88 DonnerKag, de« 8. April 1886. HI. Jichrg, ellmMIKÄM Krgan für dir Jntrresfen der Arbeiter. 4 Da»„Berliner Volksblatt" täglich ZRoraen» außer nach Sonn- und Festtagen. Ndonntmenti-rei« für verlin frei s�Hau» vierteljährlich 4 Mari, monatlich 1,36 Mari, wöchentlich 66 Pf. Postabonnement üiuemt Nummer 5 Pf. vonntagi'Nummer mit illustrier Beilage 10 Pf. («ingetragen in der Poftieitungitprerilist« für 1886 unter Nr. 769.) 4 Marl. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzetle oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10...... Bei größeren Austrägen boher Rabatt nach Uebereiniunft. Inserate werden bi« 4 Nachmittag» in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtts«! Ke«thstr«K- S.— v»pedtti-«: Sim«erstr«tze 44. Ei» issms Eiagtstüdiiß freut uns immer,«s maz kommen, von welcher Seite es will. Bi» vor Kurzem wurde die starke AuSwande« rung au« unserem Vaterlande von de» konservative« Zeitungen entweder als etwa» Gleichziltige» oder sogar als etwa» Nützliches hingestellt, da durq dieselbe bei der starke« Zunahme der Bevölkerung durch de» Ueberschuß der Te» dunen über die Sterbefälle Raum für die im Lande Zurück« bleibenden geschasse»»ird. Wir haben schon oft erklärt, daß in Deutschland Raum genug für die doppelte Anzahl von Mensche» vorhanden ist und daß trotzdem die Lebensbedingungen für dieselbe« viel bessere sei« könnte», wie jetzt, wenn eine rationelle Bewirth, schaftung der Ländereie», wen» eine tüchtige Aufforstung de, Abhänge und Urbarmachung deS Oedlande« erfolgte. Wenn ferner eine energische Regelung der gegenwärtige« planlosen Produktionsweise durch eine weise, volkSthümliche Sozial« Reform in Angriff genommen würde. Rübenbau und Kartoffelbereitung, Zucker- und Spiritus« fabrikatio», welche dazu dienen, einzelne Wenige reich zu mache», da» Land aber zu verarme«, müßten dann natürlich auf da» Nothwendigste beschränkt werden. Also von einer Uebervölkerung, welche durch die Auswanderung paralpfirt werden müßte, kann im Ernste gar keine Rede sein. Deshalb ist eine zahlreiche Auswanderung immer ei» bedenkliche« Zeiche«.„Es ist etwa» faul im Staate Däne« mark"— so möchte man sage». Die Zustände auch in unserem Lande find keine gesunden, die Leute fühle» sich nicht wohl weder in politischer«och in wirthschaftlicher Hin« sich!, deshalb wandern sie au». Ob e» ihnen in der Fremde besser geht, ist eine zweite Frage; doch kann man mit einem gewisse» Rechte sage«, daß die deutschen Einwanderer in de« Freistaate» von Nordamerika sich durchweg recht wohl befunden haben, sonst würde der Auswandererstrom sich nicht immer erneut dorthin wälze». Und wer»ändert den» eigentlich au»? Der ganz Arme erschwingt da» UeberfahrtSgeld nicht, der Wohlhabende und Reiche zieht gleichfalls nicht von bannen, da e r sich im Vaterlande wohl fühlt; auch der sogenannte mittlere Man« nicht, der immer noch glaubt im Lande fortkomme» zu könne«. Aber r ü st i g e A r b e i t e r sind es, die einige Mark sich erspart habe», kleine Handwerker und kleine Bauer«, welche die Trümmer ihrer Habe rasch versilbern, Leute, die vorwärts wolle», aber daran ver- zweifeln, daß die« in Deutschland möglich sei. Kurzum diejenige« wandern au», welche mit de« Zustände» in Deutschland unzufrieden sind und noch eben die Mittel dazu haben, die Auswanderung bewerkstellige» zu können. JeuMeton. Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) Um da» allgemeine Uebelwolle«, welche« er, ungleich seinem Vater, auf sich gelade«, kümmerte sich der junge Henning» wenig. Mit der Einrichtung seine« Hausstandes beschäftigt, widmete er seine Mußestunden dem Opferdienst der schöne» Baronesse, welche nunmehr in der Residenz die jeoen, um nur ver Kunst und ven>senuste» oer feinen — zu lebe«, aber feine mit jedem Tage heißer werdende Leidenschast für Astarten zwang ihn, vorwärts zu strebe», um sich eine Stellung im Staatsdienste zu erringen, die ihn der Geliebte« würdig mache. Durch große« Fleiß und Eifer gelang e» ihm, Assessor ur werde«, und er' beschloß nun« wehr, bei Astarten seine Werbung anzubringen. Nicht allein die Begier, zu erfahre», wie fem Antrag aufgenommen �de, sondern auch nagende Eifersucht trieb ihn hierzu ®n* Gildern hatte sich nämlich von S...«ach der Residenz versetzen lassen und belagerte mit einem Heer an» derer Verehrer von Neuem das Herz der schöne» Wolken« stein. � Et war eine» ziemlich trübe« Wintertag« gegen die Dunkelstunde und gerade zu derjenigen Zeit, wo er sicher war, Mutter und Tochter allein zu sprechen, als sich Ed« wund ei» Herz faßte und in feinster Toilette auf die Liebe«. Werbung fuhr. Er gab seine Karte ab und ward ange« meldet. Zu seiner größten Freud« war die Holde sogar allein ,u Hause. Er trat hochklopfende« Herze«», glühend vor innerer Bewegung, ein und fand Astarten auf einer Ottomane im großen Erkerfenster, dessen duftende üppige Blumengewinde einen künstlichen Sommer um ste zauberten. Sie hatte Daß man e» al« ei» Zeiche« der Wohlhabenheit eine» Lande» hinstellt, wen» derartige Leute, die noch ewige hundert Mark zur Verfügung habe«, auswandern, da« ist E" falsch. Diese hunderte von Mark find, wie wir schon , die Sparpfennige einzelner nicht mit großer Familie eter Arbeiter oder die Trümmer der kleinen Vermögen von Handwerker» und Kleinbauer«, die ihnen bei der Kon- kurrenz de» Großbefitze« und de« Großkapitals«och übrig geblieben find. Könnte» die Arbester s ä m m t l i ch und mehr er« übrigen, wie jetzt einige wenige, hätten die Handwerker und Klewbauer» AuSficht, nicht vollends zu Grunde gerichtet zu werde» im Laufe der Zeit, dann würde die Auswanderung au» Deutschland eine nur gering« sei«. Eine starke Aus« Wanderung al» ei» Zeichen der Wohlhabenheit unsere» Lande« zu bezeichne»— ist somit ein Zeiche» großer Kurz« sichtigkest.——— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" brachte vor einige» Tagen da» Ergebnih der Volkszählung vom 1. Dezember vorige» Zahre», au» welcher hervorgeht, daß der Prozentsatz der Zunahme der Bevölkerung sich in den letzten fünf Zahre» bedeutend vermindert hat. Von 1870—1875 betrug dieselbe 0,92 Prozent, von 1875 bi» 1880 gar 1,14 Prozent und von 1880— 1885 nur 0,70 Prozent. Da« Kanzlerblatt gesteht nun selbst«in und mit einem Bedauern, daß da» Manko des Zuwachse« durch >ie große Auswanderung«ach überseeischen Länder», die in gewisse« die groß de« letzten fünf Zahren zirka«ine Million Personen betragen hat, entstanden fei. Die Einwanderung nach Deutsch« land komme dabei gar nicht in Betracht, da«ach de» andern europässchen Länder» ebenso viele Deutsche«»»wanderten, al« Einwohner derselbe« nach Deutschland herüberzöge«. Auch zeigt un» die„Nordd. Allg. Ztg.", daß die land- wirthschaftttche Bevölkerung ei» größere» Kontingent zur Auswanderung stellt, al» die industrielle, da erster« leichter lohnende Beschäftigung in Amerika findet, al» die letztere. Diese Erscheinung wird von dem genannte» Blatte sehr "»ajir' m«M w �- i ihr schmerzlich empfunden, weil dadurch die Arbeitskräfte in de» von ihr besonder» protegirte« altpreußische»,"""'~ vwzen zu mangeln beginnen und der ArbestSl östlichen Pro- ______________ u w iSloha zum Aerger der'dortigea Gutsbesitzer etwas in die Höhe geht. Wenn somit auch da« Bedauern der„Nordd. Allg. Ztg." über die starke Auswanderung ein einseitiges genannt werden muß, so ist e» immer doch erfreulich, daß da» Kanzlerblatt nunmehr die starke Auswanderung überhaupt bedauert. Zu« stände aber, welch« zur Auswanderung führe», könne« nach der.Nordd. Allg. Ztg."„nur allmälig durch eine wohl überlegte, die Interessen aller Berufsstände gleichmäßig pflgeende VolkSwirthschaftS-Politik" abgeändert werden.— Wir wollen nicht mit dem Kanzlerblatt rechte», wa» eben gelesen, da« Buch fortgelegt und stante vor sich hin. Eine rothe Ampel von geschliffenem Glase, welche von der Decke herabhing, goß ein röthlich-matte» Licht über da« fchön« Mädchen au«, während draußen die Dämmerung de« Winterabends ihre«eblichte« Schatten auf die Straße senkte. Astarte war wirklich vollendet schön.— Hoch«nd majestätisch gewachsen, von volle», künstlerisch tadellose» Formen, ward ihr blendender Nacken noch gehoben durch da« dunkle Kleid von Atlas, welches sie stet» trug, und dessen Spitzengarnitur ihr« volle» Arme, ihre runden, üp< pige« Schulter» umschlossen. Ihre Nase, fei» geboae» mit voinehm geblähten Flügel», jhr_ große», blaues, sonnen« hafte» Auge und eine üppige Fülle goldblonden Haare«, da« in Ringellocken auf Nacken und Brust herabrann, vollen- beten eine Erscheinung, die wohl Männerherzen verführe» konnte. Ein« nur, eine gewisse vornehme Ruhe,«ine leiden« schaft»lose Langsamkeit der Bewegung verlieh ihr etwa« «alte», Statuenhafte« und hätte leicht für geistlos gelte« könne», hätte Astarte nicht eben so viel Bildung wie ein« große Gelenkigkeit der Konversation besessen, welche nie erregt oder gar von tiefere» Wallungen de« Gemüth» durchzittert wurde, aber stet« voll graziöser Ungezwungen- heit war. Al» Edmund zu ihr trat, reichte sie ihm lächelnd die Hand. „Ich bezweifle, mein gnädige« Fräulein, daß Sie eine» Begriff davon habe» können, wie glücklich e« mich macht, daß mir der Zufall die hohe Gunst erweist, Sie allein zu sehen." „Zn der That, lieber Freund, das habe» Sie gewiß dem Zufall, oder vielmehr meiner Tante, der Oberhofmeistcrin, Gräfin Weigelsberg zu danke», die plötzlich erheblich unwohl geworden ist und Mama zu sich bitten ließ. Nehme« Sie Platz."- „Die Frau Oberhofmeisterin ist doch nicht bedenklich erkrankt?" „Hoffentlich nicht," lächelte Astarte.„Es wäre wenig- I sten» vom Schicksal gar zu malitiö», wenn eine theure diele Phrase eigentlich für eine Bedeutung habe» s o l l— wirkliche Bedewung hat sie nicht. Zede Sozial- Reform — die„Nordd. Allg. Ztg.' braucht hier sonderbarer Weise da» verzwickte Wort:„VolkSwirthschaftSpolitik"— muß in die bestehende« Verhältnisse eingreifen, und wen» sie ernst- Haft zu Gunsten der Mühselige» und Beladene» eingreife« soll, so muß sie von dem Rücken der letzteren etwas abnehme« und es auf de« Rücke» der weniger Beladene» lege«— sonst ist eine Sozial-Reform zu Gunsten der Ar- beiter und Armen die pure Heuchelei. „Eine die Interesse« aller BerufsstSnde gleichmäßig pflegende VolkSwirthschaftSpolitik" gehört einfach zu den Unmöglichkeiten. Durch die VolkSwirthschaftSpolitik zu Ende der 60er und Anfang der 70er Zahre wurde in Deutschland da« mobile Kapital zu Ungunsten de» Grundbesitze» bevorzugt; zu Ende der 70er und Anfang der 80er Zahre fand da» gerade Gegen» theil statt. Und nun meine« wir, müßten doch endlich die Ar- beiter an die Reihe kommen durch eine gesunde volk«- Mmliche, Roth und Elend im Voraus abwehrende Sozial- Dan» würde auch der allzugroßen Auswanderung ein wirksamer Damm entgegengesetzt. Daß aber da» Kanzlerblatt diese Auswanderung selbst «nd die U- fache« derselben überhaupt beklagt, das ist ei« beachtenSwerthesEingeständniß, welche» arell absticht von dem durchau« gleichziltige« Verhalten, welche» man in maßgebende» Kreisen bislang gegenüber der rapide« Auswanderung au» unserem Vaterlande einnahm. Yivat seqnensl PolMsche Weverstcht. Ein demokratischer Erzbischof ist Monseigneur Guilbert von Bordeaux. Derselbe schreibt in einer soeben erschienenen Broschüre:„Die demokratische Bewegung reißt die moderne Welt mit unwiderstehlich«! Kraft vorwärts. Der demokratische Geist, da» Streben nach Freiheit, Gleichheit und Biüderlich» reit, ist überall hin gedrungen und zeigt stck mehr und mehr bei allen Völkern der alten wie der neuen Welt. ES scheint uns sicher ,u sein, daß....... nach dem Laufe d eine Stätte haben umher, bei allen unseren Nachbarn, in England,' Spanien" Deutschland, Belgien und Oesterreich, da« demokratische Element unaufhörlich an Boden gewinnt. Sind nicht alle Regierungen konstitutionell oder parlamentarisch mit dem allgemeinen Stimm- recht oder unablässigen, auf dieses zielenden Wahlreformen t Das ist mehr oder weniger die Regierung de» Volke» durch da» Volk, wie auch die offiziell« Regierungsform sein möge, republikanisch oder monarchisch. Keine menschliche Macht kann diesen Zug, den wir für ein Werk der Vorsehung halten, zurück- Tante so plötzlich sterben müßte, nachdem ste la«ge Zahre sich um eine so einflußreiche Stellung bei Hofe be- müht hat." „Da« Schicksal ist aber manchmal höchst malitiö»." „Dann eeige mW"' legenen Menschengeiste», mein Theurer, und man wird ganz man ihm die vornehme Stirn de« üb«» gut mit ihm fettig werden. Apropo«, Sie haben nunmehr zwei ungeheure Berge Überstanden, Ihr letztes Examen und Ihre neue Einrichtung. Erzähle« Sie mir doch von Ihrem Haus«, ich bin höchst neugierig, ob Sie Geschmack besitze» l" „Gnädige» Fräulein, wenn ich Sie und Ihre Frau Mama einlade» dürfte, sich davon selbst zu Überzeuge», würde mir da» die größte Gunst sei«. Sicher ist meine Einrichtung lange nicht vollendet genug, um der Dame, welche dieselbe einst für ihr Eigenthum ansehm sollte, nicht überflüssig Grund zur Verbesserung zu geben." „Ei, wer weiß auch? Zch habe Ihre« Geschmack oft bewundert und bi» gewiß, wen« ich in Ihr Hau« komme, werde ich de» Vergnügen» kein Ende finden, vielleicht ver» liebe ich mich gar darein, haha, und Sie habe» dann Roth, mich loS zu werden." „Zch wünschte, Sie sprächen im Ernst so, meine schön« Freundin, dann könnte ich kühnere Wünsche wagen, denn ich wäre eitel genug, zu glauben, Sie liebten oa» Hau» mein« Eltern auch um meinetwillen I" Astarte sah ihm fest in da» glühende Gesicht, dann übergoß sich ihr Antlitz mit Purpur, ihr Aua« senkte sich. Der entscheidende Augenblick in Edmund« Lebe« war da, eine Sekunde Zögeruag nur und e» war zu spät! Eine« kalten Stich gab es ihm durch'« Herz, denn tückisch tauchte seine Jugendliebe, de« Vater» letzte« Bild empor! Wie ei» schmerzlich süße», geisterhafte» Zaubertöne« au» ferner Zeit umiönte ihn klagend das Lied I Wie der Duft der Linden vom Oberhoff wehte e« ihn an, umsonst! Vor sich diese« holde Weib, diese wilde, selig« Götierminute, und zaudern?— Er sank zu ihren Füße«, ergriff ihre Hände, die er mit Küsse» bedeckte,»mschlang mit glüher- der Gewalt diesen schöne» verlockende« Köiper:„Astarte. drängen. Denn mit den Mitteln der Propaganda, die der Demokratie zur Verfügung stehen, mit den Entdeckungen und Eifindungen, mit der� Industrie und dem Handel, welche die Intelligenzen und die Völker zusammenbringen, gehen die Ideen schnell und stnd noch nie schneller gegangen. Wie sollte man sie aufhalten? Sie werden in all, Winde geworfen durch die Presse, sie fliegen auf unseren elektiischen Drähten, sie fahren mit Dampf auf unseren Eisenbahnen und Schiffen, str krachen in den Bomben aller unserer Schlachtfelder. Ja, wir stnd fest überzeugt, in wenigen Jahren wird die Demo- kratie mit unserer christlichen Zivilisation die Reise um die Welt gemacht, fie wird die alten oder barbarischen Völker ge« weckt und fie von ihren Leiden und ihrer Knechtschaft befrett haben l" A« Sameru« ist wieder vlut geflossen. Räch einer Nachricht deS Wolff'schen Telegraphenbureau« aus Berlin melvet der Kommandant de? Kanonenboot»„Cyclop", Kapitän« Lieutenant Stubenrauch, telearaphisch von der westafrikantschen Station:„Beschoff Monep Bimbia, habe gelandet und S t a d t zerstört. Vom„Cyclop" keiner verwundet. Gouvemeur anwesend.— Weitere Meldungen liegen noch nicht vor. Da« Gebiet von Bimbia ist den Hamburger Firmen Woermann und Jantzen und Thormählen von den Eingeborenen abge- treten, die ihrerseits unter kleinen Dorfhäuptern stehen: doch beanspruchte der vielgenannte„König" Bell die Oderhoheit über fie. Au« der Berathung de» ländliche« Uufallverstche- rnugSgesetze» erlmnt man so recht deutlich wieder, daff der ParlikulariSmu» über die Reichiidee gestegt hat. Die ganze Organisation der ländlichen Unfallverfilderung ist für die näch- st-n drei bezüglich fünf Jahre der Gesetzgebung der Einzel« staaten überlaffen. Erst wenn fie von ihrer Vollmacht keinen Gebrauch macht, tritt daS Reich ein. Da« ist partikularlsttsch« konfus. Die RegiemngSoollape war in diesem Punkte klarer und Keffer. Aber auch die Nationalliberalen haben in der Kommisfion dem Partikularismu« gebuldigt, nur„damft etwas zu Stande kommt".— Diese ManneSseelen I Ueber die vollständige Nachgiebigkeit de» Kanzler» gegen die Forderungen de» Papste» in Bezug auf die ttrchcnpolitische Vorlage herrscht nach der„Freis. Ztg." heute kein Zweifel mehr. Die Kirchenpolitik de« Kanzler« ist eine derartig verfahrene, daff derselbe in keiner Weise mehr zurück Die Erklärung deS Papste«, daff e« der Regierung freistehen solle, ihre®i finde für die Auischlieffung de« vom Bischof vorge» schlagenen Individuums geltend zu machen, im Falle fie die Zulassung desselben wegen wichtiger ihr nachgewiesener That- sacken mit der öffentlichen Ordnung für unverträglich erachte, deckt fich mit der wüittembergischen Gesetzgebung, welche einen Einspruch gestattet gegm die„in bürgerlicher oder polttischer Beziehung mifffälligen Personen". Die Hauptsache ist, daff da« Einspruchsrecht nach der Forderung de« Papste« abge« schwächt wird zum Recht, den Bischöfen Vorstellungen zu machen, während nach den Maigesetzen die Erhebung de« Einspruch« strafrechtliche Konsequenzen gegen die im Widerspruch damit erfolgten geistlichen Amtshandlungen nach flch zog. Zur Polenfrage. Einigen Handarbeittlehrerinnen polnilcker Nattonalilät, welche in den posmschen Volksschulen den Mädchen-Unterricht ertheilten, ist, wie der„Dziennik Pozn." mitthcilt, zum 1. Juli d. I gekündigt worden. In Beschimpfung de» Netchstag» überbieten die sächfi« schen Amtsblätter doch bei weitem die preußischen KreiSblätter. So lesen wir im„Eczgebirgischen VolkSfreund", amttichc« Blatt für die königlichen und städtischen Bebörden in neun Orten, Redaltion und Verlag von C. M. Gärtner in Sckneeberg: „Der deutsche Reichstag— Schande, daff man e« aussprechen muff— verweigerte dem Retter Deutschland« alle« und jede«, worum er bat, jede« HilfSmtttel, jede Machtbefugniff." Weiter erzählt Herr C. M. Gärtner in seiner Wochenschau, daff die ReichStagSabgeordnetm dem Reichstag„Sudeleien von Peti« tionen al« Trumpf gegen die Monopolvorlage übergeben hätten, welche mit Theodor Kognak, Lisbeth Pomeranze u. s. w. unterschrieben gewesen seien.— Während Minister v. Scholz im Reichstage also nur anführte, daff in einer Frank- furter Schankwirtbschaft eine solch« Petition auf dem Tisch gelegen hätte, stellen e« diese Reptilien dlätter so dar, al« ob die an den Reichstag selbst gelangten Petitionen solche pseudo« nymen Unterschriften gehabt hätten. Zur Verlängerung de» Sozialistengesetze» schreibt der nationalltberale„Hannoversche Courier":„Der Reichstag hat damit ficherlich nicht wenig zur Beruhigung vieler Abgeordneten beigetragen, deren Gestnnungitüchtigkeit «S nicht zulieff, ihren innersten Gefühlen dadurch einen offenen Ausdruck zu geben. daff fie für da« Gesetz sttmmten. Die %%% Arena bezeichneten, in der die Sozialdemokratie überwunden werden müßte, haben ficherlich im Stillen der M-hrhett von »starte I— Mögen Sie mir zürne», sich von mir wende«, mit kaltem Worte mir alle Lebenshoffnung raube«, ich liebe Sie u«d komme heut' zu Ihne», da» Geringe, da« Einzige zu biete«,»aS mein ist,«ich selbst I Genügt Ihne» meine redliche, treue Liebe, daS LebenSloo«, welche» ich Ihnen im steten Ringen zu schaffe« hoffe, und ist Ihr Herz noch frei— Astart«!"— Er lag vor ihr und starrte in ihr Antlitz mit der Spannung eine» Verzweifelten. Alle seine Pulse schiene« still zu stehen! „Edmund, wollte ich ganz allein nur meine« Ge« fühle« folge«, ich würde Zhne» unbedenklich mein Jawort gebe»/ „Mädchen, mein süße», holde« Mädchen!" „Nicht! Nicht so, lieber Edmund I Seien Sie nicht vorschnell, um Gotte» willen! Es könnte Sie und mich reuen!— Ich würde, stände ich allein und wäre aanz frei, Ihne« gewiß mein Jawort gebe«, den» Alle« spricht in mir zu Ihren Gunsten, aber ich bin eben nicht sie», weder meiner äußeren, noch innere» Lage«ach. So sehr mein Verstand darüber hinweg ist, bin ich doch von Geburt. Nei- guvg und Erziehung die Tochter eine« vornehmen Manne«, habe bei meiner Wahl die Wünsche meimr Mutter, meiner Verwandte« zu Rath« zu ziehen und befitze einen Ehrgeiz, der mir im Blute liegt. Laffen Sie mich mit Mama zu Rathe gehe«, legm Sie ihr selbst ihre Wünsche vor, und wen««eine Mutter, die für mich in jeder Beziehung Auto« rität ist, ihren Segen giebt, dann, Edmund, werde ich Ihnen nicht« al« ein„Ja" zu erwidern habe». Bi« dahin aber gehen Sie schonend mit meine« Gefühle« um, fordern Sie keine Beweise von Neigung, lasse« Sie fich zu keinen Extravaganzen hinreißen, die mich verlege««ache« und unser Glück nicht förder« können/ Edmund war an die Baronesse durch seine Erklärung gebunden, fie— noch nicht. Selige Hoffnung und nagender Zweifel rangen in ihm, al« er, mit einem verstohlenen Kuß vertröstet, von ihr ging, und«och ein anderer Dämon war in ihm wach, da» Gewissen, welche» ib««it plötzlicher Klar« eit die vergangenen Tage vor die Seele rief. Er mußte ch zerstreue«, deshalb suchte er einige Bekannte, Künstler Herzen gedankt, daß fie durch Annahme de« Gesetze« die Deuischfreifinnigen wenigstens noch auf zwei Jahre hinaus vor dem Knüppel Tölcke» dewahrt hat, der bekanntlich seinerzeit in den soitschrittlichen Versammlungen von den Sozialdemokraten al» schlagender Beweis ihrer Auffassung von der Lehre der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit geschwungen wurde."— Die Deutschfreifinnigen mögen fich bei ihren Mitliberalen bedanken. Den Unkundigen aber diene zur Nachricht, daff Herr Tölcke seinen Knüppel nur einmal in verlin geschwun- gen hat und zwar im Konzerthause als Vorfitzender in Er- mangelung einer Glocke, welche der damalige Fortschrittler Dr. Löwe beim Ausreißen mit fortgmomme« hatte. Ueber die Ärbetterfchutzgesetzgebung im Deutsche« Neichtztage äußern fich die konservativen„Dresdener Nach» lichten" in folgender Weise:„Sehr zu beklagen ist, daß die Anträge und Gesetzentwürfe betrefft de» ArbeiterschutzeS in dem Ausschüsse stecken bleiben. AuS dem Aermel laffen fich diese Gesetze freilich nicht schütteln: die einzelnen Vorschriften derselben greifen zu tief in» gewerbliche Leben ein, als daß man über fie sofort fich verständigen.könnte, selbst beim besten Willen der Betheiligten. Aber auch mit dem letzteren steht e» nur soso. Der betreffende Ausschuß, in den 28 Abgeordnete gewählt worden find, hat fast nie mehr als 15—16 Mitglieder versammelt gesehen. Große Förderung hat daS Unternehmen seitens der BundeSkommiffare bisher nicht erfahren; da« Gefühl, vergeblich zu arbeiten, lähmte den Eifer auch Derer, die von der Nothwendtgkett eines ausgedehnteren, gesetzlich genau umschriebenen ArbeiterschutzeS überzeugt stnd. Nicht einmal betreffs der Sonntagsruhe ist eS zu festen Vorschriften ge- kommen, obwohl Konservative, Klerikale und Sozialdemokralen dafür degeistert find. Die Gcheimräthe im Reichskanzleramt de» Innern find eben im Puntte de« Arbetterschutzei und be- Snder« der Sonntagsruhe noch zu sehr von manchesterlichen nschauungen erfüllt und fie finden darin bei der öden Plu«macherei der freihändlerisch en Grund« s ä tz e der Fortschrittspartei wie dem einseitigen, kurzfichtigen Fadrikantenstandpuntt der Nationalliberalen Unterstützung"— Da» ist wahrlich so Übel nicht Doch angestchtS der Getreide« und Fleischzölle, dieser öden PluSmachtrei agra« rischer Grundsätze thäten die Konservativen gut daran, auch vor ihrer eigenen Thüre zu kehren. Echt«ationalliberat l Vor einigen Tagen schrieb da» „Leipz. Taaebt", daff die Sozialdemokraten da« allgemeine gleiche Wahlrecht überall dazu benutzten, Unzufriedenheit in die Massen zu tragen, den Aufruhr zu schüren und deraleichen mehr. Jetzt erzählt dasselbe Blatt seinen Lesern, daff Belgien eine auSnahm»weise günstige Beschaffenheit für die Entwickclung der Sozialdemokratie zeige, unter anderem deshalb, weil da» allgemeine Stimmrecht fehle. Und die Leser deS Blatte«, die„gebildeten" Nationalliberalen lassen fich d a» bieten! I« Augsburg wmden dieser Tage, wie die„Elb. Ztg." meldet, zwei Ardeiter wegen Verbreitung der Most'schen„Freiheit" zu mehrmonattichem Gefängniff verurtheilt; zwei weitere Angeklagte wurden wegen deffelben Reate« freigesprochen. Be» merlenSwerth ist bei diesen von Zeit zu Zeit vorkommenden anarchistischen Prozeffen, daß die Betroffenen fast stets Oester« reicher find, selten Norddeutsche, fast nie Bayern. Eine kaum glaubliche Verfügung. Un« wird fol- gendei Schristfiück zugesandt, datirt Weiffenfel», den 2. April 1886, und gerichtet an einen dortigen Zigarren« Händler: Sie dekoriren seit einiger Zeit daS Schaufenster JhreS Zigarrenladens bei eintretender Dunkelheit mtt einem dlutrothen Vorhang, welchen Sie intenfiv beleuchten. Bei Ihrer notorischen Stellung als einer der Parteiführer der hiefigen Sozialdemokraten kann e» nicht zweifelhast sein, daff Ihre obige Handlungsweise dm Charakter einer fortge- setzten Demonstration trägt, weshalb da« öffmtliche Interesse ein Einschreiten unserersert» gebietet, Da Sie nun auf eine dahin gehmde mündliche Aufforde« rung nicht reagirt haben, werden Sie hiermit veranlaßt, vom Empfang dieser Verfügung ab da» Aufhängen de» erwähntm rothm Vorhanges zu unterlassm, resp. dmselben von der in Rede stehenden Stelle zu enffernen, widrigenfalls gegen Sie auf Grund deS§ 132 deS Gesetze» über die allgemeine LandeS- Verwaltung vom 30. Juli 1883 eine Exekutivftrafe von 60— sechSzia— Mark, im Unvermögensfalle eine Haststrafe von 1— einer— Woche festgesetzt werden wird. Die Polizet-Verwaltuna. lUnterschrist unleserlich) Ein rother Vorhang dient fast überall alS Rek ame. An den Thürfenstern der Destillationen, der Restaurationen mit ---•■- findet man fast stet» rothe Vor- soll also diese Reklame ver- hat der Bettoffene die gericht- liche Entscheidung angerufen, welche eine derartige polizeiliche Au»legu«g ficherlich rektifiziren wird. Belgien. Die radikale Brüsseler ,, Reform" deS bekanntm Advokaten Janfon schreibt über die Ursachen der Tumulte sehr vernünftig:„Man fährt fort, von„anarchistischen Anstiftern" und junge Gelehrte, die neuen Freunde seine« Reichthum», auf, um mit ihnen bi« spät in die Nacht im Weine seine todende« Gefühle zu ersäufe«.— Seine Herzen»a«gelegen» heit bei Astarten ward aber unvermuthet auf eine längere Folter der Erwartung gespannt, dm» da» Unwohlsei» der Oberhofmeisterin Gräfin Weigelsberg, der Schwester de« verstorberen Baron», verwandelte fich in eine kurze, aber sehr ernste Krankheit.— Die Dame starb, ehe fie ihrer einflußreiche« Stellung recht froh geworden und für da« Glück ihrer Schwägerin wie Nichte hätte sorge« könne».— Da« Schwinde« sämmtlicher brillanter Au«fichte« versetzt« die alte Baronin in tiefste Melancholie, und erwägend, daß fie auch mit ihrem Bruder, dem Smator Wulfen», nicht mehr so gut wie ehemal» stand, wmde sie geneigt, den Anträgen de« jungen Henning» Gehör zu schenken, welche ihr erst privatim durch die Tochter und bei schicklicher Gelegen« Heft«och den ersten Wochen der Trauer von Edmund selbst gemacht wurden. Bei dieser Unterredung wußte e« die Baronin so ein- zurichten, daß Astarte fich auf Besuch zu einer Freundi« begab, den» fie wollte weder da« Gefühl der Tochter ver« letzen, noch Erörterungen unterlasse«, welche fie für da» künftige Wohl ihre« Kinde« nöthig hielt. „Lassen Sie un« jetzt, wo e««och Zeit ist, lieber Ed« mund, Alle« wohl überlege«, den« e« ist besser, Sie kennen die Schwierigkeiten, welche fich Ihnen an Astarten« Seite bieten werden, vorher, al« daß Sie später auf Dinge stoße», die sehr geeignet sei» könne», Euer beiderseitige» Glück zu ttübe«.— Eine Mutter,«er fie auch sei, will möglichst hoch mit ihrem Kind hinau«. Dieser Fehler ist zu gerecht, um nicht verzeihlich zu sein. Ich weiß bereit« lange, daß Astarte Sie liebt, aber die Liebe ist e» wahrlich nicht allein, wa» die Zukunft einer Familie verbürgt. Der alte Adel meine« Manne«,«nsere Verbindungen in aristokratischen Kreisen»öthige» mtt die Pflicht auf, mein Kind keinem Manne zu gebe», der nicht Karriere im Staate und ei» selbstständige« Vermöge» aufzuweise« hat. Rang und Name« befitzt Graf Gilder», der, wie Sie bemerkt habe« werde«, Ihr Nebenbuhler ist, gewiß, aber er vermag da« weder mtt einem Kapital zu unterstütze»,«och ist, ttvtzdem er hier zu sprechen, welche die Unruhen von Lüttich und im Hennegau geschürt, dlrtgirt und organifirt hätten. Seit langer Zett ver« langen»tt, daß man un« diese Anstifter oder wenigstens einen derselben vorzeige. Man hat so viele Hunderte von Verhaf- tungen vorgenommen, daß, sofern man nicht vorbei gehauen hat, man wenigstens einige anarchistische Anstifter in jenen Ge- fängniffen hätte einschließen müssen, au« denen man die Diebe und die Prostituirten entließ, um die Ardeiter dort einzusperren. Da man die Anstifter hat oder fie wenigsten« haben sollte, verlangen wir, daß man un« dieselben vorlege. Herr Ministerpiästdent Beernaert hat selbst in der Kammer erklärt, daß e« Anstifter gegeben hatte. Und er wußte wohl diese Erklärung abgeben, denn wenn die Arbeitseinstellungen und die Unruhen nicht ein unerträgliche« Elend zur Ursache hatten, muß man fie auswärtigen Agenten zuschreiben— agento proyocatenrs, sagen Einige— bärttgen Männern, sagen Andere, deren Schandthaten man überall, aber deren Bart man nirgendwo erblickt. Man hat selbst von Agenten fremder Naitonalität gesprochen. Und man hat viel von denselben gesprochen. Die konservative Presse glaubt, daß Alles den verbrecherischen Umtrieben von fremden Anarchisten zu verdanken ist, welche, wie es scheint, in unserem Lande prächtig gedeihen. Ader wozu diente dann eigentlich der Chef der öffent- lichen Sicherheit, der niemals zartfühlend den Fremden gegen« über gewesen ist, und wie konnten diese gefährlichen Verschwörer fich vermehren, ohne daß die Regierung etwa« davon merkte? Heute muß dieselbe die Anstifter in ihrer Gewalt haben: man verhastet und hält gefangen in unterm Jndustriedezirken so zu sagm,«en man will. Die Regierung wird unS also innerhalb acht Tagen den Beweis von der Existenz jener fa« mosen Anstifter erbringm können, welchm alleS Unheil zu ver- danken ist. Und wenn wir fie gesehen haben, werden wtt an dieselben glauben. Aber bis dahin glauben wir, daß die kle- rikalen und doktrinären Zeitungen daS Publikum zum Narren gehalten haben, und daß der Minister Beernaert die Kammer zum Besten hielt, indem er oersuchte, chimärischen Anstiftern dasjenige in die Schuhe zu schieben, was durch da« tiefe Elend der Massen und die Fahrlässtgkeit der Regierung leicht er- klärt wird!"— Wir können hier dem bürgerlichen Blatt voll und ganz beistimmen. — In der Kammer interpellirte Bara(liberal) die Regle« rung wegen de« Befehl» deS General» Vandersmiffen, bekann tt Anarchisten, welche ihren gewöhnlichen Wohnort verlassen, zu arretiren: da« sei ungesetzlich. Der Minister erwiderte, dtt Regierung habe den Befehl nicht gegeben; der General habe im Eifer vielleicht die Ausdrücke nicht genau abgewogen. Der Zwischenfall ward hierauf geschlossen. — In einem am Montag stattgehabten Minifierrathe ist auf de« Königs Befehl eine Kommisffon behufS Einführung eines persönlichen obligatorischen Militärdienstes eingesetzt worden. In Belgien kann man fich jetzt bekanntiich noch los« kaufen. — Zweitausend in den Steinbrüchen von Qumast be« schäftigte Rrbetter streiken. Ar a«r reich. In Decazeville ist nicht mehr davon die Rede, daß die Soldaten mit den Arbeitern ihre Suppe theilen. Der schöne Ausdruck hat in der Kammer seine Schuldigkeit gethan und die Truppen find nun angewiesen, jeden näheren Ve-kcbr mit den Stterkenden zu vermeiden. Schildwachen, welche Unde« kannte anschoffm, die auf fie zugehen wollten, wurden belobt; Tenie-Soldaten, die Nacht« ihren Posten am Schachteingana verließen, in Ketten abgeführt, um vor ei» Kriegsgericht gestelli zu werden; Kompagnien, dtt mit der Bevölkerung schon zu bekannt schienen, durch ftische Truppen ersetzt. Dte DecazeviUer hatten also Unrecht, im Verstauen auf die republikanischen Ge- finnungen de« General» Boulanger von den Truppen ge- gebenen Fall» brüderliche Behandlung zu erwarten. Noch mehr, die militärische Leitung ist bereit« zu direkt feindseligen Maßregeln gegen dtt Grubendevölkerung geschritten. Der in Decazeville kommandirende General Borson warnt in Mauer- Anschlägen alle im Reservisten« oder Territorial-Armee-Ver- hältniß stehende Individuen, somit dteganzemänn« liche Bevölkerung bis zum Alter von vierzig Jahren, vor der Theilnahme an Versammlungen, da fie sonst vor'S Kriegsgericht gestellt und wegen Rebellion ver« urtheitt würden. Eine schöne Versammlungsfreiheit! Di« Maßregel soll offenbar die Wirkung haben, die Organisation der Streikenden zu schwächen und zu zersprengen. Auch vul au« der Abfichi der Einschüchterung ist die Art der Verhaftung der Berichterstatter de«„Cri du peuple" und„In- tranfigeant" Duc- Ouercy und Ernst Rochezuerttä« ren. Die Verhaftung wttd folgendermaßen erzählt: Um 5 Uhr Morgen« war schon die ganze Besatzung von Dccazeville auf den Füßen; eine Kompagnie Infanterie mtt aufgepfianz« tem Bajonnei und eine Schwadron Dragoner waren auf den beiden Hauptplätzen, Place du Decaze« und vor der Kirch«. aufgestellt. Dtt Truppen hatten Befehl, bei der ersten Ruhe« störung Feuer zu geben. Gegen 7 Uhr wurden dtt Häuser, in denen Duc und Roche abgestiegen waren, umzingelt und acht Gendarmen mtt einem Brigadier verlangttn Einlaß. Da« dem Generalstabe nunmehr atiachirt»st, vorauszusehe», daß er rasche Karriere machen dürste. Sein Bruder, der Kammerherr, bisher feine einzige Hoffnung, bat feit lange jeden Einfluß verloren;«in Glück für denselben, daß er eine vornehme und reiche Frau befitzt. Auch Sie wolle» erst Rang und Name» erwerben, und wenn ich dabei meine« Schwiegersohn auch mtt Konnaissancen vortheilhaft unterstütze« könnte, ist da» doch nicht so rasch gethan, erfordert Ihrerseits ebenso bedeutende Anstrengungen. Ihr Vermöge», lieber Henning», ist sehr hübsch, zumal für eine« Bourgeois, aber kaum groß genug, um bei allen Erfordernisse» de» noblen Leben« auf längere Zeit gegen all« Chanzen der Jntrigue Ihrer muihmaßliche» Gegner««geschwächt vorhalte« zu können. Sie selbst find ein liebenswürdiger, vortrefflicher junger Man», der meine Tochter so leidenschaftlich verehrt, wie sie e« verdient, aber Sie find leichtblütig, exzentrisch, ebenso kühn wie unvorsichtig, ebenso schwärmerisch wie auf jenem glatten Parquet unerfahren, da« Sie trete« lernen müssen, wolle« Sie Ihr Ziel erreichen. Bei aller Freund- schast für Sie bi» ich doch zu sehr egoistische Mutter, al» daß mir Astarten« Loo» nicht Alle« gälte, ich nicht mtt schwerster Äesoraniß Eure Hände vereine« müßte. Ich weis« Sie nicht ab, Edmund, Gott bewahre. Aber ich stelle Ihne« eine Alternative, deren Erfüllung allein in Ihrer Haid liegt! Ist Astarte einmal Ihre Gattin, so hat meine mütter« liche Macht über Ihr Geschick ein End«, sie muß Ihnen folgen, sei'« auch zum Schlimmste», und jeder Eventualität vorzudaue« ist mint Pflicht I" Edmund küßte brünstig der alte», stolze« Dame die Hand. ,O, rede» Sie, verehrungswürdige Frau! Wa» soll ich thu«? Welche Sicherheit Ihnen für Astarten» Glück bieten? Blindlings will rch mich Ihre« Wünsche» und Anordnungen, selbst der härtesten Bedingung unterwerfe", um Ihnen einen Beweis der Letdenschast zu gebe», welche ahne de« Besitz Ihrer Tochter mich nur in VerzweifU"S stürze« muß. O, sprechen Sie, zöger» Sie nicht I" „Auf die Gefahr hin, daß Sie mich gröblich«ißvef stehe», Edmund, muß ich Ihnen zwei Bedingungen stelle", unter denen Sie zu«ähle« haben. Entweder ftihlea Si« fich stark genug, so lange warte», Ihrer Leidenschaft de" Ummer bei ersteren im Hotel Viguit hatte vier Thllren, deren jede eine Wacke erhielt. Ein Kldwebel Ilopfte an die eine derselben und börte, wie der Korrespondent dei„Cri du peuple" ausstand und an eine andere eilte. Hier aber fand dieser den Feldwebel, der ihm den Verhaftungsbefehl vorlaS und ihn ersuchte, fich anzukleiden, nachdem er fich eines auf dem Tische liegenden geladenen RevolverS bemächtigt hatte. Duc leistete ruhig Folge, während der in einem anstoßenden Zimmer einquartierte Abgeordnete Baily fich vergeblich de- mühte, ihm zu Hilfe zu eilm. Die Gendarmen verhinderten ihn, mit dem Verhafteten zu verkehren, konnten es aber nicht weinen, daß er ihn auf die Straße begleitete und hier zu« aletch mit Duc schrie:„ES lebe die soziale Repu- bltk!" Draußen traf man mit den Gendarmen zu-. sammen, welche Roche unter ganz ähnlichen Umständen in einem anderen Gasthofe arretirt hatten. Roche seinerseits rief: „ES lebe der Streik!" Man ließ die Verhasteten mit ihrem Gefolge in einen Omnibus steigen und ihnen Handschel« len anlegen. DaS Fuhrwerl brachte fie nach dem vier Kilometer entfernten Vivicz, von wo man um 10 Uhr nach Villeftanchr fuhren. Hrer sollen fie vor daS Zuchtpoltzeigericht gestellt werden. DaS Ereianiß machte, wie begreiflich, unter den Grubenleuten einen tiefen Eindruck; aber wie groß auch die Auflegung der Gemüther war, die äußere Ruh« wurde den ganzen Tag über nicht im Geringsten gestört.— Rochefort behauptet in seinem Blatte, daß dieses„Attentat" von der Re» gierung begangen worden sei, um die Arbeiter zum Aufruhr zu dringen, und anderersests den großen Finanziers einen Liebesdienst zu erweisen, welche sonst nicht für den Erfolg der Anleihe eingestanden wären.„Die Regie« rung", sagt Rochefort wörtlich,„hat im Augenblicke die Unter« stützung der großen Finanziers für daS Gelingen der Anleihe nöthig, welch« dazu bestimmt ist, einen Theil der Tollheiten ihrer Vorgänger und ihre eigenen zu bezahlen. Leon Sag wird ihr ohne Zweifel seinen Schutz unter der Bedingung ver« sprochen haben, daß fie ihn unterstützt, um diesen verdammten Streik zu beendigen. Judas hat Christus für 30 Silberltnge verkauft. Unsere beiden Freunde haben da? Recht, stolz zu sein; die Regierung hat fie für eine bedeutend höhere Summe ausgeliefert: für 900 Millionen. Grotzbritaunie»« Die wildesten Spelulationen werden über daS Schicksal der Gladstone'schen Home-Rule Vorlage ange« stellt und der„Standard" will sogar schon wiffcn, daß Glad- stone's Rede am Donneistag 2 diS 2'/, Stunden dauem werde. 75 Liberale würden unter Führung Lord Hartington'S gegen Gladstone stimmen, während Chamderlain über 12 Anhänger verfüge. Sollte Gladstone's Bill bei der zweiten Lesung ver» worfen werden, so werve dem Unterhaus« wahrscheinlich ein von Hartington, Goschen, JameS, Cbamberlain und Trevelpan ge« meinschaftlich ausgearbeiteter Plan zur Lösung der rrischm Frage unterbreitet werden und Lord Hartington werde dann ein neueS Ministerium bilden, da Gladstone demisstonirm würde, doch sei eine Auflösung deS Parlaments nicht auSae- schloffen u. s. w. Gradstone hat fich nach Eoombe, der Be- fttzung Lord WolvertonS unoiett Kingston, begeben, um dort in ländlicher Abgeschiedenheit einige Tage vollkommener Ruhe �genießen, ehe er am Donnerstag seinen großen Koup auS- Die in den Vereinigten Staaten, AuSstralien und Kanada veranstalteten Sammlungen zur Befreiung Jr« lan d S haben bis jetzt 19K9ö2Lstr. ergeben, während in England und Irland 86 059 Lstr. zusammengekommen find— zusammen also 282961 Lstr. Vorgestern begann in dem Londoner Zentral-Kriminalge- richtShofe der Prozeß gegen die Sozialisten Hyndman, Cham- pion, Burns und WillamS. Die Anklage lautet auf Aufwte- gelung durch aufrührerische Reden bei den jüngsten Londoner Unruhen. Großen Eindruck hatZ allenthalben in England die UnterhauSfitzung vom 2. d. M. gemacht, in welcher vom deutschen Handel die Rede war. Einer der größten Schiffi b-m er England?, Mitglied deS RegierunglauSschuffeS zur Untersuchung der Ursachen der ungünstigen Lage von Handel und Industrie in England, Mr. Charles Mark Palmer, erklärte:„Deutschlands Landwirtbschaft leidet unzweifelhaft, aber in anderen Beziehungen ist Deutschland eines der wohl- babendsten Länder Europas und wetteifert mit England in Industrie und Handel so wirksam, daß ich fürchte, wir werden im Wetllaufe zurückbleiben, wmn wir nicht von Deutschland lernen." Im Norden Europas, in Dänemark, Schweden und Norwegen hätten die Deutschen den Engländern schon den Rang abgelaufen. Jede Woche langten dort deutsche Schiffe mit allen möglichen Waaren an, welche flüher England zu liefern pflegte. M'Laren kam dann auf die in Deutschland für China gebauten Dampfer zurück, ferner auf daS deutsche Syndikat zum Bau der chinestschen Eisenbahnen, deffen Scheitern nur dem raschen Eingreifen Lord Rosebery'S zu danken sei. Herr Bryce, der UnterftaatSsekretär deS Aer-ßern, erging fich alSdann im Lobt deS deutschen Kaufmannes, welcher den britischen deshalb überflügele, weil er mäßiger leb«, billiger Zügel anlege» zu können, bis Sie eine so hohe und unan» tastbare Stellung im Staate erworben habe«, daß Ihre Familie selbst dann gesichert ist, wen» verschuldete oder un« verschuldete Einbußen Ihr Vermögen treffe«. DaS aber müssen Sie selbst gestehen, kann möglicher Weise sehr— lange dauern! Andernfalls sehe ich nur dann eine Mög« lichkeit, mich mtt einer frühere» Verbindung zu versöhnen, «eine Tochicr all« Ihre Anstrengungen, Enttäuschungen und Wechfllfälle theile» zu lassen, wen« Sie derselbe« durch eme» Ehekontrakt unter allen Umständen und ohne Vorbe» halt die Hälfte Ihres Vermögens aussetze» und meinem Herzen die Beruhigung gebe», für Astarte sei gesorgt, auch wenn daS Schlimmste über Sie herei« bricht I" Die Baronin hatte, gegen ihre sonstige Gewohnheit mit einer fast rührenden Wärme, einer Liebe für Astarte ge« sprachen, als gälte es, die Tochter mit ihrem Herzblut zu beschirmen. Nachdem sie geendigt, wischte sie sich die Thräne» aus de« Wimpern, welch« ihre innere Bewegung emporaetrieben. Edmund war aufgesprungen.—»So habe» Sie nichts weiter nöthig, verehrte Frau, als Ihrem Advokaten zu be> flchlen, daß er das Instrument aufsetze! Ich werde S am Verlobungstage unterzeichne» und Sie aller Muttersorgen fortan entheben!" Die Baronin schloß den jungen Mann gerührt in ihre Arme und nannte ihn ihren liebe» Sohn. DaS darauf folgende, höchst vertrauliche Gespräck» war den Pläne» und Naotdnunge» gewidmet, welche man zur Gründung dieses Doppelglücks für nöthig hielt. Hierbei überraschte fie die zurückkehrende Astarte, und ein glühender Kuß, eine heiße Umarmung Edmund'« in Gegenwart der lächelnden Mutter sagten ihr,«aS geschehe« war! „_ Die Baronin nebst Tochter hatte«"den �.kalten Stein" »«Ucmk« halber«och nicht betrete», indeß für verschieden« ---------- Verbesserungen in Edmund'« Wohnung «»I.U.0, yatver«o-y»iqr vetrete», indeß für verschieden« �«nchtungen und Verbesserungen in Edmund'« Wohnung sorge getragen. Der zweit« Stock ward sofort gekündigt, denn es verstand fich wohl von selbst, daß Mama in da« Haut ,hre« Schwiegersöhne« zog.~ arbeite(!\ fleißiger sei und vor allem eine bessere kaufmännische und sprachltche Bildung genoffen habe.— Wir lesen diese Kundgebungen mit sehr gemischten Gefühlen. Wenn Deutsch- land im ehrlichen, gleichm wirthschastlichen Kampfe seine Nebenbuhler übertrifft, so werden wir als Deutsche uns deffen immer freuen. Wenn eS aber feine Erfolge nur erringt durch maßlose Ausnutzung der ArbeitSflaft, wenn das„billiger arbeiten" nur durch den größeren Druck auf den Lohn erreicht wird, dann danken wir für solchen Ruhm, denn wir hätten ihn dann erkauft mit der Verkümmerung und Entwürdigung unseres Arbeiterstandes. Leider trifft daS letztere in Deutsch- land vielfach zu. Oesterreich'Ungar«. Von Seite des österreichischen Handelsministeriums find umfaffende Vorbereitungen getroffen worden, um eine ein« gebende Jndustriestatistik in ganz Oesterreich zu veranstalten. An alle Handels- und Gewerdekammem ist ein Erlaß deS Ministerium» ergangen, welcher die Aufforderung enthält, statistische Erhebungen über die Jndustrieoerhältnisse der be» treffenden kammerbezilke zu pflegen und zur Grundlage dieser Erhebung daS Jahr 1885 zu nehwen. Die gegenwärtigen Er« Hebungen werden einen viel größeren Umfang haben alS die vor fünf Jahren vorgenommenen. Die Permancnz-Kommisston für HandelSwerthe wird fich mit der Prüfung der Kam- merbrrtchte zu beschäftigen haben, die Ausarbeitung der Jnduftiiestanstik wird das handelsstatistische Departement de- sorgm. Jt alieu« AuS Italien kommen wieder Gerüchte über eine bevor« stehend« MinisterkrtstS. Die römische„Raffegna" schreibt, die geaenwäriige Situation könne nicht länger andauern, e» müffe daher ein definitiver Beschluß gefaßt werden. Der Präsident der Kammer, welcher in Familienangelegenheiten in Ligurien weile, sei nach Rom berufen. Ministerprästdent Depretis habe eine lange Unterredung mit dem König gehabt. Bekanntlich hatte DepretiS in der Kammer bei der Budgetderathung nur eine verschwindende Mehrheit hinter fich.— Nach anderen Nachrichten will DepretiS bleiben und die Kammer auflösen und Neuwahlen anordnen. Italien ist der englisch, egyptischen Konvention vom Jahre 1877, betreffend die Unterdrückung de» Sklavenhandels, mtt Aden beigetreten. Balkauländer. Da» türlisch-dulgarische Abkommen ist am Montag auf der Konferenz in Konstantinopel von Seiten der Bevollmächtigten der Mächte unterzeichnet worden. Die Kon« ferenz dauerte etwa 45 Minuten und verlief ohne einen besonderen Zwischenfall. Nach einer Ansprache seitens des Mi« nisterS de» Aeußem, Said Pascha, unterzeichneten sämmtliche Bevollmächtigte da» Protokoll, in welchem daS Uebereinkommen betreffend die 5jährige AmtSdauer d«S Fürsten Alexander als Generalgouverneur von Offlumelien reproduzirt wird. Es fragt fich nun, ob stch Fürst Alexander fügen wird, und, fall» er e« nicht thut, wer ihn zwingen soll. Diese Frage wird kaum in 45 Minuten gelöst werden. Für den vorgestrigen JahreStag der UnabhängiakeitS« erklärung Griechenland» waren unter dm gegenwärtigen Verhältniffen vielfach kriegerische Kundgebungen oder dergleichen befürchtet worden. Nach einem Wolff'schen Telegramm ist indessen die in Athen veranstaltete Feier, an der fich auch der König betheiligt«, vollkommen ruhig verlaufen. Die Mächte rüstm fich unterdeß weiter zu dem drohenden Kriegstanze. Wie au» Korfu telegraphisch gemeldet wird, lief am 4. d. M. daselbst eine österreichische Torpedoflottille, bestehend auS sechs Torpedobooten und dem Torpedoschiffe„Kaiserin Elisabeth", Kommandant Graf Monte cucolt, ein. Dieselbe ergänzte trotz de» Sonntags schleunigst ihre Kohlmvorräthe, welche tele- graphisch bestellt worden waren, und dampfte Mittagt nach der Sudabay ab. Aus Kanea(Sudabay) wird telegraphirt, daß am 4. v. M daselbst die Instruktionen für dm Kom- mandmr der italienischen ESkadre eingetroffm sind. Dieselben lauten dahin, daß die italienischen Eeestreillräfte im Falle einer evmt. Blockade GrtechmlandS sich der vereinigten DemonstrattonS flotte anzuschließen und vollkommen im Ein« llono mtt dieser vorzugehen haben. Rußland» Stellung ist noch immer nicht ganz klar. Man sagt, der russische Admiral habe Austrag, stch nur an einer feindlichen Demonstration ,u be« theiltgen, fich aber im Aktionsfalle zurückzuziehen. Die serbische Ekuvschtina lDeputittenkammer) ist vor» gestern durch königliches Dekret aufgelöst worden. Die Neu« wählen für die vis einschließlich 1887 dauernde Legislatur penode find auf dm 26. April(8. Mai) festgesetzt. Amerika. Da» Repräsentantenhaus hat die von dem Verfleter von St. LouiS(Missouri) W. I. OMeill eingebrachte Bill, welche für eine schleunige schiedsrichterliche Beilegung von Differenzen zwischen Arbeitem und Arbeitgebern Fürsorge trifft, mit 195 gegen 29 Stimmen angenommen. Hebet die Ruhestörungen bei Fort Worth in TeraS werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Der Sheriff von Fort Worth fuhr am Sonnabmd Tapezirer» und dergleichm Auftrag zur passenden Herstellung aller Räume gegebe».—~ Die Verlobung sollte gefeiert werden. Alle Vorberei» tunge» waren bei der Baronin gefloffm, die Gäste gelade«, e» dunkelte bereit». Mtt llopfmdem Herzen machte Edmund seine Toilette, um Punkt acht Uhr bei seiner Braut zu erscheine«. Man habt ei» Glück«och so lange und heiß erstrebt, «och so»amenlot nach dem Augenblick seine» Eintritt« ge« lechzt, es ist doch eigen, daß un» der Augenblick, in welchem eS uns seine Arme jauchzmd öffnet, mit Schreck erfüllt, in Verwirrung und eine gewisse Unzurechnungtfähigkett setzt. Immerhin ist e« aber da» Gefühl der reinsten Freude, welche verhalte» in uns zittert und nur dm ersten Augen« blick freien AufathmenS abwartet, um mit alle« Iutel« vulkanisch autzubrechm. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeven. Die Moral im Theater. Ein lustige» Geschichtchen be« richtet da» ttaltmische Blatt„La Prootncia" auS Verona. In der Stadt Romeo und Julias, einer Stadt, die jetzt 67 680 Einwohner zählt, hatte der Direktor der im Teatro Nuovo gastirenden italienischm Schauspieler-Gesellschast Camph Pasta fortgesetzt über sehr schlichten Besuch zu klagen. Er erließ dar auf in de« dottigen Zeitungen eine Ankündigung, worin er, nach einer direkten Ansprache an die„ehr- und tugendsamm" Fraum und Zungfraum Veronas und einem Hinweis auf die mögliche Ursache ihre» Fernbleibens vom Theater, dringend bittet, auf die Farbe der Theaterzettel zu achten. Sei dflselde weiß, so sei da» dargestellte Stück ein höchst moralische» und tugendhafte« und die anständigen Frauen und Mädchen der Stadt könnten ruhig und unbesorgt ins Theater gehen; seien die Zettel aber auf rosa Papier gedruckt, dann könne er für dm„moralischen" Inhalt des Stücke» nicht gutsagen, derselbe sei etwa» frei und frivol und die unschuldige Jugend möge alsdann fernbleiben.— Merkwürdigerweise, füg: der Bericht hinzu, seien jetzt die rosafarbenm Zettel für den Direktor stet» die fichere Garantie für ein auSverkauftes HauS am Abend!.-! mit einem Güterzuge in westlich« Richtung, um die von dm Arbeitem veranlaß le Spene aufzuheben. Außerhalb der Stadt traf der Zug auf eine Anzahl Streikmder auf der Bahn. Der Sheriff ließ dm Zug haltm, marfchirte mit seiner Truppe gegen die Sfleikmdm und forderte dieselbm auf, fich zu zer- streuen. Beide Parteien«arm bewaffnet und man begann sofort von beiden Seiten zu feuern. Ein Mann wurde ge« tödtet und 5 andere, darunter der stellvettretmde Sheriff, wmdm verwundet. Die Streikenden flohm und ließen einige tödtlich verwundete Arbeiter zurück. In Folge dieses Zu» fammmstoße» entstand eine große Aufregung und die Kauf» flute von Fort Worth hielten eine Versammlung, in welcher fie die Forderung ausstellten, daß der Verkehr auf der Bahn nicht gehindert«erden dürfe. Die Bahn ist jetzt völlig flei. Parlamentarische». — In der gestrigen Sitzung der Arbeiterschutz. kommission qelangtm die Anträge Auer und Gm. und Dr. Lieber und Gm. zur Beratbung. Nachdem der Anflog Auer, der dahin geht: daß ArbeUerinnm jeglichen Alter« weder auf Hochbauten, noch unter Tag beschäftigt werden dürfm, insoweit er die Hochbauten betrifft, in den Anflag Lieber aufgenommen worden ist, wurde der, wette Thell deS- selben zmückgezogen, da 8 154 der Gewerbeordnung da» ge« wünschte Verbot schon enthält. Der Anflog Lieber wurde nach eingehender DiSkusfion mtt 9 gegm 9 Stimmm abgelehnt. Der abgelehnte Anflog hat folgendm Wortlaut:„Die Be« schäftigung von Arbeiterinnen in Bergwerken. Salinen. Auf« bereitungSanstaltm, unterirdisch betriebenen Brüchm oder Gruben, Bauhöfen und Hochbauten, Werftm, in Hütten-, Walz- und Hammerwerken und Schleifereien, sowie in Räumm. in welchm giftige Stoffe verarbeitet werdm, ist untersagt." Ein vorher von flem Abg. Halben gestellter Zusatzantrag, daß der BundeSrath für bestimmte Betriebe auf bestimmte Zeit Aus» nahmen gestatten kann, wurde zwar angmommm. sodann aber, wie obm angegeben, mtt dem Gesammtantrag abgelehnt. Zokale». Mit Beginn dieses Quartal« hat stch in der Verwal« tung de« königlrchm PoltzeiprastdiumS eine Veränderung voll« zogen. Die vierte Abthellung der Polizeioerwallung umfaßte bisher unter Anderem die Kriminalpolizei, aber von ihr abge« trennt und zu einer felbstständigen Abthellung herausgebildet war die Sittenpol,, ei. die flüher mit der vietten Adthdlung vereinigt war. Im Laufe der Zeit hat stch nun herausgestellt. daß diese«bkennung starke Unzukömmlichkeiten mit fich brachte. Me Grenzlinien zwischen dem Verbrechm und dem Laster ver. wischen fich in der That sehr oft und laufen mitunter völlig in einander über. S» machte also Schwierigkeiten und Um« standlichleiten, daß zwei verschiedene Behörden mit der Ueber« wachung der Verbrecher und der den sttlenpolizeilichen Anord« nungen Unterworfenen fich zu defaffen hatten. In Folge dieser Erfayrungm ist die frühere Trennung wieder aufgehoben und die Sittenpolizei nunmehr wiederum mtt der vierten Adtheilung, Kriminalpolizei, verschmolzen worden. _ Da» Königliche Polizetprästdiu« publizirt folgende Polizei-Verordnung. befleffend daS TSdten, Einfangen. Verkaufen und Feilbalien gewisser nützlicher Vogelarten: Nach den gemachten Erfahrungen hat daS durch die Polizei« pp Z%%&%%%' 'Ä tfÄÄ ikilfn�raal"nfl vom U.»ä?"'e60(®,iFeS55ftn?BiUe 26S) für den engeren und wetteren Polizeibezirk von Berlin und den Poltzelbezirk von �Charlottenburg hiermit zu verordnen. wai folgt:§ 1. DaS Tödten rmd Einfangen der nachbenann« tinVoflelarten: Blaukelchen. Rothkelchen, Nachtigall, Gras« mücke. Rothschwanz, Steinschmätzer, Wtesenschmätzer, Bachstelze, Pflpet. Zaunkönig. Pirol. Goldhähnchen, Meise, Ammer, Fink. HvnMng. Sperling. Zeisig Stieglitz, Baumläufer(Kleider), MWM Vorberei ungm zum Fangen dieser Vögek. insbesondere von dem Aufstellen von Vozelnetzen, Schlingen. Dohnen. Sprenkeln. Käfigen und Leimruthen.§ 3. Zuwiderhandlungen gegen obige Bestimmungen werden mit Geldbuße von 1 bi» lOTha» lern oder verhSltnißmäßtgem Gesängniß bestraft.§ 4. Vom 1. Januar 1868 an dürfen die im§ 1 aufgeführten Vogelarien auf den Wochenmärkten nicht mehr feilgehalten werden. Wer der Literaturhistoriker" kein Wort der Entgegnung gefunden. Eine» Tage« wurde er über daS vollständige Jgnoriren der HerauSfordnung interpellitt.„Ich durfte nicht antworten." gab er zur Antwort,„denn ich habe Laffalle'S Buch gegen mich niemals gelesen."„Wie, nicht einmal gelesen?" fragte ver» wundert der Interpellant.„Nein, wie ich Ihnen sage. Und da» ging so zu. Kaum war das Buch erschienen, und ich hatte davon nicht die gettngsfl Kenntniß, da stürmten eines Morgens vier Freunde in meine Wohnung.„ES ist da ein Pamphlet gegen Sie erschienen," sagten fie.„Sie würden fich durch die Lektüre fürchterlich auflegen, und da» ist die Schritt gar nicht werth! Geben Sie un» daS ehrenwottliche Versprechen, daß Sie daS Buch nie lesen werden!" Ich gab dem Drängen der Freunde nach und verpfändete meine Ebre dafür, von der Schrift keine Notiz zu nehmen. Später that eS mir fleilich leid; aber ich war gebunden, und so habe ich daS Buch nicht gelesen und konnte deshalb auch nicht darauf ant- wollen I" Neuer Planet. Sin neuer Planet wurde am 31. März auf der Sternwalle in Wien vom Adjunkten Dr. Palifa ent« deckt; derselbe ist sehr licht, schwach und stand am besagten Tage 1 Uhr 36 Minuten Nacht« in 210 Grad 8 Minuten Rektaskenfion und 11 Grad 17 Minuten südliche Deklination. Die tägliche Bewegung beträgt Mwuß 12 Minuten und 1 Mi- nute nordlich. Es ist dies die 51. Entdeckung de« Herrn Pa« lisa und die 23. an der biefigen Sternwalle. Kannibaiismu». Am Buffera— derichtet v. Francois — trafen wir einen Sklaven, welcher geschlachtet werden sollte, um von den Eingeborenen verspeist zu werden. Dieser Schwarze defand fich auf einem Dorfplatze und war mittels einer Holz» gabel» die seinen HalS«mklammelle, gefesselt. Seine Züge deuteten auf die Leiden längerer Sklaverei hin und durch daS tiefe Schwarz seine» Geficht» schimmerte die fahle Blässe der Todesangst. Der Mann stand auf der Schlachtbank und war, wie un« gesagt wurde, für diesen Akt durch rationelle» Mästen vorbereitet worden. Der betäubende Lärm einer Holzflommel gab jetzt den Eingeborenen da» Signal, daß fie für die nächste Mahlzeit Fleisch in Smpfang nehmen könnren. Unser Versuch, da» traullge Opfer dieser wilden Rohheit durch Ankauf zu retten, scheitette. Gebt un» drei für diesen, war die heraus« fordernde Antwoll, und damit war daS Geschick deS Unglück- lichen befiegelt. Er empfing den Todesstoß, der ihm von einem kummervollen, fleudlosen Dasein beflette. % die» Verbot übertritt, hat in Tnnäßheit d»S§ 187 der Allgemeinen Ve werbe- Ordnung vom 17. Januar 1845 Geldbuße bis zu 20 Thalern oder verhaltniimäßige Aefängnlßstrafe zu ge- wärtiaen. Die Vorlage de» Magistrat», betreffend die Unter- fuchung des von auswärts lommenden frischen JleischeS, kommt den Wünschen der Etadtverordneten.Versammlung nicht im ganzen Umfange nach, denn die Stadtverordneten hatten auch noch auf eine Ergänzung deS GemeindebeschluffeS vom vom 15 /16. Juni v. I. im Sinne des§ 2 Nr. 3 de» Gesetzes Nachdruck gelegt, wonach in Gast- und Speisewirthschaften frisches, von auswärts bezogenes Fleisch nicht«her zum Genuffe zubereitet werden darf, vis eS untersucht ist. Diese Unter- suchung, welche der Stadtverordneten-Versammlung gleichfalls äußerst erwünscht schien, hält der Magistrat zur Zeit m Berlin unmöglich, weil«S gegenwärtig noch an einer gesetzlichen Grund- läge fehlt, die Reflaurateure dazu anzuhalten, daß fie das von ihnen zum Genuß in ihren Restauratronen bestlmmte Fleisch rechtzeitig in die UntersuchungSstationen dringen. Da die Untersuchung deS Fleisches vor der Zubereitung in der Restauration erfolgen, und also die Prüfung in schleunigster Weise ausgeführt werden müßte, so würde ein sehr zahlreiches Per- sonal erforderlich sein, so daß die stoßen mit dem Werthe d«S UntersuchunasgegenstandeS in keinem Verbältniß stehen würden. Dazu kommt, daß dai Gesetz jetzt die Vorlegung von Fleisch in jeder Größe zuläßt, also nicht die Anordnung gestattet, daß daS der Untersuchung zu unterziehende Fleisch dem Fleischbe- schauer in größeren Stücken und, waS Kleinvieh anbetrifft, in ungetheiltem Zustande vorzulegen ist. Lei kleineren Stücken ist der untersuchende Thierarzt nicht in der Lage, zu beurtheilen, od daS Fleisch von einem gesunden oder kranken Thier« her- rührt und unter Umständen kann bei der Vorlegung kleiner Stücke selbst ein erfahrener Sachverständiger leicht und oft ge« täuscht werden. Namenilich ist es unmöglich, Trichinen in kleinen Stücken mit Sicherheit zu ermitteln. Die ganze Unter- suchung würde dadurch trügerisch werden. Aui diesen Grün- den verzichtet der Magistrat darauf, die Untersuchung deS in Gast« und Speisewirthschaften»um Genuß zubereiteten Fleisches anzuordnen, wird aber in Erwägung darüber treten, ob eS fich empfiehlt, eine Aenderung der einschlägigen gesetzlichen Bestim« mungen anzuregen. Ei» Nothschrei an» der Belleallianeestraße. Einen unserer Leser schreibt unS:»Ich wohne in einem Hause der Bellealltancestraße» so ungefähr 5 Treppen. Seit vier Jahren leiden wir hier an einer fortwährenden WafferSnoth, an manchen Tagen giebt eS überhaupt kein Waffer, an anderen Tagen wieder nur während einigen Stunden täglich. Alle Beschwer- den, die ich loSgelaffen habe, waren erfolglos; ich habe mich an den Wirth deS HauseS gewandt, natürlich vergeblrch; auch die Polizei konnte keine Abhilfe schaffm. Im vorigen Jahre wurde allerdings in der Stadtverordneten- Versammlung von dem Mißstande gesprochen, leider änderten die schönen Reden auch nichts an der stalamität. In allen Wohnungen befinden fich stlosetS, die nicht gespült werden können? die fich hier ent- wickelnden MiaSmen können namentlich im Sommer doch nur allzuleicht zu ansteckenden Krankheiten führen. Man denke außerdem an die Gefahr, welche für Leben und Eigenthum bei ausbrechendem Feuer entstehen kann l"— Soweit unser Gewährsmann. Vielleicht dienen diese Zeilen dazu, daß die Ge- sundhettSbehörden ein energische» Wort mttsprechen und daß dieselben jene der ReichShauptstadt unwürdigen Zustände besei- befremdenden Vorfall meldet ein Bericht«- statter, dem wir die Verantwortung dafür überlassen müssen. In der ZionSkirchstraße befindet fich in einem Hintergebäude der Bessaal der apostolischm Gemeinde, deren Gottesdienst regelmäßig zahlreich besucht wird. Während diese» GotteS- diensteS schwankte am Sonntag Abend ein anständig geklel- deter junger Mann mit einer klaffenden HalSwunde(er hatte mtt einem scharfen Instrument einen Stich in daS Genick erhalten) au» dem Bettaal auf die Straße hinaus. Hier sammelte fich bald eine Menschenmenge um ihn, die fich in Ent- rüstung über die rohe That erging. Der Thäter wurde später von zwei Schutzleuten, gefolgt von einer ungeheuren Menschen- meng«, nach dem Polizcibureau in der Kastanien- Allee adge- führt. Wie eS kam, daß ein solcher Vorfall fich in einem Betsaal zutragen konnte, darüber weiß unser Gewährsmann nicht» mitzutheilen. Znr Marunge'schen Mordsache erhalten wir von dem Vertheidiger der Frau Marunge, Herrn Rechtsanwalt Bürkner in Rixdorf, eine Zuschrift, in welcher eS heißt:„Dieser Tage ging durch die Zettungen die Nachricht, daß die Mörder Re- vifion«ingelegt hätten. Da» ist unrichtig. Albert Marunge scheint fich in stummer Resignation in sein Schicksal zu fügen. Die Mutter hatte mich um eine Unterredung ersuchen lassen und erklärte mir dieselbe heute(d.i. 5.«priy, fie habe überall die Wahrheit gesagt, und wenn fie auch mttschuldig sei. so habe fie doch keinm Schlag gegen ihren Ehemann geführt. AuS diesem Grunde hoffe fie auf Begnadigung und bat mich, in diesem Sinne«in Gnadengesuch abzufaffen. DaS Urthell selbst st somtt heute rechtskräftig geworden. Ueber die AuSficht eines Gnadengesuches enthalt« ich mich zunächst noch jedes UrtheilS. WaS endlich den um den Hals der Leiche gelegten Strick de- trifft, so soll Albert Marunge dem bereits Erschlagenen dm Strick umgelegt haben, um ihn für dm Fall, daß da» Klopp- holz dm Tod noch nicht herbeigeführt hätte, zu erdroffeln. DieS stimmt mtt dem Befund der Sachverständigen überein, läßt aber freilich die Thäter in«wer noch schändlicheren Gestatt er- jcheinm." St» sogenannter Aprilscherz hat in einer biefiaen Familie eine recht unangenehme Szme zur Folge gehabt. Die „Post" berichtet darüber: ES klingelt. Die Frau deS Hause» öffnet selbst und nimmt auS dm Händen des Briefträger» einen an ihrm Gattm gerichteten Brief entgegen. Ader waS ist da»? Ein amtliche» Schreiben? In der oderm linkm Ecke gedruckt: f. Niemann, Rechtskonsulent.—„WaS kann daS nur sein? duard hat mir doch niemals etwas davon gesagt, daß er Rechtsstreitigkeitm hat? DaS Schreibm werde ich öffnen und dann ja selbst sehen." Die Dame erbricht den Brief, deffm Inhalt ungefähr lautet: Geehrter Herr, Sie werdm nicht leugnen, mit A. K. in sehr nahen Beziehungen gestanden zu haben, welche nicht ohne Folgen geblieben find. Ich bin nun beauftragt, von Ihnen die Verpflegungsgelder einzuklagen. Bevor ich die? thue, möchte ich Sie ersuchen, fich in Güte zu einer Zahlung zu verstehen, und habe gerade dm ersten April al» den geeignetsten Termin gehalten, Ihnen dieS vorzutragen. well Sie an diesem Tage Gelder beziehen. Hochachtungsvoll P. Niemann, Rechtskonsulent.— Als die Dame gelesen, ward es schwarz vor ihrm Augen und fie verfiel in eine Ohnmacht. Seelmveranügt kommt der nichts ahnmde Gatte nach Hause. DaS Dienstmädchen macht ein verstörtes Geficht, die Frau läßt fich nicht sebm, noch find keine Vorbereiwngm zu dem Mittagsmahl getroffm. — Ja, waS soll denn daS heißen! Endlich gesteht ihm daS Mädchen, daß seine Gattin sehr unwohl gewesen ist und fich jetzt in ihrem Zimmer verschloffm halte. Er eilt voll Besorgniß dorthin, allein eS ist von innm verriegelt und wird nicht ge- öffnet. Nachdem er eine Zeit lang gute und böse Worte ver« schwendet, zeigt fich die Gattin, läßt ihn jedoch nicht zu Worte kommen, sondern reicht ihm daS Schreiben und sagt nur kate- gorisch:„Lies!" Auch er geräth vor Zorn und Ueberraschung außer fich. Nachdem er fich wieder gefaßt, betheuert er seine Unschuld und behauptet, eS müsse hier eine Mystifikation vor- liegen, allein, eS nützt ihm alles nichts. Erregt durch die jetzt eintretende häusliche Szene nimmt er daS Schreibm und geht zur Polizei. Dieselbe klärt ihn zwar über dm höchst un- paffenden Scherz auf, aber die Gattin glaubt ihm immer noch nicht, fie verlangt Beweise seiner Unschuld. Auch ihr wird wahrscheinlich von der Behörde Autklärung gegeben werden. Ob aber trotzdem nicht in ihrem Herzen biete» sogenannten „Witze»" wegen eine Spur von Mißtraum zurückbleibt, welches das gute Einvernehmen der beiden Gatten trübt, wird die Zukunft lehren. � Eine verbängnifivolle Ohrfeige! Montag Nackt» kam der Bremser S. auS Pasewalk in ziemlich angeheitertem Zu- stände auf der Stettiner Bahn hier an und trieb in der In- validenstraße allerlei Unfug, so daß er von dem Nachtwächter d«S Reviers energisch zurechtgewiesen und mit der Verhaftung de« droht werden mußte. Allein der übermüthige Bremser ließ fich dvrch nichts abschreckm, trollte schwankend weiter und biß eine« Herrn, de, fich an der Ecke der Chauffeestraße eben ein Paar h-iße Würstchen geben liest die Knobländer in dem Mommte ab, al» fie dieser zum Munde führm wollte! Eine laut schallmde Ohrfelge war die Antwort deS Herrn auf die Keck- hett de» detrunkenm Bremsers. Und der Schlag muß ein sehr empfindlicher gewesm sein, dmn der Getroffene stürzte zu Boden und brach fich daS Bein, so daß er nach der nächsten SanitätSwache gegenüber dem Stettiner Bahnhof und von da nach der Eharitee gebracht werdm mußte. Der schlagfertige, um seine„Wiener" gekommene unbekannte Herr wußte fich rechtzeitig auS dem Staube zu machm. Vor wenigen Tagen soll fich die Frau de» Bremsers zu Hause in Pasewalk gleich- falls dm Fuß gebrochen haben! Das homogme Unglück, da» die Eheleute S. getroffm, ist durch dm Umstand, daß fie fiebm unmündige Kinder zu ernähren haben, besonder» be- klagenswerth. Der Königl. Klinik in der Ztegelstraße wurde am Eonnabmd eine junge Mutter mit ihrem neugeborenen Kinde überwiesen, von der unS folgende interessante Mittheiluna gemacht wird. Zu dem in der Friedrichstraße wohnendm Kon« ditor W. zog am Freitag früh ein neu mgagirtes Dienstmädchen, an dem man nichts Auffälliges beobachtete. Während deS ganzen Tage» bis spät in die Nacht hinein ar- bettete eS ununterbrochen und sehr fleißig und begab fich dann nach ihrer in der obersten Etage belegenen Stube. Am an- deren Morgen wurde der Dienstherrschast die überraschende Mittheilung gemacht, daß aus dem Mädchenzimmer lustiae» Kindergeschrei ertöne und bei der sofort vorgenommmen Re- cherche ergab eS fich denn, daß die Bewohnerin ganz unbemerkt in der vergangenen Nacht einem kräftigen kleinen Weltbürger daS Leben gelchentt hatte! Mutter und Kind wurdm noch an demselben Tage nach der Klinic befördert. Schaflamm oder Ziegeulam«? In Berlin werden jetzt, schreibt die„Dtsch. Fl.- Zrg", wie besonders ein Gang über den Dönhotkplatz zeigt, wöchentlich ungeheure Mengen junger Ziegmlämmer eingeführt, einzelne auswärtige Fleischer bringen hunderte dieser Lämmer zu Markte und meist find ei Reflaurateure, welche diese Lämmer kaufen; ob diese Herren wohl auf ihren Speisekarten Ziegenlammdraten schreiben? Dmn die bloße Bezeichnung Lammbratm erweckt doch wohl überall dm G auben, der Gast empfängt eine Portion Lammbratm von einem mit Wolle und nicht mit Haaren bedeckten Lämmchm. Wenn die Täuschung auch nur eine harmlose ist, so ist es immer eine Täuschung, um nicht ein anderes Wort zu gebrauchen, und der Gastwirth, der diese Täuschung begeht, stebt fich nicht schlecht dabei? ein Ziegenlamm ist 8 bis 10 Mal billiger als ein Schaflamm L Ziehung d. 1. Klaffe 174. Königl. Preith. Lotterie. ZUHuni, vom?. Aprtl 188i. Nur M« Sdulnne Uber OO Marl flu»«e» belren«»»-- Z!am»«r» in Pareniheie bcigefüat. (Od»- ffleraäbt.) 20 84 89[1201 170 200 66 321 42 81[90) 406 632 687 719 98 860 912 96 1018 76 108 52 81 212 16 66 73 96 377 78 I180J 416 34 1120) 57 619 763 90 829 72 904 71-4115 38 56[901 220 21»9 55|90] 88 390 97 403(90) 70 617 29 784 803 190) 16 46 94 917 1120s 8023 o5 190) 77 164 88 201(160) 59 92 339 57[12o] 488 666 83(90) 721(90) 846 923 76 190) 4010 33 285 408 601 21[120) 62 622 68 190) 88 764 813 37 82 91 136C0j 925 5010 15 70 77 136 46 83 204 76 77 94 368 88 446 97 610[90) 71 1150) 712 804(90) 22 72 979[90)«041 60 65[90] 68[150) 84 124 34 58 216 33[150) 367 9j 98 697 662(120) 69 96 818 46 48 922 40 48 96 96 7013 40 208 79 380 84 86 94 403 76 529 623 39 49 77 740 77 850 78 917 1300] 67 8088 96 134 80 83 98 264 67 301 9 97 474 612 1180) 58 653 736 79 88 817 65 80 912«128[12u) 251 303 33 64 404 20 4l 504 57 71 76 94 644 706 981 81 UK 88 93 190) 113 16 86[901 215 59 376 403 49 516 33 64[901 62 722 898(901 925 40 62 11003 22 58 76 204 306 422 63 603 61(1201 78 617 44 67 846 907 25 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Theater. Donnerstag, den 8. April. fliegmde Holländer. in 3 Allen von Richard Trauer« vpernhan». Der manttsche Oper Wagner. Lchauspteldau«. Kabale und Liebe. spiel in 5 Akten von Schiller. DentscheS Theater. Der KönigSIimtenant. Wallner-Theater. Hasemann'S Töchter. Reffdent- Theater Frau Doctor, Schwank w 3 Allen von P. Ferrier u. H. Bocage. »elle-Allianee-Theater. Drittletzte» Gastspiel de» Herrn Felix Schweighoser mit dm Mit- gliedern des Friedrich- Wllhelmstädtischm Theaters. Auf allgemeines Verlangen noch E hrung von„'s Nullerl", Bolls- «sang in 5 Akten von Karl stück mtt Morrö. ______-x«tlhelmstädtiscke» Theater. Der Ztgeunerbaron, von Joh. Strauß. «alhalla- Theater. Das lachmde Berlin. Hettere, au» der Berliner Theateraeschichte mtt Gesang und Tan» In einem Vorspiel« und 3 Attm von Jalooson und Willen. Der StadS- Trompeter. Iastsptel stanzöfischer Vittor Massä. Loreley, romantische» e Spezialttätm- Tentral-Theater. Viktoria- Theater. Oper: Galaths«, von vftend-Theater. Die Schauspiel in 5 Auf) Ameriean« Theater. Borstellung. Theater der ReichShalle«. jäten- Vorstellung. Große Speziali« Alhambra-Theater. «allnertheaterstraße 15.[1200 Die Räuberherberge im Walde. Große Märchm- Posse mtt Gesang in 4 Aktm von Friedrich Hopp. Vor der Vorstellung: Gz. Konzert der Hauskapelle. Infona d«S Konzerts Wochentag? 7 Uhr, der Borstellung 7'/« Uhr. Anfang de» Konzerts Sonntags 8 Uhr, der Vorstellung 7'/, Uhr. tzanS haben Wvchmtaai Giltigkett und find i« Zlheaterbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. , nfffy, r Passage 1 Tr. v M.- 10 A. WLAT5r ftaif er-Panovama. flfiSBf Zum erste« Male: n. Abheilung: Da» malerische Savoyen. l. Cycl'lS vom Schott. Hochland. Hertha« Keife.> Reife 20 Pf.«mder 10 Pf. ©effentlich» Versammlung sämmllicher im Drechsler-Gewert beschäftigten Arbeiter am Donnerstag, den 8. April, AbmdS 8 Uhr, in der Urania, Ärangel- straße 9/10. Siehe redaktionellen Theil.[1284 Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und Reichhaltiger kalter und Reichhalt. Kbendtisch. Zu seder TageSzett Kimizaderger$L i Portton 25 Pf VV Ar b eltin nch weis für Klarlerarkeltcr. w Achtungsvoll, Hermann Stramm, Restaurateur, Skalitzerstr. 18, Sieit-_** ß ♦»♦»v warmer Frul,aiicks-, ir«airifMiifttoI ©effentl. Versammlung am 8. d. M(»„ Abends 8 Ubr, im kl. Saal des Herrn Keller, AndreaSstr. 21, für die Berliner Knrbel'Ktepprrinnen und-Klepper. Tagesordnung: Wie stellen wir uns zu dm Beschlüssen der Arbeitgeber? Die Arbeitgeber find freundlichst eingeladen.[1285 Der Einberufer. Korben erschien: [1230 Pik ÄMlilMllKMt vor dem veutscheu Reichstage Stenographischer Bericht der Verhandlung deS Deutschm Reichstage» am 19. Februar 1886. Zweites Heft. Zu beziehm durch die Grpeditto«, Zimmer- straffe 44._ , Dresdenerstraste. Kraftige Bouillon von 10 Ubr ab, a 15 Pf. MittagStisch(Hausmannskost) a 50 Pr. mit Bier. Admdtifch nach Belieben. Billig u. kräftig.[1242 I# 1 Deutsche Kunstgewerbe Lotterie. .Ä 1.-4.% unwivenuflich (acte» 1 Mb. ML empfiehlt und versendet R Schumacher, Berlin C, 981] Königstraße 14a. Wiederoerläufern beste Bedingungen. Ä 1 straße Soeben erschien Nr. 27 deS „Wahren Iakov". Zu beziehen durch die Expedition, -ße 44. ilZJ Verantwortircher Redakteur». Ctoabti* in Berlin. Druck usd Verlag von Star»«ding in Berlin SW., Aeuihstraße 2. Hieszs eise Be» Bettage zum Berliner Volksblatt. Kr» 83. Donnerstag, de« 8. April 1886, III. 1501 Parlamentsverichte. Deutscher Reichstag. 84. Sitzung vom 7. April, 12 Uhr. Am Tische dei Bundesiaths v. Boetticher. Die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Unfall, und Krankenversicherung der in land und fs> st wirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Peisonen. steht vor§ 12, der alt Traaer der Veistcherung die nach örtlichen Bczn'en obaegrenz'en Bcmfsaenoff.nschasten bezeichnet. Ada. D. Barth(deutichfieis.): Dieser Paragraph ist der Echlüffel zu dem ganzen Gesetz und daher der wichtigste Paragrlipd. Zwar nimmt er die BeruiSgevoffenschaften alt Basis, aber nickt alt normal«, d. h. mit seldstständigem Leben, selbftnändiaer Verwaltung, mit der Aufbringung der ndthigen Kosten in fto m von Prämien, die nach Matzgabe der Gekahr abgestuft find, nicht in Form von Steuern. Autzeidem können selbst in dem Fall, datz die Land-sgesetzgebung gar nickt bemüht werden sollte, alle wesentlicken Fundamente einer Be> rufegenoffenschaft durch einfache Bestimmungen det Statuts verändert wrrdm; ihre Verwaltung kann auf die Organe der Selbstverwaltung übertrogen, an Stelle von Prämien können die Betträge in Form von Steuern erhoben werden und Ge. fahrentrrife werden nicht aufgestellt, sondern sämmtliche im landwtithschaftlickm Betried in Frag« kommende Ge» fahren werden über einen Kamm geschoien. Für ihr selbst- stärdtgrs Leben bleibt also thatsäcklich so gut wie garnichti übrig und selbst, wenn eine Berusegenoffenschait ihre w>sent> lichst n Bc'ugrnfse nicht statutarisch an Eeibstoenvaltungikö'per übertragen sollt«, so kann nach§ 107a durch Landesgeietz über ihren Kopf hinweg dekretirt werden, datz ihre seldststänoige Verwaltung aufhört und du'ch eine staatliche oder kommunale «jetzt wird. In der Kommisfion zweifelte auch kaum ein Mit» glied daran, daß jede BerutSgenoffenschaft freiwillig ihre Ver> waltungSrechie auf staatliche oder halbstaatliche Organe frei» will'g übertragen, andernfalls daS Versäumte im Wege der Lande-g'ietzgebung nachgeholt werden würde. DaS System der Klasfisikation nach dem Risiko wird ganz oder bis auf einen kleinen Rest beseitigt; die Kosten werden durch Steuerzuschläge aufgebracht und die Verwaltung von staatlichen oder halbstaatlichen B-Höden gefühlt werden, so datz bald in weite Kreise das Gefühl dringen wird, datz die Pflicht zur Entschädigung für Unfälle im landwirthschafllichen Beruf einfach von Staati- wegen erfüllt wird— und der Ruf. datz man mit Steuern überbürdet sei, wird fich bei Zuschlägen zur Grundsteuer mit besonderer Stärke erheben. Man wird sagen, ee handele sich um eine neue Steuer, die man sobald als möglich wieder abwälzen müffe. Diese Unfallversicherung wird, abgesehen von den V«wattung«kosten, mit drei Mil lionen Mnk jährlich zu decken sein, und dazu wird diese weit« läufige Organisation inS Leben gerufen! Diese drei Millionen als Zuschlag zur Grundsteuer erhoben, wir den für Preutzen etwa einen Zuschlag von S pC>. zur Grundsteuer ausmachen, Somit bezeichnen 5 pCt. der Grundsteuer die jährliche Be- lastung, die den Grundeigenthümein aus diesem Gesetz er« wächst. Die ärmsten Klaffen werden aber bald begreifen, welch ein Minimum diese auf Kosten der Befitzenden ihnen gewährte Begünstigung gegenüber der nicht zu vergleichenden arötzeren Last ist, die sie durch die Zölle auf Lebensmittel auf ihre Schultern haben nehmen müffen. Daher stehen die Massen diesen Unfallgesetzen kalt und ohne Verständnitz gegenüber. Ihre Bedeutung ist schon sehr klein, aber auch diese gelingt Bedeutung wird von der großen Masse der Bevöl kemng nicht empfunden. Auch wir wollen diese Eozialpoittck nicht mllmachen; das wenige Gute, daS sie enthält, wird von der viel schädlicheren Art und Weise der Organisation überwogen.(Beitall linkS) EtaatSsetretär v. Boetticher: ES ist ein Frrtbum, wenn Herr Barth aus der Entlastung der BerufSgenoffenschaften von einem Theil ihrer Obliegenheiten durch Einräumung einer Reihe von Befugnissen an die Landesgesetzgrdung den Schluß zieht, daß dam» die berufSgenossenschastliche Organisation beselligt Der Krpftjir« des KlMis Grrstm. (Nach dem Englischen de» George Pratkinson.) Der königlich britische Schifftkapitän Mr. Oliver Gresham war von seiner Tournee nach Westindien zurückgekehrt und langte in London zu dem Zeitpunkte an, als daselbst die Welt« ausstellung eröffnet wurde. Von diesem Zufalle entzückt, ent« schloß sich der Kapitän, die Ausstellung sehr häufig zu besuchen und die Ausstellungsobjekte aller Abtheilunge» auf daS gründ- lichste in Augenschein zu nehmen. Namentlich jene der Oel» gemälde, für welche der Kapitän eine besondere Lieb» hafcttel besaß. Kein Wunder, daß sei» erster Besuch der Bildergalerie der Ausstellung galt. In dem Augenblicke, als er de« Ge» mäldesaal betreten wollte, fühlte er, daß ihn jemand am Arme zurückzuhalten versuchte. Es war ein Saaldiener, der dem Kapitän in höfliche» Worten bedeutete, daß er die Aus» stellung nicht betreren dürfe,«staunt frug Mr. Gresham um die Ursache diese» Verbot«. Der Diener wies mit ernst« Miene auf den Regenschirm des Kapitäns, welch« in einem «achsleinevea Futteral stak. Der Kapitän war ein gut« Eagländ«, d« seine Magna Charta auswendig kannte. Seine Entrüstung über den ver- suchten Eingriff in die geheiligten Rechte eine» freien Staats« bürg«» kannte dah« keine Grenze«. Er erhob einen fei«liche» Protejl und«ging sich in ziemlich abfälligen Aeußerungen aber die Kommissare d« Weltausstellung, welche vermuth« einttt Pakt mit de« himmlischen Mächten geschlossen hatte», daß es während d« Dau« der Ausstellung nicht regnen solle. Mit welchem Rechte durfte man eine« freien Engländer da» Trage« de« ihm so theure« Regenschirms verwehre«? Man theilt« dem Kapitän mit, daß die königliche Aus- stellung« kommlsfion die Werthschätzung all« übrige« Eng» länd« vor dem nationalen Utensil theile; Beweis dessen seien die an de« Eingängen zum Ausstellungsp-laste auf- gestellten Gard«oben, in denen die Regenschirme Altengland» M't Sorgfalt aufbewahrt und woraus sie ihren Befttzetn vnvers.hrt zurückgeilellt würde». Abermaliger Protest de« Kapitän«. Er habe sich«och niemals von seinem Regenschirm getrennt und s« durchaus nicht gewillt, dies jetzt der sei. Den Berufsgenossensjasten find, wie ein Blick auf§ 24 des G-setzeS erweist, ausdrücklich gewisse Thätigkeiten vorbe« halten. Man kann sagen, daß dieselben minimal seien, daß eS wünschenswerth sei, dieselben weiter auszudehnen. Ader man kann doch nicht behaupten, daß die BerufSgenossenschasten eli> minirt seien. Dieselben bestehen, haben die Befuzniß, ihre datz wir noch dazu kommen würden, die ganze Unfalllast alS Steuer zu«heben, trifft ebenso wenig zu. wie seine Argunmtation üb« die Gefahrenklassen. Ei handelt sich unt« allen Umständen um Prämien, und wenn durch Landesgesetzgebung oder Statut bestimmt wird, diese Prämien nach Maßgabe einer bestimmten Landes- od« Kom» munalsteuer aufzub-inaen, so wird damit die Natur der Prämie in kew« Weise alterirt. Herr Barth hat dann noch gemeint, daß der Gedanle, die Unfallversicherung auf beruf«- genossenschaftlichem Wege zu regeln, ein wenig glücklicher ge» wesen sei. Ich bestreite mit Entschiedenheit, daß die Erfahrung gegen diese Organisation spricht. Bis jetzt find uns aus Kreisen der Berufsgenossenschaften noch keine Wahrnehmungen entgegengetreten, welche darauf schließen ließen, daß man etwas Unzweckmäßiges geschaffen habe. Alle diese Lasten find dm Leuten augenblrcktich noch nicht sehr sympathisch, da» ist sehr erklärlich, beweist aber nichts gegen den Gnrndgedanken der berufSgenossenschastlichen Organisation. Es muß naturgemäß jedem Betheiligtm sehr viel angenehm« sein, selber mit Hand anlegm zu können, wenn es fich um Regelung seiner Interessen und Belastung seines Geldbeutels handelt, als durch den staat« lichm Zwang od« durch eine außerhalb seines Einflusses Ziele, als die Unfallverficherung. Dann hat der£ Abg. Barth die Summe deS Nutzeffekts von etwa Herr 3 Millionen Mark in Vergleich gestellt zu dem hier in Be» wegung gesetzten umfangreichen Apparat. DaS ist ja gerade das Dankenswerthe an den KommtsfionSvorschlägen, daß fie jenen vereinfachen wollen, indem fie es ermöglichen, die Un« fallverficheruna in die Hände anderer Organe zu legen, die Kosten etaer besonderen Organisation also abnehmen wollen. Der Abg. Barth tritt in Wtverspruch mit fich selbst, wenn er dies bekämpft. Er sagte, daS arme Volk sei mit LebmSmittel« zöllen arg delastet und d« arme ArbeUer, für den der Nutz» effekt de» Gisetzes dem gegenüber gar nickt ins Gewicht falle, >ar kein .. der Arbeiter, der seine gesunden Glieder behält, wird allerdings vielleicht schwer Verständniß dafür gewinnen, aber bei dem Ar» beiter, für dm nach einem Unfälle die geordnete Fürsorge ein« tritt, wird daS Verständniß sehr bald aufgehm, und da wird daS Gesetz auch sehr gute sozialistische Folgen haben.(Leb« haster Beifall rechts.) Abg. Schräder(deutschfreis.): Das Wort„Berusige« nossenschaft" spielt immer noch dieselbe Rolle wie stüher, ob« wohl es heute ganz etwaS Anderes bedeutet wie früher, jedenfalls nicht mehr selbstständige Träger der V«ficherung. ene» de« Gejetze» dem gegenüber gar nicht in« isewtcht s werde nur noch mehr in die Opposition gedrängt und aar Verständniß für die Wohlfahrt det G-sttzeS haben. Ja, an den Kreiiauijchutz, Gebrauch macht, so hat sie leinen: stand mehr zu wählen, keine Prüfung und Abnahme der Jahresrechnungen auszuführen, e» bleibt ihr faltisch nur daS Recht übrig, ihr Statut zu ändem. Solche Körperschaften find doch nicht mehr attiv zu nennen I Hier find die Regierungen von der in der Botschaft in Ausficht genommenen Grundlage selbst abgegangen, dennoch haben fie es immer für ein Ver» brechen erklärt, wenn wir uns eine solche Kritik anmaßten. Herr Staatssekretär meinte, es sei gar nicht ausgemacht, daß fich die B«ufsgenoffenschaften nicht bewähren. Im Bericht steht ab«, daß fie zu kostspielig und weitläufig seien(Staats» sekretär v. Boetticher ruft:„Nur für die Landwirth» königliche« Kommission zu Liebe zu thun. Er fühle brunruhigt, wen» er seine« treue» Reisebegleiter nicht stet» zur Seit« habe, und könne a« dm Wund«» der Weltausstellung kein Znt«esse nehmen, wen« nicht sei« Regenschirm mit dabei wäre. Ueberdie» seim ja, wie au« dem Katalog hervorgehe, viele Hu»d«t kunstoolla Regenschirme im Ausstellungspalaste verstreut... als Ausstellungsobjekte nämlich,« sehe also gar nicht ei«, weshalb sei» Regenschirm im Ausstellungsräume nicht figu« riren sollte. Zudem würde er sich durch die Abgabe seine» Regenschirm« sein« persönliche« Freiheit begebm, da er dann bei d«selbe« Thür dm Palast verlassm müßte, durch welche« eingetreten, und« könne momentan nicht ver« sicher», ob die» im gegebene» Momente»ach seinem Geschmack wäre. Der Palast habe dreizehn Ausgänge und er lasse sich unt« keiner Bedingung irgend eine« davon v«« kürzm, er wttde nun und«immnmehr seinm Regmschirm aus d« Hand gebt». Da man dem Kapitän de» Eintritt in die Bilbergal«ie ernsthaft verwehrte, kündigt« er den Dimer« mit feierlichem Hinweis auf die Magna Charta an, daß er eine Jnter« pellatio« an dm Minist« richte« und die Sache im Parka« mente w«de zur Sprache brinam lasse«, und versuchte sei» Heil bei de» zwölf anderm Eingängen de» Aussteilungs« palaste«. Hi« widnholte fich die eingangs geschilderte Regen« schirmszme, und der Kapitän kehrte endlich in hell« Ent« rüstuna wieder zum Portale der Bildergal«ie zurück. Unt« lebhaftm Protesten gegen die ihm angethane Be« schränkung d« persö»lichm Freiheit gab« endlich, da es and«» nicht ging, seinm Regenschirm ab und betrat die �Die Betrachtung der daselbst aufaefielltm Kunstwerke beruhigt« sei« aufgewühltes Temüth;« bedurfte dessen auch, da er beim Bttlasse» des Palaste» neue und noch heftigere Aufregungm durchzumachen hatte. Als er nämlich seine» Regenschirm Wied« in Empfang nehme» wollte, stellte man an ihn die Zumuthung, die Aufbewahrungsgebühr von einem Peany zu«lege«. Zohn Bull hat im allgemeinm morm hohe Steuer» zu bezahle». Er weiß es und brummt darüber nicht wenig. Aber« tröstet fich schließlich. Wmn man die ungeheure» Summm in Erwägung zieht, welche der Chancellor of Ex= cheqner alljährlich au» de» Taschen Alten gland« zieht, so muh man glaube», sie seim unerschöpflich, und das steigert den Kredit Zohn Bulls. Er»«weigert fast niemals die Be- schast l"), und daß Sie fie nicht wollen.(Staatssekretär deshalb für die Landwirthschaft v. Boetticher:„Ganz rick- tig!") Die Uedertragung der Verwaltung an Selbftoerwal« tungSorgane bildet jetzt htnficktlich der Landwirthschaft die all» gemeine Stimmung in der Kommisfion. Mit Seldstverwal» tungSbehörden find ab« die staatlichen Behörden aufS Engste oerknüpft. In Preußen würde z. B. bei Wahl deS KrelSaukschusseS d« Landrarh an der Spitze der Verwaltung d« BerufSgenoffen- fchastSgefchäste stehen, der Arbeiter würde aber in rhm doch stets nur dm Landiath sehen und später die Unfallverficherung nur ali einen Theil der staatlichen Verwaltung detrachtet wer- den. Dagegen richten fich unsere schwersten Bedenken, die auch früh« die Regierung getheilt hat, denn ei werden dadurch nur maßlose Ansprüche an die Staatsverwaltung herangezogen. Dabei dürfen wir andererseits nicht vergessen, daß durch Ueder» tragung einer so umfangreichen Privatfunktlon der Charakter der Seldstverwaltungiorgane total verändert wird, denn ihre Thättgkeit würde viel reicher an berufSgmossmschastltchen Pflich« ten sein. Auf diese Weise werden wir immer wester und wet« ter auf den Weg gedrängt, von StaatSwegen und mit Staats- Mitteln Aufgaden zu lösen, welche nicht Sache deS Staate» End und immer mehr dahin kommen, den ardettenden Klaffen aS Gefühl der Eelbstverantwortiichkeit zu nehmen und Alles vom Staate zu erwarten. Dann werden fie euch jedes Mittel denutzen, um ihre Interessen in der Reichsvertretung allein maßgebend zu machen. Aus diesem Grunde widerstreben wir dem Versuch, die Regelung auf dem von der Kommisston vor» geschlagmen Wege zu erstreben.(Beifall links.) Abg. v. Helldorff(kons.): Wenn der He« Vorredner meinte, daß durch die Erhebung der Prämien in Form eine» SteuerzuschlageS start nach Gefahrentarifen das Bewußtsein, es handle fich um eine Privatoerpsttchtung, getrübt werdm würde, so ist das dock ein ganz untergeordnetes formales Be« denken, denn vor dem Ansuche der Adlastung schützt doch nickt die Art dn Erhebung. Aber daS ist ja daS Bedauerliche, daß die Herren mit einem großen Aufwände von Zeit und Redens» arten hier dedattiren, während wir ganz gut wissen, daß ste nicht mstthun wollen.(Sehr gut! rechts; Unruhe links.) Die Stimmung in den betheiligten Kreisen ist eine ganz andere, alS Sie( uf der Linken) meinen; die Krankenverficherung ist üb«» all mit dem größten Danke aufgenommen worden, fo wird eS auch mit diesem Gesetze sein. ES ist ein sehr wesentlicher Unter» schied, ob ein Verunglückter auf die Armenpflege dezw. Privat» wohlthätigkeit angewiesen ist, oder ein gesetzlich gcschützles Recht hat.(Beifall rechts.) Die Debatte wird hierauf geschloffen und§ 12 ange» nommen. Bei§ 13, welcher von der Aufbringung der Mittel han» bell, bemerkt Abg. Dr. Barth(dtschfr.): UnS liegt nicht daran, die Verhandlungen aufzuhalten, wir wollen nur unsere prinzipiellen Bedenken vortragen. Zwischen der Aufbringung der Beiträge durch Prämien und der durch Steuern desteht ein fundamentaler Unterschied. Die letztere Form ist gewiß ein- fach«. Wollten wir aber dieselbe beispielsweise bei der Feuer- verficherung einführen, d. h die Prämien nicht nach d« Höhe deS Ristkos, sondern nach der Größe der zu»ahlenden Grund- steuer bestimmen, so wäre bis zur Verstaatlichung des Feuer- verficherurgiwesenS nur ein klein« Schritt. Wir hallen die staatliche Regelung d« Sache selbst für schlimmer, als die Re» gelung durch die Berufsgenossenschaften. Wir wollen auf in» divtdualistischem Wege, durch AuSdilvung der Privatverficherung und entsprechende Aenderung des HaftpflichtgesetzeS diese Re» gelung herstellen. Abg. v. Reinbaben(kons.): Wir haben die Grund» steuer alS VntheilungSmaßstab genommen, nicht um die Lasten von den befitzenden Klassen auf die Ar» beiter zu wälzen, wie man unS impuUrt hat, sondern um die Verl Heilung zu erleichtern. Die Ab» schatzung nach den Gefahrenklassen würde den ländlichen ohne» Ms wachsen find. zahlung einer Steuer, vorausgesetzt, daß alle Welt davon wisse, daß alle Welt davon spreche. Äu< diesem Grunde liebt er auch gewissermaße» die besonder» schweren Steuer«, jene, welche im Parlament viel Staub aufgewirbelt haben, welche in endlose» Debatte« verhandelt, welche mehrmals abgelehnt und schließlich angenommen wurden und den Rese» ström sämmtlich« vaterländisch« Redner entfesselt habe». Sobald Zohn Bull viel gezetert und geschrie» hat, beruhigt er sich wieder und bezahlt mit großer Selbstzufriedenheit. Wenn es sich ab« um den geringsten Penny handelt, welche» man idm mit zweifelhaftem Rechte auferlegt: wen» er zu einer Steuer verhalten wird, bei d«« n,cht de» battire«, ditkutiren, petitioniren, protestiren konnte, dann bringt ihn dieser Penny zur Raserei und er ist im Stande, zwanzig Pfund Sterling an Prozeßkosten auszugeben, um diese« Penny nicht zu bezahle«. Kapitän Gresham protestirte denn auch mit einem Nach- druck, welcher aus einer tiefinnerliche» Heber zeuwng hervorging. Er bezahlte sämmtliche Abgabe« de« Staates, d« Grafschaft, der Gemeinde, d« Kirche; die Armensteu«, die Steuer für öffentliche Arbeite« und hundert andere Steuer», welche den Stolz und die Freude eines jede» britischen Unterthanen ausmachen—«immermehr ab« werde er einer von ein« AuSstellungSkommissto« ausgeschriebene» Steuer seine« Respekt erweisen. Za! Wenn er au« eigenem Antriebe, freiwillig seine« Regenschirm deponirt hätte, da wäre es freilich ein and«« Fall gewesen, man würde dann da» Recht gehabt habe», für eine« einem Engländer erwiesenen Dienst de» Lohn zu verlangen und nöthigeofalls durch Pfändung einzutreiben; man wisse aber sehr gut, daß er, der Kapitän G.esham, nur d« Gewalt gewichen sei. Mit welchem Rechte könne man daher es wagen, ihm eine willkürliche Steu« auf- zu«legen, fei sie noch so geringfügig? I Ein sehr in« geniöses Manöver seitens d« Ausstellungskommisston, Geld zu erpressen I W« hat der Kommissson das Recht dazu gegeben? Sie selbst I Sie maße sich dieses Recht unrecht- mäßig an I Er sei aber gesonnen, sich diese Vergewalti-» gung nicht gefalle« zu lassen, und« fordere alle(mittlerweile in Massen herbeigeströmten) Besucher der Ausstellung auf, seinem Besspiel zn folgen. Äl« Resümee dieser energischen Rede bemerkte der Ka- pitä» schließl ch, er werde den AuSstelluagSpalast ohne seinen Regenschirm nicht»«lasse», ebenso wenig aber den Penny bezahle«. 8 18 wird angenommen. Die«b'chnttte n(Bildung und Veränderung der BeruiSgenossenschaflen) und M.(Mit- gltedschaft und Betrtebiänderungen) werden unoerSndert nach den Vorschlägen der Kommission ange. "omm�nüi rv.(§8 47-50) enthält die Vorschriften aber die Vertreter der Ardeiter. Dieselben sollen nach der Regierunaioorlaae durch die Vorstände der betheiligtei, Orti» dezw. Betriebs K-ankenlaffen, und, wo solche nicht vorhanden find, durch die Gemeindevertretung erfolgen. Dt« Vertreter der Arbeiter haben auch mitzuwirken bei der Wahl der Arbeiter- beisttzer im ReichSverficherungsamt. Die Kommission will die W rhl der Ar beitervertreter lediglich durch die Gemeindebehörden j j �(0Oj) fghrt au«, dasi die Wahl der Arbeiter« Vertreter durch die Gemeinden allein im Königreich Sachsen nicht ,u einem Resultat führen würde, welche« die Arbeiter beftiedigen könne: denn dort gerade seien sämmtltche Gemeindevertretungen in Folge de« dortigen eigenthümlichen Wahliyfiem« von den Kapitalisten beeinflußt, und diese würden natürlich nur solche Ardeiter zu Betfitzern in den Schiedsgerichten machen, von welchen fie mit Sicherheit annehmen könnten, daß fie in ihrem Interesse entscheiden würden. Die Regierungsvorlage ent spreche auch nicht völlig den Wünschen der Arbeiter, aber fie sei dennoch viel annehmbarer, al« die KommisstonSvorschläge. Redner deantragt daher Wiederherstellung der Regierung«. vorläge. Abg. Struckmmann(natl.): Die Regierungsvorlage sei sehr komplizirt; die Ardeitervertreter sollten darnach durch die Krankenkaffen gewählt werden und die gewählten Arbeiter« Vertreter wieder zwei Beisttzer für da« RetchSomficherungSamt wählen. Deshalb babe man nach einer Vereinfachung gesucht und sei auf den Gedanken gekommen, den die Kommission empfehle. E» würde noch einen anderen Weg zu demselben einfachen Resultat geben, wenn innerhalb de« Bezilk« jede« Schiedsgericht« die vo-t vorhandenen verficherten Arbeiter die Beisitzer wählen. Er habe einen ähnlichen Antrag in Ver Kom- misston gestellt; da derselbe aber dort abgelehnt wurde und auch im Plenum schwerlich durchdringen würde, verzichte er auf die Wttd«retnbli''gung. Abg. v. Hell dorff erklärt, daß die Kommisfion mehr von dem Standpunkt ausgegangen ist, daß wir kl ick den Jnter« efien der Arbeiter gedient werde, al« daß durch irgend welche Wahlen Gelegenheit gegeben weide, in den Arveiterkreisen möglichst viel zu agitiren. Die Bethetligung der Arbetterver- treter an den Arbeiten de« ReichSverstcherungSamt« sei eigentlich ein so monströser Gedanke, daß man fich fall dagegen vertheidigen müsse, wenn man trotzdem da« Gesetz akzeprire. Abg. K a y s e r(So,.): Aut Wahlagitation in Arbeiter« kreisen kommt e« un« bei dieser Fiage nicht an. Wa« würde Herr v. Helldorff sagen, wenn wir den Spieß umdrehten und ihm erklärten, er will dlo« die Ernennung der Arbeiteroertreter durch die Gemeindebehörden au« dem Grunde, damit nur lammfromme konservative Arbeiter in die Schiedsgerichte tom« men? Der Arbeiter, der im Schiedsgericht fiyt, muß doch da« Vertrauen seiner Genossen haben; und da« hat er nur, wenn er von diesen selbst in da« Gericht hineingewählt ist. Ich kon- statire noch zur Illustration der„Ardeiterfreundlichkeit", deren fich der Vorredner so oft rühmt, daß er eine Mitwirkung der Arbeiter beim ReichSverstcherungSamt„monströs" genannt hat. Ich bitte Sie im Uedrtgen, die Regierungsvorlage wieder« herzustellen. In der Abstimmung werden darauf die die Vertretung der Arbeiter betreffenden Paragraphen nach den Kommisfion». Vorschlägen angenommen. Die Abschnitte V über die Schiedsgerichte, VI über die Feststellung und Auszahlung der Entschädigung, VII über die UnfaUveihülung und Uederwackung der Betriebe durch die Genossenschaften werden ohne Debatte genehmigt, Abschnitt VIII, AusfichtSsührung. nach kurzer Debatte, ebmto Abschnitt Vll! über den Reichs- und Staatibetrieb und Abschnitt IX über die landeSgesetzliche Regelung und endlich die Schluß, und Strafbestimmungen. St folgt die Berathuna der Krankenversicherung für die land' und forstwirthschastlichen Arbeiter. Nach§ 126a soll daS Krankengeld an Wöchnerinnen nur dann gezahtt werden, wenn dieselben verheirathete Frauen find, während nach§ 20 de» KrankenverficherungtgesetzeS von 1883 alle Wöchnerinnen da« Krankengeld erhalten. Abg. K a y s e r wendet fich gegen diese Ausnahme. Hier handele e« fich nicht darum, eine fitlliche Erscheinung in dat Gesetz hereinzuziehen, sondem um die Nothwendigteit, alle Kranke zu untei stützen. Abg. Ackermann(kons) ist der Kommisfion sehr dank« Da die dramatische Szene sich in die Länge zog und unter den zahlreichen Zeuge« der Regenschirmdebatte sich be« reit» eimge Parteien zu bilden begannen, entsendete man einen Diener in da« Bureau de« erste» AuistelluagSkom- miffarS, um ihn von dem seltsamen Vorfalle zu verständi« gen. Der Kommissar, welcher sofort einsah, daß er einem exzentrischen Sonderling gegenüberstehe, gab den Befehl, dem Kapitän seinen Regenschirm ohne Bezahlung autzu« folge«. Der über den Kapitän nicht wenig erbitterte Diener reichte mit schlecht verhehltem Aerger das Streitobjekt seinem Elgenthümer, konnte aber dabei nicht umhin, folgende Be« merkung zu machen:.Für diese« Mal ist'« gut, aber da« sage ich Ihnen, ein zweite« Mal wird die Sache keine« für Et« so günstigen Verlauf nehme«!" Der Kapitän begann nun von Neuem mit wuthent- brannter Miene: „Sie Grünschnabel, Sie! Zch habe die ganze Ge« schichte nicht angezettelt, um mir eine» Penny zu ersparen! Ich will die uu» gesetzmäßig gewährleistete Freiheit durch« geführt sehen. Zeder englische Bürger soll mit seinem Regenschirm den Ausstellungtpalast detreten dürfen, oder wenigstens das Recht habe«, seine« Schirm unentgeltlich in Aufbewahrung zu geben." Demnach werde er nicht eher ruhe»,«och rasten, bis er die konsittutioncll« Freiheit Eng- land« auch«ach dieser Richtung hin etablirt haben würde. Morgen,, übermorgen, alle Tage«erde er komme« und nöthigenfall« zur Durchführung seiner Aufgabe eine» sechs» monatlichen Urlaub nehmen. Thatsächlich fand sich der Kapitän am nächste« Morgen, mit seinem Regenschirme bewaffnet, rm AusstellungSgebäude ei«. Er gab diesmal, ohne eine« Skandal zu provoziren, seine« Schirm ab, verweigerte aber neuerdings die Bezahlung der Aufbewahrungsgebühr. Es wurde abermals em Au». stellungskommissar herbeigeholt, welcher von de» Vorfälle« de« vorhergehenden Tages nichts wußte. G-ärgert, daß man ihn einer solche» Kleinigkeit wegen von seinem Früh- stück abberufen hatte, gab er den Diener» den Auftrag, oem widerspenstige» Besucher de» Echtr« auch ohne Be« Zahlung auszufolgen. Selbstverständlich erschien der Kapitän auch am dritte« Tage, an welchem gerade eine Komiteefitzung der AuS- stellungSkommissare stattfand. Man säumt« nicht, ihnen de« Kapitän vorzuführen. Kaum hatte der rechtsliebende See» man« begonnen, die konstitutionelle Seite feine» Falle« zu behandeln, so sahen sich die Kommissare auch schon veran« bar für die Einschaltung diese« Pnaoraphen. Die Bestimmung der Krankenverstcherung von 1883 sei daraus erklärlich, daß den industriellen Arbeiterinnen durch die Gewerbeordnung da» Arbeiten in der Fabrik innerbald dreier Wochen nach der Entbindung verboten ist. Ein solch« i Verbot besteht für die ländlichen Arbeiterinnen nicht. Abg. K a y s e r: S« ist ganz gleichgiltig,»b die Arbeits. Unfähigkeit dte Folge eine« legitimen oder illegitimen Verhältnisse« ist. Wer üdngen« weiß, wie eS mtt der Verführung der ländlichen Arbeiterinnen zugeht, wird mir betstimmen, wenn ich dem Herrn Ackermann und leinen Freunden daS Recht abspreche, fich auf ein besondere« sittliche» Roß zu werfen. (Heiterkeit.) 5 126a wird gegen die Stimmen der Freifinnigen, Sozial- raten und N-nonallibetalen angenommen. Eine längere Diskussion knüpft fich noch an§ 133, wonach für solche Arbeiter, welche nicht zu einem bestimmten Arbeitgeber in einem dauernden ArbeitSoerhZltntß stehen, aber vorwiegend in einem bestimmten Bezirk gegen Lohn beschäftigt werden, die Krankenverficherung selten« de« Kommunal. verbände« bewirkt werden soll, auch für die Zeit, wo fie arbettSloS find. Die Auftechterhaltung diese» Paragraphen wird vom Abg. Etruckmann und dem würtlembergischen Lundetdeooll- mächttgten v. S ch m i d mtt den speziellen süddeutschen Vcr- Hältnissen befürwortet. Dai Hau« hält auch an diesem von der Kommisfion nur unerheblich veränderten§ 133 fest. § 134 wird angenommen: die zur Vorlage einge- gangencn P e t i o n e n werden, dem KommisfionSantrage ge- mäß, durch die gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt. Damit ift die zweite veratbung der Vorlage beendigt. Der Freundschaft«, Handels« und SchifftahrtSvertrag zwischen dem Reich und dem Sultan von Sanstdar wird ohne Debatte in dritter Berathung definttio genehmigt. In der GeneraltiSkusfion der dritten Letathung de« auf die Zulassung deS Polnischen al» Gerichtssprache gerichteten Antrag« v. FardzewSki erllärt fich Abg. Herrmann(veutschfreifinnig) nochmals gegen die Annahme der von der betreffenden Kommisfion beschlossenen und von der Majorität in zwetter Lesung gutgeheißenen Er leichterungen, die seiner Meinung noch den gegenwärtigen Zustand verschlechtern und den Polm dennoch die erhofften Vortd-ile nicht bringen würden. Nachdem Abg. v. Jaz View Ski dem entgegen um An- nähme der Beschlüsse zweiter Lesung ersucht, werden dieselben mtt großer M-hrheit definttio angenommen. Schluß 5'/« Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. (MilitäipenfionSgesttz, kleinere Vorlagen und Kommisfion«- berichte über Petitionen.) »bgeordnetenhau». 68. Sitzung vom 7. April. 11 Uhr. Am Ministertische: Luctu«, von Boßler und Kam- mtssaiien. Von dem Abg. Dr. Wehr(Dt. S-one) ist eine Interpellation, betreffend die Ueberschwemmungen im Wetchselgebtete, eingegangen. Die dritte Berathung de« Gesetzentwurfs, betr. die Be« förderung deutscher Ansiedelungen in Weßpreußen und Posen, wird fo.tgesctzt. Zur Geschäft». Ordnung erklärt Abg. MagdzinSki Namen« der polnischen Fraktion, daß dieselbe, nachdem alle ihre Bemühungen, die Mehrheit davon zu überz-ugen, daß dieses Gesetz und die damit zu'ammenhänaenden Gesetze den Grundgesetzen Preußen» und det Deutschen Reich» widersprechen und die Humanität und Gerechtigkeit außer Acht lassen, ver- geblich gewesen, fich in der dritten Lesung an der Debatte nicht mehr betbeiltgen, sondern lediglich durch ihr ablehnende» Votum gegen daS Gesetz Stellung nehmen werde. Abg. Wtndthorfi: Diese« Gesetz ist durch die Leiden- schaft diktirt, wie die Maigesetze ebenfalls ein Ausfluß der Leidenschaft warm. S« hat lange Zeit gekostet, bis man zur Besonnmhett zurückkehrte und jmen perniztösm Weg zum Theil verließ. Vielleicht wird man fich recht bald überzeugen, daß dieser Weg ebenso perniziös war wie jener. Ich behaupte nach wie vor: Da« B-dürfniß zu diesem Gesetz ist nicht nachge- wiesm, die erforderlichen Nachweisungm und Daten find nicht beigebracht, eine Notorietät ist nicht vorhanden. Be« jndicata, wie der Minister sagt, lieat nickt vor. Die Regierung hat aber ohnehin dte Pflicht, auch der Minorität und vor dem AuS- lande bei der außerordmtlichen Natur diese» Gesetze» dte fub* lüfte Begründung zu geben. Wetter behaupte ich, daß dte Finanzen deS Lande« diesen Luxu» nicht erlaubm. Ich nmne die« geradezu eine Vergeudung. Der Reichstag wird dann laßt, ihn in höflicher Weife fammt feinem Regenschirm vor die Thür setzen zu lasse». Dadurch war aber die Rechtsfrage nicht au« der Welt S«schafft. Der Kapitän kam alltäglich mtt seinem Regen- hirme wieder und fachte de» Kampf immer auf« neue an. Die Geschichte machte viel von sich zu sprechm; die Ab- theilung für Gemälde wurde förmlich belagert und eine dicht« Menschevge staute sich stet« im Vorsaale, wenn de, Kapitän Grefham an dm Dimer dat Begehrm richtete, ihm sein Parapluie wieder zurückzustellen. Die elegantestm Damen stclltm fich förmlich an, um dm Helden, welcher die Freiheit de« mglischm Äürperthum« so mannhaft ver- theidigte, von Angesicht zu Lageficht zn sehm. Eine« Tage» verweigerte« die Beamten der Garderobe dem Kapitän allm Ernste« die Autlirferung seine« Regen- schirm«, wm» er nicht zuvor die laxe erlegte. Der Kapitän rief die Anwesende» zu Zeugen der Vergewaltigung an, die ihm angetha« wurde, und fuhr sofort zu einem Lttornep, welcher alsbald mit einem Solizitor und einem Advokatm zu einem kleiam Kriegtrath zusammmtrat. Nach einigm Tagm wurde dem Gerichtshofe der Graf« schaft eine Klage von zwanzig Schreioebogm überreicht, ia «elcher die Au«fiellung»kommtsfio« in schartfinniger Weise bezichngt wurde, da« Eiqmthum de« Herr» Kapttän« Gresham widerrechtlich zurück- und demselbm vorenthalte» zu haben. Die Klage, welche in der Bitte um Anberaumung einer Gerichttverhandlung gipfelte, enthielt al« Zttat eine Stelle der Magna Charta, durch welche« dargelegt wurde, >aß jeder Engländer unter alle» Umstände» einen Regm- 'chirm bei fich tragm düife und nicht einmal vor der Königin n der Handhabung diese» Recht«, beziehungsweise de» Regm chirme«, gehindert werdm dürfe. Da» Znttttsse, welche» bisher nur ei» verhältnißmäßig kleiner THetl der Bewohnerschaft London« an der Sache gmommm hatte, bekam«UN einen allgemeinm Charakter Der Fall.Gresham contra Ro�rl Kommisst,»" wurde von alle» Zeitungm in Lettarttkeln besprochm und in alle Welt. theile telegraphirt. ** de«„Tage, an welchem die Gerichtsverhandlung siat finde« sollte wurde da» GerichtSgebäude von ein«? tausmdkopfigm Mmge umlagert. Mehrere Hundert«o». ßablcr hattm Mühe, die Ordnung aufrechtzuerhalten D'e Agiotage mit Ertieekarim erreichte eine noch nicht dagewesene natürlich angegangen werdm, daS zu decken, waS wir hier l» der Eiregung oerausgadm. ES steht je dem Reichstage eine Eteuervorlage bevor. Ich nehme nun keinen Anstand zu er- klären, daß Landtage, dte derartige Ausgaben zu machen kein vedmkm tragm, ein vedürfniß für Einnahmen nicht haben können, sonst würdm fie mit dm Geldern der Unterthanm sparsamer sein. Ich möchte Sie noch in letzter Stunde dittm, die« Gesetz abzulehnen, welches den Riß zwischen Palm und dm Deutschen nur vergrößem und verhängnißvoll für da« Land und für un» Alle sein wird.(Beifall im Zentrum und bei dm Polm.) Abg.». Tiedemann(Bomst, kons.): Nicht wir Deutsche haben den Riß herbeigeführt, sondem die Polen (Widerspruch der Polen.) Wenn Herr Windthorst fich dar- über beklagt, daß die Polen von der Kolonisation ausgeschlossen werden, so müßt« er mtt demselben Recht auch jeden Arbeiter zu jedem Ministerposten, z. B. Bebel zum Kultusministerium zulassm. ES find jetzt gerade 200 Fahre, daß der große Kur. fürst mtt seiner Kolonisation vorging zum Eegm d-S Staates. ch bin fest überzeugt, daß auch diese Vorlage, eine nationale hat ersten Ranges, denselbm Segen bringen wird.(Betfall rechts.) Abg. Virchow: Wir glauben, daß die Germanifirung nicht gewattsam, sondern in natürlicher Entwinlung fich voll. ziehen muß Eine Berti etbung der Polen ist Gewalt, sei eS, daß fie durch diese Mittel oder durch Waffen erfolgt. DteseS Gesetz ist die dehnbarste, extremste Verfaffungsverlenung, denn eine Zahl der Staatsbürger soll von gewissen Wohl Halen auSgeschloffen werden. Oder soll etwa der s 4 der Verfassung dloS eine philosophische Bedeutung haben V Herr v. Zedlitz, Sie lächeln dazu. Sie scheinen dadurch zeigen zu wollen, daß wir eigent- lich dumme Mmschen find, dte nicht« von der Sache verständen. (Ab�. v. Zedlitz: Sehr richtig!) DaS ist eine�Beleidung, Herr v. Zedlitz, ich halte eS für gewissenlos, daß Sie in einer so ernsten Stunde, wo wir vor Verfassungsbedenken stehen, eine solche Bemerkung machen.(Vizepiäsident v. Heereman rügt diesen Ausdruck als unzulässtg.) Herr v. Zedlitz hat fich vor mich hingestellt und mit seinem Kneifer mich fortwährend angelächelt. Darauf hat fich jener Vorgang abgespielt. Ich hatte daS Wort gewissenlos nicht für eine Beleidigung. Vizeprästvmt v. Heereman: Hätte ich dm Zuruf de» Herrn v. Zedlitz gehört, so würde ich ihn gerügt haben. DaS Wort„sehr richtig" kann fich überdies auf verschiedene Aeuße. nrngm beziehen. Man kann aber Niemandem einm größeren Vorwurf machm, alS daß er gewiffmlos sei. Abg. Virchow(fortfahrend): Nun, ich will die Sache auf fich beruhen lassen.(Lachen recht».) Wir halten dieS Ge. setz für verfassungswidrig, nutzlos und in der Hand der Re- gierung wie der Reptilienfonds gefährlich, weil die Korruptton befördernd. Man wird gewissen angenehmen Leuten beutst er Rationalität eine Belohnung durch den Ankauf ihrer Güter leisten. Sie wundern fich über diesen Verdacht; gebrannte« Kind scheut Feuer. Die Ersahrun gm beim R'pliltenfond» mahnen zur Voificht. Vielleicht will man Kolonien kons«. vativer Bauern gründen, die kontraktlich zu konservativer Stimm- abgab« verpflichtet werden.(Hetterkeit.) Wir können von dm Polm nichts weiter verlangen, als strikt« Beobachtung der Verfassung, deS Gesetze» und aller ordnungsmäßig erlaffenm Verordnungen. Nicht auf dem Gebiet der Korruption, sondern auf dem der Schule liegen unsere Aufgabm. Zu dem Unter. nehmen, auf Kosten eineßßverfaffungSmäßigen, auch den pol. Nischen Unterthanen garantirten Rechts«Ine Vergewaltigung duichzusetzen, vrrweigern wir die Hilfe.(Beifall links und im Zmttum.) Abg. Hagen»(Waldenburg) gratulirt dem Zentrum, daß e« für dte Vertretung seiner Anschauungen auch dte au». gezeichnete oratottsche Kraft des Abg. Dr. Virchow gewonnen habe und geht darauf nochmals auf die rechtliche und wirth. schaftliche Besonderheit de» RegmtengutS ein. Dte Borlage bedeute kein üvi» Poloniae, fie solle nur dai MischungSver- hältniß zwischen Deutlchm und Polen im Wege einer lideralm agrar-polttijchm Reformmaßregel dergestalt modtfizirm, daß vielleicht 6—8000 deutsche Kolonisten neu angesetzt und zu. äleich die schändlichen Wirkungen eines zu weit entwickeltm froßgrundb. sitzet paralystit werden. Abg. H a n e l(deutsch-ftets.) Der in Frage stehmden Reformgesetzgebung ist von Anfang an der Todetkeim dadurch eingeimpft worden, daß man ste zu einer K-mpfgesetzgebung Semacht hat. In dieser Richtung hat der Vorredner keinen er gegm die Vorlage erhobenen Einwände widerlegt; im Gegentheil ist eS nachgerade unbestreitbar, daß mit der Vorlage der Anfang zu einer RückwärtSrevidirung unserer Agrargesetzge» dung gemacht ist. Wa» die VerfassungSftage betrifft, so ist der we. sentltchc Inhalt deS Art. 4 nicht ledtglich dte Beseitigung der Statt« detvorrechte, sonst wäre ja der Satz:„Alle Preußen find vor dem Höh« und«in Lord bezahtte hundert Pfund Sterling für e nen Stehplatz auf der Galerie. Unter den Advokaten London« herrschte eine ungeheure Aufregung und sämmtliche 14 000 Statute der englische« Gerichtsordnung wurden durchstöbert, um darin einen Finger« zeig für die juristische Behandlung der Frage zu finde«: Ist ein Regenschnm ein unmtbehrlicher Bestaudiheil de» Toilette, oder ein Utensil? That ig the queation. Nach endlosen, mtt juiistischer Spitzfiadizkeit auSgt« klügelten Plaidoyer», Re- und Duplike« fällte der Gericht»« Hof am vierten Tage des Prozeffe« die Entscheidung, daß die WeltauSstellungSkommisfion an dem Tage, an welchem fie dem Kapitän die Herausgabe seine« Regenschirm» ver« weigerte, ganz genau gewußt habe, daß er die Abficht heg«, ihn ohne Bezahlung wieder in Empfang zu nehme»; der Kapttän Gresham sei durch daS vorhergegangene Verhalte» der Kommisfion in seiner Ansicht: er brauche die Aufbewah« runaSgebühr nicht zu bezahlen, bestätkt worden. Folglich sei der Kapttän nicht verpflichtet, die Gebühr zu bezahle«, und die Kommission sei nicht berechtigt, den Schirm seinem Elgenthümer vorzuenthalten. Gegen diese Entscheidung ergriff die Kommission de» Rekur«, während der von seinen Gesinnungsgenossen im Triumph auf den Schulter» davongetragene Kapitän sich i» «tuen Schinnladen bringe» ließ, woselbst er eine» neue« Regenschirm erstand und abermal« sich am Tourniquet d# Ausstellung einfand. Die Kommission verweigerte dem Kapitän de» Eintritt- Der«apttan strengte«un wegen widerrechtlicher Au»« schlteßung des Besuches der Ausstellung, welche jedem freie« Etaaisbürger offen stand, eine» zwetten Prozeß an. Am nächsten Tage wartete« die Kommissar« und da» zehntausendköpsige Publikum vergebltch auf Kaptt�" Gresham. Statt des Helden traf ein an die Kommisfion und seine Mitbürger gerichtete» Schreibe« ei», in welchem er die er« freuliche Mittheilung machte, daß er in Folge seiner dtenste um die Konstnution seine« Lande» von der Admirattta» in den Rang eine» FregattenkapttänS(Obnstlieutmant) hoben worden sei, allerdings mit dem Vorbehalt, daß err fort»ach Australien abdampfe. De« denkwürdigen Regenschirm vermachte er dem Museum, sofern diese» Nattonalinstitut den darauf haf�" den Betrag von einem Penny entrichten wolle... Gesetz gleich" überflüsstg. Merding» soll den Polen nicht» ge- wMam wegenommrn werden: oder schließt man nicht gewisse Klassen der Bevölkerung vom Rechte de» Erwerbt» au»? Halten Sie r» etwa auch nicht sür eine Verfaffungsverletzung, wenn gesetzlich plötzlich die Eintragung polnischer Besttzer in da» Grundbuch untersagt würde? Genau ebenso verfaffungkwidrig wie ein solcher GesetzeSparagraph ist der Plan der Vorlag« (Lärm recht»). Er stedt auch im Widerspruch mit den Reichs- gesehen, mit dem FreizügigkettSgesetz, da» die Freiheit der Er< wer bung von Grundbrfitzrn Stettenheim hätten sicher besser aethan, wenn fie einen kleineren Raum für den Abend gewählt hatten. Freilich unsere» Erachten» sollte Stettenheim bei einer derartig mangelhaften Vortragsweise und bei einem so angegriffenen Organ, wie er eS vorgestern bekundete, überhaupt darauf ver« zichten, den Rhapsoden zu machen." Die Schifffahrt ist tu vollem Gange. Am Sonntag Vormittag brachen die Schiffer au» dem Winterquartier an der Oberschleuse des Kanal» am Schlefischen Busch in hellen Haufen auf und gingen mit flotten Südwinden die Spree hin- auf, welche, soweit da» Auge reichte, mit Segeln bedeckt war. Im Kanal selbst lag bereit» ein stromabwärts gekommener, mit Brennholz beladener Kahn al» fichtbarer Bewei» dafür, daß die Seen oberhalb bereit» pusfirbar find. Ein funkelnagelneuer Elblahn mit Tüllgardinen an den Kajütenfenstern und schnee- weißem Porzellangrsckirr am Herdfim» der Miniaturküche machte fich zu seiner ersten Fahrt segelfertig. Und � am Nachmittag trafen bei den Mörtelwerken an der Schlefischen Straße die seynsüchtig erwarteten Kalkkähne au» Rüdersdorf ein, al» sichere» Zeichen, daß auch die Eisdecken deS Kalk-, de» Flaken- und Müggelsee» gesprengt find.._, Die SanttatSwacke Vlumenstratze 59 wurde im 1. Quartal d. I. 130 Mal in Anspruch genommen. Davon entfallen auf die Stadtbezirke 145—51(früher 102—106) 55 Mal. Innere Krankhelten kamen 68 Mal zur Behandlung, unter denen 19 Mal unbedingte Lebensgefahr vorhanden ge- wesen ist.— Bei 62 äußeren Krankheiten mußten 11 Operationen und 9 Mal Geburtthilfe vorgenommen werden. Außer« dem kamen 2 Beinbrüche und 2 Mal Vergiftungen zur Behandlung. Lei den beiden letzteren gelang es, die Verun« glückten in» Leben zurückzumfen.— Nur in 14 Fällen wurde fofort Honorar gezahlt. Aelteste Sanitätswache der südöstliche« Luisenstadt, Adalbertstraße 10. In der Zeit vom 1. Januar bi» 31. März d. I. wurden de» Nacht» behandelt 118 Fälle und zwar in der Wache 36, außerhalb der Wache 82; hiervon betreffen innere Krankheiten 69, chirurgische Fälle 39, geburtshilfliche Fälle 10. Ferner wurden in der Zeit vom 1. Januar di» 31. März d. I. bei Tage behandelt 333 Fälle und zwar in der Wache 227, außerhalb der Wache 106; hiervon betreffen innere Krankheiten 88, chirurgische Fälle 226, geburtshilfliche Fäll« 19. Familien erwerben durch Zahlung de» AdonnementSbetrage» von jährlich 3 M. den Anspruch auf stete ärztliche Hilfe de» Nacht». Mel- düngen nehmen entgegen Kerdzierili, Oranienstr. 39, Wiest, Adalbertstr. 20. Eine Stätte des Schrecke«». Sonnabend Mittag wurde den Erden de» ermordeten Marunge durch den Vor- mund der minorennen Kinder Herrn Restaurateur Dietrich da» Häuschen Schloßstraße 23, in welchem die blutige That verübt worden ist, übergeben. An der Uedernahme betherligten sich der freigesprochene Hermann Marunge und seine Braut, die Niedlich. Ein Berichterstatter der Charlottenburger„N. Z." hat dem Akte beigewohnt und giebt folgende Schilderung von dem Schauplatze des Verbrechen»: In dem Augenblick, al» die der That Verdächtigen verhastet und abgeführt wurden, wurde da» Hau» polizeilich verschlossen, und seitdem ist die Thür, außer zu Zwecken der Untersuchung, nicht wieder aufgemacht, kein Fenster wieder geöffnet worden. Man kann sich einen Begriff von der Luft machen, welche unter solchen Umständen dem Eintretenden entgegenquillt. Und nun steht auf einmal die blutige That wie fie am Montag in ihrer Gräßlichkeit im Schwurgerichtisaal an un» vorübergezogen ist, vor un», aber noch lebendiger wird fie uns, da wir am Schauplatz selbst ver- weilen. Wir find in der Küche. Da stehen und hängen noch die Töpfe und Plannen, die die Mörderin fie in den letzten Augenblicken der Freiheit gebraucht hat, und dort link», un- mittelbar neben dem Feuerherd in der Wand eine eiseme Thür. Wir öffnen ste und blicken in einen stockfinstern, engen Raum. Da» ist die Rauchkammer, in welcher der Mörder 2 Stunden auf sein Opfer, auf den hinzumordenden Vater ge- lauett hat. Der Raum ist eng, schmal und so niedrig, daß ein erwachsener Mensch nur ganz zusammengekauert darin Platz haben kann. Gleichwohl aber hat der Mörder volle zwei Stunden darin auSgehalten und sogar noch ganz behaglich eine Pfeife dabei geraucht, die Pfeife de» Opfer«! Wenn irgend etwa» zeigt, mit welch grauenhafter Kalt- blütigkeit bei dem Verbrechen zu Werke gegangen ist, so ist e» diese» Watten in der Rauchkammer. Recht» von der Küche ist da» Zimmer, in welchem Marunge ermordet wurde. Dort steht da» Bett, wenigstens die Matratz«, auf der er gelegen. An einer Stelle des rochen Ueberzuge» der- selben zeigt fich ein tellergroßer dunkler Fleck. Ist e» Blut? Auf diesem selben Bett hat die Mörderin nach der That ge- schlafen l Vor dem Fenster steht ein Neiner Tisch. Auf ihm liegt die Tabakspfeife Marunge'S, aus welcher der Mörder nicht minder wie der Ermordete et stch hat schmecken lassen. Neben diesem Zimmer ist ein kleinere». Hier schliefen die Kinder, hier bötte Emil Marunge die dumpfen Schläge, unter denen seinem Vater die Hirnschale eingeschlagen wurde. Hierher setzt« sich die Mörderin nach gescheher er That, um in aller Ruhe zu stricken. Direkt au» diesem Zimmer fühtt eine nur au» drei Stufen bestehende, altersschwache Treppe in den Keller. Dott ist noch die Grube, in welche der Ermordete geschafft wurde. Au» dem Keller führt noch eine Thür nach dem Gatten hinau», und dadurch erklärt e» fich, daß die Leiche in den Keller ge- bracht werden konnte, ohne daß die jüngeren Kinder etwa» da- von demerkten. Links neben der Küche, dem Schlafzimmer de» alten Marunge gegenüber, liegt nämlich noch ein kleines Zimmer, das, in welchem nachher de» Mörder» Bett aufgestellt worden, und die» hat ein Fenster nach dem Gatten zu. So schleppten die Verbrecher also die Leiche durch die Küche in die» letztere Zimmer, ließen fie dann durch da» Fenster hinau» in den Gatten, und von hier durch jenen zweiten Ausgang in den Keller. Im Schlafzimmer des Ermordeten lagen am Fußboden Wäsche, Kleidungsstücke u. s. w. wüst durcheinander. Selbst diese Sachen strömten einen Dunst au», welcher lebhaft an dm Geruch der blutigen Bettwäsche de» alten Marunge erinnette, welche im GerichtSsaal al» Beweisstücke vorlag. Wir konnten uni eine» Schauder» nicht erwehren beim Anblick dieser Gegm- stände und e» kam un» immer und immer wieder die empörende Gleichgilttgkeit in den Sinn, mit welcher gerade die Mörder selbst diese Dinge betrachteten. Reckte fich doch Frau Marunge sozusagen den Hals au», um den in sechi Stücke zettrümmetten Schädel ihre» Manne» recht genau sehen zu können! Das letzte Opfer der schrecklichen Katastrophe, welche stch am 10. Januar auf dem Eise gegenüber dem ErerhäuSchen dadurch ereignete, daß eine Gesellschaft von fieben Personen, welche einer in da» Eis eingebrochenen Dame zur Hilfe eiste und bei diesem Rettung» werk edenfall« einbrach, wobei vier Personen ihren Tod durch Ertrinken fanden, wurde vorgestern auf dem Kirchhofe zu Stralau zur letzten Ruhe bestattet, nach- dem e» dem Echrsssbaumeister Wagner nach unermüdlichem und angestrengtem Suchen vor einigen Tagen gelungen war, die Leiche diese» Unglücklichen, des 19 Jahre altm Tischler- gesellen Wilhelm Lehmann, an einem der in der Nähe der InalückSstätte lagernden Floßhölzer hängend zu finden. Der vorletzte der ertrunkenen jungen Leute ist auch erst vor etwa 14 Tagen au» dem Waffer aufgefischt und sodann beerdigt worden. Polizei-Bericht. Am 5. d. M., Nachmittag», wurde der Arbeiter Schütte in der Nähe de» Eisenbahn-Viadukt» am Schöneberger Ufer von einer Droschke überfahren, so daß er einen Bruch de» stnken Unterschenkel» erlitt. Er wurde nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht.— Am 6. d. M., Nachmittag», wurde ein Knabe vor dem Hause Müllerstraße 126 von einem Wagen überfahren und so schwer am Kopf verletzt» daß er in Folge de» erlittenen Schädelbruchs auf der Stelle verstarb.— An demselben Tage, Abend», stürzte ein Arbeiter beim Einfahren in den Hof de» Grundstück» Kaiserstraße 35 vom Wagen, fiel auf den Kopf und starb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht. Gericht»-Zeitung. Die bekannte Anklagesache wegen Beleidignua des Amtsgerichtsraths Lerche gelangte gestern gegen den Redak- teur der„Staalsdürgcr Zeitung" Dr. Otto Bachler und gegen den Schriftsteller v. Schlieben vor der 87. Abtheilung des hiesigen Schöffengericht» zur Verhandlung. In der Nummer des genannten Blatte» vom 28. Juni v. I. war em in Nordhausen verhandelten Privatllageprozeß, in welchem Amts- gettchtirath Lech« al» Zeuge vernommen worden ist, adge« druckt. Nach demselben soll L. ausgesagt haben, daß in einer konservativen Flugschrift von der deutsch-fteifinnigen Parter gesagt sei, daß n« auf die Einführung der 2jähttgen Dienstzeit nur dahin wirke, um da» Vaterland dem Ausland wehrlo» zu überliefern. Der Verfasser de» Berichts, al» welcher spater der zweite Angeklagte ermittelt worden ist, behauptete alsdann, diese Aussage sei falsch, und es sei bereit» gegen den Amts- gerichtSrath L. deshalb ein Strafverfahren eingeleitet worden.— Erst im weitem Verlauf de» Verfahrens gelangte zur Kenntniß der EtaatSanwattschaft, daß v. Schlieben den inlttminirten Bettcht verfaßt habe, und erfolgte seine erste Vernehmung vor dem Amtsrichter erst am 9. Januar d. I.— Der Staatsanwalt erachtet durch die Vernehmung de» ersten Angeklagten und dessen Befragung nach dem Verfasser de» Artikel» die Verjährung gegen v S. für unterbrochen und be« antragt« im Termine gegen Bachler 150 Mark event. 15 Tage Gefängnis, gegm von Schlieben 14 Tage Gefängniß. Beide Angeklagte behaupten, daß fie dem Amtsgericht»« rath L. nicht den Vorwurf des Meineids, sondem nur der eidlichen Abgabe einer unrichttgen Aussage gemacht haben, und hierfür erbieten fie fich zum Bewei» der Wahrheit. Dre behauptete Thatsache von der Einleitung de» Strafverfahren» räumen ste al» unrichtig ein. Der Gerichtshof veruttheilte Bachler nach dem Antrage de» Staatsanwalt, stellte aber gegm v. Schlieben da» Verfahren wegen Verjährung ein. Arbeiterbewegung. Der Aufschwung des Braugewerbes hat bereits eine Frucht gezeitigt, die nur am Baum unsere» modernen Wirth- schaftSsystem» gedeihen kann, die Ueberproduktion und zwar im— H o p f e n d a u. Die Bierfabrikation, so sehr ste stch auch entwickelt, hat keine solchen Fortschritte gemacht, wie der Hopfenbau. Beretts wird in den Fachblättern, so z. B. in der „Allg. Brauer- und Hopfenzeitung", darauf hingewiesen, daß eine Einschränkung desselben,„besonder» in allen denjenigen LSndem und Gelände» nothwendtg ist, welchegeringwetthigm Hopfen erzeugen." Bereits haben mehrere Bezirksämter der vorzugsweise Hopfen bauenden Gegenden in Bayern an ihre AmtSangehörigen eine amtliche Aufforderung zur Einschränkung de» Hopfmbaue» ergehen lassen. Die Zeche bei dieser KrifiS zahlt der kleine Grundbefitzer, der Bauer, welcher dem Kar- toffel- und Fruchtbau das zur Ernährung der Eamilie nöthtge Areal entzogen und zum opfen verwendet bat. In dem Hazardspiel de» HopfengeschaftS find die Kleinen, die ihr Alle» auf Eine Katte gesetzt haben, sehr Übel daran; ihr Grundstück liefert keine Nahrungsmittel mehr, sondem Hopfen, und da die Nachfrage nach demselbm gesunken, da die Preise umrhött zurückgegangen find, so steht er fich d«S größten Theil» seine» Einkommens beraubt, so wird er ein Opfer de» Hunger» und des Wucherer». Die Hopfer!« preise de» Nürnberger» Markte» waren in den Jahren 1882 1883 1884 1885 Markthopfen prima 380—390 159—165 90-95 35—40 „ sekunda 370- 375 152-158 77- 85 25- 33 tettia 340-365 144-150 66-75 15-21 Spalter Stadt 450-480 195-225 140-150 100-150 in We � fä �*a ii6e-�aup- den Hauptgewinn da .-•...,„ haben, machen auch jetzt noch ihr Geschäft, fie zu niedttasten Preisen einkaufen und durch Kredit- gewahrung, Hypotheken und andere Formen deS Landwuchers die Bauem und Kleingütler vollkommen in ihrer Hand haben. Die Geschichte der Ausbeutung der Hopfenbauem durch da» mobile Kapital, durch die Händler ist leider noch nicht geschrie« den. Die amtlichen MittheUunaen über die Sudhastationen bäuerlicher Anwesen bilden die Aktenstücke zu der Historie von: tragischen Untergang de» fränkischen Bauernstandes. Die Re« gierung empfiehlt düreaukratisch Einschränkung der Hopfenlultur» daß der Staat aber helfend eintritt, davon ist nicht die Rede. Einschränkung ohne Reformen auf landwirthschaftlichem Gebiet heißt da» Recht aus'»— Verhungern garantiren, weiter nicht». Und da» ist doch ein bischen wenig, felbst bei den bescheidensten Ansprüchen in Sacken der Sozialreform. I« Dresden haben bei den städtischen Du chbruchsarbetten am letzten Montag zirka 800 Maurer die Arbeit eingestellt. Der Grund der Arbeitseinstellung ist, daß die Maurer durch- weg 35 Pf. pro Stunde Arbeitslohn beanspruchen. Zu ganzen Schaaken waren die Feiernden im Laufe deS Vormittag» auf den Bauplätzen vereint, in friedlicher Haltung bei ihrer Mehr« forderung verharrend. Al» fie um 1 Uhr auf den seitens der Arbeitgeber gemachten Vorschlag, daß die besseren Arbeiter unter ihnen 35 Pf. pro Stunde erhalten sollten, nicht ein- gingen, wurden ste seitens der Polizeiorgane aufgefordett, fich ,u zerstreuen, was ohne jegliche Störung von statten ging.— Der Zuzug der Maurer ist femzuhalten. Kachvereine, Gewerkveretne und andere wirthschaft- licht Bereinigungen werden bekanntlich von verschiedenen Behörden al» politische betrachtet, die dann dem betreffen- den Vereinsgesetze versallen. Die ganze, schwere Tragweite dieser Auffassung hat fich gezeigt durch da» Verbot eines Fach- verein» zu Altona. Daß diese Auffassung aber auch heitereVor- fälle zeitigen kann, die» beweist uns derN ürnberge rMagistrat. Da war eine Versammlung von den„Polizeibediensteten de» Königtreichi" nach Nürnberg zur Gründung einer Sterbe- k a s se einberufen worden. Dieselbe wurde von dem Nürn- berger Magistrate al» eine—„politische Versammlung" erklärt; da die Theilnehmer in Uniform und Säbel erschienen waren, wurde ihnen von betreffender Stelle bedeutet, daß fie vor Ein- ttttt in» Versammlungslokal die Waffen abzulegen hätten, da auf Grund de» Gesetze» eine bewaffnete Versammlung unstatthaft ist. Und so mußten fich dann die Wächter de» Gesetzes im Königreich Bayern zuerst ihrer Säbel entledigen, um die Gründung einer Sterdekasse berathen zu können.— Uebrigen» soll der Nürnberger Magistrat Angst davor gehabt haben, daß die Versammelten, da die Versammlung in einem Wirthshause stattfand, schließlich mit den Säbeln fich die Köpfe einschlagen würden. Da» nächste mal will er den„Polizeibediensteten de» König»reich»" freistellen, ob fie beim Bier oder mit ihren Säbeln taaen wollen. Die Nürnberger vauhaudwerker agitiren sett einiger Zeit lebhaft für eine Verbesserung ihrer Lage. Die große Mehr- zahl der Arbeitgeber freilich ist fest entschloffen, auf die Forde» rungen der Gehilfen, die namentlich eine zehnstündige Arbeit»« zeit verlangen, nicht einzugehen. Die Arberter haben mit Streit gedroht. Zu erwähnen ist, daß bisher während de» Sommer» bei den Bauhandwerkern eine elsstünvige Arbeitszeit eingeführt war. Da leinet der beiden T heile nachgeben will, wird d« Streik unvermeidlich sein, Der«iberfelder Tischlerstreik ist bereit» zu Gunsten der Gesellen wieder beendigt. Die Jnmmgimeister haben nachgegeben. Nur einige wenige Nichtinnungßmeister widersetzen fich noch den Forderungen der Gesellen, doch ist auch hier eine Einigung nahe bevorstehend..,_ Hebet den t»lavierarbeiterpreik in Bahrenth veröffentlicht die dortige StreiNommisfion folgende»:„Werthe Kollegen! Abermal» ist eine Woche vergangen, und immer noch ist leine Aenderung eingetreten: e» ist die» nun die sechste Woche, daß wir im Streik liegen. Jetzt wird der Kamvf hart. nackig und können noch Wochen vergeben, bi» die Sache in'» Reine kommt. Der Fabrikant verlangt, daß erst Einzelne an- fangen sollen, dann wSre et bereit, einzeln mit Jedem zu unterhandeln, ein Anfinnen, da» der Taktik halber nicht ge- billigt werden darf und kann,«llmälig stellt die Firma Leute ein, sie unter normalen Verhältnissen nie mehr daran denken dursten, in da» Geschäft zu kommen. Diese Önnen un» zwar keine Konkurrenz machen, allein die Sache schleppt fich dadurch in die Länge. Kollegen, ein bedauerlicher Vorfall muß noch fonstatirt weiden; einer unserer Kollegen ging in» andere Lager über und vier andere Kollegen wollten denselben von seinem Vorhaben abreden. Der Betreffende nahm nicht nur die Aueit auf, sondern verklagte gedachte vier Mann noch oben- drein. Am 1. April fand die Verhandlung vor dem hiefigen Schöffengericht statt. Da» Resultat war folgende»: 2 Mann wurden zu 3 Tagen und einer zu 2 Tagen Hast, sowie alle 3 Mann zurTragung de, Kosten verurtheilt, derVierte wurde freigesprochen. Kollegen! Ihr seht, daß unter solchen Umständen alle» einge- setzt werden muß, den Kollegen in der letzten Stunde den Much nicht sinken zu lassen. ES ist die» allerding» keine Kleinigkeit bei diesen nun 6 Wochen nud ziemlich knapp bemessener Unterstützung streikenden Kollegen, von denen viele eine zahlreiche Familie hoben. Sämmtliche deutsche Kollegen haben bi» jetzt geholfen und werden noch mithelfen, Kollegen zu unterstützen, welche im Grunde nicht daran dachten, zum letzten Mittel, dem Streik, zu greifen. Die Mistel, welche bisher geflossen find, geben ein beredte» Zeugniß von dem Soli- daritätSgefühl unserer sämmtlichen Kollegen, zugleich aber auch dafür, daß wir für eine gerechte Sache kämpfen. Darum, Kollegen, tretet auch ferner ein, den un» frivol aufgedrängten Kampf zu einem für un» fiegreichm Ende zu führen. Noch- mal», haltet den Zuzug fern, allst kolleqialischem Gruß: Der Vorfitzende der StreiNommisfion. H. Äellböfer. Au die Putzer, Maurer und alle Bauarbeiter Berlin». Kameraden! Unsere aufgestellten Forderangen, die selbst von human denkenden Meistern al» sehr maßvolle aner« sannt wurden(Forderungen, die bereit» seit Jahren in eini. gen Werkstätten gezahlt werden) find von der Kommission der Meistervereinigung zurückgewiesen worden. Die durch die Kommission vertretenen Meister haben un» bei der stattgehabten Verhandlung einen von ihnen aufgestellten Tarif ein» gebändigt, welcher Bedingungen entHast, die un» schwer schädigen und schlechter stellen würden, wie wir bi» jetzt dagestanden. Der Vorfitzende der Meister- Kommission hat dabei erklärt, daß die Meister unter keinen Umständen von ihrem Tarif abweichen werden, wir sollten un» unser Recht erkämpfen. Die Lohnkommisston der Stuckateure war mst dem guten Willen mit der Meisterkommisfion in Unterhandlung getreten, um ein gute» Einverständniß mst den Meistern herbeizuführen. Wir haben den Arbeitgebern die Hand geboten, um die schmutzige Konkurrenz in unserem Fache zu beseitigen: ste haben unsere Hilfe zurückgewiesen, weil fie selbst gesonnen sind. diese Konkurrenz weiter zu betreiben. Wir aber wollen nicht ferner darunter leiden. Kameraden! Unser Kampf kann nicht lange dauern, wenn Ihr un» Eure Unterstützung gewährt, die Konjunttur liegt augenblicklich für un» günstig. Wir ersuchen Euch, deihalb un» in dem bevorstehenden Kampf zu unter. stützen, namentlich die Putzer mögen da» un» gegebene Wort einlösen. Kameraden! Seid versichert, daß auch wir stet» be- reit sein werden, in ähnlichen Fällen Euch mst allen Kräften hilsteich beizustehen. Mit kameradschaftlichem Gruße: Die Lohnkommisston der Berliner Stuckateure. Verewe und Versammlungen- * Im verein für Rechtsschutz«ud Justizreform hielt am Dienstag Abend der Reichetagsabgeordnete Lenzmann vor einer sehr zahlreich besuchten Versammlung einen Vortrag übet die„Refolmvedürftigkeit des Dynamitgesetze»". Die im Reicht- tage nicht eneichte Verweisung de» Antrage» Viereck in eine Kommission, welche er bekanntlich in Antrag gebracht hatte, sei lediglich der Art der Begründung festen» de» Herrn Viereck, welcher da» Vorkommen der Dynamstattentate hauptsächlich auf die Thätigkeit der agenb» provocateurs zurückführen wollte, zu- «»schreiben; denn d,e Berathung sei nicht nur von den Deutsch. freifinnigen, sondern auch von den Konservativen in Autficht genommen gewesen. Für seine Stellung zu dieser Frage sei aber ausschließlich die unabweisbare Nothwendigkeit der Refor- mirung diese» überhastet zu Stande gekommenen Gesetze» maß- gebend gewesen und gleicher Anficht, wie er, wären auch von Den Deutschsreifinnigen die Abgg. Munckel und Träger. Redner zstirt nun die einzelnen Paragraphen de» Gesetze», in dem u- A. der bisher unanfechtbar gebliebene strafrechtliche Grundsatz, daß die Anklage dem Angeklagten die Schuld nachzuweisen habe, verlassen und im§ st der bloße Besitz|oon Sprengstoffen ohne nachweisbar erlaubten Zweck im Minimum mit einer Gefäng- nißstrafe von 1 Jahr bedroht sei. Bisher habe die Anwendung de» Dynamitgesetzes nur Leute getroffen, gegen welche e» überhaupt nicht gerichtet ist und könnten Anarchisten, welche Dynamit in gemeingefährlicher Weise verwenden wollten, da» Gesetz ganz leicht dadurch umgehen, daß fie da» Dynamit au» seinen einzelnen Bestandtheilen. deren Besitz nicht unter da« Gesetz falle, erst kurz vor dessen Gebrauch zusammensetztm. Der Vor- tragende weist nun die Gefährlichkeit de» Gesetze» an zahlreichen Prozessen nach, deren Entstehung und Verlauf er vorführt. Au» dem reichen Schatz wollen wir hier nur einen Fall auswählen und wiedergeben:—„Ein Arbeiter hatte in einem Walde eine Dynamitpatrone gefunden und hat dieselbe, um fie unschädlich zu machen, an einem abgelegenen Platze zur Explofion gebracht. Da er den Lefitz de« Dynamit» zu einem erlaubten Zwecke nicht nachweisen könnte, mußte ihn da» Gericht zum niedrigsten Strafmaß von einem Jahre Ge- fängniß verurt heilen. Zwar haben ihn die Richter der Gnade des Kaiser» empfohlen, doch wisse er nicht, od fie ihm zu Theil geworden ist. E» sei aber sehr schlimm, wenn e»«in Gesetz gebe, da» den Richter gegen die allgemeinen Anschauungen zu einer so harten Verurtheilung zwinge. Zum Schluß hob Redner hervor, daß da» Gesetz auf die gemeingefährliche Ver- wendung de» Dynamit» beschränkt werden müsse und daß die rein polizeilichen Vorschriften au» demselben zu entfernen seien. Er und seine Freunde Munckel und Träger werden fich trotz der wegen ihrer Abstimmung in der Repnlienpreffe erfahrenen Angriste nicht beirren lassen, rastlo» für eine möglichst baldige Reformirung de» Dynamitgesetze« einzutreten. Der in der Versammlung anwesende Reichstagsabgeordnete Viereck recht« fertigte in längerer Rede die im Reichstage vorgebrachte Be- oründung seine» Antrage» und sprach die Anficht au», daß die Tagesordnung schon vor seiner Rede beschloffen worden war. Redakteur Fränkcl zeigte an den Urtheilm de» Reichsgericht», wie dasselbe auf dem Wege der Interpretation die Härten de» Gesetzes auszugleichen suche. Da die» aber est» unzuverlässtaer Nothdehelf ist, so schlägt er die Annahme folgender Resolution vor:„Der Verein für Rechtsschutz und Justizreform hält eine möglichst baldige Reviston de» DynamitgeietzeS für geboten und erwartet von dem Reichstage, daß derselbe noch in dieser Sesfion die nothwendigen Abänderungen vorbereiten wird." Die Annahme dieser Resolution erfolgte einstimmig. Nach Be- antwortung verschiedener Anfragen durch den Vorfitzenden Rechtsanwalt Kaussmann wurde die Versammlung nach 12 Uhr geschlossen. • verbotene Versammlung. Die zum Dienstag, den S. d. M„ nach Keller'» Saal, AndreaSstr. 21, einberufene Versammlung de» Arbeiter- Bezirksverein» für den Osten Berlin», in welcher Herr Dr. Lütgenau einen Vortrag übet„Die konfessionelle Frage in Preußen und Deutschland" halten wollte, wurde auf Grund de»§ 9 de» Gesetze» gegen die gemeinaefähr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verboten, well, wie e» in dem Verbot heißt,„durch Thatsachen die Annahme gerecht« fertigt war, daß in der Versammlung sozialdemokratische, auf den Umsturz der bestehenden Staat», und Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten würden." Gegen da» Verbot ist, wie uns mitgethrilt wird, sofort Beschwerde erhoben. Die zahlreich zuströmenden Vereinsmitglieder gingen nach Kenntnißnahme de» Verbot» ruhig auseinander, so daß die in großer Zahl anwesenden Polizeimannschasten keine Gelegenheit zum Einschreiten fanden.— Die nächste Versammlung de» Verein» findet vorauZfichtlich am Montag, den 19. d. M, in demselben Lokale statt. Der Arbeiter- Bezirksverein der Oranienburger Lorstadt und de» Weddina hielt am Montag, den ö. d. M., feine statutenmäßige Generai-Versammlung ab. Der erstattete Kassenbericht ergab einen Bestand von 37 M. 55 Pf. und wurde dem Kasfirer Decharae ertheilt. Zu Revisoren wurden die Herren Zachau und Kuckhahn gewählt. Die Stellung de» Vereins zu dem Kommunalwahlen wurde durch folgende an- tenommene Resolution klar gelegt:„Der Arbester-Bezirk»- Jerein der Oranienburger Vorstadt und de» Wedding beschließt, für eine Wiederwahl der Arbeiter-Sadtverord- neten einzutreten, jedoch in den Bezirken, in denen keine Aussicht auf Erfolg ist, von der Aufstellung eine» Kandidaten Abstand zu ne hmen. Hierauf hielt Herr Boy einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„die Zukunft de» Handwert»". Ali Redner am Schluß seine» Vortrags von dem Abgeordneten Bebel sprach und dabei anführte, daß der- selbe von der Pieke an gedient und schon Manchem eine Nuß zu knacken aufgegeben habe, schloß der 1. Vorfitzende die Versammlung, da er durch die Bewegung des überwachenden Beamten die Ueberzeuaung gewann, daß derselbe die Ver« sammlung auflösen wollte. * Die Zentral Kranken- und Vegräbnißkasse für Kranen- und Rädchen Deutschland»(E. tz. 26 Offenbach) händigt ihren kranken, jedoch noch arbeitsfähigen Mitgliedern von jetzt ab Medinscheine au». Auch steht e» jedem Äitgliede frei, im Falle einer Erkrankung da» Krankenhaus in Anspruch zu nehmen, für welche» die Kasse die vollen Kurkosten, auf die Dauer von 13 Wochen, zahlt. Sämmtliche Meldungen find dem Vorfitzenden Henn Bielefeldt, Gitschinerstr. 94 ll zu machen, und finden Mitglieder nur dann Aufnahme in ein Krankenhaus, wenn dieselbe« eine Anweisung vom Vorfitzenden, resp. vom Kasfirer Herrn Schieß!, Wafferthorstr. 69 III in Händen haben. Bemerkt sei noch, daß der Vorstand angewiesen ist, solche Mitglieder, welche länger als 6 Wochen mit Beiträgen im Rückstände find, zu streichen, und werden die Mitglieder aufgefordert, die Reste schnellsten» zu begleichen. Ebenso müssen alle restirenden Beiträge von Ausgetretenen resp. Ausgeschlossenen bis zum Tage de» Austritt» resp. Auischlusse» bezahlt werden eventuell werden dieselben gerichtlich eingezogen. Die Zahlstellen der Kasse befinden sich für den Norden Ber- Iln« bei Frau Grothmann, Wolgasterstraße 8 III, für den Osten bei Frau Marie Schneider, Blumenstraße 29 im Laden, und bei Frau Strauß, Mehnerstraße 6, Hof parterre, für den Süden und Südosten bei Frau Schneider, Naunynstraße 60, vom im Keller. Ebenso nehmen der Kasfirer Herr Schieß!, Wafferthorstraße 69 IQ, und der Vorfitzende Herr Bielefeldt, Gttschinerstraße 94, Beiträge entgegen. Dieselben können in den genannten Zahlstellen Wochentag» von 8—8 Uhr und Sonntags von 9—1 Uhr gezahlt werden. Die Sprechstunden de» Vorsitzenden find Wochentag» jvon 5—7 Uhr Abend» und Sonntag» von 10—11 Uhr VormitiagS. Am Sonntag» den 11. April, Nachmittags 3 Uhr, findet bei Gratweil, Kommandantenstraße 77—79, eine Hauptversammlung statt. Nähere» Inserat am Freitag. * Die Stuckateure hielten am Sonntag in Nlekt'» Lokal eine Delegirten- Versammlung ob, in welcher die Delegirten Bericht erstatteten über die augenblickliche Lage der Ardtit». Verhältnisse in den einzelnen Wertstättm. Darau» war zu er- sehen, daß der größte Theil der Arbeitgeber mit Austragen so überhäuft ist, daß e» augenblicklich an Arbeitskräften fehlt. Auf Grund dieser günstigen Konjunktur wurde beschloffen, daß in allen denjenigen Werkstätten, wo der Tarif nicht voll und ganz bewilligt wird, und die» nicht spätesten» bi» Freitag, den 9. April, der Lohnkommisfion angezeigt ist, am Montag, den 12. April, die Arbeit eingestellt wird. Die Bekanntmachung der betreffenden Werkstätten geschieht am Sonntag, den 11. d. Ml» durch da»„Berliner Volksblatt" und die„Berliner Zeitung", sowie in der öffentlichen Versammlung, welche am Sonntag, den 11. d. Mt»., früh 10 Uhr, in Niest'» Lokal, Kommandantenstr. 71/72, stattfindet. th. Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher. In der am s.d., Alexanderstc. 31, stattgehabtenVersammlung hielt Herr Dr. Lütgenau einen Vortrag übet:„Der Werth der National« Oekonomie"(VolkSwirthschast). Der Vonragende legte die Hohe Bedeutung der VolkSwirthsckastslehre gerade für die Arbeiter dar. Er deklagte, daß die Nationalökonomie eine„zünftige" Wissenschaft sei und an Hochschulen gelehrt würde von Pro- sessorm, die oft weniger in der Lage seien, die Dinge richtig zu beurteilen, al» Die Arbeiter selbst und zog schließlich hieraus die mahnende Schlußfolgerung, daß die Arbeiter Die Wissenschaft der Nationalökonomie, wie überhaupt alle Wissenschaften, nicht den Professoren allein zu überlassen, sondern bestrebt sein sollen, fich nach Möglichkeit Aufklärung zu verschaffen. Hierauf wurde über die Verfügung de» königl. Polizeipräsidiums debattirt. Dasselbe beanstandet Kaffeneimichtungen de» Verein» und verlangt, daß derselbe die besondere Genehmigung dafür nachsuche oder aber die Vereinsstatuten den bestehenden Ge- setzen anpasse. Die Versammlung beschloß, folgende Reso- lution dem Zenttalvorstande zu übermitteln: Die Mttglieder de» Filiale Berlin, fordern den Zentralvorstand auf, im Interesse der Kollegen schast Alle» zu versuchen, die geforderte Genehmi- gung zu erlangen resp. die Statuten dem Gesetze so anzupassen, daß unser Verrein in seinem Wirken für die Kollegenschaft un- gehindert fortschreiten kann." Wie der Vorsitzende, Herr Papke. sodann mittheilte, ist der Streik in Fürth beigelegt, da die Lohnreduktion zurückgenommen wurde. Ebenso der Streik in Gießen. Dagegen ist am 4. April zu Frankfurt a. O. ein neuer Streik ausgebrochen und zwar in Folge nachstehenden von der dortigen Schuhmacherinnung gefaßten Beschlusses- „Die SchuhmacherinnungSmeifter verpflichten fich, alle Mitglieder de» UnterstützungSvereini deutscher Schuhmacher binnen 14 Tagen zu entlassen event. dieselben zum AuSditt au» dem Gesellen und legten am ckUWWWM ' verein der vnreanbeamte« der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher in Berlin. Donnerstag, den 8. April, Abend» 8'/, Uhr, RonatSsersammlung in GratweiPl Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herrn Rechtsanwalt» Dr. Grelling:„Zur Reform det Strafprozesse»." 2. Fachftagm. 3. Fragetasten. Gäste find willkommen. Vorher: Sitzung de» Vorstandes der Hilfskaff« »um Zwecke der Aufnahme neuer Mitglieder und Zahlung der Kassenbeiträge. Diese Versammlungen finden jeden Donnerstag nach dem Ersten eine» jeden Monat» im Eingang» bezeichnet« Lokale statt. * Oeffentliche Versammlung sämmtlicher i« DrechSIergewerk beschäftigten Arbeiter Donnerstag, d« 8. April, Abend» 8 Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 9/10. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herrn Miedelsen über d« Niedergang unserer Industrie, die Ursachen desselben und die künftige Gestaltung der Industrie. 2. Bericht der Kommisst« übet Den Streik bei Siegel u. Komp. 3. Verschiedene».- Sämmtliche Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. * Demokratischer verein zu Berlin. Die ordentlich« Versammlung vom Donnerstag, den 8. d. M., fällt au», dagegen findet die nächste Sitzung am Donnerstag, den IS. d.M., statt. * Aachverein der Cteinträger. Außerordentliche Mitgliederversammlung am Sonntag, den 11. April, VormtttaB 10 Uhr, bei Scheffer, Jnselstr. 10. Tageiodnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Die Nothwer digkeit eine» große» Unterstützungifond». 8. Innere VereinSangelrgenheiten und Verschiedene». * Stoße öffentliche Versammlung der Strllmache» Berlin» Donnerstag, den 3. April, Abend» 8 Uhr, in Grätz'k Salon, Brunnen str. 140. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn Reichitag»abgeordneten Heine über: Produftion und Konsumtion. 2. Verschiedene». * Große öffentliche Volksversammlung Donnerstag, den 8. April, Abend» 8'/« Uhr, im Lokal de» Herrn JacvW (Landsberger Bierhallen), LandSbergerstr. 82. Tagesordnung und Referent werden in der Versammlung bekannt gerächt. * Freie Organisation junger Kaufleute. Freit«, den 9. April, außerordentliche General-Versammlung in Niest'f Salon, Kommandantenstr. 71/72. Einziger Gegenstand b# Tagesordnung; Vorstandswahlen. Letzte Nachrichte«. _.— Der„Freist Zig." zufolge ist dem Seniorenkonvent dä Reichitage» durch den Minister von Boetticher privatim f öffnet worden, daß der Reichskanzler auf der Verhanvlust deS Reichstage» über die Branntweinsteuer- Vorlage nach Ost«** bestehe. — Die Sichtung und Bearbeitung de» Material» d» angestellten Untersuchung wegen der Sonntagtruh- kann,> verlautet, bi» Ende diese» Monat» nicht, wie zuerst gehl wurde, zum Abschlüsse gebracht werden. Die mit dieser Arü betrauten fünf Herren haben noch so viel Material ,u bet# tigen, und eS geht auch täglich noch neue» ein, so daß bis Abschluß der Monat Juli herankommen dürfte. *.• — Nach einem Privattelegramm de»„Ceti. Tagebl." o» Peteriburg soll da» Finanzministerium da» Projekt(W Arbeiter-Unfall-Entschädigungs-Gesetze» ausgearbeitet haben. — General van der Smiffen wird mit seinem Stade M»? verlassen und fich nach Brüssel begeben. In einem Tag«' befehle theilt derselbe mit. daß, da die Ordnung wiederhei# stellt sei, die Truppen nach und nach zurückgezogen werW» würden. Die Verordnungen, betreffs der Verhaftung Anarchisten in den Gcmeimden, welche um Sendung Militär nachgesucht hatten, werden aufgehoben. Zum(BiW de» Tagesbefehl» dankt der General den Truppen für die V wiesene Hingebung. — Die sozialistischen Abgeordneten Boy er und Clo«� Hugue» find nach Decazeville abgereist; fie wollen die ArdcUJ von Kundgebungen abhalten, da ste überzeugt zu sein vorgrlZ daß man einen blutigen Zusammenstoß mit den Truppen n'° ungern sähe. — Die Pforte hat dem Fürsten Alexander von Bulg««- von dem gestern von der Konferenz genehmigten Uederet kommen, betreffend die Sjährige AmtSdauer des Fürs Alexander al» Generalgouverneur von Ostrumelien, Mittheil» gemacht und auch der griechischen Regierung in Athen e« analoge Mittheilung«ugehen lassen. Eine Antwort de» Fürst' Alexander auf diese Mtttheilung ist bi» jetzt noch nicht ein»1 gangen. Kleine Mitttzeiltmgen. -».Greifenberg i. P„ 4. April. Auf Beschluß der hü onzunielbfn, der Anmeldung auch gleich den Bettag für, WS V' steirÄr e"®"' liÄ'lta Äm««' Ä vo�rt wurden, entsprangen zwei der Verbrecher. D-n«% l- Gchl..<■ April.(Eine unglü-ilZ KWWH MMMS? i-hnt'"' ai'.(Geburt im Pferdebahnwaggorr-- z Tr. P/rroeoayn üte Fahrt von ihrem Dienstorte in vu � ü.t.„T4"?' wurde jedoch wäbr-nv derselben"Ofl®, i wehen überrascht und gena» im Waggon eine» MädlbLA rAi r mitfahrende Hebamme den nöthigel» leistete. Mutter und Kind wurden au» dem Wagen und in den Flur eine» Hause» getragen, von wo W1 port in die Gebäranstalt erfolgte. Krikflmsttn der«tdatliio«.,. Theaters, dasselbe müßten auch wir thun. nm M->� beantworten zu können. Die anderen Fragen bcantn- in einer der nächsten Nummern. _____