1 Nr. 8a. Sonntag, den 11. April 1886$ m. Jahrg. crlintrDollistilnll Lrgan für die Intercffen der Ardeiler. 4 ei" Der Gladstiilr'sche Umschlllz. Wir habe» nie zu den Verehrer» des lieberale« eng« lischen Staatsmannes gehört, der jetzt an der Spitze der britischen Regierung steht; abgesehen von seinen Manchester« lichea Anschauungen waren es schon seine Muckereien, die auf uns abstoßend wirken mußten. Seine Sozialpolitik in Bezug auf die arbeitenden Klassen konnte uns au» dem ein« fachen Grunde nicht anziehen, weil Herr Gladstone keine sozialpolitischen Ideen hat, welche sich auf die von der Arbeiter« welt ditkutirte« gesellschaftlichen Probleme beziehe«. Aber Ems müssen diesem Staatsmann auch feine Feinde lassen: am Abend seines Lebens und am Ende einer langen poli« tischen Laufbahn zeigt er eine» Muth und eine Ent- schlossenheit, wie sie von den neueren englischen Staats« männern keiner aufweise» kann. Wir meinen sein Verhal- te« in der irischen Frage. Gladstone ist offenbar zu der Erkenntniß gekomme», daß die irische Frage ein Pfahl im Fleische des britische» StaatSkörperS ist, der eine tödtliche Krankheit in diesem StaatSköiper hervorrufe» kann, wenn nicht kräftige Heil« mittel angewendet werde». Und so schlägt er denn vor, «achzugeben und die Hauptforderung der Zrländer als be- rechtigt anzuerkennen. Er will der grüne» Insel eine eigene, selb st ständige parlamentarische und legislative Vertretung gewähren. Das ist viel gewagt in diesem England, dessen Aristo« kratie und Bourgeoisie sich seit so langer Zeit in den Ge« danke» hineingelebt habe«, daS «iß Irlands zu England fei ein unveränderliche« und müsse es auch bleiben i» alle Zukunft. Dies Vorurtheil ist in der englische» Geschichte durch Jahrhunderte immer gleich geblieben. Liberale und konservative Regierunge» thaten gegenüber Irland genau dasselbe und da» weiland republi- kanssche Regiment CromwellS desgleiche»; sie betrachtete» Irland als eine Kriegsbeute, mit der sie nach Beliebe» um« zuipringe« sich erlaubten. Die wiederholten Befreiung»« versuche der Zrländer, die alle mißlangen, dienten immer nur dazu, das Kriegsrecht von Neuem über die unglückliche Insel zu verhängen, die einmal da» Unglück hatte, sich i» der unmittelbaren Nachbarschaft England» zu befinden. De« irische« Grundbesitzer» wurde einfach ihr Eigenthum ge- «ommen und an englische LordS verschenkt; Tausend« von Ire« müssen heute als Pächter oder Tagelöhner ein elende» Dasei» führen, auf demselben Grund und Boden, der ihren Ahnen gehört hat. I» London aber sitzen die LordS, welche die Grundrente au» de» ihnen geschenkten Ländereie« ziehen, und freue« sich, daß e» heute noch hochweffe Nationalökonome giebt, die Jeuiileton. Der Trödler. Roma» vo» A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) „Hat der Wilhelm mewer Tochter'»«» Antrag gemacht? Hat sie ih» angenommen?" „Rein, noch nicht.— Sie al» Vater aber »Na, wir wollen sie fragen!" Justus öffnete, sehr vo« seiner vorherigen Bewegung abweichend, die Hinterthür. „Mathilde! Mutter! kommt doch einmal'rein!" Beide erschienen und waren nicht wenig über den Besuch erstaunt. Mathilde» schoß da» Blut i« die Wange». „Pinkert» kommen zu un» auf die Freie, der Wilhelm möchte Dich«ämlich zur Frau, Mathilde 1" „Er liebt Sie, Herzthildche«, nur wagt er sich'» nicht zu sage»! Sie sollen'« auch recht gut bei un» haben, meine Tochter! Na, wa« meinen Sie?"— „Herr Pinkert, ich bedank' mich recht schön für die �hfe, aber ich kann Ihre» Sohn nicht nehmen. Sie find %!"**»* Vater immer sonst Feind gewesen, und ich kann nicht dafür, aber als Kinder habe» wir un« schon nie letden können. Ich kann nicht. Werd' auch wohl nie Herrathen!« „Ach, Mamsell Mathilde!" rief Wilhelm, und die Thränen rollten ihm herab „Heh, nicht wahr? Aber de» Edmund hätte die Jungfer gern gemocht?!" grinste der Alte. .Hinau», Halunke 1" schrie Justus und ergriff eine alte Gardinenstange.„Ehe mein Kind Seinen Sohn heirathet, «eber soll sie gar nicht Heirathen! Schimpf wagt Er mir »och zu biete»? I Daß Ihr Schufte seid, weiß ich! Habt'S an wir bewiesen. Macht, daß Ihr hinauSzeht, oder ich v.r- «eß mrch. der Gott I" „Schlagt doch! Ich habe Zeugen!" schrie der Alte und nß hastig die Thür auf. Haarklei««achweisen, daß genaugenommen eine Grundrente gar nicht existirt. Da» irische Volk kam unter dem englischen Terroris- muS ins äußerste Elend und Hunderttausende verließe« die Heimath, um sich anderwärts niederzulassen. Aber die auf Unabhängkeit gerichteten Bestrebungen konnte« nicht unter« drückt werden; sie traten in dieser oder jener Form immer wieder zu Tage. Herr Gladstone mag eingesehen aben, daß diese Bestrebungen, die auf einem guten 'echt beruhe», nicht mehr zu besettige» sind,«ach- dem alle Gewaltmittel erschöpft sind. Darum tritt er mit dem Vorschlage auf, Irland ei» eigene» Parlament zu ge- gewähre», das über die innere« Angelegenheiten de» Lande» berathen und beschließen soll. Die Form de» Vorschlages entspricht freilich dem Glad« stone'schen Wesen, jener Abneigung der herrschende« Klassen vor dem allgemeinen Wahlrecht. Darum solle» die Ab« geordneten de» neuen irischen Parlament« in Klassen einge« theilt werden und über da» Wahlsystem äußert sich Herr Gladstone vorsichtiger Weise noch nicht. Aber im Ganzen ist doch der Gladstone'sche Vor» schlag dasselbe, wa» eist das Ziel der stürmischen und auf« regende» Repeal-Agitation des Ire« O' C o n« e l war, jene» ManeS mit der gewaltigen Beredsamkeit, die daS britische Reich erschütterte. Welch eine Erregung mag unter de» Anhängern de» Althergebrachten sein, da sie den lei« tenden Staatsmann die Bahnen O' Coanels beschreite» sehen I E« war so schön, von brttischer Freiheit zu rede», von de» Rechten de» Staatsbürger» und vo» dem groß« müthigen englische» Löwe», während man Irland unter« drückte und aussog, wie e» die Römer in ihren schlimmste» Zette» mit de« eroberten Provinzen machte». Ob Gladstone mit seinem Vorschlag durchdringe» wird? Einstweile» wendet sich die ganze englische Presse mit Aus- schluß seine« eigenen Organ» gegen ihn, und e« scheint, al» ob er alle» auf eine Karte gesetzt habe und mit seinem Vorschlag stehe» oder falle» wolle. Man muß sich darauf gefaßt mache», daß sich die herrschenden Klasse» England« i« B!zug auf die irische Frage jeder bessere» Einsicht verschließe». Jedenfalls stehen in England interessante Dinge bevor u«d«a« kann gespannt sei», wie sich die irische Frage nun cstaltet, ob Irland selbfiständiger wird, oder ob auch Glad« one vo» dem Schlund dieser Frage verschlunge» wird. Uolitische Ueberstcht. Kirchenpolitik. Die„Äteujjlg." schreibt: ....„Wie neuerdtn wir au» sicherer Quelle erfahren, hat die" Kurie. sich dereit erklärt, die Anzeigepflicht ohne Rückhalt jetzt zu de» „Um Gottes willen, Justu» I" rief Christine und faßte ihre» Man». „I», alle Welt soll'S wisse«, daß st« der Edmund sitze» ließ! Ihr sollt an de« Rothkopf denke«!"— E» wäre, außer tobendem Geschrei, vielleicht«och zu dem Aerasten gekommen, hätte der stupide, über sein U»« glück erschrockene Wilhelm nicht noch so viel Kraft besessen, de« Vater«ach der Thür zu schieben und, ih« fest unter den Arm nehmend, de» Rückzug anzutrete», während Mathilde und Christine alle Hände voll zu thun hatte», de» Trödler zu beruhige«. Dazu trug aber wesentlich da« Erscheinen einiger Käufer bei, welche Justu» beftiedige« mußte, und während Mathilde sich zurückzog, um ihrer Scham wie ihrem Kummer über diesen neuen uuangehme« Fall nachzuhängen, fand der Vater Zeit, seine Ruhe wieder zu gewinnen. Al» der Lade»«un leer geworden, sprach sich Schätzlein mit de» Seinen über die Angelegenheit näher au». Zum Glück waren die Pinkert» in der Nachbarschaft nicht sonderlich beliebt, aber e« war auch zu gewiß, daß der alte, gemeine Haß de» Posamentiers vo» Neuem autbrechen würde, nachdem er sich fett geraumer Zeit in die Hoffnung gelullt hatte, Wilhelm kö»»e die begüterte Trödlerstochter heimführen. Daß der Alte nun nicht» sparen«erde, de« Ruf MathildenS zu untergrabe«, war Grund genug zur Bekümmerniß für die Betheiligten. Während sie»och da- rüberlsprache«, erschie» Oswald, der Lakai Henning»'. „Die Frau Baronin läßt sage«: Herr Echätzlei» solle sogleich zu ihr kommen I" „Was läßt sie sage«? Wer läßt'was sage«? Sag' Er der guten Dame, wenn sie was will, hat sie sehr schön zu bitte», ob e« mir gefällig ist, zu komme», und zu frage«, wann mir'» gefällig ist. Verstanden?" Der Bediente stutzte. Dann zuckte er mitleidig die Achseln und ging höchst selbstbewußt hinau«. „Sie hat gewiß de« Lärm gehört, Justus. Da» giebt wieder neue» Aerger."— „Ach, ich soll wohl auf alle» Viere« gleich hinauf- kriechen? Nicht» da! Hab' mir bald gedacht, ich würde mit dem aufgeblasenen Pack da oben zusammenreiten. Pah, je eher, desto besser. Wenigsten« wissen wir da»», woran wir sind." willigen, nachdem der Fürst Bismarck die Erklärung abgegeben habe, daß ohne eine solche Konzesston die kirchenpolitische Vor» tage von beiden Häusern des Landtages abgelehnt werden würde. Die Kurie setzt dabei voraus, daß die Staatsregierung die Erklärung abgeben werde, daß sie demnächst eine Revision .___________________ kirchenpolitischen Vorlage und damit die Herstellung de» Friedens ge» sichert. Da» Lied vom Staatsstreich wird jetzt überall in der osfiziösen Press« mit wachsender Dreistigkeit gepsiffen, und zwar nicht etwa nur in Preußen- auch in den Kleinstaaten machen die offiziösen Blätter und Blättchm die neue Mode mit. AuS dem Ovenwalde schreibt man dem„Neuen Hess. Volksblatt": Der in Groß Umstadt erscheinende„Odenwälver Bote", da» „amtliche KceiSdlatt für den Kreis Dieburg", ergeht sich an» läßlich einer Besprechung des 71. Gebunstages deS Fürsten Bismarck in heftigen Ausfällen gegen die extremen Patteten, alS welche„ZenuumSpartei, Deutschfreistnniae, Sozialdemo- krattn, Elsäffer, Dänen und Polen" ohne Weiteres in einen Topf geworfen»erden. Schließlich versteigt sich das ge- nannte lreiiamtliche Organ wörtlich zu folgender Leistung: „Mögen«S fich vre oppofitionSwüthigen Herren im Reichstag wohl überlegen, wenn sie die Verantwortung auf sich nehmen sollen, daß der Reichstag eine» schönen Tage», ähnlich wie der selige Bundestag, kalstrt wird und die einzelnen LandeSregie- rungen und LandeSoertretungen an seine Stelle treten." ES ist w der That weit gekommen, daß die Regierungspreffe in solcher Weise über die höchste Vertretung der deutschen Nation zu schreiben fich unterstehen darf, für den gegenwärtig wehen- den Wind erscheint e« aber ungemein charakteristisch und mahnt da» Volk, auf setner Hut zu sein! Zweierlei Maß. DaS„Berl. Tagebl." schreibt in großer Seelenruhe:„ES wäre gar nicht zu verwundern, wenn etneS Tage» die Decazeoiller Arbeiter genug von den Agitatoren hänen. und, müde de» Zuwarten», namentlich wenn, was über kurz oder lang unausbleiblich est, die Streikfonds nicht mehr so reichlich fließen, den Hetzern da« Schicksal eine» Watrin bereiteten."— Wenn wir nun jemals schrieben: e» würde uns gar nicht verwundern, wenn man diesen oder jenen Fabrikanten eineS Tages da« Lebenslicht ausbliese— welches Wuthgeheul würde die gesammte gefin- «ungStüchtige Presse anstimmen! {�„««1* fni�,?tnb.e Bemerkungen. DaS Bürgelthum hat det, und nur jetzt, wo die Massen des Volkes bereUS gegen die bürgerlichen Interessen handeln, da ist ihm die Ruhe— und wenn«S die Ruhe de» Kirchhofes wäre— die erste Bür- gerpfltcht. Dagegen schreibt das ultramontane Aachener„Echo" sehr richtig:„Fa, hätte der Pöbel nur Klöster verbrannt. Nach einer Weile erschien Oswald wieder und sagte spöttisch:„Die Gnädige läßt Herrn Schätzlein zu sich bitten, sie hat mit ihm im Aufttage ihres Schwiegersohnes zu sprechen." „Wen»'« eilig ist, werd' ich jetzt komme«.— Seht Ihr, die Frau wird artiger. Ich will doch sehen, wa« sie hat, und verlaßt Euch drauf, sie soll nicht noch einmal Appettt kriege», u«S wie ihr Bedienteupack zu be- handeln."— Damit zog et de« HauSrock aus, fuhr i» ei» besseres Kleidungsstück und trat feinen Weg an. Die Baronin nebst Tochter hatten schon nach der Vir» lobung, al» sie da» Hau« besichtigten, die Trödlerei höchst mißfällig bemerkt, doch schien Edmund die betreffende Er« wähnung nicht weiter zu beachte». Die vornehmen Dame» hatte» daher beschlossen,«ach der Hochzett bei passender Gelegenheit diese Unzierde de« Hauses auszumerzen. Jetzt glaubte die alte Baronin einen geeigneten Zeitpunkt hierzu gefunden zu habe«. Der Trödler erschien vor ihr mit einer kurzen Ver- beugung. Die alte Baronin, im Fauteuil am Fenster ruhend, nickte ttocke». „Sie wolle» mich sprechen, Frau Baronin?" „Ja, mein Lieber. Während der Abweseuheit meine» Schwiegersohnes bin ich vo» ihm für alle Dispositionen, welche»öthig werde«, bevollmächtigt. Ich habe soeben hier am Fenster de» pöbelhaften Exzeß anhöre« müssen, de« Sie veranlaßt haben l Ferner, mein Guter, benützea Sie nicht blo« die Ihnen angewiesene» MiethSräume, sondern auch eine» Theil de» TrottoirS, um Ihre Lappalien aus- zustelle«. Da« unterbleibt fortan, sonst werden Sie sich «ach anderen Lokalitäten umsehe» müssen." „Hm!— Sie spaßen doch wohl blo»? Was?— Oder sollte» Sie zu vornehm sei», zu wisse«, daß jeder Kaufmann seine Waare ausstrlle» muß, will er sie lo» werden? Ich wohne schon an die achwndzwanzig Jahre im Hause, da werd' ich wohl nicht heute erst anzavge», fein zu werden. Haben Sie sonst nicht» Nöthigere», so kann ich wohl abkommen." „Unverschämter!— In welcher Manier erlaube« Sie TotteSHZuser geschändet und verwüstet,„Pfaffen" zu Tode«. beut, dann wären daS ja in den Augen der„llberalen" Herren„begreifliche" oder„legitime" Auibrüche der„noblen VoltSseele" gewesen! Dann hatten die, die jetzt so sehr nach Militär schreien und auf die Regierung schimpfen, weil fie nicht energisch genug eingeschritten sei, ebenso sehr dagegen deklamirt, daß man Miliiär heranziehe, und fie hatten dann L-sstgt-it und Untbätigkeit der Regierung„ganz in der Ort». nung" gefunden. Aber da ei nun auch den„Liberalen an Leib uns Eigcnthum ging, so war ei gleich„etwaS Anderei! ... Der 7 September 1384 hat für immer und in unauS. löschlichen Zügen den Charakter unsere»„Liberaliimut" ent- hüllt: damals war der von Logenleuten geleitete, bewaffnete und h-zahlte Pöbel, ein„edler" und.cheldenmüthiaer!" DaS war ein Jubeltag für die„l-berale" Preffe,- und fie sucht« ihre blinden oder fanatifirten Werkzeuge noch zu neuen„Thaten" dieser Art nach jenem 7. September aufzustacheln. Die Miß« handelten, die Verwundeten, ja sogar diejTodten verlachte und verleumdete fie; es waren ja nur Katholiken, also in ihren Augen„keine Menschen". So groß ist der Haß dieser Leute gegen die Religio«, daß fie einen Uedelthater einem Katholiken vorziehen. Und wai machten fie damals für einen Lärm, als es hieß, daS Militär würde requirirt, um die Ordnung wieder herzustellen?! Nein, da» durfte man nicht geschehen laffen, e» wäre, hieß es,„ein V-rbrechen gegen da» Volk", daS„gegen dle klerikale Herrschaft eine so spontane, so freiwillige Kund- gebung" veranstaltet habe!" Freiherr v. Zedlitz-Neukirch, deffen Benehmen bei der Polcndedalte so allgemein auffiel, wird in der„Kölnischen Volks- Ztg." wie folgt geschlldert:„Dieser fteironservative Ge« heimrath ist ein Gemisch von Junkerthum und BureaukratiS- mul; wenn er, das Morokle in» Auge gekniffen, mit seiner schnarrerden Stimme fich schließlich überschreit, stellt er„voll und ganz" einen Typus dar, wie er in solcher Ausbildung doch auch im preußischen Abgeordnetenhause glücklicherweise nur selten ist. Im Allgemeinen erinnert daS HauS in seiner jetzigen Zusammensetzung oft lebhaft an die Landrathskammer der fünfziger Fahre; von alten Parlamentariern kann man häufig die Bemerkung hören:„genau wie damals!" Ein scharfe» Urthetl über die antipolnische Politik der Regierung fällt die„Germania". Da» ultramontane Blatt schreibt:„Ei wird von der unabhängigen Preffe dafür gesorgt, daß vor Allem die Vorgeschichte dieses lOO-Millionenfond» nicht aus dem Gedächrnisse verschwinde. Zuerst wurden 30- 40 000 russischer und österreichischer Polen, nach ihrer großen Mehrzahl Katholiken, ausgewiesen, ohne Rückstcht auf Alter und Geschlecht, ohne Rückficht auf Handel und Wandel. Man hat dies« Mafftnauswrisungen entgegen dem Völkerrecht und den geringsten Anforderungen der Humanität virgenommen und fie dem österreichischen Kabtnet gegenüber ausdrücklich mit Gründen konfessioneller und sprachlicher Verschiebung motivirt. Nichts halfen die Proteste der öffentlichen Meinung, nichts die Schilderung von mit großer Härte ausgeführten Ausweisungen. Die Maßregeln«u» den durchgeführt, eS wurden polnische Ein- wand-rer, die seit Dezennim unter Duldung der preußischen Regierung sich in unseren Ostprovinzen niedergelaffen, in Mafien ausgewiesen. Und als der Reichitag, dem die Fremdenpolizei unterliegt und zu deffen Kompetenz die au»wärtigen veziehun« gen gehören, diese Ausweisungen seiner Kritik unterzog, da erschien als Kontrekoup im preußischen Abgeordnetenhause jener famose Antrag Achenbach, der fich als ein Antrag Miquel- Bennigsen entpuppte. Der Antrag sprach die Bereitwilligkeit zur unbeschränkten Bewilligung von StaatSgeldern für Maß- regeln gegen die Polen au» und hatte, bevor er den arglosen Deutschkonservattvcn in die Hände gespielt wurde, zuvor die Billigung de» Reich»kanzlerS gefunden. Man hatte fich in den Antrag so sehr verbiffen, daß man selbst die Geschäfts« ordnung durchbrach und dm Antrag im Plenum erledigte, ob« wohl§ 27 eine Vorprüfung de» Antrages in der Budgetkom« Mission vorschrieb. Die Gouvernementalm überreichten diesen Blankowechsel der Regierung und diese präsentirte ihn mit den eingezeichneten 100 Millionen. Die 100 Millionen Vorlage wurde al» eine „nationale That" gepriesen, wa» brauchten sich da unsere Herren Nationalen um die Verstöße gegm Artikel 4 der preu« ßischen Verfaffung zu lümmem, welcher vorschreibt, daß alle Preußen vor dem Gesetz gleich find, die Polen wie die Dmt- schen? Und die entgegmstehende Reichsgesetzgebung(Frei- zügigkeitigesetz) war eben so wenig für unsere„nationalen" Herren vorhanden wie die VerfaffungSbedmken. Statistisches Material beizubringen hat man ausdrücklich abgelehnt und waS an solchem der LandwirthschastSmiuister vorbrachte, bewie» direkt das Gegentheil. ES wurde von Herrn LuciuS nachge« wiesen, daß im Osten der deutsche Großgrundbesitz denpolnischm bei weitem überflügelt habe, wozu also noch 100 Millionen? Man kümmerte fich auch nicht um die praktischen Schwierig« leiten, um den Zwiespalt, der zwischen Deutschm und Polen aufgeriffen wird, um die Herbeischaffung von Kolonisten, um eine relativ sachgemäße Verwaltung und«nwmdung der Fond». Und was da» Schönste ist. man erklärte, die Finanzlage sei so vortrefflich, daß man die neue Last gerne zu anderen Lasten sich zu sprechen! Ich sage Ihnen hiermit, daß Sie da» nächste Vierteljahr ziehm werden I Gehen Siek" „Sie— sagm«ir?— Sie habe« ja gar nichts zu sagen, Gnädige! Haben Sie den« notarielle Vollmacht von Ihrem Schwiegersohn?" „Nicht Übel, wahrhaftig!" und zornig stand die Dame auf.„Da« muß ich mir von einem armselige« Trödler bieten laffen? O recht, mein Bester! Da Sie mich nicht für voll ansehe», die Rechte meine» Sohnes in Anspruch zu nehmen, wird Ihne« derselbe, wen« er zurückkommt, die Sache auf eine Weise deutlich mache», daß Sie zufrieden sein sollen. Inzwischen werde ich die Polizei beauftrage», daß sie Ihne« sagt, wie Sie Ihre feinen Waare« unterzu- bringen und Skandal zu vermeide« haben!" „Seh'n Sie'mal an, was Sie nicht Alles werde«! — Na na I!— Wiffen Sie— Sie werden ganj still sei«! Und der junge Mann, Ihr guter Herr Schwreger« soh«, wird auch ganz still sein, sonst kündige ich Ihnen de» Kram und laffe— Sie einmal— andere Lokalitäten be« ziehen! Sie wisse» wohl noch gar nicht, daß im Testament des seligen Hennings steht, daß ich zeitlebens im Hause bleiben soll? Sie wissen auch wohl«och nicht, daß ich zwan« zigtausenv Thaler zur ersten Hypothek auf diesem Hause stehe« habe, trotz meiner feinen Waare auf der Straße, ttotzdem ich nur ei» unverschämter Trödler bin? Auch wissen Sie wohl gar nicht, daß ich mir gerade dann de« Spaß machen werde, Ihnen da» Kapital zu kündige«, wenn'S dünn in Ihrem Beutel aussehen wird? DaS wisse« Sie freilich— Alles nicht! Deswegen bab' ich'« Ihne« eben gesagt! Leben Sie mir hübsch gesund und ärger« Sie fich nicht übe, mich! Ich bin nun'mal'« ordinärer Kerl, ich bin eben nicht adlig!!"— Er nickte und verließ den parfümirte« Salon.— Die Baronin stand stumm wi, eine Bildsäule und blickte ihm nach, al» träume sie, al« wäre e« ihr unmöglich, sich in die Wirklichkeit zurückzufinden. Und dennoch mußte sie erwache«, ach, that e» mit all' dem Entsetze», der Erbitte« rung, welche nach einer so gröblichen Täuschung ihrer Hoffnungen von Reichthum und Unabhängigkeit wohl natürlich erschien.— Daß Schätzlei« wahr geredet hatte, tragen wolle. Aber schon al» die Kanalvorlage eingebracht wurde, da ächzte und stöhnte man, die Finanzlage sei schlecht. Fn der That, da» ist sie, warum aber wurden trotzdem die 100 Millionen bewilligt ohne Rücksicht auf die anderen Be« dürfniffe dei Staates? Der Landtag wird dem Volke eine schöne Rechnung präsentiren. ES werden darin folgende Wta' M°w.» „AnstedelungSgesetz"... 100 Andere Antlpolenmaßregeln 15 Neue Lahnbauten... 52 Nordostseekanal.... 50 Kanalvorlage.•... 71 Summa 233 Für die so nothwendige Weichselreguliruna wird auch etwaS geschehen müssen und dann find die 300 Millionen voll, eine Summe, die durch Anleihen zu decken sein wird. Und da» alle» bei der enormen Roth der Landwirthschaft, Industrie, de« Handwerker- und Arbeiterstandei! In demselben Momente, wo man den Steuerzahlern so enorme außerordentliche Lasten zu denen in dem ordentlichen laufenden Etat auspackt, da jammern die Gouvernementalm nach einer weiteren Steuer- erleichterung der Kommunen und kommunalen Verbände." Die bekannte« Aeusierunge« de» ReichttagSabge« ordnete« v. Echalfcha haben zur Folge gehabt, daß auf Ver- anlassung de» schweizerischen Justiz, und Polizeidepartementi seitens der Behörden de« KantonS Genf die eingehendsten Er« Mittelungen bezüglich der angeblich dort stattfindenden Nach- Prägungen preußischerThaler veranstaltet worden ffnd. Diese Nachforschungen haben ergeben, daß die betreffen- den Gerüchte völlig au» der Luft gegriffen find.(Vergl. auch den beutigen ReichstagSbericht.) I« der bayerische« Abgeordnetenkammer wurde der Antrag auf Uedernahme der Mobiliar- Versicherung durch den Staat mit 83 gegen 69 Stimmen angenommen. Z« der Frage der Oeffentlichkeit de» Gericht»ver- fahren» bemerkte schon beinahe vor einem Jahrhundert der gewiß nicht im Rufe eines übertriebenen Liberalismus stehende Philosoph Hegel sehr treffend:„Die Oeffentlichkeit der Rechtspflege nimmt der gerade Menschmfinn für da» Rechte und Richtige. Ein großer Grund dagegen war ewig die Vor- nehmheit der GerichtSherrm, die fich nicht jedem zeigen wollen, und sich als Horte deS Recht» ansehen, in daS die Laien nicht eindringen sollen. ES gehört zum Rechte aber nammtlich daS Zutrauen, das die Bürger zu demselben haben, und diese Seite ist e», welche die Oeffentlichkeit deS Rechtsprechen» fordert. DaS Recht der Oeffentlichkeit deruht darauf, daß der Zweck deS Gerichts daS Recht ist, welches als eine Allgemeinheit auch vor die Allgemeinheit gehört; dann aber auch darauf, daß die Bürger die Ueberzeugung gewinnen, daß wirklich Recht ge- sprochen wird." Bekanntlich hat eine Aenßernng Treitschke'» über die Lehrer unter den letzteren eine große Erregung hervor- gerusm. Die„Neue Bad. Schul-Ztg." frischt auS diesem Anlaß ein Wort dcffelben Herrn auf. Nach dem genannten Blatte besuchten während der akademischen Wirksamkeit Treitschke's in Heidelberg auch Lehrer deffen„begeisternde Vorlesungen". Eine» Tage» aber mußten dieselben auch eine„herbe Pille" verschlucken, denn der Herr Professor äußerte:„Zu den Halb- gebildeten rechne ich die Apotheker, Förster und VolkSschullehrer, und eben diese Halbwtss« find schon manchmal Ursachen von Revolutionen geworden." Belgien« Au» Belgien find keine weiteren Ruhestörungen gemeldet. Die belgische Regierung unterläßt nicht, allerlei„VorstchtS- maßregeln" zu treffen. So wird der„Kölnischen Ztg" ge- meldet, daß am 7. April in HerdeSthal 42 Personen anlangten, welche von der belgischen Behörde ausgewiesen waren. Die Ausgewiesenen wurden von der preußischen Polizei in Empfang genommen. Einem Berichte de» Aachener„Echo" entnehmen wir fol« Sende die sozialen Zustände Belgien» beleuchtende Stellen:„Der belgische Arbeiter, auch der wallonische, ist von Natur gutmüthig, leicht zufrieden, heiter gestimmt und fleißig. Aber durch allzu frühe» Arbeiten ist sein Urtheil vielfach ab- gestumpft worden. Von einer sozialen oder Arbeitergesetz- Sebuna kennt man ja hier zu Lande nichts, hier herrscht der hrankenloseste Individualismus: mit dem Köder,„dem Ar- better die freie Arbeit», und Verdienstgelegenheit" zu erhalten. werden hier Knaben und Mädchen, ta Kinder von sieben Jahren, in die Gruden gelockt und gegen billigste Lohnzahlung auiaebeutet I Entsetzliche, haarsträubende Zustände herrschen in vielen unserer Gruben, da» Geschlecht, das da einfährt, muß immer mehr entnervt und geistig zerrüttet werden. Wie viel Prozent der jugendlichen Ardeiter schon verfallen dem frühzeili- gen Siechthum, weil fie die harte Arbeit und die abscheuliche Luft in den Bergwerken nicht vertragen können! Dabei können sie fich nur eine kärgliche und unzureichende Nahrung ver- schaffen, weil die Kinder 60 Centimes bis 1 Franken, die Ererkannte fie an der ironische» Ruhe de« Manne», und da» Bewußtsem, ihr Schwiegersohn, sie selbst mit ihrem Kinde seien unfrei in ihrem Befitzthum, seien in den Hände« eines so ordinäre« Mannes, den man nie lo» werden könne, erfüllte sie mit Zorn gegen Edmund, und sie bereute bitter, nicht Gilder« vorgezogen zu haben, Gilder», für welche» ihre Tockter wärmer empfunden al» für Edmuvd, an de» sie nur da» Geld und der Enthusiasmus, mit welchem er rhr ergebe» war, fesselte. Dieser Enthusiasmus der seurigste« Liebe erhielt aber in der Meinung der Baronin bald nach diesem Konflikt mit Schätzlei« einen ungeheuren Stoß.— Pinkert hatte sich nämlich eme eigene Art der Rache an Justus und seiner Familie ausgedacht, welcher man eine artige Quantttät Bosheit und Niederträchtigkeit nicht absprechen konnte, die aber nur zu ungeschickt autfiel und daher ganz andere Wirkungen hatte, als ihr Schöpfer beabsichtigte. Der Posamentier, welcher fühlte, daß die Abweisung seine» Sohnei durch Mathilde nur desto offenbarer werde, je mehr Skandal er über Zustu» mache, schwieg nämlich einstweilen still, aber lauerte, bis einer der Dienstboten der Baronin oder Hennings' bei ihm einkaufen würde, um seine Geschi�tche» anzubringen. So ereignete fich'S denn, daß Nina, da» Kammermädchen, die verstohlene Mittheilung Pinkert'« der Gnädige« hinter- bringe« konnte: Edmund habe mit der Tochter des Tröd- ler» ei« Liebesverhältniß gehabt, sei mit ihr zusammen erzogen worden, ja, der alte Henning» habe ihr den Brillantschmuck vermacht, welche« er einst semer Frau geschenkt. Die Baronin war auf's Tiefste alterirt, doch gebot sie Niya zu schweige« und holte bei Oswald, dem Diener Ed- mund'», welcher um die Schliche seines Herr« wissen mußte. nähere Auskunft ei«. Nach gewissen Zusicherungen für de« Fall, daß Edmund»h« entlasse, ertheilte er dieselbe auch bereitwilligst. � Sif horte demnach, daß Edmund«och am Verlobung». Z£ gegen fie selbst zusammen, so mußte fie nur namenlose Ver- wachfenen 2—4 Franken höchstens in den Gruben verdienen» während die Nahrungsmittel theuer find." Auch die sittliche Entwürdigung der armen Arbeiter schildert der Mitarbeiter de» Aachener Blattes sehr gut.„DaS Wort von dem Fabrilhare« — schließt er seine Ausführungen— hat in Belgien wirklich vieler Ort» seine Bedeutung, und mancher Vater und manche» Bruder knirscht gegen seine Brotgeder und ihre Angestellte«,� weil er weiß, waS mit seiner Tochter, seiner Schwester ge schehen ist. Entstehen dann Unruhen, so wird auch dafür Ve» geltung genommen." Fr aurreich. Da»„Journal du Loiret" schreibt:„Man verfichert, M die Regierung fich deshalb entschloffen hat, die HH. Roche un» Duc-Quercy in Decazeville verhaften zu lassen, weil fie vo« ihren Botschaftern Berichte über daS Erstaunen erhalten hat, welches Frankreichs im Vergleich mit der belgischen„ängstliche" Politik dei der Regierung von ganz Europa hervorrufe. Man verfichert, eine der Depeschen, welche Herr« de Freycrnet diese Nachricht meldeten, habe den Ministerrat in lebhafte Auflegung versetzt." Die Emisfion der cm Donnerstag von der französtschc» Deputirtenkammer beschlossen 900 Millionen-Anleihe wird nach einem Wolff'schen Telegramm aus Pari» nicht vol Anfang Mai erfolgen. Die Osler ferien der Kammer werde« vorauSfichtlich vom 17. dieses MonatS bis zum 15. Mai dauern. Grotzbritauuieu. Die liberale„Daily News" sagt, eS sei schwer, das Schicksal der irischen Bill Gladstone'S vorher zu sagen; das Patriotischste, was das Parlament thun könne, sei, den wohl' erwogenen Plan Gladstone's in Behandlung zu nehmen, alle Parteirück sichten bei Seite zu legen und sich ehrlich zu de- mühen, die Bill in Bezug auf die Jntereffen Jrland's und dei Reiches zu vervollkommnen. Der mittelpatteiliche„Daiih Telegraph" meint, die Jrländer würden noch mehr Zugesiänd- niffe verlangen, weshalb eS unwahrscheinlich sei, daß die Engländer den Plan mit Genugthuung betrachten würde«. Der konservattve„Standard" behauptet, die Bill werde durch« fallen: dieselbe sei eine Botschaft d«S Unfriedens, nicht d-i Friedens. Nach Anficht der„Times" bedeutet die Maßregel vollständige und absolute Trennung im Prinzip; die Be« schcänkungen, welche angeblich dazu bestimmt seien, die Od«' hohett des Reiches zu fichern, müßten in der Praxis wetthlos sein; eS sei zweifellos, daß die Bill verworfen werde. Alle Blätter find voll deS höchsten Lobe» über die rhetorische Leistutf Gladstone's. Schweden und Norwegen. Vor Kurzem richtete der schwedische König daS Ersuche»« an die Volksvertretung, daß auch seinem zweiten Sohne, de« Prinzen Oskar, Herzog von Gotland, gleich wie ihm, de!» Könige, und dem Kronprinzen eine Apanage bewilligt wC den möge, wobei er in eigener längerer Rede die Gründe vaf' legte, welche ihn zu einer solchen Forderung veranlaßten. I* Reichstag übergab diesen Antrag dem vtaatSauSschuffe, der«>» Gutachten abfaßte, dahingehend, daß die Forderung nicht t- de willigen sei,„weil die Gewerbe und ein großer The» der Bevölkerung deS Landes augenblicklich unter dem Dro� einer besonder« schweren witthschastlichen Krise leiden, den» Dauer schwerlich zu berechnen ist." Diesem Gutachten hob'? fich jetzt auch die Kammem angeschloffen, indem von denselo»» der Beschluß gefaßt wurde, die Apanage für den Prinzen nw' zu genehmigen. Italien. Auch Italien geht gegen die Sozialisten mit AuSnabm!' Maßregeln vor, die Brotsteuerkravalle müffm dafür zum 3#' wand dienen. DaS Ministerium deS Innern erließ so'ort<>» vertrauliches Zirkular an alle Präfeften mit dem Ersuchen, i? dem ferneren„sozialistischen" Handstreich mit möglichster Schält* entgegenzutreten, alle radikalen Vereine, Versammlungen zc. � strengsten Konttole zu unterziehen und nicht« zu unterlasse ähnlichen Exzeffen wie in Mailand vorzubeugen. Rußland.. DaS„Journal deS Dödatt" weiß davon zu berichten, M man in den offiziellm Kreisen in St. Petersburg der AnnahZ sei, die revolutionäre Bewegung im Innern Reiche» sei wieder im Wachsen begriffen. Noch mehr,# französische Blatt läßt sich von der Newa melden, daß* Dienstag in St. Petersburg 4 Individuen verhaftet worx feien, welch« kurz vor der Reise de» Kaiserpaare» bedeutenR Stellungen an der Charkower Eisenbahn(der Zar passtrte k kanntlich Charkow) zu erlangen gewußt hatten; es seien d» zwei Kosaken, ein Student und ein Handwerker gewes� Ferner behaupten die„DödatS". daß in Charkow mehre Offiziere arrettrt worden seien, welche nihilistische Propaganfl & Druckerei ststirt worden. u Die Deutschenhatz geht ihren Weg weiter. Der Gene� Gouverneur v. Drenteln hat bestem Vernehmen nach eine G' "T, achtung und Haß gegen Edmuvd erfüllen, welchen sie � eine« ehrlose» Betrüger ihre« Kinde« ansah, der selbst? de» Fallstricke» eines alten Wucherers lag, welcher i% dieses allseitige Unglück zu Nutze machte. Nu» erklärte P sich auch Edmunds befangenes Benehmen am Verlobung tage, sei» Zurückprallen, al» er au» dem HochzeitSwwJ mit Astarten stieg, erinnerte sie sich doch jetzt, Schätz� hämische Miene gesehe« zu habe«. Frau von Wolkenp? liebte ihr Kind, wie eine vornehme und eitle Mutter K kann. Da fie aber unvermögend»ar und Astarten in den Prätentionen einer Krösustochter erzogen beide Frauen überhaupt das LebevSglück allein im und Wohllebe« zu finde« im Stande waren, hatte» si( JL mund, als dem Begütertste», den Vorrang gegeben,•ffuj mußte sie da» erleben! Schande, häusliche Zwietracht lästigste Abhängigkeit! Und fie selber war schuld!-rfL gern hätte sie Gilder» ihren Schmerz geklagt, aber sie das kompromittirende Geständnitz mache», daß BP ih» nur dem Selde Edmund'« aufgeopfert? (Fortsetzung folgt.) An« Kunst«nd Leben. täääS'«Si Male ausgestellt. Der Besuch ist lohnend.„ ä si» fÄ Donneistag. den 15.: unbestimmt; Freitag, Marie, die Tochter dei Regiments, Wiener Walzer. � abend, den 17., zum ersten Male: Johann von Low j Sonntaa. den 18.: Di- � � a U> k. Heime Jnstrultion erlasien, in welcher das Verbot, betr. die Erwerbung von Grundbesitz durch Polen in KleiN'Ruhland dahin prä,istrt wird, daß daffelde auch auf Deutsche Bezug hat. Neuerdings beginnen auch die Land- schatten anderer außerhalb unseres General-GauvernementS liegender Etaithalterschasten gegen den Grunderwerb durch Deutsche Front zu machen. Den Anfang hiermit hat die Land- schast in Jetatrinoslaw gemacht, in deren Generalversammlung eine Anzahl von Mitgliedern an die EtaatSregierung den An« trag gestellt hat, den deutschen Kolonisten den Erwerb von Grundbesitz im Gouvernement Jekatrinoslaw nicht zu gestatten. Da die russische Preffe mit aller Energie die übrigen Land» schaften ausfordert, ein Gleiches zu thun, so ist mit Bestimmt« heit zu erwarten, daß diese chrer Kollegin in JekatrinoSlaw nicht nachstehen werden.— Die Russen arbeiten übrigens, wie man sieht, ganz nach berühmten deutschen Mustern. Balkauländer. ESmmtliche leitenden Staatsmänner Europas haben, nach dem„Pest. Lloyd" die Ueberzcuauna gewonnen, daß Fürst Alexander den submtssen Garvelieutenant und allerg«- treuesten General- Lieutenant des Kaisers Alexander II. längst schon abgeschüttelt, daß er einCharalter ist,— oder wenn man ihm diese Eigenschaft absprechen will, so wird man andererseil» doch zugestehen müssen, daß er zu einem Charakter durch die Gestaltung der Verhältnisse und durch die Kunstknisse der Diplomatie gedrillt worden ist,— mit dem heute die Diplomatie als mit einem ernst zu nehmenden Faktor zu rechnen hat. Nimmt der Fürst von Bulgarien daS auf fünf Jahre ihm zuerkannte Gnadengeschenk an, so thut er eS nur, um Zeit zu gewinnen. Fürst Alexander von Bulgarien kann nicht der Gouaerneur des Sultans in Ostrumelien bleiben. Daß er es weder kann, noch will, ist eine Ueberzeugung, wel- cher wohl ohne Rückhalt die Einmüthiakeit aller Kabinetenach« gerühmt werden darf. Ob nun Fürst Alexander da» Votum er Konferenz annimmt oder oh seiner berechnenden Klugheit siin Volk mit einem Koup zuvorkommt, die Thatsache steh! für alle Machte fest, daß die verschiedenen Wandlungen, welche die bulgarische Angelegenheit unter dem Auge der gelassen zuwar« tenden VertragSmachte bestanden hat, die Politik Rußlands— oder richtiger, die Politik de» Czar» in eine Bahn gedrängt haben, die, wenn e» überhaupt noch möglich war, dem europäischen Einvernehmen und ferneren Zusammengehen in Sachen des Orient» den letzten Schein einer Daseins- berechtigung genommen hat.„Die Frage der Interessen Ruß- lands und Oesterreich Ungarn» auf dem Balkan— schreibt man dem Pester Blatt weiter— ist in ein Stadium getreten, dessen Ernst man am Wiener Ballplatz ebenso zu würdigen wissen wird, wie hier, wo man sich nicht mehr verhehlt, daß der Zar persönlich nicht mehr vor der wohlgemeinten Warnung zurück- schreckt: Rußland werde Oefierreich-Ungarn auf seinem Wege begegnen, wenn eS zum militärischen Vorgehen in Sachen Bul« gariens schreiten sollte." Die Journalmeldung, daß die Pforte den sofortigen Vor« marsch ihrer Truppen beschlossen habe, wenn Griechenland nicht zur Abrüstung und Zurückziehung seiner Truppen schreitet, ist mrdegrllndet. Ein Uebergang der Pforte zum Angriff gegen Griechenland wird nur in voller Uebereinstimmung mir den Veittagsmächten und erst dann erfolgen, wenn alle An« strengungen, Griechenland zur Mäßigung zu veranlassen, er« schöpft sein sollten._ Gerichts-Zeitung. t Da« sensationslüsterne„Berliner Tageblatt" brachte am 7. März d. I. in seinem lokalen Theile eine Dieb« stahlsgeschtchte. die geeignet war, einiges Aufsehen zu erregen. Es handelte sich um eine Affaire, die in den sogenannten „höheren" Kreisen der Gesellschaft sich zugettagen habm sollte, um die Entwendung einer kostbarm Brillanttaube, die von der Frau eines hochgestellten Beamten bei einem Ballfeste gestohlen worden sein sollte. Di« Siaatsanwaltschaft erhob auf Grund dieses Artikels Anklage wegen groben Unfugs, begangen durch die Preffe, gegen den Lokal- Redakteur deS„Verl. Tagedi.", tgarn Perl, und dm Verfasser jener Nachricht, Herrn Dr. Wolff. Gestern stand Termin vor dem Schöffm- gertcht an. Herr Perl erklärte, daß er von er Richtigkeit der in jenem Artikel behaupteten Thatsachen überzeugt gewesen wäre und ei noch sei. Herr Wolff sei als peinlich grwiffenhafter und zuverlässiger Reporter bekannt und eS sei ihm für seine hochinteressante und wichtige Nachricht ein Honorar von 60 M. dewilligt worden.— Herr Dr. Wolff war bereit, den Beweis der Wahrheit für die An« gaben jenes A'.tlkelS anzutreten und beanttagte die Vorladung eS Rechtsanwalts Hentig, bei dem der Gatte jmer diebischen vornehmen Dame in dieser Sache sich Rath geholt hat, und der Gräfin Schwanenfeld, der Befitzerin deß BrilliantmschmuckcS. — Der als AmtSanwalt thättge Staatsanwalt Dr. Borchardt wieL darauf hin, daß e» zu den Gepflogenheiten der „guten" Presse gehöre, in solchen Fällm erst Nach« frage beim PolizerPräsidium, Abtheilunz IV, zu haltm, ein Weg, den da»„Berliner Tageblatt" gekannt aber nicht zum ersten Male wiederholt: Minna von Barnhelm(Herr Gast); Sonnabend, den 17., Timandra; Sonntag, den 18. Sauer als Gast). Ein Attentäter im Theater. Italienische Zeitungen berichteten vor etwa vier Monaten von einer Szene, die im Theater zu Monterubiano stattgefunden. Ein gewiffer Rtar« milli, dm dortigen„besseren Kreisen" angehörig, war während der Vorstellung von Scride'S„Frauentampf" plötzlich in die Loge deS Bürgermeister«, in welcher dieser in Gesellschaft des Eigner Di Ecio, de» Schwagers Mmmilli'S saß, getreten und hatte mit den ruhig gesprochenen Worten:„Guten Abend, mein« Herren!" einm dicken Rohrstock hervorgezogen und mit diesem auf seinen Schwager mit voller Wucht loSgeschlagm. Nachdem man dem Di Scio von allen Seiten zu Hilfe geeilt & und den Attentäter unschädlich gemacht hatte, konnte die bei on Aufregung im Publikum unterbrochene Vorstellung ihren weiteren Verlauf nehmen, und Marmilli war später zu einer empfindlichen Geldstrafe verurcheilt worden. Mehrere Monate find seitdem vergangen, wieder spielt eine Gesellschaft in dem Theater zu Monteruviano und wieder fitzt Di Scio in voriger Woche in einer Loge des crstm Ranges, und diesmal ist es die„Kameliendame", der das ganze HauS mit gespannter Aufmclksamkeit zusteht, als plötzlich Marmilli sich mitten in einer Parquetreihe erhebt und einen Revolver hervorziehend mit den Watten:„Da, Du Schuft I" diesen auf seinen Schwager abfeuert. In den linken Arm getroffen, sank dieser biutüber- stlimt zasammen und befindet sich gegenwärtig noch in LedenS- «fahr. Schwere Familimkonflikte sollen es sein, die den Marmilli zu so grimmiger und blutiger Verfolgung seines Schwager»reiben, aber mertwürdigei Weise wöhlt er sich gerade immer das Theater zum Schauplatz seiner Rache. Endlich entdeckt. In Königsberg verschwand vor sechs Jahren plötzlich der Exekutor Wagner. Alle Recherchen nach ihm blieben erfolglos, und da er mehrere hundett Mark Geld bei sich hane, wurde angenommen, daß man ihn irgendwo er« mordet habe- Diese Nachricht bestätigte sich, denn einige Tage nach dem Verschwinden dcS Wagner fanden Holzfäller denselben im Baubeler Walde bei Tilstt an einem Baum erhängt. Offen« dar hatte man es hier mit einem Raubmorde zu thun, da man weder daS Geld, noch die Uhr. noch die Bücher bei ihm vor« fand. Wagner war erschlagen, und um den Anschein zu er« wecken, ali hätte er sich selbst das Leben genommen, hatte man den Leichnam aufgehängt. Die gerichtlichen Untersuchungen nahmen den weitesten Umfang an, Lelohnungen wurden auS« betteten hake. Jener Attikel sei von der italienischen Preffe zu sehr gehässigen Kritiken gegen den Hof ausgenutzt worden, habe also unliebsame Folgen für daS Vaterland gehabt. Er beantrage den geiichtlichcn Dolmetscher der italienischen Sprache zu laden, der die betreffenden Artikel in den ttalienischen Blättern üdersetzcn solle.— Der Vettheidiger, Rechtsanwalt Michaelis wünschte außerdem noch die Vernehmung des Dr. Horwitz als Zeugen darüber, daß Perl sich keiner Fahrlässtgkeii schuldig gemacht habe.— Der Gerichtshof gab allen Beweis- anttägen nach, beschloß die Ladung aller vorgeschlrgenen Zeugen und vertagte die Sache. Neichsgericht«. Entscheidung, Leipzig. 8. April.(Till- mann HanS.) Der Kölner Doppelmord, welcher an dem Ubc« macher Stockhausen und dessen Mutter am Abend des 24. Dezember 1883 verübt worden war. beschäftigte heute zum zweiten Male da» Reichsgericht. Der Lohndiener Ttllmann Hans aus Köln, welcher von dem Schwurgettchte in Aachen, wohin die Sache vom Reichsgerichte verwiesen worden war, wiederum wegen vorsätzlicher Tödtung in zwei Fällen am 12. Februar zu lebenslänglicher Zuchihausstrafe vrruttheilt worden war, hatte nochmals Revision eingelegt und in derselben acht prozessuale Rügen vorgebracht. Dieselben hatten folgenden In« halt. 1) Der Vorsitzende deS Aachener Schwurgerichts hat in Köln persönlich die Entfernungen zwischen den in Frage kom- wenden Otten auSaemessen, aber ein Protokoll über diese In» augenschetnnahme sei weder aufgenommen, noch verlesen. 2. Ein Beweiiantrag sei«itUnrechtabgelehnt, dahingehend, daß der Ein« sendungSbericht der Staatsanwaltschaft an die Oberstoatsan« waltschaft in Köln und weiter der Einsendungsdericht der Staatsanwaltschaft an die Oberreichsanwaltschast gelegentlich der Uebersendung der Akten an daS Reichsgericht verlesen werden möchte. 3) Die Aussagen deS(inzwischen verstorbenen) Zeugen Erven seien, obgleich uneidliche, verlesen worden.(Zu bemerken ist hierzu, daß die Aufhebung des ersten UttheilS aus diesem Grunde erfolgte.) 4) Bei einer kommissarischen Vernehmung habe ein Justizanwärter als Gerichts schreibrr fungitt; eS sei nicht festgestellt, daß der ordnungsmäßige Ge« richtSschreiber verhindert war und daß der Justizanwärter die Fähigkeit zur Abfassung eine» ProtokolleS gehabt habe. ü)Die Aussagen deS Zeugen Nickemeyer seien ohne Grund verlesen, dmn eS sei nicht festgestellt, daß er verhindett war, persönlich in der Hauptverhandlung zu erscheinen. 6) Die Verthcidigung sei dadurch beschränkt, daß ein Ättef, den ein Kölner Unter- suchungSgrfangener an den Vertheidiger deS Angeklagten nach Aachen geschickt, diesem nicht eingehändigt worden sei. 7) Weiter sei die Vertheidigung dadurch beschränkt, daß verschiedene vom Angeklagten vorgeschlagene Zeugen nicht geladen seien. End« lich wurde 8) gerügt, daß da» Ütthril ohne Begründung ver- kündet wsrden sei.— Der ReichSanwalt beanttagte Ver« werfung der Revifion und dai Reichsgericht entsprach sodann diesem Anttage. Die Gründe waren folgende: Zu 1) Eine gerichtliche Besichtigung lag gar nicht vor. Der Präsident hatte dieselbe nur zu seiner persönlichen Information vorgenommen; einer Protokollirung und Verlesung bedurfte eS also nicht. Zu 2) Der Bericht der Staatsanwaltschaft ist mit Recht nicht ver- lesen, da es sich nur um ein interne» Schriftstück handctte, welches vollkommen ungeeignet war al» Beweismittel zu dienen. Zu 3) Da Erven verstorben war, so mußten seine Aussagen ver« lesen werden. Daß sie nicht alle ordnungsgemäß beeidet waren, hatten die Geschworenen aus dem verlesenen relchsge- ttchllichen Uttheil vernommen, konnten also über den Werth dieser Aussagen nicht im Zweifel sein. Zu 4) Der betreffende Justizanwärter war vom Präsidenten zu jener Thätigkeit bestimmt und nach den Veryälttiffen auch fähig dazu. Zu 5) ES genügte, wenn festgestellt wurde, daß der Zeuge auf unab- sehbare Zeit krank und am Erscheinen verhindert war. Zu 6) Die gerügte Thatsache kann nur einem Gefängnißbeamken zur Last fallen. Solche Dinge können aber in der Revifion nicht grltend gemacht»erden. Zu 7) Die Zeugen waren ttotz um- fangrrichcr Emittelungen nicht aufzufinden. Zu 8) Es genügt, wenn der Spruch der Geschworenen im Uttheil mitgetheilt wurde. Somit wäre denn die Sache, welche soviel Aufsehen erregt hat, endlich erledigt. Uereine nnd Versammlungen« * Allgemeine Kranken- und Steebekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29 Hamburg) Filiale II Berlin. Montag. den 12. April, Abends 8 Uhr, Versammlung in Sanssouci (oberer Saal) Kottbuserstraße 4a. Tagesordnung: Stichwahl. Verschiedenes. * Generalversammlung der Vergolder und Fachge- nassen Montag, den�l2. April, Abends 8'/, Uhr, bei Seefeldt, ~~ 1. Statutenänderung. 2. Verschie« Grenadierstr. 33. T.-O. denes. 3. Fragekasten. * Zentrat'Kranken vött'--------- 8V, strai 2. Verschiedenes und Cterbekasse der deutschen geboten, Geheimpolizisten durchstreiften die Gegend, aber binnen Jahresfttst ließ sich nichts ermitteln, und die Recherchen mußten adaeschloffen werden. Jetzt nach sechs Jahren sind die Thäter entdeckt, und zwar auf eine Weise, wie sie wohl nicht so häufig vorkommen dürste. Gleich nach dem Morde zog ein Fleischer S. nach Sachsen, und da er hier daS erhoffte Glück so bald nicht fand, so legte er sich auf Betrügereien und Urkunden- fälschungen, die ihn bald ins Gefängniß brachten. Einer seiner Kollegen, ein Fleischergeselle, wanderte nach Berlin auS, aber auch diesem war Fortuna nicht hold, und so schtteb er denn in setner Roth an seinen Freund, er möge ihm umgehend 300 M. von dem Wagner'schen Gilde senden, da er ali Meister den größten Antheil bekommen, widrigenfalls er verschwinden und oie ganze Sache dem Gerichte anzeigen werde. Nun saß der Freund in Magdeburg im Gefängniß, der Brief fand ihn aber auch hier aus, wurde natürlich vorerst vom Gettcht geöffnet und gelesen, und so kam der ganz« grausige Raubmord an» Tageslicht. Der Fleischermeister S. soll bereits ein umfassen- de« Gcständniß abgelegt haben, ebenso der auf telegraphischc Ordre sofort verhaftete Geselle; außerdem find noch zwei andere Personen bei dem Morde betheiligt gewesen, deren man indessen noch nicht hat habhaft werden können. Auf die gerichtlichen Verhandlungen ist man natürlich sehr gespannt. Ueber eine aufregende Szene berichtet da»„Würz. Tabl." aus Würzen unterm 6. April: Ali der gestern Abend 6 Uhr 10 Minuten von Grohdothen nach Würzen abfahrende Personenzug sich dem ersten Wätterhause näherte, wurde in unmittelbarer Nähe des Geleise» ein etwa vtcrjähttgeS Kind bemerkt. Der Lokomotivführer gab daS BremSstanal, und der Feuermann demühte fich, von der Maschine auS oaS Kind vom Bahnkörper zu verscheuchen. Jedoch, anstatt fich zu entfernen, trat da* Kind unmittelbar vor der Maschin« in'« Glei« und ward zu Boven geworfen. Nachdem der Zug zum Hatten ge« bracht, traf man Anstalten, da» aller Wahrscheinlichkeit nach verstümmelte Kind unter den Wagen hervorzuziehen. Doch wer beschreibt die Ueberraschung deS Zugpersonals, al» das Kind, äußerlich unverletzt, unter einem der Wagen bervor« geklettett kam und auf seine in der Nähe stehende Mutter zulief, welche, in der Unterhaltung mit anderen Leuten begttffen, noch keine Kenntntß von der entsetzlichen Gefahr hatte, der ihr Kind in wunderbarer Weise entgangen war. 'Arbeiter« Bezirksverein de« Westen«. Versammlung om Montag, den 12. April, Abends 8'/, Uhr, in Gründer« Salon, Echwerinstr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Max Kreutz über„Export deutscher Fabrikate". 2. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen, Gäste haben Zuttttt. * Verein sür«eforvt der Schule und Erziehung, Montag, Abends 7V» Uhr, Niederwallstraße 20, Generalversammlung. * Generalversammlnng der Maurer»erltu« und Umgegend beute Vormittag 10 Uhr im Konzerlhause Sanssouci, Kottduseistr 4a. Tagesordnung: Wie ist unsere gerechte Forderung von 50 Pf. Stundenlohn am besten zu er- reichen? Verschiedene». * Fachverein der Schneider. Montag Abend in den Gratweil'schen Bierhallen Versammlung mit wichtiger Tage»- ordnung. * Zentral- Kranken- und Begräbuihkasse sür Kranen und Mädchen Dentfchland«(E. H. 26 Offenbach). Heute in Gratweti's Bierhallen, Kommandantensttaße77— 79, ordent« liche Hauptversammlung. Tagesordnung: Geschäfts« und Kassenbericht. Bericht über die Generalversammlung. Ver- schtevenes. Mitgliedsbuch legitimitt. * Fachveretu der Posamentirer und Seidenknopfmacher. Versammlung am Montag, den 12. April, Abend i 8'/, Uhr, im Königstädtischen Kasino, Holzmarltstraße 72. * Bezirttverein de« werkthätigen Volke« der Schön- hanser- Vorstadt. Mittwoch, den 14. d. Mt«., Abend« 8V> Uhr, im Lokale deS Herrn Jacodi, LandSbergerstr. 82, Generalversammlung. Tagesordnung: l.Kaffenbettcht. 2. Wahl eine» Revisors. 3. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau über: „DaS Verhaltniß de» Judenthum« zum AntstemittSmus." 4. Verschiedenes. 5. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Näheres Inserat in der Dienstagnummer. Sonntag, den 11. d. MtS., AbendS von 7'/- Uhr ab: GemüthlicheS Beisammensein in demselben Lokale. * Flugtauben-Klub jeden Montag, AbendS 9 Uhr. im Restaurant Preuß, Oranienstr. 51. ♦ Zttherklub„Amphion". Jeden Montag Abend UebungSstunde im„Kurfürstenkeller", Poststtaße 6. * Freie Kranken- und Begräbnistkasse der Schuh- macher und Berufsgenoffen Berlins(E. H. Nr. 27). Montag, den 12. April, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Feuerstein, Alte Jakodstraße 75, im oberen Saale, Generaloersammlung. Tagesordnung: 1. Viertel jährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Quittungsbuch legi- • Ortskraukeukasse der Korbmacher und verwandten Gewerde Montag, den 12. April. AbendS 8 Uhr, Adalbert- straße 21, Generalversammlung. Tagesordnung: RechnungS« lCflU»ereitt der Parquetbodealeger Berlins. Montag, den 12. April, AbendS 8% Uhr, bei Pieper, Mauerstr. 86, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl der Revisoren. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. * Fachverein der Barbier- und Frtseurgehtlfeu Berlin». Montag, den 12. d. M., Abends 10 Uhr, in Breuer'« Salon, Gr. Frankfurterstr. 74/75, Versammlung. Gäste willkommen. * Große Volksversammlung für Männer und Frauen Montag, den 12. April, AbendS 8 Uhr, in Keller'« Salon, AndreaSstt. 21. Tagesordnung: Welche Vortheile bietet den Arbeitern Berlin» der SanitätSverein für Arbeiter deiverlei Geschlechts. Die Frauen find zu dieser Versammlung ganz besonders eingelade«. * Allgemeine Kranke«, und Eterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin IV. Sonntag, den 11. d. M., Vormittags 10V, Uhr, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1) Stichwahl der Delegitten zur Generaiver- sammlung. 2. Verschiedenes. * Freie Veretniguug der Graveure, Ziseleure it. Montag, den 12. April, AbendS 8V, Uhr, Versammlung bei Sahm. Tagesordnung: 1. Geschäftliche», Aufnahme neuer Mitglieder. 2 Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Freudenthal. 3. Die Einführung de» BefähtgungSnachweiseS in unserem Gewerbe. * Berel« der Modelltischler Ackersttaße 63, Montag Abends 8 Uhr. Tagesordnung: VierteljahrSdericht und wich- tige Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. * Fachveretu der Maurer für Friedrichsberg und Um- gegend. Dienstag, den 13. April, Abend« 8'/, Uhr, Versamm« l"ng in Spitzig'« Lokal, Frankfurter Alle« 193. Tagesordnung: Vortrag deS Stadtverordneten Herrn Mitan.— Die Vereins- Versammlungen finden jeden Dienstag vor dem 1. und 15. jeden Monat» in dem genannten Lokale statt. * Zentral- Kranke«- und Eterbekasse der deutschen Wagenbauer, Bertin 2. Versammlung in LiebrechtS Nestau- rant, Jnvalidenstr. 16, am Montag, den 12. April, AbendS 8V, Uhr. * Freireligiöse Gemeiude. Montag, den 12. April, Abend« 8'/» Uhr, Niederwallstraße 20: Beschließende Versammlung, in welcher ein sehr wichtiger Antrag(Errichtung eines PenfionSfondS betreffend) zu; Verhandlung kommt. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. * Oeffeutltche Generalversammlung sämmtltcher im Drechslergewerk beschäftigten Arbetter. Dienstag, den l3.Apttl, Abends 8 Uhr, in„Sanssouci", Kottduserstr. 4a. Tagesord- nung: Bericht der Lohnkommission. Auch wird der Rechen- schafisbertcht zur Ausgabe gelangen. Außerdem wird das von der Siebener. Kommisston ausgeardeite VereinSstatut zur Dis« kusfion gestellt. * Oeffeutltche Schuhmacher-Versammlung am Montag, den 12. April, AbendS 8'/, Uhr, in Grätz' Salon, Brunnen« straße 140. Tagesordnung: 1.„Der BefähtgunaSnackweis." 2. Der Streik in Frankfurt a./O. Referenten: Schuhmacher« meister und Reichsiagsabeordneter Bock. Der Reichstags- abgeordnete Herr Ackermann und der Obermeister Herr Schumann sind zu dieser Versammlung brieflich eingeladen. * Oeffeutltche Versammlung der Lacktrer sämmtltcher Branchen Berlins uns Umgegend am Montag, den 12. April. Abend« 8V, Uhr, im Louifenstädtischen Konzerthause, Alte Jalobstr. 37. Tages. Ordnung: 1. Gründung eines Verein?. 2. Wahl einer Kommission zur Ausarbeitung der Statuten. 3. Verschiedene«. Referent O. Krohm. * Große öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung Montag, dm 12. d. M., Abends 8V, Uhr, im Weddingpark, Müllerstr. 173. Alle Ardeiterinnen, die gewillt find, für die Verbesserung der Löhne der Frauenarbeit einzutteten, werdm ersucht, zahlreich zu erscheinen. Männer haben Zuttttt. Nähere« die Plakate. * Fachverein der Tischler. Montag Abmd 8V- Uhr Versammlung in Säge.'» Lokal, Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Ephrat-n. 2. DiStu'ston. 3. Vorschlag eines Bevollmächtigten und eine» Protokollführers sür den Osten. 4. Ausgabe der statistischen Fragebogen. Gäste find willkommen. Neue Milglieder werden ausgenommen. Billet» zum Vi. Stiftungsfest, welche» am 1. Osterfeiertage in der Berliner Refforn«, Kommandantenstr. 57, gefeiert wird, find in allen Versammlungen de» Vereins zu haben. Die nächste Vereinsversammlung für den Norden findet am Montag, den 19. d. M., in Kilian'« Lokal. Elisabethkirchstr. 6, statt.- Sonnabend, den 17. d. M., Generaloersammlung in Jordan'« Salon, Neue Grünstr. 28. * Fachveretu der Werkzeugmacher verltu«. Sonn« tag, den 11. d- M-, Vormittags 10 Uhr, im Lokal Köpnicker- straße 158; Generalversammlung. Tagesordnung: Viertel« jahreßbericht. Wahl eine« zweiten Vorsitzenden und Ver» schieden««. Theater. 11.«ptiL Schwank Bocage Sonntag, den vveruhims. Aid«. Montag: Tannen. Sckttlvspteltzaut. Die Räuber. Montag: Tilli. Deutsche« Theater. DaS Urbild des Tar tüffe. Montag: Graf Essex. Wallver-Theater. Die So'elkaffe, Posse in 5 Bildern von A. Gerstmann. Montag: Dieselbe Vorstellung. Resident- Theater. Frau Doctor, in Z Akten von P. Ferrier u. H Vorher: Die Schulrriterin. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Allianee-Theater. Abschiedsvorstellung de« Herrn Felix Schweighofer mit den Mit- gliedern des Friedrich' Wrlhelmstädtischen Theater«. Zum dritten Male: Scheu vor dem Minister, Lustspiel in 1 Akt von Soboika. Krieger im Frieden, Genrebild mit Gesang in 1 Akt von Henrion. Zum Schluß: Frühere Verhältnisse, Posse mit Gesang in 1 Akt von Nestroy. Montag: Der Bettelstudent. Krtedrich» Wilhelmftädtische« Theater. Der Zigeun erdaron. von Joh. Strauß Montag: Unter persönlicher Leitung des Kam- ponisten Johann Strauß: Dieselbe Vor> stellung. Walhalla- Theater. DaS lachende Berlin. heitere« au« der Berliner Thedergcschichte «it Gesang und Tanz in einem Vmsriele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Eeatral-Theater. Der Stabs- Trompeter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Viktoria» Theater. Der Müller und sein Kind. Montag: Dieselbe Vorstellung. LouisenstädtischeS Theater. Die Gebrüder Montag: Dieselbe Vorstellung. Dsteud-Theater. Die Loreley, romantische« Schauspiel in 5 Aufzügen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Umertea«» Theater. Große Spezialitäten- ftwrstellung. Theater der RetchShallen. Große Speziali- iaten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 16.[1200 heute und die folgenden Tage: Berliner auf Reisen. G'sangS- Burleske in 3 Akten. Vor der Vorstellung: Gr. RohM der Hauskapeke. 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Ich habe dies damals in gutem Glauben an die Richtigkeit der Thatsachen gethan. Inzwischen ist diese Sache Gegenstand einer gcnchillchen Vernehmung geworden, bei«elcher die Nen« nung meines Gewährsmannes von mir gefordert wurde. Dies veranlaßte mich, genauere Nachforschungen über die Richtigkeit der behaupteten Thatsachm anzustellen, und dabei bin ich zu der Uederzeugung gekommen, daß fie fich nicht erweisen lassen. Deshalb muß ich annehmen, daß die Angaben nicht degründet, und daß ich sowohl wie mein Gewährsmann im Frrthum gewesen find.(Heiterkeit.) Die zweite Berathung der Ueberstcht der Ausgaben und Einnahmen 1884/85 leitet Referent Meyer(Halle, freis) ein: Bei dem EmtSjahr 1884/85 ist zum ersten Male der Versuch einer zweijäh igen Etatsperiode praktisch so durchgeführt worden, daß man gleich bei Anfang deS EtatejahreS daS nächstjährige Budget mit vorlegte. DaS Resultat ist gewesen, daß die tinanzirung für 1884/85 fich auf einen so komplizirten Apparat ützt, wie er vielleicht noch niemals dagewesen ist. Der Etat mußte durch nicht weniger all 4 NachtragSetatS ergänzt werden, ferner durch 2 besondere Gesetze, in denen einzelne Posten nach- träglich bewilligt wurden und endlich kam kurz vor Beginn deS Etatijahrei jenes Gesetz, welches zu Truppen-DiSlokationen sehr dedeut-nde Mittel forderte und die bisherigen Ausgaben zu diesem Zwecke indemnifirte. JeneS Etatijahr stützt fich also auf nicht wmUer alS 8 selbstständige Gesetze. In demselben Jahre ist auch die Kolonialpolitik angefangen worden und find für Indienststellung der Schiffe sehr erhebliche Ausgaben außer- etatsmäßig geleistet worden. Wir haben unS in der Kommifion angelegenilichst bemüht, darüber Aurkunst zu erhalten, wie weit die ElatSüberschreitunaen deS Marine-EtatS auf die Kolonial- Politik zurückzuführen sein. ES war indeffen nicht möglich, zu einem Resultat zu kommen, da fich eine derartige Trennung nicht aueführen ließ. Die Kommisston hat diese Auskunft mit Rcstgnaiion hingenommen und ist nicht im Stande, eine weitere Information zu unterbreiten. Abg. Rickert(freis): Wenn ich auch diei Bedauern theile, so will ich doch zugeben, daß nach den von unS in der Kommisfion gemachten Erfahrungen eine solche Auseinander- setzung in den Kosten zu machen nicht möglich war. Ich möchte hur nochmals auf die bedauerlichen Arbeiter-Ent« lassungen bei der kaiserlichenW er ft in Danz ig zurückkommen; meine Hoffnung, dieselben würden nicht weiter fortgesetzt werven, hat fich nach meinen Mittheilungen nicht er- füllt. Diese Entlaffungen find um so befremdender gegenüber dem Umstände, daß, während bei anderen Theilen der Marine- Verwaltung EtatSüberschreitungen vorgekommen find, gerade beim Weistbetriebe fich Ersparnisse ergeben haben. Ich be- fürchte, daß man in Rückficht auf größere Ausgaben für In- dtenfistellung und Haltung von Schiffen hier auf Erspatniß gesehen hat. Ich bitte daher nochmals die Marineverwaltung, doch auf die geschäftlichen und ErwerbSoerhältniffe DanzigS, die z. Z. so ttüde find, wie noch nie, Rückficht nehmen und möglichst wenig Arbeiter entlaffen zu wollen. Geh. Admiralitätsrath Vogel: Die Marineverwaltung geht bei den Ardeiterentlaffungen mit größtmöglicher Schonung vor, die Zahl der Arbeiter ist aber stets durch die vothandene Arbeit dedingt und mehr als nöthtg können unmöglich gehalten, werden. Die Verwaltung käme sonst in die sonderbare Lage, daß nach Beschäftigung für die Ardeiter mühsam gesucht werden müßte. ES ist durchaus unrichtig, daß bei der Werftoerwaltuna Ersparniffe in der Adstcht gemacht werden, um andere Verwaltungen zu entlasten. Es ist diei ganz unmöglich, denn die Indienststellung bezw. Haltung von Schiffen hat mit dem Werftdetrieb kernerlei Verbindung. Höchstens könnte man von einer solchen in der Art sprechen, daß, je größer die Jntzienst« Haltung und-Stellung von Schiffen ist, auch desto höher die nöthige Arbeitsleistung auf den Wersten sein wird, so daß eher ein umgekehrtes Verhältniß stattfindet, als Herr Rtckert ver- muthet. Ada. R i ck e r t(freis.): An ein Virement der betreffenden EtatSposttionen habe ich gar nicht gedacht, sondern nur ge« Kerliner Souutagsplauderei. E.O. Auch wenn der Wandkalender es nicht mit««- zweifelhafter Sicherheit beweise« würde, daß wir un» im April vesinden, so genügte ei« Gang über die Straßen, um uns zu überzeuge«, daß der wechselvollste aller Monate seine Herrschaft angetreten hat. Heute sieht Berlin wie eine alte mürrische Jungfer aus, die zu dem Kaffeekränzchen einer intimen Freundin keine Einladung erhalten hat. Doch da» trübselig« Gesicht macht Berlin nur von außen. Augen» blicklich«och mögen ei« paar Hundert Leute unter uns weilen, die zwar auch mit aufgeklapptem Rockkrage« unter dem Regen hinwegeile», die innerlich aber doch so froh sind, al« ob der glänzendste Frühlingssonnenschein hernieder- lächelte. Es find die Vertreter de» Volkes, die nach gethaner Arbeit ihrem heimathlichen Herde zustrebe», um bei Mutter«" von de» Strapazen der parlamentarischen Ar» bert auszuruhen. De« Wählern wird jetzt Bericht' erstattet M erfolgreiche Thätigkeit im Reichstag«, und wer jetzt doch das erfahren könnte, was der schneidige Laadrath, der biedere Fabrikbesitzer seinen Auftraggeber« von seinem auf« opfernde« parlamentarische« Heroismus alle» vorschwefelt, und der Wähler, her nie von seinem Gewählte« auch rlur et«« Zerle im Parlamentsbericht gelesen hat, ß# f 4 Hause; er weiß, daß sei» Abgeordneter seine Pflicht thut, daß er allabendlich unter de« größten Anstrengungen im fernsten Rchaurant Berlin« über alle Schäden dieser Welt nachgedacht hat, und daß er auch in Zukunft sich dieser entbehrungsreichen Thätigkeit mit großer Sorgfalt widmen wird. .. 3a, die Wintersessio» hat ihren Haken; manche Nase, die be, ihrer Ankunft m Berlin im blendendste« Weiß be» zaubernder Unschuld prangte, hat jetzt die gesättigt- violette Farbe der neue» Hundertmarkscheine angenommen, von der meint,«i würden vielleicht die DiSpcfitionen bei der Etits- auistellung von Anfang an derartig getroffen, daß man dort Eispa.ntffe eintreten lasse in Rücksicht auf größere Jndienst Haltung von Schiffen. Daß die Arbeit größer sein müffe, je größer die Indienststellung, ist leider nur scheinbar richiig; thatsächltch ist eS gerade umgekehrt gewesen. Früher hat die Marineoerwaltung beim Werftbetriebe über den Bedarf Arbeiter angestellt, diese mußte fie nachyer natürlich entlassen. Da der Herr Kommissar von den Arbeiterentlaffungen nicht unterrichtet scheint, so muß ich, auf die Gefahr einer Berich- tigung, die mir gemachten Angaben mittheilen. Vor 14 Tagen ist wieder 60 Ardeitern gekündigt worden, solchen, die 10 bis 18 Jahre auf der Werst arbet- ten und über 50 Jahre alt find, einige über Mitte der Fünf ziger und einige sogar, die in der kaiserlichen Werft fich Vcr utzungen zugezogen haben. Ich weiß ja, daß die FondS nicht dazu da find, Arbeiter zu untei halten, aber es liegt doch eine Art moralischer Verantwortung vor, wenn die Verwaltung früher bei der Einstellung von Arbeitern über den Etat hinaus- gegangen ist die Lnite nicht den eigenen Fehl-r so hart büßen zu lassen. Wenn die Entlassungen nothwendig find, fo wären sie zu anderer Zeit bei weniger traurigen ErwnbSoerhälmiffen weniger fühlbar. Geheimer AdmiralitätZrath Vogel: Auch die Anficht ist irrig, daß die WerftfonbS mit Rückficht darauf bemitung vom Bundesrath zustehen. In diesem Sinne ist die Souoeränetät im Deutschen Riich verfassungsmäßig eine gelhrilte zwi chcn dem Kaiser und dem«undemth. Wenn man also die vei- kündeten Regierungen ohne Werteres hier als Souverän hin- stellt, so kann ich daS nur in dem zuletzt von mir präzistrten Sinne anerkennen. Ich betone das auch in einer retn akade- mischen Deduktion, weil ich sehr wobl weiß, daß selbst solche akademischen Deduktionen unter Umständen prakiische Konse- quenzen haben, die ich dann nicht anerkennen könnte, wenn die Deduktion nicht so gemacht wird, wie ich fie gemacht bade. Das lediglich zur Verwahrung. Ich bemerke ausdrücklich, von irgend e nem praktischen Belang ist in diesem Augenblick die Sache nicht. Abg. Windthorft: Ich muß die Auffassung deSV-r- treters deS Bundes, aibS für absolut zutreffend erachien. Es ist kein Zweifel, daß die Souoeränetät bei den verbündeten Fürsten steht; Organ derselben ist der Bundesratb. Der Vorgang ist von eminent praktischer Bedeutung und Folgen, da'stch"do ekt gest Organ der verdjindeten Fürsten so korrekt gestellt hat..,u meine nur: sind die Grundsätze richtig, so darf nickt so roi, hier verfahren werden; es wird hier nunmehr gesetzlich fest gesetzt nicht ein Auftrag, sondern eine neue Besuaniß oej BundeSpiäftdii, eS wird ihm gesetzlich ein Inhalt gegeben du "bisher nicht hatte. Nun sagt Herr Hänel, es sei dteS zu tasfig, weil man ja VerfaffungSänVerungen vornehmen könne Thut man da» aber, dann müssen die BnndeSfürsten fich ver ;###### Bundesregierung hier zustimmen könnte. Solche Erklärunae, schützen später nicht, das Gesetz bestimmt und die Fürsten stnt eines Theil» ihrer Souoeränetät ledig. Ada. Meyer(Jena): Ich möchte nur lonstatiren, da eS der Kommisfion absolut fern lag, die söveratioe Grundlag Vv,,--- I V-V.» V»V Wtl* I VlU-i der Reichsverfaffung irgendwie zu berühren. Sie hat fii lediglich aus den Standpunkt der Zweckmäßigkeit gestellt. Abg. m Maitz ahn- Gültz: Die Darlegungen de Staatssekretär» über die Souoeränetät find nur in formelle Beziehung von einer Seite bemängelt worden; ich halte fie fü vollkommen zutreffend. Dem Abg. Windthorst kann ich nick zuaeben, daß§ 1 der Beschlüsse zweiter Lesung mit der bi stehenden Verfassung nicht kongrutre. In Art. 11 der Vei un» die Kontrolversammlunge» nicht mehr, nur selten kommt un» eine böse Erinverung, wie ein längst entschwundene», mißglücktes Feuilleton. Da» gehört zu den Prüfungen; dieselbe» bleibe« be» kanntlich Niemandem erspart und am schlimmsten ist die Jugend daran. Al« Kind gehört man hellen, rosige« Träumen an,— bi» man der Schule ausgeliefert wird. Denkt nicht ei« Zeder so, der in dem hoffnungsvollen und erfahrungsreichen Alter von fünf bt» suben Jahren steht s Urplötzlich wird zwischen die glänzende» Kinderaugen und die lachende Natur eine häßliche Schiefertafel«infttschobea, und dieser Moment bildet den Anfang einer Keite von Leiden, die mit de» zunehmende« Examen sich steigern. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätze», der Weg zur Bildung mit langweiligen Büchern gepflastert, und mancher Hosenbode» wird auf den harte» Schulbänke» gerade nicht zur Freude der sorgsamen Hausfrau zerscheuert, bevor man zum Gipfel det Eadexamen» aufsteigt,»ach welchem dem Jüngling bekanntlich die ganze Welt offen steht. Die Welt steht übrigen« auch dem offen, der nie ein Examen abac- legt hat, und gerade diesem mehr al« ihm lieb ist. Die Schulprüfungen, von denen in letzter Zeit ziemlich häufig die Rede war, solle» abgeschafft werde«, zunächst allerdings für„höhere Töchter." Merkwürdig,«m«„höhere nur Tochter" muß doch ei» ganz andere« Wesen fein all eine„mittlere" oder gar„gewöhnliche", denn die beide» letztere« Kategorie« leiden unter den öffentlich-« Schaustellungen garnicht. So wenigsten» versichern weise Schulmänner, und wir mit unserem demokratischen Skeptizismus habe» du chauS kein Recht, an dem Urtheil dieser«leuchteten Sachverständigen zu zweifeln. Wir waren bisher der allerdings ganz unmaßgeblichen Meinung, daß der Unterschied zwischen den verschiedenen Töchtern nur in der mehr oder weniger kostbare» Kleidung besteht. Doch, wir könne« auch irren, obgleich wir es vorläufig nicht glauben. faffuna h-iht es:„Der Kaiser Hai daS Reich völkerrechtlich zu veltreten, im Namen des Reichs Kcieg zu erklären und Frieden zu schließen u. s. w. Im Z 1 des vorliegenden Gesetzes h-rßt es:„Die Schutzgewalt übt der Kaiser im Namen dcS Reiches aus." ES befiehl also sachlich zwischen beiden Bestimmungen lein innerer Unterschied. Abg Wtndtborst: Art. 11 der Verfassung enthalt ein festes Recht deS Kaisers, an welchem nichts geändert werden soll. Hier aber wird eine neue Befugniß des BundeSpiafidrt gesch:sf n, von welcher die Verfassung nichts weiß. Jedenfalls ik die Sache noch nicht klar, und ich beantrage deshalb die Zurückoerweisung der Vorlage an die Komtsfion. Der Antrag wird abgelehnt und der Entwurf definitiv nach den Bcschlüffen der zweiien Lesung genehmigt. Die Petition der Johanna OhmeiS und Genosfinnen zu Frankfurt a. M.. betreffend die Ausdehnung de» in dem Kongo-Staate bestehenden Verbots der Sklaverei oder H ö r i g k e i t auf die deutschen Schutzgebiete, wird da- mit für erledigt erachtet.. �. ES folgt die dritte Berathung des GesetzmtwnrkS. betr. dieUnzulässigkett der Pfändung von Eisen« bahnfahrbetriebsmitteln.. Staatssekretär von Boetticher: Der Abg. Schräder hat gestern ausweislich der mir vorliegenden„Olvenbergschen Korrespondenz" gesagt:„Man hat e» nicht einmal für nöthig gehalten, einen Bericht des ReichseisenbahnamteS einzuziehen. veffen Vertreter im BundeSrath auch gar nicht an den Ver« Handlungen der Kommisston Theil nahm, so wenig wie er heute im Hause ist, ein Beweis, daß eS mit diesem Amte so ziemlich zu Ende ist. Man verzich et auf eine Mitwirkung auch da, wo er an erster Stelle dazu berufen ist, und er scheint auch selbst auf seine Theilnahme an der Arbeit keinen Werth zu legen." E» ist nicht richtig, daß der Vorsttzende des Reichs« Eiscnbahnamtei nicht an der Berathung des Gesetzentwurfes bethetligt gewesen sei. Er hat im BundeSrath an der Be« rathung desselben thetlaenommen und dort alle die Argumente geltend gemacht, welche vom Standpunkte seine» Ressorts geltend zu machen waren. Er würde auch an den Verhand« lungen der Kommisfion beziehungsweise diese» Hausei theilge« nommen haben, wenn fich irgend ein B-dürfniß dazu heraus- gestellt hätte. Daß der etsenbahntechnlsche Standpunkt nicht der vorwiegende bei diesem Gesetzentwurf ist, entnehmen Sie schon daraus, daß der Entwurf vom BundeSrath garnicht dem Eisenbahnausschuß zur Vorberathuna überwiesen worden ist. An dieser Vorberathung hat nur der VerkehrSauS- schuß und der Justizausschuß theilgenommen. Aber selbst wenn der Vorfitzende deS ReichSetsenvahnamtS garnicht an dem Eni« wurf betheiligt gewesen wäre, so würde die Schlußfolgerung nicht begründet sein, daß e» mit diesem Amte nun zu Ende sei, daß man auf seine Mitwirkung verzichte, auch da, wo ei an erster Stelle zur Mitwirkung berufen ist und daß auch der Vorfitzende selbst auf seine Theilnahme an den Verhandlungen gar keinen Werth zn legen scheine. Ich halte diese kühne Ar- gumentation für eine unberechtigte. Abg. Schräder: Ich konstatire, daß von einer Mit« Wirkung dei ReichieisenbahnamtS in der uns gemachten Vorlage keine Rede gewesen ist. Auffallend ist auch, daß der Vertreter der bayrischen Regierung gerade von einem wesentlich eisen« bahntechnischen GefichtSpunkte aus dieses Gesetz befürwortet Hai, während der Herr Staatssekretär jetzt erklärt, daß die ganz besonderen Rückfichten auf daS VerkrhrSinteresse maß« gebend gewesen seien. Ohne weitere DiSkusfion wird der Entwurf definitiv ge« nehmigt, desgleichen auch die Resolution:„den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage in der nächsten Sesfion den Entwurf eines Gesetze» über daS Pfandrecht an Eisenbahnen und die Zwangsvollstreckung in dieselben vorzu» Itß{ni)«r Gesetzentwurf, betreffend den Anspruch deS Statt- Halters in Elsaß Lothringen auf Gewährung von Pen« sion und Wartegeld, wird in dritter Berathung unver- ändert angenommen. ES folgt die dritte Berathung deS vom Grafen von Moltke eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Ab« änderung dei MilitärpenstonSgesetzeS vom 17. Juni 1871. Abg. W i n d t h o r st trägt kein Bedenken, dem Gesetze zuzustimmen, nachdem dem Abgeordnetenhaus ein Gesetz über die Kommunaloesteuerung der Offiziere vorgelegt worden ist. Daß daS vorliegende Gesetz keine absolut, sondern nur be- schränkt rückwirkende Kraft habe, bedauere er sehr, doch ent« halte er stch, einen Antrag zu stellen. Der Gesetzentwurf wird unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung endgiltig angenommen. DaS Haus geht über zur dritten Berathung deS Antrages AuSfeld, �reffend die Abänderung de» Zoll« 1 0 1 Abg.°M eyer(Halle): Der Herr Schatzsekretär hat fich in der zweiten Lesung auf einen Bericht der Mannheimer Handelskammer dafür berufen, daß dieselbe der durch den BundeSrath in Betreff der Verzollung der Petroleumfäßer ge- troffenen Anordnung zustimme. Die Handelskammer hat nun nachträglich an da» ReichStagSprästdium ein Schreiben gerichtet, worin fie diese Aeußerung richtig stellt und noch hinzufügt, daß, wenn auch für die ersten Monate nach Erlaß der qu. Anordnung die neue Einrichtung für die Geschäfts- welt nicht so drückend gewesen sei, fie in der Folgezeit doch eine sehr nachthetlige Wirkung der Verfügung bereits ver« spürt habe. Kommissar Geh. Rath Kraut: ES ist eine Inkongruenz, die Frage, ob die Umhüllung selbstständig zu verzollen oder als Akzessorium bei der Verzollung zu behandeln sei, für einen einzelnen Gegenstand durch Gesetz zu regeln und für alle übrigen im Verwaltungswege zu entscheiden. In diesem Fall liegt ein Bedürfniß zur gesetzlichen Regelung um so weniger vor, als fich der Petroleumhandel an die Verzollung der.Faffer bereits gewöhnt hat._ r,, Abg. Meyer(Jena, nationallib.): Mannheim ist der Hauptstapelplatz für Petroleum und da» Votum der dortigen HandelSlamwer mußte daher sehr ins Gewicht fallen. Wir er« fahren jetzt, daß fie fich keineswegs mit der Maßregel dei BundeSrathS einverstanden erklärt hat, wie man nach den Watten deS EchatzsekretärS annehmen mußte. Ich bade selbst auS Süddeutschland, so aus Stuttgatt, Zuschriften bekommen, worin man fich in Uebereinstimmung mit Berlin und Hamburg gegen die Verordnung de» Bundesraths ausspricht. Abg. Woermann: Auch die Mannheimer Handels« kammer ist davon überzeugt, daß die vom BundeSrath getroffene Maßregel der Sxtraverzollung der Fäffer beim Petroleum dem Handel außer ordcnllich natheilig wird. In den ersten Monaten traten die Mißstände allerdings nicht so deutlich hervor, wohl aber in neuerer Zeit, in den letzten Monaten. Der inländische Händler bezog da» Petroleum aus den Seestädten Hamburg oder Stettin und mußte e« natürlich im Faß kaufen; dabei bekam er ein Z-ttifikat, das den Inhaber ermächtigt, den auf die Fäffer bezahlten Zoll* 1,45 M. zurückzuerhalten. In Folge davon hat fich ein großer Handel in diesen Zertifikaten entwickelt, deren thatsächlicher Wetth von 1,45 auf 0,95 M. gefallen ist, eS entsteht VarauS ein Verlust von 0,50 M., der natürlich auf den Preis dei Petroleums einwirkt. Ich habe hier einen Brief einei Kaufmanns auS Halle, der nach Ham- bürg schreibt:„Herr N. N. kaufte mit dem Bemerken, daß, wenn der Faßzoll noch bestehen sollte, Sie ihm dann daS Pe- trvleumfaß zollfrei gegen einen Aufschlag von 25 Pf. pro Zentner liefern und bitte ich Sie, dieS im Schlußschcin mit zu bemerken." Eine andere Ordre einei Inländers an einen Hamburger Petroleumhändler lautet:„so und so viel Fäffer Doppelzentner Petroleum zu 7,15 M. inkl. Faßzoll per Auguff, September, Oktober zu liefern. Sollte jedoch der Faßzoll bii zur Emp'angSzeit des Petroleums wegfallen, so müssen Sie auch das Petroleum um 20 Pf. pro Zentner billiger rechnen." ES geht klar daraus hervor, daß dieser Faßzoll nur dazu ge« dient hat, das Petroleum selbst zu vertheuern; denn thatsä ch« vch können auch die Fäffer nicht alle expottitt werden. In der ersten konnten auch Fässer, die von früherer Zeit her zur Verfügung standen, exportirt werdm, da die Zerti« fikate nicht für bestimmte Fäffer, sondern überhaupt für Petroleumfäffer galten. Daher behieltm diese Zettifikate in der ersten Zeit ihren vollen Werth. Nachher hat stch daS Angebot der Zettifikate wesentlich größer herausgestellt, als die Anzahl der Fässer, die zur Verfügung standen, und in Folge dessen ist ein Preisrückgang eingetreten von 1 M. 45 Pf. auf 95 Pf. Sie sehen aus den Briefen, die ich verlesen habe, daß man allseitig meint, die Verordnung deS BundeSrath» werde wieder aufgehoben werdm. DaS ist der einzige Grund, weShalb Zettifikate noch so hoch bezahlt werden. Würden die inlän« dischen Händler ficher sein, daß diese Maßregel nicht aufgehoben würde, so würde der Wetth der Zertifikate immer wetter heruntergehen und daS Petroleum fich im Preise erhöhen. Da dieS in keiner Weise beabfichtiat ist, sollten wir jedenfalls bei unserem früberm Beschlüsse beharnen. Ich möchte dann noch ein Wort sagen in Betreff der Koalition von Exporteuren, welche die Fässer kaufen. Dieselbe hat früher nicht so bestehen könnm wie jetzt, weil nur wenige Firmen in der Lage find, diese Fässer wieder auS« führen zu können. Jetzt wird dieser Expottattikel monopolisttt von einzelnen großen Häusern in Stettin und Hamburg. Ich glaube daher nicht, daß eS an stch richtig ist, daß ein Handel mit Petroleum an Fafzoll Zettifikaten stattfindet. ES ist an fich kein Gegenstand, der fich zum Handelsverkehr eiantt. An all den Thalsachen aber sollttn Sie fich von der Schädlich« keit der getroffenen Maßregel überzeugen, und ich bitte Sie daher, den Beschluß zweiter Lesung zu bestätigm.(Beifall links.) Der Gesetzentwurf wird hierauf unverändett nach den Be- schlüssin zweiter Lesung angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Von den Abg. Singer und Gen. ist im Laufe der Sitzung folgender Dringlichleitiantrag eingebracht wordm: Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß daS gegen den Abg. Viereck wegen Beleidigung bei dem königlichen Landgericht München l anhängige Strafverfahren für die Dauer der gegenwärtigen Sitzungsperiode eingestellt werde. Der Antragsteller fügt hinzu, daß der Abg. Viereck wegen eine? AttilelS im„Deutschen Wochenblatt", welcher die Franlfutter KirchhofSaffäre besprach und durch dm fich daS Frankfutter Polizeipräfidium beleidigt gefühlt hat, unter An- klage gestellt sei. Ei sei bisher die Praxi» de» Reichstages gewesen, wegen Preßvergehen die Einstellung de» Strafver« fahrenS zu fordern, und er bitte auch in diesem Falle, so zu � DaS HauS beschließt dem Antrage entsprechend. Hierauf macht Prästdent v. W e d e I l- P i e» d o r f fol« gende Mittheilung: Von Seiten de» Stellvertreters des Henn Reichskanzler» ist mir die Mittheilung geworden, daß eS in der Abficht liege, dem Reichstag noch Gesetzentwürfe, betr. die Besteuerung deS Branntweins und deS Zucker» zugehen zu lassen, daß diese Gesetzentwürfe aber noch nicht fettig gestellt seien, son- dern dem Reichstage vorauSfichtlich erst gegen Mitte de» nächsten MonatS hier zugehen würden. Unter viesm Umständen ist e» selbstverständlich ausgeschlossen, vor dem Osterfeste unsere Berathungen zu Ende zu führen. Ich möchte Jhnm deshalb vorschlagen, schon heute eine längere Pausein unserm Sitzungen eintreten zu lassen. Dogen erhebt fich kein Widerspruch. Ich beraume die nächste Sitzung an auf Montag, den 17. Mai, Nachmittag» 2 Uhr. mit der Tagesordnung: DrUte Berathung der U-berficht der ReichSauigaben und Einnahmen für 1884/85 und Petitionen. Schluß 1% Uhr. Nächste Sitzung M o n t a g, dm 17. Mai, 2 Uhr._ Parlamentarisches. — DaS ganze Resultat der langm Berathungen der Ar» beiterschutzkommijsion dei Reichstages über die Frauen, und Kinderbett ist nach der der Kommisfion zugegangenen Zusammenstellungida» folgende: l. In Betreff der Kinderarbeit sollen die Bestimmungen der Gewerbeordnung lauten:§ 106». Kinder unter 12 Jahren dürfen gegen Lohn nicht beschäftigt werdm.§ 135. Kinder unter 14 Jahren dürfen in Fabrilm nicht beschäftigt werden. U. In Betreff der Fraum« arbeit:§ 136. Arbeiterinnen, welche ein HauSwesen zu be« sorgen haben, dürfen in Fabriken nicht länger al» 9 Stunden täglich beschäftigt werden. Im Falle besonderer Bedürftigleit kann die OttSbehörde für einzelne Rrbeitettnnen Ausnahmen gestatten.§136». In Fabriken dürfen Arbeiterinnen an Sonn- und Festlagen, desgleichen in der Nachtzeft von 8'/, Uhr AbendS bis 5% Uhr Morgens nicht beschäftigt werden. Ar« deitettnnen in Fabrikm find am Sonnabend um 5 Uhr Nach« mittags aus der Fabttk zu entlassen. Nl. Wird folgende Resolution deantragt:„Den Herm Reichskanzler zu ersuchen, thunltchst bald dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Beschäftigung von Kindem im Gewerbe außerhalb der Fabriken unter der nöthigm Rückfichtnahme auf die körperliche, sittliche und intellektuelle Entwickelung der Kin. der geregelt wird."_ lokale«. Die«nstellung von zwei neue« gerichtlichen Phy. tkern in Berlin wird in den Erläuterungen zum Nachtrag! tat wie folgt begründet:„Die Ziothwendigkett der Ver« mehrung der Zahl der gerichtlichen Phyfiker in Berlin hat sich aui der Zunahme der Bevölkerung der Stadt ergeben, welche fich seit dem Jahre 1865, wo statt deS einen bi» dahin vor« handenen gerichtlichen PhyfikuS deren zwei angestellt werden mußten, mehr als verdoppelt hat. Die fich hieraus mtwickelnde Vermehrung der Dimstgeschäfte der Phyfiker hat zu einer Ueberbürdung derselben gefühtt, welche in einer je länger desto mehr hervortretenden Weise die Art der Erledigung der Ge« schäfte nachtheilig beeinflußt. Insbesondere müssen bei lange dauernden gerichtlichen Verhandlungen in Kriminalprozessen beid Phyfikere oft dauernd zugegen sein und werden selbst Tage lang an der Ettedigung ihrer übttgen Geschäfte behindert. ES ist die» in neuester Zeit wiederum in dem Maße störend zu Tage getreten, daß eine alsbaldige Abhilfe dringend geboten erscheint. Hierzu kommt, daß der eine der beiden gerichtlichen Phyfiker mit dem 1. April d. I. auS dem Amte scheidet und damit für eine neue Ordnung der Verhältnisse de» gerichtlichen PhvfikateS in Berlin fich gerade jetzt der geeignetste Zettpunkt darbietet. Die den Berkehr in de« Markthallen regelnde Po« ltieiverordnung, auS der wir bereits einige wesentliche Puntte mttgethcilt haben, ist nunmehr im„Reichi.Anzeiger" amtlich publizirt. Wir entnehmen derselben die folgenden hauptsäch. lichen Bestimmungen:„Die Mattthallen find täglich geöffnet und zwar». die Zentral Martthalle in der Neuen Friedrich- straße für die Einbttngung von Marttgut in die Stände und für den Engrothandel im Wmter wie im Sommer von 1 Uhr N-chtS ab. Für den Detailhandel im Winter von 7 Uhr Morgen» ob, im Sommer von 6 Uhr Morgen» ab. b. Die übrigen Markthallen für den Engroihandcl von 4 Uhr Morl aens im Sommer, von 5 Uhr Morgens im Winter, für den Detailhandel von 6 Uhr Morgens im Sommer, von 7 Uhr Morgens im Winter. Für den Verkehr des Publikums wer- den geschlossen: sämmtliche Markthallen zu jeder Jahteb zeit Mittags 1 Uhr. An den Wochentagen werde» dieselben Nachmittags 4 Uhr wieder eröffnet und bl-iben dan« zu jeder Tagekzett bis 8 Uhr Abends g-öffnet.* Sonn- und Festtagen schließt der Verkehr an allen Marlthallvi pünktlich um 9 Uhr Vormittag«. Die verschiedenen Eiöffnungß zeiten des Marktverlehr» in dm Markthallen werden dum Aufziehen einer Fahne und durch Glockenzeichen fignal'lW Der Schluß erfolgt durch Herablassen der Fahne und Glockn» Zeichen. Jeder Gewerbebetried im Umhergehen(mit alleinig« Ausnahme des Verkaufs gekochten Kaffeei) in den Marklhall» ist verboten. Gegenstände d baren Aufschttft„Kunstbutter",„Mtschbutter" kenntlich zu macht« Käufer wie Verkäufer find gehalten, jegliche Verletzung deS Ansta« de» und jede Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung I unterlassen. Müßiges, zwecklose» Stillstehen, wodurch die stst Passage gehindert und bei etwaiger Ruhisiöcung der sammmlauf vergtößett wird, ist unbedingt verboten. SoU» ttn Streit bis Thätlichkeiten ausarten, so werden die Ruh« störer ohne Weiteres au« den Markthallen verwiesen u» dürfen letztere an diesem Tage von denselben nicht wieder% treten werden.— Die Bestrafung des schuldigen TheilS blei> dem gerichtlichm Verfahren vorbebaltm.— DaS Mitbringst von Hunden in die Mattthallm ist sowohl dm Verkäufern* den Käufern untersagt.— Die Notirung der MarNpreise zu* Zwecke deS MaiktberichtS erfolgt durch die Mattthallen ost waltung und die königl. Äarlt-Polizei gemeinschaftlich." Uederttetungen der Vorschttstm dieser Verordnung werden, V fem dieselben nicht nach anderweitigen Gesetzen oder besonder« Polizei- Verordnungen zu bestrafen find, mit einer Geldstrafe b» zu 30 Mark oder im Unvermögensfalle mit verhältnißmäßi» Hast geahndet. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Mai v.? in Kraft. Bei Eröffnung der vier Markthallen fallen bekan» lich acht offene Märtte geschloffen werdm. Am Montag A der Magistrat bei dem BezittSausschuß beantragt, den 3* dafür, der bisher nicht bestimmt worden war, anzuseS«? Mittlerwttle ist aber ein Zwischenfall eingetreten. DaS Polstst Präsidium hat nun, wie ein hiefigeS Blatt hört, von Handeliminister die nicht erwartete Anweisung erhalten, � Vorgehen de» BezittSauSschuffes alS nicht gerechtfertigt zu? achten; der Minister ist der Anficht, daß die Schließung alb* von der Ortspoltzeibehörde, dem Polizeipräfidium, auigejprov!« werden kann. Hoffentlich wird da» Polizeipräsidium, um% Marllhallm.Untermhmen nicht zu schädigen, gemttnsam f dem Bezirksausschuß die Schließung für den gleichen Tag" fott aussprechen. Nutisemitische» Tanzkränzchen mit Konzert Theatervorstellung. Nach der„StaatSb. Ztg." veranst# am Mittwoch der„Deutsche Antisemitendund" ein � 1 Sanssouci in Berlin. Da» Fest scheint aber nicht l besucht gewesen zu sein. Nach dem Bericht der„StaatSb. bemettte der Festredner Herr Wilberg:„Wenn die Festlick heute nicht so besucht sei, wie eS sonst der Fall war, fo die» wohl seinen Grund dattn, daß die Herren, der lich eingetretenen warmm Wttterung wegen, ihre schn., »daß endlich jener Tag erscheine, wo daS deutsche Volk« jauchzt, von Eklaoenketten befreit, die ihm ttn stemde», g� dete» Volk im elgenm Lande um dm Ha» schmiedet(Gf Btifall Dreifaches Hoch auf den D. A. B.)." Rettor Ü«' heineke forderte die Fraum auf, den Männern dm Kampf durch zu erleichtern, daß„fie sich vornehmen, nicht mehr jüdi" Zeitungen zu lesen, die den Geist der Kinder und der Fr««' vergiften, und von kttnem Juden ein Stück mehr zu kau? (Stürmisches Bravo. Einzelne Rufe: Thun wir auch nia>, — Wenn eS mit jenen Herrn übttgenS so bestellt ist, dcß' zu ihren eigenen Festen nicht kommen können, weil fie Kleider versetzt haben, fo dürfte einem reellen Geschästiw«' an einer solchen Kundschaft überhaupt nicht allzuviel liege«-. Die Tteibohrungen auf Tivoli, welche sttt eimil Monaten zur Gewinnung weiterer Wafferquellen veranfi«-. werden, haben ttn für Geologen recht interessantes Resulta'. Tage gebracht. In dem einen der beiden Bohrlöcher stieß p, nämlich, nachdem bis 50 Meter nur Schliefsand und dann fit m durchsetzt mit gröberem Sande vorgekommen war, in einer Dj von 71 Meter auf ein kompaktes blaues Thonlager, rvel� fich al» 4 Meter stark erwieS und in ttner Dicke von("j IV, Meter eine Ablagerung von Seemuscheln, Nestern Seefischen und seltsam geformten anderen ehemaligen MßL bewohnern mthielt. Diese antediluvianischen Ueberblttbsel t0> im Lauft ungezählter Jahttausende zu einer kompakten n« der fich aber die einzelnen W'Z artigen Masse geworden, in ver nw aoer vre einzelnen j namentlich die Muscheln, außerordentlich gut erhalten jPLj Unterhalb deS THonlagerS stieß man wieder auf gröberen wie er dem Meerekbodm ttgmthümlich ist.— Die beiden löcher, welche fich in der Nähe deS ffskalischen Terraii� o Tempelhofer Felde befinden, sollend» auf mindestens 100% Tiefe gebracht werden.— Eigenthümlich erscheint eS,*A(i einigen Bohrungen, welche der Militärffiku» vor sech» auf dem Tempelhofer Felde veranstaltet und bis zu 96 Tiefe gebracht hatte, lttne solche Ablagerungen, wie die erwähnten, gefunden worden find. __ Eine Pfändung auf offener Straße erregte flfjj Mittag gegen l1/, Uhr nicht geringes Aufsehen. EineV-� aus dem Wochenmarkt am Dönhofsplatz ausstehenden ter, in der Frankfutter Allee wohnhaft, war einem Lteftt� eine größere Summe Geldes schuldig, die trotz aller nungen nicht ttngetrieben werden konnte. Da dem 6%i,« nicht anders dttzukommen war, so erhielt ein Gerichtsoow.� den Austrag, Pferd und Wagen des Schuldners zu b'9 x.« und der Gerichtsvollzieher führte auch den Auftrag Augenblick aus, al» der Schlächter nebst Frau und fich zur Nachhausefahtt bereit machten. Da die Frau 9 � Pferd und Wagen stt ihr Eigenthum, während die 9%� eine alte Schuld ihres Mannes fei und fie aus diesem � gegen die Pfändung entschieden protestitte, ttef der% fi« Vollzieher einen Schutzmann herbei, unter dessen die ganze Gesellschaft nach dem Polizezrevierdureau am markt begab. Die unliebsame Affaire, welche einen Auflauf hervorgerufen hatte, endete damit, daß der Sa:« mit seiner Ftau ihren Weg zu Fuß fortsetzten, wahres Geselle, der Gerichtsvollzieher und ein Schutzmann 1 fS «TO den Bock des Wagens setzten und wahrscheinlich nach der Pfand- kammer fuhren. Daß sich hinter Tapeten die schauerlichste« Geheim« Niffe sehe gut verbergen lassen, bat ist ein von unseren Roman« schriflstellcrn weidlich auSaevustes Thema, das natürlich am wirkungsvollsten bei der HchilSerung alletthümlicher Schlösser bearbeitet wird, deren Gemächer mit geheininisjvollen T hären versehen find, welch« aus den Druck an einer bestimmten Stelle der Tapete austmingen und dergleichen. Unsere Berliner Bau- Verhältnisse erschweren diese, wie manche andere Romantik, aber Tapeten haben wir auch und diese haben mitunter auch ihre Geheimnisse. Der Inhaber einer hiefigen Fabrik ätherischer Orle hatte vor einiger Zeit sein Komptotr neu tapeziren lassen; unter seinen vielen Kunden, die dort ein- und ausgingen, de- fand stch auch ein hiefiger HauLwirth, der die Tapeten sehr aufmerksam betrachtete und fich nach dem betreffenden Tape- zirer erkundigte; man theilte ihm die Adresse des Mannes mit und stehe da, an diesen sowie an die Tapete knüpften fich für den Hauseigenthümer noch„theure" Erinnerungen. Vor meh- reren Jahren hatte er dem Tapejirer, der ihm eine Summe Geldes schuldete, einen bedeutenden Posten Tapeten übergeben, um damit Tapezirerardeiten für ihn zu machen und so die Schuld allmäiig abzuarbeiten; bald darauf aber verschwand der Tapezirer mit sammt den Tapeten und das unverhoffte Wieder« sehen der letzteren frischte die Erinnerung wieder auf. Heute lebt der Tapezirer in leidlichen Verhältnissen und hat fich bereit erklärt, nunmehr seine Schuld abarbeiten zu wollen, auch die erforderlichen Tapeten selbst zu liefern. Das Geheimniß der Tapete aber ist gleichmäßig interessant, gleichviel, ob ste dunkle Gewölbe und unterirdische Wege verhüllt, oder ob fie, wie hier, auf den bunt verschlungenen und durcheinander laufenden Wegen des Verkehrs Anlaß zu geschäftlichen Ermittelungen giedt. Ueber einen Treppcneinsturz, der den Tod eines Menschen zur Folge hatte, wird uns berichtet: Auf dem Grund« stück Kastanien-Allee 89 wird ein Neubau aufgeführt, der jetzt bereits bis zum vierten Stock vollendet ist. Während der inneren Bauarbeiten wird die Verbindung zwischen den Stock- werten durch Nothtreppen hergestellt. Gestern um 4 Uhr Nach- mittag? stürzten diese Treppen sämmtlich von dem vierten Stock bis zum Erdgeschoß in stch zusammen. Ein 17jähriger Maurer» lehrling, Karl Kuhsall, der fich mit Baumaterial vom Bauplatz nach d-n oberen Stockwerken begeben wollte, wurde von herab« stürzendem Gebälk und Steinen verschüttet. Erst nack längerer Zeit wurde der Verunglückte als Leiche unter dem Trümmer« Haufen hervorgezogen. Et» schwer verwundeter Grenadier von der 2. Kom« pagnie deS 1. Garde-RegimentS z. F. wurde vorgestern in daS Lazareth des Regiment« eingeliefert. Die„Potid. Nachr." schreiben hierüber: Bei dem Exerzieren auf dem Bornstedier Felde am Donnerstag Vormittag führte ein! Grenadier der 2. Kompagnie ein Kommando falsch auS, worüber der Kom« pagnieführer Herr Hauptmann von Höpfner derartig erregt wurde, daß er dem Grenadier seinen Degen in den Leib stieß und zwar mit solcher Kraft, daß die Spitze bis dicht zum Herzen vordrang und der Grenadier tödtlich verletzt, sofort zusammen- brach und schleunigst ins Lazarath gebracht wurde. Die Ver« wundung ist eine derartig schwere, daß der Tod deS Mannes nicht ausgeschlossen ist. Bei de« zahlreichen Exmissionsprozesse«, die im Laufe deS Jahre? von der Adtheilung für schleunige Sachen beim hiefigen Amtsgericht l verhandelt werden, macht fich eine für unsere Berliner Verhältnisse höchst beachten swerthe Erscheinung bemerkbar. Gegen den auf verspätete Mieths« zahlung gegründeten Exmisstonsantrag wird nämlich sehr oft der Einwand der gesetzwidrigen Beschaffenheit der Wohnung geltend gemacht, und in zahlreichen Fällen und namentlich da, wo dieser Einwand auch nur möglicher Weise Aussicht auf Begründung hat, zieht der Wirth einen Vergleich mit dem Müther vor. um das Urthcil des Richters, daß die Wohnung gesundheitsschädlich ist, zu vermeiden. Ueberau nämlich, wo die Polizei von einer solchen gerichtlichen Entscheidung Kennt« niß erlangt, wird dem betreffenden Wirthe die Wciteroer- miethung der ungesunden RSutftt als Wohnung untersagt und erst nach Beseitigung der gesundheitsgefährdenden Ursachen wieder gestattet. Manche Wirthe haben auf diese Weise recht üble Erfahrungen gemacht und in einem noch ziemlich neuen Hause nahe beim Görlitzer Bahnhof wurde aus Anlaß eines solchen ExmisfioniprozesseS dem Wirth die Vermiethung der gesammten Kellerräume zu Wohnungszwccken untersagt wegen der gesundheitsschädlichen Beschaffenheit dieser als Wohnungen hergertchteten Räume, so daß dieselben jetzt alS Lagerraum von einem Töpfer gemiethet find, was dem Wirth von seiner Rentabilitätsberechnung deS Hauses einen erheblichen Abstrich verursachen dürfte. Polizei-Bericht. In der Nacht zum 9. d. M. erschoß sich ein Kandidat der Rechte in seiner Wohnung, in der Olanienstraße.— Am 9. d. M. Mittags wurde ein seit längerer Zeit an Schwermuth leidender Mann in seiner Schlaf« kammer, in der Körnerstraße, erhängt aufgefunden.— Am Nachmittag desselben TagcS brach die noch nicht fertige Haupt- treppe im Vorderhause des Neubaues Kastanien Allee 89 vom 5. Stockwerk aus zusammen und riß den an derselben de- schästigten Maurer-Lehrling Kusahl mit in die Tie!e. Er er- litt dabei so schwere Verletzungen, daß er auf der Stelle starb. Fahrlässige Bauart und Verwendung schlechten Materials sollen die Ursachen de» Einsturzes sein. Der für den Bau verant- wottliche Bau-Unternehmer ist flüchtig geworden.— Am Abend desselben Tages machte ein Mann, unmittelbar nach« dem er in den Räumen des ReichShallen-TheaterS bei einem Diebstahl betroffen worden war, in einem Garderodenzimmer den Versuch, fich zu erhängen. Er wurde noch rechtzeitig bemerkt und abgeschnitten, mußte aber, da er trotz der sofort vorhandenen ärztlichen Hilfe nicht zum Bewußtsein zurückge« M?. werden konnte, mittelst Droschke nach der Charitee ge> bracht werden. Gerichts-Zeiwng. t Unter der Anklage, groben Unfug verübt zu haben, stand gestern der Tischler, Herr Fr. Berndt vor dem Schöffen« richt. Am 15. Dezember hatte im 25. Kommunalwahlbezir k die Stichwahl zwischen Krampf(B..P.) und Franke(A..P.) statt« gefunden. Im Wahllokale, Memclerstr. 15, war es nun nach der Anklage zu einer Szene zwischen Herrn Berndt und einem Herrn Dr. Wiese gekommen, der Streit soll fich auf der Straße fortgesetzt und einen Auflauf verursacht haben. Durch die Be- we�rnsnechrne wurde der Thatbcstand wesentlich anders festge« Sf-J1*: Selbst Herr Dr. Wiese bekundete ebenso wie der Zeuge -�rechslermeister Tabert, daß eine Menschenansammlung, wie «, w solchen Tagen vor Wahllokalen der Fall r.n..,?-i pstegt, bereits vorhanden war. Der Streit Insw« fiV«P1* der Zeuge, Schuhmachermeister Zaake, aussagte, folgende Ursache gehabt: Berndt war im Wahl« �i.r..»«�»kMdmann anwesend; er bemerkte, wie Dr. Miefe einen Wahler bearbeitet?, konservativ zu stimmen und ersuch.e ihn, es zu unterlaffen. Dr. Wiese entgegnete: Sie dummer Jung?, wa« wollen Sie eigentlich von mir?-- 3ln cimr Antwort hat Berndt es natürlich nicht fehlen lassen. «"Pv beantragte Freisprechung; der Gerichts» M Woß st» dem an und legte die Kosten des Verfahren» der Staatskasse zur Last. Soziales wid Arbeitervemegtmg. In Meinen Freunden u. Genossen empfth� mich ,. Anferttg. v. Malerarbeite« jeder* cv,*3' Schild«. Stub.jc. Auch übern, ich d.Tapt� Wohn. L. Kuchstolz, Walvkmarfir.28, Quttgx � E. Stand schöne Kette«, neu, sof. f.-hj,«in seli, zu o«t. Reichenb«gerstr. 183, im Kistt«K� welcher Gute getragene H«ren- u. Knaben- Gardnobe in großer Auswahl. Gute getr. Hosen v. 2 M. an. A. Sommerseid, Oranienstr. 199.[1259 Wanduhren mit g Patent-Schlagwerk, SZ welches die Stunden repetirt und nie»atjw schlägt, selbst nicht, wenn die Zeiger zurückgestellt w«den, empfiehlt[1070 Jtax Buase, 157. Jnvalidenstraße 157, zwischen Brunnen- und Ackerftiaße. Hunde »4, iOO f IUI JV»!*» wnden geschoren und -- thorstr.6S j. v. � b. 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