ZK. 8JL Dienstag, de« 6. April 188«. m. Jahrg. clImerVÄlisbkIl Drgim für die Interessen der Arbeiter. 4 Wir haben durch Mitteilung der Höhe der Dividende», welch« zahlreiche industrielle Unternehme» ergeben habe«, unsern Lesern schon mehrfach Telege»heit gegebe», die Beob« achtung zu machen, daß trotz der wirthschastlichm Krifii der Kapitalgewin« in Form von Dividenden ei« recht erheb« licher auch in den letzte« Jahren gewesm ist. Diese Dwidenden, dieser Kapitalprofit konnte fich ledig« lich auf einer gewissen Höhe erhalte« nur dadurch, daß der Arbeitslohn immer mehr herab« gedrückt wurde. Die verschiedensten Handelsberichte, die Berichte der Fabrikinspektoren geben für diese Behaup- tung die besten Anhaltspunkte. Ueberall da, wo die Te- sammtlohnhöhe i» einer Fabrik nicht unter diejenige der Vorjahre gesunken ist, geht aus der Tesammtstundenzahl her« vor, daß diese erheblich gestiegen ist. wie man dies besonders aus den Berichte», die über die rheinisch-westfälische Eisenindustrie vorliegen, ersehen kann. Uebrigen» habe« wir im Laufe der Zeit in unserer Rubrik:„Soziales und Arbeiterbewegung' diese Behauptung durch zahlreiche authentische Mittheilunge« erhärtet. Gegen« wältig stehe» die Arbeiterverhältnisse Belgiens im Vor» dergrunde der Betrachtungen und schon mehrmals ist auch von uns besonders hervorgehoben worden, daß die Aus« beutung der Arbeitskraft durch de« Kapitalismus, daß die Dwidendeumacherer gerade dort eine« gemeingefährlichen Charakter angenommen habe. Die Großindustrie hat in Belgien besonders in den letzte« zeh« Jahre« ei» planmäßiges System der Lohnher« absetzuag befolgt. „Die Löh«« werde« gegenwärtig', so sagt wörtlich die lß unverfängliche Müachener„Allgemeine Zeitung',„in elgien so tief herabgedrückt, daß der Arbeiter b u ch st äb« lich verHunger« oder im Falle der geringste» Störung in seiner Arbeitskraft der Armenpflege anHeim« fallm muß." Da« genannte Blatt meint«uv, daß die allgemein herrschende Geschäft»« und HandelSkrrsi» Schuld an diesen Zustände« trage,.aber die Großindustrie vermag de« Vor- wurf nicht vo» sich abzuwehren, daß sie a ueit Entlassungen vorgekommen, welche eine Maßregelung nur zu deutlich durchblicken lassen; wir stehen denselben sehr kühl gegenüber und halten eS nur für unsere Pflicht, Euch die Situation, wie ste augenblicklich hier liegt, vor Augen zu führen. ES ist also unbedingt nöthig, daß die aus wattigen Kollegen, welche nach Berlin kommen sollten, um Hierselbst Arbeit zu nehmen, unverzüglich unser ArbeitSnachweise'Burcau auffuchen. Daselbst wird jede diesbezügliche Auskunft unent- aeltlich ertheilt. Der Arbeitsnachweis ist jetzt bei Hermann Bormann, Lanaestr. 62, Hof part. links. Wir hoffen, daß Ihr diese wenigen Zeilen deherzigen werdet.— Mit kollegialtsckiem Gruß! Die Lohnkommisston der Töpfer Berlins und Um« gegend._ Kriefkaste« der Kedakttom N. 999. Ihre Frage, ob daS den Arbeitern kür Zuspät- kommen von dem Lohn abgezogene Geld nach Auflösung d«S Arbeitsverhältnisses zurückverlangt werden kann, läßt fich in dieser Allgemeinheit weder mit ja noch mit nein beantworten. Wenn Sie stck bei Eingehung deS ArbeitSoerhältniffes oder während der Dauer deffeldcn einem solchen Abzüge wegen Zu« spätkommenS freiwillig unterwerfen, oder wenn Sie über den vollen Ihnen zustehenden Lohn ohne Vorbehalt quittirt haben, so können Sie nachträglich nichts mehr verlangen. Wenn aber keiner dieser Fälle vorlag, vielmehr der Arbeitgeber den Lohn- adzug eigenmächttg verfügt hat, so können Sie den Ihnen ein« behaltenen Lohnbelraa einklagen. Darauf, daß der Ardeitgeber die Strafgelder zur Veranstaltung einer Landpattie verwendet, wt. er die« bisher gethan, haben Sie keineswegs einen klagbaren Anspruch. Theater. Dienstag, den 6. April. vsternhanS. Der Maurer. Oper in 3 Aktm. Mufik von Auber. Zum Schluß: Wiener Walzer. Schauspielhaus. Tilli. Lustspiel in 4 Alten von Francis Stahl. Deutsche« Theater. Der Probepfetl. Wallner-Theater. Hasemann's Töchter. Restbenz- Theater. Frau Doctor, Schwank in 8 Akten von P. Kertter u. H. Bocage. Belle-Alltanee-Theater. Gastspiel de« Herrn Felix Schweighofer: Sein Spezi. Friedrich« Wilhelmstädtisches Theater. Der Zigeunerbaron, von Joh. Strauß. Walhalla- Theater. Das lachende Berlin. Heitere! auS der Berliner Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Ostend-Theater. Die Loreley, romantische« Schauspiel in 5 Aufzügen. Umertea«- Theater. Große Spezialitäten« Vorstellung. Theater der ReichShallen. Große Speziali« iäten-Vorstellung.____ Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15.[1200 Die Räuberherberge im Walde. Groß« Märchen«Posse mit Gesang in 4 Asten von Friedttch Hopp. Vor der Vorstellung: Cr. Konzert der Hlmskapelle. Anfang d«S KonzettS Wochentag» 7 Uhr. der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang d«S KonzettS Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7V» Um. W«z haben Wochentags Giftigkeit und find i« »tzMerbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. nfffwr Pastage 1 Tr. 8 M.- 10%. «atser-Panorama. Zum erste« Male: u. Altheilung: DaS malerische Eavoye«. I. CucluS vom Schott. Hochland. Hertha- «etfe.» Reise 20 Pf. Kinder 10 Pf. Nach 2'/»jähliger glücklicher Eh« verschied heute früh 9 Uhr nach langen, schweren Leiden mein innigstqeliebter Mann und unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn und Schwager, PanlKeistmitz, im noch nicht vollendeten 34. Lebensjahre. DteS zeigt allen Freunden und Bekannten statt besonderer Nachricht an die tief« trauernde Wittwe Hedwig Retsewttz, geb. Kiel« bürg, nebst Kindern. Moabit, den 4. Apttl 1886. Die Beerdigung findet statt Mittwoch, dm 7. Apttl, Nachmittags 4 Uhr, von der Letchmhalle de! St. JohanneS-KtrchhofeS auS zu Plötzmsee. Orts Krau Ken Kasse der Schlosser und Serufsgeuossm. Die Stelle des zweiten Kasstrers soll ander« wettig besetzt werden. Hierauf reflevirende Kaffenmitglreder, welche kautionssäbig und mit der Feder bewandett find, haben selbstgeschriebme M-lvungen bis zum 8. April d. I. im Kaffm- Lokal, Neue Friedttchstr. 17, einzureichen. 1264] Strenge, Vorfitzender. ifmto juv Vertretung der Inter essen jder Arbeiterinnen.(1272 B i l l e t S zu dem am Sonnabend, dm 10, Apttl, in Keller'« Lokal. AndreaSstraße 21. stattfindenden Kttttnng-f-st zum Preise für Herrm 50 Pf., für Damen 25 Pf. find bei folgm« den Vereinsmitgliedern zu haben: Frau S t ä g e« mann, Barnimstr. 20: Frau G u d e l a /Frank» futter-Allee 109; Frau Steindorff, Mattenstraße 14: Frau Kreutz, Skaltyerstr. 28. Um zahlr. Besuch bittet DaS VergnügungSkomitee. General-Verfammlung deS Verbandes deutscher Ztmmerleute (Lokalverband Berlin Süd u. Umgegend) Donnerstag, den 8. d. MtS., Abends 8V* Uhr» bei Herrn Ctoft, Mariannenstr. 31/32. Tagesordnung: 1. Bottrag. 2. Vorschläge zu Delegitten zum HandwerkStag. 3. Verschiedenes. 4. Fragen. 1268 Mitglieder werdm aufgenommen. Der Vorstand. Eine Mantelnaherinne«-«nb Trikot- taillen-Arbeiterinnen-Nersammla«. findet heute, Dienstag, dm 6. Apttl, Abends 8'/, Uhr, in Silber'S Salon, Schwedterstr. 23, statt, zu der auch Gäste(Schneidermeister und Kauf» leute) Zuttttt haben. I. A. de! Vorstandes: Frau Mofa KLge, Einberufettn. 1271 Oeffeatltche Mitglteder-Versamminng der Tevtral-Kranken- u. Sterbekasse der Maler und verwandten Bemfsgenossen Deutschlands (E. H. 71 Hamburg) Filiale I(Nord) am D i e n st a g, dm 6. April, AbendS 8 Uhr, im Lokale Ackerstraße 144(VorstädtischeS Kafino). Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1232] Der Bevollmächtigte. Mittwoch, dm 7. d. M., AbmdS 8»/, Uhr, Kaiser Franz-Grmadier-PIotz Nr. 7 Nertranenontänner-Versammlnng der K nchblnbe» und Fach genösse». 1266] Der Vorstand. Soeben erschien Nr. 27 deS Wahren Iakoö". Zu beziehen Wch die straße 44. Spedition, Zimmer. _[1229 Freunden und Bekannten empfehle ich mich zur pünttlichm Besorgung de!„Kertiner NolKoblatt" sowie sämmtlicher Journale, Mode-Zeftungm, Brochürm u. s. w. Central-ZettungSspedition von H. Schmidt, Manteuffelstraße 80.[1198 General-Versammlung des Arbeiter- Bezirks- Vereins„Süd- Oft" Mittwoch, den 7. April, Abend« präzise 8'/, Ahr, Mrangelstr. 9«. 10. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ergänzungswahl d»S Vorstandes und Wahl von Vettraumsmännern. 3. Vmtrag de! Herrn Jul. Ephraim:„Die Stützm der modernen Weltanschauung". Diskusston. Verschiedenes. Fragekasten.— NB. Et ist Pflicht eines jedm Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen.[1275] Der Vor st and. Freunden und Bekanntm ewvfchle meinen leicbhaltigm FrSHItLckotifch(kalt und warm), kräftigen, guten Mittagstisch(Suppe. Gemüse, Braten) mit Bier oder Kaffee i Kouvert 60 Pf.(im Adonnem-nt 6 Marten für 3 Mark). Speisen* la carte ,u jeder Zeit. Jeden Abend Kartosfeipnffer,& 20 Pf. MeiS- und Kairischbier, Seidel 10 Pf„ Moselwein, i Gla, 20 Pf.. Apfelwein,& GlaS 10 Pf. 1129 Max Kreutz* Restaurant zur Versöhnung. _ Kottbnserplah(Alte Finde)._ 6 Täglich: Kflnigsberger Fleck, h Hotllon 25 Bf. _ w KtjtlUMsst Silälltzttjtnße 18 M Stramm. Zß Heute gr. Wurstessen, wozu crgebmst einladet _ Ma» Kreutz, Kottbuser Platz. RtstmrM M„Ambos". Allen VereinSgmoffm, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich[1210 Kreslaner-Straffe Ä7, part.. o« Weiß- und Bairifch. Bier-Lokal eröffnet habe. Um geneigten Zuspruch bittet Gustav Tempel, Zloh-Habak. Sämmtliche in- und ausländische Tabake offe« riien in Ballm und ausgewogen. 831 Sumatra von 110— 500 Pf. Deutsche Tabake oo» 50—75 pf. Beithold Frank& Co. N., Bnumenstr. 7. Damenhute werden gamitt f. 50 Pf., alte werden aufgearbeitet Reichenbergerstr. 143, Hof 1 Soeben erschien: [1230 Nie SiziMmknlit vor dem Deutschen Reichstage. Stenographischer Bettcht der Verhandlung deS Deutschen Reichstage! am 19. Februar 1886. Zweites Heft.. Zu beziehen durch die Erpeditto«, Zimmer- sirass» 44. Sil. Kono.-Ferika, Meyer'S, BrockhauS' tc Neueste Aufl. All. Meltgeschichte, Schloffer Corvin. Outen, Weber uno Bilder-Atlas dazu Auch der Erfindungen u. MuSpralis techn Chemie. Dreh«»'» ill. Thierleben it., sämmtl. Ltteraturw., deutsche und auSl. Klasfiker tiefem om»e Anzahlung geg. beq«. Ratenzahl, ohne Preiserhöhung. R-fl,». bel. Adr. abzug. bei �261] F. Schmidt, Admiralst. 13. IL E.Schlfst.i.,.v.b. Quilitz, Gr.Franlfutterstr.131 W. Arbettsmarkt. Ein tüchtiger Tischlergeselle für Piano« Mechanik wird sofott verlangt. Nur solche, die darauf gearbeitet babm, wollen fich melden. 1270] Richter St Kecker, Bethanien«Ufer 6. Einen DrechSlerlehrling verlangt Wein« hold, Mattannmplatz 13. 1267 E. Schuhmaiberges. a. Sohl. u. AuSd. wirb vi.(auf Verl. a. Schlfst.) Colonnmstr. 24, Schö« neberg-Berlin._[1269 Ein tüchtiger sucht noch einige vtttlen?��?hereS Gr. Frank« futterstraße 8 b, vom 4 Tr. bei Schulz.[1214 Herberge«. Derb ehr«' lokal sowie Zeutrai-Ar' -beitsnachwe's de« Fach' verein» der Tischler 0 BlumcnNtr. 56. Djt Arbeits« Vermitteluna geschieht unentgeltlich- Adreffenausgabe an Wochmtagm von 3V, bi» 97« Uhr Abends. Sonntag! von 9—11 Ujj! Vormittags._ 476 Der unentgeltliche Arbeits- Nachweis der Klavierarbeiter befilidet sich Skalitzerstr. t» bei Stramm. � Peranwortltcke» Redakteur«. Gronbei» ia«erftff. Druck und Vett-a van«ax Badwg tn Bettin 8W., veuthstraße 2. Hie»»» eine Betlaa' Beilage zum Berliner Bolksblatt. 81. Dienstag, de««. April 1886, III. von Uarlameutsberichte. Deutscher Retchttaa« 82. Eitzunft vom S. April, 1 Uhr. Am Tische dei Bundeirathei von Boetticher, E ch e l l i n g und Kommisiarien. Zar driiten Beratbung steht der Gesetz-Entwurf, detr. die Ergänzung dei§ 809 der Zivilprozeßordnung, welche den Zweck hat, dm Arrest auf Guthaben ausländischer Schuldner zu erleichtem. Abg. Dr. Meyer(Halle): Meinen in zweiter Lesung 5 gestellten Antrag, die dritte zu vertaam, bezeichnete der Staats« ekretär v Schelling als gegen die Geschäftsordnung und ogar die Verfassung verstoßend. Ich will die Frage, od die dilatorische Behandlung einer Regierungsvorlage überhaupt unzuläsfig sei, heute nicht erörtem und wiederhole noch einmal, daß bei dieser mehr auf dem Spiele steht, als ihr unschein« barer Inhalt ahnen läßt. Ich halte eS für meine Pflicht, so laut als möglich vor den Gefahren zu warnen, die mit ihrer Annahme vir Kunden sind. Wenn wirklich die Zivilprozeßord- nung an dieser Stelle mtweder eine Lücke oder einen Widerspruch aufwiese, so wäre das ein schwerer Vorwurf gegen ihre Ve-faffer, denn Lücke oder Widerspruch befände fich nicht auf einem abgelegenen Seitenpfade, sondem auf einem von der Praxis täglich und stündlich viel betretenen Wege, Wären die Veriaffer fich der Mängel ihrer Arbeit an dieser Stelle nicht bewußt geworden, so würde da? darauf deuten, daß das ganze Werk leichtfinnig aufgebaut sei. DaS ist eS notorisch nicht, vielmehr ist eS ein mit großer Sorgfalt und gerade an dieser Stelle mit hervorragmder Feinheit gearbeitetes Grseh, indem eine Anzahl verschiedm liegender Fälle ohne jede kasuistische Unterscheidung mit einem Schlage richtig entschiedm und dem Richter gestattet wird, je nach der Verschiedenheit der Fälle eine verschiedme Entscheidung zu treffen. Der Vorschlag der Kommission widerstrebt mir an sich nicht, sondem daß man an dem G.-scy ohne Nothwendigkeit rüttelt. Ist es denn kon« scrvatio, sofort leichtm Herzen« nach der Klinke der Gesetz» gebung zu greifen, auch wenn man auf dem Wege der Jnter- pretatton durch die Praxi« einen anaeblich fühlbar gewordmen Uebelstand zu beseitigen hoffen darf? Die Zeit ist nahe, wo wir uns um die Justtzgesetze von 1876 wie um ein Palladium werden schaaren müffen, daher wir uns vor dem ersten Ein- gr ff in ih�en lebendigen Organismus zu hüten habm, dem bald andere folgen würden, die da« Werk, da» dem Reich die Wohlrhat der Rechtseinheit in hohem Maße verschafft hat, in Trümmer legen wü den. Schon ist an dm BundeSrath ein Entwurf gelangt, der eines der Palladien liberaler Rechtsanschauung in seiner Grundlage angreift und die Oeffent- lichkeit des Gerichtsverfahrens in einer Weise zu beeinträchtigen versucht, die von ihrer Aufhebung wmigstens in allen solchen Fragen, wo die Oeffentlichkeft deS Gerichtsverfahrens gerade ihren Werth entwickeln soll, wenig verschieden ist. Kommiffar Geh. Justizrath HagenS: Gcgengründe zur Sache hat der Vorredner nicht angeführt. Die politischen Gc« fichtspunkte, die er erörtert hat, laffe ich dahingestellt. Die verbündeten Regierungm haben diese Vorlage erst nach reif» licher Erwägung gemacht. Wenn wirtlich, wie der Vorredner meinte, die Kommentatoren darüber einig wärm, daß die Zivilprozeßordnung gerade an dieser Stelle gut gearbeitet sei, dann wäre diese Vorlage in der That überflüsfig. Da« Gegen. theil ist der Fall. In der Literatur wie in der Praxis find die verschiedenartigsten Versuche gemacht worden, diese Be- stimmung im Sinne dieser Vorlage zu interpretiren, aber diese Versuche haben kein Glück gehabt. Es würde also gar keinen Zweck haben, wft dieser Vorlage ein oder zwei Jahre zu warten. Gegenüber der Nothlage im Handelsverkehr bleibt nichts anderes übrig, als die Zivilprozeßordnung zu andem. Abg. v. C u n y: Auch ich erkenne in dem Zustande« kommen der Justizgesetze eine der wohlthätiasten Leistungm unseres Parlamentarismus und möchte nicht ohne Roth daran rütteln. Hier liegt aber ein Ausnahmefall vor, der sich seit 7 Jahren herausgestellt hat. ES befinden fich jetzt diejeniam hanseatischen Kaufleute, welche wegen ihrer Forderung an über« seetsche Schuldner einen Arrest anlegen wollen auf da« Gut« haben, welches diese in Hamburg oder sonst in Deutschland haben, in der vollen Unmöglichkeit, diesen Arrest anlegen und vollziehen zu können. Es bleibt nichts übrig, als diesem Uebclstande auf dem Wege einer Novelle abzu- helfen. Ieuilleton. Ilurti» klein wenig mehr Gerechtigkeit. Von Elise Grimpe. (Fortsetzung auS Nr. 78.) Des Mittag« gönnte sich der durchnäßte Man« kein war« tne« Effen. Er holte sich etwas Wurst vom Fleischer und «ahm für zehn Centimes Brot. So, nun konnte er feiner Frau doch ein Beefsteak zum Abendbrot heimbringen. Da« kalte Mittagefie» erzeugte bei dem feuchtm kalten Wetter eine große Unbehaglichkeit in dem nicht sehr widerstand«. fähige« Körper de« Kondukteur» und er fing ernstlich an, mit seiner sozialen Stellung zu Hader».„Es ist ei« Hunde- leben,' fluchte er in fich hinein.„Und wenn in der Welt nur ein klein wenig Gerechtigkeit herrschte, müßte ich als ehrlicher Kerl doch rechtschaffen meine Familie ernähre« könne». Aber dies ist kein Ernähren mehr, das ist ein ttau« »ige« Vegetirm—" Früh wurde e« dunkel, nachlässiger die Kontrol« und schwerer seine Geldtasche.---- Und wen« ich jetzt 5V�"faßte und mir einen Frank aneignete— wem ge« schahe dadurch ein Schade»?— Die Aktionäre der Gesell« schaft solle» doch sehr reich sei», ihr Reinertrag— so sagt sich auf Millionen. Sie würde« dm einen Frank sicherlich nicht vermiffm, ich aber könnte meiner Frau eine gute Flasche Wein dafür kaufm. Und Stephanie würde sich bald erholm, die Rosm würdm wieder auf «hren Waagm blühe» und ihre schöne« braunm Augen «'cht mehr so schwermüthig dreinschaue«---- Was wog sie überhaupt jetzt machm? Habe« ihr die Nach« dannnm das Licht angezündet und regelmäßig das Feuer im Kamin unterhalten? Seine kleinm Teufelchen werdm doch kem Unheil angerichtet habe»? Sie sind so wild und vorwitzig.——— Eine» Augenblick tauchte Bor de» Augen de« bangende» Mannes eine brennende Säule auf. Sei» Herz zuckte, er glaubte Nachdem auch der Abg. Klemm fich in gleichem Stnne ausgesprochen, wird dai Gesetz unverändert nach den Be- schlüffen zweiter Lesung angenommen. Es folgt die erste und event. zweite Berathung deS Handel», und SchifffahrtSvertrage« zwischen dem Deutschen Reich und dem Sultan von Sansibar Abg. Barth: Dieser Handelsvertrag enthält von dem gemäßigt fteihändlerischen Geist, wie er auch in der Kongoakle zum Ausdrucke gelangt ist, soviel, daß er für unS doppelt an« nehmbar ist. Besonders befriedigt eS unS, daß der Sultan vertragsmäßig dahin gebracht ist, kein Monopol irgend welcher Art in Sar.fibar einzuführen. Dafür sagen wir der Reich«« regierung ur seien Tank.(Zustimmung links.) Kommiffar Geh. Rath Krauel: Wir haben den Dank de« Abg. Barth doch nicht ganz verdient. Dieser Vertrag ist im Wesentlichen eine Wiederholung deS hanseatischen Ver« trageS. Der Sultan würde als Kaufmann ein diretter Kon« kurrent der autländiichen Firmen sein, und deshalb wäre e« gefährlich, ihm die Einführung von Monopolen zuzuge« stehen. Abg. Barth: In dem hanseatischen Vertrage ist daS Mo« nopol dei Handels mit Kopal und Elfenbein auSgeschloffen. ES ist«in Fortschritt dieses Vertrages, auch diese Monopole beseitigt zu haben. Der Herr Vertreter der Regierungen wird also wohl oder Übel unseren Dank annehmen müffen. Geheimrath Krauel: Ich bedauere sehr. Allerdings waren jene Monopole rescrvirt geblieben, ste haben aber faktisch zu«xistirm aufgehört, indem dem Sultan zur Ablösung dieser Monopol« die Erhebung gewisser Abgaben zugestanden war. Dieser Zustnnd ist jetzt beseitigt. Abg. Barth: Der bereits bestehende Zustand hat jetzt seine rechtliche Sanktion erhalten: darin liegt der Fort« schritt. Abg. v. Helldorff: Sie haben wohl nur dokumen« tiren wollm, daß die Einführung von Monopolen in einem Staate dem Auslände außerordentlich unbequem fein kann. Der Vertrag wird in erster und zugleich zweiter Berathung genehmigt. Die R e ch n u n g der OberrechnungSkammer für 1883/84 bezüglich der ReichSoerwaltung wird der RechnungSkommisfion überwiesen. DaS Haus geht über zur zweiten Berathung deS A n- trageS v. JazdzewSki, detr. die Abänderung der§§ 186 und 187 deS GerichtSverfassungSgesetz e« vom 27. Januar 1877. Derselbe wollte in den ehemali pol« Nischen LandeStheilen dat Polnische alS Gerichtssprache neben dem Deutschen gleichberechtigt zulassen und in den Fällen, wo mit Leuten polnischer Zunge verhandelt wird, die Abfaffung eincS Protokolls in polnischer Sprache 8«statten. Die Kommtsston hat fich darauf beschränkt, die uziehung eines Dolmetscher«, sowie die Aufnahme von An« trägen, Erklärungen und Aussagen in fremder Sprache in daS Protokoll oder eine Anlage in gewissen Fällen vorzu« schreiben. Der Abg. Klemm beantragt, nur zeugeneidliche Aussagen in das Protokoll aufzunehmen. Abg. Herrmann: Ich würde für den Antrag der Polen stimmen, wenn ich nach den Verhandlungen der Kom« misston die Ueberzeugung hätte gewinnen können, daß es ihnm wirklich lediglich um die Beseitigung von U-belständen zu thun wäre und daß ihr Antrag diesen Zweck eneichte. Die Polen KAK» aaar a therle, deren Einverlerdung in ein wiedererstandene« Polenreich sie wünschen. Ich wundere mich, daß man im vorigen Jahre in der Kommission dieser Tendenz nicht gegenüber getreten ist. Damals, in der Aera der Schutzzölle, galten eben die Herren nicht als Reichsfeinde, sondern als Bundes- genoffen, und man glaubte deshalb etwas von diesen unbe- rechttgten Eigenthümlichkeiten mit in den Kauf nehmen zu müffen. Die Polen bezwecken einfach, daß die preußische Re« gierung gezwungen werde, ausschließlich polnische Richter und Unterbeamte in jenen LandeStheilen anzustellen. Präfident v. Wedell-PieSdorf: Ich mache den Herrn Redner darauf aufmerksam, daß, nachdem Art. l deS Antrages von der Kommisfion abgelehnt ist, nur noch Art. II zur Debatte steht. Abg. H e r r m a n n: Auf der Tagesordnung steht auS- drücklich„Antrag deS Abg. v. JazdzewSlt". herzzerreißende Schreie zu vernehmen. Zwei Passagiere ließe« halte», um auszusteige» u»d risse» de» Kondukteur au« seiner schrecklichen Phantasie. Nach wenige» Minute« stiegen wieder Andere ein.--- Und noch immer kein« Kovtrole.---.Ich wäre ein Narr", raunte er seinem widerspävstige« Gewisse» zu,„wenn ich diese Gelegenheit vorbeigehen ließe." Und wieder tauchte vor dem Auge de« mit sich Kämpfende» da» blasse, feine Geficht seiner Frau auf. Mit denselben Augen schaute sie jetzt in seine Seele, grab' so wie neulich, als sie im Journal gelesen hatte, wie ein Kondukteur, von Roth getrieben, Gelder unterschlagea, und mit Schimpf und Schande ins Tefängniß wandern mußte.»Lieber Hunger ertrage» als Schimpf und Schande, Raoul, ist das nicht auch Deine Meinung?" hatte sie ihn nach kurzer Pause gefragt, und dabei hatten ihre große» Auge» versucht, in dem Innerste» seiner Seele zu lese». „Denk' nicht an so etwas, Stephanie I" hatte er ruhig geantwortet und ihr voll in da» Antlitz geschaut, welche« um eine Nllavze blässer geworden war, de»« seine Frau war sehr gefühlvoll und fremdes Leid und Weh ging ihrem Herzen immer sehr nahe. Sein Arm hob sich mechanisch, «och war ja Alle» wieder gut zu machen— da— wie aus den Wolken herabgefallen, steht vor ihm der Kontroleur. Der Kondukteur fuhr fich nach dem Kopf— ihm schwindelte. Er hatte einige Passagiere wirklich nicht markirt und doch stimmte Alle«— der Kontroleur sprang ab. Jetzt war die Unterschlagung fertig.— Sei» Herz klopfte zum Zerspringen.„Wenn«ur ei« klein wenig Gerechtigkeit in der Welt herrschte, dürfte ich nicht zum Dieb werden," murmelte er finster in sich hinein. Er ballte die Faust und schlug zornig an seine Geldtasche, daß die Kupfermünzen lustig klirrte». „Bah! Die Herren wollen es ja nicht anders haben," suchte er sich selbst zu beruhige«.„Wollte'mal sehen, wa« die Herren mit fünf Frank und fünfzig ZentimeS anfange» wollte»? und noch obendrein eine Familie von fünf Per« sone« damit ernähre». Hungern oder Stehlen l ei» dritte« giebt e« nicht--- Hm, einen Frank! es ist nicht Präfident v. Wedell-PieSdorff: Aber dabeistehe „auf Grund deS Berichts der Kommisston". Abg. Herrmann: Ich muß auch den Versuch der Kom« misfion, etwaS Annehmbare« zu Stande zu bringen, für miß« glückt halten. Der größte TheU der in den polnischen Landes« theilen fungirenden Dolmetscher mag wohl eine Verständigung zwischen Richter und Parteien vermitteln, aber fie find durch« auS nicht Alle im Stande, ein schriftliches Protokoll aufzu- nehmen. Woher sollen nun aber gut qualifiztrte Dolmetscher genommen werden? Die Herren sagen, nach dem Naturrechte müsse Jeder in seiner Sprache Recht finden. Da» bestreite ich entschieden. Naturrecht ist nur, daß Jeder über« Haupt Recht finde. Zu welchen Konsequenzen würde eS führen, wenn jeder Ausländer im Deutschen Reiche verlangte. daß die Verhandlungen in seiner Sprache geführt werden? (Oho I bei den Polen.) Weiter sagen Sie, Derjenige, dem Recht gesprochen werde, müsse auch die Ueberzeugung haben, daß ihm Gerechtigkeit widerfahren sei. Da« werdm wir in der Welt niemals erreichen. Ich bitte Sie, auch den Antrag der Kommisfion abzulehnen. Abg. v. JazdzewSki: Für den Vorschlag der Kom« misfion, die meinen und meiner StammeSgenoffen Antrag ab« gelehnt hat, kann ich mich natürlich nicht begeistern, aber wenn er auch aus außerordentlich schmaler Grundlage aufgebaut itt, so wird er doch auf die Rechtspflege wohllhätig einwirken und e« muß mit der größten Befriedigung hier konstattrt werden, daß diese« Resultat trotz einer für daS Polenthum sehr un» günstigen Konjunktur in einer Zeit erreicht worden ist, in der gegm unsere Nationalität eine Art Anfeindung im preußischen Staat inaugurirt wordm ist. die auf alle Verhält- niffe sehr betrübend einwirken mußte. Gleichwohl konnten wir un« in der Kommission in der ruhigsten und sachlichsten Weise verständigen und ich und meine StammeSgenoffen nahmen, wie ich hier vor dem Hause und dem Lande offen erkläre, gerade auS dieser Kommisfion die Ueberzeugung mit, daß, wenn man die Dinge sachlich behandelt, wie wir e« gethan, man auf ein Entgegenkommen im Deutschen Reiche zu rechnen hat. An der Forderung unsere« Art. 1, daß die polnische Sprache bei gerichtlichen Verhandlungen der deutschen gleichgestellt werden soll, hallen wir an stch noch heute fest, wenn wir ste auch als ruhig denkende politische Männer nach der Ablehnung in der Kommisfion nicht wieder erhoben haben in einer Zeit der po« ltttschen Leidenschaften, wo die Regierung in der Weise, wie eS geschieht, gegen daS Polenthum austritt. Aber auch die aermge un« gemachte Konzesfion wird in dieser Zeit der polt- tischen Leidenschaften einen außerordentlich günstigen Eindruck auf die polnische und jede andere nichtdeutsche Nationalität machen. Herr Herrmann kennt meine Hetmath nicht, sonst würde er nicht so sprechen, und wenn er un» sagt» dai Natur- recht verlange nicht, daß man in der Muttersprache vernommen «erde, so finde ich da« sonderbar und gerade von einem Frei« finnigen unverständlich. Er hat wohl auch nicht im Namen seiner Fraktion gesprochm, sondern von seinem desonderen Standpunkt au«, ver ihm allerdings nicht zu großer Ehre gereichen kann. Ich kann also das Haus zur Zeit nur bitten, den Antrag der Kommisfion anzunehmen. Der Antrag der Herren Klemm und Hartmann ist sehr wohl» gemeint; er soll wohl die Majorität für die Beschlüsse der Kom» misston vergrößern und auf die Regierungen einen gewissen Eindruck machen, aber von dem Standpunkt der Rechtspflege au» ist er nicht lehr günstig undglücklich gewählt. Im Großen und Ganzen find wir mit dem Richterstand in meiner Heimath zuftieden, wir haben ganz ausgezeichnet sachliche Leute, die in jeder Richtung dem Partetstandpunkt fern stehen, welchen die polnische Bevölkerung überhaupt bekämpft. Aber neben den den ruhig denkenden Richtern giebt e« auch Richter, die von gewissen polittschen Velleitäten nicht frei sind und der polnischen Bevölkerung in gewisser Hinstcht auch feindlich gegenüber. stehen. Solchen Leuten gegenüber muß da« Gesetz ein Kom. pelle enthalten, da« seine Anwendung von ihrem Belieben unabhängig macht und die gleichmäßige Anwendung sichert. Geheimer Rath Meyer: Die verbündeten Regierungen haben zu dem Antiage Stellung zu nehmen bisher keine Ver» anlaffung genommen. Meiner Meinung nach bestehen gegen die praktische Begründung und Ausführbarkeit desselben gewichfige Bedenken. Ich kann nicht zugeben, daß ein Bedürfniß solcher Gesetzesbestimmungen obwaltet. Außerdem greift der Antrag dai Prinzip der Mündlichkeit de« Verfahrens an. Bei der einmal der Rede werth und nicht nöthig, sich so aufzuregen." Er fuhr sich mit dem bunten Taschentuch über die feuchte Stirn. Von Kälte spürte er nicht« mehr, sei» Körper glühte wie im Fieber.—„Lächerlich, et kommt nicht« heraus,— kann nicht« herauskomme«,— geh Stephanie." Bei diese« verstört geflüsterte» Worten machte er eine abwehrende Bewegung. Stephanie wollte dennoch nicht von seiner Seite weichen.... Der rege Verkehr, da« Auf- und Absteigen der Fahr» gaste brachten endlich den verstörte» Man« zu sich; er hätte sich am Ende gar selbst denunzirt. Die nimmer endende Dienstzeit war endlich um und er machte sei« Konto. Er hatte wirklich einen Frank und fünf Zentime» zu wenig abgeliefert. Aber da« unrechte Geld brannte in seinem Portemonnaie, und in der ersten Wein« Handlung kaufte er dafür eine Flasche Wein. Und wenn jetzt Stephanie fragt, mit was er solche Extraausgabe« bestreite»? Wen» sie ihn dabei mit ihre» klaren Blicken anschaute? Wird er die Kraft haben, offen ihrem Blicke zu be« gegnen? Je näher er seinem Hause kam, desto langsamer wurde sei« Gang. Schon wollte er die Flasche auf dem Stein- Pflaster zertrümmern, und so mit einem Schlage jeder weiteren Versuchung vorbeugen: aber er konnte e« nicht über sich bringe», den» die Flasche enthielt momentan gleichsam Ar« zenei für seine erschöpfte Frau. Jetzt stand er vor der Thür de« Hause«. Mit der größten seelische« Anstrengung drängte er alle peinigenden Selbstvorrürfe zurück, und eilte mit seinem schnellen, festen Schritt die Treppe» hinauf, damit Stephanie keine Aengstlichkeit an ihm be« merke._, Da lag sie, noch bleicher, wie er sie heute Morgen verlassen und streckte ihm wehmütbig die Hand entgegen. Zu ihren Füßen schlummerten die kleinen Mädchen. „Arme« Weib, die Zeit ist Dir wohl sehr lang gewor« den?" Sie schüttelte verneinend de» Kopf, weil sie fürch- tete, in der Stimme ihre innere Bewegung zu verrathen. Und warum sollte fie ihrem geliebte» Raoul das Herz mit ihrer Traurigkeit schwer machen?— Er konnte ja doch Mündlichkeit unfett# heutigen SBetfohtenS ist die Niederfchrift in der fremden Sprache der Regel nach entbehrlich und daher dem Richter allein belassen, nach der Besonderheit de# Falle# zu prüfen, ob er e# für zweckmäßig und erforderlich hält, die von den Nich deutschredenden abgegebene Erllärung ganz oder theilweile in der fremden Sprache zu Protokoll zu fixirm. Von dieser Befugniß würde jeder vernünftige Richter sicherlich Ge> brauch machen. Nach dem vorliegenden Antrage würden im Zivilprozeß alle Zermen- und Sachverständigenaussagen, und im Strafprozeß alle Erklärungen der Angeschuldigten und alle Zeugenaussagen außerhalb der Hauptverhand» lung in der fremden Sprache niederzuschreiben sein, also weit über die älteren Vorschriften hinausgegangen wer- den. Von erheblichem Interesse ist lediglich die Vervoll- kommnung de# Dolmetscherwesen#. Dieser hat der preußische Herr Minister seine volle AufmerksamkeU zugewendet und hofft sie auch durch eine bessere Besoldung der Dolmetscher und den Erlaß einer besseren Dolmetscherordnung zu er- reichen. Der vorliegende Antrag würde dies erschweren, denn er wüide eine Vermehrung de# Dollmetscherperwnal# von 451 auf 650 erfordern, bei dem jetzigen Dolmetschermangel ein großer Uebclstand. Ich halte sämmlliche Anträge für undurch- führbar. Abg. v. C u n y: Die Kommisfionsvorschläge können nicht viel nützen, sie beschränken vielmehr den Richter in seiner di#- herigen Befugniß, nach freiem Ermessen die fremde Sprache bei der Niederschrift in den Protokollen zu berücksichtigen. Er bittet sie abzulehnen. Abg. v. Retndaben wünscht dasselbe mtt Beibehaltung de# jetzigen Zustande#, in welchem der Gegenstand durchaus sachgemäß geregelt sei. Wenn die Herren von der polnischen Fraktion über einen angeblich vorhandenen Notbstand klagten, so möchten sie diese Behauptung doch thatsächlich begründen. Da# Material dazu sei eben nicht vorhanden. Der polnischen Bevölkerung würde durch dm Kommissionsvorschlag eine Wohl« that nicht erwiesen werden. Abg. Klemm wird für die Vorlage stimmen, von der er, da sie für die Berücksichtigung der frem« dm Sprache bestimmte Garantien biete, immerhin eine gewisse Beruhigung der unzufriedenen fremdsprachigen Bevölkerung erwartet. Er bittet gleichzeitig, die Vorlage dahin abzuändern, daß in derselben statt„Aussagen"„eidliche Aussagen" gesagt wird. Der Entwurf wird darauf mit dieser vo« Abg. Klemm vorgeschlagenm Aenderung angenommen. Dafür stimmen das Zentrum und die Mehrzahl der Konservativen. Es folgt die Berathung de# Berichts der Rtchnungskom« misston, betreffend die allgemeine Rechnung über den Rrichshaushatt für das Etatsjahr 1881/82. Die Kommission schlägt vor, die Enttastung zu ertheilm, dagegm dm Borde- halt auszusprechen,„daß der Reichikanzler bezüglich der in mehreren Natalen der Obelrechnungskammer bezeichneten Ausgaben die Verantwortlichkeit für die ergangenen Aller- höchsten Ordre# durch deren Gegenzeichnung nachträglich über« nimmt". Nur an diesen Vorbehalt knüpft sich eine längere De« hatte an. Abg. Rickert: Eigentlich hätte man sich entschließen müssen, die Decharge zu verweigern, so lange der vundesrath die einfache Forderung de# Reichstag#, materielle Auskunft über diese Niederschlagungen zu geben, verweigert. Ich will aber davon Abstand nehmen und es genug sein lassen bei dem Vor« behalt, daß der Reichskanzler in Zukunft die Niederschlagung#« ordre# gegenzeichnen soll, wa# die mildeste Lösung der Streit- frage ist. Wenn wir die# beschließen, so kann da# nur ge- fchehen unter ausdrücklicher Betonung der Annahme, daß e# nunmehr als selbstverständlich gilt, daß, wmn der Reichskanzler diese Ordre# gegenzeichnet, er zugleich auch die Verpflichtung übernimmt, materielle Auskunft über die Niederschlagungen selbst zu ertheilen. Abg. v. Maitz ahn- Gültz erklärt, daß er und seine Freunde in dieser Frage noch immer die Stellung einnehmen, die von ihnm am 7. Februar 1885 klar gelegt wurde. Sie Elen daher nicht in der Lage, dem Beschlüsse der Kommission izutteten. Abg. v. Benda hebt hervor, daß diese Frage nur auf dem Wege einer gesetzlichen Regelung ganz gelöst werdm könne. BundeSkommiffar Geh. Rath Meuer: Es giebt keine Reichs-Militärverwaltung, sondem nur Militärverwaltungen der einzelnen Bundesstaaten. Der Rechnungshof führt seine Konttole über die Rechnungen nach der preußischen Vorschrift vom Jahre 1814. Diese Vorschrift erfordert, daß solche Justifika- tionsordre#, die vom König von Preußen ausgehen, vom Kriegsminister gegengezeichnet werden. Da die preußische Armee auch heute noch in unserer Verfassung besteht, müssen Niederschlagungen, gegengezeichnet vom Kriegsminister, auch beute noch alS justifizirend angesehen werden. Daß die vom Oberrechnungshof geltend gemachten Bedenken ernsteste ve- achtung verdienen, ist richtig; aber ebenso richtig, daß sie nicht maßgebend find für Ihre Entschließungen. Abg. H ä n e l: Es ist richtig, daß auch heute noch unsere Heeretverfaffung eine Konttngmtsoerfassung ist; dagegen habe beim besten Willen die drückende Armuth nicht beseitige», und wa# in seine» Kräften stand, that er zur Linderung ihrer hilflosen Lage. „Du hast wohl Hunger?" fragte er leise, indem er sich «och näher zu ihr beugte.„Hast Du denn Mittag# Deine Suppe gegessen?' Sie nickte und legte sich den unruhig werdende» Knaben an die zarte volle Brust. Unter den beharrlich gesenkte» Wimpern stahl sich eine schwere Thräne hervor, welche dem Man« näher ging denn klagende Worte. Einen Augenblick ließ er seine Auge«, in welche« gleichfall# Thränen schwammen, auf Mutter und Sohn ruhen. Dann wandte er sich schweigend zum Kami«, indem er zwischen de» Zähne« murmelte:„Sie soll ihre Flasche Wein vo« heute an alle Tage habe» und ihr Fleisch dazu, bi# sie wieder zu Kräfte« gekomme» ist." Und jetzt reute ihn sei» Vergehen nicht mehr. Flink und geschickt bereitete er jetzt da# Abendessen. Echo» saßen die au# dem Schlaf gerüitelten Kinderchen am Tisch und schoben mtt den Fingern, so gut e# eben ging, da# saftige Fleisch in da# aufgespente Mäulchen. Auch die Mutter aß mtt Appetit, den» es hatte schon recht unbehaglich in ihrem Magen ge- knurrt. Sie rief de« noch immer eilfertig herumspringende» Mann zu, sich doch auch endlich zu setzen und zu esse«. „Gleich," antwortete er.»Ach, da# Beste hätte ich fast vergessen," rief er nun mtt gepreßtem Lache» und stellte dabei die Flasche mtt Wein auf den Tisch. „Aber, Raoul," sagte Stephanie vorwurfsvoll,„da hast Du doch jedenfall# trocken Brod zu Mittag ge- gesse«?" „Je nun, in Eurer Gesellschaft schmeckt e# besser, und Du mußt absolut etwa# zur Pflege haben," plauderte er, während er die Flasche entkorkte und ei» Glas«inschenkt«. Noch hatte er nicht gewagt, seine Frau anzublicken, aber jetzt, wie er ihr da# GlaS reichte, that er es doch. Sie lächelte ihm dankbar zu und griff schnell«ach dem Gla#, nur um ihre Erregung zu verberge». (Schluß folgt.) ich nicht# einzuwenden. Aber ich will doch auch die andere Seite betonen, daß gleichfall# verfassungsmäßig die deutsche Armee eine einheitliche ist. E# ist mir deshalb unklar, wa# die Deduftionen de# BundeSkommiffar# nach dieser Seite hin bedeuten'ollen. Für die Ober- Rechnungslammer gllt auch heute noch die Instruktion von 1824, aber doch nur insoweit, als au# der Reichsverfaffung nicht ein anderer Rechtszustand folgt. Die verfassungsmäßige Rechnungsablegung, auch über die Heeresverwaltung, hat vor dem Reichstag zu geschehen. Ist da# der Fall, so muß der Reich#tag sich an den Reichskanzler halten können, der ihm gegenüber allein die Verpflichtung trägt. Nach der preußischen Verfassung ttua der KrtegSminister die Verantwortlichkeit für die Finanzangelegenheiten der Armee, aber jetzt, wo da# Finanz- wesen inkl. de# MilitärwesenS auf da# Reich übergegangen ist, muß nothwendig die Verantwottlichkett für dasselbe der Reichs- kanzler tragen. Geh. Rath Meyer erwidert, daß die von der Militär- Verwaltung geltend gemachte Auffassung auch von dem Staats» rechtslehrer Ladand vertreten werde. Abg. Meyer(Jena): Die Ansicht eines einzelnen Schriftsteller# deweist nichts, übrigen# ist gegen dieselbe lebhafter Widerspruch laut geworden. Ich bin der Meinung, daß wir allerdings eine Reichsmilttärverwaltung haben, well es eine ganze Reihe von Militärdefuanissen giebt, die dem König von Preußen als Kaiser zustehen. Die Befugnisse derKonlingentsheere find in der Verfassung ganz genau festgestellt; daß die Finanzverwaltung der Armee eine Reichsverwaltung ist, ergiebt sich ganz klar au# dem Eingange de# Artike# 62 der Verfassung, wonach während der PauschquantumSzeit für jeden Kopf der Friedens« Präsenzstärke 225 Thlr. dem Kaiser zur Verfügung gestellt werden. Thatsächlich stehen auch alle MilitäcauSgaben auf dem ReichshaushaltSetat, für den der Reichskanzler die Ver- antwortlichkeit trägt. Der preußische Kriegsminister ist dem Reichstage nicht verantwortlich. Ich berufe mich für diese Auf- faffung auf den Reichskanzler selbst, der als Bundeskanzler 1867 ausdrücklich konstatirte, daß er nach der Bundesverfassung auch die Verantwortlichkett trage für die gesammte Heere#« und Marineverwaltung, die Bundesverfassung aber ist die jetzige Verfassung de# Deutschen Reich#. Geh. Rath Meyer: Jedenfalls ist e# nicht der Kaiser, sondern der König von Preußen, welcher die Ordre# erläßt; daran# folgt, daß nicht der Reichskanzler, sondern irgend ein andere# Organ zur Gegenzeichnung berufen ist. Abg. v. Maltzabn-Gültz: Herrn Meuer(Jena) möchte ich erwidern, daß der Eingang de# Art. 62 inzwrschen aufgehoben ist dadurch, daß jetzt der RetchSmllitäretat durch da# Etatsge- setz festgestellt wird. Die Uederzeugung de# Abg. Hänel ist nicht die de# ganzen Hauses. Ich habe schon am 7. Februar 1885 Namen# der Konservativen erklärt: Der Reichskanzler kann nicht sanktioniren, wa# der Kaiser nicht al# Kaiser zu thun in der Lage ist. vi# zur endgiltigen gesetzlichen Regelung de# Gegenstandes, die ich mit dem Abg. v. Benda dringend wünsche, hat der Kaiser seinerseits die Befugniß, diese Ordre# i« geben, aber der Gegenzeichnung durch den Reichskanzler find 'ese Ordre# nicht fähig. Kriegsminister Bronsart von Schellendorff: Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß wir eine gesonderte preußische Militärverwaltung haben. Diejenigen, welche da# bestreiten und von einer ReichSverwaltuna sprechen, find meiner Ansicht nach im Jrrthum. Wenn diese OldreS, deren Berechti- gung— wenn man hlo# von der Ausübung de# Thronrechts, abgesehen von der Frage, ob der Kaiser oder der König spricht — heute nicht angefochten ist, vom Reichslanzler kontrafignirt sein müßten, dann ergiebt sich mtt unerbittlicher Konsequenz, daß jede im Gebiet der preußischen Militärver« waltung ergehende Allerhöchste Ordre nicht vom Kriegs- minister, sondern vom Reichskanzler zu kontrastgniren wäre. Und wenn, auch nach Anficht de# Rechnungshofes, die reich#» finanzielle Bedeutung ausschlaggebend sein soll, so konstatire ich, daß unter den mehreren tausend Ordre#, die ich die Ehre habe gegenzuzeichnen, kaum eine einzige sein wird, die nicht rrgend welche finanzielle Wirkung hätte. Jene# Verlangen herßt also, der Reichskanzler muß auch die preußische Militär« Verwaltung im Detail führen. Od er da# beabsichtigt, oder ob er e# bei der Fülle seiner sonstigen Amtsgeschäste im Stande ist, entzieht sich meiner Kmntniß. Nun desteht ja das Stellversgesetz: aber der Kriegsminister gehört nicht zu den K Stellvertretern de# Reichskanzler#; erst wenn diese# Moment erfüllt wäre, könnte jene Forderung erhoben werden; bis jetzt fehlen ihr alle Grundlagen. Abg. Hänel: Ich erkenne die vom Kriegsminister ge- zogenen Konsequenzen vollkommen an; die heutige Frage aber besteht darin, od es auch nur denkbar sei, bei dem klaren Wortlaut der Verfassung, daß wir die Finanzverwaltung de# preußischen Kontingent# als Bestandtheil dieser Kontingents- Verwaltung betrachten können, oder od wir sie nicht vielmehr al# eine Finanzverwaltung de# Reich# betrachten müssen. Unsere Militärausgaben stehen auf dem ReichSetat und wer- den vom Reichstag bewilligt; die Einnahmen, auS welchen die Aufwendungen für da# Heer bestritten werden, find Reichs- einnahmen, welche der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt werden; endlich sagt Art. 72: Ueber die Verwendung aller Einnahmen de# Reichs ist durch den Reichskanzler zur Ent« lastung jährlich Rechnung zu legen. So lange dieser Art. 72 besteht, müssen alle diese Dinge unter der Verantivottlichkeit de# Reichskanzler# geordnet werden, und e# ist mir unerfindlich, wie man sich dem gegenüber aus irgend welchen mir unde« kannten Gründen hinter Deduktionen der kleinlichsten Art versteckt. Herr Laband hat allerding# sehr scharf die Kontingent#- natur unserer Armee betont, aber in keinem Punkte die Ein« heitlichkeit der Finanzverwaltung auf dem Gebiete der Militär- Verwaltung geleugnet, eine Berufung auf ihn ist also ganz unberechtigt. Nachdem noch Abg. M e y e»(Jena) sich diesen Ausfüh- rungen angeschloffen, wird der beantragte Vorbehalt mit großer Mehrheit ausgesprochen und mit diesem Vorbehalt die Decharge ertheilt. Schluß 4'/, Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. (Zweite Berathung de# Gesetzentwurfs, betr. die Unfallversiche- ru ng der land« und forstwitthschaftlichen Arbeiter.) Lokales. er. verltn ist in da# Zeichen der Ringkämpfer getreten. In den Reichshallen treten wieder diese Herren auf und halten ein schaulustiges Publikum in Spannung. Trotz der großstädtischen Allüren, die sich ein gewisser Theil unserer Bevölkerung zugelegt hat, ist und bleibt der Berliner ein Kind, und namentlich ist es die kleinstädtische Schaulust, die er immer noch nicht ablegen kann. E# ist kein Unsinn so groß, daß er in Berlin nicht seine Bewunderer fände. ES wäre wirklich kein Wunder, wenn man heute bereit# Wetten entrirte, wer von den beiden„Siegern" der stärkste ist; die Zeitungen thun in Berlin alle# Mögliche, um ein allgemeines Interesse für eine Sache wachzurufen. die einen vernünftigen Menschen ernsthaft überhaupt nicht be- schästigen kann. Unsere Sache ist eS allerdings nicht, eine Untersuchung darüber anzustellen, ob dem Publikum überhaupt bei der ganzen Sache nicht ein blauer Dunst vorgemacht wird SäS'SfSS'Sä Werth erscheinen. Wer ist überhaupt ein Ringkämpfer? vom dazu benutzt, um sich auf möglichst mühelose Weise ein recht bequemes Leben zu sichern. Ein italienischer oder französischer Name ist bald gefunden, bei uns klingt ja Müllero immer noch besser wie Müller. Wer nun für die Produktionen der bloßen, rohen Kraft ein be« sondere# Interesse hat, dem soll e# natürlich unbenommen bleiben, sein Geld dafür auszugeben, wir halten e# jedoch für unsere Pflicht, unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß man für da# Geld, welche# man in einer solch n verfeinerten Schaubude auSgiebt, sich schließlich doch ein andere#, edlere# Vergnügen leisten kann. In unserer feinfühligen, hochgedilve- ten Zeit rümpft man die Nase über alle# Mögliche; wenn zwei Köter sich auf der Eiraße beißen, werden tutvöse Damen ohnmächtig; wahrscheinlich würden dieselben Damen aber von ihrer Loge aus den Kämpfen jener riesenstarken Männer mtt großem Interesse zuschauen. In dem Charakter mancher Völker liegt der grausame Zug. Thiere gegen einander kämpfen zu lassen; jene Leute amüsiren sich an Hahnenkämpfen und der- gleichen, wir gebildeten Europäer schellen diese Leute natürlich al# bardarisch, sie find roh, entmenscht, verkommen; wir dagegen dürfen für eine Mark Entree ruhig zusehen, wenn zwei Menschen aufeinander losstürzen und sich gegenseitig die Knochen zu zerbrechen trachten. In England boxt man für Geld, und hierzu gehört entschieden wenigsten# Muth und lange Hebung. Es ist da# ohne allen Z veifel edenfall# kein Zeichen für einen besonders geläuterten Geschmack» und wir möchten in keiner Weise etwa als Vertheidiger jener Unsitte angesehen werden, aber wir Deutschen haben entschieden kein Recht, uns über die brutalen Sitten anderer Völker aufzuhallen, so lange bei uns, in der Metropole der Intelligenz, sich allabendlich viele Hun« derte finden, die einem bezahllen Ringkampfe zu- schauen. Wir wollen hiermit nun keineSweg# gesagt haben, daß wir nicht eifrige Anhänger und Freunde jeder kör« perlichen Ausbildung wärm, aber es hat Alle# seine Grenzen, und der übertriebene Spott in dieser Beziehung führt entschieden zur Rohheit. Der Hauptvorwurf, daß derartige Sachen bei uns überhaupt noch Interesse erwecken können, trifft weniger das Publikum als die Press«, welche nun schon mehrere Tage lang die Helden« thaten der vier Ringkämpfer in den Reichshallen auf da# Wärmste preist. Auch wir find in der Lage» ein Stückchen von einem Ringkampf erzählen zu können. Aus Mannheim wird nämlich geschrieben: Der hiesige Athletenklud„Germania" feierte sein erstes Stiftungsfest, wo- bei unter anderm verschiedene Ringkämpfe stattfandm. Der Metzgermeister Schäfer aus Karlsruhe, ein herkulisch gebauter Mann, der schon in manchem Zirkus al# Ringkämpfer auf- getreten war, rang längere Zett mtt einem kräftigen Gegner. al# er plötzlich wankte und zu Boden fiel. Noch einmal erhob er sich und fiel dann todt zur Erde. Wie die gerichtliche Sellion ergab, hatte eine Herzlähmung dett Leben de# Ringkämpfer# ein plötzliche# Ende bereitet. Jeden« fall# war die enorme körperliche Anstrengung die unmittelbare Ursache deS Tode#.— Das hött sich ander# an, und wer« der Unfug vielleicht wie früher verübt werden sollte, daß be- sonders kräftige Leute auS dem Publikum zur Thetlnahme an den Kämpfen aufgefordett werden, so möchten wir unser« Leser auf den obigen Fall im Voraus warnend aufmerksarn machen. Fünfundzwanzigjährige# Geschäft#jubtlSnm. Die Herren Äöbelfabrtkanten Brückner u. Peter#, Skalitzerstr. 119, gaben am Freitag, den 2. April, ihrem Personal zur Feier des 2öjShrigen Bestehen# der Fabrik in den geschmückten Räumen de# Restaurant# A. Wttthau#, Oranienstr. 190, eine Festlichkeit- Da# gute Einvernehmen der Arbetter mit ihren Arbeitgebern, welche auch unter den schwersten Verhältnissen angefangen haben, zeigte sich recht schön bei diesem Feste. Wohl an 1 Gäste vergnügten sich, und Tag wurde e* bereits, als die letzten Gäste da# Lokal verließen, wo sie sich nach gethaner Arbeit amüfirt hatten. Die Nachricht, daß die Droschkenkutscher die Eiir führung von Halden Touren anstreben, wird von der„Mi Fahr-Ztg" dementilt. Wie dieselbe schreibt, wollen die Droschkenkutscher und auch der Verein Berliner Droschken« kutscher gerade daS Gegentheil, weil durch die Einführung vo# halben Touren da# Droschkenfuhrwesen niemal# gehoben, ii» Gegentheil arg geschäviat werden würde.- Ueber„alte Berliner Originale" schreibt F. Meyersti» Jß&x": ,Ö— Seele— zage— nicht." Die Drehorgelipiel» bilden— soweit un# erinnerlich ist, seit einem Jahrhundert eine besondere Spezie# der Skaßenvirtuosenthums. diese# Aus- wüchse# der Kunst. Allerdings ist auch die Drehorgel hint« den allgemeinen technischen Fortschritten nicht zurückgeblieben. und nament ich find e# die sogenannten.Italienischen", wel-d« eine immerbin etträgliche Musik- verfertigen. Wer sich ds- gegen in die dreißiger und vierziger Jahre»urückveisetzen kab� der wird jener krankhaften, nicht weiter zu definirenden Sti� mung noch eingedenk sein, in welche sein Nervensystem dur-i die damaligen„Leierkasten" versetzt wurde. Gegen die heutig' besaßen sie ein Duodezformat, wie ihrer in Berlin noch M Veteran dieser Künstlergattung— wenngleich nach einer � dNnde Deehorgelsvieler Httlmuth� Sein%&#"&< WZWTMW deren Ruf in Ausbeutung de# Schimpfwörter- und llntußt m in welchem Verhältnis beide �ÜTiuandn st°ng »s-I |ÄÄ MMW Anzunehmen, konnte auf Eroberungen ohne zurückblicken. Die Herzen der Fraum und Mädchen flöge» nur so zu. Als er von Ballimore im Jahre 1874 auf Req"'� der Polizei nach Chtkago zmückttanSportitt wurde, war es �nosftn' � � � vielmehr den%% ist un# i In da# Reich Gewährsmann der„Nat.-Zta." vergönnt, einen Blick in seinen Koffer werfen zu können, wahrend Joe Dixon, der gewiegteste Detektive deS Westens, ihn untersuchte. Was da zum Vor« schein kam, würde hingereicht haben, die ganze Gesellschaft von Chikago und St. LouiS von oberst zu unterst zu kehren. Er unterhielt mindestens immer zwei Dutzend Liebschaften auf einmal. Da fanden fich Epistel von so überströmendem Inhalts mit vollem Namen'und beigefügter Photographie— galt er doch als blaublütig und daS will bei amerikanischen Ladies etwaS bedeuten— Briefe, die Zusammenkünfte anbe« räumten, in denen von der Seligkeit vergangener Stunden ge« sprechen wurde, Briefe von Alt und Jung, ohne Unterschied der Nationalität, des Standes, der Religion der Schreiberinnen. Wir Wenigen, die damals diese erschütternden Geheimntffe gc» wahr wurden, überantworteten die Manuskripte dem Jeuer. Nur ein Bogen Papier wurde aufbewahrt, ja er spielte fernerhin eine große Rolle in mehreren Prozeffen und warf ein ganz neues Licht auf den Pelden"; der hohe Bogen trug die Ueber- schrist:„Eigenthümlichkeiten der Handschrift von Fräulein Eteinecke"(die von ihm ermordete Dame, deren Testament zu Seinen Gunsten er später produzirte) und dann vor« die 24 Buchlaben deL Alphabets aufgeführt, zuerst die großen, dann die kleinen in 48 aufeinanderfolgenden Zeilen je ein Buchstade und in von oben nach unten durchgehenden Rubriken hieß eS dann: » im Anfang des Wortes und dann war ein Wort geschrieben, daS mit a anfing; darauf a in der Mitte deS Wortes— a am Ende deS Wortes. Und er traf diese Eigenthümlichkeiten so vorzüglich, daß er in der That mit dem gefälschten Testament selbst die Echreidkundigen täuschte.— AuS Amerika hören wir inzwischen, daß I. P. G Smith„seines Postens" von dem New Uorker Syndikat enthoben ist. Und eS scheint fast, als ob man ihn in der That, ohne ihn zu verfolgen, laufen laffen wird. Todt für Wie«; wieder auferstanden in Berlin. Ueber diesen merkwürdigen Fall berichtet daS„N. W. Tgbl." folgendes: Vor ungefähr drei Monaten verschwand der Magistrat- Osfizial August Strohmayer und sprach in einem zurückgelaffeven Schreiben die Adstcht auS, in den Wellen der Donau den Tod zu suchen. Strohmayer, welcher bei der Ver- wattung deS städttschen Versorgungthausei im neunten Bezirke in Verwendung stand, war erst wenige Monate vorher zum Offizial befördert worden und er hatte bald nach dieser Be» förderung die Tochter eine« bekannten Wiener GemeinderatheS und HauSbefitzerS als Gattin heimgeführt, deren ansehnliche Morgengabe ihn in die Lage versetzte, an die Zahlung seiner durch ein äußerst flott geführtes Leben entstan« standenen, nicht unerheblichen Schulden zu gehen. Strohmayer bezog nun mit seiner jungen Frau seine neue, vom Schwiegervater auf das eleganteste eingerichtete Amtswohnung, welche ihm im städtischen Versorgungihause zu- gewiesen war. Und nichts schien daS Glück deS jungen Eye- faareS zu trüben. Da verbreitete fich mit einem Male die lachricht, Strohmayer habe seine junge Gattin verlaffen, sei seil einigen Tagen spurlos versch»unden und habe in einem zurückgelaffenen Schreiben die Abficht ausgesprochen, fich zu tödlen; als Ursache galt, daß Strohmayer Defraudationen begangen und die Folgen einer vorauSstchtlichen Disziplinar« Untersuchung zu fürchten habe. Thatsache war. daß Stroh- mayer wohl einige schwere Buchungsfehler begangen, daß er große Beträge viel später(wahrscheinlich erst nach der Hochzeit) verbucht hatte, als sie behoben worden waren. Die Kassen aber wurden vollkommen in Ordnung vorgefunden. Man kann fich die Verzweiflung der armen, jungen Frau denken, welche durch die erschütternde Begebenheit schon wenige Wochen nach ihrer Vermählung all' ihr LebenSalück vernichtet sah. Alle Nach« forschungen nach ihrem Gatten blieben vergeblich und auch die von der Polizeidirektion erlassene Kundmachung, welche dem Ausfinder der Leiche StrohmeyerS eine Belohnung von 50 Gulden zusicherte, blieb ohne Resultat. Nun wurde Strohmayer's Stelle anderwettig besetzt und die un> glückliche junge Frau mußte dem Nachfolger ihres Gatten im Amte die Wohnung räumen, welche fie erst vor fünf Wochen so glücklich und froh bezogen hatte. Zwar tauchten hier und da Zweifel über den Tod Strohmayer'S auf, namentlich dadurch hervorgerufen, daß SKohmayer fich vor seinem Verschwinden mit 2 Taschenuhren und einem größeren Geldbeträge versehen hatte; aber wie dem auch war, Stroh- mayer blieb verschollen und Frau Strohmayer lehrte in daS Hau» ihreS durch daS Unglück setner Tochter schwer gebeugten VaterS zurück. Seither find ungefähr drei Monate verflossen, da erhielt Frau Strohmayer ein Schreiben aui Berlin— eS war von der Hand ihres todtgeglaubten Gatten. Zur selben Zeit erhielt auch der Bauunternehmer A. in Währing, ein Freund Strohmayer'S, von diesem ein Schreiben, in welchem derselbe mittheitt, daß er fich in Berlin befinde, wo er zwei Monate krank im Spital gelegen habe; er habe wohl die Ab« ficht gehabt, fich zu tödten, sei aber noch im letzten Augenblicke, schon am Donau- Ufer, von einem Bekannten— dessen Namen er begreiflicherweise verschweigt— von seinem Vorhaben ab- gebracht worden. In Deutschland wolle er nun ein neue» Leben deginnen und fich hier eine Stellung gründen. Als Grund seiner Flucht gab er an, er bade nicht den Muth gehabt, fich den Seinen zu entdecken. Frau Strohmoyer hat den Brief ihreS Gatten, der fie in so rückfichtSloser Weise ver- lassen hat, damit beantwortet, daß fie durch ihren RechtSfreund die Scheidungsklage eindringen ließ. �«__ Strafgefangene und Schlächter bei Unfall-verfiche- rnng. Das Reichs- Verficherungsamt hat in einer seiner letzten Sitzungen folgenden Beschluß gefaßt:„Strafgefangene, mögen fie inner- oder außerhalb der Gefangenenanstalt, in staatlichen oder privaten Betrieben beschäftigt werden, find als Arbeiter im Sinne des Unfall-VeifichcrungS-GesetzeS nicht anzusehen, mithin nicht verficherungSpflichtig." Weiter hat daS Veisiche- rungSamt eine vom Vorstände der„Nahrungsmittel- Industrie- Genossenschaft" ausgehende Beflimmuna über den Umfang der VerfichenrngSpflichtigkeit der Schlächtereien als zu weit gehend redresfirt. Die Frage ist für daS Schlächtergewerde von großem Interesse, und liegt wie folgt: Besagter Vorstand hatte destimmt, daß als unfallverficherungkpflichttae Betriebe zu er- achten seien: a) alle Schlächtereien in Städten, in welchen Schlachthauizwang besteht; d) in Städten, in welchen ein solcher Zwang nicht befieht, diejenigen Schlächter, welche regel- mäßig im Schlachthause schlachten; c) ohne die erwähnte Rückficht aller Schlächter, welche Großviehbetriebe mit ihren Schlächtereien verbinden, endlich ck) alle Schweinemetzgeretcn ohne Unterschied. Auf die Anfrage vieler Verwaltungsbehör- den, od diese Forderungen gesetzlich degründet seien, hat nun daS Verficherungtamt mit nein erwidert: Zu a und d sei zu bemerken, daß ein Schlächtereibetrieb, wenn und insoweit der- selbe in einem Schlachthause mit Motoren oder mit mindesten? Arbeitern erfolgt, verficherungSpflichtig sei. Zur Vermei- dung von Mißverständnissen müsse aber bewerft werden, daß der außerhalb deS Schlachthauses fich vollziehende Handwerks- maßige Theil des SchlächtereibetriebcS von der Verstcherung». Pflicht, gleit deS SchlachtyauSbetriebeS an fich nicht mit erfaßt werde. Abgesehen von den dem vorstehenden nach verficht- rungs- und anmeldungSpfiichtigen SchlachthauSschlächtereien seien zu c und d alle übrigen Schlächtereidetriebe alsdann ver- sicherungSpflichttg, wenn fie sich al«„Fabril"'Betriebe dar- stellen, insbesondere wenn fie mit Motoren oder mit mindestens 10 Arbeitern betrieben werden. Sine lang ersehnte Vorlage, bestimmt, schweren Uebel« ständen abzuhelfen, hat endlich die Stufen der Vorberathuna überschritten und geht jetzt den Stadtverordneten zu. ES ist daS Regulativ sür die Untersuchung deS von außerhalb nach Berlin eingeführten frischen Fleisches. Wir theilen auS der Vorlage heute die wichtigsten Sätze mit. DaS UntersuchungS- wesen wird dem Kuratorium deS städtischen Zenftal- Viehhofes unterstellt. Dasselbe führt die Oderaufficht über die eingerichteten Untersuchungsstationen und die angestellten Sachverständigen und versieht dieselben vorbehattlich der Anordnungen deS Magistrats mtt Anweisungen und Instruktionen. Die Unter- suchung erfolgt in desonderen Untersuchungsstationen, welche mtt den vom Magistrat hierzu bestellten Sach- verständigen besetzt werden. Untersuchungtstationen wer- den in der erforderlichen Zahl dem Verkehre ent- sprechend auf oder nahe bei denjenigen Bahnhöfen, auf welchen regelmäßig frische? Fleisch eingeführt wird, sowie an geeigneten Orten innerhalb deS Weichbildes der Stadt, unter besonderer Berückstchtigung der städtischen Markthallen errichtet. Die Untersuchung deS eingeführten frischen FleischS erfolgt durch die Thierärzte und, soweit eS fich um Schweine handelt, außerdem durch die Probenehmer und die Fleischbe« schauer, welche die mikroskopisch« Untersuchung.durchzuführen haben. So weit für eine Bahn eine Untersuchungsstation auf oder bei dem Bahnhofe eingerichtet ist, muß daS auf dieser Bahn eingeführte frische Fleisch, welches im Gemeindebezirke der Stadt Berlin feilgeboten werden soll, unmittelbar nach Eintreffen deS BahnzugeS in diese Untersuchungsstation ge« bracht werden. Im Uebrigen find diejenigen Peisonen, welche frische! Fleisch einführen, in der Wahl der UntersuchungS- statton unbeschränkt. ES folgen dann Bestimmungen über die Zurichtung deS Fleisches. Danach ist u. a. durch Beschönigung der OrtSpoltzeibehörde oder eines approbtrten ThierarzteS oder eines geprüften Fleischschau-Beamten oder durch Stempel oder Plombe eines unter öffentticher Kontrole stehenden Schlachthofes nachzuweisen, daß da« zur Untersuchung vorgelegte Fleisch von einem Thiere herrührt, welches vor der Schlachtung einer Besichtigung unterzogen und hierbei als mit erkennbaren KrankheitSzeichen dehaftet nicht befunden werden ist. Die Gebühr für die Untersuchung bleibt für jedeS Stück Fleisch, gleichgiltig, welche Größe dasselbe hat, dieselbe wie für daS ungetheilte Thier. Dieselbe wird für jedeS abgesonderte Stück Fleisch besonders berechnet und macht ei hierbei keinen Unterschied, ob die verschiedenen Stücke von einem und dem- selben oder mehreren Thieren herrühren. Die Gebühr wird nach einem Gebühnntanf erhoben. Der letztere wird so fest- gestellt werden, daß die Einnahmen an UntersuchungSgcdühren die Ausgaben der städtischen Verwaltung für die Durchführung der Untersuchung decken. Ueber den Selbstmordversuch eine« Unbekannte« wird berichtet: Heute früh kW nach 5 Uhr machte ein unde- kannter, etwa 40 Jahre alter Mann, dessen rechtes Bein ge- lähmt ist, an der Warschauerstraße den Versuch, fich daS Leben zu nehmen, indem er fich mit einem Revolver zwei Schüsse in den Kopf beibrachte. Im besinnungslosen Zustande wurde der- selbe in daS städtische Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Seine Persönlichkeit konnte nicht festgestellt werden. Die Gatteumördert« Kran Marunge und deren Sohn Albert haben, der„StaatSb. Ztg." zufolge, gegen daS über fie gesprochene TodeSurthetl das Rechtsmittel der Reviston ein« gelegt. Polizei-Bericht. Am 2. d. M. Abends erlitt der Ar- bester Hitzen bei einem Fall auf dem Bürgelsteig vor dem Hause Jnvalidenstraße 28 einen Bruch de« linken Unterschenkels und mußt« mtttelst Droschke zur Charitee gebracht werden. — Am 3. d. M. Nachmittags versucht« ein Mann in seinem Geschästikeller in der Bernauerstraße in selbstmörderischer Ad- ficht fich zuerst mit einem Hammer den Schädel zu zertrümmern durchschnit fich dann die PulSader an der linken Hand und brachte fich endlich mit einem sogenannten Stechbeutel mehrere Stiche in die Brust bei. Er wurde noch lebend in daS Lazarus- Krankenhaus gebracht; an seiner Wiederherstellung wird aber gezweiselt.— Zu derselben Zeit schoß fich ein unbekannter, etwa 40 Jahre alter Mann auf der Wiese an der Warschauer« straße auS einem Revolver zwei Kugeln in den Kopf, wurde aber noch lebend mittelst Droschke nach dem städttschen Kranken- hause im FttedrichShain gebracht.— Am 4. d. M. Abends wurde ein obdachloser Mann in der Brüderstraße bewußtlos und anscheinend schwer krank vorgefunden und mittelst Krankenwagen? nach der Eharttee gebracht. Berliner Asyl-Veretn für Obdachlose. Im verflossenen Monat Mär, nächtigten im Männer. Asyl 9300 Personen, da- von badeten 1887 Personen, im Frau-n-Asyl 1607 Personen. davon badeten 141 Personen. Der Vorstand macht darauf aufmerksam, daß derselbe einen Arbeitsnachweis eingerichtet bat und bittet dringend, von Vakanzen jeder Art. männliche Ar- beiter betreffend, dem HauSvater des Männer-Asyl», Büsching- straße 4, weibliche Arbetter betreffend, der Hausmutter des Frauen-AsylS, Füfilterstr. 5, Kenntniß zu geben, damit eine Zusendung der qualifizirten Personen unverzüglich erfolgen kann. Gerichts-Zeiwng. t Bodendtebstähle. Die ZeitungStragertn Frau K. stand gestern vor der dritten Strafkammer deS Landgerichts unter der Anklage, im November und Dezember vorigen JahreS zu verschiedenen Malen Wäschediebstähle ausgeführt zu haben. Sie hatte, wie fie selber eingestand, fich beim ZeitungSauStragen in die Bodenräume der Häuser eingeschlichen und die Kammern mittelst Nachschlüssel geöffnet. Die gestohlenen Wäschestücke hatte fie dann versetzt. AIS fie unter Angabe eines falschen NamenS die Pfandscheine noch einmal sür 2 Mark versetzen wollte, war fie dem Pfandleiher verdächtig vorgekommen und dieS hatte zu ihrer Ermittelung geführt. Frau K., die Wittwe ist. entschuldigte ihre That mtt der großen Roth, in der fie fich zu dieser Zeit mit ihren Kindern befunden hätte. In anbetracht ihrer Vorstrafen— Frau K- ist bereits einige Male wegen Diebstahl« bestraft worden— beantragte der Staatsanwalt 3 Jahre Zuchthaus. Der Gerichtshof hielt 2 Jahr 6 Monate Gefängniß und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 2 Jahre für genügend. t Et« Nachspiel zu dem Streik der Klavierarbeiter von Klingmann, Köpnickerstr. 175, im vorigen Jahre war die An- klage, die gestern vor dem hiefigen königlichen Schöffengerichte gegen den Klavierardeiter Herrn Fr. Zubett verhandelt wurde. Am Sonntag, den 18. Ottober 1885, Vormittags, fand in GratweilS Bierhallen»ine Klavierarbeiterversammlung statt, in der das Resultat deS Streiks— bekanntlich ein für die Ar- beiter ungünstiges— besprochen wurde. Hierbei soll der Refe« rent der Versammlung, Herr Zubeil, den Arbeiter Petttck durch die Drohung, er müsse öffentlich genannt werden, zu bestimmen versucht haben, an Verabredungen zum Behuse der Erlangung gemacht worden. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß »er Streik am 18. Oktober bereits beendet war. Auch erklärte Herr Petrick, daß er fich durch die Worte deS Henn Zubeil nicht beleidigt gefühft habe. Der StaatSanwaft beantragte, für da« Vergehen eine„exemplarische" Strafe und glaubte, eine zweimonatliche Gefängnißstrafe befürworten zu müssen. Der Herr Polizeilteutenant aber hatte seine Notizen verloren. Auf Grund dieser Thatsachen wurde Herr Zubeil freige- s p r o ch e n._ Vereine nnd Uersamminngen. irfc. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer hielt am 31. v. M. in der„Urania", Wrangelstraße 9/10, eine gut besuchte Versammlung ab, in welcher der Maurer Herr Baakcr auS Hamburg einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„Die Bestrebungen der Fach- vereine" hielt. Dem Vortragenden zufolge muß eS die Aufgabe der Fachoereine sein, durch geeignete belehrende Vorträge die Mttglieder auszubilden, fie vor ungerechten Maßregelungen der fie oeschäfligenden Unternehmer zu schützen und in den Stand zu setzen, von dem ihnen gesetzlich zustehenden Koali« tionSrecht zur Besserung ihrer wirthschaftlichen Lage und Re« gelung der Lohnverhällniffe, sowie sonstiger Arbeitsbedingungen den rechten Gebrauch zu machen und dadurch zu bewirken, daß die Arbeiterklasse, welche ali zahlreichste aller Klaffen der Gr« sellschaft die eigentliche Stütze deS Staates bilde, kräftig und gesund erhalten bleibe. In der animirten Diikusston ermahnte Herr RegierungSbaumeister Keßler unter Hinweis auf den unter den derzeitigen Produttionsoerhältnissen fich immer mehr ver- schärfenden Jntereffenkampf zwischen Kapital und Arbeit die Arbetter zur Einigkeit. Herr Trautmann aui Görlitz detonte die immer weiter fich über ganz Deutschland fich erftteckenden Organisationen der Unternehmer, denen gegenüber die Ardeiter, wenn fie nicht gleichfalls fest organifirt zusammenstehen, ver« loren sein müßten und ihre berechtigten Forderungen niemals durchsetzen und aufrecht halten konnten. Um bei Streiks den Zuzug fern halten zu können, müsse man Alle? aufbieten, daß in allen noch ohne eine Maurerorganisation gebliebenen Städten eine solche geschaffen werde. Den Schluß der Ver« Handlungen bildeten innere Vereinsangelegenheiten. tb. Eine öffentliche Versammlung von Kauflenten tagte am Sonntag Nachmittag unter Vorsttz deS Herrn Gutt- mann Rosenthalerstr. 11—12. Herr Hinze referirte über:„Die Nothlage innerhalb deS Berufes der Angestellten der Kolo« nial- und Matettalwaaren- Branche, deren Ursachen und welche Mittel find geeignet, denselben abzuhelfen?" Die Versammlung nahm einstimmig folgende zwei Resolutionen an: 1. Die versammelten Handlungsgehilfen der Kolonial- und Material» waaren-Branche beschließen in Anbetracht dessen, daß der größte Thett der Handlungsgehilfen von der Wohlthat der Krankenverficherung keinen Gebrauch gemacht, die Stadtverord« neten- Versammlung aufzufordern, dahin zu wirken, daß der Zwang der Krankenverficherung auch auf die Handlungsgehilfen ausgedehnt werden möge.— 2. Die heute versammelten Hand« lungSgehilfen beschließen in Anbetracht der alleS Maß über- steigenden Roth in diesem Stande, den hohen Reichstag (X. Kommisfion sür Aenderung der Gewerbeordnung) aufzu» fordern, nach folgenden GefichtSpunkten bei Festsetzung deS Ar« bettSoerhältnisseS der Angestellten im Handelsgewerbe zu den Pttnzipalen zu verfahren: a. Die im Handelsbuche vorge« schrievene Kündigungtsrist bleibt als Minimalgrenze bestehen. Andere Abmachungen mit Ausnahme einer vierwöchentlichen Probe, ett find unstatthaft, d. Die Lehrzeit darf die Dauer von 3 Jahren nicht übersteigen, c. Die Arbeitszeit der Ange- stellten im Handelsgewerbe unter 18 Jahren darf die Dauer von 8 Stunden täglich, exkl. der Pausen nicht übersteigen. ä. Die Arbeitszeit der Angestellten im HandclSgewerbe über 18 Jahre darf die Dauer von 10 Stunden taglich, exll. der Pausen nicht übersteigen, e. Die Arbeitszeit darf nicht vor 8 Morgens deginnen und nicht über 8 Uhr Abends resp. 1 Uhr Mittags an Sonntagen ausgedehnt werden. Nur bei Durch« führung dieser Forderungen kann einigermaßen der in der HandlungSgehilfenschaft durch übermäßig ausgedehnte Arbeits« zeit und gedrückte Löhne hervorgerufenen Roth gesteuert werden. * Dte öffentliche Generalversammlung der Maurer, welche am Sonntag, den 4. April, im großen Saale der Tivoli« Brauerei unter Vorfitz der Herren Grothmann und Pfeiffer tagte, beschäftigte sich mit folg-nder Tagesordnung: 1. Berichterstattung über den Kongreß der deutschen Maurer. 2. Rege« lung der Lohnfrage. 3. Verschiedenes.— Herr Grothmann legte in kurzen Worten klar, wie fich die Verhandlungen des Kongresses gestattet haben. Im Anfange der Verhandlungen sei eS ein wenig scharf hergegangen. Man versuchte eS. den Berliner Kollegen Vorhattungen über den vorjährigen Streik zu machen, welcher aber nachher von allen D-legrrtm als ge« rechtfertigt anerkannt wurde. Herr Wilke führte an, daß er etwas später wie seine Kollegen auf dem Kongreß erschienen sei, weil er noch für den„Bauhandwerker" thätig sein mußte. Redner theilte ferner mit, daß dem Kongreß 19 Städte angemeldet wurden, in denen Streiks auszubrechen drohen. Die Kollegen in Werder hätten jedoch ihre diesbezügliche Meldung wieder zurückgezogen. In einigen anderen Städten denken dte Kollegen ohne Streik ihr Ziel zu erreichen, was ihnen ja auch zu wünschen sei. Herr Krüger überbrachte zunächst den Gruß der Dresdener Kollegen und sprach dann im Sinne der Vorredner. Herr Keßler führte an, daß nach den Kongreßbeschlüssen alles beim Alten bliebe, und unterzog dann die Innung und den von der Innung zusammen- gewürfetten GesellenauSscduß in Hannover einer Kritik, meinte aber, daß daS bisher„zünftige" Hannooer endlich einmal zur Einficht kommen wird. Redner führt« an, daß Hannooer nur 50-60 ein- heimische Maurer zahlt, von denen fich die Innung, die Ausschuß- Mitglieder selbst ausgesucht habe. Auch dort droht ein Ausstand und zwar wegen der halbstündigen Vesperpause, welche von allen Seiten als gerechtfertigt anerkannt wurde. Redner theilte noch mit, daß ihm die Regelung der Wander-UnterstützungS« Kassen übertragen sei. Betreffs der Akkordarbeit ging der Kongreß, weil die Zeit zu weit vorgerückt war, zur Tages« ordnung über- Herr Keßler ermahnte dte Versammlung am Schlüsse seiner Ausführungen zur Einigkeit. Herr Scheel sprach fich über die Beschlüsse deS Kongresses ebenfalls aus und führte an, daß die Kontrol-Kommiffion jetzt den Namen: AgitationS-Kommisston führen soll. An der Diskussion be- thelligten fich noch die Herren Schmidt und Welse, worauf Herr Pfeiffer den Antrag stellte, den 2. Puntt der Tagesordnung in der nächsten Generalversammlung als 1. Punkt zu erledigen. Dieser Antrag wurde angenommen. Nachdem noch einige Redner gesprochen hatten, wurde folgende Resolution ange« nommen:„Die heutige General- Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend erklärt fich mit den Ausführungen der Delegirten, sowie sämmtlicher Redner einverstanden und be» schließt, voll und ganz nach deren Ausführungen zu handeln." Zu„Verschiedenes" stellte Herr Pulch den Antrag, jede General- Versammlung im„Berliner Vollsblatt" bekannt zu machen, waS auch beschlossen wurde. Herr Pfeiffer theitte mit» daß die Baugeschäftsinhader und Maurermeister eine Versamm« lung abgehalten hätten, in welcher 146 Personen anwesend waren. Dieselben haben ihre Kommisfion be« auftragt, so schnell wie möglich mit der Gesellen« Kommisfion zu verhandeln. Herr Meister Rawitsch bätte in der Versammlung den Vorschlag gemacht, für alle Maurer Arbeitsbücher einzuführen, sei aber deshalb ausgelacht worden. Von verschiedenen Rednern wurde dieser Vorschlag noch einer scharfen Kritik unterzogen. Herr Plath sprach noch seinen Dank auS für die Unterstützung und forderte seine Landileute auf, fich fest zu organistren. Zum Schluß forderte auch Hett Grothmann auf, dem Fachverein beizutreten. Mit einem Hoch auf daS Gedeihen der diesjährigen Bewegung schloß alSdann der Vorfitzende um 12'/« Uhr die von über 2000 Maurern besuchte Versammlung. t ktne Kommunalwähler- Versammlung für den Norden und Osten Berlins tagte am Sonntag in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee, unter Vorfitz deS Herrn Schmwt, um die WohnungSftage und die glückliche Lösung derselben durch den Stadtverordneten Hoffmann Ii ,u besprechen, der s.Z. die famose Behauptung aufstellte, daß eine schöne und gesunde Arbetterwohnung 100-120 M. jährlich koste. Der Herr Stadt« verordnete und Rechtsanwalt war zu dieser Versammlung ein« geladen worden, hatte es aber vorgezogen, nicht zu erscheinen und sein Wegbleiben durch folgendes„liebenswürdige" Schreiben zu entschuldigen:„Berlin, LandSbergerstr. 32, 1., den 3. April 1886. Sehr geehrter Herr(Schmidt)! Indem ich Ihnen zunächst meinen Dank dafür au! spreche, daß Sie mir, wie Sie sagen, in meinem Interesse, eine Einladung zu der auf morgen, Sonntag Vor» mittag lOUhr anberaumten Wählerversammlung übersandt haben» erwidere ich Ihnen, daß Sie mir die Wlchnmg meiner eigenen Snterefsen getrost allein überlaffm können. Wenn in detxbat erüchte in Umlauf gesetzt stnd, welche meine Interessen gefährden, so wäre ti sehr hübsch von Ihnen, wenn Sie mir vieseldm mitthetlen würden. Ho lange die« nicht geschehen, find« ich keine Veranlassung, mich darüber zu äußern, welche Stellung ich denselben gegenüber einnehme. Auf eins aber möchte ich Sie aufmerksam machen und bitte ich Sie, so freund« lich zu sein, der Versammlung hiervon Mittheilung zu machen. Ich bin ein entschiedener Freund der Sonntagsruhe und em- p fehle den Herren, welche morgen erscheinen werden, die Sonn- tage zum«trchenbesuch und nicht zu Versammlungen zu be- nutzen, welche schon nach der Fassung der Tagesordnung bestimmt find, gegen das achte Gebot zu sündigen. Der Rechtsanwalt Hoffmann." Die Verlesung dieses genialen Schriftstücks rief stürmische Heiterkeit hervor; besonders wirkte die überwältigende Komit deS Schlußsatzes.— Der Stadtverordnete Herr Fr. G ö r ck i knüpfte an dieses Schreiben an, und bezeichnete dasselbe, sowie da» ganze Verhalten de» Stadtverordneten Hoffmann als ein trauriges Zeichen dafür, daß man die tollsten Verdächtigungen und die unwahrsten Behauptungen mit dreister Stirne in die Welt setzen könne, ohne auch nur den Versuch für nöthig zu haltm, fie zu beweisen.(Lebhafter Beifall.) Der Stadtverordnete Hoffmann, semitischer Antisemit, habe seine Stellung vollkom« men begriffen, als er in der Stadtoerordnetcn-Versammlung unter Benutzung eines LokalauSdruckeS bat,«man möge fich einen anderm August suchen!"(Große Hesterkeit.)— AuS der Sta« tisttk führte der Redner den Nachweis, daß eine gesunde Woh« nung in Berlin unter 180—200 M. auch in den äußersten Vorstädten nicht zu haben sei und wünschte zum Schluß, daß die Arbeiter auS dem Austreten des Stadtv. Hoffmann n und der übrigen Bürgerpartetler den Werth der Behauptung jener Herren, fie feien arbeiterfreundlich, ermessen lernten. Dann werde der 32. lkommunalwahlbczirk fich einen anderen Ver« treter all den RechtSanwast Hoffmann suchen.(Lebhafter Bei« fall.)— In der DiSlusfion sprach zunächst ein Herr Bodbe, der fich alS konservativer Wahlleiter deS 32. Bezirks für Herrn Hoffmann einführte: er destritt der Versammlung das Recht, über den Herrn zu Gericht zu fitzen. Welchen Erfolg feine Worte hatten, bewie» die Abstimmung über folgende Resolu« tion, die mit allen gegen eine(Lobbe'S) Stimme angenommen wurde: Die heutige Versammlung!!:, erklärt den Stadtverordneten Hoffmann II, der den Muth nicht besaß, in der Versammlung zu erscheinen und damtt fich selbst richtete, für einen öffentlichen—.(Hier folgt der einzig richtige Ausdruck, den wir jedoch nicht wiedergeben dürfen.) ES war eine Lüge, daß sanitäre Wohnungen im Norden und Osten zu dem Preise von 100—120 M. für den Ardetter vorhanden find. Die Versammlung spricht daher dem RechtSanwall Hoffmann daS Recht ab, fich fernerhin als Vertreter der Bürgerschaft zu bezeichnen.— Die Resolution soll durch die Blätter bekannt gemacht werden.— Die weiteren Verhandlungen beschäftigten fich mtt einem Vorschlage, den Herr Schwennhagcn zur Lösung der Arbeiter-WohnungSsrage gemacht hatte. Hiernach sollen die Kommunen Plätze und Kapital zu billigem Preise und Zinsen für den Bau von Arbeiterwohnungen hergeben. Dieser Rath wurde von verschiedenen Seiten sehr scharf kritifirt und zurückgewiesen. Man machte geltend, daß die Wohnungsfrage ein Tyeil der sozialen Frage sei, die fich nicht stückweift lösen lasse. Würde der Vorschlag allgemein durchgeführt und der Preis der Wohnungen überall herabgesetzt, so werde der Lohn der Arbeiter unausbleiblich finken. Die Lösung der WohnungS- frage falle zusammen mtt der Emanzipation der Lohnarbeit. Diese GefichtSpuntte fanden allgemeine Billigung.— Am Schluß wurde eine Tellersammlung für zwei in harte Roth gerathene Familienväter vorgenommen. Erwähnt sei noch, daß der Stadtverordnete Dr. Inner gemüthlich. während die Ver« sammlung tagte, beim Glase Bier im Nebensaaie saß und seinen FraktionSaen offen Hoffmann ruhig angreifen und ver« urtheilen ließ. Befragt, weshalb er nicht eine Rechtfertigung seine» Genoffen übernehme, erklärte er, in der Frage der Sonntagsheiligung auf demselben Standpuntt zu stehen, wie der Rechtsanwalt Hoffmann. DaS Redehaltm sei eine Arbeit, die dm Sonntag entweihe. WeShald dann das Biertrinken nicht auch?--- Diese tiefe Frömmigkeit erinnert unwill« kürlich an die biblischen Pharisäer, die deS Sonntags z. B. nur eine bestimmte Anzahl von Schritten zurücklegten, um das dritte Gebot nicht zu Übertretm. Im Ardeiter-BezirkSverei« für de« Osten hielt am 30. März Herr Dr. Bischof einen durch zahlreiche Experimmte erläutertm Vortrag über„Die EleklrizitSt und ,hre Verwendung im täglichen Leben." Er zeigte zunächst die Erzeugung der Elektrizttät durch chemische Vorgänge wie durch mechanische Arbeit und besprach dann deS Ausführlichen die Wirkung dieser Naturkrast. Zu diesem Zwecke führte er da» Galvanoskop, den Elektromagneten, dm Zeigertelegraphen, den Morse'schen Tele« graphen,%tn elektrischen Mnaelzug, die dynamo« elektrische Maschine und daS Telephon in ihrer Konstruktion und ihrer Wirksamkeit vor. Ferner schilderte er— ebenfalls durch Expe« rimente unterstützt— die Herstellung deS elektrischen LichleS, sowohl deS Glüh-, wie deS BogenlichteS. Die Versammlung zollte dem Herrn Vortragmden für dm ungemein interessanten Vottrag reichm Beifall.— Eine Diskussion fand nicht statt, doch wurden an den Herrn Referenten ein« Reihe von Fragen S(stellt, die derselbe in ausführlichster Weise beantwortete.— Iii„Verschiedenem" wurde ein Antrag gestellt und angenommen, für streikende Vereinsmitglieder eine Tellersammlung zu ver« anstaltm, ferner ein Anttag, bei dem Magistrat und der Ver« waltung deS Ostbahnhofes um Aufstellung von Bänken am Küstriner Platz zu petittonirm.— Während der Versammlung hatten zwei Vorstandsmitglieder an einem besonderen Tische Platz genommen, um AbonnemmtS auf das„Berliner Volk»« blatt" mtgegmzunehmen, daS vor Einttttt in die Tagesordnung dm Versammelten von Herrn Voigt auf» Wärmste empfohlen wordm war.— Die nächste Versammlung findet heute, Dienstag, den 6. April statt. verbotene Versammlung. Am Sonntag sollte in dem Lokale de» Herm Keller in der AndreaSstraße eine Veisamm« lung stattfinden, in welcher der Reichstagsabgeordnete Herr v. Vollmar über„die gegenwärtige sozialpolitische Lage und die Thättgkeit deS Reichstags" referrren wollte. Dieselbe wurde indessen durch eine Zustellung deS Polizei-PräfidiumS an den Witth wie an dm Einbemfer am Sonnabend Abmd von vorn« herein verboten und zwar„weil durch Thatsachen die Annahme gerechtfertigt ist, daß die Versammlung zur Förderung sozial« demokratischer auf den Umsturz der bestehendm Staat», und Gesellschaftsordnung gerichteter Besttedungm destimmt ist". Welches diese Thatsachen find, wird nicht näher angegebm, doch ist wohl offmbar die Thatsache gemeint, daß Herr v. Vollmar al» Redner auftteten sollte. Da das Verbot der Versammlung nicht allgemein bekannt gemacht werdm konnte, hatten fich schon lange vor der festgesetztm Zeit tausende von Ardeitem vor dem Lokal versammelt. Dieselben entfernten fich jedoch ebenso ruhig, wie fie gekommen warm und die an- wesenden acht benttmen Schutzleute fanden ebmsowenig Ver« anlassung zum Einschretten, wie ihre zahlreich erschimmen Kollegen zu Fuß. Eine große Anzahl der Anwesenden begab fich in die Kommunalwähler« Versammlung, welche zu gleicher Zeit w Bötzow'» Brauerei tagte. An die Lackirer sämmtlicher Branche« Berlins«nd Umgegend. Kollegen! Unterzeichnete beabsichtigen die Grün- dung eines Fachverein» der Lackirer sämmtlicher Branchen zu gründen. Ihr wißt, daß bIS jetzt ein derartiger Verein nicht besteht; die Lackirer find fast die einzigen, welche ohne jede Verbindung dastehen. Wir glauben, daß eS jetzt an der Zeit ist, die Kollegen aufzurütteln, denn unsere Lage ist, wie ein jeder Kollege wiffm wird, nicht die beste. Der Zweck, dm wir durch den Verein verfolgen wollen, ist folgender: Besserungder geistigen und materiellm Lage auf gesetzlichem Wege. Wir wollen daS den Arbeitern durch Gesetz zugesprochene Recht, fich zum Zweck ihrer ökonomischm Besserstellung vereinigen zu dürfen, ausüben. Kollegen! Ihr Alle wißt, daß der Einzelne machtlos dasteht; das Zusammenwirken Aller ermöglicht un», unsere Lage zu verbessern. Darum, Kollegm, tretet ein für Eure Rechte Mann für Mann l Schließt Euch dem Verein an, denn Einigkett macht stark. Doch zu einer Organisation gehört Geld; wir zweifeln nicht daran, daß sämmtliche Kollegen ihr Schärflein zur Gründung deS Vereins beitragen. Wählet in jeder Werkstatt einen VerttaumSmann, welcher die fteiwilligen Beiträge am Sonnabend, den 10. April, Abends von 8—10 Uhr bei Schimke, Gitschinerstr. 93, abliefert. Daselbst wird unser Kollege Max Schulz die Beiträge in Empfang nehmen und Auskunft geben, wann die erste offent« liche Versammlung stattfindet. Auch wird dieselbe ein paar Tage vorher durch Inserate in den Zeitungm und auch durch Säulm» anschlag bekannt gemacht werden. Kollegen, wir appelliren noch« malS an Euch; verfehle Keiner fich dieser Organisation anzu- schließen, zeigt, daß auch die Arbeiter unseres Gewerks im Stande find sich zu organifirm. Also vorwärt», Kollegen; find wir maanlfitt, so können wir mtt frohem Muthe in die Zu- kunst vlickm. Mit kollegialischem Gruß die Lackirer Jakob, Cuvrpstr. 61; John, Oppelnerstr. 27; Levit, Möckernstr. 77; Schutz, Nostizstr. 18; Rietmüller, Admiralstr. 5; Witteck, Nostizstr. 41. * An die Buchbinder und Kachgenosse«. Kollegen! Eine der wichtigsten Einrichtungen unserer Vereinigung ist daS Institut der Vertrauensmänner. Die ganze Exlstenzfähigkeit unsere» Verein» hängt gewissermaßen von der Regsamkeit der- selben ad. Werfen wir jedoch jetzt einen Blick auf die Ver- traumSmänner-Versammlungen, so beschleicht einen Jeden, der in unserer Vereinigung vorwärts strebt, ein Gefühl de» Miß. muthS. ES kann, soll unser Verein wieder seinm alten Be» stand erreichen, nicht so weiter gehen. Die Werkstubm müssen fich wieder durch einen Vertrauensmann vertietm lassen; in jeder Werkstube, in welcher drei Kollegen arbeitm, soll und muß ein Vertrauensmann gewählt werden. Deshalb, Kollegen, wollt Ihr, daß fich Eure Lage verbessert, dann betheiligt Euch mehr an unserer Organisation, wählt in jeder Werkstude einen tüchtigen Vertrauensmann und entsendet den- selben zur Vertrauensmänner. Versammlung, welche am Mitt- woch, den 7. April, Abends 8'/, Uhr, in Kluhtes Restaurant, Kaiser Franz Grenadier-Platz Nr. 7, staltfindet. Der Vorstand deS Verein». * Die Sattler Berlin» treten jetzt energisch in eine Lohnbewegung ein. Ihre Versammlung, welche am Sonnabend in Gratweil'i Bierhallen, Kommandantenstraße, unter Vorfitz deS Herrn Chapeau stattfand, war sehr gut besucht und vom besten Geiste beseelt. Vor 14 Tagen war beschloffen worden, eine Lohnkommisfion zu wählen, welche die Agitation in die Hand zu nehmen, die Organisation ,u stärken und einen Streik« fondS zu sammeln hat. Man denn im Herbst dieses JahreS zunächst im Täschnergewerk entschieden gegen die aus's äußerste reduzitten Löhne vorzugehen, welche in den hiefigen Fabriken, besonder» aber bei Rosenthal, Meuer und W. H. Schmidt ge« zahlt werden. In der lebhaften Diskusston empfahl man den Anschluß an eine feste Organisation, die Beseitigung de» immer noch vorhandenen JndifferentißmuS der Gehilfenschaft und die Stärkung des Fachvereins. Sodann wurde die Wahl der Lohnkommisfion vollzogen; gewählt wurden die Herren: Lietze, Meydauer, Mendt, Wirth, Stark, Gustmann und Achterberg. An die Schlosse« Berlin». Kollegen! Laut Beschluß der am Montag, den 29. März, in den Büraersälen, Dresdener- straße 96, stattgefundenen Generalversammlung ist die Lohn- bewegung der Schlosser und Berufsgenossen als seldstständige Organisation aufgelöst und feiner beschloffen worden, daß sämmtliche Utenfilten dem Fachverein der Schloffer und Beruf»« genossen überwiesen werden. Bevor diese» jedoch stattfinden kann, muß eine Generalrevifion vorgenommen werden. Zu diesem Zweck ersuchen wir die Kollegen, welche fich noch im Befitz von gespendeten Betträgen befinden, dieselben bei den unten bezeichneten Zahlstellm vi» Sonntag, den 11. d.M., ab« zuliefern. Gleichzeitig ttsuchen wir alle Kollegen, welche überhaupt Beiträge zum UnterstützungsfondS gezahlt haben, fich die in dm Händen der Delegirten befindlichm Zahlkattm aushändigen zu lassen resp. fich davon zu überzeugen, daß die g' zahlten Bei« träge durch Markm richtig quttrirt wordm find. Etwaige Unrichtigkeiten ersuchen wir gleichfalls bis zum 11. d. M. bei dem unrerzeichnetm Vorsttzenden de» FachveretnS anzumelden. Die noch bestehenden Zahlstellen stnd folgmde: 1. Quolke. Admiralstr. 31—32; 2. Levertheil, Blücherstr. 19; 3. Günther, Bülowstr. 69, Hof IV; 4. Kube, ZionSkirchstr. 55, IV; 5. Krüger,«ckerstr. 21; 6. Elte», Kleindeerenstr. 25. Mit kollmialischem Gruße R. Petzold, Vor fitzender deS FachveretnS, Wichelmstr. 15.; C. Miethe. In der Generalversammlung de» Freidenkervereiu» „Lesfing" wurden für daS neue VereinSjahr in den Vorstand gewählt die Henen: Friederici, Kleindeerenstr. 6,»um 1, imver, Wafferthorstr. 12—13, zum 2 Vorsitzenden; Freund, An der Jerusalemer Kirche 2, zum 1, Sußmann, Kurstr. 51, zum 2. Schriftführer; Rengett. Frankfurter Allee 76, Schatz- meister. Sämmtliche Heeren find zm Aufnahme neuer Mit- glieder berett. Zentral« Kranke«-«nd Eterbekasse der Drechsler und verw. Berufsgenossen