»V. 93 Dienstag, de« 29. April 1883. III. Jahrg. erlimMslW Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Ä 10- I NWlstrmßxiilitil!. Mit«ahrhaft rührender Anhänglichkeit klammert sich eine ziemlich große Zahl von sogenannten Sozialpolitiker« an den Gedanken, der Handwerkerstand sei«och vom Ver» fall zu retten. ES find die» nicht allein die Zopf- und Zunftmeister, welche von einer reaktionären Gesetz- gebung für sich und ihresgleichen momentane Hilfe erwarte«, «ein, e» giebt auch eine größere Anzahl liberaler Politiker, wie Viktor Böhmert, Max Hirsch und Genossen, die mit allen erdenklichen Mittel» de« Beweis zu erbringen suchen, daß der Mittelstand nicht nur nicht am Schwinden, sonder» am Aufblühen sei. Bei Herrn Hirsch war seiner Zeit dieser Gedanke so zur Manie geworden, daß er das einzige Argument bildete, welches derselbe gegen die Sozialdemokratie ausspielte. Doch wir wollen vorsichtig, wie eS sich gebührt, an diesem Volks- wirthschafller ersten Ranges vorübergehen. Mitgenannt haben wir ihn nur, damit man ersehe, in welcher Gesellschaft die Mittelstandsfanatiker sich befinden. Wir habe« schon mehrfach de» Satz aufgestellt, daß die Klein- und Bkittelproduktion überall da, wo da» Großkapital sich der Produktiv« bemächtigt, konkurrenzunfähig wird und über kurz oder lang aufhört. Diese Behauptung kann kaum widerlegt werden, da der einfache Blick in da» wirthschaft- liche Getriebe sie schon unter Beweis stellt. Weil nun aber ferner vermöge der technische« Fortschritte das Großkapital sich immer weiterer Produktionszweige be- mächtigt, so geht die Aufsaugung des Kleinbetriebes seine« raschen Fortgang.— Als ein Hauptargument gegen diese Thatsache» hat man nun vielfach die Behauptung aufgestellt, daß in der Kleinindustrie mehr Leute beschäftigt werde«, als in der Großindustrie. Dies ist aber, wie wir sehe» werden, eine falsche Behauptung. Die Berufsstatistik hat nämlich alle.selbstständige«" Arbeiter als unabhängige Kleinindustrie ange- führt, so die sämmtlichen Nähmädchen, welche zu Hause arbeite», sämmtliche Schneidermeister, welche ihr«Arbeit für Konfektionsgeschäfte, von denen sie das Rohmaterial erhalten, verrichten, sämmtliche HauSweber, die in ähnlichem Verhält- »iß find; dann bei der Zigarrenfabrikation die HauSarbeiter, welch« gleichfalls das Rohmaterial vielfach von der betreffen- den Firma geliefert bekomme«. Und wir könnten derartige .selbstständige" Kleinindustriellea»och in großer Anzahl an- führen. Alle diesezahlreiche« im Dienste der Industrie Beschäftigten gehören doch in der That der Großindustrie an. Von einem selbststäadigen Kleinindustriellen kann man doch t» der That nur spreche«, wen» er sei» Rohmate« Jeuilleton. Der Trödler. Roma« von A.«. Brachvogel. «sau„s..(Fortsetzung) mm erfüllte rhn riesengroß, überwältigend, rüttelte ihn zum Anspannen semer lebten Kräfte auf- der Gedanke der Gedanke an Mathilde. So «mverth Beider er sich auch fühlte, so wenig er das Eden n» v* o** zurückzuzaubern vermochte, das Andenken Sckwu/ öwer war mächtig genug, ihn zu dem heiße« i,, n5 Eisernen Entschluß zu entflamme«, nicht tiefer «f, J n'i* rr bereits stand, nach der verlorenen Mannes- �/urwaen und, sei's durch da, Opfer der tiefste» De- �üthlgung selbst, sich ei«« Stellung in der menschliche» rial selbst beschafft und seine fertige Waare verkauft. Dann aber giebt e« in der That gegenwärtig noch eine große Zahl Handwerksmeister, die aber meist ohne jeden Gesellen arbeite«. Wo früher in einer Stadt z. B. drei Schuhmachermeister mit je sechs Geselle« arbeiteten, da arbeite« jetzt sechs Flickschuster ohne Geselle»— die.selbstständigen" Kleingewerbetreibenden haben sich so- mit wirklich um da» Doppelte vermehrt. Daraus kann man das Aufblühe» de» Kleinbetrieb« ersehe». Man ersieht aber wirklich daraus, daß die beste« statistischen Nachrichten in der Hand von unwissenden oder interessirten Menschen die unzuverlässigste« Resultate zeitigen.--- So finde« wir in verschiedenen sächsischen Zeitungen, wahrscheinlich der»Soz.-Korr." entnommen, einen kleine« Aufsatz mit der Ueberschrift„Abnahme oder Zu- »ahme des Mittelstandet", durch welchen die Zu- nnhme desselben„bewiesen" werde» soll; sehen wir uns diese Beweisführung etwas näher an: „Die Zahl der steuerpflichtigen physischen Personen be- trug im Jahre 1879 1007 691, im Jahre 1884 1 132 747, das bedeutet eine Zunahme von 12,41 Prozent. Die Bevölkerung Sachsens hat sich von 1880 di» 1885 nach den neuesten Mittheilungen um 6,94 Prorent vermehrt. Die Zu- nähme der Steuerpflichtigen ist sonach eine bedeutend größere, als die der Bevölkerung. In der sächsische» Ein- kommensteuer-Gesetzgebung ist eine Aenderung nicht einge- trete«, nur die Einschätzung dürfte hier jund da verschärft worden sei». Theilt man die zur Steuer Einze- schätzten, deren Zahl größer ist, als die Zahl der wirklich Steuerpflichtigen, in 4 Hauptklassen(un- bemittelte Klasse mit einem Einkomme« bis zu 800 M., mittlere Klassen mit einem Einkommen von über 800 bis 3300 M., wohlhabende Klasse mit einem Einkommen von über 3300 bis 9600 M., reiche Klasse mit einem Einkommen von über 9600 M.), so ergiebt sich folgendes: Die Angehörigen der unbemittelten Klasse stiegen von 1879 bis 1884 von 828 686 auf 906 247, die der mittlere« Klasse 227 072 auf 267 975, die der wohlhabenden Klasse von 24 072 auf 27 984 und die der reichen Klasse von 4921 auf 6828. Das bedeutet eine Zunahme für die unbemittelte Klasse von 9,36 Prozent, für die mittlere Klasse von 18,13 Prozent, für di« wohlhabende Klasse von von 16,25 Prozent, für die reiche Klasse von 38,75 Pro« eingeschätzte« Personen überhaupt beträgt 11,43, die der Bevölkerung beträgt 6,94 Prozent. Die unbemittelte Klasse hat sonach am wenigsten zugenommen. Von 1879 zu 1880 vermehrte sich die unbemittelt« Klasse um 27 908 Personen, von 1880 bis 1882 um 25,60, von 1882 zu 1884 um ernähre. Er that dem Notar Lex seinen unabänderlichen Wille« kund und ersuchte ihn, Schätzlein davon zu benach- richtigen.— Darauf veräußerte er sämmtliche LuxuSgegen- stände und Mobilien an Bleichman» und behielt nur das Nöthigfle für feine kleine Haushaltung zurück, Jakob, sein Diener, war der Einzige, welcher ihn nicht im Stich gelassen und fem Schicksal theile» wollte. Sein Haupt- augenmerk war aber ei» Lebensberuf, eine Exiflenzquelle. Er ging mit dem Muthe der Verzweiflung von Einem zum Andern, achtete weder scheele Blicke noch beleidigende« Bedauern. Man wies ihn ab oder vertröstete ihn in« Blaue. Aber mit felsenfester Geduld that er immer neue Schütte. Sei« Ruin war bereit« ei» öffentliche« Geheimniß. Wer interesfirt sich für einen Gefallene»?!— Daß er da« Hau« abtreten mußte, erfuhr Juftu«. durch Lex, erfuhr die ganze Familie. „Du wirst da» Hau« nimmermehr kaufe«, Justus I" sagte Ebristine ernst,„die Welt soll nicht sage«, wir seien durch Edmund'« Unglück reich geworden!" „Die Räume droben betret' ich nimmer, Vater, und bist Du so hartherzig, Edmund zu vertreibe«, ist nicht Demer Tochter bittere Thräne mehr im Stande, Dich zum Mit- leid zu bewege», so magst Du mich nur lieber zu Annen betten, wo mir wohler sein wird, alt in der Welt I!" „Da« ist recht! Sprich Du nur so zu Deinem Vater, als müßte« Du Dich schäme», de« alte» Justus Kind zu fei»! Poltert nur recht unvernünftig drein, als hätt' ich eine Todsünde vor! Edmund Hennings muß da« Haus ja verkaufen, er kann mir die Zinsen nicht mehr zahlen. Soll ich hinopfern, wa« ich mit Mühe durch ein ganze« Lebe» voll Arbeit Euretwegen errungen? Nicht wahr, wohl deshalb, weil er Deine Jugend vergiftet, Mathilde, Dich in'« Gerede der Leute gebracht hat und Du unglücklich geworden bist ganz und gar?!— Und was nutzt e« den«, um Gotte« willen, wie lange dauern«och die paar Thaler, die er haben mag, dann ist'S ganz au»?! Soll ein Anderer da« Hau« habe», ein Anderer, der mich auf meine alte« Tag« vor die Thür setzt? Profit die Mahl« zeit,«ei«! Dem Sohn de« alten Hennings ließ ich mem % 24 493 Personen. Da« bedeutet eine Zunahme von 1879 u 1880 um 3,37 Prozent, von 1880 zu 1882 um 2,94 Prozent, von 1882 zu 1884 um 2,78 Prozent. Hieraus geht hervor, daß die Zunahme der ärmste» Klasse eine stetig fallende Tendenz zeigt. Die mittlere Klasse(18 Prozent Zunahm«) und die wohlhabende(16 Prozent Zunahme) stehen über der Zunahme der eingeschätzten Personen über- Haupt(11,43 Prozent). Die reichste Klasse hat am meiste», über 38 Prozent, zugenommen." Solches Zahlengewimmel mag mancher für baare Münze hinnehmen; die Zahlen„stimmen" ja auch, deshalb wird e» ja wohl wahr sein, daß die„unbemittelte" Klasse in Sachsen immer mehr zurückgeht, die bemittelte, wohlhabende und reiche Klasse hingegen steigen. Die ganze Frage dreht sich aber doch nur darum, wo man die Grenze zwischen„unbemittelt" und„bemittelt" zieht. Unbemittelt sind Leute, die ein Einkommen von 700 bi« 800 Mark beziehen, bemittelt aber diejenigen schon, welche 801—900 Mark Einkommen haben. Der ganze Fehler be dieser statistische« Aufstellung ist der, daß man die Grenzeri de« Mittelstandes viel zu tief gezogen hat. Nehmen wir eine Familie von fünf Personen an; der Man« hat ei» Einkommen von 900 Mark, das sind zirka 2 M. 50 Pf. täglich— diese Familie, die bei den gegenwärtigen Preisen der Bedürfnisse notorisch am Hungertuche nage« muß, zählt der berühmte Statistiker der sächsischen Blätter zu den Be- mittelten! Mit solchen Voraussetzungen kann man Alles beweisen. Verlegt man aber die Grenze höher; wir wollen recht bescheiden sein: bi« zu 400 Thaler, 1200 Mark jährlich nehme man die Unbemittelten an, von da ab die Be- mittelten, so wird man ganz andere Resultate erzielen. E« werde« dann die Unbemittelten bedeutend in der Prozent» zahl wachsen und die Bemittelten aber ebenso bedeutend in der Prozentzahl zurückgehen. Und da» ganze Reche»- exempel des statistischen Künstler» ist über de» Haufe» ge- worfe«. Wie willkürlich aber auch die beliebte Eintheiluug der vier Steuerkategorien gemacht worden ist, geht schon daran« hervor, daß in der Kategorie der„Bemittelten" ein Theil ma 14 o o r\f\ cm fc:.. M..———-—»-—— _. ,» dreimal so groß, 9600 M. gegen 3300 M. Halten wir dieses Verhältniß auch bei de«„Bemittelten" fest, so ist die Summe von 1200 M. gerade richtig gegriffen. Diefe Kategorie würde dann das Einkommen von 1200 bi« 3300 M. umgreifen. Und damit wäre, wie schon gesagt, der Beweis, daß der Mittelstand im Wachsthum begriffen sei, völlig über den Haufen geworfen. Geld! Einem Ander« nimmermehr! Kann Einer den« auch gleich zwanzigtausend Thaler baar hinzahle«? Heut- zutage?— Nein! Also wa« wollt Ihr denn? Da krieg' ich den„kalten Stein" ja doch! Oder war'« etwa eine Sünde, daß ich dem alte« Josua all' mein Ersparte« lieh, um ihm zu helfen? Wa« wollt Ihr denn, zum Geier?!" „Du willst da» Hau« also kaufen, Vater?— Schlechter- ding«? I" „Schlechterdings überaehm' ich'«! Jeder vernünftige, rechtschaffene Mann thät'S mrt eben so gutem Gewissen!" Mathilde» ergriff eine tiefe Bewegung, ein Frösteln.— „So nimm e« nur, mög' Dir'S Glück bringe»! Mir ist'S recht! Es ist wohl auch da« Best«!" Sie ging ohne eine weitere Bemerkung hinaus. „Da» bringt das Mädchen noch in die Grube!— O Justus, lieber, guter Justus, wären wir doch nimmer in den„kalten Stein" gezogen!" „Ja doch, ja! Und wär' ich doch nimmer so gestrast worden, daß mich die Wesen, die mein Lebtag um mich waren, doch so schlecht kennen!"— Damit setzte er den Hut auf und ging heftig bewegt fort. Er schritt indeß nur bi« zur erste« Hausthür, vor der er zögernd, in Gedanken stehe« blieb. Dann trat er rasch ern, eilte hinauf zu Edmund'S Wohnung und klopfte an. Edmund, eben von einem fruchtlose« Wege wiederum heimgekehrt, schrak empor.„Herein!"— Justus trat ein.— Edmund ward bleich, dann stand er auf und nickte leise:„Guten Abend, Herr Schätzlein." „Guten Abend.— Der Notar Lex hat mir gesagt, Sie könnte» die Zinsen nicht mehr zahle» und wollten mir da« Hau« überlasse».— Ist'S so?"— „So ist'S!"- „Hm, hm!— Sie haben also gar nicht« mehr? Rem gar nichts?"—_ Wa« frage» Sie, mein Herr?— Macht Ihnen das '-'"'" abe nicht« etwa auch Freude, wenn ich siwe: Nein, ich mehr? Zufällig aber, Herr Schätzlein, bi» solcher Lump, der betteln gehen muß I So wenig ich' auch Es heißt schon in obiger Mittheiluvg selbst, daß die Einschätzung verschärft worden sei; aber ein wichtiges Moment ist noch vergesse«. Die Preise der Bedürfnisse find immer mehr am Steige». Dadurch verschiebt sich selbstverständlich auch der Begriff„unbemittelt' und „bemittelt". Mit 365 Thaler jährlichem Einkomme« in einem kleinen Orte galt vor 30 Zahrea eine Person für eine wohlhabende, während jetzt dieselbe genau auf der Grenze schwankt zwischen unbemittelt und kaum bemittelt. Und dieses Berhältniß ver« schiebt sich, wen» auch nicht in demselben Maßstabe von fünf zu fünf Zahre».--— ZnnungSmeister und spießbürgerliche Statistiker möge» sich demnach auch noch so sehr bemühe«, den Verfall des Kleinbürgerthum», der Kleinindustrie, des Mittelstandes über» Haupt zu bestreiten und zu vertuschen, jeder ehrliche Volks« freund hat die Pflicht, die wirthschaftlichen Wahrheiten auf- zudecke», selbst auf die Gefahr hin, Schmerzen zu verur» fache«. Nur dann könne» erst die wirthschastltchen Schäden geheilt werde«. Der sogenannte Mittelstand aber�wird gut thun, ehe er ganz im Proletariat versunken ist, sich ehrlich de» Bestrebungen der Arbeiter anzuschließen, um mit diesen ver« eint, für alle wirthschaftlichen Kräfte den gesunden Boden zur Heilung der gegenwärtige» soziale» Krankheiten zu finden. Nicht« aber ist hinderlicher darin, als die von uns in vorstehendem Artikel geschilderte Vogelstraußpolitik. Politische Uelwrstcht. Die Denkschrift, welche die rheinische« Weber vor einiger Zeit der Regierung überreichten, findet in der Presse nicht die Beachtung, welche fie verdient. Das ganze Schrift- stück ist ein langer SchmerzenSschrei eine« untergehenden StückeS de» einst so blühenden Handwerks.„Die große Nothlage der Hausweber der Seiden« und Sammetindustrie am Niedmhein und im Bergischen Lande, die nach Tausenden zählende große Menge der Arbeitslosen— hervorgerufen durch die auSgedebnte Vermehrung de» in Masse produzirenden mechanischen Web- stuhleS— die in Folge dessen in erschreckender Weise ringe« tretene furchtbare Lohnreduktton, welche die Weber in Roth und Elend gestürzt hat"— daS ist eS, waS die Petenten zur Verzweiflung treibt.„Die im Jahre 1848/49 von den Fabrikanten und Webermeistern Krefelds aufgestellte und revidirte Lohnliste war dem damaligen Bedürfnisse entsprechend nach ge« meinschaftlicher Berathung zur beiderseitigen Zufriedenheit festgestellt worden. Auch heute giebt es noch ein- zelne sehr humane Fabrikanten, die strikte an der vereinbarten Lohnliste festhalten, ja sogar 10 hiS 20 pCt. darüber löhnen. Die überwiegende Mehrzahl der Fabrikanten aber(unbe- kümmert, ob ihre Ardeiter am Hungertuche nagen) löhnen 40 b i S 60 pCt. unter der im Jahre 1848/49 aufgestellten und vereinbarten Lohnliste. Wohnungsmiethe und Lebens« mittel find in dem Zeitraum von 37 Jahren über das Doppelte gestiegen, die Arbeitslöhne aber über die Hälfte hemnter« gedrückt, kurz, wir können nicht mehr leben, und die gesammte HauSwebcrei, welche mehr wie hunderttausend Menschen ernährt, geht zu Grunde, wenn un» nicht durch Gesetz Schutz gewährt wird. Kein Arbeiterstand und in keinem Gewerbe ist der Ar« better so schutzlos der Willkür deS Arbeitgebers preisgegeben, «IS der HauSweber in der Seiden- und Sammet-Jndustrie. Die schreiendsten Ungerechtigkeiten müssen dieselben bei Einlieferung der fertigen Waare ssch gefallen lassen, wo der Fabrikant fich daS Recht anmaßt, nach Belieben Strafe zu ertheilen. Klagt der Arbeiter auf sein gutes Recht, so ist sofortige Arbeits« mtziehung die Folge und Hunger ist deS Gemaßregelten hartes Laos."— Soweit haben die Weber zweifellos Recht, aber wenn fie neben der gesetzlichen Einführung eines Maximal« Arbeitstages, der Schieds« Gerichte, der Minimallöhne ein Verbot der Kinder« und Frauenarbeiten nur für die Fabriken und eine Einschränkung der mechanischen Webereien verlangen, so geben fie fich einem schweren Jrrthum hin. Gerade die hausindustrielle Beschäftt« gung der Frauen und Kinder ist die schädlichste, weil sie keine zeitlichen Schranken mehr kennt, vor Sonnenaufgang deginnt Die Maschine & heute, well e Hälfte der und bis in die Mittemacht hinein andauert. ist nichts, wa» wir zu bekämpfen hätten; macht fie das Doppelte wie der alte Handstuhl leistet,.. Weber drodlos,— so wird fie in Zukunft die Arbeit Aller um die Hälfte erleichtem. Und diese Zukunft, die dem Ar« beiter Muß« zur Theilnahme an aller Bildung und Kultur gewähren wird, diese Zukunft sollten wir selbstmörderisch ver« Nichten, indem wir ihre Grundlage, die Maschine, wieder zu- rückdrängen? Nein, nicht der Maschine gilt unser Kampf, sondem dem System, das all« Wohlthaten zum Schaden errettet haben mag, will ich das Wenige doch zusammen- halte«, nicht Ihnen«och obeneia al» Zinsen geben müssen! Ja zusammenhalte«, Ihnen zum Trotz werd' ich'«, werd' eine Stelle suchen, einen Beruf finde«, und wenn ich mich auch zu Schande« arbeite« soll, wird Keiner sich doch rühmen können, er habe dem Sohne des todtea Josua einen MitleidSpfennig gereicht! l" „Das wollten Sie?!— Wollten das Letzte zusammen- raffen? Erhalten? Wollten arbeite«, eine» reelle« Beruf wählen?!— Glaub' ich nicht! Könne» Sie ja gar nicht!"— „Ich werde Ihnen de« Beweis geben, was die Ver« zweiflung, was der feste Wille, was das Andenken meines Vaters, da» Andenke« an ein Wesen über mich vermag, daS zu heilig ist, Ihre Tochter sich zu nennen! Du aber, «ei« Gott, Du wirst mir helfe»! Erhebe mich aus dem Staube wieder und gieb mir Kraft! Soll dieser falsche Man» Recht behalten? Nein,«ein, mit sterbender Hand noch will ich ringe« in Ehre»»ach meinem täglichen Brot 1 1!" .Haben Sie denn aber dazu Schritte gethan? Wie?!" „Da- Hab' ich I" „Na, und was haben Sie den« nun für'»« Stel« lung?!' „O, ich«erde eine erhalten! Mag ich noch jso oft umsonst gehen, ich werde, mein Herr, eine» Platz finde» in der menschlichen Gesellschaft!" Na, wir werde»'« ja sehe»!— Wann wolle» Sie mir den» da« Hau? zuschreibe«?" „Morgen früh bei Lex, damit Ste doch endlich Ihr Ziel erreicht haben. Der Notar hat alle« vor« derettet I" „Gut, junger Man«, gut!— Der Alte grüßte kurz und ging.— Edmund stante ihm«ach, dann richtete er den wirre« Blick ringsum auf die Räume, in denen sei« Vater so lange gehaust, blickte hinaus in die goldige Bläue, de« flatternde» Abendwolke« nach, und seine Lippe« be- wegte» sich im Gebet!—--------- Etwa um diese Zeit saß KabinetSrath Buchmann in der Arbeiter wendet. Wollen die Weber wirklich etwas er« reichen, so mögen fie fich der Aibeiterdewegung anschließen, welche diejenige Aenderung unserer wirthschaftlichen Verfassung anstrebt, durch welche allein der Druck von den unteren Klassen genommen werden kann. Rückwärts, wie es die Weber in ihrer Petition verlangen, können wir nicht mehr, und wenn wir eS könnten, so dürfen wir doch keinen Verrath an unserer Zukunft begehm. Streben wir darum mit allen Kräften vor- wärtS! Ueber die Diätenprozesse urtbeilt die„BreSl. Morgen- zeitung": Die Entscheidungen der OderlandeSgerichte in der Dtatenfrage erregen große« Aufsehen. Eämmtltche Gerichte erster Instanz hatten zu Gunsten der Auffassung entschieden, daß daS Annehmen von Parteidiäten durch die Verfassung nicht verboten sei; sämmtliche Gerichte zwetter Instanz haben, soweit fie bisher angerufm worden find, in entgegengeletztem Sinne entschieden. Daß eine solche Massen» Verschiedenheit der Auffassungen defremdet, ist erklärlich. Die Regierung kann gar nicht ermessen, welches Unheil fie mit der Anrufung der Gerichte in dieser Frage angerichtet hat. Mit Recht demerrt ein hiefiges sehr gemäßigtes Blatt, daß nur auf dem Wege der Verfassung«. deklaration die Diätmftage, auch sowett fie fich auf die Parret« diäten bezieht, hätte erledigt werden können. WaS jetzt erreicht worden, ist lediglich eine große Verwinung der Anschauungen. ES wäre noch denkbar gewesen, daß die Regierung einen Fall herausgegriffen und diesen durch alle Instanzen diS zum Reichs« gericht hätte führen lassen. Es wäre dann wenigstens klar ge- wesen, daß eS fich lediglich um eine Prinzipienfrage handelt, während daS Einklagen an den Beträgen in neun verschiedenen Fällen einen Beigeschmack der Abficht hatte, bestimmte Abge« ordnete nun noch bestrafen zu wollen. Dabei ist es ftaglich, od da« Reichsgericht überhaupt fich mit der Sache zu befassen haben wird, da noch in keinem(?) Falle festgestellt ist, daß die Summe, um welche ei fich handelt, 1500 Mark übersteigt. Aber nicht allein die Verschiedenartigkett so vieler Urtheile erster Instanz von so vielen Urtheilen zweiter Instanz befremdet, son« dem in noch höherem Maße ist Vit« der Fall in Folge eine« Nebenumstande«. Zwischen die Entscheidungen erster und zweiter Instanz fallen jene vielbesprochenen Artikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", in denen fie fich eine Kritik der richter- lichen Entscheidung herausnahm; denn die Vermuthung läßt fich nicht abweisen, daß jene Artikel, indem fie fich in eine schwebende Frage einmischten, unwillkürlich Eindruck gemacht haben können. Ob die Abgeordneten schließlich die empfangenen Gelder zurückzahlen müssen oder nicht, ist von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Erscheinung, daß richterliche Erkennt« niffe zur Kritik herauSfordem. Kanalfrage. Unter der konservativen Partei deS Abgeordneten Hause« giebt fich eine starke Strömung gegen dm EmSkanal kund. Die Sache hat, wie der parlamentarische Korrespondent der„BreSl. Ztg." mittheilt, ihren Zusammen« bang. Für den EmSkanal tnteresstrt fich in erster Linie Herr Windthorst lebhast, durch dessen Wahlbezirk der Kanal geht, und Herr Windthorst soll mürbe gemacht werdm, die SpirttuS« steuer zu bewilligen, sonst erhält er seinen Kanal nicht. Diese Sachlage bildet den Hintergrund für die Ditkusfion im Abge« ordnetenhause. Herr Windthorst erwiderte auf diesen Versuch mit der Erklärung, daß er nicht für den Bettrag für dm Nord« Ostseekanal stimmen würde, wenn nicht gleichzeitig der Em«« kanal bewilligt werde. DaS ist parlamentarischer„Tausch« Handel", der allerdings daS Ansehm de« Parlament« nicht heben kann. Ueber die Stellung de« Zentrum« bringt die Ham« burger„Bürgerzeitung" etnm längeren Artikel, dem wir folgm- d«S entnehmm wollen: DaS preußisch- deutsche Reich bewilligt der römischen K rche alle ihre früheren Vorrechte wieder, dafür anerkennt die römische Kirche die Omnipotenz des Staates in allen weltlichm Fragm und zwingt da« parlamentarische Zmtrum zur Unterwerfung. DaS Zmttum hat von nun an zu gehorchen. Nach den Parlamentsferien wird eS nach einigem diplomatischen, Windthorst'ichen Geziere die neue Zuckersteuer« vorläge und die Konsumsteuer auf Branntwein bewilligm. WaS liegt denn daran, daß dem Volke 150 bis 200 Millionen Mark, die ja doch die Arbetter in der Hauptsache zu tragen haben, mehr aufgebürdet werden, wmn die Kirche, wenn Rom nur triumphirt?— Und Rom triumphirt I Der„Kullurkampf". den wir immer auf das Schärfste verurtheill haben» da er nicht mtt den Waffen der Aufklärung und Wissenschaft, sondern mit dem Polizetsabel seitens des Staate» geführt worden ist, ist seinem Ende nahe; die preußtsch-deutsche Regierung ist nach Kanossa gegangm— Rom bat seinen Standpunkt gewahrt. DaS Zentrum aber hat seine Arbett getban— eS kann gehen. Wenn auch noch Tradition und Reminiszenzen das katholische Volk für kurze Zeit an diese kirchlich-politische Partei fesseln, so hat dieselbe doch jegliche Bedeutung verlorm. Sie wird zerbröckeln— der größte Theil wird den Konservativen zu« J allen, der kleinere Theil den Liberalm. So ist ei auch recht. ZaS Zentrum hat der politischen Entwtckelung sehr geschadet— und wmn auch vorläufig durch die Zerbröckelung deS Zentrum« die Reaftion gestärkt wird, so wird«uf die Dauer doch Klar« hett geschafft in dem unendlichen Wirrwarr, in welchem fich seinem Zimmer und las Akte».— Kostbare Vase« und Waffe» von antiker Form zierte« die Wände. Bilder und Mappm, Oelgemälde, Aquarellen und Bronzen bezeugten seine eifrige Kunstliebhaberei. Er war augenscheinlich in höchst schwierige Fragen de« Berufs vertieft, al» der Laquai eintrat und an der Thür wartete. „Was giebt's, Günther?" „Der Trödler SchStzlein, Exzellmz, bittet um Eintritt!" „Der Trödler?— So auf einmal?— Habe keine Zeit. Soll schreib», wenn er'wa« will!" „Exzellmz, der alte Man» bittet dringmd, vorgelassm zu werden, er habe ein wichtige« Anerbieten zu machen!" „Anerbieten?!" Buchmann erhob rasch sei» Auge von der Arbeit und sann«ach. Er schien zu schwank». Dann durchmaß er das Zimmer.—„Ist der Kerl auch ei» Spitz« bube, kaufen kann ich die Stiche doch!— Er mag ei«, treten!" Schätzlei« erschi» gesenkt» Blicke». Zum erste« Mal spiegelt« sich in sein» Züge» ein« Unruhe und Amgstlich« kett. Er hatte seine sonstige Sicherhett und Schärfe ver» lor». Buchmann bettachtete ihn stumm von unten bis oben. „Nun, was woll» Sie d»» noch bei mir?" „Exzellenz, dasselbe, was Sie sonst immer bei mir ge» wollt habe». Ich komme, Ihn»— die Boisfier'sche« Radirunge« anzubiete»!" „Ei der tausend! Auf einmal?— Sonst war» Sie Ihne« so an'« Herz aewachs», daß man glaub» mußte, Sie wollt» Sie mit ms Grab nehm» 1 1" (Fortsetzung folgt.) Anlwer Theiltr. Refidenz-Theater. R. C. Vorgestern Abend war e« kein Ehrmtag für die kleine Bühne in der Blumevstraße. Man führte dort ei» französische« Schauspiel,„Die Dummköpfe" auf, und w»« jemals ein Tttel bezeichnend war für d» Inhalt eine« Stückes, so war eS diesmal der Fall.— Eine Fabel, unser politisches Leben befindet.—„Hie Welf!# Waiblingen!"— daS war allerdings kein packender und w» thümlicher Gegensatz, es war nur der Schlachtruf' gegnerisch» Herrscherhäuser. Bald aber wird klipp und» in unseren Landen der Ruf erschallen:„Hie Reaktion! 0 Freibrit!"— und zu diesem klaren gegnerischen Feldgr!» hat sicherlich dann die Beendigung deS Kulturkampfes viel% getragen. i Antisemitische Pretzleistung. DaS„Deutsche TagM daS seit Uebernahme der Abonnenten der eingeg««? „Volksstimme" wieder mehr in AnttsetiimuS machen Jfj leistet fich folgende Ungezogenheit geg» daS„Berl. Tage» „Für Herrn Jtzig Schwuhl oder Hirsch, wenn er geschäftig oder auch noch geschäftsmunter in der Dorfschänke einlebe» dott als unterrichteter Mann auftritt und das Neueste aiss» Jerusalemerstraße in Berlin denen, die eS hören wollen, W pretirt(und welcher Deutsche hörte nicht gern einem zu. schon weil er ein Jude ist), mag diese Argumentation« „Berliner Tageblatt", die nicht einmal die seiner SiW ist, als der Inbegriff aller Weisheit— d. h. Verschlageeb erschein»."— DaS ist der„deutsche Ton," auf den die% so stolz find! Das edle Antisemitenblatt stellt dem deu# Reichstag noch folgendes Zeugniß auS:„Um die W fragen, um die eS fich bandelte, die Stärkung der Sich» des Reiches und die Minderung der Unzufriedenheit der" ger desselben, ging er herum. Und da« bedeutet nicht« daß er in diesem Falle nichts wetter zu sagen wußte all' von pownnms— nein durch dieses sein Verhalt» drüchl, gewissermaßen sein Siegel— das Siegel deS Deutschen tageS auf eine Methode der Agttation und Wahlhubif und auf die� demagogische Verhetzung derM* gegen eine Regierung, ohne die daS Reich längst wieder« einandergefallen wäre, wie fie Herr Richter und Genosse� ihrer Fuselpropaganda seit Weihnachten betrei« Diese? Uttheil ist ebenso anmaßmd, wie der Stil verl« und die AuSdruckSweise gassmmäßig ist. Blau gefärbte Kunftbntter. Die„Freis. Ztg." s Im Gedränge der parlammtarischen Verhandlungen ist unS auS der Rede des konservativen Grafen Kanitz im■ ordnetenhause vom vorigen Montag eine Perle unbeachti blieben. Graf Kanitz forderte dazu auf,„um unS vor 0 butter zu schützen", die Kunstbutter blau zu färb».« Kanitz schlug noch vor, zur Verwendung der Blaufärbung Kunstbutter die Befinge oder Blaubeeren als ein unschäb» Färbemittel zu verwenden. Der Parlamentidrief der„R* bemerkt dazu:„In die Farbe, die sonst dem wolkmlosen« mel, dem bescheidenen Veilchen und dem Montag eigenthb« ist. soll daS Butterbrod gekleidet werden, welches die% folgerinnen von Weither'« Lotte in Zukunft den ihrer C» anvertrauten Kinde» zurecht machen. Der edle Graf w« zugleich das Färbemittel, durch welche» dieser Anford Genüge geleistet werd» kann; in unser» Wäldern Ä ja genug„Bestnge", wie er fich mit einem anmuthenden vinzialismus ausdrückte; der botanische Name würde rnnm myrtülns Linn, lauten. Wenn durch die Erfüllung Forderung dem Notbstande der Landwirthschaft abgeh, würde, wäre in der That ein blaueS Wunder geschehen- Wir bemerken noch, daß Graf v. Kanitz, HanS W' Alexander, MajoratSbefitzer, königl. Kammerherr, Ritt a. D. auf Podangen bei Wormdilt, gewählt ist für Pre Holland- Mohrungen. Während der Jahre 1870—77 zie al« Landrath den KreiS Sprottau. Polnische«. AuS Bromberg meldet der„Gesellige",' verschiedene Bahnbeamte, welche in den dortig» Bahnbül« und Magazinen arbeiten, ganz unerwartet die Nachricht halten Hab», daß fie mtt dem 1. Mai nach Stettin vet find. Alle diese Beamte führen polnische Namen und t katholisch. Abschlägig beschieden hat der„Köln. Ztg." zufolge Auswärtige Amt Paul Reichard'S Antrag, die Landerge in Ostafrika, über welche er HohettSrechte zu befitzen behai" unter d»tschen Schutz zu stellen. C» könne ihm einst an amtlicher Stelle nur das Recht de« VorsprungS bewah Sefichert werden, da dafür, daß er jene Länder auch zum >eil des Mutterlandes, und namenttich deS deutschen f" auszunützen und zu verwatten, sowie für eine ungehind regelmäßige Ausnutzung die erforderlichen Verwaltung! tungen zu tteffen gewillt und im Stande fei, bisher n gebracht worden sei. Petittonsrecht der Stadtverordnete«. Die bi» kenntniß des OberverwaltungSgerichtS verbot»» Anti! Petitionen der Etettiner Kommunaldehörden werden nu Beschlüsse der Stetttner Stadtverordnet» vom Don� nunmehr noch dem Reichstage mit einer motivirendm über die verspätett Einreichung zugehen. Oesterreich Ungar tt. Die wtrthschaftSpolitischm Debatten, welche fich vor 0 bei der Berathung deS Etats des Ackerbau« Mtnisteriu« österreichisch» Adaeordnetenhause abgespielt haben, be« zweierlei: einmah daß die agrarische S t r ö m u n S in Oesterreich stetig an Stärke gewonnen hat, und 1 die gewiß älter ist, al« der Ursprung de« Drama« Haupt, die wir in jeder Novelle jeder schreibsüchtige« wiederfinden, und die wtt wahrscheinlich so lange werd», wie die Feder von zarten Dam»händea{ werd» wird. Ein verschlagener Geschäftsmann, der alle zweifelhafter Geschäfte wieder in Ordnung bringt, schtf'5 sich in eine ehrbare Familie hinein, die von sich J, glaubt, daß sie vor dem Ruin steht. Er hat Kenntru?, einem Testam»t, welches der Tochter dieser Familie, deutendes Vermögen vermacht. Ganz nach dem Rezep� gewöhnlich» Kommissionäre hat er eS verstanden,», Haupt der Familie zu faule» Akti»-Einkäuf» zu verllj nachdem dieser sei» Geld in dem schwradelhafte» bringt der I die FaM'l-, FaM dem unternehmen„de« Planet" angelegt hatte, Kommissionär die Akti» zum Fall»— ruinirt. In dieser Nothlage bietet er Schwiegersohn an, er wird natürlich mtt Retter au« großer Gefahr begrüßt. Z» zu Grunde gerichtet» Biedermanne»— Machimont'fli Name— befindet fich außer der hettathsfähigea*■ j Bertha noch ei» Mündel Machimont«, ein veck Malergenie. Die beid» jung» L»te lieb» sich wahnsinnig, selbstverständlich ohne da» Jemand vo« d» Muth findet, dem Ander» seine Liebe zu S Die Hochzeit geht von Statt», die beiden schmachten fich gegeaseitig an, er fabrizirt Landft auf welchen sich ihr Porträt befindet, sie fich in stillem Schmerze. Inzwischen hat da« Mündel mtt einem auSg� Gauner eine Fabrik zur Herstellung von Männer-� socke« gegründet. Diese Fabrik reüsfirt nicht, den» �- Inhaber malt und liebt, während der andere ttügt. Der Kompagnon steht auf dem Punkte, t»i' �» meinschaftlich» Kasse� durchzubrennen, zu welch'* er sich von dem Manne Bertha« Rath und Be'i< bittet, da er dies» auf Grund kompromitttt»dek schaft» vollständig in seine Hand bekommen hat- �' lauscht bei d» Abmachungen der beid» Biederm»»™ begiebt fich in die Wohnung ihre« Geliebt», 5 % ttsd re-ch Vm Chm Der & ein« n» alte prü; Hera städl tes Frä! zwei fand lor«! p daß die österreichischen Agrarier fich durchaus die deutsche Zollgesetzgebung zum Muster nehmen wollen. In dem Verlangen nach Schutz oer landwirthschafilichen Produktion durch möglichst hohe Getreidezölle kamen Mitglieder der äußersten Linken wie Mitglieder der äußersten Rechten über- «in. Wie ein rother Faden zog fich aber durch die Debatte der Hinweis auf die agrarischen Schutzzölle in Deutschland. Bei den Verhandlungen über die Verlängerung des Zoll- und HandelsbündniffeS zwischen Oesterreich und Ungarn hat die Verdreifachung der Getreidezölle nach Deutschlands Beispiel bereits eine hervorragende Rolle gespielt. Auch die Verband- lungen über Erneuerung der Handelskonvention mit Rumänien scheinen davon beeinflußt werden zu sollen; erklärte doch ein Abgeordneter der Rechten rund heraus, daß seine Partei einer Erneuerung der Konvention nur zustimmen könne, wenn das rumänische Getreide einem Zoll in der Höhe deS deutschen unterworfen werde. Rumänien wird es unter solchen Umstän- den vorauSstchtlich seinerseits darauf anlegen, seinen Markt weit stärker als bisher gegen die deutschen und österreichischen Industrie- Erzeugnisse abzusperren, um für die Verdrängung seiner Ackerdauprodukte in Deutschland und Oesterreich Re« vanche auszuüben, und so drohm nach dem immer mehr aner- kannten Vorgehen Deutschlands begeisterte Nachahmung und erbitterte Vergeltung den handelspolitischen Krieg immer mehr verschärfen zu wollen. Fn Oesteneich- Ungarn werden in Folge deS Auftretens der Cholera in Brindist die Provenienzen auS sämmtlichen italienischen Häfen am adriatischen Meer einer fiebmtägigen ObservationS- Quarantäne unterworfen. Rußland. Die russtsche„Petersburger Zettung" will wissen, man stehe am Vo.abende großer Entschlüsse. Das eilige Bestteben Oesterreich. Ungarns, durch das Landsturmgesetz seine KriegS- ' cJU vermehren, sei ein Symptom naher Verwicklungen. Mehrere Fabrikbefitzer im Gouvernement Siedlce haben ihren deutschen Arbeitern gekündigt, weil ste Reibungen zwischen dm einheimischen und den deutschen Ar- bettern befürchten. Spelulatwe Arbeitgeber benützen die gegen- wältige Situation, um die Löhne der von ihnm beschäftigten deutschen Arbeiter herabzudrllcken. Daß diese Herren auS praktischer Rücksicht immer mehr Nachahmer finden, darf nicht erst hinzugefügt werden. Fr(tut reich. ES ist ernstlich davon die Rede, den Berichterstatter deS „Jntranfigeant" in Decazeville, Ernest Roche, welcher vor vier« zehn Tagm mit seinem Kollegm DuoOuercy verhaftet wurde und am 17. d. M. vor dem Zuchtpolizeigericht in Villafranche erscheinen sollte, zum Nachfolger deS ausscheidenden Rochefort in die Kammer zu wählen. Der„Jntranstgeant" und der „Cri du Peuple" ziehm für ihn zu Felde und sprechm verächt- lich von den übrigen Kandidaten: Paul DsroulSde, Emile Acollai und Allemane. DaS ehemalige KomitS Talain(Op- portuntsten) soll noch zwtschm dem Prästdenten der Patrioten- liga und dem Rechtegelehrten AcollaS, Veranstalter deS Friedenskongresses in Genf unter dem Kaiserreich, schwanken: daS Komitö Clemenceau ist AcollaS, welcher heute daS Amt eineS Generalinspektors der Gefängnisse bekleidet und schon deshalb von dm Jnttanfigentm angefeindet wird, entschieden Stlnstlg, während Allemane die Kommunarden und Posfibilisten ir fich hat. Die Wahl steht auf dm 2. Mai an. Man ver- muthet, ste werde an diesem Tage zu keinem Ergebniß führen und erst der zweite Wahlgang zwischen Roche und AcollaS zu mtschetden hadm. AuS Decazeville wird telegraphirt, daß die Abgeordnetm Michelin und Planteau Untenedungen mit dem Präfekten und dem StaatSanwatt hatten und die Abficht kundgaben, eine gütliche Beilegung des Streiks zu vermitteln. Als Grundlagen einer solchen dezetchneten fie die Entfernung deS Ingenieurs Blazy und die Bewilligung der früheren Löhne. Die beidm Abgeordneten kehrm heute nach Pari» zurück und werdm die Regierung ersuchen, für den Ausgleich die erste Anregung zu Seben. Andererseits hatte Hr. Blazy heute im Vorsaale der ämmer eine lange Unterredung mit dem Abg. CloviS HugueS, in welcher er seine Bereitwilligreit kundgab, seine Stellung in Decazeville zur Erleichterung deS Friedensschlusses aufzugeben. Auf sein Betreiben hat auch die Gesellschaft die früheren Löhne zugestanden. Der Pariser Abgeordnete NoeS Guyot vertheidigt in einer heute erscheinenden Schrift:„Paris ouvert", eine Idee, welche er schon als Mitglied des Gcrneinderaths eifrig verfocht: Di« Schleifungder Ringmauer, die im Falle einer Be lagerung von Paris nicht» mehr nützen würde, und die Ver wendung des zu gewinnenden BodenS für Bauplätze. Die Kriegsminister Thibaudin, Campenon und Lewa! hatten fich dem Plane geneigt gezeigt und General Boulanger soll selbst daran mitarbeiten, wie NoeS Guyot verfichert, indem er hinzu- fügt, der KriegSminister Hab« auS eigener Jnttiative einen Plan entworfen, wie die Festungswerke zwischen dem Point du Jour und der Anhöhe von Romainville niedergerissen werdm könnten. Der Verfasser der Schrift schwärmt für äst, I i '>> K- warnen. Hier wird ste von ihrem Manne überrascht. Selbst- redend schleppt er ste in das Haus ihrer Eltern zurück, hier kommt er, wo er eigentlich de» Entrüstete« und Gel, Sutten spielen will, schließlich jedoch schlecht an, ein AllerweltS- freund ist dem Gauner nachgereist und hat ihm seine« Raub abgenommen und zugleich mehrere Schriftstücke, au« welchm sich ergiebt, daß Bertha einen legalen Grund zur Scheidung bat. da ihr Mann vor mehrerm Jahre» eine entehrende Gefängnißstrafe verbüßt hat. Die beidm Liebenvm habm sich also doch noch. Es ist ganz natürlich, daß es bei einer solchm Hand. lung für d,e Künstler recht schwierig war, dem Publikum Interesse einzuflößm, man hielt jedoch«it unerschrockener Bravour bi» zum letzten Augmblick au«. Charakteristische Figuren kommen überhaupt nicht vor, und so könnm wir über die Art und Weise der Darstellung füglich auch hin- weggehen.— Das Stück ist übrigen» schon vom Repertoir abgesetzt worden. Viel zündender und lebendiger war der diesem Stück be'gezebene Einakter.Zimmer Nr. 18" von Paulo. Schöntha». Hwr treibt Munterkeit, frohe Laune ihr ausgelassene« Spie! u»d das Publikum entschädigte sich durch herzliches Lache« reichlich für die Langweiligkeit de« erstm Stückes. Tolle �erwechfelunge», sprühender Witz und eme lebmSwarme Aarakteristik zeichom das kleine, anspruchslose Stück auS. ~et 7-tchi- und Seifenfabrikant, der sich seiner junge« Frau für cinen bedeutenden Künstler autgiebt, sein Geschästtfrmnd, ei» biederer Oelhändler, den er in seiner Herzmangst zu emem große» Bildhauer macht, der von Sansibar gekomme- "f" Fremdling, der eine Frau sucht, und schließlich eine alte Liebe heiruthen muß— Alle« klappte so prompt und präzis zusammen, daß dai Publikum garnicht aus dem Lachm herauskam. Herr Worlitzsch war ganz vorzüglich, er gab den Klein !. b# auf der Eisenbahn ganz unvermuthet ein galan c**-■ euel erlebt hat, mit vieler Verve, ebenso war Fraulem�Hagen in der Rolle einer männersuchende», etwas zweifelhaften Dame recht charmant. Auch Herr v. Hoxar fand seme» Humor wieder, der ihm im erste» Stück ver- lore« gegangen zu sein schein. Fräulein Leuchtmann trug Arbeiterviertel an der Stelle der heutigen Ringmauer und >offt durch seine Darlegung die Regierung zu überzeugen, daß ie selbst eine Vorlage in diesem Sinne einbringe. Im französischen S e n e g a l g e b i« t ist, wie erst vor wenigen Tagen mitgetheilt wurde, die Lage mehr gefährdet als je. Die kleine Festung Bakel wird fich zwar gegen alle Macht deS dort aufgetauchten Mahdi behaupten können, denn ie ist in gutem Zustande und hinreichend mit Allem ver« ehen, was zur Vertheidigung erforderlich ist. Aber daS ist auch Alles- Die Besatzung hat nicht zu verhindern vermocht, daß daS große Dorf Bakel mit all seinen Waarenlagern»er- stört wurde und die ganze Gegend fich in der Gewalt deS Mahdi befindet. Der wichtigste Posten oberhalb Bakel, daS 96 Kilometer davon entfernte KayeS, entbehrt jeder ernstlichen Befestigung, ebenso alle übrigen Posten am oberen Senegal und am Niger. Sie find alle preisgegeben oder schweben wenigstens in höchster Gefahr. In Kayes lagert Material, welches mindestens 29 Millionen gekostet hat und zum Bau der Eisenbahn zwischen Senegal und Niger bestimmt war. In Bakel und den andern Posten am Senegal hat fich der Mahdi auch aller flachen Boote und kleinen Fahrzeuge bemächtigt, welche fich die Franzosen mit großen Kosten und Mühen be- schafft hatten, um den Verkehr auf dem Flusse bei ntedngem Wasserstande zu unterhalten; eS fehlt ihnen daher an Mitteln, um den Posten am oberen TKeile deS Flusses zu Hilfe zu kommen. Bis im Juli der Fluß wieder angeschwollen sein wird, um den Dampfern die Fahrt zu ermöglichen, kann aoer der Mahdi schon alle Posten zerstört haben. Die muhame- danische Bevölkerung fällt dem Mahdi immer mehr zu, je mehr Erfolge derselbe erringt. Der franzöfische Handel wird durch diese Ereignisse von bedeutenden Verlusten bedroht. DaS Seebataillon, welches jetzt nach Saint Loui» geschickt wird, ist hauptsächlich dazu destimmt, diese Stadt und deren Geb et zu schützen. Belgien. Die Regierung läßt in dem Institut für militärische Karto- graphie eine große Karte deS kirchlichen Belgiens herstellen, auf welcher das Land in Diözesen, Dekanate und Pfarreien eingetheilt ist. Zu dieser Nachricht fragt die„Reforme" bisfig: „Sollte diese neue Karte, welche der Wirklichkeit der Dinge viel besser entspricht als unsere gewöhnlichen Karten, unter dem Re- giment der Pfarrer nämlich, für die Schulen und die Staats- bc Hörden bestimmt sein!".... Die Zahl der in den Lütlicher Steinbrüchen Streikenden stieg von 1200 auf 4000. Die Regierung lehnt entschieden den persönlichen Militärdienst ab. Grohbritaunie«. ES find Verhandlungen mtt Chamberlain eröffnet, um zu erfahren, welche Modifikationen der irischen Regterungidill nothwendig sein würden, damit der Maßregel seine Unter« stlltzung gefichert werde. Es wird der stärkste Druck auf den Exmtntster ausgeübt, um ihn zu bewegen, eine Stellung der diretten Gegnerschaft gegen die Bill aufzugeben. Hiermit ge- wissermaßen im Zusammenhange soll der„Liverpool Daily Post" zufolge Mr. Chamberlain erklärt haben, daß jetzt Zugeständnisse gemacht worden seien, die, wenn st« früher gemacht wärm, seinm Rücktritt verhindert haben würden; und einige seiner intimstm Freunde behaupten, daß kein Grund vorbanden sei» weshalb er und Mr. Gladstone aetrmnt bleiben sollten. Mr. Henry Robert Brand, liberales UnterhauSmitglied für Strand und Sohn Lord HamptonS(früher Sprecher des HauseS der Gemeinen), der im letzten Ministerium Gladstone'S Surveyor« General of Ordnance gewesen, hat«S übernommen, die Verwerfung deS Antrages auf zweite Lesung der irischen Homerult Vorlage zu stellen. Spanien. Am Sonntag wurden in der Madrider Kathedrale auf den Bischof, als er eben die Palmzweige einsegnete, von einem Priester drei Schüsse aui einem Revolver abgefeuert. Der Bischof ist an den erhaltenen Verletzungen verschieden. Balkanländer. Der„Pester Lloyd" schreibt:„Von London kommt gegen- wärtig die Idee, NamenS Europas an die griechische Re» g i e r u n g ein Ultimatum zu richten. Die Zett sei gekommen, so sagt man in London, in der e» den Mächten obliegt, in einer oder der andern Art der unerttäglichen Situation im Süden der Balkan-Haibinsel ein rasches Ende zu machm. Di« Erfahrung habe gelehrt, daß freundschaftliche Mahnungen und Vorstellungen allgemeiner Art bei Herrn DelyanrnS ihres Effektes verfehlen; wenn fich aber die Mächte entschließen würden, der Regierung in Athen in der Form eineS Ultir tums einen fixen Termin vorzuschreiben, bis zu welchem ur allen Umständen die Abrüstung vollzogm sein müßte, dann wäre wohl zu erhoffen, daß der besonnene Theil der griechischen Nation fich um TrikupiS schaaren und dem Kabinet Delyanni» daS Lebenslicht ausblasen würde. Würde diese Hoffnung fich nicht erfüllen, dann wäre eS an den Mächten, der Pforte im vomhinein ihre Zustimmung zu jedem Schrttte zu ertheile« den die Regierung deS SultanS zur Zurückweisung der griechi> schen Provokationen angemessen erachtet. Mit anderen Wor wohl hin und wieder etwa« zu stark auf, auch scheine» ihre Stimmmittel nicht ganz ausreichend zu sein, im Allgemeine« zog sie sich jedoch gut auS der Affaire. Die Herren Panfa und Hoffmann machte« ihre Sache recht nett. Der Einakter gab, wie gesagt, dem Publikum seine gute Laune wieder, ohne diese« hätte da« Residenz-Theater eme» totale« Mißer folg zu verzeichne« gehabt. Ans Kunst«nd Zeven. Johann Etrautz hat am Sonntag Berlin mit dem PariS-PcterSburger Blitzzuge verlassen, um in der msfischen Metropole vier Konzerte zu dirigiren. Kur, vor seiner Abreise übersandte er mit einem äußerst verbindlichen Schreiben an Herrn Direktor Fritziche seine von Tilgner in Wien in Marmor gemeißelte Porträtbüste, welche dem Freunde gewidmet war, ferner ein großes Porträt(Brustbild in Lebensgröße), letzteres mit dem Wunsche, eS im Theater an bemerkbarer Stelle zur Erinnerung an die glanzvollen Aufführungen de«„Zigeuner. daron" zu plaziren. Da« Bild wird in den nächsten Tagen im Foyer seinen Platz eAalten._,„ Ostend-Theater. Die Aufführungen der„Loreley" wer. den am Donnerstag nochmals durch eine Extra-Vorstellung unterbrochen; an diesem Abende geht eine Komödie nach dem französtschen Melodrama von Dumanois und D'Enury, deutsch von Karl Saar,„Don Cäsar" von Bazan in Szene, die seiner Zeit am Wiener Stadttheater gerechtes Aufsehen erregte.— Vom ersten Feiertage an wird wiederum„Die Loreley" da« Repertoire deherrschen, welche für die Direktion ein Kassen- Magnet ersten Ranges geworden ist. denn seit der Vorführung der Posse„Der»ettelstudent von Berlin" find derartige an- dauemde gute Einnahmen nicht erzielt worden. „DaS lachende Berlin" erscheint von heute ab im Wal- halla- Theater mit neuen Bildern und GesangS- Einlagen aus- gestattet, hauptsächlich um den zahlreichen Freunden deS lustigen Stückes, die fich wiederbolt dasselbe ansehen, eine heitere Abwechslung zu bieten. Die neuen Einlagen bestehen auS Bildern aui den Possen„DaS Mädel ohne Geld" und „Spillike in Paris", die ihrer Zeit in Hunderten von Auf- führungen ihre zwerchfellerschüttemde Misston aufS Wirksamste erfüllten. Et« ganzes Schiff in die Lust gesprengt. Aus Odessa schreibt man dem„Wiener Tagdl." über folgende schrecklich« ten: ES soll der Türkei freie Hand gegeben werden, gegen Griechenland nach Gutdünken vorzugehen und mtt der Gewalt der Waffen die Frage zu entscheiden, die die Griechen zu ihrem eigenen Schaden aufgeworfen haben. Ob alle Mächte bereit sein würden, einem derartigen Ultimatum ich anmschließm, daS ist, wie gesagt, zur Stunde wohl noch eine offene Frage. Die Zurückhaltung, die Frankreich diesen Angelegenheiten gegenüber bisher tradttionell beobachtet, läßt kaum erwarten, daß die Pariser Regierung einer so mergischen ioerzitiv. Maßregel ihre Mitwirkung leihen würde. Anderer« eitS ist eS jedoch kaum zweifelhaft, daß, wenn die Türkei, um «r unerträglichen Lage ein Ende zu machen, den Kampf, den die Griechen suchen und provoziren, aufnimmt, keine Groß- macht die Gerechtigkeit ihrer Sache verkennen wird. Darüber dürste die Pforte wohl schon heute beruhigende Gewißheit haben, daß Europa den türkisch- griechischen Krieg nur als ein Duell ansehen und fich jeder Einmischung in dasselbe enthalten würde. Wenn die Griechen die Dinge zum Aeußeesten treiben» änn e« geschehen, daß eine oder die andere Macht, am ehesten wohl England, die Türkei direkt auffordert, zur Selbsthilfe zu greifen und fich in jeder Art ihres ungestümen Drängers zu entledigen. Mehr als einer solchen Ermunterung wird eS nicht bedürfen, die Pforte zu einer Aktion zu bewegen, auf die fie bisher nur auS Rückstcht für die Mächte verzichtet hat. Unter- dessen werdm auf türkischer wie auf griechischer Seite die Rüstungen eifrigst fortgesetzt und man varf in der That ze- pannt sein, wa« daraus werden solle und ob dasjenige, waS derzett in Athen geschieht, nicht dloS ein Vorhang ist. hinter welchem bis jetzt unfichtbare Akteure noch ganz andere Dinge vorbereitm." Die Nachricht von dem Konferenzbeschluffe bezüglich deS türkisch-bulgarischen Uebereinkommens wurde seitens der Be- völkerung mit ziemlichem Gleichmuth aufgenommen. Dieselbe ist überzeugt, daß damit die Unioniftage noch lange nicht ab- geschloffen sei und fie erblickt in der Ernennung de« Fürstm von Bulgarien zum Gmeral-Gouvemmr von Ostrumelien auf bloS fünf Jahre einm Widerspruch, der die Thatsache der Union ins Schwanken dringt. Uedrigens werden die Verhandlungen der nächsten Sobranje Gelegenheit bieten, die Ueberzeuguna der bulgarischen Bevölkerung dieS- und jenseits des Balkans zum AuS- druck zu bringen. Die Agitation in Ostrumelien entwickelt eine rührige Thatigkeit. In letzter Zeit wurdm unter Anderem Versuche gemacht, die Bürgermeister der Ortschaften im Distrikte von Tatar- Bazardschik zur Unterzeichnung einer Petition an die Mächte zu bewegen, in welcher die volle Real- Union Bulga- rienS mit Ostrumelien unter der Souveränität der Türkei, jedoch gleichzeitig unter dem Protektorate Rußlands verlangt werden sollte. Dieser Versuch ist vollständig ge- scheitert.— Der noch unter Gavril Pascha«mannte Matte von Philippopel sah fich auf Andrängen der Bevölkerung gezwungm, zu refigniren, da er eS unterlassen hatte, den Stadt- aartm von Philippopel anläßlich de» Geburtstage» des Fürstm Alexander zu illuminiren. In Serbien stehm die allgemeinen Wahlen für die Skupschtina bevor, denen das Ministerium nicht ohne Sorge entgegen steht. Dasselbe möchte gern den Schein wahren, daß die Wahlresuttate der unverfälschte Ausdruck de» VolkSwillenS find, und hat daher an die Bezirksämter ein Zirkular gerichtet, worin ste angewiesen werdm, fich jeder behördlichen Einfluß« nahm« zu enthalten. Doch traut Herr Garaschanin andererseits dem Frieden nicht und hat deshalb in demselben Zirkular den Bezirksämtern den Befehl ertheilt, keinerlei Agitation zu dulden. Wie die armen Behörden daS anstellen werden, beiden Anwei- fungm de» Ministers nachzukommen, ist schwer erfindlich. Asien. DaS Wiederaustauchen der afghanischen Frage wurde vor kurzem von der„Timei" mit dem Bemerken an« gekündigt, daß die GrenzreguIirungsarbeUm zwischen England und Rußland in Zmtralasten ins Stocken gerochen seien. Dem« gegenüber erklärt da» hochoffiziöse„Journal de St. PeterS« dourg", daß ein so komplizirte« Werk, wie eS die Herstellung einer normalen Grenze in fast ganz unerforschten und von halb wilden nomadischen Völlerschaften bewohnten Gebieten sei, mancherlei Schwierigkeiten darbieten müsse. DaS Journal konstattrt, daß beide Regierungen, welche von gleich freund» schaftlichen und versöhnlichen Gestnnungen beseelt seien, die beiderseitigen Kommissare angewiesm hätten, ihre Arbeiten fortzusetzen, ohne fich durch etwa auftauchende Metnungs- Verschiedenheiten aushalten zu lassen. Dieselben sollen beim Ausgang der Arbeiten von den Kommisfionen den beider- seitigen Regierungen unterbreitet werden. In ähnlichem Sinne meldet daS„Reutersche Bureau", daß die Grenz.AbsteckungS- arbeiten an der afghanischen Grenze ihrm Fortgang genommen hätten und diS zu einer beträchtlichen Strecke östlich von Merutschak gedtthen seim. Afrika. ES ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß ein Emissär der Aufständischen mtt FriedenSvorschlägm von Khartum unter- weg« ist. Zwischen H. D. Wolff, dem englischen Bevollmächtigten, Katastrophe, welche fich auf dem Schwarzen Meere ereignet hat: Am 31. Marz lief das Schiff„Nestalan" mit einer Ladung von 13 740 Pud(ein Pud gleich 40 Pfund) Pettoleum und 1430 Pud Benzin au« der Baku'schen Rhede ins Meer hinaus. Kaum war das Schiff einige Klafter vom Hafen weit weggefahren, als plötzlich ein schrecklicher Knall erfolgte und da« Schiff mit seiner ganzen Ladung und mtt seiner Be- mannung von dreizehn Personen in die Luft flog. Im Nu befand fich da« Meer auf einer großen Fläche in Flammen. Da« Schiff sammt Bemannung war durch die Explofion in Stücke zerrissen worden. Auaenzeugen schildern den Anblick dieser Katastrophe als einen schrecken- und grauenerregenden. DaS SchiffSdeck, die Mastbäume und die 13 Personen wurden 30 bis 40 Klafter hoch in die Luft geschleudert und fielen nur in Stücken und Fetzen in das brennende Meer zurück, in welchem fie total verbrannten. Die nächste totale Sonnenfinsterniß findet am 29. August dieses JahreS statt. Sie beginnt mtt Sonnenaufgang auf der Landenge von Panama, wandert zunächst ostwärts längs deS NordrandeS von Südamerika, bedeckt die Inseln unter dem Winde, sowie von den kleinen Anttllen die Inseln Tabago, Grenada, die Grenadinen und BarbadoeS, geht dann, ohne ein Land zu treffen, fich allmälig südlich wendend, über den Atlantischen Ozean, durschneidet Süd. Aftika in einer Linie von Benguela auf der Westseite nach Sofala auf der Ostseite und endet im südlichen Theile von Madagaskar mit Sonnenuntergang.— Die zweitnächste totale Sonnenfinsterniß findet am 18. August 1887 statt. Die Totalität nimmt ihren Anfang mit Sonnenaufgang in der Gegend des Harze«, durchzieht in einem ungefähr 150 Kilometer breiten Streifen Preußen bi« zu dessen östlicher Grenze, erreicht in TobolSk ihren nördlichsten Punv, durchschneidet den Baikalsee, die ja- panische Insel Nippon nahe bei Tokio und endet im Großen Ozean, nahe dem Wendekreise des Krebse», mit Sonnenunter- flanß6in seltenes Borkommniß ereignet« fich, wie man der »Voss. Ztg." schreibt, dieser Tage in Chatelet. Ein Schiff hatte in den Kohlenwerken von Ormont Koblen eingeladen und fuhr mit setner Ladung ab. Auf dem Schiffe befand fich der Schiffer Peeters mit seiner Frau und seinem Kinde. In der folgenden Nacht gegen 2 Uhr Morgens entzündete fich plötzlich ein schlagendes Wetter über der Kohlenmasse; alle drei Insassen deS Schiffes wurden schwer verbrannt. und Mulhtar Pascha, dem Vertrauensmann« des Sultans, herrschen große Meinungsverschiedenheiten, hauptsächlich in Be» treff der Zwangsbeisteuer zur Unterstützung der Türkei. Sir H. D. Wolff hat fich telegraphisch aus England Instruktionen erdeten. Von dem Gouverneur ist eine weitere Besprechung über denselben Gegenstand abgehalten worden. Unter den Eingeborenen herrscht große Ausregung, da daS fanatische Ge- fühl erwacht ist.— Die Regierung hat einer französischen Gesellschaft die Erlaubniß ertheilt, einen Schleppdampfer« Dienst auf dem Nil für den TranSport von Baumwolle, Getreide u. s. w. von Zentral-Eaypten nach Alexandrien her- zustellen. Die egyptische Eiscnbahnverwaltung sühlt darüber einige Unruhe, da fich ihre Einkünfte beträchtlich, vermindern müssen. Die EtaatSschulden-TilgungSkaffe beabfichtigt gegen dies übelberathene Aufgeben legstimer Einkünfte Protest einzu- legen.— Die Regierung hat zur Erforschung deS Petroleum» Distrikts 3000 Pfd. Steil, bewilligt. . Aus Kairo wird den„Daily NewS" gemeldet:„Infolge türkischer Jntriauen find sämmtliche Verbefferungspläne, welche die britischen Behörden vorgeschlagen hatten, verworfen. Die Vorschläge für die Reinigung von Kairo und für verschiedene sanitärische Reformen find über Bord geworfen worden. Die Finanzverwaltung entschuldigt die» damit, daß kein Geld dafür vorhanden sei. Für das zweifelhaste Petroleum-Projeft konnte Geld jedoch leicht gefunden werden." Amerika, Der Ausschuh deS Bundessenates der Vereinigten Etaatm, welcher die Beziehungen der Union zum Auslände zu berathen hat, wird demnächst die Frage in nähere Erwägung ziehen müssen, ob es empfehlenswerth ist, einen Kongreß sämmt« licher Republiken Amertka's zusammen zu berufm. Die Herren CurtiS und Thatcher gehörten zu dem Ausschüsse, welcher vor einiger Zeit die Handelsverhällniffe zwischen der Union und Südamerika näher zu untersuchen hatte. CurtiS wieS damals nach, daß währmd der 20 Fahre, die feit Beendigung des Bürgerkrieges verflossen find, die Vereinigten Staatm nahezu dreimal so viel von den spanisch-amerilanischen Ländern gekauft haben, alS fie dorthin verkauften» und daß jene Länder während dieser ganzen Zeit in Europa ganz die« selbm Gegenstände und Waarm einkauften, die auch Nord- amerika zu verkaufen bat. Die Angelegenheit— schreibt man der„Voss. Ztg." aus New> Kork— ist deS Nachdenkens und der Beachtung werth, vielleicht aber kommm wir in den Ver- einigten Staaten allein durch genaueres Studium der Frage der Lösung derselben näher, als durch einen Kon- greß aller amerikanischm Republiken. Immerhin mag eS nicht schaden, zu hören, waS unser« Nachbaren über diesm Punkt zu sagen haben. Vielleicht überzeugen fie unS von gewissen Dingen, die wir nicht richtig erkennen, nämlich davon, daß wir ihnen dieselben Dinge nicht zu einem ebenso billigen Preise verkaufen wollen oder können, wie fie dieselben in Europa laufen. Wir können dies aber nicht gut, so lange wir etwa 4000 Artikel mit einem so hohen VerkaufSzoll belegen, daß wir mit Europa zu konkuniren nicht im Stande find. Dies find die nothwendrgen Folgen unserer Schutzzollpolitik. AuS St. LouiS wird vom 12. d. M. gemeldet, die Streikenden, welche dadurch erbittert worden waren, daß die Vize- Marschälle ohne genügenden Gmnd geschossen und vier Per- sonm getödtet hätten, seien in das Eisenbahn-Depot in Ost- St. LouiS eingedmngen und hätten verschtedmeS Betriebs- Material in Brand gesteckt. Fünfzig Waggons und anderes Eigenthum verbrannte. Die Streikmdm widersetzten fich den Löschanstrenaungen der auS St. Louis herbeigeholten Feuer» spritzm. Weitere steben Kompagnien Miliztruppm erhielten Befehl, nach Ost-St. Louis adzugehen» um bei der Unter- drückung der Ruhestörungen behilflich zu sein. 42 Waggons mtt Bauholz beladen, mehrere Delschuppen und andere Ge« bäude find durch Feuer zerstört worden, und der Schaden be« ziffert stch auf 40000 Dollar?. Die Löschmannschaft aus St. LouiS kehrte im Lauf« der Nacht zurück, und die FeuerSbrunst wurde bald nach Tagesanbruch bewältigt» worauf Truppen an verschiedenen Punkten in dem Bahnhofe, welcher eine große Fläche einnimmt, stationirt wurden. Bei den Zusammenstößen am Freitag wurden acht Personen getödtet und vier verwun- det. Am Samstag wurden etwa zwölf Tumultuanten ver« hastet, worauf die Ruhe wieder hergestellt wurde und die Geschäfte ihren gewöhnlichen Verlauf nahmen. In El Paso wurden acht Personen vom BundeSrichter wegen Behelligung des Eigenthums der Texas-Paziffk-Eisenbahn zur Einsperrung vermthellt. Drei find des MordeS angeklagt. Kozwle»«ttd Arveitervemegung. Zu den Löhne« der Arbeiterinne«. In D r e s d e n hielt kürzlich Frau Welz in einer größeren Ardeiterinnen-Ver« sammlung einen Vortrag, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Schon oft ist es vorgekommen, daß Arbeiterinnen gesucht werden und man nach fertig gestellter Arbeit Mängel an der- selben aussetzte, um so wenig wie möglich oder gar nichts da- für zu zahlen. So ist es mir passtrt. Ich arbeitete ziemlich drei Wochen bei einem Schneider und fertigte in dieser Zeit fünf Mäntel, und was glauben Sie wohl, waS ich dafür de- kam? 1 Mark Lohn! Für 5 Mäntel! Der Prinzipal, ein gelernter Schuhmacher(Heiterkeit) hatte allerhand an der Arbeit auszusetzen, und die Ausdrücke, welche er dabei gebrauchte, kann ich hier nicht aussprechen. Nachdem ich nun diese eine Mark empfangen, schickte ich meinen Mann hin und ließ mir den rückständigen Lohn ausbittm: doch derselbe wurde mit Redensarten abgespeist und das Resuttat war, daß ich eben nicht mehr bekam, als meine schon empfangene Mark. Mir scheint, daß diese Herren darauf ausgingen, Ardeiterinnen um dm sauer verdimten Lohn zu bringen.— Noch ein anderes Beispiel: In einer Annonze des„Dresdner Anzeigers" wurden Schneiderinnen bei hohem Lohn und dauernder Beschäftigung gesucht. Weil ich nun meinen Mann unterstützen wollte,— da der Verdienst der Männer doch einmal nicht zulangt um eine Familie zu ernähren— ging ich dort hin und wurde als Maschinennäherin angenommen. Wie eS schim, war ich auS dem Regen in die Traufe gekommen. Am Sonnabend wurdm meine Kolleginnen mit 60—75 Pf. abgespeist— nebenbei gesagt hatten wir bis Abends 10 Uhr gearbeitet—. Ich wurde bis nächsten Sonnabend vertröstet. Doch damit war mein Mann nicht einverstanden; er sagte: wenn die Damen vier Tage nicht bezahlen können, dann können fie 14 Tage erst recht nicht bezahlen, und so ging er denn hin, um fich meinen Lohn auszubitten. zZch verlangte pro Tag zwei Mark, waS gewiß nicht zu viel bei der schwerm Maschinenarbeit und 13 stündiger schwerer Arbeitszeit ist. Sie erklätten meinem Mann, er habe mich falsch verstanden, dmn fie hättm einer Maschinm« Näherin noch nie mehr gegeben als eine Mark, und so mußte ich über kurz oder lang damit vorlieb nehmen. Das macht pro Stunde 7'/, Pfennige!! Fst da? nicht eine Ausbeutung ver weiblichen Arbeitskräfte? Deshalb, Mitardeiterinnm, ist es nothwendig, daß wir unS organifiren, um so gemeinsam dieser unerhörtm Ausdeutung ein„Halt" zu gebieten." Große Klage« kommen aus dem Thüringer Walde. Kaum ein Dritttheil deS Holzes, wie im vorigen Jahre, ist verlaust worden. Holzhacker und Flößer find in große Roth gerathen. Dazu ist der strenge lang andauernde Winter gekommen, so daß dadurch die jetzige ArbeitSlofigkeit um so empfindlicher die Arbeiter trifft. Die Töpfergesellen z« Halle haben einen schnellen und leichten Sieg errungen. Schon am zweiten Tage des Streiks gaben die Meister nach und bewilligten die mäßigen Forderungen der Arbeiter. So ist es«cht! Die Sandbaggerer in Breslau haben die Arbeit ein- gestellt und werden ficherlich ihre Forderungen durchsetzen. Ueber 5 Monate sind die Aermsten ohne Arbeit gewesen und nun verlangen fie einen etwas höheren Lohn, um die Schulden tilgen zu können, die fie im Laufe des Winters gemacht haben. In diesem Falle kommt es mehr auf das Publikum an, wie auf die Unternehmer. Bewilligt dasselbe einige Pfennige mehr für eine Sandfuhre, so sollen diesen Ueberschuß die Ar- briUr erhalten. Man glaubt, daß die Forderung der Arbeiter an dieser Frage nicht scheitern wird.- In Senftenbnrg in der Nied er lau sitz ist ein Arbeiterstreik auf der dortigen Briquetteifabrik wegen Lohn- erhöhung ausgebrochen. Man fleht, daß das Streik- fieoer in diesem Frühjahr fich bis in die entlegensten Orte ausbreitet. Ztgarrenarbeiterstretks find gegenwärtig in Ostcowo und Posen. Vor Zuzug wird gewarnt von den Vereinen zu Brandenburg, Rehme und Oggersheim. In Etriegau hat der Streik sein Ende noch nicht völlig erreicht, doch steht eS dort recht flau. Dahingegen haben die Zigarrenarbeiter zu Eschwege einen entscheidenden Sieg errungen. Sie verkünden den selben im„Gewerlschafter" mtt dem Ru'e:„ES lebe die Organisation!" Streik. Am 15. d. M. stellten in Helmstedt sämmtliche Arbeiter(etwa 300) der Kohlengrube Prin, Wilhelm die Arbeit ein, angeblich, weil die von ihnen verlangte Lohnerhöhung nicht bewilligt worden sei. Der größere Th:il hat die Arbeit bereits wieder aufgenommen, nachdem seitens der Direktion eineL-i» erhöhung, wenn auch nicht in der geforderten Höhe, zugcfia� worden ist. Eine Anzahl der streikenden Arbeiter ist nach% Provinz Posen, ihrer Heimath, abgereist. Die Glasmacher zu Penztg bei Görlitz haben d großer Anzahl die Arbeit eingestellt. Die Glashütten# bedeutende Vorräthe auf Lager haben, so daß man vielM die Zeit nicht für geeignet hält, den Streik zu eröffnen., , Die Zimmerleute in Köln a. Rh. oerlangen# stündige Arbeitstag;(im Ganzen soll von 6% Uhr MoKF " Uhr Abendi die Arbeitszeit dauern bei je einer HW in einer zahlreich besuchten Versammlung beschlossen, fall? Unternehmer(JnnungSmeister) fich weigerten, auf diese Forp rungen einzugehen, nach Ostern die Arbeit einzustellen. Die Streiks der Schreiner in St. Gallen und Laui«� find beendigt; eS wurde den Arbeitern der verlangte 14 und die zehnstündige Rrbettszeit gewähtt. In Basel wird n* weiter gestreikt. J Aufruf an die Tischler und Berufsgenossen Deuts? landS. Kollegen! Die Lage der hiefiaen Ti'chler ist n» immer eine sehr traurige und dieS hat dre Kollegen veranll» auch in diesem Frühjahr in eine Lohnbewegung einzutceti Wohl wissen wir, daß m den kleineren Städten der Pro» Pommern es unseren Kollegen noch trauriger als uns aber wir find der Meinung, daß eine Besserung der wirthsch« lichen Lage der Arbeiter nothwendig von den größeren Stäb« ausgehen muß. Ist es in den größeren Städten erst» geworden, dann folgt eine allmälige Besserung in den kleine« Städten von selbst. Unsere Forderung lautete ursprünglich« eine 20prozentige Erhöhung der seitherigen Akkorvpreise Festsetzung eines Minimallohnes von 15 M. pro Woche.® Meister derZ-htefigen Innung der Tischler und Stich law?« erklärten aber rundweg, daß es unmöglich sei, eine solche Ff derung zu bewilligen. In dem Antwortschreiben auf Gefach verficherten dieselben, daß auch fie das Wohl ihrer@ sellen fördern wollten und zu einer kleinen Aufbesserung W seien. Eine hierauf abgehaltene sehr zahlreich desuchte 9* sammlung beschloß nunmehr, vorläufig mit einer lOprozentiil Lohnerhöhung fich zu begnügen. Doch die Innung lehnte � diese gewiß bescheidene Forderung ab und gestand nur> einigen Posttionen eine winzige Erhöhung zu. Den Minim lohn wollen die Herren Meister nur auf 12 M. pro W» festgesetzt wissen. AlS ob man mit 12 M. in einer Stadt" Stettin eine Familie ernähren könnte! Das ist«in Kunfis welche? die Herren Meister selbst nicht fertig dringen. haben nun beschlossen, an der lOprozentlgen Erhöhung der W hcrigen Mordpreise und der Festsetzung deS MinimalloN auf 15 M. pro Woche unbedingt festzuhalten. Ferner soll � zehnstündige Arbeitszeit von jetzt ab stritt durchgeführt wer»» Wir wollen auf dem Wege partieller Streiks vorgehen f glauben so am leichtesten unser Ziel erreichen zu können. 1. April find bereits die Kollegen, welche auf geschweifte! arbeiten, vorgegangen und haben nach einigem Unterha ihre Forderungen bewilligt erhalten. Die Firma Frick u. S holz hat diese Woche unsere Forderungen ebenfalls bewii Den Zeitpunkt des Vorgehens der übrigen Kollegen werden je nach Umständen festsetzen. Soll aber daS Gelingen urch Lohnbewegung nicht vereitelt werden, so ist vor allen DlNj nothwendig. jeden Zuzug fem zu halten. Kollegen! Stettiner Tischler haben stets ihre kämpfenden Genossen anderen Städten unterstützt und ihr könnt gewiß sein, daß d« auch in Zukunft geschehen wird; darum vertrauen wir auf Euls daß Ihr unS im Falle der Roth unterstützen werdet. Von läufig bis zu weiteren Maßnahmen bitten wir nochmals, ho»« Zuzug fem! Stetttn, den 15. April 1886. Mit kollegialischevi Gruß: Die Lohnkommisston der Tischler Stettins«nd Uar gegend. Briefe ic. find z r richten an C. Müller, Stettin, Torney, Alleestraße 18, oder an Ew.il Stolz, Stettin,«M Preußen 5.__ Kriefkasten der Redaktion. A. L. Tischler. Der Vater ist nicht verpflichtet, 4? von seinem Sohne unterschlagenen Betrag zu ersetzen. � Lehrberr, gegen welchen die Unterschlagung begangen ist,*5! ein dem Vater des Lehrlings gehöriges Bett nicht# halten. Alter Abonnent. 16 Fuß. Fennftr. 45. Summa 8 M. 40 Psg. Theater. Dienstag, den 20. April. Opernhan». Johann von Lothringen, Oper in Tchanspteüians. WallenfteinS Tod. Trauerspiel in 5 Akten von Schiller. Deutsches Theater. Sin Tropfen Gift. «sllner-Theater. Ein gemachter Mann. Äesiden»- Theater. Frau Doktor. Schwank in 3 Atten.— Hierauf: Zimmer Nr. 18. Belle-Alliavee-Theater. Der Bettelstudent. Krtedrich-WilhelmftSdttsche» Theater. Der «i�alla�Theater. DaS lachmde Berlin. vettere» aus der Berliner Theateraeschtchte mtt Gesang und Tanz in einem Vorfiele und 3 Akten von Jakobson und Witten. «entral-Tbeater. Der Stabs- Trompeter. Btttori»- Theater. Wegen Amor- Proben Louisnlstädtische» Theater. Im Pfanhof. Oftend-Äheoter. Die Loreley. American- Theater. Große Spezialitäten« d-ierstellung. Theater der Retchshallev. Große Speziali- iäten-Vorstellung. Kanfnmnn't Bariete. Große Spezialitäten- KonkÄta��Große Spezialitätm-Vorstellung. Alhambra-Theater. «allnertheaterflraße 16.[1200 Dienstag, den 20. April 1886: Das Stiefkind des Original- Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinr. HafleSbring. Casimir TreSkow: Herr Haahk. Vor der Vorstellung: Gz. Ko«)krt der Hauskapeüe. '«fsa« de» Konzerr» Wochentag» 7 Uhr, der Vorstellung?'/. Uhr. Mfang de» Konzert» Sonntaa» 6 Uhr, d« Borstellun- 7 V» Uhr. Mai hoben Wochentag»«Wgkett und sind im Wssierbureau(12—1 Uhr) gratt» zu haben. Uerb. dlutscherZimelleiitc. Lokalverbaud Berlin„Nord". Heneral-Veriammlung Mittwoch, dm 21. d. M., in Schramm's Restaurant, Hochstraße 32a. Nur Mitglieder haben Zutritt._[1423 Arb.-AtpVereiil Süd-Ost Mttglieder-Nrrsirmmlnng Mittwoch, den 21. April, Abends 8V, Uhr, Wrangelstraße 9 u. 10(Urania). T.-O.: 1. Vortrag des Hm. H. Land: Die MerthschStzmeg de» Leben» in«nsere» Zeit. Diskussion. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist zahlreiches und pünttlicheS Erscheinen erwünscht. 1414]_ Der Vorstand. DMglieder-Nerfammlnng de» Centrat- kranken-«. Sterbekasse der Tischler u. s. w. Oertliche Verwaltungsstelle Berlin ß Mittwoch, dm 21. April, Abends 8V» Uhr, Andreasstraße 21 bei Keller(oberer Saal). T.'O.: 1. Statutenberathung. 2 Wahl von 4 Abgeordneten zur Generalversammlung am 16. Mai in Hamburg. 3. Wahl eines Beitrags- sammlerS. 4. Verschiedenes.— Das Mitgliedsbuch legttimirt, ohne dieses kann Keiner wählm. Zahlreiches Erscheinen ist nothwmdig. 1415]_ Der Bevollmächtigte. Arbeiter- Syirks. Verein der vofeuthaler Vorstadt. Heute! Dtmstag, den 20. April, Abends 8 Uhr, bei Kchramm, Hochstraße 32a, Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Einiges auS der Geschichte PrmßenS". 2. Diskusston. 3. Verschiedene». 4. Fragekasten.— Zahlreiches Er- scheinm der Mitglieder erwünscht. Neue Mit- aticder werden aufgenommen._[1421 14 M. 87 pf. Tellersammlung aus einer VersammlungdeS Arbeiterinpenvereins find mir durch Fräul. W a b n i tz und Frau L e u s ch n e r übergeben wordm. Ich sage hiermit allm Gebern meinen herzlichsten Dank. Hermann Seifert, Brunnenstr. 54a. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Stellmacher Berlins am Mittwch, den 21. April, Abends 8 Uhr, in Keller s Lokal, Andreassttaße Nr. 21. Ausgabe der gedruckten Minimallohntarife. 1416] Die Lohn-Kommisston. Oeffentliche Abrechnung vom Fackoerein der Metallfchranben- Fasonoreher«nd Kerufsgenossen über eingegangene Gelder während deS Streiks bei der Firma Schaal, Voß u. Co. Vom Fachverein der Former Berlins 10,00 Mark, vom Fachverein der Drechsler u. Knopf« arbetter Berlins 33,30 M, vom Fachverein der Schlosser Berlins(eine Tellersammluna) 7,90 M-, vom Fachveretn der Mechaniker, Optiker, chirur M., Gebr. Naglo 8,55 M., Kramme 2,30 M-, Schässtr u. Hauschner 13,75 M., Butzke 19,90 M-, Schäffer u. Waller 9,45 M„ Neckar u. Co. 3,10 M., Klempnerei von Cunitz 7,75 M., durch die Herren: Pritzkow 5,90 M., Aug. Müller 5,00 M., Hirsch 2,50 M., Bröker 4,70 M., G. Meyer und H. Reisner(privatim) 4,25 M.; aus den VereinSwerkstätten kamen in Summa 397,80 M. Summa 581,98 M. Wir sagen allen Gebern unfern herzlichsten Dank und werden wir stets bereit sein, in Zeiten der Bedrängniß mit ihnen zu kämpfen und un- sere Unterstützung nicht versagen.— Ersuche, da wir uns schon wieder über 3 Wochen mtt der Firma Weise, Sebastianstraße 72, im Streik definden, mir sämmtliche ausstehenden Listen so bald wie möglich zu übersenden. I. A.: Alb. Zimmermann, Zeughofftraße 10. „__ Passage 1 Tr. 9 M.- 10?. WiOCy Kaistr-Pavsra»a. WvtSK Neu! Zum ersten Male: Tyrol. *■"* Neu! Z.I.M.: iL CycluS Pari». Hertha-Reife. Karolinen-Jnseln. Eine Reise W Pf. Kinder nur 10 Pf. Abonnement. E. frdl. Schläfst, ist sogl. od. z. I.Mai zu beziehen Prinzenstr. 28, Hof 2 Tr. bei Schultz.[1419 Konifenstädtlfchrr] SeMs-vereiu„Vorwärts- General Vers ammlung, Mittwoch, den 21. April. Abends 8-/, W in Krirgrr» Kalo« Wafferthorstr. 68, Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. sßorrt« 3. Dislusfion. 4. Verschiedenes. 4. FragekaD' Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1420]_ Der Vorsta"�, Cigarren«, Spezialitäten:[tr || _>e Titania. « Rheingold ««fe La Jmportancia 'vSL Jägerltebchm.„„ ou„. -trAuferöem empfehle divers« Marken" . pro Mille 50# 50 60 60 75, 80, 90 Mk. rc. 3 g �188Ser Importen zu billigst. � Bei Abnahme von 100 Stück 4' re# Uü« IVA/ �lUU tVO gj. Billigste Bezugsquelle fürWiederverkaUm »1 J. G. H. Francke, Aleranbrinenstraße 103.__, NMs-Aitt- mi> MtHB Iohannisstr. 10. Kleine Preise.�-z Arbeitsmarkt.. i Lehrling für Steindruck sucht unt. günst. Bed. daS Ltth. Institut f.) B. Gisevius, Linkstr. 29.__ Arbeiter auf Piano- Mechanik verlangt.. öl Fischer. Manteuffelstr. 1422] Einen Schlosser, welcher auch drehen verlangt R. Spengler, Oranienstr. 8. Arbeits_____ Adreffenausgabe 9"/, Uhr Abends Vormittags. Vermitteluna geschieht unenta« an Wochentagen von o/ Sonntags von 9- Berantwortlicher Redakteur R. TrosbeiM*« Berlin. Druck und Verlag von«ax Badtag in Berlin SW« Beutbstraß« 2. Hierin eine Beilage zum Berliner Bolksblatt. ♦ 93. Dienstag» den 30 April 1886. III. 4 ZrM K Die Krbeitttoerhaltuijse in Deutschland. IL Die Lohuverhältnisse der Rindet und jugendliche» Arbeiter sind meist nur für die auf Bergwerken be- schäftigten Personen angegeben. Dieselben scheinen mit wenig Ausnahmen in ganz Deutschland gleich hoch resp. gleich niedlig zu sein. Zn den rheinisch-westsälischen Berg- werlSdistrikten ist das Lohn für Rinder auf 60—80 Pf., für jugendliche Arbeiter auf 80—120 Pf. angegeben. Aus dem Bergrevier Waldenburg in Schlesien wird berichtet, daß die Beschäftigung nur im Stücklohn stattgefunden und dasselbe zwischen 63—84 Pf. geschwankt habe. Im Frei- berger Bergrevier(Rönigreich Sachsen) wird der Wochen- verdienst für jugendliche Arbeiter auf 2.80-3.84 M., für Rinder 1,05—1,26 M. angegeben. Aus dem Bergrevier Chemnitz(in Sachsen) schreibt der Fabrikinspektor wie folgt: „Der Verdienst der jugendlichen Arbeiter in der Grube hat von 80-140 Pf.. Über Tage 60-100 Pf. für die Schicht betragen, so daß derselbe in einer Familie von starker Rinder- zahl häufig als wichtiger Faktor zu deren Ernährung zu Selten hat. Leider sind aber die Gewalt der Eltern und ie Anhänglichkeit an Eltern und Geschwister nicht so stark, um die jungen Leute an das Elternhaus zu fesseln; sie schütteln daher oft da» Joch des Gehorsams und der elterlichen Fürsorge, kaum der Schule entwachsen, ab, und gehen als sogenannte Ouartierburschen, oft m demselben Dorfe, zu fremden Leuten in Rist und Wohnung, um der freien Bewegung mehr sich hingeben zu können." In der Dxtil-Jndustrie wird der durchschnittliche Wochen- verdienst für Rmder auf 2,23 Mk., der für die j. A. auf 5,42 Mk. angegeben. Der JahreSdurchschnittSverdienst auf der vereinigten Rönigs- und Laurahütte betrug für den erwachsenen männ- lichen Arbeiter 825 M. 27 Pf., der Invaliden und jugend- liehen Arbeiter 400 Mk., der weiblichen Arbeiter 287 Mk. Die meisten der Herren Fabrik- Inspektoren berichten auch über die Tages- refp. Wochenverdienste, die in einzelnen Berufs- bezw. FabrikationSzweigen von den erwachsenen Ar- beitern erzielt wurden. Allein alle diese Feststellungen er- geben keinen festen Stützpunkt über die Beurtheilung der Lage der Arbeiter in den einzelnen Gewerben und LandeStheilen, wenn nicht zugleich die Zahl der Familienmitglieder, der Preis der Lebensmittel, Wohnung u. f. w. angegeben werden kann. So heißt es z. B. in dem Bericht des Meißener Bezirk«, daß ein erwachsener männ- licher Arbeiter wöchentlich 18—8 M., ein desgl. weiblicher 12—5.5, und ein jugendlicher Arbeiter 5—1 M. verdienten. In Maschinen- Fabriken verdienten erwachsene Arbeiter 80—6 M., in Hut-Fabriken ein erwachsener Arbeiter weiblichen Geschlecht» 12— 3 M. lieber sichtlicher sind diese An- gaben in dem Bericht für Reuß ältere Linie, in welchem genau nach Prozenten angegeben ist, wie viele von 100 Arbeiter« der mechanischen Weberei 30, 24, 21, 20 bis herab auf 8 M. per Woche verdienten. 30 M. vndienten 1, 24 M. verdienten 1,5, 21 M. verdienten 2,5, 20 M. verdienten 5, 18 M. verdienten 9, 16 M. verdienten 13, 15 M. verdienten 24, 13 M. verdienten 14, 12 M. verdienten 9, 10 M. verdienten 6, 9 M. verdienten 7, 8 M. verdienten 8 Arbeiter. Hierbei kann man wohl, ohne fehlzugreifen, annehmen, daß die höchsten Löhne, Meister, Werksührer, Aufseher zc. verdient haben. Wir halten ein Verfahren, wo die Löhne der Werkführer und anderer Fabrikbeamten mitgezählt werden, um den DurchschnittSverdienst der Arbeiter einer Fabrik fest- zustellen, für unstatthaft. Wo dies dennoch geschieht, wird Kriest rn GittM Kinkel. Mitgetheilt und kommentirt von seinem Sohne. („Frkftr. Ztg.") L Rostock— Edinburg— London(1850), (Fortsetzung.) „. 3ch breche für heute diesen Brief abermal» ab und verspare mrr die letzte Notiz über unsere Abfahrt, Adressen «m.. f"' �e« allerletzten Moment, vorausgesetzt, daß nrnbue% LA''4 aber die Feder niederlege, er- w LÄ Mor noch einmal in aller Liebe, Dich von foiw f!! �en Gerüchten nicht betrüben, noch allzu- ohne Zweifel sich bilden werden. Unsere Seefahrt ist durch tZ» weA 1'i � gesichert, als es sich irgend wün- fchen läßt, und ich vertraue dem Element der Rettung. Alfs halte Dich auch noch diese« letzten Stoß hindurch muthvoll oufrecht; wenn Du nur stark bleibst, so werden wir un» be- glückt wiedersehen. Wieviel von Güte, Aufopferung und An- strengung für uns hier am Ort aufgewendet wird, das kann -9 nun und nimmer vergelten: wenn die Norddeutschen ein- Kiffen find, so handeln sie herrlicher, großartiger, rück- MiSIoftt, als der Franke. Also bis nächster Tage; hoffent- � w» noch bis übermorgen. ib. Nov. 1850. Morgen oder übermorgen, wenn der gut wird. Meine linke Hand schließt ihr« Wunden, Wind dt« rechte mußten wir mit Höllenstein gestern und heute brennen, und sie macht sich nun auch. Abend» kann ich spazieren gehen. Man hat uns, mich zumal, mit einer wunderbaren Güte ausgestattet: Schifferhosen, ein pracht- voller Ueberzieher, als ob ich Sohn des HaufeS wäre— ta'ch Vitt Rredit,.damit ich in Pari«," sagt mein Papa, "t0U gleich ohne Sorge entgegentreten kann." Reich- lörglicher bewßcht, habe ich nie und nirgends ge- , Rheinwein, Haut Sauterne und Austern, sowie W li' r,. ,�U.8 Briefen ersehe ich, daß dessen Familie schwer bedrängt ist. Ich habe ihm den Wunsch abgelauscht, seine jüngere Schwester(15 Jahr), die Talent hat, zur Lehrerin das Publikum über die wirthfchaftliche Lage der Arbeiter geiäufcht. In England haben die Arbeiter, wo die» ge- fchchen, hiergegen ganz ernsthaft remonstrirt, und zwar ganz mit Recht. Daß dieses Verfahren ungehörig ist, geht auch schon daraus hervor, daß man sonst geschäftsmäßig die Ge- hälter aller der Lerne, welche nicht produktiv thätig sind, fondern nur den Bettieb leiten, beaufsichtigen, oder Bureaudienste thun, zu den Handlungsunkosten rechnet und auch so bucht. ES wäre sehr zu wünschen, daß die deutschen Fabrikinspcktoren die» bei eventuellen Lohnstätistiken berücksichtigen und angeben, ob der Verdienst der Werkführer, Aufseher!C. bei Ermittelung de« DurchschnittSverdienste» der Arbeiter eingerechnet ist, oder nicht..„ In Baden wird der DurchschnittSverdienst der Maschivenbau-Gesellschast zu RarlSruhe pro Ropf der Ar- beiter auf 967 M. angegeben. In einer anderen Fabrik — nähere Bezeichnung fehlt— betrug derselbe 556 M. pro Ropf. Der Fabrikinfpektor für Ober-Bayer« behält sich die Berichterstattung betreff« der Lohnsätze für da» folgende Jahr vor,„da dieser Gegenstand nicht in Rürze abgethan werden kann und die AibeitSzeite« und Löhne in den verschiedenen Industriezweigen und LandeStheilen oft beträchtlich schwanken. Ein Vergleichen der Löhne darf selbst- verständlich nur im Zusammenhalt mit der Arbeitszeit stattfinden und würde andernfalls keinen Anspruch auf Interesse haben. Der Fabrik-Jnspektor für den Regierungsbezirk Düsseldorf hat dem Rapitel über die Ver- diensteinnahme und der nothwendigen Ausgabe große Auf- merksamkeit gewidmet. Er hat den Leben smitielverbrauch nebst WohnungSmiethe einer Arbeiterfamilie im Winter in einer Woche zusammengestellt und e« stellt sich demnach der Geldbedarf für eine Familie von fünf Röpsen auf dem Lande auf 20,48 M., und einer solchen von 8 Röpsen in der Stadt auf 22,08 M., wobei wöchentlich nur zwei Mal Fleisch zur MlttagSkost in Berechnung gebracht ist. Indem der Herr aber weiter auch noch die Ausgaben für die«oth- wendigen Rleider und Schuhe aufgezählt hat, kommt er zu dem Schluß, daß ein durchschnittlicher Tagesverdienst von 3 M. 50 Pf. vothwendig ist, um die so gering angesetzten Bedürfnisse einer Arbeiterfamilie befriedigen zu können. rn siultatt, des der Die bereits auszugsweise mitaetheille Zirkularverfügung Ministers deS Innern in Bezug auf daS Verhalten ... Behörden bei Arbeitseinstellungen lautet vollständig wie folgt: „._ Berlin, den 11. April 1886. E» ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß in der nächsten Zeil auf dem Gebiete der inländischen Industrie und Gewerbethätigkeit mehr oder weniger umfassende ArbeitSein- stellungen auftreten werden. Der gesetzlich bestehen- den Koalitionsfreiheit gegenüber ist zwar jede» un- mittelbare oder mittelbare Einschreiten der Polizeibehörden in solchen Fällen ausgeschloffen und die letzteren müssen fich jeglicher Maßregel sorgfältig enthalten, welche als eine Parteinahme der obrigkeit- lichen Gewalt für die Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer oder umgekehrt erscheinen könnte. Ist aber hiermit nach der einen Seite die Grenzlinie fest gezeichnet, über welche hinaus die Polizei ihre Thätig- keit bei Arbeitseinstellungen nicht erstrecken darf, so gebietet auf der anderen Seite die Pflicht zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung, streng darüber zu wachen, daß der Lohnkampf ausschließlich. auf friedlichem Wege und mit gesetzlichen Waffen zum Aus- u. f. w. ausgebildet zu sehen. Lerne da« Mädchen, sobald Du Zeit hast, kennen, und berichte mir über sie. Du theilst mit mir da« Gefühl, daß hier eine immense Verpflichtung auf un« liegt. sofort nach Empfang diese« Briefe« schreibe mir nach London unter Rouvert, Adresse Herrn Rarl Schurz, C. I. Hambro und Sohn, BanquierS, London. Darin schreibst Du un» Strodrmann's Adresse in Pari». Sodann einen Brief unter Rouvert, Adresse: Dr. Heribert Jüssen, Hotel du Nord, restante, Paris; auch hierin wieder Strödt- mann'» Adresse. Gruß an die Eltern, Rüsse an die Rinder. Ich liebe Dich grenzenlos, leidenschaftlich. Dein Gottfried. Im Moment der Abfahrt(Sonntag früh 17. Nov.); der Wind ist günstig, in zwei Stunden schaukelt un» die Fluth. Thalatta, Thalatta! Die kleine oder die große Johanna soll mir ein Paar Strumpfbänder stricken. Lebewohl." � Noch am gleichen Tage ging ein Brief an Rarl Schurz' Eltern ab; er lautet: „An der See, im November. Ja, es ist wahr; Rarl (Schurz) hat eine Treue bewiesen an mir, die ich ihm selber schwerlich jemals abverdienen kann. Sein Muth, feine Aus- bauet und Rlugheit haben ein Wunderwerk vollendet, und ich verdanke ihm im vollen Sinne die Rettung meine» Leben«, da« bei einer so harten Behandlung täglich mehr in Gefahr kam. Auf wa« für Art dies Alle« geschehen und wie wunderbar e« bisher gelungen ist, daS kann und darf ich Ihnen heute noch nicht schriftlich erzählen..... Was mich betrifft, so ist Rarl noch gerade zur rechten Zeit ge- kommen, denn noch befinde ich mich ganz gesund und meine Getreuen in Bonn würden auch bald merken, wenn sie mich mit Rarl reden und spaßen hörten, daß ich daS fröhliche rheinische Herz in der harten Einsamkeit noch immer nicht verloren habe. Sagen Sie das allen denen, die in Bonn und in der Umgegend unserer alten schönen Fahne treu ge- blieben sind; sagen Sie e« ihnen, daß ich noch der Alte bin und e« zu bleiben gedenke, bis ich für all' die Liebe, Theilnahme und Treue, welche so viele wackere Männer auf mich während meines Leidens gewandt haben, dadurch danken kann, daß ich alle meine Rräfte in den Dienst im Weigerungsfälle fie denselben und auch au* die rein wirthschaftltchen können aber unter Um- trage gelangt. In dem von der einen oder anderen Seite ausgehenden Versuche, anläßlich dtt auf dem Gebiete der Lohnbewegung entstehenden Stretligleiten den legalen Boden zu verlassm, muß daher nachdrücklich und mit allen gesetzlichen Mitteln entgegen getreten werden. CS gilt dieses nicht nur von allen denjenigen Fällen, in welchen es fich um Unter» nebmungen handelt, die sich unmittelbar alS Verfehlungen gegen die§§ 122—125 und 140 deS Strafgesetzbuches darstellen, und wo da« hindernde Einschreiten der Polizei beziehentlich die demnächstige Herbeiführung der gerichtlichen Bestrafung ohnehin fich von selbst versteht. In derMitte zwischen derartigen nach den Strafgesetzen zu ahndenden Delikten und der erlaubten Ausübung de» Koalitionsrechtes liegen aber nach den seither ge- machten Erfahrungen Ausschreitungen, welche, ohne gerade mit Nothwendiakett unter den Begriff von Straflhaten zu fallen, doch den Charakter der widerrechllichen Gewaltsamkeit in dem Grade an fich tragen, daß die Poliz»i vollen Anlaß und Beruf hat, fich ihnen auf Anrufen der durch sie Beschäviglen thatkräftig entgegenzustellen. Namentlich kommen in dieser Beziehung in Betracht oie bei Arbeitseinstellungen auf der Sette der Arbeit r häufig hervortretenden Bestrebungen, den Arbeitgebern die Aufnahme und Durchhallung deS Kampfes dadurch unmöglich zu machen, daß durch alle Mittel derUeberredung, Verführung und unter Umständen sogar der E i n s ch ü ch t e- r u n g versucht wird, solche einheimische Arbeiter, welche als Ersatz für die durch die Arbeitseinstellung entstandenen Lücken einzutreten bereit sind, oder solche, die auS anderen Orten her- angezogen werden, von der Erfüllung ihrer freiwillig einge- aangenen vertragsmäßigen Verpflichtungen abzuhalten. ES ist beobachtet worden, daß auf den Bahnhöfen beim Ein- treffen der fremde Arbeiter herbeiführenden Eisenbahnzüge der- artige Agitationen in größtem Umfange betrieben werden, wo» bei nicht selten mit einer zur Belästigung und Beunruhigung der Zuziehenden gereichenden Zudringlichkeit verfahren wird. Ebenso findet in vielen Fällen eine Belästigung und Verhöhnung des bei der Arbeit verbliebenen TheileS der Ardeiter durch dle Feiernden auf den Arbeitsstellen oder in deren Nähe statt. Die Polizei hat das Recht und die Pflicht, bei den geschilderten und ähnliche« Ausschreitungen dem betroffenen Theile Schutz und Beistand zu gewähren. Sie wird nicht über ihre gesetzliche Befugniß htnauSgreifen, wenn fie in solchen Fällen den Feiernden daS Betreten der detreffenden Oertlichkeilen untersagt beziehentlich unter Anwendung von Zwang aus deren nächster Umgebung entfernt. Ungleich verHSngnißvoller wie Wirlungen der AlbeitSeinstellungen................ ständen ihre politischen Folgen sein, wenn die sozi aide mo- k r a t i s ch e, auf den Umsturz der bestehenden Staat»- und Gesellschaftsordnung ausgehende Agitation fich ihrer bemächtigt, Den Führern dieser revolutionären Bewegung pflegt der Lohn- kämpf nicht Mittel zur Erreichung eines bestimmten an und für fich legitimen Erfolges, z. B. einer Lohnerhöhung oder einer Verkürzung der Arbeitszeit, zu sein, sondern er ist ihnen Selbstzweck, insofern eS ihnen lediglich darauf ankommt, die nach ihren falschen Theoremen mit Natmnothwendigkeit au« der heutigen Form de» ArbeiterverhältntffeS fich ergebende Kluft zwischen Arbettgebern und Arbeitnehmern zu einer unüberdrück- baren zu erweitern, in den letzteren den Haß gegen die Ge- sammtheit unserer politischm und gesellschaftlichen Zustände anzufachen und zu unterhalten, und so die Gemü'.her der ihren Verführungskünsten anheimgefallenen Arbeitermassen allmälig auf einen gewaltsamen Losdruch vorzubereiten. Welche Gefahren auS einer solchen Agitation für den Bestand unseres gesammten Kulturlebens und der Voltswohfahrt erwachsen also anzunehmen ist. daß fie durch die sozialdemokrattsche Agi- tation angestiftet find, oder auch in ihrem weiteren Fortaan« der Lettung derselben verfallen, die somit ihren wirthschaftlichen Charakter abstreifen und einen revolutionären annehmen, der sorgfältigsten Uederwachung von Seiten der Organe der Staats- aewalt dedürfen. In dem Augenblicke, wo durch Thatsachen jene den Umsturzbestredungen de» Vaterlandes stelle. Es war eine im Leben einiige Minute, als nun Alle» gelungen war, als er zuerst auf der freien Straße mich umarmte, als ich dann nach anderthalb Jahren der Qual an feine Brust gelehnt, in die rettende Nacht hineinfuhr und zwischen dunkeln mecklenburgische» Fichtenwipfeln der Morgen un« Glücklichen herauf leuchtete: Der Freiheit, der Thätigkeit, der geliebten Frau und de» lebhaften Kindern wieder geschenkt, grenzenlosem Elend ent- flohen, werde ich erst— wenn volle Sicherheit in England mich umgiebt und die ganze Ruhe in mein Gemllth einzieht — vollständig durchempfinben, wie viel ich der Treue meiner Partei und vor Allem der meine« Freunde« schuldig ge» worden bin. Ich glaube auch, daß er damit gar vielen, vielen Menschen außerdem Freude gemacht hat, denn auch außer den Demokraten haben noch viele mir ihr Herz innig zugewandt, welche von einer so harten Behandlung empört waren, und diese Alle werden ei Karl nicht vergessen, wa« er an mir gethan hat." Ueber die Abfahrt von Rostock hat Moritz Wigger« in anziehender Weise in der Gartenlaube(Jahrg. 1863, S. 154 f.) Bericht erstattet. Noch war eine große Gefahr zu bestehen. Es existirte die Vorschrift, daß jede« Schiff, welche» den Sund passtrte, in Helsingör oder Kopenhagen anlege« mußte. Wäre mein Vater etwa bei Untersuchung des Schiffe» von den dänifchm Beamten entdeckt worden, so hätte er, da ein konservative« Ministerium in Dänemark am Ruder war, vielleicht die Au»- lieferung an Preußen gewärtigen müssen. Man zog den Kapitän Niemann in'« Geheimmß und ersuchte ihn, direkt durch den Sund zu fahren, ohne sich um Kopenhagen zu kümmern. Er schüttelte den Kopf, versprach aber, die Fahrt so einzurichten, daß man dm Sund i« tiefer Nacht passirte.„Werde ich von Kopenhagen aus bemerkt und falutirt, so muß ich anlegen; im entgegengesetzten Falle segle ich ohne Umstände weiter." DaS wunder- bar« Glück meine« Vater« bewährte sich auch hier. I« der betreffenden Nacht(19/20. Nov.) war der Nebel so dicht, daß das Schiff von Kopenhaam aus nicht bemerkt wurde; man war nach menschlichem Ermessen gerettet. Am letzten November erschimen die Flüchtlinge auf der Rhede von Leith bei Evinburg. (Fortsetzung folgt.) dienende Tendenz bet einer ArbeitSeinstel» lung zu Tage tritt» wird auch die Nothwendtgkeit ge« geben setn, gegen die mit ibr zusammenbangenden üffenUichen Kundgebungen auf dem Gebiete der Presse, sowie des Vereins» und Versammlungswesens die Vorschriften deS Gesetzes gegen die gemeingefähilichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oltover 1878 mit dersel! mit derselben Strenge'in Anwendung zu bringen, wie gegen jene Bestredun- gen überhaup. Insbesondere wird nach Befinden der Umstände in den- jenigen Bezirken, innerhalb deren die im§ 28 des obenangeführten Gesetzes vorgesehenen außerordentlichen Maßregeln inWirksamkeit gesetzt find, von letzteren auch gegen F ü h r e r von Streilbewe- gungen Gebrauch zu machen sein, sobalv die Behörde die be- gründete Ueberzeugung gewinnt, daß von diesen Personen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherhett oder Ordnung zu be- ��Unberührt durch die gegenwärtige Verfügung bleibt nolür« lich das Recht und die Pflicht des Verwaltungschefs deS betreffenden Bezirks, im Falle eines durch Arbeitseinstellungen veranlaßt«» Aufruhrs sofort bei dem obersten Militär» defehlShader die Erklärung deS Belagerungszustandes in Gimaßheit des Gesetzes vom 4. Juni 1851(Ges.-S. S. 451) zu deantragen..„_,, Ew. hochwohlgedoren ersuche ich ergebenst, die offent- lichen Zustände des Ihnen untergebenen Bezirks auf dem oben besprochenen Gebiete fortgesetzt sorgfältig zu beobachten, eintretenden Falls nach den in diesem Erlaffe angedeuteten Gefichtspunkten ungesäumt die erforderlichen Maßregeln zu er- greifen und mir von denselben Mittheilung zu machen. Kommunales. Die Zahl der Handwerks- Lehrlinge, welche im No- vember 1885 bei den zehn städtischen elementaren Fortbilvungs» schulen, der Fortbildungsschule des Berliner Handwerker- Vereins, den drei städtischen FortbildungSanstalten, der Hand- "chule und den Fachschulen einge- werkerschule, der Baugewerkschule tragen waren, betrug 6288.,„ Dem GeWerks» Krauken- Verein gehörten im Oktober 1885 186 584, im November 189 963 und im Dezember 1885 189 412 Personen an. Der Verbrauch von Arzeneikosten be- ziffert fich im Oktober 1885 auf 25900 50 M., im November aus 28794.02 M. und im Dezember 1885 auf 30 925,12 M.; in Summa für das Vierteljahr Oltober— Dezember 1885 auf 85 619,64 M. Von 75 Gewerkiärzten wurden behandelt im Okweer 9542, im November 14948 und im Dezember 1885 11 894 Personen. w. Ewem Berichte der städtischen Straßtureinigung»- Deputatton über die durch die strenge Kälte im Februar und durch die starken Schneefälle im Marz d- I. nothwendig ge- wordenrn besondere Äufräumungsarbeiten und die dadurch ent> standenen Kosten entnehmen wir folgendes: Die während des Winters 1885/86 geleisteter, Schneefuhren betrugen im Ganzen 155 397,(davon im Ntärz 68933 Fuhren), die Gesammtkosten, welche während des Winters 1885/86 durch Schneeabfuhr und durch Hilfsarbeiter entstanden find, detrugen zusammen 389 888 M. und zwar für Hilfsarbeiter 97 793,50 M. und für Abfuhr 292 086,50 M. Der Monat Mär, allein erforderte für Hilfsarbeiter die Summe von 51 096 M. und für Abfuhr 129 118,50 M., zusammen also 180 214,50 M. Zu Armeuunterstütznngizwt cken find bei der Haupt- Stistungikaffe im Monat März v. I, eingegangen: An 33er- mächtr iffen und Geschenken 10 370,20 M., auS Kvllelten- geldern 1255,50 M., aus schtedSmännischen Vergleichen, Zessionen rc. 821,08 IB., in Summa: 12 446,78 M. In der städtischen Waisenpflege befanden fich am 1. April 1886; 1. Im Waisen-Depot 44 Knaben. 56 Mädchen; 2. in der Waisen-Anstalt in Rummelsburg 446 Knaben, 33 Mädch-n: 3. in der hiefigen Pflege 949 Knaben, 1083 Mädchen; 4. in dir auswärtigen Pflege 1024 Knaben, 1049 Mädchen; 5. in Krankenhäusern 18 Knaben, 28 Mädchen. Zusammen 2481 Knaben, 2249 Mädchen— 4730 Kinder.— Aufgenommen wurden im Vierteljahr Januar— März 1886: 486 Kinder und zwar 445 Haus- und 51 Kostkinder. Dagegen schieden in demselben Zeitraum aus und kamen 1. zu den An- äehüiigen 112; 2. in unentgeltliche Pflege 17; 3. zu fremden lommunen 16; 4. gestorben find 79 Kinder, zusammen 224 Kinder, so daß fich die Kinderzahl um 262 vermehrt hat.— In Zwangserziehung waren am I d. I. 326 Kinder.(252 Knaben, 74 Mädchen.) I« den öffentlichen Schlachthäusern des städtischen Zentral Schlachthofes find im Vierteljahr Januar-Mar, ge- schlachtet worden: 27 077 Rinder, 19 541 Kälber, 42 603 Schafe, 76 918 Schweine. Zusammen 166 139 Thiere. Von den letz eren find zur menjchlichen Nahrung ungeeignet befunden und deswegen zurückgewiesen und beanstandet worden: 96 Rinder. 21 Kälber, 19 Schafe, 1033 Schweine.— Zusammen 1169 Thiere.— An einzelnen Theilen und Organen find zurückgewiesen und beanstandet worden: Von Rindern 4642, von Kälbern 4, von Sckafen 1210, von Schweinen 3824. Zusammen 9680 Theile und Organe. fokale». rinzipal ist entschieden der Befitzer einer Piano-Mechanik-Fabrit in der Blumenstraße. Vor einigen Wochen hatte dieser Herr seinen Geburtstag und eS wurde auf Anregung einiger Arbeiter und Arbeiterinnen eine Sammlung zu einem Geschenk veranstaltet, welches ihm zu seinem Geburts- tage überreicht werden sollte. Der Herr nahm daS Geschenk denn auch mit einigen Worten deS Dankes an. Am Sonntag, den 11. d. M. wurde von Seiten des Prinzipals ein Fest'ur t-ier der Fertigstellung der 5000 Piano-Mechanik veranstaltet. m der Feier etwas mehr Glanz zu geben und dem Prinzipal ein Geschenk zu überreichen, wurde wir verum unter dem Per- sonal eine Sammlung in Szene gesetzt, welche fich auf 1 Mark pro Mädchen belief.(Dieser Herr Prinzipal scdeint in Bezug daS Annehmen von Geschenken recht liebenswürdiger Natur zu setn.) Jedenfalls ist die Hergäbe einer Mark eine recht re- spektable Leistung für eine Arbeiterin, welche während der ganzen Woche 6—11 Mark verdient, wofür diese Mädchen sehr angestrengt arbeiten müffen. Außerdem ist die Disziplin in der Fabrik eine überaus strenge. Denn untersteht fich eine Arbeiterin, zur andem auch nur in geschäftlicher Beziehung einige Worte zu sprechen, so werden derselben am Sonn- abend 20 Pfennig Strafgeld in Abzug gebracht. ES kommt aber auch häufig vor, daß ein Mädchen 40 bis 60 Pfennige Strafe zu entrichten hat. ÄlS nun am Mittwoch die Arbeiter und Arbeiterinnen über den Verlauf des Festes einige Worte sprachen, war eS dem Prinzipal, welchem diese Worte hinter- bracht wurden, nicht recht und er entließ sofort 2 Mädchen auS der Arbeit. Zu den anderm äußerte er ungefähr folgendes: „Das sage ich Euch, von wem ich noch einmal ein Wort sprechen sehe oder höre, der zahlt das erste Mal 40 Pf., das zweite Mal 60 Pf. und daS dritte Mal erfolgt Entlassung, denn ich brauche keinem Ardeiter nachzulaufen. Es giebt hundert andere, fie laufen mir fast das Haus ein, und machen Sie fich darauf gefaßt, am Sonnabend werfe ich noch mehr hinaus! — Dieser dankare Prinzipal hat nun einige Geschenke von seinen Arbeitern in seiner Wohnung res». Komtoir, sollte ihm beim Anblick dieser Andenken nicht die Frage aufsteigen: wie viel Tropfen des sauren Schweißes daran hängen?— Es scheint, als ob dem Prinzipal dieser Gedanke auch gekommen ist, denn er hat die Entlassenen am Freitag wieder ange» nommen. Das warme FrühlingSwetter am aestrigen Palmsonn- tage hatte viele Tausende der Berliner Bevölkerung in die Umgegend hinauSgelockt. Der Zudrang zu den Pferdedahn- wagen war kaum zu bewältigen. Später am Nachmittage trat das recht« Aprtlwetter ein, das mit warmem Sonnenschein und leichten Regenschauern abwechselte; der Abend war aber wieder bis 10 Uhr sommerlich schön, worauf dann wieder Regen folgte. In großer Gefahr vom Blitz erschlagen zu weiden, befanden fich viele Berliner Ausflügker in Tegel. ES war Nachmittags 5 Uhr, als man im schönsten Wetter den herrlichen Park durch- wanderte. Plötzlich vernahm man aus heiterem Himmel einen schwachen Donner, der aber von den Besuchern nicht weiter be- achtet wurde. Wenige Minuten aber darauf blitzte es wieder und unter furchtbarem Krachen fuhr der elektrische Funken an einem dicht am Wege zwischen Dampfmühle und Schloß stehen» den Riesenbaume herunter, denselben vollständig zersplitternd. Von den Passanten in unmittelbarer Näh« sanken mehrere de- täubt zu Boden und fühlten ihre Glieder wie gelähmt, waS aber wohl mehr der Eindruck des Schreckens, als eine Folge willlicher Beschädigung war. DaS von dem Kachverein der Berliner Etuckaleure veranstaltete Matinee zum Besten der Wittwe und ihrer fieben unmündigen Kinder deS verstorbenen Kollegen Steltzer, welches am Sonntag, den, den 13. d. M. früh 11 Uhr in Kaufmann's Variete statttfinden sollte, ist noch in letzter Stunde polizeilich verboten worden, und zwar, wie das Polizei-Pcäfidium mittheilte, auS dem Grunde, weil die Matinee in die Char- woche fällt. Der Journalist, welcher noch nicht vor Gericht gestanden, hat noch keine Ahnung von„seines nichts durchbohrendem Gefühle". Er hat vor dem richtigen Verbrecher nichts voraus. Derselbe Gerichtshof, welcher soeben ein halbes Dutzend Ver- brecher abgeurthetlt hat, urtheilt auch über ihn. Wartend steht er auf dem Flur des Kriminalgerichts, bis man ihm einen Verbrecher vorüberführt, der wegen unfittlicher Handlungen mit einem kleinen Kinde zu IV-jährigem Zuchthaus veruitheilt ist. Dann umwühlen ihn die Zeugen» welche fich gegenseitig vor- werfen, falsch geschworen zu haben. Jetzt kommt eine in Sträflingskleidern steckende Frau an die Reihe. Sie fällt im GerichtSsaale in Ohnmacht und wird hinausgetragen. Hinter derselben Barre nimmt er jetzt Platz. Er wird daS Gefühl nicht los, daß er mit Verbrechern in einer Reihe rangirt. Und was ist sein Verbrechen? Er hat einen alten, vorhandenen Uedel- stand geschildert und Vorschlägt zu seiner Abhilfe daran ge» knüpft. Er glaubt, damit ein guteS Werk gethan zu haben, denn von allen Seiten ist man in ihn gedrungen, das Thema zu, deHandeln. Mit Emst und mit der größten Vorficht, um Niemand zu verletzen, hat er es gethan. Ader der Staatsan- walt belehrt ihn eines Anderen. Ihn hat nur die Tendenz geleitet, damit einen sensationellen Effekt zu erzielen. Und seine sorgsamen Erkundigungen, ob etwa eine Person fich ver- letzt fühlen könnte, find nur ein Beweis seiner Furcht vor Strafe. Seine Schilderung ist richtig, aber der Präfident be- lehrt ihn, daß er die Uebelstände der betreffenden Behörde in einer Eingabe hätte darstellen müffen. Nachdem der Jour- nalist daS erste Mal vor Gericht gestanden, sagt er fich, ei sei «in süßer Wahn gewesen, wenn er geglaubt, er habe ein Recht, zu existiren. Sechs Revolverschüsse erschreckten in der Nacht zum Sonntag die Bewohner der Skalitzerstraße, in der Nähe der Wienerstraße. Da eine blutige That oder dergleichen nicht bekannt geworden ist so läßt fich nur annehmen, daß grober Unfug vorliegt und ein Individuum jene Schüsse aus„Ulk" auf der Straße abgefeuert hat. Durch ein ganz ruchloses Bubenstück zog fich gestern Abend der Tanzmeister eines TanzsalonS in der Mariannen- straße schwere Brandwunden im Geficht zu, die seine sofortige Ueberführung nach dem Krankenhause Bethanien erforderlich machten. Ein Gast hatte den Gasarm in der Retirade deS Etablissements abgebrochen und fich sodann um die Folgen nicht weiter gekümmett. AlS bald darauf der Tanzmeister diesen Ort betrat, der dunkel war, wollte er ein Streichholz anstecken, als in demselben Augenblick das ausgeströmte Gas entflammte und dem BedauernSwerthen daS Geficht in ent- setzlicher Weis« verbrannte. Der Urheber deS Unglücks ist er- mittest. Nicht weniger alS drei Ueberfälle, darunter einer, der den Tod des Betreffenden zur Folge haben dürfte, werden uns auS der Nacht zum Sonntag gemeldet. Der erste betrifft den Metallarbeiter Greschner, Manteuffelstraße 50 wohnhaft, welcher gegen 12 Uhr Nachts am Kottbuser Damm von mehreren rauflustigen Gesellen überfallen und in der rohcsten Weise mit Messerstichen traktirt wurde. Bei dem Unglücklichen, der nach der Sanitätswache in der Adalbertstrnßr gebracht wurde, zählte man nicht weniger als fieben Messerstiche auf der Brust und dem Rücken und zwei Messerstiche im Kopf. Nach An- legung der erforderlichen Verbände wurde G. nach dem Kran- Hause Bethanien übersührt. Die Erschöpfung deS G. war in Folge deS starken Blutverlustes eine so große, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. ES ist gelungen, mehrere der Messerhelden festzunehmen.— An der SchillinMSdrücke fanden nächtliche Paffanten bewußtlos an der Erde liegend einen Mann, in dem später der Schuhmacher Wustmann ermittelt wurde. Derselbe hatte zwei nicht unerhebliche Kopfwunden, die dem W. von einem ganz anständig gekleideten Menschen zugefügt worden waren. Nachdem ihm ein Heilgehilfe die er- forderliche Hilfe geleistet halte, wurde W. nach setner Wohnung gebracht. Im dritten Falle erhielt ein Mann in der Naunyn« straße einen so wuchtigen Schlag mit einem harten Instrument tnS Gestcht, daß ihm daS Nasenbein vollständig zertrümmert wurde. Et« Schwindler auf Velozipeden ist den hiefigen Rad- fahrer- Vereinen stgnalifirt worden. Derselbe giebt fich als Student aus(seine Schmisse im Geficht könnten wenigstens eine Gewähr hierfür abgelegen), ist elegant gekleidet, von an- genehmem Aeußern und besucht diejenigen Personen, welche den Verkauf eines VelozipedS annonzirt haben. Er untersucht die Maschin« nach richtig fachmännischer Art, ist ein ausge- zeichnete! Fahrer und, nachdem er fich mit dem Kauf und dem geforderten Preis einoestandcn erklärt hat, macht er«loch zur Bedingung, mit dem Veloziped eine Straßenfahlt anstellen zu dürfen, was ihm auch in jedem Falle gewährt worden ist. Er desteigt die Maschine, saust davon und— Roß und Reiter sah man nie- malS wieder. MU Rücksicht darauf, daß der Preis eines zwei- oder dreiräderigen VelozipedS 300—500 M. deträgt und, wenn eS gebraucht, immer noch 200— 300>M. werth ist, so lohnt fich schon«in derartiges Gaunergeschäft. Der Betrüger prellt aber auch noch die Gastwirthe, wo er Logis genommen hat, denn er hat hier die Zeche nicht dezahll und ist und bleibt mit dem Veloziped verschwunden. Auch ein Kunstkritiker. Durch einen etwaS ungewöhn- lichen Besuch wurde Professor Otto Heyden, der berühmte Maler, in seinem Atelier überrascht. Ein Schornsteinfeger- Jüngling, der im Hause die bekannte Parole:„Morgen wird gefegt 1" auszugeben hatte, war durch irgend einen Zufall an daS Atelier geralhen und steckte plötzlich seinen Kopf durch die Thür desselben. DaS LoosungSwort:„Morgen wird gefegt!" erstarb ihm auf den Lippen, als er in diese ihm völlig neue Welt hineinblickte. Erst nach einer Weile bemerkte ihn der gerade in eine Arbeit vertiefte Maler und fragte nach seinem Begehr. Der schwarze G-sell kratzte fich zuerst verlegen hinter den Ohren, bald aber gewann der richtige Berliner wieder in ihm die Oberhand. Er erzählte, wie er hierher gerathen sei. und dann meinte er in aller Treuherzigkett, der Herr Maler möge ihm doch erlauben, fich im Atelier einmal näher umzu- schauen, denn so etwaS habe er ja in seinem Leben noch nicht gesehen. Lächelnd willfahrte der Künstler der Bitte und der schwarze Besuch hielt nun mit aller Gemüthlichkeit im Atelier Umschau. Endlich blieb er vor einem kürzlich vollendeten Portrait, dem Seldstportrait des Professors Heyden, stehe»£ betrachtete es aufmerksam.„Na, kennen Sie den Herr«,' daS vorstellt?" fragte endlich der Professor.„Ne", laiiW! Antwort.„Na", fährt der Professor fort,„so sehen Sie s nur einmal an, ich bin eS ja selbst." Da wirst der W steinfcger einen langen Blick auf den Maler und spricht ffj» die inhattschweren Worte:„Jawoll! Wenn Sie det denn könnten Sie froh find." Wer da weiß, daß gered Portraitfach nicht eben die starke Seite deS Professors� Heyden ist, wird die Komik der Situatton zu wM wissen. Wer auf die Ringbahnstation Weddiug � und etwa über die Fahrzeiten nicht ficher ist, der wird t«> Wartesälen und an dem Billetschalter oder auf dem ssli»> geblich nach Fahrplänen suchen. Erst nachdem der ssa» ein Billet gelöst hat, waS ihm das Betreten der AdfA Perronhalle ermöglicht, kommt er in die Lage, Einficht wj hier angeschlagenen Fahrpläne zu nehmen. Zweckmäßig� man diese Einrichtung nicht finden können. De« Erstickungstod erlttt in vorvergangener N«®! unverehelichte Stepperin Elise Kugler in ihrer Wohnung dauerstr. 16. Die Wohnung ist im 4. Stock des linke»» tenflügelS belegen und besteht auS zwei kleinen Kammer»,' denen die vordere, zur Küche benutzt, Licht durch ein am! Treppenhaus führendes Fenster empfängt; das zweites dient alS Schlafkammer, hat kein Licht und steht mtt dem' deren Raum nur durch eine Thür in Verbindung. 8»' chem von beiden Räumen und auf welche Weise der»1 entstanden ist, wird fich wohl kaum mit Sicherheit sefP lassen. Der fich zunächst entwickelnde Qualm hat jedensallll Bewohnerin so benommen, daß fie überhaupt nicht mehr'■ zum Bewußtsein gelangte. Ein Hilferuf ist wenigstens' den Nachbarn nicht gehört worden. Der helle Feuerst! machte den Nachtwächter auf die Gefahr aufmerksam, u»i- mühte letzterer fich, durch Pochen und lames Rufen die wohner deS bedrohten Gebäudetheils zu ermuntern. Bei' wenige Minuten nach 1 Uhr erfolgten Eintreffen der M wehr standen nicht nur die beiden Kammern total in Flam» auch zu dem darüberliegenden Dachboden war das Feuer W gedrungen und hatte diesen zum größten Thell ebenfalls i»J Zerstörungsbereich gezogen. Der Brand war trotzdem mit der» und Dampfspritze unter Aifistenz einer großen Handdruck? ziemlich schnell zu bekämpfen, und find die gefährdete« grenzenden Wohnungen unversehrt geblieben. Bei AufräumungSarbeiten wurde, und zwar in dem Schlafs unter Schutt am Boden liegend, die fast verkohlte Leilte p. Kugler gefunden.— Bei weitem anstrengender gef» fich die Löicharbett, welche zwei Adtheilungen der Feuert — ein Dampfspritzen- und ein Handdruck,'pritzen Zug-J vorgestern Abend bis gestern früh in der KuhnheW chemischen Fabrik bei Johannisthal zu bestehen hatten. � stätte wur das Rvhschwefellager, welches daS Erdgeschoß umfangreichen zweistöckigen schuvpenartigen GebäudeS ein> und viele tausend Zentner rohen Schwefels beherbergt. die Lagervorräthe fest verpackt waren, ließ sich das Lösch»« endgiltig nur bewerkstelligen, indem man die oft me zentnerschweren Stücke nach und nach ins Freie schaff! welcher Arbeit eine große Anzahl Menschen die ganze über zu thun hatte. Die eigentliche Fabrik war nicht b- auch ist ein Durchbrennen der Decke nach dem oberen... verhütet worden, was um so erfreulicher, als letzteres sehs trächtliche Quantitäten an explofionSfähigen Dingen«»» Die gestern Abend gegen 8>/, Uhr entsandten beiden Lös« kehrten erst heute Vormittag gegen 9>/, Uhr in die Wacht» schaft zurück. Die Feuerwehren der Nachbarorte waren J falls zur Stelle, und hat fich inkbesonverc die freiwillige F« wehr auS Grünau in nachhaltigster Weise an der Löscht betheiligt. Sturz. Am 17. d. M. spielte die zweijährige Tochtei ViktualienhändlerS Rinte, Adalbertsiraße 75, auf dem Bei dieser Gelegenheit lehnte fich daS Kind gegen das 9 küchmfenster, welches von innen nicht verriegelt war, Einrichtung eine durchaus schadhaste ist. DaS Mädchen daher in die Küche hinab und blieb hier wie leblos Nachdem man daS Kind in die elterliche Wohnung z bracht hatte, stellte man elftig Wiederbelebunasoersuche auch schließlich von Erfolg gekrönt waren. Dem Änsch- hat die Kleine nur einige Hautabschürfungen erlitten diesmal also noch mit dem bloßen Schreck davongekomi DaS Fenster aber ist biS heute noch nicht reparirt.~ muß fich erst ein Kind den HalS brechen. Zur Geschichte deS Berliner BiereS. Von A ist das Bier daS Nationalgetränk deS deutschen Bürg> wesen, und wenn vor einiger Zeit der Ausspruch geil der Wein müsse daS Naltonalgetränk jedes Deutschen den, so wird dieS wohl immer nur ein frommer bleiben. Wenn man in manchen Gegenden Deutschland Verträgen u. s. w. au» alter Zeit sogar hinter jedem araphen den Vermerk findet:„—und fie tranken auch so ist dieS auch eine uralte Berliner Eilte. ES wurde bin Anbeginn deS BestehmS unserer Stadt am Feuer i» fachen Kesseln ein Bier von Gerste gebraut. Nach de* größerung der Stadt wurde auf das einheimische Bie*. Steuer gelegt, während der Rath den Ausschank deS st? BiereL selbst in die Hand nahm. Den Bürgern war f stattet, eigene» Bier zu verkaufen: um aber das R<$' Bürger nicht zu schmälern, war dies den Bauem der. gegend verboten. Frühzeitig wurden Poliz-iverordw' egen den übermäßigen Genuß de» BiereS erlassen. ist der AuSst deS echten B Robert Spri Berlins zur von diesem l war Hopf. straße und i Die später i von eingewa Braundierbr Berliner Fai ge-......„______________ �____ Stellen der Stadt'waren vergitterte Käfige, Narrenkäst� gestellt, in welchen die betrunken Gefundenen ihren ausschlafen und fich hernach den Spott der Vorüber»� gefallen lassen mußten. An stemden Bieren wurde im � keller hauptsächlich Bernauer, Braunschweiger, Ruppin«'- Zeidster Bier verzapft, was wohl ein Beweis dafür ist., � das damalige Berliner Bier keines besonderen Ruf�s � Ein Grund hierzu mag die unter den Brauein herrsi einigkeit gewesen sein, welche den Magistrat im hs... zur Aufstellung einer Brauerordnung veranlaßte, uch% werbe zu regeln. AuS dieser Zeit kommt auch die S3pf'; „Zapfenstreich", da der Amtsdiener Abends um 9 Ufr, auf der Wache getrommelt wurde, zum Feierabend zw der Kontrole auf dem Zapfen einen Kreidestiich t Wesentlich gefördert wurde die Hebung deS Berlin«? durch Friedrich Wilhelm L In dieser Zeit wurden di auf daS Bier bezüglichen Edikte erlassen, namentlich Strafe für gefälschtes Bier auf 4Thsr. für die To.. als dieS�nichts half, auf 9 Thlr. festgesetzt, während die«, Von dem» hotte Fälschung zur Verbannung führte. Fälschung konfiszirten Bier wurde dem Denunzicu tf, Drittel zugesprochen, 1784 gab es in Berlin 163 MM- 1 Braugewerbes, 302 Brauknechte und 701 Bierschänke�i nur 8 Branntweinschänker gegenüberstanden. Neben 1 wöhnlichen Braundier wurde damals noch eine Art Lagerbier, daS Kufenbier, gebraut. Ein halbes Jahij, später war die Zahl der Braunbier-Brauereien tnfSM Aufschwunges deS Weißbieres auf 15 zurückgegangen,(*>- 2 Brauereien künstliches Bier herstellten. Auch bayrische Bier schon mehr in Aufnahme. AlS Begi�p Berliner bayiischen BiereS ist Hopf anzusehen, Bayern stammender Braumeister Ley ihn zu einen.*, t>- in dieser Richtung veranlaßte, dann aber(r$ Jahre 1830 in der Neuen Schönhauser- St.S die erste bayrische Bierbrauerei und Bierstu öffnete. Ley führte auch die Eeidelgläser in ein. Die Einführung des W-ißbiere» läßt fich nicht gen stimmen, eS ist jedoch anzunehmen, daß sie durch dre'| sischen ResugiSS erfolgt ist. Eine Eigenthümlichkett jr i men kund »st des der von in x.... j ist der Ausschank deS Bockbieres, welches stets ein Volksfest ' I deS echten Berliners war und welche der jüngst verstorbene W." Robert Spiinaer........'"' ,. f 4 Berlins zur yut uuci auai wie otic viicmuiyiiiymi . tl, von diesem Volksfeste abgestreift. Der Besitzer der Bockbrauerei LwL w# n>ar Hopf. Seine Brauerei befand fich zuerst in der Friedrich- > � tria S.t06e und wurde dann nach dem Tempelhofer Berg verlegt. «..«Sl fväiet errichteten Bayrisch- Bierbrauereien wurden meist - a*ri f* von eingewanderten Brauern errichtet, während die Weiß- und Braunbterbrauereicn zum größten Theile in den Händen alter zu rru!-» Berliner Familien waren. Die Gründerzeit brachte die Neu- t*i Landungen der Brauereien von Echwenty, Lips, Ahrend, 'iug lov Wagener, Vatzenhofer. Mit der Zunahme der Brauereien L awi v>urve das Bier aber immer schlechter, so daß ihm bald der dem Name„Dividendenjauche" gegeben wurde. Zu dieser Zeit wären die scharfen Edikte Friedrich Wtlhclm's I. am Platze gewesen. Die Konkurrenz that aber ihre Schuldigkeit. Es wurde fremdes gutes Bier, eingeführt, was zur Folge hatte, daß die hiefigen Brauereien fich bemühten, ihre Produtte gleich gut zu gestalten, und heute brauen 31 Weißbier-, 16 Braun- und Bttterbier- und 12 Bayrischbier-Braucreien ein Bier, von hnung CP dem ein gewiegter Bierkenncr kürzlich gesagt hat,„das fremde s linlen e Bier habe zu thun, die Güte des jetzigen Berliner BiereS zu erreichen". Ei« flüchtiger Bankier. Die„Staatsb.- Ztg." meldet die Flucht des Bankiers Salo PinkuS, welcher das Weite ge- sucht hat, nachdem er fich angeblich Unterschlagungen an dm DepolS seiner Kunden hat zu Schulden kommen und in der Mehrzahl lauter„kleine Leute" um ihre zwanzig- bis dreißigjährigen Ersparnisse gebracht hat. Unter den Betrogmen de» fanden fich Postbeamte. Eisenbahnschaffner, Zugführer, Lehrer, Kaffenboten, Malergehtlfen und andere, welche alle um ihr sauer erspartes Vermögen gebracht worden find. Auf welche Weise der Flüchtige setnm Kunden das Geld abgenommen hat, darüber führt das zitirte Blatt nachstehende Fälle an. Dem Cisendahnschaffner H., welcher in der Umgegend von Berlin wohnt, wurde von jenem Geschäft der Kaffenbote mit einem xvief zugeschickt, des Inhaltes, daß er durch Ueberbringer dieser seilen seine Papiere schicken möge, eS wäre eine Verwechselung mit den Talons und Kupons vorgekommen. H. that dies und sah seine Papiere niemals wieder. Ein anderer, Herr L., welcher Geld zum Ankauf von Papieren brachie, bekam einen Schein, auf welchem seitens deS Bankgeschäfts bescheinigt war, daß vaffelbe— leihweise so und soviel von L. erhalten. Einem Herrn V. endlich wurden Wertpapiere unter dem Vorwande ab- geschwindelt, daß dieselben von Sproz. auf 4proz. konvertirt werden sollten. Auch V. sah seine Papiere nimmer wieder. Und so giebt es derartige Fälle noch viel mehr. Die Untersuchung wird gegenwärtig gegen einen KommiS Str. des flüchtigen Salo Ptnkus geführt, welcher seit Jahren dem Pinkui'schen Geschäft als„Chef" vorstand. Pinkus war nämlich wegen Unterlaffung des Ausgleichs von Differenzgeschäften vom Börsenbesuche auS- geschlossen und machte nun seinen mit 150 M. monatlich sala- rtrten Kommt« Str. zum„Chef", um auf diese Weise den Ein- tritt zur Börse wieder zu erlangen. Str. gab fich auch hierzu her, und soll sväter sogar noch von PinkuS betrogen worden sein. Jedenfalls hat er aber durch Hergäbe seiner Person und Unterschriften mit dazu beigetragen, den vertrauensseligen Leuten das Geld abnehmen zu helfen. Jnsgesammt stnd ca. 80000 M. unterschlagen.— Daß„Kl. Journ." fügt diesen Ausführungen noch hinzu, daß Salo PinkuS wiederholt nicht in der Lage war, seinen Verpflichtungen nachzukommen, und es war ein offenes Geheimniß, daß seine Verhältniffe stets durch Interventionen von nahestehender Seit? rangirt wurden. Namentlich der sehr reiche Bruder deS Flüchtlings hatte demselben deS öfteren peku- niäre Unterstützungen in ansehnlicher Höhe zugewandt, und auch jetzt hätte vielleicht die Angelegenheit ficher wieder ihre befriedigende Regelung erfahren, wenn Ealo PinkuS fich dekouvrirt hätte und nicht flüchtig geworden wäre. Die Ursachen der seit Jahren bei dem nunmehr flüchtigen Banquier herrschenden De- rout« waren große und unglückliche Börsenspekulationen. Durch Leichtfin« wird viel Unheil angerichtet. In der Zimmerftraß« war am 17. ein Dienstmädchen an einem Hofparterrefenster mit Putzen beschästigt, wobei dasselbe Oleum benutzte. Unter dem Fenster spielten Kinder, von denen eines zu dem Mädchen hinaufblickte, gerade als dasselbe einen Thetl der ätzenden Flüsfigkeit verschüttete. DaS Oleum tropfte hinab und gerade in die Augen deS KindeS, welches mit fürchter« lichem Geschrei zusammenbrach. Ob daß Augenlicht deS Kindes zu retten sein wird, erscheint fraglich. DaS erste Opfer des BootfahreuS. Als am 18. d. M. Nachmittags drei junge Leute eine Bootsfahrt auf der Ober- spree unternehmen wollten und am Cafe Alfen ein Boot be« stiegen hatten, gerieth dasselbe b-i der Abfahrt vom Ufer in Folge einer unvorfichtigen Bewegung eines Insassen inS Schwan- ken und schlug um. Von den gerade an einer sehr tiefen Stelle inS Wasser Gefallenen vermochten fich zwei durch Schwim- men zu retten, während der dritte, der des Schwimmens un- kundige 20 jährige Kaufmann K., ertiank. Seine Leiche wurde erst nach längerem Suchen durch Schiffer gefunden. Polizet-Bericht. Als am 17. d. M. Vormittags ein Zug des Garde- Train> Bataillons die Sebastianstroße pasfirte, stürzte der schließende Unteroffizier mit dem Pferde und erlitt an- scheinend einen Bruch des linken Unterschenkels. Er wurde von! einem Unteroffizier mittelst Wagen nach dem Garnison« Lazareth gebracht.— An demselben Tage Nachmittags wurden m der Buchdruckerei von Müller, Füstlierstr. 5, der mit dem Putzen der Schnellpresse beschäftigten Arbeiterin Scholz drei Finger der linken Hand durch die von einem Arbeiter unver- sehenS wieder in Gang gesetzte Maschine abgequetscht. Die Scholz wurde nach der Klinik in der Ztegelstraße gebracht.— Am Abend desselben TageS bemerkte ein im Thiergarten patrouillirenderjSchutzmann in der Nähe der Lichtenftein-Allee emen etwa 30 Jahre alten Mann, mit dem Tode ringend, im Wasser. Er zog ihn heraus und veranlaßte, da derselbe schon bewußtlos war, seine Ueberführung nach der Charitee. Auf welche Weise der Unbekannte WS Waffer gerathcn ist, konnte bisher nicht festgestellt werden.— Am 18. d. M. Nachmittags hatte in der Nähe des Casö Alfen ein Kauf- mann mit zwei Bekannten ein Boot bestiegen, war aber kaum vom Lande abgestoßen, als in Folge setner unvorfichtigen Be« wegungen das Boot umschlug und die Insassen ins Waffer fielen. Der elftere, der nicht schwimmen konnte, ging in dem grrade an dieser Stelle sehr tiefen Waffer sofort unter und wurde erst nach langem Suchen als Leiche wieder aufgefunden. -vre beiden anderen Personen konnten fich durch Schwimmen ifn' Zu derselben Zeit versuchte ein Soldat, offenbar in hochgradiger Trunkenheit, auf dem Schlefischen Bahnhof fich ?urch«ne Flüsfigkeit, wahrscheinlich Putzöl, zu vergiften. Er mach nach dem Genuß desselben bewußtlos zusammen uno wurde zunächst nach der Bahr Polizeiwache und von da nach der Kakerne feines TruppentheilS gebracht.— In der Nach, zum 19. d. jjj. enlflorl) im Dachgeschoß des Hauses Spandauerstraße 16 Feuer. Die Feuerwehr war zur Stelle. i Aufräumen der Brandstelle wurde im Schutt eine stark .verkohlte Seich! gefunden und in ihr die unverehelichte Kugler �erkannt, welche in einer Kammer, in welcher daZ Feuer ent- andm ist, geschlafen hat. Die Seich: wurde nach dem Leichen- bauhause geschafft. so schön Wellstadt hat geschtldert hat. Die Entwickeiung aber auch die alte Gemüthlichkcit Gerichts-Zeitmig. der Affäre Jhring-Mahlow, kam gestern vor dem hiefigen ~ Tischler t Eine Episode aus «d zwar der Schluß.ffekt,..._ �??°llengericht zur Verhandlung. Angeklagt war der Mttr Bobkiewicz der vorsätzlichen, gemeinschaftlichen Körper- Verletzung, begangen mit einem im Sinne des Gesetzes gefähr- tchen Werkzeuge. Als Zeugen waren geladen zunächst der % Schutzmann Jhring, der Polizeilieutenant Hennig und der Schutzmann Goerlttz und seitens der Vertheidigung 11 Entlastungszeugen, die Herren Bremer, Wittkowski, Tabert, Gel- haar, Christensen. Hasenbein, KochinSIi, Eifert, Berndt, Lange und Wasewitz. Der Thatbestand, auf Grund dessen die An- klage erhoben worden, ist in seinen wesentlichen Theilen folgen- der: Am 2. Februar d. I. fand bei„Keller", Andreasstr. 21, eine Versammlung des„Arbeiter- Bezirks oere ins für den Osten Berlins" statt, welcher der Schutzmann Jhring beiwohnte, der von seiner vorgesetzten Behörde mit der Ueberwachung der Mitglieder dieses Vireins betraut war. Um dieser Aufgabe besser gerecht zu werden, hatte er sich unter dem Namen Mahlow und mit der Angade seiner früheren Profesfion als Güitler in die Mitgliederliste einzeichnen lassen. Diese falsche Bezeichnung war entdeckt worden und der Vorsitzende deS Vereins, der Drcchtter Herr Tabert, forderte den Ausschluß des Jhring. Auf diese» Wort stürzten fich wie auf Verabredung 10-12 Mann auf Jhring und schlugen von hinten mit Biergläsern nach ihm, während von vorn zwei Männer, wie die Anklage behauptet, der Tischler Bobkiewicz und ein unbekannter Pole, mit Schlüsseln auf ihn loshieben.— Der Angeklagte erklärte fich für nichtschuldig. Der Vorgang habe fich an der Hinterwand deS großen Saales abgespielt. Jhring habe fich auf der rechten Ente von der Tribüne aus, in der Nähe der Treppe zur Gallerte, befunden, während er(Angekl.), wie die Zeugen Bremer, Wittkowski, Koschinsli und Langer bekunden könnten, ruhig auf der liken Seite deS Saales gesessen habe.— Es wird nun zur Vernehmung der Zeugen ge- schritten. Zeuge Polizei' Lieutenant tzennig: Ich war mit der polizeilichen Ueberwachung jener Versammlung beauftragt Da ich die Verhandlungen skizziren muß, kann ich den Vorgängen im Saale nicht meine ganze Aufmerksamkeit schenken- Ich habe nur gesehen, daß an einer Stelle deS Saales Jemand Prügel bekam. Ich schickte sofort den mit beigeordneten Beamten hin und gab dem Vorfitzenden Anweisung, die Versammlung zu vertagen. Als ich selbst im Begiiff war, hinzugehen, kam mir der Beamte mit dem Gemißhandetten entaegen, der im Geficht blutete. Derselbe legitimirte fich als Poltzeibeamter. Ich kehrte mit ihm um, er vermochte aber nicht, mir einen Thäter zu bezeichnen, er konnte nicht angeben, wer eS gewesen sei.— Zeuge Schutzmann Goerlttz bekundet wesentlich dasselbe. Auch er wisse nicht, wer den Jhring geschlagen habe. Die Leute seien bei seiner Dazwischenkunft sofoit auseinander gegangen.— Zeuge Schutz- mann Jhring giebt auf Befragen des Voifitzenden an, Feidi- nand mit Vornamen zu heißen, 32 Jahr alt und evangelischer Konfesfion zu sein. Nach seiner Vereidigung sagt er folgendes aus: Ich bin zu dieser Versammlung ausdrücklich durch einen Brief des Tischlers Berndt eingeladen worden.(Er überreichte den Brief.)— Vor fitzender deutet auf eine geldbeftrichene Seite. — Zeuge Jhring: Ja, ich habe den Brief mit Eisenchlorid be- strichen, weil ich glaubte, es sei noch etwas anderes mstgetheilt. In dem Briefe fordert mich Berndt auf, am Dienstag Abend im Verein zu fein und mir genau die Personen anzusehen, mit denen er(B.) seitwärts im Saale unter der Treppe stehen werde. — Vorfitzender: Kennen Sie Berndt'S Handschrift?— Zeuge Jhring: Ich habe eine Unterschrist von ihm gesehen. Der Brief ist weiter nichts als eine Falle gewesen, um meine Auf- merkfamkeit von den anderen Vorgängen im Saale abzulenken und weil man verhindern wollte, daß ich mich nicht in die Nähe der Polizeideamtm setzte. Trotzdem war eS meine Ab« ficht, nach vorne zu gehen, eS stellten fich mir aber verschiedene Nereinsmitglieder in den Weg und hielten mich durch Erzäh- lungen auf. Inzwischen machte der Vorfitzende dem Verein die Mittheilungen über mich und auf fein letztes Wort bekam ich die ersten Schläge. Ich war vorbereitet auf ein solches Ereigniß, ich mußte immer gewärtig fein, daß mir ähnliches pasfirte. Die 12—15 Mann, die auf mich eindrangen, waren mir bis auf den Bodktewicz vollständig fremd, den ich im Wesenack'schen Lokal, wo er zu Mittag aß, kennen gelernt habe. Ich habe ihn sogar einmal nach Hause begleitet. Ein Jrrthum über seine Person ist ausgeschlossen. Ich hielt ihn mit der rechten und einen anderen Unbekannten mit der linken Hand fest- Auf den linken Ellenbogen bekam ich einen heftigen Schlag, so daß ich den Einen loslassen mußte und auch Bob- ltewicz wurde mir entrissen und verschwand im Gedränge. Am nächsten Tage machte ich meiner Behörde Meldung und nannte seinen Namen.— Vorfitzender: Sie haben doch an demselben Abend dem Lieutenant keinenNamengenannt.— Zeuge Jhiing: Nein, im Saale war keiner mehr von denen zu sehen, die mich geschlagen hatten.— Der Verthndiger, Rechtsanwalt Freuden- thal, bittet, aus denIAkten zu konstatiren, daß Jhring proto- kollartsch ausgesagt habe, er kenne den Angeklagten aus Polen- Versammlungen, die er überwacht habe.— Der Porfltzende bestätigt es.— Vertheidiger(fortfahrend): Zur Ueberwachung jener Versammlung waren zwei Poltzeideamte in Uniform erschienen. Auch Jhring war erschienen, ohne zu sagen, wer er sei. DaS war ein weiterer Schrilt auf der adschüsstgen Bahn.. Staatsanwalt Wagner(unterbrechend): Ich bitte doch den Herrn Vertheidiger, es nicht eine abschüssige Bahn zu nennen» wenn ein Beamter die Auftrage seiner Behörde ausführt!— Vertheidiger: Ich nannte diese Handlungsweise so angesichts deS§ 7 des Veretnsgesetzes, welcher nur die Anwesenheit zweier Abgeordnete der Polizei, die mit Abzeichen versehen sein müssen, bei einer Versammlung gestattet. Es gilt, die Glaub« Würdigkeit deS Zeugen Jhring zu prüfen. Ich stelle unter Beweis, daß Jhring zu wiederholten Male Majxstatsdeleidi- gungcn ausgestoßen hat. So sagte er gelegentlich des Rtgie- rungsjubiläumS... Staatsanwalt: Wenn der Herr Ver- theiviger die Beleidigungen wiederholen wollte, so würde die Oeffenllichkeit auSzuschlt-.ßen sein. Ich möchte hierbei bemerken, daß wegen der Bihaupiung, Jhring habe Majestätsbelcidigungen begangen, bereits Anklage erhoben ist; die EtaatSanwauschast ist der Anficht, daß der Charakter des Zeugen Jhring erst in diesem anderen Prozeß einer Prüfung zu unterziehen ist. Ganz wird dieS ja auch in diesem Prozeß der Vertheidigung nicht verwehrt sein bei der eigenthümlichen Pofition, in der sich der Zeuge Jhring befunden hat.— Vertheidiger: Der andere Prozeß intercsstrt uns hier gar nicht. Ich habe die Pflichl dir Vertheidigung zu wahren. Ich stelle deshalb unter Beweis, daß der Zeuge Jh'ing total unglaubwürdig ist.— Vorfitzender: Wir werden zunächst erst oie Zeugen hören, welche bekunden sollen, daß der Angeklaqte fich nickt in der Nähe deS Jhring befunden hat.— Zeuge Bremer, dessen Ver- eidigung auf Antrag deS Staatsanwalts auSgef-tzt wird, er« klärte, nachdem der Vorsitzende ihn ermahnt hatte, fich nicht etwa duech politische Freundschaft, die leicht zcrstöit werden könnte, zu falschen Aussagen veranlassen zu lassen, daß er neben Bobkiewicz auf der anderen Seite deS SaaleS gesessen habe. Bobkiewicz sei zum ersten Male im Arbeiter Bezilksverein ge- wesen und habe fich nicht an dem Akt betheiligt.— Zeuge Jhring: DaS habe ich auch erfahren. Es ist ein Moment mehi für die Annahme, daß die Leute von anderen gewonnen find, um mich zu mißhandeln. Man hat abfichtlich mir fremde Personen gewählt. Bodltewicz hat fich übrigens im Wesenack- fchen Lokale gerühmt, mich mit einem Schlüssel geschlagen zu haben...— Vor fitzender: Warum kommen Sie jetzt erst mit einer so wichtigen Aussage? Wer hat denn die Worte des Angeklagten gehört?— Zeuge Jhring: Die darf ich nicht nennen. Es ist mir nur mitgetheitt worden, daß er 8—10 Tage später sich Bekannten gegenüber gerühmt hätte.— Zeuge Wittkowski sagt— ebenfalls unter Aussetzung der Beeidigung — dasselbe wie Bremer auS.— Staatsanwalt Wagner: Es handelt fich ausschließlich darum, festzustellen, ob der Ange- klagte den Jhring gemißhandelt hat. Warum er geschlagen, ist ja sehr einleuchtend. In dieser Richtung kommen nur Mo- mente htnfichtlich der Abmessung der Strafe in Betracht. Es handelt fich darum, ob Jhring den Thäter erkannt hat. Dabei wird es wesentlich auf die Glaubwürdigkeit deS Jhring an- kommen. Er ist von seinen Vorgesetzten zu einer sehr schwierigen Aufgabe auSerwählt worden, er hat sich des vollen Vertrauens seines Vorgesetzten erfreut. Er ist bis dahin für einen Mann gehalten worden, der fich in besonnener Weise zu verhalten weiß. Daß Poltzeideamte, die politische Beobachtung zu maizen haben, klarer und genauer sehen und auffassen, als andere Leute, ja auch alS die Entlastungszeugen, soweit dieselben nicht eingeweiht find, ist gewiß. Jhring'S Beobachtungen stnd also derart, daß man besonderes Zutrauen zu ihm gewinnen kann. Der Mann, der von einem Dutzend Leute geprügelt wird, ist fich klar, daß er nur einen Einzigen erkennt. DaS zeigt, daß man eS mit einem besonnenen Beobachter zu thun hat, der fich der Verantwortlichkeit für sein Zeugniß voll bewußt ist, der nicht mehr aussagt, als sein Gewissen zuläßt. Ich glaube ihm vollkommen. Der Umstand, daß anscheinend von Beamten, die er nicht nennen darf, mUgdbeUt worden ist, Bobkiewicz habe sich feiner That gerühmt, ist immerhin ein unterstützendes Moment, wenn urS auch die Personen nicht zugeführt werden, welche die Aeußerung B.'S gehöit haben. Ich halte die Sache für einen planmäßig geschmiedeten Ueberfall und bean- trage unter Erwägung aller Umstände 2 Monate Gefangniß gegen den Angeklagten.— Vertheidiger Rechtsanwalt Freuden- thal: Im vorliegenden Falle darf man nicht darnach fragen, ob Jhring bei seinen Vorgesetzten Vertrauen fand, sondern im GnichtSsaal ist seine Glaubu?ürdigkeit und Zuverläsfigkeit zu prüfen. Ich habe schon auf den§ 7 deS Vereinsgesetzes hingewiesen. Nun glaube ich, daß ein so tüchtiger Beamter, wie Jhring, dem ein so ehrenvoller Austrag zu Theil geworden, diesen Paragraphen sehr genau gekannt und ihn doch über- treten bat. Es ist wunderbar» daß er dem Lieutenant sagt: Ich bin nicht in der Lage, einen Thäter zu nennen. DaS Vertrauen, welches man den Aussagen deS Jhring ent- gegenbringen darf, würde wesentlich erschüttert werven, wenn man meinem Antrag stattgiebt. Ich stelle unter Beweis, daß Jhring, der fich als Vtgilant in daß Vertrauen einzelner Ar- heiter einzuschleichen suchte, wiederholt MajestätSbeletdigungcn ausgestoßen bat und berufe mich hierin auf daS Zeugniß von Tabert und Christensen. Jhring versuchte Geheimbündelei im Arbeiter-BezirkSvereine zu treiben und suchte die Leute zu de- wegen mit Gewaltmitteln gegm die Staatsordnung vorzugehen. Er hat gesagt, daß man hier nicht so weit sei wie in Rußland, wo 12 Nihilisten alles machten. Dem Arbeiter Büchel hat er Unterricht in der Anfertiguug von Dynamit ertheilt. Sein ganze? Gebühren erinnert an Vorkommnisse, die bei den Anar- chistenprozessen in der Schweiz konstatirt worden find. So sagte er, die jetzige Gesellschaft müsse in Schrecken gejagt werden, man müsse Dynamitbomben in die öffentlichen Gebäude werfen. Ich beantrage, hierüber Beweis zu erheben.— Der Gerichtshof lehnt diesen Antrag nach kurzer Berathung als unerheblich ab. Hierauf werden die Zeugen Bremer und Wittkowski ver« eidigt. Der Angeklagte bemerkt noch, daß er ruhig bis zum Ende der Versammlung beigewohnt habe.— Nach kurzer Berathung erklärt der Gerichtshof den Angeklagten für nicht« schuldig und spricht ihn von der Anklage frei. In der Be« gründung deS Uitheils wird angeführt, daß der Gerichtshof keineswegs der Anficht sei, Jhring habe abfichtlich die Unwahr- heit gesagt, wohl aber der, daß Jhring nicht genau habe er« kennen können, wer ihn geschlagen habe. Wenn Jhring auch glaube, daß Bobkiewicz eS gewesen sei, so stehe dieser Aussage, die doch immerhin nur konditionell sei, daS vollkommen glaub- würdige Zeugniß der beiden anderen Zeugen gegenüber; deshalb sei die Freisprechung erfolgt. P. In arge Unannehmlichkeiten gerieth der zu Weißen« see wohnhaste Schlvffermeister Knill« bei Ausübung seines Be- rufS. In seiner Werkstelle sprach eines Tages der Handelsmann Kulicke vor und bat den Meister in herzbewegenden Worten, ihm, dem Kulicke, die Wohnung mittelst Dietrichs zu öffnen, da der Schlüssel verloren gegangen sei. Bereitwillig hatte Meister Knilka fich dieser Ausgabe unterzogen, ohne Kenntniß von den Hintergedanken seines Auftraggebers; denn derselbe, von seinem HauSwirth exmittirt, hatte nur beabfichtigt, fich wieder in den Besitz feines einer Mieihsschuld wegen rettnirten Mobiliars zu setzen; ferner hatte der Meister auf den Wunsch deS Kulicke beim Hinausschaffen einiger Mobiliar« stücke geholfen, bis zum Erscheinen der Vtzewirthin, welche die Fortschaffung der rettnirten Gegenstände untersagte.— In dem Verhalten des Schloffermeisters bei dieser Gelegenheit erblickte die Anklrgebehörde ein strafbares Vergehen und dieser sowie Kulicke waren daraufhin wegen Haus- frledenibrucheS vom Schöffengericht zu je 7 Tagen Ge- fangniß verurtbeitt worden. Gegen dieses Urtheil, soweit eS ihn betiaf, legte der Schloff-rmeister Berufung ein. indem er den Einwand erhob, daß er nicht— wie im Gegentheil daS erste U theil ausführte— in jene Wobnung widerrechtlich einge- drungen sei. Dieser Einwand indessen ward von der Straf- kammer deS Landgerichts Ii, welcher in der Berufungsinstanz die Sache zur Beurtheilung unteilag, als unerheblich angesehen, trotzdem aber erfolgte eine dem Schloffermeister günstige Ent- scheiduna. Der Gerichtshof nahm an, daß der Angeklagte der Rechtswidrigkeit seines Verhaltens nicht bewußt gewesen» um- somchr a!S er den Angaben de» Kulicke über den Verlust des Schlüssels Glauben schenken bürde; demgemäß hob ver Ge- richtshof das schöffengerichtliche Urtheil auf und eikannte auf Freisprechung de» Schloffermeisters. Uereine mh Versammlungen f Eine Generalversammlung der Maurer fand am Sonntag in der„Tonhalle", Friedrichftr. 112. unter Vorsitz des Herrn Behrend statt; sie war von ca. 3000 Personen besucht— kurz nach 11 Uhr wurden die Thüren wegen Heber« süllung de» SaaleS polizeilich gesperrt— und vom besten, einmülhigsten Geiste beseelt. Herr Behrend refertrte gleich- zeitig über die Beschlüsse der letzten Meisterversammlung vom 13. April und über die Stellung, welche die Gesellen zu ihnen einzunehmen hätten. Er verlas ein Schreiben des Herrn Maurermeisters Bibendt, welche? jene bereits bekannten Be- schlüffe mittheilt und knüpfte einige Bemerkungen daran. Die 4 Gesellenversammlimgcn, welche die Meister einberufen wollen, sollten von den Gesellen besucht werden, um zu ver- hindern, daß reaktionäre Beschlüsse gefaßt würden.— Sodann krttistrte Herr Baumeister Keßler eingehend die Haltung ver Meister und besprach sodann jenes neueste Mtnistertalreskript, welches die Stellung der Behörden zu den Streiks, soweit fie als„revolutionär" angesehen werden, feststellt. Mit ein- dringlichm Worten ermahnte er die Gesellen, fich nicht aus der Bahn der Gesetzmäßigkeit drängen zu lassen. Viel stehe für die Arbeiterbewegung auf dem Spiele. Das Reskript werde die übelsten Folgen m d-n kleinen Städten haben. In Berlin sei ein allgemeiner Streik nicht zu erwarten; es würde nur zu einzelnen Bausperren kommen. Die sogenannten Führer wür- den unentwegt ihre Pflicht thun. Auch fernerhin werde man mit aller Ruhe und Besonnenheit han- dein!— Nachdem sodann noch Herr Wittstock im S(eichen Sinne gesprochen, wurde folgende Resolution ein- immig angenommen:„Die in der Tonhalle tagende General- Versammlung der Berliner Maurer beschließt nach Kenntniß- nähme der durch den Herrn Bibendt mitqdb-iltcn Beschlüsse einer Baugeschäftsinhaberversammlung folgendes: 1. Es ist lediglich Sache der Gesellenschast zu bestimmen, wie und durch wen fie vertreten werden will. 2. Sie erkenn! die von 84pCt. der damals in Berlin anwesenden Maurer ernannte 21er Kom- misston als die richtige und wahre Gesellenvertretung an. 3. Sie erklärt, daß fie durch diese Kommission zu VerHand- lungen mit den Meistern stets bereit ist. 4. Sie bedauert herzlich, daß die Meister dem freundlichen Entgegenkommen der Gesellen eine ganz unbegründete Ablehnung entgegengesetzt haben und macht ste für alle Folgen daraus, daß eine Ver- Bändigung nicht erzielt worden, ganz allein verantwortlich. 5. Die Beschlllffe der Versammlung vom 17. Juni v. I. wer- den voll und ganz aufrecht erhalten."— Nachdem Herr Kehler noch mitgetheilt, daß der Maurerstreik in Görlitz gut stehe und Herr Lehrend um Nennung derjenigen Meister ersucht hatte, die bereits 50 Pf. zahlen— S wurde «ine grofje Zahl genannt— beschloh die Versammlung, viertel« jährlich eine Abrechnung über die zum Generalfonds eingegan« ätnen Gelder dem„Bauhandwerker" beizulegen. Mit einem stürmischen Hoch auf daS Gelingen der gerechten Sache schloß htt Vorsitzende um 1 Uhr die Versammlung.— Bei nachstehenden Personen können Listen zum Einzeichnen freiwilliger Beiträge»um Generalfonds entgegengenommen werden: Behrend, Steinmetzstrahe 23, Hof ni; Schulz, Pücklerstrahe 14, Hof ll; Roll, Arndtstrahe 13, Hof parterre; Kliemann. Tem« pelherrenstrahe 21; Höhne, Pallisadenstrahe 9, Hof U; Raschle, Reinickendorfer strahe 18, II: Lehmann, Bandelftrahe 9, m, bei Seile; Lähn, Holzmarktstrahe 37, Hof IV, bei Fischer; Krüger, Nieder>Schönhaustir,Beuthstrahe4; Wille, Kastanien-Allee 58; Kirschbaum, Alte Jalodstrahe 68. * Der Kachverei« der Stetnträger hielt seine regelmähige und auherordentliche Mitgliederversammlung am 11. d. M. bei Scheffer, Jnselstrahe 10, ab. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war'„die Nothwendigleit des UnterstützungS« fonvS und Stellungnahme zu demselben, sowie vierteljährlicher Kaffendericht der Vereinskaffe". Die Versammlung ehrte zu- nächst daS Andenken des verstorbenen Mitgliedes OSkar Rudolf durch Erheben von dm Plätzen. Hierauf verlas der Vorfitzende die Namen verschiedener Mitglieder, welche ihren Verpfltchtungm laut Statut nicht nachgekommen find und machte bekannt, dah dieselben alS Mitglieder gestrichen werden, falls ste nicht bald ihre Verpflichtungen erfüllen. Sodann erfolgte der Kaffen« bericht. Die Einnahme vom 1. Januar bis 31. März betrug 349 M. 80 Pf., dazu die Summe von 408 M. 65 Pf. vom allen Quartal ergiedt 758 M 45 Pf. Die Ausgaben beliefen stch auf 661 M. 70 Pf., bleibt somit ein Bestand von 96 M. 75 Pf. Von dm Ausgaben find 300 M. dem UnterstützungS« fondS überwiesen. Die Revisorm erklärten, dah stch Kaffe so« wie Bücher in bester Ordnung befinden und wurde dem Kasfirer. Herrn Steinberg, Decharge ertheilt. Hierauf sprach Herr Rennthaler über die Nothwendigleit deS UnterstützungsfondS und führte ungefähr folgmdes aus: ES sei Pflicht aller Kollegen, stch geamseitig zu unter« stützen; dies thue jede Korporation. Jede Organisation ist bestrebt, die wirthschastliche Lage der BerufSgenoffm zu ver> deffern; dies mühten auch die Etcinträger thun. ES fei mög« ltch, dah in kürzester Zeit ein Streik ausbreche— was Redner zwar nicht hofft— dann aber sei eS nöthig, dah die Stein» rräger im Stande find, die Kollegen zu unterstützen. Vor der jesten Organisation der Steinträaer habe man davon nichts ge« wuht, aber jetzt würde ein Streik ficherlich besser ausfallen, jetzt würden die Streikenden nicht mehr zu hungern brauchen, wie es vordem der Fall war. Redner führte weiter aus: Um die säumigen Mitglieder beffer heran zu ziehm, hatte er eS für zweckmähig, monatlich eine bestimmte Beisteuer zu leisten. An der DiSkusston betheiligtm stch mehrere Redner, u. A. die Herren Noack, Unterlauf, Knaack, Märschel, Jahn, Würgens, Nöding, die fich alle im Sinne des Vorredners aussprachen und ebenfalls wünschten, einen bestimmten Beitrag zum Unter« stützungSfondS während der Sommermonate festzusetzen. Nur ein Redner, Herr Priese konnte fich nicht recht damit ein« verstanden erllärm, indem er ausführte, die Kollegm hätten zu lange Zeit keine Arbeit gehabt, man solle nicht jetzt einen Fond« sammeln, da möglicherweise erst in sechs Jahren ein Streik ausbrechen könne. Herr Rennthaler legte klar, dah jähr« lich ein Streik ausbrechen könnte. Herr Wallrnthien meinte, dah ein Jeder wöchentlich 20 bi« 25 Pf. übrig habe. Wir find nie sicher vor dem Ausbruch eines Streiks. Hierauf de- anfragte Herr Unterlauf, dah jedes Mitglied 20 Pf. entrichten solle, während Herr Nöding beantragte, die Sammlungen auf 7 Monate deS JahrcS auszudehnen; für die Monate Mai und Juni je 60 Pf., für die folgenden 5 Monate je 1 M. Der letzte Antrag wurde mit Allen gegen 8 Stimmen angenommen. Herr Rennthaler forderte auf, rege zu ogttirm und immer mehr Kollegen dem Verein zuzuführen, dann werde der Verein ein Kapital ansammeln und die gerechten Forderungen der Steinträger durchsetzen könnm. Herr Lindner, Metall- arbeiter, welcher als Gast anwesend war. hob hervor, dah man die Einigkttt der Steinträger jetzt schon anerkennen müsse, die« selben wären auch stets am Platze gewesen, wenn eS galt, für andere Korporationen einzutreten. Sollten die Steinttäger in eine Kalamität gerathen, so würden auch ste auf die Unterstützung anderer Gewerke rechnen können. Hierauf nahm die Versammlung folgende Resolution an:„Die beutige Mitglieder Versammlung deS FachvereinS der Steinträger erklärt fich mit den Ausführungen der Redner einverstanden und verpflichtet fich, imSinne derseldenzu handeln." Darauf machte Herr Rennthaler bekannt, daß der von den Mitgliedern gewünschte Arbeitsnachweis geordnet sei; derselbe befindet fich Lindenstrahe 54 im Lokal bei Herrn Huth. Der Arbeitsnachweis bestehe nur für die Mitglieder des Vereins rlnd die Herren Baugeschäftsinhader, falls dieselben stch von dort ArbeitSlräfte heranziehen wollen. Ferner wurde mitge« theilt, dah ein Mitglied, welches als Schiedsmann deS Vereins aewähtt, stch eines Vergehens gegen seine Kollegen hat zu schulden kommen lassen; deshalb sei der Betreffende von seinem Amte ausgeschlossen worden. ES wurde an dessen Stelle Herr Sterrling gewählr. Zu Verschiedenes wurde ein Antrag gestellt, für einen kranken Kollegen eine Tellersammlung zu veranstalten. Der- selbe wurde mtt großer Majorität angenommen. Herr Rennthaler machte bekannt, daß in Sachen der heutigen„Kolonnen« svsteme" und Kautionsangelegenheiten nächstens eine Extra« Mitgliederversammlun g stattfinden wird und Herr Rechttan« watt Freudenthal fich bereit erklärt habe, einen Vortrag über Rechtsschutz zu halten. Ferner wurde bekannt gemacht, dah demnächst«ine öffentliche Generalversammlung der Steinträger Berlins stattfindet in Betreff deS neuen Lohntarifs, wie der« selb« gehalten werden soll. Außerdem sollen die noch auS« stehenden vorjährigen Listen an Herrn Rennthaler abgeliefert, oder schriftlich Auskunft über den Verbleib derselben gegeben werden. Zum Schluß empfahl der Vorfitzmde. recht rege auf daS„Berliner VolkSblatt", sowie auf den„Bauhandwerker" zu abonniren und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf da« Gedeihen dei Fachvereins der Eteinttäger die Versammlung. bfa. Der Verband deutscher Zimmerleute hiett am Sonntag, den 18. d. M., Vormittags, AndreaSstr. 21 unter dem Vorsttze de« Herrn Darge eine auherordentliche General« Versammlung seiner sämmtlichen Lokalverbände von Berlin und Umgegend ab, um zunächst der Wahl von 5 Delegitten zum bevorstehenden Breilauer HandwerkStag der deutschen Zimmer« leute am 13., 14. und 15. Juni d. I. vorzunehmen. Dieselbe fiel auf die Herren Darge, Seiyt, Lost, H. Lehmann und Peschmann. Beim Punkt„Verschiedenes" gelangte der von der Lohnkommisfion dehuss weitester Verbreitung auf allm hiestgen Zimmir Plätzen ausgearbeitete statisttsche Fragebogen, betreffend die derzetttgm Lohnsätze und sonstigen Arbettibe- dingungen, sowie die Stellungnahme zur jetzigen Zimmerer« Lohnlommisfimr und zu den von den letzten Generaloersamm« lungen zum Beschluß erhobenen Forderungen, zur Ausgabe und forderte Herr Scitzt alle Kollegen dringend auf» fich an der Beantwortung der Fragen inigesammt ohne Ausnahme und so gewissenhaft und wahrheitsgemäß wie nur möglich zu bethei« ligen. Femer machte der Vmfitzende der Versammlung de« kannt, dah am nächsten Donnerstag, Nachmittags 3 Uhr, bei Gratweil in der Kommandantenstrahe eine öffentliche Versamm- lung aller zm Zeit arbeitslosen Berliner Zimmerleute stattfinden wird. Die Vereinigung deutscher Stellmacher(Mitglied- schast Berlin) hielt am 17. d. M. in Keller's Salon eine Mit- gliederversammlung ad. Zu Deleairten für die bevorstehende Generalversammlung wurden gewählt für Berlin die Herren: Glaubitz, Wilhelm, Graack, Bruh, Thom und Hölzke. Für Breslau wurden gewählt die Herren: Singert, Elein, Albert Damke und Böhm. Für Hamburg die Herren: Minkwitz, Geelhaar, Paulik und Barthel. Für Hannover die Herren: Wachaus, Mentzel und Dickmann. Außerdem werden die Städte Breslau und Hannover, je einen Delegirten senden. Als Reservemänner wurden dann noch die Herren: Nooack, Waherzieher. Günemann, Schwarz und Grell gewählt. Herr Graack machte bekannt, dah die Gmeralversammlung am Mon- tag, den 26. d. Ä., stattfindet und um 1 Ubr Mittags in Sanssouci, Kottbuserstr. 4, eröffnet wird. Am Mittwoch, den 21. April findet eine große öffentliche Versammlung sämmt- licher Stellmacher Berlins in Keller'S Salon statt. Herr Giaock verliest sodann die Quittung der Möbelpolirer der Pfaff'schm Fablik über die empfangenen 4,50 M. Weiter macht derselbe bekannt, dah die nächste VereinS-Versammlung im„Berliner VolkSblatt" bekannt gemacht wird. Die Mit« glieder, welche bei der stattfindenden Generalversammlung alS Zuhörer zugegen sein wollen, haben fich durch ihr OuittungS- buch zu legttimiren. br. Im Fachverein der Schlosser(bei Gratweil) wurde am Sonnabend ein Anttag auf Ausschließung eines Mitgliedes erledigt. Nach sehr langen Erörterungen wurde der Antrag mit großer Majorität abgelehnt. In Bezug darauf, dah für die letzte öffentliche Schlofierversammluna ein Referat de« Reichs« tagSadeordneten Herrn Grillenberger ohne Ermächtigung deS« seiden angezeigt war, wurde die Erklärung abgegeben, dah zu der Zeit, wo Herr Grillenberger definittv absagte, eS nicht mehr möglich gewesen, die destellte Anzeige abzuändern. Der Hinweis deS Herrn Pirch auf einen im„Berliner VolkSblatt" er« schimenen Bericht deS Vorstände« de« FachvereinS der Metall« schraudendreher, in welchem eS als„sehr bedauerlich" bezeichnet wird, dah die Schlosser, dmen die Sch-aubendreher doch zu HUfe gekommen seien, diesen bei ihrem Streik keine Unterstützung zugewendet haben, veranlahtr Herrn Miethe, den Vorfitzenden der damaligen Lohnkommisfion der Schlosser, zu erklären, dah ihm von einer Unterstützung der streikenden Schloffer seitens der Metallschraudendreher nickt« bewußt sei und zu beantragen, dah der Vorstand in einem Schreiben den Vorstand deS Fach- vereins der Schraubendreher auf den Jrtthum hinweisen und ersuchen möge, den Jrrthum öffmllich zu derichtigen. Durch Vorlegung von drei Quittungen mit der Unterschritt des Haupt- kasfirers der Schraubendreher wurde auch noch konstatirt, daß fetten« der Schloffer den Schraubendrehern 23,30 Mark zuge« gangen find. Der Anttag Miethe wurde einstimmig ange« nommen. An die Mechaniker, Ohtiker, Uhrmacher«nd chtrnr- gtschen Jnstrnmentenmacher Deutschlands ergeht vom Vor« stand deS deutschen Unterstützung� Verbandes für Mechaniker, Optiker und Uhrmacher folgender Aufruf: Am Sonnabend, den 12. Juni und die folgenden Tage findet in Jena der erste Verbandstag deS Unterstützungs, Verbände« für Mechaniker, Optiker und Uhrmacher statt. Denselben auch auf die chinirgi- sehen Jnstrumentenmacher auszudehnen, ist der allseitige Wunsch der deutschen Kollegen. Wir laden deshalb alle obengenannten BerufSzweige freundlichst ein, fich auf dem Verbandstage ver« treten zu lasten. Die Nothwendigleit erheischt, dah möglichst alle Städte Deutschland« vertreten find. Wir ersuchen alle Kollegen, welche fich auf dem Verbandstage vertreten laffen wollen, stch mit dem unterzeichneten Vorstand in Verbindung zu setzen. Die Verhandlungen find öffentlich und hat Jeder« mann Zutritt. Im Austrage: Georg Kirsten, Adlerflr. 11 in Stuttgart. Apolda, dm 16. April. Gestern Abend fand im hiestgen SchützenhauSsaale eine von 4—500 Personen besuchte Volksversammlung statt, welche dem Schicksale der Auflösung verfiel. Herr Dr. Schönlank referirte über„Reichstag und Sozial« reform". Redner kritifltte in drastischer Weise die Thätigleit deS Reichstages und legte unter Benutzung statistischer Nach- weise dar, wie wenig Ersprießliches diese Thätigleit bisher für da« arbeitende Volk geboten hat. Von einer wirklichen Sozial- reform sei Dank der konservativen Majorität noch keine Rede gewesen, wohl aber habe man eine Anzahl Gesetze und Ein« richtungm geschaffen, welche einer gesunden Ent-ickelung der sozialm Verhältnisse große Hemmnisse entgegensetzten. In diesem Sinne kam Redner— nachdem er ca. 1 Stunde gesprochen— nunmehr auch auf das Sozialistmgesetz zu sprechen. Mitten in den Ausführungen deS Redners erscholl plötzlich der Ruf:„Ich bitte ums Wort". Der Ruf kam von — dem Herrn Bürgermeister und OrtSpolizeichef Echrön, welcher nun begann, dem Herrn Referentm Abschweifung von der Sache vorzuhatten. Referent habe über„soziale Reformen" sprechm wollm, er habe bis jetzt nichts gehört, als„aufreizende Reden". Wenn der Refermt in dieser Weise fortfahre, müffe er die Versammlung auflösen,„so leid ihm daS thue,(?) denn er selbst sei ein Freund der Arbeiter". Herr Dr. Schönlank, bemerkte dem Herrn Bürgermeister, dah das heutige Versamm« lungSthema„Reichstag und Sozialreform" lautt und sei er da doch wohl nicht von der Sache abgewichen, wenn er die gesetz« geberische Thätigkett deS Reichstages beleuchtet habe. Er wolle aber trotzdem, um einer Auflösung der Versammlung zu ent- gehen, den eben berührten Gegenstand fallen laffen; man er« sähe aber au« der eben gehörten polizeilichen Intervention, welche Früchte daS Sozialistengesetz gezeitigt habe. Nach dieser Rechtfertigung des Referenten brauste ein Beifallssturm durch den Saal und nun erklärte der Herr Bürgermeister ohne jede nähere Motivirung die„Sitzung" für aufgelöst und verlieh sofort dm Versammlunglsaal. ohne auf eine Anftage des Vorfitzenden, auf Grund welches Paragraphm die Auflösung erfolgt sei, Antwort gegebm zu haben. Nachdem der Vor fitzende die An« wesenden zum ruhigen Auseinandergehen ermahnt hatte, mtleerte stch ruhig der Saal. In zahlreichen Restaurants wurde über dai Geschehene noch eifrigst diSkutirt. Wie wir hörm, wird gegen die Auflösung— übrigen« die erste in unserer Stadt— Beschwerde geführt werdm. * Gauverein Berliner Bildhauer. Heute Abend Annenstr. 16 Vorttag. Oeffentltche Arbeiterinnen-Versammlung heute Abend 8'/, Uhr im Lokale deS Herrn Silber, Schwedterstr. 23. Tagesordnung: 1. Vortrag über Produktion und Konsumtion. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Refermt Herr Mar Kreutz. Männer haben Zutritt. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Stell« macher Berlins am Mittwoch, dm 21. April, Abend« 8 Uhr, in Keller'S Lokal, AndreaSstr. 21. Ausgabe der gedruckten Minimaltartfe. * Arbetter-Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt. Heute Abend 8 Uhr, bei Schramm, Hochstt. 32», Versamm« lung. Tagesordnung: 1. Einiges aus der Geschichte Preußen«. Referent: Herr Becker. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht recht zahlreich zu erscheinen, um dm Beweis zu liefern, daß fie treu und fest zu dem Verein stehm. * Fachveret« der Steindrucker uud Lithographen. Donnerstag, dm 22. d. M., Abends 8 Uhr, im Köntpslädlischm Kafino, Holzmarktsttahe 72: Gmeralversammlung. Tagesord- nung: 1. Kaffendericht. 2. Abrechnung vom Winterfest. 3. Bericht der Statutenberathung«- Kommission. 4. Besprechung deS Antrages über Abhilfe deS LehrlingSunwesenS in dm Ltthographiedranchen. 6. Gründung einer Fachzeitung. 6. Verschiedenes und Fragekastm. Der Eintritt ist nur gegen Vor« lung der Mitgliedskarte gestattet. Gäste, welche stch als Iglied aufnchmen lassen wollen, haben Zutritt. * verband deutscher Zimmerleute, Lokal«* Berlin Nord. Mittwoch, den 21. d. M., Abend« SV. W Schramm's Restamant, Hochstrahe 32», GeneralversaiiM Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Berufung Roffow Verschiedenes und.Fragekafien. Gäste, welche sich alS M(P aufnehmen laffen wollen, haben Zutritt. * Deutscher Senefelder Bund, Mitgliedschaft M im Restaurant Weick, Alexanderstrahe 31. Heute*befl5:' Versammlung. * Fachverei« der Mechaniker, Optiker, Uha* chirurgischer und anderer Jnstrumentenmacher. Mittwoa-i 21. April, Abends präzise 81/, Uhr, im Lokale deS Herrn* Kommandantmstr. 71—72, Mitglieder-Versammlung.« ordnung: 1. Vortrag des Rechtsanwalts Herrn Dr. j? über„gewerblicke Rechtsverhältnisse". 2. Diskusston. M schiedeneS. 4. Fragekasten. Die Mitglieder werden � die ausgefüllten Fragedogen mitzubringen und für jld<> statt einm oder mehrere Vertrauensleute zu wählen. 9 willkommm. Aufnahme neuer Mitglieder. * Oeffentltche Versammlung der WäschezuW und verwandten Berufe am 21. April, Abends 8 W Saale deS Herrn Weick, Alexanderstr. 31. Tages• B* Die Nothwendigleit einer gewerkschaftlichen Org«»l' Refermt Herr Diettich. * Oeffentltche Arbeiteriuue«- Versammlung.' Abend 8V, Uhr. im„Wedding Park", Müllerstr. 178.» Ordnung: 1. Arbeiterwohnungen. Referent Herr Dr. Li» 2. Soll der Nordverein weiter bestehen? 3. Verschi* Männer hadm Zutritt._ Ketzte Nachrichten. Paris, 19. April. Bei den gestrigen Ersatzwahl zu Deputirtm Hannotaux im AiSne- und Du Gouyotl* rm Nonne-Departement gewählt worden. Im Dep-w Seine et Oise ist Journault(gemäßigter Republikana Senator gewählt wordm. Brindisi, 18. April. Von gestern bi« heute I kamen hier 6 Cholera-Todesfälle und 4 neue C Holerat langen vor. Der„Köllnischen Zeitung" wird unterm 15. gemel» auch in Venedig in dm letzten Tagen mehrere Chole» darunter einige mit schnell tödtlichem Verlauf, bekannt! dm seien. Genaueres über die Anzahl der Fälle sei Sermitteln, da die Behörden, wie eS scheine, strengstett weigen angeordnet hättm, um den gerade jetzt stärker I Menden Fremdenbesuch nicht zu verscheuchen. Was Griechenland betrifft, so hat die Pforte* erneutes Gesuch, die Abrüstung nochmals zu verlangen, mehr von sämmtlichen Mächten Antworten erhalten, i denselben herrscht vollständige Uebereinstimmung über die' wendigkeit, eine Abrüstung GiiechenlandS herbeizuführen. Der„Voss. Ztg." meldet man über die Verhandlung! die sozialistischen Schriftsteller Duc.Quercy und Ro» Paris: Nach zweitägigen Verhandlungen wurden Ro? Duc Quercy wegen Aufreizung der Decazeviller BergleZ gangen durch Mittheilung falscher Nachrichten an ihre»' und wegen Beschimpfung eine« wetterarbeitenden Berg? zu fünfzehn Monaten Gefängnih verurtheilt. Die Verths hatten die Zuständigkeit des Gerichts bestritten und! Preßvergehens Geschworene verlangt. Gegm den geaensi? Gerichtsbeschluß meldeten fie Berufung an und die AnggJ zogen stch zurück, waS fie nach franzöfischem Rechte durf« daß fie in contumaciam verurtheilt wurden. Eine gro�s sammlung im hiestgen FaviSsaale unter Basly'S Vorfitz be> einen der beiden verurtheiltm Journalisten, den daS L« zeichnen wird, für RcchefortS Pariser Abgeordnetenmandt Kandidaten aufzustellen. Kleine Mittheilnngen. Friedrichsruhe, 16. April. Ein Feuer, welche«! letzten Nacht gegen 12 Uhr in der dem Fürstm BiSir/ hörenden großen Sägemühle ausbrach, nahm, gmäh arohe Mengen Holz, rasch einm solchen Umfang an, 2 Uhr daS ganze Etabltffement ein einziges Flamme: dete. Die Hitze war gewaltig und auf wette Entfe merkbar. VorfichtS halber telegraphirte man nach Halt, die dortige Feuerwehr um Hilse. Der erste Zug der! Feuerwehr fetzte stch sofort mit einem großen Theil de«' schaft und mehreren Dampfspritzen zum Abrücken bereit- 3 Uhr MorgenS kam indeh Gegmordre und die Nack« man daS Feuer in der Gewalt habe. Die Herr sä Spritzen und diejenigen aus den Nachbarorten boten! auf, waS in ihren Kräften stand, jedoch ist dtt. müble gänzlich zerstört worden. Der Schaden"i groß, da auch die Maschinen unbrauchbar geworden find! die Entstehungsursache ist bisher Bestimmtes nicht dek»* worden. � Lemberg(Galizien), 17. April. In der Stadt®; heute Nachmittags aus bisher unbekannter Ursache ein J Brand ausgebrochen, der in Folge des herrschenden. artigen SturmeS fich immer weiter ausbreitete. U>n Mittags ist hier die letzte telegraphische Nachricht eingetroffen. Seither fehlen weitere Mittheilungm, � Telegraphengebäude abgebrannt und die telegraphi!� bindung unterbrochen ist. Von hier wurde ein HiliSt«� Stry abgelassen.— Ein späteres Telegramm lautet:™ letzten Nachrichten, die aus der Vorstation Bircza. einlangten, hat der Brand in Stry außerordentlich«' stonen angenommen. Die gan-e innere Stadt steht men, aber auch in den Vorstädten hat ber� FeuerSbrunst um fich gegriffen. DaS Bahnho brennt ebenfalls.—(Nachrichten vom 19'» zufolge find bei dem Brande, wie bis dahin war, 40 Personen in dm Flammen umgekommen. tausend Personen find obdachlos. Der Schaden ca. 4 Millionen Fl. geschätzt. AuS Panama wird gemeldet, daß durch eine, Höhe der Tumaco-Jnsel erfolgte Explofion deS Daw« lombia" fünf Personen getödtet und 22 schwer venr>u>, den.(Tumaco ist eine Insel im Großen Ozean an � von Ecuador.)_ er», wie bald{ fie suche u nn Leben, woran ma letzte« Tru _„So Ist mir ni de»„kalte: reich ist, i kommen? I «Ich kosten"? Kriefkasten der Redaktion«,©ieden« A. ft., Kastanien-Allee. Es war ein Jnthu-n ferenten. Alter Abonnent. Ein Kriminalbeamter ha» „Ach Herr Kadi Recht, Jemanden in der Kneipe oder sonst al«-j, bezeichnen. Stellen Sie Strafantrag g�en chn ufl® anwaltschaft, und, wenn diese daS erheben Sie Privatllage wegen Beleidigung Nachrede. Z. z. 400. Wenden Sie fich an den deuts?; in der betreffenden Stadt Frankreichs, oder aber an Gesandten in Pari«, die Ihnen bei Ermittelung halte« de« Betreffenden gewiß behttflich sein werdm- � eS nicht, dm Aufenthalt zu ermitteln, so tonn au®.,, licht Zustellung zum Termin geladen werden.®' � aber nicht zu fürchten, daß die Forderung verjähr»'-„e unbekanntem Aufenhall de« Schuldners beginn» jährung überhaupt nicht. V? I. B., Wetßensee. Ein Mamerpolier. TO< beitem statt des baaren Lohnes Werthmarken � dadurch gegen die§§ 115 und 146 Nr. 1 der Gew», und ist strafbar, auch wenn er keinen Nutze»» zogen hat. Sie wolle, brauche«, Stiche!"" doch dem zweifelt ist in einem! hinaufarbe! fleißig sei« wüßte ab. «°de zu s, dran bi» I' „Echä Lerantworttttda fttdatUiu SU CsMltta im Stostuk SumC und Verlag von#«% Bnbtmg im Sofia iW««eaihstraß, 3.