»r 96 Freitag, htn 83. April 1886. m. Jahrg. MmnVcksdllill flrnan ffir die Interessen der Arbeiter. 4 »a« �»erliu-r«oltStlatr' «(♦riro tSgltch KotgenS außer nach Sonn« und Festtage«. NbonnementKpret» für verlin frei vierteljädriich 4 Marl, monatlich 1,86 Marl,»üchentlich 86 Pf. Postadonnement 4 Karl. Gtnieme Rummer 5 Pf. Vonntttgs-Rummer mit illustrtrter Beilage 10 Pf. l«ngetragen In der Post,eitung»vret, liste für 1886 unter Rr. 769.) J«fertio»4geb«hr Petst""■------ Kedaktio«: Deachstratze 8.— Gvpedttw»; Zimmerkratze 44. Die KmptrWxele. 3Bo ertönt sie? Am Rhein oder an der Weichsel? Run, vorläufig weder im Osten noch im Westen, sonder« nur in den Spätren der vffipösen Blätter und da nehmen wir die Sache nicht allzu tragisch. Wir find dergleichen Dinge gewohnt und sie können uaS nicht überraschen. Der ChauvinremuS ist un« immer eine widerwärtige Erscheinung ! gewesen und wir haben auch de» Muth gehabt— und laben ihn»och— den deutschen Chauvinisten dieS zu »gen. Sie mache» auf uns den gleichen Eindruck wie die ranzöstsche». Aber ist den« der französische Chauvinismus, auf den unsere O fi lösen mit gutgespielter Besorgniß hivzuweise« nicht müde werde«, wirklich ein so gefährliches Ungeheuer, da« den Frieden mit einem Zuge zu verschlingen fähig ist? Deroulöde, welcher als der vollendetste Typus eines französischen Chauvinisten erscheint, ist unS immer als eine sehr lächerliche, niemals aber als eine ge« fährliche Persönlichkeit vorgekommen. Und Herr DeroulSde ist nicht Frankreich, sondern nur der Häuptling einer kleine» Schaar von Schreiern, die sehr viel Lärm machen können, die aber oh» mächtig sind, irgend etwas zu thu», was wirk- lrch den Flieden gefährden könnte. Man untersuche einmal die verschiedene« Schattirungen der in Frankreich herrschenden republikanischen Richtung auf ihre« Chauvinismus und man wird finde», daß man keine» Grund hat, von dieser Richtung eine kriegerische Aktion zu befürchten. Beginnen wir mit Hen« von Fr eye tuet und Tenofsen. Diese Republikaner habe» sicherlich keine Lust, einen Krieg mitDeutlchland herbeizuführen. Sie sind offenbar auch klug genug, um einzusehen, daß, nachdem sie sich in Oitasten empfindlich die Finger verbrannt, e« gar nicht zuträglich wäre, sich auch noch in Europa dieselbe» zu verbrennen. Ueberhaupt sind wir der Meinung, daß die au»- wärtige Politik de« Herrn von Freycinet eine prinzipiell friedliche ist und daß sie in dieser Beziehung alle» Vertrauen verdient. Hält man Herrn Lockroy, Herrn Clömenceau oder Herrn R o ch e f o r t für Chauvinisten? oder etwa die radikalen und sozialistischen�Gruppen? Gewiß nicht! Chauvinismus findet man dagegen in hohem Trade bei den alten reaktionären Parteren, die immer«och der Meinung sind, ei« starke« Frankteich fetze ei» schwache« Deutschland vor« au«. Die Radomontaden de« Herr« C a s s a g» a c sind bekannt; wen» dieser Raufbold seine Träumereien vom wieder« erwachenden NapoleooiSmuS zum Beste« giebt, denkt JeuMeton. Der Trödler. Roma« von A. E. Brachvogel. (Schluß.) »Edmund, am heutige« Tage höre« da« Amt, die Pflicht, die Gewalt auf, welche mir mein todter Freund Äofua, Dein Vater, über Dich eingeräumt. Heut', und «st heute bist Du mündig! Als da« Testament gemacht ward, mein Sohn, und Dein Vater voraussah, Du würdest in« Netz jemS WeibeS falle», würdest leichtsinnig, hirnlos Deinem Veiderbe» zurennen, wollte er Dich wenigstens vor dem Schlimmste» bewahren, Dich zwinge«, in dem Rausche de« Genuffe« inne zu halte», eh' Du ganz ei« Bettler ge> worden. Diesen Brief hat er damals in meine Hand ge- legt, mir setne väterliche Gewalt übertragen und mich an» gewiesen, Dtr nun dann diese« letzte Vermächwch zu geben, wenn Du Dich entweder gebessert habest, oder so verkomme« seist, daß Du Dir selber nicht mehr helfen könntest. Der liebe Gott hat'« nun gewollt, ich sag'« mit Freuden, daß Du Dich selber wieder erhoben hast! Der alte ZustuS hat seine Schuldigkeit getha», hier ist der Brief!" Ein ehrfurchtsvoller Schauer senkte sich auf Alle, eine Wehmuth und Andacht au« tiefster Seele, al» Edmund den Brief de« Verstorbenen to die bebende Hand nahm. E« schwamm vor seinen Auge«, als er die geliebte« Schrift« »üge de» Verewigten las, gerichtet an ihn mit dem Rufe der Liebe, wie den Klüften de« Zenfeit« entstiegen, als Friedensbote. „Mein geliebter Edmund! Längst werde ich Staub fein, wen« diese Zeile« vor Dein Auge kommen. Welche Schmerzen, welche Futcht und schlimme Ahnung ich empfinde, da ich die« schreiben wuß, degretft nur, wer selber Vater ist! Du wirst den Becher des Elend«, der Täuschung und Schuld bereits ge- «er» hrben, zur Einsicht gekommen se n, durch de« tiefsten Schmerz, daß da» wahre Glück im Menschen selber ruht, sowie in seinem bescheidene« Herze«. Gott gebe, daß Du Dtr nur Irrthümer, keine schimpfliche That vorzuwerfen er dabei an ein niedergeworfene« Deutschland, auf dessen Nacken ein«euer Cäsar seine« Fuß setzt. Aber Cassagnac und die anderen Reaktionäre find Anhänger verschwundener RegierungSsysteme; sie haben in Frankreich nicht mehr viel zu saaen. Nur eine republikanische Gruppe giebt es, die stark in Chauvinismus macht; e« find jene Leute, denen der ver« storbene G a m b e t t a al« da« Ideal eine« Staatsmannes erschien. Gambetta'» Stern drohte»och bei Lebzeiten de» einstigen Diktator« von Tour« zu erbleichen und er suchte häufig den Glanz diese« SierneS durch chauvinistische Phrasen aufzufrischen. Alljährlich hielt er ein« chauvinistische Rede, die aber von Jahr zu Jahr matter wurde; Gambetta sah selbst ein, daß er mit solche» Kundgebungen sich bei den aufrich» tigea und überzeugten Republikanern mehr schade« al« nutze» mußte. Um so merkwürdiger ist, daß seine Epigone«, unter denen sich«amevtlich Herr Paul Bert bemerklich macht, gerade den Chauvinismus al» eine Erbschaft, die ihnen der M-ister hinterlasse», zu betrachten scheinen. Aber diese Gruppe ist nicht so mächtig, um der auswärtige» französt- fchen Politik ihre Richtung vorzuschreibe«. Man muß bei einem sonst so wohlmeinenden Mann von gut demokratischer Gesinnung, wie Herr Paul Bert e» tst, bedauern, daß er dem Chauvinismus huldigt, aber das ist nun einmal so und man kann e» nicht ändern. Wenn also die herrschende politische Richtung in Frankreich dem Chauvinismus fast durchweg piinzipiell abgeneigt ist, so gebiete« andererseits alle politischen und sozialen Interessen der französische» Republik, sich eine friedliche Entwicklung und Befestigung zu sicher«. Da« wisse« die Männer, die das Steuer der Republik führen, gewtß genau so gut oder noch besser, wie andere Leute. Sie könne» auch kriegerische Abenteuer und kriegerische» Ruhm entbehre«; sie find darauf nicht ange» wiese» wie etwa ein Napoleon. Aber woher kommt da« Gerede von.Verstimmung" und von den gefährliche» Wirkungen de« Chauvinismus in Frankreich? Nu«, da« ist nicht zu schwer zu errathen. I» Deutschland naht die Zeit, dadaSMilitär-Septennat abläuft und die Offiziösen find bemüht, im Volke„Stim- mung" für die Verlängerung diese« SeptevnatS zu mache». Man muß ihnen zugestehen, daß sie früh bei der Hand find. Indessen ist die Sache nicht mehr neu; sie ist im Gegentheil schon so oft dagewesen, daß sie diesmal schwer- lich im Stande sei» wird, die gewünschte»Stimmung" bei den Volksmasse« hervorzubringen. Man kennt«achgerade seine Pappenheimer. hast! Gebe Gott, daß Du geläutert und veredelt der Liebe aller guten Menschen werth geworden I— Da vorauszusehe» war, mein Sohn, Du würdest Dein Vatergut ver« geuden, darum betrogen werden und da« Ende Deiner Laufbahn könne nur traurig sei«, habe ich meine« alte«, liebe» Freunde Justus Schätzlei« Gewalt über Dich«in» geräumt, soweit man sie über einen Erwachsenen ausüben kann, habe e» ferner unmöglich gemacht, daß Du da« Letzte Deine« Erbe«, de» gute»„kalten Stein" verliere« kannst. Za dem Ende habe ich eine Hypothek von zwanzig- tausend Thaler« an Schätzlei« unter solche» Bedingungen gegeben, daß er im Stande ist, de«„kalten Stein" vor Deiner Unvernunft und Verschwendung sicher zu stelle». Diese Hypothek gehört demnach jetzt Dir und Du bist wieder freier Eigentbümer D ine« Elternhause». Tausend Segen bringe Dir Deine Reu« und Besserung, mögest Du erkennen, wie wohl ich e« immer mit Dir gemeint, und Gott verleihe Dir Glück! Meine» Segen auf Dir in Zeit und Ewigkeit! Dein liebevoller Vater Josua Henning«." „Die Hypothek gehört Ihne« nicht?!" rief geisterhast Edmund. „Du bist nicht Besitzer de« Haust«?" staunte Christine. „Vater! Herzvater! Wir hätte« Dir so bitter Unrecht gethan?!" schluchzte Mathilde. „Ihr habt«tr Unrecht gethan, Kinder, aber Ihr mußtet'« wohl, Ihr verstand«'« eben nicht besser. Ja, Edmund, der „kalte Stein" gehört Dir, keinen Pfennig Hab' ich auf dem Hause! Hui, wie sollt' ei» ehrlicher Tiödler wohl zwanzig» tausend Thaler zusammenschlagen I Da mein Sohn, ist das Instrument, zieh' wiederum ein in Deine« Vater'« Hau«, Du verdienst'« I Wenn unser guter Josua herabkäm' von der Höh', müßt' er mir Zeugniß gebe», wie oft ich um Dich geweint, wie ich geseufzt Hab' unter der Pflicht, die ich von ihm übernommen. Dein Vater, mein Junge, hat'« aber um mich verdient gehabt! Laß sie mich immer'nen Wucherer, Gauner,'nen Blutsauger nennen, dieses Gesindel, dessen Liebe wie Haß gleich hirnlos und ekel isi, die dem Scheine nach'aufen, wie die Motte dem Licht. Ich mußte ein Schurke scheine», um da« L-tzte zu rette», wa« Dir die Leute übrig ließe«. Ich Hab' an Dich alle« gesetzt, alle», Die Ktretefiiipz des Mmstees , des|n«ets. § Von manchen Seiten find die Befürchtungen al» über» trieben bezeichnet worden, welche wir am Sonntag aussprachen, alS nur die(Stundlinien des Minister'alerlaffe« vorlagen. Wir müssen jedoch unsere damaligen Aeußerungen voll und ganz aufrecht erhalten. Scheinbar wendet fich die Verfügung deS Herrn v. Pull» kamer nur dann gegen Streiks,„wenn die sozialdemokratische Agitation stch ihrer bemächtigt", wenn„fie durch die sozialdemokratische Agitation angestiftet find, oder auch in ihrem weiteren Fortgange der Leitung derselben verfallen"' Wir fragen aber: welcher S reik und welche Regung der Arbeiter al« Klaffe überhaupt ist heute denkbar, ohne daß sozialdemokratische Elemente hierbei auftauchen und die Führung gewinnen? Welche Versammlung von Streikenden tst der dem heute erreichten BildungSstande der Arbeiter möglich, ohne daß in die Begründung der Forderungen an die einzelnen Unternehmer fich sozialistische Jveen einmischen über den Gegensatz von Kapital und Arbeit, über die R ath wendig> keil der politischen Organisation der arbeitenden Klaffe? Wird eS eifrigen Behörden nicht ein leichtes sein, während der Eni- Wicklung, nein, schon im Beginn eineS jeden Streiks wegen einzelner Reden und Kundgebungen den Streik für einen so- zialistrschen zu erllären, und ihn deshalb sofort zu ersticken? Denn waS ist ein Streik überhaupt noch, wenn jede Versamm- lung, jeder Aufruf, jede Unterstützung verboten ist und dem harten Arm deS Sozialisten> Gesetze« verfällt? Der Lohnkampf— und auch die Regierung leugnet doch die; traurige Lage der atbeitenden Bevölleiung nicht — war bisher schon ein unsäglich schwieriger, mit der de« zeichneten Anwendung de» Sozialistengesetzes wird er ein voll« ständig auSficktSloser. Wer wird für Streiks sparen, wenn auf einen Wink die Streikkasse der Polizei v-t fällt? Wer wird fich an einem Kampfe betbeiligen, wenn die Behörden in jedem Augenblick nur ihr Machtwort in die Wagschale zu werfen brauchen, um zu Gunsten der Unternehmer zu entschetven? Die Verfügung des Ministers will„Ausschreitungen" ver» hindern, aber fie wird Ausschreitungen wecken. Bei welchen Streiks find überhaupt G waltthätigkeiten am ehesten zu de« fürchten,— bei den sozialistischen oder bei denjenigen, welche wilv au« den ung? leiteten Instinkten und Jnteieffen der Ar» better hervorwachsen? Der nicht sozialistische Arbeiter fühlt, wie die Dinge heute einmal liegen, den Gegen» satz zwischen fich nnd dem Unternehmer ebenso gut wie der sozialistisch geschulte. Für den ungebildeten Arbeiter aber in seiner Kurzfichtigleit erscheint der Gegensatz al« ein persön- licher, er steht in dem Unternehmer den Hartherzigen„Schinder", den brutalen„Ausbeuter", er wendet fich mit seinem ganzen Haffe gegen die mißliebige Person; für den nichtsozialisttschen Ardeiter liegt also die Verleitung zu Thätllchkeiten und ÄuS- selbst— mein Kind— so lieb, Edmund, Hab' ich Dich gehabt und habe Dich noch! Gott aber Hat'S gefügt, daß e« zum Guten ausgeschlagen ist I Komm an mein Her,!"— „Mein geliebter Vater, mein Erretter!" jauchzte Hm» «ing» und preßte de« alten zitternven Mann an sich, be» deckte seine Lippe« und Wangen mit tausend Küssen. Ma» thilde und Christine hängten sich an den Alten und baten ihm da« Mißtrauen, den Schmerz und alle trübe« Stunde» ab, die fie ihm im Unverstände bereitet. „Laßt mich, Kinder, laßt mich doch nur ganz! Ihr zerküßt mich ja sonst zu Fetzen, haha I Heut' ist ei» rechter Feiertag, ein heil'ger Tag, so zu sagen. Kommt laßt un« hivaufgehe» in die alten Räume! Fürcht' Dich nicht, Ed» mund, der ganze noble Trödel, Tapeten und Leiste», Alle« ist weg! Alt ist««, alt und ehrwürdig wieder, wie zu Deine« Vater« Lebzeiten, Stück für Stück steht auf der vorigen Stelle. Mit den schönen Erinnerungen möge« auch die schönere» Zeiten zurückkommen!" „Ach, Oberhoff I" seufzte Edmund, und ei» Strahl heißer, schmerzvollster Liebe traf Mathilden. Droben in den alten Zimmern, die Justus mit dem erstandene» Mobiliar Josua'« wieder eingerichtet, saßen fie. Die Welt schien wieder neu zu werden, sich zu vergülde« im Rotenschimmer der alten Kinderträume. „O Vater Justus," bat Edmund,„das Lied, da« süße Lied der Jugend, da»— ach, Mathilde! Gott, mein Gott, ich werde irrsinnig, wenn ich daran denke 1 1"— Er sprang empor und stürzte in'« Nebenzimmer, zu de, Stelle, wo einst der Leichnam seine« Vaters ihm stummen Willkom» me» bot. Er jammerte laut auf im Wehl Hatte er doch zwei unwiederbringliche Güter verloren, de« Vater, die Ge- Da erklang leise die Guitarre, da» alte Lied vom Oberhoss! „Drei Dinge giebt'« im Lebe«, Die nimmermehr vergeh», Noch segnend un« umschweben, Wenn wir am Jenseits steh«. Nicht ist's die Gier der Sinne, Der je Erhörung winkt, Da« reinste Glück hiniede» Genügsamkeit Dir bringt! schrtUunam aegtn den Unternebm« und skim Htlftrihelfer nahe. Der Sozialismus aber ist eS aeiade, der die Mafien lehrt, daß nicht der träfe Wille und die Brutalität Einzelner die Kluft zwischen Kapitalist und Arbeiter autreißt, daß der Kapilalift nicht deshalb die Arbeiter drückt, weil er eine Lust an grausamen Spiel hat Der Sozialismus zeigt vielmehr, daß der Kapitalist nicht anders handeln kann» ais er handelt— weil ihn die Konkurrenz dazu zwingt. Der Sozialismus macht nicht einzelne„Blutsauger" für daS Elend der Arbeiter verantwortlich, sondern die Konkurrenz deren unter Zwang auch der beste„Brodgeber" die Löhne knapp und knapper halten muß. Der Sozialismus nimmt also dem Kampfe der Arbeiter seine persönliche Spitze gegen diesen oder jenen Unternehmer und macht ihn zu einem Kampfe gegen ein Wirthschafttspstem.— Und nun staarn wir nochmals: welcher Kampf führt eher zu Thätlichkeiten Werden Arbeiter, welche eine Aenderung des ganzen wirthschastlichen Systems, d. h. also einen großen Umschwung in der Gcsctzgebuug für nothwendig und einzig erfolgreich halten, jemals dadurch etwas zu erreichen vermeinen, daß sie den Hinz oder den Kunz bei Seite schaffen oder ihm den rothen Hahn aufS Dach setzen? Arbeiter hingegen, welche nur den persönlichen Gegensatz zu ihren„Herren", aber nicht seine tiefer liegenden Ursachen er- kannt haben, werden allerdings mit der Beseitigung deS Unternehmers auch ihr Elend beseitigt wähnen. Belgische Zer- störungSthaten hat man daher nur von den nicht sozia- listischen Arbeitem zu fürchten. Für die sozialistischen Arbeiter bedurste es also— wenn man, wie man vorgiebt, bloß„Thätlichkeiten" verhindern wollte— der Verfügung deS Herrn v. Puttkamer nicht. Auf die anderen Arbeiter aber— diese Befürchtung«erden wir nicht loS— wird die Einmischung der Behörden nur erbitte» nd und austeizend wirken. Wir wollen ganz offen sein. Die Sozialdemokratie hat oft oersucht, den Stretleifer der Arbeiter S zügeln, und trotz ihreS gewaliigen EinfluffeS, der mächtiger als der der Polizei, find ihre Bemühungen meist gescheitert. Die Hoffnung, seine Stellung durch den organifirten Lohnkampf verbeffern zu können, geht dem Arbeiter über AlleS. Auf seinem Wege wird ihm jetzt entgegengetreten, nicht die Partei, deren Urtheil er achtet,! weil er fich im Innersten eins mit ihr weiß,— sondern der harte Polizeizwang, der ihm in tiefster Seele zuwider ist. Wir glauben, daß da, wo daS Zureden der Freunde stets stillen Widerstand gefunden hat, die Drohungen mtt Polizei und Geitcht eine gefährliche Gährung hervorrufen werden. Die Verfügung trifft den Arbeiter stand da, wo er am emvfindlichstcn und unnachgiebigsten ist; wenn irgendwo Konflilte mit der Staatsgewalt drohen, so ist eS auf diesem Gebiete und durch den Uebereifer der Be> Hörden. Nach alledem sehen wir die Lage als eine sehr trübe an. Selbst wenn der Erlaß des Ministers an der bisher befolgten Proxrä der Behörden nichts ändern sollte, so wird er doch Ent- murhigung und Unficherheit in die Reihen der Arbeiter hinein- tragen und fie somit an der energischen Verttetung ihrer Rechte verhindern. Wird der Erlaß aber so durchgeführt, wie eS von einer starren Bureaukratie zu erwarten ist, so macht er jedes Koalitionsrecht illusorisch und jcdm Streik zu einem Glücks- spiel, in welchem nicht mehr die ökonomische Lage der de- theiligten Parteien, sondern der gute Wille, d. h. die Willkür der Behörden entscheidet. In jedem Falle wilder neue Er- bttterung unter den Arbeitern erwecken. Politisch- U-b-rstcht. * I« Bezug auf die miutstertelle Versüguug, die Arbeitseinstellungen betreffend, lesen wir in der libe- rolen„Saale- Zeitung" folgende energische Abwehr: „Wagt man aber daS KoalittonSrecht nicht unmittelbar anzu- tasten, dann soll man eS auch nicht auf Umwegen zu desettigen suchen. DieS und nichts anderes versucht jene Verfügung deS Ministers v. Puttkamer. Man wende unS nicht ein, dieselbe richte fich gegen die Ausschreitungen bei ArbiitSeinstellungen, aber nicht gegen Arbeitseinstellungen selbst! Dieser Einwand ist durch die achtjahiige Praxis deS Sozialistengesetzes mehr als genügend beleuchtet. Zudem besteht in Deutschland nicht ent- feint ein so unbeschränttrS Koalitionsrecht wie in England; die Gewerde- und Strafgesetzgedung beugen allen Ausschrei- tungen so wirksam vor, daß in dieser Beziehung gar keine «eiteren, am allerwenigsten aber ausnahmegesetzliche Bestim- mungen nothwendig find. Mit jener Verfügung ist das Koa- litionSrecht einfach dem polizeilichen Belieben preisgegeben. So wie die Dinge heute liegen, bei der weiten Verbreitung der sozialdemokratischen Grundsätze in den arbeitenden Klaffen, ist gar kein Streik in den großen Industriezentren, insbesondere in Berlin, Hamburg und Leipzig, denkbar, in welchem die Polizei, wenn eS ihr sonst paßt, nicht eine„sozialdemokratische" Betheiligung wird nachweisen können. Deshalb fürchten wir, daß jene Verfügung eine döse Saat säet, welche nur böse Früchte reifen kann." Die„ V o s s. Z t g." hegt ebenfalls die schlimmsten Er- Wartungen bezüglich der Folgen deS Erlasses. Sie schreibt: Nicht ist'S deS Reizes Schimmer, Der dauernd uns entzückt, Es ist die tiefste Liebe, Die selbst da« Elend schmückt. Nicht ist'S da» leere Träumen, Da« Dich von Schuld befreit, Nur allertreusteS Ringen Schafft Unabhängigkeit. Und diese Drei erhebe«, Viel höher al« ein Thron, Das ärmste Menfchevherze Hier auf der Erde schon!" Alles war'stumm, wie von Wehmuth und Andacht durchhaucht. Nur im Nebenzimmer tönte» die leisen Seufzer de» Sohne« um seinen Vater, de« Verstoßenen, der um da« Eden seiner alten Liebe klagte. Da stand Mathilde im Uebermaß ihrer wiedergeborenen Liebe auf und warf einen schmerzlich-ftagenden Blick auf de« Alte«. Justus nickte lächelnd. Mathilde glitt in'« Nebenzimmer und trat zu Edmund wi, der Engel der Ver- söhnung.—.Edmund, lieber Edmund," hauchte fie leise. „Alle« Schlimme ist nun vorbei, Alle« versöhnt. Laß un« wie ehmals in inniger Liebe beisammen sein!" „Nein, Mathilde,«ein!" stieß der junge Mann gewalt. sam hervor.„Ich kann mich nicht belüge« mit dem Wahn, ich sei da« unschuldvolle Kind noch, könne Dir Bruder sein I Kann diese« HauS nicht mein nenne», diese heilige Stätte nicht bewohnen, denn ich habe wohl Dein Mitleid, Deine Achtung, Deine schwesterliche Neigung vielleicht wieder er- rungen, Deine Liebe habe ich nicht I Ohne Deine Liebe ist mir die« Haus eine Wüste, daS Leben eine Qual, ach, zu tief Hab' ich Dich gekränkt, bin vor Dir zu sehr gesunken! Darf der Treulose, der Unglückliche denn zu Dir, der Rei« neu, de» Blick erheben?" „Edmund," flüsterte fie.„Liebe, wahre Liebe kann ja verzeihe« 1 1" Sie reichte ihm weinend und erröthend die Hand. „Wir beschränken unS für heute darauf, als vorläufigen Eindruck die Meinung auizuspeechen, daß eS einfacher wäre, da« den Arbeitern in der Gewerbeord- nung verliehene Recht der wirthschastlichen Selbsthilfe virektzu beseitigen al« diesen Umweg einzuschlagen, der bei nur einigem gutm Willen der Polizei- liehen Organe tbatsächlich immer zu dem gleichen Resultate führen muß." Das Blatt fährt dann fort:„Sind die Poli> zeibehörden einmal dienstlich darüber delehrt, daß„bei un« der Stteik von der Sozialdemokratie als Agitationsmittel benutzt wird," so ist die Sache für fie entschieden, und es wird dann in jedem Falle nur der Fefistellung einzelner Peisönlichkeiten bedürfen, welche zugleich Th'.ilnehmer an der Lohnbewegung und Mitglieder der sozialdemokratischen Partei find, um im Gebiet de» kleinen Belagerungszustandes sofort den ganzen Zwangiapparat de» Ausnahmegesetzes gegen den Versuch der Arbeiter, ihre wirthschaftliche Lage zu verbeffern, in Bewegung zu setzen. Von der Wirkung dieser neuen Praxi« auf die Jntereffen der Arbeitgeber und auf den sozialen Frieden überhaupt würde man fich GuteS kaum versprechen können." Der offiziöse„Hamburger Korrespondent" schreibt gestern in einer Rückschau auf die Unialloerfichcrung:„Es ist immerhin ein segensreicher Schritt, daß die Verletzten wenigstens nicht zu darben brauchen; e« wäre aber noch tröstlicher, wenn eS gelänge, eine so große Anzahl von Menschen überhaupt vor Verletzungen zu bewahren." Ganz unsere Meinung und wir machen gerade der Regierung den Vorwurf, daß fie nicht genug zur Verhütung dw Unfälle gethan hat. «echt tröstlich. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt bei einer Besprechung deS österreichischen LandsturmgesetzeS:„Die Stärke der Armeen ist überall gewachsen, die Zusammensetzung derselben ist vielfältiger geworden. Die Waffen, mtt denen ge- kämpft wird, haben weitere Vervollkommnungen und ver» mehrte Zerstörungskraft erhalten, in hohem Grade mannigfal- tig find die HilfS> und Betriebsmittel, die dem Kriege dienst- bar gemacht wurden und die dazu beitragen, daß er mit ge- steigerter Energie und Rapidität geführt werden kann. Alle diese Faktoren werden zusammenwirken, um künftig einen noch gewaltigeren Verbrauch an Kämpfern herbeizuführen und noch klaffende« Lücken in die Reih:» derselben zu reißen." Auch ein Kulturfortschritt! Still entschlafe«. Verschiedene Blätter machen darauf aufmerksam, daß der durch Verordnung vom 17. November 1880 ini Leben gerufene VolkSwirthschaftSrath seit drei Monaten bereits sein gesetzliches Dasein wieder beschloffen hat. DaS Mandat der 75 Mitglieder, welche bei Errichtung deS VolkSwirthschaftSrath« für eine fünfjährige Sitzungsperiode berufen waren, ist, da die Veröffentlichung der Namen der Mitglieder am 14. Januar 1881 durch den„Reichs Anzeiger" erfolgte, in der ersten Hälfte de« Januar erloschen, ohne daß Neuwahlen angeordnet wurden. Ueber die Zunahme des Branntweingenusses in Südwestafrika berichtet der Misfionär H. Brincker in der neuesten Nummer des„GlobuS": Kaum haben fich einige Deutsche in der Walfischdai nicdergelaffen» und schon stehen bei ihnen 2 Meter hohe und weite Fässer mit Träber-Brannt- wein gefüllt, auS denen täglich die Flaschen der Topcnaar und anderer Eingeborenen gefüllt werden. Einige dieser formidabeln FSffec find sogleich mtt großer Mühe auf Ochsenwagen in« Innere tranSportirt und im Hofe eines Europäers in Omaruru aufgestellt worden. In Folge dessen hört man benit« von einer Gmeralsauferei nicht bloS der Weißen, sondern leider auch der BastardS und der Schwarzen. Früher führten eng- lische und schwedische Händler ihren„Gin" in Kistchm und Flaschen mtt fich; die jetzt eintretende deutsche Aera scheint eS gleich mit großen Fäffern betreiben zu wollen. Kalls tu einem der Diätenprozesse die Revifion ein« gelegt werden sollte, so würde nach der derzeitigen Geschäfts- etntbeilung de« Reichsgerichts die Entscheidung von dem vier- ten Zivilsenate zu erfolgen haben, dessen Vorfitzender der Chef- präfident dei Reichsgericht«, Dr. S t m s o n, ist. Reptilische». In fteifinnigen Blättern lesen wir:„Die „Nordd. Allg. Ztg." ist wieder einmal in der glücklichen Lage, sich gegen den Deutschen Reichstag auf eine ausländische Zet- tung, die„Neue Zür. Ztg." zu berufen, derzufolge man in der Schweiz für die Steuerpolitik de« Reichskanzler« mehr Sinn habe als in Deutschland, wo die Parteidestredunaen und Par- triarundsätze zu sehr im Vordergrunde ständen und den AuS- schlag gäben. Selbstverständlich überlassen wir es der Schweiz, ob fie da» Branntweinmonopol nach dem Projekte de« Reich»- kanzlerS bei fich einführen will, verwahren uns aber dagegen, daß die„Nordd. Allg. Ztg." offiziöse Berliner Artikel, welche auf den bekannten Schleichwegen in da« Züricher Blatt ein- geschmuggelt worden find, gegen den Reichstag ausnutzt. In der Schweiz ist man schon längst nicht mehr in Zweifel dar« über, auS«elcher Quelle diese Angriff« deS„demokratischen" Blatte« gegen den Deutschen Reichstag stammen und zuckt die Achseln über dieses Uebermaß von„nationalem" Selbstgefühl." — Wir müssen natürlich der fteifinnigen Preffe den Beweis diese .Mädchen! Die» Himmelswort, dies Erröthen, Thränen fülle« mich mit heiligem Schauer des Eni« zücken»! Könntest Du fortan mein Los« noch theilen wolle»?!* Sie verbarg ihr Antlitz an seiner stürmisch pochenden Brust, ei« zitterndes.Ja' rang fich leise wie Engelsgruß von ihren Lippen, und der scheidende Tag warf seinen gol- digen Abschied auf die Glückliche». Hand in Hand traten fie vor die lächelnden Eltern wieder. „Darf ich Dich zwiefach Vater nenne», Vater Justus? Hast Du noch Muth, Dei« Kind mir anzuver- traue«?' „Na, mein Gott, Mutter, was wolle« wir denn mache»? Der Brillantschmuck muß doch einmal wenigsten« getragen werde« I" „Ach," rief Edmund schmerzlich, al« fie bei der trau- liehen Lampe wieder unten in der Hinterstube um de« Tisch saßen und er die wiedererrungene Jugendgeliebt« umschlungen hielt,„welche köstliche» Jahre, welche Himmelsgüter Hab' ich verpraßt! Ekel und schal ist die Welt da draußen, Trödel, Trödel, Vater Justus, wie Du so oft schon gesagt, diese« lächelnde Lüge», diese geschminkte Schande, dies Hetzen von Entbehrung und Genuß, wie klein, wie niedrig ist's doch gegen da» bescheidene Glück zweier Herze«!— Warum, Du weltkluger, lieber, mürrischer Vater, warum ist der falsche Schein hienieden so gleißend, um un» zu eigenem Verderbe» zu umstricke»?!" „Warum? Weil'« sonst gar keine Kunst wär' gut»u sein! Da« Herrlichste im Leben muß erkämpft werden m Qual und Jnthum. Weil Du die schillernde Oberfläche der Menschenwelt nur betrachtet hast, sahst Du nicht, wa« in ihren Tiefen Herrliches verborgen ruht. Dein« Fehler find um so verzeihlicher, al« Du von Anfang an der leitenden Hand entbehren mußtest. Da kam da» Unglück und lehrte Dich die große Kunst de« Leben« I Gieb, wen» Du jemals Kinder hast, gieb ihnen jene ttefe Liebe und jenen hohen Ernst, die Dir von frühauf gefehlt, daß sie nicht Deine trüben Erfahrungen zu mache» brauche«. Trödel wird'S immer geben, wozu wäre» denn wir Trödler! Trödel ist Alles hienreden, der Wahrheit für diese allerdings recht interessanten Kt# überlassen. Nattonalliberale Unverfrorenheit. In Münchens fich ein kleines soziales Drama vor«inigen Tagen Amtsgericht ab. Ein wegen BettelnS angeklagter Mm«? an, daß er während des letzten WmterS nicht ein»' um bloßes Essen habe Arbeit fin ren können, giMfl denn gegen Enttohnung. Herr von Eyncrn, dieser p«# nationalltderale Landtagsabgeordnete, hat die Stirn zu«W daß„Deutschland vor Gesundheit strotzt." Daß der Etlss selbst so Konkurrenz macht, indem er fich kopirt! Ec W nicht gar langer Zeit das herrliche Diktum:„ES ist eine-j in Deutschland zu leben!" verbrochen, und-un wird« r wieder Vater eine« geflügelten Wortes. Wir hängen** nationalliberale Musterleifiung tiefer, damit man sehen W wie diese Ardeitersreundc fich mit der sozialen Frage un»' der jetzt herrschenden wirihschaftlichen KristS abfinden, g Sentenz des Herrn von Eynern strotzt vor— UnvirjrMP daS wenigstens ist unleugbar. Schweden und Norwegen. Der Kirchenaussch.ß des norweglschen SlorthingS für die Einführung der obligatorischen Z ioij'! entschieden; eine Minderheit des SusschrsseS, zu dir aulb' frühere Kultusminister Hertzberg gehört, erklärte st».' Uebereinstimmung mit einer Petition der Geistlichkeit' Hauptstadt und der Mitglieder der theologischen FakuilA' Universttät gegen jede Veränderung der jetzt destehenden» gesetzgebung. Schweiz. Die Bierbrauereien und Mühlen find durch Kreisschtf» deS Bundesrathes dem Fabrikgesetz unterstellt worden. Fraurreich. Viele Zeitungen, die gewiß keine Sympathie ffc! Duc-Ouercy und Roche haben, find dennoch unvartt» genug, einzugestehen, daß man im vorliegenden Fall«' Recht verdreht und durch die Verurtheilung der beiden 3' nalisten das Gesetz über die Preßfreiheit geradezu verletz' s DaS eine dieser Organe ist der gemäßigte republikantiche>' Si-cle", das andere ein monarchistisches Organ par exceM der„Gaulois". DaS Gesetz über die Prrßfteräeit ist so umgangen worden, daß sogar der reattionäre„GauloiS"' fich geräth und fürchtet, ei könnte auch ihm morgen an Kragen gehen. Man kann es nicht leugnen, der ganze% gereicht der R-pudlik und ihrer Regierung wenig zur uud wenn diese auch vielleicht vom besten Willen beseelt so hat fie doch von Anfang dt« zu Ende der Affäre ein« gefchicktheit über die andere degangen oder begehen lassen- gönnen wurde die Reihe der Mißgriffe damit, daß man beiden Journalisten bei der Verhaftung behandelte wie Od" Verbrecher, ihnen Handschellen anlegte, eine Tasse Kaff-«/ weigerte u. f. w. Dann vert aute man die Anklage Staatsanwalt an, welcher in nichis weniger als gutem steht, obgleich gerade in dieser Affäre mehr als je ein hätte figuriren müssen, der völlig unbescholten war- schließlich stellt fich nun aar heraus, daß nach dem W deS UitheilS selbst den Journalisten kein einziges gegen Art. 414 deS Strafgesetzbuchs vorgeworfen werden und die von ihnen begangenen strafbaren Handlungen stens unter das Preßgesetz fallen, in welchem Falle bi«. schworenen und nicht das Zuchtpolizeigerichr zu entscheiden/ WaS man mit einem solchen Voi gehen ausgerichtet hat, KZ Man hat einerseits die Herren Dvc Quercy und Roche zu � rern gestempelt und ihnen den Weg ins Palait BourtmÜ ebnet, man hat andererseits der Republik einen derben ins Geficht versetzt und einen Präzedenzfall geschaffen,!«" Gegner im gegebenen Falle ausbeuten werden. Der Arbetteradgeordnete BaSIy hat am 18. d. M., Decazeville zurückgekehrt, im Saale FaviS in Pari««ine sommlung abgehallen, welcher an 2500 Mensche» beiwo Er wurde mit großem Jubel empfangen. Die alleinige C an den Wirren, sagte er, liege an der Regierung, welche legen die Arbeiter ergriffen habe. DaS Volk wolle und den Truppen stattgefunden habe. Die dem 9% stände angehörtgen Deputttten würden fortfahren, ibrejS zu thun. Duc Quercy und Roche wurden von der 2Ä< lung zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Noch mehrere /Ut griffen die Regierung an und schlugen vor, Vierden gey gnssen vre Regierung an und schlugen vor, die eben Journalisten bei den Pariser Wahlen am 2. Mai al« n boten aufzustellen. Die Reden wurden mit dem Rufe'. lebe die Kommune!" begrüßt.. d Der Krieaiminister Boulanger hat den Befehl vom 21 � über die Verlegung einer größeren Anzahl von Regilnf, wieder rückgängig gemacht, dagegen hat er jetzt angeorvi in Zukunft den Olfizieren und wieder angeworbenen � offizteren, welche nach mehrjährigem Aufenthalt in der Garnison eine Versetzung wünschen, alle Erleichterungen ßfi, werden sollen. Boulanger bietet augenscheinlich Alle« Hi i Ntt�t selbst das Schönste, Reinste, was uns evtzückt! Es oß't fällt ab von ue«, wenn wir sterben. Nur drei DinL stehen ewig und leite» uns sicher zum wahren �' Treue Liebe, bescheidener Sin» und gute Thate«, Andere ist eitel! I" j Jahre verginge« seitdem. Edmund Henning Nachfolger de» todten Bnchmanv, lebt mit seiner in süßestem Frieden. Fröhliche Kinder durch losen d'«» Mauer», welche so viele Schicksale erlebt, Mutter% überwacht sie mit freundlichem Auge, sie kann da« und Hanttre» einmal nicht lassen!— Die alte ist geschlossen. Vater Justus ist heimgegangen � J NUN auf w--Jt...'— ikta** so wohl seiner alten..., Herze« dem Licht, dem Lebe«, der Wonne zu, dVl fie abwelken eins um'« andere, Trödel hienieden, Plunderkram I Aber droben, wo aller Schein o»! Vi n treffe« sich die befreiten Geister ganz und unvergäng'.xjs wieder und einen sich zu einem neue« Tagewerk, da* 1 ist als alle Erdenwonne. Ans Knnst«nd Zeven. J Alhambra-Theater. Eine Matinöe, deren Ä Unterstützungikaffe hilfibedürftiacr Bühnenmitglieder> f,' kommt, findet statt am 2. Osterfeiertage, Mittags von 2 Uhr, im Alhambra-Theater. Mt% Der„Schwei, ergarteu" fangt in diesem*1 sehr früh an, sein FeuerwerkSprogramm zu entstoHa j schon für den ersten und zweiten Osterfetertag find 1%- Kriegs- und Fronten- Feuerwerke, deren Beschluß", stellung des pyrotechnisch- mttttärischen Schaust»'�. ,i Schlacht bei Wörth" bilden soll, in Aussicht genow»'� Pyrotechnik«: dieses Etablissements werden dabei, W M auch im vorigen Jahre jedes Mal geschah, durch fL sonen unterstützt werden. Bor dem Feuerwerk ff". Garten Milttärkonzert statt und soll an den beiden»�} die neu eingerichtete elektrisch« Beleuchtung zum ern funktioniren- w "" ifiwf Iah? ü fich bei den Offizieren und besonders bei den Unteroffizieren wieder beliebt zu machen. So weist denn„Figaro" heute be- teils auf die Getahr hin, die ein solcher Kriegs minister darbiete, und drückt die Befürchtung aus, daß er emeS schönen Tage? einen Handstreich versuchen werde. Die Zahl der französtschen Bischöfe und Erzbischöfe, welche zu dem aufiührerischen Schreiben VeS Kardinal- Erzbifchofs von VariS öff-ntlich ihre Zustimmung gegeben haben, ist jetzt von 28 auf 61 gestiegen. Der Papst hat daS Schreiben des Kar« dinalS ebenfalls gebilligt. Belgien. Aus dem Bezir! von Charleroi werden immer neue Ar« beitseinstellungen berichtet und der Rothstand wird immer größer. So haben am Montag gleich in vier Kohlengruben auf einmal die Arbeiter einen Streik in Szene gefetzt, an wel« chem etwa 3000 Mann Theil nahmen. Zu Ausschreitungen ist c8 bisher zum Glück nicht gekommen. UebrigenS haben die Streikenden auf einer gestern in Jumet abgehaltenen Versammlung beschloffen, fich mit einer Petition direkt an den König zu wenden. Die Redner jenes Meetings warnten vor Gewaltthaten, legten aber zugleich den Arbeitern dringend ans Herz, auszuharren und den Streit, loste es was es wolle, durchzukämpfen, bis ihre Forderungen erfüllt seien. Zu Ver- mittlem zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern find von den letzteren überall die Bürgermeister aufgerufen worden, aber eS ist, wie einmal im charleroter Basfin die Dinge liegen, kaum zu hoffen, daß dieser Vermittlerrolle der gewünschte Er- folg»u Theil wird. Die Frau von der Smiffen ist ihren Wunden erlegen. ». ou Italien. r©»ä ftorben � aSon b merschen Küche, Lranien- straße 181, Hof parterre. bei Klein. Frühst. 30 Pf.. MinagStisch m.Bier 50 Pf. Abendtisch, v. 30-50 Pf.. ►«. nach Auswahl. 1440 Shrnl-jtbslk'W O. Ucharnow, besteht seit zwanzig Jahren, Kerli« 8.. vranienstr. ISS.«cke Woritzpl., empfiehlt unt. 3jahrtp. Garantie zu allerbilligsten Preisen: Silb.Zylinder-Ukren 15,18,20, 24 M.; stlb. Zylinder Uhrenmit üt Mi.,[tw. Remontoir. Aufzug 24—30 M.; stlb Anker-Uhren m.Remontoir. l Aufzug 36. 40, 45, 503«.; goß». I Damenuhren 30, 33, 36, 40, 45 s Mark; gold. Damenuhren mit Remontoir Aufzug 36, 40, 45, 50—150 51.; gold. Herren- Re> --- montoir-Uhren von 50 M. an; Regulator. Uhren zu Fabrikpreisen, 8 u. 14 Tage gehend, 12, 15, 18, 24, 30-7551. Pariser Stutz- uhren. Wand-,«omtoir- u. Wecker-Uhren. sowie echte Talmi» u. Nickelketten in großer Auswahl zu den billigsten Preisen. Zylindemhr reinigen 1,50 Mark. Neue Feder 1,50 Mark. Reparaturen nach Uebereinkunst.[1148 Arbeiter- Lezirks. verem der Uoseuthaler Vorstadt. Montag, den 26. April(zweiter Osterfeiertag), Abends 6 Uhr, gemöthliche« Beisammensein bei Iaeoby, Landsbergerstraße 82(Landsberger Biervallen)._[1456 CentraUKranken- und Sterbekasse der Tischler u. s. w. (E. H., Hamburg) Verwaltungsstelle Berlin F, Schönhauser Thorbezirk Mitglieder- Vers ammlung Sonntag, den 25. April, Vorm. 11 Uhr, F«hr- bellinerstraße 93(Roloffsburg).[1444 T-O.: Rechenschaftsbericht vom 1. Quartal und Vwschiedmes. Die Ortsverwaitung. Zentral- Kranken- und Kterbekafie der dentscheu Wagenbauer (E. H. Nc. 8 zu Hamburg) Sonntag, den 2. Mai, Vorm. 10 Uhr, große Kersammlung iammtlicher Mitglieder Berlin« im K-nigstädttschen Kasino, Holzmarktstraße, Alexanderstratzen- Ecke. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Anträgen d. Vorstandes z. Generalversammlung. 2. Wahl d. Delegirten zur Generalversammlung. 3. Verschiedenes. Um zahlr. Erscheinen ersuchen 1460 die vereinigten Ortsverwaltungen. ttglieder»Versamml««g deS Vereins zur Wahrung d. Jnter- essen der Klavierarbeiter nade Sonnabend, den 24. d. MW., Abends 8'/, Uhr, in Gratweil'« Kierhallen» Kommandantenstr. Nr. 77/79(unterer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn W. Liefländer: „Der wirthschaftliche EntwickelungSgang". 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste willkommen.[1445 Die Mitglieder des Verein« werden aufge- fordert, die Matkenball-BtlletS abzurechnen, sonst sehen wir uns veranlaßt, die säumigen Mit- tlw eder bekannt zu machen. Auch bringen wir hiermit die Fragebogen in Erinnerung und ersuchen im Jotereffe Aller, die ausgefüllten Bogm so schnell al« möglich zurückzusenden. Auch bringen wir in Erinnerung, daß Mit- glieder, welche erkranken, fich innerhalb 14 Tagen beim Vorstand zu melden haben. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 3. Osterfeiertag, Abends 6 Uhr, gemüthliches Zusammensein Mitglieder in Gratweil« unteren Sä der Mitglieder in Gratweilo unteren Sälen stattfindet. Zahlreiche Betheiligung erwünscht. Der Vorstand. Kttliiin Rchmct, Kommandantenstr. S7 Sonntag, 25. April(erster er Colostenm). atag, 25. April(erster Ofterfetv VI Stiftungsfest fterfeiertag): deS Fachvereins d. Tis chler bestehend aus K-«;ert, Gesang«- Norträge«, Theater- Kor stellung«nd Kall. Anfang de« Konzerl» Nachmittag« 5 Uhr, de» Balle« nach 12 Uhr. BilletS find nur vorher bei den Mitgliedern: Witte, Invaliden- straße 21, II; Böhm, Johannsterstr. 10, H. III; Grunewaldt. Prinzenstr. 6, IV, bei Krause; Thierbach, Neue Köniastr.72 H. III; Tbumann. Naunynstr. 77, Iii; Rtska, Wrangelstr. 99, H. I, und Hirfing, MuSkauerstr. 50, in, sowie cm Sonnabend Abend auf den Zahlstellen zu haben. An der Raffe de« Lokals werden keine BilletS ausgegeben._[1453 20 Mi. Echaniß macht derjenige Käufer von Nähmaschinen, der solche bei mir direkt vom Lager lauft. Meine prima Maschinen haben auf 16 Ausstellungen hervorragende Auszeichnungen erhalten. Bequeme Abzahlungen find gestattet.[1437 Zur besonderen Beachtung! Durch den ledhaften Umsatz stehen stet« eine Anzahl in Zahlung genommener, später gut re- parirter Maschinen, für 15 30|R. zum Verkauf. Reparaturen an Maschinen aller Systeme werden unter Garantie gründlich und billigst ausgeführt. Auch werden Reparatur« Maschinen abgeholt und znrSckgeschtckt. Leopold Hanke, Karlstraße 19 a. Ich empfehle mein chuhwaaren- Geschäft erren-, Damen- und von selbstgefeitigten. Kinder-Ktiefeln zu soliden Preisen. 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Beding, da» Lüh. 8� K Gisevin«, Linkste. 29.____ � Arbeiter auf Piano Mechanik«eiWL I 1422] Fischer, Mant SÄ Auf einigten welcher Leben zu die ihm: wiedergex I» Stiäflli, zu verwe Eilenbah Ausficht Revolver destoweni . 2ch eurer W« «nb gesä mochte. welchem den schär seiuerzett rigkeiten worden r Nur !raft mit der«up, dauernde Bahn vil Die F. ls zerbröckel guffe lag waren g« stet« frei eigner Z Beilage zum Berliner Bolksblalt. UM 96 Freitag» den ÄZ. April l.886. III. JchM u j Auch n»e Jiit;nlntttt(üguB|, aber»int, dnev Terdkvz wir nur billiak« können, hat der Preuß,sa.e Hände l«wiv,ster an die Bezirksrcgicrungcn fte> richte,, in welcher di> seiden aufgefordert werden, sich über die N Ii, wendi gleit von Maßreg« In zur Sicherung der T e« sundheit undderSitllichkeit der Zigarren- Arbeiter zu äe.ß rn.— Es sollen nach der Verfügung die Mängel in d-n Einrichtungen der Zigmrenfabriken Haupt- sächlich durin best, hen, daß die ArbeetSraume 1) im Lerhällniß zu der Zahl der darin beschäftigte« Arbeiter zu tlern und zu niedrig find, 2) einer auereichenden Ventilation entbehre», während i« F tge unzweckmäbiqer HeizuvpSoorrichtung und de< in Aid.itsiäu> en statifindeade« Lagern« und Trocknen« von Tabak- und Zirarren-Vonäthe» die Luft mit schädliche« Dünsten angefüllt wird. t... Außerdem stll d e gemeinsame Beschäftigung von männlichen ui d weiblichen, erwachsene» und jugendliche« Arbei- kern, beUnde,» um de« zwischen den Zigamitmochet» meist desteheudeii A'hängigkeitSverhäliniffeS willen in sittlicher Be- ziehung zu Bedenken Anlaß geben. Da« ministerielle Rundschreiben sagt nun, daß in ein- zelnen B ,>rk«o schon PolizeuVerordnungen zur Beseitigung dieser Mißstände erlaffen worden sind, daß aber in anderen Bezirken derartige Bestimmungen, wenn fie auch al< wüa- scheaSw-rth anerkannt find, doch nicht getrcffea worden sind, um mch» die Verlegung der Zigarrenfabrikat'o» in Nachbar» bezirke zu veranlassen, und sei in Folge deffea vom Reich«- kanzler die Frage aufgeworfen worden, ob«< sich nicht bei der großen Ausdehnung diese« Industriezweige« empfehle, für die Errichtung urd den Betrieb der Zigarrrnfabriken durch B schluß de« Bundeiratb« auf Grund de«§ 120 der Gew rbeo-dnung gemeinsame Bestimmung zu erlaste». Regierungen werden nun aufgefordert, sich in Be- zug auf folgende vier Frage» in der Beantwortung de« Rundschreiben« zu äußern: 1. Ist für die ArbeitSräume der Zigarrevfabrike» ein« M nimalhöie und für jede darin bischästtgte Person et» Minimal-Lustraum vorzuschreiben und welche Aafordemngen sind in dieser Beziehung zu stellen? 2. Ist da« Lager« und Trockne« von Tabak- und Zigarrenvonäthe« in de« Arbeitträumen zu untersage»? 3. W-lche Anforderungen könne« hinsichtlich der Be»« tilatio» der Ai beilträume gestellt werden? 4. Kann die Trennung der Geschlechter bezw. der erwachsene» und der jugendlichen Arbeiter vor- geschrieben oder die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter von solcher Trennung abhängig gemacht werde«, oder welche anderweit« Vorschriften erscheinen»ur Beseitigung der mit der Beschäftigung in Zigarreufabrike» verbunbenen sittliche» Gefahren namentlich für die jugendliche» Arbeiter al« geeignet? Al« ganz besonder« zu beachte« bezeichnet die Ver- füaung den Umstand, daß in vielen Gegenden neben der fabrikmäßigen eine«»«gedehnte hausindustrielle Herstellung von Zigarren besteht und daß hierbei häusig noch unpünstiaere Verhält« isie vorhanden find, al« für die in den Fabriken beschäftigten Arbeiter. Die Verfügung schließt mit der Aufforderung an die RegierungSpräfiventen, sich insbesondere darüber zu äußern, ob e« sich für den Fall, daß bei zu hohen Anforderungen an die Fabriken eine Ueberführuvg der Arbeiter, namentlich der jugendlichen, au« den Fabriken in die Hausindustrie zu befülchten fei, nicht bei der große« Zahl der» der Zigarre« fabrikation beschäftigten Arbeiter und bei de« unter denselben weit verbreitetet««, schwer wiegenden Mißständen in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung empfehlen würde, „in ähnlicher Weise wie e« für die Zündholz» fabrikation durch da« Gesetz vom 13. Mai 1884 geschehen ift, auch für die Zigarrenfadrikatio» auf die KekmiitwaiMi. Hamburger Reform. Auf meine« Wanderungen durch dm Süden dtt Ver- einigten Staate» lernte ich einen alten Lokottvführer kenne«, welcher mancherlei Zatereflante» au« seinem vielbewegten Leben zu erzählen wußte. Ein« der aufregendste« Abenteuer, die ihm passtr» waren, sei hier mit se,ne« e>geae« Worte« wiedergegeben. Er erzählte etwa wie folgt: In mehreren Staaten der Union ist e* bräuchlich, die Sttäfllinge der Zuchthäuser auch außerhalb dieser Anstalten zu verwenden, zum Beispiel zum Grabe» von Kanälen, zum Eikenbahnbau und dergleichen, selbstverständlich unter steter Ausficht von Wächtern, deren scharfgeladene Büchsen und Revolver von F uchtve, suchen obschrecken sollten. Nicht«- destoweniger gelang e« immer Einzelne», zu entkomme«. Ich hatte vor etwa zwanzig Jahren eine Anstellung bei einer West Karoliaabahn, deren Rouie zu den schwierigsten und gesährllchste« gehörte, welche e« in den„Staaten geben moch'e. Sie hatte eine» GebirgSabhang zu passire«, an welchem die Schienenstränge im Zickzack hinaufführten, mit den schärssten K-ümmungen natürlich; die Ingenieure, welche seinerzeit den Bau leiteten, hatten mit den größten Schmie- rigkeiten zu kämpfen, die aber sämmtlich genial überwunde« worden waren. Nur an einem Punkte hatte fort und fort die Menschen« kraft mit dem Walten der Natur zu kämpfen. Ganz nahe der Kuppe de« Bergzuges war da«ine Strecke, welche dauernde Beaufficht'gung erforderte und den Aktionäre« der Bah» viel Geld kostete; wir nannten sie die Geröllstrecke. Die F.lsevwände an beiden Seiten des BahueivschnilieS zerbröckelten nämlich stetig und namentlich nach j�dem Regen- guffe lag so und so viel Geröll auf de» Schienen. ES waren genügend Bahvwärier dort postirt, um die Geleise stet« frei zu«rhalien, aber von Zeit zu Zeit mutzte ein eigner Zug kommen, u« da» zu beide« Seite« der Bah« gärzliche Beseitigung der hausindustrielle» Betriebe Beeacht zu nehmk«." Wer die Verhältoiffe in der Tabaksindustrie kennt, wird sich nun freuen, daß durch eine Umfrage endlich ein- mal in das Dunkel hineingeleuchtet wird, in dem so viele widerwärtige Eischeinu-gcn emporwuchern. Ob freilich die B zirksregierunge« genügende Au fünft ertheilen könne», da« wird davon abhängen, ob fie sich hinreichend Mit Ar« beiter» in Vtrbinduag setze» werden. Hüffe« wir da»! Kapitalistische Blätter, wie da»„Berl. Tagbl." jammern natürlich heute schon über da« Vorgehe» der Regierung. „D'e deutsche Tabakindustrie, meint das Blatt, welch« fei Jahren, theil« in Folge der mit der erhöhte» Steuer verbundenen Abnahme des Konsums, theit« in Folge der Unsicherheit in Bezug auf neu« Steuer gerächte, schwer zu kämpfe« hat, scheint sich zu neuem Kampfe um ihre Existenz rüsten zu müffen, den« die Füisorge, welche die Regierung dem Wohle der Arbeiter widme» will, droht zu Maßregeln zu führe», welche einen Theil der Zi- garrev- und Tabakfabrikanten, besondert aber der erster«», möglicherweise zur Einstellung ihres Betriebe« zwingen kön« neu." Nei», zu Grunde wird Niemand gerichtet werden, nur die auf Koste» der Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter erru»gene« Gewinne werde« etwa« geringer aus- fallen, wenn die Regierung wirklich energisch vorgehen wollte, wa« wir nicht einmal glaube»— aber die bloße Umfrage erscheint einem manchesterlichea Blatt natürlich bereit« al« da« verruchteste Vergehe». Auch die Klage d>»„Be,!. Tgbl." um die Hausindustrie theilen wir nicht; je eher diese unter« Seht, desto besser für da« leibliche und geistige Gedeihen de« lrbeiter«. Fokales. er. Die„Staateoürger Zeitung" übernahm unsere vor« aestrtaen Ausführungen üder den„Umug mit der gerichtlichen Taxe." Im Allgemeinen stnd wir st-tS dafür dankbar, wenn unleren Anschauungen eine möglichst wette Verbreitung ge- geben wird.„Die„Staatsbürger jjrg." kann e« jcdock nicht unterlaffen, uns einige gute Rathfchläqe mit auf den Weg zu geben, und dafür müssen wir uns höfl chst aber entschieden Be- anken. Die„Staatsb. Zig." schreibt nämlich im Anschluß an unseren Artikel:„Diesen recht deachtenSwelthrn Artikel fin- den wir im„Berliner Vol'Sbla't", und wir stehen nicht an, auszusprechen, daß derselbe vollständig der Wahrheit entspricht. Nur wünschten wir, daß daS„Berl. Volksdl." sich auch nicht scheute, aui diesem mit anerkennentwnthem Freimuthe veröffentlichten Artikel die weiteren Konsequenzen zu ziehen. Auch auS den hier angeführten Namen geht wieder hervor, daß die „findigen" und„dreisten" Geschäftsleute den Kreisen unserer semtischen Mitbürger angehören, wie die» bei allen ähnlichen Geschäften der Fall ist. Und wem wird auch hier wieder daS Geld auS der Tasche gelockt? Der ärmeien Arbeiterbevölkerung I Trotzdem kann fich aber da« „Berl. Volktbl." nicht dazu aufraffen, da« Kind beim rechten Na» men zu nennen, sondern fährt fort, die„Arbeiterfreundltchkeit" des JudcnthumS zu predigen; alI?A nur in majorem gloriam de« Herrn Singer r— Zunächst möchten wir hierauf erwidern, daß eS unS niemal« einfallen wird, bei der Handlungsweise irgend eine« Menschen nach deffen Religion zu fragen. In Bezug auf die moralischen Qualifikationen eines Menschen können die religiösen Anschauungen deffelben für un» absolut nicht in Betracht kommen, wir gehen bei der Kritik von Per- sonen nur von den rein menschlichen Etgenschasten dei selben auS. DaS Kälte die„Staatsbürger Ztg." übrigens wohl wiff-n können.— WaS nun den Sch ußsatz der„Staatsbürger Ztg." anbetrifft, so ist e« uns noch niemal« eingefallen, dem Juden- thum eine besondere Ardeiterfreundlichk eit nachzu« sagen, denn die nothwendige Folge hiervon wäre, daß wir dem Christenthum ein« besondere Aroetterfeindltchkeit zu- sprechen müßten. Was die Ardeiterfreundlichkeit oder'feind« lichkeit anbetrifft, stehen wir beiden Religionsgemeinschaften voll- ständig kalt gegenüber, und die„EtaatSd. Ztg." wird es nicht fertig bringen, uns aus dieser Position heraus zu drängen. Aber „wir thun Alle? nur in majorem gloriam— zum größeren Ruhme— de« Herrn Singer", meint die„Staatsbürger- Zeitung". Da« Blatt ist keineswegs in der Lage, hierfür irgend aufgeschüttete Geröll zu entfernen. DaS war der sogenannte „KieSzug". Er brachie eine Anzahl Zuchthaussträflinge, welche die Waggons vollfchaufelten, nebst de« bewaffnete» Aufsehern. Eine« schönen JulimorgenS hielt ich auf einem Neben- geleife dieser„Geröllstrecke" mit meiner Lokomotive, welche zum„Vorspann" diente; nahe dem Gipfel des Berge« konnten nämlich die Züge nicht mehr durch die Kraft«wer einzigen Lokomotive über die steilste« Steigungen hiawegge- bracht werden, und da wurde dann die zweite Maschine, diejenige, melche ich führte, vorgelegt. Auf einem zwnte» Nebengeleise hielt der„KreSzug". Die Sträflinge fchaufel- tea Karre» auf Karre« voll; die Aufseher plauderten sorg- lo« mit einander, den« wie hätte ein Fluchtversuch stattfin- de« können, wo auf beiden Seite» schroffe Felswände hin- anstiegen, deren Gestein schon von selbst locker zerbröckelte? Da wäre keine Katze hinaufgeklettert! Der Kieszug war beinah« mit dem Geröll gefüllt. Seine Lokomotive stand natürlich abgehängt wenige Schritte abfeit»; ihr Führer hatte alles zur Abfahrt bereit gemacht und umgwg nur noch einmal mit der Schmierölkanne in der Hand prüfend die Räder und Achsen. Dana näherte er sich dem Zugführer... und im selbe« Moment sehe ich, der ich auf meiner gleichfall« zur Abfahrt völl'g fertigen Lokomotive stehe, wie einer der Sträflinge die Schaufel hin- legt, rasch wie der Blitz zur KieSzuglokomotive läuft, hin- aufspringt und de» Hebel dreht— sie setzt sich in Be- wegung I Mein lauter Alarmruf kommt zu spät. Zwar feuert sofort em halbe« Dutzend Ausseher die Schußwaffen gegen de» Flüchtling ab, aber dieser duckt fich hinter die schützenden Blech- wände de« Tender« und die Kugeln gehen entweder in die Luft oder klatschen wirkungslos gegen die Lokomotive. Ei« nahe- stehender Elfenbahnangestellter, bei welchem die Maschine »och ziemlich langsam vorbeffährt, will hinausspringe«, aber der Sträfling hat fich mit der Knhlenschaufel bewaffnet und einen Beweis erbringen zu können. Wir wollen ihm dagegen eine andere kleine Geschichte ins Gedächtniß zurückruten.— Als bei Gelegenheit des Proziß Graes im Ve: laufe der Ver« Handlungen auch der Name deS Her n Rudolf Hertzog aus der Breitenstraße genannt wurde, da war es von der gelammten Berliner Preffe allein die„Staatsbürger Zeitung", welche den N�men dieses Herrn verschwieg. Weshalb? Nun, wir glauben, die Gründe stnd sonnenklar. Die„StaatSdürgerZettung" kann fich jeden Tag von der Wahrheit unserer Behauptung in ihrer eigenen Redaltion überführen; ob fie den Freimuth haben wird, das Faktum einrugestehen, ist eine andere Frage. Wer treibt alko Liebvieneret? Wir haben unS niemals bct irgend« welchen Ausführungen, die für daS alla-meine Beste bestimmt waren, von irgend einer Person beeinflaffen laffen, wir ver« schweigen nicht«, waS vor d«e Oeffentltchlett gehört, die „StaatSbürger-Zeitung" verschweigt jedoch bei einer unange» nehmen Veranlaffung den Namen deS großen konservativen JnseratenspenderS I DaS nennt man wohl nicht„in majorem gloriam" veS Herrn Rudolf Hertzog? er. AlS die Enthüllungen der„Pall-Mall-Gazette" über gew ffe Borkommmffe in London unlere gute, ehrenfeste ReichShauplstadt Berlin in einen wahren Taumel stttlicher Eni- rüstung versetzten, da schlugen besonders fromme und fitten» strenge Leutchen beiderlei Geschlechts bei unS dankerfüllt die Blicke zum Himmel auf, und waren froh, daß so etwaS„bei uns" denn doch nicht vorkommen oder, waS in diesem Falle daffilbe sagen will, nicht so leicht herauskommen könne. Leute, die skeptischer angelegt stnd, zuckten die Achseln und schwiegen. Soiiiel war indessen von Ansang an klar, daß man nicht von vornherein annehmen konnte, daß wir oder vielmehr unsere „gut?" Geselliwaft ein besondere« Patent auf fleckenlose« Lebenswandel hätten, und die Engländer allein im Pfuhl der Sünde wateten. Nur hin und wieder wird der Schleier von den Geheimniffen der Weltstadt gelüftet, aber was man dann zu sehen bekommt, ist nickt dazu angethan, unS mit besonderem R'spekt vor der sogenannten Lebewelt zu erfüllen. DaS„Ber- ltn-r Tagiblalt" veröffentlicht in seiner gestrigen Nummer einen Artilel. der denn doch ein etwas starke» Schlaglicht auf die be» sonderen Vergnügungen gewiffer Kreise wirft. Wir wollen diesen Artikel ur seren Lesern nicht vorenthalten, müffen jedoch betonen, daß wir die Bürgschaft für die Wahrheit der in dem Artilel emdaltenen Tdatsachen dem genannten Blatt überlassen. Im„Berliner Tageblatt" heißt«S:„Pikant, amüsant und interessant ging eS seit längerer Zeit schon in einer Parterre- Wohnung de» Hause» Kanonierftroße 37 zu. Tort hauste ein nicht mehr ganz jugendliches, aber recht ledens« lustiges Fräulein Helene Th., ein Dämchen von reichbewegter Vergangenheit, daS fich jetzt schon deS Embon- points der„gewissen Jahre" erfreut. Ihre Erinnerungen mögen eifreulich genug sein, fie war einst die G-liebte eine» Fürsten, sank später, wie da» so zu gehen pflegt, bis zur fitten- polizeilich Kontrolirten herab und erfreute fich in den letzten Jahren der Freundschaft und Proteitton eine» Herrn T., von dem fie übrigens auch ein etwa sechsjähriges Söhnten besttzt. Fräulein Helene nun besaß ein gutes Herz und öffnete ihr«, allerdings nur au« zwei Zimmern bestehenden„Saloni", die übrigen» recht behaglich und einladend aussahen, leichtfertigen Lebemännern und Damen verschiedensten moralischen Kaliber» mit größter Zuvorkommenheit. Um Damen, um jüngere und ältere, war fie niemals verlegen. In den Abendstunden von 6 bis etwa 11 Uhr fanden fich da wackere Ehefrauen ein, deren ahnungslose Männer in der Kneipe einen vergnügten Skat spietten, leichi ledige, geschiedene oder ehroerlaffene Frauen; kaum den Kinde-, jähren entwachsene Töchter anständiger Eltern, die ihre Lieblinge in der Tanzttunde oder im Theater wähnten; KonfeltionSdamen, die fich auf einen Nedenver- dienst angewiesen glaubten und was derlei Elemente mehr find. Natürlich blieb auch die Herrenkundschaft nickt aus: Lebe- Männer aus Künstler, und«örsenkretsen. junge Kaufleute, auch Studenten, deren Wechsel eine solche Extravaganz etwa zuließ. Der Verk.hr zwischm diesen Damen und Herren war natürlich durchaus lein unverfänglicher und der UnterhaltungSton, der da bei Wein oder„eckten Bieren" ang, schlagen wmve, nicht« weniger alS salongemäß. Fiäulein Helene Th. selbst trug zur Belebung der Unterbaltung nicht wenig dei,«munterte und belehite die etwa noch zu schüchternen Mädchen und sorgte da- für, daß tüchtig getrunken wmde. Schließlich kam«S zu den tollsten Orgien, und die skandalösen Lorgänge wurden der Gesprächsstoff der Nachdaiscdaft und der eingeweihten Kreise. Auch die Polizei belam Wind von diesem Tieiben; nach mehreren anonymen Anzeigen denunzirte kürzlich ein bekannier holt zum Schlage au»; erschrocken prallt der Beamte zurück. Der fltkhende Sträfling hat freie Bahn. Und eine halbe Stunde vor uns, bergabwärts, kommt «in Paffagierzug, derselbe, dem ich hinaufhelfen sollte. Rasch entschlossen rufe ich:„Ich vnfolge ihn! Stellt die Weiche um. Rasch, rasch!" Der Weichensteller gehorcht mir, mein Heizer springt zu mir herauf, auch ein Gefängniß- aufseher steigt noch auf, und vorwärt« geht«, bald mit voller Schnelligkeit, so daß wir bergabwärts mit rasender Geschwin- digkeit dahinflogen. Jetzt erst kam ich zum Ueberleaen dessen, was ich getha« hatte und was ich thun wollte. Ich frage de» Wärter: „Ist der Kerl ein gelernter Lokomotivführer?" „Nein, meines Wissens nicht." „Dann hat er wah'scheinlich nur meinem Kollegen ab« gesehen, wie der Hebel gedreht werden muß, um Dampf zu gebe«. Es ist sehr die Frage, ob er auch da» Stoppe» verfleht. Er wird sich die Sache so gedacht haben, daß die Maschine»ach und nach langsamer laufen und von selbst stille stehen«erde." „Oho," lachte der Wächter,„jetzt ist durch seine Rechnung ei» Strich gemacht. Wenn seine Lokomotive langsamer fährt, find wir sofort zur Verfolgung da. E« ist lobenSwerth von Euch, Landsmann, daß Ihr sofort an die Habhaftwerdung deS Verbrechers dachtet." Ich ipie mein Priemche« Kautabak au» und antwortete ernst:„Ob der F üchtling entkommt oder nicht, ist mir voll» ständig glcichg'liig. Für mich handelt e« sich um die Rettung von zweihundert Menschenleben. Läuft die schwere Fracht- zuglolomonve de« KieSzuge« in den Paffagicrtram hier auf diesem gefährliche» Abhänge, so kann möglichenfalls kein Knoche» heil bleiben." „Und wa» soll den» geschehen?" ftagte bestürzt der Wärter. „Ich weiß eS selbst noch nicht. Schlimmstenfalls laufe ich direkt M't meiner Maschine auf die Kietzuglokomottve und lasse alle» üder de» Haufm fliegen in Trümmer und Herr, dem man im Salon deS FrZulein Helene Th. übel mit' gespielt haben soll, bei der Kriminalpolizei, und zu Anfang der vorigen Woche wurde doS Kapplernest von zwölf P'lizei- beamten umstellt und ausgehoben. Die„Dame deS HauicS", die anscheinend schwer belrunken war, wollte passtven Wider« stand leisten und begann der Kleidungsriste, die fie noch am Leide hatte, sich'U entledigen, so daß fie mit Gewalt angekleidet und gebunden werden mußte. Zugleich mir ihr wurden fünf gerade„zu Besuch" anwesende Damen und zwei(dem Kausmannsstande ange hörige) Herren fisttrt und nach dem Molkcnmarkt gebracht, von wo fie nach sseüstellung ihrer Jdenditat und Per« sona'i'n wieder entlaffen wurden. Fräulein Tb. aber wurde in Hast behalten und anderen TageS nach dem UntersuchungS« aefängniß in Moabit überführt: gegen dieselbe wird die An» klage wegen schwerer Kuppelei erhoben. Dir Verwerflichkeit ihres Treibens wird wohl am besten durch die Thatsache illustrirt, daß unter den bei ihr flstirten Damen fich zwei Müschen im Nlter von 16 und 14 Jahren, Töchter einer anständigen Wtttwe, befanden; auch eine ihrem Manne entlaufene Dame auS der bessern Gesellschaft in Hannover soll unter den Eisttrten gewesen sein; diese, auf Empteblung eirer Frau L- in Ealz- «edel unmittelbar nach ihrer Ankunft in Berlin in die famose Abendgesellschaft aufgenommene Dame dürste Veranlassung geben, daß den eigerthümlichen Vermittlungsgeschäften der er» wähnten Frau L. in Ealzwedel gleichfalls kriminell näher ge- treten wird. Die Spezialität der jetzt dingfest gemachten Kupplerin scheinen übrigens ganz junge, hart an der Grenze d«S im§ 176 dcS Reichs« Strafgesetzbuchs normirten Alters stehende Mädchen gewesen zu sein, und gerade darin liegt die besondere Gefährlichkeit und Gemeinschädlichkeit des Treiben? der gewiffenlostn Person. Der„Freund" der veihaftren Th. soll übrige 5000 M. Kaution für ihre Freilassung vergeblich angeboten haben.— Wir würden über dieses nichts weniger als an» ziehende Kapitel auS den Geheimnissen von Berlin nicht so ausführlich berichtet haben, wenn wir damit nicht den Zweck verfolgten, eine dringende Warnung zu geben. Die Pflicht der Eltern, fich um den allabendlichen Aufenthalt ihrer mino» rennen und namentlich ihrer ganz jugendlichen Töchter einge» hend zu bekümmern, kann gar nicht scharf genug detont werden. Wer diese in einer Großstadt doppelt nötbige Kontrole und Voistcht verabsäumt, macht fich eineS sträflichen LeichlfinnS schuldig und ist milverantwofttich für die, wie auS dem obigen Beispiel erfichtlich, oft ganz unberechenbaren Folgen. Sind doch, um von anderen Folgen ganz zu schweigen, jetzt die Namen zahlreicher junger Mädchen festgestellt, die in daS schamlose Treiben hineingezogen wurden und als Zeugen in der wahrscheinlich sehr große Dimenfionen annehmenden Verband» lung eine wirklich nicht beneidenSwerthe Rolle spielen müssen. ..... Daß auch Männer in angesehenen Stellungen fich der fatalen Zeugenschast nicht werden entziehen können, sei noch nebenbei demetkt."— So daS„Berliner Tageblatt". Daß fich jene Dämchen und jene„Männer in angesehenen Stellungen" vielleicht vor dem Richter zu verantworten oder als Zeugen in einem Skandalprozeffe aufzuteeten haben, geschieht ihnen Recht und sie find in keiner Weise zu bemitleiden. Wer die jungen Töchter der„besseren" Stände heute nur auf der Straße beobachtet, wer aus ihrem äußeren Benehmen einen Schluß zu ziehen versteht auf die Erziehung, die ihnen im elterlichen Hause zu Theil wird, den kann eS aarnicht Wunder nehmen, daß solche Früchtchen gezeitigt wer» den. Und wie eS mit den„Lebemännern aul Kunst» und Börsenkreisen" vielfach bestellt ist, daS hat vor nicht allzulanger Zctt ein bekannter Prozeß gezeigt.— ES ist aber etwaS Anderes, waS unS brtm L-sen der obigen Zeilen au! fiel. DaS„Berl. Tng'blatt" appellirt an die Estern jener Kinder, die doch keines» wegs die Roth in die Arme verkommener Wüstlinge treibt, die Estern sollen fich über den abendlichen Aufenthalt ihrer Töchter orientiren. Wir haben hiergegen nichts einzuwenden. Giedt eS aber in Berlin nicht viele Tausende von jugendlichen Arbeiterinnen, deren Eltern im Mitdewerb um daS tägliche Brot durchaus nicht die Zttt haben, fich in so eingehender Weise um ihre Kinder zu kümmern? Liegt an der Unschuld dieser Kind r weniger als an derj nigen der Töchter jener„an» ständigen Wittwen", die in obigem Artikel erwähnt find? Sind die jungen Arbeiterinnen nicht häufig gezwungen, Abends allein über die Straße zu gehen, find fie nicht hier tausend Ver» suchungen ausgesetzt, denen daS Kind auS den„besseren" Sinn» den aus dem einfachen G-unde widersteht, weil eS physische Roth wohl kaum kennt, pekuniäre Verlockungen daher ohne Wir» kung bleiben. Für die jugendlichen Töchter deS Volkei müßte wohl zuerst durch gesetzgeberische Maßnahmen gesorgt werden, und solange daS nicht der Fall ist, laff-n unS wenigstens die Jammettöne über die„irregeleiteten" Kinder der„besseren" Stände ziemlich kalt. er. Die Luft an blutige«, uerveuerregeuden Vor» gävge« ist eine feige und vrrdammenSwerthe. Wer, nur um eine widerwärtige Neugier zu befriedigen, fich zu blutigen, ent- setzlichen Schauspielen herandrängt, muß in seinem Leben alleS durchkostet haben, auf ihn kann nur noch da« Wiedernatürl che Eindruck machin. Erfüllt e« uns nicht Herne mit einem Gefühl deS Ekel«, wenn wir an jene feig« grausame Schaulust denken, die beispielsweise in Rom zu den Zetten der Käfer herrschte? Gladiatoren mußten vor einem reichen und armen Pöbel auf Tod und Leben kämpfen, und die römischen Damen applau- Splitter; dann wird der bergauf kommende Zug da« Hmderniß schon sehe« und rechtzertig stoppen." „Dabei sind aber auch wir verloren?" „Za." Mein Heizer Bill, ein braver Zunge von achtzehn Zahre«, schüttelte mir die Hand:„Recht so, Kollege. Zch bin dabei." Der Wärter aber war todtenbleich geworden. „Lassen Sie mich abspringen!" bat er. „Keine Möglichkeit. Fahre ich langsamer, so holen wir die andere Lokomotive nicht ein." Und dabei sauste« wir pfeilschnell dahin, über Krüm» mungen, wo uns da» Haar zu Berge stand, an Abgründen vorbei, mit voller Dampfkraft. El war eine tolle Fahrt, mir schaudert«och, wenn ich daran denke! Aber Fuß um Fuß näherte» wir uns der Kieszuglokomotive. Sie war, für Frachtzüge bestimmt, schwerer als die meinige. Da endlich, al« wir von ihr noch etwa fünfzig Schritt entfernt fem mochten, wandte ich mich zu dem Gefängviß- auffeher:„Jetzt machen Sie Ihr Gewehr schußfertig und rufen dem Entflohenen zu, daß er halte« solle, sonst würden Sie Feuer geben." Die Aufforderung war fruchtlos, der Mann lag zitternd, halb ohnmächtig auf den Kohlen des Tender« und lallte un- verständliche Worte. Ich nahm ihm da« Gewehr fort und gab e« an Bill. So,«un rufe dem Kerl zu, daß er den Hebel wreder zurückdreht, und drohe, wenn er da» nicht thue, Feuer zu geben." Bill sprang nach vor« auf da« Trittbrett, welche» läng» der Lokomotive läuft. Da« Rufen aber half nicht«; bei der rasenden Schnelligkeit, mit der die Lokomotive» da- hiafloge«, wurde jeder To» verschlungen. Da drehte sich der Flüchtling herum und warf einen Blick auf unS. Al» er die drohend erhobene Schußwaffe in der Hand de» Heizer« sah, erschrak er und sprang mit einem verzweifelte» Satz dirten, wenn ein schöner Gladiator in recht malerischer Pose seinen Geist autgab. Glücklicher Weise find sett der Zeit acht- zehnhundert Jahre verflossen, wir sind beute so gebildet, so human, daß so et aas gar nicht mehr vorkommen kann! Oder sollte es etwa nicht der Fall sein? Die Thatsachen w'der» sprechen dieser Annahme. Die gestrigen Zeiiungen veröffent. lichten nämlich folgerde Notiz:„Obgleich irgend etwa« Be- stimmte« über eine etwa'ge Vollstreckung deS gegen die Frau Marunge und ihren Sohn gefällten TodeSurtheil» noch gar nicht verlautet, find doch schon j'tzt bei der GerichtSschreiderei de« Landgerichts Ii zahlreiche Bewerbungen um den Zutritt zu der etwa bevorstehenden Exekution eingegangen. Der größtr Theil dieser Eingaben wandert naturgemäß in den Papierkorb, da außer den amtlich mit d-r Sache befaßten nur noch wenige Personen al« Zeugen eine» solchen traurigen ANeS zugelassen zu werden pflegen. Der Umstand, daß die Vollstreckung der Todesstrafe an einer Frau ein sett langer Zeit nicht dagewesene» Ereigniß sein würde, ist wohl die erste Ursache zu dem so vor» zeitigen Andrang nach Eintrittskarten zu dem letzten Alte de« Marunge'schen FamtliendramaS." Wer mag fich wohl um eine derarttae Eintrittskarte bemühen? W:r können darüber natürlich keine Ermittelungen anstellen, aber wir wagen zu de» haupten, daß e« heute ausschließlich reicher Pöbel ist, der fich zu solchem Schauspiel drängt. Die rohe Gefühllofigkeit, die unmenschliche Freude an den TodeSzuckungen eine» Mit» aeschöpfes ist eben ein charakteristische« Merkmal einer pöbel- basten Gefinnung, gleichviel, ob der Träger derselben gut ge- kleidet ist oder in Lumpen einher wandelt. WaS steht man an dem angstverzerrten Geficht deS Mörder«, waS an seinen verstörten Zügen? Muß ein so unglücklicher Mensch auf seinem letzten Gange noch da« Gefühl haben, daß hundert neugierige Augen auf seiner gebrochenen Gestalt ruhen, die jede» Gefühl der Schwäche, j-de Regung der Todesangst erspähen, um nach Vollziehung des schrecklichm Akte« in Freunde«- oder Be» kanntenkreisen, vielleicht am Stammtisch genau jede Bewegung des Gerichteten kritifiren zu können? Traurig genug, daß in unserer heutigen Zeit überhaupt noch derattige Exekutionen vollzogen werden, noch viel trauriger aber ist«S, daß fich Leute finden, welche diese Exekutionen sehen mögen. Welche kolossale« Wenge« von Waffer die Berliner Feuerwehr häufig zur Bewältigung der Brände verbraucht, weisen folgende amtlichen Zahlen nach. Der Gesammb Wasser» vei brauch der Feuerwehr im verflossenen VerwaltungSjabre be» trug 2 855 174 Liter. Hiervon verbrauchten die großen Hand- svrttzen 19,87 pC., die Dampfspritzen 80 13 pCt. Bei nur 22 Bränden betrug der Wasserverbrauch 2 791 648 Liter oder 89,17 pCt. deS GesammtbedarfS. Es wurden bei diesen großen Bränden verbraucht: Am Tempelhofer Berg 8 genau 593 933 Liter, 377 983 Liter beim Brande Ruppinerstraße 9, 290 672 Liter Hollmannstiaße 35, 277 942 Liter Holzmarkt, straße 33/34, 241 690 Liter Pankstr.öt d, 181306 Liter Schloß Monbijou, 126 630 Liter Hasenbatde 36 c. u. f. w. Der Wasserbedarf wurde gedeckt: 9202 pCt. aus der Wafferlei» tung, 6,55 pCt. au« natüilichen Wasserläufen, 1,43 pCt. au» öffentlichen Straßenbrunnen. Am 31. Dezember 1885 find 3979 Hydranten im Betrieb gewesen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die fortgesetzten Versuche mtt Ueberflurhydran» ten, derm Hobe Bedeutung für Feuerlöschzwecke außer Frage steht, ein praktisch nutzbare« Ergebniß noch nicht geliefert haben. Ewer vergleichende« Zusammenstellung der Unfälle der Betliner Feuerwehr auf Stein- und auf LSphaltpflaster im verflossenen Jahre entnehmen wir, daß auf Asphalt 46 649 mal ungünstigere Resultate vorliegen, al« auf Stein- pflaster. Die Fab' zeuge der Berliner Feuerwehr legten im Jahre 1885 eine Wegstreck« von 7906,77 Meilen zurück, und zwar 7197,71 Meilen auf Stein- und 70906 Meilen auf ASphaltpflaster. ES kamen im Ganzen 53 Unfälle(Sturz der Pferde w.) vor, nämlich 10 auf Stein» und 43 auf ASphaltpflaster. ES erfolgten von den 10 Unfällen 2 bei nassem, 8 bei trockenem Wetter auf Steinpflaster, von den 43 Unfällm 36 bei nassem, 7 bei trockenem Wetter. Für heimliche Freunde de» Angelsport« ist ein Streit» fall bemerkenSwerth, der jüngst von einem Uferbefitzer gegen Beamte der Strompolizei ausgetragen worden ist. Diese Be» amten hatten, um einigen von dem Grundstücke de« Besttzer« auS angelnden Personen ihre Fanggeräthe zu konfiSziren, da» Grundstück trotz deS ausdrücklichen Verbote« de» Befitzer« be« treten; dieser beantragte die Bestrafung der Beamten auf Grund der Bestimmungen deS FeldpolizeiaesetzeS. Die Beamten wurden jedoch freigesprochen, da fie ol« Fischerei-AuffichtS» beamte alle Befugnisse der Lokalpolizeideamten besttzen und wenn fie. um Fische, eigeräthe zu konfisztren. genöthigt find, fremde Wiesen und Aecker zu betreten, so kann darin ein Ueder. schreiten ihrer AmtSbetugniff« nicht gefunden werden, vielmehr ist ein solcher Fall ebenso zu behandeln, wie wenn ein Polizei» beamter einen Dieb verfolgt, dem er ein bei Verübung eine» Diebstahls, bei dem der Dieb ertappt wurde, angewendetes In- strument abnehmen will.— Also mit dem Angeln vom Ufer eines fremden Grundstückes aus, ist eS auch nichts. In der Bibliothek de» Ardeiter» vezirksvereiu» der Rosenthaler Vorstadt wurde, wie unS mitgetheilt wird, vor» gestern Mittag eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen Schriften abgehalten. E« find zwei Flugblätter und der Katalog mit Beschlag belegt worden. von der Lokomotive hinab in ein Gebüsch. Er mußte ver« loren sei«, den» da» Gebüsch wuchs am Rande eine« schauer- lichen Abgrunde«. Run kehrte Bill zu mir zurück:»Wa« jetzt?" fragte er. Wir sausten gerade über eine Krümmung, die un» de» freie» Ueberblick der unter un« liegende« Strecke gestattete. Zch sah de» Passagierzug kommen,»och ziemlich wett ent- fernt, aber e» war die höchste Zeit. „Zch will versuche«, von unserer Maschine auf die andre hinüber zu springen. E» ist sehr bedenklich, aber e« muß gewagt werden. Komme ich zu Schaden, so weißt du, Bill, wa» du zu thu« hast." Wir verstanden un«. Mit der Maschine wußte Bill gut Bescheid, da« war mir bekannt, doch gab ich ihm rasch noch einige Anweisungen und begab mich dann nach vor». Beide Maschinen liefen mV fast gleicher Schnelligkeit; ich hatte die meivige so genau regulirt wie nur irgend möglich. Endlich befand fich der Tender einige Fuß vor mir, Zoll um Zoll verminderte fich die Distanz— da wagte ich de« Sprung. Auf ein Haar wäre derselbe mißglückt, nur mtt einem Arm konnte ich mich zunächst anklammern, aber krampfhaft hielt ich fest und e» gelang schließlich, ich konnte mich hinaufziehe». Im selbe« Augenblick hatte Bill Kovttedampf gegeben, die Bremsen angezogen und die Sandkasten geöffnet. Gleich darauf that ich dasselbe. Beide Lokomotive« hielte». Da bog um die nächste Krümmung der Passagier- zug, langsam die Bahn hinaufkeuchend. Es war gerade im letzten Augenblick»och gelungen, den Zusammenstoß zu vermetden. Der Körper de» Sträflings wurde hernach total zer» schmettert tn der Schlucht gefunden; nur an de« buntge» stretfte« ZuchthauSanzug konnte er erkannt«erde«, so furcht» bar waren Kopf und Glieder verstümmelt. Eine eigenartige Korporation hat fich in unl««' mittelbaren Nacbbarscdast gebildet. Eine nothwendigeök» dedinguna für jede» einzelne Mitglied die er KörpnW der steie Lustzug, und da dieser in unserer Stadt sehr M wird, so bleibt Beilin von der Ehre, an dieser Gwl» Theil nehmen zu dürfen, ausgeschlossen. Um die Zw vorhandenen korporativen Verbände um«in neue», n# digeS und nützliches Mitglied zu vermehren, flnv nämlit Besttzer von Windmühlen auS den Städten Nauen, firn»> Oranienburg, Z-.hdenick, Gransee, Fiicsack und Umgeg� einem Windmühlen> Verstcherungsvei bände zusammen Ff welcher seinen Wirkungskreis zunächst auf den Um# Regierunßsdeziik» Potsdam beschränken wird Der hat eS fich zur Aufgabe gestellt, die Verstcherung d«» wühlen nicht blos gegen Feuer- sondern auch gegen schaden zu übernehmen und zwar nach den G undsWY Gegen settigkeit. Den Anstoß zu dieser in unserer W neuen Einrichtung haben ähnliche in einigen Bezirken€#* Sachsens und Hannooers destehende Verbände geliefert' derm Organisation der Bürgermeister Ulrich zu Krem»» grundlegenden Bestimmungen für dm neuen Verband arm dessen S atut im Februar cr. die Bestätigung d r m# zu Potsdam erhielt. Ende März hat in Nauen die konftib» Gmeral> Versammlung stattgefunden, zu der fich 140 9%* befitzer eingefunden hatten, von denen sofort 120• Uaterschrist des Statuts ihren Beitritt zu dem Verba«* klärten und von diesen find bi» heute 80 Verficherungiw gestellt.„ In Castan» Panoptikum ist schon wieder ein TA verübt wo. den. Am 20. d. M. wurde aus einem im 5 saale befindlichen Glaskasten eine Nachbildung de» brastltofl Brillanten„Stern des Süden»" mittelst gewaltsam«!' brück s gestohlen. Die Geschäbigtm haben auf die Erp* de» DlebeS resp. Herbeischaffang deS gestohlenen Gulet Belohnung von 20 M. ausgesetzt.— Wie eine Lokalkorresp� berichtet, ist es den kttminalpolizetlichrn R cherchm ßg von den Dieben, welche in letzterer Zeit wiederholt Diw im Canstan'schm Panoptikum verübt habm, zwei in der? haldloüchst„er Burschen, von denen der eine auS Berl» andere auS Potsdam ist, dingtest zu machen. bkis. Auf eine neue Gefahr für EtellungfV macht, wia da» hiefige Organ zur Wahrung der Jniem kondttionirendm Kaufleute,„Der HandlungS Gehilfe� „Dresdener Anzeiger" entnimmt, da» letztgenannte Bim merksam, welches Stellensuchende warnt, auf in Zeitung» geschriebene Stellen Offettm mtt Originalzeugnissen eirp weil die Ausschreibet der Siellen die Zeugnisse nicht« schlck-n. Was aber noch schlimmer ist, Landstreicher um brechet bedienen fich oft solcher Annonzen, um fich in b*. fitz guter Zeugnisse zu setzen. Demgemäß wolle man und ähnliche Dokumente dm Offertendriesen nur in niemals aber im Original beifügen. Keine ZeitungSi kann für die Wiedererlangung verantwortlich sein, um so al» die Anzeigen oft von vorgeschodmen Personen m und die einlaufenden Bnefe auch von dmselden werden.? Et« gefährlicher Zeichner. Nachstehmder Vorsah die Hau»- dezw. Vizewirthe zur besonderen Aufmerksam�?. Vorstcht mahnen. Am 13. d. Ml«, in der Zeit zwisch!» /i 6 Uhr N-chmittagS kam ein unbekannter Mann von K breitschulteriger Statur, mit starkem Schnurdart und an" gekleidet, in ein Hau» der Landgrafenfraße, meldete st« Portierloge und gab an, von einem Baumeister abgen sein, um die Korttdorabschlußwände abzuzeichnen, Wh, einem Neubau für genannten Herrn genau so auSgefiM den sollten. Die nicht« Böse» ahnende Nichte deS 9% ließ den Unbekannten in da» HauS. Inzwischen b'� die Töchter einer im ersten Stockwerk wohnenden Doi% fich Jemand an dem Schloß der Korridorabschlußw� schaffen mache, öffneten die Wohnung und fragten dm» lichen Zeichner, waS er an der Thür zu suchen habe.. ersten Augenblick sehr verlegen, faßte dieser sich schnell,■ schließlich unverschämt und ging mit den Wösten fost'' da« werde ich dem Herrn Baumeister K. sagen, wie> behandelt wird." Eine spätere Nachftage bei dem Bl K. bestätigte die Vermuthung, daß der Unbekannte gef«1 hat. Offenbar hatte letzterer eS darauf abgesehen, ei» druck von dem Thürschloß zu nehmen, um später in dn& nung der für sehr wohlhabend geltenden Damen einm stahl auszuführen. Ei« schrecklicher Unglücksfall ereignete fiä, Abend gegen 6 Uhr auf dem Grundstück Oppelnerp'äß Dost war eine Frau Hätschle in der Wohnung Etage mit Fensterputzen beschäftigt, al« fie, auf dernftji brett stehend, da» Gleichgrwicht verlor und in die stürzte, wo fie auf der Straße mit zerschmetterten todt liegen blieb. Die Leiche wurde später nach dem schaubause gebracht. Wie oft ist schon in der Prejfefj Leichtfertigkeit gewarnt worden, mit welcher der»eiW daS Fensterputzen betreibt! j Polizei.»ericht Am 21. d. M. früh wurde � Böschung am Alexander. Ufer ein etwa 20 Jahre altckä kanntet Mann todt aufgefunden. Die Leiche wurde«nj Leichenschau hause gebracht.— An demselben Tag'� mittag« stürzte fich eine geisteskranke Frau au« dem fenster ihrer in der Oppelnerstraße 3 Treppen hoch � Wohnung auf dem aSphalttsten Hof hinab und verstm° bald in Folge de» erlittenen Schädeloruchs.— Zu M Zeit wurde ein an Echwermuth leidender Mann tny Wohnung in der Pückler straße erhängt vormfunden- demselben T Äluß -n den ■N ha! schnei n fort: wie wl -m Bau-j -J n eiif1 i 1 dewA sä w. S'M urde a«! i lageJ # 3",, ann w führt, in welche die Diebe wiederum durch daS Fenster gelangt waren. Vier fielen ihnen nur ein Reaula-oc und eine große Menge P'andschein« in die Hände; die Uhr und die Pfand- scheine wurden schleunigst durch einen Hihler versetzt. DieZ führte z>r Entdeckung. In der Verhardlung versucht« Böttcher alles in Abrede zu stellen. Aber einmal belastete ihn daS Zeugnitz feines Genoffen und autzerdem der Nachweis, datz er während einiger Zeit ganz bedeutende Geldautgaben machte. Er war während einiger Wochen von liberalster Frelgebtgfeit. Er de- trachtete eS als eine Ehrensache in den Restaurationen die Zeche ganz fremder Leute zu bezahlen. Gleichzeitig schaffte er fich eine Braut an. Er machte in einem Restaurant mit Damenbedienung die Bekanntschaft einer hübschen Kellnerin, die er sofort zu bewegen mutzte, ihre Beschäftigung aufzugeben, („Kaffe zu machen" lautet der technische Ausdruck) und ihm zu folgen. Die beiden Leute amüfirten stch nun vortretfl ch. Zu» nächst fuhren fie 5 Stunden lang in einer Droschke im Thiergarten spazieren, besuchten verschiedene Tanzböden und nahmen erst am nächsten Morgen von einander Abschied. Dieses lustige Leben wurde während einiger Wochen fortgesetzt und aerade. als daS Geld zu Ende war, wurde Böttcher verhaftet. Er be- dauptete nun standhaft, die Ausgaben von den Ersparniffcn bestritten zu haben, die er während einer 15 monatlichen Haft in Plöyensee gemacht haben wollte. Diese Ausrede fand wenig Glauben. Ebenso mißglückte ein Alibibeweis vollständig. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu 5 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust, den vollständig geständigen Jäschke zu einer Gefängnißstrafe von l1/» Jahren und den Hehler zu neun Monaten G-fängnitz. Allzu großer Diensteifer führt sehr leicht zu Irr- thümern, imd dann schadet er, anstatt zu nützen. Polizei« Lieutenant Encke scheint eS fich zur ganz besondern Aufgabe gemacht ,u haben, gegen die Unfitte des AnrempelnS seitens halda-üchfiger Burschen anzukämpfen, die betreffenden Exzedenten festzunehmen und ih er Bestrafung entgegenzuführen. DieS ist ihm denn auch vollauf gelungen; in dem vor einigen Tagen vor der sechsten Etraskammer hiesigen Landgerichts I ver- banoelttn Falle, hat ihn aber sein Eifer offenbar über daS laffen. Am Abend des 24. Oktober er. passtrte ,1» erkauferin Frl. Häuseler mit einem GlaS Bier die Fried- richstraße in der Nähe der Mohrenstratze, um in ihren La- den zu gehen. Vier junge Leute, welche ebenfalls dort entlang gingen, machten dem Frl. H. bereitwilligst Platz, während der von der Kronenstratze herkommende Polizeilteutenant den Eindruck gewctnn, datz die beiden Jüngsten von den Vieren daS Mädchen gewaltsam angerempelt hätten. 8"«folge dessen fiftirte er dieselben, welche fich als die Lehr« liage Friedlich Karl Labenath und Paul Ludwig Ealing her- ausstellten und veranlaßte deren Stellung unter Anklage wegen groben Unfugs. DaS hiefige Schöffengencht verurtheilte denn auch aus die Aussage des Polizeideamten die beiden Angeklagten zu je 15 Mark eventuell zu 3 Tagen Haft. Inder BerufungS tnstanz bekundeten nicht nur die beiden Begleiter der Ange> klagten, datz diese nicht nur nicht daS Mädchen angerempelt, sondern ihr in entgegenkommenster Weise Platz gemacht haben, sondern Frl. H. selbst bestätigte dieS durchaus. Jetzt erklärte der Polrzerlieutenant, dost die Angerempelte dann wohl eine andere Dame grwesen sein werde. Rechtsanwalt Wollner er- achtete nach Lage der Sache einen Jrrthum des Beamten für vor- liegend, während der Staatsanwalt für Verwerfung der Be- rufung plädirte. Der Gerichtshof schloß fich aber in Anficht deS VeNheidigerS an und erkannte auf Freisprechung der An geklagten. AuS Königsberg i. Pn, wird uns geschrieben: Am 10. d. Mts. hat hier die zweite Verhandlung gegen Schloffermeister Godau, den Königsberger Ardeiterkandtdaten, gegen den Tabak- svinner Bunk von hier und gegen Dr. B. Schönlank wegen Vergehens gegen daß Sozialistengesetz, begangen durch angebliche Fortsetzung eines verbotenen Blattes, stattgefunden. E« handelt fich um die längst von der Gera« Behörde verbotene„Politische Wochenschrift", die man als eine Fortsetzung des von der KönigSb«gtr Regierung sozialistengesetzlich unterdrückten „Königsberg« VolkSdlait" betrachtete. Im gegenwärtigen Termin wurden die Herten Godau und Bunk fretgesprocken, weil ste bewiesen, daß die Polizei die„Politische Wochenschrift" während ihreS elfwöchentlrchen Erscheinens stets«halten hat und fie dadurch in dem Glauben, datz eS fich um keine Fort- setzung ein« verbotenen Zeitung handle, nur bestärkt wurden. Ei fehlte also der Dolus, daS Bewußtsein einer strafbaren Handlung. Nicht so glücklich war Dr. Schönlank. Auf Grund der Aussage deS ReichStagSabgeordneten LouiS Viereck tn München nämlich, d« fich zur Zeugenaussage in diesem Prozeß«boten hatte, war daS G«icht zu der Anficht gekommen, daß die„Politische Wochen- schrtft" faktisch eine Fortsetzung des„Königsberger Volksdlatt" gewesen sei. Da» Gericht nahm an, datz Schönlank scheinbar „die Seele des Ganzen" gewesen und ihm die Gründung». vorgange und Pläne deS Herrn Viereck bekannt gewesen seien; L verlangt blrkum» statt. Dieselbe endigte, wie wir schon berichteten, mit fundem/$et®eturch«Uung de» Angeklagten Didelot, BetrtebSasfistrnten rau un I(~l fcottrftatim Cadbä.Roqurbrune, zu fünfzehn Monaten Ge- Igj tSnaniffa.� ES fallt ihm die furchtbare Versäumnitz zur Last. SZ am 10. Marz den Abends mit Verspätung von Mentone ab« �Oangenm Zug, der fich reglementsmätzig in Roccabruna mit dem « /'.�,,v??"vden kreuzen sollte, abgelaffen zu haben, ohne Ä? der benachbartm Station Monte Carlo zu ver« standrgen. Dieser beging seinerseits denselben Verstoß, so datz ein Zusammcnprall der beiden auf einem und demselben Ge- leise gegen einander rollenden Züge trotz aller hin und her gegebenen Notbfignale unvermeidlich wurde, 6 Paffagicre wur- den getodtet, 47 thiils schwer, theil» leicht verwundet, und die Bahngesellschaft PariS-Lyon Möditerranöe erlitt großen Schaden °n Betriebsmitteln, einen noch viel größeren ad« in der des Publikums, welcher die hiefige sreifinnige Preffe oÜT1. Ä�immend scharfen Ausdruck gab, indem fie d« Lvon- Möditerrante die Hauptschuld an dem . Mckebtimatz. Nach den Ausführungen de» Staatsanwalts, Ä ,,»»>-Ivartnenhalte mit d« Vttantwortung des Angeklagten Tribb,« Plaidoyer seines VertheidigerS, Maitre MMHLZAÄW» Ufluna eines �bnmastigen Separat- und ExlrazugSonkehrS. N MDMMM JtLgrn Zum Bauarbeiterstretk zu Bergedors bei Hamburg. Streik resp. Ausschluß(die Zimmergesellen find nach dem m d« KamevalSfeste erscheint sehr begreiflich, ja bemitleidenS- würdig. ES ist ein intelligenter. 32jähriger junger Mann von einnehmendem Aeutznn, dem nfcht nur seine unmittelbaren Vor- gesetztm und die ganze Einwohnerschaft von Roccabruna, son- dem auch die Oberleitung der Kompagnie selbst daS allerbeste Zeugniß ausstellen. Er trat in würdiger Haltung auf und ftrach klar und entschieden, ohne seine Schuld irgendwie zu bemänteln. Am Tage nach dem Unglücksfalle wurde er au» dem Dienste entlaffcn und verbrachte den seither veifloffenenen Monat in UntnsuchungShaft wie ein gemein« Verbrecher in einem ekel- haften Loch, dem sogenannten„Senat". Das Auditorium sumpathifirte denn auch nach d««armen Fürsprache deS VertheidigerS in demonstrativer Weise mit dem dedauemS- werthen Opfer seines Berufes und mutzte von dem Prast- denten zur Ruhe verwiesen werden. Als daS strenge Urthctl sodann vnnommen wurde, welches Didelot um« An rechnurg all« MilderungSgründe zu fünf, ehnmonatlicher Haft, sowie Zahlung der Gerich'.Skosten, und die Kompagnie Paris- Lyon-MSviterranSi nur zur solidarischen Haftung für die letzteren verurtheilte, verließ das Publikum tief ergriffen den Gerichtssaal.__ Soziales und Arbeiterbewegung. „Belohnung" für treue Arbeit. Der Arbeiter Gustav Jost d« Firma Schlieger und Baum in Barmen hatte am vorigen Sonnabend fünfzig lange Jahre immerwährend bei dies« Firma gearbeitet. Er feierte selbstverständlich sein Jubiläumsfest, welche» die Mitarbeiter ihm zum Besten gaben, die ihn auch de« Tags Über reichlich beschenkten. Da durfte denn auch die Firma nicht fehlen. Von derselben«hielt der Jubilar eine— goldene Uhr zum Geschenk; außerdem er- schienen Prinzipale und Beamte auf dem Feste und betheiligten fich bei den Reden und Gesängen.—„Gewiß ein Zeichen schönen Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welches lobende Anerkennung verdient"— so sagt zu diesem JubiläumSfest die„Elberf. Ztg."— Ob eS fich wirklich lohnt, solche Anerkennung der Spende ein«„goldenen Uhr", die man jetzt schon sehr billig haben kann, zu zollen? Für 50 Jahre treuer Dienstzeit— ein armseliges Spielzeug für den alten Mann! Wie wär'S mit einer Altersversorgung für den Gustav Jost, so fragen wir die Elberfelderin? Da könnte man„lobende Anerkennung" zollen, ad« wahrlich nicht den 50 Mark, welche die Uhr g-sostet haben mag. Für jedeS Dienstjahr eine Mark. Wie billig wird bei d« bourgeoifen „Elbf. Ztg.'� ein« Anerkennung erworben! Der Ausbruch deS MaurerstrerkS von d« Arbeit ausgeschloffen worden) ist noch immer nicht zu Ende. Wie e» die Herren Bau- untcrnehm« beginnen, um Leute von Außen heranzuziehen, ist bereit« mitgetheilt worden. Heute liegt ein Brief ähnlichen Inhalt» an einen Zimmergesellen in Gnoien in Mecklenburg vor, woraus wir der Kuriosttät halder den Schluß mittheilen wollen. Es heißt dort:„Aber nur bis Friedrichiruhe fahren Ste mit d« Bahn, von dort werden Sie von mir mit einem Wagen abgeholt, Theilen Sie mir genau mit, wann Ste in FcievrichSruhe find und kommen auch umgehend, denn ich habe sehr viel zu thun. A. Fischer, Zimm-rmeister." Da dies« Brief von der Hamb.„Bürgerztg." abgedruckt worden ist, mutz der Herr Zimmermeister doch an den Unrechten gekommen sein. Streiks i« Leipzig. Der Töpferflreik ist nach kurzer Dauer zu Gunsten der Streikenden beendet. Der Bericht der Streik- Kommisfion meldet, datz der weitaus größte Tbeil der Arbeitgeber die Forderungen der Gesellen nach kurzem Wider- streben bewilligt habe, ein Grund zur Fortsetzung de» Streiks also nicht mehr vorliege. Jetzt find auch die Steinsetzer in die Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen bei lOftündiger Arbeitszeit 40 Pf. Lohn pro Stunde. Die Steinsetzmeister baden zu dies« Forderung noch keine Stellung genommen. Vnhalten fich dieselben ab« ablehnend, dann dürste ein Streik unv«metd!ich sein. Aufruf! Durch die widrigen Verhältnisse gezwungen, haben wir die Arbeit einstellen müssen, indem wir mit unseren Meistern eine Einigung nicht erzielen konnten. Schon im vorigen Jahre hatten wir da« Ansuchen an unsere Meister gestellt, unseren Lohn auf 50 Pf. pro Tag zu erhöhen' da wir im Jahre nur 7 bis 8 Monate arbeiten können, so wird ein jed« denkende Mensch selbst beurtheilen können, datz unser Lohn in den wenigen Monaten die Höhe erreichen mutz, um in den 3—4 Monaten, wo wir keinen Arbeitsverdienst haben, davon existiren zu können. Unsere Rrbeitgeb« find je- doch vernünftigen Vorstellungen unzugänglich, so haben wir un» zu dem schweren Schritt entschloffen. Da nun ab« durch den langen Winter, welchen wir durchgemacht, unsere Mittel erschöpft find, so ist dringende Hilfe unbedingt nöthig, da viele verheirathete Kameraden hier am Orte wohnen, welche an die Scholle gebunden find. Wir wenden uns an die Arbeiter Deutschlands, unS in unserem Kampfe zu unterstützen. Alle Sendungen find zu richten an Herrn Theodor Burghard, Altesttaße 10, Neuheppen». Die Streik Kommisfion der Maurer Wilhelmshavens. Wilhelmshaven, 19 April 1886 Die Bayreuther Klavierarbetter wenden fich noch mals an ihre Kollegen, um ihren Streik glücklich deendigen zu können. Die Berliner Pianofortearbeiter werden hoffentlich nicht dulden, datz ihre Bayreuth« Genoffen während der Fei«tage hungern und darben. In d« Vereinsversammlung bei Gratweil am Sonnabend können fie daS beweisen. Sendungen zu richten an Stramm. Berlin, Skalitzerstr. 18, od« an H. Wellhöf«. Bayreuth, Mainzgaffe 170. Arbeitereutlassunge«. Zahlreiche Arbeiter find seit Sonnabend durch die plötzlich erfolgte Betriebseinstellung de» in der Nähe der Stadt Witten gelegenen Walzwerkes befchästi- gungSlo» geworden. Die Schließung des Werk-S hängt mit der allgemeinen großen Geschäftsstille zusammen, die trotz aller Schutzzölle blei«n auf dem Jndustriebezirt lastet. Die brod- lo» gewordenen Arbeit« sehen einer trüben Zukunft entgegen, nur die wenigsten haben sofort wieder Arbeit gefunden, der weitaus größte Theil befindet fich ohne Arbeit und ohne KönigShütte wird der„Schief. VolkSztg." ge- schrieben:„Die Lohnsätze werden hier immer mehr reduzirt. So auch an der letzten Löhnung, bei welcher auf einer Grub« Arbeitem pro Schicht 20—40 Pf. gekürzt wurden. Ein Ar- beiter machte tn seinem Zorn hierüber dem Oberdeamten gegen- üb« die«eutzerung:„Laffen Sie mich mindestens soviel ver- dienen, daß ich mir einen R-volv« anschaffen kann. Dann führe ich meine Angehöriger aufö Feto und erschieße einen nach dem anderen und».-.letzt mich. Wir können nicht mebr von diesem Verdienst leben." Das find traurige Zustände I" Der Streik der Zuschneider in der Kartonfabrik von Ed. Jalobsohn ist bereits deendet und zwar zu Gunsten d« �Ittuch die Berliner Stellmachergeselle« drohen, nach der„Voss. Zig.", am 1. Mai die Arbeit nirderzuleaen, wenn der von ihnen aufgestellte Lobntarif von den M'istern nicht angenommen werden sollte. Die Elnzelhetten der Ausführung des Streiks sollen in der für nächsten Mittwoch anberaumten Versammlung festgestellt werden: am Tage zuv n findet ein Kongreß sämmtlicher deutschen Stellmachergesellen statt, auf dem Vereinbarungen getroffen werden sollen, damit der Berliner Streik nicht von anderen Orten au» beeinträchtigt wird. Zu ein« wirklichen Arbeitseinstellung wird ei schwer- lich kommen, da, wie der Referent hervorhob, die Meister der Lohnbewegung der Stellmackergesellen wohlwollen, weil auch fie unter den gedrückten Preisen zu leiden hätten. Auch solle der erhöhte Lohntarif zunächst nur den Meist«» und nicht auch den Fabrikanten gegenüber zur Durchführung gebracht werden, um die Bewegung zu«leichtern. In Amerika herrscht dieselbe chronische KrifiS, wie im alten ErdtheUe. Nach dem Jahresbericht de» Kommisfion«? Wright vom Washington« Bund-sbureau für Arbeiterstatistik feierten im Jahre 1885 7'/, pCt. sämmtlicher industriellen Etablissements, und in Folge dessen waren eine Million Arbeiter arbeitslos. Eine Million„Vagabunden", d. h. zehnmalhunderttausend ehrliche, fleißige Menschen, die, durch die zerrschende anarchische Produktionsweise arbeitslos geworden, dem Hunger und Elend preisgegeben werden. Die stetig fort» schreitende Maschinentechnik macht immer mehr„Hände" üb«» lüsfig; die Maschinenkrast repräsenttrt 3'/» Millionen Pferde» kläfte, leistet also soviel Arbeit, wie 21 Millionen Arbeit«! Vereine mh Uersamminngen� Die Stuckateure hielten am 16. d. M. in Niest's Salon abermals eine stark besuchte Versammlung ab, in welcher der Vorfitzende der Lohnkommtiston, Herr Hcinvorf, üb« die jüngsten Errungenschaften, sowie üb« die Nothwendigkett der strengsten Ueberwachung de» Tarifs referirte. Der Redner entwickelte im Allgemeinen den V«lauf der ganzen Bewegung, welche wohl al» must«giltia bezeichnet werden kann, indem dieselbe eine Organisation herbeigeführt, wie fie nicht besser gewünscht werden kann. Drei Punkte wären eS, welche in erster Linie als große Errungenschaft zu bezeichnen find, und zwar: Die Beseitigung deS Rüstungbaue», die Abschaffung der Akkord- arbeit in den Werkstätten sowie die Beseitigung aller„Umsonst- arbeiten". Datz die Akkordarbeit nicht auch bei den Bauarbeitem abgeschafft weiden konnte, hatte man bei der Aufstellung deS Tarifs nicht für unmöglich, wohl aber für verfrüht gehalten und bis zum nächsten Jahre verschoben. Wenn nun durch die jetzige Organisation auch Große« erreicht worden ist, so müsse poch auch berücksichtigt werden, daß die jetzt so günstige Kon- junktur eine sehr große Rolle dabei gespielt habe. ES sei daher nothwendig, auch eine ungünstige Zeit mit in Betracht zu ziehen, wo die Arbeit«, wenn fie nicht fest zusammenstehen, und durch einen Unterstützungsfonds für ev. Fälle geschützt find, sehr leicht daS Errungene wieder verlieren könnten. Dringend ge- boten sei eSidaher, diesen FondS beizubehalten und die Lohnkom- misfion zur Ueberwachung deS Tarifs weit« bestehen zu laffm. Der Schriftführer ergänzte diese Ausführungen insofern, als er auch speziell die Mtnimallöhne in Betracht zog und hervorhob, datz ein Gieß« nicht unter 24 Mark, ein Form« nicht unter 27 und ein Modell-Zusammensteller und Bauarbeiter nicht unter 30 Mark arbeiten solle. In der hierauf folgenden DiS» kusston wurden verschiedene Verstöße gegen den Tarif von Seiten indifferent« Kollegen zur Sprache gebracht. Alsdann wurde einstimmig beschloffen, 26 Pk. pro Mann und Woche weiter zu zahlen. Nachdem noch ein Antrag,„der Kommisfion 100 Mark Entschädigung für ihre Mühen zu zahlen", von der Kommisfion entschieden zurückgew'efen und derselbe in Folge dessen abgelehnt wurde, schloß der Vorsttzende die Versammlung um 11'/: Uhr. t Sine Bersammlung arbeitsloser Zimmerlente tagte gestern Nachmittag um 31/» Uhr unter Vorfitz des Herrn Seitzt in Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79, um den Inhalt d« von d« Lohnkommiffion vertheilten Fragebogen kennen zu l«nen und die einzelnen Fragen zu beantworten. Herr Seitzt gab eine kurz« Erläuterung. Er erklärte eS sei von der Lohnkommiffion durch diese Fragebogen gewiffermast-n eine Urabstimmung üb« die wichtigsten wlrthschastlichen Fragen durch die Berliner Zimmergesellen aus den Plätzen der Zimm«ergeschäfte veranstaltet worden, damit man ein klare? B ld über die in d« Gesellenschaft vorhandenen Anfichten er- halte. Selbstverständlich müßten auch die arbittslosen Käme» raden um ihre Meinung befragt w«den und deshalb«» suche er(Redner) die Anwesenden, die überreichten Fragebogen nach ihr« Überzeugung auszufüllen.— ES schloß stch hieran eine kleine DiSkusfion, in d« besonders die Gefährlichkeit einer-nächtlichen Ueberstun- denarbett besprochen wurde.— Sodann wieS Herr Seitzt noch darauf hin, datz die heutige Versammlung dedeutend stärk« besucht sein würde, wenn nicht viel arbeitslose Kameraden so arm wären, datz fie nicht einmal ein Gla» Bt« bezahlen könn» im.(Es waren ca. 80 Personen anwesend, etwa der vierte Theil der arbeitslosen Zimmergesellen. Die Lohnkommiffion hatte dafür Sorge getragen, daß jeder Eintretende mit einer ßMWM tief einschneidenden Verfügung de» Minist«» de» Innern. H«r Seitzt hoffte, datz bei den in d« Anfügung vorhandenen Voraussetzungen nun der Gesetzgeb« auch Ver» anlaffung nehmen würde, die Arbeitgeber zu zwingen, mit den Ardeitern in Verhandlung zu treten. Die Zimmergesellen seien zur Vereinbarung geneigt; nur die Meister träfe die Schuld. wenn eS zu einem Streik käme. Ab« auch in diesem letzten Falle würden die Gesellen den legalen Weg nicht verlaffen. Man werde in Ru� und Frieden aber�uckTmi" Me gerechten Forderungen durchzuführen fich bemühen. Nachdem noch Herr Nix im gleichen Sinne gesprochen, wurde die V«. sammwng nach 5 Uhr geschloffen. Am Ausgange wurden die ausgefüllten Fragebogen eingesammelt. _.Die Verewigung der deutsche« Schmiede(Mitglied. schaft B«lin) hielt am 17. April eine Versammlung in Grat» weil's Bi«hall«n ab, in welch« der Regierungs. Baumeister Ketzl« einen Vorttaz üb«„Gewinnung des Eisens" hielt. Referent führt« auS, wie die Vttwendung deSEifenS in neuerer Zeit fortwährend an Ausdehnung gewinne. Heute würde da? Eisen zu Zwecken verwendet, von denen unsere Vorfahren keine Ahnung hatten. Trotzdem sei die heutige Lage der Eisenar» bell« keine beneidenSwerthe, da gerade in diesem Geschäfts- zweige«ine Ueberproduktion Platz gegriffen habe, wie in keinem anderen. Sodann legte Redner klar, wie das Eisen aus Er, gewonnen wird, wie diese Erze ab« von ganz verschiedener Güte und verschiedenem Gehatt seien. Die Hauptbestandtheile. Schwefel und PhoSphor, würden«st durch Einbringen in die Hochöfen entfernt. Auch die Konstruktion der Hochöfen«läu- terte der Redner. In Schweden würde imm« noch da» beste Eisen fadrizirt, und zwar in Folg« der Anwendung von Holz- kohle bei der Zubereitung. Nachdem Referent noch die Her- stellung de» Gußeisen» erläutert hatte, schloß er seinen int«- effanten Vortrag unter großem Beifall der Anwesenden. Der Bevollmächtigte Hen MattheS forderte hierauf die Mitglieder auf, fich thatkräfltg an der Agitation für die Vereinigung zu betheiligen, um alle Kollegen an die Organisation heranzu- ziehen. Die Kollegen anderer Otte seien in dieser Hinficht viel weit«; kleinere Städte hätten theilweise mehr Mitglieder al? B«lin. Der Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher hielt am 19. v. Mts. in Weick'S Lokal, Al-xanberstc. 31,«nt Versammlung ab, in welch« zunächst d« Kalftr« Hen Papke den Kafimbtticht vom letzten Quartal erstattete. Dem Kasstr« wurde Deckarge ertheilt. Zum zweiten Gestand der Tage»« ordnung: D« Streik der Schuhmacher in Frankfurt a.O., be- merkte Herr Papke, datz dieser Streik mit einem Siege der dortigen Kollegen endigen w«de, da die Arbeitgeber tn Franl- furt selbst nur von der Hand in den Mund lebten und an einen Ersatz der Atbeiiskrätte nicht zu denken sei, trotzdem die dortigen Gewerkvereinl« Tag und Nacht arbeiten, und dadurch im Bunde mit d« Innung ihre ArbeitSgenoffm schädigen. Die elende Lage der Schuhmacher in Frankfurt schilderte ein von dort zugereister Kollege in drastischer Weise. Etnm Sonn- tag giebt et demnach für die Schuhmachergebilfen dort garnicht. Montags lommen die Meister mit den die Woche über fertig« gestellten Waaren nach der Berliner Schuhmacherbörse, dann wird am Dienstag der Lohn ausgezahlt und am Mittwoch be« kommen die Arbeiter eist frischen Zuschnitt. Um dann noch etwas zu verdimen, müssen fie Tag und Nacht arbeiten. Die Nacht vom Sonntag zum Montag wird oft durchgearbeitet. Die nächste Versammlung findet am 3. Mai statt. Am zweiten Fei' rtag machen die Mitglieder des Vereins einet Fußvartie und versammeln fich Morgens 8 Uhr im Lokale von We ck. Die Nachzügler können stck Nachmittags in Treptow im Eich' Freunde des Vereins können daum'schen Restaurant einfinden an der Partie tbeilnehmen........ Kottbus, 20. April. Am Montag, den 19. April, fand hier eine von 140 Tischlergesellen besuchte Versammlung statt. Die Tischlermeister, wtlche durch 2 Inserate im hiestgen An zeiger eingeladen waren, hielten am Tage zuvor eine Versamm lung ab, und hatten besckloffen, die Gesellenversammlung nicht zu besuchen. Zweck der Ansammlung war, mit den Meistern zu besuchen. Zweck der Ansammlung war, mrr ven wceinern zu verhandeln, um die Lage der Gesellen etwa? aufzubeffern und die jetzt planlose ArbertszeU in normale Grenzen zu leiten. Die Gesellen verlangen eine Arbeitszeit von täglich 11 Stunden und einen Minimallobn von 20 Pf. pro Stunde. Außer' dem empfehlen fie die Benutzung deS von dem Fachverein ge- gründeten Arbeitsnachweises. Ferner sollte in der Versamm- lung mit den Meistern darüber verhandelt werden, daß Maß- regelungen gegen MMieder deS Fachvereins unterbleiben sollen. Da nun die Meister in der Versammlung nicht er- schienen, haben die Gesellen eine Kommisston gewählt, welche mit den Arbeitgebern vei handeln soll. Dann wurde eine Resolution angenommen, durch welche fich die Anwesenden vervflichten, ihre gewiß sehr bescheidme Forderung event. durch einen Streik zur Anerkennung zu bringen. Jetzt ist aber die Hätz gegen �den Fachverein entfeffelt, verschiedene Meister droben, alle Gesellen, welche dem Fachverein angehören, zu entlaffen. Die größte, früher gute, jetzt schlechteste Werlstätte scheint hierbei an der Spitze zu marschiren, denn die dort en Gesellen haben den Bescheid erhalten, wenn fie mtt ihren Arbeiten ferttg find, Die Kommisston bittet die Kollegen sollen fie alle aufhören. allerwärtS, den Zuzug nach hier fern zu halten. ES ist Gefahr vorhanden, daß es zur allgemeinen Arbeitseinstellung kommt. Für die Kommisfion: G. Lange."" m Spremberg, 21. April. Dal R. Berndt. das Bestreden, fich zu ver- einigen immer mehr in unseren Arbeiterkreisen zum Durchbruch kommt, deweist, daß fich hierorts Jn kurzer Zell die Bauhand- werter, Tischler mit verwandten Berufsgenofsen und Arbeiter und Arbeiterinnen der Textildranche fachvereinlich organifirt haben. Dienstag, den 20. d. M., Abends 9V. Uhr, hielt im Saale des alten SchützenhauseS der Fachverein der deutschen Manufaktmardetter und-Arbeiterinnen seine erste Mitglieder- Versammlung ab, mit der Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes und der drei Revisoren. 2. Wahl eine« Delegirten zur Beschickung de« am 25., 26. und 27. d. M. stattfindenden Kongresses der deutschen Manu'atturarbeiter und.Arbeiter, nnen zu Gera und Anträge zu demselben. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. Die Tagesordnung wurde nun wie folgt erledigt.- Punkt eins: Es wurden die Herren Christian Buder, Tuchmacher, als Vorfitzender, Rudolf Schiemenz, Tuchmacher, alS Kasstrer, August Scholtta, Spinner, als Leifitzer, und die Herren Ernst Kramer, Spinner, Karl Sckneiver und Otto Tittel, Tuchmacher, als Revisoren ge- wählt. Bei Punkt zwei sprach man zunächst über die Noi von einigen besser fituirtm Arbeitern dem Verein vorgestreckt wurden, schritt man zur Wahl und wurde d«r Kasfirer Rudolf Schirmen» alS Delegtrter der Mitgliedschaft Spremberg ge- wählt. Da die Zell, wo Anträge zum«mgr� eingebracht werden konnten, schon verstrichm war, also die Mitglredschast Spremberg überhaupt nicht mehr eigene Anträge stellen konnte, wurde dem Delegirten kein gebundenes Mandat übertragen, sonder« wurde demselben daS Vertrauen entgegengebracht, nach ""' zu dürfen. Es wurden einige neue eigenem Ermessen handeln----------.-— Mitglieder aufgenommen, so daß die Mitgliedschaft Hierort« ca. 200 Mitglieder zäblt.. �™ Berei« zur Pflege freireligiöse« Lebe«». Am ersten Osterfeiertage, Vormtctag« 10 Uhr, Nieder crallstr. 20, im unteren Saale: Vortrag des Herrn Schade. Zutritt steht Jedem frei. * Rauchklub„Uuikum", jeden Freitag Abend 8 Uhr Adalbertftr. 4. ♦ Nerew zur Wahrung der materielle« Juteresse« der Fabrik«««d Haudarbeiter. Sonntag, den 25. d. M, Herren- Fußpartte. Trefipunft Wrangeistr. 136 bei Reimann. Abmarsch ftüh präzise 7 Ubr. Gäste find gern gesehen. * Berel« der Taube« freunde jeden Sonnabend, Abends 8'/, Uhr. im Restaurant«leemann. Laufitzerstr. 41. Gesang-Veretae. Sonnabend Abend.„Harmonia" Alte Ialobftr. 33, Restaurant Schuhmann.—„Sängerlust" Pallisädenstr. 9 im Restaurant.— Der Gesangverein„Lyra" veranstaltet i veranstaltet am zweiten Osterfeiertage in der Berliner Ressource, Kommandantenstr. 57. ein Vokal- und Instrumental Konzert. verbunden mtt humoristisch-theatralischm Ausführungen. Anfang 6 Uhr AbendS. Nach dem Konzert Tanzkränichen. BilletS bei den VereinSmitgliedern und in den mtt Plakaten belegtm Handlungen. * Der Fachverein der Schneider veranstaltet am dritten Osterfeiertage zum Besten seiner Bibliothek im Deutschen Ver- Dorotheas"Liederspiel in 1 Äft. Anfang der Vörstellung um 7 Uhr. deS Tanze« um 10% Uhr. Der �G arten jß von 4 Ubr an geössnet.-—«--- (Herberge) ringersti. 5., ,j.----, straße 26; Zilm, Waldemarstr. 19; Staeger,«rausenstr. 18 und in den mit Plakaten delegten Handlungen.(Siehe Inserat am 1 Feiertag). • Berei« zu« Währung der Juteresse« der Klavier« arbeiter. Versammlung am Eonnabend, den 24. April, AdenvS 8'/, Uhr, in GratweilS Bterhallen, Kommandantenstc. 77—79,(unterer Saal). 1. Vortrag de« Herrn W. Lieständer 2. VereinS-An- Die haben, »falls die Säumigen nam« : der Vorstand an die Bogen so schnell als möglich'zurücksenden zu wollen. I« der freireligiöse« Semeiude werden die FestvortrSge "'Ihr, Rosen, halerstr. 38, von Herrn Schafer am Vorm. 10 Uhr, ersten und von Herrn Kand. Bursche am, wetten Feiertage ge- Zutritt steht Jedem stet. Große Eckneider- Bersammluvg am Dienstag, der, 7. April cr.(3. Feiertag), Vormittag« 10 Ubr in Leitmann's Salon, Brunnenstr. 9(oberer Saal). TageS-Ordnung: 1. Die Roth wendigkeit der Alter»« und Invaliden- Versorgung der Arbeiter. Referent Herr Kleinecke. 2. Die vttuation in der Gewert�aftsbewegun�. ben 24. d. M, Abends 8V» Uhr, Kottbuserstr. 4a, Versammlung. Die Mitglieder werden ersucht, dehufS Abgabe ihrer Adressen recht zahlreich zu erscheinen. BilletS zu dem am ersten Osterfeiertage in Keller'S Hosjäger in der Hasenhaide, AbendS 7 Uhr vom Verein veranstalteten Konzerte find in der Versammlung zu baden. Gauverei« Berliner Bildhauer. Am dritten Oster- fetertage Herrenpartie nach Ertner und dm Rüderidorfer Kalkbergen. Abfahrt vom Echlestschen Bahnhofe stüh um 7 Uhr. * Zeutral-Krauke«- und Sterbekasse der Töpfer und BeruiSjjenossm Deutschlands(eingeschriebene Hilfskasse Nr. 39) Freitag Vormittag 10 Uhr Grenadst straße 33 bei Eeefeld Mitgltederversammlun g. Tagesordnung: 1. Vorlage der Jahresabrechnung und der neuen Statuten. 2. Verschredenes. Im Verein für Reform der Schule und Erziehung hält am zweiten Osterfeiertage, Vormttcaas 10 Uhr, in der Victoria. Brauerei, Lützowerstr. 112, Herr Schäfer einen öffent- l'chen Vortrag über die Frage: Was fehlt dem Volke? woran fich event. eine Besprechung knüpfen wird. Zutritt hadm nur Herren. DaS Rauchm ist nicht gestattet. * Oeffmtltche Bersammlmig der Schmiedemeister und Geselle» Montag, den 26. Aprtl, Vormittags 10 Uhr, in Mündt'« Salon, Köpenickerftr. 100. Tagesordnung: 1. Di« jetzige Lage unseres Gewerve«. Referent: Herr Stadtv. Mitan. 2. Die Regelung der SonntagSarbeit. 3. Verschiedenes.(Näheres stehe Inserat am Sonntag.) Frau Floreutiue Cantiu» ersucht uns, zu konstatirm, daß die Frauenversammlung, die nach dem Lokal von Silber, Schwedterstr. 23, einberufm war, nicht wegen zu schwachen Besuches ausfiel, sondern weil die Wirthin im letzten Augen« blrck die Hergabe des Lokals— angeblich wegen eineS einge- tret nen Krankheitsfalles— verweigerte. Der Andrang war im Gegentheil ein sehr reger und ließ auf eine gut besuchte Versammlung schließen. ES ist bedauerlich, daß derartige un« richtige Mittheilungen immer wieder in die Presse lanzirt werden. Ketzte Nachrichten. Der ehemalige Vizeköntg von Irland, Spencer, hielt auf einem Meeting in New Castle eine Rede, in welcher er nach- drücklich für die Politik Gladstone's bezüglich Irlands eintrat und erklärte, das einzige Mittel, den Frieden wieder herzu- stellen, sei, eine Versöhnungspolitik zu akzrptirm und Zwang«- maßregeln ganz fallen zu lassen. Er sei überzmgt, daß die Deputirten Irlands in keiner Weise für die schiwxflichen Ver< brechm in Irland verantwortlich gemacht weiden könnten, und er glaube, die Deputirten deS irischen Parlaments würden ihre Pflichten treu erfüllen.— Chamberlain erklärte fich in Biv mtngham entschieden gegen die Landankaufsbill, hob aber hervor, daß seine Opposttion gegen die irische Ver- waltunqsbill nur eine dedingte sei. Wmn die Regierung fich dazu verstehe, die Amendements anzunehmen, denen zufolge irische Vertreter dem englischm Parlament angehören müssen und für die Provinz Ulster eine besondere Versammlung zuzu- lassen sei, so werde er erfreut sein, die Bill unterstützen zu können, andernfalls wilde er fie offen bekämpfen Bei der Neuwahl eine« Deputirten an Stelle deS verstor« benen Förster wurde in Bradford Lefevre(liberal) mtt 4407 Stimmen gewählt; der konservative Gegenkandidat Hoare erhielt 3627 Stimmen. Wie eS heißt, so wird von gestern Abend aus London gemeldet, stände die Absendung einer Note der Mächte an die griechische Regierung unmittelbar bevor, in welcher gefordert wird, daß Griechenland fich nunmehr innerhalb einer destimmten Frist den Wünschen Eurcpas füge. Der„Voss. Ztg." meldet man auS Lübeck, 21. Aprll: AuS Anlaß der Arbeitseinstellung der Hafenarbeiter ist ei hier zu Ausschreitungen gekommen. Einige der aus Rostock von den Stauerbaasen verschriebenen Arbetter, die, trotzdem ihnen von den hiestgen»rdeitern daS Reisegeld nach ihrer Heimath an- ~' so geboten worden war, die Arbeit fortsetzten, wurden von ein- zelnen Streikenden arg drangsaltrt, u. a. auch mtt Steinen ge- warfen.__ Versteinerte» Holz, schreibt der„Anzeiger des Westens", nimmt eine so feine Politur an wie Marmor und wird an der Pacific Küste vielfach zu Arbeiten verwendet, die gewöhnlich auS Marmor, Majolika und dergleichen hergestellt werden. DaS Material wird zumeist aus den versteinerten Wälvem von Arizona und Wyoming, sowie aus den FelSgebirgen entlang der Linie der Atlantic- und Pacificbahn bezogen. Geologen bedauern die Zerstörung so interessanter Uedenefte einer ver- sunkenen Well und fordern, daß Schritte ergriffen werden, um wenigstens einige Strecken jener versteinerten Wälder in ihrem jetzigen Zustande zu erhalten. Im Gefäugntß verhungert. Von Algier wird ge- meldet, daß ein wegen Trunkenheit in'« Gefängniß gesetzter Soldat deS 2. leichten afrikanischen Bataillons in seiner Zelle verhungert ist. Man hat acht Tage lang vergessen, ihm seine Nahrung zu bringm. Der«eue Hut. Baronin Marie Learand, eine junge Pariser Modedame, hatte bei einer Modistin ein Hutmodell um den Preis von 300 Franks erstanden und die Bedingung 'kauft beigefügt, daß Kopien erst nach dm Osterfeiertage« verk werdm dürfen. Gelegmtlich einer Wagm Promenade im BotS de Boulogne sah Baronin Legrand zu ihrem namenlosen Schmerze drei Damm, welche die getreuen Kopim ihres HuteS Mercier den Händm der Wüthenden entrissen und gar bald trat es zu Tage, daß die Modistin eigentlich schuldlos war, da nicht fie, sondern der Zeichner und„Erfinder" deS Modells dasselbe heimlich auch anderen Firmen überlassen hatte. Ba- ronin Legrand hat Mme. Mercier, datr.tt diese von einer gericht- lichen Klage abstehe, eine große Entschädigungssumme, man spricht von 12000 Frank«, gezahlt. Kleine Mittheilungen. Warmbrunn bei Htrschburg, 18. April.(Mord oder Selbstmord.) Unsere Gegend soll auS der Aufregung nicht herauSkommm. Noch erzählt man fich die Einzelheiten der KaiserSwaldauer Mordthat, wo der Schwiegersohn seinem ahnungslos im Bette liegenden Schwiegervater mehrere tövt- liche Kugeln in den Kopf jagte, und schon wieder dringt die Kunde von einer Blutthat zu uni, die fich möglicherweise eben- falls als Mord herausstellen dürfte. Gestern Vormittag wurde der Heizer Müller, welcher in der R. Liedl'schm Holzspiel- waaren-Fadrik hierseldst seit 2 Jahren beschäftigt ist, im Ma> schinmraum, aus vielen Wunden blutend, in den letztm Zügen aufgefunden. Ueber den Vorfall selbst wird un» folgendes mttgethellt: Bald nach 10 Uhr ertönte auS dem Maschinenraum ein durchdringmder Hilfeschrei. Ali fich darauf der Ma- schinenführer schleunigst in jenen Raum begab, fand er den Heizer, der zur Z ordneten Verhälmiffen und war als fleißiger und ruW> j beiter bekannt. Er h'nterläßt eine Frau mtt 4 KindertJ� Eine starke Eeschüneruug erfolgte, wie die Zeitung" meldet, in der Nacht zum Donnerstag gegen l'' in der Atzendorterstraße zu Staßfurt, im StartW! Staßfurt, wo bither noch nichts von E.dsenkung'N d» wurde. Zwei Wohnhäuser haben so gelitten, daß w! laffen weiden müssen. Auch der Erdboden hat nicht tende Riffe erhalten. Bewohner der Häuser, die bat» Schlafe lagen, glaubten, eS sei Feuer ausgebrochen, f, daS plötzliche, unheimliche Geknatter verursache. Auf«j nung der Polizei haben die beiden Häuser geräumt � müssen. Einige Familien find vorläufig in Schulzimnre»' tergebracht. Esse«, 21. April.(Unschuldig verurtheilt.) Vor«J* halb Jahren wurde vom hiestgen Schwurgerichte ein Ba? wegen Verbrechens wider das Leben zu sechs Jahren Zul? verurtheilt. Dieser Tage wurde derselbe in Freiheit? weil seine Unschuld nachgewiesen worden ist. München, 19. April. Gestern Abend wurde% Frohnvefte ein Gefängnißwärtergehilfe, als er eine Zelle» von den drei Insassen derselben überfallen und niederges» worauf dieselben zu entfliehen suchten. Einer, Namen«» «scheint ich in'» Hau« i 4 Mark. Für di, von dort aus über die Dächer der nahestehenden 'die Bozmhausener R zweite, NamenS Htm, der in ossäre verwickelt ist, wurde gefaßt» alS er dem Spin» daS Kunststück nachmachen wollte. Der Dritte endlich» einem Kamin versteckt vv'gefunden. München, 20. April. Gegen die Zioilliste find i< der„Voss. Ztg." geschrieben wird, fünf Klagen anhäni' die noch in nächster AuSficht standen und von denen auf einen Betrag von 35000 M. lautete, sollen worden sein, weil in einem Falle der Gläubiger st Wechselverfahren Exekution zu befürchten hatte, wäb anderen der Gläubiger noch zu warten erklärt hat. eins'' verl stattfindet. Am 8. Mai werben die Klagen.„c» EchneeganS auf 1700, deS Tapezier« Kronenbttter auf? die Klage der Firma Wächter und Mörstadt auf 176™ laut Terminsbestimmung zur Verhandlung lommUL 12. Mai ist Termin anberaumt für die Forderung de« 6», meisterS Mmadelli für ca. 150000 M. und einer% Münchener Firma für 68000 M Für die„beklagte � »Kr, xj*% ZeitungSspe «ntgegengen Für° für die Mo 67 Pfg. en Den Nl „gelaufenen Klagen werden drei am 3. und zwei am& erschienene rhandelt werden, wenn überhaupt eine Verhandle rttfindet. Am 8. Mai werben die Klagen: deS Echiif? gratis nach Mllnchener Firma für BöUüO M. Für die„beklagte v{ ist Anwalt o. Fischer bestellt, welcher fast bei allen reden über Höhe, Fälligkett»c. vordringen soll' namens dir Ansatz für schrtitstellertsche Arbeiten von Lchneega�i destritten werden. Diese letztere Klage wird in Zm verhandelt werden, weil dieselbe den geringsten repräsentirt. Nach dem formellen Gang dieser Klage fich dann die übrigen Vertreter der Klagevarteien richte Lemberg. 20. April. Ueber den großen Brand in! liegen heute Nachrichten vor, die ein ergreifende« dem Elend bieten, daS über die unglückliche Stadt bei krochen. Die langen Häuserzeilen brannten gleich Fack« zählt ein Augenzeuge. Fortwährend werden verkohlte Im v liner Mau Blätter» g hauptung i Arbeit�rsta au« den Trümmein" hervörgeschafft: erfind' zumeist die' Bolttild verbrannter Kinder. Die einstürzenden Mauern de«' 0 r«nJ� alleiwäctS die Paffanten. Ueber 3000 Abgebrannte%_. Stadt verlassen. Die Leute kämpften im Freien; die Z« 0' lichen hungern und fricren. Wenn nicht rasche Hilfe pj«ormirie 9 wird, droht der Hungertyphus. Nachmittag« stürzte dst A heiter hing de« Kaufmanns Lechtcki ein � wobei drei Personen demokratlsc wurden. Ein schauerliches Detail ist daS folgendes> heiterschub auf der Flucht bereis H merksam a schafte» ni Mädchen, Schwestern, waren den Stadtpark Oltzyno gekommen, wo ste sich flst, laut jammemd in den Stadtpark, wo ihnen die Kleiv�. Hufe lerste Leide gerissen wurden. Die eine wurde vor Schrecke», i Da n finnig und rannte nackt in dft Stadt zurück, w»"»m Reichst Tod fand.. i den Sesfio Montreal(Kanada), 18. April. Die Stadt ist»%| de« echter artigen Uedei schwemmungen heimgesucht worden, wie'ju noch nicht vorgekommen find. nein" Der Schaden wird detf V »bis 6 Millionen ■■ Mensche" Reuter zufolge verschieden auf 3 anschlagt. Man besürchtet auch, daß viele kommen find._ Kriefkaste« der Kedaktto«.. Abonnent Gttschiverftr. 1. Ein uneheliches nur dann ein Eidrecht gegen den Erzeuger, wenn dWl'V selbe in einer öffmilichen Urkunde, z. B. notariell oder« Hef» hmf nhf y mr£)In lich, anerkannt hat oder zur Anerkennung der Vatersch"� urtheilt ist. Das Erbrecht setzt ferner voraus, daß der � weder eheliche Kinder, noch ein Testament hinterläßt, Ä VormundschaftSgericht kann auch den Erzeuger deS Vormund bestellen, wird dies aber wegen der widertt». wegen Interessen nur ausnahmsweise thun. Wenn der unehelichen Mutter noch lebt, so ist er gesetzlicher P. G. Ein LandeSgesetz, wonach am ersten Cßj daS Mufikmachen auf der Sftaße verboten ist, e#' ES find hierfür von den einzelnen OrtspolizeidehörveN liche Bestimmungen getroffen. Also erkundigen Sie der dortigen Polizei, ob dieselbe es gestattet, daß' Turnfreunde mit Musik einHolm. Ihre zweite Frol? warten wir nächstens.... M L.( K l a u k e.) Eft müssen an daS h%, gertchl l, Zivilkammer 13, daS Gesuch richten, 9%, Heftalh mit der Betreffenden zu gestattm. Das La � berichtet dann an dm Justizminister und dieser triff' z scheidung. Gewöhnlich wird die Veiheirathung frtwffJ? Ve« laus eineS Jahres seit Rechtskraft deS EhefcheidunS. gestatiet.\ H I R. Wenden Sie fich mit einer gäbe an vas Polizei- Präfidium und beantragen �• lheilung eines Gewerbe- und Legttimationsscheins- sttmmung des Vormundes dedarf es nicht. L,,ksi> F. M. 1) Sie können dm ehrenwerthen Rückzahlung der 6 M. beim AmtSgertcht verklagen. ist»tn Mineral, welches wefmtlich nur aus Kohlenff � jedoch meist mit etwaS Eisen gemmgt und oft Stoffe verunreinigt ist. A T. O. 1. Wenn in Ihrem Kontrast das der Wohnung nicht verboten ist(in den bekannt-?, schen Formularen ist ein solches Verbot nicht laffen Sie Ihre Frau weiter plätten und den J schimpfen. Er kann Sie daraufhin nicht exmittireN�i� 1500. Erkundigen Sie fich bei einem" (Gärtner ic.) E., Brandenburg. Brief und Brftfmarken Ber-nuvoMfttza«eoattau-«. T»«»tz»t« t» und Vertag ov« M«»,B«di»» i«»«rttn uw, Bnttoftratz« 2.