%% Mr. 90. Freitag» den 16. April 1RS6 III. Jahrg. - T°«» .nbetun� engl# Dung M m in»e batzlan� rsuchl«» llrgum«» em er i» Inb'mg °mR# ZnzwW lefugntr Regieri»! dinerHolMlall •Organ für die Interesskn der Ardrtter. 4 r BillV Die» -stim festgesl ord El einer N matum• erde, fe* nfallt d> irilchirbi SS NätZ# ngehöiw Grund» HirsM locken st hen ust las Dai„»erlitte« VolkSblatt" Festtagen. RbonnemtnHf reil für Berlin frei , J(ad,»öchentltch 55 Pf. Postabonnement »meine Stummer 5 Pf. To; ntagS-Rummer mit illustrirter Vellage 10 Pf. (Eingetraqen in der PoSzettunaLoreriliste für IßSS unter Nr. 769.) Aufertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzelle oder deren Raum 40 Pf. RrbeitSmartt 10 Pfennige. ~""eren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uh» «et Räch! in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annom»«- ureaux, ohne Erhöhung deS Preise«, angenommen. KedaKtis«! KenthSratze Z.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. . } et® zlend Wien ertiol* nd-ust ien � O Fr° utter � d«ies chen f ,rA en1 fitf] löten,» !« au8DJ2 ein«? M heUut«? U tte« 'thellj en oren r, Gebore? iestgeZ innscWst em ent. ir den' iedstah� bung S.äud WrÄ JNg M rau w lamainwirktn, daß der schweizerisch-deutsche Handels« vertrag gekündigt werde und an seine Stelle ein ich die Gevossi« meiner Jugend, die heilige« Gefühle einer bessere« Zeit doch zu hoch halte, um fie dem Pöbel preisp geben?! 3a, ja, Du sollst de« Kaufpreis habe» und Deine ersehnte Freiheit! Alle», Alles für jene vergilbten Blätter, die ich so oft seither mit meinen Reuethräaen benetzt! Ho, wo ist deine Stärte denn zu finde», was bist du den» eigentlich, Buhldiroe der närrischen Menschheit, du Glück de« Lebens! Hast Du mir je wahrhaft gelächelt? Ver- lassen schon als Kind,«ie erwärmt vom heißen Strahle mütterlicher Liebe, nicht geleitet von der fichern Hand eines weise» väterlichen Erziehers, geknetet von fremde» Hände» so und so»ach Jedermann» plumper Laune, dann bewußt- lo» fast im kurzen Rausch der Iugendfeerei hindämmernd, endltch willenlos hinausgestoßen in» große Leben, taumelnd von Genuß zu Begierde! Schon die erste Liebe ward mir vergiftet, geknickt, erstickt im bunten Gaukelspiele der Gesell- schaft, wo, reißenden Thiere» gleich, alle Sinne erwachte« und mich zu den Füßen dieser Elenden schleuderten, die mich hiageopfert um das Geld, welche« ich ihr wahvfinnig selber in den Schooß geschüttet I Möge fie verflucht sein hier und dort, verpflucht auf allen Psade» ihre« Lebens! Euch, Treulosigkeit, Verzweiflung und Schimpf, überged' ich die Seele diese« Weibe« zur Beute, ihr sollt, ihr werdet sie zernagen, zerfetzen unter dem Hohnnecken der lachenden Welt!— In der Fülle der Mannetkraft bin ich wiederum daS Spielwerk habgieriger Seele« und selbstsüchtiger Men» schen, einsam und doch rathlos wie al« Kind, ohne Hoff. »ung, ohne Zweck, ohne Zukunft; das ist mein Glück! Fall' ab von mir, argloser Frohst»», zerbrich, thö- richte» Herz voll lodernder Liebe, ihr Träume und Wünsche zerfliebt, du aber, kalte Selbstsucht, hastiger Genuß der Stunde, der nicht» kennt al« sich und nur sich, du Eige»« liebe, die jede« Ding nur braucht al« Diener seine» Willen» und nach gethanem Dienste wegwirft, Zufall, Laune, Augen« blick und Gelegenheit, ihr sollt meine liebsten, einzigen Ge« «ossen sein, bis dai letzte Sandkorn dem Stundenglas ent« rönnen, der letzte Tropfen im Lebenskelch geleert, dann aber zum Satan mit der Maschine I!" Edmund« Entschlüsse waren gefaßt. Mit wildem Selbst« Hohn riß er die letzte» dünne» Fasern alter Neignng au» Kampftarif trete, welcher fich bii auf daS Vierfache der jetzigen Ansätze erstrecke. Fr anr reich. Die Deoa zevtller Bergleute haben fich dmch die feindseligen Reden in der Kammer nicht cntmulhigen lassen. In einem am Dienstag abgehaltenen Sympathie- Meeting in Paris wurde konstatirt, daß die Streikkasse in Dccazeville. der aui allen Ecken Frankreichs und des Auslands neue Gelder zufließen, über einen Baarbestand von 32000 Franks verfügt. Et ist also gar kein Grund vorhanden, die Arbeit wieder auf« zunehmen. Man hofft nach dem„Beil. Tagbl." um so mehr, den Streik bis zum völligen Ruin der Gmbengesellschaft fort« zusetzen, alt schon jetzt viel« der Bergleute bei dm lanvwirlh- ichaftlichen Arbeiten Beschäftigung gefunden haben und die Streikkasse nicht mehr in Anspruch nehmen. Die sozialdemo« kratischen Deputirten werden, da die Kammer ihnen keinen Ur« laub gewährte, um nach Decazeville zu gehen, und da fie nach fünfmaliger hintereinander stattgebabter Abwesenheit, sei eS in einer Kommisfion, sei et in der Plenarfitzung, dm Anspruch auf die Diäten verlierm, fich alle fünf Tage ablösen, um die Arbeiter, die ohne ihre Anwesenheit einm unklugen Entschluß faffen könnten, stch nicht selbst zu überlassen. In jüngster Zeit wurden Nacht» oft in verschiedmm Vierteln von Paris zahlreiche rothe Zettel angeschlagen, welche die Worte trugen:„Et leben die Arbeitseinstellungen! Nieder mit dem Kapital! Et leben die Arbeiterdeputirten! An den Galgen die Kapitalisten und Bourgeois!" Die Polizeidiener riffen die Zettel sofort herab. Bis jetzt hat die Polizei die Leute, welche fie anschlugen, nicht autfindig gemacht. Die Franzosen mögen manchmal ihren früheren Kolonial- «ifer verwünschen. In Tongking geben die Dinge, wie„Tempi" wehmüthta verfichert, schief. Auf Madagaskar haben die Fran« zosen geringe Erfolge zu verzeichnm. In Neu« Kaledonten schüren die englischen Misstonäre dm Ausstand unter den Ein« heimischm gegen die stanzöstsche Herrschast, und nun kommt au» dem Senegal die bereits erwähnte Mutheiluna. daß ein dreitägiger Kampf zwischen den Truppen und den Siegern am oberen Senegal geliefert wurde. Ueberall find die Kolonien unruhig oder fie werden beunruhigt. Für die Anhänger der Kolonialpolitik find die geschilderten Zustände in allen vier Welttheilen wenig ermuthigend. Die Abneigung de» großen Publikums gegen den Erwerb von Kolonim wird durch die jüngstm Eretgniffe nur verschärst. Neue Verstärkungen müssen sofort nach dem Senegal abgehen, wohin berest» vor drei Tagen ein Bataillon Marineinfanterie eingeschifft wurde. G r o tz b r i t a»« i e«. Die„Time S" hält es für unmöglich, daß selbst die er« gebmsten ministeriellen Anhänger noch länger die Gefühle der Abneigung und Beunruhigung ignoriren könnm, welche Gladstone'S Homeruleplanim ganzen Lande hervor« gerufen habe. Die Erörterung dieser Politik dürfe nicht aus da» Unterhaus beschränkt bleiben, sondern müsse energisch in öffmtltchm Versammlungen betriebm werden. Und hierbei weist die„Times" mit Genugthuung auf daS am nächsten Mittwoch unter dem Vorfitze Lord Cowper'S abzuhaltende große Meeting hin, in welchem die erste Resolution von Lord Harlington beantragt, von Lord SaliSbury befürwortet und von RylanvS unterstützt werdm wird: während die zweite von Goschen deantragt, von Lord Ftfe befürwortet und von Plunket unterstützt werden soll. In dm Provinzen werde unmittelbar nach Einbringung der Landankaufs dill der Feldzug eröffnet werden, und Cbamberlain werde nicht vor der Pflicht zurück« schrecken, die Politik bloSzustellen, die ihn zum Rücktritt nöthigte. Die Entrüstung, mit der da» Fallenlaffm der loyalen Einwohner von Irland von allen Jrländern aufgmommen werde, habe in Lord Wolseley'S Rede am Sonnabend beredten Ausdruck gefundm; auch könne darüber kein Zweifel bestehen, daß, wenn die von Gladstone beabsichtigte Maßregel Gesetzkrast erlaagen sollte, die LehnStreue vieler der ergebensten und ausgezeichnetsten Siaatidimer auf eine harte Probe ge- stellt werden würde.— Auch nach Anficht>-deS„Daily Telegraph" ist Gladstone'S Bill verurthem. Sie könne nicht, dürfe nicht, und werde nicht angenommen werden. DaS Projekt Hab« daS Reich in seinen Grund« festen erschüttert, und gegen Versöhnung, Ordnung und den öffentlichen Frieden mehr Unheil angerichtet, al» Jahre einer weisen Verwaltung wieder gut machm könnten. Weiter heißt e»:„Wir müssen der tödlichen Gefahr beim Beainn den GarauS machen. Wenn auch der Wwerstand den Stur, de» Ministers und sein endgilttge» Zurücktreten von dem Schau« platz so vieler denkwürdigen Erfolge mit fich bringen sollte, dann müssen nicht» desto weniger die Vertreter de» vereinigten Königreich» unverzüglich von einem so bedauemswerthen und unmöglichen Plane zurückiretm, und es ablehnen, selbst Glad' stone's berühmte Lausdahn mit dem Beginn der Auflösung des britischen Reiche» zu krönen." Die„Et. JameS Ga« zette" predigt die Anwendung von ZwangSmaßregeln anstatt der Gewährung von Homerule, und ftagt:„Warum sollte die alte mannhafte Politik nicht wiederum erfolgreich sein? ES wird Mmschenleben kosten, ohne Zweifel; Menschenleben viel- seinem Herzen, die ihn»och an Astartm banden. Er eilte ,u dem Notar der alte« Baronin, welcher einst de» Ehe« kontrakt aufgesetzt, und bevollmächtigte ihn, seine Frau zu benachrichtige«, daß er da« Geld auszahlen und die Schei- dung nicht verweigern würde, sobald erst sämmtliche Briefe Matdilden» in seinen Händen seien und Astarte sich notariell verpstichte« wolle, da« halbe Vermöge« zurück zu zahlen, fall» eine» dieser Echreibm fehle oder in die Oeffeotlichkeit dringe. Darauf suchte er Alle» zu verbanne», wa« seiner Frau «och angehörte oder ihm von ihr geschenkt worden war. Jede« Andenken an sie wollte er ausrotten und ei» neuer Mensch werde«, dessen aanzeS Leben fich von heute datire. Ein sehr begreifliche» Gefühl von Scham hielt ihn ab, die Gegenstände, welche Astarte« gehörten, Justus anzubieten, der ohnedem sei» Unglück bald genug erfahren mutzte, war ja doch die ganze Stadt voll davon. Er schickte deshalb zu Bleichman«, um Alle» baldigst loszuschlagen.— Der Jude kam.— „Sie habe» befohle», Herr Assessor?" „Ja, mein alter Freund. Ich will da eine Menge Sachen verkaufen und wende mich an Sie, den» mit Schätzlei« stehe ich nicht besonder». Meine Frau wünscht ein« andere Einrichtung und Sie sollen die unnütze» Sache« billig haben!" „Billig? Erlaube« Se, was heißt billig! Wa» Se nenne« billig, könnt' ich doch nennen theier!" „Da hinein, Bleichmann!" Er führte ihn in die an« stoßenden Zimmer seiner Frau.„Diese MeubleS, Teppiche und Vase«, der Papagei, die Bilder, die Nippe», dort im Schlafzimmer da« Himmelbett, Gardinen und Partieren, kurz, wa» in diese« drei Zimmern steht und liegt solle« Sie habe». Ich will davon nicht« mehr sehen. Halte» Sie stch nicht lange auf, wa« zahle» Sie?!" .Gott'« Erbarmen, ich soll mich nicht aufhalten bei de viele Sachc« I Soll ich se taufen uvbesehn, wie de vor« nehme junge Herren ihre Frauen? Müßt' ich doch sein nicht getrost I" »Die Einrichtung hat mich schlecht gerechnet zweitausend Thaler gekostet ohne die Bilder!" leicht auf beiden Seiten. Werden Engländer, werden W Jrländer vor der Gefahr zu-ückschrecken? Wenn fie ei# dann Gott befohlen Reich, Gott befohlen Wohlfahrt, ZI* Hon, Eigenthum— und Freiheit gleichfalls!" Einer New N orker Meldung zufolge hat O'Donovan Bi seine Anficht«» Über Mr. Gladstone'S Homerule Bill in% nachstehenden, seine Unterschrift tragenden Worten ausgedckc „England will die Dudliner Burg hallen und darin den»? könig, um Irland zu regieren. England will den Frlän� nicht die Kontrole über die irische Polizei geben, obvohU die Jrländer für deren Erhaltung zahlen lassen will. Er# will für die Reichsverdindung von Irland mit Er# Irland mit 35 Millionen belasten. DaS ganze Ding fiehl» ein Spielzeug auS, um damit Kinder zu amüstren."-* der„J.ish World" wird der Plan verurtheilt, weil er nur d Schein von Macht gewähre; er biete keine Ursache zu I# Freudendezeugungen. Ueber die Montagsfitzung im Unterhause bringt die„2j Ztg." noch folgende eingehendere Tarstellung: Zuerst erg» das Wort Lord Randolph Churchill. Er sagt, er n» die Vorlage keiner allzu genauen Prüfung unterziehen,* ste enthalte viel, was sehr zweifelhaft und geheimnißvoll ES scheine ihm, daß der vorliegende Plan so verwickelt sei' so viele Widersprüche und Abgeschmackthellcn berge, daß, er von einer anderen Persönlichkell alS dem Premierm vorgeschlagen worden wäre, er wahrscheinlich nicht«rnftll prüft sein würde. Der Redner erklärt mit großer Entst heit, daß daS Prinzip der Vorlage die Aufhebung der 1 zwischen Irland und Großbritannien sei. Zwar werde vom Premierminister bestritten, allein ein Artikel des Und vertrage» erkläre deutlich, daß Irland in dem einzigen# ment für das ganze vereinigte Königreich nicht vertreten solle. Der Premierminister behaupte auch, daß die Vo» daS Uebergewicht deS Retchsparlament» nicht im mindeste» fährden würde, allein nach Annahme derselben könnte Reichsparlament nicht länger Gesetze für Irland geben, a« nommen in gewissen begrenzten und spezifizirten Punkten. Leben, die Freiheit und da» Vermögen eines jeden J-lär würden absolut und für immer der Jurisdiktion de» Re Parlaments entschlüpfen. Wie könnte also behauptet wer daß die Vorlage die Union nicht aufhebe? Der Plan knüpfe mll setner Kundgebung vollkommenen Vertrauens daS irische Volk so viele, ein gründliches Mißtrauen deutende Bedingungen, daß er(Redner), wäre er Isländer, fühlen würde, daß die Ehre und Würde f Landes durch dasselbe tief verletzt worden seien. Der Urnftt daß das Schicksal der Provinz Ulster, welche eine Hälft«, Einkünfte Irlands liefere, nach dem Vorschlage des Pre» Ministers eine offene Frage bilden solle, sei an ein Beweis von dem rast hoffnungslos unerklär» Charakter des Homerule- Problem». Die für die regel umgebrachten Gründe bezeichnete der Redner als stichhaltig. Durch die Ausführungen des Obersekretär» fü« land(Morley) zu Gunsten der Annahme der Vorlage sollt« das Hau» durchaus nicht beeinfluffen lassen, well st« schwächsten Gründe enthielten, auf welche die Bill fich Wenn die Vorlage Gesetzeskraft erhalte, würde Irland, von der Suprematie deS Reichsparlaments und der S<# netät der Königin, Großbritannien gegenüber dieselbe E# einnehmen, die Italien Oesterreich gegenüber eingenorS habe, ali e» vom österreichischen Joche befteit worden seh? Bulgarien der Türkei gegenüber nach seiner Befreiung voi>' Kontrole derselben. Nach einem Ausdruck des BedaS darüber, daß eS nicht üblich sei, die erste Lesung einer SW M deanstanden, schloß Churchill mit einem Protest dagss daß dem Parlament und dem Lande unvermuthet und' o,oi herige Warnung eine höchst unkonstitutionelle PoliÄ einer höchst desperaten und irreführenden Maßregel aufg«� wkrde. Der Generalamvalt, Sir Charles Russell. einer langen Rede energisch für dle Vorlag««in. D# M lative Union zwischen Großbritannien und Irland, st bade leine befriedigenden Ergebnisse gehabt. Das ven Parlament habe Irland gegenüber seine Pflicht nicht und fich unfähig gezeigt, die Bedürfnisse Irland? zu will Der Plan des Premierministers biete hinreichende Bürgs« für die Suprematie des Parlaments und der Krone- Argument, daß die Wählergemeinden in dieser Frage Rath« gezogen worden, sei nicht richtig. WaS die viel! � rügte Ausschließung der irischen Mitglieder auS dem$?, frt jl.. airtD' . � vivjv««uviufiitDuiiu ucumcvni urciucn ummwa in Berückfichtigung ziehen.„Alle Parteien", schloß der anwalt,„find einig darüber, daß etwa» in der irischen% geschehen müsse. England hat versucht, Irland zu r% und hat Fiatko gemacht. Ist eS nicht an der Zeit, daß«? gestattet werden sollte, zu versuchen, stch selber zu reg'L In dem Regterungsplane find die MUtel zu finden, ZustÄ ein Ende zu machen, die unerträglich für Irland wie fOsJi land und schädlich für den Namen, den Ruf und die K de» Reiches find. Nach diesen beiden Rednern sprachen „Se hat gekostet! Vor'« Gewes'ne giebt der- nischt, Herr Assesser! Werth ist de ganze Sache noch vierhundert Thaler,— will ich aber gebe», töf" Bilder dabei sind, fünfhundert Thalerl" (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst««d Zeven., Direktor Hafemau« hat mit Mr. Doyly Carte,. Direllm des Sovoy Theater» in London, einen Vertrags schloffen, wonach dieser im Monat Juni die japanische „Mikado" von Gilbert und Sullivan im Wallner-Th«®*| Aufführung bringen wird, welche in London bereit» j 300 Aufführungen erlebte und auch in Nordamerika 8� Kassenstück aller englischen Operetten-Theater ist. Mr- vi wird da» Londoner Operetten-Personal und die glänze«»� doner Ausstattung nach Berlin führen. ES find di«»� 80 Personen, und die Deloraiionen, Kostüme und find sämmtlich in Japan angefertigt. Direktor Hal� welcher in London war und fich dort von der großartig«� stattung, der melodiösen Must! und der pikanten Aufstp überzeugte, hatte dort bereits Verhandlungen angeln WJv die eigenartige Künstlergesellschaft für Berlin zu gewinS�j Berunalückte Kinder. AuS Lundenburg vom}?■.( wird der„N. fr. Pr." geschrieben: Gestern VorrniuÄj feinten fich drei Mädchen im Alter von 6—11 Jahren, L de» Lackirers Geiler in der Zucker- Raffinerte, um am d der Nähe befindlichen Wiese Veilchen zu pflücken.%% liegt an der Thaya und ist von tiefen Grähen durchs# in welchen noch vom letzten Hochwasser Wasser zurütWvi ist. DaS jüngste Mädchen kam einem Graben zu n�zl» mischte auf dem schlüpfrigen Boden inS Waffer. D»» � Kind wollte das Schwesterchen retten, reichte ihm D'W wurde aber von demselben mtt hineingezogen. Run wo w dritte Kind beide Schwestern auS dem Waffer beste# � jedoch keinen festen Halt und verschwand ebenfalls in Schnell herbeigeeilte Leute konnten nur eineS der Ma"V aber leider als Leiche— auffinden; nach den ander«" Schwestern wird noch gesucht. Ueber die Träume der Blinde« hat fich Superintendent einer Blindenanstatt in West-Philad«� ff selber um sein Augenlicht gekommen ist, in interessa"'!,{■' ausgesprochen. Er sagt:„Ich fühle mich jetzt nirg«" «rb mnt«. !», am kten.; Jrl5 ftt« ollv si- Ageordn«te für und gegkn die Vorlage: daS Haus hatte fich jedoch bereits stark gelichtet. Belgien« Die gefammte soz'.aldetnolratische Partei Belgiens beruft einen allgemeinen Kongreß auf Ostern nach Gent ein. Bei dieser Gelegenheit werden große Manifestationen angekündigt. — In der Gegend von Charleroi find die Streiks wieder im Zunehmen; das Militär mußte, nach dem„Berl. Tagebl." eine größere„Bande" in der Nähe von Jumet zerstreuen. Rußland. DaS Riesenwerk der Erbauung der transkaspischen E i s e n d a h n ist nunmehr bis in eine Entfernung von 140 Kilometer von EarakS gediehen und nach ganz ficheren Be- rechnungen wird die Bahn in den ersten Tagen deS Mai Merw und Ende Juli den AmuvDarja erreicht haben. Die AuSficht einer Verbindung der transkaspischen Bahn mit den ostindtschen Schienenwegen scheint dadurch immer näher ge- rückt und kann nur als Frage einer nicht allzu langen Zeit gelten. Von SarakS nach Herat beträgt die Entfernung dloS noch 200 Kilometer und die letztgenannte Stadt trachtet be- konntlich die englische Regierung durch einen Schienenweg zu erreichen, der in der Richtung nach Quettah und von dort mittelst einer Abzweigung nach Kandahar bereits theilS in Ausführung begriffen, theil» im Prinzip beschloffen ist. Für die Zukunft der transkaspischen Bahn wäre die Herstellung einer Verbindung mit Ostindien selbstverständlich von uner- mrßlicher Bedeutung, aber auch ohne dieselbe erwartet man in kompetenten Kreisen, daß, ganz abgesehen von der eminenten strategischen Bedeutung, auf dieser Bahn fich ein sehr lebhafter Frachienverkehr entwickeln werde. Balkaulauder. Zu dem der rumänischen Kammer vorgelegten autonomen Zolltarif beantragt die Kommisfion. für Rohstoffe und Kon- fektionsgegenstände, welche Rumänien nicht erzeugen kann, rein fiskalische Einfuhrzölle; für Stoffe und Konfekiionsgegenstände, welche Rumänien fabriziren kann, Einfuhrzölle, welche die rumänischen Produkte begünstigen; für Stoffe, wobei Rumänien ein Jntereffe hat, fich dieselben zu möglichst billigen Preisen zu verschaffen, Befreiung von allen Zöllen. Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß zwischen der Türkei und Montenegro für den Fall orientalischer Kompli- kationen bestimmte Abmachungen bestehen. Die Vertreter der Mächte in Athen überreichten dem Ministerpräfidenten DelyanniS eine Note, in welcher die Machte das Arrangement, betreffend Ostrumelien, mtttheilen und dem Wunsche AuSdrvck geben, daß Griechenland dem Wunsche Europa« auf Erhaltung deS Frieden» entspreche. Amerika. DaS Repräsentantenhaus genehmigte die Niedersetzung eine« Sonderausschuffe», der Erhebungen über die Ursachen der A r b e i t S> i n st c l l u n g e n im SüdDesten anstellen soll. Ueder die Unruhen in Ost-St. LouiS werden folgenve Einzelheiten gemeldet: Am Freitag hatte fich am Bahnhof der LomSsille- und Nashoille- Eisenbahn eine beträchiliche Ansamm- lung von Menschen gebildet, welche zusahen, wie unter dem Schutz einer Wache die Güterzüge abgelaffen wurden. Die meisten derselben waren Neugierige. Die Beamten wurden ausgepfiffen, gelegentlich aber auch mit Steinen beworfen. Acht Gehilfen der Sheriffs defanden fich auf einem Güterzuge. Plötzlich wurde ein Pistol auf fie abgefeuert, und nun gaben fie auf die Menge mit ihren Büchsen eine Salve ab. wodurch acht Personen getödtet, andere, darunter auch eine Frau, ver- wundet wurden. Die Menge stob auseinander, sammelte fich aber schnell wieder, worauf die SheriffSgehilfm über die MissiS fippibrück nach St. LouiS flohen und fich dort der Polizei über gaben. Die Aufregung war groß. Am Abend wurde in Oft St. Loui» eine EntrüstungSversammlung gehalten, in welcher aufreizende Worte fielen. Einige hervorragende„Ritter der Arbeit" versuchten vergeblich, die Menge zu beruhigen. Der Sberiff bat um militärische Hilf«, welche in Stärke von 500 Mann ankam. Gleichwohl konnte«i nicht verhindert werden, daß während der Nacht an verschiedenen Stellen der Bahnhöfe Feuer angelegt und dadurch Wagen, Gebäude und sonstige« Eigenthum zerstört wurde. Von St. LoniS herüber kam die Feuerwehr; aber fie war machtlos, da die Ruhestörer die Schläuche durchschnitten. Erst gegen Morgen gelang e« den Truppen, dem Feuer Einhalt zu thun. Die Truppen be setzten darauf daS weite Terrain der Bahnhöfe in Ost Et. LouiS und stellten schließlich die Ordnung wieder her. Der Senat hat die Vorlagt, welche Washington-Territo> rium zu einem Staate der Union erhebt, mit 30 gegen 13 Stimmen genehmigt. Parlamentarische». Auf Grund einer Petition wurde rn der Kommisfion deS Reichstag« die Duellfrage erörtert und dabei an den Regterungskommiffar die Frage gerichtet: wie e» komme, daß auf Grund der Bestimmungen oeS Strafgesetzbuches niemals licher als im Traumland. Nur im Traume sauge ich Strahlen von der mich umgebenden Welt ein. Noch niemals habe ich mich in meinen Träumen blind gefühlt; ich sehe dann ebenso gut, wie in meinen lichten Jahren. Allerdings lebe ich auch träumend immer in meiner Anstalt; aber statt daß ich mich dann auf meinen Tast» und Gehörfinn verlaffen muß, kann ich alle Jnsaffen sehen; und wa« noch sonderbarer ist: obwohl ich nie in Wirklichkeit einen dieser Leute gesehen habe, erscheinen mir ihre Gestchter im Traume doch sehr bekannt und vertraut." — Diese intereffante Erfahrung steht nicht vereinzelt da; allen Personen, die erst im Laufe ihres Leben« erblindet find, scheint es ebenso ,u gehen. Blindgeborene hingegen kommen fich im �raum niemals sehend vor; man weiß von Blindgeborenen, die fich eine verhältnißmäßig große Bildung angeeignet und Vieles gelesen haben, daß fie nur von Mufik, von den Stimmen der Personen, mit denen fie zu thun haben, und allenfalls von Vorkommniffen träumen, die fich in ihrer Anstalt zutrugen. Dinge und Orte, die fie nur durch Beschreibung kennen, kommen ihnen nie. auch nicht durch da» bloße Gefühl, im Traume vor. Diese Thatsachen find gewiß von hohem psychologischen Werth. Et« Btld der freie« Konkurrenz. Große Heiterkeit er- regen in der Pfalz die Reklamen zweier Geschäftshäuser, die uuf ganz originelle Weise das Publikum an fich zu ziehen judwn- Die Firma Josef und Scharff in Landau inserirte FlederhoU im„Südpfälztschm Wochenblatt":„Freie Fahrt nach und»urfld gewährt die Firma Josef und Scharff vo Kr" psälzischen Station au» bei Einkauf von nur 20 M- h« Konkurrenten A. Hunden er in Steinfeld so ver. \" folgendes Inserat erließ:„Um jede Konkunenz, aÄ!« line Landauer Firma zu überbieten, habe mein ohnedies groß«» Lager in Manufakturwaaren vergrößert und verkaufe sammtliche Artikel, den heutigen Wollpreisen ent- -5� herabgesetzten Preisen. Bei Einkäufen von 20 Ä. vergüte ich die Eisenbahnfahrt sämmtlicher pfälzischen Stationen, bei größeren Einkäufen gebe freien Mitiagsttsch event. auch noch den Kaffee." Ein pfälzische« Blatt bemerkt d'" Herren Josef und Scharff nichts Anderes übrig bleiben, als ihre Kunden mit Austem und Champagner ZU regaliren. ÄtefeÄÄSÄ«« teMte i?%%%%;% Erde wachsen und ein Vernünftiger verachtet fie nicht." Jüngst gegen Ehrengerichte eingeschritten werde. Der Regierungs- Vertreter, kgl. sächfischer LandgerichtSrath Dr. v. Tischendorf, wie» in seiner Antwort auf zwei Urtheile de« ReichSgerichtS vom 29. Oktober 1881 und vom 18. Januar 1886 hin, auS welchen hervorgehe, daß nicht nur die Bestimmungen deS Strafgesetzbuches nach Anficht der Gerichte wohl geeignet seien, die Bestrafung von Mitgliedern von Ehrengerichten herbei» zuführen, wenn deren Thätigkeit den Thatbestand strafbarer Anstiftung oder Beihilfe zum Zweikampfe erfülle, sondern daß in der Tyat auch in geeigneten Fällen seitens der Staat»- anwaltschaften gegen Theitnehmer an Ehrengerichten ringe- chritten werde.— Auf eine andere Anfrage äußerte der Kom- miffar, daß eine speziell die strafrechtlichen Bestimmungen über den Zweikampf betreffende GesetzeSvmlage derzeit nicht in Vorbereitung sei. Im Uebrigen aber würden im Hinblick auf eine eoent. künftige allgemeine Revifion deS Strafgesetzbuches im ReichS-Justizamte alle Vorfälle mtt Aufmerksamkett ver- olgt, welche für eine solche Revifion Material zu bieten geeignet seien._ Kommunale». W. Pferdebahn übe» de« Mühlendamm. Für die Ausführung der Pferdedahnlinie Eptttelmarlt Mo kenmartt über den Müblendamm ist der Großen Berllner Pferde-Eisen« bahn- Aktien Gesellschaft nunmehr die polizeiliche Konzesfion er- theilt worden, so daß die Inangriffnahme des BaueS dieser für den Verlehr so überaus wichtigen Linie in nächster Zeit zu erwarten steht. w. Die fünfte städtische VolkS-Bibltothek ist von der Putttamerstraße nach der Gemeindeschule in der Wilhelm- sttaße 117 verlegt worden und wird gleich nach dem Osterfeste für die Benutzung de« Publikum« eröffnet werden. Die Ver- waltung derselben ist dem Gemeindeschullehrer Ditmar über« tragen worden._ Soziale» und Arveitervemegung. Ein Lehrvertrag hat, einer Entscheidung des Reichs- gericht» zufolge, keine verbindliche Kraft, wenn der Lehrling zur Erlernung deS betreffenden Handwerks unfähig ist, auch wenn diese Unfähigkeit bereits zur Zeit der Eingehung de» LehrvertragS vorbanden gewesen und nicht erst nachträglich eingetreten ist. Diese Annahme folgt auS den Grundprinzipien deS VertragirechtS, daß über unmögliche Leistungen Verträge nicht geschloffen werden können. Wie die Bergedorfer Bauunternehmer eS anstellen, um während deS Streiks der Zimmerer und Maurer billige Arbeitskräfte heranzuziehen, davon legt folgende» Schreiben Zeugniß ab: „Herrn Fritz Rohloff in Warsow(Mecklenburg).— In Erwiderung Ihrer Karte theile Ihnen mit, daß e» mir lieb sein würde, wenn Sie Montag, den 12. dsS., mit möglichst vielen Kameraden kommen wollten, namentlich auch Mauerleute. Ich werde Sie am Bahnhof erwarten, an dem Zuge, welcher um 7 Uhr 13 Minuten Abends hier ist. Für jeden Maurer. gesellen, welchen Sie mir überweisen, erhalten Sie 1 Mark grali«. Ich lege Zettel mtt ein, welche Sie an die Leute vertheilen können, welche hier am Bahnhof in der Hand zu hallm find, woran ich Sie erkenne. Wilh. Sager jr., Zimmer. meister." So wird's gemacht! Hoffentlich gelingt es den Bau- Handwerkern, ihre äußerst billigen Forderungen kotz der Kopfprämien auf Maurergesellen durchzusetzen, denn fie find e» bedürftig, wie dieser Winter auf's Deutlichste be. wiesen hat. Frühstückskasse für arme Schulkinder— diesen stolzen Namen führt ein Institut in Halle, durch welches arme Schul. linder in den kalten Wintermonaten in der Schule unentgelt. lich ein„Frühstück" erhalten. Elne solche Institution ist in der That lodenSwerth; besser noch wäre es, wenn auf Kosten der Gemeinden derartige Einrichtungen geschaffen würden. Die« selben würden dann jedenfalls segensreicher sew.— DaS Früh stück besteht nämlich in Halle auS einem Brödchen und einer Suppe. Wenn die Suvpe gut und kräftig ist, so ist daffelde auch ausreichend- 20000 solcher FrühstückSportionen wurden in der Zett vom 19. November 1885 bis 31. März 1886 ver» abreicht. Man steht, daß Noth genug vorhanden war. Soweit wäre nun Alles ganz in der Ordnung. Da aber erfährt man au» dem Rechenschaftsbericht, daß ein solche«„Frühstück" für die Person fich auf den Preis von 4,/ioo Pfennig stellt. Rech net man auf das Brödchen 2 Pf.(im einzelnen lostet daffelde 2'/, Pf.), so bleiben für die Suppe gleichfalls nur etwas über 2 Pf. übrig— da« scheint unS doch sehr bedenklich. Ob eine solche Suppe wohl den Namen Suppe verdient oder ob die. selbe nur für die Wohlthäter Reklame machen soll? Wir glauben da« letztere. Vom Splitter und vom Balken. Mit welchem Rechte Hirsch Anderen vorwirft, daß fie durch„billige Beilräge" die Arbeiter anlocken, darüber delehrt uns übrigens Herr Kamin. Vorfitzender deS Gewerkvereins der Maschinenbauer, in Nr. 9 wurde in einer Klaffe unserer Bürgerschule„Heimathkunde" be» trieben. Der Herr Lehrer sprach von den Mineralbrunnen Homburgs und von den Brunnenanlagen; er gedachte dabei auch der schönen Einfriedigung und Ausschmückung de« Elisa« bethenbrunnen und sagte dabei:„Es steht auch da nächst dem Brunnen ein schöner Bibelspruch; weiß Einer mir den anzu» geben und herzusagen?" Kleine Pause. Da«kd ein Finger- chcn gestreckt und ein Bübchen schaut freudig zum Lehrer auf „Ah, Du kennst den schönen Spruch? Nun, säg' ihn einmal her". Und da« Bübchen spricht im Ton de« Lesen», doch ganz fließend:„Die verehilichen Kurgäste werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Brunnenmädchen kein feste« Gehalt beziehen, sondern nur auf Trinkgelder angewiesen find. Und wirk« lich ist auch dies Sprüchlein an der Etnfaffung de» Brunnen« zu lesen. Ein tapferer Lokomotivführer. AuS Kopreinitz wird folgendes gemeldet: Die Paffagiere deS zwischen Zakany und Karlstadt verkehrenden Postzuges wurden heute durch die GeifteSgegenwart de» MaschinenführerS vor einer großen Ge fahr dehütet. Gegen 5 Uhr Nachmittags erhob fich plötzlich ein schrecklicher Slurm, der auf der Station Lipavina vre leere Waggons ins Rollen brachte und dieselben dem anfahren« den Postzuge mit rasender Schnelligkeit entgegentrieb. Der Zusammenstoß schien unvermeidlich. Noch rechtzeitig bemerkte der Maschinensührer die Gefahr, brachte den Zug zum Stehen, ließ die Maschine loskoppeln und fuhr mit derselben mit aller Kraft dm heranrollenden Wagen entgegen. DaS Wagniß ge« lang. Zwei der Waggon» wurden zwar total zertrümmert, der dritte schwer beschädigt, aber der wackere Maschinmführer hatte mit Gefährlichkeit semeS eigmen Leben» ein großes Unglück verhütet, ohne glücklicher Weise selbst Schaden zunehmen. Nach zwei Stunden war die Skecke frei und der Zug konnte seine Fahrt fortsetzen. Tragisches Ende eine« Volkskomponisten. August Lefimple in Köln erinnert daran, daß eS am 13. April gerade 50 Jahre waren, daß ein Volkskomponist in höchster Armuth und unsäglichem Elend gestorben ist, der wie Wenige diesm Namen verdiente,— Ferdinand Kauer, der Schöpfer des „DonauweibchenS". Er schreibt weiter über denselben:„Kauer lebte in einer anderen Zeit, als der heutigen, in der die Mustker Deutschlands fich Gold zu Hause verdienen, um, wenn fie wollten, fich mit allem LuxuS zu umgeben. Wir brauchen nicht zu weit zurückzugreifen, um einer Zeit zu gedenken, da deutsche Mustker, deren Werke auf allen Bühnen eingebürgert waren, alle Herzen entzückten, die ganze MisSre deS Leben» deS„Regulator". Herr Kamin behandelt dort die„nächsten Aufgaben der Gewerkoereine" und leistet den Satz: „. Freilich wird eS schwer halten, daS nachzumachen, waS die beidm genannten Vereinigungen(Deutscher Buch- drucker- Verband und Englische Maschinenbauer) vorgemacht haben, weil die Mittel hierzu nicht in dem Maße vorhanden sind. Es ist diese« ein Fehler, der bei Gründung der Gewerk- vereine gemacht und schwer zu verbeffern ist. Damals setzte man einen recht geringen veitrag(!) fest, damit der Beikitt erleichtert wurde, die Maffe sollte eS bringen. Doch die Erfahrung hat gelehrt, daß dieser Grundsatz bei der Kranken- und Jnvalidenkaffe nicht auftecht erhalten werden konnte, sondem bald Erhöhungen der Beiträge eintreten mußten. Daffelbe wird geschehen müffen für die Allgemeine oder GewerkvereinSkaffe, wenn die wirklichen Ziele der Gewerk- vereine,„dem Arbeiter in allen Lagen des Leben» zu helfen", auch ganz zur AuSfühmng gebracht werden sollen."— Jede Bemerkung unsererseits ist hierzu überflüsfig. Herr Hirsch aber ist durch diesen Satz eine» enfant terrible arg in Hämisch gerathen und polemifirt nun im„Gewerkverein" gegen den Zersplttterer". Lohnerhöhungen. Itzehoe, 13. April. Nachdem erst vor Kurzem die hiefiam Maurergesellen eine Lohnerhöhung zu erreichen gewußt, haben nunmehr auch die Zimmergesellm am hiefigen Platze eine solche erreicht, indem von den Arbeit- gebem freiwillig bestimmt wurde, daß bei einer lOstündigen Arbeitszeit der Tagelohn 3M. 60 Pf. bekagen soll; außerdem find für Arbeiten außerhalb Itzehoe« 30 Pf. pro Tag extra zu zahlen. Die polizeiliche Schließung de« Manrer-Fachveretn« in Altona erfolgte Montag Nachmittag, trotz der in dieser Sache schwebenden BerufungSklage und durfte in Folge dessen die auf Montag Abend anberaumte Versammlung nicht flatt» finden. Der Streik der Steinmetzen in Halle kann als beendet angesehm werden, da die Meister eine Lohnerhöhung, wenn auch nicht völlig in dem von den Gesellen verlangten Maße, zugesagt haben. Man bittet aber, den Zuzug noch für einige Zeit fern zu halten, bi« die Angelegenheit völlig geregelt ist. I« der Hofmöbelfadrik deS Herrn Glückert in Darm« stadt kam es am 12. d. M. zum SKeik. 20 Mann, Schreiner, legten wegen Verweigerung der lOstündigen Arbeitszeit die Arbeit nieder. Bei genauer Information werden wir mehr über die Angelegenheit dringen. Der Streik der Pferdebahnkntscher in New-Iork bat gerade einen ganzen Tag gedauert. Am Morgen deS zweiten SKeiktageS machte die Direktion bekannt, daß fie sämmtliche Forderungen der Streikenden bewillige. Auch die verlangte Lohnerhöhung bis zum BeKage von 2 Dollar« bei e nem Arbeitstage von 12 Stunden wurde zugestanden. Am Mittag waren bereit» sämmtliche Kutscher wieder in Thätigkeit und fand der Verkehr wie gewöhnlich statt. Der Streik ifl durch da« energische Auftreten der Deputation der Kutscher zu einem glücklichen Ende geführt worden. Mereine und Nersammwngen. Die Stuckatenre Berlin« begaben fich am Montag, den 12. d. M., Abends, nach Schluß der in Niest'S Salon stattge« fundenen öffenllichen Versammlung nack dem in der Neuen Grünstr. 14 befindliche Restaurant Nentwig's, um hier da» Resultat abmwatten, welche« die von der Lohnkommisston ab» gesandten Mitglieder von der um diese Zeit tagenden Meister- Vereinigung dringen würden. Elne Deputation der Meister. Vereinigung hatte in der am Sonntag, den 11. d. in Nteft's Salon stattgefundenen öffentlichen Versammlung der Stuckateure die Verflcherung gegeben, daß die Meister- Vereinigung ihre schriftliche Einwilligung zu dem Lobntarif Montag Abend geben will. Da daS Lokal nicht alle Stuckateure fassen konnte, so stand der größte Theil debattirend auf der Straße und eS war ein Leben und eine Aufregung, als befände man fich in der Zeit der Wahlen. Manch' Auge sah sehnsüchtig die Straße entlang, bei manchem war der Argwohn gekommen, daß noch im letzten Augenblicke AlleS scheitern könnte und daß die am Morgen angefangene Arbeitseinstellung doch fortdauern könne. — Da nach zweistündiger banger Erwartung erschien die De« putation der Lohnkommisston, schon von weitem rufend: Der Sieg ist unser I Ein hundertfaches Hurrah begrüßte fie. Welche ergreifende Szenen fich jetzt hier abspielten, kann nur »ÄnÄ A. ÄÄÄ 6cs Ja. W* eiudattuw babm gl5n»-ndrn �s°l? dmchchf, genommen) voll und ganz bi» zum 15. April 1887 bewilligt worden. ES ist dieS ein Erfolg, wie ihn bis jetzt keine Korpo« ration so schnell aufzuweisen hat. Noch im Ottober vorigen JahreS kaum 60 Mitglieder stark, gehören jetzt dem Fachoerein �Mitglieder, der Bewegung und Vtitbetheiligung zum UnterstützungsfondS aber 450 Stuckateure, von 500 in Berlin erfahren mußten, um schließlich wahrhaft tragisch zu enden, wie die l.ebenSwürdigen Tonmeister Konradin Kreutzer und Albert Lortzing, deren Schicksale ja bekannt find. Die Gene- ration ist fast ganz zu Ende gegangen, welche die Glanzzeit eines Wenzel Müller, eineS Krd. Kauer durchlebt hat. am Ende de» vorigen, in den ersten Dezennien diese» Jahrhundert». Im Anfange der dreißiger Jahre find fie Beide, von der Mttwelt vergessen, gestorben. Von Zeit zu Zeit sah man da« malS noch ihre Hauptwerke auf dem Repertoire:„Teufels» wühle" und„Donauweibchen". Jetzt find fie wohl für immer todt und in den Theater-Archiven begraben.! Ferdinand Kauer war 1751 in Mähren geboren. Wien war die Stätte, von wo seine Werie in die Halde Welt gingen. An 200 theatralische Singspiele und Opern hat er ge» schaffen, fast Alle» echte Wiener Volk»- und Zauber- Opern. Wenzel Müller kam ihm an Zahl gleich. Von letzterem erzählt man. daß er damals auf Mozart stolz herabgesehen habe, da er nicht begreifen konnte, wie man von einem Mustker so viel Wesens machen könne, der nur steben Opern zu Stande gebracht habe. Die Maffe mußte es thun. Die Schwänke der damaligen VollSoper bildeten da» Entzücken deS Publikum», die Melodien faßten sofort Fuß bei Alt und Jung, und Arm und Reich sang fie. Der heftete Sinn der Wiener konnte keine schönere Nahrung haben: alle diese Mufik floß auS einem gesunden, nicht zu erschöpfenden Born und ward sofort Gemetnaut Aller.— Ferdinand Kauer, lange Dirigent der Wiener Volksoper, mußte aber nach und nach Platz machen, al» die moderne italienische Mufik fich ein- zubürgern begann. So wurde auch Ferdinand Kauer bei Seite geschooen und vergessen, und alsbald war er für Wien au» der Welt verschwunden. AIS im Jahre 1830 die Donau ihre Fluthen verheerend über die Ufer wälzte, da rettete man auch einen unbekannten hochbetagten GreiS, der ein kleine» Quartier in der Vorstadt, an der Donau gelegen, bewohnt hatte, vor dem drohenden Waffertode. Sein bischen Hab und Gut war verloren, auch seine letzte einzige Freude, sein Notenschatz, fortgeschwemmt worden. Elend und in Kümmerntß schleppte er noch seine Tage hin, bi» ihn der rettende Tod auS einer Welt befreite, die er zwei Menschenalter hindurch mit seiner Muflk deglückt hatte. In Tausende von Herzen hatte er mit seinen heueren Melodien Freude geaoffen, nun starb er freud« lo» und verlassen, ein in seinem Wien fremd Gewordener» im höchsten Greisenalter an Entkräftung dahin. Wahr« lich ein tragische» Ende, wie eS tragischer nicht gedacht werden kann." btschafttgteu, an. Habm die Stuckateure diesen Erfolg theili nun ihrer Einigkeit zu verdanken, so haben ste andernthellS eS verstanden, ihre Forderungen maßvoll aufzustellen. DieS habm die human gefinntm Mnster erkannt; außerdem rrarm die- selben zu der Erlenntmjj gekommen, daß die Gehilfm bei der Dmchfüdrung dei Lohntarifs für alle Werkstättm dai Ziel im Auge haben, die bis jetzt im Etuckgewerbe betriebme unwür« dige Konkurrenz zu beseitigen, was die Meister allein nicht im Etande waren. Von dieser Einstcht geleitet, warm bereits am Sonntag früh die schriftlichen Einwilligungm von zehn Prin- zipalen angelangt, und die nun in der öffentlichen Versamm- lung erschienene Deputation der Meistervereinigung ersah auS dieser Bekanntmachung, daß nichts mehr abzuhandeln sei und versprach veShald die Einwilligung, da so wie so die Nachfrage nach Arbeitskräften sehr groß ist. Außerdem hafte aber auch die Deputation aus den Ausführungen deS mitanwesenden Vorfitzmden de» Fachvereins der Putzer ersehen, daß die Stuckateure sehr wichtige Verbündete habm. Die Meister» Vereinigung hat sich nun in dem Kontrakt außerdem verpflichtet, nur Arbeiter au» dem Fachveretn beschäftigen zuwollen, während die Stuckateure die Verpflichtung übernom» men haben, bei keinem Meister derVereini« Sung billiger arbeiten zu wollen, als wie der ohntarif vorschreibt. Möge dieser schöne Erfolg ein gutes Omen für dieses Jahr sein. Der Kachverein der Metallschraubeu-«ad Kaeon» dreher Berlins hielt am 11. d. M. in Wcick'S Lokal, Alexanderstr. 31, eine Generalversammlung ab, in welcher zu« nächst der Vorsitzende mittheilte, daß da» langjährige Vereins« Mitglied, der Schraudmdreher Wilhelm Lehfeld, gestorben ist. Die Versammlung ehrte da» Andenken des Verstorbenen durch Erhedm von den Sitzen.— Der Rendant Herr Zimmermann erstattete hierauf den VterieljahrSbericht. AuS demselbm ging hervor, daß daS VereinSvermögen fich im letztm Vierteljahr dank der Opferwilligkeit der Kollegen um 350 Mark vermehrt hat, so daß der Kassenbestand am 28. Februar 1886 560 Mark betrug. Femer erstattete der Rendant Bericht über die zm Unterstützung der streikenden Kollegen in der Fabrik von Schaal, VoL u. Co. eingelaufenen Gelder. Nachdem die Re« visoren die Richtigkeit der angegebmen Summen bestätigt, be» dauert der Vorfitzende, Herr Jacobs, daß fich der Verein sehr getäuscht habe, wmn er bei dem Streik auf die Unterstützung der anderen Gewerlschastm— wenigstens derjenigen Gewerkschaften, welche gelegentlich von den Schraubendrehern unter. stützt wurden— gerechnet hat. Außer den Formem und Knopfarbeitern und B'rufsgenoffm hätte keine Gewerkschaft fich an der Unterstützung der streikenden Schraubendreher w.detheiligt. Am didauerlichstm sei dies von dm Schloffem und Näh- maschinencrdeftern Berlins. Grade für diese hätte der Fach« verein der Schrauben- und Facondrehcr zur Zeit des Streiks bei Frister u. Roßmann über 3000 M. geopfert. Bedauerlich sei eS, daß fich unter den Schloffern solche befinden, welche da, wo die Schrauben- und Focondreher streiken, in Arbeft treten. Redner forderte olle Kollegen auf, selbst ihr möglichstes zur Unterstützung der Streikenden zu thun, hier heiße es jetzt: „Selbst ist der Mann." Herr Hirsch führte auS, daß der Fach« verein nicht gmug in die Oeffentlichkeit trete, sehr viele Ar« heiter wüßten gar nichts von einem Streik der Schraubm- dreher. Der Vorfitzende weist darauf hin, daß sämmilich« Ge« werke, mft denen fick die Schraubendreher k. bisher solidarisch erklärten, von dem Streik schriftlich benachrichtigt worden find, aber nm die Former und Knopfmacher hättm davon Notiz ge« nommen. lieber den Streik dei Weise führte der Vorfitzende folgendes aus: Herr Weise hätte bis jetzt fich noch nicht ge« müßigt gesehen, eine Einigung mit den Streikmden herbei- zuführm, vielmehr habe derselbe Schloffer an die Platze der letzteren gestellt und zahle er denselbm an den Schrauben. bänken 15. an dm Facondanken 18 M. Lohn. Wie weit Herr Weise damit kommt, habe fich im Laufe der vergangenen Woche gezeigt: gewiß wärm ihm die Lohnarbeiter zu theuer geworden und ra habe er dmn die Schloffer in Akkord gestellt. Die Schloffer verdienten deshalb jetzt nicht mehr 15 respektive 18 M„ sondern 8 bis 12 M, so daß von den 5 Schlaffem, welche bei Weise aibeitm, 3 die Arbeit niedergelegt haben. Es sei nun ein Antrag eingegangen, diese Schloffer, da fie nun auch arbeitslos wärm, zu unterstützm. In der Diskusfion bekämpfte Herr Vogt diesen Antrag aufs Heftigste. Redner führte aus, daß, wmn die Schlosser, trotzdem fie wußten, daß in der Fabrik von Weise gestreikt wurde, dennoch daselbst Arbeit genommen haben, dieselben auch vom Fachverein keine Unterstützung erhallen könnten. Ter Verein solle einmal ein Exempel statuirm.'er fordere die Versammlung auf, den Antrag abzulehnm. Die Versammlung lehnte darauf mit allen gegen eine Stimme den Antrag ab. Nach Erledigung einiger Unter« stützungkgesuche wurde deschlossm, dm nächstjähiigm Vereins- Maskenball am 22. Januar in Keller'S Salon abzuhalten. Die Sitzungen der Fachkommisfion stndm vom Donnerstag, den 15. d. Mts. ab alle 14 Tage bei Foge, Köpnickerstraße 191, statt. th. Die Arbeiterinnen der Buchbindereien, LnxuS« pahier-, Karton- und Albnmfabrike« u. hielten am 14. d. M. in„Sanssouci" eine Versammlung ab, um über die Frage zu berathen:„Wie ist für die Arbeiterinnen ein höherer Lohn und eine bessere Lebensstellung zu eizielm?" Der Re« fermt, Herr Buchbinder Michelsen, verwies die Ardeiterinnm auf dm Weg der Organisation und der Gesetzgebung. Die Frauenarbeit habe als billigere Arbeitskraft namentlich in obi« gen Branchen die Männerarbell immer mehr verdrängt und werde elend bezahlt. Da mit der Fraumarbell gerechnet werden müfie, seim die Frauen, um die Männer nicht zu schädigen, gleiche Löhne mft diesen zu fordern und energisch mit einzu« treten in die Bewegung verpflichtet. Die Arbeiterbewegung sei nur eine halbe ohne die Frauen. Die Gesetzgebung könne nur etwas für die Frauen thun, wenn fie fich selber an diese wenden und Einfluß auf dieselbe zu gewinnen suchen. Frl. Jagert: Recht unliebsame Szmen haben fich in letzter Zeit in der Arbeiterinnmbewegung abgespielt. Der Verein zur Ver» tretung der Jntereffen der Arbeiterinnen hat mit diesen nichts zu thun. Wir wollen Lohn für unsere Arbeit, nicht Geld er« betteln. Die Einen rathen uns, in die Kirche zu gehen, davon werden wir nicht satt; die Andern rathen uns, bei den Arbeit» gebem vorstellig zu werdm, daS nützt nichts; die einzige Hilfe für uns ist, eine feste Organisation zu bilden und die Arbeit niederzulegm, wo die schlechtesten Löhne gezahlt werden, wie es bereits in der Fabrik von Schäfer u. Scheibe geschehen ist. Leider waren die betreffenden Arbeiterinnen nick! Mitglieder des Vereins, zu ihrem eigenen Schaden. Jede Frau, welche einem Verein beitritt, thut einen Schritt zur Verbefferung der allgemeinm Lage. Es ist falsch, die Frau in das HauS verbannen zu wollm, ste gehört der Oeffentlichkeit ebenso an, wie der Mann. Vor allem müsse die Nachtarbeit verschwinden. Wer Nachts arbeite, könne bei Tage nicht arbeiten; Fabrikanten nehmen allerdings keine Rückficht. Hier lönne nur eine feste Or- ganisatton helfm. Gemeinsam mit den Männern den gemein« samm Zielm zustreben, sei Pflicht der Frauen. Frau Ferkau nahm sodann Belegmheit, noch einmal auf die letzten Vor- tänge zurückzukommen. Sie maß Herrn Stöcker nicht soviel Inziehungtkrast bei, um die Frauen zum Kirchenbesuch zu ver« anlaffm. Nachdem noch von mehreren Seiten die Nothwendig« keit einer festen Organisation betont und der„Arbeiterinnen- Verein" empfohlm worden war, erfolgte der Schluß der Ver- sammlung. t Die vorgestrige Arbeiterinnen-Versammlung bot wieder ein recht unerquickliches Bild persönlicher Zänkerei, Ver- dächtigungen und Verleumdungen. Wir det! achten ei nicht als unsere Aufgabe, hierüber auch nur eine Zeile zu bringen. Sachlich wäre zu erwähnen, daß Frau Vötting als Referentin über die„Arbeiterinnenbewegung und die Parteien" sprach und nach einer Krftik ihres Verhaltens zu dem Resultate kam, daß die Frauen allein von der Arbeiterpartei eine Förderung ihrer Jntereffen erwarten dürften. Diese Ausführungen, die später noch von Herrn Berndt ergänzt wurden, fanden lebhaften Bei« fall. Ali nun Herr Quintern roch des Näheren über die Stellung der Sozialdemokratie zur Mäntel- Näherinnen Be- wegung sprechen wollte und einen ziemlich ungeschickten Ausdruck gebrauchte, erfolgte die polizeiliche Auflösung. Alle« Etnckatenren zur Nachricht, daß der von uns aufgestellte Lohn-Tarif von 35 dcr Musieroeltinigung angehörenden, sowie von 24 derselben nicht angehörenden Meistern diS zum 15. April 1887 angenommen und eigenhändig unter- ' aufmerk« schrieben ist. Wir machen aber auch gleichzeitig darauf sam, daß noch 3 der Vereinigung angehörende Firme rmen: Lehr, MardhauS und Günther, sowie 4 derselben nicht angehörende Firmen: Vintz, Becker u. Weidt, Lindemann- Charlottendmg und Schlötzer- Steglitz, noch im Ausstande find, und ersuchen unsere Kollegen, die Arbeit dort nicht eher aufzunehmen,* diese Firmen dewilligt haben. Die Lohnlommisston. o-*• Otto Heindorf, Blumenstr. 45. All«. Kranken« und Sterbekasse der MetallarM (E. H. 29 Hamburg, Filiale Berlin IV). Die für Sonoab» den 17. d. M., anberaumte Versammlung fällt aus. nächste Versammlung findet vorautstchtlich am Sonnabend,% 22. Mai. statt._ * Bezirksverein der arbeitende« Bevölkern««� Süd»Westen Berlins. Versammlung am Montag, den l»" Mts., AbendS 8Vi Uhr, in Krieger'S Salon(früher Conilm- Wasserthorstr. 68. Tagesordnung: 1. Vortrag über lorntmin® Angelegenheiten. Referent Herr Stadtverordneter TuM 2. Verschiedenes. Fragckasten. Die H«rrm- Fußpartie P* am Sonntag, den 18. d. Mts., statt. Treffen Gneisenau- � Solmsstraßenecke bei Lindrnborn. * Etsenbahnarbeiter Große öffentliche VersamM heute Abend 9 Uhr in Altermann'S Saal. Dennewitzstr-� Tagesordnung: DaS EisendaHn-Arbeiter-Penfionsgesetz." ferent: Herr Fritz Krüger. Diskussion. Verschiedenes. * Außerordentliche Versammlung der Platzdeputinj der Zimmerlente Berlin« und Umgegend heule% 8 Uhr, in Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstraße Tagesordnung: 1. Empfangnahme der Fragebogen 2. A fchiedeneS. Alle Kameraden, ob dieselben auf dem Platzes auf dem Bau beschäftigt find, werden ersucht, einen aus V Mitte iu entsmden. Von der Betheiligung wird eS adhäv die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten. * Verein der Maschinisten und Heizer. Sons Nachmittag 5 Uhr, Neue Jakobstraße 24—25, Vortrag J Maschinenfabrikanten Herrn Ziegler über:„Die Bed«utunt' Kolbenringe". Gäste haben Zutritt. In der freireligiöse« Gemeinde spricht am Son« Vormittags 10 Uhr, Rosenthal-rstraße 38 Herr Schäfer ü| „DaS Gesetz der Freiheit im Geiste der Humanftär". Zrf steht Jedem frei. Eine Generalversammlung der Mäntelnäheri« und Trikottaillen- Ardeiterinnen findet Frettag, den 16. Abends 8'/- Uhr, Rosenthalerstt. 4(Grand Restaurant, statt. Berichterstatter haben Zutritt. * Fachverei« der Ltthogravhiestetnschleiser. Vercinsversammlung fällt in diesem Monat auS, dagegen I det am Sonnabend, den 17. d. M-, Abends 9 Uhr, ein abend statt, in SeefeldS Saal, Grenadier ffr. 33. Für und humoristische Unterhaltung ist gesorgt. Zentral-Krauken««nd Sterbekasse der Maler verwandten BerufSgenossen(E. H. 71 Hamburg). Diensta 20. d. M., AbendS 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung, Jakobstr. 33. �* Oeffentliche Arbeiterinne«« Versammlung Abend 8Vi Uhr im Lokale des Herrn Jakodp, Landsb straße 82. Die Schirm- Arbeiterinnen werden speziell recht zahlreich zu erscheinen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2.» kusston. 3. Verschiedenes. Männer haben Zutritt.: Verein zur Wahrung der materiellen Jnteress�» Fabrik- und Handarbeiter. Versammlung Sonntaz-z 18. April, VormitagS 10'/. Uhr, bei Malitz, Andrea»»? Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Bericht der Re«� 3. Vorttag deS Herrn Metzner. 4. Verschiedenes. - Kriefkasten der Redaktion. Gerecht. Die Herrschaft haftet für die Kurkoften � GosindeS, wenn fich dasselbe eine Krankheit durch den oder bei Gelegenheit deS Dienstes zugezogen hat, in der 9" nur für die Dauer der MtethSzett. Ueder diese Zeit h» nur altdann, wenn die Dienstherrschaft durch auch nur gen Versehm die Erkrankung verschuldet hat, oder wenn das finde eine destimmte Vorschrist der Dienstherrschaft befolgen können, ohne fich der Gefahr der B' schäbig M zusetzm. Wenn also Ihre Braut auf'ausdrückliche Änor�-j der Herrschaft die Fenstir geputzt und fich hierbei RW� mus zugezogen hat, so muß die Herrschaft ihr nicht nur, Kurkosten, sondern auch ihren sonstigen Schaden, auch% Zeit nach Beendigung des Dienstes ersetzen. Wenn die\ schaft nicht gutwillig zahlt, so kann dieselbe beim Amttfr verklagt werden.- Theater. Freitag, den 16. April. vteernhaaS. Marie, oder: Die Tochter de» Regiments. «chansVielhanS. Tilli. Dentfche« Tbeater. Zum ersten Male: Die Liebcs-Botschast. S«ll»er»Theater. Der Raub der Sabine- rinnen._, Reftdenz« Theater. Frau Doctor, Schwank ftr 3 Aften von P. Ferrier u. H. Bocage. Vorher: Die Schulrefterin. Belle»Allianee-Theater. Der Bettelstudent. Ortedrich-WilhelmstädttscheS Tpeater. Der Zigeunerbaron. Walhalla« Theater. Das lachende Berlin. HeUeres aus der Berliner Theatergeschichte mit Gesang und Tanz in einem Dorsriele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Uentral-Theater. Der Stabs« Trompeter. MttoriZ« Theater. Wegen„Amor".Probkn geschloffen. Loniseustädtisches Theater. Kabale und Liebe. vvead-rcheater. Die Loreleq. Rmeriean» Theater. Große Spezialttäten« Borstellung. Theater der NeichShallen. Große Speziali- täten-Vorstellung. Kaafmann'« Variete. Große Spezialitätn- Lorftellung. Koakordia. Große Spezialitäten-Vorflellunge Äußernd. Geueral Versammlung des Kerb. deuWer Zimerleutc sämmtlicher Lokalverbände von Berlin und Umgegend findet am Sonntag, de« 18. d. M., Vor- mittags 10 Uhr» in Keller s Kalo«, Andreas' straße 21, statt. Tagesordnung: 1. Wahl von 5 Delegirten zum Handweitertag am 13., 14. und 15. Juni in Breslau. 2. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden MftgliedeS, in dieser Versammlung zu erscheinen und seine In. tereffen zu vertreten.[1363 Aufnahme neuer Mitglieder. QuittungSbuch legftimirt. I. A.: Znl. Dargr, KöSlineistr. 3. Generalversammlung der[1364 Alhambra-Theater. Wallnertbeaterstraße 16.[1200 Heute und die folgenden Tage: Berliner auf Reisen. Gejangs-BurleSke in 3 Allen. Vor der Vorstellung: Gx, Konzert der Hlmskapeke. Nnfang de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr. der Vorstellung 7«/. Uhr. Wang Sei? Konzert» Sonnt d« l------' Hsnk haben Wo „................... v. 6 Uhr. der Vorstellung 7'/» Uhr. ... Lochentag» Giftigkeit und find im Me-Inbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. aurer Berlins und Umgegend Sonntag, de« 18. April. Norm. 10 Uhr, in der Tonhalle, Fried richstr. 113. Tagesordnung: ]n KeschlnMng der tkhtell Meiflnvttsllm«t»g. Der Fachverei« der Kerllner Stuckateure veranstaltet am Sonntag, den 18. April, Vormittags 11. in Kaufmann s Uarietee am Alexandcrplatz eine natlnee durch Auf» führen der gesammten Spezialftäten der dortigen Künstler zum Besten der Hinterbliebenen Wittwe mit 7 Kindern des plötzlich verstorbenen Kollegen Inlin» St-lher. BtlletS, a 30 Pf., find zu baden det Fritz Görcki. Max Kreutz, Ferdinand Mitan, sowie an der Kaffe,- 50 Pf. _ Da» Komitee:[1357 Heindorf. Schulz. Möwe». Handle. Schmiedel. 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Zur Brra'.hung steht zunächst der Gisetzcntwurf, betr. die Beförderuna deutscher Ansiedelungen in den ProvinzenWe st preußen und Posen, welchen die Kommiifioi so, wie fie vom anderen Hause beschloffen war» den ist, unverändert anzunehmen empfiehlt. Referent M i q u e l: Die Bedürfnißfrage, die Frage, ob die Lage in diesen Provinzen die Verwendung von 100 Mill. aui Staatsfonds rechtfertige, wurde von der Kommission in alten Beziehungen besaht. Das Bedenken, daß das Ensemble der Maßregel zur Stärlung deS deutschen Elements, welcher Zweck an fich durchaus nickt zu mißbilligen sei, nicht reiflich genug erwogen, daß diese Maßregeln den Schein einer Politik ab irato trügen und vielfach verstimmen und vcrl-tzen würden, ohne etwas Anderes zu erreichen, als eine wesentliche Verschie- vung deS GrunddesttzeS in zwei Provinzen, dies Bedenken wurde von der Kommisfion nicht gelheilt. Denn die unerläß- liche Verschmelzung der polnischen Bevölkerung mit dem preußischen Staat sei noch nicht erreicht, trotz aller Wohl- thaten verfolge ein Theil dieser Bevölkerung, wenn auch nicht gerade direkle Bestrebungen für eine Loßreißung von Preußen, aber den Entschluß, unier allen Umständen als treue preußische Unterihanen bei P:eußen zu bleiben, habe sie definitiv noch nicht gefaßt, laffe vielmehr in dieser Beziehung alleS von Eventualitäten in der Zukunft von den Ereigniffen abhängen. Ja dem ritterlichen Sinn, der fie beseelt, machen diese Herren auch aus dieser Gemüthsstimmung gar kein Hehl und ich persönlich kann mich in fie sehr wohl hineindenken. Aber wenn fie gerecht sein wollen, können fie doch auch dem preußischen Staat nicht verargen, daß er solchen Tendenzen ent» schieden entgegentritt und fich für seine Sicherheit solche Boll- werke und Fundamente in diesen Provinzen schafft, daß solche Hoffnungen auf zukünftige Ereigniffe keinen Boden mehr haben. Die Schule allein reicht dazu nicht aus. Die polnische Ratio» ttalität als solche zu bekämpfen, ihre Sprache zu unterdrücken, sie allmälig verschwinden zu laffen, halte ich durchaus nicht für «rfoiderlich, aber jeder Pole muß deutsch verstehen, das ist die Voraussetzung lebendiger Zusammengehörigkeit mit dem preußischen Staat, zugleich für ihn die größte Wohlthat, die Thüre, durch die er eintritt in die große deutsche Kultur, der er schon so viel verdankt und deren er auch in Zukunft nicht entbehren kann. Aber dle Schule allein, welche die Kinder im 14 Jahre in die Familie, in ausschließlich polnische Verhält- wffe, vielfach unter ausschließlicher Leitung eines polnischen Geistlichen entläßt, kann diese Aufgabe nicht erfüllen. Nimmt doch die Zahl direr, welche nicht deutsch reden und verstehen, in fenen Piovinzen nicht ab. sondern sogar zu. Eine Kampfes- vorläge ist der Gesetzentwurf nicht, Gewalt und Vergewaltigung planen wir nicht; er ist eine Abwehr und Kulturoorlage. Nie- mand soll Gewalt angethan werden. Wir kaufen von solchen, dt« verkaufen wollen, und fiedeln, ohne zu verdrängen, solche Deutsche an, die eine Heimstätte zu errichten bereit find. Immer bleibt die Vorlage nur ein Versuch, deffen Gelingen wesentlich von der Ausführung abhängt. Mißlingt er, so würde nur ein entsprechender Theil der 100 Millionen zur Verwendung kommen. Die Anfiedlungen sollen auf gutem fruchtbaren Boden stattfinden, damit die Anstedler auch wirklich prospe« riren, und zwar in geschlossenen Gruppen, die ganze Dörfer herstellen müssen, womöglich von Menschen von gleichen Sitten und Gewohnheiten, auS derselben Gegend und vielleicht auch von gleicher Konfesston. Man hat die Befürchtung geäußert, wenigstens habe ich das in den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses ge- lesen, daß hier«in Angriff gegen die Jntereffen der katholischen Bevölkerung beabstchtiat werde. Ich für mein Theil würde kaum selbst für diese Vorlage stimmen können, wenn ich be- fürchten müßte, daß diese 100 Millionen in irgend welcher Weise zu Gunsten der einen oder zur Zurücksetzung der andern Konfesfion verwendet würden. Uns müffen alle deutschen An- fiedler gleich lieb sein, welcher Konfesston stc sein mögen, und für die religiösen Bedürfnisse beider muß in ganz gleicher Weise gesorgt werden. Selbst diejenigen— man muß hier offen sein— welche ein stärkeres Ferment, eine größere Festig- keit allein in den Einwanderern evangelischer Konfesston sehen, welche von der katholischen eine Wiederholung der Erfahrung befürchten, daß polnisch« Geistliche deutsche Katholiken zum Polenthum hinüberziehen, selbst diese müssen ihre Bedenken zurücktreten laffen. Alle Deutschfreundlichen müssen fich an diesem nationalen Unternehmen betheiligen und st: können es mir, wenn jede konfessionelle Rückficht bei Seite gesetzt wird. Dann werden die Stimmen drrer, welche in eine so große nationale Aufgabe Zwietracht und konfessionellen Hader hineinwerfen, bald verhallen und kein Gehör mehr finden. DieS ist eine Aufgabe der gesammten Kation und muß alS solche aufgefaßt werden. Wo deutsche Minoritäten bereits vorhanden find, wird man fie stärken müffen. Hundert Millionen, das ist eine Ziffer, die groß klingt und Viele erschreckt hat, aber sehr viel kann mit ihr zur Umgestallung der nationalen Verhältnisse dort nock nicht er- reicht werden. ES wird daher das Geld sehr zu Rathe ge- halten werden, man wird mit Wenigem viel zu erreichen suchen müffen. Wenn die«ine Hälfte jener Summe auf den Grund und Boden(500 M. pro Hektar im Durchschnitt), die andere auf die Einrichtungskosten zu rechnen ist, so können damit etwa 18—20 Quadratmeilen erworben werden, womit die Besttzverhältnisse in der Provinz die befürchtete umwälzende Verschiebung gewiß nicht erleiden werden. Schließlich wird fich nvr �Grundbesitz in der Provinz durch die Verwendung der .,�7 Vttllionen noch vermehren, indem für Anstedelung unge- große Befitztheile vereinigt werden. Was die Frage I' W0�tt die Anstedler zu nehmen find, so hat die .�w-nd-rungnach Amerika nicht mehr den Anreiz wie früher, oj; Suhrnft tsi für jeden Auswanderer doch immer sehr u!!ti j am llndet er ein gemachtes Bett. Man darf dabei nicht den in Ncuvorpommern mißlungenen Versuch wieder- holen, ein größer� Gut einfach zu theilen, den nackten Grund t raa äu verkaufen, fich zahlen zu laffen oder mit Schulden zu belasten, dem Anstedler den Bau der Häuser, die XWWung von Fep- und Viehinventar, die AuSsaat für die nächst« Ernte und das Leben aus eigenen Mitteln für die erste SM zu überlassen: sondern der Staat muß die Einrichtung kn,f2 des Hofkt selbst bewerkstelligen oder wenig- Ansiedler melden, welche so viel Mittel haben, w? ra,1- 5unrd und Boden nach seinem Werth zu bezahlen, die Gebaube herzustellen und alle sonstigen Ausgaben auS eigenen Mitteln zu bi streiten. Aber groß ist in Deutschland "' Zahl der Menschen, die»IS jüngere Söhne von dem Hof abgefunden find oder als tüchtige brave Arbeiter mit einem er« sparten Kapital eigenen Befitz zu erlangen, eine feste Stätte zu begründen wünschen, die auS eigenen Mitteln Inventar an- schaffen und als tüchtige Landwirthe und fleißige Arbeiter dauernd eine mäßige Rente zu zahlen im Stande find. ES ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß die R-gierung hier nicht bloS Land als Eigenthum verkaufen oder verpachten will. Für Pachtung kleinerer Güter kann man keine größere Menschen- menge anzieben, sondern nur Einwohner aus der Nähe, nicht auS der Ferne. DaS neue System, das hier zum ersten Male wieder erscheint, begrüße ich mit der giößten Freude, nicht, weil eS allein die Grundlage für den Erfolg giebt, sondern als Ausdruck eine« fruchtbringenden, von sehr großen sozialen Wirkungen begleiteten Prinzips, mit dem man daS durch das römische Reckt und die römischen Juristen in unser ganzes soziales Leben künstlich, trotz langen Widerstrebens der veuischen Nation, hineinaezwungene System der reinen Geld- wirthschast in der Bemessung aller Güter und Dinge nach dem bloßen Kaufpreis endlich verläßt und begreift, daß die Land- wirthschast keine Kaufpreise zu zahlen hat, sondern allein Th-ile ihres Erträgnisses hergeben kann und daß diei daS einzig richtige System da ist, wo man eben den Verkauf verhüten und fesien Befitz in der Familie begründen will.(Hört! Hört! Beifall.) Die Kommission hat fich also keine großen Jllufionen gemacht und die Schwierigkeiten der Sache nickt verkannt. Der Plan ist für die heutige Zeit neu, aber ein Rückblick in die Geschichte gewährt doch Trost. Zwar haben wir die Mittel der absoluten Monarchie nicht mehr, zumal wenn fie von der Genialität Friedrichs Ii. getragen wurde. Er konnte Grund und Boden, wenn nöthtg, umsonst aeben, war an keine Regeln ge- dunden, konnte auS eigenen Mitteln Häuser herstellen, jeden deutschen Stamm nach seiner Facon behandeln, Steuer- und Militäifreiheit einräumen. So weit können wir allerdings nicht gehen, aber doch die Ansiedler dauernd exlstenz- und leistungsfähig und ihnen das Wohnen in dielen Gegenden heimisch und heimlich machen. Ich hatte daS Glück, die Korrespondenz des großen Königs mit den Behörden einzusehen; unauthörlich predigt er ihnen, in daS Gemüth, in die An- schauungcn, Gewohnheiten und Sitten der Ansiedler etnzu« dringen, fie nicht nach der Schablone zu behandeln und führt das mit größter Energie durch. Früher hielt ich eS für das Richtigste, wenn der Staat im großen Stil, wie in Amerika, die Häuser nnd Wirthschaftsgebäude selbst herstellen ließe, in Submission vergäbe und billig dazu gelangte: aber ich bin davon zurückgekommen, denn auch die Herstellung der Wohnungen muß indioidualtstrt werden.(Sehr rtchlig!) Sind doch von 1756—1786 mehr als 200 000 allein in Schlesien ange- fiedelt worden: von ihren Dörfern ist manches wieder ver- sckwunden, viele Deutsche find Polen geworden, aber eine groß« Zahl polonifirter Dörfer blüht nock heute; da wäre es doch wunderbar, wenn unS mit den Erfahrungen der Ver- gangenheit und den großen Mitteln der Gegenwart, mit unserer Uebervölkerung und bei der Schwierigkeit der AuS- Wanderung in andere Landesthelle nicht AehnlicheS gelingen sollte. Mit dem bloßen E'werb von großen Gütern und der Übertragung deS formellen ElgenthumS von einem Polen auf eirnn Deutschen ist es freilich nicht gethan, das beweist die Erfahrung in der Provinz Posen, wo eine Reihe größerer Güter fich in der Hand deutscher Fürsten, Magnaten und StandeSherren befindet. In der Kommisfion wurde die Bitte laut, die Regierung möge doch auf diese Besitzer, auf die auswärts wohnenden deutschen Fürsten und H-ircn, dazu hin- wirken, daß fie fich, ihrer nationalen Aufgabe bewußt, in der- selben Richtung mitzuwirken bestimmen ließen(hört I), vielleicht zur Konservirung und Aufnahme ihrer Besitzungen, deren Ertrag und Werth fich ja erheblich steigem würde. Jedenfalls muß Mittel- und Kletnbefitz neben den großen treten; der erster«, der Bauer, ist der landwirthfchaftlichen KrifiS noch eher ge- wachsen als der Besitzer von Rittergütern von mäßiger Größe. Wenn die Schwierigkeit der Landwii thschaft, wie doch zweifellos ist, in der Steigerung der ProduklionSkostcn, namentlich des TagelohnS, bei stnkenden Preisen besteht, so wird der am besten produziren, der sein eigener Tagelöhner ist und seine Scholle selbst bearbeitet, der also selbst an dem gestiegenen Werth eigener Arbeit partizipirt und, indem er den größten Theil seiner Produkte selbst konsumirt, am wenigsten durch den Niedergang deS Preise» leidet. Den Vorzug deS großen Grundbesitzes, Maschinen verwenden zu können, muß und kann fich der kleine im Wege der Assoziation und durch Uebertragung gewisser wirtbschaftlicher Befugnisse auf die betr. Gemeinde ebenfalls verschaffen und der Schwierigkeit der Situation eher Herr weiden, alS der große Grundbesitz. Ein Bedenken von Gewicht läßt fich au» jener Schwierigkeit gegen die Vorlage nicht herleiten. Ich fürchte, daß ich die Aufmerksamkeit und Geduld d-S Hause» schon zu lange in Anspruch genommen habe.(Rufe: Nein! Nein! und lebhafter Beifall.) von KoscielSki: Di« Kommisfion hat fich merkwür- diger Weife über die Hauptschwierigkeit, wo nänilich daS Kolo- nisationSmaterlul hergenommen werden soll, sehr leicht hinweg- gesetzt. Die Amerila-AuSwanderer find dazu unverwendbar. Diefinlgen von ihnen, welche ihre Geld oder ihre Geschicklich- keit drüben lvhnbringender als hier anlegen oder verwerthen wollen, werden nicht zu bewegen sein, nach den östlichen Pro- vinzen alS Anfiedler zu gehen, eS blieben also nur die an materiellem Besitz oder moralischem Gehalt wenig brauchbaren Elemente. Diese wären aber wahrlich wenig geeignet, daS Deutschthum im Osten würdig zu vertreten und zu fördern. Anständige Leute bekommt die Regierung nicht und unanständige kann fie nicht gebrauchen. Sie hat fich da eine groß: Schwierigkeit aufgebürdet und arbeitet mit dieser Vorlage nur der Sozial- demokratie, die sonst überall bekämpft wird, in die Hand. Sie bekommen unsichere Elemente in die Ostprovinzen und ver- mehren das Proletariat, indem Sie die Ansässigen au« dem Befitz verdrängen. ES ist wahrlich neu, daß man eine logisch so mangelhafte Voilage durch die beiden Häuser deS Landtags durchzudrücken sucht und auch durchdrückt. Ich hoffe, daß dieS kein Präzedenzfall sein und typisch werden soll. Der Zweck des Gesetzes ist, den bösen polnischen Adel, den wahren Misse- thäter, aus dem Lande zu drängen. Angenommen, Sie er« reichen die», was wird dann aber au» den guten, nach AuS» sage der Regierung so loyalen Bauern? Di: werden plötzlich brodlo»; auswandern können fie nicht, st« find ja auch preußische Untertbanen. Da baden Sie die Logik der Vorlage. An die Möglichkeit einer wirklichen endgilligen Ausrottung de» Polen« thums durch solche Mittel wird doch wohl Niemand im Ernste denken. Ist es früher unter Mithilfe der rohen Gewalt von Feuer und Schwert gegen die Wenden nicht gelangen, so wird es jetzt ohne daS Schwert, indem an deffen Stelle das Gold tritt, nicht gelingen. Wir sagen uns allerdings, daß wir nicht wissen, waS das„Morgen" dringen kann, ob nicht vielleicht unsere Frage noch weiter in den Vordergrund zu treten be- stimmt ist, wir werden geduldig atwarten, wrZ fich ent« wicktlt, vielleicht schlägt eS zu unserem Nutzen aus, waS der große Staatsmann Europas plant. Gegenüber der äugen- blicklichen Sachlage will ich Sie nicht auffordern, die Vor« läge abzulehnen, es wäre vergeblich, aber ich muß doch meinem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß nicht erst alle. anderen Mittel versucht worden find, ehe man zu diesem Kampfgesetze griff. Pcäsidint des Staatsmlnisteriums Fürst von Bismarck: Ich will mich nur auf ein: kurze Erwiderung gegen die Darstellung, die der Herr Vorredner von der Natur und der T:agwerc unserer Vorlagen gemacht hat. beschränken. Er stellt fie alS wesentlich agresfiv dar, als od fie zur Aus« rottung, wie er fich ausdrückte, deS polnischen Elements be- stimmt wäre. Ich glaube, er hat die Verhandlungen im anderen Hause nicht mit der wünschenswerlhen Ausmelkiamkeit verfolgt, sonst würde es ihm n cht entgangen sein, d- ß unsere Vorlagen wesentlich defensiver Natur sind. Wir wollen nicht das Polenthum ausrotten, sondern wir wollen das Deutsch« thum davor schützen, daß es seinerseits ausgerottet werde. Es liegt die Thatsache vor, daß diese Ausrottung nicht, wie der Herr Vorredner als die einzige Mög- lichkeit bezeichnete, durch F-uer und Schwert erfolgt — wie die Wenden seiner Zeit vertilgt wurden— sondern durch die Mittel d-r Eanftmuth, der Sckule, deS Gottesdienste», deS religiösen Unterrichts und durch das lieber« gewicht der gesellschaftlichen Stellung des Polonismus. Diese Ausrottung ist eine langsame, unauffällige, welche aber seit der Beseitigung des Floitwell'schen System? durch den Land« tagsabschied von 1842 dock stetig einen fortschreitenden Weg zurückgelegt hat. Der Herr Vorredner hat zu unrecht und ohne Grund das traurige Schicksal der polnischen Arbeiterbevölle« rung geschildert, die nach seiner Behauptung da, wo der Staat Güter erw'iben werde, nun keine Verwendung weiter haben würden. Wir haben leinen Uederfluß von Arbeitern, nament- lich an läadltchen; daS zeigt nock immer der stark« Zuzua. der aus Russisch Polen stattfindet. Die Ardeiter polnische. Natio» nalität werden auf den etwa ang-lauften Gütern reichlich ihre Verwendung finden. Es ist, ick wiederhole eS, und es ist der einzige Grund, warum ich daS Wort nehme, durchaus nicht die Tendenz der Regierung, die polnische Nationalität auSzu- rotten oder überhaupt zu beseitigen, sondern fie will nur die Deutschen davor schützen, daß fie noch wetter, als eS bisher in drrßig FrtedenSjahren geschehen ist, unter der Wirkung un» serer Heuligen VerfaffungSinstituttonen, die von dem polnischen Adel mit großem Geschick für seine Zwecke ausgebeutet worden find, zurückgedrängt, ausgerottet werben. Ich Haie nur das Wort ergriffen, um den defenfiven Charakter unserer Vorlage zu vindiziren, und um alS deren Bestimmung hinzustellen, daß der unter der Führung der G istlichen und de» Adels fortschrei« tenden Polonist ung des gemeinen Manne» in uns rm polnisch sprechenden Landesrheilen ein Halt geboten weide, ein Bi» hierher und nicht weiter! Wir wollen einen Damm deutscher Bevölkerung diesem Polonifirungswerke dadurch entgegenwer- fen, daß wir Maßregeln ergreifen, um uni zu schützen vor der Polonifirung. Wir wollen nicht den Polen ihre Nation alität nehmen, sondern innerhalb d-S Deutschen Reiches den. ich kann wohl sagen, skandalösen Erscheinungen für die Zukunft vor« beugen, daß in ganzen Gemeinden mit urdeutichen Namen heutzutage, wie fich aus den Massenunterschriften nackzäolen läßt, kein Einziger mehr behauptet, deutsch zu sein daß die Leute kein D'Utsch mehr können, während ihre G-oßväter noch j-de Zumuthung, etwaS Anderes als ein Deutscher zu sein, als eine Kränkung aufnahmen und mit Entschlossenheit zurück- gewiesen haben. Dieser allmälig krebsartig um fich fressenden Polonifirung der deutschen Einwohner jener Provinz hoffen wir durch dieses Gesetz, durch die Verwendung der von uns geforderten Mittel einen Damm entgegenzusetzen und Halt zu hat uns auseinander" gesetzh?aß°die An�dstingen W�Posen eine neu« Art von Verbiecherkolo�ien werden würden, man werde al« Kolonisten nur den Ausschuß der amerikanischen Auswanderung erhalten. Und dann, nachdem er un« alle Schrecken geschildert, welche das Gesetz in seinem Gefolge haben werde, hat er bemerkt, daß die Polen schließlich doch nur allein Nutzen von demselben haben werden. Ich kann den logischen Zusammenhang dieser Be« hauptungen nicht begreifen. Mir war nach der R-de deS Herrn v. KoScielSki zu Muthe wie dem Schüler im„Faust" am Schluffe des Colieginrn logicurn des Mephisto. Man hat bei diesen Gesetzen von einer gewaltsamen Verdrängung der Polen sesprochm. Die Lander, die jetzt durch slawisch- Volks« stamme besetzt find, find vor ihnen von Germanen bewohnt. D>e Sprachforschung hat erwiesen, daß die Flußnamm Oder und Weichsel germanischen Ursprungs sind. Um Kolonisten werden wir nicht in Verlegenheit sein. Ich glaube, wir wer- den Schwierigkeiten haben, aus der Masse von Bewerbern die paffenden Elemente auszusuchen. Ich würde eS für einen glück« lichen Gedanken ansehen, wenn man versuchen wollte, aus den armen LandeStheilen Bauern heranzuziehen. Man sollte sich bemühen, die nothletdende schiefisch« W«berbevölkemng für die neuen Kolonien zu gewinnen. Der Gewinn würde dann ein Weber mindern. Wir wollen die Polen nicht zu Deutschen machen. Sie sollen fich nur als preußische Staats- dürger fühlen lernen und den Wunsch aufgeben, fich von un» lo, urerßen. Sie sollen werden wie die polnischen Oder« schlester. Keinem derselben ist es 1863 eingefallen, zu den Re« volutionaren überzulaufen. Die Schlester haben allen Ver- suchungen Widerstand geleistet. Diese- Ziel müssen wir auch in Posen erreichen, und wir werden es erreichen mit diesem Gesetz. Das Nothwendigste wird allerdings sein, daß die Aus« führung desselben in die Hand eines begatten und energischen Mannes gelegt wiid. Die GeneraldiSkusfion wird geschlossen. In der Sp-zialberathung knüpft fich eine kurze DiSkusfion nur an die die Rentengüter betreffenden§§ 3—7. Berichterstatter M i a u e l hebt hervor, daß die Ein« führung der Institution des Rentengutes ein glücklicher Ge« danke gewesen sei. ES sei zu hoffen, daß diese Spezialgesetz- gebung bald generalistrt werden könne. Freiherr v. D u r a n t erklärt fich gleichfalls mit der Ein- füzung des Rentengutes einverstanden. Eine derartige Ein« rtchtung war nöthig, um zu verhindern, daß die Güter nicht wieder in die Hände von Spekulanten und Wucherern fallen. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn die AblöSbarkett der Rente durch daS Gesetz ausgeschloffen worden wäre. Jede» fallS ist auch so die Institution als eine ganz glückliche zu be« zeichnen. Minister Lucius bezeichnet eS auch als ein bedeutsames Moment, daß die Institution deS Rentengutcs wieder in die agrarpolttische Gesetzgebung eingeführt ist. Die§§ 3—7 werden angenommen, ebenso die§§ 8—12. Zweckmaßigkit de> bedauere, daß die durch Pollzei'Ver» DaS Gesetz wird darauf im Ganzen gegen die Siimmen der polnischen Mitglieder und deS Frhrn. o. Land! berg. Stein« surt angenommen. ES folgt die Berathung deS Gesetzentwurf, betreffend die Bestrafung der Schuloersäumnisse im Gebiete der Schulordnung für Elementarschulen der Provinz Preußen vom 11. Dezember 1345 und deS SchulreglementS vom 18. Mai 1801 für die niederen latholischen Schulen in den Eichten und auf dem platten Lande von Schlesten und in der Grafschaft Glatz. Berichterstatter v. P f u e l beantragt namens der Kommisston, dem Gesetzentwurf in der vom Abgeordnetenhause beschloffmen Fassung unverändert zustimmen und berichtet über die Per« Handlungen der Kommisfion. v. D u r a n t anerkennt die Gesetzentwurfs, wenn er auch Ahndung von Schulversäumnissen.. orvnungen voraussichtlich zu Härten führen würde, wie Nichtberückfichtigung lokaler Verhältnisse, durch welche bei schlechter Witterung der Schulbesuch selbst beim besten Willen unmöglich gemacht werde. Deshalb hätte er gewünscht, daß die Umstände, unter denen eine Versäumniß für ent- schuldigt zu gelten habe, im Gesetze besonders aufgeführt worden wären. Minister v. Goßler erwidert, daß eine derartige Spczialtstrung der Fälle im Gesetz nicht angängig erscheine. Er habe die Ueberz�ugung, daß die lokalen, WrtterungS- und andere besondere Verhältniffe, unter denen eine Versäumniß entschuldbar sein müsse, von den Polizeibehörden wohl Berück« fichttgung stnden würde. Der Gesetzentwurf wird im Ganzen mit großer Mehrheit angenommen._ Es folgt die Berathung deS Gesetzentwurfs, betreffend Errichtung und Unterhaltung von FortbildungS« schulen in den Provinzen We st preußen und Posen. Referent Graf zu Eulenburg. Prassen befürwortet namenS der Kommisston die unveränderte Annahme deS Gesetze? in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung. Der durch diese bewirkten Entfernung der Summenangabe von 200 000 Mark auS dem Gesetz und Einstellung derselben in den Etat habe die Kommisfion nicht wegen der zu defürchtenden Budget« rechtbeschränkung zugestimmt, alS vielmehr deshalb, weil eS schwerlich möglich sein werde, die nöthige Summe für immer zu fixiren. Deshalb empfehle fich die etatsmäßige jährliche Fcstl'tzung der Summe. Fürst Radziwill(Pole) erklärt, daß das Gesetz seines auSgeiprochen antipolnischen Zweckes wegen für Sie polnischen Mitglieder des HauseS unannehmbar ist. Graf v. Zteten-Echwerin hätte gewünscht, daß man die Sprachenfrage generell für die ganze Monarchie regelte' hoffentlich werde eine solche generelle Regelung nicht lange auf fich warten lassen. m o. Kleist« Retzow polemifirt gegen die Bestimmung deS Gesetzes, wonach nicht der ganze Sonntag von der Er- theilung deS Fortdildungsschulwesens frei zu lassen sein soll, sondern nur die Zeit deS HauptgottesdiensteS. Die Fortdil- vungSschulen könnten noch so vollkommen sein, fie blieben eine menschliche Einrichtung; die SonntagSdeiligung sei eine GotteS« ordnung, das religiöse Leben des VolkeS würde durch die Thätigkeit der Fortbildungsschulen nicht gepflegt, sondern gejchädigt werden. UnrerstaatSsekretär Dr. v. Möller: Die Regierung erkennt daS Recht deS Sonntags voll an. Das Ziel, den Sonntag von allen weltlichen Berufsgeschästen frei zu halten. sei ein ideal«? und nicht sofort erreichbares. Herr v. Kleist wolle erwägen, daß auch das GotteSgedot:„Du sollst nicht tüdten" besteht, gleichwohl aber Kriege geführt werden, ohne daß eine Verletzung dieses Gebots damit zugegeben wird. Lber.Bürgermeister Miquel bemerkt, daß nach den praktischen Erfahrungen in Osnabrück die Verlegung des Fort« bildungSschul Unterrichts auf einen Wochentag> Nachmittag zu sehr zahlreichen Beschwerden sämmtlicher Handwerksmeister ge« führt habe. § 1 wird mit großer Mehrheit angenommen. Zu Z 2 beantragt Graf Pfeil eine anderweite Fassung, wonach der Besuch de» Unterricht« an den Sonntagen nicht erzwungen werden darf, während Graf ZieteN'Echwertn die Ertheilung des Unterricht» an Sonntagen überhaupt verbieten will. Ober«Bürgermeister Bö ttich er erklärt fich gegen beide Anträge. Dieselben werden abgelehnt und der§ 2 unverändert an» nommen, ebenso der§ 3 und schließlich das Gesetz im Ganzen. Gegen das Gesetz stimmen mit den Polen v. Kleist-Retzow, Frhr. v. Durant und Frhr. v. Maltzahn. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung unbestimmt. Abgeordnetenhaus. 64. Sitzung vom 15. April, 11 Uhr. Am Mtntstertische: v. Scholz, v. Goßler und Kom« missarien. Auf der Tagesordnung stebt lediglich die erste Berathung deS N a ch t r a g S e t a t S für 1886—87. Abg. v. WterzdinSli wird mit seiner Fraktion gegen die Vorlage stimmen, soweit fie dazu bestimmt sei, polenfeind« liche Tendenzen wie die übrigen Polenvorlagen zu verfolgen. Die Schule bade ja schon lange in Posen aufgehört, ein reine» Beldungsinstitut zu sein, fie sei vielmehr zum politischen AgttationSmittel gemacht worden. DaS müssen schöne Lehrer sein, welche fich zum Werkzeug für dies« Zwecke gebrauchen Abg. v. Minnigerode: Wir sehen diese Forderungen als Konsequenz der übrigen Polenvorlagen an und werden auch für dieselben stimmen. Wir befinden unS gegenüber den Polen in einer historisch gewordenen Zwangslage. Nothge« drungm müssen wir Maßregeln ergreifen, um den PoloniimuS in die ihm gebührenden Schranken zurückzuweisen. Die For- derung für die Elementarschulen in den betreffenden Bezirken wird, glaube ich, auch von den Polen als nothwcndig und nützlich erkannt werden. Ueber die Angemessenheit der Höhe der Forderungen mag die Kommisfion«ntsche den. Abg. Dr. W t n d t h o r st: Ich will auf die Vorlage materiell nicht näher eingehen, dazu wird die Gelegenheit fich bei der zweiten Berathung bieten. Ich erblicke auch in dieser Vorlag« eine Verletzung der Rechte unserer polnischen Mit. dürger. Eroberte Landschaften kann man nur gewinnen durch Gerechtigkeit, nicht durch Zwang. Alle diese Maßregeln müssen eine gewaltige Reaktion unter den Polen hervorrufen, welche dem gewollten Zweck hinderlich sein wird. Auch wir wünschen, daß daS germanische Elemmt dort nicht zurückgedrängt werde. Wir lassen unS aber trotz aller Verdächtigungen nicht zurück- schrecken, eS auszusprechen, daß den Polen ihre garanttrten nationalen Rechte erhalten werden müssen. ES wird die Zeit kommen, wo man einsehen wird, daß man auf dem Holzwege gewesen ist. Ich sehe auch hier wieder einen wetteren Schritt zur Verstaatlichung der Schule, welche ich unter keinen Um- ständen will. ES ist radikal, möchte ich Herrn v Minnigrrode zurufen, wenn man alles, woS Gemeinden und Familien haben, dem Staate überträgt. Und nun frage ich Sie: Herrscht nicht auch in den anderen Landschaften eine große Schulnoth? haben nicht andere Bezirke auch große Schulbaulasten? geben Sie ihnen dann auch etwas? In Ihrer blinden Leivenschast- lichleit gegen unsere polnischen Miibürger übersehen Sie die Konsequenzen Ihrer Handlungen. Solche Maßregeln find nicht geeignet, ein christliches, gottetfürchtigeS Volk zu erhalten. Mit der KommilfionSberathung bin auch ich einverstanden.(Beifall im Zentrum.) Abg. G e r l i ch: Liegt den Polen wirklich daran, daß ihre Kinder deutsch lernen, wie fie wiederholt gesagt haben, dann müssen fie dieser Vorlage zustimmen, denn fie verfolgt keinen anderen Zweck. WaS die Schullasten betrifft. so kann der Osten nur ftoh sein, daß der Staat fie übernehmen will, die Leute ziehen lieber auS. als daß fie di>se Lasten tragen. Die Summe von 900000 M. erscheint unS für diesen Zweck gering genug. Wir behalten un» vor, Anträge auf Eihöhung zu stellen. Es ist sehr schade, daß für die Unterstützung der Kirchen im Osten gar keine Mittel ausgeworfen find. Will Herr Windthorst dem Heidenthum und dem Unglauben vor« beugen und daS Christen hum befördern, dann wirke er mit un«, daß die Regierung für die Erleichterung de» christlichen Gottesdienstes materiell mehr thue.(Beifall rechts�) Abg. Kantak: Was helfen unS Ihre Worte von Sympathie und Mitgefühl, wenn Sie durch die That un» vergewaltigen. Wäbrenv Sie diese Thränen der Sympathie vergießen, morden Sie unS. Gewiß, wir wollen auch, daß unsere Kinder deutsch lernen, aber nicht unter diesem System. Da lernen unsere Kinder gar nichts, weder deutsch noch polnisch» fie verdummen. Bilden Sie fich doch nicht ein, daß die Kinder deutsch können, wenn fie vor dem Schul« rath daS Eingepaukte mechanisch herleiern. Ich lade den Abg. Gerlich ein, mit mir solche Kinder zu prüfen, dann will ich sehen, od er noch glaubt, daß unsere Kinder überhaupt deutsch lernen können. Herrn Gcrlich ist die geforderte Summe noch zu gering! Ich glaube, daS kann er sehr ruhig der Re« gierung überlassen. Wrr find gern bereit, auch für evangelische Kirchen Mittel zu bewilligen, sollte eS fich aber um eine Stärkung des Protestantismus handeln, so würden wir doch stutzig werden. Herr v. Kleift Retzow hat dieS ja offen zuge« standen. Die Kommisfion mag gründlich prüfen, od zu diesen Forderungen wirklich ein Bedllrfniß und zwar für diese» Jahr Minister Dr. v. Goßler: Der Abg. Windthorst hat wiederum die Auffassung vertreten, daß die Polen sab conditione Unterthanen des preußischen Staates seien. DieS ist oftmals widerlegt worden. Friedlich Wilhelm ni. hat ähnlichen Auftaffungen gegenüber beim Lanvtagsabschicde von 1832 ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch bei der Einverleibung der ehemals polnischen Lardestheile gar kein anderer Gedanke obgewaltet Hab«, als daß die polnischen LandeStheile einen Bestandtheil unseres Reiches bilden sollten, und er warnte vor jeder willkürlichen Deutung feines königlichen Wortes. WaS die Könige Preußen» verkündet, und die Vertretung PreußenS und Deutschlands beschlossen haben, soll sein Bewenden haben trotz aller Zweifel und Verdächtigungen. Die von den Freunden der Vorlage befürwortete Befriedigung der kirchlichen Bedürfnisse in jenen LandeStheilen ist von der Regierung eingehend erwogen worden. Zweifellos find die Kirchenlasten namentlich der evangelischen Gemeinden im Ver« hältniß zu den anderen LandeStheilen ganz unerhörte. Trotz« dem haben wir Bedenken getragen, Maßregeln vorzuschlagen, welche leicht, wie«S ja heute bereit» von dem Abg. Kantak ge- schehen ist, unter dem G-fichtSpunkte einer P-otestantifirung oder eines HineintragenS religiöser Elemente in diese Vorlage angesehen werden könnten. Andererseits hat man die Höhe dieser Summen für den großen Zweck alS zu niedrig befunden. Die Regierung hat fich finanziell nach der Decke strecken müssen. Wollten wir normale Echuliustände herbeiführen, so müßten wir 1500 neue Schulklaffen mit 1800 Lehrern einrichten. Wir fassen zunächst den Schutz VeS Deutsch« thum» ins Auge, und für diesen Zweck baden wir zwei Millionen im Extraorvinarium und 900000 M. im Lrdinarium vorgeschlagen. Für jene 2 Millionen können wir vielleicht 100 ganz neue Schulen zu 12000 M. bauen und 200 Erwelterungsbauten zu 4000 M. vornehmen und im Ganzen 300 neue Lehrcrstellen schaffen. Die Kosten der Ein- richtung und die Gehälter sollen aus dem Ordinarium gedeckt werden. Ich wende mich zu den Gegnern der Vorlage. Tie- selben bestreiten, daß daS Deutschtbum in der Defenfive sei. Wir verlassen uns nicht sowohl auf die Statistik als auf daS Urtheil derjenigen Herren, die seit Jahrzehnten amtlich oder sonst dort leben und ziemlich etnmüthig diese Auffassung bestä. ttgen. Es ist schmerzlich, zu erfahren, daß deutsche Katholiken im Laufe eineS Jahrhunderts immer mehr polonifirt worden find. In den Kreisen Strasburg, Löbau und Thorn beträgt die Zahl der polnischen Uederlaufer 19 pCt. der Bewohner. In Lautenburg nehmen 114, in Gollaß 80 Kinder solcher Ueberläufer am Unterricht theil und haben eine ganz andere Eintheiluna deS Unterrichts nothwcndig gemacht. Lübau läuft Gelabr, gänzlich dem Polonitmus anheimzufallen. Innerhalb 5 Jahren ist die Zahl der evangelischen Schulkinder nur um 3 gewachsen, die der katholischen— katholisch und polnisch ist hier tndentisch— um 100. In Neuenburg ist die Zahl der evange- lischen Schulkinder gleich geblieben, die der katholischen aber um 129 gewachsen. Und dabei handelt eS fich hier um sehr kleine Städte! Auch die weiteren Maßregeln, die wir Ihnen vor« schlagen, die Unterstützungen für höhere Unterttcht« zwecke und für Töchterschulen haben nur den Zweck, das deutsche Element zu erhalten. Von Seiten der Polen wird keine Anstrengung gescheut, um die Kluft zwischen hoch und niedrig soviel wie möglich zu Überdrücken. Zahlreiche Vereine, namentlich der Marzinkowikr'sche Verein, haben eS fich zur Aufgabe gestellt, unbemittelte Polen durch Stipendien zu unterstützen, um ihnen höhere Karrierm zugänglich zu machen. So find denn fast in jedem Kreise zwei polnische Aerzte, ein Pharmazeut und wo« möglich ein Baumeister, �die dem Vereine zeitlebens verpflichtet, im Sinne desselben die energischste polnische Agitation belreiben. Wir find kaum noch in der Lage, unseren deutschen Mttbürgem diejenigen Stellen zu fichern, die fie unangefochten bisher seit Jahrzehnten inne gehabt haben. Es bandelt fich hier nicht, wie der Abg. Kantak glauben machen will, um die Uederwäl- tigung de» polnischen Elements, fondern um den Schutz und die Erhaltung deS deutschen.(Beifall rechti.) Abg. Dr. Wehr(Dt. Grone): Auch wenn hier die pol- Nische Frage nicht im Spiele wäre, müßte die Regierung Pflicht« mäßig eine Vermehrung der Schulen fordern, die fich durchaus als nothwendig herausgestellt hat. Ich bedauere nur. daß die vorgeschlagenen Mittel zu geringe find. Ich hoffe für da» nächste Jahr eine erhebliche Sleigcrung. Erstaunt hat«S mich, daß Herr Windthorst eS für bedenklich hielt, daß der Staat allein auf die Schule einen Einfluß haben soll. Will er den Einfluß der Kirche auf die Schule ausdehnen? (Abg. Windthorst: Gewiß!) Dieser Einfluß ist aber durch die Verfassung engdegrenzt, und eine Ausdehnung würde nur auf dem Wege der Verfassungsänderung erfolgen können. Wenn der Kulrurlampf beendet ist, soll der Kampf auf daS Gebiet der Schule kommen. Es liegt mir aber daran, festzunageln, daß wir Ruhe vom Zentrum nicht zu erwarten haben. Diese Mittel hier find homöopatische und können ihren Zweck nicht erreichen. Ich bitte den Finanzminister dringend, im nächsten Jahre größere Mittel zur DtSpofition zu stellen.(Beifall rechts») Abg. Dr. P e t e r» spricht fich gegen die Vorlage auS und bemangelt insbesondere den VertheilungSmoduS der Subvention halten daran fest, daß das deutsche Element ausgebreitet befestigt werden muß. Zu diesem Zvecke wollen rot- die c forderlichen Mittel bewilligen. ES ist keine F-indseligkeit,««>» man die Polen anbält, ihr, Kinder deutsch lernen zu tofff1 Das ist eine Wohftha'. Wir find deshalb zu einer ui>k> fangenen, aber auch tingeh nden Prüfung der Vorlage bere» Wir nehmen auch an der Form de» NachttagsetatS keinen»�' stoß. Schwerer wiegt das Bedenken deS Abg. Wind W daß der Staat hier in die Rechte der Kommune eingrem- Allein wir glauben, daß die Lasten der Kommune dort v» größer find, als anderwärts. Herrn W He können wir freili» nicht folgen. Das Geldfordern überlassen wir der R-ail Ich habe mir überhaupt aus den R-den des Herrn W. Lehre adstrahirt, daß der wahre Lokalpatriotismus immer ist, Geld zu nehmen. Die Details wollen wir in der K«» misfion p.üi n.(Beifall links.) Abg. Windthorst: Ich verwahre mich gegen W Vorwurf deS Ministers, daß ich die Polen nur als Un eilW snb conditione ansehe. Nein, fie find unbeschränkte Unterthaeck wie wir anderen auch. Ader ich will die Rechte schützen, wel» die Polen erworben haben. Ja nicht mißzuverstchender AM hat Herr W-hr mir imputirt, ich hätte einen neuen EchulkaW inszeniien wollen. Ich habe rur die verfaffungimäxiqe 6»' lung, wie fie jetzt die Schule bat, festhalten wollen. Ich wahr« mich gegen etwaige Verdächtigungen, welch« ge> Preßorgane fich zur Aufgabe machen.(Beifall im Zentn Abg. Sattler: Meine Freunde und ich stehen der läge durchaus wohlwollend gegenüber und sehen m derie! nur eine Föcderung der dortigen Gegend, auch der In der Polen. Wir werden in Konsequenz unserer früheren schlösse auch diese Mittel dewilligen, um das Vordringen Polenihum» zurück zustauen. Dat Gebiet der Schule ist" das geeignetste Den deutschen Beamten wird daneben falls eine wichttge Aufgabe zufallen. Mit dieser Fraae nicht in Verbindung die Forderung von 700 000 Mk. die Hafenanlage in Geestemünde. Diese möchte ich Ih> ganz besonders als dringend noihwendig empfehlen.(B.att Die Vorlagt wird hierauf der Budgetkommiffion# wiesen. Schluß 2 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag, den 4# 12 Uhr(erste Lesung der kirchenpolttischrn Vorlage). Kommunales. Stadtverordnetew-Versammlung. Sitzung vom Donnerstag» den 15 April. Der Stadtverordneten- Vorsteher, Herr B ü ch t e m«l eröffnet die Sitzung um 6 Uhr mit geschäfttichen Mittbetluitz Der Stadtverordnete Fischer ist gestorben; der Voifivende denkt seiner in anerkennenden Worten und bittet die Versa» lung, fich zum ehrenden Angedenken von den Plätzen»» heben. Dasselbe geschieht zu Ehren de» verstorbenen srüd StadtrathS Kunz und de« Bürgerdcputirten Sekt.— Die theilungen haben die Wahl von 15 Mitgliedern zur& rathung der Vorlage, betreffend die Anlegung eine» Park» dem Kreuzberge, von 15 Mitgliedern zur Vorbera'hung Vorlage, betreffend die Untersuchung des von außerhalb ei> führten frischen Fleisches, von 15 Mitgliedern zur Vorderathun» Voilage, betreffend das PcnfionS-Reglement für Angestelltt wirtdschaftlichen, industrieUen rc. Anstalten der Stadt Berlin, von 10 Mitglievern zur Vorderathung der Vorlage, detrr die Festsetzung neuer Baufluchtlinien für daS Terrain ab Herkuleibrücke vollzogen; in den 2. Ausschuß ist ver S verordnete Görcki, in den 3. Ausschuß der Stavtoerord Singer gewählt.. Nach Eintrttt in die Tagesordnung wird ein Natura� tionsgesuch ge schäftS ordnungsmäßig erledigt. Anlegung von zwei neuen Straße� � Verbindung der Blumenstraße mit der Großen Frank!. und der Schillingstraße. Berichterstalter des Ausschult der Stadto. NamSlau. Derselbe empfiehlt folgenden" zur Annahme: Die Stadtverordneten' Versammlung erllärtffich milder läge von zwei Straßen, zwischen der Blumen- und der Frankfurter- resp. der Schillingstraße nach Maßgabe der slizze einverstanden, falls der Generalkonsul Schmidt dieser Anlage erforderliche Terrain, soweit dasselbe in s Befitz fich befindet, zu derselben hergiebt, und die Kosten der Anlage, einschließlich der Kosten deS Terraineri und eineS Betrages von 50 M. pro laufendes Meter flucht für die Kanalisatton der Stadtgemeinde zur Ver stellt und die Erfüllung dieser Verpflichtung durch eine halb 6 Monaten zu stellende angemessene Kaution fichen fallS ferner der Generalkonsul Schmidt das zur dedauunfft' mäßigen Verbreiterung der Schillmgstraße von seinem% stück erforderliche Terrain für den Prei» von 30000 � die Stadtgemeinde piand« und kostenfrei abtritt. Die den Kosten auf Grund der ortSftatutarischen Bestima»» zur Wiedereinziehung gelangenden Beträge werden p. Schmidt nach ihrem Eingange erstattet werden. Der Anttag wird debattelos angenommen..., Bewilligung der Kosten für eine Lei v? Halle, welche auf dem Begräbnißplatze der Kirch engem'? von St. MarkuS und St. Andreas zu erbauen ist. N*» M�gfftrattvorlage betragen die Kosten 42 500 M.. Stadtv. Weiß l vewängelt den zu großen Luk>" Baue« und will nur 30000 M. bewilligen.. Nach einer Erwiderung deS Stadtv. Gehrt u»' Etadtschulralhs Dr. Fürstenau wird der Magistrats»� unverändert angenommen.... Gestaltung des Bade wesen» an den öffentlichen Wafferläufen. Der Magistrat beantragt:, Stadtverordneten Versammlung erklärt fich mit folgendes verstanden: a. Die Kiörteiuna h,r Jt™«» ob die der Frage. risse VeS durch verstanden: a. Die Erörterung meinde die Befriedigung der Bedürfnis________ fahrt auf den hiefigen öffentlichen Wasserläufen fich, den sogenannten Tranfit- oder Umschlagsverkehrs ga™ zum Theil übernehmen soll, bleibt ausgesetzt, diS 5'' dieser Richtung sich bemühenden Bestrebungen von Interessenten zum Abschluß gekommen find; b. V-wege" nimmt eS die Stadtgemeinde als eine freiwillige Au'«»£, der Befriedidung der Bedürfnisse deS durch die 6*#'% d-n hiesigen Wasserläufen fich entwickelnden sog. vurch Einrichtung von Ladegelegenheiten(In»1*/« Hafen) mitzuwirken; o. Voraussetzung ist dabei, d-ß'� Stadlgemeinde die Erhebung von Abgaben für die% öffentlicher, ihr gehörender Ladestellen und deren(&%% in der Hohe erreicht wird, daß durch dieselben die% und Amortisation de« Anlagekapitals für die neuen ren Anlagen, sowie die Betriebskosten gedeckt werden- Nach kurzer Diskussion wird dieser Antrag um»«» genommen., Antrag des Stadtv. Dr. Langerh»� Genossen, betreffend die künftige Gleichstellung»« der ordentlichen Lehrer an den höheren Lehranstaltcn''.ß Patronat» mit denjenigen der Lebier an den St-att»� Da der Antragsteller nicht anwesend ist, wird Vi« v vertagt.«uM' .®I» f olgt die dedattelose Erledigung einer ä* wesentlicher Vorlagen. at Ausschuß* Rechnungen gehe" Bau einer JnterimSbrücke über de» kanal unterhalb der AlbrechtShofer Brücke. Nach kurzer Debatte wird der Anttag einem»u 16 Mtlgliedern überwiesen. o. k. „ D. Allein Auseni so wirl öffnet. Grund Löning dekann missari Ich ka antrag Polizei entHall der kö keine( gesund bnger össentl wa» h Kreuzt schlösse ist, d der Äussaj Damit iß die Tagesordnung erschöpft- Schluß 7 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Die nächste Sitzung fällt wegen Mangels an Material aus. Zokales. Ei« interessanter Rechtsstreit, auf dessen Entscheidung man mit Recht gespannt sein muß, schwebt der„Volttztg." zu» folge zur Zeit zwischen einer Veificherungsgesellschast und einem biefizen Gewerbetreibenden, dem Erben seiner verstorbenen Ehrfrau. Die letztere, eine geborene Berlinerin und in der St. Nilolaikirche getaust, wie alle ihre Geschwister, hatte bei ihrer Verheirathung im Jahre 1865 keinen Taufschein beibringen können, weil nach Angade der Kirchendeamten dieser Tbeil der kirchlichen NamenSrepister nicht vorhanden war. Gleich» wohl war nicht nur die Trauung erfolgt, sondern die Verfiche- rungsgesellschaft(Jduna) hatte auch, des TaufscheinmangelS ungeachtet, die Vrrficheiung der Frau übernommen und nur in die Polize die Angabe aufgenommen, daß kein Taufschein der Verficherten hat erbracht werden können. Zwanzig Jahre hat nun die setzt Verstorbene ihren vollen Pflichten gegen die Gesellschaft genügt, die letztere hat die Zahlungen unverkürzt in Empfang genommen und hat gleichwohl einen wenn auch kleinen Theil der VerstcherungSsumme an den erbberechtigten Ehemann der Verficherten nicht ausgezahlt, bis der Taufschein der Verstorbenen beigebracht worden ist. Dies ist nun aber, nach der amtlichen Auskunft deS königlichen KonfistoriumS und nachdem der zum Empfange der VerstcherungSsumme berechtigte Gewerbetreibende alle hierzu möglichen Schritte vergebens ge» than hat, unmöglich, und-S handelt fich also um die Frage, od die Gesellschaft berechtigt ist, auf Grund eineS Formmangels, deffen Beseitigung gar nicht im Willen oder Vermögen det Betheiligten liegt, demselben eine VermögenSbeschädigung zu» zufügen, nachdem fie ohne jeden Vorbehalt und trotz dieses Formmangels ein Rechtsgeschäft ahgeschloffcn und zwanzig Juhce hindurch die Vortheile aus demselben gezogen hat. Jedenfalls wird die richterliche Entscheidung von großem Jnter« esse sein.— Dieser Vorfall lehrt wieder einmal, daß man bei ,4 Zb den meisten Lebensverficherun gS. Gesellschaften garnicht vorstchtig I genug sein kann. Gegen ein bekanntes hiestgeS Wucherkonfortium, die hier in der LandSdergerstraße wohnenden Kaufleute Simon und Emil Lcidert und den Kaufmann Schwarz, ist setzt von Seiten der Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Betruges erhoben worden. ES wird dem sauberen Kleeblatt zur Last gelegt, die Ehefrau eineS ZimmermeisterS G. dadurch erheblich geschädigt zu haben, daß fie dieser, unter der Vorspiegelung, fie, die Käufer, seien vermögende Leute,«ine Erdschaft, deren Be- trag fich auf rund 10 900 Mark belief, gegen eine Anzahlung von 500 Mark abgekauft und sofort einem Dritten weiter zedirt haben. Ali Frau G. im Beistande ihreS Eh gatten wegen Auszahlung des Restkaufgeldes im Betrage von 2200 Marl (der bedungene Kaufpreis betrug 2700 Mail[!]) klagbar wurde, erstritt fie zwar ein obstegendeS Erkenntntß, indeß stellte fich bei der demnächstigen Exekution heraus, daß die Gebrüder Leidert, wie auch ihr„GeschästSkompagnon" Schwarz völlig mittellos waren. Die elegante Wohnung?, und Komtoir» einrichtung, welche fie besaßen, war aus einem Verleihgeschäft nur mielhsweise entnommen und mußte vom Gerichtsvollzieher auf die Jnterocntioniklage des EigenthümerS freigegeben wer dm. Damit nicht genug, stellte fich noch heraus, daß die Exequenden sämmtlich in den letzten Jahren zu mehreren Malen den Ossenbamngscid geleistet haben, ferner auch, daß Simon Leidert bereits wegen Meineids vorbestraft ist. Letzterer soll in vielen Prozessen vor den hiestgen Amtsgerichten l und Ii, die der„Kaufmann" Schwarz führte, als Zeuge fungirt haben. Dadurch ist über viele Familien namenloses Unglück herauf- beschworen worden. ES find dies dieselben Leute, welche die arme Wittwe eineS Offiziers in schändlichster Weise ausgeraubt hatten. Dem„Berliner Tageblatt" haben wir mit dem Vor- wurf, daß es fich die Früchte unserer Aulführungen in Bezug auf die gerichtlichen Ausverkäufe zu Nutze gemacht habe, dies- mal Unrecht gethan. ES befindet fich in der Nummer 92 des „Verl. Tgbl." vom 20. Februar allerdings ein Artikel, der von gerichtlichen Ausverkäufen in der Kolonial- Branche handelt. Wir nehmen leinen Anstand, dies freimütbig zu erklären. Poltzei-Bericht- Am 14. d. M., Morgens, entstand in einem Lagerkeller m der Gitschinerstraße durch unvorficktigeS Hinwerfen eines brennenden Streichholzes auf den mit Petro- leum durchtränkten Fußboden Feuer, welches jedoch noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr von den Hausbewohnern ge» löscht wurde.— An demselben Tage, Vormittags, fiel auf dem Neubau Müllerstr. Nr. 48 der mit dem Legen von Balken be- schäftigte Zimmermann Lau ein Stockwerk tief hinab und erlitt dabei außer einer nicht unbedeutenden Kopfwunde anscheinend auch innerliche Verletzungen, so daß er mittelst Droschke nach setner Wohnung gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Manteuffelsttaße erhängt vorgefundm. Die Leiche wurde nach dem Leichen- schauhause gebracht.— An demselben Tage, Mittags, glitt eine Dame auf dem frisch gesprengten ASphattpflaster d«S PotS- dam erplatzeS auS und erlitt durch den Fall eine Verletzung an der Stirn in der Nähe deS rechten Auges.— Am Nach- mittage desselben Tages stürzte der Klempner DieSner von dem Dache des Hauses Landsberger Allee Nr. 5. auf welchem er mit Reparaturardeiten beschäftigt war. auf das Etra�enpflaster hinab und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er gleich nach seiner Uebrrführung in das städtische Krankenhaus am Friedrichshain starb.— Gegen Abend wurde auf dem Bürger steige vor dem Hause Friedrichstraße Nr. 203 ein Mann schwer krank aufgefunden und mittelst Droschke nach der Charttee gebracht. Gerichts-Zeiwng. o. k. Der Raubmord tu Moabit vor dem Schwur- geeicht. Vierter Tag der Verhandlung. Der Andrang des Publikums ist heute ein ganz immenser. Allein da noch das Eintreffen von Depeschen bezüglich deS Aufenthalts des Kellner Kreuzberger abgewartet werden muß, so wird die heutige Sitzung erst aege» 12'/« Uhr MrttagS eröffnet. Präfident, Landgerichts-Direktoe Müller theilt diesen Grund der Verzögerung mit. Die Polizeibehörde in Duder- stadt habe geantwortet:„Kreuzberger nicht hier, Aufenthalt angeb i'ch. in Belgien." Die Polizeibehörden in Cltingen und Löningen haben geantwortet:„Aufenthalt des Kreuzberger un- derannt.'— Der Staatsanwalt beantragt nunmebr, die kom- miffarische Aussage deS Kreuzberger zu verlesen.— Vertheidiger: Ich kann auf den Zeugen Kreuzberg« nicht v«zichten; ich be- 2?t,rIa0»ema�l.batte aber den ganzen Kram satt, denn Kowalski forderte mich ortwährend auf, ihm bei sog. Geschäften behilflich zu sein. Kowalslt proch dabei von einer„Elle",„Tändelei" u. s. w., die er fich anschaffen müßte, um einen Einbruch in eine Ladenkaffe zu be- gehen. Welche Geschäfte und in welchen Gegenden diese Ge- chafte ausgeführt werden sollten, hat Kowalski nicht gesagt. Cmmal erzählte mir Kowalski, daß er in Moabit gewohnt habe. Wann dies gewesen, hat er mir nicht gesagt. Kowalski hat nicht damit gemeint, daß er in dem Moabiter Straf- oder UiitersuchungSgefängniß gewohnt habe. Am 1. und 2. November bin ich mrt Kowalski in d« christlichen Herberge zur Hcimath zusammengetroffen. Am 3. November des Morgens ging ich mit Kowalski und Supprian in die in der Reinicken- oorferstraße belegene Arbetterkoionie. Auf dem Wege dorthin erzählte Kowalski von der Ermordung eines Briefträgers. Er habe, als dies geschah, Extrablätter verkauft, womit er ein sehr schöneSStück Geld verdient habe: er wünschte, daß ein solch« Mord bald wieder einmal vorkommen möge. Von der Arbeiter- Kolonie gingen wir in den Verein zur Besserung entlassener Straf» gefangen«, woselbst ich einen Brief an den Misfionar Frank erhielt. Von da begab ich mich in die Herberge, während Ko» walSki uud Supprian in die in der Lindenstraße belegene VoUS- küche gingen. Etwa gegen 12V- Mittags kamen Kowalski und Supprian auch in die Herberge. Sehr t-ald darauf begleitete ich einen Kellner Namens Kogel in das Caf« Keck, Cafs Bauer, Cafe National, Hotel PernSburg u. f. w. Etwa gegen 2'/, Uhr trafen wir Unter den Linden den Kowalski. Woh« derselbe gekommen, kann ich nicht sagen. Wir waren etwa eine halbe Stunde zusammen und trennten uns von Kowalski in der Jerusalemerstraße. Ich begab mich hierauf in eine Kaffeeklappe in der Oranienstraße. Wenn be- züglich deS Tages zwischen Kogel und mir ein Widerspruch besteht, so wird fich derselbe am besten dadurch lösen lassen, daß ich dem Kogel gegenüber gestellt werde, um alSdann an der Hand von Etnzelnheiten genau festzustellen, ob daS, wai ich bekundet, am 3. oder 4. November gewesen ist.— Der Präfivent theilt mit, daß dies« Vernehmung der Kriminal» poltzeiinspettor v. Hülleffem beigewohnt habe.— Präs.: Nun Angeklagter, waS haben Sie zu dieser Bekundung zu sagen? — Angek.: Dazu habe ich nur zu bemerken, daß Kreuzberger fich in der Zeit int; wir haben uni lange vor halb drei Uhr Unter den Linden getroffen. Auch habe ich dem Kreuzberger nicht gesagt, daß ich einmal in Moabit ge- wesen sei.— Präs.: Daß Sie den Kreuzberger zur Theilnahme an sogenannten Geschäften aufgefordert haben, ist aber richtig? — Angekl.: Ja, daS stimmt.— Präs.: WaS verstanden Sie unter„Elle?"— Angell.:„Elle" bedeutet Brecheisen.— Ver» theidiger: Ich würde glauben, meine Pflicht zu v«letzen, wenn ich folgende Fragestellung unterlassen würde. ES ist mir die Mittheilung geworden, daß die ermordete Frau Paepke einen unehelichen Sohn gehabt, der unaufhörlich Gelder- Pressungen argen fie verübt babe- Herr Geheimsekretär Paepke soll dielen Umstand stets verheimlicht haben, ich richte an den Herrn Gehetmsekretär Paepke die Frage, ob seine ermordete Gattin einen unehelichen Sohn gehabt hat?— Zeuge(in groß« Erregung): Nicht ein Wort von all' dem Vorgebrachten ist wahr.— Der Vertheidiger deantragt hierauf, den Maurer Franz Wehler, der, wie ihm mitgetheilt, geäußert habe, er kenne den Mörder, wolle ihn ad«, mit Rückficht auf die Familie Paepke, nicht nennen, zu laden. Fern« beantragt der Vertheidiger zu beschließen, od der Kriminallommiffar Weyen verpflichtet ist, die gestern von ihm(Vertheidiger) an denselben gerichtete Frage zu beantworten� — D« Gerichtshof beschließt, dem ersten Antrage stattzugeben, den zweiten jedoch abzulehnen.— Auf Antrag deS Vertheivt- gers wird noch der Oberkellner des Cafö Keck, Scholz, ver» nommen, der fich in Folge der Zeitungsberichte gemeldet, da er fich erinnere, daß am 3. November ein Kellner bei ihm vor» gesprochen habe.— Der Zeuge weiß jedoch bei seiner Ver- nehmung nicht genau, ob der«wähnte Vorgang am 3. oder 4. November gewesen ist.— Da der zu vernehmende Zeuge Wehler in der Landsberger Allee wohnt, so wird die VerHand lung wiederum auf einige Zeit vertagt. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung erscheint als Zeuge Äaur« Franz Wehler. Präs.: Haben Sie Kenntntß, wer die Frau Geheimsekretär Paepke ermordet hat?— Zeuge: Nein.— Präs.: Haben Sie zu Jemanden gesagt, Sie kennen den Mörder?— Zeuge: Nein.— Präs.: Sie sollen gestern in einem Schanklokal in d« Reinickendorferstraße zu einem ge- wissen Altherr gesagt haben: Sie kennen den Mörser der Frau Geheimsekretär Paepke, Kowalski ist es nicht. Sie weiden den wahren Mörder nennen, wenn die Verhandlung beendet ist; Sie wollen jetzt den Mörder mtt Rückficht auf die Familie Paepke nicht nennen?— Zeuge: Davon weiß ich nichts.— Präs.: Kennen Sie Altherr!— Zeuge: Ja, ich bin aber schon Sit November mit demselben nicht mehr zusammen gekommen. lihnr arbeitet mit meinem Vater zusammen.— Veriheidig«: Dann beantrage ich den Vater deS Zeugen und den Althen zu laden.— Der Gerichts Hof deschließt, dem Antrage deS VertheidigerS stattzugeben. Nach etwa einer halben Stunde erscheinen die Zeugen.— Ar» bester Wehler bekundet auf Befragen deS Prästdenten: Ich weiß nicht, wer der Mörder der Frau Gehetmsekretär Paepke ist. Ich habe gestern bei Lesung der Zeitungsberichte gesagt: Kowalski scheint der Mörder nicht zu sein, da d« Hund nicht gebellt hat. Ich sagte, eS müsse wohl ein Bekannt« gewesen sein.— Präs.: Sonst wissen Sie von dem Morde nichts, haben auch nichts weiter gesagt?— Zeuge: Ich sagte noch, daß fich der Verdacht auch auf einen gewissen Grasheick in Charlotten» bürg, der viel in der Familie Paepke verkehrt hat, fich gelenkt hat.— Präs.: Haben Sie hierüber destimmte Anbaltspuntte? — Zeuge: Nein.— Präs.: Sie meinen blos, da Sie der An- ficht find, den Mord müsse ein Bekannter d« Familie Paepke degangen haben, daß eS dann GraSheick sein könnte.— Zeuge: Ja.— Vertheidiger; Herr Geheimsekretär Paepke, verkehrte der GraSheick viel in Ihrer Familie?— Zeuge: Nein, er war blos bisweilen meiner Frau beim Holzznkleinem behilflich.— Maurer Allherr: AlS wir gestern die ZeitungS« berichte üb« die gegenwärtige Verhandlung lasen, sagte Wehler: Kowalski ist nicht der Mörder, ich weiß, wer den Mord begangen hat. Wenn die Verhandlung beendet ist, werde ich den wirklichen Mörder namhaft machen; vorläufig will ich schweigen, um die Familie Paepke nicht zu dlamiren. — Präs.: Nun, Wehler, haben Sie daS gesagt?— Zeuge; Stein, eS ist mir nicht eingefallen, so etwaS zu sagen. Metallschleif« Richter, der fich augenblicklich wegen Dieb- stahls im Gefängniß defindet, bekundet: Ich kenne den Ko- walSki schon seit langer Zeit. Als wir unS im UntersuchungS gefängniß sahen, wund«ten wir unS Beide, daß wir in dieser Weise zusammenkamen. Ich«zähste nun, weshalb ich mich in Haft befinde. Kowalski sagte, er sei wegen Mordes in Haft. Auf meine Frage, wie es mit ihm stehe, antwortete er, eS stehe schlecht; eS sei Blut an seinem Rocke gefunden worden, daS sei aber von einer Schlägerei.— Präs.: Hat« sonst nichts weiter gesagt, Sie haben früh« etwaS anderes ausgesagt?— Zeuge(schweigt).— Präs.: Nun, Zeuge, befinnen Sie fich oder ich werde Ihrem Gedächtniß durch Verlesung Ihrer Aus- sage, die Sie bei dem Untersuchungsrichter abgegeben haben, zu Hilfe kommen. Der Präfid«>t verliest diese Aussage. Dar- nach hat der Zeuge bekundet: Kowalski habe ihm gesagt, er sei nach Beiltn gekommen, um hier Einbruchsdiedstähle zu be- gehen und habe fich dazu auch einen neuen„Luden"(vrech« eisen) angeschafft; er sei jedoch gleich bei seinem ersten Ge- schüft„alle" geworden. Unter„alle geworden" v«stand ich „verhastet geworden". Kowalski sagte weiter: Ich werde oder ich kann mich ausreden, daß das Blut in meinrm Rocke von einer Schlägerei in Fürstenwalde herrührt. Daß er daS Wort„ausreden" gebraucht, weiß ich ganz genau.— Präs.: Haben Sie damals die Wahrheit gesagt, Richter?— Zeuge: Jawohl.— Präs.: Sie wußten fich wohl nicht mehr genau auf den Vorgang zu erinnern?— Zeuge: Nein.— Präs.: Nun, Angeklagter, wi.s haben Sie hierzu zu s-gen?— Angekl.: Ich habe lediglich zu dem Z-ugen gesagt: Ich bin wegen Moides verhaftet worden. Richier«widerte: Ist denn die Sache noch immer nicht todt, ich weiß ja, wer der Mörder ist.— Präs.: Richter, haben Sie das gesagt?— Zeuge: Ich sagte blos, ein Metallschleif« Namens Neumann, der eine Kratzwunde gehabt, sei als Mörder verdächtig gewesen. — Auf Antrag eines Geschworenen wird das Urtheil deS Landgerichts zu Fürstenwalde verlesen, wonach der Angeklagte wegen vorsätzlicher Körpnverletzung zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Frau Forsthuber bekundet noch, daß der Angeklagte, alS er in der gestern erwähnten Weise bei ihr vorgesprochen, etwas hartes, anscheinend ein Instrument, unterm Rock gehabt habe. Danach wird die Beweisaufnahme geschlossen und der Präfident formulirt folgende, den Geschworenen vorzulegende Fragen: 1. Ist der Angeklagte, Handlungsgehilfe Kowalski schuldig, am 3. November 1885 eine fremde bewegliche Sache, nämlich eine filberne Bloche und Geld der Frau Geheimselretär Paepke, in der Abficht rechtswidriger Zueignung, weggenommen zu haben? 2. Ist der Angeklagte schuldig, am 3. Noo. 1885, bei Unternehmung dieses Diebstahls, um ein der Ausführung desselben entgegenstehendes Hinderniß zu beseitigen, oder um fich der Ergreifung auf ftischer That zu entziehen, die Frau Geheimsekretär Paepke vorsätzlich getödtet zu haben? ES beginnen hieraus die PlardoyerS. Staatsanwalt Dr- Ritzel: Meine Herren Geschworenen! Ich ersuche Sie, mir auf einige Zeit Ihre Aufmerksamkeit zu schenken, um meinen Antrag, den ich auf Schuldia in vollem Umfangt stelle, zu begründen. Der Staatsanwalt erörtert in eingehender Weise die Einzelheiten der Verhandlung. AuS alledem, ganz besonders aber aus den wirthschafllich-n Ver» hälinissen der Familie Paepke geht hervor, daß ein Bekannter die That nicht begangen haben kann. Ich weiß nicht, ob eS Bosheit od« Klatschsucht gewesen ist, daß fich einige Zeugen bemüht haben, den Gatten der ermordeten Frau Paepke der Thätnschaft zu bezichtigen. Noch bis zum letzten Moment ist man selbst bemüht gewesen, das Andenken der«mordeten Frau Paepke zu beschmutzen. ES widerspricht meinem Gefühle, dem Verdacht, daß ein Mann, der mit sein« Frau eine fünfundzwanzigjährige glückliche Ehe geführt bat, der Mörder dttselden wird, zu widersprechen. Nicht daS Geringste hat die lange Verhandlung zu Tage ge« liefert, daß der Mörder in der Familie oder deren Bekannten- kreisen zu suchen sei, im Gegentheil, Alles spricht dafür, daß die That nur von einem Fremden ausgeführt sein kann und zwar von einem Menschen, der fich in die Wohnung ringe« schlichen und mit dem Ausräumen von Wäschestücken beschäftigt war, von Frau Paepke überrascht worden ist, und da er de« fürchtete,«griffen zu werden, diese niedergeschlagen hat. Sie haben gehört, daß ein Zeuge, der erklärte, nicht an Gott zu glauben, am Vormittage des 3. November einen Menschen in der Paepke'schen Wohnung gesehen haben will, über dessen Geschlecht er fich nicht klar war, ver seiner Meinung nach aber auch ein Mann in Frauenkleidern gewesen sein kann. Es wird Ihnen bekannt sein, m. H., daß derartige mystische Persönlich« leiten fast in jedem größeren Krimtna'prozesse auftreten. Selbst- verständlich wird man niemals auf derartige Wahrnehmungen etwas geben können. Nimmt man aber an, und nach den Er« grbniffen der Brweisaufnahme muß man zu der Annahme ge- langen, die That kann nur ein Fremder begangen haben, dann ist eS nöthig, einen Blick auf den Angeklagten zu werfen. Der Angeklagte zählt zu den verwegendsten Einbrechern. Kaum 20 Jahre alt, begeht er einen Einbruchsdiebstahl, wofür er mit 1 Jahr Zuchthaus. 1 Jahr Ehrverlust und Poltzeiaufstcht be« straft wird. Während sonst die Verbrech« mit kleinen Dingen Ä? KÄÄÄtÄ' Verbrechnlaufdahn sehr bald zum Meister bringen wird. Er macht in dieser seiner Laufbahn sehr bald noch ganz bedeutende Fortschritte. Sie wissen, daß er seit 1879 fast unaufhörlich wegen schwerer Einbrüche mit Zuchthaus bestraft worden ist. Am 20. Oktober vorigen Jahres kam er wiederum nach Bnlin. Er wohnt und verkehrt hier in der christlichen Herberge zur Heimath. Sie haben gehört, meine Herren Geschworenen, wer in diesen christlichen Herdergen verlehit. Personen von der Kategorie des Kowolski oder solche Personen, die zu jedem Verbrechen fähig find. Kowalski fristet hl« seinen Untnhalt vom Betteln. Er sagte, « hade fich ernährt, daß er Fremdenführerdienste leistete. Wir baden gehört, welcher Art diese Fremdenführerdienste waren. Er begleitete den Kellner Kogel auf dessen Bettelgängen. Er behauptet nun, niemals in Moabit gewesen zu sein. Der Schloffer Spohrleger hat mit größter Bestimmtheit bekundet. daß er den Angeklagten in Moabit gesehen hat. Ich will auf das Zeugniß deS Schankwirth Falkenhagen und d« beiden hier vernommenen Knaben weniger Gewicht legen. Allein von großem Belang waren doch dir Bekundungen deS Baumeister Thiele und des Produktenhändler Seist. Diese zwei sehr gewissenhafte Männer sagen: Jetzt nach 5 Monaten können wir mit Bestimmtheit nicht mehr sagen, ob der Ange» klagte der Mann gewesen ist, der am 3. November, Nachmit- tagS gegen 2 Uhr, aus dem Hause Dreysestraße 8 nach dem Hause Dreysestraße 10 gegangen ist. Als den Zeugen der Angeklagte ad« wenige Tage nach dem Morde vorgeführt wurde, da erkannten fie ihn sogleich mit vollster Bestimmtheit. Daß die zurückgelassenen Zigarren des Thätns gute waren, wunder? mich nicht. Es hätte mich im Gegentheil befremdet, wenn Ko« «alski schlechte Zigarren geraucht hätte. Der Staatsanwalt schildert nun die Verhaftung deS Angeklagten, sein Verhalten bei dem Verhör, daS Kriminal- Kommissar Weyen mit ihm vor» genommen, sein Verhallen dem Hausdiener Hlntze gegenüber u. s. w. ES unterliegt also— so fuhr der Staatsanwalt fort — danach keinem Zweifel, daß der Angeklagte der Thäter gewesen ist. ES kann nur in Frage kommen od Kowalski die That allein ausgeführt oder ob er einen Genoffen gehabt hat. Dafür sprechen ja allerdings auch verschicdeneMomente, so z. v. dieWahrnehmung einer Zeugin, die hastig flüstern gehört hat. Es wäre ja mög« lich, daß ein solcher Genosse vorhanden gewesen. ES konnte dem Angeklagten nicht schwer werden, einen solcheü Genossen in der christlichen Herberge zu finden. ES ist ja auch nicht unmöglich, daß Kreuzberger dieser Genosse gewesen ist. Allein dieS geht Sie im Augenblick nichts an. Wenn Sie Ver Ueber- 'zeugung find, der Angeklagte hat die That allein oder in Ge« meinschaft mtt einem anderen degangen, dann muß Ihr Ver- dikt auf Schuldig lauten. V«tbeidlger Rechtsanwalt Dr. Richard Wolff: Meine Herren Geschworenen: Ehe ich dem Herrn Staatsanwalt ant« motte und daS Beweismaterial würdige, erlaube ich mir ein Wort an Sie, meine Herren Geschworenen, zu sprechen. Meine Herren, auf Ihren und meinen Schultern ruht eine große Verant« wortiichkeit. Ganz Berlin, ja, ich darf wohl sagen, ganz Deutschland steht mtt Spannung auf Ihren Urtheilsspruch. MS am 3.No« «mbec vor. IS. die Kunde von dem Verbrechen unsere StM durchlief, da herrschte mit Recht allgemein die vollste Auf» rrgung, daß so etwaS überhaupt noch in Berlin vorkommen kann. Die Bevölkerung athmete deshalb auf, alS man erfuhr, der Thäter fei gefaxt. Allein, meine Herren, Ihre Aufgabe ist eS, fich durch diese gerechte Aufregung nicht beirren zu lasten und durch Ihren Urthellsspruch nicht zu dem begangenen Unrecht noch ein neue* zu häufen und einen Menschen unschuldig zeitlebens der Freiheit zu berauben. Nicht Bosheit oder Klatsch- sucht hat die Zeugen, die den Thater wo anders suchten, zu ihren Anzeigen veranlaßt, sondern ihr Gerechtigkeitsgefühl, da ste befürchten, eS könnte Jemand unschuldig wegen dieses schweren Verbrechens destraft werden. M. H, eS ist kein Zweifel, daß der Angeklagte ein schlechter Mensch ist, dem daS Verbrechen zuzu- tiauen ist. Allein von dieser Annahme und der Ueberzeugung, daß der Angeklagte der Thäter gewesen, ist eine so große Kluft, die für ste unüberbrückbar sein wird. Ich gehe nun zur Würdigung deS BewctSmaterralS über. Ich berühre zu- nächst daS Kapitel der Rekognittonen. Meine Herren, Sie find sämmtlich Männer deS praktischen LebenS, Sie werden wisten, welcher Werth Rekognittonen beizulegen ist. Der An- geklagte hätte selbstverständlich bester gethan, wenn er nicht AllcS geleugnet, wenn er gesagt hätte: eS ist möglich, daß ich einmal in Moabit gewesen bin. Der Umstand, daß er von Schloff« rmeister Spohrleger einmal in Moabit gesehen worden ist, ich will dies Zeugniß nicht in Zweifel ziehen, spricht doch noch nicht für die Schuld des Angellagten. Von den übrigen Zeugen hat nur der l2jShrige Knabe Martens mit Bestimmt- heit den Angeklagten wieder erkannt. Die Zeugen Thiele und Leist haben gesagt— und ich achte den Muth dieser beiden Männer— wir haben bei dem Untersuchungsrichter übereilt gehandelt, wir können jetzt den Angellagten nicht mit Bestimmtheit wieder erkennen. Im Wetteren bin ich der Meinung, daß daS Alibi deS Angeklagten vollständig nachgewiesen ist. DaS Benehmen deS Angellagten bei dem Kriminalkommiffar Weyen dürfte doch sehr wenig inS Gewicht fallen. Ich bin entfernt, auf Jemanden einen Ver- dacht zu werfen. Allein ich will Ihren Blick auf eine Seite lenken, auf welcher der Thäter meiner Meinung nach in erster Reihe zu suchen ist. Die Ausführungen des Herrn Staatsanwalts machten auf mich den Eindruck, als wolle er dem Zeugen, der erklärte, nicht an Gott zu glauben, keinen Glauben schenken. Ich bin der Meinung, die Bekennung eines GlaudensbekenntniffeS kann kür den Werth eines Zeugen nicht von Bedeutung sein. Nehmen wir die» aber an, dann wüsten wir auch zu der Annahme gelangen, es habe fich am Mittag d:S 3. November, außer der Frau Paepke, noch Jemand in der Wohnung befunden. Dafür sprechen auch eine Reihe anderer Wahrnehmungen, ganz besonders die der Frau Hennig. Sie haben gehö-t, meine Herren Geschworenen, daß Frau Hennig unS sagte: Sie konnte das geringste Geräusch in der Paepke'schen Wohnung vernehmen, ste konnte hören, wenn ein Stuhl von einem Platz auf den anderen gestellt wurde. Diese Frau Hennig hat nun nicht den genngsten Sckrei, son- dein lediglich einen dumpfen Fall und mehrere Schläge ge- hört. Ich bin nun der Meinung, e* ist ein Bekannter bei der Frau Paepke gewesen, der, als fie auf einen Augenblick die Wohnung verließ, Wäschestücke auszuräumen begann und als Frau Paepke zurückkehrte und ihm sein Vor- haben wehren wollte— und dies erklärt das hastige Flüstern— dieser ste niederschlug. Wäre ein fremder Mann im Zimmer gewesen und hätte die Waschestücke ausgeräumt, dann hätte Frau Paepke bei ihrer Rückkehr doch zum mindesten einen Laut ausgestoßen, der zweifellos von Frau Henntg ge- hört worden wäre. Meine Herren, Sie werden zugebm, daß diese Annahme sehr wahrscheinlich ist. So lange Sie aber diese Möglichkeit nicht ausschließen, so lange Ste nm einen Zweifel haben, daß der Angeklagte der Thäter gewesen, so lange können Sie denselben nicht verurthetlen. Meine Herren, Sie habm nicht die Aufgabe, das begangene Unrecht zu sühnen, sondern, unbekümmert um alles andere, die Schuld oder Un- schuld des Angeklagten festzustellen. Deshalb lege ich vertrauensvoll das Schicksal des Angeklagten in Ihre Hände.(Lebhaftes Bravo im Auditorium).— Präs.: ES ist eine große Ungezogenheit, hier im Gerichts- saale Bravo zu rufen: wenn noch irgend ein Zeichen deS Beifalls oder Mißfallens gegeben werden sollte, dann werde ich den Zubörerraum sofort räumen lasten.— Et erfolgt noch eine kurze Replik und Duplik zwischen Staatsanwalt und Ver- theidiger. Alsdann bemerkt auf Befragen de* Prästdenten der Angeklagte: M. tz. Geschworenen! Ich kann nur wiederholt verstchern, daß ich noch niemals in Moabtt gewesen und an dem vorliegenden Verbrechen unschuldig bin. Mögen Sie sonst von mir denken, waS Sie wollen, ich kann mit gutem Gewisten sagen: ich habe daS vorliegende Verbrechen nicht begangen.— Der Prästdent giebt hierauf den Geschworenen die vorgefchrte- bene RechtSbeleymng, worauf fich dieselben gegen 6«/* Uhr Abends zur Berathung zurückziehen. Gegen 7 einhalb Uhr Abends kehren die Geschworenen zurück. Unter gespanntester Aufmerksamkett des überfüllten SaaleS verkündet der Obmann der Geschworenen: DaS Verdikt lautet bezüglich beider Fragen auf Ja. Nun wird der Angeklagte in den Saal geführt; derselbe steht todtenbleich auS. Der Gerichttschreiber verliest daS Verdikt. Der Staatsanwalt beantragt wegen deS Diebstahls S Jahre Zuchthaus, S Jahre Ehrverlust und Polizeiauificht. Wegen deS Verbrechen« wider daS Leben lebenslängliche Zucht« hausstrafe und Ehrverlust. Vertheidiger: Ich stelle daS Urtheil dem Gerichtshof an- heim. Präs.: Angeklagter, was haben Sie noch zu sagen?— Angekl.: Ich bin unschuldig, ich bin eS nicht gewesen. Hierauf zieht fich der Gerichtshof zur Berathung zurück. Gegm 8 Uhr Abends kehrt der Gerichtshof zurück und es verkündet der Prästdent, Landgerichtidirektor Müller: Der Gerichtshof hat, gemäß dem Spruch der Geschworenen, erkannt, daß der Angeklagte, Handlungsgehilfe Kowalski wegen Dieb- stahls mit 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehroerlust und Zu- läjfigkeit von Polizeiaufstcht, wegen Verbrechens wider daS Leben mit lebenslänglicher Zuchthausstrafe und Ehrverlust zu bestrafen ist. Der Gerichtshof hat bei Abmeffung der Strafe das Vorleben des Angeklagten und ferner erwogen, daß der Angeklagte ein Mich verworfener, rober und gemeingefähr- licher Mensch ist. Der Angeklagte nimmt dai Urtherl mit l'ößter Ruhe entgegen. Die Sitzung schließt 3>/« Uhr 'bendS. f Wechselfälschuug. Der Kaufmann L. F. befand sich in .ößter Verlegenhett. Er hatte mit einem AstoziS zusammen aS Geschäft erworben, in dem er früher al» Buchhalter thättg gewesen, hatte aber von dem Kaufpreis, der 5000 M. betrug, erst 2000 M. bezahlen können. Sein Gläubiger und früherer Chef, der Kaufmann W., setzte ihm furchtbar zu: er erschien täglich zwei bii dreimal bei F. und mahnte ihn, seine Schuld zu bezahlkn. Schließlich drohte er, die Liquidatton de* Ge- schäftS zu beantragen. Der durch solche Drangsalimngm in Verzweiflung gesetzte F. lief zu allen Bekanntm, um Geld auf- zutreiben. Vergebens! Selbst ein Freund von ihm, der Kauf- mann St., lehnte eS ab, ein sogenanntes G-fälligkeitSakzept zu §eben oder schob vielmehr seine Einwilligung hinauS. In seiner toth fälschte F. den Namen deS St. unter zwei Wechsel im Betrage von 1500 M.— Die Strafkammer de» Landgericht» verurtheille ihn zu 4 Monaten Gefängniß. Pereine und Uersammwngen. Eine öffentliche Versammlung der Lackirer sämmt- licher Branchen Berlins und Umgegend tagte am Montag, den 12. April, im Louisenstädlischen Konzertbause, Alte Jakob- straße 37, mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Oskar Kcohm über:„Wie verhalten fich die Lackirer zur Gründung eines Fachvereins." 2. Verschiedene».— Redner führte in seinem beifällig aufgenommenen Vortrag aus, daß die Lackirer schon seit Jahrzehnten keine Vereinigung hätten außer der früheren Innung, die jetzt nicht mehr maßgebend wäre; auch führte Redner auS, daß gerade die Lackirer fich freuen müßten, wenn ein derartiger Verein erst existiren würde, um ihre materielle Lage zu verbeffern.— Es wurde folgende R-solution angenommen:„Die heute, am 12. April, im Louisenstädtischen Konzerthause tagende öffentliche Versammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden, um ihre Lage auf gesetzlich, m Wege zu regeln und entschloß fich die Veriammlung, einen Verein zur Wah- rung der Jntereffen sämmtlicher Lackirer aller Branchen zu gründen."— Die Versammlung wählte einstimmig eine Kam misfion von 9 Mi> gliedern zur Ausarbeitung der Statuten und beschloß, die nächste Versammlung am Montag, den 3. Mai, abzuhalten, was durch Zeitungen und Säulenanschlag bekannt gemackt werden wird. Mit poltz.tltcher Auflösung endigte die Versammlung de» Ardeiter-BezirlsvereinS deS Westens, in welcher Herr Max Kreutz einen Vortrag über den Export deutscher Fabrikate hiett. In sehr deutlicher Weise wies Herr Kreutz nach, wie wenig der Arbeiter vom Export habe, bei anstrengender Arbeit kaum das Sattesten, wogegen einzelne Kapitalisten hierbei Reichthümer erwerben. Mit Recht wie» Referent den Vorwurf, der den Vertretern der Arbeiterpartei bei Einbringung des Arbeiter- schutzgesetzei gemacht wurde, zurück, al» könne durch das letztere eine größere KristS enrstchen. WaS nützt unS der große Ab- satz, wenn wir damit Noth und Elend großziehen. DaS Praktischste wäre, nur soviel zu produzieren, wie konsumirt wird. Einführung eineS MaximalarbeilStages, daS wäre eher ein Mittel, die Lage der Ardeiter zu verbeffern. Es ist Pflicht des Staates, die Lage der Arbeiter so zu stellen, daß fie einigermaßen leben können. Zur Diikusfion hatten fich noch verschiedene Mitglieder zum Wort gemeldet, allein als der erste Redner Herr P.ötz über die Schundarbeit sprach, löste der überwachende Polizeibeamte die Versammlung auf Grund de» § 9 des Sozialistengesetzes auf. Zentral-Keanken- und Sterbekasse der Drechsler und verw. BerufSgenoffen DeuischlandS(E. H. 48), Verwaltungsstelle Berlin A. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Freitag, den 16. April, Abends 8V> Uhr, in Säger's Lokal, Grüner Weg 29, die vierteljährliche Versammlung stattfindet. Tagesordnung: 1. Kaffenberichi. 2. Besprechung über die Ostern ftaltnnvende außerordentliche Generaloersammlung und Wahl der Delegirten zu derselben. 3. ErgänzungSwahl der Ortsvor- standes und Wahl der Krankenkontrol'ure. 4. Verschiedene». DaS Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Anträge für die Generalversammlung werden in der Versammlung entgegen genommen. Quittungibuch legitimirt. Allgemeine Kranken- und Sterbekaste der Metall- arbeiter(E. H. 29 Hamburg) Filiale 5. Eonnabenv, dm 17. April, AbendS 6'/, Uhr, Mttgliederversammlung Lothringer- straße 81. „Vereinigung der deutsch«« Schmiede"(Mitgliedschaft Berlin) Sonnabend, den 17. d. M., Abend« 8 Uhr, Versammlung in Gratweii'S Bierhallen(oderer Saal), Kommandanten- straße 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Regterungs- baumeister Herrn Keßler über„Eisen". 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten.— Des hochinteressanten Vortrags wegen wer« den alle Mitglieder dringend ersucht, zu erscheinen.— Gäste willkommen. Verein für volksverständliche Gesundheitspflege und Naturheilkunde Freitag, den 16. Avril, Abends 8% Uhr, Restaurant Feuerstein, Alte Iakobstr. 75, Vortrag deS Herrn Kanitz über:„Rückenmarkleiden; Ursachen und naturgemäße Behandlung." Der Fachverein der Schlosser und Berussgenoflen hält Eonnabend Abend 8'/, Uhr eine Versammlung in Gratweil'S Bierhallen mit folgrnder Tagesordnung ad: 1. Vortrag. 2. Diskulfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Antrag: Ausschluß eineS Mitgliedes. 5. Ersatzwahl der Revisoren. 6. VeischiedeneS und Fragekasten. Letzte Nachrichten. AuS Italien wird unter dem 15. d. M. gemeldet: In Brindifi find gestern 4 Fälle sporadischer Cholera vorgekommen. Die früher festgestellten Fälle betragen im Ganzen 64, darunter 10 Todesfälle. Bei den Unruhen in Belgien haben sowohl Milttär wie Auiständische erhebliche Verluste erlitten. Nach einer in Wiener Blättern mitgetheilten Verlustliste find 1 Unteroffizier und 7 Soldaten bei Zusammenstößen mit den Streikenden ge« tödtet, bezw. später an Verwundungen gestorben; 1 Unterlieutenant, 7 Unteroffiziere und Korporale, 26 Soldaten wurden verwundet. Mit der größten Ziffer partizipirt daS 7. Lancier- Regiment und die Gendarmette. Todte Aufständische wurden 117 durch das Militär beerdigt, doch soll eine größere Anzahl durch Bürgergardisten gefallen und beerdigt worden sein. Die Zahl der erngedrachten Verwundeten deträgt 257 Mann. Unter den Todten befanden fich eine Frau und drei Kinder. In England wurden bei der Ergänzungswahl in JpSwich, welche durch die UngiltigktttSerklärung der Wahl der früheren zwei liberalen Vertteter rothwendig geworden, die Tory Kan- baten Dalrymple und Elcho mit schwacher Majorität gewählt; die unterlegenen liberalen Kandidaten waren der GeneralfiSkal Davey und Lord Hervey. Server Pascha ist angewiesen worden, fich nach Livadia zu begeben, um den Kaiser von Rußland im Auftrage deS Sul- tanS zu begrüßen. Chakir Pascha und Mehemed Bey werden demnächst abreisen, um an den Ardttten der G-enzadsteckungS. Kommisfion theilzunehmen. Gadban Effendi ist beauftragt wor- dm, die Frage wegen der Kommisfion zm Modrnzirung de« organischen Statut» zu regcln. Die Wahlm der Wähler für den Prästdenten der Argentinischm Republik haben, laut einem uns übermittelten Telegramm aus BuenoS-AireS, bei vollständiger Ruhe am 11. April stattgefunden. Die Revolution Uruguays ist beendigt und die diplomatischen Beziehungen mit der Republik find die fottgesetzt herzlichstm. Ansammlungen streikender Zigarrmarbeiterzu Stttegau babm dem dortigen Magistrat unterm 13. d. M. Anlaß zu folgender Bekanntmachung gegeben:„Heute habm wieder acht Zigarrenmacher in der Scharnle'schen Fabrik die Arbeit aufgenommen; eS fanden in Folge dessen zahlreiche Zusammenrottungen von streikendm Arbtttern statt, auch wurde eine von auSwartS zugezogme Zigarrenmacherin, welche Arbeit in obengedachter Fabrik genommen, für dm Fall deS ArbettSantritteS bedroht. Diese Ausschreitungen der Streikenden, welche die Einwohnerschaft in einer fortwähren- den Aufregung erhaltm, können nicht ferner geduldet werden Alle Ansammlungen auf den Straßen werdm strengstmS ver- boten. ES wird hiermit bekannt gemacht, daß dieffeitS mtt Kleine Mittheilnngen. Aschaffenbvrg, 14. April. Wie man der„Franks. J telegraphirr, stnv nicht 26 Fraum und Mädchen(ctJ nach anbeten Blättern mtttheilten) verhaftet, sondern> nur vi r. Werden, 10. April. Dreizehn wegen Theilnabme w� Ruhestörungen vom 24 Dezember v. I. angeklagte Pm» wurden sämmtlich zu Gefängnißstrasen in höhe von w1 zu zehn Monaten verurtheilt. Nordhause«, 13. April. Heute Vormittag gegen 3j bemeikie ver Thurmwächter am St. Pctrithurm, Herr#* im Hause Nr. 15(Wohnung der Wittwe Wttbelmine M Feuer. Herr Buchst« r eille sofort nach dem g< iädr beten � und vermochte noch die beidm Kinder der auf Arbttt aban den Frau Frantz zu retten. E« stand das Bett in Flau* der Ojährige Knabe lag auf einem brennenden Kisten, V und Gesäß de» Knaben find mit gefährlichen BranviM bedeckt. DaS andere Kind von 4 Jahren kauerst/ Boden. Die Kinder haben anscheinend mtt StrttchW gespielt. Wt-u, 13. Apttl. Ueber den in der Nacht vom% dm 11. d. M. zwischen den Stationen Schwarzach-Et.° und L-nb. Gastein beim Pasfiren de» ExoreßzugeS Nr.- folgten Felzsturz thttlt die Generaldirektion der öfierreichi» Staotsbahnen folgendes mit: Im Augmblicke der Vor» fahrt des Expreßzuges löste fich von der lhalsettigen, Meter Hohen Wand deS Felseinschnittei unmittelbar Tunnelportal ein beiläufig 30 Kubikmeter großer Filsbloae Meter über der Schwellenhöhe los und prallte gegen dies- Maschine, wodurch der Lokomotivführer eingeklemmt mü. Maschine nebst vier Wagen zur Entgleisung gebracht a»? Der obere Thttl der Ein'chntttSböschung zeigt, daß der? block unter der dutch Pflanzenwurzeln verfilzten Humtt? abrutschte, so daß an der Obe: fläch: nicht der gering� fichtbar sein und bei der erst am 10. d. M. stattgei» periodisckm Untersuchung dieser Partie auch nicht? be» werden konnte. 25 Minuten vor dem Expreßzuge halst' beim andern Tunnel. Ende postirte Wächter seine rj schttebme Stteckenbegehung vollführt und 5 Minuten ß nach eine leer verkehrende Maschine diese Stelle M ohne daß die geringsten Anzeichen der Rutschung, dt«' Folge deS die letzten 24 Stunden vorher andau«* ergiebigen Regens ist, zu bemerken warm. Der o» verkehr ist nicht weiter behindert. Aus Salzburg lk gemilvet, daß Frau Fischel und deren Tochter Splittert* an den Unterschenkeln, die letztere auch ttne Lungen! latunt. Folge der Entglttlung davontrugen. Vorläufig besteht/ Beide keine L-denSgesahr, da inneie Organe sonst nicht find.— Der A'ststent der Wiener Univerfitä.»- Stert Herr Dr. Karl Zeldr, der fich als Paffaaier in dem entgsttz Expreßzuge befand, thttlt noch folgende Details dieses glücksialles mtt: DaS hauptsächliche Verdimft, ttn Unglück verhütet zu haben, gebührt dem Bremser dli der in demselben Momente, als er die Erschütterung dur> auf die Lokomotive stürzmdm FelSdlock spürte, die V Bremse in Thättgkeit setzte und den Zug alsbald zum brachte. ES wurde dadurch verhütet, daß auch die lückM Waggons an den ersten anstießen, in welchem Falle scheinlich der Verlust von Menschenleben zu beklagen wäre. BemerkmSmetthe Geistesgegenwart und Thatkrafi w e« auch ttn im Zuge befindlicher junger Bahndeamter mtt persönlicher Gefahr unter den noch im Tunnel ster Waggon» bi« ans Ende deS ZugeS kroch, um fich ,u zeugen, ob daselbst die als Rettun gifignale dienenden L unversehrt seien, damit nicht durch einen nachkommende« ein Zusammenstoß herdeigefllhit werde. Die Stellt,� welcher der FelSftur, stattfand, soll üb, igen«, wie voi> reren Personen verfichnt wurde, als gefährlich bekannt Pest, 12. April.(SofialeS Elend.) Der 27jahri� Lä>rfalu gebürtige Kaufmann Ludwig Arvay wurde PL in der Tarnokgaste in Ofen b- wußtlos auf dem Pflaster liegend aufgefunden. Ins Spital gebracht,% dort bald zu fich und gab an, daß er seit mehreren** nichts gegeffm Hobe. London. 8. Apttl. Gestern wurde die Baumwolllp*? der Hsiren Shaweroß u. Kanvpe in Homer, unweit mm fast gänzlich durch Feuer zerstört. Da der Brand unteren Etage zum Ausbruch kam, konnten die Arbetter"L oberen Stockwerken nur vermittelst Ltttem gerettet wobei die Verletzung ttniger Personen unvermttdlich, � Der angerichtete Schaden wird auf 20 000 Pfd. 6%* anschlagt. Kriefkaste« der Redaktio«. F. N., Artonaplatz. Ein Minorenner kann in der$} nur mit Genehmigung deS Vormunde» klagen und mui h wenn der Vormund diese verweigert, beim Vormundst»� gettcht deschweren. Wenn er aber mtt Genehmigung mundet ein Geschäft betreibt oder Arbttt«. oder träge eingegangen ist, so kann er die hierau» entfiam� Rechte seibstständig vor Gettcht geltend machen. F.«- ZionSNrchplatz. Maßgebend für die ttchrn Fragen ist daS Recht deS OtteS, an �5.». Erblasser seinen letzten Wohnfitz hatte. zufalltge Aufenthaltsort entscheidet nicht. W»% nm daher Jbre Frage erst deantwotten, wenn unS angeben, ob der Verstorbene in der Schweiz seinen fitz hatte; auch bedarf es der näheren Angade de» betr« OrteS der Schwttz, da in dm verschiedenm Kantonen weise verschiedenes Recht gilt. � Straßennbonnen t. Die von Jhnm gmannte rungsanftall erfreut fich deS Rufe» großer Solidität, ste seit fast 50 Jahren. Eine Garantie für deren absolute V hert können wir freilich nicht übemehmen. � a u lst eine Statutenänderung, wenn in bMLW statt, wie bisher 2 künftig nur eine Versammlung stattfinden soll. Sie müffen die» daher der$0%% anzeigen. EineS Neudrucks de« Statuts bedarf e» ab* ß' rt genügt, wenn Sie in den noch vonöthigen Ex-mp� Worte des 8 6:„und fünfzehnten" durchstteichen. � v, w haben erst vor Kurzem ttne glrW£' ö* ä ttaulein—, innerhalb von 6 Monaten nerven können, wenn nicht ewa seitens de« G' werden soll. W. Osnabrück. Das Betreffende erhaltm. wild � abgeliefert werdm. 3$ an die Redaktion. Berantwortticher#.«usstst» t.««ttn-«*»<«mb»«lag von im»mtn 8W,»aWhoß« a, Z wangs mrttel anwenden zu dürfm.