»r. 78. Freitag, den% April 1886« III. Jahrg. cllmerVolkiblM Krgan für die Interessen der Arbeiter. X Da«„Berliner Volksblat� % ngetragen in der Poftjeitunatvrttiliste für 1888 unter Nr. 769.) für Berlin frei onnement 10 Pf. nfertiousgebühr beträgt für die«gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitimarlt 10_______ Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bii 4 Nachmittags in der Expedition. Berlin 8W., Zimmerstraße 44. sowie von allen Annoncen- Bureaux. ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion t Kenthstratze 2.— Grpedition: Zimmerstraße 44. deS wir Ziemlich genau so, wie wir eS unseren L-scra voraus« sagten, ist der Verlauf der Berathung de« Sozialistengesetzes erfolgt, nur daß die entscheidende Abstimmung über die Verlängerung de« Gesetze» schon in die zweite Lesung ge- fallen ist und in der dntte» Lesung nur einfach wiederholt wird. Im Allgemeine» wurde angenommen, daß dre Ver- längerung des Ausnahmegesetzes nur mit ganz lnapper Ma- jorttät durchgehen würde, jedoch haben wir dir» stet» be» stritten und auf eine größere Majorität hiv gewiesen. Diese hat sich auch zusammengefunden, da mindestens d i e Hälfte de« Zentrums für die Verlängerung de» unveränderte» Gesetzes gestimmt hat, so daß dieselbe mit 27 Stimmen Majorität angenommen wurde. Die anwesenden Deutschfreisinvigen stimmten sämmt» lich gegen da» Gesetz; die Sozialdemokraten waren voll» zähltg am Platze. Eme namentliche Abstimmung, die auf Antrag von mindestens 50 Mitgliedern stattfinden muß, wurde nicht beliebt, so daß man weder die Stimmende»,»och die Fehlenden genau kontroliren kann. Bei der dritten Lrsung aber soll der Versuch gemacht werden, eine namentliche Ab» stimmung zu erzielen. Doch nun wolle« wir uvS den Verlauf der ganzen Berathungen de« Sozialistengesetzes noch einmal vergegenwärtigen, nm da« Gaukelspiel des Abg. Windihorst in seinem vollen Glänze würdige» zu können. Um seine und de» Zentrums Volks- und Freiheitsfreund» lichkeit in Hellem Lichte zu zeige«, brachte Dr. Windthorst in der Kommission eine Reihe von AbävderungSanträqen ein, welche einzelne Befugniffe der Polizei beschränken, im Uebrigen aber da« Gesetz in seiner vollen Härte bestehe« lassen wollte». Mit Trompetento» wuide dem staunenden Volke verkündet, daß unter der Führung der„schwarzen Schaar" das Bollwerk der Reaktion, da« Sozialistengesetz im Sturm genom- me«— pardon— langsam abgetragen werden sollte. Und wie gestaltete sich dieser Angriff? Nicht mit Spieße« und Stange« und Brecheisen be- waffvet, rückte die„schwarze Schaar" heran, sondern ihr Führer Dr. Windthorst mit einem Schurzfell avgethan und mit der Maurerkelle in der Hand kratzte an dem Bollwerk herum, so daß etwas Mörtel herabfiel. Das war die ganze That! Zn der Kommission wurde« die Windthorst'sche» An- träge bekanntlich angenommen; das ganze amendirte Gesetz aber verworfen, da die Linke de» Reichstag« da« abgekratzte Reaktionsbollwerk«och immer für gefährlich hielt und die Rechte nur ei» wieder aufgeputztes haben wollte. KeuMeton. Der Trödler. Roma« von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) „Verrückt, verrückt I Alle Welt ist verrückt!" knirschte Edmund, als er vom„kalten Stein' abfuhr.„Gott sei Dank, daß ich aus dem Neste herauskomme! Mathilde will idyllisch in Kattunkleid und Schürze die Höhe de» Leben« finde»! Karriere soll ich mache«, aber solide soll ich lebe«! Ei» Weib nehmen, aber nicht so und nicht so! Hol'« der Henker, ich renn' gerade durch und handle, wie mir'« paßt! Da» ist die alte Manier, mit mir umzu- springe«! Alle korrigiren sie an mir, und schlußlrch ist« Keinem recht!— Hah, da kommt Oberhoff!— Wie lang. weilig, philisterhaft die Kneipe daliegt!— O Schaum der Jugend— und— dahinter ist nicht»! Fahr zum Teufel, Schwager, jede Stunde eher in S... ist er» Prostt am Lebe«!!' Vierte« Kapitel. Die Meinung, welche Edmund von den Personen und Dinge» im„kalten Stein" nunmehr zu hegen für gut fand, war weder seiner Liebe zu Mathilden, noch zum Vaterhause sonderlich voitheilhaft. Statt in sich die einzige Quelle alle« Widerspruch, und aller schlimme« Veränderungen zu suche«, hatte er die Gewohnheit der meiste« Menschen: alle» Uebrigen die Schuld des Zwiespalt« beizumesse«, sich selbst aber für höchst vernünftig zu halte«. Zu dieser ver» kehrten Meinung kam noch der Verdruß, während seines Besuche» bemerkt zu haben, daß ihn Zeder noch für de« alte» unbesonnenen Knabe» nahm, welchen man zu seinem eigenen Heile modeln und renke» müsse. Daß er jetzt der Erziehung wirklich um so benöthigter war, als er bis jetzt eben gar keine, oder, was schlimmer war, die wider- sprechendste von der Welt empfangen, kam seiner wachsen- Dasselbe Schauspiel wiederholte sich im Reichstage selbst. Die Amendements Windthorst wurde» zunächst an genom- men; das also amendirte Gesetz wurde au« denselben Gründen wie in der Kommission wieder abgelehnt, da auch die Regierung sich mit einem solchen nicht einverstan- den erklärte. Da also die Regierung und die konservativen Parteien sich den Anträge« Windthorst widersetzt hatte«, so wäre e« eigentlich in der Ordnung und im Sinne der Zentrum«- devise:„Für Recht, Wahrheit und Freiheit!— ge« wese», wenn nunmehr das Zentrum gegen die ursprüng- liehe Regierungsvorlage, also gegen die Verlängerung de» Gesetzes überhaupt gestimmt hätte Aber da« gehörte nicht zur Komödie; zu der Komödie, welche Regisseur Windthorst den Mitglieder» de» Theater« so genau eingeübt hatte. Deshalb trat auch mit würdevoller Miene Freiherr von Hertling hervor, nahm zunächst von Windthorst da« Schurzfell und dann die Maurerkelle, mit welcher die kleine „Kratzbürste" an dem Bollwerk der Reaktion herumgekratzt hatte, und fing an, gravitätisch wie immer, diese« Boll- werk wieder aufzuputzen, so daß dasselbe ganz nach Wunsch der Regierung und der Konservative« aussah. Für da« so wieder hergestellte Gesetz fand sich nun auch eine Majorität, bestehend au« de« Konservative», de« Nationalliberalen und so vielen wohlgezählten Streitern„für Recht, Wahrheit und Freiheit", daß da« Bollwerk der Reaktion wieder hergestellt wurde, so„reinlich und zweifelsohne", wie e» bisher war. Aber nur auf zwei Jahre! Nach zwei Jahre», da« schwört das Zentrum beim Hertling, wird dasselbe— wieder verlängert werden. Doch genug der Komödie! Da« Zentrum will seinen Wählern und besonders den katholischen Arbettern Sand in .. annehme» könne. Deshalb___ Expirimentire� und die hohle« Phrasen von Arbeiter. freundlichknt. Aber im entscheidenden Augenblicke, da zeigt sich die „schwarze Schaar" in ihrer wirklichen Gestalt, a l« di e Vorkämpf eri« der Volksverdummung und der rothesten Reaktion. Charakterfestigkeit hielt. Wohl hatte Mathilden« die alte Jugendliebe Politische Ueberstcht. Di« entscheidende Abstimmung über daö Sozialisten- gesetz ist schon in der zweiten Lesung erfolgt; die Abstimmung in der dritten Lesung ist bedeutungslos, da ste ledig- lich da» Resultat der zweiten bestätigen wird. AlleS, waS wir de» Eitelkeit, seinem Eigenwille« nicht entfernt in de« Sin». Galt er nicht in S... für eben so wohl erzogen wie ge- sittet, für eben so geistreich wie liebenswürdig? Die Anforderung MathildenS, ihr zu Liebe in da« enge Joch sogenannte» spießbürgerlichen Philisterium« zu kriechen, die Hartnäckigkeit, mit welcher sie, allerding» von der MutteS wie Beate» bestärkt, jedem fernere» Austausch, jedem Vergleich auswich, erzürnten Edmund aufs Heftigste. Er warf ihr Eigensinn, Unbildung und Mangel an jedem höhere« Streben vor, und bestärkte sich um so mehr in seiner Starrhett, al« er Dieselbe für männliche Kraft und er beim Wiedersehe» neu aufwalle» gefühlt, hatte ihn doch die schlichte Lieblichkeit und Naivetät feiner Gespielin mit dem alte« Hauche süßer Stunde« umweht! Als er indeß«ach S... zurückkam, in diese glänzende« Gesellschaften neu eintrat, machte er wider Willen dre Be« merkung, daß Mathilde doch mit diese« pikante« Schönen, am allerwenigsten mit der strahlende« Astarte einen Ver- gleich aushalten konnte, ja e» ganz unmöglich sei, daß er mit ihr in der Ehe, bei so verschiedenen Lebenswünsche« und Begriffe», glücklich werden könate. Diese Entdeckung machte er, als er eben von seiner erste» Vifite bei der Baronin Wollenstem zurückgekommen war und mit der bezaubernden Astarte längere Unterhaltung gepflogen, welche ihn berauscht nnd mit neuen Seelenfäde» an diese verführerische Schöne gefeffelt hatte.— Er entsetzte sich vor dieser Entdeckung! All« Geister der Leidenschaft, der Selbstqual und Selbstlüge wurde« ist ihm wach! Hut und Handschuhe von sich werfend, ging er mit großen Schritte» im Zimmer auf und ab. Der Kopf brannte ihm und er empfand ei» Herzschlage», als ginge er eben an eine schimpfliche That, an ein nie gut zu machen- des Vergehen! „O du witzreiches Hirn, das mich sonst nie im Stiche ließ, schaffe mir Rath! Entwirre diese Räthsel meiner Seele und gieb mir Licht über mich felber! Ich liebe Mathilden noch mit derselben Innigkeit, wie al» Knabe! an dieser Stelle vorher gesagt haben, ist eingetroffen.— Bei der Berathung deS Gesetzes wurden vom BundeSrathStische Aeußerungen laut, die darauf schließen lassen, daß da» Gesetz fortan mit größerer Schärfe noch angewandt werden wird. Die Arbeiter aber dürfen nicht verzagen. Hat doch unter der Herrschaft dieses Gesetzes die Arbeiterpartei große Fortschritte gemacht; ist fie doch mächtiger geworden in der Vertretung der Nation; hat fie fich doch gefestigt nach innen, ist ste doch gewachsen nach außen! Deshalb muß fie auch in aller Ruhe, aber auch mit aller Kraft, wenn auch gehemmt durch ein AuS» nahmegesetz, weiter kämpfen, um ihr Ziel: Das Wohl und die Freiheit deS Volke?, daS gleiche Recht für Alle, endgilliz zu erreichen. Schwer ist ein solcher Kampf, aber nicht aus- fichtsloS— die Einigkeit deS arbeitenden Volke» führt zum Siege. Die Angst der besitzenden Klassen vor Erweitern«« deS Wahlrechte» der großen Masse trat in der Mittwochs- fitzung deS preußischen Landtag» wieder einmal schlagend zu Tage. Zur Berathung stand ein Antrag des ultramontanen Abgeordneten Bachem, den ZensuS bei den Wahlen in gewissen Gemeinden herabzusetzen. ES giedt bekanntlich heute noch Ge- meinden in Preußen, in welchen das Bürgerrecht, bez. das Stimm« und Wahlrecht in Kommunalangelegenheiten an die Bedingung eineS jährlichen KlaffensteuerdeitrageS von 3 oder 4 Thalern geknüpft ist, in diesen Gemeinden besteht also nicht nur vreiklassenwahl, das elendeste aller Wahlsysteme, sondem Dreiklaffenwahl und dazu noch ein ziemlich hoher ZensuS! Ader auch nur diesen ZensuS zu beseitigen oder herabzusetzen, dazu war die Majorität deS Reichstages nicht zu haben. Der g. Fritzen vom Zentrum betonte ganz richtig, durch die de- stehende Gesetzgebung würden viele kleine Leute von dem Ein- uß auf die Gemeindeverwaltung ganz ausgeschlossen. Der „ rikonservatioe v. Oertzen meinte aber,..«S sei keineswegs nöthtg, der arbeitenden Bevölkerung eine Mitwirkung b-i den Kommunalwahlen einzuräumen, ia daS würde sogar unter Um- ständen gefährlich sein!" Der Nationalliberale Seyfardt hielt eS für„bedenklich", gegenwärtig einen Schritt zur Erweiterung deS Wahlrechtes zu thun. Brave Volks Vertreter! sich die bisherigen Mittheilungen über die Stellung der Kurie zur Anzeigepsticht als ungenügend erwiesen. Die Beratbung der Vorlage im Plenum wird an einem der nächsten Tage stattfinden. Der Papst soll nur die Erfüllung der Anzeige- Pflicht in Bezug auf die zur Zeit vakanten Pfarrstellen zuge. jagt haben, derart, daß für die Besetzung von Stellen, welche fernerhin noch vakant werden, die Anzeige eben so wenig wie früher gemacht werden würde. Diese Haltung soll für die Ab- lehnung der Kopp'schen Anlräge seitens der Herrcnhauskom» Mission entscheidend gewesen sein. Der„Wislf. Merk." faßt die Gegensätze zwischen Regierung und Kurie knapp und scharf Wen» ihr Bild mir vor die Seele tritt, empfind' ich eine tiefe, heilige Rührung, ei» stille«, traumseliges Behage«, wie in jene« alten Stunde«, da uns die Welt nur ein Wundergarten voll Märchen und ei« jeder Tag ei« neue» buntes Leben war I So zutraulich frei werd' ich mit keinem Weibe mehr rede«, so alle meine inneren Regungen rückhaltslos keinem lebenden Wesen mehr preisgebe»! Ich liebe sie. und doch— zu meinem Weibe nehmen— nun, da ich Astarte wiedergesehen?— Unmöglich I— Wir stehe» un» zu nahe, kennen un« zu sehr, um uns wie Liebende, wie Gatten zu umfangen! Es ist fast, als sollte ich die eigene Schwester freien I Und dann hat sie wieder von all' de« Bedingungen meine« Daseins, von meinen Wünschen, meinem Ehrgeiz, meinen Gefühlen und Neigungen keinen Begriff! Jeder Tag scheint diese unsere Gegensätze zu ver- mehre« I Was ist den« Ehe, wen« sie nicht die vollendete Harmonie deS Leben», Streben«, Fühlen» und Denken», der Bildung und Gewohnheit ist! O. e» giebt nur ei» Weib für solch holdeS Doppelleben I Ästarte!— Wir ver- lehen uns,_ ohne zu reden, unsere Gedanke« begegnen sich einem Blick, unsere Empfindungen sind so gleich, so ergänzend, daß nicht» Liebe genannt zu werden verdient, ist eS nicht das! So habe ich nie— nie bei Mathilde» empfunden I Ich bin glücklich gewesen wie ei» Kind, aber ward nie in Begeisterung zu ManneSthaten beflügelt, wie durch Astarte!!•— O Hohn! Und Beide lieb' ich! Bi» verflucht, Beide zu lieben, Keine zu lasse», und darum Keine zu besitze»! Unmöglich, Edmund! Entwirre da» Räthsel, werde Dir klar!"— Er preßte seine erhitzte Stirn an die Scheibe» de» Fenster». Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn, sein Herz wand fich in krampfhafte» Zuckungen. „Ja, e« ist so— ist so!— Mutterlos, wie ich bin, fast kann ich sagen auch vaterlos— hat der sich doch jetzt erst um mich gekümmert— wuchs ich mit Mathilden auf, wie Bruder und Schwester! Heilige, süße Geschwisterliebe band un« zusammen, und al« wir aufwuchsen, diese Nei- gung für etwa« Anderes nahmen, uns bei Annen» Grabe in kindischer Uebesonnenheit verlobten, betrogen wir uns!— Sei mir, süße Gefährtin der Jugend, Mathilde, sei mir zusammen:„Rom will für die Kopp'sten Amendements nur die einmalige Anzeige zugestehen-, die Regierung dagegen for. dert die dauernde; Rom steht in der Anzeige nur daS Mittel einer Verständigung zwischen Bischof unv Staat, bei welcher im KonflikiSfalle dem Papste daS letzte Wort zusteht; die Re> Seiung faßt dagegen die Anzeige als ein souoeränei höchst- stanzlicheS Einspruchs- resp. AuSschlußrecht deS Staate» bei Besetzung von Pfarrämtern auf. Das stnd, wie auf der Hand liegt, noch ganz gewaltige Differenzen!" Neue Polenvorlagen. Der dem Abaeordnetenhause demnächst zugehende Nachtragsetat fordert im Extraordinarium 2 Millionen Mark für den Bau von Elementarlchulgcdäuden, im Ördinartum 900 000 M-, davon 400000 M- für Lehrerdotationen, 200000 M. für Verstärkung der Eckul utstcht, 100 000 M. für Errichtung höherer Mädchenschulen, 100 000 M. für UniverfitätSstipendien, 50 000 M. für Schulstipendien und 50000 M. für den DiSpostlicntfondS. Der NachNagSetat de- zieht fich lediglich auf polnische Gebiete. Anscheinend besteht die Abficht, in diesen besondere Schulen für die deutsche Be- völkerung zu errichten. Von einem nicht sozialistischen deutschen Reichstags- abgeordnete«, der eben aus B e l a i e n zurückgelehrt ist, er- ........ rein Mensch daran denkt, fahren wir, daß in Belgien selbst rein dem Aufruhr eine politische Bedeutung beizulegen. Auch dir Regierung weiß, daß die paar Anarchisten den Auftuhr weder vorbereitet noch in Szene gesetzt haben, sondem daß dieselben erst auf dem Schauplatze erschienen find, als derselbe schon mit Elementargewalt ausgebrochen war. Ferner erzählte der be- treffende Abgeordnete, daß in der deutschen Preffe die größten Uedertrcibungen stattgehabt hätten. Die Ursache deS AuftuhrS aber sei lediglich der große geistige und maierielle Druck, unter dem die arbeitenden Klaffen in Belgien schmachteten. Der Hunger habe da» Volk zur Revolte getrieben.— Daß solche Zustänve einen guten Boden für den Anarchismus schaffen, ist selbstverständlich, aber äußerst deklagenSwerth.— Ein tonser- vattoeS Blatt, die„Dresdener Nachrichten", äußert fich über die Zustände in Belgien und über die eigentlichen Ursachen de» Aufruhrs recht trefflich. Hören wir:„Belgien hat in der That viele Vorbedingungen zur Wohlfahrt und zum Bürger- glück. ES desttzt unei schöpfliche Minirallc-ger und Kohlen- gruben, große Fruchibarteit deS BodenS, eine uralte Kullur, hochentwickelte Industrie und intenfio betriebene Landwirth- fchaft, die dich este Bevölkerung und da» dichteste Eisenbahn- netz Europa», Kunststraßen und Kanäle im Ueberfluß, einen blüh nden Handel und feinausgebildete Künste,«inen Seehafen ersten RangeS, enorme Reichthümer. Eingeschoben durch seine günstige g-ographische Lage zwischen die reichsten Kulturgegen- den Eu-opaS, erzeugt Belgien mit seinem riefigen Verkehre un aufhörlich neue Reichthümer. Aber nirgend kommen diese fich maffenhait vermehrenden Güter einem so kleinen Bruchtheile der Bevölkerung zu Gute. Ueber die Hälfte der letzteren ist in Belgien, dem llasfischen Lande de» kraffcsten Manchesterthums, in» Proletariat hinabgedrängt, deffen Daseinsbedingung von den Schwankungen de» Welt- Marlies abhängt und deshalb dem zestwetiigen Elend und der Ungewißheit deS kommenden Tage» preisgegeben, nicht minder aber auch völlig schutzlos der Ausdeutung deS un- darmherzigen Kapitalismus ausgesetzt ist. Au» Belgien hat man eines der lehrreichsten Excmpel, wohin ein Staat kommt, dem die finanzielle Plutmacherei LaS oberste Gesetz ist, der keine Jntereffen als die deS Kapitalismus kennt, der fich zum Diener deS Zinskapitals hergubt und den Grundsätzen deS Gehen- und LaufenlaffenS folgend, fich ebenso wenig um daS fittiiche und geistige, wie um daS körperliche Wohl der arbeiten- den Klaffen kümmert. In Belgien hat man keine Ahnung von der Aiteis Kranken, und Ue-fallverficherung der Arbeiter; un- bekannt find dort Schiedsgerichte und Fabrikinspetloren, Nie- mand denkt an Ardeiierschutz- und Fabrikgesctze; von Regelung der Arbeitszeit, Einschränkung der Frauen-, Verbot der Kmder- arbeit und anderen sozialen Reformen ist dort bisher schlechter- dingS nicht die Ride. Hierzu tritt al» erschwerender Umstand der niedere Stand der Volksbildung. Belgien hat noch nicht einmal den obligatorischen Volktuntenicht. Ist die materielle Ausbeutung der Arbeiter wesentlich daS Werk der Liberalen, so ist die tiefe VolkSunwiffenheit Haupt- sächlich die Schuld der Klerikalen. Stnd fie am Ruder, wie j>y>, so gehen fie zunächst darauf au», das Schulwesen zu verschlechtern und den weltlichen Unterricht zu verkirchlichen. Das belgische Volk, besonders der wallonische Theil, liegt in den Banden des lraffestcn Aberglaubens, es in roh und ver- stockt, die Erziehuna ist überall stark vernachläsfigt, und somit ist daS Etkenntnißvermögen der Voiksmaffen schwächer als anderSwo. Sie vermögen zwischen Recht und Unrecht weniger zu unterscheiden, al« andere unterrichteter«. Endlich ent- behren breite Volksschichten desjenigen politischen Rechts, dal am meisten geeignet ist, Verbesserungen der allgemeinen Leb enS- läge Herbeizuführen, deS Stimmrecht». Wohl befitzt Belgien einige Freiheiten in viel größerem Maße al» die meisten anderen Staaten. Preß- und Versammlungsfreiheit find fast uneingeschränkt."— So daS konservativ: Blatt, Schwestrr, Du aber, strahlende« Weib, da« mich mit dämo» «ischer Gewalt zu seinen Füße« zieht. Du sei mir Braut, sei mir Gattin!!— Diese Ueberzeugung Ma- thilden langsam, schonend beizubringen,— da eS doch sein muß. wolle« wir nicht unsere Zukunft zerstören— sei meine Aufgabe, und ich will sie mit der ganze» Ausdauer, Zartheit und Aufrichiigkeit vollbringe», deren ein Bruderherz fähig ist, das rhr seine schönste», ach, lieblichste» Zugend- stunren verdankt!!* Er raffre fich rasch auf, zog sich um und stürmte hinaus in'« Freie, um zu überlegen, wie er dieser seiner Aufgabe Herr werden könne, und eS gelang ihm auf dieier einsamen Wanderung, sein Gefühl in den Schlaf zu lullen, sich von der Vernunft und Moralität seiner Entschlüsse zu überzeugen. Nachdem Edmund die große Auskunft getroffen, feine beide« Arten von Liebe geschickt neben rivander im Herze« einzumiethen, ohne nachbarliche» Zank befürchte« zu müssen, fing ihm an dabei ungemein wohl zu werden, und da er ja der schwesterlichen Neigung MathildcvS sicher war, wendete sich seine Sorge höchst angelegentlich der Erobe- rung seiner eigentlichen Liebe zu, jenen bekannten Gefühlen, in die der Venus kleiner Junge die Rosevpfeile taucht, wen» er einen Halunkevschuß auf ein jugendliches Herz vorhat Diese Aufgabe fiel ihm indeß ungleich schwerer, al» daS gewonnene Resultat seiner Geschwisterltebe. Er hatte Baronesse Astarte von Wolkenstein und deren Mutter im Hause ihres Bruders, de« reichen Senator» WulfenS, kennen gelernt.— Da der alte Baron zu jener Zeit kaum ein Jahr todt war, trauerten Mutter und Tochter noch.— Sei e», daß ihre Liebe zu dem Verblichenen, der übrigen» ein großer Lebemann gewesen, so Überaus edler Natur war, oder voß beide Damen wußten, wie wunder- voll ei» schwarzes Gewand und die stolze Maria- Stuart- Elegie gewisse» Schönheiten kleidet, kurz, sie schienen sich da« Woit gegeben zu haben, die GrabcSfarbe nicht abzulegen. Dafür hatte» sie aber eine außerordentliche Gcschickiich- kett, diese eine Farbe in allen Arten von Stoffen und Flor, Seide, Sammet, AtlaS, Mösts und Damast mit ewiger welches mit richtigem Verständniß die Ursachen deS Aufruhrs in Belgien bezeichnet, während die GefinnungSgennffen de»- selben im Deutschen Reichstage in heuchlerischer Weise den Aufruhr auf sozialistische Hetzereien zmückzuiühren versuchten. Natürlich handelten fie dabei nach dem alten Jesuitengrund« satze:„Der Zweck heiligt die Mittel!"— Das nationalliberale „Leipziger Tageblatt" erkläit im Geoensatz zu den konservativen „DreSd. Nachr." daS allgemeine Stimmrecht für eine Hand- habe zum Autruhr und hetzt dabei gegen die Sozialdemokraten in Deutschland. Man steht, daß die narionalltderalen Blätter vielfach noch reaktionärer find, als die Konservativen. Ei« natiovalliberale« Urtheil über die Klerikalen und Deutschfreifinnigen. Die„Nationallibtrale Konespon« Venz" schreibt:„Em bei der Erörteiung der Sozialistensrage außerordentlich beliebtes und ost angewandtes Argument der kl-rikalen Panei wird durch die Vorgänge in Belgien voll- ständig ad abBurdum geiübrt, die Behauptung nämlich, daß der Soz aitSmu« in der katholischen Kirche ein unüberwinv- licheS Bollwerk find«, in Ländern, wo diese frei ihres Amtes walten könne, gar nickt aufzukommen vermöge. Die Be- hauptung stützt fich vornehmlich derauf, daß in etlichen rheinischen und obecschlefijchen Wahlkreisen mit starker Arbeiter- bevölteruna klerikal und nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, sozialdemokratisch gewählt zu werden pflegt. DaS trifft aber keine»w-gi überall zu, und wo es zutrifft, kommt eS ein- fach daher, daß die ultr amontane Agitation daS Aufhetzen der Mafien selbst so gründlich besorgt und in so demagogischer und radikaler Weise auftritt, daß st« von der Sozialvemokratie nicht mehr üdertrumptt werden kann. Angestchts der Zustände in allen romanischen Ländern und der neuesten entsetzlichen Vor- gange in Belgien ist die Behauptung, daß der Sozialismus verschwinde, wo die kalholische Kirche frei walte, einfach lächer- lich Belgien ist daS fanatisch klerikalste Land in ganz Europa, es Hai überdies zur Zeit eine vollkommen ultramontanr Re- aierung, und doch toben hier Aufruhr und Anarchie in einer Weife, wie eS fett Jahrzehnten sonst nirgends vorgekommen ist. Nicht nur in Fadriten, sondern mit ganz besonderer Vor- liebe auch in Klöster wird die Brandiackel geworfen. Das wird aber Herrn Windthorst und die„Germania" schwerlich ab- halten, immer wiever zu behaupten, die Gewährung der vollsten Freiheit an die katholische Kirche sei daS einzige Mittel, der Anarchie und Revolution vorzubeugen. Ueberaus abgeschmackt nehmen fich auch die fortschrittlichen Blätter im gegenwärtigen Augenblick aus; erst ein Leitartikel geg-n daS Sozialistengesetz und unmittelbar hinterher schreckenerregende Berichte über den belgischen Aufruhr. ES ist nur gut, daß die„reaktionären Parteien" für die Ordnung und Sicherheit sorgen und im Bert- auen darauf der fortschrittliche Bürger fich den LuxuS der Freistnnigkeit gestatten kann. Es ist gar zu schön, gegen die Polizei zu eifern, wenn man doch weiß, daß fie zur Hand ist, sobald es an den Keage» gebt." Haussuchung. Dienstag Abend fand bei mehreren Sozial- demoliaren in Mainz polizeiliche Haussuchung statt. Anlaß dazu gab, wie wic hören, eine Denunziation, dahingehend, daß dtesetden einer geheimen Verbindung angehörten. In amertkantschen Zeitungen liest man, daß Bebel und Ltehknecht im nächsten September eine Agitations« und Vortrag«. Reise nach Nordamerika antreten werden. RetchstagSneuwahl in Flensburg. Am 29. v. M. haben erhalten Gotlburgsen(natiorallideral) 7320, Johannsen (Däne) 4145, Heinzel(Soz.) 2256 Stimmen. Elfterer ist demnach gewählt. Belgien. Nur in der Gegend von Tomnai ist die Erregung noch bedenllich, sonst ist ver Strohfeuertumult, den man so lünst« lich aufgebauscht hat, bereit« überall erloichen. Die radikale „Reform" ermahnt nunmehr die Regierung eindringlich zu sozialen Reformen.„Er wäre— schreibt daS belgische Blatt — mit ein wenig Vorstcht möglich gewesen, die Keime deS KlassenhaffcS aus unserem industriellen Organismus zu ent- fernen: wenn die Regierung die Bildung von Arbeiterkammern begünstigt und deren legale Existenz anerkannt hätte; wenn die Bedingungen von Lohn uno Arbeit friedlich vor den Eyn» dikaten und deren Delegirten besprochen und festgesetzt werden könnten: wenn die G-setzgedung für einen minschltchen und billigen Maximal-Arbeitsrag, ein Lohnminimum und eine Altersgrenze, uwerhald deren daS Absteigen in die Gruben geftallet ist, gesorgt hätte, wenn der Arbeiter gegen Unfälle, Krankheit. Tod, ArbeitSmangel und Alter durch Kaffen gestchert wäre, deren Führung und Ueberwachuug th-ilweife in seiner Hand läge; wen> die Arbeitersyndikate an der Ueber- wachung ver Minen Theil hätten; wmn die Gruben, deren Akriin heut« noch den dreitachen KurS ihres EmifstonSpreifeS haben, einen Reserve- und Vo fichtSfondS für die Auirechter« Haltung der Löhne geschaffm hätten; wenn unsere EtaatS- männer in diesen dunklen Regionen etwas mehr Wiffen ver- brettet und die polttischen Rechte ausgedehnt hätten!" Dänemark. Auch Dänemark hat seinen landwirthschaftlichen Not h st an d, zu diffen Untersuchung jetzt eine Kommtsston Mannigfaltigkeit und stets neuen Reize« zu variiren, so wie ein geschickter Komponist ein ganz schlichtes Thema erst durch die vielfach-« Biegungen in Dur und Moll, durch Kreuze und Be'S, mittelst Quinten, Sexte« und dergleichen zu etwas Außerordentlichem macht. Baronesse Aparte namentlich wußte diese„Etüde der schwarzen Farbe" so Äbeiraschevd schön vor dem Publikum zu kovzertiren, daß sie die Herzen aller Offiziere der Garnison, aller Reserenbarie» und Assessoren des Oberlandsgerichts, wie verschiedener Kaufmanvtsöhne in Brand steckte und dadurch von alle» Müttern, heiraihSfähigen Töchtern und jenen Wittwe« auf« Defste gehaßt wurde, welche eben auch«och wa«„von Lied' in sich verspürten". Die Schöne wußte die Angelhake» ihrer Auge», den Köder ihrer vielen Reize und Talente auch bei Edmund so ausgesucht fein anzuwenden, daß düser Weißling natürlich gleichfalls nichts EligereS zu thun hatte, al« anzubeiße». Die« ihat er nun, al« er seiner Ueberzeugung nach mit der Sonderung seiner zarten Gefühle auf« Reine gekomme» war, auch gründlichst, um sich baldmöglichst eines Glücke« zu versichern, welche« ihm als Krone und Zweck seines ganzen Leben« vorschwebte, Nacht und Tag beunruhigte, unv um tessen Erlangung er jede« Opfer«, jeder Anstrengung fähig war. Diese Anstrengung wurde auch bald genug höchst wohl« gefällig bemerk», ihr aber solche Hindernisse entgegengesetzt, wie fie eine Dame von Stande und eine diplomatische Piutter zu bereiten versteht, die sich wohl bewußt ist, in ihrer stiahlerde» Tochter ein Zuwel zu besitze«, das sie eben nur einmal, und deshalb um so höher zu ver- werthe« hat. Die alte Baronin wußte bei der Kosservation höchst angemtssen alle jene Bedingungen zu erwähne», welche fie für da» eheliche Glück ihre« geliebten Kindes forder« zu müsse« glaubte. Zhr Schwiegersohn mußte demnach ei» Mann von großem Vermögen, von Stellung im Staate sein uvd de» Anforderungen genügen, weiche zum Eintritt in aristokratische Kreise unerläßlich sind. Vor Allem mußte er von so hingebender Liebe für Astarte» erfüllt sein, daß eingesetzt ist. Bei den Domänenpachten wird der Rückgang des landwirthschaftlichen Ertrages auch den Staatsfinanzen be- reitS fühlbar. Eine große Anzahl Domänrnpächter hat bei der Regierung eine Herabsetzung deS Pachtzinses für daS letzte Jahr um 25 pCt. pctitionirt, welches Verlangen prinzipiell ab- gelehnt wurde. Dagegen hat die Regierung die LandeSver- waltungen ermächtigt, den Domänenpächtem die Hälfte der Pacht bis zum 1. Oktober zu stunden. R u tz l a n d. Die Deutschenhetze wird ungestört fortgesetzt. So erklärt jetzt Kat.ow in seinem Organ an der Hand einer Korrespondenz aus Petrilow(im Gouvernement Minsk), wo- selbst in deutschm Fabriken 13 000 deutsche Arbeiter beschäftigt stnd, daß die russtsche Reaierung die Verpflichtung habe, de« sondere Maßregeln zur Eindämmung einer derartigen Ueber- schwemmung der Grenzdistrikte mit Fremden zu ergreifen. Diejenigen deutschen Arbeiter, welche bereits russtsche Unter- thanen geworden, seien doch nur Pseudoruffen. Katkow erkläit ausdrücklich, es solle fich hier nicht um Wiedervergettungs- maßregeln handeln, wie solche die russtsche Presse verlange, hier liege vielmehr eine zwingende Nothwendlgkeit vor. Wie fich Preußen bei der Säuberung seiner Grenzgebiete in vollem Rechte befinde, so sei«S auch Rußland, welches überdies milder aufzutreten vermöge. Es sei nicht nöthig, die Fremden, welche in den Grenzdistrikien angefiedelt seien, über die Grenze zurückzuschicken; es sei vielmehr die Ansiedelung derselben in den inneren Gouvernem-nts in ernste Erwägung zu ziehen. — Der„Neuen Zeit" zufolge wird mit der Umwandlung deutscher Kriegsschulen in den baltischen Provinzen in Stadt- schulen mit rusfischer Unterrichtssprache fortgefahren. — DaS„Journal de St. Petersburg" vernimmt, die Gerüchte über die Nichtzulassung von Fremden israelitischer Religion in Rußland seien übertrieben; eS handele fich hierbei wahischein« lich nur um die Zurückweisung von Personen, die von allen Mitteln entblößt seien. Frankreich. Die Beziehungen zu China scheinen trotz der Wieder» aufnahm« der offiziellen Verbindungen durchaus keine freund» ltchen zu sein. Veistimmung hat eS besonders erregt, daß kein« der großen chinefischen Bestellungen Frankreich zu gewiesen wurde, sondern lediglich England, Deutschland, Oesterreich und Amerika. G--genwärtig baut die Gesellschaft„Vulkan" in Stettin vier Panzer-Korvetten; die Waffenfadrikm Werndt zu Steyer in Oesterreich, Mauser in Württemberg, Krupp in Egen und daS amerikanische Haus Hotchkiß haben beträchtliche Bestellungen erhalten. England bat schon verschiedene Lieferungen Armstrong-Kanonen desorgt. Alle diese Bestellungen find in Paris durch die Vermittlung von Wiener und Berliner Finan« zierS unterhandelt worden. Die Unterhandlungen werden ge- beim gehalten und finden nicht auf der chinefischen Gesandt« schaft statt. Die„französische Sektion der Agentur Roussel u. Co.", von der anfangs die Rede war,«xistirte also nur in der Einbildungskraft der chinesischen Diplomaten. Zu diesen unan- genebmen Nachrichten kommen nun noch die Befürchtungen, daß China rüste und zwar hauptsächlich gegen Frankreich rüste. Dem chinesischen Gesandten soll zwar die Weisung ertheilt wor« den sein, in Frankreich zu erklären, China beschäftige fich einzig und allein mit Eisenbahnen und gebe alle RüstungSpläne auf. „Diese Behauptung, erklärt daS„Joam. des döb.", ist falsch; China betreibt seine Ausrüstung und feine Diplomatm find demüht, dies in Frankreich zu verheimlichen." Am Dienstag derieth die franzöfifche Deputirtenkamm.er das Gesetz über die Zeremonim bei Letchendegängniffen und nahm mit 323 gegen 180 Stimmen ein Amendement cm, welches die Leichenverbrennung gestattet. Gro hbri tannie«. Die Kabinetskrists hält die politischen Kreise noch immer in Spannung. Wie die„Morning Post" erfährt, empfingen Chamderlain und Trevelyan vor dem KadinetSrathe am letzten Freitag von über 50 Mitgliedern der liberalen Partei die förm- lichc Verficherung. daß fie gegen Gladstone'S irische Reform« pläne stimmen würden, wenn die zwei Minister fich entschließen, sofort ihre Posten niederzulegen. In zwei fast gleichlautenden Briefen sollen Chamderlain und Trevelyan genau die Gründe auseinandergesetzt haben, wegm welcher fie ihr- Ministerposten niedergelegt haben. Ihr« Erklärung soll dahin gegangen sein, daß sie 1) einer Maßregel für dm Anlauf von irischem Lande um einen PreiS von 120000000 Pfd. Sterl., und 2) einem Plane, der Irland ein Sonderparlament gewährt mit der Machtvollkommmheit, Zölle, Akzise und andere Steuern zu erheben, ihre Unterstützung nicht angedeihen lassen könnten. ES heißt, Gladstone sei, nachdem er seinen Homeruleplan modifiztrt, um dm Einwänden ChamderlainS und TrevelyanS zu begeanm, zu seinen ursprünglichen Plänm zurückgekehrt. Seine Vor« fchläge werden als höchst durchgreifende bezeichnet. — Das Unterhaus nahm nach kurzer Debatte in zweiter Lesum; eine von der Regierung unterstützte Bill an, wodurch den Poliizisten daS Wahi.ccht wird. — Die Diätenlosigkeit der englischen Par« lamentSabgeordneten ist häufig als integrirender Be« er alle ihr LieblingSwüvfche und Gewohnheiten als Be« dingungen feines eigenes Glückes ansähe. Diese Andeutungen, allgemein und nur hin und wieder gegeben, genügten Evmund, ihn erstens zu außergewöhnliche« Bemühungen in seiner Kaniere zu veranlassen, serner i» zarte« Geschenke», in luxuriöser Repräsentation alle seine Nebmbuhler zu überbiete«. Von ihnen Allen war Keiner liebenswürdig, reich und hervorragend genug, um ihm Besorgnisse einzuflößen, eS müßte denn Graf Tankred vo« Gildern gewesen sei«, ein junger Offizier bei dm Kürassieren, schön und liebe« S« würdig und vo» hohe« Verbindungen. Astarte schien ihn am meisten nebm Edmund auszuzeichnen, doch da er blutarm war und feine Aussichte« trotz de« gräflichen Wappen« eben nicht besser zu sei« schiene», als die der meiste« Offiziere der Armee, welche im Dimste grau werde», erfreute er sich de« Beifalls der alte» Baronin gerade nicht.— Edmunds rostlosem Streben gelang es, fich zu einem sehr geachteim Juristm zu mache» und das Rcfermdariats- examen zu überstehen, um nun mit vollen Segel« auf de» Assessor loszugehen. Stein Eifer, zu glänzm und jeder Ahnung einks Wunsches seiner Schönen zuvor zu kommen, veranlaßt« ihn aber auch, eine so bedeutende Schuldenmasse auf sein Haupt zu laden, daß schon diejenige Hälfte, welche endlich zur Kennrniß de» Papa Hennings gelangte, denselben in eben so große Entrüstung wie Furcht versetzte. Vier- tausend Thaler binnen zwei Jahre» geht doch über allen Spaß I— Da», uvd so mancher andere Umstand, namentlich weil ihm der Besuch des.kalten Steins" jetzt nur Verlegmheitm in Aussicht stellte, war die Veranlassung, weshalb Edmund für die zweiten GerichtSferim„dringende AmiSgeschäfte" vor« schützte, um nicht nach B. zu kommm, und eS war voraus« zusehen, daß auch in dm dritten Ferien sehr gelegene Hindernisse es Edmund unmöglich machm würde«, das Vaterhaus wiederzusebm. Die Recherchm, welche Herr Josua Henning« genüthigt war, wegen der Extravaganzen seines Sohnes in S.... durch Toldt und andere Freunde anstellen zu lassen, brachten standthiil des englischen VerfassunaSlebenS angeseben worden. Abgesehen davon, bah fich geschichtlich nachweisen laßt, daß die Besoldung der„zwei Ritter der Grafschaft" oder der„zwei Bürger der Etadte", welche von jeder Körperschaft nach Loadon entsandt wurden, anfangs üblich war, und daß erst viel später im Interesse der Aristokratie die Diätenlostgkeit eingeführt wurde, ist neuerdings das Prinzip durchbrochen worden durch die Zah- lung freiwillig zusammengebrachter Diäten an die auS Arbeiter kr eisen hervorgegangenen Abgeordneten, ohne daß irgend Jemand darin eine„Verletzung der Ehrbarkeit" er» blickt hätte. Auf radikaler Seite ist wiederholt die Zahlung von Diäten aus Staatsmitteln in Anregung gebracht worden. Jetzt ist ein unmittelbarer Versuch zur gesetzlichen Regelung der Frage durch den Abgeordneten Epenslep gemacht. Er hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der folgende charakteristisch? Einleitung enthält:„Gemäß dem alten Brauch und der Versaffung unteres Staate» waren die Mitglieder dcS Unterhauses zum Empfang einer angemessemn Besoldung für ihre Theilnahme an den Sitzungen deS Hauses und zu einer Entschädigung für ihre Ausgaben während dieser Theilnahme berechtigt." Diesen„alten konstitutionellen Brauch" will deshalb das Gesetz erneuern. Die Besoldung eines jeden Mitgliedes soll jährlich 300 Pfd. Sterling(6000 Mark) betragen; das würde, sechZmonatliche Sesfionen als Regel angenommen, Tagesdiäten von 40 Marl entsprechen. Die Besoldung(salar?) soll durch die Grasschaften, beziehungsweise durch die Städte selbst, also nicht auS der Staatskasse, gezahlt werden. Wenn das Gesetz auch jetzt noch wenig Ausficht hat, die Zustimmung aller Faktoren der Gesetz« gedung zu erlangen, so verbürge doch die wachsende Demolra« tifirung des englischen Staatswesens seine Verwirklichung in absehbarer Zeit- — Die Rachrichten der„Times" bezüglich des Stockens der Arbeiten der afghanischen Grenz-Kommisfion werden für unbe- gründet erklärt. Den„Daily NewS" geht aus bester Quelle die Meldung zu, daß die Nachrichten über Zerwürfnisse zwischen den englischen und russtschen Kommissaren an der afghanisch-n Grenze völlig unrichtig seien und daß die Arbeiten der Kom- misfion einen erfolgreichen Fortgang nehmen. Es sei keinerlei Ursache für irgendwelche Unzufriedenheit vorhanden. Balkanländer. Aus Athen wird gemeldet: Aus Klein afien treffen zahl- reiche Freiwillige für die griechische Armee ein. Der russische Admiral trifft heute hier ein. Die russische Flotte ist definitiv von dem kombinirtin Geschwader der europäischen Mächte losgelöst. Die Türken haben in Thessalien 76 000, in EpiruS 18 000 Mann. Amerika. Gegen den Präfidenten der Vereinigten Staaten erheben fich von allen Seiten Angriffe, weil er die Aemter- gier setner politischen Parteigänger etwas im Zaume hält. Cleveland wollte ehrenhafte, fähige Männer zu Bundesbeamten machen und nicht einzig und allein Parteifreunde: auch find die Männer, die Cleveland in sein Ministerium derief, nicht gerade bekannt oder berüchtigt wegen ihrer Aemter gier; aber auS diesem Grunde gefällt die Zusammensetzung des Kabtnets vielen nicht. Diese find unzufrieden mit Cleveland, weil sie von ihm nichts gewinnen können, fie vermissen die„Patronage- vertheilung." Aber gerade alles, was diesem Blatte und den korrupten Demokraten an Cleveland mißfallt, das gefällt den ehrenhasten Demokraten und Republikanern. Der jetzige Prä- fident hat ohne alle Widerrede einen sehr schweren Stand und wird alle seine Umficht, Klugheit und Charakterstärke nöthig haben, um den Augiasstall im öffentlichen Aemterwesen zu reinigen. Hoffentlich werden ihn weder demokralische, noch republikanische Angriffe von dem rechten Wege abbringen. Auf seiner Seite stehen bis jetzt unwandelbar die besseren Elemente der Demokratie und die nicht geringe Anzahl der , unabhängigen" Republikaner, zu deren Führern auch Karl Schurz zählt. Parlamentarisches. Von den Deutschfretsinntgen hat Niemand bei der zweiten Lesung deS Sozialisten gesetzt 8 für dasselbe gestimmt.„Man sah nur einige, die nicht da waren." So war von dem Herrn Abg. v. Forckenbeck im Reichs- tage die Nachricht verbreitet, daß derselbe auch mit einem ent- schiedenen Nein gestimmt haben würde, wenn er nicht durch Versäumniß des Pferdebahnanschlusses von der Abstimmung abgehalten worden wäre. Die MilitärpensionSkommission des Reichs« tagS derieth am Mittwoch über die Anträge des Abg. von V o l l m a r, detreffend die Erhöhung der Pensionen der KriepSinvaliden aus den Unterklassen. Der Kriegs- minister stellte in der behaupteten Allgemeinheit und für den heutigen Stand der Verhältniffe daS Vorhandensein eines Bedürfniffrs der Ausbesserung der Pensionen der Unter- klaffen in Abrede. Abg. o. Vollmar bemerkte, daß daS Gesetz für ihn unannehmbar sei, wenn die Unterklassen ausgeschlossen werden sollten. Der freistnnige Abg. Schräder wies die volle ihn sehr bald auf die Ursache, welche Edmund zu solche» Schulden veranlaßt hatte, die Baronesse. Der Alte sah leider die schlimme Voraussetzung:„Astarte v. Wolkenfiei« dürfte ihm die kostspieligste aller Schwiegertöchter werden," schon vor der Zeit bewahrheitet. Da WulfenS ein alter Freund war, in deffen Reellität er bei ernsten Fällen das beste Vertrauen setzte, so schrieb Hennings an denselben offen und rückhaltlos, theilte ihm die Schulden seines Sohnes mit und erbat sich von ihm unparteiische Nachricht über deffen Nichte Astarte. Des Senators Antwort ließ nicht lange auf fich warten.— Sie war artig, doch etwas steif und gereizt, deutete ver- blümt an, daß die alte Baronin nicht nur kn« Vermögen habe, sonder» auch auf die Generosität seiner brüderliche« Zärtlichkeit angewiesen sei und, so sehr ihm das Glück seiner Nichte am Herzen liege, er doch aus Allem schließe» müsse, daß der Sohn seines Freundes wohl keine Partie für Astarte sei, zu der man beide« Theilen Glück wünschen könne. DaS Schreibe» ließ nicht undeutlich blicken, daß je länger Edmund mit Astarte umgehe, es desto unmöglicher werde, seiner Leidenschaft wie seine» GeldauSgaben Schranken zu setzen. Hennings befahl Edmund, zurückzukommen. Der Sohn antwortete, er könne sich aus der Karriere nicht reiße« lassen, und zum Affefforexamen müßte er ja doch nach der Residenz B. DaS Verbot, Astarte« nicht mehr aufzusuchen und ferner keine Schulden mehr zu machen, hatte nur leere AuS- weichungen und Versprechungen zur Folge, ferner daß Edmund WulfenS', Toldt's und Wedel'S HauS mied, wo er beobachtet wurde, und mit seinen Gläubiger« ei« still- schweigendes Uebereivkommen traf, ihm Kredit zu gebe», bis-- er fein Vermöge» erbe. Der alte Hennings sah ein, wie gering die Macht eines Vaters über den Sohn sei, der früher vernach« lässigt worden war. Edmurd ließ einmal von der Ver- bindung mit der Baronesse nicht, das war bewiesen, und daß er fortan heimliche Schulde» machen würde, konnte sich Josua denken. Verantwortlijkeit für die Nichtanerkennung der Bedürfnißfrage dem Kriegsminister zu. Einer Initiative der Regi-rung würde von seiner Seite nach jeder Richtung entgegengekom nen wer- den. Die Anttäge auf Einsetzung einer Subkommisfion und der Antrag Vollmar selbst wurden abgelehnt. Kokales. Mit dem 1. April treten im internationalen Postverkehr diejenigen Aenderungen ein, welche auf dem Liffadoner Post. kongreß zur Annahme gelangt find. Diese Aenderungen, über welche die kaiserlichen Postamter nähere Auskunft geben, de- ziehen fich auf: die Zuläffigkeit der Postkarten mit Antwort, der durch die Privatindustrte hergestellten Formulare zu Post- karten: die Erleichterung der Bedingungen für Drucksachen- und Waarenproben-Sendungen; der Zulassung der Eildestellung; die Zurückforderung abgegangener Sendungen und die Abän« derung der Adressen solcher Eendunaen durch die Absender auf schriftlichem oder telegraphischem Wege; die Erhöhung deS MeistdetrageS der Werthangabe bei Werthbriefen: die Be- Nutzung des Abschnitts der Postanweisungen zu schriftlichen Mtttheilungen, die Cinführnng von Auszahlungsscheinen, die telegraphische Uebermrttlung von Postanweisungen; die Zu- läsfigkeit von Rückscheinen bei Postpacketen; die Erweiterung der Gewichtsgrenze für Postpackete; die Zuläffigkeit sperriger Postpackete, sowie von Postpacketen mit Werthangabe und wit Nachnahme; die Erhöhung deS MeistdetrageS für sonstige Nachnahmesendungen; die Einführung besonderer Packetadressm für alle Packetsenoungen nach dem Auslande und die Erwet- terung deS PostauftragSdienfteS mit dem Auslände unter Ein- führung eines defonderen PostauftragSformularS für alle Post« aufträgt deS internationalen Verlehrs. DaS PettttonSrecht der Etadtverordueteu-Verfamm- lungr«. Eine sehr bedeutsame Entscheidung hat soeben VaS OderverwaltungSgerickt gefällt. Man erinnert fich, daß die Etadtverordneten.Versammlung zu Stettin eine Petition an den Reichstag gegen die Erhöhung der Kornzölle beschlossen hatte und daß diese Petition»wegen Unzuständigkeit der Ver- sammlung" durch den dortigen Magistrat deanstandet worden war. DaS Oberverwaltungsgericht hat nunmehr in letzter Instanz dahin entschieden, daß unter Aufhebung der Vor ent scheidung die angefochtene Verfügung deS Magistrats außer Kratt zu setzen sei. DaS der Stadtverordneten> Versammlung zustehende PettttonSrecht ist durch diesen Beschluß des end- gtltig maßgebenden GeiichtshofS in erfreulicher Weise ge- wahrt. Während der Ziehtaae steht man jetzt auf dem jen- seitigen Oranienplatz eine Anzahl von Fuhrwerken stehen, welche„kleine Möbelfuhren" entgegennehmen. Die Einrichtung ist ebenso neu alS praktisch. Die Berliner Bäckergesellenschaft hat fich an die Bäcker- meister Berlins und Umgegend mit ver Bitte gewendet, fich bei Bedarf von Gesellen nicht mehr an die Kommisstonäre, sondern an einen auS ihrer Mitte gewählten Gesellen zu wen» den, welcher die Bedürfnisse der Meister, aber auch die Fähig- leiten ver Gesellen mit und durch die Unterstützung einer ein« gesetzten Kommisfion genau kennt, um allen Wünschen beider Theile Gerecht zu werden. ES ist die Einrichtung getroffen, daß Bäckermeister bei eintretendem plötzlichen Bedarf selbst in der Nacht einen Gesellen erhalten. Bei Bestellungen bis 6 Uhr Nachmittags haben die Meister keine Gebühr zu entrichten, bei Bestellungen nach 6 Uhr 50 Pf., nach 10 Uhr Abends eine solche von 1 M. Zu dem erfolgten Wiederbeginn deS WasserfahreuS wollen wir r icht unterlassen, eindringlichst vor dem unfinnigen Schaukeln auf der Fahrt zu warnen, wie daS am letzten Sonn- tag bereits auf der Spree hinter den Zelten zur Empörung der zahlreichen Spaziergänger beobachtet werden konnte. Die zahl- reichen Unglücksfälle gerade im verflossenen Jahre sollten doch noch Jedermann in Erinnerung sein. Die Flucht der Wittwe Sitetdorf aus dem Dalldorfer Jrrenhauje ist die zehnte, die der Frau geglückt ist. Frau Rietdorf ist nicht nur Taschendiebin, sondern betreibt auch den Lad.nviebstahl. Sie ist groß und kräftig und scheut flch nicht, mehreren Männern, wenn man ste ergreifen will. Widerstand zu leisten. Als fie daS letzte Mal im Jahre 1882 auS Dall dorf entsprang, wurde fie in der Nähe der Anstalt von einem Lohnsuhrwerk erwartet, welches fie bestieg, nachdem fie die An- staliStracht hinter einem Kieferfttauch mit modischen Kleidem vertauscht hatte. Erst mehrere Monate später wurde ste dann in T-mvelhof, nachdem fie mehrere Diebstähle verübt hatte, in der Wohnung eines Schlächtergesellcn verhaftet. Seitdem war eS geglückt, fie in der Anstalt festzuhalten. Et« alter Bekannter Paul EchöppS sckmdt der„Voss. Ztg." über diesen: Während deS Winter» 1876—77 arbeitete ich, ohne eine Ahnung davon zu haben, mit wem ich die Ehre hatte zusammen zu sein, mehrere Monate mit Paul Schöppe in der Redaktion der jetzt umgetauften„Ntw-Dorker Allg. Ztg.". S. hatte den Namen eines allen gräflichen Geschlechts ange- nommen; unter dem that er'S nun einmal nicht. Den Grasen ließ er weg, verfehlte aber nicht, öfters auf diese seine republt- Zn der Verzweiflung seine« Vaterherzevs bereute er tief, Edmund nach S..... geschickt, der Simplizität des Vaterhauses entrissen zu haben. Es war ihm mehr wie gewiß, daß, wenn Evmund nicht eine solide, wahrhast bürgerlich erzogene Lebensgefährtin erhalte, fein Ruin und der de« Vermögens gewiß fei.— Jofua zermarterte fein Hirn Tag und Nacht, eine Auskunft zu finden. Seine alte Ruhe und Jovialität verließ ihn, er ward beständig gereizt, einsilbig und zog sich von feine« alten Bekannt- fchafle» zurück. Dazu wmde er im letzten Jahre auffallend tränklich, und Alles deutete auf einen Zusammenbruch des alte« Herrn.— Der tiefe Schmerz, mit welchem Mathilde beim letzten Stelldichein vom Freunde und Geliebten ihrer Jugend ge- schieden war, die Bestimmtheit, mit welcher fie jeder weiteren Erörterung von seiner Seite auswich, hatten in der Ueber- zeugurg ihren Grund, daß Edmund, wie er jetzt beschaffe« sei, mit ihr nicht glücklich«erden könne, bei seinem Be» nehmen weder die Zustimmung ihre« Vaters noch eine Ver- einigung zu verwirklichen fei, welche fie sich Beide doch einst in naiver Unbefangenheit so lieblich ausgemalt hatten.— Da» einzige Mittel, Edmund zur Erkenntniß feiner thörichte» Eitelkeit zu bringen, ihn von dem Pfade, auf welchem er seinem Mißgeschick zueilte, abzulenken, schien ihr nur noch darin zu liegen, denselben geradezu zwischen ihrer Liebe oder seiner Art zu leben wählen zu lassen, ihm jetzt festen Charakter zu zeige», indem er den seinen, wie sie meinte, ju verlieren im Begriff war. Da sie, ihrer Erziehung, wie ihren Ansichten vom wahren Glücke zufolge, ihn»icht auf seiner thörichten Bahn zu begleiten vermochte, war der ein- geschlagene Weg der beste. In ihm wurde fie auch von Mutter Christinen wie Beaten bestärkt. Als sie nun denselben mit einer seltene» Ueberwindung beschritt, gab fie fich der Hoffnung hin, Edmund werde diese» inneren Zwiespalt eicht lange ertragen, seine alte Liebe zu ihr würde den jungen Heikule» nicht lange auf dem Scheideweg harren, sondern au ihr Herz zurückkehren laffeu. Sei» langes Schweigen, die unbestimmten und deshalb um so vei dächtigeren Nachrichten über ihn schienen ihr das Gegentheil zu deweisen,»hr klar und rauh die Gewißheit kanische Tugend bescheiden hinzuweisen. Seine Beschäftigung bestand dann, die Depeschen aus dem Englischen ins Deutsche zu übertragen. Er war ein hochgewachsener stattlicher Mann von einnehmendem Aeußeren, mit kräftigem blonden Schnurr« bart und„Fliege", den kahlen Kopf bedeckte eine kunstvolle Perrücke. Gar zu gern trug er den tadellosen Frack auf den Bällen und Festen der ersten deutschen Vereine New»Nocks als Vertreter unseres Blattes, eine Liebhaberei, die ihm häufig Ibgelegenheiten eintrug, da er zu einem derartigen Austreten nicht berechtigt war. Eines Abends wurde ich telegraphisch aus meiner Wohnung nach unserm Bureau berufen, um die Nachtarbeit deS ohne Entschuldigung ausgebliebenen Kollegen zu übernehmen. Am nächsten Abend kam er fröhlich und heiter angetänzelt, fein wie immer. Nach seiner Erzählung hätte er Curt von Schlözer» dem deutschen Gesandten in Wasbington, der nach Europa reiste, Lebewohl sagen wollen, mit ihm vergnüglich einige Flaschen Sekt gezecht und, ohne es zu beabfichtigen, versäumt, rechtzellig wieder an Land zu gehen. Er mußte wohl oder übel eine Strecke mitfahren und konnte erst mit dem Lootsen« boot wieder zurückkehren. Kurze Zeit darauf schrieb er an Karl Schurz, damals Minister de» Innern der Vereinigten Staaten: Der politische Chefredakteur der„Allgem. Ztg." tauge nichts, er selbst würde die Sache besser machen, und legte seine Vor« schlägt unserem berühmten Landsmann vor. Dieser antwortete ihm natürlich überhaupt nicht, sondern schickte das Schriftstück an die Redaktion, waS die Entlassung des Verfassers zur Folge hatte. Einige Tage nachher wurde er auf der Straße ducch einen alten Bekannten als der berüchtigte Paul Ewöppe er« kannt. Er tauchte dann irgendwo im Staate New-Nork plötz- lich al« glücklicher Verlobter einer begüterten Amerikanerin auf, selbstverständlich unter falschem Namen, ward aber wegen einer Wechselfälschung gefaßt, entlarvt, entlobt und in die Sträflings« jacke gesteckt. Daß er der Urheber jener Telegraphenschwindclei ist, daran zweifle ich nicht im mindesten, ei steht ihm ganz ähnlich und seine frühere Beschäftigung an dem New- N orker Blatte weist ebenfalls darauf hin. Koziales und Arveitervewegnng. Zur Unfallversicherung. In welch ungenügender Weise die auf Grund des deutschen Unfalloerstcherungs Gesetzes ge« bildeten Unsall-BnufSgenossenschasten an verunglückte Arbeiter Entschädigung leisten, ergtedt eine der Allgemeinen Deutschen BerufSgenossenschaftS- und Verstcherungs- Zeitschrift entnommene statistische Notiz der Steinbruchs- Berufsgenofsenschaft, die fich über daS ganze Deutsche Reich erstreckt, 10400 Betriebe und 98028 Arbeiter zählt. Es verunglückten vom 1. Oktober bis Ende Februar iasgesammt 863 Arbeiter;— davon waren nicht entschädigungspflichtig, weil unter 13 Wochen, 734, sage mit Worten stebenhundertundoierunddreißig; entschädigungspflichtig waren 131, welchen eine einmalige Entschädigung von 584 M. 30 Pf.,(grüßtentheilS Sterbegelder) und eine Rente von 3091 M. 80 Pf. pro Jahr zufließt. Das Verhältniß wird fich im Sommer noch viel ungünstiger ge« stalten. Wer mit den ArbettSverhältniffen in den Steinbrüchen bekannt ist, schreibt die„Bad. Voiksztg." sehr richtig,— wer weiß, daß diese zum größten Tbril bei klemm Ort» ren liegen, wo der o tsübliche Tagelohn in Maximum 1,20 bis M. 1,50 beträgt, wird fragen, wie soll ein Arbeiter mit der Hälfte dieses orts« üblichenTagelohns lebe«? Die humanen und vrr- ständigen Ardeitgeber haben deshalb auch schon lange erkamt, daß, wenn ihre Arbeiter versorgt sein sollen, eine Privatver« ficherung unumgänglich nothw-ndig ist. WaS soll der Arbeiter mtt seiner Familie die ersten 13 Wochen mit der geringen Kranken« Unterstützung der Orts' und Gemeinde-Kaffen anfangen? WaS soll femer die binterlassene Wittwe mit täglich 40 bis 80 Pf. Rente anfangen? Was eine Familie mit 1 M. bis 1,50 M. — Hier find 1000 bis 2000 M. Abfindungssumme eine wahre Wohtthat für den Verletzten und die Gemeinde, welcher sonst die Familie des Verletzten unbedingt zur Last fällt. Man komme uns nicht mit dem Einwand, daß derartige Abfindungs« summen verschwendet werden. Solche Fälle stehen wohl ver- einzelt da, im großen Ganzen trifft es aber nickt zu.— Von der düreaukratstchen Behandlung sowohl der BerufSgenoffen- schastSmitglieder, sowie der Verletzten können übrigens heute schon Manche ein Lied fingen. Der geringste Verstoß gegen die Statuten und da» Gesetz wird mit den empfindlichsten Geldjtrafen geahndet;— Unfälle werden in einer derartig langwelligen Weise regulirt, daß. wenn der Verletzte da/au warten müßte. es sehr traurig um ihn bestellt sein würde. Würde auf gleiche Weise irgend erne Privat-Verficherung verfahren, so würde ihr böse mitgespielt werden.— Ein großer Uebelstand, wohl der gröhte ist es, Unfälle abzulehnen, die nicht strikte im Betrieb selbst passirt sind So lehnte allein die Sektion ll der Baug-wrrlS- Berufsgenossenschaft(Sitz in Karls- ruhe) von 51 Unfällen 12 entschädigungspflichtige, darunter 4 Todesfälle ab. Abgelehnt wurden ganz, d. h. weil nicht direkt im Betriebe pasfirt, 5 Unfälle, darunter 2 TodeStälle. Dies sagt mrhr wie genug. Bei der hesfisch nassauischen Bau« vor die Seele zu führen: Edmund habe sie vergessen, sei allen seinen Schwülen, jeglicher Erinnerung der Jugend untreu gewocdea. Je mehr diese Annahme im Laufe der Zeit sich zu rechtfertige» schien, desto heftiger sträubte sich MathildenS Herz dagegen, desto emsiger bemüht war sie, Entschuldi« gungen und Auslegungen für Edmunds Benehmen zu er« sinnen. Ach, die L?ebk klammert sich ja an das letzte Hälmchen Hoffnung, das sich der hilfesuchenden Hand von ungefähr bietet I Daß Edmund Fehltritte begehen, de« VaterS Zorn veidienen könne, gab sie zu, aber nimmer- mehr, daß er ste betrügen, treulos werden könne. Dieser Kampf war um so furchtbarer in ihr, als sie ihn gegen Justus verheimlichte, dessen Ansicht sie einmal kannte, und der doch sitzt nur schlimmer al« je von dem jungen Leicht« fuß denken mußte. Selbst Christine« theilte sie nicht alle ihre Schmerzen mit, denn ei giebt Qualen in der jugevd« liche» Brust, die selbst mit einer Mutter nicht getheilt wer« den können. Ein Ereianiß trat zu Anfang des dritten Jahres von Edmund'» Abwesenheit ein. Der alte kränkliche Papa Josua begann sich den SchätzteinS wiederum in alter Freund« lrchkett, und zwar mehr denn simal» zu nähern. Besondt'.S war es Mathilde, die, konnte er ihrer nur habhaft werden, ihm Rede flehen mußte, und von ihm mancherlei Aufmerk« samkeite» empfing, welche zu ertheilen der reiche Mann bei aller Leutseligkeit sonst sehr unter seiner Würde gehalten hatte. So sehr diese unerwartete Bevor« zugung dem wunden Herzen der Trödlerttochter wohlrhat, ja ihrer schwanken Hoffnung neue Nahrung gab, desto ver« legener machten fie seine öfter« wiederholten Frage« wegen Edmund. Je klarer er sie durch leise Anspielungen merken ließ, er sei von ihrem beiderseitigen Berhältaiß unterrichtet, desto mehr ward ihr auch bewußt, der Alte kenne de« Zwiespalt und die Entfremdung ihrer beiden Herzen nicht. Ihm dies zu entdecken, wäre eben so unklug wie ihren Gefühlen für Edmund zuwider gewesen. Auch Mutter Ch-istiae rieih ihr, sich nicht« merken zu lasse», sei ei doch möglich, daß sich einmal Alle» zum Besten wende. (Fortsetzung folgt.) gtwerligenoffmsckaft(25 983 Zlrbkiier) treiftneltn fich 196 Un» fälle, darunter 6 Todesfälle. Hiervon nicht entschädtaungS- pflichtig 180 Unfälle;— abgelehnt 2 Unfälle, also von 196 10 Unfälle entschädig Die sächfische Tcxtil. BerufSgenoffenschaft lehnte kürzlich den Todesfall etneS Kutschers einer Färberei ab, welcher beim HauS- thürverfchluß vorkam und einen tödtlichen Autgang hatte und auch das Schiedsgericht lehnte die eingelegte Berufung der Wittwen und Kinder ab. So könnten wir noch eine Anzahl von Fällen und Ereigniffen registriren, die zur Evidenz be- weifen, daß daS UnfalloerfichelunLSgesetz, namentlich für die kleinen Unternehmer eine große Last ist und von Tag zu Tag noch mehr wird, daß daffelbe, soweit es diS heute beurthetll werden kann, in seiner Praxi» unter dem Drucke der bureaukratischen Behandlung und Anwendung krankt. Und die Hauptsache,— die Versorgung der verunglückten Arbeiter ist häufig illusorisch gemacht, ja dieselben find heute oft viel schlim- mir daran, wie ehedem, wennI fie nicht noch nebenbei von humanen Arbeitgebern verfichert werden, oder wenn eS ihnen die Mittel nicht gestatten, fich selbst zu verstchern. DieS ist die oft gerühmte Eozialrefo m, welche die Gegensähe unserer heuti- gen schweren Zeit auszugleichen bestimmt ist. Die Hatz'auf die Gewerkschaften ist mit dem Entscheid deS Altonaer Schöffengerichts, bezüglich Schließung deS Maurer- Fachvereini eröffnet und hat die Behörde von Ncumünster, welche ja genugsam durch ihre Regierungsfreundlichkeit bekannt ist, keinen Augeblick gezaudert, mit dem Altonaer Staatsanwalt in eine Kerbe zu hauen. Kaum war die Schließung de» ge- nannten Vereins in Altona ausgesprochen, als auch nach der Hamb.„Bürger- Ztg." sofort der Maurer. Fachvcrein in Neu- Münster verboten wurde. DaS ist„Sozialreform." Eine Vers»melzung sämmtlicher größerer Ham> burger Dampfschtfffahrtslinien ist geplant, so daß eine Ge- sellschast gebiloet würde, die über 90 Dampfer und mehr ver- fügte. So wird der„Weserzeitung" aus Hamburg als von dem neuesten Projekt geschrieben. Danach würde wieder ein Stück freier Konkurrenz den Weg alles Fleisches gehen und ein neue? kapitalistisches Rtesenmonopol entstehen. Schuhmacherstretk tu Hamburg. Nach einem Vortrage des ReichStagSabgeordneten Bock hat am Montag Abend eine Versammlung von 900 Schuhmachern in Hamburg einstimmig beschloffen, am 15. d. M. die Arbeit niederzulegen. Ei« Bild aus dem Voigtlaud. Der„Voigtl. Anz." schreibt aus Hammerbrück;„Vor wenig Tagen starb hier ein braver, arbeitsamer, im 34. Lebensjahre stehender Weber plötz- lich an Gehirnentzündung. Welch' trauriges Loo» es jetzt überhaupt ist, Gardinenweder zu sein, bedarf wohl kaum hier noch der Erörterung. Der Verstorbene hatte, um seine traurige Lage zu verbeffern, vor ungefähr IV, Jahren daS Sticken unter den größten Entbehrungen erlernt, und da zufällig hier eine Maschine zu verpachten war, so übernahm er dieselbe. Nun glaubte fich der gute Mann vor dem Hunger geborgen. Allein es kam anders l Die Löhne der Stickcr gingen bekanntlich so schnell herunter, daß er kaum die Pacht erschwingen konnte, und die Noth trat wieder in aller Bitterkeit an ihn heran. Plötzlich wird er vom Tode ereilt und da! Elend dieser Familie dadurch auf die höchste Spitze getrieben. Als der Verstorbene beerdigt wurde, stand die schwergeprüfte und fich wiederum in gesegneten Umständen befindliche Wittwe mit 7 Kindern, von denen daS größte noch nicht 12 Jahre ist, am Sarge des Gatten." Uev eine und Uersammiungen. Die Steinträger BerttuS und Umgegend hielten am 28. v. Mt». eine stark besuchte Versammlung in Altermann'S Salon, Dennewitzstraße, unter Vorfitz des Herrn Wallenthin ab. Herr Baake hielt einen von der Versammlung sehr bei« fällig aufgenommenen Vortrag über„DaS Wesen d.S Streiks und seine Bedeutung". Referent führte zunächst aus, daß der Arbeiter in früheren Zeiten so zu sagen das Eigenthum seines Herrn, des Kapitalisten war, wie heute die Maschine. Heute würden die Arbeitslöhne immer mehr heruntergedrückt. Der Ardeiter, so führt Redner weiter aus, müsse danach streben, fich eine menschenwürdige Eristenz zu stchern. Das koali» tionSrccht sei die Waffe, und der Streik der Damm gegen die Ulbergriffe deS Kapitals. Nachdem Referent alle Einzelfälle, die bei einem Streik in Betracht kommen, klar gelegt hatte, betonte er, daß der Streik zum Siege der Arbeiter nur dann ausfallen werde, wenn er fich auf eine feste Orga- nisation stützen könne. Tie Steinträger hätten seit dem kurzen Besteben ihrer Organisation bewiesen, daß fie nicht bloS die MuSkeln, sondern auch dm Kopf auf dem richtigen Platze habm. Was den diesjährigen Akkordtarif anbetrifft, so werden die Meister denselbm wohl akziptiren. In den Jabren 1871—74 betrug der Preis für das Mille Steine im Parterre durchschnittlich 4,50 M., er sank dann bis vor zwei Jahren auf 1,75 M. Hinsichtlich der kommenden diesjährigen Bauperiode und deS Tarif» von 1871—74 sei der diesjährige Tarif nicht zu hoch bemeffen. Es werde, meint Redner, ein leichte» sein, denselbm zur Durchführung zu bringen. Nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland blicke auf die stramme Organisation der Steinträger Berlins. Jeder, der dem Fachverein noch fern steht, müßre demselben beitreten, damit durch eine feste Organisation der Arbeiter fich eine beffere Existenz schaffen kann. An der DiSkusfion betheiligten fich die Hcrrm Rennthaler und Kunkel im Sinne deS Referenten, Herr Rcnnthaler empfahl, dm Tarif voll und ganz inne zu halten. ES gelangte hierauf folgende Resolutton einstimmig zur Annahme: Die heute tagmde öffentliche Ver. sammluna der Stcinträger Berlins und Umgegend erklärt fich mit dm Ausführungen ves Referentm einverstanden und ver- pflichtet fich, mit allm ihr zu Gebote stehmdm gesetzlichen Mitteln dahin zu wirken, daß der Verein immer mehr an AuS. dehnung gewinne. Einige Beschwerden über Einbehaltung deS Lohnes statt Kaution wurden vom Vorfitzendm und den Herren Knaal, Stankow und Rennthaler scharf kritifirt. Ein Antrag, für die Wittwe eines verstorbenen Kollegen eine Tellersammlung zu veranstalten» wurde einstimmig angenommen. Dieselbe ergab 19 M. Der Vor- fitzende frug hierauf an, ob Jemand gegen dm zum 1. Mai in Kraft tretmdm Alkordtarif etwa» einzuwenden habe. Die Versammlung bekundete einstimmig, daß fie an dem Tarif fest. halten werde. Hierauf wurde bekannt gemacht, daß Ende April oder Anfang Mai eine Versammlung stattfinden soll zur definitiven Beschlußfaffung darüber, wie fich die Steinträger den Meistim gegenüber verhalten wollm, welche fich weigern, nach dem Tarif zu zahlm. Das Nähere wird im„Berliner Vollsdlatt" bekannt gemacht. Mit einem dreimaligen Hoch auf das Wohlgelingen der gerechten Forderungen der Steinträger schloß der Vorsitzende die Versammlung. Im Jntereffenverei« der Kisten- und Koffermacher wurde am Montag, den 29. März, in den„Arminhallen" die Wahl des Vorstandes vollzogen. Der bisherige 1. Vorsttzende Herr Tschernig hatte schriftlich angezeigt, daß er krankyeitS. halber eine Neuwahl nicht annehmen könne. Zum erftm Vor« fitzenden wurde von Herrn Tschernig Herr Hascheck nnd zum Echrrftführer Herr Leichnitz vorgeschlagen.— Herr Hasche! gab die Erklärung ab, daß er nur dann ein Amt im Verein an« nehmm würde, wmn die unberechtigten Angriffe gegen ihn, welche fich ein Mitglied in einem öffentlichen Lokal erlaubt hätte, von der Versammlung als Verleumdungen zurückgewie. frn würden. Nachdem Herr Leichnitz darauf hingewiesen, daß auf derartige Aeußerungm indifferenter Kollegen kein Gewicht zu legen sei, ertheilte die Versammlung Herrn Haschek ein Vertrauensvotum und wählte die Herren Leichnitz zum ersten und Hasche! zweiten Vorfitzenden; Behnke und Schaale zu Schriftführern: Seidel und Emst zu Kasfirem, und Behrens, Zeitfch und Friese zu Revisoren. Die Wahl der Lohnlom- misfion wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt und den streikenden Knopfmachem 15 Mark au» der VereinSkaffe de. willigt. Die Zentralkraukeukasse der Maurer, Steinhauer Gypfer und Stukkateure Deutschlands„Grundstein zur Einig« keil"(eingetragene HilfSkaffe Nr. 7 in Altona) veröffentlicht soeben ihre Abrechnung für daS Jahr 1885. Wir entnehmen derselben, daß die Zahl der Mitglieder am Schlüsse deS Jahre? 1885 12 329 in 121 Zahlstellen gegenüber 8061 in 68 Zahl. stellm de» Jahre» 1884 betrug. Die Kaffenbestände beliefen fich am Ende de« Jahres 1884 auf 39 070,92 Mark, die Ein. nahmen pro 1885 auf 194218,22 Mark, somit Gesammt» einnähme 233 289,14 Mark. An Krankenuntcrstützunaen wur« den ausgegeben 148 444,89 Mark, an Eterbezeldern 7290 Mark, an Gehältem 12 255,43 Mark, an Kassenbefiändm find vor« Händen am Schluffe des Jahres 1885 55075,66 Mark. Die Einnahmen und Ausgaben bilanziren mit der vorhin genanntm Summe von 233 289,14 Mark. AuS der Abrechnung ist wetter zu ersehen, daß die erst«(höchste) Klaffe eine MehrauSgahe von 6311 Mark zu verzeichnen hat. Nach den gemachten Er« fahrungen wird diese Klasse von Simulanten und sogenannten Quartaiskranken ausgebeutet, und soll hiergegen die demnächst tagmde Generalversammlung Abhilfe treffm. Es ist in diesem Jahre ein Ueberschuß von 16004 Mark zu verzeichnen, doch glaubt der Zentralvorstand trotzdem nicht ohne Beitragerhöhung wegkommen zu können: da jährlich mindestmS ein Zehntel der Kaffmbeiträge dem Reservefonds zugeführt werden muß, würde dies 20 000 Mark ausmachen. Die Abrechnung der Frauen. sterbckaffe, die erst jüngst in Bayem Genehmigung zum Ge« schäftsbetrieb erhalten hat, bilanzirt in Einnahmen und AuS« gaben 3906,18 Mark, die Filiale München der Zentralkrankm» kaffe zähtt gegenwärtig 125 Mitglieder. * Aachverein der Schlosser und BerufSgenoffen. Sonn« abend, dm 3. April, Abends 3'/, Uhr, Generalversammlung, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Kaffendericht. 2. Antrag, Erhöhung der monat- lichen Beiträge. 3. Aufnahme nener Mitglieder. 4. Be« sprechung über da» nächste Sommerfest. 5. Verschiedenes und Fragekasten. * Allgemeine Kranken, und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29, Hamburg). Filiale 4. Sonnabend, den 3. April, Abmds 3'/» Uhr, Versammlung, Andreasstr. 26. Tagesordnung: Kassenbericht. Delegirtenwabl. VerschirdmeS. * Fachverein der Steinmetzeu. Versammlung am Sonntag, den 4. April, Vo-miltags 10 Uhr, in Ahlgrimm'S Salon, Eophienstr. 34. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Der Streik der Steinmetzen in Halle a. S. 3. Anträge zum Kongreß. 4. Verschiedenes. * Eine Wohlthätigkeits-Soiree, veranstaltet von den Möpelpolirem Berlins, findet am Sonnabend, den 3. April, in ver„Urania", Wrangelstraße 9—10, statt. DaS Programm ist ein seh: reichhaltiges. Abendkasse findet nickt statt. BilletS S 30 Pf. find bei Steffen, Wrangelstraße 133, im Lokal zu haben. * Allgemeine Kranken« und Sterbekasse der Metall« arbeiter iE. H. 29 Hamburg) Filiale 9. Sonnabend, den 3. April, Abends 8 Uhr, Versammlung im Lokale des Herm Donath, Alt. Moabit 90. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. Wahl der Delcgirten. 3. Wahl eines Beitragsammlers. Bei« träge werdm daselbst entgegen genommen. Da» Kaffenlokal bleibt geschloffen.__ Kriefkasten der Redaktion. E. R. 6. Weil eS gesetzlich verboten ist. W. Steffen. Wenn das Dienstmädchen durch längere» Verbleiben im Dienst die Gelegenheit zu ihrer Verheirathung versäum:» würde, so kann eö mit Ablauf des laufenden Viertel» jahreS den Dienst verlassen. Wenn es also am 1. April der Herrschaft diese seine Adficht mitthetlt, so kann e» am 1. Juli ziehen. Treuer Abonnent. ES kommt darauf an, ob Ihre Tochter, als fie fich den Fuß brach, einen Weg für die Dienst« berrschast oder aber einen Privatweg besorgte. Nur in elfterem Fall kann Ihre Tochter überhaupt Kur- und Verpflegungskosten beanspruchen, dann aber bi» zur vollständigen Heilung, also auch über 6 Wochen hinaus. Dafür, daß Sie im Einverständ« niß mit der Herrschaft Ihre Tochter bei fich in Pflege ge« nommen haben, können Sie pro Tag 2 Mark beanspruchen und fich für die Angemessenheit dieses Satzes auf Auskunft deS hie« figen Polizeipräfidiums berufen. Theater. Freitag, den 2. April. VPeruhau». Siegfried, Mufikdrama in 3 Attm von Richard Wagner. Schauspteldau«. Iphigenie auf Tauri», Schau- spiel in 5 Akten von Göthe. Deutsche» Theater. Antigone. Wallner-Theater. Hasemann'S Töchtn. Refideus-> Theater Frau Doctor, Schwank in 3 Akten von P. Ferrier u. H- Bocage. »elle-Alliauee-Theater. Gastspiel de» Herrn Felix Schweighofer: Sein Spezi. Kriedrtch»«tlhelmstädttsche» Theater. Der Zigeunerbaron, von Job. Strauß. Walballa« Theater. Da» lachende Berlin. Heitere» au« der Berliner Theatergcschichte rntt Gesang und Tan, in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Teutral-Tbeater. Der Stab». Trompeter. Viktoria»Ueater. Wegen„Amor". Proben geschloffen. Osteud-Theater. Die Loreley, romantische» Schauspiel in 5 Aufzügen. Amertean- Theater. Große SpezialttSten- Vorstellung. Theater der Reichthallen. Große Speztali« täten-Vorstellung._ Alhambra-Theater. ße 15.[1200 Am Allerseelentag oder: Da* Gebet auf dem Friedhof. Original-VoilSschauspiel in 4 Atten nebst 1 Vorspiel Em gegebenes IDoti von Heinrich Klaußmann. Vor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapetle. Stafanc de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang de» Konzert» Sonntags 6 Uhr, der Vorstellung 7V, Um- Von» haben Wochentag» Gilttgleit und find im Theaterdureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. «aiser-Panorama. Wmmm Nur diese Woche: Da» schottische Hochland. I. Ablh. Eine Reise d. d. schöne Spanien. Hertha Reise. Caro linen.Jnseln. Eine Reise 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Fachverein der Putzer. Sonntag, den 4. April, Vormittags 11 Uhr: vrdeMche MtMtnml»W»kit im Vcrelntlokal, Jnselstraße 10. Tagesordnung: VereinSangelegenheiten. Um �thlrciches Erscheinen ersucht 1208 Der Vorstand. Versammlung der Mitglieder der Gentrat-Kraukeu- und Kterbe-Kasse der deutschen Magendauer (Einaeschrteblne tzilsSkasse Nr. 8 in Hamburg) am Sonntag, den 4. April, Vormittags 10 Uhr, in N»«t' Kalo«, Naunynstr. Nr. 27. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom I. Quartal. 2. Verschiedenes und Fragelasten. Otto Matthe«, Bevollmächtigter, 1202] Admiralstraße 25. Große Kommunal Wöhler- deS Norden und des Osten am Sonntag, den 4. April, VormitiagS 10 Uhr, in KShom'« Krauerei, Prenzlauer Allee. Ecke der Eaarbrückerstraße. 1204 Tagesordnung: Die Mohnnngvfrage und der Ktadt- verordnete Hofsmann ll. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Stadt« verordnete Hoffmann u ist hierzu drirfl. eingel. Anherord. Seneral-versammlung der Zimmerleute verttuS und Umgegend findet am Sonntag, den 4. April, VormtttagS pünktlich 10 Uhr, in der„Tonhalle", Friedrich. straße 112, statt. T.-O.: 1. Die Antwortschreiben der Meister. 2. Wahl eines Generalfonds« KasfirerS. 3. Verschiedenes. DaS Erscheinen eine» jeden Zimmerers ist nothwendig. Die Herren Arbeitgeber, welche Zstnmergesellen be« schäftigen, find zu dieser Versammlung fteundl. einaelad-n. Die Lohnkommission. 1212] I. A.: I. Seiyt, Fehrb-llinerstr. 35. Verelnigtmg der deutachen Schmiede. (Mitgliedschaft Berlin.) Sonnabend» den 3. April, Abends 8'/, Uhr, Versammlung in Gratmeii'« Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. T. O.: 1. Vortrag. 2. Verschirdems. 3. Fragekasten. Um zahlr. Erscheinen ersucht[1207] Der Vorstand. Berliner Bock-Brauerei SW. Tempethoser Berg. 48. Bock-Bier-Saison 1886. Wir versenden, so lange der Vuncith reicht, unser Bockbier in Gebinden nach außerhalb und am Platze in OliginalflascheN 18 Stück für 3 fiel ins Haus, Pfand wird mit 5 Pfg. per Flasche berechnet, und hat der Kutscher eine Quittung unserer Brauerei darüber auszustellen. Vilich(lU�erhlltb liefern wir Bockbier in Kisten k 50 Flaschen, incl. Kisten und Flaschen mit 14 Mark frei hiefigem Bahnhof und vergüten sür Kiste und Flaschen bei steter Re- tournilung 5 Mark zurück, �n unserenl Älnöschantlotal aus der Brauerei verzapfen wir täglich unser Bockbier im Garten und in den Sälen bei großem Militär-Coucert. � Telephon der Berliner Book-Brauerei. BBI Möbel-, Sopha- n. Matratzen-Fabrik A. Schulz, Wafferthorstr. 34(auch Theilzahluug). Neelle Maar« garautirt. Vereinig, deutscher Stellmacher (Mitgliedschaft KerUu.) Sonnabend, den 3. April, AvendS 3 Uhr. Versammlung in Keller'» Lokal, AndreaSstr. 21 (oderer Saal). Tagerordnung: 1. Kassenbericht. 2. Stellungnahme zu der vom Kgl. Polizeiprä« fidium zugestellten Verküauna. 3. Verschiedenes und Fragekafien.[1209] Die Oitsoerwaltung. CntnMrnke«- ort KtgrMMisse In Kmhdirttr(«.$,) Sonnabend, den 3. April, Abends 8V» Uhr, und Sonntao, den 4. April, Vormittags 10 Ubr, in den Armiuhallen, Kommandantenstraße 20, HknjptTersamm.nB c. Tagesordnung: Beratbuna der Anträge zur Generalversammlung. QuittungSbuch legi- ttmirt.[1206] Der Vorstand. Große öffentliche Bersammlung der Sattler Berlins Sonnabend, den 3. April, Abends 8 Uhr, in GratveU« Kierhallr«, Kommandanten- Straße 77— 79. Tagesordnung: 1. Wie stellen fich die Eatiler zur Lohnbewegung? 2. DiSkusfion. 3. Ver- schiedene».— Um zahlreichen Besuch ersucht 12il Der Einberufer. Rrstamavt m„Awbos". Allen VereinSgenossen, Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß ick[1210 Kr-slanrr-Stralje 27, pari., ™ Weiß- nnd Bairifch- Bier-Lokal eröffnet habe. Um geneigten Zuspruch bittet Gustav Tempel, Meine Destillation, Bier., Frühstück« und Billardstube, sowie Patzenhofer u. Helles Lager- hier a GlaS 10 Pf. empfehle bestens 332 A. Barthel, Kottbuser Damm 58(Herrmann-Platz 4)- f Einige Schlafsophas, neu, gut gearbeitet, habe ich dillig zu verkaufe� _ KaWen, Tapeztrer,|12l3 Spezialgeschäft für Polsterwaaren, Potsdamerstr. 20, im Fabrikseitengeb.. 2 u. 3 2fr Ärdeitsmarld. E. DrechSlerges. vl. Prüßmann, Alte Jakobstr.13� E. Drechslcrl. vl. Prüßmann, Alte Jakodstr. I33' Verantwortlrck-r Redakteur V. Cr« übet« Zu Lttiiii. Druck und Verlar von Star Badiag tu Berlin SW., Beuthfira ,: 2.&it«lo tine Beilagt Beilage zum Berliner Volksblatt. 78. Freitag» de« 2. April 1886. III. Zik Nmuhw in und um Wich. Die»Reforme', da« Orga« der Jonsoo'scheu Fort- schritt'pariei, hat eine« Epezialb«» chtcrstatter in den ivsur« ßiitt« Zudustriebezirk geschickt, welcher die Lage in sehr ar- deiterfreundlichem Sinne bemtheilt. Wir theilen nachstthevd Emigei au« seine» Berichten mit. So schreibt er u. A. oul Lüttich vom 22. März Abend«: Die urnütze Entfaltung militärischer Kräfte hat ihre logische Wirkung gehabt. Während man in Seraivg klug genug war, die Truppe« in den Fabriken zu verbergen und sie nicht auf die Straßen zu schicken, hat man hier Soldaten und Patrouille« in drohender Haltung überall herum mar« schiren lassen. Daher hat eine Kolllsio» nicht auf sich warte« lassen. Sert drei Tage« hat die Gegenwart der Truppe« die Albeittrbcvö kerung auf« Höchste gereizt. E» bildete« sich allenthalben Gruppen von Streikende« oder Neugierige«. Sie wäre« still, aber entschlösse»;«an hörte keine« Gesang und keine« Ruf; aber wer« man ihnen am* Lebe« gehen will, werde» sie rhre Haut theuer verkaufen. Diese Leute höre» nicht auf die Aufwiegler, die der Aibeitgeber überall sieht, um die Wirkungen de« Elend« zu erklären, gerade wie die Religio« überall nur Götter und Wunder sieht, um die Vorgänge in der Natur zu erklären. Aber sie leiden ent- seälich, denn 50 bi« 100 Fr. monatlich reiche« zum Lebe» «icht hin; ihre Arbeit ist die härteste, die man sich dnrken kann, und dazu komme« noch tausend Ouälereie» voa Seite« der Agenten der industrielle« Feudalherren, von denen sie beherrscht werde«. Heute, Montag, sind Soldate« angelangt, um sich in den Dienst dieser Feudalherre« zu stellen; zu dieser Provokation komme» die drakonische» unauistlhrdaren Verordvurg-.n de« Bürgermeister«. Der Belagerungszustand herrscht und man steht außerhalb de« Gesetze«. Daher biete« auch die Straßen zu Tilleur z. B da« Btld eine« Schlachtfeldes. Die Läden sind ge« schloffen und die Bewohner wage« keinen Schritt auf die Straße. Und sie haben Recht, denn man hat nicht umsonst an« gekündigt, daß man blindling» nach allen Richtungen schieße» werde. In Tilleur, wo Herr Braconnieur herrscht, der mit der Grube Horloz mehrere Millionen verdient hat, haben die Soldaten, die seine Zeche bewache«, Blut vergossen. In der Nähe befindet sich ei» Uebergang, auf dem sich ewige Leute bewegten, da die engen Straßen von Tilleur gesperrt waren. Sie konvten da kein Unheil anrichte«, aber man forderte sie auf, zurückzugehen. Sie kreuzten die Arme und riefen: „Schießt nur, Feiglinge!" En wird geschossen, ansang« zu hoch, um zu treffen; dann ließ der Offizier zielen und noch- mal« schießen, worauf ei« Kmd, eine Frau und ei» Ar- beiter fielen; die übrigen bliebe« stehen und riefen: „Schießt nur, Feiglinge!" Ist da« nicht herzzerreißend? Da« Kind, ei» Knabe au« Zemappe, wurde sterbend in da« Spital»ach Lüttich gebracht. Nach solchen Szene« ist e« natürlich, daß der Zorn wächst und der Konflikt wird fiter wieder entbrenne«. Zedermao» ist bewaffnet und schießt mit Revolvern, und sei c« auch nur, um Lärm zu mache». E» hat sich eine wahre Mevschenjagd heraus- gebildet; wer in einem oberen Stockwerke zum Fenster hin- ausschaut oder auf einer hervorragende» Stelle, wird auf« gefordert, herabzukomme»; folgt er»icht augenblicklich, so wird auf ihn geschaffen. Die Eigenthümer der Mine» sind völlig kriegsgerüstet; sie halte« Wache in ihren Häuser», um- aeben von den Offizieren, die an ihrem Tisch fitzen; sie habe« die besten Schußwaffe« und drohen, auf alle Gruppe» zu schieße«, die sich in der Nähe ihrer Grube« bilden sollte«. Die Furcht macht wild und e« scheint schon, daß die Grubenbesitzer keine Mensche« mehr find. So weit sind wir gekommen, Dank den unnützen durch unsere Behörden ge- troffen e« Vorkehrungen. Und da« heißt man„regieren"! IeuiUeton. N«rei« W n o m m e n. ES folgen Wahlprüfungen. Die Wahl deS Abg. B ü r k I i n beantragt die Kommission für g i l t t g zu erklären. Abg. B a u m b a ch beantragt, den Beschluß üb« die Gil« tigkeit der Wahl auszusetzen und die Wahlzettel auS dem 2. Wahlkreise dei Regierungsbezirks der Pfalz einzufordern. Er weist darauf bin, daß in einem Proklama zu Gunsten der Wahl deS Abg. Bürkltn ein Brief von Gegnern d, sselben ge« mißbraucht und daß in einer Reihe von Wahlbezirken Stimm« zettel von ganz ungewöhnlich großem Format zur Anwendung gebracht seien. Abg. v. K ö l l e r tritt für den KommissionSantrag ein. Die von Herrn Baumbach gerügten Thatsachen seien ganz gewöhn» licht Wahlkniffe, die er mißbillige, aber di? üd«all vorkämen. Von dem Proklama habe weder H«r Bürklin noch das national« liberale Wahlkomitee eine Ahnung gehabt, und es sei noch vor der Wahl durch öffentlichen Anschlag alS ein Falsifikat de« zeichnet worden. WaS die Wahlzettel betreffe, so sei festgestellt, daß Zettel von gleicher Größe auch für den Gegenkandidaten des Herrn Bürklin abgegeben. Also auch in diesem Falle sei daS Wahlmanöver sofort durch einen Gegenzug vereitelt worden. Er bitte nochmals, den Beschluß der Kommission an- zunehmen. Abg. Träger hebt hervor, daß nach Ausweis deS Kom« missionSberichtes in der Kommission über die Giltigkeit der Wahl gar nicht abgestimmt sei. Der Referent habe beantragt, den Beschluß über die Giltigkeit d« Wahl auszusetzen: der Korreferent habe die Gilttgkeltserllärung beantragt. Bei der Abstimmung sei der Antrag deS Referenten abgelehnt und daraus habe man einfach deduzirt, daß nun d« Antrag deS Korreferenten zur Annahme gelangt sei. Ein Antrag auf nochmalige Rückverweisung der Wahlprüfung an die Kommission sei dah« wohl am Platz gewesen. H«r v. Köller habe die Anheftuna des Proklamas einen gewöhn« lichen Wahlkniff genannt. Er sage, es sei die größte und ge« meinste politische Gaunerei, die ihm jemals vorgekommen fei. (Sehr richtig! links.) Ob Herr Bürklin oon diesem Proklama Kenntniß gehabt habe od« nickt, darauf komme es nicht an. Man dürfe de?halb doch nicht Halt machen vor einer Un« gehörigkett. Mit der Zulassung derselben öffne man d« politischen Jmmoralität Thür und Thor. Ueber allen Parteien stehe die Partei der anständigen Leute, der rn diesem Hause alle angehörten. Um so mehr hoffe er, daß Da gehen die besseren Tugenden des Menschen zu Grunde, der Mensch wird wider Wille» Egoist. Die arme kranke Frau wurde bei diesen Betrachtuvgea immer trauriger und die Thränen rannen unaufhaltsam üb« ihre Wangen. Jetzt zankten sich die beiden kleinen Mädchen plötzlich laut und eifrig um die Suppe, und ehe die Mutt« schlichtend drein zu rede» vermochte, lagen die Teller zer« brachen an der Erde; im Fallen de» Inhalt üb« Kind« und Bett ergießend. Schwach wie fie war, mußte sich die Mutt« dennoch«heben und mit wankenden Schlitten Ordnung in dieses Chaos bringen. Natürlich klagte sie laut und zürnte de« Kindern, welche ganz zerknirscht um Verzeihung flehten und ihr liebcS Mütterchen baten, sie möchte sie doch gleich ankleide». Und dieMutt« willfahrte auch den Bitte» der Kinder, die sich jauchzend an ihre liebe Mama schmiegten und sich in ZärtlichkeitSbezeugungen zu überbieten suchten. Sie preßten ihre weichen rothen Lippen so innig und zärtlich au die schlanke blutleere Hand der geliebten Mutter, bis diese unter Thränen ihre» Schmeichel- kätzch»» zulächelte. Während Stephanie so schwer und bitter das Zoch der Armuth empfand, und die Bitterkeit nur schw« durch daß kindlich frohe Geplauder und Gekose ihr« Kinder gelindert wurde, versah Raoul, ihr Mann, mit Angst und Sorge im H«ze» um seine hilflose Familie, seinen anstrengenden Dienst,— als Pferdebahr.kondukteur. Der feine dichte Regen machte sein Amt beute noch besonder» unangenehm. Denn auf der langen Strecke von der Ba« stille bis nach St. Ouen muß er wohl dreißig Mal auf das Imperial hinauf, um die fünfzehn ZentimeS Fahrgelv de» P issagieren mit höflichen Worten abzuverlangen. Mit rothen klamme» Händen nahm er das Geld in Empfang und ließ es in die sich mehr und mehr füllende Geldtasche gleite«, während ihm imm« da» bleiche und traurige Antlitz seiner Frau vorschwebte. „Wenn sie sich nur besser pflegen könnte, dann würde sie bald nicht mehr so entkäfiet dreinschauen. Fleisch und guten Wein soll sie jetzt zu sich nehmen, hat gester» die Hebeamme gesagt. Aber woher nehme» und nicht stehlen!?——" D« Mann wurde immer vn stimmt«. Zn Gedanke» rechnete« zum so und so vieltea Male jeden Zentime zu« sammen; aber sei» täglicher Loh» von fünf Franks und fünfzig gegen die hier vorliegende Gaunerei daS ganze Haus Front machen werde. Abg. Buhl weist darauf hin, daß die Kommisston es abgelehnt habe, die Ungiltigkeitsertlörung der Wahl wegen deS veiöffentlichten Proklamai auSzu prechen. Weder Herr Bürklin noch das nattonatliderale Wahltomitee habe von demselben Kmntniß gebabt. Man habe sofort gegen die Veröffentlichung desselben piotefiirt. Von wem dasselbe ausgegangen, sei noch nickt festgestellt. Er bestreite, daß dies von nanonalliberaler Seite geichehen sei; man habe doch von einem so elnfältiqen Manöver sich keinerlei Vortheile versprechen können. Die Ver» auSgabuna der großen Stimmzettel für Herrn Bürklin sei der Gegenpartei bekannt gewesen. Für Herrn SartoriuS, den Gegenkandidaten von Bürktin, seien gleich große Zettel abge» geben. Wohin solle man mit der Sicherheit der Mandate kommen, wenn man die Giltigkeit derselben abhängig mache von anonymen Persönlichkeiten und der Ungeschicklichkeit von Buchdruckern, die vielleicht einmal Stimmzettel von großem Format herstellten. Abg Spahn bittet, den Antrag Baumbach abzulehnen. Das Proklama sei ein unwürdiges Manöver, aber für die Be» hauptung, daß dasselbe von der nation alltberalen Partei aus- gegangen, sei der Beweis nicht erbracht. Die Angaben über die Wahlzettel seien der beste Beweis, daß e» neuer gesetzlicher Bestimmunzen, welche daS Geheimniß der Wahl schützen, dringend bedürfe. Die Debatte wird geschloffen und die Wahl deS Abg. Bürklin unter Ablehnung de» Antrages Baumbach für g i l t i g erklärt. Bezüglich d« Wahl deS Abg. Groß schlägt die Kom» Mission vor: Die Beschlußfassung üb« die G i l t t g> keit der Wahl auszusetzen und den Reickikanzl« zu ersuchen, über eine Reihe von Unregelmäßigkeiten Erhebungen anstellen zu lassen. D« Antrag der Kommission wird mit einem AbänderungS» antrage Liebknecht, der die Erh-dungen noch auf einige andere Punkte ausdehnen will, angenommen. Die Wahl deS Abg. H e l l w t g wird ohne Debatte, dem Antrage der Kommission entsprechend, beanstandet. In Bezug auf die Wahl des Abg. Woermann wird ein älterer Beschluß für erledigt«Uärt. Hierauf wird ein Vertagungsantrag angenommen. Ein Antrag de» Arg. Singer, morgen vor der dritten Berathung des Sozialistengesetzes die noch ausstehenden Wahl« Prüfungen zu erledigen, wird abgelehnt. Schluß 5'/« Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Dritte Berathung deS Sozialistengesetzes.) Abgeordnetenhaus. 54. Sitzung vom 1. April, 11 Uhr. Am Minifiertische von Puttkamer, LuciuS, von Scholz und Kommiffarim. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, detreffend die Beför« derung deutscher Ansiedelungen in West» preußen und Posen. Mit der Diskusston deS§ 1, welcher 100 Millionen der Regierung zum Ankauf bäuerlicher Grunvstücke zur Verfügung stellt, wird die Debatte über folgenden Antrag deS Abg. von Huene verbunden: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: l. Die königliche Regierung aufzufordern: 1. Dasjenige statistische und sonstige Mate» rial mitzutheilen, auS welchem hervorgeht, mit welchem Erfolge die polnische Nationalität unter Veränderung der vorhandenen deutschen Elemente, wie behauptet ist, versucht hat, sich auszubreiten. 2. Eingehende Mittheilunaen über Art, Umfang und Erfolg der stüheren GermanistrungSo«suche durch agrarpolittsche Maßregeln, wie solche seit 1830 ge» troffen worden find, zu machen. U. Die zweite Berathung über den Gesetzentwurf auSzu- setzen, bis zur Vmlrgung deS�verlangten Materials. ntr. Abg. v. Huene(Zentrum): Mein Antrag, der schon in der Kommisston gestellt war, ist eine natürliche Konsequenz deS Charakters der Motive der Vorlage. Wir haben schon früher gesagt, daß diese Motive zu unzureichend find, als daß wir uns mit großen Mitteln für diese Zwecke engigiren könnten. Die Regierung hat eS abgelehnt, vie in meinem Antrage ver» l>ngten Materialien vorzulegen; die in der Begründung deS Gesetzentwurfs als notorisch bezeichneten Verhältnisse in den Provinzen Posen und Westpreußen lägen offen zu Tage und seien in diesen LandeSthetlen seit Fahren Jedeimann bekannt. (Abg. Enneccerus: Sehr. richtig!) Herr EnmcceruS wohnt in Marburg und nicht in Posen. Wer sich nicht einer objektiven Beurtheilung der Lage verschließen wolle, werde auch ohne weitere statistische Materialien, welche ohnehin den Zentime» reichten nun absolut nicht zu Weia und Fleisch. Vielleicht hätte eS einigermaßen gereicht, wenn nicht alle Jahre Zuwachs gekommen wäre. D«gleichen E-eigmsse greife» aa de» Geldbeutel. Die kleinen Sprößlinge können manchmal doch recht ungelegen kommen. Nun, da» Dritte ist ja ei» Sohn! und der Bat« war zufrieden trotz alle« dem, und hätte den Jüngsten um keinen Preis d« Welt misse» mögen. (Schluß folgt.)> Ans Knnst und Zeven. irn Walhalla. Theater findet heute. Freitag, die 50. Lu'füh ung des Zugstückes„DaS lachende Berlin" statt. In die!« Vorstellung tritt auch Herr Hercmann, der von fernem Unwohlsein gene-en, wieder auf. Louisenstädtisches Theater.„Der Mann mit dem Koaks", oder:„Das weinende Berlin", welches, wie bereits angekündigt, am Sonntag, den 4. April, in Szene geht, bringt unter And«rem folgende GcsangSnummern: Den„KoalSwalzer' -„Ich liebe Sie so tief"-„Das lachende Berlin"-„Ma» donna Theresa"— unv ein urkomisches Quartett. Ferner wird d« für dieses Stück enxaglrtc Bantomst Herr v. Rtzeno zwei serieule Lieder:„Die schönste Stadt ist Berlin und „Die Poeste", zum Voittaz bringen. �,. Ein Skandal im Theater. AuS Baden bei Wien wird unterm 23 März be-ichiet: Am letzten Sonnabend ereignete sich im hiefigen S!adtlheater während der Zwischenpause deS ersten Aktes der„Jungfrau vnn Belleoille" em arger Theater- fkandal, der In einen förmlichen Raufexzeß ausartete. Im Parterre dritte Reihe erregte ein Rtitmcisler in Zivilkleidung durch daS Aufbehalten stin's Zylmdcihutes großen Aerger. Herr Rudolf Schratt, ein Bruder der Hofschauspielerm Katht Schratt, ersuchte den Rittmeister, den Hut abzunehmen. An- statt dem E: suchen Folge zu geben, verletzte der Rittmeister Herm Schratt einen so wuchtigen Schlag ins Gesicht, daß dieser aus Mund und Nwe blutete. Dieser brutale Alt, welcher die Entrüstung dei Pablilumi hervorrief, machte AlleS von den Sitzen erheben und wuroen vom Stehparterre und von den Galerien ernstliche Drohungen und laute Verwünschungen gegen den Rittmeist r laut, v« fich dmch einen Roth auigang vor der Lynchjustiz auS dem Staube maSte während He-r Schratt stch nach Haufe begab. Der Hc« Rittmeister soll, wie eS heißt, das Renkonlre bereits seinem vorgesetzten Kom« mando selbst angezeigt haben. Kern der Sache niemals treffen könnte», ohne alle Schwierig« dasselbe keit erkennen, daß es sich darum handele, eine systematische, von Lell von Jahr zu Jahr intenfio« betriebene Agitation werde, auS polnischen Kreisen zu bekämpfen. Die Sache vhrer � ist also notorisch, weil fie notorisch ist. Ich habe aber W nach nickt nur statistisches, sondnn auch sonstiges Material ver« vom Ja langt üb« die Beobachtungen, die man dort gemacht hat. V« Un Auch die Vorverhandlungen in beiden Häusern deS Land« lwreiber tageS, hieß es weit«, hätten bereits ein reiches Material zur wi wäre dil unterlass thumSbe dem Ve Beurtheilung der Zustände geliefert,(Abg. Dr. Wehr: Sehr richtig!) Viele Worte, aber nicht viel Material.„Die Ueber» Mittelung weiterer statistisch« oder sonstiger Materialien an die Komwisston würde nur dazu dienen, die Verhandlungen- zu vertagen und neuen Angriffen Raum zu geben". Wenn Eig-nth man gute? Material hat, braucht man die Angriffe nicht zul ueornm scheuen, aber ick fürchte, die Regierung hat nicht viel Material Wucher« in der Hand. Es ist merkwürdig, daß die Regierung Angaben*«"aT über ihre früheren Bestrebungen zu gleichem Zwecke jetzt ver»°*s Jt« weigert, während fie stch in den Motiven auf jene„gleichen Z" Zwecke und aletchen Wcae" bezieht. Ich beantraae. üb« meinen®te Antrag namentlich abzustimmen, um festzulegen, w« von den gewählten Voltövettretern in d« Lage ist, auf Grund einer schwachen Begründung(sehr richtig!) in diesem Umfange preußische StaatSgelver zu engagtren.(Beifall Im Zentrum.) Nationaler Patriotismus reicht dafür nicht auS. Ich bemerke hi« noch, den KommifstonSb« cht d«ichtlgend, daß wir unS an den KommifsionSberathungen nach jener Erklärung d« Re- gierung gar nicht mehr betheiligt haben und daß nur ein Pole für meinen Antrag gestimmt hat. So konnte der Jrrthum entstehen, daß mein Antrag gegen eine Stimme abgelehnt worden fei. WaS bleibt übrig von dem Material, das unS mitgetheill worden? Vor 26 Jahren befanden fich nur 528 361 Hektar in deutschem Befitz, dagegen. 851 106 in polnischem. Augenblicklich find 723 899 In deutschem i Befitz, und nur 656 000 in polnischem. Der deutsche Befitz hat sich also um 37 pCt. vermehrt. WaS will demgegenüber die Statistik über die Sprachkenntniß bei den Ersatzmann« schasten beweisen, die ohnehin, wie Herr von Mruer-ArnSwalde nachgewiesen hat, ganz vage und unzuvttlasfig ist? D«§ 1 ist geblieben in seiner vollständigen Ünfaßbarkeit. Es ist kein Zweifel mehr, daß die Polen bei der Kolontsatton nicht berück- 1 stchtigt werden sollen. Daß man aber die Polm auf Staats«! kosten ausschließt, ist doch etwas stark. Ueber die Kosten dies« ganzen Maßregel haben wir in der Kommission nicht den ge»! rtvgsten Aufschluß erhalten. Die Vorlage verlangt Staats« gelocr. ohne unS Anhaltspunkte für den Preis dei GrundeS und BodenS, d« Gebäude und deS Vteh-.i zu geben, während wir sonst für jeden einzelnen Bau einen sup«reviditten Kosten« anschlag bekommen. Solche Forderungen stnd nur be« rechligt, wenn d« Feind vor der Thür steht. Die Regierung sollte die Vorlage ordentlich vorderem ten und uni frühesten? im nächsten Jahre einen Bericht erstatten, dann können wir unS die Sache überlegen. In der Kommission wurde sogar ein Antrag gestellt, auS diesem FondS an Koiporationen, Kommunen und Private Darlehne zu dem Zweck neuer Anfiedelungen zu gewähren, also eine große Pumpstation für die in V«legenheit befindlichen deut«! fchen Gutsbesitzer in Posen. DaS war auch dem Minister zu« viel: dn Antrag wurde abgelehnt oder zurückgezogen. Die Regierung ist im Begriff, einen v«hängnißvollen Schritt zu thun; Sie werden diesen Schritt ebenso bereuen, wie frühere Schritte. ES wird eine Zeit kommen, wo eS heißen wird: wir waren damals nicht dabei. Um dieS zu vermeiden, beanttage ich namentliche Abstimmung üb« meinen Antrag.(Beifall im j Stanbr das bei nicht Renten ist, dm neu zu Lasten stark b flüherei sie«ha wir den Entwur unvereil schauun Pieußei haben, er statt weil«, es vielr unS füi vor.(! Ab mifstont üb« aus tarisch i welche die hü War i misfion Freund richt kr unerqui ist mit neinen, fie verll dringen mit der vollkom nicht. Ii Rauch h liegen, polnisch Herr T wollen: und d werder System stand will; in and will dl und ei Baue« widerst Groß« Renten keit du nur, dl fallen macht. rung f den V schichte Fried« eignet, ich Sil spruch & l Zentrum,) Nach der inzwischen festgestellten Rednerliste haben fich 21 Redner gegen und 11 Redner für die Vorlage gemeldet. Abg. v. Rauchhaupt(kons.): Der Abg. v. Huene ver« langt die Vorlegung von statistischem Material, obgleich« die Statistik über die Spcachenlenntniß der Rekruten in Pose» alt mangelhaft und werthloS vnworfen hat. Auch dies Ma« terial würde nichts beweisen. Wir glauben, daß daS vor« liegende Material hinlänglich beweist, daß die deutsche Natio« nalität hinsichtlich der Sprachgrenze««schoben worden ist. Bei d« Verhandlung deS Antrags Achenbach ist bewiesen worden, daß die deutsche Bevölkerung von 1870—1880 lange nicht in dem Verhältniß fich vermehrt hat, wie die katholische, oder, waS dasielbe ist, wie die polnische.(Widerspruch im Zentrum.) Diese Zunahme der polnischen Sprache in Posen und West« preußen wird durch die Statistik dn RekrutnrauSbebungen voll- ständig bestäiigt. Auch Herr Hänel hat den großen Zug von mnm, Ollen nach Westen zugegeben; aber inlooktrinar« Weise führt%% -r dies zurück auf ein Kulturmanko deS deutschen Elements. Nein, die Deutschen fühlen fich dort unbehaglich und wandern lttb« auS nach Westen, wo fie erträglichne Zustände finden. Die deutschfreifinnige Partei sollte fich doch starl besinnen, ob fie die S-arkung de« deutschen Elements in jenen Provinzen nicht mehr will. Sprechen Sie eS nur aus, mir soll eS an« genehm sem. Ich habe Vertraue« zu der Vorlage, und daS Vertrauen zu der EtaatSregierung, daß fie dieS Gesetz sack« gemäß auLsühren wird; und deswegen find meine Freunde und i ich dereit, für die Vorlage zu stimmen, wie sie auS der Kom« misston gekommen ist.(Beifall rechts.)_ Ad«. Dtrich l et: Weil wir nicht wissen, wie die Sache»! 2?* sich gestalten werden, deshalb halten wir es mit uns«« Pflicht- gegenüber den Steuenahlern für unverei''dar, auf eine unab« m-is- sehdare Zukunft die Kleinigkeit von 100 Millionen Mark auf l dem Altare deS Vaterlandes zu opfern. Mit einer leichten Redewendung hat Herr v. Rauchhaupt katholisch und polm 4 mit d nicht nur tür Posen, sondern auch für Westpreußen als id-n« m0,t£ tt'ck hingestellt, und doch könnte ihm ein Blick in offiziöse w n' Heilungen zu Wahlzellen zeigen, mit welch warmem Appell die RegierungSorgane dn deutschen katholischen Bevölkerung anS! Herz legen, doch ja einen freikonservativen oder wenigsten? nationalltberalen Mann, ja keinen Polen zu wählen.(Sehr gut! links.) In W-stpreußen, speziell im Wablkrerse Ecking« Mariendura, können Sie die Polen mit der Laterne suchen und doch giebt die katholische Bevölkerung bei den Wahlen den Ausschlag. Herr v Rauchhaupt hat einmal etwas davon; gehört, vaß für Posen Polen und Katholiken identisch stnd, varauS folgt für ihn, daß überall Katholiken und Polen iden« tisch find. DaS ist% konservative Logik.(Gelächter: sehr out lrnks und im Zentrum.) Wenn Herr von Rauchhaupt durch dieses kühne kaoallerisiische«un't« stück(Heiterkeit) eS so darzustellen versucht, als ob! wirklich das polnische Element das deutsche v« dränge, so ist dirS in Bezug auf einen großen Theil deS Ostens absolut? falsch. Das polnische Element setzt stch dort an, wo daS deutsche! auS Unzufriedmhett, nicht wegen Drangsalirung seitens d« Polen mit den ErwndSvnhättniffen den Ort verläßt. Tie Niederlassungen anlangend, so vnmiffe ich die Erklärung eineS RegierungSkommissarS, und eine zweite, die wesentlich modisi»' «ute Erklärung des Ministers für Landwirthschaft üb« die F.age, ob und in welchem Umfange die Staatsrrgierung von dem Uedertragungsrechl in fieuS E genthum durch freie Ve» etndarung Gebrauch zu machen gedenkt. Zweitens wende ick- mich zu der leichten, ja scherzenden Art, in welcher d« Kom« mijstonSbericht üb« die alleinnstesten VerfaffungSbedenken hin« weggeht. Das Gesetz selbst bat durch die Kommissson lerv« keine wesentlich verdeff-rte Gestalt«halten. Abgesehen von unserem prinzipiellen Widerspruch wäre doch die in§ 2 der Vorlage ausgesprochene Verleihung zum Eigenthum ovel zu Zritpacht alS ein den rechtlichen Anschauungen der Gegen« warr emsprechenderer moäns procedenäi gewesen. Die Kons«« valioen beantragten dem gegenüber die Erdpacht als Er i atz. ohne den das Gesetz für sie unannehmbar wäre. Mit Hilfe d« Naiionalltdrralen ist nun, wenn auch nicht dem Wortlaut, o doch der Sache nach durch das Institut der Rentengüter entspr, Vorga Achent Abänd dnn In W jetzt der Wie Hinau sachlick Hohn, Der ki sein, e man f Warm kauf el die Ti nichter tbeil, Weite, Jahre Tende »uweif Gesetz! 3] tags i Maßn kicken! jndica Mater hört! Jahrei richtSr tllion« taaW Lesunj latische. litotton Sache ! aber il ver« dt hat. Land« al zur Sehr Heber« en an lungen Wenn cht zu iaterial ngaben lt ver« Zeichen meinen an den einer mfange itrum.) «merke x unS er Re« B nur So klntrag t übrig Zahren aßeßen rtschem »efi» lenüb« zu- dasselbe erreicht wordm. Als ich in der Kommission etwa? von Leibeigenschaft verlauten ließ, die dadurch herbeigeführt werde, da erhob fich«in Sturm der Entrüstung, aber einer Ihrer Parteigenossen, der konservative Abg. Knauer- Gröber?, hat nach den Verhandlungen deS Landek-Oekonomi«. Kollegiums vom Jahre 1885 gesagt, man brauche außer den Vorschriften der Unaeräußerlichkett, Undeleihbarleit ,c. nur noch vorzu« schreiben, wie viel Schweine der Renteninhaber besttzen dürfe und wie viel Kinder er haben solle(große Heiterkeit) dann wäre die Sklaverei fertig. Auch andererieit« hat man es nicht unterlassen, von der vertragsmäßigen Abmachung von Eigen» thumsbestimmungen mit dem Rentenpflichtigen zu warnen; mit dem VeräußerungSrechte deS Rentengutes falle da» wichtigste EigenthumSrecht, der Realkredit, und man treibe mit der Uederlaffung de« PersonalkredU» den Rentenpflichtigen dem Wucherer zu. Angesichts solcher Verhältnisse gewinnt die Be- Zeichnung deS KommisfionSberichte» von freiem EigenthumSrecht des Rentenpflichtigcn eine ganz eigentümliche Beleuchtung. In welche Lage gerathen Erben gegenüber solchen Bestimmungen, die fie eventuell auch noch später für richtige Zahlung der Renten verpflichten können? Wenn das keine glebae adscriptio ist, dann verstehe ich es nicht.(Sehr gut! link«.) Die neu zu bildenden Gemeinden bekommen noch ganz andere Lasten mit auf den Weg, durch welche ihre LeoenSfähigkeit stark beeinträchtigt wird; fie werden, wie wir aus ftüheren Erfahrungen wissen, durch die Anzahl OrtSarme, die fle erhalten müssen, ProletariatSortschaften werden. So kommen wir denn nach alle diesem zu dem Entschluß, daß wir dem Entwurf Widerstand entgegensetzen, weil eS mit der Verfassung unvereinbar ist; unvereinbar ferner mit den rechtlichen An- schauungen über die Freiheit des Eigenthums, wie fle in Preußen flch aus Grund des Gesetzes von 1850 entwickelt haben, weil er die Gefahr der Konuption in fich schließt, weil er statt lebensfähige krüppelbaste Gemeinden bilden wird, und weil er, weit entfernt, daS Prinzip der K- Ionisation zu fördern, eS vielmehr zu gefährden geeignet ist. Außerdem behalten wir unS für die Frage der VerfaffungSmäßigkeft weitere Schritre vor.(Lebhafter wiederholter Beifall links; Zischen rechts.) Abz Wehr(ntlb.): Der Abg. Dirichlet hat den Kam» misfionSbericht und mit ihm die Majorität der Kommisfion überaus stark angegriffen. Ich glaube, e« ist doch parlamen- tarisch nicht unzulässtg, gegenüber einer so wichtigen Materie, welche eventuell auf Generationen hinaus Gesetz sein soll, die historische Entwicklung mit im Bericht aufzuführen. War er nicht in der Lage, Widerspruch in der Kam- Mission zu erbeben, so konnte eS ja einer seiner Freunde thun. Er hat aber in einer Art und Weise den Be« licht kritistrt, daß, wenn dies so fortginge, et doch recht unerquicklich wäre.(Oho! linkS.) Was den§ 1 betrifft, so ist mit den Herren, welche die Bedürfnißfrage Überhaupt ver» neinen, schwer zu diskutiren; denen genügen die Beweise nicht, fie verlangen weiteres Material; und wenn man eS ihnen dringen würde, würden fie nicht anders damit umspringen, als mit dem ihnen bis jetzt gebotenen. Die Regierung hat also vollkommen Recht, wenn fie sagt: genügt Ihnen da» Gebotene nicht, so nützt Ihnen daS Weitere auch nichts. Der Abg. von Rauchhaupt hat schlagend nachgewiesen, wie die Verhältnisse liegen, und wenn der Abg. Dirichlet getadelt hat, er verwechsele polnisch und katholisch, so gebe ich zu, für Westpreußen hat Herr Dirichlet recht; Herr v. Rauchhaupt hat aber nur sagen wollen: polnisch und katholisch decken fich zum größten Theil; und daS ist wahr! Im ganzen Regierungsbezirk Marien» werder werden Sie nur verschwindend wenige Gegenden an- treffen, wo fich deutsche Katholiken befinden; z. B. in Könitz. Ich glaube nicht, daß der Abg. Rickert an dieser Stelle den Standpunkt des Abg. Dirichlet theilt. Die Behauptung, daß daS deutsche Element zurückgedrängt werde, ist ernstlich gar nicht zu bestreiten. Herr v. Huene hat gesagt, daS System Flottwell habe keine Erfolge gehabt. ES be» stand aber auch nicht in Demjenigen, waS dieses Gesetz will; denn daS Flottwellsche System hat die Güter wieder in andere Hände übergehen lassen, daS gegenwärtige Gesetz will daS vermeiden: die Güter sollen zur Änstedelung benutz! und ein kräftiger Bauernstand geschaffen werden, damit die Bauerngemeinden den polnischen Bestrebungen auf die Dauer widerstehen können. Das ist daS System Friedrichs d«S Großen. Der Abg. Dirichlet thut, als ob wir gar leine Rentengütrr hätten. ES lann schon jetzt die Unveräußerlich- keit durch Vertrag bestimmt werden; der einzige Unterschied ist nur, daß das nach 30 Jahren aufhört. Ader die Einwände zer« fallen doch in flch selbst, da der Staat als solcher die Sache macht. Und gegenüder Zwangslagen vermögensrechtlicher Natur, wie bei Erdschaftsregulirungen, würde die StaalSregie- rung fich in ihr eigene« Fleisch schneiden, wenn fie nicht, auf den Vertrag zurückgehend, sagen wollte: Veräußert die Ge> schichte! DaS vorliegende Gesetz ist nach den früher unter Friedrich dem Großen gemachten Erfahrungen dazu ganz ge- eignet, dem Vaterlande diesen Nutzen zu bringen. Daher bitte ich Sie, dasselbe annehmen.(Lebhafter Beifall rechts, Wider» spruch link».) Adg, Kantak(Pole) bemängelt die Beweisführung deS Abg. v. Rauchhaupt, namentlich soweit dieselbe aus dem von ihm beigebiachten Zablenmatcricl fußt, und stellt demselben das vom ReichStagSabgeordneten C'gielSli mitgetheilte ent« gegen, daS zum Mindesten dieselbe Glaubwürdigkeit verdiene. Um deswillen bedürfe daS HauS authentischer amtlicher Nach» weise über daS Wachsthum der Deutschen und der Polen in Westpreußen und Posen. In den parlamentarischen Annalen sei eS unerhört, einen Gesetzentwurf, wie eS der Bericht thue, mit den Worten zu begründen:„eS ist notorisch, daß das Polenrhum versucht, daS Deutschthum zurückzudrängen", es entspreche dieS ganz dem parlamentarisch ebenso unerhörten Vorgange, daß ein HauS, wie«S durch Annahme deS Antrages Achendach geschehen, seine Rechte bezüglich der Prüfung und Abänderung einer noch ungekannten Vorlage nicht nur, son» dern daS werthvollste Reckt der Geldbewilligung preisgebe. In Wahrheit werde das Polenthum zurückgedrängt und solle jetzt ganz vernichtet werden. Dazu wage man es. der Regierung 100 Millionen Mark zu gewähren! Wie könne man dies gegenüder dem dauernden Hinausschrauben der Steuern rechtfertigen? Statt einer sachlichen Begründung erführen die Polen nur Spott und Hohn, wie ja Fürst Bismarck in seiner Rede bewiesen habe. Der katholische Geistliche solle nun durchaus an allem Schuld sein, er solle den polnischen Bauer aufreizen. Warum begnüge man fich denn nicht mtt der Verhinderung solcher Agitation? Warum lasse man denn nicht den polnischen Bauer zum An» kauf ebenso wie den deutschen zu? Hier sehe man so recht klar die Tendenz deS Gesetzes, die polnische Nationalität zu ver« Ickten. Biber der ausgeübte Druck werde das direkte Gegen» id«i, den festeren Zusammenschluß der Polen bewirken. Im « i ic,.?kapitulirt Redner die geschichtlichen Vorgänge der Jahre I84S und 1863, um den Vorwurf der revolutionären Tendenzen der preußischen Polen alS völlig ungegründet nach- zuweisen und ersucht schließlich um die Verwerfung des ganzen Gesetzes. Minister Dr. Lucius: Nackd-m beide Häuser des Landtags mit überwiegender Mehrheit die Nothwendigkeit politischer Maßnahmen zur Förderung des deutschen Elements in den öst» licken Provinzen anerkannt haben, liegt für die Etaatsregierung reo Jjjdicata vor, und eS ist daher auch nicht nothwendig, weiteres Material zur Begründung der Vorlage beizubringen.(Hört! hört! und aha! link«.) Wem die Ausführungen, die seit vahren bei Gelegenheit der Berathungen de« Etats der Unier- rtchtSvelwaltung, bei Gelegenheit der Berathung polnischer Pe- tutonen gemacht worden find, wem die Ausführungen der fünf» tagigen Berathungen über den Antrag Achenbach und die erste Lesung dieser Vorlage nicht das genügende Material gebracht haben, um sich von der Nothwendigkeit aktiver Maßnahmen zu überzeugen, den werden auch weitere Materialien nicht über» zeugen. Noch fast jede Vorlage der Regierung hat den Vor- wurf oberflächlicher oder ungenügender Begründung erfahren müssen, und so glaube ich mich auch bei dieser Vorlage mit Rückficht auf die Geschäftslage weiterer Bemühungen enthalten zu können. Die Anträge und Ausführungen deS Herrn von Huene find rein dilatmischer Natur, alle seine Argumente find schon eröttert. Ein Widerspruch zwischen den Motiven der Vorlage und meinen Ausführungen liegt in keiner Weise vor; eS ist auch kein Widerspruch, wenn in den Motiven die Flottwell'jcken Bestrebungen einmal als erfolgreich und an einer anderen Stelle als nicht erfolgreich bezeichnet werden. Die Flottwell'schen Bestrebungen find von Haus auS ganz anderer Natur als die hier vorliegenden. So lange fie ausgeführt wurden waren fie keineswegs ohne Erfolg, aber fie wurden zu kurze Zeit und mit ungenügenden Mitteln verfolgt. Ihre Ausführung deschräntt fich auf einen Zeitraum von 11 bis 12 Jahren, die Mittel beliefcn fich auf nicht ganz eine Million Thaler. Ferner wurden damals wesentlich größere polnische Besttzungen in Subhastationen erworben und die Bil- dung von Rittergütern zu 1000 und 1500 Morgen betrieben. Mit diesen Mitteln find einige 30 Güter und Herrschaften an» gekauft worden, und wäre in der Weise fortgefahren worden, so hätten fich ficher nach 30 oder 40 Jahren günstige Resultate erzielen lassen. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß der ein» fache Uebergang von polnischem Großgrundbesitz in deutsche Hände durchaus keinen großen Werth für die Germanifirung, keine Wirkung auf die gleichzeitige Verstärkung des germanischen Elemerts in den unteren Schichten gehabt hat. Hier ist Slag- nation, ja fast Rückgang eingetreten, wie die statistischen Erhe- bungenin der Schulverwaltung und beiden Aushebungen beweisen. Die Vorlage will den Ankauf von Grunddefitz wesentlich uno alleinig zum Zweck der Verstärkung des KleingrundbefltzeS, um in derselben Weise, wie zur Fridericlanischen Zeit, mit Erfolg deutsche Bauerndörfer und Kolonien anzulegen. In der ad» solutcn Zeit war die Anlegung solcher Kolonien relativ leichter und einfacher alS unter dem heutigen komplizirten V-rwal- tungSapparat mit seinem VerwaltungSstreitverfahren u. Vgl.; diese Schwierigkeiten werden anerkannt, find aber nicht un> überwindbar. Derartige Kolonisationen haben diS in diese« Jahrhundert hinein mit Erfolg gemacht werden können, wenn man gleich ganze Gemeinden mit selbstftändiger Existenz schuf. In den 20er Jahren ist die Henschaft Flatow, ein Areal von über 7 Quadratmeilen, vom hochseligen König für den Krön» fideikommiß angekauft und darauf die Kolonisation zugleich mit der Regelung der bäuerlichen Verhältnisse ausgeführt wor» den; die Hälfte dieses Befitzes, soweit fie nicht Waid war, wurde im Anschluß an vorhandene Gemeinden an Kolonisten gegeben, oder eS wurde mit der Bildung ganz neuer Dorf. und Ortschaften vorgegangen. Die damals neu ge- bildeten Gemeinden bestehen und prospertren noch heute. Diese Erfahrungen sollen jetzt»um Muster ge» nommen, und ihnen entsprechend wird operirt werden. Daß die mit der Ausführung deS Gesetze« verbundenen TranS« aktionen sehr viel Schwierigkeiten bieten werden, ist unzweifel- hast, daß die Integrität unseres Beamtenthums auf die schwer- sten Proben gestellt wird, ist sehr wohl möglich. Aber Ich habe zum preußischen Beamtenthum das feste Vertrauen, daß es diese Aufgabe mit derselben Treue und Ehrlichkeit wie hundert andere ebenso schwierige lösen wird. Bei der Eisenbahnver- staatlichung handelte eS fich um Milliarden; ist auch nur der Schatten eineS Makels auf den mit der Durchführung derselben betrauten Beamten haften geblieben? Die Transaktionen und namentlich die Ankäufe müssen die schärfste Prüfung vertragen können, denn Diejenigen, welche die Verhandlungen zu führen haben, werden allerdings Verdächtigungen aller Art ausgesetzt sein. Deshalb müssen auch alle diese Geschäfte sich in der offensten Weise abspielen, und auS diesem Grunde verlangt die Regierung auch nicht, daß die AuSfüh- rung deS Gesetzes lediglich einer Person, einem Minister oder einem verantwortlichen Kommissar übertragen wird, sondern fie schlägt selbst die Einsetzung einer Kommisfion ad hoc vor, die, natürlich unter verfassungsmäßiger Vertretung und Zuständigkeit de» Staatsminifterium«, alle in Betracht kommenden Fragen prüft und dementsprechend die Durchführung deS Gesetzes bearbeitet. Diese Ausgabe ist schwierig, aber nicht unlösbar, und die Regierung steh, in dem bisherigen Verlaufe der DiSkusfion in den Häusern de« Land» tages eine Bestätigung dafür, daß der Landlag daS Vertrauen hat, daß fie die ihr hrer gewährten großen Mittel nickt in un- richtiger und mißbräuchlicher, sondern in loyaler Weise zur Durchführung der gewolllen Zwecke benutzen wird. Ein vom Abg. Dirichlet mit dem Hinweis auf die Verhandlungen de« Reichstages und die Rücksichtnahme deS- selben aus daS Abgeordnetenhaus motivirter Vertagungsantrag wird gegen Zentrum, Freisinn und Polen abgelehnt. Adg. Dr. Sattler(nationallib.): Wenn wir Hunderte von Millionen für Kanäle ausgeben wollen und Milliarden für unsere Staatibahnen ausgegeben haben, dann find doch hundert Millionen nickt zu viel für diesen großen Zweck. (Lachen) Friedrich Wilhelm l hat 6 Millionen Thaler in 6 Jahren ausgegeben, um Littbauen zu kolonifiren, und wir sollten heutzutage nicht 100 Millionen für 20 Jahre ausgeben dürfen? Uebrr die Verwendung des Fonds find ja auch hin- rcichendeßGarantien geschaffen. Ueber den erfolgten A-kauf und Verkauf der Güter und deren Verwaltung ist dem Land- tage Rechnung zu legen und steht der Ober-Rechnungs- kammer die Kontrole zu. Ein Theil meiner Freunde Härte ja einer ratenweisen oder beschränkteren Bewilligung den Borzug gegeben. Die Festlegung einer größeren Summe sür 20 Jahre vermeidet aber die Nachtheile der jährlich wechselnden Preis- schwankungen, denen zu Folge die Forderunaen für Bauten und Lieferungen oft in einer unverhältnißmaßigen Höhe im Etat erscheinen. Die Etadlirung von Rentengütern, wie fie die Vorlage vorschlägt, vereinigt den Voitheil deS Eigenthums- erwerdS mit dem der Zeiipacht. Die EigenlhumSerwerbung würde zu viel Kapital erfordern, welches jüngere Bauernsöhne, die wohl vorwiegend in jene Gegenden einwandern würden, nicht aufbringen könnten. Die bloße Zeitpacht würde den nationalen Zweck dieser Vorlage wenig fördern. Die Einrich- tunz der Reatengüler schließt die Gefahr der Parzellirung auS und läßt die Auswahl tüchtiger Kräfte zu.(Lebhafter Beifall bei den Rationalliberalen.) Ein wiederholter Vertagungsantrag wird abgelehnt, dagegen ein Antrag auf Schluß der Dislusston angenommen. Persönlich bemerkt Adg. v. Ttedemann(Lomst): Der Abg. Kantak hat von Polenfreffern gesprochen, die als Stiere auf ein rothes Tuch losstürzen. Dabei hat er mich sehr scharf angesehen..(Groß- Heiterkeit.) Präfident v. K ö l l e r: Der Blick genügt nicht, daß Sie darauf bin eine persönliche Bemerkung machen können. (Heiterkeit.) Abg. Kantak: Ich habe ausdrücklich gesagt, ich spräche nicht von Anwesenden. Für einen Stier halte ich Herrn von Ttedemann nicht.(Große Heiterkeit.) Abg. v. Ttedemann: Und ich Herrn Kan'ak nicht für einen rothen Lappen.(Große Hetterkeit.) Abg. Kantak: Wenn ich einen Lappen hätte, würde ich ihm denselben vorhalten. Referent Abg. Hagens weist die Angriffe deS Abgeord- neten Dirichlet gegen den KommisfionSberichl zurück. Er habe den Bericht mit der größten Objektivität abgefaßt und fich keiner Auslassung schuldig gemacht. In namentlicher Abstimmung wird darauf mit 218 gegen 120 Stimmen der Antrag Huene abgelehnt. Die Mehrheit besteht aus den beiden konservativen Gruppen, den National« liberalen und dem Adg. Spielberg. Der§ 1 wird gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen, der Freisinnigen, der Abgg. Spielberg, LotichiuS, v. Meyer(ÄrnSwaldc) und Tannen angenommen. Um 4 Uhr wird die weitere Beralhung bis Freitag 11 Uhr oertagt. Außerdem steht die zwefte Lesung deS Gesetz- Entwurfs, betreffend die Fortbildungsschulen in Posen zur Berathung. *.* 53. Sitzung vom 31. März, 11 Uhr. (Wegen Raummangels verspätet.) Auf der Tagesordnung steht zunächst die Berathung des Antrages auf Annahme eineS Gesetzentwurfs zur Abänderung deS Gesetzes vom 25. Mai 1873 über die Einführung einer Klaffen- und llasstfizirten Einkommensteuer. Derselbe geht va» hin, in denjenigen Land und Stadtgemeinden, tn denen daS Bürger-, bezw. bcS Stimm- und Wahlrecht in Kommunal« angelegenhetten an die Bedingung eines jährlichen Klassen« stcuerbetrage» von 9 resp. 12 M. gelüvft ist, an die Stelle der genannten Sätze den Stufensatz von 6 M. treten zu lassen.— Abg. Fritzen(Zentrum) verwies bei Besprechung deS An« trageS darauf, daß durch die bestehende Gesetzgebung in vielen Gemeinden die kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden von dem Wahlrecht ausgeschlossen seien und die Gemeindeverwaltung fast ausschließlich in kapitalistischen Händen ruhe. Darin liege eine Unaerechtiakeit, die dringend der Abhilfe bedürfe.— Abg. Schreiber(kons.): Er wolle nicht die Hand dazu bieten, in die Rechte der Gemeinden einzugreifen, wozu nach Lage der Sache eine dringende Nothwendigkett nicht vorliege. Er und seine Freunde würden deshalb gegen den Antrag stimmen. — Abg. MoSler(Zentr., Mitantragstellcr) betont, daS Dreiklassenwahlsystem leide an dem Fehler, daß eS den Grund» besitz verhältnißmäßig begünstige. Nur auf dem Boden dieses System? könne jene Sumpfpflanze, das Kliquenwesen, fich auS« breiten.— Abg. Eeyfardt(Magdeburg, nat.- Ich.) hält eS für bedenklich, gegenwärltg einen Schritt zur Erweiterung des Wahlrechts zu thun. Der Antrag sei lediglich gestellt im politischen Interesse deS Zentrums.— Abg. Fuchs(Zentr.) Kitt dem entschieden entgegen. Wenn der Reichskanzler daS Dreiklaffenwahlsystem für daS elendeste aller Wahlsysteme bezeichnet habe, so sei er berechtigt, das mit einem ZensuS verbundene Dreiklaffenwahl- system alS daS allerelendeste zu bezeichnen. Zum Mindesten möge man den Antrag prüfen und den Versuch machen, die vorhandenen Mißstände zu beseitigen. Er(Fuchs) nehme für seine Partei dieselbe Reichstreue in Anspruch, wie der Vor« redner für die seinige. Es handele fich hier nur um die Be« settigung deS allerelendesten WahlrechrS, da« überhaupt existire. — Abgeordneter vonOertzen(freikons.) erklärte, daß seine Partei mit den Konservativen und den Na!ionallibe« ralen für Uebergang zur Tagesordnung stimmen würde. — Abgeordneter Zelle(deutschfteis.) befürwortete den Antrag, invem er darauf Hinweis, daß auch für die östlichen Pro- vinzen die Bestimmung, durch OrtSstatut den ZensuS zu er« höhen, extsttre, daß von derselben aber niemals Gebrauch ge» macht worden: zur Aufrechthaltung einer so exorbitanten Be- schränkung deS kommunalen WahirechtS liege auch kein? Roth- wendiglett vor. Abg. v. E y n e r n(nat..lib.) machte dem gegenüber geltend, daß man mit diesem Antrage nicht den kleinen Handwerkerkreisen, sondern ledig der fluttuirenden Ar« bliterbevölkerung zu Gute kommen würde. Die Diskuision wurde geschloffen und ein Antrag auf Ueberweisung de« Antrages Bachem an die Gemeindckom« Mission mit 122 gegen 119 Stimmen abgelehnt. Der An» trag kommt somit im Plenum zur zweiten Berathung. Es folgen Petitionen, die sämmtlich nach den Anträgen der Kommisfion ihre Erledigung fanden. Schluß der Sitzung 3 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr(AnfiedelungSzesetz). Kommunale». Stadtverordneten-Versammlnng. Sitzung vom Donnerstag, den 1. April. Der Stadtverordneten« Vo-steher, Herr Büchtemann eröffnet die Sivung um 5'/« Uhr mit geschäftlichen Mitthei« lungen Die Adtheilungen haben die Wahl von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, de« treffend den Anlauf von Terrain deS Grundstücks Friedrichsstraße 127 zur Verwendung für das Friedrichs. Gymnastum; von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Anlegung von 2 neuen Straßen zur Verbindung der Blumenstraße mit der Großen Frankfurter» straffe und mit der Schillingstraße und von 15 Mitgliedern für die gemischte Deputation zur Berathung der Frage, welche Stellung die Stadtgemeinde zu dem Projett der Spreereguli« rung einzunehmen hat— vollzogen. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden eine Anzahl NaturalisattonSgesuche geschäftsordnungsmäßig erledigt. DaS Projekt zur Einrichtung eineS Pavillons auf dem Arbeitihausgrundstücke tn Rummelsdurg zu einer Anstatt für verwahi loste Knaben wird genehmigt. Der Etat der Reuterstiftung wird en bloc angenommen. Festsetzung von Baufluchtlinien für die Ver» längerung der Chrrlottcnstraße von der Georgenstraße bis zum Weidendamm und Verkauf der Baullchkeiten der Grundstücke Dorotheenstraße 12 und Georgenstraße 32 zum Adruch. Die Vorlagt wird einem Ausschüsse von 16 Mitgliedern überwiesen. In den Ausschuß für die Wahlen von unbesoldeten Gemetndebeamten und in die Armendireltion wird der Stadtvero.dnete Tropfke: in die Brennmaterialien- Deputation und in daS Kuratorium des Friedrich- Wilhelm-HospitalS der Etadto. Dr. M i e ß n e r, und tn die Gewerbe-Deputation der Etadto. T o e r m e r gewählt. Auswahl der im Jahre 1886/87 neu- resp. umzu- pflasternden Straßen und Plätze. Zu den Anträgen deS Aus« schusseS stellen verschiedene Mitglieder der Versammlung Ab- änderungSanträge, die darauf hinauslaufen, besonders die innere Stadl bei der Neupflasterung zu bcrückstchtigen. Hierbei findet der Stadtv. Sa mm, daß bei einigen dieser Vorschläge ein persönliches Interesse der Antragsteller vorliege. Im Anschluß hieran bemerkt der Stadtv. Goercki: Mit lebhaftem Bedauern haben wir wahrgenommen, daß ein Unterschied»wischen den einzelnen Stadtgegenden gemacht wird. DaS Interesse der Stadt erfordert, in erster Linie die pflasterungSbedürftigsten S-raßen vorzunehmen. Bei den be- schränkten Mitteln der Stadt find wir ohne Erhöbung der Steuerlast nicht in der Lage, alle Wünsche der Herren HmrSdefitzer, die in unserer MUe fitzen, zu erfüllen. Die Worte des Stadtv. S a m m find sehr werthvoll. Wir werden unS auf ihn berufen, wenn wir behaupten, daß bei solchen Sachen persönliche Interessen vorhanden find. Möge man dort Pflasterungen vornehmen, wo fie nothwendig find. In der Hasenhaide z. B. find bei Tbauwcttcr die Straßen unpasfirbar, die Leichenzüge bleiben stecken. Dort muß geholfen werden! Die Anträge deS Ausschusses werden zum größten Therl unverändert angenommen. � m Zum stellvertretenden Mitglied« der Be« zirkS-Kommlsfion für die klasfifiztrte Einkommensteuer wird in gemeinschaftlicher Sitzung beider Gemeindebehörden der Stadtv. Baute gewählt. Revision deS OrtstatutS für di e Kanali« satton. Nach längerer DiSkusfion wird die Einsetzung einer gemischten Deputation sür diese Angelegenheit beschlossen. Städtische Elektrizitätswerke. Der Stadtv. M e y e r l hat den Antrag gestellt, den Magistrat ,u ersuten, den mit den städtischen Elektrizitätswelten abgeschlossenen Vertrag der Stadtverordneten Versammlung vorzulegen. Der An trag bezieht sich auf die nicht erfüllte Einhaltung der Bedingung seitens der Aktiengesellschaft, einen Thctl der Leipzigerstrahe dauemd mit elektrischem Lichte zu versehen. In seinem Ant- wortschreiden sucht Magistrat die Nichterfüllung dieser Be« dingung zu entschuldigen. Stadto. G ü r ck i: Der Magistrat entschuldigt das Vor- gehen der städtischm Elektrizitätswerke in einer Werse, die nicht im Einklang mit den Interessen der Stadt steht. Die Aktien- Gesellschaft hatte fich verpflichtet, bis zum 1. Oktober 1885 die elektrische Beleuchtung der Leipziger Straße vorzunehmen. Dieser Verpflichtung ist fie nicht nachgekommen. Hiergegen haben wir eine Konventionalstrafe festgesetzt und eS steht außer Frage, daß nach allen rechtlichen B- griffen fie dieselbe zahlen muß. Der Magistrat aber nimmt fie unter seine schützenden Fittiche und entschuldigt fie damit, daß ihr die nöthigen Ma- schinen gefehlt hätten. Sollen wir dafür sorgen, daß die Ak- tiengesellschast brauchbare Maschinen hat? Wir haben et vor- her gesagt, daß eine Privatgesellschaft nicht in der Lage ist, alle Bedingungen zu erfüllen. Wir halten unS an den Vertrag und fordern die Konventionalstrafe, schon um ein ab- schreckendes Beispiel den andern Unternehmern gegenüber auf- zustellen. Allen Versuchen des Magistrats, in dieser Beziehung daS öffentliche Rechtsbewußtsein zu verwirren, haben wir ener« gisch entgegenzutreten. Stadtkämmerer Runge: Herr Görcki scheint den Ver- trag richtiger verstehen zu wollen, als die Juristen des Ma- gistratS. Nach der Ueberzeugung der Syndizi würde kein Gericht die Gesellschaft zur Zahlung der Konventionalstrafe verurtheilen. Siadtv. Meyer l wünscht die Vorlegung des Vertrages, um zu sehen, od der Magistrat die Rechte der Stadt der ElemizitätS Gesellschaft gegenüber gewahrt, oder fie ihr mit gebundenen Händen überlicsert habe. Es scheine so, als habe eS die Gesellschaft in der Hand, od und wann und wie fie liefern wolle. Wäre dieS der Fall, so hätte der Magistrat den ausgesprochenen Willen der Versammlung verletzt. Nach einer kurzen Erwiderung deS EtadtkämmererS Runge wird der An« trag Meyer I mit großer Majorität angenommen. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung entbehren deS öffentlichen Interesses. Schluß 9 Uhr. ES folgt eine nicht öffenttiche Sitzung. Uereine«nd Versammlungen- Kr. In der Versammlung der„Freien Vereinigung der Vergoldeist', die am Dienstag bei Gratweil stattfand, sprach Herr Krohm über„Zweck und Ziele der Fachvereine". Das seit dem vorigen Jahrhundert in Folge der Einführung deS Maschinenbetriebes eingettetene soziale Elend illustrirte er durch die von Fabritinspettoren verbürgte Thatsache, daß eS Distrikte in Deutschland giebt, in denen eine 5 Mitglieder zählende Arbeiter-Familie mit ihrer Arbeit von früh bis spät nicht mehr als 1 Mark verdient. Nachdem er dann darlegt, daß die Schulze-Delitzsch'schen Genoffcnschasten, die Ackermann- schen Vorschläge, die Hirsch-Duncker'schen Gewerkverelne, dai Krankenkaffen- und Unfallverficherung». Gesetz und das in AuS- ficht gestellte AltervcrsorgungS. Gesetz nicht geeignet find, daS soziale Elend der arbeitenden Bevölkerung aus der Well zu schaffen, begründete er die Forderung der Aibeiterpartei, daß der Staat die Nlchtdefitzcnden durch eine geeignete Gesetz- gebung gegen die Uebermacht der vefitzenden schütze. Redner führte dann au», daß die Arbeiter, da ihnen die mit Recht ge- forderte EtaatShilfe noch nicht gebracht werde, so viel wie möglich in den Fachvereinen zusammentreten müssen, um mit vereinten Kräften ihr Recht zu wahren. sJn Bezug darauf, daß auch dem Verein der Vergolder feiten» des Polizei- Prästdium» die Aufforderung zugegangen ist. die Paragraphen seines Statuts, durch welche den Mitgliedern ein Recht auf Unterstützungen au« der VereinSkaffe zuerkannt wird, abzu- ändern oder zu beseitigen, sprach er fich dahin au», daß die materielle Unterstützung der Mitglieder durch Anschluß an selbstständige freie HilfSIassen errUcht werden könne.— Herr Böhl, der zur DiSkusfion da» Wort nahm, knüpfte an die MiUheilung, daß in einer hiefigen großen Fabrik die Arbeits- zeit von 10 Stunden auf 11 Stunden verlängert werden soll, die Bemerkung, daß der Fachverein die Aufgabe habe, den Arbeitern in solchen Fabriken durch Gewährung von Unter- stützungen die Nieverlegung der Arbeit möglich zu machen.— Dem Kasfirer wurde in Bezug auf die Unter stützung»kaffe Decharge ertheilt, in Bezug auf die VereinSkaffe aber wegen eineS kleinen Mankoö beschlossen, eine nochmalige Prüfung eintteten zu lassen.— Darauf wuroe beschloffen, 4 Neben- kasfirer zu wählen. Für den Osten wurde Böhl ge�hlt. für den Norden Ramlow. für den Südosten Keu-, die Wahl für den Südwesten wurde vertagt.— In Bezug auf Vorkommnisse in den Fabriken, die den Arbeitern zu gerechten Beschwerden Anlaß geben, wurde der Vorstand beaustragt, solche Vorkomm. nisse nach sorgfalliaer Prüfung in die Oeffenttichkeit zu bringen,— Einem Gesuch der Lohnkommisston der Tapezirer um Unterstützung für die streikenden Tapezirer wurde in der Weise Folge gegeben, sdaß der Kasfirer angewiesen wurde, auf Konto deS Ertrags der ,u diesem Zwecke event. eingehenden freiwilligen Bettragt 16 Mark sofort der Lohnkommisfion der Tapezirer zugehen zu lassen._ Kr. Im Fachverei« der Schneider(bei Gratweil) hielt am Montag Herr Lirfländer über„Produstion und Konsum- Hon" einen Vortrag. Der Vortragende beginn mit einer Schilderung de» Mißverhältnisses, in welchem zu den kolossalen Vorräthen von Gebrauchsgegenständen, die infolge der fortge- fchrittenen Technik hiutzutage produzirt werden, die zuneb- mmde Zahl von solchen Mitgliedern der Gesellschaft steht, die infolge ihrer Armuth nicht im Stande find, von den vorhandc- nen Gebrauchsgegenständen daS, was fie sehr gut brauchen könnten, zu laufen. Er wie» dann nach, daß diese» Mißver- bältniß sich fort und fort steigern müsse, so lange die heutige Produktionsweise unverändert aufrecht erhalten werde, daß das Streben der Pioduzenten, die Gebrauchsgegenstände möglichst billig herzustellen, die Herabsetzung der Löhne, die Vcrminve- rung der Kaufkraft der die Mehrheit de» Volks bildenden ar- bettenden Klaffen, mithin zuletzt doch in Stelle der anfänglichen Steigerung der Konsumtion eine wettere Verminderung der Konstlmtion zur Folge haben und daß mit dem zunehmenden Elend de» Volke» die Gtsammttuttur des Volkes stnken müsse. Wer den Fortschritt der Kultur wolle, dürfe dm Ardettem, die fich in Vereinen zusammenschließen, um eine Besserung ihrer wirthschaftlichen Lage berbetzuführen, nicht den Vorwurs machen, daß fie die Unzufriedenheit schürm. Mtt dem Hinweise auf oen Verband der Buchdrucker, welcher zeige, daß ein gut organifirter Verein von Gewerdegenoffm auch unter den heutigen Verhältnissm immer noch Bedeutendes für daS Wohl feiner Miigüever zu leisten vermöge, schloß der Vortragende seinen Vortrag. Auf eine kurze DiSkusfion, in welcher die Redner ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Vortragenden aussprachen, folgte die Besprechung der Frage:„Wre soll in Zukunft die Fachschule behandelt werden?" tzr.r Täterow theilte mit, daß der letzte Kursus für Unterricht im Zu chneiden, weil die Zahl der Schüler fich bis auf zwei vermindert hatte, ein vorzeitiges Ende gehabt. Et frage fich nun, ob und wann wieder ein Kursus eröffnet wrrden solle, und wie eine stärkere Betheiligung erzielt werden könnte. DaS Ergebniß der Diskusfivn war die Annahme des Antrages, daß der Unterricht nicht mehr in der Wohnung des Lehrers ertheilt werde, und der Beschluß, daß in nächster Zeit eine Versamm- lung abgehalten werden soll, in welcher zwei Lehrer der Zu- kchnetdetunst Vorträge über Methoden des Zuschneidens halten werdm. Weiter kam man dahin überein, daß ein neuer Kursus erst eröffnet werden soll, wenn eine genügende Anzahl von Schülern fich gemeldet haben wird. Ein Gesuch der Lohn- kommisfion der Tapezirer wurde in der Weise erledigt, daß zum Besten der streikendm Tapezirer Sammellisten verthettt wurdm und der Vorstand beauftragt wurde, eine Aufforderung an die Kollegen ergehm zu lassen, durch Beiträge die streiten- den Tapezirer unterstützen zu wollm. Eine öffentliche Schuhmacherversammlung tagte am Montag Abend in„SanSsouri". Auf der Tagesordnung stand: „Der Befähigungsnachweis." Der Vorfitzmve, Herr Papke, thettte mit, daß die Herren Abgeordneten Ackermann, Biehl und Ludwig Löwe, ferner Herr Obermeister Beutel und der Vorfitzende deS deutschen Schuhmacher- Jnnungsbundes, Herr Schumann, zur Versammlung brieflich eingeladen waren. Nur Herr Beutel erschien im Laufe der Versammlung. Herr Löwe hatte sein Ausbleiben entschuldigt, die andern Herren garnicht geantwortet. Der Referent, Herr Schuhmachermeister Metzncr, legte klar, daß da» Handwerk in der Gegenwart so gedrückt wäre, daß der Kleinhandwerker wie der Lohnarbeiter nicht mehr im Stande wären, ihre Existenz zu fristen. Die frühere Zunft und auch die sogenannte„gute alle Zeit" besprechend, führte Redner an, daß die Innungen bemüht seien, diese veratteten Zustände wieder hervorzuzaubern, was ihnen aber doch nicht gelingen würde. Da die heutige kapitalistische Produktions- weise den kleinen Handwerker immer mehr und mehr verdrängt, so sehen fich die Konservativen im Reichstage veranlaßt, An- träge zu stellen zur Wiedereinführung des BefähigunaSnach- weise» und meinen, daß damit dem Großkapital der Boden entrissen und der Massenproduktion und Konkurrenz ein Ende Semacht werde. ES handelt fich hierbei um Schaffung eines iwanges dem frei entwickelten Arbeiterstande gegenüber, sowie um Schaffung von Privilegien der sogenannten Meister zum Schaden der Ardeiter. Redner bedauerte, daß sder Arbeiter- schutzgesetzentwurf von der Majorität so„kühl" behandelt wird, Unter diesen Umständen sei eS Pflicht der Arbeiter, in allen Gauen des Deutschen Reiche», fich zu vereinigen, um eine Besserung ihrer gedrückten Lage Herbeizuführen.(Lebhafter Beifall!) Im Sinne de» Rcrerentcn sprachen noch mehrere Redner. Darauf erhielt Herr Obermeister Beutel da» Wort. Derselbe führte auS, daß die Innung bestrebt sei, das Kapital zu bekämpfen und zwar durch andere Mittel, als die Arbeiter, so z. B. durch ein Konkursgesetz, Aenderung deS EubmisstvnS- wesens, Aufhebung der Zuchthausarbeit und ferner Beschrän- kung des Maschinenwesens durch Besteuerung der Maschinen. AlSdann theilte Redner seine Anfichten über die Parteien im Reichstage mit, und meint», daß die Fortschrittspartei der Todtengräber deS Handwerks sei, während die Nationalliberalen achselzuckend am Handwerk vorübergehen, die Sozialdemo« kraten so viel wie gar nichts thun können, wäh- rrnd die Konservativen mit allen Mitteln die heuttgen Mißstände beseitigen wollen. Er bedauert, daß noch so wenig Handwerker der konservativen Partei angehören. Ein Herr Franzeskt sprach fich im Sinne deS Vorredners auS und detonte, daß die Regierung für den Handwerker daS Beste will. Herr Metzner kritistrte in seinem Schlußwort die Ausführungen de» Herrn Beutel und betonte, daß Herr Beutel die Beweise für die Richtigkeit seiner Behauptungen schuldig geblieben ist. ES sei Pflicht jedeS einzelnen, mit aller Kraft und Energie für die Wahl wirklicher Volksvertreter im Parlament einzutreten; solche Vertreter, die dem werkthätigen Volke entsprossen find, nur solche könnten segenbringend für daS Gemeinwohl wirken. Wenn alle Arbeiter in diesem Sinne handeln, dann würde bald ein besseres Zettalter anbrechen.(Allseitiger Beifall.) Folgend« Resolution wurde hierauf«instimmig angenommen: „Die heutige, in Sanssouci tagende Schuhmacher Versammlung ist mit dm Aussührungm deS Herrn Metzner voll und ganz einverstanden und erklärt, daß die Innung weder durch dm Befähigungsnachweis, noch durch sonstige auf ihrem Programm stehende Forderungen im Stande ist, daS Handwerk zu heben, daß vielmehr nur eine Betheiligung der Arbeiter an der Gesetz» gedung und eine geschlossene Fachorganisation, wie z. B. ver„UnterstützungSverein deutscher Schuhmacher", im Stande ist, die Lage der Arbeiterschast zu verbessern. Die Versammlung spricht ihr Bedauern darüber auS, daß die Herren Antragsteller Äckermann und Genoffm ihre Anträge nicht vor öffentlicher Versammlung vertretm. Ferner erklart die von 1500 Schuhmachern besuchte Versammlung fich mit dem von den Adgeord- netm der Arbeiterpartei ringebrachlen Ardeiterschutz Gesetzentwurf einverstanden und deschließt, so lange auf den darin gestellten Forderungen zu bestehen, bis selbige durchgesetzt find." Schluß der Möbelpottrer hielt am 29. v. MtS. eine außermdentliche Mitgliederversammlung bei Ackermann, Linienstr. 44, ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Welche Lehre ziehen wir, speziell die Kollegen des Nordens aui dem Streik der Möbelpolirer in der Pfaff'schm Möbel- fabrik? nahm der Vorfitzende daS Wort und legte klar, daß die Kollegen genannter Fabrik, 23 an der Zahl, die Arbeit dort niedergelegt haben, weil 13 Kollegen sollten gemaßregelt wer- den, welche fich geweigert haben, Sonntag» und nach Feier« abend zu arbeiten. Redner legte den Kollegm des Norden» anS Herz, die Gemaßregelten zu unterstützen und fich dem Ver- band als Mitglieder anzuschließen. Die Kollegen Voigt, Gräber und Borkmann schlossm fich dem Vorredner vollstän- dig an. Eine dahingehende Resolution wurde einsttmmig an- genommen. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung:„Die Augenentzündung bei den Polirern", kamen wieder viele Fälle zur Sprache, wo Kollegen bei Verarbettung von denaturirtem Spiritus von dieser schmerzhaften Krankheit befallen wurden. Es wurde beschlossen, jetzt jeden derartigen Fall beim Reichs- gesundheitSamt zur Anzeige zu bringen. Bei„Verschiedene»" wurde bekannt gemacht, daß am 5. April Grüner Weg 15 die erste General-Versammlung deS Verbandes stattfindet und daß am Sonnabend, den 3. April, in der„Urania", Wrangel- straße 9—10, eine WohlthStigkeitS.Sotrie veranstaltet wird, wozu Billets» 30 Pf. bei den Herren Weber, Prenzlauer- straße 56, Steffen, Wrangelstr. 138 im Lokal, sowie in den Zahlstellen der Krankenkasse der Möbelpolirer bei den Herren Wirfing, AnvreaSstr. 44, Moritz. Manteuffelstr. 2c und Enke, Zednickerstr. 2, zu haben find. Kleine Mittheilungen. Altona. 31. März.(Selbstmord.) Ein hier in der Heinrichstraße wohnhafter Arbeiter, der in der Adficht, seine Verwandten in Quickborn auf einige Tage zu besuchen, seine Familie am Sonntag verlassen hatte, machte daselbst seinem Leben durch Ertränken«in Ende. Nahrungisorgen sollen die Ursache der verzweifelten That sein. Weitmar bei Bochum, 29. März.(Grubenunglück.) Hier fand vorgestern auf Zeche„Karl Friedrich" während der Morgen- schicht in der Grube eine heftige Explofion schlagender Wetter statt. Ein Steiger und vier Bergleute trugen sehr stark« Brandwunden davon. Hamburg, 31. März.(Verunglücktes Dienstmädchen.) Heute Morgen war daS Dienstmädchen Anna Margaretha Haß in der 1. Etage deS Hause» Burggarten Nr. 9 mit Fensterklären beschäftigt und bediente fich dabei eines söge« nannten Trittbockes, den fie auf die Fenstertank gestellt hatte. Mit diesem stürzte da» Mädchen plötzlich auS dem Fenster in den Hof hinab und brach dabei nicht nur den rechten Arm, fondem zog fich auch noch erhebliche Verletzungen am Kopfe zu. Die Verunglückte wurde von einem Arzte verbunden und in daS Allgem. Krankenhau» gebracht. Pest. 31. Januar.(Der Wasserstand der Donau.) Die Donau ist seit gestern in rapidem Steigen begiiffen; die Kellerräume der meisten Häuser an beiden Ufem find unter Waffer gesetzt. Die» gilt namentlich von den tief gelegene Ofcner Häusern, ebenso von den Kellerlokalttätm der EliscbeiKinf. und deS Barmherzigenkloster». Oberhalb der Margarethe» Insel auf der Pester Sette erstreckt fich der Strom bi» hu an die Straße, wo fich dir Getreide« und Waarenhallen te finden. Die Insel selbst ist an einigen Stellen der ober« Jnselsvttze inundirt. In Altofrn find die tief gelegenen Stell« der Wrrftinsel und die Kellerräume der doUigen Fadri! Etablissements überschwemmt. Wie», 51. März.(Schreckliche» Familiendrama.) Di Mühlschüttel in FloridSdorf war gestern der Schauplatz eine Ereignisses, welches ein Bild gräßl chen sozialen Elendes enl hüllt. In einem der kleinen, ärmlichen HäuSchen, welche D rechts von FloridSdorf hin erstreckm und in denen Nolh uit Elend ihr Quartier aufgeschlagen haben, wohnte der Tag« löhner Franz Glaser mit seiner Gattin Anna und seine» IV.jährigen Kinde, ein Mädchen NamenS Magdalena. Di Familie war daS bitterste LooS beschieden; Glaser wurde fa! täglich von epileptischen Krämpfen heimgesucht und konw daher nur zettweise Arbeit annehmen I seine Frau wl> aleichfallS leidend und unfähig, etwas zu verdienen. Keb Wunder, daß unter solchen Umständen ihr einziges Km elend verkümmerte und feit acht Monatm dahinstechti In der Nachbarschaft erwartete man immer, daß dies« traurige Leben da» traurigste Ende finden werde— uii gestern fanden fich diese düsteren Befürchtungen auf graue« volle Weise erfüllt. Um halb 6 Uhr Morgens nämlich ve> brettete fich die Nachricht, daß in der Glaser'schen„Wohnung am Mühlschüttel Nr. 108— einer elenden Kammer, die kau» den Namen Wohnung verdiente— ein großes Unglück pasfii sei. Man fand Franz Glaser und sein Töchterchcn Magd» lena, beide im Bette liegend, als Leichen auf. Vater urf Tochter lagen mit dem Gesichte dem Strohsacke zugekehrt. Jt einem zweiten Bette lag Frau Glaser, noch nicht todt, ade bewußtlos. Frau Schubert,«ine Nachbarin der Glaser'sche« die diese furchtbare Entdeckung gemacht hatte, fand» mit größter Beschleunigung um den Polizei- Arj von FloridSdorf und dieser hatte wenigstens dfl Erfolg, daß er Frau Glaser bald wieder zur voll ständigen Besinnung zurückbrachte: mehr war nicht zu erreiche« Franz Glaser und die kleine Magdalena waren schon lan» zuvor gestorben. Die nun eingeleitete polizeiliche Untersuchun! brachte, wie daS„N. W. Tgdl." berichtet, bisher noch nicht dt wünschenSwerthe Klarheit über den Hergang diese» düstere» FamiliendramaS. Frau Glaser weigerte fich hartnäckig, darüb« Auskunft zu ertheilen. Die beiden Leichname zeigen keinerlc Spuren irgend einer äußerlichen Verletzung. Eine Kohlenoxyv gaSvergiftung liegt nicht vor, denn seit vorgestem Mittags w» der Zimmerhcerd nicht geheizt. Im Zimmer fand fich zur Zei der kommisfionellen Untersuchung nur eine brennende Petroleum lampe vor, die allerdings einen fast unerträglichen Qual« verbreitete: allein eS scheint unmöglich, daß durch diese» Qualm Tod und Betäubung verursacht wurde. Man brach»» beide Leichen auf den OctSfriedhof von Neu« Leopoldau, uX deren gerichtliche Obduktton vorgenommen werden wird. Fro> Schubert deponirte, daß fie den Tagelöhner Glaser in ve gestrigen Nacht ungefähr um 2 Uhr schreien hörte. Sie war de Meinung, daß er einen epileptischen Anfall habe und kümmert fich deshalb nicht weiter um da» Geschrei. Mtt Rücksicht a« diese Aussage und weil daS hartnäckige Schweigen der vot Tode geretteten Frau Glaser über die Ursachen deS Ereignisse höchst auffallend erscheinen muß, verhängte der amtirende Ko» missär über Frau Glaser die Untersuchungshaft und veranlaß« ihre Einlieferung an da» Korneuburger Kreisgericht, wosett! sie im Jnquisttenfpital untergebracht wurde. Noch ein WoX über daS Elend, welches bei der unglücklichen Familie g» herrscht. Vorgestern den ganzen Tag hatte fie nichts genösse« Abends brachte ihnen eine mitleidige Nachbarin vor de« Schlafengehen ein Brod um zehn Kreuzer; die Geberin, feldi mittellos, hatte e» auf Krrdtt genommen, weil fie der Jamm« der hungernden Familie erbarmte. Bei der Durchsuchung V Wohnung fand fich nicht da» geringste Werthbare vor; n« auf dem Tische lag— ein Kreuzer— da» ganze Vermögt der unglücklichen Familie. Kiterarische». Von der„Neuen Zeit". Stuttgart. Verlag von I. H. A Dietz, ist soeben das vierte Heft des 4. Jahrgang» e schienen. Inhalt: Abhandlungen: Ludwig Feuerdach und tx Aufgang der klasstschen deutschen Philosophie. I. Ii. V« FriedrichEngels..-„Das Elend der Philosophie" u« „DaS Kapital". III. Von Karl KautSky.- Flori« Geyer. Leben», und Eharakterdild au« dem großen Bauer« krieg. III. Von Wilhelm BloS.— Gottfried Keller. V« I. Za de k.— Literarische Rundschau: Robert Seidel. M Arbeitsunterricht. Von Heinrich Braun.— Eduard „Schlaglichter zur Volksbildung." Von A. B.— Nottze« Ein englischer Fabrikinspektor.- Die Lage der Tadakkulturi» Deutschland.— Di« Landes(Heiden). Kriestasten der Redaktio«. G. A. Die Forderung für«inen im Jahre 1875 geliefert» Paletot ist verjährt, und Sie brauchen den Preis nicht mel zu bezahlen, btt auf K Marl, welche Sie in dem Schreibe»« Kläger ausdrücklich anerkannt haben. Gehen Sie daher vünt lich zum Termin auf da» Gericht,«rkennen Sie Ihre Schul in Höhe von 6 Mark an, erheben Sie wegen des Restes d< Einwand der Verjährung und protestiren Sie gegen Ihre V» urtheilung zur Tragung von Prozeßkosten. Einen RzchtS-u walt brauchen Sie dazu nicht. Die Bewilligung von Rate' Zahlungen können Sie nicht verlangen. Ztegeieiarbeiter R. S. Da» KrankenoerstcherungSgeß enthält keine Bestimmung, daß den verficherten Arbeitern E« schävigung für die Beerdigungskosten eine? todtaebores' KindeS nrcht gewährt werden dürfe. Da» genannte Gesetz% Handell überhaupt nur den Fall, daß ein verstcherter Arbei» krank wird und dadurch Schaden leidet. Warten Sie dafr ab, ob der Beschluß der Generaloersammlung vom Dezemb 1885. wonach solche Beerdigungskosten ersetzt werden soll« von der Regierung genehmigt wird. Eine gute Ausgabe V KrankenverfichcrungszesetzeS ist bei I. Kintnttag erschiene Sie erhalten dieselbe sür höchstens 1,20 Mark in jeder But Handlung. Zwei Wettende. Nach dem französtschen Recht, welch in der Rheinprovtnz in Geltung ist, desteht der Grunds»! 1& recherclie de la patemitö est interdite* d. h. wenn Jnna» seine Vaterschaft an einem unehelichen Kinde nicht freiwtll in einer öffentlichen Urkunde anerkennt, so darf eine Unt< suchung darüber nicht stattfinden. Liegt also ein solche» An« kenntniß nicht vor, so brauchen Alimente nicht gezahlt I werdm. Alter Abonnent Pik. 7. Ihre Anfrage kann ohne näh' thatsächliche Ausklärung nicht beantwortet werden. Wen* Sic sich persönlich an die Redaktion. C. S. Es giebt keine gesetzliche Vorschrift, wonach# Ablauf der Miethszeit eine Wöchnerin noch länger in der ti herigen Wohnung verbleiben kann; die Wohnung muß v« mehr pünktlich geräumt werden. L. C. Da Sie sächstscher Bürger geworden find, könjp Sie preußischer Unterthan nicht schon durch den bloßen Wo? fitz hier werden, vielmehr bedarf es dazu der ausdrücklich Aufnahmt. Ihr an den Minister de« Innern zu richten*' Antrag auf Aufnahme kann nur aus bestimmten gesetzlick Gründen abgelehnt werden. Gleichzeitig kann Niemand Un� than mehrerer Bundesstaaten sein. Lerantworttich« St'davem«. Im»«lüt ärsisi und Verlag von Was is»»tun SV«, v-uth-traß» L.