»r. 89» Donnerstag» de« 13. April 1886. III. Jahrg. clliurWksM Lrgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Fmrldckochlilug. Der deutsche Reichstag ist bekanntlich bis zum 17. Mai in die Ferien gegangen. Derselbe ist vielfach weae» seiner grundsätzliche« Oppo« sition angefeindet worden. Doch mit Umecht! Seine Zn- terpellaiion in der Polenfrag« hatte keine« positive», nur eine« moralischen Hintergrund. Und wer weiß, wie heute fich da« Zentrum zu einer solchen Interpellation stelle« würde. Die Stellung de« Reichltagi bei den Wahlprü- fungen, so sehr dieselbe zu loben ist, richtet sich nicht gegen die Regierung, sondern betrifft eine rein interne An- gelegenheit der Parteien gegeneinander und eine einfache Frage de« Recht«. Die Abstriche vom Etat sind sehr gering gewesen; die Regierung weiß wohl, daß jeder Reichstag einige Posten streichen muß, damit er vor dem Lande nicht al» Schlaf- mlltze dasteht, dethalb weiß sie auch, daß man darnach die Forderungen machen kann. Dann sind eine Anzahl von kleine« Vorlage», die sich auf K o l o n i e n, P e« s i o n e n, Z u st i z u. s. w. be- zogen, sämmtlich ohne nennenSwerthen Widerspruch vom Reichstage angenommen worden. Einhundertsechs Millionen Mark wurde« für den Bau eine« Nordostseekanal« einstimmig bewilligt! Ferner wurde die Verlängerung de« unveränderten Sozialistengesetze« genehmigt. Von de» Steuer- vorlagen auch da« Zuckersteuergesetz, wen« auch in einer Form, welche dem Bundetrath nicht zusagt. Nur zwei von de» Regierungsvorlagen fanden die Zustimmung de« Reichstag» nicht: da« Viehseuchen« g e s« tz und da« Branntweinmonopol. Von den Initiativanträgen au« der Mitte de« R-ichStag« wurden außer einem nur solche vom Reichstage an- genommen, welche im BundeSrathe mehr oder weniger Zu- stimmung fanden. Dieser eine Antrag war der, welcher Zahlung von Diäte» für die ReichStagSabgeordnete« aus Reichsmittel» fordert. Alle übrigen der Reichs- reaierung unangenehme Initiativanträge sind entweder ab- {elehnt worden oder liegen im Schooße der Kommissionen «graben. Und da spricht man von einem Reicht»tage, der Ob« struktion treibe? Soll denn die erste Vertretung des deutschen Volkes nicht« anderes sein, ali ei» blinde« Werk« zeug in der Hand der jeweilige» Regierung? Wer e« mit dem Vaterlande wohl meint, er mag einer Partei angehöre», welcher er will, der muß diese frage verneinen. Wer«och eine« Funken Freiheit»- iebe besitzt, der muß protestire» gegen ein« solche Auf- Jeuil'teton. Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) Kornell hatte leider allzu sehr recht, und statt seiner Frau mit dem Abschiede zu imponiren, ihr seire Selbstsucht»« lostgkeit zu beweise», hatte er geradezu da» wirksamste Mittel erfunden, ihre» Haß, ihre Mißachtung zu verewigen, die Aussicht auf einen Vergleich gänzlich durch das Aufgebe« jeglicher Rangerhöhung zu untergraben, gegen welche das kälteste Weib auf die Dauer nie ganz unempfindlich bleibt. Die Baronin zog wunderbar schnell aus und zwar gegenüber, jenseit der Schrägen, in ein noble« Hau», dessen ersten Stock sie einnahm. Natürlich wollte sie ihrer arme« Tochter möglichst nahe sein.— Den zweiten Stock im„kal- te» Stein" vermiethete Edmund. Das junge Ehepaar führte fortan ei« getrenntes Lebe«, kaum, daß man hin und wieder zusammen divirte.— Madame war viel bei Mama, wa» ihr der Gatte um so weniger verbiete« konnte, al« die Baronin de».kalten Stein" Vicht mehr betrat, und Astarte versäumte nicht, sich unter mütterlicher Aegide in allen Kreisen blicke» zu lassen, wo noble Zerstreuungen ihr de« eheliche» Kummer aus de« Ge- danken bringe« konnte«.— Als„Dame von Ton" wußte sie auch immer so heiter und liebreizend zu erscheinen, wenn sie ohne Mann war, daß man ihr wahrhaftig die Seelea- leide« gar nicht ansah. Desto ärger litt Edmund geistig wie körperlich. Um de» immer quälender fich aufdrängenden Gefühlen der Scham, der Reue, de» geknickten Stolzes zu entfliehe«, stürzte er sich in den Strudel von allerlei Bekanntschaften mit Malern, Bildhauern, Schriftstellern und Schauspielern, suchte am Herzen der Kunst Linderung, und zwang sich, durch die Angelegenheiten anderer Leute die eigene« zu ver« gissen. Natürlich wußte« die Meisten sich die Theilnahme fassung. Nur sklavische Naturen können jene Frage« be- jähen. Deutschthum und Sklaverei aber sind unvereinbare Gegensätze! Doch der deutsche Reichstag wird am Ende auch«och diesen Gegensatz überwinden. Wenn nach de» Ferien der Reichstag wieder zusammen- tritt, so wird er zunächst eine neue Zuckervorlage vorfinden; dieser wird er ganz sicherlich seine Zustimmung ertheile» in einer Form, wie sie der Bundesrath gutheißen kann. Sollte dem letztere» viel an dem abgelehnten Vieh- seuchengesetz lrege», so braucht er nur eine neue Vor- lag« zu machen, er erhält sie bewilligt. Bleibt nur«och übrig da» Branntwein« Monopol! Wa« aber thut der Name zur Sache. Weshalb muß e» denn gerade Branntweinmonopol hriße»? Konsum- st euer klingt ja viel harmloser. Und können» nicht 300 Millionen Mark sei«, welche man au» dem Monopol herauszuschlagen hoffte— gewiß wußte man e» nicht— so sind 150—200 Millionen auch nicht von Pappe, welche man sicherlich au« einer Konsumstcuer auf Branntwein erzielen kann. Natürlich wird dieselbe dann mit aller Schwere auf de» Schultern besonder« de» arbeitenden Volke« laste«. Unserer Meinung»ach aber wird die Konsumsteuer, die wir für verderblicher halte« als da» Monopol, im Reichstag die Mehrheit finden. Die.National'Liberale Korrespondenz" hat schon die Unterstützung der Natiovalliberalen zugesagt; wir glaube», daß diese Partei«inmüthig für diese Steuererhöhung stim- me« wird. Der Friede zwischen Berlin und Rom wird inzwischen auch perfekt geworden sei«, und sollte dann die Haltung de« Zentrum« vielleicht noch zweifelhaft sei», so wird die Regierung freudigen Herzen» auf dem Altar der Opfer Branntweinkovsumsteuer da« ExpatriirungSgesetz ,Au«< ~"ichen) zum£ irai 3ui hon gl meldet, daß der BundeSrath nach de« Ferien dem Reichs- Weisung von katholische» Orden und Geistlicyen) zun ~ in Aufhebung ja schon mehrmals auf Ani lthorst räch aber abgelehnt wurde. Üebrigen» wird auch schon ge- bringe», dessen Aufhebung ja schon mehrmals auf Antrag de» Dr. Windthorst vom Reichstage beschlossen, vom Bunde* tage eine dahin zielende Vorlage machen würde. Dann würde da» Zentrum natürlich geschlossen für die Konsumsteuer stimmen. Aber auch ohne Aufhebung des ExpatriirungSaesetzeS wird die neue Branntweinsteuer die Zustimmung de» Reichs- tag» erhalte» und zwar mit derselbe» Majorität, wie bei der Verlängerung de» EozialiflengesetzeS. Konservative und Nationalliberale und die w o h l g e z ä h l t e Anzahl von Stimme« au» dem Zentrum werden dieselbe bilde». de» reichen Schöngeistes zu Nutze zu mache», und ließe« ihm gern den Ehrgeiz, den Mäcen zu spiele», wenn er dafür nur ihre Produktionen kaufte und ihnen auf jede Art unter die Arme griff. Diese» ziemlich kostspielige Leben fiel natür« lich Astarten ebenfall» auf und vollendete de» Zusammen- bruch jeglichen Antheil» an dem Manne, welcher ihr leider so nahe verbunden war. Da» Lebe« seiner Gattin betrachtete Edmund gleichfall» mit Argusaugen Zn ihm kochte und tobte die Eifersucht um so wilder, je aleichgrltiger Astarte war, je geflissentlicher sie ihn und die leisesten Anlässe zu einer Versöhnung mied. Ja, indem sie seinen Geburtstag und alle Familienfesttage ignorirte, welche oft so manche« Schiefe ausgleichen, kränkte sie ihn recht absichtlich. Wollie er nicht sei« Elend der ganze» Stadt preisgebe», so konnte er seiner Frau de« mütterlichen Umgang eben so wenig wie da» Amüsement in Gesellschaften untersage». Er hätte zu Gewaltmaßregeln greife» müssen, die ihn nur öffentlich bloß gestellt, an seinem eigentliche» Loose indeß nicht» gebessert hätten. So ganz ohnmächtig seiner Frau gegenüber zu sein, marterte ihn um so furchtbarer, al« er zu gut wußte, wie oft Graf Giloern Astarten bei der Echwiegermama sah, ihr Tänzer war und sie wahrhaftig wenig Mühe hatte, ihre letzten, schlecht verhüllte« Drohungen auszuführen. Die Echwiegermama gab heute große Soiree. Daß sie Edmund nicht extra einlud, erhellt au» der Lage aller Dinge.— Astarte war bereit» in vollstem Glänze in die erleuchteten Räume eingetreten, während ihr Gatte, der mit Freunde» in die Oper gehe» und dann zu Nacht speisen wollte, im dunklen Zimmer am Fevfler stand und hinüber flante in die strahlenden Salon«, ob er nicht sehen könne, wie seine Frau sich amüsire. Der verhaßte Graf war auch drüben, welcher seit«inigen Monaten gar noch dem Prinzen Arthur als Adjutant attachirt worden. Zehnmal schon hatte Edmund dem Treiben von Madame ein Ziel fetzen wollen, aber Scham und Rücksicht vor der Welt waren noch immer seine warnenden Engel gewesen.— Heut' aber war'« beschlossen! Mochte«S biegen oder brechen, er mußte ein Ende machen I Diese Art zu leben war ihm Ob dann die Regierung mit dem deutschen Reich«tag völlig zuftiedcn sein wird? Wir können es nicht wissen; vielleicht verlangt sie von demselben noch mehr. Das Volk aber wird nicht zufrieden sein- e» wird die Folgen solcher ReichStagSpolitik zu trage» habe» und»ach und nach zur E kenntniß gelangen, daß der Reichstag mehr sei« soll, al» eine Steuer- und Zasage-Maschine. Politische Ueberstcht. Zum Kampf gegen die Arbeiterveretne. Der Han« noverichen Filiale de« zu Bremen domilizirten Unterftützungs« verein» für deutsche Tabakarbetter ist nachstehendes Reskript zugegangen: „Hannover, 3. April 1886. Der RelseunterstützungSverein deutscher Tabakarbetter zu Bremen erstreckt sich unter Anderem auch auf preußische» Staats- gebiet, indem an verschiedenen Orten Preußen», so namentlich auch hier in der Stadt Hannover eine Mitgliedschaft beza». OitSkaffe des genannten Z-ntralvereinS errichtet ist. Der Zeniratverein bezweckt nach seinem, auch für die hiesige Mit- gliedschaft geltenden Staiut die Hebung der mateiiellen und intellektuellen Lage seiner Mitglieder und bezeichnet al» Mittel beitrageS an r ihrer Ehehälfte und zwar in den beiden Fällen mit dem Recht auf Forderung dieser Gewährung unter der Bor- auSsetzung drr Zahlung der vorgeschriebenen Bei- träge. Hiernach charakteristrt fich der UnterstützungSveretn in Ansehung der diesigen Mitgliedschaft al» eine VersicherungSan- statt im Sinne des für den Umfang der Provinz Hannover noch giltigm§ 43 der hannoverschen Gewerbeordnung vom 1. August 1847, welche der staatlichen Genehmigung bedarf. Da diese Genehmigung bisher noch nicht nachgesucht, noch weniger ertheilt ist, fordere ich Sie ali Bevollmächtigter der hiesigen Mitgliedschaft hierdurch auf, bis dahin, daß die staat- ltche Genehmigung, fei eS iür die hiesige Mitgliedschaft allein, sei ei für alle Mitgliedschaften im preußischen Staatsgebiet in»- gesammt, ertheilt ist, jedeThätigkeit behufsVer- waltuna der hiesigen Mitgli.dschaft einzustellen, aufzulösen und darüber, daß die» ge- scheben, binnen 3 Tagen vom Tage der«ehändigung dieser Verfügung an aerechnet. mir schriftlich anzuzeigen, widrigen- falls die Auflösung unter Beschlagnahme der Ort«kasse zwangsweise polizeilich auige- führt werden wird. Der königl. Polizei-Präsident I. V.: Schorschke. An dm Bevollmächtigten der hiesigen Mitgliedschaft des Riise UnttlstützungsoereinS deutscher Tabakarbetter, Herrn Bredemeier, hier, Oststr. 81." eine Hölle, eine Folter, ein Tod, der zollweis nagend ihm an'» Herz heranschlich! Seine Freunde im Stiche lassend, schellte er Jakob, dem neuen Diener, welcher den»ach seinem Verrath sofort ent- lassen«» Oswald ersetzt hatte, und befahl, ihm bei der Ball- toilette behilflich zu sein. Während de» Umkleiden» faßte er tausend Beschlüsse, in welcher Art er am besten sein trauriges Geschäft ver- richten wolle, konnte aber doch nicht mit sich einig werden. Er erwählte endlich die in seinem Falle beste Auskunft, kalt, ruhig, chevalercsque zu fein, und indem er in feinem Bmehmen den Leuten nicht den leiseste» Verdacht bot, ab- zuwarten, wie Alles kommen werde, um nach Umständen so zu handeln, wie e» sei» Gattenrecht und die ManneSehre erfordern würde. E» war eine ooirös äansants, ein xetit dal in nobel« ster Form, was Baronesse Wolkenstein ihren nächste« Freunde« gab, und wobei sie mit der Tochter begreiflich» r Weise die HonneurS machte. Chevalier de Putange, Graf Gilbet», Kammerjunksr von Rubitz, ein paar Sängerinnen, dann die Herren von Käfernberg und von Faltern nebst deren Töchtern Olivia und Feodora, einige Räthe m t ihren starke» Familie», viele Ojfizikre und KabinetSrath von Buchmann, aber allew, waren zugegen. Nachdem man de» Thee eingenommen, begann man zu tanzm und befand sich eben in bester Unterhaltung, al» Edmund bleich aber lächelnd, zu nicht geringem Schreck von Schwiegermama wie Gattin eintrat und noch leichter Verbeugung auf die Baronin zuging, die ihm steif, lächelnd und mtt vollendeter Selbstbeherrschung ent- gegentrat. „Ei ei, mein lieber Sohn, das nenne tch eine Ueber- rofchung! Sie wollten, dünkt mich, in die Oper gehen und sich dann Ihr?» künstlerischen Freunden widme», und nun entsagen Ste Allem um unsertwillen? Das heißt mir eine Aufopferung I Nun, willkommen brauche ich Sie doch wohl kaum eist zu heißen?!" „Ich weiß ja, daß ich es bin, liebe Mama!" sagte er ironisch und küßte der Baronin die Hand.„Ich weiß auch, Ihne» wie meiner lieben Frau waren Ueberraschungen,«ie D!kS da» Schreibm. �... Eine» Kommentars bedarf dasselbe nicht. Natürlich ist Beschwerde erHoden worden. Starker Tabak. In einem Rückschau- Artikel über die seitherige Thättgkeit de» deutschen Reichstag» in der laufenden Session, der sich noch dazu an hervor- ragender Stelle befindet, theilt die„Norddeutsche Allgemeine Zettuna� ihren Lesern folgende» mit:„Von Initiativanträgen der Mitglieder wurden außer den schon de- rührten Penstonsvorlagen diejenigen angenommen, welche die Wiedereinführung der Berusung, die Enischädigung unschuldig Verurtheiller und die Verzollung von Umhüllungen eingeführter Waaren zum Gegenstände haben. Abgelehnt wurden die sozialdemokratischen Anträge betreff» der Diäten- gewährungfürReichStagSabgeordnete, betreff» Aufhebung de» Dynamitgesetze» und betreff« der Organisation von Arbeiterkammern rc."— In der Sitzung vom 17. Fe- bruar gelangte der Antrag auf Diätenzahlung, den namen» der sozialdemokratischen Fraktion der Abgeordnete Hasenclcver ein- gebracht hatte, zur ersten und zweitm Bcrathung. Bei Be- gründung de» Antrag» wurden von dem Antragsteller ganze Sätze au» der„Nordv. Allg. Ztg." vorgelesen, welche stch auf die bekannten Dtätenprozeffe bezogen und in schärfster Weise getadelt.- D-Shalb müßte sich die„Nordd. Allg. Ztg." dieser Verhandlung noch besonders erinnern. Eämmtltche dreiPara- graphen nebst Einleitung und Ueberschrift de» beantragten Ge- setze» wurden darauf mit großer Majorität ange- n o m m e n. Gegen da» Gesetz stimmten nur die Konservativen und ein T h e t l der Nationalliberalen. Und da» nennt da» Kanzlerblatt:„Abgelehnt!" Die Zuverlässigkeit diese» Blatte» darf demnächst nicht mehr angezweifelt werven.— Doch noch ein»! Nicht ein Wort steht in dem sozialdemokratischen Entwurf eine» Arbeiterschutzgesetze» von einer Organisation von Arbeiter kammern. E« heißt„Arbeit« kammern, die zur Hälfte au» Arbeitem und zur Hälfte au» Unternehmern be- stehen sollen." Die«inseitige Vertretung, die in dem Ausdruck Arbeiterkammern liegt und früher einmal in Arbeiter- kreisen verfochten wurde, wird also in dem sozialdemokratischen Entwurf nicht verlangt. Und dennoch tischt die„Nordd. Allg. Ztg." ihren gläubigen Lesern immer wieder dieselben Un« Wahrheiten auf. Au» Unkenntniß oder bloßer Entstellung»- sucht? Parlamentarischer Anstand. In Nr. 79 vom 3. April brachten wir einen Leitartikel, der stch gegen die„Magd. Ztg." richtete, welche dem Reichstag parlamentarischen Anstand vre« digte. Diesen Artikel empfehlen wir auch dem Herrn Abg. L e n z m a n n zum Nachlesen, da derselbe stch ganz auf den Boden der„Magd. Ztg." gestellt hat. Nach der„Post" hat derselbe nämlich vor Kurzem im demokratischen Verein zu Ber« lin erzählt:„In der jetzigen Situation giebt e» nichts Kläg ltcheres, al» unser parlamentarische» Gebahren, ich fühle mich nach einer fünfjährigen Praxi» davon angeekelt und barre nur au» Pflichtgefühl auf meinem Posten au». Schon die Z w i- schenrufe sind nicht schön, man sollte den Kampf mit Würde, aber nicht wie die Marktweiber auSfechten. Der größte Thetl der Schuld für diese Entartung trifft die linke Seite de» Hause»; parenthetisch will ich bemerken, die„Magdeburger Zeitung" hat in diesen Tagen in recht verständiger Weise diese« Gebahren getadelt. Ich wundere mich nicht, daß der Reichtkanzler un» so behandelt, wie wir un» gegen- fettig behandeln. In unserer wunderbaren Parteigruppirung liegen große Uebelstände, man operirt nur nach dem Grund- satz: Wie ist für die Partei ein taktischer Vortheil zu erreichen?" — Diese albernen Ausführungen druckt selbstverständlich die „Nordd. Allg. Ztg." mit großer Wonne nach; gleichfalls die gouvklnemcntal.Iiverale„Elberf. Ztg.". die glaubt, daß der demokratische Abg. Lenzmann in den nächfien Tagen einem gewissen Sturzbade entgegenzusehen habe. Dtese»„Sturzbad ist nicht erfolgt und wird nicht erfolgen, da Herr Lenzmann in der letzten Zert auch von Personen und Parteien, die ihm im Allgemeinen wohlwollen, nicht mehr ernst genommen wird. Freistnnige» Loyalitättaewinsel. Die„Schles. Zta." hatte vor einigm Tagen behauptet, dre Regierung werde bei einem Staatsstreich auf„den Beistand der großen Mehr- heit de» deutschen Volke»" stch stützen können. Darauf er- widert die freisinnige„BreSlauer Zeitung"- und zwar wie ihr Herr Eugen Richter bescheinigt„sehr treffend—: „So wenig also kennt die„Schlefische Zeitung" unseren Kaiser, so wenig kennt sie die Hohenzollcm überhaupt, daß fie stch mit dem Gedanken vertraut gemacht hat, ein Hohenzoller könne je« mal» in die Lage kommen, die Erinnerung an die Verfassung»- brüche de» Kurfürsten von Hessen und de» König» von Han- nover im Volke wachzurufen? Unserem Empfinven ist auch nur die leiseste Andeutung einer möglichen Verbindung de» Namen» eine» Hohenzollern mit einem Staatsstreich unertraa- lich, und unsere festeste Ucberzeugung ist e», daß wir un» in diesem Gefühl mit der überwältigenden Mehrheit de» deutschen Volke» begegnen!"— Dtese Leute nannte einst«in Staat»« mann„verkappte Republikaner"! Wie unrecht!„Gekappte" Republikaner wäre zutreffender gewesen für diese Kastraten. ich sie bereite, von jeher angenehm I Lassen Sie sich durch mich aber nicht einen Augenblick Ihrer Gesellschaft ent« ziehen I" Er führte fie artig zu ihrem Sitze und schritt auf seine Frau zu, die»eben Gildern stehend, unlängst erst getanzt hatte und, sich Kühlung mit dem Fächer zuwehend, dem Grase« eine« bedeutsame» Blick zuwarf. „Gute» Abend, mein Herr Graf. Erlaube» Sie mir, diese Begegnung zu benutzen, Ihne« nachträglich»och zu Ahrem neuen Range herzlichst Glück zu wünsche«!" „Sehr verbunden, mein Verehrter 1" „Du hast bereits viel getanzt, liebe Frau," wendete sich Edmund zu Astarten,„Du glühst ja wie Aurora selber. Echauffire Dich ja nicht zu sehr, e» könnte Dir schaden. Bist Du auf den nächsten Tanz versagt, oder kann ich da» Vergnügen habe«, mit Dir zu walze»? l" „Den nächsten Tanz, mein Lieber, bat der Herr Graf okkupirt, wenn e« Dir dann indeß gefällig ist-- 1 1" „Ich bitte darum!— O ja, der Herr Graf okkupirt so gern und so liebenswürdig, daß man wirklich eilen muß, haha, will man ei« klein wenig zu seinem Rechte komme»! Auf Wiedersehe«, liebe Astarte!" Edmund ttat zurück und engagirte Fräulein Olwia von Käferaberg, mtt welcher er walzte. Die Verzweiflung und der Haß gaben ihm die Geschicklichkeit in de« Pause« de« liebenswürdige« Unterhalter zu spiele«. Während die Worte beredt von seine» Lippen flösse», beobachtete sein ringsum flammendes Auge jeve Miene und Bewegung seiner Frau, de« Grafen und der Schwiegermama. Er wußte stch dabei so sorglo« leichtfertig anzustellen, daß er fast jeden arge» Gedanken vertilgte, welcher bei seinem Erscheinen rege ge« worden sein mochte. Kaum hatte sich indeß der Gatte von Astarten entfernt, al» der Graf sich leicht zu ihr beugte und flüsterte: „Können Sie wohl errathen, schöne Freundin, was die Anwesenheit Ihre» Tyrannen bedeute?" „Kaum, aber doch gewiß so viel, daß Vorficht«öthig ist. Ich kenne ihn leider zu gut, um nicht besorgt zu fein. Nach- dem Ahne« Mama einen leider so traurigen Einblick m mein Stolz will ich den Nationalliberalen I Die national- liberale„Magd. Ztg." schreibt an der Spitze ihrer BeUaae: „Daß die nationalltberale Partei fast durchweg stch ihrer Ver« gangenheit mehr und m«hr bewußt wird und langst nicht mehr daran denkt, den Schachzügen de» Vatikan» Gefolgschaft zu leisten oder der unbegreiflichen Nachgiebigkeit der Staat». regierung in dieser Richtung sich willig zu zeigen(!), glauben wir zuverfichtltch(?) behaupten zu dürfen und unsere aufrichtige Freude darüber au«sp:echen zu müssen. Mögen Andere durch da» kaudinische Joch, welche» in der gestrigen HerienhauSfitzung aufgestellt worden ist, gehen und fich dabei mit hitzigen Befehdungen der Opposition über ihre jämmerliche Niederlage hinweg zu helfen suchen: die nationalliberale Partei wird, hoffen wir, diesen Gang nicht mitmachen, sondern die Verantwortung für das Unerhörte, da» jetzt geschieht, denen allein überlassen, denen fie zukommt."— Wie stolz da» klingt! Zuckerstever. Die dem Reichstag demnächst vorzulegenden neuen Vorschläge bezüglich der Zuckerbesteuerung werden, wie man hört, im Wesentlichen dem vom Reichstage abgelehnten Antrag Bormann entsprechen. Derselbe setzte eine Steuer von 1,70 M. und eine Ausfuhroergütung von 18 M. bt» 30. September 1887 und 17,50 In. von da ab fest. Die ursprüngliche RegiemngSvorlage wollte 1,70 M. bi» 31. Juli 1887, dann 1,80 M. Sttuer und 18 M. bi« 30. September 1887, dann 18 20 M. AuSfuhrvergütung. Der Reichstag hat nach dem Antrag Graf Stolberg eine Steuer von 1,60 M. und eine AuSfuhrvergütung von 17,40 M. bt» 30. September 1887 und alsdann von 16,10 M. beschlossen. Eine in'« Wasser gefallene deutsche Kolonialexpe- ditto«. Von einem mehr komischen al» tragischen Mißgeschick ist noch dem„Berl. Taaebl." an der Westküste Marokko» die „deutsche HandelSexpedttion" bettoffen worden. Bei einem LandungSversuch, der bei ziemlich hohem Seegänge an der Küste südlich von Mogador durch Dr. Jannasch und seine Begletter, sowie einige Mann der Besatzung unternommen wurde, schlug da» Boot in der Brandung hart am Ufer um. Sämmtliche Personen fielen in'» Waffer, erreichten aber ohne Mühe da» Land; da» Boot wurde von den Wellen seewärts getragen und mußte im Stich gelassen werden. Mittlerweile dürfte die ge« trennte Expedition fich berett» wieder vereinigt haben. Große Entlüftung herrscht unter de» Kolonial« schwärme»« über den Afttkareisenden Clemen» Denhardt, welcher der„Elbert. Ztg." zufolge demnächst nach London gehen wird, um einen Verttag behufs Verkauf seiner ostafrikanischm Recht« mit Engländern abzuschließen. E» handelt fich um ein Gebiet von 20 bi» 30 Qoadratmeilen in dem unter deut- schem Schutze stehenden Wituland. welche Herrn Denhardt persönlich gehören. Die„Elberf. Ztg." nennt diese»„Ende der deutschen Bestrebungen in Witu" für unser Voll ein „schmachvolles". Verblüffende Offenheit. Rückfichtlich der von un» wiedergegedenen Nachricht, betreffend die Enquete über die SonntagSarbeit theilt die„M. Z." ein ihr au» Berlin zuge- aangene» Telegramm mtt, welche» u. A. folgenden Passus mt- hält:„Die an dieser Stelle vor einiger Zeit gegebene Nach- richt, daß fich die Sichtung und Bearbeitung der Ergebnisse der Enquete hinsichtlich der Sonntagsruhe sehr lange ver- zögern würden, wird jetzt offiziös bestätigt. E» ist sehr frag- lich, ob dem Reichstag« noch im Laufe dieser Session Mit- cheilungen über diese Ängelegenh-it zugehen werden; dagegen ist e» wohl gewiß, daß gesetzgeberisch« Maßnahmen, durch welche die jetzigen Bestimmungen erweitert werden möchten, überhaupt nicht in der Absicht der ReichSregie- r u n g liegen." Da» Blatt wird von verlin au» mit Nach- richten sonst immer gut bedient, wir müssen also voraussetzen, daß auch diese Nachricht auf guter Information beruht. Wenn dieS nun der Fall, schreibt die„Hamb, vürgerztg.", so waren die Erhebungen von vornherein ja zwecklo». Ader da» nicht allein ist bezeichnend für die Lage der Dinge, vielmehr noch ist es der Umstand, daß man mit geradezu verblüffender Offm- heit eingesteht, daß man gesetzgeberische Maßregeln an die Er« gebnisse nicht zu knüpfen gedenke» noch eh« diese Ergeb- nisse festgestellt sind. Belgien« Ueber die Kohlenarbeiter im Charleroier Becken schreibt die „Weser-Ztg.":„Für fie giebt e» wirklichen Nothstand, wirklich jammervolle» Elend, fie, die Tag für Tag, Jahr für Jahr in der Tiefe der Erde eine hatte, ungesunde Arbeit verrichten müssen, um die hier so tief liegende Kohle zu graben, fie find durch die unglaublich ntedrigenLöhne da ange« langt, wo ein Schrei der Verzweiflung nur zu natürlich ist. Sich in Tag- und Nachtschichten abwechselnd, steigen fie zu Hundetten und Tausenden zusammen in die nassen Schächte hinunter, um nach Verrichtung ihrer Arbeit müde, krank und hungrig in ihre ttaurigen, kalten, Jammer und Roth, Krank- hell und Jmmoralttät athmenden Hütten zu kriechen, wo fie kaum genug zu essen finden, um den Körper nolhdürstig zu« sammenzuhalten. Dem Wohlleben ein Bild solch einer Existenz »u geben, ist schwer: man muß die Geschöpfe, für die e» kaum etwa» Anderes giebt als Arbeit und Entbehrungen, gesehen haben, drunten an der harten Arbeit, auf den Sttaßen, Mann krankes Herz gestattet, müsse» Sie selbst einsehe», daß wenig Gute» von seinem Hiersein zu erwarttn ist." „Sie sind grenzenlos elend, theure Astatte, und werden e» mit jeder Stunde immer mehr! Ach will Ahne» jetzt am wenigsten Vorwürfe mache», daß Sie mein Herz vordem nicht besser erkannt, aber wenn Sie mir vettraue«, die starke, energische Seele«och habe», welche ich so oft be- wundert, so zerreiße« Sie kühn eine so unerttäaliche Fessel, die immer enger werden wird, ja z« öffentlichem Eklat führe« muß. Kommen Sie ihm zuvor, ehe Sie ganz und gar ohnmächttg diesem Manne gegenüber geworden!"— „Und wie, lieber Tankred, wie soll ich das? Sind wir Frauen nicht von Natur schon ohnmächttg gegenüber der Falschhett und Brutalttät herzloser Männer?" „Sie sind e« nicht, den» ich stehe Ahne» zur Seite, und— da» Gesetz, die öffentliche Meinung I' „Da» Gesetz! Di« Meinung der Welt?- Sind diese nicht gerade die furchtbarsten Hindernisse? I" „Nein 1— Doch wir werden bald im Tänz an die Reihe komme«. Em Glück, daß die Gesellschaft groß und genug mit fich beschäftigt ist, um un« nicht zu bemerken. Ich muß Sie allein sprechen, Astatte, um Ahne» da« Mittel anzugeben. Gegen Ende de» Tanze« brauchen vi« fich nur unbemerkt in» anstoßende Foyer zurückzuziehen. Bei Gelegenheit eine» Glase» Oranaenwasser», welche» ich Ahne, zur Stärkung arglo» reichen kann, ist in zwei Sekunden Alle» gesprochen!" „Gut den«, Graf Tankredl Aber um Sötte» willen Vorficht!" Sie traten bald nachher an und tanzte». Edmund schien fast in ihre« Mienen zu lesen, wa» Beide vorhatte«, und während er mit verstohlenen Blicke« allein ihren Bewegungen folgte, wünschte er seine Tänzerin Olivia, die entzück» setne« Plaudereien lauschte, lo» zu wer« de«. Er unterbrach daher eine interessant« Anekoot« au» seinem Leben zu S..., al« er bemerkte, wie seine Frau in» Nebenzimmer glttt und bald darauf Gildern, ei» Glas Orangeawasser in der Hand, ibr folgte. „Erlauben Sie, mein gnädiges Fräulein," sagte Edmund hastig,„daß ich de» Tanz eine Minute unterbreche und Sie und Weib in derselben Tracht, vor ihren Hütten kauernd, u* an ihren gebückten, verlobderten und verhungetten Gestalte», an ihren geift- uns herzlosen Physiognomien, in denen höchstens mal in tbuttscher Weise Leidenschaften aufflammen können, bat Lastthter zu erkennen, für da» e» nur streng« Reglement», kärglichen Lohn, keine Ei' zieyung oder Bildung, kein Familienleben, keine Religion giebt, um Mitleid, wahre» tiefer! Mit' lew mtt ihnen zu fühlen, selbst jetzt. Sie waren wirklich i» weit in ihrer Verzweiflung gekommen, daß ihnen der To» durch die Kugel des Soldaten eine Gleichgiltigkett, wenn nicht eine Erlösung erschien. Dur ch hinterlistige Reden und Schttt' ten erhitzt, durch ungewohnten reichlichen Genuß von schlechte« Echnap» geistig und körperlich oerwirtt, folgten fie aiöhlenb und heulend ihren Führern, und al» fie die ersten Ex, esse be« gangen, war die Bestie fertig, die auf Widerstand stoßend nul so vrel wüthender ist, um dann nach einigen Tagen ver Sf nüchterung um so viel schwächer, so viel ärmer in der elende» Hütte zusammenzubrechen, ein jammervoller Haufen, bi» de« Hunger zwingt, da» schwere Joch wieder anzulegen. DurOj Plünderung und Betteln haben fie in jenen Tagen, dt» d» Soldaten energisch vorgingen, Geld gemacht, e» giebt Häufe» hier in der Umgegend, die, um fich zu retten, Tausende oofl Franken bezahlt haben; was ist das aber für solche Masse», und wie Mancher hat unter den Kugeln der Soldaten büße» müssen, während andere für die geringsten Objekte, die fie g» stöhlen, mit ein, zwei und drei Jahren Zuchthau» bestraft! werden.< Der durchschnittliche TageSlohn der Kohlenarbe itm Weiber und Kinder eingerechnet, brttägt 3 FrcS., wie da» de» Finanzminister in der Kammer selbst bestätigt hat; wa» dtlsel» aber unerwähnt gelassen, ist, daß dieser Lohn durch gezwungen» Ruhetage, theilS um den Zechen in schlechten Zeiten ArdeitS' löhne zu ersparen, theilS um auch anderen Arbeitern Gelegen»- heit zu Verdienst zu geben, bi» in» Unmögliche reduzirt wird- Der Kohlenardeiter hatdurchschnittlichnur4Arbeits- tage in derWoche, so daß er in Wirklichkeit nur ein«» monatlichen Verdienst von 18 mal 3— 54 Frc». hat. als« noch keine 2 Frcs. pro Tag. ES ist fast unverständlich, un» Familien, in denen noch nicht alle Mitglieder zur Arbeit tüchtig sind, Kinder, Kranke und Alte mtt von dem Verdienst dc» Arbeitenden leben müssen, nur da» Allernothwendiaste zur»! Unterhalt beschaffen können' ich weiß von Fällen, daß Familie» fich wochenlang von rohen Rüden genähtt haben. Dazu kowo» noch, daß die Armen in den kleinen, überall zerstreuten Per» kaufSläden für schlechte Waaren verhältntßmäßig hohe Preist bezahlen müssen." Der Deputirte, Advokat van derSmissen, der sei»» Frau niedergeschossen hat, hofft, von den Geschworenen„W gesprochen" zu werden, und weigert fich deshalb, seinen Eis in der Deputirtenkammer als einer der 16„unabhängigen Vertreter von Brüssel aufzugeben. Einer von den 16 Eitz»» ist aber doch erledigt worden. Der Deputirte Renson ist gc storben. Binnen vier Wochen muß eine Neuwahl erfolge»! die Liberalen werden dazu den Bürgermeister Bul» auistellec Am 8. Juni finden überhaupt die allgemeinen Kammerwahl« statt, da die Hälfte deS H«useS, 49 liberale und 20 klerikal Mitglieder, austritt und ersetzt werden muß. Die Linke zä zur Zeit 51 Mitglieder. In der Kammer hielt nach dem„Berl. Tagebl." Frört' Orban anläßlich der Debatte über daS Untcrrichtsdudget 13. d. M. eine glänzende Rede, worin er eine vernichteno» Kritik an der Politik der Regierung übte und dem geg«»' wältigen Ministettum vorwarf, daß e» fich vor den Bifchost» erniedrige und die Staatsgewalt dlo» zur Befriedigung M unersättlichen Habgier deS Kleru» verwende.— Der cW, in den Lütticher Steinbrüchin ergreist bereit» da» ga»!» Ourthethal. Frankreich. Frankreich kommt au» den Kolonialschn»t«r! ketten nicht berau». So schreibt jetzt die„Lanteme" ge? die öffentlich fich so vettrauenSselig geberdende Regieru' JEBttß e« die Regierung, ja oder nein, daß der Südwest. Tunesien», an der Grenze von Tttpolis, in Hellem A» stände ist? Hat die Regierung keine Kenntniß davon, daß* feindlichen Stämme, welche nach Tunesten zurückzukehren gannen, durch da» Vorgehen de« Herrn Camdon und die Pressungen de»„General«"«llegro aufgeregt und empört,! den Waffen gegriffen und die Feindseligkeiten begonnen Hab Die offiziösen Blätter, die so berett find, die Hohen ThatenS Herrn Cambon zu feiern, ließen über die so wichtigen N« richten kein Wort oerlauten. Allein die Regierung sollte t von benachrichtigt worden sein. Wir wollen glauden, daß e» ist, warum verhüllt fie dann aber die Wahrheit?# die Regierung, daß der„General" Allegro trotz seiner Prah reien außer Stande ist, die Ruhe wieder herzustellen? Ist 1 Herrn de Freycinet unbekannt, daß fast täglich ernste Zu!»' menstöße zwischen den Empörern und den tunesischen Tcu' de»„Generals" Allegro stattfinden, welch' letztere nicht ta die Oberhand behalten? Hat Herr de Freycinet keine. dung von einem jüngst gelieferten Scharmützel, in welchem» Truppen deS„General»" Allegro einige vierzig Todte zu meiner Schwiegermama führe, die diese Geschichte ge»»»! und noch viel pikanter beendigen kann. Mein Diener pj dort im Vorzimmer und scheint mir ein wichtige» Schrei»? zu bringen, da« ich längst erwartete. Zch bitte aber um6' beiden nächsten Tänze, damtt ich Gelegenheit habe, diese»' art gut zu machen I" Er fühtte rasch seine Tänzerin auf die Baronin r welche unruhig nach Astarte umher blickte, und eilte als er die Schwiegermama von de« neugierigen Frag. Olivia'» gefesselt sah, in'« Foye,, während der Ta»t* Neuem weiter brauste. Al« Edmund da» Zimmer bettat, erblickte er rl Frau auf dem Dwa», in der Rechten da» Glas und% tenden AugeS dem Grafen zuhörend, welcher,«ebe«% sitzend, ihre Linke hielt und mtt beredtem Munde ihr" Rathschläge etthttlte. „Was thust Du hier, Astatte?!" fragte der Gatt«»" und finster. Mo Astarte schrie auf, ließ da» Gla« falle«, dessen 3»� auf ihre Robe floß, und bedeckte ihr bleiche» Geficht der Hand. Gildern war aufgesprungen..Jt ..Zwei Worte, Herr Assessor, genügen zur !" stotterte der Graf.„Ihre Fran Gemahtt», � .änzer ich war, wurde unwohl und zog fich Moment zurück. Zch eilte ihr«in Gla» Oraugenwass» reichen!" „Zch habe von Ahnen weder Erklärungen»<4 JLck anzuhören, Herr Adjutant! Schweigen Sie und«»" Sie fich, Sie find«in Erbärmlicher 1 1" „Darauf wird Ahne» mein Sekundant und ein« antworten II" Jä „Zch schlage mich weder mit Leute« wie wegen einer solchen Frau! Euer falsche», ehrlose» degradirt Euch Beide au» de» Reihen derjenigen, dt» iJ eine« Kampfe» werth hält. Dort hi»au«. Herr, ov» werde versuchen, ob Zhre Epauletten festsitzen I!".„ t? Wüthend griff der Traf»ach der linke« 6» Degen zu suchen, welche» er für de« Tanz im abgelegt.—„Em Glück, daß Sie zu ttef««<»»«r Range stehen, um mit Ahnen zu rechnen! Sie so» mein iß dne entsprechende Zahl von Verwundeten hatten? Wenn Herr de Frepcinet davon keine Ahnung hat, warum erkundigt er fich nicht hierüber bei dem General Lebelin de Dionn«, dessen Rückkehr nach Frankreich die tunefischen Blätter melden, über welche die osfiziösen Zeitungen geschwiegen haben? Weiß eS die Regierung, ja oder nein, daß die Refidenz mit den Bevoll- mächtigten im Kriege, im Konflikt mit den frantöfischen Han- delikammern und im offenen Zerwürfniß mit der ganzen euro- päischen Kolonie ist? Hat Herr de Freucinet Kenntniß von dem einmüthigen Beschluffe der Handelskammer von Tunis, der den Skandal der Alfat-Affäre brandmarkt? Weiß die Regierung, daß die tunefische Kolonie in Ermange« lung irgend eines gewähltm Vertreters bei der französtichen Regierung die Handelskammer ersucht hat, der französischen Regierung direkt ihre Klage und Beschwerden mttzul heilen, welche die Refidenz unterdrückt? Weiß die Regierung, daß die Handelskammer, die fich deS Rechte? des direkten Verkehrs mit der Regierung, ja sogar mit dem Handelsminister veraubt steht, den Entschluß gefaßt hat, eine gesetzliche Manifestation anderer Art hervorzurufen? Kennt die Regierung, ja oder nein, den von der italienischen Handelskammer in Tunis ge« faßten Beschluß und die diplomatischen Folgen, welcher dieser nach fich zu ziehen droht? Ja oder nein, kennt die Regierung die Proteste, welche die englischen Kausleute TunefienS an die diplomatischen Agenten Englands in Tunesien gerichtet haben und die Folgen, die dieser Handel zu haben droyt? Ja oder nein, hat die Regiemng Kennniß von den seitens der öster- reichischen Regierung erhobenen Schwierigkeiten über die Frage der Rückkehr zu den Kapitulationen, welche Schwierigkeiten aus den Handlungen des Herrn Cambon entstanden find?" Hebet die Debatten in der ftanzöstschen Kammer über die Deeazeviller Verhältniffe schreibt ein Korrefpondent der vVoff. 3 g. sehr zutreffend: Die Bedeutung der Sitzung liegt darin, daß ste darüber Aufschluß giebt, wie die französtsche Volksvertretung sich zu der Frage stellt, um welche fich künstig die ganze innere Politik dieses Landes drehen wird, ich«eine die Arbeiter.. die Gesellschaft, frage. Die Kawmer hat den Beweis geliefert, daß ste in ihrer Ungeheuern Mehrheit auf dem Boden der allen Wirthschaftslehre steht, daß Grundrente und Kapitalzins ihr heilig find, selbstsüchtiger In- dividualismuS ihr das unantastbare Recht deS Befitzenden scheint und daß ste entschloffen ist, die bestehenden EigcnthumS- verhältniffe mit allen Mitteln, natürlich auch mll denen der Gewalt, zu vertheidigen. Wenn also die Arbeiter noch darauf rechnen würden, für ihr« Versuche zur Anbahnung der genoffen« schaftlichen HervordringungSweise in der Kammer Sympathien zu finden» so würden sie sich einer thörichten Selbsttäuschung hingeben. Sie müssen nun er- kennen, daß die allgemeinen Hindeutungen auf die„wirth- schastlichen Umgestaltungen" in den Programmen der republi- kanischen Abgeordneten bloße Modephrasen wiren und daß die Republik fich von dem Kaiserreich und Königthume nur politisch, nicht aber wirthschastlich unterscheidet. Ich fürchte aber, daß diese Erkenntniß, wenn sie fich erst weiten Arbeiter- kreisen aufdrängt, diese in einen schroffen Gegensatz zur Volks- Vertretung bringt, der stüher oder später zu Katastrophen führen tonn. Großbritannien. In der Beurtheilung von Gladstone's Homerulevorlage unterscheiden fich die AuSlaffungen der Wochenpreffe nicht wesentlich von denen der Taaesblätter. Der Plan wird fast einstimmig verdammt. Der„Economist", daS Organ der Ka- pitalisten, steht seine schlimmsten Befürchtungen verwirklicht. Das Blatt schreibt:„Mr. Gladstone's Plan ist einer, der direkt auf Zerstückelung lossteuert: der den Antagonismus, welcher vorhanden ist, nur verstärken und verblltern, und der während er die Lage Irland, zu bessern sucht, diefeS Unglück« liche Land zum Zankapfel nebenduhlerischer Parteien, zum bitteren Spiele religiöser Feindseligkeit und zum Gegenstand deS Klaffenhaffes machen wird... Irland wird stets danach trachten, fich der»eisteuer zu dem Reichsschatze zu entledigen, während Großbritann, en nicht geneigt sein wird, fich dauernd die Bürde auflegen zu lassen, Irland ouf Kosten eines Krieges zu schützen, zu deffen Kosten da, irische Volks nicht, beitragen wird. DaS unabhängige Parlament führt mithin zur Trennung und ebenso unoermeidlich zu einem bitteren Zwiste in Irland selber. Kein chimärischeres Projett als dieses getheilte Parlament wurde jemals erdacht." Bei fast sämmtlichen politischen Meetings und DinerS, die am Sonnabend stattfanden, bildeten Gladstone's Vorschläge für die künftige Regierung Irlands daS Hauptthema der gehaltenen Reden. Die konservativen Redner verurtheilten dieselben fast ohne Ausnahme al» einen Schritt in der Richtung der Zerstückelung deS Reiches. Lord Wolseley, welcher dem Jahreseffen dei Vereins der Foremen Engineers beiwohnte, sprach u. A. von der Roth- wendigkett, die Feinde Englands im eigenen Lande niederzu- hallen... Zum Schluß forderte er die englische Nation auf, ein„Zurück" dem, wer immer es auch sein möge, zuzudonnern, der eS wagen würde, da» Reich zu zerstückeln. Der Refrain der konservativen Reden war stets ein von xoasruva». Glimpf- aber auf Ihrem Wege finden und die Strafe erleiden, welche allein für Sie paßt!!" Diese Worte hatte die alte Baronin gehört, welche, das Schlimmste ahnend, von der geschwätzigen Olivia sich befreit hatte, um herbeizueilen.„Mein Kind, ich bitte Dich um Himmel, willen, wie siehst Du aus? Was geschah denn?" Was m diesem Hause geschehen mußt«, Madam«!— m unwohl bist, Astarte, komm nach Hause I" ..»Wenn ste unwohl ist, Herr Sohn, wird sie fich unter mtitterllchen Händen am beste« erholen, ich bringe sie auf mern Schlafzimmer. „Lassen Sie gefälligst Ihre mütterliche« Hände davon! Sie geht mtt mir! Wen« Sie nicht das Aergste erlebe» wolle», so ziehen Sie sich mit dem vortreffliche» Herr« da zurück, sonst, bei Gott, soll in fünf Minuten die Stadt von Ihnen hören! Meine Frau betritt dieses Hau« nie wieder!" Die Mutter und de, Graf standen starr. Astarte ver- suchte angstvoll ihre Hand au« de« Arme Edmund'« zu wenden, welcher sie mit sich zog. .Ich zerbreche Dir die Finger am Ende, Täubche«, Du Dich sträubst! Was ich habe, pflege ich festzu- Dhne Umstände!" r,... führte die Todtenbleiche hinaus.— Die Baronin Im V schluchzend auf die Schulter des Grafen.— GtWW» zog ste auf de» leere« Divan und begann ihr, wie vorhin der Tochter, die Nothwendigkett eines entscheid enden Schritte, einleuchtend zu machen, und hatte auch bald die Freude, zu sehen, wie gut seine Tröstungen anschlugen. 3» einer Gesellschaft bleibt nichts verborge«. Das plötzliche Verschwinden Edmnnd's und seiner Frau, da» ver- »gene, erzwungene Benehme« der Baronin erregte« große Sensation.- Buchmann, welcher unglücklicher Weise, von einem Pfeiler gedeckt, ganz dicht hinter dem Gräfe» und Astarte» geseffe» und alle die leise« Entschlüffe derselbe» belauscht, raunte seine« Freunde Hofrath Wcihmunt ver- traulich die Erklärung dieses VerschwindenS des Ehepaare» ju, und es wurde so lange geraunt, bis die ganze Gesell» schaft es wußte. Man verabschiedete fich sehr zeitig und sicher wurde mit der Vorlage in liberalen und radikalen Ver« sammlungen verfahren. Gladstone scheint fich durch die allgemeine und heftige Opposttion gegen seinen Homeruleplan nicht aus seiner Ruhe dlingen zu laffen. Am Sonnabend wohnte er, nachdem er den ganzen Tag hindurch mit seinen Sekretären gearbeitet und Depeschen an die Königin abgefertigt hatte, der Aufführung von Goethe',„Faust" im Lyceum-Theater bei. Sein Ersch-inen in der Loge war das Signal für eine begeisterte Ovation, die bis zum Aufziehen des Vorhange« anhielt. Aus der am Sonnabend zu Ende geführten schwurgeiicht- lrchen Verhandlung gegen die Führer der sogenannten Sozialisten, Hyndman, Champion, Burns und William» find, nach der ,,Voff. Ztg." folgende Einzelheiten hervorzuheben. Der Vertheidlger Thompson führte die Sache seiner Klienten sehr geschickt, indem er darauf hinwies, daß die Angeklagten gesetzlich erlaubte Ziele, die Verbefferuna der wirth- schaftlichen Lage der arbeitenden Klassen, auf gesetzlichem Wege befürwortet und zu erlangen gesucht, daher nichts Straffälliges begangen hätten. Auch wies er nach, daß Chamberlain und andere Radikale ebenso well gehende Forderungen in ähnlichen Ausdrücken gestellt hätten, als die Angeklagten, ohne dafür ge- richtlich zur Verantwortung gezogen worden zu sein. Hyndman, Champion und Williams vertheidigtcn fich ebenfalls mit gorßem Geschick und die für die Vertheidigung aufgerufenen Eni- lastungSzeugen, darunter Sir E. Henderson, der frühere Polizeidirektor von London, bezeugten, daß die Reden der Angeklagten fich im Ganzen innerhalb der Grenzen de, gesetzlich Erlaubten bewegt hätten. Ziemlich scharf war am Donnerstag Mr. ChtlderS, der Minister deS Innern, ins Gebet genommen worden, weil er im Parlament wiederholt den Sozialisten die Schuld an den Ausschreitungen im Westend in die Schuhe ge- schoben hatte, ohne dafür genügende Beweise beizubringen. Nach dem sehr klaren und für die Sache der Angeschuldigten nicht ungünstigen Resum« des Richters Cave zogen fich die Geschworenen zurück. Nach etwa 1'/, stündiger Berathung gaben ste ihren Wahrspruch ab, der Hyodman und William, steisprach und mit Bezug auf Champion und Burn, die Meinung ausdrückte, daß die von denselben gebrauchte Sprache wohl sehr aufrührerisch gewesen sei und starken Tadel verdiene, daß fie aber nach Berücksichtigung aller Umstände von ver- brecherischer Aostcht freizusprechen seien. Der Prästdent deS Gerichtshofes erklärte, diefeS Verdikt laufe auf eine förmliche Freisprechung aller Angeklagten hinaus. Schließlich gab die Jury noch die Erklärung ab, daß in Anbetracht der Umstände und der öffentlichen Aufregung des Augenblicks und nach den in der Presse erfchienenen Berichten über die am 8. Februar tehaltenen Reden die von der Krone eingeleitete gerichtliche ierfolgung berechtigt gewesen sei. Ali die Freigesprochenen den Gerichtssaal vrrlteßen, wurden fie von ihren Freunden und Befinnungsgenoffen mit lautem Jubel empfangen. Die meisten Blätter billigen die Freisprechung. Oesterreich-Ungariu Daß die Nachrichten von Brandstiftungen fetten, streikender Arbeiter in Ungarn falsch waren» haben wir bereits ge- meldet. Die„Ungarische Post" schreibt darüber unter dem 11. d.: Im Domänen-Bergwerke ist gestern Nachmittag um 1 Uhr daS Heizhaus abgebrannt, was in der Umgegend die Veranlassung zu dem total falschen Gerüchte der Feuerlegung durch streikende BergwerkSarbeiter gab. Auch Ungarn hat also sein Crimmitschau gehabt. Italien« Der neue sozialistische Verein der„Söhne der Arbeit" in Mailand hat, nach einer Mittbeilung der„Perseveranza", seine Thätigkeit bereits begonnen. Im den Ideen und den Be- strebungen deS Vereins eine weitere Ausdehnung zu geben, werden Zweigvereine und Sektionen in den Städten von ganz Italien geplant. Zu dem Zwecke durchreisen Emissäre des Verein» daS Land, halten in den Städten Konferenzen und Versammlungen ab und fordern die Arbeiterbevölkerung auf, die Arbeit einzustellen. Schweiz. Da» Bundesgericht hat vor einiger Zeit schon die AuS- lieferung eines gewissen Romuald Kompowsky an die russtfche Regierung bewilligt, dieselbe ist bis jetzt nicht erfolgt. Schweizer Blatter geben als Grund der Verzögerung folgende» an: Kom- powtky, von Geburt ein Pole, saß hier in Bern sechs Monate in Untersuchungshast. Derselbe war Beamter der k. Domänen- Verwaltung in St. Petersburg und soll ein amtliche» Attenstück in eigennütziger Adficht nicht rechtzeitig eingesandt, ein zweites unteischlagen und durch ein gefälschtes ersetzt haben. Kom- powtky leugnet die, nicht, behauptet aber, er habe damit nihi« listische Zwecke verfolgt, und daß er in der That Nihilist ist, beweist die in einem seiner Häuser zu Et. Petersburg nach seiner Flucht entdeckte nihilistische Druckerei. Aus diesem Grunde verlangte er auch, daß man seine Auslieferung ver« weigern solle. Rußland. Während in der Rrfidenzpresse eine elegische Stimmung vorherrscht, macht fich im Journal Katlow's große Gereiztheu war überaus kühl. Die Entehrung der Familie Hennings« Wolkenstein war vollendet! Edmund hatte feine Gattin«ach Haufe gebracht. Dem Kammerdiener und Astarten« Mädchen befahl er, sich zurück- Madame, es bedarf keiner weitere« Erklärung Ihres Benehmens. Sie sind ein treuloses, ehrvergessenes Geschöpf, und al, solches werde ich Sie behandeln. Ohne meine Er- laubniß verlasse« Sie diese« Hau, nicht, oder ich requirire die Behörden. Ich werde diese« Grundstück verkaufen und mich wo anders ansiedel», um Ihnen wenigsten, da, Ver- gnügen zu nehme«, jeder Pflicht Hohn zu sprechen. Sie sind wirklich unwohl, verstehe» Sie! Längere Zeit unwohl für die Leute!"— Er verließ sie. Wohin die» sein Benehme« führe», wa» er mit sei»er Frau beginne« sollte, wußte Edmund selbst nicht. Er hatte sich vorgenommen, kühl zu bleibe«, und hatte doch im drin- gendste» Moment jede Mäßigung verleugnet. Seine Leiden- schaft hatte nicht überlegt, ob er die Dinge durch ei« Ein- greifen besser oder schlimmer mache. Da« war ihm auch numnehr gleichgiltia. Sein Haß, sein verwundeter Stolz gefiel sich darin. Astarten die Wucht seiner Gattengewalt empfinden zu lasse«, ohne zu bedenken, daß diese Gewalt illusorisch ist, sobald fie nicht durch da» Gefühl der Pflicht und Liebe anerkannt wird, ohne zu bedenke«, daß jede Ge- walt sich in einem Verhältaiß wirkungslos erweisen muß, welches allein auf moralischem Bode« ruht und dessen Grenze» zu elastisch sind, um nicht dem Widerwillen zu weiche«. Nachdem er der Dienerschaft gesagt, daß Madame unwohl sei, vertauschte er den Frack mit dem Ueberrock und suchte seinen Freund Hackert, den Bildhauer auf, bei ihm Rath, Trost und Hilfe zu erlange», denn er fühlte, daß er sich autspreche» müsse, sollte sein Herz nicht in Ver- zweiflung brechen. Hackert war nicht mehr jung, unbeweibt, eine echte Künstlernatur von schlichter Unbefangenheit und der Ein- zige von Edmund'S Bekannte«, welcher dessen Vertrauen« würdig war. geltend. Was Rußland in seiner von Gottscbakow geerbte» Pietät von Europa fich bieten lasse, sagt die russtsche Moskauer Zeitung, sei beispiellos. Rußland, Politik machte die Katastrophe in Bulgarien unvermeidlich; wenn diese vielleicht zu einem für Rußland ungünstigen Zeitpunkte eintrat, so wäre e, wahrlich würdiger, fich mit einem Protest zu begnügen und die Aktionsfreiheit zu wahren, anstatt um diese oder jene Fassung de, Protokolls zu feilschen. Rußland müsse direkt erklären, gegen die Vereinigung nicht» einwenden zu wollen, die Durch- führung derselben durch den Prinzen von Battenberg aber stillte verweigern. Da» würde bedeutend größeren Eindruck auf die Mächte machen. Rußland folgt aber den Spuren Europa? und detheiligt fich selbst auf Kommando England, an der Demonstration gegen Griechenland. Daß der Ausdruck„allgemeine Dienstpflicht" in Rußland reiner Schwindel ist, geht u. A. auch daraus hervor, daß im vorigen Jahre von 810000 Dienstpflichtigen nur 226 000 Mann, d. h. 27 pCt. eingestellt wurden. Von den Zurückgestellten wird später Niemand mehr herangezogen. Von den eingestellten Rekruten waren 67 000 d. h. 29 pCt. ver« heirathet. Diese werden also fünf Jabre ihren Familien entzogen! Sehr schlecht steht eS mit den Gesundheitsverhältniffen der einberufenen Mannschaften. Im Petersburger Militär- bezirk wurden 1885 von 1000 Mann 60 als dienßunbrauchbar entlassen, und zwar zum bei weitem größten Theil Leute deS ersten Jahrganges. Man müßte doch denken, daß, wenn man nur 27 pCt. von der Gesammtzahl der Dienstpflichtigen einberuft, man fast ausschließlich gesunde Leute aussuchen würde, aber gerade das Gegentheil ist der Fall. ES treten oft Re- kruten in die Truppe, denen die Schwindsucht auf dem Geficht geschrieben steht und die gleich in den ersten Tagen inS Lazareth kommen, um dasselbe im Sarge oder als dienstunbrauchbar er« klärt zu verlassen. ES herrschen eben in den rusfischen Wehr- pflichtibehörden grobe Unordnungen. H o l l a» d. Da» gesammte Kabinet hat seine Entlassung gegeben. Gutem Vernehmen nach erfolgt der Rücktritt wegen der Ad« stimmung der Kammer am 9. d. M. über VerfaffungSverände» rungen m Betreff de, Unterrichtswesens, da zu befürchten sei, daß dei der von der Rechten in jener Sitzung beobachteten Haltung die beantragte Revifion der Verfassung scheitern werde. Eine Entscheidung de, Königs ist noch nicht erfolgt. Schwede» und Rorwegen. Der Bewilligungsausschuß des schwedischen Reichstags hat, nachdem die Getreidezölle im Plenum verworfen waren, für die sämmtlichen übrigen Schutzzölle, welche man zu Gunsten der Erzeugniffe deS Bergbaues und anderer Industrie- gegenstände in AuSficht gestellt und beantragt hatte, ebenso für die Anträge auf K ü n d i g u n g der im Wege stshenden Handels« und Schifffahrtsverträge, endlich auch für die von einem Mitgliede vorgeschlagenen Differential- zölle die Ablehnung empfohlen. Andererseits will er nun auch nicht die Herabsetzung der Zölle auf Kaffee, Zucker und Leucht« öle dem Lande zugute kommen laffen, indem er auf die Un« entbehrltchkeit der betr. Gelder für die neuen Etsenbahnunter- nehmungen hinweist. Die Regierung hat dem norwegischen OdelSthing auch in diesem Jahre einen Gesetzentwurf, betreffend Errichtung von Postsparkassen zugehen laffen, dessen Inhalt dem der vorjährigen Vorlage im großen Ganzen gleich ist. Hauptfitz der Kassen soll Christiania sein. Dänemark. In Kopenhagen haben fich in den letzten Tagen S, Avisen" zufolge verschiedaie fremdländische Sozialisten aufgellten, doch soll kein eigentlicher Parteikongreß stattgefunden »aben._ Soziales und Arbeiterbewegung. Mit welchen Phrasen manchmal so ein Gewerk» vereinler um fich wirft, zeigt eine Aeußerunq de»„Generalsekretär, de, Verbandes der Gewerkveretne der Tischler Deutsch- landS"— so ist der Titel wohl richtig?— deS Herrn Wulf aus Tempelhof, die derselbe kürzlich in einer Versammlung zu Halle gemacht hat. Der Herr sagte nämlich:„Falsch ist eS, wenn man die heutigen gedrückten Verhältniffe auf die Ma- schinenarbeit zurückführen will. Kopf und Geist wird man einer Maschine niemals geben können: der Arbeiter muß eS verstehen, fich über die Kraft der Maschine zu stellen, welche ihm die niedrigste und schweifte Arbeit abnimmt."— Nun ist eS männiglich bekannt, daß durch die Maschine die Theilung der Arbeit in ihrer Vollendung eingeführt worden ist, so daß bei solcher Arbeit für dm Arbeiter„Kopf und Geist" gleichfalls herzlich überflüsstg geworden find; der Arbeiter ist vielmehr ein Theil der Maschine geworden. Hat der gewerkvereinliche AuS- spruch einen Sinn, so kann er nur den haben, daß die affoztirten Ardeiter in den Be itz der Maschinen gelangen und selbst die Produktion leiien. Bei solchen hochver» rätherischen Gedankm gegen die Macht des Privatkapitals Er blieb die ganze Nacht bei ihm, und der Wein löste Beiden die Zunge.— Es war überhaupt das erste Mal, daß Edmund sich gegen Jemanden aussprach und sein ganzes Leben preisgab. Er that e, au, dem Bedürfniß, gute» Rath zu erhalte», denn ihm selbst war seine Zukunft eine einzige, chaotisch-wirre Nacht. (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Leben. Eine aufregende Szene spielte fich kürzlich in Langen« theilen bei Kemnath ab. Der in Neustadt a. W.-N. stationirte Gendarm Simon begab fich eigenmächtig nach Langentheilm, wie eS heißt, um fich und seine dort wohnhafte Geliebte zu er« schießen. Daraufhin wurde Gendarmerie nach Langentheilen abgeordnet, um Simon zu verhaften. AI, dieselbe die Thür de, Zimmers, in welchem fich Simon aufhielt, öffnm wollte. fiel ein Schuß, und der Gendarm Braun sank tödtlich getroffen zusammen. ES wurde nunmehr Verstärkung geholt; al, man die Thür erbrach, fand man Simon als Leiche. Derselbe hatte fich mit seinem Dienstgewebr durch einen Schuß in» Herz ent« leibt. Die Kugel hatte dm Körper des Simon und die Zimmer« thür durchbohrt und traf dann noch den Gmdarm Braun in den Oberleib. Braun wurde tödtl'ch verwundet. * Schmuggel an der rusfis«en Grenze. AuS dem rusfischen Grenzorte SoSnowice wird über einen versuchten Schmuggel folgende, berichtet: Mit dem Frühzuge traf eine sehr voluminöse Dame aus Preußen ein, die den Kopf verbun- den hatte und anscheinend an Zahnschmerzen litt. In der RevifionShalle fingirte fie eine Ohnmacht und rief nach Waffer. da, man ihr auch brachte. Die Dame fiel den Beamten durch ihr Gebähten auf, so daß fie einer genauen Revifion unter- zogen wurde. Man fand an ihrem Körper eine Unmasse Seiden- waaren, goldene Ketten und sonstige Schmuck>achen, der Ver- band am Kopfe war ein wahre» Musterlager von Gold waaren, denn unter dem Chignon und den Haaren waren überall werth« volle Sachm versteckt. Die Dame, welche vor der Revifion IV» Zentner wog, entpuppte fich nach Abnahme der Gegen- Sande als eine sehr leichte Person von 90 Pfd. Die Revifion >rer in einem Koffer vorhandmen schmutzigen Wäsche förderte ebmfalls einen Schatz von Goldsachen zu Tage. Die Dame soll au» Warschau sein. »Orb« aber der Hirsch dem Wulf bald schon auf dat Dach steigen. Der tbnmpf der Arbeiter und Unternehmer im Baugewerbe gegeneinander scheint in diesem Jahre ein harter zu werden. An einzelnen Orten in Mitteldeulichtand ist derselbe schon entbrannt, so in Görlitz und in Dresden. In der letzteren Stadt haben die Arbeiter, wie wir schon berichteten, bis jetzt keine Erfolge erzielt; sie befinden fich einer streng ge- schloffenen Koalition der Untemehmer gegenüber, die einen MoximaHohn vereinbart haben, auf defien Ueberschreitung hohe Konientionalstrafen gelegt worden find. Daraus aber ist der Schluß zuziehen, daß die Arbeiter selbst den Kampf ohne strenge Organisation nicht eröffnen dürfen. Wir find über- zeugt, daß die Bauarbeiter in Berlin und Hamburg ganz auf diesem Standpunkt stehen. Unfallversicherung der Schlächtereien. Von Seiten mehrerer unteren Verwaltungsbehörden wurde angefragt, ob die VerficherungSpflichtigkeit der Schlächtereien in dem Um« fange gesetzlich begründet sei, welchen der Vorstand der Nahrungsrriltel.Jndustrit.BerufSgenoffenschasten mittelst des folgenden BeschluffeS bezeichnet hat:„AlS unfallverficherungS- pflichtigt Betriede find zu erachten: a) alle Schlächtereien in Städten, in welchen Schlachthauszwang besteht: b) in Städten, in welchen«in solcher Zwang nicht besteht, diejenigen Schlächter, welche regelmäßig im Schlachthause schlachten; o) ohne die erwähnte Rückficht alle Schlächter, welche Groß« viehbetrirbe mit ihren Schlächtereien verbinden; endlich d) alle Schweinemetzgereien ohne Unterschied."— Dat R- V-A. entschied: Dieser Beschluß zieht den Kreit der verficherungi- Pflichtigen Schlächtercim zu weit. Zu a und b ist zu bemerken, daß ein Echlächtereibetrieb, wenn und soweit derselbe in einem Schlachthause mit Motoren oder mit mindesten? zehn Arbeitern ertolgt, verficherungS- und demgemäß anmeldepflichtig ist. Als Mitglieder der BerufSgenoffenschast wegen dieser Schlachthaus-Schlächtereibetriebe sind nach§ 9 nicht die Ge« meinden als Unternehmer det Schlachthauses, sondern die ein- zelnen, da? Schlachthaus benutzenden Schlächtereiunternehmer anzusehen. Zur Vermeidung von Mißverständniffen wird hierbei bemerkt, daß der außerhalb det Schlachthauses fich vollziehende ha' dwerksmäßige Theil det SchlächtereibetriebeS von der VerficherungSpflichtigkeit desSchlachthausbetriebet an fich nicht mit ersaßt wird. Die Unternehmer det Schlachthauses können nur wegen der von ihnen gelohnten verficherungSpflich- tigen Personen(Krffelheizer, Maschinisten rc.) als Mitglieder der Berufigenossenschaft in Betracht kommen. Zu o und ä: Abgesehen von den dem Vorstehenden nach verficherungS- und ar meldurgsxflichtigen SchlachthauSschlächtereim find alle übrigen Schlächtereibetriebe alSdann verficherungipflichtig, wenn fie fich alt Fabrikbetriebe darstellen, insbesondere wenn sie mit Motoren oder Mit mindestens zehn Ardeitern betiieben werden. Zur Krankenversicherung. Die Frage, ob ein Ar« beiter, der alt Gehilfe eines andern arbeitet, ohne mit dem Arbeitgeber persönlich etwas zu thun zu haben, von dem letzteren zur Orttkrankenkaffe angemeldet werden muß, wurde am 9. d. in Frankfurt a. M. in der Anklagesache wieder Morgenstern vom Gericht verneint. Et handelt fich im vorliegenden Falle um eine Arbeiterin, die ihrem Bruder in der Arbeit bei einem Wäschefabrikanten Hilst, ohne von dem Fabrikanten engagirt oder bezahlt zu werden. Sie besucht auch nicht die Fabrik, und ihr Arbeitgeber ist eigentlich ihr Bruder. Solche Hilfsarbeiter find nach Urtheil det Gerichts nicht als „Stückardeiter" anzusehen, und der Ardeitgeber ihrer Austrag- geber hat mit ihnen nichts zu schaffen und braucht fie nicht zur Krankenkaffe anzumelden. Eine Ueber ficht der gewerblich beschäftigte« Ge« fangeuen enthüll das 83. Heft der„Preußischen Statistil", welche, wenn fie auch aus der bereits etwas allen Berufszählung vom 6. Juni 1882 beruht, dennoch Beachtung verdient, weil fie die Insassen sämmtlicher Strafanstalten in Preußen, nicht nur der dem Ministerium det Innern unterstellten, umfaßt. Danach waren im ZSblungtjahr in 63 Berufszweigen durchschnittlich zusammen 24 015 Gefangene, darunter 21 248 männliche und 2767 weibliche, deschäftiai. Von dm einzelnen Be- rufszweigen nahmm die meisten Gefangenen in Anspruch die Taiakfadrikation(3503), die Buchbinderei, Papier- und fappenverarbeitung(1863), die Ecbubmacherei(1829), die ischlerei(1630), die Wollweberei(1349), die Strickerei und Wirkerei(10 8), die Giflechtmacherei(898), die Putzmacherei, Blumen- und Federschmuckfadrtkation(805), die Konfektion (802), die Netz«, Segel', Zelt« und Sackmacherei(789), die Holzvergoldung und sonstige.Veredelung(735), die Kamm-, Bürsten- und Pinselmacherei(637), die Drechslerei und Schnitzerei(669) und die Korbmocheret(569). Die Effeuer Bergleute verlangm Reform der Knapp« schastSkaffm auf folgender Grundlage: 1. freie direkte und geheime Wahl der KnappschastS Aellestm auf vier Jahre; 2 freie Wahl der Aerzte; 3. Aufhören deS diskretionären Er- messen? des Knappschafts-Vorstandet bei Krankheittfällm und bei Jnvaltdifirung, sowie Einführung der Anrufung einer ärztlichen Kommisston auf Kosten der Knappschaftskasse zur endgiltigm Entscheidung in zweifelhaftm Krankheitt- und JnvalidifirungS.Fällm; 4. Festsetzung des Krankengeldes ent- weder nach progresfivm Sätzen gemäß dem Dreiklafsen- System oder Zahlung der Bellräge nach dem Lohnklaffen- System; Zahlung deS Krankengeldes für Bergleute 1. Klasse und diejenigen Hauer 2. und 3. Klaffe, welche 5 Jahre lang ununterbrochen Bergarbeit verrichtet haben, nach Klaffe 7 und Zahlung det Krankengelde? vom Tage der Erkrankung an; 5. Berücksichtigung der Berg-Invaliden bei Verwoltungtstellm der Knappschaft; 6. Aufhören der von den Zechen gefordertm GesundheitS-Atteste bei Mitgliedern, welche von einer zur andern Zeche abkehren und Wahrung der Mitgliedschaft bei unfreiwilligem Feiern; Aufhörm der dopp-licn Gefälle- Zahlungm und Aufhören der Ermäßigung det Invaliden« geibeS auf die Hälfte bei anderweitem, dm doppelten Bettag det monatlichen JnvalidengeldeS erreickendm Verdienste; 7. Gewäbrung von Jnvaltdengeld an die Mitglieder nach zehn- jähriger Ardertszell und endlich monatliche Zahlung der In- validm', Wittwm- und Kindergelder. Die Maurer streiken in NeuhaldmSleben(Provinz Sachsen). Sie verlangen 2,50 M. Lohn pro Tag und Bem- digung der Arbeit um 6 Uhr Abends. Der Arbeitteinstellung der Holzarbeiter in Basel find solche in St. Gallen und Lausanne gefolgt, und der Ruf nach dem zehnstündigen Arbeitstag ohne Lohnadzug wird auch noch in anderm schweizerischen Städten fich hören laffen. Leider ist es in Basel zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern zu keiner Verständigung gekommen; letztere sollen den Präfidenten det Grütli Vereint, welcher die Vermittlerrolle übernommen hatte, schroff abgewiesm und diesen Verein selbst als dm„Handlanger deutscher Agitatoren" bezeichnet haben, worauf dieser Ver- ein den Streikendm seine thatttäftige Unterstützung zugesichert hat, wat auch von dem Holzarbeiterverein in Zürich geschehen ist, der ihnm durch seinen Präfidenten bereits eine erste Unter- stützung hat auszahlen laffen. Von der Seite der Arbettgeder also schroff abgewiesm und von kollegialischer Seite zum fen-e- ren Widerstand aufgefordert, hat denn auch die in Basel dieser Tage abgehalttne Arbeiterversammlung in förmlicher Adstim- mung deschloffen, ihrerseits ebenfalls nicht nachzugeben, und find schon die ersten Unterstützungen an Familienväter ver- theilt worden. Es fragt fich jetzt nur noch, wer es am längsten aushalf. Um die UnlerßützungSlast zu erleichtern, haben die ledigen Arbeiter zum größtm Theil Basel verlaffm und neue Ankömmlinge werden von ausgestellten Posten um sofortige Weiterreise ersucht. Aehnlich geht eS in St. Gallen und Lau- sänne. UebrigenS ist nicht Basel, sondern Zürich, so vn sichert man, der Ausgangspunkt dieser Streikbewegung.(Fr. Ztg.) Die Maschinenbauer der Barrow-Furnace Eismgießereim und Fabriken hielten am 7. d. in Lioerpool eine Versammlung ab, um über die geforderte Lohnreduktion von 6 Perce per Arbeitstag zu beralhen. Nach langen DiSlusfionen wurde der Beschluß gefaßt, in einen Streik einzuiretm und die Arbeits- einstellrrng sogleich in Szene zu setzen. Et werdm morgen 1900 Maschinenbauer die Arbeit niederlegen, fallt fich nicht noch in letzter Stunde die Fabrikdefitzer entgegenkommend zeigen. Lohuherabsetzuug. In einem am 7. d. in MiddleSdrough stattgefundmm Meeting der clwelander Eismfabrikonten wurde deschloffm, die Löhne der Hochöfenarbeiter um 5 pCt. herabzusetzen._ limine und Versammlungen. „Auf Grund deS PreßgesetzeS" werden wir vom Vor- stand deS Mäntelnäherinnenvereint aufgefordert, zu konstatiren, das"~-•. M< gegen jsi-au Büge erlauvr yar, nechl aus Mvhr.ieu beruhen. Der Vorstand kann der Frau Büge nicht das geringste Unrecht nachsagen, er behauptet vielmehr, daß gmannte Dame stetl> Jnteiesse det Vereins gehandelt und immer daS Beste dcW gewollt habe. Im Uebrigm wird der Frau Rosa Büge in% Schreiben ein Vertrauensvotum ertheill und die Hoffnung» gesprochen, daß der Verein noch lange in gutem Einvernchu mit dieser Dame arbeiten wird. Unterzeichnet ist das Slirn» von den Damen: Frl. Schulz, Schriftführerin, Frau M 1. Kasstrerin, Frau Ponten, 2. Kasfirerin, Frau v» mann, 1. Beisttzende. Frau Dechendt, 2. BeiWJ Frau Wagner, 3. Beifitzend«; Frau Herrmann, Revtsa» Frau Leist, 2. Revisorin.— Wir wollen hierzu nur beve» daß daS Preßgefitz uns in keiner Weise zm Aufnahme«° artiger Erklärungen verpflichtet, daß wir jedock stets so koul- sein werden, jede Partei zu Worte kommen zu laffen. Ferne» aber wird in dem Schreiben die leidige Affäre mit der djtPJ sozialen Partei durchaus nicht erwähnt, und das befremdet Dre Mäntelnäherinnm werden, so warm wir für die VerM lichung ihrer Forderungen eintreten wollen, von unS nW! warten können, daß wir mll Henn Stöcker. Aschenbrenner» Genoffen an einem Strange ziehen. Wir möchten«J dringend anrathen, den Sperling nicht aut der Hand zu(i'!J so lange die Taube noch auf dem Dache fitzt. In dem JWJ der Ileinen Geldspenden, die übrigens bei einem wirll ch ß brechenden Streik doch nur von ganz untergeordneter> deutung find, ist die ganze Misere Stöcker'scher Fiömw» mit ihren Versprechungen auf ein befferet Jenseits verbo« und wer auf den Köder anbeißt, wird den Haken nur all-i» recht schmerzhaft verspüren. bfo. In der öffeutlichen TavezirergehilfewBersai» lung, welche am 10. d. M. im Bei einshause Nttderwaltt! unter Vorfitz det Herrn Sander tagte, referirte der Vorfitz!- über den Hauptpunkt der Tagesordnung: Beschlußfaffuna«� dm Schlußtermin für die Stteik- Anmeldungen bezw. SA Unterstützungen von Kollegm, welche nachttäglich die g derungen geltend zu machen gewillt und genöthigt ff die Arbeit niederzulegen. Der Referent motioirte' in Rede stehende Maßnahme mit den dabei in> tracht kommenden Verhältniffen.— Die Kommisston ver? zwar über„heidenmäßig viel Geld" zu eventueller SA Unterstützung der autgedehntesten Streiks, aber es fehle foj lich an den zu Unterstützenden, an den Streikendm.% müsse endlich klaren Einblick in die Situation, d. h. daB schassen, wa» erreicht worden und was etwa noch mit SA heit zu erreichm sei. Redner empfahl sodann, den in% stehendm Schlußtermin schon am 11. d. M. eintreten zu l» und schlug eine dementtprechende Resolution vor. Da abei der darauffolgenden Diskulfion, in welcher viele Redners Verhältnisse in ihren Wrikstätten schilderten, Uebereinstimasi darüber herrschte, daß die Geschäftslage unerwariet schon k einen sonst später zu gewärtigenden günstigmUmschwung ersoff habe, gelangte ein spatereiTennin zur Annahme. DieVersaannff erhob sodann einstimmig folgmde Resolution zumBeschluß:„h; Montag, denU19. d. M, Mittaas 12 Uhr, wird die Einsdj bung für streikende und arbeitslose Kollegen geschloffen. eingeschriebenen Kollegen erha'tm nach Prüfung d«S S« halte? die bisherige Unterstützung von theilS 24, theilS!Z pro Woche, bis die Zahlung von der Kommisston auf»' der Annahme verweigert wird, daß es fick hiir um eine gehung des Arbeitsverhältnisses handelt. IL Kollegen, t nach dem 19. d. M. wegen versuchter Abzüge die Arbeit derlegen, erhalten nach Prüfung der Sachlage eine Ul stützung von 15 M. wöchentlich, bis eine andere G-nero» sammlung diesen Beschluß auf Antrag der Kommission! hebt"— Die nächste VereinSversammlung findet am M#" den 19. d. M., statt. Fachveret» sämmtl. an Holzbearbeituogt-Masl be'chästigien Arbeiter. General-Versammlung Sonntai 18. April, Vormiitags 10'/, Uhr, Andreasstraße 21 bei Tagesordnung: Abrechnung, Vorstandkwahl, Wahl Arbeitsnachweis Komitee. * Demokratischer Verein zu Berlin. Donnerstaft! 15. April, Abendt 8'/, Uhr, Versammlung in den A? hallen, Kommandanteostr. 20. Tagesordnung: 1.„Der% vent zur Zeit der tranzöfischen Revolution." Referent:' Albert Herz. 2. VereinSangelegmheiten. Gäste willkomi»' * Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag.� 15. April 1886, Abendt 8'/, Uhr, im Restaurant H. A Alte Jakobstr. 128, Vortrag deS Herrn Dr. Hamann, Astr» über den Mond. Gäste willkommen. ; Theater. Donnerstag, den 15. ApriL Lfferuhau«. Kein- Vorstellung. «chauspteldau». Hamlet. Prinz von Danemark. Deutsche» Theater. DaS Urbild det Tartüffe. «alluer-Theater. Der Raub der Sabine- rinnen. »esideuz« Theater. Frau Doctor, Schwank m 3 Alfen von P. Ferrier u. H. Bocage. Vorher: Die Schulreuerin. Belle-Alliaure-Theater. Der Bettelstudent. Urtedrich-WUHetmftSdttsche» Theater. Der Zigeunerdaron. Walhalla» Theater. Das lachende Berlin. Heiteret aut der Berliner Theateraeschichte mit Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Alten von Jakobson und Willen. Teatral-Theater. Der Stabs- Trompeter. Viktoria- Theater. Wegen„Amor".Prob schw. Piano» 10 Thlr., z. v. Oranienstr. 4, II L Gute getragene Herren- u. Knaben-Garderobe in großer Auswahl. Gute getr. Hosen v. 2 M. an. D. Sommerfeld, Oranienstr. 199.[1259 Ziehung bevorstehend! Marienbnrger Ulmer L--f-» 27. April. Reihe Kreuz, a 1 1.-4. Mar. Rentsche Kues«® Loose a 1 MI. Porto und Liste je 20 Pf.'S*!?',!; Rieh. Schröder, g�f�� % 13601 GenSdarmenmarkt. _ rh Allen Freunden und Bekannten fowtt.. ck wnthen Nachbarschaft zur Nachricht, daß| Destillation und Restauration ¥ eröffnet habe und bitte, mich inLmetu� nehmen unterstützen zu wollen._. W. rrttfe� Skalitzerstraße Nr. 1�% Ecke Elisabeth. Ufer 16/J' früher im Keller- mar m« gr-s-« �.< VereinszimB1!!� ist zu vergeben. Lage| ßleichzei «eraniworUich«»»sakreur«.«rouhet« in Berlin. Druck und Verlag von«ar Badtu« m Berlin Beuthstraß» 2. Hierin eu-s Beilage zum Berliner Bolksblatt. 89. Donnerstag, de« 13. April 1889. III. ZatzM Parlameutsberichte. Herrenhaus. IS. Sitzung vom 14. April, 1 Uhr. Am Mmstertische: von Scholz und Kommtffarien. Zur Berathung steht zunächst die Selundärdahn» vorläge, denn unveränderte Genehmigung die Eisenbahn« tomm�fion empfiehlt. In der Generaldtskusfion bringt Oberbürgermeister Bachmann(Bromberg) die speziellen Wünsche seiner Heimathstadt und ihrer westpreußischen und posenschen Nachbarschaft um bessere Bahnverbindung zur Sprache. Die in Betracht kommenden Linien: 1. Verlängerung der Linie Blomberg Fordon in das Kulmer Land, 2. Bromberg- Elsenau»um Anschluß an Gnesen-Nakel und RogascN'Jnow« razlaw, 3. Bromderg-C one. Tuchel seien als nothwendig und zur Ausführung geeignet nicht nur von der Gesammtheit der Interessenten anerkannt, sondern auch von der Bromberger Re- oierung und dem Oberprästdium zu Posen an maßgebender Stelle befürwortet worden. Redner bittet die Eisenbahnver- waltung um thunlichste Berückstchtigung der vorgetragenen Wünsche, deren Erfüllung auch die GermanifirungSdestrebunzen sehr wesentlich fördern würde. Ministerialdirektor Schneider: Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten ist zu seinem Bedauern durch ein trau* riges Familienereigniß verhindert, der heutigen Sitzung deizu- wohnen. Auf die Anfrage deS Vorredners eine(bestimmte Antwort oder Zusage zu geben bin nicht in der Lage, kann vielmehr nur auf eme Jim anderen Hause von dem Minister abgegebene Erklärung«ezug nehmen, nach welcher alle der. artigen Wünsche registrirt und eingehend geprüft werden sollen und die Fürsorge für die weitere Ausdehnung des Sekundär- bahnnetzes nach wie vor im Auge behalten wird. In der SpezialdiSkusfion werden die Forderungen für die im§ 1 in Vorschlag gebrachten Linien nach wenig erheblicher Debatte unverändert bewilligt und darauf daS Gesetz im Ganzen d-firitio angenommen. Die Petitionen des Grmeinderatbs Liedler und Genossen zu Eltville um Ausbau der Strecke Eltville. Langenschwalbach, des G-mcindevorstandeS zu Lindau um Anschluß der Selun- dSrdahn Letnefelde- Duderftadt an die Hannöversche Staats« bahn, und deS Bürgermeisters Luthgen und Genossen zu Schönebeck um den Bau einer Sekundär bahn von Schönebeck nach Blumberg werden als durch diese Beschlußfassung erledigt erachtet. Ebenso erklärt das HauS ohne DiSkusfion den Bericht, betreffend die Verwendung des Erlöses für verkaufte Berliner Stadtdahnparzellen, und den Bericht, betreffend die Bauaus. führungen und Beschaffungen der Eisen dahnverwaltung für das Fahr 1. Oktober 1884 bis 1885, durch Kenntnißnahme für erledigt. Fn einmaliger Schlußberathung wird der 37. Bericht der Staatsschulden- Kommisfion pro 1884 85 erledigt, das Haus ertheilt der Hauptverwallung der Staatsschulden die beantragte Decharge. A ich in Bezug auf die Allgemeine Rechnung pro 1882/83 wird nach dem Antrage der Finanz* und Etats- kommisfion die Entlastung der Staatsregierung ausgesprochen. Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. (Poienvorlagei;.)_ Abgeordnetenhaus. 63. Sitzung vom 14. April, 11 Uhr. Am Ministertische: v. Boetticher» V.Scholz und mehrere Kommissorien. Vom Herrenhause ist der Gesetz- Entwurf, betreffend Ad« Sndecung der kirchenpolitischen Gesetze, eingegangen. Elfter Gegenstand der TageS- Ordnung ist die erste Be- rathung de« Gesetz Entwurf», betreffend die Gewährung eines Bettrages Preußens von 50 Millionen Mark zur Herstellung des Nord>Ostsee«Kanals. Abg. W t n d t h o r st: Der Kanal hat eine doppelt wich« tige Bedeutung; er ist einmal bestimmt zur Föiderung der materiellen Interessen von Handel und Veikehr und zweitens unsere Wehrkraft zur See wesentlich zu verstärken. Daß schon in der Abkürzung deS Seeweges eine sehr wesentliche Besse« tung der maritimen Verhältnisse liegt, wird Jedem einleuchten. Im Reiche ist die Angelegenheit auf« Sorgfältigste geprüft worden und der Reichstag hat seine Annahme mit großer Ma« jorität ausgesprochen, so daß wir wohlihan, auch unsererseits den Kanal anzunehmen und daS verlangte Präzipuum zu zahlen. In Bezug auf die merkantilen Verhältnisse bin ich der Anficht, baß wir den Kanal nur bewilligen können, wenn gleichzeitig feststeht, daß die Kanaltfirung im Lande auch einen wesent. »chen Schritt vorwärts macht; ich würde nicht in der stin. für diese Vorlage zu stimmen, wenn nicht st�chfeitig die Annahme der schlcfischen Kanäle, sowie Ems- Kanals gestchert ist. Unsere Montanindustrie Sit. geschädigt werden, erleichterten wir England StIL Ist die Ostsee, ohne daß wir den Binnenverkehr ?M�ttg durch Kanäle förderten Daher sollen wir nicht eher a™. das Nord Ostsee Kanalprojekt abstimmen, che eS nicht NO! er ist. wie eS mit der anderen Kanalvorlage steht. Wenn ich zu meiner Befriedigung höre, daß einige Mitglieder der konservativen Partei fich in der Kommisfion der Btnncnkanal- vorläge warm annahmen, so muß ich doch andererseits sehr de« dauern, daß andere Mitglieder fich mit einer gewissen L>den« dtgkeit entschieden dagegen erklärt haben. Dres betrachte ich als kein guteS Omen für den Verlauf der Sache. Das ist meine persönliche Stellung zur Sache, meine FiaktionSgenoffcn find dabei in leiner Weise engagirt. Ich beantrage daher, vtese Vorlage an die Kanalkommisfion zu verweiten, und ich dabe den desonderen Wunsch, daß der Herr Prästdent die S!x Berathung nicht eher auf die Tagesordnung setzen worden ist waS auS den anderen Kanälen ge« Hansen: Auch ich kann nur das WünschenS« Vorlage anerkennen. Es ist ein schon alter Plan, auszuführen hat. Warum Preußen gerade SJÄ lt'ttaß>°hlm soll, hat seinen Gruno in den Sä ffÄ Äf« «Uer aus der Nordsee in die Ostsee fahrenden Schiffe. Es &%%%%%&%.%& Ki» fitoß»« nationales Unternehmen. Schließlich empfiehlt Redner die Verweisung an-ine besondere Kommisfion. Seelig: Wir befinden uns gegenüber dieser Vor« rin» ganz besonderen Situation, insofern gewisser« C/Z.n Reichsgesetz von unserem Votum abhängig ist. Ua. ®ie.Uunß kann daber nur die sein, daß wir prüfen, ob die von uns verlangten 50 Millionen Mark nicht ein zu großes Opfer find. Ich glaube, wir können die Summe bewilligen, ohne vorher erst Untersuchungen anzustellen, wie fich der Werth des Projektes für Preußen stellt und ob die Summe diesem angemessen ist. Eine solche Berechnung würde fich überhaupt gar nicht durchführen lassen. Die Kanallinie steht bereit» durch den Reich stagsbeschluß fest. Beide Kanalvor- lagen miteinander zu verkoppeln, wäre falsch. Sie stehen in keinem nur irgend denkbaren Zusammenhange. Der Werth ist unter allen Umständen für Preußen s-hr groß. Wollen Sie schon eine Kommisfion beschließen, so wählen Sie die Budgetkommiffion- Minister v. B o e t t i ch e r: Ich sähe eS am liebsten, wenn Sie die Vorlage bebufs einer schnelleren Förderung deS Werks gleich in zweiter Lesung erledigten. Am treffendsten scheint mir der Abg. Seelig den Standpunkt der preußischen LandeSoertretung zur Vorlage charalteristrt zu haben. Es handelt sich hier einfach um die Frage, ob Preußen von seinem partikularen Standpunkte ein solches Interesse an der Herstellung deS Kanal» hat, daß fich eine Aufwendung von 50 Mllionen rechtfertigt. Die preußische Regierung hat ein solches Präzipuum sehr sorg- fältig erwogen. Preußen hat, wenn auch keine rechtliche, so doch eine moralische Verpflichtung, den Eiderkanal auszubauen; bei Annahme der Vorlage würde ihr dieser Bau erspart bleiben. Die Regierung geht davon aus, daß, wenn es fich um ein so großartiges nationale? Werk handelt, man nicht auf Heller und Pfennig die etwaigen Vortheile herausrechnen soll. (Beifall.) Preußen muß mit gutem Beispiel vorangehen und fich nicht dem Vorwurf aussetzen, es habe zu genau gerechnet Hätte übrigens die preußische Regierung nicht so liberal dem Reiche gegenüber operirt, so würde die Herstellung deS Kanals auf Schwierigkeiten gestoßen sein, deren Beseitigung nicht ganz leicht gewesen wäre, und die fich vielleicht so aufgebauscht hätten, daß das ganze Werk in Frage gestellt wäre. Ich kann deshalb nur den Standpunkt akzepriren, daß Sie keine detaillirte Vorrechnung der für Preußen fich hieraus ergebenden Vortheile von uns verlangm. WaS die Ausführungen deS Abgeordneten Windthorst betrifft, so kann ich eS ja begreifen, wenn man dieses Projekt mit dem Ausbau des binnenländischen Kanalnetze» in eine gew sse Verbindung bringt. Daß Ihnen in diesem Jahre zum zwellen Male die früher schon einmal gefallene Vorlage gemacht worden ist, kann Ihnen beweisen, daß die Regierung den höchsten Werth auf die Her« fiellung der Binnenkanäle legt. AlleS, waS darüber verbreitet wird, daß das Jniercsse der Regierung für die Vorlage, namentlich die westlichen Kanäle nicht in gleich hohem Maße, wie früher, vorhanden sei, ist eitel Schwindel.(Heiterkeit.) Es handelt fich um so wichtige Unternehmungen, das ich deren Unterlassung geradezu in die Kategorie der Sünden rechnen würde. Ader trotz aller Begeisterung für die binnenländischen Kanäle kann ich doch nicht den Standpunkt einnehmen, daß ich sage: wenn ich nicht beides bekomme, will ich gar nichts. (Sehr wahr!) Ich kann begreifen, daß Schlefien in eine gewisse Konkurrenz mit Westfalen kommt, aber dadurch fich zu dem Entschlüsse bringen zu lassen, dieses große nationale Unternehmen, für das sämmtliche Parteien des Reichstages eingetreten find, fallen zu lassen, wenn nicht die andere Kanalvorlage zu Stande kommt, verstehe ich nicht. Wenn Sie das preußische Interesse für so stark halten, daß Sie die 51 Millionen bewilligen wollen, dann können Sie auf jenes Interesse keine Rücksicht nehmen. B-urthetlen und prüfen Sie die Vorlage mit Rücksicht auf die Interessen Preußens und des deutschen Vaterlandes und dewilltgen Sie den Beitrag zu einem Werke, das nicht nur der deutschen Wehrkraft, sondern auch dem deutschen Handel und der Schiff fahrt zu großem Vortheil gereichen wird.(Ledhafter Betfall.) Graf Baudissin spricht fich ebenfalls für die Voilage au». Finanzielle Bedenken könnten gegenüber der nationalen Bedeutung und den Voriheilen dieses WerkeS nicht in Be- tracht kommen. Auch fei die Höhe deS Beitrages durchaus billig und gerecht. Abg. Natorp: Ich kann mich nur den Ausführungen deS Abg. Windthorst anschließen. Bezüglich der geschäftlichen Behandlung kann rch die Nothwendigkeit der Prüfung in einer besonderen oder dir Budgetkommiffion nicht einsehen. Die mit dem Projekt verbundenen wtrthschaftlichen Zwecke find so be« deutend, daß eine eingehende Prüfung statifinven muß. Die durch den Nord Oft iec- Kanal eintretende Verschiebung der wirthschaftlichen Vertältniffe ist so stark, daß ste von den de- denklichsten Folgen für das ganze Land werden können. Wird der Kanal ohne den Ausbcu de» binnenländischen N'tzeS aus- geführt, so wird Englands Konkurrenz in der Nord und Ostsee äußerst bedenklich gestärkt. Meine politischen Freunde nehmen eine durchaus entgegenkommende Stellung zu der Vorlage ein, wir bitten aber, die nöthige Vorprüfung durch die Kanalkommisfion vornehmen zu lassen. Abg. Dr. Hänel: Die Herren Windthorst und Natorp befolgen die Taktik, diese Kanalvor läge als Vo spann für an« dere Kanalprojelte zu benutzen. Für die interesfirten Herren ist das ganz richtig, aber sachlich liegt dazu nicht der mindeste Grund vor. ES handelt fich hier darum, die Seehäfen an der Nnrd- und Ostsee in Vcrdinaung zu bringen und das Projekt nützt beiden in gleich-r W ise; die Bedingungen der aus* wältigen Konkurrenz werden dadurch in keiner Weise verändert. Es handelt fich auch schlechterdings um keine neue Anlage, der Eiderkanal hat fich schon lange als ungenügend erwiesen und seine Korrektion hat fich als nothwendig herausgestellt. Wir haben allen Anlaß, diese günstige Konjunktur zu denutzen. Dieses Projekt aber mit anderen zu verquicken itt unmöglich. Es ist ganz auf fich selbst gestellt und muß in fich selbst de- urtheilt werden. Ich würde dem Herrn Staats � sekretär Unrecht thun, wenn ich seinen sachlichen und »utressenden Ausführungen noch ein Wort hinzufügen wollte. Ich empfehle in Uebereinstimmung mit Herrn Seelig die Ucber- Weisung der Vorlage an die Budgetkommisston. Abg. Dr. Windthorst: Daß die Herren aus Schleswig- Holstein diesen Kanal wollen und die anderen liegen lassen, verstehe ich. Das ist die Politik des absoluten Interesses. Wir Andere haben da? Interesse, für alle Theile Deutsch'andS gleichmäßig zu sorgen. Gewiß wollen wir die Nord- und Oftsee verbinden, damit Hamburg und Bremen mit den Oft« seehä'en in Verbindung kommen. J h wünsche aber nicht, daß der ausländische Markt zu Ungunsten de« inländischen be. günsttgt wird. Da um wünsche ich den Bau dieses Kanals, aber auch gleichzeitig den Bau aller übrigen Kanäle. Ich schließe mich nunmehr dem Antrage an, die Vorlage einer besonderen Kommisfion von 21 Mitgliedern zu über. weisen. Die Vorlage wird einer besonderen Kommisfion von 21 Mitgliedern überwiesen. Es fvlrt die Berathung von Petit tonen. Ueder die Petition de» Oberlehrer Düte am Realprogym« nastum zu Marburg um gesetzliche Feststellung einer GehaitS» skala für die Lehrer höherer Lehranstalten, geht das HauS, dem KommisstonSantrage gemäß, zur Tagesordnung über. Die Petition de» Gemcirderalhs zu Elten, betreffend die Unterdaltung des WegeS von Elten nach Lobith, wird der Regierung zur Berücksichtigung, die Petition von Bewohnern der Insel Borkum, betreffend daS Grundduchwesen daselbst, als Material überwiesen. Bezüglich der Petitionen von penfionirten Volks« schullehrern wegen Verbesserung ihrer Loge beschließt daS HauS nach dem KommtsstonS- Antrage: in Erwägung, daß die Ausdehnung des LehrervenstonSgesetzeS vom 6. Juli 1885 auf die vor dem 1. April 1883 emeritirten Volks« schullehrer rückfichtlich einer neuen PenfionSberechnung und Er« höhung ohne Mehrbelastung der Kommunen nicht ausführbar tft, dagegen die königliche Etaatsrcgierung den Gesuchen der Petenten aus dem UnterstützungSfonds nach Bedürtniß und Möglichkeit seiner Zeit gerecht werden wird, über die Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. Darauf werden die Wahlen der Abgg. v. Grote, Kleine und von Steinau für giltig erklärt. Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. (Nachlragsetat.) zokales. er. Auch nicht Übel! Nachts zwischen 12 und 2 Uhr, wenn Berlin in tiefem Schlafe liegt, wenn man nach de» TageS Last und Mühe frische Kräfte zu erneut- r Thäligkeit sammelt und der Traumgott uns liebliche Bilder oo gaukelt von schönen Zeiten, da wirkt ein Mann mit der Zähigkeit eines richtigen KneipgenieS für unS sündige Erdensötne; nimmer ruht er, wenn es gilt für die Ideale des ChristenthumS und der Judenh-tze einzutreten; mit einer wahrhaft stählernen Kon» stiturion sitzt er fich hinweg über die gewöhnliche TageSein- theilung, an die wir armen Menschenkinder leider immer noch geduudiN find.-- In der Nacht zum Dienstag war's, wild brauste der Sturm durch die Straßen Berlins, er klapperte Höhnisch mit den Scheiden der Laternen, die ihr fahle? Licht in die Regenpfützen warfen und ängstlich strebte der verspätete Wanderer dem warmen Bette zu. Und wer leins sein eigen nannte, zog den fahlen, verschossenen Rock enger um die Schul» lern und erwartete mit brennender Sehnsucht den kommenden Morgen. In dem Hause Friedrichstr.2l4, in den Räumen de» christlichenVereins herrschte jedoch noch reaeS Leben, man sah dort ab und zu eilig und gcheimnißvoll einen Mann mit aufge» klapptemRockkragen eintreten— hier ging entwider etwaS vor,»der mußte etwaS ganz besonderes loS sein. BeideS war der Fall. Man höre nur, waS die Zeitungen berichten:„In der Nacht zum Dienstag, zwischen 12 und 2 Uhr, fand in der Friedrich. straße 214, in den Räumrn drs christlichen Vereins, eine religiöse Kelln er- V ers a m m l un g statt,»u der durch Inserate und durch direkte Aufforderung an 250 der größten Hoteis und Etablissements eingeladen worden war. Herr Hofprediger Stöcker hielt nach Gesang und Gebet eine Ansprache. Nack Mitlheilung des Vorfitzenden giebt es in Beilin etwa 20 000 Kellner; die„Kreuzzeitung" fchäyt die Zahl der Anwesenden auf etwa 200. ES sollen diese mitternächtigen Gedetverjammlungen fortgesetzt werden, um den Kellnern, welche durch ihren Beruf Abends verhindert find, Versammlungen zu besuchen, dazu Gelegenheit zu gehen, wenn ste von der Arbeit kommen." Armer Kellner, Dein« Arbeitgeber können fich nicht zu der Ansicht emporschwingen, daß Du für Deine gewiß nicht leichte Tbäligkeit auch einen regelrechten Lohn verlangen darfst, die Trinkgeldnickel kürzt man Dir auf alle mögliche Weise, und wenn Du jetzt spät AbendS, nachdem endlich der letzte ausdauerndste Stammgast den. letzten Tropf,» getrunken und Dir für drei Gla« Bier wohlaezahlie 45 Vfenniae bezahlt hat und Du mit müden. vielleicht geschwollenen Beinen nach Hause wand-rn möchtest. dann gehe hin in das HauS deS christlichen Vereins und höre die salbungsvollen Wo te deS Herrn Ho'predigerS. Er wird Dir nachweisen, daß die Suchi nach dem Trinkgeld, auch wenn man sonst kein anderes Einkommen hat, eine sündige und verwerfl cheist und bei den erhabeni n Gesängen, die in ihrer Klang« färbe in der spätenAbendftunde entschieden eine gewiffeAehnlichkeit mit dem soeben in der Kneipe gehörten haben müssen, wird Dir ein großartiger Seifensteder aufgehen, und Du wirst ge« wehr werden, daß auf der Welt alles eitel ist. nalürlich außer — Herrn Slöcker.— Eins all>rdings möchten wir gern wissen, obgleich wir nicht gern möchten, daß wir in den V-r» dacht der Neugierde gerathen. Wieviel von den 200 Kellnern, die in jener nächtlichen Versammlung anwesend waren, mögen dort wohl des bloßen„UlkeS" wegen erschienen sein? Auch wenn man nicht Hofprediger ist, dringen es die Umstände biS« weilen mit fich. daß man fich noch Nachts um 1 Uhr in einem Restaurant befindet. Dann gehört nicht viel Menschenkenntniß dazu, um zu sehen, daß die Kellner— was ihnen übrigen» ein vernünftiger Mensch auch niemals verübeln wird— selbst christlich sozialen Erö trrungen nicht mehr so ohne Weiten s zu- gänglich find; fie find eben müde, und daS ist bei einer übir« ans langen und beschwerlichen Arbeilszcit doch nur natürlich. Wenn jedoch Herr S öckrr in seiner Weise für die Zerstreuung der Kellner sorgen will, so ist da» seine Sache, wir unsererseits würden, wenn wir Kellner wären, viel lieber schlafen gehen. Die Fortführung der Stadtbahn bis zum Span- dauer Bock und die Errichtung emrr Haltestelle caselbft tollte nach einer dem„Börsen-Kur." entnommenen Nachricht in zu- ständigen Kreisen erwogen werden. Wie jetzt die„StaalS- bürgerzfg." von unterrichteter Seite erfahren haben will, be« stättgt fich diese N chrtcht nicht. Die dazu erforderlichen Kosten, die namentlich durch die Steigung jenseits der Ueberführung der Straße von Charlottenburg nach Spandau und dmch die Aufschüttung eines hohen Bahndammes in sumpfigem Trnain verursacht würden entsprechen keineswegs den Einnahmen auS dem Verkehr nach dem Spandauer Bock. Dieser Neubau wäre aber gar nicht nö htg, da die Lokalzüge nach Spandau— von der Fiiedrichstraße aus— entweder nördlich auf der Hambur« ger Bahn, oder lüdltch vom Spandauer Bock auf der neuen, einen Theil deS Grunewald» durchschneidenden Bahn fortge- führt werden. Namentlich würde fich diese letztere Bahn, auf der verhältnißmäß g wenize Züge gehen, zu Errichtung einer Haltestelle, und zwar gerade an dem Punkte, wo o.r Durchgang vom Bock nach dem Grunewald ist, eignen. Es find auch schon wiederholt P tilionen diescrhalb an die E s-nbahnver-valiung ergangen, bis j tzt vera-benS; vielleicht hat die neue Aktiengesellschaft mehr Erfolg. Die falsche Nach« licht ist wahrscheinlich eine Verwechselung mit dem Projekt einer Umwandlung der eingelerfigen Strecke der Bahn südlich vom Spandauer Bock, die allerdings mit den Geleisen des Hanburger Bahn nicht» zu tbun hat. in eine zwetgeleifige. Mit der Ausführung d s Projekte» märe allen bis jetzt ent» gegenst-henden Hindernissen einer Haltestelle„Spandauer Bock" mit emem Schlage abgeholfen, und die Haltestelle würde bier in gleichrr Höhe mit dem Bock und im Grunewald weit besser angelegt sein, als an der viel tiefer gelegenen Stelle bei Schloß Ruchwald. Z« dem Streik in der Reichidruckerei wird uns nach mitgelheitt, dafl 32 Mann nach 2'/, lägtgem Streik entlaffen worven find. Die Leute waren 8 Jahre in der Reichtdruckerei beschäftigt gewesen, fie hatten die Arbeit niedergelegt, weil fie bei einem Lohn von M. 10 20 nicht besteben konnten. Nach der Beseittguna der Rinnsteine in den der Ka- nalisaiion bereits angeschlossenen Et-äsen Berlins kommt es, wie die„Allg. Fahrztg." bemerkt, HLufiz vor, daß fich die Kinder auf die Bordschwelle setzen und die Jiiße auf daS Pflaster oder auf den glatten ASvbalt stellen. ES kann aber dadurch leicht ein Unglück durch Ueberfahren eintreten, wie der nachstihende Fall beweist: Am 3 d. M. hatte fich ein kleiner Knabe in der Kommandantenstraße einen solchen Platz auSge» sucht. Derselbe saß und spielte, achtete aber nicht auf die her- antommende Droschke 1. Klaffe. Der Führer derselben mußte vor anderen Fuhrwerken ausweichen und kam dabei so nahe an die Bordschwelle, daß beide Räder über die Füße deS Knaben gingen. DaS genannte Blatt richtet mit Recht(?) an die Eltern und Lehrer die Mahnung, auf ihre Kinder mehr zu achten, damtt derartige schlimme Fälle vermieden werden. — Wenn nun auch„genannte» Blatt" gleich so gütig wäre, und die Mittel angeben möchte, auf welche W-ise fich Eltern, die vielleicht während deS ganzen Tages fich in einer Fabrik oder sonstwo auf Brodcrwerd außerhalb der Wohnung be» finden, um ihre Kinder kümmern können. Das wäre Keffer als die altkluge Mahnung von der Beausstchtigung. Kinder von reiten Leuten werden nämlich nur in den allersettensten Fällen überfahren. ci. Eine der berühmtesten Kneipen, die sogar durch daS Lied verherrlicht worden ist, ist entschieden der„schwarze Walfisch zu Askalon". Sie zeichnete sich bekanntlich nicht nur durch einen besonders groben Hausknecht, der jeden Gast, auch wenn er sonst noch so gemüthlich war, sofort in unsanftester Weise vor die Thüre befördert«, wenn er seine Zahlungsfähig- keit nicht durch den Besttz von klingender Münze nachwies, sondern auch durch äußerst primitive Geräthschaften auS. Rech« nungen wurden dort nur auf Ziegelsteinen präsentirt, und wenn der bewußte Hausknecht auch zugleich mit dem Einziehen von Beträgen betraut war, so wurde ihm seine Arbeit deS DreinschlagenS in ganz erheblicher Weise durch die zierlichen Rechnungsformulare erleichtert. Auch in Berlin scheint man immer mehr zu diesem Ideal einei Restaurants zurückkehren zu wollen. Wir lesen nämlich in verschiedenen Blättern, daß ein spekulativer Wirtb hier auf die seltsame Idee verfallen ist, ein Restaurant& la Kamerun einzurichten. Es wird nicht lange dauern und die Berliner Spießbürger werden, mit der Kiicgskeult bewaffnet, nach diesem Eldorado patriotischer Begeisterung wallfahren; vielleicht legt man auch, um in dieser ,KameruN'Faktorei" gemüthlich kneipen zu können, die Landes- stacht jener Gegenden an, die, nach den Berichten eines weitgereisten BernauerS, an denen gar nicht zu„tippen" ist, bei den Königen der dortigen gesegneten Länder in einem ringe« stiebenm Zylinder und einem Hühneraugenpflaster bestehen soll, während fich die gewöhnlichen Landeßkinder nur mit letzterem Bekleidungsstück begnügen müffen. Wer kann denn wiffrn, wie weit die Benücktheit eigentlich geht! Indessen find wir Berliner immer noch wahre Waisenkinder gegen unsere Spandau« Nach« barSleute. Dort bat man, wie wir einem Spandauer Blatte entnehmen, eine Restauration etablirt, die den geschmackvollen Namen„Zur Räubeihöhle" führen soll. Hoffentlich wird dieses Lokal von den Einwohnern der„Millionenstadt" Spandau recht eifrig besucht, vielleicht statten sogar einmal die Bnliner Ka« meruner den Spandau« Räubern einen Besuch ab.„Sage mir, wohin Du gehst, und ich will Dir sagen, w« Du bist!" Einen werthvollen Fund machte am vergangenen Sonntag der Arbeit« Görn zu Sternfelde bei Spandau. Der- selbe war mit zwei andern Männern in dortiger Gegend spa« zieren gegangen und hatte fich, um zu ruhen, auf die Erde niedergesetzt. Plötzlich sah« aus dem Sande etwas hervor« glänzen. Bei weiterem Nachforschen förderte er zunächst ein Goldstück und bald im Ganzen 21 zu Tage, die nicht weit unter der Obnfläche zerstreut lagen. Es waren doppelte FriedrichSd'orS auS dem Jahre 1767. Die.Prägung war noch gut erhalten. Schöne Aussichten. Wir warnen, die Pelze und warmen Neberzieher schon j-tzi außer Dienst zu stellen. Man kündigt uns noch böse Tage an. Aui Süddeutschland wird üb« be« deutende Abkühlung, auS München sogar Schneefall berichtet; ebenso fanden in der Schweiz und im Hochgebirge sehr ergie« bige Schneefälle statt. Nach den neuesten Depeschen hat fich über der Adria, dem Mittelmeer, wie dem größten Theil Jta« liens unruhiges, trübeS, regnerisches, auch wesentlich kühlereS Wetter eingestellt. Auch tür unsere Gegenden find stärkere nordwestliche Winde mit Niederschlägen(Regen und Schnee) bei empfindlicher Abkühlung ehestens zu erwarten.— Die armen Antisemiten, welche jeyt den Winterp-Ietot versetzt haben, daS wird ein Heulen und Zähnellappern sein! Gerichts-Zeitung. o. k. Der Raubmord in Moabit vor dem Schwur» gericht. Dritt« Tag der Verhandlung. Der Andrang des Publikums steigert fich von Tag zu Tag. Gegen 9'/« Uhr Vormittags«öffnet der Prästdent, Land« gerichtsdirekwr Müller, wiederum die Sitzung. ES erscheint zunächst alS Zeuge Hausdiener Hintze: Ich lernte den An« gellagten in der christlichen Herberge zur Heimath, Oranien« stiaße 105, kennen, und zwar war dieS etwa 8 bis 9 Tage vor dem Paepkc'schen Moide. Ich wohnte in der Nähe d« Her« berge und h'.elt mich in Folge dessen am Tage zettweise dort auf.— Präs.: WaS hat Sie in die christliche Hnb-rge ge« führt?— Zeuge: Ich kaufte mir von den dort verkehrenden HandwerkSduifchm einige Sachen.— Präs.: WaS haben denn diese Handw«ltbursch:n zu««kaufen?— Zeuge: Hosen, Strümpfe, Hemden u. s. w.— Präs.: Waren Sie damals in Stellung?— Zeuge: Nein, ich war damals kurze Zeit außer Stel« luna.—Präs.: Sind Sie jetzt wieder in Stellung?— Zeuge: Nein, ich habe seit dieser Zeit feste Stellung nicht mehr gehabt, son« dein nur so zur Auehilfe gearbeitet.— Präs.; Sind Sie schon bestraft?— Zeuge: Einmal wegen versuchter Erpressung und einmal wegen Betteln».— Präs.: Haben Sie mit Kowalski über den Paepke'schen Mord gesprochen?— Zeuge: Nachdem ich von dem Morde gelesen, sagt, ich zu Kowalski: Du hast ja da einen großen Blutflecken am Rock. Kowalski erwiderte: Der ist von einer von mir in Fürstenwalde verübten»örp«. vnletzung.- Präs.: Kennen Sie einen Kellner Kreuzberger? — Zeuge: Ja.— Präs.: Wieso lernten Sie den Kreuzderger kennen?— Zeuge; Ich sprach einmal mit Kowalski über Kreuz« herger. Erster« fast« mir: Kreuzb«ger ist«in Mensch, der in die Welt paßt.— Präs.: Was bedeutet da»?— Zeuge: Ja ich weiß nicht, wa» Kowalski damtt sagen wollte.— Präs.: Ihnen find doch diese Ausdrücke sehr genau be« kannt, sagen Sie nur frei heraus, vaS Sie darunter verstanden?- Zeuge(zögernd): Ich verstand darunter, Kreuzberger ist ein Mensch, den man bei VerÜbung von Ein- brüchm denutzen kann.— Präs.: Hat der Angeklagte Sie nicht aufgefordert, ihm bei V-rüdung von Einbrüchen behilflich zu sein?— Zeuge: Jawohl, vielfach.— Präs.: Nu« erzählen Sie einmal.— Zeuge: Er sragte mich, wo ich in Stellung war, ich erwiderte: ich bin zuletzt in d« Konditorei von Buchholz in d« Fiiedrichstraße gewesen. Ist da nicht etwa» zumachen? fragte Kowalski, ich möchte gern einmal ein Brandgeschäft machen.— Präs.: WaS versteht man uuter Brandgeschäst?— Zeuge(zögernd): DaS ist ein Diebstahl, durch den man so viel profitirt, daß man fich anständig kleiden und eine Zeit- lang gut leben kann.— Pias.: Nun, ist der Einbruch bei Buchholz o«üdt worden?— Zeuge: DaS weiß ich nicht; Kowalski hat mich noch zur Letheiligung von vielen anderen Einbiüchen aufgefordert, ich habe zumeist zuge« sagt, bin ab« zur bestimmten Zeit niemals gekommen.— Präs.: Welche Einbrüche wollte er außerdem««üben?— Zeuge: E nmal wollte er in der RoSmarinstraße einbrechen. Ein anderes Mal«zählte« mir, daß er in der goldenen Hundertzehn in der Leipzignstraße, atSdann wieder bei Binder« mann in der Kochst, aße einbrechen wollte. Dann erzählte« mir wieder einmal, daß er in der Leipzigerstraße einen Schau- kästen ausräumen wollte, od er diese Einbrüche in der That v«übt, kann ich nicht sagen. Bei einem Einbiuch ist«, wie ««zählte, gestört worden. Es soll Jemand aufgewacht und mtt einer Flinte auf ihn losgekommen sein; er sei in Folge dessen g< flüchtet.— Präs.: Sieht denn Kreuzberg« dem Kowalski ähnlich?— Zeuge: Ja.— Präsident: Sicht« ihm zum Verwechseln ähnlich?— Zeuge: Das wohl �gerade nicht, ad« er bat ebenfalls solch eingefallene Bocken und vorstehende Backenknochen wie Ko< walSki.— Präs.: Sie haben den Angeklagt-» vielfach begleitet, find Sie auch einmal mit ihm in Moabit gewesen?— Zeuge: Nein, niemals.— Präs.: Der Angeklagte hat mehrere Diebet« handwerkzeuge beseffen?— Zeuge: Ja, zwei große Eisen.— Der Pi äfident zeigt dem Zeugen die Stemmeiien, die der Zeuge itlognosjirt.— Präs.: Hatte der Angeklagte bloS dese zwei Stemmeisen?— Zeuge: Ja, er sagte aber, er brauche noch mehr Tändelei,« müsse fich noch ein Eisen kaufen, mtt dem man gut knacken kann.— Präs.; WaS verstand man unter „Tändelei" und„knacken"?— Zeuge:„Tändelei" bedeutet Diebeshandwerkzeug und„knacken" bedeutet einbrechen.— Präs.: Haben Sie den Kowalski am 3. November geseben?— Zeuge: Nein, ich sah den Kowalski am 1. und 2. November, am 3., 4. und 5. jedoch nicht. Am O.November Abends traf ich den Kowalski in der christlichen Herberge bei der Adendandaebt. Kowalski sah sehr verstört aus. Ich sagte zu Kowalski: Nun, wie gehl's denn? Kowalski erwiderte: Mir geht es schlecht, ich habe schon mehr«« Nächte nicht ge« schlafen, ich kann gar nicht schlafen, ich habe keine Ruhe. Ich fragte: Wo ist denn Kreuzberger? Der hat fich nach Kamerun anwerben lassen, versetzte«. Ich bemerkte hierauf: Hast Du schon von dem Morde in Moabit gehört? Ja, antwortete er. Weißt Du, die Beschreibung deS muthmaßlichen Mörders paßt ganz auf Kreuzberger, versetzte ich, Ihr seid doch etwa nicht dort gewesen und habt Euch die Hosen zerrissen? I wo, ant« wartete er. Na hört einmal, Ihr scheint da gewesen m sein, wiederholte ich. Gott dewahre, versetzte er. Mir scheint ei aber doch so? Na ja, sei doch schon einmal stille, antwortete « darauf leise. Nachh« wollte« von der Mordsache nicht» mehr wiff n. AlS ich ihm trotzdem wiederholt sagte, Kreuzberg« müsse eS gewesen sein, sagte er: Der ist eS aber nicht gewesen.— Präs.: Nun, Angeklagter, was haben Sie dazu zu sagen?— Angekl.: Ich lernte den Hintze am 25. Oktober o. I. kennen. Da Hintze sehr mttgenommen auS« sah, d. h. in seiner Kleidung sehr reduzirt war, so fragte ich ihn, was er sei. Er bemerkte, er sei Kellner. Ich sagte zu ihm: Du hast wohl schon lange keine Arbeit. Hintze ant« wartete: Arbei« habe ich nicht, ich ernähre mich vom Falsch- spiel. Dies treibe ich in einem Kell« in der JSgeistcaßc. Dann gehe ich auf die„Puppenfahrt", d. h. ich geh: in die öffentlichen Bedürfnißanstalten, versuche dort wohl- habende Herren zur Verübung von unzüchtigen Hand« lungen zu verführen und diese alidann zu prellen. Ich bin deshalb auch einmal wegen««sucht« Erpressung be« straft. Ich sagte zu Hintze: Mit dem Falfchspiel und d« „Puppenfahrt" ist ja doch nichts mehr, wir wollen ein bessneS Geschäft machen. Du könntest mir dabei behilflich sein. Hintze ging darauf ein und erzählte mir: Bei dem Konditor Buch- bolz ist etwaS zu machen. Am 31. Oktober sah ich Kreuzbng«. Dieser war mit Hintze bereits bekannt. Ich sagte zu Hintze, auf Kreuzd«ger deutend: Ist daS ein dufter Jung«? Ja, der ist dust, antwortete Hintze. Na, da können wir ja mit ins Geschäft ziehen, dem«tte ich.— Präs.: Was verstanden Sie unter„dufter Junge"?— Zeuge: Ich verstand darunt«, ob er schon„Knast" gehabt hat, d. h. ob« schon wegen Diebstahl bestraft worden ist und zur Theilnahme an einem Einbrüche zu gebrauchen ist. Ich Hab« hier wed« einen EinbruchSdiebstahl verübt, noch den Hintze dazu aufgefordert. Umgekehrt, Hintze hat mich zur Verübung von Einbrüchen aufgefordert.— Hintze recht beflig erregt: Da» ist eine freche Lüge— Präs.: Sie haben fich ruhig zu verhalten.— Hintze: Sie weiden auch noch ge- fragt werden.— Kowalski fährt fort: Am 6. November Abends fragte mich der Angeklagte: Wo ist denn Kcmzderg«? Der hat fich nach Kamerun anwerben lassen. Ach was, er« widerte«. Nun ja, der ist nach Holland gegangen, er hat fich nach Kamerun anwerben lassen, versetzte ich. Hast Du schon von dem Morde in Moabit gelesen» fragte Hintze weit«, da bist Du wohl mit Kreuzberg« dagewesen, wie habt Ihr denn daS gemacht, habt Ihr Euch dabei die Hosm zerrissen? Du bist wohl verrückt, erwiderte ich. Na, die Beschreibung paßt anz genau auf Euch, ganz besonders auf Kreuzberger, bemerkte intze weiter. Ich bemnkte ihm wieder: Du bist wohl ver« rückt. Hmtze forderte mich ganz direkt auf, mtt ihm bei seinem früheren Prinzipal, Konditor Luchholz in d« Friedrichstraße, einen Einbruch zu verüben. Ich fragte den Hintze: Hast Du Werkzeuge, denn zu einem solchen Einbruch gehören Werkzeuge. Da Hinye verneinte W«kjeugt zu befitzen, so unterblieb d« Einbruch.. Daß ich zu Hintze gesagt: ich brauche„Kanteln", ich müsse ein Werkzeug haben, daS gut„knackt", und daß ich überhaupt DiedeSwerkzeuge besessen, ist Lüge. Hintze bleibt bei seiner Bekundung und bezichtigt den An« geklagten wiednholt der„frechen Lüge". Kowalski beruft fich auf einen Kellner, der zur Zeit in der Taudenstraße in Kon« dition war und in Gemeinschaft mit Hintze ihn(Kowalski) auf« geford«t habe, bei dem Prinzipal des KellnerS einzubrechen.— Kriminal- Polizeiinspektor v. Hüllcffem bekundet: Kreuzberg« ist keineswegs mit dem Angeklagten zu verwechseln. Kreuz- berger machte den Eindruck eine» ganz addretten Kellner», der auch sehr anständig gekleidet ging, der Angeklagte hat dagegen einen etwaS schleppenden Gang.— Dn Angeklagte giebt selbst zu, daß Kreuzberger keineswegs mit ihm zu verwechseln sei.— Tischler Bogsch(augenblicklich in Etrafhast): Ich kenne den Angeklagten schon seit 1883. In der Zeit vom 20. Ottoder bis etwa 10. Novemb« 1885 kam ich mit dem Angeklagten fast alltäglich in der christlichen H«dnge zur Heimath zusammen.— Präs.: Sie wissen doch, daß am 3 November v. I. hier in Moabit eine Frau ermordet worden ist?— Zeuge: Ja.— Wie erfuhren Sic dai?— Zeuge: Ich habe(9 in der Zeitung gelesen.— Präs.: Haben Sie mit Kowalsli über den Mord gesprochen?— Z-uge: Ich erinnere mich nicht.— Präs.: Haben Sie bei dem Angettagten Brech« eisen gesehen?— Zeuge: Ja wohl, ein», das hat er mir ein« mal zum Aufbewahren gegeben.— Präs.: War dieS ein solches Brecheisen?- Zeuge: Ja.— Präs.: Haben Sie dasselbe oft« malS bei dem Anglklagten gesthen?— Zeuge: Ja, er trug eS »umeist bei fich.— Piäf.: Wann gab Ihnen der Angeklagte daS Brecheisen zum Aufbewahren?— Zeuge: Genau w-iß ich«S nicht mehr, ich glaube, ei war am 7. November.— Piäs.: Wo übergab Ihnen Kowalski da» Brecheisen?— Zeuge: In einem Keller.— Präs.: Aus welchem Grunde that er daS?— Zeuge: Er sagte, er wolle fortgehen.- Präs.: Nach einigen Tagen forderte er ei von Ihnen wieder?— Zeuge: Ja.— Präs.: Nun. Angeklagt«, stimmt daS?- Angekl.: Ja. ab« «i&%%%: wahren gegeben hatte.- Präs.: Wie heißt dies« Tischler?- Angell.: DaS weiß ich nicht.— Präs.: Bogsch, haben b noch ein zweite» Brecheisen bei dem Angettagten gesehen>' Zeuge: Nein. Der Angeklagte sagte mir einmal,« bade«* ein zweites Brecheisen oestssen, daS habe er ab« bei VerütA eines Einbruchs eingebüßt. Er sei bei diesem Einbruch* durch gestört worden, indem ein junger Mann mtt einer M auf ihn zukam; er habe deshalb daS Brecheisen im Stich W müffen.— Angekl.: DaS ist nicht wahr, ich habe hier keii* Einbruch begangen.— Präs.: Dieser Zeuge hat doch» unwahrscheinlich nicht das geringste Interesse, Sie zu belli?» Sie haben gehört, daß er nur sehr zögnnd und nur» meine wiederholte eindringliche Ermahnung antwortet.' Angett.: Ich habe keinen Einbruch hier verübt, auch 1» zweites Brecheisen besessen.— Schneidngiselle 3» bestätigt die bekannte Hut- Vcrtauschung»- Affaire.' Oekonom Supprian: Er sei bis zum Juli v. I. Ockono«? wesen, sett dieser Zeit sei er außer Stellung. Er habe■ Angeklagten im Ottober v. I. in der christlichen Herderge I> Heimath durch den Kellner Kreuzberger kennen gelernt.# Tages im Novemb« v. I. sei er des Morgens gegen 8 w mit dem Angeklagten und Kreuzberger in die in der Reinit» doif«straße oelegene Arbeiter-Kolonie gegangen; die bcils letzteren wollten fich dort Arbeit suchen. Von dort seien st' die Neue Friedlichstraße in den Verein zur Bess«ung% lassen« Strafgefangener und alidann in die H«derge gegangen.— Präs.; Zu welcher Zeit war daS?— ZeE Erwa 12V* Uhr Mittags.— Präs.: Ihre früheren 2Iu»W waren ander». Bei Ihrer Vernehmung am 12. November W Sie; Kowalski ist zwischen 3 und 4 Uhr in die Herberge l kommen.— Zeuge: Das ist falsch.— Präs.: Haben? damals die Unwahrheit gesagt?— Zeuge: DaS nicht, st# ist mir die Sache aber klarer.— Präs.: Am 12. Nove» war Ihnen der Vorgang weniger llar als heute?— Die Lernrhmung kam mir damals zu üdnras tend.— Sie find ab« am 23. Novemb« noch einmal und zi rtchtlich vernommen worden. Damals haben Sie gesagt: � Angeklagte ist zwischen 2 und 3 Uhr Nachmittags in die berge gekommen?— Zeuge: Dann habe ich mich da» geirrt, es kann erst halb eins gewesen sein.— Präs.: M Sie, ob der Tag, an dem Sie mit dem Angeklagten und W» berg« in d« Reinickendorferstraße u. s. w. gewesen, der W# Novemb« war?— Zeuge: Das ist möglich, ich weiß e» ß nicht genau.— Der Zeug« bekundet auf weit«eS Befragen# Präfidenten: Er habe, soweit er fich zu erinnern wisse,# dem Angeklagten über den Moabiter Mord nicht gespro» — Auf Befragen des Vtttheidigers bekundet der Zeuge: j habe den Angettagten weder jemals rauchen sehen, noch st er, daß derselbe viel Geld besessen habe.— Hier tritt gtf 12'/, Uhr Mittags eine halbstündige Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung erscheint# Zeuge Kriminalkommissar Weyen: Ich habe den Angekla? am 10. November v. I. verhaftet und auch zu«st vernomst DaS der Angeklagte Einbrüche begangen hatte, war nicht' kannt. Ich bemerke, daß ich speziell mit der Ermittelung' Einbrüchen betraut bin. Etwa 8 Tage nach dem Paepke'i» Morde kam ein Hausdien« Namens Hintze zu mtt inS Bost und sagte, er habe den Mörder, er wisse genau, wer! Mord begangen und wisse auch, wer der Komplize sei. J darf wohl vorausschicken, daß in Berlin drei sogenannte(st# liche Herbergen existiren. Die eine in der Oranienftraße, zweite in der Augustftraße und die dritte am Wedding- diesen Herbergen verkehren zumeist Verbrech«, d. h. nicht schließlich solche Leute, die schon destratt find, aber eine! solch« Leute, die stellungslos und zu jedem Verbrechen!' find. Diese Herbergen werden deshalb auch allti von uns revidirt. Hintze erzählte mir nun: Auf christlichen Herberge in der Oranienftraße««kehre Mensch, den« deS Mord.S für dringend vndächtig r. Ich habe denselben, d-r sehr verstört aussah, gefragt, wo! I fehl«. Er antwortete: Ich habe schon läng«, Zeit n J' � schlafen, ich habe keine Ruhe mehr zum Schlafen. Ich st»" nun den Mann: wo sein Freund, namens Kreuzberger 1% scheint doch, als ob dieser den Mord begangen, die Bei* bung paßt vollständig auf Kreuzberger. Der Mann, der der Herberge der„Danziger" genannt wurde, hat die verneint. AlS ich ihn ad« näh« fragte, gab« zu, daß berg« den Mord begangen und er dabei gewesen sei" verhaftete deshalb— so fuhr der Kriminalkommissar den mtt beschriebenen Mann, den ich sogleich als den lungSgehilfen Kowalski erkannte, den ich 6«eitS im Iah! wegen eine» schweren, in der Frankfutterstraße begai Einbruch« verhaftet hatte. Ich vernahm nun den Mann und bemerkte auf seinem Rock einen großen Blutfleck. Ii zu dem Mann: Hier haben Sie ja einen großen Blutfleck, Sie doch gleich zu. daß Sie der Mörder find. KowalSl widette: Mtt ist'S egal, wie ich eS gesagt. ist'S wahr-, diesem Augenblick sagte Hintze: Herr Kommissar. daS ist# d« richtige, der ist nur dabei gewesen, dn Mörder isi# «w anderer. daS hat mir Kowalski gesagt. Nun sab i« dem Angeklagten ein Brecheisen. Ich sagte zu Kowalski:� Hallunke, da hast Du ja noch die Mordwnkzeuge, macd' tticht weitere Umstände!" EinBcamt« machte die Bem>�. „DaS wird wohl die Kohlrübe kosten." Der Angeklagte/ darauf wörtlich: Mehr wie den Kopf kann's ja nicht% r"— aßie®«ßQnn nun zu zittern und wurde ganz/ im Geficht. Ein solches Benehmen ist bei einem so vf bestraften Menschen gewiß auffallend.- Präsi: Nun, ttagter, was sagen Sie dazu?- Angekl.: Nicht».-. Die Aussage des Herrn Kriminal Kommissar» ist dock f lastend, daß es fich wohl empfehlen dürfte, etwas hierzu»» merken. Sind die Bekundungen deS Herrn Kommissar» Wahrheit mttprechend?- Angett.: Ne.n, daS ist All«» wahr.— Präs.: Hat also der Herr Kommissar h!«# logen?— Angekl.: DaS will ich nicht sagen. Ich ging � ganz ruhig auf da» Kommissariat, da mein Gewissen rein" — Präs.: Nun Herr Kommissar, sagen Sie einmal waS Sie hier bekundet, dem Angeklagten direkt.— fWrü lommissar Weien(zum Angettagten): Habe ich Ihnen gesagt: Du Hallunke, da hast Du ja den großen �lulfl�S die Mordweitzeuge. Du bist der Mörder?— Angell-v' sag'-en: alter Freund, wir kennen uns ja auch.(Heiterl�, Auditorium).— Kriminalkommissar Weien: Da einer � Beamten sagte: DaS wird wohl die Kohlrübe kosten,]f mntten Sie:„Mir ist Alles egal, es kann nicht mehr 0% K°pf kosten." Sie sagten noch: Die Werkzeuge drfitzt�S seit drei Tagen. Hintze sagte Ihnen jedoch sogleich:% Du ja schon vor einigen Wochen gehabt.- Angett.: � Alle» nicht wahr.— Präs.: Herr Kommissar, haben den Angeklagten über seinen Aufenthalt am 3. Nooew� fragt?- Zeuge: Ich habe deshalb mit dem Angeklagt«" l'/fftünbiges Verhör angestellt. Der Angeklagte Wfri{( « sei mit Kreuzbng er und Suppttan in die in der Öorfrftraje belegene Arbetterkolonie und alsdann in-.pf «rrn Kriminalkommissar nicht zu Protokoll gegeben?«jl' 4 bin bei Herrn Kommissar Weyen überhaupt nicht vernommen worden.- Präs.: Nun. das können 0�.' doch beweisen. Haben Sie dies Protokoll urt-rschri«°�� ÄfrLi; lf 1 N s Mtben, daß Sie von Herrn Kriminalkommissar 9 Protokoll vernommen worden find?- Angeklagter — D« Kiiminaikommissar Weyen bekundet im Weit««"' I habe auf dem Rock des Arikellagten einen alien und einen frischen Blutfleck gesehen. Hausdiener Hintze bestätigt im Wesentlieben die Belun« düngen des Kriminal- Kommiffars.— Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Richard Wolff: Herr Kommissar, wenn hier bewiesen wird, daß die angeblichen Blutflecken überhaupt keine Blut- flecken und daß mit den bei dem Angeklagten vorgefundenen Werkzeugen der Mord nicht ausgeführt sein kann, würden Sie alsdann den Angeklagten noch für den Mörder halten?— Zeuge: Diele Frage kann ich nicht ohne Weitere? beant- warten.— Präs.: Wenn Eie auf dieser Frage beharren, Herr Vertheidiger, dann werden wir, unter Vertagung der Sache, die vorgesetzte Behörde des Heim Zeugen fragen müssen, ob letzterer befugt ist, diese Frage zu beantworten. So ohne Weiteres kann der Herr Kommiffar eine Fraae von solcher Tragweite nicht beantworten.— Vertheidiger: Ich be> halte mir einen solchen Antrag vor.— Kriminal> Polizei Fw spektor v. Hülleffem: Ich habe die Blutflecke auf dem Rocke des Kowalski gesehen und mir schien es auch so, als waren einzelne frisch gewesen, als Richtsachverstän- mger kann man daS ja aber nicht mit Be> stimmtbeit sagen. Ich habe zunächst den Kowalski über seinen Aufenthalt am 3. Rovember zu Protokoll vernommen. Kowalski sagte mir, er sei zunächst mit Kreuzberger und Eupvrian in d-r Arbeit«,-Kolonie und attdann im Büreau deS Vereins zur Besserung entlassener Strafgefangener gewesen. Alsdann sei er in eine in der Lindenstraße belegene Volksküche gegangen. Nachmittags sei er mit dem Kellner Kogel in ver- schiedenen Kasss und Hotels gewesen. Ich vernahm alsdann den Kogel und dieser bekundete mir mit vollster Bestimmtheit. unter genauer Angabe von fich als wahr erwiesenen Daten, daß er nicht am 3. sondern am 4. November mit KowalSk in dm verschiedenen Kafs'S und Hotels gewesen. Ich hiett dieS dem Kowalski vor, dieser blieb jedoch bei seiner Behauptung, daß es am 3. November gewesen ist.— Präs.: Nun, Angeklagter, was sagen Sie dazu?- Angekl.: Ich bleibe dabei, daß eS am 3. November gewesen ist.— Präs.: Wenn nun aber Kogel hier auftreten und bekunden wird, daß es am 4. November gewesen ist?- Angekl.: Es ist richtig, ich bin auch am 4. November mit Kogel zusammen gewesen, am drit- im aber auch.— Präs.: DaS sagen Sie nun jetzt zum ersten Male; weshalb haben Sie das bisher nicht gesagt. Bis jetzt haben Sie hartnäckig geleugnet, am Nachmittage deS 4. November mit Kogel zusammen gewesen zu sein?— Angekl.: Am 4. November war ich auch mit Kogel nur Vormittags zu« sammen.— Präs.: Geben Eie nun zu. am 4. November mit Kogel in den verschiedenen Hotels und CaseS gewesen zu sein? — Angekl.: Nein, daS ist Nachmittags den 3. November ge- wesen. Stadt-PhystkuS, Geh. Medizinalrath Dr. Wolff: Ich habe den Rock deS Angeklagt-n untersucht. Es ist eine alte Er- fahrung. daß frisches Blut fich sehr leicht löst. Das Blut an dem Rocke des Angeklagten löste fick jedoch sehr schwer» so drß anzunehmen war, daß daS r* cruS dem Paepke'schen Morde herrührte. Herr Geheimrath Limann hatte die Güte, von dem Blute. daS k" dem Hemde ver ermordeten Frau Paepke gefunden, ein Stück schwarzes Tuch zu tränkm. Dieses Blut löste fich sehr bald. Dagegen imprägnirten wir ein schwarzes Tuch mit frischem Blut und ließen da» Tuch bügeln. Wir machten alSdann die eigenthümliche Entdeckung, daß dai Blut fich sehr schwer löste. Durch diese unsere Beobachtung gelangten wir iu der Annahme, daß das vorgefundene Blut wohl aus der m Monat Februar v. I. von dem Angeklagten verübten Körperverletzung Herrübren könne.— Sladtphyfikus, Geheimer Medizinalrath Prof. Dr. Limann tritt diesem Gutachten bei. Nach unseren Untersuchungen kann daS in dem Rocke des An- geklazten vorgefundene Blut nicht von dem Paepke'schen Morde herrühren.— Präs.: Vorausgesetzt, daß der Rock nach dem 3. November nicht gebügelt worden ist? — Sachverständiger: Jawohl. Zu bemerken ist hierbei, daß in Folge der schlechten Plazirung der Berichlerstatter die Aussagen der Sachverständigen kaum verständlich find. mithin die Berichterstattung über diesen wichtigen Punkt nicht nschöofend sein kann. Poltzeiagent Vogel, der bei der Vernehmung deS Kowalski zugegen gewesen, bestäiigt im Wesentlichen die Bekundungen des Kriminalkommissar Weyen.— Auf Befragen des Präfi. denten bemerkt der Angeklagte: Es sei möglich, daß ein Be- amter gesagt: daS wird wohl die Kohlrübe kosten, was er darauf geantwortet, wisse er nicht mehr.— Polizeisekretär Kappenstädter bestätigt ebenfalls die Bekundung deS Kriminal- kommiffar Weyen. Arbeiter Glöbel: Er erinnere fich sehr genau, daß er am 3. Novkmber Nachmittags mit Kreuzberger, nicht aber mit Kowalski zusammen gewesen sei.— Der Angeklagte bleibt bei seiner Behauptung, daß er am Nachmittage des 3. November auch mit Kreuzberger zusammen gewesen sei.— Der Prästdent kheilt nun mit, daß die alS Zeugen geladenen Kellner Kreuz- berger und Kogel und der Gärtner Jahn nicht erschienen find. — Staatsanwalt: Ich beantrage, die gerichtliche Vernehmung dieser Zeugen zu verlesen.— Verth.: Ich kann auf diese Zeugen nicht verzichten, ich beantrage daher, die Verhandlung eventuell zu vertagen.— Präs.: Die Zeugen find nicht zu ermitteln, Herr Vertheidiger, Kreuzberger ist nach langem Umhersuchen in Duderstadt verhaftet und dort gerichtlich zu Protokoll vernommen worden. Da gegen denselben nichts weiter vorlag, so ist dieser selbstverständlich wieder entlassen worden. Er ist nun unterm 19. März d. I. in den Polizeiblättern und den zumeist gelesenen Zeitungen zu der gegenwärtigen Verhandlung als Zeuge geladen worden.— Klinflnal. Polizei- Inspektor v. Hülleffem: Die Nachforschungen o L"J*"" Polizei haben ergeben, daß Kreuzberger in Duder- * jAagt; er wolle nach Holland gehen.— Verth.: Jeden- falls ist feit dem 19. Mär, nach dem Aufenthalte des Kreuz- derger leine Ermittelung mehr angestellt worden. Kreuzberger ein iu wichtiger Zeuge, als daß ich dem Angeklagten zu- muthcn konnte, auf denselben zu verzichten.— Ich beantrage also, bei dem hiesigen Polizeipräfivium anzufragen, ob dem- selben der Aufenthalt Kreuzdergers bekannt ist; eventuell be- antrage ich, das Poltzeiprästdium zu ersuchen, den Aufenthalt de» Kreuzberger zu ermitteln.- Der Gerichtshof beschließt noch längerer Berathung, bei dem Einwohner- Meideamt sofort anzu- fragen, ob Kreuzberger in Berlin ist, oder od demselben sein Auf- enthalt bekannt, bezw. welche Ermittelungen über den Aufenthalt desselben angestellt worden find.— Kriminal-Poltzei-Jnspektor o- Hülleffem wird mit der sofortigen Ausführung diese» Be- WwffeS deauftragt.— DerPrästdent verlieft hierauf die kommiffa- ?lcheBernehmuna des GärtnerJahn. Derselbe, der sich in Großen- Z�"®"fh°lt, bestätigt die bekannte HutauStausch Geschichte und Kowalski hat mich auch zur Betheiliguna an einem �fn� ��lordert, daS, wenn ich nicht irre, in Moabit auS- »ÄföMe. Ob das Geschäft bei einer Frau oder Ä»ÄÄ Ä ff. antchtllche Aussage deS nicht zu ermittelnden KellnerS Kogel fflV' Danwch hat dieser bekundet: Er wisse sehr genau, 1*"tcht zusammen gewesen. Kowalski, den mein�, Frage, weshalb er so häufig schlafe, antwortete er, er habe schon seit einiger Zeit keine Schlafstelle mehr. Ich sagte zu ihm, er solle doch seinen Rock versetzen; Kowalski ant« wartete: der Rock ifi zum Versetzen zu schlecht; ich konnte diese Meinung nicht theilen. EineS Tages kam Kowalski mit einem furchtbar schlechten Hut an. Ich fragte den K., wo er seinen Hut gelassen. K. erwiderte, er habe den Hut für 50 Pf. eingetauscht. Am anderen Tage hatte K. einen sehr hübschen schwanen Hut. Auf meine Frage gab er an, daß er denselben für 50 Pf. gekauft habe. Auf mein Ersuchen, mir diese billige Quelle zu nennen, schwieg Kowalski.— Präs.: Nun, Angeklagter, waS haben Sie dazu zu sagen? Der Zeuge behauptet mit vollster Bestimmtheit, daß er Eie am 4. November überhaupt erst kennen gelernt habe.— Gasthosbefitzer Hamann, Kriminalschutzmann Mischke und Gr- schästSsührer Raspe bestätigen die Bekundungen deS Kogel.— Vertheidiger: Ich muß zu meinem B-dauern an dm Zeugen, Geheimsekretär Paepke, eine Frage richtm.— Präs.: Ich bitte sehr.— Verlh.: Herr Paepke, am 4. November soll Frau Mex zu Ihnen gesagt haben: Es ist doch schrecklich, daß Ihre Frau m dieser Weise zuaerichtet worden ist. Darauf sollen Sie ge» antwortet haben: Das wäre doch so gekommen, wenn eS nicht am Dienstag geschehen wäre, dann wäre es vielleicht 2 Tage später pasfirt.«Große Bewegung im Auditorium.)— Zeuge: Soll mich Gott bewahren, davon weiß ich nichts.— Frau M«x: Nicht am 4.. sondern am 5. November, Nachmittags, sagte ich zu Herrn Paepke, der junge Herr Paepke war auch zugegen: Sagen Sie bloZ, Herr Paepke, wer konnte lo ein Herz haben und Ihre Frau so zurichten? Herr Paepke sagte: Frau Mex, daS war ein Racheakt; wenn fich jetzt die Gelegenheit dazu nicht geboten hätte, dann wäre eS etwas später gekommen.— Gebeimsekretär Paepke: Herr Prästdent, ich war anfänglich der Meinung, daß eS ein Racheakt gewesen, auS diesem Grunde habe ich vielleicht von Rache gesprochen, das was die Zeugin hier bekundet, habe ich jeden- fall» nicht gesagt.— Frau Mex bleibt bei ihrer Behauptung. — Stellenvermittlerin Huder: Der Angeklagte ist Ende Oktober v. I. bei mir gewesen, hat mich, obwohl ich nur einen Nachweis für weibliche Dienstboten habe, um Vermittelung einer Stellung gebeten und fich dabei so auffallend benommen, daß ich defürchrete, er wollte einen Raubanfall gegen mich bestreitet, bei der Zeugin gewesen er Kowalski verüben.— zu sein. Nach einer längeren Pause wird die Sitzung wieder er- öffnet. Der Prästdent theilt mit: Die Auskunft deS Einwohner- Meldeamts lautet: Der Kellner Kreuzberger hat bis zum 5. Novemher 1885 in der Neuen Friedrichstr. 9 bei Müller gewohnt und ist sein jetziger Aufenthatt nicht bekannt. Diese Auskunft genügt dem Gerichtshof nicht, da der Zeuge Kreuz- berger unlängst in Duderstadt gewesen, so hat der Gerichtshof telegraphisch hei der Polizeibehörde in Duderstadt angefragt, ob fich Kreuzberger in Duderstadt befinde oder od die dortige Polizeibehörde wisse, wo er fich aufhalte. Inzwischen hat der Ge- richtihof auch bei dem hiefigen Polizei Präfidium angefragt. Dies hat festgestellt, daß Kreuzderger im Monat Februar in Löningen eine zweitägige Haftstrafe verbüßt hat. Der Gerichtshof hat deshalb auch an die Polizeibehörde in Zöningen und ferner an die Polizeibehörden in Elding und Köln telegraphirt. Elbing ist der HeimathSort des Kreuzberger und Köln ist die- jentge Stadt, durch die er vermuthlich seinen Weg genommen, wenn er nach Gollau» gehen wollte. Eine Antwort ist auf alle diese Anfragen bis jetzt jedoch nicht eingegangen. Ich frage die Herren Geschworenen, od Sic nun eine Vertagung der Sache bis morgen wünschen. Eventuell müßten wir eine Pause von etwa einer Stunde machen, bis die Antworten eintreffen. — Die Geschworenen ertlären fich für die Vertagung und wird sonach die Sitzung gegen 7V« Uhr Abends auf morgen (Donnerstag) Vormittags 9 Uhr vertagt. f Von der Hartnäckigkeit, mit der in gewissen Fällen ein Rechtsstreit von der Behörde auSgefochtcn wird, legte ein Fall Zeugniß ab, der gestern vor der BerufungSkammer des Landgerichts zur Verhandlung kam. ES handelte fich um eine materiell sehr unbedeutende Angelegenheit, um einen Straf- befehl über 5 Mark, gegen den der Betroffene Widerspruch er- hoben hat und der durch alle Instanzen— bis zum Kammer- gericht— durchgeführt worden bst. Am 26. Juni v. I. fand in Rudersdorf bei dem Gastwirth F. ein Tanzvergnügen statt. Bald nach Beginn fand fich ein Gendarm ein, der bei seiner Reviston zwei schulpflichtige Knaben entdeckte, die auf einer Bank saßen. Nach seiner Angabe entfernten fich die Knaben augenblicklich, nachdem fit ihn bemerkten. Gastwirth F. er- hielt daraufhin seitens der Polizeibehörde eine Strafe von fünf Mark zudiktirt. denn nach einer Ver- fügung darf der Wirth schulpflichtige Knaben und Lehrlinge zu öffentlichen Tanzlustbarkeiten nicht zulassen. F. erhob Widerspruch, und eS wurde festgestellt, daß die beiden Knaben nur von dem Gendarmen gesehen worden seien. Der Kon- troleur de» Wirthes verficherte eidlich, taß er Knaben durch den Haupteingang zum Tanzlokal nicht habe hineinkommen sehen. Es blieb nur die Möglichkeit übrrg, daß die beiden Neugierigen, um die Mysterien de» TanzeS zu schauen, durch die nach dem Hofe führende Thür fich eingeschlichen hätten. Diese Thatsache wurde auch durch die BerufungSkammer de! Landgerichts, an welche daS Kammergericht die Sache zur noch- maligen Verhandlung überwiesen hatte, lediglich wiederholt festgestellt. Das Urtheil lautete daher auch auf Freisprechung des Gastwirths.— Wie hoch mögen fich die Kosten dieses Rechtsstreites helaufen? Fahrlässige Gefährdung eine» Eisenbahntrausporte». Der Stationsvorsteher Bock und der Lokomotivführer Hermann waren wegen diese» Vergehens angeklagt, aber vom Land- gerichte in Lübeck am 4. Februar freigesprochen. Auf die Re- vifion deS Staatsanwaltes hob der Iii. Strafsenat deS Reichs- gerichtS vom 8. April das Urlheil auf und verwies die Sache an daS Landgericht in Oldenburg zurück. Die Gründe lau- teten: E» liegen erhebliche Bedenken vor, daß daS Gericht mft Rückstcht auf die obwaltenden zufälligen Umstände den Begriff der Gefährdung zu eng aufgefaßt und diese zufälligen Umstände bei der Beurthetlung nicht entsprechend gewür- dizt hat. In der Jhring-Mahlow'sche« Angelegenheit findet die erste öffentliche Gerichtsverhandlung am 19. d. M. statt, und zwar handelt es fich in derselben um die Urgirung ver an dem Kriminalschutzmann Jbring in einer Versammlung deS ArbeiterdezirkSvereinS de» Osten» nach seiner Entlarvung ge- übten Lynchjustiz. AlS einer der Männer, welche fich an dem Jhring vergriffen haben, ist von letzterem der Tischlergeselle Bodkicwicz bezeichnet und gegen diesen ist denn auch die An klage wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung er- oben. Der Vertheidiger desselben, Rechtsanwalt Freudenthal, at bereit? in dieser Sache eine Anzahl Zeugen zum Nachweise seiner Behauptung geladen, daß Jhring seine näheren Be« kannten aus dem Verein zur Begehung von Gewallhandlungen aufzureizen versucht hat. Der neue Termin in der sensationellen Brillant« tanbenaffäre ist bereits zum 20. d. M. anberaumt worden. Man wünscht nämlich in den maßgebenden Kreisen«ine be schleunigte Erledigung dieser Sache. t Kohlendiebstahl auf dem Güterbahnhofe der Echlestschen Eisenbahn. In der Frühe des 17. Dezember v. I. traf der Portier B. auf seinem Patrouillengange einen Mann an, der im Begriff war, mit einem großen Siück Kohle im Gewicht von 40 Pfd. daS Weite jit suchen. Er setzte ihm nach und hätte ihn gefaßt, wenn nicht der Dieb daS Stück gegen ibn geschleudert, so daß er an die Brust getroffen hinfiel. Als Thäter wurde später ein gewisser Ulrich ermittelt, der fich deS- Haid gestern vor der St-askammer de» Landgerichts zu ver- antworten hatte. Seine AuSrede, daß er daS Kohlcnstück nur auf der Flucht habe fallen lassen, fand keinen Glauben und so wurde er— U. ist mehrfach vorbestraft— wegen Diebstahls und weil er einem mit der Vollstreckung von Befehlen der Verwaltungsbehörde betrauten Beamten in seinem Amte Widerstand geleistet habe, zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt, von denen ein Monat als durch die Untersuchungshaft ver- büßt betrachtet wurde._ Vereine rntfc Versammlungen- * Da» neue Abcsystem, oder: Wie ist e» möglich» eine„Verlretung" der Berliner Maurergesellenschaft„heyu« stellen", die nach der Pfeife der Herren Meister tanzt? Mit diesem Problem beschäfligie fich die Versammlung der Bau» gcschäftSinhaber, die am Dienstag Vormittag bei Buggenhagen stattfand, löste eS aber, wie wir im voraus bemerken wollen, nur in der Theorie und auch da nur sehr unvollkommen. Das Problem ist eben, soweit wir die Berliner Maurergesellen kennen, einfach unlöslich, und deshalb müssen diese krampf- basten Versuche der Meister, um das Schlimme, die gerechten Forderungen der Arbeiter zu bewilligen, herumzukommen, selbst dem verbissensten Melancholiker ein Lächeln adnöthigen. In dieser Versammlung war eS der Maurermeister Jaenicke» der als Referent fich produzirte und verficherte, endlich ein Wundermittel gegen die störrigen Gesellen gefunden zu haben. „Berichterstattung der beiden am 4. Februar d. I. eingesttzfrn Lohnkommisfionen der Inhaber Berliner Baugeschäfte" und „Welche Schritte find zu thun, um einem etwaigen Streik der Bauarbeiter wirksam zu begegnen?" stand auf der TageSord« nung. Die bisherigen Versammlungen der Maurergesellen, sagte nun Herr Jaenicke, zeigen deutlich, daß man unS das Messer an die Kehle setzen will. Wir müssen deshalb alle einig sein im Kampfe gegen fie. Mit ih-er Lohnkommisfion können wir nicht verhandeln, denn ihre Mitglieder gehören dem ftt Fachverein an und find berufsmäßige Agitatoren. (Schrecklich, schrecklich Herr Jaenicke!) Nicht die„irre- geleiteten Maurer, welche in ihrer Blindheit diese Lohnksm« misfion gewählt haben, können für unS maßgebend sein, son- dein nur die große Allgemeinheit, welche ihre Vertreter dirett wählen muß!"(So demokratisch, Herr Jaenicke?!) Dieses Wahlrecht muß aber folgendermaßen gehandhabt werden(Aha! Herr Jaenicke): Die Mitglieder aller Bauhandwerker- Kran» kenkassen in Berlin wählen dem Alphabet nach, und zwar so, daß zunächst beispielsweise die Maurer, deren Namen mit den Buchstaben A. bis F. beginnen, zusammen auf je 100 Personen 1 Vertreter wählen, dann in einer anderen Versammlung die Maurer mit Namen von G- bis 35., dann von N. bis S. und schließlich von T. bis Z. 15 000 Maurer find in Berlin; wir würden also mit einer Kommisfion von 150 Mitgliedern zu verhandeln haben, und nicht wie bisher mit den 21 Fachver« elnsmitgliedern, die in fich einig und geschlossen find und welche die dem Arbeit(akd)er so vortheilhafte Akkordarbeit ver- dämmen. Mit 150 Mann läßt fich schon eher ein Wörtchen sprechen!— Nachdem Herr Jaenicke diesen genialen Plan ent- hüllt hatte, brach er ab und bat die Versammlung, jetzt die Lohnkommisfion der Maurergesellen, die vorn im Lokal be« wacht wurde und auS den Herren Behrend, Wilke und Bock bestand, zuzulassen, um auS dem Munde der Gesellen zu hören, wie fi« fich zu den Meistern stellen wolle. Dieser Vorschlag rief ein kleines Gefecht von GeschäftSordnunaSreden her« vor, die alle dahin gingen, erst die Herren Meister ausreden und ihre Gedanken(?) entwickeln zu lassen und dann erst den Gesellen den Eintritt zu erlauben. Diese Anficht drang fiegreich durch, denn Herr Fränkel stellte die KabinetSfraae: er drohte den Saal zu verlassen, wenn der An- trag abgelehnt werde; er halte eS unter seiner Würde, mit den Gesillen zu dtskutiren I Es sprachen also zuerst die Meister. Nachdem einige von ihnen sehr unverständlich und wirr, jedoch im Sinne deS Referenten fich geäußert halten, kam nun der Augenblick, wo die Maurergesellen-Kommisfion eintrat. FlugS entstand eine gewaltige Unruhe. Die Herren Behrend und Wtlkc ließen fich jedoch nicht stören. Sic berichteten ruhig, daß die alte 21er Kommisston ihr Amt niedergelegt babe, jedoch von mehr als 7500 Maurer in drei gleichzeitigen Versammlungen. in der Tonhalle— auf Tivoli— und bei Busse wiederge« wählt worden sei. Dieser glänzende Beweis für das uner» schütterliche Vertrauen und die stcgreiche Einigleit der Berliner Maurer gebe der Kommisston die Zuoerflcht, die legitime Ver» tretung der Bauhandwerker zu sein. Sie werde nach wie vor gegen die Unternehmer die Interessen der Arbeiter vertreten Herr Jaenicke mit einigem Geräusch von neuem auf die Bühne und �entwickelte seine«nfichten über Akkordarbeit. Er verwies dabei hauptsächlich auf die er Putzer, die bis in den Himmel erhob und die er als die eigentlichen. richtigen und tüchtigen Maurer bezeichnete. Der Beifall, der diesen Worten folgte, war nicht gering.— Inzwischen war aber den Zimmermeistem, die bisher noch gar nicht zum Wort gekommen waren, der Geduldsfaden gerissen und Herr Selle fragte empört, weshalb man fich fortwährend mit den Maurer» gesellen beschäftige und ibnen nicht sage. waS fie mit ih en immergesellen anfangen sollten!— Herr Jaenicke antwortete mit der ruhigen Sicherheit de» Erfinders, daß das patente Abcsystem auch bei den Zimmergesellen angewendet werden müsse. Nun wußte eS Herr Seile und war beruhigt. Dann ertheilte Herr Biedert noch einige gute Rathschläge und wünschte fromm, daß bei den Wahloersammlungen der Ge- sellen die Meister den Vorfitz führen müßten, und daß die„Agitatoren" nicht das Wort erhalten dürften, um ihre VerführungSkünste loszulassen.— Heber diese Reden war die Zeit vorgerückt und die Meister sehnten fich nach ihrem arm« seligen Mittagbrote. Die große Majorität der Hungrigen nahm daher einen Antrag auf Schluß der DiSkusfion an. Rasch beschloß man noch, in den nächsten Tagen eine außer- ordentliche Versammlung der Inhaber von Baugeschäften einzuberufen und eine Kommisfion von 6 Maurer- und 5 Zimmer« meistern zu bestätigen, die da» Abc-System prüfen soll; dann war d-r Zauber zu Ende.- Die Sitzungen dieser Kommisfion finden, wie wir auS ficherer Quelle erfahren, in Schilda statt. 7% bee öffentlichen Volksversammlung, welche am Montag Abend im Saale der Habel'lchen Brauerei, Bergmann« straße 5— 7, stattfand, sprach der ReichStagSabgeordnete Herr Singer über:„Die gegenwärtige sozialpolirtsche Lage und die Thätigkeit des Reichstags". Trotzdem die Versammlung nicht durch Säulenanschlag bekannt gemacht wurde, war dieselbe doch gut besucht. Herr Singer führte etwa folgendes aus:„Wenn man fich die gegenwärtige Zusammensetzung deS Reichstages betrachte, so könne man nicht auf die Erfüllung der Wünsche und Forderungen deS werlthättgen Volles rechnen. Konser« vative und Zentrum reden vor dm Wahlen viel von ihrer Ardelterfreundlichkeit, doch in der Praxis sehe man nicht» alS den Jnteressenkampf aller Parteien. So sei daS Arbciterschutz- gesetz in der vorigen Sesfion gar wenig berückstchtigt worden, da man die Zeit für Erlaß von Schutzzöllen und auf die Kolo- nialpolttll verwendet habe. Durch die Schutz-ölle würden die Großgrundbefitzer fich auf Kosten des ganzen Volkes, welchem man die Lebenimsttel vertheuere, bereichern. Die Kolonialpolitik sei zu verwerfen, indem man den Zweck, neue Absatzgebiete zu schaffen, nickt erreiche. Man solle erst den deutschen Arbeiter konsumtionSfähiger machen und im eigenen Lande kolontfiren; eS seien noch große Strecken in Deutschland unbebaut, welche der Kolonistrung bedürftiger find, als die Fieber- gegmden in Kamerun. Wenn man hier kolonistre, schaff« man nicht nur neue Absatzgebiete für unsere Industrie, sondern man schaffe auch lohnende Arbeit für die arbeitslosen Arbeiter. So sei der Nordostsee-Kanal ein derartige» Projekt, welchem die sozialdemokratische Fraktion einstimmig ihre Zustimmung ge» Stb«n habe.— Weiter kommt Redner auf die Dampfersub« vention zu sprechen, über welche in seiner Fraltion allerdings verschiedene Meinungen geherrscht haben. Die eine Richtung sei der Meinung gewesen, vah beim Bau der Schiffe viele Ar» beiter lohnende Beschäftigung finden würden. Doch wenn man glaubte, diese Meinungsdifferenzen würden zu einer Spaltung innerhalb der sozialistischen Partei führen, so habe man fich gründlich geint, indem die ganze Fraltion schließlich einstimmig gegen die ganze Vorlage stimmte, va die Forderung, alle Schiffe auf deutschen Werften neu zu buuen, nicht«füllt wurde. Referent ist der Meinung, daß die ganzen Verhand- lungen im Parlament immer mehr zum Jntereffenkampf aus- arten. Man habe bei der Zollgesetzgebung, wo man dem Ar- beiter Brod, Fleisch, wie seine ganzen nothwendigen Lebens- dedürfniff« vertheuert habe, denselben damit vertröstet, daß da- durch die Löhne steigen würden. Davon sei nun freilich nichts zu spüren, sondern das Gegentheil sei der Fall. Er sei der Meinung, daß weder Schutzzoll noch Freihandel im Stande seien, die Lage deS arbeitenden Volles zu heben» dies sei einzig und allein möglich durch soziale Reformen, wie fie die Soztaldemo kraten im Reichslage verlangen. Vor Allem sei eS daS Arbeiter- schutzgesetz, welches im Stande wäre, eine Befferung herdeizu- führen, aber die Mehrheit des Reichstages und die Regierung stehen demselben sehr kühl gegenüber. DaS ganze Gesetz sei behandelt worden wie ein Aschenbrödel; alles, was diS jetzt dabei herausgekommen, sei eine nutzlose Resolution, ja selbst über die viel gepriesene Sonntagsruhe sei man nicht hinausgekommen. Hier zeige der Reichilanzler so recht seinen manchesterlichen Standpunkt, indem er eS für schädlich hält, wenn dem Arbeiter daS Recht genommen würde, deS Sonntags zu arbeiten. Die ganze Berathung in der Kommisston sei weiter nichts als eine Verstümmelung des ganzen Gesetzent- wuifeS. Die Ardeiter mögen hieraus die Lchre nehmen, daß St nichts von der gepriesenen Arbeiterfteundlichkeit der jetzigen liajorttät deS Reichstages zu erwarten haben, sondern mögen fich auf eigene Füße stellen, wenn fie ihre Lage verbeffern wollen. Das kann nur geschehen, wenn fie bei den nächsten Wahlen dafür sorgen, daß eine zu ihren Gunsten gewählte Majorität im Reichstage erscheint. Ueber die Polendcbatte äußert fich Redner dahin, daß, obwohl blos eine Re> solution zu Stande gekommen sei gegen die Maßregel, durch welche 30—40000 Bürger schonungslos aus ihrem bisherigen Erwerb herausgcriffm wurden, so sei doch mit Freuden zu begrüßen, daß der Reichstag seine Würde und sein Ansehen gewährt habe. Man habe der Majorität vorgeworfen, daß fie unter Führung Ltebknecht'S marschirt sei. Redner wünscht, daß da« immer geschehen möchte, ei wäre kein Schaden für daS Volk. Weiter berührt der Referent das Branntweinmonopol. DaS Monopol sei kein sozialistischer G.danke, sondern nichts als eine fiskalische Maßregel zu Gunsten der Agrarier. DaS Reich solle den Schnapsbrennern 35 Marl pro Hektoliter zahlen, wo der Marktpreis dloS 24 Mark betrage. Er(Redner) könne nur Projekten zustimmen, die dem gesammten Volke zu Gute kommen. Wenn die Regiemng bedauere, daß fch der Reichstag so ablehnend zu der Monopolvorlage ver- alten habe, so möge fie fich auch nicht so ablehnend verhalten gegen die Beschlüffe des Reichstags zum Diätenantrag rc. Wenn die Regierung Steuern brauche, möge fie eine progresstve Einkommensteuer verlangen, welche die einzig gerechte Steuer sei.— In Betreff des Sozialistengesetzes habe man zwei Mo- mente benutzt, um ei durchzudrücken. Erstens habe man auf die Revolten in Belgien hingewiesen. Redner weist nach, daß ge- rade in den Gegenden die Reoolte am heftigsten ausgebrochen sei, wo der Sozialismus am wenigsten verbreitet ist. Ein zielbewußter Arbeiter wird niemals glauben, daß durch der- artige Gewaltakte seine Lage verbeffert werde, er wird nicht die Arbeit seiner eigenen Hände zerstören, sondern erwartet sein Heil von der organischen Entwtckelung der Dinge. Auf diese Weise wird man ohne Gewalt zum Ziele kommen. Durch das Sozialistengesetz erreiche man aber gerade das Gegenth.il, indem man jede Ausbildung der Arbeiter in ökonomischer Htnstcht durch dasselbe verhindert und fie auf diese Weise zur rohen Gewalt hintreibt. Wenn der Hunger die Menschen zur Ver- zweiflung treibe, so schütze kein Gesetz und keine Macht der Welt vor Gewaltthaten. Der zweite Punkt, womit man die Annahme deS Sozialistengesetzes rechtfertigen wolle, sei eine ganz trrihümlich aufgefaßte Bemerkung des Abgeordneten Bebel. Man unterschiede ihm eine Aeußerung, die ihm gar nicht ein- gefallen sei. Bebel habe ausdrücklich gesagt, daß eine der- artige Gewaltmaßregel(Fürstenmord) für Deutschland ganz unmöglich werde, schon durch unsere ganze Kulturentwickelung, bei welcher russtsche Zustände gar nicht Platz greifen können. Doch man sei ja mit den Gründen nicht sehr wählerisch, man habe das Gesetz auf 2 Jahre verlängert und das genügt. Komisch sei eS, daß fich die Konservativen gerade den Herrn Stöcker als Paradepferd ausgesucht haben, welcher bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen konnte, auch ein biichen Juden- Hetze zu treiben, welche hauptsächlich auf seine(Singer's) Person gerichtet gewesen sei, um ihn zu beschuldigen, er beute seine Arbeiterinnen aus. Er(Redner) würde darüber kein Wort verlieren, wenn er nicht seinen 25000 Wählern gegenüber fich verpflichtet hielte, Klarheit zu schaff-n. Daß Mit- glieder der Schneider-Jnnung in seine Bücher Einficht genom- men hätten und die Erklärung abgegeben haben, daß die Firma Einger verhättnißmäßtg gute Preise bezahle, habe Stöcker allerdings nicht gesagt und sagen können, indeß sei es ja bekannt, daß eS Herr Stöcker mit der Wahrheit überhaupt nicht allzu genau nehme. Er(Singer) glaube allerdings, daß die Löhne der Mäntelnäherinnen gebessert werden könnten, wenn es die Näherinnen dazu bringen würden, daß alle Fir- mm gleichmäßig mehr zahlen müßten.— Er allein sei dazu nicht im Stande, wmn er nicht im Kampfe der Konkurrmz unterliegen wolle. Zum Schluß forderte Referent die Arbeiter auf, stets auf der Weckst zu sein, wenn fie nicht von der anftürmendm Reaktion überrumpelt werden wollen. Daher müsse bei den nächsten Wahlen jeder Arbeiter bereit sein, mit dem Stimmzettel in der Hand, die beiligstm Güter der Menschheit, die politische und wirthschaftliche Freiheit zu erringen. Sorgen fie dalür, daß der 2. und 8. Wahlkreis einen Arbeitervertreter wählt, sorgen fie dafür, daß nickt ein Slöcker als Vertreter bei zwei- jen Wahlkreises in das Parlament einzieht. Stürmischer nicht endenwollender Beifall lohnte dem Redner für seinen zirka zweistündigen Vortrag. Nachstehende Resolution gelangte hierauf einstimmig zur Annahme:„Die heutige Versammlung erklärt fick mit den Ausführungen deS Herrn Reichktagsabgeordneten Singer und mit der Haltung der sozialdemrkratiscken Fraktion im Reichs tage vollkommen einverstanden und verpfl chtet fich, bei der nächstm Reichstags wähl dafür zu wirken, daß auch der zweite Berliner ReichstagswahikleiS einen Sozialdemokraten in den Reichstag sendet." Nachdem der Vorfitzende, Herr Ouandt, aufgefordert hatte, recht zahlreich auf daS„Berliner Voltsblatt" zu abonniren und dafür zu sorgen, daß dasselbe auch bei allen Geschäftilmten gelesen würde, bei welchen Arbeiter verkehren, nimmt nochmals Herr Singer daS Wort. Derselbe schließt fich den Ausführun- gen deS Vorfitzcnden an und meinte, daß das„Berliner Volks- blatt" 50000 Aoonnenten haben müßte, wenn es seiner Auf. gäbe gerecht werden soll. Die Arbeiter Berlins müssen ei so- weit bringen, daß bei den nächsten Wahlen zwei Drittel von Berlin den Sozialdemokraten gehörm. Hierauf schloß der Vor- fitzende die musterhafte Versammlung. * Eine öffentliche Ttschl-rversammlung tagte SM Mon- tag, den 12. April, unter Vorfitz deS Henn Zuveil im Konzert- haus„Sanssouci", Kottbusnstr. 4a. Aus der Tagesordnung stand:„Die L-hnstage und wie stellen fich die Berliner Tischler hierzu". Eingeladen hierzu waren besonders die Kollegen der Werkstätten Fürbringerfir. 9, Barutherflr. 8 und 15, Reichen- bergnstr. 114 und andere mehr; dieselben sollten fich über die in ihren Werkstätten übliche Sonntags- und Nach-Feierab-nd arbeit äußern. Sämmtliche Eingeladenen glänzten aber durch ihre Abwesenheit.— Herr Furchtbar übernahm daS Referat. Er dedauerte, daß die Versammlung nicht noch stärker besucht war und meinte» daß die Kollegen stch wohl üdir ihre traurige Lage beklagten, aber leider nicht den Muth hätten, zur Besserung ihrer bedauernSwerthen Verhältnisse etwas betzutragen. Viele Kollegen wärm heute durch daS verallete sogenannte „Einkeilen"(Einstandfeiern) verhindert, der Versammlung bei- zuwohnen, ein Zeichen dafür, daß die Berliner Tischler noch weit hinter anderen Arbeitem zurückständen. Ferner deutete der Referent darauf hin, daß man vor allen Dingen den Ttschlergesellen sowie allen Arbeitern die Uisacke der heutigen Nothlage klar machen müßte. Die Ursache läge in der heutigen modemen Produktionsweise, welche eS ermögliche, daß fich auf der einen Seite das Kapital in immer weniger Händen konzentrirt, während auf der andern Seite Roth und Elend fich von Tag zu Tag mehre. Daß die Maschine zum Fluch der Arbeiter geworden wäre, sei unrichtig, im Gegen- lheil, der Arbeiter wäre zum Fluch der Maschine geworden. Der Referent führte weiter aus, daß nur durch Verkürzung der Arbeitszeit etwas erreicht werden könne, nur hierdurch würde die Zahl der arbeitSlosm Ardeiter vermindert werdm. Dies wäre der Anfang, um Produktion und Konsumtion ins Gleich- gewicht zu bringen. Der Referent ermahnte alsdann alle Kollegen, einer Fachorganisation beizutreten und empfahl dringend, nur daS einzig in Berlin erscheinende Arbeiterorgan daS„Berliner Volksblatt" zu abonniren. Die vollste Aner- kennung der Versammlung lohnte dem Referenten für seine Auiführungm. An der Diskusston betheiligten fich die Heiren Tix, Winter, Nöske, Peters, Zubcil und Andere. Herr Tix beleuchtete die Thätigkeit der früheren Lohnkommisston und meinte, daß nur die jüngeren Kollegen, als Delegirte fungirend, die Schuld an dem Verhallen deS Heim Rödel hätten. Herr PeterS vertheidigte die frühere Kommisfion und meinte, Herrn Rödel wäre nock nichts bewiesen. Daß die An- wesenden besser alS Herr PeterS unterrichtet warm, ging auS den Zurufen, durch welche die Ausführungen des Herrn PeterS unterbrochen wurden, hervor. Die Herren Nöske und Winter widerlegten die Bnfichtm der beiden Vorredner. Her Zubeil vertheidigte die jüngeren Kollegen. Wohl mancher graue Kopf hätte nickt die Geistesgaben, wie die jungen Leute; überhaupt sei eS Pflicht eineS Jeden, die Jugend zu belehren statt fie für unfähig zu erklären, denn nur in ver Aufklärung der Jugend liege da» Heil der Zukunft. Folgende von Herrn Wiedemann eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die am 12. April im Konzerthause „Sanssouci" tagende öffmtltche Tischlerversammlung erklärt fich mit den AuSsührungen deS Referenten einverstanden, fie ertlärr fich ferner für den Anlchluß aller Kollegen an den Fach- verein der Tischler, da nur durch eine feste Organisation die Lage der GewerkSgenossen verbessert werden kann. Herr Zubeil machte noch aufmerksam auf die Beantwortung der statistischen Fragebogen und ersuchte die Kollegen, nur auf daS„Berliner VolkSblatt" zu abonniren und dasselbe dadurch zu unterstützen. Auch hier bewiesen Zahlen, daß die Arbeiter Berlins noch nicht auf dem richtigen Standpunkte fich defänden. Der Vorfitzende schloß mit einem Hoch auf die Fachorganisation die Versamm- lung. f Die öffentliche Arbeiterionenversammluna, welche am Dienstag in den„Landsberger Bierhallm"(oer Jakoby) unter Vorfltz der Frau Hosmann stattfand, war sehr gut de- sucht und nahm einm ruhigen, sachlichen Verlauf. Herr Christensen sprach über den Befähigungsnachweis, der von den „«rckermännern" für das Handwerk verlangt wird. Er illustrirte an einigen drastischen Beispielen, wie wenig derartige reaktionäre Maßregeln den wahren VolkSintereffen emsprächen, wie fie im besten Falle nur die ohnmächtigen Zuckungen deS Kleinhand- werks, daS fich vergebens gegen seinen Untergang sträube, in peinlicher Weise verlängere und so die naturnothwendige Ent- Wickelung der privatkapitalistischen Produktion verlangsame. Im einzelnen schilderte er dann, wie die Arbeiterinnen durch den Befähigungsnachweis geschädigt würden und forderte fie zum Schluß auf, fich der großen Proletarierbewegung an- zuschließen. Reicher Beifall lohnte dem Redner. In der DiS- kusfion sprachen Fräul. Wabnitz, Frau Gubela, Frau Ihrer und Frau Cantius im gleichen Sinne. Nach Annahme einer ent- sprechenden Resolution wurde die Versammlung geschlossen.— Auffällig war. daß eine große Anzahl von Schutzleuten zu Fuß vor dem Versammlungslokale postirt waren. Eine große An- zahl von Arbeiterinnen wurde dadurch zu dem Glruden ver- anlaßt, die Versammlung sei verboten und kehrte um. Der überwachende Poltzeibeamte wollte nicht dulden, daß in einem Nebenzimmer deS NersammlungslolalS der Vorstand deS Arbeiter-BezirkSvereins„Unverzagt" eine Sitzung abhielt. Der Fachveretn der Rohrleger hielt am Sonnfag in Niest's Salon eine Versammlung ab. in welcher nur Vereins- angelegenheiten erledigt wurden. Unter Anderem wurde daS UnterstützungSgesuch eineS erkrankten Mitgliedes bewilligt. BilletS zum III. Stiftungsfeste deS Vereins am 15. Mai find bei den Vorstandsmitgliedern, sowie bei folgenden Mitgliedern des VergnügungSkomitee's zu haben: Tolksdorf, Chorinerstr.73; Reckner, Rathenowerstr. 44 III; Frisch, Kirchbachflr. 9; Glave, Kastanien-Alle 57; Winkelman, Waßmannstr. 32; außerdem in der Versammlung am 9. Mai in Ntesl's Salon, Kommandanten- firaße 71—72 Preis der BilletS: Herren 50, Damen 25 Pf. * Da« Stiftungsfest der Mirglieder des Vereins zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen gestaltete fich zu einer Feter, wie dieselbe wohl nur selten in Arbeiterinnen« kreisen bis jetzt stattgefunden hat. Viele hundert Frauen und Mädchen, begleitet von ihren Männern und Brüdern, strömten dem festlich geschmückten Saale zu, um nach den Klängen der wohlbesetzten Kapelle fich im fröhlichen Reigen zu vergnügen. Eine frohe, festliche Stimmung beseelte alle Theilnehvier und fanden die scherzhasten Vorträge vielfach lebhaften Anklang; ebenso die von Kindern und Erwachsenen dargesteMen Szenen auS dem Ardeiterleben, mit den Devisen: Was wir erleben und der Normalardeitstag, und: WaS wir erstreben. Ebenso gefiel die Darstellung der vier LedenSflufen als Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Auch ein Theil aus Schiller'« Glocke:„Der Mann muß hinaus inS feindliche Leben" u. s. w. — und„Die Frau waltet weise im häuslichen Kreise", fanden reichen Beifall. Noch lange wird daS schöne gemüthliche Fest allen Theilnebmern in freudiger, angenehmer Erinnerung bleiben und hoffen und wünschen wir, daß dem Verein die Zukunft noch viele so schöne und anregende Feste bringen möge. * Gauverein der Maler Berlins. Vereinsversammlung am Dienstag, den 20. April, Abends 8 Uhr, in Gratwetl's Bierhallen, Kommandantenstr. 77— 79. Sämmtliche Mitglieder werden ersucht, zum Beweise, daß fie mit der jetzigen Be- wegung betreffs der Werkstatt-Sperre einverstanden und ge- sonnen find, die gewählte Kommisston zu unterstützen, recht zahlreich zu erscheinen und die noch nicht dem Verein ange- hörenden Kollegen auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Die Maler Berlins müssen einsehen, daß ernste Echrilte zur Befferung ihrer Lage gethan werden müssen. (AllcS Nähere s. Inserat am Sonntag.) * Zentral-Kranken- und Eterbekasse der Drechsler und verw. Berufsgenossen Deutschlands(E. H. 48), Vermal tungSst.lle Berlin A, Freitag, d.n 16. April. Abends 8'/, Uhr, in SagerS Lokal, Grüner Weg 29. vierteljährliche Versamm- lung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Besprechung über die zu Ostern stattfindende außerordentliche Generalversamm- lung und Wahl der Delegirten zu derselben. 3. Ergänzung«. wähl deö OUSvolstandks und Wahl der Kranlenkontroleure. 4. Verschiedene». Anträge für die Generalversammlung wefl» in der Versammlung entgegen genommen. Für den BeztrI I findet ebenfalls om Freitag Abend 8'/, Uhr in Woltags Lola Lothringerstr. 59, eine Mitgliederversammlung statt. Tag» ordnung: Berathung über die gestellten Etatutenabänderunp Anträge zur Generalversammlung und Verschiedene». Allgemeine Vuchdrucknversammluug Sonntag, da 18. Aprll, Vormittags lOVi Uhr, in der Philharmonie, tfta» burgerstr. 22a, 23 Tagesordnung; 1. Kassenbericht. 2, der Revifions Kommisston. 3. Berathung deS von der Tal» UeberwachungStommisfion ausgearbeiteten Tarif-Entwurfs. i Festsetzung der Höhe deS Lolalzuschlazs. Ketzte Nachrichten. Die erst« Lesung der irischen Reformbill im englW Unterhause ist vorübergegangen, ohne eine Entscheidung wj das Ministerium Gladstone zu bringen. Nachdem in» gestrigen Sitzung, wie bereits gemeldet, der Schatzlanff H a r c o u r t die Bill sehr energisch vrrlheidigt, versuchte» weiteren Verlaufe der Debatte G l a d st o n e die Argua«» der Gegner der Bill zu widerlegen und erllärte, indem er ß seine Rede bei der Einbringung der Bill zurückkam, er W nicht gesagt, daß die ReichSkon'.role über die Zölle und Alz» sowie die Ausschließung der irischen Vertreter von dem Ret» Parlamente wesentliche Prinzipien der Bill seien. Jnzwis» sei die Zulassung irischer Vertreter mit beschränken Belugnip cdcr in verminderter Zahl angeregt worden; die Regler« bade kein Recht, in dem gegenwärtigen Stadium der Bill« Erwägung dieser Fragen die Thüre zu schließen. Die N wurde schließlich in erster Lesung ohne besondere Abstimm« angenommen und die zweite Lesung auf den 6. Mai festgesef — An Stelle des zurückgetretenen Morley wurde Lord Elp zum Bautenminister ernannt._ Die„Times" unterzieht die griechische Frage einer v sprechung und hält die Zktt für gelowmen, ein Ultimatum« Griechenland zurichten, worin dasselbe aufgefordert werde, se» Rüstungen innerhalb 14 Tagen einzustellen, widrigenfalls» Türkei freie Hand gelassen werden würde» der griechiil»! Drohungen fich zu entledigen. Außer dem bereits am 18. d. M. verhafteten MunizipalM Mitglied Jaehne find, so wird von vorgestern aus New- 91 telegraphirt, noch 11 andere Ncw-Norler MuniztpalclötS W glieder, welche dieser Körperschaft im Jahre 1884 angehör� unter der Anschuldigung verhaftet worden, von den Grünl« der Broadway Bahn bestochen gewesen zu sein. Ein Telegramm deS„BerL Tagebl." auS HirschiZ (Echlefien) meldet: Der Bobcr und sein Neber fluß Zacken fjj über ihre Ufer getreten; verschiedene Ortschaften stehen ui? Waffer. Die Niederungen find hoch überschwemmt, daS T ist noch immer im Steigen begriffen. In dem Diätenprozesse des FiSkuS gegen Reichetagsabgeordm ten Dirich let hat daS Lderlandesaen gestern den Beklagten zur Bezahlung von 500 M. nebst M an den FiskuS verurtheilt. Gleichzerlig wurde dem Bella« ein Ueberzeugungeeid darüber auferlegt, wieviel er aus 1 Kasse der Fortschrittspartei erhalten. Wird dieser Eid# Beklagten nicht abgeleistet, so hat derselbe fernerweit 1500 nebst Zinsen an den FiSlus zu bezahlen. Die Enlscheivu- bezüglich des Kostenpunktes bleibt bis nach Leistung oder N« ableistung deS ErdeS ausgesetzt. erhol» endo* Kriefk asten der Redaktion. Mtttenwatver Tischler. Einen Auslandspaß Sie im Paßdureau in der Poststraße, Ecke des Müklenda.„ Auf das„Berliner Vollsdlart" können Sie auch in Wien" der Post abbonntren. R. I Od die ganze Kasse oder nur eine Filiale selben aufgelöst worden ist, w.ssen wir nicht. Wenden S� an den Vorstand um Auskunft. Auf Ihre zweite Fraß halten Sie tn einer der nächsten Nummern Antoort. J i P. Alexandrinenstr. 1. Wen» Ihre Mutter Testament verstirbt, so erbt Ihr Vater die eine, und St«/ einzig' s Kind die andere Hälfte des gemeinschaftlichen Ettern, vorousges'tzt, daß deren Ehe in der v' Brändenburg geschlossen ist. 2. Alle VermögenSgegenfls� 5* Ihrer Mutter gehören zum Nachlaß, Geld. Wirthschästs stände und auch Forderungen. 3. Die Erben haften fük Nacklaßschulden, zu welchen auch Krankheitslosten gehören,' in Höhe deS Nachlasse«, wenn Sie innerhalb 6 Monaten Antritt der Erbschaft ein vollständiges Verzeichniß der Nack« gegenstände dem Nachloßgerichte einreichen. Dem auSdA lichen Antritte der Erbschaft steht eS gleich, wenn ein% 6 Wochen seit dem Tode deS Erblassers verstreichen läßt, Oss fich über Antritt oder Ausschlagung der Eibschaft zu erklär* in diesem Falle beginnt die scchSmonatliche Frist mit Ad ist der sechs Wochen. Wird die sechsmoaatlich« Frist versäurnM hastet dcr Erde für die Nachlaßschvlden persönlich mit eigenen Vermögen. 4. Für Schulden, welche die Eheleute» meinschaftlich oder die Frau allein für den Haushalt rna<� hastet der Mann allein, nicht auch die Frau oder deren E� Jiwei Wettende. Ei giedt zwar nicht zwei Abtheilu»? rsatzreserve Ii. Klasse. Indeß stnd von den En. reseroisten n. Klaffe diejenigen, die vor 1859 geboren K von Dtenstübungen befreit, und von den später Gebor'«, muß ein Theil ausgeloost werden, da die im Etat sestipij Zahl der zu den Uedurgen heranzuziehenden Mannicho nicht überschritten werden darf. ,j E. Z. Swinemüoderstraße. Bieten Sie Ihrem Wirth d»r Reparaturkosten für daS beschädigte Schließble»� und virlangen Sie Herausgabe des Oleanders, event. rloe Sie beim Amtsgericht auf Herausgabe. J K. Der Echlafstellenvermiether hastet nicht für den einem Schlatbuischen gegen den andern verübten Diedstavft, � D. 22. Wenn Sie nach Ihrer Verheiratbung�, s V. 3). 22. Wenn cte nach«yrer �erverrarouv«> Wirthschast an Ihre Frau verschreiben, um Ihren G.äud>� BesrtedigungSobjekte zu entziehen, so ist dieser Vertrag an bar und sogar strafbar. Dagegen unterliegt die Wirt« und das sonstiae Vermögen Ihrer Frau der Pfändung Ihrer eigenen Schulden nicht- Sie müssen fich nur den%, stchern, daß die einzelnen Gegenstände von Ihrer Frau w Ehe aebrachr stnd.« C. B. Friede«. 1. Der geringste Jahresbetrag defß werbesteuer deträgt in Berlin 24 M.; nur für Höker, Zyj Viktualien-, Obst- und Gemüsihändler 6 M. Reklarrrai � stnd an den Magistrat zu richten. 2. Es ist den preulX� Zeitungen durch ein neueres Gesetz dei Strafe die Gewinnlisten auswärtiger Lotterten zu Die Rechtsgilligkeit dieses Gesetzes ist sehr zwe» in einem gegen ein hiefigei Blatt me zesse �wegerr solcher Loitericlisten hat W.................... rtffo da» Gesetz für nicht rechtsbeständig erklärt und freigespl' die zwefte Instanz hat verurtheilt, und das KamtneltL wird die Frage in nächster Zeit endgilttg entscheiden- andere Blätter fortgesetzt die Listen der auswärtigen V bringen, so riskinn fie hierbei ganz erhebliche G lostrafen und Prozeßkosten. Unser Blatt kann f solchen LuxuS aber nickt gestatten. Vielleicht ist auch der Sinn für strenge Gesetzmäßigkeit höher entwickelt," anderen Zeitungen. A. E. Es kommt darauf an, ob die LedenSverfi«'� Poltze auf den Namen der Frau JhreS% SckwagerS lautet oder nicht. Im ersteren Falle 6%; rnf Prämie der Frau allein, im letzteren bildet fie einen � theil des Nachlasses, und es steht dann der Frau den Ellern und Geschwistern die andere Hälfte laffeS zu. BeranuroMicha«edaLau. tu Stralti« in und Bcrlag von««»adln« in ttuUn 3W, Benhstrußs 2. vi veS �4