N-. 75. Dienstag, den 30. Marz 188«. m. Jahrg. climerVMI«» Drgan für die Interessen der Arbeiter. iimmerstr. 44, ent- Abonnement»� EinWung. Zum bevorstehtnden VierteljahrSwtchsel erlaubm wir unS alle Arbeiter Berlins zum Abonnement auf das „Kerliner Uolksklatt" mit der Gratisbeilage „Illnstrirtes Ssnntagsblatt" einzuladen. �'„Aerkner Molkskratt" kostet für das aame Vierteljahr frei inS HauS 4 Mark, für dm Monat April 1 Marl 35 Pf., pro Woche Sä Pfg. Bestellungm werden von fämmtlichm sowie von der Expedition unseres Blattes, grgmgmommm. Für außerhalb nehmm alle Postanstalten AbonnemmtS für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegm. Tie Redaktion und Expedition de»„Berliner BolkSblatt" Der tiPsere(Pffijtrttofdjf, Wir könne» gewiß»ur in dm seltmstm Fällm unsere Ueberei»stimmu«g mit dem befunden, wa» Fürst». Bis- m a r ck thut und spricht; in politischen Dingm so ziemlich niemals. Wenn aber einmal der Fall vorkommt, daß wir völlig mit ihm einverstanden sind, so wollen wir dies auch rücksichtslos Ii. kennen. Bekanntlich stolpert man in unserer Zeit fast bei jedem Schritt über einen Moralprediger, sei er nun konservativ oder t.beral oder ultramonta«, der sich über zunehmmde Völlerei und Trunksucht beklagt. Bei dem Volke werdm da gewöhnlich die härtestm Ausdrücke gebraucht, bei den herrschmden Klassen wird die Sache viel harmloser gmom- wen. Sagte doch noch kürzlich ein hervorragender liberaler Kunstkritiker in der gewohnten Anmaßung seiner Klique, wen» Künstler sich im Trünke übernähmm, so sei die« nur„erhöhte Heiterkeit", was bei dem„gewöhn« lichm* Menschen Völlerei sei. Es ist solchm albernen Anschauungen gegenüber interessant, daß auch der Reichs- kanzler einmal seine Anschauung zum Besten gegebm hat, und zwar bei der Debatte über da» Braontwein-Movopol. Er sagte da wörtlich: „Der Trunk ist recht eigentlich— ich spreche immer «ur von de» Provinz», die ich kenne— in dm Städtm zu Hause, wird dort ausgebildet, wird mit Bier groß- gezogen und mdigt mit Branntwem. Er wird auch da mit viel mehr Nachficht behandelt. Ich habe einmal einm KeuMeLon° Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) So kam er«ach S..., begann seine juristische Karriere l»d ward zufolge seine« Namen« wie seiner Empfehlungen ncht nur bei Senator Wulfen« und dm Notabilstätm de» �bcrlavdeSgericht« vortrefflich aufgenommen, sondern auch in 'ie Zirkel der dortigen Kaufmann«- und Gelehrtm.Aristokratie ingeführt. Al» Student warm bisher seine Kommilitonen und Mathilde sein einziger Umgang gewesm. Außer der Trödler«- achter, der Fürstin seiner Zugendträume, hatte er kein ädere« Mädchm kmnen gelernt, wenigstens kein« einer Beachtung gewürdigt; der Salon und die grande parnre >er Oeffmtttchkeit, obwohl immer anziehend für ihn, warm hm in B. vollständig fremd geblieben. Nu» in S... that sich ihm diese Zauberwelt auf. Reichthum und modische Bildung, Kunst und Literatur, vie der Duft gesellschaftlichen LebmS«ahmm ihn in ihren veitm Schooß, und da er hübsch, Erbe eine» reichen Ranne« und talmtvoll war, sich leicht in alle Formen der Gesellschaft fügte, ja, spielend mit ihrm kleinen Laune» und kitelkeite» bekannt machte, ward er bald der AllerweltS« reund, ein kleiner Löwe, dm keine noble Soiree zu S.. vtbehrm konnte. Die Briefe, welche er an dm Vater ächtete, noch mehr diejenigen, welche Herr HmningS über einm Sohn au« S... empfing, gaben dm» alten Herrn «cht nur die Gewißheit, sei» Edmund sei doch ein ganzer «rl voll Kourtoifie wie er selber, werde von allen ge- achtet und flattirt, sondern auch, daß man mit ihm al« unger Rechtsgelehrter recht zufnedm sei. Die» war allerdings auch der Fall, dm» Edmund verwmdete nun allen Jkeijj auf seine Karriere, nicht, weil er fie liebte, sondern # ihr vorwärts kommm mußte, wollte er unabhängig wer- '(» und bei seiner Umgebung wirkliche Bedeutung ge- Offizierbursche» sage» gehört:„Ja, wen» e« de« Herren mal pasfirt, dann heißt eS: sie find heiter gewesen, und trifft es Unsereinen, dann heißt e«: das Schwein ist besoffen!(Heiterkeit.) So ungefähr ist die Beurtheilung zwischen Stadt und Land." Ohne uns dem anzuschließm, daß der Reichskanzler da« Land al« mäßiger erklärt, als die Städte, so ist sein Osfizierbursche für uns doch insofern werthvoll, al» man ihn dm un« so widerwärtige« Moralpredigern stet« mit Erfolg gegmüberstellen kann und insofern wollm wir gerne zugestehen, daß in diesem Falle und in diesem Sinne Worte, die der Reichskanzler spricht, auch für u»S einmal „golden" sei» könnm. Sie werden un« namentlich zu Statte« kommen im Kampfe gegen die konservative» Freunde de» Reichskanzler«, welche, wen» fie von der „Schnapspest" reden, den Arbeiter« gar nicht gmug Schmähungen an den Kopf werfe» können. Sie werde» wir künftig mit dem Offizierburschen de« Reichskanzlers in Da wir nicht auf Autoritäten angewiesen sind, so hätten wir auch ohne dm Osfizierbursche» de» Reichskanzlers gewußt, wie wir den Moralpredigern und Mucker» aller Art zu begegnen habe«. Da er aber nun einmal da ist, so wollen wir uns gerne mit ihm ins Einverständniß setzm. E« ist immer so gewesm, daß man dm herrschend» Klassen vachsah, wai man dem sogenannten gemeine« Volke als Haupt- und Urfehler, ja al« Verbrechen anrechnete. Es giebt gerne Menge alter Sprichwörter, die die« andeute», wir erinnern nur an das von den großen und klein» Dieben. Qaod licet Jon, non licet bovi,*) so drückte man sich lateinisch au». Zndessm ist die Anschauung vom„gemeinm Volk" heute schon eine veraltete. Sie existirt nur«och bei ein- r*-_?? r_ cvr..'n— cn— ±.___ c. t-i___ angefaulte und geistig verhältnißmäßig am weitestm zurück- gebliebene Schicht der Gesellschaft darstellt. Die Anschauung, daß wer an Besitz oder durch Geburt bevorzugt ist, auch al« Mensch hervorragend sei, daß aber wer nicht« hat, als Mmfch zur rnieera plebs, zur„gemeinen Masse" gehöre, ist historisch und praktisch überwundm, seidem die demo- kratischen Gedanke« der Neuzeit Gestalt und Umfang gewonnm haben. Die Anschauung von der„rnisera plebs" stammt au« dm Zeiten de» altrömische» Kaiserreichs und so wenig unser *) Wa« dem Jupiter gestattet ist, ist dem Ochsen nicht gestattet. Winnen. Ein Autkultator, fühlte er, war doch eine zu große Null unter dm viele« benannten Zahlm des öffent« lichm Lebm». HmningS senior war also über seinm Sohn unendlich mtzückt, sah gerade sein Lebm in de« feinm Zirkeln zu S... als das sicherste Mittel an, die Trödlerstochter aus seinem Herzen zu verbannen, und wußte e« Schätzlun ordentlich Dank, daß er ihn selbst auf die Idee gebracht hatte, Ed- umnd fortzuschicken. Die Briefe indeß, welche Edmund, treu seiner Liebe und seinem Versprechen, allmonatlich an Mithildm schickte, brachten, so sehr sie anfangs mtzückten, nach und nach eine immer schmerzlichere, peinlichere Wirkung hervor. Da sie wirklich der treue Spiegel seine» Lebm« waren, so machten diese Aufzählungen der Bälle, Matinee«, diese schwülstigen Beschreibungen interessanter Zttkel, hoher Kuastamüsse, luxuriöser Mahlzeiten, welche er durchflatterte, auf Ma- thilde« eine» erlahmenden Eindruck. Je mehr die Briefe de« Geliebten der alten Einfachheit entbehrt», desto mehr sah der jauchzmde Sinnenrausch au« ihnen hervor; je weniger sie dm altm herzlich» To», der so überzeugend wirkte, anschlugen, desto klarer sprach au« ihn» der Witz- bold, der Schöngeist, der Dammheld. Freilich war Alle» uvgezwungm, ausrichtig und mit alter Zärtlichkeit gesagt, Alles hatte Bezug auf Mathilden, und kein Brief kam ohne neue Schwüre und glühmde Seufzer, aber doch war es mcht mehr der alte, liebe, ursprünglich derbe Edmund, der zu ihr redete! Sie sah einen Schatten über ihre Liebe herauf- schwer und unglücksvoll, sah dm Theure« im tiefm itrudel einer ander» Welt, für welche die Trödlerstochter nicht paßte, versinken und ahnte, daß sich ihre« Vater» schlechte Meinung von Edmund rechtfertigen, ihre Vereini- gung mit ihm nie möglich werde. Wie stellte sie ihm nicht alle« da« in ihren Antworte» vor, wie sorgte, schalt und klagte sie nicht mit der ganze« Bangigkeit, Elsersucht und Sorge ihre« gequält» Herzen« I Umsonst! Da« nächste Schreibm Edmunds schlüpfte schäkernd über alle Zurechtweisungen hinweg, brachte die altm Ge- löbnisse, suchte Mathilden mit Vemunftgründm zu über« zeugm, wie nothwendig dieser bon ton sei, aber dieser bon arbeitsfleißige« Volk von heute mit dem auf Staats« koste« ernährten Proletariat des alten Rom verglichen wer- de« kann, so wenig läßt sich auch der Ausdruck von der gemeinen Masse' auf unser Volk verwenden. Wir sind »te allzumal Staatsbürger oder sollt» e« wenig- im« sein. Und sollte ma« auch daS allgemeine Wahlrecht wieder obsthoff», seine demokratischen Wirkungen wird man nicht wieder abschaffen können. Auch die gleiche Stimmbe- rechtiguvg aller Bevölkerungsklassen hat die Ueberzmgung befest, gt, daß die Gleichheit vor dem Gesetz eine LebmSbe- dingung unserer Zeit ist. Wir wissm wohl, die Konsequenzen, die wir au» dem ziehe», wa« der Osfizierbursche des Herrn Reichskanzler» ge- sagt hat, wird man unS nicht zugebe» wollm. Allein wir sind einmal so: wir lieb» keine Halbheiten und so fassen wir auch da« Vorliegmde nach unserer Art auf. Besonders aber möchten wir de» tapfere» Offizier- burschen jener halb liberale», halb pietistischen Gesellschaft in Bremen empfehlen, an deren Spitzel der Herr Sommers, bekanntlich eine Säule des fadenscheinigen grau in grau gefärbt» Liberalismus, steht. Diese Gesell- schast pflegt von Zeit zu Zeit ganz Deutschland mit Traktätchen zu überschütten,' in denen über die Völlerei des deutsche« Volke« gejammert wird. Wenn die Lammer» und Genossen im Bremer Rathskeller sitze« und beim altm Rheinwein aushecken, welche neuen Injurie» sie dem deutsch» Volke wieder in Bezug auf seine Trunksucht sag» wollm, dann möge» sie sich daran erinnern, wa» der Offizierbursche gesagt hat._ Soziale md xilitifche Kesomea iu MM. Seit den letzten Neuwahlen zum Parlament kommt John Bull auS der Aufregung, die er so wenig liebt, aar nicht her 8 haben in""' aus. Und das haben jugendliche Greis, und Gemeinschaft Herr Gladstone.'der die Home- Ruler, d. h. die Verfechter der irischen Selbstständigkeit und Unabhängigkett, gethan. Letztere find in Folge der ziemlich gleichen Stärke der beiden anderen großen Parlament iparteien, der WhigS und der ToryS — welche beidm Parteien fich nicht genau aber annährend mit den un» geläufigen Ausdrücken Liberale und Konservative bezeichnen lassen— ein Fattor im öffentlichen Lebm gewor- den, mit welchem jede Regierung, die sich am Ruder halten will, rechnen muß. Bei den Wahlen hatten denn auch die Konservativen, speziell die sog.„konservativen Demokrat»" unter Lord Randolph Curchills Führung, mit den Iren, dm sog. Pamellitm, wie fie nach ihrem Führer Parnell genannt werden, stark geliebäugelt, aber ohne Erfolg, und al« in Folge ton brachte Mathilden um und ward nur Grund zu neu», tiefere» Ouale«. ES schim höchste Zeit, daß die Gerichtsferien heran« rückt» und dadurch Gelegenheit gegebm war, persönlich so manche« Zwiespalt der Ltebende« zu erledig», denn e« hatte sich bereit« zwischm ihnen eine Mißstimmung ein- geschlichen, wie sie bis dahin noch vie, selbst in der Kinder« zeit nicht bestand» hatte. Mutter Christine theilte die Ansichte« und Besorgnisse Mathilden» ganz und gar, ebenso Beate, ihre alte Ver- traute. Mathilde, so sehr sie de« Vater liebte und ihm Ver- trauen schenkte, konnte e» au« leicht verzeihlicher Bangigkeit nicht über sich gewinnen, Justus ihrm eigmtliche« Schmer; mitzutheilm. Der Alte aber hatte tausend Ohre« und wunderbar scharfe Aug». Er bildete sich au« dem Be- nehmen seiner Tochter, ihrem oft bleichen, bewegten Au»« sehm und der gedrückte» Stimmung seiner Frau, wie au« verschiedme« Nachricht» und Notizen, welche er einzog, ei» Gesammturtheil über Edmund, welches der Wahrheit außer- ordmtlich nahe kam. „Morgen ist der erste August," sagte Schätzlei« eine« Tage« beim MittagSessen,„in etwa zwei Tagen wird Ed- mund kommen!— Da ich weiß, Herzenstochter, wie sehr e« ihm bei de» vornehmen Leute« sowie den feinm Mam- sell« in S... gefällt, bin ich auch überzeugt, Du hast genug Mädchmstolz, ihm den Abschied vom„kalten Stein" nicht wieder so schwer zu machen, wie'« erste Mal. Er kommt sonst am Enve nicht wieder I Wenn Du ihn sprechen mußt, zufällig eben nicht umhin kannst,— richt's so ei«, daß ich mich nicht drein zu misch» brauche, und kannst Du e« ermöglichen, laß e«— da» letzte Gespräch sein!"— Edmund war nach der Heimath unterwegs.— Seine Gedanke» wie seine Stimmung waren sehr gelheilt. Einerseits weilte er mit Vergnüge» bei de« Genüssen der letzt» Saison zu S.... bei den gewählt» Gesellschaften, d» schön» Aug» und blendmdm Nack», dm Unterhaltung» voll Witz und Grazie, welchen er soebm entflattert, andern- theil» regte sich in ihm eine brennende Erwartung dessm, wa« er in der Heimath wiederzufinden hoffte, zugleich eine bf8 Wahlfieaes die Lideraken wieder an'S Ruder kamen, griff dann deren Führer, Premierminister Gladstone, mit der ihm eigenen jugendkrästigen Energie die„irische Frage" auf, um ste womöglich einer Lösung entgegenzuführen, welche ebenso dem englischen EtaatSintereffe, wie der sozialen und politischen Ge- rechtigkeit entspricht.— Eine leichte Aufgabe ist daS nicht, gilt eS doch Jahrhunderte lanaes Unrecht zu sühnen, mancherlei eingerotteten Vomrtheilen Trotz zu bieten und nicht zuletzt mit kräftiger Hand in mächtige und weitreichende Jntereffensphären einzugreifen. In drei Fragen zerfällt bei genauerer Betrachtung daS, waS man kurzweg die„irische Frage" zu nennen fich gewöhnt bat: in die Land-, die LokalverwaltungS- und die ReichSzuge- Hörigkeitsfrage. Die wichtigste und der Lösung zunächst be- dürfende unter denselben ist wohl die Landsrage, und diese scheint denn auch Gladstone in erster Linie tn's Auge gefaßt zu haben. Der Grund und Boden von Irland gehört zum überwiegenden Tbeile einigen wenigen Großgrundbcsttzern, von denen die Mehrzahl ihre Güter nie gesehen hat, noch ficht, son- dem ihre Renten in England verzehrt. Den Befitztitel dieser Herrschaften zu untersuchen, ist hier nicht der Ort, eS kämm da recht uncrbauliche Dinge zum Vorschein. Genug, eS stehen diesen verhältnismäßig winzigen Gruppm Tausende von Pächtern gegenüber, deren Lage größtentheilS eine unendliche traurige ist, und der allgemein im Lande herrschende Nothstand tat jene furchtbare Erbitterung großgezogen, die fich in den ekannten Agrarmorden, in dem„Boycomng". Vorgehen, d. i einer Art von Acht äußert und welche sentimentalen, aber mit der wirklichen Sachlage nicht vertrauten Seelen auf dem Fest« lande so häufig Anlaß zu pharisäischem Jammer über die Ver- worfenheit deS irischen Volkes giedt. Daß mit solchem Jammer ebenso wenig auszurichten ist, wie mit den ZwangSgesetzen, mit welchen England, anderen Staaten gleich, die gellenden Nothrufe und VerzweiflungSauSbrüche einer mißhandelten und gequälten Bevölkerung zu unterdrücken versuchte, daS hat, wie gesagt, Gladstone, nachdem sein Erkenntnißvermögen durch die Wahlen und die politischm Gestaltungen die wünschmSwerthe Schürfung erfahren hatte, eingesehm, und nicht minder ist er fich darüber klar geworden, daß eine englische Regiemng, die es mit dem Gesammtreiche und mit fich selber gut meine, dem Ruf der Jrländer nach Selbstständigkeit und Selbstverwaltung nicht mehr wie bisher taube Ohren oder noch Schlimmeres ent- ? legenbringen dürfe. Dementsprechend hat er denn einen Re- ormplon ausgearbeitet, dessen Verwirklichung eine völlige soziale Umwälzung für Irland bedeuten würde. Zwar find noch nicht alle Details dieses Projektes bekannt, aber über die Grundlage desselben ist ein Zweifel nicht mehr möglich: Glad« ftone will den gesammten Großgrundbesttz in Irland zu Gun- sten der irischen Landbevölkerung expropriiren, der irisch« Grund und Boden soll dm Jrländern zurückgegeben werden und zwar soll dies auf Kosten deS englischen Reiches, d. h. der gesammten englischen Steuerzahler, geschehen- Soviel bisher verlautet, würden fich diese Kosten auf 200 Hl 220 Millionen Pfund Sterling, also vier bis fünfihalb Milliarden Mark belaufm, waS einer jährlichen Belastung von 5 bis 6 Millionen Pfund Sterling gleichkäme. Daß gerade dieser Kosten- punlt eS ist, bei welchem die Oppofition gegen daS Projett den Hebel ansetzm wird, bedarf kaum einer Bemerkung. Ader auch die auf die obm genannten anderen Theile der Frage bezüglichen Projette Gladstones stoßen, wenn auch auS anderen als pekuniären Gründen, bis in die Reihen der vorgeschrittenen Liberalen, der sogenannten Radikalen hinein, auf dm leiden- schaftlichstm Widerspruch. Im Wesentlichen bestehen dieselben in der Errichtung einer irischen gesetzgebenden Körperschaft, die in Dublin, der Hauptstadt Irlands, tagen und für die speziell irischen Angelegenheiten kompetent sein, während gleichzeitig Irland Vertreter ini Reichsparlament behufs Mttberatbung der Semeinsamen Angelegenheiten deS Reiches, senden soll. DaS t eine gar bfttere Pille für daS mglische Selbstbewußtsein, welches bisher gewöhnt war, die Iren als eine Art Bevöl- kerung zweiter Klasse zu betrachten, die keinen anderm Da- seinSzweck habe, als dem englischen Herrn Unterthan und mel- kende Kuh zu sein. Schon diese kurzen Andmtungen genügen, um daS Riesen- hafte der Gladstone'schcn Pläne einerseits Und die ungeheure Aufregung andererseits zu begreifen, welche dieselben jenseits deS Kanals hervorgerufen haben. ES ist eine �gewaltige, durch die verschiedensten Bande der greise Staatsmann eben befindet fich sein N, lauf in diesem Augenblick noch nicht abzusehen ist. Zweierlei kommt Herrn Gladstone bei seinem Beginnm zu Statten: einmal, daß die ittsche Frage mit blutiger Hand immer lauter und unabweiSlicher an die Thore der englischen Gesellschaft pocht, sodann, daß wohl keiner der lebenden englischen Staats- männer außer ihm zu einer gedeihlichen Lösung der Frage daS Zeug in fich hat, womit allerdings noch keine Sicherheit ge- geben ist. daß er den Kampf zum fiegretchen Austrug bringen werde. Jedenfalls verdient der greise Lcnker der mglischen Politik bei seinem großen Werke daS theilnehmende Interesse der ganzen zivilifirten Welt. Birgt doch die„ittsche Frage" leise Ahnung, daß wohl nicht Allel so stt» dürfte, wie seine Phantasie ihm vorspiegelte. MathildmS und seines Vater! Bild malte er sich in den leuchtmdstm Farben, doch die Erinnerung an Schätzlein, Christinen und Beaten hatte für ihn etwas Peinliches, das er umsonst zu unter- drücken strebte. Er war der Einfachheit und bürgerlichen Naivetät dieser Leute entwachsen, und der Gedanke machte ihm großes Unbehagen, daß sie sich auf denselben Standpunkt wie früher zu ihm stellen könnten, ihn mit der zuttaulichen, derben Rücksichtslosigkeit beHandel« würde», welche sie ihm sonst gewidmet hatten. Die alte Hofmeisterei und Kordialität hatte stir ihn etwas ErniedngendeS, und er beschloß eine Haltung und einen Ton anzunehme», welche«ine Übergroße Vertraulichkeit nicht auskommen ließen.— AIS er bei sinkender Sonne am Oberboff vorbeifuhr, überkam ihn indeß die Erinnerung des damalige« Ab- schied! so mächtig, wurde so Herr über ihn, daß er sich plötzlich in die alte Zeit zurückversetzte, nn Geiste Vater Justus lächelnd vor sich sitzend sah mit der alte» Guitane im Arm und dem rührende», einfachen Liebe auf der Lippe. Tausendmal bessere Melodie«, herrlichere Stimmen, reizen- dere Lieder hatte er seitdem gehört, aber de» Zauber dieser Klänge, verwebt mit alle« strahlenden Stunden der Kinder- jähre, erreichte kein!. „Drei Dinge giebt's i« Leben, Die nimmermehr vergehn" summte er selig vor sich hin.— Er sang dal Lied indeß nicht zu Ende, der Text ärgerte ihn, der einfältige pedantische Text voll Ungereimtheiten und einer rechten Schulmelsterlangweiligkeit.— Am Kirchhof vorüberkommend, lenkte» sich seine Betrachtungen besonders auf Ma- thilde», und wie er sich ihr Bild in den strahlendste» Far- be» echter Schwärmerei ausmalte, bemerkte er kaum, daß der Wage» das Thor von B. bereit! passirt hatte. Die Abenddämmerung war eingetreten, als die Postchaise vor dem Hause hielt, der Schwager sei» fröhliches Trallira blies und Papa Hennings aus dem Lade« eilte, seinen Sohn zu empfange«. „Willkemme», willkommen! Tausendmal willkommen, Probleme in fich, deren Lösung auch andern Völkern als dem englischen fich immer gebietettscher als unabweisliche Nothwen- digkttt aufdrängt._ Politische Ueberstcht. Ja Bezug auf die Verlängerung de! Sozialisten- gesetze! schreibt das nationalliberale„Leipz. Tagebl." folgendes: „Während dicht an unseren Grenzen der sozialistische Aufruhr immer wilder sein Haupt erhebt, in unserem belgi'chen Nach« barlande die öffentliche Ordnung nachgerade in Plünderung, Blutvergießen, Brand und Gcwaltthat untergeht, hängt es in Deutschland in demselben Augenblick von Zufälligleiten und ein paar unberechenbaren Stimmen ab, ob ein Bollwerk gegen die Anarchie aufrechterhalten oder niedergelegt wird. ES wäre ein Schauspiel von vollendeter Lächerlichkeit» sofern man bei so ernsten Dingen lachen kann, wenn in diesem Augenblick der Reichstag daS Sozialistengesetz verfallm ließe. Wer aber will bestreiten, daß eS leicht so kommen kann? Wenn man Pesfimist wäre und Rettung erst erhoffte, nachdem unsere Zustände noch viel schlimmere geworden, so möchte man beinahe wünschen» daß daS Sozialistengesetz abgelehnt wird. Der Arbeiteraufruhr würde unfehlbar in kürze st er Zeit auch in Deutschland ausbrechen und dem Philister, der fich jetzt an fortschrittlichen Freiheitsphrasen begeistert, im Vertrauen, daß die Regierung und die„reaktionären" Parteien doch schon für Ordnung und Sicherheit sorgen, würden bald die Augen auf« und übergehen. Dann würden wir bald wieder ein Sozialistengesetz erhalten und vielleicht noch manche! dazu. Wir find begierig, ob die deutschfreifinnige Pattei wirklich alle Kräfte aufbietet, ihren tönenden Phrasen entsprechend die Vorlagt jetzt zu bestttigen und mit welcher Miene der Unglückliche, der zu dieser Don- quixote-Rolle verurtheilt wird, seine Mannen zur Ablehnung deS fteihttttmördettschen Gesetzes anfeuern wird. Nicht der ge- ringste Theil der fortschttttlichen Wähler dürfte heute ein stilles Gebet zum Himmel senden, daß daS„Prinzip" ihrer Parttt doch ja«och ttnmal unterliegen möge."— Also„ein Schau- spiel vollendeter Lächerlichkeit" wäre es, wenn gegenwättig, wo in Belgien, aufgehetzt durch Anarchisten, Ardeitsunruhen ent« standen find, der Deutsche Reichstag das Sozialistengesetz fallen ließe.„Der Arbeiteraufruhr würde unfehlbar in kürzester Zeit in Deutschland ausbrechen ---" ES muß eine recht schlechte Sache sein, die man mit solchen Phrasen und Drohungen vettheidigte. WaS daS national- liberale Blatt über die deutsch- fteistnnige Partei sagt, möge diese mit demselben ausmachen. UnS inter- esstrt nur die Beleidigung, welche daS nationalliberale Blatt den deutschen, zielbewußten Arbeitern in's Gesicht schleu- dert. Während die belgischen Kohlen» und Fabrikarbetter den langjährigen Druck, der auf ihnen lastete» immer mit Geduld ertrugen, jeder Aufklärung über ihre Lage unzugänglich waren, ebenso jeder Organisation und geistigen Vorbildung unterein« ander, und dadurch anarchistischen Aufteizungen erlagen, find die deutschen Arbeiter längst verbunden mit«inander; fie bieten ebenso stolz anarchistischen Aufreizungen, wie ausnahmepolizei- lichen Verfolgungen die Stirn, in dem Bewußtsein, für ihr Recht und für eine große Sache einzutreten. Ohne daS Sozia« listengesetz aber würde ganz dasselbe der Fall sein, nur mit dem Unterschiede, daß auch die vereinzelten Versucht, die gegenwättig in einzelnen Theilen Deutschland! anarchistischer« seit! gemacht worden, die Arbeiter zu Putschen aufzuhetzen, soweit fie nicht anderen unsauberen Machinationen zuzuschreiben find, vollständig aufhören würden.— DaS Sozialistengesetz sördett solche Versuche und würde in der Thtt auch die Ge- heimbündelei auf eine gefahrbttngende Höhe bttngen, wenn die deutschen Arbeiter nicht schon eine langjährige sozialistische Erziehung gegossen hätten. Wir aber erklären allen Hetzem der sogenannten Ordnungsparteien, die fottwährend noch be- sonderS in„Patriotismus" machen, daß eS schmachvoll ist, die deutschen Arbeiter in solcher Weise zu verlästern und zu verleumden. Offiziöse Blätter nutzen in bekannter Art einen Attikel der„TtmeS" auS, welcher dem deutschen Reichstage wegen der lieber Sohn!" tief Herr Zosua, seinem Edmund aus dem Wagen helfend und ihn umarmend. „Guten Abend, bester Vater! Da hast Du mich wieder. Viel Grüße aus S.., I"— „Danke, danke! Komm nur erst hinein und laß den Leuten die Sorge für die Sachen. Dein Zimmer ist ja schon seit vierzehn Tagen in Ordnung!" Darauf führte Henning! seine« Sprößling in den Laden, wo derselbe von Schurttg und dem Personal begrüßt wurde. — Nach einige» kurzen Erkundigungen, welche er de! An« stand! wegen an Diesen und Jenen richtete, folgte er dem Vater hinauf in'S Wohnzimmer, wo bereit! Allel zu einem delikate» Souper vorbereitet war.— Nachdem Edmund in sei« alte! trauliche! Stübchen geeilt war, sich der Reise- kleider wie de! Staube! zu entledigen und verschieden« Bttefe aul dem Koffer zu nehmen, welche er dem Alte« übergab, fände« Vater und Soh» endlich Muße, fich aus- zuplaudern. „Ich hatte Dich schon gestern erwartet, lieber Edmund, und war deshalb nicht ausgegangen, aber wer nicht kam, warst Du!" „Ganz bestimmt wäre ich, meinem Schreibe« gemäß, schon gester« eingetroffen, aber ich bin in S... mit Visite« «icht fertig geworden und durste eine Einladung Wulfen'! auf feine« Landfitz unmöglich ausschlagen, denn ich bin ihm in jeder Beziehung die größte Achtung schuldig 1" „Ei gewiß, gewiß! Kann mir denken, wie ma» Dich aufgenommen hat, hab'S au! alle» Bttefe» ersehen! Na gut, daß Du da bist. Ei» herzliche! Glas zum Willkommen im„kalten Stein" l"— Zosua Henning! klingelte darauf, und Beate erschien mit dem Essen. Auf ihr alte! Anrecht pochend, begrüßte die Gute ihren„MuSje" in herzlicher, derber Weise, bewunderte sei« nobles Aussehen, und daß eS ihr vorkäme, als fei er ordentlich noch gewachsen, erstaunte über seinen ge» wichste» Schnurrbart, und hätte gern mit gutgemeinter Zudringlichkeit ein Langes und Breite! gefragt, doch das kurze, verlegen lächelnde Nicken Edmund'!, fein abweisen- des:„Ei! ander Mal, Beate I" wie der bedeutsame Wink Monopoldebatte einen Verweis erthttlt. Die Blätter hätten besser gethan, den Ltttartitel derselben„Time!" vom 12. Januar ihren Lesern mitzuthttlen, in welwem da! Branntweinmonopol rundweg als völlig verfehlt und unannehmbar bezeicknet wurde. Die arme Reichlregierung! Der Kanzler schilderte sich in setner Rede zum Branntweinmonopol als „einen Bettler, der schon seit 16 Jahren an der Thür des Reichstag! stebe. um Steuern bitte und mit Steinen statt Brot und mit Höbnischen Phrasen abgewiesen" werde. Dem gegen« über, demertt die„Frtts. Ztg." sehr richtig, wollen wir doch hier noch besonder! hervorheben, daß allttn in den letzten fieben Jahren durch Erhöhung von Zöllen und Einführung neuer Zölle die Zolleinahmen de! RttchS erhöbt worden find von netto 101 Millionen Mark im Jahre 1879/80 auf netto 245 720000 M. im Etatsjabre 1886/87. DaS ist also eine Erhöbung um nahezu 140 pCt. Dazu kommt eine Erhöhung der Tabaksteuer von netto 1 Million Mark im Etatsjabre 1879/80 auf netto 7 656000 Mk. im EtatSjahre 1886/87. Dazu kommt die Einführung ttner Börsensteuer im Jahre 1881, welche im Jahre 1885 nochmals erhöht wurde und jetzt mit netto 12 Millionen Mark im EtatSjahre 1886/87 veranschlagt ist. Dazu kommt der 1881 eingeführte Reichsstempel auf Lottetteloose mit einem Ertrage von 5975000 Mk. Dazu kommt ferner der 1881 eingeführte Reichsstempel auf ANien» Renten und Schuldverschreibungen mit 4400 000 Mk. Noch vor dem Jahre 1879, aber gleichfalls innerhalb der 16 Jahre, in denen der RttchSkanzler als„Bettter an der Thür steht", wurde an neuen Reichssteuem eingeführt durch Gesetz vom 3. Juli 1878 der Reichsstempel auf Spielkarten mit ca. 1 Million. JnSgesammt find die ReichSsteuern seit 1879 von 250 Millionen auf 430 Millionen Mark, also um 180 Millionen Mark erhöht worden.— Diese Art von Bettelei verlohnt fich also! Und wenn man 180 Millionen Mchrcinnahme noch immer nicht„Brot" nennt, so scheint daS Reich wirllich seinen Bürgern den letzten Bissen abnehmen zu wollen! Die Rordhausener Böttcher- und Brennereiarbeiter haben beschloffen, in Anlaß der Ablehnung deS Branntwein- Monopol! seitens de! Reichstags hier ein Fest mit Fackelzug zu veranstalten und dazu die ReichStagSabgeordneten Lerche und Träger einzuladen. Zum Kulturkampf. Alle Ztttungen stellen Erörterungen an, wie die Regierung die weitgehenden Abänderungsvorschläge de! Bischofs Kopp beurthttle. AuS dem herzlichm Ver« kehr, den Fürst Bismarck während der Eonnabendsttzung deS Herrenhauses mtt dem Bischof Kopp unterhielt, ist der„Post" zufolge der Schluß gezogen worden, daß die kirchenpolitische Sttuation fich gedessett und die Möglichkeit einer Verständi- >g neuen Boden gewonnen habe.— Weniger hoffnungsvoll it die„Kreuz-Ztg." die Lage an. Nach dieser sollte zwar über den Inhalt der Kopp'schen Anträge bereits eine Einigung zwischen dem Bischof und der Regierung erzielt ge- wesen sein, doch sei die letztere dabei von der Voraussetzung ausgegangen, daß die Kutte nunmehr die Anzeigepflicht für die Pfarrer zugestehen würde. Diese Voraussetzung scheint fich nun aber in vollem Umfange bisher nicht bestätigt zu haben: die Vorschläge, welche nach dieser Richtung ein besonderer Ab« gesandter aus Rom überbracht, sollen daher noch Geamstand weiterer Verhandlungen sttn.— Die„ R a t-i o n a l« Z t g." ist über die Haltung der Klerikalen ganz empört. Sie schreibt: „Die Lage, wie fie fich durch den in der kirchenpolttischen Kommisston deS Herrenhaus«! gemachten Bettuch eine!„Frie- densschluffeS" zwischen dem Staate und der römischen Kutte gestaltet hatte, wird beute durch die Thatsache charatteiifitt, daß auch die größten Optimisten enttäuscht und zu der Ueber« zeuguna gebracht find, die Deutschen seien wieder ttnmal von den Römern überlistet. Unsere Genugthuung darüber» daß wir unsererseits die Hoffnungen auf den„Friedensschluß' nicht gethcilt und die in solchen Jllustoncn gemachten Äner« kennungen an die Hierarchie bekämpft haben, ist allerdings sehr gering, wenn wir sehen, auf welche Schwäche und Zerfahrenheit fetten! de! Staates eine Polilck zurückzuführen ist, der gegenüber un! jener wohlfeile Triumph zufällt..... Bei der im Henenhause herrschenden Stimmung hängt eS jedenfalls nur von der Regierung ab(Sehr wabr!). od die allein angemessene Antwort von Berlin nach Rom ettheilt wird; fände trotz Allem eine Mehrheit für höchst bedenkliche Zugeständnisse, sogar ohne die vorausgesetzte Gegenlttstung fich zusammen, so würde Jebermann wissen, daß die Regierung dem preußischen Staate diese Lage bereitet hnt." Den Mutb zu solcher Sprache dürste die„Nationalztg." kaum aus fi» selber schöpfen. Oder sollte der kultmkampferische Eifer de! nationallideralen Blatte! sofweit gehen, daß eS wagte, gegen Bismarck.... Aber nein, solch ftevleS Beginnen ist ihm gewiß nicht zuzutrauen. Man darf also wohl annehmen, daß Fürst Bismarck«S für aerathen hält, auf der einen Seite dura» seine persönliche Zuvorkommenheit die maßgebenden Klettkalen fich warm zu halten, während er auf der anderen Sette si« bemüht, dieselben Leute durch Drohungen einzuschüchtern. D# des Vater! machten die Alte sofort verstumme» und verschwinden. „Er ist vor mir die erste» vierundzwanzig Stunden gewiß sicher!— Die arme Mathilde!— Nein, hat sich der geändert. Du lieber Himmel! Und Hab' ihn doch ge- hegt und gepflegt, all er«och u«term Küchentisch bequem durchlaufe» konnte!"--- „Lieber Vater, eh' wir esse«, willst Du»icht erst dre Bttefe von Wulfe«!, Toldt und Wedel lesen?" „Lange nur zu, die Bttefe lese ich morgen beim Kaffee. Erzähle mir lieber von Dttnem Thun und Treiben in S.. von oea Krttse«, in denen Du Dich bewegst, kurz gieb mrr ei« Bild von de« Leute«. In Deinen Briefen, die,«ebenber gesagt, merkwürdig flüchtig geschrieben und parfümirt sind (da! kann ich bei einem Manne nicht lttden), habe ich doch nur Einzelheiten erhalten!" „Wenn Du bedenkst, Papa, daß ich am Tage über de« Akten fitze und Abends Tag für Tag in Gesellschaft muß, oft spät und todtmüde«ach Hause komme, wirst Du da» wohl verzeihlich finden,«icht wahr?" „Ja, wen» ma« an Herr» Eo und So, nicht w#" man an seine« Vater schrttbt, liebe! Kind!" �_ „Nun,«un, künftig will ich Dich möglichst befttedrge«, lieber Vater. Was meine Karttere anbetrifft—" h „Da! weiß ich!— Man ist mit Dir zufrieden. u»v Du hast das Neferendariatsexame« vor Dir. Ueber De»"" Umgang kläre mich auf!"—. „WaS Senator Wulfe«! in S... gilt, bräuche t<9 nicht zu wiederholen. Sein Hau! ist der Sammelp»"? aller Noblesse, alles Reichthums. Man hört da von au Herren Länder« rede», und zwei bis drei Schiffe in See, ttne Faktorei i« Kalkutta, Madras ov» Valparaiso zu haben, ist ttn Ding, über da« man® kein Aufhebens macht. Da! enorme Vermögen Wuli' wie seine aulwättige» Verbindungen gestatten ihm e Luxus zu entfalten, den nachzuahmen sämmtlichcn, Krösussen, besonder! ihren Frauen, viel Kopfschmerze« ursacht!"._.«,a< „HSha, glaub'! gern I Und doch,. mem Soh», � Wulfen!' Vater nur ei« simpler KommrS, und ftroir „Germania" scheint Kit jetzt dafür unempfänglich. In ihrer SonntaaSnummer heißt et:„Wir können gor nicht lagen, wie in ver Seele zuwrder uns diefei ganze Treiben ist, welches die von Papst Leo so dringend geforderte fach- «che Behandlung, zum Zwecke eineS wahren und solden Fliedens, zum Gegenstände diplomatischer Rünste hat werden lassen, an denen jetzt eine ganze parlamentarische Versammlung betheiligt wird. Und dieser unser Widerwille wird, dat möge man uns glauben, von der immensen Mehrheit des deut- schen VoileS, vor Allem von dem einfachen Manne getheilt, der gar nicht begreift, daß die höchsten Interessen Gegenstand solcher Behandlung sein dürsten. Bester von neuem der Kampf, als ein fauler Friede, der auch vor fünfzehn oder dreizehn Jahren zu erreichen gewesen wäre, ohne die seitdem überstan. denen harten Leiden und Kämpfe!"— DaS llerilale Blatt weiß offenbar, daß die Regierung dat Zentrum braucht und daß letzteres heute fordern kann, was eS will. Ueber die Thätiakeit der Sozialdemokraten bei den Vorbereitungen zur ReichStagSwahl im Kreise Flensburg» Apenrade wird dem„Hamb. Korr." geschrieben:„WaS wir »on Anfang an bezüglich der bevorstehenden ReichStagSwahl im zweiten schletwig- holsteinischen Wahlkreise vorausgesagt haben: eine außerordentlich rege Agitation der sozialdemokratischen Partei, ist eingetroffen. Man will entschieden hier einen Theil deS Verlustes weit machen, den die Partei in der Provinz er- fahren hat. Bei dem unglaublichen Eifer, der schon seit Wochen entfaller wird, dürste diese Berechnung allem Anscheine nach zutreffen. Dutzend« von Agitatoren, Flugblatt- und Stimm« Vertheilern u. s. w. durchziehen das Land. Der Kandidat der Partei, der Schneidermeister Stephan Heinzel, reist von Dorf >u Dorf und hält Vorträge, so weit ihm dann eben die Witthe ein Lokal laffen, was freilich keineswegs überall der Fall ist. Auch Herr Reichstags- Abgeordneter Karl Frohme, der Vertreter Altona's, ist in den Kreis gekommen. Nach uns von verschiedenen Sellen gewordenen Mittheilungen bedient man fich in der Landschast Angeln vielfach— und zwar oft genug nicht ohne Elfolg— der dort zahlreich vorhandenen ostpreußischen Dienstboten alt Mittelspersonen bei der Verthei- lung sozialdemokratischer Stimmzettel. Unter diesen Umständen müßte ein Wunder geschehen, wenn die Sozialdemokratie nicht eine erheblich größere Stimmenzahl auf fich vereinigen sollte als 1884 und 1881. Verschiedene Umstände kommen noch binzu, um die Chanzen der Sozialdemokratie zu verdessem: die Wirth- schaftSlage in den Städten Flensburg wie Apenrade, unter welcher zahlreiche Arbeiter beschäftigungS- und verdienstlos find; an beiden Orten feiern Hunderte allein deshalb, well die Schifffahrt noch nicht eröffnet ist. Auf dem Lande herrschen ebenfalls, in Folge der Nothlage der Land- wirthschaft, zum Theil recht unbefriedigende Vcrhältniffe. An Arbeitskräften und Arbeitslohn wird jedenfalls der Landmann sparen, was gespart werden kann und erst recht hat mancher „stleinbefitzer" alle Ursachen,„beffere Zeiten" herbeizuwünschen. Wenn die Agitation von Sellen der sozialdemokratischen Partei mll einigem Geschick betrieben worden, so dürste eS nicht schwer gefallen sein, auch in diesen Kreisen Leute zu finden, die aui einem gewissen Gefühle der Rathloffgkeit am Montag einen Stimmzettel für— den Schneidermeister Heinzel in die Urne werfen werden." Oesterreich- Ungar«. Ein deutsch-österreichischer Bauerntag fand am 22. d. M m Wien statt. Zu demselben waren zahlreiche Bauern aus Niederösterreich, Oberösterreich, Mähren, Schlefien, Böhmen Mrd Steiermark erschienen. Et sprachen zunächst die Herren Glattau(Schlefien), Gram(Bürgermeister von Eigen bei «dmont, Steiermark) und Peikert(Schlefien). Auf Antrag «e» letzten Redners wurden folgende Punkte in einer Resolution beschloffen: 1. Zolleinigung mit Deutschland; £• Schaffung eineS TrunkenhettigesetzeS: 3. Einführung des «helonsenseS; 9. Aenderung deS HeimstättengesetzeS. Der An «ragsteller macht den Nationalitätenstreit für den Verfall deS Bauernstandes verantwortlich und erwartet von den Abgeord Veten nicht viel.(Eine Stimme aus dem Auditorium ruft: „Haben wir nicht mehrere Abgeordnete? Warum find fie nicht �schienen? Nur bei der Wahl sucht man den Bauer; wenn ttwaS gethan werden soll, thut man nichts.") Nach einem Re> ferate deS Herrn Stetninaer wurde alsvann dat General Programm einstimmig beschloffen. In demselben wird ange- Arebt: auf politischem Gebiete die Erwirkung eineS direkten Wahlrechts für jeden Staatsbürger, Schaffung eines SprachengesetzeS, welche die deutsche Sprache zur Staats wrachc erhebt, die Abrüstung der stehenden Heere in «medenSzellen auf internationalem Wege durch Gründung eines europäischen, eventuell mitteleuropäischen Staaten- Rundet auf wirihschastlichem Gebiete, Agrargesetzgebung und Wtrthschaftsrrform, Heimstättengesetz, Abschaffung der Levens« svittclfälschung. S chutzzoll vor Ungarn, deutscher 9vlldund, Verstaatlichung deS Eisenbahnwesens, Aufhebung VerzehrungSsteuer, Verwendung der Sträflinge zu Bauten Ud Flußreguiilungen, Enichtung von Fortbildungsschulen und Möglichkeit, in jedem Lande die Schulpflicht nach Bedürfniß �»selben Geschäft, wo ich lernte I Das macht aber der ffwlß, die Klugheit und großes Glück. Hat der Senator '"l Familie?" ..»Seine Frau ist eine noch wohl konservirte Dame von heraus feiner Lebensart. Etwa» empfindsam und nervö», 7J* liebenswürdig, besonder« wenn ihr auf geschickte Weise �schmeichelt wird. Sie habe» viel Kinder, drei Söhne und >er Töchter, wohldresfirt auf alle Anforderungen ihre» Landes und Namen»."— .„Sieben lebendige Kinder? Heiliger Gott!— Nu«, wer» Sohn, dann laß Dir sage«, daß das große Vermögen Senators nach feinem Tode, die Wittwe mitgerechnet, nva acht mal so klein werde« wird. ZedeS Kind wird also £ achtmal geringeren Verhältnissen zu leben habe», wa» für Manchen gar keine kleine Arbett ist!" 3*»Nun, bei drei Millionen, den» so reich hält man Olsens, kommt immer«och ei»«etteS Sümmchen auf Einzelne«, vorausgesetzt, daß die Masse in gleiche Theile l„Wart'mal!— Na ja,— etwa 430 000 Thaler ob, e* auf Jede». A la donheur! Es frägt fich nur, L sein Vermögen wirklich so groß ist, wie man et schätzt, ni.eu,e schwatze» immer mehr, al« wahr ist. Sind die hübsch? Wie?«- u,„Es läßt sich wirklich aushalten, Papa! Sie habe» einen �°nen Teint, tanze« vorzüglich, sprechen zwei Sprache« und auch eine Etüde zu spielen, ohne stecke« zu bleibe«, 'st aber Alle». Dagegen haben sie aber»och eine fo»» Portion Ignoranz und Dummheit. Sott behüte jede» S°n Rann!" »Hm, hm! Nun zu de» Anderen! Was macht Freund irl, er soll zwei allerliebste Töchter haben?" „Tewiß l Wahre Virtuosinne». Hulda singt vortreff» malt allerliebst. Leonore dichtet eminent und will IJAftßVj"—- �------c— nr >icht fitj' in alle Herzen dringt, und so kann es Vena ; daß besonders Künstler und Gelehrte diese iBu R umschwärmen, obwohl Beide mehr interessant als ' �(Fortsetzung folgt.) zu regeln, Schaffung einer ReichSdank, Auflassung der Oester- retchisch-Unaarischen Bank, Beschränkung der Gewerbefrethcit, unentgeltliche Rechtspflege u. s. w.— DaS Programm ist, wie man steht, ein merkwürdiges Gemisch von Reattion und Fort- schritt. Internationale Abrüstung neben der Empfehlung eineS Zollkrieges gegen Ungarn, polttische Gleichberechtigung und un- entgeltliche Rechtspflege, neben der Befürwortung der Beschränkung der Gewerbefteiheit und der Zurücksetzung der bäuerlichen Miterben, Errichtung von Fortbildungsschulen neben der Zulassung der Bescbränkung der Schulpflicht fetten» jeder Prooinz; ein seltsames Ragout in der That, seltsam wie die �anze heutige offiziöse Wirthschaft»- und Sozialpolittk, welche " ja vorzugsweise auf die agrarischen Kreise stützt. Frankreich« Der Pariser„National" ist empört über die versöhnenden Anfichten deS Kriegsministers gegenüber den streikenden Ardei- tern in Decazeville. Er spritzt seine Galle in folgenden Worten auS:„Subskription von Soldaten für den Streik. ES ist dieS, wenn man will, eine geringe aber sehr charafteristische Thatsache: Soldaten, die zur Unterstützung des Streiks von Decazeville subskrtbiren. Der revolutionäre Sozialismus bricht darob in Freudenaeschrei auS, nachstehend, wie der„Jnttanfigeant" diese Nachricht meldet: „„Decazeville. 24. März 7'/, Uhr AbendS. Die Soldaten des 77. Jnfanterie-Regiments haben fich zusammengethan und 53 Frki. den Streikenden ge- spendet. Diese hochherzige Sendung der Plebejer der Armee an die Proletarier der Gruben hat hier eine be« deutende Wirkung hervorgerufen."" Man begreift, daß die Wirkung eine bedeutende ist; die geringe Summe thut dabei nichts. Wenig oder viel, darauf kommt eS nicht an; die Neuhett dieser militärischen Einmischung lenkt die Aufmerksamkeit auf fich und die Bezeichnung der Spende gtebt ihr den Werth. Jndeß fich also die Regierung neutral verhält, mengt fich die Armee in den„Kampf". DaS ist die Frucht der unzeitmäßigen, vom Kriegsmintster gesproche« nen Worte: hat General Boulanger nicht den Sozialisten als Bürgschaft ihnen gegenüber die mitleidige Bewegung mehrerer Soldaten in Decazeville vorgehalten, welche ihre Suppe mit den Grubenleuten theilten? Hat dieses Gefühl des Mitleid» daS an fich ganz natürlich, einfach und lobenswetth ist, nicht offiziell die Tragweite eineS sozialen Zwischenfalls erhalten, eine» bemerkenSwerthen Aktes der Solidarität? Man frater- nistrt! Von da weiter zu fraternifiren, war nur ein Schritt, und zu diesem Schritt, man kann e» sagen, ist die Aufmunte- rung von oben gekommen; allein auf diesem Wege kann man weil gehen. Von nun an erübrigt nur noch, den Gewehrlauf im Falle eine» AufstandeS gegen dm Bodm zu tragen. Das wird in der Logik der gegebenen Ermuthigunaen liegen." Dieser Hinweit auf Eventualitäten ist— so bemerkt hierzu die „Hamb. Bürgerztg."— sehr charafteristisch. Die Herrm vom „National" sehen eS offenbar viel lieber, wenn daS Volk in der Uniform dem in der Bloufe feindlich gegenüber stände. DaS Klaffenbesußssein der Arbeiter ist ihnen ein Dom im Auge; viel lieber wäre ibnm, wenn die Soldaten gegen ihre Brüder gedrillt wärm. Schöne Seelm! Die Delegirten der Minenarbeiter von Decazeville 8 iben fich in einem Schreiben an den Minister der öffentlichen rbeiten gesandt und ihn ersucht, einen Ingenieur abzusenden, der die günstigm Aussagen deS StaattingenierS Laur über die Brände in den Bergwerken richtig stellen soll. Der Ar> beitSminister hat dm Wünschen der Minenarbeiter entsprochen und den Generalinspektor der Bergwerke Locher nach Decaze- ville geschickt: derselbe ist, wie Baihaut am 25. d. M. im Ministerrathe mittheilte, bereits dort angekommm. Bei den Minenarbeiern hat die Nachricht von der Absendung jmeS Inspektor» große Freude hervorgerufen und wie dem„TempS" gemeldet wird, haben fich die Delegirten sofort versammett und beschloffm, fich mtt dem von der Regierung abgesandten In- spcktor gleich nach dessen Ankunft in Verbindung zu setzen, um ihn genau von dem Sachverbalt zu unterrichten. Sie hoffen, daß er einigen von ihnen gestatten wird, den Inspektor in» Bergwerk zu begleiten und ihn nach der Stelle hinzuführen, wo daS Feuer große Zerstörung angerichtet hat. Die Minen- gesellschaft hat freilich die Abficht, keinem der Streikmden dm Eintritt ins Bergwerk zu gestattm, aber die Delegirten, die über diesen Beschluß der Gesellschaft äußerst entrüstet find und erklären, daß ohne die Begleitung von Arbettem die Unter- suchung Locher'» zu keinem Resultat führen würde, wollen den Arbeitsminister ersuchen, ihnen den Zutritt zu den Berawerkm zu verschaffen. Oh der Minister diesem Wunsche der Arbeiter wird nachkommen können, scheint mehr al» fraglich, dmn die Gesellschaft hat ohne Zweifel daS Recht, mtt Ausnahme der von der Regierung abgesandten Ingenieure, jedem Andem den Eintritt in» Bergwerk zu verbieten. Auffallend bleibt eS aber, daß die Gesellschaft in diesem speziellm Falle fich sogar hart- näcktg zeigt und nicht will, daß der Fnspeklor Locher von den Arbeitern im Bergwerk herumgeführt werde. Sollte da» Bergwerk doch vielleicht nicht in so gutem Stande sein, wie dies von Seiten der Gesellschaft und de» Ingenieurs Laur beHaupt wird, und die Gesellschaft etwa fürchten, daß dem Re- gierungSinspektor unter der Führung dcrsArbetter die Augen geöffnet werden? Die Vermuthung liegt jedenfalls ziemlich nahe. Großbritannien. Der Londoner.. und Trwelyan hätten am 26. ö. erfährt, Chamberlain endailtig ihre Ent l a s s u n g gegeben, andere Mitglieder der Regierung, welche keinen Sitz im Kadinet hadm, dürften in der nächsten Woche ebenfall» ihre Entlassung nehmm. Die Königin hat die Ent- lassungSgesuche Chamberlains und Trevelvans angenommen und die Ernennung StanSfelds zum Präfidenten de» Local Government Board und Lord Dalhouflcs zum Staatssekretär für Schottland genehmigt. „United Jreland", das Organ der Varnelliten beantwortet die seit Kurzem häufig aufgeworfene Frage, was in Irland geschehen würde, wenn«S Gladstone nicht gelingen sollte, feine irischen Reformoorschläge durchzusetzm. DaS Blatt schreibt:„Einm Theil seine« Programme» könnte daS irische Volk sofort verwirklichen. Ehe der nächste Winter verstrichen, würden die GutSbefitzer Bettler sein. DaS Uebrige würde fich ereignm in den Wechselfällen, denen ein große» schlotteriges Reich mit einer übermäßigen. Bevölkerung, abnehmendem Handel und Millionen von Todfeinden in seiner Mitte stets ausgesetzt ist. Dem erstaunlichsten parlamentarischen Skandal, der jemals erlebt worden, würde ein Bürgerkrieg in einem Lande folgen, wo jeder Bauer gelernt hat, über die Schrecknisse deS Gefängnisses zu lachen und seinem Herrscher alle die Un- bequcmlichkeiten eineS bewaffneten Ausstandet ohne ein Gewehr zu Hantiren, zu bereiten. Und während alledem wird der liberale Fortschritt in England stocken und die liberale Partei in Frattionen gespalten sein." Ueber die Ursachen de» Untergang» de»„Oregon" find die Meinungen noch immer getheilt. Wie man der„Timei" meldet, wird der mit Kohlen beladen« Schuner„Charles Morse" vermißt. Derselbe ist in der Nacht vor dem Untergänge der «Oregon" in der Nähe der Unglücktstätte gesehen worden und man vermuthet, daß et der Schuner ist, welcher mit dem „Oregon" zusammenstieß. Mit dem Fenierattentat wäre es damach nichts. Balkanländer. Einem Brief der„Timei" zufolge herrscht in Athen ein heilloser Wirrwarr der Meinungen. Drei Strömungen find zu unterscheiden: die der Regierung, der Volksmehrheit und der dmkenden Minderhett. Die Regierung hat nur einen Wunsch, durch den Druck der Mächte einem Kriege und damit dem Aus- bruche der Voltkwuth bei der unfehlbaren Niederlage zu ent- Sehen. Die Volksmehrheit, die von der Regierung mit schöne« UdenSarten gefüttert worden ist, träumt nur von einem Siege und von einer Wiederholung der glorreichen Vorgange de» Unabhängigkeitskriege», fo daß die eigenen 100 000 Streiter emer jeden Streitmacht der Welt gewachsen sein müßten. Ihre Kriegslust ward jüngst von Neuem entflammt durch daS Versprechen einer weitern Aushebung von 22000 Mann. Die dritte Partei schaut mit trüben Augen auf Gegenwart und Zu» lunft. Sie ist überzeugt, daß Griechenland keinem Kriege ge- wachsen ist; daß es durchaus unvorbereitet dasteht und der Niederlage kaum entgehen kann. In Folge dessen stimmt ein Thell dieser Partei für Unterwerfung; ein anderer Theil aber, und zu ihnen gehört auch Trikupis, steht in der Haltung der Mächte eine Schmach für Griechenland und zugleich eine bloße Drohung, die niemals in Wirklichkeit übergehen werde. Er räth also seinen Landsleuten, die Schiffe der Mächte alS nicht vorhanden zu betrachten und thatkräftig vorzugehen, denn eS würde doch nicht zum Schusse auf ein griechisches Schiff kommen. Bei dem Einfluß, welchen TrttuviS befitzt, scheint die Unter» oerfung daher doch noch nicht in Sicht zu sein.— An der Grenze von Thessalten wurden drei verschanzte Lager für die griechischen Truppen errichtet. — Der Fürst von Bulgarien hat in Ostrumelim milt« tärische VocfichtSmaßregeln getroffen, um die durch rusfifche Agenten dedrohte öffentliche Ordnung unter Umständm durch Anwendung von Gewalt aufrecht zu erhalten. DaS rusfifche Konsulat in Philippopel soll über mehr als 100 Lokal-KomiteeS, welche in der ganzen Provinz vertheilt find, verfügen und die Agitation dieser Komitees scheint bereits eine so bedrohliche geworden zu sein, daß daS bulgarische Blatt„Nesawisfimost" (Unabhängigkeit) in einem Artikel offm die rusfifche Politik der Doppelzüngigkeit beschuldigt und die Aufmerksamkeit der Re« gierung auf die Verräther innerhalb de» Landes lmkt,„welche sich für fremdes Gold verkaust haben". — Auch in Bosnien wollen die Russen ihren Einfluß wieder verstärken. Das Fortschretten de» Katholizismus in BoSnim und der Herzegowina ist Rußland ein Dorn im Auge. Hierüber äußern fich die„Et. PeterSb. Wiedomosti": Ist eS denn nicht endlich Zeit, daß Rußland fich daran erinnere und die» auch durch die That der Welt gegenüber bekräftige, daß eS zwei slavische Provinzen, welche vom türkischen unter daS österreichische Joch gekommm find, noch nicht vollständig ver« geffen hat? Höchste Zeit sei eS, im Schutze deS Schiima'S that- kräftig der katholischen Propaganda entgegen zu treten und daS Land dem Glauben seiner Väter zu erhalten. Amerika. In Antwort auf den angekündigten Entschluß der Gould« schen Südwest'Eisenbahnengesellschaft, ein gerichtliches Ver- fahren gegen den Orden der„Ritter der Arbeit" einzuleiten, hat letzterer die Streikenden dringend aufgefordert, ihren Wider- stand mtschlossen fortzusetzen. Der Führer de» OrdmS erklärt, daß wenn die Forderungen der Streikenden nicht bald bewilligt werden, sämmtliche Mitglieder des Ordens im Lande streiken werden. Andererseits find Gerüchte im Umlaufe, daß einige der Stteikmden zaudem und eS heißt, daß der Großmeister dei Arbeiterordeni in einem geheimen Rundschreiben an die ChefS der Zweigvereine denselben anräth, die Aufnahme neuer Mitglieder einzustellen ff gleichzeitig empfehle er, an Stelle von Streik» Schiedsgerichte und andere Maßregeln zur Beilegung von Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitem anzu« wendm.— Die Missouri Pazifik- Eifenbahngcsellschast ließ am 26. März unter dem Beistande zahlreicher Polizeimannschaftm einen großen Frachtzug von St. Louis ab. Die Gouverneure von Texas, Arkansas und Kansas erließen Proklamationm, worin fie die Streikenden wamen, den Eisenbahnverkehr nicht zu stören. Afrika. Die Nachrichten aus dem Sudan wird man stets mit Vorficht aufzunehmen haben. Nachdem kürzlich erst die _'drohung von Berber seitens der Rebellen gemeldet war, hörten wir heute wieder von Niederlagen der Sudanesen. Et verlautet, daß die Abeffynier die Rebellen unweit Kassala gründlich befiegt und 500 derselben getödtet haben. OSman Digma hat in Erwartung ihrer Annäherung auf dem alten Schlachffelde in Tamai ein Fort errichtet, das mit acht Ka» nonen armirt ist. In Tamai, wird weiter gemeldet, grasfirm die Pocken in erhöhtem Grade und raffen viele Menschen hin« weg. DaS 10. Bataillon der egyptischen Armee wird in Kurzem hier erwartet. Varlamentarische». — In der PetitionSkommisfion de» Reichstags kam fol« gende nicht uninteressante Petition zur Verhandlung: Die Verlagshandlung I. H. Echorer in Berlin bittet, eine Aende- rung deS PortotarifS zu beschließen, welche gestattet, Drucksachen im Gewicht von 50 diS 100 Gramm innerhalb Deutschlands und Oesterreichs künftig für 5 Pf. zu versenden. ES sei ein in allen Geschäftskreisen beklagter Uebel- stand, daß der jetzige Tarif für Streifbänder mtt seiner plötzlichen Steigerung von 3 auf 10 Pf. der Entwickelung deS Verkehrs äußerst hinderlich sei Ein Beweis bierfür sn die von der kaiserlichm Postverwaltung bei der vorjährigen Etats« berathung angeführte Thatsache, daß einer jährlichen Versen« dungSzahl von über 100 Millionen Streifdändem zu 3 Pf. nur 4 Millionen Streifbänder zu 10 Pf. und darüber gegen- überständen. Mit Unrecht habe die kaiserliche Postverwaltung aus diesm Zahlen den Schluß gezogen, daß für eine Zwischen- stufe kein Bedürfniß vorhanden sei, und daß die Einführung einer solchen die Einnahme verringern würde. Besonders in den Kreisen dei Buchhandels wurde der Mangel de» ge- wünschten Tarifsatzes für Drucksachen lebhaft empkundm. Die meisten der tllusttirten Zeitschriften mögm zwischen 50 und 100 Gramm resp. die einzelnen Nummern nur für 10 Pf. versandt werden könne r, wodurch eine direkte Postversendung so gut wie ausgeschloffen sei. Die Einführung der gewünschten Zwischenstufe würde eS z. B. der Petenttn ermöglichen, wohl noch 100000 Probenummem ihrer Zeitschriften jährlich direkt per Post zu versenden, welche jetzt in« direkt durch den Buchhandel vertheilt werden müßten, wodurch der Post jährlich auS diesem einzigen Geschäftszweige große Summm verloren gingen. Zum Schaven des Publikums und der Papierfabrikatton würden jetzt manche Zeitschriften, um daS Gewicht von 50 Gramm nicht zu überschreiten, au» weniger gutem und weniger schwerem Papier hergestellt. Auch würde wohl der AuSweg betreten, auS einem Etteifband zu 10 Pf. zwei zu 3 Pf. zu machen. Trotz der doppelten Mühe gingen der Post in solchen Fällen 4 Pf. verloren. Der Re« gierungskommiffar, Direttor im Reichspostamt Sachse, führte auS, daß zur Herabsetzung deS DrucksachenportoS ein allgemeines VerkehrSbedürfniß nicht anzuerkennen sei- daß eine solche Maß- regel namhafte Mindereinnahmen und erhebliche Mehrausgaben für daS Reich nach fich ziehen, zugleich aber die PottdetriedS« Verhältnisse außerordentlich erschweren würde; daß dieselbe nicht dem gesammten Publikum, sondern nur einem verhältnißmäßig kleinen Kreise von Versendern Nutzen bringen könnte; und daß endlich alle diese Verhältnisse im Reichstage schon wiederholt zur Erörterung gekommen seien. DaS Gewicht der seitens der RegiemngSkommiffarien vorgetragenen Bedenken wurde von der Kommisfion nicht anerkannt, dagegen wurde andererseits hervorgehoben, daß die ganze Frage doch von so erheblicher Bedeutung sei, daß man fie nicht ohne Weiteres als„zur Erörterung in pleno nicht geeignet" erachten dürfe. Dieser Antrag wurde daher mit 9 gegen 9 Stimmen abgelehnt und beschloffen, dem Plenum zu empfehlen, die Petition dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. — In voriger Nummer hat der Borsttzende der Ar beiterschutztommi ssion des ReichitagS. Herr Klemm uni eine Berichtigung zugehen lassen. Tat Gerücht, daß Herr Klemm mehrfach erfolglos versucht habe, in letzter Zeit die Kommission zu einer Sitzung zusammentreten zu lassen, ist dadurch entstanden, daß die Kommission thatsächlich längere Zeit hindurch nicht getagt hat. Außerdem fanden«vir die Nachricht in mehreren Blättem. In der nunmehr am 26. d. M. stattgehabten Sitzung wurde zunächst die Frage der Sonnnbend« Arbeit der Frauen eröttert und nach kurzer Debatte, an welcher sich die Opposition nicht betheiligte, der folgende Antrag Halben gegen 4 Stimmen angenommen:„Arbeiterinnen in Fabriken find am Sonnabend um 5 Uhr Nachmittags aus der Fabrik zu entlassen". — Der Offiziöse, der„Elberfelder Zeitung" schreibt:„In der in mehrfacher Beziehung hochinteressanten Sitzung deS Reichstags vom 26. d. M. zeigte sich eine neue Erscheinung im Sitzungssaal. Bald nach der elften Rede deS Reichskanzlers nahm auf einer der Bänke der Reckten vor dem Abgeordneten Stöcker Professor Anton v. Werner Platz, um unver» merkt, daß Zeichenblatt unter dem Putt verbergend, von dem an seinem gewohnten Platz am BundesratbStisch fitzenden Fürsten Bismarck eine Skizze zu entwerfen. Später unterhielt er sich am rechten Ende des EaaleS mit dem Grafm Dönhof« Friedrichstein, um dann bei der zweiten Rede deS Reichs« kanzlerS hinter dem Abgeordneten Frh. v. Hammerstein wieder Platz zu nehmen und den Fürsten sprechend zu sktzziren. Zu seiner Anwesenheit im Saal bedurste es natürlich einer außer« ordentlichen Erlaudniss deS Präsidiums."— UnS interesstrt hier nur der Schlußsatz. Gegen die Anwesen« heit deS MalerS im Sitzungssaal ist an und für sich nichts ein- zuwenden— mag derselbe sich und dem Fürsten Bismarck eine harmlose Freude bereiten. Aber die„außerordentliche Er« laubniß deS Präsidiums" kann in solchem Falle doch nicht maß« gebend sein. Wir find im Gegentheil der Meinung, daß der Widerspruch eineS einzigen Mitgliedes deS Reichstags in solchen oder ähnlichen Falle die„außerordentliche Erlaubniß de« Prä- stdiumS" rückgängig machen würde. Gerichts-Jeitnng. o. k. Der Marunge'sche Gatten- und Vatermord vor dem Schwurgericht. Schon lange vor Beginn der Verhandlung wird der große SchwurgerichtSsaal, in dem die Verhandlungen stattfinden, von einer dichtgedrängten Menschenmenge umlagert. Allein da der Zuttitt nur gegen vorher ausgegebene Eintrittskarten g-stattet ist, so muß oer größte Theil oeS Publikums wieder unverrich- teter Sache umkehren. Trotzdem ist dal Auditorium und die Tribünen von einem gewählten„Damen"« und Herren-Publikum gefüllt. Den Porfitz deS Gerichtshofes führt LandgerichtSrath Baath. DaS öffentliche Ministerium vertritt der erste StaatS- anwalt am Landgericht Berlin n, Dr. Wachler. Die Ver- theidigung führen Rechtsanwalt Bürkner(Rixdorf) für Frau Marunge, Rechtsanwalt Dr. Salinger für Albert Mamnge. Rechtsanwalt Heivback für den Angeklagten Her- mann Marunge. Gegen 10 Uhr Vormittags werden die An« geklagten, von Schutzleuten begleitet, einzeln auf die Anklage- dank gefühlt. Frau Marunge, die heftig weint und die Augen niederschlägt, als sie den Gerichtssaal betritt, hat etwaS Ab- stoßende» in ihrem Aeußern. Es ist eine mittelgroße, schwäch- liche Frau mit furchtbar eingefallenen Wangen. Sie ficht be- deutend älter auS, als sie in Wirklichkeit ist. Die Gebrüder Mamnge, ganz besonders der zweite Angeklagte Albert Mamnge..detreten mit großer Unbefangenhett die Anklagebank. Sre find beide von mittelgroßer Statur und kräftigem Körper- bau. Ganz besonders Albert Mamnge hat eine auffallend blaffe GestchtSfarbe. Sein schönes, schwarzes Haar, seine schwarzen Augen, die sogar eine gewisse Gutmlltbigkeit ver- rathen, und sein wohlgepflegter schwarzer kleiner Schnurbart lassen sein Aeußeres stcher interessant erscheinen. Weniger hübsch ist die äußere Erscheinung deS Hermann Marunge. Beide mustem mit großer Ruhe das zahlreiche Publikum. Nach Bil- dung der Geschworenenbank rc. richtet Präsident, Landgerich S- rath Baath an die Angeklagten folgende Worte: Sie find d«S schwersten Verbrechens angeklagt, dai das Sttafgesetzbuch kennt, Sie haben bereits ein theilweises Geständniß abgelegt; ich rathe Ihnen, jetzt die volle Wahrheit zu sagen und von Ihrer trau- rigen Verthewigung, daß die Mutter die Schuld auf den Sohn und umgekehtt zu wälzen sucht, abzugehen. DaS Gesetz be- zeichnet auch denjenigen alS Mörder, ver sich an dem Morde detheiligt, wenn er auch nicht direft den tödtltchen Streich führt. Ich ftage Sie also, bekennen Sie sich nach diesen Worten für schuldig?— Angekl. Frau M.: Schuldig bin ich, aber gewesen bin ich s nicht.— Präs.: Albert Marunge, bekennen Sie sich schuldig?— Angekl.(weinend): Echuldtg bin ich, aber ich Kab'i nicht gethan.— Präs.: Hermann Mamnge, bekennen Sie fich schuldig?— H. M.: Ich weiß von gar nichts.— Präs.: Frau M., Ihr Mann soll ein sehr sparsamer und fleißiger Mann gewesen sein?— Angell.: DaS ist richtig, aber er sorgte nicht kür seine Familie, er ließ unS darben.— r'.: Wie hat er Sie denn dehandelt?— Angekl.(weinend): hat mich von Anfang unserer Verheirathung gemiß- handelt und hat mich sogar einmal lodtstechen wollen.— Präs.: Die Zerwürfnisse kamen zumeist durch Ihre Söhne?— Angekl.: Fa.— Präs.: Sie standen den Söhnen immer bei? — Angekl.: Ja.— Präs.: DaS war doch aber nicht richtig, Ihre Söhne ließen doch bezüglich Ihrer Aufführung viel zu wünschen übrig; Ihr Sohn Hermann hat den Vater einmal geschlagen, Aldett hat dem Vater 130 Mark gestohlen und deshalb hat letzterer beide Söhne auS dem Hause gewiesen. Sobald die Söhne jedoch wußten, der Vater sei nicht zu Hause, haben dieselben fie besucht und wenn Ihr Mann dieS erfuhr, kam e« zwischen Ihnen und Ihren Mann zu argen Zerwürfnissen?— Ange- klagte: Ja, mein Mann trank auch bisweilen.— Präs.: Dem Trunk soll er sich aber lediglich in Folge der Famllim-Zer- würfnisse ergeben haben?— Angekl.: DaS ist möglich, wenn er betrunken war, verfiel er oftmals in Wuthkrämpfe.— Präs.: Nun faßten Sie mit Ihrem Sohn Albert den Entschluß, Ihren Mann zu ermorden?— Angekl.: DaS ist nicht wahr.— Präs.: Nun ziehen Sie doch Ihr bereits abgelegtes Geständniß nicht zurück, Sie haben doch selbst gesagt, Ihr Sohn Albert faßte schon lange den Entschluß, den Vater zu ermorden?— Ange- klagte: DaS kann sein, ich wußte aber nichts davon.— Prof.: Albert soll Ihnen schon mehrere Wochen vorher gesagt haben, er wolle den Vater ermorden?— Angekl.: DaS weiß ich nicht.— Präs.: Sie sollen schon früher einmal den Versuch ge- macht haben, Ihren Mann mit Arsenik zu vergiften?— Angekl.: DaS ist nicht wahr, mein Mann bat niemals allein gegessen. Präs.: ES ist aber eine große Quantität Arsenik in Ihrer Behausung gefunden worden, allerdings ist es ja möglich, daß dasselbe alS Rattengift gedient hat. Nun am 3l. Oktober 1SL4 des Morgen« kam Albert zu Ihnen?— Angekl.: Ja, er trank bei mir Kaffee.— Präs.: WaS sagte er da?— Angekl.: Er sagte, er wolle Abends zu un« kommen und den Vater er- schlagen.— Präs.: Und waS erwiderten Sie darauf?— Angekl.: Ich hiett e» nicht für ernst und sagte: du kriegst ja daS doch nicht fertig.— Präs.: Sagte er Ihnen, wie er den Vater ermorden wollte?— Angekl.(zögernd): Mit einem Klopfholz.— Präs.: Haben Sie Ihren Mann davon benach- richtigt?— Angekl.: Nein.— Präs.: Wann kam Albert?— Angekl.: Kurz vor 7 Uhr AdendS; er stellte fich zunächst auf dem Hof auf und wollte den Vater dort ablauem.— Präs.: Ihr Mann soll ein sehr kräftiger und gleich, ettig sehr muthiger Mann gewesen sein, der fich nicht ohne Weitere« hätte niederschlagm lassen!"— Angekl. schweigt.— Präs.: Nun wa« geschah weiter?— Angekl.: Etwa gegen 7'/, Uhr kam Aldett in die Küche und fragte, ob der Vater schon schlafe. Ich sagte zu ihm, er liegt wohl schon zu Bett, aber ringe- schlafen ist er noch nicht.— Präs.: Sle wußten doch, daß Aldett Ihren Mann todtschlagm wollte, suchten Sie ihn nicht wach zu hatten?— Angekl.: Dai konnte ich gar nicht.— träs.: Sie hätten doch aber Ihren Mann von dem Verhalten lbert'i in Kenntniß setzen können.— Angekl. schweigt.— Präs.: Nun, was geschah weiter?— Angekl.: Er ging in die Räucherkammer und wartete, biS der Vater eingeschafen sei.— Präs.: Sie haben den Aldett in die Räucherkammer ringe- schloffen?— Angekl.: Nein.— Präs.: Aldett hat steh den Rock deS VaterS angezogen und dessen Mütze aufgesetzt?— Angell.: Ja. — Präs.: Wieso kam er dabin?— Angekl.: Diese KleidungS- stücke werden wohl in der Küche gehangen haben.— Präs.: Nach einiger Zell fragte Sie Ihr Sohn, ob der Vater schon schlafe: Sie bejahten dies und da sagte Albett: Jetzt ist die Zeit gekommen?— Angekl.(heftig weinend): DaS ist wahr, ich sagte zu Albett, laß das sein, aber er hätte doch nicht auf mich.— Präs.: WaS that Albett nun?— Angekl.: Er nahm sich vom Vater ein Klopfholz und ging in die Stube, wo mein Mann schlief.— Präs.: Und da hietten Sie eS immer noch nicht für angezeigt, Ihren Mann zu wecken?— Angekl. (schweigt.)— Präs.: Sie sahen also ganz mhig zu, wie Albett auf den schlafmden Vater einschlug, und behaupten noch, von der Sache nichts zu wissen? — Angekl.: Ich sagte ja, daß ich schuldig bin, aber ich habe ja doch nichts gethan.— Präs.: Als Ihr Sohn den Vater schlug, da wurde Ihr nebenan schlafender Sohn Emil wach?— Angekl.: Ja.— Präs.: Sie gingen nun zu Emil und sagten demselben auf sein Befragen, wai in der Stube vorginge: der Vater habe die Krämpfe?— Arrgekü: Ja.— Praf.: Während Sie bei Emil am Bett waren, schlug Albett immer noch weiter?— Angekl.: Ja.— Präs.: Was geschah, wie Ihr Mann wie todt war?— Angekl.(weinend): Wir packten ihn in einen Sack und trugen ihn in den Keller hin- unter.— Präs.: Der Sack war nicht groß genug, deshalb war der Körper blos biS zur Hälfte in den Sack gehüllt?— Angell.: Ja.— Präs.: Nun, und waS geschah weiter?— Angekl.: Aldett sagte, ich solle zu den Kindem her- aufgehen und dieselben beruhigen, er werde den Keller zuschließen.— Präsident: Sie gingen nun zu Ihren Kindem hinauf, setzten fich zu ihnen anS Bett und strickten die ganze Nacht. Am folgenden Morgen haben Sie Jhrm Kindern eine große Geschichte vorgelogen. Sie haben gesagt: Ihr Vater habe fich mit Ihnen gezankt und sei in Folge dessen des Nachts fortgegangen?— Angekl.: Ja.— Präs.: Dieselbe Geschichte haben Sie Ihren Bekannten erzählt und schließlich auch der Polizei mitgetheilt?— Angekl.: Ja. Präs.: Was geschah nun am folgenden Morgm, dm 1. November?— Angell.: Albert kam schon frühzeitig. Wir aingm in den Keller und vergruben die Leiche unter ven Kallkasten. — Präs: Blieb alsdann Albett im Hause?— Angekl.: Nein, er kam erst gegen Abend, holte fich dm Sonntagsanzug de« VaterS und ging, mit diesem angtthan, zum Töpferball. (Große Bewegung im Auditorium.)— Präs.: Aldett zog jedoch sehr bald zu Ihnen und da Sie ein gewisses Gruseln empfan« den, so forderten Sie auch dm Hermann auf, mit seiner Braut zu Jhnm zu ziehen?— Angell.:(weinmd) Ja, eS klopfte immer so im Keller.— Präs.: Die Braut Ihres SohneS Hermann soll fich jedoch zunächst geweigett habm, Ihrer Aufforderung Folge zu leisten, indem dieselbe demerlle: Wenn der Vater wieder kommt, dann geht eS un« schlimm. Sie versetzten jedoch: fie brauche keine Angst zu habm, Vater komme nicht mehr wieder? — Angekl.: DaS ist nicht wahr, da« habe ick nicht gesagt.— Präs.: Einige Zeit nach dem Morde gm gen Ihre Vennögms- Verhältnisse zurück, so daß fie demüht warm, eine neue Hypothek auf Ihr Hau« aufzunehmen?— Angekl.(weinmd): Ja.— Präs.: Zunächst liehen Sie fich von mehreren Ihrer NachbarSleute Geld, um jedweden Verdacht abzuwenden?— Angekl.: Ja.— Präs.: Als von der Maurerkaffe der fällige Beitrag von Ihrem Manne verlangt wurde, da weigetten Sie fich» denselben zu bezahlen, mit dem Bemerken:„Mein Maun kommt ja doch nicht wieder"?— Angekl.: Das ist auch nicht wahr.— Präs.: Sie haben sogar Lmte, die Verdacht äußettm, Sie hätten in Gemeinschaft mit Jbrm Söhnen Jhrm Mann umgebracht, verklagt und in den Charlottmburger Zeitungen eine Warnung erlassen, Sie werden Jeden, der derartig schändliche Lügm weiter verbretten sollte, gettchtlich belangen? — Angekl.: Ja.— Präs.: Nun, Albert Marunge, Sie haben gehött, wie Sie von Ihrer Mutter belastet werdm, waS sagen Sie dazu?— Angell.: Ich habe dm Vater nicht todtgeschlagen. — Präs.: Sie sollen immer ein arbeitescheuer Mensch gewesen sein?— Angekl.: Da« ist nicht wahr, ich habe zumeist gear- bettet.— Präs.: Sie sollen schon lange vorher den Mord ge- plant haben?— Angekl.: DaS ist nicht wahr.— Präs.: Sie haben einmal Ihrem Vater 130 M. gestohlm, Ihr Vater hat Sie deshalb gezüchtigt und Sie aus dem Hause gewiesen?— Angell.: Das stimmt.— Präs.: Sie sollen in Folge deffm, also schon mehrere Jahre vorher RedenSattm gemacht haben, die darauf schließen ließm, daß Sie den Vater ermorden wollen. — Angell.: DaS ist nicht wahr.— Präs.: Nun, am 31. Ottobcr 1884 früh find Sie zu Ihrer Mutter gekommen und habm bei ihr Kaffee getrunkm?— Angell.: Ja.— Präs.• WaS geschah da?— Angekl.(weinmd): Mutter sagte, fie halte e« nicht mehr aus, der Vater mißhandle fie derartig, daß fie ihn erschlagen wolle.— Präs.: Haben Sie diesm Plan gebilligt?— Angekl.: Nein, ich habe ihr aber auch nicht ab« geredet. Ich blieb nur den ganzen Tag über zu Hause. AlS wir glaubten, der Vater werde nach Hause kommen, gab mit die Mutter einen Rock und Mütze vom Vater und schloß mich in die Räucherkammer ein.— Präs.: AuS welchem Grunde solltm Sie sich dm Rock vom Vater anziehen und seine Mütze aufsetzen?— Angekl.: Damit ich mich in der Räucherkammer nicht deschmutzte.— Präs.: Wie lange blieben Sie in der Räucherkammer?— Angekl.: Etwa'/« Stunden.— Präs.: Nun, waS geschah, als Sie aus der Räucherkammer kamen?— Angekl.: Mutter forderte mich auf, in das Vorderzimmcr zu kommen. AlS Ich eintrat, sah ich meinm Vater ermordet daliegm. Ich fiel sofott in Ohnmacht. — Präs.: Ein Mensch wie Sie, der am Tage nach der Er- mordung seine« Vaters fich dessen Sonntagsstaat anzieht und P Ball geht, fällt nicht so leicht in Ohnmacht?— Angekl. nend): Ich habe eine halbe Stunde in Ohnmacht gelegen. — Präs.: Sie wissen ganz gmav, daß die Ohnmacht eine balbe Stunde gedauett hat?— Angekl.: schweigt.— Präs.: Ihr Bruder Emil hat Sie ja durch die Thüripatte in dem Anzüge des Vater« in der Vorder stube stehen sehen?— An- geklagter: Davon weiß ick nichts.— Präs.: Hatte Ihnen Ihre Mutter gesagt, womtt Sie Jhrm Vater erschlagen solltm? — Angekl.: Ja, mtt einem Klopfholz?— Präs.: Ihr Vater besaß zwei Klopshölzer?— Angell.: Ja.— Präs.: Haben Sie fich nicht eine« K lopfholze« zu der Mordthat bedient und deS zweiten Ihre Mutter?— Angekl.'.Nein, ich habe den Va! er nicht erschlagm. — Präs.: Sie sollen den größtm Vortheil durch dm Mord gehabt haben?— Angekl.: Ich habe gar keinen Vottheil ge- habt.— Präs.: Sie sollen eS hauptsächlich auf daS Geld Ihre« VaterS abgesehm haben: wollten daS Töpferhandwerk nicht mehr auSübm und fich mit dem Gelde de« Vaters Wagen und Pferde kaufm und Fuhrmann werdm?— Angell.: Ich hatte ei auf das Geld des VaterS nicht abgesehm.— Präs.: Nun, nach geschehmer Ermordung halfen Sie Ihrer Mutter, den Vater in den Keller schaffm?— Angekl.: Ja.— Präs.: Zunächst habm Sie den Leichnam in dm Sack gesteckt?— Angekl.: Da« hat Mutter gtthan.— Präs.: Nun, am folgenden Morgen kamen Sie wieder zur Mutter?— Angekl.: Ja, Mutter bestellte mich, damit wir dm Leichnam ver- gruben.— Präs.: Sie find nun alsdann gleich zur Mutter gezogen?— Angeklagter; Nein, daß geschah erst 8 Tage später.— Präs.: DaS stimmt nicht, e« ist auch nicht anzunehmen, daß ihre Mutter e« in dem Hause, wo eine solch' furchtbare Mordthat geschehen, so lange allein auS- gehallen hätte.— Angekl.: Ich empfand ein gewisses Gruseln, deshalb zögerte ich, zur Mutter zu ziehm.— Präs.: Nun, so schlimm wrrd daS Gruseln wohl nicht gewesen sein. Ich habe Ihnen schon einmal vorgehalten, daß Sie am Abend nach der Ermordung Ihre« VaterS fich dm Sonntagsstaat des letzteren angezogm und zum Ball gegangen find. Sre sollen auf diesem Balle eine große Zeche gemacht haben und fich in Gesellschaft Ihrer sogenannten Braut sehr gut amüfirt haben. Ein solcher Mmsch empfindet wohl kein Gruseln?— Angekl.:(schweigt). — Präs.: Nun, Frau Marunge, Sie habm gehört, waS Ihr Sohn gesagt hat?— Frau Marunge(laut weinead): Der hat kein Herz mehr für seine Mutter.— Albett M.: Ich kann nicht anders sagen, als die Wahrheit. Wenn meine Mutter bedcnkm würde, daß ich eine Stütze meiner kleineren Ge« schwister bin, dann würde Sie ander« sprechen.— Präs.: Sie find noch niemals die Stütze Ihrer kleinen Geschwister ge« wesm?— Angeklagter schweigt.— Der dritte Angeklagte Hermann Marunge bestreitet mit aller Entschiedenheit, von der Ermordung irgend etwas gewußt oder HUfe dabei geleistet zu baden. Seine Mutter habe wohl einige Tage vor der Ermor« dung gesagt, daß der Vater fie mißhandle, etwas Weiteres wisse er nicht. Seine Mutter habe ihm nach dem Verschwinden de« Vater« gesagt: Vater habe mit ihr gezantt, habe fich plö?« lich angekleidet und sei fottgegangen. Sie sei ihm noch nach« gegangen, habe ihn gebeten, zu ihr zurückzukehren, der Vater sei jedoch dazu nicht zu bewegen gewesm. Er sei allerdings auf Auffordem der Mutter zu derselben gezogen, da ihm diese bedeutete: die Miethe, welche er jetzt zahle, könne er ihr geben, es wäre ihr daS eine sehr wesentliche Hilfe.— Präs.: Fürchteten Sie denn nicht die Rückkunft de« Vater«?— Angekl.: Ich sagte mir, wenn er er zurückkommt, können wir doch höchstens wieder wegziehen. — Präs.: Sie sollen an den Lehrer JhreS Bruders Emil ge« schttebm haben, er solle denselben wegen de» Verschwinden« JhreS Vater« nicht inquittrm, da dieser wegen eines Sitt- ltchkeitSverbrechens flüchtig geworden sei?— Angekl.: DaS habe ich erfahren.— Staatsanwalt: Ihr Bruder Franz will gesehen haben, baß Sie und Ihr Bruder Albett den Leichnam JhreS VaterS in dm Keller geschafft haben. Sie sollen den Vater am Kopse und Ihr Bruder Albett an den Füßen angepackt haben?— Angekl.: Da« ist entschieden ein Jrtthum.-% Staatsanwalt: Ihr Bruder Albert hat Ihnen gegenüber dock einmal eine Redensatt gemacht, die darauf schließen ließ, daß er den Vater ermordm wollte, ist Ihnen nach dem Verschwinden des VaterS dieser Vorgang nicht aufgefallen?— Angekl.: AlS ich mich in Uutersuchung befanv, dachte ich daran.— Staatsanwalt: Früher nicht?— Angekl.: Nein.— Damach ist die Ver« nehmuna beendet und e« wird mit der Beweisaufnahme begonnen. Kriminalkommissar Krause und Kttminalschutzmann Behrendt«, die im Wesentlichen in der gegmwättigm Angelegenheit die Recherchm geleitet haben, bekunden, in welcher Weise fie den Leichnam aufgefunden haben. Die ursprünglichen Angadm dtt Familie Mamnge haben fie für glaubwürdig gehalten. Al« die Angeklagten zu dem Leichnam geführt wurden, sagten Frau und Albett Marunge: fie wissen nicht, wie der Leichnam in dm Keller gekommm sei, fie vermögm dm Leichnam nicht»u erkennen, Hermann Marunge dagegen erkannte dm Leichnain mit voller Bestimmtheit wieder.— ES werdm zwei vor deo> Richtettische liegende Säcke aufgebunden und die Kleidung«« stücke, die der Ermordete btt seiner Auffindung an« gehabt, vorgezeigt. Dieselben verbreiten im Saale einen furchtbar üblen Gemch.— KreiSphyfikuS Doktor Fall bekundet: Mtt dem auf dem Richtettische lieaendm(W dicken Klopfholz kann der Mord sehr wohl vollfühtt wolven sein. Der Schädel zeigte auf der rechtm Seite ein große- Loch. Außerdem waren Stirntheile abgesprengt und der Kehl' köpf zertrümmett. Um den Hals war dem Ermordetm mehr« fach ein statter Strick geschlungen, in welcher Folge am Ha»' große Stttemen zu sehen waren. Von einer Erdrosselung war jedoch keine Spur vorhandm; es ist vielmehr mit Bestlmmr« heit anzunehmen, daß der Strick nur zur leichteren Fottschaffun« der Leiche gedient hat und daß der Tod durch die% trümmerung deS Schädel« erfolgt ist. Der Kret« phyfikui zeigt dm gräßlich zugettchteten Schädel. 2# selbe wird von dm Angeklagtm, ganz besonders aber von Frau Mamnge mit großer Aufmerksamkeit bttrachtet.— xr, Befragen des Prästdmtm bemerkt noch der KreisphyfikuS:% Möglichkeit, daß Frau Marunge die Schläge gefühtt, ist n™. ausgeschlossen, viel wahrscheinlicher ist e« jedoch, daß Alberr Marunge dieselben gethan. Die Schläge find jedenfalls w großer Gewall geführt worden.— BezirkSpbustkus Dr. Sck� und Dr. med. Schäfer(Charlottenburg) schließen stck hiel, Bekundung an.— E« tritt alsdann gegen 2'/« Uhr MUtag eine'/«stündige Pause ein. (Fottsetzung in der Beilage.) Vermischtes. Ueber de« Untergang de» Dampfer«„Oregon"*, stattete am 15. d. M. Kapitän Cottier, der Führer des on unglückten Schiffe», nachstehenden Bericht:„Wir hatten<■, der ganzen Fahrt schöne« Wetter. Auch am Sonntag � um 4'/, Uhr war der Himmel klar, bei einem frischen W'jo winde. Plötzlich tauchte ein Segelschiff auf. Als es z"*M bewerft wurde, sah man kein Licht, al« eS un« aber zu nar. war, um unS dm Weg frei machen zu können, wurde weiße« Licht fichtbar, doch weiß ich nicht, an welchem Sa thelle. Der„Oregon" fuhr mit vollem Dampf. DaS«' zeug stieß auf unseren Dampfer in der Mitte und brack�� denselben eine große Oeffnung. Sämmlliche wafierdichten. theilungen waren zur Zeit geschloffen. Der„Oregon etwa jim 12'/« Uhr, so daß er fich noch acht Stunden � ei" dem Waffer hielt, nachdem daS Unglück stattgefunden Er liegt jetzt in 22 Faden''.' Long-JSland. Nur die Mastenfpritzen wp.i MIL Tief»,"westlich von Watck � find aber Wellen fichtbar, da da« Schiff aufrecht' steht, obwohl da« der Berantwottlicher Redakteur 9t. Crsuhetm in Berlin. dem Vorderthttl zuerst in die Tiefe sank. Vom Augen Zusammenstoße« an arbeiteten wir derartig, alS od w» � Sinken erwarteten; aber ich selber glaubte nicht, on Dampfer sinken würde. Wir ergttffm die äußersten Vorst maßregeln. Die Pumpm waren nutzlo«. Natürlich benw�z wir fie in ihrer ganzen Kraft: aber gegm die Uninan. � einströmmden WaffeiS boten sse keine Aussicht auf � � Ohne Zeitverlust wurden die Paffagiere geweckt, von � nur wenige den Zusammenstoß gehött oder gefühlt haun� � befanden fich zur Zeit alle in ihren Betten. Bald naw. � Unglücksfall fuhr an un« ein Schiff vorüber— rj? xa« von der Nattonallinie,— aber e« setzte seinen Weg w• Fahrzeug, welche» un« angerannt hatte, muß unverzug funken fein, da e«»erschwundm war, alS wir uns n. pi« umsahen. ES muß alle Personm an Bord mtt st».£ that Tiefe gerissen babm. Al« ich fand, daß der Dampfer 1 �ttes- ich da« Nöthige, um die Paffagiere_„ Per Zuerst feuerten wir Raktten al» Nothfignale af.ffagiett Kapitän schildett demnächst die Uedettragung der-p �jges und Mannschaft, 400 nach der Lootsmbatte utrt»*| tfl Sick 500 nach dem Dampfer„Fulda", der kur, vor M'tt 8� rr« kam. Der Kapitän füat hinzu:„ES gab an Bord gon" keine Szenen. Ich erwartete niemals, tti»>0 �.Sesell so leicht abgewickett zu sehen." Die Kunard-Damoiia». schaft hat eine Prüfung der L—" da die Hebung deS Dampfers .. r Die Kunard- Prüfung der Lage des.„Oregon z deS Dampfer« deabfichtigt wird- Druck und Verlag von««»ading in Bettin 8W, Beuthstraße 2. Hier«« eto« Beilage zum Berliner Volksblatt. 73. Dienst««, de« 80. März 1886. III. Die liklMm lumultr. Die Nack'ichten aus ben Etreikrevleren werden immer be» drohlicher. Charleroi ist jetzt der Mittelpunkt der Biwrgunst. Die ganze Nacht vom 26. dauerten die Ruhestörungen und Verwüstungen fort. In Roux gab ein Trupp Soldaten auf die Streikenden Feuer, tödtete fünf und verwundete eine große Anzahl derselben. Viele Landhäuser und Schlöffer der Um> gegend find in Brand gesteckt. In Marchienne und Roux wird um einen weiteren Zuzug von Truppen gebeten. Nach weileren Mitiheilungen von Wolff's Telegraphenbureau find in dcr erwähnten Nacht fünf Schlöffer und acht große Glas- fabriken vollänvig geplündert und niedergebrannt worden. General van ver Smiffen ist mit dem Stabe und zwei Ba taiüonen Soldaten nach Charleroi abgegangen. Darnach er- scheint folgendes Privattelegramm des„Berl.Tgbl." aus Lüttich vom 27. Mär, kaum übertrieben:„In dem Gebiete von Charleroi ist überall der Streik ausgebrochen; die Situation ist verzweifelt. Alle Glasfabriken von Lodelinsart wurden gestern verwüstet. Glasfabrik und Schloß von Eugen Baudoux in Jumet wurden von 3000 Arbeitern geplündert, mit Petroleum getränkt und in Brand gesteckt, 25 LareierS in die Flucht geschlagen und verfolgt. Zahlreiche Fabriken stehen in Flammen. Der Schaden beträgt an zwei Millionen. Fn Chatelineau stehen die Holzmagazine von Piette in Brand. Bei den Zusammenstoßen mit den Truppen wurden der Bürgermeister und viele Arbeiter verwundet. Die Panik ist unbeschreiblich. In Marchienne wurden diese Nacht viele Au bester erschaffen, viele verwundet. Die vorhandenen Truppen find ungenügend. In Louoiere und Möns ist gleichfalls der Streik ausgebrochen. Die Haltung der Arbeiter in Tournai ist drohend. Unruhen ernster Art werden in Antwerpen er« wartet." Die wichtigsten offiziellen Telegramme aus Charleroi vom 28. März lauten:„Die Stadt ist augenblicklich nur von der Bürgergaide bewacht, da sämmtliche Truppen in die Um gegend abgegangen find. Der Bürgermeister hat, da die Bürgergarde von ihrer Thätigkeit in den letzten Tagen sehr erschöpft ist, einen Aufruf erlaffen und Freiwillige zur Vertheidigung der Stadt aufgefordert. Die angekündigten Truppenverstärkungen find bis jetzt noch nicht angekommen. Die Ruhestörungen in der Umgebung der Stadt dauern fort, von Chatelet, Cbatelineau und von Couillct auS wurde hier Hilfe verlangt. An mehreren Orten baden Haufen streikender Arbeiter fich vor Fabriken und Werk. stätten aufgestellt, deren innere Räume von Militär besetzt find, ein thätlicher Zusammenstoß scheint deshalb unausbleiblich. In Marchienne s wurde durch Maueranschläge zur Revolution auf- gefordert. In Roux wurden bei einem Zusammenstoß zwei Autrührer getödtet. Der Belagerungszustand ist hier und in Ver Provinz verkündet worden, daS Militär hat Befehl erhalten, nach der erstmaligen Aufforderung sofort mit der Waffe gegen die Ruhestörer vorzugehen. An mehreren Orten find, obschon dieselben von Truppenabtheilungen besetzt worden waren, erneut Plünderungen vorgekommen. Heute Vormittag wurden namentlich die Fleischerläden geplündert. Aus MonS wird vom Sonntag Nachmittag offiziell tele graphirt: General van der Smiffen hat die allgemeine Leitung der zur Herstellung der Ruhe in den Provinzen Lüttich und Hennegau bestimmten Truppen übernommen. Zur Erhaltung der Ordnung in den zentralen Theilen der Provinzen, wo fich fich seit heute früh bei Loge verschlimmert haben soll, gehen eben Truppen nach AnderlueS und Mariemont ab. In Ouaregr on und Flenu haben die Arbeiter angekündigt, daß fie die Arbeit am Montag einstellen würden. Ein Bataillon vom 7. Linienregiment ist nach Maronwelz, eine ESkadron LanzierS ist nach Slrepp, eine Kompagnie Häger ist nach Quareanon abgegangen. In Brüssel soll fich der Ministerrath in Permanenz erklärt haben. Am Sonnabend früh fand die Polizei an allen Ecken und Enden der Hauptstadt ein anar. chistisches Plakat, welches zur Plünderung auffordert.„Ge- Nossen des Elends!— heißt es in dem Schriftstück— Sonn- abend, nach einer schweren Arbeit von 8 oder 14 Tagen, werden unsere Brodherrn uns für unsere ermüdenden Tagewerke zu be« zahlen geruhen. Wenn wir alle die kleinen im Laufe der Woche auf- ge häuften Schulden dezahlt haben werden, was wird uns bleiben? Nichts, leider, und unsere Frauen und Kinder gehen zer« lumpt einher und laufen barfuß herum. Wir selbst ver- faulen in unseren ungesunden engen Löchern, wohin niemals ein Strahl der Sonne dringt! Nur eine Quelle bleibt uns, um diesem unerträglichen Zustand abzuhelfen. Wir haben in den Auslagen der Läden alle die Gegenstände zur Lefriedi« gung nothwendiger Bedürfniffe gesehen, vor unseren Augen ausgebreitet unv uns förmlich einladend, fie zu nehmen. Nun denn, Genossen, laßt uns sie nehmen. Zu diesem Zwecke wollen wir unS Alle Samstag Abends um 7 Uhr ras warcbs anx herbes vor der Passage versammeln und uns, gestützt auf unsere Zahl und Energie, aller Dinge bemächtigen, welche unS fehlen. Unser Losungswort sei: Jeder lege Feuer an an die schmutzigen Schlupfwinkel, die er bewohnt. Wir wollen fortan uns im Quartier Leopold(dem aristokratischen Stadtviertel) einquartieren."- Diese Diebslogik hat glücklicher. weise bei den bereits aufgeklärteren Arbeitern BrüffeiS keinen Anklang gefunden. Verschiedene Meetings, in Brüssel, in Lou- were u. s. w. find ruhig verlaufen.— Im Basfin Lüttich ist «ine wesentliche Besserung der Situation eingetreten; von 13000 Kohlen arbeilern bat die Hälfte die Arbeit wieder auf. genommen. Gewaltthätigkeiten find in dm letzten Tagen nicht wehr vorgekommen..„. „ Zwischen den Kaisermächten sollen angefichtS der Vorgänge in Belgien vertrauliche Besprechungen über eventuelle gemeinsame Schritte gegen die Anarchisten begonnen haben; ähnliche frühere Besprechungen find bekannt« i'ch resultatloS geblieben. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. Am Tische de» BundeSralhS v. Boetticher. �as HauS tritt in die erste Berathung des Gesetzentwurfs, den ServiStarif und die KlasseneintHei« Un».? ber Orte, der am 1. April 1886 in Kraft tretm y,'' in Zukunft nur von zehn zu zehn Jahren revidirt wer« jou. c,, Abg. Richter: Mich hat das Einbringen dieser Vorlage bu.?. in dem Moment, wo der ReichSetat für 1886- 87 pu J? und der preußische unmittelbar vor der Publikation 31, Ü. befremdet. Denn auch die Mehrforde rung von 900 000 vom 1. April d. I. an für Wohnungsgeldzuschuß und ß/sw* werben die nach langen Berathungen abgeschlossenen in m Reiches und der Ernzelstaatm wieder verändert und Verwirrung gebracht, so daß es den Finanzministern sehr schwer wird, ihre Finanzen in Ordnung zu halten. Der Reichskanzler hat neulich bewegliche Klagen über die Noth in den Einzelstaaten, die Schwierigkeiten, die Steuern aufzubringen, und über den Reichstag geführt, der dieser Noth nicht abhilft. Nun würden wir die Einzelstaaten durch diese Vorlage in doppelter Weise belasten: fie müßten die zu ihrer Freude ermäßigten Matrikularbeiträge wieder um etwa 1 Million erhöhen und außerdem wird der erhöhte Wohnungsgeldzuschuß im Reich auch maßgebend für den in den Einzelstaaten, z. B. in Preußen gezahlten. Auch für den Kommunalhaushalt hat die Aenderung in der Klasfifikation der Orte eine Bedeutung; denn auch Provinzial-, KreiS- und selbst Lokalverwallungen gewähren ihren Beamten Wohnungsgeldzuschuß(die Lehrer an höheren und solchen Anstalten» bei denen daS noch nicht der Fall ist, erheben ja darüber ledhafte Klage) nach Maßgabe der Ein theilung der Orte in die Reietsgesetzgedung. In alle diese Flnanzverhältniffe würde diese Vorlage gerade jetzt beim Be ginn eines neuen Etats verwirrend eingreifen. Die Regierung geht mit allerlei Steuerplänen der umfassendsten Art um und wird fich für dieselben uns gegenüber auf jede neue ihr ge> machte Mehrbewilligung berufen. Also hüten wir uns davor! Der R-ichskanzler mit seiner Theorie des horror vaeni, zu der er fich ausdrücklich bekannt hat, machtVorlagen, die vielGeld kosten und eine leere Kaffe erzeugen; er denkt, daß der horror vaeni bei den Volksvertretungen wird mitwirken, die Kasse durch neue Steuern wieder zu füllen. In der Vorlage ist nur von der Wohnung die Rede, aber der Militärservii ist ja nicht bloS für die Wohnung bestimmt, sondern auch für Feuerung und Beleuchtung, sonst hätte eS ja gar keinen Sinn, daß ein höherer Satz von dem SeoiS in den Monatsraten deS Winters alS im Sommer dezahlt wird. DaS WohnungSverbältniß in den Siädten hat in den letzten Jahren eine große Veränderung erfahren durch die Entwickelung deS Pferdebahnwesens und der auf den Lokal- und Nachbaroerkehr berechneten Verkehrsmittel; der Beamte kann jetzt in Vororten meilenweit vor der Stadt wohnen, in der er feine amtliche Thätigkeit ausübt. Tausende von Berliner Beamten wohnen meilenweit entfernt in Vor- orten und beziehen, so viel ich weiß, den WohnungSzuschuß, alS ob fie in Berlin wohnten. Man muß daher selbst die bisherigen Sätze anders ansehen, als es früher der Fall gewesen ist. Einen sehr großen Theil der Ausgaben nehmen die Versetzungen von Breslau, Köln und Leipzig aus der ersten Eervisklaffe in die Klasse Ä in Anspruch. Die Versetzung dieser drei Orte, mit ihren großen Garnisonen und einer großen Fülle von Behörden hat allein schon einen sehr erheblichen finanziellen Effekt, der fich in den LandeShauS« haltSetats in die Hunderttausende steigern wird. Man denke nur an daS Heer der Eisenbahndeamten. Nur mit Mühe setzte eS die Regierung im Reichstage durch, auch für Militärper- fönen jenen Zuschuß neben dem ServiS einzuführen. Beide find ja wesentlich dasselbe, um so unrichtiger ist diese doppelte Berechnung des lokalen Zuschusses. ÄlleS, was in diesem Gesetz erhöht wird, kommt dreifach den Militärpersonen zu Gute gegenüber den Zivilpersonen, well der Eervis an fich doppelt so hoch ist alS der WohnungSgeldzuschuß und also eine Militärperson, indem ein Ort in eine Höhr« Klasse gesetzt wird, denselben Vortheil hat wie der Zivilbeamte an Woh- nungSgeldzuschuß und außerdem noch den doppelten Vortheil auS dem Servis. Ein Lieutenant in Berlin, also in Klaffe A., bezieht gegenwärtig an WohnungSgeld- zuschuß und ServiS 960 Mark, eine Versetzung also auS der ersten Klaffe in die Klasse A, wo jetzt 720 M. bezahlt werden, bedeutet eine Verbesserung von 240 M. Hätten wir daS Geld dafür, so läge vielleicht nichts näher, alS den Woh- nungSgeldzuschuß der Unterbeamten in Betracht zu ziehen, der im Verhältniß zu dem der Eubalterndeamten zu gering be« messen ist; mit 80 M. in Berlin, 60 M. in der ersten, 48 M, in der zweiten, 31 M. in der dritten Klaffe, zumal bei den Preisen im westlichen Deutschland. Diese anscheinend sehr harmlose Vorlage hat Millionen in ihrer Konsequenz, und wir müssen sparsam fein; wenn wir uns nicht für neue Steuern engagirm wollen, so ist fie die erste Probe für diese unsere taltung. Für diese Vorlage haben wir aber HiS zum nächsten ahre völlig Zeit und dann auch einen besseren Ueberblick. Staatssekretär v.Boetticher: Meine Herren, unter allen Vorwürfen, die man der Vorlage hätte machen können, glaube ich, ist der der ungerechiseitigste, den der Herr Abgeordnete Richter gegen unS erhoben hat, daß die Vorlage jetzt gerade sehr inopportun und unzeitgemäß käme. Die verbündeten Regierungen haben diese Vorlage etwa nicht gemacht, weil eS ihnen so gefallen hat, sondern fie haben fie machen müssen auf Grund einer gesetzlichen Vor« schritt, und zwar auf Grund der Vorschrift im Quartier« leistungsgesetz, worin ausdrücklich steht, daß vom Jahre 1872 ab die Tarife und Klaffeneintheilungen der Orte einer allge- meinen, alle 5 Jahre zu wiederholenden Revifion unterliegen. Wir find dem Zwange des Gesetzes gefolgt, und diesem Zwange werden Sie fich auch nicht entziehen wollen und nicht entziehen können; Sie müssen, so lange die Vorschrift im Z 3 deS OuartierleistungSgesetzes besteht, jetzt, da die fünf Jahre ab« gelaufen find, in eine Revifion eintreten. So viel ist weiter klar, daß wir nicht ohne Weiteres die Mehrausgabe, die auS dieser Revifion erwächst, übernehmen können, sondern daß wir entweder zu diesem Ende einen NachtragSetat einbringen, sofern die Revifion für das Jahr 1886/87 in Kraft tritt, oder daß wir die Ausgabe über den Etat machen und nachher dem Reichstag Rechenschast über die Verwendung geben. ES ist richtig, daß wir bei der Vorbereitung dieser Vor- läge einen ganz erheblichen Drang von Seiten der verschiedenen in Betracht kommenden Städte, welche den Wunsch hegten, in höhere ServiSklaffen angewiesen zu werden, ausgesetzt gewesen find. Es liegt daS in der Natur der Sache. Es haben gar viele Einwohner der Städte ein Interesse daran, die Servisklaffe möglichst hoch zu schrauben. Aber gerader dieser Drang und die dadurch gebotene sorgfältige Prüfung der einzelnen in Betracht kommenden Verhältnisse hat es herbeigeführt, daß die Vorlage nicht so zeitig hat gemacht werden können, wie eS bei strikter Anwendung der Vorschriften deS§ 3 deS von mir an« gezogenen Gesetzes nothwendig gewesen wäre. Die Verhält- nisse, welche der Herr Abgeordnete Richter als sehr berück« itigungSwerth hingestellt hat, namentlich bei den großen Städten der Einfluß, welchen die neueren Kommunikations- mittel auf den erleichterten Verlehr zwischen den Zentren der großen Städte und ihren Erceinten geübt haben,— alle diese Verhältnisse find bei der Vorberathung deS Gesetzentwurfs sehr reiflich in Betracht gezogen, und wenn der Herr Abg. Richter es der Vorlage zum Vorwurf macht, daß über diese Verhältnisse nicht eine genaue und detaillirte Auskunft in der Begründung gegeben sei, so mache ich ihn darauf aufmerksam, daß, wenn man rück- fichtlich jedes einzelnen Ortes eine schriftliche unb gedruckte Dar« stellung der in Betracht kommenden einzelnen Verhältnisse hätte geben wollen, man zu einem außerordentlich umfassenden OpuS gekommen wäre, für daS fich schwerlich die Mehrzahl d-r Herren ReichStagiabgeordneten besonders ioteretsirt baden würde. Sie werden nicht umhin können, da, wo es die distributive Gerech- tigkeit fordert das zu thun, was Ihnen die Vorlage nach sehr gründlicher Ueber legung vorschlägt. Abg v. K ö l I e r: Der Abg. Richter hätte viel eher zu der Bemängelung Veranlassung haben können, daß das Gesetz e r st jetzt, als daß eS n o ch jetzt eingebracht wird. Eigentlich mußte ein revidirt« ServiStarif bereits am 1. April 1884 in Kraft treten. Die umfangreiche Arbeit hat fich eben nicht schneller erledigen lassen. Die Vorlage greift durchaus nicht verminend in die Etats der Einzelstaaten und des Reiches ein, denn eS ist ohne Srörung ein Nachtrag möglich oder die nach- trägliche Genehmigung einer Etatsüberjchrcitung. Daß die Pferdebahn Denen, welche in einer Stadt mit hohem ServiS» tarif ihre Arbeit leisten, in Vororten zu wohnen gestattet, mag wohl für Berlin zutreffen, aber nicht allgemein. Richter be« trachtet die Verhältnisse ganz einseitig vom Standpunkte deS Berliners aus; die übergroße Mehrzahl der Siädte hat doch ar keine Pferdebahnen. Redner geht an der Hand von Einzel- allen auf den Nachweis des Bedürfnisses für zahlreiche Sräote ein, bittet die Vorlage nicht engherzig, sondern von dem Ge« fichtSpunkte auS zu betrachten, daß den gesetzlichen Vorschriften genügt werden müsse; man solle gewiß im Einzelfalle sorg- fältig prüfen und sparsam zu Werte gehen, aber nicht kurzer Hand den Entwurf hinausschieben. Zur Vorberathung empfiehlt er eine Kommisfion von 14 Mitgliedern. Abg. Witt: Die Kommisfion wird lange damit zu thun haben, wenn fie die Sache gründlich erledigen will. Deshalb dedauere ich es, daß uns die Vorlage erst jetzt am Schlüsse der Sesfion(Ruf rechts: Oho! Schluß der Eesfion! Heiterkeit) gebracht wird. In dem Entwurf finden fich außerdem recht wunderliche Dinge, die der Kenner der betreffenden örtlichen Verhältnisse gar nicht begreift. So ist z. B. Charloltendurg, das doch nur durch eine einzige Straße von Berlin getrennt ist, nicht in Sevisklasse A, wie Berlin und sogar Breslau. Ein anderer sonderbarer Umstand liegt darin, daß man die Artillerie« und Ingenieurschule, obwohl sie mit dem Poly- technikum in einer Entfernungslinie von Berlin liegt, zu diesem, d. h. also der Eervisklaffe A, zurechnet, während die Zivil- beamten deS letzteren der niedrigeren Servisllafie zug« hören. Dadurch werden diese Zivilbeamten um so empfindlicher ge» schädigt, als fie früher in Berlin bissen höheren Satz erhielten. Auf diese Details wollte ich nur hinweisen, näher darauf ein- zugehen, wird Sache der Kommission sein. Staatssekretär v. Boetticher: Ich möchte nur den Vorwurf ablehnen, als ob in der Vorlage in Bezug auf das Polytechnikum und die Artillerie- und Ingenieurschule eine Inkonsequenz bestehe. Für die letztere wird ja nicht erst jetzt die Klaffe A verlangt, sondern die Verlegung ist schon bei der letzten Revifion des Tarifs geschehen; die Gründe, weshalb nicht bei dem Polytechnikum das Gleiche geschehen ist, werden ohne Zweifel in der Kommisfion auseinandergesetzt werden. Im Uedrigen sollte wohl nur ein Schmerzenischrei Charlottenburg in die höhne Eervisklaffe verhelfen.(Heiterkeit.) Ich habe gar nichts dagegen, wenn der Vorredner seine Gründe in der Kommisfion geltend macht, es werden ihm dann ficherlich auch die Gcgengründe vorgeführt werden. Wenn er gemeint hat, daß jetzt nicht mehr Zeit sei, in eine kommissarische Beralhung einzutreten, weil der Schluß deS Reichstages nahe bevorstehe, so glaube ich, int er(Heiterkeit). Ich will ihm in dieser Beziehung nur mit dem Schnz ant« worten, mit dem Abg. v. Wöllwarth neulich seine Ausfüh» rungen schloß:„Es wär so schön gewesen, eS hat nicht sollen sein!"(Stürmische Heiterkeit. Beifall rechts.) Abg. RackS(Zentrum) bittet die Vorlage nicht a limine abzuweisen. Mit Verweisung an eine besondere Kommisfion von 14 Mitgliedern ist Redner einverstanden. Abg. v. K a r d o r f f schließt sich diesem Vorschlage eben- falls an. Abg. W ind th o rst hat zwar nichts gegen dieBeraihung der Vorlage durch eine besondere Kommisfion einzuwenden, wenn er auch eigentlich die Budgetkowmijfion für berufen erachte. Die Vorberathung werde fich sehr eingehend über die Verhältnisse der verschiedenen Orte, für welche Aenderungen vorgeschlagen würden, unterrichten müssen, da bei mehreren Fällen irrthümliche Voraussetzungen bestanden haben müßten. So solle beispielsweise _____________ sein Wahlott Meppen in eine niedere Klasse versetzt werden, was er alS besondere Freundlichkeit des BundeSralhS betrachte.(Große Heiterkeit.) Alle in der Vorlage enthaltenen Abänderungen müßten ihm gründlich und stichhaltig motivirt werden, sonst sage er lieber: es bleibt beim Alten.(Heiterkeit.) Abg. Meyer(Jena) wünscht eine Kommisfion von 21 Mitgliedern, weil es aus die genaue Kenntniß der verschie» densten Verhältnisse Deutschlands ankomme. Durch die Ver- setzung von Städten in höhne Eervitklassen erführen übrigens nicht blos Offiziere und Beamte Voriheile, sondern eS käme auch die alSdann höhere Entschädigung der Quartierleistungen erheblichen Theilen der Bevölkerung zu Gute. Abg. Richter: Ich weiß nicht, weshalb eine besondere Kommisfion und nicht die Budgetkommisfion mit der Vor de« rathung betraut werden soll. Alle Erfahrungen in solchen Fällen sprechen gegen eine besondere Kommisfion, da in diesen die lokalen Interessen in den Vordergrund treten. Wird eine besondere Kommission niedergesetzt, dann Gnade dem Reichs- säckell In der Vorlage überwiegen bei Weitem die Herauf» fetzungen, dann werden wir vor einer Koalition verbündet« Lakalinieressen stehen, wogegen Alle wehrlos find. Das Gesetz schreibt nicht nur Revifion der Klaffeneintheilung vor, sondern auch Revifion deS Tarifs. Davon nimmt die Regierung aber selbst Abstand, und doch wäre eS gerade dadurch möglich, eine Erhöhung deS ServiS auszugleichen. Herr v. Köller wies mir gegenüber auf die auch fönst vorkommenden EtatSüberschrei» tungen hin; aber daS ist doch ganz etwas Anderes, dieselben dürfen doch nur unvorhergesehen eintreten. Er meinte auch, ich sähe die Dinge vom Standpunkte des Berliners an. DaS ist unrichtig, die kleineren Orte spielen in der Vorlage eine sehr geringfügige finanzielle Rolle, die großen Städte mit ihren großen Garnisonen, mit großen Post- und Eisenbahn- Verwaltungen und einem Heer von Beamten find hier finan» ziell defondns wichtig. Der Löwenantheil der 900000 M. kommt mit 600000 M. auf daS Militär, nur 300000 M. auf die Zioilbeamten, obwohl z. B. Postbeamte in allen, auch den kleinsten Orten find. Abg. RackS«klärt fich nunmehr ebenfalls mit der Ver- Weisung der Vorlage an die Budgeikommisfion einverstanden. Abg. v. K ö l ler hält eine besondere Kommisfion von 14 Mitgliedern namentlich deshalb für zweckmäßiger, weil fie schneller arbeiten werde. Abg. Richter: Mit Bezug auf die Bemerkung bis Abg. v. Köller, daß ich einen einseitigen Berliner Standpunkt vertrete und die Verhältnisse auf dem Lande nicht kenne, muß ich doch noch sagen, daß ich mehr Beziehungen zum platten Lande habe, als den Konservativen vielleicht lieb ist. Wir müssen ja stets scharf aufpassen, daß die Landräthe in den kleinen Orten keinen Unfug machen.(Oho! rechts. Heiterkeit links.) Abg. v. Köller: Darauf erwidere ich, und zwar nicht namens der Landräthe, sondern in meiner Stellung als Volks- Vertreter, daß dem Abg. Richter jedes Verständniß abgeht für das, was ein Landrath zu thun hat; daß ihm daher auch jedeS Urlheil darüber fehlt, ob ein Landrath Unfug treibt oder nicht, und waS überhaupt Unfug eines LandrathS ist.(Sehr wahr! rechts.) Abz. Richter: Ich habe schon ein Landrathsamt ver« waltet, als der Vorredner wahrscheinlich noch gar nicht ange- fangen halte zu studiren.(Heiterkeit.) Abg. v. K ö l l e r: Es ist aber auch bekannt, daß Herr Richter nicht Landrath geworden ist. Warum? Weil er nicht zu brauchen war!(Heiterkeil.) Abg. Richter: Herr v. Köller sollte, ehe er so etwas behauptet, lieber erst seine Nase in den Parlaments- almanach stecken. Dort würde er eines Besseren belehrt werden. Abg. v. Köller: Darüber hat Herr Richter mir keine Vorschriften zu machen. Uebrigens: Epiegelberg, ich kenne dich!(Große Heiterkeit.) Die Vorlage wird darauf der Budgetkommission überwiesen. ES folgt die zweite Berathung der Novelle zur Ge- werbeordnung. Es soll danach in die Gewerbeordnung ein§ 204b ein- Seschaltet werden, wonach den Jnnungsverbänden durch Be« dluß deS BundeSrathS die Rechte juristischer Personen ertheilt werden können. Abg. Lohren: Die Vorlage erfüllt wenigstens einen der Wünsche, die ich in Bezug auf das Jnnungtwesen habe. Ich bitte Sie, auf dem mit dieser Vorlage betretenen Wege fortzuschreiten; dann werden Sie zu einer gesunden Lösung der Hand werkerfrage nicht auf sozialdemokratischer, sondern auf sozial, monarchischer Basti gelangen.(Beifall rechts.) Abg. v. Kleist- Retzow stellt einen Abänderungsan« trag, wonach den JnnungSverbänden anstatt durch den Bun- desrath, durch diejenigen Behörden daS KorporationSrecht toll ertheilt werden können, welche die Statuten der Ver« bände zu genehmigen haben; und zwar sollen für die Ertheilung maßgebend sein vom BundeSrath zu erlassende Normativbestimmungen. Der Antragsteller führt aus, daß sein Amendement der großen Disparität vorbeugen wolle, welche nach der Regierungsvorlage entstehm würde. Staatssekretär v. B o e t t i ch e r: Ich bin zwar noch nicht in der Lage, eine Erklärung darüber abzugeben, ob die Re- gierungen den Antrag Kleist, der ihnen bisher noch garnicht vorgelegen hat, akzepliren werden; soweit eS aber auf mich an» kommt, habe ich gegen den Antrag recht erhebliche Bedenken, Der Antrag enthält eine Abweichung vom gemeinen Recht, nach welchem über die Ertheilung von KorparationSrechten nie« mals eine verhältnißmäßig untergeordnete Behörde zu ent« scheiden hat, sondern solche Rechte werden entweder durch Ge« setz unter bestimmten Bedingungen oder durch den Landes« Herrn ertheilt. Nur nach dem Rechte deS Königreichs Sachsen kann in destimmten Fällen auch die Verwaltungsbehörde über die Ertheiluug entscheiden: es ist daS aber eine stnguläre Ausnahme, die fich auch nicht auf wirthschaftltche Verbände ä Abg. Baumbach: Ich bezweifle doch sehr, ob die JnnungSverbände eine so bedeutende Sicherheit leisten, also 200000 M. bei der ReichSbanl werden hinterlegen können. WaS ein RcichsinnungSamt eigentlich zu thun haben soll, ist mir nicht klar. Im Allgemeinen bin ich ja kein prinzipieller Gegner deS Gesetzes. Aber ich glaube doch nicht, daß diese „deutschen" JnnungSverbände so bedeutend find, wie man be« hauptet. WaS wollen 45 Verbände mit 80000 Genoffen bedeuten gegenüber der Thatsache, daß eS allein 182000 selbst« ständige Schneider und 234000 selbstständige Schuhmacher giebt. Wenn wir aber einmal dieses Gesetz beschließen, so wollen wir doch auch den Fach« und Berufsvereinen der Ar« bester dieselben korporativen Rechte einräumen wie den JnnungSverbänden.(Beifall links.) Agg. Meyer(Jena): Die Vorlage verdient den Vorzug vor dem Antrag Kleist. Retzow. Die Ertheilung der KorporationS> rechte muß eine einheitliche sein und in der Hand der Reichs« organe liegen. Die Sache könnte dem ReichSarnt des Jnnem übertragen werden, aber nicht einem ReichS-JnnungSamt. Abg. v. Ackermann: Geben wir dem BundeSrath dai Recht, Korporationsrechte zu ertheilen, so nehmen wir durch Gesetz den Landesherren das Recht, ihrerseits noch solche Rechte zu ertheilen. Ich halte die lokale Regelung dieser Sache für geeigneter, als die von ReichSwegen. Staatssekretär v. B o e t t i ch e r: Der Vorredner befindet fich in einem fundamentalen Jrrthum. Ich hätte doch er- wartet, daß die Herren die Vorlagen, die wir ihnen bringen, etwas gründlicher studirten und uns nicht Dinge unterschieben, die wir gar nicht beabstchtigt haben.(Heiterkeit links) Nachdem Abg. v. Kleifl«Retzow nochmals seinen An« trag befürwortet, wird derselbe abgelehnt und§ 140h un» verändert mit großer Mehrheit angenommen. Bei§ 104 k, welcher bestimmt, daß die JnnungSverbände für die zu ihnen gehörenden Innungen die im§ 97 der Ge« werbecrdnung bezeichneten Einrichtungen zur Förderung deS Gewerbes(Fachschulen, Kranken« und Sterbekaffen«.) treffen können, macht Abg. Schneider daS Bedenken geltend, od diese Verbände die nöthlgen finanziellm und sonstigen Voraus« setzungen zu so weit gehenden Befugnissen besäßen. Was diese Verbände bisher geleistet, fei wmig vertrauenerweckend. Nachdem Abg. Lohren fich für den§ 104 k ausgesprochen, wird derselbe angenommen. Zu§ 104e demerkt Abg. Baumbach, daß die Erfahrung ihm gezeigt habe, daß eine staatliche Aufstcht über die JnnungS- verbände nothwendig sei. In Berlin sei ein Streit auSge« brachen zwischen dem JnnungSverbände„Germania" und der Bäckertnnung„Concordia", die einige Erfolge für fich aufzu- weisen habe und deren Leistungsfähigkeit außer Frage stehe. Die„Germania" habe trotzdem der„Concordia" den Eintritt in den JnnungSoerband unmöglich gemacht aus rein zünftle« rischem Egoismus. Die„Concordia" habe fich hierauf an die Behörde gewandt, aber ohne Erfolg. § 1041 wird genehmigt, ebenso der Rest deS Gesetzes. Schluß 4V« Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 12 Uhr: Sozialistengesetz._ Lokales. Die immer unerträglicher gewordenen Zustände an de« Rtvean-Uebergängen der Berlin-Stettiner Bahn an der Liefen- bezw. Badstraße haben die Bewohner des Wedding und Gesundbrunnens veranlaßt, eine mit taufenden von Unter- schritten bedeckte Petition an daS Abgeordnetenhaus zu richten, in welcher dasselbe gebeten wird, die s»on vor Jahren als unhaltbar anerkannten Zustände an den Niveau- Uebergängen in der Badstraße und Liesenstraße in den KreiS seiner Be« rathungen zu ziehen und den Herrn Eisenbahnmtnister zu ver« anlassen, den als berechtigt anerkannten Beschwerden endliche Abhilfe zu gewähren. Begründet wird dies Petitum damit, daß den Petenten schon im Jahre 1873 die Berstcherung zu Theil geworden ist, daß mit dem Neubau des Bahnhofs- Ge> bäude auck die Beseitigung des schon damals von der staat» lichen AuffichtSbehörde als gefährlich anerkannten ZustandeS eintreten solle. Gleichwohl hat, trotz deS Protestes des Polizei- prästdiumS und de« Magistrats, der Eilenbahnminister aus Motiven, die fich der allgemeinen Kenntniß entziehen, die Bau- erlaubniß erlhcilt, ohne daß die Mißstände beseitigt worden, sondern diese find auch noch durch die Einführung deS Stadt- bahnverkehrs so in'S Unendliche gesteigert, daß eine Ab- stellung derselben absolut nothwcnd'g ist. Täglich pasfiren 120 Züge diesen Knotenpunkt der Liesen-, Garlen-, Ackerstraße — im Sommer ist die Zahl der Züge noch größer— und eS werden dadurch Verkehrshindernisse geschaffen, welche namentlich für die zahlreiche Arbeiter bevölkerung jenes mehr alS 150 000 Seelen zählenden StudttheilS von empfindlichen Nachtheilen degleitet find, da nach der Fabrikordnung ein Zuspätkommen von auch nur einer Minute den Verlust eines VierleltageS nach fich zieht. Außerdem hat dieser Umstand aber schon Szenen Herbeigeführt, welche die Ausstellung eines permanenten Schutz- mannspoftens von 2 Mann im G-folge hatten. Schon vor vier Jahren ist dem Verein der unbesoldeten Kommunalbeamten auf eine Immediateingabe an den Kaiser die Antwort ertheilt: „daß Vorarbeiten im Gange find, welche zu einer Beseitigung der belegten Uebelstände führen werden", und auf eine Interpellation deS Abgeordneten Büchtemann hat sowohl der H-.rr Eisenbahnminister als fein Vertteter anerkannt,„daß die Zu- stände an den Niveau-Uedergängen im Wcichbilde Berlins un- haltbar find". Mit Rückstcht darauf, daß durch diese Verhält- ntsse der Satz:„DaS Fallen der VerkehrSschranken bedeutet den wirthschaftlichen Aufschwung" hier inS Gegenthell verlehrt wird, sprechen die Petenten die bestimmte Erwartung auS, daß daS HauS der Abgeo-.dueten ihren berechtigten Wünschen end- lich Rechnung tragen würde. Auf die Beschwerde, welche Herr Schrifsteller Christensen betreffs der Auflösung der Versammlung, in welcher am Frei« tag vor acht Tagen der Herr ReichStagSadgeordnete Bebel sprach, an daS lgl. Polizeiprästdium gerichtet hat, ist ihm, wie unS mitgetheilt wird, folgender Bescheid zugegangen: Berlin, den 25. März 1886. Ew. Wohlgeboren eröffne ich auf die Beschwerde vom 19. d. M. ergebenst, daß ich die Auflösung der Volksoersammlung am 19. d. M. in Keller'S Salon, AndreaSstraße 21, für durchaus gerechtfertigt erachte, da in den Ausführungen des ReichStagsadgeoroneten Bebel die im Z 9 deS Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 näher dezeichneten Bestrebungen so deutlich zu Tage traten, daß die Auflösung auf Grund der vorgedachten Gesetzesvorschrift er« folgen mußte.— Der Polizeiprafident v. Richthofen. Herr Christensen soll die Abficht haben, hiergegen bei der oberen Behörde zu appelliren. Der am Sonntag Nachmittag 3 Uhr 10 Minuten von hier nach Zehlmdorf und Potsdam abgelassene Schnellzug ist nur durch die Achtsamkeit der Bahnbeamten vor einem Un- glück behütet worden. Kurz hinter dem Bahnkörper der Süd- ringbahn hatte fich das Erdreich deS Bahndammes dergestalt gelockert, daß dasselbe, nachdem der 3 Uhr Zug die Stelle glücklich pasfirt hatte, eine meterhohe Oeffnung unter dem rechts- fettigen Schienenflrang zeigte, die die Schienen und Schwellen freilegte. Zrm Glück wurde der Unfall noch rechtzeitig be- merkt, so daß dem in aller Schnelligkeit heransausrnden Zuge noch vor dem Ringbahnlörper daS Haltesignal gegeben werden konnte. Die Passagiere eilten an die Fenster, aber der Zug- führer verbot daS Aussteigen. Erst nach einer Weile wurde das Verbot aufgehoben und alle Mitfahrenden zum Aussteigen aufgefordert. Arbeiter waren inzwischen damit beschäftigt, die schadhafte Stelle auszubessern, so daß der Zug nach halb« stündigem Aufenthalt die Strecke pasfiren konnte. Erst jenseits der Unfallsstelle durften die nach vielen Hunderten zählenden Passagiere wieder einsteigen. Auf ganz raffinirte Weise ist am Sonnabend eine im tause Steglitzerstraße 55 wohnende Familie bestohlen worden. wei Tage vorher, also am Donnerstag, hatte bei der in der zweiten Etage wohnenden Familie ein junger Mann ein zu vermiethendes Zimmer bezogen, ohne sofort seinen Namen und seine sonstigen Personalien anzugeben. Als die Familie am Sonnabend von einem Autgange zurückkehrte, war der neue Miether nicht nur mit seinen eigenen Effekten heimlich ver« schwunden, sondern er hatte fich auch Eingang in die Wohn- räume der Familie verschafft und außer einer goldenen Taschen« uhr und diversen Schmucksachen ca. 80 M. daareS Geld ge« stöhlen. Der Kriminalpolizei ist der Vorfall sofort gemeldet worden. Der Prozeß gegen Tischlermeister Herrmauu, Lichter« felderstraße 29, und Tifchlergeselle Albert Erdmann, Petristr. 2 (wrgen Hausfriedensbruch und Diebstahls) ist von der Staats« anwaltschast nunmehr eingeleitet und dürfte demnächst zur Ver« Handlung kommen. Man ist in den betheiligten Kreisen sehr gespannt auf den Ausgang, da der Kaufmann Bandow in dem« selben alS Denunziant auftritt. I« de« Nacht zum Sonntag löste fich von dem Balkon der zweiten Etage des HauseS Fricdrichstr. 115a ein größerer Theil des Mauerwerks ab und stürzte dirett vor dem HauS« eingang auf die Sttaße, glücklicher Weise ohne Jemanden zu verletzen. Einen schwere« Unglücksfall hat wieder das Absprin« gen von einem in der Fahrt begriffenen Pferdebahnwagen ver« anlaßt. Wie ost ist nicht gegen dies: Unfitte in der gesammten Presse gewarnt worden, leider aber vergeblich. Ein junger, etwa 22 Jahre alter Mann, sprang am Sonnabend Nachmittag gegen 5 Uhr während der Fahrt in der GreifSwalderstraße von einem Wagen der Pferdmienbahnlinie RathhauS-Weißensee und stürzte so unglücklich zur Erde, daß ihm der linke Unter- schenkel dicht über dem Knöchel fast vollständig durch die scharfen Räder des PferdebahnwagenS durchschnitten wurden. Der vor Schmerz bewußtlos gewordene Verunglückte wurde per Droschke nach dem Krankenhause am FriedrichShain ge- fahren. In dem vorliegenden Falle handelte eS fich um einen Absprung vom Vorderperron, von wo unstreitig das Absprin- gen gefahrvoller ist, ali vom Hinterperron. Vielleicht wäre eS nun angebracht, zu verbieten, überhaupt vom Vorderperron während der Fahrt abzuspringen. Gerichts-Jeiwng. o. k. Der Marnnge'sche Gatten» und Vatermord vor dem Schwurgericht. (Fottsetzung auS dem Hauptblatt.) Nach Wiederaufnahmt der Verhandlung! erschein talS Zeuge, Arbetter Wilh. Marunge, der Stief-Oheim deS Ermordeten: Der Ermordete war ein sehr ordentlicher, arbeitsamer, nüchterner Mann. Er litt bisweilen an Krämpfen. Gegen die Seinigen war er oftmals grob. Er war ein starker, kräftiger Mensch, dem nicht so leicht beizukommen war.— Schneider Grosser: Ich wohnte in dem Marunge'schen Hause und habe den Ermordeten als einen sehr ordentlichen und fleißigen Mann kennen gelernt, der daS Bestreben hatte, seine Kinder etwaS Tüchtiges lernen zu lassen. Er war jedoch oftmals so jähzornig, daß man ihn gar nicht mehr als Menschen betrachten konnte. Marunge hatte wohl bisweilen einen Rausch, er trank jedoch nur bei gewissen Gelegenheiten.— Dasselbe bekunden noch mehrere andere Zeugen.— Alsdann erscheint als Zeuge Emil Marunge, ein hübscher, ziemlich großer Mensch von 15 Jahren. Derselbe bemerkt auf Befragen deS Präfidenten, daß er Zeugniß ablegen wolle.— Präs.: Wie war denn Dein Vater zu Mr?— Zeuge: Ganz gut.— Präs.: Hat er Dich oftmals gezüchtigt?— Zeuge: Ja.— Prüf.: Im Uedrigen hat er es Dir aver an r-ichtS fehlen lassen?— Zeuge: Nein. — Präs.: Nun, wann bist Du am Abende, wo Dem Vater verschwunden ist, zu Bett gegangen?— Zeuge: Etwa um bald acht Uhr.— Präs.: War da der Vater nicht schon zu Bett?— Zeuge; Nein.— Präs.: Bist Du bald eingeschlafen? Zeuge: Ja.— Präs.: Nun, einige Zeit darauf wachtest Tu auf?— Zeuge: Ja.— Präs.: Wieso wachtest Du auf?— Zeuge: Ich hörte dumpfe Schläge und das Röcheln meines Vaters.— Präs.: Wieso wußtest Du, daß Dein Vater ge« röchelt hat?— Zeug«: Ich erkannte die Stimme des Vaters. — Präs.: AlS Du aufwachtest, da kam Deine Mutter zu Dir anS Bett?— Zeuge: Ja.— Präs.: Deine Bettstelle knackte sehr?— Zeuge: Ja.— Präs.: Was sagte denn Deine Murter zu Dir?— Zeuge: Ich fragte Sie, was dem Vater sei, und da sagte die Mutter, Vater hat die Wuthkrämpfe und schlägt so sehr aufs Bett.— Präs.: AlS die Mutter zu Dir kam, hörtest Du da noch weitere Schläge?— Zeuge: Nein.— Präs.: Bei dem Herrn Untersuchungsrichter sagtest Du Du hättest noch weitere Schläge gehört?— Zeuge: Ich weiß das nicht mehr genau.— Präs.: Nun, was geschah weiler?— Zeuge: Mutter ging in den Keller, während dieser Zeit stieg ich aus dem Bett und sah durch die Thürwatte.— Präs.: Nun, was sahst Du? — Zeuge: Ich sah einen Mann am Tische stehen.— Präs.: Erkanntest Da den Mann?— Zeuge: Nein.— Präs.: Bei dem Untersuchungsrichter sagtest Du, es ist Hermann ober Albert gewesen?— Zeuge: Das ist möglich.— P:äs.: Du sollst daS deshalb gefegt haben, weil Du sahst, daß der Mann die Kleidung deS Vaters trug, und Dir gesagt wurde, der Vater kann eS nicht gewesen sein?— Zeuge: Ja.— Präs.: Schliefst Du wieder ein?— Zeuge: Nein, ich hatte keine Ruhe.— Pläs.: Inzwischen wachte auch Dein Bruder Paul auf und diesem thetltest Du Deine Wahr« nehmungen mit?— Zeuge: Ja.— Präs.: Nun, waS geschah weiter?— Zeuge: ES wurde sehr bald still. Gleich darauf kam meine Mutter noch einmal zu mir und theiltc mir mit, Vater sei weggegangen und habe gesagt, er wolle nicht mehr wieder kommen. Mutter setzte fich nun an unser Bett und strikte.— Präs.: Saß fie die ganze Nacht am Beti?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Präs.: Du schliefst wohl sehr bald wieder ein?— Z-uze: Ich konnte nicht mehr viel schlafen, ich war zu aufgeregt— Präs.: Am folgenden Morgen theilte Deine Mutter auch Deinen kleineren Brüoern mit, daß der Vater weggegangen sei?— Zeuge: Ja.— Es werden hierauf Paul und Franz Marunge, zwei kleine niedlicht Buben, in den SaU geführt. Beide erklären mit weinender Stimme, daß fie nicht aussagen wollen. Die Angeklagten brechen bei dem Erscheinen dieser Kinder in heftiges Weinen auS.— Marie Niedlich, die Braut des Angeklagten Hermann Marunge bekundet: Sie habe ihren Bräutigam vor etwa 6 Jahren kennen gelernt und lebe seit drei Jahren mit ihm im Konkubinat. Sie wisse fich nicht mehr zu erinnern, wann ihr Bräutigam am Abende des 31. Oktober 1884 weggegangen sei, fie erinnere fich aber, daß derselbe erst am Morgen gegen 3'/> Uhr nach Hause gekommen und auf ihre Frage, wo er ge« wesen, gesagt habe:„Danach hast Du nicht zu fragen." Das ewige„Tuscheln" des Albert Marunge mit seiner Mutter fei ihr und auch ihrem Bräutigam sehr verdächtig vorgekommen» so daß letzterer einmal gesagt: Ich muß doch einmal einen Schutzmann auf die Sache aufmerksam machen, denn mit dem Gelde kommt eS mir nicht richtig vor. Franz Marunge erzählte einmal seiner Mutter: Er habe im Keller klopfen gehört. Frau Marunge habe darauf bemerkt: Vater wird fich wobl vaS Leben genommen haben. Frau Kalz: Am 31. Oktober 1884, Abends gegen 8 Ubr, traf ich den Hermann Marunge in der Nähe des Marunge'schen HauseS. Hermann ftagte mich, ob es wieder ruhig sei. Ich erwiderte: Ich weiß ja gar nicht, daß Skandal gewesen. Er: Ja, es ist schon die ganze Woche Skandal; wenn der Alte nicht bald aufhört, dann werden wir eS ihm einmal be« sorgen. Albert steht schon da hinter der dicken Liese, erwiderte Her« mann. Bald darauf traf ich Frau Marunge im Hause. Ich erzählte ihm, waS mir ihr Sohn Htrmann gesagte. Der Alte schläft ja schon so lange, erwiderte Frau Marunge.— Präs.: Nun, Hermann Marunge, waS sagen Sie dazu?— Angell.: Ich habe die Zeugin allerdings gefragt, ob zu Hause Skandal S, da fie gerade von Hause kam.— Z-ugin: N-in ging nach Hause.— Nnaekl.: Die Zeugin kam von Hause.— Zeugin: Ich sage die Wahrheit, ich ging nach Hause.— Töpfergeselle Stahlschmidt: Hermann Marunge habe einmal gesagt, er werde fich nun Pferd und Wagen anschaffen und auch heirathen, sein Vater komme doch nicht wieder.— Aehn« liche Redensarten hat H. Marunge noch zu mehreren anderen Zeugen gemacht.— Die weitere Beweisaufnahme ergiebt, daß Hermann Marunge die Mär, sein Vater habe ein Sitttichkeits« verbrechen begangen und sei deshalb flüchtig geworden, jeden« falls selbst erfunden und verbreitet habe.— Der Präfidevt verliest nunmehr die den Geschworenen vorzulegenden Fragen. Dieselben lauten: 1. Ist die Angeklagte. Maurersfrau Marunge, schuldig, am Abend deS 31. Oktober 1881 ihren Ehemann vorsätzlich und mit Ueberlegung getödtet zu haben? 2. Ist der Angeklagte Albert Marunge schuldig, am Abend deS 3l. Oktober 1884 seinen Vater vorsätzlich und mtt Ueberlegung getödtet zu haben? 3. Ist der Angeklagte Hermann Marunge schuldig, den Angeklagten zu 1. und 2. wissentlich Hilfe ge» leistet zu haben?— Zu erwähnen ist, daß der Scharfrichter Kraut? dm Verhandlungen beiwohnt.-7 Auf Antrag der Vettheidiger beschließt der Gerichtshof, auck bezüglich der Angeklagten zu 1 und 2 die Unterfrage betreffs der Hilfeleistung zu stellen.— ES beginnen alSdann die PlaidoyerS.— Staatsanwalt Dr. Wachler: Meine Herren Geschworenen! Die That, über die Sie heute zu urlheilen haben, kommt glücklicher Weise äußerst selten vor. Mir ist wenigstens in meiner mehr denn dreißigjährigen Praxis, in der ich leider mehr als 30 TodcSurtheile zu extrahiren hatte, ein solch' graussger Fall nocy nicht vorgekommen. Man muß auf die Geschichte der grauen Vorzeit zurückgehen, wenn man nur Beispiele für diese schreckliche That haben will. Die ÄnnaleN der Kriminal'Justiz kennen ähnliche Thaten nur sehr wenige. Dir Zeit heilt alle Wunden, jeden Seclenschmerz. Wenn man den schau« verhaften Mord richtig derntheilen will, dann muß man, wie ich- dabei gewesen sein, wie die Leiche des ermordeten braven Marungr stückweise in dem Keller aufgefunden wurde. Schauderhaft ist die That durch die Art der Ausführung. Der leibliche Soh» wartete bis der Vater eingeschlafen war. Als dies geschehen, wurde er von seiner Mutter benachrichtigt:„Der Vater ist ern« geschlafen, die Zeit der Ermordung ist gekommen." Schauder« Haft ist ferner die That durch das Motiv, das die Mörder ge» leitet hat. Der Vater ist ermordet worden deS Geldes halder. Die Angeklagten wußten, daß der Vater Geld habe, daS er stets bei fich trage. Deshalb erschlugen fie den Vater, daw» die Söhne nicht mehr zu arbeiten brauchten. Der Staate- anwalt schilderte alSdann in eingehender Weise die Ausführung der That rc. AlleS spreche dafür, daß die That in der Weift geschehen, wie die Mutter gesagt, d. b. daß Albert Marunge der Mölder gewesen ist und daß die Mutter allerdings dadct mitgewillt hat. Der Staatsanwalt beantragt schließlich w vollem Umfange das Schuldig im Sinne der Anklage. Vertheidiger R.-A. Büikner sucht in längerer Rede den Nachweis zu führen, daß seine Klientin sich bwS der Beihuft zum Morde schuldig gemacht habe. m. Vertheidiger Rechtsanwalt Ealinger macht dasselbe Moment für seinen Klienten Albert Marunge geltend._.. Vettheidiger Rechtsanwalt Heimdach sucht den Nachweis zu führen, daß gegen seinen Klienten Hermann Marung» nicht« erwiesen sei und beantragt schließlich die Freisprechung desselben.— Die Angeklagten, die mit ziemlicher Glci« giltigkeit den PlaidoyerS folgen, erklären auf Befragen vc» Präsidenten, daß fie zu ihrer Vettheidigung nichts mehr am zuführen haben.— Der Präsident ettheilt dann den schworenen die nöihige Rechtsbclchrung, worauf fich diese!1* gegen 9 Uhr Abends zur Berathung zurückziehen., Nach etwa 15 Minuten kehren die Geschworenen zurück. D. Verdikt lautet bezüglich der Frau und deS Albert Marunge% Schuldig bezüglich der Frage wegen Mordes. Bezüglich � Hermann Marunge verneinen die Geschworenen die 6%, frage.— Die Angeklagten, die alSdann in dm Eaal ger.-P werden, nehmen das Verdikt mit ziemlicher Gleichgiltigke»< j gegen.— Der Gerichtshof verurtheitte die Frau und Marunge, dem Antrage des Staatsanwalts gemäß, zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und spricht den Hermann Marunge von Strafe und Kosten frei. Soziales««d Arveitervewegzmg« Zum Knopfmacherstreik. Kollegen! Arbeiter! Bereits 4 Wochen dauert der Streik in der Knopffadrik von E. M. Siegel u- Co., Haidestr. 48 in Berlin, und noch ist das Ende desselben nicht abzusehen; noch denkt der Fabrikant nicht daran, die Forderung der Arbeiter: Wegfall des 10 Prozentabzuges, zu bewilligen. Immer noch denkt er, in die geschlossene Haltung der Streikenden eine Bresche zu schießen, noch rechnet er auf Ueberläufer, aber ohne Erfolg. Die Arbester find fich ihrer Ausgabe bewußt, fie wiffen genau, daß, wenn dieser Fa- brikant mit dem Lohnabzug durchdringt, die andern Fabrikanten nothgedrungen ebenfalls Lohnabzüge machen müssen, um kon. kurrenztähig zu bleiben. Kollegen! Ardester I Blickt um Euch, überall werden Versuche gemacht, die Löhne aufzubessern und wir sollten die Hände in den Schooß legen und ruhig zusehen und unS noch Lohnabzüge gefallen lassen, wo schon jetzt die Ardeiter nicht mehr wie durchschnittlich 10 bis 13 Mark ver» dienen? Nein, daS darf nicht sein! Endlich wird es Zeit, daß wir Front machen gegen die fortwährenden Abzüge. Darum, Kollegen, wer mit unS ist, wer die Forderungen der Ardeiter als gerechte anerkennt, der unterstütze die Streikenden, soviel in seinen Kräften steht. Die Kasse deS Fachvereins, dem sämmtliche streikende Arbeiter angehören, ist durch Unterstützung anderer Streiks sehr erschöpft. Kollegen! Arbeiter! Unser Sieg rst Euer Sieg, unsere etwaige Niederlage ein Schlag gegen unsere Organisation. Freiwillige Beiträge zur Unterstützung der Streikenden find zu senden an den Kasstrer des Fachvereins der Drechsler rc. A. Mönch, 80., Adalbertstr. 26, oder an den Kollegen W. Prinz, N., Ruppinerftr. 10. Außerdem find für Berlin noch folgende Zahlstellen errichtet: A.Mönch, 0., Adalbertstraße 26; Behnfeld, N., Schönhauser Allee 40a; Schubert, 8W., Mittenwalderstraße 57. Zuschriften find zu senden an E. Schwittau, N., Bernauerstraße 82. A« die Steindrucker und Lithographen Deutschlands. Kollegen! Der Streik in der Anstalt von Priester u. Eyk in Berlin ist beendet, sämmtliche Kollegen bis auf einen haben anderweitig Arbeit erhalten. In der öffentlichen Versammlung vom 23. er. wurde beschloffen, die Sammlungen einzustellen und ersuchen wir, die noch im Umlauf befindlichen Listen um- gehend dem Kasstrer der Kommisfion Herrn Witzel, Bernauer« maße 106, zuzustellen. Nach vorläufiger Abrechnung beträgt die Einnahme 3981 M. 42 Pf., Ausgabe 3076 M. 85 Pf. Die genaue Abrechnung erfolgt, sobald alle Listen eingeliefert find, vmch Zirkular an die Kollegen. Die Fachkommisfion. Vereine und Versammlungen- *be. Der NeichStagSadgeordnete Grillenberger sprach am 26. d. vor einer imposanten Volksversammlung(von mehr als 3000 Personen besucht) unter Vorsitz des Herrn Zubeil in »SarSsouc»", Kottbuserstr. 4a, über„die Behandlung der Ar- beiterschutzgesetze durch den Reichstag." Redner führte etwa folgendes auS:„Wenn man die Verhandlungen, die über daS Ardeiterschutzgesetz vom Reichstage gepflogen find, aufmerksam verfolgt, kann da« negative Resultat, welches fie ergeben, nicht überraschen. Vor 14 Monaten brachte die sozialdemo- lraiische Fraktion ihren Entwurf zur Arbeilerschutzgesetzgehung «in, der im Plenum rasch beseitigt und in einer Kommission de- graben wurde, die nach monatelangen Verhandlungen als ein« t'gcS Resultat ein« Resolution zu Gunsten der Sonntagsruhe hervorbrachte. Bei Beginn der neuen Sesfion brachte die sozialvemokratische Fraktion ihren Entwurf von neuem ein und gleichzeitig erschienen, von anderen Parteien herrührend, eine ganze Reihe von Entwürfen oder Resolutionen, die nch mit derselben Materie beschäftigen. Von allen Vorwürfen, welche man der deutschen Ardeiter- Bewegung gemacht hat, ist der der unfinnigste, daß fie nichts auf dem Boden der praktischen Gesetzgebung zu Gunsten deS Arbeiters zu erreichen suche. Bis in die 80er Jahre war eS in Deutschland und nicht dloS bei dm eigent- Itchen Ordnungsparteien gebräuchlich, die Existenz einer sozialen Frage überhaupt zu leugnen. Allmälig hat fich in allen Kreisen die Erkmntniß Bahn gebrochm, daß dem Staat die Aufgabe zufalle, eine soziale Umgestaltung herbeizuführen. Man wagt eS heute nicht mehr, alle unsere Forderungen für Utopie oder verbrecherische Thorheit zu erklären; da» Schlagwort:„Sozial- Reform", ist erschienen. Allerdings verdient daS, was biS jetzt unter dieser Rubrik er« schienen ist, diesen Namm nicht. Wirkliche Sozialreform muß zu einer Verbesserung der Lebenshaltung des Arbeiters führen, muß einen Theil der Privilegien der Bevorrechtigten auf die ärmere Klasse übertragen.(Bravo.) Tie Kranken- und Unfall- verficherungsgesetze aber find nur eine Verbesserung der Armen- geseygebung. Wo wirklich die neue WtrthschaftSpolitik die Arbeitsgelegenheit vermehrt hat, ist zugleich auch die AuS- beutung der Arbeitskraft bei dem Mangel jeden Schutzes für die Arbeit eine viel intensivere geworden.(Sehr richtig.) Man sagt oft von der Eozialretorm: Was lange währt, wird gut; Man hat aber»och gar nicht begonnen! Bei anderen Dingen geht man minder langsam vor, z. B. wmn eS sich um «ozialiftengesetze und Monopole handelt.(Heiterkeit.) Von der Kommisston innerhalb unserer Fraktion, die den Entwurf auS- «bettete, wurde ein besonderer Werth auf den vorgeschlagenm OrgantsationSplan der Arbeit gelegt. DieS scheint die Gegner stutzig gemacht zu haben, denn fie erklärten leivenschastltch, daß Man hierauf niemals eingehen werden. Dabei war diese unsere Forderung, die nicht eine Neuorganisation der Produktion sondern nur eine solche zum Schutz der Lohnarbeit will, so zahm, daß fie nicht einmal sozialdemokratisch heißen kann. Der ganze Entwurf überhaupt steht auf dem Boden de» bestehenden Lohnspstemi. Wir bilden unS nicht ein, daß auch nur daS geringst« Theil- chcn der sozialen Frage gelöst wäre, wenn der Entwurf zum Gesetz geworden wäre. Aber er soll eine Vorschule der Arbei- ter für die Forderungen sein, die fie an die Zukunft stellen l (Etürmisch-r Brifall.) Wai wagt man heute dem Arbeiter zu- iumurhen: er soll seine Ehre und seine sozialen Anschauungen preisgeben, wenn er nicht verhungern will. Hat doch der Groß» «dustlielle Bueck in einer Polemik gegen den Antrag Rintelen Bestrafung der Unternehmer bei Wahlbeeinflussungen ihrer Arbeiter) nck nicht gescheut, eS offen auszusprechen, daß der Arbeiter einfach veipflichtet sei, bei Wahlen so zu stimmen, wie der Unternehmer, weil eine andere Abstimmung die ganze Position deS Unternehmers schädigen würde I Man will den Arbeiter auch zwingen, sein selbstständiges Denken auszugeben und fich als der Kuli deS Kapitals zu de- trachten.(Eiürmischer Beifall.) Weil die von unS vorge- schlagen« Organisation der ArbeitStammern ,c. darauf binauS will, dem Arbeiterstande einen gewissen Einfluß auf die Beauf- stchtigung des Produktionsprozesses einzuräumen, sträubt man sich mit Händen und Füßen gegen ihn und nennt ihn schwer- tällig und bureaukratisch. Tiäfe daS letztere zu. so könn en unsere Gegner unserer Paitet ja gar keinen größeren Schlag versetzen, als unseren Vorschlag zum Gesetz zu erheben und auS den Ergebnissen dann den Beweis zu llefern, wir hatten �tümperarbeit geliefert. Ja, wenn wir uns entschließen würden. ?uf den demokratischen Theil uns, res Programm« ,u verzichten, d-nn bin ich überzeugt, würd�m ein-�ganze An�von Ww wT"** iwvwcii»-------- dem Einwurf, daß die Arbeiter in den GeselleNl auSschüffen der Innungen ihre Vertretung fänden.(Stürmisches Gelächter.) Mit diesen Ausschüssen will man den freien Korporationen der Arbeiter den GarauS machen. DaS ist christlich-soziale Arbeiterfreundlichkeit! Auch deshalb erschienen den Gegnern die Arbeitsämter so gefährlich, weil sie auf Am trag Betheiligter einen Minimallohn festzusetzen befugt sein sollen. Wir verhehle« nicht, daß in unserer Fraktion über den Minimallohn verschiedere Anfichten vorhanden find; eS handelt fich aber nicht um einen Programmpuntt bei dieser Divergenz der Meinungen. Die Gewerkschaftsbewegung hat die Forderung eines Minimallohns erHoden und mit großer Begeisterung auf- genommen. Meine praktischen Erfahrungen machen mich eben fall« zu einem Anhänger deS Minimallohn«, der von einem gewissen Nutzen gerade für die schlecht bezahltesten Arbeiter sein kann.— Mit unserem Entwürfe find noch eine Reihe anderer Anträge von den übrigen Parteien zur Arbeiter schütz- gesetzgebung eingebracht worden, so von der konservativen Parlei, welche die Frauen« und Kinderarbeit regeln wollen und vom Zentrum, daS einen NormalarbeitStag von 11 Stunden verlangt; wenigstens ein prinzipielles Zugeständniß. Wir verlangen einen MoximalarbeitStag von 10 Stunden.— Die Deutschfreifinnigen, besonders Herr Baumdach, baden eine merkwürdige Rolle in der Kommisfion gespielt. Nach dem „Gewerkverein" erklärte Herr Baumdach in der Hirsch-Duncker- schen Arbeiterversammlung vom 30. Januar d. IS., daß die SonntagSarbeit und die Nachtarbeit von Minderjährigen durch Gesetz zu verbieten seien. In der Kommisfion aber stimmte er gegen diese Forderung.(Hört, hört.)— In der Frage der Frauenarbett kam der Kompromißbeschluß in der Kommisfion zu Stande, daß die Arbeit in Fabriken für verheirathete Frauen auf 9 Stunden täglich festgesetzt wurde. ES ist aber noch fraglich, od daS Plenum diesen Beschluß nicht umstoßen wird. — Die Frage der Sonntagsruhe wird weder in dieser noch in der nächsten Sesfion zur Entscheidung kommen. Der Regie« rungsvertreter erklärte, daß es noch monatelanger Arbeit be- dürre, um das eingegangene Material zu prüfen und zu ver« arbeitin.— Wie eS heißt, sollen neue Branntweinsteueroorlagen eingebracht werden und die Sesfion würde fich dann bi« nach Ostern hinziehen. In diesem Falle würden wir versuchen, wenigsten» die Frage des Normalarbeitstags zur Verhandlung im Plenum zu dringen. In der Hinficht würde also die zweite Echnapsvorlage der Regierung wenigstens einen Nutzen für den Arbeiter haben.(Heiterkeit.) Wir verlangen ferner KorporationSrechte für die gewerkschaftlichen Vereine und den Wegfall aller die Koalitionsfreiheit der Ardeiter beschränkenden Bestimmungen. Würde eS gelingen, zu dem waS in Bezug auf die Frauen- und Kinderarbrit, auf die Einführung obligatorischer GewerbeschiedSgerichte, auf dieAuidehnung deSFabritinspettorates in der Kommission beschlossen ist, den Normalarbeitstag und die Rechte einer juristischen Person für die Fachvereine zu erringen, dann wäre unsere Arbeit nicht umsonst gethan, dann wäre ein Fortschritt erreicht, auf Grund dessen man ruhig weiter arbeiten könnte.(Stürmischer Beifall.) Von dem gegenwärtigen, poli- tischen System ist für den Arbeiterstand eine durchgreifende Besserung nicht zu erwarten. Nehmen wir dennoch, was von der heulrgm Gesellschaft als Abschlagszahlung für den Ar- deiterstanv zu erhalten ist, betrachten wir aber als unsere eigent« liche Aufgabe die Befreiung der gesammten Arbeiterklasse von jeglichem Druck, sei er politischer oder sozialer Natur! (Stürmischer Beifall). Nachdem hierauf der Vorsitzende daS „Berliner VolkSblatl" als Ärbeiterblatt warm empfohlen, ge- langte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: Die heulige von ca. 3000 Personen besuchte Versammlung erklärt fich mit den Ausführungen dei ReichStagSabgeordneten Grillen- derger einverstanden und spricht den Abgeordneten der sozial« demokratischen Fraktion ihre vollste Anerkennnung für ihre biS- herige Thätigkeit im Reichstage auS; auch stellt fich die Ver- fammlung voll auf den Boden deS sozialdemokratischen Ar- beiterschutz Gesetzentwurfes. * tk. Eine große Volksversammlung im 6. Reich«- tagSwahlkretse, in welcher die ReichStagSabgeordneten Hasen- clever und Singer über die bi»herige Thätigkeit deS Reichstages referirten, fand unter Vorfitz des Herrn Lehmann am 28. d. M. in der Tonhalle statt. Da die Galerien auf poli- zeiliche Anordnung hin nicht besetzt werden durften, so drängte sich eine ungeheure Menschenmenge in dem unterm Räume zu- sammm, so daß lhatsächltch kein Apfel zur Erde konnte. Der Abg. Hasencleoer nahm, von der Versammlung auf da« Herz- lichste begrüßt, zuerst daS Wort. Meine Herren, begann er, gestatten Sie mir zunächst einen kurzen Rückblick auf die Ge- schichte deS Reichstags im Allgemeinen. Wenn man die Zeit de« BestehmS deS Norddeutschen Reichstage« mit hinzurechnet, so habm wir seit ungefähr 20 Jahren diese Legislative. Die- selbe ist namentlich für daS arbeitende Volk deshalb von so hoher Bedeutung, weil der Reichstag, im Gegmsatz zu anderen gesetzgebenden Kö-perschasten, hervorgegangen ist aus dem all- gemernen gleichen, geheimm und dtreklen Wahlrecht. Der Reichstag als solcher ist mithin eine Vertretung deS Volkes, abgesehen davon, daß heute noch nicht voll und ganz die VolkSmetnung zum Ausdruck kommt und abgesehen davon, daß in der heutigen Zusammensetzung des Reichstages die Waage der Gunst fich nicht auf die Seite des Volke« neigt. Allge- meiner Jubel herrschte, als der Norddeutsche Reichstag einbc- rufen wurde, des. Volk glaubte, den Gipfel der Glückseligteit erreicht zu habm. Und wenn auch Anfangs ein schwacher An- lauf zur VolkSbeglückung vorgenommen wurde, so hat daS Volk doch späterhin bittere Enttäuschungen erleben müssen. Trotzdem wurden im Norddeutschen Reichstage immer noch niehr Volks- fniheitm erworben, alS im Deutschen Reichstage. Ich erinnere nur an die Freizügigkeit und Äewerbefreiheit. Auch ein Stückchen Preßfreiheit wurde erobert. Auf diese Errungen- schaften machen die Liberalen Anspruch. Doch eben dieselben Liberalm habm später Zug um Zug alle parlammtarischen Rechte und politischen Errungenschaften der Regierung preis- gegeben, fie haben dem Militärscptennat. dem Sozialistengesetz zugesiimmt. Die zweite Sesfion der diesmaligen Legislatur- Periode naht fich ihrem Ende, noch eine Sesfion, dann stehen wir wieder vor den Neuwahlen. In der vorigen Sesfion warm eS besonder? zwei Punkte, die hervorragend in dm Vordergrund traten: die Zoll- und Steuerpolitik und die Kolonialpolitik, welche letztere auch in den Kreisen der Sozialdemokratie hohe Wellen schlug. Mir ist keiner meiner Kollegen bekannt, der fich für die Kolonialpolitik irgendwie erwärmt oder derselben gar zugestimmt hätte. Stets ist von unS darauf hingewiesen, daß alles Geld und alle dmtsch« Kraft, die für die Kolonialpolttik vergmd et werden, viel besser verwendet werden lönntrn für Kolonisation im Innern.(Beifall.) Ich bin kein Freund von Arbeitrrkolonim, weil zu viel pfäffischeS Wesm darin ist, wenn aber der Staat, daS Reich, die Gesellschaft ihre Kräfte einsetzen würden, fie fänden viel zum kolonistren; Wälder aufzuforsten, Sümpfe trockm zu legen, und das wäre besser, al« die märchenhaften Kolonien in Afrika.(Großer Beifall.) Gefreut habe ich mich, daß für den Rordottseclanal gestimmt worden ist, denn dies ist auch eine Kolonisation im Innern, deren gute Seiten alle ihr entgegen stehenden Bedenken überwiegen. Wir werden über- Haupt jederzeit allen Kulturwirken zustimmen und hat deshalb auch die Majorität der Fraftion der Dampfersubventim zu- gestimmt. ES ist dies eine taftische Frage und die dabei zu Tage getretene Meinungsverschiedenheit durchaus natürlich und keineswegs schädlich, denn dieselbe zeugt von Leben, und wo Leben ist, da ist auch WachSthum, und wo WachSthum ist auch Gedeihen. Die preußische Regierung gedenkt dem preußischen Landtage ebenfalls derartige KanalisationS- Vorlagen zu machm, betreffend den Weser EmK Kanal, Oder-Regulirung u. s. w. Wir würden, wenn wir im Land- tage säßen, auch diesen Vorlagen zustimmen, weil fie dem Land« zum Heil« gereichen und vor Verwickelungen mit anderen Nationen geschützt find. Wir hassen die Kriege, ob fiegreich geführt oder nicht. Deshalb find wir auch gegen die heutige Kolonialpolitik, weil dieselbe leicht Kriege ge« vären kann. In diesem Jahre ist die Aufmerksamkeit deS Reichs« tages„sozialen Reformen" zugelenlt worden. Soziale Re- formen! Wie schön daZ klingt! Doch ach, wie viel wird mit dieser Bezeichnung gesündigt. Da» von unS eingebrachte Arbefterschutzgesetz verdient wohl viel eher ein« soziale Reform genannt zu werden, al« da« Kranken- und Unfallverficherunas- gesetz. Wir find der Meinung, eS müsse am Kerne reformirt, der Krankheit vorgebeugt werden. Ich stehe auf dem Stand« punkte der modernen Hygieniker, welche die Krankheften im Voraus verhindem wollen, nicht auf dem Etandpuntte der» jenigen Aerzte, welche die Krankheft voll zum Ausbruch lommin lassen und dann durch löffelweise verabreichte Medizin dieselbe heilen wollen. Armuth, Elend und Roth find die Krankheitcu, an denen der Körper der Gesellschaft laborirt, die nicht durch Verficherungen geheilt werden können. Wenn eS gelingt, diese Krebsschäden im Keime zu tödten, so ist die» die beste Sozial« reform.(Lebhafter Beifall). DaS Krankenkaffengesetz hat den organistrten industriellen Arbeitern wenig genützt, höchstens den Arbeitern auf dem Lande durch den Verfichcrungszwang. DaS Unfallverficherungsgcsetz bürdet ca. 95 Prozent aller Unfälle den Krankenkassen auf, die Lasten werden also von den Unternehmern auf die Schultern der Arbeiter abgewälzt. DaS ist nicht richtig. Um der herrschenden Roth der Ardeiter etwaS zu bieten, plant man ein AlterversorgungSgesctz. Da» Prinzip der Gerechtigkeit führt zu dieser Idee, denn wer im Dienste der Kultur, der Zivftisation, des Vaterlandes, der Gesellschaft sein Leben lang gearbeitet und für fich nur den allergeringfügigsten Theil seiner Arbeit für fich erhalten hat, kann wohl beanspruchen. daß er an seinem Lebensabende soviel erhäft, daß er nicht zu Grunde geht.(Anhaltender Beifall.) Wer die Lasten hierzu aufzubringen hat, ist nicht zweifelhaft: der Staat. Eben o wie seinen Beamten ist er auch verpflichtet, den Arbeitern Penston zu zahlen. Sollten die Ardeiter auch hier wieder hereingezogen werden,— und tS würden sehr hohe Befträge erforderlich werden— so würde so viel vom Lohn verloren gehen, daß die Lage der Arbeiter eine noch gedrücktere, die Ernährungsweise eine noch schlechtere werden würde. Die Fortschrittler sagen zwar, wenn auch der Staat die Lasten übernehmen würde, die Arbeiter müßten fie doch aufdringen durch indirekte Steuern. Deshalb ist eS nothwmdig, daß die indiretten Steuern abge« schafft und durch eine progresstoe Einkommensteuer ersetzt werden. (Beifall.) In jenen Kreisen ist man natürlich gegen alle der» artige Gesetze. Zu diesem Zwecke haben wir unser Arbeiterschutz- gesey eingebracht. Namentlich der MaximalarbeitStag soll dazu dienen, die Produktion in ein ruhiges Fahrwasser zu leiten, die Krisen zu vermindern und abzuschwächen. Wir haben ein Samenkorn gepflanzt, auS dem, wenn«S aufgeht,— und auf« geben muß und wird eS, trotz allen Widerstandes— ein Baum erstehen wird, der schützend seine Zweige ausbreiten wird über daS arbeitende Volk. Wir haben mit dem Gesetze einen Grundstein gelegt für den wefteren Aufbau sozialer Reformen. Zu diesem BeHufe hat unsere Fraftion auch den Antrag ein« gebracht, daS allgemeine Wahlrecht, welches daS Fundament deS Parlamentarismus und deS Volksleben» ist, etwa» freier zu gestalten und dasselbe Jedem von 21 Jahren an zu ver- leihen. Da« Eulengeschrei der Reaftionäre erschallt von allen Seiten. Die Verfassung soll aufgehoben, da» allgemeine Wahlrecht beseitigt werden. Wenn vieS auch kaum geschehen wird, so gilt es doch, auf der Hut zu sein! DaS ficherste. festeste und beste Bollwerk gegen die Reattion ist die Einigkeit der Arbeiter für unsere gute Sache!(Donnernd.r Beifall.)— Nunmehr nahm, ebenfalls allseitig aufs Freudigste begrüßt, Abg. Singer daS Wort: Wir hatten das Bedürfniß, noch in dieser Sesfion, und Hasencleoer kann fich ja mit Recht auch zu den Vertretem Berlins zählen, unsem Wählern ein Bild der Situation vorzuführen. Ich habe mir vorgenommen, über ein Thema der vorigen Sesfion zu sprechen, über die Zölle. Während man vor den Wahlen nach den gemachten Versprechungen der konservativen und ultramontanen Partei hätte glauben sollen, daß fich der Reichs« tag vorwiegend mit sozialen Reformen befassen würde, haben wir sehr bald gesehen, daß fich jene Parteien damit degnügtin, Resolutionen zu fassen, e« der Arbeiterpartei überlassend, PofitiveS zu schaffen, daß man fich vielmehr auf die Einführung von Zöllen warf mit einem Eifer, der wahrlich einer desiern Sache werth gewesen wäre. Wir haben eS immer beklagt, daß der Reichstag zum Tummelplatz von Eonderintercssen gemacht wird und hat fich die» recht klar gezeigt bei den Zöllen, denn Agrarier und Großindustrielle halsen fich gegenseitig, dem Volke Lasten aufzubürden, welche jenen allein zu gute kommen. Eine freudige Genuathuung war ei für mich, daß wir die Einführung de« Nähgarnzolle« verhindern konnten. Mit dem größten Jktereffe sah man allseitig dem Erscheinen deS Branntweinmonopols entgegen. Noch nie hat fich eine so große Einmüthigkcit in der Ablehnung einer Re« ciemnaivorlage gezeigt, wie bei der Monopolvorlage. die nicht« weiter ist, als eine Fortsetzung der Agrar« destredungen. Namentlich politische Gründe bestimmten un«, gegen die Vorlage zu stimmen, denn wer den Wahlapparat der Regierung kennt, der wird nicht wünschen. die Macht der Regierung noch zu vergrößern durch eine Armee von Verschleißern, die im Dienste der Regierung steht. Unter der Herrschast deS Monopols würde eS nicht möglich sein, zu einer Versammlung, wie fie die heutige ist, zu sprechen, den Sozialdemokraten würde ei unmöglich sein, einen Saal zu be» kommen, well das drohende Gespinst, keinen Branntwein ver« kaufen zu dürfen, die Gastwirthe umschweben würde. Die Vor» läge wurde in der Kommisfion schleunigst eingesargt und ist dieselbe nunmehr nach der zweiten Lesung im Plenum glücklich in die Gruft gesenkt worden. Die PolenauSwetsungen deschäf- tigten den Reichstag in bcrvo.ragender Weise und zeigte fich daS eigenthümliche Schauspiel, daß der BundeSrath bei den Polendebattcn durch seine Abwesenheit glänzte. Der Reichstag bat fich zu trösten gewußt. Die Sozialdemokraten hatten die Genugthuung, an der Spitze der Parteien gegm die AuS- weisungSmaßregel zu marschiren. Der Abg. Karoorff meinte, der Reichstag marschire unter der Führung Liebknechts. DaS ist durchaus nichts Schlimmes. Jedenfalls wäre heute vieles besser, wenn fich der Reichstag schon lange dieser Führung anvertraut hätte.(Stürmischer Beifall.) Durch die zweitägige Polendebatte hat der Reichstag dem Lande ge» zeigt, daß er doch noch den Muth hat, eine eigene Meinung zu haben. Ueder daS Sozialistengesetz wird die diesjährige Sesfion die Entscheidung bringen. In sachlicher und ernster Weise ist bereits in erster Lesung von un! gegen daS Gesetz gesprochen worden und wir weiden in zweiter Lesung da» nachholen, waS nachzuholen ist. Bedauerlich ist eS, daß eine Partei, die selbst unter Ausnahmegesetzen steht, fich bereit finden läßt, für die Verlängerung zu stimmen. Wir. die wir den Anarchismus verabscheuen, w-ll nur Unhe'l für die ganze Welt darau» entstehen kann, werden immer mit den Anarchisten in einen Topf ge« warfen. Diese Gleichstellung ist durchaus unrichtig. Die Ii« steht über der Person. DaS Gute, daS wir wollen, wird fich von selber Bahn brechen und wir sehen dem Siege unserer ideerr mit Ruhe und Sicherheit entgegen.(Beifall.) In dem Jcstreben, wie«8 in der Affäre Mahlow-Jhring zu Tage ge- treten, sehen wir eine ernste Schädigung de« Volkes und über» lassen die Verantwortung denjenigen, die«» für erforderlich halten, friedliche Arbeiter zu Dingen aufzureizen, die, wenn die Arbeiter nicht die gesunde Vernunft abhielte von der Bus« führung, die schwersten Folgen für fie haben würden. Anstatt den Verführer zu verfolgen, wird der Spieß umgedreht und die Zeugen unter Anklage gestellt. Um weitere Zeugen nicht einem gleichen Schicksale zu überliefern, werden leine weiter genannt werden. Ader ausgerüstet mit einer Fülle von Beweismaterial werden die genannten Zeugen den Gerichtssaal betretm. Wie die Entscheidung ausfällt, müssen wir abwarten. Jedenfalls müssen wir aus dieser Affäre die Lehre ziehen, allen den Elementen, die versuchen, uns von der friedlichen Entwickelung abzubringen, die unS Dinge anreihen, die fich nicht auf legale Weise verwirklichen lassen, mit dem Mißtrauen zu begegnen, wie eS solche Subjekte verdienen.(Leb« hafter Beifall.) Erstaunlich ist es. daß auch die belgischen Ar« beiterunruhen für die Verlängerung deS Sozialistengesetzes ins Feld geführt werden. Den organifirten deutschen Arbeitern, den zielbewußten Anhängern der Sozialdemokratie wird der« t(eichen nie pasfiren, weil ste sehr wohl wissen, daß auf dem Lege der Putsche nichts erreicht werden kann.(Bravo.) Trotz der sicheren Verlängerung deS Sozialistengesetzes werden wir furchtlos und treu, ergeben der Partei, zu den Neuwahlen schreiten und immer mehr Einfluß auf die Gesetzgebung zu ge- Winnen suchen. Wie es heißt, will der Abg. Windthorst seine MilderungSantiSge in dw zweiten Lesung nicht wieder auf- nehmen. Wir werden gegen das ganze Gesetz stimmen, ob mit oder ohne Anträge. Das deutsche Volk wird sich aber die Männer wohl merken, die diesmal wieder für das Gesetz stim- men, die deutschen Arbeiter werden dem Reichskanzler die Er« wideiung auf das Sozialistengesetz nicht schuldig bleiben, indem ste seinen Herzenswunsch erfüllen und nicht nur 36, nein 50 Sozialdemokraten in den Reichstag wählen.(Brausender, nicht enden wollender Beifall.) Ein Antrag, keine Diskussion stattsinden und nur Gegner sprechen zu lassen, wurde angenommen, doch meldeten fich solche nicht. Jubelnde Zustimmung erhielt der Antrag, das Bureau zu beaustragen, im Namen der Versamm« lung und speziell der Wähler des 6. Wahlkreises dem Abge« ordneten Liebknecht zu seinem 60. Geburtstage(gestern) deren Glückwünsche zu übermitteln. Zum Schluß nabm der Abg. Hasenclever noch einmal daS Wart:„Bei der bevorstehenden zweiten Beratbung des Sozialistengesetzes wird, wie ich be« stimmt weiß, Windthorst seine Anträge nicht wieder stellen, ein Beweis, daß daS Zentrum entschlossen ist, so viel Stimmen für die Verlängerung abzugeben, daß das Gesetz diesmal mit noch größerer Majorität angenommen werden wird, als das vorige Mal. Das kommt daher, weil daS Ausnahmegesetz gegen das Zentrum und die katholische Kirche nach und nach aufgehoben wird. Nach Kanossa geht heut so mancher, der stüher daS Gegentheil behauptet. Die römische Kirche befitzt eine große vortreffliche Organisation, vor deren Macht leider der auch gut organifirte Staat die Segel hat streichen müssen. Die Arbeiter mögen daraus erkennen, daß man gut oraanifirt sein muß, wenn man etwas erreichen will. An dem Triumphe der Kirche ist jedoch der Staat selber schuld, weil er den Kampf mit der Kirche aufgenommen hat mit den Waffen der Ausnahmegesetze, die nie zum Siege führen werden. Deshalb wird auch die Sozialdemokratie nicht besiegt werden, daS ste umschließende Band nicht zerreißen. Es liegt daher im eigensten Interesse deS Staates, das Ausnahmegesetz so schnell wie möglich zu beseitigen. lieber die Vorgänge in Belgien bringt die Presse sehr über- triebene Berichte.— Auch ich kann ihnen nur dringend empfehlen, wie es bereits Herr Lehmann gethan, daS einzige Arbeiter« organ in Berlin, welches mit Würde und Krast, wie eS unter den obwaltenden Verhältnissen möglich ist. Ihre Interessen vertritt, da» Alles thut, waS eS kann, das„Berliner Volks« blast" zu lesen und zu unterstützen und ich will wünschen, daß meine Worte nicht vergebens find.— Ob nun daS Sozialisten- gesetz verlängert wird oder nicht, in derselben ruhigen und exakten Weise werden wir nach wie vor unsere gute Sache oer- theidigen auf den Schanzen des allgemeinen Wahlrechts! (Brausender Beifall.) Mit enthusiastischen Hochrufen auf die Abg. Hasenclever und Singer ging die vielköpfige Menge auS« «inander. * Vo« Herrn Abg. Grillenderger erhalten wir folgende Zuschrift: In der Sonntaginummer deS„Berl. BolkSblait" ist im Versammlungskalender eine Notiz enthalren, in der ich als Referent für eine auf Montag, den 29. d. M., angesetzte Schlofferversammlung genannt werde. Ich bemerke, daß ich zu einer solchen Versammlung weder eingeladen wurde, noch zu einem Referat mich bereit erklärt hatte, daß mein Name also in durchaus unberechtigter Weise genannt worden ist. Am Freitag Abend(in der Versammlung in„Sanssouci") wurde mir lediglich mitgetheilt, daß man beabstchtige, am Montag eine Schlofferversammlung abzuhalten und„einen der Abge. ordneten" dazu einzuladen. Ich erwiderte hierauf unter An« gäbe der Gründe, daß am Montag keiner der sozialdemolrati- schen Abgeordneten in der Lage sei, zu referiren. worauf der Betreffende antwortete, daß man dann daS Projekt fallen lassen werde. Wenn ich Zeit habe, und rechtzestig, unter Angabe der Tagesordnung, benachrichtigt werde, bin ich gern bereit, ab und zu in einer Versammlung zu sprechen; ich möchte aber nickt, daß durch solches Vorgehen, wie das oben geschilderte, Mißverständnisse und Mißdeutungen entstehen. C. Grillenderger. Große Volksversammlung am Dienstag, den 30. März, präzise AdendS 8 Uhr, in der„Tonhalle", Fricdrichstr. 112. Tagesordnung: Die deutsche Sozialdemokratie im Reichstage.(DaS Thema ist in der vorgestrigen Annonze und auf den öffentlichen Ankündigungen unrichtig angegeben.) Referent: Wilhelm Liebknecht. * Freie Vereinigung der Vergolder und Fachge- uosse«. Oeffentltche Mitglieder- Versammlung am Dienstag, den 30. d. M. AdendS 8V> Uhr, bei Gratweil, Komman« dantenstr. 77/79(ob. Saal). Tagesordnung: 1. Bericht der Revisoren. 2. Vortrag deS Herrn Oskar Krohm über Zweck und Ziele der Fachvereine. 3. Wahl von Nebenkasfirern. 4. Verschiedenes. * Verband deutscher Ztmmerleute(Lokalverband Berlinde). Dienstag, den 30. März. AbendS 8 Uhr, Kom- mandantenstr 77/79, Versammlung. Tagesordnung: 1 Vortrag über daS UnfalloersicherungS- Gesetz. 2. VerlchiedeneS. 3. Frogekasten.— Die Mitglieder, welche noch mit ihren Bei« trägen im Rückstände find, werden ersucht, dieselben zu zahlen. — Aufnahme neuer Mitglieder. Beitrag 10 Pfg., Schreib« gebühr 50 Pfg. * Oeffentltche Versammlung der Tischler Berlins am Mittwoch, den 31. März, Abends 8 Uhr, im„Salon zum Deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37. Tagesordnung: Die gegenwärtige Lage des Handwerks und die Nothwendigkeit der Berufsorganisation. Referent: Herr Reichstagsabgeordneter Pfannkuch. Freie Dislusfion. Ausgabe der statistischen Frage« bogen.— Alle Tischler Berlin», besonders die im Norden Berlins wohnenden werden zu zahlreichem Besuche eingeladen. * Gauverein Berliner Bildhauer. Heute Bibliothek« Abend. * Oeffentltche Versammlung sämmtlicher Drechsler, Knopfarbriier und BerufSgenossen. Dienstag, den 30. März, AdendS 8 Uhr, im„Königstädtischen Kafino", Gr. Frankfurter- straße 77. Tagesordnung: Bericht über den Streik der Knopfardeiter der Siegel'schen Fabrik. DiSkusston. Ver- schiedencs. * Oeffentltche Versammlung der Schirm« und Schürzen« Näherinnen. Dienstag, Abends 3'/, Uhr, im Lokale des Herrn Seefeld, Grenadierstr. 33, wozu auch die Herren Fabrikanten eingeladen find. Tagesordnung: Besprechung der Lohnverhält« nisse.— Verschiedenes. * ArbeiterbezirkS-Verein für den Osten Berlins. Dienstag, den 30. März, Abends SVi Uhr: Versammlung in Keller's Lokal, AndreaSstraße Nr. 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Bischof:„Ueber Elestrizitat und deren Anwen« dung im prakttschen Leben"(mit Experimenten). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Gäste, durch Mitglieder ein« geführt, haben Zutrstt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. * Berliner Turngenossenschaft(6. Lehrlings-Abthei- lung) jeden Dienstag und Freitag von 8—10 Uhr Abends in der Turnhalle, Zehdenickerstr. 17. * Rauchklub„Zum Wrangel" jeden Dienstag Abend 8'/, Uhr im Restaurant Wrangelstr. 32. * GesangSverein„LebeuSblüthe". Jeden Dienstag, Abends 9 Uhr, Wienerstr. 11, UebungSstunde. * Oeffentliche Versammlung der Album- und Luxus« vapter« und Kartonaaen« Arbeitertune« Dienstag, den 30. März, AbendS 8'/, Uhr, im Konzerthause„Sanssouci", Kottbuserstr. 4a. Alle in Buchbindereien arbeitenden Frauen und Mädchen werden dringend aufgefordert, zu erscheinen. Männer haben Zutritt. setzte Uachrichte«. Es verlautet, daß die neuen Branntwein-Steuer« entwürfe bereit» im Laufe der beginnenden Woche an den Bundesrath gelangen würden; ihr definitiver Abschluß war noch einem Minister rathe vorbehalten. Man hält es für möglich, daß die neuen Entwürfe noch vor Ostern an vm Reichstag gelangen, ihre Berathung wird sich aber jedenfalls erst nach den Ferien ermöglichen lassen. Die Entwürfe gelangen, wie es mit dem Branntweinmonpol der Fall war, als Antrag Preußens an den Bundeirath. London, Sonntag, 23. März. Zwischen dem auswärtigen Amt und dem diesseitigen Gesandten in Kriechenland findet gegenwärtig wieder ein sehr lebhafter DepeschenauStausch statt. Die englische Regierung setzt ihre Bemühungen, Griechen« land von einer Aktion zurückzuhalten, energisch fort. Wenn ein Londoner Gewährsmann der„Köln. Ztg." recht berichtet ist, so hat die griechische Flotte bereits seit einigen Tagen in aller Stille, und ohne daß seitens der Mächte öffentlich Notiz ge- nommen worden wäre, Salamis verlassen. Derselbe Gewähr»« mann will wissen, daß man nenerdingS in Griechenland bemüht ist, große Sendungen von Waffen und Schießbedarf nach Kreta zu schaffen. Aus Belgrad wird die Berufung eines Kabinet» Ristitsch al» wahrscheinlich fignalifirt. Die„Times" meldet aus Meihed vom 27. d. M., die Arbeiten der afghanischen Grenzkommisfion seien ins Stocken gerathen, weil der rusfische Kommissar unerwartet Forderungen gestellt bade, welche der britische Kommissar nicht annehmen zu können glaube; die Frage sei den beiderseitigen Regierungen unterbreitet worden. Literarisches. Bunte Welt. In einem geradezu überraschenden Ge- wände präsentirt fich unS die erste Nummer einer neuen Zeit« schrist für das deutsche HauS, die mühevoll vorbereitet, nun« mehr mit einer üherauS gefälligen und zeitgemäßen Neuerung ins Leben tritt. Die„Bunte Welt" ist dazu angethan, überall die beifälligste Aufnahme zu finden und fich einen weiten Lesen kreis zu sichern._ Kriefkaste» der Redaktion. G. S. Jbr Wunsch ist erfüllt worden. H. G- 1. Sie haben unsere neuliche Briefkastennotiz wo«! mißverstanden. Der Austritt aus einer Kirche muß allerdings, um oollailtig zu sein, vor Gericht erklärt werden, von tim* Genehmigung seitens deS Gerichts kann aber keine Rede sei«- Es muß an das Amtsgericht deS Wohnortes der Antrag schritt« (ich gerichtet werden, die AuStrittSerklärung aufzunehmen. G[t müssen die BuStrittierklärung an daS Amtsgericht I, Abthen lung 56 II, Neue Friedrichstr. 13 I, Zimmer 73, richten. Diese* Antrag wird der Kirchengemeinde vom Gericht mitgctbeilt- Nach 4—6 Wochen wird sodann Termin anberaumt, in w>b chem der Betreffende seinen Austritt aus der Kirche mündlro vor dem Richter erklärt, und mit dieser Ertlärung ist der Au»« tritt bereits definitiv vollzogen, ohne daß gerichtliche Genehm!« gung erforderlich oder auch nur zulässig wäre. DaS bloß außer« gerichtlich erklärte Ausscheiden auS einer Kirche hat nicht volle Wirksamkeit und befreit insbesondere den Betreffenden vidi' von den kirchlichen Lasten und Abgaben. 2. Machen Sie W die Steuer- Einschätzungskommisfion auf den Jrrthum aufwerl' sam und erklären Sie, Sie würden, falls der Jrrthum nW innerhalb 6 Wochen berichtigt werden würde, gegen die Em« schätzung remonstriren. Alter Abonnent. 1. Die Kosten der Vertheidigus» können dem Angeklagten im Falle seiner Freisprechung oo« der Staatskasse ersetzt werden. Dem Denunzianten lönnM dieselben auferlegt worden, wenn die Strafanzeige desseldm wider besseres Wissen gemacht ist oder auf grober Fahrlässig� beruht. 2. DaS Herrenhaus wird durch Königliche Anordvuog gebildet. Die Königlichen Prinzen und einige andern hohM Herrschaften gehören stets dazu. Einige andere Mitglied!* können von gewissen größeren Städten und Unioersttäten pr°f sentirt werden. Der Zweck deS Herrenhauses ist wohl w;' etwaigen freisinnigen Beschlüssen deS Abgeordnetenhauses eM« gegen, utreten und damit die Macht der Krone zu verstau�' 3. Von Berlin bis Kamerun est es in gerader Linie e>m° 3800 Meilen. 4. Eine Desinfeltionianstalt hat den Zm� Gegenstände durch Anwendung bestimmter chemischer StotM wie Chlor, Karbol rc., von üblen Gerüchen oder von Ansteckung stoffm zu b-freien., B. P. Da in Ihrem schrittlichen MiethSkontrakte vreru, jährliche Vorausbezahlung festgesetzt ist, müssen Sie dem � Verlangen des WirtheS nachkommen; Ihre mündliche NedM abrede hat keine Giltigkeit.„ R. S. 57. Wenn der Armen-Direktion eine Schuldtord-« rung abgetreten ist, darf ste dieselbe ebenso wie jeder Aride' einklagen. Den Arbeitslohn darf fie aber nicht pfänden. Theater. Montag, den 30. März. Oßernhans. Satanella. n rir., «chausptelhanS. Die Journalisten, Lustspiel in 4 Akten von Gustav Freytag. Deutscht» Theater. König Lear. � Wallner-Theater. Hasemann's Tocht«. Nefiden»« Theater Frau Doctor, Schwank in 3 Akten von P. Ferrier u. H. Bocage. Belle-Alliance-Theater. Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer: Sein Spezi. Friedrich- Wtlhelmstädtisches Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla« Theater. DaS lachende Berttn. Heiteres auS der Berliner Theatergeschichte mtt Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Lentral-Theater. Der Stabs. Trompeter. »tttorta-Theater. Der Müller und sem Oftend-Theater. Die Loreley, romantisches Schauspiel in 5 Aufzügen. «mertean- Theater. Große Spezialttäten« Borstellung._,„ Theater der Reichshalle«. Große Speziali« tättm-Vorstellung._ Alhambra-Theater. Walinertheaterstraße 16.[851 Heute; Am Allerseelentag Diu Gebe! auf dem Friedhof. Original- Volksschauspiel in 4 Akten nebst 1 Vorspiel Em gegebenes IDorf von Heinrich Klaußmann. Vor der Vorstellung: Gr. AouM der Hauskapetle. Anfang de» Konzerts WochentaaS 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang det Konzert» Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7'/» Uhr. San# haben Wochentag» Giltigkeit und find im Theaterbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Passage 1 Trephe. 9 U. Morg. bii 10 U. Ab.[852 Kaiser- Pauorama. Nur mr diese"V# Woche: Das schottische Hochland. 1. Ablh. Eine Reise d.. d. schöne Spanien. Hertha- Reise. Caro'.inen-Jnseln. Eine Reise 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher 1176 Drechsler, Knopfarbeiter und Berufsgenossen am Dienstag, den 30. März, AbendS 8 Uhr, im Königftädt. Kastno, Gr. Frankfurterstr. 77. Tagesordnung: Bericht der Kommisfion über den Streik bei Siegel. Die Kommisfion. I Das 10 M. 35 Pf., welche in der Frauenversamm. lung in Bötzow'» Brauerei gesammelt wurden, habe ich durch Frau CantiuS erhallen. Ich sage hiermit allen Gebern meinen herzlichsten Dank. A ermann Keiffert, Kürschner. Kolt-Takiali' Sämmtliche Sorten Roh Tabak werden i den bekannt enorm billigen Preise« — viel billiger wie jede Concnrrenz— verkauft Lothringerstraße 48, Hof I 1172] Roh-Tabak-Handlung. Arbeitsmarkt. Einen Drechslerlehrling verlangt 1166| Prüßmann. Alte Jakobstc. 133. Ein MSbelpolirer wird verlangt Köpnicker. straße 175 bei Müller.[1175 Einen Lehrling zr Georg Hano«, Loursen-U'er 2a. zum Maschinenbau verlangt 1174 Für mein Miene» Friseur-Geschäft suche ich einen Lehrling.[1137 R. Z a h n, Seydelstr. 32. Einen Drechsler auf Gardinen« Roletten wird verlangt Christinenstraße 24, l.[1173 Kamburger Frmckm-Klati (ödster Jahrgang) erscheint allabendlich mit dem Neuesten des Tage» auf allen Gebiete« und 0*' langt«och mit de« Abendposten zur Versendung. Inhalt:, Entschieden liberale Politik, orientirende politische Ueberficht, parlamentarische Or'ginal« Konespondenzen aus hervorragender Feder, Reichstags- und LandtagS-Berichte, Si*' zial- Telegramme über die Parlaments-Sitzungen des TageS, sämmtliche Depeschen de» Bureau Renter. Vorzügliche Leitar-tkel. Sehr reichhaltiges Feuilleton: Original- Abhandlungen bedeutender Autoren über Aus« stellungen, Mustkfeste ,c., Korrespondenzen aus London und Paris, Modebriefe- naturwissenschaftliche Feuilletons, Roman, Konzert- und Theater-Referate, Allerlei von den Gebieten der Künste und Wrffenfchasten. Laudwirthschaftliche Original. Artikel und Antworten durch einrn Fachmann, Volks wirlh« schaftliches, Industrielles, Post- und Eisenbahn-Tarife. Handels««. Börsen-Nachrichten aus Hamburg vom selbe« Tage in umfangreicheo> Maße, tagliche Koursberichte, Wochenbericht des Hamburger WaarenmarkteS, Fond»' und Waaren-Telegramme von allen Handelsplätzen. Lokal-Nachrichten und Neuigkeiten aus SchleSwig-Holstein. Mecklenburg, auS dem Ha"' noverschen u. s. w.. 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