Frritag, den 81. M»i 18HH. in. swm. MerVMW ♦ Krgan für die Intereffen der Arbeiter. 3« im nmm KkgimiiiMllßttztlil. , Wer die politische» und soziale« Zustände in Deutsch- «ard ,ur»ach den Regierunatmaßregel« der »etzten Woche» beurtheile« will, der kan» leicht zu der An- iqiuuvg komme», al« herrsche ia Deutschland namentlich unter de» arbeitende« Klasse» eine hochgradige Aufreau»g. vermewtliche Aufregung müßte durch eine» plötzlichen Anschlag der öffentliche« Stimmung herbeigeführt worden W®' den» vorher konnte Niemand eine Ahnung haben, daß r|e solch, Aufregung bestehe. Die Regierung hat zunächst die rW Etreikoerfügung erlasse»; dann hat fie die An- s�°uug»vorschrifte» für Versammlungen ausgedehnt, und bfr k$ liege« auch zwei Anträge bezüglich /� Verjährung der Strafbarkeit von Zeitung«- b«i» und de« Ausschluss,« der Ocffentlichkeit od??lchl»ver Handlungen vor, bie beide als hauptsächlich «««»die Pttsse gerichtet zu betrachte» sind. Da« ist viel lo» und Tausend, frage» erstaunt: Was ist den» W-ik. � uia» auf einmal sich bewogen fühlt, aus solche vorzugehen? *och weitere Maßregeln beabsichtigt sind. Run ist di, Regierung mit_ einer Denkschrift an de» N? Nun, wir könne« uns schmeicheln, wa« in Berliner Arbeiterkreisev vorgeht, a«.• U/W» IU et qv«4 unterrichtet zu sein. Wa« wir indessen au« nicht S«fahre«, ist zum Theil so alt, daß wir ti7 Mehr dazu sage» möge», zum Ander» so gäaz- lich'. M?r dazu sage» möge», zum Ander» so ganz- Unntn�' � wir unsere Ueberraschung nicht verhehle« vezua find die Behauptungen der Denkschrift in St» ti?? hol Verhalten der Sozialdemokratie zu de» Arbeit«. Wir glaube» ja gm»e, daß sozialdemokratische Streif« BeiiJm; Denkschrift nennt sie �Agitatoren'— bei m t'trrÄ rshÄrtÄ b,e Gewerbeordnung»icht ausdrücklich die ,% Iäw«: m schon s°chd«gel,gtw�rd�d°ßwirh,utedarauf°er. �' e» abermalt zu thua. Wir könuen«icht fortwäh- ... ,iet die Auffassung der Denkschrift auch»icht ent- * zu. Uebrigea« ist diese Etellu»g i» diesem und anderen NAWm.] IseuUIeton. «Hm- Mutter. Ronwm von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung) ei» J?e.n Kieswieg herauf, der durch de» Park führt, trabte srinl«.«. war der junge Graf George, welcher von de,% zurückkehrte, sei» Pferd dem herzuspringe«. S tallknecht übergab und dann hinauf in sein Zimmer ZchttJ!" gleicher Zeit belebte sich auch der Platz am alten . Zuerst schüttelte sich w geheimnißvoller der der Wipfel junger Bäume, die dicht an kbhZ!!*\J**®de»; dann wurde über dies« ei» vorsichtig Merkst �°ps fichtbar, der aber viele Minuten lang auf- der di*. s?ner Stellung verharrte und in dem Schaue» hätte Wipfel auch kaum, selbst von der Terrasse au«, segte werden kön»e». Erst al« AHM ruhig blieb, softer dit Testalt auf'« Neue, und der Maulwurf«- �undim*. der Graf so ernstlich de» Besuch de» Dunkelwerden verboten hatte— kroch A"der die niedere Mauer und sprang auf de« dem auc. �d«, der die Büsche umschloß, damit in viirrden echte» Kiesweg seine Fußstapfen«icht fichtbar etwa» Nichlsnutzige» halte der-II- Barsche im ° W-W.!•»-»>!" i rend Wasser i»« Meer trage», d-n« wer»icht verstehm will, de« kann man«icht überzeuge». Nun aber ist die Behauptung der Denkschrift, e» de- stände unter de» Eisenbahnarbeitern die Absicht, durch Ar- beitseinstelluage« de» Etsenbahnverkehr Berlin» mit der Provinz unmöglich zu mache« und so die Hauptstadt vom Lande abzuschneiden. E« wird von.Anzeichen" gesprochen, die auf eine solche Eventualität hinweise«. Nun, wir wolle» abwarten, wie die Regierung diese Behauptungen beweise» wird. Da» darf man wohl verlangen, den» der überaus magere Inhalt der Denkschrift, die au» einfache», durch keine Thatsache» erhärtete» Behauptungen besteh», kann doch nicht al» Begründung für die so tief ein- schneidende» Maßregeln der Regierung betrachtet wer- den. Der Regierung»erde« zwei Gelegenheiten gebot,» sein, sich über die Sache auszuspreche»; einmal bei der Berathung der Denkschrift und dann auch bei de* auf die Regierungsmaßregel« bezüglichen Interpellation der sozialdemokratische» Abgeordnete«. Wir find ungemein ge- spannt darauf, wa« Herr v. Puttkamer und Herr Mapbach dem Lande mittheile» werde». Die auf die Versammlungsanmeldung bezügliche Anord- nung de» Gesammtmiaisteriums betrifft alle Parteien; e« werde« also«icht nur die Sozialdemokraten, sondern auch die Herren Richter, Cremer, Stöcker und von Hammerstein, wen» sie in Berlin Jpreche» wolle», genöthigt sein, ihre Versammlungen 48 Stunden zuvor anzumelden, damit Polizei— nach de» Angabe» der Denkschrift— Zell hat, sich eingehend zu informire«, ob«icht Anzeichen vorliege«, daß in diese» Versammlungen Umsturzbestrebunge« zu Tage trete« könnten. Recht naiv ist es daher von der.Nord- deutsche» Allgemeine» Zeitung", sich darüber zu verwundem, daß freisinnige und ultramontane Blätter de« Erlaß lich der VerfammlungSanmeldungen heftig angreife«. «« .Freisinnigen" auch»icht viel; allein es ist doch die ei» fache Pflicht de« Liberalismus, für die von ihm durch die Gewerbeordnung dekretirte Berechtigung der Arbeitseinstellung eiazutteten. Schließlich wolle« wir denn doch auch noch darauf auf- merksam mache«, daß schon mehr al« tausend Jahre vor der Entstehung der Sozialdemokratie e« Arbeitseinstellungen gab. Schon die altrömischen Geschichtsschreiber berichte» von sol- che«. Sie nahmen aber gewöhnlich eine« weit ungemüth« lichere» Verlauf, al» jene, bei denen deutsche Ar- beiter betheiligt waren. Möge man also endlich doch aufhören, dem Spießbürgerthum glaube« mache« zu wolle«, daß Sozialdemokratie und Streik« ei» langsam"den kleinen Hügel erstieg, auf welchem der alte Thurm lag. Der jetzige Besuch trug einen dunkel» Mantel und ei«, ebensolche Mütze, und blieb, als er de» oberen Raum erreichte, vorsichtig stehen und horchte wieder; aber nicht« regt, sich, todtenstill lag der Platz, und nur recht« im Dickicht — er dreht, mschreckt� den Kopf� danach um— flattert, ein kleiner Vogel und strich, aufaeschreckt von seinem Ruhe- er die Hügelkuppe und in da« platze, ängstlich zwitschernd üb« nächste Dickicht hinein. Handor— den« niemand Ander« war der spät, und heimliche Besuch— dachte aber«icht daran, daß irgend eine Ursache da« klein, Thier erschreckt haben mußte, und daß da» möglicher Weise ei« Meinsch sei» könne, dem er hier gerade nicht gern begegnet wäre. Er fühlt, sich vollkomme« be- mhiat, al« er sah, daß die Ursache de« Geräusche« nur ei« kleiner, unschuldiger Vogel gewesen. Am Wartthurm war Niemand, und al« er sich davon überzeugt hatte, glitt er zu der nämliche« Stelle der Mauer, wo Paula an jenem Nach- mittag erst da« kleine Zettelchen verborg«» hatte. Da« fand er auch und öffnete es, aber ,» war»icht möglich bei dem ungewisse« Schein de» Mondes die»och dazu ouf dunkle« Papier geschriebene« feine« Schriftzüge zu les«.: er schob de« Zettel deshalb in die Tasche, hüllte sich wieder in seine» Mantel und trat dann, um seine Zeit abzuwarte», halb in da« nämliche Tajagebüsch hinein, in welchem vorher der Maulwurssjäger verschwunden war. Aber doch nicht so weit, daß er de« frei,« Platz hier oben »icht vollständig hätte übersehe» könne«, während er beim Nahe« irgend einer Gefahr im Stand war, in dem Dickicht zu verschwinden. So mochte er etwa eine Viertelstunde regungslo» und dem geringste« Geräusch horchend gestanden habe» al» er plötzlich eine» große« Vogel weiter dn« im Dickicht und etwa« mehr de« Hang hinunter flattern und mit de» Flü- gel» schlagen hörte. Er horcht, hoch auf: das dauert, aber und dasselbe sind, wie da« in offiziösen Blättern so oft geschieht. Daß schließlich auch«och gegen die Presse Maß- regeln für nöthig befunden werde«, kan» man sich unter diesen Umständen denke«. Es giebt ja Leute genug, welche wünsche», daß außer der„Norddeutschen Allgemeinen", der „Kreuzzeitung" und de» landräthliche« Amtsblätter« Nie» mand zu Worte komme» möchte; au« konservativen Rede» klingt�die» oft deutlich genug hervor. Bei der Beschlußfassung über die neue« Maßregel« ege» die Presse wird e« sich zeige«, ob die neu erworbene freundschast de« ZenttumS stichhaltig ist oder«icht. Die .Germania" aeberdet sich zwar recht oppositionell, aber man kennt das ultramontane Trugspiel. Wir werde« ja noch ftüh genug sehe«, wie der Hase läuft. Du Eillschrmkmg im Vechmi-lmz-' Wie wir schon andeuteten, ftäat die„N o r d d. A l l g. Z t g." vom Dienstag Abend ganz offen herau», ob die„Bour- " le"((o nennt sie dte.freistnnige...... .._ � reffe) und die frei- [t Partei denn noch Anspruch darauf erhebe» dürfen, von -SRSUMMM deHüte. DaS Kanzlerblatt fordert sogar die besttz-.nden heißt da:„Wenn die Organe der Bourgeoiste darin volllom- men übereinstimmen, daß der erwähnte StaatSministerialerlaß gerade deshalb zu bedauern sei, weil er in die Lohnstreitig» ketten störend eingreife, so muß man wohl annehmen, daß man dort, wo die Unternehmer-gnteressen ihren legitimen AuS« derselben nicht widersprechen, ferner zu der Ucbeneugung kom- men müssen, man habe sich über die Tiefe der sozialen Differenzen im Jrrthum befunden und die Unternehmerklaffe sei im Großen und Ganzen bereit, die von der Arbeiterklaffe erhobenen Forderungen al»„berech- tigte", vielleicht sogar al«„gemäßigte" anzuerkennen. Andere fflüffe wird Jemand, der die Dinge des öffentlichen und der wirthschaftltchen Leben» objektiv betrachtet, aus dem Verhallen r Bourgeoisorgane nicht zu ziehen vermögen. Wenn schließ- lich die Patrone der BourgeoiSpreffe ihnen nicht erwünschte Dinge erleben sollten, so werden fie e« theil« der Haltung der begünstigten Press«, theil» der eigenen „ zuzuschreiben haben." Selbst der„N a t t o n a l z t g." ruft dieses Vorgehen des Regierungsorgans„sehr weitgehende von ihnen Indolenz heilS der eigenen kaum zehn oder zwölf Sekunde«, dann war wieder Alle« todtenstill. .Was nur mit de» verdammte« Vögeln heute Abend ist I" flüsterte Handor leise und ärgerlich vor hin;»mich könne» fie doch wahrhaftig»icht gehört en." Aber ihm blieb auö den« im Knir" und erkannte... und scheu de» Weg heraufkam. Jetzt fiel da» Mondlicht auf fi,— e« war Paula, und im nächste» Augenblick hielt er die Geliebte in de« Arme«. Mit süßen Schmeichelworte« wollt, er fie begrüß,»; aber Paula hatte in diesem Moment nur Thränen, denn Angst und Aufteguna, die ihre Nerve« zum Aeuherste» ge- spannt, übertäubte« bei diesem ersten Begegne» jede« ander, Gefühl. .Mein liebe« Mädchen," flüsterte Handor,„beruhige Dich doch, ich bin ja bei Dir, ich halte Dich ja wieder ein- mal in de« Armen!— Wa« ist Dir den» nur, Deine ganze G, statt zittert ja wie Espenlaub." „Die Angst, entdeckt zu werde«, Rudolph," bat da» arme Mädchen;„o, zürne mir«icht, aber nur mit schwerem Herze« wagte ich de» Schritt— nur ge- zwangen von der Gewatt der Elter«, die mich ihren Standesvorurtheile« opfern wollen." .So ist da« Furchtbare wahr!" „Leider ja— morgen in acht Tagen soll ich dem junge» Grafen Bolte» verlobt werde«; ich habe gebeten und gefleht— umsonst, Vater und Mutter habe« kein Er- barme« gegen ihr Kind, und mit Gewalt soll ich zum Altar geschleppt werde« l" .Da« dürfe» fie»icht, Herz," rief Handor,.da« ist gegen die Gesetze de« Lande», und wen« Du Dich weigerst.. „Aber wie darf ich, wie kann ich denn?" klagte da« arme Mädchen.„Bin ich denn im Stande, ihnen zu sage«, daß ich Dich, nur Dich liebe und nie einem ander« Man» meine Hand reiche», ihn mit einem schon vergebene« Herzen betrüge« würde?" Besorgnisse" hervor, aber wenn ste hieran» die Verlegenheit erkennen will, in welche die Reaieruna mit ihrer Verordnung aerathen ist, so beweist da» unsere» Erachten» eine gänzliche Ve rlennung d:r Sachlage. Nicht«u» Verlegenheit. rndern au» lange vorbedachter Absicht stellt sich die Regierung plötzlich al» Retterin der Bouraeoisre hin. Sie weiß, wa» ste will, und für Herrn Eugen Richter steht die schwerste Prüfung»zeit, die ihn treffen konnte, erst noch bevor. Daß seine Partei de» Unternehmer« thum» nicht entbehren kann, weiß er recht wohl. Noch nach dem Streikerlaß hat er z. B- tagtäglich mit den Baugewerk»- meist« n charmirt. die Arbeiter aber link» liegen lassen. Jetzt zwingt ihn die Regierung, fich offen in Zwiespalt zu setzen mit denjenigen Kreisen, in denen die Kraft seiner Partei wurzelt. Wie wird Herr Richter au» dieser Prüfung hervo* ��Ein in parlamentarischen Kreisen verbreitete» Gerücht scheint unsere Auffassung zu bestätigen, daß weitgehende politische Ziele der Regierung bei ihren Maßnahmen vor« schwebten. Damach hätte Herr v. Puttkamer den Streikerlaß für zureichend gehalten, um die Lohnbewegung einzu- schränken; lediglich auf Jürst Bismarck'» eigene» Eingreifen sei der neueste Ministerialbeschluß zurückzuführen. In der That. um sein letztes Ziel, welche»'mit der Lohnbewegung gar ..... der Kanzler nicht nur nichts zu thun hat, zu erreichen, bedarf. der Streikverbote, sondern auch der Befugniß, politische Ver» sammlungen— und zwar gerade solche der Fortschrittspartei— nicht zu genehmigen. 15 Politische Ueberstcht. Ueber den wahrschernticheu Verlauf der Reichstag»« Verhandlungen schreibt die„Brest. Morgen Ztg.": Zunächst soll die Nähe deS PfingstfesteS einen Druck auf die Berathun« gen ausüben. Ende der Woche frühesten» kann die Brannt« weinsteuemorlage an die Kommisston gelangen. Diese hat alSdann einschließlich Feststellung und Druck de» KommisstonS« berichtt und einschließlich von zwei Feiertagen nur 13 T a g e Zeit, wenn die Vorlage so zeitig an da» Plenum gelangen soll,— bis zum 5. Juni— daß eine Erledigung in zweiter und driiter Berathung vor Pfingsten(13. Juni) noch möglich ist. Und doch rechnet man offenbar darauf, daß die Unlust, nach Pfingsten- etwa zum 21. Juni— nochmals nachBerlin zurückzu« kehren, einen Druckheworbringen wild, um in solchem Galopptempo die Steuervorlage zu erledigen. Dabei ist dem Reichstage von vomherein in fast künstlicher Weise erschwert worden, eine gründliche Prüfung in knapper Zeit vorzunehmen. Die Mo- nopolvorlage, welche am 22. Fedmar an den Reichstag ge« langte, war schon am 8. Januar in»em Wortlaut de» preußi- schen Antrage» nebst Motiven vereröffmtlicht worden. Die»« mal find nur die Umrisse der Vorlage und auch diese nur gegen den Willen der preußischen Regierung bekannt gewordm. Man wollte dadurch insbesondere größere Interessentenkreise abhatten, gegen die Vorlage vorstellig zu werden, hat aber zugleich den Abgeordneten die Prüfung damit erschwert. Und dabei handelt e» fich um eine Mehlbelastung der Steuerzahler, zrößer als alle Belastungen zusammengenommen, welche man eit 1879 in einer Reihe von Zoll- und Steuervorlagen auf den VolkshauShalt gehäuft hat. Noch dazu fällt diese Mehr« belastung von mehr al» 200 Millionen zusammen mit einer Zeit wirthschastlicher Depression und allgemeinen Rückgänge» in den Erwerdsvelhältniffen. In der That! Ein solche» Vor« gehen der Regierung erscheint nur erkarlich, wenn dieselbe de« rechtigt ist, auf eine Willfährigkeit ohne gleichen seitens der im Reichstage ausschlaggebenden Zentrumspartei zu rechnen, denn die Nationalltderalen allein thun es im Reichs- tage nicht. Das bayerische„Vaterland" hat ausgerechnet, daß da» bayerische Militärbudget mit seinen 45'/, Millionen Mark seit den Tagen König Ludwig'» I. um mehr al» da» ÄS'ÄWÄ ÄK ° Ob" der�Streikerlaß de» Minister» von Puttkamer oder die völlige Aufhebung des Versammlungsrechte» in Berlin im Allgemeinen mehr zu verurtheilen ist. darüber braucht man fich den Kopf nicht zu zerbrechen, beide Maßregeln find geeignet, gerade der Arbeiterbewegung empfindlichen Schaden zuzufügen. Der Streikerlaß richtet fich aber noch un« mittelbarer gegen die Bestrebungen der Arbetter, al» die Aufhebung des Versammlungsrecht» und wir hatten, da unser Blatt speziell die Jnter-ffen der Arbeiter vertritt, ganz recht. wenn wir die erste« Maßregel al» noch tiefer in da» ganz« VolkSwesen einschnddend erklärten, al» die letztere. Ganz be« stimmt aber hatten wir auch recht, wenn wir erklärten, daß ein Th-.il der liberalen Presse, welche jetzt eine heftige Sprache gegen die Beschränkung der Versammlungsfreiheit führt, dem Streikeilaß des Minister» v. Puttkamer, der speziell die Ar« beiter trifft, kühl bi» an» Herz hinan gegenüber gestanden habe. Wir hatten bei unserer Behaupwng vorzugsweise d»e„Freis. Zig." im Auge, die den Streikerlaß de» Mmister» von Putt« „Meine Paula...!" „Ich wage e» nicht,' so fuhr die Grafentochter fort; „ich kenne meinen Vater, kenne meine stolze Mutter, die mir schon de« Gedanken, die Bitte nicht vergebe« würde» I' „So flieh' mit mir, Geliebte!" drängte Handor. „Wa» hält Dich hier, wo Du selber keine Hoffnung hast, einer verhaßten und verabscheute« Verbindung zu entgehen, ja, wo die Ausficht eine» öden, trostlosen Leben» vor Dir liegt? O, ich weiß," fuhr er traurig fott,„daß ich Dir da« nicht bieten kann, wa» in den Armen jene» Grafen Deiner wartet— kein stattliche» Schloß, keine blendend« Equipage, keinen Dienertroß; aber wa» die Lieb« Dir zu bieten vermag, womit die Kunst Dich erfreue» kann, Paula, da« ist Dir gewiß, und Deine Elter«— e» müßten ja keine Mensche« sei«, wen» sie dem eigene« Kind entsage«, die einzige Tochter auf ewige Zeiten von fich stoßen würden. Dein Vater wirb»üthe«, ja, er wird un» verfolge« lasse», um Dich mir wieder mit Gewalt zu entreiße«; aber ich fürchte nicht»; in meinem Schutze bist Du sicher, und hat der erste Aerger über eine» zer- störten Plan fich ausgetobt, ist der erste Mißmuth vorüber, getäuschter Hoffnung wegen— er gerade am weniaste« wird grausam sein. Denke Dir dann, Herz,' fuhr er fort, während sie fich ängstlich und zitternd an ihn schmiegte, „denke Dir jene selige Zeit, wenn ich, mit Deinen Eltern versöhnt, Dich ihnen wieder zuführe« kann, wenn wir ver- eint zu ihren Füße« liegen und ihr Segen dann die Bande heiligt, die un» de» Himmel» Seligkeit schon auf Erbe« gegeben haben I" „Mein Rudolph, mein Rudolph, o, wie glücklich, wie namenlos glücklich würde mich Dein Besitz machen!" rief da« junge, leidenschaftliche Mädchen.„Ich kann ja nicht ohne Dich leben— Gott nur weiß«#, Tag und Nacht find meine Gedanke« bei Dir, und wenn ich mir jetzt denke, daß ich einem Manne überliefert werde« soll, den ich nicht liebe, den ich nicht liebe« kann, so liegt mein künftige« Leben kalt und dunkel vor mir wie«ine ewige, endlose Winter- «acht I" „Meine Paula I' rief Handor und preßte si: fest an kamer zwar nicht vertheidigt, aber die Tragweite desselben— wohl im Interesse der Unternehmer— ihren Lesern verschwiegen hat. So bestreitet da» Blatt auch noch immer, daß der mi< ntsterielle Streikerlaß von großer Bedeutung sei, da er keine Präventiomaßregeln im Gefolge habe. Da» ist pure Wort- llauberei. Wenn in dem Erlaß an die Poltzeibehörven Ordre erlassen wird, darauf zu achten, daß die Streikenden die zu- reisendm Arbeiter nicht einmal„überreden", von der Arbeit fern zu bleiben, dann ist die» eine Vorbeugemaßregel gegen da» Gelingen de» Streik» von der etnschneidensten Sorte, aller- ding» dm Unternehmern und ihren Vertretern zu großer Freude und zu großer Unterstützung. Da» Vorbild der„Freis. Ztg.", die„BaugewerkSztg.", hat jenen Erlaß deshalb auch mit großem Jubel begrüßt, wahrmd dasselbe Blatt fich um die neueste Minitterialcerfügung wenig kümmert. Polizeilich verboten wurde die Generalversammlung de» Verein» der deutschen V o l k» p a r t e i, die am IS. d. in Kirchheimbolandm abgehatten werden sollte. Der Ausschuß de» Verein» hat nunmehr beschloffen, dieselbe auf den 30. Mai und zwar nach Hochspcuer einzuberufen, und auch dort nach der Generalversammlung eine öffentliche Volksversammlung abzuhalten, in welcher wiederum Herr Reichitagsabgeorvneter GrohS über die Thättgkett de» Reichstage» Bericht er- stattm wird. Versammlnngsverbot. Mainz, 17. Mai. Eine von sozialdemokratischer Seite auf gestern Abend einberufme Wahl- Versammlung wurde, nach der„Franks. Ztg.", noch vor drren Beginn auf Grund de» Sozialistengesetze» verboten. Et« neuer Grund zur Versammlungsauflösung. In Gevelsberg ist am veifloffmm Sonntag eine Versammlung, welche zum Zwecke der Gründung eines Ardetter-BildungS- verein» tagte, au» dem Grunde der polizeilichen Auflösung verfallen, weil die Redner von der Tagesordnung abgewichen sein sollten. Oesterreich- Ungarn. Eine Mittheilung der„Poltt. Korr." bezeichnet die Mel« dung eine» Wiener Blatte», wonach da» Wiener Kabinet an die rumänische Regierung neuerdingi eine Note gerichtet hatte, in welcher dieselbe eingeladen wird, durch eine zeitweilige Verlängerung de» Vertragioerhältnisse» eine Frist zur Wieder« anknüpfung der Verhandlungen zu gewinnen, al» vollkommen unbegründet. Uebriam» werde man in Rumänien nach Art de» Abbruche» der Verhandlungen wohl überzeugt sein müssen, daß eine eventuelle Anregung zur Wiederaufnahme der Ver« KagSoerhandlungen nur von Rumänien ausgehen könne. Schweiz. Die Kommisfion, welche in Bern über eine A u» d e h« nung de» Fabrikgesetzes rathschlagt, besteht, nach der „Franks. Ztg.", au» Mttgliedern der Bundesversammlung und Fachexperten. Die Einen wie die Anderen scheinen der Meinung zu iein, daß die Erweiterung mehrerer Bestimmungen erfolgen soll und zwar in der schon bezeichneten Richtung. Nachträglich hat die Kommisfion die H a f t p f l i ch t ausgedehnt auf Gewerbe, die«xplodirbare Stoffe erzeugen oder verwenden, auf solche, die elementare Kräfte verwenden und mehr al» fünf Ardeiter beschäftigen, auf Eisendahn-, Tunnel, Straßen- und Brückenbauten, da» Bauhandwerk, die Steinbrüche und Berg- weike, die Erd- und Wafferardeiten, den Fubr- und Fahr- verkeh-. Ob in dem letztgenannten auch die Post inbegriffen ist, wie e» nur dillig wäre, wissen wir nicht. Wenn man es aber auch gutheißt, daß solche und andere neu« Bestimmungen Platz greifen, so ist doch die Presse über die Opportunität der Revifion de» Fabrikgesetze» gelhettter Meinung. Blätter von ganz entgegengesetzter Richtung haben fich dahin ausgesprochen, e» sollte" die Revifion im Zusämmmhang mit dem Projekt einer Unfallversicherung dehandett weiden, wobei die einen Preßstimmen die Befürchtung aussprechen, ohne gleich- zetttge Einrichtung der Unfallversicherung sei die Erweiterung der Hastpflicht für die Fabrikanten eine zu schwere Bürde, und die anderen argwöhnen, habe man da» Gesetz einmal theilweise revidirt, so werde die Frage der Unfallverficherung auf die lange Bank geschoben. Schweden und Norwegen. Der schwedische Reichstag ist am Dienstag ohne Thron- rede geschloffen worden. Belgien. Da» de Volder'sche sogenannte ProvokationS-Ge- s e tz wird erst in der nächsten Sesfion zur Berathung kommen; die Kommisfion hat es bedeutend geändert. Zuerst ist die Gil- ttgkeitsdauer de» Gesetze» auf drei Jahre beschränkt worden; nach Verfluß dieser Zeit muß e» erneuert werden. Sodann hat die Kommisfion bestimmt, daß die Aufreizung, wenn fit strafbar sein soll, nicht eine direkte, sondem auch eine bös- willige gewesen sein muß; sodann find unter den strafbaren Mitteln zur Bufteizung die Bilder und Embleme gestrichen worden, und endlich hat die Kommisfion nur die Aufreizung zu Verbrechen beibehalten und die Vergehen gestrichen, mit Ausnahme de» Art. 310 de» Str.'G.-B., welcher lautet:„Mit Gefängniß von acht Tagen bi» drei Monaten und mit Gelb« ich; aber im nächsten Moment horchte er rasch und er- chrrckt empor. Drinnen im Busch flatterte wieder ei« Vogel, aber jetzt weiter entfernt al« vorhin, und es war fast, al» ob er de« Schritt eine» Menschen auf dem Kies« bode» gehört hätte. „Komm," flüsterte er leise und zog die Erschreckte mtt fich in da» Dickicht hmei»,„da» Mondlicht ist hier viel zu hell; ei« Verrätherauge könnte wachen." „Ich darf nicht so lange fortbleiben, wen« ich vermißt werde...." „Komm nur jetzt; mir war, al» ob ich etwa» hörte." Und er zog die nur halb Widerstrebende in den Schutz de» Tuja», die ihnen Sicherheit und Deckung boten. Handor hatte fich übrigen» diese« Mal nicht geirrt, den« allerding» kreuzte gerade in diesem Augenblick ein Man» mit einem Gewehr auf dem Rücke« den Kiesweg, der dicht unter dem Hügel wegführte. E« war der Förster, der schon seit Dunkelwerden im Park herumkroch und,«ach- dem er all' die entlegene« Stellen desselben vorsichtig abge- sucht, um seinem Fasanendiebe auf die Spur zu komme», jetzt auch dicht am Schlosse die Hölzer abspüre« wollte; den» nirgend ander» hatte er etwa» Verdächtige« gefunden, während der heutige Abend wie gemacht zu einem derartige« Wilddiebstahl war. Ein Fasanendieb konnte nämlich im Dunkeln gar nicht« ausrichte», und selbst bei Mondschein war, wen« er nicht recht hell, wie gerade heute Abend, schien, die Sache schwierig, da die belaubte« Bäume»och zu viel Schatte« warfen. Daß aber trotzdem ein schlauer Dieb de« Versuch, und zwar nicht erfolglo«, gemach», davon hatte er ja selber die Be- weise im Holze— eine Anzahl von Feder» und de« kranken, mit einem Fischhake« gerissenen Fasanen hah«— gefunden, und der Gesell, welcher da einmal glücklich durch- gekommen, würde diesen Abend kaum versäumt habe», um sein Diebeshandwerk fortzusetzen. Gerade jetzt kreuzte er de«halb, im Schatte» der Baumgruppe« über die Wiese kommend, de« Kiesweg. E» war ihm fast, al« ob er ein Geräusch gehört hätte, und er zog fich nun unter dem Wartthurmhügel hin dem Gebüsche zu, wo ebenfalls jede Nacht einige zwanzig Fasanen be- büße von 26 bi» 1000 Fr. oder mit einem von beiden wir» bestraft, wer zum Zwecke, Erhöhung oder Er- niedrigung de» Lohne» zu erzwingen oder die freie Ausübung der Industrie oder Arbett zu verhindern, 8» waltthStigkeiten verübt, Beleidigungen oder Drohungen aus- stößt, Strafen, Verbote oder Verrufserklärungm irgend einer Art erläßt, sei e» gegen Arbetter, oder Arbeitgeber. In gleicher Weise werden alle bestrast, welche durch Zusammenrottung m der Nähe von Etablissement», wo geardeitet wird, oder von Wohnungen der Ardettsleiter, die Freiheit der Ardeitgeber od-r der Arbetter beeinträchtigt haben". Wer also zu diesen B«' gehen de» Art. 310 künftig aufreizt, wird nach dem de Volder« schen Gesetze bestraft wrrden. Daß in dem Entwurf außer» dem ein Artikel ganz gestrichen wurde, in welchem nach de« Geständniß de» I astizminister» ein Schreibfehler vorkam- die Aburtheilung der Aufteizung sollte den Schwurgerichten entzogen werden— haben wir bereit» früher mitgetheitt. Bei der Stichwahl in Brüssel zwischen de« Bürgermeister Bul»< liberal) und Jacmart(Jndependem) wurde Bul» mit 9920 Stimmen izutn Deputirten gewählt! Jacmart erhielt 7951 Stimmen. Franrreich. Der Ministerrath genehmigte den Gesetzentwurf betreffend die allgemeine dreijährige Militärpflicht. M Studtrende, Lehrer und Seminaristen wird eine zweijährige Dauer der Dienstpflicht festgesetzt. Bisher war die Dienstzeit bekanntlich eine fünfjährige. Die von Frankreich angeblich in Lefitz genommene GruM der Komoro Inseln liegt zwischen dem afrikanischen Fefl' lande und der Nordspitze von Madagaskar. Johanna oW Anjuan, wo der bezügliche Vertrag unterzeichnet wurde, ist die drittgrößte der Inseln, welche zusammen einen FlächenraU» von 2731 Q- K einnehmen._ Die„Agence Hava»" bemertt gegenüber der Nachricht mehrerer Blärier, die Regierung beabstchtige die Prinzeß auszuweisen, daß bi» jetzt kein Anzeichen vorliege, welch» eine derartige Behauptung rechtfertige. Die Erwartung der Bergwerksgesellschaft von Decaze» ville, daß am 17. 300 Bergleute die Arbeit wieder am» nehmen würden, ist nicht erfüllt worden. Der Strdk dauw fort. In einer Versammlung zu Marseille, auf welcher Hugv» und Camelinat sprachen, wurden 1300 Fr», für die Arbeit»' einstellung gesteuert. Hingegen hat der Gemeinderath Tour» mit 16 gegen 9 Stimmen einen Bettrag für den gleichi" Zweck verweigert. Fischer, der Direktor der Fabrik von Chat ea u villain, welcher seiner Zett die Schließung der dortig� Kapelle zu verhindem suchte und dabei verwundet«%' ist jetzt mit sech» anderen Personen wegen Rebell� vor da» Zuchtpolizcigcricht verwiesen, fünf wettere wegen amtenbeleidigung, endlich die beiden Geistlichen von Chateav' villain und vier in der Fabrik beschäftigte Nonnen wegen Hilfe zu den genannten Beraehen. Anderseits haben(fit®" und eine der verwundeten Arbeiterinnen, sowie der Vater v-» getödteten, die mtt der Schließung beaustragt gewesenen amten bei der Staatsanwaltschaft wegen Amtsmißbrauch � HauSrechtSverletzung angezeigt.— Der„Malin" veröffentlA folgende, dem„Bonhomme Percheron", einem Journal o Arrondiffement» Mortagne, von Dugue de la Fauconncsi Abg. der Orne, zugegangene Herausforderung:„(fit% Direktor von Chateauvlllain, welcher von den Agenten» Herrn Gablet beinahe ermmdet worden wäre, soll noch®, den Gerichten verfolgt werden. Da» ist Uebermaß von, heit und Schande. Ich weiß nicht, ob e» Leute geben P»Il ifi die diesen braven Mann verurtheiten werden, aber da» w ich, daß man, sollten fich solche finden, die Namen v''', Bösewichte bi» an dem Tag behatten wird, wo wir„L Macht gelangt sein werden. Darauf wartend, erkläre ich..„„ Bürger Godlet, dem Piäfekten der Orne und Polifisten. daß fie-m dem Tage, wo ste Lust verspüre« in mein Domizil einzudringen, mit mtt zu thun haben«ü". und daß ste nur dann mtt heiler Haut wieder in den v« ihrer Famttttn zurücklehren würden, wenn alle meine Gew'v versagt hätten." Ein schöner Abgeordneter! Und w«. solche Drohungen von einem sozialistN� Abgeordneten ausgestoßen würden, � Wuthgeheul in der gesammten Presse. So ist e» Dank ein konservativ-ilerikaler I Italien.. CriSpi entwickelte im Arbeiterverein zu Palermo t Theorien über die Pflichten und Rechte de» vier' Stande». Wie da» achtzehnte Jahrhundert dem stände, so werde da» neunzehnte dem Ardeiterstande die(fnn� geben. Die Lösung der Frage bestehe in der Verbtt�w� Arbeit mit dem Kapital und der entsprechenden beider am erziellen Gewinne. Redner volemistrt g(ß"L,,l von Baccarini gepredigte Nothwendigkett der Festsetzung geringsten Lohnsätze» und schließt mit einem Lobsvr" den gesunden Sinn der italienischen Arbetter, deren sonder« in einer kleinen Bttkenlichtuvg aufbäumten un» allerdinz» einige, Gefahr ausgesetzt waren. ojjl Aber nicht» wurde laut; wohl eine halbe Stunde er regungslos auf seinem Posten. Da plötzlich—®fJti lich erschreckt zuckte er empor— hörte er da« krampi� Flattern eine« Fasan«, da» nämliche, wa« Handor zweimal vorher erschreckt hatte, ohne daß dieser freilrch � wa« e» bedeute. Der alte Förster kannte den � viel zu gut, um auch nur einen Moment darüber in o zu sein., w Fast unwillkürlich fuhr er mtt dem Gewehr � Höhe; aber er wußte auch recht gut. daß ihm da»> t Augenblick nicht« helfen konnte. Noch einmal hor� � — der Vogel flatterte«och— jetzt wußte er � Richtung, und eine kurze Strecke auf dem Rai s springend, wo sei» Schritt geräuschlo« verhallte,»o($ gleich darauf in da» die Anlage umgebende und dichte Buschwerk, genau der Richwng zu, wo v«« standen.——,„g, Der alte Maulwurf»fänger hatte indessen H an Dickicht erreicht, al« er auch den Hang, wo« 1"�% brett de» Terrain« kannte, vorsichtig hinuvterschl"? Stelle zuhielt, an der, wie er recht gut wußte, v'e v Nacht« aufbäumte«. Trotzdem ttug er keine Watt'' man hätte glaube« sollen, daß er ihnen gefoQd'* z#, konnte— nicht», al« seinen alte« Eichenstock. t'y wußte er ja auch recht gut, daß er in in solch« Schloß keine« Schuß wage« durfte, wenn er M" Gefahr au«setzea wollte, unmtttelbar darauf von o» leuten umstellt und gefangen zu werde«. Der alte Bursche wußte aber bessere» war, allem Anscheine«ach, nicht zu« erste« v{ai solche» Fang. l Mtt der größte» Umficht und Ruhe siW'* vorwärt«, bi» er den lichtere» Platz jene» Wäldchen«, etwa« dürrer Bode« fischii «.„Der IT Vrn -! mit Haidekraut, nicht« Andere« hervorbrachte, erreichte, und h'«. � dann so lange herum und suchte die Monde»!?.� Hu die Bäume zu bekomme«, bi» er de» Platz«rt1.« P Fasane« stande». Aber auch da» half ihm Thell Wt dflene Erlösung nur mtt stttlichen, ehrlichen lmdn onstrede. . Der Aetna ist seit Dienstag Vormittag 11 Uhr im Aus» «uch: auf der Westseite deS ZentralkaterS zeigen fich starke tXlmpfentwickelung und Aschenregen. Vom 17. zum 18. Mittag! kämm in Venedig 7 Cholera- »mankungcn und 3 Todetfälle, in Bari 21 Elkrankungen und ° Dodeifälle vor. Grotzbritanuie«. Die irische Protestantenbewegung darf man "°A.der„Voss. Ztg." nicht überschätzen. Sie ist zunächst orga- Wrt worden, um einen Dmck auf Regierung und Parlammt Naben. An ihrer Organisation haben die englisch-trischen *W«8 großen Anthell, und die mglischen Blätter, welche der ««Wahrung von Homerule feindlich gegenüberstehen, hadm fie Nl HrSften ihren Zwecken dienstbar gemacht.„Seit Jahr- Merten an Oberherrschaft gewöhnt", schreibt ein alter pro- 'Mantischer Farmer aus Ulster,„ist eS für un» schwer, mit Male uns vorzustellen, daß der Tag gekommen ist, wo Mre Mitbürger mtt gleicher Kontrole über die Angelegen« »nten unseres Lande? betraut werdm sollen." Der wirklich Ji JlK Theil der Bevölkerung wird fich indeß der NothweN' Wstiätgen. Die Bewegung scheint fich bis jetzt überhaupt wesentlich nur auf die Bevölkerung der Städte Ulster's, na- wNtlich Lelfast's, zu erstrecken, während daS Land davon Wtentheils unberührt geblieben ist. Einen etwaigen Auf- jraw wird die britische Regierung um so leichter unterdrücken m Uli' � ihr, wenn Irland, sei e! nun jetzt oder später, die Homerule erhalten hat, die auf der ganzen Insel im �ihästniß von 4 zu 1 überwiegende katholisch« Bevölkerung °«dann„loyal" zur Seite stehen würde. Unterhaus nahm den von der Regierung eingebrachten U�ilg an, dse irische Verwaltun gsbill vier Tage Z der Woche zu derathen. Im Laufe der Debatte erklärte der �«mter Gladstone, er glaube, daß auch noch der größere Theil ff nächsten Woche für die Berathung der Bill erforderlich ak? da viele Deputirte ihr Votum nicht nur im Hause Mgeben, sondern auch ihre Wähler davon zu v-rständigen Mchten. Hierauf wurde die Berathung der irischen Ver- waltungsbill fortgesetzt. Shaw Lefevre befürwortete dieselbe. » Die von dem Unterstaatssekretär Bryee ausgesprochene znMng, im Falle einer Ablehnung der Vorlage an die Mhi,r m avvelltren. wird von dem konservativen„Standard" "»m Unterhäüse verworfen werden sollte. !�".i!.°ppelltrm, wird von dem konservativen„Standard" Iis" Endigt, daß Gladstone für eine sofortig e Auf- % des Parlaments sei, wenn die Homerule� Balkauläuder. « die Wirkung der Blokade an den griechi- fr-»,.»»,? il st e n berichtet der von Uonstantinopel kommend« Äisdi Postdampser„Cambodja", daß er auf dem Wege nfte«, Zweimal während der Nacht angehalten wurde, da! Itdi-T von einem großen italienischm Panzerschiff und � von Torpedoschiffen. Letztere schtcktm Leute an Bord, seine aPi Jdmtität hergestellt war, erlaubte man dem Dampfer, fortzusetzen.— Der Bürgermeister der Insel bloifr,�«legraphirt, daß der Kommandaet de! diese Küste P österreichischen Schiffes gelandet sei und das weist?!?�v'Jnstrum«nt mtt Beschlag belegt habe. Der Bürger- tele»! nach Volo, von wo er den griechischen Behörden Z>i,�phirte. Das offiziöse Wiener„Fremdenblatl" nennt dies« „ungenau".- Die Insel Aegina und Volo find °ffoffm Auf erster fehlt es bereits an Brod terem Ort an Mehl. Hinwiederum erklärte�im ,'n letzterem Ort an ist« hl. Hinwiederum erllane im I.5"sch«n Unterhause der UnterstaatssekretSr Blyce, die Blo- ..,'5. N! griechischen Häfen verhindere fremde Schiffe nicht, die jd„„-v«" Inseln zu besuchen; eS sei daher nicht möglich, daß «MstiS!. an Nahrungsmitteln entstehen und daß die Deputirten werden könnten, fich nach Athen zu begeben. Uedri- wies«, � ver Befehlshaber des englischen Geschwaders ange- treffen'n, nöthtgen Falls besondere Vorkehrungen zu Aus Gl,. A«-ri?a. )5- Rai-*080 meldet das Reuter' sche Bureau unterm Weh mV«* e Polizei hat Louis Lingg als denjenigen ver- �"«mitbn�? während des kürzlichen Aufruhr» hier die mZw* warf. AlS der mit seiner Verhaftung betraute 2%(am% ww zu«kennen gab, zog Lingg seinen Revolver: JJehr gelan„ jedoch sofort und nach heftiger Gegen- ?? Msb-r J!' 1�" abzuführen. Lingg ist ein Deutscher und 'lchSsti?t �ver an der anarchistischen„Ardeiter.Ztg." «l-ich sktnem Koffer fand man zwei Dynamitbomben tcn während de» Aufruhrs geworfenen, außerdem «min» und Patronen, 2 Pistolen und viele anarchistische «ei n,® J1 und Pamphlete. Er ist der Vierte, welcher wegm ldachiz, die Bombe geworfen zu haben, verhaftet ist. �jj�Pkozeß gegen den Stadtrath Jahne, der im mit der Verleihung der Konzession an die «»it Eisenbahn der Bestechung angeklagt wurde, hat da- krste», welche er traf, waren zu hoch aufgebäumt, vr fie hätte erreiche« können. Doch nicht alle k jj" so vorsichtig gewesen zu sein. Nicht lange, so traf Äiio.ff vick aufgeblusterte» Hahn, der, den Kopf unter die sei, i» ßkfieckt, fest auf seinem Aste schlief und nicht einmal ahen bemerkt habe» konnte. W alte Maulwurfsfänger störte ihn auch nicht; leise Wen« obet zwanzig Schritte zurück, bis unter einen E»lt, sch' u»d begann hier sein« Vorbereitungen. %» c schraubte er seine Stockzwinge ab und steckte diese, N et v"l?1 verloren ginge, in die Westentasch«; dann ppit, Angelruthe heraus und befestigte oben an der «fyeB 4lt»'.«.�chw seine Ruthe vorsichtig in die Höhe und ließ " und geräuschlos an dem Stamm selber »j'-"— l3 WteJM0" schlief fest; alle Bewegungen waren auch Spickt ausgeführt, daß er kaum etwa, davon foN Äe' b» die tzestalt de» Mannes unter dem bew�.��.ber Maulwurfsfänger von unten da» Hm« e?°be», u?heB /onnte, gegen eina» kleinen, trockenen Zwerg � leise und erschreckt richtete fich der Hahn mtt L, Der»..Mucksenden Laut empor. ' chUg de« Hake« um das Hindernist herum. Jahne hat zugestanden, daß er für seiue Stimme zu Gunsten der Bahn 20,000 Doli, erhalten hat. Die Fälle der Beschlagnahme amerikanischer Fischer- fahrzeuge in den kanadischen Gewäffem mehren fich in einer Weise, daß bei der auf beiden Seiten herrschenden Stim- mung ernsthaftere Kollifionen kaum ausbleiben können. Fast scheint e», at» ob von Seiten der amerikanischen Fischerei- Jntereffenten eine Verschärfung deS Konflikts durch Provokation der kanadischen Behörden zu immer neuen Beschlagnahmen be- abfichtigt wäre. Erst vor drei Tagen hat wieder eine solche stattgefunden. Die Eigenthümer deS beschlagnahmten EchiffeS haben fich an die BundeSbehörden der Vereinigten Staaten gewandt. Gerlchts-Zeikmg. t Wer will? Broch« und Ohrringe aus echtem Golde, brillantes Muster, billigst gegen 50 Pf. wöchentliche Abzahlung. Kleiner Posten auS einer Konkursmaffe vorhanden. Anfragen unter„Gold" an die Expedition diese» Blattes."— Also lautete eine Annonze, die im November 1863 im„Berl. Lokalanzeiger" regelmäßig enthalten war. Die Gläubigen, welche auf diese Anpreisung hineinfielen und ihr« Adresse mit- thellten, wurden sofort von dem Agenten d«S Kaufmann» Cl„ Kaufmann K., aufgesucht, der der Vater dieser Reklame war. Die redegewandten Leute boten die Schmucksachen zum Preise von 10 M. an und verstcherten, daß ste aus echtem Doublee- golde» Gold auf Silber platirt, beständen. Die glücklichen Käufer mußten hierauf 1 Mark anzahlen und einen Revers unterschreiben, der, nach Art der bekannten Ab- zahlungSkontrakte abgefaßt. fie verpflichtete, achtzehn Wochen hindurch immer 50 Pst zu zahlen und die tröstliche Behauptung enthielt, der Schmuck sei au»„echtem Golde auf Silber platirt" gefertigt.— Lange sollte aber dieses Geschäft nicht dauern. Ein Goldaibeiter machte in der„Vosfischm Ztg." auf das Schwindelhafte dieser Annonze aufmerksam, alle Zei- tungen übernahmen die Notizen und die Agenten fanden ver« schloffen« Thülen. Der Kaufmann K.. der auf ein große» Ge« schäft gerechnet hatte, konnte die 1000 Stück Brachen und Ohrringe, die er für 4000 Mark von einem Eßlinger Fabrikanten gekauft hatte, nicht loswerden. Es war auch kein Wunder, denn diese„echten" Goldsachen wurden nach kurzem Gebrauch schwarz und unbrauchbar; fie be- standen auS ganz geringwerthigem Silber, da» mit einem„Goldhauch" wahrscheinlich, auf galvanischem Wege überzogen, einen Metallwerth von 60 Pf. bis 1 M. hat. Es wurde Anklage wegen Betruges gegen K. eingeleitet und da» Schöffengericht veru.thellte ihn zu 4 Monaten Ge- fänaniß und 500 Mark Geldbuße. Gegen dieses Uttheil hatte K. Revifion eingelegt, die gestern vor der Strafkammer deS Landgerichts zur Verhandlung kam. Der Gerichtshof beschloß Vertagung, weil durch den Einwand deS Angeklagten, er habe den geringen Goldwerth der von ihm verkauften Gegenstände nicht gekannt, die Vorladung deS JustizratheS, bei dem der Angeklagte fich Rath erbeten hatte, welche Schritte er gegen den Attikel in der„Voss. Ztg." thun könne» nothwendig er« scheine. ReichsaerichtS-Entscheidunge». Leipzig. 18. Mai.(Ge- werbSmäßigleit beim Jagdvergehen.) In ver Nacht zum 23. Juni v. I. wurde der Ämtmann Nttzsche in Broda hei Delitzsch im Walde meuchlings erschossen. Auf der Suche nach dem Mörder kam die Polizei auch zu dem als Wilddieb be« kannten Wilhelm George in Delitzsch, der fich zwar vom Ver- dachte deS Morde», nicht aber von dem der soeben verübten Wilddieberei reinigen konnte. Man fand bei ihm eine Menge Dinge, die zur Ausübung des WildsrevelS gebraucht werden und in der Bratpfanne über dem Feuer einen Hasen, den er, wie er zugeben mußte, in der letzten Nacht geschossen hatte. Am 15. Februar stand George vor dem Landgerichte in Halle a. S-, um fich auf die Anklage wegen gewerbsmäßigen Jagdvergehen?(§ 294 in Verbindung mit§ 293) zu verantworten. Da» Gericht hielt den Bewei» der Gewerdtmäßigkeit nicht für erbracht, weil der Angeklagte den Hasen nicht ver- äußert, sondern selbst in Verbrauch genommen hatte. Deshalb wurde nun der Thatbestand de»§ 293(Ausübung der Jagd während der Nachtzeit) als vorliegend erachtet, indessen auf die höchste zulässige Strafe von 6 Monaten Gesängniß erkannt, mit Rückficht auf die mannigfachen Vorstrafen.— Gegen daS Urtheil hatte der Staatsanwalt die Revifion eingelegt mit der Begründung, daß zu Unrecht die Gewerdtmäßigkeit verneint sei. In der Sitzung des in. Strafsenats deS Reichsgerichts vom 17. Mai erklärte der ReichSan- walt die Beschwerde für degründet. DaS Reichsgericht bade fich schon verschiedentlich dahin ausgesprochen, daß der Verkauf deS entwendeten Wilde» durchaus nicht die Vorbedingung zur Annahme der Gewerbsmäßigkeit sei und daß auch beim Haus« verbrauch deS WildeS die Tendenz, einen fortlaufenden Gewinn auS der Jagd zu ziehen, sehr wohl stattfinden könne. Weiter sei das Urtheil deshalb unhaltbar, weites da» Thatbestand»« merkmal, daß die Jagd zur Schonzeit ausgeübt werde, nicht verwerthet habe. Die Begründung, daß dies deshalb nicht Unten am Stocke hatte er sich dabei vorsichtiger Weife«in Zeiche« gemacht, nach welcher Seite hin die Biegung de« Haken« selber saß; jetzt mußte er damit über dem Hahn sein, und mit einem plötzliche« Ruck riß er de« Stock zu- rück und de« unglücklichen Fasan damtt von seinem sicher geglaubten Staad herunter. Dieser schlug allerding« aus Leibeskräfte» mit den Flü- gel«, aber nicht lange. Im Nu hatte ihn der Wilddieb er« faßt und ihm auch eben so rasch de» Hals umgedreht, wo« «ach er ihn in seine jetzt völlig leere Jagdtasche steckte und fich erst vorsichtiger Weise, ehe er auf neue Beute ausging, unter den nächsten Busch drückte, um abzuwarten, ob da« nun einmal nicht zu vermeidende Geräusch nicht doch am Ende unberufene Zeugen herbeigelockt hätte. (Fortsetzung folgt.) Ans Knnst nnd Zeven- Der berühmte Violinvirtuose Marcel Herwegh, ein Sohn des verstorbenen Dichter? Georg Herwegh, welcher in Folge eine« Brmleidens über ein Jahr lang seiner Kunst ent- jagen mußte, ist jetzt wieder vollkommen hergestellt und hat wahrend der letzten Monate in Rußland mit großem Erfolge konzertirt. Speziell in Riga fand der Künstler so enlhustastijchen Beifall, daß er fich, außer in zwei eigenen Konzerten, auch noch ein drittes Mal im Vereine mtt Narcella Sembrich hören ließ. In diesen Tagen hat er fich nach Paris begeben, um dort in einem zu Ehren Liszt's veranstalteten Konzert mitzuwirken; zu Beginn der nächsten Saison wird er zum ersten Male in Berlin auftreten und alSdann eine zirka sechzig Konzerte umfassende TournSe durch Deutschland und die Schweiz unternehmen. Im Znchthause zu Halle befindet fich, der„Weserztg." zufolge, ein Gefangener, der sein vor Paris begangenes mili- tärtscheS Verbrechm— der Mann war nämlich zu den Fran- zosen übergelaufen— zu büßen hat. Er war damals von den Franzosen in die Fremdenlegion gesteckt worden und hatte gegen die Kabylen gefochten. Dann war er. von Heimweh be« fallen, 1875 pirückgekehrt, hatte fich den Behörden sreiwillig gestellt, wurde darauf zum Tode verurtheilt und zu ledenS- länglicher Zuchtbausstrafe begnadigt, die er seit 11 Jahren dort verbüßt. Der Gefangene ist in einer Jsolirzelle untergebracht habe stattfinden können, well die Anklage nicht darauf gehe, sei hinfällig, weil die Anklage auf Vergehen gegen§ 293(der dieses ThatbestandSmerkmal nicht enthält) gerichtet war und nicht einmal ein Hinweis auf den veränderten rechtlichen Ge« fichtspunkt nothwendig gewesen wäre.— DaS Reichsgericht schloß fich diesen Ausführungen an und hob demgemäß da« Uttheil unter Zurückoerweisung der Sache in die erste Instanz auf. Soziales««i> Arbriterbewegnug. Die Lohnbewegungen in der Arbeiterklasse werden von keinem Berliner Blatte mit so mißgünstigen Augen an» gesehen, als von der„Freisinnigen Zeitung". Der dekannte Erlaß deS Ministers v. Puttkamer bat daS Blatt ganz kalt S klaffen, kaum daß eS desselben Erwähnung that. Der Maurer- reit aber ist ihm so recht ein Dorn im Auge. Die drastischm Ergüsse der„BaugewerkS-Ztttung", dieses Organ« der Zunft« und Zop'mttster, druckt die„Freis. Ztg." meist immer ohne Kommentar ab, während die Beschlüsse der Gesellen kaum er« wähnt oder mtt unliebsamen Glossen beglettet werden. So dringt daS genannte Blatt gleichfalls ohne Kommentar folgende Notiz auS der„BaugewerkS-Zettung":„DaS Hauptbestreden der Arbeiterführer ist: die Bauarbeitgeber Berlins sollen unter einander entzweit werden. Die pattiellen Streik» nehmen in« zwischen ihren Fottgang und werden selbstverständlich diejenigen Meister zuerst davon betroffen, welche an der Spitze der Gegen« streikdewegung stehen. Auf den Straßen sind klei» nere Rotten von Streikenden hier und da sichtbar, doch ist eS zu Ruhestörungen unseres Wissen? noch nicht gekommen."— Die„kleineren Rotten" der der »Freis. Ztg." so sehr am Herzen liegenden Baumeister find allerding» nicht aus den Straßen, sondern in den Kneipen fichtbar, wo fie ihre nichtsnutzigen Redensarten über die Ar- deiter loSlaffm und die»Freis. Ztg." alS ihr Leiborgan preisen. Es geht doch nichts über die„Arbeiterfreundlichkett" de« echt manchesterlichen Fottschttttletthums, welches in Herrn Eugen Richter seinen ausgeprägtesten Vertreter hat. Dürfe« die Unternehmer thun, was de« Arbeitern Verbote« ist? Die„Hess. Morgen, tg." schreibt: Anläßlich der Forderungen und der angekündigten Arbeitseinstellung vom 16. d. M. seitens einer Anzahl Zimmergesellen dahter haben die verewigten Zimmermeister der BaugewerkSwnung zu Kassel folgendes vereinbatt: 1.„Unter Zurückweisung aller Mehrforderungen halten die Unterzeichneten fest an dem von ihnen am 2. d. M. gefaßten und ihren Gesellen durch Plakat bekannt gemachten Beschluß. 2. lieber diejenigen, welche di« dato bei dm unterzeichneten Zimmermeistern beschäftigt find und versucht haben, die ange« kündigte ArbettSeinstellung durchzuführen, ist ein Ver« zeichniß aufzustellen und einem Jeden der Mitunterzeichner einzuhändigen. 3. Bei Mei« dung einer Konventionalstrafe in Höhe von 1000 Mark darf keiner der Unterzeichneten einen von den in vorgenanntem Verzeichniß aufgeführten Gesellen in Arbeit einstellen. 4. Zur Begegnung einer einseitigen Arbeitseinstellung überhaupt verpflichten fich sämmtliche unterzeichnetm Zimmermeister noch ferner, mtt allen bei ihnen in Arbeit stehendm Zimmergesellen durch die gesetzliche Kündigungsfttst daS Arbeitsverhältntß von dem Zeitpunkt an zu lösen, wo bei einem der Unterzeichneten von m-hr alS'/, seiner Gesellenzahl eine einstttige Arbeitseinstellung angekündigt sein sollte." Kassel, dm 24. April 1886(Folgen die Unterchristen von neun Firmen.)— Die Zimmergesellen n Kassel antworten darauf:„Dieses obenangefühtte Schttft- Mick wurde uns auf unsere bescheidene Bitte, uns für unsere chwere gefahrvolle Arbeit einen Lohn von 30 Pf. pro Stunde der wimichm Arbeitszett zu zahlen, von unseren Meistern zu« gesandt. Wir möchten nun gern wissen, ob die Verfügung deS Herrn Ministers v. Puttkamer auch hier, wo doch offen« bar Ueberredung, Verführung, ja sogar große Bedrohung von der Meister innung angewendet ist, Anwen« dung findet. Dieses Schriftstück verstößt sogar gegen den § 153 der Gewerbeordnung, welcher Denjenigen, der Andere dmch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohung, Ehr- Verletzung oder durch Verrufserllärung bestimmt, oder zu bestimmen versucht, an solchen Verabredungen(§ 152) Theil zu nehmen, oder ihnen Folge zu leisten, oder Andere durch gleiche Mittel hindert oder zu hindern versucht, von solchm Verabredungen zurückzutreten, mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft wird, sofern nach dem allgemeinen Strafgesetzbuch nicht eine höhere Strafe einttttt. Wir übergeben dieses Schrift- stück dm hohen Staatsbehörden sowie dem verehrten Publikum zur gemeinsamen Beuttheilung. Die Zimmergesellen Kassels. I. A.: Metzler." Das Kapital ist international. Ward and Payne, die größten Werkzeugfabrikanten in Sheffield, drohen, deutsche Arbeiter zu mgagtren, falls ihre englischen Arbeiter nicht eine Verminderung der Löhne annehmen. Eine Ueberficht der Entwicklung des Eisenbahnnetzes der Erde vom Schlüsse des Jahres 1860 biS zum Schlüsse und wird mit Maschinenstricken beschäftigt. Seine Führung ist eine musterhafte. Eine sonderbare Passion. Am Dienstag Vormittags ist der SOjahrige Taglöhner Josef DudicS von der Kettenbrücke in Pest in die Donau gesprungen. Zwei Matrosen eines Loka!» dampferS eilten dem mit den Wellen Ringenden nach und b«> förderten ihn glücklich auf's Trockene. Ueber das Motiv seiner That befragt, erklärte Dudics,„au« Passton" w's Wasser ge- sprungen zu sein, um zu sehen, ob man ihn vom EctrinkungS- tode retten werde. Da ein Mann mit fünf gesunden Sinnen schwerlich solche Passtonm hegt, wurd.- DudicS dehufS Beobach« tung seines Geisteszustandes auf die psychiatrische Adtheilung des KrankmhauseS gebracht. Weibliche Stierkämpfer. Am 9. d. fand zu Nim«» ein Stiergefecht statt, bei welchen nebm fünf männlichm ToreroS auch drei weibliche Stierkämpfer in Aktion traten. Unter Lei« tung de» Matador« FrutoS vollzog die mit prächtigen spani- schen Kostümen ausgestaltete Gesellschaft ihren Rundtritt durch die Arena, worauf daS eigentliche Gefecht seinen Ansang nahm. %:%%%%% If»» ersten von ihnen, einem Fräulein Benita del Amo. entgegen. gestellt wurde, ein mächtiges schwarze« Thier, verstand aber keinen Spaß und warf daS zarte Geschöpf zu Boden. Mit Mühe gelang es den männlichen Stierkämpfern, ihre Kollegin von ihrem Angreifer zu hefteten. Auch die beiden anderen Damen hatten mtt ihren Gegnern kein sonderliches Glück und einer von ihnen wäre beinahe von einem wüthenden Stier der Leib aufgeschlitzt worden. Das abscheuliche Schau- spiel fand seitens de« Publikums die rauschendste Aner» kcnnung. Menschliche Sussspuren im Tuff von Nicaragua. Vor etwa Jahresfttst machte die Entdeckung von Abdrücken menschlicher Füße im Gestein eine« am Managua-See(Rica« ragua) gelegenen Steinbruchs einiges Aufsehen. Man erblickte in denselben ein Zeugniß, welche« das Alter des Menschen« geschlechteS in eine sehr fern« Zeit hinaufrückte. Da« Wiener Naturhistottsche Museum hat nunmehr durch einen in Nicaragua ansässtgen Oesteneichcr zwölf große Steinplatten mtt solchen für vorgeschichtlich angesehenen Fußspuren erworben. Der Stein, worin letztere 8 bis 10 Ctm. tief eingedrückt find, ist ein poröser vulkanischer Tuff, und die im Steinbruch darüber ge« lagerten Schichten waren ebenfalls vulkanisches Gestein. Die Fußspuren find außerordenttich scharf und deutlich; eine der- selben scheint von einem klttnen Kinde Herzmühren. det Jahrei 1884 giedt ein IntmffanteJ vild von der ge, wältigen Ausdehnung, welche die Schienenstraßen bereits ge« Wonnen haben. Nach dem Ergebnisse der Zusammenstellung hatte da» Eisenbahnnetz am Schlüsse de» Jahre» 1884 eine Ausdehnung von 468 108 Kilometer erlangt, eine Ausdehnung, welche um etwa 80000 Kilometer die mittler« Entfernung de» Mondes von der Erde übertrifft und mehr al» das Elf« fache deS Erdumfänge» beträgt. Die stärkste Eni« Wicklung im Verhältniß zur Flächenaröße zeigt da» Eisenbahn« netz im Königreich Sachsen und in Belgien, wo auf je 100 KUometer 14.8 und 14.7 Kilometer Bahnlänge entfallm. In Bezug auf die Dichtigkeit deS Eisenbahnnetzes folgen hiernach England, Elsaß-Lochrwaen, Baden, Württemberg und die Niederlande. Bei Vergleichung der Eisenbahnlängen mit der VolkSzahl steht da» dünnbevölkerte Schweden mtt 14.5 Kilometer Eisenbahn für je 100 000 Einwohner obenan. Der Zuwachs, welchen da» Eisenbahnnetz der Erde in der Zeit von 1880 WS 1884 erfahren hat, beziffert fich auf 101 088 Kilometer oder auf 27'/, pCt. Von den euro« väischen Staaten weist Frankreich die beträchtlichste Zunahme auf(19,2 pCt.), dann folgen Oesterreich(18,8 pCt.) und Deutschland(9.9 pCt.) Während in ganz Europa die Eisen« bahnlänge in dem vierjährigen Zeitraum um 21 071 Kilometer oder 12,5 pCt. zugenommen Hut, ist in Amerika in derselben Zeit daS Netz der Vereinigten Staaten allein um 55 900 Kilometer oder 38,8 pCt. gewachsen. Dieser Zuwachs ist nicht viel kleiner al» die Länge der Eisenbahnen in Deutschland und Oesterreich. Ungam zusammengenommen. Da» Eisendahnnetz der Vereinigten Staaten übertrifft denn auch daS de» ge« iammten Europas um mehr als 12000 Kilometer. In Asten ,at die Länge der Eisendahnen am stärksten in Britisch.Jndim zugenommm. Auch Niederländisch Indien und Japan weism verhältntßmäßig beträchtliche Zunahmen auf. In Afrika zeigt fich der stärkste Zuwachs in der englischen Kapkolonie, und eine sehr lebhafte Entwickeluna de» Eisenbahnnetzes weisen auch die australischen Kolonien auf. Anfrttf an die Eteinträger Berlin» und Umgegend. Kollegen! Euch Allen ist bekannt, daß in der am 14. d. M. im Louisenstädtischm KonzerthauS, Alle Jakobstr. 37, stattge« fundenen öffentlichen Versammlung der Steinträger Berlin» eine Resolutton angenommen wurde, in welcher fich sämmtliche Kollegen verpflichteten, bei denjenigen Meistern, welche unsere gerechten Forderungen nicht anerkennen, die Arbett nieder, u« legen. Kollegen! Wohl ist anzunehmen, dnß die größte Zahl der Meister unseren Forderungen Rechnung getragen hat, indem fich die Zahl derer, welche sich di» jetzt al» Streikende gemeldet haben, al» eine geringe herausgestellt hat. Wir er. mahnen aber nochmals alle Kollegen, fich streng an den früheren Beschluß zu halten, sowie ebenfalls der Passu» 5 nicht ver« aessen werden darf, wo fich jeder verpflichtet hat, die im Streik Stehenden zu unterstützen. Alle, welch« die Arbett niederzu- legen gezwungen find, haben fich zu melden, ferner find Briefe und dergleichen abzugeben bei Herrn Huth, im Lokal Linden- straße 54, zu Händen Tutick. Mit kollegialischem Gmß die Lohnkommisfion. I. A.: Heinrich Engel. Kleine Mittheilttttgen. Brüssel, 15. Mai.(Wieder ein Mord in der guten Ge- sellschaft�) Kaum find wenige Wochen verflossen, seit der klerikale Deputirte Van der Smissen seine Frau au» Eifersucht er« mordete— und schon wieder werden die Gemüther durch ein neue» blutige» Verbrechen in den«höheren Kreisen" in nicht geringe Aufregung versetzt. Diesmal ist eS ein junger schwach« finniger Taugenichts— George» Verhaeren— der seinen Schwager, Herrn Carlier, Chef der zweiten Abthellung des Ministeriums für Eisenbahnen, Post und Telegraphen, in dessen Bureau durch einen Revoloerschuß tödtete, weil derselbe fich geweigert hat, den Mörder, der ihn fett längerer Zett mtt Geldforderungen belästigte, noch ferner zu unterstützen.— Verhaeren, einer der �eachtetsten Familien Brüssels angehörend, fluß auf seinen geistigen Zustand geblieben zu sein, denn bei seiner Ankunft in Marseille, vor etwa zwei Jahren, man fich genöthiat, ihn wegen seine» erzentritchm«e- nehmen» in einem Jrrenasyl unterzubringen. Er entkam jedoch auf eine mysteriöse»eise und kehrte nach Brüssel zurück, wo er sein abenteuerliche» Leben fortsetzte und nach und nach sein väterliches Erbtheil verschwendete. Um seinem Treiben ein Ziel zu setzen, fand fich seine Familie veranlaßt, ihn unter die Vor- mundschast seines Schwagers, de» nunmehr ermordeten Herrn Carlier, zu stellen.— Dieser zeigte fich dem jungen M»nne gegenüber äußerst liebenswürdig und händigte ihm öfter» de- deutende Geldsummen ein, die derselbe natürlicherweise mtt Eleganz durchbrachte.— AI» nun aber Verhaeren immer wie- der mtt Geldforderungen an seinen Schwager herantrat, wurde dieser der Sache schließlich überdrüssig und verweigerte ihm bei seinem Besuche am vorigen Mittwoch entschieden jede wettere pekuniäre Unterstützung.— Gestern Morgen gegen 9 Uhr begab fich Verhaeren von Neuem zur Wohnung seine» Schwager». Da er denselben nicht zu Hause fand, so machte er fich auf den Weg nach dessen Büreau im Gebäude de» Ministeriums für Sffenbahnen, Post und Telegraphen ras Ducale% Da man dort dm jungen Mann kannte, ließ man ihn will' ehe er e» verhindern konnte, zog Verhaerm einm R«vol«äj legte auf ihn an und gab Feuer. Zu Tode getroffen ft» Herr Carlier in seinen Lehnstuhl zurück, während der Mrie mtt dem Rufe:„Zu Hilfe, ich habe ein Unglück angerichtet! der Thür zurannte.— Auf sein Geschrei stürzten die Beawt» de» Ministeriums herbei und drängten fich in daS Bureik ein graumhafter Anblick bot fich ihnm dar. Herr Carlier W röchelnd in seinem Lehnstuhl, den Kopf über die Brust gen# da» Gestcht mit Blut überströmt. Der Müder hatte gut g» troffen; die Kugel hatte dm Schädel vom und hinten dm» bohrt, zwei gräßliche Wunden hinterlassmd. Auf Wf Schreibtisch lag noch rauchend die Mordwaffe, ein füff läufiger Revolver starken Kaliber», in welchem fich noch Patronen befanden. Der Unglückliche machte noch tiv« Versuch zu sprechen, doch vergeblich: er verschied m« 20 Minuten(!) in dm Armen de5 schnell herbeigeruf«»» ArzteS.— Inzwischen hatte man den Mörder festgenomM Er befand fich in einer ungeheuren Auflegung und sein k# Blick belehrte die Anwesendm, daß man e» mit einem v» rückten zu thun habe.—„Warum haben Sie Ihren SchiW getödtet fragte ihn der Kommiffar.„Er hat mich lange geärgert," antwortet; Verhaeren, den Beamten� starrend.— In seinen Taschen fand man einige Family dokumente und eine Anzahl Briefe, an alle größeren ZeituV Brüssel» adresstrt, in welchm er in unzusammenhängend Weise erklärt, seine Familie verfolge ihn und bmte ihn er habe die Abstcht fich zu tödtm u. s. w. Auf die-flage, ff er die That nicht bereue, erwiderte der Mörder:„O, Aber ich glaubte nicht, daß ich so genau gezielt hätte/% Ermordete hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Er sehr human und bei seinen Untergebenen sehr beliebt wesen sein.— Eine ungeheure Mmschenmmge drängte�. gestern um das Gebäude, in welchem der Mord wurde. Kriefkasten der Kedaktio«. W. H. in L- Durch die Angade, ein verunglückter � beiter sei in dem betreffendm Betriebe gar nicht beschäftigt wesen, macht fich der Arbeitgeber noch nicht strafbar, auch die Angabe falsch ist. Theater. Freitag, den 21. Mai. Opervhau». Da» hübsche Rädchm von Echauspielha«». Wa» ihr wollt. Deutsche« Theater. Ein Tropfen Gift. Belle-»lltemee-Theate«. Namenlos. Posse mtt Gesang in 3 Nftm von Kalisch und Pohl. Mufil von A. Conradi. vHeud- Theater. Die Loreley. Kriedrich-Wilhelmstädttsche» Theater. Der « Uhalla� Theater. Da» lachende Berlin. Heitere» au» der Berliner Thcateraeschichte •«it Gesang und Tanz in einem Dorsriele und 8 Akten von Jakobson und Willen. Seutral-Theate». Der Stab»« Trompeter. Viktoria« Theater. Amor. Tanz. Poem von Lutgi Manzotti. Wallner-Theater. Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Residenz. Theater. Familie Hömer. Hierauf: LoMsÄttttische«�Theat�.Kü�lerleben. «ausmau«'»»artete. Große Spezialitaten. Vorstellung._ Passage 1 Tr. 9 M.- 10 1. Kaiser-Panora««. r....... Zweite Reise durch die Schweiz. Neu! Z. ersten Male: Algier. ha««eise. Carolinen» Inseln. Eine ise 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Abonnement. Meinen Bekannten sowie Nachbarschaft die ergeb. An PSckveret von der Neuen' meiner geehrten ie, daß ich meine »ftraße nach der jukelstraS» lb verl. habe. Arod lief. ca. 5 Pfd. für 60 Pf. FrShftSck sende ich frei inS Hau». Bei Bedarf ers. ich mich mtt Aufträgen güt. beehr, zu wollen. A. Merckel, Bäckermstr. SÄe für Vereine und Versammlungen jc. tSg» lich, auch Pauutag« Vormittag» zur fleien Benutzung ewpfiehit[1622 B. Nieft, KounuaudautenSraffe Ztr. 7», P-f parterre._ Rothen»I» Lotterie a 1 Mk.(Zieyung 27. Mai.) Hptgrw. W.: Mk. 30000, 20000, 10000, 5000, 4000, 3000 je. Ulmer Geld-Lotterie a 3,25 Mk.(Ziehung 24.-26. Mai.), 1 Hauptgew.: Mk- 75 000, 30 000, 10 000,| 2 a 5 000 w. in Baar ohne Abzug. Richard Schröder, "W, Markgrafenstraße 46, Gendarmenmartt. I loüo I Tischler. Verein. Außerordentlich»«euerat-Uersammluug am 22. d. MtS„ Abend» S'/, Uhr, in Kauosouei, Kottbuserstraße Nr. 4a. T.-O.: 1. Bericht über die genehmigten Sta- tuten der KrankenunterMtzungSkaffe. 2. Er« gänzunzSwabl de» Vorstande». QutttungSbuch legitimirt. Um zahlreichen Besuch ersucht 1704s Der Vorstand. GeffenUiche [1709 Tischler Versammlung Sonntag, den 23. Mai, Vormittags 10 Uhr, in Keller» jokat, Andreasstraße Nr. 21. Tagesordnung: 1. Die Orttkrankenkaffe der Tischler und Pianofortearbeiter Berlin» und die Unterschlagungen der früheren drei Kasstrer. 2. Die Beschwerden im Medizinwesen,(ve- schwerden werden in der Versammlung entgegen« genommen.) 3. Der VorstandSbeschluß. Re« ferent: Herr W.Schmitz. Der Sinbernfe». Versammlung der Mitglieder de» Verein» zur Wahmng der Jutereffeu der Klavierarbetter Sonnabend, den 22. Mai d. I., Abend» 8'/» Uhr, in Gratmett'« Kierhalle», Kommandanten- straße 77/79(unterer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung vom Maskenball und VterteljahreS-Abrechnung. 3. VereinSangelegenheitm. Gäste, welche gewillt find, dem Verein bei- zutreten, find willkommen.[1710 Der V or stand. Arb.-StpNkttill Süd-Ost Sonntag, den 23. Mai: Famikmaussiug muk„itobsjuadw" Restaurant Lauf». Die Theilnehmer treffen fich Mittag» um 12'/, Uhr im Restaurant Mita«. Zahlreiche Betheiligung ist erwünscht.[1708 Der Vorstand. Meinen geschätzten Kunden und werthen Freunden theile ich hierdurch mtt, daß ich meine Zeitungsspedition dem Herr« Th. Schmädr, Admiralstraße 89, verkaust habe. Indem ich hieran die Bitte knüpfe, da» mir bisher entgegengebrachte Ver« trauen auf den Herrn Schmidt übertragen zu wollen, mache ich darauf aufmerksam, daß etwaige Beschwerden über unpünktliche Zustellung w. jetzt an Herrn Schmidt zu richten find. 1706] W. iwantzky. Naunynstraße 19. Ätbettsmarkt. Ein junge» Mädchen, welch«» geschickt im Nähen ist, wird in einer steinen Wirthschaft den Tag über verl. Ktaug», DreSdenerstr. 15, IV, Kravatten-Vorarbeiter 1693 auf glatte Westen und Binden verl. Uohbaud, Kottduserdamm 99, Hof III(a. d. Kottd. Brücke). Wickulmacher(4000 die Woche) verlangt Kfcher, Naunynstraße 62 parterre.[1711 Reichhaltiger kaller und warmer FrOhttflckstlsch. 427- Einem geehrten Publikum empfehle mein Weiß- und Reichhaltiger Mlttag»tl#ch von 12 bi» 2 Uhr. mtt Bier i Kouvert 50 Pf. Arkeitsnacliwel» für Klavlerarbelter.-W> Achtungsvoll Hermann Stramm, Restaurateur, Skalitzerstr. 18. Kamslk-Km-Mal Convertlriiiifp 5 0lo und 4'|:°|olger mit 10% Zuschlag rückzahlbarer Pfandbrief vom Mai 1871, Januar 1872(See. I), Juni 1872(See. II), Mai 1874(See. l), Augufi 1875 und September 1877 dec Priußislkm Cenfca�odenccedihflcfienaefedfifiaft in 3'/,%i|f« Plandbrlefb.« Nach Verständigung mit den betreffenden DarlehnSnehmern bieten wir hiermit die Convertirung. unserer 5"/»igen und 4'/«»/.igen mit 10% Zuschlag rückzahlbaren Pfandbriefe auf Höht � Betrage» von etwa 30000000 Mark unter folgenden Bedingungen in 3'/:"/oige Pfandbrust g. l.Die ausstehenden Pfandbriefe der oben bezeichneten ! 5 5? 5 b» f/ Rückzahlung am I./2. Januar 1887 in so«-'. zur» u» l o o su n g gebrach t, al» die Tilgung auf Höh« de»«! trage» von etwa 3() 000 000 Mark im W e ge d er Eon v erti ru»«".'s erreicht wird. Die 4'/,°/i,igen Pfandbriefe vom 9"«� (Serie Ii) werden gänzlich auSgeloost. 2. Die Convertirung erfolgt in der Zeit vom 18. Hat bla elaaehlleaslleh 1. Jnnl 1880 tu Aerlia bei der unterzeichneten Direktion. bei der Dtrektio« der Disrouto-GeseUfchaN. bei Herrn S. Kl-ichröder,_ in Frankfurt a. M. bei de« K-rre« M. A. von Dothfchild& i*#*' in ASln bei de« Herren Kai. Oppenheim& To. und zwar bei jeder Stelle in den bei derselben üblichen GeschästSstunden.«J ES wird vorbehalten, die Convertirung der Pfandbriefe von jeder einzelnen fion oder von allen Emissionen schon vor Ablauf deS vorgenannten Termin» zu s» 3. An Stelle der zur Convertirung angemeldeten Stücke werden 3'/,»/„ige PM der im März 1886 begonnenen Emission von 1886 ausgegeben. Für diese Pfandbriefe gelten die nachstehend wiederholten Bestimmungen:# Die Pfandbriefe werden auf den Inhaber ausgestellt und in Stücken»u � 3000, 1000, 500, 300, 100 Mark ausgefertigt. Sie find von Seiten der Job kündbar und werden mit 3'/,% für» Jahr in halbjährlichen Terminen am*• � und 1. Juli di» zum Tage ihrer Tilgung verzinst. Die Anleihe wird zum Nennwerthe im Wege der Verloosung getilgt. Zu diesem Bebufe bat die Gesellschaft jährlich weniatteni'/.% de» t zuerst im Jahre 1889 [chaftSdlättern die verloosten Pfandbriefe und- werden nach vorgängiger Bekanntmachung ... rloosten Pfandbriefe im folgenden Ja' Der Gesellschaft bleibt jedoch daS Recht vorbehalten, den ahre am�l.Ä�M befindlichen Pfanddr�fe�auf�n �' oder auch sämmlliche noch im Umlaufe 6 monatlicher Frist zu kündigen. Die ZinScoupon» werden ebenso wie die ausgeloosten oder nach Wahl der Inhaber bei dm unter Nr. 2 dezeichneten un zu machenden Stellen eingelöst. Die zur Convertirung gelanamdm Pfandbriefe müssm mit Coupon» 1. Juli 1886 ab laufenden Zinsen nebst Talon» eingeliefert werden, 'ti halbjährliche Coupon über die Zinsen bi» 1. Juli 1886 zurückbehalten Offfjjfl', Inhaber erhält den gleichen Nennwerth 3'/,«/oiger SRM" giß) mit CouvonS über die v om 1. Juli 1836 ab laufenden nebst sofortiger baarer Zuzahlung von , 10% Zufchlag.»% Präuei« t j*!• und der Differenz der Stückzinsen vom 1. Juli 1886 bi» nuar 1887. 3«' 6»/. ,. mc Diese Differenz beträgt für die �....'/> 'ztgen Pfandbriefe»/«, für die 4'/."/.iaen Pfandbrief! Bei der Einlieferung der Pfandbriefe muß der Betrag der etwa fehlet dem 1. Juli 1886 fällig werdenden CouponS baar beigefügt werdm.,. KF 5. Die zur Convertirung eingelieflrtm Pfandbriefe werdm mit dem Vermerke.» ttrt auf 3'/. Prozent vom 1. Juli 1886 ad" abgestempelt. W2 . Der Umtausch der abgestempelten Stücke gegm die nmm Titel wird derer Bekanntmachung erfolgen, wobei vorbehalten bleibt, durch ZusammeM� gletchm Beflag in nm ausgefertigten 3'/«"/oigen Pfandbriefen zu gewaV�bÄ gegm ein abgestempelte» Stück nichr ein neuer Pflnddrief von entsprechenv�j � umgetauscht werden kann. Stücke über 60 Thlr.(160 Mark) können zur Convertirung angenommen werdm, sondern e» find zwei solche Stücke n, « S" bZ? Umtausch Einen neuen Pfandbrief über 300 Mar» zu empf-ng'�el) Pfandbriefen, welche zur Conoertituna eingereicht werdm. ist«n dw�scr derttlicher NammSunterschrift und genauer WrhnungSangabe det Einsend«�..�,., nach dm Jahrgängm, LUtera und Nummern geordnete» Verzeichniß Formulare hierzu können bei dm obmgmanntm Stellen kostmflei in» j nommen werden. n � Pfandbriefe können behuf» der Anmeldung jeder der unter Nr- Stellen mit der Post eingesandt werdm, und erfolgt die Gegenleistung Pfttthongabe. Da» Porto für die Einsmdung und Rücksendung flagt m» Central>Lodmcredit»Bcttmgesellschast. Berlin, dm 14. Mai 1886. Verantwortücher Redekt-ur?k--het« d: Bill«. Druck und««log von M« Babia« in Berlin SW„«euthstraßc 7. Pröüsslsche Oentral-Bodencre dlt- ActlengeflO Die Dlreeiioa. Bossart. Kling emann. HitztzlU ei-t «tio tyNo 1 Beilage zum Berliner Bolksblatt. 117. Freitag, den S1. Mai 188«. III. JatzM Dmlslhes Reich, Ms z«! E» war vor ungefähr zwölf Jahren, da brackien die «utschen liberalen Blätter— damali, wo der Ziational« «beraliimus im Zenith der Regierungsgunst stand, wurde mit �tgen Ausnahmen dle aefammte lideeale Pieffe mit oifiziösen Notizen versorgt— geheimnisvolle Andeutungen über ein scheußliches Verbrechen, welches von einem ultramontanen Aus- lander gegen den Kanzler deS Deutschen Reichs geplant ge» wesm und nur durch einen besonderen Zufall verhindert worden ist. . Man wußte erst nicht recht, woran man mit allen diesen jtonllen Andeutungen war. Da erfuhr man eineS schönen **8(9, daß ein ziemlich verkommenes Subjekt, welches in einem Otlgischtn Städtchen lebte— wohl angeregt durch die katho« tische Preffe seines Landes— dieselbe machte damals aus den Befühlen, die st« für den Kulturkämpfe! Fürst Bismarck hegte, durchaus kein Geheimniß— einen Plan entworfen, wie der Reichskanzler gewaltsam auS der Welt zu schaffen sei, Und daß der Entwerfer dieses Planes denselben dem Erzbischof »on Tournai mitgetheilt hatte. Obwohl nun der letztere sofort der belgischen Regierung z» ä ttenwniß von dem beabsichtigten Verbrechen zukommen ließ veB und diese einerseits die deutsche Regierung und dito Polizei »on dem verbrecherischen Vorhaben in Kenntmß setzte, und andererseits für eine eingehende Untersuchung deS Sachverhalts und Ueberwachung deS Verdächtigen sorgte, so fehlte«S doch damals in der tultmkämpfenden Preffe nicht an Stimmen, welche die deutsche Zentrumspartei und den belgischen KleruS sur den verbrecherischen Plan verantwmtlich machten. Es war damals die schöne Zeit, wo daS den Geschmack und Bildungsgrad unserer Kulturkämpfer auf» Treffendste kenn- Nchnende Lied„vom letzten Pfaffendaim, an dem die letzte Nonn« hängen muß", die Runde durch den Abschaum der MWrkawpfpresse machte. Die staunende Welt erfuhr damals, daß am Rhein der unter der Leitung deS lönigl. preußischen AtichichttprofessorS und Landtagsabgeordneten von Sybel Mendt„deutsche Verein" ein förmliches Spionagesystem gegen Sesammte katholische Bevölkerung der Provinz eingerichtet Ute, um so die politische Polizei, welche damals in Hellem mit Priestern und Nonnen fich befand, mit Denunziationen �richten auS Privatkreisen zu unterstützen, Privat- o,n' in welche einzudringen eS der offiziellen Polizei nie u'utnaen wäre. v. Mit dem Gelde der liberalen rheinischen Bourgeoiste wur- N.PrioatdetektivS bezahlt, welche in die Familien fich ein- gleichen oder die Bekanntschaft katholischer Beamten suchen fdußten, um auf diesem sauberen Wege vielleicht zu erfahren, welcher Weise eS diesem oder jenem„gesperrten" Geistlichen Wohl gelungen sei— einem Sterbenden die letzten Sakra- wknte zu spenden— ein„Verbrechen", da» damals mit Mo> Naten von Gefängniß bestraft wurde. Die entlarvte Thätigkett KonitzerS, dieses SticberS, vulgo M*; Schmiedt, der liberalen Partei deS RheinlandeS, war U» fcemn Liberalen sehr unangenehm und um die Auf- wertsamteit von ihrer mehr als zweifelhaften Geschäftigkeit «,'Mm-deutschen Verein" abzulenken, logen und schimpften das u..�, �"ffe über daS nicht ausgeführte Verbrechen, waS w«. f'll- d-m i darüber wollten wir eigentlich nicht schreiben, son- der die Erinnerung an jene Ei war nämlich nicht dlcs die liberale Partei und Preffe, »on dem nicht ausgeführten Attentat ein großes Auf- machte, nein, auch die deutsche� Regierung und is 'ich�tragisch ����kanzler nahmen die Sache außerordent- d»»&F Reichskanzler verlangte nämlich, daß der Entwerfer ?llentatSpIaneS vor den Richter gestellt und bestraft werde. «.hellte fich aber heraus, daß daS belgische Strafgesetz eine «.pichende Slrafbestimmung nicht kannte und daß die dortige 2"8tirung den Wünschen deS eisernen Kanzlers nicht nach- konnte. Darüber entstand großer Lärm in der Preffe in Berlin. Ader auch diplomatische Noten ".den gewechselt zwischen Berlin und Brüffel, und daS Re- war— daß die belgische Regierung einen den Berliner entsprechenden Entwurf zur Abänderung deS Straf- 'buchet vorlegte, der auch Annahme fand. Warum wir jetzt an all daS erwnern? Nun, ist die Sache "'wt der Erinnerung werth? b.» m? durch und durch verkommener Mensch, DucheSne hieß 7" Patron, seine« Zeichen« war er Keffelflicker, hatte einen All litt Hllirl. & tü. Wer die Mark Brandenburg, des Deutschen Reiches an w üchse genannt hat, verdiente mit veibundenen Augen di.? schönen Frühlingstage hinausgeführt zu werden an biwr Made der Havel und hier müßte man ihm plötzlich die -. uen Berge, die weiten Seenflächen mit den koketten weißen "n. darauf zeigen,- c in der Brust trägt,...... "'uu'R zu wiederholen wagte ON voller Uederzeugung mdeS würden i «Ära fc ouf ?erge, die weiten Seenflächen mit den koketten weißen , darauf zeigen,— er müßte ein Mensch sein, der einen b-»..? n der Brust trägt, wenn er jene verleumderische Be. U'wng zu wiederholen wagte. en»..-°°ll«r Uederzeugung von der Schönheit unseres lehr«5 �aterlande« würden wir eZ höchstwahrscheinlich für halten, auf die Vorzüge unserer heimischen wil u." uoch besonders hinzuweisen; da wir jedoch häufig Aua� n zusammen kommen, die für unsere begeistertsten l�i"d'ungen über unsere Seen und Wälder nur ein mit- datürlfib�seljuckefl baden,. so wenden uns nicht "ur noch an unsere Freund« effen daß der Brandenburger nur Kartoffeln zu wir ünS von jetzt ab und Landsleute, die und SchnapS zu trinkm verstände.-- W'i?:01 die Tugend setzten die Götter den Schweiß," so Sieck/"1. altes griechisches Sprichwort, und die Griechen haben „£?'MU wenn wir in dem obigen Satz für den Begriff auf M Wort„große« Fenster" und für die schon lange ? Dlt5* gesetzten griccdischen Götter die kamerunartige rvenn �'�ue von vorgestern Mittag einsetzen, so braucht man, wnft*« den Marsch von Schlachtensee nach dem„großen krag«»-.zurückgelegt hat, nur seinen dmchgeschwitzten Hemd«. baffen m, und man wird von der durchaus dauer. gehe�, Wadrhitt griechischer Sprichwörter und der vorüber- D«» im Grunewald für alle Zeiten überzeugt sein. �g"�V�nst� ist bekanntlich eine weite Ausbuch- RÄm n«. �avelufer südlich von Schildhorn. Wenn die �Utdusst gestern«benfall, Feiertag gemacht hätten und ihren Plan zur Ermordung deS deutschen Reichskanzlers auSgesonnen, der sofort der Polizei bekannt wurde und zu dessen Ausführung nie ein Schritt geschah- Trotzdem hielt unsere ReichSregierung dieses Vorkommniß für wichtig genug, sofort mit dem ganzen Gewicht ihre, Ge- srtzeS und ihrer Macht auf da« kleine Belgien einzuwirken, damit dasselbe seine Gesetzgebung ändere, und auch bei unS brachte die Strafgesetz rooelle von 1876 eine entsprechende Arn- derung, den sogenannten„Keffelflickerparagraphen", 49» deS Strafgesetzbuches. Auch augenblicklich setzen Vorgänge in den belgischen Berg- werks- und Fabrii-Dsstrikten ganz Europa in Aufregung. Daß die dort staltgehabten und fich in verhältnißmäßig kurzen Zwischenräumen immer wiederholenden AibeiterRe- volten auch ein« Gefahr für die benachbarten Staaten in fich bergen, kann gar keinem Zweifel unterliegen und wird auch dadurch von den detheiligten Regierungen bestätigt, daß Frankreich den an Belgien grenzen- den Theil seiner Nordgrenze stärker mit Militär besetzte und der preußische Minister de« Innern, Herr von Puttkamer, von dem„niederschmetternden Widerstand" sprach, welchen die preußische Regierung dem fich etwa von Bilgien auf deutsches Gebiet überpflanzenden Aufruhr entgegen zu setzen entschlossen sei. Belgien mit seinen Ardeiter-Revolten ist also eine Gefahr für den Westen Europas. WaS aber ist die Ursache dieser Revolten? Alle unabhängigen Stimmen find darin einig, daß die schamlose, jeder Beschreibung spottende Ausbeutung der belgischen Arbeiter, Frauen und Kinder mit«ingeschloffen, die Schuld an den Ausständen trägt. Die Ausbeutung aber wird nur möglich durch den voll- ständigen Mangel aller und jeder Fabrik- resp. Ardeiterschutz- gesetzgebung in Belgien. Wie wäre es denn nun, wenn das mächtige Deutschland heute daS, waS es seinerzeit um der Halluzinationen eine« lumpigen Kesselflickers willen that, wiederholte und Bel- gien aufforderte, seine schwere Unterlaffungssünde gut zumachen und in seiner Gesetzgebung den großen Industriestaaten Euro- pa'S zu folgen? Jeder Versuch, unsere deutsche Arbeiterschutzgesetzgebung weiter auszubauen, wird von den deutschen Fabrikanten mit dem Hinweis auf die belgische Konkurrenz bekämpft. Wir dächten, jetzt wäre die passendste Gelegenhett, der belgischen Regie- rung begreiflich zu machen, daß fie die in ihrem Lande wuchernde, auf dem absoluten Mangel einer Arbeitersckutz. gesetzgebung beruhende SchmutzWurrenz zu beseitigen habe, und diejenige Regierung, welche in entsvreckender Weise Belgien zur Erfüllung dieser internationalen Pflicht brächte, verdiente fich den Dank der Arbeiter all-r Kulturländer. DaS wäre ein Schritt, eines großen Staatsmannes würdig, deshalb: Deutsche Regierung, da winkt frischer Lorbeer edelster Art! Warum greifst Du nicht zu? P arlamentsverichte. Deutscher Reichstag. 90. Sitzung vom 20. Mai, 1 Uhr. Am Tische des BundesratheS r>. B o e t t i ch e r, v. S ch o l z, LuciuS. Da« Mandat de» Abg. v.Lenz(Württemberg) ist in Folge seiner Ernennung zum Oberstaatsanwalt erloschen. Zu dem Gefitz-Entwurf. betreffend die Besteuerung de« ZuckerS, der zur zweiten Berathung steht, beantragen Witte und B a r t h, in§§ 1 und 2 die Steuer- und VerglitungS- sätze dahin abzuändern: Rübenzuckersteuer wie bisher 1,60 M. (statt, 1,70 M), Vergütung für Rohzucker 17 M. bis 30. Sep- tember 1887(statt 18 3)1.), später 16 M.(statt 17,25 M.); die Vergütungs sätze für alle harten Zucker find dem UmrechnungS- verhältntß enlspiechend zu ermäßigen. Abg. L i p k e referlrt über die eingegangenen Petitionen, die durch die Beschlüsse deS Hause« als erledigt erklärt werden sollen. Abg. T r i m b o r n(Zentr.): Gegen die in§ 1«nt- halten« mäßige Erhöhung deS RübensteuersatzeS hat man zu- nächst eingewendet, e« werde fich der Konsum erheblich ver- mindern. Ader der Konsum hat fich bei der bisherigen Sieuer- gesetzgebung, von der die Vorlage nur eine weitere Ent- Wickelung ist, trotz der sukzesfiven Erhöhung de« Steuer- satzeS immer mehr direkten Erhöhung vergrößert. Den Hauptoorzug der der Rübenmaterialsteuer in Ver- ?rüßen die rothen Ziegeldächer de« Dörfchens Neu- Clavow erüber, den Strom hinauf erblickt man die weißen Villen einiger bevorzugter Sterblicher, die den ganzen Sommer hi>r draußen verbringen, im Hintergrunde erhebt sich steil und spitzig wie ein drohender Zeigefinger der Thurm von Spandau, aber nicht d,r Juliuslhurm, schwerwiegenden Angedenken«, sondern der Thurm der Nikolai Kirche. Auch gut, man muß mit Allem vorlied nehmen, und die Begehrlich- keit wird entschieden nicht so leicht gereizt, wenn man die Mtl- lionen nicht immer vor Augen hat. Drüben, hinter der vor- springenden Landzunge muß die Stelle sein, an welcher der alte Wendenfülst, um seinen Verfolgern zu entgehen, mit ge- wappnetem Roß durch die Havel schwamm. Muß ein merk- würdiger Herr gewesen sein, dieser Wendenfürst Jaczo! Wenn er seine Hose oder seinen Rock auf dem dieffeitigen Ufer zum trockenen zurückaelaffen hätte, könnte man da» ver- stehen, aber sein Horn und sein Sckild konnten doch unmöglich von der Nässe gelitten haben. Gleichviel, durch die Gründung von Schildhorn hat fich Jaczo um alle Berliner ein unsterbliches Verdienst erworben, und alle Männlein und Fräulein, die Sonntags dorthin wallen, um den feurigen Trank der Levante selbst zu bereiten uno zu schlülfen, werden sein Andenken in Ehren halten, jetzt und immerdar. Historische Stätten fordern immer zu angemessenen Be- trachtungen heraus. Wir wollten uns gerade noch mehr in jene urgrauen Wendenzeiten vertiefen, als wir durch einen kräftigen, lästerlichen Fluch ganz dicht in unserer Nähe auS der beschaulichen Ruhe aufgeschreckt wurden. „Donnerwetter, die verfluchten Mücken, sonne Biester!" sagte ein Bierbaß in wildem Tone, in dem Gestrüpp bewegte e» fich und ein kolossaler Bauch, umspannt von einer blendend weißen West« erschien auf der Brldfläche. Der Inhaber diese» Bauche» sah furchtbar aufgeregt auS, wahrscheinlich hatten ihn die Mücken im Schlafe gestört; er führte einen Lufthted aus, als wollte er einem unfichtdaren Feinde dal Nasenbein zer- schmettern. eist« � � vernichtendem Seitenblick und schlug fich in die Büsche. Der Mann batte nicht so ganz Unrecht mit einer Wuth über die winzigen Blutsauger, aber wa» wollen die kleinen Sticheleien dedeuten gegen die großen Aderlässe de» bindung mit der vorläufigen Beibehaltung der Export- Vergütung von 18 M. erblicke ich darin, daß diese Maßregel schon mit dem 1. August 1886 eingeführt wird. Bei dem jetzigen Rendementtve-Hältniß liegt in der Exportbonifikation immerhin eine Prämie für den Zuck-rfabrikanten, allein fie ist eine Nothwendigkeit; von dem Syst-m der Ausfuhrvergütung ist unsere ganze bisherige Zuckergesetzgebung auSg-gang-n, und unter ihr Hai fich die nationale Zuckerindustrie so hoch ent- wickelt, daß wir an der Spitze der Stationen marschiren. Ich bitte Sie daher, nehmen Sie die Vorlage an. Abg. Oechelhäuser: Auch ich werde für die §§ 1 und 2 und für daS ganze Gesetz stimmen, jedoch nur im Sinne deS pis aller. Nachdem die Regierungen di- Frage der Regelung der Melaffesteuer oder einer Cxportvergütung für die Melasse zurückgewiesen haben und uniere Finanzlage eine Herabsetzung der Zuckersteuer nicht zuläßt, nachdem auch die große Mehrzahl der Zuck-rintereffenten selbst die innerhalb deS Gesetzes zu bildende Ausgleichung zwischen Exportoergütung und Rübensteuer lieber in einer Erhöhung der bestehenden Rübensteuer, als in der Herabsetzung der Vergütmg sucht, bleibt für mich und einen großen Theil meiner Freunde nichts anderes übrig, ali einfach dieser Vorlage zuzustimmen. Durch dieses Gesetz werden wir zum ersten Mal zu be- stimmten statistischen Daten gelangen, auf Grund deren eine spätere definitive Regelung in ganz anderer Weise in die Hand genommen werden kann. Sich heute über dieselbe auSzu- sprechen verlohnt nicht; doch bin ich der Anficht, daß wir da« System der Rübensteuer übe; Haupt auf dle Dauer nicht zu ver lassen brauchen, wohl aber den Weg. den England de- schreitet, einschlagen und in bedeutendem Maße diS mindestens auf die Hälfte allnälig herabgehen sollten. Und ich hoffe, meine Herren, daß die beabfichiigte Branntweinsteuer, wenn fie in diesem hohem Hause, wie ich hoffe, Annahme findet. unS in solcher Weis« finanziell erleichtern wird, daß man später bei einer d-fi-iiioen R gelung der Zuckersteuer die Rückst wten'auf die Finanzen nicht mehr wie jetzi in den Vordergrund zu stellen braucht, sondern mehr die wirthschaftliche und soziale Seite der F'age wird ins Auge fassen können. Abg. Witte: Wenn jemals ein leichtfertiges Urtheil gegenüber den allerzwingendstrn Gegengründen abgegeben ist, dann hat eS Herr Oechelhäuser mit seinen Schlußworten einem Gesetz gegenüber fertig gebracht, über da» ich in diesem Augenblick mich absolut nicht äußern will, dessen In hall und Form aber sehr eingehend geprüft werden und demgegenüber Niemand ein solche» Uitheil adzug»ben im Stande sein wird, eS sei denn, daß er auf dem Standpunkt der absoluten Verwerfung oder der absoluten Annabme alle» dessen steht, waS un« entgegengebracht wird. Alle Nachlhiile für die Reichsfinanzen und die Zuck-rindustrle selbst schreiben fich daher, daß bereits 18-3 eine«ffeltwe Ausfuhrprämie zu Tag« trat, welche stetig wuchs und eine ungesunde Ausdeh« nung der Industrie zur Folge hatte. Unsere Anträge sollen alleS erreichen, was die Regierung von der Erhöhung dieser Steuer erwarten kann: Sicherheit und Stärkung der Einnahmen und Verminderung der in der Rübensteuer liegenden Ungerech- tigkeit.(Beifall link«.) Finanzminister v. Scholz: Ich bitte Sie Namen» der verbündeten Regierungen, daS Amendement ablehnen zu wollen, Finanziell— da» gebe ich zu— ist der Erfolg einer Regu- lirung, wie fie da» Amendement Witte vorschlägt, vielleicht di» auf eine verschwindende Differenz übereinstimmend mit dem Ergebriß, welche» von der Regierungsvorlage zu gewärtigen sein wird. Käme eS also nur auf den finanziellen Effekt an, so würden wir nicht» dagegen haben. Aber ich glaube, darüber kann kein Zweifel sein, daß eS geeignet wäre, der Zuckerindustrie eine neue tie'e Wunde zu schlagen. Der Abg. Witte sagte, eS würden Landwirthschaft und Industrie immer Hand in Hand gehen müffen, dann begreife ich nicht, wie er mtt dem Antrag einen so schweren Schlag auf di- Zucker» industrie rechtfertigen kann. Dies Argument ist meiner Meinung nach nur ein scheinbares. Wenn man sagt, der Zucker ist billiger geworden, kann also die Steuer nicht tragen, so ist dieS ein theoretische» Raisonnement. Die Unrichtigkeit einer solchm Schlußfolgerung liegt auf der Hand. Nun ist gesagt worden, die verbündeten Regierungen zeigten kein Entgegenkommen gegenüber dem R-ichStage; Sie müssen aber bei ehrlicher Prüfung zugeben, es ist selten ein so weites Entgegenkommen von den verbündeten Regierungen geübt worden, alS gerade hier. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Sie die Vorlage unver» ändert annehmen. Abg. Röhl and(dfr.): ES ist einigermaßen schwierig, in dieser Materie neue GefichtSpunkte zu finden, die Motive Leben»? Nein, uns imponirte diese Aufgeregtheit nicht wegen der paar Muck.'nstiche, wir ermordeten mtt großer Seelenruhe mehrere der lästigsten Peiniger, und ohne an diese Tbatsache weitere Betrachtungen zu knüpfen, folgten wir den Spuren de» Manne» mit der weißen Weste und dem dicken Bauch, freilich ohne zu errö hen, denn erstens war e» durchaus nicht die Liebe, welche un« hinter den Dicken herttieb, zw-itenS wäre auch jeder Versuch, holde Scham» röthe auf unsere Wangen zu locken, wegen der Übermensch» lichen Hitze entschieden kläglich gescheitert, denn wir waren so schon kredsroth und dritten« endlich war der Dicke überhaupt keine Jungfrau, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach ein recht solider Berliner HauSbefitzer, und wir find doch ganz gewiß keine Jünglinge mehr. WaS h Ifen alle Gaben der Natur, wenn die Kunst nicht nachhilft! Wohl erblickt man vom Klrchthurm von Nckolston „alle Herrlichkeiten der Welt und ihre Schätze", von dem tief- blauen Haoelwasser hebt fich das verschiedenartigste Grün mit setnen unendlich fem nuanzlrten Abstufungen höchst malerisch und wirksam ab, und eine„Echwäntn",— ich weiß allerdings nicht, ob das der richtige AuSdruck für eine Schwanenfrau ist,— saß mit langem Halse urd anscheinend recht ungeduldig auf ihrem kunsttosen Nest. Es muß wirklich ein recht trostloses Geschäft sein, Eier auszubrüten; die arme Schwänin! Dort hinten allerdings wiegt fich ihr Herr Gemahl in der kühlen Flutb, den Hals zurückgebogen, die weißen Fittiche aufgebläht, ganz Stolz, ganz Selbstbewußtsein. Er spiegelt fich, putztüchtig wie eine„höhere Tochter", in_ den durchfichttgen Wellen, und er sah so aus, als wäre er mit fich und seinem Werke ungemein zufrieden. Wer kann eS ihm verdenken? Doch die Zeiten werden fich ändern, auS den Eiern werden Junge kommen, und dann heißt eS auch für den protzigen Ehemann: Fische fangen für die„Jöhren", damit fie nicht verhungern! ApropoS, Hunger— den kriegt man allerding» überall, selbst wenn man ganz unschuldiger Weise in ein Schwanennest guckt und fich um die zwar schon gelegten, aber noch nicht auS« gebrüteten Eier kümmert. In Moorlake sahen wir unseren Dicken wieder. Der Himmel mag wissen, wie fich dieser Klumpen dorthin gewälzt brwaen auch nichts NeuiS. um die Erhöhung der Steuer zu rechtfertigen. Wir erkennen ja gern« da» Woblwollen an, «elche» Vie ReichSregierung biS jetzt der Zuckerindustrie dauernd gewährt hat, aber die Exomtprämie ist ihr nicht zum Nutzen, sondern zum Verderben geworden, und führt un», fahren wir hiermit fort, nur immer weiter hinein inS Verderben, in den Krach. Wir müffen un» vor allen Dingen auf misett eigenen Füße stellen, darin sollte un» die ReichSreglerung durch die Gesetzgebung unterstützen.(Zustimmung lwk») Geben wir jetzt die Erhöhung de» Steuersätze» um 10 Pf. zu, so wird man immer wieder kommen und neue Erhöhungen fordern. Im G-gentheil aber müffen wir Schritt für Schritt abwart, gehen in der Materialsteuer, dann nur werden wir dahin kommen, dann nur werden wir der Etaatskaffe da» gewahren, was fie von RechiSwegen zu beanspruchen hat. Gehen vre von dem bisherigen Steuersätze nicht ab, sondern nehmen Sie f T geworfen, daß ich ein Vertreter deS PrämienshstemS sei, obwohl wir doch im Jahre 1869 die Exportbonifikation mit der Maßgabe beschlossen hätten, daß fie keine Prämie in fichttagen solle. Bei der heutigen Exportvergütung besteht aber eine Prämie, und zwar, wie ich deHaupte, mit Wissen und Willen der verbündeten Regierungen, Was ist denn der Schutzzoll andere» als eine Prämie?(Sehr wahr! links.) Diesen Em- wmf habe ich erwartet: denken Sie denn, daß ich vor den Konsequenzen meiner Gedanken zurückschrecke? Ich halte die Schutzzollpolitik für durchau» richtig, weil fie die nationale Sltbcit irnterftilfcl- Abg. Barth: Der Herr Finanzminister hat zugestanden. daß unser Antrag vom rein finanziellen Standpunkte au» auch für die verbündeten Regierungen akzeptabel sein würde, er hat aber hinzugefügt, daß er deshalb nicht annehmbar sei, weil er der Industrie neue tiefe Wunden schlagen würde durch die Exportbonifikation, die wir nach dem AuSbeuteverhaltniß von 10 zu 1 vorgeschlagen haben. Da» AuSbeuteverhaltniß sollte nach dem Stolldergschen Antrage lOV* zu 1 betragen. Die Regierungen nehmen 10, 15 zu 1 und wir 10 zu 1 an. Ist da» ein so großer Unterschied? Die«Zucker, e tung" macht neuerdingijvinselben Vorschlag wie wir. Wir Deutschfreifinnigen sehen mit unserem Antrage die Regelung der Zuckcrsteuerfrage keineswegs für erledigt an.»uigade einer rationellen Steuer' politik muß e» sein, auch den Rest der Zuckerpramie zu desei. tigen. Die jetzige Zuckersteuerpolitik läuft auf nicht« Anderes hinaus, al» einige Dutzend Millionen au» dem Beutel der Steuerzahler zu nehmen und der Zucker. Industrie zuzuweisen. »ei den Schutzzöllen wird eine versteckte Prämie gezahlt, hier aber erhält die Zuckerindustrie offen ein Geschenk. Unser Antrag bedeutet nur eine kleine Abschlagszahlung. Bei dem früheren ReichStagsbeschluß handette e» fich darum, zu einem definitiven Beschluß zu kommen. Die Regierung hat ja auch keinen energischen und erhebl'chen Widerstand gegen den damaligen Beschluß geleistet. Sollte fie auch diesen zum Beschluß erhobenen Antrag ablehnen, so würde fie damit der Reicht kaffe einen schweren Schaden zufügen.(Beifall links.)""C c-Ä» PK"-.- Minister v. S ch o l»: Entweder hat der Vorredner die Rede de« Venn Schatzsekretär» am 3. April nicht gehört oder den Eindruck derselben sehr bald vergessen, wenn er auSge. führt hat, daß die verbündeten Regierungen bei den letzten Verhandlungen der Zuckersteuer nicht mit Bestimmtheit erklär. ten, daß fie die Zustimmung de» Bundesrath» zu dem Reichs. tagibeschlusse, soweit eS fich um da» Amendement Etolberg handelte, nicht in Ausstcht stellen konnten. Der Reichstag steht deshalb auch der gegenwärtigen Vorlage nicht mit völliger Ueberraschung gegenüber. In dem Rmdemtnt»oerhallnifft von 10, 15 zu 1 kann ich eine Exportprämie nicht erblicken. (Oh! link«.) ES handelt fich nicht darum. waS irgend eine mit voMommensten Einrichtungen versehene Fabrik St leisten vermag, sondern darum, wa» die gesammt« ndustrie im Durchschnitt zu leisten vermag. Et ist mir aber doch interessant, daß Herr Barth ttotz seiner Averfion gegen Exportprämien seinerseits mit seinem Antrage eine Exportprämie befürwortet. Die Behauptung, daß die Finanzpolittk der Regte. rung darauf hinausgehe, aus den Taschen der Steuerzahler einige MMionen zu nehmen und in die Taschen e niger be> vorzugter Menschen zu legen, weise ich auf da» Entschiedenste �«dg. v. Hell dorff: Die Zuckerindustrie ist bei un» zu einem sehr wesenllichen Tbeile de» landwirthschaftlichen Be. triebe» geworden, sie hat die Landwirthschaft geHoden und für Tausende von Arbettem Beschäftigunq gewählt. AlleS die» kommt der Gesammtheit zu Gute. Es wäre darum auch ein Opfer des Steuerzahler», von dem Abgeordneter Barth ge. sprachen, gar nicht ungerechtfertigt vom Standpunkte der Na. ttonalökonomie. In dem Antrage Barth kann ich nur eine De. monstcation gegen die Regierung erblicken und bitte daher, denselben abzulehnen......., Abg. Barth: Ich begreife nicht, wie wir mit unserem Antrage eine Eroortprämie befürworten sollen, wie der Herr Minister gesagt hat. Wir haben«ine Exportbonifikation von 16 M-, und kein« geringere, nur deehald vorgeschlagen, weil wir nach Lage der Dinge augenblicklich etwaS Beffere» nicht eneichen können. Unverständlich ist mir, wie der Finanz minister sagen konnte, daß bei einem Rendementsverhältniß von 10, 15 zu 1 von einer Exportprämie nicht die Rede sein könne. Der Zuckersachverständtge Prof. Scheibler hat in einer kleinen Statte. Er zahlte gerade, al» wir ankamen, und die Frucht einer Thäiiakcit in diesem reizenden VergnüaunaSorle konzen- riite fich in„zwei Schinkenstullen, drei Weißen, einer Potsdamer und vier Kognak»!" Diesen Mann müßten Steuern auf nothwendize VerbrauchSgegenstände unzweifelhaft in aller- kürzester Zeit zu Grunde richten I Er sah allerdings nicht so aus, alS od er dieselben besonder» fürchtete, trotzdem gefiel un» der Mann, jrdenfalli war er nach der„Speisekarte" kein Anhänger der Schweningerkur.— Von drüben her winkte der Pfingstberg. Ein rüstiger Fährmann war bald gefunden, und nach kurzer Zeit hatten un» seine kräftigen, regelmäßigen Ruderschläge bt» in die Mitte de» weiten Becken» gebracht. Kleine schwarze, flinke wilde Enten, Lietzen nannte fie unser Schiffer, trieben ihr muntere» Spiel und hin und wieder sprang ein filberglSnzender Fisch au» der blauen Fluih. Große Schleppdampfer mit altmodischem Radkasten zogen breite Last- kühne mit hohen Verdecken die Havel hinab, dort lagen Flösse, lang aneinander gereiht, mit den wetterharten Führern darauf, die fich auf ihrem F!oß, so gut e» geht, wohnlich einrichten, und ring« herum die schweigenden Berge, die sich in sanft geschwungenen Linien in die blaue Ferne verlieren! au» dem farbenprächttgen Grün sehen neugierig die Thürme von Schlössern und Villen hervor,— unsere Havel ist doch schön! Im Restaurant am Pfingstberg herrscht all-r« ding» der Gardeosfijier in und außer Dienst. Die ältl'.chen Herren sehen alle so aus, al» ob fie ihre Penston verzehren, und über die jüngerm ließ die Uniform leinen Zweifel zu. Doch waS kümmert's un», wir warm froh, al» wir ein bekannte» Gesicht erblickten, leider führte der Herr gerade seine„Koustne" aus. Natürlich»erbot es uns unsere �angeboren« Schüchternheit, un» um Familien« „Verhältnisse" zu kümmern, die ur.S nichts angehen, als wir aber spät Abmd» in Berlin ankamen, da beherrschte uns außer großer Müdigkeit ein Gefühl öder» ttostloser Verlaffmhe t, die Leipziger Straße erschim un» leer troy deS gewattig pulstrenden Leben».„WeShalb", fragten wir un» wehmüthig„hat der eine Mensch so viel« Koufinen und der Andere besttzt keine Einzige?" Broschüre rund herau» erklärt, daß die ganze Rohmaterialsteuer nur die Bedeutung habe, versteckte Prämim zu erzielen. Wenn wir so fortfahren, so können auch die Wollzüchtrr eine gleiche Entschädigung deansp'uchen und zuletzt auch die große Schaar der Ardeiter.(Beifall links.) Abg. Buhl: Der Abg. Barth übersteht, daß nur die weniosten Fabrikanten eine der Rüdensteuer entsprechende Export donifikation erhalten. Der Anttag Barth bedingt eine Ent laftung deS inneren Konsum», welche ich bei diesem immerhin entbehrlichen LebenSmtttel im Interesse der Staatskasse nicht befürworten kann. Abg. Witte: Wie unrichtig die Behauptung de» Finanz- Ministers ist, daß in dem Rendementsoerhältniß von 10, 15 zu 1 eine Exportprämie durchaus nicht enthalten sei, habe ich schon bei der ersten Berathung am 12 Januar bewiesen. Nach der ReichSstatistik wurdm 1883/84 9,45 Doppel- zrntner Rüben zur Herstellung eine» Doppelzentners Zucker Sebraucht, 1184 5 9,26 und für da» folgende Jahr find wahr- heinlich nur 9 Zentner nothwendig gewesen. Dazu wurde noch bewerft, daß der durch die Strontianttfabriken au» Me- lasse hergestellte Zucker nicht mit eingerechnet sei. Eine Prämie erhalten in der That nur Diejenigen, welche guten Rübenbodm und bessere Einrichtungen besttzen, die schwächeren Elemente kommen am schlechtesten weg. Minister».Scholz: Die Meinung des Abg. Witte ist doch nicht eonsellsus ornniam. Darüber hat der Herr Schatz. sekretär auch s. Z. keinen Zweifel gelassen. � Die D-batte wird geschloffen. �—t-- Abg. Oechelhäuser(persönlich): Meinem verehrten Freunde Witte möchte ich bemerken, daß die Hoffnungen, die ich in Bezug auf daS Zustandekommen eineS Branntweinsteuer- gesetze» aussprach, lediglich und selbstverständlich persönlicher Natur waren, und ist meine Partei noch gar nicht in der Lage gewesen, überhaupt über die Sache zu beschließen.(Aha! link«./ Im klebrigen find die Anstchten unserer Partei über die Branntweinsteuervotlage bekannt. Au» diesem Grunde ist diese»„Aha" meiner Anficht nach von keiner großen Trag- weite. Auch meine Anficht über die Expmtvergütung von 17,50 M. ist eine rein persönliche; der größte Thetl meiner Fraktionsgenossen steht auf dem Boden der Vorlage, also auf dem Satze von 17,25 M. Der Antrag Witte wird gegen die Stimmen der Freifinnigen, Sozialdemokraten, der Abg. Lohren, v. Christen, v. Reinbaben und v. Unruh(Bomst) von der Reichspaltet, sowie einiger Zentrumsmitglieder tMoufang, Pfafferott:c.) abgelehnt und die§§ 1 und 2 der Regierungsvorlage unverändert angenommen. Die übrigen Para- graphen werden ohne Debatte ebenfalls nach der Regierung»' vorläge angenommen. Es folgen Wahlprüfungen. Die Wahl de» Abg. Zeitz beantragt die Kommisfion für u n g i l t i g zu erklären. Abg. v. K ö l l e r: Kaum eine andere Wahl hat so viel Aufsehen erregt in der Presse, als die vorliegende. In dem Berichte find die Namen der Beamten angeführt, welche für Herrn Zeitz gewirkt haben, aber nicht die Namen der Be- amten, die für den Gegenkandidaten eingetreten find. Abg. Z'itz ist gewählt mit einer absoluten Majorität von 1195 Stimmen. Gegen diese Wahl ist ein Protest eingebracht nicht von Wählern jene» Wahl- kreise», sondern im Auftrage freisinniger Wähler vom Abg. Richter.(Widerspruch links.) Wie gefährlich es ist, auf Grund solcher Ausstellungen einiger Wähler einen Prottst hier im Reichstage zu formuliren, da» wird un» auch hier gezeigt. Von den beanstandeten 24 Punkten haben fich ca 19 alS unbegründet erwiesen. Von den übrig bleibenoen Punkten be. zieht fich ein Theil auf da» Eintreten von Beamtenkoalitionen zu Gunsten de» Abg. Zeitz. Aber auch für den Gegenkandi- daten ist eine große Reihe von Leh'ern, Richtern und Ver- waltungSbeamten öffentlich mit ihrem Namen eingetreten. Au» diesem Grunde hat auch die Wahlprüsungt- Kommisston diese Frage al» irrelevant erklärt. Auch die Verhinderung der Wählerversammlung in OepferShausen kann nicht al» ausschlag- gebend betrachtet werden, weil selbst in dem Falle, daß alle wahlberechtigten Einwohner von OepferShausen für Baumbach gestimmt hätten, die Majorität für Zeitz nicht altertrt würde. Ich komme nun zu dem Punft, der da» Eintreten der Kricger- vereine zu Gunsten de» Abg. Zeitz betrifft. Die Kom- misston hat fich offenbar von der Bedeutung dieser Vereine ein ganz falsche» Bild gemacht.§ 2 der Statuten dieser Vereine besagt, daß e» fich bei denselben handelt um die Pflege kameradschaftlicher Beziehungen. Politik ist in diesen Vereinen nicht einmal geduldet worden. Zwei- mal ist der Versuch dazu gemacht, aber er hat stets dazu ge- führt, daß die Betreffenden aus den Vereinen ausgeschlossen wurden. Der Vorfitzende de» Deutschen Kriegerbundes kann keinerlei Druck ausüben auf die Mitglieder der Vereine. DaS aber kann demselben doch nicht verargt werden, daß er, befragt über politische Dinge, seine Meinung offen und frei aus pricht. Ich bitte deshalb, die Frage nochmal» an die Kommisfion zu- rückzuweisen. Abg. Träger spricht fich gegen diesen Antrag auS. Herr v. Köller habe gemeint, daß Abg. Richter mit diesem Protest eigentlich hineingefallen sei, weil von 24 beanstandeten Punkten fich nur 5-6 als begründet erwiesen. Ader nickt alleS, waS nicht bewiesen werde könne, sei unwahr. Dem Reichskanzler sei der Landrath Baumdach schon seit langem ein Gegenstand deS Anstoßes gewesen, weil er ihn im Verdacht gehabt, mit seinem amtlichen Einfluß seiner Zeit für die Wahl des Abg. LaSker eingetreten zu sein. Das sei eine völlig unbegründete Annahme gewesen, aber fie haben den Reichskanzler nicht ab- halten können, fich mit Beschwerden zuerst an daS meiningesche Ministerium und dann an den Herzog selbst ju wenden. Der aber habe den Reichskanzler wieder an da» Ministerium {e wiesen. Nachdem man eine Absetzung des Landrathes nicht ade erhalttn können, habe man wenigstens eine Absetzung de» Abgeordneten durchzusetzen gesucht, und diese Bemühungen seien von Erfolg gewesen. Herr v. Köller habe eingewendet, daß auch für den Landrath Baumbach Beamte eingetreten seien. In öffentlichen Versammlungen seien nur zwei Beamte für Herrn Baumbach eingetreten. Die Agitation der anderen Beamten habe fich darauf beschränkt, ihre Namen unter einen Wahlaufruf zu Gunsten Baumbach» zu setzen. Wai den letz- ten Punft betreffe, da» Eintreten der Kriegervereine für Zeitz, so dürfe nicht vergessen werden, daß diesen milttärischen Ver- einen eine besondere Bedeutung beiwohne. In ihren Statuten stehe allerding», daß Politik nicht gettieben werden solle. WaS darunter zu verstehen sei, daß gehe au» dem Briefe de» Vorsitzenden de» KriegerbundeS, Obersten v. Elpon», deutlich hervor» der unter Hinweis auf den dem Kaiser eeleisteten Fahneneid darauf hingewiesen habe, daß„Kamerad" Zeitz gewählt werden müsse. Wenn ttotzdem die Wahlprü- sung nochmals an die Kommisfion zurückverwiesen werden sollte, so werde seine Partei eine Niederlage darin nicht er« blicken, im Interesse deS Reichstage» würde e» aber mehr liegen, wenn die Wahl kasstrt würde. Abg. Spahn spricht sich für den Antrag v. Köller au», ohne fich dessen Motive aneignen zu wollen. Das Statut der Kriegervereine war der Kommisfion bekannt, aber die Krieger. vereine sollten, wenn fit ihrem Zweck» entsprechen wollen, mehr denn bisher fick bemühen, den Bestimmungen deS Statut» nachzaiommen. Da» Organ der Kriegervereine, die„Parole", läßt davon nur wenig verspüren. Wa» die Zentrumspartei bestimmt, dem Antrage v. Köller beizuttettn, ist der Umstand daß die Frage de» Gebrauch», der mit dem Schreiben de» Obersten v. ElponS gettieben ist, nicht völlig aufgeklärt ist. x i J3? a lGolha) weist darauf hin, daß in«raun- chatttg ein K riegerverein aufgelöst sei, weil er sich geweigert, zwei Mitglieder auszustoßen, die den sozialdemokratischen Ad». Blo» gewählt. Da könne man doch nicht sagen, daß W Kriegervereine nicht Politik trieben. Abg. p. Reinbaben schließt fich dem Antrage v. Kölla an. Ohne Kerntniß aller hierhergehörigen Schriftstücke tön»! da» HauS fich von dem angeblichen Wahtterrortsmiit der Kriegervereine gar kein Bild machen. Er begrilst e» mit Freuden, daß da» Zentrum in dieser Wahlangeleaenhea ein Bünvniß mit der freifinnigen Partei nicht eingeh«.(Unruh« litul.) Abg. Marquardsen spricht fich ebenfalls für noch- malige Prüfung der in Rede stehenden Wahl in der Koa- misston auS. Abg. Wtndthorst: Die letzte Aeußerung deS Herr« v. Reinbaben war doch sehr dcplazirt: das Zenttum wetß gen«« was eS zu thun hat und wünscht von jeder Belehrung dura Herrn v. Reinbaben verschont»u bleiben. Wenn das ZentnB mit einer so hochansehnlichen Partei, wie die Freifinnigen«> find, zusammengeht, wo seine Ueberzeugung eS dazu oeranlaht so ist daS ebenso zu respeftiren, wie wenn fich Herr v. Reindate» mit anderen polttischen Parteien verbündet.(Sehr gut! i» Zentrum.) Dem Antrage v. Köller gemäß wird nochmalige 9c rathung der Wahlprüfung Zeitz in der Kommüsion beschlösse«. Um 5Vi wird die Sitzung vertagt. Nächste Sitzung F r«>' tag 1 Uhr.(Dritte Berathung deS Zuckersteuergesetze», Jatm pellation Haser clever betr. den Streikcrlaß de» preußtW Minister» de» Innern, Wahlprüfungen.) Abgeordneteuhau». 78. Sitzung vom 20. Mai, 11 Uhr. Am Ministertische: v. Puttkamer und Kommiffarien. Ohne Debatte genehmigt daS Hau» in dritter Berathunt den Gesetzentwurf, betreffend den Beitrag de» Staates zu Mj durch den Anschluß der Stadt Altona an da» de tili»« Zollgebiet veranlaßten Kosten und geht dann zur dritten«c rathung der Kreis- und Provinzialordnungfu' Westfalen über. In der Generaldiskusston nimmt zuerst da» Wort Abg. U h l e n d o r f f: Nachdem die Majorität in zwei� Lesung sämmttiche von meinen Freunden und mir gestelll« Anträge abgelehnt hat, verzichtm wir auf deren Wied«« einbringung und werden un» auch nur an der Diskussion tn Falle betheiligen, daß etwa» Unvorhergeschene» eint««' sollte. Abg. vom Heede: Wir werden für daS Gesetz, wie w® zweiterLesung fich gestaltet hat, stimmen. Allerdings hätten wir»g schieden« Bestimmungen ander« gewünscht, aber wir würden?» Ablehnung für einen schlimmen Fehler halten: denn da«®«]'; enthält nach den verschiedensten Richtungen hin Fortschr»� Vor allen Dingen dringt eS Westfalen die Verwaltung gerichtsdarkett, nächst der Verfassung das wichtigste#««% recht: durch fie ist Preußen erst in Wahrheit zum Rechts� geworden. Ich babe die Ueberzeugung, daß die Mehrzahl westfälischen Bevölkerung das Verhalten der Nattonalliber«? verstehen(na! na!— Heiterkeit) und dilligen wird, fie«? mit unS anerkennen, daß daS Gesetz einen eminenten schritt auf dem Gebiete der Selbstverwaltung bedeutet. bald bitte ich, nehmen Sie da» Gesetz an.(Beifall bei � Nationalliberalen.)& Abg. Schneider(Wiesbaden): Herr vom Heede fizirte schon bei der ersten Berathung auf Nassau und gla«? dadurch die Vorlage empfehlen zu können. Auch heute h«». die Haltung der Freifinnigen als oppositionell angegriffen, c eine, die fich nicht mit dem Geiste der VerwaltungSgesetzgebu� vertrage. Ich babe aber daS Vertrauen zu meinen genessen in Westfalen und in dem Münsterlande, daß Sprache verstehen werden, wenn auch heute nicht, dann wenn dies« Vorlage Gesetz geworden ist. dann werden� wissen, wo die wahren, wo die falschen Freunde fipen-( fall bei den Freifinnigen.).. Ada. Berger: Wenn Herr vom Heede ausführt-)? hatte mich vorgestern als Liberaler alten Schlage» volS»!""' so könnte ich mich wohl für berechtigt halten. Ihn für„g Vertreter de» Liberalismus allemeuesten Schlages ,u erklä«� (Heiterkeit.) Meiner Auffassung nach gereicht eS der gen� famen liberalen Sache nicht zum Voitheil, derartige WL wie er gcthan, unter dem Jubel der Konservativen gtgtt> 1 Linke zu richten. Die 1874 au»gearbeite KreiSordnung f«1> westlichen Provinzen war wesentlich besser als die jetzt% 12 Jahren an unS gelangt«: nach solcher Erfahrung habe zum Warten keine Zeit mehr, ich nehme die Vorlage an glaube damit eine patriotische Pflicht und die Pflicht* meine Wähler zu erfüllen.. ,,ji Abg. v. Schorlemer: Bei den Nationalliberalen daS Kutturkampfgefühl über Mittelpartei und rurgSfreundlichkeit.(Heiterkeit.) Noch heute liest- in h-rvorragcnven nattonalm Blättern, daß R/S und Majorität- durch da» Kirchengesetz eine oaterlaN'�� Erziehung gestaltet hätten!— Die Vorlage müsse" � weil fie unS eine wahre Selbstverwaltung nicht biete!, werfen. m} Abg. v. Eynern: DaS Erfreulichste an der J*fj,«c Debatte ist, daß vie Frattion Berger sich auf unsere o«« stellt hat: wie wir taktisch vecfahren, kann er füglich lassen. Wir akzeptiren den Entwurf; ich hoffe, daß.im" Jahre die Rhctnp-.ooinz nachfolgt, der in der rvest!" KreiSordnung ein gute» Vorbild gegeben wird..$ Abg. v. d. Reck erkennt an, daß die Kreisordnu Westfalen gegenüber den früheren Selbstverwaltungen M Vorzüge habe, findet aber in derselben das dureauii � Prinzip so stark ausgeprägt, daß er, so schwer e» ihm""W Patriot werde, gegen da» Gesetz stimmen müsse. fall link,.) W Abg. Eickenscheidt spricht fich ebenfalls geg Gesetz aus.-„ssg Abg. Rickert: Nachdem der Abg. Uhler dorff# wir würden uns an der Diskussion ohne Provokatw� g weiter betheiligen, konnten wir einen so heftigen den deS Abgeordneten vom Heede, nicht erwarten. nicht daS Bedüifniß, mit ihm noch über da», wa» P. litik ist, zu diskutiren; ich würde seine Ausführuw wenn er nicht soweit gegangen wäre, für dieselbe vr. meines verstorbenen Freunde« Lasker anzuführen.(ji Abg. Berger noch ich weiß, waS die Zukunft dring!- � Zuverstckt bleibe ich, daß die Kraft Ver liberalen � ff diesem Jahrhundett so groß ist, daß selbst die®e%ai(Jjf davor beugen, ja selbst der Minister v. Puttkamer?. Ac� lich so wenig wie möglich.(W'":,'wirUw und zu, natürlich find wir immer noch in fallender Linie, aber daS � schon ändern. Vielleicht wird'S nachher so gehen, daß eS mir vielleicht zu viel würde.(Heiterkeit M. d.ibe nur den Wunsch, daß leine Katastrophen daz«'«S � Den Abg. Berger möchte ich bitten: Ueberlaffen Al meindeordnung die Selbstverwallung so äusge�Ä- wird, wie wir e» wünschen.(Lebhafte» Braoo sptuch bei den Nattonalltberalen)..«ijj Abg. vom Heede: Ich behaupte, daß.„„g, � Herrn Uhlendorff ihre Stimmen abgegeben hm- c? stritten werden. o.„truM%i Abg Dirichlet: Ich habe vom M v- Stimme bekommen, obwohl ich mich jtder ä Hilfe W §ef( ;«ent '%n. WS w o. sen« tllckc(Snnt terrori>«W w beg# igeleaenM (Unruh« i für nixh« der Ao» deS Herr» vetß genffi rung Buk is Zinim» stnntgen-> veranlai«, Reinbade» r gut! ialtge deslblofse» ZK .teS ,ud-« aS Beulst« zritten# ungtO' ''4 Ion tn W® eintrete« deexeMZ nB glau- !Ute hat «gÄ lompffroge auf einen dem Zentrum verwandten Etandpuntt geftellt habe. In dieser Vorlage erblicke ich einen Rückschritt Segen die früheren Gesetze. Die Teneraldiskusfion wird geschlossen. In der EptiialdiSkusfion der KreiSordnung werden§§ 1 •» 26 im Wesentlichen nach den Beschlüssen zweiter Lesung u>>m Annahme zweier redaltioneller Amendements Gneist und »> Bitter angenommen. Zu§ 27, der von den A m t S m ä n n e r n handelt, liegt «n Amendement des Zentrums vor, wonach die AmtSver« lammlung im Falle der Ablehnung ihrer Vorschläge jederzeit «rechttgt sein soll, neue Vorschläge zu machen und daß bis ftr Ernennung einei Amtsmanns auf Grund dieser Vor« kommissarische AmtSverwaltung angeordnet wer- Der Antrag wird von den Abgg. Wuermeling und �Schorlemer befürwortet, vom RegierungSkommiffar, «h. Rath BraunbehrenS. und den Abgg. Grafen ue de GraiS» v. Liebermann und ftlampft und von der Majorität verworfen. Natknallib� f en*tum und Freifinnigen auch . ,§ 27 wird unverändert angenommen, ebenso der Rest der «Mtordnung.§§ 28-104, ohne Debatte. DaS Gesetz im Ganzen wird gegen die Stimmen des SmmimS, der Polen und der Freistnnigen definitiv genehmigt, «denso der Gesetzentwurf, betr. die Einführung der �«»vtnzialordnung in Westfalen. _ Der Vertrag zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen .?? 20- März 1386 über die Ausdehnung des StaatSvertrages «om 6. März 1876 auf die Unterhaltung der für die Weier» von Bremen abwärts bis Vegesack erforderlichen Schiff» l°mizeichtn wird in einmaliger Berathung ohne Debatte ge» nehmiat. Hbluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr.(An» M. Seer, betr. den Verlehr auf den Kunststcaßen, Petitionen, �'Prüfungen.) Die Kanalvorlage wird am Sonnabend zur '«nlen Lesung gelangen. vom Heede Für denselben die Hälfte der & t- 1 ß Kommunales. Etadtverordnete«»Bersammlu«g. Sitzung vom Donnerstag, den 20. Mai. „..wt Stadtverordneten-Vorsteher, Herr Büchtmann, I«« � Me Sitzung nach 53/t Uhr mit geschäftlichen Mitthei- ffSen. Die Abtheilungen haben die Wahl von 10 Mitglie» fl? für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betref- Festsetzung von Baufluchtlinien für eine neue Straße b-f*,tr Kopnickerstraße und der Spree in Verlängerung Nenbahnstraße vollzogen. Folgende Petitionen kommen «/-Auslegung: 1) Eines nicht genannten ArbetterS wegen Urjjhjne in ein Hospital. 2) DeS RathhauSkellerpächterS che» um Ermäßigung der Kosten für die elektrische Be» uqlung.— Wegen Ntchterschöpfung deS Instanzen, ugei wer- im o?/Sinde Petitionen als ungeeignet zur Erörterung Ed IrJBUm erklärt: 1) Diejenige deS BanquierS iaimn, betreffend die Ermäßigung der Pferde» 2) Die Resolution der am 4. April d. I. im Bit o, �er'schen Saale versammelt gewesenen HandlungSgehUfen g U'Nial- und Materialwaarenbranche, betr. die Ausdehnung bis- ilwangtS der Krankenverficherung auf die HandlungSge» (clen: 3) Die Pttition deS�entral- Vorstandes deS„Deutschen glubmacher, Ännungf»BunBes" wegen Gewährung einer Bei« d,«iu Preisen für die im Juli d. I. stattfindende allgemeine «utsche Ausstellung von Schuhmacher Lehrlingtarbeiten. »..Nach Eintritt in die Tagesordnung wird Nadtv. LS wel als Mitglied in die Bau- Deputation gewählt. jp'» Wahlen je eines Mitgliedes für das Kuratorium der �rilhauen und in die Deputation für Parkanlagen rc. wer» A,um.u�°uf von Baulichkeiten auf dem städtischen Pfiafttt«�.Münzstraße 6 zum Abbruch, Regulirung und brück»•a? � Rochstraße zwischen Münzstraße und Kunowski- m,'„Ankauf der KunowSltbrücke; Verkauf einer Parzelle Di», �tt Stadtbahn-Parallelstraße und der Rochstraße. wird nach den Vorschlägen deS Ausschusses nach Eni� ivirung durch den Referenten derselben, Stadtv. « Debatte genehmigt. Sck?» ��uß eines Ge diettheileS der Gemeinde Uät-rfi f. 4 1 8 on die Kanalisation von Berlin. Der Be- CK dei Ausschusses, Stadtv. Wieck, beanttagt die Stade« MagistratSoorlage mit dem Zusatzantrage deS Weiß:„Sollte der Vertrag mtt der Gemeinde EtUmÄa8 aufgehoben werden, oder Schöneberg ein anderes Bs.?°!>Vngsqstem einführen, so müssen diejenigen Leitungen, h».,?"«. Schönberger Gebiet ausgeführt und zur Entwässerung bleib Grundstücke nothwcndig find, auch ferner liegen ftoftenbeitrag Schönebergs soll nach dem AuS- »Nd? ,5.84..bvüagen: 1. eine einmalige Summe von 50 M- W 4"«ahrlicher Beitrag von 6 M. für jedes laufende Meter �ef-�'sdstücksstraßcnfronten.— Im Uebrigm bemängelt der Kokt«, die Berechnungen deS Stadtv. D o p p, wonach die Sed-�, welche Berlin hat, durch den Beitrag durchaus nicht Äer««d'n und stellt ihnen andere» Zahlenmaterial gegen- *9 liegen zwei Anträge vor. ßkiS"lm Bellermann und Genoffen beantragen, den k«n Beitrag auf 13 Mark pro laufende» Meter festzu- Z>h>.�ddtv. Dopp beantragt prinzipiell die Ablehnung der «nb.-UWs vorläge, eventuell die einmalige Summe pro lau» 15 m> Meter auf 200 M. und den jährlichen Beitrag auf � pro laufende» Meter festzusetzen. den?.�dtv. G ö r ck i: Bevor ich den Zahlenwust zerpflücke, »orfm44. Herr Referent wohl al» Produkt de» Augenblicks hier iu b,??.4' lst die prinzipielle Seite der Angelegenheit eingehend "«Jüchen. Hat die Stadt die Verpstichtung, für fremde bies.>>lbrile die Entwässerung vorzunehmen oder nicht? Auf beftr-i,.��4. lß der Herr Referent gar nicht eingegangen. Wir N«rw»!!!„a4�4 Verpflichtung für die Stadt Berlin, die am Aern�-Wuen hier vorhanden ist, wo gar keine dringende die%,%"g vorliegt. Die Zurückstauung der Abstußwässer in noiU'f' welche der He-r Referent vorführte, sürchten wir Bnk galten die staatliche Beausstchttgung für ausreichend. N innerhalb de« Weichbildes unserer Stadt, besonders . Nordosten und Osten, noch soviel Straßen und es mlÜ.�cht kanalistrt find, noch soviel freies Land, aus diesem Grunde nicht bebaut werden kann. Unser % MdWuv»44� liegt unS am nächsten; wir haben keine Ver. -■* Hauibefitzer in Schöne- an den Vortheilen der �bting �®fn>er, welche die Berliner Steuerzahler ZsZ rÄ fit einer eingehenden Abstchtlichkeit könne nicht absprechen. einer solchen Weise sollen aber nicht Sonderinteressen, sondem der Allgemeinheit dienen.— Des Weiteren krllifirt Redner die Zahlenangaben deS Referenten, von denen er vermuthet, daß fie deshalb nicht in« Protokoll aufgenommen find, um Prüfung zu entziehen. Eine gewisse man einem jolchen Verfahren Der Referent eimS Ausschusses dürfe in nicht manipultrm. Der Magistrat motivirt seine Vorlage prin- zipiell mit der famosen Redewendung, daß die„angeschlossenen" Schönederger an dem köstlichen Gemeindegut der Rieselfelder nicht partizipiren könnten. Köstlich find die Rieselfelder nur, weil fie viel kosten. 6 Mark pro laufende» Meter find ein durchaus ungenügende» Aequivalent. In der ganzen Begrün» dung des Magistrats findet sich kein einziger neuer Gedanke. Möge man diestr Hand voll von Hausbefitzern, die ohnehin schon genügend prtvtlegirt find, nicht noch neue Vortheile ge- währen. Stadtv. W e i ß l häst den Anschluß durch die Terrain- Verhältnisse für geboten. Die verschiedenen Zahlenexempel müsse man„im stillen Kämmerlein" ausrechnen. Ein Schlußantrag wird angenommen. Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen wird nach Ab- lehnung aller AdänderungSanträae die MagistratSoorlage nach den Anträgen de» Ausschusses in namentlicher Abstimmung mit 94 gegen 12 Stimmen genehmigt. Dagegen stimmten die Stadtv. Bellermann, Dopp, Gehrt, Görcki, Herold, Limprecht, Pest, Dr. Schultz, Tutzauer, Vite und Wallich. Von der Bürgerpartei stimmen dafür die Stadtv. Jrmrr, Ziethen und Gerold. Die Stadtoerordneten Mitan und Singer fehlen entschuldigt- GestattungderHerstelluna eine» Zugänge« von der Michaelbrücke auS zu der oberhalb derselben projekttrten Bade- anstatt. Der PetitionSauSschuß empfiehlt durch seinen Referenten Uebergang zur Tagesordnung über diese Petition, weil da» Waffer nicht rein an dieser Stelle sei und weil der Magistrat selbst mit dem Plane umgehe, Badeanstalten in großer Zahl einzu- richten. Stadtv. Colon bittet, die Petition deS Unternehmers, der bereits 18 000 M. hineingesteckt habe, dem Magistrat zur Berückfichtigung zu überweisen.„Der Magistrat wolle ja doch nur gewöhnliche Armenbadeanstalten einrichten, die nichtvon all und jedembenutzt werden könnten!" Stadtv. Dr. Kürten will die Petition de»„Speku- kanten' zurückgewiesen sehen. Stadtv. Dr. LangerhanS findet die Gründe, die gegen die Erlaubniß angeführt werden, für wenig stichhaltig und bittet, den Antrag deS Ausschusses abzu- lehnen. Stadtrath B o r ch e r d t theilt mit, daß im Laufe der nächsten Zeit der Magistrat die Punkte der Spree be- zeichnen würde, wo Badeanstalten errichtet werden sollen. Nachdem noch Stadtv. I r m e r den Antrag deS Stadtv. Colon empfohlen, wird der Anttag deS Ausschusses auf Erledigung der Petition durch Uebergang abgelehnt. Die Petition wird dem fichtigung überwiesen. Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Derfflingerstraße 18 a. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Die folgenden Gegenstände werden auf Anttag deS stell» verttetenden Vorfitzenden von der Tagesordnung abgesetzt. Schluß 8 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. zang zur Tagesordnung Magistrat zur Berück» Kokale». Die Redaktion der«Allgemeinen Fleischerzeitung" sucht dahin zu wirken, daß sämmtliche Berliner Schlächter vom Sonntag, den 30. d. MtS. ad ihre Lädm an den Sontaa- Nachmittagen in den Sommermonaten Juni, Juli, August schließen, und haben fich hierzu bereit» sämmtliche Schlächter in der Linden-, �Kommandanten»,!.Jakob-, Kürasfier», Schützen-, Zimmer-, Jerusalemer/, Krausen-, Koch- und Markgrafenstraße verpflichtet.— Die Redattion der„Allgemeinen Fleischer« zeitung", Lindenfiraße 43, ersucht alle Fleischer in Berlin, ihr Einverftändniß mit diesem Vorschlage per Postkarte zu erklären, und soll schon in einigen Tagen zu diesem Zweck eine Ver- sammlung einbemfen werden. Der Pächter de« RathhauSkeller», Herr Dümchen, welcher sür die elektrische Beleuchtung dei KellerS während dei vergangenen JahreS die Summe von 30 100 Mark zahlen soll, hat fich abermals mit dem Gesuch an die Stadtoerordnetenver» sammlung gewandt, diesen Betrag auf 20000 Mark zu ermäßigen. Er verweist darauf, daß dei den ersten Verhandlungen über die Verpachtung für die Kosten der eleitrischen Be- leuchtung ein Maximum von 18000 Mark angenommen sei, daß er außerdem noch 3000 Mark für Gas zu zahlen habe, daß ihm durch Schließung de» Geschäfts während der Renovation ein Verlust von ca. 18 000 Mark entstanden sei und nunmehr alle seine Rentabilitätsberechnungen unerwartet durchbrochen würden. Der PetitionSauSschuß besteht aber auf seinem Schein und hat fich mit dem Gesuche nicht befreundet. Er verweist darauf, daß die Stadtverordneten-Versammlung gerade mit Rück- ficht auf die eingetretene Pachtermäßigung von 66 000 Mark auf 30000 Mark jährlich die Pachtvedingungen ausdrücklich dahin abgeändert habe, daß der Pächter die für die elektrische Beleuchtung wirklich erwachsenen BettiebSkosten zu zahlen habe. — Wenn fich Herr Dümchen während der kurzen Zeit der Re- Novation de» RathSkeller» selbst einen„Verlust" von 18 000 Mark anrechnet, so scheint das Geschäft im Berliner RathSkeller denn doch immer noch ein derartiges zu sein, daß der Pacht« ganz gut die etwa» erhöhten Kosten der neuen B-leuchtungS- weise vollständig ttagen kann, zumal ihm ja die Pacht um mehr alS die Hälfte reduzlrt ist. Kaum hat der Flieder seine Vlüthe« erschlossen, so beginnt auf den Kirchhöfen und in den Hainen die Jugend und leid« auch mancher Erwachsen« den duftenden Schmuck zu plündern. Das AufstchtSp«sonal in den Anlagen kann den Unfug nicht überall rechtzeitig v>rhind«n, od« die Frevl« festhalten, um fie zur Anzeige bringen. Das Publikum sollte daher die Beamten nach Kräften unterstützen. Vor allen Dingen möge ab« Schule und Hau« eS nicht an Warnungen vor solchen Diebereim fehlen lassen. Et« Sieger von Sadowa. Wir lesen in verschiedenen Zeitungen:«In einem total verkommenen Zustande, bis zu einem Skelett abgemagert, wurde vorgestern Abend ein ca. sech-igjähriger Mann vor dem Hause Friedenstraße 86 al» Leiche, auf dem Bürger steig liegend, ge furid-n. Der Unbe» kannte war dort anscheinend in Folge anhaltender Entbehrun» gen plötzlich bewußtlos zusammengebrochen und verstorben, ehe ein Arzt hinzugerufen werden konnte. In den Rocktaschen desselben fand man Papiere au» denen hervorzugehen schien, daßderselbe e tn e m e r i ti r t e rL e b r e rC h r i st i a n S ch u l, au« Brandenburg a. H. sei. Auf Veranlassung der Polizeibehörde wurde die Leiche behufs Feststellung der Todes- Ursache und Behuf» definitiver RekognoSzirung d« Person nach fct8 �Ewer8umfa«greiche« Zoll-Defraudatio«. die ein jetzt in New-Nork ansälfig« Berlmn Kaufmann. Adolf Tietz, verschuldet hat. ist man jetzt auf die Spur gekommen. Der- selbe bezog in jeder Woche vcn einem hiefigen Fabrikanten 5-6 große Kisten mit Trikottaillen, die er zunächst nach Lon» von schicken ließ, von wo fie nach einer kleinen amerikanischtn Hafenstadt unter d« Adresse eine» dort lebenden Verwandten de» Tietz verladen wurden. Di« dortigen Zollbeamten kannten den Werth d« �Jerseys" nicht genügend, und so wurden denn regelmäßig die Wamen zum halben Preise versteuert. Die Kisten gingen dann vom Zollhause direckt nach New- Dort, wo die Waaren wegen ihrer v«hättnißmäßigen Billigkett schnellen Absatz fanden. Die Konkurrenten, deren Jerseys zum Theil von demselben Fabrikanten stammten, wundnten fich, daß Tietz dieselben billiger liefern konnte als fie; ebenso warm die Zoll- beamten erstaunt über die Maffenanlunft der Kisten und d«en sofortigen Versandt nach New-Bork. Sie meldeten die» dem dortigen Zollamt, da» sogleich einm kundigen Taxator ent« sandte, der dann die ganze betrüg«ische Manipulation auf» deckte. Vorläufig find alle Waarmvorräthe, sowie die Kisten auf dem Zollhause mit Beschlag delegt, und gegen Tietz ist die Untersuchung eingeleitet. Die Ztmmerleute müssen fich nach altem Brauch ihr Handwerkszeug selbst hattm, waS beim Maurer nicht der Fall ist. Eine solche Ztmmnmann». Equipirung kostet 60—70 M. Daher ficht man die Zimmerleute von und zur Arbeit mtt der Axt auf der Schulter und mit den übrigen Instrumenten be» packt eilen, während d« Maurer nur seinen Schurz im leichten Bündel trägt. Außer den Zimmerleuten müssen fich nur noch die Uhrmacher ihr ziemlich kostspieliges Handwerkszeug selbst halten, trotzdem ihr Lohn ein sihr mäßiger ist. Die Kenntniß solcher Handwerksgebräuche ist sehr werthvoll für die Praxis, dmn man findet auf Rechnungen sür Bauarbeiten oft Ansätze für Vorhaltung von Handwerkszeug, die gar nicht gerecht» fertigt find. Die beide« alte» Giebelhäuser in der Grünstraße find seit April geräumt, ad« ihr Abruch hat fich noch verzögert, da der Erwerber nicht selb« bäum will und der Weiter v«kauf d« altm Besttzverhältnisse wegen auf Schwierigkeiten stößt. So haben die Nachbarn fett alter Zeit Fenster nach den Höfen d« Giebelhäuser hinaus und e»«scheint fraglich, od man ihnen dieses Fenstnrecht nehmen kann. Denn die Gegend ist mit die älteste Stadtgegend, die wahrscheinlich schon früher bebaut war, als Berlin selbst. Man befand sich hier bis zum Fall der alten Befestigung im Jahre 1658 hart an den alten Köllnischen Stadtmauern. An der heutigen Brücke stand ein groß« Thurm, die Tasche, und neben ihm führte eine Nachts gelchloffme Pforte zum Waffer. Mit vollständigen Häusern, wie dem Köllnischen Rettoratshause, wechselten bloße Hau«» buden ad. Die Stadtmauer selbst war hier sehr stark; fie wieg 7 Weihhäuser und zwei große Thürme auf und im Köllntschcn Stadthofe standen die Rüstwagm und Pferde von Kölln. Draußen, an der heutigen Friedrich» gracht, schützte ein bunte» Gewirr von Sumpf und Wasserläufm die Stadt. Die Befitz» Verhältnisse mögen also in so alter Stadtgegend nicht ganz leicht mehr festzustellen sein. Auf mancherlei Funde b-im AuSschachtm darf man fich« rechnen. Seitens der Staatsanwaltschaft zu Arnsberg ist d« hiefigen Reich»- SchulSenverwaltung ein falscher Reichskaffm« schein der AuSaabe von 1882 über 5 M. vorgelegt worden, d« aus ein« BiSh« noch nicht bekannten FabrikationSstätte stammt. Nach dem von kompetenter Seite abgegebenen Gut« achten bestehen die haupsächlichsten Fälschungsmerkmal« in folgendem: 1. Das zu dem fraglichen Reichs-Kassenschein ver» wendete Papier ist nicht zum Zwecke der Fälschung besonder» angefertigt, sondem eS besteht au» einem gewöhnlichen, schwach geleimten, weißen Schreibpapier von geringer Festigkeit. Di« Nachahmung des Fasttstreifens ist durch Einzeichnung von un- regelmäßigen Sttichen mit der Fed«, die blaue Tönung der berreffenven Stellen ab« mtt Bern Tuschpinsel ausgeführt. 2. Da» Falschstück ist schon bei gering« Aufmnksamkeit al» ein« höchst ungeschickte Nachbildung zu erkennen. Abgesehen von den auffallenden Abweichungen in den Einzelheiten, ist al» ein» der wesentlichsten Erkennungszeichen hervorzuheben, daß bei d« Datumangabe die Jahreszahl„1882" ausgelassen ist. 3. Der mangelhafte Druck, bei welchem überdies der Farbenton d« echten ReichS-Kaffenscheine nicht getroffen ist, scheint nach einer Zeichnung durch autographisches Umdruck- verfahren in zwei Farben, schwarz und blau, hergestellt zu sein. 4. Die Wetthbezeichnung:„Fünf Marl", der Kontrolstempel und dt- Nummern find anscheinend mit rother Dinte ein» gezeichnet, doch ist eS nicht ausgeschlossen, daß auch diese durch autographisches Druckoerfahren wiedergegeben find. Die Her- stellung mittelst Autographte(auf Zink oder St, in) macht eS wahrscheinlich, daß mehr«e Falschstücke der vorliegenden Art angefertigt worden find. Eine feine Gesellschaft, au» 4 Herren bestehend, war eS augenscheinlich, welche den Fuhrherrn Beo« in der Weinstraße zu einer Fahrt nach Weißens« engagirte. Dortselbst angekommen, wurde in der Göblerstraße Halt gemacht und erst nach längerem Aufenthalte die Fahrt nach dem Cuxhafener Platz an der PistoriuSstraße fortgesetzt. Vor dem Restaurant K... wurde wteBerum Halt gemamt und die 4 Herren, unter denen fich auch der Restaurateur K... selbst befand, begaben fich in dessen Restaurant, um fich nach den Strapazen der Ver. gnügungStour in angemessen« Weise zu erholen, während der Fuhrh.« B. mit seinem Vehikel draußen auf die Rückkehr seiner Fahrgäste wartete, allerdings vergeblich, denn nach mehr» stündigem Harren wurde ihm mitgetheilt, daß seine Fahrgäste „verduftet" seien. In Folge dieser Mittheilung begab fich B. in daS Lokal deS Herrn K. und fand zu seiner nicht gerade angenehmen Ueberraschung die ihm gewordene Mitthetlung im vollsten Maße bestätigt. Als B. nunmehr von K. sein Fahrgeld ford«te, erklärte ihm dieser im gelassensten Tone:„Kutscher, Sie find venückt, Sie müssen nach Dalldorf!" Dieiem wollte die» aber durchaus nicht ein- leuchtm und er verlangte nur noch kategorischer sein Fahrgeld. Die Antwort dei Herrn Fahrgastes bezw. Wirihe» war die, daß er den B. aufforderte, sein Lokal zu verlassen, und um dieser Aufforderung mehr Nachdruck zu verleiben, schlug« den B. in nicht gerade sanfter Weise auf den Kopf. Als nun B, um fich nicht eineS Hausfrieden bruche» schuldig zu machen, der in so kräftig« Weise an ihn ergangenen Aufforderung Folge leistete und fich nach der Straße zu konzentrirte, erhielt er noch zum Abschiede vom Herrn Wirtbe in liebenswürdigster Weise einen Fußtritt. Da He« K. die Zahlung dei Fahrgeldes verweigerte und die anderen drei Herren durch eine Htnterthür»«duftet waren, der Fuhrherr B. statt feines rechtmäßigen Fahrgeldes Fußtritte und sonstige Komplimente«hielt, so hat letzterer die 4 Fahrgäste bei der Staatsanwaltschaft wegen Betruges und den Restaurateur noch auß«dem wegen Mißhandlung und Be» leidigung denunzirt. AuS Hamburg wird vom Dienstag, 13. Mai geschrieben: „Der Uebergang von kühler zu warmer Witterung vollzog fich am, Montag. Schon in d« Frühe wehte, im Gegensatz zu dem kühlen Nordwest- und Westwind der vergangenen Tage, ein frischer Südwest. Zwar brachte d« Nachmittag noch einmal Regen und Wind, ab« das Thermometer zeigte am Dienstag Morgen doch schon 6 Grad höhere Temperatur als am vorauf« gehenden Sonntag. Bald hellte auch der Himmel völlig auf, der Wind«endete fich nach Süd und 20 Grad Wärme stellten fich ein. Die Wetterkarten der deutschen Seewarte zeigten tn den letzten Tagen zahlreiche Depresfionen und Theilminima, am Montag Nachmittag erschien tn Nord-Irland sogar eine sehr tiefe Depression von 25 Millimeter Barometerstand unter vormal in ihrem Innern. Auch heute am Dienstag lag«t im Westen noch daS weite Depresfiontgebiet, aber dasselbe nimmt an Tiefe ab und, waS die Hauptsache ist, die Drucklinien ver» laufen in langgestreckten Kurven, ohne Ausbuchtungen, und lassen erkennen, daß ein im Süden erschienene» Gebiet hohen Drucks auch über Deutschland an Eirfluß gewinnt. Also dürfte heute die Pertod« der sogenannten Kälterückfälle de« Mai al» abgeschloffen zu«achten sein; denn sonniges Wetter bei Süd- wind steigen die TageStemperatur so bedeutend, daß auck Nachtfröste ausgeschlossen find. B i Die Reportermtldung von de« freche« Staabavfall aus ei« junge» Mädchen, von welcher wir Notiz nahmen, stellt fich alS übertrieben heraus. Fräulein K. wurde allerdings auf der Treppe ihrer in der Neuen Wilhelmstraße 1» belegenen Wohnung von einem Strolch gewürgt, es ist aber, wie der „B. SB. R." berichtet, weder eine Brillant-Agraffe, noch«twaS anderes geraubt worden. Denn auf daS laute Hllfegeschrei der Ueberfallenen ließ der steche Patron von seinem Vothaben ab. ging, während die Ueberfallene einige Minuten ohnmächtig liegen blieb, schnell die Treppe hinunter und sagte den im Flur zusammengeeiltm Leuten:„Ich weiß nicht, waS die da oben 10 schreit, ich habe ste ja nur um eine Gabe angesprochen." Der Portier und die anderen Hausbewohner ließen den Thäter denn auch unbehindert entfemen. Die Meldung von seiner Verhaftung ist also ebenfalls nicht richtig. Fräulein K. hat außer einigen Kratzwunden keine emstere Verletzungen erlitten. TagS darauf pastouillirte übrigens, wie dem genannten Blatt mitgetheilt wird, der freche Patron längere Zell in der Nähe deS HaufeS I» in der Neuen Wilhelmstraße auf und ab: als man aber die Polizei behufs Festnahme deS Räubers requirirte, war er verschwunden. Die Entscheidung über daS Schicksal der beiden Ver> urtheilten im Mordprozcß Marunge scheint nach der„Charl. TageSp." nahe bevor zu stehen. Vorgestern wurden die jüngeren Kinder der Frau Marunge in SBegleitung ihres Vormundes von hier nach dem Zellengefängniß zu Moabit geführt, um von ihrer Mutter Abschied zu nehmen. Schrecklichen Berfolgungen waren wohl gestern die Maikäfer ausgesetzt und mancher Kastanien-, Eichen- oder Btrkenbaum mußte einen Theil seines jungen Grün lassen. Namentlich im Grunewald war die Jagd nach diesem Thier eine allgemein«, die Ausbeute aber verhältnißmäßtg eine nur geringe und erst die nächsten Tage lasten eine größere Ernte erhoffen. Trotz heftigen RüttelnS und Schütteln« an dm Bäumen, an dem fich Männer, Frauen und Kinder gleich- mäßig betheiligten, war von einem„Herunterklackern" deS braunen KäferS nur fetten etwaS zu sehen. Die Botanistr- trommeln warm daher nur schwach gefüllt, alS die Familien spät AbendS nach Berlin zurückkehrten und so wird die Mai- käferbörse noch eine große Hauste zu verzeichnen haben. Gestern standen die Mattäfer auf„Geld", d. h. eS wurden pro Stück 2 Pfennige verlangt. Erst wmn die„Zufuhr" eine größere fein wird, werden die Stecknadeln an die Reibe kommm und dann wehe den aimm Müttern, welche zahlreiche Kinder habm! Polizei-Bericht. Am 18. d. M. Nachmittags wurde ein ohne Aufficht auf der Straße spielender, 2 Jahre aller Knabe vor der elterlichen Wohnung in der Perlebcrgerstraße von einem leeren Arbeitswagm überfahren und erlitt eine Quetschung deS linken Fußes.— Um dieselbe Zeit wurde ein 7 Jahre alter Knabe in der Pankstraße vor dem Hause Nr. 3 durch eigene Unvmfichtigkeit ron einem Mehlwagen überfahren, jedoch nicht dedeutmd verlrtzt.— An demselben Tage AbendS fiel nach dem Schluß der Vorstellung im Kroll'ichen Theater von der Faffade dei Hauptgebäudes ein Stück Putz herunter und verletzte ein Mädchen, anscheinend jedoch nicht erbeblich, am Kopfe.— An demselben Tage AbendS wurde ein 6 Jahre alles Mädchen in der Ackerfiraße von einem ArbcitSwagen überfahren und derartig an beiden Beinen verletzt, daß eS nach dem Lazarus- Krankep hause gebracht werden mußte.— Am 19. d. M. fiel der Schneidermeister Gutsche in der Jerusalemer- straße— vermuihlick in Folge eines EchlaganfallS— plötzlich nieder und mußte mittels Droschke nach seiner Wohnung ge- hracht werben.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein Kahn, in welchem der Barbier Döthgen mit einer Begleiterin spazieren fuhr, in der Nähe der Schillingsbrücke von einem Dampfer der Berliner Dampfschifffahrts-Aktim-Gesellschaft an- gefahren und umgeworfm. Die Jnsaffm fielen ins Waffer, wurden aber, ohne Schaden genommm zu haben, von anderen BootSfohrem gerettet._ Gerichts-Zeitung. Eine die HavSeigenthümer tief berührende Eni« fcheidnng fällte die sechste Strafkammer hiefigen Landgerichts I in vierter Instanz. Nach einer Polizeiveiordnung vom 2. Juli 1867 müssen AbzugSkanäle derartig gespült oder deSinfizirt werden, daß ste fich stet« in geruchlosem Zustande befinden. Nach der Anzeige eines Schutzmannes war am 5. Januar v. I. eines der HofklosetS de« dem Direktor Adler gehörigen HauseS in der Dorotheenflraße verstopft, da« Waster abgesperrt und hatte fich von demselben auS ein häßlicher Geruch ver- brettet. DaS hiestge Schöffengericht hat den Angeklagten zu einer Geldstrafe verurtheitt, die obige Strafkammer aber denselben auf die von ihm eingelegte Berufung freigesprochen, weil die obengedachte Polizeiverordnung auf die damals noch gar nicht bekannt gewesenen WafferklosetS keine An- Wendung findet. Diese Auffaffung wurde auf die von der Staatianwaltschast eingelegte Reviston von dem Strafsenat deS Kammergerichts reprobtrt, indem dieser höchste Gerichtshof auch die AbzugSkanäle der KlosetS zu den in der Polizeiverordnung aufgeführten rechnet, daS freisprechende BerufungSurtheil in Folge deffen aufgehoben und die Sache zur anderweiten Ver- Handlung und Entscheidung in die Vorinstanz zurückverwiesen. hat. ES war nunmehr durch den Vertreter deS Angeklagten, dem Syndikus Dr. jur. Hilfe, unter Beweis gestellt, daß va« frag- liehe verschlossene Kloset am 8. Februar v. I., wie häufig sonst, mißbräuchlich benutzt und mit diversen Gegenständen verstopft worden war, so daß daS Waffer zur Verhütung einer Hebet schwemmung hat abgesperrt werden müffen. Nicht nur dieser Beweis, sondern auch noch der weitere gelang, daß auch sofort der Klempnermeister T. zur Beseiligung der Verstopfung er- schienen war. Nichtsdestoweniger erkannte der Gerichtshof auf Verwerfung der Lemfung, da der HauSeigenthümer verpflichtet fei, für dergleichen Fälle solche Vorkehrungen zu treffen, daß stets Geruchlofigkctt herbeigeführt werde. Vereine«nd Versammlungen Die öffentliche Versammlung der Metallschrauben-, Faeondreher k., welche am Dienstag, den 18. d. 33118, in Wohlhaupt's Lokal, Manteuffelstr. 9, tagte, war von ca. 400 Personen, d. h. von der großen Mehrzahl aller hier de- schäfligten BerufSgenoffen besucht. Die Versammlung be> fchäftigte fich mit folgender Tagesordnung: 1. Welche Stellung nehmen wir dem, dem Fachverein von den Fabrikanten einge- sandten Beschluß, den Minimallohn betreffend, gegenüber ein. 2. Ist die Arbeitseinstellung dei der Firma Erdmann u. Groß sachlich begründet oder nicht, und wie verhalten fich die Berliner Schrauben-, Faeondreher und BerufSgenoffen den streikenden Kollegen gegenüber? Zum ersten Gegenstand der TageSord- nung verlas der Vorsttzende Herr Jacobs zunächst den von den Fabrikanten eingesandten Minimallohntarif vom vorigen Monat. Der Vorfitzende machte bekannt, daß der Tarif wiederum mit MonitaS den Fabrikanten zugestellt worden fei; dieS sei dringend nothwendig gewesen, wenn nicht unsere(der Arbeiter) ganze bisherige Arbeit umsonst gewesen sein sollte. Auf da« letzte Schreiben an die Fabrikanten sei von diesen wiederu m eine Antwort eingegangen(dieselbe wird vom Vorsitzenden verlesen). Au« dem Schreiben ging hervor, daß die Fadrikan- ten nicht gewillt find, an dem von ihnen eingesandten Mini- mallohntarif Abänderungen eintreten zu lasten. Herr Jacobs theitte mit, daß er fich nach Empfang dieses Schreibens mtt dem Vorfitzenden der Fabrikantm- Vereinigung Herrn Bartels in Verbindung gesetzt habe. Derselbe habe erklärt, eS sei nicht möglich, den von den Fabrikanten ausgearbeiteten Lohn- tarif einzuführen, da durch die Regelung deS LehrlingSsystemS (daS heißt durch da« Aufheben des„Arbeitsburschenwesens" in der Branche) verschiedenen Fabrikanten ihre Existenz abge- schnitten würde. Die Zahl der Arbeitkburschen könne nicht nach der Zahl der Gesellen destimmt werden. Nach dem geplanten LehrlingSsystem sollen die ArdeitSburschen fortfallen und die Zahl der Lehrlinge nach der Zahl der Gesellen, welche der Fabrikant beschäftigt, festgesetzt werden. Herr Bartels machte den Vorschlag, der Verein solle nunmehr den ftüher von den Fabrikanten verworfenen Minimallohn- tarif de« Fachverein» wieder vorlegen; derselbe sei für die Fabrikanten annehmbarer alS ihr eigener Tarif.— Herr Hirsch meinte, S sei ihm eine Genuglhuung, daß eS fich nunmehr gezeigt habe, daß der von dm Fabrikanten auSgearbe'tete Lohn- rarif ein todtgeboreS Kind sei. Die Ardeiter sollten nun aber auch darnach trachten, ihren Tarif mtt aller Energie durchzu- führen. Die so zahlreich besuchte Versammlung zeige, daß jetzt das Interesse der Kollegen rege genug sei und er hoffe, daß alle diejenigen, welche jetzt durch da« Erheben der Hände ihre Zustimmung'u d em gestellten Antrage geben, auch mergisch für denselben in der entscheidenden Stunde eintreten werden. Nachdem noch die Herren Gorn und Zimmermann in dem- seiden Sinne gesprochen, wurde folgender Antrag einstimmig angenommen:„Die Versammlung beschli-ßt, nunmehr mit aller Energie die Einführung deS MinimallohntarifS zu betreiben, und beaustragt den Vorstand deS FachvercinS, die Fabrikantm davon in Kenntniß zu fetzen." Zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung forderte der Vorfitzende die Ardeiter der Fabrik von Erdmann u. Groß auf, nunmehr öffmtlich klar zu legen, warum fic die Arbeit niedergelegt haben. Herr Brödeler führte daraufhin folgende« auS: 1. werden an den kleinen Bänken nicht mehr wie 12—16 M. durchschnittlich pro Woche verdient: 2. kein Arbeiter wisse, wie viel er für die Arbeit de- kommt, bevor die Woche um ist: 3. wollen die Fabrikanten keine„Fabrik-Kommisfion" anerkennen; 4. werden den Ar- deitern für da«„Zuspätkommen" Strafen abgezogen und diese Strafgelder vom Fabrttanten verwaltet. Diese Zustände hätten die Arbeiter der Fabrik von Erdmann u. Groß be« wogen, folgende Forderungen an die Fabrikantm zu stellen: 1. Die Preise für die Arbeiten find auf den Probezetteln zu vermerkm; 2. die Preise find dem Minimallobntarif mtsprechend zu regeln; 3. keine Arbeit unter 200 Stück soll in Akkord gegeben werden; 4. eine Kommisston in der Werkstatt soll gestattet werden, welche über die Aufrechthaltung des MinimallohntarifS zu wachen hat; 5. die Strafgelder find unter Kontrole der Arbeiter zu stellen. Herr Hirsch spricht fich dahin auS, daß eS nicht mehr alS billig sei, daß der Ardeiter, wenn er eine Arbeit in Akkord übernimmt, auch vorher wissen muß, wieviel er für die Arbeit bekommt. ES sei ganz richtig, daß die Preise noch dem Minimallohntarife geregelt werden müssen, da 12 bis 16 Mark Verdienst nicht hinreichm, den Anfordemngen, welche heute an den Arbetter gestellt werdm, gerecht zu werden. Eine gerechte Forderung sei es auch, kleine Posten nur in Lohn zu arbeiten, da es ja derselben Einrichtung bedarf, um 1000 oder 10 Stück von einer Arbett anzufertigen. Ohne eine Kommisston in den Werkstätten sei eS beinahe unmöglich, den Mtnimallohntarif aufrecht zu erhattm, da sonst von allm Seiten dagegen gesündigt würde.— ES sei ferner nicht mehr alS billig, daß die Arbeiter eine Kontrole über ihr eigene« Geld haben wollm, denn eS sei gerichtlich festgestellt, daß die Strafgroschen Eigenthum der Arbeiter find. Herr Jacob« machte bekannt, daß eine Kom- misfion an die genannten Fabrikanten herangetreten sei, welche ihnen die Forderungen der Arbltter unterbreitet habe. Die Kommisston wurde aber mtt ihren Forderungen zurückgewiesen und darauf hin habm sämmlliche Arbeiter die Arbeit nieder- gelegt und erwarten nunmehr, daß ihre Kollegen mit allen Kräften hinter ihnen stehen werden. Die Versammlung wählte hierauf eine aus dm Herren JakobS, Weber und Fiekcr be- stehende Kommtsfion, welche am Mittwoch versuchen zollte� eine Einigung zwischm dm streikendm Arbeitern und dm genannten Fabrikanten herbeizuführen. Folgende Resolution wurde als- dann einstimmig anamommm:„Die beute in Wohlhaupt'S Salon tagende öffentliche Versammlung der Schrauben- Facon- dreher und BerufSgenoffen erklärt fich mit dem Vorgehm der Erdmann und Groß'schen Kollegen voll und ganz einverstanden und verspricht dmselbm eine mergische Unterstützung für den Fall, daß keine güttge Einigung stattfindet." Dem Schicksal polizeilicher Auflösung verfiel die letzte bei Siemundt, Linienstraße 8, tagende Versammlung deS Ver- eins zur Wahrung der Interessen der in der Hutfabrikation be- schäftigtm Arbeiter. Herr Stadtverordneter Milan, welcher als Referent angesetzt war, konnte krankheitshalber nicht erscheinen. ES wmde deshalb zunächst zum anderm Punkt der Taqeto'd- nung: der Wahl eines Schriftführers geschrittm. Gewählt wurde Herr Lebmann. Nachdem die« erledigt, kam der Vor- fitzende, Hcn Seeger, auf den Streck in der Hutfadrik von Bock zu sprechen. Dieser Herr habe, meinte der Redner, gegen einen in den Zeitungen erlassenen Aufruf eine Berichtigung veröffentlicht. Darnach sollten die streikenden Arbetter wegen ungenügender Leistungen enllaffen worden und noch immer 300 Mann bei ihm thätig sein. Da« entspreche dmn aber doch nicht den thatsächlichen Verhältnissen. In der DiSkusston wurde diese Auffaffung noch weiter bestätigt. Ein Redner äußerte, günstigenfalls arbeiteten 100 Mann. Dann ging man zu Anderem über. Bei Berathung der Abhaltung eines gemüthlichen Zusammenseins mtt Familie ergriff Herr Weber daS Wort, der ein solche« empfahl und dazu daS Lokal von Jacobi, LandSbergerstr. 82, in Vorschlag brachte. Zum Schluß seiner Ausführungen besprach Herr Weber den Strecker laß und die letzte Verordnung dei Staat«- Ministerium», betreffend die Beschränkung der Versammlung»- freiheit. Hierbei erftärte der überwachende Polizeibeamte die Versammlung auf Grund dei§ 9 für aufgelöst. Ohne jeden Zwischenfall, in völliger Ruhe, gingen die zahlreichen Anwesenden auseinander. * Der Berliner Ctuckateur- Verein hielt am 17. d.M. seine regelmäßige Versammlung ab. Der Rechenschaftsbericht ergab folgendes Resultat. Einnahme: AuS dem Quartal Oktober-Dezember 84 Restdeiträge 21 M., dazu biS dato an Beiträgen 297 M., 264 Eintrittsgelder neuer Mitglieder 132 M.. eine Tellersammlung 16 M. 50 Pf., Summa 466 M. 50 Pf. Hierzu der Bestand der letzten Abrechnung 139 M. 7 Pf., er« giebt in Summa 605 M. 57 Pf. Die Aulgaden betrugen: 110 M. 35 Pf. Bleibt demnach ein Bestand von 495 M. 22 Pf. Die Revisoren erklärten, Alle? in bester Ordnung befunden zu haben und ertheilte die Versammlung dem Kasfirer Decharge. Ein Antrag, dem Kasfirer 3 pCt. von der Gesammteinnahme zu bewilligen, wurde angenommen. Zu Punkt 2 der Tages- ordnung, Statutenvorlage, wurde ein Antrag auf ov bloc Annahme der Vorlage abgelehnt und in die Spezialderathung eingetreten, dieselbe wurde jrdoch bei sehr lebhasten und ein- Sehenden Diikusstonen nicht weiter geführt und deshalb die Fortsetzung derselben der vorgerückten Zeit wegen bis zur nächsten Versammlung vertagt. Hierauf wurden noch einige innere VereinSangelegenheiten und Verschiedene« erledigt. Zum Schluß wurde bekannt gemocht, daß in der nächsten Versamm- lung außer der Fortsetzung der Statutenberathung auch die VorstandSwahl stattfindet. Mitglieder haben ihre Vereinskarte vorzuzeigen. Der jetzt erschienene Jahresbericht der Nationalen Kranken- und Begrädnißkasse der deutschen Gold- und Silber- arbeitet und verwandten BerufSgenoffen(E. H., Hauptfitz Gmünd, Württemberg) ergiebt für daS verfloff-ne Geschäftsjahr folgende Einnahmen und Ausgaben: An Beiträgen wurden gezahlt 92 302 M. 45 Pf.. Aufnehmen 2983 M. 20 Pf., Dele- airtensteuer 1702 M. 10 Pf., an Zinsen von den angelegten Kapital, en 1129 M. 28 Pf.; Gesammt- Einnahme 98117 M. % sfesTÄ Kranken erhielten die Unterstützung ein volle» Jahr). AlS Beihilfe im AblebungSfalle wurden an die fcWj bliebenen der 27 verstorbenen Mitglieder 2685 gezahlt. Von diesen 27 Sterbefällen kamen 21 Krankheiten der AthmungSorgane und war daS Durchsjui» alter der Verstorbenen 32 Jahre. Die größte Zahl der«« gekommmen Krankheiten adsorbirt da« Lungen- und Am leiden, dann kommen stufenweise RhiumatiSmuS, Sch eim- Nervenfieber, Herzleiden, Magenleiden, Kopfleiden, Verletzung und Geschwüre wie sonstige unbedeuterdere Erfraturn# Am Anfang de, Jahres 1885 besaß die Kasse 6053 Mitglied mit 37231 M. 41 Pf. Gesammtvermögen, Anfana 1886 6$ Mitglieder mit einem Gesammtvermögen von 44 240 M- 23' — AlS Vertreter der Mitgliedschaft Berlin zu der am 14. 15. Juni in Hanau stattfindenden Generalversammlung wmie in der Versammlung am 10. Mai gewähtt die Hertf C. Holtkamp, R. Lindemann, H. Adam, F. Schultz« i® A. Christopp— Da« Eommerfest der Kasse deffen Reineit« zum Besten der Familien schwer erkrankter Mitglieder destin® ist, findet Sonntag, den 18. Juli, von 4 Uhr ab im EtaM ment der Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg, statt und Näheres seiner Zeit bekannt gegeben. * Allaenretne Kranken- und Eterbekasse der Mw arbeitet(E. H. 29 Hamburg.) Filiale Berlin C. Sonnat«11 den 22. d. M., Abends 3'/, Uhr, Gartenstr. 123, bei Kch° Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenden® 2. Berichte, stattung von der Generalversammlung in Kam 3. Verschiedene«. Die Zahlstellen find an diesem Abend schloffen. Beiträge werden in der Versammlung aw nommen... * Berliner Verein für volksverständliche SesM heitSpflege«nd für Naturheiltunde. Freitag, d-n 29 Abends 3V« Uhr. bei Gratwetl, Kommandantenstr. 77/79, trag deS Herrn Canitz über das Trinken von Mineralwaß® und seinen Werth für die Gelundhett. In der freireligiöse« Gemeinde beginnt am SoM Vormittag 10 Uhr, Rosenthalerstraße Nr. 33, Herr@4% eine Reihe von Vorträgen über die Arbeit. Zutritt Jedem frei. * Gewerkschaft der Metallarbeiter verlinS und gegevd. Den Mttgliedern zur Nachricht, daß zu dertf 18. d. M. angekündigten Versammlung im„Weddingpau' Genehmigung der Polizeibehörde nicht ertheilt wurde, 0%" Einderufer unterlassen hatte, das VortragSthema anzugede® Die Buchdruckeret-HilfSarbeiter, wrtche am Sofft, den 23. d. Mts., eine Versammlung in Jacob,'s Lokal,% bergerstraße 82. abhalten wollten, haben die erforderliche � nehmiguna nicht erhalten. kii Louisenstädtischer Bezirksverein„Vorwärts". tag, den 23. d. M. Familien. Landpartie nach„JohanntSlp, Treffpunkt früh präzise V,8 Uhr(für Nachzügler Nach®?/ 1 Uhr) im Restaurant Milan, Wtenerstr. 31. Abfahrt% litzer Bahnhof. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen' ersucht._ Ketzte Nachrichten., Egypten. Wie der„Pol. Korr." auS Kairo berichttt hat der italienische Generalkonsul de Marttno in Ängeleg der Niederm.etzelung der Misston des Grafen Porro wiedtt� Rücksprachen sowohl mit dem egyptischen Ministerpräf� Nudar Pascha, als dem englischen außerordentlichen KoA j Sir H. D. Wolff geflogen. Auck Mukhtar Pascha hl» ,. Aufforderung des SulianS einen Bericht über diesen lichen Vorfall nach Konstantinopel gesendet. Man will � daß eS fich bei den erwähnten Besprechungen um einer Grundlage handle, auf welcher eventuell eine korpu. Züchtigung des schuldigen EmirS bewerkstelligt werden»o ft Sollte hierüber eine Emtgung erziett werden, so würde l» ,, ein gleichlautender Vorschlag in Rom und London undf% licherweise auch in Konstantinopel zur Annah«- eatP'm werden. Afghanistan. Nach einer Depe'che der Daulatadad vom 14. d. M. ist die Regulirung der of#" Grenze bis auf zwanzig Meil-n vom Amu Darja efltfNf, friedigend abgeschlossen. Die Kommisston wird in Tagen nach dem Amu Darja zu Weiterreisen, um grenzungsarbeiten fortzusetzen.... Das Washingtoner Kabinet ist neuerdings weg-" nähme amerikanischer Fischer schiffe in den kanadischen 6» in Beratbung getreten...w Russisches. Wie ver„Timei" gemeldet wird, b®, y Petersburg zahlreiche Verhaftungen, � unter der Studentenschaft stattgefunden. Dieselben den Verschwörungen gegen den Zaren in Charkow uno i Tfcherkask in Zusammenhang stehen. AebnlicheS f'.y" „Natztg." auS Russisch Polen gemeldet. Die Korr-�z' lautet: Warschau, 18. Mal Hier haben diestt wieder zahlreiche Verhaftungen aus dem Hanvwett�vv Arbeiterstande stattgefunden, dem Vernehmen no«,„ nihilistischer Agitation. Seiten» der Polizeibehörde' die Ulsoche dieser Verhaftungen strenge» Schweig«'?. So steht fest, daß namentlich unter der arbeitenden Beo.� f eine starke Opposition gegen die bestehenden Verholt*� J schürt wird. Im vorigen Sommer wurden in � r dem dortigen römisch katholischm Dominikanerlloster, sechs vorhandenen Oidensgetstlichen drei wegen va»(tii? spendung an Untaten, waS als antirussische Propagano� f wird, nach entfernt gelegenen GouoernementS depo,' wiederum, da die dortige römisch-katholische Bevölkern A Maßnahme zu verhindern suchte, unter dieser vtelso � Haftungen zur Folge hatte. Kürzlich find nun auch m drei OrdenSgeistltchen auS dem in Rede stehenden feint und letzteres ist— wahrscheinlich für römifM'_ OrdenSzwecke auf immer— geschloffen worden., gckU Cholera. Vom 18. zum 19. Mittag» kamen" � 7 Choleiaerkrankungen und 4 Todesfälle, in r„jteflL krankungen und 7 Todesfälle vor; in Ostuni(yL, ßsr 17. Mittags bis zum 19. Mittags 3 Personen an°r 4 starben... ei' die rückte die Volksmenge vor da« RedattionSlokal d Hetzblatte«„Le Patriote" und zog unter dem R» mit der Pfaffenwirthschaft I" Stundenlang durch.,.,, Die Polizei hatte alle Mühe, die% beabsichtigten Marsch gegen die Gebäude zurückzuhalten. �+ Belagerungszustand in* Cprembera-,. v fahren, ist gestern vom BundeSrath aus den ♦"..„sianv beschlossen worden, den kleinen Belagerung i j» %%% nicht periodische Druckschrift:„Janek Lraräs- si preO pod Krakowa." Cena: 75 ets. Qenewa w sßyflwj, Cena: 75 et». Genewa Imprirnerie de L'Antore 1884— 2, 3, 4 der periodischen Druckschrift: ber-Zeitung" vom 1. und 15. April datirt, im (�Mainzer Wi enen Stilaenbauer daselbst redigirt. Auch da« n KommisfionSveilage von DliBj voN',l : Nachrichten") zu Mainz erschienen@fl ii.r h„(.rhff oh.rfi da! der letzteren Zeitschrift ist untersagt. Krieflmsten der � «.€ 1. Davon ist uns ni-dlS bekannl- »eranwortlich« Kedotet*«.»«* unv Bertag R«,»ota«*«W.»enchstraß. I. V«, k, U %