il» H Ullt«W» sied' Der ian nW '6 g SS :Ä1 H !r'chd-»A auS erl� und vr iufüdiiMj R 9« 102 Hontttsg» de« 2. Mai 1880. III. Ischrß. erlwttMsbkll Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 « Wort Da«„Scrliac« lBoll«tlatfr nach Sonn« und Fest monatlich 1,36 war Pf. ConntagHiummn Po4,ettuna«»r«>!ite» herum über die Zäune steige« muß, um von der -bot«««« Frucht zu nasche»? Hm, da« Gesicht kenne ich setzte er leise hinzu, al« er das Gla« dort hinüber »tet hatte.„Geschniegelt und gebügelt genug steht er Ä KfoS bi"0� am Besten fehle», am alten Adel. Ja, me»n klaget!--ozatz, da mußt Du Dir freilich die Graupen nach der nß*5 tSlSfi» Monford vergehe« lasse», oder...." brach kurz ad, drehte sich um, kauerte sich .„WL■- ,iDtt am Wasser nieder und starrte wie in alte �"0� versunken auf die blitzend« Fläche, aber ein -sec � ipp�' vtdentlich unheimliche« Lächeln zuckte um seine sagte er endlich und blies de« Qualm seiner AS!'« "btntlich langweilig, hier oben«och lSnger herum .rampel». Komm, Spitz,«ir wolle» mache«, daß wir Pause komme», wa» geht's uns Beide an?" Damit schob er seine Angelruthe wieder sorg« »S zusammen und schraubte die Zwinge fest. ..Spitz hatte sich aufgerichtet und benutzt« thm gegönnte freie Zeit, um fich erst hier eine? S-z. Dflf den« der Altkatholizismu«, in dessen Gestalt sie erschien, war nie etwa« Andere« al« eine kränkliche, hinsterbende Pflanze, aber da« Geschrei gegen die„Pfaffen" dauerte dennoch fort. Es war ja so bequem, über die von der Gendarmerie verfolgten„Pfaffen" loszuziehen, wie«»denn jederzeit der höchste Beweis nationalliberale« HeldenmutheS ge- wese» ist, dem geknebelte» Feind de» bekannte» Fußtritt zu gebe». Und dabei vergliche» fich die National- liberalen»och bescheidener Wesse mit jenen kühnen Geistern, die einst unter großen Gefahre» e» gewagt, de» Kampf mit der römischen Hierarchie aufzunehme«. Die Schatten Ulrichs von Hutten und seiner Zeitgenossen wurden heraufbeschworen und nationalliberale Schönredner logen sich gegensettig vor, sie hätte» nun ausgeführt, wa» jener kühne Ritter vergeben« versucht. Wir find gewiß keine Freunde der römischen Hierarchie, aber die Orgie», die seiner Zeit der NationalliberaliSmu« feierte, habe» u«S immer tiefer angewidert, als wir e« mit Worten ausdrücke» können. Dann kam die erste Wendung; dem„freiwilligen" Organ deS leitenden Staatsmannes wurde erklärt, der Kulturkampf sei„ein Unglück für Reich und Volk" und man ging daran, die Maigesetzgebung ab- zuänder». Wer geglaubt hatte, die Nationalliberalen mit Zähigkeit an ihrem geliebte»„Kulturkampf" festhalte« zu sehe«, der irrte sich. Als der Reichskanzler sagte, man wolle die Waffen nur eine Weile auf dem Fechtbode» nieder« legen, um ste gelegentlich wieder auszunehme», wurde diese» „geflügelte Wort" in der»ationalliberalen Presse frenetisch dejubelt; ebenso der Ausspruch eine« andere« Staatsmann«, daß man mit der Abänderung der Maigesetze denselben Fade« spinne, nur sei e« eine andere Nummer. Der Kulturkampf hörte indessen thatfächlich auf und die streitenden Parteien, die preußische Regierung und der Papst, suchte» eine» rnockn» vivendi. Wie Diogenes mit seiner Laterne rannte« die gefällige» Nattonalliberalen umher und suchte» einen modus vivendi; nur stak in ihrem Benehme« nicht ei« Quentchen von dem Geist und Witz des Philosophen, der einst mit der Laterne Mensche« suchte. Man fand de» modus vivendi nicht und ist jetzt soweit gelangt, sich völlig zu versöhnen. Und die Nationalliberalen? Nu«, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat dieser Tage einen Arttkel au« dem„Schwäbischen Merkur" zitirt, worin verlangt war, man möge doch nicht «ach einem modus vivendi suche», sondern„einen ehrliche«, aufrichtige«, unverbrüchliche« Friede« mit Rom" machen. Also die Herren Nationalliberalen find noch bange, e« könnte der preußischen Regierung ein- alle», die Friedensverhandlungen abzubrechen oder gar Be- dtnaunge« zu stellen, die dem Papst nicht akzeptabel er- scheinen möchte«. Der„Schwäbische Merkur"— beiläufig unten am Wasser«och ein paar übriae Flöhe abzukratzen. Sein Herr sah indessen»och einmal über die Uferbank, ohne jedoch da» Teleskop mehr zu Hilfe zu nehme». Die junge» Leute hatten fich richtig gefunden; die Dame lehnte im Arm de« Fremden, da« Haupt an seiner Brust, und während er sie mit dem rechte« Arm unter- stützte, führte er sie auf einem der kleinen Pfade hin, die sich durch die verschiedene» Baumgruppe» schlängelte«. Dort drinnen ließ sich von hier aus nicht einmal mehr da« lichte Kleid der Dame erkennen, und der Maulwurfsfänger faßte ohne Wettere» seine« daran schon gewöhnte» Hund auf, hob ihn in die Höhe, warf ihn auf die Uferbank und kletterte ihm dann selber nach, um in die Stadt, wo er seine Wohnung hatte, zurückzu- k�Et hielt aber dabei eben so wenig den Pfad, wie der junge Herr vorher, sonder» schlenderte, von dem Hunde gefolgt, der Schwan, und Ohren hängen ließ, al» ob er nicht Drei zählen könnte, quer über die Wiese, und und zwar gerade dem BoSquet zu, in welchem die beiden Liebende» verschwunden waren. Er that da« aber nicht etwa aus Neugierde, sondern sei» nächster Weg lag gerade dort hindurch, und er hielt sich auch nicht einmal mehr im Gehe« auf. Nur den Blick warf er, auch mehr au« alter Gewohntheit, snchend umher; aber von dem Pärchen war nicht« mehr zu erkenne» und bald darauf betrat er wieder die Wiese, die ihn unten am Schloßberg hm zu dem Hauptfahrweg führte. Kurz vorher, ehe er diese» erreichte, bemerkte er die iiche Equipage, welche au» der Stadt herausgefahren .'am Gr blieb oben auf dem etwa« höhere« Rasenrand stehen und zog, während wieder da» alte spötttsche Lächeln um seine Lippen zuckte, mit fast übertriebener Ehrfurcht die Mütze vor de» Herrschaste«.. Der Graf, ohne mehr al« emen flüchttge» Blick nach ihm hinüber zu werfen, dankte durch ei» leise« Kopfnicke«; die Gräfin beachtete ihn gar nicht. „Ganz uvterthänigfler und gehorsamster Diener, meine verehrte« gräfliche« Herrschaste»," spottete indeß der Maul- «urfsfänger hinter ihnen her und hielt noch immer die ab« bemerkt, eine« der albernste» unter de»«ationalliberalen Blättkrn— mag unbesorgt sein; der„unverbrüchliche Friede" wird schon komme». Eo bejubeln also die Nationalliberale» ihre« Gang «ach Kanossa! Nu» w«d e« auch klar, warum Herr von Bennigsen au« dem politische» Leben aeschieden ist; er war doch offenbar von etwa« besserem Stoff al« die Dutzend-StaatSmäunchea, die Hammacher und Marquardfea, welche gegenwärtig an der Spitze der natioaatliderale« Partei stehen. Er begriff, daß mit der Sezession die beste« Kräfte au« der Partei ausgeschieden waren und daß er mit dem nachgebliebenen Material nicht« mehr anfangen konnte. Die Rolle der Marquardfea und Hammacher war ihm, der bei aller Schmiegsamkeit viel Vornehmheit an fich trug, denn doch zu ärmlich und er zog fich zurück. Da» war auch da» Beste, wa» er thu» konnte. Die Reden der»ationalliberalen Vertreter im Herren- hause waren der letzte Luxu«, den fich die Partei gestatte« konnte; dort konnte sie sich noch einmal an de« Kultur» kämpf erinnern. Nu» aber wird den Herren vom Kam» mission«rath Pindter der Weg gewiesen, de« sie zu gehe« habe» Sin Berliner Offiziöser— den bekannten Ausdruck, mit dem diese Lewe einst au» hohem Munde beehrt worden sind, wollen wir hier nicht wiederhole«— schreibt an de«„Schwäbischen Merkur", daß man„einen ganze», unverbrüchlichen Frieden mit Rom" wolle. Herr Pindter druckt diese„deachtenSwerthe Stimme eines füd» deutsche» nationalliberale» Blattes" ab und de» Herren Miauel, Struckman», Marquardsen und Hammacher rst nun die Parole auSgetheilt:„Kein Wort mehr vom modus vivendi oder vom Kutturkampf, sondern ganzer und unverbrüchlicher Friede mit Rom!" Wa« diese nationalliberale Partei für ihre historische Aufgabe hält, wisse» wir nicht. Wir find immer Gegner de«„Kulturkampfs" gewesen; wen» wir aber da« gegen- wärtige Gebahren der nattonalliberalen Partei betrachten, Aufgabe t Servi- --------------- dem der Vergangenhett messe« kann. Agrerisches. § Alle Unterstützungen durch die Zoll- und Steuerpolitik der neuen Wirthschafts-Aera haben die Agrarier noch lange nicht zufriedengestellt. Die„Pommersche ökonomische Gesell- schaft" hat vor nicht zu langer Zeit ein förmliches agrarische« Zukunftsprogramm entwickelt, daS unseren industriellen Schutz- »öllnern, die bisher mit den Landwirthen Arm in Arm gingen, allerdings wenig gefallen dürste, da« aber trotz seiner Maß- gezogene Mütze in der Hand;„wünsche eine recht ange- nehme Fahrt und besonder« viel Glück zu dem neuen, ge. h-imnißvollen Schwiegersohn des edlen unbefleckte« gräfliche» Stammbaumes! Hahahahaho," lachte er dann toll und lustig auf, indem er die Mütze wieder auf de« Kopf stülpte, „ob es denn nicht rein zum Todtschießen ist, wen« man die hochnäsige Grethe da im Wagen sitzen sieht und dann zu- rückdenkt, wie— hei, lustig, Maulwurfsfänger, Kammer« jäger I heute wolle» wir da unten auch eine gräfliche Mahl- zeit halten, zur Erinnerung an die alte« Zette«, und auf die Gesundheit de« fidelen Brautpaares eine Flasche guten Weines leeren; habe« so lange keine» gekostet— hurrah!" Damit faßte er seinen durch die Fische beschwerte» Ranze« mit der linken Hand, sprang auf den Fahr- weg und verfolgte von jetzt an rasch sewe» Weg nach Haß» bürg hinab. „Und so lange habe ich Deine süßen, liebe« Auge» nicht küsse« dürfen, meine Paula," klagte indesse» der junge Man«, de« der Maulwurfsfänger in den Park hatte schleichen sehe«, indem er da« junge, schüchterne Mädchen an fich zog und wieder und wieder ihre Sttm und Auge« küßte. „Ach, Rudolph," seufzte Paula, die immer«och scheu de» Blick umherwarf, ob sie nicht von irgend einem Lauscher be» merkt werden könnte«,„nur auf Minuten war ich im Stand, mich wegzustehlen, den« Du glaubst nicht, wie mich diese alte, häßliche Gouvernante, die sie jetzt meine Gesellschafterin nenne«, quält und peinigt. Eine schöne Ge- sellschafteri», nicht einmal Raum, an Dich zu denken, läßt gi mir de« lange« Tag mit ihre« ewige« Gespräche« und ücher», mit ihrer Musik und ihre» alten, langweilige« Klassikern." „Mein arme», arme« Kind!" rief Rudolph feurig auS; „aber die Zett wttd ja auch komme», wo wir uns vor der Welt angehören dürfen, Deine Etter«" .Ach, Rudolph", seufzt« da« arme Mädchen unter Thräne«,„hoffe nicht auf die; nur«ine Andeutung machte ich neulich, daß ich glaubte, ich könne auch mtt einem Manne glücklich werden, der von geringerem Stand« sei, hatte"' lost«reit alle Beattung vtldittit. weil ei die Wünsche heute etnflukrticher Kreise zum AuSVruck dringt. Räch der„Denkschrift" der Pommerschen ökonomischen Ge« sellschaft(verlin, Luckhardt) haben sich die landwirtschaftlichen Schutzzölle in der bisherigen Höhe alß wirkungslos erwiesen: enorme Massen von Getreide seien noch vor Eintritt der Zoll- erhöhung einaefühtt worden, femer bättm Länder, wie Ruß> land' durch Darifermäßigunaen und Frachtverminderungen auf irkung ver Zölle wieder illusorisch dm Bahnen die schützende W_ gemacht. Die Gesellschaft verlangt also eine sofortige V e r doppelung der Getreide- und Viehzölle durch «in Rothgesetz. Aber damtt noch nicht genug! Lei gewissen Artikeln sollm die armen Großgrundbesitzer noch größere Unterstützung seitens d«S Volkes erfahren. In erster Linie bei der Wolle. Hier verlangt die Denkschrift keinen geringeren Einfuhrzoll alS 20—40 M. für dm Zmtner roher» 50 M. für die gleiche Ge- wichtSrnenge gewaschener Wolle. Bither ging in Deutschland rohe Wolle völlig frei ein und gekämmte Wolle zahlte eine Mark Singar gSzoll per Zentner I Doch auch am E p i r i t u S soll mehr gewonnen werden. Bisher betrug die Vergütung, welche der Brenner bei der AuS« fuhr alS Ersatz der früher brzahllen Steuer erhielt, IKM.für den Hektoliter lOOprozentigm Spiritus, in Zukunft soll sie 20 M. betragen, ohne Erhöhung rder Steuer.„Für eine Dampfer« subvmtion werden vom Deutschen Reiche jährlich 4V» Millionen Mark ausgegeben. Dann kann für dieses hochwichtige Gewerde (der Schnapsbrennerei nämlich), von welchem daS Gedeihen der deutschen Landwitthschaft so wesentlich adhanat, ein Opfer von zirka 3 Millionen auch gebracht werden." Man sieht, wie jede Subvention seitens des Staates immer neue Begehrlich- keiten weckt! Reicht alles noch nicht hin I Eine andere Maßregel hat «ine allgemeine Preissteigerung herbeizuführen— und das ist die Vermehrung deS Geldes durch Annahme der freien Silber- »rägung, d. h. der Doppelwährung. Man kann letztere ja aus sehr verschiedenm, zum Theil gewiß äußerst slbwer- wiegenden Gründen erstreben» für die Agrarier hat die Wäh. rungSreform jedoch nur eine Bedeutung: sie wollen die Preise in die Höhe treiben, um tbeurer zu verkaufm; sie wollen ihre Güter im Preise erhöht sehen, währmd ihre Sckuldm gleich bleiben; sie wollen also eine Schuldentlastung auf Kosten threr Gläubiger, die mit 1000 Mark bei dem gesunkenen Geldwerth nicht mehr soviel anfangen können alS stüher. Genügt dieser bescheidene Wunschzettel, welchem die Agrarier der ReichSregiemng überreichen? Daneben haben sie noch immer ihre kleineren Anliegen, wie billiger« Tarife für die landwirthschaftlichen Produtte, Verstaallichung der Feuer- und Hagelversicherung, um„für dm Grundbesitz große Er- leichterungen zu schaffen". Und um zu zeigen, daß sie auch an andere BerufSzweige denken, schlagm sie mdlich noch vor, dem Handel mit auSländischm Papieren und allen börsenmäßigm Differenzgeschäftm eine„hohe Steuer" aufzubrummm. Doch wir wollm nicht ungerecht sein, auch der Arbeiter spielt eine Rolle in der Denkschrift, freilich nur am Anfange, wo alS zu erreichendes Ziel proklamirt wird:„Schutz der nationalem Arbeit!!" So fassen also die Agrarier dieses Schlagwort auf! Vertheuerung deS BrodeS. um die nationale Arbeit zu schüym; Vertheuerung deS Fleisches, um die natio- nale Arbeit zu schützen: Erhöhung deS WollzollS, der Spitt- tuSauSfuhrprämie zu Gunstm der Arbttter, Schuldentlastung, niedttgere Versicherungsbeiträge des Grundbesitzes— alles bloß im Interesse der Arbeiter I Wer wohl der Verfasser einer zwettm Sckttft sein mag, welche vor kurzem anonym erschim(Berlin, Feldmann) und im Interesse der Landwitthschaft da»„Getretdemono- pol" sordette? Jcdmfalli ein in seinem Hause sehr ge- strenger Herr» denn er beginnt die Verthttdigung sttner staat- lichen Kornkammern mit einem hohen Lied auf die Haselruthe. „Wacht auf, ihr Echlafmützm— singt er seine Leser an— setzt eure Bürgerkronen auf, nehmt alS Szepter die Haselruthe zur Hand und verschafft mch wieder Gehorsam und Respekt vor mrm Rangen; bedenket wohl, daß eS nur schade ist für den Streich, der daneben geht und daß, wenn ihr eS an Hieben fehlen laßt, die Hiebe später auf euch kommen in Gestall von Kummer und Sorge, Scham und Verzwttflung über eure ungerathenm Schlingel." Nach dieser streitlustigen Aufforderung sollte man eigentlich annehmen, der Verfasser werde für«in Hasel- nußmonopol plädlren, damit durch billigt Lieferung der Gerten die erziehliche Thätigkeit der Eltern nicht zu kostspielig werde. Doch weit gefehlt. Zunächst heißt eS die I n n u n g e n wiederherstellen, um auch nach der Schul- und Kinderzett Zucht und Ordnung zu erhalten.„Hätten wir daS Jnnungswesen beibehalten, aber zettgemäß refvrmirt, so hätten wir heute nicht mtt solch verzwttfelten Zuständen zu kämpfen." Sind wir doch dertttS soweit, daß„sich die Mttster Lehrjunaen hatten, weil sie eS mit keinem Gesellen mehr aushalten S n n e n." Auch daS römische Recht findet vor dem Prügel« I Innungöfreunde wenig Gnade, aber der Uebel xrößteS ist die Spekulation mit dem Getreide. Der Getreivespekulant zahlt al« ich, und meine Mutter gerieth außer sich— ich fürchte Alle« I" „Und ich fachte nichts", rief der junge Man«,«igent- lich mit etwas zu viel Pathos, �nichts, al» die Grenze» Deiner Liebe; laß auch Hindernrsse wie Gebirge zwischen un» trete«, ich will sie für Treppe««ehme» und darüber hin t» Louisen« Arme fliegen!" „Za Louisen»?" sagte da« junge Mädchen erschreckt. „Zu Deine, mein Herz", lächelte ihr Geliebter;„kennst Du die wunderbar schöne Stelle aus Kabale und Liebe den« nicht?" „Ach, Rudolph, mir ist da» Herz so schwer; wa« kann ich gegen den Wrllen der Elter« thun?" „Ha, laß doch sehen", deklamirte Rudolph wetter,„ob ihr Adelsbttef älter ist, al» der Riß zum unendliche« Weltall; wer kann de« Bund zweier Herze» löse« oder die Tö«e eine« Akkords au« einander reißen!" „Aber Du weißt nicht, Rudolph, wie entsetzlich streng die Elter» sei« könne«, wo e«, wie sie glaube«, die Ehre ihre» Hause» gilt; mein Wort verhallt da ohne Klang." „So flieh' mit mir, Geliebte", drängte jener;„was nützt un« Glanz und Pracht, wen« unsere Herzen verblute«? Mttne Kunst ernShrt«n«, wohin wir de» Fuß wende«. Dem Name» Handor jauchzt die ganze«ünstlerwelt ent- aegen, und frei und glücklich leben wir den Muse«, de« Liebe..." „Ach, Rudolph, ich soll die Mutter, soll de« Vater verlasse«?" „Du sollst Vater und Mutter verlasse« und dem Manne folge», gebietet Dir selber die heilige Schrift." „Mein armer Vater l' „Er wird seine Härte bereue«, wen« er fleht, welche ruhmvolle Laufbah« Du gewählt, und erweicht, gerühtt Dich an sei» Herz zurückrufe«. „Er wird mir fluche»! ..Gut, so bleib'," sagte Rudolph resignirt, indem er den Arm wie abwehrend gegen fie ausstreckte,„bleib Deine Lebenszeit ei» Sklave jener alternden Vorutthttle und Formen; folge der Hand, die Dich erbarmungslos zur Schlachtbank führ»— Dein Rudolph kann entsagen— dem Landwitth regelmäßig zu wenig, und nimmt dem Kon- summten zu viel ab. Da» muß umgelehtt werden: der Staat muß dem Landwirth zu viel bezahlen und von dem Konsu menten möglichst wenig verlangen. Dasei kommt er freilich nicht auf die Kosten, aber diese werdtn nach unserem Soz'ai- reformer durch ttne hohe Luxutsteuer leicht zu deckm sein...Der Detailhandel für Mehl und Hülsmftüchte, welchm der Siaat vergiedt, müßte in derselbm Weise organisitt werden, wie der Verschlttß von Tabak und Sal, in Oesterreich ur d Frankreich, der dem Staat keinen Pfennig kostet, da die Verschleiß» von dem gettngen, ihnen ganz gmau vorgeschriebenen Nutzen leben, der ihnen bttm Verkauf eingeiSumt wird. Viele tauf tausende dem Staat»geben«, weil von ihm abhängige Existenzen können damit geschaffen w»d«n, ganz nebenh«." E» sind recht sonderbare Blasen, welche der heutige Jnter- effenkampf aufwittt. Die Arbeiter können ihm mit ziemlicher Ruhe zusehen; sie habm btt ihm nicht» zu gewinnen und wenig zu verlieren. Mögen die Landwitthe od» die Industriellen in d» neuen A«a den Rabm abschöpftn, für die Arbttter wird nichts dleidm als der nothdllrftige Lebensunterhalt. Zölle, Monopole, Steuern. Geldreformen ändern daran nicht», wenig- stms nichts zum Guten.— da Hilst nur eine Aenderung de« beutigm WirthschaftSsystemS, an welche trotz aller großm Motte uns»e heutigen Sozialpolitik» nicht zu denken wagm. Politische Urberstcht. Wa» soll die neue B.anutweiusteuer einbringe«? Diese Frage ist nach dem gestem von un» gegebenen Umriß der Vorlagt an den BundeSrath etwa folgendermaßen zu be- antworten. In der Monopa vorläge war der inländische Branntwttnkonsum(exkl. de« gewerblichen Konsum») für die Zeit nach Einführung des Monopols auf 2240000 Hektoliter Alkohol berechnet. Dabei war ttn Rückgang gegen dm gegen- wältigen Konsum von 20 pCt. angenommen. Hiervon würde, da die Branntwttnsteuergemttnschaft nicht, wie unter dem Monopol, ausgedehnt w.rdcn soll, in Abzug zu dringm sein der Konsum Eüddeutschlands mtt 256000 Hektoliter. ES bleiben alsdann alS voraussichtlich» Konsum für die Brannt- weinsteu»gemeinschast übttg 1 984 000 Hektolit». Stellt man dmselbrn Konsum in Rechnung nach Einführung ttner Kon- sumsteu», so würde eine Besteuenrna von 1 20 M. pro Liter oder 120 M. pro Hektolit» einer Steuerbelastunq deS norddeutschen BranntweinkonsumS gleichkommen in Höhe von fast 240 Millionen Mark. Diese Summe würde aufzu- dringen sein von nahezu 36 Millionen Einwohnern der nord- deutschen Branntweinsteuer gemeinschait. Die» ergiebt pro Kopf eine Erhöhung der Steuerlast um 6'/» M. oder pro HauShatt von 5 Köpfen um 33'/, M. jährlich. Steckbriefe. Im„ReichSanzttg«" erneuert die Berliner Staatsanwaltschaft den Steckbrief gegen dm wegen BUmarck« beleidigung zu 18 Monaten Gefängniß verurtheillen bekannten konsttoalioen Sozialpolitiker Dr. Rudolf Meyer. So» viel wir wissm, hat sich Dr. Meyer vor etwa einem Jahre in Kanada angekauft. Ueber die wohlthätigen Wirkungen der Innungen läßt sich die„Kreuzztg." auS Gioirkau berichten. Darnach werden„Ausschreitungen gegen Zucht und Ordnung seitens der Lehrlinge, sowie selbstverschuldetes witverholteS VmsSumen der UntenichtSstunden mit Verlängerung der Lehrzttt(zum mindesten um ein Vierteljahr) bestrast. Eine solche Einrichtung ist allerdings recht wohllhättg— für die Beutel der Meist«. Zur Kabrikinspektto«. Da«„Berl. Tagebl." dettagt mit Recht, daß die Ardttt», für die doch da» ganze Institut d» Fadttktnspektion besteht, von dm Bettchtm der Gewerbe- räthe nie ttwa« zu sehen bekommen.„Welcher Arbeiter hat das Geld und die Zeit, einen umfangreichen Band zum Preis« von 15 Mark zu kaufen und zu studiren? Könnten die Le- richte nicht in den einzelnm Bezirken al» Volksausgabe in dilligen Heftchen»scheinm? Mit solchen kleinen, billigen Bezirktbnichten hat man in Bayern b»eitS dm An« fang gemacht, und eS ist nicht abzusehen, warum fie nicht im ganzen Reiche ttngeftihtt wndm könnten." Vrrthetiung der polnische« Rekruten auf die der- schiedene« Armeekorps. Dem„Franst. Ioum." wird offiziös geschrieben: Seither fanden Zutheilungen von Polen zu dm Armeekorps mit rein deutschem Eisay in größerem Um« fange nur bei dem Gardekorp» statt» während vom nächstm Herbst ab eine planmäßige und dauernd« Ueber Weisung von dienstpflichtigen Nationalpolen an eine größere Zahl von Armeekorps eintritt, ähnlich wie dieS btt dem Ersatz«uS den ReichSlandm schon seit 14 Jahren üblich ist. Die Regierung nimmt hiermir wieder eine Maßregel auf, die schon ttnmal ttngefübrt, später ad« fallen gelaffm morden ist, weil man eben die nationalpolnische Propaganda unterschätzte. Et steht ab» nunmehr zu hoffen, daß die konsequent durchgefühtte Per- Mischung der polnischen Elemente mir denjenigen deutsch» Regimenter in national» Hinsicht gute Früchte tragm wird. Auch bleibt zu beachten, daß hierdurch dai Heranziehen von Polen zu Unterofsizi»en, sowie außerdem da« Eeßhaftmachen „Wie tonnte solch' ein Glück auch mir beschieden, Vom Himmel mir gegönnt sein— mir, dem ja DaS Schicksal von der Wiege jede Freude Vnbittett und«»giftet! Dem d» Becher, Zum Trunk gehoben schon, von durst'g« Lippe So oft und oft geriffen wurde I— Geh'— Geh'— geh', Zuleima— glücklich wirst Du se'n, Und ich?— Für mich kein Glück— für mich ein Grab!" Und wie»»zweifelnd barg er da» Antlitz m den Händen. „Rudolph, Rudolph, o, nicht so. Du weißt ja, daß Du mir das Herz mtt solchen Reden brichst; thu' es nicht, thu' e« nicht!" „Ab» welch» Ausgang bleibt mir, al» der Tod? Du weißt, daß ich nicht ohne Dich leben kann, weißt, daß ich v»d«ben und untergehen müßte, wenn nicht Dein reine» Herz mich an diese« Lebe» fesselt! Ab« wa« kümm»t da« Dich," setzte er bttt» hinzu,„Du folgst Deinem Vater, Deiner Mutter; der arme Rudolph mag zu Grunde gehen, er ist ja doch nur ein— Schauspiel»." „Und habe ich da» um Dich»»dient, Rudolph?" sagte Paula mit leisem Vorwurf i« Ton, während fie ihr schmerzbewegte« Antlitz zu ihm emporhob.„Habe ich Dir nicht wied» und wieder bewiese«, wie meine ganz« Seele nur an Dir hängt, wie ich kein Glück, kttne Seligkeit auf dies» Welt kenne, al«»ur Dich?" „Und doch willst Du mir entsagen," erwidttte der junge Mann schmerzvoll,„doch hälft Du e« für möglich, daß Du entsage» kannst, während mir schon btt dem bloße« Gedan- ken daran da« Blut zu Ei« gerinnt, und meine Pulse auf- höre» zu schlagen?" „Laß mir Zeit zum Denken, Rudolph," bat da» arme Kind,„habe Nachficht mit meiner Schwäche, wenn ich ttnen Augenblick schwanke« und zaudll» konnte. Sieh,»och ist e« ja auch nicht so weit, noch ist e« ja möglich, daß ich der Eltern Herz zum Beste» wende; ich will e« wenigsten« versuche», ich will Alle« thu», wa« in meine« Kräften steht, um eine« Schtttt zu»«meide«, d« ja doch mein ganze« künftige« Leben, selbst an Dttnn Seite, mtt einem Vorwurf belaste» müßte." von Leuten, die ihr« Dienstpflicht genügt haben, in schen Gegenden begünstigt und erlttchtett wird, well rungSmäßig ttn Totti der ausgedienten Mannst bürgerliches Auskommen in od» tn der Nähe dn Garnison sucht. Für Diäten an die ReichStagSabgeordneten*«' Retchstnffe sprtcktt sich d» nationalliderale„Hanr' Trotz all iterung de! dedingung hl Ii? Inte in der jede Revision die «ourier» äuS. Derselbe mttnt, daß die Diätenlofig V �ur au» � UÄ& SÄÄÄÄ VUiK--'wn- w Landgerichte desiSttgen sollte. Umgekehrt ad» wür«? Die zur wmn daS Reich Sgencht die UttHeile der OderlandtSgtliÄ> Sprung beru stäiigte, und damit der Auiweg privat» würde, die Zahl und Energie derer erheblich öffentliche Diäten fordern. Eo werden die nach ihrem Ausgange vorauSstchtttch entweder Diäten Mnden die die niffe vera od» den Reichstag zu ttn« neuen legislatorischen w,h.n8m»<»i ■...... d» Diätenfrage drängen, und«S daß der letzte Erfolg derselben SVÄ ÄXT.ffiÄ'""', Kg---V. setzte. Für diese reaktionäre Korrektur würde Fürst � gerne Diäten zahlen laffen. Und wir glauben, der% liberale„Hannoversche Koutter" würde ttner solchen JW gern zustimmm. J AuS München läßt sich die»Elberfeld« SjwJ SÄ*. sitzgebung; ntüssen Eoni folgendes schreiben: In ultramontanen Kreisen verlAss. w* J Brstlmmteste. der nationalliderale ReichStag»abgeoM>. our»« München I Herr Sedlmayr w»de bei d» nächsten SMÄ- wähl nicht mehr kandidiren. Glttchwohl geben die montanen diesen Wahlkreis definitiv für verloren, 0% dafür ihre ganze Macht auf den Vollmar'fchen W«? w«fen, den sie mittelst de» gefammten bäunltchen zurückerobern wollen und zwar glttch im ersten WM, Einstweilen ist ad» die sozialdemolratische Agitation g Lande rund um München im stärksten Gange, wovon? jeden Sonn- und Fttntag üb»z«ugen kann und g Herbste 1887 werden dir Herren Klerttalen von demA dieser Agitation nicht sehr«baut sein.— Die „Münchener Abendzeitung" ist nach fiebenwöchigem ihren vorauSgeaangenen Leiden» genoffen abberufen die polizeiliche Beschlagnahme wurde regierungSseilig und das wttt»« Erscheinen deS BlatteS verboten. ST ist»folgt auf Grund eine» ArttkelS in der„Offenbi in welchem derselbe unbeanstandet blieb; Reoiston kommisston ist angemeldet. Die Nachricht, daß Bebel I Agiialtonsretse Lieblneckt'S nach Amerika anschließe« wird von zuständiger Stelle alS unttchtig bezeichne� Bebel hat dttetts feine amerikanischen Freunde von ttchtiakttt dieser Behauptung benachrichtigt. D« Redakteur de»„Nürnberg- Fürther Sozialdemol Memming» ist von dem Herzog von Sachsen- Mei einem Orden dekortrt worden. D»selde hat eint Kolleftion italienisch» Anstchtm von den drtt deutsch«» Reinhardt, Mechau und DieS neu herausgegeben. J Verbot. Die tn Leipzig bestehende Filiale stützungivereinS der Kupferschmiede Deutsch� d vom dottigen Polizeiamte wegen Zuwiderhandlung�' i daS sächfische VereinSgesetz aufgelöst worden. DeSgl»� Verein d» Zigarrensorttrer. Veto wachsen«. Trennm werden als i de» KultuSbi de« mobilen schasten. wb thümer desel alloemrine 9 auf alle Bei d» Artikel. Stellung füi im Sinne d Abschaff vettretung. deSKttegSb, scheidung üt i Die Ge get, ihre Po ständig. Di die Wähle Arbttterverei sprachen. Oesterreich Ungarn«. � Ein PresfionSmittel auf Rumänien im Jnterefi«% flandekommens eines Handels« und Zollvettrages nach der„Pol. Korr." Oesterreich anzuwenden, wie btt zollpolittfchen Verhandlungen wenig üblich gf�j Die österreichtsch-ungattschen TranSporranstauen nn-j,, deaustragt, jedenfalls vor dem 1. Mai die Verbands Rumäntm zu kündigen und gleichzttttg zu»klären,'s Kündigung zurückgezogen würde, falls die VntragSbezi« zu Rumänien keine Unt«brechung»lttden würden. Ruhland. Ueber den Dynamitfund in NowotfcherkaSk wttd donn„Allgem. Korrefp." gemeldet, daß der@#*5 Verwaltung tn Rostoff(Don) durch anonyme mitgethttlt wurde, daß drei aröß»e Pattim Dy��t schmuggelt seien. Di« erster« Partie wurde unter' Ruhe die Arbeitg, laffm. Gesetz. dem Sinne Verb Verb bot jedei Arbeit r hÄ Eine oi Kommisston und der Ei nungen. 9 Unfälle btt Unternehme bösem Wir Fall ist. Regelu frttm Arbei und so, das laffung die finden, statt Jnt»v, kammem h schober"auf einem Felde eines Kosaken gefunden. fL*'(äFww«? fich darunter vi» Bomben, weiche ous Charkow gebern ow Ganzen waren neun Bombm verfetttgt worden, Beschlag belegten Schriftstücken erhellt. Mtt eine**\,P auf dem Felde außnhald Charkows ein Versuch den. Die übrigm vier befinden stch in PrterSburg. d« Polizei bis jetzt noch nicht gelungm, dieselben — Wir baden schon früh» ttnmal darauf hingewtes�' solche Mittheilungm mtt größter Vorsicht aufzun(%' weil sie vielfach nfunden werden» um GcwaltoiaF8 rusfischen Polizei ,u entschuldigen. J dieser Kasse «1*ri bot an die langen. »llmäli „Und wmu AlleS fehlschlägt?"..J „Ich bin Dein, Rudolph, Dem für alle Ä Paula,„Gott sei mir gnädig, ab« ich kann«"V wa« da auch kommen möge, welche Prüfung mir R» auch aufnlegt, ich fühle es, daß die Liebe zu D>r al« alle« And««!".... „Mein Mädchen, mein süße» Leben," rief bttcht auf's Neue em Strahl der Hoffnung in mtt» i Herz; ab» fie»»den Dich zwingm wollen!" �.1 „Der Gewalt setz' ich Gewalt entgegen/ leidenschaftlich,„treiben sie mich zum Aeußerstea,�' die Folgen auch auf ihr Haupt zurück; Gott � Liebe zu Dir nicht in mein Herz gelegt, Rudolphs. � nicht göttlich wäre, und sttner Wttsung w Ad» ich muß jetzt sott." Ach kann ich nie »och ttnen gescheuchte» oben dm fj langsam, i Schloß zur, blieben wai sehe« hatte. Und der A Rache schm Tocht», u nicht aene zum böse Narr der." Und f reibend— u°d Sand vott unges« Ein Stündchm ruhig Dir am Busen hänge« wwder�voi Und Bmst an Brust und Seel' in Seele drcw» nächsten W fürchte, daß meine Ettn« schon zurück find u« geftagt habm." j „Und wann sehe ich Dich wied»?" W, Paula zögnte eine« Augenblick mtt%(ff- „Wir dürfm nicht zu oft zusammen kommt«,%% mdlich.„Du glaubst nicht, wie viel Auge«""Jck. Aber«S ist doch viellttcht«öthig. baß ich Da« richt gebe; so stt dm» morgen Abend— mors„ f«m dm fi ktt« Theater, nicht wahr?". h'elt außer „Nein, mein Herz, ich habe den Tag u«* Kn nuhloa „Gut denn, so sei morgen Abend a» iMJ Stelle»eben dem alten Warichurm. Es lst �\>a ich selb» Zeit finde, einen Moment dorthm AsA wo nicht, findest Du eine» Zettel an dem bestt. ü „Tausend Dank, mei» süße» Lebe»!, leidenschaftlich, indem er fie umschlang � flonzen wied» küßte. Sie gab fich seinen Liebkosu"�[p«ächfen so weniae Sekunden bw. bann ab» machte P 1 J Die Q "Utzlo« Ott «9«*, Akaj de« wenige Sekunden hm, dann aber ihm lo». „Lebewohl, Rudolph lebe wohl l machte st* riefsU�1* . tn«üH Vslgts«. ,„m bü Trotz all« AgUationrn ßugr es jetzt fest, daß eine Er« .««wa I Weiterung deS Wahlrecht I nicht zu erwarten ist. Die Vor« nwilKiiÄ bedinaung hierzu ist die Aenderung d« Vertaffung. wozu die zwei Drittel Majorttät beider stummem erforderlich ist. Die «dWailnk in der Kammer ist nicht dafür, und die Rechte lehnt "jede Revision �ab. � Diese Engherzigkeit d« herrschenden Klaffen, die nur auS Rücksicht auf die'Festhaltun a d« Macht in ihren Händen die Wahlreform ablehnt, wird sich in dn innerm Ent» Wickelung deS Landes schw« rächen. Die zur Prüfung der Arbeiterfrage von d« Re« aierung berufene Kommission hat sich konstituirt und zu Vor« fitzenden die Deputirten Pirmz und JarobS gewählr. Der Minister Moreau bezeichnet ihre Aufgabe dahin, daß ste die belgische u-d ausländische Gesetzgebung über die Arbeit«»«' bäitniffe vergleichin, die Mittel behufS Förderung von V«- ficherungSlaffen, loopnativen Gesellschaften, Verlaufs billiger LedenSmtttel suchen und die sozialen Mittel zur Vnsöhnung de« Kapitals und der Arbeit prüfen soll. Die Regierung hat eine neue Kommisston eingesetzt, die eine Enquete üb« die Arbeit er Wohnungen vnanstallen soll. lte« iÄ eichSgl diejl t pflj Men lachstNl Wiemn dieSil !N "fest %' der nÄ- lchenM° ld« onlaiw' K rJSi hen ZtN en' ation vovon und 'tT- gern rufen lseitig n. D fenbc lon zur Bebel ß chlt-ße- zeichnet i e von� Der ei� emoke, MeininZ eine d? nitsch«» n. ale � :utschl dluna DcSgl rbanÄZ ?Sb> den. i Da« Progr amm d et belgischen Sozialisten lautet nach dem Journal de Gand�: Politischer Theil. «>..«�gemeine« Wahlrecht. Direkte Gesetzgebung durch da« cP K*'• � Sanktion und Initiative deS Volkes für die Ge- sttzaebung; geheime und obligatorische Abstimmung, Wahlen "'llssen EonntagS stattfinden. Laienunterricht, obligatorisch und vollständig für alle Kind«; Unterhalt desselben auf Kosten der durch Staat od« die Gemeinden repräsentirten Gesell- schaft. Vervollständigung de« Unterrichts durch Kurse für Er- wachsene. Trennung der Kirchen und deS Staate«, die Religionen 5?°� als private Angelegenheiten betrachtet; Unterdrückung y 5 KulluSbudgetS und Rückgabe aller Güter d« tobten Hand, deS mobilen und immobilen Vermögen« der religiösen Körp«- schalten, wie auch der industriellen und kommerziellen Besitz' thümer deselben an die Nation, Ausdehnung d« durch das Wahlrecht gewählten Schwur« und Schiedsgerichte y Q. f,.�"hanblimgflfalle. Kostenlose Justiz und Revision oer Artikel, welche bürgerlich od« politisch eine untergeordnete Stellung für Arbeiter, Frauen und uneheliche Kinder enthalten im Sinne des gleichen Rechte« für Alle. Abschaffung d« Konskription und der militärischen Stell Jätortung. Gleichheit der militärischen Chargen und Redustion de» Kriegsbudgets. Abschaffung d« stehenden Heere. Ent- scheidung üb« Krieg und Frieden durch daS Volk. . Die Gemeinden verfügen üb« ihre V«waltung, ihr Bud- fi/i, chre Polizei und alle ihre öffentlichen Dienstzweige selbst- ständig.__ D« Bürgermeister und die Schöffen werden durch die Wähler ernannt. Durch das Gesetz werden den Arbeittrv«einigungtn die Rechte juristischer Personen zuge« sprachen. Wirthschaftlicher Theil. ., Ruhe für einen Tag in der Woche, od« Verbot für die Arbeitgeber, mehr alS scch» Tage von sieben arbeiten zu »üfsk�. Gesetz, welche« Dauer und Alt« für die Arbeit in folgen» dem Sinne regelt: V«bot der Kinderarbeit unter 12 Jahren. Verbindung der Arbett und deS Unt«richtei und Ver> bot jed« Nachtarbeit für jugendliche Personen von 12 bi« 16 Jahren. Verbot der Frauenarbeit in jedem Gewnbe, wo diese Arbeit mit der Moral und der Hygiene unverttäglich ist. Feststellung eines NormalarbntStageS für die Erwachsenen beid« Geschlechter durch Gesetz. Eine von den Arbeitern erwählte und vom Staate bezahlte Kommission hat in den Werkstätten die Bedingniffe der Hygiene und der Sicherheit einzuführen. Sanitäre Kontrole d« Woh« nunaen. Wirksame Verantwortlichkeit der Unternehmer für Unfälle bei der Arbeit, durch ein Gesetz, nach welchem dem Unt«nebm« obliegt, nachzuweisen, daß der Unfall auS bösem Willem deS Arbeiter« entspnmgen ist, wenn e« der Fall ist. Regelung der Gefänanißarbeit, so daß der thatsächlich der freien Arbett gemachten Konkurrenz ein Ende gemacht wird und so, daß gesorgt wird, daß die Gefangenen bei ihr« Ent- laffung die nothwendigen HilfSmtttel haben, um Arbeit zu finden, statt rückfällig zu werden. Jnt«ventton d« Ardeiter und besonders der Arbeiter karnmern hinsichtlich der WerkstattSordnungen. Verbot von Geldstrafen od« Lohnabzügen. Abschaffung d« von Arbeit ciebern verwalteten Hilfskassen. Uedergabe der Verwaltung dies« Kassen an die Arbeiter. . Reorganisation der EchiedSaerichte(eovseil» äo xrnck'Kommei) wf den Grundlagen des gleichen Rechte» für Alle. Ver- langen � Arbeitgeber, Arbeitsbücher oder Zeugntffe zu v«» Allmälige Ueberführung d« öffentlichen Wohlthätigkeit in »och eine« Kuß auf seine Lippen und floh dann wie ein gescheuchte» Reh den Busch entlang, um«st weit« oben de« Pfad wied« zu«reiche», vo« wo sie nachher . nfüth' langsam, wie vo« einem Epaziergang kommend,«ach dem „ichl p Schloß zurückkehren konnte. „Himmlisches Mädchen," sagte Rudolph, d« stehen ge« 3>ir W blieben war und ihr mtt einem behaglichen Lächeln«achge» � sehe« hatte,„lauter Feu« und Gluth, eine lebendige Zulia! Und d« Alte? Pah,« wird eine Weile wüthe» und Rache schnaube«, daß die Komtesse mit einem Komödianten durchgegangen, und zuletzt bleibt e# immer die alte Ge- schichte. Wa» will« de«n mache«? E» ist die einzige Tocht«, und wen» ihm d« Schwieg«soh» auch gerade nicht aenehm sei« mag, muß« doch gute Miene zum böse« Spiel« mache«— d« alte adel»stolze Narr der." U«d sich«st vergnügt u«d selbstzufriede« die Hände reibend— vo« sei«« vorige« Bnzweiflung war keine Spur > mehr zu entdecke» griff er seine« kleine« Spazierfiock , wied« vom Bode« auf, schlenderte la«gsam«ach oem I nächsten Weg hinau», blieb hi««och einmal stehe«, um W e _> T'-"»******* v»V j V# w************ WM VW V* * gekommen und wo« mit einem kleinen Umweg t.«% Schloß und desse» nächste Umgebung vermied, um vo« et,"$ Un8eiehett in die Stadt zurückzukehre». ***"** Die gräfliche Familie. ie des Gräfe« Monford fuhr iadesse» lang- ZM5ZWMs hin, während die Front .... u—— mit allen nur erdenklichen Topfge» wachse« so reich geschmückt war, daß selbst die brette, kunst- -.-.tzüAlEN , stanzen Gebäude« ein umfaffendeS VerficherungSsystem durch den Staat, die Pro« vinzen und die Gemeinden. Abschaffung aller Konsumtionisteuem. Unterdrückung d« Zölle und progressive Steuer auf daS wirkliche Einkommen. Aufhebung all« Verträge und Gesetze, welche öffentliche« Eigenthum(Nationalbank, Eisenbahnen, Bngwerke, Kommunal- abgaben jc.%.) veräußert haben, und Rückgabe dies« Besitz- thllm« an die je nach dem Einzelfall dmch den Staat od« die Gemeinde repräsenttrte Gesammtheit. Abschaffung all« Gesetze, die zu Gunsten der Untetnehrn« gemacht sin» und fich gegen die Arbeit« richten. Ist da» ein Programm von Mordbrennern? In den Steinbrüchen de« Hennegau bei Lüttich streiken neuerdinaS 1500 Arbeiter. Die Regierung entsanvte Vorsicht«- halber Gendarmerie dorthin. Frankreich. Man liest im Journal„Pari«":„Die H«ren Mtchelin, Abgeordneter deS Seine-Departement«, und Planteau, Abgeordneter d« Haute-Vienne, hatten mit dem Bautenminister Herrn Baihaut eine Untenedung üb« den Streik von Decazevtlle. Herr Baihaut theilte den beiden Abgeordneten die Resultate o« Besprechung mit, welche die Herren Leon Say, Raoul Duval und Deffeiligr.y, Mitglieder deS Ver- wattungSrathe« d« Grubengesellschast von Decazevtlle, mit Herrn de Freycinet und ihm hatten. Herr Baihaut erachtet, daß ein Nachgeben von Seiten d« Kompagnie«folgt sei. Die Verwaltungsrälhe äußerten sehr laut ihren Wunsch, die Arbeit wieder beginnen zu sehen, und erklärten fich b«itt. Zugefiänd- niffe zu machen. Drei Punkte wurden erörtert: 1) die Frage Blazy. Man kann nunmehr al« gewiß ansehen, daß d« Gru- beningenier Blazy nicht mehr noch Dicazeville zurückkehren wird; 2) die Tarife. Die VerwaltungSräthe«klären, daß sie die gleichen Tarife beibehalten wollen; sie wünschen ebenso. wenig die Lohne herabzusetzen als zu erhöhen; 3) die Wieder aufnähme der Arbeiter. Die« ist dn schwierige Puntt. Die Herren Michelin und Planteau verlangten die Wiederaufnahme all« Arbeiter. Die Verwallungsräthe wenden ein, daß e« ihnen jetzt, da ste in Folge des Stteik« viele Kunden und Auf- träge veiloren haben, unmöglich sei, alle streikenden Arbeiter wieder aufzunehmen. Trotz der über diesen Punkt von den V-rtretern der De cazeville- Gesellschaft erhobenen Einwände ist die Hoffnung auf ein Einvernehmen noch nicht v«loren. Gcstnn Abend trat der V«waltunasrath der Gesellschaft zu- sammen und da« Resultat seiner Berathung wird heute der Regierung mitgethettt werden. Die Herren Michelin und Plan- teau erklärten dem Minister, sie wären bneit, unv«züglich nach Dekazeville abzureisen. GrohbritaNAie«. Auf dem Rennplätze bei Belfast fand am 27. v. M. eine großartige Kundgebung von Orangisten statt, bei der Glad- ttone'S Homerule-Bill die absprechendste Beurtheilung zu Theil ward, und die nachstehende strittfertige Resolution zur Annahme gelangte:„Daß, sollte diese Maßregel des PremierminisierS unS aufgedrungen, und wir der Regierung Derjenigen über- liefert werden, die unsere bittersten Feinde, die Feinde d« Krone und d« V«faffung gewesen find, und deren erste An- strengungen gegen unsere religiösen und kommerziellen Jnter- effen gerichtet sein werden,— wir hiermit feierlich und ruhig erklären, daß wir jene Regierung nicht annkennen werden, daß wir gegen die Besteuerung durch ein irische« Parlament Protest einlegen, und die Zahlung der von ihm auferlegten Steuern verweigern werden; und ferner, daß wir bis zum Aeußersten allen Versuchen, solche Zahlungen zu erzwingen, Widerstand leisten werden. Wir fordern die Männ« von Enzland. Schott- land und den Kolonien, die in dieser großen KnfiS unserer Geschichte auf unserer Seite stehen, auf, uns«en Protest jetzt und später zu unterstützen, wenn wir genöthigt sein sollten. eine entschloffenne Haltung für die Aufrechterhalrung der bürg«- Itchen und religiösen Freiheiten einzunehmen, die ihre und unsere Vorväter für uns enungen haben."— Die irischen Pro« testanten find bisher in unbilliger Weise bevorzugt worden. Wenn ste der katholischen Majorität nicht einmal die Erfüllung ihr« gerechtesten Wünsche gönnen, so wäre»S leicht möglich, daß die Katholiken späl« Gleiche« mtt Gleichem»«gelten könnten. m«n™. Jt al ie«. Vom 29. Mittag bis 30. Mittag kamen in Brindisi zwei Cholera-Erkrankungen und ein Choteta-TodeSfall vor. Au« Ostuni werden drei Erkrankungen, aus LatianS eine Erkrankung, auS Erchie ein Cholna-Todetfall gemeldet. Die Wiener„Neue Freie Presse"«hält die Nachricht, die „Societel d'osplorazione conunerciale in Africa" in Mailand habe beschloffen, zwei ihr« Mitglied« nach Zeila zu senden, um die Ueberreste d« Expedition Porro zu suchm. Die englische Regierung habe auf die an ste gerichtete Anftage ge« antwortet, sie habe von dem Maffakre Kmntniß«halten, werde geeignete Maßregeln in Erwägung ziehm und der italienischen Regierung rnttthetten. Es heißt, da« letztere die Mitwirkung zur Züchtigung deS Ernte« von Harrar angeboten habe. D« V«such der Opposition der Pentarchie, das Maffakre zum An- voll gearbeitete Marmortreppe, die zu dem Gartensalo» und ErnpfangSzimm« hinauf führte, einem vollblühende« Garte« glich und den Dust ihr« Blumen durch die geöffae- ten Fenfl« in alle Räume de» Schlöffe« sandte. Und alle Räume waren so reich al« geschmackvoll au«- gestattet, denn Graf Monford besaß ei» bedeutende« V«- möge» und hatte auf seine« weite« Resse» gelttnt, sich die Bequemlichkette» und de« Luxu» all« Himmelsstriche auzu- eigne», ohne dabei sei« Hau« zu üb«lade«. Die kostbarste» Gemälde, die herrlichsten Statue« und Statuette» schmückte» die Zimmer, ab« wo sie stände», schie« e« auch, al« ob sie fehle« würde», we»« ma« sie wegae«omme» hätte. Ein« zahlreiche Dienerschaft stillte dabei da« Hau«— Graf Moaford hatte stüher ä»f von seinem Bat«««bte» Besitzungen i» Wefiindien gelebt und fich daran gewöhnt, eine Masse von Dienstleutea um fich zu haben— und Herr- liche Pferde standen in de« Ställe«, die sich, mit weite» Rasengründen für die Fohlen, eine ganze Streck« in den P.» An» Kunst nnd Zehe«. Im Deutsche« Theater geht am nächsten Sonnabend, 8. d. Mt«.,„Der Widerspänstigen Zähmung" von Shakespeare, in Szene. Heute, Sonntag, wird„Ein Tropfen JStft" und morgen, Montag.«Romeo und Julia" gegeben. Fern« bringt das Repertoir dies« Woche noch Aufführungen von„DaS Urbild de» Tartüffe".„Ein Tropfen Gift".„Der KöntgSlteute- nant" und„DaS Käthchen vm Heilbronn". Alhambra-Theater. Mtt der heut zur Aufführung ge- langenden Gesangspoffe:„Alles, wa« zum Bau gehört" schließt da« Alhambta-Tdeat« seine diesjährige Wtntersaison. Im Loutsenftädttsche« Theater gelanaen heute, Sonn- tag, auf allgemeine« Vnlangen Schiller«„Räuber" zm Auf« füdrung, und zwar mtt durchweg ersten Kräften, so daß der Besuch dieser Vorstellung auf« AllerwSrmste zu err.pfeblen ist. — Die lustige Theater Revue„Das lachende Deutschland", welche Mittwoch zum 1. Male in Szene geht, bringt unter Anderem auch ein phantastisch-parodistische« Ballet:„Amor", welche« von Frau Zottt arrangirt ist und ausschließlich von Herren getanzt wird. Der am Schluffe de« Stücke« von dem griffe gegen die Regierung bei der Wahlagitation aulzubeuteev ist nach der„N Fr. Pr." mißlungen, da e» erwiesen«st. daß die Regierung alle» gethan hat. um den Grasen Porro im Hinblicke auf die Lage Harrar« von der Exvedttion abzuhalten. _ Nach demselben Blatte hat der englische Major Hunter, Kommandant von Aden, dem G afen Porro verboten, seine Mannschaft zu bewaffnen, und die Sicherheit de« W-ge« bi« Dschaldeffa gewährleistet. Man hoffe übrigen«, daß nicht alle Mitglieder der Exveditton getödtet find, da die Karawane von Kundert Somali-Nfgern begleitet war und im ganzen au» 168 Personen bestand, welche, wenn auch schlecht bewaffnet. doch sich soweit vertheidigt haben dürften, daß ewige der An- gegriffenen Rettung finden konnten. Balkauläuder. Di« Stimmung der Mächte Griechenland gegenüber ist durch da« herausfordernde Verhalten de« griechischen Ministerpräsidenten Delyanni« noch fewdseliaer geworden und eS bleibt staglich, ob die obige griechische Note diese Stimmung ändern wird. Da« Bestreben der griechischen Regierung, den BermtttelungSversuch de« sranzöstschen Gesandten zu Gunsten ihrer chauvinistischen Begehrlichkeiten auszudeuten, hltt nach dem Wiener o'siziösen„Trlegr. Korrespond. Bureau" eine Ent« stemdung der Regierung zur Folge gehabt, welche ihren Ge- sandten in Athen bereits angewiesen haben soll,„der stanzosi- schen Regierung klarzulegen, welche nicht gewillt ist, in die griechische Frage fich weiter hweinziehen zu lassen, alS die« ihre Beziehungen zu den übrigen Machten und ihr fester Wille, jede gesonderte Aktion zu vermeiden, zulassen". Nach dem Telegramm deS„TernpS" scheint S wiederum, als wolle Griechenland doch nachgeben. Darnach haben die vier Packetdoote der griechischen SchiffiahrtSgelellschast, welche in SalamiS zum Kriegsdienst ausgerüstet worden waren, Befehl zur Abrüstung erhalten; der Garnison von Athen, welche in dieser Woche nach der Grenze abrücken sollte, ist Gegenbefehl erthrilt. Andererseits hat die Regierung bei der Nationalbank in Athen 15 Millionen geborgt, waS nicht auf die friedlichsten Abstchten schließen läßt. Der„Pester Lloyd" weist die griechrschen Forderungen sehr scharf in folgender Weise zurück:„Die Hauptsache rst, daß Griechenland keine ungerechtfertigten Ansprüche erhebe, die den Orient in fortwährender Beunruhigung erhalten müssen. Nack welchen antiken oder modernen Rechtsprinzipien könnte die Türkei verpflichtet werden, Griechenland auS ihrem eigenen Fleische zu entschävigen, lediglrch deshalb, weil Ostcumelien— wahrhaftig ohne Zustimmung der Türkei und gewiß nicht zu deren Entzücken— seinen früheren General>Gouv:rneur weg- gejagt unv an deffen Stelle nunmehr einen anderm erhalten hat? Ja selbst wenn die bulgarischen Provinzen fich völlig lo«» gerissen hätten, flöffe hieraus ein Anrecht Griechenland« auf türkisches Territorium? Ebenso fadenscheinig ist aber auch die Berufung auf den Berliner Kongreß. Die dort in Aussicht genommene Territorial Berichtigung ist unter der Betheiligung und zu voller Befriedigung Griechenlands längst ausgeführt und auS diesem Titel drstevt für Griechenland lein weiterer Anspruch. So lange also Griechenland trotz alledem seine un» gerechtfertigten Ansprüche aufrechterhält, werden auch die Mächte genöthigt sein, von gelinderen zu wirksameren Maßnahmen so lange vorwärts zu schreiten, bis ihr eben gekennzeichneter Zweck erreicht ist, und bei der Einigkeit und Entschiedenheit, mit welcher die Mächte austreten, wird er auch hoffentlich bald und gründlich erreicht werden, selbst wenn ihm schmerzlicher- weise VaS Kabinet DelyanniS als Opfer fallen müßte." Kommunales. w. Penfions- Reglement. Der zur Vorberathung der Vorlage de» Magistrats, detreffrnd dai Pension»- Reglement für Angestellte der wirthschastltchen, industriellen und sonstigen Anstalten der Stadt Berlin niedergesetzte Ausschuß der Staat« verordneten-Versammlung hat am Freitag seine erste Sitzung abgehalten. AlS MagistratSkommiffar war der Stadtsyndikus Zelle zugegen.— Die Debatte drehte fich hauptsächlich um den § 1 deS Reglement«. Entgegen dem Vorschlage deS Magi« ftrats, wonach die PenstonSberechtigung nur destimmten Kate« § orten von Beamten beigelegt werden soll, wodurch ein größerer cheil von Beamten— und namentlich die weniger gut besol- deien— an dieser Wohlthat keinen Antheil haben würde, wurde von den meisten Rednern die Anficht vertreten, daß allen An- gestellten die Pensionsberechtigung betgelegt werden müsse. Dagegen gingen die Meinungen darüber auseinander, wer alS Angestellter im Sinne de, P-nstonsreglemcntS gelten soll.- Vertteten wurden die Ansichten, daß nur die etatSmäßig, WMDMM Vorschläge kam e« nicht, da der Magistrat zunächst noch«in Berzeichniß aller bei den wirthschaftllchen Anstalten deschästtgten Personen! aufstellen und vorlegen soll. Dasselbe soll folgende Kategorien enthalten: a) die gegen ein jährliches fixtrte» Gehalt Geiste der veistordenen RUterSgattin Brunhilde gesmochene Worte- unter Anderem die folgenden beherzigenSwerthen Sohn, da» Stück, da» Du gedichtet. hat mich davon unterrichtet. Daß Du Praxis weißt zu üben: Jeder Satz ist abgeschrieben! Große Dichter— wehe ihnen, Die fich müh'n und nicht« verdienen; Den nur nenne ich den Meister, Deffen Stärle liegt im Kleister! Dich will ich al» Schwiegersohn» Nimm fie Dir— Max(auf Adelgunde zueilend): Ich Hab fie schon! -ZWsMSWMM N«!!r W-aali dm 6.: Johanij von Lothringen; Frettag. den 7.: Die Hugc notten(Frl. Tornay alS Gast); Sonnabend, den 8.: Carmen; Sonntag, den 9.: Johann von Lothringen. Im Schau. sp i e l h a u s e. Sonntag, den 2.; Ein EommernachtStraurn; Montag, den 3.: Auf der Brautfahrt; Dienstag, dm 4.: Ti- mandra; Mittwoch, dm 5.: Tilli; Donnerstag, den 6.; Ein Schritt vom Wege; Frettag, den 7.: Arn Klavier; Der Winkelschrcibcr; Sonnabend, dm 8: Romeo und Julia (Frl. Anders al« Gast); Sonntag, dm 9.; Die Geier-Wally. _ Im Kaiser-Panorama— Passage— gelangt in dieser Woche neben der intereffanten Reise durch Italien eine Wan- derung durch da« Rtejmgebirge zur Ausstellung. Der Besuch diese« Kunstinstttut« ist in den Abendstunden stet« so groß, daß die Plätze mcht auSreichm. siKSSäwSM- war, reichten fich Jakob Miller und Katharine Baumgarten ttt Cbikago die Hand zum Ehedunde. Der Jubilar Miller wurde 1812 bei Kaiserslautern in der Pfalz geboren und Frau Katha- rine im Jahre 1813 in Lothringen. Von Präsident Cleveland war au« Anlaß der Feier ein BeglückwünschungSschretden ein- gelaufen. Ungestillten: b) die gegen ein monatlich zahlbares Gehalt An« gestellten' o) die gegen ein Tagelohn beschäftigten Personen. Die nächste Sitzung wird nach dem Eingang dieses Verzeich- ntsteS stattfinden. w. V«« Lützow« Platz. Die schon vielfach ventilirte Frage» ob nicht der Lützow� Platz zu einer Hafenanlage umge- wandelt werden könnte, beschäftigte in seiner letzten Sitzung auch den Magistrat. Nach längerer eingehender Berathung hat indessen derselbe den dahin, ielenden Antrag abgelehnt. w. Regulirung der Spree. Wie bereits mitgetheilt, hat fich die gemischte Deputation der Stadtverwaltung in ve« zua auf das Projekt der StaatSregierung, betreffend die Re« gulirung und Tieferlegung deS SpreebetteS» dahin schlüssig gemacht, dm Kommunalbehörden zu empfehlen, fich mit einer namhaften Summe an demselben zu betheiligen. Demgemäß hat der Magistrat beschloffm, der Stadtverordneten-Versammlung vorzuschlagen: der Staatsregierung gegenüber die Bereit- Willigkeit auszusprechen, zu den Kosten der Wafferbauten, welche in der vorgelegten Zusammenstellung als ins Wasser fallend bezeichnet find, die Hälfte in der Höhe von zirka 3 200000 M. beizutragen, in der Voraussetzung, daß nach Abschluß deS Abkommens der Stadtgemeinde auch schon vor Senkung des Wasserspiegels die Errichtung von Brücken nach der Höhenlage des neuen Projektes gestattet werde. Soziale» mA Arbetterbewegnng. Zur Weberbewegung theilt die„Niederrh. VolkSztg." folgendes mit: Auf dem vn. Delegirtentage deS„Nieder« rheinischen WeberbundeS" wurde beschloffen, an die Regierung zu Düffeldorf eine Petition betr. Einführung einer Minimal- Lohnliste und Errichtung von Schiedsgerichten zu senden. Laut Bericht der„Weber- und Wirker-Ztg." ist hier- auf von Seiten der Reaterun« nachstehende Antwort erfolgt: „Düffeldorf, 9. April 1886. Dem Vorstande erwidern wir auf die gefl. Eingabe vom 4. d., daß wir den Verein der Seiden- Industriellen in Krefeld um baldige Einführung der Minimal« Lohnliste für Sammele ersucht haben. Wegen der vom Vor« stände weiterhin beantragten Einführung von Schiedsgerichten zur Steuerung der Lohnabzüge werden wir demnächst eine ge« metnsame Besprechung von Fabrikanten und Webern oer- anlassen, zu welcher nnr auch die vom VN. Delegirtentag gewählten drei Vertreter hinzuziehen werden. Königl. Regierung. Abcheilung deS Innern, gez. v. Roon." Ueber die AußwanderungS« Agenten in Schlefiea schreibt die„Schlestsche VollSztg.":„Mit dem beginnenden Früh. jähr entfalten von Neuem nordamerikanische AuSwanderungS« Agenten ihre agitatorische Thätigkiit. besonders unter Land« leuten, durch Wort und Schrift. Nach zuverlässigen Nach« richten find Ende Januar diese« Jahre« zwei zu Wirmipe, in der kanadischen Provinz Manitoba ansässtge Deutsche NamenS D. W. Rudle und Adolf Christoph, von denen der erste auS Württemberg und der zweite au« Eschborn bei Frankfurt a. M. stammt, nach Deutschland abgereist, um Auswanderer für Kanada anzuwerben. Sie haben bereits durch in Deutschland ansässtge Unteragenten ihre persönlichen Agitationen vorbereitet. Ein dritter, der für die Auswanderung nach nordamerikanischen Territorien, und zwar hauptsächlich in der Provinz Schlesien agitirt, ist, wie der„Ob. An»." erfährt, der Agent E. y. Waaren zu St. Paul- Minnesota. Er verleitet die schlestschen Land- leute durch Broschüren und Flugblätter, in denen jenseits de« Ozeans der Himmel auf Erden versprochen wird. Wer dm Verlockungm und Vorspiegelungen dieser Seelenverkäufer folgt, ist drüben so gut wie vogelfrei. BestmfallS giebt der Verführte sein Letzte« daran für eine urbar zu machmde Scholle Lande«, für sein Recht steht ihm niemand. Er kämpft dm Kampf um die Existenz, verlassen im fremden Lande, wo ihm auch nicht einmal ein Trunk Waffer gereicht wird, wmn er am Verdursten ist. Warum ziehen denn die Isländer, die doch bekanntlich in ihrem Heimathlande ärmer als arm find, nicht mehr nach Amerika? Sie find doch der Landessprache, des Englischen, mächtig, und haben also diesen enorm n Vortheil vor den Dmtschen voraus. Weil fie über die Enttäuschungen und über das Elmd ihrer Landsleute unter Amerikanern und Engländem die schlagmdsten Beweise erhallen haben. Sie haben drüben in Amerika wie daS Vieh gearbeitet und find elmd zu Grunde gegangen. Unter Hundert glückt eS nicht einem. Die amerikanischen Land- und Etsenbahn-Agenten bekommt der Ausländer natürlich nie zu sehen- fie heimsen ihre Provifion pro Kopf ein und lachen fich in« Fäustchen, je mehr Gimpel ihrem Netz verfallen. Hohe Divtdenden zahlt die Geraer Jutespinnerei und Weberet. In der orvmtlichm Generalversammlung beantragte der AuffichtSrath siebenzehn Prozent Dividendm, obgleich der Vorfitzende in seinem Geschäftsbericht mtttheilte, daß fortgesetzte Preisrückgänge stattfänden und die Lage der Spinnerei und Weberei fich recht ungünstig gestalte. Die armen Ar« better! Die GeschSftSlofigkeit in der Tabaksbranche in Ottmsen ist augenblicklich eine recht große. So therll das hiesige NachweisungSbureau für Zigarrmardeiter mit, daß dort augmblicklich zrrka 1500 Arbeiter keine Leichästigung haben. tm vorigen Jahre wanderten von Ottmsen bereits viele igarrmardeiter nach Amerika aus, indeß führen dieselben auch dort, nach hierhier gelangten Briefen, ein kümmerliche« Dasein. Streik. In Wilhelmihaoen haben nun auch die Z i m« mergesellen die Arbeit bei jenen Arbeitgebern niedergelegt, welche die Forderung eine« Minimallohne« von 3,50 M. pro Tag nicht bewilligen wollten. Mehrere Meister und Unter« nehmer haben fich bereit erklärt, den Tagelohn von 3,50 M. zu gewähren. Bei diesen haben die Gesellen die Arbeit fort- gesetzt. Die Arbeitseinstellung der M a u r e r befindet fich noch im ursprüngltchm Stadium. ES wird nur an jmm Bauten gearbeitet, deren Unternehmer einen Tagelohn von 4,50 M. zahlen, wie beim Bau der großen Kaserne. Die Werftbauten und auch der Bau des Arbeiter- LvankmhauseS ruhen noch und die Arbeiter feiern. Der Streik der Maurergesellen zn Görlitz, welche bei Meifiern deS Baugew nk■uu(JnnungSmeister) beschäftigt warm, dauert nach Beschluß der drliii r von ihnen abgehaltenen Versammlung fort, und nahezu der dritte Theil der Streiken- den, darunter eine Anzahl der tüchtigsten Gesellen, hat Gö litz verlaffm. Die von den Gesellen auf Grundloge einer 10'/»« stündigen Arbeitszeit und eine* Minimallohnsatzes von 28 Pfg. für die Stunde angestrebte Einigung mit dm Meistern ist daran gescheitert, daß fich die Meister nur dazu verstehm wollten, 28 Pfg. al« Maximallohn zu bewilligen. Als Minimallohn werden nur 18 Pf. dezahlt, und diesen Lohn- satz zu steigern, sehen die Gesellen als den Kernpunft der ganzen Bewegung an. Im Vergleich mit den in Dresden und � von dm Meistern bewilligten Lohnsätzen find die JWJ; der Görlitzer Maurergesellen durchaus mäßige. Tie Bauunternehmer, welche nicht dem Baugewerkvnewe' hören, haben lOstündtge Arbeitszeit und 30 Pf. Cluj*® ausnahmslos bewilligt.— Man steht an diesem wieder den„Segen"»er Innungen, die überall sörmlia provofirm.,- Die Zimmerlente in Barmen haben einen letam? erfochten. Die Meister habm die auf einen zehnstündig. beitslag und 40 Pf. Stundenlohn lauten dm ForderuM Gesellen schriftlich zugestanden. Nur ein Meist« Ip. unterzeichnet, worauf 12 jüngere Gesellen die Arbell wP während 4 ältere in Arbeit blieben. Doch wird dmak fich auch nicht den allgemeinen Zugeständnissen entziebenP oder er muß mit schlechten Arbeitem und Leistungen w nehmen._ Vereine mh NersaminwM * Verein zur Wahrung der Interessen der und BerusSgenoffm. Montag, dm o. Mai, Abend« o' Nauny-'straße 44, Mitgliederversammlung. Taget»i°°k 1. Innere VereinSangelegmheitm. 2. Verschiedene«. 4 nähme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Zentral-Kranken« und Strrbekasse der»«». Böttcher, Filiale A. Dienstag, den 4. Mai, Abend« Versammlung, bei Heise, Lichtenberg« str. 21. Tage««d>i 1 Neuwahl deS Vorstandes. 2 Verschiedenes. T*. glieder werden auf§ 31 aufmerksam gemacht. OuittxV tegittmirt. * Verband deutscher Zimmerleute(Lokalverb-«»? Ost). Dienstag, dm 4. d. M., Versammlung ProtW Nr. 37/38. Gäste willkommm..-j * Berliner Stuckateurvereiu. Montag AbeiuA Versammlung Kommandantenstraße 71/72 bei Niest." Tagesordnung. * Krankeu-UuterstützungS-vund der Schneide»? Mittwoch, dm 5. Mai, Abend« 8V» Uhr, Mttglteder-LD lung. Mitgliedsbuch legitimirt. Wer länger als mit«, «benbeiträgm im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. stelle Annmstraße ist am Mittwoch geschloffen.(SiehtI am Dienstag.) - Versammlung der Delegirie« der OrtSkra der Tischler re. Sonntag, dm 2. Mai, Vormittag bei Seefeld, Grmadierstr. 33. Tagesordnung:, schlagung von Kaffengeldern durch die Kasstrer. standSmitglieder werden ersucht, ebenfalls in der Vers-P zu erscheinen. * Oeffeutliche Versammlung der Lacktrer Branchen in Berlin und Umgegend am Montag, de«- Abend« 8'/, Uhr, in Niest'S Salon, Kommandantmst»� Tagesordnung: 1. Vorlage der von der Kommisüfi, Starbeiteten Statuten. 2. DiSkusston. 3. Wahl ein» ande«. 4. Verschiedenes. Der heutigen Nummer liegt für die biefigen eine Bekanntmachung, die Eröffnung von vier städtisäP hallen betreffend, bei. Theater. Sonntag, den 2. Mai. DperuhauS. Rigoletto. Montag: Keine Vorstellung. S»»«spielhauS. Ein SommemachtStraum. Montag: Auf der vrautfahrt. Deutsche» Theater. Ein Tropfen Gift. Montag: Romeo und Julia. Walluer-Theater. Sin« von uns're Leut. Morgen: Dieselbe Borstellung. Uestdeu»« Theater. Theodora. Drama in 8 Bildern von V. Sardou. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle»Alliauee-Theater. Der Sonnwendhof. Montag: Dieselbe Vorstellung. »«t«drich.«ilhel«ftiidtische» Theater. Der Zigeunerbaron. Montag: Dieselbe Vorstellung. W-dhalla« Theater. Das lachende Berlin. Heitere» au« der B«lin« Theatergeschichte mit Gesang und Tan» in einem Vors,.tele und 8 Akten von Jakobson und Willen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Geutral-Theater. Der Stabs« Trompet«. Montag: Dieselbe Vorstellung. »ittoria• Theater. Amor. Tanz Poem von Luigi Manzotti. Montag: Dieselbe Vorstellung. DAeud-Theater. Die Loreley. Montag: Dieselbe Vorstellung. Louiseustädtische« Theater. Die Räub«. Umeriea«• Theater. Große Spezialitäten« Vorstellung. Theater der«eichtzhalleu. Große Spezialt. iätm-Vorstellung. Kaufmann'» Variete. Große Spezialitäten« Vorstellung. Koukordia. Groß« Spezialitätm-Vorstellung. Alhambra-Theater. «allnertheaterstraße 16. Sonntag, den 2. Mai 1886: Sxtra-Vorstelluug I Alles, was zum Bau gehört. Posse mit Gesang in 3 Akten und 6 Bildern von O. MqliuS. vr. RovM der Hmskapelle. »Rftmg de» Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7»/« Uhr. T,»assage 1 Tr. 8 M.- 10». %TXTy Kaiser- Van-»a«a. WaBg In dieser Woche: «eise durch da» Rieseugebirge. Ober-Ztalteu. Como�See. Pompni. Hertha« «eise. Ein« Reise 20 Pf. Kind«! [1527 Meinwein, «willen und ratheu, eigen« Keltnung, durch. au» rein gehalten und sehr preiswerth, versendet In Fässern und Flaschen l Mann, Hdtt-Iiielhtw 28141 bei Mainz a. Rhein. Regulateure, goldene und filberne Tasche«- Uhren kaust man am billigsten in d« Uhren-Fabrik von MAX BUSSE, 157 Juvalideuftratze 157, 10711»wischm Brunnen« und Ack«straße. Gründliche Reparaturen au Uhren jeder Art, sowie«euarbeiteu unt« Garantie l M- sp-istu Sie? In der ersten alten pom- m«schm Küche, Oranim- straße 181, Hof parte««, deiKl-iu. Frükfi. 30Pf., MüagStisch m. Bier 50 Pf. 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Jedem von uns dürsten wohl die de- rüchtigten Berliner Miethsverträge in Bezug auf Wohnungen bekannt sein, die dem Vermiether nach ihrem Wmtlaut daS Recht geben, den lumpigen Miether auf die Straße zu werten, wenn er fich vielleicht erdreistet, in seiner Wohnung etwas zu laut zu mesen. Jndeflen bergen dtese A t von M ethsver- trägen in ihren Paragraphen noch eine ganz bedeutende Summe von milder M-nschentreundlichkeit; fie laffen uns auch den strengsten, unzugänglichsten Hauspascha in einem väierlich- freundlichen ii cht erscheinen, wenn man nur einen flüchtigen Blick in die sogenannten Mtethsverträge gewisser Adzahlungs- peschäste wirst. In diesen starren, unerbiltlichm, mit den Titeln des Allgemeinen Landrewts wohl vntlau'ulirtcn Para- Kraphen wird der„Miel her", dem gewöhnlichen Rechtigrsühl nach sollte man wohl eigentlich„Käufer" sagen, einfach stran- gultrt, er überlitferl fich mit a'dundenen Hm den einem hart herzigen, erbarmungslosen G äubiger. G'gen die Idee reeller AbzahlungSgeschäste läßt stch im Großen und Ganzen nicht viel sagen, die allgemeine Misere in der wilthschastlichen Lage dringt ein größeres Kreditbet ürfniß ganz von selbst mit ssch, und es ist naturgemäß hauptsächlich der kleine Mann, welcher jede Gelegenheit ergreift, um seine augenblickliche LrbenShal» tung etwas zu verbessern. Auf dle Kauflust des großen Pudli- kums baflr', sprossen und sproßten hier in Berlin die Adzah kungSgeschäfle aller Art wie Pilze auS der Erde empor, der „findige" Geschäftsunternehmer baute auf die Unerfahrenheit der großen Mass, und wie man fich heute überall überzeugen kann, haben fich die Inhaber der Abzahungsgeschä'te in ihren Kalkulationen auch keineswegs getäuscht. Die AbzahIungSge« fchäfte flortren wie keine andere Branche und trotz der ver> hälinrßmäßig geringfügigen An>Abzahlungtdetrege arbeiten die Inhaber solcher Geschäfte bekanntermaßen mit einem Nutzen, der in Anbetracht der eigentlichen Käufer gerade.u haarftram bend genannt werden muß. Wenn man nun auch nach den heute al«„richtig" geltenden kapital stischen Prinzipien in diesem Falle dem Unternehmer für sein Rtstko einen gewissen Gewinn nicht absprechen kann, selbst wenn man zugeben will, daß derselbe bei den mancherlei Ausfällen, die verartige Ge. fchäfte wohl im Gefolge haben können, auch ein entsprechend höherer sein müßte, so verbarrrkadiren stch andererseits diese Geschäftsleute wieder hinter Paragraphen, die es als höchst unwahrscheinlich erscheinen lassen, daß der Verkäufer jemals durch einen unreellen Kunden geprellt werden könnte, wenn letzterer nicht von vornherein adfichtlich darauf ausgeht, Seh mit dem Strafgesetzbuch zu überwerfen.— 8 liegt uns ein gedruckter Miethi- Vertrag vor. Nach diesem Vertrage wurden verschiedene Möbelstück« im Betrage von 127,50 M. gegen eine monatlich pränumerando »u leistende MtelhSenischädtgung von 10 M- vermtethet. Die Möbel sollten, wenn, wie dies üblich ist, die ganze Summe durch die monatlichen Ratenzahlungen gedeckt sein würde, in den Besttz des„MietherS" übergehen. Wenn der Miether die Mielhe nicht pünktlich zahlt, darf der Vermiether die Sachen sofort zurück holen, er darf zu jeder Zeit mit beliebig vielen Leuten in die Wohnung deS Mi-theri dringen, ohne daß dieser auS diesem Vorgehen die Kriterien des Haussriedendruches herleiten dürste.„Von den als Mtethe bereits geleisteten Zahlungen kann der Miether üderhauptniemalS etwas zurückverlangen," so lautet der Schluß eineS der Erdrosseluags Paragraphen. In dem von uns angezogenen Fall ist eS nun vorgekommen, daß der„Miether" von der Totalschuld von 127,50 M. that- sächlich durch monatliche Ratenzahlungen 110 M. getilgt hatte, so daß nur noch eine Restfordemng von 17,50 M bestehen blieb. Diese 17,50 M- war der„Miether" nun zu zahlen außer Stande, und der Vermiether holte nach seinem aller« «ingS zu Reckt bestehenden Kontrakt die gemietheten Möbel aus der Wohnung deS Schuldners weg. Letzterer ist nun um die bereits gezahlten 110 Mark und um die Möbel gekommen. E« mag sein, daß ein der- artiges Vorgehen juristisch unanfechtbar ist, indessen spricht es doch thaisächltch dem Rechtsgefühl Hohn, daß Raten- zahlungen, die man in der Adfickt leistet, Gegenstände als Eigenthum zu erwerben, so ohne Weiteres verfallen können. Von faktischer B-dcutung kann es doch eigentlich kaum sein, daß in dem Kontrakt der Kniff angewendet wird, für d-n Be- griff„Kaufpreis" das Wort„M.eihe" zu setzen. Der„Mieths- preis" kann juristisch wohl kaum dahin definirt werden, daß der gemiethete Gegenstand durch Miethezahlungen in den Be> KerUner Sonntagsplauderei. B. 0. Vor einigen Tage« wurde die neue Dampf» Bah» eröffnet; auch de» Pferde» wird Konkurrenz gemacht, sie»erden von jetzt ab ruhig im Stalle stehen und Be» trachtu-g-n über die Vergänglichkeit alle, Irdische« an« pellen können. Berlin ist um ei« neues eigenartiges Ver- M kehrSmittel reicher, das ist richtig, aber vollkomme» sind die- C Jito# lelt,€n*"4 lange nicht. Früher, o du schöne Zeit, da aneli»� I, hatte man ganz andere Mittel und Wege, um von einem >Orte zum anderen zu gelange», leider sind dieselbe« au» der Mode gekommen. Früher ritten gewisse Damen in der «rste» Mainacht auf einem Besenstiel«ach dem Blocksberg, um dort in mitternächtlicher Stunde mit dem leibhaftige« Gottseibeiuns ein.Echälche» Heeßen" mit einigen Frosch- «der« und Eidechsenschwävze» und ähnlichen appetitliche« ö» genießen. Wem fällt es heute noch ein, einenBefenstiel k. ä�ferd zu benutze»? Keinem Menschen, am allerwenigsten ven Damen. Die fahre« viel lieber Pferdebahn und wen« e draußen sind auch Rutschbahn. &V Der Mai ist ins Land gekomme«, die Thatfache läßt ch mcht leugne», aber«ach.Wonnemond' oder so was �ht er nicht aus. Zm Gegevtheil, blaue Hände und rothe �tasen hat er mitgebracht, und der verliebte Kater, der Jan oul den Blechdächer« schon acht Tage lang seinen „All �"schmerz autplärrte, ist heute merkwürdiger Weise plötz- 1 verstummt, die Kälte hat sich wie ein rauher Reif auf IUI* ß» oSttt!'e# �bsühle gelegt, und wahrscheinlich hat auch . Äa«e« der er seine herzzerreißenden LiebeSlieder widmete, . urarwen Plötz unter der Kochmalchive aufgesucht. Die � r!�"mg sonst ganz gute Eigenschaften haben, aber bei !altem Wetter wärmt sie nicht,' da verdient Grog den Vor u0' wen« er nicht zu schwach ist. Freilich, der Kater kennt fitz des MietherS übergeben könnte. Thatsächlich werden bier auch gar keine MiethSzahlungen geleistet, sondern wirkliche Ab- swlagizablungen, durch welche schließlich der Kaufp.'eiS gsdeckt wtid, und der durch eine Anzahlung rechtlich erworbene Gegen- stand ist,»ie dies bei allen anveren Käufen üblich ist, schon durch diese Anzahlung Eigentbum des Käufers. Die ge« drechselten Paragraphen solcher M'ethSvert-.äge kennzeichnen fich ganz von selbst alS gewöhnliche„Schiebung", und«S ist sehr die Frage, ob die„Vermiether" mit ihren sauberen Kontrakten auch bei jedem Richter durchdringen würden.— Soviel muß indessen dem kaufenden Publikum stets gesagt werden, daß rS sich bei seinen„Abzahlungsgeschäften" stets recht» sehr in Acht nehmen und sich stetS nur an Leute wenden möge, über deren rechtliche und geschästlicho Gefinnungen keine Zweifel bestehen. Zum Kapitel der Markthalle« wird uns geschrieben: In großer Aufregung befindet fich eine große Anzchi biefiger Schlächtermeister, welche in Folge der plötzlichen Schließung der Wochenmärkte fast exlstenzlos werden, da fie nicht sämmt« lich Stände in den Marltballen erhallen tonnten. Am 23. April wurden in der Zentral Markthalle die VerkausSstände der Schlächter vergeben, bei welcher Gelegenheit diejenigen Schlächtermeister, welche von außerhalb Fletsch hier einführen, fast vre Hälfte der vorhandenen VerkausSstände zugetheitt er- hielttn. Da nun diese Schlächter Fl-isch zum Verkauf stellen, welches nicht in öffentlichen Schlachthäusern ausgeschlachtet ist, so geht jede Garantie verloren, daß die Käufer wirklich gesun- des Fletsch erhalten. Bereits vor zirka 10 Monaten meldeten fich die hti stgen Schlächtermeister um VerkausSstände, konnten solche jedoch nicht erhalten. ES betrifft dies hauptsächlich Ge- werbetreivendc,»elche ihr Gewerbe täglich auf den Wocken« Märkten ausübten und nun durch die Nichtertdeilung der Ver- kauftstände und den Schluß ver Wochenmärtte in Ver, weif« lung gerathen find. Die Schließung der Wochen- Märkte hätte man nur dann für gerechtfertigt erachtet, wenn in den Markthallen ausreichende Verkauflstände geschaffen worden wären. Unter den obwaltenden Verhältnissen aber find Hunderte von Gewerbetreibenden in ihrer Existenz gefährdet, wenn nicht gar existenzlo» geworden. Aber archfür Diejenigen, welche Stände in dm Markthallen erhalten haben, erwachsen die größten Kalamitäten. So ist bei dem Bau der Hallen nirgends ern Stand für die Fuhrwerke der Schlächter vorgesehen, welche doch namentlich beim Großhandel jeden Augenblick bei der Hand sein müssen, um schleunige Austrage effektuiren zu können. Auf der Straße dürfen die Fuhrwerke wegen Verkehrsstörung nicht halten, wo dann? Ferner soll das von auswärts eingefüizrte Fleisch mit dem hier sorgfältig unter- suchten Fleisch untereinanderhängen und verkauft werden, wäh- rend ein Schlächter in seinem Geschält daS von außerhalb bezogene Fleisch gesondert feilzubieten hat. Also waS dort erlaubt ist, wird hier verboten. Alle diese Umstände geben den Schlächtermetstern nicht ganz unbegründete Anlage zur größten Unzufriedenheit über die neugeschaffenen Zustände und verlangen unbedingt Rcmedur. Der Kehraus auf unseren großen Wochenmärkten am Gendarmen- und DönhofSplatze trug den Charakter eineS großen Abschiednehmen», unter dem selbst die Energie deS Geschäftes litt. Em leiser elegischer Hauch lag selbst auf den sonst so robusten Matronen der Maiklleute und fie entfalteten eine ungewohnte, wetchmüthige Liebenswürdigkeit. Hoffnungen auf Wtederscben und genaue Beschreibung der künstigen Plätze in den Mutthallen umschwirrten den Besucher rechts und link». Große rothe Plakate traten bei Vielen noch hinzu. Ueber die dunkle Zukunft erging man fich in allerhand Muthmaßung-n. „In den Markthallen aber wird eS viel schöner."„Dafür werden Sie aber auch theurer werden."„Anfangs nicht, daS kommt später." An einer anderen Stelle unterhielt man fich über die Verkaufszeit:„Welche HauSfrau wird denn Nachmittags Fleisch kaufen, um es die Nacht hindurch liegen zu laffen. Wenn wir alle einig find, packen wir um 2 Uhr ein und machen Schicht!" An einer dritten Stelle erklärte man seine Bereitwilligkeit, alles auf Bestellung in'» HauS zu schicken. Am Kandelaber auf dem DönhofSplatze hingen Kränze mit Inschriften:„ES ist bestimmt vom Magistrat,— Daß man vom Liebsten, waS man hat,— Muß scheiden!"„Wer Geld hat, geht nach der Markthalle,— Wer keinS hat, bleibt zu Hause."„Laß man gut sein,— Die Sache wird schon schief gehen" u. s. f. Eine Abschiedsmufik, welche den Kehraus bilden sollte, soll verboten worden sein. Viele Händler haben keinen Platz in den Markthallen gefunden. Diese drängen alle nach den bestehen bleibenden offenen Märkten, so daß dieselben erheblich erweitert werden müssen. Die äritliche Hilfeletstung bei Nacht resp. die Be schaffung eine« Arzte« zum Zwecke derselven hat noch immer feine Schattenseiten, da die vorhandenen 11 SanitätS wachen durchaus nicht genügen, wenigstens ihrer Anzahl nach. AlS de« Grog nicht, aber doch bringt der Grog den Kater manchmal mit sich oder er schleppt ihn nach. Hoffentlich wird'S bald wieder wärmer und dann blühen auch wieder Kater« Liebesfreuden. Alle Dichter haben bis- her die milde» Mainächte mit guten und schlechten Versen verherrlicht, und kein Mensch kann ihnen die» verwehren fie sprechen von de« süßen, liebliche«, schmelzenden Liebes- laute» der Nachtigall, auch daS harmonische Gequak der Frösche wird von manchen Leute» schön befunden, aber noch niemal« ist es einem begnadete« Dichter eingefalle», die Flitterwochen eine» Katzenpaare» zu preise», welche«— pfui der Schande—«och nicht einmal beim Standesbeamten ge»esia�ist.so � � Menschen, Undankbarkeit ist ihre Haupteigenschaft. Kann der Kater dafür, daß er nicht so schön singen kann, wie die Nachtigall? Ganz gewiß nicht, er fingt, eben so gut wie er kann, und mir gefällt der Kater gerade deswegen, weil er seiner Katze etwas vorfingt ohne danach zu frage«, ob da» einem An- deren patzt oder nicht. Dos ist da« Kennzeichen wahrer Liebe, daß sie fich giebt, wie sie ist— keine Katze würde ihrem Kater glauben, wen« er urplötzlich einen glockenreine» Triller anstimme« würde..„ �„ Doch, wohin find wir gerathen? Fast möchte man eine« Wehruf ausstoße« wie ein Redakteur, der eben einen fulminanten Arnkel beendet hat von den Völker«, die wild auf einander schlagen und dem plötzlich die Kunde wird, daß gerade bei diese« Völker« tiefer Friede herrscht! DaS ist ein unangenehme« Gefühl, ebenso unangenehm, als wenn man einen unfrankirten Brief erhält, in welchem man aus- gelacht wird. Von all diesen Sache« wollte» wir aber überhaupt nicht sprechen, eS liegt uns eigentlich die ernste Pflicht ob, unsere» Berliner Wochenmärkten eine» wehmuths- volle» Nachruf zu Theil werden zu laffen. ein erfreulicher Fortschritt auf diesem Gebiete ist dezhalb die neuerdings eifol�le bedeutende Vermehrung der„Aeiztenach- weiser" in den einzelnen Häusern zu begrüßen, wie fie von den Eani:ätSkomm:Ifionen der einzelnen Polizei- Reviere zur Ausgabe gelangen. Diese„Aerztenachweiser" enthalten eine größere Anzahl Adressen derjenigen Aerzie, welche fich erboten baden, auf alle Fälle zur Nachtzeit einem»n fie ergehenden Rufe zu folgen, sowie die Adresse der näckstgeleaenen Sani« tälSwache, eine Einrichtung, die in keinem Hause fehlen sollte. Fast bei allen Behörde« stellen fich von Tag zu Tag immer mehr die Unannehmlichkeiten heraus, welche die mittelst Hettographen oder auf ähnliche Weise vervielfälitgten Schrift- stücke mit fich bringen. Es ist gar nichts Seltenes, daß die so vervielfältigten Schriftsätze, wenn ihr Inhalt nach längerer Zeit, etwa nach Jahren oder in höheren Instanzen, geprüft werden soll, kaum noch zu entziffern find. Für die meist nicht mehr jungen Dezernenten und Referenten bei diesen oberen Behörden wird die Lektüre solcher Aktenstücke ebenso anst engend für die Augen, wie zeitraubend und auch nachtheilig für die Behandlung der Sache. ES ist leicht möglich, daß von den einzelnen Behörden schon in der nächsten Zeit die Annahme hek-ographtsch vervielfältigter Schriftstücke abgelehnt wird. Jeden- falls thun diejenigen, welche mit Behörden schriftlich verkehren, gut, die erwähnte Ve'vielsälttgung nicht anzuwinven. Ruch eine Stattsttk. Die Statistik ist zwar eine trockene Wissenschaft, doch izre Zahlen reden eine sehr deutliche Sprache. Nachstebende kleine Stat-stil dürfte demnach nicht ohne einiges Interesse sein. Vom 1 bis ultimo April d. I. wurden in Berlin 3 Versammlungen polizeilich verboten und 15 Versammlungen polizeilich aufgelöst und zwar 13 auf G und des § 9 bei Sozialistengesefies und 2 im Interesse der öffenilichen Ordnung, während eine Veriammlung nur durch rechtzeitigen Schluß der polizeilichen Auflösung entging. Die Versamm» lungSverdote und-Auflösungen vertheilen fich wie folgt: Ver» boten wurden 2 Volleversammlungen und eine Arbeiter-Be« zirkSvereins-Versammlung, aufgelöst wurden 2 Volks aersamm- lungen, 4 Arbeiter- BizirlsvereinS- Versammlungen, 3 g-werk- schaftliche Versammlungen und 2 Versammlungen der Eisen» bahn- Arbeiter, Auch daS schöne Geschlecht ist mehrfach von dem Schicksal der polizeilichen Auflösung betroffen worden, in- dem 3 allgemeine A.heitninnen- und eine Versammlung der Mäntelnäh:ttnnen der polizeilichen Auflösung verfi len. De« in Amerika approbirten Zahnärzten widmet unsere Polizei schon sett längerer Z-tt ihre ganz desondere Aufmerksamkeit. Um nun ein gleichmäßiges Vorgehen aller Polizeibehörden in dieser Anaelegenheil zu ermöglichen, find vom Mtnisterum deS Innern die Grundsätze festgestellt wor» den, nach denrn in diesen Fällen verfahren werden soll. Da» nach werden die Zahnärzte zwar für befugt erachtet, eine An- statt für ihre Heilzwecke zu errichten, dagegen dürfen fie diese Anstalt nicht als eine„königlich konzesfioniite" bezeichnen. Die Konzesfion zur Leitung, Errichtung und Unterhaltung einer zahnärztlichen Klinik darf ihnen nicht ertheilt werden, höchstens soll die Ermächtigung zur Aufnahme zahnkranker Personen gewährt werden. Den Konzesfionirten kann zwar nicht unter- sagt werden, in zahntechnischen, gewerblichen Leistungen an Andere Unt«rricht zu ertheilen und diese gewerblich auszubilden, dagegen ist derselbe ohne staatliche Genehmigung nicht betugt. in der Zahnheilkund« planmäßigen Unterricht zu er« theilen und e» muß daher darauf gehalten werden, daß die von ihm getroffenen Einrichtungen nicht den Charakter eine« plan- mäßigen Unterrichts annehmen, in welchem Falle demselben mit d-n geeigneten Maßnahmen entgegengetreten werden soll. — Genau detrachtet bleibt für daS ganz persönliche Er« messen deS zunächst zuständigen Poltzeibeamten bei diesen An» ordnungen ein sehr wetteS Feld offen. Wie soll der Polizei- beamte die Grenze fixiren zwischen dem zahntechnischen, gewerb. Maßregeln zum Schutze der nationalen Zahnheilkunde und Zahntewnik gegen die amerikanische Konkurrenz mehr Scheerereien für die Polizei vemrsachen, als den nationalen Zahnschmer, lindern werden. t Die zahlreichen Anklagen wegen Kuppelei, dle täglich vor den Siraslammern dcS Landgerichts zur Verhandlung kommen, entrollen Bilder von sozialen Zuständen der schlimmsten Art. Welcker Grad der Verkommenheit gehört dazu, daß ein Mann seine Frau verkuppelt und von dem Er- werde, den fie aus der Feildtetung ihres Körpers zieht, sein L-den fristet. Man will et nicht glauben, daß ein anderes Motto, al» die äußerste Roth, als die vollkommenste Uamög- Irchkeit, stch durch Arbeit Brod zu verdienen, zu einem solchen letzten Schritte treiben kann. Und die Frage liegt nahe, wen hier die objektive Schuld trifft. Wie ein finsterer Schatten folgt der modernen Gesellschaft, ebenso wie der antiken, die Wo wird man in Zukunft das unverfälschte Berlinisch noch zu hören bekommen, unsere geliebte Muttersprache? Jawohl, die Hausfrauen, welch« Bollen und saure Gurke» und Heringe und Kartoffeln in den Markthalle» kaufen, aber wir, die wir für derartige Viktualien in unzubereitetem Zustande wenigstens niemals Geld ausgeben, in de« neue« feine» Markthalle« daher auch nicht« zu thun haben, wo werde» wir uns an den kernigen Worte» erquicken? Verbannt ist der Kohlentopf, der mit seinem glühenden Inhalt so sanft die Pedale der Fischftauen erwärmte? Dampf- oder Waffer» Heizung verdrängt den alte» Kohlentopf, der großmächtige Fischkübel ist den feinen Marmorbassin« gewichen. Ja, in de» letzte» Tage« waren wir sogar Zeugen eines nur allzu erklärlichen MißverständniffeS. Bekanntlich verewigte« am- kulante Photographen für die späte Nachwelt Szenen vom Berliner Wochenmarkt. Zwischen zwei Fischhändlerinne», die glaubten, daß alle Frsche gemeinsam in ei» großes Basfi« geworfen würde», war ei» Wortwechsel entstanden, wie man die Fische wieder herauskevne« würde. Und als die eine der bilden Frauen zufällig den Photo- graphen erblickte, entschied sie sich dahin:„Jeder Flsch wird voiher photographirt!" Da« war salomonisch und der AuS- sp.uch gab uns die Gewißheit, daß die Berliner Fischfiauen auch in den Markthallen so leicht nicht ihr« Eigenart ver- liere« werden. So möge denn das Alte dahinschwinde« und einer neuen, hoffentlich befferen Einrichtung Platz mache». Und wenn wir in eine etwa» elegische Stimmung gerathen find, so möge man uns verzeihen, wir habe« manchmal par zu gern in eine« Fischlübel geschaut und haben den Plötze» und Jkeleie«, den Proletariern unter de» Fischen, ebenso gern unsere Betrachtungen gewidmet, wie den Protzen, de» Hechten und Aalen. Die Berliner Fischsraue» werden von den Berliner» so leicht nicht vergeffen werden. Prostitution nach, ste ist die noihwendige ErgSnmna der durch die sozialen Verbältniffe dedingten späten Ezeschli'ßungen und jener beiechrenden nach dem Geldsack schielenden Heirathi« Politik, wie ste aleichzeitig die Folge der rechtlosen, minorennen Stellung der Frau im Leben M. Die Männer find sicher, außerhald der Ede Befriedigung zu finden, die Frauen und gerade die armen der Verführung de! Golde! ausgesetzt. Wer will einen Stein auf ste werfen?— Ander! verhält e! fich mit einem anderen Arswuckse der Prostitution, mit j'nen habgierigen Kreaturen, die al! Herbergsväter oder Mütter dre gefallenen Mädchen bit auf! Blut ausbeuten. Von den In- hadern oder Inhaberinnen der sogenannten Absteigequartiere weiden„Klettergelder" in einer Höhe erhoben, die oft genug den München von ihrem„Verdienst" so gut wie nicht! übrig lasten. Wenn gegen solche Vampyre die ganze Strenge des G-setze! angewendet wird, so kann die Befriedigung darüber nur durch die Betrachtung gemindert werden, daß die Strafe wohl die Erscheinung des Uebel! treffen, aber seinen Grund nicht deseiligen kann. Dem Hungertode nahe. Unter dieser Spitzmarke ver- Sffentlichten wir gestern eine Notiz, die verschiedene Unrichtig. keiten enthält. Der betreffende Kranke kam Abend! in die in dem Haufe Beuthstraße 10 belegene Destillation de! Herrn Diekow und bestellte eine Taffe Kaffee. Bei derselben blieb er ungefähr 2 Stunden fitzen. Es stellte fich schließlich herau!, daß der Mann so hochgradig brustkrank war. daß er überhaupt nicht! mehr zu fich nehmen konnte. Durch die Hilfe de! Herrn Diekow und eine! herbeigeeilten Schutzmannr! wurde dann für die Ueberkührung de! Kranken nach Ver Eanitätswache gesorgt. Der Unglückliche war übrigen! hinreichend mit Geld« Mitteln versehen. Einen Bruch de! linken Oberschenkels, einen sogen. Splitterdruch, zog fich vorgestern Nachmittag kurz nach 1 Uhr eine in der Johanniterstr. 3 wohnhafte Dame, Frl. G., an der Ecke der Oranten- und Adaldertftraße dadurch zu, daß fie auf ein achtlos fortaeworfenes Stück Apfelfinenschale trat und zur Erde stürzte. Die Schmerverletzte wurde nach Anlegung eine! Nothocrbande! nach der Charitee überführt. Derartige Unglücksfälle haben fich in letzter Zeit so häufig ereignet, daß die dring-nde Mahnung am Platze ist, in dem Fortwerfen von Rvfrlfinensibalen mehr Vo-stcki zu beobachten. UnalückSfall mit tödtltchem Ausgange. In dem Hause W. ydmgerstraße 7 spielten vorgestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr auf einer nach dem Hole führenden Treppe weh ere Kinder. Ein! derselben, ein Mädchen im Alter von L Jahren, that beim Hinauilaufen der Treppe einen Fehltritt und schlug dabei so unglücklich mit dem Kopf auf, daß es, ohne einen Laut von fich zu geben, regungslos liegen blieb. Ein von der Eanitätswache in der Prenzlauerstr. 58 schleunigst herbeigerufener Arzt konnte nur den eingetretenen Tod konsia. tiren, welcher anscheinend in Folge einer Gehirnerschütterung herbeigeführt worden ist. D»m polizeilich gemeldeten Ueberfall de! Tischler! Majewicz im Schlestschen Busch in der Nacht vom 28. d. M. ist in der darauffolgenden Nacht ein zweiter, ähnlicher Ueber. fall im Treptower Park gefolgt, dem der 18 Jahre alte Gürtler Seedraun, bei seinem Vater, dem Briefträger S. in der Oranienftraße 17 wohnhaft, zum Lp'er gefallen ist. S. de« ponirte in der Sanitättwache in der Bdalbertstraße, wohin er mit einem bi! in die Lunge gehenden Messerstich gebracht worden ist. folgende!: Er sei, von Treptow kommend, ruhig den Chavsseeweg nach Berlrn gegangen, al! er etwa auf der Hälfte de! Wege! ohne irgend welche Veranlassung von einem ihm ganz fremden Menschen einen Messerstich in die Schulter erhielt. Der Unbekannte habe alsdann die Flucht ergriffen und sei in den Gebüschen und Siräuchern entkommen. Mit Hilfe eine! Passanten wurde er sodann zur Sanitättwache ge- bracht. Hier wurde konstattrt, daß der Stich bi! in die Lunge gedrungen war und miihin lebensgesährl ch ist. Nach Leistung der ersten Hilfe wurde der Schwerverletz'e nach einem Kranken» hause befördert. Tie Gegend vor dem Schlestschen Busch ge. hörte schon von jeher zu den unfichersten und wäre e! nament. ltch mi» Rückstcht auf den jetzt dort selbst während der Nacht- zeit stati findenden regeren Verkehr dringend zu wünschen, daß die Stcherheitsbehörde umfangreiche Maßregeln für den Schutz de! Publikum! trifft. Pottzet.Berient. Am 30. v. M. früh wurde auf der Charlotlendu ger Chaussee, in der Nähe der Siegesallee, eine unbekannte etwa 30 Jahre alte Frauensperson bewußtlos und anscheinend schwer krank vorgefunden und nach der Charttee „.bracht.— Z-i derselben Zeit stürzte ein während einer kurzen Abweser. heit seiner Mutter ohne Autstcht gelassener sechs Jahre alter Knabe au! dem Fenster der Pallisadenftraße Nr. 35, 4 Tr. hoch belegenen elterlichen Wohnung auf den Bürgersteia hinab und erlitt durch den Fall eine Verstauchung der Wirvelsaule und Verletzungen am Kopfe.— An demselben Tage, Vor» mittag!, wurde ein Mann In stiner Wohnung in der Tieck» flraße todt im Bette liegend vorgefunden. Er hatte zur Be- seitigung eine! Halt leiden! mit chlorsaurem Kali gegurgelt und ist anzunehmen, daß er eine zu starke Lösung benutzt, un» vorstchtigerweise etwa! von derselben verschluckt und fich so vergiftet hat. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage. Nachmittag!, glitt eine Näherin vor dem Hause Adachertstraße 13 beim Treten auf«ine Apfel- finenschale au!, fiel zu Boden und erlitt einen Bruch de! rechten Oberschenkel!. Sie wurde zunächst nach der Sanität!- wache in der Adalbertsstrvße und von dort nach Anlegung eine! Verbandes nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit fiel der Kutscher K-üzer in Folge eigener Unaorstchtigkeit in der Prinzesfinnenstiaße von seinem mit H-u beladenen Wagen und gerieth unter die Räder desselben. Er erlitt einen Bruch des rechten Schienbein! und mußte nach dem Kranken- Hause Bethanien gebracht werden. Gerichts-Ieiwng. Eine Spielhölle vor Grrtcht. Präfident LandgerrcktSrath Brausewetter eröffnet siegen 9'/, Uhr Vormittag! wiederum die Sitzung und fährt mit der Verlesung der kommissarischen Zeugenaussagen fort. Danach haben etr e Anzahl O fiziere in Hannover bekundet: Sie haben die Angeklagten bei Gelegenheit eine! Wettrennen! durch dm Bankier Seemann in Hanno er kennen gelernt. Die Singe« klagten baden fie zum Tempeln»c. aufgefordert. Sie haben dieser Aufforderung Folge grl-istet und einige Abende in ernem von den Ang'klagten im Hotil Union in Hannooer gemietheten Zimmer gespult..Die Offiziere, von_de«en«in Herr v. V. am ersten Abend 1000 M., am zweiten Abend 2000 M., ein Herr v. T. am ersten Abend 500 Mark, am zweiten Abend 1800 Mark verlor, behaupten: Die Karten, mit denen gespielt wurde, seien durchsichtig gewesen. Manfred Lewtn, der Bankhalter gewesen, habe die Karlen nicht dlo! gemischt, sondern auck gelegt. Nachdem die! Legen von recht! nach links und von links nach recht! geschehen war, haben fie(die Offiz'erö unaufhörlich verloren.— Die Sln geklagten bestreiten, die Ojfiziere zum Spiel bewogen zu haben, ihre Karten seien die gewöhnlichen Stralsunder Spielkarten und da! gerügte Legen der Karten seitens des Bankhalters sei in OsfizierSkretsen üblich.— Der Staatsanwalt legt nunmehr dem Gerichtshofe einige Spiele Karten vor, die bei beiden An» gellagten beschlagnahmt worden und durchstchtig seien. Die Aauellagten wiederhol-n, daß diese Karten Stralsunder Spiel» Lt en seien. Es gebe unter diesm allerdings durchstchtige; ste haben die Karten beim Kauf nach dieser Seite nicht geprüft. Wenn die bei ihnen gefundenm Karten zufällig auch durchfichtig seien, so sei da! nicht ihre Schuld.— Es wurden hierauf eine Reihe von Zeugen vernommen, die übereinstimmend bekunden: Eugen Lewin sei ständiger Lörsmbesucher, Hab« viele Effektm aekault und habe außerdem in sehr umfangreicher Weise einen Handel mit Kunst- gegenständen betrieben. Eugen Lewin sei ein sehr großer Kenner von Kunstgeaenfiänden gewesen.— Restaurateur Uhl, Inhaber de! Poppenberg'schen R-staurant!, Unter dm Lindm, Restaurateur Hager, Inhaber der„Kaiserhallen" Unter den Lindm u. A. bekunden, daß fie von Manfred Lewin große Ouantitätm Champagner bezogen haben.— Schlächtermeister Löwenthal: Er habe an Höhne's Austern-Salon viele Fleisch- waaren geliefert und könne nur bekundm, daß in diesem Salon eine sehr gute Gesellschaft verkehrt habe-— Letztere! bekunden auch mehrere andere Zeugen.— Gerichtlicher Bücher Revisor Solomon: Der Angeklagte Manfred Lewin habe in der Zeit 1. Oktober 1884 b.s 1. März 1885 eine Einnahme von vom 96 522 Ml- 75 Pf. gehabt. Der Höhne'sche Austern. Salon habe dem Manfred Lewtn einen Nutzen von etwa 17 834 Mk., der Champognerverkauf einen Nutzen von 8276 Ml gebracht, so daß also Manfred Lewin vom 1. Oktober 1884 bi! 1. März 1885 einen Gesammtnutzm von 26 110 hatte.— Präs.: Ich war bisher der Meinung, der Höhne'sche Austern-Salon ge» höre dem Ernst.— Sachverständiger: Der Buchhalter de! Manfred Lewtn sagte mir, daß der eigentliche Inhaber der Höhne'schm Austem- Salon! Manfred Lewin sei.— Präs.: Angell. Manfred Lewin ist da! richtig, weshalb haben Sie Emst vorgeschoben?— Angekl.: Ich wollte, da ich Genera!« Agent der Champagner- Firma„Unton Klub" bin, nicht gleich» zetrig al! Inhaber der Höhne'fchen Austem-Salon! figurtren. — Staatsanwalt: Ich bin in der Lage, unter Beweis zu stellen, daß Manfred Lewin im Jahre 1883 die Konzesston be» Huf! Uedernahme de! genannten«ustem- Salon! nachgesucht; da aber anläßlich dessen polizeiliche Recherchen angestellt wurden, hat der Angeklagte diese Konzesfions-Nachsuchung sofort wieder zurückgezogen. Gleich darauf ist Ernst um Erlangung der Konzeffion mit Erfolg eingekommen. Ernst bezieht von Man- fred Lewin eine monatliche Tantieme von 200 M. Da Ernst eine nur vorgeschobene Person ist, so schwebt gegen Manfred Lewin noch ein Verfahren wegen Verstoß gegen die Gewerbe- ordnung.— Vertheid iger, Rechtsanwalt Dr. Sello: Ich gebe diese Behauptung de! Herrn Staatsanwalt! zu und würde fich daher der von ihm angebotene Bewei! erledigen.— Der Staatsanwalt verzichtet somit auf weitere Beweisanträge.— Einige Zeugen bekunden noch, daß der Charakter de! Manfred Lewin ein durchaus ehrbarer sei. Die Beweisaufnahme ist danach beendet und e! beginnen die Plaidoyers. Staatsanwalt Dr. Oppermann: Die Spielwuth der An« Se klagten läßt fich blo! einigermaßen durch den Umstand ent- hulrigen, daß bereit! ihr verstorbener Vater ein sehr leiden» schastlicher Spieler gewesen ist. Für die Strafbarkett der An« geklagten ist der Nachweis erforderlich, daß ste das Glücksspiel gewerbsmäßig betrieben haben. E! ist hierbei sehr gleich giltig ob fie durch da! Glücksspiel einen erheblichen Nutzen gezogen, ebensowenig ob fie außer dem Glücksspiel noch ein andere! Gewerbe betrieben haben. Wenn die Angeklagten durch da! Glücksspiel kein Vermögen erworben haben, so gilt eben bei ihnen da! Sprichwort:„Wie gewonnen, so zerronnen." Dieser Umstand schließt aber die Gewerksmäßigkett keineswegs aus. Wenn ein Gewerbtreibender in Konkur! geräth, so bleibt er doch trotzdem Gewerbtreibender. Allein die Art, wie die An- geklagten da! Glücksspiel betreiben, läßt an der Gewerbsmäßig- leit desselben keinen Zweifel. Die Angeklagten haben fortgesetzt in den verschiedensten Städten Deutschland! Spiele enlrirt und Leute zur Thetlnahme am Spiel bewogen. Die Affairen in Breslau, Köln und Hannover liefern hinlänglich den Beweis, daß die Angeklagten au! Eigennutz Glücksspiele gespielt. Für die G:werd!mäßigkeit spricht femer, daß die Angeklagten stet! gemeinschaftlich operirtm und ohne erstchtlichen Grund gemein« schafrltch die virschievensten Rennplätze desuchten. Wenn der Besuch dieser Rennplätze seitens de! Manfred Lewin al! Champagneragent einigermaßen erklärlich ist, so ist doch absolut nicht einzusehen, aus welchem Grunde Eugen Lewin ebenfalls die Rennplätze besuchte. Daß fich auf den Rennplätzm Lieb- Hader von Kunstgegenständen zusammenfinden, wird man wohl 'imen könne. Der Staatsanwalt geht nun eingehend nicht annehmen auf die Einzelheiten der Beweisaufnahme ein und fährt alsdann fort: E! ist somit zweifellos, daß die Angeklagten gewerbsmäßig gehandelt. Bei Abmessung der Strafe wird der große Umfang, in dem die Angeklagten da! Spiel de: trieben haben zu beiückfichtigen sein. Ich halte die Angeklagten, die fast stet! gemeinschaftlich gehandelt, für gleich strafwürdig beantrage gegen beide je 1 Jahr Gefängniß, unter Ab- rechnung je 3 Monaten Gefängniß auf die erlittene Unter- suchungShaft, außerdem eine Geldstrafe von je 3000 M., eoent. noch je 300 Tage Gefängniß, sowie die Aberkennung der dür» gerlichen Ehrenrechte auf 1 Fahr. Vertheidiaer Rechtsanwalt Dr. Sello: Ehe man in der vorliegenden Angelegenheit zu einem Urtheil kommt, wird man prüfen haben, vb die Angeklagten in der That gewerb! zu bin der Meinung, die Behauptung, da mäßige Spieler seien, Ich bin der Meinung, gewerbsmäßigen Spielern mäßige Spieler feim, ob fi: lediglich au! Eigennutz gespielt, oder ob fie, wie lebenslustige junge Leute, die die Taschen voll Geld haben, fich mit einer großen Leidenschaft dem Spiel mit �bunten Karten hingegeben haben. Ich die Beweisaufnahme hat für I die Angeklagten gewerb!« nicht da! Mindeste erbracht. wenn die Angeklagten zu den gehören, dann muß man auch alle diejenigen Leute al! gewerbsmäßige Spieler bezeichnen, die zur Zeit am grünen Tisch zu Homburg, Wiesbaden rc. oftmals ihr gefammte! Vermögen verspielt haben. Man wird diese Leute al! leidenschaftliche Spieler bezeichnen können, aber doch niemals al! gewerbsmäßige Spieler. Aber welche Beweise für die Gewerdsmäßigkett de« Spielen! der Angeklagten hat denn die Verhandlung erbracht? Man hat versucht, den Beweis zu führen, daß die Angeklagten in der Spielerwelt Spitznamen haben. Die Beweisaufnahme hat dafür lediglich ergeben, daß in einer anonymen Denunziationen diese Spitznamm der Polizei mitgetheill wurden. Ich habe vor Denunzianten an und für fich keine Achtung, am allerwenigsten aber vor solchen, die fich unter die Anonymität verbergen. Dieser Menschenkategorie wird man doch wohl nicht ohne Weitere! Glauben schenken können. Wir haben ferner gehört, daß die Angeklagten der Polizei aktenmäßig schon seit 1873 al! Spieler bekannt, daß zahlreiche Denunziationen gegen die Angeklagten bei der Polizei eingegangen find; die Polizei hat anläßlich dessen umfassende Observationen angestellt, fie hat jedoch niemals einen Anhalt für diese Denunziation feststellen können. E! ist aber auch in der gegenwärtigen Verhandlung nicht der mindeste B'weiS dafür erbracht worden, daß die An- geklagten die Oeffentlichkeit gescheut, daß fie hinter verschlossenen Thüren gespielt haben. Der Umstand, daß die Angeklagten vielfach gewannen, spricht doch nicht für die GewerbSmäßigkeit. Selbstverständlich spielt jeder Spieler in der Adficht, um zu gewinnen. Waren nicht der verstorbene Restaurateur Reinert und eineAnzahl der hier aufgelretenenZeugen ebensolcheSpieler wie dteAngeklagten? Will man deshalb bei diesendieGeaerdmäßiakeit ausschließen, weil fie verloren haben? Die Lank haben nicht immer dlo! die Angeklagten, sondem oftmal! auch ihre Mit« spteler gehalten. Der Herr Staatsanwalt sagt: e! ist für den Begriff der GewerbSmäßigkeit sehr gleichgiliig. ob der be- treffende Spieler die Bank gehalten oder nur pomtirt hat. Der höchste Gerichtshof hat jedoch derettS entschieden, daß zur Ge. werbsmäßigkeit eine! Spiele! die Bankhaltung erforderlich ist. Ich bin also der Meinung: wenn die Angeklagten gewerb!» maßige Spieler find, dann find die« auch alle ihre Mitspieler gewesm. Em gewerbSmäßigerSpieler hat doch daSVerlanqen. soviel Mi Ä» ei'(»'"ÄÄ Leuten, die leere Taschen hatten. Muß gL(nn, nicht die Ueber, eugung gewinnen, die Kw im«K waren sehr leidem chaftliche, aber keineswegs*«„ nrvA.." spieler. Wenn die Hetren Offiziere der Meinung% nommenen Zeugen von ihrm bei dem Untersuckr machten sluSsagen aufrecht zu erhalten vermochten. ranttrt uns, od' die Autsagen de! kommissarisch vi Zeugen nicht wesenttich ander! gelautet hätten, wenn vor'den Richterttsch getreten wären. Der MrW »r'Meu yaoen. Wir yaoen geyorr, wre wenig v gz�räuche d nommenen Zeugen von ehren bei dem Untersuchlwgirw x-ist-ln mn*f»n<3. 1 8 i n„, r, nit-r,r4it n,»rhrt(t#n n.rm nriltfn. n-([che oOT t eselden ein -A. Braut nun noch näher auf die Einzelnbeiten der Veiha"� fei�°ÄIck� und beantragt schließlich die Freisprechung der � A�chS, Verth- ideger Rechtsanwalt Dr. Feiedmann: �JJdaß da« Urt deutend kürzer fein al! mein Herr Mitoertheidig« w,. � � 0tn nicht dloS, weil er den Sachverhalt fast vollständst? hat, sondern weil wir so glücklich find, vor der erftw kammer de! königlichen Berliner Landgericht! l zu? vor einer Strafkammer, die derartig zusamwenflew"J sie all' den Klatsch, ja ich scheue mich nicht zu sagt"-. Quatsch, der un! hier von einer Anzahl Zügen � wurde, hinlänglich zu würdigen wissen wird. Der öw?......... beleuchtet alsdann in sehr eingehender Weise die' beifällig Lichtenberg und Rother, deren moralische Qualiffkati� einer Orx 1#% kusfion sc wenig berechtige, hier als Hauptzeugen aufzutr»»- kusfion schlv Herren Rother und Lichtenberg verbretteten sogar da«* Arbeitsstube der Restaurateur Reine, l habe sich anläßlich W.- aber, daß Reinert fich erschossen, weil wegen Bizamte gedroht hat. Rother, beim Spiel mit den Gebrüdern Lewin erschossen.% -- eint � Lichtenberg Lewin verabreden, in der Piioatwohnung fc<« ijfS Reinert ein Spielchen zu entrtren. Rother, der geben mußte, daß er auch noch mit anderen spielt, hatte an diesem Tage zufällig Pech. Die L' abschieden fich und rufen fich zu:„Auf Wiedersehen im Auditorium.) E! ist gleichzitttg, ob gesagt wor- treffen un! morgen Nachmittag um 3 oder um 4 od gesagt worden ist: ich gebe oder ich nehme Re> wa! geschah am folgenden Tage? Die Herten Lichtenberg kamen, nicht aber Herr Eugen Lewin. letzteren holen, unter dem falschen Vorgeben, Brillantgeschäft für ihn habe. Eugen Lewin wird zum Spiel aufgefordert und Herr einen Brillantschmuck im Werthe von 11 ein. Allein, wie es allen Leuten geschieht, die walt gewinnen wollen, immer verlieren, so vei wiederum. Nun, ich bin der Meinung, ein Maw Weitere! einen Brillantschmuck von 11 000 M. der ist nicht zu bedauern, wenn er diesen Jemanden verliert, der ihn besser gebrauchen ka Pech veranlaßt aber den Rother, zur Polizei zu den Eugen Leoin al! gewerbsmäßigen Spieler zu als gewerbsmäßigen Spieler, der beschnittene Kun die Bank gehalten und derlei Ungeheuerltlbke" Schließlich stellt fich herau!, daß Herr Rother sü* Behauptungen keinerlei Anhalt hat, daß nicht die � sondern alle Mitspieler einmal die Bank gehalten Et ist da! die bekannte Geschichte, daß Jemand eint in der vierten Etage sucht, der im Keller wohnt. Auditorium. Der Präfident ermahnt da! Publikum k Der Verlheidiger führt im Weiteren aus, daß die m«i*»«imW nilll nur mit Verwandten, Bekannten und mit den ton-j, vorgestellten Freunden'gespielt, daß fie wohl leiden d ____. 001 iCU�t-V durchaus nicht gewerbsmäßig gespielt. Wenn das � Angeklagten al! gewerbsmäßig angesehen wird, dann (Vertheidtger) fich nicht mehr trauen, noch eine Hand zu nehmen, denn dann könnte man jeden des Gewinnes halber spielt, verurtheilen. Er Ueberzeugung, der Gerichtshof werde zu einem™ ßClar�adi einer kurzen Replik und Duplik zieht richtthof zurück zur Beralhung zurück.— Nach etw« t y QMVMV* QV*»-«Ututx.- vvwuf*$1~' t-' diger Beralhung erkennt der Gerichtshof auf je 6 P für alle Zei fängniß, unter Abrechnung von je 4 Monaten auf ssZ ungebildet i Untersuchungshaft und auf je 3000 M. Geldfiraft- 300 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof, so bemerkst dent, Landgerichts rath Brausewetter. hat in der weise der�Angeklagten ein gewerbsmäßiges Glücks Bei der Strasabmeffung hat der Gerichtshof die bescholtenheit der Angeklagten, andererseits aber f. f gezogen, daß fie das Spiel, au! dem fie Mitgemacht, in so umfangreicher Weise betriebe« diesem Grunde hat der Gerichtshof, wie könnt und auch den Angeklagten die Kosten% auferlegt.— Die Veitheidiger erklären, fie Rechtsmittel der Reviston einzulegen und bittende Klienten vorläufig au! der Haft zu entlassen.-„uk 17 sttV de! Präfidei-.ten erklären dtt Angeklagten, daß um j, 2 sjj) einer Kaution nicht in der Loge seien.— Der schließt, unter diesen Umständen den Antrag oui%l abzul hnen und stellt e! den Angeklagten anHeim,% Vertheidigern wegen eventueller Hinterlegung V> und eine! alt dann nochmals zu stellenden H"1 anttage! in Verbindung zu setzen. I» der Ueberbü.duag eine! mit Apfelstn denen Möbelwagen!, so daß das eine Zugpstr stark angetrieben werden mußte, erblickte die �zj de! hiesigen Schöffengericht! nicht nur eine UebelUzz w daS Faht polizet Reglement, sondem auch eine Da! Gericht verurtheilte den angeklagten KmIK Strafe von 15 M. eo. 3 Tagen Haft.„. Die Zivilsenate de« Reichsgerichts stttv. Proz-ßverhandlungen übeibürdet, daß die TetM'., den November und Dezember d. I. derettS nah Es muß auf die betreffenden Parteien einen �V1 Eindruck machen, wenn ihnen von ihren LeirM y ebenso eigei die Nachricht zugeht, daß Termin in ihrer v» p darau! wert vember oder Anfang Dezember anberaumt"' ggf fich denselb- doch Abhilfe im Interesse prompter RechtSpstt!* boten... o| NeichSgerichtS-Entscheidungen. Leipzig.'; (Ein beleidigter Pastor.) In einem Orte rn �■, W-ißenfelS war ein Selbstmörder beerdigt wo". r, hatte dabei nicht die gebräuchliche Bahre die Seile durch geborgte Stricke ersetzt. Aw tage hatte der Pastor Betbge in der Kirch«' ß A Selbstmord und Selbstmörder gesprochen, f My hatten in dem betr. Orte die G-müther wan«« regung versetzt nnd insbesondere den veranlaßt einen längeren Artikel an die in JU jji nende„Mitteldeutsche Zeitung" zu schicken-„- j derselben, Ferdinand Holderer, übergah den zrtm tenen Ärtitrl vorerst �dem Rechtsanwalt � etwaige bedenkliche Stellen ausmerze. M WSSKÄM gr ein sehr frommer und iür die Mission über»„4 ,# sehr frommer und für die Mission bezeichnet, doch geschah die« nur, um 1«"� Verfasser! verwerfliche Handlungsweise tn M Licht zu setzen. Der Pastor Bethge stellte nunmehr gegen die drei gen. Personen Etrafantrag wegen Beleidigung und da« Landge« richt in Naumburg verurtheute sie dmaushin am 17. Febr. »u 300 bezw. 200 uno 150 KI. G.lvstrafe. Der Wahrheit«� beweis wurve vom Gerichte al« nicht gelungen bezeibnet. da >icht festjustellen war, daß der Pfarrer jene Anordnungen ge- offen habe und da angenommen wurde, daß derselbe nur die lebräucke der alten Kirche ziiirt habe, wenn er von Dornen und Disteln«. s. a. sprach. In der Revifion der Angetlagten, elche vor dem 3. Strafsenate verhandelt wmde, vermißten !eselben«ine Erörtnung des UrtheilS darüber, wethalb der .»A. Braun al« Mitthater anzusehen sei und weshalb dem titangellagtm Holderer eine nicht genügende Vorficht imputirt sei. Auch eine Beschränkung der Veriheidtgung wurde gerügt- _ Das Reichsgericht war aber mit dem Reichianwalt der Anficht, u-mtn« B da« Urtheil den gesetzlichen Bestimmungen gerecht geworden verwarf die Revision der drei Angeklagten. tN?z Vereine mh Versammlungen. rnnjel'» Z+ Eine Arb'itertnnen-versammluna fand vorgestern %«er„U ania", W.angelstraße 9/10 unter Vor fitz derLrauen Gudela und Stägemann statt. An Stelle deS Herrn Bursche, letzter Stunde abgesagt hatte, hielt Frau Cantiu« einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Nothwendiakeit siner Organisation der Arbeiterinnen. Eine lebhafte Dii- lusston schloß sich an. Frl. Wadnitz machte den Vorsch'ag, Arbettsstuben für diejenigen Arbeiterinnen zu gründen, welche wegen ihres öffentlichen Austreten« gemaßregelt worden seien und deren Zahl sie auf ungefähr 30 bez sstile. Der Uebcrschuß 0« Tellersammlung sollte zur Bildung etneS Fonds für diesen Zweck verwendet werden. Durch eine solche pofitive Leistung würden die Ardeiterinnen wieder mehr zu dem Ver. Ä herangezogen werden, von dem fie durch die Zänkereien der letzien Z it zurückgeschreckt worden seien. »�l. Jagest bedauerte zunächst im Anschluß an den Artitel eineS ArdeiterblattcS, den fie verla«, daß selbst Arbeiter, die vorgeschrt ten zu sein behaupteten, in der Fiauenfiage einen 5*9""'.Chinrsenstandpunlt" vertreten und den Frauen die Weichberechiigung bestritten. Sodann nahm fie den Ar- ?kU"rnnenverein gegen den Vorwurf in Schutz, noch nichts geliistet zu haben. Seit einem Jahre bestehe derselbe erst und tn so kurzer Zeit sei es unmöglich, mehr zu thun, alS gethan worden sei. Auch ime beklagen Swerthen persönlichen Reibereien würden die ganze Bewegung nicht schädigen können, da fie zu nothwendig sei. Alle Versuche müßten an dem Kern der Sache abprallen. Die meiste Schulo an den unliebsamen Zwischen- fallen trage die unklare Stellung einiger Frauen, die Füh- rertnnen sein wollten. Die Frauenbewegung müsse fich auf denselben Boden stellen, auf den die Arbeiter seit lange stünden. Wenn einzelne Personen diesen Boden ver« lassen wollten, so könne ein solches Vorgehen nicht verbeimllcht und nicht vertuscht werden.— Frl. Wabnitz: Sie gelte als zu ruhig; fie stehe auf dem Loden der Wissenschaft. Auch wolle fie»hre persönliche Frei- �it fich nicht deschränken laffen, sondern auch fernerhin Slöckn sche Versammlungen besuchen; in den Verdacht könne sie ja nicht gerathen, eine Anhängerin dieses Manne« zu sein. In den Frauenversammlungen sollten recht viel wiffenschaft »che Vorträge gehalten werden.— Frau Ferlau erklärte fich mit diesen von Frl. Wadnitz ausgebreiteten Anfichten durchau« nicht einverstanden. Zu Stöcker dürfe man auf keinen Fall gehen. Nachdem noch Frau Cantiu» und Herr Dr. Lütgenau gesp:cchen, wurde beschloffen, Arbeit«. stuben einzurichten. Die schwach besuchte Versammlung be- theiltgte fich nur in sehr geringem Maße an der Abstimmung darüber.— Sodann sprach einer der ziemlich zahlreich ange- tretenen Antisemiten, ein Herr Jähne. Er führte an, daß die Frauen niemal» da« politische Wahlrecht erhalten dürsten, da nur die Männer dai„Korrektiv" diese« Rechte«, die allgemein« Wehrpflicht erfüllten. Unter der Verficherung, daß er noch die Krafr ves Mannes in fich fühle(stürmische Hetterleit), verstcherle er, daß die Männer die Herren der Welt bleiben würden. Die Antwort hteiauf gaben Frau Cantiu» und Frl. Jagert: DaS sei die Gesinnung, welche die Frau als Sklavin detrachte für alle Zeit, ganz gleich, ob fie reich oder arm, gebildet oder ungedtldel sei. Hierauf schloß die Versammlung. Die 4. ordentliche Generalversammlung der Allge- meinen Kranke«, und Sterbekasse der Metall- arbetter(fe. H. Nr. 29 Hamburg) in Main».(Fortsetzung.) Mainz, 27. April. In der heutigen Morgensieung wurde zuerst die Frage der EmstistSgelder und der Höhe der Bei- träge behandelt. ES wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Dai Eintrittsgeld wird für die beiden ersten Klaffen' auf M. 1,30, für die dritte Klasse auf 60 Pf. festgesetzt; man entschied fich für die Reduktion der BeitrittSgedühr bei der dritten Klaffe, um den jugendlichen Arbeitern mehr Uebergang in die Kaffe zu erleichtern und für dieselbe einen kräftigen, festen Nachwuchs zu sichern. Die Wochenbeiträge wurden auf einstimmigen Be- schluß normirt auf 42 Pf. für die erste, 37 Pf. für die zweite, auf 17 Pf. für die dritte Klasse. Die Erhöhung der Beiträge um je 2 Pf. erwie« fich ali nothwendig für die Sicherstellung der Kaffe, da man sonst nicht im Stande ist, den gesetzlich vor- geschrtedenen Reservesond» zu schaffen. Fall« die ordentlichen Einnahmen nicht dazu ausreichen, so ist monatlich in jeder Kasse ein Extrawochenbeitrag so lange zu entrichten, bi» der Ausgleich hergestellt ist. Am Nachmittag wurde eine Reihe allgemeiner Anträge erledigt. Zu dem tn der Ztr. vom 30. April enthaltenen Bericht über„die 4. ordentliche Generalversammlung der Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter" geht un« folgende Erklärung |U: Wenn der Unterzeichnete und die Herren Ver- eiden-Plagwitz, Ludwig. Würzen und Müller- Giebichen» lein ohne Mandat« in der Generalversammlung er- schienen waren, so hat das zur Ursache, weil man den eventuell Gewählten deS 22. Wahlkreises die Mandats- formulare v e r w t i g e r t hatte. Der A u s s ch u ß hatte hier- »-5 ���.?ukktstellt, daß die Generalversammlung erst die legitim Gewahlten aus diesem Wahikreise berufen soll. Ein ebenso ergenthümlicher wie unhaltbarer Satz, denn wo« sollte daraus werden, wenn Reichttag, Stadtverordneten-Kollegium rc. sich denselben aneigneten! Deshalb ließ der 22. Wahlkreis. soweit er an der Vertretung Interesse hatte, eine solche Deduk- tion fich nicht gefallen- und ein Berlmer Wahlkreis hätte vel''j ��lt recht nicht gethan. Unsere Theilnahme ander Debatte (und selbst eine lebhafte!) rechtfertigt fich au«§ 27 Abs. 5 deS Statut«, worin steht, daß jedes anwesende Kassen Mitglied 7"nlhende Stimme hat. Abreisen mußten wir, weil man ".1 bie Eudfistenzmittel entzog. Meine persönlichen Ange- »rgenhetten eignen fich vielleicht zur späteren Erörterung. Julius Heiland- Leipzig. ßw. fe österreichische« Arbetter und der Antisemitismus. * April. Nachdem es der hiestgen«rbetterschasl un- 5 ,�. Kernacht worden war, bei der vorige Woche hier abge- Ansammlung der Antisemtten zu Worte zu kommen ,'5-n.Dkkt ,, öffentlichen" Versammlung nur Schönerer allein ,%!%%% hindurch da, Wort fübrte, fühlte fich der AuS- Ä�ieftgen Arbeitervereins„Wahrheit" veranlaßt, für ml i o eine Volksversammlung einzuberufen, um gegen daS n®*öntm'« Stellung zu nehmen. Die Versamm- � ju ncymcn.«ofHuuiui- hil8, 2%«elchrr mehr al« 1200, theils dem Arbeiter-, theilS nü Kleingewerbe stand« angeiöJge Personen theilnahmen, nnf«*!*"? �ds. 8 Uhr, in Gründer'S Salon, Schwerinstraße 26, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung. 3. Verschiedenes und Frage- kästen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Der Lokalverbans Berlin-Moabit hält ebenfalls am Montag Abend 8'/, Uhr bei Donath, Alt- Moabit 90, eine Versammlung ab mit folgender Tagesordnung: Vortrag. Verschiedenes, Frage« kästen, Aufnahme neuer Mitglieder.— Nur Ztmmerleute haben Zuiritt. * Verband der Möbelpoltrer verlin« und Um- gegeud. Montaj, AbenvS 8 Uhr, bei Säger, Grüner Weg 29, Versammlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung b- könnt gemacht. Gäste find willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Arbeitsnachweis deS Verbandes befindet fich bei Wirfing, AndreaSstraße 44 und bei Steffen, Wrangel» straße 138. Neue Unterrichtskurse in der Ctenogravhie eröffnet der Louisenstädlische Stenographenverein(System Roller) für Herren und Damen am Dienstag, den 4. Mai, im Restaurant Siemund, Schützenstr. 18; Mittwoch, den 5. Mai, im Restaurant Lötkow, Prinzenftr. 79 und am Donnerstag, den 6. Mai, im Restaurant Wtnkler, Fürbringerstr. 3, überall AbendS 8'/, Uhr. Der Unterricht nimmt nur 4 Stunden in Anspruch. Meldungen zur Theilnahme werden in den betreffenden Restaurants ent- gegengenommen.�� z�iterinnen-Versammlung am 3. d. Mts., Abend« 3'/, Fbr, im Weddingpark, MAlerstr. Nr. 178. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. DiSkusston. 3. Verschiedenes. 4. Fragelasten. Frauen und Mävchen, welche gewillt find, zur Hebung deS Nord- Verein« und zur Verbesserung der Löhne mitzuwilken, werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Mitgi.eder zum Ardetterinnenverein werden aufgenommen. Herren haben ��Vmi« der Tapezirer»erlitt« zur Wahrung ihrer Jntereffen. Montag, den 3. Mai. Abends 8'/, Uhr. Versamm- lung in Gratweil's Bierhallen, oberer Saal. T.'O.: 1. Vortrag über vre Bedeutung, Aufgaben und Ziele der Arbetter- organisattonen. 2. Verschiedene». Gäste willkommen. * UuterstützunoSverei« der Schuhmacher. Montag, den 3. Mai, AbendS 8'/« Uhr, Versammlung in Mündt'« Lokal, Köpnickcrstr. 100. T O.: Da« Handwerk, seine Ver- gangenhcit und Zukunft. Gäste willkommen. Vermischtes. Spanische Priester. Set es, daß in Folge der Mord- ihat de« Priesters Galcote die allgemeine Aufmerksamkeit erst auf die Verrohung der spanischen Geistlichkeit hingelenkt wurde, sei e» ein eigenthllmlich-s Spiel de« Zufalls, kurz, täglich treffen jetzt in Madrid Nachrichten ein, welche er- schreckende Belege zu der Ausartung de» Priesterstandes in Spanien bieten. In der Provinz HueSca ist ein Priester ver- haftet worden, well er«inen Dorfschulmeister, der ruhig seine» WeaeS ging, durch einen Revoloerschuß verwundete. Ein gewisser Avial, Domherr der Kathedrale von Minorca» welcher wegen einer thätlichen Beleidigung deS Bischofs zu drei Jahren Gefängniß verurtheilt worden war, machte, als ihm der Spruch dei Gerichte« mitgethetlt wurde, einen Mord« ankall auf den Bischof, der erschienen war, um für ein möglichst geringe« Strafmaß zu bitten; nach anderen Be« richten soll der Priester nur gedroht haben, seine« Vorgesetzten bei nächster Gelegenheit niederschießen zu wollen. Daß über- Haupt die Mordwaffe die ständige Begleiterin eine« THeileS der spanischen Geistlichkeit geworden zu sein scheint, zeigt folgende« den„TtmeS" mitgetheilte« Geschichtchen: Ein 28jahriger Priester, der kürzlich auS Cordoba nach Madrid gelommen war, stellte, verkleidet, einem Mädchen nach, wurde aber hartnäckig z rückgewiesen, obgleich er ihm einen HeiraihS- antrag gemacht hatte. AlS der Bruder deS jungen Mädchens den wahren Stand de« sauberen„GotteSdieners" tn Er« fahrung gebracht hatte, benutzte er die nächste Gelegenheit, um ihm offen sein Unrecht vorzuwerfen; es kam zu einem Wort- Wechsel; bald folgten Schläge, und ei entstand ein allgemeiner Lärm, so daß die Polizei einschreiten mußte, welche beide Ruhestörer abführte. Bei der Untersuchung auf der Polizei-- wache entdeckte man, daß der Priester an einem Ledergurt unter dem Rock einen fünfiäufiaen Revolver trug. Der eiaent- liche Herd, von wo auS diese Verrohung der spanischen Geist« lichkeit gehegt und gepflegt wird, ist Madrid selbst, und eS tritt immer deulicher zu Tage, wie sehr gerade hier die Hand eine« strengen StttiNwalters noth ihut. Eine Stunde vor dem Attentat hatte der ermordete Bischof Jjquicrdo die Aufstellung von Sammeltischen in den Kirchen, eS sei denn zu wohlthStigrn Zwecken wie zur Unterstützung von Krankenhäusern und dergleichen, aufS strengste verboten, weil damit fett einiger Zeit geradezu grober Unfug getrieben worden war. Kaum aber war der Bischof beerdigt, so zeigte die Madrider Geistlichkeit ihre Achtung vor den Ve« fehlen und dem Andenken de« Verstorbenen dadurch, daß fie mehr derartige Betteltische aufstellte als jemals vorher. Die Entrüstung der Bevölkerung über diesen so schamlo» zur Schau getragenen Mangel jede« bessern Gefühls hat einen bedenk- lichen Grad erreicht, und man trägt kein Bedenken, dte Prie-er zu befchulolgen, die jüngsten Anschläge in der Kirche St. Ine» in Madrid und in einer Kirche in Granada, wo am Charsreitag ebenfalls eine Petarde erplodirte, selbst veranlaßt zu haben, um fich dadurch den Alleinverkauf der Kerzen zu fichern und zu zeigen, daß eS gefährlich ist, die Kerzen anderswo zukaufen. „Schon lange fühlen alle aufrichtigen Katholiken in Spanien," so schreibt der Berichterstatter der„TimeS" auS Madrid,„daß die Unftttlichkeit, welche bei ihren geistlichen Berathern eine unglaublich« Höhe erreicht hat, ausgerottet werden muß. Die Furcht, dadurch der apostolischen Kirche selbst zu schaden, hat ste bewogen, so lange zu schweigen. Jetzt aber, wo die Er« eigniffe diese trügerische Ruhe gebrochen haben, scheint ein Sturm bevorzusteyen, welcher die Kirche bis in ihre Grund« festen erschüttern dürfte." Da« nachfolgende originelle„Eingesandt" bringt die „Naffautsche Volttzeitung unter der Uedcrschrift„Wiesbaden, ein Eldorado für junge Männer": ES giebt wohl in Deutsch- land kaum eine zweite Stadt, in der so viele schöne Mädchen find, wie in Wiesbaden, dem kleinen Paradiese, und in dem sogar die Frauen die Mehrzabl bilden. Die diesjährige Volks« zählung ergab ein PIu« von 6000 weiblichen Wesen. Wäre es nicht manchem jungen Mann in anderen Städten erwünscht, eine schöne, solide und wohlerzogene Frau zu bekommen, sucht er nicht oft vergebens danach? Ihm und all Denen, die in ähnlichem Falle fich befinden, seien diese Zeilen gewidmet! Wiesbaden birgt einen Schatz schöner und reizender Mädchen und ste müssen verblühen, weil ein wirklicher Mangel an heirathSsähigen Männern ist I Mögen doch diese Zeilen in die rechten Hände kommen!" Die Art der Reklame durch die Pceffe und dai derselben zu Grunde liegende„Maffen-Angedot" ist jedenfalls neu. Sollte fich dasselbe aber ali probat be« währen, so dürfte ei an baldiger Nachahmung auch auS anderen Städten, die mindestens eben so viel Grund hierzu haben, ficherlich nicht fehlen! Liebenswürdig. Frau v. L. bittet ihren Mann inständig um ein neues«letv. Protestirend sagte er:«Nein. daS geht nicht, ei ist das dritte binnen zwei Monaten."— Schluchzend ruft fie:„Du tödtest mich und Du wirst schon sehen, mein Begrabniß wird Dir mehr kosten, als dieses Kleid."-„Du kannst Recht haben", meinte phlegmatisch der Ehemann,„aber dai ist dann auch ein- für allemal." .»Ä ÄÄ» ÄS*' ÄÄffl deS Wiener zweiten Bczirkes ein junger Mann mit einer Dame an und nahm daselbst Logement. Das Paar hatte sich außer Hause begeben, um die Stadt zu befichttgen, und konnte daher von einem ältlichen Herrn, welcher in sehr aufgeregter Stimmung nach dem jungen Manne und seiner hübschen Be. aleiterin forschte, nicht angetroffen werden. Der Herr gab eine Stadt, au« welcher er hteher gereist war, an, welche mit der von dem jungen Passagier mit der Dame in dre Liste als deren Domizil eingetragenen tdenlisch war. Dem Portier mußte es auffallen, daß der alte Herr wohl ein Zimmer für fich nahm, fich in dasselbe jedoch nicht begab, sondern hastigen Schritte» im Hauiflur auf« und abschritt, fichtnch da« Paar erwartend. Jndeß vergingen Stunden, ohne daß der junge Mann und die Dame zurück« gekehrt waren. ES war bereit« später Abend geworden, die Unruhe de« alten Henn steigerte stch bedenklich, um leinen PreiS war er aber zu bewegen, sein Zimmer aufzusuchen. Er gab jedoch auch auf bescheidene Anfragen, warum er stch in solch' erregter Stimmung definde und wer ia« Paar sei, keine Auskunft. Er sagte nur, daß eS von den nächsten Stunden abhänge, od er leben bleiben könne oder fich den Tod geben müsse. Mit vieler Mühe gelang es, ihn auf sein Zimmer zu führen. Nach 10 Uhr kamen die so sehnlich E. warteten nach Hause. Sie waren im Theaier gewesen und bestellten fich nun ein Souper aus» Zimmer. Bald wurde am Korridor des zweiten Stockes Lärm gehört. Der eine Herr pochte mit den Fäusten an die Thür de« Zimmers, in dem stch die jungen Leute befanden, und rief laut einen Frauennamen in beinahe flchent« lichem Tone, währenv er auch Ausdrücke wie„Schändlicher" und„Schurke" schrie, welche wahrscheinlich dem jungen Manne galten, der die Thür von innen versperrt hatte und nickt öffnete. Der Hotetier forderte den Einlaß Begehrenden auf, die Szene in Anbetracht der späten Nachrftunde abzubrechen; der alte Herr bestand aber darauf, daß die Dame sofort seinem Rufe Folge leisten müsse. Erst nach ledhafiem Parlamentiren versprach da« Paar im Zimmer, fich tn da« Bureau de« Ha- telier« verfügen zu wollen. SS entwickelte stch daselbst eta« überall« lebhafte Debatte, au« welcher hervorging, daß der alte Herr nicht, wie der Hotelier ansang» meinie, der Vater, son- dem der— Gatte der Dame, der junge Mann aber der Eni« führer derselben sei. Als Mädchen hatte Fräulein R. zu K. (in Ungarn) al» Verlobte eine« jungen Geschäftsmannes gegolten, war aber von ihren Eltein bestimmt wor- den, den ziemlich besahrten Herrn L. zu heiraihen. L. hatte dem zurückgesetzten Verlobten versprochen, ihm eine größere Summe zur besseren Konsoltvirung seines Geschäfte« zu geben, weil die« auch dem Wunsche de« Fräulein» R. entsprach. L. hatte nach seiner Verheirathunz mit der jungen Dame> von diesem Versprechen nicht» mehr wissen wollen und W.'s Briefe nicht beantwottet. Da die junge Frau L. sonderbarerweise noch immer für dai Wohl ihre» Jugendgeliedten sehr bedacht war, ging fie auf den romantischen Plan W.'s ein, und dieser entführte fie auS K. nach Wien.— In dem Bureau deS Hoteliers«llärte die jung« Frau ihrem Gatten tnetftlfä, bafc ste mit einem Woitbritchigen nicht leben wolle und nicht eher zu ihm zurückginge, bii L in Gegenwmt de? Hoteliers und noch eines Zeugen eine auf «inen ziemlich hohen Betrag zu Gunsten W.'s lautend« Schuldoerschretbung unterzeichnet habe. Schweren herzen? «ntschloh fich der gemaßrcgelte Ehemann dazu und reiste de« reits am nächsten Morgen mit seinem Weibchen nach seinem hetmathSorte in Ungarn ab. Herr W. verlieh auch in einigen Tagen Wien. Ermordung zweier wissenschaftlicher Expeditione«. AuS Aden kommt die Nachricht von der Ermordung zweier wissenschaftlicher Expeditionen, worüber wir schon kurz berichtet haben. Die eine der Expeditionen stand unter der Führung d«S Franzosen Barral und wird über deren Ntedermachung in einem von dem„Journal des Debats" veröffentlichten Briefe daS folgende mitgetheilt:„Die Karawane war von Obok aus» gezogen und befand fich am 25. Februar etwa vierzig Tage» reisen im Innern von Schoo. Die Karawane Barral, mit welcher auch Frau Barral, der franzöfische Reisende Savour« und ein Dolmetscher zog, führte etwa dreitausend Gewehre und einen beträchtlichen Vorraty Munition. Sie hatte harrar verlassen und langte nach zweitägigem Marsche bei einer schwefelhaltigen Quelle, Quiotriffa genannt, an, die nicht das erforderliche Trinkwasser bieten konnte. Barral, seine Frau und der Bruder des Sultans Loitah, begaben fich daher mit 19 gut bewaffneten Abessyniern auf den Weg, um genießbares Waffer zu suchen. Als ste die Karawane auf etwa zwei Kilometer hinter fich gelassen hatten» gewahrte Barral im Gebüsch versteckt eine Schaar Ginge» borener, von denen Mohammed« Loitah ihm verficherte, «S wären Freunde und man hätte von ihnen nichts zu be» fürchten. Er trat denn auch auf fie zu und»nüpfte mit ihnen ein Gespräch an. Der Häuptling der AssaimaraS erzählte ihm, sie wären ausgezogen, um die Karawane Chef« neux zu überfallen, welche mit reicher Ladung aus Schoo zurückkam. Loitah entgegnete, dann hätten fie den un» richtigen Weg eingeschlagen, die Karawane Banal führte nur Waffen und komme auS Adeffvnien. Der ig Momcna hätte fich damit zufrieden gegeben, einige Männer seines Ge» folget meinten aber, man dürfe die Gelegenheit nicht versäumen, und eS kam zu einem Handgemenge, in dem die 19 Abeffynier bald unterlagen, und sowohl Mohamed Loitah alS Momena {etödtet wurden. Ueber die Leichen Barral's und seiner Frau inweg suchten die Räuber den Kern der Karawane auf; bei ihrem Anblick schnitten die Kameeltreiber die Leder- rremen entzwei, mit denen die Kisten auf den Thieren befestigt waren, und ergriffen eiligst die Flucht, zurück nach Harrar. Zwei Tage später traf die Karawane Cbefneux auf der Stätte deS UeberfallS an. Etwa 2500 Gewehre waren neben den Kisten auf dem Boden zerstreut und dazwischen gewahrte man abgeschnittene Gliedmaßen. Als der apostolische Vikar in Schoo, der Bischof LouiS de Gonzague, davon hörte, zog er mit seinen Mtsfionären hinauS, um dteUeberreste der Leichen zu sammeln und zu bestatten; aber es war nicht leicht, dieGlieder zusammenzufügen, denn die Hyänen hatten einen Theil derselben schon aufgezehrt. Chefneux lud die Gewehre aus seine eigenen Kameele und übergab fie Savoure, der fich mit den Kameettreidern hatte flüchten können, in dem Augenblick, da dieser im Begriffe stand, jeder Habe beraubt, um Unterstützung zu flehen." Einen Monat später ist vom Sultan von Harrar auch eine italienische wissenschaftliche Expedition unter der Führung deS Grafen Keros ermordet worden. Die Ermordung erfolgte i« Arbad zwischen Zeilah und Gildezza. Alle Mitglieder der Expedition wurden niedergemetzelt, darunter zwei europäische Diener, die aus Eingeborenen bestehende Eskorte aber gefangen genommen. Auch der inderHarrar zurückgebliebenen Europäer hat man fich bemächtigt.— Neueren Nachrichten des italienischen Konsuls in Aden zufolge, hat der Sultan von Harrar sämmtliche dort befindlichen Europäer tödten lassen, fich darauf Gildezza'S bemächtigt und die aus ca. 100 Mann bestehende englisch-egyptische Garnison gefangen genommen. Kleine Mtttheiwnge». Schwerin, 29. April. Auf dem nahe belegenen Gute Neu- Schlagsdorf entstand in letzter Nacht ein Feuer, welches mehrere Gebäude vernichtete. Ein Mann wurde bei dm RettungSardeiten so schwer verletzt, daß er in bedenklichem Zu- stände inS hiefige Krankenhaus gebracht werden mußte. 42 Pferde find im Feuer umgekommm. Paderborn. 27. April. Ueber einm Raubmord, der am zweiten Ostertage in dem IV» Stunde von hier entfernten Dorfe Dörnhagen stattgehabt, erläßt der Erste Staatsanwalt hier folg'nde Bekanntmachung: Raubmord zu Dörnhagen. Am heutigen Morgen ist zwischen 9 und 11 Uhr in dem Hause des Joh. Driller, delegen zu Dörnhagen an der Paderborn. Ltck- tenauer Chaussee, vermuthlich von 2 Personen, ein Raubmord verübt. Die Insassen deS HauseS hatten fich gegen 9 Uhr zur Kirche begeben; zur Bewachung desselben war die Eheftau Johanna Drtller sen. allein zurückgebliiben. Als man gegen 11 Uhr zum Hause zurückkehrte, wurden die EingangSthüren zu demselben von innen verriegelt gefunden, nur ein Neben. fenster stand offen. Da auf mehrfaches Klopfen nicht geöffnet wurde, stieg man durch das offme Fenster ein und fand nun die Ehefrau Driller auf der Hausflur mit durchschnittenem Halse todt in einer großen Blutlache. In dem Hause waren verschiedene Koffer gewaltsam erbrochen und augenschein» lich nach Geld durchsucht. In einem Keffer haben die Thäter 5 Mark gefunden und mttxenommen; außerdem war eine Juppe von dunkelbraunem gestreiften Stoffe, dem Driller jr. gehörig, verschwunden.— Nach Entdeckung der That ist in der Nähe deS Drillerschm HauseS am Saume eines Waldes ein schwarzer U-berrock, ziemlich abgetragen, aufgefunden, auf dessen Rock iegel(Aufhänger) fich der Firma. Stemp«! Otto Daniele. Paderborn, findet. In der R'cktasche fanden fich ein Paar graue waschlederne Handschuhe. ES scheint, als ob einer der Thäter fich des Reckes, den er bei Verübung der That getragen, und an welchem fich Spuren von Kalkanstrich, sowie er im Driller schen Hause fich defindet, vorgefunden wurden, entledigt und die Juppe deS Driller jr. angezogen hat.— Augenscheinlich haben die Thäter während der Verübung der That das HauS deS Drtller von Innen verriegelt und find dann durch das geöffnete Fenster auS dem Haufe gesprungen. Als der That verdächtig werden 2 Personen bezeichnet, welche um die fragliche Zeit in der Nähe deS HauseS, querfeldein, in der R'chtung nach Atteln gehend, gesehen find. Wie«, 29. April. Ueber den Brand von Friedland (Markiflecken in Mähren) liegen folgende Details vor. ES find sechzig Häuser eingeäschett, darunter die Schule. daS Gemeinde» haus, daS Haus deS Kaufmann» WechSbcrg mit großem Waarenlager und ein Hammerwerk. Zahlreiche Familien find obdachlos und haben bloS daS nackte Leben gerettet. Leider find auch Menschen verunglückt; der 75 jährige WechSderg fammt seiner Tochter ist im Keller erst'ckt. F-au Zidek sammt drei Kindern find"«rbrannt. Sämmtliche Feuerwrhren ar» betteten unter übermenschlichen Anstrengung. Der Schaden ist ungeheuer. Das Feuer brach um 9 Uhr Vormittags im WirthShaufe der Wittwe Wasche! nächst dem Bahnhofe auS und verbretete fich in Folge deS furchtbaren Sturmwindes rasch über den ganzm Markt. Die größere, schönere Hälfte des Marktes ist ein rauchender Trümmerhaufen. Gestern um 6 Uhr Abends war jede Gefahr besettigt, doch rauchte und glimmte eS noch überall. Der alte Vater deS Kaufmannes WechSberg. dessen Haus zu den ge» retteten gehört, wollte fich mit seiner Tochter in den Keller retten, fie erstickten jedoch daselbst. Ersterer wurde noch ath- mend herausgebracht, starb aber nach zwei Stunden. Auch die Gendarmerie, deren Gebäude abbrannte, arbeitete unermüdlich, ein Gendarm wurde leicht verletzt. Die Rettungsmannschaften blieben glücklicherweise unversehrt. Die durch vie Zerstörung ihrer Wohnungen obdachlos gewordenen armen Leute wurden vorläufig im Kloster und im Eisenwerk untergebracht. ES herrscht großes Elend, da die meisten nur daS nack-e Lebm gerettet haben und wenige verfichert waren. Hilfe ist dringend nothwendig, besonders fehlt eS an Lebensmitteln und an Kleidern. Wie«, 29. April. Ein große? Unglück ereifl«� am letzten Diensteg. Eine größere Zahl von Brsfws meist Bildhauer und Kunstdreck! ler, unternahm em Lantpattie und blieb in heiterster Laune bis>um Dunkelheit in einem VergnügungSlokal an der lammen. Da machte einer der Arbeiter, durch de» r Abend angeregt, den Vorschlag, eine Waffe, partie W „Mühlschüttel" zu unternehmen. Rasch wurde Ad» nietbet und nach dem Mühlschüttel gefahren. die Arbeiter abermals in einem Gaftbause ein und si# MUternacht zurück. Während der Rück'ahrl wurde»? Allotria getrieben. Plötzlich erhob fich einer der seinem Sitze, um das Ruder einem Kameraden zu"g Beim Wechseln der Plätze soll sich nun einer von IJ? das Blechdach angehalten und hierbei so nach sttta>°w* haben, daß das Boot plötzlich umkippte. Acht dn j, fanden den Tod. Nur zweien, welche deS Schmtmvn» find, gelang eS, und zwar nicht ohne heftigen Kam»! Wellen, daS Ufer zu erreichen. Letzte Nachrichte«.. DaS„Journal de St. PeterSbourg" weist die zurück, denen zufolge die Reise des rumänischen Angelet cu nach Lioadia zum rusfischen Kaiser in 3« hang gebracht wird mit dem Durchzug rusfischer Tw� Rumänien nach Bulgarien und bemerkt, es sei dMjj daß nach dem herttchenden Brauch, wenn ein 6C5 an der Grenze seines Gebietes aufhalte, die benatd«� einen ihrer Staatsmänner zur Begrüßung dieseS � entsenden.- i Der Widerstand gegen die i r i s ch e n R e f»" lagen G l a d st o n e'S richtet fich zur Zeit inSdeso»� die Ausschließung der Jrländer vom Reichs parlaSlfi in diesem Punk wird fich die Regierung fügen, lv'sr Erklärung John vtorley's, des irischen ObersekiM geht. Em Londoner Privattelegramm der„Voss. SB hierüber: Gestern fand in Edinburgh eine große lifcfi gebung gegen Homerule statt, wobei Hattington u» sprachen und mtt verschärfter Energie ihre Gründe? stellung eines irischen Parlaments darlegten, l* der liberalen Vereine Schottlands hiett ß G aSgow eine Versammlung zu Gunsten d r Voilagen. Morley war anwesend und ew Autschließung der Jrländer vom Reich sparla» fich im Prinzip nicht rechtfettigen; die Regierung I nach, ei würde ein Plan ersonnen weiden, der A Vertretung im Reichsparlament ohne Gefahr fö* Interesse gönne. „Daily News" bezeichnen die Antwott Grieche� das Ultimatum als nickt beftiedigend, hoffen jedo«, gütticher Ausgleich zu Stande kommen werde;*5 Griechenlands wäre ein baldiger Ministerwechsel a»?' In Brandenburg ist ein Fachverein pol-l aufgelöst worden. Der„Br. An,." schreibt% dem 30. April:„Nachdem vor ungefähr JahreSMn? verein für Tischler und vor einigen Wochen der Fo», optische Arbeiter fich selbst aufgelöst, ist gestern der' für Maurer und Zimmerer von Polizeiwegen auf' § 8 des Gesetzes vom 11 März 1850 vorlaufig ges« müssen fich wohl gravirende Beweise für Gesetzeiv in den Händen unserer Polizeibehörde befinden, W unmöglich(?) bei der von ihr geübten milden W derartiges pasfirt sein." Wir werden ja sehen!-i Kriefkast-« der Kedakti� C-®: 1 ttnze— 29,84 Gramm; 1 Drach? Gramm; 1 Gran— 0,06 Gramm. I. H. Moltkestr. Freundlichen Dank für Ihr' dung. Die Sache war uns bereits bekannt, fie wird t' Tagen entsprechend verwendet werden. Ä Den Mitgliedern deS Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavierardetter zur Nachrichi, daß Kollege Gottlieb Kurz heute, Sonn- tag, Nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS St. ThomaS-Kirchhofes aus beerdigt wird. 1562j Der Vorstand. Kachveret« der Schneider. Nrrfammlnng Montag, den 3. Mai, Abend« 3'/, Uhr. Alte Jakubstr. 48» bei Deichmülle». Tagesordnung: 1. Die Presse und ihr Beruf. 2. Vottrag des Zuschneidelehrer» H. Mallwitz. 3. VereinSangelegenhetten. Verschiedenes.— Mitglieder werden aufge» nommen.— Gäste willkommen.[1537 _ Der Vorstand. Bezirks-Veretn d. arbeitende« vevölkeinng de» Süd-Wefte« Berlins. Montag, den 3. Mai, AdendS 8 Uhr, l Krieger« Kalo«(fr Conrad). Wassetthorst. 68, Ordentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Vottrag: Mach de» Entscheidung. Ref.. Stadtv. Fritz G örcki. 2. BerschiedeneS und Fragekasten.— Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen.[1533 Große öffentliche Versammlung sämmtlicher im Drechslergewerk beschast. Arbeiter am Montag, den 3. Mai, Abends 8 Uhr, in Kelle»'» Kokal, Andreassttaße Nr. 21. Tagesordnung stehe redaktionellen Theil dieser Zettung.— ES ist Pflicht eines jeden GewerkSaenossen, zu erscheinen.[1532 Die Siedener-Kommisston. Versammlung iler Blahllkpuikim der Zmamlente Berttn»«m Umgegend am Dienstag, den 4. Mai. Abends puntt 8 Uhr, im Lokale Kommandantenstr. 77-79. Tagesordnung«ttchtig. Da« Erscheinen der Deputittm sämmtlicher Platze ist dringend nothwendig. Die Lohn»Kommtssion. 1534] I. A.: I. Seitzt, Fehrbellinerstr. 35. Veffentlicho Versammlung de» Fachv. sämmll. an Holzbeardeitung»» Maschinen beschäftigter Arbeiter Dienstag, den 4. Mai, Abends 8 Uhr, bei KSge», Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Vortrag de» Stadto. Herrn F. M i t a n über:«Produttion und Kon- sumtion". 2. Die Massregelung drei«» Kollege».— Zahlreiches Erscheinen ist er» wünscht. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen.[1517 Der Vorstand. AcBdfet'liepcRsoemn„Unverzagt" im 5. Wahlkreise. Dienstag, den 4. Mai, Abends 8V, Uhr, bei Iaeobi» Landibergerstraße 82, Versammlung. Tagesordnung. 1. Vottrag des Hm. Gerisch über:„Lesstng's Lebm und Witten". 2. DiS kusston. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.[1561 Gäste willkom. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. NB. Heute Abend: Gemiithliche» Ket» sammeusei« in demselben Lokale._ Arbeiter- LeMsverew für den Osten Lerlins. Versammlung Dimstag, den 4. Mai, Abends 8 Uhr, in Keller» Lokal, Andreasstraße Nr. 21. Tagesordnung: Vortrag deS Hm. Cbristensm über:„Die freireligiösen Gemeinden". Di»« kusston. Verschiedenes. Fragekasten.[1543 Der Sprecher der hiesigen freireligiösen Ge» meinve, Herr Schättr, ist eingeladen._ Versammlung des Vereins der Tapezirer verlins zu» Wahrung ihrer Interessen Montag, den 3. Mai. AbendS 8'/, Uhr, in Mratweil'« Kierhalle«, oberer Saal. Tagesordnung: 1. Vottrag: Ueber die Be» deutung, Aufgaben und Ziele der Arbeiter« Organisationen. 2. Verschiedenes.— Gäste willkommen.[1541] Der Vorstand. Albeiter- vezirks> verein der vofenthaler Vorstadt. Montag, dm 3. Mai, Abends 8 Uhr, in der Hochstraße 32» Große Versammlung. Tagesordnung: 1 Vortrag:„Der moderne BildungSschwindel in der Schule". Ref.: Herr Christensen. 2. DtSlusston. 3. Ler- schiedmes. 4. Fragelasten.— Mitglieder wer- den aufgenommen. Gäste haben, durch Mit- glieder eingeführt, Zutritt.__[1560 Unterstützungsverein der Schuhmacher. Montag, den 3. Mai, Abends 8'/, Uhr, Versammlung bei Mündt, Köpnickerstt. 100. Tagesordnung: Das Handwett, seine Ver- gangen heit und Zukunft. Gäste willk._[1542 Versammlung derBuchbindenc. Montag, dm 3. Mai. Abend« 8V, Uhr, Alte Jakodstr. 75. Tagesordnung: 1. Vottrag des Herrn Dr. Lohn. 2. VerschiedmeS und Fragekasten.— Gäste haben Zutritt.[1535 Allen Berliner Parteigenossen empfehlen wir, das des Herrn Jacobi, Landsbergerstraße 82 Lierhalleu), durch steten Besuch zu unterstützen. _ vie Genossen des Y. Abiimmilts auf das „Berliner Volksblatt" werden entgegengenommen bei[1539 A. Quandt, Fürbringrrstr. Ä6. Wanduhren mit 5S Patent-Schlagwerk, g weiches die Stunden repetirt und nie taiiw schlägt, selbst nicht, wenn die Zeiger zurückgestellt werden, empfiehlt[1070 Yiax Busse, 157. 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