°°s di- iL» t wmdm« konnte% i VeihältnG d nun vua Lorhaben r» t als Kadet b I erklärt, m »9 Bleibe� urde er»' Pr. 87. Dienstag, den 13. April 1886. HI. Jahrg. an. mmschlich A iterdlätter d» r deieitS& uns freut» lachrichten r» t auf and» Ardeiter$ ooo( MMldsM Drgan für die Interessen der Arbeiter. 'i'. wie alle• bs und| [1350 J '• ooofl 112. 784 it Stoffen, Thlr' silber verg> Vergolvui All lräzt die Schuld? Wir habe» schon mehrfach behauptet, daß der Libe» r a l i s mjw s an der jetzt in Deutschland herrschenden kon- servativ-reaktionärea Strömung in wirthschaftlicher sowohl als politischer Beziehung die Hauptschuld trage. Natülich bestreitet das der Liberalismus. Wir wollen hier an der Hand der parlamentarischen Geschichte der letzten 20 Jahre in Preußen-Deutschland in aller Kürze den Beweis für unsere Behauptung erbringen. Während der sogenannten KonflÜtSzeit herrschte in Preußen die liberale Partei im Parlament unumschränkt; -s■ diese Partei nannte sich Fortschrittspartei. Die ry I echte«, alten Konservativen befanden sich derart in der Min- �|_ I derheit, daß sie sich zusammen„in einer Droschke zum Abgeordnetenhaus fahren lasse« konnten". Es entbrannte in den Jahren 1861, 62 und 63 im preußische» Landtage der Kampf um die Militär-Reorgaoi- fatio«, der eine Zeit laug von der Fortschrittspartei durch ■ pnnzipielle Beweigerung der Regierungsvorlage mit Erfolg ri/HvI»«» geführt wurde. Die große Majorität des Volkes stand da- I malS hinter der Fortschrittsparlei, die den gesammten eigen t» lichen Liberalismus repräseniirte. Die Regierung aber blieb hartnäckig und kam mit ihren . Forderungen immer wieder. Da wankte eS plötzlich in de« sfai, fortschrittlichen oder richtiger in den liberale« Reihen— der • y.jJ kleinere Theil unter W a l d e ck' S Führung blieb stolz und , L fest auf dem Rechtsbode« und stimmte für eine dahinzielende IlemkCIUP' Resolution, der größere Theil unter Forckenbeck Queraeb. j™« an, die Vorlage» zu amendire«, und e» er« --— füllte sich bald schon das Sprichwort vom WAßyfl lleine« Finger und der ganze« Hand. Die WUm*" Kriege von 1864 und 1866 stellte« die Militär-Reorganisation »Hänger, de facto fest; die Indemnität, welche das Abgeordnetenhaus > Manckietts der Regierung»ach dem Kriege von 1866 verlieh, dann auch de jure— der Sieg der preußischen Regierung über de« Liberalismus war ei« vollständiger. Das Abschwenken des größere« Theils der Fortschrittspartei unter der Führung Forckenbeck« war die Ursache der schmachvolle» Niederlage. Graf Bismarck aber hatte noch»eitergehende Pläne. Der Norddeutsche Bund genügte natürlich nicht, daS Deutsche Reich mußte gegründet werde«. Und eine solche Gründung konnte ohne de« vielverwendbare« Liberalismus, der damals im Volke «och zahlreiche Anhänger zählte, nicht wohl in Szene gesetzt werde». Aber wie konnte der schwer Beleidigte wieder versöhnt werde«? Der Militarismus war unter Dach und Fach, innere Gefahren drohten nicht, so konnte man an den„inneren Ausbau" des Norddeutsche« Bundes gehen. Dabei durfte die Regrerung„liberale" Gesinnungen zeigen und sie zeigte Ieuilleton. Der Trödler. Roma« von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) . Die alte Dame schlief keine Nacht mehr und erwartete mit Sehnsucht die Rückkehr der Tochter, um sie so bald wte möglich aus dem Traume zu reiße», ehe es ganz und gar zu spät und Astartens Unglück besiegelt sei. Mathilde. unter Allen der gewiß am ungerechteste« leidende Theil, trug, nachdem sie jenen furchtbare« Hochzeitstag überwun- de», welcher ihre ganze Vergangenheit und Zukunft begraben, ihr Schicksal mit dem Stolze eines echten Frauencharakter«, der sich seiner Würde wie des Adels seine« Schmerzes bc» wüßt ist. Inzwischen kam die Zeit heran, wo da« junge Ehepaar von der Reise zurückerwartet wurde. Die Liebe ist ein Rausch, sage« die Poeten, und Jeder, welcher wirtlich liebt, empfindet das. Besonders ist der erste, volle, schrankenlose Besi S le 109� taten brik Nr. 13" ien Preise» ts f Rock- und rz« Tu»' . gestattet- L, elterung. � werth, veri» ich V..... lr.28,Ougf i und thorstrrt TodeSf. r. 60,» jti D°� m kön"� vUferJ.0! cht vttlü Staut«1"(i i Ernst- L. /f rl-1 n«1 unangenehm ist, wenn er allzu tief, zu unver- nünftig fiünmsch kurz, kein geistiger und edler Rausch ist. Da« Erwachen, da« Ernüchtern ist um so ungeheurer, um so elender. Edmund hatte an den Besitz AstartenS Alle« gesetzt, wa» er zu bieten vermochte. Nicht allein sicherte er im Ehe. koatrakt ihre Zukunft mit der Hälfte seine« Vermögens, überschüttete sie mit verschwenderischen Gabe», wie eben nur «'» zügellos Liebender vermag, welcher nicht an den nächste« Tag denkt, strebte um ihretwillen rastlo« auf seiner Berufs. bahn weiter, sonder» hatte auch für sie alle Ertnner»ngen semer Jugend, die Wünsche seine« Vater«, seine ursprüng» ltch«, solide Neigung geopfert und sich in einen Ealonhelden 'erwandelt, kurz, mit seiner Vergangenheit in den offen- 'tsten Widerspruch gesetzt. sie den» auch, allerdings zum großen Aerger der Konser« vative». Die Gewerbesreiheit, da« neue Strafgesetzbuch, später Freizügigkeit, Aufhebung der Wuchergesetze u. s. w. machte» den Liberalismus kirre. Freudig opferte er dann«ach de« Kriege von 1870/71 die politische Freiheit und die parlamentarischen Rechte auf dem Altar der wirthschaftliche«„Freiheit." Diese»Freiheit" ist natürlich nicht« andere« als die Herrschaft de» vom Liberalismus patronisirte« mobile« Kapital«. Zug um Zug ging e« da— für die Gewerbefreiheit In- demnität und Zustimmung zum Militarismus, für die Frei« zügigkeit und Wucherfreiheit da» Septennat(siebenjährige Verzichleistung de« Reichstages, in Militärsachen em ernste« Wort mitsprechen zu können), für die Zivilprozeßordnung u. s. w. die Kirchengesetze und da« Sozialistengesetz.— Inzwischen war die liberale wirthschaftliche Gesetz- gebung de« Konservativen doch allzubevenklich geworden. Die Gewerbefreiheit und besonders die Freizügigkeit schädigte» die Interessen de« Grundbesitze«. So brach in Folge dieser„liberalen Gesetzgebung" den« auch bald offene Empörung im konservativen Lager «uS, die sich gegen de» Fürsten BiSmärck wandte, der de« kanntlich deshalb die„Kreuzzeitung" in die Acht erklärte. Und da der Liberalismus in der That auch de» Löwen- antheil an dem sogenannten wirthschaftliche» Aufschwünge in der Gründerzeit traurigen Angedenken« erhielt, so wurden die Konservativen immer«eidischer und rebel- lischer.—— Fürst Bismarck aber ist im Herzen immer konservativ gewesen. Und da nunmehr die Liberale« in politische» Dinge« kein Opfer bringe« konnte», weil sie alle wesentliche« politische« Freiheiten und parlamentarischen Rechte geopfert hatte», so konnte der liberale Mohr gehen, der vollauf seine Schuldigkeit getha« hatte, Fürst Bismarck aber durfte nunmehr zu seiner alteu Liebe, zum Konservatismus, zurückkehre». Die« that er auch vollständig im Jahre 1879. Er fing an, von dem Liberalismus die wirthschaftliche» Frei- Herten zurückzuverlangen, die sie für die Preisgabe der politische« Freiheiten eingetauscht hatte«. Die alte», neue» Kampfgenosse» de» Fürsten Bismarck, die Konservativen, triuwphirten. Nu» entstand die sogenannte neue wirthschaftliche Aera. Die Steuer- und Finanzpolitik de« Reiche«, nachdem die liberalen Delbrück'« und Camphausen'S au« der Regierung ausgeschieden waren, trat in konservative, agrarische Bahnen. Die landwirthschaftlichea Zölle wurde« eingeführt und zu Seine Seligkeit in der erste« Zeit de« Besitzes, des un- getheilren Befitze« diese« schönen Weibe« war unbeschreiblich. Sie war eben so wild wie phantastisch, ein Gemisch von wirkliche« und eingebildetem Genuß, ein Schlaraffendasein zwischen Himmel und Erde hSngend, ohne einer von beide« Regionen anzugehören. I» diesem Zustande durchflogen sie die Alpenwelt und die lombardische Ebene, grüßte» die Petertkuppel und de» rauchende« Vesuv. Wie aber jede Dithyrambe, jegliche Begeisterung sich nur kurze Zeit auf ihrer volle» Höhe zu halte« vermag, sich aber nicht« leichter ermüdet al« Genuß und Freude, so erlahmte auch Edmund'» Ueberschwänglichkeit, und er bemerkte mit leisem Mißbehagen, wie seine reizende Gattin lange nicht so feurig liebte, nicht so geistig beweglich und allem Schönen zugewendet war, wie er. Astarte konnte überhaupt nicht heftig und innig liebe«, ihr Temperament besaß eine große Kälte und Leidenschaftslosigkeit, war indeß von einer immerwährend heitere« Färbung, welche au« der ihr in Evmuvd, und sie konsumirte mit einer lächelnden Ruhe der Zufriedenheit ihr eigenes Dasei«. Allerding« wa, Graf Gilder» ihre erste Neigung, so weit sie solcher ebm fähig war. Wa* sie indeß an ihm liebte, mar sehr ' lebe« von dem, wa« sie an Edmund fesselte, und so- ziehung bei ihr... WA mit Bedauern und einer verstohlenen Zähre Edmund um Gildern'« wille» verabschiedet habe», al« fie Gilden» über Edmund hiatena» setzte. Sich nicht so geliebt zu wisse», wie er liebte, war die erste unangenehme Entdeckung de» jungen Gatte», welche sicher nicht dadurch versüßt wurde, daß Astarte keine« geistige» Zusammenleben« mit ihm, so wie er gehofft, fähig war, und während er»och an die Wunder Pompeji'« gebannt war, empfand sie merkliche Sehnsucht«ach Hause, nach der Mutter, ihre» Freunden, dem eleganten Gesellschaftsleben. Er fühlte, daß sie nicht in der Ehe, der Gattenliebe allein gleicher Zeit die Industrie, ölle, welche dem Handels-Kopitak ei» Dorn im Auge sind. Theilweise geschah dies sogar unter Zustimmung früherer Liberalen. Der Liberalismus war nicht mehr widerstandsfähig. Seit- dem er die politischen Freiheiten aufgegeben, hatte er da» Volk nicht mehr hinter sich. Der Liberalismus ist immer schwächer und unhaltbarer geworden, und wenn der Herr von Forckenbeck, der eine Hauptschuld trägt an dem rapide« Niedergang des Liberalismus in Deutschland, vor einige« Jahren muthvoll ausrief:„Auf die Schanzen zurück!" so bezeichnet dieser Ausruf allerdings ganz zutreffend die Lage, in der sich der deutsche Liberalismus befindet.— Wir mache« für diese Lage die wenigen der alte« libeealen Fahne treu gebliebenen Fortschrittler nicht ver- antwortlich, sondern de« Liberalismus als solchen, der sich in der von uns berührten Zeitperiode fortwährend al» schwankend und feig bewiesen hat. Darunter müssen auch die besseren Elemente, die siA noch vorfinde«, selbstver- ständlich leiden. Aber auch diese werden immer mehr zur Ohnmacht verurtheilt, da da« Vertrauen zum Liberalismus und Fort- schrtttlerthum im Volke immer mehr schwindet. Wer soviel an dem Volke und der Freiheit i« den letzten 20 Jahren gesündigt hat, wie der Liberalismus, der ist eines Aufschwung« unfähig geworden, trotzdem er sich ab und zu i« kleinen und manchmal auch«och recht klein- lichen Oppositionen versucht. Nun kann das Volk selbst ermessen, wer mit die Haupt- schuld trägt an de» heutigen traurigen Zuständen. Politische Ueberstcht. .Herr Windthorst und da« Sozialistengesetz. In Freiburg hielt am 7. d. M. der Reichstag« abgeordnete M-rde (Zentrum) im VereinShause einen Vortrag über daS Sozialisten. gesetz, in welchem er u. a. anführte, daß der Plenarderatdung desselben schwere Kämpfe innerhalb der Zentrumistaktion vorausgegangen seien, wobei manche« bittere Wort gefallen sn, und daß Windthorst nur auf nachhaltige« Drängen sich dazu habe bestimmen lassen, seine in der Kommission abgelehnten Milderung, antrage zum Gesetze im ä'ä Da« konservative Amtsblatt in Crimmitschau hat der Erklärung des dortigen EtadtrathS in Sachen des Brandes der Küchler'scken Fabrik die Bemerkung beigefügt, daß jene sensationelle Nachricht deS offiziellen„Dr. F.", welche den er» wähnten Brand mit den Unruhen in Belgien in Zusammen- hang bringen wollte, nicht allein von den Crimmiischauer Ar- beitl'' ihr« Welt suchte, sonder» die Welt und ihn al« zwei »eben einander thronende souveräne Götter ihre« Innen» ansah. P".... haberei geltend. Dergleichen kleine Szenen, in welche» na- turgemäß der schöne, schwächere Theil Sieger blieb, hatten aber den großen Reiz, daß man doch versöhnen, abbitte«, verzeihen konnte! Da» Maß der in solchen Momente« lo«- gelassene« Leidenschafte« und Worte läßt sich nur nicht im- mer feststellen oder in eine unschädliche Grenze drängen. Je öfter oder heftiger sich dergleichen eheliche Szene« wieder- holen, desto mehr kleiner Wunden und Risse grebt'«, um so stumpfer werde« die Pfeile der Liebe, desto fühlbarer jeder neue Streich, welcher auf die alte Stelle fällt. Ja diesem Stadium häufiger Ausbrüche und somit er- »öhterer innerer Abkühlung befand sich der Ehevulka», al« ie de» Heimweg antraten. Die Freude auf da» Wieder- eh« daheim überwog den Genuß de« Augenblicks, und so ängte« Beide an, ohne zu ahnen, welch' unterirdische Dä- monen bereit« beflisse« gewesen, ven Bode» ihre« häusliche» Glücke« zu erschüttern. AstartenS Empfang war von Seite« der Mutter wärmer al« je. Edmund hatte aber Ursache, über die Lauheit ver- wundert zu sei«, welche ihm von der Baronin zu Theil wurde. Graf Gildern, der sich mit andere« Freunden auch ein- ,, Jt hatte, war liebenswürdig wie immer, besonders leidet« ihn eine leise Schwermuth ganz allerliebst und verfehlte nicht, größere Theilnahme bei Astarte» hervorzu- rufe«. Die Mama hatte aber nicht» Eiligere» zu thu», al« den ersten freie» Moment de» Alleinseins mit der Tochter zu benutze«, um ihr mit dem Tone de« Schmerze« Graf Gil- dern's glänzende Autsichten und ihre» Strauß mit dem Trödler mitzutheile», wie die schreckhaste« Entdeckungen, welche sich daran knüpfte«. De« Verhältnisse« mit Mathilden that sie indeß noch keiner Erwähnung, sie wollte e« eben auf Edmund und den TUttß des StadtrathS hat man allseitig mit Freuden degrüßt. DaS„Dr. I." versucht in seiner neuesten Nummer eine sehr lahme Entschuldigung. � Zur Kolonialpolitik. Der Afrirareisende Paul Reichard hat beim Auswärtigen Amt seine ersten Ansprüche auf fol» gende Länderaebiete OstafrikaS angemeldet: a. auf die östlich vom Tanganika-See gelegenen Gebiete: 1) Uganda, 2) Ugalla qua Madjlraguma, 3) Ugalla qua Merupambala. b. auf der westlich vom Tanganika-See gelegenen Gebiete: 1) Marungu qua Kapamva, 2) Marungu qua Kalimba, 3) Marungu qua Nswiwa, 4) Marungu qua Mfiri. e. am Tanganita-See: Marungu qua Manda- Eämmtliche Gebiete sollen einen Flächenraum, der ungefähr der Hälfte von Deutschland ent« ivreche, umfaffen. Herr Reichard habe dieselben thetls„durch Waffengewalt erobert"(!) und„unterworfen"(!) sowie seine Hoheitsrechte durch Erhebung vom Tribut ausgeübt, thcils habe er dieselben durch dort rechtSgilttge Verträge erworben! EtwaS weniger wäre mehr! Die sozialdemokratischen Führer im deutsche« Reichs- tage sollen, wie Herr H y n d m a n, der englisch« RevolutionS» narr, in der„Justice" erklärt,„irgend ein Lebenszeichen von sich geben", denn„ihre Zahmheit hat die revolutionäre Partei in ganz Europa entmuthigt." Im deutschen Reichstage gäbm die Herren nur„pedantische Vorlesungen und langweilige Auseinandersetzungen zum Besten", e» sei„kein Feuer, keine Schneid», keine Beredsamkeit in den Ansprachen dieser Herren; alleS so trocken wie nur möglich; vielleicht recht wissenschaftlich, aber verteufelt lau".— Derselbe Herr Hyndman belobt in der« selben Nummer der„Justice" den Premierminister Gladstone wegen seiner Tapferkeit, seiner Kraft, seiner Entschloffenheit; um Haupteslänge rage er vor Allen hervor. Man vermuthet, daß Hyndman diesen Lobgesang nur deshalb angestimmt hat, weil er Freisprechung von seiner Anklage dadurch erwartet. Vor Gericht hat er sich schon vor einiger Zeit einen viel ,Lt» mäßigleren Mann" genannt, als sein Mitangeklagter und Ge« nosse BmnS iei.— Die Herren„Revolution are" Hyndman und Genossen find ja nun auch in der That freigesprochen worden. Objektive Urtheile über die belgischen Unruhen findet man jetzt nach Beendigung derselben in den verschiedensten deutschen Zeitungen. So schreibt die gouvernemental- liberale „Elbeifelder Zeitung" sehr treffend:„In dem Lütticher Kohlen- «vier ist bei einem Lohn von 2,50 bis 3 Francs die Arbeitszeit eine übermäßig lange(13 Stunden). Dabei wurde in der letzten Zeit gewöhnlich nur die halbe Zeit gearbeitet, so daß die Leute thatsächlich nicht so viel verdienten, um nur daS trockene Brot zu gewinnen. Nicht minder traurig steht eS in den Revieren von Charleroi und MonS aus, wo überdies viele Tausende von Arbeitern gänzlich brodloS find und in dem harten Winter dieses Jahres nicht wußten, wohin fie ihr Haupt legen sollten. Dazu kommt, daß die niederen Klaffen in Belgien jedes Wahlrechtes beraubt find, während die Wehrpflicht einzig und allein auf ihnen lastet. Unter solchen Umständen ist eS erklärlich genug, wenn die Gährung unter den belgischen Arbeitem außergewöhnlich tief geht, und wenn anarchistische Wühlereien hier den irästsgsten Nährboden für Aufwiegelungen finden. Es mag ganz wahr sein, daß fremd« Anarchisten die Funken hinzugetraaen haben, welche den Auftuhr entzündeten; aber die Funken hätten nicht zünden können, wmn fie eben die brennbaren Stoffe nicht so massenhaft und so dicht an der Oberfläche verbreitet gefunden hätten. Selbst dies wird man den Sozialisten zugeben dürfen, daß S gerade der Mangel an Organisation der Arbeit ist» welcherdteGe» waltthätigkeiten zum Theil verschuldet. Die Gegenden, in denen der Aufstand um stch gegriffen hatte, find gerade diejenigen, in denen die wenigsten Arbeiter« vereine vorhanden find. Die Arbeiter, die in Vereinen organtstrt find, fühlen ihre Macht und wissen dieselbe unter Umständen wirksam auszuüben. Sie werden daher weniger zu Gewaltthätigkeiten aufgelegt sein, als diejenigen, die kein anderes AgitationSmittel haben, als ihre Fäuste und ihre ungezügelten Leidenschaften."— DaS klingt jetzt alles anders, als vor der Verlängerung deS So- 'ialistengesetzeS, wo die„ungezügeltsten Leidenschaften" in der konservativen und nationalltberalen Preffe herrschten. Umkehr. Unier dieser Ueberschrift hatten wir am vorigen Sonnabend einen Arttkel geschrieben, in welchem wir der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" die Anerkennung nicht versagen konnten, daß fie stch in ihrer Auffassung der belgischen Aldeiterunruhen, besonders in der Beziehung derselben zur deutschen Arbeiterbewegung und in weiterer Beziehung zu der Betheiligung deutscher Ardeiter an diesen Unruhen bedeutend gebessert habe. Für dieses Kompliment, welches dem Blatte wohl nicht so recht passen mag, aber welche? wir nach dem Sprüchwort:„Der Wahrheit die Ehre" nicht versagen durften, erhalten wir nun einem weiteren Sprüchwort gemäß:„Un- dank ist der Welt Lohn" einige LiebeSworte wie:„ParoxiS- muß",„Vorspiegelungen einer erregten Phantasie" von der „N. A. Z." an den Kopf gewerfen. Wir hatten nämlich auS- geführt, daß daS offiziöse Blatt v o r der verathung über daS Lauf der Dinge»»komme« lasse«, ob man zum Aeußersten freiten, also einen Bruch herbeiführe« müsse, wai ihr der Welt gegenüber«ur höchst unangenehm sei» konnte. A iarte, so ruhig im Ganze« ihr Temperament war, so fest und eigensinnig wurde ihr Charakter, wen« ihr Gefühl einmal beleidigt und empört war. MamaS Mittheilung versetzte sie in eben so großes Erstaune«, wie sie ihr Blut in Wallung brachte, und sie beschloß, daß SchStzlei« um jeden Preis das Feld räume» müsse. Als daher am ander« Tage nach dem Gespräch mit der Mutter Edmund von Be suchen»ach Hause kam und man speisen wollte, blies die erregte Leidenschaft der junge» Frau die erste Fanfare zur Attaque. E« war da» erste Mal, daß fie Edmund mit aut« gesprochenem Uebelwollen empfing. „Aber mein Gott, was fehlt Dir, mein Schatz?" fragt« er besorgt.„Wer hat wieder das Unglück gehabt. Dich zu erzürnen I" „Der Urheber wird Dir bald in seiner schmutzigen Er- scheinung vor die Auge« trete». Höre«ur von Mama, was in Deinem Hause vorgegangen ist, und urtheile, ob ich nicht ei» Recht habe, empört zu sei» über die grobe Täuschung, der Du mich hingegeben?" „Grober Täuschung, ich Dich, Astarte!— Bei Gott, ich vergehe Dich nicht! Du kannst mich doch kaum beleidigen wolle»!" „Vielleicht, Herr Schwiegersohn, verstehen Sie mich besser, wenn ich Ihne« sage, daß, als ich mich veranlaßt sah, de» pöbelhafte« Lärm und die Beengung des Hauses mit Trödlerwaaren zu verbiete« und dem Herr« SchStzlei« im ander« Falle eine Kündigung in Aussicht stellte, er mir auf eine Art und Weise begegnete, wie«och Niemand ge- wagt, ja er mir sogar zu verstehen gab, daß er Sie in seine« Händen habe!" „Es versteht sich von selbst, Edmund, daß daS Subjekt sofort au» dem Hause geschafft wird I VochDemem Gewissen magst Du verantworten, wie Du e« über Dich vermochtest, mir eine Abhängigkett zu verschweige«, die eben so gemem wie empörend ist, wenn sie wirklich besteht."— Edmund erbleichte. Mit Mühe gebot er der Bewegung, die über ihn kam. Sozialistengesetz die deutsche Arbeiterbewegung für die belgischen Unruhen verantwortlich gemacht und auch deutsche Arbeiter verdächtigt habe, an den Unruhen Theil genommen zu haben. Nun sucht die„Nordd. Allg. Ztg." unsere Behauptung zu be« stretten dadurch, daß jeder Leser ja wisse, wie fie über jene Unruhen geurtheilt habe und daß fie deshalb kein Be- dürfniß fühlte, die Unhattbarkeit der Behauptungen des „Berliner Volksdlatt" zu erweisen. Diese Abwehr ist allerdings ungemein bequem; aber w i r können mtt derselben recht zufrieden sein. UebrigenS hätte die„Nordd. Allg. Ztg." ihren Lesern wohl etwas mehr aus unserem Attikel mittheilen können, damft dieselben auch die Veranlassung zu unseren Bemerkungen erfahren hätten. ES handelle fich nämlich um die bekannten Verleumdungen, welche die„Times" gegen die deutschen Ardeiter und gegen die deutsch- Regierung geschleudert hatte und die von dem Kanzler- dlatt in einer„geharnischten Abwehr", wie wir unS ausdrückten, zurückgewiesen wurden. Wir erklärten dann, daß uns diese Abwehr mit Genugthuung erfülle. AlleS das verschw-igt die „Nordd. Allg. Ztg." ihren Lesern.— Der Aerger, dm der Ge- Heime KommisstonSrath Herr Pindter darüber empfindet, daß wir daS Treiben der„Nordd. Allg. Ztg." vor der Verlänge« runa des Sozialistengesetzes schonungslos aufdeckten, kann uns sonnt nicht rühren, wir glauben, daß wir dadurch im Interesse der Arbeiter gehandelt haben. Geradezu erstaunt aber find wir über die Bemerkung des offiziösen Blatte?, daß wir den Arbeiterintereffen„mehr nützen" konnten, wenn wir unS, näm- lich mit Beziehung auf die„Nordd. Allg. Ztg."— an That- fachen hieltm, statt Vorspiegelungen einer erregten Phantafie Raum zu geben.— Wir haben aber schon gezeigt, daß das Blatt deS Herrn Pindter mit keinem Wort diese„Vorspiege- lungen" entkräftet, daß eS sogar erklärt, fie nicht entkräften zu wollm. Damtt ist doch in der That Alles zugestanden. Im Uebrigen aber verstehen wir von Arbeiterintereffen etwaS mehr, als die„Nordd. Allg. Zig."— Und damit Punktum! „Verbrecherische Thorheit"— ein bekanntes, geflügelte» Wort— so nennt die liberale„Eaale-Zta." daS Treiben der gouvernemmtalen und konservativen Blatter, welche einm „Staatsstreich" empfehlen, diese„Revolution von oben". Aber damtt noch nicht gmug. Auch„anarchistische Agitation" soll die regiemngSfteunoliche Preffe dadurch tteiben.— Wir können'S zufrieden sein, wmn fich unsere Gegner in solcher W:ise be- fehdm. Die WilhelmSspende, die hauptsächlich den Beiträgen der Arbeiter ihren Ursprung verdankt, sollte auch vornehmlich den Arbettern zu Gute kommen, wie eS seinerzeit in den Grün- dungSprospetten hieß. Jetzt erfahren wir auS der„Allg. Ztg.", daß der Auffichtsralh der Wilhelmsspende am 4. April eine Sitzung abgehalten habe, in welcher ein außerordentlicher Zu- drang zu ven Verficherungen im letzten Jahre stattgefunden habe. Nammtlich aber seien e» Beamte, Lehrer, Pastoren und Handwerker, die fich einkauften,„während die Arbeiter fich leider fern hielten."— Die» Femhalten der Arbeiter ist ja selbstverständlich, da dieselbm die hohen Beiträge nicht er- schwingen können, und auch sonst die Statuten für fie ungünstig find.— DieS Institut hätte die moralische Pflicht, den Arbei> tem für die eingezahlten Groschen in irgend einer Weise Ent- schädtgung zu bieten. Großbritannien. Ueber die denkwürdige Donnerstagifitzung im malischen Unterhause plaudert der Londoner Mitarbeiter der„Post" sehr hübsch in folgender Weise:„Wmn irgmd etwa» die hoch- aradtge Spannung de» englischen Volke» in Bezug auf Gladstone'» Projekt zur Beilegung deS englisch. ttischen ZwisteS zu beweisen vermochte, so war eS die Menschheit inner« und außer- halb der Mauern von Westminster, welche fich versammelt hatte, um den großm Mann zu hören und zu sehen. Schon von 6 Uhr Morgen» an kamen die Mitglieder deS Parlaments, um fich Sitze zu stchern, einen Hut auf dem Kopfe und einen Hut unter dem Arm; letzterer bestimmt, dm mit Beschlag be- legtm Sitz zu bewachen. Bis Mittag waren fast sämmtliche Mitglieder de? Parlaments versammelt und vertrieben fich die Zett mit athletischen Spielen, Wettlaufen u. s. w. Sogar ein unglückliches Trizykl« hattm die Jrländer aufgegabelt und ritten darauf herum zu gegenfeittgem Gaudium. Um halb fünf verkündete ein brausende» Hurrah der draußen harrmdm Menge die Ankunft des Premier». ES war ein langes, wlldeS Jauchzen auS Tausenden von Kehlen, eine Begeisterung, als gelte es, den MesfiaS zu empfangen. Und mit all der charak- teristischen Unmanierlichkeit. welche der Engländer in seiner Freude an den Tag zu leam vermag, hielt da» Volk den allen Mann, der eS immer und immer wieder grüßte, barhäuptig, im Regen, fest, als wollte«S nicht wieder von ihm laffm, bi» eS endlich der Polizei gelang, seinen Wagen frei zu machen und in dm Hof von Westminster zu leiten. Die Szene im Hause beim Einttttt Gladstone'S war unbeschreiblich. Ein Ausbruch von EnthufiaSmus, wie ihn das Hau» wohl kaum jemals erlebt, begrüßte den alten Führer der Whigs, und-S schien, al» oh die ganze liberale Partei in dem Gefühl aufjubelte, wie wenn ihr schon mit dem Erscheinen ihreS Vorkämpfers ein Alp von der Brust genommen würde. Die Söhne HiberniaS „Liebe Frau, ich bitte Dich, ebenso wie Mama, Mäßigung zu bewahren und mich ruhig anzuhören. Dann wird Euer klare« Urtheil selbst daS Rechte finde».— Mich selbst bindet persönlich keinerlei Abhängkett an dm Trödler, noch ist mir sei« Benehme« hierbei etwa wmiger ärgerlich als Euch, aber eS ist wohl sehr einfach, daß ich das Testammt meines Vater», so ungmehm dasselbe für mich in vielen Punkte« sein mag, nicht ungeschehen machm kann. SchStzlei« hat zwanzigtausend Thaler zur erstm Hypothek auf dem Hause, unter sechzehn Zahren darf ich fie nicht kündigen; ebe»so hat er, so lange er lebt, de» Gmuß der Lokalitäten, welche er einmal inne hat. Ob ich ihn au» seinem Privilegium vertreiben kann, wird un» Zhr Notar, Mama, mtt ernem Wort sagm könne« l",. „Und wie konntest Du als Mann von Ehre mir erae so gräuliche, ernidrigmde Situation verschweigm?" „Ich habe nicht gewußt, liebe Astarte, daß e«»och nicht gmug sei. Dich über die Höh« meines Vermögms und gewiß auSreichmd über Dein« Zukunft beruhigt zu haben, sondern Dir auch»och über jede unleidliche Bagatelle in meiner Erbschaft Rechmschaft schuldig zu sein. DaS ist mir«m I" „Und Sie nmnm e» Bagatelle, einem Mmschm von solcher Widerwärtigkeit verpflichtet zu sei«, einem Mmschm, der eS offm ausspricht, daß er jede« Aumblick unsere Zu- kunst und all« ihre hochtönmde» Versprechungen illusorisch machm kann!" „Zch ftage Dich, Edmund, willst Du diesem Manne die Wege weise» oder nicht?" „Zch würde e», wmn ich da« Recht hätte! Zch Hab» allm Eurm Neigungm gern gewillfahrt. Unmögliche» und Ungerechtes kann ich nicht I Dieser Mann hat seit meiner Geburt und länger im„kalten Stein" gewohnt, mein Vater hat viel auf ihn gehalten, und darin wenigstmS soll meines Vaters Wille« befolgt werden! SchStzlei» bleibt im Haufe! Ich kann nicht, ebm so wenig will ich ihn vertreiben! Mama hat sich höchst wahrscheinlich selbst gegm diesen Mann ihrer Würde vergeben, sich in Dinge gemischt, welche ihr fremd lagen, und ist da gewaltsam eingeschrttte», wo man Ruhe und Vernunft brauchen muß! Die» ist weit mehr zu beulten wie die Indianer, nein, wie die Wölfe heul!» fie. Ruhig und ernst, als ob ihn der ganze Log nichts anginge, nahm Gladstone seinen Platz zwischen& William Haicourt und John Morlly, und erhob fich no wenigen Minuten, auf» Neue begrüßt, mit der gleichen Würl» um in 3'/: stündiger Rede seinen Plan, wie und unier welt» Modalitäten Irland(in eigenes Parlament zu geben sei ß die Regelung irische: Angelegenheiten, zu entwickeln. N klarer, tönender Stimme baute fich Satz auf Satz in vollende» Form, bald farbenbunt in politischen Streffzügen, bald ü und nüchtern in unerbittlicher Logik und mdlosen Zahlen. E war ein unvergeßlicher Genuß für Alle, denen es vergönn diesen in 50 jährigem öffentlichen Dienst ergrauten, weil« hatten Staatslenker zu sehen und zu hören. Al» in der dritte Stunde die Stimme an Kraft verlor, ihr jugendlicher Klo» daS Alter nicht mehr zu täuschen vermochte, da ging es ein leise» Bedauern durch die Reiben, in Furcht, dieser Mu» könnte vor der Zeit verstummen. Ader mit gewaltiger Willett kraft, unterstützt durch„Sherry mit Ei", raffte der alte Streik fich auf und manche seiner Sentenzen dröhnten wider an W Wänden. Fast zu Ende mit seinen Ausführungen, bat er nur noch kurz« Geduld und diese Bitte brachte ihm einen% geisterten Applaus nicht nur von seinen Anhängern, o nett — Diese englische Unmanier!— Auf ven Bänken der Oppostttt fand die Ovation ihren lauten Widerhall. Man sab o* konservattver Seite nicht den Führer der feindlichen Part« man sah den gewaltigen Redner, den mächtigen Geist r» diesem galt der Tribut." Von Gladstone's oratorischer Leistung spttcht die„Timck mtt höchster Bewunderung. ES ist keine figürliche Windusk sagt fie, wenn man behauptet, daß Mr. Gladstone's Red mit der er um die Erlaubniß bat, eine Maßregel für Hos Rule w Irland einzubringen, ohne Gleichen in unseren paw mentattschen Annale« ist. In der meisterlichen Behandlus verwickelter Einzelheiten, in der Beherrschung dialektischer u» rhetorischer Hilfsmittel war fie nicht nur wunderbar für ein« Mann von fiebenundfiebzig Jahren, sondem fie hob ff empor auS der Region politischer Gemeinplätze durch den G» eines schwungvollen Endzieles und einen Ton gehaltener Ueb» zeugung. Belgien. Die Lage in Charleroi selbst hat fich in so fem gebess» als nur noch 2800 Arbeiter feiern, also der Streik fich sein» Ende nähctt. Aber die Stimmung ist dott eine sehr düstes Während hier also mehr Ruhe einttttt, brechen in anders Bezirken große Arbeiterstreiks aus: so in dm der Gesellsck» Monceau-Fontaine gehörigen, zu Forchics la Marche belegen« zehn Kohlengruben, die mit die bedeutendsten Belgiens st» Hier find die längsten Arbeitszeiten für die Kohlenarbeiter Stunden, für die übrigen 15 Stunden, und die meisten K» der beiderlei Geschlecht» beschäftigt; Alle wollen Lohnerhöhu» Ferner in den acht großen Zwirnfabriken der Stadt Rino» daselbst find 800 Arbeiter beschäftigt, mit einem Tagelohn»» 1,25 bis 1,50 Franks!(1 bis 1,20 M.) Am 7. d.. N mittags, brach der Streik in der Fabrik von Demont Vaickj Acker aus, und sofort stellten die Arbeiter aller Fabriken* Arbeit ein. Da die Haltung derselben drohend wurde, den eilige Telegramme nach Gent und Brüssel gesandt.€' sott gingen Truppen dahin ab und besetzten alle Etabliffeme»? und daS RatbhauS, vor dem die Ardeiter fich aufaestex hatten. Die Fadrikherren lehnen die Erhöhung der Löhne» Folge der deutschen Konkurrenz ab. Bei Namur haben Eist1! dahnarbeiter die Arbeit eingestellt; so gährt eS in Bel($ überall, und es wird geraume Zeit dauern, ehe eine Beruhig»'' deS Landes eintritt. Nach dem„Berl. Tagebl." wäre die Regierung schloffen,„gegen die sozialistischen Agitatoren mtt grö! Energie vorzugehm." Die Hausdurchsuchungm dauern f Am 9. d. begab fich die Monser Gerichtskommisfion in Wohnung deS bekannten Agitator» Alfted Defuisseaux konfiszirte dott eine Reihe Schriften, darunter eine demn erscheinende Broschüre, betitelt Lea hontea du„rei cenaitaire". Die Polizei konfiSzirte alle Exemplare de»„V katechiimus". Da» sozialistische„Peuple"«rNStt heute, eventuelles Verbot der Manifestation vom 13. Juni werde Signal zum Ausbruch einer sozialen und politischen volution bilden. Der Deputitte vanderSmissen, der Gründer Führer der„unabhängigen" Partei, der kürzlich auf seineu schoß, scheint ein sehr zweifelhafter Ehrenmann gewesen sein. Seine Frau soll mit seinem Wissen mehrere gulbezr Liebschaften unterhalten haben, der Mann strich daS Geld spielte also eine Art Louis rolle, natürlich„vornehmerer" Da» gute Einvernehmen der beiden würdigen Ehegatten neuerdingS etwaS getrübt und van der Smiffen forderte_ fichtshalder von seiner besseren Hälfte alle Briefe zuiück, i ihn hätten dlosstellen können. AlS die Bitte keinen Est! hatte, griff er— nicht zum Messer, wie seine Berliner Bel>A genoffen— sondern zum Revolver. Frau van der SmisseN r von den Aerzten aufgegeben sein. beklagen, al» ich verantwortlich bi» für Verhältnisse, ich nicht herbeigeführt habe I Bei allem Einfluß, den"J den Meine» über mich einräume, muß ich Sie doch bWff Mama, mir in meinen pekuniäre» Angelegenheiten forta»" Znitiative allein zu überlassen!" „Da Sie den To«, Herr Schwiegersohn, also£ wechseln beliebe» und mir andeute», als läge e» zu stj in meinem Vottheil, mich mit Zhrem Säckel zu besair versichere ich Ihnen, daß ich nach dieser Enttäusch»'? wirklich keine» Geschmack an so besehen Zuteresse«,. � den Zhrigen, fipde. Sie sind aber nebenbei, zu mei»' große» Bedauern, Gemahl meiner Tochter, und der 1 leidigte« Mutter werden Sie erlauben, Zhne» zu HS daß Zhre Abhängigkeit von diesem Herrn Trödler, wie große Neigung Zhre» Papa», welcher sogar den Ech»"', seiner eigenen Frau der Tochter dieses Schätzlein verer» sich auf ein schamlose» Verhältniß gründet, daß Zhr% Vater mtt dieser Person kultivitt zu habe» scheint, wie /S «« noch am VerlobungStage, o Schimpf und Schande, r, gesetzt habe». DaS ist Dein Eheglück mein Kind! Da»* Deine Hoffaungen I" J „Madame I" rief Edmund außer stch.„Zn bttL Hause, daS mein Vater im Schweiße seines Angepv erwarb, damit Sie j.tzt darin die Herren spielen, sich'. serner Verlassenschast ernähren könne», hat er in Ed, gelebt! Es giebt Beleidigungen, die zu unauslöschlich iL um verziehen zu werden! Sie werde« soviel Ehre j die Räume zu meiden, welche für uns Beide zu 3 werden! Mögen Sie das schöne Bewußtsein mtt nehmen, recht mütterlich gehandelt zu haben!" „Zch werde Sie verlasse», und meine Tochter"L wissen, was sie zu thun hat, um die Schande vetß'y zu machen, sich so tief zu Zhnen herabgelassen zu Ho�j „Madame, Zhr Papa drehte einst Düte», wie meinige I" Die Baronin rauschte wie eine Megäre hinaus. � Astarte stand vor ihm mit zusammengekriffene« Thränen in de» Auge» und hochklopfendcm Busen, gut „O Du erbärmlicher Betrüger, dem ich meine Fr aurreich. Anfttfichjs des Decazevilltr Streiks find die Abfleordneten noch eifrigere Todtenaräber der Freiheit als die Regierung selber. Der Senat beschloß z. B. mit 153 gegen 102 Stimmen d e Dringlichkeit für die Berathung des Antrages Bojörian, wonach jeder Versuch,„die Freiheit der Arbeit zu bceintrach- tigen", bestrast werden soll. Der Justizminister hatte stch gegen die Dringlichkeit der Berathung ausgesprochen und erklärt, die gegenwärtigen Gesetze seien völlig ausreichend. Die Kammer bat natürlich auch die Verhaftung der beiden Sozialisten Duo Quercy und Roche in Decazeville gutgeheißen. Schweiz. Das Militärdcvartement wird dem BundeSrath einen Ge» setzentwurf über den Landsturm vorlegen, um demselben eine krieg». rechtlich geficherte Stellung zu verschaffen. Oesterreich-Ungaru. Am 7. d. M. wurde ein Bericht des Referenten Fürsten Alois Lichtenstein über die Unfallversicherung der Arbeiter im Parlamente vertbeilt. Wir wiederholen hier nur kurz die grundsätzlichen Bestimmungen de» Gesetzentwurfs: 1. Ausschluß der Privatverficherung und der staatlichen Hilfe in irgend einer Form; 2. Errichtung von obligatorischen, auf Gegenseitigkeit beruhenden territorialen Verficherung». anstalten; 3. Anwendung de» Tarif, und Kapitaldeckunas« verfahren»; 4. Beitraatzleistung der Unternehmer und der Ar« beiter(10 pCt.); 5. vierwöchentliche Karenz und Beschränkung der Verficherungspflicht auf jene Arbeiter, welche in land« wtrthschaftlichen und industriellen Großbetrieben der au» der Anwendung von Kraftmaschinm erwachsenden Gefahr au»ge. setzt find. Die liberale Minderheit des Gewerdeau»schuffes hat Minorats, votum drei Abänderung, antrage gestellt. Der wichtigste derselben geht dahin, an Stelle der territorialen Ver« ficherungsanstalten Berufsgenossenschaften, u bilden, in welchen gleichartiae oder wirthschastlich verwandte Betriede vereinigt werden. Weiter befürwortet fie die völlige Frei- lassung der versicherten Arbeiter von jeder BeitragSleistung, hält aber dabei da» Recht der Arbeiter, an der Verwaltung der Versicherungsanstalten thetlzunehmen, aufrecht. Und end- lich will fie rückhaltSlos ausgesprochen wtffen, daß man auch den land- und forstwirthschaftlichen, sowie auch den gesammten gewerblichen Betried in die Unfallverficherung ohne jede Rückficht auf eine au» Anwendung au» Kraftmaschinen ent« stehende Gefahr einbeziehen müffe. Die Verathungen über die Vorlage werden im Abgeordnetenhaus erst nach Ostern de« ginnen. Im Monat März diese» Jahre» wurden aus den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern 54 Individuen, nämlich 45 Männer und 9 FrauenSpersonen ausgewiesen, und zwar: 13 nach Bayern, 12 nach Ungarn, 11 nach Rußland, 8 noch Preußen, 5 nach Italien, 2 nach Württemberg und je ein Individuum nach Afrika, Sachsen und der Türkei. Unter den nach Italien AuSge» wiesenen befindet fich der 44jShrige Ingenieur Bartlmä Conci au» Mailand, welcher wegen Verbrechen» deL tzochverrathe» vom Landgerichte in Innsbruck zu einer dreijährigen Kerkerstrafe verurthellt worden war und erst kürzlich die Freiheit erlangt hatte. R u tz l a« d. Ueber die bevorstehende Verstaatlichung der rusfischen Eisenbahnen bringt die„Rom. Wr." folgende intereffante Daten:„Es ist bekannt, daß die Konzesfion zum Bau unserer Eisenbahnen auf verschiedene Fristen von 75 bis 85 Jahren verliehen wird. Rur die Bahn Zarskoje Selo ist ftistlo» kon- zesfioniit. In allen Statuten der Eisendahnen behält fich die Regierung außerdem da» Recht vor. nach Ablauf einer gewissen Reihe von Jahren(gewöhnlich 20 Jahre) die Bahnen anzu« kaufen, wobei die Rnneinnahme der letzten 7 Jahre, mit Abzug der beiden ungünstigsten Jahre, zum Maßstab der Bestimmung einer mittleren Einnahme dient, deren Ertrag den Aktionären di» zum Schluß der Konzesstonifrist auigezahlt wird. 1886 können die Rjahsk. Morshanlker und Lodzer Bahn angekauft werden, 1887 die Moikau.Nishegoroder und Peter»bmg War« schauer, 1888 die Nikolaibahn, danach in jedem folgenden Jahre bi» 1898 die übrigen, mit alleiniger Ausnahme der Orlow« Witebsker und Dünadurg-WUebsker, die 1906 angekauft werden können 1932 erhall die Regierung nach Ablauf der Konzesfion die Warschau-Wiener Bahn und 1959 erlischt die letzte Kon« zesston, so daß dann da» gesammte Eisenbahnnetz in Händen der Regierung ist." Auch in Rußland will man für die verunglückten Arbeiter eine Mrsorge schaffen. In einer au» Delcgirtm der Industriellen und anderen Mitgliedern, darunter auch Vertretern des vürgerdeparte« ment» bestehendenKommisfion dehufSBerathung eineSGesetzes über Unfallentschädtgung von Fabrik« Arbeitern sprachen fich, wie die„Rom. Wr." derichtet, strikt gegen ein solches Gesetz die Industriellen au», welche metntm, es würde daffelbe die Arbeiter nur nachlässiger»erden lassen(!), fie empfahlen, erst eine Unfallstatistik aufzustellen und im Uedrigcn strenge Maßregeln zur Verhütung von Unfällen zu erlassen. Die Vertreter deS Bergwerl!-Resiort» dagegen waren gerade mein« Zugend, alle schöne« Hoffnungen geopfert, ich ver« achte Dich I!" „Astarte, mein Weib I Astarte, sei barmherzig!" „Hahaha, Dein Weib?— Geh' hinab zum Trödler, dort finde fie I Zch verzichte auf diese seltsame Ehre!" Sie wendete fich hastig nach ihrem Zimmer, da» Klappen de» Riegel» trennte ihn von ihr. Wie ohnmächtig wankte er an'» Fenster und starrte aus den Hof. . Da tönte leise von unten her ei« wehmüthig leiser Saitentsn und die zitternde Stimme de» alte« Zustu»: Nicht ist'S de« Reize» Schimmer, Der dauernd un» entzückt, ®« ist die tiefste Liebe, Die selbst da» Elend schmückt. Weinend sank er in de« Stuhl und preßte da» Haupt t» die Hände.(Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Zeven. ... Osteud-Theater. Dienstag und Mittwoch müssen wegen «-n tingegangener kontraktlicher Verpflichtungen die Vor« Im der„Loreley" au»gtsetzt werden, doch sollen solche wieder ausgenommen werden und vorau». stchtttch bi» über""-.-..... beachtensw�th ist und dessen Wiederholungen erst für die gsrc °°° � m-, Großes Eistnbahn.Ungiück w Amerika. In der Rahe von Westdoorfield im Unionstaate Massachusett« ereignete sich.°or einigen Tagm ein Eilmbahn-Unalück. In Folge un. richtiger Weichenstellung entgleiste der mit großer Geschwindig. ctztzK..» tz.«tz� i vlllv'"Wujujirivf«CeCTivCt UTiv Waggon» bildeten einen Trümmerhaufen, aus dem verbrannte Körpertheile und gräßlich verstümmelte Gliedmaßen im wüsten Durcheinander mit zersplitterten Eiscntheilen ragten. DaS E entgegengesetzter Anficht, und fie verlangten gar, daß der Fabrikbesitzer selbst dann die Verantwortung zu tragen haben solle, wenn die Arbeiter in Folge eigener Verschuldung ein Unfall trifft. Die Kommisfion schlug nun einen Mittelweg ein. Sie erkannte die Rothwendigkeit eineS Spezialgesetzes an, aber fie will gleichzeitig„... die Fabrikanten, Industriellen, Hüttenbefitzer und Landwirthe, die mit Maschinen arbeiten, nur dann für Tod, Verstümmelung und chronische Gesund« heitsschädigung von Arbeitern verantwortlich machen, wenn der Unfall veranlaßt wurde durch den Mangel an Maschinen oder StcherheitSvorkchrungen, durch Fehlerhaftigkeit der Maschine, durch Erplosion, sowie durch Rachläsfigkett oder ungenügende Kenntnisse de» Dienstpersonals, dessen Befehle und Anoid< nungen Unfälle hervorriefen, endlich, wenn der ArbeitsmoduS die bestehenden besonderen Vorschriften unbeachtet ließ." Im Falle de» Todes sind Kur« und Bestattungskosten zu tragen und die vom Verstorbenen Unterhaltenen ficher zu stellen, im Falle einer Gesundheit« schädigung die Kur-Kosten und eine Pension zu zahlen; letztere variirt zwischen 25 und 100 pCt. vom vollen Penfionsbetrage, der nach Maßgabe des Wochen« lohne» berechnet wird; dabei ist der Termin für Einreichung der Entschädigungsklage in liberalster Weise auf zwei Jahre normirt und dem Fabrikbesitzer die Beweisverpflichtung zuge« S toben, daß der Unfall durch höhere Gewalt oder Schuld des rbeiters entstanden sei. Schweden und Norwegen« Auch Schweden sucht neue Adsatzquellen für seine Erzeugnisse. Die im nächsten Mai eine Üedungtfahrt unter« nehmende Fregatte„Vanadis" soll nach Marokko verschiedene Produkte, wie Ersen» und Holzwaaren, Fayence, Butter» Käse, ündhölzer, getrocknete Fische, Bier und Waffen mitnehmen, ir deren Einführung der schwedisch-norwegische Generalkonsul n Tanger sorgen wird. Wie der letzte Bericht de» Kommerzkollegiums mittheilt, giedt e» in Schweden 2924 Fabriketablissement», in denen 71713 Arbüter beschäftigt und für etwa 191'/* Millionen Kr. Waaren erzeugt werden. Die höchsten Werth« werden durch die Gießereien und mechanischen Werkstätten mit 30,8 re« präsentirt; derselben folgen die Zuckerraffinerien mit 19,3, die Baumwollenwebereien mit 12,7, die Baumwollenspinnereien mit 12,2, die Kleiderfabriken mit 11,1, Tsdarfabriken mit 10,9, Malzdarrfabriken mit 9,1, Zündholzfabriken mit 9,0 und die Papierfabriken mit 8,0 Millionen Kronen. Diesen Fabriken schließen fich die Tischlereien, Lederfabriken, chemisch, technischen Fabriken, Ziegetwerke und Fabriken von Papiermaffe mit einer JahreSproduttton von 5'/*— 6 Millionen Kronen an. Spanten« In der Provinz Katalonien herrscht seit einiger Zeit eine Bewegung unter der Arbetterbevölkerung, die neuerdino» eine Verschärfung erfahren haben muß, da fich verschiedene Blätter veranlaßt sehen, die Regierung auf die Angelegenheit aufmerk- sam zu machen und derselben den Rath zu ertheilen,„Maß- regeln" zu ergreifen. Balkanländer. Nach einer Pariser Meldung find daselbst au» Athen Be- richte eingelaufen, denen zufolge die Eventualität eine« kriege- rischen Vorgehen» Griechenland» gegen die Türkei al» nahezu beseitigt gilt. Der bisherige Verlauf der Kammer« debatten habe wesentlich dazu betgetragen, dem Kabinette Delyannis einen Rückzug zu ermöglichen, schon deshalb, weil die Ovpofitton unter Führung von Trikupi» fich gegen eine Krieg« führung ausgesprochen habe und die bis jetzt behauptete Ein« stimmigkeit der öffentlichen Meinung deS Landet in dieser Frage nicht mehr existire. DaS Gerücht, daß zwölf Bataillone Montenegriner nach einem heftigen Gefechte mehrere Ortschaften auf türkischem Ge« biete besetzt haben, bestätigt sich in dieser Form nicht. Richtig ist jedoch, daß 2500 Montenegriner vor Kurzem zwei Ortschaften in der Rähe von Golaschin besetzt haben und daß bei dieser Gelegenheit zwischen den Montenegrinern und den Einwohnern mehrere Schüsse gewechselt wurden. Die Pforte hat ihren Agenten in Cetinje deauftragt, von der fürstlichen Regierung Erklärungen über diesen Vorfall zu fordern. Letztere hat den Vorfall al» ein Mißverständniß bezeichnet und sofort die Räu« mung der beiden türkischen Ortschaften angeordnet, die auch schon thatsächlich vollzogen worden ist. DaS„Journal de St. Petersbourg" dementirt die Meldung des„Gaulois" von einem angeblichen rusfischen Zirkular be« züglrch der Entschließungen Rußlands für den Fall, daß der Fürst von Bulgarien fich weigern sollte, fich dem Arrangement der Mächte zu unterwerfen. Ebenso bezeichnet das Journal die Nachricht der„Jndtpendance Beige" von in St. Petersburg neuerding» stattgehabten Verhaftungen nihilistischer Agitatoren als unbegründet. Amerika« Aus Ost- St. Loui» wird gemeldet, daß die streikenden Ar- beiter daselbst versuchtm, in das Ersendahn- Depot zu dringen, um die dort beschäftigten Ardeiter zum Anschluß an den Strei! zu nöthigen. Die Vize-Marschälle feuerten auf die Streikenden, ohne angegriffen zu sein, wobei vier Personen getödtet und Grauen wurde dadurch erhöht, daß die Trümmer in Brand geriethen und schnelle Hilfeleistung unmöglich wurde. Dreißig Personen find getödtet, vierzig Reisende lebensgefährlich ver« letzt worden. Die meisten Leichname zeigen schreckliche Brand« wunden. Die Untersuchung gegen die Schuldtragenden ist eingeleitet. Die Heiligkeit der Ehe. Wiener Blättern entnehmen wir folgende HeirathSgeschichte: Vor ungefähr zwei Jahren machle ein in London lebender Mustker— ein gebürtiger Wiener— die Bekanntschaft einer dort lebenden Schau- spielerin, deren Theaternamc Lola Armin war, die in Wahr« heit aber Louise Htnterbuber hieß. Der junge Mann erhielt in Ausübung seines Berufe» Zutritt in die besten englischen Häuser, wo jedoch sein Verhältniß mit einer Schauspielerin Anstoß erregte. Um diesem Hinderniß zu begegnen, ließ stch der Mustker in London von einem Melhodisten- Prediger, den er mit 2 Lstrl. honorirte, trauen. Da» Pärchen lebte einige Zeit im süßesten Einvernehmen. Da der Mustker einem An« trage an ein Berliner Theater Folge leisten wollte, wendete er sich an de» Wiener Magistrat um Erwirkung eine» Passe» und machte bei dieser Behörde die Angabe, daß er„verehelicht" sei, was in den hiestgen Konskriptionslisten auch vorab vermerkt wurde. Der Musiker üderfiedelte nunmehr, und zwar allein nach Berlin— während sein„Weibchen" in London ein Verhältniß mit einem Grundbesitzer Namen» Mohamed Ebn Abdallah an« knüpfte und mit demselben nach Algier zog. Vor Kurzem nun »endete stch unser Mustker von Berlin au» an den Wiener Magistrat mit dem Ansuchrn um Zusendung eines Ehebewilli« gungSscheim»(amtliche Blstätigung der HeimathSbehörde über den Umstand, daß der Eheweiber ledig sei und demselben zur »bschlteßunq einer giltigen Ehe im Auslande kein gesetzliche» Ehehtnderniß entgegenstehe). Dieses Ansuchen wurde jedoch mit Hinweis auf den Umstand, daß auf dessen Konskriptions blatt We Rubrik.Stand" mit„verehelicht" ausgefüllt erscheine, verneigeit. Der Musiker replizme darauf, daß seine damalige Angab« eine irrthümliche war; seine in London abgeschlossene Ehe sei vollständig ungiltig, da der die Trauung abschließende Funktionair keine Berechtigung hatte, giltige Ehen abzuschlie« ßen. Da diese Angabe bei der hiestgen Behörde wenig Glauben fand, wendete fich der in so arge Verlegenheit ge« brachte Ehewerber an seine ehemalige Pseudogatlin selbst und erhielt von dieser folgende Antwort:„Lieber Freund! Ich halte Dich für zu klug, al» daß Du glauben könntest, daß wir jemal» eine Marlage geschloffen hätten; Du bist frei; ich habe längst der Kunst den Rücken gelehrt und fühle mich al» zwei verwundet wurden, darunter eine Frau. Eine Abtheilung Miliztruppen hat Befehl erhalten, fich nach der Stadt zu be« geben. Die streckenden Arbeiter in Little Rock, Arkansas, haben ebenfalls Ruhestörungen veranlaßt, während deren der Vize« Sheriff erschoffen wurde. Mr. Richmond, der Prästdent der Broadway Tramway Kompany, ist verhaftet worden unter der Anklage, mehrere Mitglieder de» New-Uorker Gemeinderathes bestochen zu haben. Wegen derselben Angelegenheit ist noch ein Stadtrath(der vierte) verhaftet worden. Afrika. Nach Meldungen vom Senegal ist da» Fort Bakel (französtsch) von den Eingeborenen angegriffen und hat daselbst ein sehr blutiger Zusammenstoß stattgefunden, welcher drei Tage dauerte. Mehrere Dörfer und Faktoreien wurden angezündet. Die Verbindungen find abgeschnitten. Die Lage wird als ernst bezeichnet._ Kozlales ttnh Arbeiterbewegung. Preisrückgang. Vor zirka fünf Jahren wurde in Klingenthal und Markneukirchen, wo die sächfische Industrie besonder» ausgebildet ist, für eine gangbare Sorte kleiner Harmonikas für das Dutzend 4 M. gezahlt, Millionen dieser Spielzeuge wanderten nach Amerika. Jetzt wird für das Dutzend derselben Harmonikas nur ein Preis von 1,40 M. erzielt. Mag nun auch gegenwärtig durch allerlei technische Verbesserungen die Herstellung dieser Spielzeuge rascher und leichter geschehen, so gebt man doch mit der An« nähme nicht fehl, baß trotzdem der Preis um mehr als die Hälfte heruntergegangen ist. Daß aber in der Hauptsache die Ardeiter diesen Preisrückgang zu tragen haben, ist natürlich. Die Handweber de» obere« sächfische« votgtlandes find, wie auch der Abg. Jahn im sächstschen Landtage einge« standen hat, ganze sechs Monate lang ohne Arbeit gewesen. Die Roth war in den Webersamilien so groß, daß, um nicht vor Hunger zu vergehen, auch die Saalkartoffeln aufgezehrt werden mußten. Beim Herannahen der Saatzeit hat nun die AmtShauptmannschaft zu OelSnitz au» einem vor 8 Jahren gesammelten Nothstandsfovd» Saatkartoffeln gekaust und die« selben in den vier am meisten von der Roth betroffenen Dörfern vertheilen lassen. Und da wird von verschiedenen Organen der besttzenden Klaffen im Königreich Sachsen noch immer der Nothstand geleugnet! Aus Kassel wird gemeldet, daß im Laufe deS Winters in Niederheffen nicht weniger als 25 Personen erfroren find. Daran ist natürlich neben der strengen Kälte auch die allge- meine Roth Schuld. Die Sammttndustrie am Niederrbein liegt schwer dar- nieder. Die größte Firma, Andrea zu Mülheim läßt entgegen einer Nachricht, daß die Sammttndustrie in dortiger Gegend im vorigen Jahre größeren Aufschwung genommen habe, er- klären, daß es, so lange die Firma existire, kein schlechteres Jahr gegeben habe, als 1885. Und gegenwärtig sei keine Beffemng eingetreten. Die Firma Andreä allein habe 800 Ar» beiter entlassen müssen, die Löhne aber seien durchweg um 20—25 Prozent reduzirt worden. Der Fachverei« der Maler- und Lackirergehtlfen i« Leipzig versendet»in Rundschreiben an die Meister, in welchem es heißt: Da e» leider der hiestgen Gehilfenschaft nicht möglich ist, mit den Herren Meistern in Gemeinschaft über die Hebung unseres Gewerbe» im allgemeinen und über die Besserung der Lage der Gehilfen im besonderen zu berathen, so hat die Ge- Hilfenschaft in ihrer Versammlung vom 1. März d. I. be« schloffen wie folgt: a) lOstündige Arbeitszeit inklustve einer zu gewährenden Frühstückspause von 15 Minuten; b) einen Minimallohn von 38 Pf. pro Stunde für einen Gehilfen; c) für Ueberstunden und Sonntagsardeit die Hälfte de» Stundenlohnes, zu welchem der Gehilfe zur Zeit arbeitet, pro Stunde mehr; ck) für Nachtarbeit, d. h. von Abend» 10 bi» Morgen» 7 Uhr, doppelten Lohn zu fordern. In Bezug auf die von den Herren Meistern eingeführte Werkstattordnung hat die Gehilfenschaft beschloffen, dieselbe anzuerkennen resp. zu unterschreiben, wenn an den§§ 2, 4, 5, 6, 7 folgende Aende« rungen vorgenommen werden: an§ 2, daß der Meister"er- pflichtet ist, auf Neubauten ic. für einen verschließbaren Raum resv. Kiste oder dergleichen besorgt zu sein; an§ 4, die Akkord« arbeit so viel al» möglich zu beschränken: an§ 5, unsauber ausgeführte Arbeiten müssen bezahlt werden, wenn die Schuld am Material oder ArbettSzeua liegt:°n§ 6, die Auszahlung de» Lohnes muß mindestens bis eine Vierlelstunde nach Schluß der Arbeitszeit erfolgt sein; an§ 7, die Frühstücktpause be- treffend(s. Forderung unter a). Verkürzung der Arbeitszeit wurde in einer Manufaktur- arbeiterversammlung zu Gera als ein Mittel hingestellt, um den alljährlich wiederkehrenden Krisen in der Manufaktur- arbeiterdranche wirksam entgegenzutreten. Eine dahin zielende Resolution wurde einstimmig gefaßt. In der Schwei, scheint bewegung auch eine vergangenen Jahren. in diesem Jahre die Streik« rößere zu werden, wie in den letzt« «r Arbeitseinstellung der Holzarbeiter Muhamedanerin sehr wohl; ich wünsche Dir ein Gleiche» und daß Du Dich recht bald glücklich verheirathen möchtest. Zeige mir Deine Wiederverehelichuna an. Deine Freundin Fatime Mohamed Ebn Abdallah(geb. Hinterhuber)." Der Wiener Magistrat leitete in Folge des wiederholten Ansuchens von Seite de» Heirathskandidaten Erhebungen ein, welche dahin führten, daß dem letzteren der EhebewilligungSschein nicht be« willigt werden konnte, weil über dessen eigene Angabe im Katasterblatt die Anmerkung der Verehelichung eingetragen wurde, und ein Nachweis, daß diese Eintragung eine irrige und die Ehe eine ungiltige ist, nicht erbracht worden ist. Die Maschinenkräfte am Panama-Kanal. Der Mit- arbeiter des„Journal de» Döbati", Hr. M. G. de Molinaci, befindet fich gegenwärtig am Panama Kanal, von desien Ar« betten er seinem Blatte intereffante Berichte schick«. In einem derselben wird mitgetheilt, daß die bei den Ausgrabungen be- schäftigten Maschinen die Arbeit von über einer halben Million Menschen repräsentiren. ES finden nachfolgende Maschinen mit den beigesetzten Pferdckrästen Verwendung: 200 europäische Lokomotiven mit 19 200 Pferdekrästen 60 amerikanische„„ 4800„ 8 Lokomotiven zu 3'/, Tonnen„ 80„ 105 amerikanische Erdaushcbemaschinen„ 5000„ Baggermaschinen zu 60 Pferden„ 240" „ zu 180„„ 3 960„ Seebaggermaschinen„ 1 800„ amerikanisch« Baggermaschinen„ 2100„ 10 Stopper-Barge»(Sperrbarken)„ 3 000„ 4 schwimmende AuSlader„ 240„ 22 Transporteure„ 700„ 97 Lokomobile„ 970 34 halfixe Maschinen„ 2 720 500 Dampskrahnen» 10000„ 28 große Remorqueure(Schlepper)„ 2140„ 1 Ponton bigue„ 25„ 144 Dampfpumpen» 150„ 4 22 3 7 Summa 57 400 Pferdekräftc. Man nimmt gewöhnlich an, daß ein Pferd die Arbeit von zehn Menscken verrichtet; die 57 400 Pterdekräfte repräsentiren also den Werth der Arbeit von 574 000 Menschen. Das geht weit über die Zeiten de» Pharao Cheop», an dessen großer Pyramide 30 000 Menschen dreißig Jahre lang ge« arbeitet haben. in Basel, find auch die in Et. Gallen und Lausanne gefolgt. Auch in andern schweizerischen Städten verlangt man dm zehnstiindigen Arbeitstag ohne Lohnabzug. Man war zuerst in Regieiunaslrelsen der Meinung, daß die Etretldewegung mit anarchistischen Bestrebungen in Verbindung zu bringen sei, doch ist man jetzt allseitig, auch in den maßgedendm Kreisen selbst der Anficht, daß die« ein Jrrthum ist. Ueber den gegeuwärttgen Stand der Etreikbewegvng in Nordamerika verlautet, daß noch in verschtedmen Geschäfts- zweigen Arbeitseinstellungen größeren Maßstabes in der Schwebe find. In Pennsylvanien, Maruland und Ohio streiken über 20000 Grubenarbeiter, in Neu-England gegen 10 000 Spinner und Weber, Schuhmacher und Metallarbeiter, und in New'Uork haben neuervinaS die Tischler und Zimmerleute sowie verschiedene andere Gruppen die Arbeit eingestellt, sodaß im Ganzen die Streikmdm im Lande auf weit über 50000 angenommen werden können. Die Baseler Holzarbeiter wenden fich nochmals ein» dringlich an ihre deutschen Kollegen. Sie haben außer- gewöhnlich viel für Durchreisende ausgeben müffm, damit diese in Basel nicht Arbeit nehmen; am 1. April war die übliche Vierteljahrsmiethe fällig, das AlleS hat bei vielen bereits Muthlofigkeit erweckt. Soll der Streik nicht scheitern, waS die ganze Arbeitersache schädigen würde, so müssen fich alle Kollegen hilfsbereit zeigen. Alle Sendungen find zu richten an Herrn Riegler, Basel, Untere Reb�affe 15. Uereine mh Uersammwngen. * Die im DretSlergewerbe beschäftigte« Arbeiter hielten am Donnerstag, den 8. April, Abends 9 Uhr in der Urania, unter Vorfitz VeS Herrn Eündermann eine Versamm- lung ab, in welcher Herr Michelsen über den Niedergang unserer Industrie, deffm Ursachen und die zukünftige Gestaltung der Industrie referirte. Referent schllderte zunächst, wie durch die stetig« Entwickelung de» Maschinenwesens, mit welcher die Verkürzung der Arbeitszeit leider nicht gleichen Schritt halte, die Konkurrenz der Arbetter immer größer werde, daß über- Haupt die heutige kapitalistische ProduttionSweise daS Elend der Ardeiter verschulde. Von einer Uederproduktton könne eigentlich nicht die Rede sein, denn bis jetzt lönnen die Ar» beiter ihre Bedürfnisse noch lange nicht befriedigen. E» müßte eine Regelung der Konsumtion eintreten; die Ardeiter müßtm die Früchte ihrer Thätigkeit genießen. Redner verwteS alsdann aus den Arbeiterschutz-Gesetzentwurf, welchen die sozialdemo- kratische Frattion im Reichstag eingebracht hat und be» dauerte, daß die Majorität des Reichsiages mit dm Verhält» nissen der Ardeiter nicht genug vertraut ist. Die Arbeitervertreter hätten es bis jetzt an Vorschlagm zur Besserung der Lage der Arbeiter nicht fehlm lassen, und werde boffmllich eine Zeit kommen, wo der ehrlichm Arbeit ihr ehrlicher Lohn wird. Jetzt habe oft derjenige, der die längste Arbeitszeit innezuhalten hat, den niedrigsten Lohn. Wenn die Arbeiter eine Besserung ihrer Lage erzielen wollen, müßten ste aber auch die nöthigen Schritte dazu thun; fie müßten u. A. dm Gesetzgebern das nölhtge Material an die Hand geben. Nicht richtig wäre es, daß selbst von den Mtnisterseffeln herab für niedrige Lohnsätze plädirt würde. Niedrige Löhne und lange Arbeitszeit erzeugen das soziale Elend und Krankheitm im Volke. Redner ver» wahrte fich dagegm, daß durch Streiks etwaS Dauerndes erzielt werden könnte; eine dauemde Besserstellung der Lage der Arbeiter sei nur durch die Gesetzgebung möglich. Darum müßten die Arbeiter fich klar werdm über die Mittel, welche für fie eine Besserung herbeiführen können. In der DiSkusfion sprachen die Herrm Mehnert, Schräder, Eündermann und Prause im Sinne deS Referenten. Alsdann sprach Herr Echwittau über dm Streik bei Siegel. Redner setzte auseinander, wie gerechtfertigt dieser Streik und daß derselbe vom Fachverein für VeremSfache erklärt worden sei. Es sei unmöglich, daß Arbeiter mit einem Verdienst von 10 bis 13 Mark wöchentlich bestehen könnten, deshalb müßten alle Arbetter, soviel wie in ihren Kräften steht, für die Strettcndm eintreten, damit diese mit ihrer Forderung: Wegfall des Abzug» von 10 Prozent, durchkämen. Geschieht dies nicht, so würden sämmtliche Knopffabrikanten fich genöthigt sehen, ihren Arbeitern denselben Lohnadzug zu machen. Redner schilderte ferner, wie der genannte Fabrikant fich alle Mühe 8 Übt, dm Streik illusorisch zu machen, daß e» ?m aber nicht gelungm sei, trotzdem schon 5 Wochen seit Beginn deS Streiks verflossen find, leistungsfähige Ardeiter in die Fabrik zu ziehen. Die Streikenden, meint Redner, bildm noch immer eine geschlossene Phalanx und werden doch zum Ziele gelangen müssen. In demselben Sinne sprachm fich die Herren Sundermann, Schroeder und WeiSfluck auS. Nachdem wurde folgende Resolution einstimmig ange- nommm:„Die heute tagende Versammlung sämmtlicher im DrechSlergewerk beschäftigten Arbeiter erklärt stch mit den AuS- führungen der Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtm fich die Versammelten, erstmS, fich einer gesunden Arbeiterorganisation anzuschließm, zweitm», mit aller Kraft für die streikmdm Kollegm der Siegel'schm Fabrik einzutreten." kiue öffentliche Versammlung der Stellmacher Berlins tagte am Donnerstag, dm 5 April, in Grätz Salon, Brunnenstr. 140, mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichs- tagsadgeordneten Herrn Heine über„Produktion und Konsum- tion". 2. VerschiedmeS.— Da Herr Heine durch dringmde Verhältnisse abgehaltm war, in der Versammlung zu erscheinen, so übernahm Herr Max Kieutz da» Referat. Redner führte in feinem beifällig aufgenommenen Vortrag aus, daß in ftüherm Jahrhunderten die Innungen noch einen Zweck hatten, well ste fähig warm, die Produltton und Konsumtion in gewissen Grenzm zu halten. AlS aber die Dampfmaschine und die Großprodultion in Kraft trat, da war der Innung ihr Grab gegraben. AlS die Maschinen mehr und mehr in Gebrauch lamm, wurdm viele Arbeitskräfte überflüsstg, eS wurden mehr Waaren produzirt» als konfumirt werden konnten. Die Arbeits- löhne wurdm mehr und mehr heruntergedrückt und der Ar» beiter wurde immer konsumttonSunfähiger. Darum sei eS noth» wendig, die Produktton in geordnete Bahnen zu lenkm. Die Verkürzung der Arbeitszeit sei dazu vor Allem nöthig. Eine durchgreifende Hilfe sei aber nur durch die Gesetzgebung möglich, deshalb sei eS Pflicht eines jeden Ardetters, daß er solche Vertteter in dm Reichstag wählt, welche darauf hinwirken, daß Schutzgesetze für dm Arbeiter erlassen werdm. An der DiS- kusfio.'! beiheiligten fich mehrere Redner, welche darauf hin- wiesen, daß die Maschine in ihrer jetzigm Anwendung den Ar- beiter» statt ihn zu enllastm, außer Kourj gesetzt habe. Hierauf wurde folgende Resolution angmommen:„Die heute tagende Versammlung der Stellmacher Berlins erklärt fich mit dm Ausführungen deS Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet fich, mit allen ihr zu Gebote stehenden aesetz- ltchm Mitteln dahin zu wirken, daß die zehnstündige Arbeits- zeit, sowie der von der Lohnkommisston ausgearbeitete Akkord« tarif zur Geltung gebracht werde." F>rner beauftragte die Ver« fammlung die Kommisfion, in näszster Zett eine nochmalige Versammlung einzuberufm, um endlich zum Ziel« zu gelangen. — Zu Verschiedmem wurde beantragt, für die streikenden Schuh- macher in Frankfurt a. O. eine Tellersammlung vorzunehmen, waS jedoch von dem überwachenden Polizeilieutenant nicht ge» stattet wurde. Die nächste Versammlung wird durch Säulen- anschlag, sowie durch Inserat im„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht. In dieser Versammlung steht allen Kollegen der Akkordtarif gedruckt zur Verfügung. Ein interessante» Bild einer blühenden Kaste bietet der„Unterstützunas'Verein Deutscher Buchdrucker". Nach dem Rechenschaftsbericht der Invaliden« Kasse für das Jahr 1885 hat dieselbe ein Vermögen von 513 356 M. 65 Pf., wai bei 10423 Mitgliedem gewiß recht erfreulich ist. Die Allgemeine Kasse hat ein Vermögm von 175 874 M. 71 Pf. Möge es allen Kassen gelingen, fich in gleicher Weise zu bethätigen. Ueber die letzte Versammlung de» Lonise«' städtischen Bezirksvereins„vorwärts" brachten wir b unserer Sonnabendnummer einen Bericht, zu dem uns Hen Strelow, Wasserthorstr. 27, folgende Berichtigung sendet:„Jt habe in meinem Schlußworte nicht gesagt: Sie sehen, dif wir Arbeiter auf dem Posten sein müssen, vielmehr gebrauchte ich nach dem Verlesen dei Artikels: Der Staat und dai soziale Elend(nicht Massenelend) folgende Worte:„Einet Kommentar» bedarf es nicht, aber ich appellire an Ihre Denk- kraft und rufe Ihnen zu: Leset und denket." Hierauf löste der die Versammlung überwachende Polizeibeamte die Vev sammlung auf. * Oeffentltche Generalversammlnng sämmtlicher i« DrechSlergewerk beschäftigten Arbeiter heute Abend 8 Uhr in Sanssouci, Kottbuserstraße 4a. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommisfion, sowie Beschlußfassung betreffs der diesjährigen Lohnbewegung. 2. Bericht der Siebenev Kommisfion betrefft des Vereinsstatuts, sowie Beschlußfassung hierüber. 3. Per» schiedeneS. Zur Ausgabe gelangt der gedruckte Rechenschaft»« bericht der bisherigen Lohnbewegung.(Siehe Inserat.) * Allgemeine Kranken» und Sterbekasse der Metall« arbeiter(E. H. 29), Filiale 9, Versammlung heute Abend 8 Uhr bei Donath, Alt-Moadtt 90. Tagesordnung: Stichwahl dir Delegirten. Verschiedenes. * Gauverein Berliner Bildhauer, Annmstraße 16- Heute, fachlicher Abend. Die Delegirten werden ersucht, dehuf»- Empfangnahme der Fragebogen zu erscheinen. * Ortskrankenkasse der Bildhauer, Stuckateure und Gipifigurenfabrttanlen. Mittwoch, den 14. April, Abend» 8 Uhr, in Niest'S Salon, Kommandantenstr. 71—72, ordent« liche General» Versammlung. Tagesordnung: Rechenschafts« bericht, Anträge der Mitglieder, Regelung der Krankenkontrole und Verschiedene». * Zentral-Kranken» und Sterbekasse der Maler und verwandten BerufSgenoffen Deutschlands(E. H. Nr. 71) Filiale II. Dienstag, den 13. April, Abends 8 Uhr, im Lokale deS Herrn Htldebrandt, Weberftr- 17, Mitglteder-Persammlung-: Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines 1. Bevollmächtigten. 3. Verschiedenes. * Verband deutscher Zimmerleute. Lokalverband Berlin G. Dienstag, den 13. April, Abends 8 Uhr, Kommen« dantenstr. 77/79, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Ab« rechnung. 2. Vorschläge zur Deleainenwahl. 3. Verschiedene». 4. Fragen.— Ausnahme neuer Mitglieder. * Allg. Kranken» und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg'!, Filiale 4. Dienstag, den 13. April,- Abends 8V> Uhr, Versammlung AndreaSstr. 26. Tagesord«! nung: Stichwahl, Verschiedenes. * Allg. Kranken» und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H 29 Hamburg), Filiale 5. Mittwoch, den 14. April,, Abends 8'/» Uhr, Mitgliederversammlung Lothringerstr. 81. Tagesordnung: Stichwahl der Delegirten zur Generalver«! sammlung. * Allg. Kranken» und Sterbekasse der Metallarbeite» (E. H. 29 Hamburg), Filiale 7, Berlin. Heute Abend 81/» Uhr Mitgliederversammlung dei Schuhmacher, Lindowerstr. 23. * Allg. Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg). Heute Abend 8'/, Uhr im Lokal de» Herrn Schubert, Mückernstraße 114, Mitgliederversammlung- j Tagesordnung: Stichwahl»wischen 3 Delegirten. • Rauchklub„Zum Wrangel" jeden Dienstag Abend 8'/, Uhr im Restaurant Wrangelstc. 32. * GesangSveretn„LebenSblüthe". Jeden Dienstag.- Abends 9 Uhr, Wienerstr. 11, UebungSstunde. v.* Zitherklub„Südost" jeden Dienstag, Abends 8 Uhr, dei Schmidt. Manteuffelstr. 71. * Berliner Turngenossenfchafi(6. Lehrlings-Abthei« j lung) jeden Dienstag und Freitag von 8—10 Uhr Abends i» der Turnhalle, Zehdenickerstr. 17. Theater. Dienstag, den 13. April. Overuhau». Violette(La Traviata). «chanfpielhanS. Der Bibliothekar. Deutsches Theater. Das Urbild deS Ter« tüffe. Wallner-Theater. Die Spielkasse, Posse in 5 Bildem von A. Gerstmann. »-estdeu»» Theater. Frau Doctor, Schwank in 3 Asten von P. Ferricr u. H. Bocage. Vorher: Die Schulreiterin. »tlle.»llta«te.The»ter. Der Bettelstudent. »riedrich»«ilhelmktädtischeS Theater. Unter persönlicher Leitung des Komponisten Joh. Strauß. Der Zigeunerbaron. Ä BÄ ÄÄ mit Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Asten von Jakobson und Willen. «entral-Theater. Der Stabs- Trompeter. Viktoria- Theater. Der Müller und sein LouisenstädiischeS Theater. Die Räuber. vftend-Theaier. Mit dem Strome, oder: Wogen des Glück». Vorher: Monfieur Her- Umeririm- Theater. Große Spezialttäten» Borstelluna. Theater der RetchShalle«. Große vpezialt» täten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnerthearerstraße 15.[1200 Heute und die folgenden Tage: Berliner ans Reisen. GesangS-BurleSke in 3 Asten. Vor der Vorstellung: GZ. Koszert der Hsuskapeke. ««fang de» KonzertS�Wochenta� 7 Uhr, der SUtfang de» Konzert» Sonntags 8 Uhr, s« Vorstellung?'/» Uhr. So«» haben Wochentags Giltigkett und find im ier'öureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Danitlfoaung. Allen Freunden u. Bekannten f. d. liebevolle und zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines innig geliebten ManneS, insbesondere dem Herrn Prediger Proehnow für sein: erhebenden Worte am Grabe d. Dahingeschiedenen, spreche ich hiermit meinen herzlichsten Dank auS. Die tieftrauernde Wittwe Hedwig Reisewitz. geb. Kielburg. im Namen der Hinterbliebenen. «tzraterh Z. ersten Male: n. Cyclu« Pari». Neu! Da» malerische Savoye« iL CycluS. Hertha» Keife. Karolinen-Jnseln-c. Eine Reise 20 Pf. Kinder 10 Pf. Passage 1 Tr. 9 M.— 10 8. Kaiser-Panorama. Allen Denen, welche meinem lieben Manne die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere den Mitgliedern d. TtschlervereinS, sage ich hiermit meinen herzl. Dank.[1340] Wwe. PallieS. Oeffentl. Generalversammlung sämmtlicher im DrechSlergewerk beschäftigten Arbeiter heute Dienstag, Abends 8 Uhr, in Sanssonei, Kottbuserstraße 4 a. „Tagesordnung: Siehe redaktionellen Theil dieser Zeitung." 1346_ Die Lohnkommisston. Aezirksver. d. werkt?. Wolkes der Schönhauser Dorstadt. Mittwoch, den 14. d. Abend» 81/« Uhr, bei Iarobi, LandSbergerstr. 82, 1344 General-Nerfammlnng. T.-O.: 1. Kaffenber. 2. Wahl ein. Revisors. 3. Borttag d. Hrn. Dr. Lütgenau üb.:„DaS Ver» hältniß de» Judenthums zum Antisemitismus". 4. Verschiedene». 5. Fragekasten. Aufn. neuer Mitglieder. Die Mitgl. w. ersucht, zahlr. z. ersch. Geffentliche 1342 Ärbeiterimu»- Versammlung Dienstag, den 13. April, Abends 8'/» Uhr, LandSbergerstr. 82(Landsberger Bierhallen). T.-O.: Der Befähigungsnachweis f. Frauen. Ref. Herr Christensen. DrSkusston. Alle ardei» tmden Flauen u. Mädchen werd. dringend ers., recht zahlr. zu ersch. Zur Deckung d. Unkosten Entree n. Belieb. Fr. Hofman«, Lichterfelde. Gewerkschaft der Metallarbeiter Kerlins «nd Rmgegend. Mitalieder�versammluna Dimstaa, dm 13. April. AbendS 8 Uhr, im Wedding park. Müllerstraße 178. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Etahn. 2. Diskusston. 3. Per- schiedmeS. Fragckasten. Neue Mitglieder werdm aufgenommm. Gäste haben Zutritt.[1341 Um recht zahlr. Besuch bittet der Vorstand. Koede« erschien:[1230 Ait ÄMldkMßMt vor dem Deutschen veichstage- Stenographischer Bericht der Verhandlung des Deutschen Reichstages am 19. Februar 1886. Zweites Heft. Zu beziehen durch die Erpedttio«, Dimmer- ftratze 44, Die Buchdruckerei von lax Bading Berlin SW., Beuth-Strasse 2 empfiehlt sich tur Anfertigung von Druck-Arbeiten jeden Genres bei prompter und solider Bedienung. Kosten-Anschläge und Muster werden auf Wunsch gern übersandt. Täglich: KUnigsberger Fleck, st Ijortion 25 M w fUjliitwt Skikchtttrife 18 M Stramm. 356 Allen Freunden und Bekannten sowie meiner werthen Nachbarschaft zur Nachricht, daß ich eine Destillation und Restauration eröffnet Hab« und bitte, mich ingmeinem Unternehmen unterstützen zu wollen. W. Prüfer, Skalitzerstraß« Nr. 147 a, Ecke Elisabeth»Ufer 16/17, früher im Keller. ■V Gin großes-MQ Vereins zimmer ist zu vergeben._[1317 Selbstunterricht in der einfachen und doppelten kaufmännischen[800 Bachffihrang und Darstellung eines«ene« adge- körzte« Kystms zur doppelten Buch. Methode von«. Kchmid», Lehrer der OST PrÄ�M�o Gif.-Mv u beziehen d, d. Exped. d.„KerUner fotkobtatt, Bertin, Zimmerst! aße 44 Ii ig fi Dentfch» Kunstgewerbe Lotterie. Ä.'*"ai d. J. 1-4 unwiderruflich"'' S»»r« ä 1 M.£•«$ empfiehlt und versendet ». Schnmaeher, Berlin C. 981] Königstraße 14a. * teververkäufern beste Bedingungm. 8# 1 Ein Piano, f. g., 20 Thlr., Oranimstr. 4, ßj; Junge, anständige Mädchen können„"jf Damenschneiderei erlernen.[1™ Johanna Maoner, Louisen-Ufer 10, Ul. Ein jung. Mädchen f. Alles ml. Slait»� straße 127. Z. meld. Ab.v.7-8 b. Wwe. WeiniK Der unentgeltliche Arbeits- Nachweis der Klavierarbeiter befindet sich Skalitzerstr.$ bei Stramm.[tf1 Hierin eine Beila»- Verantwortlicher Redakteur St. Cr««heim in Berlin. Druck und Verlag von Matz Bading in Berlin Beuthstraß« 2. tlfeif sit in !| auchit Beilage zum Berliner BolNlatt. 87. Dienstag, de« 13. April 1883. in. V arlamentsberichte. Herrenhaus. o, 13'®Hunß vom 12. April, 12 Uhr. Am Ministeriische Fürst v. Bismarck, v. Pütt» !amer, v. Boetticher, v. Gohler, Tr. Friedberg und Kommissarien. Auf der TageSordnuna steht lediglich die Beraihung der kirchenpoli tischen Vorlage. Zur Epezialdiskulston liegen die Anträge deS Herrn v. Z o l t o w s k i vor, der die Klausel bezüglich der geistlichen Institute der Erzdiözese Gncsen- Bosen au! den KommisstonSbeschlüssen entfernen will. Bischof Kopp hat seine, von der Kommtsston verworfenen Anträge in «twaS abgeänderter Fassung wieder eingebracht. Außerdem liegt folgende Resolution vor: „Das Herrenhaus wolle beschließen: der lonigl. Staats. regierung seine fortdauernde Bereitwilligkeit zu erllären, bei einer adschlnßenden Revision der kirchlichen Gesetzgebung, so- weit die unve, äußerlichen Rechte deS Staats dieselbe zulassen, dehufS Herbeisührung eines friedlichen Verhältnisses zu der römisch. katholischen Kirche mitzuwirken, und ersucht die StaatSregierung, unter dieser Voraussetzung und zu diesem Zvecke einen anderwetten Gesitzentwurf vorzulegen." Dieselbe ist unterstützt von den Herren von Bernuth, Beseler, Bödcher, Bote, Bötticher, Bredt, BreSlau, Prinz zu Schönaich- Carolath, Dietze, Dave, Graf von Dyhrn. Forchhammer. Francke, FriedenSburg. Friedlaender, Miquel. Ostermeyer. v. Pfuel, Graf v. Pückler Ech-dlau, Reichert, Reopell, Fürst zu Salm-Reiff-rscheid, von Schuhmann, Graf von Schwerin, Staude, Struckmann, Theune, Tooshüy, Ubbelohde. In der Generaldikkusfion erhält zunächst daS Wort der Berichterstatter Adams: Die Entscheidung, vor welche wir heute gestellt find, ist eine überaus wichtige und folgenschwere. Es handelt sich darum, ob das Werk des Friedens, welches die Regierung eingeleitet und Ihre Kommission nach Kräften !u fördern gesucht hat, zu einem segensreichen Abschlüsse ge- ührt oder wieder auf eine unabsehbare Zrit verschoben werden oll. Dem preußischen Staat die Befugniß zu geben, Ein- Wendungen gegen die Anstellung eineS Priesters zu machen, davor zu warnen, ist dasjenige, waZ man von der Kurie nur verlangen kann. Sie konzediit damit dem Staate, daß er, wenn seine Gründe nicht berücksichtigt werden, ohne einen neuen Kampf anzufangen, vollständig in der Lage ist, alle ihm zu Gebote st-henden Mittel anzuwenden, um eine solche Anstellung zu verhindern. Daß die Kirche daS vollständige Einspruchsrecht veS Gesetzes von 1873 jetzt anerkennen würde, konnte Niemand erwarten, weil die Regiernng selbst schon 1882 eine Aenderung dieter Bestimmung vorgeschlagen hatte. Prüfen Sie die einzelnen Paragraphen deS Gesetzes mit Rückficht darauf, ob sie im Interesse deZ Staates vereinbar find oder nicht und od ihre Aufrechterhaltung den Frieden im Lande sichert. Bischof Dr. Kopp: Gestatten Sie mir. die einleitende Rede deS Herrn Vorredner! ein wenig weiter auszuführen. ES ist ein giftiger Mehlthau, welcher auf unserem ganzen StaatSleSen ruht und alle politischen und kirchlichen Verhält- Nisse vergiftet. Wir können selbst der großartigen politischen Entwickelung, die unser Baterland genommen hat, nicht recht froh werden. Argwohn und Mißtrauen entzweit die einzelnen Glieder de! gemeinsamen Vaterlandes, Murren und Unzufriedenheit hat viele Kreise ergriffen, selbst solche, welche sich der Förderung der Interessen, der staatlichen Interessen nicht entziehen können, ohne ihre Grundsätze zu verleugnen, und selbst die Verhandlungm über die öffentlichen Interessen leidm unter Einflüssen. welche der Sache an fich ganz fremd find. Alle Parteien find deS HaderS müde (sehr richtig!), Alle suchen den Frieden, einen wirk- lichen Frieden, welcher den unseligen Verhältnissen ein Ende macht, olle wollen die Schäden beseitigen, die unser StaatSleben unter diesem Kampfe alle Tage erleidet. An der Hand dieses Wunsches müssen wir die Vorlagen der Regierung prüfen. Das ist die Stimmung des ganzen Landes, aller Parteien, ja auch derjenigen außerhalb unsere! Landes, welche mit Sorge auf die wachsende Bewegung der Umsturzparteien blicken und deshalb an jeder Kräftigung emeS mächtigen Staats- lcdens Interesse und Freude haben. Aber nun betrachten Sie die Vorlage und beantworten Sie fich dann die Frage, ob man mit derselben zum gewünschten Ziele gelangen kann- Ich muß diese Frage verneinen. Wenn nur die Vorlage Gesetzeskraft erhielte, dann würden wir von dem Ziele noch weit entfernt scin. Die Regierungsvorlage beseitigt zunächst das Staats« «xamen, allein fie beseitigt damit nur eigentlich eine ganz un« Kalim Ueiüer. Wallner-Theater. R. C. Im Wallner-Theater wurde am Sonnabend Abend eine franzöfischk Posse,„Die Spielkasse" von Labiche, dem Publikum vorgeführt. Das Wallner-Theater ist die llasst» sche Stätte de» Altberliner Humors, der von der französtschen Lustrgkeit fich ganz bedeutend unterscheidet. Hier entstanden jene geflügelten Worte, die in den Sprachschatz deS UrberltnerS übergegangen find, und durch welche fich der Berliner vor allen anderen Deutschen auszeichnet.„Fall' man nich' int Essen"— mag man fich aus irgend einem Punkte fern ab von allen zivi« lisirten Gegenden befinden, und man hört diese oder ähnliche Worte, so weiß man, daß der Sprecher unbedingt am grünen Strand der Spree da! Licht der Welt erblickt hat. DaS Publikum de! Wallner- TheaterS ist nicht Anglich für sramöfische Scherze, e! verlangt orßl berlinischen Witz, und außerdem ist das L�Ptlerpersonal deS Wallner-TheaterS auch keineswegs auf die �ranzöfisch« Stücke zugeschnitten. ES ist viel zu sehr JJJH... ,??tiner Luft durchtränkt, die Schauspieler stehen in l J. v Ö'.*" Konnex mit dem eigentlichen Urberlinerthum, eS ist undenkbar, daß fie fich in ftanzöfische Rollen hinein« leben konnten. Nun kommt außerdem hinzu, daß da! Stück sich keineswegs eines besonderen Reizes der Neuheit erfreut. Der Gegenstand ist etwas sehr verbraucht,- Kleinstädter in i m?n kttissenen Kellnern geprellt werden, schließlich ohne elnen Pfennig Geld in die fatalsten Sttualionen % �°then. und endlich allgemeinen Befriedigunz gerettet werden. Labiche ist bekanntlich von einer beänstigend kaninchen- artigen Fruchtbarkeit in Bezug auf Possen gewesen, und lettrer nicht behaupten, daß er mit der„Spielkasse" ig qs, Mpielt wurde freilich mit unerschütterlicher Bravour. Die Künstler thaten ihre Pflicht wie Leute, die fich für eine bcltbare Ruine, welche schon durch daS Gesetz vom 31. Mai 1882 geschaffen worden ist. Aber alle anderen Anstellungs- dedingungen bleiben unberührt bestehen. Dann will die Re- gierungSvorlage die Vorbildung de! Klerus auf eine neue Basti stellen. Auch diese Frage war zum Theil schon vorher erledigt. Di« Fassung der allgemeinen StaatSaufficht hat doch für unS große Sorge. Da man zugeben muß, daß diese allgemeine Staats- aufficht ohne bestimmte Grenzen ist, und ich bezweifle, daß in diesen allgemeinen Ausdrücken nicht die Gefahr zu neuen Kon- fltkten vorhanden ist. Sie sollen dasjenige an die Kirche zurück- geben, wa» ihr, wie fie meint, mit Unrecht entzogen ist, und auch zur Dankbarkeit dafür schließt fich die Kirche in diesem oder jenem Punkte an die staatlichen Auffassungen und Wünsche an. Ich meine, in diesem Licht müßten Sie unsere Arbeit auch betrachten, und dann werden Sie sich nicht ine machen lassen, wenn man Ihnen beständig von Konzesstonen spricht, sondern werden im Auge behalten, vaß Sie ja die Richte zurückgeben, welche im mißverstandenm E fer, so will ich sagen, der Kirche genommen find, und dagegen aber, und daS beweisen Ihnen die einzelnen Artikel, wirkliche Konzesstonen von Sellen der Kirche erhalten. Lassen Sie sich auch nicht irre machen durch einen anderen Einwurf, den ich auch gehört habe, man müsse für die Ehre deS Staates sorgen. Worin besteht denn die Ehre deS preußischen Staates? Ich finde diese Ehre in dem Hochhalten seiner Devise:»nruu cniqne. Nun aber bitte ich, eS mir nicht zu verargen, wenn ich eS offen aus« spreche: die katholischen Unterthanen haben daS Ge- fühl, als wenn ihrer Kirche gegenüber diese Devise nicht immer ganz hochgehalten wäre, und das harten fie nicht für ganz ehrenvoll. Sehen Sie, da liegt eine Ge- legenheit, die Ehre de! Staate! zu wahren und für die Ehre deS Staates zu sorgen. Ach, wie wenig erbaulich muß eS für daS Busland sein, wenn eS wahmimmt, daß der große mäch- tige Staat, dessen bewunderungswürdige Politik in der ganzen Welt den Frieden erhält, im eigenen Lande keinen Frieden hat und mit den eigenen Unterthanen nicht im Frieden leben kann. Ich bitte Sie, fich nicht durch Phrasen, und wenn fie auch an historische Ereignisse fich anknüpfen ließen, irre machen zu lassen. Ehrenvoll war der Tag nicht für den preußischen Staat, als man fich in einer hochgradig polllischen Verstim- mung dllhinreißen ließ, die Verhältnisse der Kirche einseitig zu ordnen. Aber ein wahrer Ehrentag wird e! für Sie fein, wenn Sie dazu beitragen, daß dem Lande der Friede wiedergegeben wird und ein jeder katholische Unterthan zu friedlichen Ver- hältnisscn gelangen kann.(Beifall.) Prof. Dr. B e s e l e r: Man erwartete von der Regierung, daß fie da» Staatsinteresse und die EtaatShoheitSrechte voll« kommen wahmehme und andererseits da, wo wirklich lästige Bcstimmungen der Maigesetze hervortreten, eine Milderung und nöthigenfallS eine Beseitigung stattfände. Die Vorlage der Regierung hat diesen Erwartungen entsprochen, wenigstens in der letzteren Beziehung. DaS Wesentliche ist daS Einspruchs- recht, und dieses will die Kurie nicht zugestehen. ES war ein schwerer Fehler, daß man die Anzeigepflicht an die Spitze der Maizesrtze gestellt und damit den passiven Widerstand heraus« gefordert hat. Dieser Fehler muß verbessert werden. ES wäre daS allein Richtige, diese unglückliche Anzeigepflicht in ihren einzelnen Bestimmungen noch in dieser Sesston gesetzlich auch für die ordentlichen Pfarrer aufzuheben und die sonstigen Kau- telen anderweitig zu schaffen. Damit würden wir für die Re- gierung eine außerordentlich günstige Position und auch einen Frieden gewinnen. Denn die Regierung ist nicht allein der Friedensstörer, möchte ich dem Herrn Bischof sagen: xeeeatvr et extra et intra! Als evangelischer Christ ist e! mir unmög- lich, meine Ucberzeuguna zu verleugnen, und deshalb werde ich gegen da! Gesetz und die Anträge stimmen. Prafident des EtaatSministeriums Fürst v. Bismarck: Meine Heirm, der Herr Vorredner ist als Mitglied diese? HauseS im Vergleich zu mir in der günstigen Lage, vollberechtigt seiner persönlichen Anficht und nichts als dieser, ohne Rücksicht auf die Frage, welchen Eindruck fie auf ander! Dmkende machen kann, Ausdruck zw geben. Ich bin durch meine ministerielle Stellung daran verhindert, das Gleiche zu t|un; ich muß meine persönlichen Ansichten mannigfach der Staatsraison unter Rückficht auf die Gesammtheit unseres StaatSIebenS unterordnen, und in diesem Augenblick verbietet mir die Entschließung deS Staatsministeriums, fich die Entscheidung über seine Stellung zur Vorlage und die Anträge an Se. Majestät noch vorzubehalten, in die Einzelheiten de S Vor- träges de! Herrn Vorredners polemisch einzugehen. Ich er« greife vorzugsweise daS Wort, weil ich zu dem Rückblick auf die Vergangenheit und die Entstehung der Gesetze, die unS be« schäftigen, eine besondere Berechtigung habe, indem ich der verlorene Sache opfern. Sie mußten entschieden daS Gefühl haben, daß sie etwas darstellen mußten, woran weder fie selbst noch Jemand im Publikum glaubten. Trotzdem wurde häufig recht herzlich gelacht, und daS war daS Verdienst der Herren Thomas, Gutherp. Alexander, Meißner und Blencke. Auch die Damen Frau Carlsen und Frl. Timling thaten ihr bestes. Die Regie war recht sorgfältig; dennoch glauben wir, daß die „Spielkaffe" bald ausgespielt sein wird. Kleine Mittheilunge«. Marburg, 8. April.(Eisenbahnunfall.) Der Morgens 6 Uhr von Frankfurt nach Kassel fahrende Personenzug Nr. 315 erlitt heute früh in der Nähe htestger Station einen Unfall, der leicht einen schlimmen AuZgang hfitte baden können. Ein Bauer fuhr mit einem schwerbeladenen KieSwagen so nahe an daS Geleise, daß sein Wagen den Zug streifte und sämmttiche Trittbretter auf der einen Seite von den Waggon? wegriß. In Kassel mußte deshalb neu rangirt«erden. Hamburg, 10. April.(Gesunken und ertrunken.) Ver- gangene Nacht sank ein bei der Kupferschmelze auf dem GraS- brook vor Anker gelegter, mit Kupfererz beladener oberländer Kahn so plötzlich, daß es einem Bootsmann«, der fich an Bord desselben befand, nicht mehr möglich war, fich zu retten. Der Kahn soll in den nächsten Tagen wieder gehoben werden. Es wurde heut Morgen sofort versucht, die Leiche deS ertrunkenen Bootsmannes aufzufinden, die Versuche blieben jedoch ohne Erfola. Pest, 10. April.(Verunglückter Arbeiter.) Ein bedauernS« werthes Unglück ereignete fich beute Nachmittags bei dem im Bau begriffenen Hause Ecke Jsabella- und Königs« gaffe. Ein großer Quaderstein blieb nämlich während des Aufziehen! in der Höhe zwischen zwei Brettern des Gerüste! stecken und schlug daS eine Brett, auf dem der Tagelöhner Paul RecSka stand, um, so daß dieser in die Tiefe stürzte. Gleichzeitig riß auch das Seil und der Stein fiel mit großem Gepolter zu Boden. Rccska erlitt bei dem Sturze lebenSge« sährliche Verletzungen und wurde in bewußtlosem Zustande ins Rochuslpital gebracht. einzige unter den jetzigen EtaatSminifiern bin, der bereit» bei Erlaß der Kirchengesttze im Amte war und also ein gütiger Zeuge über die Tendenzen und die Absichten, die damit ver« bunden waren. Ich kann aus diesem Umstände vielleicht auch den Beruf herleiten, als Vertreter der damaligen Intentionen der Regierung aufzutreten. In meiner Qualität als Zeuge wrll ich besonder! eine Verwahrung einlegen gegen so manche Jrrthümer und Entstellungen, die in böswilliger Ab» ficht erfunden und in menschlicher Dummheit geglaubt werden(Heiterkeit) über die Tendenz und Bedeutung der Mai« gesetze. Ick habe ja überhaupt mit dem Uebelstande zu kämpfen, daß meine Gegner, um mir die Schuld an allen möglichen Uebeln der Welt aufbürden zu können, meinen Einfluß und meine Macht in weltlichen Dingen bei Weitem übertreiben: ihnen erwächst daraus der Vortheil leichtgläubigen Leuten gegenüber, bei jedem unerfreulichen Ereignisse zu sagen, daß mir die Schuld daran hauptsächlich beiwohnt. Nachdem wir uns über die Regierungsvorlage im Ministerium verständigt und die Ge» nehmigung Sr. Majestät deS König! für dieselbe eingeholt hatten, fragte eS sich, welchen Weg wir einschlagen wollten, um die Tendenzen derselben zu verwirklichen, d. h. um den katho« lischen Unterthanen deS Königs von Preußen das richtige Ver» ständniß der Absichten der Regierung zu eröffnen. ES waren zwei Wege: einmal der der einfachen gewöhnlichen Gesetz» äedung, dann der der vorgängigen Verhandlung mit der römt» schen Kurie. Ich habe den letzteren auS mannigfachen Gründen vorgezogen;— nicht, daß ich eine zwei« fettige Verhandlung erstredt oder geführt hätte, aber ich habe eS für nützlich gehalten, die Vorlage, die wir dem preußischen Landtage zu machen beabfichtigen, zur Kenntniß Sr. Heiligkeit deS PapsteS zu bringen und sein Urtheil dar» über zu hören, ohne zu versprechen, daß wir unsere Entschließung dem Urtheil gemäß ändern würden. Ich habe diesem Weg den Vorzug gegeben, weil ick den Eindruck habe, daß ich bei dem Papste Leo xui. mehr Wohlwollen und mehr Interesse für die Befestigung des Deutschen Reiches und für da! Wohl» ergehen de! preußischen Staates finden würde, als ich zu Zeiten in der Majorität des deutschen Reichstags gefunden habe. lHört!) Ich halte den Papst für deutsch-freundlicher als daS Zentrum; der Papst ist eben ein weiser, gemäßigter und fried- liebender Herr. Ob man daS von allen Mitgliedern der Reichs- tagSmajorität sagen kann, lasse ich dahingestellt sein.(Heiterkeit.) Der Papst ist außerdem nicht Weife, er ist nicht Pole und ist auch nicht deutschsreistnnig.(Heiterkeit.) Er hat auch keine Anlehnung mit der Sozialdemokratie. Kurz, alle die Einflüsse, die im Parlament die Situation fälschen, finden in Rom nicht statt. Der Papst ist rein Katholik und nichts als Karholik. Dadurch, daß er es ist, werden ja eine Anzahl Schwierigkeiten an fich geboren, aber die Schwierigkeiten werden nicht komplizirt durch daS Bedürfniß der Anlehnung und deS Empfangs und der Vergeltung von Liebesdiensten anderer Parteien. Der Pavst ist frei und repräsentirt die freie katho- lisch« Kirche: daS Zentrum repräsentirt die katholische Kirche im Dienste de! Parlamentarismus und der Wahlumtriebe, und deshalb habe ich eS vorgezogen, mich an den von allen Bundes« genossen, die mit dem Zenlrum die Majorität im Reichstage bilden, vollständig freien Papst, an die Kurie zu wenden, um dort die Verlheidigung zu suchen, und ich bin auch entschloffen, in den weiteren Phasen auf diesem Wege fortzufahren, da ich von der Weisheit und Friedensliebe Leo xiil. mehr Erfolg für den inneren Frieden Deutschlands erwarte, wie von den Ver» Handlungen im Reichstage, und weil ich der Zentrumspartei, so wie sie jetzt zusammengesetzt ist, nicht gegenübertreten will, ohne den katholischen Preußen die Gewißheit vorher zu geben, s?&%%% sie in der Kommisston und durch die neuesten Amen« dementS erhalten hat, nicht die Genehmigung de! hohen Hause» finden sollten— die Regierungsvorlage enthält das, waS die StaatSregierung geglaubt hat, unentgeltlich und frei- willig gewähren zu können, und eS ist unmöglich für die Re- gierung, daS, waS fie vor drei Monaten den katholischen Preußen glaubte konzediren zu dürfen, mag eS wenig oder viel sein, jetzt nicht geben zu wollen, weil man fich inzwischen über weitergebende Konzessionen geärgert und gestritten hat— also für die Regierungsvorlage tritt die StaatSregierung ganz un« bedingt auf, und richtet an jeden Einzelnen die Bitte, in der Ablehnung der versöhnlichen Vorschläge doch wenigstens nicht hinter die Vorlage zurückzugehen, auch schon um deshalb, weil es für die Regierung unbedingt nothwendig ist, die freien Aeußerungen beider Häuser des Landtags zu dieser Frage zu hören, eh« fie ihre eigene Entschließung faßt. Sie hat durch den Mund deS Herrn Kultusminister die Abstcht schon ausge- sprachen, ihre definitive Entschließung zu vertagen, und fie hat da! in dem Bedürfniß gethan, fich das Vertrauen derjenigen Richtungen und Parteien im Lande zu erhalten, zu denen sie selbst Vertrauen hat bei der Sicherstellung der Zukunft deS preußischen Staates wie deS Deutschen Reichs; sie kann fich der Gefahr nicht au! setzen, für nationalgestnnte Mitarbeiter solche eintauschm zu müssen und auf die Hilfe solcher angewiesen zu sein, die zu Gunsten der polnischen Nationalität freiwillig Partei genommen haben, im Wrderspruch mit der deutschen und mit den Bemühungen der deutschen Regierung, die deutsche Nationalität zu kräftigen; fie würde nicht das Vertrauen haben auf einen Bestand, den fie dadurch gewinnen könnte, daß fie sich die Mittelparteien entfremdet. Sie kann ihr Vertrauen für die Zukunft auf dem Stand, den ich dafür eintauschen könnt«, nicht begründen. Zur Vervollständigung der Erklärung der Regierung habe ich nur noch hinzuzufügen, daß die Revision der Äatgesetze, von welcher die letzte römische Note die Gewährung der vollen Anzeigepflicht abhängig macht, von der Regierung meiner Ueberzeugung nach ohne Schwierigkeit wird zugesagt werden können(Hört! hört!), da eine solche Reviston jederzeit in der Abstcht der Regierung sowohl, wie. so viel ich weiß, in der Abficht der meisten Parteien gelegen hat; eS wäreja geradezu tendenziös, wenn wir die oft zugegebene Abficht, die Maigesetze zu revidiren, daS Entbehrliche auszuscheiden und über Konzesfionen zu verhandeln, gerade in diesem kritischen Augenblick zurückziehen wollten. Nein, wo unS von der Gegen- seile ein Angebot gemacht wird, können wir doch unmöglich sagen, jetzt wollen wir keine Revision mehr, weil unS ein Preis angeboten wird. Also diese Zustcherung zu geben, wird die Regierung ohne Weiteres in der Lage sein. Ich will auf die Auslegung, die der Herr Vorredner den Intentionen der Kurie gab, nicht weiter eingehen, als indem ich die volle Ueberzeugung ausbreche, daß, wenn wir über den Frieden verhandein und ihm näher treten, von beiden Seiten loyal, ehrlich und mit Vertrauen vei handelt werden wird, daß wir unsererseits dieselbe Zuverlässtgkeit und Lonalität auf der andern Seite voraussetzen, mit der wir solchen Verhandlungen näher treten würden. Ich bitte Sie, meine Aeußerung vorzugsweise anzunehmen als eine Richtigstellung der Auffassung der Ver- aangenbeit, über die ich ein klasfischer Zeuge sein darf, weil ich an ihr mitgearbeUet habe, und mir zu gestatten, daß ich über die Stellung, die die Regierung zu den einzelnen Punkten nehmen wird, mich demnächst zu einem Zeit« rmnkt äußere, wo die Regierung in der Lage sein wird, zu übersehen, welches die Gesammtwirlung in allen Parteien deS Landes sein wird und bis zu welcher Linie der Konzesfion m gehen ihr die Majorität des gesammten LandeS erlauben wird. Sie wird bis zu dieser Grenze bereitwilligst gehen; ei kann aber nicht verlangt werden, daß fit fich mit der Majorität aller Parteien in Unfrieden setzen sollte. Nicht an der öffent« ltchen Meinung, sondern an dem Ausdruck der Stimmung deS Volkes, wie es in den beiden Häusern deS Landtages die Mög< lichkeit hat, stch amtlich zu erkennen zu geben, wird ei sein, die Grenzlinie zu bestimmen, biS zu welcher die EtaatSregie« rung gerne und bereitwillig gehen wird. v. Kleist'Retzow: Die letzten Worte deS Herrn Reichskanzlers waren unzweifelhaft dahin zu verstehen, daß er nur dann die Vorlage Er. Majestät zur Sanktion vorlegen könne, wenn die Majrrität in beiden Häusern deS Landtages stch nicht nur auS Konsewatioen und dem Zentrum zusammen« setze, sondern tiefer nach linlS hineingreife. Redner polemtfirt deS Weiteren gegen die Ausführungen deS Herrn Professor Beselcr und erklärt fich mrt den An« trägen, jedoch nicht mit der Resolutton einverstanden. In Folge der römischen Note vom 4. April habe fich die Si» tuation so geändert, daß von einer Weigerung, die Vorlage anzunehmen, seiner Meinung nach nicht mehr die Rede sein könne. Er bitte dringend, im wahren Interesse deS Staates und seiner Glieder den Gesetzentwurf mit den Anträgen Stopp anzunehmen. Präsident deS StaatSministeriumS Fürst v. Bismarck: Ich muß dem Herrn Vorredner in einer seiner Anführungen widersprechen, weil ich glaube, daß dieselbe auf einem thatsäch« lichen Jrrthum beruht. Er hat gesagt, daß durch den Kampf, so wie er bisher verlaufen ist, der Staat seiner Meinung nach mehr geschädigt sei als die Kirche. DaS ist eine Anficht, die ich nicht theile; eS könnte daraus fich der wesentliche Jrrthum eniwickcln, als ob der Staat in den Anerbietungen, mit denen er der Krrche und seinen katholischen Mitbürgern entgegen« kommt, irgend einer Nothlag« Ausdruck gäbe, in der er fich befinde, als ob ste nicht der reine AuSfluß deS Frie« denibedürfniffeS Er. Majestät deS Königs seinen katho« tischen Unterihanen gegenüber wäre, von dem Augen« blick an, wo der FriedenSwunsch von Rom auS unzweideu« tigen Ausdruck gesunden hat. Der Herr Vorredner wird fich srlbst überzeugen, daß diese Auffassung eine irrthümltche ist, wenn er auf die parlamentarische Seite deS gegenwärtigen Streites im Vergleich gegen frühere Zeiten zurückblickt. Wie lange ist eS her, daß wir in Preußen nicht eine Situation ge« habt haben, so günstig wie die heutige im Abgeordnetenhause. Die konservative Partei in fich einig, rn einer fruchtbaren Füh> lung mit der nationalliberalen Partei, kurz die drei nationalen Parteien in einer großen Majorität und demgegenüber daS Bündniß von Zentrum und Fortschritt in einer Minorität. Diesen Zustand hat fich der Herr Vorredner nicht vergegen- wärtigt. Ich kann im Augenblick nicht nachrechnen, wie lange eS her ist, daß eine so günstige parlamentarische Lage in Preußen vorhanden war. Wenn irgend etwa! durch den Kulturkampf Schaden gelitten hat, so ist eS daß Deutsche Reich und daS Ansehen und die Wirkung deS Reichstags. DaS liegt aber auch nicht wesentlich am Kulturkampfe, sondern daS liegt an den Bundesgenossen, die daS Zentrum im Reiche gefunden hat. Nehmen Sie an, daß im Reichstage da« Zentrum dastände ohne die Fortschrittspartei I Die Siege, die daS Zentrum glaubt erfochten zu haben, find mit Siege der Fortschrittspartei. Ohne diesen Bundesgenossen befände fich das Zentrum im Reich?« tage in derselben Minorität, wie im preußischen Abgeordneten« hause, ungeachtet der bedenklichen Bundesgenossen, die e» außerdem zur Seite hat, in Gestalt der Sozialdemokraten, der Elsaß Lothringer Franzosenfreunde und der Polen. Ungeachtet dieser bedauerlichen Verbindung würde es ohne die Fortschritts- partei die Majorität nicht haben. Also waS unS diese Un« bequemlichkeiten im Reich verursacht, lege ich nicht sowohl dem Zentrum zur Last, alS der Fortschriltipartei, soweit fle im jentrum vertreten ist, waS ja sehr bedeutend ist, und insoweit fie sclbstständig ist. Die FortschrMSpartet hat die eigenthüm« llche Rolle gespielt, daß fie im Anfange des KirchenstreiteS tiche_. M denselben mit der größten Sorgfalt geführt hat, und ihn jetzt in jeder Weise verleugnet. Die schärfsten und erbittersten Reden im kirchlichen Streit find von Mitgliedern der Fortschrtttipartei gehalten worden, und nachdem fie daS Feuer recht in Brand gebracht hatten und Staat und Kirche gegen einander verhetzt, gingen fie mit fliegenden Fahnen in daS Lager deS Zentrums über und be« schössen den Staat von da auS. Si« benutzten die Anlehnung, um unter dem Deckmantel der Kirchenpolitik staatS« und reich!« feindliche Politik mit zu treiben. Und diese Partei spricht in ihren Organen jetzt von politischer Ehre!(Bravo!) Ober-Bürgermeister Mtquel: Der Landtag ist der Vor« läge gegenüber in doppetter Beziehung in schwieriger Lage; die Staatsregierung verlangt einerseits Stellungnahme, während fie selbst ihre Haltung von der Abstimmung deS Landtags ab» hängig macht. Andererseits ist die StaatSregierung nicht direkt von der Anstcht ausgegangen, einen Frieden mit der katholischen Kirche durch die Vorlage herbeizuführen, sondern fie hat geprüft, wai aufgegeben werden könnte, um den Wünschen der katho« lischen Unterthanen gerecht zu werden. Wenn in letzter Konsequenz e« dahin kommen sollte, daß beide Kirchen nur Rechte, keine Pflichten gegenüber dem Staate haben, dann verlöre der Staat die Befugniß, zwischen den beiden Kon» fesfionen alS Friedensbewabrer aufzutreten. DaS würde aber von schweren Folgen für Preußen und Deutschland sein. Wir find bereit, in dem Entgegenkommen so weit alS irgend mög« lich zu gehen. Ich bin der Ueberzeugung, daß der Staat ohne irgend w'ichen Schaden einen Theil der destehenden Gesetz» gedung ausgeben kann, aber dahin darf eS nie führen, daß fich der Staat aui der Stellung zurückzieht, welche durch die Natur und Geschichte der Kirchen und durch die paritätisch: Natur unseres Staates unbedingt nothwendig ist. Wenn die Be« sürchtungen des Herrn v.Kleist zuträfen, daß bei Nichtannahme der Anträge ein wirklicher Friede auf Jahrzehnte wieder ver« tagt wäre, so würde ich mich doppelt definnen, od der Weg der richtige ist, den ich für richtig halte. Aber ich glaube«S nicht. Durch die Haltung deS Herrenhauses und der Regierung ist erwiesen, wie weit die Kurie auf ein Entgegenkommen rechnen kann, wenn ste ihrerseits entgegenkommt. Erwiesen wäre dann aber auch, daß der Kampf fortdauern würde, wenn fie ihrerseits nicht entgegenkommt. Wer weiß, ob nicht bei den maßgebenden Elementen bei der Kurie irrige Anfichtm bestehen? Wenn Sie heute Alles annehmen, obwohl bestimmte Gegen, uficherungen nicht vorliegen, wie wird eS mit der demnächstigen Revifion wer« den? Haben wir da noch einen festen Halt? Erwogen Sie die? wohl! DaS Ziel ist, wie ich vermuthe, bei Allen gleich. Wir find blos verschiedener Meinung über die Rathsamkest deS WcgeS. Darauf wollen wir den Streitfall reduziren für alle Fälle. Wie auch da? Herrenhaus entscheiden möge, wir Alle wollen die gleiche Hoffnung hegen, möge der ersehnte Friede brld kommen, daS richtige Verhältniß zwischen Staat und Kirche hergestellt und unsere katholischen Mitbürger befriedigt werden. Graf zur Lippe bemerkte, daß der Papst einem evangeli« schen Landesherrn gegenüber nicht dieselben Rechte zugestehe, wie einem katholischen Fürsten gegenüber: deshalb müsse Preußen fich restringiren, seine Forderungen beschränken. Man müsse zu einem pofitiven Abschlüsse gelangen. Wie soll denn die Kurie auf daS Angebot der Regierung eingehen, wenn in diesem Hause schon die Vorlage der Regierung zur Ablehnung elangt? Redner empfiehlt die Annahme der Vorlage und die lmenvements des Bischofs Kopp. Damit schließt die GeneraldiSkusfion. Nach einem kurzen Schlußwort de? Referenten Adams, welcher die Ablehnung der Resolution empfiehlt, weil durch dieselbe die Revifion aä ealevckas graecas verschoben werde, wird um 4'/« Uhr die weitere Berathung bis Dienstag 1 Uhr vertagt. AbgevrdnetenhauS. 61. Sitzung vom 12. April, 11 Uhr. Am Ministertische ivonPuttkamer, von Scholz, von Boetticher, Dr. LuciuS und Kommiffarien. Eingegangen ist der Gesetzentwurf, betreffend den Beitrag zu den durch den Anschluß der Stadt Altona an daS deutsche Zollgebiet veranlaßten Kosten. In dritter Berathung erledigt da? HauS 1. den Gesetzentwurf zur Abänderung deS Gesetzes, detreffend die LandeS- kreditkaffe in Kassel, vom 25. Dezember 1869, 2. den Gesetzentwurf über die Enichtung letztwilliger Verfügungen in dem Bezirke deS OberlandesgerichtS zu Frankfurt a. M. ES folgt die Interpellation d«S Abg. Dr. Wehr (Dt. Ccone). Dieselbe lautet: „1. Welche Resultate haben die amtlichen Ermittelungen über den Umfang der im Weichselgebiet eingetretenen dieS- jährigen Uederschwcmmungcn ergeben?— 2. Welche Maßregeln gedenkt die königliche StaatSregierung zur Linderung der Roth der von der Uebersckwemmung Heim« gesuchten zu treffen?— 3. Welche Maßregeln gedenkt die königliche StaatSregierung zur Wiederherstellung der zerstörten bezw. beschädigten Schleusen und Dämme zu treffen?— 4. Wird die königliche StaatSregierung stch durch die bei der diesjährigen Ueberschwemmung gemachten Ersah- rungen veranlaßt sehen, mit der Regulirung der Weichselmün« dung schleunigst vorzugehen?" Nachdem fich Minister v. Puttkamer bereit erklärt, die Interpellation zu beantworten, führt zu deren Begründung Abg. Wehr auS: Zum Glück hätten fich die ernstesten Besorgnisse, die man nach dem langen, harten Winter hegen mußte, nicht bewahrhettet, indessen find die durch den Eisgang deS 2. April für die Danziger neue Binnennchrung und den Werder eingetretenen schweren Schäden durch Ueberschwem- mung für die dortigen Bewohner unendlich hart. Schon jetzt könne man sagen, daß an eine Sommerernte gar nicht zu denken sei, ja selbst an keine Art von Bestellung— vielleicht auf Jahre hinaus.— Die Bewohner von 12 Ortschaften ständen vor einer traurigen Zukunitt und wenn er(Redner) auch nicht gern nach StaatShilfe rufe» so müsse er hier dennoch eine solche empfehlen. Wenn man große und theure Kanalvorlagen mache, so sollte man doch auch AlleS thun, um so enorme Schäden zu verhüten, wie die, um welche eS sich hier handle. Minister v. Puttkamer: Bei dem Verlauf des WinterS hat die StaatSregierung rechtzeitig Vorsorge getloffln, um bei den schwersten Schädigungen durch Ueberschwemmung und EiS- riß die Behörden sogleich einschreiten»u lassen. Zum Glück in der That daS Schwerste unS erlassen geblieben, der Eisgang ist im Großen und Ganzen günstig abgelaufen. WaS speziell die Weichsclüberschwemmung betiifft, so ist der einge« tretrne Schaden weit größer als 1883, seine volle Ausdehnung läßt fich noch gar nicht ganz übersehen. An Menschm ist kein Verlust eingetreten, an Vieh kein großer, einige Gehöfte find allerdings hinweggespült, und das ist hart. ES find einige hundert Familien obdachlos, für diese ist so gut wie möglich gesorgt. Die StaatSregierung hofft, daß die Schädigung deS landwirthschaftlichen Betriebe? fich nicht auf Jahre hinaus erstrecken wird; wahrscheinlich wird fich StaatShilfe empfehlen, indessen kann ich darüber Definitives noch nicht sagen, da vor allen Dingen die Ueber- ficht über den Gesammtschaden zur Zeit noch fehlt. Geheimer Baurath K o z l o w S k t giebt eine nähere Dar« stellung der durch den Dammdruch hervorgerufenen Schäden und Störungen. Die Wiedereröffnung der Schleusen zum vorläufigen Gebrauch hofft die StaatSregierung in etwa sechs Wochen ermöglichen zu können. Minister Dr. LuciuS: Eine generelle UnterhaltungS. Pflicht der Dich« besteht kür die StaatSregierung nicht, fie kann also auch für Folgen der!D«ichbrüche nicht verantwortlich gemacht werden. Seldstoeiständlich kann eS Umstände geben, welche die Hilfe deS Staates nothwendig machen. Der schleppende Gang der Wrichselregulirung ist lediglich nur scheinbar, in der That werden die.Verhandlungen mit mög« lichster Beschleunigung geführt, aber die entgegenfiehenden Schwierigkeiten find so bedeutend, daß fich eine endgiltige m„mm. ordnungsmäßige Unterstützung von 50 Mitgliedern findet, wird in eine Besprechung der Interpellation eingetreten. Abg. Rickert sagt den Ministem Dank für die Zu« ficherung, daß die StaatSregierung den Angelegenheiten ihr ganze? Wohlwollen zuwenden werde, weist aber zugleich den Gedanken zurück, alS könne die Privatwohtthätigkeit DanzigS und Umgegend allein der Noth abhelfen. Minister v. Puttkamer rrklärt, diese Anstcht Rickert? zu thetlen. Die Privatwohlthätigkeit DanzigS solle nur über die ersten Schwierigkeiten hinweghelfen, namentlich für Obdach und Ernährung der Geschädigten sorgen. Abg. Gerlich(Schwetz) betont edenfall?, daß die Privat« wohlthättgteit alleinden eingetretenen Kalamitäten abzuhelfen nicht im Stande sett Abg. Wehr(Deutsch- Crone) bestreitet, dem Minister für Landwirthschast zu seinen Gegmausführungm irgend welchen Anlaß gegeben zu haben._ Nach einer kurzen Bemerkung deS Abg. Wessel(Stuhm) wird der Gegenstand verlassen. E? folgt die Verlesung der Interpellation v. Minnigerode und Graf Kanitz: Di« Unterzeichneten erlauben fich, an die königliche Staats- regierung die Anfrage zu richten, ob die königliche Staat»- regierung innerhalb des BundeSraths weitere gesetzgeberische Maßregeln anzuregen beabfichtigt, welche darauf gerichtet find, dem bedrohlichen PreiSnIedergange der landwirthschaftlichen Erzeugnisse zu begegnen und eine weitere Steuererleich« terung der Kommunen und kommunalen Verbände herbeizu« führen.> Zur soforttgen Berathung der Interpellation erklärt fich Minister Dr. L u c i u S derett. Zur Begründung nimmt daS Wort Abg. v. Minnigerode: Bereits bei der ersten Lesung de? Etats haben wir unserer Auffassung über die Lage der Landwirthschast Ausdruck gegeben-, auf unsere damaligm ob- jeNiven und ausführlichen Darlegungen hat un? die Re- gierung aber nur mit großer Reserve geantwortet. Wir hätten vielleicht auf die heutige Wiederholung unserer Klagen und Abhilfevorschläge verzichten können, wenn nicht der M'ßerfolg der Regierung im Reichstage, die Ab' .............. Ablehnung der Monopolvorlage. ohne jede gründliche Verhandlung un? e? zur Nothwendigteit gemacht halte, die steigende Schwierigkeit der Lage der land- wtrthschastlichen Gewerbe nochmals der Regierung nahe zu führen. Die Natur de? landwirthschaftlichen Gnperde? bietet ja ohnehin große Gewinne nicht; seit aber die Maschine lang- samer zu arbetten begonnen hat, seit nicht einmal mehr der landesübliche Zinsfuß herauSzuwirthschasten ist, tritt un? die Nähe einer emsten Gefahr immer deutlicher vor die Augen. Auch da» Ergedniß der letzten Volkszählung beweist für diese Auffassung; zwei Fünftel aller Kreise der Monarchie zeigen eine Abnahme der Bevölkerung in den letzten fünf Jahren, und von diesen 204 in Betracht kommenden Kreisen gebören 116 dem Osten an. Es liegt also eine Entvölkerung de? Osten nach dem Westen in die Jndustriebezirke und großen Städte, vor, ein Beweis für daS Vorhandensein einer latenten Knßt in unserer ländlichen Bevölkerung schon fest Jahren. Der erst- 1869 auferlegte Zoll von 1 M. war gar kein Schutzzoll; im vorige» Jahre wurde zum ersten Male durch dm Zoll von 3 Mk. M Versuch eines Zollschutze? gemacht, und dieser Versuch hat ßlj namentlich im Hinblick auf die neuerstandene indische Ko� turrenz nicht ganz bewährt. Wa? die Brennerei betrifft, so scheut ja ssetzt eine Konsumsteu.:r auf Branntwein in AuS ficht f nommen zu sein. Eine solche Steuer ist natürlich berufen, seh hohe Erträge zu liefem; in dieser Richtung bedarf die Brei» nerei weseatlich günstigerer ProduktionSbedingungen in Lezul auf Steigraum und Schwund, als ihr bisher gewährt wäre» Auch auf die schädlichen Wirkungen der Spritklausel muß i» diesem Zusammenhange hingewiesen werden. Erleichterunze» dieser Art würden dem Brennereigewerbe wesentlich aufhelfe»- In der Zuckersteuerfrage stehe ich mit meinen Freunden-rn dem Standpunkt deS letzten ReichStagSbeschlusseS, und wür« sehr bedauern, wenn die Regierung trotzdem die Erhöhung W Rübensteuer durchzusetzen versuchen wollte.(Höst, hört! linlst Die Steu.rerleichterung der Kommunen konnte in unserer fli» frage nicht fehlen, denn nur dadurch wird daS Bild der zei» tigen Lage der Landwisthschast vollständig. Eine Ueberweism» der ganzen Grund- und Gebäudesteuer an die Kommune» muß über kurz oder lang erfolgen; die Mittel dazu werde» auf dem Wege der Getränkesteuer im weitesten Sinne w Worts gewonnen werden, wenn nicht durch den Reichstaa.# durch den preußischen Landtag! Wie man solcher Nü; de? Sandmann? gegenüber von agrarischer Begehrlichkeit von der agrastschen Jnteressenvestretung, von der gefährlichst Erregung der Unzufriedenheit sprechen kann, ist un? uv erfind lich. Unsere Ausführungen sollen auch dazu dienen, da? Mim stestum zu stärken, ohne eine der Parteien zu verletzen.(Beifm recht?.) Minister Dr. LuciuS: Auf die erste in der Jntei' pellation an die Regierung gestchtete Frage habe ich zu t» widem, daß zur Zeit die Regierung nicht glaubt, eine E» höhung der bestehenden Getreide- und Viehzölle anregm st dösten.(Bewegung.) Bezüglich der zweiten Frage darf i» auf die Erklärungm hindeuten, welche sowohl der Minist» präfident alS auch der Finanzminister in autoritativster Weii> bei Einbringung des Etats als Ziel der StaatSregierung aui« gesprochen hat. Der Finanzminister hat damals als Stell» reformprogramm bezeichnet, reichliche Mittel zu gewinnm, ust die Hälfte der Echullast auf die Staatskasse zu übernehme» die ganze Grund- und Gebäudesteuer den Kommunen zu übe» weisen und dafür zu sorgen, daß besonders harte und ungerech treffende Zuschläge zu diesen Steuern aus der Well geschaß werden. Diese? Ziel der Reform besteht zur Zeit auch noch! die Erreichung desselben ist aber nicht blo? vom Willen d» Regierung abhängig. Durch Einbringung de? Monop»» entwurfS versuchte die Regierung, die Mrttel für die gewolllst Zwecke zu gewinnen. DaS Schicksal der Vorlage ist bekannt! die Regierung wird fich aber durch diesen Mißerfolg nicht a» schrecken lassen(hört! hört!) mit neuen Vorlagen, die die gleichst Zwecke verfolgen, hervorzutreten, und daß fie hofft, daß da» mit besserem Erfolg geschehen wird, und daß fie die Unter- stützung aller Parteien für fich haben wird, die dasselbe Zm erstreden. Im Wesentlichen leidet nicht nur die deutsche, soi» dern die gesammte europäische Landwirthschast unter denseldst großen Schwierigketten(sehr richtig! links), in erhöhtem M» m den alten, duttbevölkerten Kulturländern Frankreich, Eng land und Deutschland. Vor längeren Jahren ist Amerika, g den letzten Jahren Indien und Egtzpten auf dem Weitmar» in Konkurrenz getreten, und neuerdrngs auch Australien a« dem Gebiete der Getreide« und ganz besonders der ViehpM duktion. Der Befiand unserer erhöhten Zölle ist aber W viel zu kurz, um ihre Wirkung richtig beurtheilen»u könne» Jedesmal vor dem Eintritt höherer Zölle findet ein erhöht� �-----" M>-aui Import statt; da? ist auch 1884/35 geschehen, zumal 1885 in( Europa ein ungewöhnlich günstige? Erntejahr gewesen ist. V" Zucker anlangend, so kann ich nur auf da» Lebhafteste bedaur� daß die Vorlage, deren Kernpunkt die Enquete- Ergedniß/ on 1883 bildeten, im Reichstage nicht zur Annahme gelang». ist; mit dem in der Vorlage betretenen Wege der Sichern» erhöhter Einnahmen für den FiSkuS und de? Schutze?% Industrie durch eine nicht zu knapp bemessene Bonifikation rv»» Ven Interessen der Berheiligten am besten gedient gervei? Auf dem Gebiete de? RealiredttS''"' punkt'' Jnstit, heutige-lleryanvrunl, rntui zu einer ENimurytgung und De. mirung in landwirthschaftlichen Kreisen führen möge; die gierung ist willen? und bereit, alle Mittel der Abhilfe( ergreifen, welche fich ihr bieten. Daß ihr die Unterstützn* der parlamentarischen Körperschaften für wohlüberlegte K lagen nicht fehlen wird, davon bin ich überzeugt.(Bei!»' Abg. v. Minnigerode beantragt die Besprechung � Interpellation: der Antrag findet genügende Unterstützung-„ Abg. v. Schorlem est. Alst erklärt, daß die Zentru� partei die Interpellation für inopportun, für nicht zutreffend � stellung und für zu einseitig in der Auffassung � der Fragestellung und für zu einseitig landwirthschaftlichen NothstandeS halte, der. unsere gesammte heimische Produltion erstrecke; da» Zentr»' werde sich demnach an der Besprechung nicht detheiligen. 1 Abg. Hellw ig(kons.) Der gesammte deutsche Baue»? stand sei in seiner Existenz bedroht, wenn ihm nicht baldh»*! gebracht werde; Verdoppelung der heutigen Kornzölle sei erste Erforderniß. Allgemeine Getränkesteuern aus 3% Branntwein und Biere könnten mit Leichtigkeit alle für»!' Aufbesserung der Landwirthschast und für eine Menge lerer Reichs« und StaatSzwecke erforderlichen Sum> liefem. Abg. Rickert: Ueber die Zweckmäßigkeit der Jn� pellation denke ich wie Herr v. Echorlemer. Ich errpartete J urd da» war»ach dem, wa? vorgegangen, Irr tlärlich—«' Vorstoß gegen die beiden Minister, welche, wie e? scheint, fich geringerer Sympathien der Konservativen zu erfrei haben. Gegen Herm v. Scholz ist der Stoß heute noch u» geführt; die Erörterung über die Goldwährung wird wohl r" kommen.(Sehr richtig.) Gerade diese fottgesetzte Unruhe- große E-werdskreise versetzen, ist e?, waS schadet. die Sie______________________________|_________ ist doch wunderbar, daß die, welche so viel Herz für die R» leidenden zur Schau tragen, fortwährend die Unruhe schü»/ Statt solcher Reden sollten Sie vor übettliebenen W nungen warnen und diejenigen zur Selbsthilfe und Tha>w, aufrufen, denen der Staat beim besten Willen nicht W, kann. Vor Allem sollte man doch, wenn man eS so 3% schlecht gehtb, an Sparen und Einschränken und nicht fortwährend zu neuen Ausgaben drängen%% haben wir jetzt kein Verständniß. Je mehr Millionen, besser. Mit Ihren Reden machen Sie die Nothleidenden satt, Sie äußern Ihr Mitgesühl wirksamer durch SparsanwL, Ueber die SpirituSsteuer will ich hier jetzt nicht ausfühm'S reden, idas wird Sache de? Reichstag» sein. Der R(»%i kanzler wollte nur die Matrilularbeiträge reduziren oder S-'j abschaffen. Das Reich bezahlt mehr an die Einzelstaaren,- e? von ihnen erhält. Heute wird man für einen Reich»� räther erklärt, wenn man nicht über diesen Rahmen hinaus U die Bedürfnisse der Kommunen sorgen will. Machen Sie Arbeit und überweisen Sie alle VerwaltungSzweige dem« damit e? auch über die Ausgaben zu befinden hat. AbefA den kleineren Parlamenten die Ausgaben beschließen Ip vom Reichstage das Geld verlangen, da? fühtt zu einer schwendung in den Ausgaben. Die Kommunen sollen wann leisten für ungemrffene Vermehrung der Steuern eoUkn f«««* o*«ttf D»' i_ Weg drängen zu Reiche. Sollten Sie wirklich so kurzsichtig sein, fich ouf lassen, Ihre Hoffnungen würden fi« _ (Iii* -B nicht erfüllen. Wenn der Abg. von Minnigerode erklärte, er wolle weder gegen die Regierung noch gegen irgend eine Partei sprechen, so hat er das leider in Bezug auf den Reichs» tag nicht gehalten. Er sagte, der Zweck der Interpellation sei auch- der, an den Reichstag zu appelliren; eS sei für ihn vielleicht eine Frage der Selbsterhaltung(sehr richtig! rechts), wie er sich bei der Behandlung der nächsten Steuervorlage ver> halten werde. Soll das eine leere Drohung sein? Ich halte es nicht für angemessen, dieses Verfahren fortzusetzen, daß wir in solchem Ton zu der Reichsveriretung sprechen. Soll es nur andeuten, daß der Reichstag aufgelöst wird, wenn er nicht Ordre parirt, dann wäre ei eine überflüsstge Redewendung von der Kategorie derjenigen, welche jetzt in der konservativen Presse laut werden, wo man sich nicht scheut, mit Staats- streich und Bruch der Berfaffung, also geradezu mit Ver- brechen zu drohen. Ich habe die feste Zuverficht, daß zu einem solchen Verbrechen— und es wäre eins der schwersten— fich Niemand finden wird, daß Niemand wagen wird, die uner» schütterlichen Vcrhäliniffe unserer deutschen Reichsoer- faffung und daS Fundament der deutschen Einheit in verbrechelischer Weise zu berühren.(Lebhafter Beifall links, Zischen rechts.) Snitf A Abg. Graf Könitz: Eine sympathische Antwort hatten ht erwartet vom Herrn Minister Lucius, aber wir waren wir nicht vtwuvu» vwm vt'"'«/UtlU», uuei u,n ivuim nicht darauf gefaßt, daß dieselbe so kühl ausfallen würde, wie das geschehen ist. Er detrachtet die landwirthschaftliche KrifiS als etwas Vorübergehendes. Wir find der Meinung, daß wir ohne gesetzgeberische Maßnahmen nicht aus derselben heraus- kommen werden. Ich habe die Statistik über die Einfuhr von Wolle und die Ausfuhr von Wollwaaren sorgfältig geprüft und gefunden, daß die Wolleinfuhr von 80 Millionen Mark iu medrig und der Werth der ausgeführten Wollwaaren um 20 pCt. so hoch veranschlagt ist. Die Einwendungen gegen den Wollzoll find durchaus unbegründet und die Rückficht auf die Woll ndustrirllen unnöthig. Der Zolltarif ist eine Kuh. die noch immer mehr gemolken werden kann. Um 4 Uhr wird die wettere Berathung vertagt bi» Dienstag 11 Uhr. Außerdem soll die Vorlage, betreffend den Zollanschluß von Altona, verhandelt werden. Lokale». w. Von der drosektirten Gewerbe-Ausstellung. Der Provisorische Lokalausschuß sür die im Jahre 1888 in Berlin zu veranstaltende deutsch-nationale Gewerbe- Ausstellung ver- sammette fich auf eine Einladung am Sonnabend Abend im MagistratSfltzungssaale. Den Vorfitz führte Herr Oberdüraer« meister v. Forckenbeck. Erschienen waren 45 Mitglieder. Den wichtigsten Gegenstand der Berathung bildete die Auswahl des TerrarnS für die Ausstellung. Mit Stimmeneinheit wurde hierfür der Treptower Park bestimmt. Von demselben können ca. 500000 Quadratmeter zu AuSstellungszweckcn hergegeben werden, waS mehr als erforderlich ist. Die Beförderungsmittel zur Erreichung der Ausstellung zu Waffer und zu Lande find genügend gegeben in dem Vorhandensein von Eisenbahn, Pferdebahn, Schifffahrt ,c. Privatim wurde noch mehrfach der Gedanke laut, daß eventuell diese Beförderungsmittel noch vermehrt werden könnten, durch die Anlage einer elektrischen Bahn jensetts des LanbwehrtanalS am Kottbuser Thor dem Ufer entlang. Freilich ist diesem Beschluffe nur ein provisori- scher Charakter beizumessen» denn schließlich haben die städtischen Behörden zu bestimmen. Sodann wurde ebenfalls mit Stimmeneinheit dem Herrn Oberbürgermeister übertragen, einen geschäftiführenden Ausschuß zur Durchführung des AuSstellungs» Projektes zu ernennen. Zum Schluß wurden die Herren Oder- bürgermeister v. Forckenbeck, Stadtverordnetm- Vorsteher Büchte- mann und der Präfident der Aeltesten der Berliner Kaufmann- schast Geh. Kommernenrath Mendelssohn gewählt behufS Kooptation des Lokal-Ausschuffes. Et« partieller Streik ist gestern in der Reichsdruckerei zum Ausbruch gekommen. Siebzehn Punltirer. welche in dem genannten Institut durchschnittlich schon 10 Jahre beschäftigt gewesen find, haben— wl« dem„Berl. Tagebl." mitgetheilt wird— die Arbeit eingestellt, weil ste eS, nachdem sie mit 8 M. angefangen, trotz der langen Dienstzeit nicht über einen Wochen« verdienst von 15 M. bringen konnten(!), während andere An« gestellte von vornherein schon mit 18 M. eingestellt worden find. In der Reichsdruckerei arbeiten tnSgesammt etwa 150 Punklirer, und die Streiker erwarten, daß der größte Theil von den noch Arbeitenden, wenn nicht alle, sich moraen ebenfalls dem Streik anschließen werden. 8 Marl Wochenlohn für einen erwachsenen Arbeiter in einem Reichsinstitut, welches über so kolossale Mittel verfügt,— da« läßt allerdings tief blicken. „Feine" Lente stehlen anch! Aufsehen erregt in der Dorotheenstraße die vorgrstem erfolgte Entlarvung einer Diebe« familie. In einem Hause der Dorotheenstraße wohnen nur respestable und seßhafte Miether. Der Wirth ist 76 Jahre alt, er erbte daS Hau» von seinem Vater und hat daffelbe ununter- krochen bewohnt. Ein Theil der Miether wohnt schon 20 Jahre und darüber im Hause, der jüngste seit vier I hrcn. ES ist dies ein junger Eisenbahnbeamter, der vor 4 Jahren heirathete und am Hochzeitstage in da» HauS zog. Seine Frau hatte zwar kein Vermögen, aber doch eine sebr gute Ausstattung. Man kann fich den Verdruß der jungen Frau denken, als ste vor länger als Jahresfrist die Bemerkung machte, daß ein Stück um daS andere von der sauber mit Name und Nummer gestickten Ausstattungswäsche auf räthselhaftr Weise verschwand. Umsonst wurde bei der großen Wäsche jedeS Stück registrirt, bei der Wäsche stimmte die Zahl und doch zeigten fich ge- legentliche Mankos. Am 1. April d. I. fehlten insgesammt 27 Handtücher, mehrere Bezüge, eine Anzahl Tafeltücher, Bettlaken zc. DaS war dem jungen Paar doch zu bunt, die Fortdauer dieses Verhältnisses mußte die ganze Ausstattung schließlich verschlingen. AlS der Beamte die letzte Miethe be- zahlte, machte er dem Wirthe Mitthcilung. Dieser war außer stw, in seinem Hause war noch nie gestohlen worden, er glaubte nicht an die Thatsache. Schon um seiner Ehre willen mußte jetzt der Beamte Klarheit schaffen, und es gelang ihm. Er fand(frerlich nur für seine Person glaubwürdige) Beweise, daß die seit 8 Jahren in demselben Hause wohnende Familie eines Katafierbeamten S. einzelne ihm abhanden gekommene Wäsche- stücke benutzte. Mit vieler Mühe, ober in aller Stille, setzte er eine unvermuthete Haussuchung auf dem momentan von Frau S- benutzten Trockenboden durch. Hier fand der recherchircnde Kriminalbeamte eine Anzahl Schürzen und Hand tücher, auS denen Name und Nummer getrennt war und die von der Frau deS bestohlenen Beamten mit Sicherheit als ihr Eigenthum rekognoszirt wurden. Frau S, die nicht wissen wollte, wie die fremden Wäschestücke unter die ihrigen gekommen l* V ichsstte unter einem Vorwande ihre erwachsene Tochter Wohnung herab. Der Kriminal-Schutzmann aber war schnell hinterher, dennoch fand er die Wohnung der S. schon verriegelt. Er drohte die Thür einzuschlagen und v L« Deffnung. Da fand er denn, daß die Tochter eben im Begriff war, sämmtlich« gestohlene Wäsche auS der Kommode zu räumen und zu verbrennen. Jetzt kam Frau E. hinzu und gestand, knieend um Gnade bittend, daß ste iämmt htht abhanden aÄlommrne Wäsche auS der verschlossenen Bodew kammer, wo die Bestohlenen die schmutzig« Wäsche aufbewahrten, nach und nach gestohlen hätte. Nach Lage der Sache muß die ganze Familie um diese billige Bereicherung dei eigenen Wäsche« vorrath, gewußt habem Die Familie S. lebt- auf respektablem Fuße, ste hatte einen Theil ihrer Wohnung an feine Chambre- garntsten vermiethet. die älteste Tochter sollte sich binnen Kurzem ??jL? samten verheirathen, die fremde Wäsche war darum IbSja8!} i" brauchen. Jetzt wird der Staatsanwalt einen Strich durch alle Zukunftspläne machen. Herr Dr. Stgl. Redasteur des„Bayr. Bat.", lobt die Preußen, aber wie! Man höre:„Die Preßfreiheit ist in Gr- ahr! so hallt es auS einem Theil der Blätter, die— es an1 geht. Dem Bundesrath ist nämlich von Preußen ein Gesetz- entwarf zugegangen, wonach, wenn vom Gerichtsprästdenten die Oeffentlichkeit von Gerichtsverhandlungen für gewisse Fälle ausgeschlossen wird, den betheiligten Personen die Geheimhal- tung der Vorgänge, resp. deS Inhalts der Verhandlung aufer- legt werden kann und die Press« darüber keine Berichte brin- gen darf— bei Strafe bis zu 1000 M. Und dadurch soll die sZreßfretheit in Gefahr sein!— Wir find leider selten oder nie in der Lage, etwas, waS von Preußen kommt, begrüßen zu können; diesen Gesetzentwurf begrüßen wir aber mtt Freu« den. Es wird damit dem Skandal, der von einer gewissen sirt Presse mtt gewissen„pikanten Verhandlungen" gemacht wird, ein Ende gemacht werden, ei wird nicht mehr möglich 'ein, unter der Firma GrrichtSsaalbericht die Pestausdünstun« ;en moralischer Sümpfe durch die Presse überall hin zu ver« weiten, um damit Geld zu machen, eS wird verhindert werden, Tag und Nacht das Volk mit literarischen Trebern zu füttern und gewisse„Organe" zu moralischen Schweineställen zu machen, deren ekler„Dust" durch ga ze Städte und Länder linkt und wobei gewissen Leuten so kannibalisch wohl ist,„als wie 500 Säuen."— Herr Dr. Sigl hat bekanntlich vor nicht allzu langer Zeit selbst wegen einer höchst„pikanten" Sache vor einem Wiener Gerichtshof gestanden, aus der er gerade nicht sehr sauber hervorging. Daher diese dustige Blumen- spräche! Der Kommandeur des 1. Garde-Regiment« sendet der „Post" folgende Erklärung über den auch von uni gemeldeten, überaus traurigen Vorfall auf dem Bornstedrer Felde: „Während der Hauptmann von Hoepfner, Ersten Garde- Regiments zu Fuß, beim Exerziren auf dem Bornstedter Felde am 9. d. M. zu Pferde dicht an seiner Kompagnie hielt und den Grenadier Karschnik anredete, fügte er demselben durch eine zufällige und unbeabfichtigte Bewegung der Hand, in welcher er den Degen hielt, eine Stichverletzung an der Brust zu. Der genannte Offizier wurde erst durch daS blaffe Aussehen des ,c. Karschnik auf daS Vorgefallene aufmerksam, ließ denselben auS dem Gliede treten und dann in ein nahe gelegenes Hau» aelctten, da ihn ein ohnmachtähnlicher Schwächezustand befiel. Von dort aus wurde der Grenadier Karschnik mittelst Wagens in daS RegimcniSlazareth überführt. Die an fich ganz gtrmge Stichwunde ist dennoch nicht ohne Bedeutung, da fie die linke Brustwarze und unter derselben daS Brustfell getroffen hat. Wenn nicht Komplikationen eintreten, ist jedoch Lebensgefahr nicht zu befürchten: Herz und Lunge find unberührt geblieben. Die in einigen Zettungen enthaltenen, von obiger Darstellung abweichenden Angaben find unzutreffend. Namentlich ist der «. Karschnick nicht von seinen Vorgesetzten in einer Weise be- fragt worden, durch welche die Erlangung einer den Vorfall beschönigenden Antwort versucht wurde. Der ganze Vorgang ist vielmehr sofort durch die übereinstimmenden Aussagen aller Anwesenden, auch deS Verwundeten, zweifellos festgestellt worden."— Diese Erklärung mag allen möglichen Ansprüchen genügen, Klarheit bringt fi« jedoch keineswegs in die mysteriöse Angelegmheit, im Gegentheil, fie fordert ganz ent« schieden zu einer berechtigten Kritik herau«. Eine Härte in de« königliche« Schulanstalten befleht in der Form, wie daS Schulgetö einbezogen wird. Mit einer peinlichen Strenge wird darauf gehalten, daß Schüler wie Schülerinnen in den ersten Ouartalstagen daS Schuldgeld abliefern, geschieht dieS nicht, dann wird ihnen eine Strafe zu- dittirt. Wenn auch in öffentlichen Anstalten eine gewiffe Ord- nung herrschen muß, so ist doch andererseits auch auf die thatsachlichen Verhättniffe Rückficht zu nehmen. Di« meisten unserer Mitbürger haben unter den gegenwärtigen Zeitverhält- niffen alle Mühe und Noch, zunächst sür die Miethe zu sorgen, welche pünktlich gezahlt werden muß, um nicht gefährlichen Eventualitäten, wie Exmisstonen, Klogen u. s. w. ausgesetzt zu sein. Sind nun die schwersten Sorgen bei Privatleuten, bei Geschäftsleuten noch viel mehr, in den ersten drei Tagen de» Quartals glücklich überstanden, dann treten am vierten Tage weinend die Kinder an den Vater heran und verlangen daS Schulgeld, das fie haben müßten, wenn fi« nicht nachbleiben oder nach Hause g« schickt werden sollen. Man stelle fich nun die Angst dt» Vaters und die Verzweiflung der Mutter vor, wenn man beispielsweise vier Kinder und mehr mit dem Schulgelde versehen möchte, eS aber gerade in dieser Zeit nicht kann, wo man Hunderte und darüber um der Seldsterhaltung willen auszugeben gezwungen gewesen ist. Die Schulordnung kennt nur den euren Ausweg, daß man brieflich unter Darlegung von Gründen um Stundung ersucht; es muß also der Familienvorstand, welcher sonst vielleicht in ganz regelmäßigen Verhältnissen lebt und nur durch über- mäßige QuaitaliauSgaben fich in augenblicklicher Verlegenheit befindet, fich eine empfindliche Blöße geben und ffch ein Ar« muthszeugniß ausstellen. Wie schwer solcher Schritt wird, da« kann nur der ermessen, welcher gezwungen wird, ihn zu thun. Es giebt für jene Bestimmung gar keine Entschuldigung, und die Einwendung, daß nur die Eltern, welche daS Schul- geld zahlen können, ihre Kinder in höhere Lehranstalten schicken sollen, ist ebenso her», wie rückfichtSloS. denn es handelt fich lediglich nur um eine HinauSschiedung des Zahlungstermins auf etwa acht bis vierzehn Tage, also um eine rein humane Einrichtung, welche von Tausenden unserer Mitbürger mit Freuden begrüßt werden würde. Früher galt es überall und heute wohl gilt eS noch in der Provinz als ein feststehender Gebrauch, daß da» Schulgeld im Laufe deS ersten Quartal» monalS entrichtet werden soll. Warum soll eine königliche oder eine städtische Anstalt nicht denselben oder einen ähnlichen Modus einführen können? Wir sollten meinen, daß es gar nicht darauf ankommt, ob der Direktor oder Kurator einer An« statt seinen Abschluß 14 Tage früber oder später einreicht. DaS königl. Polizei- Präfldium erläßt folgende Be> kanntmachung:„Der Droguist A. Vollmann, hier, Bartels straße Nr. 1* wohnhaft, preist in der TageSpresse ein angeblich gegen die Trunksucht wirksames Mittel an. DaS Fabrikat, welches zufolge chemischer Untersuchung lediglich aus Enzian wurzel und»«wen Lycopodii(Bärlappsamen) besteht, hat keinerlei spezifische Heilwirkung. Dasselbe wird in Schachteln, welche Pillen enthalten, zum Preise von 10 Mark verkauft, während der wirkliche Werth des Mittels nur 18 Pf. beträgt. DaS Publikum wird daher vor dem Ankauf dieses Trunksucht» mittels gewarnt." Signalist, ter Durchgänger. Nach einer bei der hrestgen Kriminalpolizei telcgraphtsch eingegangenen Nachricht aus Buda- rest ist am 8. d. Mt». ein gewisser Ludwig Freyberger nach Unterschlagung einer Summe von 10000 Gulden von dort flüchtig geworden und wird steckbrieflich verfolgt. Freyberger, welcher deutsch und wenig ungarisch spricht und elegante Kleidung trägt, ist Israelit, 28 Jahre alt, mittelgroß und hagerer Statur. Cr hat bräunliches Haar, kleinen Backen- und Schnurrbart, ein auffallend schönes Gestcht und als be sondere Kennzeichen Narben im Genick und zwei kleine Warzen am Kaum hat die vootssatso» begonnen, so beginnen auch schon wieder die leichtstnnigen Streiche auf dem Wasser. Zwei junge, natürlich bereits angeheiterte Menschen ruderten am Sonntag Vormittag in bedenklicher Nähe der Freiarche an der Obcrschleuse des Kanals umher, hörten auf keine War nung vom Ufer aus und geriethen in den bei dem hoben Wasserstande ganz gewaltigen Strudel der Freiarche. Im Nu hatte der Strom den Kabn erfaßt und unter den Schützen der Freiarche festgeklemmt. Den einen Insassen riß der St.om durch die Schützen mit hinweg, der andere war mit dem Halse zwischen Schützen und Kahn festgeklemmt. Helfen konnte hier Niemand, als der Strom den nach Luft Ringenden freimachte und unter den Schützen hindurchsührte. Der erste Insasse war inzwischen bereits einige hundert Meter unterhalb ans Land geschwommen, der zweite aber konnte nicht schwimmen und rieb hilflos im Strudel. Auf das Geschrei der Umstehenden ämen vier Ruderer im Trabe vom CafS Alfen herbei, einer von ihnen ging biS an den Hals in den Strom hinein, wäh« rend ein zweiter ihm vom Ufer auS die Hand rechte, und so gelang es, den Dahintreibenden zu fassen und an» Ufer zu ziehen. Der fich selbst in Sicherheit gebracht hatte, erhielt von oen empötten Anwohnern noch ein paar tüchtige Ohrfetgen als Denkzettel, da er durchaus wieder ins Waffer wollte, um seinen Hut und den Kahn zu retten, dann trotteten beide baarhäuptig und vor Kälte zitternd der Stadt zu, während der Strurn den festgeklemmten Kahn gründlich demolirte.— Leuten, die nicht ganz nüchtern find, sollte kein Bootsverleiher ein Fahr» zeug geben; Szenen, wie die obige, find selbst für den Zu« 'chauer äußerst aufregend. Ein recht bedauerlicher Unglücksfall ereignete fich am Sonntag Nachmittag auf der Pferdedahnlinie Treptow Spittel- markt. Ein junges Mädchen hatte einen Stehplatz auf dem Vorderperron. Sie sah fich jedoch veranlaßt, denselben in der Siydelstraße zu verlassen, weil ste von mehreren„jungen Herren", die ebenfalls auf dem Vorderperron standen, in durchaus un« anständiger Weise belästigt wurde. Beim Abspringen gerieth ste leider mit einem Fuß unter die Räder deS WagenS, so daß ihr die Zehen fast ganz abgequetscht wurden. Zu verwundern bleibt hier nur, daß der Kutscher nicht einschritt. Das junge Mädchen, Elise Fischer ist ihr Name, wurde zunächst von mit» leidigen Paffanten nach der Sanitätiwache in der Brüderstraße und von dort nach dem katholischen Krankenhaust gebracht. Durch eine« Revolverschuff machte am gestrigen Tage ein unbekannter, elegant gekleideter, ca. 40jähriger Mann in Charlottenburg seinem Leben ein gewaltsames Ende. Der Selbstmörder, der nach Beschreibung von mittelgroßer, kräftiger "Igur war, hatte dunkelblondes Haar und einen gleichfarbigen chnurrbart: bekleidet war er mit einem dunklen modernen Kammgarnanzug, während seine Leibwäsche W. E. gezeichnet war. Irgend welche Papiere, die über die Persönlichkeit des Lebensmüden näheren Aufschluß zu geben vermöchten, fanden fich nicht vor. Die Leiche ist vorläufig behufs event. Rekognttlon im Charlottenburger Leichenschauhause untergebracht und gleich- zeitig die Berliner Behörde benachrichtigt worden, da man an- nimmt, daß der Selbstmörder erst auS Berlin nach Charlotten- bürg gekommen fei. Die Schriftstellerin A. Ottilie ersucht un» um die Mit- theilung, daß fie nicht identisch ist mit der in letzter Zeit viel genannten Schriftführerin gleichen NamenS vom Mäntel- Näherinnen- Verein._ Gerichts-Ielkmg. o. k. Der Raubmord in Moabit vor dem Schwur» ge-icht. Ein Verbrechen. daS auf die Sicherheitszustände Berlins ein bedenkliches Licht wirft und die Bewohner der Berliner Vorstadt„Moabit" noch immer in vollem Athem hält. gelangte heute vor das Forum deS Königlichen Land schwur» Gerichts Berlin i zur Verhandlung. Moabit gehört zu demjenigen Stadtheil Berlins, der ganz besonder», seitdem vor einigen Jahren daS Kriminal- Gerichtsgebäude und daS UntersuchungS-Gefängniß dorthin verlegt, fich mit riesenhafter Geschwindigkeit entwickelt hat. Eine förmliche Beamtenkolonie ist in der Nähe des Justiz- palastes entstanden. In dieser Gegend, Dreysestraß« 10. 2 Treppen, wohnt« der im Marineministerium beschästigte Geheim-Selretär Parpke mit seiner Gattin, seinem 24 jährigen Sohne und seinem Mündel, der unverehelichten Gertrud Müller. Die Paepke'scken Eheleute, die das beste Familienleben führten, feierten im Oktober v. I. ihre filbcrne Hochzeit. Der Geheim-Sekretär pflegte Morgens gegen 8 Uhr seine Wohnung zu verlassen und erst gegen 4 Uhr Nach- mittags zurückzukehren. Sein Sohn, der bei einer hiefigen Eisenbahn als Expeditions. Gehilfe thätig ist, begab fich«gel« mäßig Morgens?'/, Uhr in'» Bureau und auch die Müller war TagS über außerhalb der Wohnung beschäfliat. Frau Paepke war in Folge dessen den größten Tbeil deS TagS über allein in der Wohnung. Als der Geheim-Sekretär Paepke am 3. November 1885 Nachmittags gegen 3'/, Uhr nach Hause kam. wurde ihm trotz mehrfachen Klingelns nicht geöffnet. Er be- merkte sehr bald, daß die Konidorthür nur eingeklintt war. Er vermochte daher dieselbe mit s-inem Drückcrschlüffel zu 1,08 Wohnzimmer betrat, sah der MMISMZ maffe hervorquoll. Ferner war der Ermordeten der Unterkiefer gebrochen, sowie die Mundwinkel und das Kinn in arger Weise verletz:. Der Kleiderschrank, der Schreibtisch und die Servante waren geöffnet und zum Theil durchwühlt. Dem ärztlichen Befunde nach war der Tod der Frau Paepke etwa IV» Stunden vor dem Erscheinen ihres Gatten etnge- treten. Ein Kampf hatte augenscheinlich nicht stattgefunden. Dem Anschein nach hat fich der Mörder in die Paepke'sche Wohnung eingeschlichen, während Frau Paepke gerade die Wohnung für einige Augenblicke verlassen hatte. Frau Paepke ist kurz vor 2 Uhr Nachwittags mit ihrem Hunde an der Hausthür gewesen. Sie pflegte, wenn ste nur auf kurze Zeit die Wohnung verließ, die Korridorthür dloS anzulehnen. Diesen Umstand mag der Mörder benutzt haben, um fich in die Wohnung einzuschleichen und einen Diebstahl auszuführen. AlS er nun gerade mit dem Ausräumen vonWäschestücken-c. be schäf« tiat war, muß Frau Paepke zurückgekehrt sein. Der Eindringling sah fich nun von Frau Paepke, einer sehr kouragitten Frau von 55 Jahren, ertappt, er hat deshalb wahrscheinlich ohne weiteres Bestnnen auf Frau Paepke eingeschlagen und fi- in der be» schriebenen Weise verletzt. Die Paepke'sche Familie vermißte ein Löffel- Etui mit 2 filbernen Eßlöffeln, eine golden« Brocke in Form einer Taube und einiges baare« Geld. Die Summe läßt fich nicht aenau bestimmen, jedenfalls ist dieselbe nicht bedeutend gewesen. Die Brache wurde am Tage VeS Mordes, Nachmittags gegen 3'/, Uhr. von dem Schlofferlehrling Mötsch auf dem Bürgersteig dw Straß« Alt-Moabit, gegenüber dem Kriminal Gerichttgebaude, gefunden. Der Verdacht der Thäterschaft lentte fich sofort auf einen Bettler, der fich zwischen 12 und 2 Uhr Mittags in der Nahe des HauseS Drcysestr. 10 umhergetrieben hatte. Nach län« ocrm Bemühungen gelang es der Polizei, diesen Bettler in der Person deS Handlungsgehilfen Hermann Leopold Kowalski zu er» Mitteln und zur Haft zu bringen. Kowalski leugnet aller- dingS, jemals in Moabit gewesen zu sein. Eine große Anzahl von Zcugcn wollen ihn jedoch mehrere Tage vor dem Morde in verschredcnen Moabit« Lokalen und am Tage deS Morde» zwischen 12 bis 2 Uhr Nachmittags in höchst verdächtiger Weise in der Näh« deS Hauses Drcysestr. 10 gesehen haben. Einige Personen wollen sogar gesehen haben, daß Kowalski am frag- lichen Tage Nachmittags gegen 2 Uhr daS HauS Drcysestr. 10 betreten hat und etwa V* Stunden später aus demselben ge- kommen ist. Kowalski, der am 15. November 1858 zu Danzig gehören und evangelischer Konfesston ist, wurde bereits im Jahre 1879 von den: Landgericht zu Danzig wegen wiederhol« ten schweren Diebstahls mit 1 Jahr Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Stellung unter polizeilichen Aufficht bestraft. 1881 wurde er in Berlin wegen desselben Verbrechens mit zwei Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufficht, 1883 zu Dresden wegen Diebstahls, Landstreichens und Beitelns mit 1 Jahr 3 Monaten ZucktbauS, Ehrverlust und Polizei« aufstcht, im Jahre 1685 zu Fürstenwalde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und vorsätzlicher Körper« Verletzung mit 6 Monaten Gesängniß bestraft. Kaum halte er diese Strafe verbüßt, da wurde er wiederum in Frankfurt a. O. wegen intellektueller Urkundenfälschung mit mehreren Monaten GefängniH bestraft. Am 20. Oktober 1885 verließ er das Ge- fängniß und wanderte nach Berlin. Hier wohnt« er in der in der Oranienstraße 105 belegenen„christlichen Herberge zur Heimath". Im Uebrigen trieb er sich vagabondirend in Berlin umher und soll einen in genannter Herberge verkehrenden Hausdiener aufgefordert haben, ihm bei Begehung von Einbrüchen, „die sich am besten zur Mittagszeit ausführen ließen", behilflich zu fein. Einige Tage nach dem Morde soll er zu dem de« treffenden Hausdiener vedächtige Redensarten gemacht haben. Ferner find auch bei ihm mehrere DiebeShandwerkzeuge vorge- funden worden. Da ihm auch sein AlibibeweiS vollständig mißlungm ist. so hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des vorliegenden Verbrechens die Anklagt erhoben. Den Vorfitz des Gerichtshofes führt Landgerichtsdirektor Müller. Die königliche Staatsanwaltschaft vertritt StaatSan» walt Dr. Ritzell, die Vertheidigung führt Rechtsanwalt Dr. Richard Wolff. Der Andrang deS Publikums ist selbstverständlich ein ganz immenser. Den Berichterstattern ist nur der Zutritt in den Zuhörerraum gestattet, die Berichterstattung ist infolge dieser entfernten Plajirung von dem Tische deS Gerichtshofes, sehr erschwert.— Gegen 9'/> Uhr Vormittags wird der Angeklagte auf die Anklagebank geführt. Es ist dieS ein mittelgroßer schlanker Mensch mit fahlem Geficht und angefallenen Wangen.— Nach Bildung der Geschworenenbank ic. werden die Zeugen in den Saal gerufen; unterfidiesen befinden sich der Gatte und der Sohn der Ermordeten. Auf Bestagen des Prästdenten bemerkt der Angeklagte: Mein Vater war Töpfermeister in Danzig. Da auch meine Mutter früh verstorben ist, so wurde ich in meinem fünften Lcbenkjahre in ein Waisenhaus bei Danzig gegeben. In diesem wurde ich bis zu meinem vierzehnten Lebensjahre erzogen. Nachdem ich konfirmirt war, kam ich in daS HandlungihauS I. H. Soden u. Ko. in Danzig in die Lehre. Ich verblieb dortselbst vom Jahre 1873 bis 1876 und zwar zunächst als Lehrling und alsdann als KommiS.— Präs.: Was hatte denn dieS HandlungShaus für eine Branche?— Angekl.: Magazin für Haus- und Küchen-Einrichtungen.— Präs.: 1878 find Sie nun von I. H. Soden u. Ko. ausgetreten, was thaten Sie dann?— Angekl.: Ich trat bei dem HandlungS- bauS Fabian in Danzig in Stellung.— Präs.: Auch als KommiS?— Angekl.: Ja.— Präs.: Wie lange blieben Sie dort?— Angkl.: Etwa 1 Jahr.— Präs.: Nachdem Sie von Fabian abgegangen waren, find Sie alS Handlungsgehilfe nicht mehr thatig gewesen?— Angekl.: Nein.— Präs.: Wovon haben Sie fich von dieser Znt ab ernährt?— Angekl.: Ich befand mich zunächst in Sttafhaft. — Der Prästdent hält dem Angeklagten seine Vorstrafen vor und bedeutet ihm, daß seit 1879 sein Leben eine Kette von Verbrechen bildet und daß er fich während der Zeit, wo er fich in Freiheit befand, vagabondirend umhergetticben hat.— Der Angeilagte erwidert: Er habe hin und wieder gearbeitet, eS fei ihm aber in den seltensten Fällen gelungen, Arbeit zu stn- den.— Präs.: Sie wurden nun am 20. Oktober v. I. auS dem Gefängniß zu KottbuS entlassm, weshalb kamen Sie denn da gleich nach Berlin?— Angeklagter: Ich glaubte in Berlin am allerehesten Arbeit zu finden.— Es wird nunmehr der Anklagebeschluß verlesen.— Prästdent: Angeklagter, waS haben Sie auf die gegen Sie erhobene An- klage zu sagen?— Angekl.: Ich kann nur sagen, daß ich voll- ständig umckuldig bin, ich habe das Verbrechen nicht begangen. — Präs.: Von was haben Sie vom 20. Oktober bis zu Ihrer Inhaftnahme gelebt?— Angekl.: Einmal hatte ich noch etwas Geld, andererseits verdiente ich mir dadurch Geld, daß ich AuS» ländern bei Inanspruchnahme der Konsulate behilflich war.— Präs.: Wo wohnten Sie hier?— Angekl.: Zumeist in der christlichen Herberge zur Heimath in der Oranienstraße.— Präs.: Wo wohnten Sie außerdem?— Angekl.: In einer Herberge in der Landwehrstraße wohnte ich auck einige Tage.— Präs.: Gearbeitet haben Sie vom 20. Ottober bis zu Ihrer Inhaftnahme, die am 13. November erfolgte, nicht? — Angekl.: Nein, ich habe mir aber Mühe ge- geben, Arbeit zu findm.— Haben Sie während dieser Zeit Diebstähle ausgeführt?— Angekl.: Nein.— Präs.: Sie sollen fich aber gerühmt haben, Diebstähle begangen zu haben; Sie wiffen, daß auch ein Verfahren wegen von Ihnen begangener Diebstähle gegen Sie schwebt?— Angell.: Ich habe aber keine Diebstähle begangen und mich auch solcher nicht gerühmt.— Präs.: Es find aber mehrere Dtebeshandwerkzeuge bei Ihnen gesunden worden?— Angekl.: Ich besaß nur ein sogenanntes Tischlereisen.— Präs.: Sie wiffen. daß am 3. November v. I. in der Dreysestr. 10, hier in Moabit die Geheimsekretär Paevke in ihrer Wohnung ermordet und bestohlen worden ist, eS werden nun eine Anzahl Zeugen austreten, die bekunden werden, daß Sie am Nachmittage des bezeichneten TageS zwischen 2 und 3 Uhr, zu welcher Zeit da» Verbrechen begangen worden ist, fich in sehr auffälliger Weise in jener Gegend umher getrieben habm?— Angekl.: DaS ist nicht wahr, Herr Prästdent; ich bin in der Drcysestraße weder am 3. November v. I. noch überhaupt jemals gewesen.— Präs.: Behaupten Sie auch, niemals in Moabit gewesen zu sein?— Angekl.: Jawohl, da» behaupte ich; weiter al» bis zum Hamburger Bahnhof bin ich in diese Gegend niemals ge« kommen.— Präs.: Sie wollen also sagen, all die Zeugen, die Sie am Nachmittage des 3. November v. I. in der Dregse» straße getroffen haben, müffen fich in ihrer Person geirrt haben? — Angekl.: Ja.— Präs.: Der dritte November wird Ihnen noch in Erinnerung sein; Sie find einige Zelt darauf verhastet worden und sofv'.t danach gefragt. Können Sie mir sagen, wo fie am dritten November v. I. gewesen find?— Angekl.: Ich verließ am 3. November Morgen» gegen 8 Uhr mit dem Kellner Kreuzberger und dem Oekonom Supprtan die Herberge zur Heimath, um Arbeit zu suchen. Wir begaben uns zunächst in die in der Reinickendorferstraße belegene Arbeiterkolonie. Alidann be- gaben wir uns in daS Bureau d:S Vereins zur Beffcrung ent- laffener Strafgefangener. Hierauf gingen wir in eine in der Lindenstraße belegene Volksküche. AI» wir diese verließen, trafen wir noch einen Kellner, NamenS Vogel. Dieser wollte fich in einem Hotel oder Cafe Stellung suchen. Wir begleiteten den Vogel, der im CafS Bauer, Hotel PeterSderg und noch mehreren anderen Hotels und Cafö'S um Arbeit nachfragte. Der Angeklagte erzählte im Weiteren in sehr umständ- licher Weise, wo er am 3. und 4. November gewesen ist. Der Prästdent bedeutet dem Angeklagten, daß er heute seinen Auf- «nthatt am 3. und 4. November viel ausführlicher als bei dem Untersuchungsrichter erzähle. Angekl.: Ich kann mich heut« deffer als früher an all die Vorgänge erinnern. Ich war zur Zeit, da ich eines solch furchtbaren Verbrechens beschuldigt wurde, etwa» verwirrt.— Präs.: Sie sollen zu dem HauS- diener HIntze, mit dem Sie zusammen in der„Herberge zur Heimath" wohnten, verdächtige Redensarten gemacht haben, Sie sollen ihn auch zur Begehung von Einbrüchen aufgefordert haben?— Angekl.: Das ist nicht wahr; Hintze fragte mich einmal, wo Kreutzderger sei. Ich antwortete: der ist nach Kamerun gegangen; K. äußerte nämlich, daß er auswandern wolle.— Präs.: Haben Sie nicht erfahren, daß in der Dreysestraße ein Mord begangen worden sei?— Angekl.: Ja, ich las es am Donnerstag, den 5. November, in der Zeitung.— Präs.: Nun sollen Sie zu Hintze bezüglich deS Mordes sehr verdächtige Redensarten gemacht haben?— Angeklagter: Hintze sagte, die Beschreibung der Mörder paßt auf Kreuzberger und Dich, wie habt Ihr denn daS gemacht, habt Ihr Euch dabei die Hosen zerrissen? Ich sagte zu Hintze: Du bist wohl oerrückt.— Präs.: Hintze war also der Meinung, die Beschreibung de« Mörder« paßt auf Sie?— Angekl.: Auf mich und auf Kreutzberger, hauptsächlich aber auf Kreutzbcrger sollte daS Signalement paffen.— Präs.: Sie haben nun Ihren Hut, den Sie am 3. November getragen, vertauscht.— Angekl.: Ich habe dieS gethan, um mir ein paar Pfennige zuverdienen. — Die Vernehmung des Angeklagten ist danach beendet und eS wird zur Beweisaufnahme geschritten. Der erste Zeuge ist der Gatte der Ermordeten, Geh. Sekretär Paepie. Dieser erzählt, wie bereits mitgetheilt, in welcher Weise er, als er am 3. November v. I., Nachmittags gegen 3'/« Uhr, nach Hause kam, seine Frau vorgefunden habe. Nach einer im Saale auf- gestellten Ziichnung erklärt der Zeuge die Lage seiner da- maligen Wohnräume. Auf Befragen des Präfiventen bekundet der Zeuge: Als ich am 3. November nach Hause kam, kam mir zunächst mein schwarzer Pudel entgegen. Ich habe den Hund schon seit 10 Jahren. Er war früher sehr wachsam, bellte, wenn Fremde i» die Wohnung kamen. In der letzten Zeit wurde er jedoch altersschwach. Er hörte schlecht, erblinvete auf einem Auge, bellte nur selten und war sehr feige. Wenn man ihn bedrohte, so verkroch er fich. Als ich am 3. November eintrat, kam er mir schweifwedelnd entgegen. Gegen 12'/« Uhr Mittags tritt eine halbstündige Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird nochmals Geheim-Sekretär Paepke vernommen. Dieser giebt wiederboll eine eingehende Schilderung, in welcher Weise er am 3. November seine ermordete Frau vorgefunden. Die Ermordete lag in etwaZ gekrümmter Stellung. Der Schädel war vollständig zertrümmert; neben der Leiche auf dem Teppich lag etwas Gehirnmaffe.— Präs.: Als am Tage nach dem Morde die Gerichtskommisston, in Ihre Wohnung kam, da war der Tep- pich rc. schon von dem Blute gereinigt?— Zeuge: Ja.— f räs.: Hatte denn diese Reinigung solch' große Eile?— euge: Die Polizei halte es erlaubt.— Präs.: War der Teppich, auf dem die Leiche lag, in Unordnung?— Zeuge: Nein.— Präs.: Waren Spuren vorhanden, auS denen man schließen konnte, daß zwischen dem Mörder und der Ermor- deten ein Kampf stattgefunden hat?— Zeuge: Nein.— Präs.: Sie habm schon gesagt, Ihre Frau war stark und sehr kouraglrt; wenn fie nicht meuchlings überfallen worden wäre, dann hätte fie fich nicht ohne Weiteres niederschlagen lassen, jedenfalls hätte man alidann Spuren eines Kampfes wahrgenommen.— Auf Befragen des Prästdenten bemertt der Zeuge, er sei der Meinung, es habe fich, während seine Frau mit dem Hund auf der Straße gewesen, Jemand in die Woh- nung hineingeschlichen.— Präs.: Wieso kann der Mörder wohl in die Wohnung gekommen sein?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Präs.: Es ist vielleicht möglich, daß Ihre Frau die Korridorthür aufgelassen hat?— Zeuge: DaS bezweifle ich, weine Frau pflegte die Korridorthür niemals aufzulassen. — Präs.: Können Sie fich denken, auS welchen Gründen der Mörder zur That geschritten ist?— Zeuge: Meiner Meinung nach hat er stehlen wollen.— Präs.: Sie entnehmen dies aus dem Umstand«, daß die Kästen»umeist geöffnet und durch- wühlt waren und auch in der That einige Gegenstände fehlen? — Zeuge: Ja.— Präs.: War es aber auch möglich, daß Jemand Dm Mord aus Rache begangen haben könnte?— Zeuge: Nein, daS kann ich mir nicht denken.— Präs.: Wcs« halb nicht?— Zeug«: Meine Frau war gegen Jedermann so gutmüthig und hat so viele Wohlthaten gethan, daß ich eS für absolut ausgcschloffen halte, daß Jemand eine solche Rache gegen fie gehabt haben soll.— Präs.: Ihre Vermögensoer- hältnisse waren damals etwaS ungünstig?— Zeuge: Ja.— Präs.: Wie viel Geld in Ihrem Schreibtisch gewesen, können Sie nicht angeben?— Zeuge: Nein.— Präs.: Jedenfalls war eS eine nur geringe Summe?— Zeuge: Ja.— Präs.: Sie find also der Memung, der Mord kann kein geplanter gewesen sein, sondern der Mörder ist zufällig, behufs Aus- Übung eines Diebstahls in die Wohnung gedrungen und ist alsdann von Ihrer Frau überrascht worden?— Zeuge: Ja. Vertheidiger: Haben Sie Ihren Hund zu dem Herrn Unter- suchungSnchter gebracht?— Zeuge: Ja, nachdem mich Herr LandgerichtSrath Hollmann dazu aufgefordert hat.— Verth.: Als Sie den Hund zu dem Herrn Untersuchungsrichter mit- brachten, war da der Angeklagte im Zimmer?— Zeuge: Ja. Verth.: Hat der Hund bei dem Anblick des Angeklagten fich gefürchtet, oder gebellt?— Zeuge: Nein, der Hund hat fich ganz ruhig im Zinmer hingelegt. Der zweite Zeuge ist der Sohn der Ermordeten, Hermann Paepke. Präs.: Sie find am 3. November nicht zu Tisch nach Hause gekommen?- Zeuge: Nein, mir wu�e gegen Mittag von meinen Vorgesetzten eröffnet, daß ich Nachtdienst habe. Ich theilte dies meiner Mutter mirtelst emer Postkarte mrt.— Präs.: Wann erhielten Sie von der Ermordung Ihrer Mutter Kunde?— Zeuge: Nachmittag« gegen 5'/, Uhr.— Präs.: Sie begaben fich in Folge dessen sofort in Ihre elterliche Wohnung?— Zeuge: Ja.— Präs.: Können Sie uns sagen, in welcher Weise die Leiche Ihrer Mutter gelegen bat?— Zeuge: Nein, ich habe fie nicht gesehen, da ich in die Vorder- stude nicht hinein konnte.— Präs.: Sie konnten nicht hinein? — Zeuge: Die Polizetbeamten gestatteten mir den Zutritt in dai Vorderzimmer nicht.— Präs.: Und Sie verzichteten freiwillig darauf, Ihre Mutter zu sehen?— Zeuge: Wa» sollte ich denn gegen die Polizeibeamten thun?— Präs.: Dann können Sie uns auch nicht sagen, wie es in dem Vorderzimmer auSgeseh-n hat?— Zeuge: Rein.— Präs.: Können Sie sich denken, in welcher Weise Ihre Mutter ermordet worden ist?— Zeuge: Nein.— Präs.: Haben Sie denn niemals darüber nachgedawt? — Zeuge: Ja, ich war jedoch der Meinung, die nähere Fest- stellung ist Sache der Polizei.— Präs.: Nun, ich bin der Meinung, eS wäre auch Ihre Aufgabe als Sohn gewesen, fest- zuflellen, auf welche Art und Weise Ihre Mutter ermordet worden ist?— Zeuge: Ich dachte auch darüber nach, eine ge- naue Vorstellung kann ich mir aber nicht machen.— Präs.: Haben Sie gegen Jemanden irgend einen Verdacht gehabt?— Zeuge: Ja, ich hatte einen gewissen Müller im Verdacht.— Präs.: Hatte dieser eine Rache gegen Ihre Mutter?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Präs.: Nun weshalb schöpftenSie gegen den MüllerVerdacht?— Seine Frau war mit meiner Mutter ver- feindet.— Präs.; Hatten sich die beiden Frauen gezankt?— Zeuge: Ja, vor etwa IV, Jahren.— Präs.: Und deshalb find Sieder Meinung, dieser Müller könnte. Ihre Mutter ermordet haben? — Zeuge: Etwas Bestimmtes weiß ich nicht.— Präs.: Ist denn der Müller ein Mensch, dem man einen Mord zutrauen kann?— Zeuge: Das will ich nicht sagen.— Präs.: Zeuge, Sie flnd doch mit Ihren Verdächtigungen etwas leichtfertig; Herr Geheim-Sekretär, was sagen Sie zu der Bekundung Ihres Sohnes?— Zeuge: Ich habe zu bemerken, daß Müller nicht der Mörder gewesen sein kann, da er schon seit einem Jahre im Gefängniß Plötzrnsee ist; im Uebrigen traue ich demfelbrn eine solche That nicht zu.— Angekl.: E» ist ja möglich, daß der Müller, der in Plötzensee sein soll, einen Mit- gefangenen zu der That veranlaßt hat.— Dr. med. Werner, der zuerst zu der Ermordetm gerufen worden ist, giebt«ine ausführliche Schilderung von dem Befund der Lache. Der Mörder müßte zum Mindesten an den Stiefeln und Hosen mtt Blut bespritzt gewesen sein. Der tödtliche Schlag muß etwa V» blt'/« Stunden vor seinem Eintreffen geführt worden sein.— Präs.: Früher sagten Sie, der Tod muß 1 bis 1'/, Stunden vor Ihrem Erscheinen eingetreten sein?— Zeuge: Damals hörte ich, daß etwa gegen 2 Uhr Nachmittags der Kampf stattgefunden hat, aus dem Gmnde wurde ich zu der Annahme verleitet, genau ist das nicht fest- zustellm.— Auf Befragen des VertheidigerS bekundet der Zeuge, daß der tödtliche Schlag jedenfalls seitlich geführt worden ist. Polizeilieutenant Glabisch schildert ebenfalls den Befund der Leiche. Er sei der Meinung, der Mörder hätte Blutspuren nicht davon getragen.— Fräulein Kennebehn(15 Jahre alt): 'Ich kannte die ermordete Frau Paepke und verkehrte oftmals bei ihr. S'e war eine sehr gutmüthig« Frau. Am SonniG dm 1. November, forderte mich Frau Paepke auf, ihr ß Montag Nachmittag rollen helfen zu kommen. Ich ich könne erst am Dienstag Nachmittag kommen. Ich an diesem Tage, etwa gegen 2 Uhr Nachmittags, jedw falls nicht vor 2 Uhr zuPaepke'S; etwas Verdächtige« habest nicht wahrgenommen. Ich klingette mehrfach, da mir jedw nicht geöffnet wurde, so besuchte ich meinen in der Thuw straße wohnenden Bruder. Etwa IV» Stunden darauf gstt ich wieder zurück. Nachdem ich wiederum vier Mal vergeblst geklingelt hatte, kam Herr Paepke. Dieser schloß auf, wir b» traten die Wohnung und fanden im Vorderzimmer Fra» Paepke rntseelt auf dem T-ppich liegen. Polizei-Inspektor v. Merscheivt-Hülleffem giebt ebenfalli eine eingehrnd« Schilderung über den Befund der Leiche. Dst Blut war an die Gardinen, Fenstern, Ofrn;c. gespritzt. P der Küche ist keine Blutspur vorhanden gewesen. Es# nichts vorhanden, was darauf schließen ließ, daß der Mörb« fich irgendwo seine Hände gewaschen oder auch nur abgewiK hätte. Die Wäsche muß vor erfolgtem Moide mit# blutigen Händen herausgerissen worden sein. Auch ff« eine angebrannte Zigarre vorhanden, so daß anzunehm« ist, der Mörder hat vorher an der Stelle des M brechenS eine Zigarre geraucht.— Präsident: N* Angeklagter, haben Sie hierzu etwas zu sagen?— Angekl- Ich habe nur zu bemerken, daß ich überhaupt nicht rauche, st also der Mörder nicht gewesen sein kann.— Präs.: Wie# es aber, wenn Zeugen auftteten, die Sie schon haben rauche'- sehrn. Ich habe Jznen schon einmal gesagt, Sie thun besser nicht alles zu leugnen. Der Umstand, daß Sie Raucher find, b* lastet Sie ja noch nicht.— Angekl.: Ich gebe zu, daß ich ei»' mal eine Zigarre rauche, wenn ich eine geschenkt erhalte, wöhnlich rauche ich aber nicht.— Präs.: ES ist doch aber si gleichgiltig, ob Sie selten oder regelmäßig Zigarren rauche» — Auf weiteres Befragen drponirt Kriminal Polizei-Jnspektol v. Hülleffen: Zu befürchten war, daß daS Blut durchfickeff könnte, ehe der Thatbestand festgestellt war, so ist in Uebev einstimmung mit dem ersten Staatsanwalt Angern, der ebenfall» zur Stelle war, die Wegschaffung der Leiche und zwar noch i» derselben Nacht angeordnet worden.— Stadt-Phyfikus Geh Medizinalrath Wolff: Der Schädel der Ermord-ten war voll- ständig zertrümmert. Augenscheinlich hat der Mörder zunächst einen sehr heftigen Schlag und alidann noch eine Reihe vo» Schlägen geführt. Der Tod ist durch die Zertrümmerung bei Gehirns eingetreten. Außerdem waren da» Kinn und del Mundwinkel der Ermordeten arg verletzt. Ein Kampf h« augenscheinlich nicht stattgefunden. Der vorgefundene Zahn ist der Ermordeten ausgeschlagen worden. Wie lange vorher der tödlliche Schlag geführt worden ist, als Herr Dr. Werner gr- rufen wurde, ob eine halbe oder IV- Stunde, läßt fich n«» fesistellen. Da noch keine Todtenstarre eingetreten war, so kan« man nur sagen, der tödtliche Schlag muß vor nicht lang« Zeit geführt worden sein. Stadt-PhystkuS Geb. Medizinalrath Prof. Dr. Limann tisit dem Gutachten oeS Geh. Medizinalrath Dr. Wolff vollständig bei- Augenscheinlich ist der erste Schlag geführt worden, indem d« Mörder seinem Opler gegenüber gestanden hat. Die Frau ist alsdann niedergefallen und hierauf hat der Mörter die wy leren Schläge von hinten oder von der Seite geführt. M den„Luden"(Brecheisen), die der Angeklagte besessen Hab!» soll, kann die That vollführt worden sein. Ebenso ist eS aber möglich, daß die That mtt einem Hammer vollführt morde» ist.— Hier wird die Sitzung gegm 6 Uhr AbendS auf morge» (Dienstag) Vormittag 9V, Ilhr vertagt. + Zwet Schlafftellendtebstähle fallen dem FärbergeselleH K. zur Last. Bei einem derselben legte er ein große« Raffine« ment zu Tage. Er begab fich eine? Tages zu den Eckern d'* Buchdrucker« W.. bei denen er früher in Schlafstelle gewoh»» hatte, zum Besuch. Nach einiger Zeit nahm er Abschied, wa« die Korridorchüre heftig hinter fich zu, als sei er Hinausgegange»' blieb aber zurück und schlich sich in das Schlafzimmer dd Sohne» ein. Dort kroch er unter daS Bett und blieb bil 3 Uhr Morgens dort liegen. Um diese Zeit suchte W. et? sein« Schlafstätte auf und K- konnte zu dem Ziele seiner Wünsche- einer grünsetdenen Geldbörse mit einem Inhalt von 23 Ä gelangen. So leise er fich fortschlich, war sein« That doch nie? unbemerkt geblieben. Der kleine Bruder de« W.,«in Knat von 10 Jahren, der in demselben Zimmer schlief,« aufgewacht und sah den fremden Mann verschwinden. Dff- führte zur Entdeckung.— In dem andern Falle hatte sb seinem Schlafkollegen, dem Arbeiter W., eine Geldtasche ff* 12 M. entwendet.— Die Strafkammer verurtheilte isn i" Rückficht auf die Verschlagenheit und den Vcrtrauensdruch' die er bewiesen und den er vollzogen, zu 7 Monaten fängniß.__ Ketzte Nachrichten. lieber den Zusammenstoß der Franzosen mit den Eingt' borenen im Senegal-Gebiete liegen folgende telegraphW Mittbeilungen vor: Part», 11. April. Nach Meldungen vom Senegal ist da» Fort Bakel von den Eingeborenen angegriffen und hat daselbst ein sehr blutiger Zusammenstoß stattgefunden, welcher 3 Tags dauerte. Mehrere Dörfer und Faktoreien wurden ange«ündet! die Verbindungen find abgeschnitten. Die Lage wird als ernst bezeichnet. Paris, 11. April. Eine Depesche deS Gouvanems de« Senegal-Gebietes deflätigt, daß das Fort Bakel von den Ei»' geborenen angegriffen wurde, doch seirn die Angriffe oh»» Verluste zurückgeschlagen worden. Das Fort sei vollkommest verproviantirt. Ein von gestern Morgen aus London datirtes Tele' gramm meldet: Der bisherige UnterstaatSsekretär für Indiek Kay-Shuttleworth, ist an Stelle von Heneage zum Kanzler&« Herzogthums Lancaster ernannt worden und würde den„Dali« Nnvfl" zufolge auf seinen bisherigen Posten als Unterstaat«' sekretär von Indien durch Staffoid Howard ersetzt werden.»» die Stelle von Sollings als Sekretär im Lccal GovernmeM. Board soll Borlase tretm. Der Rücktritt Lord Morley'S vo» dem Posten deS Arbeitsminister» wird amtlich bestätigt.. I Die Opposition gegen Gladstone'S Homeruledill wird all' gemeiner und größer. Die„Times", der„Daily Telegraph' der„Standard" und fast alle übrigen Morgenblätter fahrest- heute fort in ihrer Kritik über dre Gladstone'sche Vorlag«' Seihst die„Daily NewS" bezweifeln jetzt, od die Vorlage s» der gegenwärtigen Session Gesetzeskraft erhalten werde. Di« öffentliche Agitation gegen Gladstone'S Bill beginnt am Mi* woch mit einem großen Meeting in Her Majesty's Thrau«' da» unter dem Verfitz von Lord Cowper, der unter dem UW. ren Kabinet Gladstone Vizekönig von Irland war, statt find«» wird. Die erste Resolutton bei diesem Meeting wirv»o» Lord Hartington beantragt und von Lord SaliSbury und.A» lands unterstützt werden, die zweite Resolution wird Gof®« beantragen. In Görlitz hat gestern ein Maurersteik begonnen.*■ Kommunalbauren beschäftigte Maurer arbeiten weiter. In Magdeburg ist eine auf gestern anberaumte Versamw' lung, in welcher der sozialdemokratische Abg. Heine einen V»' trag halten wollte, auf Grund des Sozialistengesetzes im aus verboten worden. j Nach einem Privattelegramm deS„Verl. Tagebl." ist ö;; den KöSliner Vertreter der Staatsanwaltschaft, Ässeffor San» mester, währrnd er in seiner Ardettsstube saß, 5« schössen worden. Man bringt diesen Vorfall in V« W bindung mit den Verhaftungen, welche dieser Tage w-'fl« eineS jchwebeoden BetrugsprozeffeS in Köslin vo.-genomM« wurden. Unter den Verhafteten befinden fich auch Stadtverord»«. Bersmsortttch« RrSsMur l». SMWhrt« Vi»Düa.>V.-,uS uns Verlag von K«g##W*8 i»*KUn_aW,«eutsftratz« 3.