goIaW* SV«% eifantt» Ä LÄ ■d tz«W in »r. 94 Mittwoch, de« 21. April 188«. ID. Jahrg. I ;on. 3. rden(f iffS "Z'K Dij«* tiumj S8m verslB crlimrVMlM Krgan für dir Inleressen der Arbcitrr. 4 Da« �verltuer Volksblatt'" _.„«S auftet nach Sonn« und Festtagen, klbonnementiprri» für Lerlin frei Hau» vtertrljShrKch 4 Mark, monatlich 1,36 Mark,»öchentlich 86 Pf. Postadonnement 4 Mark. Äinufne-Rümmer 5 Pf. LonniagZ' Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzetwnechvrelslist« für 18öS unter Rr. 769.) bei »sertionsgebühr Kedaktio«: Keathstraß« 2.— Gvpeditio«: Zimmerstratze 44. iuqot(d D-P« blllon« heute\ lholer-l gemelR fem ;!annt i ille fei ;efl0n» stärker( '.forte* lange»« usühre«- .niluflft. B-rgleA r ihr«-: Dir Zivilisiilioii. e n undj geaentlf ie Ange» ile dun» ie_ Zorfltz da» ienma welches :»M genahrfj 5 an, nme rntfe h Ha« g dert leil bereit-, W sttachstZ herr«-� i böte» 1 i-t die' aden j'; >en find� cht bel-»' rA nicht«g ngen..� SBircjöi rJ ZahnhoM imen. den «Seht, wir Wilden sind doch best'« Menschen!" läßt der brave Seume einen Huronen zu einem zivilifirteu Mensche« sage« und so wie der Dichter die Sache darstellt, behält der Wilde dem„übertünchten- Europäer gegenüber Recht. Wir schwärmen nicht für Huronen, den« eS est schon zu lange her, seitdem wir Cooper» Romane vom alten Leder« strumpf u. s. w. gelesen haben; wir schwärmen auch nicht für afrikanische Neger. Aber in manchen Fällen will eS uns schier bedünkeo, al« ob fich die Afrikaner dem Europäer gegenüber in der Situation de» von Seume besungene« Huronen befände». Da» ist kein Ruhm für Europa und die Europäer, wenn e» sich so verhält; wir wollen un» drum die Sache ein wenig näher ansehe«. Die afrikanischen Neger mögen fich manchmal baß verwundern über die„Zivilisation", die mit wehenden Fahnen ihre« Einzug in Afrika hält, gefolgt von dem Schwarme jener große« und kleinen Händler, die mit Glasperle», mit blecherne» Schmucksachen und vor Allem mit— Schnap»«S verstehe», die vortrefflichen Produkte der tropische» Zonen mit ungeheurem Vortheil eiozu- tausche«. Aber sind de«« diese Händler die Träger unser Zivili« satio»? Wen« der Europäer den ganz und halb wilden Volks- stämme» gegenüber von seiner Zivilisation spricht, so ver- steht er darunter doch gewöhnlich seine höhere Bildung und die au» derselben rewltirende« höheren LebenSgenüste. Da- bei ist freilich in Erwägung zu ziehen, daß der soziale Untergrund, auf dem sich diese Zivilisation aufbaut, ein ver« fehller ist; wir sehen in der modemen Gesellschaft eme ge- ringe Anzahl von Menschen die Vortheile der Zivilisation genießen, während eine ungeheure Menge deren Lasten zu tragen, ihre Kosten zu bestreiten hat. Aber wen» davon geredet wird, daß man den Negern in Afrika die V o r t h e i l e unserer Zivilisation zu- wende« wolle, wa» kann der unbefangene Mensch den« da erwarten? Wenn unsere höhere Bildung der Haupt- vortheil unserer Zivilisation ist, müßte eS dann nicht da» erste Bestreben sei«, de» Neger« von dieser Bildung zuzu- wende», soviel nur immer möglich? Geschieht da»? Nu», e« wird da» Niemand zu be« Haupte» wage»; nicht einmal ernsthafte Versuche werde» gemacht. Von einer Seite wird man un» einwenden: Aber da» Alle» besorgen ja die Missionäre! Nu», da» will un« nicht einleuchte». Die Missionäre sind un» viel zu einseitig und haben an viele» Orten auch schon die konfessionelle« Streitigkeiten unter die Wilde« , eine Da> vc \ n an t** rrthuin >> 5-' »S1 Mi* I nnt w-lckel Jeuitleton. Der Trödler. Roma» von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) "Sie find mir auch jrtzt«och an'» Herz gewachsen, nexzellerz, und ich möchte weinen, wenn ich dran denke, ? wie bald ich vor meinem alte« Schrank stehe« werde und ie suche und nicht mehr finde I— E» giebt aber oft Dinge m Leben, Herr KabinetSrath, für die man Alle» einsetzt, woran man gehangen, um die man gewissermaße» seine» letzte« Trumpf ausspielen muß I* „So so j— Brauchen Sie den» auch'mal Geld? Ist mir nicht»echt glaublich I— Höre da, Sie wolle« den„kalten Stein" an fich bringe«; ein Man», der so «ich ist, daß er da» kann, wie sollte der in Verlegenheit kommen? I" «Ich bin'» aber doch!" „Wie viel solle« denn also die Boissier« allesammt Mea? Wozu überhaupt, wen« man frage» darf, brauche» St« den» so«öthig Geld?!" »Ach für Geld verkauf' ich die Sammlung gar nicht, Herr KabinetSrath!' »W°S heißt da»?!" «>.~«ir einst gesagt:„„Fordern Sie, so viel Sie wollen, Zufiu». Wen« Sie bei der Regierung'wa» brauchen, fei», wa» e» sei— nur verkaufen Sie mir die Sttche!""— Zch wollte Sie recht schön bitten, geben Sie doch dem Assessor Edmund Henning», der jetzt ganz ver« zwelfelt ist, eine Stelle bei der Regierung. Irgend welche in ewem Bureau, wo er sich zu einer anständige» Charge �"aufarbeiten kann, wenn er fleißig ist— und er wird fein— dann habe» Sie die Stiche umsonst! E« wüßte aber bald geschehe«. Exzellenz, sonst kommt'» am dran bin i" auch«immer wissen, daß ich schuld »Schätzlei« I Mensch! I Ja, bin ich den« blind gewesen verpflanzt. An andere« Orten haben sie fich den Negern gegenüber eine Gewalt angemaßt, die sie niemals mit Recht beanspruchen konnten. Wenn diese Herren einige Negerinnen bewogen haben, statt einer Schüeze künftig eine« Unterrock oder ei« Hemd zu tragen, glauben sie ungemein viel für die Zivilisation gethan zu habe«. Wir sollten in diesem Fall gegenüber de» Wilden etwa» vorsichtiger sein und wir müßten eigentlich den Muth haben un» einzugestehen, daß eine halbnackte Negerin keineswegs die Sinnlichkeit so sehr zu errege» geeignet ist, al« etwa eine moderne Balletdame im Kostüme, oder ähnliche Erscheinungen unserer Zivilisation. Wir sind keineswegs prüde; aber wen« man e» in Europa nicht nöthig zu haben glaubt, prüde zu fein, so wolle« wir es auch nicht als das größte Unglück bezeichne», wenn die Neger sich nur schwer einer europäischen Tracht angewöhne«. Ohnehin werden sie unsere Damenkostüme al« da» Produkt vollendeten Wahnwitzes betrachte«. Also Bildung für die Neger zuerst— dann kommen auch Lebensart und anständige Bekleidung! Aber wa» thu» denn die große« Zivilisatoren, die da ausziehe», um der Wissenschaft zu dienen, ftemde Länder zu erforschen und sie für die europäische Zivilisation vorzubereite«? All« Achtung vor den Opfern, die sie gebracht; alle Achtung vor ihrem Muth; alle Achtung vor ihren Leistungen I Unlängst hat sich der bekannte Afrikareisende Dr. Buch«er in einer Weise geäußert, die in einen Abgrund von inhumanen An« schaumigen, um kein anderes Wort zu gebrauche», blicken läßt. Gleich den meisten anderen Afrikareiseaden klagt der Herr Büchner auch über die A r b e i t S s ch e u der Neger. Ja, diese Leute haben eben, seit sie da sind, ihre geringen Ansprüche leicht befriedige» können und die Natur hat ihnen reichlicher gespendet als anderen Menschen. Sie sind harte Arbeit nicht gewohnt, au» dem einfache» Grunde, weil sie einer solchen nicht bedurft haben. Herr Buchner scheint ehrentrüsiet darüber zu sei«, daß e- in Afrika ganze iölkerschaste« giebt. die, im Verhättniß zu ihre» Gewohnheiten, Bedürfnisse» und Neigungen, ei» relativ leidliches Dasein führe« und bei denen die Zivili- sation«och nicht so weit vorgeschritten ist, daß Mann, Frau und womöglich auch die Kinder täglich 12, 13 oder 14 Stunden in einer Fabrik arbeite» müssen, um den aller- nothdürftigste» Lebensunterhalt zu erwerbe«. Wenn die Neger viele freie Zeit habe«, so könnte man sich um so mehr bemühe», ihnen Bildung beizubringe«. Ihre Kinder können dann mit Muße die zu errichtenden Schule» besuche«, statt schon, wie in Sachsen und Thü- ringe«, zu spulen und zu fädeln, oder, wie anderwärts,«eben der Schule r« die Fabrik zu gehe». Aber der Herr Buchaer will einmal die„Zivilisation" im Sturmschritt einführen. Er will die Afrikaneger„zur seither, mein Gott?! Weshalb thu« Sie— Sie diese Forderung? I" „Herr Jesu», wai geht Sie den« das an, Herr Rath? Wenn Sie ihm die Stelle erst gegeben habe«, dann werd' ich es Ihnen sage«! Wollen Sie die Sammlung?— Ja oder nein! Schlage« Sie ei«, daß er die Stelle hat, erst drei- bis vierhundert Thaler und Ausficht auf Avanzement I Mache« Sie, Exzellenz I" „Ich begreife Sie aber nicht, Schätzlei«!— Sie mache» mich an Ihrem Charakter ganz ine!" „Wollen Sie die Sammlung?— Denke« Sie doch, es sind vierzig rare Blätter, eine Prachtsammlung I" „Nein, Sie berücke« mich«ich», Schätzlei»! Hennings ist zu— zu kompromittirt l Es geht nicht I Wohin, mein Gott, soll man ihn den« thu«?!" „Wenn'« aber Ihr eigener Sohn wär', dem sein Weib fortgelaufen, nachdem er ihr Alle« an de« Hal» warf? Würde« Sie auch sage«: Er ist zu kompromittirt? Wohin soll man ihn den» thu«?— Fasse« Sie fich doch'mal an's Herz, Sie— Exzellenz Sie, die so viel besser find al» der schuftige Trödler! Bilden Sie sich mal ein, er sei Ihr Sohn I Habe« Sie nie vom barmherzige» Samariter gelesen? l" „Schätzlei«— ich will Ihne« etwa» sagen!— Hennings war gar kein schlechter Jurist, man könnt« wahrhaftig schwach sei« und über seinen Ruf, den er allerdings auch nicht allein verschuldet hat, ei« Auge zudrücken, aber— was haben Sie denn eigentlich davon?!" „Ich, ich habe die Engelsfreude davon, daß der todte Henning« im Himmel das ersie Mal Entzücke« hat an seinem Kinde! Der Alte hat mir geholfen, ich will den Sohn nicht verlasse«! Elend mußt' er erst werde», zur Erkenntniß kommen, elend durch eigene Schuld! Es giebt nur zwei Er- zieher für uns Menschen, Herr KabineiSrath, die Elter» und das Unglück! Und wo die Einen heimgegangen sind und ihre Pflicht versäumte«, da kommt das Andere und reinigt unser Lebe»! Auch mich Hat'S Unglück frühieitig klug müsse«, Exzellenz! Nur wer den Jammer an sich mache« erfahren, weiß, wozu ihn unser Herrgott schickt! Und I A r b e i t e r z i e h e n" und zwar nicht etwa in sanfter Weise, sondern es müsse«, wie er sagt,„die Zügel mit festem, schmerzhaftem Ruck angezogen werden"; Sanftmuth.GüteundBelehrunginWorten find für diese» brave« Mann bei de« Neger« vollständig ausgeschlossen. An die Stelle der Belehrung durch Worte will der Herr wahrscheinlich die Belehrung durch die Peitsche gesetzt wissen I WaS habe« den« die armen Neger eigentlich an un« verbrochen, daß man sie so behandeln will? Sie haben doch nicht etwa mit einem Einfall»ach Europa gedroht? Wai„Erziehung zur Arbeit' heißt, weiß man schon. Nach der Meinung des Herr« Buchner sollen die Neger ge- zwungen werden, den Plantagenbesitzern, Schnapthändler«, Spekulanten und was sonst noch als Träger der Zivili- sation nach Afrika kommt, ihre Arbeitskräfte zur Ausnutzung darbiete«. Wie es damit gemacht wird und wa» bezahlt wird, hat man auf S a m o a gesehe«. Der Zustand, w den die dortige« Eingeborenen bei der„Erziehung zur Arbeit" kamen, unterschred sich nicht von der S k l a v e r e r. Solcher Art sind die Anschauungen der Leute, welche vorgebe», in Afrika die Vorkämpfer europäischer Zivilisation zu sein. Wenn man bedenkt, daß schon vor mehr al» zwanzig Jahre« in Amerika die Negersklaverei nach dem blutige» Sezessionskriege abgeschafft worden ist, so möchte man sich fast schämen, daß wir in Deutschland Gelehrte habe», die so sehr hinter den modernen Idee» zurückgeblieben find._ Politische Urbrrstcht. Zur Affäre Jhring- Mahlow äußert die ultramontan« „Germania":„Die Affäre Jhring. Mahlow, welche der Abge- ordnete Singer bekanntlich während der Beraihuna der Ver- längerung deS Sozialistengesetzes im Reichstage der O-ffentlich- keit vermittelte, beginnt jetzt den Lauf durch die Gerichtssäle. Leider ist der Beginn der gerichtlichen Prozedur, über den wir weiter unten berichten, nicht besonders angenehm. Wir sagen„leider", weil wir im Interesse der öffentlichen Ocd- •»•*-——"-—-- V»-----,--»»» V•(> V«» aufnehmen lasten zweck» Beobachtung der Mitglieder deS Ver« eins. DaS find jetzt gerichtlich konstatirte Thatfachen. Darin liegt ersten? ein Vergehen gegen da» Vereins» gesetz. Jener Arbeiterverew war gesetzlich zugelassen, er durfte ftei tagen und wenn ein Polizist feine Verhandlungen beobachten sollte, so mußte er in Uniform erscheinen. Gegen diese Vorschriften hat der Kriminalpoltzist Jhring fich vergang«.«. Zweitens hat fich derselbe eine starte Unwahrheit zu Schulden kommen lassen, indem er seinen Namen und Stand fälschte, um die Mitglieder deS Verein» über feine Person zu nun, gebe» Sie ihm die Stelle und nehme« Sie die Sammlung 1 1" „Schätzlei«, der junge Mann soll eine Stellung haben, mein Ehrenwort!! Behalten Sie die Sammlung, Sie sind ei» Ehrenmann, ei« Juwel unter de» Menschen 1 1" „Nicht», nichts! Die Sammlung schick' ich Ihnen! Ich bin kein Juwel, ich bin ein Trödler, Exzellenz l Aver ei« ganz verdammt ausgewitzter Trödler, ich weiß— zu handeln!!" Neunte» Kapitel. Der Verkauf des„kalten Stein»' von Edmund an Schätzlei« war durch Notar Lex bewirkt und jede gericht- liche Formalität erfüllt, um den Befitztitel auf de« Trödler zu benchtige«. Schätzlei« hatte durch Lex dem jungen Manne die miethsfteie Bewohnung zweier Zimmer im dritten Stock anbieten lassen.— Hatte Edmund aber schon im Glück die Nähe der Trödlersfamilie nicht ertragen können, war er da- mals schon Mathilde« ausgewichen, weil ihm sein Gewisse« Vorwürfe machte, sobald er sie in der Ferne bemerkte, so war jetzt um so mehr, nun er verachtet, fast verarmt, im Hause seines Vaters ein Fremdling war und das drückende Bewußtsein seiner Schuld ihn peinigte, seine» Bleiben» dort nicht länger. Als er eben noch darüber nachsann, welche Form er finden solle, Schätzlein« Anerbieten abzulehnen, ohne die Familie zu verletzen, und er trübe, stumpf, wie ein Ge- strandeter, de» verstreute«, mühsam gerettete« Rest seiner Habe betrachtete, de« ihm der Orkan des Leben», die gefräßige Fluth seiner eigenen sinnlofen Leidenschaften elassen, erschien ein Ministerialbote mit einem Amt»- reibe». „Da» ist doch wohl unmöglich an mich?" „E« ist an Sie, mein Herr. An de» königlichen Oberlandesgerichtsassessor außer Dienst, Herr« Edmund Henning» Hierselbst. Schrägen Nr. 1 im„kalten Stein'. Ich bin hier ganz recht. Empfehle mich gehorsamst!' Edmund öffnete verwundert da» Schreiben. „Geschätzter Herr! Unterzeichneter nimmt Antheil an Ihrem Geschick, das täuschen. Wir wöchten dringend mahnen, daß man mit solchen Dingen Leute, die fich im Rahmen drr Glsctzlicktcit bewegen, verschont, denn sie sind sittlich unerlaubt und reizen zu Ungesetzlichkeiten. Nach solchem Vorgange ist eS erklärlich, daß Herr Jhring. Mahlow bei seiner Entlar- ming von den Vereint Mitgliedern etwas sehr unsanft vor die Thllre gesetzt wurde. Zhrtng- Mahlow hat vor Gericht ganz destimmt und eidlich dm TbSter, der ihn körperlich mißhandelt hatte, dezeichnet, allein der Thäter wies zeugeneivlich nach, daß er nicht der Thäter gewesen sei. Das Gericht nahm an, Jhring- Mahlow könne fich getäuscht haben und so wiid es ja wohl auch gewesen sein. Allein dann darf man eben nicht io bestimmt austretm und schließlich, waS hat die Thäligkeit eines Mannes in so verantwortungsvoller Stellung, der fich in den kritischsten Momenten seiner Funktion so eklatant irrt, für einen Werth? Wir könnm bei dieser Sachlage nur wünschen, daß beim wei« term Fortschreitm der gerichtlichen Prozedur fich an diese That- sache nicht noch ebensolche anreihen, denn dann lebten wir, waS diese Seite de» öffmtlichen Leben» anlangt, in ganz u n- gesunden Verhältnissen."— Die„Germania" w'rd wahrscheinlich noch einsehen, daß wir allerdings„in ganz un« gesunven Verhältnissen" leben. Marx und Blind. Fürst Bismarck hat bekanntlich im Reichstage am 31. März den Mörder Blind einen Zögling von Ma,x genannt und erklärt, daß er nicht wiffe, ob Marx Mör. der gezüchtet habe. Hiergegen richten die beiden Töchter Ätm x'S eine Zuschrift an dm„Sozialdemokrat" in Zürich. Sie de- merkm, daß Blind seit seinem 12. oder 13. Jahre Marx nie mehr gesehen oder gesprochen habe, und verwahren fich in schärsstm Ausdrücken gegen die Auffaffung des Fürsten Bis» marck über den Charakter von Marx. In einer Sackgasse befinden fich jetzt die Herrm Nattonallideralen. Stimmen fie für die kirchen- Politische Vorlage der Regierung, so werden fie von ihren An- Hangern im Land« verlaffen, da fie in den letzten Jahren ledig- Itch vom Kulturkampf gezehrt haben. Die nationalltde- ale Presse macht daraus lein Hehl, und besonders die in den Pro- vinzen, die fich etwas unabhängiger fühlt, als in der Haupt- stadt. Den Gang nach Kanossa will man unter keinen Um- ständen mitmachen. Es regt fich da im liberalen Philister der Protestant, der immer noch den Katholiken haßt, w.c er von diesem gehaßt wird. Wenn aber die Nationalltberalen gegen die Vorlage stimmen, so verderben fie e» mit dem Fürstm Bismarck vollständig, der fie dann bei den nächsten Wahlen an die Wand drücken lassen wird,„daß fie quielschm". Ist der Friede mit Rom gemacht, so gebraucht der Kanzler die National- liberalen nicht mehr. Am liedshn möchten dir Nationalltberalen fich drücken, da ihnen einerseits der Muth der Ueberzeugung, andererseits der Muth des Widerstandes fehlt. Aber es ist nirgends ein Seitenloch in der Sackaaffe zu entdecken, durch welches man entschlüpfen könnte.— WaS aber wird geschehen? Nun, wir haben dir Ueberzeugung, daß die Nationalliberalen unter dem kaudinischen Joch, welches Rom errichtet hat, hin- durchgehen werden, damit Fürst Bismarck weiter Wohlgefallen an ihnen finden möge. Sie haben ja einen geschmeidigen, wohlgeüdten Rücken die Herren, so daß ihnen das Bücken nicht schwer fällt. Kirchenpolttik und Erneuerung de» militärischen Septennats.„In dem Augenblicke, da eS fich um die Er- Neuerung deS militärischen Septennat» handelte," so schreibt die gouvernementale„Schlefische Zeitung",„wäre Windthorst mächtig genug gewesen, die Alternative zu stellen: entweder die preußische Regierung geht bedingungslos nach Kanossa, oder das Sevtennat wird abgelehnt. Daß«in Verfassung»- konflitt im Reiche dann wenigstens möglich war, ist unbe« streitbar. Diese schwere Gefahr für unserm äußeren und inneren Frieden ist glücklich abgewendet." Danach hoffte also Bismarck durch seine„Friedensliebe" den Militarismus zu retten. Zum Jubiläum de» Justizminister» schreibt das „Berliner Tagedl.":„Gelegentlich deS fünfzigjahriaen Dienst. jubiläumS deS Justizministers Dr Friedderg haben die regierungsfreundlichen Blätter die Dinte nicht gespart, um die Verdienste deS Minister«, die auch wir anerkannt haben, in dem rechten Lichte erscheinen zu lassen. Leider hat man bei diesem Anlasse nicht erfahren, ov ei wirkl ch dai Verdienst dei Justizministers ist, daß zunächst fieben Landgerichte und darnach drei Odergerichte in dt« Lage gebracht worden find, staatSrecht- liche Erörterungen über die Bedeutung de» AttitelS 32 der Reichsoerfaffung und über die Frage anzustellen, ob die An- nähme von Prtvatdiäten seitens eineS ReichStagSabgeord. neten. juristisch betrachtet, ein unerlaubtes oder gar ein wider die Ehrbarkeit verstoßendes Geschäft sei oder nicht. Beide Landgerichte haben beide Fragen verneint, drei Odergerichte haben die erste Frage ganz, die zweite theilweise bejaht. Weitere Entscheidungen stehen noch auS. Ob das Reichsgericht ichließlich in dem einen oder anderen dieser Diätenprozesse seinerseits eine Entscheidung zu treffen haben wird, steht noch dahin. DaS Ansehen der Rechtspfleae wird durch widersprechende Jnter- pretatwnen einer VerfaffungSbestimmung, welche bis dahin all- feitig alS Parteidiäten nicht ausschließend betrachtet worden ist, wohl nicht ganz i« dem Umfange verdient sei» mag, al« e» Sie betroffen. Am bedauerlichsten ist, daß einem jungen Manne von guten Fähigkeiten, wie Sie, deshalb jede Zu- fünft abgeschnitten sei« soll, jede Aussicht, sich mtt eigener Kraft aufzuhelfen. Da Sie, wie ich weiß, Anstellung suchen und eben der Posten eine« Hilfsarbeiter» im geheimen Zivil. kabinet Sr. Majestät vakant ist, so fordere ich Sie auf, unter Beibringung Ihrer Zeugniffe und Die-stpapiere sich persönlich bei mir um denselben zu bewerbe». Zch bin heut' Nachmittag für Sie in meiner Privatwohnung zu spreche». KabinetSrath von Buchmana." Der Brief entsank seiner Hand. Sein Glück machte ihn starr; e» beschämte ihn tiefer al» Alle», was rhm bisher geschehe« war. Verdiene ich, Elender, den« noch eine» solchen Strahl der Hoffnung, des Glück«? Zch, der an Allem geftevelt, was Vernunft, Ehre und Gefühl wahr und heilig nennen, der seine Jugend vergeudet, die Rose der echte» Liebe ent- blättert, die Asche seine» Vater« gekränkt, in dem, waS dessen Fleiß mit Mühe errungen, wie ei« Unfinniger ge- wüstet, der um ein gefühllose», selbstsüchtige» Weib den Engel von seine« Pfade« verstieß, de» Ratungsengel, und tiefste» Weh über die Einzige gebracht, die ihn wahrhaft liebte? Ich, der Niemand in de, Welt anklagen und ver- achten darf, al« mich, nur mich allein, ich soll«och hoffe« dürfe», mich wieder zu erhebe»? Sind Wunder möglich? Kann die Hand Gotte« so sichtlich sich niedersenken auf's Herz des Reuevollen und es erheben, höher al« er in seiner besten Stunde verdiente?! O, der alte Justus hatte recht mit seinem Zorn, seinem Haß, seiner Verachtung, hatte Recht in seiner Prophe,eihu»g: au» mir werde nicht« I Er hat mich gut gekannt, und Alle« kam, wie er'« dachte! Seine Härte war Weisheit,»nd er handelte vernünftig, sein mühsam Errungene«, die Zukunft seine« geliebten ei». zigen Kinde« vor den Händen de« Verwüster« zu erretten. oem nicht« beilig war, al« seine verrückte Laune, seine aus- schweifende Lndevschaft!— Bete und arbeite! Ja, Schätz- lein, beten will ich fortan in Reue und Schmerz, arbeiten im Schweiß meine« Angesicht», wie der vom Paradies Ver- seitens einer Reih« von Unter- und Obergerichten zum min« desten nicht geförvert. Die Verantwortlichkeit für dieses Er- gebniß aber trifft nicht die Gerichte, sondern die Regierung. die den Gerichten eine Aufgabe gestellt hat, die an der Hand de» posttiven Rechts nicht zu lösen ist. Ob e S wirklich, wie behauptet wird, der Justizminister ge. wesen ist, der die Initiative zu diesen Diätenprozeffen ergriffen hat, daS festzustellen wäre von Interesse." Dre„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hatte letzthin den„Pester Lloyd" angegriffen, weil dieser einen Bericht deS MaiquiS de FleiS über eine Unterredung mit der Königin Natalie von Serbien veröffentlicht hatte, in welchem behauptet wurde, Deutschland habe zuerst einen Rabatt von 2 Millionen, dann dieselbe Summe dem serbischen Kriegsminister angeboten, wenn die Bestellung von Kanonen in Frankreich rückgängig ge- macht und bei Krupp in Essen bewirkt würde. Der„Pester Lloyd"«rklätt nun, daß er berett sei, der Versicherung der „Norddeutschen",„daß weder die deutsche noch die preußische Regierung jemals irgend welche Verhandlungen der an» gedeuteten Art in Serbien g-füh't", vollen Glauben beizu. messen, und die vom Marquis de FlerS aufgestellte Behauptung als unwahr zu betrachten. Unter solchen Umständen könne er nur sein Bedauern aussprechen, daß er vom Marqui» de FlerS, trotzdem dieser für die Wahrheit aller seiner Behauptungen volle Bürgschaft zu übernehmen fich bereit erklärte, zur Ver« breitung einer solchen für die deutsche Regierung verletzenden Unwahrheit mißbracht wurde, er habe sofort mit dem genannten Herrn jede Verbindung abgebrochen. Verbotene Zeitung. Der„Franks. Ztg." schreibt man unter dem 18. d. auS München: Heute früh am Palmsonntag ist ganz unerwartet und in nach Zeit und Gelegenheit auf« fallender Weise wieder ein Blatt dem§ 11 des Sozialistengesetzes zum Opfer gefallen, nämlich die hier seit 2Monaten erscheinende„Münchener Abendzeitung", ein erst in der Entwickelung begriffenes, vorläufig wöchentlich nur einmal erscheinendes Blatt deS Viereck'schen Verlages. Nachdem der Minister v. Putlkamer bei den letzten Berathun- gen über Verlängerung deS Sozialistengesetzes in unzweideu- tigster Weise erklärte, daß die Regierung da« bisher von Ber- liner und andern Arbeiterblättern beobachtete Maß sozialer Kritik und Polemil anerkenne, ja dies sogar gewissen Blättern anderer Patteirichtung als Muster hinstellte, muß die in diesem Fall in München deltebte,„schärfere Tonart" überraschen. ES scheint fast, als wenn ein ungeschickter Mißgriff eineS polizei- lichen Organs vorliegt. Der Leitartikel, der als Grund der Konfiskation angegeben wird,„Eine vernünftige Idee",— behandelt eine Kundgebung belgischer Sozialisten, die vom Staate verlangen, daß er, dem Elend der Arbeiter ein Ende zu machen, die früher von ihm den Privatunternehmern konzesfi». nirten Gruben wieder in Befitz nehme und fie„Arbetteriyndt- katen" übertrage, welche fie im genossenschaftlichen Betrieb für ihre Rechnung und zu ihrem Nutzen auszubeuten hätten. Dieser Artikel, wie ein großer Theil de» übrigen Inhalts war in Deutschland erscheinenden Blättern verschiedener Parteirich- tungen entnommen. Wer die Arbeiterpubltzistir in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, wird zugeben müssen, daß die Blätter des Viereck'schen Verlags,„Recht auf Arbeit",„Deut- scheS Wochenblatt" und viele andere, schon dem Sozialisten- gesetz verfallene, die sozialistischen Grundsätze mit Mäßigung vettreten, sodaß nach Herrn v. Puttkamer» Äeußerungen selbst in Preußen ihre Existenz ungefährdet sein dürfte. Um so eigenthümlicher berührt diese in Bayern zur Anwendung kom- wende Strenge. vrntalttäte« russischer Grenzsoldat««. Dem„Ober. schlefischen Anzeiger" wrrv geschrieben:„Als am 13. d. M. der Ackerbürger K. aus Woischnik aus seinem Felde beschäftigt war, welche» dicht an die Grenze stößt, lieh er einem rusfischen Feldnachbar, der jenseits der Grenze arbeitete, ein Grattuch. Als er dasselbe zurückholen wollte, kam ein russischer Grenz» soldat herzu, lockte durch einen Schuß mehrere seiner Kollegen und diese schlugen den wehrlosen Mann blau und blutig(unS wurde ausdrücklich verfichert, daß diese Untbat auf preußischem Gebiet geschehen sei!) und sperrten denselben noch dazu ein. Erst am nächsten Tage wurde der Gemißhandelte auS der Haft entlassen.— Die„Schlefische VolkSzeitung" fragt:„Giedt es denn gegen rusfische Brutalitäten und Willkürlichkeitm keinen„kalten Wasserstrahl"?!" Oesterreich Ungaru. Am 13. d. entwickelte fich im Abgeordnetenhause eine sehr lebhaste Debatte über Strafhausarbeit. Von Recht» und Link« wurde darüber«. klagt, daß der Staat seinen eigenen Steuerzahlern in seinen 21 Strafhäusern(und Gefängnissen) Konkurren, mache. Die Unternehmer, welche die Arbeitskräfte von Sträflingen pachten, erdrücken durch deren Billigkeit(in Suben am Inn wird für ein Paar Kinderschuhe 8 kr., für Damenschuhe 10—12 kr. und für Männerschuhe 12 kr. Arbeits« lohn bezahlt) ihre Fachgenoffen, welche auf freie Arbeiter an« 6«wiesen find. Ei sei dies um so schlimmer, well die Straf« ruSarbell schon zu einer Art Großindustrie fich entwickelt bat. Man arbeite dottselbst mit Maschinen und mll allen möglichen Mitteln der Neuzeit und die Theilung der Arbeit sei in der stoßen« I Fort au» diesem Hause, da» ich nicht sürder ent- weihen will! Im abgelegenste» Winkel will ich hocken und arbetten, ringen zum Lichte empor mit allen Qualen der Verdammniß in der Brust, und wenn«» mir gelungen, mich wieder selbst zu adeln, meine« Namen mit Achtung genannt zu sehen, will ich Dir, mürrischem Alte» da unten, danken für Deine Härte, Dich um Verzeihung bitten, daß ich so vielfach Dich gekränkt, will einen Blick voll heißer, verstohlener Sehnsucht auf Dich werfe«, Du Geliebte und Genossi» meiner Jugend— dann mögen sie mich «eben meinen Vater betten,— müssen sie doch sagen: Er hat zwar ein elend Lebe« geführt, war ein Narr, ein Unsinniger, aber in ihm lebte ei« Erlöser und Heiland, die alte Kraft der Liebe und Ehre, die hohe Kraft der Ent- saguag und Arbeit, die hat ihn wieder entsühnt!" Er eilte zur festgesetzten Stunde, mit seine« Papiere« versehen, zu Buchmann und legte ihm rückhaltlo« eine Schilderung seine« Lebens vor.— Er erhielt die Anstel- lung.— Seine nächste Sorge war, eine bescheidene Woh- nung in einem entlegeneren Theile der Stadt zu miethe« und mit Jakob« Hilfe zu beziehen. Er verließ nicht eher da« Vaterhaus, al« bis er an Schätzlei« eine« Abschied». brief geschrieben, ihm darin gesaat, daß er einsehe, wie sehr er sei« Geschick verdient, und ihm anzudeuten, weshalb er ohne Lebewohl scheide» müsse. Ihm sei durch Äuchmaan eine Anstellung geworden, und er»olle sich befleißige», wenigsten« da« Uebermaß seiner Verschuldung in etwa« zu mindern. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und jeden. Ei« Attentat im Etsenbahn-Koupee. In Frankfurt o.M. wurde vor einigen Tagen ein Reisender eingeliefert, welcher in der Taunusbahn ein Attentat auf eine Dame auSgeüibrt haben soll. Zwischen Flörsheim und Hattersheim hörte ein Reisender in dem betreffenden Zuge HUferufe, welche anscheinend auS einem Neven-Koupee kamen. Der betreffend« Herr zog die im Waggon befindliche Noihbremse, worauf alsbald der Zug hielt. kleinsten Weise durchgeführt; auch betreibe man alle mögliä«» Gewerbe, bei denen der Werth der Leistung nicht im WeiV d«S dazu verwendeten Materials liegt, sondern in der Hand arbeit, in der Verwendung von Hilfsmaschinen und in d« Höhe deS Lohnes. Dem solle abgeholfen werden; der€%# solle in den Sttashäusern nur Artikel erzeugen lassen, die« selbst nölhig habe und überdies diejenigen Stiäflinge,»w der ländlichen Bevölkerung entstammen, auch zu ländlichen»f bellen verwenden, wie zu Flußregulirungen, Dammherstellunge«, Aufforstungen u. s. w. Auch die Frage der Errichtung Strafkolonien wmde gestreift. Nur ein einziger Adgeordneto der liberale Fabrikant Äatscheko, trat für die StraihauSasini und für Verpachtung der Arbeitskraft von Sträflinge« oj Unternehmer ein, weil die Sträflinge den freien Arbeitern W nicht empfindlich schaden. Kundenarbeit und Maschinenbetriv in Strafhäusern wies auch er zurück. Der Vertreter der% gierung kam den Wünschen, die ausgesprochen wurden, sw entgegen. Im Jahre 1884 aab es nach ihm in den Mann» strasanstalten zusammen 2 567 100 Arbeitstage, hiervon wirrW zur Ergänzung eigener Bedarfsartikel verwendet 546 000, f* Hausarbeiten 302 446, für Unternehmer 1 385 000 Tage M der Rest für andere Arbeiten nach Außen. JnSlünftig man, um alle Klagen möglichst zu beheben, die Sträflinge � zur Erzeugung von Regieartikeln und solchen, welche im 8% lande nicht genügend erzeugt werden, verwenden und fie am bei LandeSkulturardeiten deiziehen» wie dieS jetzt schon in Kal» then(Wildbachverbauung) geschehe. Belgien. AuS Brüssel schreibt man der«Magd. Ztg.":„Alle A» zeichen sprechen dafür, daß in diesem Augenblicke die Gähnst unter den Massen im Wachsen begriffen ist und vor eW neuen gewaltsamen Ausbruche steht. Die Arbeiter haben 1# ein ganz andere» System eingeschlagen. Da fie einen un«* t erbrochenen Streik auf die Dauer ja doch nicht ausbalA können, so treten fie die Arbeit an und unterbrechm fie sof» sobald ihnen ihr Lohn auegezahlt ist. Damit leben fie Wiedens! einige Tage und erneuern dann dasselbe Spiel. Da es d« Fabrikanten und Direktoren unmöglich ist, andere Arbei» aufzutreiben, so entsteht eine Unficherheit in der Produkts welche eben so gefährlich und schädigend wirft, wie ein r»? ständiger Streik. Ader selbst die Arbeiter, welche ihre Brb« besorgen, thun dies in einer Weise, welche deutlich erkenn/ läßt, daß fie nur auf eine Gelegenbeit warten, um loSzuW gen. Sie gehorchen weder den Werkführern noch den tronen, widersetzen fich allen Anordnungen, überbieten st Endlich steht auch fest, daß, wenn da« Gewicht zunimMv p Wachiihum stillsteht, und umgekehrt. DaS Maximu«� Gewichts fällt in den September; vom Dezember diS Stillstand. DaS Maximum deS WachSthumi entspriaf,«I Minimum der Gewichtszunahme; beide Lebenskräfte nicht gleichzeitig wirken zu wollen. Im Herbst und W. anfang nimmt das Kind an Gewicht zu und wächst n'»,' I Anfang SommerS an bleibt daS Gewicht stationär, ab' jr Kind wächst ungemein. Herr Hansen vergleicht diese» halten mit dem der Pflanzen, die er gleichfalls t"1«# untersucht hat. Er fand, daß die Bäume, wenn fie und Blüthen treiben, an Dicke nicht zunehmen; erst 0'% und Juli an wachsen fie, und im Spätjahr tritt eins, � ein, die den ganzen Winter über dauert. Außer dieser Kompagnie könnten bezeugen, daß Vacquier die Bezeichnung„honorable" am allerwenigsten zukomme. Vacquier verlangte nun diszi- plinarische Bestrafung Laguene's. Der Advolatenrath von Villefranche trat sofort zusammen und belegte Laguerre mit einer diSzrplinarischen Strafe, ohne ihm jedoch die Zurück- zichung seiner Worte aufzuerlegen. Dadurch war der Staats- anwalt gerichtet und heute fragt fich alle Welt mit Erstaunen, tjn Mann von notorisch anstößiger Vergangenheit—«S lajtim fich um einen Fall von Bestechung zu handeln— dazu komme, in einem hochwichtigen Prozefie die GesetzeSgewalt zu vertreten. Neben dieser erbaulichen Geschichte eineS aktiven Staatsanwalts kurfirt in Pari» seit einigen Tagen da» nicht minder erstaunliche Abenteuer eine? gewesenen Staatsanwaltes von Versailles, jetzigen radikalen Dcputirten vonSeine-et-Oise, Vergoin. Eine gewiffe Maria Schneider, Tochter eines ange« sehenen deutschen Kaufmannes in Konstantinopel und einer Griechin, die fich unter dem Namen Mlle. de Sombroil in die Pa> riser Halbwelt verloren hat, war auS Frankreich ausgewiesen worden, weil ste einen ihrer Liebhaber mit dem Tode bedroht hatte. Da lernte fie besagten Vergoin kennen, der wegen anderer «alanten Aber teuer fich in d-r Magistratur unmöglich gemacht aben soll. Er wirkte vom Polizetpräfekten die Zurückziehung de Ausweisungsbefehl» auS. Da jedoch die Dame fich mitten in einem groben Ball wider seinen Willen an Vergotn'S Arm geklammen hatte, ließ er vom Polizeiprafekten den AuS- weisungSbefehl erneuern. Letzthin plaidirte nun Vergoin in einem Prozeß in Marsaille. Im Auditorium steht er die Schneider, die ihm Zeichen macht. Um weiteren Skandal zu verhüten, eilt er zu ihr. Sie weiß ihn wieder kirre zu machen, so daß er beim Präfekten der Bauches- du- Rhone ihre Nicht- auSweisung auswirkt. Beide kehren nach Paris zurück, wo dt« Komödie von Neuem losgeht. Bald droht die Schneider auch Vergoin mit dem Tod. Er läßt fie von Spionen überwachen. Sie will seine Wohnung stürmen, so daß der Haus- wärter die Polizei rufen muß. Diese sorgt endlich für die | unwiderrufliche Abschiebung der gefährlichen Ctrce nach dem ! heimischen Bosporus. Caffagnac soll beabfichtigen, diese saubere Geschichte auf die Tribüne der Kammer zu bringen . wegen der Rolle, welche die beiden Präfetten darin gespielt haben. Vergoin soll vergebliche Schritte gethan haben, ihn , davon abzubringen. Es bestätigt fich, daß die Arbeiterdepulirten Michelin und Planieau alle Hebel in Bewegung setzen, um einen friedlichen Ausgleich zwischen der Gesellschaft und den Arbeitern von Decazeville herbeizuführen, aber eS ist noch sehr zweifelhaft, ob diese Bemühungen erfolgreich sein werden. Der Korrespondent deS„Tempi" hat eine Unterredung mit den Delegirten der Streikenden gehabt und fie geftagt, ob fie die Arbeit wieder aufnehmen würden, wenn der Ingenieur Blazy Decazeville verlaffe und die Gesellschaft die früheren Löhne jetzt wieder einführen würde. Die Delegirten haben d«S verneint. Bei Beginn deS Streiks würde die Absetzung Blazy's schnell den Zwist beendet haben, aber heute hätten fich die Dinge geändert.„Weder die Ab- reise Blazy'»," sagten ste wörtlich,„noch die Wiedereinführung der alten Lohnsätze find jetzt genügende Konzesfionen; wir wollen eine Erhöhung der Löhne und sogar mehr noch: die Enteignung der Gesellschaft- Sie sehen, daß die Gesellschaft und wir weit davon entfernt find, uni zu verständigen. Wir kämpfen gegen die AuShungerer und die Ausbeuter." Auf Louise Michel wurden am 18. d. in Nogent sur Marne von einer feindseligen Volksversammlung Revolver- schüsse abgefeuert.— Zwei Pariser Zollbeamte erschossen mit gewicht im Allgemeinen zu nach einer Erhöhung der Temperatur. Die von Herrn Hansen gefundenen Resultat«— so schreibt Herr Henri de Parville im„Journal des Debati"— stimmen suwt ganz mit denjenigen anderer Forscher überein, z. B. mit vL Arzt des Gefängnisse» von West- Riding, der von 1844 bis 1857 viertausend Sträflinge gewogen und gefunden hat, daß das Gewicht in den ersten Monaten des Sommer» D-»m» Im(B werkstelligen. Dagegen löscht der Staat etwaige Hypotheken und übernimmt andere Lasten. Die neue irische LegiSlatur zieht die Pachtzinse ein, die fich um 20 Prozent unter den jetzt aezahl.en Brutto-Pachtzinsen bewegen. Am Ende von 49 Jahren wird der Käufer des Gut«? der absoluter Eigenthümer desselben. Die ExpropriirungS-Operation wird fich di» zum 1. Marz 1890 erstrecken, und wird beabsichtigt, für die Zwecke derselben in dm Jahrm 1887/88 10 Millionen Lstrl., 1888/89 20 Millionen Lstrl. und 1889/90 weitere 20 Millionen Lstrl., im Ganzen 50000000 Lstrl. KonsolS zu emittiren. Nach 2'/« Stunde war die Rede beendet, der langanhaltender Beifall, hauptsächlich der Homeruler, folgte. Hierauf ergriff Cham« d e r l a i n da* Wort. Nachdem derselbe nochmals ausführlich seine Gründe, die ihn zum Austritt auS dem Gladstone'schen Kabinet veranlaßt haben, auseinander gesetzt hatte, erklärte er, daß seine Einwände gegen die irische Homerulevorlage zum Theit beseitigt sein würden, falls die irischen Volksvertreter nicht auS dem Reichsparlament ausgeschlossen würden. Mit Bezug auf die Landankaufs- Vorlage bemerkte er, obwohl der Betrag von 120000000 Pfd. auf 50000000 Pfd. ermäßigt worden, eS sehr fraglich sei, ob eS bei dieser Summe sein Be- wenden haben werde. DaS Rifiko empfindlicher Verluste sei nicht ausgeschloffen, und in anbettacht der gegenwärtigen Handelsstockung im Lande, deren Ende fich nicht absehen lasse, sollten dem britischen Steuerzahler solch große neue Lasten nicht aufgebürdet werden. England dürfte das Geld vielleicht in Kurzem selbst dringend brauchen, um dem immer größer wer- denden Nothstande unter den arbettendm Klaffen abzuhelfen. Ueberdie» sei e» nicht logisch, Staatshilfe den Bauern in Jr« land zu gewähren und den Kleinbauern in Schottland und den Arbeitern in England zu verweigern. Schließlich erklärte Chamberlain, daß die Meinungsverschiedenheiten, die ihn jetzt, hoffentlich nur für kurze Zeit, von Gladstone trennten, setner Hochachtung für dessen Charakter und Talente nicht den min- desten Abbruch gethan hätten. Er lChamberlain) sei kein un- versöhnlicher Gegner. Der Premler habe seine Vorlage bereits wesentlich modifizirt. Wenn diese Bewegung fortdauern sollte, dürfte er(Chamberlain) einer Haltung enthoben werden, die er nur mit größtem Sträuben angenommen habe und nur mit tiefstem Bedauern auftrcht halle. Schließlich wurde, wie eben- falls schon gemeldet, der Antrag auf förmliche Einbringung der Vorlage genehmigt, letztere abstimmungSloZ in erster Lesung angenommen und die zweite Lesung auf den 13. Mai angesetzt. Italien« Auf Verfügung der italienischen Regierung unterliegen laut telegraphischer Mittheilung auS Rom alle Schiffe, welche von den italienischen Häfen deS Adriattschen Meeres mit Ein» ichluß der österreichischen Grenzen eintreffen und auf der Ueberfahrt keinen verdächtigen Krankheitsfall hatten, einer siebentägigen Observation in den Häfen Agosta, Tarent, Gacta und St. Stefano; im Falle einer verdächtigen KrankhettSer- scheinung unterliegen die Schiffe einer 21tägigen Quarantäne in Afinara. Alle Schiffe, welche zwischen den italienischen Häfen verkehren, haben auf ihre Kosten vom Kapitanate dei Auslauft hakenS einen mit Zertifikat versehenen Arzt mitzufüh« ren. Die Paffagiere auf solchen Schiffen werden sodann nach ärztlicher Untersuchung und Bestätigung deS SchiffSarzteS, daß an Bord unter der Schiffsmannschaft und den Paffagieren kein verdächtiger Fall voraekomrnen sei, frei zugelassen.— Die Schiffe von Sizilien, Sardinien und den nicht infirirten italienischen Häfen unterliegen einer strengen ärztlichen Unter- suchung. Balkanländer. Ueberall hört man von Rüstungen und KriegSvorberei- tungen. Der Bau der Belgrader Fortifikationen wird be- schleunigt: die rumenischen Genie- Offiziere werden hierbei von deutschen Fachmännern unterstützt. So meldet ein Privat« telegramm des Hamb.„Corr." Nach derselben Quelle begiebt fich der türkische General Sadib Pascha nach Deutschland, um bei Krupp für 200 000 türk. Pfd. Kanonen zu bestellen. Der griechische Kriegsminister reiste am 19. d. zur Jnspizirung der Truppen nach Thessalien ab. Da» athenische Amtsblatt ver« öffentticht das Gesetz, betreffend die Vergrößerung der KadreS zur Aufnahme neuer Reserven. Einem Schreiben einer hochgestellten Persönlichkert auS O strumelien entnimmt die„PeterSbmStija Wjedomosti", daß für lange Dauer die Ruhe dort schwer zu garanttren sei. Erscheine eine neue Bewegung unvermridlich, so müsse Ruß. land fie in die Hand nehmen. Eine neue Revolution werde die Beseitigung des Battenbergers und die Sympathien sür Rußland auf die Fahne schreiben, waS allerdings eine gute Devise sei, aber keine nationale Aufgabe bedeute und nur auf einen Thetl der Bevölkerung eine Wirkung ausüben, daher den Bürgerkrieg hervorrufen werde, den türkische oder russische Truppen würden lösen müssen. Auf Grund sorgfältiger Beobachtungen warnt derfBriefschreiber, die Entwicklung einer neuen Bewegung„ohne rusfische Theilnahme" zuzulassen, da zum Schlüsse Rußland die Lösung doch in seine Hand werde nehmen müssen. Man steht, daß Rußland seine Adstchten auf die Balkanhalbinsel noch lange nicht aufgegeben hat. Koziale» mh Arvettervemegung« Auch bei den OrtSmssen ist die finanzielle Lage oft eine sehr bedenkliche. So ergicbt fich aus dem Berichte über die Lage der Ortskrankenkasse in Kreuzburg, daß dieselbe seit ihrem Bestehen schon zum zweiten Male in der Zwangslage ist, ihre Zahlungen einzustellen. Die Kreuzburger Kasse zahlt Unterstützungen an Wöchnerinnen und Begräbniß- gelder sür die Familienangehörigen der Mitglieder, wodurch fich die unvirheiratheten Mitglieder beschwert fühlen. Ein Gesuch um Abänderung d:s Statuts ist von den Behörden abgelehnt, wird aber jetzt wiederholt werden, da im März die Ausgaben von 1001,92 Mark die Einnahmen von 491,79 Mark weit überholt haben. Es ist in Schlesten nicht die erste OrtS« krankenkaffe, welche in Folge unrichtiger Organisation ihre Zahlungen zeitweise hat einstellen müssen und nachweislich find mehrfach die Unterstützungen an Wöchnerinnen daran schuld gewesen. Es macht fich oeshalb eine andere Verthetlung der Beitragspflicht nothwendig. da die Unterstützungen an Wöchne« rinnen jedenfalls fortgezahlt werden müssen. Magere Dividende«! Die VerstcherungS- Gesellschaften zahlten(wo es nicht ander» gesagt ist für daS Jahr 1885) fol« gende Dividenden: ».Inder Feuerversicherungs-Branche. Die Gladbacher Gesellschaft?>/> Prozent „ Oldenburger„ 10„ „ Kölner Rückversicherung 12„ „ Norddeutsche Gesellschaft 1884 12'/,„ „ Deutsche„ 14„ „ Preuß. National,, 26„ „ Berlinische„ 29'/,„ „ Magdeburger„ 34'/,„ „ Colonia„ 60„ „ Aachener und Münchener Ge« sellschaft 70„ „ Leipziger Gesellschaft Mai 1884/85 120„ b. JnderLebensoersicherungS-Branche. Di« Magdeburgische Gesellschaft 6'/» Prozent „ Preußische„ 12'/,„ „ Germania„ 15„ Der Nordstern 15„ Die Konkordia 1884 16'/,„ „ Berliner Gesellschaft 28V,„ u. f. w. Das find in der That recht nette Gewinne, denen sehr geringe voll» wirthschaftltche Erfolge gegenüber stehen. Au» Bayer« wird un» geschrieben: Wie im bayerischen speziell im Münchener B r a u g e w e r d e der mit allen Mitteln der Technik arbeitende, auf breiter finanzieller BafiS ruhende Großbetrieb die Klein- und Mitttlproduktion allmälig mit naturgesetzlicher Nothwendigkeit aufsaugt und vernichtet, dafür liegen jetzt einige anziehende Daten vor. Die Mün- chener Großbrauerei zum Spaten von Se dl mayer setzte besonders in München ein Hauptnahrungsmittel; dessen Billiger- «nden bedeutet also eine kleine Verbesserung im HauShaUS« budget des Emzelnen. Bereits damals wurde darauf aufmerk« sam gemacht, daß dies Vorgehen der Firma Eedlmayer einzig und allein den Zweck habe, dadurch anderen Brauern eine ge« fährliche Konkurren, zu machen, fie gleichfall» zur Reduktion de» BierpreiseS zu zwingen, in finanzielle Verlegenheiten zu stürzen und so allmälig die Alleinherrschaft oder doch die Hege« mome in der Bierproduttion an fich zu reißen. That« sachlich mußten die anderen Brauereien dem gewal- tigen Druck nachgeben und das Bter ebenso billig verkaufen, wie ihr durch seine Kapitalmacht so gewaltiger Kon« kurrent. ES liegen jetzt die G-schäftsberichte der Münchener Brauereien vor. Da heißt es in dem Rapport der Löwen- brauerei:„WaS da» finanzielle Resultat des abgelaufenen Jahres betrifft, so genügt für dessen Beurtheiluna der Hinweis auf die im vorigen Jahre hervorgerufene am 1. Dezember 1884 in Wrrksamleit getretene Herabsetzung deS BierpreiseS". Aehn- lich schreibt die Leitung der Hackerdrauerei:„Wie vorauszusehen, hat die eingetretene BierpreiSermäßigung unser dieS« jährigeS Bilanzergebniß ungünstig beeinflußt". DteS find die Aeußerungen größerer Etadltffements. Hören wir die Klagen kleinerer Attienbrauereien. Die Direttion der Kolosseums« brauerei schreibt:„Das nicht erfteultche Betriebsresultat findet seinen Grund in dem im Laufe de« Geschäftsjahres erfolgten ungerechtfertigten Preisrückgang de« Bieres". Jene der Ma« thäser Brauerei:„Den geringen Gewinn des verflossenen JahreS unterlassen wir nicht, darin zu erklären, daß auf Ver- anlassung hiestger Großbrauer der Bierprei» reduzirt wurde". - G°r nicht zu leugnen ist es, daß thatsäch- ö diejenigen Brauereien, die nicht großkapita- listisch betrieben werden, durch die Preisreduktion arg geschadigt wurden; ste arbeiten nicht so billig und nicht mit solchen Mitteln, wie die Großbrauer. Gute Geschäfte haben trotz dieser Preisherabsetzungen nur die Brauereien ge« macht, die im Stande find, ein schwunghaftes Export« ge schüft zu betreiben, d. h. die großen Unternehmungen. Bei der Ausfuhr werden wesentlich höhere Preise erzielt; man bedenke ferner, wie hoch die Einnahmen für die M a l z a u f» schlagSrückvergütung find. Dieselbe betrug det der Löwenbrauerei: 257,430 M. 44 Pf. oder 44 pCt. des Reingewinn? von 582.330 M. 75 Pf. der Hackerdrauerei: 148,136 M. 31 Pf. oder 27 pCt. de» Reingewinns von 546,494 M. 86 Pf. dem Bürgerlichen Brauhaus: ca. 90,000 M. oder 54 pCt. des Reingewinns von 165,048 M. 31 Pf. Solche Ziffern, die übrigens bei den fränkischen Exumt« brauereien sogar zwischen 50 und 150 rCt. schwanken, zeigen die Einträglichkeit de« Ausfuhrgeschäftes, das in seiner „ausgleichenden Gerechiigeil" den Zwei- Pfennig- Ausfall im Münchener Konsum mehr als ersetzt, daS die Klein- brauer zu Grunde richtet und den Lrauteffeldaronm Millionen über Millionen eindringt. Welche Stellung übri- aenS München beim Bierexport einnimmt, geht daraus hervor, daß unter den 595 Bierwaggons, die dem Export dienen, 364 den Münchener Häusern, davon allein wieder 90 dem Mün» chener Brauerkönig Eedlwayer gehören. Also 24.6 pCt. der Münchener, und 15,1 pCt. deroayr. Transportmittel vereinig- ten stch in den Händen deS einzigen Großbraueri Eedlmayer, für- wahr ein prächtiger, ziffermätziaer Beweis für die Tendenz unserer Wirthschaftsweise, die Konzentration der ProduktionS« mittel in immer weniger Händen in schnellem Tempo zu voll- ziehen; man mache nur von der Transportziffer einen Rück- schluß auf die Höhe des Exports. Die Preisreduktion ist ja nur ein Symptom dafür, wie die Zersetzung deS Kletnkapstals durch das Großkapital ganz kunstgerecht und systematisch de- schleunigt wird, ein Auflösungsprozeß, der unvermeidlich und im Jntereffe der dadurch näher gerückten rationelleren Rege- lung der Produktionsweise nur zu begrüßen ist. Wie die Ak» tienbrauereten, als machtvolle Vereinigung großer Kapitalisten, den kleinen Privatbrauereim— solche Monstre Privatbetriebe, wie der Sedlmayer'sche kommen dabei nicht in Betracht und gehn über kurz oder lang gemäß dem Gange der ökonomischen Entwicklung doch auch an eine Kapitalgenossenschaft über, da auf die Dauer ein Einzel- Unternehmer die alle Fesseln sprengendm Kapitalmächte nicht bändigen kann— wie also die Aktienbrauereien die erste Geige spielen, das zeigt auch ein Blick auf den Malzverbrauch. Die letzteren brauchtm 1885: 331 688 Hektoliter gegen 254 607 Hektoliter in 1884, gleich ca. 34 pCt. dcS gesammten Malzverbrauches aller Münchener Brauereien; von der Zunahme treffen 77,081 H.— ca. 50 pCt. auf die Attienbrauereim, und 77 849 H.--- ca. 50 pCt. auf die übrigen Brauereien Münchens; es nahmen also daher an ihr die elfteren verhältnißmäßig mehr theil, als die Privatbrauereien. Die Zahl der Aktimbrauereien ist beständig im Wachsen. Es ist dies ein Zug, der, wie be» reitS obm erwähnt, durch den ganzen Kapitalismus hindurch- geht, eS ist der Kollektivismus der Bourgeoisie, die sehr wohl den Werth der Assoziation in ihrem Interesse zu würdigen weiß. Es gab am Schlüsse des Jahres 1885 im Königreich Bayern 35 Aktiendrauereim mit einem Gesammt- Kapital von 31 741 414 M. Verfolgt man die GründungSzeit, so entstanden in den 60 er Jahren nur 4, und auch in dm 70 er Jahren erst 7. Dagegm in den 80 er Jahren, nachdem der Groß- betrieb sich zu seiner jetzigm Höhe entwickelt, und nachdem der Krach von 1875 seine revolutionirende Wirkung ausgeübt, regte es sich aller Orten. Von 1880 biS 1885 wurden 23 Aktimbrauereien gegründet, in diesem Jahrfünf also mehr, alS in dem Jahrzehnt 1362—1372, daS 8 Gründungen aufweist. Wie hebt sich dagegen das Jahr 1881/82 mit 7, 11884 mit 7, 1885 mit 6 Neugründungen ab! Betrachten wir daS Erträgniß der verschiedenm Aktienbrauereien, so finden wir, daß die kleinen Etablissements, die nur verschwindend wenig oder gar nicht exportiren, die nicht über die großen Mittel ihrer mächtigeren Mitbewerber verfügen, mtschiedm im Stach- theil find. Dies zeigt folgende Zusanmenstellung, in der die zwei ersten Brauereien, wie schon auS der Höhe deS Aktienkapitals ersichtlich, dm Großbetrieb, die zwei letzteren den Mittel-, bezw. Kleinbetrieb darstellen: Dividmde 1883/84 pCt. 10 8 0 6 1884/85 pCt. 10 8 0 3 der ab- sich der Aktimkapital Mark Löwmbrauerei 4 200 000,— Hackerbrauerei 3 000 000,— GabelSberger Brauerei 500 000,— Brauerei zum Schweizer 450000.— Diese Zahlen sprechen so deutlich, daß fie einer weiteren Er- läuterung wohl nicht bedürfen.— Fassen wir das Ergebniß unserer kleinen Untersuchung kurz zusammen, so finden wir, daß wie in anderen Industrien, so auch im Braugewerbe, das Großkapital Stück für Stück des Terrains erobert, daß Klein- und Mittelbetrieb nach und nach verdrängt und sorbirt, daß die Produktion in immer weniger Händen konzmtrirt. Der Kampf der Kapitalisten unter einander, Krieg im Schöße der Kapitalistenklasse selbst vollzieht stch eben nach dem Grundsatz: Ein großer Kapitalist schlägt zehn kleine todt. Zur Frage der Altersversorgung. Es find 92 Jahre verflossen, seitdem auS dem Nachlaß deS berühmten franzöfischen Mathematikers Condorcet eine höchst interessante Schrift beraui- gegeben wurde(t. I. 1794), die Skizze eine» größeren Werkes, dessen Ausführung durch deS Autors Tod unmöglich wurde. DaS Buch detitelt stch:„Esgulsse d'nn tablean historiqne des progrfes de l'esprit htunain"(Skizze eines geschichtlichen Ge- mäldeS von den Fortschritten deS menschlichen GeisteS.) Eon- dorcet war in die Debatte der damaligm urwüchsta-kommuni« stischen Spekulationen über die VervollkommnungSfahigkeit deS Einzelnen und der Gesellschaft eingetreten. Er entwickelte seine Ansichten dahin, daß auS den Fortschritten der Medizin, auS dem immer allgemeiner werdenden Gebrauch gesunder Woh- nung und Nahrung, auS der mit dem Prinzip der Gleichheit eintretenden Beseitigung deS Elends und des zu großen Reich- thums, dieser beiden Hauptursachen der Entartung des Menschen- geschlechteS, auS dem allmäligen Verschwinden übertragbarer und ansteckender Krankhetten in Folge deS Fortschritts der Naturwissenschaften und der sozialen Ordnung ein unbestimm- bares Wachsen der Grenze zwischen Geburt und natürlichem Tode hervorgehen werde. Condorcet scheitert mit seinem Zu> nung der wahrscheinlichen Lebensdauer und auf die M rechnung hin. Darauf gestützt macht er den Vorsckl� die Tage der Invalidität der arbeitenden Klaffm aus trägm Aller einm Fonds zu gründen, auS welche«- welche die Invalidität trisst, ihre Unterstützung finden.� selbe oder ein ähnlicher Fonds solle den Frauen und welche ihre Gatten und Väter verloren haben, Hilfe und überdies denjenigen, welche in dem Alter find,' Familie-u gründen, ein hinreichendes Kapital verleih� hiermit, ihrem Beruf angemessen, ein Geschäft zu beprtf» Diese Fonds sollen im Namen und unter der Aussw :i VolkeS(Staates) gebildet und verwaltet werden." � richtiger Berechnung müßte, und hier kommt Condorcet W auf die„Kreditgenossenschaften" deS Schulze-Delitzsch,' überdies ein Mittel gefunden werden,„um dm Kredits als ausschließliches Privileg deS großen Vermögens K bandeln, sondern auf einer gleichsoliden Basts für die w- Leute auszunutzen. Hierdurch sei der Fortschritt von W und Gewerbe weniger vom Großkapital abhangig Dies letzte ist eine ärgere Utopifterei als die kühnste«J eineS Cabet oder Fourmer. Aber man steht, es giedt« NeueS unter der Sonne. Und da jetzt wieder einmal d«. gierung von der AlterSversorgungt vorläge— nicht?# läßt,!o ist vielleicht diese kleine geschichtliche Erinnerw dem Jahre 1794 nicht unangebracht.. hfs. Anläßlich der Beschlüsse der BaugeschäW Hader hat die Lohnkommisfion' der Berliner Zimwer« I ■ kunstsideal, weil er eben zu den Utopisten gehört, d. h. zu den Vorläufern des wiffmschastlich-n Sozialismus, welche in der ersten Jugendzeit der kapitalistischen Produktionsweise wirkten, und, da ihnen eine genügende thatsächliche Basts fehlte, auS ihrem Kopf heraus ZukunftSpläne konfttuirten. Vor Allem nimmt er daS sogmannte Malthus'sche Bevölkerungsgesetz alS unerschütterliches Axiom an, nach welchem die Be- völkerung in größerem Maßstabe anwächst, alS die Sub- fistenzmittel. Dadurch sei die Mehrzahl der Menschen auf ihre Arbeitskraft allein angewiesen und müsse im Elend lebm. Er schlägt deshalb alS Palliativmittel— er ist sich wohlbewußt, daß damit nichts EnlscheidmdeS gethan ist, und daß bloS das Schlimmste damit verhütet werde,— eine Altersassekuranz der Arbetter vor. Condorcet weist auf die da« malS von der politischen Arithmetik bereits gefundene Berech« ß I. A.: I. Seitzt, Fchrdellinerstr. 35) soeben an alle Plätze einen Fragebogen für eine Enquete versandt.% treffenden Fragen lauten: 1. Erklären Sie stch mit der iE stehenden Lohnkommisston(der Zimmergesellen) einverM 2. Wenn Ja, dann wieviel Kameraden? Und wieviel B 3. Befürworten Sie die neunstündige Arbeitszeit? 4. dafür und wieviel dagegm? 5�Fordem Sie einen Stund» von 50 Pfennig? 6. Haben Sie in Betreff deS Loh» dere Vorschläge und welche? 7. Beanspmchen Sie de? abends eine Stunde früher Feierabend mir voller Löfc.-. 8. Verlangen Sie für jede Uederstunde einen Lohn von 75 9. Wünschen Sie Beibehaltung der Frühstücks- und N pause? 10. Welche? kann beibehalten werden und welch» fortfallm? 11. Verlangen Sie an dm Heiligabend» Ostern, Pfingsten und Weihnachten zwei Stunden frühere abmd, jedoch mit voller Löhnung?— Die Fragebogen bis zum 1. Mai d. I. an die Kommisston einzusenden.. Fragen sollen ohne Beeinflussung gestellt und ohne R» deantwortet werden. ES könne, wird hinzugefügt, nicht halten, eine gemeinschaftliche Beantwortung der Fcaip etwa in der Mittagspause oder bei einer Zusammenkunft ltcher auf einem Platz arbeitmder Gesellen nach FeierabG zu erzielm. Wegen fehlender Fragebogen wolle man P den unterzeichneten Vorsitzenden, Herrn Seitzt, wmden. j I« HelstugforS streiken, nach dem„Berliner 200 Schneidergelellen' fie verlangen statt deS Tagelodn», MonatSgage von 54 Rubel und droben eine Arbeiter- schaft zu gründm; zwei Meister fügten fich der bii! 16. d. M. geforderten Antwort, andere suchen neue E'" Theater. Mittwoch, den 21. April. vßenth»«». Der Verschwender, Original- Zaubermärchen in drei Akten von Ferdinand Raimund. UchauspielhauS. Der Widerspänstigen Zäh- Deutsche« Theater. Die LiebeS-votschast. »xllner-Theater. Ein gemachter Mann. «eftdea,- Theater. Frau Doktor. Schwank in 3 Aken.— Hierauf: Zimmer Nr. 18. Belle-Alltance-Theater. Der Bettelstudent. jßfttedrtch-Wtlhetmstädttsche« Theater. Der Zigeunerbaron. m.. »klhalla- Theater. DaS lachende Berlin. heiteres aus der Berliner Theatergeschtchte mit Gesang und Tan, in einem Vorsviele und 3 Akten von Jakobson und Willen. «eutral-Theater. Der StabS- Trompeter. »Moria-- Theater. Wegm Amor- Proben geschlossen. Vsteud-Lheater. Die Loreleq. »«eriean- Theater. Große Spezialttäten- Vorstellung. Theater der Reichshalle«. Große Speziali- KaufmamL« Vamete. Große Spezialitäten- Jtatftarbia. �Große Spezialitäten-Vorstellung. Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15.[1200 Mittwoch, den 21. April 1886: Das Stiefkind des .nal-Schauspiel in 5 Aufzügen von Heim. HafieSbrtng. Casimir TreSlow: Herr Haahk. Bor der Vorstellung: #. Äenjert der Hauskapeüe. S ajung de» Konzert? Wochentags 7 Uhr. der Lo!#ellu»g 7V« Uyr. ««fang de» Konzert! Sonntag» 6 Uhr, der Vorstellung?'/, Uyr. Ava« baden Mochmtagl Giftigkeit und find im Veoierbureau(12 1 Uhr) gratis zu haben. Passage I Tr. 9 5».- 10 A. Katser-Bavorama. Neu! Zum erste« Male: Throl. Nm! Z. I.M.: u. CycluS Part«. Hertha-Reise. Karolinen-Jnseln. Eine Reise 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Abonnement. General-Versammlung der Delegtrtev der Grtskrankeukasse der Böttcher Berlin« am Mittwoch, den 28. Apnl 1886, AddS. 8 Uhr, im Lokale deS Hrn. Keist hier, Lichtenbergrrstr.21. Tagesordnung: 1. Jahrliche Abrechnung. 2. Wahl für drei ausscheidmde Vorstands» Mitglieder. 3. Wahl eines neuen VorstandS-MitgliedeS. 4. Gehaltsfrage. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Herren De- legirten und der Herren Mitglieder wird ge- beten. 1430 Der Uorstand. Seemann. Eine allgemeine öffentliche Versammlung arbeitsloser Zimmertente Berlins und Umgegend findet am Donnerstag, den 22. d. M>s., Nachm. pünltl. 3 Uhr. im Lokale Kom- mandantenstraße 77/79 statt. T. O.: 1. Em- pfangnahme resp. Unterzeichnung der Fragebogen zur Feststellung unserer aufgestellten Forderungen für dieses Jahr. 2. Verschiedene». Jeder feiernde Kamerad wird ers.. in dieser Versamml. zu er- scheinen und jeden Kostenpunkt außer Acht zu lassen. Gi«tritt ob«e sedes Gutree.[1429 Die Lohn-Kommissto«. I. A.: I. S e t tz t, Fehrbellinerstr. 35. Metallschrauben-, Fa�oudreher und Lerufsgeuosseu. Große öffentliche Versammlung am Mittwoch(heute) Abend 8% Uhr, in M-hihazqft'» Lakai, Manteuffclstraße 9. TageS-Orvnung: Der«i«gega«g-«- Lohntarif der Arbeitgeber. Freie Diskus stim.[1428 Zu dieser Versammlung werden hiermu alle Schrauben- u. Facondreher Berl. dring, eingel. [1440 Wir verkaufen zu billigen Preisen: IHalb u. ganz anschließende Jaquets 7,50, 10, 12. 15 Mark; HalbuganzanschließendePaletots I 10, 13, 15, 18 Mark; Regenmäntel aus guten Stoffen! sehr hnbsch garmrt, gut sitzend, 10, 12, 15, 20 Mark l I g, SchlvarzePromenaden-Mäntel t Schwarze Promenaden-Paletots i sehr reich mit molleue« und seidene« Spitzen garmrt, MW 15, 18, 20, 25 Mark;° Schwarze Umhänge, reich mit gutem Spitzen-Agremeut garnirt, in ganx graßtt Ansmahl, 10, 12, 15, 20 Mark. Sielmann& Kommandanten- nnd Lindenstraßen- Ecke» Rosenberg, Mitgtiederverfammluug der Central- kranken-«. Kterbrkasse der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands(eingeschriebene HilfSkasse Nr. 39) Freitag Vorm. 10 Uhr Grenadierstraße 33 bei Krefeld. Tagesordnung: 1. Vorlage der Jahresabrechnung und der neuen Statuten. 2. Verschiedenes.[1425 Der Vorstand. Fachoerein der Steiudrucker und Lithographen. General-Versammlung Donnerstag, den 22. d.M., Abends 8 Uhr, im Königstiidt. Kastno, Holzmarltstraße 72. TageSorvnung: 1. Kassenbericht. 2. Abrechnung vom Winterfest. 3. Bericht der Sta» tutenberathungs Kommission. 4. Besprechung de»»ntrages über Lehrlwgsunwesen in der Lithographie. 5. Gründung einer Fachzettung. 6. Verschiedenes und Fragekasten. Der Eintritt ist nur durch Mitgliedskarte ge» stattet. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1424) Der Vorstand. 1407 DiechetfUeffaurnnf E. frdl. Schläfst, ist sogl. oder z. 1. Mai zu beziehen Prinzenstr. 21, Hos 2T'. d. Schultz. 11419 Aag-stp-Ke 17, empfiehlt seinen guten Wittag- u. Avendtisch, 4 Couvert 50 Pf.[1427 Sämmtlichen Schulbedarf, sowie größte Auswahl in Photographte-Aibumö, Ci- garren-, Cigaretten- u. Brieftaschen, Por- temonuate«, Mufik- u. Schreidmappen, Vifitentaschen, Poefie-, Briefmarken- und Ohlaten-Albums, Ball- u. Gesellschaft»- Fächer, Gesangbücher, Schulmappe«, Garderoben- u. Handtuchhalter, Schreib- zeuge, Bürstenkasten, Notizbücher, Koch- dücher, Spazierstöcke, Lager von Bilder» Büchern und Jugeudschrifteu, sowie sämmllichen Schul- u. Schreibwaaren, Galanterie- u.Btjouteriewaaren, Uhrkette« f. Herren u. Damen, Brocke, Ohrringe, Armbänder u. Halsketten, Btlderrahmen, Lampenschirme, Zirkel- und Reißzeuge, Uhrftänder, Rezessatre in Leder u. Plüsch, ff. Briefpapier m. Mouogr. und an- deren Verzierungen, Schach, Lotto, Do- mino, Dammbretter, Tuschtasten u. s. w. Brille« u. Pinceuez f. jedes Auge pas. send, in allm Nm. vorräthig, v. 50 Pf. an. Alb. Schwarzer, skiuhnpus? Anferttgung sämmtl. Drucksachen f. den kaufm.«..gewerbl. Verkehr.[1184 vdmiralstr. 38 G. SodtkC. Admkalstr.38 Kräftige Bouillon von 10 Uhr ab a 15 Pf. MittagSlisch(Hausmannskost) a 50 Pf. mit Bier. Adendtisch nach Belieben. Billig und kräftig.[939 Meinen Freunden u. Genossen nvvuuvti» u. v2/viiv||vip 1 mich z. Ansertig. v. Walerarbeite« Schilder, Stub. ic. Auch übern, ich D Wohn. f. Kuchholf, Waldemarstr.28, Ziehung bluorstthkÄ� 97 ainrff 4- a 1 27. April Kothe f Loose 1—4. Mai De«tfche Kunstge- werbe-Loose........-J ülmer Loose# i* Richard Schrödefr.� W Markgrasenstr. 46 � GenSdarmmmartt. Karton-Arbeiter-, Die Zuschneider der Fabrik von EM h-' foh« haben die Arbeit eingestellt. daß Niemand dort Arbeit nimmt. Die�< Arbetter auf Piano- Mechanik verle. 1422] Fischer. Manteuff-!� 3 Veranlworiiicher»edakteur R. ssroucet» i« Berlin. Druck und Verlag von Matz Badtttg in Berlin 8W„ Beuthstraß» 2. Der unentgeltliche# Nachweis der Klavierarbeiter, befindet sich Skalitzerp, bei Stramm. � — Hierin ei«« Beilage zum Berliner Bolksblatt. 94 Mittwoch, beu 31. April 188«. IIL Iotzqs- Die Ardntkliierhlllmffr in Dkutschliiild. m. U ber de» verderblichen EUfluß auf die Sittlichkeit betreffe des Zusammen arbeite»« der Arbeiter männlichen und weidlichen Geschlechts, sowohl während der Tages- als auch bei der Nachtarbeit, wird von viele» der Aufsichtsbeamte» Klage geführt. So wünscht z. B. der Fabrrkmspektor für Lberschl.ff.n daß ein Verbot der Beschäftigung wrbkcher Arbeiter zum Abfahren der Schlacke aus de» Aschen-Röschen in de» Wa zwertev und Zinkhütten erlassen werde, da diese Arbett dmS-hellS wegen dir weiblichen Kleidung gefährlich erscheint uns anderntheil« wegen des Zusammenarbeitens mit männlichen Arbeitern in den dunklen Gänge» auS Sitt- ltchkeiregiüvd n nicht empfehlenSwerth ist. Obwohl in viele» Fabriken die Trennung der Geschlechter durchgeführt ist, so ist dieS doch in vielen Fabrika lonSzweige», ohne auf die Beschäftigung weiblicher Arbeiicr zu v.rzichten, nicht durchführbar. In Mecklenburg- Schw.rin herrschten unter de« landfremden Arbeitern Vcr- Hältvisse, welche sich von der GeschlechtSgemeinschast nicht viel unterscheiden. I« einer schlesische» Fabrikstadt wurde von den städtischen Behörden darüber geklagt, daß durch die dort in großer Zahl und mit hohen Gehältern al« Werkmeisters und Ausseher angestellten Ausländer, denen aber Vielfach die Uvkenntniß der deutschen Sprache de» Verkehr mit den Mitbeamten verschließt, die Siitlichkeit leide.— Wie durch den Fabrikarzt einer Zigarrenfadrik in Elbing konstmirt wurde, haben im verflossenen Zahre(d. h. 1884) von 587 unverehelichten Arbeiterinnen diese' Fabrik 11 Per- son n gebore». Nach Feststellunge» desselben Arztes kommen twelbst 10 uneheliche Geburten auf 1000 Einwohner. Nach der Ansicht de« Aufsichtsbeamte» in Hannover ist die Sritlichkeit der Arbeiterinnen in einer leidlich gut be- auffichti�en Fabitk schwerlich mehr gefährdet, als bei irgend welchen anderen Beschäftigungen. Die meiste und am meisten benutz e Gelegenheit zu Ausschreitungen solle« die gemeinschaftlichen Wege von und nach der Arbeit bieten, einerlei ob Taget- oder Nachtarbeit dabei in Frage kommt. Gleiche Klage hierüber wird auch aus Heflen-Nassau er- hoben. Aut dem Aufsichtsbezirk Dresden wird über die zu- nehmende Putz- und Vergnügungssucht der Arbeiter im all- gemeinen geklagt. Auch in Württemberg ist die bedauer- liche Beobachtung gemacht worden, daß sich die Arbeiterinnen vielfach aus unrichtiger Sparsamkeit schlecht ernähren und einen übergroßen Theil ihres be- fcheidenen Verdienstes auf Putz und elenden Schmuck verwenden, eine Eriche, nung, die aber bei de» Fabrikarbeiterinnen nicht allein, sondern ebenso bei dem Gesinde in der Stadt wahr- «ehmbar ist. Wenn jedoch, so sagt der Beamte des Zwickauer Bezirks, wie diese» leider immer noch sehr häufig ge- schieht, die Elter» mit einem geringen Kostgeld zufrieden Iind, und die Mutter für alle Bedürfvisse der Tochter sorgt, etztere dagegen nur zu ausgiebigen Gebrauch von der ihr gebotenen Freiheit macht und den Verdienst zu schönen Klei- der«, theurem Putz und Vergnügungen verwendet, dann könne« alle dujenigen Mißstände nicht ausbleiben, welche man der Fabrikarbeit zuschreibt, die aber in Wirklichkeit den Eltern zur Last falle«. Demgegenüber muß aber auch hervorgehoben werde», daß mehrfach auch berichtet wird, daß steh die Arbeiterinnen oft größere Summe» gespart habe», und sich von diese« Ersparvisse» bei ihrer Verheirathung vollständige Ausstattung vtschaffen konnten. Wo jugendliche und erwachsene Arbeiter zusammen Kriese tum WsnÄ Kickel. Mitgetheilt und kommentirt von seinem Sohne. („Frkftr. Ztg.") I. Rostock— Edinburg— London(1850). (Fortsetzung und Schluß.) , Vor dem Hafen, 30. November 1850. 5DU gefahr- und mühevolle Seereise, geliebte Frau, ist nunmehr vorüber. Wen» nicht ei» ganz besonderer Unstern nv« verfolgt werden wir. da der Lootse bereits an Bord siin« sternklare Nacht aufgeht, entweder um r i. Tagesanbruch in den Hafen einlaufe». Welcher Hafen das ist, vertraue ich dem Papiere nicht an, damrt die Spur des Schiffs nicht zurückverfolgt werden kann, das uv« hierher gebracht bat. Deshalb gebe ich auch dresen Brief an einem andere» Orte zur Post, al« wo wir einlaufen. Mein von den Henkersknechten zerrütteter Leib hat den Winterflttrme« der Nordsee schwer Widerstand ge- leistet. Wir sind vierzehn Tage gesegelt, haben zweimal vrerundzwavzig Stunde» ununterbrochen Sturm au» Süden, Südwesten und Westen, der uns entgegenkam, gelitten. Karl, auch im Kleinen glücklich, hielt sich vollkommen see- fest, ich aber habe über acht Tage die Seekrankheit im hef- ri,®'*de ausgestanden und bin dadurch unsäglich ge- schwächt worden. Sobald das Land mir wieder Stärke Mbt, schreibe ich Euch da« Einzelne über diese Reise. Eigentliche Gefahr zu scheitern u. s.«. ist nicht vor- gekommen. Die vier letzte« Tage trieben wir bei stillem Wetter läng« der englischen Küste, konnte» aber theil« der Gegenwinde, theil« der Windstille« wegen keinen Hafen er- reiche». Dabe, habe ich mich ziemlich wieder erholt und nunmehr drei Tage wieder fast ganz außer dem Bette und auf dem Deck zugebracht. Mein Kopf war aber beständig so angegriffen, daß ich darauf verzichte« mußte, wie ich mir vorgesetzt hatte, Englisch zu lernen, und nun kommen wir ohne alle Knnde der Sprache in das fremde kühle Land. Allein es wird schon gehen. Wir reisen über Evinburg nach London, wo wir ebambree-garnies beziehen, bis wir unS vmflich mit Dir verständigt haben über de« Ort unseres Zusammentreffens. (Es folgen acht Zeile» in Chiffrelchrift.f Ich schrieb Dir zuerst durch Fräulein Schmidtheim, arbeite«, sind, bei strenger Aufficht natürlich, nachtheilige Erscheinungen nicht bemerkt worden, doch zeigt es sich außer- halb recht deutlich, daß die moralische Bildung der jugend- lichen Arbeiter hinter der geistigen weit zurückgebliebe« ist. Bei dem fortwährende» Verkehr mit den Erwachsenen find dieselben wohl Ilüger, aber nicht besser geworden. Die tägliche Arbeitszeit hat, wie aus de« Berichten er- sichtlich ist, hier und da bis 15 Stunden gedauert. Auch Nacht- und SovntagSarbeit hat in vielen Betrieben stattgefunden. Zu beide« sind nicht nur Männer, sonder» auch Frauen, ja sogar jugendliche Arbeiter verwendet worden. Wie auS Chemnitz berichtet wird, würde man überall das Aufhöre» der Nachtarbeit und somit auch da« Aufhören der Beschäftigung von Arbeiterinnen zur Nachtzeit mit Freuden begrüßen, sofern e« allgemein eingeführt würde. Es dürft« aber, so schreibt der dortige Fabrikinspekror, zweckmäßig sei», ei» bezügliche« Verbot bald zu erlassen, damit die auch durch die elektrische Beleuchtung begünstigte Nachtarbeit nicht erst so umfänglich würde, daß ihre Beseitigung auf Schwierigkeiten und Widerspruch stoße. Zum Schluß sei nur noch eine Au«lassung des Fabrik- inspikiorS für den Regierungsbezirk Düsseldorf bezüglich der Beschäftigung weiblicher Arbeiter in Fabriken angeführt. Derselbe läßt sich darüber wie folgt vernehmen: „Die Einwirkungen der Beschäftigung und de« Leben« in den Fabriken auf das weibliche Arbeiter- Personal müssen als sehr bedenkliche bezeichnet werden. Es bedarf nur eines Blicke« auf die Arbeiterinnen in Fabriken, welche nicht durch völlig ländliche Umgebung oder besonders günstige Einrichtungen und eine besonders sorg- fältig auswählende Direktion ausgezeichnet sind, um zu er« kennen, daß eine große Anzahl derselbe« von den köiperlich heruntergekommenen Arbeiterinnen in den englischen Fabrik- Bezirken gesundheitlich kaum noch unterscheidbar ist, und e! ist ebenso in die Augen springend, daß diese Mädchen— je jünger sie in solche Fabriken traten, um so eher— sittlich verkommen. Freche Auge», eingefallene und hohle Wangen, schlappe Kleidung und Haltung, schamlose Rede», namentlich außerhalb der Fabrik, da« find häufia dre E-gen- schaften eines bald mehr, bald weniger erheblichen Bruch- theile« dieser durch die Armuth, zuweilen auch die Habsucht und Nichtsnutzigkeit der Eltern rn die Fabriken gedrängten bemitleidenSwerthen Geschöpfe. Ze länger die Arbeitszeit, je un- sauberer, härter und gehetzter die Arbeit, je hrißer und je mangelhafter der Arbeitsraum und feine Lüftung, je zahl- reicher die angedrohte» Ordnungsstrafe», je knapper die Löhne und Akkorde und je geringer die Fürsorge, die Zahl und Art der Wohlfahrtsmittel— um so mehr treten die bezeichneten Schäden hervor. Zhrem böse» Einfluß sind die männlichen Arbeiter, und namentlich die jüngere» in der Fabrik ausgesetzt, und sie unterliege« ihm, sei e« in der Fabrik, sei es außerhalb derselben:»och kürzlich wurde« mir mehrere Fälle von Uvrucht, innerhalb einer größeren Fabrik getrieben, von derem Obermeister mitgetheilt. Selbst in ganz ländlich gelegene» Fabriken, welche früher dadurch ausgezeichnet waren, daß sie die Mädchen nur bis zum 18. oder 19. Lebensjahre beschäftigten, um sie dadurch zum Dienstnehmen in Privat- Häusern und zur Erlernung der HauShaltungS- luvst zu zwinge«, haben wenige Zahre eines entgegen« gesetzten Verfahrens genügt, um den beschäftigte» Mädchen ein völlig verändertes Aussehen zu gebe«. Früher auffallend durch Frische und gesunde Erscheinung, mache» sie heute den Eindruck, als ob sie nicht Kinder der Landschaft seien, sondern au« einem Fabrikbezirk dorthin verzogen wären. dann durch die Dr. weiland L...... h, nebst Einlagen für Auguste und Mary. Meinen nächsten Brief erhälst Du wohl erst von London. Auf diesen kannst Du, wenn häuS- liche« Unglück Dich nicht zu sehr drängt, mir antworten noch- mal« unter Adresse: Herren Hambro und Sohn BanquierS, London. Mich verlangt eS, noch ervmal in einem ungefessel- te» Briefe Dein liebevolles Herz strömen zu fühlen, nach- dem so gräulich störend fremde hämische Blick unsere Ge- fühle gekettet haben. Zch habe unzählige Mal in diese« müßigen LeidenSstunde» auf der See an Euch Alle gedacht I O erquicke mich einmal mit Deiner ganzen mächtigen Her- zenSgluth! Wie verlang' ich— und wie bang' ich, in Lon- don nach«un fast fünf Wochen zuerst von Euch zu hören, ob die Mutter«och lebt, ob die Kinder gesund sind, wie Du selbst diesen Freudenflurm ertragen hast! Karl beauftragt Dich, bei Herrn Krantz in Köln, Löwe«, aasse 10, den Du al« Karl« Freund bereits kennst, ein kleine» Packchen, Manuskripte enthaltend, daS diesem(dem Krantz) vor 3V- Monaten zur Aufbewahrung übergeben worden, in Empfang zu nehmen, sorglich aufzubewahren und nach Paris mitzubringen. Derselbe Krantz wird Dir vielleicht in der oben chiffiirten Sache sehr nützlich werde« könne«. Für heute laß Dir nunmehr damit begnüge», daß ich abermals gerettet bin. Da ich die Seekrankheit auf der See selbst»och ausgeheilt habe, so ist sicher, daß auch ihre Folgen am Lande, bei Ale und Beefsteak«, bald verschwinden werden. Heut aber bin ich noch zu matt, um gründlicher oder gefühlvoller zu schreiben; auch ist e« zu schwankend, zu unsauber und zu unbequem m dieser vier Schritte lange« Kajüte, um behaglich zu schreiben. Ich füge morgen nur noch hinzu, daß wir am Lande sind. Gute Nacht, Du über alles Denken und Verstehen getreue Frau! Esinburg, 1. Dezember. Gerettet! Heut ftüh h,er angelangt; heute flanirt. Die Stadt ist sibö« und war sonntägl'ch-englisch langweilig. Zum ersten Mal im Gefühl voller Sicherheit vortrefflich dinirt. Geld steht gut; auf See 86 Thaler verloren, find heute Mitiaa wiedergefunden; wir haben noch an........ schiffrirtj. Morgen über Bork, bald in London. Zch bin sehr gesund, heut, ohne ein Bein zu biegen, sieben Stunden Marsch Berg und Thal, Pflaster und Trottoir, in einem Zug; die Kraft kehrt wieder. Höchst komisch mein Englisch- Radebrechen, horribel. Sobald ich frische« Geist und etwas Ruhe habe, Au« meinen gesammten und besonders au« de« r« letzter Zeit häufig unternommenen nächtlichen und abend- lichen Beobachtungen in den FabrikhezirkeN glaube ich mit Recht folgern zu solle«, daß die sittliche Verwilderung unter männlichen wie weiblrche« Arbeitern während der letzten acht Zahre nicht ab-, sonder» zugenommen hat, und daß die körperliche Frische bedenklich germger ge» worden ist." zokitle». er. Zum Unfug mit der gerichtliche« Taxe. Im In- tereffe des kaufenden Publikums kann nicht oft genug auf die sonderbaren Geschäftskniffe einzelner besonder« findiger„Kauf- leuft" hingewiesen werden. Die Beharrlichkeit dieser Herren ist angefichtS ver vielen Warnungen in der Preffe eine geradezu beängstigende; fie ist mindesten« so ausdauernd wie ihre Ver« trauenSseligkeit aus die Anzahl derjenigen, welche bekanntlich niemals„alle" werden. Zu derartigen Manövern, wie wir ste in Nachstehendem schildern werden, gehöit allerdings eine nicht zu unterschätzende Portion jener edlen Eigenschaft, die wir hier nur„Dreistigkrit" nmnen wollen, in der That verdient dieselbe jedoch eine ganz andere Bezeichnung.— Vor einiger Zeit er- regte in den Kreisen unserer Geschäftsleute da« Fallissement der seit 40 Jahren bestehenden Firma Beschütz u. Kadisch in der Spandauerstraße großes Aussehen. Bei derartigen un- glücklichen Affären wird nun gewöhnlich ein Gläubigerausschuß gewählt, der eigentlich im Interesse der übrigen Gläubiger thätig sein soll. Dieser Ausschuß soll dafür sorgen, daß die Forderungen der Gläubiger an die Konkursmasse in möglichst umfassender Weise gedeckt werden. In dem hier angezogenen Falle handelte der Gläubiger auSschuß jedoch der Abwechselung halber einmal ganz ander S. Sein Klient war der Kridar. d. h. die b inkerotte Firma. Die Menschenfreundlichkeit der Herren im Gläubigerausschuß ging soweit, daß fie die Masse einfach an den Kridar und einige Genoffen desselben, die wahrschein- lich da« Geld zu dieser„reellen" geschäftlichen Operation her» gaben, für die runde Summe von 50 000 M. zurückverkausten. Der Schein war gewahrt, der„Ausverkauf zu Taxpreisen" konnte entrirt werden. Die Firma:„Gebrüder üamm, O r a n i e n st r a ß e" kauft« die ganze Masse im Ramich mit einem Aufschlag von 10 pCt. über der gerichtlichen Taxe— von anderer Seite wird uns mitgetheilt, daß fich dieser Prozentsatz noch um ein Bedeutendes höher stellt,— der Kridar hat also zunächst im Handumdrehen bei 10 pCt. Aufschlag da! Sümmchen von 5000 M. in die Tasche gesteckt. Dieser„Verdienst" erhöht fich natürlich und entgeht den Gläubigern, wenn die Herren Ge- drüder Lamm wehr al« 10 pCt. bezahlt haben. In dieser Weise wird es auch dem Laren klar, daß Jemand, der einige Male mit Glück„Pleite" geht, in verhältnißmäßig kurzer Zeit ein recht wohlhabender Mann werden kann. Mit dem Pomp und der Lungenkraft, welche solchen„Geschäftsleuten" überhaupt eigentyümlich find, schreitet man nun zu dem allbekannten „grrßartigen Schleuder- Ausverkauf." Selbstverständlich wird in Zeitungen, welche für derartige Kundgebungen zugänglich find, in aufdringlicher Weise angekündigt, daß zu„festen Tax» preisen" verkauft wird. Wir finden eine derartige Annonze beispielsweise im„Berliner Tageblatt", welches tn seinem redaktionellen Thell„auch" grg.n diese Ausverkäufe vorgeht. Der reine Bertiner Spaßvogel, denn„vorne nickt er und hinten pickt er!" Es muß fich nun jeder vernünftige Mensch die Frage vorlegen, wie jene L-ute eigentlich die„feste" Toxe normiren. Vorläufig find doch die Wa ren mit einem Ausichlag von 10 pCt. angekauft, außerdem ruhen verschiedene Spestn, wie Annonzen, Vertriebs ivesen ic. auf denselben. Rechnen wir letztere 11. kosten nur auf 15 pCt. so können die Waaren garnicht unt.r 30 pCl Aufschlag an da« Publikum abgegeben werdm. Da« ist also die„f e st e T a x e!" Wir find geborene Optimisten, aber soweit geht unsere Ltebenswür- digkeit denn doch« cht, daß wir glauben, die Heiren Gebrüder Lamm kaufen Waaren auf, um fie unter dem Selbstkosten- preise unter daS Publikum zu verschleudern. Jemanv, der so leichtgläubig ist, kann fich für Geld sehen lassen.— Es wird schreib' ich Euch die Seereise.— Alle unter Karls Adresse an Dich einlaufende» Briefe hebe auf uns bringe sie mit. Schreibe gefälligst an Strodimann(in Paris), er möge Karl einige ebawbres-garuies besehen, damit dieser schnell bei seiner Ankunft wähle» kann. Karl schreibt ein paar Worte an de» unteren Rand. Ich bin unsäglich ftöh- lich. Aber mein Haar ist fort, die Stirn für eine jugend- liche arg zu hoch geworden, und mein Kapitän auf dem Schiff schätzte mich„hoch in den Bierzigen"! Mach Dich auf eine» alten Mann gefaßt. Karl im Schnurrbart, ich im halbwüchsige« grauenvoll gettgerten Gavzbart erregte« heute theils das Grausen, therls das Kichern aller Edin» Hurger Kirchengängerione»; die Männer starren uns mehr mit blöder Verwunderung an, denn Niemand, auch die nacklbeinige» Hochländersoldaten der Zitadelle nicht, trägt hier ganzen Bart. Doch ich komme ins Erzählen— leb wohl; vielleicht schon in drei Tage» mehr. Mit rheinisch» fröhlichem Gemüth Dein Graumännlei» � Gottfried. Dte Zett der ersten Geschäfte ist vorüb.r, die der „schlechte« Witze" gekommen. Unsere Munterkeit ist so grenzenlos, wie unser Appetit, unser Appetit so grenzenlos, wie unsere Gesundheit. Heute haben wir ununierbrochen flanirend sieben volle Stunde«(!)»ach einem Gasthofe gesucht, weil in England Sonntags alle gefchtosse« sind, und als wir endlich am späte« Abend eine« ergattert hatte», fanden wir, daß wir eben genug Eng» lisch verstanden, um ein Beefsteak, einen Pudding, eine Flasche X«re» nebst Zubehör ganz au« dem Register der ir- bischen Dinge auszusondern. Wir bildm uns nicht ohne Grund ei«, daß sehr balv unsere Fvitschriite von den Herr» lichste« Talente» zeuge». Wenn ich von Kinkel mit Erfolg überboten werde, wenn er mehr lacht, mehr ißt und nicht weniger trinkt, als ich, so sehen Sie das als einen Beweis ausgezeichnete« Humors an, da selbst meine Neigungen von diesen Fachstudien nicht gar weit entfernt liegen. Leben Sie wohl! Erwarten Sie den Tag des Wieder- fehens so heiter und wohl wie wir. Herzliche» Gruß von Zhrem Karl Schurz." Am folgenden Tage(Montag, 2. Dercmber) ging es mit Eisenbahn über Jork direkt nach London. Nachdem man sick in einem Gasthause emquartirt hatte, wurde fol- geuder Brief an meine Mutter expedirt: W allen derartigen Ausverkäufen ein ganz horrendes Geld verdient, und wer dumm genug ist, für sein gutes Geid theure Echundwaare kaufen zu wollen, der gehe hin und mache jene Leute in ihrem mühelosen Erwerb noch reicher!— Für junge Leute, auf welche der EeemannSberuf de« kanntlich etnm unwiderstehlichen Zauber ausübt, finden wir in einem hiesigen Blatte eine beherzigenswerlbe Warnung. ES annonzirt nämlich ein Hamburger„Auseüstungsgeschäft" in Berliner Zeitungen und erllärt dabei recht naiv, dag nur solche Jungen berücksichtigt weiden,„die sich eine gute Ausrüstung verschaffen(natürlich bei der genannten Firma gegen schweres Geld) und dem Kapitän ein mäßiges Lehrgeld bezahlen können." Ein bter lebender Fachmann bittet nun um Veröffentlichung de« Nachstehenden:„Ein anständiger Kapitän läßt sich, sobald ein Junge nur kräftig und brauchbar ist, nicht noch auf die schwere Arbeit, die er ebenso gut leisten muß. wie jede andere „Hand" an Bord, ein Kostgeld zuzahlen: denn daS ist nicht gentlemanltke und Gott sei'S gedankt, die meisten Seeleute find Gmtlemen, trotz der rauhen Schale und verlangen von keinem Menschen Arbeit, ohne ihn datür entsprechend zu honoriren. Die Kapitäne aber, die fich zahlen laffen, auf die mögen die Jungen wie deren Eltern nur immerhin verzichten, entweder laffen sie den Jungen arbeiten, wie alle Uebrigen— und dann ist daS Douzeurnrhmen um so tadelnkwerther— oder sie schonen ihn, machen ihn zum„Sptelvogel" und der Junge wird ein Taugenichts, denn ohne Arbeitslust und Arbeitskraft giedt's keinen rechten, echten Seemann. Und vor den Vermitt- lern aus der Kategorie der„AuSrüstungSgeschäfte" ist um so mehr zu waren, als es in erster Linie in Hamburg ein von tüchtigen, allen Seeleuten geleitete» stattliches„Seemanns- heim" und auch viele reelle„Echlafdaase" gtebt. Bei denen mögen Solche, die Lust zur See haben, anfragen. UebrigenS hat Hamburg stets Uebeifluß an jungem Matrosenmaterial auS den Küstenbezirken SchleSwig-HolsteinS und braucht wahrlich keine„JungenS" in Berlin zu suchen, ein Umstand, der die eigennützigen Motive jener Biedermänner hinreichend klarlegt." — Wir können unS diesen Autsührungen nur anschließen und möchten nur noch betonen, daß wohl bei keinem anderen Be« rufe die Romantik so schnell schwindet wie bei den Seeleuten. Die meisten jungen Leuten sehnen fich schon nach den ersten Tagen der ersten Reise wieder nach Hause zurück; die Leben«- we se ist eine ganz andere als sie erwartet hatten,«S werden lolosiale Ansprüche an die jugendliche Ardeittkrast gestellt und die Behandlung ist keineswegs eine rosige. Die Reue kommt in den meisten Fällen eben zu spät. Gegen Dr. Bernhard Förster ist. wie der„Volks. Ztg.' aui Dortmund geschrieben wird, von der dortigen Staat«- anwallschaft ein Steckbrief erlaffen worden- Förster wurde wegen einiger Aeußerungen, welche er im vorigen Jahre als antisemitischer Wanderredner in einer Versammlung zu Dort- mund über die angeblich jüdische Abstammung de« Ministers v. Goßler aethan hatte, auf Antrag de» letzteren der verleum- derischen Beleidigung angeklagt. AIS die Sache vor der Straf. kammer verhandelt werden sollte, ließ Förster mittheilen, daß er vor wenigen Tagen die Rückreise nach Paraguay angetreten habe. Damit bettachtete das Gericht die Sache jedoch nicht als abgethan, es ordnete die Untersuchungshaft an, und da dieselbe nicht vollstreckt werden kann, so ist jetzt der Steckbrief erlaffen worden. Recht trübe Erfahrungen hat eine im Norden der Stadt wohnende Wtttwe, die Frau etneS ehemaligen Gewerbe- ttetdenven, mit einem Gymnasiallehrer machen müffen, der auf dem besten Wege war, ihr Eidam zu werden. Derselbe hatte Mutter und Tochter im verwichenen Sommer in einem Bade- orte kennen gelernt und als Bräutigam der letzteren lehrte er mtt den Damen nach Berlin zurück. Bald wußte der gewandte Mann fich daS Veittauen der wohlhabenden Schwiegermutter in unumschränttester Weise zu erwerben, und als die letztere für einen in der Cbauffeestraße belegenen Baustellenkomplex die Summe von 160000 Mark ausbezahlt erhielt, stand er ihr mit Rath und That zur Seite, da« Kapital wiederum zu be> legen. Er überrrdete sie, wie die„Allg. Fleischer-Ztg." be- richtet, in dem aufblühenden Stadltheil Moabit ein HauS zu kaufen, welches einen jährlichen Retnettrag von 8000 Mark abwarf, und nachdem der Kauf perfekt geworden, ließ fich die Gulmüthige auch noch herbei, die Auflaffung deS Grundstücks auf den Namen ihreö Schwiege-fohneS zu bewirken, sowie dem« selben die 160000 Mark auf 15 Jahre unkündbar alS letzte Hypothek bei 4 Prozent Zinsen sicher zu stellen. Nunmehr konnte ja eigentlich der Hochzeitstag bestimmt werden, doch wie «S so häufig geht im Leben, mit des Geschickes Mächten war ebensowenig ein ew'ger Bund zu flechten, wie ein Ehedund mit dem Gymnafiallehrer. wenigstens gelangte die Braut zu der Ueberzeugung, eS trat eine Spannung zwischen dem Paare ein und schließlich wurde die Verlobung in nicht gerade freund- schafilicher Weise gelöst. Natürlich wollte die Mutter der Eni- lobten nun auch die Transaktion mtt dem Moadtter Hause wieder rückgängig machen, mußte aber zu ihrem Schnck-n er- London, 6. Dezember 1850. Ich schreibe Dir zerstreut, im Rauchzimmer de« Gasthof», m fremder Gegenwart. Wir waren de» halben Tag im Brittsh Museum, haben uns von der Giraffe durch die keltischen Opfersteiae und da« meteorische Ersen bi» zu den Parthenon- skulp uren de» Phidia«, zu den Phigalian MarbleS und den Ekulpturüberreste« vom Mausoleum zu Halikarnaß, ja bis zu de» assyrischen Slawen durchgearbeitet. Von diese« übermächtigen Eindrücken bi« ich ermüdet, und hatte vo« gester« her noch große Müdigkeit in de« Glieder«, wo wir Hyd« Park u»d die Palastprocht de» Westend durchwandert habe». Wir machen fast Alle« zu Fuß; in City und West. end bi« ich scho« ziemlich zu Hau«. Nur fordere jetzt keine Gründlichkeit. Vorgestern sah ich Mvcready alt Kardinal Wolsey in Heinrich dem Achten, morgen sehe ich iha al» Macbeth. Da» dauert stet« bis nach 12 Uhr, und fett Spandau kommeich «icht zum Schlafe«, habe j'tzt in 4 Wochen«och nie 4 Stun- den zusammenhängend geschlafen; auch werde ich diese Rast erst wieder i« Deine« Armen finden. DaS Alles»ur zur Entschuldigung meiner heutige« Flüchtigkeit; ich will diese Nacht wenigste«« da« Meiaige zum Schlaf thu« u«d des« halb vor 10 zu Bette gehe«. Vo« Deutsche»*) habe ich besonder» mtt Zimmermann, dem Bürgermeister vo« Spandau, gesprochen, doch auch mtt andere«. Mir selbst gefällt, Alles in Allem genomme«, kein Ort der Welt wie London, und die Natio» wirkt ander«, viel freundlicher auf mich, als ich er- wartete. Morgen will ich Dickens") besuchen. Wenn nicht Du andere Gedanke« hegst und mit genügen- ♦)„Von Reisenden, die auS London kommen, wird erzählt, daß die dort dekannten deutschen Flüchttinge dem größten Elend preisgegeben find, daß viele von ihnen bereit« zum Betteln ihre Zuflucht genommen haben und andere in den Revolutionijahren vielgenannte Namen fich mit dem spärlichen Erwerb de» Kol- portiren« mtt Züitdfadrikaten und anderen Utensilien behelfen müssen. Flüchtlinge, wenn sie überhaupt e.n Fortkommen haben«ollen, find genöthigt, den Namen„Deutsche" zu ver- meiden, und thun noch am besten, fich„Preußen" zu nennen." Korrespondenz aus Berlin vom 13. Dez. 1850. ♦♦) Charles Dicken» hatte einen warmen Aufruf zur Hilfe für meinen Vater in dem berühmten„Household WordS" vom 2. Nov. 1850 einrücken lassen. fahren, daß sie die Rechnung ohne den oi-ckevant-Eidam ge- macht.„Fällt mir im Traum nicht ein!" erwiderte der Brave, „daS HauS gehört mir, wie die Grundduchalten ausweisen und daS mir geliehene Kapital bekommen Sie zurück nach— 15 Jahren, eher nicht." Vergebens lief die Witlwe von einem Rechttanwatt zum andern, überall hieß e«, daß dem Lehrer nicht auf legalem Wege deizukommen W. Nun machte die Trost. lose aber wenigsten« Anspruch auf Rückgabe der Modilirn, mtt denen sie den Schwiegersohn bereits ausgestattet, glaubte aber ihren Augen nicht zu träum, als der Pävagog ihr als Aequt- valent eine gepfefferte Rechnung über die Kosten zusandte, welche ihm angeblich während seines Aufenthaltes im Bade durch die Damen entstanden waren! w. Die Schiffbarmachung der Spree für größere Elbkähne unter gleichzeitiger Senkung des HochwasserstanveS der Spree beschäftigt zur Zeit die städtischen Behörden Die hierüber eingesetzte gemischte Kommission hat am Montag Abend beschlossen, der Stadtverordneten Versammlung die Be. theiligung der Stadtgemeinde bei der Ausführung des Pro- jekteS mit einem bedeutenden Kostenbetrage zu empfehlm. Ein eigeuarttg belebte» Bild bietet gegenwärtig da« große, freie Terrain, welches fich nördlich der Bernauerstraße zwischen Brunnenstraße und Nordbahnhof ausdehnt. Die Fläche ist von einem Unternehmer an zahlreiche„kleinere" Leute ver- pachtet worden, die pro Ruthe 30 Pf. geben und nun fleißig dabei find, die ihnen zugetheilten Abschnitte einzufriedigen, so wie mit Kohl, Hülsenfrüchten u. s. w. zu bestellen. Fast jeder Pächter hat fich hier eine Hütte oder Laube errichtet. Nahezu hundert solcher Bretter- und LattenhäuSchen stehen auf diesem Ackerlande. Schon häufig ist eS uns passtrt, daß uns auf der Sttaße, auf Omnibus- oder Pferdebahnfahrtm von mehr oder weniger ältlichen Damen mit himmlisch-verklätten Augen ganz wider unseren Willen Traktälchen oder Flugblätter in die Hand gedrückt wurden. Selbst wer ge.adc nicht zur Frömmig- kett neigt, wirft wohl hin und wieder während einer lang- weiligen Fahrt einen Blick in diese Lektüre und man wundert sich dann über die Findigkeit dei menschlichen Geiste«, der auf wenige Blattseiten eine so große Menge unvelfä>schten Blöd- finns zusammentragen kann. Auch Droschkenkutscher werden häufig von einer sauber aber altmodisch gekleideten Dame mit solchm Schriftwerken behelligt. Neuerdings scheint man fich daS Militär al» günstiges BekehiungSobjekt auserkoren zu haben, denn wir lesen in verschiedenen Blättern, daß äugen. blicklich eine FSrsterSwittwe Mehner aus Schönfeld bei Könitz von dem festen Bestreben beseelt ist, die Berliner Garnison zu einer richtigen Heilsarmee zu machen. Der Heldenmuth, den Mutter W. dei ihren Teufelsdekämpfungen entfaltet, hat ihr nun auch, wie mehrere Blätter verstchern, bei den Soldaten jeden Grade» einen riefigen Respett verschafft. Jeder macht, wenn ihn Mutter W. mit ihrem Schlachtruf„Halte still auf Deinem Wege!"— so lautet auch die Devise auf ihren Trak- tätlein— gestellt hat, achtungsvoll Front, läßt fich geduldig auf etwaige Teufelibazillen untersuchen und nimmt ehrerbietig seinen geistlichen Denkzettel entgegen. Selbst der leichtfertigste Fähnrich würde dabei nicht mucksen. Wie sollte auch, wo Mutter W. oft ganze Schwadronen zum Kapituliren dringt, es selbst der tollste Schwadroneur wagen, fich gegen ihre Auto- rität aufzulehnen!„Neulich— so erzählt ste dem Referenten— „lauerte ich der Schwadron von den Gardekürassteren, welche in der Lindensttaße einquartirt ist, auf. Kaum war der letzte Schwanz zum Thorwe, hinaus, so war die Schwadron auch schon geschlagen und Jeder hatte seinen Denkzettel. Ich hatte mich nämlich in einen geschickten Hinterhalt gelegt. Auf gleiche Weise umzingelte ich neulich eine Kompagnie„Maikäfer". Erst wollte ste nicht recht'ran, ich hötte wohl, wie ver Urian in ihr surrte und brummte, aber dann kapitulirte ste doch; der Hauptmann selbst nahm ein ganzes Päckchen Denkzettel an."— Nun, unS kann daS schon Recht sein, obgleich wir unS kaum zu der Anficht aufschwingen können, daß ein Traktätchen eine besonder» schmackhafte Zugabe zum Kommißbrot ist. Der dt« ick doch ntch! Ein biederer Schuhmacher hatte sich, wie die„Berl. Preffe" erzahlt, kürzlich einen vergnügten Tag gemacht und deS Guten so viel gethan, daß er zu seiner eigenen Eicherhelt, da er den Weg nach Hause nicht finden konnte, auf der Wache deS betreffenden Polizeireviers gastliche Aufnahme fand. Man brachte ihn dort in da« SistirungS- ztmmer, wo er bald in einen Schlaf versank, wie ihn nur ein gutes Gewissen und ein Uebermaß von Gerstensaft und Alkohol einem Menschenkinde gewähren können. Während er also der tiefsten Ruhe hingegeben war, kam plötzlich nach dem Polizei- Bureau die Kunde, daß in der christlichen Herberge zur Heimatb, jener vi Site, welche durch die Verhandlungen des Kowalski- schen Prozesses eine so zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat, drei Radaubrüder fich eingefunden hätten, die einen heillosen Lärm vollführten und gegen deren Ausschreitungen man poli- zeiltche Hilfe erbat. Diese wurde denn auch schleunigst gewährt, und die drei Radaubrüder wanderten nach der Polizeiwache, wo man ihnen gleichfall« Quartier in dem SisttrungSzimmer den Gründe« unterstützest, so ist mein Wunsch, hier zu wohnen. DaS Lebe« einer Familie soll doppelt so theuer al» in Deutschland sein(eine auSmöblirte Wohnung 4—500 Thaler), die Nahruagmittel fi«d trefflich, alle Stoffe solid und dadurch billig. Selbst wenn e« Dir und mir mit den Stunden ganz und gar mißlänge, ließe sich au» dem deutsche« Buchhandel und Journalverlag soviel ziehen, als wir be« dürfen. Nur auf zwei Punkte macht man mich dringend aufmerk- sam. Erstens un» für'» erste Jahr auf alle Fälle sicher zu stelle«; wofür Deine wackere Fürsorge für den günstigen Verkauf der zwetten Novellenauflage Garantien giebt, nebst der enorme« Leichtigkeit, hier in Skizzen eine Menge von Beobachtungen Hinzuwersen, die für Deutschland ganz neu sind. Zweiten» keine englische Dienstmagd anzunehmen und womöglich mit einer dienenden Person sich zu begnüge«, wenigsten« für die erste Zett. Da« Hinderniß, welche« unserer Zusammenkunft noch im Wege stand, habe ich durch Vermittelung eine» Freunde» hier auf der Insel beseitigt. Ich schrieb Dir darüber chisscirt in meinem letzten Brief(von Edinburg) und gab Dir erne» Austrag. Hast Du diesen Auftrag bis nahe zum Erfolg er« füllt, so führe ihn durch und bringe mir das mtt,«a» Du erzielt hast; man kann'» allezeit brauche«. Wo nicht, so laß die Sache falle«, da e» nun unbedingt nicht mehr»öthig ist. Ich bi« auch so vollkomme« gesichert. Au« Stahr'» heut in der„Weser-Ztg." hier angelangtem Briefe an den Rektor(Schmitz) in Edinbura, der für mich thätig gewesen, ersehe ich von Neuem die Treue, mit der Du für mich gearbettet hast. Ich hoffe, es Dir und de« Kindern durch Treue zu vergelte«. Ich muß zum Schlüsse eile«, da unser Thee servirt wird und ich im Lölkes- roorn nicht schreibe« kann. Also nur«och folgende«: Ich reise nächster Tage an den Ort unseres Rendezvous, wo die Wohnung der Fraulei» A. Crepin, die Du mtt angäbest, der Treffpunkt sein wttd. Sogleich nach Empfang diese« Briefe» schreibst Du Fräulein CrSpi« de» Tag Deiner Ankunft daselbst; ist'S möglich, so holt man Dich am Bahn- Hofe ab, sonst fährst Du gleich zu dieser Adresse. Von Mittwoch, dem 11. d. M., an erwarten wir Dich dort. Daß Hittoiff mitkommt, wttd Karl und mir die größte Freude mache«. gab, in welchem sie in dem Schuhmacher einen EtubengeriA fanden. Um 11 Uhr Abend« wurden fie au» der Wache dem Molkenmartt befördert; unser Schuhmacher ober, den n* zurückgelassen hafte, schlief ruhig den Schlaf de« G'rechten» die Sonne stand schon hoch am Himmel, al» er sich aui# «heu» Armen riß und mit Verwunderung den Raum detraiP» in welchem er Aufnahme gefunden hatte. Endlich wurde in klar, daß er sich auf der Polizeiwache befand, aber noch Fr war seine Verwunderung, al» er seinen äußeren Mensches trachtete und die Veränderung wahrnahm, die mit demM vorgegangen war. Da« waien nicht die Hosen, die er getrap da» war nicht sein Rock, nicht seine Weste, nicht sein ßul* Statt seiner Kleidungsstücke, in denen er stolz einhergeschritten«« umhüllten ihn jetzt Gewänder, auf die er mit Entsetzen blickte jj in denen man ihn für den ärgsten Strolch hätte balten mW „Der bin ick doch nich," rief er in echtem Berliner Dialekt, W hat mir wohl vertauscht? Wie bin ick denn in die Kluft» kommen?" Die Polizeibeamten wurden jetzt auf die B«W rung aufmerksam, welche in der Nrcht mit dem Sistitten»J gegangen war, und bald wurde man darüber klar, ton* Zauderkünstler gewesen, die mit dem biederen Schuhmacher JJ solche Verwandlung vorgenommen hatten. Die drei Stiot» welche ihm al« Genoffen gegeben worden waren, hatten J tiefen Schlaf, in welchem er wie begraben lag, benutzt, um l» ein Stück nach dem andern vom Leibe zu ziehen und iha de- mtt diesem und j-nem Stück au« ihrer eigenen Gardeiowj bekleiden. Man kann sich denken, daß der Tausch nickt f Gunsten de» Schläfers autfiel. Schnell wurde jetzt vom PM büreau nach dem Molkenmartt Nachricht von dem fallenen gegeben und siehe da: man fand dort noch daß blatt, welches auf eine so perfide Weise unfern Schub« seiner Hülle entkleidet und mit so unwürdigen angethan hatte. Jetzt wurde nun wieder eine Zurückoei« lung vorgenommen, der Schuhmacher erhielt seine 8' zurück und die Strolche mußten wieder in die ihrigen schll aber der erste« stellte noch lange Betrachtungen darübt was Alle» einem stark angesäuselten Menschenkinde sogis den Hallen der heiligen Hermandad pasfiren kann. Moral von der Geschichte, wenn dieselbe überhaupt ist eine doppelte; erstens soll man fich fiel» einer ordentl Mäßtgkett defleißigen und zweiten» thut man gut, wenn? wirklich einmal etwa» Menschliches pasfirt, daß man sich einem Droschkenkutscher als der Polizei anvertraut. Dei� ist keinesfalls angenehm, noch dazu in einer zweifelhasten j fassung in die Gesellschaft gewisser Herren au« der christ» Herberge zur Heimath zu gerathen. Em für die Arbeiter wichtiger Bescheid ist% Anftage einer Berufsgenossenschaft vom Reichs ver fichcruniÄ ergangen. ES handelte fich um die Frage, ob ein infolgt' faUS erkrankter und versicherter Arbeiter verpflichtet ist,! Anordnung de« ArzteS in ein Krankenhau» zu gehen, um' dort heilen zu lassen.— DaS ReichSverficherungSamt erw? darauf, daß nach feiner Auffassung der einschlägigen Bestimm«} deS UnfallverficherungSgeseeeS die Wahl der vorgeichri«?? Leistungen, welche dem Verletzten zu gewähre« sind, nicht sondern der betreffenden Berufsgenoffenschaft zustehen. daher die Genossenschaft in bestimmten VerstcherungSfällen Pj Kur und Verpflegung im Krankenhause gewähren will, st E der Verletzte durch seine Weigerung der gesetzlichen? sprüche an die Berufsgenoffenschast verlustig, und der Verletzte etwa infolge einer ungeeigneten% oder einer mangelhaften Verpflegung in st% Weigerungsfälle dauernd ganz oder theilweise ertrerbsutW bleiben sollte, so kann die Genossenschaft unter Umstände«, die Lage kommen, die Gewährung der gesetzlich bestimm dauernden Rente zu versagen— wobei selbstredend dem treffenden daS Recht der Beschwerde vorbehalten bleiben' — da in einem solchen Falle die Invalidität nicht durch Unfall, sondern infolge des mangelhasten, beziehungia fehlerhaften Heilverfahrens verursacht, fich darstellt. Urberg Richtigkeit dieser Auslegung der Unfallverstcherung kann ficherlich streiten, namentlich über den Fall der infolge v- eigneten Heilverfahren« eingetretenen Erwerbsunfähigkeit. der daraus begründeten Entziehung der Rente. Wir M hier nur darauf hinweisen, daß bei der Berathung der Ug Versicherung die Möglichkeit einer solchm Auslegung von'' Seite zur Sprache gebracht worden ist. Mit Fische« in der Halle, oder richtiger einftwe auf den Wochenmärkten, fivt an jedem Marlttage die� dicke Mutter F., der echte TypuS einer Berliner Fischhän und fie müßte eben keine Berlinerin sein, wenn da« d' Wetter am letzten Sonnlage ste nicht ebenfalls in« Fie»2 auSgelockt hätte. Der muntere„Zossen" der Mutter F-, das„gute Geschirr" aufgelegt war, trabte denn auch btu°g dem leichtm Break nach dem Grunewald, daS trotz W' 1 ganz unbeträchtlichen Gewichte» seiner Herrin doch imMss., erheblich leichter war, alS der gewohnte Marktwagen tf'i Fischküdeln. In einem sehr belebten Restaurant wurde gemacht und Mutter F. plaztrte fich an einm Tisch, An den Schluß Deinen unvergleichlich wollte ich dm schönen Brief stellen, de» tt! der Ankunft hier erhielt. Jetzt muß ich darüber ianige�Da»� todt und kann nur mit stürmendem Gefühl Dir die ja" Freude bekenne», die er mtt gemacht hat. Wost s auch«ehr davon? In sechs Tagen liegen wir Herze«, dann gehe ich hierher zurück, und Du holst � Kinder. Ah!/ Bring mir Wäsche, Kugler'S zwei Werk(>» ÄS? isiuer Kunden, zu Geld zu machen, um weiter „standesgemäß leben zu können. Aber der Krug geht be- kanntlich so lange zu Wasser, bi» er bricht, und auch •.lttji'tfälogungen des Bankier LouiS Feig mußten eineS schönen Tage» ihr Ende nehmen. Einige Kunden, die über die wahre Lage des Herrn Feig Wind bekommen haben mußten, wollten fich nicht länger hinhalten lassen, bestanden vielmehr hartnäckig auf Herausgabe ihrer Depots und drohten schließlich mit dem Staatsanwalt. Jetzt begannen die Ver« wandten zu intervenircn. Alle möglichen Versprechungen wur- den gemacht: den Gläubigern bald eine größere, bald eine geringere Quote ihrer Forderungen in Ausstcht gestellt. Be. dingung war jedoch, daß keiner der Gläubiger eine Anzeige machte, da in diesem Falle die Verwandten auch nicht daS geringste geben würden. Während die beiderseitigen Verhand. lungen fortdauerten, dampfte Herr Feig ruhig von hier nach Liverpool ab und von dort mit einem englischen Dampfer nach Amerika. Sobald der Betreffende in Sicherheit war, änderte fich daS Benehmen der Verwandten mit einem Schlage. Die große, theilnehmende Freundlichkeit gegen die Geschädigten verwandelt« fich in achselzuckende Gleichgiltigkeit.„Wenn Sie so unvmstchtig find,"ähieß eS,„geschieht Ihnen ja ganz recht." — Die von Herrn Louis Feig Betrogenen erhielten feiten« der Verwandten ebenso wenig einen rothen Pfennig, wie jetzt die Opfer deS Herrn Salo PincuS.— Eine saubere Sippschaft! Im Cafö Bauer, so erzählt der„B. B. C." erregten vorgestern Nachmittag einige Chinefinnen in ihrer National- tracht daS größte Aufsehen durch die selbst bei Töchtern des himmlischen Reiches exorbitante Kleinheit ihrer Füße. Eine der chinefischen Frauen trug kurze breite Filzschuhe, die andere hin- gegen rothe Atlasschuht, reich vergoldet und hochhackig. Die ganze Länge der Füße betrug zirka sechS bis stehen Zenth meter. Die Damen gehörten zu einer hier weilenden Gaukler- aesellschast, die fich auf der Durchreise nach Rußland befindet. Die auf so kleinem Fuße lebende holde chinefische Weiblichkeit war von Neugierigen stark umdrängt, ließ stch dadurch aber nicht abhalten, ruhig ihren The« zu schlürfen.— Die Füße der Chinefinnen find von Natur bekanntlich auch nicht kleiner alS diejenigen anderer Nationen. ES herrscht bei den langbe- zopften Söhnen deS himmlischen Reiches eben nur die dar- oarische Unfitte, den Frauen von Jugend auf die Füße durch übermäßig kleine Schuhe künstlich zu verkrüppeln. Es ist ein geradezu jammervoller Anblick eine sonst wohlgewachsene cht- nefische Dame über die Straße watscheln zu seyen. Bei unS bewegen fich die Gänse in ähnlicher Weise. Polizei-Bericht Am 18. d. M. Abends fand in dem Mariannenstraße 31/32 belegenen Schanklokal eine Gas- exploston statt. In einem Nebenraum war ein Gasarm in diebischer Abficht abgebrochen worden und GaS ausgeströmt. «ls ein Herr den dunklen Raum betrat und ein Streichholz anzündete, um ihn zu beleuchten, rxplodirte daS ausgeströmte zertrümmerte im Lokal mehrere Spiegelscheiben und fügte A 0 5 Fuß 5 Zoll, Haare braun, Stirue frei, Augenbrauen braun, Augen blau, Nase, Mund proportionirt, Kinn, Ge- ficht oval, Gesichtsfarbe gesund, Statur schlank. Besondere Kennzeichen—),„um Familie zu besuchen", über Brüssel «ach Paris. Hier verlebte» die wieder vereinten Ehegatte« neue glückliche Tage. Die Hauptsorge meiner Eltern war rl Zukunft; nach reiflicher Erwägung entschloß man sich für England. Allerdings war auch die Schweiz in Frage gekommen, doch wurde auf Anrathe» meiner Muttex e*. v***%** Schweiz sei bei der damals überall Herr» schenden Reaktwn eine„Mauifalle", die Idee einer Ueber- U« Ä«t«VMK Sprache, damst wir nicht als absolute Barbare» de« Bode» Albton« zu betrete» brauchten. Am 14. Januar 1851 wurde meine Mutter vor b... Bonner JnstruktionSrichter gelade«. Der neugierige Herr wünschte zu wissen,„was Frau Professorin in Pari« unter vi« Augen mit ihrem Manne über seine Flucht geredet habe." Er bekam entweder gar keine, oder eine sehr unbe- stimmte Antwort. Da es indessen zweifelhaft wurde, ob wa» uns fortlassen werde, beschloß meine Mutter, die Ab- "ste zu beschleunige«. Man mußte um so rascher da« Hasen- panier ergreifen, well die halbwöchentlichen Dampfschiff- fahrte» von Bon««ach Rotterdam, welche bi« Mitte Januar 1851 bestanden, gerade damals auf wöchentliche reduzwt wurden I Zn fliegender Eile wurden die letzte» * c™ getroffen, alle irgend entbehrlichen Bücher o«"-- äußert. Berge von Rechnungen bezahlt und Sonntag, d... 19. Januar, die Reife angetreten. Am 20. waren wir in Arnheim, am 21. in Rotterdam, am 22. fuhren wir über die Nordsee und am 23., VormtttagS gegen 10 Uhr, trafen in London ei». Es war ein wundervoller Wivtertag, '"ne Wolke am Himmel; die weißen Häuser leuchteten im hellsten Sonnenschein. Da stand auf der Landungibrücke der heißgeliebte Vater, den seine Kinder zuletzt neun Mo> «ate vorher in der SträslingSkleiduvg gesehen hatte«. unvergeßlicher Augenblick, dessen Einzelheiten ich heute nach sünfunddreißig Jahren nicht ohne Bewegung mir ver- gegenwärtige. dem Herrn schwere Brandwunden an Gefickt und Händen zu, wegen welcher er nach dem Krankenhause Bethanien gebracht weiden mußte.— Am 19. d. M. Vormittag» wurde an der von der Hepdtbrücke die stark verweste Leiche eines ManneS auS dem Wasser gezogen und nach dem Leichenschauhause gebracht. — Zu derselben Zeit wurde ein Mann in der Friedenstraße von einem mit Holz beladenen Wagen überfahren. Er erlitt dadurch einen Bruch de« rechten OberarmeS und wurde nach dem städtischen Krankenhause am FriedrichShain gebracht.— Am Nachmittage deffelben Tage« war auf dem Dache d«S Neu- baue« Müllerstraße 48 der Zimmermann Krüger mit dem Auf- nageln von Brettern beschäftigt, fiel dabei vom Dache auf einen Haufen Schutt und Steine hinab und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte._ OerichtK-Ieiwng. Die Brillanttaude vor Gericht. Die von dem „Berliner Tageblatt" kolportitte Geschichte von dem Brillant- tauben. Diebstahl, der in hiesigen aristokratischen Kreisen vor- gekommen sein soll, führte den Lokalredakteur jenes Blattes Herrn Sigismund Perl, und den Berichterstatter Dr. Wolff unter der Anklage de» groben Unfugs vor die 96. Abthetlung diesigen Amtsgerichts l. Den Vorfitz führt AmtSgerichtSrath EadrozinSli, die Anklage vertritt der erste AmtSanwalt Dr. Borchert, der Verhardlung wobnt U.A. der erste Staatsanwalt Angern bei; der Zuhörerraum ist überfüllt. Der vorige Termin war vertagt worden, weil fich die Angeklagten auf das Zeugniß der G-äfin Echwanenfeld und deS Rechtsanwalts Hentig zum Beweis« der Wahrheit berufen hatten. Die Gräfin v. Schwanen- feld ist zum beutigen Termin KrankheitS halber nicht erschienen, dagegen ist Rechtsanwalt Hentig zur Stelle, an welchen fich der bekümmette Gatte jener„Dame aus den höchsten Kreisen, welche nach dem„B. T." die Brillanttaube gestohlen hat. ge- wandt haben soll. Unter den übrigen Zeugen befinden Sch auch die R-datteure der„National- Zeitung", siax Horwitz, und der„Staatsbürger- Zettung", Dr. Bachler, ferner der Hosjuwelier Felger und al» Dolmetscher der italienischen und der ftanzöfischen Sprache, Prof. Dr. Giovandli und Prof. Dr. Rose.- Als erster Zeuge wird der R.-A. Hentig vernommen. Derselbe erklärt prinzipiell, daß er über wirkliche Berufkvorkommniffe, bei welchen er von AmtSwegen um Rath befragt worden fei, sein Zeugniß ver« weigern müffe, doch komme eS ganz auf die Frage an. Die Vertheidiaer R.-A. Fränkel und Michaelis legen dem Zeugen nun die Frage vor, od ihn der Gatte der in dem Artikel al« Frau v. D. dezeichneten Dame betreffs des in Rede stehenden Diebstahls um Rath gefragt hat. Der Zeuge erwiderte, eS habe ihn eine solche Persönlichkeit in Ver in dem Artikel erwähnten Brillanttaudensache nicht um Rath gefragt, und erklärte fich nach Stellung der Zwtschenfrage, ob unter dem Herrn v. U. eine bestimmte Persönlichkeit zu ver- stehen sei, zum Zeugniß bereit und leistete den Zeugeneid. Die Vertbeidigung präzistrt nun die Frage folgendermaßen: „Ist der Rechtsanwalt Hentig sonst von irgend Jemand wegen eine« Brillantdiebstahls aus den höchsten Kreisen konsultirt worden?"— Rechtsanwalt Hentig: Ich bin 7 Jahre lang Rechtsanwalt und an mich hat fich ein solcher Mann nicht ge« wendet.— Vertheidiger Rechtsanwalt Fränkel: Dann bitte ich den Zeugen, daß er präzifirt, waS er unter„höchsten Kreisen" versteht. Die Frage soll so aufgefaßt werden, daß auch hohe Beamtenkreise mit in den Begriff einbezogen werden. — Der Staatsanwalt intervenirt mit dem Bemerken, daß auf diese Weise der Zeuge schließlich dabin gebracht werden könnte, daS Amtsgeheimniß zu brechen. Rechtsanwalt Michaeli« er- widerte hierauf, daß dann der Zeuge sein Zeugniß verwei- gern könne, bat aber gleichwohl, der Gerichtshof möge die Fragestellung in dem von der Vertheidigung gewünschten Sinne zulaffen. Der Gerichtshof zog stch zm Beschluß- faffung darüber zurück und verkündete nach kurzer Be- rathung, daß, da die Fragestellung doch in unmittelbarem Zu- sammenhang« mit dem Zeitungsartikel stehen müffe, dem An« trage der Vertheidigung nicht stattzugeben sei. Rechtsanwalt Fränkel richtet sodann noch folgende Frage an den Zeugen: Ist Ihnen bekannt, daß von einer dritten unbetheiligten Seite eine derartige BrillantdiebstahlS-Geschichte, wie ste der qu. Artikel enthält, erzählt worden ist?— Rechtsanwalt Hentig: Ich habe vor etwa 6 Monaten von einem Dritten gehört, daß der Kriminalkommissariui v. Raumer eine ähnliche Geschichte, wie ste der Artikel enthält, erzählt hat. Ob diei nun in vori- ger oder in einer anderen Saison pasfirt ist und fich so ab- gespielt hat, wie eS der Artikel behauptet, weiß ich nicht.— R.-A. Michaeli»: Od das Ereigniß fich gerade in voriger Saison abgespielt hat, darauf dürfte eS am Ende doch nicht ankommen. Der Angeklagte Perl demerkt seinerseits, daß die Deposttion deS Rechtsanwalts Hentig ganz der Verfion entspricht, welche der Kriminalkommiffar v. Tausch(gelegentlich einer amtlichen Recherche nach dem Erscheinen des betteffenden Artikels) von der Sache ihm gegeben. Die Vertheidigung deantragt in Fol deffen, die Verhandlung abermals zu vertagen und zum näc, sten Termin die Kriminalkommissare v. Raumer und v. Tausch vorzuladen. Ferner wird die Ladung de» Schriftsteller s Nor- mann-Schumann deantragt, welcher bekunden soll, daß er selbst die jene Notiz fmktifizirenden Artikel in die italenischen Blätter lanzirt hat und zwar im Auftrage der politischen Polizei. DeS« gleichen beantragt die Vertheidigung die Ladung deS Dr.Bachler zum Beweise dafür, daß die Bemerkungen, welche die„Staats- dürger-Zeitung" in Uedereinstimmung mit der Anklagedehörde über diese Angelegenheit gemacht hat, von der hiefigen politischen Polizei inspirirt worden seien, beziehungsweise auf Matertal beruhen, welches von der Polizei geliefert ist. Auf das Zeug niß der Gräfin Echwanenfeld und de» Juweliers Felger wird verzichtet.— Der Gerichtshof beschloß die Ladung der sämmtlichen übrigen vorgeschlagenen Zeugen und vertagte hier- auf die Verhandlung. In der Jhrtng-Mahlowsche« Angelegenheit hatte be- kanntttch der Reicks'ags- Abgeordnete Singer gegen den Kriminalschutzmann Jhrtna bei der Staatsanwaltschaft bean- tragt, ihn u. A. wegen Majestätsdeletdigung straftechtlich zu verfolgen. Dies wurde mit der Motioirung abgelehnt, daß Jhring die ihm von den Singer'schm Zeugen zur Last gelegten Aeußerungen bestritten und daß er als zuverläsfiger Beamter mehr Glauben verdiene, alS die vorgeschlagenen zur Sache interresfirten Zeugen. Hiergegen legte der Antragsteller durch die Rechtsanwälte Munckel und Freudenthal Beschwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft ein. von welcher jetzt der nach- folgende Bescheid erging:„Euer Wohlgedoren erwidere ich auf Ihre in der Anzeigesache wider den Schutzmann Jhttng I II, c. 191 de 1886 am 30. März d. I. hier eingegangene Beschwerde über den Ihnen am 18. März d. I. zuge. stellten ablehnenden Bescheid der königlichen Staatsanwalt- schaft beim Landgericht I hier vom 16. Mär, d. I., daß ich den vorgedachten Bescheid durchgehends für zutreffend erachte und auch auf Grund Ihrer Beschwerde, in welcher Sie neue Beweismittel für Ihre Behauvtungen nicht angegeben haben, mich nickt veranlaßt sehe, etwas Weiteres in der Sache anzuordnen. Was insbesondere die Beschuldigung der MajestätSbeleidigung anlangt, so vermögen die Zeugen Urban und Berndt bezüglich der dem Beschuldigten zur Last 8«legten Aeußerungen überhaupt nickt« zu bekunden, und Chri- ensen hat selost zugegeben, daß er Zeugen für seine dieSdezüg- lichm Angaben nicht nennen könne. Demnach steht Aussage gegen Aussage. Wenn eS schon an fich in den meisten Fällen, zumal wenn Aeußerungen bewiesen werden sollen, unzulässig erscheint, den Beweis auf die Aussage eineS einzigen Zeugen zu stütz n, so kann, wie die kgl. Staatsanwaltschaft mit Recht ausgeführt hat, im vorliegenden Falle die Aussage des Chri- stensen allein um so weniger genügen, al« die Behauptung d«S Beschuldigten, dem Christensen erst am 27. Dezember vor. IS. näher getreten zu sein, durch seine Berichte unterstützt wird, während Chr. diese« Gespräch spätesten« in den Anfang Dezbr. verlegt. Der Oberstaatsanwalt v. Lud." Bezüglich der höchst wichtigen Frage, in wie weit einem Volksanwalt alS Vertteter einer Prozeßpartei Gebühren zuzusprechen find, ist vor Kurzem die erste Entscheidung eine» OderlandesgerichteS, und zwar de« zu Köln, ergangen. Dem durch den Rechtskonsulenten S. in Düffeldorf vertretenen Beklagten, der im Proz-ffe obgefiegt hatte, waren vom dortigen Amtsgerichte 6 Mark Gebühren zugebilligt und dem Kläger, welcher durch den Justizrath S. vertreten war, zur Erstattung aufgegeben worden. Auf die Beschwerde deS letzteren hatte daS Landgericht zu Düffeldorf den KostensestsetzungSbeschmß des Amtsgerichts aufgehoben, da die durch einen RechtSkon- iulenten verttetene Partei keinen ErftattungSanspruch habe. Da» Oberlandesgerichl zu Köln hat indeß der Beschwerde de» Rechtskonsulenten S. stattgegeben und die erstrichterliche Eni- scheidung wieder hergestellt. In der Begründung heißt e» wörtlich:„Nach§ 87 ver Z.-P.-O. hat die unterliegende Partei die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten, soweit dieselben nach freiem Ermessen deS Gerichts zur zweckent- sprechenden RechtSvertheidigung nothwendig erscheine. Im unter« «ebenen Falle war die Prozeßführung und Vertretung de« Beklagten seitens de« Rechtskonsulenten S. eine sachgemäße und zweckentsprechende. Bei der Schwierigkeit, welche die Prozeßführung für den Beklagten bot, war aber die Zuziehung eine» rechtskundigen Vertteters als noth wendige Aufwendung zu betrachten. DieseS kann auch bei der Zuziehung eineS rechts- kundigen Vertreters, welcher nicht Rechtsanwalt ist, im Frlle seiner Zulaffung gelten, weil die Partei eben mit der Prozeß- führung nicht bekannt ist, und den Vertreter seiner Rechtskunde wegen zuzieht.§ 143 Abs. 2, Z. Pr.'O, nach welchem daS Ge« richt gewerbsmäßige Parteienvertreler al« Bevollmächtigte zurück- weisen kann, steht dem nicht entgegen. Die Vergütung, welche die Partei dem Rechtskonsulenten für seine Aufwendung von Zeit und Mühe geben muß, stellt fich deshalb in Fällen der vorliegenden Art als nothwendig« Autlage dar, ohne welche eine derartige Vertretung nicht zu erreichen ist. Die Vergütung ist daher auch von dem unterliegenden Gegenstande in der alS angemessen anzusehenden Höhe zu erstatten. Lübeck» 19. April. Die Gesellen d«S hiefigen Tischler» meisterS Timm, welche fich eine von dem Meister beabfichtigt« Lohnherabsetzung nicht gefallen laffen wollten, stellten Anfang Februar d. I. die Arbeit ein. In einer am 10. Februar abgehaltenen Versammlung de» hiefigen FachvereinS der Tischler wurde in Bezug auf Viesen Streik folgender Beschluß gefaßt: „Die heute Abend auf der Tischlerherberge anwesenden 170 Ttschlergesellen erklären die Handlungsweise de« Tischlermeister» Timm für schmutzig und verbinden fich, gegen diese« Vorgehen mit ganzer Kraft einzustehen, um dem Meister Timm da« Handwerk zu legen, mit anderen Worten, sämmtliche Kollegen zu veranlassen, bei Timm nicht mehr zu arbeiten." Einige Mitglieder deS Vereins sollen fich nun an den nächsten Tagen in der Nähe der Wohnung de« Tischlermeister« Timm einge« fundm haben, um die bei Timm neu in Arbeit getretenen Gesellen zu veranlassen, die Arbeit einzustellen. Dieser Versuch hatte bei einigen Gesellen Erfolg, nickt aber bei dem Tischler- gesellen Lohnberg. Als vieler am 16. Februar Abends die Werkstatt verließ, um seine Wohnung aufzusuchen, überfielen ihn zwei Gesellen und schlugen auf ihn ein. Die beiden Thäter hatten fich deshalb am Sonnabend, den 17. d. M, vor Gericht zu verantwotten. Das Resultat war, daß beide Angeklagte, ein Tischlergeselle aus Lauenburg i. P., der andere au« Leip« ninken, wegen gemeinschaftlich begangener Körpiroerletzung zu einer Gesängnißstrafe von je einem Jahr und sech« Monaten verurtheilt wurden. Zu einer Geldstrafe von 96,840 M., welcher event. eine Gefängnißsttafe bis zur Dauer von einem Jahre substttuirt werden sollte, war von ver Strafkammer zu Lauendurg der Brenneretverwalter Krczywda verurtheilt worden, weil er bei der Etnmaischung im Laufe von 3 Jahren überau« zahlreiche gesetzwidrige Handlungen vorgenommen und sechs Arbeiter dabei als Späher zur Verhütung etwaiger Störungen auS« gettellt hatte. Die Arbeiter kamen mit einer Strafe von 300 M. davon. K. legte beim Kammergericht Revifion ein, die aber, da es stch lediglich um thatsächliche Momente handelte. am Montag zurückgewiesen wurde. Soziales«»d Arbeitervemeamtg. , Die GewerbeaussteUung in Chemnitz für das Jahr a SR Jahre 1888 gefichert erscheint. Wenn der letztere Grund nicht ein fingirter ist. s kann er mit Freuden begrüßt werden al» eine Verleugnung partikularer zu Gunsten gemeinsamer Interessen. t L®lrjif i« Aussicht. Wie das„Altm. Int." berichtet. haben die Stendaler Zimmerleute beschloffen, zu streiken, wenn ihnen nicht die Meister vom 18. d. M. an einen Stundenlohn von 26 Pf. bewilligen. In Frankfurt a. M. ftreiken die Setzer de«„Franks. Jntelligenzdlatt" wegen einseitiger Abänderung de« TarifeS und fortgesetzter Maßregelungen. «i Arbeiter der Hochöfen und Eisengießereien der Firma C. Wilson, Eon« u. Co. in Hüll haben an ihre Arbett- geber eine Erklärung gesandt, in der wiederhott um eine Lohn- erhöhung von 6 Pence per Tonne ersucht wird. ES wird weiter hervorgehoben, daß die Firma die Arbeiter bereit« ein viertel Jahr hingehalten habe und erwarteten die Arbeiter nun Sanz bestimmt, daß die bereits vor Monaten versprochene Er« öhung endlich eintreten werde. Fall« dieS nicht geschehe, würden die Arbeiter unverzüglich die Arbeit niederlegen. Die Antwort der Fabrikbesttzer ist bi« jetzt noch nicht eingetroffen. DerEtretk in derKnopffabrtk von E.M.Siegel u.Ko. ist am Montag, den 19. April für beendet erklärt worden. Herr erreicht, wa» fie wollten, wenn auch zum größten Theil nicht ��v s?"bern für diejenigen, welche während des Streiks dort Arbeit nahmen. Von den 21 Streikenden hatten bereit« 9 Mann andere Arbeit. 6 haben heute Dienstag die Arbeit wieder aufgenommen, so daß noch 6 Mann unterzubringen find und die vom Fachveretn so langt unterstützt werden müssen. Die Hannover'schen Korbmacher liegen im Streik wegen Lohndifferenzen und bitten, den Zuzug fern zu halten. Vereine nnd Versammlungen. hr. Die Kurbelstepperinne« und-Stepper Berlin« haben in einer öffentlichen Versammlung, welche, meist von Damen besucht, am Montag bei Keller, Andreasstr. 21, unter dem Vorfitz de« Herrn Adameck tagte, einen Verein zur Wahrung ihrer Interessen konstituttt. In der ersten Versamm- lung war allgemein anerkannt worden, daß dem Projekte de» Vereins der Arbeitgeber in dieser Branche, aus Sachsen und Böhmen Arbeiterinnen maffenweise heranzuziehen, um durch Vermehrung der Konkurrenz die Löhne herabzudrücken, nur durch Gründung eineS Vereins oer Arbeiterinnen und Ardeiter entgegen gewirkt werden könne. ES wurde eine Kommisston von 7 Damen und Herren beauftragt, für den zu gründenden Verein daS Statut zu entwerfen. Eine zweite Kommisston erhielt da« Mandat, dle öffentlichen Versammlungen der Arbeit- geber zu besuchen, um dann Bericht zu erstatten. Aus dem Berichte, welchen in der gegenwärtigen Versammlung im Namen der Kommtsfion Herr Krüger erstattete, ging bervor, daß ei den Arbeitgebern wirtlicher Ernst damit ist, ein Einten der Löhne durch maffrnhasten Import sächstscher und böhmischer Arbeiterinnen herbei zu führen. Das von der betreffenden Kommisfion ausgearbeitete Etatut des„Vereins der Kurbel- stepperinnen und-Etepper Berlins zur Wahrung ihrer Jnter- effen" wurde ohne DiSlusfion en bloc angenommen; ebenso die vorgelegte Geschäftsordnung. Z 1 des Statuts giebt den Zweck an, die Mitglieder zu einer gewerblichen Korporation zu vereinigen und ihre Jntereffen zu wahren. Als Mittel zu diesem Zwick sollen dienen: regelmäßige Mitglieder Versamm- lungen und öffentliche Versammlungen, Erzielung mög» lichst günstiger Lohn« und ArbeitSverhältniffe, ArbettS- Nachweis, Rechtsschutz und Pflege der Kollegialität. AuS den Wahlen ging der folgende Vorstand hervor: Herr Adameck, Vorsitzender; Herr Krüger, Etellvertretcr; Herr Fa- driciuS, Schrtsttührer; fträul. Gutsche, Etellvertreterin; Frau Kanttn, Kasfirerin, Frl. Genschmer, Etellvertteteri«; Herr Cluth, terr Hoffmann, Fräul. Schümann und Frl. Braun. Beifltzer. a Kaffenrevisoren wurden Fräul. Fuchs. Die Zahl der An- wesenden, die ihren Namen in die Mitgliederliste eingezeichnet hatten, betrug am Echluffe der Versammlung 32, darunter gegen 60 Damen. Herr Hoffmann wies darauf hin, daß viele von den Ardeitgedern mit Kurbelmaschinen, die fle auf Theilzahlung angeschafft haben, arbeiten lassen und gab den Rath, daß die Ardeiterinnrn und Arbeiter, denen es möglich wäre, Maschinen auf Theilzahlung zu bekommen, eigene Arbeitsstuben einrichten möchten. Die ÄrbeitSeinstellung bei den Arbeitgebern, welche durch einen En gros- Import auswärtiger Arbeiterinnen die Löhne herabdrücken wollen, würde dadurch den Berliner Arbeiterinnen wesentlich erleichtert sein. Ferner warnte Redner die Kolleginnen davor, fich dmch den Vergnügungsverein, den die Ärdeitgeder gegründet, ködern und fesseln zu laffen, bis die tmportirten tächstschen oder böhmischen Arbeiterinnen an- gelernt wären. Nachdem er dann noch geschildert, wie brutal ein Arbeitgeber, der stch gerühmt, daß bei ihm Ordnung herrsche, seine Arbeiterinnen behandle, schloß er mit dem Hin- weise auf die Nothwendigleit, Mittheilungen und Warnungen an die Stepperinnen in Sachsen und Böhmen gelangen zu laffen. Frau Berdt klagte darüber, daß die Arbeiterinnen in manchen Albeitsstuben bis 11 Uhr Nachts und auch am Sonn- tage arbeiten müssen. Schließlich wurde noch eine in nächster Zeit zu veranstaltende Dampferpartie in Vorschlag gebracht und allseitig akzepttrt. t Die gegenwärtige Krisis in der Arbeiterinnen« bewegnng, lautet« daS Thema, mit dem fich die Arbeiterinnen- veisammlung beschäftigte, welche vorgestern in„Sanssouci", Kottbuserstr. 4», unter Vorsttz von Frl. Gagert stattfand. Die Referentin, Frau Hofmann, legte in sachlicher und ruhiger Weise die Vorkommnisse klar, welche in letzter Zeit in der Ar- beiterinnenbewegung so viel Staub aufgewirdeft haben. Nicht dem eigenen Triebe, sondem der Noth gehorchend, habe man d�ese Versammlung einberufen, um den Verein zur Ver« tretung der Interessen der Arbeiterinnen gegen dm Vorwurf zu rechtfertigen, er habe jemals in irgend welcher Beziehung gr christlich-sozialen Partei gestanden. Nach einem glückver- ißer.den Anfange sei die Ardeiterinnenbewequng zunächst durch die Abzweigung veS Nordoereins in der Entwicklung gestört worden, akut sei die Krifis aber erst durch vaS Zwischenspiel der christlich-sozialen Partei gewordm. Persön- lich habe fie(Rednerin) zu erklären, daß ste tiefen Abscheu gegen die antisemitische Agttation empfinde, die unter der heuchlerischen Matke christlicher Gefinnung und Vaterlands- liebe die niedrigsten Leidenschaften, Religions- und Rassenhaß zu schüren fich bemühe. Die Are eiterinnen nehmen von jeder Seite Unterstützung an, wenn fie in wohlwollmder Abstcht und bedingungslos geboten werde, nur nicht von der Partei des Herrn Stöcker. Die Gefahr einer solchen Verbindung sei so klar, daß fie offen nicht gelingen konnte. Man habe daher versucht, fich durch ein Eeitenpfävchen in die Ardriterinnmbe- wegung hineinzustehlen. ES sei bedauerlich, daß eine bekannte „Dame der inneren Mission", offenbar in vollkommener Unkenntniß der Tragweite ihrer Handlungen, fich zu der un« würdigen Vermittlerrolle einer unlauteren Abficht habe ge- brauchen lassen. Es stellten stch Mitglieder der inneren Misston in den Versammlungen ein, die einen persönlichen Verkehr anzubahnen suchten und eS auch erreichten, daß einige Vorstandsmitglieder die Theeabende der inneren Misfion de- suchten. Als im Vorstande diese Besuche besprochen wurden, war die Meinung sehr getheilt. Einzelne fanden, daß kein Mitglied Hinzuzehen habe, andere sahen darin eine Beschrän» kung der persönlichm Freiheit und wolltm die Sache alt reine Privatangelegenheit behandelt wiffm. Einige hofften, an jenen Äbmden für ihre Änfichtcn zu werden. Als fie sahen, daß dort doch nichts sei, bltrdm fie fort. Wenn außerdem auf privatem Wege die Wohlthätigkeit tener Leute, die über große öffentliche Mittel zu verfügen haben, in Anspruch gmommm worden ist, so könne daS nicht getadelt werden. Bei dieser Gelegenheit habe man aber die Erfahrung gemacht, daß der Bibelspruch von der linken Hand, die nicht wissen solle, waS die rechte thut, für gewisse Personen nur sehr bedingt gelte. Der Verein als solcher habe niemals auch nur die geringste Verbindung mit Herrn Stöcker unterhalten. Rath und Unterstützung werde er allein bei den Ar- beitem und wahren Albeiterfreunden suchen und finden. Gesellschait den. Der Brand hotte größere Ausdehnung, als anf°» angenommen wmde. Sechshundert Häuser, darunter du däude der Bezirkshauptmar.nschast, d« Bezirksvertreiun� Eteueramtcs, ferner das Gymnafium, die Kirchen, die 69»* die Miliiärmagaztne, bau Wobngedäude der Beam� Dnjestrbahn u- s. w. find vollständig den Flanmtt Raube gewordm. Die Militärkaffe und da» W wurden gerettet. Der ganze Stadttheil vom Ring Herrengaffc entlang b'.s zur Albrechtdahn ist total zerilM Häuser find bi« auf den Grund niedngebrannt. TflSt spottet all« Beschreibung. Bisher wurdm 60 oe� Leichen gefunden, 7000 Personen haben all' ihr> Gut verloren. Die Funken flogen meilenweit� steckten die Baucrnhütten d« Umgebung in 3 Im Umkreise von vielen Meilen war der intenfioe 0:#% zu spürm. Die Akten der Behörden wurden vom auf eine Entfernung von acht Meilen fortgetragen. an Wasser und die Löschvorrichtungen find üderau» f Die ganze Rettungsaibett wurde kopsloS in Angriff Die Kirchthürme find eingestürzt, mehrere Pnsonen Trümmnn begrabend. Von Volksschulen ist eine niedngebrannt. Die obdachlosen Abgebrannten d« Staatsdahn unentgeltlich nach Sambor, und Lemberg befördert.— Eine weitere MelduAj richtet: Ganz Stry bildet einen einzigen. Haufen. Sämmtliche Wohnhäus« der inneren Stadt»»j weiteren Straßen bis zum Bahmayon find gänzli«. gebrannt. Von öffentlichen Gebäuden vermochte man» � Post tu retten. Das AugmentationSlager des bortiflC% wehr-Bataillons ist gleichfalls ein Raub d« flKfLgt worden. Bios die ErgänzungidepotS des Infanterie Nr. V blieben intakt. Aus Schilderungen 00£I,,w1 zeugen erfährt man haarflräuaende Details.'j hundert P-rsonen sollen verunglückt sein. gt* räumen des Schuttes kommen immerfort noch menschlicvc � zum Vorschein. Im Lemberg« Svital wurde ein D«»-ü Transport untergebracht. DaS Elend, daS plötzlich... Bevölkerung hereingebrochen, spottet jeder Beschreibung da» Feu« zum Auebruch gelangt ist, vermag Niewa,�« geben. Ein sürchterlicher Qualm hat alle Rettung»»�. Schanden gemacht.„{Mt# Nizza, 17. April. In dem Prozesse wegen b« tWB Katastrophe von Montecarlo wurde d« Station»«�? treter von Roquebrune, Didelot, schuldig erklärt unv, zehn Monaten Gcfängniß verurtheilt.., London, 19. April. D« Flensburg« Damp�»"�, ist auf der Fahtt von Hamburg nach dem Amur tu aangenen Nackt um 11 Uhr während dichten N«» Höhe von Goodwin« Sands mit dem La Plata bestimmten Dampfer„PettopoliS stoßen und eine Stunde darauf gesunken. D»%tt desselben wurde von den Booten de» Dampf«'"2% aufgenommen und in Dover gelandet. Von der i* vollen Ladung ist nichts g«ettet. Hriefkaften der RedaKti i.»«w aW,««.wma». ll,