er tnoWH1 rle diese» ttn jetzig« btsondeli Vcrgeteni lercin dtl> Bau Futz vetitionw rtaliffliW tfl gehani- ltlle flnej1 !«e©an#" ne Zurü» Agilalio» BauunI» a 250 »r.SS Sonntag» de« 18. April 1886. ETI. Jahrg. >t, einti, i auch ev» N cht»* id M-tst-- t Konve» oelfen � w'br% wen.»» iihlung« itziaen, g» z ver ne» PlüiuZ r die W nöglich ie Sitm« eine Ro» tooptatW ibcttrad:« >on viel« , den lj Baumiat iommW 5 und t! Kttflli.K rngsduite ZnvaliV« iffenbtw jonnabflj intenfitof : deS Sß«; Wahl* TschiedeNl' t und® j Lormitta? -(SenetöJ lgtzbuch men.(, ie Ausg� (Donner» bliothd i c Vorsts e Aue»ab ieder reg« littaas>» «ine fltoi' Treffpuo» Vormitial sordnung� xragelufl« -a o uftl l?| zesordn«' Du«!»! t HawdZ SN Ie Gen«� 88 uns(% aiw I tS h(i% Verein K utteteiv." tllimWIisW Brgan für die Interessen der Arbeiter. $a«„»erlinct Volktblatt" WsKsiWssi'�- Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: KenttzstraKe S.— Grpeditis«: Zimmerstraße 44. „Sieze" ms iirm Uelimirkt. _ L®",r Deutschen find nicht allein die Sieger von Wörth °«edan. wir erfechten auch Siege auf dem Weltmarkt. � Siege! Sogar die Engländer müssen ««fw?�en» f,e»önnen den Wettlauf mit uns nicht mehr »halten und bleiben weit hinten zurück. Es erfahren .?s?rsssentz aus dem Zeatralorgan de? deutsche« da« blr 1" � 1 1 e n' welches ttiumphirend meldet, >" mp»<««tp. dw«» mm WlamT �utb witgetheilt, die Nottinghamer Fa- kN-?--«. KÄS-ff eminent.«? w Nottingham übliche» Löhnen ist«ne so b c n n n'r?« � fcie sächsischen Textilindustriellen hoffen, reich w Nottinghamer Konkurrenz gegenüber sieg« NW'ssMM STySSS-NlalSL haben und machen de» Deutschen eine wahr« un a »»v n tägiili nsten ÄiS ff».■ � nach Iseuilleton. Der Trödler. Roma« von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) . Das höchst luxuriöse Lebe» der Familie Hennings hatte nur Zinse«, sonder» auch ei« gut Theil de» Kapital» ??%zehrt, welches Edmund disponibel hatte. Dazu kamen % verschwenderische Einrichtung zweier Stockwerke, seine Glien Schulden, die theure ttalienische Reise, dre kostspieltge» jriifttCirt» �•—- indig 'tm 1 m II -O mm Ech fiMBewe neue Taxirung de«" Hause» und ohne Zustu» MßMMW «eben, an den eine» Nothschrei zu richten, welchen er unter alle» Menschen am wenigsten zu brauchen glaubte. =4% C% K'Ä" .. Zm Berichte des Fabrikinspektor» für de« ZnspektionSbezirk Zwickau, zu dem Plauen ge« hört, wird gemeldet, daß 1885 in diesem Bezirk etwa 14 000 Frauen und Mädchen von mehr als 16 Jahre« in der Textil« und verwandten Industrie beschäftigt waren; da» Jahr 1885 wie« eine Zunahme von über 2000 auf. Wir lasen einmal, daß in Folge der Heranziehung weib- licher böhmischer Arbeitskräfte in solchen Massen sich die Einwohneroerhältnisse der Stadt Plauen ganz abnorm ge- staltet hätten; die Stadt soll 5000 weidliche Einwohner mehr haben, al» männliche. Ob dai richtig ist, lassen wir lso nun kennen die Herren Philister, denen diese Dinge! bis jetzt gänzlich unbekannt waren, die Mittel, mit denen unsere Siege auf dem Weltmarkt erfochten werden. Man zieht die billigste« Arbeit«« kräfte heran— wenn'S nicht ander» geht, au» dem Aus- lande— und zahlt die niedrigsten Löhne, so niedrig, daß die Engländer an einer erfolgreichen Konkurrenz verzweifeln. Wenn irgendwo, so ist hier der Beweis geliefert, daß die gegenwärtige Form der Industrie unter dem Druck der freie» Konkurrenz immer da» Bestrebe» habe» wird, die Löhne zu drücken. Der gute oder schlechte Wille deS Einzelnen kann daran wenig oder garnichts ändern; e» handelt sich eben einfach um Sei» oder N i ch t s e t n. Und»un die Wirkungen solcher Siege auf dem Welt« markt! Das sind nicht nur Pyrrhussiege, daS sind, so lange sie mit solchen Mitteln erfochten werden, direkte und furchtbare Niederlage», sobald sie sich in ihre» Wirkungen geltend mache».»Siege" sind sie für de« einzelnen Unternehmer, dem e« gelingt, seine« Profit »och rechtzeitig einzuheimsen, bevor ei««euer, mit über» legenen Mittel» ausgestatteter Konkurrent auf dem Welt markt erscheint; Niederlaae» sind sie für de» Arbeiter, für da» gesammte arbeitende Volk, und in ihre» weiteren Wir- kungen auch für ganz Deutschland. Den« solche Löhne, wie sie in der sächsische» Textil« industrie gezahlt werde«, sind ganz geeignet, eine Arbeiter- schaft, ein ganze» Volk zu ruioiren. Die übermäßige Aus« Nutzung der Arbeitskraft, die Heranziehung ftemder Arbeits« kräfte mache« eine Menge von„Händen" überflüssig. Die „überflüssigen" Arbeiter— was solle» sie ihn»? Eine Menge von rhaen werden dem Bettel, der Vagabondage, der öffentliche« Unterstützung anheimfalle« und so belasten ste, so gerne sie arbeite« möchten, wider ihren Willen den Steuerzahler. Der Verbrauch von Lebensbedürfnisse» wird auf das alleräußerste eingeschränkt, die Konsumtion» fähigkeit der Masse» nimmt chronisch ab. Da fehlt es füi eine Menge von Produktions- und Handelszweigen an Absatz und wen» erst die kleine Geschäftswelt darunter leidet, so kommen, da e» ihm begreiflicher Weise unmöglich sei, dem Trödler selbst einen Besuch zu mache«. O, gebrochener Stolz, geknickter Hochmuth! Justu» erschien.— Ein peinlicher beängstigender Augen« blick war'», als der alte Mann kurz angebunden eintrat, einen kalten Blick auf das bleiche Antlitz de» jungen Manne» warf, den er vor alten Zette» so oft aeliebkost, und sich auf eine« Stuhl setzend mit niedergeschlagenem Blick auf Eomund'« Anrede lauerte. „Herr Schätzlei», ich bin sehr unglücklich!" „So?— Na, da» sind mehr Leute Sogar Viele, die'S nicht verdient habe»!* „Wo» Sie damit sage« wolle», fühl' ich sehr wohl. Ob ich es aber so— so verdient habe, wie mich'« getroffen, da»—* „Da» habe« Sie verdient! Ueber und über!" „Ich werde da« Gott zu richte» überlasse« l" „Schön, ich auch l Was geht da» also mich an?" „O, Sie brauchen mir'S nicht so deutlich zu sage«, wie tief Sie mich hassen und verachten! Ich will Sie aber nur ftaae», ob Sie da» Herz haben, den Sohn Ihre» tobten Freundes zu ruinire», die übermäßige« Vortheile, welche Ihne» mein Vater, weiß Gott weshalb, über mein Eigenthum und mein Schicksal eingeräumt, zu benutze», um mich ganz in Verzweiflung, Armuth und Schande zu bringen?* „Hab' ich Sie etwa in Verzweiflung gebracht? Wollen Sie mir gar Ihr Elend, Ihre Verschwendung in die Schuhe schiebe« und daß Sie wie ein Wahnsinniger Ihr Vatergut an ei«»ichtSnutzige« Weibsbild verschleudert haben?— Daß Ihr Herr Vater, Gott Hab' ihn selig, wenigsten» mein Eigenthum gegen Ihre Prasserei sicher stellte, war nur rechtlich, und daß er sicher sein wollte, der gute„kalte Stern* werde nicht einst gar subhastirt, war weise gehandelt. Sei« ehrliche» Namensschild konnte» Sie abreißen, die» so« lide alte Haus zum Nanentempel machen, aber es unter de« Hammer bringen, werde» Sie nicht I Dafür ist der Trödler da, der alte Lumpen-Justu«, verstanden?!" „Ich verstehe Sie sehr wohl! Es wäre auch über- flüssig, bei Ihne« jene Saite» de» Gemüihs anzuschlagen, macht sich dies sehr rasch in der Großproduktion fühlbar. Zahlungseinstellungen und wirthschaftltche Krise« sind die letzte Folge. So schneidet sich die Industrie in» eigene Fleisch; sie entkräftet Volk und Land und sich selbst. Unter diesen Umstände« hat Niemand einen Grund, mit den„Siegen" der Industrie auf dem Weltmarkte sich zu rühmen. Viel zeitgemäßer wäre e», mit alle« Kräften darauf hinzuarbeite», daß endlich eine internationale Fabrikgesetzgebung zu Stande kommt, welche der wüsten„freien Konkurrenz' einige Schranken setzt und der industrielle» Anarchie wenigsten» einigermaßen steuert. Da» wäre ein Erfolg, der uns Alle« zu Gute käme. Leider scheinen die Regierungen wenig Lust zu haben, an diese Frage heranzutreten. PolMsche Urberficht. Der Kanzler hat genickt,— als nämlich Herr Miquel in der MontagSfitzung deS Herrenhauses seine Rede beendete. Darob allgemeine Freude in den nationalliberalen Blattern; war man doch die drück« nde, peinigende Sorge los, die ein nationalliberales ManneSherz immer befallt, wenn eS fich einer Opposttion gegen den Kanzler schuldig fühlt. Golt sei Dank, der Kanzler hatte genickt und damit seine Zustimmung zu den Miquel'schen Ausführungen zu erkennen gegeben> Aber o Schreck!— jetzt heißt es plötzlich, der Kanzler hätte ganz anders genickt, al» man es ursprünglich auffaßte. Fürst Bis« marck hörte, nach dem„Wests. Merk.", allerdings der Rede Miquels aufmerksam zu, aber ohne Zeichen bei Beifalls oder Widerspruch». Die Kopfbewegung am Schlüsse der Rede war zum Peästbenten gerichtet und bedeutete nicht» andere» a.s eine Meldung zum Worte, woraus nach dem Branche bei parlamentarischen Debatten zu schließen ist, daß Fürst Bis- marck die Abficht hatte, Miquel» Ausführungen entgegenzutreten. Die Meldung wurde jedoch vom Prästdenten übersehen, welcher inzwischen dem Grafen zur Lippe das Wort erihetlt hatte.— Was werden sie nun thun, die armen National- miserablen? Wüßte man genau, wie der Kanzler genickt hat, so wüßte man ja auch, was zu thun und was lassen wäre. Aber wer bürgt dafür, ob die erste oder zweite Auffassung die richtige ist? Die Nationalliberalen werde« am Ende noch be» dauern, daß fle zum Führer nicht einen Cumberland er« koren haben, der die innersten Gedanken de» Kanzlers lesen kann. Was bedarf es auch mehr, um nationalliberale Politik zu treiben! Konservative Schamlosigkeit. Um„die eigentliche Be« deutung der Lotterte als StaatSinstitut" zu erkennen, dazu be« durfte es natürlich de»„Deutschen Tageblattes". Diese» offiziös- antisemittsch> agrarisch« mittelparteiliche Organ schrieb gestern in seiner köstlichen Naivetät:„DaS Bedürfniß der Hoffnung ist bei den„Enterbte n" viel dringender al» bei den Wohlhabenden, von denen doch niemand da» Glück aus seiner Zukunft streichen möchte. Hält man e» nun für jene geheiligte« Erinnerungen wach zu rufen, für welche da« roheste Herz selbst empfänglich ist!— Spreche» wir also nur vom Geschäft!" „Vom— Geschäft I" Justus bi» sich auf die Lippen. Ein leichtes Zucke« seine» Gesicht», ein bleicherer Hauch auf seine» Wangen bewies, daß er nicht ganz unempfind« lich sei. „Was ich Unrechte»— benennen Sie'», so hart Si« wollen— gethan, fühle ich von allen lebenden Wesen am besten. Wen« Ihnen da» ei» Triumph ist, so will ich's Ihnen offen gestehen.— Mein Weib hat sich von mir ge« waltsam getrennt, ich bin entbehrt! Nach dem Ehekonttakt gehört ihr die Hälfte meines Vermögens, und ich muß es zahle«.— Um nicht ganz entblößt zu sein, noch einen Schimmer von Hoffnung für die Zukunft zu behalte», muß ich auf die» Hau» eine zweite Hypothek aufnehmen I" „Wie hoch?" „Zehntausend Thaler I"— Es bleibt mir keine Wahl! Entweder Sie sind human genug und gestatte» mir diese zweite Hypothek an eine« andern Käufer zu vergeben, oder — wenn da» Ihrem Interesse etwa besser zusagt, Sie neh« me» sie selbst. Sonst muß ich de«„kalten Stein" verkaufe«, ich bin gezwunge»!" „Zehntausend?— Zur zweite« Hypothek?"-- Ist mir zu hoch!— Im SubhastationSwege könnt' ich mit der weiten Hypothek ausfalle«. Ist mir zu hoch I-- Einem Ilndern lasse»?— Geht nicht, will ich nicht! Hab' keine Lust, i« Prozesse zu falle». Wenn Sie die Hypothek einem Ander« gebe», kündige ich die meine! Wollen Sie aber de«„kalte« Stein" verkaufe»— gut, ich will ihn nehmen, damit Sie sehe«, ich bin nicht so!" „Dahin also ging Ihr Ziel, da» Hau» meine» Vaters a» sich zu reiße»? Hab' ich Sie endlich durchschaut?—— Dem Wunsche mußte Ihre ganze Lebenskraft, Ihr Kind, mein kränklicher Vater, ich leichtsinnig Argloser selber diene«?! Wie eine Katze umkroche» Sie un», mit einer Gaunerklugheit ohne Gleichen umspanne» Sie un» Herz und Hirn, und jetzt— jetzt wollen Sie den Sprung thun?! Nein, mein Herr Schätzlein, so ohnmächtig bin ich denn doch nicht, Ihne« diese Höllenfreude zu lassen! leffet, daß sich die Hoffnung deS Armen in die Aussicht auf einen gelungenen Dieb« stahl oder die allgemeine Plünderung der Besitzenden kleide, alS in die Erwartung eine» glüHlichen Lotterietreffers? Die Unzu- friedenheu der Besitzlosen ist jetzt schon groß genug und fie muß naturgemäß fortwährend wachsen, wie fich mit der zu» nehmenden Konkurrenz der Kampf um daS Dasein verschälst, so daß man volle Ursache hat, alle Trostmittel zu Rathe zu halten. Man darf den Nutzen nicht unterschätzm, welchen der Staat mit der Aussicht auf die Verbefferung des irdischen Lebens durch einen Lottertegewinn stiften kann." Die Per- mehrung der Lotterieloose wäre danach also sogar ein Glied in der Kette der„sozialen Reformen", denn— wenn der Arme nicht spielt, dann stiehlt oder sengt und brennt er!! Wie muß eS in den Köpfen der Leute aussehen, denen man solchen Unsinn tn Leitartikeln bieten darf. Diätenprozesse. Die Begründung in dem Urtheil de» Königiberger OberlandeSgerichtS im Prozesse egen den Abg. Dtrichlet deruht auf sehr willkürlichen Vor« llungen über die Entstehung de» VerfaffungSparagraphen egen die Diäten. Die urtheilenden Richter scheinen von der Vorstellung ausgegangen zu sein, daß in dem Reichstage von 1867 die Konservativen die Liberalm überstimmt hätten. Be» kanntlich gaben in der Diätenfrage die Nationalliveralen unter Mihrung deS Herrn v. Bennigsen für die Ausschließung der Diäten den Ausschlag, nachdem Herr v. Bennigsen, ohne Widerspruch zu finden, festgestellt hatte, daß er die Gewährung von Diätm auS Privatmitteln für zulässig halte. Davon sin- det fich in der Begründung des Königiberger Urtheils freilich keine Silbe. Interessant ist sodann folgende Bemerkung in dem Urtheile:„Falls wirklich Herrenbausmitglieder aus Uni- verfitätS' oder städtischen Kaffm Entschädigung erhalten, ist di«S schon darum nicht beweisend, well die preußische Per» faffung über die Diätm der HerrmhauSmitglieder über« Haupt keine Bestimmung, insbesondere kein Verbot mthält. Die vor mehreren Jahren vom BundeSrathe be« schlossene, später wieder eingeschränkte Gewährung von Eisenbahnfreikarten an die ReichStagSmitglieder kann allerdings mit Artikel 32 kaum in Einklang gebracht werden, und erscheint dieselbe mindesten» als «ine Ausnahme, die aber doch nicht geeignet ist eine ver- faffungSmäßige Regel zu beseitigen." Vielleicht schließt sich auch die R�ichSregierung dieser Auffassung an und macht ihre „verfassungswidrige" Handlungsweise wieder gut, indem fie dm Abgeordneten auch den letzten Rest der freien Eisenbahn- fahrt entzieht! Indem KammergerichtSurthetl gegen den Ab« geordneten Langhoff heißt e» u. A.:„Der Gerichtshof ist auf Grund der Entstehungsgeschichte deS Artikels 32 der Reich»- Verfassung und in Uebereinstimmung mit der überwiegenden Anzahl der StaatSrechtSlehrer der Ansicht, daß Artikel 32 ein absolutes Verbotsgesetz mthält und daß der§ 172 l. 16 deS Allg. Landrechts sich auch auf die Handlungen gegen reichS« rechtliche VerbotSaesetze bezieht, daß sonach, wenn auch kein gegen die Ehrbarkeit und gegen die gutm Sittm verstoßendes Handeln vorliegt, doch mit Rücksicht auf daS erwähnte Verbot der Klageanspruch degründet erscheine." Deutscher Reichstag und HreußischeS Abgeordneten- hau». AIS nach der Polendebatte im Deutschen Reichstage diese erste deutsche gesctzgebmde Körperschaft von dm Offiziösen mit allerlei lieblichen Kosenamen delegt wurde, als man daS Heil deS Deutschen Reiche» im partikularistischm preußischen Abgeordnetenhause suchte, weil dort eine reaktionäre Majorität fich zusammengefunden hatte, da ahnte man wohl nicht, daß gerade dieses Abgeordnetenhaus in großm nationalen Fragm „OdstruvionSpolitil", um daS geläufige Kanzlerwort zu ge- brauchen, treiben würde. Der Deutsche Reichstag hat ein« m ü t h i g, ohne Unterschied der Partelen, für den Nord« ostseekanal gestimmt und die vom Reiche geforderten 105 Millionen Mark bewilligt und ebenso cinmüthrg die anderen getroffenen Dispositionen gutgeheißen, obwohl an denselben manches auszusetzen war.„Bei großen Dingen soll man nicht kleinlich nörgeln"— daS war die Divis«, die fich der deutsche Reichstag bei dieser Frage gegeben hatte. Ganz ander» das preußische Abgeordnetenhaus, an welches die Vorlage gelangt ist, damit dasselbe die Summe von 50 Millionen als einen besonderen aus Preußen fallenden Theil bewillige. Man hielt in weiten Kreisen diese Bewilligung nur für eine Formfrage und glaubte, daß das Abgeordnetenhaus ohne längere Debatte dem Bau des Nord-Ostsee-KanalS zustimmen würde. Aber da ist man gut angekommen. Anstatt ein kräftiges Ja sofort bei der zweiten Lesung zu sagen, wurde eine desondere Kom- Mission von 21 Mitgliedern— man könnte fie die„Ver- ichlcppungskommisston" nennen— gewählt, um über die ver- chiedensten Interessen der verschiedensten preußischen Landes- heile fich unnützer Weise wochenlang herumzustrrllen. Auch bei der Diskussion im Hause selbst herrschte ein nörgelnder, von allerlei Lokal- und Provinzial-Jnteressen beeinflußter Ton und selbst dem Minister v. Boetticher, der die Vorlage auch im Reichstage verttat, gelang eS nicht, durch sein frischeS, über- Ich werde das Hau» verkaufe«, weil ich'» muß, doch Sie sollen niemals sein Herr sei«! Eher den rothen Hahn auf« Dach!!" „Da» ist recht! Das fehlt Ihne« nur«och, um Ihres sterbende« Vater» Ahnung wahr zu machen I Ihres Vaters, der in meine« Armen endigte, indessen Sie bei der Baronesse in S... gesessen I— Nur zu!— Ich bin aber Keiner von denen, welchen man drohen kann. In fremde Hände kommt das Haus nicht! Entweder bleibt es in den Ihren, oder kommt in meine! Verkaufe« Sie'S nur! Ich kündige Jedem die Hypothek, außer Ihnen! Das kann ich«nd, der Teufel soll mich hole«, da» werd' ich II" Edmund preßte verzweifelt die Hände gegen die Stirn. Er mußte sich am Sessel halten, um nicht zusammen zu brechen. Aber mit letzter in ihm schlummernder, sittlicher Kraft, dem menschliche« Adel, der oft erst in der Stunde der Noth erwacht, richtete er sich auf und sah dem Alte» flammend in'» Angesicht. Ja, Herr, ich werde dieses mein Vaterhaus nicht ver- kaufe«, werde nicht Ihr Mitleid wegen de, Hypothek an« rufen, aber de» letzte« Groschen will ich nehmen, um jenem Weibe de» Judasloh» zu gebe«! Sie und Jene, Ihr habt mich vollends elend gemacht, geht hin und freut Euch nun! Ja, ich bin gSnzlich vernichtet!! Ohne Beruf, mit zerrüttetem Herze», zerstörtem Erbe, verachtet, ver« lacht, ohne Hilfsquellen, ohne Zukunft II Ich bin zu Ende II!"— Er sank in de« Sessel und bedeckte sein bleiche» Gesicht. .Sehe« Sie'S endlich ein? I-- ES kommt nur ver- dämmt spät!— Ich bin zwar'n Wucherer, der Wurm in Ihrem Leben, bin nicht werth, daß mich Gotte» liebe Sonne bescheint, aber ich sag' Ihnen, den ich hasse und verachte, den ich elend machen will, weil er mew Kind elend machte, und an dessen Qualen ich mich weide— ich, der alte Justus, fag's Ihne«, wenn Sie«och eine Ader echte» Mannesbluts in sich haben, wen» Sie der rechte Sohn Ihre» ehrenwerthen Vaters sind, dann thun Sie eins; ich rath' es Ihne« in dieser Stunde!" Edmund fuhr auf und starrte ihn an.„Sie— Auftreten die partikularistischen Jnteressengeifler annen. Und mit dieser Gesellschaft will Fürst Bismarck hohe Polttik treiben!?— Bei Berathung der übrigen Kanalvorlagen wird die Regierung noch Wunder erleben, wenn eS ihr nicht gelingt, den Kanal durch daS Befitzthum jede» einzelnen Ab- geordneten zu leiten, der doch„auch etwa» davon haben möchte."— Da hat sich doch der„Obstruktionspolitik" treibende Deutsche Reichstag anders gezeigt. Aber—„Undank ist der Welt Lohn!" Was die katholische Kirche für die nächste Zukunft in Preußen für ihre Diener erhofft, zeigt der Umstand, daß von 47 Abiturienten dei Paderdorner Gymnasiums, die soeben da» Examen gemacht haben, nicht weniger als 25 Theologie studiren wollen. Zur Kanossa- Säule. Au» Harz bürg erhält die „Saale- Ztg." folgende interessante Nachricht: In den letzten Tagen haben fich hier mehrere unserer angesehensten Mitbürger zu einem Komitee vereinigt, welche» dem Plane dienen will, mit der bekanntlich in unserer Nachbarschaft errichteten sogen. Kanossa Säule ine den Umständen entsprechmde Veränderung vorzunehmen. ES lastet auf der öffentlichen Meinung unserer Stadt wie ein schwerer Druck, daß das Denkmal, welches zu Ehren eines großen Wortes und einer befreienden politischen Tyat errichtet wurde, nun auch ferner dastehen soll gleichsam als ein Spottzeichen über eine stolze Vergangenheit, und man ist hier allgemein entschieden dafür, daß die Säule entweder schlankweg beseitigt oder doch so umgewandett werde, daß sie als Wahrzeichen von dem nunmehr eingetretenen wirklichen Stande der kirchenpolitischen Dinge in Preußen gelten darf. Zu Beschlüssen ist daS betr. Komitee noch nicht gekommen, doch machte fich in einigen Vorbesprechungen vorwiegend der Ge- danke geltend, daß au» der Säule ein mit entsprechender In- schrift versehener Leichenstein für die todte Maigesetzgebung zu machen sei. Sobald da» Komttee fich für einen destimmten Plan ausgesprochen hat, wird es fich behuf» AuSfüh- rung desselben mit unseren städtischen Behördm in Verdin- dung setzen. Obwohl die heutige Regierung sich konservativ nennt, so ist ihr doch jede seldstäntige konservative Richtung ein Dorn im Auge. So fertigte gestern die„Nordd. Allg. Ztg." die zuweilen ihre eigenen Wege wandelnde„Kreuz, tg." in folgender Weise ab:„Zunächst müssen wir die„Kreuz-Zeitung" darauf aufmerksam machen, daß sie kein Recht hat, namen» der kon» servativen Partei daS Wort zu nehmen. Sie ist noch weniger daS Organ der konservativen Partei alt die„Germania" da» de? Zentrum» ist. Wenn die„Germania" noch einen starken Prozentsatz de» Zenttum» hinter fich hat, so kann die„Kreuz- Zeitung" das nur von einem verhättnißmäßig geringen Bruch- theile der konservativen Partei im Lande und ihrer Fratttonen in den Parlamenten nachweisen, die Mehrheit der Konservativen hat mit der„Kreuz-Zeitung" die Ziele und Wege nicht gemein, und dieses Blatt ist nicht der Ausdruck ihrer Stimmungen." Kurzweg: Die konservative Partei, daS bin ich— der Kanzler nämlich. Die Geschichttfälschung de» Prof. Wilhelm Müller in Tübiuge«. Die„Danziger Ztg." giebt eine Probe von der Geschichtsfälschung, wie fie Prof. Müller in seinem Werk „Polttische Geschichte der Gegenwart" betreibt. Beispielsweise hat Prof. Müller behauptet, daß der Reichskanzler vom 14. Februar die Ausführungen des Abg. Rickert über die Schädi- gung der Ostseeprovinzen durch den neuen Zolltarif widerlegt habe. Von der Widerlegung, welche der Abg. Rickert am 16. April an der Hand statistischen Materials dem Reichs- kanzler Punkt für Puntt zu Theil werden ließ, findet sich in der Geschichte deS Prof. Müller nicht ein einziges Wort. Dergleichen GeschtchtSprofefforen find nach der«Fieis. Ztg." noch schlimmer, wie die Reptilien- Letzteren kann man ihre Verlogenheit auf der Stelle nachweisen. Derartige Ge- schtchtsprofessoren aber wollen auch für eine spätere Zeit als unparteiische Zeugen auftreten.„ES giebt keine Wissenschaft, die unter dem gegenwärtigen RegierungSsystem so herunterge- kommen ist, wie die Geschichtsforschung." In Serbien scheint man Deutschland nicht besonder« günstig gestimmt zu sei«. Dem Wiener„Fremdenblatt" zufolge ist der langjährige Vertreter der Bismarck'ichen„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" in Belgrad, Dr. Pfeifer, am 13. d. M. von der serbischen Regierung ausgewiesen worden und mußte sofort Belgrad verlassen. Ausweisung. München. Ein österreichischer Unterthan, der Tischler Carnet wurde am 13. du nachdem er Sonntag früh verhaftet worden war, über die Grenze„geschoben". Der Ausgewiesene arbeitete schon seit Jahren hier. Am Sonntag früh au» dem Bette geholt und in Hast genommen, hatte er am Dienstag bereit» die AuSweisungSordre in Händen. Er durfte aber nicht mehr in seine Wohnung, um seine privaten Angelegenheiten zu ordnen, noch durste er in die Fabrik, in welcher er arbeitete, um mit derselben abzurechnen. Vom Ge« sänaniß unter Eskorte von zwei Gendarmen dirett auf den Bahnhof und dann per Schub bis in seine östeneichische Heimathgrmeinde— daS war strikter Befehl und er wurde streng ausgeführt. wolle» mir rathe»?— Was wollen Sie mir«och rathen? I" „Bete und arbeite!!"— Justu» ging zur Thür. „Hahaha! Und wer soll mich'« lehre«, Sie grauer Narr, jetzt lehre«, wo doch Alles vorbei ist?!" „Sie frage«, wer Sie'» lehren soll?— Wisse» Sie da» «och nicht?— Na, so warte« Sie'S nur ab!"— Die Thür fiel hinter Schätzlein zu! Edmund hätte eher seine Seele verpfändet, al« Justus gutwillig das Grundstück gelassen. Er machte also sämmt- liche Kapitalien, welche ihm noch zu Gebote standen, flüssig und war so nach einem Vierteljahr im Stande, die fest- gesetzte Summe an Astarten zahlen zu könne». Der Notar der Baronin händigte darauf gewissenhaft sämmtliche Briefe MathildenS an ihn au», wie die notarielle Garantie Astar« tens, welche ihn vor jeder Veröffentlichung derselbe« schützte. Die Scheidung erfolgte, und Edmund zahlte die Hälfte seine» damals angegebene« Vermögen« hin.— Vor dem Richter sahen sich beide Gatte«, Edmund und Astarte noch einmal — dann nie wieder! Al» Henning» von diesem ScheidungStermi« nach Hause zurückkam und, da» wine Haupt auf die Hand gestützt, nachsann, wa» ihm«och von dem Seine« blieb, faßte kalter Schauder sein Herz.— Unsumme» hatte er hingeworfen, Astarten» und ihrer Mutter Gelüste»u befriedigen, seiner Eitelkeit und Hossart, seinem regellose» Hange nach Kunst und Luxu» zu stöhnen. Was ihm»ach drei Jahren einer trostlosen Ehe,«ach Zahlung der Hälfte seine« ehemaligen Vermögen» übrig blieb, war da» Hau«, auf welches er keine Schulde« mache», da» er nicht verkaufe» durfte, eine luxuriöse Einrichtung, die für ihn jetzt eben so lächerlich wie ohne Werth war, welche er also natürlich veräußera wollte, und endlich ei« so geringe» Kapital, da er von dessen Zinse» nicht lebe« konnte, da er ja Schätzlein'S Hypothek mit tausend Thalern verinteressiren mußte. So viel sah er klar genug ei«, daß, wenn er diese« kleine Kapttal einmal erst angriff, e» selbst bei sehr verändertem Leben binnen drei bi« vier Jahre« aufgezehrt sei« werde. Aber was dann?— Der Welt offen seine Armuth zu Oesterreich'Ungarn. Im Reichsrathe machte der Justizminister Prazak den such, die Aussehen erregenden Mittheilungen Kronawettels über die unwürdige Behandlung, welche politische Verdächtige oder Gefangene zu erleiden haben, zu entkräften. Aber eS gelmiS ihm das nur schlecht; nicht nur mußte er, wenn er auch im Allgemeinen bestritt, daß eine ungesetzliche BehandlungSwem im Gebrauche sei, Einzelheiten gravirender Art zugeben tso zum Betspiel, daß zwei Sozialisten nach verbüßter Strafhaft gemein« schastlich mit einem gemeinen Verbrecher und mittels Hand» schellen gefesselt an die zuständige Bezirkshauptmannschaft ad» geliefert wurden), eS war Kronawetter auch in der Lage, seine Behauptung, daß politische Verbrecher wie gemeine behandelt würden, durch eine Reihe von Beweisen zu erhärten. Ebenso vermochte er darzuthun, daß der„Abschub" politisch mißliebig« Personen ganz besonders im Schwünge ist und daß die Haus» suchungen bei sozialistischen Arbeitern in einer alle Humanst« und allen Anstand verletzenden Weise vorgenommen werden. Belgien. Die„BreSl. Morgenztg." widmet dem General van der S m t s s e n einen sehr enthufiastisch-n Artikel, kann aber zum Schlüsse doch nicht umhin, das Verfahren des„schneidigem Militärs gegen die unruhigen Arbeiter zu mißb.lliaen. Es heißt hier:„Als General van der Emiffen nach Charleroi in den letzten Tagen kam, war er von der fixen Idee besessen» daß er eS mit eine: wohlorganistrten Anarchisten- Armee}" thun habe, der er um jeden Preis bei Charleroi eine groft Schlacht liefern wollte. Nun, eine Anarchisten-Armee exiftirtt< zwar nickt, dessen ungeachtet begann er tn Charleroi wie in einem er o berten Land e zuwirthschaf» t e n. Fast alle seine Erlaffe waren flagrante Verletzungen der belgischen Konstitution, welche die Verlängerung des Belage» rungszustandei nur dem G-setzgeber gestattet. Selbst den klerrkalen Blättern begann es vor der Energie de» Baron van der Smissen zu grauen, und der Ministeipräfivent mußte in der Kammer zugeben, daß diese Proklamationen und Erlaffe. illegal seien. Einen Tadel gegen den General offiziell zu formuliren, fand die Regierung für inopportun, fie zog eS vor, dem für Füstladen gar zu seh r s ch w ärmen d en Militär goldene Rückzugsbrücken zu bauen, überhäufte ihn mit Lob und schmeichelhaften Anerkennungsworten(!) berief ihn aber schleunigst zurück." Vom Justizminister Devolder wurde ein Gesetzentwurf eingebracht über die Bestrafung der Aufforderung zur Bege« hung von Verbrechen und Vergehen, auch wenn letztere ohne den beabfichtigten Erfolg bleiben, ferner eine Vorlage wegen Revision de» Gesetzes über den Gebrauch von Sprengstoffen, endlich ein Gesetzenlwurf über die Befugniß zum Waffentragen. Der Finanzmintster Beernaert brachte eine Kreditforderung von 1 Million Franks ein zum Zweck der Unterstützung derjenigen Industriellen, deren Werkstätten und Fabriken bei den letzten Unruhen durch Feuer zerstört worden find.— Das Resultat des Tumultes ist also für die Arbeiter: nur Sirafgesetze" für die Fabrikanten: Geldzuschüffe. Frankreich. Au» Frankreich kommen Nachrichten, daß in DScaze« ville Unterhandlungen zwischen den Streikenden und den Arbeitgedern gepflogen werden. Als Vermittler betheiligen fich die Bürgermeister der Gemeinden; bisher haben diese Un« terhandlungen aber noch zu keinem Resultate geführt.— Na' türlich leiden auch Kaufleute und Gewerbetreibende in D�caze» ville schwer unter der Kristi. 600 derselben haben folgende Petition an den Präsidenten der Republik gerichtet: He« Prästdent! Wir UnUrzeichnete. Kaufleute und Jndusttielle von Dscazeville, haben die Ehre, Ihnen Kenntniß zu geben von der schlimmen Lage, in welche uns die Verlängerung deS Streiks versetzt, der die Interessen Aller schädigt und den Handel sowie die Industrie unserer Stadt in so hohem Grade r schädigt, daß die Meisten von uns außer Stande sind, MielK» i und Steuern zu zahlen, wenn der Krifiz nicht baldigst em i Ende gemacht wird. Wir bitten deshalb die Regierung, so bald wie möglich einzugreifen, um die Interessen der Arbeiter und der Gesellschaft zu versöhnen. Die so gut republikanisch gesinnte Bevölkerung von Dscazeville rechnet auf die Fürsorge der Regierung. Empfangen Sie u. s. w. Im Pariser Gemetnverath brachte Chabert die neuliche Ausweisung zweier Belgier zur Sprache, welche in Folge W» Vorgänge tn Charleroi eine Versammlung zu Gunsten ihr« Landsleute einberufen wollten. Auf Vorschlag Mesureur'S% schloß der Gemeinderath, den Wunsch auszusprechen, daß v« von jeder freien Nation geachtete A s y l r e ch t auch in Fraw' reich respettirt werde, und daß man Fremde nv« dann ausweise, wenn ihnen irgend ein Vergehen nach' zuweisen sei. Wie auS T o n g k i n g telearaphirt wird, herrscht hj Delta und den angrenzenden Provinzen Ruhe, während Anam die Bevölkerung noch immer fich feindselig verhält. Na' mentlich im Nordwesten de? Königreichs behaupten die Au!' ständischen da» Feld. Paul Bert, durch diesen Stand oek Dinge sehr beunruhigt, wird fich unverzüglich nach HuS be' zeige«, ertrug sei» Stolz, sein Schamgefühl nicht.„Bett und arbeite 1" dröhnte ihm Schätzlei»'« Wort in'S Ohr!" Wie sollte er das? Was sollte er denn arbeiten? Kovftt er, der in der haute yolse geglänzt, überall der Erste 0* wesen, um eine kärgliche Stelle betteln? Von Thür Thür derer renne», denen er sich sonst ebenbürtig gefühlt' — Kornell bekümmerte sich nicht um ihn, Alle« war voa ihm gewichen, selbst wer ihn bedauerte, mied ihn. Er rval in der gute« Gesellschaft ein Paria geworden. Sri»» Freunde, die Gelehrten und Künstler, gingen ihm«u* dem Wege, er konnte ihnen nichts mehr abkaufen, sie«ich' mehr unterstützen. Ihr Genosse konnte er nicht sein, den» er war ja nichts. Selbst zum Gesellschafter taugte nicht mehr, war er doch bitter, trübe und einsilbig. Ehrca werthen Leuten, wie Hackert, mochte er um so wenW* lästig falle«, als sie ihm nicht» bieten konnten als B? dauern.— Eine« langen, schwere» Kampf Tage und Nächte W durch bestand Edmund, ehe er zu einem Entschluß kam, ehe sei« Herz alle jene Leidenschaften und Begierde«, yj! thörichten Stolz, die letzte Täuschung und Hoffnung, letzten eitle» Wunsch abschüttelte. (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst nnd Zeven.„ Im«Deutsche« Theater" findet beute, Sonntag, die erst Wiederholung deS Lustspiel»„Die LiebeSbotschast" statt; morgA Montag, wird„Die Lorelei" gegeben. Ferner bringt da» A. pertoire dieser Woche, außer der Wiederholung von LiebeSbotschast" noch Aufführungen von„Ein Tropfen G'"/ �Nathan der Weise" und am nächsten Sonntag, den 25,, Mt».,„DaS Käthchen von Hellbronn". Am Charfreitag,° M., bleibt das Theater geschloffen. 23. d vom ■ouyuim ouii �uiyungcn; MMwow, oen*1., zum ,5» Genoffenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriaer: Der Verschw. der(Frau Mallinger, Herr Girardt als Gäste); Sonnad'" # juji" i vo« Bjat Sei»« airf nicht den" er hin- laflV bi» de« erstt s <' ve« geben, um eine Aenderung herbeizuführen. Andererseits be- merkt man an der Nordgrenze AnamS Zusammenziehungen cht- KRÄRtt«S ÄÄÄ wenden. Die dortigen Aufständischen scheinen dadurch er. muthigt zu werden, und eine vom hiefigen Auswärtigen Amt veröffentlichte Note bezeichnet ei daher°l» wünscheniwerth. daß eS ihnen nicht möglich gemacht werde, fich über die Haltung der chinestschen Behörden falschen Hoffnungen hrnzu« geben. Grotzbritanuieu. Am Freitag hat der Premier Gladstone im Unterhause den zweiten Tyeil seiner irischen Reformpläne, die sogenarmte L.and- antaufSbill vorgelegt. Gladstone erklarte, die Irische icmd'> ankaufSvorlage solle in Kraft treten gteichzritig mit dem bezweckt, allen irischen Landeignern die Wahl zu giben, sich Wort�Äl""Nur��WvAknten Bezirken wird der 6tad »in« maßgebend. Die Enteignung wird ,wischen1öö7 un0 1890 vollzogen. Für deren Zwecke werden allmalig fünfzw Millionen Lstr. flüssig gemacht. Zur Sicherung der Ruck- Zahlung wird ein Generaleinnehmer emannt, durch deffen Hände alle au« irischen Quellen bezogene Gelder geben, ehe sie an den irischm Staatsschatz abgeführt werden. Der Bor- schuh von 50 Mill. Lstr. wird mit 4 Prozent verzinst: daS macht eine jährliche Zahlung von 2 Mill., wahrend die Pacht- '' äöft0 vnhaßt�in Jrlan d die E x m i s s i o n e n find. den Unter. Sherif bei einer Exmission unterstützen, allein die. selben thaten die« in der Weise, daß fit unter fich die Summe von 5 Lstr. zum Besten der Exmittirten in den zwei schlimmsten Fallen aufbrachten!.. � Au« Warwickshire wird eine AuSschrertung gemeldet. Als nämlich spät am Eonnabend Abend Fräulein Leigh, die Tochter von Lord Leigh, von der Eisenbahnstation Covenfty *)?!? Gtonelriah Adbey, dem Familienwohnsitz, fuhr, sprang m�lich ein Mann mit schwarzer Larve— ein anderer Berichi Wt»wei Männer— auS der Hecke und feuerte zwei Schüffe «i t" Kutscher fuhr schnell davon, und weder er, noch Frl. wurden verletzt. Bis jetzt hat man keine Spur von dem Uebelthater.— Die Sache scheint unS nicht de« Aufhebens werth, da« die Blätter davon machen. Versammlung der Hüttenbesitzer �' West. Cumderland, Nordwest. Lancashire, onaMnli,""ü? Northawptonshire wurde eine Resolution schalen Produktion von Roheisen einzu- WM & E dem Kapuziniriloster ist ein Hospital eröffnet ~ An Athen und Konstantinopel find bereit» Quaran. Provenienzen von der italienischen Küste de» a°rr-mschen Meeres angeordnet worden..... KSVW andererseits wieder ein Beispiel gegeben, dem eS an Zahlreichen Nachahmern nicht fehlen dürfte. Pamphlet auf den Minltt»? ,.»>> w». ra.wif.«»"N ni» nnh«« MWMM'Ms Minna 'NJJ, Barnhilm(Herr Sauer als Gast): Montag, XI 11_ f t m»>—,.■ fxrm. V V t/ f V#_ Fl ßff» IQ, cm WVfc V-WMMI«- v,.- W,-/.- t)cn 90*.*??cn�n8 Lager. Die Piccolomini: Dienstag, sps"�-' Wallenstein« Tod: Mittwoch, den 21.: Der Wider. (Herl«: Zähmung; Sonntag, den 25.: Christow Marlow �err Sauer als Gast). Dv�'?.K»istr.Pano,ama— Passage— gelangt in dieser steil?« � erste Reise durch Tyrol zum ersten Male zur Au«. 9, während der'weite Zyklu« von Paris noch einige °«perdleibt. an 000 Blinde giebt e« in Europa. Rechnet man die fn J 7'rwerbSunfähigen Greise und Kinder unter denselben ab, ... J/rdieiden immer noch 250000 Menschen, derren Produktion«. verloren geht. Dir Statistik ergiebt einen Blinden auf ,/Yy Einwohner, doch wird diese« Verhällniß virtuell bedeu- re"0 größer, wenn man die schwer Augenkranken mtt einrechnet. ßkW mehr männliche als weibliche Blinde, wie andererseits gV'n großen Städten mehr de» Augenlicht« Entbehrende fich nücH' in den kleinen, und in diesen letzteren mehr, als dem flachen Lande. Man glaubte, diesen Umstand auf h!Ii.'SstO'wn Schulbesuch intden Stadt, n zurückführen zu sollen, di. dteS njcht gerechtfertigt, weil die Stattstik ergiebt, daß Blindheit gerade in den Provinzen am häufigsten ist, in welche» der Unterricht auf tiefster Stufe steht. Hier liegt also rin ungelöste« Problem vor. 100 Sr? verschollener Seefahrer. Am 16. April waren eS «mm der betreffende Geheimrath verschiedenen Staatsmännern zuge« stellt haben! In Oesterreich verfolgt man Rußlands Orientpolittk immer noch mit größtem Mißtrauen. So schreibt soeben die Wiener „Neue Keie Presse":„Kein Zweifel, Rußland will die orientalische Frage offen halten, mindestens die Gewässer trüben, um seine Netze auswerfen zu können. Der Moment ist günstig, in England find es innere Fragen, welche die Nation ganz und gar in Anspruch nehmen, ein Kabinet Gladstone ist dem rusfischen Beginnen nur förderlich. Zwanzig Stunden von Konstantinopel soll ein seldstständige« Bulgarien bestehen, daS Eu'vpa allenfalls alS Riegel auf dem Wege nach Konstantinopel Rußland vorschieben könnte? Hier kann nur ein rusfischer Satrap geduldet werden, der daS bulgarische Heer rusfischer Führung, fich selbst der Lettung deS rusfischen Minister Restdenten überläßt. Wegen der Frage, ob Fürst Alexander auf fünf Fahre oder ohne Frist General-Gouv-rneur von Ost-Rumelien sein solle, hielt Rußland die Orientwirren auf der Tagesordnung. Der Blick auf die sozialen Erhebungen in allen Ländern belehrt dieS Rußland mit seiner EroberungS. Tradition nicht, daß seine Nihilisten eS gemahnen sollten, fich endlich der unvermeidlichen Reformarbeit zu widmen, daß«S für den Zar von Rußland etwa« Höheres gilt, als sein Müth« chen an dem Fürsten von Bulgarien zu kühlen. Ihn zu be. seitigen, scheint der einzige Gedanke de« Beherrschers eincS Achtzig.Mtllionen Reiches; offenbar steht er in dem Batten. berger ein Hinderniß für seine Pläne auf den BoZporu«. Aber in demselben Maße giebt ihm der Zar eine europäische Be. deutung und macht ihn, ohne eS zu wollen, zum Träger der GleichgewichtS-Jntcreffen deS WelttheilS. Der persönliche Kampf wird so zu einem politischen, in welchem der mächtige Zar gegen den Duodezfürsten bisher den Kürzerm gezogen." Ueber die Ausbreitung der Nihilisten in Rußland wird der„Köln. Ztg." aus Petersburg geschrieben, daß eine bedeutende Vermehrung derselben eingetreten zu sein scheint. Dagegen fehle eS ihnen zu ihrer verbrecherischen Thätigkeit an Geld. Auch nehme die Bewegung jetzt einen anderen Charakter an, als früher. Während bisher der Nihilismus zumeist die gebildeten Klassen durchseuchte und besonder« Studenten, Offiziere, Techniker und junge Leute mit Gymnastalbildung heimsuchte, ist derselbe jetzt im Innern Rußland« mehr in daS niedere Volk, die kleinen Handwerker und die Arbeiter über« gegangen. In vielen Gegenden im Innern de« Reich« soll das Elend jeder Beschreibung spotten, allgemeine Ar« beitSlosigkeit herrschen und der Hungertyphus ein häufiger Gast sein. Balkanländer. Die Mächte scheinen noch immer nicht recht zu wissen, wie ste Griechenland zur Raison bringen sollen; vor Anw«». dung von ZwangSmaßregeln schreckt man mehr und mehr zurück. Der Herzog von Edinburg hat in einem KriegSralhc der Geschwaderlommandanten vcn Antrag gestellt, die griechische Flotte zu vernichten, der rusfische Admiral hat aber erklärt, daß sein« Weisungen ihm zwar gestatteten, fich an einer Blockade, nicht aber an einer Zerstörung der Flotte, einer Be« schießung oder überhaupt an gewaltthätigem Vorgehen zu de. theiligen. Der ftanzöfische Kommandant hat fich weniger be. stimmt ausgedrückt, aber man weiß, daß er, wenn eS zum Handeln kommen würde, genau dasselbe thun wird wie der Ruffe. Deshalb wünscht ja auch die ftanzöfische Regierung erst den Wortlaut deS„Ultimatum«" an Griechenland kennen zu lernen, ehe sie ihre Zustimmung zu dem neuen Schritt in Athen giebt. Wenn das„Ultimatum" derart abgefaßt ist, daß demselben im Falle der Nichtbeachtung von Seiten Grie- chenland« eine Attion der Demonstrationsflotte folgen müßte, dann werden Rußland und Frankreich da«„Ultimatum" schwerlich unterschreiben. UebrigenS dürften auch die anderen Mächte nicht sehr aktionSluftig sein. Wie man der„Köln. Zeitung" au» Varna telearaphirt, soll da« letzte Rundscbreiben der Pforte, welches die Mächte zu einem thatkräftigen endlichen Vorgehen gegen Griechenland aufgefordert, eine besondere Vorgeschichte haben. In Konstantinopel sei nämlich eine Verschwörung gegen da« Leben deS SultanS ent» deckt worden, die auf einen Theil der dortigen AktionS- partet zurückgeführt werde, welche mtt der bisherigen unthätigen Haltung der Pforte Griechenland gegenüber unzufrieden sei. Die Pforte wollte deshalb versuchen, die Mächte«um endlichen Einschreiten zu veranlassen. Schließlich wird fich aber die Pforte doch selbst helfen müssen. Zu den Meldungen über einen kürzlich vorgefallenen Kon. flikt an der türkisch-montenegrinischen Grenze, wonach zwei mon. tenegrintsche Bataillone die Grenze überschritten und zwei tür. tische Dörfer in der Nähe von Holuschtn mit Waffrngewalt besetzt haben sollen, ertheitte die montenegrinische Regierung der Pforte die Aufklärung, daß die in Rede stehenden Dörfer durch die Entscheidung der Delimitation«. Kommisston Monte. nearo zugesprochen wurden; die montenegrinische Regierung habe mit oer Befitzcrgreifung derselben bis nach vollständigem Abschlüsse der Grenzregultrung warten wollen, sei aber im An« tereffe der Sicherheit der angrenzenden Ortschaften zur Be« (68'/: Grad nördlicher Breite) vordrang. Nach seiner Rückkehr zum Kapitän und Mitglied der Royal Society ernannt, trat Franklin im Februar 1825 gemeinschaftlich mit Richardson und Back eine neue Entdeckungsreise nach dem Polarmeer zur Un» tcrsuchung des Macken, ie- und Kupferminen-Flusse« an, die ihn bis zur nördlichsten Festlandspitze, Kap Narrow, 71 Grad nöro« licher Breite, 156 Grad westliche Länge, führte, und nach seiner Rückkehr ihm die Erhebung in den Peers» und Baronetftand einftug. Nachdem John Franklin fich dann auf dem Ruhe. posten eines Ltnienschiff-Kommandeur« im Mitte lmeer eine zweijährige Erholung gegönnt, ging er 1834 als Gouverneur nach Tasmanien, welchen Posten er bis zum Jahre 1843 ver» waltete. Das noch ungelöste Problem einer nordwestlichen Durchfahrt, zu dessen Lösung bei Franklin'« Rückkehr au» Tasmanien eben eine neue Expedition ausgerüstet wurde, hatte von jeher für ihn besonderen Reiz gehabt, und so war ei nur natürlich, daß Franklin bereitwillig die ihm angetragene Leitung der Exvkdition übernahm. Dieselbe, aus den beiden durch Kapitän„Roß" Reise nach dem Südpol erprobten Schiffen „Erebui" und„Terror" unter dem Unterbefehl der Kapitäne Crozier und Fitzjames bestehend, segelte am 19. Mai 1845 ab, langte am 4. Juli bei den Wallfisch Inseln an und wurde am 26. Juli in der Melville-Bai zum letzten Male gesehen. Seit« dem fehlte jede Spur von den kühnen Seefahrern. Wiederholl von 1848 an wurden Expeditionen, theil» von der englischen Regierung, theil« von der 1875 verstorbenen Gattin Franklin'S, sowie von Privatpersonen zur Auffindung der verloren Ge« gangenen ausgerüstet, die von der BaffinS-Bai, wie von der BehringS-Bat au« suchten— vergeblich. Nur am Kap Riley, bei der Einfahrt in den Wellington. Kanal entdeckte man 1850 Spuren einer Lagerhütte, in der Franklin anscheinend 1846 überwintert hatte. Die erste traurige Andeutung von dem Schicksal der Expedition erhielt man 1854 durch die Aussagen von E»kimoS, welche durch die 1859 von M'Clintock zu Tage geförderten Uederbleibsel und schriftlichen Nachrichten ihre schreckliche Bestätigung erfuhren— nach Uederstehung eine« iweitm grauenvollen Winters war Franklin am 11. Juni 1847 den furchtbaren Strapazen erlegen. Die meisten seiner Ge. fährten waren bereits vorher durch Hunger und Kälte umge« kommen, nur neun Mann, darunter Kapitän Crozier, hatten ihr elende« Dosein weiter, u'chlcppin vermocht. Kapitän Hall sammefte im Dezember 1864 von den Eskimos der Hudsons- bat Nachrichten über diese Uederlebenden— gesehen hat man auch ste nicht wieder. Da« ist da« jammervolle Ende dieser Pioniere der Wissenschaft. setzung der beiden Dörfer gezwungen worden, da die Ein- wohner der letzteren wiederHoll Räubereien ausführten. Die montenegrinischen Truppen seien bei ihrem Einmärsche von den Einwohnern angegriffen worden. waS zu einem Handgemenge führte, bei dem e« Todte und Verwundete auf driden Seiten gab. Die Ordnung sei nunmehr hergestellt und die Truppen seien in ihre frühere Stellung zurückgekehrt. Die Pforte hat fich mit dieser Aufklärung zufrieden gegeben und gilt der Zwischenfall alS beseitigt. Amerika. Amerika hat zwar keine alten Burgen und Schlösser, dafür aber um so mehr Gauner. Die von un» bereit« berübrte Ntw-Norker Slandalgeschichte ist wiederum ein Beweis dafür. Der im Jahre 1884 gewählte Stadtrath, welcher den Bau der Broadway-Straßenbayn genehmigt hat, bestand aus 24 Mit« gliedem, von denen nach den bisherigen Ermittelungen nur zwei mit reinen Händen ihr Amt verwaltet haben. Diese zwei waren die einzigen, welch« fich der KonzesfionSertheilung widersetzten. Von den übrigen fitzen nun nicht weniger als 17 hinter Schloß und Riegel und sehen ihrer Verurtheilung ent« gegen; drei find flüchtig geworden, einer davon soll fich in Deutschland befinden. Zwei hat der Tod der Verantwortung entzogen. In der südamerikanischen Republik Uruguay ist nach einem Waiff'schen Telegramm auS New- Jork der Kandidat der Regierung, Celman, zum Präfidenten gewählt. Nach ander. weitigen Nachrichten ist die vor kurzem in Uruguay auSge. b rochen« Revolution niedergeschlagen. Dieselbe war vurch die unerhörte Mißwirthschast des früheren Präfidenten Santos hervorgemfen. Zum Präsidenten von Peru ist nach einer Meldung de« offiziösen Telegraphenbureau's General Coceres gewäblt worden. Derselbe hatte im Dezember vorigen Jahres den Präfidenten Jglestas gestürzt, und war bereit« damals von den herrschen. den Parteien als Kandidat für die Präfidentschaft ins Auge gefaßt._ Kozialesund Arbeiterbewegung. Die tödtltcheu Beruugiückungen beim oberscylestschen Bergwerksbetriebe im Jahre 1885. Nach der von dem königlichen Ober Bergamt in Breslau bewirften systematischen Zusammenstellung ereigneten fich, wie wir dem„Od. An,." entnehmen bei dem overichlefischen Bergbau im Jahre 1885 zusammen 93 Unglücksfälle, bei denen im Ganzen 96 Personen zu Tode kamen. 88 Unglücksfälle mit 91 Todten entfallen auf die Steinkohlengruden und 5 Unglücksfälle mit 5 Todten auf die Erzgruben. Die meisten Unglücksfälle ereigneten sich auf den Steinkohlengruben im Bergrevier Beuten OS.(23 auf 9651 Mann Belegschaft), daran schließt fich daS Bergrevier Kattowitz(18 bei 5246 Mann Belegschaft), die fiskalische Königin-Loutse- Grube ll4 bei 5158 Mann Belegschaft), da« Bergrevier Herrschaft ÄySlowitz-Kattowitz(10 bei einer Beleg. schaft von 5595 Mann) u. s. w. Auf der fiskalischen Königs. grübe mit 2896 Mann Belegschaft ereigneten sich nur zwei Unglücksfälle. DaS Bergrevier Ratibor hat nur einen Un« Ö'ückSfall mit tödtlichem Ausgange zu oerzeichnen. Von den nglück«. resp. Todesfällen wurden verursacht: 7 bei der Schießarbeit, 37 durch Stein« re�p. Koblcnfall, 8 durch den BremSapparat und sonstige Ursachen in Bremsbergen, BremS. schächten und Roll- Löchern, 11 beim Fabren, durch Sturz u. s. w. in Schächten, 8 bei der Streckenförderung, 10 durch döse Wetter, 8 durch Maschinen, 1 bei einem Waffervurchiruch, 6 über Tage und 5 durch sonstige Ursachen. Durch schlagende Wetter wurde im oderschlefischen Montanbezftk kein Unglücks« fall verursacht. Beim Braunkohlenbergbau im Bergrevier Ratibor(25 Mann Belegschaft) und bei dem Erzbergbau in dem Bergrevier Beuthen D/6., Standesherrschaft Bcuthen und Ratibor(25 Mann Belegschaft) ereignete fich im Jahre 1885 keine tödlliche Verunglückung. Die Gesammtbelegschaft der oberfchlefischen Steinkohl, n Gruben betrug 40 000 Mann, die Zahl der tödtlichen Verunglückungen 91, es entfallen so« nach auf je 1000 Mann der Belegschaft im Durchschnitt 226 tödtliche Verunglückungen. Bei dem Erzbergbau waren 9,976 Personen, von denen 5 zu Tode kamen, also im Durchschnitt auf je 1000 Personen 0,5. Die Butter, und Kitse-Produzenteu der Vereiutgte« Staate« hielten kürzlich in St. Loui« ihre National-Konventton, welche von ungefähr 200 Delegirten aus allen Theilen deS Lande« besucht war. Eröffnet wurde dieselbe vom Vereins. Präsidenten, dem Ackerbau- Kommissär Norman I. Coleman, welcher eine längere Rede über die Größe und Bedeutung der Milchindustrie der Vereinigten Staaten hielt. Nach der von ihm mitgethcitten Statistik ist kein Loud der Welt so reich an Milchkühen, wie daS der Vereinigten Staaten, denn eS giebt daselbst an 16000000 Milchkühe. Die Bevölkerung mit 56000000 angenommen, kommen 28 Milchkühe auf je 109 Ein« wohner. Wenn man annimmt, daß jede Kuh jährlich durch. fchntttlich 350 Gallonen Milch giebt, so bedeutet daS jährlich 5800 Millionen Gallonen Milch. Davon werden 3000 Millionen Gallonen zur Erzeugung von 1000 Mill. Pfund echter Butler, 430 Mill. Gallonen zur Erzeugung von 370 Mill. Pfund Käse verwendet, und die übrigen 2170 Mill. Gallonen, oder 40 pCt. der jährlichm Milchproduktlon, getrunken. Der Butteroeibrauch nimmt fortwährend zu. 1860 kamen 16'/, Pfd. auf den Kopf der Bevölkerung, 1880 aber 18 Pfd. Die Vereinigten Staaten verbrauchen jährlich verhältnißmäßig mehr Butter als irgend ein anderes Land der Erde. Der Verbrauch von Käse ist ver« hältnißmäßig gering. Im letzten Jahre wurden 21 Millionen Pfund Käse im Werthe von 3 Mill. Dollars exporttrt. Der Werth der Ausfuhr von Milcherei. Produkten beträgt seit 1875 jährlich durchschnittlich 16 Millionen Dollar«. Der Gesammt» werth der Milchkühe in dm Vereinigten Staaten wird auf 475 Mill. Dollars geschätzt. An die Schulimacher verlius. Kollegen! Seit zwei Wochen streiken in Frankfurt a. O. 230 Schuhmacher und noch ist ein Ende nicht abzusehen. Die Frankfurter Schuhmacher« Innung hatte— wie bekannt— beschlossen, sämmtltche dem Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher angehörige Mit» glieder zu entlassen event. zum Austritt aus dem Verein zu bewegen. AlS organifirte, zielbewußte Arbeiter wiesen die Mitglieder de« UnterstützungSverein« diese entwürdigende Zu« muthung zurück und legten einmüthig die Arbeit nieder. Die Gewerkvereinler, etwa 100, arbeiten nun Tag und Nacht, um obige 230 zu ersetzen; wenn ihnen das auch nicht gelingt, so erschweren ste den Sieg doch erheblich.(Nette Arbeiter.) Kollegen! Arbeiter I An un« wird e« nun liegen, der Innung zu zeigen, daß der UnterstützungSverein ein festes Bollwerk ist. Wir haben e« hier mit keinem leichtfinnig tnszenirten Streik, sondern mit einer Maßregelung zu thun. wie sie nur die In« nungtbestrebungen zeitigen können. Der Kampf ist unsem Frankfurter Kollegen aufgedrungen; wir müssen dafür sorgen, daß ihr Sieg ein glänzender wird. Die Ostersetertage find vor der Thür, thue jeder seine Schuldigkeit, damit wmigsten« da« Nothwendigste bestritten werdm kann. Kollegen! Arbeiter! Beweist Euer Solidaritätsgefühl und forgt dafür, daß in Zu» kunst solche Maßregelungen unmöglich weiden. Dies kann nur dadurch geschehen, daß die Frankfurter Kollegen hinreichmd unterstützt werdm. Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe.— Frei« willige Unterstützungen nimmt der Unterzeichnete und folgende Herren entgegen: BaginSki, Brunnmstraße 43, im Keller; Avamezak. Eteinstr. 19, park.; Rüffer. Schützenstr. 3, H. r. I. I. A.: Wilhelm Papke, Naunynstr. 36, H. part. . Der heutigen Nummer liegt für die hiefigen Abonnenten ein Prospekt von Herrn R. Schumacher, Königgrätzerstr. 14», über„Deutsche Kunst-Gewerbe-Lotterie" bei. 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Mini»-- des Innern eine längere Verfügung-rlaffen. welche die Aufmerfsamkeit der zuständigen Behörden � auf dieseS Tediet hinlenken und ihnen beftimmle Handhaben für die Behandlung der ihnen hierbei erwachsenden jeder Maßregel sorgfältig enthalten, welche als eine Partei. nähme für die Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer oder umgei lehrt erscheinen könnte, auf der anderen keite aber zur Auf' rechterhaltung der öffentliche« Ruhe und Ordnung streng dar- über wachen, daß der Lohnkampf ausschließlich auf friedlichem Wege und mit gesetzlichen Waffen »umAuitrage gelangt. Jedem von der einen oder der ondeun Seite auZge'acnden Versuche, anläßlich der auf dem Gebiete der Lohnbewegung entstehenden Streitigketten den le- galen Boden zu verlaffen, soll daher nachdrücklich und mit Aen gesetzlichen Mitteln entgegengetreten werden. Von den strafrechtlich zu verfolgenden Vergehen abgesehen, gehören zu den Ausschreitungen, welche den Charakter w i d e r r e ch t« iicher Gewaltsamkeit an fich tragen, namentlich die Versuche, einheimische oder auswärtige Arbeiter daran zu Kindern, als Ersatz in die entstandenen Lücken tinzu- wrten; ferner namentlich die Agitationen auf dm B a h n- Höfen, sowie die Verhöhnung und Belästigungen vi1 �iter ardettenden Arbeiter. In allen solchen Fällm sollen dt« Polizeiorgane dem betroffenm Theile Schutz und Beistand gewahren. Ganz besonderer Ueberwachung sollen indeß diejenigen ArbettSeinstellun« unterworfen werden, welche durch die sozialdemokratische Agitation angestiftet sind oder Ii ihrem weiteren Fortgange der Leitung derselben °"iallcn, die somit ihren rrirthschastlichen Charakter abstreifen und einen revolutionarm annehmm. Augenblicke— heißt eS in der ministeriellen -- i i v'« ____________ uno V ersammlungswesenS die Vorschriften deS Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestie« Hungen der Sozialdemokratie vom 21. ONober 1878 mit der- Wh.,, sir.««.»------" gen jene Be» befinden.der ##### der fniinm.« verfällt er auch nur in seinem Lortgang luna.nl- L frischen Leitung,— so werden alle Versamm. wird n.,!-,> die Führer werden auSgewiesm, die Presse fö-Äfe ÄÄS olfo w m i�ntn iur Verfügung gestellten Blätter verfallen Sti»lf?r,?"°�"�esetz von dem Augenblick an, wo der »MM rbake m. KerUner Kountagsplimderei. e�W »immt. Und fürwabr. da« war der Fall. 5' >ren der l SB, srd alle und 1350 m i-»uuui gedacht werdm kann. Der von der heutigen Gesellschaft ausgestoßen« Verbrecher aleicht dem wilden �h>er, welches nur in seinem Zwinger, d. h. im Zuchthause bewacht und unschädlich gemacht werden kann, sobald e« wieder losgelassen wird, stürzt e« sich auf die Gesellschaft, w»t zäher Energie und wilder Mordlust von Verbrechen SU Verbrechen eilend. Der Mensch ist da« Produkt der shu umgebmdm Verhältnisse; der ihm von der Natur »»« Herz gelegte Selbsterhaltungstrieb zwingt ihn zum Lebe«, kr kettet ihn an« Dasei»; die harte, gefühllose Gesellschaft verweigert dem einmal Gefallen m jedoch die Mittel der Existenz. Mit einer klemm Unterschlagung beginnt die Berbrecherlaufbah», mit dem Raubmord hört sie auf. . Im Allgemeinen war man erstaunt, al« man erfuhr, «aß der Verbrecher zu lebmSlänglichem Zuchthause ver- urtheilt war. Es liegt nicht im Rahmm diese, Be- trachtung. eine Kritik de» Urtheiltspruche» aufzustellen, aber « muß wohl angenommen werdm, daß währmd der Ver« Handlung noch andere, schwerwiegmde Momente zu Tage Betreten find, al« die in dm Zeitungsberichten erwähnten, fönst hätien die Geschwormen wohl kaum zu etnem ver- urtheilende» Spruche komme» könnm. Auch davon wollm vir hier absehen, daß auf dem hiesigen Kriminal-Kom. wlssariate Leute, denm vorläufig»och nicht« bewiesm ist, wrt dem Kosewort:„Du Hallunke" angeredet werden. Wenn wir auch«in derartige» Vorgehen keineswegs ent« schuldige» dürfe», so findet man für diese AutdruckSwerse vielleicht ein« Erklärung darin, daß diese Beamten im Umgange ÜÜr vm schwerste» Verbrechern etwa« von der jedem gebil- bete» Menschen innewohnenden Urbanität verlieren. Unsere -oert scheint überhaupt recht sehr nach einer gewiffm Stärke — und heute ertheilt die Verfügung des Ministers selber die Antwort, die auf unser Aller Lippen lag. Der deutsche Ar- betterstand geht schweren Z-iten entgegen, möge er währmd derselben die ausdauernde Besonnenheit zeigen, auf der allein feine Zukunft ruht. *** Der alte Temmler hat in seinem Testament dm Echwe« riner Maurergesellen jährlich 500 Mark, dm Zimmergesellm die gleiche Summe und endlich Gesellen beider Gewerke für ein gemeinsame? jährliches Fest auch pro Jahr 500 Mark vermacht. Dabei sagt er in seinem Testament, daß er wünsch«, daß dieses Fest alljährlich al« ein Verdrüderungsfest von den Arbeitern„in Frohflnn und demokratischer Einigkeit" gefeiert werde. In einer Nachschrift aber bemerkt der Erblasser, daß die oben bezeichneten Zahlungm lediglich an die V o r> stände der Fachvereine der Maurer und Zimmerer und nicht an die Vorstände der Innungen gezahlt werden sollen, weil er keine Sympathien für die Innungen habe. Zokales. Ueber die Schaustellungen von Repräsentanten fremder Völkerschaften haben wir uns schon öfter auSge- fprochm. Es ist das immer nur eine Spekulation auf die ganz gewöhnliche Neugier, und häufig kommen die von den Speku- lanten vom heimischen Herde weggelockten Braunen oder Schwarzen nicht einmal zu ihrem ziemlich sauer verdientem Gelde. Etnm eigenartigen Einblick in die Geschäftspraktiken der Untemehmer dieser Schaustellungen gewährt folgende Schilderung, die wir einem hicstgen Blatte entnehmen. ,Man erinnert fich, so heißt es da, der erst vor wenigen Wochen von Berlin geschiedenen Eiour- Indianer. Erst jetzt, wo fie nicht mehr in unserer Mitte weilm, erfährt man, daß fie in der That wilde und gefährliche Gesellen gewesen, von denen man fich mancher Ausschreitungen gewärtig sein durste. Von autoritativer Seite hören wir, daß von Seiten eines dazu befugten amerila- Nischen, in Deutschland angestellten Beamten an das Auswärtige Amt Vorstellungen dahin gerichtet worden find, rS möchte fernerhin von Seiten der Behörden den Indianer. Agenten die Erlaubniß zum Besuche Deutschlands an die Angehörigen un- ztoilifirter Stämme nicht mehr gegeben werden. In der That waren Alle, die mit den Sioux hier zu thun hatten, nicht auf Rosen gebettet. Zwischen den drei Manager« der Truppe waren von Anbeginn an, als fie in Deutschland landeten, Zwistigkeiten ausgebrochen. Das Eigenthümcrrecht wechselte oft, das Geschäft litt darunter, die Einnahmen verringerten fich und die Indianer hatten die Kost-n zu tragen, indem fie ihr Gehalt nicht erhielten, da«, beiläufig beweist, bei freier Station 15 Dollars pro Monat und Kopf betrug. WaS natürlicher, als daß fie— darin nehmen sie schnell die Gewohnheit der Bleichgefichter an— streikten. Nur war das Ueble, daß fie bei der Doppelbedeutung des WorteS Streik fich auch zu der Auffassung neigten, welche es mtt„Schlagen" übersetzt. El« wurden störrisch, ungefügig, drohend. Nur auf dringendes Zureden und Ertra-Vcrsprechungen verstanden fie fich dazu, aufzutreten, wenn da« Publikum schon längst wartete, einige Male erschienen ste gar nicht. Schließlich rückte einer der Indianer nach Hamburg au« und mußte per Schub zurück. gebracht werden. Einig« Male erschienen fie in corpore auf dem amerttanischen Generalkonsulat und verlangten Schutz gegen ihre Manager«. Dort erfolgte denn auch einmal auf Intervention de« Konsul« die Zahlung de» rückständigen Ho- norarS durch die NankeeS. Aber bald war die alte Zerfahren- hett wieder eingerissen, und als der Konsul schließlich auch nicht Rath wußte, begaben fich eineS Abend» zwei der wilden Sur- Ken— glücklicher Weise nach Schluß deS Konsulats— be- inken und mit ihren Tomahawks und Hatchet« nach dem Gebäude der Germania und drohten in einem Kauderwelsch- Englisch, daS gerade zum Verstehen ihrer gräßlichen Flüche ausreichte, daS Konsulat zu demoliren- Bald darauf verließen ste dann Berlin. Sie dürsten auf längere Zeit die letzten zu drängen— entblödete sich doch kürzlich sogar ei« Recht«- anwalt und Stadtverordneter nicht, in Bezug auf Arbeiter, die über gewisse Punkte anderer Ansicht waren al« er selbst, den Ausdruck„Pennbrüder" zu gebrauchen. Und wenn da» von einem juristisch jedenfalls hochgebildete» Herrn geschieht, was soll man dann von einem Subalternbeamten der Polizei erwarten? Nach jenem Ausspruch zu urtheilen, muß sich dieser Herr übrigens auch in„feiner" Gesellschaft bewegen I Doch hiervon abgesehen, es ist etwas Andere«, was auch heute«och unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Wer kennt nicht die frommen Redensarten von kirchlicher Zucht und Ordnung, von Gebet und Gesang, welche von den Herren, die alle guten und edlen Eigenschaften de« menschliche» Herzen« für sich allein in Erb- pacht genommen haben, bei jeder Gelegenheit vom Stapel gelassen werde»? In der christlichen Herberae zur Heimath wird gebetet, und der Verbrecher, der vielleicht de» .Luden" oder die„Elle", die so gut„knackt", unter de» Rock geknöpft hat, verdreht die Auge» und betet mit, daß es eine Freude ist. Und wird dort ein fromme« Lied ange- stimmt, so übertönt vielleicht die Stimme des»Puppen- fänger»" den Gesang der ganzen Gemeinde. Unter dem Deckmantel der Gottesfurcht und der frommen Sitte blüht das Verbrechen, der Talar de« Geistliche» verdeckt die schlimmsten Auswüchse der menschlichen Gefellschaft. Bei dem heutige» Aufbau der Gesellschaft ist es kein Wunder, daß sich Verbrechercharaktere von ungeahnter Wildheit ausbilde«. Im Gegentheil, es muß eigentlich Wunder nehmen, daß Leute wie Kowalski und die Zeuge», deren Bekanntschaft wir im Laufe der Verhandlunge« machten, nicht viel häufiger auftraten. E« ist daS immerhin ei» gutes Zeichen von der Energie und dem stolzen Klassen- bewußtsein derjenigen Schichten der Bevölkerung, welche am meisten unter der heuttgea Gesellschaftsordnung zu leiden habe». Von tiefem, psychologischenIateresseistjedochdie Wahrnehmung, daß die verkommensten Verbrecher fich gerade an den Heimstätten der sogenannten Frömmigkeit zusammenfinde«. Es kann doch kaum der Umstand maßgebend fei«, daß sie hier sicherer wären, als anderswo, denn aus den Verhandlungen ging hervor, daß die Krimiaalpolizei dort ebensogut Nach- forschunge« abhielt wie in de« bekannten Zufluchtsorte« der Verbrecherwelt. Es muß also ei» anderer, geheimer, ge- wissermaßen instinktiver Zug sei», welcher gerade die frömmste mit der vornehmste» Gesellschaft zusammenführt. wilden Indianer gewesen sein, die wir hier zu sehen bekamen. Die Bella Coola>Jndianer si id im Gegensatz zu jenen Sioux von wahrhaft überraschender Gestttuna und Erziehung." Man steht, daß stch die Indianer, weil fie einfach das haben wollten, was man ihnen versprochen hatte, fich noch gefallen lassen müssen, daß man über ste herzieht. Den Rotyhäuten wird hieran jedenfalls herzlich wenig gelegen sein, e« ist aber doch bezeichnend, daß man ihnen au« ihrer Unkultur und Wildhett einen Vorwurf macht, weil fie stch zu Gunsten der Portemon- naie» der Herren Managers nicht umsonst begaffen lassen wollten. Wer weiß wie viel„ferne" Damen fich nicht wieder in die röth« lichen Herrschaften verliebt hatten. Mangelhafte postalische Einrichtungen. Täglich kommt eS vor, daß ein Inserent einer ZettungS-Annonze die zu er- wattenden Korreiponvenzen unter irgend einer beliebigen, selbst« gewählten Chiffre postlagernd abgehen läßt und geschieht die? meisten«, um die Kosten für die Niederlegung in den resp. ZeilungS Expedionen zu sparen. Der Inserent bedenkt aber nun bierdei nicht, daß die postlagernve Chiffre ihm durchaus gar keine G rrantie bietet, daß die Korrespondenzen in seine Hände ge» gerathen und von Unberufenen abgehoben werden können und auch wirklich täglich abgehoben werden. Schreiber dieses hat in dieser Beziehung mannigfache Erfahrungen gemacht und auch häufig selbst beobachtet, wie dergleichen Sendungen von solchen Brietmardern mit fast erstaunlicher Frechheit von den resp. Postämtern abgehoben wurden. Mtt Bezug hierauf nun möchten wir der zuständigen Behörde die Einrichtung zur Er» wägung empfehlen, od es nicht zweckmäßig wäre, den de- treffenden Empfängern solcher Sendungen nach vorhettger Anmeldung«ine Bescheinigung auszustellen, ähnlich wie es in den ZeitungS-Expedttionen geschieht. Selbstredend wird durch solche Einrichtung den Beamten eine, wenn auch nur kleine, Mehrarbeit erwachsen, aber andererseits würde diese auch wohl lohnend sein, wenn für eine solche Be- scheinigung eine Extragedühr erhoben wird. Diese zu zahlen wird auch Niemand fich weigern, wenn er weiß, daß er für den richtigen Empfang der resp. Chiffie-Korrespondenz eine Garantie hat, da doch nur dem Vorzeiger einer Bescheinigung die ein- gegangenen Korrespondenzen verabfolgt werden. Ein anderer wunder Punkt in der postalischen Einrichtung ist das Erlangen von Freimarken nach Schluß der Postämter. Allerdings sollen amtliche Verkaufsstellen von Poftwetthzeichen existiren, aber leider find diese schwer zu finden, indem fie so ungenügend kenntlich gemacht find, daß eS fast unmöglich ist, solche zu finden. In einer großen Stadt kommt eS doch gar zu häufig vor, daß man auch rn später Abendstunde einer Briefmarke oder Post- karte sehr benöihigt ist. Wenn nun in jeder kleineren Straße eine und in den größeren Straßen mehrere amtliche Verkauf«» stellen für Postwerthjeichen bei Materialisten oder Zigarren- Händlern in deutlicher, kenntlicher Weise eingerichtet würden, so wäre dieser Uebelstand ebenfalls leicht beseitigt. Man wird hier einwenden, daß diese Einrichtung bereits seit Jahren besteht.— Gut! Aber wie treten die meisten dieser Verkaufsstellen« Inhaber dem Publttum entgegen?!— In den allermeisten Fällen erhält man die kurzabweisende Antwort:„Habe keine Briefmarke mehr I" oder„Postkarten find alle I" Schickt man aber nach solch' er- haltenem Bescheide einen Anderen zu dem Verkäufer mtt dem Auftrage, etwas einzukaufen und dann auch eine Postkarte rc. zu kaufen, dann find fofott solche vorhanden. Also nm, wenn man zugleich andere Waare kauft, auch wenn solche nicht ge- braucht wird, erhält man die gewünschte Briefmarke rc. aus Gnade und Barmherzigkeit! Hier müßte durchaus Abhilfe geschaffen werden, indem der Juhabcr einer solchen Verkaufs- stelle entweder einen kleinen Rabatt erhält, oder aber bei U-bergad- einer Verkaufsstelle eS den Herren zur strengsten Pflicht gemacht wird, auch ohne Waarenb-zug die Postwerth- zeichen zu verabfolgen. Die hier gerügte Unannehmlichkeit hat man etwa nicht nur«bendS nach Schluß der Postämer, son- dem auch am Tage, denn ehe man ein Postamt, da« doch nicht gleich am Wege liegen kann, findet, um eine Freimarke oder Postkatte zu eibalten, ist zuweilen schon viel Zett ver« stttchm, w der die eilige Sendung schon langst unterwegs sein Echo« der Prozeß Dickhoff eröffnete eine entsetzliche Perspekttve in das Lebe« und Treiben der Verbrecherwelt. Damals aber war e« eigentlich mehr die.baute volöe" de» Gaunerthums, welches die erstaunte» Blicke auf sich zog. Im Rathskeller faß der wohlgenährte, gutgekleidete „Kommissionär", der beim Glase Brer und dem Duft einer Zigarre seine Geschäfte besprach, d. h. alte alleinstehende Frauen„ausbaldowerte", um dieselben bei passender Ge- legenhett kaltblütig zu ermorden. Der letzte Prozeß ließ uns jedoch einen Blick thun in da« Proletariat de« Ver- brecherthum«. Zn der geschäftslosea Zeit lebt hier der hohlwangige, ausgehungerte Verbrecher von dem armseligen Umtausch eine« Hute«, der ihm 50 Pf. einbringt, er sitzt schweigsam und verschlossen bei einem Glase Schnaps, leise, in kargen Worten mit de« Genossen ein bevor« stehende«„Geschäft" besprechend. Der Hunger treibt ihn zum Verbrechen, er will da« wüthende Begehren de« Magens befriedigen, beim Raube ertappt, wird er zum Mörder. Wie elend muß fich ein solcher Mensch fühlen, wie öde muß e« in seinem Innern aussehen, wie ein ge- Hetzles Wild irrt er Heimathlos, von Jedermann verlassen, in der Welt herum,— schließlich begeht er ein Kapital- verbrechen, und hinter dem Siebenuvdzwaazigjährigen schließen sich die Kerkerthüren, um sich für ihn nur noch einmal zu öffnen, wenn man ihn in die letzte Ruhestätte verscharrt. Man kann sich de« Gefühl« eine« gewissen Mit- leid» mit einem solchen Verbrecher eigentlich kaum erwehren; vielleicht ist er selbst Schuld an seinem Unglück, vielleicht aber haben ihn auch Umstände mit unwiderstehlicher Gewalt herausgebrängt aus seinen geregelte» Verhältnissen, er ist von Stufe zu Stufe gesunken, bis er am Ende seiner Thate« stand. Wahrlich, angesichts eine« solche» Prozesse» schwindet die Romantik, mit welcher manche Romanschreiber heute immer noch da« Verbrecherleben zu umgebe« liebe», e» ist krasse Roth, wahrer Wolsthunger, welcher die größte Anzahl der Verbrecher in die Zuchthäuser treibt. In der stickigen, dumpfen Luft der christlichen Herberae zur Heimath, in dem pennenhafte« Schmutz jener Schlafsäle keimt da» Verbreche«, aber nach außen hin bittet der fromme Priester um Gaben, und edle Frauen spenden bei ihren Kaffee» kränzchen ihr milde» Scherflem Als ob mtt solche» Mittelche« Leute wie Kowalski und Genosse» au» der Welt zu schaffen wären ann. Wir find der festen Ucberzeuguna, daß diese hier ae« rügten Un,uIrSgltchleiten allgemein fühlbar find und hoffen daher, daß dem Uedelstande eine größere Bufmerksam!eit ge« schenk und zuständigen OrtS bald Abhelfe geschafft wird. Die Errichtung einer sogenannten Vernehmung«- stube, oder, wie eS unter der alten Geriebtteinrichtung hieß, eine« Eo pplilanten-Bureaus wird vom Publi!um von Tag zu Tag dringender ali ein nothwendigeS Bedürfniß empfunden. Von der neuen Justizorganisalion war für daßjenige Pudltlum, welche« Anti äge und Gesuche an da« Gericht zu richten hatte, wenigsten« einigermaßen gesorgt. Zieuerdings ist diese Ein- richtung fast ganz forlgefallen. Zwar könnten diejenigen, welche den Erlaß von Zahlungsbefehlen oder ähnliche, einer außführ- lichen juristischen Begründung nicht bedürfende Anträge bei Gericht zu stellen haben, die« bei der GerichtSschreiberei thun; allein da« Aufsuchen der nach den stylvollen Regeln der Re- gistratur geordneten Abtheilungen de« Amtsgerichts macht einige Echwieriakeittn, und hat der Antragsteller diese glücklich überwunden und das betreffende Bureau ermittelt, so ist die Sprechstunde der Herren Gerichtsschreiber vorüber, und dem geschäftsunkundigen Antragsteller bleibt nichts übrig, als ein ander Mal pünktlicher wieder zu kommen, oder sein Gesuch durch einen Anwalt anbringen zu laffm, von welchem letzteren bekanntlich noch Niemand behauptet hat, daß seine Gebührentaxe zu niedrig sei. Unter dem alten Gerichtsverfahren war für alle solche Rechtssuchenden bei jedem Gerichte da« Supplikantenbureau, wo Jeder seine Anträge zu Protokoll erklären konnte, eine beim Publikum allgemein beliebte Einrichtung. Unter der neuen Justlzo.ganisalion ist diese Einrichtung fortgefallen, und an die Stelle deS während der ganzen Geschäftszeit geöffneten Supplikantenbureaus find die eng bemessenen Sprechstunden des GerichtSschreiberS getreten, die namentlich für Berlin voll- ständig unzureichend für die Bedürfniffe de« Publikums find, das von dieser Einrichtung auch wenig Gebrauch macht. Diese unnzureichende Einrichtung auf der einen und die hohen Anwaltsgebühren auf der andern Seite haben zur Folge, daß den bei unseren Gerichten so wenig beliebten Winkeladvokaten zahlreiche neue Klienten zugeführt werden. Es wäre als eine große Erleichterung für unser rechtsuchendes Publikum zu be> grüßen, wenn unsere Gerichtsbehörden fich wieder für die Ein- richtung einer ständigen, während des ganzen TageS dem Publikum geöffneten VernehmungSstube entschließen könnten. Die Köpnickerbrücke bildet ebenso wie die vielbeklagte Oranienbrücke mit ihren beiden AukzugSklappen eine bedeutende und für den Verkehr äußerst störende Erhöhung. Gestern Nachmittag fuhr dort ein mit Mehl schwer beladener Wagen heim Herabfahren von der Brücke in eine Droschke, deren Seiten- thell vollständig zertrümmert wurde, weil der Führer deS Mehl- wagenS nicht im Stande war, da« schwerbeladene und bergab rollende Fuhrwerk rechtzeitig zum Stehen zu bringen.— Aehn- liche Unfälle an dieser Stelle sollen nach Verficherung dortiger Anwohner nichts Seltenes sein. Abhilfe wäre dringend er« wünscht. Mehrere«ach Berlin bestimmte Postsendungen lagern bei der Oder-Poftdirettion zu Potsdam, welche in den zu dieser Behörde gehörigen Postorten aufgegeben, aber alS unbestellbar zurückgesandt worden find. Unter denselben be- findet fich eine in Brandenburg a. H. aufgelieferte Postanwei- fung über 60 M. an Frl. Charlotte Lisser, Charlottenstr. 33. Der Betrag verfällt dem Postarmenfond«, wenn die Sendung nicht biS zum 9. Mai d. I. reklamirt wird. Haussuchung. Vorgestern, am 16. April, wurde bei dem Former, Herrn Pank Sinke, Veteranenstr. 4, zu zwei verschie- denen Malen, am Mittag und am Abend, gehaussucht. Trotz sorgfältigster Durchsuchung aller Räume wurde nur ein Lieder- buch gefunden, das beschlagnahmt wurde. Wereschagiu's Gemälde-Autstellung in den Krollschm Sälen wurde in den ersten drei Tagen von 4400 Personen besucht, woraus zu schließen ist, daß dieselbe in allen Kreisen daS größte Interesse hervorruft. Ein Schuß in den Hut. AIS gestern der Lehrer Most auf dem Hofe deS SchulhauseS der 33. Gemeindeschule mit seiner Klasse turnte, verspürte er plötzlich eine Erschütterung in seinem Hute und unmittelbar darauf ein klapperndes Geräusch. Bei Bestchtigung de« HuteS ergab fich, daß ein Geschoß den oberen Theil desselben durchbohrt hatte, und da eS von oben her in schräger Richtung eingedrungen war, blieb es an der Seit« zwischen Filz und Futter stecken. Nach Abtrennung deS E Utters wurde ein Stück gehackten BleieS von der Größe eineS ubikzentimeterS gefunden. Als der That verdächtig ist ein in der Strelitzerstr. 30 wohnender Mann bereits vernommen worden. Gefleddert. Am 16. d. M. Nachmittags traf«in Ar- beiter S. au» Rose Kr. D. Krone mit der Echlefischen Bahn hier ein, um mit der Lehrter Bahn nach Hildesheim weiter zu reisen. Da der betreffende Zug erst um 11 Uhr Nachts abging, so hielt fich S. bis zum Abgang des Zuge« im Warte- saal IV. Klaffe de« Lehrte: Bahnhofes auf, woselbst er fich auf einer Bank niederlegte und einschlief. Bei seinem Erwachen wurde er gewahr, daß ihm ein Hundertmarkschein, welchen er lose in der linken Westentasche aufbewahrt hatte, und seine LegitimationSpapiere— LoosungS-, AuSmusterungS- und Ar- beitSschein— entwendet worden waren. Der Verdacht der That lenkt fich auf einen Unbekannten, welcher mit ihm nach Berlin gefahren war und fich gleichfalls im Wartesaal befun- den hatte. Der Unbekannte war etwa 25 Jahre alt, hatte schwarzes Kopfhaar, schwarzen Schnurrbart und war mit einem dunklen Stoffanzug dekleidet. Gerichts-Jeitung. + Gegen eine« polt, etlichen Etrafbesehl. der in Höhe von 20 Mt. gegen den Bterzapfer Sch- wegen groben Unfugs erlassen war, hatte der Betroffene Widerspruch erhoben. Die Sache kam vor da« Schöffengericht und nahm dort eine uner- wartete, böse Wendung. DaS Gericht erklälte fich nämlich für unzuständig, weil ihm au» dem Thatbestande hervorzugehen schien, daß eine vorsätzliche Körperverletzung vorliege. Der Fall wurde also vor die Strafkammer verwiesen, und Sch. hatte im Falle setner Vcrutthetlung eine längere Freiheitsstrafe zu erwarten. Glücklicherweise gestalteten fich die Verhandlungen, die gestern vor der Strafkammer des Landgerichts stattfanden, günstig für ihn. E« wurde nämlich folgender Thatbestand er- mlltelt. Am 5. Januar hatte der Angeklagte vor dem Hause Taubenstraße 10 leere Bierfässer abzuladen. Dabei rollte er ein Bierfaß üher daS Trottoir des NedenhauseS und die Eigen- thümerin dieses Hause«, die 77 jährige Wittwe M. sprang hinzu, um ihn hieran zu bindern. Frau M. fürchtete, daß ihr Trottoir durch die Fäffer beschädigt werden würde. AlS Sch. die hindernde Hand hinten am Rücken fühlle, fuhr auS seiner gebückten Haltung empor und JtUj) hierbei mit er dem Arme so heftig an Frau M., daß die Greistn zurücktau. melte und mit dem Hinterkopfe auf daS Steinpflaster schlug. Sie war einen Augenblick bestnnungsloS, richtete fich aber selber wieder auf. Außer Kopfschmerzen, die einige Zell anhielten, bat der Fall zum Glück keine weiteren üblen Folgen für ihre Gesundheit gehabt. Auch wurde durch Zeugenaussagen fest- gestellt, daß Sch. nur eine sehr geringe Schuld an dem Unfall trifft, daß ihm jedenfalls eine Abstchtlichkeit fern gelegen hatte. Der Gerichtshof erkannte deshalb auf Freisprechung. Eine Anklage wegen Anfreizung der Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber zu Gewaltihatigketten in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise gelangte heute gegen den Drechilergesellen Wilhelm Prause vor der vierten Straf- kammer hiestgen Landgerichts i zur Verhandlung. In einer Lohnversammlung der Drechsler sprach fich der Angeklagte gegen diejenigen Meister auS, welche fich der berechtigten Forde- rung der Gesellen auf Lohnerhöhung widersetzten.»IS er im Anschluß hieran die Anficht aussprach, daß man diese Meister aufhängen müßte, löste der überwachende Polizetlievtenant Gürke die Versammlung auf, und wurde auf Grund seines Berichts die obige Anklage erhoben. Der Angeklagte erklärt, daß er über die Versammlungsauflösung höchlichst verwundert gewesen ist; denn diese Bedeutung, daß er»ar Ermordung der Meiste: habe anreizen wollen, konnte eigentlich den gesammten Ausführungen nach seinen Worten gar nicht beigelegt werden. Hätte er aussprechen dürfen, so würde sein Gedanke, daß die Photographien der gedachten Meister zu deren Kennzeichnung an den Wänden der Herberge aufgehängt werden müßten, in voller Klarheit zum Ausdruck gebracht worden sein. Da der alS Zeuge vernommene Über- wachende Polizeibcamte die Möglichkeit nicht in Abrede stellen konnte, daß die Verfion deS Angeklagten zutreffend sei, stellte Staatsanwalt Simon v. Zastrow selbst den Antrag auf Frei- sprechung deS Angeklagten, und schloß stch der Gerichtshof dem- selben ohne Weiteres an. Der„Herr Doktor!" In eigenthümlicher Art hat fich der Zahntechniker Perl, Friedrichstr. 131, der unbefugten Führung deS Doktortitels schuldig gemacht. Der Vater des genannten Herrn war nämlich Dr. weck., und nun glaubte er fich berechtigt, seine in der„Berliner Tbcaterwelt" erscheinen- den Annonzen, in welchen auf seine Kunflzähne aufmerksam gemacht wurde, ,u unterzeichnen mit:„Dr. Perl Sohn." Da- bei ließ er den Titel und den Namen mit fetten Lettern, daS Wo t„Sobn" dagegen eine Zeile tiefer mit ganz kleinen Lettern drucken. Der Gerichtshof war der Meinung, daß der Ange- klagte stch damtt selbst habe einen arztähnlichen Titel unbefugt beilegen wollen und verurtheilte ihn deshalb zu einer Geld- strafe von fünfzig Mark. Soziales««d Arveitervemegnng. An« Sachsen schreibt man uns: Der Jahresbericht des königl. Konsulats in Leipzig für 1885 enthält einige interessante Aeußerungen über die allgemeine wirtschaftliche Lage. Die Kolonialpolitik wird folgendermaßen abgefertigt:„Die afrika- nischen Gebiete, auf welchen Deutschland seine Flagge gehißt hat, find noch auf unabsehbare Zellen hinaus ungeeignet, für den deutschen Export eine Rolle zu spielen. Sie müssen erst für die Zivilisation gewonnen werden." Natürlich, bis jetzt ist ja hauptsächlich SchnapS und Pulver nach Kamerun und Kleinpopo gekommen, und die Zivilifalion kommt zum Ausdruck in der Einäscherung von„rebellischen" Negerdörfern. Man sollte die innere Kolonisation in Angriff nehmen und nicht die Produkte in Masse ausführen, während daheim das arbeitende Volk hungert und an chronischer Unterkonsumtion zu Grunde geht. Daß die Gewinne der Unternehmer trotz der„schlechten Zellen" recht erkleckliche find, zergt folgende Ueberficht de« Kon- sulatderichteS über die in den beiden letzten Jahren vettheitten Dividenden sächsischer Jndustrieaktien: Maschinenfabriken. Voletzte Div. Letzt. Div. pCt. |v. 4Vi 4 6 9 10 9 6 16-/, pCt. 3 5 5 3 4 11 V- 7 7 10 6 15 Chemnitzer Werkzeug(Zimmermann) Germania(Schwalbe) Großenhain Webstuhl L-uchhammer do. konvertirte Maschinenbau Golpern Nähmaschinen Frister und Roßmann Sächsische Gußstahlfabri! Sächsische Maschinenfabrik(H-rtmann) Sächsische Strickmaschinen Sächsische Wedstuhl(Schönherr) Union(Diehl) Stammprioritäten Ztttauer Maschinenfabriken(Kießler) Nun ist zu bekannt, daß gerade die Eisenindustrie an der hattnäckigsten KristS laborirt, und daß die Kapttalistenorgane, wie z. B. der Moniteur der rheinisch, westfälischen Etsenbarone, die„Rhein.-Westf. Bztg." auS dem Lamento über den Nieder- gang der Eisenindustrie gar nicht mehr herauskommen. ES ist ferner eine undestrelldare Thatsache, erhärtet durch die amt- lichen Mittheilungen der Fabriktnspektoren, daß gerade in der Elsendranche die Arbeiterentlaffungen und Lohnreduktionen in großem Stil betrieben worden find. Und doch trotz Freisetzung so vieler"Hände", trotz der halben Arbeitsschichten, trotz alle- dem find die Dividenden der Aktiengesellschaften entweder auf dem Niveau deS Vorjahre« geblieben, oder fie haben fich um ein wenig gesenkt, oder fie find, und zwar ist dies bei 6 von den 13 aufgeführten Maschinenfabriken, also bei ca. 46 pCt. der Gesammtzohl der Fall, sogar nicht unerheblich gestiegen. Die ganze Physiognomie deS Dividen- denmartteS ist das gerade Gegentheil von demjenigen de« Ar« beitSmarkteS; auf dem letzteren Flauheit, tiefe Depression, dort fröhliches Gedeihen auf Kosten der Arbeiter. Aehnlich find die Verhältnisse bei folgenden Anstalten: Leipziger Kammgarnspinnerei Chemnitzer Altienspinnerei Weißthal Mienspinnerei Sächstsche Kammgarnspinnerei(Eolbrig) Dresdner Nähmaschinen- Zwirnfabrik Dresdner Lederfabrik Gut find auch die Ergebnisse bei den Papierfabriken: Vorletzte Div. Chemnitzer..... 9'/, pCt. Dresdener..... 10 17 7 2 12 7'/, 8 Letzte Div. 9V, pCt. 6„ 17 V' 11 7 8 Niederschlema Peniaer Patent.. Sebnrtzer..... Thode sche.... Vereinigte Bautzener. Weißenborn.... Aus diesen Ziffern ergiebt fich die erfreuliche Thatsache, daß die armen Attionäre, diese Märtyrer deS ProdullionS- prozeffeS. noch nicht genöthigl find zu leben, wie Chemnitzer Weber oder Bautzener Papierarbeiter. Und daß dieser„de- fitzende Kern" der Nation vor allem geschützt werden muß, daS leuchtet doch Jedem ein, der eingeschworen ist auf die Dok- trin von der Züchtung der Millionäre. Der Export nach dm Vereinigten Staaten ist gewaltig zu- rückgegangen; diese Schädigung trifft am härtesten die Arbeiter und dient dazu, die Zersetzung deS Klein« und Mittelbetriebes zu beschleunigen, daS im Wettbewerb mit dem Großkapital, daS in solchen Krisen den Profit einstreicht, dann zu Grunde geht. Der Gesammtwerth der Ausfuhr aus dem Leipziger KosulatS- bezirk(also einschließlich Gera) ergiebt für da« Jahr 1885 nur 3 283 229 Dollar« gegen 4201373 Doll. im Jahre 1884, also ein Weniger von fast einer Million. Werthvoll find die Miitheilungen deS Berichts über Einzel« heiten auS dem sächstschm Jndustrieleben. So defindet stch vi« Haupindustrie deS säcbfischcn Voigtlandes, die Maschinen- stickerei, die einschließlich der KonfeklionSarbeiterinnen und Fär- herinnen fast 10000 Menschen beschästigt, in arger Bedrängniß. Die jährlich wiederkehrende flaue FrühjahrSperiove(die Maschinen- stickerei ist Saison tndustrie) trat 1885 besonders früh ein, 700 Stühle standen bereits im April ganz still, andere folgten nach.— Die Dresdener Tuchfabrikation, die Chemnitzer BuckSkinindustrie.wie überhaupt die T e x t i l induftrie litt unter der Ueberproduktion und zeichnete fich durch die Noch der in ihr angewandten Arbeiter wieder einmal(Glauch«' Meerane) aufS unvortheilhafteste auS. DaS find traurige Uh «SR schen gen 20. T.- ZUchAK ie Äl» M » i'ä zndiem so i» -,.L > keineSweaS zugestimmt, sondem den Beschluß gefaßt,„die diS« herigm Lohnkommisfionen der Maurer» und Zunmermeister mit einander zu verschmelzen und dieselben zu beauftragen, die Wahl einer komdinirtm Meister» und Baugeschäftsinhaber- Lohnkommisfion für daß Maurer- und Z>mmerer-Gewerbe in Berlin nach demselben Modui vorzubereiten, wie er den Gesellen von den beiden seitherigen Lohnkommisfionen der Maurer« und Zimmermeister bezw. Baugeschäftsinhaber vorge» schlagen müden sei resp. wie man densrlben von den Gesellen zur Wahl ihrer Vertretung in Anwendung gebracht wissen wolle." DieS sei, so theilt man uns mit, daS klar und präzis ausgesprochene Resultat der BaugeschäftSinhaber- und Meister» Versammlung, die der Vorfitzende, Maurermeister Biebend, mit der Ausführung geschloffen habe, daß die zu wählende neue VertretungSlöipeischatt und Lohnkommisfion der Meister zunächst über den in der Lohnfrage von den Meistern festzuhaltenden Etandvunkt fich schlüsfig zu machen und dann mit einer Ge« sellenvertretung, welche nach dem von der Meisterschaft vorge» schlazenen MovuS gewählt worden sei, die geeigneten und für beide Theile als rechtsverbindlich zu betrachtenden Verein- barungen zu treffen habe._.. _* Zentral-Kranken» und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(E. H. 3, Jpambutft). Versammlungen der Mitglieder am 19. d. M, AdendS 8 Uhr, für die örtliche VerwÄtungSstelle Berlin B.(innere Louisen» uadt) in Marquart'S Restaurant, Alexandrinenstr. 110.— Oertliche Verwaltungsstelle Berlin C.(HallescheS Thor) in Rothacker'S Lokal, Teltowerstr. 3.— Oertliche VerwaltungS» stelle Berlin D.(Moabit) bei Donath, Alt-Moabit 90.— Oert- lltht Verwaltungsstelle Berlin F.(Schönhauser Thorbezirk) Restaurant RoloffSburg, Fehrbellinerstr. 98.— Tagesordnung ic aSSn, Versammlungen: 1. Wahl der Delcgirten zu der am rv. Mai in Hamburg stattfindenden außerordentlichen General» Versammlung. 2 Bcrathung der Anträge. 3. Verschiedenes. »Nk örtliche Verwaltungsstelle Berlin G. hält eine Mit- A, sberversammlung am Mittwoch, den 21. d. M., AbendS � G ribr, in Keller'S oberem Eaal, ÄndreaSstr.2l, ad. TageS- wie in den Versammlungen am Montag, außerdem % 5# Beitragsammlers.(Sieh: Inserat am Dienstag.) »..ff? Mitgliedsbücher müssen in den Versammlungen als Legitimation vorgezeigt werden. q«..«"band deutscher Zimmerleute(Lokalverdand Berlin. M�bitj. Montag, den 19 d. M„ Abends 3'/, Uhr. im Donath» gwlr �st'Moabit Nr. 90, Versammlung. Tagesordnung: gtnommin Fragekasten. Mitglieder werden auf» " Kachderei« der Metallschleifer und verrm BeiufS« genoffem Montag.' den' lO�Ämil�MendS 8" Uhr, Versamm >ung bei NieftS, Kommandantenstr. 71)72. Vortrag, Ditkusston, Verschiedenes. schiedenei. DiSkusfion. Ver- Ä ;rtil Tagesordnung; .,* Srete Vereinigung aller in der chirurgischen Brauche beschäftigten Berufsgenossen. Versammlung Dienstag, den 20- d- M., AdendS 3'/, Uhr bei Seefeld, Grenadierstraße 33. ?y.D.: Vortrag deS Herrn Christensen. DiSkusston m ;S. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. ,..'«achveretn der Drechsler. Knopfarbeiter und Be» äää Äisra. � Sttbonb beutscher Zimmerleute Montag, den 19. Slbends 8 Uhr,. �cnommiuno glieder� � 3' �"llilasten.— Aufnahme neuer Mit- * Verband der Möbelpolirer für Berlin und Um» gegend. Montag, den 19. d. M., Abends 8 Uhr. Versamm» Ä bei Böttcher. Köpnickerstlaße 150. Tagesordnung: 1. er- Berlin deutscher Zimmerleute(Lokalverband Uhr gw« Generalversammlung am 20. v. M., AbendS 8 «ass'en�° I°""�raße 37/38. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Mitglieder 3- Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Neue . aufgenommen. I Herrn Stadto. xHSMÄKkAMüW Ä' Andreasftl. 21. Tagesordnung: L«afftN- Ät i2, ��ag de, Herrn Gerisch über den Soldaten» ÄÄ 3Äf SI?Ä' glieder werden aufgenommen. Mitglieder, welche ihre Wohnung gewechselt haben, werden gebeten, dieS dem Kasstrer Bcrger zu nung: 1. Vortrag des Herrn Dr. B-nkendorff über»Feuerbk- «chramm, Hochstr. 32a. Die Bücher können dort jeden Sonn» MWUM« usenhcttm. Referent Stadto. Tutzauer. Hetzte Nachrichte«. Aus Aachen berichtet die„Köln. Ztg.": Am 14. April langten in Herdesthal wieder 45 deutsche Staatsangehörige an, welche von der belgischen Behörde wegen Mangels an Geld- Mitteln und Ausweispapieren oder aus anderen Gründen über die Grenze gebracht waren PreußischerseitS waren der Land- rath des KreiseS Eupcn sowie Polizeibeamt« bei der Ankunft der AuSgewieseren anwesend. In Frankfurt a. M. ist eine Versammlung auf Gmnd deS Sozialistengesetzei verboten worden, in welcher nächsten Montag der Abgeordnete von Vellmar sprechen sollte. Im Diätenprozeß dei Abgeordneten Heine kann gegen das Urtbeil deS OderlandeSgerichts(in Naumburg) daS Rechtsmittel der Reoifion nicht eingelegt werden, da in der Klage deS FiskuS daS Obsekt nur auf 400 M. angenommen war, die Revifion in Zivllprozrssen aber ein Objekt von mindestens 1500 M. bedingt. Das in Rede stehende Urtheil ist bereits rechtskräftig geworden. Adgeschen von den Kosten ist aber, wie uns auS Naumburg geschrieben wird, daS Urtheil nicht vollstreckbar— weil es dir ErstaitungSpflicht nur im Prinzip ohne Angabe einer Summe feststellt. DaS Dekret hinfichtlich der Auflösung der' italienischen Deputirtentammer wird laut telegraphischer Mittheilung auS Rom, wie es heißt, am Montag unterzeichnet und am Dienstag publizirt werden. Dem Dekret würde ein Bericht der Minister an den König vorangehen, in welchem die Motive für den Auflöfungideschluß dargelegt und in welchem die Minister zu- gleich über ihre Führung der Geschäfte Rechenschaft ablegen und daS neue Programm, mit welchem fie vor die Wähler zu treten beabstchtigen, entwickeln würden. Brindist, 17. April. Gestern kamen hier fünfzehn Cholera» fälle vor, davon sechs mit tödtlichem Ausgange. Der„Standard" erfährt, daß die Ostgrenze zwischen China und Birma zur Befriedigung geregelt sei und daß ein Ab- kommen betreffs der Regelung der Nordarenze baldigst erwartet werde: wahrscheinlich werde der Japingfluß die Grenze bilden und Bhamno dem englischen Gebiete verbleiben. Uermischtes. Et« bestialischer Mord. In dem zur Gemeinde Vinica gehörigen Dorfe Gorusenjack in Kroatien ermordete, wie man auS Waraßdin schreibt, Jakob Bora!, ein wohlhabender Bauer, auf geradezu bestialische Art seine Gattin Marie. Die Be- völkeruna der Gemeinde wurde durch die Unthat derart erregt» daß fie Barak lynchen wollte und Gendarmerie zu seinem Schutze aufgeboten werden mußte. Die auS WaraSdin be- rufene GerichtSkommisfion konstatirte, daß Barak seine Gattin, welche er des Ehebruchs verdächtigte, zuerst beschimpfte, dann zu schlagen begann; alS fie fich den Mißhandlungen des Mannes durch die Flucht entziehen wollte, band er fie mit Stricken und Ketten an eine Bank und schlug und stach fie dann mit Pflöcken, mit Latten, mit der Hacke und mit dem Mcffer volle zwei Stunden, bis das arme Weib unter unsäglichen Schmerzen ihren Geist aufgab. Die Leiche wurde in einem entsetzlichen Zustande aufgefunden. Der Er» mordeten waren am Kopfe drei absolut tödtliche Wunden, am Körper sechzehn schwere, darunter mehrere lebensgefährliche, und mehr als zweihundert leichte Verletzungen zugefügt wor» den. Der Leichnam des schönen, jungen Weibes war durch die Verletzungen förmlich zersetzt. Der Mörder wurde festge- nommen. Ei« bescheidener Heirathsantrag.„Ein Geschäftsmann, 32 Jahre alt, sucht stch mit einer Dame zu verheirathen. Alter, Schönheit, Religion, Charakter, Nation und Vermögen Nebensache." . Der Druckfehlerteufel hat in Greiz eine Orgie gefeiert. DaS dort erscheinende„Tageblatt" erwähnte der m den Blättem jetzt mehr genannten Oper„Der Schmied von Ruhla" von Lux. Der Setzer hatte dafür„Der Schneider von Ruhla" gesetzt, vas wurde berichtigt, und eS erschien nun in der Be- richtigung zu allgemeinem Schrecken ein„Schinder von Ruhla!" Kleine Mitttzeilnnge«. Koblenz, 13. April. Ein größerer Bergrutsch fand vor einigen Tagen in dem zwischen Kapellen und dem SiechenhauS gelegenen Steinbruch der Gebrüder L'hoest statt. Gewaltige Sternmcrffen bedeckten die Geleise der Rheinischen Eisenbahn. Glücklicherweise war der letzte Frankfurt-Mainzer Personenzug wenige Minuten vorher vorüdergefahren. Würzburg, 16. April. Gestern Nacht kurz nach 11 Uhr entgleiste in Folge falscher Weichenstellung der von Aschaffen- bürg kommende Güterzug mit Personalbeförderung Nr. 692. Die Maschine„Getsenberg" nebst drei Wagen wurden defett, Personen wurden nicht beschädigt. Da» Geleise ist frei. In dem Geleise standen noch vier Güterwagen, welche ebenfalls entgleisten, jedoch nur wenig beschädigt wurden. Stettin, 13. April.(EchiffSunfall.) Der am 8. April früh aus Kopenhagen in Stettin eingetroffene Postdampfer „Titania", Kapitän Ziehmke, stieß in ver Nacht vom 7. zum 8. April gegen 12 Uhr in der Nahe von Stubbenkammer mit einem grau angestrichenen unbekannten Echooner oder einer Galeas zusammen, w:Iches Schiff anscheinend von Swine- münde aus seewärts segelte. Der Mann am Steuer der„Tt- tania" hatte schon geraume Zeit vor dem Zusammenstoß daS grüne Licht eines Schiffes, dicht unter Land haltend, beobach- tet, als er bcmcrtte, daß dasselbe der„Titania" entgegenkam und plötzlich eine Wendung machte, wodurch daS rothe Seitenlicht fichtbar wurde; kurz darauf lief das Schiff mit dem Klüver gegen den Dampfer auf Steuerbord, zerbrach ein auf dem Oberdeck desselben stehendes Schiffsboot und glitt, nachdem eS durch den Zusammenfloß den Klüver verloren hatte, längS der„Titania" hin, indem eS stch dabei wandte. Die„Tttania" erhielt sonst nur eine geringe Beschädigung an einer eisemen Thüre der Seitenwand deS Oberdecks. Ob daS unbekannt gebliebene Schiff größere Beschädigung als die erwähnte erlitten hat, konnte man nicht erkennen; dasselbe verlor fich bald in der Dunkelheit der Stacht. Wien, 16. April. Gestern Abend wurde auf dem Kärntneriing ein blutigei Verbrechen verübt. An der Pferde» bahnhaltestelle warteten mehrere Personen um 8V, Uhr auf den Wagen. AlS derselbe anlangte, entstand ein lebhaftes Gedränge. Plötzlich hörte man auS der Gruppe dm Schrei: „Ich bm gestochm!" Gleichzeitig sprangen zwei junge Männer hervor, von denen der eine nach rechts, der andere nach links zu laufen begann. Der elftere stürzte bald in ein Kaffs, wo er mit dem Rufe um Hilfe zu Boden stürzte. Blut strömte auS einer Halswunde. Nach einer Rettungsstation gebracht, gab er Namm und Wohnung an. dann verlor er die Besinnung. Er heißt Karl v. Spitz und ist Juwelen agent. Der zweite versuchte in erner Bierhalle fich der Verfolgung zu entziehen, wurde jedoch ergriffen. Man fand bei ihm ein blutiges Taschenmesser. An das Lager deS Ver- mundeten geführt, rief er aus: Nicht wahr, Spitz, ich habe daS nicht gethan! Spitz konnte nicht mehr antworten. Der vermuthliche Attentäter heißt Franz Wagner. Der Unter« suchung bleibt eS vorbehalten, über die Affaire Licht zu ver« bretten. Wie«, 15. April. Aufgelöste Versammlung. Gestern fand im„Hotel Zillinger" eine Versammlung deS Deutschen Vereins statt, in welcher zuerst Dr. Bairasch über die„Einführung eines modernen ZivilprozeffeS" sprach. AlS er die Majorität deS Parlaments für die Verschleppung der Reform der Zivilgesetz» gebuna verantwortlich machte, wurde Redner vom anwesen« den RegienmgSvertreter unterbrochen. Der folgende Redner, Dr. Prokfch, sprach zu demselben Gegenstande, worauf Reichs- raths Abgeordneter Dr. Äusserer den von der Regierung ein- gedrachtm Entwurf eines Sozialistengesetzes in ausführlicher Motivirung bekämpfte. Als Redner auf dm Entwurf und seine Eingriffe in verfaffungSmäßige Rechte zu sprechen kam, erklärte derselbe, er wolle daS nicht eingehend ausführen, da man ja soeben gesehen habe, daß selbst die Agitation für eine raschere Aktion in der Gesetzgebung vom RegierungSvertreter beanstandet wurde. Hier erhob fich der RegierungSvertreter, um die Versammlung für aufgelöst zu erklären und die An- wesenden zu ersuchen, den Eaal zu verlassen, wa« ohne Wider« stand ruhig geschah. ES waren in der Nähe Wachleute dereit gehalten worden, wahrscheinlich mit Rückficht auf den Programm» punkt„Besprechung des Sozialistengesetzes" und um dm Forde« rungen deS Regierungsvertreters nöthigenfalls mehr Nachdruck verleiben zu können. 15. April.(Selbstmordversuch.) Der 24lährige beschäftigungslose Buchbinder Leopold Blau hat gestern Abend in seiner Wohnung, Mohrengaffe 13, in selbstmörderischer Absicht Laugeneffenz getrunken und wurde in schwer verletztem Zustande ins RochuSspital überführt. Als Motiv giebt Blau an,..... Stadt St.Cloud(Minnesota) und deren Umgegend bedeut Verheerungen an und wurden dabei 67 Personen getödtet viele verwundet. und der Redaktio«. A. R. 1. Wenn nicht in dem Nähmaschtnen-LeihkontraU ausdrücklich bestimmt ist, daß Ihre Schwester die Maschine nach Beendigung der Miethszeit der Firma zurückbringen muß, so ist Ihre Schwester, nachdem fie erklärt hat, fie wolle die Maschine nicht länger haben, zur Zahlung weiterer Miethe nicht verpflichtet. 2. Ihr Antrag, der Staatsanwalt solle wegen Beleidigung oder Körperverletzung gegen Ihren Hausgenossen einschreiten, würde ficherlich mangels eine» öffentlichen Jnter» effeS abgelehnt und Sie auf den Weg JB« Privatklage ver« wiesen werdm. Versuchen Sie, stch ein Beweismittel dadurch zu verschaffen, daß sie den Betreffenden vor den Schiedsmann laden. Vielleicht gesteht er dort zu, Sie geschlagen zu haben. C. Fr. 97. Sie sowohl als auch Herr M. haben j'tzt daS Wort gehabt. Für unS ist die Sache damit erledigt. Fechten Sie die Sache in der VerelnSverfammlung weiter auS. ;f. D. Die hiesige Feuerwehr ist, wie ja schon ihr Name gliche Feuerwehr) desagt, keine städtische Institution. Sie steht unter Verwaltung des tgl. Polizei- PräfidiumS. Alle Ver« suche der Gemeindedehördm, die Feuerwehr in städtische Ver« waltung zu übernehmen, find bisher gescheitert, trotzdem die Stadtgemeinde nicht nur die sächlichen Kosten zu bestreiten, sondern auch die personellm Kosten(Gehälter ac.) aufzubringen hat. ES stnd wegen Aufbringung der personellen Kosten, zu welcher fich die Sladtgemeinde nicht verpflichtet hält, schon ver» schtedene Vrozeffe geführt worden. 100 Orantenstraße. Die Ehefrau erbt bei kinderlosem Tode deS Mannes die Hälfte deS gemeinschaftlichm Ver» mögenS. Gelbgteßer H. Wenn das Halten von Hunden bei Strafe d-r Exmission im«ontratte verboten ist, so hindert das den Wirtb resp. deffen Bevollmächtigten nicht, den einen Mtethem doch daS Hatten der Hunde zu gestatten, den andern aber zu untersagen. E. K. Sie stnd nicht verpflichtet, die Kurkosten, die Ihre Frau vor ihrer Verheirathung verursacht hat, zu bezahlen. Warten Sie ruhig die Klage ab und erHeden Sie mündlich im Termin oder, wenn Ihnen ein Zahlungsbefehl zugestellt wird, schriftlich innerhalb 14 Tagen Widerspruch. Große Sch..... Da» Eisenbahn- Regiment gehört zum Garde- KorpS.— Sie haben fich übrigens eine recht ge» schmackoolle Epitzmarke gewählt. H G. Die Statuten der Kasse stnd unS nicht bekannt. Jedenfalls kann Ihnen Herr Gündermann, Gitschinerstr. 61,!., Auskunft geben. % Restaurant Ferd. Mi tan, Wiener- Straße 31, empfiehlt allen Freunden und Bekannten sein neu renovtrteS Weiuu- und Bat Iscb-Bler-L-okal. Guter, reichhaltiger Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch. sl4e»»haus. Die Afrikanerin, Oper in 5 Akten von E. Scribe. Montag: Zar und Zimmermann, lomiiche Oper in 3 Akten. Tchaufptelhau«. Minna von Barnhelm, oder: das Soldatenglück, Lustspiel in 5 Alten von G. E. Lesfing. �. Montag: Die Piccolomint, Schauspiel in 5 Akten von Schiller. Vorher: Wallenstein's L��tt-T�atme��Der Raub der Sabine- rinnen.„„„ Montag: Dieselbe Vorstellung. Reftden»• Theater. Die Dummkopfe. Schau- spiel in 4 Akten von P. ThyS.— Hierauf: Zimmer Nr. 18. Montag: Dieselbe Vorstellung. Seile-Alliance-Theater. Der Bettelstudent. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wrtedrich-WUHelmftädttsche» Theater. Der Zigeunerbaron. Montag: Dieselbe Vorstellung. «alhalla- Theater. DaS lachende Berlin. Heitere» au« der Berliner Theatcraeschtchte «tt Gesang und Tanz in einem Vorsrielc und 3 Akten von Jakobson und Witten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Teatrat-Theater. Der Stab»- Trompeter. Rontag: Dieselbe Vorstellung. Stttoria- Theater. Der Müller und sein Kind. Montag: Dieselbe Vorstellung. Louisenstädtische« Theater. Im Pfarrhof. Montag: Dieselbe Vorstellung. O«e«d- Theater. Die Loreleq. Montag: Dieselbe Vorstellung. »«ertean- Theater. Große Spezialstäten- Vorstellung. Theater der«eichthallen. Große Speziali- täten-Vorstellung. Kaufmauu'«»artete. Große Spezialitaten. Vorstellung. tkonkordia. Große SpeziaMSten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheateritraße 16.[1200 Sonntag, den 18. April 1886: Das Stiefkind des Origmal-Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinr. HafkeSdring. Cafimir TreSkow: Herr Haahk. Vor der Vorstellung: Gr. Konzert der Hauskapelle. Anfang de» Konzert» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Anfang de» Konzert» Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. «Ml haben Wochentag» Giltigleit und find im »heaterbureau(12—1 Uhr) gratis zu haben. Morgen: Dieselbe Vorstellung.__ Passage 1 Tr. 9 M.— 10 A« Kaiser-Paaora««. Neu! Zum ersten Male: Tyrol. Neu! Z. 1. M.: n. Cyclu» Paris. ia-Aetse. Karolinen-Jnseln. Eine Reise f. Kinder nur 10 Pf. Abonnement. Aheinwein, weike« und rotsten, eigener Kelterung, durch. au» rein gehalten und sehr preiSwerth, versendet in Fässern und Flaschen J. Mann, Mer-Zigelhetm 1314] bei Mainz a. Rhein. 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Ditkusflon. 4. Verschiedenes. 5. Frage lasten. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben ;ritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. — Mitglieder, welche ihre Wohnung gewechselt Huben, werden gebeten, dieS dem Kasfirer Berger zu melden. Der Vorstand. Sertiuer Stuckateur-Verein. Versammlung am Montag, den 19. April, Abends 8 Uhr, Kommandanten straße 71/72 bei Herrn Niest. TageS. Ordnung: 1. Berathung der Statuten-Vorlage. 2. Ver- fchiedeneS. 3. Frazekasten.[1395 ES ist dringend nothwendig, Alle»u er. scheinen, da die Listen, welche dm Prinzipalen zugeschickt werden, zur Unterschrift auSliegen. Der Vorstand. Gau-verew der Maler Serlius. Dereins-Verfammlung am D i e n st a g. dm 20. April, AbmdS 8% Uhr, i««rattveil's vierhallen. Kommandanten. Straße 77/79. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht pro Monat März. 2. VerbaadSangelegenheitm. 3. Bericht der Kommisston dem Gau>Verein gegenüber 4. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. 1387] Der Vor stand. Central-Kranben- und Sterbekasse der Tischler«. f. w.(E. H. zu Hamburg), Ortsverwaltung Berlin C.(HallescheS Thor). Mttglteder-Berfammlnng Montag» dm 19. April, Abend» 8 Uhr, Teltowerstr. Nr. 3 bei Rothacker. Tagesordnung: 1. Wahl der Drlegirtm zu der am 16. Mai in Hamburg stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung. 2. Be» rathung der Antrage. 3. Verschiedmc».[1373 Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlr. Besuch ist nothwendig. Die OrtSverwattung Berlin C. Kestrllsvttei« d. iibtheilti KeMermg dt» SW. Kerltfis.[1388 Montag, dm 19. April, Abends SVi Uhr, in Krieger« Salon(früher Konrad), Wasserthorstr. 68, Ordentliche Versammlung. T.'O.: 1. Vortrag de» Stadtv. Hm. Tutzauer über Kommunales. 2. Verschiedenes u. Frage kastm.— Die Mitgl. werd. ersucht, zahlr. zu er- scheinen. Aufn. neuer Mitgl. Gäste willkommen. Der Verein zur Mahrnng der Interessen der Tischler hält Montag, den 19. April, AbmdS 3'/, Uhr, Naunynstraße 44 bei Herrn Pohl eine öffmtliche Mitgliederversamm- lnng ab. Tagelordnung: 1. Vortrag de» Hrn. Dr. phil. M. Kaumgart. 2. Statutenänderung. 3. Verschiedene?. BilletS zu dem am ersten Osterfeiertag bei Keller, Andreaistraße 21, ' tlfindmden Konzert und Kränzchen find in der Versammlung sowie bei folgendm Herren zu haben: Stiegelmeier, Gitschinerstr. 93, Lackur, Admiralstr. 26, L-rche, Fruchtstr. 52, Frank, Reichenbergerstr. 46.[1390 Arbeiter»veztrkS»Verein d. Oranienburger Vorstadt«. de« Wedding. Montag, den 19. d. MtS, Abend» V:9 Uhr: Versammlung in Kleine'» Salon. GerichtSstraße 10. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Dr. Benkendorff über Feuerbestattung. 2. Diikusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekastm.— Gäste will- kommen. Um zahlreiches Erscheinm ersucht 13801_ Der Vorstand. MB, Di« Kibliothek befindet sich bei Schramm, Kochftr. 32». und könne« die lücher feden Sonntag Norm,»o« 10 bis 2 Uhr gewechselt werde». Mrifac�tyiciigüeroin«llnorciaaf" im 5. Wahlkreise.° ö Dimstag. den 20. April, Abd». 8Vi Uhr. im Lokale des Hrn. Jarobn, Landsbergerstraße 82 (LandSb. Bierhallen): Versammlung. D-O.: 1. Konservative und Antisemiten und was wollen solche? Ref.: Hr. R.Flatow. 2. DiS- kusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekastm.— Gäste willkommm. Aufnahme neuer Mitglieder. 1450] Der Vorstand. NB. Heut« Abend gemnthliche« Keisam» mensein in demselben Lokale. Versammlung de» Mmeing der Tischler Montag, dm 19. April. Abends 8'/, Uhr, «lisabethkirchstraße Ur. 6 bei Kilian. T.-O.: Bericht über die Generalversammlung, de» Bibliothekars und deS Beitragssammlers, Verschied, u. Fragek. Frageb. w. ausgegeben Central Kranken- und Sterbekasse der Tischler. Oertliche Verwaltungsstelle Berlin A. Mitglieder- Vers ammluug Montag, den 19. April d. I., AbmdS 8 Uhr, bei Wohlhanpt, Manteufftlstraße 9. T.-O.: Ädgeordnetmwahl für die am 16 Mai. d. I. in Hamburg staltfindende Gmeral- Versammlung.[1368] Der Brvollmächtigte. �reie Vereinigung aller m der chirurgischen Vranche beschastigteu Lerufsgenojsen. Dienstag, den 20. d. MtS., Abends 8-/, Uhr. 1379 Bersammlung in Keefeld'» Salon, Grmadierstraße Nr. 33. Tagesordnung im redaktionellen Theil. Fachverein der Posamentirer und Seidenknopfmacher. 1399 Versammlung Montag, den 19. April, AdmoS 8'/, Uhr, im Königstadt-Kastno, Holzmarktstr. 72. Vortrag über:„Eine neue Idee der Zu kunft".— Gäste find willkommen.[1398 Mitglieder-Versammlung der Central-Kranken- und Sterbe-Kasse der Maler«. verw. Kernfsg. Deutschlands (E. H. Nr. 71), Filiale Süd und IU. Dienstag, den 20. d. Mls. Abends 8 Uhr, Alte Jakodstraße 83, Cafe Reiher. Tagesordnung: 1. Kaffmdencht. 2. Ver fchiedeneS.[1375] Der Bevollmächtigte. Versammlung de» Vereins zur Wahrung der Jntereffen drr in der Kntfabrikation beschäftigten Arbeiter findet Montag, den 19. d. M., Abend 8 8 Uhr, tm Saale des Hrn.Eiemund, Linienstr.3, statt. Tagesordn.: I.Vortrag.(Sladtv. F. Gö.cki) 2. DiSkusfion. 3. Abrechnung. 4. Verschiedenes. 5 Fragelasten. Neue Mitglieder werd. aufgen. Gäste willkommen.[13911 Der Vorstand. Gessentliche 1392 Arbeiterinnen° Versammlung am Montag, den 19. Bviil, Abends 8'/, Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstr.4a. Tagesordnung: Zur gegenwärtigen Krifis der Ardeiterinnen' bewegung. Diskusston. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste haben Zutritt. Einberuferin: Fr. M. Hofmann» Gr.-Lichterf. Ziehung bevorstehend! Marienburger a%. Ulrner x--s- a 3 Mk. 27. April. Boihe Krem, a 1 Mk. 1.— 4. Mai. Deutsche Kunst gew. Loose a 1 Mk. Porto und Liste je 20 Pf. extra. Bich. Schröder,| 13601 Gmsdarmenmartt. »a Clgarren.. -r e Spezialitäten:[1382 Z Tit-nia... pro Mille 50 Pik. Rheingold..„„ 50„ La Jmportancia„„ 60„ ZU ��Außer�em empfehle diverse Marken 75. 80, 90 Mk. k. § e«1885er Importen zu dilligst. . Bei Abnahme von 100 Stück 4»/� c Billigste Bezugsquelle türWiederverkäufer. öS I G.«. Francke, Klerandrinenstraße 103. Diebe te Bezugsquelle für gute Tisch- u. Kochbutter. risch gebrannte Kasseeo, gemischt. Kackobst, ietr. Dflanmen, Arpfel, Kirne« u. 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