>». 112 Fr-tt-g. den 14. Mni 188«. HL Zichr». MerVMliill Kraan für die Interessen der Arbeiter. 4 Sai„»erlitte* SolffMati" P täglich RsraenS außer nach Sonn» und Festtagen, vbonnunentkprei» für Berlin frei «»hau« vierteljährlich 4 Rad, monatlich 1,86 Rarl, wöchentlich 86 Pf. Postadonnrmmt « Rott Nmelne Rümmer 5 Pf. T�niagZ- Rummer mit illustrirter Beilage 10 Pf. lGingetragen in der PostzettuneZnrertliste für 1888 unter Rr. 769.) Jttfertionsgebühr beträgt für di« 4 gespaltete Petitzeile oder derm Raum 40 Pf. ArdeitZmartt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinlunft. Inserate werden bi« 4.... Nachmittag« w der Exvedition. Berlin SW.( Zimmerstraße 44, sowie von allen Rmwnwtt# Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise«, angenommen. KeduKtfo«: iL— G«psditi-»: Ii««erKratze 44. 'vf $ kmiimrihslhilstlilht Straskilinlieil. Ei» neue» Strafgesetzbuch wird w der österreichische« ,?..�rchie»»«gearbeitet. Dazu hat«u» kürzlich der ga» Ww Landtag einen höchst bemerkenöwerthen Vorschlag ge« «acht. E« solle« nämlich in dem neuen Strafgesetzbuch »eve« den anderen Freiheitsstrafen entsprechende Normen oi,ie?0mmen werden, wodurch die Abbüßung der Strafe s�ch durch Ansiedlung von Strafgefangene» in landwirth« Kolonien eingeführt und geregelt werden soll. vi. wollen ua« hier nicht auf die Einzelheiten, welche ln«. ßandtag«beschluß als Beiwerk zugegeben sind, ein« fo» 4!°udern lediglich de« Grundgedanken ins Auge fassen, Übet w 9net% das ganze jetzt herrschende Tefängnißshstem ve« Haufe» zu wnfen. Vorschlag des galizischen Landtag« zielt S?"? v°iläufig nur darauf hin, solch- Sftäf. leib?« M** laadwirthschaftliche« Kolonien einzuver- «i» o'.�lche dem Agrikulturstande angehören. Daß kriu» dbewohner, ein Laadarbester, der zeitlebens an untT v Bewegung im Freien gewöhnt ist, viel mehr »5? der Einsperrung in die ArbestSstuben der Gefängnisse, lufc Beschäftigung im Sitze« leidet, al« der an Stadt- l ft und Stubenarbeit gewöhnte Mensch, wer möchte da« Also schon von diesem Standpunkte aus be- dürfte wenig gegen den Vorschlag zu sagen sein, Lft � nur Landbewohner zum Aufenthalt in de» be« drth?len° �ndwirthschaftlichea Strafkolonien zu ver« Ctra�Ä? �der müßte es auch anderen arbeitskräftigen wä v*:: Slei'si f. 7� den Bedarf an Getreide, Kartoffeln, Gemüse, die die Anstalt selbst zu produziren; dann �Örnnf! i!�etmen,J,u kultivire», bei AuStrocknung der di« Ko«; Bewässerungsanlagen thätig zu sei», wodurch 9%ossM möte� sogenannten freien Arbeit fast auS- �edl�"". dadurch und besonder« durch Urbarmachung von Aufforstung von Abhängen u. s. w. in »lirW® Beziehung solche Kolonim Segen bringen >0 käme die» aber wenig in Betracht gegen die .g�J'ch« und sittliche Hebung der Strafgefangenen selbst. »«»tt».] Ieuilleton. Cme Mutter. Rom«, von Kfrt'eldrtch IGerftäcker. (Fortsetzung) ich frage», wie Ihr Freund heißt?' sagte Bassini mit liebenswürdiger Unbefangenheit und h-it? �oitack dadurch in eine noch viel größere Verlegen« UajL?.Bn wie hieß Jeremias eigentlich? Er hatte ihn nie ja, hi, ander» Namen al« seinem Vornamen gekannt, i» Jjrtzt auch wirklich«r>ch nar nicht daran gedacht, daß � 7"'st«ine Familien-Angelegen hett," stotterte er �«be»« 5 oiner Pause, und halte sich in seinem ganze« dicht uicht so unbehaglich gefühlt, wie hier, wo er Aber hn» �ii der Wahrheit herau« konnte und durfte. cWe» 9 uicht länger; er mußte, wenn er auch keine« daß»» kannte, die Dame doch wenigsten» davon überzeuge», ssad für.. ernster Grund seinen Besuch veranlaßt habe, i/, Tage für die Wahl der dritten Abtheilung gebraucht, in Krefeld sogar 4'/* Tage; dadurch ist man mehr in der Lage, dm materrellm Druck auf die abhängigen Wähler wirlen zu laffm".(Bachem). Ein Angehöriger der dritten Klasse kommt unter solchen Verhältniffen natürlich gar nicht in die städtische Vertretung. In dem Gtadlverordnetenkollegium von Köln, welches auS 36 Mitgliedern besteht, gehören in diesem Augen» blicke nicht weniger alS 22 Mitglieder der ersten Klaffe an, der Rest von 14 Mitgliedern gehört ausnahmslos der zweiten Klaffe. Die Befitzenden find somit ganz unter fich und unter �diesen Umständm entwickelt fich so recht, waS man am Rhein als„Klüngel" bezeichnet, eine Art von Koterie, Vetterschaft und Echwägerschaft, die ein ganzes Gemeinwesen zu beherrschen strebt.„Wir haben im Stadtverordnetenkollegium von Köln — auch hier folgen wir wieder dem Abg. Bachem— zwar sieben Kommerzimräthe und Geheime Kommerzienräthe, eS ist uns aber erst vor ein paar Jahren mit den größten Anstren» gungm gelungen, einen einzigen Handwerler in daS Kollegium zu dringen, wir stehen in den fetäbten, die hier in Bettacht kommen, einer Plutokratie(Geldherrschaft) gegenüber, die zu den bedenklichsten Erscheinungen auf sozialpoli» tischem Gebiete gehört. Wir haben die Schäden eineS Regiments von Höchstdesteuertm mehrfach erfahren..... Die Stadt Köln ist in Folge dessen um viele Hunderttausende geschädigt worden. In einem Fall, der auch dieses HauS heschäftigt hat, stellte fich heraus, daß die rheint» sche Ersenbahngesellschaft 300000 M. an Steuern zu wmig bezahlt hat; alS ein neuer Beigeordneter das Finanzdeparte» ment übernahm, kämm die richtigen Grundsätze zur Geltung. Es war allerdings eine Remedur für die Vergangenheit nicht mehr herbeizuführen." Was drachtm nun die Nationallideralm, diese Muster» Vertreter deS fortschrittsfeindlichen Großkapitals vor? Nichts als leere Ausflüchte, die allefammt den festen Willen verriethen, nichts von ihren Vorrechten aufzugeben. Für fie handelt eS fich um eine Frage der Macht unddesGeldver» dienenS— und dagegen verschwinden natürlich all« Fragen der politischen Moral und Gerechtigkeit. Nationalliberale und Konservative verschmähten eS sogar, den Antrag an die Ge» meinMommsfion zu verweisen! Wir könnm mit diesem AuSgang auch zufrieden sein. Irgendwie bedeutendere prattische Erfolge werden die Arbeiter ja auch bei einem herabgesetzten ZensuS bei den Gemeinde» wahwn nicht erzielm, für die Arbeiter ist einzig von Belang die Beseitigung eineS jedenZensui und des DreiklassenwahlsystemS durch Einführung deS allge- meinen gleichen Wahlrechts. Aber die Anhänger dieser For» derung vermehren fich, je mehr Gemeindeangchörige man heute von der Wahlberechttgung ausschließt und je schärfer die Schäden einer plutokrattschen Mißwirihschaft fich herausbilden, wie fie die Nationalliberalen am Rheine führen. Politische Urberficht. Eine sonderbare Auffassung bezüglich der Straf- androhungen deS§ 153 der Gewerbeordnung scheint daS Schöffengericht zu Görlitz zu haben. Ei wird nämlich von dort gemeldet, daß der Zimmergeselle Emst Franke zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt worden sei, weil derselbe einen arbeitenden Maurergesellen mit den Worten angeredet hatte: „Schäme Dich, daß Du hier arbeitest, da Deine anderen Kol» legen streiken-, wenn Du im Winter nicht verhungert bist, wirst Du im Sommer auch nicht verhungem!" worauf der Betreffmde sofort seine Arbett einstellte.— Der KoalitionS-Paragraph aber bedroht nur diejenigen mit Sttafe, welche durch A n w e n» dung körperlichen Zwanges, Drohungen, VerrufSerklärung oder Ehrverletzung andere zu bestimmen versuchen, an Streiks u. s. w. Theil zu nehmen. Ein körperlicher Zwang liegt in diesem Falle nicht vor, auch eine Drohung nicht. Eine VerrufSerklärung wird auch kein Richter aus den Worten:„Schäme Dich" u. s. w. heraus. finden können. Bliebe nur eine„Ehrverletzung" übrig. Diese aber aus jenen Worten herauSzufolgern, ist doch lediglich Sache deS Betroffenen. Derselbe hat sofort seine Arbett«ingestellt und hat fich stcherlich nicht in seiner Ehre verletzt gefühlt. ES liegt in dem Ausdruck„Schäme Dich" nicht einmal in allen Fällen eine Beleidigung, viel weniger eine Ehrverletzung.— Sollte der Polizei-Erlaß deS Herrn Ministers deS Jnnem aber gar auf die Gerichte bei ihrer Rechtsprechung einwirken, so Zeremia« sich hivter ihm mit einer Schnelligkeit erhob, al« ob er die ganze Zeit auf Nadel« gesesie» hätte,„nehmen Sie vor der Hand meinen herz» liche« Dank für Zhre freundlichen Miitheilunge«, die uns hoffentlich zu einem guten Resultate führe«, und seien Sie versichert, daß ich seiner Zeit nicht ermangeln werde, Ihnen getreuen Bericht über de» Erfolg meines Briefes abzustatten." „Aber wo wohnt den» dieser Herr Stelzhammer jetzt eigentlich und wai treibt er?" fragte Fräulein Bassiai, sich ebenfalls erhebend—„man muß doch jedenfalls ei» klein wenig wissen wie und wo, wen» man eiamal gefragt wird." „Sie sollen Alles erfahren, mein gnädiges Fräulein, Alles, was Sie nur einigermaße« iaterefsire» könnte," wehrte Graf Rottack ab—„lassen Sie mich nur erst die Hauptsache in Ordnung bringen, und seien fie versichert, daß ich Sie dann selber davon in Kenntniß setze« werde. Bin ich Ihnen doch auch zu großem Dank durch die Nach» richt verpflichtet, die Sie mir gegeben."* „3a, aber," wollte Fräulein Bassini sage», da sie sich nicht mit dem Gedanke« befreunde» tonnte,«och vor oer Hand völlig im Dunkeln gelassen zu werden. Rottack brannte aber selber der Bode» hier unter den Füße«, und mtt einer sehr artige« Verbeugung, welche die Dame wieder mit einem tiefen Kaix erwiderte, schritt er zur Thür, und Jeremias fuhr wie der Blitz hinter ihm her. Beide warm auch gleich sehr dabei interessirt, so rasch sie konntm wieder in's Freie zu kommen, und Jeremias schien wirklich die ganze lange Zeit da obm dm Athem angehalten zu habm, so aus voller Brust schöpfte er Luft, als er dm blaue» Himmel wieder über sich sah. Hinter de« Koulisse». I» der nämlichm Zeit, in welcher an diesem Morgen Graf Rottack mit seiner jungen Frau zu dem Besuch nach Monford hinausfuhr, war im Theater Probe von dm „Räubern." Ueberhaupt wurde das Schauspiel gerade w dieser Zeit sehr beschäftigt, denn in der nächsten Woche stand auch noch eine Festvorstellung des„Hamlet" bevor. Man erwartete wäre daS tief ttaurtg. Hoffentlich aber wird der Verurtbeilte Berufung eingelegt haben, da wir in solchen Fällen viel mehr Verttauen auf den ordentlichen Richter setzen, alS auf daS Laienelemmt. Bismarck und Gladstone in ihrer Polen» und Iren» politik vergleicht der liberale„Pester Lloyd" in folgender Weise:„DaS politische Zukunftsbild, welches Herr Gladstone in seinem Vorschlage der Welt enthüllt, ist wie eine ftohe Bot- schaft und wie eine Offenbarung. Wie stnken doch alle die großen Gedanken, welche w den letzten Jahren der Welt so rekiamenhaslie angepriesen und ihrem Beifall so gewaltthätig aufgedrängt wurden, vor der fittlichen Majestät der Gedanken deS freistnnigen englischen Staatsmannes in nichts zusammen! Der Geist der Weltgeschichte hat eS gefügt, daß nur wenige Wochen vorher ein anderer„Staatsmann", welchem eS durch glückliche Ereigniffe gelungen war, die Augen der Welt auf fich zu heften, auch mtt einem Plane zur Beseitigung der Echwie- rigkeiten, welche einem fiegreichen Volke auS der Unterjochung eines anderen entstehen, hervorgetreten ist. Er wußte dem mächtigen Deutschen Reiche, dem„Reiche der Gottesfurcht und der frommm Sitte" nicht anders zu helfen, als indem er, zu barbarischen Hilfsmitteln, welche seit hundert Jahren auS der Praxis der zioilistrtm Völker verschwunden gewesm waren, greifend, Tausende von armseligen Existenzen inS Elend stieß, und, wenn eS nach ihm gegangen wäre, so hätte ran den Polen, nachdem man ibnen daS Vaterland geraubt, auch noch den vaterländischen Boden mtt Gewalt genommen. Aus „Staatsraison" selbstverständlich. Ader es find nicht nur die polnischen Ausweisungen und die ganze übrige klägliche Reichs» politik in Posen, welche dem Fluge der Gladstone schm Ideen gegenüberstehen, wie die Ftnsterniß dem Lichte: eS ist daS ganze Prinzip der BiSmarck'schen Staatiweisheit. Es find die ent» gegengesetzten Pole, um welche fich hier die Bestrebungen für Freihett, Recht und Fortschritt, dort die für ZwangSherrschaft und Beoorrechtung klystallifiren. Die Lage in beiden Län. der« ist im höchsten Grade ereignißschwanger. Indem beide Reiche die genau entgegengesetzten Bahnen verfolgen, find fie thatsächlich in einen Wettkampf«ingetreten, deffen Ausgang der Welt für eine lange Zeit einen Maßstab dafür aeben wird, welches die höhere politische Organisation darstellt: die Monarchie, welche frei und rückhaltlos die oberste Souve- ränetät deS Volles anerkmnt, oder der Ministerial-DeSpotiS. mus." Wenn die Nationalliberalen auch sonst noch so servil find» so schreibt der„Wests. Merk", und sich vor Bis« marck platt auf den Bauch werfen, so ist ihr Katholikenhaß doch so groß, daß fie— einzig in diesem Falle!— bockbeinig werden. Zu dm Steuervorlage«, Die„Nat..Ztg." schreibt: In BundeSrathSkretsen wird angenommen, daß die Brannt- weinsteuervorlage dem Reichstage unmittelbar nach seiner nahe bevorstehenden Wiedereröffnung werde zugehen können, auch wenn in der(heutigen) Plenarsitzung noch nicht die Annahme der Gesetzentwürfe erfolgt. Noch früher wird der Reichstag jedenfalls in dm Befitz der neuen Zuckersteueroorlage gelangen, die auch zuerst den Gegenstand seiner Berathungen bilden dürfte. Der Verlauf der Berathungen über die Branntwein- steuer läßt fich natürlich jetzt noch nicht übersehen, doch hält man«S nicht für ganz ausgeschlossen, daß die beidm Steuer. gesetze so rasch erledigt werdm, daß die Session vor Pfingsten geschloffm werden kann. Schädigung der deutscht« Grmzbezirke durch die «euen österreichischm Getretdezölle. Der„Niederschlcs. Anzeiger" betont, daß in nicht geringem Grade gerade Nieder« schlefien und der angrenzende Theil der Provinz Posen von der Erhöhung der österreichischen Getreidezölle betroffen wer- den. Während jetzt in Oesterreich der Doppelzentner Roggen 25 Kreuzer und der Doppelzentner Weizen 50 Kreuzer Zoll bezahlt, wird in Zukunft der Zoll für beide Getteidegattungen 1 Fl. 50 Kr. betragen. War es bisher noch möglich, daß ein, wenn auch geringer, Getreideverkehr nach Böhmen stattfand, so ist dann die ganze Grenze zwischen Oesterreich und Deutsch» land— ca. 1200 Kilometer— für den Getreideverkehr voll» ständig gesperrt. Die Getreidemärste und sogenannten Börsm in Nteoerschlefim, welche jetzt schon ein trostloses Bild gegm früher bieten, werdm in Zukunft nur dem geringen Lokaloer» kehr dienen müssen. Wenn unter diesen Umständen die Ge« treidepreise in steter Stagnation bleiben, ja wenn eS zu man» chen Zeiten schwer hält, überhaupt Getreide zu verkaufen, so mögm fich, bemerkt da« genannte Blatt sehr richtig, die da- durch Betroffmm bei denen bedanken, welche die Einführung der Getreidezölle in Dmtschland förde-n halsen. Die Auswanderung über Bremen betrug nach einer Mittheilung aus dem statistischen Bureau: von Januar bis April Deutsche Andere Zusammen 1886 11735 8849 20584 1885 19 988 9569 29 557 1884- 31078 7806 38884 1883 30157 4856 35 013 1882 35 564 5521 41 085 nämlich in de» nächsten Tagen dm Erbprinzen zum Besuch, und der Direktor hatte angefragt, wa» Seine Königliche Hoheit im Theater zu sehe» wünsche, worauf der„Hamlet" dezeichnet wurde. Am nächste» Tage sollte dann noch ein großer Ball arrangirt, kurz, Alle« getha« werden, um dem jungen und hohe» Herrn dm Aufenthalt i» der Stadt so angenehm al« möglich zu machen. „Hamlet" mußte aber«m einstudirt werdm, und die Aufführung der ebenfalls lange nicht gegebenen„Räuber" kam da etwa» in die Quere; aber«s half ebm nicht». Das Publikum wollte solche Stücke sehe«, und die Schauspieler wußten sich fügen. Auf dem Theater, das jetzt natürlich nicht erlmchtet fei« konnte, herrschte ei« düstere« Halbdunkel. Da» Licht fiel dürftig durch die geöffnete« Seitmfenster herein, und nur ein«inzelner Sonnmstrahl stahl sich an einer Ecke vorüber und beschim eine der Koulissm, einen bemaltm Leinwand- bäum. Nur vor dem Souffleurkasten brannte» die beidm Lampen, und recht« auf der Bühne, wo ei« Tisch und ei» paar Stühle standen, saßm der Direktor in einem weiten Mantel und der etwas kränkliche Regisseur in großm Filz» schuhe« und einem Pelze, trotz der Wärme draußen, den« die Luft war hier vrinne» kellerarttg und e» zog fort- während. Auf der Bühne gingen sehr anständig gekleidete Herrm und Leute in Hemdsärmeln ftiedlich unter einander herum, und zwar beide Theile ihrm Geschäfte»«ach,— die Einen die Darsteller, die Anderen Maschinisten, Koulissmschieber und Lampenputzer, während hinten auf der Bühne eine Dame in Hut und Schleier, ein Manuskript in der Hand, noch memorirend zwischm ihnen auf und ab wanderte und nur manchmal da» Manuskript— ihre Rolle — gestikulirmd ausstreckte und leise tragische Worte dazu murmelte. E« war Amalia, Fräulein Rottenhöfer, erste tragische Liebhaberin am Theater zu Haßburg. „Dritte Ezme, meine Herrm!' rief der Regisseur und klingelte. Die Schauspieler traten zusammm; die Szenerie Die Zollauschlußarbeite« in Hamburg haben Ende 1885 schon über 51 Millionen Mark gekostet, davon» Millionen Mail für GiunvstückSerwerdungen. Ueber die Dresdener Sozialdemokraten schreibt# der„Nmdd. Allg. Ztg." aus der sächsischen Refidenz: hiefigen Sozialdemokraten nehmen neuerdings jede Gettg«# wahr, durch Maffenaufzüge Aufsehen zu erregen. So dieselben am Sonntag in großen Gruppen nach dem Trii.—-, kirchhofe, um an dem Maffengrabe der„1849 er Maigefallen«» eine„stumme Demonstration" zu veranstaltm. Dieselbe bestM darin, daß die fast zu gleicher Zeit anrückenden Kolonnen an dem Maffengrabe sammelten, woselbst Epheukränze rothm Blumen niedergelegt waren, kurze Zett dort venveus» und dann ruhig wieder heimkehrten, ohne daß die aufgestelll» Gendarmerieposten nöthia gehabt hätten, irgendwelche W, hö-igkeiten zu rügen. DaS„Leipz. Tgbl." bemertt bieG' „WäS diese„stumme Demonstration der Herren SozialvM kraten dedeuten sollte, ist eigenilich etwas sehr unklar."% wundert uns nicht. Dem„Leipz. Tagbl." ist überhaupt ganze Arbeiterbewegung„etwas sehr unklar". Oesterreich-Ungarn. Die Statthalterei in Steiermark löste den erst vor W» gegründeten Altkatholike nv er ein zu Graz auf: M Maßregelung erregte besonders darum eine heftige ErditterM weil der oberste Gerichtshof in Wim noch vor wenigen Ww» ein Verbot de» AltkatholikenvereinS zu Wernsdorf in Deut!«' Böhmen aufhob. ,, Ein kleiner Konflikt spielt fich in Salonichi ab. Die Sen Behörden verlangm von dm österreichisch unaatis®'" lnterthanen daselbst die Bezahlung der von den Mächten ijj» bedingungsweise zugestimmten Patentsteuer, und zwar% mehrere Jahre, und verweigern, falls die Steuerzahlung"jr geleistet wird, denselben die Ausstellung von Paffen, sowle� Annahme gerichtlicher Klagen. Der österreichische votsch»� hat bei der Pforte gegen dieses unberechtigte Vorgehen P»� erhoben und fordert Abstellung. Frankreich... Die„Franks. Ztg." schreibt:„In Deeazeville haben% reiche Bergleute gestern die Arbeit wieder aufgern mmen- Gesellschaft hofft bald 500 Tonnen Kohlen täglich lies«»]; können. Allem Anscheine nach neigt sich der Streik sei»? Ende zu."— Diese Nachrichten dürsten sammt und sc»� irrig sein.., AuS Lyon ist dem Minister des Jnnem gemeldet w-W' daß die Vorgänge in der Glasfabrik von La Mulatiöre»] fach übertrieben worden und daß keine neuen Zwisar fälle zu besorgen find, ebensowenig bei dem Ausstände J*; Pferdebahn. Angestellten zu Bordeaux. Elf der lcM wurden wegen deS Versuches, den Betrieb zu hindern, � haftet.. Der Unterrichtsminister Gablet und der Aberbaumi»�. Develle sprachen am Sonntag in Montdidier(Somme) bei° Gedenkfeier zu Ehren Parmentier'S, des EinführerS der ß] toffeln in Frankreich. Herr Develle antwortete dem AW' neten Jamctel, der im Namen deS Bezirks höhere@(#3 und Zuckerzölle, sowie Förderung der Brennerei verlang». J". dem Hinweis auf die begonnene Untersuchung der gewerbli»,, Lage und mit dem Veriprechm, daß die Gesetze fünft'S»L nach Schulmeinungen, sondern nach dm wahren Bedürft]% des Lande« eingerichtet würden. Beide Minister betonte»� ihren Reden, daß die Republik mehr für daS Wohl der? völkerung thue,' alS die früheren Regierungen, eine Lehaupt» � welche bei einigen Theilnehmem des Feste« Widerspruch � vorrief. Die internationale Konferenz zur Herbeiführung wöa übereinstimmender gesetzlicher Bestimmungen in den denen Staaten über die unterseeischm Kabel ist am IfL in Paris zusanimengetretm. Dieselbe wählte ben Mi"'" der Posten und Telegraphen, Granet, zum Vorsttzenden Belgien., ß(, Am Wahltaae(Dienstag) herrschte in Brüssel groß« � regung. Früh Morgens erinnerten die Trommler der garde die Wahlberechtigten an ihre Pflicht und von 8 Udr strömten die Bürger nach den Wahllokalen. Auf den Höfen langten die ländltchm Wähler in Zügen, ihre 9% an der Spitze, an. Vor dem Rathhause, wo daS HaupibU>s„ die Wahl in den 54 WahlbureauS begonnen, um 3'/« da» Wahlresultat amtlich bekannt. Von 21 721 Wahlb-rttU ten haben 17 297 Wähler ihre Stimme abaegebm. Der � rale Kandidat Bürgermeister BulS erhielt 6 399 Stimrne»:� klerikale Kandidat General Jacquemart(oder Jocmart)°.5 Stimmm, der Führer der Radikalen Lanson 3 799 S>i»"L, In Folge deffen findet am 18. d. M. zwischen den erstercn die Stichwahl statt. Bei der Stichwahl wird 13 jedenfalls gewählt, denn Janson tritt für ihn ein.. jü Die belgische Arbeiterpartei ttttt nun auch politische Aktion ein, indem fie zu den bevorstehenden , tf «ar gestellt: die böhmische» Wälder. Es bega»� ß Szene im zweite« Akte, wo die Räuber, vachde]» � Roller befreit, wieder zusammmkommen, und(T® ziemlich. �se> Pfeffer gab den Spiegelberg; überhaupt hatte» Mal alle Kräfle am Theater aufgebotm werde« um die zahlreichen Rollen so tüchtig als möglich zu � V und die Leute gaben fich die größte Mühe. f Schwarz aufttitt, mußte das Entspringe««och einm» «acht werde». � Jetzt wurde Roller angemeldet, aber der Ha»Fv � Karl Moor, war noch nicht da; da« Pferd, welch?� wissenhaft in Haßburg beibehalten wurde, sta*&?. j« in der letzte» Koulisse und schien selber ungedulv werde«. Ratzman«:„Roller, Schweizer, Blitz, Donner, und Wetter!" dC „Wo ist denn Karl Moor?" rief der Reglssem- seinem Stuhl aufspringend. „Oben war er noch im KonversationS-Zimw», u Regisseur," sagte der Inspektor, dem das Pferd auf de« Fuß getrete» hatte und der jetzt mtt läsierliche» Verwünschungen hinter den Koulisse« hinkte. „Aber warum ruft ihn de«« Niemand? Handor,«ehme» Sie mir da« nicht Übel, bei klassischen Stück „'Bitte um Verzeihung I" sagte Handor, der zusammengezogene« Braue» au» der Koulisse kam" vi-ig 6 Personen erkrantt und 4 Personen gestorben, lrantt � 15 ei'ran� und 9 gestorben und in Ostunt 4 er- i. Glaubwürdige Pcioatberichte stellen, wie das„B. Tagebl." „Schiet, die sanitären Verhältnisse in Oberitalien als äußerst ungünstig dar und beschuldigen die dortigen Behörden, daß nicht die volle Wahrheit eingestehen. In Venedig und an« W-Ui Dikn sollen ungleich zahlreichere Choleraanfälle vor- nii die offiziellen Bulletins angeben. Die öfter« Wra" Regierung hat strenge Ueberwachungimaßregeln an , ,, Äonze angeordnet. Der„Neuen Freien Presse" (Sri??' wäre auf der Südbahnstation Aviv i'l) bereits ein Cholerafall vorgekommen. , Spanien. den Wahlen für die spanischen Kortes find im Ganzen e wa 30 Republikaner gewählt. Obgleich diese Anzahl oerhätt- Mäßig gering ist, hegen die konservativen Parteigruppen ''ch anscheinend gewisse Besorgnisse. In einer Versammlung ,»n 102 Senatoren der Regierungspartei betonten der Konseil« Lofident Sagasta und der durch löniglichcS Dekret ernannte .wenatspräfident Marschall Camacho, daß e« dem Senate ob- Ll!». bei der Vertheidigunq der Monarchie und der sozialen Znlereffen gegen die der Dynastie feindseligen Gruppen mitzu- wirken. Zu derselben Zeit führte Canovas del Castillo in einer Versammlung von 100 konservativen Senatoren den Vorfitz. "?u'ive Parteichef kündigte in einer sehr versöhnlich�ge- ltim�nRede an, daß er die liberale Regierung bei der Be- «ampsung der Republikaner unterstützen würde. UWi Wnaennm«.—•—--- � �' LT'«« mi...._____________ M liegen würden, kam Niemand in den Sinn. Als aber Nachmittag mehrere au? dem Piräus auslaufende umkehrten, als die Regierung selbst an allen „wphisch die Ausstellung von EchiffSpapiercn verbot, Zf.'in fich vir Griechen, und zumal alle, die noch etwaS zu W S,tn h'lten, deS drohenden GeschäftSruins bewußt. Bei **1 l» f- ± mar&--- 4*-'' rK>- V«I Viuvcnwcii Vä»c|i�uii»iuui» vcmugi.«ti jnenge äußerte fich der Unmuth in einer EntrüstungSver- fei, Zwischenrede galt einem der Maschinisten, der in Wog Diensteifer mit hinausgegangen war und jetzt zurück- lies einmal, meine Herren, wenn ich bitte« darf," fo.»*' Regisseur;„da» Pferd muß fich gewöhnen, allem » iu kommen/ big Zauber Moor lenkte mit einem halbverbissenen Fluch Wieds?' geduldige» und etwas kreuzlahmen Schimmel Sti*!, Um' und Ratzmann mußte zum dritten Mal das �wort geh««. cv,' '»otBf«»<«; der Schimmel stakte, trotz alle» An« t�u hil' il*�»orfichtig heraus, und mit den Worten: �chw«. m Trockenen, Roller; führ'«einen Rappe» ab, «Ul be�Sj��fch* 9ßein sprang Karl Moor »ich 7�ir Haudor," rief der Regisseur, wieder aufstehend, St; tin schon früher darauf aufmerksam gemacht, daß .£ Schimmel reiten." Rappe steht in der Rolle," sagte Handor allerdings, aber wir habe« nun einmal keine» »»»..'.und ich kann das Pferd doch nicht, nur des eine« G...?R Wortes wegen, schwarz anstreiche« lassen." wasch. so führ' meinen Schimmel ab, Schweizer, und sv?? Wein." sjie 8?� � auch mordmäßig angestrengt," flüsterte der 1 Jhi?? als Schweizer mit einiger Schwierigkeit Sjen/?i�g sttz�so ziemlich; Karl Moor Räub«, ,"nrr gereizten Stimmung und«ahm, während «»5 ihn«» Hekenthote« erzählten, gar keine Notiz 3% aber Schufterle(Horatiu« Rebe) zu spreche» tat tt»in paarmal ungeduldig mit dem Fuß � Hann seioe Zwischenrede so leise ia den Bart, t.»sttw»?? laum das Stichwort verstehen konnte. De der q». �i�, Herr Handor, wen« ich bitten darf," �henb? Licht h?�" Segen das auf dem (Fortsetzung folgt.) sammluna auf dem VerfaffungSplatze. ES war Sonntag und schönes Wetter; Jedermann erschien und die versammelte Menge erreichte eine beispiellos große Kopfzahl. Vom PträuS marschirte der Bürgermeister mit Popen und Fahnen heran; die ganze Welt und ganz besonders die Mächte wurden in mehr oder weniger llasfischem Griechisch angetrotzt und daS Losungswort:„Auf nach Larissa!" ausgegeben. Der Minister- präfident Delyannis hatte wohl oder übel am Fenster seiner Wohnung zu erscheinen und seine alte Leier von der Unmöglichkeit der Nachgiebigkeit zu wiederholen: auch sein Widersacher Trikupis ward heraus« gerufen; und da er nicht antwortete, ward er mit den Rufen„Verräther" und„Elender" gebrandmarkt. Damit hatte fich der Volksunwille den nöthigen Rausch angeschrien; der Katzenjammer sollte bald folgen. In der„Jndöpendance belae" wird von einem Griechen auseinandergesetzt, die Lage in Griechenland sei so gespannt, daß daS Ende nur der Krieg oder die Revolution sein könne. Unmöglich wäre daS nicht, nachdem die achtmonatliche Mobil- machung dem Lande 110 Millionen Franks gekostet, die Finanzen deS Staates vollständig zerrüttet hat. 25'/, Franks Papier find heute gleich 20 Franks in Gold. Die griechische Ministerftage hat noch einen unerwarteten Verlauf genommen. Der unaussprechliche Papamtchalopulos lehnte in letzter Stunde dieBtldung eines KadtnetS ad und der König berief darauf Valv iS zu fich. Die Bildung des neuen Kabinets durch ValviS ist nunmehr erfolgt; dasselbe ist folgendermaßen zusammengesetzt: ValviS, Präfidium und Justiz; Lurtoti, AeußereS; General MezeiS, Krieg; Angerino?, Finanzen; Kapitän MianliS, Marine; Papailicpulo, Inneres; Professor Benigelo, KultuS. Das Ministerium ist ohne aus- gesprochm politische Farbe und soll vor Allem die Abrüstung durchführen. In Serbien werden Nachrichten über Wahlbeeinflussung durch die Regierung und den Rücktritt des KabinetS wegen einer angeblichen Mehrheit der LppofitionSpartei in der neuen Slupschtina offiziell als unbegründet bezeichnet. Die Majorttät sei mehr als genügend. Amerika. Ein Korrespondent der„N. Züricher Ztg." schreibt über Most'S Thätigkeit in Amerika:„Die anarchistischen Freunde in Amerika nahmen Most, der die Revolution fix und fertig im Aermel trug und der fich der selbst den Anarchisten erstaunlichen Kunst rühmte, die Revolution zu jeder Zeit „machen" zu können, mit großer Begeisterung auf. Die Freund- schaft währte indeß nicht lange. Anarchistischer Kommunismus oder kommunistischer Anarchismus nannte Most seinen Stand- punkt. Er wollte daS Beste auS beiden Parteien wählen und einen eigenen, einen Hans Most'schen Allerwelts' Anarchismus konstruiren. Die Folg« aber war, daß seine anarchistischen Freunde fich enttäuscht von ihm abwandten und die sozial« demokratischen Gegner ihn od seiner Narrheit auslachten. Die Raubmorde hatten nur die einzige Folge gehabt, daß die Ar« beitermaffen fich mtt Abscheu von den Anarchisten abwandten, und daß die Reihen der anarchistischen Genossen fich lichteten, statt fich zu verdoppeln. Das war den Anarchisten nicht ent- gangen und hatte bei ihnen eine entschiedene Ernüchterung zur Folge gehabt. Daraus ergab fich zuletzt eine gegen Most ge« richtete Reaktion, die demelben zwang, das Aufhetzen zu ge« meinen Verbrechen einzustellen. DaS mag ihm nicht leicht geworden sein, da daS gemeine Verbrechen in seinen Augen ein Universalmittel war, die alt« Gesellschaft aus den Angeln zu heben. Sie sollte durch die Verbrechen beständig in Ausregung erhalten werden, nie sollte fie vor anarchistischen„Thaten" fich er sein, Schlag auf Schlag sollten dieselben einander folgen, bis die abgehetzte, athemlose Gesellschaft zusammenbrach und eine Beute de« Anarchismus wurde. Auf diese» schreckliche AgitalchnSmittel zu verzichten, das mußte Most um so schwerer fallen, als gerade dieses Mtttel seiner Partei eine gewisse Furchtbarkeit verlieh und als er andere Mittel nicht besaß, um fich und seiner Partei ein Bestehen zu geben.... Unzählige Male hat Most seinen Anhängern den unmittelbar be« vorstehenden Ausbruch der Revolution verheißen. Er hatte ihnen ganz spezielle Anweisungen gegeben, wie fie fich der kommenden Revolution gegenüber verhalten sollten. Seine Anhänger waren so vollständig unterrichtet, daß an der Revolution nur noch EinS fehlte, der kleine Um- stand nämlich, daß fie endlich einmal hereinbrach. Das Fatale für Most aber ist, daß die Revolution ausblieb, so viel er auch wühlen und toben mochte. Er hatte feinen Leuten gerathen, nur auf die Straße zu gehen und mtt der Abschlachtung der Bourgeois den Anfang zu machen, das U-brige würde fich dann schon finden. DaS thaten diese Helden um so weniger, als Most eS auch nicht that und die übrigen anarchistischen Füh- rer der Meinung waren,«S wäre respektwidrig, wenn fie an« fingen, bevor ihr Obergeneral Most damit begann. Damit kam denn die Most'sche Revolution ebenso wie sein Hildenthum sehr stark in Verruf." Der Koirespondent erzählt hierauf von dem persönlichen Hader, der schließlich unter den anarchistischen Füh- rem ausbrach.„Der Eine Ihut dm Andern ab und denunzirt ihn als Lumpen und Schwindler." So sagte fich u.A.Justus An» Kunst und Lebe«. Im Loutsenstädtische« Theater geht das seit längerer Zeit vorbereitete mufikalische Genrebild„Künstlerleben" von William Köhne moram, Sonnabmd, zum 1. Male in Szene. Für die weiblichen Hauptrollen find die bekannten Gesang!« Soubretten Frl. Freiheine und Stadthaus zu Gastspielen ge- wonnen, während die bervorraamden Herrenpartim fich in den Händen der Herren Jung, Betz, Delclifeur und Schneider definden. Herr Oberregiffeur Reuter hat die Jnszenirung der Novität übernommen und den von Felix Jäger komponirten mufikalische» Theil leitet Kapellmeister Franz Brandt. Heute(Freitag) findet im Ostend-Theater daS Benefiz für die Herren Hugo Hummel und Max Samst statt. Zur »ufführung gelangt Charlotte Btrch.PfeifferS vortreffliche» Schauspiel„Der Glöckner von Notre-Dame". Die Haupt- rollm spielen die Damen Fräulein Ida Müller und Frau Wexel, sowie die Hnren Samst, Hummel, Michaelis und Zwenger. Der außerordentliche Harfen-Virtuofe Herr Ferdi- nand Hummel wird die Vorstellung durch den Vortrag seiner besten Ptecen zu einer ausgezeichneten gestalten. LonS haben GUtigkett. Ein schreckliche» Unglück ereignete fich am 13. März in der Diamantengmde von Du ToitS Pan bei Kimberley in Süd-Afrika. 8 weiße Männer und eine größere noch nicht fest- gestellte Anzahl Kassern fanden unerwartet und plötzlich einen schrecklichen Tod In Folge starker Regmgüffe war von be- treffmden Autorttäten längst ein Erdabrutsch(wie er in vor- tigen, offenen, jetzt schon über 50 Fuß tiefen Minen öfter« vor- kommt) defürchtet, trotzdem wurden SjcherheitSmaßrmeln da« gegen immer verschoben, bis ei zu spät war.— Die Mittags- glocke hatte, wie gewöhnlich daS Zeichen zum allgemeinen Ver« lassen der Mine gegeben, Aufseher, Schienenleger, Drahtseil- flechter und Andere suchten Schutz in den Maschinenhäusern vor den in den Arbeitspausen beginnenden Dynamitsprengun- gen. Die Neger brachtm dm Ardeitern, wie immer, stn dm Blechmmagm ihr„ftugalet" Mahl, da die Meisten den 25 Minuten erforderlichen sehr steilen Aufstieg scheuten. Ruhig von der Heimath plaudernd, ihre Pfeifm rauchend, erfteutm fich die Ardeiter der kurzen MittagSraft. Da löste fich plötz« iich eine Erdmasse von zirka 250000 Waggonladungen Grund und stürzte mit donnerähnltchcm Getöse, die Dynamitkannonade üdertönmd, in die Tiefe. Schrecklich war der Anblick der später zu Tage gefördertm Leichen. Dieselben warm nicht Schwab von Most IoS und wurde dafür von diesem in Acht und Bann gethan. Der Redatteur der anarchistischen„Liberty", ein gewisser Tucker, der früher selbst zu der verbrecherische« Richtung der Anarchisten gehörte, schildert die Most'sche Sipp- schaft als eine wohlorganifirte Brandstifterdande, die fich da- durch Geld verschaffte, daß ihr« Mitglieder ihr Eigenthum über dessen Werth verstchertm, dann Alles heimlich fortschafften, ihre Wohnungen anzündeten, beschworm, daß fie hohe Veiluste erlitten hätten und so von dm Vcrfichemngsgesellschaften Geld erlangten. Die Explofion von Petroleumlampen war gewöhnlich daS Mtttel, dessen fie fich bedienten. Schwab und Gc» noffm, meint der Korrespondent der„N. Zürch. Z." am Schlüsse seiner Mittheilungen, haben zuletzt offenbar da» Be- dürfniß gefühlt, fich bei Zeiten zu decken, um dem Sträflich'er zu entgehen. ReuterS Telegramme berichten folgendes: Vier Regimmter Miliz find nach Cincinnati beordert worden, weil man in Er« fahrung brachte, dgß 600 mit Gewehren bewaffnete Sozialisten die Fabrikation von Dynamitbombm überwachen würden. Wie es heißt, ist eine der bei den Unruhen in Chikago geworfme Bombe in Cincinnati fabrizirt worden. Der Eisenbahnverkehr an den vom Streik betroffenen Bahnen lebt wieder auf und find schon bedeutende Frachten befördert worden. Der Streik der Bremser der Union Pazifik Eisenbahn ist zu Ende. In Milwaukee wurden 19 Anarchisten auf die Anklage der Ver« schwöruna zu Todtschlag und Mord verhaftet. Dieselben wur- den in Untersuchungshast behalten, um ihren Pwzeß abzu- warten. Asien. AuS Birma kommm über die Lage der Engländer ziemlich trübe Berichte. Die Annexion Birma? hat dm Engländern die benachbarten wilden chinesischen Banden auf den valS ge- laden. Nach der„Krmz-Ztg." find die sogenannten„Dakoils" in Birma keine Räuberbanden, wie man vielfach annimmt, sondem die regelrechten Spitzen einer über daS ganze Land verbreiteten Revolutwn. Ihre Unterdrückung ist um so schwie- riger, als nach neueren Nachrichten unter den englisch« indische« Truppen die Cholera ausgebrochen wäre. Der Zu- kunft BirmaS steht man deshalb in Engtand mit Besorgniß entgegen._ Soziales««d Arveitervemegnng. Schwacher Trost. Die Handeltkammer zu München er- klärt, daß trotz des geficherten Friedens, trotz zureichender Ernte, trotz aller Bedingungen einer ruhigen Entwickelung, kein Aufschwung in dm wirthfchaftlichen Verhältnissen zu ver- zeichnm sei. Schlechte Preise, aufS Aeußaste getriebene Konkurrenz, Ueberprodustion— das sei mit wenigen Ausnahmen daS Urtheil sämmtlicher Geschäftszweige. Aber trotzdem ergebe eine Vergleichung mit den Zuständen in anderen Staaten, daß in Deutschland und speziell in Oderbayern die Verhältnisse „noch verhältntßmäßig" zufriedenstellende seim.— DaS ist allerdings ein recht schwacher Trost, wenn man selbst bis an den HalS im anschwellenden Waffer steht und steht, daß eS einem Anderen schon bi! an daS Kinn gestiegen ist. Im Uebrigen wollen wir zugeben, daß in Oberdayern bei ver gering entwickelten Industrie und dem fruchtbaren Boden die Verhältnisse„verhältnißmäßig" noch zufriedenstellende find; man darf aber dabei da»„verhältnißmäßig" nickt allein auf da» Ausland— vielleicht find Belgien und Galizien ge- meint—, sondem besonders auch auf einen größeren Theil Deutschlands, auf die Jndustciebezirke in Sachsen, Schlefien, Rheinland u. s. w. beziehen. Dort ist eine wirkliche Nothlage vorhanden. Die Lohnverhältnisse der landwirthschaftliche« Ar- beiter find in den verschiedenen Gegenden Deutschlands sehr verschiedene. Während dieselben im Osten der preußischm Monarchie schlechte zu nennen find, während die pommerschm Landarbeiter bei gleicher Arbeit nur ca. Vi des Lohnes der holsteinischen Arbeiter erzielen, weil die in einer Gegend vor« banden«» Bedürfnisse in der Gesellschaft auf den Lohn der Arbeiter vom höchsten Einfluß find, find die Lohnverhältniffe im Westm und Nordwesten Deutschlands unter den Land- arbeitern entschieden bessere. Zu einer Vergleichung gewähren folgende Mittheilungm aus der Quickdorn er Haide bei Hamburg besonderes Interesse. Dort erhalten die Leute, welche in Hofarbett fest angestellt find, freie Wohnung und dabei ge- legmm umfangreichen Gartm, 60 Ruthen vom Hofe dedüngtes Kartoffelland und außerdem so viel Land, alS fie mit dem selbst produzirten Dünger ordentlich bestreuen können und auf welchem fie auch Hackfrüchte, d. h. Kartoffeln, bauen. Jeder erhält Futter für eine oder zwei Ziegen und Streumateiial auch für Schweine. Außerdem tönnen die Arbeiter fich auf angewiesenem Moorland so viel Torf stechm. als fie zu be« dürfen glauben und werden ihnen alle nöthigen Fuhren vom Hofe umsonst geleistet. Der daare Lohn ist nicht ein übermäßig großer, jedoch in Anbetracht der geschilderten Vergünstigungen immerhin ein beträchtlicher. Vier Monat« lang erhalten die Männer 1 M., vier Monate 1,20 M. und vier Monate 1,50 M. Tagelohn, dabei haben die Leute Sommer und Winter nur durch den fallenden Grund verstümmelt, sondern außerdem förmlich gekocht durch den ausströmenden Dampf der in Atome zerstörten Maschinen und Dampf- keffel. Der„Diamond FieldS Advertiser" bemerkt hierzu: „Wenn so manche hohe, reiche Dame beim Anlegen deS strahlenden Schmucke? gleichzeitig im Spiegel neben oer eigenen Schönheit die tausend von gräßlichen Szenen sehen könnte, welche beim„Diggen" der Steinchen vorkommen, Bilder, gleich Dante'S„Inferno" von schrecklich verstümmelten Gliedern, qualvollen Todesopfern und all den unzählbaren Thränen der ihre» ErnähreS beraubten Angehörigen— nicht zu gedenken der hunderte von den deutschen Opfern, welche in der Hoff- nung zur schnellen Erreichung deS kleinen Kapitals, welches zur Rücklehr nach der Heimath erforderlich, fich zum unerlaubten Ankauf der„Steinchen" verführen ließen, um dieS mit 5 b'.S 9 Jahrm schwerer Arbeit am„Breckwater" in Kapstadt büßen zu°müssen so würde fie wohl den Edelsteinen«inen noch höheren Werth beilegen, dieselben ad« nicht nur alS Glanz des ReichthumS benutzen, oder um den Neid anderer damit herauszufordern. Eine hübsche Satire auf die oberflächliche Erziehung, die man in unserer Zell vielfach der heranwachsenden Weib» lichkett anaedeihen läßt, dringt der„P. H." unter der Spitz» marke:„Wa? macht ein junges Mädchen glücklich?'—„Man gebe ihr ein Dutzend Mondscheinftrahlen mit Walzermufik, zwölf Ellen seidenes Zeug, einen Kanartenvoael, eine nicht zu kleine Portion Chokoladenkreme, ein paar Romane von der Marlitt, sowie einen in Goldschnitt gebundenen JultuS Wolff. den Händedruck eine» ihr nicht ganz uninteressanten jungen ManneS, sowie einen Rosenstrauß auS dessen Hand, verstchere fie, daß da« Kleid einer Rivalin sehr schlecht fitzt, verspreche ihr einen neuen Frühjahrshut, und der Inbegriff menschlicher Glückseligkeit, soweit dieselbe im Aller von 16 biS 22 Jahren möglich ist, wird hierdurch erreicht." Gegen die Seekrankheit. Prof. Dr. Jäger berichtet in seinem MonatSblatt, daß bei dm Seeleuten, Matrosen u. s. w. folgendes Mittel anzuwenden sei. Man trage nämlich von Anfang an während der Seefahrt stet» einen eine Hand brei« ten und zwei Hände langen Streifen ziemlich dicken, wollenen Filz, der mit Branntwein durchtränkt ist, der Länge nach auf der dloßm Haut über der Magengrube. Derselbe muß stets mit SchnapS feucht erhaltm bleiben.— Den Filzlappen würden die braven Matrosen schon vorschriftsmäßig tragen, daS Anfeuchten wohl mehr von innen besorgen. Arbeit. Die Frauen erhalten gewöhnlich 90 Pf. und Kinder 60 Pf. pro Tag, wenn ste in der schulfreien Zeit beschäftigt werden.— Abgesehen von den patriarchalischen Zuständen, welche bei derartiger Ablohnung entstehen resp. beibehalten werden und die gewiß in Bezug auf die Weiterentwicklung der Arbeiterklaffe ihr Mißliche» haben, ist aber die Gesammthöhe de» hier angegebenen Lohne» für landwirthschaftliche Arbeiter im Bergletch zu derjenigen im Osten Deutschland» eine günstige zu nennen, wo e» Gegenden giebt, in denen der Tage» lohn ohne die Vergünstigungen den oben angeführten nicht übersteigt- Zu bemerken ist, daß in der Qmckdorner Haide Bauernbcfiver find, die tüchtig selbst mitarbeften, während die Güter im Osten einem Adel angehören, der den Winter in Berlin, den Eommer im Bade und den Herbst auf der Jagd zudringt. Die Tapezirergehilfen z« Dresden find nun auch in die Lohnbewegung eingetreten. In einer zahlreich besuchten Versammlung wurde über die Regelung der Arbeitszeit und Löhne berathen. Der von einer provisorisch zusammenge« tretenen 5iommisfion verfaßte schriftliche Entwurf enthielt im Wesentlichen folgende Punkte: Di« Tapeztrer- Meisterschaft sei von dem früheren Lohntarif sowohl bezüglich der Arbeitszeit als auch de» Lohnes abgewichen. Die Lage der Verhältnisse bedingte die Gewährung eine» DurchschnittSstundenlohne» von 33 Pfennigen mit einer von früh 7 Uhr bi» Ahendt 7 Uhr währenden Arbeitszeit— einschließlich je einer Viertelstunde für Frühstück und Vesper, sowie einer 1V-stündigen Mittags» zeit. Da» Stundenlohn für Uebe, stunden solle um 5 Pfg., für Nachtarbeit um 10 Pfg. erhöht werden>e. Man entschied stch schließlich in der Hauptsache für Forderung eines Minimal- nundenlohneS von 30 Pfennigen und wählte eine definitiv« Lohnkommisston. �_ Die Barmer Maurer fordern: Tagelohn im Sommer 4 M.. im Frühjahr und Herbst 3 M. 75 Pf. und im Winter 3 M. 50 Pf., bei Sonntag- und Nachtarbeit die doppelten EStze. Eine Kommisston von 12 Mitgliedem erhielt den Auf. trag, mit den Meistern eine Einigung anzustreben, erfolgt diese nicht, dann soll über einen zu inszenirenden Streik ver- bandelt werden. Die Bielefelder Maler streiken zum größten Theil, da ihre Fordemng auf Erhöhung des Stundenlohnes und Ver- kürzung der Arbeitszeit von der Mehrzahl der Meister nicht dewilligt wurde. Der Tischlerstreik i« Kottbu» dauert noch immer fort. Gegen die äußerst mäßigen Forderungen der streikenden Ge. sellm werden von der Mehrzahl der Meister, wie der„Kottb ersten Vierteljahr 1884 um 17 870 fl.- Mitglieder zu zahlen hatte, als im JahreS 1885. = 27 pCt. mehr an ihre gleichen Zeiträume de» noch höhere Löhne zahlen, al» die Streikenden verlangm.— Die Meister wollen jedoch die Kommisfion der Gesellm und vor allem den Fachverein der Tischler nicht alS gleichberechtigte Fattoren anerkennen, verlangen vielmehr, daß die Gesellen ein- ein mit ihnen unterhandeln sollen. Viele der Streikenden oben Kottbu« verlassen, ein Tbeil derselben ist nach Berlin I ereist. Die Kommisfion der Gesellen ersucht, den Zuzug nach lottduS streng fernzuhalten. Es ist alle AuSstcht vorhanden, daß fich die Meister den Bedingungen der Streikenden voll und ganz fügen werden. Ihre Antipathie gegen den Fach- verein werden fie wohl auch überwinden— müssen. Der Tischlerstretk w Elberfeld ist beendet, in einer öffentlichen Tischler-Versammlung, welche daselbst am Montag auf der WilhelmShöhe stattfand, legte der Kasfirer Rechnung über die Streikbewegung. Die Einnahme beträgt 314,38 M.. die AuSgade 254,95 Ä. Der Ueberschuß von 59,43 M. wurde dem UnterstützungSfondS ver Tischler Elberfelds überwiesen. ArbeitSlostgkett in Wie«. Vor einiger Zeit suchte Je- mand. welcher in Wien wohnt, in einem dortigen Blatte einen Schreiber unter Aufforderung, den Preis für je 1000 Worte beizufügen. Auf die Anzeige liefen nahezu 100 Angebote ein, darunter solche von stüheren Offizieren und Beamten, die meisten von«aufleutm und Buchhaltern. Für daS Abschreiben von 1000 Worten wurden diS zu 80 Kreuzern(1,40 M.) verlangt, die Mehr, ahl indeß forderte 20-30 Kreuzer(35- 50 Pf.). meb-ere 10—12 Kreuzer(18—20 Pf.) und einer der Beamten erbot fich sogar. 1000 Worte für 5 Kreuzer(8 Pf.)»u schreiben. AuS den eingelaufenen Briefen sprach viel Roth..... Noch größer scheint indeß die ArbettSlofigkeit zu Wien in den Hand- arbeitenden Kreisen zu sein. Wie der neue..Verein für Ar- beitSvermittelung" berichtet, meldeten fich bei ihm 2597 Arbeit« suchende, doch konnte er nur 326 Bewerber unterdringen. Die Abgewiesenen waren vorzugsweise Metallarbeiter, Tischler und GeschäftSdiener. Der Verein schätzt die Zahl der ArbeUSlosen in Wien aus 60 000 Personen, waS offenbar zu niedtt� ge- rehmen,'läßt fich der Tbatsache entnehmen, allgemeine ßiffen ist. Wie sehr Entbehrung und in Folge dessen Erkran- ngen zunehmen, läßt fich der Tdatsache entnehmen, daß die allgemeine Arbefter-Kranken- und Invaliden. Kasse in Wien im I» Zürich ist ein Streik der Schlosser ausgebrochen; über 200 Gesellen detheiligen fich an demselben. Die Strei- kenden verlangen zehnstündige Arbeitszeit ohne Lohnverkürzung. Die meisten Gewnlschaften haben ihre Unterstützung zu- gesagt. An die in der Hutfabrikation beschäftigte« Arbeiter richtet stch folgender Auftuf de» Vereins zur Wahrung der Interessen der in der Hutfabrikation beschäftigten Arbeiter: Vor ca. 4 Wochen ist in der Hutfabrik von Bock, GreifSwal- derstr. 23a, wegen ArdeitSdifferenzen ein Streik ausgebrochen. Derselbe fiel für uns biS heute äußerst günstig aus, da e» Herrn Bock trotz vieler Mühe nicht gelang. Arbeiter von aus- wärtS für seine Fabrik zu gewinnen. Wir bitten daher alle Kollegen, auch fernerhin den Zuzug fernzuhalten, und fordern alle zur Unterstützung auf, da der Streik hoffentlich nur noch kurze Zeit dauert. Da nur noch wenige Kollegen zu unter- stützen find(die andern find beretts in anderen Fabriken unter- gekommen), so bitten wir Euch, wenigstens von diesen einzelnen Kollegen die materiellen Sorgen fernzuhalten, um diesen Streik nicht illusorisch zu machen. AlleS Nähere bei M. Seeger, Bmnnenstr. 150, und in der am nächsten Montag, den 17., in Tiemund'S Restaurant, Linienstr. 8, stattfindenden Versammlung obigen Vereins. bis. Ueber die Lage de» Maurer-Streik» am Mitt- woch erfahren wir von der Gesellen Loh nkommisfion. daß die Gesammtzahl der den 50 Pfennig-Stundenlohn bezahlenden Meister und Unternehmer 274 betragt, sowie, daß da» Bau- geschäft in immer ledhafteren Gang zu gerathm und die Nach- frage nach Arbeitskräften stetig zuzunehmen scheine. Lohn« reduttionen des bereit» gewährten 50 Pfennig Stundenlohnes hätten in größerem Umfange nicht ftattgesunden, gleichwie fich auch die Zahl der Streikenden seitdem nicht wesentlich ver- mehrt habe. Letztere betrage nach wie vor ca. 1600. Andererseits hätten wieder einige Meister ihre NamenSunterschrist zur Beglaubigung deS von ihnen auf die Dauer dewilligten Stun- denlohn» von 50 Pf. bei der Lohnkommisfion der Gesellen ab« gegeben. Die Zahl dieser Meister betrage jetzt insgesammt 17. Dagegen fehlte e» auch nicht an einzelnen Meistern und Unternehmern, die, nachdem fie bereit» den geforderten Minimalstun« denlohn von 60 Pfg. bewilligt und bisher gezahlt hätten, eS jetzt versuchen wollten, den Lohn auf 47'/» oder 45 Pfg. zu reduziren; doch sei eS bis jetzt der Lohnkommisfion in solchm Fällen mehrfach gelungen, durch energische» aber taktvolles Auf« treten die betreffenden Herren zur Zurücknahme der Lohnabzüge SU bewegen. Mereine mk Versammlungen. Der Arbeiter-Bezirksveret« im Westen hielt am Mon- tag»bend in Gründer'» Salon, Schwerinstraße 26, eine gut besuchte Versammlung ad. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag deS Herrn Kanitz über die Nerven. In klarer Weife legte der Vottragende daS ganz« Neivensystem dar. Redner ermahnte, Störungen der Nerven so viel alS möglich zu ver- hüten, er warnte besonders vor zu vielen Genuß von Alkohol und aller berauschender Getränke. E» sei sehr schädlich auf nüchternem Magen zu trinken, lieber solle man erst ein Stückchen Brod je. vorher essen, auch nicht zu heiß oder zu kalt solle man Speisen und Getränke genießen. Besonder» empfahl er die Reinigung deS Körpers durch Flußbäder und Abreibungen. R-dner ging dann auf die Erziehung der Kinder näher ein und unterzog da» förmliche Einpauken von kleinen Gedichten, bei oft kaum dreijährigen Kindern einer scharfen Kritik, auch da» übermäßige„Auswendiglernen" in den Schulen veruttheilte er. Schädlich sei eS weiter, wenn Eltern kleine Kinder schon auf jedeS Schaufenster aufmerksam machen und so dai Gchim des Kinde», welches noch gar nicht entwickelt ist, anspannen. Redner streifte auch die Religion etwa», welche er noch nicht ganz beseitigen wolle. In der Dtskusfion sprach Herr Hein- rich einige Wotte über Auswendiglernen ganzer Kapitel auS der Bibel.— AlS hierauf Jemand au» der Versammlung rief: „Wir brauchen keine Religion", erklätte der überwachende Beamte die Versammlung auf Grund de»§ 9 des Sozialistengesetze» für aufgelöst. * Der Fachverein der Werkzeugmacher Berlit-s hielt am Sonntag, den 9. d. Ml»., eine Generalversammlung im Lokal Köpnickerstraße 158 ad. Zum ersten Punkt der Tages« ordnung stattete der Kasfirer Herr Damloff Bericht ab. An freiwilligen Beiträgen zur Gründung de? Vereins waren 57 M. eingMnzen; an laufenden Bettlägen und Einschreibe- geld 20 30 M; zusammen 81,30 M. Die AuSgabe betragt 36,70 M.; es bleibt also ein Kassenbeftand von 44,60 M. Nachdem der Bericht geprüft und für ttchtig befunden war, wurde dem Kasfirer Decharge ertheilt. Hierauf wurden Herr Pelz zum zweiten Vorsttzenden und Herr Palvel alS Revisor gewählt. ES wurde beschlossen, die Versammlungen immer am zweiten Sonntage eines jeden Monat» in demselben Lokal abzuhatten. Schließlich wurde eine Fußpattie für Mittwoch, den 19. d. MtS.(Bußtag), verabredet. Versammlungspunkt: Schlefischer Bahnhof früh 6V» Uhr. Arbeiterinnen- Versammlung am Frettag, den 14 d. M., Abend» 8V, Uhr, im Lokale Rosenthalerfiraße Nr. 4 Zahlreiches Erscheinen der Arbeiterinnen ist sehr erwünscht. Mitglieder zum Arbettettnnm Verein werden aufgenommen. Verein»- Versammlung de» Gan-Berein» der Maler Berlin» am Dienstag, den 18. Mai, Abends 8 Uhr. Tage»' ordnung stehe Inserat am Sonntag. Zahlreiches Erscheinen sehr erwünscht. Laut Beschluß der letzten öffentlichen Ver» sammlung soll aui dem Gau-Verein eine„Kontrol-Kommisfion gewählt werden. Allgemeine Kranke«- und Sterbekasse der Metall» arbeiter(E. H. 29, Filiale 7). Mitglieder- Versammlung am Sonnabend, den 15. Mai, Abends 8V» Uhr, Lindenstr. 26 bei JakodS. TageS« Ordnung: 1. Kassenbettcht. 2. Bcricht e Kongreß. Referent Herr Guthcit. * Zentral- Kranken-«ud Sterbekasse der Tischler u. s. w., öttliche Verwaltungsstelle Berlin GK Sonntag, den 16. Mai, Vormittags 10 Uhr, Mitglieder- Versammlung bei Keller, AndreaSstr. 21. Tages-Ordnuna: 1. Abrechnung»o« I. Quattal 1886. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimin- Gl[120] 577 700 943 11201 8. Liehung d. 2. Klasse 174. Königs. Preuß. ßotterifc ,,. Sleliun« tom 19. Mai 188«. r>ue dl» 8*19 tun» über 105 Marl find otn betreffenden Nummer« in Pareitthe,e beigefügt. sspsiiiiiSsaif 92[1201 98 1 0049 DD______ � mD � � � DDDDD A 730 978 93 12126 213[120/ ii 836 Üäbli GTd' 720 130lM2%ä 537 MWHRMÄ m m ws» wasj 6 201[30001 91 336 609 41 733 800 1 8211 319* 10156 260 87[120] 326 525 681 89 724[240] 49 � 400 1120] 3[160| 85 96 682 90 602 730 813 961 rtfl 2ol50 73 86 93 268 77 761(120) 75 99-«6041 118 261 73 79»3 BaWm-ÄK# sMWMMMM 615 SsMiÜ«%% 771 965:»8C54 113 21 549 3U214 34) 62 721[1201 938,.,(üä 4O009 121 81 366 70 93(1501 96 633 62 829 38 931 12401 104 61 12401 85 246 322 745 884 97 970 88 4 4 86 105 2)2 25 380« j 597 633 911 48037 96 404 27 550 61 79 700 15[120] 85 815 966*" 363 676 697 844 974 78„ � ,[I 45006 45 107 236 78 89 322 483 661 78 606 77 820 4 0058 6», jj 46 62 303 84 409 29 684 762 961 70 47020 31 143 92 200 20(Ift'.lJ 1201 312 74 664 98 819 61 926 27 88 48148 80 282 300 895 996 [150] 70 220 24 326 79 473 796 829 68 908 68« lU . 50096 144 301 14 37 512 43 765 968 90 96 5 1 097 242 49 � D ' wa iB 289 1120] 367 463 5:1086 170«4[120] 361 460 61 86 90 523 96 701 809 942 „oJ 1120] 357 463 666 1180] 601 719 847 961„0 ,,o 6lS .»-.044 221 63 484 830 72 9.>5 56060 187 211 91 313 78 ttchSj L 9iK)l 77Q 070 QO 77 11Q Q1 QQQ �nt RK./\ 240 TQQ Oiß mmmmi WWW 847 88 920............ oaS1rf 94 965 80375 412 30 74 86 648 85 86 730[120] 891 64070 l1�1 9M1 h-> A.(tili; 11901 711!(19,- � 10 49 716 923 63 81(1801 ) 761 231 62 4 6 606 85045(120) 88 253 421 697[1201 612 7l 89 [160] 69 455 704 83 962 72 613 98 92C"---- »0221 628 36 49 601 98" 74 782 221 318 460 1 813 74 962 89----- 88100 2 12[120] 343 406[120[, Theater. "»ZK-- Freitag, den Nurjahd. .. 14 Mal. Vorher: Der reisende — bent._ Gchauspielhau». Die Waise von Lowood. Deutsche» Theater. Der Widerspänstigen Nallner-Theater. Der Herrgottschnitzer von Ammergau. »estdeu,- Theater. Familie Hömer. hierauf: B-aeÄmanee-Tbeater. O, diese Männer I Schwank in 4 Akt. von I. Rosen. Wrtedrtch-Wilhelmstädttsche» Theater. Der jalla• Theater. DaS lachende Berlin. Heitere» au» der Berliner Theatergeschichte «tt Gesang und Tan» in einem Dorsriele und 3 Akten von Jakobson und Witten. «eu-ral-Theater. Der Stab»- Trompeter. «Moria» Theater. Amor. Tan» Poem von Luigi Manzotti. Loutseustädtische» Theater. Da» lachende vstend- Theater Dame._., «ansmann» Variete. »orstellung._______ Neu! Z. ersten Male: Algier. Wanderung durch da»«iesengebirge. ha>> Reise. Sarolinen• Inseln. Eint Reift 20 Pf.«tndcr nur 10 Pf. KnSerordentl. General Nersammlung der Ztmmerlenie Krrlin» und Umgegend am Sonntag, den 16. Mai. Vorm. pünltl. 10 Uhr, in der Tonhalle, Fiirdrichstraßc 112. T.-O.: 1. Regelung aller noth wendigen Angelegenheiten zu der am 17. Mai in Aussicht genommenen ArdeitSeinstellung. 2. Ab- rechnung de» Generalfond» der Berliner Zim- merleute pro l. Quattal 1886(die Monate Januar, Februar, März). Jeder Inhaber von Quittungen vorbenannter Monate wird ersucht, dieselben mit zur Stelle zu bttngen. 3. Ver- schiedene». Von der Betheiligung eine» jeden Zimmermanns wird e» abhängen, bindende Beschlüffe zu fassen. Die LohnkommiMo«. I, A.: I. Seitzt. Fehrdelllnerstr. 35.[1637 Der Glöckner von Notre- Große Spezialitäten« PreiSwerthe Sumatra« und Java-Decken, wie billige Umblatt- und Einlage-Tabacke empfehlen W, Bergemann& Oo, 88 Alexanderstrake 88[1634 und Gartenftratze 85 im Ctgarren Geschäft. Grosse öffentliche General-Uersammlung der Maurer Berlins nnd Umgegend find-t am Sonntet 0, den 16. Mai, Vormittag» 10 Uhr, im großen Saale der Brauerei Tivoli statt. 11640 Tagesordnung: 1. Fortsetzung de» partiellen Streik» und die Vortheile und Nachtheile desselben. 2. Verschiedene». Die Lohn-Kommission. I. A.: W. Roll, Arndtstraße 13. Cigarren- u. Tabak-Handlung 691_ en pro« en detail Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde"). � Import echter Havanna, Lager aller Sorten Ranch- und Schnnpf-T® »eich assortirte« Zager echt türkischer, rnMscher «nd amerikanischer«igaretten xu Tabake.<6 cht Uordstanser Kaniab�� Säte für Vereine und Versammlungen»c. täglich, auch Sonntag» Vormittag» zur fteien Benutzung empfiehtt[1622 B. Nieft, Kvmmandante« krasse Ur. 72, _ Hof parterre._ Eine General-Versammlung sämmtlicher Mitglieder der alten Sterdekasse der Maschinen. bauarbeiter findet am Sonntag, den 16. Mai ct., Vorm. 10 Uhr, im Wintergarten de««entrat» Hotel«, Große Fttednchstraße. Eing. Georgen. Maße, statt. Tagesordnung: Vorlage eine» Statuten. Entwurfs, welcher den Mitgliedern beim Einttitt gedruckt eingehändigt werden wird. DaS QutttungSduch der Sterbekasse legitimitt. Berlin, 10. Mai, 1886. 1633] Der Norftand. G. Kärae r. verein mv Wakrnng der Interessen de» in der Hntfadrikatio« deschaft. Arbeiter. Montag, den 17. Mai. Abends 8 Uhr: ™. Nerfammlnng Linienstraße 8 bei Stern und. o � Nortrag de» Herrn Stadtn. Wita«. 2- DiSkusston. 3. Wahl eine» Schriftführer». 4. Verschiedene» und Fragekasten. Neue Mit- gusder werden aufgenommen. Gäste wtlllommm. 1638]_ Der Vorstand. hnftrm Kollegen Gtto Heindorf zu seinem 3o- Wiegenfeste ein dr-imal donnernde» Hoch, daß die ganze Blumenstraße in ihren Fugen kracht.[1636 A W.? S. M. P. P.K. A. M. ZU z. Einige SchlaffoM m., Spezialgeschäft für P o l st e r w°° � Z � Potsdamerstr. 20, im Fabttlseitengb Soeben erschien:. Sie ÄDldemkr� der Deutschen Reich»tageS mn 31. � Viertes H«fU dj Krasse 44._____ ÄrbeitsmarKt- � Einen tüchtigen«�«"irer 1639]__ verantwortlicher Nedoveur R. Urenhei« M Beelin Druck ,wd Verlag von Max B»rdi«a in verlin SW- Beilage zum Berliner Volksblatt. . 112. Freitag, de« 14. Mai mm. III. Parlamentsberichte. Adseordvetenha«». 73. Sitzung vom 13. Mai, 11 Uhr. Am Ministertisch mehrere Kommiffarien. Der Abg. S e e r hat einen Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der Verordnung vom 17. März 1839, betreffend «n Verlehr auf den Kunststraßen, und der Verordnung vom T- April 1840, betr. die Modifikation deS§ 1 der ersteren, nngebracht. . Zar zweiten Berathung steht der Gesetzentwurf, betreffend Beitrag deS Staates zu den durch den Anschluß der Stadt Altona an das deutsche Zollgebiet veranlaßten Kosten.(Zu «n Kosten der Umgestaltung ter Hafenanlagen und einer ltiiwn Straße zwischen den letzteren und der Breitrstraße soll nne Beihilfe von V« der aufzuwendenden Beträge, jedoch im ganzen nicht mehr als 6 500000 M. gewährt werden.) Die Zubgetkommlsston beantragt, dem Gesetzentwurf unverändert A» Zustimmung zu ertheilm. .�.Referent Abg. Kieschke erinnert daran, daß bereits 1872 mit Rückficht auf die gedrückte Lage Altonas 350 000 jthal« bewilligt wurden und daß im Ganzen für einen Quai le! eine Eis ndahnverbindung zwischen Quai und Hafen und Neicherdauten 1 Million Tyaler aufgewendet werden sollten. «W den Verhandlungen über den Zollanschluß Hamburgs 1881 Mde darauf hingewiesen, daß Altona durch denselben w eine jwnthümliche Lage gedrängt werde. Es sei, erklärte damals a£.Preußische Finanzminister, eine preußische Stadt, deren Wl und Wehe der Regierung sehr am Herzen liege, die stch 'Ä« alS Anhängsel Hamburgs nicht habe entwickeln können unv Anspruch auf Unterstützung soweit habe, um fich mit ??,"zener Kraft weiter entwickeln zu können; es sei gleich- od die ve'träge dafür im Reichstag oder im Landtag Sri8* würden, fie kämen doch aus derselben Quelle; man ki» mit vor das Abgeordnetenhaus treten, sobald sie mit Ham. fiw 3? vereinbarenden Pläne soweit gediehen seien, daß man Anlagen in Altona beschließen könne. Im Jahre 1885 Minister v. Scholz diese Zusagen. Da nun mit der Vergünstigung eine» ausgedehnten und mit eimn. ,?«cblen ausgestatteten Freihafens, Altona aber ohne wird»!- Vorzug in den deutschen Zollverband tritt, so Stellung der letzteren Stadt gegenüber Hamburg ein- Mr* w* andere und daS einzige Mittel der Ausgleichung darin liegen, durch Erweiterung und Verbesserung der xMrn Altona wenigstens einen gebührenden Antheil am j erkehr zu sichern. Der Kommission lag eS nun ob, die .................... Altona als Heimathihafen nicht mehr als 84 Segel» ■EE95___ w w �_______ w Mrutung Ältonas" als Hafenplatz unv seine Leistungsfähig- untergeordnet. Nach' der letzten Ueberficht vom Jahre d-.! a'8 Kommune zu prüfen, um die Höhe deS Beitrags nach elffT? Maßstäben zu beurtheilen. Die erstere erscheint als svrv|UD Wliviiu us» uscyv us» u% nuf �Dampfschiffe, und eS gingen dort in demselben Jahre hz..� Segelschiffe ein, darunter nur 33 auS außereuropäischen llmfisn* 11 dieser Verkehr Altonas wird fich unter den künftigen vdnetku�. Deutlich verändern und sein Antheil an dem ristren dt, ein erhöhter sein. Den letzteren charalte« für 1884 J« Nachrichten des Hamburger HandelSamteS den �lgender Weise: der oberelbische Verkehr umfaßt auf 842n«IZ?0 000 Doppelzentnern betrug, stieg er 1884 bis ltht Xrx. Pfifft mit 11700000 Doppelzentnem für den Ver- s 6%%� a"bÄÄö: Sit.»"l Allorn zu einem nickt aerinaen Tbeile betbeiliat ist. catll»««r T"-ll-ritr.Finanzen oer rsemernorn an T'lnW°°tSsteu-rn über 605000 M. im Jahre 1883 auf. an Aeind»».! �ern 1 435 OOO M., während auS nutzbarem Ge« �- �vermn...» n„r 155000 M. herauskamen, dagegen zur von Gemetndeschulden nicht weniger als #%. w. m den Etat gestellt werden muß: pro Kopf lüi 8t.. Bevölkerung 23,61 Mark, während der Durchschnitt ÖrtÜf 8°Ae Monarchie einschließlich Berlins nur 20,21 Mk. «hl. nV Bei dieser Vermögenslage kann man von der Stadt Aari-dvetgroßen Opfer verlangen; fie leistet für die Zwecke der Ein Le immer noch 1'/, Millionen Marl auS eigenen Mitteln. leh gareres von ihr verlangen, würde ihre Leistungsfähig» Kiuh�mfiussm. Die auszuführenden Anlagen bestehen in Fol- «in,?' Die Lage Altona« ist insofern für den Schiffsverkehr llfer A d�üKnstige, als die dort schroff zum Fluß abfallenden die k» Brnuyung deS HafenS wesentlich beeinträchtigen, da der».ipGtn Zufuhrwege durchaus unbequem find. Der Plan ?»lb geht nun dahin, eine neue Eisenbahnverbindung ffit>:,? su schaffen, um ein bequemere» Zufuhrmitlel �tras, i. Waaren zu haben und zugleich eine neue «em,»... Pk Stadt hinein anzulegen, ohne die eine bequeme kltn"8 d« Hafenbahn kaum denkbar sein würde. Im Hafen SÄ.7?, Uf« vier große Schuppen angelegt werden, �ti�ich von der Eisenbahn und der Wafferseite für den % fcinf#!5 l zugänglich find. Der Schiffsverkehr selbst wird durch-ine Reihe von Bauten geschützt, welche eS er» (((Wc"' daß innerhalb deS dadurch geschützten WasserraumeS diiN..8»Kleicher Zeit mit den Flußschiffen anlegen und "vtibtn ,1 durch die letzteren beladen und entladen legen„«v aber auch, daß fie auf der einen Seite am Lande �rden fK«» zugleich auf der andem durch Flußschiffe flankirt „Än Dk Anlage wird also gerade für den ober. gebt"v" ganz außerordentlicher Bedeutung sein % Um v Ä-r das Maß deffen hinaus, was nothwenvig zu o�.�adt Ersatz für zukünftige Veränderungen im V». L\ dir V,r �ttn- 9" der Kommisfion wurde auch gefragt. �gab�'adungs. und Entladungsanstalten am Ufer durch � Mit«erden sollen und od über ihre Hobe de. Stadl verhandelt worden sei. Die Kommiffarien n' oap m�n nickt ae- «trifjb'g- fe AMMZMZ demgegenüber muß ich feststellen, daß die Re- Ä�'vllon?�' man tär» und Gendarmeriekräften zur Erzwingung von Glocken» geläute aufgebürdet find, aufgehoben werde; eventuell: die gedachte Petition der königlichen Staats» regierung dahin zur Berückstch'igung zu übe, weisen, daß die. selbe die Entscheidung in Betreff der Kostentragung bi« nach rechtskrästiger Entscheidung deS über daS Etgenthum an der Kirche schwebenden Prozesses vertage. Abg. Jordan hält den Ueberga»! für die richtigste Erledigung der Sacke. fragliche Kirche Eigenthum zur Tagesordnung :» steht fest, daß die der Zivilgemeinde sei. Die in Aktion getretenen Beamten hätten unzweifelhaft in gutem Glauben gehandelt. Werde die einfache Tagesordnung nicht beliebt, so könnton die Nationalliberalen fich auch für dm KommisstonSantrag entscheiden. Abg. v. L y n ck e r empfiehlt den KommisstonSantrag. Die vorliegende Streitfrage sei schon 1880 entschieden und ein de. finitiver Befitzzustand festgestellt wo, dm. In diesem Jahre nämlich ließ, wie der KommisstonSbericht anführt, der Bürger. meister Conrad zu Hönningen bei dem Begrädniß elneS evan. gelischen Fabrikdefitzers mit einer der Glocken, welche in dem Thurm der katholischen Kirche zu Rh-mdrohl stch befinden, läuten. Die von dem Kirchenvmstande der katholischen Kirchmgemeinde dieserhalb bei dem Landrath v. Runkel eiho. bene Beschwerde wurde verworfen. Die Handlungsweise der beiden Beamten sei durch dm thatsächltchen Widerstand, den fie gefunden, durchaus gerechtfertigt. Den KommisstonSantrag halte er deshalb für empfeblenSwerth, weil seine Annahme die aufgeregten Gemüther in Rheinbrohl zu beruhigen und fried» licher zu stimmen geeignet sei. RegierungSkommiffar Geh. Rath von der Brincken giedt eine eingehend« Darlegung deS Sachverhalts, wie er stch nach sehr umfassenden amtlichen Erhebungen herausgestellt hat. Danach sei da« Verhalten dei BüiaermetsterS wie de» Land» ratheS durchaus korrekt gewesen. Was die Kostenfrage anbe. treffe, so handle eS fich in dem vorliegenden Fall um die Niederschlagung einer aufrührerischen Bewegung; es sei eine eigenthümliche Vertennung der faktischen Sachlage, wenn man fie alS eine Polizeiexekution darstelle, für welche die Staats» lasse aufzukommen habe. In dem ganz analogen Marpinger Fall sei die Regierung, und zwar unter Billigung der Mehr» beit des Abgeordnetenhauses, von derselben Auffassung auSge» Aba.�B erger wirkt dem Kommisstonsbericht nicht ge. nügende Wahrung der Objektivität vor; der Referent schenke den An-aben der Petenten unbedingten Glauben, wahrend die eidlich abgegebenen Aussagen der betheillgten Gemeinden in «SSN« steht da« Eigenthumsrecht an der Kirche zu Ryeinbrohl von jiher der Ztvilgemeinde zu; bei Gründung einer neum Kirche Br richten aller beteiligten Beamter, ein Blutvergießen am ersten Tage nur dadurch vermieden, daß er-S nicht riSkirte. mm# Kirchhof. Da ein Vorschlag auf Uebergang zur einfachen Tagesordnung nicht gestellt sei, so werde er für den Vorschlag der Kommi'fion stimmen. Abg. Barth findet den Kernpunkt darin, daß der Land» rath eine augenblickliche Entscheidung treffen mußte, denn e> habe fich um ein damnnm irreparabile gehandelt. Eine schleunige Entscheidung der Gerichte habe nicht herbeigeführt werdm können, fie hätte doch Wochen lang gedauert, so lange habe aber daS Kind, um dessen Beerdigung mit Glocken» geläute es fich handelte, nicht unbeeidigt dleidm können. Die Polizei sei durchaus berechtigt gewesen, stch mit Mannkckast zu versehen, denn fie sei von der künstlich geschürten Aufregung unterrichtet gewesen. Der Landrath habe vollkommen seine Pflicht darin gethan, daß er in elfter Linie den Aufruhr zu vermeiden, nicht zu unter. drücken suchte. Den Vorschlag, die Sache bis zur Entscheidung des Zioilprozeffes über daS Eizenthum an der Kirche auSzu» setzen, verstehe er nicht, denn der Ausgang des ProzeffeS hat für die Kostentragung keine Bedeutung. Er werde daher für den Kommiffionsantrag stimmen. Vom Abg. v. Zedlitz-Neukirch ist ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung eingegangm. Abg. Zelle ist der Anficht, daß daS Haus in den zivil« rechtlichen Streit keinesfalls entscheidend eingreifen dürfe, für daffelbe müsse genügen, daß ein Zivilprozeß vorliege. Wollte da« Haut sagen, die Sache sei ja ganz klar, so billige es eigent» lich den Eingriff der Polizei in Zivilstreitigkeitcn. Ein solcher habe hier ur gerechtfertigt stattgefunden und deshalb komme er zu einer Zustimmung zu dem Antrage deS Abg. van Vleutm. (Beifall linkt und im Zentrum.) Abg. van Bleuten befürwortet seine Antrag auf Grund deS UmstandeS, daß der Landrath von Runckel über die Sach» läge fälschlich derichtet habe; er habe daS Eigmthum der Zivil. gemeinde an der Krrche beweisen wollen und den wichtigsten Punkt verschwiegen bezw. auf den Kopf gestellt.(Hö:tl im Zentrum.) Denn dem Gemeindevorstand(hört! im Zentrum) habe s. Z. der Bürgermeister nach Fertigstellung der neuen Kirche dm Schlüff-l nur übergeben zur Ueberantwortung an den Kirchenvoistand, d.h. das Pfarramt.(HörtI im Zentrum.) Die Rheinbrohler hätten in gutem Glauben gehandelt, und Billigkeitsgründe tprächen deshalb für seine Vorschläge. Darauf schließt die Debatte- der Antrag von Z-dlitz auf Uebergang zur Tages Ordnung wird gegen die Stimmen deS Zentrums, der Fretstnnigen und Polen ange» n o m m e n. Aus vier ostprmßisckm Kreisen, Allen st ein, Rössel, OrtelSburg und EenSbura find 99 gleichlautende Petitionen eingereicht, welche um Aufhebung der Ober Prä» fidial-Verordnung vom 24. Juli 1673, detreffend die Bestimmungen über den U.terricht in der deutschen Sprache in den von Kindern polnischer und ltttauischer Zunge besuchten Volks» schulen der Provinz Preußen, und um Einführung einer neuen Verordnung bitten. Die Kommisston beantragt: in Erwägung, daß daS Ermland eine ganz überwiegend deutsche Bevölkerung hat und ein Bedürkniß zur besonderen Pflege der polnischen Sprache in der Volksschule im Allge» meinen nicht besteht, über die Petitionm zur TageSord» nunq überzugehen. Abg. Spahn bittet, die Petition der Staatkregierung zur Berückstchtigung zu überweisen und widersprich! der Voraussetzung der Kommisfion, daß die Zahl der polnischen Einwohner bezw. Echutlinder zu gering sei, um dem Antrage stattzugeben. Redner sucht daS Gegentheil durch statistische Mittheilungen nachzuweisen. Außerdem lernten die Kinder bei der jetzigen Methode, wo die Lehrer auf den Se» minaren nicht ordentlich polnisch lernten, weder recht polnisch noch recht deut'ch. Vor allen Dingen müsse er prinzipiell mit den Petenten fordern, daß der Religionsunterricht in der Volks« schule auf allen Stufm in der Muttersprache zu ertheilen sei. Geschähe dies nicht, so nehme man den K indem ihre Sp ache. Geh. R.-Rath Schneider: Den Kindem solle nicht nur ihreEprache nicht genommen werden, sondern fie sollten zu derselben auch noch dm vollen Gebrauch der deutschen lernen. Die Er» fah ungen auf Reoifionsreisen widerlegten die Behauptung, daß dt-S unmöglich sei. Auch die Klagen über die reltgöse Er» ziehung der Kinder träfen nicht zu. ES empfehle fich in erster Linie ver unmotioirte Uebergang zur Tagesordnung; der Mini« fter habe aber prinzipiell auch nichts gegen die Hinzufügung von Gründen einzuwenden. Abg Kantak beklagt die Angriffe, denen AlleS, waS Polnisch heiße, schon von jeher, jetzt in verstärktem Maße ausgesetzt sei. AuS den Petitionen erkenne man recht deutlich, wie berechtigt die Klagen wären. Die Schule werde jetzt einfach zu einem Mittel der Germanistrung herabgewürdigt. Die Re- gierung sei nicht mehr berechtigt, fich auf pädagogische Grund» sätze zu berufen, sobald fie nicht wenigstens die Bitte der Peienten erfüllt babm würde, daß der Religionsunterricht an polnische Kinder in allen Stufen polnisch ertheilt werde. Red» ner stellt den Antrag, die Petitionen der vtaa.Sregierung zur Erwägung zu überweism. Das HauS nimmt nach Ablehnung diese? Antrages die motivirte Tagesordnung an. Ueber die Petition der Oberin und mehrerer Schwestem des aufgehobenen geistlichen Unterrichts, und ErziehungL» institutS zu Münstereifel um Entschädigung geht das Haus zur Tagesordnung über. Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. (Ueberficht der Staatseinnahmen und Ausgaben pro 1884/85, dritte Berathung des L-hreranstellungsgesetzes tür die polniich-n L-nvestheile, erste Berathung deS GeietzentwurfS. betr. die Be» seitigung der schwebenden Schuld von 30 Millionen.) Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 13. Mai. Der Stadtverordnetm-Vorsteher, Herr Büchtmann, eröffnet die Sitzung nach 5'/» Uhr mit geschäftlichen Mitthei. lungen. Die Abtheilungen haben die Wühl von 15 Mitglierern für den Ausschuß zur Vorderathung der Vorlage, betreffmd die Skizze zum Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Perledergerstraße, und von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorderathung der Vorlage, betreffend die Uebemahme des im Zuge der Bellealliancestraße zwischen der K.euzdergstraße und dem Tempelbofer Felde belegenen KolonnenwegeS in das Eigenthum der Stadtgemeinde vollzogen. Die feierliche Ein» führung deS neugewählten Stadtverordneten A I t geht in der ü�lichm Weise vor stch. DaS Andenken deS verstorbenen Stadtverordneten Matern« ehrt die Versammlung durck Erheben von den Pläym. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird ein Naturalisationsgesuch geschästsordnungsmäßig erledigt. Gltichstellung der Gehälter der ordentlichen Lehrer an den höherm Lehranstalten städtischen Patron ati mit denjenigen der Ledrer an den Staatsanftalten.(Antrag Dr. Langerhans und Genoffen.). ,, Vtadtv. Dr. LangerhanS motivirt kurz seinen Antrag, besten Annahme er auS Gl linden der Gerechtigkeit empfiehlt. Die Mehrausgabe würde nur etwa 70000 Mark betragen. Der Antrag wird, nachdem Stadtschulrath Dr. Fürstenau fich mit ihm im Allgemeinen einverstanden er. klärt hat, angenommen. Bau des VIII. R adialsystemS der Kanalisatron (Moabit) und Ankauf der Vorwerke Lindenhof und Möllershausen, sowie der Gruno'schen Parzelle in Blankenfelde zur Verwendung alS Rieselfeld. Nach dem Antrage deS Mag'stats würden die Kosten für die Kanalifition dieses RadialsystemS 7380000 M. betragen. Der Ankauf deS Riesellandes würde tosten: Vorwerk Linden bof, 240 M. pro Meter, sowie Zahlung deS TaxwertheS der Ge- däude, des lebenden und tobten Inventar? und d«S Hol,- bcstandeS, ca. 228000 M.- Vorwerk MöllerSfelde 106 500 M.; Gruno'sche Parzelle, 14 Morgen 87 7 Quadratruthen, zum Preise von 300 M. pro Morgen.— Die Kosten sollen auS der für die Kanalisationszwecke aufgenommenen Anleihe& conto entnommen werden. Gleichzeitig wird der Bericht der KaralifationS Deputation über die Desinfektion von Kanal- waffer und die Petition deS Dr. Petri in die Berathung ge- ��Zwei Anträge wollm die Ueberweisung der Vorlage an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Stadtverordneter Dr. Kürten empfiehlt dies« Maß- regel und zwar, weil ein Theil des Gebietes von Charlottendurg in die Kanalisation nach der Vorlage hin- eingezogen werden soll und weil eine Ergänzung des Riesel- gedieteS durch Ankauf neuen Landes noibwendig sei. Doch solle die Einsetzung eineS AuSschusteS nicht den Sinn baden, als stehe die Ausführung der Kanalisation in Moabrt in Frage. Diesem Ausschuß solle auch die Petition deS Dr. Petri über- ��Stadto. Dr. Schwalbe wünscht gleichfalls Ausschuß« heratbung. Stadtv. Dr. Bellermann erklärt das kürzlich ver« öffentlichte Urtheil deS Magistrats über das Petri'sche Verfahren für die tollste Oberflächlichkeit. Stadtrath Margrafs sucht die Richtigkeit dieses Ur« ihells und die Unausführbarkeit und Schädlichkeit des Petri« schen Verfahrens nachzuweisen. Et sei eine Mythe, daß die Beriefllung Millionen verschlinge. Augenblicklich erforderten die Rieselfelder 700 000 M. jährlich Zuschuß. Die Rieselfelder würden künftig sogar einen kleinen Prozentsatz Zinsen ergeben. Man könne mit den Ergebnisten zufrieden sein. Die Zukunft werde, möge nun ein neues System erfunden werden oder nicht, ein kostbares Besttzgut in den Rieselfeldern haben. Er bitte, die Vorlage sofort anzunehmen, eS gebe keinen anderen Weg und der Weg sei gut. Stadl». Dr. V i r ch o w kritifirt scharf die dritte„Petri'sche Eruption", wie er die Agitation dieses Herrn nennt. Stadtv. G ö r ck i(Der Redner ist wegen großer Unruhe der Majorität auf der Tribüne nur schwer verständlich.): Die Ausführungen deS StadtratheS und d«S Vorredners konnten uns nicht davon überzeugen, daß eine objektive Prüfung deS Petri'schen Verfahrens stattgefunden hat. Der Stadtrath meinte, daß diejenigen, welche den Bericht deS Magistrats hier krttifirm, Liebhaber und Anhänger eines neuen ReinigungS- Verfahrens find. DaS trifft für unS nicht zu. Wir betrachten «S aber als Aufgabe für die Stadt, rechrzeitig Untersuchungen zu veranlassen, ob die Reinigung der Spülwäffer nur durch Berieselung erfolgen kann, oder od die fortschreitende Wissen» schast bereits andere Methoden uns in die Hände gegeben hat. Vergebens haben wir auf eine bestimmte Erklärung aus dem Munde der Vertheidiger deS RieselsystemS gewartet, eS sei über jeden Zweifel erhaben, daß der Boden nicht endlich gegen die Berieselung rcagirt. Stellen wir uns vor den Fall, daß die vorgesetzten Behörden die Abführung der gereinigten Spül- Wässer in die öffentlichen Flußläufe nicht mehr gestatten. WaS dann? Was vergiedt man fich, wenn man ein« objektive Prüfung der neuen Me> Hoden vornimmt? Die Untersuchungen, die bis jetzt vorgenommen worden find, können nicht befriedigen. Wenn Herr Professor Virchow meint, daß jene Untersuchung deS Petri'schen Verfahren» durch Herrn Plaster auch sein Diener hätte vornehmen können, so scheint er zu vcrmuthen, daß sein Diener etwas von seiner hohen Wisscnschaftlichkeit abbekommen bat.(Heiterkeit.) Nach unserer Ueberzeugung dürfen solche Prüfungen nur durch Männer, die vollkommen mit der wissenschaftlichen Methode vertraut find, ausgeführt werden. Wir find vollkommen neutral; und eben deshalb wünschen wir eine ruhige, genaue Untersuchung. Behauptung steht vorlär-fig gegen Behauptung. Wir wissen diS jetzt nur, daß der Magistrat gegen das Petri'sche Verfahren ein« (enommen ist, wir müssen aber erfahren, wes« alb. Es liegt unS in keiner Weise daran. daß jene» System eingeführt werde, aber wir wollen, daß alle VerfahrungSarten objektiv geprütt werden, damit wir nicht unvorbereitet find, wenn eine Berieselungskalamität einmal eintritt. Ein Echlußanttag wird angenommen. Der Antrag auf Einsetzung eineS Ausschusses wird von der Majorität ab« gelehnt. Nachdem in zwetter Berathung noch Stadtv. Stryk ge« sprachen, nehmen die Stadtv. Goercki und Genoffen den An« trag auf Einsetzung eineS Ausschusses von neuem auf. Der Antrag wird wiederholt abgelehnt und der Magistrats« a n t r a g unverändert angenommen.(!) Untersuchung deS von außerhalb nach Berlin ringe« führten frischen Fleisches. Der Magistrat hat ein Regulativ aus« S arbeitet, welches von dim zur Prüfung eingesetzten Ausschuß ließlich angenommen morden ist.— Stadtv. Dr. Mießner beantragt, folgerde Fassung dem§ 8 diese» Regulativs zu geben:„Frisches Schweinefleisch muß mindestens die Größe eines halben Schweines, vom Kopfe nach dem Htnterlheile zu getheili, befitzen. Fleisch von ausgewachsenen Rindern muß mindestens die Größe eines ganzen Viertels deS geschlachteten Thierei haben. Fleisch von Kälbern, Hammeln und Ziegen muß die ungetbeilte Körpergröße deS Th ereS haben und fich in der Haut befinden. Mit diesem Fleische dürfen auch die dazu gehörigen Eingeweide eingeführt werden."— Stadtv Görcki und Genossen beantragen, daß in das Regulativ die Nummer 3 deS Gesetzes vom 9. März 1881 über die obligatorische Fleischschau aufgenommen werde, welche fol« aend-rmaßen lautet:„Daß in Gastwtrthschaften und Speisewirthschaften frische» Fleisch, welches von auswärt» bezogen ist, nicht eher feilgeboten werden darf, bis eS einer gleichen Untersuchung unterzogen ist" m~ Stadt-. Talke empfiehlt die Beschlüsse de» Ausschusses. Stadtv. Dr. Mießner vertheidigt seinen Zusatzantrag. Stadtv Görcki rechttenigt den Wunsch, daß das von den Gastwirthen von außerhalb bezogene Fleisch ebenfalls untersucht werde, mit dem Hinweis darauf, daß die Speise« wlrthschaften niedrigen Ranges sehr oft ganz werthloseS Fletsch verbrauchen. DaS gehe schon aus den Preisen, die für daS Fleisch bezahlt würden, hervor. So werde eine ganze Kuh für 6 Thlr.. ein Rind für 5 THIr. gekauft. Ei sei erwiesen, daß R-staurattonen im Zentrum der Stadt Fleisch in groß-n Quanti« täten geliefert werde, welches allein durch seinen Geruch die ganze Nachbarschaft verpeste. Zahlreiche Untersuchungsstätten würden so wie so auch außerhalb der Markrhallen hergestellt werden müssen. Es sei kein großcS Opfer, wenn man von den Gastwirthen verlange, daS von auswärts bezogene Fletsch unter« suchen zu lassen. Nachdem noch Stadtrath Runge. Stadtv. Hermann und der Referent deS Ausschusses fich gegen daS Amendement Görcki erklärt haben, wird unter Ablehnung aller Zusatzanträgt daS Regulativ nach den Festsetzungen deS Ausschusses unver- ändert genehmigt. Bau einer JnterimSbrü cke über den Landwehr- kanal unterhalb der AlbrechtShoferbrücke. Der Ausschuß empfiehlt unter Verwerfung der MagiftratSvorlage die Her- stellung einer Fußgänger> Jnterimidrücke. Hierzu entschließt fich auch die Versammlung. Errichtung einer Wettersäule auf dem Schloß platz. Die Kosten sollen 8000 M. nicht überschreiten. Die Summe wird mit der Maßgabe dewilligt, daß der Magistrat die schli-ßltchen Projekte vorlegt. Festsetzung von Baufluchtlinien für eine neue Straße zwischen der Köpnickrrstioße und der Spree in Ver» längemng der Eismdahnstraße. Die Vorlage wird nach kurzer DiSkusston einem Ausschuß von 10 Mitgliedern überwiesen. Anschluß des in der Hasenhaide projettirten Elisabeth- Kinder-Hospital an die Wasserwerke und die Kanalt- sation. Der Antrag des Magistrats wird mit einem Amendement unwesentlicher Natur angenommen. Die Vorlage, betreffend die Wahl von 7 Vertrauens- männcrn für den Ausschuß zur Auswahl der Schöffen x. wird dem Ausschuß zm Wahl unbesoldeter Gemeindebeamten über« wiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 9 Uhr. Die nicht öffenttiche Sitzung fällt auS. Lokales. Jedesmal beim Begru« der warme« Jahreszeit er« tönen die Klagen über die hoben MiethSpreije und andere Unzuträglichletten der in der Nähe von Berlin belegenen Sommerwohnungen. ES ist klar, daß uns diese Klagen wenig berühren, denn für die arbeitende Bevölkerung ist der gesunde Aufenthalt in einer Sommerwohnung bisher immer noch ein illusorijcher Begriff. Ob Sommer oder Winter, ob gesund oder krank— der Arbeiter ist an feine Arbeitsstätte gefesselt, er kann sein oft armseliges Heim nicht verlassen, um draußen in der freien Natur Krafttgung seiner Gesundheit und Lust zu neuem Schaffen zu suchen. Aber auch diejenigen Leute, welche in der glücklichen Lage find, einige Monate in der Umgebung von Lettin zuzubringen, werden von besonders pfilfigen Villen- defitzern oft in ganz unqualtflzirdarer Weise geprellt, wie der folgende Vorfall, den ein hiefigeS Blatt als verbirgt mitthetlt, beweist.— Für eine Dame, Rekonvaleszentin von längerer Krankheit, welche ganz besonders ruhebedürftig war, sollte eine Sommerwohnung gemiethet weiden. Zehlendorf wurde in Vor« schlag gebracht und dortbin begab man stch denn auch auf das Suchen. Eine schön gelegene Villa, welche in der üblichen Weise zu erkennen gab, daß Zimmer zu ver- miethen seien, lenkte besonder» die Aufmerksamkett auf fich und in der That fand fich dort ein Zimmer, das nach Größe, Lage, Einrichtung allen Anforderungen entsprach. Ganz besonders nach der Lage. Denn eS war dem Hauthnrn mehrfach und ausdrücklich klar gemacht worden, daß es fich eben um ein Plätzchen für eine ruhebedürftige Dame handle. Und diese Ruhe schien der vor dem Parterreztmmer befindliche lauschige Garten mit der hübsch gelegenen Laube wohl zu ver« sprechen. So zog man stch denn in da» Zimmer deS Villen« defltzers zurück, um über weitere Einzelheiten de! Abschlusses zu sprechen nnd verhandelte eben über die Miethe, als auS einem Nebenzimmer lauteS Lärmen ertönte. Der Besucher spitzte die Ohren, der Herr des HauseS wurde verlegen und that, als ob er nichts hörte, alS aber die Sache gar nicht zu End« kommen wollte, der Lärm immer mehr zunahm, stand er erst auf, ging hinaus, fuhr mit einem Donnerwetter da- zwischen und kehrte schließlich zurück, um mit einer Seelenruhe, als ob eS stch um daS selbstoeiständlichste Ding von der Welt handele, zu erklären:„Der Herr, der da im Nebenzimmer wohnt, ist wirtlich in allen anderen Dingen ganz vernünftig. Er ist wirklich ganz harmlos. Nur duldet er nicht, daß Jemand sein Zimmer betritt, um eS zu reinigen. Dann bildet er fich ein, man wolle ihn bestehlen oder ihm etwas thun und schimpft. Hin und wieder muß doch aber Ordnung gemacht werden und dann genügt mein Ein- schreiten, um ihn»ur Raison zu bringen." Die liebe Seele hatte in geschickter Weise hier umschrieben, daß er einen Irr« finnigen in Penfion hatte und mochte fich schon freuen, so gut über die Sache fortgekommen zu sein, als er plötzlich dem starr werdenden Auge seine» Besuchers folgend, ebenfalls nach der entgegengesetzten Richtung blickte. Denn dort stand in der andern Zimmerthür ein junger Mann, dem man den Blöden auf weite Entfernung ansah, und über daS ganze Gcstcht grin- send und mit allen Zeichen höchster Freude, t heilte er dem Fremden, auf da» ersterwähnte Zimmer deutend, mit:„Der da drüben ist nämlich verrückt". Mti dieser Ueberrafchugg aber war eS noch nicht abgethan. Gleichzeitig ertönen aus einer anderen Richtung, vom Garten her, einige kreischende Frauenstimmen, man erfuhr nun, daß diese Damen nur exaltirt waren.— Um's kurz zu machen: der gewissenhafte Villenbefitzer nahm nicht gemeingefährliche Irre von der dortigen Hetlanstall in Prtvaipenston, und war derett, sein leerstehendes Zimmer an einen ganz besonders der Ruhe bedürftigen Rekonvaleszenten zu-ermiethen. Ein Jcrthum seitens de» Biedermannes war ausgeschlossen. ES war sehr deutlich gesagt worden, worauf eS ankam, ja diese absolute Ruhe war der wesentliche Punkt, um den stch die ganze Unterhandlung drehte. Daß unter sol- che» Umständen auf die Villa und ganz Zehlendorf sofort ver« zichtet wurde, dedarf kaum der Erwägung. ES ist wahrschein« lich, daß ein ähnlich krasses Beispiel für daS, was man in den Vororten den auf ftische Lust angewiesenen Berlinern zu bieten wagt, so leicht nicht beigebracht werden kann.— Der Vorfall liegt jetzt zwei Jahre hinter unS. Ob er seitdem eine Wiederholung erfahren ha«, wissen wir nicht. Aber unmöglich ist eS, der„Unbefangenheit" jene« Vermiethers nach zu schließen, nicht. Die Anwohner deS LandwehrkanalS finden, daß die Angelegenheit der Ladestellen einzuschlafen drohe. In diesen Kreisen wird behauptet, daß der Magistrat seit dem letzten Be- schluffe der Stadtverordneten(am 15. April) keinen Schritt gethan habe. Und doch, so behauptet man dort, wolle die Re> aierung nichts als ein Entgegenkommen de« Magistrats sehen AlS einen Gegenstand solchen Entgegenkommens bezeichnet man den Etteifen am Halleschen Ufer vor dem Anhalter Bahnhof Der Preis sei gering, 4-5000 M., und der Ankauf werde von der R-gierung sofort genehmigt werden, sobald daS Grundstück zur Anlage der Ladrstraße verwendet würde. Die Regieruna sei dann bereit, sofort in Verhandlungen über die Angelegen- h-it mit den städtischen Behörden einzutreten. In dieser Be« ziebung wird ein Antwortschreiben der Ministertal-Bau.Kom- misfion auf die von den B-theiltgten an dieselbe gerichtete Ein- gäbe angeführt. Es werden darau» folgende Worte hervor. gehoben:„Sobald die städtischen Behörden mit der Au«. führung Ernst machen wollen, wird es ihnen an unserer Unter. wichtig genug? � ma'1 «WS völlig durchnäßt werden sollen. Wir find nun zwar zu der Annahme geneigt, daß diese Anfeuchtung der Bänke mehr dm Zukall als der Willtür zuzuschreiben ist, indessen heißt es i« Zuschrift weiter:„Meine Frau bat heute Nachmittag da Wächter, er möchte doch die Bank nicht naß machen; dersel« that ei aber trotzvem. Die Bänke wachsen doch nicht von d« Sprengen, obgleich eS nichts schaden könnte, wenn fie läng« wären; und sollte der Wächter ReinigungSzwecke verfolgen, st dürsten fich die frühen Morgenstunden besser dazu eign«!. Eine im vorigen Jahre in derselben Sache wegen der Bäim an der Elisabetbkirche an den Magistrat gerichtet« Beschwer« hat keinen Erfolg gehabt." Jedenfalls meinen wir, daß a wünscheniwerth wäre, wenn in den wenigen Stunden, m# die Arbeiterfrauen mit ihren Kindern im Freien zubring« können, diese Prozedur des SprengenS und Bänkereintgeiv mit aller nur möglichen Rückficht vorgenommen würde. Die öffentlichen Straßenlaterne«, welche die ganze Nacht benutzt werden, brennen in einem Jahr im Ganz« nach dem aufgestellten Plan 3675 Stunden; da»on kamen m die Zeit vom 1. Oktober 1885 bis Ende März 1886(W Winter-Semester) 2393 Stunden. ES bleiben mithin für dtt Sommer. Semester 1282 Stunden, also etwa» mehr alS Drittel der ganzen Stundenzahl. Am 30. September 18» brannten 12549 öffentliche Straßenlaternen, am 31. März (nachdem 47 Flammen abgegangen und 368 neue hinzM kommen waren) 12870 Flammen. Dazu kommen noch»» Flammm mit kürzerer Brennzeit(brs 12 oder 1 Uhr Naö» oder von 12 Uhr NachtS bis zum Auslöschen). Der ganze Mi- konsum, soweit derselbe in Betreff des städtischen GrleS ertoljft stellt fich auf 6711245 Kbm. im Werth« von 894 832 Dazu kommt noch die öffentliche Beleuchtung auf ehemalig«' Schöneberger Terrain, welche 24 054 M. erfordert und W Petroleumbeleuchtung mit 27 767 M._ ES ist nicht unbeachtet geblieben, mit welchem die Berliner Polizei den Geheimmittelschwindel bekämpft. 3$ soll diese Thärigkeit für wettere Kreise nutzbar gemacht werd«' Die„N. Pr. Zig." schreibt: Diese Maßnahmen, insbesonvar die Belehrungen und Warnungen d«S Publikums haben fv Berlin selbst ein recht günstiges Ergedniß geliefert, anderersem aber zur Folge gehabt, daß die hier stark kontrolirten GewU mittelvcrferliger, bezw. deren Agenten, den Vertrieb ihrer Mw» außerhalb Berlins in die Provinzen verlegen und daselbst Publikum auszubeuten versuchen. Um diesem die öffentlt» Wohlfahrt schädigenden Treiben auch außerhalb Berlin! � Erfolg entgegenzutreten, ist es nach einer Verfügung Kultusministers nothwendig, daß die Bekanntmachungen königlichen Polizeipräsidiums in Berlin, welche stets im%«% dlatt der königlichen Regierung in Potsdam abgeft� werden, auch durch die anderm ÄmtS- und KreiSblätter breitung finden. � Vor Kurzem theilten die Zeitungen mit, daß I Droschkenkuischer durch daS Geschoß eine» Knaben(AnnW oder Blaserohr) eine schwere Verletzung am Auge habe. Dieser Vorfall mahnt ernstlich daran, daß e« an« Zeit wäre, alle dergleichen Spiele der Kinder auf öffentlich« Siraßen, worzugSwelse aber daS sehr btttebte Ballweifen,# zeilich streng zu untersagen, da hierdurch nicht nur die Wr, ten in Gefahr gebracht werden, sondern auch die spielen«- Kinder selbst, indem fie sehr leicht unter die Räder der a den Straßen verkehrenden Wagen kommen können. Im U«> gen heißt es in dem§80 de» Straßen-Polizei Reglements 7. April 1867 ausdrücklich:„DaS Werfen mit Bällen,«»"5 »c., daS Schießen mit Armbrüsten und BlaSröhren auf offt lichen S' raßen, sowie daS Aufhocken auf Fuhrwerke if* unfL sagt." Nicht nur Menschen, sondern auch Sachen, wie Fenst scheiden, find den durch Ballschlagen hervorgerufenen Grfall' stets ausgesetzt. An« Hamburg wird der„Voss. Ztg." über die läge geschneben: Durch dm Zerfall de« Gebietes W#m%« drucks hat die Wetterlage einen unficheren Charan«° nommen. In Hamburg ist das Barometer gegenüber aufgegangenen Woche 16 Km. gefallen nnd kühler Wind hat fich eingestellt, wiewohl die Abkühlung nicht deutend ausgefallen ist, wie fie in anderen Jahren"L � Tagen deS 10. bis 12. und 13. Mai verzeichnet wurde. � wo vor 8 Tagen der hohe Lustdruck lagerte, erstreckt st« ein weite« DepresfionSgebiet, welche« am Dienstag� punkte tiefsten Druckes, und zwar in Mitteldeutschland, 3% w in der Ostsee und bei Petersburg aufweift, sodaß«r; g Orten da» Barometer dt» zu 20 und 25 Mm.»rsunien. Wenn, trotz de» tieferen Drucke» und der in Süddeutl«. und England aufgetretenen starken Regenfälle, Däneman ,(j Norddeutschland dislang fast regmfrei geblieben find, so u- ,„j den ledhaften kühlen Nordwestwinden zuzuschreiben, welfl- i( Emporsteigen von Luft und also die Wolkcndilvung weniger begünstigen, als bislang auch in oberen 9ttß j, nordwestliche Strömung geherrscht hat; denn eS ist erstrlp 4, mäßig festgestellt, daß ergiebige Regenfälle bei xei frischem nordwestlichen Wind« und nordwestlichem Zug.�; Oderwolken, zumal im Frühjahr und Sommer, nicht stat'N"„z, daß dagegen dann leichter Nordwest in Verbindung m» baftem Zug der Oderwolkm auS Süd, Südost oder haltenden, starken Regen veranlaßt. Eine wesentliche � gcstaltung in der unficheren Wetterlage ist zur Swn�,-jt Hamburg nicht zu erkennm. Die Oderwolken Ziem", j) mehr auS Nordwest, sondern vereinzelt schnell au» W�iil zeigen, daß in der Höbe der Atmosphäre noch rege statthat, während das Barometer jetzt ruhig auf dem m» Stande verharrt. Eine« tollkühnen Sprung wagte vor einigen, auf der Wetzlarer Ersenbahn ein Mann von einem ssL Fahrt befindlichen Zuge. Derselbe hatte fich bei den m» � in dem Wagen befindlichen Reismden mißliebig&tma(Z,ri0 schließlich mit dem Schaffner, der ihm sein Benehmen hatte, Händel angefangen, so daß ihm dieser gedroht P�jet bindert werden konnte, sprang er aus dem in voller Iah zea- findlichen Zuge. E» wurde sofort daS Haltesignal« HM «18 aber der Zug zum Stehen gebracht war, war o» nie Springer bereits spurlos verschwunden.— So 1°: h-I, «Voss. Ztg.". ob die Sache fich thatsächlich so zugctlag-» möchten wir füglich bezweifeln. Verirrt 1 Erne französische KünstlerfamM. Lehrterstraße wohnt, unternahm, wie mehrere Blatter am letzten Sonntag einen AuSflug nach dem® In einem der zahlreichen Restaurant« wurde Platz S und Kaffee getrunken. Nach dem Kaffee blieb Da* pb b- noch in gcmüthlicher Plauderei am Tische sttz-n. w-tz„st* Kinder, zwei Mädchen im Alter von 7 und 3 JmftSLjeit,% Garten spielten, denselben aber nach einiger Zeit vc 0et,' im Walde Blumen zu suchen. In ihrem kindlichen � iU ganzes Bouquet zu pflücken, um damit die N�rn raschen, entfernten fie fich mehr und mehr vom � als fie endlich aufblickten, da befanden fie stch mitten v und weit und breit war kein Mensch zu fth«-, stch suchten fie den Rückweg anzutreten, aber ste entfern. mehr und mehr von dem Orte, an welchem ri% fanden, und so irrten fie denn trostlo» im W ji Unterdessen hatten auch die Eltern da» Lerschwinv A-rl. der bemerkt. In steigender Sorge durchsuchten natürlich vergeblich; der um den Garten liegen �ger ä; äs«wH UmhersuchenS ein und entschlossen fich, die in und" wald liegenden Bahnstationen aufzusuchen, in J* daß die Kinder dahin gebracht werden würden, faU» d fifciftetn Im Walde aufgefunden sein sollten. Diese Vermuthung «wies sich als richtig, denn auf dem Bahnhofe Grunewald er- hielt das Ehepaar die Nachricht, daß drei fcerien in der Nähe von Paultborn die weinenden Kinder im Walde gettoffen und » übernommen hätten, fte nach dem Lehrter Stadtbahnhof zu mngen, da daS ältere Mädchen vermocht hätte, die Adresse der »Itern anzugeben. Letztere traten nun schleunigst die Rückkehr an, erfuhren aber zu ihrem Schrecken auf dem Lehrter Stadt- dahnhofe, daß dort weder die Kinder selbst, noch Nachrichten Uder deren Verbleib eingetroffen seien. Der Gatte war wüthend über die Enttäuschung, die Mutter halb todt vor Sorge und Kammer; aber was war zu thun? Es war Abend, eine Rück- tehr nach dem Grunewald erschim offenbar zwecklos; es blieb nichts übrig, alS fich nach Hause zu begeben und erst am näch- Iten Morgen die Nachforschungen wieder aufzunehmen. Aber als die EUern nach ihrer Wohnung kamen, da..... lagen alt kleinen Mädchen im süßesten Schlummer in ihren Bettchen. LaS Dimstmädchen konnte nur erzählen, daß drei Herren die «leinen nach HauS gebracht mtt dem Bemerken, fie hätten die- alben im Walde gefunden. daS Mädchen solle die Kleinen zu «itt bringen, die Herrschaft würde schon nachkommen. Wer vie„Engel" waren, welche die beiden verirrten Kinder auf den Migen Weg gebracht und so sorgsam gehütet hatten, daS hadan die Eltern nicht erfahren; fie haben nur festgestellt, daß vie Herren mtt den Kindern den Lehrter Bahnhof durch den «uSgang nach dem WilhelSmSufer verlassen haben, während fie Illbst am Autgange in der Jnoalidenstraße Nachfrage hielten. Wie man sich erinnert, nahm Herr Lieberman« »VN Eonnenberg Anfang dieses Winters feierlich in mehreren ««fammlungen vom undankbaren Vaterland Abschied und gab mnen Getreuen als Vermächtniß auf, seine Ehre, wenn fie in inner Abwesenheit verunglimpft werden sollte, kräftig zu Mren. ES hieß damals, er wolle mit seinem Freunde Bern- Mb Förster nach Brafilim gehen. Er muß fich auS Grün- ,i?'.vie bisher noch nicht in die Oeffentlichkett gedrungen find, nnel Besseren besonnen haben. Jetzt lesen wir in der„Volks- �ung". daß er in der-.Schsten Woche in einer großen semitischen Volksversammlung in der Bockbraucrei sprechen St Dielletcht wird man dann Näheres darüber hören. & Der„König der Jadier". AuS der städtischen Irren» {M-on sn Wilmersdorf waren am Dienstag früh 6 Uhr durch u*ö?l1uiQcn finKf 1ß Stuft Rmhffi Wmifr imri föfifitftfmnfc JV uvtiiuyu WUlVtl»(VUiCii| vu ftt uiiytuvut'|M»v. ®Sr4-0n ,�ußte, daß der eine der Entsprungenen, der ehemalige ktt.? �kikr, früher im Hause Friedrichstraße 179 gewohnt Oiürh, vf�muthete man, daß M. fich nach dorthin begeben lein»« �/ am Vormittage hier gehaltene Nachfrage hatte lad- Gegen Mittag kam zu dem von der Sach- Hz-,, aaksnichten Wilth der Entsprungene, ein Hüne von ibm �- �andheit, wirklich in die Wohnung und erzählte Ätlt'oeuUS der„König der Jndier" sei und fich ein großes ÄrtM.," 5°uen lassen wolle, um die Engländer zu befehden. zuftatknJk1 in Berlin, um dem Kaiser einen Beiuch ab- bewobn?.' aP*1 Wirth führte den M. in das früher von ihm wel»-."'armer und verständigte unbemertt die Revlerpolizei, alsdann Beamte der Irrenanstalt requirirte. Ohne Buk-„?. bm ließ fich der„König der Jndier" nach dem Polizei- fübr„„ üeleiten, von wo unter ficherer Bewachung seine Ueber- Snitl,3"ach der Irrenanstalt erfolgte. Von dem anderen 'Sfungenen fehlt biß jetzt jede Spur. 500sinA cJttofee Loo« der 5. Klaffe der sächsischen Lotterie mit «vra.k. ist gestern auf Nr. 88594 gezozen, nachdem erst l>,»°'U«n der zwette Hauptgewinn von 300 OOO M. zur Ziehung la* m11!, ist- ES bestätigt fich übrigens, daß dieser Gewinn gefallen ist. �Mwi,?be«stag wurden au» dem ArbeitShause sechs kchon am fassen, die ihre Dentcntionthast verbüßt hatten. Anstalt ton S Sioraen wurden diese Personen vor der v. von Qt— JLr ama------- S.---- ar...-.___- ver- werden. fast UUMW bi".��fanstalt entlassenen Gefangenen eine Schlagerer. zu ben>. /.�aitigung wieder derselbe Gendarm requirirt wer- Erst nachdem letzterer drei der Exzedenten K.'L baite, gelang ei ihm, derselben H«r zu we Vilich tumultuartsche Szenen wiederholen fich dort ily.Aie Verwendung der Hängegerüste hat schon zahlreiche Ä-C'älle kür die auf denselben beschäftigten Arbeiter im «bn»* gehabt, und immer werden dieselben wieder angebracht, ZLH die nothwendige sorgfältigste Prüfung der in»e- lA""» zu nehmendm Taue stattfindet. Vorgestern Nachmtt- -winden die Paffanten der WilSnackerstraße in einen n, cht Schicken versetzt. Gegenwärtig wird nämlich die ümi MUZMW WWW mam und nur einen un- ngehauenem Holz enthielt, .-"»rr osstn« Schuppen, J zerstreuten Laden stand r. W�W Aussage deS Fabrikdirektors soll daS Feuer b«eitS am Mitt- woch Abend gegen 8 Uhr ausgebrochen und die fteiwilligen Feuerwehren aus Köpenick und Johannisthal auch bald darauf zur Stelle gewesen sein. Dieselben haben jedoch um Mitter- nacht unverrichteter Sache die Brandstelle verlassen(?!), weS- halb man fich genöthigt gesehen, die hiestge Feuerwehr tn An- sptuck zu nehmen. Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde vorg-st«» Nach- mittag in dem Hause Breitestraße 9 verübt. Die Diebe öffneten mtttelst Nachschlüssel die Koiridorthür der in der dritten Etage belegenen Wohnung deS Kaufmanns H. und entwendeten Haupt- sächlich baareS Geld, welches fie in Schränken und Kommoden der Dienstmädchen vorfanden. Ohne daß einer der HauS» b-wohner etwas von dem unliebsamen Besuch gemerkt hatte entfernten fich die Einbrecher. Die von dem Vorfall sofort benachrichtigte Kriminalpolizei entsandte an den Thatort einen Beamten, der nach Untersuchung der Schlöss« feststellte, daß das Schloß einer Korridorlhür ringS herum angebohrt war, höchst wahrscheinlich, um bei einem zwetten Diebstahl daS Schloß herauSzusägen und fich auf diese Weise Eingang in die Wohnung zu v-rschaffen. Von den Dieben fehlt bis jetzt noch jede Spur. Auf eine entsetzliche Weise ist ein alt« 80 jähriger Mann, welcher seit Jahren sein Augenlicht verloren hat, ums Leben gekommen. Derselbe rieb fich zur Stärkung jeden Abend seinen Körper mit Franzbranntwein ein. Als« dieS kürzlich wieder that, war eS In seinem Etübchen bereits dunkel ge- worden, so daß man ihm ein Licht angesteckt hatte. Durch einen unglücklichen Zufall kam das Licht mtt verschüttetem Brannt- wein in Berührung, eS entflammte den Brennstoff und mtt schweren Brandwunden bedeckt wurde der Mann aufgefunden. Er erlag seinen Leiden und wurde gestern begraben. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtisch« V«kaufivermiltler, Berlin, Zentral- Martthalle, den 13. Mai. Die Zufuhren waren heute dem Bedarf entsprechend und wurden zu normalen Preisen abgegeben. Fluß» und Seefische wurden heute besser bezahlt als bisher; es wurden bezahlt für Schellfisch 10-12 M., Steinbutt mit 50 3«., Dorsch mit 12 M., Lach» mit 50- 60 M., Krebse und Hummern waren nur wenig vorhanden, aber sehr begehrt. Geflügel und Wild war mäßig zugeführt; für Reh wurden 60- 65 Pf. gezahlt. Butter, der Qualität entsprechend, wurde mit 1,40—2,20 M. bezahlt. Ei« htelten fich auf 2,45 M. Gestern fand die«ste Brodauktion statt, in der die Waare schnell umgesetzt wurde; 4 Pfd. Brod brachten 30-35 Pf. Gnäucherte Schinken brachten 65— 70 Pf. per Pfd.; geräucherter Dorsch wurde mit 1,70—2,00 M., Bückling mit 1,00-1,40 M., Flundern mit 2,50—5,00 M. bezahlt. Spargel brachte 1. 70 Pf., II. 50- 60 Pf.. III. 25-30 Pf. Polizei-Bericht. Am 12. d. M., Vormittags, wurde ein Töpfermeister in seiner in der WilSnackerstraße, und zu der- selben Zeit ein Arbeiter in seiner in d« Lietzmannstraße bele- genen Wohnung erhängt vorgefunden. Beide Leichen wurden nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage, NachmUtags, stürzte der mit dem Anstrich der Fassade deS Grundstücks WilSnackerstr. 24 beschäftigte Arbeiter Lehmann auS der Höhe deS 4. Stockwerks vom Gerüst herab und erlitt durch den Fall so schwere innere Verletzungen, daß er nach dem Krankenhause in Moabit gebracht werden mußte.— As der Kutscher Friese zu derselben Zeit, auf einem mit Steinen be- ladenen Wagen fitzend, die Krausenstraße entlang fuhr und ihm in der Nähe der Jerusalemerstraße ein Zügel entfiel, stieg er, um ihn wieder aufzunehmen, während der Fahrt auf die Deichsel, fiel aber dabei hnab und gerieth unt« den Wagen, so daß ihm ein Rad über den rechten Arm und rechten Schenkel hinwegging. Auf der Sanitätswache in d« Mark« grafenstraße wurde ein komplizirt« Bruch deS Oberarms fest- gestellt und Friese nach Anlegung eineS NothverbandeS mittelst Droschke nach der Charit« gebracht.— An demselben Tage, AbendS, brach, wahrscheinlich durch Unvorsichtigkeit veranlaßt, in einer hölzernen Verkaufsbude auf dem Holzplatz Koppen- straße 1 Feuer aus, welches diese, sowie noch zwei and«e varanstoßende Buden und ein hölzernes Schutzvach völlig zer« störte und auch daS Mauerwerk der dicht daran gelegenen Stadtbahn beschädigte. Die Feuerwehr war etwa eine Stunde in Thätigkeit._ Gerichts-Zeitung. Zwei Monat unschuldig tn UokersuchnngShaft. Vor der Strafkammer deS Potsdam« LandgnichtS wurde am Mitt« woch eine Angelegenheit zum AuStrag gebracht, die längere Zeit dai Gericht beschäftigt hat und die, um ihrer Eigenartig- keit willen, das Interesse auch weit«« Kreise erregen dürfte. D« Sachverhalt ist folgender: Der 19jährige Droschkenkutscher August Ebel, ein unbestraft« Mensch, Sohn eineS Potsdamer Bürger», des Dcoschkenfuhrherrn Ebel, wurde am 15. Oktober 1885 AbendS am Brandenburger Thor von einem Herrn und einer Dame zu einer Fahrt nach drr Wildparkstatlon engagirt, mit der ausdrücklichen Weisung seitens des Herrn, weil die Dame nicht recht wohl sei, im langsamm Tempo zu fahren. Edel führte diese Fahrt auch au», mußte aber an der Ecke der Waldemarstraße anhalten, woselbst der Herr ausstieg, während die Dame weiter fuhr. Als diese nun an der Wilvparkstation ausstieg soll Edel, wie die Anklage behauptete, die Dame, welche die Frau deS Hoflieferanten Berger auS Berlin war. festgehalten und derselben einen unstttlichen Antrag gemacht haben, so daß diese fich nur durch Hilferufe vor der Abficht Ebel'S schützen konnte. Ebel behauptet dagegen, daß« Frau Berg« nur VeShalb festgehatten habe, weil er von derselben 3 M. haben wollte und zwar auS dem Grunde, weil diese die Polsterkissen in seiner Droschke beschmutzt und den Fuß- boden naß gemacht habe. Die Auflage legte Ebel nun zur Last, daß er die Frau Berger körperlich mißhandelt und an ihrer Gesundheit beschädigt habe und zwar mittelst hinter« listigen UednfallS. Edel wurde dieserhalb in UntersuchungS- Haft genommen, trotzdem er in Potsdam ansäsfig ist und stand am 6. Januar d. I. dereit« der erste Termin vor der Straf- kammer an, zu dem Frau Hoflieferant Berger auS Berlin«, schienen war und ihre Aussage abgab. Bis zum Eintritt in die Beweisaufnahme wurde die Sache in öffentlich« Sitzung verhandelt, hier aber beantragte der Staatsanwalt den AuS- schloß der Oeffentlichkeit. welchem Antrage der Gerichtshof auch Folge gab. Als derjenige Herr, der mit Frau Berger am 15. Oktober o. I. die Edcl'sche Droschke benutzt hatte, war der Fabrrkant Wille aus Berlin angegeben. Derselbe war zum Termin vorgeladen, aber nicht«schienen. Der Termin am 6. Januar wucve zur weiteren Beweiserhebung vertagt, Ebel aber v«blieb in Haft, während seine Angehörigen sich de- mühten, Zeugen für seine Un chuld beizubringen. AlS Erfolg dieser Bemühungen wurde bei Ger.cht die Vernehmung eines anderen Droschkenkutschers beantragt, welcher bekunden sollte. daß Frau Hofl.ef«ant Berger in seiner Droschke ähn iche 7,, L/[L■).' � V» I V**4 AM M AM.■ vuß fytuu-wv.,,,-..........--------------- Fahrten wie tn der Edei'schen gemacht habe. Ein penfionirter Beamter hierselbst wurde ebenfalls als Zeuge vo-geschlagen, und zwar sollte er bekunden, daß er mit Fr.ru Berger jene fragliche Fahrt nm 15. Oktober v. I. ausgeführt, refp. welche Details dabei fich abspielten. Einige Wochen spät« stand vor der Strafkammer abermals Termin an, in dem Frau Berger als Zeugin nicht«schienen war. Das Gericht beschloß nun- mehr, den Ebel,-achvem er 2 Monat« in Untersuchungshaft gesessen, auS der Haft zu entlassen und ordnete zugleich die Vernehmung der Frau Berger in Berlin an. Während dieser Zeit hatte indessen Frau Berger den Strafantrag zurückziehen wollen, da aber die Anklage auf Körp«vet letzung mittelst hinterlistigen Ueberfall» lautete, so war die Zurücknahme nicht möq« lich und die Angelegenheit mußte ihren Fortgang nehmen. In der Verhandlung am Mittwoch, die, wie die vorhergehende, gänzlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurden keine Zeugen vernommen. Nach einstündiger Verhandlung wurde das Verfahren gegen Ebel eingestellt, weil nicht einmal eine einfache körperliche Mißhandlung vorliegt, sondem höchstens eine thätliche Beleidigung der Frau Berger, zu deren Ahndung eS aber an einem Etrafantrage mangele, weil der Strafantrag wegen Mißhandlung zurückgezogen. Ebel ist also aus der V«handlung von all« Schuld frei hervorgegargen. Wer ent- schädigt ihn ad« für die 2monatliche unschuldig erlittene Unt«- suchungShaft? Wege» der denkbar schwerste« Beleidigung der ReichstagSabgeordnetea Singer und Loewe war der Agent Pächnatz vom hiefigen Schöffengericht zu 30 M. v?r-> urtheilt worden. Auf die von ihm gegen dieses Urtheil ein» gelegte Bemfung war zu gestern Termin vor der sechsten Straflamm« hiefigen Landgerichts I anberaumt. Der er» schienen« Angeklagte anlangte Herabsetzung dies« Strafe, nahm ob« auf den Vorhalt des Vorfitzenden, daß die Strafe viel zu gering dem-ffen sei und ficher bedeutend vetschärft wor- den wäre, wenn auch die Privatkläger Berufung eingelegt haben würden, die Berufung zurück. Der Mandatar der letzt«en, Rechtsanwalt Freudenthal, gab die Erflärung, da seine Vollmachtgeber die Einlegung der Berufung um deSha: nicht beliebt haben, weil fie auS der Verhandlung«ster Instanz erfahren, was ihnen vor Anstellung der Privatklage unbekannt war, daß der Angeklagte bereits vt«mal wegen Beleidigung vorbestraft fei. Der Kehrvtr'rag zwischen dem Schornsteinfeger- meister und dem HauSetgenthümer, welchen letzterer bei Vermeidung der Bestrafung w-gen Uebertretung der Polizei« Anordnung vom 9. Januar 1869 abschließen und aus Ver- langen den recherchirenden Polizeibeamten vorlegen muß, wird durch die einseitige Erflärung des Schornsteinfegers der Polizei- behörde gegenüber nicht aufgehoben. So lautet ein Präjudiz, welches gestern die sechste Strafkammer des Landgerichts l tn d« Strafsache gegen den HauSeigenthüm« C. gefällt hat. Der Angeklagte hat im vorigen Jahre daS HauS Lützowstr. 56 von den Erben deS VorbrfitzerS, der mit dem Schornsteinfeger« meister Christoph einen Kehrvertrag bis 1. April 1886 abge- geschloffen hatte, gekaust und das Recht auS letzterm übertragen erhalten. Da C. der Polizei die Aufhebung des VettrageS angezeigt, d« Angeklagte aber einen neuen Vertrag nicht geschlossen hat, wurde«in Strafe genommen, von der BcrufungS- kammer nunmehr ab« freigesprochen. + Sehnsucht nach dem Gefängniß. Der Mann, wel- cher gestern unter der Anklage der vorsätzlichen Sachbeschädi« gung vor den Schöffenricht«n stand, mußte ttefeS Mitleid er- wecken; er trug daS Todetzeichen an der Stirn. DaS letzte Stadium der Schwindsucht hatte ihre unverkennbaren Spuren ihm aufgedrückt; fieberhaft glänzten seine Augen, die einge« fallenen Wangen deckte eine wachSgelbe, an den Schläfen fällige Haut, mtt schlotternden Knieen stand vornübergebeugt d« fünsunddreißigjährige Mann und konnte fich kaum aufrecht«halten. Er hat in seinem Leben viel Gefängnißluft geathmet. Betteln, Diebstahl, Land« streichen. Widerstand, Körpervnletzung, Hausfriedens- bruch, Beleidigung, grober Unfug, so lautet sein ab« wechSlungSreiches Strafregister. Zuletzt hat er eine einjährige f uchthauSstrafe abgesessen. Krank kam er auS dem Gefängniß. u schwach zur Arbeit und ohne Unt«haItSmittel wußte er nicht, waS er beginnen sollte. Am 27. April schlug er die Scheiben zweier Straßenlaternen entzwei, um im Polizei» gewahrsam ein Unterkommen zu finden. Der Grrichtshof ver« uttheilte ihn zu drei Monaten Gefängniß. Er wird die Frei» heit wohl nicht mehr wiedersehen. ?. Ebenso wie die Verbrecherwelt in Berlin hat auch diejenige in der Provinz ihre„geschulten Spezialitäten" vom Fach. DaS Geschäft der„Leichenfledderer" insbesondere scheint in ländlicher Stille ergiebiger zu blühen, als im lärm- vollm Getriebe der Welistadl. Ein Angehöriger dieser letzteren Gattung, d« vielfach vorbestrafte Bäckergeselle Gustav Walde- mar Alexand« Granstein stand gestern vor der 2 Strafkammer deS LandgerichiS Ii. Nachdem derselbe vor nicht allzulang« Zeit auf dem Belleallta-«platz einem dort auf ein« Bank schlafenden Echloffergesellen am hellen Tage auS einem Bündel ein Plättcisen gestohlen und die ihm wegen dies« frechen That zudiktitte Strafe o«büßt hatte, fand er heraus, daß für ihn B«lin doch ein etwas heißer Boden sei; er dampfte nach Nauen. Auf dem platten Lande hoffte er sein von den Be- rufsgenoffen angestaunte« Talent, unterstützt durch die in der Weltstadt gesammelten Erfahrungen, besser v«werthen zu können. Dies ist ihm auch gelu-gen, allerdings mit nega« tivem Erfolg, denn er ward, als er in d« bekannten Manier einen Müllergesellen in der Herberge„gefleddert", er- griffen, verurthetlt und wted« eingesperrt. Gestern nun hatte sich Granstein wegen desselben V«g«henS im Rückfalle vor G«icht abermals zu verantworten. Am 3. April d. I. war in einem Schanklokal in Nauen einem schlafenden Bäckerge- sellen, der des Guten zuviel gethan, die Uhr aus der Tasche §eraubt worden. Sein Ruf alS„Leichenfledderer" war dem Ingeklagten vorausgeeilt, denn auf Grund einer Personalde- schretdung von Seiten deS Bcstohlenen verhaftete ihn die Polizei am Tage nach dem Diebstahl und in seinem Brfitz fand man die gestohlene Uhr. Den gegen ihn erhobenen Vo:- wurf v«suchte der Angeklagte mit dem Einwand zu entkräften, daß« in berauschtem Zustande u-, bewußt die Uzr entwendet hätte. Die Strafkammer erkannte gegen den gemeingefähr- lichen Menschen auf 1 Jahr 6 Monat Zuchthaus, 2 Jahre Ehrverlust und Zuläsfigkeit von Polizeiaufstcht. Vereine und Uersammlungen« • In der Versammlung der Freie« Vereintgnng der Graveure, Ztselenre und B«uf»genossen sprach am Montag im Restaurant Sahm, Annenstr. 16, Herr Rechtsanwalt Freudenthal über„gewerbliche Streitigkeiten". Der lehr- reiche Vortrag begann mtt dem Hinweis auf die weitverbreitete Gesetzunkenntniß, als einer Haupiquelle von Streitigkeiten. Bei Andringung ein« klage sei daS Innehält n der vor- schriftsmäßtgen Fristen und Formen oft wichtiger alS der vor- läufige matirielle Inhalt. So würden z. B. oft Klagen beim Amtsger cht a rgedracht, bezüglich welch« ein von der Gew«de- Deputation schon gefälltes Urtheil bereit» rechtskräftig gewor- den, weil die gesetzliche Frist von 10 Tagen verstrichen ist. Solche Klagen bleiben, wenn fie auch noch so begründet find, unberückstchtigt. Tie V«schiedenheit d« Rechtsgrundsätze in den einzelnen deutschen Ländern erschwere einem zug«eist:n Arbeiter, ver vielleicht auS den noch unter dem„napoleonischen Gesetzbuch" stehenden Rheinlanden oder auS Bay-m kommt» die Wahrnehmung seiner Rechttverhättniffe in Preußen, und umgelehrt.— Bei Vertragsstreitigkeiten unterscheide man„Verträge über Sachen" und Verträge über Hand- lungen; erst«« liegen mehr auf dem Handelsgebiet, letztere mehr auf dem Arbeitsgebiet. Hierin find zu unterscheiden verttetbare und nicht vettretbare Handlungen. Die Malerei eines Kaulbach z. B. ist eine unvertretbare Hand« lung, weil die betriffenden malerischen Eigenthümlichkeiten keinem zweiten Individuum gerade so eigen find, jedoch ist die H«ftellung eines gewöhnlichen Stuhle» eine vettretbare Hand- lung, weil einer ganzen Gattung von Arbeitern dieselben hierzu erfordnlichen Fähigkeiten vorhanden find und man dem Stuhl nicht ansehen kann, od er von Hinz oder Kunz gefertigt. Ein zur Herstellung ein« Arbeit durch Vertrag verpflichteter Arbei- ter kann also eventuell nicht gezwungen sein, die Arbett per- sönlich fertig zu stellen, sondern er kann fich durch einen Kol» legen vertreten lassen, haftet ab« tn dem Falle für etwaige höhere Unkosten.— Recht bezeichnend für die vorkommende Auslegung d« Gewerbeordnung bei Kündigung» streittgkeiten war der jülrlc Ausspruch eines Richters:„Ach was, Arbeitgeber und Arbeitnehmer find nicht verheirathet 1"(Daß der auf Lohn angeviesene Arbeiter fiets die Folgen dieser wilden Ehe zu tragen hat, mag dieser Herr nicht gewußt haben.)— Die Frage, od ein an der Mauer oder an dem Fabrileingang de« fcftigter Zettel Kündigung findet nicht statt!" für den Fall, daß beim Engagement nichts weiter bemerkt wird, für dm Arbeiter maßgebend sei, ist nach der Anficht des Redners zu vemcinm, da die todte Mauer nicht die lebendige Sprache des Arbeitgebers ersetzen könne und Niemand verpflichtet sein kann, dem Zettel die gewünschte Bedeutung beizulegen. Bei Strettizkeitm au« Fabrik Ordnungm sei immer erst zu prüfen, ob die Paragraphen den allgemeinm Rechtsgrundsätzm ent- sprechen. Andernfalls habe die Unterschrift keine Bedeutung und binde den Arbeiter nicht. An dm mit vielem Betfall auf- gmommmen Vortrag knüpfte fich eine lebhaste DiSkusfion, in welcher zahlreiche gewerbliche Rechtsfragen beantwortet wurden. Den Schluß bildete eine animirte Debatte über die letzte NachmittagSausflug mit Damen nach FriedrichSfelde festgesetzt. * Eine öffentliche Versammlung der Etetnträaer Berlins und Umgegend tagte am Dienstag Abend in Alter- mann'S Salon, Dennewitzstraße 13. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung:„Inwieweit haben die Meister unseren Forde- rungen Rechnung aetragm und wie verhalten wir unS zu diesen?" referirte Herr Wallenthin. Er theilte mit, daß zwei Drsttel der Meister die Forderungen der Ardeiter bewilligt habm und nur ein Dritlel fich noch dagegen sträubt, was nur darauf zurückzuführen sei, daß die meisten Kollegen nicht dm Much hätten, ernsthast an die Meister heranzutreten. Viele behaupten, fie könnten die Arbeit nicht einstellm, weil fie bis jetzt noch nichts verdient haben, da der Winter zu lang war. Redner meint, deshalb solle fich Niemand abHallen laffen, die Forderung energisch durchzusetzen, denn dieselbe sei eine ge« rechte. Diejenigen, die gemaßregelt werden sollten, würden �1�1$ von Arbeitern unterstützt werden. Sodann sprach Plötz als Gast. Er ermahnte die Steinträaer, fest zu- sammen zu haltm und fich nicht durch persönliche Zwistigkeiten ihrm Sieg zu erschwerm. Herr Rmnthaler wteS darauf hin, daß die Meister nicht sagen könnten, fie hätten nicht früh ge« nug erfahren, was die Steinträger fordertm, denn der Tarif sei ihnen rechtzeitig zugestellt worden, damit fie ihre Adschlüffe danach einrichten konnten. Er ersuchte die Kollegen, dreist zu fordern, denn gutwillig zahle kein Arbeitgeber. Nachdem fich noch mehrere Redner in demselben Sinne auS« gesprochen, wurde folgende Resolution einstimmig angmommen: „Die heute taamde Beisammlung der Steinträger erklärt fich mit den Ausführungen sämmtlicher Redner, sowie mll dem Beschluß der Kommisfion einverstanden und verpflichtet fich, die gestellten Forderungen zur Durchführung zu dringen." Herr Noack forderte hierauf die anwesenden„Kolonnenführer" auf, die Adressen derjmigm Meister der Kommisston anzuzeigen, welche bis jetzt noch nicht verzeichnet find. Zum Schluß theilte Herr Wallenthin mit, daß am Freitag, den 14. Mai eine außerordenlliche öffenlltche Versammlung im„Louisenstädtischen Konzerthause", Alte Jakobstraße 37, stattfindet. In dieser Versammlung soll ein definitiver Beschluß gefaßt werden, wie fich die Steinträger denjenigm Meister gegenüber verhalten wollen, welche die gestellten Forderungen nicht anerkennen. Redner ersuchte, für Besuch dieser Versammlung recht rege zu agitirm und ermahnte alle Anwesmden. bei etwaiger Ar- deitSetnstellung fich streng auf gesetzlichem Boden zu bewegen und fich nicht durch rohe Gewalt mißliebig zu machen. Hierauf schloß der Vorfitzende die Versammlung. Der Fachverein der Former hielt am 9. d. M. in den Landsberger Bierhallen, LandSdergerstr. 82,(eine ordentliche Generaloersammlung ad. Der Vorfitzende Herr Müller theilte zunächst mit, daß Kollege Vietenz gestorben und am 6. Mai beerdigt worden sei. Die Kollegen gaben dem Verstorbenen die letzte Ehre und der Fachverein widmete ihm einen Kranz. Die Versammelten erhoben fich zu Ehren deS Verstorbenen von ihren Platzen. Alsdann«stattete Herr Schräder den Kassen- bericht pro März April. Die Einnahme betrug 71,70 M.. die Ausgabe 37,65 M, der frühere Kass-nbestand 7,10 M., somit bleibt ein Kassenbestand von 41,25 M. Dem Kasstrer Herrn Körsten wurde Decharge erthetlt. Derselbe meinte, daß trotz der schlechten Verhältnisse, mit denen der Verein zu rechnen habe, der Stand desselben ein recht befriedigender sei. AuS der hierauf vollzogenen VorstandSwahl gingen hervor die Herren Aug. Müller, 1. Vorsttzender, Paul Berndt, 2. Voi fitzender, Albin erster, Körsten n zweiter Kaistrer, Ludwig Stopsack erster, Paul JakubowSki zweiter Schriftführer. Zu Revisoren wurden die Herren Gustav Beck, Paul Ermler, August Schulz gewählt. Der Vortrag mußte ausfallen, da der Referent am Erscheinen verhindert war. Herr Müller sprach über das heutige Lehr- Itngswesen. Er hob besonder« hervor. daß verschiedene Prinzipale ihre Lehrlinge über daS gesetzliche Ziel binauS ar- betten ließen, ihnen auch nicht die nöihige Zett und den gesttz- lichen Raum anweisen, wo fie ihr oft sehr karge» Mahl ver- zehren könnten. Diesen Uebelständen abzuhelfen, sei Jeder ver- pflichtet mit beizutragen. Ei wurde dann beschlossen, daß die nächsten Versammlungen alle im Zmtrum Berlins abgehalten werden sollen. Nachdem der Fragekasten erledigt, wurde zum Schluß noch eine Tellersammlung angenommen für stemd« Kollegen, welche bisher keine Geleger heit hatten, einem Fach« verein beizutreten. Nachdem der Vorfitzende noch aufgefordert, recht zahlreich auf das„Berliner Volktdlatt" und die„Deutsche Metallarbetter. Zeitung" zu abonniren, schloß derselbe die Ver- sammluna. * Der Vorstand des Sachvereins der Schlosser ic., erläßt folgenden Aufruf an die Schloffer Berlin«: Kollegen! Nicht unbekannt dürsten Euch die Vorgange, die fich in letzter Sett in unserem Gewerk edaespielt haben, geblieben sein. Die ohnkommisfion, die bis dahin alle öffentliche Vorgänge unseres GewnkS zu regeln hatte, hat zu bestehen aufgehört. Mithin wäre jede Kraft erloschen, die geeignet wäre, etwaigen Ein- griffen in unser Recht wirksam entgegen, ututen, wenn nicht der Fachoerein, eine Institution, die nur dazu geschaffen, die EchärenZund Mängel unseres Gewerk« zu Heden, eS alt seine Pflicht erachten würde dafür Sorge zu tragen, daß das so schwer Errungene nicht aus eine leichtfertige Art wieder ver- loren geht. Eine Fachkommisfion, die zu diesem Zweck von dem Verein gewählt werden wird, hat darüber zu wachen, event. da vorzugehen, wo es für nöthig erachtet wird. Der Fach. verein wird eS fich angelegen sein lassen, eine Statistik über eine größere wird. Durch fachgewerbliche und Wissenschaft- liche Vorträge werden wir außerdem die Interessen unserer Mitglieder zu wahren und»u sofern suchen. — Am nächsten Sonnabend, den 15. Mai, Abends präzise 8'/, Uhr, findet in Gratweil's Bierhallen. Kommandanten. straße 77-79(unterer Saal), eine Versammlung statt, w welcher Herr Regierungsbaumeister Keßler einen interessanten Vorttag über die„Entstehung des Eisen«" halten wird. Kol« legen. sorg» dafür, daß die Vereinsversammlung gut besucht wird. Auch finvet in dieser Versammlung die Aufnahme neuer Mitglieder statt. Anmeldungen werden von dem Schristführer entgegen genommen. Alle Kollegen sollten dem Verein bei- treten, nur dann kann derselbe zum Segen Aller wirken. hr. Polizeilich aufgelöst wurde die Mttgliederversamm- lung deS Mäntelnäherinnen- und Trikottaillenarbetterinnen- Vereins, die am Donnerstag Wasserthorstraße 68 tagte. Frau Büge als Referenttn begründete, nachdem fie einen Rückblick auf die titheriee Lohnbewegung der Mäntelnäherinnen gegeben, den Vorschlag, daß der Verein möglichst bald Arbeitsstuben für gemaßregette und streikende Mitglieder herstellen möge und daß zu diesem Zwecke recht viele Mitglieder zu einer Kommis« fion zusammentreten möchten, welche die Aufgabe hätte, dem Verein neue Mitglieder zuzuführen und Gelder einzusammeln. Nachdem die Versammlung zu dem Vorschlage ihre Zustim- mung gegeben, forderte Frau Büge dazu auf, daß die Damen, welche der Kommisston beitreten wollten, fich bei ihr anmelden möchten, und derichtete dann über Kundgebungen von Sym- pathie für den Verein, welche ihr auS vielen Städten zuge- gangen find. Darauf nahm Frau Cantiut das Wort, um ihrem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß von dm 18000 Mäntelnäherinnen Berlins bis jetzt erst eine so geringe Anzahl zu der Emficht gekommen, daß eine Besserung ihrer traurigm Lage nur durch eine große, feste Organisation herbei- geführt werden könne, und daß jede Einzelne die Pflicht habe, durch ihren Anschluß an die Organisation dazu beizutragm, daß dieselbe groß und mächtig werde. Al» die Rednerin in Bezug auf den Wunsch, welchen Frau Büge geäußert hatte, daß die unbemittelten Mütter ihre Töchter veranlassen möchtm, lieber Dienfimädchm als Näherinnen für Konfektionsgeschäfte zu werden, daS LooS der Dimstmädchen al« ein nicht minder beklagenswertheS schilderte, und die Aeußerung that, daß die» selben meist einer demüthigenden Behandlung ausgesetzt seien und bei Ueberdürdung mit Arbeit schlechtm Lohn und schlechtes Essen hätten, erklärte der überwachende Poltzeibeamte auf Grund deS§ 9 deS Sozialistengesetzes die Versammlung für auf- gelöst. f Polizeilich aufgelöst wurde nach zirka zweistündiger Dauer die Versammlung de« Arbeiter-Bezirksvereins für die Schönhauser Vorstadt, welche unter Vorsts de« Herrn Schmidt am Mittwoch, den 12. d., bei Jacodt, LandSbergerftraße 82, stattfand. Herr Cbristensen sprach über die„Erziehungsftage". In ausführlicher Rede wies er auf die Mängel de« heutigen Schulwesms hin. Nachdem er hierauf seine posttiven Reform- gedanken entwickett hatte, kam er auf die Forderung der voll- ständigen Beseitigung des Religionsunterrichts in der Schule zu sprechen. Al« er hinbet zum Beweise, daß die Bibel eine ungeeignete Lestüre für die heranwachsende Jugend sei, einige Stellen zttirte, erfolgte die Auflösung auf Grund deS Z 9 deS Sozialistengesetzes.— Vor dem Vortrage halte der Vorfitzende mttgethettt, daß in der nächstm Vereinsversammlung die Wahl eine« ersten Schriftführer« erfolgen müsse, da Herr Bremer zum zweiten Vorfitzmdm der Metallarbeiter-Kranken-Kaffe gewählt sei und nach Hamburg üderfiedele. * Die Allgemeine Stuhlarbeiter Vereinigung hat zu dem von dm vereinigten JnnungSroiständm ausgearbeiteten Lohntartf für bisher unbezahlte ArbettSletstungen Stellung ge- nommen. Dieselbe ging von dem G.undsatze auS, daß nur durch Einigkeit von den Fabrikanten etwaS zu erreichen sei, und, obwohl eine allgemiine Lohnerhöhung unbedingt noth- wendig ist, doch die Bezahlung der bisher unentgeltlichen Ar- bntSIeistungen einen der wundesten Punkte in der Weberei beseitigen würde, und nahm nachstehende Resolution an:„Die heutige komdinirte Sitzung deS Vorstandes und der Fachkom- misfion erklärt fich mtt dem Vorgehen der vereinigten Innungen sowohl wie mit den von ihnen aufgestellten Fordnungen im Interesse der gesammten hiestgen Stuhlarbeiterschast einvn- standen und beschließt, daß die hiesige Vereinigung dmselbm Weg detrttt, und die auSwärtigm Korporationen, od Innungen oder Vereine, zu demselben Vorgehen zu bewegen find." Der Fachverei« der Rohrleger hielt am 9. d. M. in Nieft'S Salon, Kommandantenstraße 71/72, eine stark desuchte Versammlung ad. Der Vorfitzende theilte zunächst mtt, daß die Kollegen Gustav Möser und Karl Stange verstorben find. Durch ErHeden von den Plätzen wurde daS Ändenkm der Ver- storbenm geehrt. Darauf hiett Herr Ballmüller einen Vortrag über die„wirthschaftliche Organisation". Referent legte klar, wie daS heutige Maschinmwescn einen Druck auf sämmtliche Arbeiter ausübt und die Ueberproduktion fördert, durch diese die Lage der Arbeiter immer ungünstiger fich gestalte. Es sei daher Pflicht eineS jedm Arbeiters dahin zu wirkm, diese« Elend zu beseitigen. Referent besprach hierauf daS Kranken- kaffengesetz, Unfallgesetz und die Altersversorgung der Arbeiter: er kritisirte dann die„Kolonifirung" in Afrika und legte klar, daß die dortigen Kolonien unS nicht im geringsten beglücken können: hier in Deutschland selbst gäbe ei genug zu kolonisirm. Redner wieS ferner darauf hin, wie schädlich die Zuchthaus- arbeit auf die„freien" Arbeiter einwirke und plaidirte für Regelung der Frauen- und Abschaffung der Kinderardetten, da dieselbe demoralifirend wirke; Pflicht aller Arbeiter wäre es, dahin zu streben, daß die fachgewerbliche Organisation mehr an Ausdehnung gewinne. An der DiSkussi n detheiligten fich mehrere Redner im Sinne de« Referenten. ES wurden dann noch einige Vereinsangrlegenheiten erledigt und u. A. beschloffen, daß auch Kollegen, welche nicht dem Verein angehören, durch den Arbeitsnachweis Arbeit erhaltm können. Dieser Beschluß gilt vorläufig auf die Dauer von 3 Monaten. Der Arbeitt- Nachweis befindet fich Elsafferstraße 58, 1 Treppe bei Beter DaS Stistungifest de« Verein« findet am 15. Mai statt. Stettin, 12. Mai. Am Montag Admd fand hier eine sehr zahlreich besuchte öffentliche Frauenvnsammlung unter Vorfitz der Frau Gast statt, in welcher Frau Pölling auS Berlin über das Thema;„Die soziale Loge der Frau" einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt- auch entwickelte fie daS unserm Lesern bekannte Programm der Frauenbewegung. Nach beendigter Diskusston. an welcher fich nur Männer betheilig- tm, wurde deschloffm, einen Fraumverein zu gründen, welchem sofott 60 Personen beitraten. Der Ueberschuß einer vorge« nommenm Tellnsammlung soll dem neuen Verein überwiesen werdm. Frankfurt a. M., 11. Mai. Eine allgemeine öffentliche Wählnverfammlung fand gestern Abend in Sachsenbausm statt. Die„Franks. Ztg." berichtet darüber folgendes: In ändert- halbstündiger Red« referirte Herr ReichStagiadgeordneter Sador über die Thätigkeit de* Reichstags, speziell über die Brannt« weinvorlagen und die Arbeitergesetze. Gegen daS Monopol habe die Frattion einstimmig fich erklärt, obgleich ihr ange- deutet worden fei, daß man ihr andernfalls entgegenkommen würde. Nicht die Stimmen zahl sei es gewesen, weshalb man ihr günstiges Votum gewollt habe, sondern weil dieses auch andern den Muth gemacht hätte, dafür zu stimmen. Sie werde auch für keinen der zur Auswadl angefertigten Brannt- weinsteuer- Entwürfe stimmen. Im Verlauf seiner Rede kam Herr Sabor auch auf den Puttkamer'schen Erlaß bezüglich der Streik» zu sprechen. Die sozialdemokratische Frattion werde wahrscheinlich gleich nach dem Wiederzusammenttitt deS Reich». tag« den Erlaß zum Gegenstand einer Interpellation machen Herr v. Puttkamer kenne die Roth der Arbeiter nicht; er de. ziehe als Minister deS Innern 36 000 Mark Gehalt mit freier Wohnung und al« Vizepräfident deS StaatsministeriumS aber. mal« 36000 Mark und noch 9000 Mark Miethsentfchädiauna trotz seiner stelen Wohnung. Redner forderte auf, sich niemals zu ungesetzlichen Thaten hinreißen zu lassen, aber fest»u blei. den, und wenn demnächst der Ruf an die Sachsenbäus« Große öffentliche Versammlung der Maler Berlivt. Sonntag, den 16. Mai, Vormittags 9 Uhr, in Gratweil's Bin- hallen, Kommandantenfir. 77/79. Tagesordnung: 1. DaS Beigeben der neu gewählten Lohnkommtsfion und wie verhalte« fich die Maler Berlins dazu. 2. Verschiedene«. Zur Aufüi- rung sei mitgetheilt, daß am Sonntag, den 9. Mai noch rrn®' träglich Geld eingegangen ist und da« Resuttat stellt fich daher nicht auf 102.50 sondern auf 120,75 M. Die Lohnkommissio«. Allgemeine Kranke«- und Sterbe-Kasse der Retall' arbetter(E. H. 29 Hamburg), Filiale 5. Sonnabend, W 15. Mai, AbendS S'/i Uhr, Lothringerstr. 81, VersammlM T.-O.: Kassenbericht. Bericht deS Delegirten über die Maivirr Generalversammlung und Neuwahl eines Revisoren. De« Mitglieder« der Filiale l Bertin zur Nachrm daß am Sonntag, den 16. Mai, Vormittags 10'/, Uhr, ew außerordentliche Versammlung im Lokal von H. Schub» (oberer Saal), Möckernstc. 114 stattfindet. T. O.: Wahl einet KasfirerS und zwei Revisoren. Bericht über die Generali«- sammlung in Mainz. Referent: Herr O. Krohm. Wegen* wichtigen Tagesordnung ist es Psticht eine« jeden Mitglied». in dieser Versammlung zu erscheinen.„ * Allgem Kranke«- und Sterbe- Kasse der Metall- arbetter(E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin III., Versammlung Sonntag, den 16. d. M., Vormittags 10'/, Uhr. teusselstr. 90. Kassenbericht pro März und April. General- versammlungsbericht der Delegirten und Verschiedenes.. Rauchtlub„Westend", Freitag, Abend« 9 Uhr.«a Hohenzollerngarten, Steglitzerstr. 27. * Oeffentttche Versammlung sämmtlicher Stahl- arbetter und Berufsgenoffen am Montag, den 17. MA AbendS 8 Uhr, in Büß' Salon, Große Frankfurter str.� Tagesordnung: 1. Der deutsche Manufalturarbeiterkongreß � Gera. 2. Da» Vorgehen der Lohnkommisston der veieurifi"" Jnnungsvorstände.. *»erichtigung. In dem Bericht über die SonntaS'' Versammlung der Zimmerer in der„Tonhalle" defin et p hinfichtlich der Abstimmung der bei dem Baurath Böckw� beschäftigten Gesellen ein Jrrthum. ES haben nämlich 1% derselben für die bestehende Lohnkommisfion gestimmt und � wollen die Kommisfion auf 15 Mann erhöht haben, nicht* 50, wie im Bericht angegeben war. Letzte Nachrichte». Die russtschen Repressalien nehmen immer schärfere � statt an.— Am 6. d. M. wurde, wie dem„Berk. Tag. der russtschen Grenze gemeldet wird, 120 Deutschen, welch«' Wolhynien ansäsfig waren, eine Verfügung zugestellt, dieihP unteriagt, ihren Grund und Boden auf die Kinder zu r, erben. Die Besitzungen müssen an Russen verkauft Ferner soll diesen Personen hinfichtlich ihreS BleidenS in% land»ur Bedingung gemacht morden sein, daß fie zur„rw- gläubigen" Kirche übertreten(?!). Gegenüber den kürzlich von Athen aus verbreiteten richten über Vorschiebungen türkischer Truppen gegen die tn. chische Grenze wird aus Konftantinopel gemeldet, daß am,% drückliche Ordre dei SeraSkierats die Kommandanten mu unter ihren Befehlen stehenden Abtheilunaen innerhalb ihnen schon vor einiger Zeit zugewiesenen Positionen»u � bleiben haben. Nach einem weiteren Be'ekle des Eerast»„ wird dem Wunsche der Lokalbehörden im EpiruS wegen v lassung der Baschidozuk« Folge gegeben. *** Ofl Sek Folgende Bekanntmachung auf Grund deS§ w Sozialistengesetzes wird von dem vtaatSministerium»»» � Berliner P-flizeipräfidium erlassen . U- 3" der Stadl Berlin, den Stadtkrelll» Unim "Ä teSärtÄ«s® behörde. Die Genehmigung ist von dem Unterneh-n-c? sters achtundvierzig Stunden vor dem Beginne der lung nachzusuchen.......... SNainn« Auf Versammlungen zum Zwecke einer au#ßg fit Wahl zum Reichstag oder zur Landesvertretung"fa"" diese Beschrankung nicht, Atf _.§ 2- Diese Anordnung tritt am dritten Tage na» � Verkündigung in Kraft und gilt bis zum 30. September JahreS., Verlin den 11. Mai 1886. Königliches Ttaatsmstl�. Vorstehende Anordnung wird hierdurch mit dem � weiS zur öffentlichen Kmntniß gebracht, daß. w« ordnur g oder den auf Grund derselben zu erlassend� fügungen zuwider Handell nach§ 28 Absatz 4 des ReickwS�«- gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der 6m ptf kratie vom 21. Ottober 1878 mit Geldstrafe bis ,u oder mit Haft oder mit Gefängniß bi« zu 6 Monaien" wird._ s? � Zugleich wird hierdurch bestimmt, daß die M der Königlichen Polizei. Direktion daselbst„ bringen find. jmK Diese Anträge müssen Ott. Zell, sowie Zweck d�- sammlung und die Angab« enchatten, ob eine � irgend welcher Art in der Versammlung stattfinden oder erhoben werden soll.. »erlin dm 13. Mai 1886. D-r Königl. Po»'ei-W v. Richthofm. Krieflutsten der Redaktion.. R. v. 1. Wenn die Ehestau fich weigert, ihrem nach seinem neuen Wohnfitz zu folam, so giebt JU% «wen rechtmäßigen Scheidungsgrund und kann � Unterstützung fordern.- 2. Für Betteibung SÄ Ruten brauchen Sie keine Gewerbesteuer zu Jabl�i#£ W. G. Köpuickerstr. 1. Da der betreffende Statuten hat eine giltige Vereinsorgantsation � existirt. so müssen Sie sämmtliche VereinSmttglwv?'ye verklagm. 2. Sie könnm fich wegen der Vjtium kommenen Sachen an Ihrm Wtrth hattm und vi« � 6.. AfÄ und von der WIttwe verführt worden find, saU KiiM-�At zur Alimmtmzahlung fort ES hätte gar&%%%> letzt mtt der Wittwe ,u einigen. Der%% Mangel« vormundschaftsgerichtlicher Genehmigung, zfiim nicht btndmd und Sie müßten trotzdem die gesetz � zM Ä Ä%% und Erziehung selbst übernehmen und, wenn Herausgabe des Kinde« verweigert. jfo AUmmtaUonS.Verdindlichkeit beim Amttge"�� Wmn Sie dem Gericht durch eidesstattliche A, legen dür fem