung der Vorlage mchtS bekamt geworden ist; unsere Wabrnehmungen deweisen das Geg-ntheil- So un- erhört ist eS doch in der parlamentarischen Gc- LiebeSbotsch-stt", Lustspiel in 4 Akten von Albin Rheinisch, zum ersten Mal in Szene. Ferner»ringt daS Repertoire dieser Woche außer der Wiederholung der Novität noch Aufführungen von„Nathan der Weise" und„Anli�o t". Projekttrtes Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 28. März bi» 4. April 1886. I m Opernhause. Sonntag, den 28.: Die Walküre(vo letztes Auftreten deS Herrn Ntemann); Montag, den 29.: Die lustigen Weiber von Windsor; Dienstag, den 30.: Satanella(letztes Austreten des Fräul. del' Era); Mittwoch, den 31.; Der Prophet(Herr Nie- mann als letztes Austreten); Donne stag, den 1. April: Der Trompeter von Säkkmqen; Freitag, den 2.: Siegfried; Sonnabend, den 3.: DaS goldene Kreuz, Wiener Walzer; Sonntag: dm 4: Don Juan.— Im Schauspielhaust. Sonntag, den 28.: Durch's Ohr, Castor und Pollux; Montag, den 29.: Die Geyer- Wally; Dienstag, den 30.: Die Journalisten; Mittwoch, den 31: Nnäß; Donnerstag, den 1. April unbestimmt; Freitag, den 2: Jphiaenia(He�r Sauer ali Gast); Sonnabend, den 3.: Titti; Sonntag, den 4.: Wallen stein 3 Lager. Die P ccolomini. Die interessante Reise durch Spanien im Kaiser- Panorama, Paffage, erregt solch vlelseitige Bewunderung, daß dieselbe auch noch in dieser Woche ausgestellt bleibt. Nedm derselben ist der erste Zyklus Schottland ausgestellt. Gefundene Erbin. Hamburg, 25. März. Von Et. Franztsko auS wurde die Erdin des dort verstorbenen Henry Robinson durch den hiefigm Magistrat qeluch'. Es ist nun- mehr gelungen, die Ecdtn, und zwar die Muster de« V rstor» denen, die hochbetagt in ärmlichen Vcrhältnrffen bei Quickdo-n leht, aufzufinden. Der Tistator dessen eioentltcher Name Kraft war, halte in Amerika dm Namen Rob nson angenommen. und hat, wenn auch die Angaben, welche über diele Erbschaft verbreitet waren, stch als sehr übertrieben herausgestellt haben, doch immerhin eine Summe hinterlassen, die den LebmSadend der alten Frau freundlicher gestalten wird. Ei« Schwindler im Kloster. Man berichtet auS Salzburg, 23. d.: Seit längerer Zeit hielt stch eine sehr distingui t aussehende Persönlichkeit im hi'fizm Mülln-Kloster auf, welche dem Prior desselben die Verleihung eines päpstlichen OrdenS in nahe Ausficht stellte, wofür der Prior den Bettag von 200 fl. alS Petcrspfennig in die Hände des vermeintlich päpst. lichen Abgesandten erlegt haben soll. Bri der anläßlich der Ueberreichuna des DiplomS veranstalteten Festtafel hielt der Hochstapler eine lange, schwungvolle lateinische Rede, wodurch die Anwesenden in ihrer Täuschung nur noch mehr bestärkt wurden. Heute wurde nun daS Ganze, nachdem sich der Hoch. stapler auS dem Staube gemacht hat, als Schwindel entdeckt. schichte nicht, daß ein Entwurf in der Kommisston nicht gründlich durchbcrathen wurde. Nock schlimmer wäre doch sofortige Ablehnung im Plenum ohne Kommisfionsderathung gewesen. Die prinzipielle Gegnerschaft der Majorität stand ja fest; wozu also lange KommisfionSderaihungm zur Prüfung deS Bedürfnisses, etwa auch des Bedürfntffes der einzelnen FamilienhauShalte?(Heiterkeit.) Das Bedürfniß der Einzel- staalen kann eine Kommisston überhaupt nicht übersehen. Wer hat s. Z voraussehen können, daß wir in Kurzem solche Mehr- ausgaben für Hamburg, für die Dampfersubvmtion, für den Nord Ostsee Kanal haben würden? DaS kann doch auch keine F.eundschaft für Moropole erzeugen, daß wir feMellm, wie viel Geld wir brauchen. Vortheil kann also aus weiteren Kommilstonsderatburgen nicht erwachsm. Wie machen«S denn die Regierungen? Hat vielleicht der Reichskanzler einmal mit dem Bundesrath berathen, wie hoch die Diäten sein sollen, die er uns nicht bezahlen will?(Heiterkeit.) Oder werden die verbündeten Regierungen, welche die Berufung in Straf. fachen verwerfen, wochen oder monatelang untersuchen, ob die BerufungSkammern bei den Strafsenaten, oder ob fie bei den Landgerichten sein sollen? WaS dem Einen recht, ist dem Anderen billig. Wir können doch nicht auch die ganz tobten Projekte noch einer besonderen Beirachtung unterziehen. Sollen wir die Industrie wiederum dadurch beunruhigen, daß wir dies Projekt abermals der Kommisston überweisen? Handel und Wandel würde dadurch aufs Schwerste geschädigt. Diese Gefahr zu laufen, können wir nicht riSkiren gegenüber der Bevölkerung, die zum Nutzen und Frommen deS Reichs diesen Erwerb treibt.(Beifall links.) Hierauf wird die Diikulfion geschloffen. ES folgt eine Reihe persönlicher Bemerkungen. In namentlicher Abstimmung wird hierauf der Antrag v. Kardorff mit 181 gegen 66 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmen nur die Reichspartei, die Deutschkonservativen und von den Nationalltberaien die Abgg. Leemann, v. Lenz, Veiel, Brünings und Fischer. Die§§ 1 und 2 werden darauf in namentlicher Abstim« mung mit 181 gegen 3 Stimmen abgelehnt; 37 Abgeordnete enthalten fich der der Abstimmung. Mit„Ja" stimmen nur drei Mitglieder der Reichspartei; v. Wöllwarth, Delbrück und von Goldfui. Mit„Nein" stimmen u. A. die konservativen Abgg. Graf Echlieffen und Graf Holstein. Die Übrigen Paragraphen deS Entwurfs werden ohne weitere Debatte mit derselben Mehrheit verworfen. Es folgt die Berathung der Petitionen. Referent v. H e r t l i n a konstatirt, daß eine private Auf- stellung, die er gemacht, ergebe, daß mit Bezug auf daS Brannt- weinmonopol im Ganzen 10 387 Petitionen eingegangen find. Davon waren 42 Petitionen für daS Monopol oder für be- sondere Abänderungen deffelden. 678 sprechen fich gegen das Monopol aus und befürworten zugleich eine andcrweite Eni sckädigung. 281 wenden fich gleichfalls gegen das Monopol, erklären fich aber zugleich mit einer Erhöhung der Branntwein- steuer einverstanden. 52 Petitionen find gleichfalls gegen daS Monopol gerichtet, find aber eventuell nach vorher erfolgter Enquete mit einer Erhöhung der Branntweinsteuer einver- standen. 321 Petitionen erklären fich gegen das Monopol, treten aber zugleich für eine Reform der Branntweinsteuer ein. Abg. Gamp hebt hervor, daß die Petitionen nur alS ein Rohmaterial angesehen werden können. und zwar alS ein sehr oberflächliches. Ein von ihm in der Kommisston gestillter Anttag, auf eine nähere Prüfung der Petttionen einzugehen, sei abgelehnt worden.(Abg. Richter: Verschleppung!) In der Petttion der Herren ten Doornkaat- Koolman u. Sohn wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Vorlage dem Reichs- tage noch zugehen soll. Die gleiche Bemerkung findet fich in einer dem Reichstage unterm 27. Januar d. I. zugegange- nen Petition.(Ruf links: Die Vorlage an den Bundes- rath war ja schon bekannt!) Um so mehr müffen die Pe- titionen sachverständiger Männer, Kleinbauern und Landwtrthe ins Gewicht fallen, die fich für daS Monopol aussprechen. Unter denselben findet fich sogar ein früherer Freisinniger LandlagSabgeordneter, Herr Seydel(Chelchen). Wenn Sie die Petitionen wägen und nicht zählen, so werden Sie zu einkm anderen Resultate kommen. In den Petitionen, die stch gegen das Monopol aussprechen, werden Sie kau« einen gebildeten Mann finden. Voran steht der Gast- wtrth, dann folgen Leute, die mit ihm zusammenhängen.(Ruf links: DaS ist sebr interessant!) kein einziger gehört den gebildeten Klassen an. Eine Petition eineS fränkischen Volts Vereins ist unter- zeichnet mit dem Namen Kohl, hörnen— ornen, ich unterlasse es, einen Schluß zu ziehen auf den Inhalt der Petition.(Rufe: Au! Heiterkeit.) Abg. Rickert: Der Vorredner hat seine Nieder- läge in der Kommisston, wo er wegm unrichtig geführter Protokolle sein Amt als Schriftführer niederlegte, dadurch decken wollen, daß er unS ebenso lange aufhielt wie in der Kommission. Ich finde es begreiflich, daß der Flnanzminister das Bedürfniß gefühlt hat, dieselbe Rede, die Herr Gamp in der Kommission gehaltm, hier in ein paar Worten zu wiederholen. Wir sollen eine Scheu haben, diese Petitionen einer Sichtung zu unterwerfen? Die Herren wollten ja nur einen Haken haben, an den fie eine neue Branntweinsteuer kr.üp'en konnten.(Ruf rechts: Kriegen wir so wie so!) Aberdie große Mehrheit deS Volks will von dem Brannt« weinmonopol ebenso wenig etwas wissen, wie von allen übrigen Monopolen. Diese Mehrheit hat durch die Petitionen gesprochen. Gegen keine Vorlage, auch nicht gegen dos Tabaksmonopol, find soviel Petitionen eingegangen. Mit der Petition aus Frank- surt, von der der Ftnanzminister sprach, scheint fich ein Freund d-S Monopols einen Witz gemacht zu haben, um die ganze Bewegung zu diSkreditiren. Rührt fie vielleicht von einem gebildeten Mann, einem Geheimrath oder waS weiß ich, her? Das Gewicht der übrigen Petilionen wird dadurch nicht adge- schwächt. Fmanzminister v. Scholz: Der Abg. Rickert hat wahr- scheinlich nichr gehört, waS ich über die Art und Weise, wie die betreffende Petitton in die Hände der Regierung ge- kommen ist, mitgethellt habe. Er sagte, eS würde vielleicht ein Geheimrath gewesen sein, der kauf diese Weise für die Sache habe wirken wollen. ES ist geradezu unerhört, den Thatsachen gegenüber solche Unterstellungen zu machen.(Sehr wahr I rechts. Ruf von links: Warum denn nicht? Heiter- keit.) Die Petition hat in einem Lokal in Frankfurt ausgelegen und ist von der Polizei mit Beschlag be- legt worden, weil die Angabe deS Druckers und Herausgebers fehlte. Damit könnte ich denn auch bitten, diesen Gegenstand nun endlich fallen zu lassen.(Abg. Rickert ruft:„O nein, noch nicht!" Große Heiterkeit. Beifall rechlS.) Abg. K r ö d e r: Der Abgeordnete Gamp hat, als Unterzeichner der Petition deS fränkischen VolksoereinS einen Namen Kohl verlesen und danach auch die ganze Petition einen Kohl genannt. Es handelt stch um unseren früheren Kollegen für Würzburg, Herrn Kohl, er versteht von der Sache ebensoviel, wie der Abg. Gamp und die 3700 Unterschreibet der Petition find Anhänger der deutschen Volks- partei und ihre Unterschriften ebensoviel werth, als die der Freunde deS Herrn Gamp, welche in ihrem Interesse für daS Monopol eingetreten find. Als ich einmal gewisse Petitionen über den Holz, oll mit Recht eine Mache genannt habe, wie fielen da die Herren v. Köller und Genossen über mich her! Ich oerlange gleiches Recht für Alle: wai dem Einen Recht ist, ist dem Andern billig.(Beifall links) Abg. D i r i ch l e t: Der Abg. Rickert hat dem Finanz- minister gern die Petition überlassen wollen; er hat fich durch« auS nicht zu deren Vertheidigung Herbeigelaffen. Glaubt der Finanzminister wirklich, daß die Leute, die in unserem Parteiinteresse gegen das Monopol arbeiten, derartig fingirte Namen unterschreiben würden? Die Debatte wird geschlossen. Nach einigen persönlichen Bemerkungen vertagt stch daS Haus um 5'/« Uhr bi» Montag 1 Uhr.(Petitionen, Äenderung des EervistarifS, Novelle zur Gewerbeordnung, de« treffend JnnungSverbände, Rechnungsvorlagen, Ergänzung des § 809 der Zivilprozeßordnung. Kommunales. Die städtische« Fortbildungsschule« beginnen daS be- vorstehende Sommersemester am Sonntag, den 4. Avril er. Der Unterricht ist in folgenden Fächern unentgeltlich: Deutsch, Rechnen, einfache Buchführung, Geometrie, Physik und allge« meines Zeichnen. Für folgende Fächer ist Schulgeld zu be« zahlen: Für Modelliren halbjährlich 1 M., für doppelte Buch« fübrung und für zweistündige Kurse im Fachzeichnen halbjährlich 2 M., für Französisch und Englisch und für die vierstündigen Kurse im Fachzeichnen halbjährlich 4 M. Diese Beiträge können auch in Theilzahlungen und zwar in den ersten vier Monaten deS Halbjahres mit je 1 M. entrichtet werden. Meldungen nehmen die Herren Rekiorm an. w. Zum Bau der Moltkebrücke. An dem vom Magistrat aufgestellten Projekt zum Neubau der Moltke-Brücke fordert daS Polizeiprästvium die Abänderung, daß daS Mitteljoch der Brücke eine lichte Weite von 17 Meter erhält, während jetzt nur eine solche von 16 Meter vorgesehen ist. Begründet wird diese Forderung dadurch, daß es nothwendig erscheint, daS Mttteljoch so weit herzustellen, daß zwei große sich etwa be- gegnende Elbkähne fich unter der Brücke kreuzen können; dieS sei um so nöthiger, alS die Nebenjoche so schmal seien, daß größere Fahrzeuge dieselben überhaupt nicht paistren können. Handwerkerschute. Anmeldungen von Theilnehmern zum Unterricht für das am 1. April beginnende Sommerhalbjahr werden vom Direktor der Schule, Herrn Jessen, Kurftraße 52, in der Zeit vom 25. bis 31. März, an den Wochentagen von 6 biS 8 Uhr AbendS entgegengenommen. Die Lehrfächer find folgende: Freihandzeichnen, Zirkelzeichnen, darstellende Gro- metrie; kunstgewerbliche Formlehre; Fachzeichnen für Tischler» Drechsler, Klempner, Schloffer, Maschinenbauer, Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, Goldschmiede, Graveure, Maurer, Zimmerer, Eteinmetze, Bildhauer, Maler, Tapezirer und Lithographen; Modelliren' dekoratives Malen; Algebra, Geometrie, Trigo- metrie; Phystk, Mechanik; Rechnen und Buchführung. Für Mechaniker desteht eine TageSklasse. Kokales. Ueber die diesjährige Lohnbewegung in der Reichs- Hauptstadt werden in auswärtigen Blättern ganz eigenthümliche Nachrichten verbreitet. Dieselben haben offenbar den Zweck, die Agitation in den verschiedenen Gewerkschaften zu diskr editiren und alle Schuld an etwaigen Streiks den Arbeitern allein in die Schuhe zu schieben. So lesen wir in einer Berliner Korrespondenz der„BreSlauer Ztg." vom 24. d. MtS. beispielsweise über Srreikausfichten bei den Maurern:„Der Fachveretn der Maurer ist kräftig erstarkt und zählt ca. 3000 Mitglieder- Ob es zu einem Maurerstreil kommen wird, ist immer noch ungewiß; Geneigtheit zum Unterhandeln ist auf beiden Seiten vorhanden und eine ganze Anzahl von Meistern möchte auf jeden Fall einen Streik vermieden sehen." Wir hatten, wie unsere Leser wissen, kürzlich Gelegenheit genommen, unsere Anfichten über die bisherige Haltung namentlich der JnnungS- meister im Baugewerbe kurz und bündig auszusprechen. Selbst« redend liegt den Meistern daran, daß der Streik vermieden wird, eS handelt sich eben nur um die Bedingungen. Der Gesellenschast wird ebensowenig an einem Streik liegen, wie den Meistern, und wenn fie stch zudem schweren Schritt entschlirßen, so treibt fie eben die krasse Roth zum Aeußersten. In manchen Kreise» scheint man überhaupt anzunehmen, daß die Gesellen nur zuw Spaß die Arbeit niederlegten, daß«S fich höchstens darum handle, die Meister zu chikaniren und in Verlegenheit zu setzen- Das beste Mittel, den Streik zu vermeiden, ist daS, daß d!e Ardeitgeber auf die durchaus erfüllbaren Forderungen der Ge« sellen eingehen. Wenn die Mehrzahl der Meister dieser An- ficht huldigt, so ist überhaupt nicht einzusehen, weShalb gestreikt werden soll. Wenn die Majorität die Forderungen bewilligt, wird fich die Minorität fügen müffen oder den Schaden tragen- Wozu also die vielen Redereien? Ein großer Theil derjenige« Leute, welche am meiste« berufe« find» über Recht und Gerechtigkeit zu wachen, lassen fich in letzter Zeit auffallend viel Sachen zu schulden kommen, die sonst nur gewöhnlichen Sterblichen eigen« thümlich find. Die Anwaltskreise der Reichshauptstadt nämliw kommen auS der Aufregung über allerlei unangenehme Vor« kommnisse nicht heraus. Jetzt ist zu den bedauerlichen Vor« gängen, welche die Anwaltskammer in letzter Zeit beschäftigten, ein neuer arger Fall von ernsterem Charakter hinzugetreten- Rechtsanwatt Klünicke, Königstr. 20, hat fich seit den ersten Tagen dieses Monats aus Berlin entfernt. Er halte fich o£,r Kurzem mit einem jüngeren Kollegen, Herrn Meißner, assozil» — er selbst ist schon seit dem Jahre 1879 Rechtsanwalt und wollte seinem Amtsgenossen vom 1. April die gesarmm-- nicht unbedeutende Praxis überlassen. Als Grund dafür gab Rechtsanwalt Glünicke an, daß er in die Dienste einer Priva> gesellschast zu treten beabstchtige. Vor Ausführung di.st» Planes, so eröffnete er seinem Kollegen, habe er aber noch Reise zu machen, theilS zur Wiederherstellung seiner angt« griffenen Gesundheit, theilS zur Regelung von PrivatgeschäsicM da er mehrfacher Grundbefitzer sei. Nach seiner Rückkehr vo» der Reise wolle er dann sein Gesuch um Entlassung aus dem Anwattsstande einreichen und Herrn Meißner seine Gesamms proxiS übergeben. Bald nach Herrn Glünicke'S Abreise maesi* Rechtsanwalt Meißner die Wahrnehmung, daß die Vermögen» Verhältnisse seines Kollegen, der sich für wohlhabend auSgi geben hatte, fich in großer Unordnung befänden, und daß ver selbe an den verschiedensten Stellen sehr hohe Beträge aufge« borgt habe. Eine an Glünicke's vorgebliche Adresse in Hamburg gerichtete Depesche kam als unbestellbar zurück; es wurde no» die weitere Thatsache bekannt, daß Rechtsanwalt Glünicke(«0» vor seiner Abreise seine Entlassung aus dem Anwaltsstano» deantragt hatte. Unter den zahlreichen Gläubigern des Rech*» anwaltS Glünicke erregt dessen unerklärliches Verschwinden gr- rechtfertigte Bestürzung.— Mit anderen Worten: dieser v-" war ein ganz gewöhnlicher Durchgänger. y, Die sogenannte« öffentlichen Schulprüfungen, gegenwärtig in den verschiedenen UnterrichtSanstalten unier Stadt abgehalten werden, führen ihren Namen eigentlich l-p. zu Unrecht, dcnn von einer„Prüfung" der Schüler kann vo füglich nicht die Rede sein, wenn ein Lehrer während ein Zeitraumes von 20 bis 30 Minuten an einzelne Schüler o einer Schaar von 30 bis 50 derselben einige Fragen rud'r' ein solches Verfahren reicht nicht einmal aus, um sich«in theil über das Gesammtwiffen einer einzelnen Scbulklaffc. dilven, noch viel weniger ermöglicht es ein Urthell über � Kenntnisse der einzelnen Schüler, denn die weniger», unter o ungewohnten Eindrucke der Oeffentlichkett zufällig richtig« unrichtig beantworteten Fragen reichen zu solchem Urtheu' auS. Den Nutzen dieser sogenannten Prüfungen mochten � aber in einem anderen Moment finden, nämlich in der lichkeit derselben. Unter den heutigen Verhältnissen fMc � unserem gesammten Verwaltungs- und Verlehrsleoen � Oeffentlichkeit und Mündlichkeit deS Verfahren» eine°i°° same Rolle, und da ist eS jedenfalls kein Fehler, wenn i der Schüler daran gewöhnt wird, das Gefühl der Beta � heit und die Scheu vor der Oeffentlichkeit zu üderwinve ihm später sehr zu seinem Nachtheil hindern können, zur nmg seines Rechtes öffentlich aufzutreten. heint unS�eher eine Vermehrung" _------------- AuS diesem Grunde scheint unS eher eine Vermehrung alS eine Verminderung der Zadl der öffentlichen Prüfungen röchig. Dabei könnten dann freilich die allzu sorgfältigen Vorbereitungen, wie z. B. daS wohlüberlegte Durcdeinandermischen fleißiger und fauler Schüler u. dal. fortbleiben; daS Vorführen einzelner Klaffen mit einer bestimmten Rangordnung der Schüler wird mit Recht auch von Pädagogen bekämpft. Während der kurzen Zeit der Prüfung können die Schüler sehr wohl als zwang« lose Gruppe dastehen, wodurch immer einige von dem vein« lichen Gefühl defreit bleiben, die Untersten zu sein; diese Form ist der künstlichen Gruppirung jedenfalls vorzuziehen, denn diese, wie manches Andere bei unseren öffentlichen Prüfungen ist, um mit einem Worte Fritz Reuter'S zu reden,„ok man Ozen verbltne'n." Um recht unangenehmen und folgenschweren Ver wechselungen vorzubeugen, machen wir im Jntereffe der- jenigen unserer Leser, welche den bevorstehenden Frühjahrs jtontrol> Versammlungen zu Berlin beizuwohnen baden, an dieser Stelle noch einmal besonders darauf au'merksam, daß der Landwehrbezirk Berlin l die Reservisten und Wehrmänner deS GardekorpS und sämmtlicher„Spezial Waffengattungen" (Artillerie, Kavallerie, Pioniere, Train ac) umfaßt, während die in Berlin kontrolirten Mannschaften der Provinzial Jnfan- terte zum Landwehrbezirk ll gehören. Ort und Zeit find nach den erlaffenenen Bekanntmachungen, sofern auf diese TheUung geachtet wird, nicht zu verfehlen. Besondere auf den Namen lautende Gestellungsbefehle werden bekanntlich nicht mehr er- lassen. Ferner machen wir in Bezug auf die Anfangs und Mitte April stattfindenden Musterungen darauf aufmerksam, daß, sofern häusliche oder andere Verhältnisse die Zurückstellung oder gänzliche Befreiung eines Militärpflichtigen vom Militär- dienst nothwendig machen, diese vor. dem Militärpflichtigen oder dessen Angehörigen noch vor dem Musterungitermtn nach- zusuchrn ist. Nach diesem Termin angebrachte Reklamationen werden nur dann zugelassen, wenn die Veranlassung zu den selben erst nack dem MusterungStermtn entstanden ist. In der Jhrtng» Mahlow'sche« Angelegeuheit haben nunmehr die Rechtsanwälte Freudenthal und ReichStagSabae- ordneter Munckel gegen den an den Abg. Singer erlassenen Be- scheid des Ersten Staatsanwalts Angern einen Antrag an die königl. OberstaatSanwaltschast gerichtet, die hicfige Staats- anwaltschaft im AufstchtSwege anzuweisen, gegen den Kriminalschutzmann Jhring wegen Majestärtbeleidigung strafrechtlich ein- schreiten. Die Verfolgung wegen Verbrechens gegen daS Dynamitgesetz ist nicht verlangt. In der Beschwerdeschrist find die Gründe des Ersten Staatsanwalts für sein Nichteinschreiten als unerheblich und als unmtreffend bezeichnet; denn nach§ 7 des VereinSgesetzeS dürfen Polizeibeamte in den zu überwachen» den Versammlungen nur in Uniform oder mit einem kenntlichen Abzeichen versehen erscheinen. ES sei daher von der Polizei- behörde ungesrtzlich gewesen, ihren Beamten Jhring in Zivilkleidung in die Versammlungen deS Ardeiter-BeztrkSvercinS des Ostens abzuordnen, und wenn I bring einen ungesetzlichen Befehl ausführte, so habe er daS Gegentheil von dem be- wiesen, waS ihm seine vorgesetzte Behörde bescheinigt, nämlich seine Unzuverläsfigkeit als Beamter. Denn eS sei notorisch, daß Polizeioigilanten, um recht viel herauszubekommen und den Auszuhorchenden Vertrauen einzuflößen, fich den Anschein geben, zu den zu erforschenden Handlungen besonders befähigt zu sein. AuS diesem Grunde seien dem Beschuldigten die »hm imputirten die Majestät beleidigenden Aeußerungen erst recht zuzutrauen, und eS sei nicht das Mindeste gegen die Glaubwürdigkeit deS Christensen erbracht. Dessen Bekundung sei vielmehr um so einwandtfreier. alS fle vom Tischler Berndt unterstützt werde.— In den Kreisen der Abgeordneten wird dem Ausgang dieser Sache mit großer Spannung entgegen» gesehen. , Etwa» grob zu werde«, verstehen wir Berliner unter Umständen auch. ES gehört zum menschlichen Leben, und man weiß, daß eS häufig selbst unter guten Freunden nicht ganz ohne„Anranzer" abgebt. WaS find wir„schneidigen" Ber» liner aber gegen den„berühmten" bayrischen Doktor Sigl, die reinen Waisenknaben! Man höre nur einmal, wie der seine guten Freunde abfertigt. Die neueste Nummer des„Bayr. Vaterland" bringt folgende form» und stilvollendete Leistung; »Das Regentdurger Morgenblalt ist, wie wiederholt bemerkt und wie männiglich fich überzeugen kann, nach der„Amderger Volks,«g." daS verlogenste, wie daS»Straub. Tagbl." das dümmste Blatt des Königreichs ist; im Wetlkampfe um die Valme der Gemeinheit und Unehrlichkeit wären wir indeß in Verlegenheit, welchem Blatte.dieseS„patriotischen" Trifoliums dieselbe zuzuerkennen wäre; denn alle drei erheben die gleichen Ansprüche darauf. In neuester Zeit ist eS insbesondere Herr Dr. Ratzinger, an dem daS RegenSburaer Nilpferd fich zu reiben liebt, weil Dr. Ratzinger an den„Patrioten" nicht AlleS so schön findet wie besagte? Nilpferd oder ihr„patriotischer" Münchener Futtermeister. Da wühlt daS Nilpferd mit behag» uchem Grunzen in seinem gewohnten Element der Lüge und Verleumdung herum, um, die dicke krustige Haut an dem Gegner wetzend, möglich viel davon ihm anzuhängen." Aller- hanv Achtung! Soweit hat man es in Berlin doch noch nicht gebracht. Alter Weiberglaube bat wieder einmal ein junges Menschenleben dahingerafft. Ein Charlottenburger Arzt wurde kürzlich zu einer Bauersfrau gerufen, deren Kind leicht an Diphther.tii erkrankt war. Der Arzt verschrieb etwas und er- kündigte fich am andern Tage nach dem Patienten. Er fand bo* Kind sterbend mit allen Anzeichen einer Vergiftung. Seine eindringlichen Fragen, waS vorgegangen sei, waS daS Kind Senoffen habe, brachten nach langem Ausreden der Frau fol» Senden Bericht zu Tage: Eine Nachbarin, die fich sehr auf d»S Kuriren verstehen sollte, hatte der Mutter deS kranken «indes den Rath gegeben, demselben doch„Myrthenthee" zu "inken zu geben, daS heißt einen kochenden Aufguß auf ihren Z" der Mutter— Brautkranz. Der Rath war befolgt worden. Die Nachforschung des ArzteS ergab, daß der Brautkranz nicht Ms frischen Myrthenzweigen, sondern auS gemachten grünen jplättern bestanden hatte. Alle Gegenmittel blieben erfolglos; das Kind starb binnen einer Stunde an Arsenikoergiftung. .. Vorgestern verunglückte der bei der Berlin-An- baltischen Eisenbahn angestellte Zugführer Puls auf der Strecke Großenhain. AlS der Personenzug, welchen P. führte, eben die Station verlassen wollte, glitt letzterer aus und gerieth so Unglücklich unter die Räder, daß ihm der Kopf vom Rumpf öksrennt wurde. Die Leiche des Verunglückten, der ver- deirathet war, ist gestern hier angelangt und wird heute vom Kirchhofe der Zwölf-Apostel- Gemeinde aus zur letzten Ruhe be- nattet werden. .„ An dem Vau de« ReichstagSgebäude» find die Ar- °,«ten. welche während deS Winters völlig geruht hotten, seit »v igen Tagen wieder aufgenommen. Der ausgedehnte �auplatz wird nunmehr von einem hohen Baugerüst uollftändig eingeschlossen, so daß daS Mauerwerk dahinter fast °«schwindet. ä nj!%' iä« ä'äää' »et den durch KabtuetSordre genehmigten Venen. itfUgen von Straße« im Norden von Berlm ist auch die Kdomstraße gmannt worden. Die mttgcthellte Benennung 'Mo schreibt man un». in ko fern falsch, al» die Straße nicht "a(f» der Familie Usedom, sondern nach der Insel Usedom be- Z?nnt worden ist, und daher, nach der Regel für geographische äsmä«, ttQfie gewählt worden..,,.. De« Morde« angeklagt,«and gestern der„Arbester J öt#nz Rodert Max Teudert aus Reinickendorf vor dem Schwur« d gericht deS Landgericht» II. Der Angeklagte hatte seine Ge liebte in einem Anfall von Eifersucht erstochen. Unsere Leser werden fich de» Vorfall» noch entsinnen. Die Verhandlung brachte neue Momente nicht zu Tage. Der Angeklagte wmde schließlich de» TodtschlagS für schuldig befunden und zu 15 Jahren Zuch'hau» und Ehrverlust verurtheilt. Polizet. Bericht. In der Nacht zum 26. d.M. vergiftete sich ein Mann in seiner Wohnung in der Prinzesstnnenstraße durch Blausäure. Die Leiche wurde nach dem Leichenschau- Hause gebracht,— Am 26. d. M. früh versuchte ein Mann in seiner Wohnung in der Friedenstraße, anscheinend auS Nahrungssorgen, fich mit einem Rafirmeffer den Hal« zu durch schneiden. Er wurde nach Anlegung eineS NothverdandeS mittelst Krankenwagens nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein 2 Jahre alter Knabe in der Zimmerstraße von einem Arbeitswaaen überfahren und auf der Stelle ge'ödtet.— Zu derselben Zeit wurde ein Handelsmann, al» er in vorschristS- widrig schneller Gangart die Thaerstraße entlang fuhr, beim Anfahren an einen dort haltenden Rollwagen vom Bock ge- schleudert und durch den Fall auf daS Steinpflaster bedeutend verletzt, so daß ein Nothverband angelegt werden mußte.— In der Nacht zum 27. d. M. stürzte sich ein obdachloser Mann in der Nähe des Hamburger Bahnhofs in den Humboldtshafen, wurde aber von einem Stadtnachtwächter herausgezogen und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht. Uereine mh Nersammwngen. th. Der ReichstaaSabgeorduete Heine sprach am 26. d. M. in Bötzow's Brauerei vor einer zahlreich besuchten Versammlung von Frauen und Männern über:„Die Stellung der Frau in Vergangenheit und Gegenwart und unsere Ziele auf diesem Gebiete." Der Vortragende stellte folgende These auf: Der BiloungSgrad eine» Volke« giebt fich zu erkennen durch die Behandlung der Frau, und begann nun eine Schil- derung der Stellung der Frau in verschiedenen Ländem. Während in den einen die Frau daS Lastthier, in anderen daS Kaufodjekt des ManneS war und noch ist, begann der Ge- danke einer Frauenwürde zuerst in der altgriechischen und römtschm Kulturperiode fich Bahn zu brechen und die edelsten und idealsten Frauengestalten find unS in Geschichte und Kunst auS dieser Zeit überliefert worden. Mit dem Verfall der Sitten verfiel auch die Würde der Frau und dieser Umstand ist die Ursache deS gänzlichen Verfalls jener Kulturvölker. Der mittelalterliche FrauenkultuS der Ritter und Minnesänger war mehr ein KultuS physischer Liebe al« edler Weiblichkeit. Die Frau soll aber nicht sein ein Spielzeug des ManneS, sondern eine Genosstn. eine Mitarbeiterin; die Frau soll trösten, auf richten, mildern, bessern und deglücken. Im Arbciterstande bietet fich in dieser Beziehung ein recht trübeS Bild. Mit oft 14 Jahren bereits genöthigt, fich selber zu erhalten, nicht selten auch daS etterliche HauS zu verlassen, wie ist es da möglich, daß fle die für die künstige Thätigkeit als HauSfrau erforderlichen praktischen Kenntnisse fich anzueignen vermöge? Pflicht deS Staates ist e», hier Abhilfe zu schaffen und dies kann sehr gut geschehen. Ich verweise in dieser Beziehung auf Belgien, äußerte der Vortragende, wo in vielen Schulen diesbezügliche Einrichtungen getroffen find. Ich halte es für wünschenswnth, nützlich und nothwendig, daß auch in unseren Schulen die Mädchen unterrichtet werden in der praktischen häuslichen Thätigkeit(kochen. nähen ac.) sowie in der Ge- sundheitSlehre. Dieser Gedanke ist keineswegs uto« pistisch, sondern unter den gegenwärtigen Verhält- nissen wohl am Platze, denn der Staat hat die Pflicht, für daS Wohl deS Volkes AlleS thun. Femer halte ich es nothwendig, daß den Frauen gleiche politische Rechte gegeben werden, weil in der Regel derjenige, der politisch machtlos, auch wirthschaft- lich rechtlos ist. DieS beweisen genugsam die Bestimmungen des allgemeinen LandrechtS. Der Gedanke, daß die Frau Mit- arbeiterin des ManneS ist und daß mit gleichen Pflichten auch gleiche Rechte verbunden sein müssen, ist am meisten in Ame- rika zur Geltung gekommen. Auch unter den heutigen Ver- hältniffen könnte die Frau schon heranaezogen werden zur Mit- arbeit am öffentlichen Leben auf dem Gebiete der Armenpflege. Mit dem Gedanken der natürlichen Gleichstellung von Frau und Mann ist auch zugleich der Gedanke der gesellschaftlichen Gleichstellung verbunden. Der gegenwartige Kampf um die wirthschaftliche Gleichstellung ist der Kampf um die materielle Besserstellung. mit dieser wird auch in geistiger Beziehung die große Masse deS Volkes geHoden werden. Wir wollen, daß der Mann soviel verdiene, daß er seine Frau erhalten kann, die Frau soll nicht die Konkurrentin deS ManneS auf dem Gebiete deS Erwerbes sein. Durch die materielle Besserstellung deS Volkes wird auch ein großer Uebelstand be- seittgt werden, die Ehelofigkeit, welche große Gefahren im Ge- folge hat, sowohl hervorgerufen durch Enthaltsamkeit, wie durch Ausschweifungen. An der Diskussion betheiligten fich die Vor- fitzende, Frau CantiuS, Frl. Berger, welche zunächst eine materielle Besserstellung, einen NormalarbeitStag, vor der Sonn« tagiruhe einen Minimallohn, sowie keine Streiks wünscht, Frl. Wabnitz, welche fich für Assoziationen aussprach, sowie Herr Michelsen. Die Ausführungen des Schirmfabrikanten Bergmann, welcher die publiztrten Resultate der veranstalteten Enquete ver beiden Arbeiterinnenvereine wenigstens bez. der Schirmnäherinnen für aus der Lust gegriffen erklärte und seinerseits Angaben machte über die Verdienste, welche die Schirmnäherinnen erzirlen, die jedoch, weil gar zu glänzend, von Niemandem geglaubt wurden, lenkten dre DrSkussion in ein anderes Fahrwasser und riefen lebhafte Debatten hervor. Schließlich wurde beschlossen, in der nächsten Woche eine Ver- sammlung der Schirmnäherinnen zur Untersuchung dieser An. gelegenheit einzuberufen. hfo. Line große Tapezirergehilfen-Versammlung zur Lohnbewegung fand am Donnerstag, den 25. d. M., Abends, in den überfüllten vereinigten Sälen der Gratweil'schen Bier- ballen in der Kommandantenstraße unter dem Vorfitze der Herren Sander und Staudinger statt. In derselben hrelt zu- nächst Herr ReichStagsabzeordneter Kräcker einen von der Ver- sammlung sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Ge- werkschaftSbewegung und die gewerkschaftlichen OrganisationS- bestrebungen der deutschen Arbeiter in den letzten fünfund- zwanzig Jahren. Der Redner betonte dabei ganz besonders die Nothwendigkeit der permanenten Zugehört., keit der Mehrzahl der Genoffen eines Gerne, 18 zu einer ständigen Organisation nach Art der deutschen Fachvereine, um stets schlagfertig und gerüstet dazustehen, jeden Augenblick im Stande und bereit, wenn immer die Umstände eS erfordern, der zeitweise uner- träglich werdenden Uebergriffe der im blinden Konkurrenz- kämpfe rückfichtSloS die ÄrbeiiSkraft ausnutzenden und be- drückenden industriellen oder gewerblichen Unternehmer fich zu erwehren und durch rechtzeitige Herdeifiihrung einer geeigneten Regulirung der Löhne und sonstigen Arbeitsbedingungen die gewohnheitsmäßige Lebenshaltung der Arbeiter auf einer ge- wissen, den Anforderungen der Menschenwürdigkeit noch einigermaßen entsprechenden Höhe zu halten, sowie die Ar- beiterklaffe vor der Gefahr völliger Entnervung und Ent- krästung und damit die gesammte detreffende Nation vor Entnervung und Untergang zu bewahren. Von einer Diskussion über den interessanten, anregenden Vortrag mußte mit Rückficht auf die zu erledigende anderweitige Tagesordnung abgesehen und sofort in den zweiten Punkt derselben:„Kom- misstonSbericht über die bis jetzt zur Kenntniß der Lohnkom- misston gelangten BewegungS-Resultate", eingetreten werden. AlS Referent hierüber theilte Herr Sander unter Anderem mit, daß, wie nunmehr feststehe, ein bettächtlicher Theil der besseren und bedeutendsten, aber auch eine nicht unerhebliche Anzahl der kleineren soliden Werkstatten die Gehilfenforderungen be«' willigten. Ueder da» neueste Verhalten der hiesigen Tapezirer- Innung berichtete Herr Staudinger als Korreferent, daß am Mittwoch Abend im Vereinshause, Niederwallstraße 11, eine von ca. 400 Meistern besuchte Versammlung stattgesunden» die man natürlich wieder ohne die bei anderen Vereinigungen be- kanntlich für unentbehrlich erachtete polizeiliche Ueberwachung abzuhalten in der Lage gewesen sei und der auch die verstärkte Gehilfen-Lohnkommisston auf ihr vorausgegangenes Ansuchen und darauf erfolgte Zustimmung deS JnnungSvorstandeS bei- wohnen sollte und— freilich nur sehr kurze Zeit und unter eigenthümlichen Umständen und Gefährnissen— beigewohnt habe. Nachdem nämlich besagte G'hilfenkommissson erst volle anderthalb Stunden in den unteren Räumen deS VereinShauseS auf die Erlaubniß zum Eintritt in den eine Treppe höher ge- legenen VersammlungSsaal hätte harren müssen, während die Herren JnnungSmeister oben ihre Hauptverhandlungen„unter fich" und bei verschlossenen Thüren pflogen, sei es schon gleich nach dem Betreten deS Saales, anläßlich eineS an fich gänzlich zufälligen und bedeutungslosen UmstandeS, zwischen einem Theile der Versammlung und der Gehilfenkommisfion andererseits zu einem höchst widerwärtigen Rmkontre gekommen, welches den JnnungSmeisterdünkel und den„humanen",„arbeitersreundlichen",„demokratischen" Geist des modernen ZünftletthumS unserer JnnungS-Matadore im hellsten Lichte strahlen lasse. Ein Mitglied der Gehilfen-Kom» misfion, welche 10 Mann stark erschienen war, habe fich— hombile dicta!— beim Betreten der soeben in einer Pause begriffenen, also nicht verhandelnden Versammlung de» uner- hörten Versehens schuldig gemacht, den Hut aufzubehalten, wie dieS bekanntlich in hiesigen öffentlichen Versammlungen und in den meisten übrigen Großstädten nicht ander? gebrauchlich sei, und habe dadurch nicht wenig der hochedeln Herren Grimm erregt, wohl, weil fie fich in ihrer Meisterwürde verletzt gefühlt ünd dem betreffenden Kollegen ohnehin wegen seiner energischen Vertretung der Arbeiterinteressen gern einS am Zeuge flickten, „Hut ab r„Flegelhaftigkeit 1"„Haut ihn 1"„RauS! RauS!" habe eS von allen Seiten durch den Saal geschwirrt, worauf sofort ein bedenkliches Schieben und Drängen und Stoßen ge- folgt sei. Natürlich habe daS bisher„behütete" KommrsstonS- Mitglied der Gehllfenschaft eS nicht daran fehlen lassen, fich, nach- dem eS Platz genommen, in den gewünschten barhäuptigen Zustand zu versetzen, nur leider mit sehr geringem Erfolge, denn die betreffenden Herren Mitglieder der Innung hätten daS Schreien, Stoßen und Drängen beharrlich fortgesetzt und ei wäre ficherlich zu bedenklichen„Realinjurien" zwischen den GehUsen und Meistern gekommen— an einem vertraulichen„Meinungtaustausch etlicher Püffe" sei auch so kein Mangel gewesen, wenn nicht die betreffenden Gehilfen, die Mitglieder der Lohnkommisston in richtiger Er« faffung der Situation— zehn Mann gegen mehr als vterhun- dert!— fich thunlichst reservirt verhalten und schließlich auf Auffordnung eine? KommisflonSmitgliede» fich aus dem! Saale mit nicht geringer Mühe zu entfernen gesucht hätten, unter dem SiegeLgejohl der einer gewonnenen Schlacht fich freuenden In« nungShelden, welche dann glücklich wieder„unter fich" ihre arbeitersreundlichen Pläne ungestört weiter auszubrüten so glücklich gewesen wären. Aus der gepflogenen Diskusston der Gehilfen-Versammlung sei nur noch hervorgehoben, daß in der Werkstätte von Markiewicz, deren Inhaber nach kurzem Streik allen Gehilfen die Forderungen bewilligt hatte, auf Veran« lassung deS Werkführers Herrn Selle, ein Gehilfe Herr Allmer gemaßregelt refp. entlassen wurde, weil er fich geweigert hatte, fich zu der ihm zugemutheten Verbreitung falscher Angaben über die genannte Werkstätte in der Versammlung seiner Kol« legen, der Tapeziergehilfen, al» Werkzeug verwenden zu lassen. Alle streikenden Gehilfen, deren Gesammtzahl nebst den betreffm« den Werkstätten demnächst bekannt gemacht werden wird, haben fich, wie beschloffen und zur strengsten Darnachachtung em- pfählen wurde, täglich zwei Mal, einmal Vormittags und einmal Nachmittags, behufs genauer Kontrole bei der Lohn- kommisfion im Arbeitsnachweis der Gehilfen, Seydelstraße 16, bei Seidel, zu melden. Obfchon nicht ganz frei von einer einmal fich bemerkbar machenden persönlrchen Friktion zwischen zwei Mitgliedern der Gehilfenschaft, welche Differenz übrigens die herrschende Einiareit nicht trübte und trüben kann, legte auch diese Versammlung wieder ein günstiges Zeugniß ab von dem die große Mehrheit der Gehilfenschaft erfüllenden Geiste der Eintracht und Solidarität. * An die Wirkergesellen Berlin«! Seit zirka einem Jahre arbeiten die Meister der Strumpfwirker-Jnnuna an dem Zustandekommen einer Jnnungi-Krankenkasse für diejenigen männlichen und weiblichen Arbeiter, welche bei einem Innung»« meister in Arbeit stehen. Durch daS einmüthige Zusammen« gehen der Gesellen ist dieses Projekt bis jetzt gescheitert. In der am 18. Januar d. I. abgehaltenen Gesellen-Versammlung wurde einstimmig beschloffen, an der Versammlung der Meister, «***« IQ------- �' ««iv vvswuiw ui vki anciiieroeiiamtmung nur drei Gesellen erschienen. Am Dienstag, den 30. März, findet ebenfall» wieder eine Meister-Versammlung statt und find diesmal auch die minderjährigen Gesellen dazu eingeladen, um denselben daS genehmigte JnnungS-Kranlenkassen-Statut vorzulegen. Zu einer Vorbesprechung findet deshalb am Montag, den 29. März, Abends präzise 8 Uhr, Landwehrstr. 11 eine allgemeine Wirker- Gesellen-Versammlung statt, um daS Weitere in der Anae« legenheit zu bcrathen. Alle Diejenigen, welche fich gegen die Innung». Kranlenkaffe erklärt und unterschrieben haben, werden ersucht in dieser Versammlung zu erscheinen. * Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Schuhmacher am Montag, den 29. März, in„Sanssouci", Kottbuserstraße 4a. Tagesordnung: Der BefähigungSnach- weis. Referenten Herren Reichstagsabgeordneter Bock und Schuhmachermeister Mehner. Abgeordnete aller Parteien, spe- ziell die Abgg. Ackermann und Biehl, sowie die Obermeister Herren Beutel und Schuhmann find brieflich eingeladen. * Verein der Modelltischler. Montag Abend 8 Uhr Ackerstraße 63 Vortrag über:„Die Gewinnung und Zube« reitung des Roheisens. Gäste willkommen. * Zttherklub„Amphion". Jeden Montag Abend Uebungsstunde im„Kurfülstenkeller", Poststraße 5. * Fachverein der Tischler. Versammlung für den Norden Berlins am Montag, den 29. März, Abends 8'/, Uhr, Elisabethkirchstraße 6 bei Kilian. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Dr. Bahn über:„Darwinismus". 2. Ver« schiedeneS und Fragekasten. Ausgabe der statistischen Frage« bogen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste will« kommen. Die nächste Versammlung im Zentrum findet am Sonnabend, dm 3. April, in Jordan'S Salon» Neue Grün- straße 28, statt. * Fachverein der Posamentirer und Seidenknopf« macher. General. Versammlung am Montag, den 29. März, AbendS Punkt 3'/, Uhr, im Königstadt-Kastno, Holzmartt- und Aleranderstraßen-Ecke. T. O.: Neuwahl deS Gesammtvor- stände». * Große öffentliche Versammlung der Eteinträger Berlins unv Umgegend am Sonntag, den 28. März, Vormittags 10% Uhr, in Altermann'S Salon, Drnnewitzstraße 13. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu unserem diesjährigen Akkordpreis. 2. Diskuffion. 3. Verschiedenes. * Verein der Parquetbodenleger Berlin». Montag, den 29. März. Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Piep r, Mauerstr. 86, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vor« trag des Herrn Dr. Lütgenau. 2. DiSkusfion. 3. Verschtedeae» und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. * Oeffeutliche Versammlung der Album«, Karton« «ud Lurutpapier-Arbettertnue« Dienstag, den 30. d. M., Abends 8'/, Uhr, im KonzerthauS„Sanssouci", Kottbuser« straße 4a. Alle in Buchbindereien arbeitenden Frauen und Mädchen werden aufgefordert, zahlreich zu erscheinen. Männer haben Zutritt. Allaemeiue Stuhlarbeiter- Vereinigung. Montag, den 29. März, Abends 8 Uhr, Generalversammlung bei Hilde- brandt, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Die öffentliche Stuhl« arbeiter-Velsammlung vom 21. v.M. und die falschen Berichte einiger Zeitungen hierüber. 2. Stellungnahme zu der am 25., 26. und 27. April in Gera stattfindenden Generalversammlung des deutschen Manufaktur. Arbester» und Arbeiteiinnen-Vereins. 3. Verschiedenes. * Fachveretu der Schneider. Montag Abend Versamm- lung in Äratweil'S Bierhallen. Tagesordnung: 1. Bortrag deS Herrn Liefländer. 2. Besprechung über die Fachschule. 3. Ersatzwahl der Lohnkomisfion. Gäste find willkommen. * Große öffentliche Generalversammlung der Schloffer und BerufSgenoffen Berlin'S und Umgegend, Montag, den 29. März, Abend SV» Uhr, in dm Bürgersälen", Dresdener« straße 96. Tagesordnung: 1. Vortrag deS RetchStaaSabge- ordneten Herrn Grillenberger über:„Gewerkschaftliche Organisation." 2. DiSkusfion. 3. Ergänzungswahl der Kommission und der Revisoren. 4. Verschiedenes. * Freireligiöse Gemeinde. Heute Vormittag 10 Uhr, Sophienstraße 15, Juaendaufnahme(Konfirmation). Montag, Abends 8V, Uhr, Niederwallstraße 20, beschließende Versammlung. * Flugtauben-Klnb jeden Montag, Abends 9 Uhr, in Restaurant Preuß, Oranienstr. 51. * Männergesangverei«„Schneeglöckchen" jeden Montag Abend im Restamant Naunpnstraß« 78. * Verband der Möbelpolirer Berlins und Um« gegend. Montag, dm 29. März, Abends 8 Uhr bei Ackermann, Linimftraße 44(2. Eingang Lothringerstraße 81), Versammlung. Tageordnung: 1. Welche Lehre ziehen wir, speziell die Kollegen des Nordens, auS dem Streik in der Möbelfabrik von Pfaff. 2. Die Ursachen der Augenentzündung bei dm Polirern. 3. Verschiedenes. * Freie Vereinigung der Vergolder und Fachgmoffen. Versammlung am Dienstag, Admdi 8>/» Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstr. 77—79, im oberen Saal.(Siehe Inserat.) Kleine Mittheilnnge«. A«S Mecklenburg, 25. März. Auf der Insel Pöl waren vor einigen Tagen 70—80 Männer auf daS angetriebene Eis gegangen, um Aale zu stechen. Als fie mtttm in der Arbest waren, bemerkten einige von den Fischern, daß die Scholle, worauf fie fich defanden, in Bewegung war und seewärts trieb. Sie sahen auch bald, daß eS ohne Hilfe unmöglich war, wieder anS Land zu kommen. Ihre Hilferufe verhallten umsonst, endlich aber bemerkte doch der auf der Lootsmstation anwesende Oberlootse Vagi ihre gefährliche Lage und requirirte auS Timmendorf die weidliche Bevölkerung— die Männer waren alle auf dem Eise— und unter deS Lootsen einstchtiger Leitung gelang eS richtig, die treibende Eisscholle mit Böten zu er- reichm und die Männer zu retten. Et« HochzettSschwindler. Vor einigm Tagen ver- haftet« die Polizei in Paris einen jungen Mann NammS FrancoiS Cowel wegm falschen Spieles in einem Kaffeehause, und im Laufe von 24 Stunden meldeten fich nicht weniger als fiebenundzwanzig Dienstmädchen aller Kategorien, die sammt- lich behaupteten, der Verhastete sei ihr Bräutigam, den fie in kurzer Zeit heircthen sollen und dem fie bereit» ihre ganze Habe überantwortet hätten. Fetzt erst erfuhr man, welch wichtigm Fang man gemacht. Die Summen, vie Cowel her- auSgeschwindelt, betragen mehr alS 100000 FrkS. Unbeschreiblich ist der Jammer der Betrogenen, unter welchen fich Frauenzimmer befinden, die fast sechzig Jahre alt und doch in die Hände deS frechen Burschen all dasjenige legten, daS fie fest fast einem halben Jahrhundert mühsam zusammengespart. Cowel zählt 26 Jahre. Knefkaste« der Kedaktio«. W. v. G. Sie müssen dafür sorgen, daß die bei Ihnen beschäftigten Damen einer Krankenkaffe angehören, widrigen- falls Sie fich straffällig machen. Bei der Orts-Krankenkaffe haben Sie Va und die Versicherten V, der Beiträge zu zahlen. Bei den eingeschriebenen HllfSkaffen zahlen die Verficherten den ganzen Beilrag auS eigenen Mitteln. Wir würden Ihnen die Adresse der nächsten Aufnahmeftelle der HilfSkaffe mttge« theilt haben, doch haben Sie Ihre Adresse nicht angegeben. O. K. und Andere. Der Stadtverordnete Herr Hoffmann ll wohnt Landsbergerstraße 32. Wir bezweifeln indeß sehr, daß es demselben gelingen wird, Ihnen eine„Wohnung" zum Preise von 100 bis 120 M. nachweisen zu können.— Versuchen Sie eS indeß mit einer Anfrage bei dem Herrn. K. Köpnickerstr. Die Polizei-Verordnung, daß an Sonn« und Feiertagen die Schaufenster zu bestimmte Stunden ver- hängt oder geschloffen sein müffen, bezieht fich auf sämmtliche Gewerbe ohne Unterschied. L. R. Pückterstr. Wird verwendet werden. A. K. 2. Wegen Aufnahme in die Kasse wenden Sie fich an Frau Grothmann, Wolgafterstraße 3 in.— Auf Ihre zweite Frage können wir keine AuSkuft geben; fragen Ele beim Kgl. Polizei-Präfidium an. Theater. Sonntag, den 28. März. Overnhau». Die Walküre. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Schauspielhaus. Durchs Ohr. Zum Schluß: Castor und Pollax. Montag: Die Geicr-Walltj. Deutsche» Theater. Romeo und Julia. Montag: Das Käthchen von Heilbronn. Kalluer-Theater. Hasemann's Töchter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Refidenz« Theater Frau Doctor, Schwank in 3 Akten von P. Ferrier u. H. Bocage. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alliauee-Theater. Gastsprel des Herrn Felix Echweighofer: Sein Spezi. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WiihelmstiidtisqeS Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Theater. DaS lachende Berlin. HeitereS au» der Berliner Theateraeschichte mit Gesang und Tan, in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Eeutral-Theater. Der StadS- Trompeter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Viktoria. Theater. Meffalina. Montag: Dieselbe Vorstellung. LoutseustädttscheS Theater. Preciosa. Ostend, ictieater. Der Leiermann und sein Montag: Dieselbe Vorstellung. Amerteau« Theater. Große Spezialitäten« Theatme�der�ReichShalle«. Große vpezialt- Men-Vorstellung._ Alhambra-Theater. Wallnertbeaterstraße 15. Heute: Am Allerseelentag [851 oder Das Gebet auf dem Friedhof. Original. Volksschauspiel in 4 Alten nebst 1 Vorspiel Em gegebenes IDori von Heinrich Klaußmann. Vor der Vorstellung: Gr. Rodert der Hauskapelle. «afang de» Konzert» Wochentag« 7 Uhr, der Vor icUung 7»/« Uhr. Anfang de» Konzert» Sonntag« 6 Uhr» der Vorstellung 7'/, Uhr. Arn» haben Wochentag» Gilttgkeit und find im Theoterbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Kaiser-Panorama. Nur tßf diese Woche: Da» schottische Hochland. I. Abth. Eine Reise d. d. schöne Spanien. Hertha- Reise. Caro linen-Jnseln. Eine Reise 20 Pf. Kinder nm 10 Pf.__ Achtung! Achtung! Achte und neunte Auflage ist er- schienen: Wiener und Wienerin. 1149 Wiener u. Komp. Heute Abend großer Kuatsch im Eichkatzen- Keller, Holzmarststraße 44».[1167 Wandahtem mit Patent-Sohlagwerk, J welche» die Stunden repetirt und nie talfa, schlägt, selbst nicht, wenn die Zeiger zurückgestellt werden, empfiehlt[1070 Utax Busse, 157. Jnvalidenstraße 157, zwischen Brunnen- und Ackerstraße. Gute getragen- Herren- u. Knaben-Garderobe in großer Auswahl. Gute getr. Hosen v. 2 M. an. SD. Sommerfeld, Oranienstr. 199.[1171 Wegen Abreise Möbel- u. and. HauSger. zu verk. Sebastianstr. 51 Ii bei P a n a r». 1152 Volks- Versammlung am Dienstag, den 30. März, Abends 8 Uhr, in der Tonhalle, Fttedrich-Straße 112. Tagesordnung: Da» Arbeiterschutzgesetz im Reichstage. Referent: 1119 W. Liebknecht. Den Mitgliedern deS Ars.-St[.-Vtttm Süd-Ost zur Nachricht, daß morgen. Montag, Abend» 8 Uhr, in der„Urania", W.anael- straße 9 u. 10, ein 1168 Gemüthliches Seifammenfei« stattfindet. _ Recht reaes Erscheinen ist erwünscht._ Arbeiter-SeMsverein für de« Osten Lerlius. Dienstag, den 30. März, Abends 8'/, Uhr: Versammlung in Keller'« Kobal, Andreasstraße Nr. 21. Ta geSordnung: 1. Vortrag des Herrn Kischof: Elektrizität und deren Anwen- dung im praktischen Leben"(mit Experimenten)., Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Im Hinweis auf den intereffanten und lehrreichen Vortrag wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. 1161_ Der Vorstand. Verein der parquetbodevleger K« r 1 i««. Montag, den 29. März, AbendS 8 Uhr, in Pieper»'« Kalo«, Mauerstr. 86. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herm Dr. Lütgenau. 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragelasten. Gäste haben Zutritt.[1158 Der V or stand. Freie Vereinigung 1156 der Vergolder und Fachgenoffeu. Oeffentltche Mitglieder« Versammlung am Dienstag, den 30. d. M., Abend» 8'/, Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstr. 77/79(od. Saal). T. O.: 1. Bericht der Revisoren. 2. Vortrag d. Hm. OSk. Krohm üb. Zweck u. Ziele der Fach- vereine. 3. Wahl v. Nebenkasstrem. 4. Versch. Sämmtl. Vergold. s. hierz. eingel. Der Vorstand. Unterstützungsvereiu der Buch- binder%. neo Montag, den 29. d. Mt»., AbendS 8'/, Uhr, Versammlung in Feuerstein'S Salon, Alte Jalodstr. 75. T.>O.: 1. Vortrag 2. Verschied. Fachvereind. Schneider Versammlung Montag, den 29. Mär, ct., Abends 3'/, Uhr, « Gratweil'S Bierhallen,«omm-rndanteu- Straße 77/79(oberer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag des Herm Ml' helm Lrefländer über: Produktion und Konsum- tion. 2. Wie soll in Zukunft die Fachschule be- andelt werden? 3. VereinSan�elegenhetten. erschiedene». Gäste willkommen._[1164 Gr. Versammlung d. Verbandes deutscher Jimmerlente(Lobaloerband V-rlin C.) am Dienstag, den 30. März, AbendS 8 Uhr, 1159 Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1 Vortrag über da» Unfall- verficherungS-Gtietz. 2. Verschiedene». 3. Frage- laste.— NB, Die Mitglieder, welche noch mit ihren Beittägen im Rückstände find, werden er« sucht, dieselben zu zahlen.— Aufnahme neuer Mitglieder. Bettrag 10 Pf., Schreibgebühr 50 Pf. Der Lol»Ioorst. I. A.: Jul. Darge, KöSlinerst. 19. Die von Mitgliedern des Fachvereins der Schneider gegründete prodllktl»- n. RchftoffgcuollevlWt ber Slhneidcr zu Berlin(E. ö.) beehrt fich hiermit ganz ergebenst anzuzeigen, daß fie im Laufe dieser Woche ein Mr Zweites Geschäft im Hanse kothrwgerslraße 51(Ecke Wembergsweg) eröffnen wird. Durch die Güte und Preiswürdigkeit unserer Waare auf« Beste bisher eingeführt, ersuchen wir, auch in unserm neuen Untemehmen unS gütigst unterstütz-n zu wollen.[1153 Der Vorstand. Meine 997] Möbel- und Polster- Maaren- Fabrik befindet fich seht nur Jerusalemerftr. 65, nahe der Lindenstraße. Ctaorg Haahe, fmlm Granunjlr. KillWe Kezllgsqllclle für Gold-«od Sildtwooreil. Zu Fabrikpreisen empfiehlt Kreuze, Ringe, BoutonS, BrocheS mit Anhänger, Me« daillonS, Collier«, Herren- und Damenketten nach Gewicht, Chemisett- und Manchetteu- knöpfe, Granatschmuck, Eilberschmuck. Trauringe in Dukatengold und in Silber vergoldet stets vorräthtg. Werkstatt für neue Arbeiten und für Reparaturen, Gravirungen, Vergoldungen, Verstlberungm rc.[1063 Einkauf von Juwele«, Gold, Silber, Medaillen und Münze«. _ A. Oertel, Berlin SW., Liudenstraße 109. ||i in kürzester Zeit auS den gediegensten Stoffen, von ÄmmrWlck Alexandrlnenstrasse 46, Quergeb. I. Freunden und Bekannten empfehle meinen reichhaltigen FrLhstLch«ttsch(kalt und warm), kräftigen, guten Mittagstisch(Suppe, Gemüse, Braten) mit Bier oder Kaffee& Kouvert 60 Pf.(im Abonnem-nt 6 Marlen für 3 Marl). Speisen& la carte zu jeder Zeit. Jeden Abend Kartofielpnsfer, 4 20 Pf. Weiß- und Kairischbier, Seidel 10 Pf., Moselmei», 4 Gla» 20 Pf.. Apfelwein, 4 GlaS 10 Pf. 1129 Max Kreutz, Restaurant zur Versöhnung, _ Kottbuserplatz(Alte Finde).__ General-Verfammlnng d. Mitgl. d. Kau-«. Fabribarb.-Kranben- «. Keoräbnißbaffe(Eina. Hilfik.) zu Berlin am Sonntag, den 4. SipuL Vormittags 10'/, Uhr, in Kenz' Kalo«, Naunynstr. Nr. 27. Tagesordnung: Kassenbericht Verschiedenes. Da« QuittungSbuch legittmitt. Um zahl- reiche» Erscheinen ersucht[1145 Der Vorstand. Oeffentltche Versammlung der Aldum- und Luruspapier- «. Kartonagen-Arbeiterinnen Dienstag, den 30. März, Abends 3'/, Uhr. im Konzerthause Sanssouet, Kottbuserstr. 4». Alle in Buchbindereien arbeitenden Frauen und Mädchen wrrden im eigenen Interesse dringend aufgefordert, zu erscheinen.[1169 Männer haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Be- lieben. Johanne» Jagert, Lübbenerstr. 3. 1 St. neue Betten dill. z. verk. Waldemarstr. 67 41. Preuss. Leihhans, Aeuthstr. 14, Aktie««-s-llschaft. beleiht[1017 Waaren aller Art. Em Parreigenosse(nreosamei und 10- lider Kaufmann mit ta. Referenzen) wünscht bei mäßiger Anzahlung ein Zigarrengeschäft zu übernehmen. Gest. Offerten nimmt unter V.€>. 100 die Exped. des „Beel. VollSbl." entgegen._. Ein guteingeführtes Agentur- und Kom« misstonSgeschäft sucht noch einige Agenturen leistungsfähiger Häuser, gleichviel welcher BraN» chen. 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