»». 107. Konnabend» den 8. Mai!880. III. Iatzrß. MnVÄsdliill. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Unser wahrer Mohlstad. Wenn sooft ein Fraozose sich erlaubte, deutsche 5 Wtmsse absälliz zu lultsiren, so erhob sich in der„ Ver- ....... uumuig zu mnyiien, tiifua|iuy m vw»gut» »kstouten" P»sse sofort ein fürchterliche« Geschrei u»d man den Fraazosea gewöhnlich vor, sie seien zu oberflächlich %%»u uowifseod, um deutsche VerhSltnifle richtig zu beur- Wen. Man denke«och daran, wie da« Buch von Tissot w ähnliche Schriften aufgenommen worden sind. Statt die Albernheiten bei Herrn Tissot zu lächeln, kam man ~. der patriotischen Entrüstung gar nicht mehr heraus. ;....... difTech" UUe- emer größeren Gründlichkeit zu »er patriotischen Entrüstung gar nicht mehr heraus. u/B d« Franzosen in manche» Dingen oberflächlich sind, aber in Deutschland hätte man auch in manchen t{fÄf* alle Ursache, sich einer größeren Gründlichkeit zu h*%!*** Denn wie man sich über alle ungünstigen Uriheile W Franzosen sofort empört, so ist man auch gleich über die �..°.�kn>zückt, wenn ein Fraozose einmal etwa» Günstige» von vlauk d sagt. Besteht darin der Patriotismus? Wir ntuü rL ,aum und würden e« für patriotischer halten, wen« selbst über die Zustände Deutschland» so gut in- ' n,,teB daß man keine auswärtigen Autoritäten Aber wo bleibt da die vielgerühmte 's»e Gründlichkeit? -3« Zeit hat ei» Franzose entdeckt, daß in Deutsch« sind-Seichen eine«„wahren Wohlstände«» vorhanden ..3m die______..,W»WW {■'d- r Hätte er entdeckt, daß wir in Deutschland auf dem "'hschastlichen Gebiet mit wahrhaft jammervolle« Ecschei- s�Se» zu kämpfen habe«, so würde e« ihm in de« beut« ab« schlecht ergangen sei«. Die Behauptung daß«ix un« in Deutschland eine«„wahren Wohl« in w 0er�tewen solle«, paßt allm jenen Leuten sehr wohl Erschei.»�' � eiB Jvteresse daran habe«, die schlimme« vertuscht uOZ tn �"s�e» wirthschaftlichen Zustände» möglichst *"««1..|««"""®1"w"" L ää%% Wieset» wn3�it'0en. H�del Deutschland«» eingereicht. Z» de, w,rd hervorgehoben, daß die Industrie und �onkuü? Deutschland« für Frankreich eine gefahrdrohende QaAfZ'V b}lbeten und daß diese Gefahr immer«och im der gegriffen sei. Dan« wird den Franzosen mdesse« Und kr«Igebe», daß sie sehr konkurrenzfähig seien CQB sie c« vorläufig sehr wohl mit Deutsch« »«»Ott«.] Jeuitteton. M«e Mutter. Roman von Friedrich Gerstäck�er. (Fortsetzung) wie hebe« Sie alle unsere Freunde in der alte« tUtd?" zerlassen?» fragte Felix—.wa« macht Sarno, Mtw«.®ie«»cht« von Günther von Echwartzau mehr Wer nicht in d«e Kolonie paßt, oen oeipi er itf« �5 die Anderen befinde» sich alle wohl, oder wen» th«». ist es ihre eigene Schuld. Eine» andere« dir n? d'lben sie auch, eine« brave«, ordentliche« Mann, �länger als eine halbe Stunde predigt.. »Und»on Schwartzau wisse« Sie nicht«?' «loiojr-—'— im vorigen Zahre war er wieder in der er ttZ ,unb«ohnte ein paar Wochen bei« Herr« Direktor; ging» iirn8f krank gewesen und sah recht elend au«. Jetzt deg»i,�« aber wieder besser, und kur, vorher, ehe ich Htm# v�8 ich. daß er selber Direktor in Sa» Se« fcotbgj Gott weiß, wie die neue Kolonie heißt, ge« -L.'Ä-ÄS a?bl%al«Ulcht der Baron?» ftagte Helene, der �»gte. ne Trage noch am Herze» lag, die sie aber nicht ku Teller, de« ihm der aufwartende Diener, weil land auf dem Weltmarkt aufnehme« könnte«. Ueber diese Dinge wollen wir uaS hier nicht weiter auslassen; dann aber äußert sich die„R> publique franqaise" über den Be» richt de« Herrn M arte au wie folgt: „Der Bericht de« Herr» Amsdse Marteau faßt mit überraschender Klarheit alle Beobachtungen zusammen, die er im Laufe seiner offiziellen Mission in Deutschland ge« macht hat. Seit 10 Jahre« hat die Ausfuhr Deutschlands um 800 Millionen zugenommen, iadeß die Einfuhr etwa um die Hälfte dieser Summe sank. Wenn man auch über die Bedemung der letztere« Erscheinung streiten kann, so ist die erste sicherlich das Zeichen eines wahre» Wohl« stand«, der zum Theil auf unsere Kosten erworben wurde. B.S 1877 verkauften wir an Deutschland mehr, all wir von ihm bezogen; von 1878 an überwiege» die Käufe und steigen von Jahr zu Jahr. Wohl haben sie seit 1884 um 45 Millionen abgenommen, gleichwie die Gesammtziffer de« deulschea Export«; allein diese« Sinke» ist, wie Herr Marteau sehr richtig bemerkt, viel weniger auf eine wirk« liche Abnahme des Verkauf«, als vielmehr auf ein, übrigen« allgemeine«, Fallen der Preise zurückzuführen." Da haben wir'« schwarz auf weiß, von dem Organ der gambettistisch-chauvinistrsche» Partei sogar bescheinigt, daß wir uv« eine«„wahren Wohlstande«" erfreuen, und da« ist e«, wa« von den„patriotischen" Blätter» mit so großem Behage« aufgeschnappt und verbreitet wird. E» ist in der That richtig, was ein bekannter National« ökonom sagt, daß man in Deutschland gewohnt ist, sich eine Nebelkappe tief über Aug' und Ohr zu ziehe», um nicht vor den eigenen Zuständen erschrecke« zu müssen. Nun borge« sich unsere„Patrioten" gar«och diese Nebelkappe bei einem Franzose». E« ist schon lange her, seitdem der brave List, der bekannte Nationalökonom, den Satz aufstellte, daß ein Land sich dann eines wahren Wohlstandes zu erfreue« habe, wen» e« eine möglichst geringe Einfuhr und eine möglichst große Ausfuhr aufzuweisen im Stande ei. Damals, all List diesen Satz verkündete, mochte er )ea thatsächlichea Verhältnissen«och einigermaßen ent- preche«. Aber seitdem ist so ziemlich ei» halbe« Jahr- >undert vergangen und in unserer schnelllebigea Zeit kann n solcher Frist eine Sache schier in ihr Gegevtheil um« chlage». Daß eine große Aulfuhr und eine geringe Ein« ühr für ein Land„wahren Wohlstaad" bedeute, ist ei» Stück jener alt- und hausbackene« fpiehbürger« liche« Weisheit, die durch die moderne Entwickelung um mehr al« siebe» Pferdelänge» überholt worden ist. Denn e« kann sich nicht ausschließlich darum mehr Handel», daß eine Ausfuhr überhaupt stattfindet. Der einzelne Krämer, Kaufmann ober Industrielle mag da« so auffasse«; er ihn emen Augenblick außer Acht gelassen, gerade fort» nehmen wollte. Felix lachte und winkte, th« in Ruhe zu lassen, und Jeremial, der seine« Gänseschenkel wieder vornahm, fuhr fort: „Dem arme« Teufel geht'« eigentlich erbärmlich. Ar« beite» kann er und will er nicht«, und mit dem Vornehm« thun giebt'l in de« Kolonien nicht« au«— der Buttlich betrog ihn, wie gesagt, um eine hübsche Summe— wie er'« au» ihm herau«gekriegt, weiß ich auch nicht. Nachher ließ er sich in ei« Geschäft mit Herr« von Pultele— Hurrjeh!' unterbrach sich Jeremias plötzlich, weil er glaubte, einen gemacht zu haben. '„Erzählen Sie nur weiter," lachte aber Felix—„also, Herr von Pulteleben ist auch noch in der Kolonie..." „Jetzt nicht mehr," sagte Jeremias, der puterroth ge« worden war und einen verzweifelte« Blick nach Helene« hinüberwarf. Es war eine Seele von einem Mensche», aber — aber ei» bischen— ein bische» unpraktisch, und da kam er auf die unglückliche Jbee, mit dem Baron eine Perlen- fischerei an der Küste anzulegen." „Eine Perlenfischerei?" „Ja, gewiß— und gefischt haben sie auch genug," meinte Jeremias,„aber nicht einmal so viel Perle« gefunden, um sich eine Tuchnadel davon mache« zu lasse«, und da bekam es der Herr Baron den« zu-rst satt— die Mittel erlaubten es nicht— und Herr von Pultelebe« ging nachher «ach Rio Grande, aber ich habe nichts weiter von ihm 0e�Unb die Gräfin Baulea," sagte Helene ruhig,„ist sie «och w Santa Clara?"... „Ihre Frau Mutter? Gewiß I' rief Jeremias, der natürlich keine Ahnung von de» dortige« Vorgängen habe» konnte-„immer«och die Alte- sehr achiungSwerthe Dame," setzte er aber rasch und erschreckt hinzu—„unge« heure Betriebskraft, weiß immer etwa« Neue», um zu fpeku- liren— aber Graf Oskar ist fort..." „Fort- wohin?" rief Helene rasch. Der liebe Gott weiß eS," sagte Jeremias achfel- eckend-„mein Himmel, junge« Blut will austoben, und allein wir, al» Geoner de« grobe« Egoismus und Mate- rialiimu«, müssen die allgemeinen Interessen in Be» tracht ziehen. Jawohl, die Erfolge auf dem Weltmarkt sind da, die Ausfuhr Deuischland» ist groß— aber mit welche« Mitteln sind diese angebliche« Erfolge erkämpft? Wir haben uns über düse Sache schon öfter ausgc- sp'vchen: Niedrige, beispiellos niedrige Löhne und lange Arbeitszeit sind die Mittel, welche die deutschen Industrielle» angewendet habe», um ihre Konkurrenten auf dem Weltmarkt zu be» si gen. Aber diese Siege warm Pyrrhussiege, wie wir wiederholen, in ihrem Gefolge halten sie Elend aller Art, Arbeitslosigkeit, Schwächung der KonsumtionSjähigkeit der Massen, Geschäfttstockung und„Krachs" in alle» Formen. Und nun kcmmt ei» Franzole Namens Marteau und erzählt uns die alte abgedroschene Geschichte, daß die große Ausfuhr, also unsere„Erfolge" auf dem Weltmärkte, ei» Zeichen unsere« wahre» Wohlstände« sei und die„patrio- tische" Presse plappert die Sache gedankenlos nach. Frage doch Jemand einmal die sächsischen Weber, welche Vor» theile ihnen die„Siege" auf dem Weltmarkte gebracht habe«. Ach, e« ist eine schöne Sache um die deutsche Gtünd» lichkeit, und nur zu bedauern, daß eS in Deutschland so wenig Leute giebt, die sich dieser Eigenschaft erfreu?« mögm!_ Politische Ueberstcht. Der pieußische Landtag hat wiederum die geringe Erweiterung de« Kommunalwahlrechtes abgelehnt, wte fie der Antrag ttiachem auf Heiadsitzuna deS ZensuS für die Erlangung de« Wahlrechts zur Gemeindevertretung auf zwei Thaler einschloß. Aktuelle Bedeutung hatte der Bachem'sche Antrag wesentlich für eine Reihe von rheinischen Stävlen, namentlich auch für Köln, wo daS städtische Wahlrecht erst bei einem ZensuS von 18 Mark beginnt. Aber auch in anderen Provinzen kann die Angelegenheit aktuelle Bedeutung ge- wlnnen, denn überall können die städtischm Behörden durch OitSstatut mit Genehmigung der Regierung den bestehenden ZensuS erhöhen. Daß man die Frage nicht einmal einer Prüfung in der Gemeindekommisfion für werlh hielt, ist sür die Mehrheit bezeichnend. Man sollte doch glauben, daS Drei- klaffenwahlsystem sei für die Befitzenden und Reichen»«vor- zugung genug, aber nein, der frertonservative Herr v. Oertzen stimmte mit seinen Parteigenossen gegen den Antrag, da hier« durch noch immer„der Schwerpunkt zu sehr in die Arbeiter- Massen verlegt würde". E» half nichts, daß der Abg. Pleß darauf hinwies, die Intelligenz der Sladtvertrewngen werde durch den Zensus herabgedrückt, vielfach seien die Beamtm, die die Tr' Gelehrten, kurzum ftäger der heutigen Bildung in der Brasilien ist groß— Frau Mutter hatte eine Schwierig- keit mit dem Bäckermeister Speaker und zog au«, mietheie nachher ei» kleine« Hau« gerade dem Baron gegenüber, u»d da war der junge Graf eine« Morgen» auf eine Ent« deckungSreise ausgegangen, wie sie sagten, und konnte nach- her selber nicht mehr entdeckt werden. Aber da» Alle« hat Ihnen gewiß Ihre Frau Mutter schon geschrieben— lieber Gott, in Brafilien geht da« ja auch oft so, daß ei» junger Mensch eine« Platz satt bekommt und sich nach einem anderen umsieht, der ihm besser gefällt!" „Und was ist aus der Frau jenes Mörder», jeneS Bux eworden?" fragte Felix, der dal Gespräch auf ei« andere» war eine geworden r fragte Felix, der da« Gespräch aus et Thema zu bringen wünschte. „Der gehr« gut," bestätigte Jeremial;„dal brave, rechtschaffene Frau, und wie sie sich nur erst einmal von der schlechten Behandlung erholt hatte. schaffte sie tüchtig. Ihre Kinder brachten wir rasch beiKolo- niste» unter, und nachher habe ich sie selber in da« Hotel ge- «omme«, wo sie sich vortrefflich betraae» hat. Sie ist jetzt «och dort und verdient sich hübsche« Geld..." „Und jener Bux?" „Nu», de» habe» sie nach Rio gebracht und dort wahr- scheinlich gehangen oder in'S Loch gesteckt. Ich habe nie etwa! Weitere« von ihm gehört." „Aber ei» sonderbare» Zusammentreffen ist e« doch," lächelte Helene,„daß wir unl hier gerade in Haßburg wiedersehe» sollten..." „Und noch dazu de» erste« Tag, wo ich hier bin!" rief Jeremial. „Apropos, Sie wollten mir ja erzählen, was Sie gerade nach Haßburg geführt," sagte Felix,„denn wie Sie selber sagen, stamme« Sie gar nicht aul der Gegend.. „Hm," meinte Jeremial und warf einen Blick über die Schulter»ach dem aufwartende« Diener und dann nach der Bonne hinüber,„dal ist auch eine etwa» längere Geschichte." „Also dann beim Kaffee," nickte derjunge Graf, dem e» nicht entgangen war, daß de, kleine Man»»och etwa» anderes auf dem Herze« hatte—„aber vorher«och ein dritten Klasse, sie besäßen also den geringsten Eirfluß auf die Wahlen. Ebensowenlg fruchtete eS, daß der Abg. Bachem die Herrschaft der Höchstbesteuerten in Köln alS eine maßlos kor- rupte schilderte; unter dieser Herrschaft sei jahrelang vie Rhei- Nische Ersenbahn um hunderttausende zu niedrig besteuert wor« den— die besitzenden Klaffen wollen ihre Vorrechte nicht aufgeben. Wir haben gegen dieses Verhalten auch nichts ein- zuwenden. Je schlimmer daS kommunale Wahlsystem, desto ( größer und verbreiteter wird die Unzufriedenheit damit ein, und desto gründlicher wird dereinst die Reform ein» treten. Selbst«ationalltberate Blätter mißbilligen das Auf- treten des Kanzlers gegen den Abg. Richter. Die„Magd. Zettung" muß zugeben, daß Richter eS war, der„ganz fach- lich" sprach, und daß Fürst BtSmarck lediglich„n it persönlichen Angriffen antwortete." Zum Kampf gegen die freie» Hilfskasse« blie» man am 2. Mai in Mecklenburg. Dort waren in Güstrow die Ver- treter von 21 OrtSkrankenkuffen versammelt und man erging ffch in Klagen, daß ein großer Theil der Arbeitgeber, um sich der Zahlung der Beitragkquote zu den Orttkrankenlaffen zu entziehen, Arbeiter nur unter der Bedingung annehme, daß diese nicht einer Ortslrankenkaffe, fordern einer freien HilsS- lasse angehören. Da nun die freien Hilft kaffen nur Ardliter bis zu einem gewissen L-benSalter und nur, wenn sie gesund seien, aufnehmen, so werde dadurch nicht nur eine von der Gesetzgebung nicht vorgesehene und nicht beabsichtigte Beschrän- kung de» AroettSmarktS zu Ungunsten der Mitglieder der OrtS- krankenloffen, sondern auch eine Belastung der letzteren mit dem älteren und schwächeren Theile der Arbiiterbevölkerung herbeigeführt, welche dies« Kassen mit dem Untergang bedrohe und sie zu Armenkassen herabvrücke. DaS Ergedniß dieser Ver« Handlung war, daß eine Petitton an die beiden mecklenburgi» schen Regierungen gerichtet werden soll, dahin ihren Einfluß verwenden zu wollen, daß im Wege der Reichsgest tzgebung die freien H>lfSkassen gänzlich unterdrückt oder wenigstens durch erzwungene Aenderung ihrer Statuten in die Lage gebracht werden, welche den Ortitrankerk.ss-n die Konkurrenzfäbigleit und die Existenzbedingungen sichert. Der Vorstand der Orts- krankenkaffe zu Güstrow hat es übernommen, eine Petition dieses Inhalts zu entwerfen und Unterschriften für dieselbe zu sammeln. Die Reellität der deutsche« Fabrikanten scheint mit unter recht zwetf-lhaster Art zu sein, aus solaenvem Erlaß deS preußischen HandelSmtnisterS vom 28. v. M. zu schließen: „Vom deutschen Handelsstande in No'ohama wird darüber Beschwerde geführt, daß deutsche Fabrtlanten bei der Auifüh- rung der ihnen eriherlten Aufträge nicht immer die nöthige Zuverlässiglett beobachtet haben und viel fach gerechten Rellamationen gegenüber eS an dem gebotenen Entgegenkommen fehlen lassen. Besonders richten sich diese Beschwerden gegen einzelne Hutfabrikant- n, welche den Be- stellungen nicht entsprechende Hüte nach Japan geliefert und, obwohl sie dieses eingeräumt, stch doch nur unter der Bedin- gung, daß ihnen die Hüte franko zurückgeschickt werden wür« den, zum Umtausch derselben dereit erkläit haben. Arch wird darüber Klage geführt, daß aus Deutichland auf den japa- nischen Markt gebrachte wohlfeilere Tuche häufig die auf der Etiquette verzeichnete Stücklinge nicht aufweisen. Dieser Mangel wird dem zu starken Anspannen beim Messen zuge« schrieben und daran der Wunsch geknüpft, die Fabrikanten möchten in dieser Bezi hung etwaS liberaler sein, weil durch derartige Fehler der Handel mit dculschen Tuchen erschwert und dem ausländischen Fabrikate die Konkurrenz erleichtert werde. Den Herrn Vorstehern stelle ich onhiim, den bethei- ligten Firmen deS dortigen Bezirks von diesen Beschwerden in geeigneter Meise M.ttheilung zu machen." ES find also nickt bloß, wie die Unternehmerblätter behaupten, die Arbeiter mit ihren Forderungen an Lohn und Arbeitszeit, welche den deutschen Export schädigen. Zur Polensrage. Aus Gnesen erhält der„Kury-r Pozn." folgende Nachricht: Der verdiente und allgemein geachtete Gymnasiallehrer Herr O. Jaworskt ist mit Gebaltsheradletzung „im Jntenffe deS Dienstes" von Gnesen nach Neuß bei Düffel- dorf versetzt worden. Die diesbezügliche Verfügung ist direkt vom Minister Goßler aus Berlin dem Herrn JaworSki zuge« kommen. Ei« in seinem Verlaufe an'S Komische streifender Streit ist um daS Pfltcktexemplar des Eldeiselder Ardeiter» organs entstanden. DaS Blatt wird in Barmen gedruckt, aber die Haupt Expedstwn deffelb«n befindet sich in Elberfeld. Weil indeß in Barmen eine Filial Expedition ist, welche ihren Be- darf direkt auS der Druckerei dezieht, beanspiucht nicht nur die Elberfelder, sondern auch die Barmer Polizetbebörde ein Pflicht« ex-mplar. Der Heraus geder aber will nur Elberfeld als Auf» gabeort anerkennen und daher nur hier ein Exemplar zu liesern verpfl chtet sein. Er stand neulich wegen dieser Sache vor dem Schöffengericht zu Barmen angeklagt und hörte den auf 3 M. lautenden Strafantrag des Amtsanwalts gegen sich er» gehen. Jnkriminirt war nur die Unterlassung der Lieferung an einem einzigen bestimmten Tage. Auch li-sert der Heraus- ElaS Wer», Jeremias, wie? Machen Sie keine Umstände, Man», der Wein ist trinkbar. »Famoser Stoff/ bestätigte Jeremias, der indessen mit seinev Gedanken nicht ganz bei der Sache war, denn es ging ihm im Kopfe herum, daß sich die junge Gräfin eigent» ltch gar nicht so lebhaft nach ihrer„Mutier" erkundigt hatte, wie er wohl erwartet haben mochte, und auch über das Verschwinden ihres Bruders nicht im mivdestc» aufgeregt erschien. Aber fie mußte es jedenfalls schon früher druflich erfahre» haben, und wußte vielleicht sogar, wo er stak. Daß er ihm selber»och eire nicht unbeträchtliche Summe schulde, erwähnte er nicht: er besaß, trotz seiner rauhen Hülle, zu viel Zartgefühl, und doch hatte eS ihm Rsitack entweder angemerkt, oder e« sich auch nur gedacht — und große Divinationsgabe gehörte allerdings nicht daju. Aber die Tafel wurde jetzt abgeräumt und dann der Kaffee gebracht. Die Bonne verließ mit de» Kindern den Speisesaal, und das junge Paar war mit Jeremias allein. „Und nun, mein alter Freund," sagte Felix,„schuhen Sie einmal loS— Sie haben noch etwas auf dem Herzen." Jeremias war eigentlich nicht wenig froh, daß er diese« Diner glücklich überstanden hatte, denn er fühlte sich, so lange es dauerte, fortwährend in einer gewissen Aufregung, auS Furcht, irgend einen Mißgriff zu begehe». Aber es schien doch ziemlich gut abgelaufen zu sein, den» das au«- genommen, daß er von den ihm piäsentirte« Speisen hartnäckig die Gabel abgenommen und nebe« sich gelegt hatte, so daß er sich zuletzt im Befitze von fieben oder acht solcher Instrumente fand und über de» Vorrath selber erschrak, war nicht da« geringste Ungehörige vorgefallen. Jetzt aber wurde er plötzlich, ohne die geringste scheinbare Ursache, feuerroth und sagt«, viel verlegener, als er sich nur je gezeigt:„Hm, ja, Herr Graf, ich— ich wollte eigentlich— Schwerebrett, Sie lachen mich aber au«, wenn ich'« Ihnen sage— die Frau Gräfin lacht jetzt schon." „Gewiß nicht, Jeremias, wen» e» etwa» Ernste« ist," aeber seit längerer Zeit schon, nachdem er vordem das Exemplar bald hierin bald dorthin abgegeben hatte, nach seiner Annahme also aus freien Stücken, an deive Behörden daS Exemplar. DaS Urtbeil kennen wir noch nicht. Verbot. In GrevelSderg bei Hagen sollte am 3. d. M. eine Volksversamm ung st-trfinden, in welcher der Reichstaa«. Abgeordnet« Harm- Elberfeld einen Vortrag zu halten oe» obfichtigte. Die Versammlung wurde aber auf Grund des Sozialistengesetzes verboten. Belgien« Die Uneinigkeit der Liberalen in Brüssel, wie die schimpf» liche Art, mit der fie sich gegenseitig bekämpfen, übt auf das ganze Land eine für die ltderale Partei ungünstige Wirkung auS. Die Klerikalen, hierdurch ermuthigt, nehmen, waS bis» her noch nicht dagewesen, selbst in den großen liberalen Pro- vinzialstädten den Kampf auf und treten mit vollständigen Kandidatenlisten den Liberalen entgegen. Sämmtliche katho« tischen Vereine Belgiens waren in Vrrviers versammelt und belchlossm auf Antrag ihreS Vorsttzenden, de« Deputirten Woeste, kräftige Wahlagitation behufs Verstärkung der katho Irschen Kammer> Maiorttät, damit alle(natürlich vom KleruS) geforderten Reformen durchgeführt werden können. Die AuS- sichten der Liberalen find nicht günstig, und ein klerikaler Wahlsieg ist mit anderen Worten absolute Klerikalistrung Belgiens auf allen Gebteten und Kulturrückschrttt auf lange Zeit. DaS Ministerium führt jetzt das neue Schulgesetz auch in den großen Elädten aus; in Antwerpen find 4 klerikale freie Schulen alt staatliche adcptirt und der Stadt die de» treffenden Staatszu chüffe entzogen worden. In Brüssel, daS dem KleruS auch die Schulen verschlossen hat, steht das» selbe bevor. Tie soziale Bewegung in Belgien kam Mittwoch in der Deputirtenkammer zu Brüssel zur Sprache. Der Finanzminister erklärte, die Regierung det.bfichtige, eine Anleihevmlage über 43 Millionen Frank« für öffentliche Arbeiten«inzu- bringen, um so zahlreichen Arbeitern Beschäftigung zu geben. Der Depulirte"on der Linken, Fiere Ordan, beantragte«ine parlamentarische Enquete zur Prüfung der Lrge von Arbeitern und Industrie und fügte hinzu, er reiche der Regierung die Hand, um gemeinsam mit ihr eine Verbesserung der Lage der arbeitenden Klaffen herbeizuführen, damit auf diese Weise die großen Störungen, welche fich anzukündigen schienen, vermieden würden. Franrveich. China bemühte fich schon längst um die Gunst deS Vatikans und speziell um die Einsetzung einer päpstlichen Ge- sandlschast in Peking, damit nicht mehr Frankreich, sondern der Gesandte des PrpsteS der Mittelpunkt der europäischen Katho- ltken in China wäre. Die chinestsche Regierung wallte hier- durch den Einfluß Frankreichs schwächen, und der heilige Stuhl war geneigt, auf den Vorschlag einzugehen. Frankreich hat aber nunmehr erklärt, eS werde, falls der Vatikan aus seinem Plane bestände, seinen Boischafler beim päpstlichm S uhle abberufen. Die Antwort wirkte verblüffend. In den Versammlungen der Arbeiter zu Decazeoille entstanden heftige Streitigkeiten unter den Delegirten, die das Ende d-s Streiks voraussehen lassen— so berichten die kapi» talistischen Blätter. Nach dem„Cii du peuple" find die Berg» leute einmüthig zur Fortsetzung des Streiks entschlossen, da Lson Say nicht« von Nachgiebigkeit und Wiederaufnahme der Streikführer wissen will. Der Abg. f)o-S Guyot hat feinen Bericht für den Budget« auSschuß über die Einkommensteuer deendet. Derselbe prüft die bereits früher dem Pariarn» nt von verschiedenen Seiten, u. A. von Casimir Perier und von Gambetta, unter- breiteten Anträge auf Einführung einer Einkommensteuer und berichtet außerdem über die derartigea BesserungSsysieme, die in anderen Ländern, namentlich in Deutschland und England, b-stehen. Auf Grund dieses Berichts wird der Ausschuß in seiner nächsten, binnen 14 Tagen stattfindenden Sitzung die Frage erörtern, ob, wie der Finanzminister vorschlägt, zur Ausgleichung des Budgets von 1887 die Alkoholadgaden erhöht oder statt dessen eine vorerst mäßige, spater zu erl?öbende Einkommensteuer zu errichten sei. Von den 33 Mitgliedern deS BudgetauS» schusses find etwa 15 dem letzteren Vorschlage zugeneigt. Auf einer Insel d-r Neu-Hebriden in Stanlevport auf Mallicola wurden die Angestellten der franzöfischen Plantagen- Gesellschaft niedergemetzelt. Dies veranlaßt die Pariser Presse von neuem, Aneignung dieser Inselgruppe zu fordern. Italien. In Vioenza kamen Mittwoch zwölf Cholera erkrankungen und fünf Todesfälle vv', in Venedig vom 5. zum 6. Mai fünf Todesfälle und drei Erkrankungen, in Brindisi in der gleichen Zeit eine Cbolera- Ertrankung und ein Choiera-TodeSfall, in Oftuni vier Cholera Erkrankungen, in Orta zwei Cholera-Er» tranlungen und ein Cholera Todesfall. G»» h b r t t a«» i e n. Der Plan, den Gladstone verfolgt, liegt jetzt deutlich vor Augen, nachdem das Manifest von Midlothtan bekannt ge» lächelte Helene, der die Unruhe de» kleine« Manne» aller- drngs komisch vorkam. „Ja, ervst wär' e» schon," nickte ihr Gast leise mit dem Kopf vor sich hin,„aber— lachen werden Sie doch," setzte er resignirt hinzu,„denn eigentlich könnte ich selber darüber lachen, wenn— wenn..."— Er stak fest und nahm sei» Taschentuch herau», um sich damit die Stirn und den Kopf abzutrocknen, denn die Stirn ging ihm fast bis hinten t» die Halsbinde hinunter. „Also erzähle» Sie, Jeremias," sagte Helene freund- lich;„Sie wissen ja, daß wir eS gut mit Ihnen meinen, und wenn Ihnen Felix bei irgend etwa« behilflich sein kann, so bin ich fest überzeugt, daß e» ihm die größte Freude machen wird." „Ich auch, Frau Gräfin, ich auch," bestätigte Jeremias treuherzig und leerte dabei das Glas, da» ihm der junge Graf noch einmal vollgeschcnkt hatte, wie um fich Math zu mache», auf einen Zug.„Und Sie sollen'» auch erfahren," setzte er dann hinzu—„Sie sollen'« auch erfahren, den» ich weiß, Sie meinen e» gut mit mir. Aber erst erlauben Sie mir, daß ich eine Tasse Kaffee trinke— der starke Wein ist m-r in den Kopf gestiegen, und ich möchte kein dumme« Zeug schwatzen— e« ist so schon, wie'« ist— so, danke Ihne«, und nun sollen Sie meine Lebensgeschichte höre», aber ganz kurz, ich bin im Augenblick damit fertig, den« eS ist Alle» ungeheuer geschwind gegangen und eiqent. lich gar nicht viel zu erzählen— wenn nur eben die Frau nicht wäre." „Die Frau?" Jeremias seufzte tief auf, trank seine« Kaffee, de» ihm Helene selber eingefcheokt, und begann dann:„Ich war ein leichtfinniger Strick in meiner Jugend, lief meinem Alten fort u-d ging zum Theater." „Zum Theater?" lachte Felix erstaunt. „Das heißt, ich wirkte im Chor," fuhr Jeremias fort, „und half mit beim Ballet, und damals war ich auch noch schlank und geschmeidig und hatte die Beine dazu. Ich ver- diente auch, wa» ich brauchte, al» einzelner Mensch»Sm- lich, aber da kam— und fitzt werden Sie lache«, Frau Gräfin— da kam die Liebe und ich heirathete!" worden ist. Wie ww schon hervorgehoben haben, dreht ßä Alles um die Hoffnung, die Homerule- Vorlage in z«eil« Lesung nicht gän-lick verworfen, sondein in ihrer grundsätzliche« Nothwendigkeit anerkannt zu sehen. Dann Kalle Glavfiori AuSstcht, mit Erfolg zu einer Parlamenttauflö'ung schreiten p können. Mr. Gladstone'» Berufung an das Volk, die doli die Homerule-Bill heraufbeschworene Fraoe mit„Ja" od» „New" zu deantworten, dürtte auch nach Anficht der„Time« auf eine baldige Parlamentsauflösung hindeuten. Deniw» scheine Mr. Gladstone die zweite Lesung der Bill arzustrebee- und sei„dreist" genug, von den Abgeordneten zu verlangt»- ohne Rückficht auf„Einzelheiten und Absonderlichkeiten" V«' über abzustimmen, während er selber in seiner Rede votl 8. April 3V» Stunden auf diese„Einzelheiten" verwendet ha� Es sei unmöglich über die Bill abzustimmen, als ob sie fit nackte Frage involvire, ob in Irland ein statutarisches Poll- ment eingesetzt werden solle oder nicht. Mr. Gladstone's M habe unter allen Umständen wenigstens eine Sache bewies� und zwar, daß die Frage nicht ohne Bezugnahme auf d» Schutzwehren und Regelungen für die Zukunft erwogen werWJ kann, und diese seien vi« Punkte, die er jetzt der KonttoM zu entziehen wünsche. ES ist schwerlich anzunehmen, daß die WhigS, welche fich schon in der irischen Frage von stone abgewendet haben, durch dieS Manöver wieder(WW? lassen, obgleich„Daily NewS", Gladstones Organ, diese 3# nung zu verbreiten suchen. Jüngsten Gerüchten entge«? wollen die„Daily NewS" erfahren haben, daß der Ma«/ von Hariington noch nicht entgiltig beschloffen habe, die M?- wersung der irischen Homerule-Lorlage zu beantragen.®o" fich darüber schlüsfig mache, werde er sich mit Mr. GöM Sir Henry JameS und anderen politischen Freunden ss" rathen. ES sei sehr möglich, daß eS nicht der libn� Staatsmann fein werde, der die Opposition gegen die läge leite. Im Unterhaus« zirkultrt, nach einer neueren Meldung% Wiener„Neue Fr. Presse", allgemein die Nachricht, die Lesung der Home-ule Bill sei gestchert, nachdem Gladstone g klärte, die Land-Bill aufzugeben, die irischen Mitglieder/ Parlament zu belassen und nach der zweiten L-sung die v' merule Bill dehutS gründlicher Umarbeitung bis nächstes zurückzuziehen. Chamderlain, hiermit einverstanden, wird � seinen Anhängern für die zweite Lesung stimmen. Lmd Spencer, der stühere Vizekönig von Irland, war J» Montag der Hauptredner in einer Versammlung der Libera*" von LeedS, weiche den Zweck hatte, die Regierungsmaßrttjj? in Betreff der Zukunft Irland» in Erwägung zu ziehen. K au» 5000 bis 6000 Personen bestehende Versammlung fast einstimmig eine Resolution an, welche die Thatsache«A tannte, daß für eine radikale Lösung deS irischen P-obl-r die Zeit gekommen sei, sowie daß die in den Maßregeln � Premierministers verkörperten Grundsätze solche seien, auf dw� eine sichere und befriedigende Regelung der Schwierigkeit» funden werden könne. Nach einer eingehenden Beleuck� der Regierungsvorlage schloß Spencer:„Ich baue auf de» v? triotismus aller Jrländer und hoffe, daß selbst Männer. 1 jetzt unsere Politrk bekämpfen, nach einiger Zeit einsehen den, daß«S die weiseste isi. Mögen fie vergessen, daß Ä'K, und Reliaionsunterschiede bestanden haben und mit e« müthiger Nachsicht beroortreten und die Nothwendigkeit erkennen, daß Irland von seinem eigenen Volke regiert muß.". Rußland. Wir haben wiederholt bemerkt, daß die Zoll- und Fi�.» Politik Rußlands eine Politik fortdauernder Experiment* � Di* Suche nach Einnahmequellen hat nach und nach**% Charakter angenommen, welwer zur RückfichlSlofiglett S'f, vi* eigenen und«remden Interessen geiüh.t hat. liefert uns, nach der„Voss. Ztg." vorwiegend nicht'"'JX, l'che Rohstoffe. Bauholz, Flachs, Hanf, Schafwolle-r. und kreide. Die Ausfuhr aui dem deutschen Zollgebiet rat land besteht überwiegend auS Industrie Artikeln, unter der Artikel der Eisenindustrie die erste Stelle einnehme»- A; Werth der Einfuhr Rußlands in Deutschland ist von W 556,95 Millionen Mark im Jahre 1883 auf 486,63 im Jahre 1884, die Ausfuhr D-utschlands nach Rußland gi,,« zeitig von 211,58 auf 189,58 Millionen Mark gefallen-'L 1885 fehlt noch die Angabe; wahrscheinlich ist eine Verminderung erfolgt. Die„Kampf, ölle" haben, wie d'* liegenden Zahlen beweisen, beide Theile geschädigt, und. wird auch in der Zukunft der Fall sein. In dem RückSjL, der Ein- und Ausfuhr liegt der Beweis der Schädigu»lj beiderseitigen wirthschaftlichen Interessen. Die beste K"t»�, russischen Zollpolitik ist in dem das 1886er Budget den Bericht an den Kaiser niedergelegt. Es heißt W jrf selben u. A.:„Die Einkünfte, welche von der Entwicklung Konsums abhängig find, find trotz der Erhöhung der i)" fH dühren in den ersten 10 Monaten 1885 zurückgegangen- A Zölle mußten für 1886 um 6 Millionen Rubel nicdrikss, � für 1885 veranschlagt werden. Der Rückgang der nahmen im Januar unter den Stand deS JahreS Ivo»" „Sie find verheirathet, Jeremias?" riefen beide zugleich uuh erstaunt aus..J „Ja,»enn ich'« nur selber wüßte," sagte Jcremi� � einem höchst komische» Ausdruck von Verzweiflung/ i Zügen—„das isi ja eben da» Unglück, daß ich ob ,ch'» bin oder ob ich'S war, und deshalb bin ich 1® der»ach Deutschland zurückgekommen!" „So wissen Sie nicht, ob Ihr« Frau«och lebt i „Das isi die Geschichte, und auf den Kopf Hab*® getroffen, Frau Gräfin— aber höre» Sie. M*!" sÄ war brav und gut und ebenfall» beim Theater. Si* F$ kleine Rolle» und wir Beide verdienten etwa so'(ü wir brauchten. Da wurde fie krank und entlasse Familie vermehrte sich ebenfalls, und..."— r. g««!' wurde hier augenscheinlich so verlege«, daß er em«» � Weile kein Wort weiter vorbrachte. Er trank an Kaffee, er zupfte an seinem Rock und rückte auf' 0 Stuhl herum. Endlich aber, da er doch wohl tnerss- � e» nicht so fortging,«ahm er sich mit Gewalt z»!� gl' und platzte herau«—„und ich wurde lüderlich � dürfe» mir'« glaube», Frau Gräfin, ei» ganz Strick— ich trank«nd spielte und setzte meiner..jz0> keit endlich, als sich meine brave Frau von tNir i � ss ließ, die Krone auf— und lief davo». Dank, jetzt ist das Schlimmste herau» und S>e# i nun einmal— da« Andere isi Kleinigkeit," W aRfiU.t Athen, holend, fort.„Ich trieb mich ersi Deutschland herum, Jahre lang, bis ich da«» j, p» mehr hatte; dann schiffte ich nach Amerika über suchte es da, aber e« ging auch nicht. Da»®Lß K steckte mir noch in den Gliedern, und anstatt ijj Frau und Kind nach Hau« zu sende«, verthat f verdiente bi« zuletzt die Reue kam. Hurrjeh, 9®°�« damals Grobheiten gemacht und mir selber ober e« half! Ich»ahm mir vor, ein ordentlich �� werden, und um au» all' der Gesellschaft h***"?» ich y *1 in Amerika herumgetrieben, ö ,i; Schiff nach Brasilien.»x t&Jf „Dort fing ich ein andere« Lebe»®®�.Men P gewohnt gewese«, viel zu arbeite»—'«®ta' '��Sktminbetung bei Verbrauchs im Jnlanbe außer Balkanländcr. v, Die Vertreter der fünf Mächte haben dem Ministerprafi« JKroen Delyannis eine Note überreicht, in welcher sie weitere Sunflen fordern. Delyannis rief sofort den Ministerrath e«r«e.alhung zusammen. Amerika. Eine Reihe deutscher Blätter bringt folgende Mittheilung: ..,?kwyNter„Sun" widmet an hervorragender Stelle zwei- undeinhalde Spalten ihrei Blattei der Schtiverung der Lauf. °°hn I o Hann Most'i in Amerika, den von ihm gelehrten Grundsätzen und dem Gebah en seiner Anhänger, wie solches w der verdächtigen Anzahl und der Natur von Brandstiflun- N.i.u Tage tritt, die stch dort ereignen, wo fie wohnen. Alofr s wöchentliches Journal, die„Freiheit", enthält Artikel, 5".' denen die„Sun" die nachstehende Probe liefert:„Wir Men Allen zu, die ohne Erwerb find und Mangel leiden: »Brennt, raubt, lynch! I" Die„Sun" fügt Auszüge aus der jj. Ausgabe der„Revolutionären Kriegswifienschafl" hinzu, die � l°ufig die beste Art und Weise zu Brandstiftungen lehrt. Blatt zählt dabei die Daten und die einander ausfallend ahniicheu einzelnen Umstände der Brände auf, die in Behau« Zungen stattgefunden haben, welche von Anarchisten bewohnt Dergleichen Räume waren jederzeit hoch verfichert; gewöhnlich brach das Feuer bald nach dem Umzug der Anar- �Men rn eine neue Wohnung aui. Oft war die Verstche- jungäpoltje kaum einen Monat alt, als schon der Berficherungs- ° beansprucht wurde. Der dadurch erzielre Nutzen ist kein '"�nltdjet Gewinn dei Versicherten, sondern ist für die„Pro- «aganda durch Thaten" bestimmt, wie der Ertrag der Ermor » bei Bankiers Eifert in Wien und bei Schuhmacher ?t°llrnger. Gerade diese Erfolge scheinen einige Anarchisten ,„,5�"hlgt zu haben, denn ei find Spaltungen unier ihnen „n.. � Die Anhänger von Justus Schwab sagen stch in v,.? Auhe von Most los, und die„Boston Liberty" beschul- (i,®* Jbn offen, der„Sun" den Leitfaden zu ihrem Artikel ge- fw?«,u baben."— Wir haben keine Veranlaffung dem„tollen „„"1. irgendwie das Wort zu reden, müssen aber docd, um bei»» bemerken, daß Most schon längst in der„Frei- Jfi-n. iwfc, flegen die erwähnten Vorwürfe energisch verwahrt hat. i- w/kn letztere richtig sein, so werden ja die G richte die Sache einfi«QnD nehmen, auf bloßes Zeitungsgerede legen wir «nstwellen wenig Werth. �°i Reuter'sche Bureau meldet: In verschiedenen Städten w-rJfr�tyten Staaten haben weitere Streiks stattgefunden, Berkürz ung der Ardeilszeit und höhere Löhne bezwecken. 7c>m'a»� l'dhaft ist die Bewegung in Chitago, wo hmte 40(Vi W'urfl machet die Arbeit einstellten. In Boston haben üeiu.ii. ter und in PittSburg 1800 Steinmetzen und Schreiner Et!»,!?!. 9" Folge des Streiks der Frachtoerlader find die N'.tnw?. n nicht im Stande, alle Fracht zu befördern. Die bebBrn.» 9 bei Wabash Eisenbahn hat den Schutz der Bundes« verlud! Nachgesucht. In einigen Fällen haben die Streikenden bei/.?,,' fle Arbeiter in den Holzdtstrikten zu zwingen, die Ar« wem»! bellen. Eine große Elsengießerei ist in Folge der Be« zi.ö.,?9 geschloffen worden, während in einigen Orten die »p,%ber die Forderungen der Arbeiter bewilligt haben. In .'�ii haben die Möbeltischler ihre Thätigkett wieder auf- g,??"men. indem fie acht Stunden für achtstündige Bezahlung geilen. Wenn dieses System den Leuten nickt genehm ist, 'lkn die Arbeitgeber die Fabriken schließen. Aus Milwaukee A»oen mehrere Streik« gemeldet, we che die Schließung von »Ä?eien und Fabriken, ein Maffenmeeting der streikenden den 1,' unl) einen aus mehreien tausend Personen bestehen« A,?.i. tnooloiren. Die Hauptverlegenheit verursachen die " in den Brauereien, die höheren Lohn verlangen. Auch �-rveN«US»nnl»»-■■------——..... wurde Vtr-ik erw��«"laa in den" Larig'ewerken ein Achtftun'ven- V% in St. Louis unlersucht, vernahm am Sonnabend Zeugen 3. Mai hat die Ar- täglich achtstündigen Ar- zWMMÄWN g>legt- k'" Eisenbahnlinien haben die Arbeit nieder« Mm«'::l%en verweigern in Folge dessen meist die An« irits�4?°n Tüttrn. In New Uon ist die achtstündige Ar- («L i" ln Kraft getreten.— Die Börse von New-Uork ist Kairo aui Kon> m,,... m Afrika. dustirt r,»Reuter'sche Bureau" unterm 4. Mai aus . Achmed Mukhtar Pascha in Folge ihm aui----- am, Ä," zugegangener Instruktionen dai Gesuch, welches er ��Mai auf der Konferenz im Abdin-Palast an Sir H. D. Aermel im die Höh' und ging scharf dran. Sie selber, Sie haben mich dort schaffe« sehen, und "icht? K'ng's. Die ganzen langen Iahte hatte ich aber @2. r zu Hause gedacht oder, wenn ich dran dachte, mit helfen"'cht dra» denken wollen. Was konnt'S auch «ich.,', was wollte ich zu Hause anfange», so lange ich "«d' Wie ich aber anfing, zu Geld zu kommen, Werdr« �4 mehrte und mehrte und ich anfing, reich zu faxte?' 0'am die Reue über das Vergangene noch viel Hriwn,?'e na4 meinem lüderlichen Leben. Da kam da« tteiv»' bQ ging mit der Gedanke im Kopf herum, daß üad-»'"we Frau vielleicht doch nicht aus Kummer gestorben wäre und hier noch Roth lebe. Jetzt schrieb ich nach l«!, um ihre Adresse zu erfahren, aber umsonst; ?liefe ii!» 1"te wir Nachritt geben, und auf die meisten Mle i*%'4 nicht einmal eine Antwort. Am liebsten e �bera.r?!�*"4 gleich selber aufgepackt und wäre bleute lu v t!"' a�n die Zeiten waren zu günstig, ich ver« k 4 lst»'« 1?'? und wollte noch mehr, und bekam mehr. . �be« ,,?!4 kenn endlich nicht länger in dem Biumfilien «u't"V unt dem Dampfer bin ich herübergekommen, >..Und! S�chwind wieder da zu sein." ?M4, die wi. r- 6,8 �hre Frau gefunden?' rief Helene �Ung inniger Theilnahme der kleinen, einfachen Er» �««roigt war. i« gerade der Teufel— bitte tausendmal um Ii tfncnb. iugte Jeremias, sich wieder den Schweiß C%oi und e,t. Je49 Wochen rutsche ich jetzt im Lande T»?«genibnr. m4'« Genaues erfahren. Zuerst war ich CM« fanBte mi*0i.n,t damals wohnte«— und glücklicher U.v fi« schon 5 r Riemonb mehr— und da hieß ef, stz.« eder zum 3?L 0en fahren nach Erlangen gezogen mmm °"e thn wohl, aber er mich nicht mehr, Wolff stellte, der britische Kommissar möge im H'nbllck auf die Verwerfung der türkischen Vorschläge zur Reorganisation der egypttschen Armee seinerseits Gegenvorschläge machen, zurück- gezogen. Sir Henry Gordon, der Bruder des in Khartum gefallenen Generals Gordon, ist in den Lefitz der Abschrift eine« in arabischer Sprache geschriebenen Telegramms gelangt, wel- chei Gordon in Khartum am 29. Dezember 1684 an die euro päisckm Mächte richtete, daS aber nicht an seine Adresse ge- langte. Sir Henry Gordon glaubt an die Echtheit dieses Schriftstücks, da es in dem Stile seine« BruderS, der nicht leicht nachzuahmen, geschrieben sei. Das Original wurde in einer Patronenhülse nach Dongola gebracht, dessen Träger aber von den Mahdiften gefangen genommen. Das Telegramm lautet etwa wie folgt: „Von Gordon Pascha an die Souveräne der Mächte. Nach entbotenem Gruße möchte ich sofort, eingedenk dessen, was ich durchgemacht habe, Ihre Majestäten, die Souveräne, in Kennt- niß setzen von der Aktion GroßbrUanniens und des ottoma- Nischen Reichs, welche mich zum General-Gouverneur des Sudan ernannten, um den Aufstand in diesem Lande zu unterdrücken. Während der zwölf Monaie, die ich hier gewesen bin, haben stch diese zwei Mächte, die eine bervonog-nd durch ihren Reich- thum, die andere durch ihre Militärmacht, durch meine Lage nicht rühren lassen. Vielleicht gaben fie zu viel auf die Nach« richten, die Huffein P-scha Khalifa(der Gouverneur von Ber- der), welcher auf eigene Faust kapitulir e, gesandt hat. Ob- gleich ich persönlich zu unbedeutend bin, um in Betracht gezogen zu weiden, find die Mächte nichts desto weniger gebunden, den Verpflichtungen nachzukommen, worauf meine Ernennung fich gründete, um so die Ehre der Regierungen zu wahren. Was ich durchgemacht habe, kann ich nicht beschreiben. Der allmäch- tige Gott wird mir helfen." Gerichts-Zeitung. ReichSgertchtS« Eatscheiduage«.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 4. Mai.(Keine Majestätsdeletdigung.) Dem Nestau- rateur Wilhelm Schaaf in Halle a. S. war im August v. I. von dir Polizei die Polizeistunde auf 11 Uhr AbendS festgesetzt worden. Die« Hute ihn so in Wuth versetzt, daß er in Gegenwart anderer Personen laut auf die Polizei schimpfte und dabei auch äußerte, er wolle, wenn er nach Hause komme, die Bildnisse bei Kaisers und Kronprinzen von der Wand reißen und auf einen gewissen Ort werfen Das Landgericht in Halle sprach ihn von der Anklage der Majeftätsdeleidigung frei, weil es annahm, daß er in der Wuth über die Polizei fich der Bedeutung seiner Worte nicht bewußt gewesen fei und eine bloße Versagung der dem Souvcrain schuldigen Hochach tung nicht strafbar sei.— Hiergegen hatte der Staatsanwalt Reviston eingelegt, dieselbe wurde aber auf Antrag bei Reichs« anwaltS vom III Strafsenate am 3. Mai verworfen. Leipzig, 6. Mai.(Von den Grenzen�der Nothwehr,) Vor dem Iii. Strafsenate des Reichsgerichtes, dem in dieser Sitzung zum ersten Male der neu ernannte P ästoent von Wolff prästdirte, kam am 6. Mai folgender interessanter Fall zur Verhandlung. Am 13. September v. I. entstand in einem Hamburger Tanzlokale zwischen zwei Gruppen von Arbettem Streit. Derselbe spann fich auch noch fort, ali alle Bethel« ltgtrn daS Lokal bereits verlassen hatten, indem die eine Partei die andere verfolgte. Unter den Verfolgten befand fich auch der Arbeiter Johann Heinrich Theodor Hinsch, welcher fich veranlaßt sah, zu seinem Schutze in ein Gartenlokal zu flüchten und mit einem Garten stuhle, der ihm gerade zur Hand war, nach seinen Verfolgern zu werfen. Dieser Wurf hatte eine traurige, von ihm allirdings nicht bcabfichtigte Wirkung. Es wurde nämlich der Schuhmacher Heitmann, dem daS rechte Auge fehlt, von dem Stuhle derart am linken Auge ver- letzt, daß daS Sehvermögen desselben verloren ging und H. nun vollständig blind ist. Wegen dieser Körperverletzung verurtheilte dai Landgericht in Hamburg am 4. März den Hinsch zu 9 Monaten Gefängniß und führte dabei auS: Der Angeklagte war allerdings von vier Personen verfolgt und an- gegriffen und seine Hanrlung war allerdings ali ein Ausfluß der Nothwehr anzusehen, aber ei muß angenommen werden, daß er weit über die Nothwehr hinweggegangen ist. Der An- geklagte hatte diS dahin nur einen leichten Scklag mit einem Schirme erhalten und Drohungen, daß man ihm anS Leben wolle, waren auch richt gefallen, er mußte stch daher sagen, daß ein solcher Stuhl nicht daS geeignete Mittel zur Zurück- Weisung der Angriffe sei und leicht eine bedeutende Körperver- letzung herbeiführen könne, namentlich wenn damit nach dem Kopfe gezielt werde. Daß er nur aui Furcht und Schreck die Grenzen VerNothwehr überschritten bade, konnte nicht angenommen werden, aber ei wurden ihm mildernde Umstände bewilligt, well er bisher unbestraft war und Reue über seine That zeigte. — Gegen dieses Urtheil hatte der Anaetlagte Reviston einge« legt, indem er eine Verletzung des Begriffes der Noihwehr rügte.— Ter ReichSanwalt Herr Stenglein, welcher die Be- schwerde für degründet hi:lt. sagte dazu folgendes: Dlesei Urtheil ist eines von denen, die ich schon häufig an dieser von wegen der Glatze, und der sagte mir jetzt, daß meine Frau wieder ihren Mädchennamen angenommen hätte und «ach Frankfurt gegangen wäre. Ich«ach Frankfurt, und keine Spur mehr gefunden, Wochen lang, bis ich vorgestern in Köln wieder einen alte« Schauspieler traf, der behauptet, er habe den Name« in einer Theater, eitung gelesen. Jetzt machte» wir uns über die alte« Zeitungen her— da ich ein paar Flaschen Wein kommen ließ, arbeitete der Alte mit wie ein Pferd—, und nach sechs oder acht Stunden Suchens faßten wir den Artikel, der mich wieder Hals über Kopf hierher nach Haßburg jagte." „U.d fie ist hier?" rief Felix. „Ja, das weiß ich noch nicht," seufzte Jeremias,„denn wie Sie mich trafen, war ich ja auch erst eben angekommen und wollte mich gerade umsehen, ob ich nicht vielleicht Einem vom Theater uvterweg« begegnete, denn die kennt man gleich, und wen» fie«och so einfach angezogen gehe». Ich weiß nicht, woran es liegt, aber einen Theatermensche» will ich unter Tausenden herausfinden." (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und Lebe«. Alhambra-Theater. DaS bewährte Schauspiel Mosen- tbal'S„Der Sovnw-ndhof" gelangt als Extravorstellung am Sonntag, den 9. d. M., im Alhambra-Theater zur Aufführung. Wir machen darauf oufmerfsam. daß dai Konzert um 6V: Uhr jedoch die Vorstellung erst um 8 Uhr beginnt. Die Rolle der Monika wird durch Frau Wexsl. Anna durch die dai Fräulein Hafer, MathtaS durch Herrn Dafe dargestellt werden, außer- dem hat Herr Slodbe den Kesselflicker übernommen. Im Uebeimuth der Freude. In der überschäumenden Freude seine« Hetzen« begab sich ein Frankfurter Gemüfehänd- ler vor einigen Tagen nach Darmfiadt, um eine Erdschaft im Betröge von 32 000 Mf. zu erheben. Seine, an die einfachen Erschetnungen von Krautköpfen. Epargeln. Sellerie und Lattich gewöhnten Augen wurden durch den Anblick dei gleißenden Ech tzes dermaßen berauscht, daß er beschloß, seinen ganzen inreren Menschen an dieser Aufwvllung thettn.hm.n zu lassen. aar er in eine wahre Gölterlaune gerochen und warf daS Geld Stelle charakteriflrt habe. ES zeigt, welche vergeblichen Be« mühungen am grünen Tische gemacht werden, um mit dem Zirkel auSzumessen, wie weit ein Angegriffener in seiner Ber» theidigung gehen darf. Ich halte diese Bemühungen für durch» aus verwerflich und nicht mit dem Strafgesetze vereinbar. ES wird hier ein Mensch von vier Personen angegriffen, er muß stch sogar in fremdes Eigenthum flüchten und ergreift nun den ersten besten Gegenstand, der ihm in die Hände kommt. Soll er nun erst bis zum äußersten überlegen, ob aui der Anwendung dieses Gegenstandes zum Zwecke der Vertheidigung stch eine Verletzung ergeben kann? Soll ma» nur deshalb behaupten können, Abwehr und Angriff stände in keinem Verhältnisse zu einander, weil der stch Wehrende nicht wissen konnte, wie weit die Angreifer gehen würden? Der Wirklichkeit entsprechen solche Versuche der Gerichte, eine genau präzistrte Grenze der Nothwehr festzustellen, nicht. Wenn jemand angegriffen wird, so hat er daS Recht, fich zu wehren und ei müssen erst eklatante Beweise vorliegen, wenn man ihm Abstcht, dem Angreifer widerrechtlich eine Körperverletzung beizubringen, iwputiren will. Ich beantrage daher Aus- Hebung dei UrtheilS.— Der Senat, der schon in früheren Fällen entgegen der Anficht bei ReichSanwalteS ent» schieden hatte, erkannte auch hier auf Verwerfung der Reviston. Die Urtheilsaründe lauteten: Wenn cS auch richtig ist, daß rhatsächlrch die Frage, ob eine Nothwehr vorgelegen hat, viel- leicht zu eng deurtheilt sein mag, so ist doch ausdrücklich that» sächlich festgestellt, daß Angeklagter stch im Zustande derNoth- wehr befunden habe und eS ist schließlich festgestellt, daß er die Grenzen derselben bei Weitem überschritten habe und daß stch auS der Verhandlung keine Umstände ergeben haben, welche darauf hindeuteten, daß er nur auS Furcht und Schrecken über die Grenze hinausgegangen sei. In diesen Feststellungen liegt kein Äechtiirrthum, ei war daher die Reviston zu ver» werfen. Soziales««d Arveitervewegung» Au« demGroßherzoathum Hessen wird uns geschrieben: Wie auch bei uns der Enlwickelungtprozeß der bürgerlichen Gesellschaft in aller Stille und Gemüthiruhe fich vollzieht, dafür kann ich Ihnen heute einige interessante Belege aus der amtlichen Statistik über unsere schöne Residenzstadt Darmstadt wittheilen. Bekanntlich ist ei eine bei jeder wirthschaftlichen KriftS beobachtete Thalsache, daß die Zahl der Eheschließungen zurückgeht. Je höher die Getteidepreise, je schlechter die Er- werbSverhältmsse, je tiefer gedrückt die Lebenshaltung des arbeitenden VolkeS ist, um so tiefer fällt auch das Herraths- barometer, um so geringer ist die Ziffer der Ehen. Ehen werden aber nicht im Himmel geschlossen; ihre Zahl regulirt stch auf der kapitalistisch organistrten Erde, nach der Lage der Dinge auf dem Ardeitsmarkt. Nun haben wir unbestritten in Deutschland seit dem großen Krach von 1875/76 eine chronische, eine schleichet de Krifi», an der fast alle Erwerbizweige leiden, wir haben eine Versumpfung des WirthschastilebenS, in der blos die Wucherpflanzen dei RiesenkapitaliSmuS üppig gedeihen. Kleinbetrieb und Mittelstand werden nach und nach zerrieben» die Proletarier fluten auf ein immer kulturwidrigeres Lebensniveau, nur der großkapitalistische Unternehmer und vor allem die in Aktten-Gesellschaften vereinigten Bourgeois- Genossenschaften entfalten fich in kolossalen Formen, ver» einigen immer mehr Produktionsmittel in immer weniger Händm. DieS sei zur Kennzeichnung der allgemeinen Situa« rion vorgeschickt. Man wird dann um so leichter verstehen, daß in Darmstadt-Bessungen(die zwei unsere Haupt» stadt bildenden Gemeinden) die Zahl der Eheschließungen betrug aus 1000 bei einer Bevölker» Einwohner: 113 Jabre 1875 1876 1877 1878 1879 1880 1881 1882 1883 1884 überhaupt: 498 364 341 351 323 345 325 377 311 368 81 7,5 68 7,1 66 76 62 7,2 von Einwohn.: 45 000 46000 46 900 47800 48 769 49 300 49 800 50 300 50800 51223 DaS ist also, absolut und relativ genommen, ein stetiger Rück» gang in der Ziffer der Eheschließungen. Man vergleiche nur daS Jahr 1875, der letzte glänzende Moment bei Brillant- feuerwerkS, in dem die franzöfischen Milliarden zu Gunsten der Finanzaristokratie verpufft wurden: man vergleiche diese» Jahr mit feinen 11,3 Heirathen auf je 1000 Einwohner mit dem Jahr 1884, in dem bloß 7,2 Ehen auf 1000 Einwohner geschloffen wurden. DaS ist eine ebenso drastische Wirkung der„Wohlhabenheit", wie die deständig fich intenstver gestai. tende Auswanderung. DaS Jahr 1884 zeigt gegen 1883 eine kleine Besserung. Dieselbe will aber wenig besagen, wenn man in Betracht zieht, daß der Durchschnitt bei letz» ten Jahrzehnt«(1875—1884) 7,6 Eheschließungen be« mit vollen Händen unter hesfische Soldaten, die natürlich im Aufheden nicht faul waren. Schließlich wurde die Polizei auf den fröhlichen Mann aufmerksam, nahm fich seiner in freund« lieber Weise an, packte sein Geld zusammen und gab ihm zum Begleiter einen Schutzmann mit- Selon waren Beide auf dem Heimwege begriffen, als der glückliche Erbe nochmals, von unbezwingliwem Durst erfaßt, seinen GeleitSmann bat, in einer WIrthschaft Einkehr zu hallen, worauf Beide fich zusammen er- qufckten. Daß mit unserem Frankfurter heute nicht gut Kirschen essen sei, erfuhr der Schutzmann bald, denn als er seinen Schützling zum Aufbruch ermahnte, ergrimmte dieser der» gestali. daß er einen lOOO-Markscbein in Stücke zerriß. Ein LiebeSdrama. AuS Prag wird unterm 4. d. be- richtet. Der Unterlehrer Josef Horn in Nezadaditz erschoß seine Geliebte, deren Hand ihm von den Eltern verweigert wurde, und entleibte fich dann selbst. Religiöser Wahnsinn. Vor einigen Tagen ist in Allen- stein(Ostpreußen) die seit einiger Zeit an religiösem Wahn- finn leibende Arbeiterfrau Rosalie R. verhungert. Die Ber- storbene war von dem Wahne befallen, fie müsse fich während der Fastenzeit nicht nur bei Genusses von Fleischspeisen, son- dern jeglicher Nahrung enthalten. Der die Leiche deflchttgende Arzt fand fie zu einem Skelett abgemagert. Ein Rtesevhaisisch. In Waton'S Bai, Australien, wurde kürllich ein 14 Fuß langer Haifisch gefangen, im Magen desselben fand man mehrere Knochen, den unteren Theil einei menschlichen Rückgrates, sowie mehrere Uef ernste von Menschenfleisch. Dm weiteren Inhalt bei Magen« bildete die Hälfte einer Drillichhose, eine ein Pennystück ent- ballende Tasche und eine Hosenträgerschnalle. Der dritte Steuermann bei„Astreal" war später im Stande, die Hose al« dem zweiten Steward bei„Austreal" gehörig zu identifiziren. Letzterer war einer der drei Seeleute, welche nahe Dobroyd Head in einem Wallfischfahrerdoote verun« glückten, indem daS Fahrzeug umschlug. Man hatte nichts wieder von den Insassen des Bootes gesehen, bis der Magen» inhalt bei gefangenen Haifisches e« nahe legte, daß fie alle dm von den in jenen Gewässern zahlreich vorhandenen Hai- fischen verschlungen wurden. Kurz nach dem erwähnten Fange wurden im Hafen von Sydney eine Anzahl Haifische gesehen, welche den Kadaver einer todten Kuh umschwammen. Zwei Boote wurden bemannt, denen ei gelang, sieben Haisische von 10 dii 13 Fuß Länge vermittelst Harpunen zu er» legen. Im Magen von einem derselben fand fich ein Menschen- suß vor- trägi, foboj demnach daS Jahr 1834 noch unter dieser Durch» schnittiztffer fich hält.— Betrachten wir die Statistik der Geburten, so kommen wir zu dem gleichm Ergebnis wie oben, daß nämlich die ökonomischen Verhältnisse fich dauernd verschlechtert haben. ES ist nämvch die Ziffer der Geburten konstant gesunken. Im Jahre 1875 gab S bei einer Bevöl» kerung von 45000 Einwohnern 1473 Geburten, also 32,7 auf 1000 Einwohner, 1881 dei einer Bevölkerung von 51 323 Einwohnern nur noch 1252 Geburten oder 24,4 auf 1000 Einwohner. Nicht ohne Bedeutung ist eS, daß, während die Zahl der ehelich Geborenen von 1326 im Jahre 1875 auf 1129 im Jahre 1884 gefallen ist, da» Budget der unehelich Geborenen zwar auch verkürzt worden ist, aber dock nicht in solchem Maße: wir haben nämlich im Jahre 1875: 147, im Jahre 1884: 126 uneheliche Geburten. Da» beweist, daß ein großer Theil deS Proletariats nicht im Stande ist, auch unter günstigeren Arbeitsbedingungen, fich zu ver» heira'hen, daß von der industriellen Reservearmee, von der überschüssigen Arbeiterbevölkerung uneheliche Kinder, diese Märtyrer de» Tode», erzeugt«erden, ganz abgesehen übrig« S von den Opfern der Verführung feudaler Don Juans und anderer dunkler Ehrenmänner. DaS find traurige Zustände, da» find trüb« AuSfichten für die Zukunft.— Auch die Durchschnittspreis« der gewöhnlichen Ver« kaufSgegen stände belehren un» über den Sachverhalt in recht anschaulicher Weise. WaS zunächst die Mehlftüchte betrifft, so �ersteht man daraus, daß zwar durchschnittlich die EngroSpreise gesunken, die Endetailpreise dagegen emporgeschnellt find. Da nun die Artikel deS MaffenkonsumS von den breiten Schichten deS werkthätigen Volkes nur in steinen homöopathischen Dosen vom Krämer, steinen Kauf- mann u. f. w. gekauft werden müffen, so fällt mtt ihrer ganzen Schwere die Wucht der indiretten Besteuerung auf die breiten, müden Schultern deS geduldigen Arbeiters. DaS mögen die Prediger der Schutz, öllnerei fich gefälligst hinter die langen Obren schreiben. Es kostete ,. B. Weizen pro 100 Kilogramm 1881: 24,61, 1883; 21,09, 1885: 18,96 Mark' Korn pro 100 Kilogramm 1881; 21,47, 1883: 15,56, 1885: 16,00 Mark. Es ist also ein Rückgang der Evgroipreise festgestellt; übrigens zeigt fich die Wirkung de»«höhten KornzolleS doch deutlich genug an der Zunahme 1885 gegen 1883. Wenn aber die Tarifschwärmer sagen sollten:„Seht, welch' niedrige Korn» preise wir gegen ftühne Jahre haben, die Getteidezölle haben die von den Gegnern der Getteidezölle vorausgesagte Wirkung nicht gehabt!" so find daS Klausen, die dei denkenden Menschen nicht verfangen. Thatsächlrch haben die Zölle den Preis gesteigert; der Preis hängt ab von den ProdutttonSkosten, dem Wettbewerb deS Auslandes u. f. w. Ist auch der KornpreiS ein relativ niedriger, so ist er doch mindestens erhöht um den Betrag deS Zoll». Dies zeigt stch bei der bereit« angeführten EngroSpreiSsteigerung deS Getreide- koursei von 15,56 auf 16 M, ganz eklatant aber tritt diese Thatsache bei den Detailpreisen in dt« Erscheinung. In Darm» stadt kostete da» Roggenmehl pro Kilogramm ,. B. im Jahre 1881; 17, im Jahre 1885; 0,18 Pfennige.— Auch die Fletschpreis« zeigen im Kleinvnkauf eine steigende Tendenz. DaS heißt, da die Lohnverhältntffe der arbeitenden Klasse fich von Jahr zu Jabr verschlechtern, verringert fich in demselben Ver- hättniß die Möglichkeit, daß der Abeiter die für ihn, den hart Angestrengten, so«öthige kräftige Fleischkost in seinem Hau». haltSbudget haben kann. Er wird immer mehr auf die ent» kräftend« Ernährungsweise: Kartoffeln und immer wieder Kar» toffeln! oder doch mindesten» auf halbe Kost herabgesetzt. ES kostete in Darmstadt da» Pfund Ochsenflcich im Jahre 1881: 65, 1882: 69, 1883; 74 Pfennige; da» Pfund Kalbfleisch kostete 1881: 35, 1884: 66 Pfennige! Nur das minderwerlhtge Schweinefleisch zeigt«inen Preisrückgang; überall da, wo an Stelle de» Rind- und Kalbfleisches daS in der Phyfiologie der Nahrungsmittel bedeutend tiefer rangirende Schweinefleisch ttitt, kann man gettost eine Verschlechterung des nationalen »taväarä of llfe, der wirthschaftlichen Lebenshaltung deS Volk» annehme. Schweinefleisch kosten pro V> Kilogramm 1881: 66, 1884: 61 Pfennige. Die beste Auskunft über diesen allgemeinen Rückgang der Ernährungs-, also der LebenSoer» hältniffe giebt der städtische Oktroi mit seinem Nachweis über den Verbrauch von Fleisch u. s. w. Da finden wir in dem Abschnitt über Schlachtvieh, zerlegte» Fleisch u. s. w., daß einer VerkaufSsteuer unterzogen wurden: Im EtatSjabr 1383/84: 1884/85: Stück Stück Ochsen..... 2282 2353 Kühe und Rinder. 1356 1045 Kälber..... 7703 7391 Schafe und Hammel 2708 2631 Schwein«.... 14530 15186 Ditfe Zahlen sprechen für fich selbst, bilden fie doch die beste Erläuterung zu unseren NuSführungen. Sie sehen also, auch im Staate Hessen ist mancherlei faul. Da» ist so der Gang der kapttalisttschen Entwickelung. Streik. In dem bei Dresden gelegenen Städtchen Rade» berg ist ein D rech» lerstretk au»gedrocher. Die Gesellen verlangten eine 25prozentige Lohnerhöhung und al» ihnen diese nicht gewährt wurde, legten st« sämmtlick die Arbeit nieder. Der Streik der Sunderlander Maurer ist nach nur dreitägiger Dauer zu Gunsten der Streikenden beigelegt worden. Die Meister«klärten fich damit einverstanden, daß die Lohn- reduktion von Vi Pennt) per Stunde zurückgenommen und der Bettag von 8 Pence per Stunde(65 Pfennig) beibehalten werde. Ein Theil der Maurer hat die Arbeit wieder aufge- nommen, gegen 100 Mann dagegen hatten in einer Kohlen- mine bereit» wieder Beschäftigung gefunden. Aufrut an die Eteinträger Berlins und Umgegend! Kameraden! Am Sonntag, den 2. Mai, ist in der Verfamm» lung eine Kommisston gewählt worden, welche sofort in Kennt- niß zu setzen ist, od die Meister den Tarif zahlen od« nicht. ES tritt nun an jeden Kameraden die Pflicht heran, diesem Beschlüsse auch Folge zu leisten, damit wir in die Lage kom- men, in nächst« Zeit un» fchlüsstg zu w«den, wie wir den Meistern gegenüderzutteten haben, welch« den Tarif nicht an- erkennen. Deshalb wnden am Dienstag und Freitag nächst« Woche Versammlungen einberufen, um ein Resultat in dies« Beziehung zu erzielen. Die Lokale wetden durch va»„Berlin« VolkSblatt" bekannt gemacht. Kameraden! Verkennt die Wichtigkeit dieses Beschlüsse« nickt. Se d überzeugt, daß mtt dies« Einführung d« richtige Weg eingeschlagen ist, um ein« planlosen Arbeitseinstellung vorzubeugen. Ader an Euch liegt e» nun, zu beweisen, daß Ihr diese Wichtigkeit auch voll und ganz begriffen habt, daß Ihr nicht bloß in den Vnsamm- lungen durch Worte und Handerheden für Anttäg« bereit seid, einzutreten für die gerechten Ford«ungen uns«ererseit», son- dem den Worten auch die That folgen labt und so schnell alS möglich Angaben über Bezahlung oder Nichtbezahlung beim Restaurateur Huth, Lindenstr. 64 macht. Dort liegt ein Buch auf, worin Jeder den Namen de» Meisters, den Ort deS de« tressmden BaueS, und feine Buchnummer einzutragen hat. Schriftliche Anaaden find an oben angeführte Adresse mitd-m Hinzufügen:„Zu Händen Wallenthin" zu richten. Also noch- mal», Kameraden, erfüllt Eure Pflicht, wie Ihr eS vttsprochen. und wenn Ihr dieses thut, wird auch der Sieg uns« sein. Die Kommisfion. I. A.: Carl Wallmthin, Liebenwald«- straße 51._ Vereine und Versammlungen. Der UnurstützungS»Verein deutscher Schuhmacher (Filiole Berlin) hielt am 3. Mai, Abend», in Mündt'» Lokal. Köpnicknstr. 100, eine Versammlung ab. Herr Bagtniky referirte üb« daS Thema:„DaS Handwerk, feine Vttgangen- heit und Zukunft." Referent schilderte die Vergangenheit deS Handwerk« in eingehender Weise. DaS Sprichwort:„Hand- werk bat einen golvenen Boden", meinte er, sei in jener Zeit eine Wahrheit gewesen. Die damalig«! Zunftmeister regulirten die Pioduftion je nach Bedarf und falls eine Blanche der anderen konkurrirend„hineinpfuschte", nahm die Behörde schützend Partei für die geschädigte Branche. Unter j diesen VerhäUniffen konnten die damaligen Handwerker eine auSkömm- I che Existenz fristen. Als später durch die modeme Kultur- entwickelung neu« Absatzgebiete für die Arbeitsprodukte ge» schaffen wurden, strebten die Kapitalisten danach, unbeschränft in großen Massen pioduziren zu können. Die Ge- werbefreihett wurde eingeführt. Die handwerksmäßige Produktion wurde durch die Großptodultton übeiflügelt. Im Schuhmachergnverbe habe die Gtvßproduttion noch keine so große Ausdehnung gefunden, wie in vielen and«en Branchen. ES sei Pflicht der BerufSgmossen, durch eine straffe Organi sation für ihre Jntereffm«inzutreten, jed« Kolleg« sei ver» pfltchttt, fich dieser Organisation anzuschließen. In der DiS- kusfion sprachen die Herren Papke, Kördel und Klinger im Sinne deS Referenten. Hinauf wurde beschloffen, am zweiten Pfingstfetertage, Morgen» 7 Uhr, eine Herren-Fußpartie nach dem Grunewald zu veranstalten. Fem« berichtete der Vor- fitzende üb« die Streik» in Altona und Frankfurt a. O. Bei letzterem sei der Sieg d« Arbeit« gewiß. Nach Erledigung de» FragekastenS wurde bekannt gemacht, daß die nächste Ver« sammlung am 17. Mai in demselben Lokale staUfi'-dct. * Freireligiöse Gemeinde. In der freireligiösen Ge- meinde findet Montag, den 10. Mai, AdendS pünktlich 8Vi Uhr, Niederwall straße 20, eine beschließende Versammlung statt, in welcher der Antrag der Anhänger des nicht wieon gewählten ftühnen Vorsttzmden(d« sogenannten Protest- partei) zur Abstimmung kommt. Dieser Antrag bezweckt: Nahezu das ganze Vermögen der Gemeinde zu einem Pen- stonsfonds für den Sprech« zu bestimmen; und um dem Werke die Krone aufzusetzen, soll die Gemeinde auf jede» Eigmthumtrecht an diesem Geld« verzichtm und für alle Zu« fünft auch nicht da» geringste Mitbestimmungsrecht üb« die Verwendung der Zinsen u. s. w. haben. ES ist deshalb die Pflicht jedes Mitglied«», in dies« Versammlung recht, ettig z» «scheinm, und durch Avgade seiner Stimme diese drohen« Befahr von der Gemeinde anzuwenden. * Zentralttank-«» und vegräbnitzkasse der Buchs binder. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Va» Kaff-nlokal von der Alten Jakodstr. 120 noch der Stallschieide rftt. 26 bei Berg« verlegt worden ist. Di« Zahlstellen befinden fich! 1. Naunynstr. 6C bei Schneider. 2 Am Oranienplatz bei Sptt- ling. 3. Holzmarktstr. 44a bei Wesenak. 4. Weinmeister und Rosenthaletstraßenecke bei Schröder. 5. Blumenfir. 29 bei Schneid«. Am 15. Mai findet in Feuerstein» Salon, Alte Jakodstr. 75, ein Tanzkränzchen zum Besten der ausgesteuerte» Mitglied« statt. Btllets a 25 Pf. find bei sämmtlichen Bo» standSmitgliedern zu haben. Heute, Sonnabend, Abend» 8 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 20(oberer Saal), außerordentliche Hauptversammlung. Tagesordnung! Wahl d« D-legirttn zur Generaloersammlung. Ohne zetguna de» OuittungSbuche» bat niemand Zutritt. * Generalversammlung der Metallschranben», Faeobs dreher und BeruiSgenoffen Berlin» am Sonntag, den 9. IM Vormtttag» 10 Uhr, Alexanderstraße 31 in Weick'S Lokal Tagesordnung: 1. Abrechnung üb« die im Laufe de« vorige» Monats eingegangenen Gtrerk-Listen 2. Inn«« Angelegt»' Helten. ES ist Pflicht sämmtllch« Kollegen, in d« Versam» lung zu erscheinen. Neue Mitglieder für den V«etn w«de» in dies« Versammlung aufgenommen., * Fachverein der Rohrleger. Sonntag, den 9. 5» Vormtttag» 10 Uhr, im Lokale deS Herrn Rieft, Komma» dantenstraße 71—72, Versammlung. Tagesordnung: Vortrat deS Herrn O. Ballmüll«. Vierteljährlich« Rechenschaitsberi» Verschiedenes und Fragekasten. Aufrahme neu« Mitglieds Gäste haben Zutritt.— BilletS zum Stiftungsfeste, welches» demselben Lokale stattfindet, find in der Versammlung» haben. * Fachverein der Former und verwandten Beruir genoffen. Sonntag, den 9. 0. MtS, Vormittag« 10 Uhr,» den Landsberger Bierhallen, LandSb«gerstraße 82, Generv Versammlung. Tagesordnung: Vorstanoswabl, Kaffenberm» Vorttag, Diskussion, Fragekasten. Neue Mitglieder weroo vorher aufgenommen. * Versammlung der Tischlergesellea Berlin» Sonnt« den 9. Mai, Vo> mittags 10 Uhr, dei KellerS, AndreaSstr.? Tagesordnung: Die Unterschlagung d« drei Kasfir« Kg* Richter, Greiner. Der Vo stand der OrtSktankenkaffe ifi» dieser Versammlung eingeladen.... * Verein zur Wahrung der Interesse« der Klavu» arbeite» Sonnabend, den 8 Mai, in G-atweil'S Bteibau� Kommandantenstr. 77/79(unter« Saal) Mitglieder-Versal»? lung. Tagesordnung: 1. Vorttag. 2. Wahl eine» Ersatzmann� 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste, welche gewillt find, Verein beizutreten, find willkommen.. * Tischler- Verein. Außerordentliche Gmecaloerf»» lung am Lonnadend, den 8 d. M.. Abends 8'/* Ml*. Konznlhause„Sanssouci". Kottbuserstr. 4a. TogesmvnM, Bnathung und Beschlußfassung üb« daS diesjährige 6oi»#* vergnügen.,* * Freie Vereinigung der Graveure, Ziseleure u-jL. Montag, den 10. Mai, Abends 8Vi Uhr, Annenftr. 16, lammlung. Tagesordnung: 1 GeschättlicheS. Aufnahme»:� Mitglieder. 2. Vortrag deS Herrn Rechtsanwalt FraM» üb« Gewnbestrettigkeiten. 3. Verschiedene» und Unterstütz�''' ftagen.— Gäste willkommen._...j * Fachverein der Metallarbeiter in GaS-, Wass�M Dampf. Armaturen. Sonnabend, den 8. Mai, AdendS S'/'C, Mitgliederversammluna in den Gratweil'schev Bierhalle», mandantenstraße 77-79. Tagesordnung: 1. Vortrag Neudeck über„die Dampfmaschine". 2. VierteljahrSotr?*$• 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Die Zahl- rgLi.ß' nahmestellen befinden ssch bei den Mitgliedern Rltter, 7»; straße 117; Krause, SolmSstr. 49; Arndt, Zehdenickerfi�. z; Wreden, Weißenburgnstr. 69, und E. Müller. LandS«� der Arbeitsnachweis bei W. Egg«t, Schlegelftt. Nr. gr» Große Generalversammlung der Zimmerle»'» lin» und Umgegend Sonntag, dm 9. Mai, in 11k. 1.>>., HO �..,1019»»,/ 10 Uhr, in der" Tonhallt, Friedrichstr. 112 Taat�/-.«»ili ■......-'" endailttge 2. pro 1. 1. Resultat der Fragebogen und uns«« Forderung in diesem Jahre. ralfond» d« Berliner Zimmerleute 3. Verschiedenes. * Große öffentliche Generalversammlung dtf»JW Berlin« und Umurgrnd Sonntag, den 9. Mai. Vows�. 10 Uhr, im großen Saale d« Brauerei Tivoli. Tageso-. 1. Die Fortsetzung der Streikbewegung. 2. Vnsckiedr»� Theater. Sonnabend, den 8. Mai. OBernhau». Carmen. »senusdielhau«. Romeo und Julia. Kentfche« Theater. D« Widnspmstigm Zähmung. M»auer-Theater. Almenrausch und Edel- »fttdem»- Theater. Familie Hömer. Hinauf: mtt Gesang und Tan, in einem Vorsrielt und 8 Akten von Jakobson und Witten. E-Mral-Theater. Der StadS- Trompet« «-ttoria-TH Amor. Tanz Poem von Da» lachende ______.heater. Lutgi Manzotti. Lontsenftädlische« Theater. Deutschland. C»e»d» Theater. Di« Loreley. Kaufmann'« Variete. Große Spezialttatm- Vorstellung.____ Reise durch da« Riesengedtrge. ygy Knfferordentl.«5 enrrai-Uer sammlung iL Zentral-Krankm- u. Ztecbekasse cker NarfiMer DeuifAtands„Sinigfaii" (Eingeschr. Hilftkaffe Nr. 69, Sitz Berlin). am Sonntag, den 23. Mai, Vormittags 9 Uhr, im Lokal« de» Hnrn Kahm, Annenstraße 16, in Berlin. Tagei-Ordnung: 1. Berichterstattung. 2. Abänderung der§§ 3, 4, 8, 9, 17, 21, 28. 31, 32, 36, 38 und 40 drS Statut». 3. ErgänzungSwahl dt» Vorstände» sowie der Ersatzmänn«. 4. Veischiedenei in KassivangelegenheUen. Berlin, den 7. Mai 1886 Der Zentral-Vorstand. 1591_ I. A.;«.»ah. «rohe Grnrralv-rsammlnng sammtl. Stellmacher Lerlius und Umgegend am Sonntag, den 9. Mai, Vormittag» 10 Uhr, im Zonifenst Konterthan», Alte Jakobstr. 37. Tagesordnung: 1. Die AuSfichten unserer Streiks. 2. Festsetzung der Unterstützungen. 1587_ Die Lohnkommisston. MT Achinnc. IM» 1590 Konntag. den 9. Mai, Abends 6 Uhr, geselliger Abend d« Kattter und BnufSge- noffen mtt Familie in den Sratweit'scken vier» balle«, Kommandantenstr. 77/79— Konzert, Wirth». Uorträge»c. Eintritt frei. I.A.:! Wel, Sxiegkl u. Dnlslmmra eigene» Fabrik voni Acr. 1, welcher von der»uihebung der wiffenschaft« Nrn SiaoiSvrüfung(Kullmexamen) handelt, erklä'.t Abg. !�neift: Meine politisch Freunde und ich haben die weient- «chften Bedenken gegen die Vorlage bereit» motiv rt. Man dal unz aufgefordert, destimmt zu erklären, welche Art von Klgrständnrffen wir für zuläsftg halten und welche nicht. Mr find gern bereit, diesem«nfinnen nachzukommen und bei j'dem etnzelren Artikel zu eiklären, ob wir für ihn stimmen w.nen oder nicht. Für Artikel 1 fö nen wir stimmen. Nie- hielten wir das Kulturrxamen für den ausschlirßlichen ober orn d stm Weg, nm da» wahrzunehmen, wa» der Staat vearspinchen kann. Von Hause aus waren wir zum �deil der Meinung, daß da» Staatskommiffariat, wie e» früher bestand und in anderen deutschen Län« noch besteht, der Anforderung des Staate» voll- »ommen und in einer Weise genügt, welche die katholrsche wie -"f kvanorltsche Ki.che weniger unangenehm berührt, al» ein toichkS Examen, bei dem vielleicht die Unter richlsabtbeilung des Aiinrstenums etwas zu stark influtrt Hai auf die Methode des Nttusmin! sterium S, für daS dieie Dinge nicht in gleicher Vossen. Ich kann daher erklären, daß meine Freunde .nNtmmtg sür diesen Artikel stimmen werden in dem Sinne, ihn annehmen würden in der Umgebung eine»»usam knhangenden Gesetz-», welche» im Urbetgen die Rechte de» lsbewl�)** t''m Ponkte wahrt.(Beifau bei den National- nnni?�'.� wird gegen die Stimmen einiger wenigen Nalio- angenommen. wissenschaftlichen Vor biln. � handelt von der....... d« 5Ä.6 der Gerstlichen, speziell von der Wiedereröff- ung Ueb,» 5- en Seminarten, welche Kit 1873 bestanden haben. Gn-fl. Wiedereröffnung der Seminarien für die Erzdiözesen litbf m u � Posen und für die Diözese Kulm soll durch köntg- n�irordnung Bestimmung getroffen werden. d JazdzewSki und Gen. beantragen, den letzten *. W streichen. in h"• 0- StablewSki: Der Zusatz zu dem Art. 2 war tot*? ursprünglichen Vorlagt nicht enthalten. Wem haben bat"gütlich diesen Schlag zu verdanken? Welch.» Grund p/.wun, den Oberhirten von Posen und Kulm die Leitung der .»''»ung ihrer Geistlichkeit zu erschweren? Wird diese Aui- «mgeiührt, so muß in diesen Diözisen ein Priester- in£itLunD tint ikligiöse Verwahrlosung eintreten, wie fie bi». bin �'kommen. Gebe man fich doch nicht der Illusion Raiion Ü.??. � Theologen auf deutschen Unroerfitäten ihrer dielen tSu?* werden. Da» Volt wird wohl wiffen, wem e» gegen den Zndanken hat. Oder sollt« man Mißtrauen Nische Bor» i. c? Erzbischof von Posen haben, zu dem da» pol- diese Ausnnt. steht? Wenn man glaubt, vielleicht durch Volke» i,.m k», 1,08 lest« Band der Liebe de» ganzen polnischen vewaltia Stuhle lockern ,u können, so irrt man fich wir neun 4;!. 1 Jm Zentrum) In schweren Kämpfen haben Wir werden' lang diese Liebe und Treue bewahrt. Pater bT i'tzt unverbrüchlich dewahren. Der Söhne mit lalhollschen Christenheit umfaßt alle seine »>»-»-»»»-< unlere Anträge wohl vergeblich anstreben Polen.) wir heute durch (Beifall bei den 'kkUnde k.Üh.: 3m Namen metner sämmtllchen tu wi-d-,�? � uuch bei dieser zweiten Berathung genau da» ftn,- h0'"1- was ich bei der ersten Berathung erklärt habe. «Nein« �'ssukNj dieser Erklärung sage ich ebenfalls im Namen ���iTKunde, daß wir zu unserem Bedauern e» geschehen Auwsrkuiitii. Skizze von Georg Grad. (Schluß.) ist schnell erzählt. Die zur Hochzeit ge. ltätnJ:' Sängen« fährt ,« Nachspiel von ,deu soeben ge« G&T," Szene» auf» Heftigste erschüttert, au» ihrem leichte» der auf. Z» demselben Augenblick»ritt ihr Bräutigam, stieo,.k �(in, um sie zum Traualtar zu führe». Z» lacher.k H°st erzählt sie ihm den Traum. Er sinkt ihr SJL®jn Füße» und schwört ihr ewige Treue. Daß er füds.j.�wur getreulich gehalten, zeigt die Apotheose, die Cblick? später spielt. Umgeben von Glanz und Pracht (inem.*2"' umringt von Kiatera und Eakelkrader», auf heu,,'('chgeschmückten Thron da» glückliche Ehepaar, da» f&llt goldene Hochzeit feiert. Mit einem Zubelakkord ku»,. E-"lufik dann ein, und auch da» enthusiaimirte Publi« i«der mir* � Entzücke». Wie sollte e» auch nicht, da einer der m-n��uckerichiung Rechnung getragen worden ist. Von "(tfetten'um D-ama finden Sie jede» Bühneogenr« veschg,. Die berufsmäßige Kritik würde vielleicht den Kopf M«» W«, allein, um so größer wäre der Erfolg ge« «önh' �«lenige Theaterdirektor hätte sich Glück wün'che« ** den Much gehabt hätte, mem Stück zur Auf- » zu bringen." nicht da» Glück habe«, Ihr herrliche«, s'agte?ch �ie« Werk auf der Bühne dargestellt zu sehen?" � Ö&»n» mOetr?l0t da» Unglück auf Schritt und Tritt. licht«.-?? k«i»e, Erfolg. Hören Sie meine Leiden«. Äat�MgniR, k',nte blutige Thräne« weinen, wma ich an de« litz'e» Tage zurückdenke, die mich von der sm'z'en. n>'ii4» ,» den Abgrund de« tiefsten Kummer« -"£m ich mein umfangreiche» dramatische» MT« ..»Woem ich mein umfangreiche» ch«ovatelanger Arbeit in unzähligen endlich glücklich vollendet, jubelte«ei durchwachten «ei« Herz. Da laffen müssen, wenn die Anträge der polnischen Fraktion nicht zur Annahme gelangen. Wir hallen diese Anträge für voll- kommen degründet und theilen die Ausführungen de» Vor« redner», soweit fie sachlicher Natur waren und fich nicht auf die polnischen Verhältnisse bezegen. Wir würden auch für die Anträge stimmen, wenn fie irgend welche Ausficht auf An nähme im Hause und bei der Regierung hätten. Nach den Verhandlungen im Herrenhause und neben demselben müffen wir leider überzeugt sein, daß diese Annahme zur Zeit nicht zu erwarten ist. Eine Abstimmung für die Anträge unsererseits würde also eigentlich nicht» sein, al» eine Demonstration, deren Fruchtloägkett wir von vornherein einsehen. Wir haben aber andererseits doch die feste Zuverficht und Hoff- nung. daß es der in allen diesen Verhandlungen von Neuem bewährten Weisheit des heiligen Stuhle» gelingen wird, in nicht zu ferner Zeit nach Beietzung beider Stüble in Posen und Pelpltn bei Er. Majestät dem Kaiser und König den Er. laß der vorbehaltenen Beiordnung zu erwirken. Se. Majestät umfaßt alle seine Urterthanen mit gleicher Liebe und mit gleicher Gerechtigkeit, und der beilige Vater wird nicht um- sonst auch für diesen Therl der Uuterthrnen an da» Herz Er. Majestät appellrren. In diesem Sinne votiren wir einfach und schlicht sür die Beschlüsse de» Herrenhauses. Wir werden keine Amendement» stellen, auch für kein» stimmen und unö an der Ditkusston nicht weiter betheiligen. Den Herren aus Polen aber rufe ich zu, daß das, wa» ich gesagt habe, Hassent- lich zu ihrer B-rubiaung bettragen wird; wir danken ihnen für die treue Waffenbrüderschaft, welche fie un» in diesem langen Kampfe gewährt haben. Man wird hoffentlich bald einsehen, daß von den Bestrebungen des Friede» ein Theil der Bevölkerung dauernd nicht ausgeschlossen werden kann.(Bei- fall im Zentrum) Kultukminifter v. Goß»er: Ich bestätig« dem Abg. Windthorst, daß, wenn der Antrag Jazdzewskt Annahme findet, das Zustandekommen de» Gesetzes auf» Aeußeiste gelädrdei wird. Der Abg. von StablewSki hat fich darüber verbreitet, daß der Zusatz zum Art. 2 in der R-gierungsvorlage nicht enthalten gewesen ist, und fragt, wem wohl das polnische Volk diesen Schlag zu verdanken habe. Der Art. 2 hat in keinerlei Gestalt in der Vorlage gestanden, wo überhaupt von den so- genannten Klettkalseminaren nicht die Rede war. Buch wenn die Vorlage des Herrenhaus«» Gesetz wird, kommen die Bischöfe von Posen und Kulm in dieselbe Lage, wie ein Theil ihrer preußischen AmtSbrüder, z. B. der Erzbischof von Köln, der auch nicht in der Lage ist, in seiner Diözese ein wissen- schaftliche» Seminar zu eröffnen. Wenn aber Herr v. StablewSki fragt, wem da« polnische Volk diese Ausnahmebestimmung zu verdanken habe, so antworte ich: wesentlich ibm und seinen politischen Freunden. Die Regierung hat die Uederzeugung, daß die exk.ufive Haltung der polnischen Geistlichen im W'sent- lichm mit versankt wird der exllufiven Erziehung, die fie in ihren Anstalten genossen haben. Ich könnte Ihnen auSsühr- lich nachweisen, wie allmälig die Tendenz dahin geführt hat, das xolonifirende Element in diesen Anstalten zur Herrschaft gelangen zu laffen. Ein Mißlriuen gegen den neuen, vom Papst auSgewäblten Erzbischof von Posen besteht unserersett» gewrß nicht, wohl aber gegen diejenigen, welche er demnächst unter seine Leitung nehmen wird. Wenn der Vorredner die unbedingte Anhäng ichkett seiner Landtleute zu dem neuen Eczbischhof erklärt hat, so ist die» für un» sehr wetthvoll. W-nn diese G-finnung d-utlich zur Erkenntniß kommt, dann wird fich von selbst die Frage beantworten, wann und wie die löniglrche Verordnung zu erlassen ist. Die Zusage, welche Sie von mir ermatten, können Sie fich im Wesemltchen selbst er- theilen, wenn diejenigen Hoffnungen und Erwartungen fich er füllen, welche die Regierung von dem neuen Erzbrschbos hat, der fich als ein ausgezeichneter Katholik, aber auch al» zuoer- lässtger Preuße bewiesen hat. Ettüllt fich diese Hoffnung, so wird jener Zeitpunkt sehr nahe sein, und dazu beizutragen bin ich durchaus in der Lage.(Beifall rechts.) Abg.v.Zedlitz: Ich habe im Namen meiner Freunde zu erklären, daß, wenn wir bei der gegenwärtigen Verhandlung gegen den einen oder den anderen Artikel stimmen, darau» nicht der Schluß gezogen w»rden darf, daß wir diese selben Bestimmungen nicht annehmen würden, wenn fie nicht lag e» vor mir, da« Manuskript, auf da« ich weine ganze Hoffnung gesetzt hatte. Wem sollte ich e» zur Aufführung anvettrauen? Selbstredend konnte nur eine erste Bühne für mich in Betracht kommen, eine solche nur war würdig, die Wiege meine« Ruhme» zu sein. Ich entschied mich für da» Hoftheaier. Eine» Tage» bürsttte ich sorgfältiger al» je meine» schwarzen Rock und begab mich auf den Weg dorth«. Mein Manuskript hatte ich feinsorglich in ei» umfang« reiche», eigen» dafür angefertigt-« Futteral gesteckt, um ja nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, daß durch meine oder fremde Schuld ein» der kostbaren Blätter meine» Werke» verloren gehen könnte. Fröhlich schlenderte ich, da» enve« loppirte Buch im Arm haltend, dahm durch die breite« Straßen mit dem rastlo» wogenden Verkehr. Ich fühlte mich so glücklich, so froh, daß ich die ganze Welt hätte umarmen möge». Sicher gab e» in diesem Augenblrck keinen glücklichere» Mensche» unter der Sonne al» mich. Im Geiste durchlebte ich schon die qualvolle und doch so deseeligende Aufregung einer Premisre. Ich sah vor mir da» dichtbesetzte Parquet, die Loge« mit ihre« schönen In« sasfinne» in prächtige« Toiletten, die Ränge bi» zum Olpmp hinauf, die eine dichtgedrängte erwariungioolle Menge be» setzt hielt. E» herrschte jene lebhafte Unruhe in dem glänzend erleuchtete« Hause, wie sie der Aufführung einer mit Spannung erwartete« Premiere voraufgeht. Man studitte den Theaterzettel..Wer ist Stöpsel?" fragte man sich. Ja, warttt nur, noch kennt ihr ihn nicht, aber in eiser Viertelstunde werdet ihr ihn kennen und schätze« lernen, dachte ich bei mir. Von meinem bescheidenen Platze au» bemerkte ich die schatte» K.itiker, wie sie ihre Augengläser für die bevorstehende Schlacht pntz-en. Wartet nur. rief ich ihnen im Geiste zu, morgen werdet ihr sein Lob in alle« Tonarten verkünde«, von morgen ab wird e» einen berühmten Dicht-r mehr geben auf dem Parnaß. Shakespeare, Goethe, Schiller und Lessing werde» mtt Stolz, auf den neuen Ankömmling blicken und sich beeilen, ihren Epigone» Stöplel in ihre Arme zu schließe». Immer weiter fühtte mich meine arge Phantasie, die Musik hatte die Ouvertüre beendet. Im Geiste hötte ich da« Klingelzeichen, die Gardme hob sich, und einer Fee gleich in dieser Vorlag«, sondern im Rahmen eines abschließenden Ges-tzentwuafs uns zur Annahme vorgelegt würden. Abg. v. I a z d z e w S k t: ES ist objektiv unwahr, daß die Klerikalseminare meiner Heimaih darauf ausgegangen find, polonistrende Tendenzen zu verfolgen. Ich muß die» auf Grund meiner Erfahrung ouf du» Entschiedenste bestreiten. Mit der peinlichsten Genauigkeit ist daiür Sorge getragen worden, daß die polnischen Geistlichen da» Deutsche so weit beherrschen können, daß fie auch deutsche Gemeinden pastoriren können. Ich frage nun den Minister, wie soll hinfort der Kleru« ergänzt werden und woher sollen die Mittel zu diesem Zweck hergenommen werden? Minister v. Goßler: Darauf habe ich bereit» ge« antwottet. In Osnabrück ist weder ein Klettkalleminar, noch eine theologi'che Fakultät. Der Bischof von OSnnbiück ist aber nie in Verlegenbeit gewesen, seine Kleriker zu erziehen, er bat einfach ein Konrnkt errichtet an der Akademie zu Münster. W-nn ich mir einen Voischlag erlauben darf, wozu ich nicht verpflichtet bin, so könnte ich einfach dem Erzbischof von Posen Gnesen empfehlen, doch ein Konoilt in Breslau oder irgendwo zu erttchten. Wa» die Mittel anbetrifft, so wird fich eine andere G-legenheit finden, darüber das Wettere zu veranlassen, es wird fich darüber mit dem Bischof, nicht mtt den Abgeordneten verhandrln lassen. Wenn nun der Vorredner mir objettioe Un« Wahrheit vorwirft, so hätte er doch ttchtizer geth-rn, meine Aussüvrungen zu widerlegen. Soll ich Sie daran erinnern, in welchem Zustande fich der polnische Kleru» nach den B.freiungikriegen defand? Erst 1835 wurden Kle.ikal« seminare in Gmsen- Posen errichtet. Die Professoren wurden damals angestellt im Wesentlichen unmittelbar von der Re» gierung oder in vollem Einvernehmen mit derselben. Die Do« zrnten an denselben waren in den ersten zehn Jahren deutscher Abkunft; im Jahre 1842 erhob fich eine Agitati n auf Abänderung de» bisherigen StubienplanS. Der damalige Bichof Dunin ließ fich darauf nicht ein, aber sein Nachfolger Przyluslt vollzog eine Reorganiiation de» Seminars auf nationalpolmscher Grundlage. Die deutschen Proiifforen wurden entfernt; die AnsteUungspatente der Dozenten verändert und der Hinwei» auf die Treuehaltung gegen den König von Preußen aus dem« s-lben beseitigt. 1846 setzte es der Lizentiat Janiich wsli durch, daß die Korrespondenz mit den geistlichen Behörd-n in pol« ntscher Sprache abgefaßt wurde. Ich könnt« dies Matertal noch vermehren. Sie ersehen darau», daß die Verhältnisse nicht so einfach liegen, al» der Vonedner bekundete, der nur au» setner Zeit reseriren kann. Abg. G n e i st: Die Umgestaltung dieser Vorseminare parallel der Univerfität ist in der Regierung»- wie in der jetzigen HerrenhauSvorlage als gemeinsame Angelegenhett fest« gehalten, fast ederso wie inBay rn und den übrigen deutschen Staaten. Da» Interesse de» Staate» an diesen Einrichtungen ist dem der römischen Kirche gerade entgegengesetzt; da» können wir nicht ändern; auf Seiten der Kirche da« Bestreden nach möglichst fester Abschlicßung, auf Seiten de» Staate» da» Be- streben» wenigsten» in den Vorstadien, in dem Vorleben der Geistlichkeit in gewissem Sinne die Duldsamkeit zur Erfüllung der staat« bürgerlichen Pfl chten im Zusammenhang mit dem Familien- und Gemeiid-lcden zu erhalten. Da» ist nicht die Anficht einer Pattei, sondern daS war die Anficht der Staat»« regierung bei der Entstehung der Maigesetze, da» war die überwiegende Anficht der höheren Beamten, die in ihrer täg» lichen Praxi» diese KultuSangelegenhetten verwalteten. Sie sehen die Hauptwurzeln der allg-meinen, immer stchtbarer wer» denden Entfremdung in diesen Vorbildungsklassen. Nun find zwar in der HerrenhauSvorlage einige dieser Beschränkungen beibehalten, die von diesem ÄefichtSpunkte aus dem Staate vothwmdig find. Wir vermissen aber immer noch für den Staat wesentliche Dinge, von denen wir gern zugestehen, daß fie den Wünschen der Kirche widerstreben; wir können aber entgegengesetzte Zwecke nicht vereinbaren, sondern müssen dem Staat daß Seinige erhalten. Unser Bedenken gegen die Vor« läge in ihrer jetzigen Gestalt ist die ausschließliche und un« bedingte Kirchenleitung der Vorseminare die Ausschließung jeve» Einspiuchirechtes und jeder Betheiligung de» Staate» bei dem Personal. Während bei den Planstellen diese» Ein- spruchtrecht, diese Betheiligung noch stattfinden soll, sollen diese stand die Heldin meiner dichterrschen Phantasie i» ihrem Boudoir. Mit athemloser Spannung lauschte da» Publikum den Vorgängen auf der Bühne. Wie e» zitterte für die H-ldin, während de» Hinrich'ungSakteS fiele« zehn Dame« in Ohnmacht. Mit jeder Minute wuchs die Spannung. Da endlich nahte d»e Schlußszene. Nach der Apotheose brach da« Publikum in donnernde» Beifall au», der wie em Orkan durch da« Hau» brauste..Der Dichterl" ..Stöpsel I"„Der Autor!" rief stürmisch da» Publikum. Ich schwelgte in namenlosem Entzücken. Der so lang ersehnte Augenblick war da, e» gab einen berühmte« Dichter mehr und da» war ich, Caju» Stöpsel. Willenlos schl-ppre« mich Darsteller und Regisseur auf die Bühne. Von Neuem brach htttiger Beifallssturm lo». Da» war der Gipfelpunkt de« Glücke». Mein Herz drohte mir zu springen, mir ward schwarz vor de« Augen. Dankend ver« neigte ich mich nach allen Richtungen, da erfolgte — ein Aeprall. Hest'g war ich m meiner überströmende« Begeistern«« auf der Straße mit einem vierschrötigen Men» scheu aueinandergklaufen, der mich mit wüihevden Blicke» maß. Am Boden wälzte sich da» Futteral mit dem Manu» skript, da« für mich de» Werth einer Million besaß. „Zum Teufel mit Ihne», könne« Sie denn nicht sehen," ttef ich m-inem Gegner zu. Ohne ein Wort zu erwidern, ergriff mich der rohe Mensch am Kragen und schüttelte mich dermaßen, daß mir Hören und Sehen verging. „Laffen Sie mich lo»," rief ich auf» Höchste empött. „Ich will Sie lehren, anständige Leute anzu« rempeln," schtte er mich an, indem er mich von Neuem schüttelte. E» bildete sich bereit» ei» großer Krei» von Neugieri» gen nm u«», die un» mit schadenfrohen Witzen und Zu- rufe« regalirte». Ich war meiner Sinne nicht mehr mächtia, mit einem Ruck riß ich mich lo», hob da» umfangreiche Futteral, da» mein Manuskript barg, vom Bode» auf, holte au» und ver» setzte damit dem Vieischrötiaen einen so wuchtige» Schlag in» Gesicht, daß ihm da» Blut au» der Nase floß. Ich wollte entfliehen. In demselben Moment packte mich von neuem Jemand am Krage». Diejmal war e» ei» Wächter de» Gesetze». Hier für die viel wichtigtten. für die Sntwickelung der ß«' fommten Geistlichkeit viel entscheidenderen Anstalten wegfallen. ES soll dem Staat üdtthaupt kein besondtteS AufstchtScecht irgend ein« Art üb« diese Anstalten eingeräumt sein, die namentlich unt« der Leitung der geistlichm Orden und Kon- gregaiionen einen ihm unsympathischen, mit ihm unverträglichen Geist eniwlckeln können. D« vorletzte vollständig gefahte Satz dieses Artikels vermag daS nicht ,u nsetzen. DaS �stnd die Gründe, aus denen wir überwiegend die Ablehnung des Art. 2 für nothwendig hatten. Adg Graf Limburg-Stirum: Der Staat erbält hitt nur da», waS für ihn nölhig ist, und giebt preis, waS in den Maigesetzen für ihn unbrauchbar war. Wenn wir sehen, daß nur Einheimische, nur solche, die dem Sprengel angehören, für den das Seminar errichtet ist, aufgenommen werden dürfen in daS Seminar, daß fern« tur Anstellung an diesen Anstalten die wissen scdaftliche Befähigung, an einer deutschen Ttaatsunioerfität zu lehren, erforderlich ist, so ist dock genügende Garantie vor- Händen. Das Einspruchsrecht deS Staate? kann ich doch nach den gemachten Erfahrungen nicht für eine wesentliche Sache erachten, denn auf diese W ise kann d« Staat niemals auf den Geist der Anstalten einwirken. Wir haben«S doch«lebt, daß Jemand an eine Stelle gebracht ist auf Wunsch deS Staates, und daß« sich doch dort ganz andttS gezeigt hat, als man erwartet hatte,(v-itttkeit im Zentium und linkS.) Die bisherige gesetzliche Bestimmung liefert gar keine Gmantie, fie hat für den Staat keinen Nutzen, eS ist besser, fie durch die vorliegenden Bestimmungen zu ersetzen.(Beifall � atbg. v. JazdzewSki: Der Herr Minister bat mir übel Jienommen, daß ich ich ihm vorgeworfen, etwa? Unwahres ge. agt zu haben. Meine Bemttkung ging darauf hinaus, daß eS unwahr sei, wenn« behaupte, es sei die Einrichtung deSSe« minarS in Posen darauf hinausgegangen, zu polontstren. Ich behaupte noch setzt, daß dieS unwahr ist, denn der Herr Minist« hat einen Beweis für seine Behauptung nicht er- �°*E« Antrag der Polen wird gegen die Stimmen d« Polen und eine« Theils der Freifinnigen abgelehnt; für den Artikel 2 stimmen die Konservativen, das Z.ntrum und ein Neiner Thetl der Freifinntgen. Artikel 3 giebt den kirchlichen Oberen die Befugniß. Gymnafial« und Univerfitättkonvitte einzurichten, deren Letter dem Minister bekannt, deren Hausordnung eingereicht ��Sibg" G n«ist: Bei der Entstehung dieser Bestimmung wurde erwogen, daß wed« d« Staat ncch die Kirche etwa« dagegen haben könnten, mit Gymnasien und Univerfi äten Pen» fionate und Alumnate zu vttvtnden. ES wurde auch daran«- innert, daß wir evangelischerseitS Bnstatten in segensreichster Wirksamkeit errichtet haben und pfl'gen. Der Grund deS vc» denkenS richtete sich nur gegen solche Konvikte mit auischließ- licher Souvnänetät der Geistlichen, bcsonvers der Ordens geist Itchen, weil fie dazu dienen, die Kleriker schon von Kindesalter an aller Duldsamkeit zu entfremden. DaS ist der entscheidende Grund gewesen und derselbe dauert fort. Wir können dem Artikel in seiner jetzigen Gestalt nicht beistimmen, weil« jedes Einspruchsrecht und jede in dieser Richtung wirksame Einwirkung des Staats beseitigt. Ich bitte dabei zu erwägen, unsere evangeli» schen Alumnate find niemals auSichließltch bestimmt gewesen f wesen zur Erziehung von Geistlichen, sondern zur Erziehung r alle Berufe, während hier die ausschließliche Bestimmung r den zukünftigen Geistlichen und die ausschließliche Lettung deS Instituts der Anstatt einen anderen Cgaralter giebt. Der Artikel wird mtt dttselben Majorttät wie V« vorher- gehende angenommen.._ m. ,, Art. 4 giebt den kirchlichen Oberen die Befugniß, die Predig«- und Pciesterseminare wicd.r zu eröffnen. Adg. G n e t st: Wir werden für diesen Artikel stimmen (hört, hört!), wenigstens in überwiegend-r Mehrzahl dafür stimmen, weil wir diese Befugniß d« Kirche vindiziren alS ein ihr zukommendes Recht. Wir beanspruchen auch für die evangeli che Kirche die kirchliche Leitung der Seminare, die nicht das Vorleben d« Geistlichen, sondem die praktische AuS- bilvung d« bereits dem Beruf Gcwitmeten zum Gegenstand haben. Wir vnkennen nicht, daß bei dies« ausschließlich kirch- ltchen Lettung ein Geist anerzogen werden kann, der an sich dem Staate nicht wünschenSwerth ist. Aber von dem Zeit- puntt an, wo der Kleriker entschieden dem Berufe als Kleriker angehört, wollen auch wir die Kirche nicht beschränke«. Art. 4 wird fast einstimmig angenommen. Art. 5 hebt die besonderen Vorschriften wegen de» Staats« aufficht über die Klerikal- Seminare, die Konvikte und die Prediger. Seminare auf; ei bleibt nur die allgemeine Staats» aufficht bestehen. Adg Gneist: Wir müssen geg-n den Art. 5 stimmen, weil zwar die allgemeine Ausstwt aus Art. 23 der VerkassungS» „Zn« Gefängniß mit ihm," brüllte die ganze Gesell» schaft um mich h«,„er hat angefangen, wir können eS be« zeugen,« hat sich eine« Todtschlägers bedient." Man schleppte mich sammt dem Futteral zur Wache. Eine un» geheure Meuschenmeuge, die sich zusehend» vergrößerte, gab mir da« Ehrengeleit. „Ein Mord«, ein Todtschläger," schrie man sich ein« and« zu, auf mich deutend, d« ich am liebsten vor Scham m die Erde gesunken wäre. Ich, id« Mann mit dem Gemüth eines Lamme« ein Mörd«, ei« Todt» schläger! Auf der Wache wurden meine Pnsonalie« fest. 8«stellt und ich dann entlasse«. Mein Futtttal sammt dem arin enthaltene» Manuskript blieb al« corpus delicti auf d« Polizeiwache. Beinah« wäre ich von d« skunval- süchtigen, aufg«egt«n Menschenmenge, die vor d« Wache metne Rückkehr abgewartet hatte, noch obendrein gelyncht worden. Was soll ich Ihne» weit« sage»? Vierzehn Tage spät««hielt ich eine p«ichtlich« Vor« ladung zur Sirasver Handlung vor dem Schöffen gtticht. Auf Körpervttletzung mittels eine« gefährliche» Werk» zeugeS lautete die Anklage. Trotz meiner en«aische» Vtttheidigung wmde ich, unter »»«ahme mtlvttndtt Umstände, zu 20 Mark Geldstrafe vn» urtheilt und hatte außerdem da« zwerfelhaste V«gvüge«, die Koste» z» bezahlen. Zugleich wurde jedoch die Ei». ziehung dc, Futteral«, mit dem ich de» verhängnißoolle» Schlag geführt, sammt dem darin enthaltenen Maruskript ausgesprochen. Mein Manuskript, da» Werk unzählig« schlaflos« Nächte, das Kind mein« Muse, das bestimmt war, mich zum berühmten Dicht« zu machen, mir Ruhm und Ehre in Hülle und Fülle zu bringen, da» Werk, das bahn» brechend für eine neue Ltt.rawrp«iode werden sollte, be« schlagnahmt, dem Häscher v«falleo, um einst mit alten Akte« eingestampft zu werden— da« war zu viel, de« Schlag werde ich nie»«winden. Heimlich habe ich abgeschworen, je wied« da« dramatische Gebiet auch nur zu streifen. Ich vi» ei« unglücklich«. beoauernSwttth« Mensch! Wie gut für die Kunst dachte ich,„welch' ei» unersetzlicher Verlust für die Kunst," sagte ich und drückte ihm theilaehmend die Hand. urkund« für alle Uniertich'Sanstallen fortbesteht, die besonderen Rückstchten ad«, die der Staat zu nehmen hat, nach unserer Uedeczeugung in Artikel 2 und 8 nicht genügend gewährt find. Der Beschluß des Herrenhauses wird ohne weitere Debatte gegen die Stimmen der Nationalliberalen und eineS Tyeilei der Freifinntgen angerommen. Art. 6 hebt die Bestimmungen auf, wonach die DiSzipli» nargewalt nur durch deutsche kirchliche Oberen ausgeübt w«- den kann und schränkt den Begriff„Kirchendiener" auf solche Personen ein, welche die mit einem geistlichm oder juris- dtttionellm Amt v«bund«nen Rech e ausüben. Adg. Gneist: D« erste Absatz deS Artikels hat im Deutschen Reich und in dmtschm Staaten alS ein wesentliches Attribut deS heutigen Staats gegolten. Der heutige Staat würde seine obere Souvttänetät über seine Unterthanen, Klerik« und Laien beider Konfesfionm, nicht genügend wah-en können, wmn eine Juriedittion irgend einer Bit geü�t wird von ein« auswärtigen Macht, aut die ihm kein Ei, fluß zu- steht. Das war die A fickt des Deu schen RetchS, des preußi- schen Landrechis, daS ist der Grundsatz, den alle neueren Staaten aufrecht«halten, es ist d« Grundsatz, der nothwendig gewordm ist dadurch, daß der heutige Staat nicht mehr eine Kirche, sondem zwei Kirchen mit gleichen Rechten sich gegen- über stehen hat. Auf dieses Recht zu verzichten, halten wir nicht dloS für ein Verz cht auf ein Ehrentecht, sondern d« Verzicht hat Konsequenzen, die fich in diesem Augenblick noch gar nicht darstellen lassen. Der zweite Absatz ist untergeord- neter Natur. Wir würden gegen die Deklaration nicht haben, aber wir wünschen, daß den anderen Kirchen derjenige Rechtsschutz bleibt, den fie nach der KabinetSordre von 1882 haben. Art. 6 wird mit derselben Mehrheit, wie die früheren Ar- tikel, angenommen. Art. 7 fmd rt ein prozessuales Verfahren bei Disziplinar- maßregeln nur dann, wenn mit der Entfernung auS dem Amte Verlust oder Mu derung des AmtSeinkommenS verbunden ist. Abg. Gneist: Zu Art. 7 ist eine neuere Theotte zur Geltung gekommen, nach welcher die weltliche Gesetzgebung fich lediglich auf Vermögensinteressen beschiänken soll. Wir bleiben der Meinung, daß der Staat die Schutzvflicht hat auch üb« VermögenSnachthetle hinaus. Fem« weinen wir, daß der Staat überhaupt seinen Unterthanen Sckutz angedeihen lassen muß, daß fie nicht ohne Gehör zu empfindlichen Nach- theilen vcrurtheilt werden. Wir werden also gegen Artikel 7 stimmen. Auch Artikel 7 wird mit dttselben Mehrheit ange» n o m m e n. Art. 8 beschränkt die maigesetzlichen Vorschriften über die Demeritenanstalten darauf, daß die HauSocdnung dem Minister eingtteicht und daß von jeder länger als 14 Tage dauernden Verweisung an eine solche Anstalt dem Obnprästdmten Anzeige gemacht werden muß. Abg. Gneist: ES war bei E'laß der Maigesetze durch- auS nicht die Abstcht gewesen, die Disziplinargewalt der Bi scköfe abzuschwächen, und wir würden auch heute die Hand dazu bieten, die DiSzipltnargewatt zu erwcitem. Wenn Sie aber daS Maigesetz so stehen lassen, wie eS jetzt ist, und mit diesen vereinzelten Sätzen eingreifen, so entsteht ein Gewirr« von Widttsprüchm und Klippen, in denen diese Anwendung durchaus zweifelhaft wird, und eS entsteht dann eine Möglich- kett von Kompetenzüberschreitunaen der geistlichm Gewall, die fich gar nicht übersehen läßt. Wir halten Art. 3 in dieser Ge- statt für unreif und stimmen dagegen. Auch Artikel 8 wird angenommen gegen die Stimmen der Nationalliberalen und einiger Freifinntgen. Art. 9 hebt den Gerichtshof für kirchliche Angelegen- heitm auf. Abgeordnet« Gneist: Wir können d« Bestimmung, dm kirchlichen Gerichtshof aufzuheben, nicht einfach bei stimmen, ohne einm Beschluß darüber, was an seine Stelle treten soll. Art. 9 gelangt mit dttselben Mehrheit wie der vorh«» gehmde Artikel zur Annahme. Artikel 10 beseitigt den Abschnitt II deS Gesetzes vom 12. Mai 1373, welcher von der Berufung an den Slaat handelt. Eine Beschwerde wegen d« Ausschließung auS dem Kirchen- vorstände soll an dm Kultusminist« gehen. Abg. Gneist: ht« soll der Staat auf Befugnisse v«- zichten, die Reich und Einzelstaaten von Alter» der für noth- wendig gehalten haben. ES ist die Souveränetät üb« zwei Kirchen, die einander mit gleich vollem Anspruch gegenüber« stehen. Wenn irgend ein Staat auf diese Stellung nicht ver» zichten kann, so ist eS nach uns«« Ueberzeugung der preußische. D« zwette Satz handelt von untergeordneten Verhältnissen. Wir find aber d« Meinung, daß, wmn man die Selbst- ständigkett deS Kommunaldeamten in unser« neu« Pflichtm. Ist das dtt Fall. so kann er seine staatSbürgnlilbe» Anforderungen nur aufrecht erhalten dadurch, daß« daS An« kämpfen gegen die staatsbürgerlichen Pflichtm unt« Straff stellt. Wollen Sie da» nicht, so«klären Sie, daß der Staat zwar Rechte habe, dieselben aber nicht anwenden dürfe. Wie soll der Staat seine Rechte aufreibt«halten? In Zukunft wird die Kirche in ihrem Rechte sein, wenn fie eine« Polizeibeamten deS Staats, d« in Erfüllung seirer Amts« vflicht in Kolliston kommt mit den Anipcüchen der Kirche, b« V-rsagung der Gnadenmittel androht.(Zustimmung bei den Nationalliberalen. Rufe im Zentrum: So etwaS kommt nicht vor!) Die Kirche ist in ihrem Rechte, wmn fie dem Richter, der in Erfüllung sein« richterlichen Pflicht ein Strafuriheu ausspricht gegen ein Mitglied der katholrschen Kirche, von vorn« berein die Versagung der Gnavmmittel«ndtoht.(Lachen ia Zentrum.) Wie soll weiter die Freiheit dn Wahl aewahrt werdm gegen ein offm erklärtes Recht, der Kirche ihre Gnaveti« mittel geltend zu machen für jeden Zweck? Daß daS geheime Stimmrecht dagegen nicht schützt, wnden auch die eifrigste»; Vertheidiger desselben nicht behaupten können. Gegen die Ohrenbeichte schützt auch daS geheime Stimmrecht nicht. Adg. Graf Limburg-Stirum: Die hi« aufgehobene Bestimmung hat uns in den letzten zehn Jahrm garnichis(P nutzt. Hat die Bestimmung etwa dazu geführt, daß d« Agrtation des Klerus in politischen Dingen aufgehört hat? fl» find doch nickt im Stande, die Kirche zu hindern, ihre Gnaden- mittel ,u politischen Zwecken zu mißbrauchen. Also ist es best» lolche Bestimmungen zu mtfernen. Art. 12 wird angenommen.. Art. 13 dehnt die Thätigkeit der Orden auS auf � Uebernahme der Pflege und Leitung in Waisenan stalte«, Armen, und P'ründnerhäusern, Rettung-anstalten, Aoleft und Echutzanstolten für sittliche gefährdete Personen, Arbeitel- kolonim, VerpflegungSanstallm, Arbeiterbn bergen, Mägde- Häusern, sowie auf die U-b«nahme der Leitung und Untd' Weisung in Haushaltungsichulm und HandardeitSschulen™ Kinder in nicht schulpflichtigem Alt«, alS Ncbenthätigkett de> ausschließlich krankmpflegmden Orden und ordensihnlW Kongregationen, welche im Gebiete der preußischen Monats gegenwärtig bi stehen. Adg. Gneist: Die segensreiche Wirksamkeit** Krankenpflege ist von dies« Sette auf daS Nachdrückliaff anerkannt, und wir würdm jeder Zeit bereit geaxP sein, in dem weitesten Maße die Autdehnuna zu befürwott» wenn dieselbe nicht nach d« Natur der Ki-che und ihro Orden in ungemessen« und unkontiolirdar« Weise stattfän� Im Westen hat man die entschttdene Neigung der Aj]! dehnung, im Osten, namentlich in den rein protestantischen 0� gemi'chten Beztiken, ist die Ausdehnung dieser Thätrgkeit dd Bevölkerung unsympathisch und erregt dle Besorgniß einer � gemessenen Ausdehnung der OrdenSditdung und des gewaM? Einflusses ihrer VermögenSmaffen. Wir meinen dah«, dat? einer Reihe von Kontrolen bedarf, die einignmaßen Räo� nehmen auf die Bedürfnisse der Landeslheile, nicht durck r formulirte Paragraphen ad« auf dem lokalen VerwaltuftS. weg«. Die überwiegende Mehrheit meiner Partei wird w halb gegen dielen Artikel stimmen. Der Art. 13 wird angenommen. Auch ein großer W der Nationalliberalen stimmt für denselben. Art 14 sichnt dem Geistlichen den Vorsitz im KW� rathe(Kirchenvorstande).— Für Gnesen- Posen und Kulm>„ die Angelegenheit im Wege königlicher Verordnung 0� wnden. j« Ein Antrag der polnischen Abgeordneten(von Jazdt� und Genossen) will die letzte Klausel streichen. Abg. Gneist: Die Ver Heilung der Funktionen m KitchenverwalturgSgesetz beruht auf einem Kompr-�'Mr welches so fingulär einzugreifen sicherlich nicht rathsamw- stimmen also dagegen,.u# Abg. v. JazdzewSki: Hier können doch nicht P0'}Lfl( Rücksichten mitsprechen, eS handelt sich einfach um eine der Zweckmäßigkeit: d« Pfarrer ist d« brauchbarste w"*,# beste Vertreter für diese Funktionen. ES liegt durcbaui � Grund vor, in den Diözesen Kulm und Gnesen-Posen dt« ander» zu regeln. Sie thun daher nur recht, wenn Sie un, Antrage gemäß dm letztm Absatz streichen..,-i ofl- Nach Ablehnung des Polenantrages wird Artikel gmommen. Art. 15 macht daS Lesen still« Messen und das der Sterbesakramente straffrei. Abg. Gneist: Wir werdm für dtesm Par, stimmen einstimmig(Beifall im Zentrum), weil rvtt stille Messen, die zu den Pttoatandachten gehören, sakramente, die zu den Nothfällm gehörm, v«bieten o"' f( (Zuruf und Unruhe im Zentrum.) Lassen Sie doch wen'W in Ihrem Tempnammt einen Bekenner der and«n drei Worte sagen, ohne dazwischen zu schreien. Wj* j* schreiben den Satz wörtlich, vorausgesetzt, daß er in gedung steht, die sonst dafür sorgt, daß die Rechte des# gewahrt werden, die v«bütet, daß gegen gesetzt� � stimmung ein Geistlicher Besitz von einem Amte nehm er bis zur Erledigung deS Einspruchs nicht im Beflv sollte. t...» � Art. 15 wird fast einstimmig angmommen, dages einige Nationallibttale.„ Damit ist die zweite Berathung d« Vorlage erlevm � Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend (Vtthandlungen des LandcS EisenbahnrathS.) Lokales. Die Aktiengesellschaften und andere große Unternehmungen saugen dm Kleinbetrieb immer"_ und die Zett ist nicht mehr allzufern, wo letzt«er u verschwunden sein dürfte. Zu denjmigm Etabliffemem»� fiS' gerade den Leuten, welche dem kümmerlichsten% gehen, die schärfste Konkurrenz machen, geoört bevnw, j- „Berliner Packetfahrtgesellschast." Vielleicht crir unsere Leser noch, daß, alS diese Gesellschaft ins ß- ein hiesiges Blatt ttiumphirend erklärte, nun t sjß. Haid die„betrunkenen Tienstleute", von der Straße den. Die Prophezeihung hat fich schlecht etfültt, d�. Dienstmänner haben bi» heute der drückenden Kon � jß, folgreich Widerstand geleistet. Auf da» armselige vz,«. Leute scheinen denn nun auch die nothlewmden Atu „Berliner Packetfahrtgesellschast" verzichtet zu ha*«oL hat man fich jetzt eine andere Kategorie von a-e> mcht, die wahrhaftig auch nicht auf Rosm 0e bette_ finden nämlich in einem hi-.stgm Blatt M0f pird.At „Die Berlin« Packetfahrtgesellschast soll, so einigen Tagm lebhaft kolporltrt, die Absicht% in den öffentlichen Verkehr zu stellen und zum 0 �% der bisherigen Taxe zu fahren ic." Dies« � ding» zunächst ein schwache« Dementi entgegen� � Droschkenhaltern wmde bekanntlich diese Art» IrÄÄ'ü-ää ''W 'V Jjfiaben bestZtigkn werden. Sollte es der Fall sein, so würde Wh We Lage der Droschlrnführer wohl keines-veaS deffern. da oteselbm in ihrer schon an und für fich gedrückten Stellung «m Konkurrenz> Unternehmen nur sehr schwer Stand hallen konnten. Doch„bange machen gilt nicht", die Bäume der Packelsahrtgesellschaft werden auch hier so wenig wie bei den Ltenftmännern in den Himmel wachsen. An» der Mücke ei« Elephant I Vor einigen Tagen 8 durch die gesammte Presse der Reichihauptstadt folgende armnotiz:„Eine Massenoerhallung fireilender Stell- mach« g-sellen ist, wie eine hiefige Lotalkorrespondenz meldet, oorgestern in unserem Nachbarorte Rtxdorf vorgenommen wor- «jr. Die Verhafteten sollen in einer am letzten Sonntag in Atoyrmann'j Salon, Große Frankfmterstraße, stattgehabten -iinsammlung der Stellmachergesellen Berlin» und U ngegmd oamt, beauftragt sein, alle Stellmachergesellen in Rixdorf zur Ntederlegung der Arbeit zu bestimmen, so lange bi» die Meister dm festgesetztm Lohnsatz anerkannt hätten."— Wir haben niemals besondere Ansprüche an die UrtheilSfähtgkeit Sewiffer Zeitungm gestellt, aber soviel hätte man doch wohl erwarten dürfen, daß man solchen Notizen, die ganz dazu an» Methan sind, in weiten Kreisen der Bevölkerung Sorge und Beunruhigung hervorzurufen, nicht so ohne Weiteres den Weg m die Oeffcntlichkeit gestattet. Eme„Massenverhaf- 'un g", wie grausig sich das anhört; ei ist nur ein Wunder, oaß man nicht sofort in alle Welt binauStelegraphirt bat, mele tausmd Stellmacher revoltiren in Berlin, die Grundvesten bei Deutschen Ret»e» find erschüttert, Alle» geht darunter und «üb« I— Eine Mafsenverhaftung! Drei Stcllmachergesellen, �e sich in der bewußten Versammlung allerving» etwas unge- Mrlich bmommen hattm, sind auf dt« Polizeiwache geführt und von dort, wie unt mitgethcilt wird, wieder mtlafien wor« b«t. Da» ist RlleS. E» ist ganz erklärlich, wenn die Ardeller Wgen eine deraitigc, lügmhaste Berichterstattung laut und mer- Nch protestirm. Aus derartigen feindlichen und durchaus ge« hälstgen Notizm sehen die Arveiter am besten, mit wem sie es «gentlrch zu thun baben. w. Die guten Wirkungen, welche die durch die Presse in jr Leffentlichkeit gelangten Besprechungen der vereinigten Ber- «nrr Sargfabrikanten und Inhaber von Beerdigungikomtoiren Onc! Zahlreiche Mißstände bei hiesigen Kl anlen Häusern, den Mkramtern rc. gehabt haben, treten schon jetzt zu Tage. 0*7». stnd strenge Jnstrulltonen an die AngesteMen ergangen, tk.ii.ifr Rigorositäten gegenüber dem Publikum zu enthallm, Mit steht die Entlaffung von Beamtm bevor, welche ihre Stellungen als„melkende Kuh" betrachtet und— ohne Wissen Z*"WHtwn Verwaltungsdirektionen— von den Angehörigen rnlf*«tanken oder den Hinterbliebenen Versto'bcner ihren «Mheil zu wahren gewußt haben. In der am Mittwoch im Atsiamant Alt-Berlin stattgehabten Sitzung der vereinigten m sargfabrikanten wurde Gelegenheit genommen, A�.lLerwaltungsdtrektor des städtischen Kiankenhause» am il�fbilchthatn, Hnr Herfordt, öffentlich den Dank für das „... tnlwillige Entgegenkommen auszusprechen, welches deistlbe die lnchreren Mißständen beobachtet, die ihm erst durch �«�fttung, berichte über die Versammlungen der Sargfabri- Rroft?., lannt geworden find und welche das von ihm dtrigirte NurnL.??� betreffen. Auch die Todtenscheine bekommt ba» Publikum in diesem Krankenhaus gestempelt au»> nn* llt und ist so der Mühe enthoben, sich zu diesem Zweck r?"4 dem Bureau des 51. Polizeireviers zu begeben. d», a,, Eingehen auf die Wünsche der Sargfabrikanten und w.�t»bl,kums mangele aber, wie der Vorfitzende bemerkte, Sw no4 seitens der Igl. Direktion der Ch ritee, deren Di- .°f"t, Herr Geh. Rath Spinola, zwar nach den zahlreichen fow," Berichtigungen den Zeitungsberichten über die Sarg« äb�Menversammlungen eine große Aufmerksamkeit schenke, >u!* Ltn seiner Anstalt noch beim Alten gelaffen habe. rn.i% Mitte der Versammlung wurde erwähnt, daß Herr kroß- moßentheilS Dinge berichtige, welche da» tzegenüdkr""""lg tnteresstre und den gerügten Mißständen IchauhauS ��nebensächlich sei, so u. A., daß daS neue Leichen. die- nun?h°rilee in keiner Verbindung stände I Ob lnteressiren als ni... 0*n nicht, werde daS Publikum weniger aufgestellten Zeit von Herrn Geh. Rath Spinola die.Etnrichtung.der kgl. durch die Charit.,' �?ung _______________ von Särgen und Sterbezeug tÄwna" wenn aus dieser„wohlthätigen Ein« dm dl« Ve-dienst von hundert Prozent- Tasche steck, 0i«"«uifituirte Küster Moritz in die SWMM außer w? I?0" ei"tn„Nebenverdienst" von ca. 2000 Mark. WtSST■ m an Särgen, Grabstellen jc. Würde aber Inola die Resultate früherer Jahre, in Särge erforderlich gewesen wären, in Be> _. so würde wenig an der aufgestellten Kalku- "Uch sargfabrikanten fehlen. Wunderbar erscheine es fand». in dm Satzungen der Charitee fich der Paffu« de« �"ch welchem jede geschäftsmäßige Empfehlung eincS , anten seitm» eineS Beamten aufs Strengste ver- 'st, während Herr Geb. Rath Spinola in seinen Be- >en erklärt, der Küster Moritz sei bei seinem ge- liehalt(1200 Mk.) auf einen Nebenverdienst ange- bvtl len tin, abzu?,?. de« Markthalle» scheint doch nicht Alle» ganz glatt hllT'.,�n dtn Kreisen einzelner Händler scheint stch eine iwriu,*, are Mißstimmung gellend zu machen. So habm Sic k� ilg Fleisch- Großhändler eine Art Streik inszmirt. sie ht, m? tu einer öffentlichen Erklärung bekannt gemacht, daß wall,» Markthallen nicht beziehen werden. Die 42 Herren dem oj? iwei Tagm in der Woche den Großvcrkauf nur auf bi.jJrUttal Viehhof von 4-6 Uhr Morgens vornehmen. Da futstes,.-? Schlächter, welche die Markthallen beziehen, um (o tvtthl r, tlhr in den Hallen mit ihren Wagen sein müffen, La»,..." stt eben bei diesen Herren zu kaufen nicht in der den n,!..»«. tst merkwürdig, daß gerade Leute, welche bei >>e,di,"f" Einrichtungen notorischer Weise das meiste Geld Detaim?',"4 am renitentesten zeigm. Der kleine Händler, der AeschÄl'unn sich, selbst wmn Manche» gegen seinen direkten Äeisx �?°ttheil geht, den allgemeinen Bestimmungen in keiner bandelt 11 muß dulden, schweigen und— zahlen. Et mchli*"ch bei den Herrm Engrosschlächtem wohl Haupt« Dg i?., einige Ersparnifle an dem sogmannten Standgeld. °eren ra:r2ff.n.°o4 schwer verständlich, warum Großhändler, Zahlung de» Standgeldes geradezu als«ine vi,r,?'?ftutn läßt, fich gegen diese Ausgabe sperren, welche Wird»,? �»inhändlern im An'ang viel mehr empfunden Wen ja«!1 s° tst es, die gesammten Kleinhändler der Markt- g fo.tr,"" Schaden und Scherereien haben, wenn nur die �-ite"".'t"iae Thaler sparen!- Auch von anderer dm rw�uträglichkeiten gtm'ldet. Wegen Auf« �UMM mmm richteter Sache abziehen, nicht ohne vorh'r die Drohung au»- gesprochen zu haben, ste würden dann überhaupt nicht mehr mit ihrer Waare nach Berlin kommen.— Wenn die Räum lichkeiten, welche dm Obsthändlern angewiesen wurden, wirklich für die Konservtrung des OdsteS unzulänglich find, und daS werden die„Werder schen" wahrscheinlich selbst am besten de« urtheilen können, so ist ohne weiteres wirklich nicht einzusehen, weshalb der Herr Oberbürgermeister ihr Gesuch„natürlich" ab- lebnte. Es wäre etwas anderes, wenn e» überhaupt nicht möglich wäre, die Werderschen Obsthändler an irgend einer b-fferen Stelle unterzubringen, aber davon ist in obiger Notiz nichts gesagt. Billiger Wrise sollten die Gesuche aller Jnter. esscnten überall berückstchtigt werden, ei hat aber den Anschein, al» ob man bei Vertheilung der Plätze mehr nach bureaukrati- scken al« nach rationellen Gründen gehandelt hätte. Unter solchen Umständen allerdings dürsten die Sympathien für die neuen Markthallen namentlich bei den Kleinhändlern gerade nicht besonders erweckt werden. Bei de« Abstimmungen in unseren Parlamenten kommt es oftmals vor, daß diejenigen Abgeordneten, welche stch zufällig in den Gängen zwischm dm Sitzplätzen des SaaleS befinden, in eine bedenkliche Situation aerathm. Der Prästdmt bittet die Herren, welche für den zur Debatte stehen- den Gegenstand stimmen wollen, fich von ihren Plätzen zu er- heben. Die in den Gängm stehenden Herren wollen aber nicht für den Gegmstanv stimmen, ihre Sitzplätze können ste indeß nicht schnell genug erreichen; so bleibt ihnen nichts Anderes übrig, al» auf ihr-m augenblicklichen Stehplatze eine hockmde Stellung einrunehmen, bis das Resultat der Abstim- mung verkündet ist. Daß diese Stellung für die meist ästeren Herren nicht sehr bequem ist, leuchtet ein; peinlich wird ste, wenn daS Bureau längere Zeit über die Abstimmung zweifcl- Haft bleibt, wie beispielsweise am Donnerstag bei der Abstim- mung über den Antrag Bachem, deffen KommisstonSberathung mit 138 gegen 137 Summen verworfen wurde; minutenlang mußten hier zahlreiche von der Abstimmung überraschte Herren zum Gaudium ihrer Kollegen und der Zuschauer am Boden hocken. Sie machten indeß gute Mime zum bösen Spiel und brachen mit dm liebt igen in schallendes Gelächter au», als fich der Liebe Müh' umsonst, nämlich die Abstimmung al» zweifelhast erwieS. Bauernfängerei werden wohl Diejenigm gesagt habm, welche am Donnerstag Abend zwischen 7 und 8 Uhr, wie die Annonze in dieser Zeitung lautete, stch nach der Vccivenzsetzer- stelle erkundigm wolltm. Warschonder Ortsckwerzufindm, da ein Jeder nach der Firma suchte, die aber das Hau» Lützowslr. 95 nicht hatte, so wurde eS einem noch schwerer, nachdem man die erste Etage erklettert und Rücksprache genommm, seinen Aerger über die Zumuthung deS Herrn Huldt zu unterdrücken. Der- selbe erklärte Kollege zu sein und bei Pr. in der Kronenstraße zu arbeiten, gerirte fich auch als Veretnimitglied. Er hätte«ine andere Kondition angenommen, da eS wahrscheinlich in nächster Zeit in der Pr.'schen Buchdruckerei zu Preis vifferrnzen kommen würde, welchen er aus dem Wege gehen wolle und er daher Nach gezwungen sei, Ersatz für seine Person zu schaffen. der Frage:„Sind Sie V-reinsmitgliid?"— Ja?— erfolgte die Antwort:„Dann hat die Kondition für Sie keinen Zweck", der Betreffende muß„Nichtvereinsmttglied" sein. W-nn eS nun schon an stch nicht schön ist, olS BereinSmttglied Engage- ment für N chtvereinSmitglieder zu suchm, dieses hätte er dem Herrn Prinzipal selbst üderlaffen sollen, so hätte Herr H. dann wenigstens diese Bedingung in der Anzeige bemerken sollen, denn jeder Leser derselben war wohl der Anficht, daß es stch um eine Kondition für Vereinsmitglieder handelte. Hoffentlich hat fich Niemand gefunden, der auf da» Angebot reinge« fallen tst. Der Mühlenweg, welcher von der Poststraße 16 bis zur Breitenstraße 22 eine Patallelstraße de» Mühlendammi bildet, ist behufS Legung eine» Pferde ahnzweiggeleise» vom Moikm- nach dem Sprltelmarkl seit Donnerstag für die Passage gesperrt. Dieser Weg wurde vor 38 Jahren angelegt, nachdem in der Moramstunde des 3. April 1838 die fürchterliche Katastrophe deS MühlenbrandeS hereingebrochen war, welchem 15 Menschenleben zum Opfer st-lm. Noch im Jahre 1812 extstirte die Trümmerstälte und entfaltete eine üppige Vegetatwn; selbst die Birke, welche fich bekanntlich überall bei uns behauptet, hatte fich hier bereits als stämmiger Baum angefiedelt, alS endlich im April 1842 die Ruinen„öffentlich gegen gleich daare Be- zahlung an den Meistbietenden" zum Verkauf gelangten. Hatte es damal» in der Abficht deS König» gelegen, vre Mühlen nicht wieder ausbauen zu lassen, so wurde diese Abstcht doch wieder ausgegeben, und e« entstand nach den Plänen de» Ge- Heimen Oder- Bauraths Peistus da» imposante, kastellarttge Mühlen gebäude auf zirka 4000 eingerammten Pfählen. Im April 1850 war das kolossale Bauwerk vollendet, deffen Eisen- schienen, Träger und Balken im Gewicht von 16000 Zentnern eine Gesammtlänge von 104 000 Fuß(also über 4 deutsche Meile") repräsentiren. Die Kosten deS BaueS beliefen fich auf 800000 Thaler. Längs deffelben entstand gleichzeitig an der Wafferieite der Mühlenweg auf drei eisernen Brückenbögen; seine E öffnung fand am 2. September 1850 statt, und zwar wurde die erste Fuhre Getreide durch den Kaufmann und Bäckereidesttzer Kohle nach der Mühle geschickt. E« war ein festliches Schauspiel, daS Hunderte von Zuschauern herbeige- lockt batle. Die Astzhaltstraßen. in denen Pferdeeisenbahnschienen liegen, werden seit einiger Zeil des Morgen« zwischen 8—10 Uhr in der Weise gesprengt, daß rechts und links die Wafferwagen gehen, aber die Mitte(Geleiseanlage) freilassen. Dazu bemerkt der„Fuhrhalter":„Au» welchen Ursachen dieS geschieht, wissen wir nicht, sollte aber die Vermuthung eine zutreffende sein, daß die schnellere Fottbewegung der Pferde durch die Sprengungen behindert werde, so find wir doch der Anficht, daß dies auch für daS übrige Fuhrwerk stch rechtfertigen läßt und e« geboten sein dürfte, die gewiß nothwendigen Reinigungen der Asphalt« straßen in die frühesten Morgenstunden(5-6) zu verlegen, damit der allgemeine Fährverkehr in gerade stark benutzten Straßen nicht gehemmt werde."— Das ist ganz richtig, aber manche Straßen sprengt man überhaupt nicht, wie wir erst kürzlich meldeten. Der Umgang mit Petroleum. Der Rath der Stadt Dresden vertheitte folgende Anweisung für den Umgang mit Petroleum und die Behandlung der Petroleumlampe an die Elnrvohner der Stadt:„AuS Anlaß der zahlreichen Unglücks- fälle beim Gebrauche deS Petroleum», welche theilS durch Ex- plofionen, thetl» durch da« Umfallen der Lampen und durch da« Zerbrechen oder Ausfließen der Oelbehälter, theils durch falschen Gebrauch de» PettolcumS, wie z.«. durch daS höchst gefährliche Zugießen von Petroleum in brennendes Feuer, ent- stehen, werden hiermit die nachstehenden, von dem hieftgen Gewerbeverein durch seinen technischen Ausschuß in dankenS- werther Weise zusammengestellten Regeln zur allgemeinen Kenntniß gebracht, duich deren gewiffenha'tc Befolgung solchen Gefahren mit Sicherheit vorgebeugt werden wird: 1. Da» Petroleum ist thunlichst in Blechgesäßen und an kühlen Orten aufiubewahreri.(Explofio-ren des PettoleumS finden nur statt, wenn solches sich in gasförmigem Zustande befindet, in solchen kann es bereits bei einer Erwärmung von 20 Grad R�aumur [25 Grad Z-lstuil gelangen.) 2. Das Um« und Einfüllen des Petroleum» ist thunlichst bei Tageslicht, keineSfall« aber in der Nähe von offenem Feuer oder L-uchiflammen zu de- wirken.(Ein Vergießen de» Petroleum» führt leicht zur Ent« zündung, zum Zerspringen des Gefäße» und zu lebenSgefähr- licher Verbrennung. Unbedingt unstatthaft ist das Nackgießen deS Petroleum« in eine brennende Lampe) 3. Der Docht muß beim Einziehen in Vi: Lampe völlig rein und trocken sein und lut paffen, er darf insbesondere nicht etwa zu dünn sein.(Zu r.ner Docht führt zur Erhitzung deS Brenner» und damit des Oel». Feuchter sowie zu dicker Docht saugt schlecht. Da» Trocknen feuchten DochteS ist am besten mit einem heißen Plätteisen zu bewerkstelligen.) 4. Docht und Brenner müssen täglich von allen kohltgen Resten befreit werden. Der Docht muß ganz gleichmäßig abgeschnitten werden. Eine Petroleumlampe, welche längere Z it außer Gebrauch gewesen, ist vor der Wie« deringebrauchnahme mit besonderer Sorgfalt zu reinigen.(Koh- lige Reste erhitzen den Brenner. Ungleich beschnittener Docht verursacht Ruß.) 5. Die Luftzüge deS Brenners find täglich zu reinigen. Schadhaft gewordene Brenner find unverzüglich durch neue zu ersetzen.(Reinhaltung der Luftzüge bewirkt«ine günstige Abkühlung deS Brenners, der beim Anzünden von Papier u. dergleichen leicht verunreinigt wird.) 6. DaS Oel im Behälter darf nie vollständig autbrennen, der Behälter muß vielmehr stets so viel Petroleum enthalten, daß der Docht in dasselbe eintaucht.(Sobald der Docht aus Mangel an Pettoleum trocknet, brennt die Flamme im Brenner hinab, erwärmt dos Petroleum und entzündet das dadurch gebildete Gas.) 7. Der Behälter muß vor jeder Erwärmung de wahrt werden.(Die Lampe darf nicht auf den Ofen, eine brennende Lampe nicht unter eine Hängelampe u. f. w. gesetzt werdcn.) 8. Die Lampe darf nicht in zurückgedrehtem Zustande gebrannt werden.(Das Nrederdrehen deS Dochtes erzült keinerlei Petroleumersparniß, eS erhitzt aber den Brenner und erzeugt übelriechende, gesund- heitSschädliche Gase.) 9. DaS Auslöschen der Lampe ist durch leichteS Ueberblafen deS Zylinders nach vorherigem geringen Niederdrehen des DochteS zu bewirken.(Das Ausdrehen, sowie daS vlaien in den Zylinder kann unbemerktes Fortbrennen und Rückschlagen der Flamme bewirken.) 10. Endlich empfiehlt eS stch überhaupt, namentlich aber in Kinderstuben und Familienräumen. wenn irgend«hunlich, nur Hängelampen zu verwenden.— Man wolle dieses Plakat in jeder Haushaltung an geeigneter stchtbarer Stelle anbringen und namentlich die Dienstboten anweisen, den vorstehenden Anweisungen genau nachzugehen. Dresden, am 15. Januar 1886. Der Rath zu Dresden."— Auch für Berlin dürfte die Bekanntmachung nicht ohne Interesse sein. Die Zroti-Abtheilungen der Berliner Gerichte find seit langer Zeit nicht so wenig beschäftigt gewesen, wie gerade jetzt. Die Handelskammern, die sonst im Voraus mindesten» auf einen Monat mit Terminen versorgt waren, find gegen« wärtig kaum für einige Tage besetzt und haben nur halb so viel zu thun wie vor einem Jahre um dieselbe Zeit. Ebenso still tst e« in Hypotheken-Angelegenheiten, und Sudhastationen gehören augenblicklich zu den Seltenheiten. Die Inhaber von Hypotheken scheuen stch vor der Kündigung, weil fie ihr Ver- mögen nicht gut und stcher anzulegen wissen, und da in Folge der vielen Konvertirungen den„armen" Rentiers die Zinsen so verkleinert worden find, so geben ste einem, wenn auch säu- migen Hypotheken-Schuldner immer noch den Vorzug und lassen eS daher nicht zur Subhastation des Grundstück» kommen. Eingestellte» Verfahren. In der Affaire v. Höpfner, die weit über Potsdam hinaus Aufsehen erregt hat, war gegen die„Potsdamer Nachr." wegen Beleidigung deS Hauptmanns v. Höpfner, der den Grenadier Karschnrck verwundete, Straf« antrag gestellt worden. Der R-dakteur d-S genannten BlatteS, Herr N ckel, unterbreitete darauf dem Gericht verschiedene Be» weisanträge. Jetzt hat derselbe folgendes Schreiben erhalten: „Potsdam, den 30. April 1886. Hierdurch benachrichtige ich Ste, daß das kö-rigl. Kommando des 1. Garde-RegimentS z. F. nach einem Schreiben vom 23. April cr. das gegen Sie ein- geleitete Etrafoerfahren wegen Beleidigung des Hauptmann» v. Höpfner einer weiteren Verfolgung nicht für werth hält und deshalb daS Verfahren geg-n Sie eingestellt ist. Kgl. Staat»- anwaltschaft.— Hierzu kann fich J-der selbst einen Ver» machen. Böse» mutz Böse» vertreiben! Dies alte Eprüchwort bat kürzlich auf dem Gebiete der Heilkunde eine überraschende Bestätigung gefunden und zwar in einem Falle, der gegen- wältig von hiesigen Aerzten lebhaft besprochen wird. Vor etwa acht Wochen erschien in der hiesigen Charitee eine Frau mit ihrer achtjährigen Tochter- bei der fich an der sinken Seite de» KopfeS eine Kedsartige Wucherung bereits ziemlich um» fangreich entwickelt hatte. Einer Operation, welche die Aerzte für nöthig hielten, wollte die Frau das Kind nur dann unter« werfen, wenn die Aerzte für den Erfolg garantirtcn, und da letztere» abgelehnt wurde, so entfernte fich die Frau mit dem Kinde. Vor Kurzem erschien fie abermals, um ihr Ein- verständniß mit der Operation zu erklären, waS bei den ent« setzlichen Fortschritten, welche die Krankheit inzwischen gemacht hatte, wohl begreiflich war. Die Wucherung hatte die ganze linke Sette des KopfeS und deS GestchteS des Kinde» ergriffen und die ganze Nasenhöhle, die linke Ohr- Höhle und die Mundhöhle völlig ausgefüllt, so daß an eine Ernährung de» Kinde» auf werden mußte. An den Erfolg Niemand mehr und die Auflösung den Aerzten al» in nächster Zeit wurde sofort zu Bett gebracht, und hierbei ereignete fich ein Versehen. daS jeder Anstalsarzt aufS Entschiedenste verurtheilen wird und daS dennoch wunderbarer Weise zu der für ganz unmöglich gehaltenen Gesundung deS Kindes führen sollte. DaS Kind wurde auf ein Lager gebettet, auf dem vorher ein an Rothlauf(Eryfipcl) Erkrantter gelegen hatte, ohne daß dem Kinde reine Bettwäsche gereicht worden wäre. Der ansteckende Rothlauf zeigte denn auch bald seine charakteristichen Bläschen auf der KredSwuchernng am Kopfe deS Kinde» und im gleichen Maße, wie stch hier die neue Krankheit ausbreitete, schrumpfte die Wucherung, die man für unheilbar hiett, ein. Uederrascht und erstaunt standen die Aerzte, denen nach acht Tagen nicht» weiter zu thun blieb, alS ein paar unbedeutende Wucherung?« knoten, die noch zurückgeblieben waren, zu entfernen und das al« unheilbar betrachtete Kind al» gesund, wenn auch noch der Pflege bedürftig, zu entlassen.— Daß der Fall in medizinischen Kreisen große» Aufsehen erregt, ist begreiflich. Die Maikäfer sot'en, dem„Dtsch. Tagedl." zufolge, jetzt bereits de« Abends in größerer Menge umher schwärmen. Die ersten Maikäfer, welche die Aprilfonne aus der Erde her- vorgelockt, werden als Frühlingsboten mit Freuden begrüßt; sobald fie aber in großer Truppenzahl erscheinen, find fie ge- fürchtet und werden fie mit Recht verfolgt und oemichtet. Unsere Schuljugend stellt dem tölpischen Vielfraß nach, um mit ihm Handel zu treiben. Je nach Angebot und Nachfrage fällt oder steigt der„KomS" de« Maikäfer«. Die Zahlungsreguli- rung vollzieht fich in etwas veratteter Weise, und zwar kennt man auf der„Maikäferbörse" nur eine Stecknadelwährung. Noch gefährlichere Feinde als unsere ADC Schützen find den Maikäfern die Staare und Saatkrähen, die im Frühling hinter dem Pfluge hergehen und die Engerlinge(Larven des Mai« täfers) auffressen oder ihren Jungen ins Nest tragen. Füchsen, Igeln und Maulwürfen find fie Leckerbissen. Besonders der letztgenannte Eiddewohner stellt den Engerlingen eifrig nach, und müßte man mit Rückficht hierauf den Maulwurf so viel wie möglich schonen, wenngleich er anderersestS durch Aufwühlen deS Bodens dem Gärtner und Landmann oft großen Schaden bereitet. Der Schaden, den die Maikäfer in manchen Jahren anrichten, ist unberechenbar. Es giedt nicht selt n sogenannte „Maikäferjahre", in welchen das geflügelte Kerdthier in solchen Massen austritt, daß stch die Zwerge der Bäume und Sträucher unter der Last der Käfer beugen. ,Wie eS den armen Bäumen dabei ergeht, läßt stch denken. AlleS wa» stch an weichem Laub vorfindet, wird undarmheizig abgefressen. In wenigen Tagen stehen oft die ausgedehntesten Obstanlagen entlaubt da, und an eine Obsternte ist dann natürlich nickt mehr zu denken. — Allem Anscheine nach haben Landwlrthe und Gärtner in ditsem Jahre von dm gefräßigen Gästen nicht allzuviel zu fürchten. künstliche Weise gedacht einer Operatton glaubte des armen Kinde» schien bevo- stehend. DaS Kind Mißbrauch von TbeaterbonS. Der„B. B. C." belichtet von der jetzigen Leitung des LouisenstSdltschen Theateri ein so unglaubliches Stück, daß wir vor der Hand mit einem Urtheil zurückhalten wollen; wir sehen einer ErktLruna der Direktion entgegen. DaS Blatt schreibt:„Die„Boni" thun ihre Schul« digkett nicht mehr! So sagte fich ein mtt Pinsel, Kleistertopf und Scheere arbeitender Autor; da ließ er zu einer Premiere „DaS lachende Deutschland" veritable Theaterdilleti nach Mög« lichkeit gratis abietzen. Zu Hunderten waren die BilletS unter das Publikum gestreut worden und hatten berettwillige Abnehmer gefunden. Einige Personen, die ganze Päckchen von BilletS in Händen hatten, waren generö» genug, auch ihre sammtlichen Freunde dieses BilletsegenS thellhaftig werden zu lasten. An der Kaste deS„Louisenstädtischen Theateri" nun wurde am Premierenabend der kurzfichtigste Besucher durch Plakate mit riestgen Lettern belehrt, daß„sämmtliche BilletS umgetauscht werden müssen" und diese Prozedur war nach Mit« theilung deS KrsfirerS nur gegen Erlegung von fünfzig Pfennigen pro Btllet durchführbar. Theaterbesucher, die ursprünglich Pros, eniumS-Logenplätze gehabt, erhielten nun z. B. ganz hinten am Ausgang gelegene Parquetplätze, während Inhaber von ParquetbillerS zum sogenannten ersten Rang hinauf befördert wurd?n. Im Kaffenflur und vor der Thür deS„Louisen- städtischen TheaterS" fanden größer« Menschenansammlungen statt und in sehr erregter, für die Urheber deS Billet-humbugS nichis weniger alS schmeichelhafter Weise wurde hier von allen Denen, die dem„lachenden Deutschland" zornig den Rücken gekehrt hatten, Kritik geübt." Die im RathhauSkeller angebrachte« Trtnksprüche sollten doch ohne orthographische Fehler sein. DieS ist leider nicht der Fall. Einsender entdeckte in der nach der Span- dauerstraßc belegenen Abthetlung folgenden Spruch, in welchem ein unangenehm auffallender orthographischer Fehler enthatten ist: „Der Geiz am Saft der Rebe frißt. Geiz aller Uebel Wurzel ist. Trink' flott, so Du kein Geizhalz bist." Dieses Aufmerksammachen wird wohl hinreichen, daß dieser Fehler beseitigt wird. Jäher Tod. Die Iljährige Tochter einer an der Ecke der Kleinen Andrea?- und Krautsstraße wohnenden Wittwe Ermeler hatte gestern Abend um 9 Uhr in der Bdstcht, nach der Mutter zu sehen, daS Fenster geöffnet und fich so weit über die Brüstung gelegt, daß fie daS Gleichgewicht verlor und auS dem vierten Stockwerk kopfüber auf den Bürgersteig stürzte. Das Kind fiel auf den Kopf, daß die Schädeldecke zertrümmert wurde und der Tod sofort eintrat. Polizet-Bericht. Am 6. b. M. Vormittags erstickte ein 6 Monate alteS Kind dadurch, daß eS den ihm in den Mund gegebenen Gummisauger mtt dem daran befestigten Korken verschluckte.— An demselben Tage NachmtttagS stürzte fich ein 11 Jahre alteS Mädchen aus Furcht vor einer ihm ange« drohten Strafe wegen öfterer Schulverfäumniß aus dem Fenster der Kleine Andreaistraße 4 Treppen hock belegenen Woh« nung ihrer Mutter, während der Abwesenheit derselben, auf das Straßenpflaster hinab und verstarb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht. Gerichts-Zeitung. t Beleidigung der Polizetbehörde. Der Kaufmann K. steht w der Rosenthaler- Vorstadt in dem Rufe, ein„Radau- macher" zu sein, sobald er angetrunken ist. Solange er nüchtern bleibt, gilt er als ftiedferlig und anständig, hat er aber„etwaS im Kopfe", so kann ihn das Geringste ärgern und im Vertrauen auf seine großen Körperkräfte fängt er mtt jedem Streit an. Diese Eigenlhümlichkeit hat ihn schon oft vor Gericht geführt und für seine Spezialität: öffentliche Beleidigung, Unfug und Widerstand, ist er bereits zu länaeren Freiheitsstrafen verurtheilt worden. In der Nacht vom 24. zum 25. September vorigen JbhreS saß K. stark angetrunken mit einigen Be- kannten im CafS Imperial in der Rosenthalerstraße. Unweit von ihm hatte an einem Tische unmittelbar neben dem Büffet der Kriminal-Kommiffatius Weien Platz genommen und plauderte mit der Buffetdame. DaS CafS war ziemlich leer, nur wenige Gäste waren in der frühen Morgenstunde, eS war 3 Uhr, noch anwesend. Plötzlich wurde die allgemeine Stille durch die Worte unterbrochen, die K., der fich erhoben hatte, in den Saal hineinschrie:„Die Polizei hat immer daS größte Recht; fie kann mich k." Er bildete fich ein, der Kriminal. KommiffariuS charmire mit der Mamsell, der er seine Gunst geschentt.— DaS Königliche Polizei-Prästdium stellte wegen dieser Schmährede den Straf- antrag wegen öffentlicher Beleidigung und daS hiefige Schöffen- gerichr verurtheilt« deshalb auch K. zu 4 Wochen Gefängniß. Hiergegen hatte K. recht, eitig Berufung eingelegt. In dem Termine, der gestern anstand, erreichte er, daß die V. Strafkammer eine Beleidigung des Polizei- PrästdiumS alS nicht vorliegend erachtete und für die Beleidigung deS Kriminal- kommiffarius Weien eine 14tägige Gefängnisstrafe für aus- reichend hielt. P. Wegen Untreue und Urkundenfälschung hatte fich aestetn ein Bormund in der Person deS Tischlermeisters Gustav Glaewecke auS Köpenick vor der 2. Strafkammer des Landge richtS II zu verantworten. Nicht Eigennutz, sondem die Prozeß- wuth, in welcher der Angeklagte in einem Rechtsstreit mit seinem Bruder ladorttte, hatten ihn zu den Sttafthaten, derm er fich schul» dig gemacht, verleitet. Um die erforderlichen GerichtStosten in seinen Prozessen aufzubringen, erhob der Angeklagte den B-trag zweier Spartassenbücher, welche ihm bei seiner Bestallung seitens des VormundschaftSgerichtS als Bestandtbeil« des von ihm verwal- teten geringen Vermögens seiner Mündel übergeben worden waren. Von den eihobenen Beträgen verwendete der Angeklagte den größten Theil zu seinem Nutzen; später hat er zwar Ersatz geleistet, so daß seine Mündel nicht eigentlich geschädigt wurden Außer- dem aber hatte Glaewecke bei der Rechnungslegung der Vormundschaftsbehörde gegenüber eine Schneidelrechnung für eins seiner Mündel zwei Mal in Rechnung gestellt und zu diesem Zwecke eine von ihm gefälschte Quittung zu den Vor- mundschaf'.Satten überreicht. Im gestrigen Audienztermin hiell die Strafkammer dem Angeklagten, welcher sein Vergehen reumüthig eingestand, in Bezug auf die zweimalige Anrech- nung einer AuSgade allerdings zu Gute, daß er dabei mög. licherweise selbst im Jrtthum gewesen sei; die« aber ändere nicht« an der Thatsache, daß er außer der qualifiztrten Un- tteue sich ebenfalls der Urkundenfälschung bei Anfertigung der Quittung schuldig gemacht. Der Staatsanwalt hatte nur ein Monat gegen den Angellagten beantragt; der Gerichtshof je- doch erkannte auf 4 Monate Gefängniß. t An« Hunger. Vor dem hiestgen Schöffengericht stand jähriger Knabe, der Laufbursche Lt., unter der Diebstahls und der Bettelei. Am 23. Februar in einem Hause der E.-Sttaße zwei Beutel mtt im Werth« von 1,10 M. entwendet worden. St. war durchweg geständig. Auf die Frage deS Vor fitzenden, weShalb er eS gethan habe, erwiderte er unter Thränm:„AuS Hunger! Ich habe ketvv-Schlaf stelle gehabt und der Vater kümmert fich nicht um mich." Auch gab er zu, einen anderen Knaben um Essen angesprochen zu haben. Seit dem 22. v. M. fitzt St. in Untersuchungshaft. Die 6 Tage Haft, zu welchen er— er ist berettS einmal wegen Diebstahls mtt einem Ver« weise bestraft worden— verurtheilt wurde, werden deshalb als verbüßt bettachtet. festem ein nklage deS d. I. waren Backwaaren Uereine und Nersammwngen» * Arbeiter BezirkSveretn der Siosenthaler Vorstadt. In der letzten zahlreich besuchten VeretnSversammlung, welche am 3. d. M. in Schramm'S Salon stattfand, wurde zunächst der Revistonsbericht von Herrn Becker erstattet und von der Versammlung angenommen. Hierauf hielt Herr Christensen einen detfälltg aufgenommenen Vortrag über:„Allgemeine Schul veriältniffe". Referent giebt zunächst ein Bild der Ver- hältniffe der Studirenden an den Univerfitäten und ihrer Leh- rer, zeigt, daß, während ein mtt Mitteln reich gesegneter Stu« dent mit Leichtigkeit alle Schwieligketten überwindet, dies dagegen dem Unbemittelten oft bei allem Fleiß und aller Be- gabung nicht gelingt. Bei den KorpSstudentrn sei das Stu- dium im ersten Semester verpönt, dieselben gewöhnten fich erst nach und nach an den Besuch deS HörsalS, dageg-n würde die Vertilgung echter Biere und Weine praktisch gepflegt. Redner bespricht nun den Unterricht im Gymnastum. Da werde nun vor allen Dingen dem Schüler von der Sexta an Latein bei- gebracht, dteS fei nicht Sache deS Verstandes, sondern deS Ge- dächtniffeS. Zu dm VolkSlchuIm übergehend bemerkt Redner, daß beispielsweise in der Geographie und Geschichte die Zöz- linge einer solchen Anstalt zu Zahlenmenschen herangebildet würden, indem der Regierungsantritt längst verstorbener Für- sten, Schlachtorte und Daten mit einer Peinlichkeit auswendig gelernt werdm müssen, die einer bessern Sache würdig wäre. Je mehr Kriege ein Fürst geführt habe, desto mehr würde er in der„Geschichte" erwähnt, während Monarchen, welche ihrem Lande vernünftige Reformen ange- deihen ließen, mit wmigen Zeilen adgethan würden. In der Geographie wird nach demselom System gelehrt. Flußlängm wechseln mtt Einwohnerzahlen und Bergeshöhen ad, während man fich um die Menschen und ihre soziale Stellung nicht kümmere. Zum Schluß kommt Redner auf die Religion zu sprechen und verliest zu diesem Zweck eine Anzahl Stellm auS der Bibel, um zu beweism, daß ein mit so vielen Wider« sprüchen verknüpfter Religionsunterricht die Sittlichkeit der Kinder nicht sonderlich fördern könne, was ihm Veranlassung gab, folgende Forderungen aufzustellen: 1. Freier Unterricht nebst Verpflegung an allen UnterrichtSanstallen; 2 Abschaffung deS Religionsunterrichts resp. Reformirung deffelben. Eine Diskusston fand nicht statt. ES wurde hierauf beschloffen, am Sonntag, dm 9. Mai, einen Ausflug mit Familie nach Schön- holz>u veranstaltm. Treffpuntt Nachmittags 2 Uhr am Bahn- bof Gesundbrunnen. Ferner erstattete der.Bibliothekar deS Vereins Bericht über den Stand der Bidliotbek. wonach im Katalog 192 Bände im Gesammtwerth- von 650 Mark aufgeführt find. ES wurden durchschnttllich«öchenttich 17 Bücher auSgeliehen. Nach Beantwortung der eingelaufenen Fragen wurde die Versammlung geschloffm. hr. Die Töpfer Berlins«nd Umgegend faßtm in der sehr zahlreichen V>rsammlung, die am Donnerstag unter dem Vorfitze des Herrn Thteme bei Gratwetl tagte, den Beschluß, daß der revidirte Lohntarif der Gesellen durch die Lohnkom- misfion allen Arbettgebem in Berlin mtt dem Ersuchen zuae- sandt werde, btS zum 1. Juni der Lohnkommisston ihre Er- klärung darüber zugehen laffm zu«ollen, ob fie gewillt seien, diesen neuen Lohntarif vom 1. Juli ad gelten zu lassen. In einer im Juni einzuderufendm öffentlichen Versammlung soll dann daS Weitere behufS Durchsetzung deS neum Lohntarifs vom 1. Juli ab beschlossen werdm. Nachdem hierauf die Neu- wähl der Lohnkommisston von der Versammlung vollzogen worden war, hielt Herr PrzttuISkt über den Erlaß des Mi- nisteri Herrn v. Puttkamer vom 11. April etnm Vortrag. Der Vorttagende wieS darauf hin, daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bereits die Hoffnung ausgesprochen, der Erlaß werde dazu führen, die Streik« zu beseitigen, und darauf, daß die Bauunternehmer Berlin« in ihrer letztm Versammlung berettS ihre Freude über dm Erlaß geäußert. Unsere Aufgabe gegen- über dem Erlaß— sagte Redner— wird sein, leinen Anlaß dazu zu geben, daß die Polizeibehörde mit einem Schein von Recht daS Sozialistmgesetz gegen unS anwenden könne. Am Schluß bat er um Annahme der folgendm Resolution:„Tie pp. Töpfer Berlins erachten den vor Kurzem bekannt gegebenen Erlaß des Herm Ministers v. Puttkamer auch als gegen die Organisation der Töpfer gerichtet. Ferner sehen die Töpfer Berlins den Erlaß als eine Schmälerung deS den Arbeitem seiner Zett so feierlich durch die kaiserliche Botschaft garantirtm Koalitionsrechtei an, und fie erwarten von den Brnretem deS Reichstages, welche Gegner aller Ausnahmegesetze find, die Inschutznahme ihrer ohnehin schon kurz bemessenen Richte." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nachdem dann He-r Bormann rinm Rückblick auf daS bisherige Streben der Töpfer, ihre Lage zu verbeffem, gegeben und Herr Gl-ff zum Anschluß an den Fachveretn aufgefordert hatte, nahm der Töpfermeister Herr Frttsch daS Wort, um der Lohnkommisfion der Gesellen für ihr besonnenes Vorgehm seine Anerkennung auszusprechen, die Mittbeilung zu machen, daß auf seine Ver- anlaffung 128 Meister fich durch Namensunterschrift verpflichtet haben, auch im Winter die im Lohntarif angesetzten Löhne ohne Abzug zu zahlen nnd die Verficherung zu aeben, daß die Innung einem Streik vorbeugen wolle. Die Herren Tbieme und PrzituISli wiesen auf daS bisherige Verhattm der Meister« schast hin, wrlcheS nicht der Art gewew sei, daß die Gesellen auf die Versprechungen der Meister fich verlaffm könnten, und ficherten Herrn Fritsch dm Dank aller Gesellen zu, wenn er bei seinen Kollegm für die Anerkennung deS neuen LohntartfS der Gesellen wirken wcrde. * Fachveretn der Tischler. Heute(Sonnabmd), AbmdS 3'/, Uhr, in Jordan'S Salon, Neue Grünstr. 28, außerordentliche Generalver sammlung. Tagesordnung: 1. Wahl deS ersten KasfirerS und eines BettragSsammlerS. 2. Anträge der Fach- kommisfion,«vmt. Verstärkung dieser Kommisston um 6 Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Quittungsbuch legitimirt. Neu« MUglieder werden aufgenommen.— Mit- giteder, welche unttr den bekannten Bedingungm während deS SommelsemesterS dm Unterricht in der Handwerkerschule besuchen wollm. hadm fich in der Versammlung beim Vor- fitzen dm zu melden. Spätere Meldungen können nicht mehr berückstchtigt werdm.— Die statistischen Fragebogen werden in der Versammlung, bei dm Mitgliedern der Fachkommission und auf den Zahlstellen ausgegeben. Freiwillige Beiträge zur Unterstützung auswärtiger streikender Tischler werdm Sonn- abend» Abends von 8'/, bis 10 Uhr auf den Zahlstellen mt- Die Zahlstellm d< finden fich: 1) Blumm- ''---- 18 bei Stramm; ..... Ziöntkirchplatz 11 bei Hohn; 5) Müllerstr. 184 bei Hähring. Der Zentral-Arbettt« nachwet« deß Fachveretn« befindet fich auf der Ttschlerhrrberge, Blummstr. 56. * Fachveretn der Steinträger. SonntaaVorm. 10 Uhr, Mitgliederversammlung beiScheffer, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Innere Vereinsangeiegenheit und Verschiedenes. * Gürtler» Invaliden» UnterftützungSkasse. Sonntag, den 9. Mai, Vormittags lO'/i Uhr, Generalversammlung bei Baumdach, Prinzmstraße 94. Tagesordnung: 1. Bericht über die Jnvalidmkaffen-Angelegmheit. 2. Stawtmvcn läge und-Be- rathung. * Produktiv, und Rohstoffgeuossenschaft der Schneider ,» Berlin(E. G.). Montag, dm 10. Mai 1886, Abends 8 Uhr, Lest-zigerNr. 33, im Lokal von Hm. Waßmann, Gmeral- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vcerteljahrtbericht. 2. Ge- schaftticheß. gegengmommm. Di« Zahlstellm de finden fick ftraße 56(Ttschlerhrrberge); 2) Skalitzerstraße 1 3) Belle- Alltanceplatz 6 bei Hilscher; 4) Zwni Kleine MittheUnnge«. Laurahütte, 4. Mai. iRauvmord.) Ja der Rächt 1. zum 2. d., zwischen 12 und 1 Uhr, wurde, der„KatloM Ztg." zufolge, der auf dem hiefigen Bahnhof« deschäftiK Wagenrangirer Volwarczik, alS er nach beendeter Arbeit# der Eismbabnstrccke nach Hause ging, wenige hundert SR# hinter dem Bahnhofe von einer oder einigen Personen anjc fallen. Er erhielt mit einem scharfkantigen Instrumente ei# Schlag über den Kopf, der ihn bewußtlos ntederf Die Angreifer beraubten ihn seiner geringen Baarschaft legten ihn dann so auf da« GeleiS, daß er mtt dem., über die«ine Schiene zu liegen Lm. Die Verbrecher moi» gehofft hoben, ihr Opfer würde von einem der Nachtzüge lid»- fahren und das Verbrechen auf diese Weise maslirt we D'eser Fall trat jedoch nicht ein; früh um 4>/> Uhr, vor Eintreffen deS ersten Schnellzuge«, wurde V. von seiner W tu der beschriebenen Lage aufgefundm. Der herbei geew Arzt konstatirte einen Schädelbruch. V. wurde in dcw# losem Zustande in das„Kloster der barmherzigen Brill« nach Bogutschütz geschafft. Hier erlangte er die Bestniw»« wieder und erzählte dm Ueberfall. Di« Verletzung läßt k# Hoffnung auf seine W�ederhcrstellung zu. In ihm verlin» seine Frau und acht Kinder ihren Ernährer. München, 4. Mai.(Mordthat.) Ueber einen ß# Abend hier verübten Mord berichten hiefige Blätter: Ali% Kellnerin in der Gastwirthschaft Nr. 9 an der HerbstD? nächst dem Weinberhof, gestern Abend gegen 9 f, bald Uhr in den Keller ging, um Weißbier zu W hörte fie daselbst ein Geräusch, ohne jedoch auf%- selbe weiter Obacht zu geben. Als fie aber gegen � Uhr abermals aus gleichem Anlaß dorthin gin,# fie auf einen menschlichen Körper. Sie wachte sofort und man fand daselbst die nicht in dem fraglichen W wohnende 29jä rige ledige Näherin Maria Lang auS in entseeltem Zustande. Es ergab fich, daß die Lang erdrop war und auch einen Schlag auf den Kopf erhalten mochte, da fich eine ftische Kopfwunde zeigte. Der Gell# der Lang, Namens Maler, und ein weiteres verdächtiges v dividuum wurden verhaftet. Letzte Nachrichte«. BiS zum Schluffe bei BlatteS lagen folgende Nachrw* auS Amerika vor: Im Laufe deS gestrigm Tage« ist die Ruhe in, nicht weiter gestört worden. Früh Morgen« wurde in � Holzlager eine Büchsemit Explostonsstoffm gefunden; es*- angenommen, daß damit erne Brandstiftung deadfichtigt** In Chikago und in Mtlwaukee nahm die Polizei weiteres Haftungen von Anarchisten vor; bei Haussuchungen#5 eine Anzahl Waffen, Munttion und roth« Fahnen gek#? und in Beschlag genommen. Femer hat gestern in Milß'3 eine Erneuerung der Ruhestörungen eS nölhig gemacht, die Miliztruppen mit geladmm Gewehrm und aufg'st/� Bajonetten auSrückien; aber das Resultat ist noch nicht deft, 1000 Lackirer haben für daS Achlstunden-System 8*% 26 Pianoforte- Firmen haben dem Verlangen ihres nach einer achtstündigen Arbeitszeit nachgegeben, 11 abgelehnt, und bei 20 anderen steht die Entscheidung noffljJ Nicht weniger alS 165 Möbel-Fabrikanten, die 3600 beschäftigen, haben dos Achtstunden System gewährt. 14-qJ cotter" find or hastet worden, die ihrem Namen nach Ausländer, meistens Deutsche, find.— In Chikago klapk'lvl Großgejchworenen die folgenden Anarchisten wegen an: Die beiden Brüder Spieß, Schwabs Parsoni und ParsonS ist ein Amerikaner aui Massachusetts und_ von Beruf; er redigirte die Zeitung„Alarm"; Fiel#", Engländer. Beide werden al» die Gefährlichsten de» Ä Bande bezeichnet. Spieß drückte noch gestern eine«, h' iri; viewer gegenüber seine Billigung deS Gebrauches vs" aus; die Polizei handle, alS Vertreterin der feindselig gegen die Wohlfahrt der Gesellschaft und viüfst i(.t fortgeräumt werden.— Die streikenden Arbeiter 0#% nach dem„Berl. Tagedl.", überall nach, um nickt Anarchisten verwechselt zu werden, denen die Amerikaner Prozeß zu machen entschloffen find. AuS Athen meldet die„Agence HavaS": Ueber b«njp ziü der Antwort der griechischen Regierung auf die heute..�? gc Mächten überreichte Note verlautet, DelyanniS drücke st' � dauern aus, daß seine Erklärungen vom 29. v. M- o#, � nügend betrachtet worden seien, und beziehe fich erne»/ diese in der Note vcm 29. April enthaltenen Erklärung'�. Der Oberbefehlshaber der griechischen Truppen in General Sapundzaki, meldet, daß die Türken ihre längs der ganzen Grenze konzentrirten und hält ein der Türken auf griechisches Gebiet für wahrscheinlich. jf Sapundzaki hat veihalb angeordnet, daß die in Bolo. lattino stehenden Truppen in Eilmärschen auf Larissa � sollen. Das amtliche Blatt wird heute Abend einen Erlas � öffentlichen, der den schleunigen Abmarsch der GaNMS� Athen nach Theffalien anordnet. Die in Kalmata und.rf stehenden R-ßimoilcr find nach Athen berufen. Jjf% von Balerun ist ein türkisches Kriegsschiff angekommen-, � diesen Mittheilungen zu schließen fährt Delyannr«% jff Trotze nun auch noch den Hohn be zufügen. Man m � � mit doppelter Spannung den Entschließungen der Ata« gegeniihen.. Die Unterhandlungen zwischen Chamberlain und or� m önhifiBt hrtrrffd»JiprhWh�tiÄ»w mJP tischen Kabinet betreffs des Verbleiben« der Jrländer Parlament find bisher ohne Ergebniß geblieben.-; w-; rung�ift entschlossen, auch mtt der Landanlaufs-!twnm� deS Widerstandes der Whigs vorzugeben und der V#.# derselben durch«ine schwache Mehrheit die Auflösung �# laments folgen zu lassen. Nunmehr haben 65 Li" schließlich der Anhänger Chamberlain's, öffentlich fie könnten die irischen Vorlagen nicht unterstützen- Bei der Ersatzwahl eineS Abgeordneten tür den � im Wahlkre'S Halle-SaalkceiS an Stelle deS ProfefflN��-ß- ist Pro'effor Dr. Friedberg(nat.>lib.) mit 288 gegen 1'° j g�wäblt worden..„„..hl"% Nach einem Prioat-Telegramm deS„Berl. Tag � Naumburg leistete in dem gestern gegen den Avg �. Lerche verhandelten Diätenprozeß der Angeklagte den daß er wedir von der Partei, noch von anderer �il» oder Entschädigungen enpfanaen habe. Der FiSkU» j Folge deffen mit der Klage abgewiesen. at&JS In der Gollnower Haide(Pommern) kam dem„Berl. Tagedl." ein großer Waldbrand zum es sollen dreihundert Morgen Wald in In Nürnberg wurde, nach'~ v. Mai, eine Versammlung, auf Gi und deS Sozialistengesetze« verboten. Anver-� � wie Grillenberger rc, können in Nürnberg, ungefw 56%% Veramwortttch««ed-K-zu«. tunMm i««-» Itelag von i»■attn ,w,»tn�rw 1 Kriestasten der Kedaktir� süiß Maurer 6. H. Ihr Bericht kam,»je® Sie müssen also bis zum 1. Juni Wethe ,°hl-">', sich nicht darauf berufen, daß Sie an einem � zogen find. vbW&r * aber bis zum 25. LcbenSjahre.