S-. 84, Freitag, den 9. April 1886* III. Jahrg. cllimrWWM Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Da» �Berliner BoltSblate" Siru (#, ngetragen in der PMjeiwnaLvreriliste für lß3fl unter Nr. 769.) für Berlin frei ostabonnemmt ■"age 10 Pf. Jafertionsgebnhr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitimarkt 10.. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinlunft. Inserate werden bit 4 IZchr Nachmittag« in der Expedition. Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Ännonwa# Bureaux, ohne Erhöhung deS Preise«, angenommen. Kitskttmil KenchNrnHe S.— Gepediti,»! Zi««erNraßl 44. Die Sizialrchm. Die sich langweilig und mühsam hinschleppende Be- rathung de« für die l a n d» und f o r st w i r t h s ch a f t« lichen Arbeiter bestimmten Unfallversiche» rungSgesetze« ist recht charakteristisch für den Stand der ganzen Sozialreform. Diese so großartig angepriesene und un» erst in großen Peispektioen vorgeführte Unter» nehmung ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft und droht völlig in'« Stocken zu gerathen. Die Herren von der Regierung und vom BundeSrath versichern zwar mit an«» kennentwerthem Eifer da« Gegentheil; allein wir haben uns im Laufe der Zeit doch daran gewöhnt, die politischen Vorgänge nach T h a t e n und nicht nach Worten zu be» urthetlen. Die alten Parteien stehen der sozialpolitischen Gesetzgebung gegenüber in zwei großen Richtungen da. Die manchesterlichen Liberalen eineiseit», Konservative und Klerikale andererseits. Da» Manchesterthum ist im Grunde feine« Herzen» naturgemäß gegen jede Gesetzgebung eingenommen, welche der Arbeiter» klaffe mit der Hand de« Staat» zu Hilfe kommen will. Die Herren Bamberger und Richter werden zwar nicht müde, zu versichern, daß auch sie eine Sozialreform anstrebten, allein sie haben bi» jetzt auch noch nicht da» Mindeste darüb« verlauten lassen, wie eine Sozialreform nach ihren Begriffen autsehen müßte. Eine Sozialreform mag aussehen, wie sie will; von dieser Seite wird sie imm« bekämpft werden. Da» Zdeal dieser H«ren ist in dir wirthschafilichen Anarchie, in dem„Kämpft All« gegen Alle" verwirklicht. Nach ihrem Glaubin regelt sich dieseAuarchie von selbst und sie treffen darin ganz mit den anarchistischen Ideen Proudhon'» zusammen. Auf der anderen Seite sehen wir kons«vatioe« Junk«» und Agrarierthum im Bunde mit den Klerikalen al« „Förderer' der Sozialreform auftreten. Diese Herren sind vor Allem bemüht, den Schein zu retten, al« seien sie die wttkthätigm Freunde de» armen Manne». D« arme Mann mag freilich manchmal ein v«blüffte« Gesicht machen, wenn ihm die Herren Kleist-Retzow, Köller, Moufang, Hertling und Windthor st al« seine einzigen„wahren" Freunde vorgestellt werden. Die Figuren dieser Herren nehmen sich denn doch in dem abgetragenen Män» telchen konservativ-klerikaler„Arbeiterfreundlichkeit' etwa« gar zu seltsam au«. Diese„Arbeiterfreunde' haben, al» die Aeta der Sozialreform begann, den Mund sehr voll ge» nommen; man hätte glauben können, sie hätten weit« nicht» zu thun, al» die Arbeit« in ein Land zu führen, wo Milch und Honig fließt! Kaum jemals ist so viel vnsprochen und so wenig gethan worden, wie in diesem Fall. Schon die Regi«ung ging den Machern de» konservativ-klerikal- M Jeuill'eton. Der Trödler. Roman von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) Diese»«haltene Freude lebte sonderbar« Weise in Edmund nicht, wenigsten« nicht diese reine, selige Freude, die etwa» Kmdlich-Naive«, etwa» Menschlich. Freie« hat und fich dau«nd, wohlthätig in un» ausbreitet. Hätte« jene» Gefühl, welche«« für Freude zu nehmen verblendet genug war, untersuchen können, so hätte er sicher gefunden, daß «» theil» äuß«e Sinnenregungen, Tier nach dem Besitz der schönen Wolkenstein, theil» befriedigte Eitelkeit, keck« Triumph üb« Graf Tild«n und andere Nebenbuhl«, theil« d« kecke Hoffnung«traum aufgestachelten Ehrgeize», Sucht nach Glanz war. Dcr Schreck, die lähmende Schüchternheit vor seine« nahen Glücke hatte keinen Bei» geschmack reell« Freude, sondern ein« ängstlichen Span» nung, Furcht vor der eigenen That und quälende Erinnerung. Da» Andenken Mathilden» fuhr ihm immer durch alle LlebeSgedanken, und zugleich stiegen gar mancherlei Fragen stuf, die sich an den Umstand knüpften: Mathilde wohne m demselben Hause; da» Leiseste, wa« sich in seinem Leben zutrage, jede« Z«würfniß in d« Ehe müsse sie zu _.«l r' rv)vHlHU|»lp 111|»v fttn« Beschämung«fahren. Tausendfache Begegnungen verbitterten schon in d« Einbildung sein Leben,« fühlte, daß« mcht Herr im eigenen Hause, nicht frei« Mensch sei, so lange Schätzleins drinnen wohnten, und heraus« treiben konnte« sie nicht I Lebhafter denn je dachte er an Mathilden, und alle Schm«zen, welche sie um ihn em» pfinden müsse, traten ihm vor Augen,«füllten ihn mit tiefstem Mitleid, mit Reue, daß er sie nicht schon längst auf seine Sinnesänderung vorb«eitet, nicht wenigsten« sein« «wen Bruderliebe««sichert habe. Der nahe Termin seiner Bermählung rieth ihm wenigsten», noch den letzten Ausweg «in« Verständigung zu«greifen, welche ihm die Achtung semer Zugendgespielin bewahre. agrarischen Bündnisse« zu weit, sie wollte ja den Arbeit«n einige kleine Konzessionen machen. Sie waren recht klein, diese Konzessionen, so klein, daß bei näher« kritisch« Be» trachtung kaum etwa« von Bedeutung übrig blieb, allein e» waren imm«hin Konzessionen. Sie wurden von den vttbün» beten Agrariern und Ultramontannr undarmh«zig au« der sozialpolitischen Gesetzgebung ausgemerzt. Die Agrarier waren gleich den englischen Torie» immer bereit, die Hand zu bieten zu Maßregln, welche den industriellen Unternehmnn Beschränkungen aufwiegen sollten; sowie ab« diese Maß- regeln auf da« Gebt« übergreifen sollten, wo sie selbst dominiren, da machten sie entschieden Front. Man sieht da« ganz genau bei der Berathung de« Unfallvwsicherung»- gesetze«. Al» die Unfallversicherung für die industriellen Arbeit« geschaffen wurde, hatten d,e Agrarier nicht» da« gegen einzuwenden, daß man dem Gesetze eine stramme und einheitliche Form gab. Jetzt ab«, da fich die Unfalls«» ficherung auch auf die Arbeiter erstrecken soll, die in ihren eigenen landwirthschaftlichen Betrieben be» schäftigt sind, jetzt tauchen bei den Herren Agrariern plötzlich die gewichtigsten Bedenken auf und eine Reihe von Bestimmungen, die im«fien UnfallverficherungSgesetz obligatorisch sind, werden im zweiten nur fakultativ. Da» ist doch keine zufällige Erscheinung, sondern da« Resultat«in« wohlberechneten und berechnenden Politik. Da« Zentrum thut dazu noch sein Möglichste«, seine partikularistischen und zentrifugalen Neigungen in d« sozialpolitischen Gesetzgebung zum Au»- druck zu bringen. Wa« soll da schließlich von ein« Sozial» reform übrig bleiben? Wenn Junker und Pfaff«st vom Tische entfernt haben, wa« ihnen nicht darauf paßt, welchen W«th hat e» dann für den Arbeit«, sich überhaupt noch an den Tisch zu setzen? Die agrarisch-ultramontane Koalition wird da« Gesetz, nach ihren Wünschen, Neigungen und Interessen umgestaltet, durchbringen. JDann werden die Herren in» Land hinau«» gehen und den Arbeitern ihnen hnen von den worden find. Die Arbeit« w«den diese Botschaft mit sehr zweifelhaften Gefühlen aufnehmen; dessen sind wir sicher. Sie haben ihre„Freunde' nach und nach kennen gelwnt. Und die Sozialreform überhaupt? Kann man von ein« solchen reden, wenn sie den Hwren Kleist-Retzow, Helldorff u. s. w. auf den Leib zugeschnitten ist? Politische Ueverstcht. blätter gebührend gekennzeichnet." Im persönlichen Verkehr E« war bereit» finster, die Wachskerzen flammten vor seinem Spiegel, in oem« sein bleiche« Geficht betrachtete. Zwei Stunden spät« war« Bräutigam, hatte den Ehevertrag untwzeichnet,— keine Zeit war zu verlieren. Statt de« Frack» zog« rasch einen Rock an und schellte. Oswald, sein Dien«, trat ein. „Zu befehlen?" „Höre, O»wald, ich hoffe, Du bist mir treu?" „Können Eu« Gnaden zweifeln, daß ich—' „Schon gut l Laß Dir also folgende« sagen: Für jeden geheimen Auftrag, den ich Dir fortan gebe und welchen ich eben so»«schwiegen gehalten wie vollzogen wünsche, be» kommst Du drei Louisd'or« 1" „Ich bin treu wie Gold, gnädig« Herr!" „Hi« hast Du diese Summe, Oswald. Geh' hinab in den Thorweg, link« von d« Straße liegt das Zimm«, welche« Echätzlein'« Dienstmädchen bewohnt—" „Sehr wohl!"— „Sieb ihr diesen Thal« und bitte sie, daß sie Mamsell Mathilde bewegt, in jene« Zimm« zu kommen. Geht sie darauf ein, rufst Du mich, verstanden? Sag' ihr, ich müsse mit dem Fräulein dringend ein paar Worte allein reden. Eh« läßt Du nicht anspannen!"— „Ganz wie Sie befehlen!'— Der Dien« ging. Edmund wartete, auf und ab schreitend.— Oswald'« Ueb«redung»gabe gelang da» Kunststück. Er konnte seinem H«rn bald günstigen Rapport bringen, und Edmund eilte auf den Hof, huschte in den Thorweg, d« noch dunkl« al» gewöhnlich war, und trat in da« Zimm«, an dessen Thür Schätzlein'» Mädchen »artete. Ein dürftige« Licht brannte ungewiß darin. Die Dienstmagd ging, um im gelegenen Moment Ma- thilden zu rufen.— Die Zeit verstrich Edmund in pein» licher Erwartung und Angst. Er fühlte eine grenzenlose Feigheit sein Herz durchzittern, fast hätte er fortlaufen mögen. Eben al»« mit sich zu Rathe ging, wa»« thun, ob bleiben oder gehen solle, hörte« Mathilden« Stimme im Thorweg: würde man auf eine solche perfide Verdächtigung h!n besten Falles dem Verleumder verächtlich den Rücken zukehren und schweigen, im journalistischen Leben muß man fich leid« auch mit solchen Angreifern herumschlagen. Also zwei Worte d« Erwiderung! Die„Volk» Ztg." weiß recht gut, daß jede Po- lemil, die von unserer Seite gegen fortschrittliche Blätter ge- richtet wird, in der konservativen Preffe ihr Echo findet. Wenn die„Volk» Ztg." also jede« solche Echo zu Verleumdungen benutzt, so heißt das weiter nichts, al» daß ihr jede« Mittel recht ist, un» zu verhindern, daß wir jemal» gegen Foit» schritt und Manchesterthum auftreten. Wir gönnen ihr diesi» kindliche Bemühen, denn dadurch werden weder wir noch unser« Leser jemals in uns-rer Haltung beirrt werden. Diese Haltung ist durch unsere letzten Bestrebungen ganz unzweideutig bestimmt. Wir kämpfen für die endgiltige Befreiung der arbeitenden Klaffen und stehen dah« heute im Streite mit den konser» vattven Blättern— und dann mögen un» die Fortschrittler ihren Beifall spenden. Wir betonen ferner aber morgen eben- sogut unsere Gegensätze zu dem linken Flügel der bürgerlichen Parteien— und davon wird uns der gelegentliche Beifall der Konservativen auch nicht abbringen. Die„Volk» Ztg." aber ist in den Händen fortschrittlicher und nationallideralet Aktionäre, sie treibt bei den Wahlen Stimmenfang für den deutschen Freistnn und da» Manchesterthum, die Volk»' Ztg." steht also im tiefsten Gegensatz zu den Be» strebungen der Ardeiter, und doch fließt fie beständig von Arbeiterfreundlichkeit über, weil fie die Arbeiter als Abonnenten al«„Zahlvieh" braucht. Sie spricht in ihrer letzten Auslassung von einem„ebenso gefährlichen wie verächtlichen Spiel", da« die Reaktion einst mit den Arbeitern versucht habe. Ein noch ge- fährlicheres und noch vwächtlichereS Spiel treibt die„Volk«» Ztg.", fie besorgt mit dem Geld« armer, gutgläubiger Arbeit« die politischen Geschäfte de«„fteistnnigen" Kapitalismus. Um reinen Tisch zu machen, werden wir die« imm« und imm« wieder hervorheben. WaS endlich die„Abfertigung" anbelangt, mit welcher die „Volks Ztg." unftre Aeußeiungen über ihr Verhalten während der ersten Zeit der Berliner Bewegung erledigt glaubt, so be- halten wir uns vor, binnen kurzem darauf zurückzukommen. Ueber die kirchenpolitischen Aussichten schreibt die „Köln. Ztg.":„Diese Ängelegenhest nimmt unausgesetzt da» ganze Interesse der parlamentarischen Kreise in Anspruch. Nach neuester Bestimmung soll die entscheidende Sitzung am Montag stattfinden. E» wird auf die Erklärung ankom- wen, welche Fürst Bismarck oder ein andere» Mit- glied der preußischen StaatSregierung bei der Plenaiberathung :» führung deS kirchlichen Frieden» dringend aünschenSwnth er» scheinen lassen, so würde die Vorlage angenommen werden, auch mit den Anträgen de« Bischof« Kopp. E» würde dann d« Widerspruch der jetzigen Gegner aufgegeben werden, andererseits würde aber die Vorlage zwerfello» schon im Herrenhause scheitem."— Also: wie Bismarck will, wir halten still! „Die Branntweinsteuervorlagen gehen ihren gewiesenen „Aber mein Gott, Mädchen, wa» kann'S denn sein, da« Du mir so heimlich zu sagen hast?' Damit öffnete sie rasch die Thür und trat ein. In demselben Augenblick sah sie Edmund bleich und traurig vor sich.— Sie that einen Schrei und wollte sich umwenden, ab«« war Manne» genug, ihre Hand zu«- greifen. „Ein paar Augenblicke bleibe nur!" flüsterte er qualvoll. Mathilden« Busen arbettete heftig, Schluchzen«stickte fie fast. Endlich kehrte sie ihm ihr Antlitz zu. „Wa» wollen Sie, He« Hennina»?" „Mathilde, nicht so, nicht diese» kalte, fremde— Sie!— Sei barmherzig,«laube, daß ich mich aussprechen darf wie sonst!' „Sie haben bisher dazu keine Zeit gefunden, selbst nicht einmal, seit Sie im Vaterhause find. Nach dem, wa» zwischen un» sich bweit» geändert hat, mögen Sie da» für unnöthig gehalten haben. E» ist auch wohl so I— Sie haben meiner, d« ganzen Jugendzeit vwgessen. Mein Gott, Sie können nicht dafür, da» H«z läßt sich eben nicht „Mathilde, liebe Mathilde, sei nicht so gar ungwecht gegen mich! Wohl fühle ich, daß wir übereilt und mit d« Unbefangenheit der Kindwzeit gehandelt, al« wir un«, kaum erblüht, für'» Leben binden wollten. Ab« wenn auch thörichte Wünsche in un» nun den echten Bedürfnissen de» Lebens weichen müssen, wenn wir un» auch al» Gatten nicht angehören, willst Du mir Deine Freundschaft, die Anhänglichkeit d« Jugendgespielin entziehen?! Mathilde, kannst Du da»?' „Ich weiß nicht, ob ich so meine Empfindungen unter die schickliche Form stellen kann. Ich kann Ihnen ohne Er- röthen, wie das Kind von ehemals, sagen, daß ich Sie liebe, daß ich von keinem andern Manne bisher gewußt und künftig wissen werde. Ebenso fühle ich auch, daß Sie mich nicht die Ihre nennen können,— nicht wollen I Sie haben mich elend gemacht, aber ich bemstleide und liebe Sie doch, denn Sie haben fich ja am meisten damit weh gethan. Ach, Sie wissen noch nicht— wie wehe!*— „O, zürne mir nicht, Mathilde, jetzt nicht 1 Ich thue Weg und werden jedenfalls binnen kurzem den LundeSrath desctmft'gen."— So läßt Minister von Scholz durch Herrn Schweinburg der Welt verkünden. Der Plural„Branntwein- fteuervorlagen" zeigt— demerkt hierzu die„Freis. Ztg."— daß der arme gute Herr von Scholz, dem e« scbon nichr leicht fällt, eine einzelne Vorlage autzuardeiten, wirtlich den Befehl erhalten hat, gleichzeitig mehrere Branntweinsteuervorlagen zur Auiwahl auszuarbeiten. Der genannte Artilel ergeht fich zu- gleich in heftigen Reden darüber, daß konservative Blätter auS der Erkrankung des Staatssekretärs von Burchard auf eine Verzögerung in der Einbringung der Vorlagen hätten schließen wollen. Die Vorlagen würden nicht im Reichtichatzamt auS- gearbeitet, sondern gingen alS Anträge Preußens im Bundes» rath ein.— Ob Reichsschatzamt, ob preußisches Finanzministerium, ob die Untergebenen hier krank und dort gesund find, ist un tres Erachten» völlig gleichgrltig. Auf den Kanzler und auf diesen allein kommt alle» an. Die Ausdehnung der UnfallverficherungSpfticht auf Arbeiter und Bettiedibeamte in Gewerbebetrieben, welche fich auf die Ausführung von Tischler-, Einsetzer-, Schloffer» und Anschlägerarbeiten bei Bauten erstrecken, ist beim BundeSrath beantragt worden. Anläßlich der belgische« Unruhe« scheint man in Berlin auch einen Augenblick daran gedacht zu haben, die Unterhandlungen mit anderen Regierungen wegen gemein. samer Maßregeln gegenvi« Anarchisten wieder aufzunehmen. Man ist aber, nach der Wiener„Neueu Fr. Prrffe", davon mrückgekommen, und zwar in der Erwägung, daß derartige Verhandlungen angefichtS der inneren Gesetz- gtdung Englands, Oesterreich Ungarns und anderer Länder jetzt ebensowenig defferen Erfolg haben würden, alS vor einigen Jahren, da fie von anderer Seite angeregt waren und, so viel erinnerlich, besonders daS Asylrecht betrafen. Ali daS greif» bare Ergebniß wurde bekannttich damals bezeichnet, daß die zuständigen Behörden fich von den Plänen und Bewegungen der Unruhestifter stets rechtzeitig b�hufS der auf den ver» schiedentn Staatsgebieten zu treffenden Vorkehrungen in Kennt» niß halten würden. Dem Gedanken einer Verstaatlich«»« des Verficht» rnngSweleuS steht die bayrische Regierung ebenso feindlich wie die preußische Regierung freundlich gegenüber. So erklärte erst vor einigen Tagen wieder der bayrische Minister de» Innern, v. Feilitzsch, die Regierung erachte in Anbetracht ihrer mit den in Bayem konzesfionirten Privat-Feuerverficherungs. Gesellschaften getroffenen Vereinbarungen die Enichtung einer staatlichen Konkurrenzanstalt für inopportun und lehne deSbalb den Soden'schen Antrag auf Einführung einer staalltchen Mo» biliarverficherung ad. Man hege unerfüllbare Hoffnungen de» treffS einer StaatSverfickerung und unterschätze die Schwierig- keit ihrer Durchführbarkeit. Der von der Regiening beschriften« Weg der Vereinbarung mit dm Gesellschaften und der Kon- trole derselben sei ficherer al» der von Soden beantragte. Die Regierung halte es für unverantwortlich, jetzt die Konzesfionen der Gesellschaften in Frage zu stellm. Eine StaatSanstalt könne keine größeren Vorthelle bieten, alS«S jetzt die Privat» gesellschastm thun. Die weitere Berathung wurde schließlich vertagt. A«archisttscheS. In Aachen wurden dieser Tage zwei Frauen festgenommen, welche in dringendem Verdecht stehen, seit längerer Zeit Exemplare der Most'schen„Freiheft" von Belgien nach Aachen geschmuggelt zu haben. Bei einer der Verhafteten soll unter dem Kleide ein Packet anarchistischer Zeitungm gefunden worden sein. Die sozialdemokratische Versammlung in Ludwig». hafm am 4. April zur Besprechung de» LandtagSwahl« gesetzt 8 war auS allen Theilen der Pfalz gut besucht. ES sprachen Ehrhardt-LudwigShasen, Keppi- Neustadt, Stein-Spcyer, Dreesbacb-Mannheim und Weiß- LudwigShafen mehr oder minder scharf gegen daS indirekte Wahlsystem und für Ein» treten der Sozialdemokraten bei denLand» tagSwahlen. Schließlich wurde folgende Resolution an- genommen:„In Erwägung, daß daS Wahlrecht einei der wichtigsten Rechte gegenüber dm vielm Verpflichtunam deS Staatsbürgers ist, erllärm die beute versamwetten Wähler auS vielen Orten, ungeachtet der Verwerflichkeft de» indirettm Wahlrechts, daS thatsächlich den Stempel der Klafienvertretung an fich trägt, und auch trotz der vermeintlichm AuSfichtSlofig» keit, fich an der nächstm LandtagSwahl zu dethetligm und zu diesem Zweck eine Kommisfion zu wählen mit der Ermächtigung, fich zwecks der Agitation zu verstärken: in Erwägung, daß daS indirekte Wahlrecht eine reaktionäre Einrichtung ist, die der heutigen Zeit und unseren heutigen Verhältniffm in keiner Weise mlspricht, erklärt die heutige Versammlung, eine nach- haftige Agitation in» Leben zu rufen, um da« indirekte Wahl» recht durch da» allgemeine und direkte mit Diäten S« ersetzen und für diesen Zweck in Versammlungen und in der Preffe zu wftkm." Wie polnische« Blätter« gemeldet wird, find jüngst fast alle polnischen Beamtm der Posen» Thorner Eisenbahn auS Westpreußen nach rein deutschm Gegenden versetzt wordm. dm höchsten, dm schwersten Schritt werne« Lebm« und will mit Dir wmigstenS versöhnt sei« I Sei mir Schwester wie in der Kinderzeit!!" Mathilde war zusammmgeschreckt! Todtenbleich stand fie vor ihm! „Sie habe«— Ihre Braut gewählt, ich fühl'« I Eine schöne, vornehme Braut gewiß!— Zch habe es immer geahnt, Sie warm nicht für die Trödleritochter I— Lebm Sie wohl und seien Sie glücklich I Ach, ich fürchte, Sie werdm es nie! Zch will Zhnm verzeihe«!— Ächtm— kann ich Sie nimmermehr, Unseliger, über de« man weine« muß!!" Sie wankte hinaus.— Wie an Leib und Seele zer» schlage» folgte ihr Edmund und eilte scheu an ihr vorüber. Im Hofe stand da» Dienstmädchen. „Geh' zu F.'äulei» Mathilde, fie ist unwohl!" Er stürzte wie verzweifelt nach der Hintertreppe. Da hörte er einen lautm Schrei! Er wandte sich entsetzt um I Im matten Mondlicht« sah er, wie da» Mädchm Mathilde» unterstützte und nach ihre« Elter« rief. Er stieg todeSmatt hinauf in feine kostbare Wohnu»g. Eine Stunde später fuhr er zur Verlobung.— Astartm» Anblick rief Edmund» Lebensgeister wieder wach. Die Feierlichkeit ward sotm« vollzogen. Graf von Gildern, sei» Nebenbuhler, Kabiaetsrath von Buchmann mft seinm Töchtern, viele Herren und Dame» der Aristo» kratie, Gerichtsrath Korell, des alten Josua Frmnd, wie ver» schieden« Künstler und Gelehrte, sämmtlich Freunde Edmund«, waren geladen. Edmund unterschrieb feierlich hinter seiner Braut dm Kontrakt. Ruditz, Bildhauer Hakcrt, Edmund« Zntimu», und Graf Gildern unterzeichnete» fich al» Zeugm. Wie letzterer die Feder langsam hinlegte, sagte er ernst und nicht ohne Bewegung zu Edmund: „Herr Asteffor, ich habe hiermit mein eigene« Unglück besiegelt. Ich that e» gern, weil mir da» Glück der Dame, die ich verehre, höher steht al» mein eigene». Wenigsten» werden Sie mir erlaubot, daß ich der Frmnd Zhrer Familie bleibm darf!" Frankreich. Während die konservative Preffe dem Vorgehen de» General Borson in Decazeville rückhaltlos Beifall spendet, de» streiten die radikalen Organe sowohl die Besetzlichkett ali die Zweckmäßigkeit der am Schauplatz deS Bergarbeiterftreiks angeschlagenen Bekanntmachung, und selbst die opportunistischen Blätter finden, daß der General zu viel Energie entfaltet habe. So z. B. meint„Pari»",„der General habe fich seinen belgi» schen Kollegen Van der Smiffen allzu sehr zum Vorbild ge» rommen" und mit der Bezugnahme auf dai Militärorrhäftniß der in bürgerlichen Stellungen b-findlichen Leute eine wahre Ketzerei begangen, welche von der Regierung verurthetft werden müffe. General Borson habe den Wortlaut de» Gesetzes im» richtig angezogen' dai Gesetz beziehe fich nur aus diftenigen Angehörigen de» Beurlaubten-, Reserve- oder Landwehrstande», die fich in Uniformstücken oder mtt ihren militärischen Waffen (Gewehr, Säbel, Bajonett) an einer Zusammenrottung bethei- ligen: in allen anderen Fällen sei da» glimpflichere dürgeriiche Strafgesetz und nicht da» drakonische Militärstrofgesetz anwend- bar. Der General Borson habe für eine große Klaffe von Bürgern eine Ausnahmegerichtibarkeit geschaffen. Die Regie- rung arbeitet unterdeß weiter unter dem Drucke der mächtigen Finanzier». Die Verhaftung deS Deputirten BaSly ist, wir e» heißt, grundsätzlich beschloffen! die übrigen Deputirten sollen in Decazeville von den Gerichtsbehörden überwacht werden, und die Regierung wird bei dem geringsten Vergehen derselben die Erlaubniß der Kammer zu ihrer Verfolgung beantragen. An» gi ficht» dieser unaushörlichen Provokationen ist die Hallung der Streikenden eine wirtlich musterhafte. Die Verhandlungen bezüglich Abschluffe» eine» Handel»« Vertrages mit China find nahezu vollendet und bestehen gegen- wärtia nur zwei geringfügige Differenzen mehr formeller Natur. Die Grenzfeststellung in Tongking wird gegenwärtig in der Gegend bei Langsong fortgesetzt. Die kommerziellen und diplo» malischen Kreise beschäftigen fich vielfach mft der Frage der Revifion der internationalen SeefahrtS-Vorschriften, welche an- gefichtS der immer häufiger werdenden SchiffSzusammenstSße vnngend geboten ist. Belgien. Am 7. ftüh haben, nach dem„Berl. Tagebl.", sämmtliche Arbeiter der großen Kohlengrube Monceau» Fontaine bei Charlerot die Arbeft eingestellt. Sie verlangen einen TageS» lohn von fünf Frank», sowie Reduzirung der bisherigen drei- zehnstündigen(!) Arbeitizett. Gleichzeitig meldet man einen allgemeinen Streck au» der großen Fadrilstadt Ninove im Bezirk Gent, welcher bisher von der Bewegung verschont gedlte» den war. Die Genter Behörden haben telearaphisch sofort militärischen Sukkure verlangt. 600 Mann Soldaten sollen bereits eingetroffen sein. Nach der Meldung der radikalen„Reforme" ist General van der Smiffen, deffen Ankunft in Brüffel soeben gemeldet wird, formell abberufen worden, weil er seine Vollmachten überschritt. Sollte der blinde und brutale Eifer de» Generali selbst der Regierung mißfällig sein? Ein Theil der Pariser Preffe fährt fort, die Deutschen für die Unruhen in Belgien veranlworllich zu machen. Um da» Sozialistengesetz durchzudringen, habe Bismarck die Arbet» terunruhen in Belgien und Decazeville hervorgerufen. Roche« fort, der den Satz verficht, hier wie dort fei einzig und allein der Hunger der Anstifter der Unruhen, entgegnet den Chauvinisten spöttisch:„Seit 1871 herrscht bei un< in Frank» reich«ine Monomanie, Bismarck in allem zu wittern. Die Arbeiter verkommen in Hunger, faffen den Entschluß, lieber augenblicklich auf die Arbeit zu verzichten, all in einer Be« schästigung, deren Lohn mit jedem Tage lächerlicher wird, zu Grunde zu gehen; da schreien diejenigen, die fie gern dort arbeiten laffen, ohne zu bezahlen, wieder und wieder, daS sei eine deutsche Bewegung." Kleine Fabrikbefitzer, welche die Konkurrenz der großen Etabliffement» nicht»uszuhalten vermögen, also Glieder der desitzenden Klasse, sollen eS vielfach gewesen sein, die zum Sturm auf die Großfabriken gehetzt haben. Ein Mitglied deS Zioilkabinetß deS belgischen König» soll dieS dem Ver- treter eine» Patts« Blattes offen in ttner Unterredung zuge» standen haben.„Die bereit» eingelettete Untersuchung— äußette er— hat ergeben, daß die kleinen G l a» f a b r i» ken dem gegen die großen, konkurrenzfähigeren gerichteten Zerstörungswerke nicht fern gestanden haben. Bei dem Brande der Glashütte Eugene Baudoux find ent» schieden verschieden« kleiner« Fabrikanten der Umgegend stark kompromittftt. Da» ist der Ursprung der Bewegung, eine andere giebt e» nicht." Schweiz. Der Vorstand deS Handelsdepartements in Glarul, Herr BundeSrath Droz, hat seiner Zeit eine Expertenkommisfion zur Begutachtung der Frage eimrAuSd ebnung deSFabrrk- ge setze? niedergesetzt. Vor einiger Zeit ttchtete er ttn Zir» kular an die invustttellen Vereinigungen in den Kantonen, wottn über eine Reihe von Detailsragen Auskunft gewünscht wurde. Die glarnerische HandelSkommiffion ging, nachdem da» Edmund verbeugte sich und lächelte blöde. Er war verlege«. Weshalb, wußte er nicht. Die Braut war wie von Blut Übergosse« und zitterte wie Espenlaub. Eine leise Zähre, welche ihr verrätherisch au» de» Wimper« schlich, bemerkte Edmund nicht. Während de» sehr heiter» Souper», al» Stadtgenchtt» rath Korell mit Edmund anstieß, zog ihn derselbe bei Sefte. „Hören Sie, junger Freund, ich fürchte, ich fürchte, Sie haben da'nen Schwabenstreich gemacht!— Na, halte« Sie nur recht auf Zhren Beruf, öffentliche Ehr« hilft Manchem über de» häuslichen Jammer, Gott erhalte Sie!"- Durch de« Vorgang zwischen Mathilde« und Edmund, welcher vor den Eltern nicht verheimlicht werden konnte, war der Schleier gelüftet, welcher bisher auf de» luxuriöse« Umänderungen im„kalten Stein" gelegen, und am ander» Tage wurde durch die Plauderei der Hennings'schea Dieust» leute, wie durch die öffentliche» Zeitungiannonze» die Ver» lobung de» Assessor« zur Gewißheft.— Mathilden» Zustand schien weniger ein körperlicher al» geistig besoranißerregender, und e» bedurfte aller liebevolle» Pflege der Mutter und Beaten», die herbeigeeilt war, be» durste aller vernünftige» Tröstungen de» Vater», um den «irkliche« Ausbruch einer Krankheit zu verhindern. Z« der erste« Hitze beschloß ZusiuS bei fich, au» diesem verwünschten Hause zu ziehen. Dann wollte er Fra» und Tochter eine Wecke auf» Land gebe«.— Beide» ließ fich nicht thun, weil Mathilde zu angegriffen war.— Al» fie fich erholt hatte, schien Keine« nöthig zu werde«, denn Ma» thilde war geheilt- sie verachtete Edmund, und diese Um» Wandlung ihrer Gefühle und Meinungen gaben ihr den Stolz und die«öthige Energie, fich in seiner Näh« zu wissen und ihm kalt den Rücken zu kehren. Die Vorbereitungen zur Hochzeit Edmund'« und Astatte'» waren beendet, die alte Baronin bereit» in de« zweiten Stock eingezogen. Der feierliche Tag brach an, und eine lange Wagenreihe, da» Brautpaar vorauf, rollte zur Kirche.— bezügliche Material au» allen Kantonen eingelaufen, rürzlich auf die Sache ein und sprach fich nach dem„Freien Glarner" für Ausdehnung der Haftpflicht auf alle Gewerbe und alle mtt Gefahr verdundeuen Betriebe auß- fie«klarte fich ferner in ihrer Mehrheit für obligatottsche Verstcherung und für Grün» dung einer BundrSar statt. Der Bund sollte nach ihrer Anficht zu den Prämien ein Viertel beitragen. Italien. Aus Picmont werden sozialistische Agftationen unter den Bauern gemeldet. Die Bauern werden zu SonntagSpredigten versammelt, um in die sozialistischen Lebren eingeweiht zu werden.— Im Verttn Nuoya Italia in Mailand �and eine Hausdurchsuchung statt und wmven alle Papiere mit Beschlag delegt.— In Reggio d'Emilia streiken tausend Arbeiter, deren Wünschen man wahrscheinlich gerecht werden wird. In Padua kmfiren übettttebene Gerüchte über den AuS» bruch der Eholera in der dottigen Garnison. Amtlichen Bulletin» zufolge find drei Soldaten erkranft, hiervon zwei ge« storden. Grohbritaunien. Die AuSstcklen auf Vera-irklichung der irischen Reformpläne Gladstone's wachsen noch in letzter Stunde bedeutend, da er nach den jetzt einlaufenden Mi.thttlungen seine Ent» würfe von allen überflüffizen Nedenfragen befreit bat, die in wttteren Kreisen der Itveralen Partei Spaltungen herdenukühren drohten. Nach einem Piioattele�ramm der„Boss. Z a." aus London bestätigt e» fich, Gladstone habe selbst auf dir Gefahr,| fich di« Opposition Palnell'S zuzutteben, seine Homerulevill den Anschauungen der gemäßigten Liberalen so angepaßt, daß deren Annahme im Prinzip gefichert zu sttn scheint. Irland erhäft danach ein eigenes Parlament, während England weUgehenve- Vetobefugniffc ausübt, die Steuern und Zölle erhebt und die! Kontrole über Militär und Poliztt behält. Die I länder sollen vom Unterhause n cht ausgeschlossen werden. Chamderlain läßt durch die„Birmingham Post" erklären, er bade keine Unter« Handlungen mit den Toryführern und Hartington ,w- ck« ge» meinsamer Bekämpfung der Reforwpläne Gladstone'S gepflogen. Ponsonby konferirte gestern mit Hartington und Suisdury. i Man glaubt, die Königin wolle fich vergewissern, od, wenn Gladstone im Falle der Verwettung der Homeruledrll de» wisstonitt, Hartington und Saliidmy gesonnen seien, ein KoalttionS-Miatst-rium zu bilden. Daß Glavstone so weit gehen sollte, mit Parnell zu brechen, erscheint allerdings nicht glaubhaft, denn sch-verltch würden ihm Zug-ständn-ffe an die Whigs so viel Stimmen eintragen, um den Auesall der LS Parnelliten wett zu machen, fttan muß nicht oergefien, daß ohne die Parnelliten die Liberalen allein keine Mehrheit haben. Wie sanguinisch die Jrländer noch immer die Lage auf- fassen, erhellt am besten auS ttner Ansprache, die der Adge«, ordnete T. P. O'Cvnnor vor einigen Tagen in Kenningion Hall bei einem Meeting des Kenningion- ZweigeS ver irischen Nationalliga hielt, dem u. A. auch die Avgeordneten Teacy, Cox und Nolan anwohnten. Nach einem Hinweis auf die ungeheuren Schwiett�keften der irischen Frage und n-ch war- men Lobeserhebungen auf Mr. Glavstone erklärte fich T. P. O'Coanor überzeugt, daß Mr. Gladstone fühle, er wurde da» englische Voll hinter fich haben, wenn die Sache zum Austrage komme, und dieses werde verlangen, daß die große That der Versöhnung mit Irland durch ihn und oon ,hm, und nur von ihm, geschehen solle. Nachdem Redner die irische Abnei« gung gegen die UnionSakte, die nach seiner Meinura sowohl den Charakter deS Siegers, wie der Befiegten herabwürdige und das irische Volk zu Feinden England« gemacht Hab«, kurz konstatirt hatte, fragte er, ob nicht jedes Land durch di« Um» Wandlung seiner Feinde in ergebene Freunde stärker werden müffe. Welche Hinderniffe auch Mr. Gladstone im Wege stän» den, er(O'Connor) fürchte nicht« für daS Resullat. wiil Mr. Gladstone selber nicht« fürchte. Ein wttterer Grund zur Zu« verficht und Hoffnung stt der, daß Mr. Gladstone innerhalb der nächsten Wochen viellttcht drei oder vier Reden gegen die Union halten werde, die deren Schicksal defi-geln müßten. Wenn Mc. Gladstone am Donnerstag um 5 Uhr seine Rede beginne, dann werde um 7 Uhr die Union- Atte todt und begraben(?) sein, und keine Macht der Eide würde fie wieder' zum Leben bringen. ES gebe jetzt keine andere Alternatioe, alS eine Regelung der ittlchen Schwiettgkeit, wie ste die irische Pattei und daS irische Volk und deren billige Foidervngen beftiedigen würde, oder ttne deratttge Anwendung von Zwang, wie fie viSher niemals versucht worden stt. Spanien. Auf den Philippinen ist ttn Ausruhr ausgebrochen. Di« Behörden von Mindonao sandten vier Kanonenboote gegen die ausständischen Eingeborenen ad. Ein Olfijier landete mft einer Truppenablhetlung, um die 400 Mann starken Insurgenten aus ihrer Stellung zu vertreiben. Dabei wurden der Offizier verwundet, S Eingeborene getödtet Nachdem sodann eine zweite Truppenadtheilung zur U terstützung eingetroffen war, ergriffen die Eingeborenen die Flucht. Daß die ganze Nachbarschaft auf de» Bttnen war und in di« Kirche strömte, um da« Brautpaar zu sehen, ist leicht jü begreifen. Schötzlein» blieben dahttm. Mathilde war ruhig und ernst, nur ei« leise« Frösteln überlief fie. Justus ging auf und ab. Endlich war die Trauung vorbei, die Wage» käme« zurück.— Alles stürzte an die Hbuithür.— Schätzlein trat vor feine» Lade» urd, die Pfeift im Munde, die Hände auf dem Rücken, sah er dem wühl zu. Edmund stieg au» und hob Astarte, schön wie eine Fee, au» dem Wagen. Al» er sich wendete und ihr de» Al0> bot, um ste in'» Hau« feiner Väter zu führen, fiel sei» Blick auf die kleine Ladenthür. Da stand Justus und lacht« höhnisch. Edmund»ankte und ließ die Hand seiner Bratft staken. i „Ei, wo« ist Zhnen denn. Bester!" tief lachend Graf GUder«, der die alte Baronin am Arm hatte. Schnell ergriff Edmund die Hand seiner Braut wiedtt und führte fie»'s blumengeschmückte Portal. .Hast Du'» gesehe»? Hast Du'» gesehe«, Kind, rv>< dem zu Muthe war?!" rief flammend der Trödler«%» warf die Ladevthür zu.„Zch Hab« e» Euch prophezei •t«erde Dir treulo», er stt ei« Lump! Zch hatte rechi- Zch sage Euch nun, von heute an geht der mit Rieses schritte« seinem Untergange zu I Der Sohn Hennwg»'«i*? wie ttn Bettler au» seiaea vier Pfählen ziehen und W sein, wen« ihm de» Trödler Zustu» Kind einen Bissen W*! und einen Lappen schenkt, um der Liebe willen, die seir? Vater« Asche verdient I Trödel, Trödel! Alle» ist Trod«>- mtt» Kind, wie das ganze Lebe« I Nur eine Liebe ist vergänglich, die Liebe von Eltern und Kind, an die Dich 1 1" (Forssetzung folgt.) I Nuhlaud. Ende Mär, wurde in Dvrpat eine nihilistische Geheim« druckeret aufgehoben, welche sich— stbenfoUl schon längere Zeit— in der ober« Etage deö Hausei Bokownew(am großen Marli) befand. Der in der mittleren Etage desselben Hausei wohnende Dozent der Univerfität, Doklor Dehio, Assistent an der tUinik, hörte seit einiger Zeit Nachts ein verdächtiges Klopsen über sich, welches sich durch seine Regelmäßigkeit auf« zrichnete und Aehnlichkeit mit dem Geräusche einer sich in Tgätigkeit defindenden Druckerpreffe zu haben schien. Er machte schließlich über seine Wahrnehmung dem Dorpater Gendarmen« Obersten Mittheilung und bei der in Folge dessen angeordne- ten Haussuchung fand man eine vollkommen eingerichtete Druckerei vor. Fünf Studenten(vier Russen und ein Jude) wurden verhaftet. Sie leisteten keinen Widerstand. Die Haltung Rußlands, welche allein die Wiederher- stellung der Ruhe auf dem Balkan verzögert und verhindert, wird in der ungarischen Presse scharf befämpst. So schreibt der„Pester Lloyd" in einem Leitartikel:„Rußland ist dereinzigeEtaat in Europa, dessen Politik eine wirkliche und unmittelbare europäische Gefahr in sich schließt. Denn die russische Politik ist. allein unter den europäischen Staaten, stetig, unbeirrt, unauf- hörltch auf eine solche Veränderung der europäischen Karte ge- lichtet, welche nicht nur eine Erschütterung und Bedrohung, sondern eine vollkommene Umwälzung des bestehenden Gleich« gewichis zur Folge haben würde. Mag daS Testament PeterS des Großen schwarz auf weiß im Archiv zu St. Petersburg liegen oder nicht,, der leitend« Gedanke der russischen Politik bleibt die Eroberung Konstantinopels, die Herrschaft über die Meerengen, und wenn nicht der Besitz der Balkan-Haldinsel, so, doch das unbedingte Uebergewicht auf derselben. Damit wäre aber ein Uebergewicht und eine Vorherrschaft seitens Rußlands in Europa begründet, welche nicht nur mit den In« teressin der übrigen Staaten, sondern geradezu mit der Ruhe, der Sicherheit, in letzter Instanz mit dem Bestände derselben nicht mehr verträglich wäre und welches diese zu einem Kampfe auf Leben und Tod zwingen würde— gar nicht zu gedenken der innerpolittschen, der den Fortschritt, die Freiheit und Kul« tur betreffenden, selbst ststlichen und ethischen Folgen, mit welchen ein von der russischen Uebermacht auSgeüdler Druck auf ganz Europa, wenigstens auf dem gesammten Festlande lasten würde. Balkauländer. In Athen scheint daS Kricgsfieber wieder zuzunehmen, troydem es immer klarer wird, daß die griechische Armee zu einer Altion gegen die Türkei unfähig ist. Der Kriegsminister soll zwar bei einer Inspektion der Befestigungen von Arta eine kriegerische Ansprache an die Offiziere gehalten haben, in welcher er erklärte, die Truppen würden nicht eher nach der Heimath zurückkehren, biS die Landesehre auf dem Schlachtfelde Genug- thuung empfangen hätte, allein thatsächlich sollen nur 45000 Mann an der Grenze unter Waffen stehen, nachdem 5000 Mann feit der Modrlistrung Krankheiten erlegen und 13 000 Soldaten auf Urlaub entlassen find oder fich sonst von der Truppe ent- kernt haben. Schlimmer noch als der Zustand der Armee ist die Lag« der griechischen Finanzen und selbst die offiziöse„Nea Ephimerts" muß zugeben, daß eS nicht gelungen sei, die in Autficht genommenen Anleihen abzuschließen oder die Obliga» tionen der 170 Millionen-Anleihe und die SchatzbondS in ent« sprechender Weise zu plaziren. Politisch ist außerdem Grie« chenland fast vollständig isolirt. Die Geduld der Mächte wegen Griechenlands ist erschöpft; wenn dieses nicht sehr bald abrüstet oder den Krieg erklärt, wird die Türkei den Ausbruch des Krieges provoziren. — Von maßgebender Leite erklärt man, daß die vor Kurzem auS Berlin verbreitete Nachricht, Fürst Alexander hege die Abficht, fich zum König deS vereinigten Bulgarien zu prollamiren, vollständig jeder Begründung entbehrt. In Ost« rumelien sowohl als im Fürstenthume herrschten überall die voll« ständigste Ruh« und Ordnung. Was die Stimmung der Be» völkerunz anbelangt, so sei es eine tendenziöse Darstellung, wenn in einigen, namentlich rusfischen Organen behauptet wird, daß das bulgarische Volk nicht mehr zum Fürsten Alexander halte und dieser bei demselben keine Stütze in seiner Adleh- nung deS modifizirten UebereinkommenS mit der Pforte finde. Die Verhandlungen der Sobranje, in welcher die legalen Vertreter der Bevölkerung ihre Wünsche und Sympathien offen zum Ausdrucke bringen werden» dürften bald daS Gegen« theil diweisen. — In Petersburg erklärt man die Resultate der Kon« stantinepeler Konferenz für unbefriedigend, da man zweifelt, daß Oesterreich und England einen Austrag zur Durchführung an Rußland übertragen werde. Die„Nowoje Wremja" meint, die Konferenz solle für den Fall eines ferneren Widerstandes des Fürsten Alexander dessen Absetzung beschließen. Auch daS neue serbische Ministerium soll wegen seiner feindlichen Stellung zu Oesterreich in Petersburg Mißfallen erregen. Amerika. In New-Nork hat nach der„N.-N. Hdlsz." vom 27. Mär, Ans Kunst und Leben. Im Alhambra> Theater wird am nächsten Sonnabend die früher im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater mit großem ( gegebene Jacobson'jche Posse„Berliner auf Reisen" übrung gebracht. Die Direktion hat diese Vorstellung .�irischen Personale als Benefiz bewilligt. DaS technische Personal, au« Theaiermeister nebst Gehilfen, Logenschließern w. bestehend, hat leine leichte Arbeit. Der Schaustiieltr erntet Beifall und Anerkennung, die Mitglieder des technischen Per« . i1?i still und lautloS, fast unbemerkt ihre keineswegs leichte Pflicht erfüllen. ES ist daher diesen Leuten reckt wohl .?0.�ä«�au8 tu gönnen, und da bei dieser Vorstellung ebenfalls Bon««iltigkcit haben, so ist eS dem Publikum leichk, Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und fich eine angenehme Unterhaltung, dm Benefiziantm aber einen klingen« den Erfolg zu bereiten. % 5er EchSfer'sche Männergesangverei«„der Elser hatte am 5. April ein Konzeit in der Philharmonie veranstaltet, welches ein glänzendes Zeugniß von der LeistungS« >abtzkeit deS Verein« ablegte. Der unermüdliche Leiter der Vereins, Herr Otto Schäfer, hatte daS Konzert gut vorbereitet, lo daß alle Chöre vorzüglich gelangen. Das Programm bot Mend« Chöre:„Osfian" von Beschnitt,„Heimkehr" von «dt,„Ständchen" von Stürmer,„Der Gondelfahrer" von Schubert und„Soldatenlied" von Franz LiSzt. Der Ohor, eine«cht interessante Komposttion, welcher von k!?»,*5*2#? und Pauken degleitet wird, erlebte in Berlin niV'f, Aufführung: derselbe gefiel besonder« und mußte, wiederholt werden. Der schwierige ewDmb fiiIan0 60ns vortrefflich. Chorklang. Jntona« Non und Aussprache warm tadellos. Der Verein verfügt über hohe und leistungsfähige Tenöre und ist von denselben Herr Wessel, welcher die verfchirdmen Soli'S sang, besonders rüh« )u% �wähnen. Die Verein«kapelle brachte sieben Stücke u r0,,l5i lnwch die saubere Wiedergabe von m �werture„Lodoiska u. Metraa Valie espagnole" SanVf ul �-�"»."lowischen" Vorträge kämm uns �"»komisch vor, denn dieselben paßten gar nicht in da« Pro« GZKMMSS m&iz aÄ a»tes der größte Theil der Bürgerschaft schon seit längerer Zeit die Vermutbung gehegt, daß ein Theil der Stadtraths« Mitglieder die Stadt systematisch de« schwindelt hat. Jaehne, der Viz-prastdmt deS Stadt« raths, hat sofort nach seiner Verhaftung ein Geständniß abae- legt: sein Prozeß, meint das genannte Blatt, wird ohne Zweifel dazu beitragen, die Schwindeleien seiner Mitschuldigen, d. h. der Stadt? cuhS. Mitglieder, welche ebenfalls für Er- theilung der Konzesston zum Bau der Broadway Bahn Be« stechungsgelder angenommen haben, aufzudecken, damit die- selbm ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden können. Wie inzwischen telegrophisch gemeldet wordm ist, find bereits weitere Verhaftungen«folgt. Die„N.-N. HdlSz." hofft,„daß man auch dem Hauptschwindler, dem biederm„Jake" Sharp, welcher die Bestechungsgelder verthetlt, an dm Kragen gehen und daS New-Vorker Gemeinwesen endlich für einige Zeit von einer Anzahl Leuten b-freim werde, welche nicht nur die Stadtkaffe um bedeutende Summm gebracht, sondern auch Schmach und Schande auf die städtische Verwaltung gehäuft hätten._ — Die Interpellation wegen der Weichsel« Überschwemmung im Abgeordnetenhaus« ist von Adge« ordneten aller Parteien unterzeichnet und lautet, wie folat: 1) Welche Resultate haben die amtlichen Ermittelungen über den Umfang der im Weichselgebiet eingetretmen dieSjährigm Ueberschwemwungen ergeben? 2) Welche Maßregeln gedenkt die königliche StaatSregierung zur Wiederherstellung der zer« störten dezw. geschädigten Schleusen und Dämme zu treffen? 4) Wird die königliche StaatSregierung fich durch die bei der diesjährigen Uederjckwemmung gemachten Erfahrungen veran. laßt sehen, mit der Regulirung der Weichselmündung schleunigst vorzugehen? — Dem Abgeordnetenhause ist der Gesetzentwurf zuge- gangen, betr. den Beitrag Preußens in Höhe von 50 Mill. Marl zu den Kosten deS Nordostseekanal». Auf die von Dem Kanal in landwirthschaftlrcher Beziehung zu erwartmdm Vor« thelle find hierbei 10 Millionen verrechnet. Die Kosten sollen durch Anleihen nach Maßgabe des Fortganges deS BaueS auf« gebracht werden. Nereine und Versammlungen. t Herr Hofpredtaer Elöcker und du Berliner Män- telnähertnneu— so hätte eigentlich die Tagesordnung der Mäntelnäherinncn Versammlung lautm sollm, die unter dem Vorfitz der Frau Büge am Montag Rbmd in Silbers Salon, Schwedterstraße 23, stattfand. Zunächst sprach Frau Büge über den Nutzen einer straffen Organisation für die Arbeite« rinnen und empfahl den Beitritt zu« Mäntelnäherinnenverein und zum„Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeite« rinnen". Im Verlaufe der Diskusston verlas fie einm Artikel des„Konfektionär", nach welchem die diesjährige Geschäftslage der Mäntelkonfeklion eine außerordentlich günstige sei. Aus der Schwei,. England, Amerika seien übergroße Ordre» einge« gangen. Die Bedingungen zur Erhöhung der Löhne seien demnach, bemerkte die Referentin dazu, in diesem Jahre sehr günstig.— Frau Löhs« machte Mittheilungen über Schneider- meister, die unglaublich niedrige Löhne für dir Herstellung von Kindermänteln zahlen, so 30—40 Pf. pro Stück.— Soweit war die Stimmung der Versammlung eine ruhige gewesen, fie wurde jedoch sehr erregt, al» Frau Büge, an die letzte Partei« Versammlung der Cyristlich-Sozialen bei Buggenhaaen an- knüpfend, fich gegen den Vorwurf vertheidigte, fie habe An« schluß an Stöcker gesucht. Sie sagte etwa: Daß ich um die Veranstaltung einer Tellersammlung dort gebeten habe, gebe ich zu. Mehr ist mir nicht bewußt. Wie mich Herr Aschen« brennet mit Fräulein Ottilis in Verbindung bringen konnte, begreife ich nicht. Ich habe Herrn Aschendrenner dt» zu jener Stund«, wo ich ihn wegen seiner Worte zu Rede stellte, nicht ge« kannt. Ich habe Herrn Singer niemal« verdächtigt. Herr Singer hat mir selbst gesagt, daß er höhere Löhne als die anderen Firmen deshalb nicht zahlrn könne, weil er sonst bald ruinirt sein würde; lieber verwende er seinen Ver« dienst im Interesse der Arbeiter und Arbeiterinnen.{Lebhafter Beifall) Er ist der Einzige gewesen, der unsere Bewegung bis jetzt unterstützt hat, und es würde eine groß« Ungerechtig- keit von mir sein, um derartige verleumderische Behauptungen, wie fie Herr Aschenbrenner vorgebracht hat, auszusprechen. Nur Fräulein OttiliS ist bei Aschenbrenner gewesen, Herr Stöcker aber ist von einer anderen Person, von Frau Krancke- mann, besucht worden.— Frau Kranckemann: Ich muß be- kennen, daß ich bei Stöcker war, aber Frau Büge hatte das- selbe vor.(Lärm.) Mir ist jede Hllfe, von welcher Seite ste auch kommt, recht. Ich war mit den von Herrn Stöcker ent- wickelten Änstchten vollkommen einverstanden.(Unruhe.) Stöcker will nur helfen, er verlangt gar nicht, daß die Ar- beiterinnen in sein Fahrwasser einlenken.(Rufe: Wer's glaubt!) UebleS hat Frau Büge über Singer nicht ge« Syloio in der Titelrolle zur Aufführung gelangen; da lief an die Direktion folgender, über 300 Unterschriften tragender Protest ein:„Wir Unterzeichnete, Mitglieder der besten Ge- sellschaft, durchweg anständige Damen, erklären hiermit, daß der K5jäbrige, kleine häßliche Syloio ein unglaubwürdiger, 1a unmöglicher„Don Juan" ist, den fich Zuschauerinnen mtt einem halbwegs guten Opernglas« nicht gefallen lassen können. Mag Syloio den„Rigoletto", den„AmonaSro" und ähnliche Rollen geben— aber einen solchen„Don Juan" lassen wir Spanierinnen un» nicht bieten." Die Madrider Operndirektion sucht jetzt für ihre anspruchsvollen Theaterbesucherinnen einen „Don Juan" in den besten Jahren und von angenehmem Aeußeren. Theater-Panik. Au» Rom vom 4. d. wird gemeldet: „Während der gestrigen Vorstellung im Teatro Quirino, wo gegenwärtig die Operetten-Gesellschast Tani gafttrt, schlugen wahrend deS Zwischenaktes nach dem dritten Ä.te der Overette „Kakadu" bei herabgelassenem vorbange au» dm geöffneten Versenkungen auf der Bühne plötzlich Flammm hervor. Auf der von vlelm Personen besetzten Bühne entstand nun eine fürchterliche Panik; die Theatelbesucher stürzten zu den AuS« Sangen, wo ein gefährliches Gedränge entstand. Unterdessen atten Feuerwehrmänner daS Feuer auf der Bühne schon ge« löscht und eS gelang dann auch, daS Publikum allmälig zu beruhigen. Ernstere Verletzungen find nicht zu beklagen. Einige Besucher erlitten Quetschungen und leichtere Verwun« dungm währmd de« Gedränges vei dm Ausgängen. Dai Feuer entstand durch da« Platzen eineS GaSrohreS unterhalb der Bühne." Ein Duell zwischen zwei Dame«. SS handelt fich um ein wirkliches und wahrhattigeS Duell. Die eine der duelltrmden Damen, eine Französtn Namen« Madame Astie de Volsayre, scheint sehr kampflustiger Natur zu sein, denn fie hatte schon vor einiger Zeit eine Affaire mit einer anderen Flanzöfin; die Sache wurde tndeß noch vor dem blutigen Ausirag gütlich beigelegt. Diesmal kam eS aber zum Schlagen. Madame Astie bekam nämlich Streit mit einer amerikanischen Dame. Miß Shelby, und zwar über die Frage, ob die französischen oder die amerikanischen Doktorinnen tüchtiger seien. Der Streit wurde so lebhaft, daß Madame Astie der Gegnerin ihrm Handschub ini Gestcht warf. Dieser Schimpf konnte nur mit Blut getilgt werdm. Vier„echte Dank«»" dienten als Sekundanten, als Waffe wurde der Degm und als Kampfplatz das Schlachtfeld von Waterloo ausgewählt. Am Donnerstag fand daS Duell statt, dessen Resultat war, sagt. Sie wollte übrigens mit zu Herrn Stöcker gehen, aber auf Abrathen der Frau Dr. Hofmann ließ sie avon ab. Wir wollten es aber heimlich tbun!(Widerspruch.) Schneider Jeschonnek: Mir ist nicht jede Hilfe recht, von welcher Seite fie auch kommt. Die Hand deS Herrn Etöcker nehmen die Arbeiterinnen Berlins nicht an.(Ledhafter Beifall.) Frau Büge handelte unverzeihlich, als ste in einer christlich.fozialen Versammlung eine Tellersammlung veranstalten ließ. Sie sollte doch wissen, daß Stöcker nur in seinem und seiner Partei In» tereffe etwa» thut, Frau Büge hätte fich an die richtige Quelle» und da» find vi« Arbeiter allein, wenden sollm. Die ganze Arbeiterschaft würde ste dann unterstützen!(Ledhafter Beifall.) — Frau Büge entschuldigt fich mit dem Hinweise auf den Auftuf und die Statuten de« Mäntelnäherinnenverein«; fie habe völlig ahnungslos, ohne Berechnung und ohne Tücke um die Tellersammluna gebeten.„Ja, ich sage, al« Frau Krancke« mann hinter meinem Rllckm fich doch auf mich berufend, z« Stöcker ging, beaad ich mich ebenfall» zu ihm, um mich gegen jeden von Frau Kranckemann gethanm Schritt zu verwahren. Ich habe hierbei nicht» gegen Herrn Singer geäußert". Frau Deckend, auf die Frl. Ottilie bei Aschenbrenner fich für ihre Behauptungen gegen Singer berufen hatte, bekundet, daß ihr Herr Singer mehr für die Arbeit gezahlt habe, als fie zu ver« langen hatte.— Nachdem noch zwischen Frau Büge und Frau Kranckemann eine! längere Auseinandersetzung stattgefunde« hatte, schloß die Versammlung mit der Bewilligung einer Tellersammlung für eine nothleivende Familie, die 10,55 Mark ergab. bfa. Zum neue« Tarif der hiesigen Eteinträger, der bekanntlich am 1. Mai d. I. in Kraft treten soll, kann stch die liebe„BaugewerlS Zeitung" die höhnische Randglosse nicht versagen, daß,„ob der Tarif durchgeführt wird, zur Zeit eine noch nicht zu beantwortende Frage sei", daß„aber, wer damit rechnet, ein kluger Mann" sei und„ein noch klügerer, wenn er fich Maschinenkrast zur Beförderung deS Baumaterials für diesen Sommer sichert". So die Pyrhia der Berliner Bau- Innung, Herr Feilsch. Wir wollen uns für heute nur auf ein paar kurze Bemerkungm über den zitirtm Orakelspmch jmer „Arbeiterfreunde" beschränken. Zunächst hattm wir e» für zweifellos, daß man auf die von der Reklame so angepriesene Materialien-Hedemaschinm weder mit Furcht noch mit Hoff- nung zu blicken nöthig hat und der größte Theil dessen, wa» darüber gesprochen, geschrieben und gedruckt wird, mehr oder minder auf Humbug hinausläuft. Bei der bekannten Art der hiestgea Bauführung und bei der Hast, mit welcher die hierbei allein in Betracht kommenden Privatdauten ausgeführt werden, ist es von vornherein schlechterding« unmöglich, daß es je ge« lingen wird, Hedemaschinen herzustellen, die den realen Be« dürfnissen derartig genügen, um eine deträchiliche Verminde- rung der erheischten Anzahtderjenigen Arbeiter befürchten zu lassen, welche heute zum Heranschaffen der Materialien gebraucht werben. Selbst unter den günstigsten Voraussetzungen wird eine ver« hälinißmäßia bedeutende Anzahl von menschlichen ArbeUSlcäf« ten unentbehrlich sein, um da» Baumaterial(Steine und Mörtel) zur Maschine und von der Maschine zur Arbeitsstätte zu befördern, fie auf- und abzuladen und auf den oft in den verschiedensten Höhepuntten liegenden Arbeitsstellen zur Ver« theilung zu dringen. Die Aufstellung von Dampf- oder son» stigen Kraftmaschinen wird nur äußerst selten in befriedigender Weise möglich sein und daS Aufwinden nach wie vor über« wiegend durch Handarbeit vellführt werden müssen. Trotzdem soll und kann nicht geleugnet werden, daß die Verwerthung der Maschine zum Heden deS Baumaterials nicht ganz ohne ungünstigen Einfluß auf die künftige Giftal, ung der Verhältnisse des ArbeitSmackteS. speziell für die Stein« träger bleiben wird. Da nämlich derjenige Theil der seitherigen Arbeitsleistungen der Steinträger, welcher, wie dai Hinausschleppen der Steine ,c. auf die Bau-ArbeitSstellen, ein ganz besonder» ungewöhnliches Maß von Körperlraft erfordert, durch die Anwendung der Hebemaschine wenn auch keine wesentliche, so doch immer einige Einschränkung elfahren und außerdem noch der Umstand Platz greifen wird, daß zu dm übrigen Steinträaerarbeiten auch gewöhnliche Arbeiter von durchschnittlicher Körperkrast brauchbar sein werden, so wird ohne Zweifel das Angebot von Arbeitskraft stch vermehren und die Lohnhöhe herabgehen. Wenn nun auch vorausfichtrich mit der Hebemaschine kaum auf der Mehrzahl der Bauten ein experi« menteller Versuch gemacht werden dürste, so werden doch unter allen Umständen die Steinträger klug und vernünftig handeln, ÄK btt , j1- 18 erstarkte Organisation, an den„Fachverein der Steinträger und verwandten Berufe", kampfbereit machen und ,u energischer Abwehr rüsten. Dmn nur eine zahlreiche feste Organisation vermag dem wirthschaftlick stärkeren Elemente, dem Kapital, gegenüber Widerstand zu leisten und Erfolge von nur einiger Dauer zu erzielm. * Der Fachveret« der Tischler hielt am 3. April eine Mitglieder> Versammlung in Jordan'« Salon, Neue Grün« straße 28 ab. Herr Hans Land hielt daselbst einen Vortrag über„Die Werrhschätzung de» LebmS in unserer Zeit". Der« daß beim zweiten Gang Miß Shelby am Ann leicht geritzt wurde. Damit war den Forderungen der Ehre Genüge ge- leistet und zugleich nach der Logik de« Duell« die Streitfrage zu Gunsten der französtschen Doktorinnen entschiedm. Hoffent« lich werden fich diese jetzt bei der„schneidigen" Madame Astie entsprechend bedanken. * Herslose Eltern. Unsere Leser erinnern stch noch der sensaiionellen Nachricht von dem Selbstmorde, welchm die 17 jährige Irma SzercSSnyi, Tochter de» Kanzleichef» bei der österreichisch-ungarischen StaatSoabn Josef SzacS-'nyI in Pest, am 16. März l. I. verübt hat, indem fi« eine PhoSphorlömng trank.(Siehe„Berk. VolkSblatt" vom 1. April d. I.) Irma Szercf�ny lebte mit ihrer Stiefmutter in Unfrieden und am 15. März hatte ste einen sehr heftigen Wortwechsel mtt der« selben, der in ihr den Entschluß, fich da« Leben zu nehmen. zur Reife brachte. Vor einigen Tagen hat die Ober-Stadt« bauptmannschast in dieser Angel-genhett eine Anzeige dem Budapester StrafgerichtSbof übermittelt, demgemäß der Vater der Zcma SzercsSnyi. Josef SzercUnyi und dessen Gattin Marie Ezercs�iyi der fahrlässigen Tödtung deschuldigt werden. Motivirt wird diese Anzeige damit, daß Irma Szerci�nyi, welche am 16. März um 10 Uhr Vormittags die Phosphor« lösung trank, bis 4 Uhr Morgens des nächsten TageS in ihrem Zimmer gelassen wurde, ohne daß bis dahin ärztliche Hilfe in Anspruch genommen worden wäre, ohne daß ihr Stöhnen und Wehklagen die Eitern veranlaßt hätte, fich auch nur tn daS Zimmer ihrer unglücklichen Tochter zu begeben und nach dem Befinden derselben zu sehen. Ja ste verboten sogar der Magd, die auf das Wehklagen de» Fräuleins zu demselben eilen wollte, das Zimmer zu betreten. Erst um 4 Uhr Morgen» wurde die Hilfe eine« ArzieS in Anspruch genommen, zu einer Zeit, als ei bereits zu spät war.— Weiter wird in dieser Angelegenheit noch gemeldet, duß an dem Müschen nach dem Tode ein ebenso seltene«, alS bestialische» Verbrechen verübt worden ist. Die Obduktion lonstatirte, daß die Todte ge- schändet wurde. Der Verdacht der Thärerschast lenkte fich auf einml mit der Bewachung der Kadaver in der Leichenhalle des Rochusspitals betrauten Diener, der von der Polizei ver« nommen wurde, aber beharrlich leugnet, das Verbrechen verübt zu haben. Die Allen deflnven stch bekanntlich bereit« beim Gerichtshöfe, der die weitere Untersuchung in der Sache zu führen berufen ist. Nach Abschluß derselben wird da» Resulrat der Direktion bis Rochusspitals bekannt gegeben, die sodann im eigenen Wirkungskreise vorzugehen haben wird. selbe führte au«, daß die Frage, welchen Werth da« Leben habe, in der Jetzzeit vielfach erörtert worden sei, wobei fich sozusagen zwei Parteien gebildet haben; die Optimisten und die Pi sfl misten. Referent schilderte sodann die verschiedenen Pölkerschasten, deren Charatter fich stet» der von ihnen gehul. digten Religion anpaßte. So seien die Inder mit ihren schweimüthigen religiösen Anschauungen pesstmistisch beanlagt, während vir alten Griechen voll Lebenilust und Freude fich ihre Götter, ihrer Lebensweise angemessen, schusen und somit dem Optimismus huldigten. Die Völker der ib ristlichen Reli gion hingegen seien von ernstem, düsterm Eharalter und neigten dieselbcn durch die Lehren ihrer Religion stark zum Pisfimi«. mus bin, der noch gestärkt würde durch geistige Größen wie Schopenhauer rc. Der Referent verurtheilte von seintm Standpunkt die Lehren de» Pesfimiimus, da derselbe die Massen in ihrer„Denkungslofiakett" erhalte, während die Arbeiter mit aller Macht nach Verbesserung ihrer sozialen Lage streben müßten. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seinen Vortrag. Es entspann fich hierauf eine rege DiSkusfion über die nächste Thätigkeit der Fachkommisfion. E» werden alle diejenigen Kollegen, in deren Werkstatt noch kein Fragebogen zirlulhte, aufgefordert, für ihre Werkstatt einen solchen von der nächsten Zahlstelle de» Verein» oder bei den Fachkommisfion»- mitgliedem abzuholen und denselben nach Ausfüllung baldigst � ü�«,fc«walde, g Am vergangenen Sonnabend fand hier nach langer Zeit wieder eine Volksversammlung statt, welche äußerst zahlreich besucht war. Als Referenten waren Herr ReichitagSabgemdneter Heine und Herr Liefländer au» Berlin erschienen. Nachdem Herr Wilhelm Bismark zum Vor- fitzenden gewählt war, nahm Herr Heine zu seinem Vortrage das Wort. Derselbe dedauerte, daß er gezwungen sei, fich kurz zu faffcn, weil er schon am nächsten Morgen in Halberstadt sein müsse, jedoch werde er nach Möglichkeit die ihm gewordene sowie wenig heute Produktion und Konsumtion im Einklang ständen. Trotzvem fast alle Lager überfüllt seien und Waaren in er» staunlicher Äaffenbastigkcit fertig gestellt würden, könne von einer Uebeiproduttion rm eigentlichen Sinne de» Worte» nicht die Rede sein, da die übergroße Mehrzahl de» Volke» nicht im Stande sei, auch nur die absolut nothwendigen Bedürfnisse zu befriedigen. Die» sei in doppetter Beziehung tief traurig, weil einerseits die Ardeiter durch Entbehrungen aller Art phystsch und geistig vor der Zeit ,u Grunde gingen, während andererseits eine durchgreifende Besserung doch nur möglich sei, wenn die arbeitende Bevölkerung konsumtionsfähiger, kaufkräftiger werde. Redner zitirte dann au» den Jahresberichten der Fa- brikinfpektoren, wie in vielen Jndustriebeztrken noch eine un- erhört lange Arbeitszeit herrsche und in welchem Umfange die Frauen und jugendlichen Ardeiter zur Arbeit in den Fabriken herangezogen werden. Man dürfe fich unter solchen Umständen nicht wundern, daß die Arbeiter schon so früh dem Siechthum und Tod verfallm, die Statistik entrolle hierzu ein überaus traurige» Bild, welches wohl dazu an- gethan sei, der Gesetzgebung zum endlichen Einschreiten Ver- anlassung zu geben. Allein im Reichstag fei die Mehrhett einem wirklichen Arbeiterschutz abgeneigt. Die Konservativen redeten zwar fortwährend davon, dem„kleinen Mann" zu helfen, ihre„Hilfe" bestehe aber darin, demselben die wenigen Rechte und F.eiheiten noch mehr zu verkürzen und ihm da» Brod und die allernothrvenvigsten Lebensmittel höher zu de- steuern. Die» nenne man„Sozialreform!" Nicht viel ander» sei eS mit den Liberalen oder Freifinnigen, welche der allen, abgenutzten Manchestertheorie ergeben, fich dagegen sträubten, daß der Staat seine arbeitenden Bürger ausreichend schütze. Zum Schluß betonte Redner noch besonder», daß zu den Ar- beitern nicht nur diejenigen zu rechnen seien, welche phystsch thätig seien, sondern, um mit Ferd. Freiligrath zu reden, auch Alle, welche„mit Feder und Hirn hungernd pflügen". In diesem Sinne bitte er den Begriff„Ardeiter" aufzufassen. Nunmehr ergriff Herr Liefländer das Wort, um auf einige vom Vonedner berührten Punkte näher einzugehen. Man weise— so führte derselbe etwa aus— von gewisser Seite mit großer Vorliebe immer darauf hin, daß die Lage der Ar- beiter fich im Laufe der Jahre bedeutend gebessert habe, indem dieselben in früherer Zeil bei Weitem nicht eine solche Existenz hätten führen können, wie fie heute den Arbeitem bereits im Allgemeinen gestchert sei. Ein solcher Vergleich sei aber gänz- lich unzutreffend. Man müsse immer mit den Zeitoerhältniffen rechnen. Heute sei es doch nicht mehr angänglich, fich in Thier- felle zu hüllen, wie es weiland unsere Vorfahren gemacht hätten, welche natürlich auch nicht das Bedürsniß hatten, eine Zeitung oder ein Buch zu lesen, da dergleichen Dinge noch nicht vor- handen waren. Jetzt müsse fich aber der Arbeiter schon aus dem Grunde au» gedruckten Werken zu belehren suchen, weil er ohne jede Kenntntß von den vorhandenen Dingen nirgends fein Fortkommen finde. Da! Streben des arbeitenden Volkes nach Verbesserung seiner Lage sei gleichbedeutend mit dem habe, um so niedriger sei auch sein Kulturstandpunkt. We daher gegen die moderne Arbeiterbewegung sei, der müsse als ein Kulturfeind betrachtet werden. Man mache Denen, welche für die Sache der Ardeiter eintreten, stets den Vorwurf, daß fie zur Unzufriedenheit aufreizten. ES komme aber doch vor Allem darauf an, ob die Unzuftiedmheit eine berechtigte sei. Würden jene Leute, welche mit diesem Schlagwort immer bei der Hand find, einmal etwas mehr nachdenken, so müßte fich ihnen doch unwillkürlich die Erkenntniß aufdrängen, daß die Unzufriedenheit die Triebfeder aller Kultur ist unb daß wir ihr alle Fortschritte zu danken hätten, auf welche wir heute zurückblicken können. Schließlich ermahnte Redner die Anwesenden, stets auf dem Posten zu sein, wo ihr Interesse in Frage komme, vor allen Dingen sei eS nothwendig. daß ein Jeder ein Blatt lese, welches mit aller Kraft für dieJntereffen der Arbeiter eintrete.(Lebhafter Betfall.) Da fich weitere Redner nicht zum Wort meldeten, so schloß der Vo.fitzende die musterhaft verlaufene Versammlung. 2. Zithnng d. 1. Klaffe 174. Kölligs. Preutz. Lotterie. Zleliun« oom 8. Sprit 188«. fl» bU•ctBUrn fibct 00 Marl fiuö acn betteffenben Stummer» t» Parenthese beigefilpt. (Ohne Gewähr.) 90 310 25 66 613 83 «WSS«M 5034 49 114 201[1201 85 346[90] 64 65 83 411 12 42 500 12 24 612 92 603 41 47 77 96 707 20 21 87 911 23 49 66«176 3l9%6 77 618 20 614190] 15 7283 88 717 32[150] 49 52 56[90! 68 880 909 16 20 33[90] 47 89 7027 78 180[120] 241 48 98[1801 327 58 87(00) 472 679 632 85 741 63 90 803 16 51 65 88 902 8022 36 122 288 89 302[901 80 92[120] 451 64 501 16 77 607 28 51 76 80 711 71 98 807 39 43 59 61 940 81«110 19 94 201 4 84 87 95 320 40[90] 58[120] 455 603 98 671 97 98[180] 809 946[1501 96 11)035 64 100 41 70 229 31 83 98 341 417 75 90 612[120] 18 48 609 47 80[90] 82 752 862 99 908 24 34 39[90] 83 11143 236 39 366 79 88 411 48 82 98 541 86 780 84 805 90 99 902 60[200] 67 1*040 66 169 74 1901 88 96 250 60 88 348 1180) 406 98 624 740 71 850 99 967 87 1 3016 60 134 248 58 79 97 99 315 25 73 l9o] 428 44 54 635 674 98 768 899 982 1 4024 67 91[1501 104 14 34 56 67 9 655 726 89 911 92[120] 15016 92 )] 22 98 693 J13 67 808 80___________________________ 12 44 95 1 7017[300] 81 118 242 64 321 89 466 512[901 96[150] 608 62 83 89 720 69[90] 76 82 83 829 43 96 942 79[120] 1X027 159 81 221 308 10 12 75 78 96 436(901 41 52[901 76 665 70 72 90[120] 627 61[180] 96 818 86 980 1 0100 47 83 261 76 312 473 96[180] 585 623 [90] 66 765 808 29 87[901 99 928 *0038 61 348 49 75 86 99 1120] 481 85 530 33 61[3001 689 98 701 36 85 811[901 51 902[901 93 21003 9 30[120] 68 91 253 58 79 339 416 22 34 525[1801 86 650 66 761 71 800 27 28 41 43 71 934 48 8*009 45[9»[ 61 86 118 34[90] 98 220 60 89 349 60 80 95 448 621 31 47 63 666 791 95 856 86 87*»051 113 52 83 222 36 39 308 14 23 29 33 47 464(901 677 712 38 72 81 892 953 78*4038 51[90] 83 100 91 279 342 423 578 679 859 933 38 66 *5032(90) 84 142[901 304 21 93 426 68 93 631 672 703 64 847 70 81 919 24 46 74 97*«027 99 153 63 69 243 54[90] 83 468 691 750 73 90 806 68 978 96 3 7000 15 68[90] 105 37 61 267 415 95 534 52 190) 70[1201 79 86 633[200] 63[90] 90 92 704[901 8 823 9j3 40*8032 56 58 93 139 270 435 63 635[1201 675 77 709 12 16 23 24 801 24 914 38 70 79*»019 24 91 100[901 72[120] 88 224[120] 3763 348 63 449 61 63 87 600 32[90] 42 795 900 »«039 95[90] 189 398 541 604 86 731 86 96 974 96 3 1 035 205[90] 64 1120] 93(120) 349[90] 98 448 68 81 5' 6 32 49 94 602 136001 13 93 761[150) 809 906 62 66 69 78 3*041 71 101 37 63 77 225 97 389 95 442 529 62 76 92 98 686[90] 791 810 31 73 916 190] 95»»091 III 60 59 98 230 87(901 331[90] 420 82 516 47[120] 67 69 614 90[90] 92 770 83 84 864 911 84010 12 39 127 46 258 81 300 28 420 1120J 31 66 86 [90] 513 22 48 70 97 616 81 87 776 831 89 910 21 47 92 85061 98 165[90[ 72 219[90] 39 96 300 518 24 639 89 705[120] 61 801 14[90] 65 67 68 76 83 89[90] 925 69[90| 70 98»«045 56 59 135 36 202[90] 32 39 82 85 331 438[90| 612 90 716 67 892 190] 944 [90] 68 3 7080 145 209 29 30 317 26 27 62 429[1201 87 516 31 48 90 611 38 00 761 82 813 926 62 92 38002 91 142 222 340 79 617 18 633 34 69 99[90] 710 23 68 889 906 60»»014 114 65 221 25 68 90 372 74 519 40 734 89 843 72 4«012 101 26 72 228 53 56 397 432(1801 67 657 76[1201 646 60 718 36 884 89 921 43 49 62 63 41078 139 257 96 410 616 190) 69 80 91 064[90] 889 941[120] 64 4*108 76 88 244 61 66 92 93 367 60 463 531 44 51 92 643 44 78 792 871 929 48003 74 80 193 99[90] 639[M 99 732[90] 50[1501 54 804 58 91 988 99 44116 22 73 78 95 212 69 93 335 59 69 83 412 20[90] 561 78 80 92 600 60 78 716 91 807 43 57 8» 927 53 45016 76 78 85 166[90] 202[901 12 38 52 351 61(1501 81 400 1 20 92 604 91 724[901 801 9 39 60 84 901 28 30 33 37 74" 93[90] 94 169 204 334 77 496 519 47 52 [801 9 39 60 84 901 28 30 33 37 74 4«02S; 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Freitag, den 9. April. Dpelmhan«. Die Hochzeit deS Figaro. Vehansptelhav». Ein SommernachtSraum von Shakespeare. Deutschet Theater._ Nathan der Weise. «allner-Theater. Letzte Aufführung von Theater«. Zum ersten Male: Scheu vor dem Minister. Lustspiel in 1 Akt von Ssdotka. Krieger im Frieden, Genrebild mit Gesang in 1 Akt von Henrion. Zum Schluß: Frühere Verhältnisse. Posse mit Gesang in 1 Akt von Nestroy. Friedrich-«ilhelmstädttsche, Theater. Der Zigeunerbaron, von Job. Strauß. mit Gesang und Tan, in einem Dorsriele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Ostend-Theater. Die Loreley, romantisches Schauspiel in 5 Aufzügen. Amerieau• Theater. Große Spezialitäten» Borstellung. Theater der Reichshallen. Große Speziali- dÄen-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 16.[1200 Heute: Die Räuberherberge im Walde. Grosse Mitglirdervrrs'ammluna deS Fich»»!»» der Fimer n. ,erm»dwl Kensssenosei 1292 Sonntag, den 11, d. M.. im Salon f. Zeutsch. Kaiser. Lothringer str. 37. Vorw- 1U Uar. T.-O.: 1. Vortrag.(Ref. wird in der Ver- ammlung bei gemocht.) 2. Diskus sson. 93 et» ckiedenei. Fragekasten. Gäste wrllk. Neue Mttgl. werden aufgen. Der Vorstand. Zentral-Kranken u.Begräbniß- kasse der Buchbinder. Sonnabend, den 10 d. M., Abends 8'/- Ubr, in den Arminhalle«, Kommandantrnstr. 20. Kanptnersammlnng. 1296 T.-O.: Kassen- u. Kontrolberickt. Besprich. üb. Beschick, d. Generalversamml. Ve! schied-neS. Ohne Quittungsd. kein Einlaß. Der Vorstand. Große Märchen- Posse mit Gesang in 4 Akten von Friedrich Hopp. Vor der Vorstellung: Sr» Konzert der HausKapette. Nnfen, de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7'/. U. Anfang des Konzert» Sonntag 8 Uhr. der Vorstellung 71/, Uhr. Sc«» dadsn«oSentaa» GiMgkckund find im ' äerbureau(12-1 Uhr) gratis zu haben. Da» malerische Eavoyen. 1 Cyclu» vom Schott. Hochland. Hertha- «eise, a Reise 20 Pf. Kinder 10 Pf. Geueral-Versammlung der Mitglieder de« 1293 Nmiis j. Mahnig da liimftst in UlwiftiibkUtr Sonnabend, den 10. v. M, Abends S1/« Ubr, in Gratweit'« KLU«, Kommandanten str. 77/79, (unten). TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Herrn Ate» Richter über: Ist der Mensch göttlichen UisprungS oder nicht? 2. Wahl de» ersten Vorsttzenden. 3. Vereinsangelegenheiten. Die Quittungsbücher legftimiren. Kollegen, welche dem Verein beitreten wollen, find hierzu eingeladen. NB. Die Kolleg.n, welche mit ihren Bei- trägen im Rückstände find, werden aufgefordert, dieselben zu degleichen. Auch wird ersucht, die BilletS vom abzurechnen. aSkenball so schnell wie möglich Der Vorstand. Ansserordentliche Mitglieder-Mersamm- lnng de» Fachvereins der Ktrinträger Berlin» findet Sonntag, den 11. April, Vormittag» 10 Uhr, bei Kcheffer, Jnselstraße 10, statt. Tagesordnung: 1. Vierteljähriger Kassen- bericht. 2. Die Nothwendigkett eine» großen Unterstützungssond». 3. Innere Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder werden dringend ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.[1287 Eine öffentliche Versammlung der Mäntel- «äherinne««. Trikottaillen-Arbeiterinuen findet Freitag, den 9. April, Abends 8'/, Uhr, im KonzerthauS Kanssonri, Kottduserstraße 4a, mit folgender Tagesordnung statt:„Ale Parteien«nd die Kerliner Mäntelnäherinnen- dewegnng." Herren hauen Zutritt.[1290 Die Einderuferin: Rosa Büge. Die Buchdruckerei von Max Badiug Berlin SW., Beuth-Strasse 2 empfiehlt sich für Anfertigung von Druck-Arbeiten jeden Genres bei prompter und solider Bedienung. Kosten-Anschläge und Muster werden auf Wunsch gern übersandt. Zentralkranken- u. Begräbniß kasse für Frauen u. Mädchen _(«.S.S6 vffenbach a. M.). Sonntag, den 11. April, Nachmittags 3 Uhr, l« SratweU'»»ierhallen, Kommandanten- Straße 77/79: Hauptversammlung. Tagesordnung: Geschäfts- und Kassenbericht über die Ttneralversammlung u. Verschiedene«. 1286] De r Vorstand. Meinen Freunden u. Genoss n empfehle? mich z. Anfertig, v. Malerarbeiten ieder** Schilder, Stub.rc. Auch üdern. ich d. Tapez»:? Wohn. L. Kuchholz, WalÄemarsir.23, Querfej/ He«. ,-h. W-lsf.&S Wafferthorftraße 55. KräftBouill.v.9U!zrad. a 10 Pf. MittagSt.(5?< mannst) a 40 Pf. m. Bier, Abendt. n.«elbill�t [Ul Soeben erschien: General-Versammwug der Maurer Berlins und Umgegend Sonntag, dm 11. April, Vormittags 10 Uhr, im Konzetthause Sanssonrt, Kottbuserstr. 4a. Tagesordnung: Wie ist unsere gerechte Forderung von 50 Pf. Stunbenlobn am besten erreichen f Verschied. ÄrÄhSÄr N-rlänfige Anzeige. 1295 „.SüfeSLi»«>•««, fich über diesen Punkt sh? un� �?kden dazu der Reichstags- Obermeister Schumann biiefhd) eingeladen. Der Einberufer. Die SoMemkraiit vor dem Deutscheu lieichsta Stenographischer Bencht der Verhandlung de» Deutschen Reichstages cm 19. Februar 1> Zweites Heft._ Zu beztehen durch die Vrpeditio«, Zi«>*> strass» 44.____, Soeben erschim Nr. 27 deS „Wahren Aakok". Zu beziehen durch die Expedttion straße 44._ Verantwortlicher Redakteur«. C».nl--t» w Berlin. Druck und Verlag von«tat v.dwa in«erlin 8W„ Beuthnraße 2. Hierzu eW ÄrdeitSWarKt. Ein Schriftlithograph a. Feder. verlangl Monecke, Spandauerstr. 58.� Blecharbeiter, � welche nachweist auf Wellblech gearb.. ü 1298 Potthoff&«olfs. TriM-A Herrenschneider für gute Geschäft außer dem Hause können stch melden 1297]_ Dreidenerstraße 86, 2. Beilage zum Berliner Bolksblatt. 84. Freitag, den 9. April 1886* III. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. LS. Sitzung vom 8. April, 12 Uhr. Am Tiicte des BunveSrathes von Bronsart und von Boetticher. Eingegangen find die mit dem Häuptlinge deS rothen Voll,« zu HoaManaS. mit den Vasta-ds zu Relsoboth und mit den Heieio» al'geichloffenen deet Stutz und Fieundschafts« v«'t äue vom 2,9, 15/9. und 21/10. 1885, sowie die am 3.11 1885 e;loljtt BeunitserUärung des Häuptling? Omaruro zu den i-tzirren Vertlägen. Oos Haus tritt in die zweite Berathuna dei vom Grafen Moltke emgebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Ab« änderunp des Militärpenstonsgesetzes nach den Beschlüffen der Kommi>fion.(Referent v. Manteuffel.) Ovne Debatte werden die§§ 9 und 21 genehmigt, nach «elt'N vie Penston der O stjiere oder im Oififierirange stehenden Zliilttä. ärzte um Vw(statt bisher um Vao) für die nach dm 1 Äpril 1885 enüllten Dtenstjabre steigen soll. (Dtesen T-rmin für die rückwirkende K»ast deS Gesetze» hat die Kommission eingefügt.) Abg. v. V o l l m a r beantragt eine Aenderung der auf die Pcnfionen der Unterllaffcn(Feldwevel. Seigeanlen, Untir- osfiz'rre und Gemeine) bezüglichen Bestimmungen und die P-nfionssätze zu erhöhen. Diese Anliäge weiden besonders toitlutiit. Ada. v. Volkmar(Sczialdem.): Mit Rücksicht auf die Einsamteit, in der ich heute iprechr, fasse ich mich kurz, aber das Material und der darin liegende Gedanke sollen nicht in der Kon mtsfion begraben werden, sondetn hier im Haufe zu einiger Geltung kommen. Meine Partei steht dem ganzen Giseye durchaus nickt negativ gegenüber, obwohl ihre pnn- zip elle Hal ung in Bezug auf das Heerwesen bekannt ist. Aber nachdem daS Heerwesen in seiner gegenwärtigen Gestolt ein- mal vorhanden ist, interesstren uns auch seine Einzelheiten, wir sind jederzeit für möglichste Verbefferung namemlich der Unterll ff-n eingetreten und können uni nickt rein negattv zu einem Gesetze verhalten, das eine Art militärischer Alrers- und Urr'aUvirficherung darstellt. Aber die Vorlage in ihrer ursprüNt/licken und jetzigen Gestalt verdirbt unfern besten Willen, mitzuwirken. Sie handelt nur von den Offizieren, als machten die Oifiziere ganz allein da» deutsche Heer aus. Die groxe Masse des HeereS, Unteroffiziere und Soloaten, find vollkommen vergessen, und daS Motiv der verän« derien Verhältnisse, da» man für die Verbesserung der Lage der O, siliere nicht mit Unrecht anführt, gilt doch auch für die unteren Klassen. Auch die betreffende trist« tärische Literatur spricht fast immer nur von den Offizieren, »die sich selbst den Jnoaltdenfor dS erworben hätten", aiS wären die U rtrro fi.iere und Soldaten an dieser Erwerbung nicht be« theistgt gewesen. In der Kommission vermied ich es, eine voll« kommene Aenderung des Penstonirungsspstems für die Unter- klaffen vorzulegen, um mir nicht den Vorwurf der Odstmktion »Uluzieben, sondern begnügte mich, das bestehende Gesetz in vem Hause annehmbarer Weise zu amendiren; da» Bessere sollte nickt der Feind d«S Guten fern. Ich lehnte mich dabei an die Sckrift deS Obersten v. FranooiS an, meines W.ffcns des einzigen militärischen SchrifistcllerS, der sich mit den P-nfionSverhältniffen der Unterklaffen beschäftigt und ihre Auf« defferung verlangt hat. Er geht darin sogar weiter als ich. Die Behauptung, daß die unteren Klaffen eigentlich besser in der Penston gestellt seien, als die Offiziere, beruht auf der Auf- faffung, daß daS Volk geringere Beoürfriffe habe, als die standesgemäß lebenden höheren Klassen. Ich halte daS System gewisser Abstufungen in den Gehältern keineswegs für ganz verwe- flick, aber der Grund eine» standesgemäßen Lebens, wenn er überhaupt geltend gemacht wird, fällt im Volk« ebenso inS Gewicht. DaS in Wahrheit En schcivende ist daS uackte Bedürfniß, und für dasselbe wird in den beiden obeisten der fünf Klaffen zur Genüge gesorgt. Man hat außerdem gesagt, die Sache koste zu viel und wir würden die letzten sein, die ev. für diese Zwecke neue Steuern bewilligten. Dieser Einwand trifft nicht zu, weil die unteren K äffen der Mtlitärpersonen genau dieselben Rechte haben nie die oberen. Sodann handelt e» sich hier um eine Schuld des Reich» an die, die im Felde oder in Ausübung niederer Dienstpflichten Schaden erlitten baden. Ich glaube aber über- Haupt nicht, daß der finanzielle Eff-tt meines Antrages ein so ungeheuerer ist, daß daran die Sache scheitern könnte. Man hat weiter gesogt, daß neue Einfügungen in diesem Stadium der Berathung daS Gesetz zum Falle dringen könnten. Nun, wenn die Regierung ein Gesetz, daß sie selbst als ein noth- wendiges erklärt, bis jetzt verzögert hat, nur um die Kam- munalsteuerfteiheit der Offiziere zu retten, so können die Osfi- ziere auch noch so lange warten, bis die Unteroffiziere in da» Gesetz hineingekommen find. In der Kommisston hat man viel von Sympathien für die unteren Klaffen gesprochen, man der unteren Klaffen vertrete. Aber von sympathischen Motten haben dieselben nicht?, und um so mehr sollte die Volksvertretung sich daran ettnnern, daß die Gelegenheit, auch für jene etwas zu thun, sich nicht sobald wieder bieten wird. In der Kommisston ist die Vermuthung ausgesprochen, daß die Sozialdemokraten im Plenum wiederum Deklamationen veranstalten und sich als die einzigen Vettreter deS Volks hin« stellen würden. Befürchten Sie nichts, solcher Deklamationen bedarf eS nicht. Die unterm Klaffen werden schon aus den Thatsachen selbst abmessen, wie sich die Patteien dieses HauseS und wie sich unsere Partei zu Vottchlägen auf eine Verbisse- rung ihier Lage stellt. Sollte die Mehrheit deS HauseS für Gittelde eintteten, so würde ich sehr erfreut sein, aber ich glaube, daß ich auch dei dieser Gelegenheit allein stehen werde.(Bei» fall bei den Sozialdemokraten.) --- fl�Bstniniker Bronsart von Schellendorff: Es ist meine Pflicht, mich über diese Frage eingehend zu äußern, weil auch den verbündeten Regierungen daran liegen wuß. daß nicht etwa durch die soeben gehöttm Ausführungen das RechtSgttühl im Volke verwirft werde. Der Vorredner meinte, die Satze für die Unterklassen müßten erhöht werden, weil die O fiziere etwas bekämen und weil ein Bedürfniß vor- läge. In Bezug auf den ersten Punkt vergesse man doch nicht, daß die wesentliche Erhöhung derPmstonslaye der Unterllaffcn vom Fahre 1871 mit der gleichzeitigen Erhöhung der Offiziers- »enfionen, die jetzt hoffentlich durchgeführt werden wird, seitens der verbündeten Regierungen ins Auge gefaßt war. Man also�ntcht sog-n: die Offiziere bekommen jetzt etwaS, tann dm um müssen die Ünterllaffen auch etwas bekommen, sondern richtig wäre eS zu sagen: die üb-roerhältnißmäßige Erhöhung, die 1871 den Unterklassen zu Theil wurde, wird jetzt nachträg» Ilch auch den Otfizieren bewilligt. Vergleicht man die„Ver- iorcung" der Offiziere und der Unterofstriere, so muß jever Unbefangene zugeben, daß die der Unterklaffen verhältnißmäßig besser und ausreichender geregelt ist, als die der Osfiriere, daß die Verhältnisse der ersteren feit sechs bis acht Dezennien den Penfionsoerhältnissm der Oifiziere gegenüber so erheblich über- wiegend gefördert worden find, daß eS wirklich ein höchst be- denklicheS Unternehmm ist, zu lagen, daß, weil für die O'fiziere etwaS geschieht, nun auch für die Unterolfizlere etwaS geschehen müsse. Selbstverständlich erkenne ich voll an, daß eS nothwendig ist, dm untersten Klassen zunächst und in auskömmlicher, ver- hältntßmäßig höherer Weise zu hellen, als den obersten Klaffen, und wmn der Vorredner sagte, eS handle fich hier um eine Att von Alters- und Unfallverficherung, so glaube ich, daß eS fich die Armee zur Ehre anrechnen kann, die erste gewesen zu sein, die in dem Penfionsgesetz ein Unfallverficherungsgesetz und zwar ein sehr durchgearbetteteS gehabt hat. WaS die Bedüifniß- frage betrifft, so habe ick bereit» in der Kommisston erklätt, daß selten Anträge um E? höhung der Penstonssätze an da» KttegSministettum gelangen. Recht häufig find dagegen die Fälle, wo Leute, die bisher keine Penfion erhalten haben, um Penfion einkommm. Diese Gesucke werden vom Rechtsstand- punft bezw. auf Grund des Alle höchsten Erlasses vom Jahre 1884 mit bestem Gewiffm geprüft. Die Klagen gehen gewöhn- ltch dahin, daß in Folge einer starken Familie oder anderer wirthschaftllchen Nachtheile fich die Penfion alS nicht aus- reichend erweise. In solcher Lage aber definden fich auch viele andere Leute, die nicht Soldat gewesen find. Wir in der Militärverwaltung find übrigen» in der Lage, im Wege der Unterstützung in solchen Fällen viel Gute» zu thun. Man hat nun gesagt, die Klagen kämm gar nicht an daS Kriegsministe- ttum. DaS ist möglich, Aber der Weg der Klagetühruna beim KttegSministettum ist dm Leuten stcher nicht fremd, da sie fich in vielen anderen Angelegenheiten an dasselbewenden. Außer dem aber würden, wenn die Penfiontsätze nicht ausreichend wären, Anträge von Gemeindeverbänden an uns gelangt sein; da kein einziger Antrag an die höhere Instanz gelangt ist, so behaupte ich, daß«in allgemeines Bedürfniß zu einer Auf- defferung der PmfionssStze nicht vorhanden ist. Wenn auf die Niedttgkeit der Sätze hingewiesen ist, so werden die niedrigen Sätze von 2, 3, 6 M. nur gewährt an Leute, die kaum in ihrer ErwerbSfähigkeit beschränkt find. Da» mag nicht viel sein, aber für die ländliche arbeitende Bevölkerung ist auch ein Zuschuß von 6 M. recht angenehm. Die Leute bestreiten davon ihre Wohnung und vie Steuern. Der Herr Abgeordnete hat dann noch von dem finanziellen Effekt seiner Antrage gesprochen. Deftelbe würde, wenn ein Bedürfniß vorläge, gewiß nicht in Betracht kommm. Das B-dürfniß liegt jetzt nicht vor. Ader die Militärverwaltung wird diese auch in Zukunft mit Aufmerksamkeit verfolgen und nickt zögern, mit Anträgm an Sie heranzutreten, sobald fich ein Bedürfniß herausstellt. Die Mi- litärverwaltung ist sehr oft im Kampfe mit Ztvilverwoltungm, um den Kreis der Etellungm zu erweitern, welche dm ehemäligm Militärs zugänglich gemacht werden sollen. Ich tann sogar noch weiter gehen in meinen Wünschen. Wie König Httnttch IV. von Frankreich für jeden Unter« thanen, kann ich für jedm Invaliden am Sonntag ein Huhn im Topfe wünschen. Wenn das aber nur auf Kosten anderer Leute geschehen kann, so sehe ich nicht ein, warum in- valid« Soldaten eine Versorgung erfahren sollen, welche über da» Maß dessen hinausgeht, wa» ihnen noch ihrem Stande zukommt. Aus diesm Gründen bitte ich Sie, die Anträge de» Abg. v. Vollmar adzulehnm.(Beifall.) Abg. v. S ch a l s ch a(Zmtr.): Meine Partei hat schon in der Kommisfion gegen den Antrag v. Vollmar Stellung genommen. Was der Antrag Vollmar bezweckt, ist durch diese Fürsorge für die Invaliden längst überflügelt worden. Die Penfionäre hätten verhungem müssen, wenn fie auf den An- trag zu wartm gehabt hätten. Nach meiner Kenntniß ermatten die unterm Klaffen der Armee die ledhafteste Fürsorge von dem Wohlwollen der Offiziere, und darin täuschen fie fich nicht. Dieses Pmfioniaesetz wird zu der Verjüngung der Armee führen, und es ist nur zu bedauern, daß eS nicht schon vor 4 Jahren beschloffen worden ist. Abg. B a u m b a ch(dmtschfrtts.): Ich muß dm Grund> gedanken deS Vollmai'schm Antrages als einen berechtigten anerkennm. Der große Apparat von Gründen, welchen der Kri-gSminister heute in» Treffen führte, spttcht dafür, daß dieser Antrag so ganz und gar jeder thatsächlichen Unterlage nicht mtbehtt. In meiner BerufSthätigkeit habe ich mich davon überzeugt, daß eine Verbesserung der Penstonen der unterm Klaffen nothwendig ist. Namentlich wäre dm früheren Ge< meinen eine Aufdeffetung wohl zu gönnen. Daß die Lage der Jnvalidm fich gegm ftüher sehr gebeffert hat, ist gewiß sehr erfreulich. Es war ja auch beschämend für die Nation, die- jmigm, welche auf dem Felde geblutet, auf die Drehorgel hin« zuweisen. Der Kttegtmintster hätte aber beweisen müssen, daß der jetzige Zustand ein wirklich guter und zufriedenstellender sei. Dt-ser Beweis ist nicht gefühtt. Wir stimmen gegen dieses Besetz und damit gegen den Antrag deS hochoerehrtm Grafm v. Moltke, hauptsächlich deshalb, weil die Frage der kommunalen Besteuerung der Olfiziere in einer für uns ungenügenden Weise und auf einem Wege geregelt wird, den wir mitzugehen nicht gewillt find. Nach der gestern dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangenen kommunalsteuervmlage soll daS Dienst- einkommen der Offiziere von der Kommunalsteuer absolut frei bleiben. Darüber ließe fich ja eine Verständigung erzielen. ES soll aber auch da» Privateinkommen, das sogenannte Heiratdsgut der Offiziere, steuerfrei bleiben und nur eine Att und Weise der Heranziehung stattfinden, die nach unserem Da« fürhalten vollständig unzureichend ist. Wir find auch dekhald gegen dieses Prozedere, weil wir eine Reichssache nickt zur Landessache machen wollm. Was de» Reiches ist, soll deS Reiches bleibm. Aba. Meyer(Jena, nationallib.): Der Antrag Vollmar ist im Einzelnen und in Bezug auf die Durcharbeitung des Materials nicht hinreichend vorbertttet, um damit eine Aende- rung deS Gesetzes vornehmen zu können. Nach der Zusage deS Kttegiminister» habe ich daS Vei trauen, daß die Kriegs- Verwaltung die Initiative nach dieser Richtung ergreifen wird, sobald fich da» Bedürfniß herausstellen sollte. Abg. v. Kölker(kons): Auch meine Patter wird gegen den Antrag Vollmar stimmen. Die freisinnige Partei scheint der Regelung dieser Angelegenheit jede nur mögliche Schwiettgkeit in dm Weg lesen ,u wollen. Erst war eS die kommunale Besteuerung der Offiziere, jetzt ist eS der Antrag Vollmar, welcher diesem Zwecke dient. Herr Baumbach beruft fich auf seine Berussthätiglett. Es handelt stck hier dock nur um Kriegsinvalibe, und da haben wir seit 1870/71 ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Fälle, wo trotz der Penfion noch Bedürftigkeit vorhanden ist, find außerordentlich selten. Dmch den Ziviloersorgungischein haben die unteren Klaffen einen Vorzug, den die Offiziere entbehrer. Für diese find höchstens 132 Stellen in der Postverwaltung»u vergeben möglick, und wenn die Oifiziere auch in anderen Branchen unterkommen, so haben fie doch nie ein Recht zur Anstellung in denselben. Deshalb möchte ichdenHerrnKriegsminister auffordern, möglichst dafür zu sorgen, daß den pensionirten Offiziere n Lotteriekolleiten gegeben werden.(Zustimmung rechtS.) Abg. Richter: Was mich veranlaßt«, schon vor 3 Jahren die PenfionSaufbefferung der Unterklassen zu beantragen, war nicht etwa die Meinung, daS KttegSministettum sei gegenüber den Ober- und Unterklassen tendenziös verfahren, oder daS Penstonisystem der Unteiklassen sei falsch, sondern eS war daS praktische Bedürfniß. daS mir aus ungemein zahlreichen Zu- schritten auS den unteren Militärklassen als mindestens edinso groß und dringend wie für die Offiziere erkennbar wurde. Daß von solchen Zusckriften wenig in die öderen Instanzen nagt, will ich wohl glauben, denn daS Petitum der e richtet fich immer nur auf einzelne Fälle; fie nehmen gar nicht an, daß ihre Eingabe der Anstoß zu einer Aenderung der Gesetzgebung werden könne. Mit Herrn v. Köller kann ich in einer Hinficht einverstanden sein, nämlich bezüglich der Vergebung von Lotteriekollekten. Hier hätte das preußische Finanzministerium alle Veranlassung, der jetzigen Art ver Vergibung, die geradezu ein öffentliches Aergerniß bildet, ein Ende zu machen. Niemand begreift, warum die Kollekten an Leute vergeben werden, die keine Spur eines Anspruchs nachweisen können.(Beifall.) Abg. v. Vollmar weist den Vorwurf zurück, daß sein Antrag mangelhast begründet sei. Dem ZivilversoräungSschttn der Unterklassen ständen für die Offiziere durckaus äquivalente Weiche in Stellungen bei der Post und der Militärverwaltung selbst gegenüber. Redner wendet fich sodann gegen einz-lne Ausführungen der Bbgg. v. Schalscka, v. Köller und Mryer (Jena) und erwidert namentlich letzterem, daß er(Redner) dem riog. v. Benda auf seine Worte, man müsse dem erhöhten Bedürfniß gegenüber, da der Jnvalidenfonds nicht mehr aus» reicken dürfte, auch das nöthige Geld bewilligen, gesagt habe, er sei bereit, dieS zu thun, aber nicht dott herzunehmen, wo eigentlich nichts zu holen sei, wo man eS den Leuten nur aus der Tasche nehme. Kriegiminister Bronsart v. Sckellendorff: Der . Baumbach will auS dem großen Apparat von Gründen, den' ich gegen den Antrag v. Vollmar vorgebracht haben soll, ettannt haben, daß ttn Kern von Wahrheit in dem Antrage enthalten sei. Ich glaube doch nichts vorgebracht zu haben, waS für den Antrag spricht. Er hat mich auch mißverstanden, wenn er meinte, ich hätte die Bedüftnißfrage damit au« der Welt schaffen wollen, daß ich erklätt hätte, es sei in der letzten Zttt sehr viel für die Unterklaffen geschehen. Ich habe nnr ge« sagt, daß 1871 in ganz auskömmlicher und reicklicher Weise für die Unterklaffen gesorgt worden ist, während die Anforderung der Regierung, auch für die O fiziere etwaS zu thun, damals abgelehnt und zurückgestellt wurde. Jetzt geschieht also für die Offiziere etwaS nackträgltch. Nun ist gesagt worden, gerade die Gemeinden würden betroffen. Wenn Sie fich aber das Gesetz vergegenwättigen, namentlich in Rückstcht auf die ver» schiedenen Gründe der Invalidität bezw. die größere oder ge- ttngere ErwerbSfähigkeit, so ist der geringe Unter schied garnicht de» denklich. Bei Entsckeidungen im Falle von KriegStnvalibität ver- sckwinden überhaupt die Unterschiede immer mehr, je größer die Beschränkung der ErwerbSfähigkeit ist. Der Abg. M.yer(Jena) hat mich aufgefordert, die Sache im Auge zu behalten. Wenn jetzt die Petittonen spärlich eingegangen find, so zweifle ich nicht, daß dieselben in Folge dieser Debatten reichlich fließen werden.(Htttetteit.) Dann werde ich dieselben mit aller Ge- wissen baftigkttt prüfen und nicht anstehen, Ihnen eventuell eine Rechnung aufzuweisen.(Betfall und Heitettttt rechts.) Abg. Windthorst: Die Fürsorge für die Unterklaffen liegt uns genau so wie die für die oberen am Herzen. Die Regierung hat selbst gar keine Anträge in dieser Richtung ge« stellt, wir find also gar nicht in der Lage, die Angelegenheit zu prüfen, um so mehr, als die Regierung auck das Be« dürsniß verneint und angiebt, e» sei für die Militärklass-n, welche im Antrage v. Vollmar in Frage kommen, die nöthige Fürsorge getroffen, für Offiziere dagegen nickt. Dann kann doch der Reichstag nicht ohne Weiteres einen solchen Beschliß fassen, das ist gegen varlamcntattschen Brauch. Es fehlt uns jedes Bild über die finanzielle Bedeutung des Antrages, deS- halb ist eine Annahme des Antrags ganz unmöglick. WaS nöthiq ist, soll geschehen, aber wir haben auch da« Jntei esse der Steuerzadler zu berückficktigen; die werden nicht penfionirt. (Beifall im Zentrum; Heiterkeit.) Die DiSkusston wird geschloffen und der Antrag v. Vollmar gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Art.!. gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Fretstnnigen unverändeit nach den KommisstonSoorschläaen angenom- men, deSgl. Art. Ii., welcker für die feit dem 1. April 1882 in den Genuß der Penston getretenen Offiziere die Er- höhung derselben nach Art. I. anordnet. Nach Art. in. soll dem Gesetz rückwirkende Kraft mit Be- ziehung auf diejenigen Oifiziere gegeben werden, welchen für die Thrilnahme am Kriege von 1870/71 mindesten? ein Kriegsjahr in Anrechnung gebracht worden ist. Das HauS stimmt nach kurzer Debatte dem Art. lll. zu. Die übrigen Artikel deS Gesetzes inkl. der Bestimmung, daß daS Gesetz mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft treten soll, werden ohne Diskussion nach den KommiistonSoor« schlügen angenommen. Auch an die von der Kommisston proponirte Reso- lution: „Der Reichstag spricht daS Vettrauen au», daß die nach dem ReichShauthalts-Elat zur Allerhöchsten Ver« fügung stehenden Mitteln dazu dienen werden, auch eine dem Bedürfniß entsprechende Verbesserung der Lage derjenigen bereits ausgeschiedenen Oifiziere ic. herbeizuführen, welche nickt unter den Artikel lll des Gesetzes knüpft Weine Debatte nicht; die Abstimmung über dieselbe wird in der dritten Lesung erfolgen. Eine Reihe von Petitionen, welche als zur Erörterung im Plenum nickt geeignet erachtet worden find, erklärt da« HauS ohne Debatte für erledigt., � � Hiernach kommt der vom Abg. Junggreen eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Gleichberechtigung der dänischen und der deutschen Sprache als Gerichtssprache, zur zweiten Berathung. Nach§ 1 des Entwurfs sollen in denjenigen Distrikten des Herzog hums Schleimig, wo die dänische Sprache die Kirckensprache, oder wo die Kirchensp'ache gemischt ist, die panische und die deutsche Sprache bei den Amtsgerichten, dem Schwur- und Landgerichte gleichberechtigt sein. Nach einer kurzen Debatte zwischen den Nbgg. Jung« ar e e n und H a r t m a n n(kons! wird der Z 1 gegen die Glimmen der Eozialvemokraten, Palen und de» Antragstellers abgelehnt; der Abg.Junggreen verzichtet hiernach auf die weitere verathung seines Antrages. SS folgt die Beratdung von Petitionen. Sine grohe Anzahl von Mtigliedern von Eisenbahn« Krankenkassen bittet darum, daß bei Krankheitm, welche sechl Tage und länger dauern, sür die ersten drei Tage und für die Sonntage daS Krankengels gezahlt wird. Nach der Vorschrift des Gesetzes beginnt die Zahlung deS Krankengeldes erst mit dem vierten Tage. Auf den Antrag der Kommisfion werden dies« Petitionen dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Hierauf wird ein Vertagungsantrag angenommen. Schluß 4'/» Uhr. Nächste Sitzung Freitag l2 Uhr (zweite Berat hur g dei Gesetzentwur'S, detreffend die Unzu« j isstgkeit der Pfändung von E-senbahndetriedSmitteln; dritte Beratbung der Unfall- und Krankenversicherung für land- und sorstwirthfchaftliche Ardeiter; erste und event. zweite Beratbung deS G-ietzeniwurfS, detreffend den Anspruch deS Staitholieri von Clsah Lothringen auf Pcnfion und Wurtegeld; Wahlprüfungen.)_ Abgeordnetenhaus. 59. Sitzung vom 8. April, 11 Uhr. Am Ministertische: von Boetticher und Kom« miffarien. Eingegangen ist eine Interpellation der Abgg. v. Mtnntgerode und G:af Kanitz, betr. Maßregeln gegen den PreiSniedergang der landwtrthschaftlichen Erzeugnisse und Herbeifühiung einer weiterm Steuererleichterung der Kommu- nen und kommunalen Verbände. Bei der dritten Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Errichtung und Unterhaltung von Fortdilvungischulen in den Provinzen Westpreußen und Posen, findet eine GeneraldiS» kusfion nicht statt. In der SpezialdiSkusston bemerkt zu§ 1: Abg. v. Haugwitz, es wäre nach den Aenßerungm deS Vertreters der Regierung in der Kommisfion in Ausficht ge« nommen, von denjenigen Städten, welche bis jetzt auS eigenen Mitteln Fortbildungsschulen unterhalten haben, den freiwilli« gen Beitrag weiter zu fordern. Er erblickt darin namentlich im H nblick darauf, daß jetzt leicht von den Schulen mehr ge« fordert werden könne, für die kleinen und weniger leistungs« fähigen Kommunen ein Privilegium oäiosum und daher eine Gefah? für die Sache, auf die er die Aufmerksam deS Ministers zu lenken wünsche. Unter-StaatSsekretär Dr. v. Moeller erwidert, daß eine derartige Gefahr nach dem Wortlaut deS Gesetzes nicht be« stehen lönne. Vielmehr weroe die Geweibeverwaltung fich für berechtigt erachten, in jedem einzelnen Falle zu prüfen, ob eine Kommune in der Lage sei, einen Bestrag zur Unterhaltung der Fortbildungsschulen fortzuzahlen, oder ob «S fich empfehle, die Kosten ganz auf den Staat zu über» nehmen. § 1 wird hierauf angenommen. § 2 handelt von der Verpflichtung zum Besuche von Fort- bildurgeschulen an Orten, wo dieselbe nicht durch OrtSftatut begründet ist; an Sonntagen sollen die Stunden deS Haupt« go tesdienstcS vom Unterricht frei bleiben. Abg. Fihr. v. Hämmerst ein beantragt, unterstützt von Mitgliedern der konservativen Partei und de« Zentrum«, zu beschließen, daß der Unterricht überhaupt an Sonntagen nicht erzwungen werden dürfe. Laffe man für Sonntage dir Mög« lichkest eine« Zwange« bestehen, so schaffe man ein neueS religiöses Agitaiiontmittel, einen neuen Zwirspalt unter dm Konfesstonen. Wie strenge seien die Juden in ihrer Sabdath- hetligung, da dürfe in Gymnasten ein Jude nicht gezwungen werden zu schreibm. Und hier wolle man Sonntags den Arbeiterzwang einführen.(Hört! rechts.) DaS Rechnen-, Zeichnen- und Deutsch-Lernen gehöre doch nicht zum religiösen Ausbau deS fittltchen Menschen. Er warne dringend vor jedem Zwange, der nur geeignet sei, die Widersetzlichkeit und Nei« «ung zur Disziplinlostgkeit der heranwachsenden Jugmd zu tigern. UnterstaatSsekretär Dr. v.Möller ist gerade der An« ficht, daß durch Annahme d'S Antrages der wirksamen Hand« habung des Gesetzes jeder Grund und Boden entzogen werde. Es könne die« vielleilbt in Frage kommen, wenn eS fich um die ganze Monarchie handle(hört! rechts und im Zentrum); hier ständen aber nur zwei Provinzen in Frage. Beseitige man die Möglichkeit, den Besuch zu erzwingen, so nehme man dem Gesetz seine eigentliche Tendenz, dem PoloniSmuS ent- gegentreten zu können. Abg. v. Raurdbaupt ist nach reiflicher Uederlegung zum gegenthetliam Entschluffe gekommen. Seiner Meinung nach liege in der inneren Ausbildung ein Thetl der Er- füllung deS drittm Gebotes. Der innere fittlichende Werth der Schule bewege ihn.g dem Staate daS Recht zu geben, an Sonntag Nachmittagen den Unterricht anzuordnen. (Beifall.) Abg. W i n d t h o r st steht im Gegmtheil die größte Ge« fahr darin, wenn man die Sonntagsheiligung beschränke. Die« selbe sei voll und schön zum Ausdruck gebracht in einem Pro« testantischen Kirchenlirde wo eS heiße:„Du sollst von Arbeit stehen ab, damit Gott Arbeit in dir hab'I" Der Sonntag ge« höre allein Gott und dem GotleSdienst, damit die Arbeit an anderen Tagen gedeihe. Je mehr man von der Religion ab« komme, desto näher komme man den sozialistischen Lehren und führe denselben die Jugend entgegen. Auch die durch den Zwang deS Staates zum Ausdruck gelangende StaatSomni« voten, steuere in derselben Richtung zum sozialistischen Staat. Um eine puritanische Sonntagsheiligung handle eS fich nicht, sondern darum, gerade dt- ärmeren Leute ihrem Familienleben zu erdalten; thue man dieS nicht, so schaffe man mürrische, unzu« frieden« Leute. Zu diesem Ende beantragt er, im Antrage Hammerstein hinter Sonntagen noch zu saoen„und Festtagen". Er bitte die Regierung, von ihren materialistischen Änfchauun- gen abzulaffen und die konservattoe Partei getreu ihren alten Prinzipien dem Kollegen v. Hammerstein, aber nicht dem Kollegen von Rauchhaupt zu folgen.(Beifall im Zentrum.) StaatSminister v. Boetticher: Die Anschauung de« Abg. Windthorst ist im Grunde ganz dieselbe, wie die der Regierung, fie hält d!e Heiligung de« SabdathS für geboten und die relig'öie Erziehung für die ficherste Grundlage eine» gedeihlichen StaatSlebenS. Aber der Vorwurf ist ungerecht« fertigt, daß die Regieiung bewußt matettalistisch« sozialistische Zrele verfolge, ungerechtfertigt namentlich in einem Augenblicke, wo die Staatmgierung und besonders die Kullusverwaltung bestrebt ist, dem Willen d S Monarchen entsprechend, AlleS zu thun, um dem Volke die Religion zu erhalten.(Beifall rechts.) Hier handelt eS fich darum, ob durch den Unterricht an Sonntag Nachmittagen die fittlich- religiöse Erzühung leidet. Diese Frage deantworte ich mit kühler Ueberlegung durch„Nein". (Sehr gut! links.) D'( Regierung ist der Ueverzeuaung, daß die Fortbildung des Geistes auch ein Gottesdienst ist.(Sehr 8ut I links.) Deshalb bitte ich Sie, den Antrag von Hammer« ein abzulehnen. Abg. Frhr. v. Zedlitz spricht fich gegen den Antrag v. Hammerstein aus Wenn der Abg. Windthorst daS HauS habe schrecken wollen durch Hinweis auf den wachsenden Anarchismus und gesagt habe, nur die Kirche könne da helfen, so frage er, wie dies mit den Eredntfien in unserem Nachbarlanve Belgien, wo ein klerikales Regiment bestehe, stimme.(L-bhafter Beifall bei den Nationailib-ralen und den Freikonselvativen; stürmischer Widerspruch.m Zentrum.) Er bitte den Antrag abzulehnen, denn durch denselben würde eine Att Privilegium auf Nichtdesuch der Fortbildungsschulen ertheilt. Nach Schluß der Ditkusfion. an der fich noch die Abgg Rickert, Pfaff und von Hammerstein betheiligen, werden zunächst die Anträge Wtndtborst und von Hammerstein, letzterer gegen die Stimmen des Zentrum«, der Polen und etwa 20 Konservativen, abgelehnt» und sodann in namentlicher Abstimmung§ 2 mit 184 gegen 107 Stimmen angenommen. In der Minderheit befinden fich Zentrum, Polen, die Mihrheit der Fretfinnigen, die Konservativen, von Ge-lach,(Gardelegen), v. Hammerstein, Jacobs(Bentheim), von Meyer(ArnSwalde), M-yer zu Selhausen, von Puttkamer (Plauth), Frhr. v. d. Reck, Sack, Schnatimeter, Südmeyer v. Wedell- Malchow, Wolff, ferner der Däne Laffen und Abg. Cremer(Teltow). Mit der Majorität stimmen die liberalen Wilden Berger, LotichiuS, Sommer, Svielberg und die Frei- finnigen Baseler, Flinsch, Simon(Fraustadt), Uhlendorff und Da« Gesetz im Ganzen gelangt ebenfalls mit großer Mehrheit zur Annahme. Es folgt die dritte verathung deSSchulversäumniß« gesetzt«. En der GeneraldiSkusfion bemerkt dg.'-- _ Dr. Wehr(Dtsch.- Crone), daß er für die Vorlage stimmen werde, obwohl er mit vem Abg. v. Puttkamer(Plauth) die Befürchtung lhrile, daß fie dei den mangelhaften Schul- verhällniffen auf dem plattin Lande in der Provinz West« preußen zu großen Hätten führen werde. So lange man nicht in ausreichendem Maße neue Schulen einttchte, fei Ad« Hilfe nicht zu erhoffen. Die Mittel, welche der in Aui« ficht gestellte NachtragSetat für diesen Zweck darditte, dürsten nicht in gar zu homöopathischen Dosen zugemeffen wer- den, auch wtffe man gar nicht, ob der NachtragSetat überhaupt noch an den Landtag kommen werde. Geh. Rath K ü g l e r: VorauSfichtlich wird der Nach« tragSetat schon in den allernächsten Tagen an da« Hau« ge« langen. DaS Gesetz wird darauf mit großer Mehrheit definitiv ge« nehmigt. Ohne Debatte pasfirt der Gesetzentwurf zur Abänderung de« Gesetze«, betreffend die LandeSkreditkaffe in Kaffel, die erste und zweite Lesung. Damit ist vi« Tagesordnung erschöpft. Schluß 1'/, Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. (Gesetzentwurf, detreffend die Heranziehung der Militär« Personen zu den Kommunalabgaben. Lettcht der Staat«« sch uldenkommisfion, RechenschaftSdettchte.) Kommunales. Stadtverordueteu-Derfammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 8. April. Der Stadtverordneten« Vorsteher, Herr Büchtemann, eröffnet die Versammlung um 5'/« Uhr mtt geschäftlichen Mit« thetlungm. Zunächst wird die Einführung de» im 7. Kom« munal> Wahlbezirk I. Abtheilung zum Stadtverordneten ge« wählten Rentiers E. H e i l b o r n vollzogen. Die Abtheilungen haben die Wrhl von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlagen, betreffend di« Festsetzung von Baufluchtlinien für die Verlängerung der Charlottenstraß« von der Georgenstraße bi« zum Weidendamm, und den Verkauf der Baulichkeiten der Grundstücke Dorotheen- straße 12 und Georgenstraße 82 zum Abbruch— und von 15 Mitaliedem für den Ausschuß zur Vorbe- rathung der Vorlage, betreffend die Skizze zum Bau der Markthalle VI zwischen Acker« und Jnvaltdenßraße voll« zogen. Von dem Oberbürgermeister v. Forcken deck ist ein Schreiben eingegangen, da« die Miltheiluna enthält, daß am 10. d. M. Nachmittags 6 Uhr im Magistrats- Eitzungssaale eine freie Besprechung von Mitgliedern der Aeltesten der Kauf« Mannschaft und Mitgliedern dei Magistrat« über die für da« Jahr 1888 in Berlin geplante deutsche nationale Gewerbe« auSstellung stattfindet. Von allen Lelheiligten werde der leb« hafte Wunsch gehegt, daß an dieser Beraihuna auch Stadt- verordnete thnlnehmen. Die Versammlung deschließt, dem Vorstande die Auswahl von 10 Mitgliedern, die an dieser Be» sprechung fich betheiligen sollen, zu überlaffen. Der Stadtverordnete LangerhanS und Genoffen haben den Antrag eingebracht, dem Magistrat zur Erwägung zu empfehlen, das Gehalt der Lehrer an städtischen höheren Lehranstalten mit dem der Staatilchrer gleichzustellen. Der Antrag wird in der nächsten Sitzung zur Verhandlung kommen. Nach Eintritt in die Taget ordnnng wird die Wahl je eines Bürger-Deputirten für die Gewerbe- Deputation und für die S chu l-D«p ut a tion vollzogen. Gewählt wird für die erster« mtt 52 von 82 Stimmen der Odermeister der Bardierinnung Wollschläger, 4 Stim« men fallen auf Herrn Kreutz; für die letztere mit 70 von 80 Stimmen VerlaaSduchhändler Borstell, 4 Stimmen fallen auf Herrn Zu beil. Neubau je einer Gemeinde-Doppelfchule in der Oderberaerstraße, in der Skalitzerstraße 55/56 und in der Derfflingerstraße 18». In der Debatte wird hauptsächlich die Frage eröttett, ob ohne Nachtheil 20 Klaffen unter einen Rettor gestellt werden können. Stadtv. Dr. Stryk hält«» im Jntereffe der Wahrung der Individualität de« Lehrer« für geboten, ihn nicht zum Handlanger de« Rektor» zu erniedttgen, wa« geschehen würde, wenn man weniger al« 20 Klaffen unter einen Rettor stelle. DaS Korporalsystem de« Unterrichts müffe bekämpft werden. Etadtfchulrath Bertram empfiehlt den Antrag deS Ma« gistratS, der 18 Klaffen unter einen Rektor stellt. Schließlich werden die AuSfchußanttäge, die von dem GefichtSpuntte deS Stadtv. Stryk ausgehen, angenommen. Der Vorstand hat inzwischen die 10 Mitglieder für die fteie Berathung, die am 10. diese« Monat» stattfinden soll, bestimmt. Der Stadtverordnete Singer, der fich unter den Vorgefchlagenen befindet, lehnt seine Theilnahme ab, da er ein Gegner nationaler Ausstellungen sei. Zur Verwendung sür da« Friedrich«- Gym« n a s i u m beantragt der Magistrat den Ankauf von 55 Qua« dratruthen Gartenland dei Grundstücke« Friedrichstraße 127 zu dem Preise von 132000 Mark. Der Referent, Stadtv. Spinola weist dm Vorwurf zurück, dm der Stadtv. Dopp in voriger Sipung«hoben hatte, daß in der Vorgeschichte diese« Ankauf« dunkle Puntte mt« baltm seien. Nach einer persönlichen vemerkung deS Stadtv. Dopp, der seine Behauptungen auftecht erhält, wird der An« trag deS Magistrats angenommen. DaS Projekt zur Vollendung der Erweiterungsbauten der Wafferwerke zu Tegel und Charlottenburg wird ge» mhmtgt, Der Verkauf einer dem Grundstücke Möckernstr. 86 in der verlängerten Uorkstraße vorliegenden Parzelle wird nach kurzer DlSkuttion bewilligt. Eine Reihe unwesentlicher Vorlagen wird debatteloS nach den Anträgen de« Magistrat« angenommen. Anlegung eine» Park« auf dem Kreuzbcrg. Der Antrag wird einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. deS von außerhalb nach Berlin ein« geführten frischen Fleisches. Der Magistrat legt ein Ott«, statut vor. Stadtv. G ö r ck i: Mit Befriedigung können wir konsta« tiren, daß der Magistrat endlich einmal einem oft geäußetten Wunsche gerecht wird und mdlich einmal dafür sorge« will, daß die städtische Bevölkerung endlich einmal i» einem wesentlichen Gmußmittel, dem Fleisch, gefichot wird. Die Maßregeln, welche der Magistrat bisher ang ewendel bat, waren unourchführbar oder unwirksam. Leider hat d« Mogistrat aber au* diesmal halbe und deshalb unbrauchbatt Arbeit geliefett. Warum soll daS Fleisch, da« in Restauration«« und Sp-isewttthschaften verbraucht wird, nicht kontrolitt n«' den? Gerade in den Lokalen, in dmm die arbeitende Be- völkerung verkehtt, befindet fich oft das Fleisch in einem nicht entsprechenden Zustande. Der Magistrat sagt, hier sei die Untersuchung unmöglich, weil nur kleine Tdeile Fleisch zu« Verkauf gelangen. Kann aber der Speisewstth nicht verpflichtet werden, das Fleisch an dm Stellen zu kaufen, wo eS unter« sucht ist? Geschiebt das nicht, so wird da« krankt Fleisch von den Märvm verschwinden, aber in de« Küchen der Speistwirthschasten fich einfinden. Ich be- antrage, da« Ottsstatut einem Ausschuß zur Vorberathunl zu üderweism. Stadtv. Kali sch beantragt, die Untersuchung auch aus da» in den Speiseanllalten verbrauchte Fleisch auszudehnen. Stadtkämmerer Runge vertheidiat die MagistratSooilage. ES sei nothwmdig schrittweise vorzugehen. Stadtv. Spinola stimmt dem Antrage Görcki zu, ohne mtt der Begründung deffel«» einverstanden zu sein. Der Antrag Görcki wird angenommen. Pensionsreglement für Angestellte der wirthschaft« lichm, industttellm und sonstiger besonderer Gemeindeanstalle» der Stadt Berlin. ES find eine Reihe von AbänderungSan- trägen gestellt, darunter ein Antrag auf Ueberweifung der Vorlaae an einm Ausschuß von 15 Mitgliedern. Stadtv. Singer: Die Freude, mit der ich de« Gedanken, ein PmstonSreglement zu schaffen, begrüßte, hat fich sehr schnell verwischt. Die Bedenken, welche ich gege« die vorliegend« Vorlagt de« Magistrat« hege, find so tiefgehend daß ich mich nicht einmal mtt einer AuSschußberathung einver« standen erklären kann; fie muß pure abgelehnt werdm. Der Magistrat will in seiner Vorlage nur denjenigen Beamte» Pmfion bewilligen, die an fich schon ein hohe« Gehalt beziehe», während die kleinen Beamten, deren Dienste ebenso wichtiß find» von jedem PenfionSgenuß auSgeschlossm find. Ja er will, daß eine ganze Kategotte von Beamten, die jeyt Pension er- halten, derselben verlustig geh-n. Der ganze MagistratSantra« wird von dem Gedankm geleitet, daß diejenigen, die viel bade», noch mehr bekommen sollen. Wir verlangen, daß gleiche« Recht sür alle gelte und daß alle Bevimsteten der Stadt, die cht treu gedimt haben, einen gestchettm LebenSabmd haben.- Da« Reglemmt enthält im§ 11 ein wahres Monstrm». Wenn daS Schwett der Entziehung de» PmstonSanspmche» über jedem Bcamtm schwebt, wie e« durch§ 11 geschehe« würde, wäre e« unmöglich, ein wirllich tüchtige» Beamtentbu« heranzuziehen. Der Z 11 in der Hand eines schneidigen Vsr- gesetzten bedeutet nicht Beamtenthum sondern Sklaverei Wen« die Herren vom Magistratstisch die Erttärung abgeben wür- den, daß er die volle Penfionsberechtigung aller Beamten an» erkennt, wenn er den§ 11 aufgiedt, würde ich der Verweisuni an einen Ausschuß zustimmen, weil der Gedanke, der der Vor» lagt zu Grunde liegt, gut ist. Soll die Vorlage al« ganze# so bleiben, wie sie ist, kann die Etadtoerordneten-Versamv» tung keine andere Antwott haben al« ein Nein. Stadtkämmerer Runge giebt die Erklärung ab, daß des Magistrat n i ch t der Meinung sei, daß jeder städtische Beamte Anspruch auf Penston hat. Der§ 11 sei nicht so schlimm,(* seien aewiffe Kautelen vorhanden. Stadtv. H o f f m a n n ll und Stadtv. Meyeri empfehle« AuSschußberathung. ES wird AuSschußberathung angenommen. Die wetteren Vorlagen entbehren dei JntereffeS. Schluß 8»/« Uhr. ES folgt eine nicht öffentliche Sitzung. öffentliche« Zokales. Ei« großer Rothstaud herrscht unter den stelluns suchenden Frauen; namentlich unter denjenigen, welche e« at ein Unterkommen al« Gesellschaftettn, Hausdamen oder au eine Milche dienende Stellung abgesehen haben. Auf ein' Predigettöchte� wollen ihr hatte« Geschick durch Annahme einer Stellung mit' dern..ES find durchweg wohlerzogene und wohlgedildet' Damen, welche sich um eine doch nicht« weniger al« glänzend! Stellung dewerden und der Menschheit ganzer Jammer pa-« Etnrn an, wenn man diese in halb bittendem, halb klagende? die„Berl. Ztg. Offizieriwittwen und Predigettöchter fi»� noch nicht am schlechtesten gestellt, e« giebt GesellschaftSklaff'«- denen es viel Kamiger geht. Die äußerste Roth wird vo« jenen Damen gewöhnlich immer noch dmch Penstonen od? durch Zuwenduuaen au« milden Stiftungen fern gehalten, ou<* dürfte ein Blick in die Jnseratenspalten de»„Reichsboten" u«( der„KnuMttung" Jedermann leicht die Ueberzeugung bei' brinäen. daß der Bettelsack gerade für Damen dieser Kategorie« w /"frrst, ergiebiger Weise geschwungen wird. Wirklt-d? Rothstand ist ganz wo anders zu suchen; schlimm genug, da ein Blatt von den„demokratischen" Allüren der„Berl. Ztg- davon keine Ahnung zu haben scheint. Hochwichtig! Von der professton Smäßigen Echaustellunt roher Kraft in den Reichthallin entblöden fich verschiedtt? Berliner Blätter nicht, solgendm Wisch dem Publikum$ unterbreiten.-„Eine große Aufregung verursachten die beide« letzten Ringlämpfe der bisher gegenseitig unbefieglich gewesene« Ringer Doublier und Pietro im Reichshallm-Theater,«% «sterer am Montag, letzterer in der Dienstag«. Vorstellung»0« hattem Kampf, und»war jeder von ihnen nur durch eine m? mentane Unachtsamkeit, geworfen wurden. Zahlreiche Besuche- der MontaaS-Vorstellung. welche Doublier hatten fallen sehe«' waren am Dienstag wieder zur Stelle, weil man mtt Stche� beit»orauSs-tzte, daß dieser noch niemals gewottene Recke& Scharte am nächsten Abend wieder auswetzen würde, und* hat S glänzend gethan. Mtt Spannung verfolgte daS Pub� tum jeden einzelnen Griff der Ringenden und tausendstimmig? Bravo scholl nach dem endlichen Fall PietroS dem allerWJ auch ootlftändifl erschöpften Sieger entgegen."— Man»%!{ wirllich nicht, Über waS man fich mehr wundern soll, über d" unverschämte Reklamemacherei oder über die— sagen wtt Geduld des Publikums, mtt welcher derartige Notizen entgegt" genommen werden.. „ Der Stadtverordnete Dr. Inner muß fich von ,%! »Post" in folgender Weife rüffeln laffen: Al« Todtengra� der nationalen mittelparteilichen Bestrebungen zu debütitf«' fühlte fich am Montag Abend der Vorfitzenve de» Deutsch?, Bürzervereini im Stralauer Stadtviettel, Herr Dr. Jrmer. rufen. Nach einem Vorkage de« Reich»- und LanvtagsabS? ordneten Frbrn. von Hammerstein über die politische Vitual-Ä welche der Redner nicht besonders als rosig und freund� schildern zu können bedauette, beeille fich H-rr Dr. Jrmer.% Versammlung den letzten Trost, der ihr mögllcherweise trotz«. trüben politischen Lage geblieben sein lönme, zu nehmen-L einer Klärung und Befferung der Verhältnisse durch den-jj,, sammenschluß aller nationalen Patteten energisch vorzubeus�, Herr Dr. Jrmer wie« darauf hin, daß der Bürgerveret» «« f. Osten allen tnitielparteilidben Bestredungen von jeher abhold gewesen sei und j dei Vermischen der s?arbc der Bürgerver. eine immer bekämpft habe. Daß durch die Betonung eines derartigen enabel,igtn und extremen Parteistandpunktei der lon- servatior n Bewegung Berlins die Lebensfähigkeit verloren gehen muß, scheint Herrn Dr. Jrmer wenig zu kümmem: eS genügt ihm daS stolze Bewußtsein, daß Handlangerdienste von dem konservativen Osten Berlins nirgends geleistet würden"— ein Bewußtsein, welches der Anhänger einer mit dem Zenlrum liedeäuaelnden Parteirichtung bester für fich behalten sollte."— Diese Pille dürste für den strebsamen Doktor einen etwaS bitteren Beigeschmack haben. Wir unsererseits registriren den Vorfall übrigens nur, um unseren Lesern zu zeigen, daß bei den„nationalen" und„gutgesinnten" Parteien leineSwegt AlleS so in Ordnung sein muß, alS jene Herren eS wohl wünschten. Ob die„Post" mit ihrem FufionSvorschlage oeer Herr Doktor Jrmer mit seinem„engherzigen und extremen Parteistand- punkte" Recht hat, glauben wir dahin kommentiren zu können, daß die konservativen Bürgervereine überhaupt am Anfang vom Ende stehen. Der Riß, den die„Lehrerpartei"— die Herren Jrmer und Brecher— der„nationalen" Sache zugefügt haben, scheint beute trotz aller Verkleisterung mehr als je fichtdar zu sein. UnS kann'S schon recht sein. Der Schriftsteller und Redakteur Kran» Holzerlaud, welcher während der belgischen Unruhen die dort, gen Industrie» bezirke bereist und stch ganz besonders in Charleroi, Möns, Lüttich, Boinage- Gebiet, Centre rc. aufgehalten, gedenkt dem nächst über die Verhaltniffe in Belgien mehrere Vorträge zu hatten. Wie Herr Ho!»erland versichert, hat er die Erfahrung gemacht, daß die Lage in Belgien in der Vreff« vielfach drohen- der hingestellt wurde, als fie in Wirtlichkeit war.— Die fchriststellensche Thätigkeit deS Herrn Holzerland während der Unruhen in Belgien ist unseren Lesem nicht unbekannt geblie- ben. Seine Berichte zeichneten sich vonheilhaft durch große Ruhe und Objettivität vor den Sensationt-Machwerken anderer Bläiter aus. Großer Jubel herrscht unter den jugendlichen Arbeite- rinnen einer hrrfigm Rüschenfabrtk. Fünfz'yn von den jungen Damen sparten fich schon seit einiger Zeit von ihrem kargen Lohn den Betrag für ein Fünftel- LooS der sächsischen Lotterie, daS fie gemeinschaftlich spielten, ad, und haften in der Schluß- ziehung der 4. Klaffe, welche am 6. d.M. stattfand, da» Glück, mit dem Loose Nr. 35 256 herauszukommen, auf welches der Gewinn von 50000 Mark gefallen ist. Jede der Spielt- rinnen erhält ca. 600 Mark.— Wenn es nur keine Ente ist! Eine eigenthümliche Erscheinung unserer Zeit ist daS plötzliche Verschwinden von Personen, die, sonst höchst solide und in den geordnetsten Verhältniffen lebend, eines schönen TageS, zuweist n mitten in einer angefangenen Arbeit, fich au« Geichäft und Familie entfernen, um einige Zeit, in der Regel nur etliche Tage, auf ganz abnormen Wegen zu wandeln, in zweifelhafter Gesellschaft fich zu bewegen und Thaten zu voll- bringen, die fit zu anderer Zeit für höchst unwürdig halten würden. Ein« Erscheinung dieser Art bietet g-genwärtig ein 27jahriger junger Mann, Max X., der in guter Stellung be- sindlicke Sohn achtbarer, wohlangesehener Eltern, der seit dem 3. d. MS. verschollen ist und dessen Verschwinden den Seint- zen größten Kummer verursacht. Wir find ersucht, diese Zeilen n der Hoffnung zum Abdruck zu bringen, daß der„Semmel- wachen" machende Max unser Blatt in die Hand dekommt und fich veranlaßt fühlt, beim Lesen gegenwärtiger Notiz heim- zukehren zu dm Eeintgen und in seine AmtSstellung, zumal unS versichert wird, daß bei schleuniger Umkehr dieSmal all- fettig alle» verziehen werden soll.— Diesen Sermon finden wir in verschiedenen, meist konservativen Zeitungen. Die„achtbaren, wohlangesehenen" Eltern sollten fich über ihren 27 jährigen Max, den fie selbst im Verdacht haben» daß er fich auf einer etwa« umfangreichen Bierreise befindet, nur keine grauen Haare wachsm lossen; mit 27 Jahren verläuft man sich in Berlin s, leicht nicht mehr, und wenn da» Geld zu Ende ist, dürfte Max seine achtbaren, wohlangesehenen Eltern schon von selbst wieder finden. Grober Unfug. AIS der Maurer Baberschke, Reichen- bergerstr. 59 wohnhaft, vorgestern Abend von setner Arbeit«- stätte in der Lothringersttaße nach Hause ging, wurde ihm in der Trmadtnstraße von mehreren spielenden Knaben eine Pappscheibe plötzlich in da« link« Auge geworfen. Es gelang dem Verletzten leider nicht, den jungen Äissethätcr festzustellen, eS hätte ihm da« auch wenig geholfen, da die Eltern jener Kinder alle mtschiedm selbst dem Arbeiterstande angehörten. Dem Verletzten wurde in der Kgl. Klinik eröffnet, daß die Sache durchaus nicht ungefährlich sei und daß er, um daS Auge zu schonen, mindestens acht Tage feiem müffe. Für einm Maurer ist das heut zu Tage ein schwerer Verlust, denn nach dem kaum überstandenen harten Winter und dem vor« jährigen Streik wird Jedermann begreifen, daß fich die Maurer finanziell augenblicklich durchaus nicht in einer benetdenSwetthen Lage befinden. ES dürste wohl auch zu den Obliegenheiten der Exekutivbeamten auf den Straßen gehören, daß fie soweit auf spielende Kinder achten, daß die Spielereien nicht für Lebm und Gesundheit der Paffantm gefährlich werden. Daß eS den Berliner Spitzbuben nicht an Humor fehlt, haben fie schon bei mancher Gelegenheit und auch bei folgendem Vorfall bewiesen. Im März d. I. wurde einer besuchsweise fich hier aufhaltenden Dame auS Schlesien während der Vorstellung im Opernhause ein Portemonnaie mit einem Inhalt von 20 Mark auS der äußeren Paletottasche gestohlen. Zehn Tage später erhielt die inzwischen nach ihrer Heimath zurückgereiste Dame Geld und Portemonnaie mittels folgenden eingeschriebenen Briefe« zurück: �Hochverehrte Frau! AlS ich an jenem Abend den kühnen Griff in Ihre Tasche machte und dabei Ihre werthe Person musterte, hätte ich nicht gedacht, daß der Fund mit seinem Inhalt so weit hinter meinen Er» Wartungen zurückbleiben würde.— Sie glauben gar nicht, wie vicI Geld dazu gehört, um hier in Berlin in anständiger Weise leben zu können.- Ich hielt Sie für eine«lein- stadterin, die mit gespicktem Geldbeutel fich Berlin ansteht und glaubte, einen guten Fang zu machen. Da ich nun aber ge« sehen, daß daS Portemonnaie so wenig enthielt, so bin ich zu der Ueberzcugung gekommen, daß Sie e« nöthiger als ich ge- brauchen, sende es Ihnen zurück und hoffe, Ihnen damit Hot« achtung vor unserem Stande beizubringen. Am nächsten Abend fand ich in der Tasche meine« Nachbar« ein Portefeuille mit ca. 3000 M., da« lohnte stch doch wenigstens! Sie werden sich wundern, wie ich es fettig gebracht, Ihre Adreffe zu er- In L?'*0' ditt Berliner find„verfluchte Kerle". Ohne Ihren wäre eS mir allerdings nicht gelungen. Sie schließ!ich ! u�nd da» Versehen gütigst zu entschuldigen und Sie Tuhfr! deim nächsten Besuch der Hauptstadt etwaS mehr mit« �sichnet Hochachtungsvoll Haase."— Anscheinend ist w«r«inen Schreiber von Professton geschrieben, die d-ldm Siegel lafim die Buchstaben H. H. erkennen.- Die Crdeutung de» mit 3000 M. gefüllten Portemonnaies ist übri- jtohl nichtS�bttamr't.���� W der Polizei von diesem Dieb« ...Leider find immer wieder Unglücksfälle z« der« «ntf?' F'% jfÄ l,ut4 leichtfertige Benutzung der Fahr« stühle in den Fabriken ereignen. Trotz polizeilicher Anord« nungen fehlen zudem noch häufig an den Fahrstühlen die söge- genannten Fangvorrichtungen, welche die Sicherung der elfteren H«r°°stür»en bezwecken. In einem der größten Färberei- Etabliffement« Deutschlands in der Umgebung von Berlin rst �.. �.bweckmäßige« Reglement für den Fahrstuhlbetrieb er- lasten, deffen Einführung fich auch für andere Fabriken em- Ä?�e. Dasselbe bestimmt folgendes: Ter Fahrstuhl [1 ü LUlung und Aufsicht deS Fahrstuhlführer»,.dessen Anordnungen jeder den Fahrstuhl Benutzende Folge zu leisten hat. ES ist streng untersagt, den Vorraum zu bettete« oder fich darüber hinein- oder hinauSzubeuzen. Wagen, Körb« und andere Gegenstände, welche nach anderen Etagen ttanSportitt werden sollen, müssen auf dem Fahrstuhl so plazitt werden, daß fie die Fahrt nicht hindern. Da« Etagenfignal ist deutlich zu geben. DaS Oeffaen und Schließen der Baniere ist nur den Fahrstuhlführern gestattet, jedem Anderen aber verboten, und e« darf erst dann der Fahrstuhl betreten resp. verlassen werden, wenn die Baniere ganz geöffnet ist. Der Fahrstuhl datt von höchstens sechs Personen zu gleicher Zeit benutzt werden, und die zu fördernden Lasten einschließlich der mit- fahrenden Personen dürfen 10 Zentner nicht übersteigen. Eine ganz neue Schwindelei, die geeignet sein dürste, manchen harmlosen G-schäftimann anzuführen, verübte vor einigen Tagen ein anständig gekleideter etwa 2öjähriger Mann. Derselbe kam zu dem Kaufmann W. in der Linienstraße, gab fich sür einen schräg gegenüber wohnenden Geschäftsreisenden au«, nannte auch seinen angeblichen Namen und ersuchte Herm W., ihm den neuen Adreßkalender für Berlin auf etwa eine Stunde zum Nachschlagen zu leihen und deponitte ein Drei- Markstück als Bürgschaft für die prompte Rückgabe. Herr W. nahm keinen Anstand, die Bitte zu erfüllen, erfuhr aber, alS er nach einigen Stunden seinen Lehrling zur angegebenen Adreffe schickte, daß er um seinen Adreßkalender geprellt sei, denn der junge Mann war nicht aufzufinden, stellte stch auch später nicht wieder ein. Da für einen noch wenig gebrauchten dieSjähttgen Adreßkalender gern überall 8—10 Mark gezahlt werden, so ist die Schwindelei immerhin ziemlich einträglich. Anscheinend von einem und demselben Individuum wurden gestem in der GcttchtSsttaße zwei Ladendiedstähle mit großer Frechheit verübt, ohne daß der Tbäter ermittelt werden könnte. Während fich die im Laden allein befindlich gewesene Frau deS Destillateur» G. in der Gerichttstraße 44 nach dem Hofe de« Grundstücks begab, um einen Eimer Waffer zu holen, detrat ein Mann den Laden und räumte die Kaffe im Schank« tisch au«, nahm auch noch einige andere Gegenstände vom Schanttisch mit. Daffelbe Manöver wurde einige Stunden später in dem Geschäft dei Heilgehilfen G. in der Gettcht«- straße, Ecke der Müllerstraße, auSgefühtt, woselbst der Dieb ebenfalls in der Ladenkaffe auftäumte und mehrere herum- liegende Gegenstände mit fich gehen hieß. Die Polizei ist von den Diebstählen in Kenntniß gesetzt worden. Da» Ergebniß der eben beendete« Abgang»- Prüfungen auf den hiesige« Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealfchulen ist folgendes: Auf 14 Gymnasien(daS 15. ist noch nicht vollständig) find im Ganzen 187 Schüler zur münd« lichen Prüfung zugelassen worden, 56 wurden auf Grund ihrer schriftlichen Arbeiten freigesprochen und 6 fielen durch, so daß 181 Reifezeugnisse zur Vcrtheilung gelangten. Die meisten, 23 an der Zahl, konnte das königliche WilhelmS-Gymnastum ausstellen, die wenigsten, nur 3, da« Humboldt- Gymnasium. Auf den 8 Realgymnafien wurden 36 Reifezeugnisse vettheilt, darunter 11 unter Befreiung der Schüler von der mündlichm Prüfung; nur ein Schüler fiel durch. Schwach ist da« Ergebniß auf den beiden Ober- Realschulen. Die eine konnte nur ein Reifezeugniß, die andere gar keinS ausstellen. Die Ge« sammtheit aller zum Frühjahr an den hiesigen höheren Lehr» anstalten ausgestellten Reifezeugnisse beträgt demnach 218. Durchgefallen find etwa 3 pCt. Dieser geringe Satz der Durchgefallenen hat zum Theil dattn seinen Grund, daß schwächere Ober-Primaner, wenngleich fie bereit« zwei Jahre in der Prima gesrffen haben, nicht zur Prüfung zugelaffen werden. Die Echtheit de» GoldgeldeS hängt nicht von der Farbe und Klanglofiakeil ab. Der Klang hängt von der Prägung ab; werden die Stücke geprägt ohne zu glühen, so find fie hart und haben wenig oder gar keinen Klang. Die schön« gelbe Farbe erhalten die Stücke durch Glühen und Kochen in verdünnter Säure, die röthlichen jedoch find letzterem Verfahren nicht unterworfen gewesen. Der Gehalt an feinem Gold ist bei den gelblich-röthlichen wie bei den grau-röthltchen ganz gleich. Die Klanalostgkeit rühtt auch sehr oft von kleinen Riffen oder«lasen im Golde her. Mitbin ist weder die Klanglofigkeit noch auch die Farbe eine Gewähr für die Un< echtheit. Darüber ob die Stücke echt find, kann man fich sebr leicht durch folgende» Verfahren überzeugen. Wiegt man ein 2�-Maikstück, so muß eS genau 8 Gramm wiegen und da» 10- Markstück 4 Gramm vergleicht man ein Stück mit dem andern von gleichem Werth, so muß eS gleich groß und stark sein. Kein anderes Metall steht in Stärke, Größe und Ge« wicht dem Golde gleich, mithin kann man ruhig ein Gold- stück, welche« die genannten Eigenschaften besttzt, annehmen. Polizei-vericht. Am 7. d. M. ftüh wurde unterhalb der Schleusenbrücke die Leiche einer unbekannten etwa 40 Jahre alten Frauensperson und vor dem Grundstück Kottbuser Ufer 28 die Leiche eines Manneö au» dem Waffer gezogen. Beide Leichen, an denen Spuren äußerer Verletzungen nickt fichtbar waren, wurden nach dem Leichenschauhause geschafft.— An demselben Tage Vormittag« fiel der Kutscher Jadusch, während er neben seinem Wagen herging, in Folge Ausgleiten« zu Bo« den und wurde von dem Pferde derartig auf den Oberschenkel g-treien, daß er eine bedeutende Verletzuug erlitt und mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde der Tischler Grunwald in der Woll« fabrik von Hahn, Schillingstr. 12—14, durch ein Stück Holz, welches fich von der im Gange befindlichen Wollreißmaschine abgelöst hatte, so schwer am Kopf verletzt, daß er in da« städtische Krankenhaus am Friedttchshain gebracht weiden mußte.— An demselben Tage Abend« wurde ein Mann in seiner in der Mohrenstraße belegenen Wohnung destnnungSloS aufgefunden und auf ärztliche Veranlassung mittelst Kranken« wagenS nach der Charitee gebracht. Nach einem von ihm ge» schriebenen Brief hat er Gift genommen. Gerichts-Zeiwng. t Der gestörte„SchafSkopp". An einem Januarabende dieses JahreS saßen in der Restauration deS Herrn A. in der Ritter straße gemüthlich an einem viereckigen Tisch vier ernste Männer, die mit großer Würde und vieler Bedächtigkeit Katten, und zwar den allgemein beliebten„SchafSkopp" spielten. SS wurde wenig gesprochen: man hörte nm die geheimnißvollen Wotte:„Wer giebt 9"—„Ich spiel' einen Solo!"—„Da« war ein Durchmarsch."—„Koeur-Aß geht mit."—„„Alte" und„Baßte" find nicht raus!"— Von Zeit zu Zett kreiste eine große Weiße, um den immer vorhandenen Durst der Spieler zu stillen. Diese» fttedliche Bild wurde plötzlich durch zwei Ankömmlinge gestört, die, auf einer langen Bierreise be- gttffen, in daS Lokal gerathen waren, um frische Kräfte zu neuen Thaten zu sammeln. Die weihevolle Stille, die bither geherrscht hatte, war im Nu verschwunden. Mit Stentorstimme bestellte der Eine eine Weiße und zwei Zigarren und stimmte dann einen donnernden Gesang an, in welchen der Andere gröhlend einfiel. Die steten Künste erfreuen stch be- kanntlich nicht immer der allgemeinen Anerkennung, auch die Leistung der beiden Bierbrüder wurde einer doshaften Krttik unterzogen, die hauptsächlich von dem SchafSkopptische ausging. Man kann auch nicht mit Ruhe spielen, wenn in nächster Nähe gebrüllt wird. Die beiden Künstler warm aber nicht in der Laune, fich diese Bemerkungen gefallen zu lassen.„Sie haben aber ooch Gäste!" sprach der Eine»um Wirth. Da« brachte das Maß zum Ueberlaufen. Der Wirch bedeutete den beiden, daß ihr fernerer Aufenthalt unerwünscht wäre und forderte fie zu verschieden Malen auf, da« Lokal zu verlaffen. Den beiden Trunkenen schien diese Mahnung aber nicht einzuleuchten, fie leisteten thätlichm Widerstand, und ei kostet« viele Mühe, fie auf die Straße zu setzen. Nach dem berühmten Liede vom„schwarzm Wallfisch zu ASkalon" pflegen aber herausgeworfene Gäste zur Hintetthür wieder her» etnzukommen. So war e« auch hier. Nach 10 Minuten erschienen die Kumpane von Neuen und die Prozedur von vor- hin mußte«tederholt werden. Dieser Vorgang erneuette fich dreimal und jedesmal wurde der gemüthliche„SchafSkopp" ge« stött.— Sein Nachspiel fand dieser Exzeß in der gestrigen Sitzung de« Schöffengettcht« 87. Abtheilung. Die beiden Schuldigen wurdm wegen gemeinschaftlich verübten HauS« friedensbruchs zu einer Woche Gefängniß veruttheilt. Soziales«»d Arvetterbewegang. Auf de« Werth de» Lthrlina»priviltg» der Innungen, die derühmte lex Ackermann, wirft ein vor Kurzem von dem Regier ungSprästventm in Breslau ergangener Bescheid ein böchst bezeichnende« Licht. In Freiburg in Schlefien ist der Tischler-, Drechsler- und Glasettnnung vom 1. April d. I. ab da« Recht beigelegt, daß nur der Innung angehörende Meister Lehrlinge dieser Gewerdszweige halten dürfen. In Folge deffen hat stch eine dortige Uhrmfabttk an den Re- gterungSpläfidertten mit der Anfrage gettchtet, ob ihr durch jene« Pcioilea die Ausbildung von Lehrlingen in den einschlägigen Fachern untersagt sei. Darauf hat der Bezirks« prästdent geantwottet, die Innungen der ReichSgewerbeordnun g seien nur Vereinigungen von„Handwerkern" und nicht Verbindungen von„Großindustriellen", e« könnten also auch die nach Z 100 e den Innungen ertheilten Pttvilegien„nur dem Kleingewerbe gegenüber in Wirksamkeit treten".„Mithin", schließt der Bescheid,„find Ew. Wohlgeborm auch nach dem am 1. April d. I. erfolgmden Inkrafttreten deS der dottigen Tischler-, Drechsler- und Glaserinnung ettheilten Privilegiums zur Aufnahmt von Lehrlingm jeder Art defugt." Gegm die Richtigkeit diese« Bescheide», den üdttgen» auch die„Nordd. All«. Ztg." an hervorragender Stelle wiedergiebt, läßt fich nicht« einwenden. Ist dem aber so, so bedarf es nur gettngen Rachdenkens, um zu erkennen, daß daS Ackermann'sche Gesetz zu geradezu komischen Konsequenzen führm muß. Die Zahl der in den Fabriken Deutschland» be- schäfttgteu jugendliche« Arbeiter im Alter von 12—16 Jahren betrug nach dem..Reich» Anz." im Jahre 1884 153 507. Darunter befanden stch 97799 männliche und 54574 weibliche Personen. Von den einzelnen BerufSaruppcn hatte die Textil« industtte bei weitem die meisten jugendlichen Arbeiter, männ« lich 44453(darunter 26 236 Mädchen); alsdann folgen die Industtte der Nahrung«- und Genußmittel mtt 18211, Bergbau«, Hütten- und Salinenwesen mtt 17 058, Metallverarbeitung mit 16765, und Fabrikation von Maschinen, Werkzeugen rc. mtt 10497: bei allen anderen BerufSgruppen beträgt die Zahl der jugendlichm Arbeiter unter 10 000. Die Zählung beruht auf den neuesten Berichten der deutschen Fabrikinspeftoren (Gewerberälhe). PluSmacherei. Nach einer statistischen Zusammenstellung der„Kreuzztg." arbeiteten 40 große Aktien« Etablissements der Wollindufttte im Durchschnitt: 1881/82 mtt 12V. Prozent Verdienst, 5: R:: Welchen„Entbehrungen" müssen fich die Leute unterworfen haben, um einen so hübschen„Lohn" dafür verdient zu haben! Die Nachricht von dem Ausbruch eine» Maurerstreik» in Hamburg wird von der wohlunterrichteten„Hamb. Bürger- zettung" alS irttg bezeichnet. Gegen 40 Eammetarbeiter einer mechanischen Weberei in Viersen haben die Arbeit eingestellt, um«ine Lohnerhöhung zu erzwingen. Da indessen die auSwättS wohnenden Geschäfts» inhader fich auf nichts einlassen wollen, so haben die Streiken« den die geforderte Erhöhung von 20»Ct. schon auf 10 pCt. reduzitt und wird hoffenttich bald ttne Einigung zwischen beiden TheUen erzielt werden. Die in demselben Etablissement de« schäfti-ten zahlreichen Stoffarbeiter haben stch an der Arbett«. ttnstellung nicht betheiligt. Etrtega«. Zigarrenarbeiter« Streik. Am Sonnabend stellten, wie der„Schlcfischen Volttzeitung" geschrieben wird. 300 Z garrenarbeiter in der Scharnke'schen Fa« bttk wegen Reduzirung des Lohne« ihre Arbett ein. Um Exzessen btt dn�hnauSzahlung vorzubeugen(y. wurde von dem dottigen Wachtkommando Militär requirtrt: auch dt« Po« lizei hatte im Hofe Aufstellung genommen. Durch Plakate an den Straßenecken wurden die Arbeiter von Seiten der Polizei aufgefordett, die Arbeit wieder aufzunehmen(!) und zugleich die EtnfichtSvolleren gewarnt, fich an dem Streik zu betheiligen.(!) ES haben stch die Hauptagitatoren Sonntag nach Httnrichs» Waldau begeben, um die dortigen Zigarrenarbctter in der Fi« ltale de« Herrn Scharnke zur Niederlegung der Arbeit zu be« wegen. Hoffenttich kommt eine Vereinbarung zwischen Arbeit- geber und Ardeitern in kürzester Zeit zu Stande, da sonst in zahlreiche Familien da« bitterste Elend unvermeidlich einziehen müßte.— So die„Schles. Voltsztg." Wir möchten wiffen, ob e« ttchttg ist. daß die Polizei aufgefordert hat, die Ar« bell wieder aufzunehmen, und od fie auch sonst durch War« nungen auf den Streik einzuwirken versucht hat. In diesem Falle dürfte fie ihre Befugnisse weit überschritten haben. und I« St. Salle« streiken die Schreiner schon längere Zeit seit einigen Tagen auch die Schloffer. Vereine und Uersamminngen« hfs. Eine Generalversammlung der Berliner Zimmer« leute fand am Sonntag Vormittag in der„Tonhalle", Friedttchst'.aße 112, unter Vorsitz des Herrn Darge statt, von ca. 2000 Theilnehmern besucht. Herr Darge refetttte und thttlte u. A. mtt, daß die Meister Kommission, nachdem fie am 16. v. M. durch die Gesellen Lohnkommisfion von der am 14. v. M. auf„Tivoli" einstimmig zum Beschluß erhobenen Re« solution der Berliner Zimmerleute benachrichtigt worden war, am 18. v. R. der Lohnkommisfion der Gesellen einen schttft» lichen Beschttd habe zukommen lassen, dahin gehend, daß die Kommisfion der Meister„nicht mehr in der Loge fei, mit den Zimmerergesellen zu verhandeln, weil diese den Wünschen und Anforderungen der Meister nicht entsprochen und keine Ver« sammlung der Art einberufen hätten, wie fie in dem „an die ehrbaren Gesellen" gerichteten Anschreiben der Mttster- Kommisston verlangt worden sei." Letzteres bildete die dem Antwortschreiden der Meisterkommisfion beige« fügte Einlage. Darauf habe die Lohnkommisfion der Gesellen an die Meisterkommissio geschrieben, daß fie, wenn ihr daS ftagliche Einlage Schriftstück früher, d. h. rechtzeitig zugegangen wäre, nicht versäumt hätte, dem geäußerten Wunsche zu ent« sprechen, wozu fie auch jetzt noch dereit sei, wenn ihr die Er« klSiung zugehe, daß das„an die ehrbaren Gesellen" adresstrte Schreiben als«in offiziell an die Lohnkommisfion gerichtetes anzusehen und zu behandeln sei. Auf diese Rückantwort sei dann ttnfach die Mittheilung erfolgt, daß die Meisterkom« misfion am 21. v. M. fich aufgelöst habe. An demselben Tage aber habe bekannttich eine kaum 25 pCt. der hiesigen Zimmer« plätze repräsentirende Versammlung von JnnungS-(Bunde?-) Meistern, resp. Baugeschästsinhabern und Baugewerks« meistern«., beschloffen, 45 Pf. pro Stunde Lohn zu zahlen und partielle Streiks der Gesellen mit Arbeits« auSschluß zu erwidern. In der Diskusfion sprachen fich mehrere Redner dafür aus, vorläufig und so lange noch eine gewisse SeschSstSMe andauere, von der neunstündigen täglichen Nor» malarbeitSzeit Abstand zu nehmen, fich auf die Forderung de? Stundenlohnes von 50 Pf. zu beschränken und der SonntagS«, Nacht- und Uebelstundenarveit durch höhere Lohnforderung einen Damm zu setzen. Für die Uederstunde möge man 75 Pf., für Sonntags- und Nachtarbeit 1 SR. pro Stunde fordern. Schließlich nahm die Persammluna nahezu einstimmig eine Resolution an, der gemäß an den früheren Beschlüssen der Generalversammlung der Berliner Zimmerleute am S. Oktober v. I. festgehalten wird. Ferner wurde befchlossm, behufS genauer Information der Loynkommisston über die in der Ge» sammtheit der Gesellenschast herrschenden Wünsche und Mei- nungen auf allen Ziwmerplätzen Fragebogen zu vertheilen, welche innerhalb drei Wochen gewiffenhaft beantwortet, der Lohnkommisfion zuzusenden find, die dann wieder eine General» Versammlung einzuberufen hat, welche endailtia Beschluß fasten soll.— Bei der dann vorgenommenen Wahl deS General« fondS Kasfireri fiel dieselbe auf Herrn Rudolph. Ein Antrag auf Erhöhung der Beiträge zum GeneralfondS von 20 auf 50 Pf., den mehrere Redner bekämpften, wurde abgelehnt. Auch lagen Streik. UnterstützungSgesuche der Berliner Tapezirer, Möbelpolirer, Töpfer und Mäntelnäherinnen vor. Den Tape- zirern wurden 200 Mk. bewilligt, die anderen Gesuche der Lohnkommisfion überwiesen. Der Bezirkt» Verein der arbeitende« vevölkernng det Südwestens Berlins hiev am SRontag, den 6. Mt«, seine Versammlung ab. Auf der Tageiordnnna war als erster Punkt ein Vortrag angesagt, zu welchem der Rttchstagzadge- ordnete Herr Stolle als Referent zugesagt hatte. Derselbe war jedoch am Erscheinen durch andere Ächtige Sachen ver« hindert gewesen und wurde dieser Punkt von der Versamm» lung fallen gelassen. Der zweste Punkt der Tagesordnung war: Wahl eines Vorstandsmitgliedes. Gewählt wurde Herr Hoffmann II. Bei„Verschiedenes" wurde über die zunehmende Verwendung von Fremdwörtern sowohl in den Zeitungen wie auch in den ParlammtSreden gellagt. Ein Nichtmstglied, Abonnent des„Berliner VolkSblatt", wieS darauf hin. daß auch das Arbeiter Organ fich nicht ganz von diesem Fehler steisprechen könne.(Wir möchten dem gegmüber darauf auf» merksam machen, daß wir nach Kräften demüht find, alle ftem» den Ausdrücke auS unserem Text auszumerzen. Es giebt jedoch, wie auch von Herrn Krohm betont wurde, einzelne Fremd» warte, die fich durch deutsche Worte garnicht wiedergeben lassen. D. Red.) Femer wurde beschloffen, am 18. April eine Herrenpartie zu unternehmen. Näheres wird in einem Inserat bekannt gemacht werden. Es wird ersucht, daß sämmtliche Mitglieder Notiz davon nehmen möchten. Ein Antrag des Herrn Hoffmann, eine Tellersammlung zu veranstalten für die Vereinsbibliothek wurde angmommen. Zum Schluß forderte der Vorfitzende Herr Krohm auf, dem Verein beizutreten und ersuchte die MUglieder, fich etwas mehr an dm Versamm- lungen zu betheiligen. Hierauf schloß derselbe die Versamm» lung um 11'/. Uhr. bis. Der Verein znr Wahrung der Interesse« der Berliner Maurer hielt am Dienstag, den 6. v. SR., Abends, im Louisenstädtischen Konzerthause, Aste Jakobstr. 37, unter Vorsitz des Herrn Grothmann eine gut besuchte Mitglieder» Versammlung ab, welche fich hauptsächlich mit der„Stellung» nähme zur Lohnbewegung der Berliner Maurer" beschäftigte. AIS Referenten sprachen die Herren Grothmann und Lehrend. Den Ausführungen des Erstgenannten entnehmm wir, daß derselbe die Nothwendigkeit betonte, die Zahlung de» Stundm» lohne» von 50 Pf. auch für die Wintermonate durch schriftliche Abmachung mit NamenSunterschrift von den Meistern resp. Baugeschäftiinhabern fich garamiren zu lassen. Herr Behrmd Semahnte an die jedem Berliner Maurer und wackeren !ameraden obliegende Verpflichtung, den Beschluß der General- Versammlung vom 17. Juni v. I. streng auftecht zu haltm. Der Verein müsse bewirken, daß durch Verkürzung der üblichen Arbeitszeit die Zahl der Beschäftigung»- losen, dem„Vagabundenthum" üderanworteten Kameraden vermindert und die Zeit der Arbeittlofigkett verkürzt werde. Herr Karl Schmidt forderte alle Mitglieder auf, energisch und unaufhörlich für die Stärkung und Ausbreitung der Organt- gtion zu agittren, damit der schrankenlosen Ausnutzung der rbeiter und ihrer Degradation zu einer Maschine mit Erfolg entgegen gewirkt werden könne. Aehnlich sprachen fich auch die Herren Herrmann Schulz, Kliemann und Pfeifer aus. Hierauf erstattete Herr Woitschack den Revifionibericht dahin ad, daß alles ordnungsmäßig befunden wurde. Beim Punkt „Verschiedenes" kritifirte der Vorfitzend« den neuesten SttuattonS» artikel der„Baugewerkszeitung", welcher ausführt, daß die Einundzwanziger- Kommisston der Gesellenschast von den Meistern nicht als geeignet zu Unterhandlungen mst der SReister» Äommisston anerkannt werden könne, daß ferner die Verwerfung der Akkordarbeit und das Bestreben, fie möglichst eineuschränlen und zu beseitigen, niemal» die Zustimmung der Meister zu er» langen vermöge und somit eine gütliche Einigung auf diesem Wege überhaupt unmöglich sei. I« der am 7. d. M. abgehaltenen Versammlung de» Arbeiter-BezirkSvereinS„Süd Ost" wurde zunächst an Stell« deS ausscheidenden 2. Schriftführers Herr Lrausenvorf gewählt, ferner wurde der Kassenbericht verlesen, der ein Defizit von 1,20 SR. ergab. Altdann hielt Herr Jul. Ephraim einen Vor» trag über die Stützen der modernen Weltanschauung. Seit alten Zeiten, so ungefähr führte der Redner auS, galt e» als feststehend, daß die Welt, so wie e» da» Chriftenthum lehre, ein von einem höheren Wesen geschaffenes, vollständig fertiges und nicht mehr entwickelungSfähige» Werk sei. Dieser Glaub« erhielt fich auch durch daS ganze Mittelalter hindurch, bis auf unsere Zeit, und erst Charles Darwin war ei, st ver durch seine Lehre von der Bewegung diese Annahme berichtigte und den Grund zu der heutigen Weltanschauung legte. Darwin lehrte, daß die Welt nicht erst einige Jahrtausend alt sei, sondern fich schon seit Millionen von Jahren stetig entwickelt habe. Daß diese Eniwickelung aber nicht von selbst komme, sondern Ursache und Wirkung habe, sei doch ganz erklärlich. An vielen interessanten Beispielen zeigte Redner, daß nicht» im Weltall geschaffen oder vernichtet werden kann, sondern daß Alle« durch die Entwickelung entstehe. Durch diese Lehre, so führte Redner weiter au», würden auch alle Lehren von der Verschiedenheit der Kraft und de» Stoffes al» veraltet hingestellt und klar und deutlich die Einheit derselben bewiesen. Zur Diskussion über diesen wirklich lehneichm und unterhallenden Vor- trag nahm zunächst Herr Gerisch sdaS Wort und wies nach, daß die moderne Weltanschauung im Gegen» satz zu der Lehre von der Erschaffung der Well da« Produkt der direkten Sinneswahrnehmung sei. Daß diese Lehre vor der Wissenschaft nicht bestehen kann, hindert allerdings ihre Lehrer, die Geistlichkeit, nicht, den Glauben an dieselbe erzwingen zu wollen, weil durch diesen Glauben die Macht der Kirche begründet ist. Im wetteren Verlauf der Ausführungen dieses Redners fand der überwachende Polizeibeamte Veran- laffung, die Versammlung wegen„Beschimpfung der Religion" aufzulösen. Durch diesen Schluß der Versammlung wurde der Vorstand verhindert, den Mttgliedem mitzutheilen, daß am Sonntag, den 11. d. SR., eine Herrenpartie stattfindet, da» Nähere wird durch Annonzen bekannnt gemacht. Brandenburg a. H. Am 6. Dezember 1885 machten einige bekannte«rbeiter eine Fußpartie nach dem dreiviertel Stunden von hier entfernten Neuendorf. Dies hatte fich herumgesprochen, so daß fich auf dem Wege dorthin noch viele Arbeiter anschloffen resp. nachkamen, biS schließlich ca. 150 Personen zusammen waren. Man unterhielt fich durch Spiele und dergleichen, wie man fich überhaupt an einem schönen Winter- tage im Freien unterhalten kann; dies wurde aber von gewissen Leuten für staatsgefährlich gehalten. Genug. eS wurde denun- zirt und standen deshalb als Angeklagte wegen Uebertretung der§§ 1 und 17 deS Vereins. Gesetzes vom 11. März 1850 1. Maurer Kluge, 2. Vergolder Ewald. 3. Ardeiter Beyer, 4. Thiele, 5. Fischer, 6. Bübr, 7. Eegeler, 8 Meier, 9. Handelsmann DommerSdorf, 10. Zimmermann Müller vor dem hiestaen Schöffengericht. Als Belastungszeugen fungirten: 1. Bauerngutsdefitzer Wesenber auS Neuendorf, 2. Polizeikom» missar Härder, 3. Polizei- Sergeant Maurer, 4. Maurer Seiler aus Brandenburg und 5. Maurer Klahn aus Neuendorf. Sämmtliche Zeugen konnten nichts weiter aussagen, als daß fie von weitem einen Haufen Menschen gesehen haben, welche zum Theil in der Forst hin und her liefen, theils auf einen Haufen zusammen standen. Nur der Zeuge Wesenberg will, nachdem er von Seiten deS Richters, Affeffo, Bötttcher, mehrmals gefragt wurde, ob er denn gar nicht» von dem. was gesprochen wurde, gehört habe, vernommen habe, daß beim Auseinandergehen gerufen fein soll: „Unser Reichstagsadgeordneter soll leben!" Trotz dieser recht zweifelhaften Aussage nahm der Gerichtshof als erwiesen an, daß die Theilnebmer an der Partie Sozialdemokraten waren, welche eine geheime Versammlung abgehalten haben, in welcher öffentliche Angelegenheiten berathen und erörtert wurden. Neun Angeklagte wurden dann auch verurtheilt, und zwar Ewald, von welchem angenommen wurde, daß er der Einberufer, Letter und Redner der Versammlung war, zu 50 SR.; Meier, weil er beweisen konnte, daß er überhaupt nicht dabei war, wurde freigesprochen; die übrigen Angellagten aber zu je 5 SR. ver- urtheill. Sämmtliche Vcmrlh eilte haben sofort Berufung an- gemeldet. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Drechsler und verw. Berufsgenoffen.(E. H. 48) Bezirk C. Am Sonntag, den 11. April, findet Vormittags 10'/, Uhr die vierteljährige Mitgliederversammlung in den Arminhallen, Kommandanten» straße 20, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Wahl eines Delegirten zur außer- ordentlichen Generalversammlung. 3. Verschiedenes. Mit» gliedSbuch legitimirt. Zahlreiche» Erscheinen ist dringend er- forderlich. Berein für volksverständliche Gesundheitspflege«nd Natnrheilkunde, Dorotheenftraße 57. Freitag, den 9. April, Abends 8'/, Uhr, Vortrag de» Herrn Canitz über die Nerven, ihre Erkrankung und naturgemäße Pflege. Gesangverein Eängerlnst, LandSbergerstr. 80, Sonnabend 9 Uhr. Gäste willkommen. Der Verein sämmtlicher Bernssklassen Berlin I, eingeschriebene Hilfskasse, hält Sonnabend, den 10. d. SR., AdendS 8 Uhr, Münzstraße 5 seine Versammlung ab. Neue Mitglieder werden in jeder Versammlung, sowie beim Kasstrer Schillina, Koppenstr. 48, aufgenommen. * Im Deutschen Privatbeamten-Verei«(Zweiaverein Berlin U) spricht heute Abend, 8V, Uhr, in der Schultheiß'schen Brauerei, Neue Jakodstr. 24, Herr Dr. jnr. Graudenz über „Schöpfung und Leben." Gäste haben Zutritt. * Allgemeine Kranken- und Eterbekasse der Metall» arbeite»(E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin in, Versammlung Sonntag, den 11. d. M-, Vormittag 10 Uhr, Manteuffelstr. 90. Berathung der Anträge zur Generalversammlung, eventuell Stichwahl der Delegirten zu derselben. * Verein sämmtlicher verufsklasse«, Berlin n. Sonnabend, den 10. d. Mit.. Admds 8'/, Uhr, im Restaurant LöSdow, Prinzenstr. 79, Versammlung. Aufnahme neuer Mitglieder, ebenso beim Kasstrer Schumacher, Mariannen- straße 8, H. in. Allgemeine Kranken« und Sterbekasse der Metall» arbeite». Der Rechnungsabschluß dieser Kasse weist folgende Z-ffern aut: Baarer Kassabestand Ende 1884: 51 119 M. 43Pf., Beiträge 656 509 M. 7 Pf., inSgesammt Einnahmen 745 842 M. 98 Pf. Diesen stehen 672 845 M. 3 Pf Ausgaben gegenüber. von den auf Kronkenunterstützung 629 680 SR. 29 Pf. und auf Sterbegelder 18075 SR. entfallen. Die Verwaltungskosten be- ziffern fich nur auf 3'/, pCt. der Gesammteinnahmm und charakterifirt fich hiermit die Verwaltung unbedingt al» eine billige. Die Gesammtmitgliederzahl beträgt 33 103. Ketzte Nachrichten. — Der Poriser Stadtrath lehnte, so berichtet die„Voss. Ztg.". mit großer Mehrheit einen Antrag Vellant's ab. drei Stadträthe zur moralischen Unterstützung der Bergleute nach D e c a z e v i l l e abzuordnen, nahm dagegen einen Antrag an, welcher den Decazevillern wiederholt das Mitgefühl des Pa- riser Stadtrath» ausdrückt. Im Faviesaale fand eine von 3000 Personen besuchte Entrüstungsversammlung statt, wo Rochefort erklärte, er sei unterm Kaiserreich wiederholt verhaf- tet, aber nie gefesselt worden, und die Decazeviller Vorgänge seien schändlicher als irgend etwas, waS die despotischen Re- gierungen jemals gewagt hätten. Nach vielen heftigen Reden wurde eine Tagesordnung angenommen, welche die Decaze- viller aufmuntert, auszuharren, bis man Leon Say, Freycinet und Lockroy ebenso behandeln könne, wo fie Roche und Duc- Quercy dehandelt hätten. Den letzten Depeschen zufolge, for- dem die in Decazeville anwesenden Deputirten die Grubenarbeiter auf, in ihrem Widerstände auszuharren sowie den Streik fortzusetzen, zugleich aber die R u h e n i ch t z u st ö r e n, um der Regierung nicht die erwünschte Gelegenheit zum Einschreiten deS Militär» zu geben. — Fürst Alexander meldet nach Tarmstadt: Er habe daS am 5. d. M. in Konstantinopel von sämmtlichen Mächten unter- zeichnete Dokument erhalten. Da fich dasselbe nicht alS türkrsch- Bulgarisches Abkommen, sondern als Machtspruch Europas bezeichne, so habe er beschloffen, dasselbe anzuerkennen unter Wahrung seiner Rechte in Bezug auf§ 1. — Aus Rom wird telegraphisch gemeldet, dem„Popolo Rom." zu Folge glaube man, daß daS Ministerium seine Eni- lassung einreichen werde. Tritt dieser Fall wirklich ein, so darf man auf eine Wiederholung des seit Iahten mehrfach Ge- schehenen gefaßt sein; Herr DcpretiS wird von Neuem mit der Kabinelsdilduna betraut werden, sein gegenwärtige» Kabinet etwas ummodeln und sodann mit der Auflösung der Kammer vorgehen, die bereits seit längerer Zeit ins Auge gefaßt worden ist und, wie wir erst gestern mttgetheilt haben, im letzten KabinetSrathe beschlossen sein soll. *** — Ei ist davon die Rede, daß die sür Sonnabend bevor- stehende Vertagung des Reichstags nicht durch Be- schluß desselben, sondem durch kaiserliche Verordnung erfolgen werde, so daß in dieser der Tag de» Wiederbeginnes der Ver« Handlungen destimmt werden würde. — Die konservative Fraktion deS Abgeordnetenhauses hat einen neuen agrarpolitischen Vorstoß unternommen; fie hat durch die Abgg. v. Minnigerode und Graf Kanitz folgende von der gesammten Fraktion unterstützte Interpellation ernge- bracht: Die Unterzeichneten erlauben fich an die königliche StaatSregierung die Anfrage zu richten» od die königliche StaatSregierung innerhalb des BundeSrathS wettere gesetzgeberische Maßregeln anzuregen beabfichtigt, welche darauf gerichtet find, dem bedrohlichen PreiSniedergange der landwirthschaftlichen Erzeugnisse zu begegnen und eine weitere Steuererleichterung der Kommunen und kommunalen Verbände herbeizuführen." — Dos„Tresd. Journal" hat fich mit seiner Sensations- Nachricht über den Crimmitschauer Brand blamirt! In einem Schreiben de» RatheS dieser Stadt an die Redak- tion heißt eS.„daß die über den Brand der Kugler'schen Fabrik angestellten strafrechtlichen Erörterungen bis jetzt keinen Anlaß zu der Annahme ergeben haben, daß der fragliche Brand mtt der Thätigkeit der sozialdemokratischen Partei in Verdin- dung stehe._ Kleine Mittheilnngen. Wien, 6. April.(Konfiszirte Plakate.) Heute Morgen wurden in mehreren Bezirken, namentlich in der L'opolvstavt, zahlreiche Plakate mit aufreizenden Gedichten affichirt gefunden und von den Polizeiorganen beseitigt. Die Plakate hatten die Größe eines halben Bogens, und der T-xt war auf devstlüen in großen lateinischen Buchstaben mit Hilfe ausgeschnittener Patronen aufgetragen worden. Man schließt daraus, daß die Agitatoren, von denen diese Plakate ausgingen, keine Druck» presse zu ihrer Verfügung haben. Bukarest, 4. April.(Entgleisung des BlitzzugeS.) Der fahrplanmäßig Morgens 4 Uhr von Verciorooa aus fällige Orient-Blitzmg ist heute erst um 11 Uhr Vormittags, also mit einer Verspalung von fieben Stunden, in Bukarest angelangt. Ursache dieser Verspätung ist, wie der„N. fr. Pr." geschrieben wird, eine unweit der letzten Station vor Slatina stattgehabte Entgleisung gewesen, durch welche die Lokomotive au« den Schienen geschleudert und umgestürzt worden war. Zum Glück wurde durch das von der Lokomotive gebildete Hinderniß der Zug sofort zum Stehen gebracht, so zwar, daß die Passagiere in den Personenwagen mtt dem bloßen Schrecken davonkamen. Doch hat leider bei diesem Eisenbahnunfalle ein Mann vom Fahrpersonal einen Fuß verloren. Ueber die Veranlassung dei Bahnunfalles gehm die Meldungen sehr auseinander- Während von der einen Seite behauptet wird, daß die Schienen an der Stelle, wo die Entgleisung erfolgte, von döswilliger Hand ausgehoben gewesen seien, wird von anderer Sette angenommen, daß die heutige Entgleisung einer bei Uederwachung des Bahnkörpers begangenen ÜnterlaffungSsünde zuzuschreiben sei. London» 6. April.(Schiffsunglück.) Der britische Post« dampfer„Aby'finia" ist dei Pinda Shoal, 50 Meilen nörvlick von Mozamdique, gescheitert. Alle Passagiere»"d Mann« schaften wurden gerettet. Die„Abysstvia", ein 1868 erbauter eiserner Echraubendampfer von 1126 Tons, gehört der British Jndia Eteam Navigatton Kompagny. Die märchenhaft klingende Thatsache, daß daS König« reich Sachsen im Winter über eine deutsche Meile weniger Eisenbahnschienen befitzt, als im Sommer, bewies Direktor Klauß in Dresden in einem Vortrage über die Ausdehnung der Körper durch die Wärme, welchen er kürzlich im Gewerbe« verein zu Dresden hielt. Eine Eisenbahnstahlschiene von 7'/, a Länge zieht fich bei 15 Grad Kälte um 8 nun zusammen; de Sachsen nun 7 438 000 rn Schienen-(nicht GleiS») Länge tP fitzt, so beträgt die Zusammenziehung überhaupt 7900 m. Kriefkasten der Redaktion. Ist unS nicht bekannt. Er« I. Schindler, 80 Adalbert O. Sch., Wollinerstr. 52 kundigen Sie fich bei Herrn straße 22, III. H. V., Müllerstr. Breslau wird im Reichstage durck die Abgeordneten Haser.clever und Kräcker vertreten. F. B. Pioniere, Jahrgang 1873 im Erei zierhauS d» 3. Garde Regiment» zu Fuß, Wrangelstr. 102—4, Dienstag, 13. April. Vormittag» 8 Uhr. A. 100. Sie können, da Ihr Schuldner fich nur z# ratenweisen Rückzahlung de» DarlehnS verpflichtet hat, nur vi« fälligen Raten einklagen. Wenn aber im Laufe des Prorisstk eine weitere Rate fällig ist. so können Sie den ursprüngliSe» Klageantrag entsprechend erweitern. H. E. 10 1 Beantragen Sie im Sühnetermin, Jhn� möglichst bald Ausfertigung der Verhandlung zu eriheile« 2. Diese Ausfertigung schicken Sie dann dem Magistrat untj Bezugnahme auf dessen an Sie gerichtete Verfügung und uiw Angade deS betreffenden Aktenzeichens. R. R. 1500. Die gedachte Abmachung würde rech«' giltig fein und auch vor Gericht zur Geltung gelangen- E. P. 1861. Wegen Ihrer Schulden können auch itt Ihnen gehörige Gegenstände gepfändet werden. Wenn dah Ihnen ein Verwandter Ihre Wohnung mit vollständigi Mobiliar ausstattet, ohne Ihnen aber die Gegenstände i schenken, so kann der betreffende Verwandte gegen je> Pfändung derselben interoenirm. Schließen Sie in Ztuflck gegemvart einen schriftlichen Vertrag ad, in welchem Ihr V» wandt« Ihnen die— einzeln aufzuführenden— Sachen unentgeltlichen Gebrauche überläßt, fich aber sein Eigenihl» ausdrücklich vorbehält. Wenn Erc Geld übrig haben, könnck Sie diesen Verttag auch vor dem Notar abschließen; nöthig" das ab« keineswegs. Erbschaftssache. Wenn Sie gleich nach Ihrer Pf heirathung hin Ihren Wohnfitz hatten, so beerben Sie JPJ verstorbene Frau nur zur Hälfte, die andere Hälfte bekomm� deren Verwandte. Die Art der Auseinandersetzung ist st? verwickelt und läßt fich mit kurzen Motten nicht erklären. DJ die Sparkasse auf Ihren Antrag, Ihnen den Sparkaffenbetr» Ihrer Frau hnautgegeben, nicht eingehen wird und darf, v# den Sie nach Obigem wohl begreifen. G. B., Adalbertstratze. Für die Gemeindekrankenkaß� beginnt die Bildung eines Reservefonds erst dann, wenn Ue% schüffe vorhanden find. Dagegen müssen die OctSkrankenka� von ihrem Bestehen an so lange den zehnten Theil der Kaor beitrage zum Reservefonds geben, bis dieser die Höhe der du� schnittlichen JahresauSgabe erreicht. Vergolder J._Da der Möbelfuhrherr am 1. April wie« versprochen, Morgens um 9'/, Uhr, erst Nachmittags 5 Uhr den Möbelwagen geschickt hat, Sie ab« inzwischen� 4 Uhr einen anderen Wagen bestellt haben, kann der erst? nichts von Ihnen verlangen und Sie können ihn auf Hera'" zahlung der angezahlten 6 M. verklagen. ,» K. W. Sil. Wenn d« neue T«min vor dem AM ericht in Ihr« Gegenwart verkündet ist, so erhallen Z eine Vorladung mehr und müssen fich, da Ihnen der Terw» entfallen ist, auf der GerichtSschreid«ei deS detreffenden AM gerichts erkundigen. Sie können auch unter Angabe jetzigen Wohnung schriftlich den Antrag stellen, Ihnen schrift des letzten Terminsprotokollet zu ettheilen und lön" daraus den Zettpuntt des neuen Termins«sehen..u A. 100. 1. Wenden Sie ssch an das hiefige AmlsgtMj Abtheilung für VormundschaftSsachen. 2. Da Ihre Frau(st,> Ihren Willen weggegangen ist, brauchen Sie ihr keinen UM halt zu gewähren; Ihr Kind müssen Sie aber natürlich nähren. F. I. 52. Da Sie al» Schlafbursche mtt Ihrem A icmaAt Kaken, bai Kleber von RKneit(nrnnhl am 1 s ausgemacht haben, daß Jed« von Ihnen sowohl am am 15. jeden Monat» mit 14tägiger Frist kündigen kann- Sie in Folge der am 1. d. M. erfolgten Kündigung nur ü Zahlung deS SchlafgeldeS biS zum 15. d. M. verpsi� Ueber jene Verabredung können Sie dem Witth den E>?,!p schieben. Daß Sie die Kündigung nicht Ihrem WirlH« dein, da dies« den ganzen Tag außer dem Hause ist, Ä Frau gegenüber ausgesprochen haben, schadet nichts. der Witth am 15. Sie nicht ziehen läßt und Ihre behält, so können Sie den halbmonatlichen Bttrag deS geideS hinterlegen und den Erlaß einer einstweiligen � Sachen Ihnen herauSges fügung w«den beantragen, daß die G. Hallesches Ufer 27. DaS ist gesetzlich verboten- ««amwottticher Stevaltfca*,«»»»tzsw i» mm*,»nick und Vertag von«« Batzlsg i»«ttiut aW„-vertsstraß» J.