mwV Ke 99 ist««. 60111 ng' A Donnerstag, den 29. April 188k. m. Jahrg. MlBcrMsDHil Brgan für die Interessr» der Arbriler. 4 Da« e» l i a e» Ivolksblatt" dt« �. tgn* iftotaent aujei nach Sonn« und JVfttageJt.>bonne«tnttprei» für Berlin frei die in I cnn* �erteljährüch t Marl, monatttch 1,36 Marl, Wöchentlich 86 Pf. Postadonnemmt et tWfS ♦ Wi'-T ünieint Summst 5 Pf. Gonntagi-Nurnm«» mit illufirirter Beilage 10 W. en am*'»•nafttaas« w der Pn?«?ituag«v i#H8* für 1#8Q unter St. 769.) »fertiousgebühr ttt die 4 aespattete PstitzcUe oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarU 10 Bei größeren Aufträgm hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Räch in der ..:ion# Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce»« lureaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. Keaadtio«: Keuthvratze A.— Gvp-ditton: Jimmerstraste 44. »il Ä Abonnement*- Emkaäung. Für die Monate Mai und Juni eröffnen wir«in neues Adonne nent auf daS „Kerliner#* t k* b 1 n**" mit der Gratisbeilage „Kllaftrirtes Konutagsblatt". Frei inS tzauS lostet daffelb« 1 Mark 35 Pf. pro Monat, 65 Ptg. pro Woche. Bestellungen werden von jamrntltchen ZettungSfpediteuren, jowte von der Expedition, Zirnmerstr. 44, ent teae aftenommen. '� außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements W die Monate Mai und Juni gegen Zahlung von 2 Mark 07 P'g. entgegen. Den neu hinzutretenden Abonnenten wird der bis jetzt erschienene Theil des spannenden RomanS Eine Mutter von Friedrich GerstScker gratis nachgeliefert. Expedition de»..Berliner Volksblatt", Berlin 8W., Zimmerstr. 44. |n{ötllmiBfltllung in Dam. Unsere Stellung zu dieser Ausstellung, die im Zahre 1889 stattfindet, ist unserea Lesern bekannt. Wir begrüßen drefelbe mit Freude» und würden auf daS Tiefste im Zn- terrffe des deurfchen Volke« es bedauern, wenn Deutschlaad vo« der Ausstellung fern blieb«. Wir finde« auch kei» Hinderniß der Betherligung der Deurfchen an der Pariser Weltausstellung in der nationalen Ausstellung, welche im Zahre 1888 in Berlin stattfinde« soll. Im Gegentheil, man kann diese Ausstellung als ein glänzendes Vo> spiel, als eine Vorprobe betrachten. Und wir sind keinen Augenblick im Zweifel, daß diese Probe trefflich ausfallen wird, da die deutsche Industrie, der deutsche Gewerbeflerß, die deutsche Kunst trotz der vielen Hindernisse, die sich entgegenthürmten, in de« letzten Jahren qualitativ bedeutend gestiegen sind. Noch weniger aber befürchten wir, daß auf der Pariser Weltausstellung unliebsame nationale oder chauvinistische Zusammenstöße stattfinden werden. Wohl wissen wir, daß eS hüben und drüben an chauvinistische« Narren und Bösewichter» nicht fehlt, aber wir wisse» auch, daß die geringste Regung de« Chau- viviSmu», sollte sie sich auf der Weltausstellung zeige«, vo« der öffentlichen Meinung verurtheilt, vom Volke selbst ohne Rachdruck getdoten.] JeuMeton. Mue Mutter. Roman von Friedrich Gerftäcker. "gif(Fortsetzung) Pfeffer," sagte Rebe etwa« verlegen, -«nr lu L. T klingen eben auch nicht besser. Ich heiße 11,11 m"nem Namen HoratiuS Sc-pio OuintuS." iet 9� htHt 4A*1.-... me*...... m Ä».We „Mein Vater war ein armer Schullehrer,' fuhr Rebe (X\ t ls V, vviuuu»>uuiniU9. .Weit« Mchts?" � a6et rief Pfeffer erstaunt. fort,„der für die Alte« schwärmte— er�ist lange lobt*, «.Slnsb- fügte« leise hinzu,„und ich mochte ihn nicht dadurch»och 5%$« i4m"rt •®.ehr ehrenwerth, Herr HoratiuS Cocle«— Rebe, btft'w nÄ? Ä fagen," brummte Pfeffer,„aber ich glaube, Sie &Ü& e**** lobten Papa noch viel mehr damit gekränkt, d... u°ter die Komödianten gegange« oder, wenn Ihne» ffn. kt.f" besser gefällt, Mime geworden sind. Keine»« KT, Turen Sie zu studire» gebraucht, um ei« schlechter Schauspieler zu werden." „Aber ich hoffe ein guter zu werde«, Herr Pfiffer.' � �en wir wieder die Hoffnung, und indessen be« l$"itgen Ste sich mrt Hinaustragen vo« Stühlen und Ab« tfici1 Lj keiern von klerve» Rolle» I" »Well ich keine größere» bekomme« kann!" rief Rebe. J üinf T011 � Direktor auch nur dazu zu bewegen, mir ein» SÄ! Z. i?" versuch zu gestatten? Erlaubt er mir den« nur '"u zeigen, wa« ich wnklich kann? Ach. Lp,? jf, YnhL n• �ett Pk' ff"' wen» Sie e» nur ein einzige» Mal f Vj,°°h'n bnngen könnien. daß ich.. Hftü-ÄS«. t»Reiben Sie mir vom Leibe,' rief Pfeffer rasch:„ich t% l* wit der ganze» Schmiere nichts zu thua I Ich spiele viel Federlesen« und geräuschlos unterdrückt werden würde. Und weil die Chauvinisten hüben und drüben wisse», daß ste ihre Schwäche verrathen und fich der Lächerlichkeit preis geben würde», deshalb werden sie auch selbst jede öffent» liche Regung des Chauvinismus im Kerme ersticke«. Also nach dieser Richtung ist durchaus nicht» zu be« fürchte«. Diejenigen Deutschen aber, welche auf der große« Pariser Weltausstellung den hundertsten Jahrestag der großen französischen Revolution nicht feiern mögen, können sich von der osfizüllen Feier fern halte», aber e« muß schon ein krebSrother Stockreaktionär sein, der die großen Errungenschaften der französischen Revolution, besonders in Bezug auf Kunst, Industrie und Wissenschaft nicht anerkennen wollte. Jeder gebildete Deutsche kennt den soziale« Segen, de« auch und gerade für unser Vater« land jene Bewegung im Nachbarlande vor 100 Jahre« gebracht hat.——— Da« Kommissionsmitglied Jule» Roche erklärte in der französischen Kammer, nachdem er den der Ausstellung zustim« Menden Bericht verlesen hatte,«och folgende«: „Ihre Kommisston macht einmüthig alle patriotisch ge« finnte» Franzose», die aufgeklärte« Männer aller Nationen auf die Größe und Bedeutung der Weltausstellung von 1889 aufmerksam, welche die würdige Eäkularfeier der französischen Revolution sein soll. Sie muß nicht nur die sehenSwertheste« Erzeugnisse zur Schau stellen; sie muß vor allem ein weite« und herrliche« Bild de» verflossenen Jahrhundert«, der während diese» Zeittaume» in der befreite» und rehabilstirte» Arbeit vollzogene« Wand- lunge», der Siege der Wissenschaft über die Natur sei«, welche vo» Tag zu Tag den Bedürfnisse» de« Menschen, de» sie so lange gebleterisch unterjochte, mehr dienstbar gemacht wird. Vo» den Sorgen und auch vo» den Zämmerlichkeite« de« polttische» Leben« in Anspruch genommen, vergesse» wir allzu sehr, daß der soziale Fortschritt nicht nur den Verfassungen und Gesetze», sonder»«och mehr de« An- strenguagen der Wissenschaft, de» großen und immer wohl- thäiigen Befreiern entspringt. Die Weltausstellung von 1889 muß vor Aller Augen dieses Dogma der neuen Welt, welches sich auf die Vernunft und die Gerechtigkeit stützt, stählend leuchten lassen."— Nu», fwer mag gerade vom Standpunkte der heutigen, herrschenden Gesellschaft aus diese» Aeußerunge« entgegentreten? Vo» alle« Mitglieder» des Deutsche« Reichstage» wüßte» wir am Ende nur drei: Die Herren Ackermann, Kleist- Rctzow und Stöcker— die unduldsame» Urreaktionäre! Und wie fern von Chauvinismus, vo» Völkerhaß und Nationalitätsdünkel halte» sich obige Worte des fran« zösischen Kammerdeputirte«. Also auf, nach Pari»! meine Rollen ab, und damit Basta— wen» Ihnen eine von denen zusagen sollte, mit dem größte» Vergnüge«— in da» andere mische ich mich nicht. So viel sage ich Ihnen aber:— hier—»en« Sie wirklich Talent hätte«— komme» Sie zu nicht«; Handor spielt Alle«, also eine Au«- sieht bleibt Ihne« nicht, und deshalb bitte ich Sie jetzt sehr ernstlich, daß Sie dem arme» Mädchen, dem Jettche«, keine« weiteren Spanen in de» Kopf setzen!" „Aber, best« Hen Pfeffer!' „Ich glaube, Sie habe» mich verstanden?" „Vollkommen!" „Schön, dann brauche» wir auch weiter nicht» darüber zu rede», und ich...' Er wurde hier unterbrochen, den« in dem Moment flog die Thür auf und herein stürzte in größter Eile und mit einem„Allerseitigen Guten Morgen" Fräulein Bassini, Pfiffer» älteste Schwester, ebenfall« Mitglied de» hiesige» Stadttheater«— mit einem riesigen Toupet vo» Hochrothen Locken, dabei dekolletirt und sehr phantastisch angezogen. Sie machte auch nicht viel Umstände. „Fürchtegott,' rief sie,„ich habe meine Dose vergesse» und muß in die Probe, borg mir die Deinige." Fräulein Basfini— wie sie mit ihrem Theatername« hieß, da ihr der Name Pfeffer zu prosaisch klang— spielte Charakter- und AvsiandSdamen. Sie war aber„jeder Zoll eine Schauspielerin� und, wenn auch schon im Anfange der Vierziger— wa« sie übrigen« hartnäckig leugnete—, doch noch so lieben«würdig koquet, wie ei« junge« Mädchen vo« fiebenzeh« Jahren. „Schon wieder einmal," sagte Pfeffer, wie e» übrigen» schien, nicht sehr erbaut vo« dem Ueberfall;„merkwürdig, daß Du nie etwa« vo» Deiner Auftakelei vergißt. Frauen- zimmer, wie siehst Du heute Morgen wieder au»— gerad' wie ei« Pfingstochse!' „Du bist und bleibst«in Grobian!" rief Fräulein Balfini, indem sie ohne Weitere» die auf dem Tisch stehende Dose an fich«ahm und«insteckte— was müsse» denn nur andere Leute von Dir denke«.— Guten Morgen, Herr Rebe!' Aber nicht zum blutige« Waffentanze, nicht zur Eatfachung de» Völkerhasses, sondern zum friedlichen, lehrreiche» Wettkampfe auf den Gebiete» der Wissenschaften, der Kunst und der Industrie und zur Verbrüderung der Nationen. Frankreich und Deutschland, die Nachbarländer, bewohnt vo» edlen Völkern, habe» keinerlei Grund, fich zu hassen und zu befehden; ihre wirthschaftlichea Interesse« lause« auseinander, sie baue» verschiedene Produkte der Landwirth- schaft und auch die industrielle« Erzeugnisse forder« nur in wenige» Zweigen eine ernsthafte Konkurrenz heraus, in weit wenigere« Zweigen, al« zum Beispiel sie un« in de» stammverwandten Länder«, in England und Nordamerika, erwächst. Möge« die Nationen auf einer Weltausstellung gegen- seifig sich die schönsten Produkte, die beste» Erzeugnisse ihre» Fleiße», ihrer Geschicklichkett, ihrer Kunst und ihrer Wissen« schast vorführen, um Handel und Wandel mehr zu belebe«, um gegenseitig« Achtung und Liebe zu erringen. Und wenn Deutschland«tnfiitt in diese« schöne« Wettkampf— e« wird in der vorderste« Reihe stehen I Welch' herrliche» Leben wird sich in Paris«ntfalten. Schon hat die Stadt acht Millionen Frank» zur Aul- stellung bewilligt und vier bis fünf Millionen sollen nachfolgen, darunter eine halbe Million al« Zuschuß zu de« Feste» der Arbeitervereine. Aber auch der Staat hat schon seine Zusage gemacht. Eine Garantiegesellschast hat sich gebildet, welche Antheil- scheine von je 500 Franks auSgiebt, für die eine übergroße Anzahl vo» Abnehmern sich finden wird. Die Franzose« wissen, was in solchen Fälle« die Nafionalchre erfordert. So wird in Pari» Alle» wohl vorbereitet zum Empfange der Repräsentanten aller anderen Nationen, der R«präsea- tauten auf dem Gebiete de» Friedens und de« Fortschritt». Möge» sich tüchtige Repräsentanten au« alle« Ländern der Welt einfinden und möge vor allem Deutschland nicht fehle». PoUttsche Ueberstcht. Der Weftsättsche Haudwerkertag z« Münster hat die Feier tage denützt, um reatttonäre Reden ,u halten. Freiherr v. Schorlemer-Alst war so gnädig, daS«ste Referat zu halten und wußte fich und seine Freunde vom Zentrum bei den biederen JnnungSmeistem in daS beste Licht zu stellen.„AIS Ehrenmitglied— meinte er— des allgemeinen bayerischen und deS allgemeinen deutschen Handwerkerbundes, aber auch als aktiver Handwerker bin ich zur Theilnahme an Ihrer Ver. sammlung wohl leaitimirt; habe ich doch als Schreiner sür die groben Klötze, die dem Handwerk in den Weg gelegt find, die paffenden groben Keile fabriziren helfen und bin jetzt al» „Und willst Du nicht einmel zu Deiner Schwester hin- übergehe«? Sie ist nicht recht wohl." „Es hat schon zehn Uhr geschlagen, und ich komme im ersten Akt,' rief Fräulein Bassini, und damit war sie au» der Thür verschwunden. Al» sie dieselbe öffnete, sah Rebe draußen in der Küch« Henriette« stehen. „Also, mein lieber Herr Pfeffer?" „Nun, ich denke, Sie habe» auch Prob«; Sie machen ja wohl eine« von de» Ballgäste«?" „Leider," seufzte der junge Man»,„aber ich komme erst am Schluß de» zweite» AkieS." „War mir sehr angenehm," sagte Pfeffer mit einer Miene, al« ob er ihn eben so lieb wie nicht zur Thür hin- ausgeworfen hätte. Rebe machte eine Verbeugung und verließ da» Zimmer. Wie er die Thür hinter sich zudrückte, traf er vom in der kleinen, Halbdunkeln Küche, die ihr Licht nur durch ei» Thürfenster de« Vorsaale» erhielt, Jettche«. „Mein liebe» Fräulein, ich danke meinem Schicksal, daß ich Ihnen wenigsten» Gute» Morgen sage» kann." „Guten Morgen, Herr Rebe," erwiderte Henriette leise. »Ihre Frau Mutter ist nicht wohl?" „Hoffentlich nur eine Erkältung. „Hoffentlich— und Sie arbeiten so fleißig?' „Ich muß ja wohl." „Sie glauben nicht, wie lang mir der gestrige Tag geworden ist— wie lang mir mein übrige» Leven»rerde« wird.' „Ich verstehe Sie nicht,' sagte Jettche« leise. „Ihr Onkel hat mir mit ziemlich deutliche» Worte« da« Hau« verboten— und ich fühle selber, daß er dabei in seinem Rechte ist. Zürnen Sie mir nicht, mein liebe« Jettche«, wen« ich seinem Befehl gehorche— ich sehe ei», daß e« sei« muß.' Drmnen im Zimmer klingelte e». „Die Mutter verlangt«ach mir," rief da» jung» Mädchen. Schneider dabei, mit Ihnen gemeinschastlich dem Handwerk»u einem warmen und bequemen Rocke zu verhelfen." Darob natürlich große Freude in der Versammlung, die stch noch mehr steigerte, alt der westfälische Edelmann stch für die o b l i g a- torische Innung aussprach.„Die nächste Station, die Sie auf dem Wege von der Ihnen geficherten falulratioen bis zur obligatorischen Innung zu erreichen str- ben müffen, ist die gesetzliche Einführung deS ve fähiaun gSnachweiseS. So haben Sie Schritt vor Schritt bis zum Endziele weiter zu schreiten." Nach Annahme zweier enlsprechenden Anträge forderte man in Münster noch Wander« und LegtttmationSbücher für die Gesellen. Sin Redner detonte aber gleich— und hier zeigt stch deutlich, daß die Meister die Bücher nur wollen, um einen größeren Druck auf die Gesellen ausüben zu können: jedenfalls aber werden die von den Handwerksgesellen zu führenden Arbeits« resp. Wandelbücher ihrem Zwecke nur dann entsprechen, wenn die Meister in denselben nicht nur die Notiz über Zeit deS AnnittS der A-beit und des Ausscheidens auS derselsen, sondern auch ein Urthetl über die sachliche Tüchtigkeit und die r e l i g i S S- s t t t l i ch e Führung der Gesellen zu vermerken haben." Nett« Ausstchten daS für die Gesellen! Hm Schreinnweister Juler(Bends- berg) machte sogar von seiner großen Entdeckung kein Hehl, daß„der Mangel einer ausreichenden ÜegitiwirungSoerpflich. tung das Stromerthum groß ziehe und den Nachwuchs deS Handwerkerstandes der Sozialdemokratie in die Arme führe." Der sehr ehrsame Zünftler scheint also alle« Ernstes zu glauben, man brauche heute nur allen Arbeitern ein LegittmationSbuch in die Hand zu drücken, und alle ArbeitSlofigkeit und Un- zuftiedenheit höre alsdann von morgen ab auf!— Man wird unS nicht vorwerfen können, daß wir, wie eS manchesterliche Blätter thun, die Nothlage deS Handwerkers irgendwie zu ver- fchleiern suchten. Wir haben, öfter alS alle anderm Parteien, welche die Handwerkerfreundlichkeit monopolistrt zu haben glauben, auf den jähen Niedergang der Mittelklaffen hinge« wiesen— freilich nicht, um die Rückkehr zu überlebten Zu> ständen zu verlangen, sondern um den Handwerkern Anschluß an die große Reformbewegun g, welche von dem Arbeiter stände getragen wird, zu empfehlen. Wir wtsten auch, daß viele Hand- werker heute bereits von der Richtigkeit dieses Gedankens felsenfest überzeugt find. Um so mehr bedauern wir aber den Hochmuth derjenigen Handm rker, welche die stlust zwischen A i beiter und Meister noch erweitern wollen, indem fie für die de« müthigsten Maßregeln gegen Gesellen eintreten, und um so komischer erscheinen unS die Leute, welche trotz aller Unfähig- keit deS Unheils auf den FnnungStagen daS große Wort führen. Die Interpellation, welche die Sozialdemokraten im Reichstage bezüglich des Streik« Erlasses de» preußischen Ministers de» Innern einbringen wollen, beschäftigt die Presse der verschiedensten Parteischattirungen. Während die links- lideialen Zeitungen durchweg zugeben, daß genügender Grund zu einer deraNigen Jnterpellalion vorbanden sei, erklärt die „Nat.'lib. Korr.,„daß ste in dem Erlasse nicht» sähe, waS den Zielen und Zwecken des Sozialistengesetzes widerspräche". Da kämpft nun offenbar daS leitende Blatt deS NationallideraliSmuS gegen Windmühlen. Niemand im ganzen Reiche hat behauptet oder wird auch behaupten, daß der Erlaß dem Sozialistengesetz widerspreche; im Gegentheil, er ist eine ganz natürliche Folge dieses Gesetzes, er ist Fletsch von seinem Fleisch und Blut von seinem Blut. Die Interpellation der sozialdemokratischen Partei wird steh auch nach dieser Richtung hin ficherlich nicht bewegen. Dtrselbe wird vielmehr den Erlaß alS einen Angriff, und zwar als einen ungerechten Angriff auf ein andere» Reichigesetz, auf die Reichigewerdcordnung, die Koalitionsfreiheit betreffend, auffaffen und den Schutz deS Reiches für die Ar- bester gegen diesen Angriff anrufen. ES ist geradezu sonderbar, daß ebensowenig, wie der Erlaß selbst, die„Nat-Iib. Korr." irgend eine Ahnung von den Paragraphen 152 und 153 der Gewerbeordnung hat, sonst würden eine ganze Anzahl von Erörterungen in dem nationalliberalen Artikel, gerade so wie in dem Erlaß selbst, überflüsfig sein. Ei« neue» Mittel zur Hebung de» wirthschaftliche« Xothftaude» ist gefunden: man gründe überall Unter- olssziertschulen. Wir bitten, nicht darüber zu lachen, denn eS steht in der„Elsaß Lothr. Ztg." und Karlchen Mteßnick druckte eS neulich im„Deutschen Tagedl." ab. Au« Neudrersach schreibt man nämlich der„Els.-Lothr. Ztg.":„Die Lage wird hier von Tage zu Tage schlechter, man fragt stch, bis zu welchem Grade die Entwerthung unsere« GrunddefitzeS noch gehen kann. In den letzten Tagen wurde im Wege öffentlicher Versteiaerung ein Haus für 2000 Mark verlauft, welches als CafS Conrad in weiten Kieisen bekannt ist. Im Pattecre befindet stch eine schwunghaste Bäckerei und ssnd außerdem noch mehrere schöne Zimmer vorhanden. Ein andere» HauS von ungefähr gleicher Größe, ebenfalls in der Nähe des ParadeplatzeS, würde gern zu demselben Preise abgegeben, aber e» findet stch kein Käufer, obgleich e» zwei große Wohnungen enthält, und e» erst im Jahre 1871 mit einem Aufwände von 20 000 F cS. neu auf- gebaut wurde. Ein zweistöckiges Wohnhaus, da» von mehreren Arbeiterfamilien bewohnt wird, ist für 200 Mark zugeschlagen „Leben Sie wohl, Jettchen," sagte Rebe und reichte ihr die Hand, die sie schüchtern nahm— aber wieder klin« gelte e»— und sich loßreißevd, flog sie in da» Zimmer zurück. Horatiu» Rebe aber sah ihr wehmüthig«ach und verließ dann in einer recht gedrückte» und traurigen Elim- mung das Hau», welches er kurz vorher so fteudrg bettete» hatte._ Unter de» Buden. Der Wage« mit dem jungen Paar und den Kindern, der vorhin HenriettenS Aufmeiksamknt erregt, fuhr noch eine Strecke durch da» Menschengewühl im Schritt, bis er einen freiere« Platz erreichte. Dort ließ der Kutscher die Pferde ein wenig anStraben, und bald hielt da« leichte Fuhrwerk vor einem nicht sehr große», aber außerordentlich freundlich gelegenen henschaftlichea Hau», an dessen Gattenpforte schon verschiedene dienstbare Geister standen, um die erwartete Herrschaft in Empfang zu nehme«. Der junge Man» war, wie nur der Wage« hielt, rasch zuerst hinauSgespruuge«, und seine beiden Kleine« auf- nehmend u«d den herbeieilenden Mädchen übergebend, half er der junge» Frau ebenfall» au» dem Wagen— aber fie bedurste kaum seiner Hilfe. E» war eine reizende, schlank gewachsene Gestalt, mit wundervollen goldblonden Haaren und lebendige«, aber doch so seelenvollen Auge«, die aber kaum ihre Hand auf seine» Arm stützte, so leicht sprang fie selbst von dem Wagen her- ab. Aber unten blieb sie stehen, und eine« halb neu- gierige», halb ängstliche« Blick umherwerfend, sagte fie mit leiser, fast zitternder Stimme: „Und find wir den» wirklich hier in Haßburg, Felix? Habe« wir endlich unser lang ersehnte« Ziel er- reicht?" „Haßbura gewiß," lächelte ihr Gatte, indem er ihre« Arm in den seine« zog und, von de» Kinder« und dm Dimer« gefolgt, dem Haus« zuschritt—„und alle« Andere wird sich auch wohl fügen. Jetzt aber, herzige« Frau- chm, zeig« ich Dtt vor allm Dingen unsere neue Hei- math, und hoffe gewiß, daß Du mtt mir zuftiedm sein sollst." im Jahre 1880 1881 1882 1883 1884 Erzeuqn ffe im M tallzewerbc 56 980000 M. 43 230000„ 44 931000„ 40719 000 39439 000 JnSgesammt 228 500000 M. 192 330 000„ 199 500000„ 190000000„ 139 361000 wordm und derartige Zustande, zu deren Besserung beizutragen Ehrenpflicht ist, igr orirt eine ReichStapS Majorität auS keinem anderen Grunde, als stch die Sat ifaklion zu verschaffen, die Reichiregierung zu kränken und alle» zu vermeiden, waS aeeiqnet wäre, die R- ichSrepi-rung zu stärken. Sind wir da nicht innitten eines polnischen Reichstag». Hierzu demertt die„Ger- mania": Bekanntlich wallte der naironallcherale Adg.Dr.Brü' ing an der Frage der Errichtung einer Unteio'fiflerSschule zu Neubreisach daS heilige F uer nationalservtler Entrüstung neu mt- fachrn, aber, in seine EntrüstungSakten vettieft, veraaß er, beim Aufrufen de» be reffenden Etatskapitels stch zum Wort zu mel- dm. Die Gouvernementalen in der P effe hadm seither auch geschlafen, nun reibm fie fich plötzlich die Augen, erfreut sehen fie auf den Entrüstungsstoff der„Els.-Lothr. Ztg.", der ihnen eine reine Ofterftmde derettet. Wir können die gebotenm Zahlm nicht konttoliren, aber eS düntt uns doch» daß man ein zweistöckige» Wohnhaus, wenn eS ein solche» ist und nicht etwa eine Knallhütte, im ganzen Deutschen Reiche nicht für 200 M. bekommt. Man braucht eben solche Ziffern, um de« weisen zu könnm, daß in Ncudreisach die Entwerthung de» GrunddefitzeS eine entsetzliche sei. Und dagegen soll eine Uaterosfifleroorschuie das Heilmittel bieten. Ja warum denn gerade eine solche? Nun, weil man ste haben will, nur Wille und Wunsch der Mtlttärbebörden ist hier maßgebend und nicht die Rückficht auf das wirthschaftliche Wohl NeudreisachS. Wenn fich nach Errichtung einer UnteroffifierSschule die Lage de« Städtchen» nicht zum Beffern wenden würde, hätten die Klagen bei unseren Gouvernemmtalm doch keine Vertretung mehr, weil ihr Zweck erreicht ist Oder sollten Unterotfizieri- schulm doch ihre Städte wirthschaftlich heben können? Wir möchten dann vorschlagen, solche vornehmlich auf pommerschen Rittergütern zu rtadliren! Russische Zollpolitik. Unter dieser Ueberschrist stellt die„llöinriche Zcttung" nach der amtlichen Statistik deS Deutschen Reiche« nachstehende Ziffern über die deutsche Aui« fuhr nach Rußland zusammen. Rohstoffe und Maschinen und Werkzeuge 22 959 000 M. 14 559 000„ 16 613000„ 18206 000„ 15597000„ Die„Kölnische Zeitung" weist auf den ungeheuren Rückgang de» AuStuhroerkebr« hin als Ergebntß der russischen Zollpolitik deS jüngsten Jahrzehnt». Andererseits habe Ruß- land 1883 für 410 Millionen und 1884 für 413 Millionen Mark LandeSerzeugniffe und Waarm, hauptsächlich Rohstoffe nach Deutschland ausgeführt. Gegenwärtig gehe Rußland da- mit um, die rusfische Staatsschuld herabzusetzen. Da« bedeute für dai deutsche Nationalvermögen einen nach Millionen zäh- lenden jährlichen Verlust, ohne daß unserer VoltSwitthschast auf der audern Seite irgend ein Voitheil dafür geboten würde. Solchen Erscheinungen gegenüber sei eS an der Zeit, den ruf- fischen RückfichtSlofigkeiten gegen Deutschlands wirthschafllicheS Leben ein„Halt" zuzurufen und stch auf dm Standpunkt der Gegenseitigkeit zu stellen.— Leider ist in dm deutschen maß- gebenden Kreisen die Ruffenfrcundlichkeit bisher eine so große gewesen daß Rußland auch jetzt auf die Drohungen offiziöser Blätter nicht viel geben dürfte. Durch Verfügung der königl. Eisenbahn-Betrtebs- Diretttou zu Magvedura wurde(der„Post" zufolge) in ihren. Eisenbahnwerkstätten die SonntagSardeit ausgehoben In den Fallen, wo die Arbeiten stch häufen sollten, ist eine Verlängerung der werktägigen ArbettSzeit gegen entsprechende Lohnmtschädtgung nicht auSgeschloffen. Ein wunderliche« verbot hat soeben der Stadtcath in Pegau erlassen. Er hat den auigehodenen Rekruten strmg ver« boten»„republikanische Abzeichen", wie rothe Schleifen, Bänder, Federn u. s. w. zu tragen. Jedenfalls hat diese Verordnung den Reiz der Neuheit von der Auffassung deS harmlosen Feder- und BänderschmuckeS der Rekruten als„republikanische" Abzeichen. Autweisunge« Deutscher au« Belgien. AuS Aachen, 22. April, enähtt die„Köln. Ztg.":„Vom Landrath deS KreiseS Eupen, sowie von Polizeibeamten empfangm, trafen gestern abermals(nachdem schon früher mehrere Trupp» ange- langt waren) 22 von der belgischen Behörde Ausgewiesene in Herb.'Sthal ein, darunter ein Deserteur von dem in Köln stehenden 40. Infanterieregiment. Nach den von AuSge- wiekmen gemachten Mttherlungm befinden stch gegenwärtig 140 deutsche Staatsangehörige in den Gefängniffm LütlichS. Die Ueberwachung der fich in Belgie- aufhaltenden Deutschen sei zur Zeit überhaupt äußerst strmg, weil die Schuld an den letzten Unruhen den aus Deutschland gekommenen sozia- listischen Wühlern in die Schuhe geschoben werde.(?) Acht ebenfalls Ausgewiesene, welche fich den fie zur Grenze bringenden belgischen Beamten auf der Fahrt widersetzt hattm, wurden nach VeroterS gebracht, um dort abgeurlhettt zu werden." „Mein guter Felix— Du sorgst so für Alle«!" „Du wirst mtt bezeugen müssen," lächelte ihr Gatte „daß ich mich diesmal selbst Übetttoffm habe." Und in der That hatte er nicht zu viel versprochen. DaS fteuvdlrche Hau«, da» mitten in einem reizende«, wohlgepflegtea Garten stand, glich einem kleine» Paradies. Alle» war dabei wohl reich, und ihrem Rang entsprechend, aber auch so einfach und geschmackvoll hergerichtet, daß, wie er mit seiner Gattin die Räume durchschritt, Helene, die junge Gräfin Rottack, kaum Worte fand, ihm dafür zu dankm. So durchwanderte» fie da» ganze Hau», und endlich, al» fie so ziemlich Alle« besichtigt hatten, traten fie hinaus auf einen kleinm eisernen Balkon. Hier aber eröffnete fich ihvm ei« wunderliedlrche« LandschastSbild nach den Haß« bürg umschlreßendm Hügeln und Hänge« hinüber, und Helme, von der Aussicht wirklich mtzückt und überrascht, flüsterte, indem fie ihr Haupt an de« Gattm Schulter schmiegte: „Wie soll ich«»Dtt danke«, Felix, daß Du so meine» kleinsten, vielleicht thörichtm Wunsch erfüllt? Wie soll ich überhaupt je im Leben da« wieder gut machm, was Du schon in den wenige» Zahrm für mich— für da» arme, fteundlose Krnd— für die Waise gethan?— Ich weiß e« nicht— mein ganze« Herz ist nur erfüllt von dem eine« Gefühl de« Danke«, der Liebe für Dich, Du guter Man»!" „Meine Helene— mein liebe« Herz!" rief Graf Rottack, sie an fich pressmd—„wer von un« ist dem Ander« denn mehr zu Dank verpflichtet, Du mtt, oder ich Dtt? Wa« ander« habe ich gethan, als nur die Liebe er- widert, die Du mtt mtgegen brachtest, während Du Dein ganze» Glück, Dein ganzes Lebe« vertraumSvoll in meine Hände legtest!" „Mein Felix!' „Was wäre au« mir geworden, fuhr der junge Mann fort, fie immer noch in fernem Arm haltend,„wenn Du Dich damal« meiner nicht angenommen? Zu einer Elim- mung, die mich der tollstm Stteiche fähig machte, wäre ich vielleicht zu Grunde gegangen. Du allein hast mich dem Selbstmorde in der bayerische« Armee find,l«t» amtlichen SanitätSbcttcht vom 1. April 1882 Hl'1- J 1881 nicht weniger al« 80, Selbstmordversuche 11«rf men. Die Fried-nl prä enzftärke de» bajuvattschen b cö' trägt, nach dem Reichsgesetze vom 6 Mai 1880 50 224 v* Die wackeren Kriegsmannen, die Blürhe deS Volkrl, � und geistig gesund, der drückendsten sozialen Notb. d» Eroletarier im bürgerlichen Beruf so leicht packt, rnJW ienstzett entrückt, stellen ein Kontingent zu der SeidW» armee, dessen Größe geradezu baarsträubend wirst: ftw,' die Soldaten in viel Höhrren Prozentsätzen bethetligt, w Zivilbevölkerung. Oesterreich Ungnr«.. Die Bewegung unter den polnischen Westgaltziens wird immer bedrohlicher. Neben* richten über Konfignirung de» Militärs und über EnW eine» eigenen Delegirten der Stalthalteret in die W# zirle lausen au» verschiedenenDistristenMeldungen ein, W Tamower Kreise und in den umliegenden Distctsten die vf dutzendweise wegen bedrohlicher Reden und selbst platte gegen die Schlachla(den polnisch m Adel)° werden mußten. In allen Tonarten, schreibt man der, Ztg.", ist im Abaeordnetenhause und Lrmberger Land» die kecke Unwahrheit in die Welt htnauSgeschrien, daß*' ständigste Einstacht zwischen Polen und R u t h e n e»' gestellt sei und daß die AuSmerzung auch der polnische»� auS dm Vertretung» körpem keineswegs einer uiwr Presfion von Sellen der Regierung bei den WahWJ schreiben sei. Der galizische LandtagSmarschall, sprach im Lemberger Landtage die Unwahrheit au», stand, daß die bäuerliche Bevölkerung immer und übn glteder de« Großgrunddefitzes oder Beamte zu Verkeiel»? deweise eben nur, daß das Landvolk jetzt mit dem Adel eiNj eine Seele sei. Da ist eS denn unangenehm, im siebenten J Aera Taaffe durch unwiderlegliche Thatsachen belebst, den, daß vielmehr umgekehrt nicht nur zwischm r Ruthenen die allen Differmzm immer heftiger sondern auch der polnische Bauer drauf und daran alten Mißtrauen gegen die„Herrenleute" die Zügel, zu lassen und stch zu diesem Behuf« mit den ra Landleuten zu verständigen. Da durchzuckt denn die eine sehr unliebsame Erinnerung an die blutigen von 1846. Vor 40 Jahren, ali der Adel Galtzten» wollte, um dtt Einverleibung Krakaus in Oesterreich I hindern, brauchte lie Wiener Regierung bekanntlich masurischm und ruthenischen Lauern gegen die Evn polnischen Herren loszulassen, ffioch heute lebt dal, Gemetzel, daß die Bauern beider Nation« itätm der Schlachta anrichieten, in frischem und schrccklr denken. Die Aengftlichkell der„Schlachta" erklärt vollständig, schlägt aber den Behauptungen direkt in» alS ob es dem VersöhnungSministettum gelungen sei, herrschmde Rolle, die eS dem polnischen Adel im Landtag und im Wiener ReichSrath eingeräumt, iri nationalen oder sozialen Gegensätze zu mildern. SeU. berger„Gazeta Narodowa". ein liberal angehauchtes muß jetzt offen bc.ennen, daß die bisherige Taktik dm r»' wie den masurischm Lauem gegenüber eine vollst« fehlte grwesen sei. Während man der Welt einrede« daß zwischm dm Bauern beider Nationalitäten> Schlagzizen in Galizien die vollkommenste Eintracht habe man die Erbitterung der ruthmischen wie der Landbevölkerung gegen dm Adel nur verschärft. merzung deS bäuerlichen Elements aus den Vertre seine Ersetzung durch die Schlachta habe den Kontakt den Bauern und den intelligenteren Volktklassen C -"stört und ttbr döse auf die soziale und nationale eingewirkt. Die letzte ReichSrathSersatzwahl in dem 7 Kreise zeigt auch deutlich, daß die Bauern polnis« tionalitat gerade an demjenigen Punkte, der dm SZ der gegmwärtigen Unruhen bildet, entschloffen find. I» dem Gängelbande deS GroßgrundbefitzerS loSzumache�, wohl übrigens jeder Zusammenhang der Bewegung? listtschen oder gar panslawistischen Agitationen, wie mit Recht, rundweg abgeleugnet wird, ist eS denn dost hin der Mühe werth, daran zu erinnern, daß% Jahren die Bauern in rein polnischen ,,, WestgalizienS, namentlich in KroSno, fich a»- mit der Bitte wandten, zu ihren Gunste» Auflösung alter Reste von Fcudalver einer Reihe von GutSbefitzem einzuwirken, die.. Rußland und Galizien angesessen find. Dtt rusfisch' schickte die Petition im gesandtschaftlichm Wege a»% Rain oft), und eS erfolgten daraufhin die Aussog schtedmer Gemeind«v:rttetungen sowie die SluSsA''1 an dem Vorgänge schuldttagendm Mitglieder auf o der Wiederwahl in dtt Kommunalvertrrtungcn. Jnfl der Vorfall gezeigt, daß da» Ministerium Taaffe st», vulkanischem Boden bewegt und durch dtt einsellij' gung de« polnischen Adels, dlo» um fich eine Abgeordnetenhause zu schassen, in höchst leichtsinnig 'L_________— i�l Leben erhalte», und gebe nur Gott, daß mll dem Herz, auch de« Friede» wiedergeben könne,«ach j Dich sehnst— daß ich Dir daS Einzige verschaff,; her nicht in meinen Kräfte« stand— die nicht in meinen Kräfte« stand Mutter!" „Und hast Du jetzt nicht dm Schritt getha»/ ihr»aber bringe» mußte?" sagte Helme herzlich- u „Ja, mein Schatz," erwiderte Graf Fel'!, Jl fie losließ und sich mll der Hand wie verlege» ihn fL erhielt glaub« erbarn Und s lassen. d Helen «g daß Du Dich dadurch zu große» Erwartungen dunkel« Locke« fuhr—„aber— ich «och l" ich— fürchte— wir sind jetzt gerade unserem Ziel mtfernt, wie früher." „Du hast kein Verttaue« zu ihr.... „Aufrichtig gesagt, nei»," erwiderte: weißt, daß die Gräfin Monford, als wir vor Pj au» Brasilien zurückkehrten, mit ihrem(Satte#,- war und fich drei Jahre lang in Italien, Grie«? � Egypten amüfirte. Dann kehrte» sie auf lve«° zurück und gingen wieder nach Paris und Lonvo� f «be» kein Halt an fie zu bekommm war. 3 M habm sie sich seit etwa sechs Monaten hier° r auf ihrem alte» Stammsitz niedergelaffea, und' Stande, die gmauefte« Erkundigungen über ziehm."___.___... sie(% au». ihm in di bis j Dein dem Mull Schri damit NUNgl aber' ihres lich: Menschen„..-----.----------- selber müssen vollkommen darauf gefaßt sem. von ihr behandelt zu werdm." „Die eigen« Tochter?* i(jt'U ..Liebe« Kind, Du vergißt, daß fie D>ch � � anerkennen darf, wenn fie sich nicht in den» ip« vollständig kompromittire» will. Graf � nicht allein ein sehr reicher, sondem auch' SM Herr, der an seinem Stammbaum mll e rj hängt, al» ob ihn Gott der Herr damals � Noah mll dm ersten Weinrebm in de«® tfrt J hätte. Einm Fl-cken darauf, sobald er* ßj, davon bekäme, würde er für mehr al» er» w 8 filie _ Mm »Mehrere mit dem Feuer spielt. Der große ruthenische HochverrathS« prozeß vom Sommer 1882 in Lemberg, der die rulfijchen Um« triebe zu Gunsten des PanflawiSmus in Ostgalizien und der ungarischen Slovakei aufdeckte und als deren Begünstiger den allmächtigen Herrn PobedonoSjew entlarvte, sowie der berüch- ttgtc, mit Gewalt niedergeschlagene Versuch der ganzen ruthe- Nischen Gemeinde Hniliczki, vom unirten zum griechisch- ortho« boxen Glauben überzutreten, zeigen, daß auch dort Elemente zur Genüge vorhanden sind, die daS gute Einvernehmen zwischen Oesterreich und Rußland ebenso wie auf der Ballan» Haldinsel stören. Schweden und Norwegen. Die Artikel 44 und 45 der schwedischen Staatsverfassung (K. Juni 1809 und 22. Juni 1866) bestimmen, daß der Krön- prinz und die andern Erdprinzen dcg königlichen Hauses keine Apanage beziehen und kein StaatSamt bekleiden und ohne Wissen und ohne Erlaubnitz deS Königs fich nicht verhcirathen dürfen. Tie norwegische Verfassung besagt in ihrem Artrkel 36 dasselbe. Nachdem neulich die für Prinz Oskar beantragte Apanage vom R'ichstag abgelehnt worden, ist jetzt von einem Mitgliede der Linken der Vorschlag eingebracht worden, dre Ausnahmestellung der jünaern Konizssöyne aufzuheben und die Prinzen den übrigen Staatsbürgern gleichzustellen. Der Ausschuß hat fich aber dawiver erklärt und der Reichstag wird vorausstchtlich ebenfalls ablehnend beschließen. Grotzbritanuie«. Chamberlain hat einem seiner Wähler auf schriftlichem Wege die Verficherung ertheilt, daß er keiner Torv Koalitton gegen Mr. Gladstone beitreten werde. Er hoffe vielmehr, die Regierung werde ihre irischen Vorlagen so abändern, daß er im Stande sein werde, dieselben zu unterstützen. In ähnlicher Weise hat fick auch Trevelyan geäußert. Dr. Croke, der Erz- bischof von Cashel, hielt gestern in Thurles eine Rede, in welcher er Gladstone als Irlands größten einzigen Freund be« zeichnete. In Hawarden, wo der Premier seine Osterferien verbringt, kommen fast täglich lange Extrazüge mit Tausenden von Fremden an, die den greisen Staatsmann, wo immer er fich sehen läßt, enthufiastisch begrüßen. Die irischen Protestanten, welche stch durch die Eelbstver« waltungsvorlage Gladstone'S geschädigt glauben, demonstriren unterdeß weiter. Am Samstag Abend versammelten stch in Glasgow etwa 7000 Orangistcn auf dem GlaSgowgreen und marschirten von dort mit klingendem Spiel und wehenden Fah- nen nach der Stadthalle, wo ein Anti-Homerule Meeting ab« gehalten wurde. Auf dem Wege dorthin schien ein Zusammen« stoß mit den unter den Zuschauern stark vertretenen Homerulers unvermeidlich zu sein, doch gelang es einer großen Polizeimacht, dm Frieden aufrechtzuhalten. Später jedoch, als daS Meeting seinen Anfang genommen hatte, fand ein Scharmützel mit einer auf dem Heimwege begriffenm Orangiften« Kapelle statt, doch konnte die Polizei auch dteSmal die Ruhe wieverher« stellen. Der Geschäftsgang ist im Allgemeinen noch immer ein ge- drückter, obschon der Schiffsbau am Clride und am Tyne, sowie auch dir Schifffahrt stch neuerdings etwas gebeffert haben. In der Eisenindustrie geht eS aber so schlecht, daß die Hütten« defitzer von SüdwaleS, West. Cumberland, Nordwest- Lancashtre, Ltncolnshire und Rorthamptonshire die Produktion von Roh« eisen einzuschränken beschlossen haben, während die schottischen Hüttendefitzer in der Hoffnung auf bessere Zeiten noch fort- arbeiten, meistens jedoch nur auf Lager, da auch ste keine Be« stellungen haben. In Cleveland haben etwa 5000 Eisenbahnarbeiter wegen Lohnreduktionen Streik gemacht. Die Textil« industrie will fich auch immer noch nicht heben und Lohnherab« setzungen und Verkürzung der Arbeitszeit sind in dieser Branche nach wie vor an der Tagesordnung. Im Ganzm kann man wohl sagen, daß die geboffte Besserung dt« jetzt noch nicht ein- getreten ist, obschon in Folge der Jahreizeit allerdings manche Arbeiter beschäftigt find, die während deS WinterS unbeschäftigt waren. Belgien. Die Kundgebung der belgischen Sozialdemakraten zu Gunsten deS allgememen Wahlrechts, welche am 13. Juni in Brüssel stattfinden soll, ist bekanntlich vom Ministerium ver« boten worden. Die Letter der sozialdemokratischen Bewegung in Brüssel haben jedoch beschlossen nichtsdestoweniger ihre Ab« ficht auszuführen. Unter diesen Umständen steht man der weiteren Entwickelung der Dinge mit der größten Spannung 8 belgischen Sozialisten haben auf dem Genter Kongreß, dessen ruhigen Verlauf wir schon meldeten, folgendes Pro« gramm vereinbart. Auf politischem Gebiet fordern fie: 1) Da« allgemeine Stimmrecht, die unmittelbare Gesetz« gebung durch da» Volk, Beseitigung deS Senats, Abschaffung deS Köniathuinö. 2) Weltlichen, obligatorischen und enentgeltlichen Unterricht. 3) Trennung von Kirche und Staat, Aufhebung deS KultuS-BudgetS, Entziehung der Güter der todten Hand. 4) Gleichheit der Milftärlasten. Beseitigung der stehenden �DaS wirthschaftliche Programm enthält folgende Ford«»«. � 5it5fyjjett und de« Atter« der Arbeiter» Ruhetag. Verbot der Kinder« und Beschränkung der Frauen- arbeit. Einstellung der Nachtarbeit, NormalarbeitStag. 2) Einsetzung von Gewerbe- Inspektoren. 3) Haftpflicht der FabrikSherren. 4) Bildung von Arbeiterkammern. 5) Beseitigung von VerzehrungSsteuern. 6) Einführung deS Kollettiv-EigenthumS. Bezüglich der inneren Organisation der belgischen Sozia- listen wurde, nach dem„Berl. Tagebl." beschloffen, sämmtttche Sozialisten- Vereine de« Lande» zum«Parti onTner"(Arbeiter. partei) zu vereinigen und an die Spitze deffelden den au« 95 Mitgliedern bestehenden„Conseil gWral dn Parti onmer' zu stellen. ES ist noch hervorzuheben, daß mehrere Redner, darunter Dr. Cäsar de Paepe. der intelligenteste und g� ldetst- unter den belgischen Sozialistenführern, ihre offene Mißbilli« gung über die Vorgänge im Hennegau ausgesprochen haben. wa« hoffentlich einigermaßen zur Beruhigung der erhitzten Ge« müther beittagen wird. Frankreich. Die Herren Cl-menceau, Heniy Mutet, SigiSmond La- croix und DreyfuS begaben fich auf daS Auswärtige Amt, um Herrn v. Frcycinet zu bitten, daß er Ernest Roche unverzüglich auf freien Fuß setze. Der Ministerpräfident erwiderte, er hätte schon im Laufe deS Vormittags mit dem Generalsekretär des Justizminist riumS— Eieaelbewahrer DSmole ist abwesend— über die Angelegenheiten Rücksprache genommen und von diesem den Bescheid erhalten, da Roche in Folge eineS gerichtlichen Urtheili in VerwahrungShakt zurückblieb, könne nur ein neues Urtheil dieselbe aufheben. Auf da» weitere Drängen der Be- sucher erklärte Herr v. Freycinet, er könne nicht allein einen so wichtigen Beschluß fassen, würde aber die Rechtsfrage noch- mal« prüfen und ein Mittel suchen, vermöge dessen Roche seine Kandidatur in Pari« zu verfechten im Stande wäre, ohne daß die Regeln der Rechtspflege überschritten würden. Ein Theil der konservativen Partei will den im Kampfe mit den Gendarmen bei Vertheidiaung seiner Kapelle von Cha« teauvilain verwundeten Fabrikdirertor Fischer für daS Parla- ment aufstellen. DaS find die Konservativen, die von ihren Gegnern nicht oft genug verlangen können, daß fich alleS auf „friedlichem" Wege entwickele. Die berüchtigte Louise Schneider alias Gräfin Marie de Sombreuil wurde am Charfreitag Abend in Marseille nach Konstantinopel eingeschifft. Mehrere Reporter erwiesen der in einem höchst eleganten Reiseanzug erscheinenden Abenteurerin die Ehre, fie an Bord zu erwarten und zu interviewen. Auf die Frage, ob ste fich nun bei ihrer Familie häuslich nieder- lassen werde, entgegnete fie, da« falle ihr gar nicht ein; erstlich wolle ste ihrem Vater nicht schaden, welcher alS Kleider- lieferant Sr. Maj. deS Sultan« eine ehrenvolle Stellung bekleide, und ferner dtänge e« fie, baldmöglichst, etwa in zehn Tagen, in Paris zurück zu sein. Sie gedenke daher, fich in Konstantinopel, da eS doch so sein müsse, ausschiffen zu lassen, dann aber alS fteie Paffagierin die Fahrt bis Odessa fortzusetzen und dort mit dem Blitzzug unverwetlt nach Frankreich zurück- zukehren: dafür wolle fie schon sorgen, daß Niemand an der Grenze fie erkenne. Frl. Schneider brütet, wie eS scheint, die unerbittlichste Rache gegen ihren letzten Liedhaber, den A„ Vergoin, welchen fie durchaus vor Gericht kompromittiren will Der geplagte Mann— er ist obendrein verheirathet, wenn auch von seiner Frau getrennt lebend— sollte am Charfreitag in seinem Departement Seine-et-Oise den Vorsttz eineS„fetten" Bankett« führen und die übrigen Theilnehmer hofften fdjon, einer der fettesten Bissen deS DinerS würde sein eigener Be- richt über da« Verhältntß mit der schönen de Sombreuil sein er zog eS aber vor, stch krank zu melden und seinem Sekretär, welcher in dem ganzen Handel die Rolle de« Vertrauten ge- spielt batte, die heilele Berichterstattung zu überlassen. Eine feine Gesellschaft! Italien. Ueber die in Harrar ermordete italienische Expedition theilen wir heute noch folgendes mit. Die Mailänder Gesellschaft für kommerzielle Erforschung Afrikas hatte vor einigen Monaten eine neu« Expedition nach Zcilah ausgerüstet, an deren Spitze Graf Peter Porro stand. Diese Expedition verließ Zeilah am 27. März. Jetzt meldet der ttalientsche Konsul aus Aden, daß die Expedition in Arbud zwischen Zeilah und Gildezza durch den Sultan von Harrar überfallen und alle Mitglieder der Expedition mit Einschluß von zwei europäischen Dienern nie dergemetzelt worden find. Nur ein Soldat entrann dem Blut- bade und brachte die traurige Kunde nach Aden. Gleichzeitig wurde berichtet, daß sämmtliche Europäer in der Stadt Harrar getödtet, die Stadt Gildezza von dem Sultan von Harrar ein- genommen und die aus ca. 100 Mann bestehende englisch- egyptische Garnison gefangen genommen worden sei. Später M m SK ■M i ihn für das Verderben seines ganzen Hauses halten, und erhielte er die Gewißheit de« Geschehene», so zerrisse er— glaube mir, ich kenne dergleichen Herren— nachfichtS« und erbarmungslos die Baude, die ihn an seine Gattin fesseln. Und seine Gattin weiß da«, darauf kannst Du Dich ver« lassen." .Aber daS Gefühl muß ja doch in ihr sprechen," sagte Helene weich und herzlich. Graf Rottack wollte etwas darauf erwidern, aber be« stch. Er hatte die Arme gekreuzt und starrte einen Augenblick smsend auf die sonnenbeschieneuen Hänge hin« au». Endlich wandte er da« Antlitz wieder der ängstlich zu ihm aufschauenden Gattin zu und sagte, ihr freundlich m d» Augen sehend:„Du weißt, meine Helene, daß ich biZ jetzt Alles geihan habe, Deinen Wunsch zu erfüllen, Deinen Plan zu förder». Es ist Alle» geschehe», um un« dem näher zu bringen— die Entfremdung von Deiner Mutter zu hebe»; so laß uns aber, eh« wir de» letzte» Schritt dazu thun, auch die Sache vorher ruhig besprechen, damit Dich eine doch mögliche Enttäuschung Deiner Hoff« nunge« nachher nicht zu unerwartet faßt und erschüttert." .So glaubst Du wirklich..." .--Bon Glauben kann noch keine Rede sein, mein Herz, 5?� Du weißt, wie Deine Mutter,«ach jenen, Fehlttitt lyrcs Leben», fich von Dir lo«sagte und von da an eigent« uch weiter gar nicht« für Dich that, als daß sie jener nach Brasilien aehenden Frau,.der sie Dich vollständig überließ, «in Kostgeld für Dich zahlte. Du entdecktest das Geheim« »iß und verließest jene Frau. Fest aber darfst Du davon überzeugt sei«, daß diese Madame Baule» Deiner Mutter die Flucht ihres Kinde« nicht angezeigt hat, sondern«ach wie vor da« Geld für Dich»och regelmäßig fortbezieht. Deine wirkliche Mutter muß Dich also«och immer in Bra« silien glauben." (Fortsetzung folgt.) An« Knust«nd leben. on ktzzenkrtsche Schöne. AuS London schreibt man: �Mehrere Mttgliedtr de« UniveifitätSklubs' in Walham-Road waren vor einigen Tagen im Theesaal versammelt, als fie plötzlich von der Straße großen Lärm hörten. Einige Herren eilten in daS Vestibüle und fanden den Portier gerade de« fchäftigt, eine junge schöne Dame, Namen« Ano Donald, fest. zuhalten. Diese rief, indem fie fich zu befreien suchte:„Thon Sie mir nicht wehe, ich gehe freiwillig zu Gericht, ich habe die Scheibe absichtlich zerbrochen, weil ich für einen Roman, den ich soeben schreibe, die Schilderung eines Gefängnisses brauche, und dahin geführt werden will." Dieser Wunsch fand jedoch keine Erfüllung, indem die Klubmitglieder einstimmig erklärten, man möge den Schaden im Betrage von 8 Pfund Sterling einfach in die Klubrechnung setzen, der Klub klage nicht und d!e Dame möge ihres WegeS gehen. Hochroth vor Zorn ver« ließ die hübsche Schriftstellerin die Herren und meinte:„So werde ich eS auf andere Art versuchen." Ein neuer Erwerbszwetg. Der„Köln. Zt." wird auS Königsberg geschrieben; Eine namentlich für unsere Provinz bedeutsame Frage ist nach jahrelangen Versuchen neuerbingS glücklich gelöst worden. ES handelt fich un die Herstellung von Bernsteinlack auS reinem Bernstein ohne Zusatz fremden Stoffes. Bekanntlich ist ein so benannter Lack schon seit längerer Zeit hergestellt worden, hat fich indeß schon darum keine rechte Anerkennung verschaffen können, weil er beim Trocknen nicht die nöthige Härte und Widerstandsfähigkeit erlangte. Jetzt ist eS nun gelungen, einen auS reinem Beinstein gewonnenen Lack herzustellr«, der. was Glanz, Härte und Luftbeständigkeit angeht, nicht nur allen Anforderungen der Praxis in vollkom- mener Weife genügt, sondern für bestimmte Verwendungszwecke jeden Nebenbuhler, selbst den besten Sansibar Kopal, auS dem Felde schlägt, und dem um so sicherer«ine bedeutende Zu- kunft vorhergesagt werden kann, well die Herstellung ebenso einfach wie billig ist. Die volle Bedeutung dieser übrigen» auch wissenschaftlich sehr interessanten Erfindung ergiebt fich daraus, daß fie bisher unverwetidbareS Material nutzbar zu machen gestattet und außerdem einm neuen ErwerbSzweig tn'S Leben ruft, bei dem viele hunderte vonIArdeitem lohnende Be« schäftigung finden werden., m «htnestsche Preßfreiheit. Die„Pekinger Zeitung" ver« öffentlicht soeben ein Dekret deS Kaisers Knang su, welche» die Strafe de« Literaten und Schriflstellers Wong-tzi, der gevier« theilt werden sollte, in eine einfache Enthauptung umwandelt. Der Schriftsteller hatte nämlich das MajefiätSverbrechen de- gangen, in einer seiner«iffenschattlichen Arbeiten auch die Namen mehrerer verstorbenen chinefischen Kaiser zu nennen, waS die chinefische Hof- Etikette strengstens verbietet. Die Kin« wurde diese Meldung dahin berichtigt, die in Harrar zurück- gebliebenen Europäer seien nicht getödtet, sondern nur zu Ge« angenen gemacht worden. Unter ihnen definde fich ein Italiener, der Kaufmann Sacconi.— Harrar ist ein Land im Südosten vonAdessynien. zwischen dervtadtBerberaamMeerbusen von Aden und der Landschaft Schoa, von Galla, Somali und Ära» bern bewohnt, unter egyptischer Oberhoheit. DieStadt Harrar selbst zählt 30 000 Einwohner und bildet den Mittelpunft deS Handels mit den Gallaländern. Sich hier festzusetzen, ist seit langem der Wunsch der italienischm Regierung, auch die oben erwähnte Expedition hatte in erster Linie den Zweck, eine HandelSverbtndung zwischen der italienischen Kolonie Assab am Rothen Meere und Harrar herzustellen. DaS oben erwähnte Gtlvezza scheint gleichbedeutend zu sein mit dem auf unserer Karte erwähnten Dschaldezza nördlich von Harrar an der Straße von Zeilah.— Die Besttznahme von Maffauah daselbst wird von dem König von Abessynien schon seit längerer Zeit eifersüchtig beobachtet. Vor kurzem erst ging eine Notiz durch die Blätter, wonach der König von Abessymen im Bunde mit dem König von Schoa einen Handstreich gegen Maffauah plane. Schoa aber grenzt im Westen an Harrar. ES ist nicht ausgeschlossen. daß dieser Haß gegen das Vordringen der italieni« chen Regierung für daS Schicksal jener Expeditton entscheidend rewesen ist. Andererseits ist in Betracht zu ziehen, daß der Emir von Harrar auch die englisch-egyptische Garnison von Gildezza gefangen nehmen ließ, so daß e« fich auch um einen Aufstand deS EmirS gegen seinen Oberherrn handeln kann, bei welchem die italienische Expedition ein unschuldige» Opfer ge« worden ist.— In Rom fand am Montag wegen deS Vor- falleS ein Ministerrath statt: es wurde ein Telegramm an die englische Regierung gerichtet, um zu erfahren, welche Schritte dieselbe, soweit fie mitbetroffen sei, zu thun be« abfichtige. Spante«. In Spanien haben nach Beendigung der KorteSwahlen nunmehr auch die Senatorenwahlen stattgefunden. Selbst« verständlich ergaben dieselben eine ministerielle Mehrheit und zwar wurden gewählt 136 Ministerielle, 26 Konservative, 4 Republikaner, 4 von der Partei Romero Robledo(konservatio), 2 von der dynastischen Linken und 8 Unabhängige. Balkauländer. Frankreich würde eS wahrscheinlich gerne gesehen haben, wenn die Mächte auf die Ueberreichung deS Ultimatums ver« zlchtet hätten, so daß die Nachgiebigkeit Griechenlands lediglich alS Folge deS diplomatischen Vorgehens Frankreichs erschienen wäre. In dieser Hoffnung ist Frankreich getäuscht worden. DaS Ultimatum wurde von den Vertretern der fünf Mächte überreicht, obgleich der ftanzöfische Gesandte Graf de Mouy dieselben ersucht hatte, zunächst neue Instruktionen ihrer Regierungen abzuwarten. Die Antwort deS Ministerprästdenten DelyanniS auf da» Ultimatum wurde gestern erwartet. Die Kammer wird alSbald wieder zusammentreten und die Demo- bilistrung soll unverzüglich beginnen. Ein weiteres Telegramm meldet die nachträgliche Bethelligung Rußlands an der gegen» wältigen Flottendemonstration gegen Athen. Dasselbe lautet: Athen, Dienstag, 27. April, Vormittags. In der Bucht von Phaleron und im PiräuS liegen augenblicklich 5 Schiffe des internationalen Geschwaders, darunter ein russisches, welche? von TenedoS abgegangen war. Dieselben gaben bei ihrem Eintreffen die üblichen Salutschüsse ab. Afrika. Die englische Regierung will mit dem Sudan nicht» weiter zu schaffen haben. Wie auS Kairo vom 25, April tele« graphirt wird, hält fie in ihrer Antwort auf den vonMukhtar Pascha vorgelegten Entwurf über die Reorganisation der egyp« trschev Armee den Entwurf für zu ausgedehnt und meint, der« selbe scheine auf der Idee der Wiedereroderung deS Sudan zu beruhen; eine solche sei der englischen Politik aber gänzlich fremd. Die Antwort erörtert sodann die einzelnen Punkte des Entwurfs und spricht fich gegen alle wesentlichen Bestimmun- gen desselben auS. Ferner wird weitet aus Kairo über densel« en Gegenstand unterm 26. d. gemeldet, daß die Antwort. wennschon alle wesentlichen Punkte deS Entwurfs abgelehnt werden, doch die Aufforderung an Mukhtar Pascha enthält, er möge seine Vorschläge auf der BafiS modisiztren, daß das eoyvttsche Heer an der Grenze bei Wady Haifa die Zahl von 12 000 Mann nicht übersteigen solle, und daß auch fern.r, wie dtSher. die englischen Offiziere im egyptischen Heere verbleiben. Auf den Beitrag Egyptens zur Unterhaltung der englischen OckupationSarmee erklärt England nicht verzichten zu können. Mukhtar Pascha hat nach Eingang der englischen Antwort vom Sultan weitere Jnstmktronen erdeten. Die Verhandlungen über den neuen deutsch. marok« kanischen und den fast gleichlaut-nden englisch-marok- kanischm Handelsvertrag find, der„K. Z." zufolge, zu einem guten Abschlüsse gelangt. Die Vertragsurkunden find schon an den Sultan nach Mogador gesandt, von dem fie vor- auSfichtlich ohne Schwierigkeit werden genehmigt werden. der diese« großen Verbrechers werden dagegen erst im Herbste hingerichtet werden. Ein Kampf im Zuchthanse. In dem in St. Vincent de Paul, un we-.l Montreal(Kanada) gelegenen Zuchthause, wo etwa 1000 Mann internirt find, entstand am Sonnlag Nach- mittag eine Meuterei. Auf ein verabredete» Signal fielen die im Hofraum beschäftigten Züchtlinge über die nichts ahnenden Wächter her und überwältigten und fesselten fie. Nachdem 16 Wächter wehlloS gemacht waren, nahmen die Meuterer von dem Inneren des Gefängnisses Besitz. Sie bewaffneten sich mit den Pistolen der Wächter und bemächtigten sich alSVann deS GefängnißdirettorS, Laoiolette. den fie mit Stricken banden. Mit Brechstangen und anderen Werkzeugen versehen, näherten sie fich den Wällen, um die Thore deS Gefängnisses zu erbrechen. Die auf den Wällen hefindlichen neun Wächter, welche mit Gewehren bewaffnet waren, forderten die Verbrecher auf, stch nach ihren Zellen zurückzubegeben. Letztere hielten indeß den gefesselten Gtfängnlßdirettor als Schild vor stch und drangen weiter vor. Laviolette rief den Wächtern zu:„Nehmt keine Rückficht auf mich, ihr L.ute! Gebt Feuer! Thut Eure Pflicht I" Da die Wächter zögerten, wiederholte er seinen Be« fehl und die Füfilade begann. Die Züchtlinge erwiderten da» Feuer und trafen dann Anstalten, den Wall zu besteigen. Carreveau, ein franzöfischer Kanadier, wurde, als er die Brust- wehr erstieg, erschossen. AlSdann entspann stch ein verzwetfel« ter Kampf, aber die G.'wehre siegten schließlich über die Pisto« len. Laoiolette wurde schwer verwundet. Bei dem Kampfe, der zwei Stunden andauerte, wurden 16 Züchtlinge theil» er« schössen, th-ilS verwundet. Die entmuthigten Verbrecher zogen sich fchlteßlich zurück, legten die Waffen nieder und suchten Zu« flucht in ihren Zellen, wo fie von den nachdringenden Wäch. tern eingeschlossen wurden. Laviolette und zwei verwundete Züchtlinge dürften nicht wieder aufkommen. Die auS Montteal requtrirte Polizei kam erst nach Bewältigung der Meuterei an. Ein sauberer Herr Graf. In Wien wurde am 23. April der Graf Bndor Szechenyi, weil er seine Frau und sein Kind(einen Säugling von einigen Wochen) zu erschießen ge« droht hatte, verhaftet. Der saubere Herr Graf zählt erst 23 Jahre, seine Frau ist noch einige Jahre jünger. Dieselbe ist die Tochter eine» reichen russischen Kaufmanns: der Herr Schwiegersohn lebte bisher von Erpreffungen, die er gegen die Eltern seiner Frau verübte und drobt nun mit Mord und Todtschlag, da seine Anzapfungen nichts mehr helfen. Die Gerichte dürften dem sauberen Henn daS Handwerk gründlich lege«. Soziale« und Arbeiterbrweguas. I« einem„Nachtstück a«> Galtzte«" überschriebenen Artilel theilt die„Bohemta" nach dem amtlichen Berichte deS GewerbeinspektorS folgende Schilderung der Lage der„Petro- leumsklaven" in jenem Lande mit: „Zu Boryslaw allein stehen 1487 Gruben außer Betrieb, waS so viel sagen will, daß die Summen für die Anlage der» selben nutzlos aufgewendet wurden- Vielfach ist die Einrich. tung getroffen, daß die Grubmbefitzer den Betrieb und die Regie sogenannten Kasstrern oder Schachtaufsehern in Bausch und Bogen übertragen. Dieselben nehmen die Arbeiter auf, bezahlen sie und überwachen den Betrieb. Die unter diesen Sudunternehmem stehenden Arbeiter werden von den Kas» firern in einer Weise dehandelt,„wie etwa Arbeitspferde von einem Pferdehalter". Der Kasfirer beherbergt, beköstigt und verwendet fie zu den Arbeiten bei den von ihm beaufstchtigten Schächten. Für die Auf- nähme in die Arbeit allein zahlt der Arbeiter an den Kasfirer ca. 10 pCt. deS für eine zwölfstündige Arbeitszeit mit SO kr. bis 1 ff. entfallenden Lohnes. Den größten Theil der übrigen 90 pCt. muß er dem Kasfirer oder eigentlich seiner in der Regel mit einer Verkaufslizenz ausgestatteten Ehehälfte für Kost und Getränst, sowie für die Lagerstätte bezahlen und dabei bleibt er noch immer gewiffe Beträge schuldig, so daß er fich weder kleiden noch aus diesem dedauernlwerthen Sklavenjoch frei machm kann.„Man kann"— sagt der Gewerbeinspektor— diese Petroleumsklaoen, in elende Lumpen gehüllt, schaarenweise in Bcnyslaw in Augenschein nehmen und muß daS schreckliche Loos dieser Leute beklagen, welche schwer arbeiten und trotz nicht unbedeutender Löhne«in bejammernSwertbeS Dasein fristen, während gewissenlose Spekulanten von ihrer Arbeit Nutzen ziehen." Die von den Kasfirern unabhängigen Arbeiter bewegen fich insofern in bmeidentwertheren Verhältnissen, als fie über ihre Person frei verfügen können. Sie verdingen fich beliebig zur Arbeit, aber e» geschieht dteS wieder auf eine höchst eigenrhümlichc Weise. Täglich um sechs Uhr früh und sechs Uhr Abends, wenn der Schichtwechsel stattfindet, stellm fich Hunderte solcher Arbeiter vor einer Schenke, einer Art Ar» deitsdörse auf und lassen fich, jedoch immer nur für eine ein» zige Arbeitsschicht, aufnehmen, und da fie den Kasfirern durchaus nicht trauen, so müssen ihnen diese den bedungenen Lohn im Vorhinein auszahlen; doch auch bei dieser Vorficht entgehm fie nicht der Uedervortheilung dieser Leute. Sie müssen zuerst sowie die Arbeiter der anderen Kategorie die zehnprozentige AufnahmStoxe entrichten und während der Schicht find fie, wenn nicht mit Lebensmitteln versehen, wieder an den Kasfirer oder dessen Weib angewiesen, so daß auf diese Art auch der Lohn dieser Arbeiter zum größten Tbeil in die Hände der Kasfirer gelangt-„Unter einem solchen Drucke"— heißt eS in dem Bericht deS GewerbeinspektorS—„leiden S fordern und solche ohne Schein von der Fahrt auszuschließen. aS ist ein Mittel, welche? vorübergehend die gewünschte Wir- kung habm kann, aber auf die Dauer doch nicht verhindern wird, daß die oderschlefischm Landwtrthe die Arbeitslöhne erhöhen müssen. „Die Ungunst i« der Lage der»emischeu Industrie hat fich, wie man im HandelStheil der„Frkf. Ztg." lesen kann, im letzten Jahre über Erwarten verstärtt." Dieses Urth-.il bilden fich die Handelsleute deS Sonnemann'schen OcganS für Pseudodemokratie und Agiotage auS dem 183S er Jahresberichte der Badischen Anilin- und Sodafadril in Ludwigshafen, einem Großbetrieb ersten RangeS» der in AuSnützung der Arbeiter, langer Arbeitszeit, niedriger Löhne, schlechter Arbeitsbedingungen daS Kapitalistenmöglichfte leistet. Sie beschäftigt, wie in den Berichten der Fadrtlinspekioren für 1884 der Gewerderath Heuser in Speyer mUtheitt,„über 2300 nur männliche Arbeiter." Wie die darin hergestellten Theerfarben und sonstigen Theerprodutte die Gesundheit schädigen, ist ja auch in wetteren Kreisen bekannt. Interessant ist aber folgende Aeußerung heuser'S:„Diese Einwi-kungen(der Beschäftigung) zeigen fich äußerlich durch die verschiedenartig« Färduna deS Gesichtes und der Hände der damit beschädigten Leute. W-nn man durch die Räume dieser Fabrik geht, so begegnet man stets Arbeitern, deren Aussehen blau, gelb und gefärbt er- scheint. Diese Färbung ist auch keine nur oberflächliche, durch anhaftende Farbstoffe erz'Uflte, sondern eine von innen heraus bewirkte."— Und dieses Etabl ssemmt, das so nothleidet, d-ffen Lage fich so verschlechtert hat, ist doch im Stande, eine Dioivende von 12 pCt., sage und schreibe zwölf Prozent, an die armen Aklionäre zu zahlm. Zugegeben, daß die chemische Industrie in einer Krise fich brfindet, auf weffen Kosten ist man denn dann in der Lage, solch' fette Gewinne zu erzeugen? Auf Kosten der Arbeiter lautet einfach die Ant- wort. Der Reingewinn deS BefirebSjahreS belief fich auf 3 736 405 M. Die bedauernSwcrtben Kapitalisten I Offen und ehrlich ist daS„Zenttaldlatt für die Texttl» induftrie." Bei der Besprechung deS Aufschwungs» den die indische Baumwollindustrie genommen hat, demerkt eS:„Die Arbeittkiäfte in der Provinz(Gouvernement Pendschab) find sehr billig, waS ein gutes Zeichen für die Prosperität deS Bezirks ist." Also die Industrie kann nur prosperiren, ge- deihen, wenn die Löhne so tief wie möglich stehen, wmn also die Arbeiter unter den erbärmlichsten Lebensbedingungen vegetiren. Wir beglückwünschen daS Organ der deutschen Baumwollenindustrie zu seiner zynischen Offenheit. Aufruf. Kollegen! Ardeiter! Die erste Woche ist ver» der Arbeitszeit auch eine Lohnerhöhung �ngefü�� Die Lohnkommisfion habe den Tan, � wohl nicht schwer hallen wird, denselben einzuführen.� schon viele Meister die geforderten Preise zahlen. aber nicht dafür eintritt, daß sämmtliche Stellmat«� Berlin? diese Preise zahlm, so würden die Meister,«>1? jetzt zahlen, hierzu bald nicht mehr im Stande sein-- Lohnkommisfion diS jetzt zu einer Einigung mit dea� noch nicht gelangt ist, so sei eS Pflicht eines jeden ßs'? für die gerechte Forderung ernzutretm. In» e flössen, der erst« Zahltag vorüber; trotz der nicht sehr günstigen soviel zusammengebracht, die die'Arbeiter in jeder Beziehung, ste werden schlecht genährt, '~'ahn find während der Arbeit Gefahren aller Art und wegen der schlechten Lebensweise allen möglichm Krankheiten ausgesetzt und ist die Emfiltlichung unter denselben eine allgemeine." Der Gewerbeinspettor erzählt von Ardetterherbergen, wo in einer beengten Stube manchmal 60—70 Personen ohne Unterschied deS Geschlechts„Leib an Leid" im größten Schmutze, ganz angekleidet, so eng aneinander liegen, daß ste fich nicht von einer Seite auf die andere wenden können.„Od ein Arbeiter den hals bricht oder irgendwo elend verschmachtet, bleibt sich gleich: S finden fich noch immer Unglückliche, welche an seine Stelle treten, und dies bleibt die Hauptsache; der Arbeiter hat ebenso wie ein Zugthier nur so lange einen Werth, alS ihm zur Arbeit die Kraft innewohnt." AuS Oberschlesien findet in diesem Frühjahre eine wahre Völkerwanderung von ländlichen Arbeitern und Arbeiterinnen nach Sachsen, Braunschweig und Hannover statt. Wie in früherer Zeit die Eichsfelder und EichSfelderinnen in den Zuckerfabttken der Provinz Sachsen und Anhalt», finden diese Oberschlefier während deS SommerS in den genannten Ge» bieten Beschäftigung. Im Rosenberger und«reuzburger Kreise, wo die Arbeitslöhne für Arbeiterinnen auf dem Lande 30, höchstens 40 Pfennige ohne Kost betragen, ist die AuSwande» rung besonders stark, auch nach dem benachbarten Regierungsbezirke Breslau, wo ste das Doppelte an Lohn und freie Kost erhalten. Selbstverständlich mangelt eS den Dominien und Bauern in diesm und andern oberschlestschm Kreism an Arbeitern. Wie fich nun auS oberschlefischen Lokalblättern er» giedt, wenden einzelne Arbeitgeber daS Mittel an, die Arbeiter und Arbeiterinnen auf Grund der gesetzlichen Kündigungsfrist durch die Behörde zurückzuhalten, bis die Wanderzeit, die mit dem 1. Mai zu Ende sein dürfte, vorüber ist. Im Rosen» berger Kreise sollen die BahnhofSbeamten angewiesen sein, von den Wanderlustigen eine Bescheinigung der OrtSbehörde Lage unserer Kasse, haben wir Streikenden der Glückert'schen hofmöbelfadrik zuftieden zu stellen. Die Forderung der zehnstündigen Arbeitszeit bei Herrn Glückett ist und wird doch von jedem rechtlich denkenden Kol- legen anerkannt werden, der Geist der Streikmdm ist ein guter. Bis jetzt ist eS Herrn Glückett noch nicht gelungen, Arbeiter zu bekommen. Kollegen! Wir wissen, daß gegenwättig die An- spiüche auf Opfer groß find, geben unS aber der Hoffnung hin, daß Ihr uns mit den nöthigen Mitteln helft und der Sieg ist gewiß. Mit kollegialem Gruß und Handschlag die Kommtsston. Briefe und Sendungen find zu richten an Heinrich Gutermuth, Dieburgerstr. 44 Darmstadt. An die Schlosser Berlins. Alle Diejenigen, welche noch im Besttz von Sammellisten find, werden hierdurch auf- gefordett, binnen 6 Tagen dieselben an einen von den unter» zeichneten Revisoren zu senden, da wir unter allen Umständen abrechnen müssm. Diejenigen, welche diesem Aufruf nicht nachkommen, werden in der nächsten Versammlung namhaft gemacht. Die RevistonS.Kommisfion: C. Franke, Rixdorf, Berlinerstraße 97. O. Neumann, Grüner Weg 13. Quölle, «dmiralstraße 31—82. Matthias, Manteuffelstr. 49 bei Pohl. Weißbrodt, SolmSstr. S. Pereine und Uersammlungem Eine öffentliche Versammlung der Stellmacher Ber» li«S tagte am 21. April in Keller*« Salon, Andreasstraße 21 mti der Tagesordnung: 1. Förderung unserer Lohnbewegung. 2. Berathung über den UnterstützungSfondS. 3. Verschiedenes. Zu Punkt 1 erklätt der Berichterstatter der Lohnkommisfion, daß der Akkordtattf jedem Kollegen gedruckt zur Verfügung steh«; femer wurde mitgetheilt, daß man erst willenS war, vor- läufig die Abschaffung der Sonntagiardeit, sowie die zehnstün- dige Arbeitszeit und Abschaffung der Kost- und Logisarbeit durchzuführen, dieS habe jedoch die Lohnkommisfion nicht für genügend gehalten. Da die Etellmachergesellen Berlin» selbst bei der jetzigen übermäßig langm Arbeitszeit nicht in der Lage find, ihre Existenz zu behaupten, so müsse mit der Regelung kusfion sprachen fich viele Redner in demselben Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: Versammlung der Stellmacher Berlins beschließt, stst� entwegt bei der gestellten Forderung stehen zu bleiben uy pflichten fich die Anwesenden, spätestens zum ersten u* der Forderung an die Meister heranzutreten und da. w* niederzulegen, wo dieselbe nicht bewilligt wird." n"*, schloß die Versammlung, nicht ttnen allgemeinen, sondt». partiellen Streik zu tnszeniren. In jeder Werkstatt ,>> Delegirter gewählt werden, welcher fich mit der ßmn#" Verbindung setzt und über die Verhältnisse in seiner- berichtet. Die Festsetzung der Beiträge zum Unter fond» für die Kollegen, welchen die Forderung dew> wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Zur„ kung der Lohnkommisfion wählte die Versammlung Lehrkampf, Blank, Lohrenz und Paultck. Am zrorfW? feiertag findet eine Generalversammlung der Vereins deutschen Stellmacher in Sanssouci, Kottbuserstraße t«. Die nächste öffentliche Versammlung, welche voraussW" 28. April stattfinden wird, soll durch Säulenanschlag � serat im„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht wervea Der Fachverein der Steindruck«» und LtthoS� hielt am Donnerstag, den 21. d. M., eine General»0' lung im Köntgstadt Kafino, holzmarktstr. 72, ab. 8% mitgetheilt, daß fich beim letzten Winterfest ein D'ßi 38,10 M. herausgestellt habe. Der alsdann erstattete? bettcht ergab als Einnahme 821,40 M., die Ausgaben( 432,15 M-, der Bestand 389,25 M. Hierauf erf Berichterstattung der LtatutmberathungS-Kommisfion, Unterstützung arbeitsloser Mitglieder beim Autbfl Streiks. Ein Mitglied der Kommisfion legte in kurze dar, daß die Kommtsston zu der Einficht gekommen keine Aendemng vorzunehmen, da man auch ohne dt« Mitglieder unterstützen könne, wenn fich dieS alS erweise. Diesm Autführungm gab die Versammlung' sttmmuna. Ein Antrag, behufS Abhilfe des Lehrlings in der Lrthograpbie Plakate an die Anschlagsäulen lassen, durch welche Eltern und Vormünder davor r. werden sollen, ihre Kinder Lithograph lernen zu laß* nack länaerer Debatte anaenommen. foerr killier c m räth, sei man verpflichtet, den*!"« z zu bieten, da man dies aber rwj überzeugt sein, daß hier nur dn. tz nach längerer Debatte angenommen. Herr Sillier geben» klar, wie wenig Zweck«in derattiges Vorg..,, da alle Gewerkt an demselben Uebel kranken, zu linge seien überall zu findm; Redner meinte, wenn � der einen Seite adräth, sei eine andere Existenz so müsse ein Jeder üoeizrugc irui» vag«irr NU» allein im Stande sei, wirksam einzugreifen. führung eine? gesetzlich geregelten Arbeitstages, Produktion und Konsumtion ausgleiche, sei dem»»5 am besten entgegen zu ttetm. Hieran knüpfte fich«'"v Debatte, in welcher mehrere Redner den AuSfühn»� Herrn Sillier entgegen traten. Alsdann wurde Gründung eine» Ge Hilfen or ganS debattirt. hierdA meinten einige Redner, würde man über die Log«"L wärtig-n Kollegen besser unterttchtet werdm, man% allen gewerblichen Angelegenheiten die»nstcht derselbe»,� lernen.— Eme Kommisfion von 7 Mitgliedern wurd« jr welche die weiteren Schtttte in dieser Sache zu veranM Ferner wurde mitgetheilt, daß die Streittommisston eine gedruckte Abrechnung vorlegen wird. Er wurd fordett, alle Listen, welche noch ausstehen, so schnell' tich an Herrn Witzel. Bernauerstr. 106, zu senden, k wurden noch einige Fragen beantwortet und auf dtt- deS Vereins hingewiesen. Nächste Versammlung dm 21. Mai, in demselben Lokale. * Bereru zur Vertretung der Interessen. � beitertnueu, Donnerstag, dm 29. April, Abend» 8''% Verttnilokal, Kommandantenstr. 77—79, Mitglied lung. Tagesordnung: Geschäftliche Mittheilungm 1 über die letzten Ereignisse. w ♦ Oeffentliche Versammlung der MänterniM und TritottailleN' Arbeiterinnen heute(DonnerM 87» Uhr im Vorstädtischen Kasino, Ackerstraße 144. j. und Schneidermeistern von der Branche ist derZutriv» 5ehung übermorgen und folgende Tage Deutsche Kunst-Gewerbe-Loose ä 1 Mk. n st. empfiehlt und versendet 10 M. B.tichnmari General- Debit Berlin 0., Theater. Donnerstag, den 29. April. Otzernhau». DaS goldene Kreuz. «chäüspielhau». Die Journaliftm. Deutsches Theater. Don Carlo». Wallner-Theater. Mein Leopolds Stkstdeuz- Theater. Theodora. Drama in 8 Bildern von V. Sardou. Belle»A lliance-Theater. Der Bettelstudent. Srtedrich-Wilhelmftädttsche« Theater,»er Zigmnerbaron.,,„ Wathalla. Theater. DaS lachende Berlin. heitere» au» der Berliner Theatergeschrchte «it Gesang und Tanz in einem Vorspiele und 3 Akten von Jakobson und Willen. Tentral-Theater. Der Stabs» Trompeter «Moria» Theater.. Amor. Tanz Poem i Luigt Manzotti. »ftend« Theater. Die Loreleq. - Theater. Große Spezialttätm- Theawe�der�NeichShalle«. Groß« Spestali» von ete. Große Spezialitäten« «ansmann'S V> LorRellung. Kimkordta. Große Spezialttäten-Vorstellung. i&r »assage 1 Tr. 9 M.- 10». «atser-Vanorama. Neu! Zum erste« Male: Throl. Ober»Jtalteu und Pompeji. Kl Allen Freunden u. Bekannten sage bei meiner Abreise nach San FranziSko ein berzlichel Lebe- wohl.[1507J«heod-r Kedderho». Ein Patteigenoffe sucht 500 Mark alS Darlehen gegm Sicherhett u. Zinsen- Adressen bitte baldmögl. u. A. T. 1, Postamt 68, abzug. Todes-Anzeige. Den Miigltedern des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavier- ardetter zur Nachricht, daß unser lang» jähttgeS Mitglied Gottlieb Kurz nach langem und schwerem Leiden im 47. LedmSjahre am 28. d. Mts, Morgen» um 17: Uhr, im Krankenhause Bethanien verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonn» tag, Nachmittags 4 Uhr, von der Leichen» balle deS St. ThomaS-Kirchbofe», Blitzer Chaussee, aus statt. Die Mitglieder ver- sammeln fich Nachmittags 3 Uhr bei Stramm, Ekalitzerstr. 18.[1497 Todes-Anzeige. Am 28. d. MtS. verschi-d nach langem und schwerem Leiden unser treuer Kollege Gottlied u*}. Sein Andenken wird von uns stets in hren gehalten werden.[1498 Di» Kollege« der pianoforte-Fabrik _»o« Koff» Wienerstr. 50._ Zichlmg dlMsttheild!! 1.— 4- Hai NmMe Üanff* gmerbe Loose a 1 M. Richard Schröder, W, Markgrafenstr. 46.[1506 GenSdarmenmarkt. hierdurch warne ich Jedermann, meiner Frau auf meinen Namen etwas ,u borgen.[1502 Gustav Meyer, Wrangelstr. 134. Reichhalt. Abeudtisch. Zu jeder Tageszeit: oberger Fleck, Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und ä Kouoert** Arbeltaitach weis Für Klarlerarbelter. Achtungsvoll Hermann Stramm, Restaurateur, Skalitzerst� i Pöttion 25 Pf. 427 MM-Km-LM , XLWUX J -my* i ckJH n«o, solid gebunden und billiget antiquarisch KiirStr 04t bei F- E-»?ckerer(Ernst Seeliger), seit 1852 dort befindlieh.[1 Knrst� Verein zur Vertretung der Interest'-n der Arbeiterinnen.[1503 Donnerstag, den 29. April, Abends 87, Uhr, ili'' im Vereinslokal, Kommandantenstraße 77—79, Mitgtieder-Ners'ammlnng. Geschäftliche Mitthttlungen und Bericht über die letzten Ereignisse. All« Mitglieder find im eigenen Interesse dringend eingeladen. Der Vorstand. 7145 Korbe« erschien: Nie ÄMtmkrlitit vor dem Deutsche« Reichstage. Stenographischer Bericht der Verhandlung de» Deutschen Reichstages am 30. Mär, 1886. Drittes Heft. Zu beziehen durch die Grpeditio« de«„Ker- liner Nolbsblatt", K erlin 8W., Zimmer- Ovale 44. Patteigen, finden eine fteundl. Schläfst, bei Kaetzbr, Btttzerstt. 26, IV. Z. bes. v. AbdS 7 Uhr an. Allen daß. eröffne. unterstützen. A. ynandt, Fürbringerstr. Soeben erschi-n Nr. 28J)e8 „Wabrm Zu beziehen durch die straße 44. Bei) große Gese Flusse. E welche» tro eine anbei Wottkämps Tagen hat umgebende, Mädchen tl ihre Einwi hatten fich Irch zur 3 Hand des Vereinigu« ''' t von i de empj >ung. A ige Pers w* müssen 26, Drbat ii?«l6ftmoti � k'i einen * �zereimtet r ttn Ein ji !!K'ch eine .. Cigarren Ip % Bildereinrahmung, einf.a..jierleben» E.ft.Schlafst.,.v«rm. Köpnickerstr� VI Beraniwottlicher»ctabeut«.«»»«hei« I« Berim. Druck und Verlag vo« gtat Babing in Berlin SW„ veuthftraße 2. Steri» � ührtZ, ein. Beilage zum Berliner Bolksblatt. T£# 9». en cflf DonnerAag» den 39. April 1886. III. t Die«mestr Lkistmz inis dm Gedirte d» Siziiilrlsirm. Der Reichstag hat, bevor er seine Osterierien antrat, in rascher sfalge d e zweite und dritte Lesung einer Vorlage vor- genommen und derselben seine Zustimmung gegeben, deren Erledigung zweifellos zu den w'chügaen Aufgaden ge zahlt werden mutz, welche der Reichstag in der laufenden Ecsflon zu machen hat. Wir meinen die Ausdehnung deS Gesetzes, betreffend die Unfall und Kranlenverstcherung auf die land- und forstwirth- schaftlichen Arbeiter. AIS zum Beginn der achtziger?!ahre b'e Reichsregierung die erste Vorlage, bet'-ff'Nd die Unfallverfichelung, machte, wurde von fast allen Parteien bedauert, datz die land und iorstwirlhschafllichen Ardeiter nicht darin Aufnahme gefunden chällen. Und alS endlich im �Jahre 1883, nach den bekannten Wandlungen, daS Unfallgesetz zur Annahme gelangte, war für "die ablehnende Haltung der linken Seite d-s Hauses mit ein maßgebender Grund- die Beschränkung deS G'setzei nur auf die industriellen Arbeiter, wobei ja selbst das Handwerk zum Tttile f>hlte. Die Regierung hatte stch indeß damals bereits ausdrücklich vervflichtet, in kürzester Zeit einen Entwurf einzubringen, welcher die Unfall�erficherung auch auf die land- und forst wirlhichaftlichen Arbeiter ausdehnt und fie ist ihrem Versprechen auch nachgekommen. In der vorigen Session ging dem Reichstag eine ent- sprechende Vorlage zu; doch ereignete stch dabei dai Merk- würdige, datz gerade jene Parteien, welche stch bei jeder Ge» als die Hauptstützen der sogenannten Sozialreform hinstellen, die Konservativen und daS Zentrum, der Vorlage gegenüber kühl bis ans herz hinan blieben und es auch glücklich fertig brachten, daß der Entwurf, nachdem er einer Kommisston überwiesen war, dort begraben wurde. Der Grund für diese ablehnende Haltung der Sozial- reformer par excellence war ein sehr durchstchtiger. Bei der ersten Unsallverftcherung handelte eS stch bloS um diejenige der industriellen Arbeiter und die auS ihr refuliirenden Kosten kommen ausschließlich auf Konto der Industrie. WaS lag näher, als daß in diesem Punkte die im Zentrum und be- sonders bei den Konservativen tonangebenden Großarundbesttzer ihre„Arbeiterfreundlichkeit" leuchten ließen? Brauchten ste doch die Kosten nicht zu bezahlen, und wenn ihnen gegenüber der Vorwurf erhoben wurde, daß die„Sozialreform" von ihnen nur denutzt werde, um durch Zölle und Abgaben auf Agrar- Produkte stch die ausländische Konkurrenz vom Halse zu halten, stch also auf Kosten der Konsumenten zu be» reichern, so konnten fie auf ihre Fürsorge für die verunglückten Industriearbeiter hinwe sen und hatten so ein arbeiterfreund- liches Mäntelchen, das wenigsten? in den politisch zurück ge- dliedenen Gegenden, in denen diese Herren meistens gewählt werden, genügte, um die Wähler zu bethören und über deren Selbstsucht zu täuschen. Diese für die Herren Agrarier angenehme Situation änderte stch in dem Moment als die Verstcherung der land. wirthschaftltchen Arbeiter in greifbarer Form auf der Bildfläche erschien. Der Regierungsentwurf vom vorigen Jahre lehnte stch in allen wesentlichen Punkten an daS Gesetz vom Jahre 1883 an und so ungenügend daffelde» besonders auch in Bezug auf die Entschädigungssätze ist, für die Unfallbeschädigten der Land- wtrlhschest emhielt der Entwurf doch große Forlschrttte. Denn für die Arbeiter der Land- und Forstwirthschaft hat be« kanntlich daS Haftpflicht- Gesetz keine Giltigkeit und die existtrenden zioilrechtltchen Bestimmungen find so mangel- hast, daß darin für die Arbeiter kein Schutz erblickt werden kann. Der Entwurf lehnte stch aber nicht nur in Bezug auf die Entschädigungssätze an daS Unfallgesetz von 1883 an, sondern baute stch auch auf derselben Organisation auf, nämlich auf den BerufSgenoffenschaften. Hierin aber lag der Stein deS An» ftoßes für die Herren Großgrundbesttzer. Die BerufSgenoffenschaften, diese vielgefeierte Errungen» schaft unserer Sozialreform, dieser angebliche Ausgangspunkt nt-5 Aus Die Nniibuig bei der Kerze. l-l? Der Maskenball und andere heitere Geschichten von Paul v. Schönthan. Bei dem Geheime» Medizwalrath Dr. Stech!« war große Gesellschaft. Die Konversarion befand sich im volle« Flusse. Em sevsatioveller Vorfall lieferte dazu daS Thema, welches trotz der Bemühuvgen des Hausherr», dem Gespräche T Richtung zu geben, von einigen enragrrten Wortkampfer« siegreich vertheidigt wurde. Vor einigen Tagen hatte man nämlich in de» den östlichen Stadttheil umgebenden Auen einen jungen Schauspieler und ein junge» Mädchen todt aufgefunden. Die Eltern de» Märchens hatten rhre Emwillrgung zu einem Bündnisse nicht gegeben, darum hatte« sich dre beide» getödtet, um— wie ei» augenschein« ttch zur Veröffkntlrchung drstimmte« Schreiben vo» der and des Schauspieler« besagte—„die ihnen verwehrte ereinigung wenigstens im Tobe zu finden". Die Nach- 'cht von dem Doppilselbstmord ging durch die Blätter und "te empfindsame Gemürher in eine wohlthuende Auf- >ung. Auch in der Stechle'schen Gesellschaft befanden sich ige Personen, wesche den Vorfall zur Sprache bringen Bussen glaubte«, und wie begreiflich, wurde hierdurch Vft? 0�e tt6et das vielbesprochene Kapitel:„Ist der Ubstmord zu rechtfertige«?* angeregt, welche den Mein»«- lof". EÄ feg«"f km itts-r 8''n Ei« ju«fler(5i)wnatiall(tner, dessen wasserllaue Augen *Fch eine scharfe, zeitweise mittel« eines„Kneifers" ver» N-e Bnlle in die Welt sahen, hatte soeben in sehr geist- w, P« AuSemandersetzung die Anficht mehrerer durchaus 3% bwürdiger Damen, daß der höchste sittliche Muth im .»irlvrge» Ertragen aller Widerwärtigkeiten bestehe, zu «rrlegen versucht, al« der pevsiovirte Hauptmann K. mit _______ fss �on® und einer Miene, in denen sich die volle Be» i it. First eiv edrgung über die beschauliche Gefahrlosigkeit eine» Phi> J~-£-£Cotxa.stcrlebens widerspiegelte, schnurrbartdrehevd betheuerte, daß 59,---«in ganz verfluchter Entschluß dazu gehöre, sich nur so " iisSÄerzulnallen". Das Wort Niederknalle« war fatal: man imann«»' � Kett" zs der sozialen Reform, auf deren Bast» die Lösung der sozialen Frage eine Spielerei sein sollte, sie haben nämlich eine recht unangenehme Elgenschast an fich: sie haben stch al» ein ebenso schwer'äll g«r wie kostipieliger Apparat erwiesen. B sonder« die in Semonen einge-heilten BmitSger- offen schaften arbeiten theil weise mit Spesen, welche die Kosten für die eigentliche Unfallentschävigung ganz erheblich übersteigen und dabei bleibt den Unternehmern noch eine große Masse von Arbeiten und Scherereien, für die es eine Entschädigung überhaupt nicht giebt. ES ist ein offenes Geheimniß, daß man in den Kreisen der Großindusirie und nicht minder auch bei den betheiligten Hand- werkern, die Unsallverstcherung, wie fie stch auf Grund der Berufs» genoff n' chatten entwickelt hat, al» eine schwere Last empfindet. Wenn die Klagen darüber nicht lauteran die Oeffentlichkeil drin- gen, so ist das nur auf den Umstand zurück zu führen, daß manstch r den bcthetligten Kreisen therlweise noch genirt, den Miß- erfolg, welchen man mit der so viel gefeierten sozialpolitischen Errungenschaft, den BerufSgenoffenschaften, gemacht hat, ein» zugestehen, und dann, well man nicht wagt, die Gunst der Regierung dadurch in Frage zu stellen, daß man eine ihrer Schöpfungen al« verfehlt hinstellt. Diese Gründe waren es auch, welche die Herren Agrarier abhielten, daSKind in der ersten diesjährigen Lesung des Unfallentwurfes beim rechten Namen zu nennen. Um so offener sprach man stch dagegen in der Kommisfion auS, wo man die Kontrole der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen brauchte. Kommunales. w. WahlresuUat. Bei der gestern im 30. Kommunal' Wahlbezirl der Hl. Abtheilung vollzogenen Ersatzwahl für den verstarb. nen Stadtveroidneten Geiler haben nach amtlicher Aufzeichnung von 4150 eingezeichneten Wählern 768 ihre Stimmen abgeben; die absolute Majorität beträgt somit 385. ES haben Stimmen erhalten: 1. Alt(l.) 548; 2. Lütke 217; 3 Stimmen zersplittert; mithin gewählt Alt(l.). w. Untersuchung eingeführte« frischen Fleische». Der von der Siavtverordneten. Versammlung ntcdergesetzle Ausschuß zur Vorberathung der MazistratSvo läge, betreffend die Unter» suchung des von außerhalb nach Berlin eingeführten frischen Fleisches zur Ergänzung deS GemeindedefchluffeS vom 15./16. Juni 1882, hielt am Dienstag Abend eine Sitzung ad, in welcher der Kämmerer Runge als Magistrats- Kommissar an- wesend war. Nachdem über die Vorlage im Allgemeinen de- batttrt wurde, kamen die Einzelanträae zur Berathung. Zu- nächst wurde der Antrag, das in Berlin eingeführte Wildpret einer Untersuchung zu unterziehen, fallen gelaffen, weil eS hierzu der gesetzlichen Bestimmungen ermangele, da«- selbe geschah mit dem Antrage wegen Untersuchung deS hier eingeführten geräucherten Fleische«. Den Hauptgegenstand bildete der Antrag, daß in Äastwirthschaften und Spetsewirth- schaften frisches Fleisch, welches von auswärt« dezogen ist, nicht eher zum Genüsse zubereitet werden darf, bis e« einer Untersuchung von Sachverständigen unterzogen ist. Auch von diesem Antrabe wurde schließlich Abstand genommen, weil daS auf dem Zentral Viehhof ausgeschlachtete frische Fletsch einer Unier- suchung unterliegt, sowie das von außerhalb eingeführte frische Fleisch, welche» auf den öffentlichen Märtten feil geboten wirv, nach dem MagistraiSantrag einer Untersuchung unterliegen soll. Im Uebrtgen seien die gesetzlichen Be- stimmungen undurchführbar. WaS da» in Kisten und Kasten eingeführte Fleisch betrifft, so seien eines Theils die Quantitäten zu unerheblich, andern TheilS auch die Stücke zu klein, um für die Untersuchung geeignet zu sein, und eine gesetzliche Bestimmung zur Vorschrift der Größe der Stücke nicht desteht. Schließlich wurde der Antrag des Magistrats:„Alles nicht in den auf dem städtischen Zentral- Viehhofe befindlichen öffcnt- ltchen Schlachthäusern ausgeschlachtete frische Fleisch darf in dem Gemcindebezirt der Stadt Berlin nicht eher seilgeboten werden, bis eS einec Untersuchung durch Sachverständige gegen eine zur Gemeindelaffe flleßendejGebühr unterzogen ist ic., im Prinzip fast mit Einstimmigkeit angenommen. WaS da« hierüber zu erlassende Regulativ betrifft, erhielt der Antrag, dasselbe ev blos anzunehmen, nicht die nüthige Majorität und soll in einer demnächst folgenden Sitzung derathrn werden. fühlte, daß die Unterhaltung eine realistische Färbung an« zunehmen begann und Frau Dr Z., die sich seit einer Viertelstunde vergeblich des Wortes zu bemächtigen suchte, fand endlich erwünschte Gelegenheit zu der Bemerkung, daß e» unverantwortlich von den Eltern de» unglückliche» Mäv- cheuS sei, ihr de» Wille» nicht gelassen ,u habe». Jede Mutter wünsche das Beste ihre» KmdeS und es sei begreif- lich, daß man dasselbe lieber einem Manne vo» Rang, als einem Koulissenhelde« gäbe; aber schließlich sei da» eine Herzensangelegenheit... u. s. w. Wenn mein Kind heute sagte: Mama, ich liebe einen ganz unbedeutenden Man», mein Herz würde blute«, aber ich würde sage«: Kind, ei ist die Bestimmung de» WeibeS,»ach seinem Herzen zu wähle», und ich habe«ich» zu sage», al«: Gott segne euch I DaS«eben der Mutter fitzende„Kind", eine« jener Wesen, die durch die Bemühung, in ihrem Aeußeien jünger erscheinen zu wolle«, eine» Schluß auf da« eigentliche Alter erschwere«, ei« Mädchen, welches durch eine ungewöhnliche Haartracht, ebenso wie durch naiv erscheinende Manieren deuilich de» Wunsch verrieth, nicht übersehen zu werden, fühlte, daß Mama etwas Unpassende« gesagt hatte; sie senkte da» Köpfchen und spielte mit einem Schlangenringlei«, welche« an einem ihrer schlanken Finger stak. Mama hatte aber ihren geheime» Zweck erreicht, denn die Gesillschast wußte nun, daß„das Kind" noch nicht ge- wählt hatte und eventuell auch an„unbedeutende Leute" mit ernsten Absichten vergeben werden würde.— Frau Dr. Z., eine entfernte Verwandte de« MedizinalratheS, war mit dem Töchterche» nach der Residenz gekommen, um Erna „in die Welt einzuführen", so sagte sie nämlich. Grausame Schicksalsironie I Während fast ei» volles Dutzend in der Verwandtschaft geschlossener Ehen ihr Werk war, gelang es ihr nicht, für sich selber die berüchtigte Be- zeichnung„Schwiegermutter" zu erwerbe«— trotz der vorhin dokumentirten liberalen Gefinvu-g in VerlobungSange« legenheit-n. ..Sie dürfen nicht zu weit gehen, Frau Doktor", sagt« der M.dizinalrath, angesichts de» nicht genau zu bestimmen» den Verwandschaftsgrades um eine andere Titulatur verlegen Zokales. Fürst Bismarck und die Arbeiter. Unter dieser Ueber» schritt erzählt da«„Deutsche Tagedlalt" seinen Lesern folgende wirklich köstliche Geschichte, die entschieden die weiteste Ver- dreitung verdient:„Wie man in der breiten Schichte der Be- völkeruna, welche voll und ganz hinter fich zu haben unsere ObstruklionSmänner unverfroren stet« behaupten, über die Ma» jorität deS Reichstages und deren Führer denkt, dazu lieferte einen recht charakteristischen Beleg eine Unterhaltung zweier gewöhnlicher Fabrikardriter, dem Dialekte nach Mecklenburger von der pommerschen Grenze, welche auf dem Wege von Ol« tensen nach Allona gestern unmittelbar vor mir gingen, und so laut sprachen, daß ich jedes Wort verstehen konnte. Der Anfang der Unterhalrung war mir leider entgangen, so daß ich nicht mit Bestimmtheit weiß, ob von dem großen freistnni» gen Eugen, einem ultramontanen oder sozialdemokratischen RetchSfeinde die Rede gewesen— eS thut nicht« zur Sache— die Worte des einfachen Arbeiters zeichnen die herrfchende Stimmung in diesen Kreisen über unseren großen Staatsmann und die R ichsnörgler auch ohne nähere Pcrsonenangade klar genug. Der Mann sagte wörtlich: „Wenn hei seggt, Bismarck iS kein groten Mann, wat iS bei denn sülwen?— Doch woll man ei ganzen lütten?— Gistern segg ick tau min lütt Döckting: „Wer hat die Welt erschaffen?" „Unser lieber Gott!" „Und wer hat da« Deutsche Reich geschaffen?" „Unser Fürst Bismarck!"- seggt dat lütt Dirnina! Süh', dat weit up Stunn'S jo jedes Kind bi unS, un h e i?— Hei weit dat nich?— Will hei dat nich weiten, denn iS bei en Lump, de uns bedretaen will, un weit hei't würkltch nick,— na, denn kann hei mi duern, un iS et puttagal, wat so'n NäS« water snacktl" „Ja, ja,— dat stimmt!"— fiel nun der andere ein,— „Mi wunnert man, dat sei den ganzen Krempel nich von ein jagen!" Hier war da« Gesprach zu Ende, indem fie stch vor einer niederen Arbeiteiwohnung trennten. WaS ich gehört, genügt, und dedarf keineS weiteren Kommentars. I. v. Leoetzow."— Dieser Herr von Levetzow scheint Obren zu haben, mit denen er die Mücken niesen hören kann. Sollten jene Ardeiter aber vielleicht etwas von der Mitarbeitelschaft dieses Herrn I. von Levetzow am„Deutschen Tageblatt" g-wußt und sich mit seiner F-inhöriakeit einen gelungenen Witz geleistet haben? Vielleicht aber wußten fie auch, daß Herr von Levetzow hinter ihnen ging und fie führten daher ganz„unabfichtlich" das obige famose Gespräch. Parlamentarische Redeblüthen. In der„Rheinisch. Westfälischen Z-itung" findet fich folgende hübsche Zusammen» stellung von Redeblüthen aus den letzten pailamenl arischen Verhandlungen. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 21. Januar d. I. nannte der Abgeordnete v. Minnige» rode„da» Schwein die Nährmutter unserer Lanvwirthe." Eine zoologisch gleich merkwürdige Beobachtung gab ein ande» rer Abgeordneter in der ReichStagSfitzung vom 22. Februar zum Besten, indem er im Brustton echtester Ueberzeuguna die Abauptung aufstellte:„Auf 2,9 Deutsche kommt immer ein Schaf!" Weniger drastisch, aber für Naturforscher gewiß sehr interessant ist ein AuSruf, den der Abgeordnete Kayser in der ReichStagSfitzung vom 7. April d. I. gethan hat:„Der Ad» geordnete Ackermann und seine F.eunde sollten stch doch nickt immer auf ein besondere» stttliches Pferd werfen!" Die menschliche Anatomie verdankt eine neue Entdeckung dem Herrn Hofprediger Stöcker. der am 30. Mär» üüi netenhause konßatiren konnte:»Diese Retourkutsche hatwenta» sten» gezogen." Wir haben schon manche Kutschen gesehen. die gezogen wurden, aber eine ziehende Kulsche ist unS noch "1«™»"nter die Augen gekommen. Nicht minder merkwürdia ist die Thatsache, mit der un» ein Ausspruch deS Abg. Rickert in der ReichStagSfitzung vom 8. Februar bekannt gemacht hat- -„em Mädchenherz zählt, wen« es zu wählen hat, in der Regel achtzehn Zahre...(Erna« Köpfchen sank noch tiefer und die Mutter rechnete im Nu einen Ueberschuß von siebe« Jahre» zu Erna« Laste» heraus) in einem solchen Alter liefert sich da» tapferste Herz dem kecken Angreifer au», wenn er halbwegs angeht— da» fragt de» Teufel nach Stand und Rang. Nein, das bleibt einmal Sache der Elter«, wir müßte« un« ja sonst drein finden, daß der nächstbeste Springinsfeld herkommt und unser« Stolz, unsere Hoffnungen einfach wegnimmt und unser eigen Fleisch uSd Blut einer Zukunft entgegeuführt, die weder durch die materielle«,«och dmch die ander» Verhältnisse sicher- gestellt wird!" „Ihr Papa ist sehr streng", bemerkte ein junger Lieute- nant am andern Ende de» Tische« zu seiner Nachbarm einer jungen Dame mit hellblondem Haar und jenem NäSchen, welche» Stechle'sche« Familienerbtheil ist und in der Blüthezeit einem frischen jugendlichen Gesichtche« ernen ebenso undefinirbare» Reiz verleiht, wie die AuS» artung dieses Typus dem jovialen Gesichte de, alte» Herrn Eintrag lhat. »Ja," erwiderte Medizinalraths Töchterche», ohne auf- zublicken und mit de» zarten Fivger« einen Zahnstacher— dieses horrible Instrument— ia feine Atome zersiückelnd— „aber im Grunde ist er herzensgut..." Einem aufmerksameren Beobachter, als Lieutenant vo» der Leuchte es war. hätte die eigenthümliche, vielleicht un» bewußte, aber auffallende Betonung dieses Zusätze« nicht entgehen können; Helenche« hatte«och etwa« beifüge» wollen, aber es lohnte sich ja nicht um den Unmenschen, der nicht einmal zu bemerken schien, daß sich über daS hübsche Gtsichichen eine Röthe ergoß, die sich gerade über dem NäSchen in einer etwas intensiveren Mauze ausbreitete. Ein Gespräch über Ehesachen wird doch, wo Heirath»- fähiger Mädchen Eltern sich zusammenfinden, auf rege Be« themgung rechnen können und nur der Ungeduld eine» viel- fach verkannten Musiker« war eS zuzuschreiben, wen« man endlich abbrach und sich in de« Salon begab. Der Abend war recht animirt verlaufe« und schließ- „Der Herr Vorredner reitet noch auf diesem Aviso herum." Der ehemaligen katholischen Abtbeilung im preoß'schen KuNuSministtlium sagte Freiherr v. Treikow am 22. Februar im Abgeordnetenhause nach:„Eine weirere Thätigkeit dieser Abiheilung bestand in der Verlegung von Feierlagen und Eonn- tagen auf die Woche". Mit natürlichen Dingen ist dies jeden- fall» eben so wenig zugegangen, wie ein höchst sonderbarer Vorgang, den der Finar zminiiler v. Scholz in der Sitzung deS Abgeordnetenhauses am 22. Januar mit folgenden beredten Worten geschildert hat:„DaS ist der alte circolnv vitiosng, der seit langem wie ein Unstern über den Reformplänen der Regierung schwebt, von allen Seiten nur als spanische Wand vorgeschoben wird, hinter der man fich verbirgt, um nicht Farbe zu dekennen". Der Herr Landrath v. Kölln war eS, der in der ReichStagSfinung vom 9. April folgende Erllärung zum Besten gab:„Eine Unwahrheit ist las, was nicht wahr ist, und eine Lüge ist eine ausgesprochene Unwahrheit." Beinahe auf derselben Höhe steht der vom Abgeordneten von Echalscha am 10. Februar ausgesprochene Gedanke: „DaS Geld ist daS Blut im Verkehrswesen, und wenn daS Blut im Verkehr stockt, ist eS Blutstockung." Der Reichstag nahm diese weise Betrachtung mit Gelächter auf. Herr v. Schalscha lieü sich aber dadurch nicht deinen. Aus der verständnislosen Gegenwart floh er in eine deffere Vergangenheit und kündigte diesen Entschluß mit den klasfischen Wonen an:„Wenn ich in den Topf der Geschitte greife." In derselben Rede machte er dem Hamburger Abg. Woermann eine sensationelle Mittheilung, indem er ihm'uries:„Ihre Väter, Herr Woermann, werden ihnen dafür nicht dankbar sein I" Abg. Rickert rief am 80. Januar dieses Jahres im Abgeordnetenhause mit erhobener Stimme auS:„Wer, wie ich, in den Ostprovinzrn der preußischen Monarchie geboren, erzogen und gelebt hat..." Niemand war gezwungen, diese harml losen Glossen, wenn ste ihn nicht interesfirten, zu Ende zu lesen, und wer eS trotzdem getban hat, der hat eS fich selbst, um mit dem Abg. Dtrichlet(Abgeordnetenhaus, 26. Januar) zu sprechen,„in die Schuhe zu schreiben." Auch ein Stück sozialer Roth. Garn ungeheuerliche Zustände lassen immer wieder von Neuem die Kellnerfrage auf's Tapet bringen. Wie viel ist nicht über die„Unfitte" deS TrinkgelderwesenS gesprochen und geschri'benl wwden; eine ganze Literatur ist von Berufenen und Unberufenen gebildet worden. Sogar Professoren haben ihr Licht leuchten lassen; man denke nur an den Göttinger Universttätilehrer v. Jbertng. Wir find keine Freunde deS TiinkgeldeS; auch wir verurtheilen eS vom sittlichen Standpunkte auS auf's Schärfste. Aber so lange man durch allerlei Palliatiomittelchen Abhilfe zu schaffen sucht, so lange man fich in unpraktischen, nach Dinte riechenden Vorschlägen ergeht und die wahren Verhältnisse gar nicht kennt, so lange wird auch das Trinkgeld bestehen.— Gleich vielen Tausenden gehörten auch wir an ein m der Osterfeier« tage zu den Besuchern deS Zoologischen Gartens. Ein „Heer" von über 100 Kellnern war unablässig befchäftiat. Im Sonnenbrände daS Bier und die Speisen heranzuschassen und doch immer die gleich unterwürfige Haltung, daS gleich freundliche Gesicht zu bewahren; gewiß ei erfordert viel Anstrengung. „Jeder Arbeiter ist seines Lohnes werth!" Dieses recht schöne, aber wohl nie auf die Allgemeinheit paffende Wort fiel unS bei unseren Betrachtungen, denen wir in einer lauschigen Ecke des Gartens nachhingen, unwillkürlich ein. Die Traiteure diesrs weltstädlischen Etablissements gelten gemeinhin für wohl- wollende Arbeitsgeber. Und was tausendtach wiederklingt, glaubt schließlich der verbissenste Pesfimist. WaS uns betrifft, so verhielten wir unS trotzdem ziemlich skeptisch. Wir thaten recht daran.„Sie verdienen heut ein schönes Stück Geld?" „Gar zu viel ist e» nicht," erwiderte der von unS angesprochene Kellner, der nach dem letzten Worte in einem mächtigen Sprunge schon wieder den nächsten Tisch erreicht hatte; aber auf eine biltende Handbewegung kehrte er zu unS zurück. Wir wollten kein Jnquisttorium abhalten, aber die Antwort deS Kellners gab uns Lust zu weiterem Forschen. Kurz und gut: wir erfuhren, daß die Herren Borgers und Marquardt jedem Kellner für einen 10 stündigen, anstrengenden Dienst 50 Pf. und zwei Stullen bieten. Bier giedt eS nicht dazu, das muß extra bezahlt werden. Von diesen 50 Pf. find 10 Pf. an den Garderobier zu zahlen; außerdem bezieht der Oberkellner noch einen gewissen Betrag, dessen Höhe wir leider nicht ermitteln konnten. Ferner entfallen auf Wäsche etwa 50 Pf.; von dem, waS an Kleidung Schaden genommm wird, gar nicht zu sprechen. Man derechne auch, daß der Kellner während seiner lOstündigen Arbeitszeit(1—11 Uhr), will er nicht vor Eimatluna zusammenfinken, 3—4 Seidel i 15 Pf. trinkt, so daß in Baar allein von den Kellnern noch 45—60 M„ wenig gerechnet, eingenommen werden. Und da spricht man von der Unehrlichkeit der Kellner, der Verwerf- lichkett der Trinkgelder. Werden nicht beiden unter den hier geschilderten Verhältniffm die Wege gebahnt?— Wir sprachen über die beregtcn Punkte noch mit verschiedenen Kellnern, zu- meist älteren Leuten. DaS ganze WeltstodtSelend, all' die Roth der Arbeitslosen treten vor den Leser hin, wenn er hört, lich hatte man das ganze Repertoir des Pranifie« ab- getanzt. Unter de» letzten, welche das gastliche HauS verließen, befand fich von der Leuchte, dem die ehrenvolle Auf- gäbe zufiel, eine ältere Dame der Gesellschaft»ach Hause zu geleiten. Der junge Kavalier unterzog fich dieser ritter- lichen Misfion mit der Bereitwilligkeit eines unerschrockene« Soldaten. Sich den Hauptstraßen der alte» Stadt nähernd, griff der Lieutenant plötzlich erschrocken an seine Linke, um eine, ein Lieutenantsherz gewaltig erschütternde Entdeckung zu mache», er hatte den Degen vergesse«. Mühsam unterdrückte er ferne» Aergev, der wohl berechtigt war, denn ein Zufall, die nächst« Laterne konnte ihn entdecken, die Blamage vor seiner Begleiterin und«och mehr die Möglichkeit, einem scharfblickenden Vorgesetzte« zu be- gegne«— gräulich I Das Ziel der nächtliche« Wanderung war«och weit entfernt, Hauptstraßen waren zu pasfiren und irgend ei» un- liebsames Zusammentreffe« nicht unwabrscheinlich. Dabei konnte er die fatale Situation mit Rücksicht auf seine« Schützling nicht einmal durch Eile abkürzen; von der Leuchte verfluchte de» Abend. Endlich erreichten die beiden ungefährdet die im neue« Stadttheil belegene Wohnung der Dame. Der Beschützer athmete auf, als fich die HauSthüre schloß, den« die Wände« rung hatte über eine halbe Stunde gedauert. Durch Seitenstraßen eilend, hatte er in kaum 20 Minuten den Rückweg hinter sich, athemlos stand er vor dem Hause dcS geheime» Medizinalrathes. Die Fenster waren dunkel, nur im Seitentrakt, der von den Dienstboten be- wohnt wurde, war noch schwacher Lichtschimmer zu sehe». Das Thor stand offen; der Ojfizier eilte ungehindert die Treppe hinan, mit jener Entschlossenheit, die weniger vom Verstand als von der Erregung regiert wird. Da stand er auch schon wieder, unbemerkt und einsam vor der Thüre, zu welcher ihn vor kaum einer Stunde der liebenswürdige Wirth mit hetteren Abschiedsgrüßen geleitet hatte. Die Thür« war nur angelehnt, den» die Mädchen hatten da» Aufräumen und Lüfte» besorgt; von der Leuchte huschte daß trctz der aufreibenden, die höchsten Arsprüche an die plysische Kraft machenden Älbeit, zu den Feieitagen Aber hinderte von Kellnern im Zoologischen Garten vergeblich Beschäftigung suchten. Wie mit so vielen anderen Erschei- nungen der Gegenwart, so ist es auch mit der Kellmrfrage. Man nimmt ste als Einzelne», quacksalbert an ibr herum und vergißt, daß ste nur in Verbindung mit dem Gesammtorga- nismus geheilt, gelöst werden kann. Eine über««» lehrreiche Geschichte, die in mannig- fach« Beziehung zu denken gredt, erzählc die„Beil. Ztg.", der wir allerdings die Bürgschaft für die angeführten Thatsachen überlassen müssen, in folgendem:„Am 25 Oktoaer v. I., Abends 11 Uh-, befanden fich in einem der ältesten und de suchtesten Restaurationtlokale im Zentrum der Stadt der Vor- fitzende einet hiesigen Krieger verein», zwei Beamte und ein Fadrikbesttzer, als von einem der Beamten der Vorschlag ge- macht wurde, eine kleine Zeche von 3 Mark durch ein Lotterie- oder Würfelspiel auszuspielen. Die genannten Personen setzten fich an einen Tisch und entrirten mit Einsätzen, die den Be trag von 10 Pf. nickt überstiegen, daS delannte Ka tensprel „GotteS Segen bei Cohn", als im Laufe des Spiels ein un- bekannter im Lokale anwesender Gast an den Spieltisch trat, fich in die geführte Unterhaltung mischte und die Spiel r, wenn sie im Verlust waren, aussordette, fich mir höheren Beträgen bei dem Spiel zu detheilizen, waS auch geschah, aber die Summe von 25 Pf. nicht überstieg. Alt die 3 Marl Zrche zusammengesptelt war, die einer der Beamten verloren hatte, hörte daS Spül auf. Einige Tage darauf wurde der Restaurateur nach der Polizei grladen und ihm eröffnet, daß nach Anzeige des Fremden, der selbst die Spieler zu Höheren Einsätzen als 10 Pf. aufgefordert, und fich hinter her als ein Kriminalbeamter entpuppte, die Untersuchung wegen Duldung von Glücksspiel«ingeleitet sei. Am 20 Ja, uar d. I. wurde denn auch der Restaurateur vom Schöffengericht wegen Duldung eines nicht erlaubten SpieiS zu einer Geldbuße von 10 M. verurthetit. Auf Bitten der beiden beim Spiel dethetligt gewesenen Beamten und deS Kriegervereini- VorstandeS glaubte der angeklagte Restaurateur Rückficht und von ihrer Zeugnißadgabe Abstand nehmen zu müssen, so daß nur auf das Zeugniß deS denunzirendrn Kriminalbeamten hin die Verurthtilung deS Restaurateur» erfolgte, weil der Gerichts« Hof nach der Aussage deS Denunzianten annahm, daß durch Einsetzen höherer Beträge als 10 Pf. beim Spiel die Grenzen deS ZecheauSspielenS überschritten waren, und das Spiel den Charakter eineS Hazardspiel» angenommen hatte. Hiermit sollte die Affaire ihren Abschluß noch nicht gesunden haben. Rechtem bald nach dem Vorfalle schon einer der Beamten, aus Besorgniß, in den Epielprozeß verwickelt zu werben, seine Pcnstonirung nachgesucht und die seit dem I.April erhalten, hat der Polizei» präfivent unter dem 10. April d. I. beim Beiirksausschuß den Antrag gestellt, den wegen Duldung von Hazardspieien mit 10 Mail bestraften Restaurateur, der im französt chcn Feldzuge wegen Tapferkeit vor dem Feinde vor der Regiments- Frort dekorirt worden, die Schankkonzession, die er beinahe seit einem Vierteljahrhundert in einem und demselben Haufe besitz'., zu entziehen. Der in seiner Existenz bedrohte Restaurateur, in dessen Lokale vorzugsweise Beamte zu verkehren pflegen, muß jetzt, um beim BezirkS-Gericht den Nachweis zu führen, daß da» entiirte Spiel keineswegs den Cha, alter eine» Hazardspieis angenommen habe, sondern nur eine geringe Zeche ausgcfpiclt wurde, die Rücksicht, die er anfänglich auf die beim Spiel be- theiligten Beamten und den Krieger-Vereins-Vorsitzenden ge- nommen, hinsichtlich des letzteren und deS einen noch im Dienste befindlichen Beamten, schwinden lassen und die Ver- nehmung der Spieler beim VerwaltungS Gericht beantragen." — Un» interesfilt an der ganzen Geschichte hauptsächlich daS Verhalten des Kriminalbeamten. t Unternehmerrecht. Der„Rechtsstaat" ist eine» der angesehcnsten Ideale der liberalen Bourgeoisie, soweit dieselbe nicht schon längst die Jveale als üdeiflüjfigen Bollast im „freien Erwerbsleben" über Bord geworfen hat. Bekennt der Aibeiter fich zu mißliebigen Programmen, schließt er fich mißliebigen Vereinen an, wählt er nicht ebenso wie sein Brotherr, so glaubt dieser Brotherr fich berechtigt, den Ardeiter sofort zu entlassen. Diese Gesinnung, welche fich nicht mit dem VerfügungSrecht über Zeit und Arbeitskraft deS ArbetterS begnügt, sondern auch seine Gedanken fich unter- würfig machen will, ist am unverhülltesten jungst von dem be- kannten Schutzzöllner und Handelskammersekretär Bueck auSg«. sprachen worden und diese Anschauung hat nicht verfehlt, ein gewisses Aufsehen zu erregen. In der Praxis find die Fälle aber gar nicht so selten, und wenn wir in folg'Ndem von zwei solchen Maßregelungen berichten, so geschieht ei nur, weil wir von Zeit zu Zeit an diesen Thetl der Untemehmermoral erin- nern wollen.— In der LuxuSpapierfabril von P. wurden vor kurzem»wei Arbeiter plötzlich entlassen. Am Sonntag, den 18. April, hatte eine öffentliche Versammlung der Lu�uspapier- arbeiter stattgefunden und um eine rege Betd«ili«ung herbeizuführen, waren an alle Fabriken Flugblätter, die zum Besuch der Versammlung einluden, gerichtet worden. Auch an unbemerkt in den Vorsaal, welche durch eine fast erloschene Wandlampe spärlichZ,erleuchtet wurde. Hier recht» erkannte er die Garderobe, wo er den Mantel abgelegt— aber den Degen— den hatte er be- halten. Er trat in de« dunklen Raum und rief fich die erste« Szenen ins Gedächniß: Nachdem er«ine zufällige Unterhaltung mit der Tochter de» Hause« begonnen, er hatte fich an ihrer Seite niedergelassen, am Diva» war'S; neben Helenchen saß Erna, die beiden Mädchen tändelten mir- einander und zeichnete« ihn durch ihre ganz« Aufmerksamkeit au», die er durch die Erzählung einer Anekdote von Saphir und einem Ungar» zu rechtfertige« suchte; dann hatte er bemerkt, daß er fich vorkomme wie eine Distel zwischen Rosen... Bald darauf muß der Mensch mit den langen Haaren gekommen sei», der das anmuthige Trifolium durch seine Klagen über de» Mangel deutscher Librettisten, denen er das Mißlingen seiner Oper zuschrieb, störte. De« hatte er mit Mendelssohn zu trösten versucht, dem eS auch nicht gelingen konnte, für seine famose» Lieder g-scheidte Worte zu finde». Dan» hatte er fich wieder ausschließlich de« Damen gewidmet, man sprach— ja, wa« war'« doch? ja, von de» weißen Hose« der Lieutenant«, von der weißen Farbe der Unschuld— dann, ja dann war e« schwül ge- worden und er glaubte sich bestimmt erinnern zu könne», nun den Degen abgelegt zu haben, als der Degen aber mehrmals herabglitt, hatte er ihn in de» Fond de« Divan« gelegt. Hierauf hatte er Erna über da« Gewicht der Pickelhaube und über die wesentliche« Prinzipien der zerstreuten Fechtart aufgeklärt, bald darauf trank man Thee und später erbat er sich von Helene den ersten Walzer; der Degen ist aber bei all dem nicht mehr vorhanden gewesen, den« er hatte ihn, seit er ihn auf dem Diva»— der behaglichen, später stet« besetzten Ruhe- insel, der manches erschöpfte Paar zusteuerte— abgelegt hatte, nicht mehr gesehen. Zweifellos war die edle Klinge in die von Lehne und Sitz gebildeten Zwischenräume ge- sunke» und dort stecke» geblieben. An dieser Anaahme festhaltend, tappte fich der Lieute- nant weiter, er gelangte an eine hohe Thüre, welche er als Eingang zum Salon rekognoszirte. Vorsichtig öffnete er diese Thür und zog sie leise hinter sich zu. Der Salon hatte ielcher fich in !it Beschlag be keiner, der och 100 Mail ich in Hast. t noch n! it Beschlag gedeckt werde! denoffen. Auch er wurde entloffen, weil Herrn P. war, daß jener Vorstsinder des Frchveretn« und Vi«, smepr „Agitaior"„R vclut o är" u. s. w. wäre Der die Arbeiter in der Fabrik des Herrn P. war ein Ai sendet worven, der Brief fiel aber in die Hände dei der ihn unterschlug. Gl-ichzeiiig hatte P. aber aus defl blatt ersehen, daß einer seiner Aibeiter als Referent in Versammlung bezeichnet w»r und daS war ihm Grund ihn zu en. lassen.„Leute, die öffentiich austreten, könne» nicht gebrauchen", lauiete die lakonische Mottoirueg- Tage später wurde ein zweiter Aroeiter von demselben der'di.ses Siuckchen verübt bat. ist Meister inZener Fa�n! �cherdrücke� hatic sich um Spionagedienste bitten zu verein als Mitglied aufnehmen lassen. .�"«us'chie Ä«ausstchtigung d Mann.— Wehren lönnm fich die Ardeiter gegen sotö« gemach?' biett der Willkür nur. wenn sich alle der FachorganiiM« Aufklärung dei schließen..-KaifirerS Köni DaS Hingeben von LegittmationSpaptere« w*/ Die»est Pfand ist eine der kleinen GetchäftSüulen vul ach übM und seine« kosi woh h-it. weil der Gläubiger weiß, daß sein Säui°»� Mitglieder d, desto mebr d?müken meide, die nertiffmdMen IltTimDcn er desto mehr bemühen weide, die verpfändeten UikunvtN Zwik wir den 3 auszulösen, je i-öthtzcr er dieselben braucht und ao» O'ter Armee""er Gründe find denn auch die M'Iitärpapiere der Zugang ,u die Bturlaudlenstandes sehr beliebte Pfandobjelt«. U» in dem Falle e Schir reten zu entgehen, welche häufig mrt der VerB'Mitglieder gle der Mllttä- papiere seitens einz-lner Personen für die Mfsehr zierlich ge dehörden verbunden find, ha»e nun daS Landww�auf keine ande Kommando in einem solchen Falle die Polizeibehörb«'Ueber die Oefi kleinen Nachbarortes ersucht, emem dortigen GaftflWL'ln dem Protoi H rausgade der von ihm als Unterpfand für eine Zutreten, in we! angenommenen Militär papiere eine« biefigen jungen t�Reichsnothfall anzuhalten und zwar im Wege deS pol zeilichcn Z vangh- größere Abtheii beti essende Polizeve- waltung, wich« dies Gesuch a�Unlerrubriken hatte, wurde auf Beichwerde der Militärbehörde an 1 Million Mali ständige Lmdrathsamt von diesem aufgefordert, devi Million liegt zu entsprechen und nunnvhr erließ die Polizeiverwolim zwei Drittel i den Gastwtrth eine Verfügung, die Papiere zur V"®? ausbewahrt we einer Geldbuße heraus upeden. Der Gastwi-ih rem« hiergegen im Wege des VeiwaltungSstrettoerfahrenS, aber in allen Instanzen und zuletzt vom O crv-rv» gerrchl abgewie en; letziercS führte auS, daß in solckel ver Verwaltungsrrchiswcg überhaupt nickt zulässtg st Erledigung derMililärgeschätie seien alle Verwaltungsbl Gerathewohl« welcher dann geben wird, r wird ein Mili Zahlgeschäft ii wei oder dn verpflichtet, den MllitLrorhö den Hilf« zu leisten. E>» Klugen auf Fall liege hier vor. Tie Polizei habe die angefochtstf Lk.1 y fügung nickt als polizeiliche Maßregel, sondern nur J®. trage ver Militärbehörde erlassen. Gegen die Äaoib� Invaliden dies-r Behö be aber ,ei der Rechtsweg nicht zulässtg. yfnfi hui" Mit dem Abbruch der alte« Häuser Kommfl� Kouponboaen firaße 65 und 66 und Alte Jakodstraße 45 und 46, b(n' sammen vie östliche Ecküite der Kommandanten- st".tz-Wichen werden wird daS Rer Revisoren unt wiederum glei Ueber die Ger struße dildtien, ist endlich, zur Freude der Bewohn«, G-gend, jcneS häßliche alte Bauwerk von der BUdfl»? schwunden, welches im VoikSmunde nur unter derv � „das Erbbegräbniß" bekannt war. DicfeS„Erdhist vlc WC1 weiches Kommar-dantenstraße 65 lag, gehörte seil iäng"» Millionen dür 40 Jahren dem vor einigen Jahren verstorbenen Kowi»Ä dem Leser« rath Buchdruckerridcsttz r Wilhelm Müser, jitzt sein»? b Schwere deS i und Geschw tönachfolger W. Möser d. I. In dien®, folgende Gew stöckigen, von jeher der ganzen Gegend zur Un.ierde M Gold rechnet den alten Bauwerke gründete der alte Möser im SWji mit Unterstützung deS Berliner Polizei- Präfiviumt*3 alten H yn'ichiN„Bert. Jrt-ll genidl." Konkurrenz 9 „Berl. Verordnungs und Jotelligenzdl." Obgleich vie� leute den Lchankwirtben und Trödlern daS amtliche** nungs- und Jntelligenzbl." zum Hatten förmlich aufb und dem alten Hayn'schen„Jntelligenzbl." sogar die Bekanntmachungen und der Polizeidertcht entzogen sollte dennoch das Moeser'sck« Unlernchm n nicht langet Nach Ablauf eineS halben Jahre« ließ der alte Möser, dem er Tausende von Thalern bei dem Unternehmen z hatte, daS Blatt wieder eingeh-n.„MöserS Ruh" nanv damals das in der Köpcnicker Straße 36 belegene» Schuldg'fängmß. DieS Haus gedö-te auch Moeser u»' zu Gefängnißzwecken dem Justiz Fitkas diS zum Iahst vermiethei worden. Die Räume, in denen das„Vero� und Jntelligenzbl." täglich zur Ausgabe gelangte, Inr-s*» Ö«4 rth#«min dem Eingehen deS Blattes lange Z'tt öde und leer, verbessern. währte nicht lange, da hatte das alte unansehnl»'. Fol Silber 5555 j Kilo, eine M nach repräsenl von 47760 Ki 19 999 200 K Und da» gani Mit Ntl «achläsfigte« Lungen weit« Staub satt tr Mohren. Mc mit der Groß nteren beidri« Waldrevier, i einen wohlge möchten, mit aber könnte u fahrenden un Haus von den Bewohnern der Gegend den NaN'Üilfich von Hunt ......""iÄT langt begräbniß" erhalten, den es auch dt« zu seinem V> behallm hat. Ein Photogroph hatte noch kurz vor. bruch«ine photographische Aufnahme von dem„ErdN pudernden Zc hergestellt. der FiSkuS, l Bezüglich der Unterschlagungen der Ka!� und privaten p» hiesigen Ortsk.ankenkaffe der Tischler und Pianoforle-uswüßte gelinge wird uns mitgetheilt, daß diese Unterschlagungen von �herzustellen, t der Kaffenmitglieder eine ganze Reihe von Jahren% verzehnfachen fortgesetzt wurden. Der Anfang damit soll schon im S"* gemacht worden sein. In der Wohnung des Kasfire� Situation v ----------."�Herzensgrund feine Phpsiogvomie in der überraschendsten Weise weiter!" aa scheinend au« man au An Stelle der hellstrahlende» Lichter und Lampz« eine Ampel den Raum mtt mattem Dämmei schein das Möblement war ander« arravgirt worden.- der Thür war ein Lager aufgeschlagen, in welche"'. Helenchen« Kousine, ruhte, während die würdige M"-" ersteren nebenan in dem von Helene großmüthig abge"! TOatta mam otnom /4s vvr aK»* fl«»a/4%«(*«*.■**«**,. Mit eir ihren Träum, L indeß ges chläfrtgen: her an de» Selbst z Bette von einem Schwiegersöhne nach ihr-m Herzen Ickten, Dcge —*'~~ � Helen chens q Dort in der Ecke am Fenster, wo von der Leuchte»"f Stunden seine kleinen Triumphe gefeiert hatte, r Diva», da« alte breite Möbel und ein Lager au», Linnen war darauf improvifirt für da« liebevSwürdigf' chen de« gastfreundliche« Medizinalrathes. Da» Mondlicht, von dem fchneebeladenen Dach gegenüber liegenden Haufe« reflektirt, sandte eine" Lichtstrahl in den stillen Raum, welcher die beiden ermüdende» AmüsemeetS de» Abends auSiuhende» tv beherbergte, von der Leuchte hörte ihr ruhiges A» schliefe» sie oder wachten sie?— gleichviel, für™ kein Zurück. Entschlossen, aber mit äußerster Vorsicht fich Helenen« Lager, dem Grabe de« unseligen Des beugte fich über die Schlafende und tastete nach" r, hielt den Athem an, feine Hand zitterte, fein H pil i Nach flüchiigem Sondiere» stieß er— Heureka T"„j Degengriff, umfaßte ihn mir kräftiger Faust unv � leise daran. Die Träumerin schlummerte weiter, �■ e« keine Lieutenants auf der ganze» Welt, und � rastende Geh vollen Aufzu gefolgt von i �scheinung, E, geweckt, in ikeeweste de ürzung«ach a« Lager ih drohte. Dem® &"D" avohi» es voppelselbst« chuldrae Sei .Die S ch—„ich .Ach w lhre Arme! Butter—„ erderben«i her über dränge», beruhigte» de» Offizier auch „da« Kind" ebenfalls im Banne eines juge" Schlummer« lag."W Ungefähr drei Minuten dauerte die Avstr��- -- Rua ehmt Euch Dem 5 ging e« flotter und mit einem letzten leisen R" � flitzende heikle Aufgabe vollbracht— der Degen aus Haft befreit. Aber o Himmel, als der junge Offizier("TLi*, beobachtenden Blick von der Schlafende»' wahrte er zu seinem Entsitzen, daß er nur d>e* ausgesördert hatte, die Scheide war festgeklem"".� Eich, die ganze Welt und vor allem l Kli and, die ar «rblickte, "amastdecke «er Güte, in AuÄ e dei aus Otw ;fttenl j« ®iunli n, könn!» ;ioiiun(. nftlbtn V» M gon(|»W (teit> ad) üMt4( 6duW i lunvt» J anD aus« :t Vtlpll iir die andw'bu echkhölde GastM eine 3' :fud) adj rve an> t, de« lverwal»» ur 0""* Icker sich im Grunewald erhängte, wurden ca. 6000 Marl it Beschlag belegt, während man in der Wohnung det KasfirerS reiner, der fick ebenfalls im Grunewald erhängt hatte, nur och 100 Mark vorfand. Der dritre Kaffirer(Richter) befindet ck in Hast. Die Summe der unterschlagenen Gelder noch nicht festgestellt, wird jedoch durch die ist Beschlag belegten Gelder auch nicht annähernd gedeckt werden. Der Kasfirer Greiner, welcher wieder »abgeschnitten" und zum Bewußtsein gebracht worden ist, wnrde zuletzt in Schönholz gesehen. Er hat den Selbstmord» ��Aversuch im Grunewald erst gemacht, nachdem er im Kafienlolal �"�ischerdrücke 22) von dem Selbstmord des Kasfirers König enntniß erhalten hatte.— Der Kommiffar, welcher die Be» ausfichtigung der Kaffe führt, wurde schon vor einiger Zelt auf die vorgekommenen Unregelmäß!g?eiten der Kasfirer aufmertsam gemacht, hielt et jedoch nicht für aerathen, ernste Schritte zur luiklärung der Sache zu thun. Erst als der Selbstmord deS KasfirerS König bekannt wurde, schritt die Behörde ein. Die vefichttgung des Spandauer JultuS-Thurmet und fernes kostbaren Jnhalis durch die hierzu bistimmien zwei Mitglieder der R'ichSschuldentilgungi Kommisfion geschieht, wie wir den„Monalltchen Nachrichten für Zahlmeister Awiranten »(„«m« �unee" entnehmen, in folgender intereffanten Weise. Der r Peu.o, Zugang zu diesem wohlbewachten RcichSkriegsschatze kann nur Ite. u..,in dem Falle ermöglicht werden, wenn die beiden Kommisstons Mitglieder gleichzeitig die in ihrem Befitz befindlichen, übrigens sehr zierlich gearbeiteten Schlüsselchen in's Schloß stecken. Denn auf keine andere Weise ist der trotzige Aufschluß zu erzwingen. Ueber die Oeffnungszeit wird jedes Mal ein genauer Vermerk in dem Protokoll angegeben. Dann erst wird die Rotunde be- �-.treten, in welcher die blanken 120 Millionen Mark für den un gen-�Reichtnothsall lagern. Die gewaltige Summe ist in zehn größere Abtheilungen zerlegt, deren jede wieder in zehn größere Unterrubriken zerfällt, so daß in jeder der letzteren je eine Million Mark enthalten sein müffen.?!ed« dieser Einzel- Million liegt in zehn Beuteln zu je 100000 Mark, von denen zwei Drittel in Zwanzig- und ein Drittel in Zehnmarkstücken _ ausbewahrt werden. Sobald die Revifion beginnt, wird aufS ih re«s» Gerathewohl eine der vorhandenen Abtheilungen benannt, aus aütini,] welcher dann irgend eine der Unterabtheilungen näher ange- ?erver«oM geben wird, um durchgezählt zu werden. Zu dieser Arbeit n solche? wird ein Militär-Kommando abgeordnet, sodaß das mühselige lMg f(| Zählgeschäft in verhältnißmäßig turzer Zeit erledigt ist. Sind lltungSb« i.wri oder drei der 100000 Beutel aus den verschiedenen Ab- :n. E« s Heilungen auf die Richtigkeit ihres Inhalt« geprüft, dann ist dieser >aefochteSst Revifion beendet. Außerdem werden auch noch die r nur M Bestände der übrigen drei großen ReichifondS, wie solche für ■ Aaflif* 5. slnvalidenvrrsorgung, den Festungsbau und die Errichtung äiiia. i 5e8 ParlamentSgebäudeS vorbanden find, genauestens geprüft, !lur hter die einzelnen Werthe nebst den dazu gehörigen , xn miß! �oupon Wen, die Stückzahl, Nummerzahl, Serien rc. mit den ...»? tn den Jnventardüchern enthaltenen Angaben sorgfältig ver- ?'&«<# strichen werden. Sobald alle diese Einzelheiten geregelt find, wird bat RevifionS.Protokoll ausgefertigt und von den zwei . w V Revisoren unterschrieben, die beiden Schlüffel werden alSdann ler de« � wiederum gleichzeitig»ingesetzt und die Prozedur ist heendet. .Erbbt«, Ueber tzse Gewichtiverhältnisse der im Juliusthurm lagernden eil IanS°» Millionen dürsten folgende Ziffern einigermaßen orientiren und „ Kow�A dem Leser einen ungefähren Begriff von der ungeheuren : seine« Schwere des Schatzes beibringen. Dazu ist et nothwendig die |n dies� folgende Gewichts- Skala voranzuschicken. Auf eine Million in >ierde Gold rechnet man 398 Kilo Gewicht' auf eine Million in im JoW Silber 5555 Kilo, eine Million in 2 Pfennir-Stücken 166 666 liumt% Kilo, eine Million in 1 Pfennig Stücken 200 000 Kilo. Dem umtiz, S noch reprasentirt der Reichikri-gSschatz in Gold ein Gewicht leich vit�pon 47760 Kilo, in Silber 666600 Kilo, in 2 Pfennigstücken aUtÄ»«ja 19 999 200 Kilo, in 1 Pfennig- Stücken 24 000 000 Kilo! ch auf«? Und das ganze Geld liegt ohne irgend welchen Nutzen da. lr die Recht wird vielfach über die vollständig ver- # uachläsfigte« Wege im Grunewald geklagt; wer fich die bmK,r �»"gen weiten will mit frischer wohliger Luft, muß fich erst an > M0ser, Staub satt trinken und wenn er heimkehrt, ähnelt er einem ihmen it Mohren. Man sollte meinen, daß die größere Nachbarschaft h" naa«? mit der Großstadt dem Grunewald auch großstädtischere Ma- legene P, nieren beibringen müßte. Nicht als od wir nun das große 1 oeser u"', Waldrevier, auf dem man fich frisch herumtummeln kann, in im Jad� einen wohlgepfl.'gten steifbeinigen Garten verwandelt sehen „VerolA möchten, mit elektrischer Beleuchtung und Ruhedänken. Wohl zte, staN� ader könnte und�müßte�etwas geschehen, um die Hauvtfahrwcge i leer,'"""*'' nsehali , Na< m V- ?Srd? r KasPl ivfortt� a von fahren n im v, Kasfir«' verbeffern. Von Halensee bis Hundelehle überschüttet den ahrenden und Ma.schirenden weißer Staub, und wenn man ch von Hundelehle bis Pauls bom durchgearbeitet hat, so ge- langt man auf ein Stück Chauffre. schwarz wie die Nacht, an- scheinend aut Kohlenstaub hergestellt oder ähnlichem schwarz- pudernden Zeug. Wenn alle Betheiligten fich zusarnrnenthäten: der Fitkus, die Wirthe im Grunewald, die Befitzer öffentlichen Md privaten Fuhrwerks und nicht minder das Publikum, et wüßte gelingen, für die Fahrstraßen einen festen Untergrund herzustellen, der eine Besprengung zuläßt und daS Vergnügen verzehnfachen würde. Wohl kostet der Chauffeebau auf dem _ Situation vergessend, entfuhr ihm ei«, vom tiefsten kommendes, echt lieutenantmäßiges„Donner Leist»elA wettert"... L Rjst einem ängstlichen Aufschrei fuhr Helenche» aus schein% Aren Träumen empor, dadurch„das Kind" weckend, welche« eu-"! gefaßter zeigte und mit einem verwunderte«, noch wel� schläfrigen:„Ach, der Herr Lieutenant!" die Decke einfach -ige höh« an den Hal« zog. »nÄ vollen Aufzuge mit einem Lichte in der Hand herbeistürzte, gefolgt von einer nicht minder interessanten nächtlichen Er- lschervung, Ernas Mutter, die durch die Stimme der Tochter -« Dwy�meckt,»n dat nächstliegende Klerdurgsflück, die weite eint»!M>keeweste des Gatten, gefahren war und in höchster Be- beiden zWürzung nach dem Schauplatze eilte. Leider war es nicht kb Iii841 Tochter, welches der hübsche junge Lieutenant . id»'' itttte, ger aus vürdig« 8 für W r- Dem Geheime» Medizinalrath wollte das Licht ent- .t-lSi»Da sehe« Sie, lieber Kl"�'»" x'-k mfitir«- ah��wohl» es die Härte der Elter« »Da sehen Sie, lieber Kousia," rief Ernas Mutter, bringt— ei» zweiter 'fjm "in'rfäjx»'Di« Situaiion»— stotterte Dr. Stechle ganz >ka" � begreife Sie nicht, Herr Lieutenant! und LfL»*1$ w«,„Herr Lieutenant"— schließe» Sie ihn in »LWre Arme!- Dacht ich rnir't doch gleich!" rief Ernas .* vlc VWU orr vj-ucrn vllngt—«in jwcwit "'bei ��uldtae Se"�!»~ armes Lenchen— die gute, un- � Ct v.x®Wualtott"— stotterte Dr. Stechle ganz außer eiter, dst. cin"J"6,'" Mcklichet Lenchen I 'Ä halten Sie wenigsten« da« Licht, theure Kousine, "�1 f'Vo. Q � x ,m Fester». Ihre Hand, mein lieber von „dl'V»r Leuchte— und 4,;--x„m«.... er 0° ZÄ Euch Unh Wh 1" _ der entgeistert dastand, entsank die ■ c.. Glinge— rechtzeitig, den» eine kleine rofige 0ui Spitzenbesätze det NachtgewaodeS her- o ckte' streckte sich ihm entgegen und unter der ein Mädchevherz, welche» mit As.'ää sandigen Boden der Mark sehr viel Geld, aber et wird nichts übrig bliibcn, als Hand anS Werk zu legen. Berlin hat eine Sektion deS Alpenoereint, des RiesengebtrgevereinS, eS tragt einen Theil dazu bei, die Wege in den schweizer Bergen zu verbeffern, die Besteigung der Schneckoppe zu«leichter« und et sollte nicht Gerneinfinn genug haben, um seinen eigenen großen Forst zu verschönern? Namentlich an die befitzenden klaffen möchten wir diesen Appell richten. Wer nicht aut Rück- ichren auf das allgemeine Wohl fich zum Mitthun begeistern lassen will, der thue eS aus egoisti chen Motiven. Sein Rock und Hut wird nicht die Kosten d«S Ausflugs tragen müffen, der Zweck des AuiflugS wird viel Keffer erreicht werden, die Strapazen werden viel gering«« sein. Die Hauptsache ab« ist, daß fich einmal eine Anzahl Männer zusammenfinden, welche die Sache in die Hand nehmen und das Ziel unentwegt im Auge behalten. Es wird schwere Arbeit genug kosten, aber eS find dum größere Dinge durch Beharrlichkeit zum guten Ende ge- uhrt word�wt � zzlüthe der Obstbäume ist bekanntlich Werder das Ziel vieler Naturfreunde. Ein kaum mind« chöner Anblick bietet fich aber auch in unserer näheren Um- gedung. In Gatow find herrliche Obstplantagen, darunter eine von ca. 70 Morgen, geschaffen, die den Werderschen würdig zur Seite gestellt werden können. Um diese Zeit, in welche die Baumdlüth» fällt, dürfte ein Ausflug nach Gatow gewiß �"Ä�Ofterfest fiel in diesem Jahre auf den spätestmög. lichen Tag, und wenn der alte Zauberer Nostradamus Recht deHalten bätte, so würde gerade zu Ostnn„die Weltenstund geschlagen" haben. Wie zum Hohne d« alten Prophezeihung, die der Welt den Untergang kündet, sobald der Charfreitag auf den Jürgenstag, den Tag St. Georg(23. April). Oster- sonntag auf den MarkuStag(25. April) und Frohnleichnam auf den Johannistag(24. Juni) fällt, vnjüngte fich gerade in diesen Tagen die Natur und zeigte daS frischeste DaS Wilmersdorfer Seebad hat am 1. Osterfeiertag als Erstes der diesjährigen Sornrnerbäder die Saison eröffnet. DaS Bad ist mit Rückficht auf die Frequenz dedeutend eiwei- tert und renovirt worden; die Temperatur det Eeet ist in Folge der letzten warmen Tage bedeutend gestiegen. Interessant ist eine Zusammenstellung, welche bei Gelegenheit der Wettrennen am zweiten Osterfeiertage««nacht wurde. Danach brauchen zu 1000 Metern die Pferde 1 Minute 47'/* Sekunden bit gegen 2 Minuten 1 Sek., die Schnellradfahrer 1 Minute 56 Sekunden bis 2 Minuten 14'/, Sekunden also nicht wesentlich mehr. Nimmt man an, daß diese Ge- schwindigkeiten eine volle deutsche Meile» also etwa 7600 Meter, innegehalten würden(die Entfernungen in Weißensee betrugen 2400-3200 Meter, die auf der Velozipedenbahn 2000—5000 Meter), so würden die Trah« die Meile in 13'/, Minuten bit bit 15 Minuten 26 Sekunden zurücklegen, während die Velozipedisten 1—1'/« Minuten mehr brauchen würden. Dabei ist zu bemerken, daß da« Dreirad fast dieselbe Schnelligkeit «reichte, wie dat Zweirad. Ein guter Schlittschuhläufer schafft die Meile unter günstigen Verhältnissen in 10'/, Minuten, ein Eisendahnzug in 6—10 Minuten, ein Dampfer von 15 Knoten Geschwindtgreit in 20, ein gutes Rennpferd in 9'/, bis 9'/, Minuten. DaS gewöhnliche T«mpo der Personenpoften beträgt '/* Stunden für eine Meile. Die Leistung deS VelozipedeS ist also recht ansehnlich; allerdings müffen Weg und Wetter von bester Beschaffenheit sein, wenn jene nicht wesentlich deein- trächtigt werden sollen. Schattenbilder aus dem GefchäftSleben. Rabatt wie Provistonen find Dinge, welche üb«all im angemessenen Ver- hältniß zu Leistung oder Gewinn stehen sollten, damit daS eigentliche Geschäft gesund bleibe. Leid« kann man eine Ver- schlimmerung des Rabatt- und ProoisionSunwesent auf sehr vielen Gebieten deS wirthschaftlichen Lebent nicht ableugnen. Wie die Sargfabrikanten seit geraumer Zeit fich aufbäumen gegen„Schiöpfungen" seitens unbefugter Persönlichkeiten, so deginnt auch tn anderen Kreisen allmälig eine Agitation zu Gunsten des direkten Geschäfts mit den Konsumenten fich zu entwickeln. Wir lesm jOa z. B. in dem Jahresbericht der Kor- itade:„Eine Vorstande des Stelle det auferlegten Rabattsatzes" von 16'/- Prozent�fortan bei Bücher-Aufträgen nicht mehr als 10 Prozent zu bean- spruchen, bei Journalen dagegen auf Gewährung von Rabatt ganz zu verzichten"— ist abgelassen worden mit motivirendem Begleitschreiben, wo eS u. 31. heißt:„Der Anspruch einer Be- Hörde auf regelmäßige Gewährung einet so hohen Rabatts muß alt eine bedauerniwerthe Verkennung dessen, was der Eorti- mentSdrtrieb vertragen kann, bezeichnet werden;... er führt für das BuchhandelSgewerbe Mißkredit und fchließlichen Ruin herbei!"— Die Antwort d«S Magistrat» steht noch aus. Ei« entsetzliches Stück sozialer Roth offenbart fich tn der folgenden trockenen Notiz:„Am 27 April, Abends zwischen 8 und 9 Uhr, bemerkten ver Schiffer S. und der Former B am Humboldtshafen einen Mann, welcher mit einem 5jähligen Knaben am Mass« auf- und abging, dann plötzlich den Knaben in das Wasser stieß und selbst nachsprang. Dem Schiffer S gelang es, den Mann, in welchem der Mufilus W. ermittelt wurde, zu retten, dagegen ist der Knabe, ein unehelicher Sohn des W.,«trunken.„Anscheinend" ist Roth dat Motiv det Mordet und SilbstmordversuchS."„Anscheinend" ist'Roth, nein, sagen wir doch lieber gleich offen, daß die httt«e, thatsächliche Roth den Mann zum Mörder und Selbst- mörd« gemacht. Geftändniß eines Zuchthäuslers. Ein im Zuchthaus ergrauter Verbrecher, der augenblicklich wieder eine ZuchlhauS- strafe verbüßende„Tisch!« Hinze, hat im Gefängniß dem dortigen Geistlichen ein ziemlich überraschendes Gcständniß ab- gelegt. Hinze hatte bekanntlich in einer Weinhandlung in der Potsdamcrstraße einen Einbruch verübt und später seinem Schlafkollegen, einem Maurer Riischock, dir gesarnrnten Er- sparnisse im Betrage von 600 Mark gestohlen. Von dem Gelde hatten fich nur noch 180 Mark vorgefunden, während der Rest verschwunden war. Den Bemühungen des Geistlichen war es nun gelungen, den H. zum Geftändniß zu bewegen und ge- stand er auch ein, den Rest des Geldes in seiner Wohnung, Skalitzerstraße. verborgen zu haben. Hier ist das Geld am vergangenen Eonnidend vorgesunden und dem Bestohlenen wted« behändigt worden. Eiu anscheinend an zeitweiliger Geistesstörung lei- dender Mann wurde am zweiten Feieitoae von Vorübergehenden am Etsenbahnköiper der Görlitz« Bahn»wischen den Stationen Grünau und Glinecke bemerkt. Der Mann hatte fich zum größten Theil seiner Kleider entledigt, dieselben auf den Schienen ausgebreitet und saß nahe an den Schienen nrit lächelndem Geficht, als ob er auf einen Zug warte, der ihm dat Vngnügen bereiten sollte, über die Garderobenstücke hin- wegzufahren. Von den Vorübergehenden wurde er rnergisch angebalten, die Kleider wieder anzuziehen. Da man bei ihm ein Retourbillet nach Berlin fand, wurde« zum Zurückfahren mit dem nächsten Zuae veranlaßt. Was in Berlin aus ihm geworden sein mag, ist unbekannt. Gewöhnlich wird solcher Mensch von einer Stelle zur anderen gewiesen, und nirgend ist eS so dringend wie in Berlin nöthig, daß die Angehörigen schwachstnniger Personen auf diese streng Acht haben. Warnung vor einem Schwindler. In den ersten Tagen diese« Monat««schien in einem Kolontalwaaren-Ge- schäft in der Rathenowerstraße ein unbekannter Mann im Alt« von 35 Jahren und offerirte unter Berufung auf ver- schieden» Firmen eine neue Sorte Kitt, welche aus den leimi« gen Substanzen des Mchet präparirt r'ei und alle Arten Glas Porzellan, Stein überhaupt jede Masse sofort zusammen kitten und besonders wid«standZfähig und haltbar machen ollte. Der Verkäus« machte auch eine Probe an einem Stück Weißbierkruke, welches er zerschlug und nach Erwärmung der Bruchstellen über einer Sptrttuiflamme mittelst einer Stange Kitt derart wieder zusammenfügte, daß Niemand im Stande war, die frisch gekittete Waare zu zerbrechen. Der Kitt, wel- che»« demnächst verkaufte, erwiet fich indeß als absolut un« l»rauchbar. Einem englischen Heilmtttelschwindel ist man neuer- dings bei unt auf die Spur gekommen. Vor einig« Zeit wurde von England her ein neuet narkotisches Mittel(Hopein> in den Handel gebracht, das angeblich auS exotischem Hopfen gewonnen war. DaS Hopein wurde auch von unseren Aerzten zur Probe angewandt, und da eS fich bewährte, häufiger ver- ordnet, obgleich et ziemlich theuer war. Ein Londoner Bier- drauer machte fich die angebliche Entdeckung zu Nutze und bot (auch in den Berliner Zeitungen) ein Condensed Beer mit Hopeingehalt für Leidende besonders als Schlafmittel feil. Ein Breslauer Apothek«, Dr. Müller, hat nun daS Hopein chemisch geprüft und herausgebracht, daß et nichts anderes alt ein längst bekanntes Morphinpräparat ist. Durch Beimischung anderer Stoffe hat man demselben nur ein verändertet Aut» ehen gegeben. DaS./Condensed Beer" ist. wie eine weitere Untersuchung ergeben hat, gewöhnliches englisches Bier, dem ab« eine beträchrliche Menge von Morphin in Lösung beige« mischt ist. AuS diesem Morphingebalte erklärt fich zur Genüge die schlafbringende Wirkung deS„Condensed Beer". DaS in England hergestellte„Hopein" war zwanzigmal so thiu« als dat reine Morphinpräparat. Einzelne hiefige Apotheken haben durch den Schwindel pekuniären Schaden«litten; viel größer aber ist die Schädigung der Laienwelt. W« das„Condensed Beer" genießt, nimmt darin Morphium in unberechenbarer Menge zu fick. Und doch gehört gerade daS Morphium zu denjenigen Mitteln, deren Genuß genau von einem Arzte über- wacht werden muß, die Maximalvose, welche der Arzt ver- ordnen soll, beträgt bei un» nur 0,03 Gramm, in der Schweiz nur 0,02 Gramm. Es muß daher vor dem„Condensed Beer" gewarnt werden. Vom Amte suSpendirt. Nach einer Mittheilung der „Staatsdgr. Ztg." soll der dekannte Krirninallommiffar Weien, der erst jüngst noch im Prozeß wegen der Paepke'schen Mord- affaire eine hervorragende Rolle spielte, vom Amte suSpendirt worden sein. Pottzei-Bericht. Am 27. d. M. Vormittags stürzte fich ein Beamter auS dem Fenster feiner in der Großen Frank- furterstraße 2 Treppen hoch belegenen Wohnung auf die Straße hinab und erlitt eine Zertrümmerung des Schädels, an der-n Folge er bald nach seiner Ueberführung in daS städttsche Krankenhaus im FriedrichShain starb.— An demselben Tage Mittags sprang ein unbekannt gebliebener Mann vom Treidel« wege aut in den Schifffahrtskanal und ertrank. Die Leiche ist biSH-r nicht gefunden worden.— An demselben Tag: Nach« mittags wurde eine 86 Jahre alte Frau im Lustgarten vor dem Dorn durch einen auf ein rn Kinder- Veloziped fahrenden Knaben umgestoßen. Sie erlitt durch den Fall eine so starke Erschütte« runa des rechten Belms, daß ste mittelst Droschke nach ihrer Wohnung gebracht werden mußte.— Am Abend desselben TageS wurde der Fuhrherr Langnick, während er vor dem Grundstücke Badstr. 41, unmittelbar am Bürger steige stehend, fich mit einigen Bekannten unterhielt, von einem vorschriftswidrig schnell fahrenden Echläckterwagen überfahren und am Kopf und an beiden Beinen nicht unbedeutend verletzt. Er wurde mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht.— Zu der« selben Zeit erlitt der blinde Handelsmann Podzuwett, Münch»« dergerstraße 30 wohnhaft, dadurch schwere Brandwunden, da er fich, wie er öfter zu thun pflegte, am ganzen Körper tni Spiritus einrieb und dann, um schneller zu trocknen, vor den geheizten Ofen stellte, wobei die Spiritusdämpfe in Brand gerietden und er plötzlich am ganzen Körper brannte. Er er« litt schwere Brandwunden und mußt« mittelst Krankenwagen« nach dem städtischen«rankenhause im Friedrichsbain gebracht werden.— An demselben Tage, Abends gegen 10 Uhr, stieß ein unbekannter Mann, wie Zeugen gesehen haben wollen, am Alexand«'Uf« einen etwa 6 Jahre alten Knaben in den Humboldthafen und sprang dann selbst int Wasser. D« Knabe«trank, der Mann wurde von Schiffern noch lebend herausgezogen, und da er nicht zur Befinnung gebracht werden konnte, nach der Charttee gebracht. Die Veranlassung zu der That, sowie die Namen der Personen konnten bisher nicht ganz festgestellt werden, da der Mann noch nicht vernehmungs« fähig war._ Gerichts Zeitung. t Ei«„reeller" Geschäftsmann stand gestern vor d« Strafkammer des Landgerichti in der Person des Kaufmanns tz. Derselbe war der Inhaber eineS TopeziergeschäfteS, welches nicht recht floriren wollte. Als nun sein Schwiegervater gar noch Gelder, die er ihm vorgestreckt hatte, zurückfordrrte, wäre der Zusammenbruch unvermeidlich gewesen, wenn nicht H. auf ein Mittelchen verfallen wäre, welches heut zu Tage sehr nahe liegt. Es hält heute für den Kaufmann schwer, seine Maaren abzusetzen. Die mit dem herrschenden WirthschaftSsvstem un- vermeidlichen Krisen haben im Handel Erscheinungen hervorgerufen, welche betrügerische Manöver ungeheuer er« leichtern, ja sogar zu denselben verführen. Agenten und Reisende werden abgesendet, die bekanntlich zu- frieden find, wenn fie möglichst viel Aufträge erhalten und fich um die Zahlungsfähigkeit des Käufers keine große Sorge machen. In leichrfinmgst-r Weise wird Kredit genom- men und gewährt. DaS machte fich auch H. zu Nutze. Er de« gab fich zu einer Firma und destellte für 3000 Mk. Maaren, Tapeten, Möbel, Möbelstoffe, Portieren u. f. w. Er sprach dabei von einem fabelhaften Gutsbefitzer, ver ihm den Nuttrag gegeben haben sollte, eine fabelhafte Villa„einzurichten." Ohne diese Angaben näh« zu prüfen, lieferte die Firma die Maaren. Noch 5 andere Geschäfte fielen demselben Schwindel zum Opfer. Gleichzeitig hatte H. in der„Vosstschen Zettung" ein« Chiffre« Annonze einrücken lassen, wonach Möbel und Möbel- stoffe„gegen Kasse" zu Verkauf stünden. DaS war ein AvtS für die Portiewaarengeschäfte, diese Leich, n- räuber auf dem Schlachtfelde deS Handels und Verkehrs. Einer dieser menschenfreundlichen Ramschkäuser kaufte auch zu einem unnatürlich niedrigem Preise—„nach Gewicht"— oll« 8, was H. zu verkaufen harre. In der Verhanolung gab er selb« zu, daß er Portieren, die reell 20 M. kosten, für 5 M. weit« verkauft habe. Welchen PreiS mag ec an H. dafür gezahlt haben?-- H. wurde zu 1 Jahr 6 Monaten Gifängniß ver- urthellt und zwei Jahre unter Polizeiaufficht gestellt. Der Ramschkäufer war nicht unter Anklage gestellt worden. In fünfter Instanz wurde gestern vor der VI Straf« lammer deS Landgerichts I eine Anklage wegen Uebertrelung det VereinsgesetzeS verhandelt, bei welcher der Abgeordnete Hugo Hermes, der Bureauoorsteher Sckalhorn, der Kaufmann Wittkowski und der Rechtsanwalt Cassel angeklagt waren. Die Angelegenheit, die im Allgemeinen hinlä-rglicd bekannt ist, geht auf den Ol oder 1834 zurück. Damals, zur Z-it der Reichs- tagswahlen, sah im Woltag'schen Bierhause der Reoierlieutenant zufällig in einem Nebenzimmer einige Herren, darunt« Rechts- anmalt Cassel, der eine Ansprache zu halten schien, und die Folge davon war ein richlerliches Strafmandat auf 15 M. gegen die Angeklagten, weil sie als„Letter" die„Versan.m- lung" anzumeloen unterlassen hätten. Die Angeklagten leug- neten, daß fie eine Versammlung abgehalten hätten und haben den Streit, wie gesagt, schon durch 4 Instanzen getrieben. Gestern bestritten ste den Begriff Versammlung. Zu diesem Begriff Versammlung gehöre die Gemeinsamkeit des Zaiecket und die Berathung öffentlicher Angelegenhetten. Nach beiden Richturgin hin schwebe die Anklafte in den 2ufi. denn et sei nm nawkewtesen, daß mehrere Personen beim Bier beisammen waren; et fehle jeder Nachweis darüber, wat qespiochm und erörtert worden sei, wat die anaedltchen„Leiter" gethan haben und schließlich fehle auch jeder Hinweis darauf, wer denn der „Unternehmer" der Versamnluna war, denn nur diesen, nicht aber den.Leitern" lieg« vre Pflicht der Anmeldung ob. Dem äten Grund verschloß sich auch der Gerichtshof nicht und annte auf Freisprechung der Angellagten, wenn er auch im Uebriaen eine„Versammlung" für vorliegend erachtete. Reichsgericht»» Entscheidung. Die Gefährdung einer nicht dem allgemeinen Verlehr, sondern nur industriellen Zwecken und Privat-Jntereffen dienenden Eisenbahn, welche fich nicht blot innerhalb der Grenzen einet bestimmten industriellen Etablissements befindet, sondern zugleich zur Beförderung von Sütem nach anderen Ortschaften benutzt wird, fällt nach einem Urthell deS Reichsgerichts, IV. Strafsenats vom 2. März 1886, unter die Slrafbefummungen der§§ 315, 316 des Strafgesetz. bucht, betreffend die Gefährdung von Eisenbahntransporten. — Im vorliegenden Falle handelte eS fich um eine Lokomotio- Rübenbahn, auf welcher der Angeklagte durch Auflegen von Steinen an die Schienen voisätzllch den Transport gefährdende Hindernisse bereitet. Diese Bahn war ein reineS Privatunter- nehmen und diente unter Ausschluß jeglicher Personen» Beförderung lediglich den industriellen Prioatzwecken einer AMen-Gesellschaft. Die Strafkammer sprach den Ange« geklagten frei, in der Annahme, daß die Strasbestimmung deS § 315 deS Str.'G. B. die GemeingefährlichkeU der Handlung!- weis« de« ThäterS voraussetze, und daß eine gemeine Gefahr nm dann vorliege, wenn dat Eisenbahnunternehmen, gegen welches die That gerichtet gewesen, als ein öffentlichen Zwecken dienendes, gemeinnütziges, der Allgemeinheit deS Publikums zugängliches angesehen werden müffe. Auf die Revifion des Staatsanwaltes hob das Reichsgericht das Urtheil der Straf- kammer auf, indem eS begründend ausführte:„Der Umstand, daß der Abschnitt 27 des n. TheilS des Str.-G.-B. die Ueber» schrist„Gemeingefährliche Verbrechen und Vergehen" trägt, läßt keineswegs die Folgerung, zu daß die Gemeingefährlichkeit ein ThaibeflandS» Merkmal für alle in diesem Abschnitte entbaltenen Straf» Bestim- mungen sei und gerade der§ 315 a. a. O. erfordert nach seinem deutlichen Wortlaute nicht eine gemeine Gefahr, sondern nur die Fngefahrsetzung eines Eisenbahntransports. Eine solche Jngefahrsetzung kann nun aber nach der Natur der Sache ebensowohl aus Eisendahnen stattfinden, welche öffent- ltchen Zwecken dienen und dem Publikum allgemein zugänglich find, wie auf solchen, welche nur zu industriellen Zwecken und im Privatintereffe betrieben werden. Für die Annahme der Strafkammer, daß der§ 315 nur auf Eisenbahnen der ersteren Art Anwendung finde, bietet daS Gesetz keinen Anhalt. Was hierfür auS den Ausdrücken„Elsenbahn-Anlage" und„Trans- port" gefolgert werden könnte, ist nicht erfichtlich, da beide Ausdrücke nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch« auch auf solche Eisenbahnen Anwendung finden, welche nm industriellen Zwecken und Privatintereffe» dienen, namentlich dann, wenn diese Eisenbahnen fich nicht bloß innerhalb der Grenzen einet bestimmten industriellen EtabliffementS befinden, sondern zugleich zur Beförderung von Gütern nach anderen Ortschaften benutzt werden."_ Uereiue und Versammlungen» Mit volizeilicher Auflösung, nach kaum'/»stündiger Dauer, endete die von dir Lohnkommisfion der Schneider nach Leitmann's Salon, Brunnenstraße 9, zu Dienstag Vormittag einbeiufene Schncider-Versammlung. Die Tagesordnung der unter dem Vorfiv des Herrn Pfeiffer tagenden Versammlung lautete: 1. Die Nothwendigkeit der Alters- und Jnoalidenver- sorgung der Arbeiter. 2. Die jetzige Situation in der Ge> werkschastSbewegung, und sollte im 2. Punkt hauptsächlich über den Etretkerlaß des Ministers Henn Puttkamer debattirt wer- dm. Doch dazu kam es nicht. Nachdem der Referent,' zum ersten Punkt der vor zirka 14 Monaten erblindete Schneider W. Kleinecke, die Unzulänglichkeit der heutigen kommunalen Unterstützung im JnoaliditätSsalle klargelegt und betont hatte, daß die Kommunen bei der Uederlastung imj Allgemeinen nicht in der Lage seien, die an fich gesunden, aber invalidm Arbeiter genügend zu unterstützen, hob er hervor, daß eS deprimirend auf den Arbeiter wirke, wenn er Jahrzehnte lang gearbeitet habe und im Unglücksfalle aus dt« Mildthätigkeit seiner Kollegen angewiesen sei. Redner verlangte, daß der Staat fich der moaltden Arbeiter annehme. In der DiSkusston, an welcher fich der Vorfitzende und die Herren Stäger und Thomä betbetltgten, wurde der Erwartung Ausdruck verliehen, daß die ReichSregierung doch endlich mit der schon im Jahre 1881 versprochenen Vorlage betreffs der Alters» und Jnvalidenversorgung der Arbeiter hervortreten möge. Bei den Autführungen deS letzteren Redners erhob fich der überwachende Polizei Olfizier, um auf Grund deS§ 9 des Sozialistengesetze« die Versammlung auszulösen. bts. Zwei öffentliche Schuhmachergesellea-Versamm» lnnge« tagtm am Dienstag Vormiitag, die eine in Niest'S Salon in der Kommandantmstraße und die andere im König« ftadt Kafino, Holzmarktstraße 72. Elftere war von dem am 2. Januar d. I.— wie wir damals berichtet hasten— auf höchst seltsame Art„zu Stande gekommenen", nämlich von ganzen 11 Gesellen(!) gewählten Gesellen-AuSschuß der Innung resp. vom Attgesellen Henn Seidel einberufen, von ca. 200 Theilnehmern besucht und sollt« folgende Tagesordnung erle- digen: 1. Bericht über die Konstttuimng des am 2. Jan. cr. gewählten Gesellen-AuSschusseS. 2. Die gegenwärtige Lage de» Schuhmacher- Handwerks. Wie ist dieselbe auszub-ffern? Referent Obermeister. Stellvertreter Herr Schumann. 3. Gründung eine» Schuhmachergesellen» Vereins und Vorlage eines provisorischen Statutenertwurfs resp. Wahl einer Kommission von vier Herren zur westeren Ausarbeitung deS Statuts. Referent Herr Seidel. 4. Freie DiSkusston. AlS Legitimation »um Eintritt diente das QuittungSbuch einer Krankenkaffe. Nach Verlesung vorstehender TageSordnumz erklärte Herr Seidel kurz und bündig, daß der Gesellen- Ausschuß als Bureau der Versammlung fungtren und dieselbe leiten werde. Die nun in Bezug auf eine freie Bureauwahl fich ent- spinnende GeschästSordnungSdebatte nahm altbald einen so turbulenten Charakter an, daß der überwachend« Polizei« lieutenant fich veranlaßt sah, die Versammlung zu schließen. Rasch leerte sich nach der vom Beamten proklamirten Ver- sammlungSauflösung der Saal und da» Gros der Versamm» lungstbeilnehmer begab fich nach der anderen Versammlung im Königstadt- Kafino, welche der von seinem Altgesellen. Amte soeben zurückgetretene Schuhmacher Herr Tbiel einberufen hatte. Diese Versammlung war von ca. 300 G-sellen besucht. Laut Tagesordnung wollte hier Herr Thiel seinen Quartals- dericht über die ThAigkest des neuen GesellenauSschuffeS er- Satten. Zum Voifiyenbcn wurde Herr Basewitz gewählt. Der 'hiel'sche Bericht gipfelte in der Ausführung und dem Nachweis, daß die Innung nach wie vor weder im Stande, noch «ewillt sei« etwas irgend ErwähnenSwertheS und Wirksames ir die Hebung der Lage de» Gewerk» zu tbun, fei e» im Interesse der Meister oder sei e» in dem der Gesellen. Hieran rechte fich eine längere Dtstusfion. Herr Papke entwickelte da» Programm der zielbewußten, auf dem Standpunkte konsequenter wirthschaftlicher Fortentwickelung und durchgreifender Neu- gestallung unserer jetzigen unleidlichen Produstionsverhältniffe stehenden Arbeiter, die fich nur von der unentwegten Richtung nach vorwärts, nie und nimmer aber von den rückläufigen Experimentirbefiredungen der vom Zunstgeifte erfüllten JnnungS- Parteigänger Erfolge für die Zukunft versprechen. Von sämmt- jichen Rednern, wie von dem vorgenannten, wurde übrigen» Herrn Thiel'» Verhallen mißbilligt und chm verübelt, daß er erst nach anderthalbjährigem Bestehen eines GesellenauSschusseS fich an seine Pflicht erinnert habe, der Geseller schast Bericht zu erstatten und erst jetzt von seinem Amte zurückgetreten sei, nachdem fich ihm, was er habe vorher wissen müssen und ge- wüßt habe, envlich bi» zum Uebermaß bestätigt hatte, daß die JnnungSgesellenauSschüffe weiter nichts find, alS eine ohn- mächtige Staffage für den Jnnungtvorstand. Nach Annahme der nachstehenden Resolution wurde noch eine Tellersammlung zu Gunsten der in Frankfurt a. O- streikenden Schuhmacher» gesellen veranstaltet. Die Resolution lautet:„Die heutige öffentliche Versammlung Berliner Schuhmachergesellen erklärt, über die Innung wie über den Gesellenautschuß nur zur Tagesordnung übergeben zu können." * Verein znr Wahrung der Interessen der Berliner Dachdecker. v>ute Abend 8 Uhr im Restaurant Sahm, Annenstr. 16, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Raffen- bericht vom 1. Quartal 1886. 2. Vortrag über„Kapital und Lohnarbeit". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Kollegen haben als Gäste Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Vermischtes. Eine vernnglückte Knnstretteri«. Elvira Guerra, eine junge Kunstreiterin, stürzte in voriger Woche in einem ZirkuS tn Lissabon bei dem sogenannten„Brückmsprung" vom Pferde und blieb mit gebrochenem Genick sofort tobt liegen. Das Tragische dieses Vorganges wird noch vermehrt durch die Nach- richt der dortigen Blatter, daß Fräulein Elvira Guerra an jenem UnglückSabend zum letzten Male in der Manege er- schienen war, da ste fich demnächst verheirathen und gänzlich von der Oeffentlichkeit zurückziehen wollte. Ueber da» Eintreffe« der Zugvögel hat in diesem Jahre der Nürnberger„Ornithologische Verein" recht inter- effante Beobachtungen anstellen lassen. Nach denselben waren die Staare die ersten, fie stellten fich schon am 3. Februar ein; gleich hinter ihnen folgten an 10. Februar die Lerchen. Dann ram eine längere Pause, denn die nächsten Vögel, die zurück- kehrten, waren erst am 19. März die Kiebitze. Nun aber ging e» schnell weller: 20. März Bachstelien, 23. März Rothkehlchen und 2. April HauSschwalben. Am 21. Apiil beobachtete man die ersten Störche, welche aber weiter nordwärt» zogen. Ei« Schiff durch ei« Meteor in Brand gesetzt. Der in Honolulu erscheinende„Pacific Adoerttser" berichtet über folgendes merkwürdige Abenteuer, welches dem Schooner ,L|. C. Ford" auf der Reise nach Kahului pasfirt ist und von dem Kap tän Griffith und dem Paffagier Weight wie folgt ge- schlldert wird:„Am Sonnabend, den 12. Dezember, befanden wir unS auf 12° 23' N. und 143° 26' W., als der erste Steuer- mann Mercar um l'/>Uhr Nm. bei schönem Wetter und mäßi- gem Winde plötzlich entveckte, daß daS am Großtopp aufge- gaiet hängende Besahnstagsegel in Flammen stand. Sofort wurden Anstalten getroffen, um da» Feuer durch Ausgießen, Schlagen und Wegschneiden zu löschen; aber da» Segel war zerstört, der Peakfalldlock am Großtopp stark verkohlt und letz- terer etwa einen Halden Zoll tief eingebrannt. Niemand wußte fich zu erklären, wie daS Feuer entstanden war, bis wir am Fuß deS Großmaste» einige Bruchstücke einer metallischen Masse fanden. Da dieselben glühend waren, wurden fie über Bord geworfen. Ein handgroße» Stück wurde glühend heiß von Herrn Weight, ein noch größeres Stück, dai auch daS Großsegel tn Brand gesetzt hatte, von einem der Matrosen über Bord geworfen. Diele Thatsachen finden fich auch im Joumal erwähnt. Während der vorhergehenden Nacht war klare» Wetter, dock wurden zahlreiche Meteore bemerkt» von denen manche wie Raketen explodirten. Ein Stoß oder Schlag wurde nicht beobachtet, die Flamen waren viel- mehr das Erste, waS auf den Vorfall aufmerksam machte. Nach unserer Anficht war die Sudstanz die Rinde eine» Meteor». Da fich eine große Menge Kerosane Oel und sonstige brennbare Gegenstände an Deck befanden, so find un, werfelhast noch mehrere Stücke Über Bord geworfen, um ein Unglück zu ver- Hillen." Riesen-Ekelette. In der Nähe von Carteiville, Georgia, Nordamerika, auf dem sogenannten Tumlin Mound Felde find, wie die„N. B- Handels,." schreibt, in Folge von Ueber- schwemmung Theile von menschlichen Skeletten bloßgelegt wor» den, deren einige, ihrem Umfange nach zu urthellen, Menschen von wenigsten» vierzehn Fuß Höhe angehört haben müssen.(?) Auch andere Funde von archäologischem Interesse find tn Vor- tiger Gegend gemacht worden und ist ein Repräsentant des Smithsonian JnftttutS in Washington mit Sammlung und Prüfung der entdeckten Alterthümer beschäftigt. Kleine Mtttheiwngen. Große Kenersbrunft in Etding. Während in Galizien in rascher Aufeinanderfolge eine Anzahl Städte durch Feuer nahezu zerstört worden find, drohte auch in unserem eigenen Staate einer großen Stadt am Osterfeste die Zerstörung. Alle Berichte au» Elbing stimmen darin üderein, daß die Erhallung der Stadt nur einem glücklichen Zufall, dem Umspringen des WindeS zuzuschreiben ist. Der„Voss. Ztg." wird unterm 25. au» Elbing geschrieben:„Dai Osterfest hat bei un» einen de- trübenden Antritt genommen; ohne ein plötzliche» Umspringen de« Winde» stände ganz Elbing tn Flammen. ES war ungefähr um 2 Uhr Nachts, alS ein röthlicher Schein fich von der Wafferseite her Über die Stadt verbrellete, Dächer und Thürme in ein Feuermeer tauchend. Gleich t darauf raffelten die F-uerwebrzüge, tönte der Schreckensruf:„Feuer auf der Schichau'schen Werft!" durch die Straßen. Die Schichau'sche Werit, welche über 2000 Arbeiter beschäftigt, ist da» größte industrielle Etablissement hier, und so war der Schrecken all- gemein. Di« Leute sprangen aui den Bettm und liefen, manche nur dürftig bekleidet, zur UnglückSstätte. Obgleich auf dem Riesenetablissement zwei Nachtwächter angestellt find, kam die Meldung doch von anderer Seite und zwar so spät, daß die Feuerwehr nichts mehr ausrichten konnte. Auf der Schichau'schen Werst brannte nur die Kesselschmiede und ein Dampfsägewerk, beide an der nördlichen UmfaffungSlinie deS Etablissement» gelegen; dann sprang da» Feuer, vom Wind getragen, über auf die nur durch eine schmale Gaff« ge- trennte Eisengießerei von Thießen, zerstörte die nächst gelegenen Bureamäume, suchte da» GießhauS zu erfassen, flog über dasselbe hinweg und setzte daS dreistöckige Modell- hauS, in dem unten Dreherei, Schmiede tc. fich befinden, in Brand. Gleich darauf, nach einigen noch früher, ging da» hieran angrenzende Dampsiägewerk von Fechter in Flammen auf, welchem demnächst daS von einem Garten umhegte Fechter'sche Wohnhau» folgte. Hätte der aufgesprungene scharfe Wind in dieser Richtung angehallen, so wäre auch das Holz- lager und dann unzweifelhaft daS ganze Stadtviertel— eng- aasstg, alt und dicht bewohnt— zerstört worden. WaS im Umkreis der über drei Ries-netabliffement» fich ausdehnenden Brandstätte lag, wurde zum Theil zerstört, zum TheU nur angelohlt: ein auf der Werft liegendes unfertige» Torpedo- boot gerieth in Gluth. Die Feuerwehr konnte nirgends zu einem wirksamen Angriff gelangen, da ihren Wagen alle Wege versperrt waren. Von dem Gäßchen zwischen dem Schichau'schen Etablissement und dem von Thießen wurde fie durch die eS durch wogenden Flammen zurückgetrieben und am jenseitigen Ende der Feuerlinie, bei Fechters Hau» angelangt, konnte ste nur diese» angreifen, während die Dampfsägemühle fast niedergebrannt war, daS ModellhauS von Thießen HauS- hohe Flammen entsandte. Im entscheidenden Augenblicke schlug. wie gesagt, der Wind nach dem Flusse zu um. sonst sähe die Ostersonne ohne Zweifel unsere Stadt in Flammen. 6� spritze haben wir nicht, dagegen arbeitete ein Dawpl®� (Boot) von Schichau; ein am anderen Ende in den senkler Schlauch wurde durch Handdruck dedient™ find Menschenleben nicht zu beklagen gewesen. Heute 11 Uhr brannte S noch an allen Enden. Wmde.. löscht, so schlugen dort die Flammen empor, die■- ganzen Länge war äußerst heftig. BUten, Mala«»? Mauern, Schornsteine stürzten noch unaufhöflich,°°.- lagert in dichten Wolk.n über der Stavt Von i* gann e» heftig zu regnen, und der Regen hielt so Stunden an, wodurch denn auch die Arbett der unterstützt wurde. Wie ich jetzt noch höre, waren di teuer bis nach Gemdruch hinunter(nördlich am U Brände entstanden, die von den zum Glück elmunleru' bewohnern sofort im Entstehen gelöscht wurden, uar» reichen vorstädtischen Sammelpunkte der VergnüguV find verödet; der erst: Osterfeiertag versammelte sein w unter Ruinen und rauchenden Trümmern.„, Offenbach a. M.. 24. April. Wie die schreibt, wurde heute vom Kriegsgericht der willige Gürtler(oom 118. Regiment) freigesprochen.% hatte vor ca. 8 Tagen, wie wir mittheiltten, den CaSpar erstochen. Der seither Jnhaftirte soll sofort o» Fuß gesetzt worden sein. Kanfbenren, 27. April. In der Nacht vom vo? zum Sonntag ist in BaiSweil beim Einläuten de» der Kirchthurm eingestürzt, wobei, der„Franks. Zj-" steben Menschen sofort getödtet und sech» theil» Id)®0' leicht verletzt wurden.__ fl Lemberg, 21. April.(Zum Brande von Anzahl der niedergebrannten Gebäude wird jetzt au' rechnet, darunter 600 bewohnte Häuser, der Scheunen und Lagerräume. Unter Schutt und werden immer neue Leichen gefundm. So stieß verkohlten Letcknam der Therese Braun. Die Onglilaj schon auS der Wohnung geflüchtet, kehrte aber noä)«®; ein Kleid zu retten. Ferner verbrannten zwei Dienpj penfionirten Bezirkshauplmanns Lewicki und der eine» GertchtSmanipulanten. In der G treidegasse Synagoge, in welche viele Leute geflüchtet waren, viele Kmderschädel. In der Handlung deS G Herschdorfer verbrannte ein unbekannter Mensch- Leichen wurden tn den Straßengräben gesunde»-. Leute find zu Bettlern geworden. Eine Frav-� ~'m 60 000 fl. Baärgeld besessen, meldete fich beim fck- um Unterstützung flehend, da fie Alles verloren- Feuer ausbrach, eilten Viele in die römisch kathol»� wohin fie auch AlleS schleppten, waS fie noch retie»� Die Kirche selbst ist mit allen darin aufgehäufte» � leiten ein Raub der Flammen geworden, nur% Mauern ragen in die Höhe. Die Feuerwehren, die merie und Soldaten arbeiteten mit größter Auiopf� Alles war vrrgebenS. Unbegreiflich erscheint eS, da» � gistrat erlaubte, daß im Zentrum der S:adt, gefiel Steuer amte, 1000 Klafter Hol, aufgeschichtet uurb� Holzmaffen trugen wesentlich dazu bei, daß die Hf'SrS furchtbar geworden ist.— Den ganzen gestrigen-"„i schnelle eS in Stry und Umgegend heftig, moburm% der Armen, von Allem Entblößten noch schrecklicher&L nach und nach einlaufenven detaillirten Berichte au» � glückSstadt thun dar, daß die kurzen telegraphtschen so schauerlich ste klangen, noch hinter der schrecklich'»% keit zurückdlteben. Heute wird nach genauer Ue»� Schaden mit fünf Millionen beziffert- Ketzte Nachrichte«._ 1 r i ech enl and hatjrach den letzten Nachria» Ausdruck herzlicher Sympathien zu übermllteln, »» nur mit Vorbehalt dem Drängen Frankreichs naq Man meldet darüber der„Agence HavaS":»Der Präsident DelyanniS erließ gestern Abend ein Rv an die Vertreter Griechenland« im Auslände, in heißt, G.icchenland habe dem Rathe Frankreich»*»» die Rüstungsvoli ik, von welcher geglaubt worden sn-N den Frieden stören könne, in der Hoffnung aufgeSsA Europa einen solchen Entschluß GriechenlanvS"Li werde. Griechenland habe unter Beobachtung der p* öffentliche Ordnung und nilitärifche Erwägunge»� Rückfichten die Abrüstung vorbereitet, alS ihm et« � zugegangen sei, welches die Freiheit seiner Akttt» Durch dieses Ultimatum werde die Lage veränd«"� gewinne durch dass-lbe den Anschein, alS ob G mehr aus freier Entschließung, sondern unter dem.».- internationale Geschwader getroffenen Zwange(%*,( Regierung müsse deshalb die Ablüstung ablehnen,? Gefahren herdeiführen könnte. Die Regierung wenn die Mächte ihr die Freiheit ihrer Aktion bn N Frankreich gegenüber von freien Stücken übernomm�F pflichtungen loyal erfüllen, wie es die Ehre und vi«' Griechenlands erheischten.". ßl Der Handelsvertrag zwischen Frankreich u» gf ist nach einem im Auswärtigen Amte zu Pari» ». W Einflüsse deS chinesischen Würdenträger» gelungen!** handenen Schwierigkeiten zu beselligen. Der Pariser Wahlkampf um den dur«$ Verzicht erledigten Abgeordnetensitz wird immer bssb- jji bitterter und bleibt auch 0-' Hältnisse in Decazeville. darüber der„Voss. Ztg.' Emst Roche's Freslassunj Roche traf gestern hier ein. In einer Z� JL Anlaß seiner Kandidatur nannte Rochefort o Abgeordneten Dreyfus, der tn seinem Blaw � Gaulier unterstützt, Juden und Manteldrehtt- gab zurück. Rochefort sei ein Bilderschacherer m wetter. Rochefort forderte ihn darauf auf-„.„ii unbeschränttem Kugelwechsel, bis ein Gegner kam» Dreyfus' 7 bar. Man Leon Soy veryanoerr mn irreycmer uu»»-• i de» Decozeviller LohnkriegeS. Er ist bereit, die.N�zft zuzugestehen, will aber nicht alle Ardeiter Vor dem Hause eine« Bergmanns, der nicht platzte gestern eine Tynamitpattone. Der muttzw ist verhastet...ijch«T Der Graudenzer„Gesellige" bringt die //Unii russische Konsulat in Danzig von der russtschen„Zch Weisung erhalten Hobe, denjenigen deutsch"'.� da« Hau» welche fich ständig in Polen aushalten, die �»ujitg" weigern, damit dieselben nach Adiauf der L"«»,, Polen ausgewiesen werden könnten. ,#'< Ein Privat- Telegramm meldet der"N1 j/ München, dai dortige„Fremdenblatt" berichte, o°/ t den Gläubigern der Zioilliste bevors-'v gement mit ist abzumatten. Kriefkafte» der itheilur Bescheidene Anfrage. Der Voemund oen, od», Rinde« ist berechtigt und unter Umständen Vater deS Rindes auf Alimente von den Wünschen der unehelichen Mutter a � Veranuvottlich« fteteUna ft.«n-tz-t» Im•«ittm. Ittrf un» Verlag von«« Vmtztng im.««its»W, Vimchsnaß« a.