die ew» 2685> n 21 ff )urchschM ihl dn«; und Brrt Ach-eim» Vnlttzuiii« rkrankuniff Z MitM 1886 6% 10 211.23? am Ii ff lung tnut� die Hff«! scbultze ff i Reine» der beflW m®labli »er 91»' Eonnadff» bei SM RofftnbenJ in M i Abend J ilung f1" W Aerallvü!� im »err 6% Zutritt P >».118 Kott«al»end> den TS. Mai 1886, III. gftlfVt* erlmrWksdlill Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Da» Merline» Bolesblate Fchewj tätzlich Noraen» aujer naed Bonn- und Festtagen. Cbomancntlptti« für Serltn frei y* fccul siÄeljähriich 4 Mari, monatlich 1,86 Mari, wöchentlich S6 8f. vostabonnrment * Ättrl ftnselns Rümmer 5 Pf. Som.tagZ-Rumm« mit illustrirter Beilag, 16 Pf sstingetragen in der Post»eitunz»»r»tgliL« iü» unter Ar 769) Kedstti-«: Ke»ttzlw«ch» s,- GvPedttis»: AimmerKratze 44. ls und ilff .Si nzuaebe� m voM. SZ« RoAffL, bfahrt«5 ch einen ff'l eiichttt-Zl Ingelegl i wiedtu�> crprist� n Steffi -ha "»»»fi ;0 sfeä Dir iwe Frrrnidschiist. Jcne»atiooalliberalen Blätter, die in ihrer feinigen v." Je. alle und jede Regierungepoiiiik einen » anmlden und unverbrüchliche« Friede« mir Rom' ge> i habe«, könne««un in Hessen Freudenjubel au*« j. �t«. Am Donnerstag hat sich im Reichstage die neue viNlrdschast det Zentrum» bemerkbar demacht; Schwarte .° tiulturkämpfer haben sich die Hände gedrückt Es «nl* M um die Wahl de« Abgeordneten Zeitz im «fite t■- meinmger Wahlkreise. Ei« erdrückende« und um« r, �che» Material über die dort stattgehabte« Wahl« bet£�ttn0en'*8 vor und die Wahl hätte, wollte man lalr b** geübten Praxis folge«, unter allen Umstände« ben» werden müsse«. Die Wahlprüfungskommrsfion trug die Nr M Kassation am und man war so sicher, Abo u>ürde umgestoßen werden, daß seinerzeit von dem übe,' v � verlangt wurde, er solle sich bei der Abstimmung »ich», Eozialistengesetz unsichtbar mache», weil er doch He» � al« Mitglied de« Reichstag» zu betrachten fei. »II?�kitz schjn, auch Anfang« darauf eingehe« zu wolle«; tz ,." seine F. aktiv» wie« ihn an zu bleiben und für das , Jitutstengesitz zu stimmen. Die« that er de«« auch, wo« int."u» den Reihen der sozialistischen Abgeordneten ei» ertönte, der eine lebhafte Aufregung im Hause vorbrachte. Der Antrag auf Kassation der Zeitz'schen Wahl wurde v' oer WahlprüfungSkommission, deren Vorfitzender da« >>it» tou�lted Aochan» ist, gestellt, bevor der Friede bi» wmacht worden war. AI« nun am Donnerstag zur Wahl im Plenum de« ReichttageS die@��8 kam, beantragte Herr v. Köller, zu Dem r aa die Wahlprüfuog«kommisfion zurück BockminN"L behuf« Sammlung neuen Material» und erklärt �'.Prüfung. Da» Zentrum ließ ganz unerwartet e» oaß e« diesem Anttage zustimme» werde und that ganz wenigen Ausnahmen. Damit ist dem laturn.. �" sei« Mandat für de« Rest der Legi«. deg.g.�de erhalte«, den« bi« die abermalige Prüfung �eu>w,r'e,tt u>ird, werde» wir nicht mehr wert von de» �hlen entfernt sein. slufiun� Kassation solcher Wahlen, bei denen Beein« WriL• w'e'n Meivinge» vorgekommen waren, bildete Mittel, durch da« der Reichstag die beeinflußten W« sm■« nachträglich einigermaßen korrigiren konnte. Hilf, k i!18'st er am Donnerstag vom Zentrum mit ierouk. Nationalliberalen und Konservativen so ziemlich fluR" worden. Künftighin werde« die Wahlbeei«, «i», 8en aller Art flott von statten gehe«, den» bei Haltung de« Zentrum« ist 8 Kassation mehr zu befürchten. ff'! w im die> TS® # s Ben uon Sl il SK MN" SÄ -7.S- w- | v o, Va WM«.] JseuMeton. Mue Mutter. Roman von� Friedrich Gerftätyer. (Fortsetzung) >i. und �eß sich hören; der Wald war so still, wie �chbatt. J'iev und da in den Bäume« regten sich die de» «f* tNunf Fasanen, die durch de« Todeskampf de« Kamera« WbJt? Seworde« waren und von da und dort ei» leise« . ließe». L.8™ et wieder wie ein Schatten vor. Die schlanke b kroch gebückt und schleichend über da« �te» k, �iachtthau feucht gewordene Laub dahin, bi« er btty" le0« gewordenen Vögeln eine neue Beute ersehe« � e« auch, daß sie munter geworden waren I �te,�t nach Dunkelwerden nur mit großem ® von seinem einmal eingenommenen Stande ab, aab.2! v>eiß, wie schwer es ihm wird, bei Nacht £ zu finde», und sobald der Wilddieb nur fcNm tkn pachtete, seine« Stock langsam und von dem de», �'nözl.ch gedeckt in die Höhe zu bringen, hatte e« *...Au« k��leine Schwierigkeit._ r JjChti!? Zweiten hatte er sich so gesichert, und wie �»5#i,l'.UntCTbwchte, entdeckte er dicht daneben auf einem „ Trotw! � einttt Dritten. r'e mf?-«artete der Maulwurfsfänger weder«ne PA& H". S*.*■««& nfi » Y' even so gut die Zeit kannte, n» welcher er '** Hütte ihn beinahe mit der Hand erreiche« könne«, Da» ist wahrlich eine glänzende Probe der neue» Freundschaft, welche da« Zentrum al* Entgelt für„Eanoffa" zu leisten sich für verpflichtet gehalten hat. Für den Zu» schauer ist e« sehr e« baulich mitanzusehe», wie National» liberale und Ultramontane in edlem Wetteifer bestrebt find, e« in Gefälligkeiten gegen die Regierung einander zuvorzu« thu». Herr von Puttkamer braucht nun auch nicht zu fürchte«, daß Heir Wtndthorst das scharfe Messer seiner sarkastischen Kritik an die neueste Maßregel, die Ver» hängung de« kleinen Belagerungszustände» über das kleine Spremberg, legen wird. Al« seiner» jeit im Jahre 1878 der kleine Belagerungszustand in da« Sozialistenges, tz aufgenommen wurde, sagte Herr Windthorst:„Wenn man dies« Bestimmung aufnimmt, wird man fie so leicht nicht mehr lo« werde«!'— Er sagte da« mit vielem Pathos und er hatte Grund, pathetisch zu sein, weil seine Meinung richtig war. Er und seine Freunde sorgen ja dafür, daß man de» kleine« Belagerungszustand nicht so bald wieder los wird. Angesichts dieser Thatsachen entsteht nun ganz von selbst die Frage; Wird das Zentrum der Regierung eine „M i t t e l p a r t e i", eine„Partei Knoblo ch", eine „Partei Bismarck Bans phraae" bilden helfe«, oder wird e« eine halbwegs oppositionelle Partei bleiben? Di« Meinungen darüber sind natürlich getheilt. Man wird aber trotz der eklatanten Probe der neuen Freundschaft, die das Zentrum bei der Verhandlung über die Zeitz'sche Wahl gegeben hat, dennoch erwarten müsse«, daß Herr Wmdthorst seine Schaukelpolitik von Fall zu Fall fort« zusetzen versucht. E» werden sich ja noch einige Falle sin» den, in denen das Zentrum sich oppositionell zu geberden vermag, und die Versuche, die Massen ,u täusche«, verfange« wohl noch einige Mal. Aber die Wähler werden sich rühren und sobald fie die» thun, zerbröckelt da« Zentrum. Den ultramontanen Wählern find die Nationalliberalen nun ändert- halb Jahrzehnte lang al« Atheisten, al« Feinde jeder Religion, al« Jude« und Freimaurer und al« die schlimmste aller politischen Parteien Tag für Tag geschildert worden. Jetzt die Ultramontanen und Nationalliberale» denselben Weg, wen» auch nicht in alle« Frage«, wandeln zu sehen, da« verträgt auch ein flockultramontaner Wähler nicht. Eine Weile sieht er dem Schauspiel mit offenem Munde zu; dann aber geht auch ihm, wie man sagt,»ach und nach ein„Seifensieder" auf. Wir werden sehe«, daß e« noch so kommt. Da» Rechenexempel ist sehr einfach. Vor dem Kultur« kämpf hatten wir keine Zentrumspartei; fie wurde erst durch den Kulturkampf geschaffen. Verschwindet der Kulturkampf, so verschwindet auch naturgemäß da« Zentrum wieder. Da« deutsche Volk hat entschiede« ei« Interesse daran, daß diese Partei verschwindet. Sie repräsentirt nur eine so günstige Gelegenheit fand er nicht wieder, und wenn er eine« Monat danach gegangen wäre. Nach einer gute« Weile erhob er sich deshalb wieder und kroch langsam gegen den Baum vor; der alberne Vogel halte de» Kopf mieder eingesteckt, und bi« dicht unter ihn kam er, ehe er durch das doch nicht zu vermeidende Geräusch geweckt wurde und rasch emporfuhr— aber da« half ihm nicht« mehr. Der verhäognißvolle Haken saß ihm dicht über dem Krage«, der Wilddieb zog an und der gefangene Fasan stürzte von seinem Ast herunter. So tief aber hatte er gesessen, daß der untere Theil de« Stocke«, al« ihn der MaulwmfSfänger zurückriß, gegen den Bode» stieß und der Fasan dadurch von dem Haken loskam. Ehe er aber die Flügel ordentlich gebrauche» konnte, war der Wilddieb schon mit einem Satz auf ihm. faßte ihn am Halse, drehte ihm den Kopf herum und schob ibn dann schnell in de« alte» Ranzen zu de» übrigen.— Aber erschreckt fuhr er empor— das waren rasch sprin» gende Schritte im Laub. Noch einmal horchte er. War e» vielleicht ein aufgescheuchte» Stück Dammwild, da» sich hier in der Nachbarschaft niedergethan und nun den Platz floh? Nein, die Schritte gehörte« keinem Stück Wild, und seine« Stock aufgreifend, floh der Dieb, so rasch er konnte, dem schützende« Dickicht zu. „Halt, Schuft I Kanaille— hob' ich Dich— steh' oder ich schieße I" schrie eine Stimme, die der Maulwurf», fSngcr nur zu gut kannte, denn e» war die seine» alten Freunde*, des Försters. Wen« dieser aber geglaubt hatte, ihn damit wirklich zum Stehen zu bringe», so irrte er sich, denn der alte schlaue Gesell, dachte an nicht» weniger. Be» fand er sich doch auch unmittelbar vor dem Dickicht, da» ihm seinen Rückzug vollständig decke» konnte! Unter dem Schatte« der Bäume war überhaupt kein sicherer Schuß möglich, und ohne deshalb auch nur eine» Moment zu ver» säumen, floh er auf den nächste« dicken Busch zu und sprang dort gerade hinein, al» der alte Jäger sei» Gewehr an die Backe riß. Freilich wußte dieser, daß er eine» Menschen eine» solche« Vergehen» halber nicht gleich todtschieße« buche, Minderheit der ganze» Nation. Allein vermöge ihrer eigen« thümliche» parlamentarischen Stellung ist sie in der Lage, bei wichtige« Frage» de« Ausschlag zu geben. I» dem Augenblick, da sie sich an die reaktionäre« Parteien an» schließt, verleiht sie diesen da« völlige Uebergewicht. Wa» dann kommt, braucht nicht erst des Nähere« auigeführt zu werden. Bei der Zeitz'schen Wahl hat da» Zentrum gezeigt, daß seine Bedenken geschwunden find. Nun werden wir wohl bald Einige» erlebe«. PolMsche Ueberftcht. Wa» soll dte Verhängung de» Belagerungszustände» über Spremberg? Der geringfügige Tumult, der dort vor etwa vierzehn Tagen bei Gllegenheit einer R-krutenauShebung entstand, ist gewiß noch kein Beweis gefahrdrohender Zustände. Sonst hat man aber aus Spremberg nichts Bedentliches ge» hört.„Mit Kanonen auf Spatzen schießen," nennt daher auch die„Freis. Ztg." daS Vorgehen deS Bundesraths. Vielleicht täuscht sich da» Richler'sche Organ doch über die Absichle» der Regierung, welche eS mit ihrer neuesten Maßnahme kaum auf die Spremberger Bürger allein oder auch nur vorzugsweise abgesehen hat. Wir glauben vielmehr, daß ihr rigoroser Be» schluß darauf berechnet ist, den bisher fortschrittlichen Philister ängstlich zu machen und ihn für die konservative Politik zu gewinnen. Der rothe Schrecken hat schon oft dazu gedient, dem Bürgerthum alle FreihettSgelüste auszutreiben; vielleicht ist er jetzt wieder geweckt, um den bürgerlichen RadtkaliS» muS lahm zu legen. Eine.Spatzenjagd" ist das aber nicht mehr. Angesicht» der Verhängung de» Belageruugszu» stände» Über Spremberg erinnert die„Rat. Ztg." daran, daß tn dieser Stadt wie in dm benachbarten märkischen In» dustciestädten Sorau, Kottbu», Forst die Sozialdemokratie schon seit Jahren festen Fuß gefaßt hat. 1881 trat zwar eine ziem» lich dedeutende Verminderung der sozialdemokrattschm Stimmm ein; bei der ReichstagSwahl von 1834 jedoch vermehrte die Sozialdemokratie ibre Stimmen um ein ganz Bedeutendes; speziell erwieS fich Forst als ein Hauptherd der Sozialdemo» lratie. Die in allen diesen Städten vorhandenen zahlreichen Weber und Tuchmacher zeigten sich der Sozialdemokratie ganz besonders ergeben. Im Wahlkreis Kottbu»- Spremberg wur» den in der letzten Wahl über 2500 Stimmen für den Sozial« demokraten Kayser abgegeben; im benachbarten Wahlkreise Sorau trat die Sozialdemokratie noch stärker auf. Kleinere Streiks find mehrfach in der letztm Zell in den genannten Städten ausgebrochen; auch die Fachvereine habm dort ein S'ld ihrer Thätigkeit gefunden. Vor mehreren Wochen stand sozialdemokratischen Parteiorganm in Zürich eine Kor» respondcnz, tn der ausgeführt wurde, daß die Wahlorganisation in diesen kleinen märkischen Industriestädten vollendet sei und daß man bei den nächsten Wahlen wenn nicht zu siegen, so doch ganz bedeutende Erfolge zu eningen hoffe. Ein weißer Rabe. Von einem Berliner Großindustriellen, der zu den„gemäßigten Liberalen" gehört, wird der„National» und zielte deshalb rief, um ihn in die Beine treffen; aber da« Kor« seiner Flinte konnte er überdies nicht sehe«, ja, die ganze Gestalt des Flüchtige» glitt nur wie ei» Schatte« über oen dunkle« Bove«, und ehe er zum Abdrücken kom» me« konnte, war der Verbrecher in de» Busch ver» schwuuden. Aber darum war er«och nicht entwischt, denn gerade dorthin, wo er floh, schloß die«ach unten ziemlich hoch ab» fallende Mauer den Park ei». Dort hinüber konnte er nicht, de» Förster« Meinung nach; dann aber blieb ihm kei« anderer Weg, al« dicht unter dem kleinen Wartthurmhügel, unmittelbar am Schloß vorbei, und wen« er dort die Leute alarmirte, gelang es vielleicht doch«och, ihn zu er» wischen. Mit dem Gedanke» feuerte er sein Gewehr in die Luft ab. schrie:„Halt' ihn, halt' ihn auf! Dieb! Dieb!" und lief dann, so rasch ihn seine Füße trugen, etwa» mehr link« zurück, wo et da« größte Dickicht umging und dem Flüchti» gen, sobald er auf offene» Terrain hinauskam, de» Weg abschneide« konnte. Ließ er fich aber davon zurückschrecke« und blieb im Dickicht, so»ahm er all' die Bedienten und Leute im Schloß zusammen, umstellte mit ihnen da« Dickicht und hatte ihm nachher sicher. Der Schuß und da» Schreie» war allerdingt im Schloß gehört worden, hatte aber auch«och andere Leute alarmirt. „Rudolph, um aller Heilige« willen, wir sind ver» rathen I" flüsterte Paula, indem sie fich au» de» Geliebten Arme» wand.„O, Du mein großer Gott!" „Noch nicht,«ein Herz,' rief Handor, der wohl auch «m# f f»»» m am. m m M ko, erschreckt emporh'orchte, sich aber doch nicht denke» konnte, daß der weit i» de» Büschen drin abgefeuerte Schuß ihm gegolten habe.—„Flieh'— da« ist etwa» Andere«— Du giebst mir Nachricht, wann ich Dich wiedersehe» kann; fort— dort hinüber in de« Busch— wir dürfen nicht zusammen gesehe» werde»— ich selber schleiche mich in- dessen auf dem Weg zurück, de» ich gekomme« bin." Ehe Paula etwas darauf erwidern oder nur eine« Schritt vorwärt« thu« konnte, brache« und prasselte» recht» idfunft" Stschrieben:„Ich lann nicht umhin, Jhnm meine Genugthuuna darüber auszusprechen, daß Sie nicht nur gegen die Beschränkung deS Versammlungsrechte? in Berlin an fich, sondern auch gegen deren Begründung seitens der Regierung aufgetreten find. Ich— und mit mir wohl eine sehr große Anzahl von Arbeitgedern— lehnen daS Eingreifen der Polizei in die Lohnbewegung zuGunsten der„Bourgeois" ab. Wir dedürfen deren Hilfe in dieser Beziehung nicht nur nicht, sondern erkennen darin eine Schädigung auch unserer Jntereffen, so gut wie der der Ar- deiter. Nichts erscheint mir schädlicher für daS Vcrbaltniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, als wenn fich die Re- gierung auf die Seite deS stärkeren Theils der beiden im wirth schaftlichen Kampfe befindlichen Parteien stellt. Wenn etwas mich und gewiß auch viele Andere mit der Sozialpolitik der letzten Jahre einigermaßen zu versöhnen geeignet war, so war es der Umstand, daß in derselben eine gewisse Rückfichtnahme auf die Interessen der Ardeiter zu erblicken und somit eine Besserung des Verhältnisses zwischen diesen und den Arbeitgebern zu er» hoffen war. Dieser Tendenz aber widerspricht die Begründung der neuesten Maßregel des Herrn v. Pvttlamer vollkommen, insbesondere der in der«Nordd. Allg. Ztg." dazu gegebene Kommentar. Die Lohnbewegung in Berlin dürfte umso- weniger Veranlassung zur Parteinahme für die„Bourgeois" bieten, als erstens durch die erstrebte und zum Theil auch de- willigte Lohnerhöhung die Unternehmer durchaus nicht zur Verwendung von„höheren Quoten ihreS Umsatzes auf Arbeits- lohn" gezwungen werden, als zweitens die Berechti- gung der Forderung der Arbeiter doch nicht ohne Weiteres bestritten werden kann, und als drittens die Bewegung selbst in den betreffenden Kreisen— wenigstens bei dem haupsächlich bethei. ligten Gewerbe, dem Baugewerbe— gerade jetzt einer ruhigeren Beurtheilung auf beiden Seiten Platz zu machen im Begriff war. WaS den ersten Punkt betrifft, so ist rS zweifellos, daß die Arbeitgeber der Baugewerbe auf eine Lohnerhöhung in diesem Frühjahr gefaßt waren und dieselbe bei ihren Kalkulationen im Voraus in Rechnung ge- zogen haben, daß also nicht fie, sondern die Konsumenten in Bezug auf das Baugewerbe, also nicht die Meister, sondern zunächst die Bauherren die Kosten zu tragen haben. Wie die betreffenden Meister di«S bei den von mir unternommenen umfangreichen Bauten gethan, einfach ihre Preise entsprechend erhöht haben, so wird dies zweifellos auch anderwärts der Fall sein. WaS den zweiten Punkt betrifft, so wird man doch nicht behaupten wollen, daß der Ardestslohn nothwendtgerweise auf demselben Punkte stehen bleiben müsse. Was den dritten Punkt betrifft, so haben Sie schon nachgewiesen, wie wenig die, gerade in diesem Jahre ruhige Behandlung der Lohnsrage seitens der Betheiligten zu einer solchen Beunruhigung seitens der Behörde Anlaß bot, so daß ich mich jedes Wortes ent» halten kann." Leider werden nicht viele Unternehmer so denken wie dieser Großindustrielle. Die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses hat den Antrag eingebracht:„Die Regierung möge daS geeig- nete wahrnehmen, daß, bei Wiedergcwährung größerer Freiheit und Selbstständigkeit an die römisch-katholische Kirche, auch der evangelischen Kirche ein ensprechend größeres Maß von Freihe it und Selbstständigkeit und reich« kichere Mittel zur Befriedigung der kirchlichen Bedürf- nisse gewahrt werden."— Der Staat soll also weniger in kirchliche Verhältnisse hineinreden, dafür um so mehr zahlen. Die konservativen Preußen find offenbar nicht blo» gotteS« fürchtig. Ein«euer kolonialpolittscher Konflikt. Wir hatten bereits am Mittwoch nach dem Reuter'schen Bureau gemeldet, daß Frankreich sämmtliche Inseln der Komorogruppe durch einen am 21. April in Johanna unterzeichneten Vertrag in Besitz genommen habe. Der„Kreuzztg." zufolae hat nun die Deutsch-Ost-Afrilanische Gesellschaft bereits im November 1885 den Afrilareisenden Dr. Aurel Schulz mit einer Expedition zu den Komoren entsendet, welchem ei angeblich gelungen ist, auf Groß-Komoro freundschaftliche Beziehungen zwischen den vor« tigen Herrschern und der Deutsch Ost- Afrikanischen Gesellschaft einzuleiten. Später sei Gustav Denhardt in Sanfibar von anderen Sultanen der Komorogruppe beauftragt worden, alS Mandatar für eine Unterwerfung zu fungiren. Die Deutsch« Ost- Afrikanische Gesellschaft befitze Rechtsverträge vom März dieses Jahres, also sei die Priorität deutscher Rechte an den Komoren unzweifelhaft. Da wäre also Anlaß zu einer neuen Reibung an Frankreich. Eine Hauptstütze der«attonalliberale« Partei im Herzogthum Anhalt, Bürgermeister Schräder in Coswig, bat in diesen Tagen, wie die„Freis. Ztg." dem„Anhalttschen Tgbl." «ntnimmt, seine Stelle aufgegeben mit Hinterlassung eines sehr beträchtlichen Mankos in der Kasse bei den Brandkassengeldern, SeparationSgeldern, Krankenkaffengeldern und Deichverdand- geldern.— An politischer Schncidiakeit ließ Herr Schräder in den Augen seiner GefinnungSgenoffen nichts zu wünschen übrig. von ihnen die Büsche— aber nur eine dunkle Gestalt ließ fich erkenne«, die dort hindmchsetzte. Handor, der schon wieder so weit am Rand der Dickung stand, daß er wenig« fien« hindurchsehen konnte, drehte erschreckt den Kopf der Richtung zu— aber von da hatten sre nichts zu fürchten. Der Bursche, welcher selber auf der Flucht schien, war mit einem Satz oben auf der Mauer und schien da einen Mo« ment zu zögern— aber es war auch nur ein Moment, den» im nächsten schon verschwand er in de« dichten Zweigen eine« dort stehenden junge« Baumes und hrnter der Mauer, während der Wipfel des Stammes, an dem er»iederglitt, deutlich im Mondlicht schwankte und zitterte. „Jetzt fort,' flüsterte Handor, der natürlich glaubte, daß eine Verfolgung de« Entflohene» nur dort stattfinden könne, wo er ihn zuletzt gesehen;„rasch hier gerad' aus durch die niedere« Büsche zum Schloß, ich halte mich link« — fürchte nicht«, mein süßes Leben I"— Und noch einen flüchtige« Kuß auf ihre Lippen drückend, schob er fie freund- lich drängend über den Kiesweg hinüber, während er selber, wie er fie nur vo» dem dunkel» Schatten der Büsche ge- deckt sah, rasch den Kiesweg hinabschritt, um denen aus dem Weg zu komme«, die dem Entflohenen etwa folge« könnten. Das aber war gefehlt. Hier lief er gerade dem dicht an den Buschrand heranspringenden alte« Förster in de« Weg, der plötzlich, wie ein Tiger auf seine Beute, auf ihn zustürzte, dicht vor ihm sein Gewehr an die Backe riß und mit lauter, donnernder Stimme schrie: „Halt, Kanaille I Jetzt Hab' ich Dich verdammten Fasanendieb, nur eine» Schrtt und ich pfeffere Dir die Beine, daß Du in sechs Woche« keinen Schritt thu» kannst!" „Um Gottes willen, schieße» Sie nicht, lieber Freund!' rief Handor, der allerdings im ersten Augublick erschrak, seine Geistesgegenwart aber keinen Moment verlor. Er mußte de« Mann auch hier aufhalte»; desto sicherer konnte Paula das Schloß wiedir erreiche«. „Wenn Du stehe« bleibst, nein,' rief dsr alte Man», der jetzt ganz bestimmt glaubte, de« Fasanendieb erwischt zu habe»;„aber bei der geringsten Bewegung, Gott verdamm' verbotene versammlnng. Eine auf dm 17. Abends in Wiesbaden angesetzte Versammlung, die im„Römersaale" stattfinden sollt«, und in welcher der Reichstagsadgeordnete v. Vollmar über die sozialpolitische Lage in Deutschland mit besonderer Be'uan:hme auf Kulturkampf und Sozialreform sprechen wollte, ist auf Grund des§ 9 deS Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie durch den Polizei P äfiventen verboten worden. Eine Beschlagnahme der Streikkasse der Berliner Stellmacher ist, wie wir heute erfahren, nicht erfolgt, sondem nur eine polizeiliche Revision. Darnach ist unsere Notiz in Nr. 115 zu berichtigen. Oesterreich Ungar it. In der Debatte über das Unfatlversick erungs- g e s e tz befürwortete die AuSschußmojorität deS österreichischen Abgeordnetenhauses die Beitragsleiftung seitens der Arbeiter und Territorialgenoffenschaften, während die Minorität für die ausschließliche Beitragsleiftung der Arbeitgeber und Berufs- verficherungsgenoffenschaften ist. Tisza beantwortet demnächfi eine Interpellation des An« tisemiten Mendtvich über die massenhafte Einwanderung galizischer und russischer Juden nach Nord- Ungarn. Der Minister wird erklären, daß in allen Fällen, wo die Möglichkeit nachgewiesen wird, daß die Betreffenden fich ernähren können, ei weder ges tzlich noch human wäre, die Niederlassung zu verhindern. Er sei nicht gesonnen, die dieS» bezüglich bestehenden Gesetze abzuändern. Schweiz. Im Laufe dieser Woche wird in Lausanne die inter« nationale Expertenkommisfion zusammengetreten sein, welche über die verschiedenen auf den S i m p l o n d u r ch st i ch de« züglichen Projekte ihr Gutachten abgeben soll. Die Au« sichten für das Zustandekommen der Siwplonbahn stehen übrigens, soweit eS die Mitwirkung Frankreichs betrifft, nicht günstig. So hat Herr Edmond Thöry, der vom franzöfischen Handels- minister in die Schweiz gesandt worden war, um den Ein» fluß der Gotthardbahn auf den intern atioralen Handel zu studiren, fich dahin geäußeit, daß eine neue Alpenbahn nur eine neue Begünstigung Genuas und eine neue Beeinträchti- gung Marseilles bedeuten würde. Die einzige nützliche Maß« regel könne in der Herstellung einer kürzeren Elsenbahn« Verbindung zwischen Dijon und Belgien und in der Verein- barung niedrigerer internationaler Tarifansätze bestehen. In Zürich fand am 17. Abends wiederum eine mehrere hundert Mann starke Ardeiterversammlung statt, um die An- gelegenheit deS S chlos s er st r eikS zu besprechen. Eämmt ltche Redner führten eine sehr entschiedene und namentlich gegenüber der Polizei und auch der Presse sehr feindselige Sprache. Einstimmig wurde— nach etwa dreistündiger Be- rathuna— ein Resolution in dem Sinne gefaßt, daß die Versammlung den Streik der Schreiner in Lausanne und der Schloffer in Zürich als gerecht anerkenne und daß Diese wie Jene aufgefordert waden, auf ihren Forderungen zu beharren,„bis dieselben voll und ganz befriedigt find." Die gesammte Ardeiterschaft wird„zugleich alle Kräfte aufbieten, um die Streikenden finanziell und mo- ralisch zu unterstützen".— Inzwischen ist bei einem Schloff-r« meister, der sich direkt mit den Arbeitern verständigte, die Arbeit wieder aufgenommen worden. Nach dem vom Bundesrath jetzt durchberathenen Land« sturmgesetz sollen alle schweizer Bürger vom 17. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre, welche nicht in den Militärdienst eingestellt und nicht in Folge ihreS Amies frei vom Militärdienst find, zum Dienste beim Lanvsturm verpflichtet fein. DaS Aufgebot dei Landsturms erfolgt, sobald die Grenzen durch den Feind bedroht oder von demselben überschritten find. In FriedenSzeiten wird der Landsturm nicht zum Dienst einberufen, nach erfolgtem Aufgebot steht derselbe unter dem Militär- strafgesetz, leistet den KriegSeid und hat gleiche Rechte und Pflichten wie alle übrigen Truppen. Die Stärke deS Land- sturms wird auf 200000 Mann berechnet, wovon V» mit Schußwaffen versehen werden soll, während die übrigen bei Schanzarbeiten>c. verwendet werden sollen. Italien. Die ungefähr 15000 Einwohner zählende Stadt Gravina in Apulien war kürzlich, wie der„K. Ztg." berichtet wird, der Schauplatz ernster Ruhestörungen. DaS dort alljährlich mit Märkten, Prozrsfionen, Freudenfeuern und Gelagen ge« feierte Fest d«S beil. Michael war von den Regierungsbehörden in Bari in Rücksicht auf den ungünstigen Ge undheitSzustand der ganzen Gegend versagt worden und das Verbot wurde trotz aller Birten der Einwohner aufrecht erhalten- Heller Zorn richtete fich nun gegen den Bürgermeister und die städtischen Beamten. An 2000 Menschen rotteten sich zusammen und zogen lärmend, zum Theil unter Abfingen geistlicher Lieder und der Kirchenlitaneien vor daS Stadtbaus, in welchem die Beamten Zuflucht gesucht hatten. Die Menge drohte unter Rufen, wie„Tod den Ketzern! Nieder mit der Regierung, die un« die Cholera bringen will!" das Stadthaus in Brand zu stecken und begann die Fenster und Thürm zu zer- mich, ich spaße nicht! Heh, Hallohl' schrie er dann, so laut er nur schreie» konnte, denn sie mußte» ihn von hier au»— wo im Sommer im Schloß alle Fenster offen stau« de«— höre» können.„Hieher! Hollah, Hollah!' „Und wären Sie vielleicht so gut, mir zu sagen, wes- halb Sie mich hier festhalte« und eme« so gräulichen Spek« takel machen?" fragte Handor ruhig. „Heh, halloh! Huih, heh!" schrie aber der Alte, ohne ihn auch nur einer Antwort zu würdige«, und vom Schloß au« antworteten jetzt einzelne Stimme». Die Leute waren dort schon durch de« ungewohnte» Schuß und den erste» Ruf aufmerksam geworden und traten vor die Thür. Paula hatte indeffen die vordere Terrasse erreicht und wollte eben darüber hm w ihr Zimmer flüchte«, als fie oben ihren Bruder an seinem Fenster bemerkte, während unten in der Gartenihür der Koch mit seiner weißen Schürze und Mütze und einer der Bediente« standen. Es blieb rhr des- halb nicht« übrig, als bis zu einem der kleinen Balkon« zu gleite«, die, vo« eiserne» Gittern umgeben, der Autsicht wegen hier gebaut waren. Blieb fie aber länger hier, so mußte sie entdeckt werde», wen« man sie nicht überhaupt schon in ihrem Zimmer gesucht hatte. Das Beste, waS sie thun konnte, war, daß fie sich selber zeigte. Als ob sie dort gestanden hätte, trat fie jetzt vor in da« volle Licht des Mondes hinein und rief zu ihrem Bruder hinauf: „Was ist das für ei« Lärm, George?' „Bis Du da«, Paula?' rief dieser zurück.„Warte, ich komme gleich hinunter."— Und er verschwand vom Fenster. Wenige Sekunde« später stand er auch schon neben ihr mit seiner Flinte in der Hand.—„Was machst Du denn noch so spät hier unten im Garten, Schatz?' „Mein Kopf schmerzt mich zum Zerspringe». Was bedeutet der Lärm?" „Gott weiß es; geh' in« Haus, Kind, ich werde selber «achsehen" rref der ,u«ge Man» und sprang jetzt, von ei» paar Bediente» gefolgt, der Richtung zu. i» welcher der alte Forst«»** immer se.a Heh, Hollah! lustig i« die stille Nacht hmausschrre. trümmem. Erst alS sogar Schüsse gegen die Fenster fiele». griffen die Karadinieri und Soldaten kräktta ein, feueck» auf die Aufrührer und zerstreuten fie. Mehrere Venvu»' düngen Hefen dabei unter und zahlreiche Verhaftungen wurde» vorgenommen. Vom 19. bis 20. Mittags kamen in Venedig 4 Choler» erkrankungen und 3 CholeratodeSfälle und in Bart 7 Choler» erkrankungen und 1 Choleratodesfall vor. Belgien« Dreitausend Arbeiter werden, nach dem„Verl. Tagedl-. am Sonntag vor daS RegierungSgedäude zu Lüttich ziehe». um die Intervention dei Gouverneurs in der Lohnfrage I» begehren. Frsnrreich. Die Regierung hat den Beschluß deS Generalratb« d« Seine durch welchen für die Streikenden eine Spen« von 5000 Franks bewilligt wurde, zu kasstren beschloffen. v>t schwimmt offenbar ganz im Fahrwasser der großen FinM gesellschaften. Die Frage der Ausweisung der Prinzen»e schättigt alle Partter Blätter. Der Abg. Germain CaffS langt in einem he'tigen Artikel im„Voltaire" energische regeln. Di«„R. publik Fran?aise" sagt:„Wenn der Gcaf v«» Paris den Eiser seines Anhangs nicht zügelt, wird er erfahre». laß es leichler ist, nach Portugal zu gehen, als von dB zurückzukommen." Freycinet ist nach wie vor Gegner d» Ausweisung. Die„Lanterne" und auch andere Blätter haue» ihre Mittheilung über die deabfichttgte Ausweisung der PrW» aufrecht und fügen hinzu, die Regierung habe nur noch keine»- endgiltigen Beschluß gefaßt, da im Ministerium die Meinung� darüber getheilt feien. Die radikale„Lanterne", welcher fl»? Beziehungen zur Generaldirektion der allgemeinen Sich«?!» im Ministerium de« Innern zugeschrieben werden, hatte W kanntlich bestimmt und einfach die bevorstehende ÄuswriM der Prinzen von Orleans gemeldet. In Havre fanv die Polizei vor einigen Tagen an Häusern Plakate angeschlagen, in denen die Regierung wie die Bevölkerung Fiankreichs aufgefordert wurde, sämmM Ausländer, welcher Nation fie auch sein mögen, aus#» Linde zu jagen, da dieselben einzig Schuld an der industriell» Krifis seien, welche gegenwärtig da» Land heimgesucht ¥* Durch diese Maßregel könnte am besten der drohende Bürg� krieg vnmieden werden. Man solle nicht erst warten, bis Blut der tirbeiter, wie dies in Amerika geschehen, bei% ständen von ihren eigenen Brüdern vergossen würde. zeichnet find die Plakate von dem Komitee der„Jnvincib� Es ist traurig, daß immer und immer wieder eine solche � irrung hervorbricht. Die AuSländerhetze ist ebenso schlimm»»' kurzfichtig wie die Judenhetze. Der von der Regie. ung nach Panama entsandte?. genier Rousseau widerspricht in seinem Berichte über den 6'%, der Kanalardeiten der Behauptung der Panama- Kanal- Gm schall dir fichtlich der Leichtigkeit der noch ausstehenden Arbe�j sowie hinstchtl'ch der noch zu verwendenden Bausummen der zur Fertigstellung erforderlichen Zeit. Der Minister öffentliche Arbeiten hat darauf hin die Panama Gefells aufgefordert, fich über die Behauptungen Rousseaus zu a»»�. und wird, wie die„Agence Havas" meldet, die Geneh" zu der von der Gesellschaft projektirten Emission von Obligationen nicht vor deren Antwort ertheilen. am Grohbritauuie». Die Debatte über die irische Homerulevo r t»l 19. im Unterdause förderte Neues kaum�nocb»u, 4� dennoch werden ihr auf desonderen Wunsch Gladstone s> Schranken gesetzt und vorauSstchtltch wird fie fich nocv»L � """ der nächsten Woche hinein ausdehnen, die Mitte erkundigte fich der Führer der Konservativen im-,„„„„„ Sir Michael HickS Brach, wie lange die Debatte JTksti werde. Gladstone erwiderte, er wäre in der � Freund der Ausdehnung einer Debatte, allein in diesem seien ausnabmswetse Umstände nnrhfinhew nvllflC tS machten, die Debatte nichts zu früh zu schließen. Es��iz Parteien im Hause, die Partei der Opposition, die M und die diffentirenden Mitglieder der liberalen Pmiei-~ � .....-- sondern au« terer liege daran, nicht allein dem Hause, sondern Wählerschaften die Gründe auseinanderzusetzen, warum Ehre und ihr Gewissen fie schlagen, daS, wte er(Glad Widerwillen bereite. Aus diesem Grunde wäre es angV� der Debatte ihren Lauf zu lassen. Dem Antrage og der Homerulevorloge� an vier Tagen der Woche den vor allen anderen Gegenständen der Tagesordnung i» wurde hierauf zugestimmt. Ein Gegner der Vorlage», reit« sein Mandat niedergelegt, weil er nicht mit der seiner Wähler übereinstimmt. Es ist dieS Mr. David Mitglied deS Unterhauses für Cardiganshire. Morley beantragte am 20. im Unterhause die Lesung der Bill, du ch welche die GUtigkeit deS am die Gesetzeskraft verlierenden Gesetzes für Irland, daS Waffentragen und den Verkauf und die „Alle Wetter", lachte George, als er ihm, sei»*%! Gewehr im Anschlag, nahe kam,„waS giebt e« den"' Wer ist das?',. i» „Ich. Herr Graf', rief der Förster, der«h«% a# der Stimme erkannt hatte;„ich habe de» verfn» Fasariendieb erwischt I" W. „In der That?» Also der Herr hier? Wer b'st mein Bursche?" rief der junge Graf, indem die B-v � um den Gefangene» herum traten, der allerduig».� xji Hoffnung mehr hatte, zu entkomme«, aber auch geringste Neigung zu einem Fluchtversuch zeigte.. � trat George dicht an den Gefangene» hwa«" f kannte überrascht da« im Movdlicht lächelnd'9, e» gekehrte Geficht de« Fremden.„Handor!" rief er 0 staunt aus. „Also Sie kennen ihn auch noch?" sagte der der jetzt den Hahn seiner Flinte in Ruhe fetzte-» ei» sauberer Patron!" „Sie entschuldige», Herr Graf," lächelte mit der größten Ruhe,„daß ich Ihnen hier e i-k öffentlich al« Fasavendieb vorgestellt werde I rj M der gute Mann da Verdacht auf mich hat, w#. ff1 nur da"-, d- recht, den» ich pflege mich gewöhnlich Fasanen zu beschäftige», wen» ich sie gebraten Schüffel finde." „Aber wie, um Gottes willen, komme» Sie v i» de» Park?' fragte George«„„bor-' N«, um Sie zu spreche«,' sagt- g wußte nicht," fügte er leise, sich zu de« I* K überbiegend hinzu,.ob die Ueberraschun�—. lobungßabend« auch vielleicht auf 2hre gedehnt war, und da ich Ihne» darüber»eria» wollte....' ib tfifWj! „Aber, mein lieber Handor. da»'st 6ltt n- freundlich vo» Ihnen I Bester Förster, der � erschreckt.„Und habe ich den« nicht,«achd � hi* jj de» ganzen Abend im Busch umhergekroche � der Lauer gelegen, de« Fasan flatter» 90t ftOft fto# Waffen In gewiffen DistMen verbietet, verlSnaert wird. «orley rechtfertigt den Antrag mit dem Hinweit auf die vor» mndene polit'sch« Erregtheit, bei der et nicht wünschenSwerth (ei, daß die Theilnehmer an Zusammenkünften und Versamm« umgrn fich im Besttze von Waffen defanden. Parnell erklärt, « wolle die Bill nicht beanstanden, halte aber für nothwendig, baß die Bill in allen Tistiitten Irlands ganz gleichmäßige Anwendung finde. DaS Oberhaus hat die Bill, betreffend bie schottischen Kleinbauern, in zweiter Lesung ange« Nammen. s Aus Dublin wird geschrieben: Die Organisation der Lrangisten und anderer Loyalen in Ulster, um alS be» waffnete Streitkraft der Homerule Widerstand zu leisten, nimmt °n so vielen Orten ihren Fortgang, daß darüber wenig Zweifel brrrschen, es sei eine allgemeine Bewegung und nicht vloS eine lokale Affäre. ES werden Versuche gemacht, die Sache als lächerlich danustellen, so z. B. durch eine Ankündigung, daß Ä 000 alte Weiber gesucht werden, welche gegen die Orangisten Marschiren sollen. Auch Mr. Daoitt sagte unlängst, daß ein »ischeS Parlament kurzen Prozeß mit ihnen machen würde. Loch dürste deren Vorgehen, gleichviel od wohl oder übel be> rathcn, durch Spott oder Drohungen nicht aufgehalten werden. G-rade das Gegenlheil, fie find bereits erbittert genug, und Spott könnte fie nur zu unüberlegten Handlungen verleiten, me alle Parteien bedauern müßten und wodurch die Anzahl b«jenigen, die mit ihnen sympathistren, nur noch verstärkt würde. , Wie der Londoner Korrespondent deS„Manchester Guardian" krzählt, mache fich die durch Gladstone'S irische Bills verur- sachte Aufregung auch in dem aesellschastlichen Verkehr der politischen Gegner bemerkbar. Man spreche in London in diesem Augenblick über einen skandalösen Vorfall, der fich in der vorigen Woche zwischen zwei LordS, Lord Spencer und einem anderen edlen Lord zugettagen habe. Die trafen fich Wollig auf der Straße, wobei in Erwiderung von Lord Spencers Einladung der andere Edelmann fich einer Sprache bedient haben soll, welche in einem anderen Zeitalter und einem Mlberen Lande unfehlbar ein Duell auf Leben und Tod zur »olge gehabt haben müßte. Um Unterhause wurden am 18. d. mehrere Bittschriften Gegen die ministerielle Homerule- Vorlage überreicht, darunter 'me wahre Monstre-Petition, unterzeichnet von Pp 894 Einwohnern Schottlands. DaS Dokument hat angeb- }J? ein Gewicht von 2>/> Zentnern und, wenn aufgerollt, eine Nötige von l'A englische Meilen. Rußland An einer Korrespondenz der„Köln. Zb Jjo« die Russisizirung in den b a l t t auS Estland en Ostsee« k'ovinzen wird eine angeblich wohloerdürgte Aeußerung ors, Gouverneurs von Estland, Fürsten Schachowikoi, mitge« Fürsten Schachowikoi, „• es sei im Staatiintereff« dringend nothwendig. über �urand den Belagerungszustand zu verhängen. Wird � vom Fürsten geplante Maßregel ergriffen— dann werden Pov'n und Gendarmen es leicht haben, der deut« "«n Kultur hier ein Ende zu bereiten. Balkauläuder. die griechische Deputirtenkammer am Mitt« 0.47 zusammengetreten ist, hat die Präfidentenwahl Sr.Wunbm, und zwar ist Stepanopulo, deffen Wahl von xttkupiz empfohlen war, mit großer Majorität gewählt worden. Mach schont also Pero DelyanniS gänzlich adgethan zu sein. V-rlaffen der Deputirtenkammer hielt TrikupiS an die Mreich versammette Menschenmenge eine Rede, in welcher er N°"te, daS Votum der Kammer zeuge von richtigem Ver« v�dniß der schwierigen Lage, in der fich Giiechenland zur Z?«finde. Man dürfe aber nicht verzweifeln, die gegen- Mugi mißliche Lage würde wieder gut gemacht werden durch t.?' Wte und weise Politik, welche Griechenland in den Stand low, TO�f' die ihm bestimmte Lausbahn weiter zu ver« schied,'» König hatte TrikupiS auf vorgestem zu fich de- bilden"lüipts wird dem Vernehmen nach ein neues Kabinet bilden. «Telegraful" wird auS li t ationen Sofia gemeldet: Rumelien haben bans2P>n und Karäwelow. Stojanow und Andere unter« A» Jin wit Zankow wegen einer Annäherung an Rußland. virk*!?? iLersammlung zu Rustschuk beschloffen die Führer «>J.T*?mer Parteien gleichfalls, eine Befferung der russt�ch« eziehungen herbeizuführen. A» S? i V b«l«°risch.n Ibrii. I,1.?"» da fie sonst gegen ihre Konkurrenten im Nach- -.bleuen. Die Eigenthümer der Möbelfabriken in Grand (Michigan) find bereits zum alten System zurückgekehrt, den Dieb weg und in de» Busch hinein flüchte« »Diese» Herrn?" �eiben�' sich denn hier Nachts herum« w,--• Ueber die Mauer könnt' er nicht, und als ich hier gJPMng- kam er gerade den Weg herunter und wollte Schlösse vorbei und durchbrennen." daD;"** nun gerade nicht," lächelte Havdor, der sich jetzt biftc., �4" fühlte;„über die Mauer habe ich aller- Jemanden springen oder doch an einem der du?( hinabklettern sehe», einige Minuten später oder viel- Tä» unmittelbar darnach, als ich in den gewundenen ta».de» Weg verfehlte und auf eine Art von Terraffe - auf der ein alter Thurm steht." flvae» J- bo**— also da ist Ihnen Ihr Vogel doch ent- er vorster.' lachte George.„Und nun, Handor," rief t»'it r*, ei ben jungen Man» unter de« Arm faßte und "od lo �hrte,„erzählen Sie mir, was Sie habe» Üoc» wtta rechtzeitig zu Stande bringen. Kommen Sie �cblnk.�blick hier im Weg mit auf und ab, denn zum b>ar«k aan ich Sie jetzt nicht führen; meine Schwester . auf der T erraffe." den gingen die jungen Leute, ohne sich wetter um WcSJSr? i» kümmern, den Weg entlang, und Handor habe KV, daß er ei« reizende« Lustspiel gefunden .Gleich sich leicht würde besetze» lasse». Er hätte e» lii»°I zubringen wolle», aber auf seinem Tisch zu Hause 'Ken[rtrr v"» wvucn, uüci uu| o- Habe-' tS iebo� u'�rge» herausschicke«. i. �'Gle rt» eB�e bcnn wieder Fasane« gestohlen, Förster? sandte»?» Diener, al« die beide» Herren de« Rücke« Lvem /-»'U �llten. Dieser antwortete aber nicht. Mtt ?bcke» M'He« Fwch warf er sein Gewehr auf de« d'r de» /sich«mdrehevd, nach der Stelle zurück, Jdute»* Wtlbbteb zuerst gesehe» hatte, um dort»och»ach sinde» Mm und Beweise für seine spätere Anklage � und George ginge« wohl«och eine Viertel« �i«t'b°tt?. auf und ab, um da« Nöthige über Probe« breite» iu besprechen: dan» kehrte der erster« auf Fahrweg ,» die Stadt zurück. d in Folge deffen«S zu neum Streik» gekommen ist. Der Streik der Angestellten der Pullmann'schen Eisenbahnwagen- Fabrik in Chikago ist zu Ende. Die Kragenfabrikanten in Troy, im Staate New Nork, haben die Forderungen ihrer Arbeiter ab« gewiesen und eine BrbettSsperre gegen dieselben verhängt. 8000 Personen werden dadurch beschäftigungslos. Die neuerliche Beschlagnahme eines amerika« nischen Fischerbootes seitens der kanadischen Behörden wegen Ankaufs von Fischköder hat wohl dazu beigettagen, daß der Unionssenat in Washingten schnell und einmüthig die Bill angenommen hat, welche den Präsidenten autorifi'.t, den Schiffen derjenigen Länder, welche den Schissen der Vereinigten Staaten gewisse Privilegien vorenthalten, dieselben Privilegien zu ver- sagen. DaS Repräsentantenhaus wird wahrscheinlich ebenfalls die Bill annehmen. Bei dem jetzigen Zustande der Dinge können kanadische Schiffe in den Häfen ver Vereinigten Staaten Fischköder kaufen, während den Schiffen der Vereinigten Staaten verboten ist, solches in kanadischen Häfen zu thun. Die Folge wird wohl sein, daß man fich auf beiden Seiten beeilen wird, die veraltetrn Verträge einer Reoifion zu unterwerfen. Die kanadische Regierung hat 6 schnelle Schooner mit Kanonen versehen und läßt durch dieselben die Küsten patrouilliren; außerdem ist von der Regierung im Hause der Gemeinen zu Ottawa eine Bill eingebracht worden, welch« verschiedene Ge« setze der Provinzial Parlamente widerruft und festsetzt, daß jeder Zollbeamte ein jedes fremde Schiff, welches fich in einem Ha�n von Kanada oder in britischen Gewässern innerhalb der 3 Meilen-Zone von der Küste befindet, in den Hafen dringen und die Ladung einer Untersuchung unterwerfen darf. Wenn der Kapitän eineS solchen Schiffe« die Fragen nicht der Wahr- beit entsprechend beantwortet, soll ihm eine Geldstrafe von 400 Dollars auferlegt werden dürfen. Wenn daS Schiff innerhalb der 3 Meilen-Zone gefischt oder sonst die Fischercigesetze verletzt hat, kann eS sammt Ver Ladung konfiszirt werdrn. Nur diejenigen fremden Schiffe, welche in dem Vertrage von 1818 erwähnt w'rden, sollen daS Recht haben, in kanadischm Gc« wässern zu fischen. Die Beamten von Castle Garden konstatiren eine Abnahme der Einwanderung, da die Zahl der Einwanderer um 10000 geringer ist, als erwartet wurde. Man glaubt, daß die Ar« deilerwirren Viele von der Herreise abgehalten haben. Afrika* Während Suakim jetzt vollständig von den Engländern aufgegeben ist und nur eine egyptische Garnison hat, wird auS Wady Halfa unterm 18. d. telegraphirt:„AuS Dongola eintreffende Eingeborene melden, daß dort täglich Derwische auS Äetemneb und Khartum ankommen. Man glaubt, daß ihre Abficht sei, eine große Armee zu organistren und dann den Nil abwärt» vorzurücken. ES dürfen beständige Belästigungen der egyptischen Vorposten erwartet werden, wenn eS General Fuffeh Pascha Tchudi nicht in Bälde gelingt, ein friedliches Uedereinkowmen zu erzielen." Ob die Derwische in der That im Stande sein werden, eine große Armee zu organistren, darf in Ruhe abgewartet werden. 45 deutsche Händler sollten in Westafrika ermordet sein. AuS Cape Coast Castle über Liverpool eingelaufene Nachrichten vom 22. April meldeten nach einem Telegramm de«„Reut. Bureaus" auS London von erbitterten Kämpfen zwischen den Stämmen der Adanfie's und Brcquah'S, von letzteren sollten 45 deutsche Händler gefangen genommen und grausam ermordet sein. Die Nachricht ist unrichtig. Es handelt fich um die Ermordung von 45 Gamtn-Händlern. In der Depesche war zu lesen Gamm statt German. Der Schauplatz dieser Vorgänge ist an der Küste von Ober- Guinea, an der Bai von Benin, wo deutscht Schutzgebtete und Besitzungen Englands, Frankreichs k. nahe bei einander liegen. Gerichts-Zettmig. Reichsgerichts• Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 20. Mai.(AuS dem Wahltampfe.) Die Anklage gegen daS deutschfreifinnige Wahllomitee in Meiningen, welche in wetten Kreisen Aufsehen erregt hat, kam heute vor dem Iii. Straf- senate deS ReichSgerichtS in der RevifionSinstanz zur Verhand« lung. Die Verhandlung vor dem Landgericht in Meiningen, welche am 17. Dezember v. F. zu Ende geführt wurde, hatte mit der Verurtheilung der zehn Angeklagten geendet, und zwar war der Landg-richtSrath Maaser wegen verleumderischer Be- leidigung deS RctchStagsabge ordneten Zeitz in Meiningen zu 3 Wochen Gefängntß, die übrigen Angeklagten, unter denen fich auch der Herausgeber der„Meininger Zeitung" befand, wegen einfacher Beleidigung deS v. Zeitz zu Geldstrafen bis zu 100 M- verurt heilt worden. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zu Gmnde. Im August 1882 hatte die Braueretfirma Z�itz und Rittmey-r, deren Mitinhaber der am 28. Oktober 1884 gewählte ReichStagSabgeordnete Zeitz ist, mit dem Restaurateur Mörstedt in Meiningen einen Kaufvertrag zum Zweck der Deckung für eine Forderung abgeschloffen. Nachdem dann später die Brauereifiima Gebr. Reiff in Erlangen gegen Mörstedt die Pfändung beantragt hatte und dieselbe auSge- Alt George wieder in« Schloß kam und nach Paula fragte, berichtete da» Kammermädchen, die Komtesse habe fich in ihr Zimmer zurückgezogen und sei zu Bett ge- gavge«. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeven* Der Schweizergarten am Ariedrichshain. das größte Vergnügung«> Etabliffement Berlin«, wird am 23. Mai seine Sommcrsaison eröffnen. Augenblicklich herrscht hier ein ungc« mein regeS Leben: Maler, Zimmerleute, Maurer, Gas- und Gartenarbeiter find in vollster Thätigkeit, und bedarf eS noch besonderer Anstrengungen und Beschleunigung der Arbeiten, um bii Sonntag, den 23. Mai, da« Etablissement eröffnungs« fähig zu machen. Fm Konzert- und Theatergarten ardetten zahlreiche El�ktiotechniker, um die seit dem vorigen Jahre ein- geführte elektiische Lichtanlage noch ,u vergrößern und zu verbeffern. E« wird fich in dieser Saison zu der dekannten glanzvollen Garten- Illumination auch da« elekttische Bogenlicht gesellen. Die Phyfiognomie de» sogen. Fontainen-ParkS hat fich. wie alljährlich, durch bauliche Veränderungen mannigfaltiger Art verändert. Der Garten faßt 8600 Personen und ist von großen, offenen Hallen umgrenzt, welche bei eintretendem Regenwetter über 7000 Personen hinreichend Schutz gewähren. Die Direktion wird dem Publikum, bezüglich deS Unterhaltungsprogramms, da« Neueste und Beste bieten. E« würde hier zu wett führen, um jede neumgagirte Spezialttät und Künstler.Gesellschaft genau auf zuführen: soviel ist aber g-wiß. daS Publikum wird über die Fülle von Unterhaltungen und künstlerischen Darstellungen er- "medizinische« Werk, welche« 3428 Jahre alt ist, scheint geeignet, auch daS Z'-tereffe der Laien in Anspruch nehmen zu dürfen. Profeffor Eber» fand daffelbe schon vor einer Reih« von Jahren bei einem Araber in Theben. der Inhalt ist aber erst neuerdtna» bekannt geworden. In Hiera- glyphen auf eine mehr al» 20 Meter lange PapyruSrolle ge- schrieben. enthält das Werk eine reiche Anzahl von Rezepsen werden. führt war, klagten Z. u. R. gegen genannte Firma auf Anev- kennung deS adgeschloffenen Kaufvertrag« resp. der demselben zu Grunde liegenden Forderung. Di« Kläger wurden jedoch vom Landgericht und nach ihrer Berufung auch vom Ober« Landesgerichte in Jena am 1. Ottober 1883 abgewiesen. In beiden Instanzen war alS bewiesen angenommen, daß der Schuldner Mörstedt den Verkauf vorgenommen habe in der Abstcht, seine anderen Gläubiger zu benachth-iligen. Als fest» §-stellt wurde angesehen, daß M. das Bewußtsein von seiner iahlungSunfähtgkeit gehabt habe, als er den Verkauf mit Z. u. R. abschloß. Am 24. Oktober 1884, vier Tage vor der ReichStagswahl(alS Kandidat der fteistnnigen Partei für Mei« ningen war der Landrath Dr. Baumbach, als der der„ge mäßigten Parteien" der erwähnte Brauercibefitzer Zeitz aufm# stellt) erschien ein bei dem Mitangeklagten Behling in Eisfeld gedrucktes Flugblatt ohne Unterschrift, w:lches an die Wähler de« ersten meininger ReichstagSwahlkreiseS gerichtet war. In demselben wurde jener Prozeß deS Herrn Zeitz eingehend de« ivrochen. Auf Grund etm-S aus dem oderlandesgerichtlichen Urtheile entnommenen PaffuS, wonach dem p. Zeitz eine„con- nientia frandic" zur Last falle, wurde derselbe der„Mitwiffen« schalt an einem Betrüge"(wörtliche Uebersetzung der beiden lateinischen Worte) resp. der Theilnahme an einem solchen deschuldigt, al« eineS Vergehens, welches mit Gefängniß bis zu 2 Jahren bestraft werde. Dieses Flugblatt, dcffcn Verfasser nicht ermittett ifi, wurde im Wahlkreise stark ver» breitet. Am 26. Oktober ließ nun das freifinnige Wahl» komitee an den Straßenecken ein Plakat anschlagen, worin mitgetheilt wurde, daß jene« Flugblatt obne Wissen und Willen deS Komitees verdrettet worden sei. ES hieß darin u. A-, daß das Flugblatt dem p- Zeitz nachweise, daß er nach dem Urtheile zweier Gerichtshöfe fich an einem Betrüge be- theiltgt habe. DaS Komitee habe dies gewußt, aber energische Schritte gethan, um die Publikation zu verhindem. Wer aber in der mttgethcilten Thatsache einen Makel für Zeitz finde, der werde fich der Wahl derselben zu enthaldcn haben. Ein ähnliche? beim Mitangeklagten Behling in Eisfeld ge» vtuckteS Flugblatt wurde in der dortigen G-gend verbreitet. In dieser Kundgebung deS Wahlkomitees fand nun daS Land« gericht eine Beleidigung de« Zeitz, da demselben ungerecht« fertigterweise eine Theilnahme am Betrug« vorgeworfen war. Wenn auch die Verfasser deS Plakates, so wurde angeführt, gegen daS erste anonyme Flugblatt protestirt hätten, so hätten fie doch dessen Inhalt als richtig bezeichnet und bewußt welter verbreitet. G-gen den Landgerichtsrath Maaser wurde um deswillen verleumderische Beleidigung angenommen, weil er hätte wissen müssen, daß ein Unterschied zwischen einem zivillichter» lichcn und einem kriminellen Betrüge besiehe und daß nur der letztere, der bei Zeitz nicht in Betracht kommen könne, einen Makel mit fich bringe. Die Revifion der Anzellagten bestand auS 15 prozessualen und mehreren materiellen Beschwerden, welche von dem Vertheldiger, Justizrath Lüntzel von hier, auS« führlich begründet wurden. Der Reichsanwalt beantragte in- deffen Verwerfung de« Rechtsmittels. DaS Reichsgericht ver« warf sodann die Revifion und führt« zur Begründung etwa folgendes auS: Wenn hervorgehoben wird, daß der Staatsanwalt Mittentzwei aus Eiscnach in der Verhandlung vor dem meininger Landgerichte die Anttaze nicht hätte vertteten dürfen, oa er in Sachsen-Meiningen nicht den Diensteid geleistet, so scheitert diese Beschwerde daran, daß der Oberstaatsanwalt am thüringischen OberlandeSgerichte in Jena jeden Staatsanwalt seines Bezirkes beauftragen kann. vor jedem Gerichte dieses Bezirke« die Anklage zu vertreten. Eine Verlesung der Vollmacht de« Staatsanwalt« M. war nicht erforderlich, da daS Gericht allein zu prüfen hatte, ob die- selbe genüge. Die Beschwerde, daß nicht an jedem Tage der Verhandlung ein neueS Protokoll aufgenommen sei, ist unde» gründet, weil nirgend» vorgeschtteden, daß mehr als ein Protokoll aufzunehmen ist. Daß nicht alle Angeklagten von der kommiffattschen Vernehmung de« Zeugen R.-A. Klotz in Nürnberg in Kenntniß gesetzt find, ist ohne Einfluß auf daS Urtheil gewesen, kann daher nicht zur Aufhebung führen. Wenn die Zeugen Zeitz. RUtmeyer und Möcsiedt vereidigt worden find, so war da« durchaus zulässig, weil in keiner Weise der Verdacht vorlag, daß fie an der von den Angeklagten begangenen Beleidigung mitschuldig waren. Daß Zeitz selbst daS Komitee beleidigt hat, kommt dabei nicht in Betracht. Wenn behauptet wird, daS Gericht hätte vor Eröffnung des Hauptoerfahrens abwarten müssen, biS der vom Komitee gegen Zeitz gestellte Strafantrag erledigt war, so entbehrt die» der Grundlage, denn der Staatsanwalt hatte erklärt, daß er keine Veranlaffung habe, gegen Zeitz einzuschreiten. ES wäre allerdings ein RechtSirrthum gewesen, wenn da« Gericht die nachfolgenden Beleidigungen des Z-Itz, blos weil fie denen des Komitees nachfolgten, nicht zum Zwecke der Kompensation verwendet hätte, die Angeklagten hätten fich aber nur mit Grund auf§ 199 Str. G-B.(Kompensation) stützen können, wenn fie in ver Verhandlung ausdrücklich erklärt hätten, fie wollten diese Bestimmung angewendet wissen. Deshalb war die Revifion zu verwerfen. Etwas von der„Fremdenlegion". Der Pariser„Figaro" beschäftigte fich dieser Tage mtt der franzöfischen Fremdenlegion. Sie besteht aus zwei Regimentern, zu je vier Bataillonen von 1000 Mann und jede» dieser Regimenter hat ein Bataillon in Tongking. Nach 1881 bildeten die Elsaß Lothringer zwei Fünf« theile, die Schweizer ein Fünftheil, die Süddeutschen ebenfall» ein« und der Rest war au« Preußen('/,°), Italienern, Spaniem, Russen, Engländern(zusammen V») und Belgiern (Vio) zusammengesetzt. Heute hcrrscken die Schweizer und Deutschen vor, und find von den 8O0O Mann der Legion kaum noch 3000 au» Elsaß-Lothringen gebürtig. Um aufgenommen zu werden, muß ein Aspirant mindestens 18 und sollte er nicht über 40 Jahre alt fein; ferner verlangt man von ihm AuS- weiS-Papiere, aber der Befehlshaber ist ermächtigt, über diese in vielen Fällen heikle Forderung hinwegzugehen. In FliedenSzeiten ist br« DiSz'plin eine ziemlich milde, in Krieg«. zeiten aber äußerst scharf und unerbittlich streng. Gegen De« setteure wird keine Gnade geübt; wer fich wieder erwischen läßt, wird sogleich standrechtlich erschossen Im Jahre 1884 gingen in Eontcy dreißig Legionäre mit Waffen und Gepäck durch; stebzehn kehrten zurück, um dem Follertode bei den Chinesen zu entgeben. und fanden augenblicklich bei den ihrigen den„Eoldatentod. Dann wurde oer Marsch der Legion geblasen und alle ihre Kameraven d-filirten an den 17 Leichrn voiüber. Wie sehr manche Legionäre es bereuen mußten, daß fie bci den Schwarzflaggen gute Aufnahme zu finden hofften, beweist nachstehende Thatsache. Eines Tages sah man in Huö etwas wie ein großes Floß ohne Führer auf dem Fluß herunter schwimmen. Au» der Ferne Sewahrte man rothe Flecken, gleich Soldatenhosen und edermann bangte bei diesem sonderbaren Schau« spiel. Man fuhr in Kähnen hinaus und fand auf dem Floße die entsetzlich verstümmelten Leichen von fieben Legionären und an zwei Stangen aufgespießt ihre Zungen, Nasen und Ohren; so sandten die Chinesen fie zurück. Ein schlagendes Beispiel von der bunten Zusammensetzung de« Korps: Eines TageS traf man nach einem Kampfe, in de n das Bataillon fich auS- gezeichnet hatte, den Oberarzt und seinen Gehilfen unter den Gefallenen und Niemand war mehr da, die sehr zahlreichen Verwundeten zu pflegen. Da versammelte der Kommandant daS Bataillon, stellte fich vor die Front und fragte:„Ist irgend ein Arzt unter Euch?" Neun Mann traten vor. alle neun Dottoren der verschiedensten europäischen Fakultäten. welche nun ihrer Aufgabe al« elfahrene«erzte und Chirurgen geschickt und gewissenhaft nachkamen. Soziales nnb Arveiterltewegnng. f. Wieviel braucht eine Set(in er Näherin t« ihrem Unterhalt pro Tag? Diese Frage wurde jüngst von einer in der«erltner Arkriterinnendewegung stehenden Frau fol- gendermaßen beantwortet: 1. Frühstück lv Pf., 2. Fiühstück 10 Pf., Mittag 30 Pf.. Veiper 10 Pf. Abendbrot 25 Pf., Wäsche 15 Pf.. Miethe 20 Pf.. Sckuhe 15 Pf., Seife 1 Pf., Garn 26 Pf.(für den Meister und Fabrikanten), Wichse und Petroleum 3 Pf., Stecknadeln, Nähnadeln, Haarnadeln, Garn für sich selbst 3 Pf., Abnutzung an Kleidung und Wäsche 30 Pf., zusammen also 1 M. 97 Pf. Und doch find noch nicht alle Bedürfniffe und»uigaben verzeichnet; Steuern B. find doch auch zu berichtigen. Nun beträgt der tägliche Durch« schnittkvcrdienst einer Berliner Näherin, günstig gerechnet, 1—1,50 M. Wie die fich ergebenden Differenzen zwischen den Erträgniffen der Arbeit und den Anforderungen deS Lebens ausgeglichen werden, wollen wir sagen. Die einen der stillen Dulderinnen, denen die Versuchung in vielfältiger Gestalt naht, verfallen auS Roth und Verzweiflung der Schande; die anderen, welche vielleicht noch irgend einen Stützpunkt haben, sterben einen langsamen Hungertod. Wieder ander«, die Mi« norität, denen es nicht gegeben, den Kelch vollends zu leeren, betten fich in den trüben Flulhen drr Spree. Wer erkennt die ganze erschütternde Tragik deS Märtyrerthums dieser armen Näherinnen?_ Die beide« Barone Rothschild i« Frankfurt a. Mai« zahlen etwa 300000 Mark Steuer. Wie gut haben eS doch die Armen— würde da der famose Prot. Straumer in Sachsen sagen— da sie nicht auch soviel an Staat und Gemeinde ad« zugeben brauchen. �..... KnappschastSvereine. D'e Anzahl der im preußischen Staate während des Jahres 1884 in Wirksamkeit gewesenen Knappschaftsoereine hatte fich einer amllichen Zusammenstellung zufo'ge gegen daS Vorjahr nicht verändert. Es bestanden 83 Verein«, dagegen hatten fich die mit einigen Vereinen verbun« denen Krankenkaffen um 1 vermehrt, so daß deren 78 vorbanden waren. Die Knappschastsvereine umfaßten 2071 Berg-, Hütten« und Sal, werke, gegen 2135 im Vorjahre. Die Anzahl der auf den VereinSwerken durchschnittlich beschäftigt gewesenm Knapp« schaftSgenoffen belief fich auf 177 234 ständige sweistberechtigte) und 142 739 unständige lminderberechtigte) Mitglieder, zusam« men 319 973 Genoffen; im Vorjahre waren 171 637 standige und 136646 unständige, zusammen 308 283 Mitglieder beschäftigt. Unterstützungen wurden von den Vereinen gezahlt zu Anfang des Jahres an 22414 Invaliden, 26 397 Wittwen und 44 759 Waisen, am Schlüsse des Jahres an 23 603 Invaliden, 27573 Wittwen und 46389 Waisen; mithin war die Anzahl der Unterstützten im Laufe des JahreS erheblich ge- stiegen. Für 77 655 Kinder wurde Schulgeld gezablt. Die etatsmäßigen Einnabmen beliefen fich auf 16 138 728 Mark, die Ausgaben auf 15566765 Mark. Das schuldenfreie Vermögen, daS fich wiederum erheblich, um 4,23 Prozent, gebeffert, betrug 25921728 Mark. Tendenziöse Statistik. Im Jntereffe der Schutzzoll- politik prahlt der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller wieder mit der Verbefferuna der Lohnverhältniffe in der Eisen- industrie. Nach den statistischen Angaben von 247 Eisenwerken seien im Januar 1879 in diesen Werken 129 277 Arbeiter, im Januar 1886 dagegen 175 554 Arbeiter beschäftigt gewesen. Im Jahre 1879 habe ein Arbeiter monatlich durchschnittlich 62,19 M., im Januar 1886 dagegen 65,39 M. verdient.— Der Unterschied ist ein so geringfügiger, wenn man erwägt, in welcher Weise durch Schutzzölle und Finanzzölle auf die nothwendigsten Lebensmittel seitdem der Unterhalt deS Arbeiters belastet woiden ist. Im übrigen, schreibt die„Freis. Ztg.", ist eS bekannt, daß im Peihältniß zu dem für die Eisenindustrie ungünstigsten Jahre 1878/79 nicht bloS in Deutschland, son« dem auch in allen übrigen Ländern die Produktion gesteigert worden ist. Die Prahlereien mit den Segnungen der Schutz- Zollpolitik nehme« fich um so wunderbarer aus in dem Augen« blick, wo alles über Ueberproduktton klagt und nach Ein« schränkung der Produttton ruft. Einschränkung der Produttion aber bedeutet Verminderung der Arbeit-rzahl. Im übrigen machen wir darauf aufmerksam, daß die Statistik nicht die ge« sammte Eisenindustrie umfaßt, sondern nur diejmigeu Werke, welche glaubten, im Interesse der Schutzzollpolitik günstige Antworten auf die versandten Fragebogen erthetlen zu können. Die Statistik deS PereinS deutscher Eisen« und Stahl- industrieller ist von jeher eine ausgesucht tendenziöse gewesen. Zum Banhandwerkerstreik. Die Bauplätze, auf denen die Bauhandwerker streiken, werden jetzt von der Polizei sehr streng überwacht; in der Umgegend, z. B. in RummelSdurg, thut es die Gendarmerie. Die Maurer haben zur Zeit nur die Sperre über einen Bauplatz in Berlin verhängt, während bereits auf achtundzwanzig Zimmerplätzen gestreikt wird. Mangel an Arbeitern ist tndeß nicht vorhanden, da beständig freiwilliger Zuzug von auswärts kommt. Die Meister haben eine Lohnstatisttk aufgestellt, wonach von 4500 Maurern 30 Prozent 45 Pfennig, 20 Prozent 47'/, Pfennig, 45 Prozent 50 Pfennig erhalten, während eS besonders geschickte Leute auf 52 bis 55 Pfennig dringen. Von 1500 Zimmerern dagegen erhalten nur 15 Prozent 50 Pfennig, ebensoviel 47'/, Pfennig, dagegen 52 Prozent nur 45 Pfennig. Einzelne dringen es auf 55 Pfennig. Der Potsdamer Manrerstreik ist beendet. In der Versammlung am Sonntag, welche übrigens in musterhafter Weise verlief, wurde beschlossen:„In Erwartung» daß die Meister nach 14 Tagen aus eigenem Antriebe Lohnzulagen ge- währen werden, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen." Hierauf legte der Vorfitzende der Lohnkommisston, Herr Ihlow, sein Amt nieder, weil, wie er sagte, fich in Potsdam für ihn keine Arbeit mehr finden werde und er deshalb den Ort ver« lassen müsse. So berichten die„Potsd. Nachr." Die Möbelschreiner in Lausanne(Schweiz) liegen seit 27. April im Streik und richten daS Gesuch an die deutschen Kollegen, den Zuzug nach dort fem zu halten und die Strei« kenden zu unterstützen. ES dürfte für manchen Leser von Interesse sein, die Forderungen der Streikenden kennen zu lernen, um so mehr, alS dieselben einige Puntte enthallen, zu denen die deutschen Tischler stch nicht zu versteigen getrauen, welche auch bei deutschm Unternehmern auf unbedingten Widerstand stoßen würden. Die Forderungen find folgende: Art. 1. Reduktion der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden, jedoch darf der Toglohn durch diese Reduktion nicht gekürzt werden. Art. 2. Festsetzung eine« MinimallohneS von 45 Cts. pro Stunde. Art. 3. Stückarbeit ist verboten. Art. 4. Für außergewöhnliche Arbeiten, wie Abladen und Transport von Holz, Möblements bei Umzügen:c. ist ein Lohn von 50 Cts. pro Stunde zu zahlen. Art. 5. Ueberzeit- und Sonntagsarbeit ist mit 50 pCt. extra zu vergüten. Art. 6. Die Meister verpflichten fich, vorzugsweise die Mit- glieder des FachvereinS zu beschäftigen. Art. 7. Zahltag 14tägig, je SamStagS. Art. 8. Sämmtliches Handwerkszeug stellt der Prinzipal. Art. 9. Diese Uederein- fünft tritt mit dem 1. Mai 1886 in Kraft. Wie wir hören, beanstanden die Meister nur den Art. 3, daS Verbot der Akkordarbeit. Die Herren fühlen, daß, wenn fie auf diese Forderung eingehen, ihnen die Gelegenheit, die anderen Zu- geständniffe illusorisch zu machen, ganz bedeutend erschwert ist. — Briefe find zu richten an A. Kuner, Cafs'National, Lausanne. Aufruf der Kottbuser Tischler. Kollegen, Arbeiter Deutschlands! 14 Tage find verfloffen, seitdem wir die Arbeit einstellten und noch ist keine AuSficht, fie wieder aufzunehmen. Die Meister haben fich verschworen, uns nichts zu bewilligen; daher muß es unsere doppelte Pflicht sein, energisch dem ent- gegen zu treten. Kollegen, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen haben, könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Wir wollen hier Einiges anführen. Die JnnungSmeister glaubten unseren Verein dadurch sprengen zu können, wenn fie von ihren Gesellen verlangten, daß fie noch 14 Tag« arbeiten, vo wmde zuerst der Obermeister der Innung gegen seine Gesellen klagbar und verlangte von denselben 14tägige Kündigung resp. daß fie noch 14 Tage arbeiten müssen; das gewerbliche Schieds- gericht verurtheilte die Gesellen auch, noch 14 Tage zu arbeiten. Als die übrigen Meister daS Urtheil erfuhren, b�ben auch fie ihre Gesellen verklagt. Wir stehen fortwährend unter Anklage wegen 14 tägiger Kündigung. Um der Sache noch den Siegel aufzudrücken, baden die Herren Meister alle streikenden Gesellen auf eine Liste druck« lassen und diese unter dem Publikum verbreitet. Auch Hab« stch die Herren JnnungSmeister ausgelaffen, wir würden sie auf den Knien um Arbeil bitten kommen. Einige Meister hatten zu Anfang ihre Unterschrist gegeben, zogen dieselbe jetzt zurück, wodurch auch die Gesellen fich ger.öthigt sahen, die Ar- beit wieder einzustellen. Auch haben die Bildhauer jetzt die Arbeit eingestellt. Der Muth der Streikenden ist ein musterhafter! ES find fast alles verheirathete Gesellen zu unterstütz«. daher Kollegen, appelliren wir an Euer Solidaritätsgefühl, thut Eure Pflicht, haltet Zuzug fern, helft die Rechte der Ardetta wahren. Denn sollte der Sieg auf die Seite der Meister fallen, so find hier sämmtliche Handwerker verhindert, aus irgend eine Weise ihre Lage zu vnbeffern. Mit kollegialischea Gruß und Handschlag: Die Kommissson der Tischler Kottdus. Briefe und Anfragen find zu richten an Friedrich Schiemei» Neustädterstr. 333, oder an Gustav Kalläne, Kasstrer, Gw Mauerstr. 166._ vereine mh Nersamminngeu- * Der Schriftsteller Cnnow-Mölltnger, der man-be» unserer Leser vielleicht noch als ehemaliger Redakteur«>«' antisemitischen SkandaldlatteS bekannt ist, hatte zu vorgrstck» eine„Volksversammlung" nach der Bockbrauerei einberuM Das„Voll", welche« fich zu diesem Schauspiel eingefund« hatte, bestand aus ungefähr 300 Personen, ein sprechenWJ Zeichen dafür, daß man nunmehr von dem antisemitisch« Humbug übersättigt, und daß in Berlin absolut kein Bediw' niß nach„Gründung einer Mittelstandspartei", wie daS oe« versprechende Thema deS Abends lautete, vorhanden ist. M« konnte fich in keiner Weise über die Wahl eine? Bure«« einigen, und so zog eS denn Herr Cunow vor, seine Weistz« für fich zu behalten und die Versammlung, bevor dieselbe«y getagt hatte, zu schließen. Das ist daS Loos deS Schönen n® Erden!_(i Große öffentliche Schneiderversammlnng am tag, den 24. Mat er.. Abends 81/« Uhr, in Gratweil's Bierhall« Kommandantenstr. 77,79. T.-O.: 1. Die jetzige Lage in Gewerkschaftsbewegung. Referent: Herr Rodert Ravnitz. 2 Antwort deS Herrn Hoffmann auf die Beschlüffe DM M sammlung vom 11. Mai er. und der neueste Fall in der W«' stelle von SohnS und Hußf'ld. Die Lohnkommisfion, welcher die Versammlung einberufen wird, erhebt zur D»/™. der Kosten ein Entree nach Belieben.(Näheres stehe J»� am Sonntag)... * Tischlerverei». Außerordentliche Generalversamm»� am 22. d. Ml*., AdendS 8'/, Uhr, in Sansjouei, Kottbu straße Nr. 4». T.-O.: 1. Bericht über die genehmigten v tuten der Krankenunterstützungskaffe. 2. Ergänzungswahl" Vorstandes. Ouittungsbuch legitim i:t..„j, * Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der arbeite»(E. H. 29 Hamburg, Filiale C.). VersammlunS. Sonntag, den 23. d. M., Vormittags 10 Uhr, im Lokala Hmn Donath, Alt Moabit 90. Tagesordnung: l- ,u dericht. 2. Berichte: stattung über die Generalversamock� Mainz. 3. Wahl eine? BenragsammlerS. 4. Versch***� Theater. Sonnabend, den 22. Mai. Opernhaus. Rigoletto. Echanspieihans. Die Joürnallsten.„ Deutsche« Theater. Der Widerspanstigen Zähmung. Belle«Alltanee-Theater. Namenlos. Posse mtt Gesang in 3 Akten von Kaiisch und Pohl. Mufik von A. Conradi. Ostend« Theater. Die Loreley. Frtedrich-Wilhelmftiidtische« Theater. Der Zigeunerbaron. W alhalla- Theater. DaS lachende Berlin. Heiteres aus der Berliner Thevteraeschichte ;?•« Gesang und Tan, in einem Dors-stele und 3 Alten von Jakobson und Willen. Tentral-Theater. Der Stabs- Trompeter. VMoris- Theater. Amor. Tanz. Poem von Luigt Manzotti. Wallner-Theater. Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Restdenz-Theater. 1. Austreten der russischen Tragödin Elisabeth Goreva. Adrienne Leeouvreur. Zonisenstädtische» Theater. Künstlerleben. «ilnsmann's Variete. Große Spezialitäten« Forstellung._ _ Saffaae 1 Tr. 9 M.- 10 A. 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Die Kameraden werden ersucht, umgehend anzugeben, auf welchen Plätzen 50 Pf. gezahlt werden, damtt dieselben bekannt gemacht werden rönnen. Ferner bemerken wir, daß der Kasstrer Rudolph Bernauerstraße 100 wohnt.[1713 Iul. Seiht, Fehrbellinerstr. 35. Mitalieder-Nerfammlung der Central-Kranken- und Sterbekasse der Tischler[ms (Verwaltungsstelle Berlin C., Halleschri Thor). Monlo«, den 24. Mai, AbendS 8 Uhr, bei Kothacker, Tellowerstr. Nr. 3. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal. 2. Wahl des OrtS-Vorstandes und der Beitragssammler. 3. Wahl der Aerzte für Medizinirende. 4. Bericht über die General- Versammlung und Verschiedenes.— Ouittungsbuch muß vorgezeigt w-rdcn.— Um zahlreichen Besuch bittet Die OrtSverwaltung. Zett prompt ausgeführt.[1052 Anton Woyaok, Müiierstr. 12» Schweizer Oarten. Norliinstg» Anzeige. Do» Sonntag, de«»3. d. Mts., ab täglich großes Concert und Vorstellung. Austreten de» neu engagirten Personals".....—«----- "all" neu engagirten Personals. AlleS Nähere die zur Ausgabe gelangenden Extta» »nküadigungen, die Plakate, sowie s. Z. die Annoncen l[1717 «effenttiche[1709 Tischler Versammlung Sonntag, den 23. Mai, Vormittags 10 Uhr, in Heller« Fokal, Andreasstraße 21. Tagesordnung; 1. Die LrtSkrankenkaffe der Tischler und Pianofortcarbetter Berlins und die Unterschlagungen der ftüheren drei Kasstrer. 2. Die Beschwerden im Medizinwesen.(Be- schwerden werden in der Versammlung entgegen- genommen.) 3. Der VorstandSbeschluß. Re- fermt: Herr W. S ch m l tz. Der Ginbernfer. Fächverein der Tischler. Sonnabend, den 22. Mai. Abend« 8% Uhr, in Jordan» Kalo«, Neue Grünstr. 28: General-Versammlung, SC.-D.: 1- Vortrag deS Herrn Rechtsanwalt Freudenlhal über das Verhallen der Mitglieder dei, Prozessen in gewerblichen Etrettigkeiten »wischen Meistem und Gesellen. 2. DiSkusston. Ouittungsbuch legtttmitt. Neue Mitglieder wer. den aufgenommen.[1714] Der Vorstand. ., dem Schloffer Bornemann zugefügte ve- leidizung nehme ich zurück und erkläre denselben für einen ordentlichen Menschen.».Hummel. Central-Kranteokassk der Maurer rc. „Grundstein zur Einigk«* Oertltche Verwalrunatzstelle Bellm• � Am Konnabend, den 29. Mai, Abeodk.�.�, findet tm Kassenlokal(Kalon zu« Kaiser, Lothringerstt. 37) ein vom Vo nur für Mitglieder arrangirtes 1- WW" Tauzkräuzcheu statt. Da» Mitgliedsbuch ist bei der vorzuzeigen. Killet« für Herren- 5° Frölich. Manteuffelftt. 86, A. Sprenger.' � drlchifelderstr. 8, S. Schulze. W-berstr. � im Kaffenlokal Lothringerstr. 37. D-rN-�� MUglteder-NersammlanS der Kranken-«nd Kterbekasst Hntarbeiter n.»m». Kernfogenon (E. H. Nr. 62)„ am 24. Mai 1886, Abends 8 W- im Lokale des Herrn Keefeldt, Grenadier Tagesordnung: 1. Statutenabänderung.(0 2. Verschiedenes. m.rflor.'' Ouittungsbuch legttimirt. Der Vors Centrai-Aranken- und Kterdekoss der Tischler«. f.«». Oertl. VerwaltungSst. Berlin B.(inn- L"" rjjp Mitglieder-BersammlunS_ am Montag, den 24. Mai, Abends bei Marquardt, Alexandrinenstta« T-O.: 1. Rechenschaftsbericht vow/� 1886. 2. Neuwahl sämmtltcher 3. Verschiedenes. Z-hlr. Erich. W Mttgliedsb. muß vorgez. w. Die Octivkrw� Zur gefälligen Keacht««S' � Durch Maßregelungen gizwunge"-� W EÄVSÄMÄS.is Herren-Sarderoben jeder Art' � tzrf JJ, der« mache ich darauf aufmerksam, Reparaturen, Kunststopferei und �[I' reinigung prompt und billig aukfuv Leonhard Pfelff«*' Mühlengraben 3 I, an der Ein flott gehende« BarbiergeW'' ptfä SnderungS halber billig zu oerlaum' l> Wrangelstr. 15 im Zigarren-Efts�� lernen Berantwortliwer Redakrenr m. Ge-nhet» in Bi'tn.£«»; tnb Stria 3 s»««ding fa Kttlir. SW„ Arbeitsmardt. 1 Schlosser verlangt Weder tV* Beilage zum Berliner Bolksblalt. >1*. IIS Parlamentsbrrichte. Deutscher Reichetag. 91. Sitzung vom 21. Mai, 1 Uhr. , Am Tische des Bundcsrathei v. B o c t t i ch e r. v. P u t t- »am er v. Scholz, Der Unterftaatisekretär im Handeliministerium, Jrcodi, ist Sielle des verstorbenen Dr. v. Moeller alt Bevollmächtigter Preußens in den BundeSrath berufen. Da» HauS nimmt Kenntnis, ron der Denkschrift über die Ausführung der seit 1879 erkssenenen Anleibegesetz« und ge. �hmigt in dritter Bcrathung ohne Debatte die Gesetzentwürfe, «r». die Begründung der Revifion in dürgkrlichen RcchtS- meitigkeiten, und betr. die Besteuerung des Zuckers. ou dem letzteren hatten Witte und Barth ihre gestern Mtlehnten Anträge aufS neue eingebracht, wie der Adg. •üsttle bemerkte, lediglich, um ihren Standpunkt zu wahren und die Verantwortung für den Beschluß d-.s Hause« und stme Folgen von ihrer Partei adzulebnrn. Ihre Anträge »urden, wie gestern, verworfen und die Vorlage der Regierung �genommen. Di« von den Abgg. Hasenclever und Meister ein. prachte und von den Sorialdemokraten, ferner von GrohS, Schott und Munckel unterstützte Interpellation «Na'.r Staatssekretär v. Boetticher sofort deantworten zu «ollen. Sie lautet: »Am 11. April d. I. hat der preußische Minister des In- f* ü* fc*11 0- Puttkamer, in Bezug auf daS Verhalten der Be- oorven bei ArbeiiSeinstellunpen eine Zirkularvcrfügung an die L« unterstellten amtlichen Organe ertasten, welche daS durch AtichSgesrtzgxbung gewährleistete Koalitionsrecht(zum Be Siin J Erlangung günstiger Lohn- und Arb'ikdedtngungcn, ,>«». G.werbeordnung für das D ut'che Reich) gefährdet aufzuh�n-t ist, daffelbe für große Klaffen der Bevölkerung d,. h diese Zirkularverfügung deS preußischen Ministers sr!U.rn Uem BundeSrath bekannt? ./■ WaS hat der BundeSrath gethan oder waS gedenkt er treierr"' Um Angriff auf ein ReichSgesetz entgegenzw M.?�g. Hasenclever: Ein Mitglied dieses HruseS schnn eine fünfjährige Verlängerung d s Sozialistengesetze«, be» 2? die aufregenden Debatten im Reichslage zu vrrmei- l •" Dafür find"wir aber nicht verantworilich zu wachen, oerdanken wir Herrn v. Puttkamer die Veranlassung durch beiden Erlasse für Preußen resp. Berlin. Der für 3%% bestimmte Erlaß vom 11. April v. I. ist übrigens, erfahren habe, auch an die Polrz-ibkhörven der Einzel ten-«oscbickt worden, um womöglich die Polizeigewalr Preu> ° Noch ßfctr seine Grenzen auszudehnen. Dadurch gewinnt »..�och eine erhöhte Bedeutung. Mich nimmt es Wunder, at!L* liberale Partei der Sache so wenig Aufmerksamkeit Äfi- hätte doch gerade allen Grund, denn ideell, nicht » trifft der Angriff auf die Koalitionsfreiheit die Frei- das Slü«chr als uns. Der§ 152 der Gewerbeordnung ist üMübmt Kind de« Liberalismus, und Sie haben fich oft zu hzb-n ,).bm den Ardeitern eine große Wohlchat erwies-n lung" no» links) Lesen St- doch die„Voistsche Zei- lvöltifch� Lastern Abend, wo die Sache in einem gewrffen gab R/h behandelt wird, und gleich nach dem Erlaffe die«JS1 Gedanken Aui druck, daß der Anariff auf daS durch «arita e.i 2 gewährleistete Koalitionsrecht so ge> Schul,-.?! dieses selbst damit vollständig zum Teufel geht. solche« mu LaSker und Miquel haben gerade darauf ein wicht gelegt, daß der'""' inner ganzen Strenge, � W o«rfuck»'i.�'da"dhab! weiden soll und daß kein Eindruck da M:ieb,n � � dürk, wenn nickt die Arbeiter zur Verzweiflung b;:,» i��den sollen. Der Erlaß zerfällt in zwei TbNle, ?>an in l! � der Verquickung mit dem Sozialistengesetze. r,n�reffe die allerschärfste Aufmerksamkeit geschenkt «una d7s»lst gar nicht der böseste Eingriff, die Anwen- Ä. d»«, �ltmgesetzeS hei Streik, ist ja selbstoerständ. Sozialist ist aber ein Eingriff in das Reichsgesetz. Das hat« lpAer entstanden alS die Gewerdeordnung, lorriat.« f lü3 der Gewerbeordnung nach der R chtung die q,J', daß er alle Verbote aufhob, die darauf hinzielten, bedhu?. igung von Leuten zu verhindern, um beffc e Arbeits- cn zu erlangen. DaS ist die Spitze unserer Jnter- vin«' dem allgemeinen Theile deS E laffeS ist gesagt: ausdrücklich mit allen gesetzlichen Mitteln den Ver> dielt>>"'laegengetreten werden, bei Streitigkeiten auf dem Ge> »ach Jr Lohnbewegungen den legalen Boden zu verlaffen; »«I».'".««machten Erftf'■ solch-z uu« a/uyuw«u«»..,.... �oflzrf«elegt. daß der Koalitionsparagraph von der kechtigs�w lnner ganzen Strenge, aber auch Hnerjjanzen Ge- Erfahrungen Ausschreitungen, Puttkam«!"- Alk'Äittel der Uederredung.' Ver » sfi«« Wenn er nur auch gegen die Unter« •H-'°ngeu»ndet würde! Nach der„Baugewerki- 5' Kündigt- �.wllditrtsch".wiesen, oder ohne kontra«- Konnabendz de« SÄ. Mai!88S. Dresden, nichS Ar. '"« den Arbeitsvertrag gebrochen! sollten in rire schwarzr Liste eingetragen und von keinem VerbandSmit« gliede in Ar-eit genommen wrrden dürfen. Wo bleibt da der Staatsanwalt? Warum, frage ick, wird der§ 153 nickt auch gegen die Arbeitgeber angewendet? Denn ähnlrch, wie in Dresden, ist es bei allen andern Unternehmeroerbindungen. Wir Sozialdemokraten find keine Freunde deS Streiks. Wir haben hundert Mal erklä t, daß wir dieses Mittel den Arbci- tern nur im äußersten No h'all anempfehlen können, daß wir an große Vortheile auS den Streiks niemals geglaubt haben. Wir wollen den NormalarbeitStag, den Minimallohn und eine andere Regelung der Produktionsweise nach und nach herbei- führen, damit die Loh kämpfe, diese Eruptionen, die in unserem heutigen wirthschaftiuten System liegen, aufhören. Man hätte darum glauben sollen, daß die Regierung, welche sich gleich- fa>S gegen die Streiks erklärt, Vereine uno Gewerkschaften, wenn nicht unterstützen, so doch habe schützen müssen, die stch lediglich darauf beschränkt haben, eine volkSthümlich- Sozial« reform m zustreben. WaS geschieht aber? In P eußen und Boyern löst man gerade diese Vereine auf, sobald fie den Versuch machen, zur Besserung der ArbeirSbedingungen miteinander in Verbindung zu treten. Man thut daS in direktem Wider- spruch mit dem§ 152 der Gewerbeordnung, der alle Straf« bestimmunpen zum Behu'e der Erlangung günfttrerer Lohn- bedingungm für aufgehoben erklärt. Seit dem Eclaß deS Herrn v. Puttkamer haben fich die P-rbote von Fachvcreinen ver- mehrt, auch über die Gien'en P eußenS hinaus. Ein solcher Erlaß wirkt geradezu verblüffend auch auf die außerpreußischen Polizeibehöid'n ein, die so wie so schon glauben, daß ste ihre Befehle von Berlin erhalten müßten. Was den Zusammen- hang des EllaffcS mit dem Sozialistengesetz betrifft, so glaube auch ich, daß derselbe den Zwecken und Zielen des Sozialisten- gesetzeS entspricht. Ich giei'e denselben nicht an, weil er gegen daS Sozialistengesetz, sondern weil er gegen die Ge- werdeordnung verstößt. Ich weiß, daß das Sozial. stenge setz die Fesselung der Arbeiter, die Auslieferung derselben an die Arbeitgeber bedeutet, und hätte ick daS nicht vorher gewußt, so hätte ich eS cus diesem Erlaß«rfah-en, in dem auch im sogenannten Poiizeislyl gewiffeimaß-n Deckung gesucht wird. Wenn da« nicht aufhetzend wirken soll, so kennt man unsere Potizei schlecht. Wenn Herr v. Puitkamer mit dem Finger winkt, so geräth die ganze Polizei in Aufregung. DaS ist dat Gefährliche bei solchen Erkffcn, daß st« noch viel über daS Z el hinausgehen, daS man fich anfänglich gesteckt hatte.(Revner verliest hierauf«ine Reihe von Z.taten aus der „Elderfelder Ztg.", der„Saale Ztg.", der„National- Ztg.", der „Volks, Ztg.", der„Frankfurter Ztg.", um zu beweisen, daß die Presse, und zwar die gemäßigt liberale wle die entschieden liberale, den Erlaß wegen seiner einseitig gegen die Arbeiter« klaffe gerichteten Tendenz verurtheilt hätte.) Selbstverständlich find die konservativen Zeitungen mit dem Erlaß einverstandtn, das erklärt stch uuS der innigen Verwandlichast deS Leiieri der Polizei in Preußen und dieser Puffe. Jntereffant aber ist eS, daß, alS ein einziger Arbeiter— mir fi.-l der eine rusfische Todte deiSebastopol ein— mit NamenBma?l einMetallalbeiter, in einer Versammlung fich für den E.reikerlaß erklärte, dieser Fall fast in jeder Nummer wi:der ausgetischt wurde und die Herren meinten, durch diesen einen Arbeiter sei nun der Streik erlaß vor dem Arbetlerforum gerechtfertigt. Wir wlffcn, wo solche Arbeiter«ntst'hen, er braucht gar nickt durch die Re giermig desorgt zu sein, ein beliebiger Arbeitgeber zahlt fünf Mark und der Arbeiter geht hin und hä,t seinen speech. Dieser Arbeiter ist also dai Einzipe, was die konservative Presse in ihrer furchtbaren geistigen Kraft für den Erlaß anzuführen vermag. Das zeigt doch, daß die Leute ihre soziale Stellung nicht mehr verstehen in Bezug auf ihr:» Grund- befitzerstand. Es ist wahrlich bedenklich, daß Herr Siöcker ibre einzige sozialpolitische Größe ist! Früb-r, als noch Rodde, tuS lebte und der jetzt verachtete Geheime RegieiungSrath Wagener Sie in diesen Dingen noch führte, da stand es Keffer um Sie. Jetzt find Sie Regr-rungspartei geworden: waS Ihnen Hnr v. Puttkamer vorliist, daS unterschreiben Sie unbesehen, und so müffen Ste auch diesem Erlaß zustimmen. Früher wäre es unmöglich gewesen, daß die Konservativen fich gefreut hätten, wenn ein konservativer Minister für die Bourgeoifie die Kastanien auS dem Feuer holt. Mögen die Lckeialen heute den oppositionellen Standpunkt ihrer Pr-ffe hier zum Ausdruck bringen. Der§ 153 ist ein Kind deS Liberalismus(sehr richtig! links), das einzig hübsche Kind, was Sie(links) haben. (Helte, k> it.) Ein solches Kind sollte dock der Lib-raliSmu« ver« theidigen, wie eine Löwin ihr Junges. Freilich ist die Löwin lehr zahm geworden, sonst müßten Sic ganz anders auftreten. Ich vertrete jetzt eigentlich die Sache, die Sie ver- theidigen sollten. Die Zeiten find wirklich nicht dazu ange- «ban, Beschränkungen der KoalitionSsrcih-it vorzunehmen. Während man den Arbeitern die Geleg-nheit entzühen will, stch höhere Löhne zu erringen, will man ihnen auf der andern Leite durch di- SchnapSsteuer Millionen auS der Tasche ziehen, Um so gehä.siger muß ein soicher Erlaß wirken. Zuckererot und Peitiche, daS ist der Inhalt ihrer Sozialreform. Vom Zuckerdiät merkt man nichts, aber die Peitsche fühlt man. Ihnen, Herr v Puttkamer, wird man es immer gedenken, daß Sie diesen Erlaß publizirt haben. Der E'laß hat gerade auf die Arbeiter äußerst aufregend gewirkt. Tie Koalitionsfreiheit. sagte Miquil, dieser wette, um seiner StaatSweiShcit willen sehr geichätzte Herr, am 18. März 1869, daß ste uns vor der Wiederholung einer Junischlacht schützt, die„nicht das Resultat der Fedruarrevolurion, sondern der BourgeoiSherrschaft unter Louis Philippe war." Um so sondeibarer ist die Beschränkung der Koalitionsfreiheit durch die Regierung, die damals Miquel« Standpunkt theilte. Ick erkläre offen, wir werden hier die friedlichste Entwickelung deidebalten, wenn die Regierung nicht selbst die Gesetze in der Weist verletzt, wie fit daS jetzt thut. wenn ste nicht selbst die Arbeit-rmaffen erregt. Wenn sie das thut, dann ist eS ja möglich, daß wir einmal einen Putsch bekommen können, den ich aufrichtiger beklag« alS Herr v. Puttkamer. Es scheint fast so, alS ob in ver- schiedenen Kreisen derartige Thaten gewünscht werden. Polizei- aewalt ist ja momentan Allgewalt, aber nicht auf die Dauer: sie„kann im Augenblick fast alleS. auf die Dauer fast nicht«." Da» möge auch Herr v. Puttkamer bedenken! Und so wird die Zeit der Erlösung von lolcher reaktionären Polizeigewalt auch für die Arbeiter kommen. Aber da? Eine steht dock stst, daß eine Polizeigewalt, die solche E.laffe pudlizirh für Deu schland geradezu eine Schmach und Schande ist.(Oho! Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident v. W e d e l l: Diese letzte Aeußerung kann fich nur au» die preußische Poliiei beziehen und ich rufe daher den Herrn Redner deshalb zur Ordnung. Staatssekretär v. Boetticher: M�ne Herren. Sie werden nicht erwarten, daß ich out alle die AuSführunrm de« ZWMMMW HI. IschM preußischen Herrn Minister? de» Innern vom 11. April dem BundeSrath bekannt geworden? Ich habe darauf mitzuihcilen, daß dem Bundcsratbe di-sc Zirkutaroerfügung des königlich prcußtsch n Herrn Ministers nicht zugegangen ist. Weder von Seiten de» Prästviums noch von Seiten irgend einer der verbündeten Regierungen ist ein Antrag auf Be» sprechung oder Beschlußfaffung über diese Zirkularverfügung bei dem Bundesrath angebracht, und dieser Umstand gewinnt an Gewicht, wenn die Thatsache, die ich allerdings zu be» zweifeln Ursache habe, richtig ist, die aber der Herr Vorredner als eine pofitive hingestellt hat, daß die königlich preußische Regierung V ranlaffung genommen habe, den Erlaß den an» deren Bundesregierungen mitzutbeilen. Mir ist, wie gesagt, von einer solch-n Mittheilung nichts bekannt, und ich glaube sie in Zweiiel ziehen zu dürfen. Meine Heiren, eS find aber ai dj beim Bundrsrathe von keiner Seite, weder von den Herren Sozialdemokraten oder gar von dem Herrn Interpellanten, irgend welche Beschwerden über den Erlaß deS Heim Ministers des Innern vom 11. April eingegangen. Der BundeSrath hat also bisher nicht den mindesten Anlaß gehabt, diesen Erlaß zu seiner Kognition zu ziehen. Meine Herren, damit ist auch die zweite Frage, welche lautet: WaS hat der Bundesrath gethan, oder was gesenkt er zu thun, um diesem Angriff- auf ein ReichSgeietz entgegenzutreten? Für Jeden, der verstehen will, beantwortet. D r BundeSrath hat nichts gethan, und er hat fich auch keine Gedanken darüber gemacht, was er künftig zu tbun gedenkt. Ich könnte mich auf diese Worte b. schränken, aber ich will in meiner Eigenschaft alS königlich preußischer Bevollmächtigter doch nicht unterlassen zu erklären, daß die königlich preußische Regierung auf dem Standpunkte steht, daß ste einen Eingriff in-ine retchS gesetzliche Bestim- mung in dem Erlaß des Hern, Ministers dci Innern nom 11. April dieses Jahres nicht zu erkennen vermag. Der H:rr Vorredner hat Ihnen einen Theil dieses Eilasses vorgelesen, und er hat namentlich denjenigen Tbeil des Eilaffes vorge» lesin, weicher die Polizeidchö den dahin instruirt, daß und in welcher Weise fie einen widerrechtlichen Einfluß auf die Ent» schließung-n der Arbeiter bei den Streikbewegungen binter- ballen sollen. Der Herr Vorredner hat es aber unterlaffen, Ihnen den Eingang deS EilaffeS deS preußischen Ministers deS Innern vorzulesen, welcher erkenntlich mackt, daß es darauf abgesehen ist, den Polizeibeb örden int Gewissen zu führen, daß ste unparteiisch und objektiv, streng nach dem Gesetz, Niemand zu Liebe und Niemand zu Lerde zu verfahren haben. Ich werde deshalb die Verlesung deS Herrn Vorredner« ergänzen. Der Erlaß sagt: Der gesetzlich destebenden Koalitionsfreiheit gegenüber ist zwar jedes unmittelbare oder mittelbare Einschreiten der Polizeibehörden in solchen Fällen ausgeschlossen, und die letzteren müffen sich jeglicher Maßregel sorgfältig enthalten, welche alS«ine Parteinahme der obrigkeitlichen Gewalt für die Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer, oder umgekehrt, er» scheinen könnte.(Hö't! rechtS.) Meine Herren, damit fällt rollftäe.dig der Vorwurf zusammen, welchen der�Herr Vonedner dahin erhoben hat, daß es bei diesem Erlaffe lediglich darauf angekommen sei, die Arbeitgeber den Arbeitnehmern auszu» liefern. Weiter fährt der E laß fort: Ist aber hiermit nach der einen Seite die Grenzlinie fest bezeichnet, über welche hinauS die Polizei ihre Tdäligkeit bei Arbeitseinstellungen nicht er» strecken darf, so gebietet auf der anderen Seite die Pflicht zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und O dnung, streng darüber zu wachen, daß ver Lohnkamvf ausschließlich auf fried» lichem Wege und mit gesetzlichen Waffen zum Austrage ge» langt. Meine Herren, ich frage Sie: wo ist bier die Bevor» zugung irgend eineS der mit ihren Interessen streitenden Theile? Wo tft hier der leiseste Versuch enthalten, den Arbeitnehmer dem Arbeitgeber auszuliefern.(Zurusi) Der Herr Abg. Kayser sagt: Thatsachen. Ich wäre sehr begierig, von den Tba fachen etwa« zu vernehmen. Ich habe dem Ada. Hasenclever mit der äußersten Aufmerksamteit, deren ich fähig bin, zugehört, aber wenn er auch nur eine positive Thatkache mit Orr, Namen und Datum angeführt hätte, welche einen Eingriff in ein ReichSgesetz enthält, so würde ich ihm sehr dankbar wesen sein. Er hat nicht» dergleichen gesagt.(Sehr wahr! recktS.) Der Herr Interpellant hat die beiden Theile deS Er« laffeS deS Herrn Ministers vom 11. April sltzzirt. Er hat zuerst den zweiten Thetl seiner Besprechung unterzogen und gesagt, hier hantle es fich um Anwendung der Vorschriften des Sozialistengesetzes sobald die Grundlage dieser Anwcn» dung gegeben sein werde. DaS ist selbstverständlich, sagte der Herr Abgeordnete Hasenclever, daS brauchte der Herr Minister deS Innern den Polizeibehörden nicht mehr zu sagen, daß, wenn auf den Umstur, der bestehenden Staats- und Gesell» schaftSordnung gerichtete B- strebungen bei den Streik» dewegungen zu Tage treten, dann die Polizeibehörden ge» halten find, daS Sozialistengesetz zur Anwendung zu bringen. Nun kommt der zweite Theil, in welchem die Poliz ibehöcden angewiesen werden, auch, abgesehen von der Herbeiführung der Anwendung der Strafgesetzporaaraphen, da einzuschreiten, wo eine widerrechtliche Beeinflussung auf die arbeitenden Kaffcn versucht wird. Da sagt der Herr Abg. Hasencleoer: Auch daS ist ja ganz überflüsfig, den Polizeibeböcden zu sagen, denn§ 153 der Gewerbeordnung enthält in dieser Beziehung bereits Alles und waS die Polizeibehörden schon wiffen, waS ihnen durch diesen Erlaß von Neuem eingeschärft ist. Nun frage ick. meine Herren, wenn einerseits die Anordnungen des Herrn Ministers deS Janern durch§ 153 der Gewerbeordnung gedeckt find, wo bletbt da die Moral der Herren Juter» pellanten und ihrer Interpellation?(Heiterkeit- Sehr gut! rechts) ES war ja auch weniger um die gestellten Fragen den Herren Interpellanten zu thun, di- fie fich. wie gesagt, selber beantworten konnten; es wa« ihnen— und daS haben wir aus der Tonart und der Dieposttion der Rede des Herrn Interpellanten ersehen— es war ihnen darum zu thun, daS Thema zu variiren, daß der Arbeiter dem Unternehmer g fliffent» Itch durch die Staatsgewalt ausgeliefert werde; es war ihnen darum zu thun, zu behaupten, daß dieser Erlaß ie» dtgltch zu Gunsten der Aide tgeber getroffen sei,«S war ihnen darum zu thun, die Behauptungen aufzustellen und möglichst auszubeuten, daß die Kastanien von der Staatsgewalt für den Arbeitgeber auS dem Feuer geholt würden. (Sehr gut! reckt«) Und dies B-streben halte ich nicht für korrekt, halte eS nicht für patriotisch, halte ick nickt für Veutsw. (Sehr richtig! recht». Lachen bei den Sozialdemoki aten.) Und, meine H.rrcn, je fester wir davon überzeugt find, daß daS Ziel, welche« der Hei r Minister de» Innern am Ein gange seine» Erlaff-S als daS erstrebensweribe hinstellt, daß au? friedlichem Wege und mit gesetzl'chen Mitteln der Lohnkampf ausgekämpft werden solle, um io ruhiger stehen wir den Vor» würfen gegenüber, die der Herr Interpellant gegen die preußische Staatsregierung geschleudert ha». Wir sagen uns aber auch weiter: wir st-ben diesen Angriffen unter allen Um- ständen mit größerem Gleichmuthe gegenüber, als wir solchen Klagen unserer ruhigen und der öffentlichen Ruhe bedürstigen Mitbürger gegenüberstehen würden, wenn fie sich dahin ridb« tetrn, daß die Regierung ei unterloffen habe, mit dem ihr durch die Gesetze gtpebenen Mitiel Bestrebungen hintan�uhalten, die eine ernste Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung in stch bergen.(Lebhaftes Bravo recht») Auf den Antrag de» Abg. Meister, für den die deutsch- freistnnige, die Vollspartei und die Polen stimmen, tritt da» Haus in eine Besprechung der Interpellation ein. Abg. Meister: Gerade durch da» Koalition»«, daS Vereins- und Versammlungsrecht war e» uns Soffaldemokraten möglich, die Arbeiter darüber auf,uklären, daß durch Streiks u. vgl. ihre Lage nicht unter allen Umständen oerbeffert werden kann. Um so bedauerlicher ist e», daß die Regierung einseitig den Arbeitgebern zu Hilfe kommt und den Arbeitern die Exifienzfähigkeit nimmt. Der Herr Staatssekretär hat hierfür Beweise verlangt: Hier sind fie. Die Polizei von Hannover hat auf Grund einer alten Bestimmung von 1847, wonach Verficherungs-Gesellschaften der staatlichen Genrhaigung de- dürfen, herausgefunden, daß auch der dortige Gesellenverein stch als eine solche Gesellschaft charakteristre, weil der den duichreisenden Kollegen fünfzehn Mark Unterstützung gicbt. Die Münchener Schneidervereinigung wurde al« politischer Verein erklärt und 23 Mitglieder deffelben erhielten wegen Vergehen» gegen da» Vereint gesetz ein Strafmandat. Dieser Fachverein hatte sich auch dem Schneiderbunde angeschloffen, welcher die Aufgabe hat, die Arbeitslöhne zu regeln, den Normal- arbeitStag einzuführen und die Konkurrenz der Zuchthaui- arbeit zu beseitigen. DaS ist natürlich in den Augen der Re gierung Politik. Sollen etwa die Arbeiter nichts thun als beten und fromme Lieder fingen! Over etwa bloS Steuern zahlen, das Maul halten und Soldat werden? HandelSkam- mern, Innungen dürfen petitioniren, wir dürfen nicht» dergl. Solcher Beispiele könnte ich noch ein Dutzend anführen. Der blödeste Arbeiter muß erkennen, daß ihm alle Rechte genom- men und den Ardeitgebem alle Rechte zugestanden werden. Der Minister wird mir keinen einzigen Fall anführen können, daß irgend einer meiner Freunde jcmal» in einer Versamm- lung einen Streik empfohlen hätte, der ein zweischneidige» Schwert ist: fallt er unglücklich au», so ist er um so depri- mirender für die Ardeiter. Die Arbeitgeber fühlen fich nicht allein solidarisch, sondern sogar international. Da» Koali- tionsrecht der Arbeiter ist aber da» beste Mittel, um Arbeiter- tumulten vorzubeugen. Oder liegt der Regierung selbst daran, einen kleinen Putsch zu haben, um ein gewiffe« Gruseln her- --o zurufen, um gegen unS vorgehen zu können? Durch das Verbot der Strrikversammlungen arbeitet die Regie- rung den Arbeitgebern direkt in die Hände. Die Versamm- lungern der Maurer, Zimmerer, auch der Nähertnnnen werden einfach verboten, weil fie die öffentliche Ruhe und den Frieden stören könnten. Der stupideste Ardeiter muß ein- sehen, daß e» auch mit der vozialreform eitel Dunst ist, sonst müßte fie wenigstens den Schein vermeiden, daß fie die Ar- beiter rechtlos machen will. Nun, wir find damit«invelstan- den: Sie find die Eäemänner, Sie werden auch die Ernte haben! Abg. Dr. B a m b e r g e r: Ich bin weit entfernt davon, daS Gefühl der Verantwortlichkeit zu unterschätzen, welche» der preußische Minister de» Innern in dem Erlaß, der hier in Frage steht, zu tragen hat. Ich weiß sehr gut, daß die kon- zentrirte Verantwortlichkeit einer Regierung viel schwerer zu tragen ist wie die Verantwortung einer großen Korporation. DaS Gciühl, ob hier etwa» zu thun sei, unterschätze ich durch« auS nicht. Es handelt stch auch um Erscheinungen, die keine»- weg» zufälliger Statur, in organischem Zusammenhang stehen mit der ganzen Bewegung, wie stch bereit» früher wiederholt gezeigt hat, die zwar nicht riesenhafter Natur, aber immerhin unangenehm, peinlich und schmerzlich find. Diese» Gefühl der Verantwortlichkeit ist gerade in diesem Augenblick um so größer, al» die Streikbewegung eine generelle, nicht aus lonkrelen Beschwerden und vielleicht undefinirbaren Ansprüchen hergeleitet ist. Demgegenüber laffen fich aber doch gegen den, wie ich anerkenne, geschickt gemachten Erlaß schwer« wiegende Bedenken geltend machen. Man kann ihm nicht vor- werfen, daß er direkt gegen den Buchstaben der Gewer deord- nung ist. Ader e» liegt die Gefahr nahe, daß er doch so ge- deutet werde, als sollte er wirklich eine Beschränkung de» Kor- litionSrechts herbeiführen, daß, wie die Menschen einmal gear- tet find, eine Auslegung zuläsfig wäre, welche weit über den Wortlaut hinausgeht. Fedenfall» ist er geeignet, in Arbeiter- kreisen selbst den Verdacht zu erregen, daß die Tendenz dahin gehe, ihre freie Bewegung auf dem Wege dieser Auslegung zu beschränkm. Ich beklage also von Herzen, daß namentlich im zweiten Theil des Erlasse» immer von der Anwendung de» Soz alistengesctzes auf die gegenwSrlig ins Auge gefaßten Ver- sammlungen die Rede ist. H-rr Hasencleoer hat fich unnöthige Mühe gegeben, wenn er meinte, wir Freifinnigen müßten für diese» unser hübschestes Kind eintreten, wie die Löwen für ihre Fungen. Wenn ich im Zweifel aewesen wäre, od ich gegen daS So zidistengesetz stimmen sollte oder nicht, so würde dieser Zweifel beseitigt worden sein, nachdem durch diesen Erlaß der Schein erweckt ist, daß er dazu dienen soll, da« Koalitioirecht zu be- schränken. Ich glaube nicht, daß da» Sozialistenge'etz erlassen ist, um die BourgeoiSuntemehmer gegen die Proletarier zu unterstützen. Durch die Benutzung deS Sozialistengesetze» zur Eindämmung der Streikbewegung wird aber wenigsten» der Schein hervorgerufen, al» hätte diese» Gesetz die Tendenz den Wettbewerb der Arbeit zu beschränken. ES ist ja leicht mög« lich, daß fich in eine Bewegung, die einen rein wirihschafilichen Charakter hat, fich auch sozialdemokratische Elemente hinein- schmuggeln. Äehnliche» kommt aber überall vor. WaS haben wir nicht alle» unter der Fahne de» Schutze» der Nationalität sehen müffen? Diese ganze Streikbewegung ist um so be- dauerlicher, alS dadurch vielleicht der erste Anfang zu einer Umkehr zum Bessern eingeschüchtert wird. Es geht gegen die Gerechtigkeit, daß die Freiheit in einem Stande mehr ein- geschränkt wiid als in einem anderen und trotz aller Vormah- nungen von öffentlicher Stelle muß ich doch dies gewissermaßen in dem Erlaß finden. Die Koalitionsfreiheit der Arbeit- aeber nicht bloS gegen die Ardeiter, sondern auch gegen das Publilum ist eine völlig unbeschränkte. Sie wird auch vom Staat« begünstigt. Wir haben die Schienen« und die Kon- vention der I-tefabrikanten, welche dm Prei» der Waare fest- setzen und die stch darauf stützen, daß ihnen die freie Konkurrenz durch Schutzzölle vom Halse gehalten wird. Dem gegenüber ist eS doppelt bedenklich, dem Arbeiter de» freie Koalitionsrecht rauben zu wollen. Wir hören auch nicht, daß in anderen Ländern ähnliche Maßregeln gegen die Arbeiter ergriffen wer- den. ES wird außerordentlich schwer sein, die Grenze zu ziehen, ob ein solcher Streikführer wirklich sozialdemokratische Gefühle in seiner Brust hat. Der letzte Satz de» Erlasse» iönnte leicht so mterpretirt werden, daß jeder Eircikführer auf Grund deS Sozialistengesetze» ausgewiesen werden kann. Ich muß an- nehmen, daß e» nicht die Abstcht de» Erlasse» ist, so zu ver« fahren. Dann aber ist e» gut, daß die» hier vor dem ganzen Reiche ausgesprochen wird, und ich glaube, wir haben dem Reiche und allen Betheiligten keinen schlechten Dienst geleistet, wenn wir auch nur dm Anlaß gegeben haben, daß«.der Vertreter der preußischen Regierung an alle Behörden von hier au» daS Wort richtet, daß eine Ausnutzung de» Sozialistengesetzes zm Unterdrückung der Streikbewegung durchaus nicht in diesem Erlaffe beabfichtigt ist. Vielleicht glaubt die preußisch« Regierung, der Brwegung durch ihre Maßregel einen ruhigen Verlauf fichern zu können. Dieser momentane Gewinn steht aber in keinem Verhältniß zu dem dauernden Schaden, den eine solche Maßeegel stiften kann. Ein besseres Mittel, sozialdemokratische Ideen zu verbresten, kann ti nicht geben, al» den freien Wettbewerb zu Gunstm der Ar« bettgeber zu beseitigen. Detbalb bedauere ich die Maßregel der preußischen Regierung.(Beifall linkt.) BundeSbevollmächttgter Minister v. Puttkamer: Ich möchte mich in meiner Erwiderung ausschließlich mit Herrn Bamderger beschäftigen, von dessen Rede ich anerkenne, daß fie nicht nur in der Form sehr maßvoll, sondern auch sachlich in Bezug auf die Fix rung VeS materiellen Standpunktes stch bei Weitem nicht so gegnerisch dem Erlaß gegenübergestellt hat, wie ich es bei seiner sonstigen Stellungnahme defürchten mußte. Vorweg erkläre ich, daß es mir gar nicht in den Smn ge. kommen ist, die Maßregeln, welche ich durch meine Zirkular« veriügung vom 11. April dm Behörden der preußischen Monarchie zur Erwägung gegeben habe, irgend einer anderen StaatSregierung mitzuiheilen; meine Verantwortlichkeit polttisch und rein amtlich deruht ausschließlich im Rahmen de» Gebiets der Monarchie, eine solche Mittheilung hätte nur durch das Organ des BundeSpräfiviums erfolgen können. Ich muß also jeden Verdacht, als Härte ich hier für da» Deutsche R-ich eine umfassende Maßregel anbahnen wollen, von mir abweisen. In der Sache selbst betone ich auf das Allerentschiedenste, daß es mir durchaus fern gelegen hat, in dieser meiner Verfügung auch nur den Schatten einer Direktive dafür zu geben, daß man zu einer Ernichränkung des Koali ionsrechtS der Arbeiter schreiten sollte. Mit klareren und unzweideutigeren Worten, als geschehen, konnte dieser Standpunkt in der Zir- kularverfügung gar nicht zum Ausdruck gebracht wer- den. Ader die Verantwortlichkeit für die Ruhe, Ord- nung und Sicherheit innerhalb de» Gebiets der preußischen Monarchie legt dem preußischen Minister des Innern die un- bedingte Pflicht auf, in allen Stadien der Ardeiterbewegung auf daS G naueste zu erwägen, wo die Grenze ist, bei welcher seine Verpflichtung beginnt, den Behörden seines R.ssorts zur Erwägung zu geben, ob ein Einichrerten auS jenem obersten G stchtspunkte geboten ist. Die KoalitionSfreihett ist in jenem Erlaß in keiner Weise beschränkt. Ich habe ja nicht die Ver« pflichtung, dem Reichstage ausführlich darzulegen welche Früchte die praktische Ausübung des RoalitionSrechtes seit 1869 bisher gezeitigt hat. Ich halte dieje Früchte im großen und ganzen für äußerst bellagentwerth; wenn ich die Masse von Elend und sozialer Zerrüttung in der Arbetterwelt, die Anhäufung von Haß und Ingrimm und Verhetzung in Rechnung ziehe, die durch diese Arbeitseinstellungen bisher im Gebiete des Deutschen R-ichS stch herausgestellt hat, dann wird mir der materielle Werth dieses Rechts alS einer, wie ich anerkmne, legitimen Waffe des Ardeitersta? de» in höchstem Maße zweifelhaft.(Hört, hört! links.) Herr Bamberger hat mit einem Optimismus, der seinem Herzen alle Ehre macht, dem ich aber ein erhebliche» staatSmännischeS Ge- wicht nicht beimessen kann, heute wie früher auf unser große» Arsenal von Schutz- und Kampfmitteln hingewiesen. DaS ist eben der so oft betonte prinzipielle Unterschied zwischen ihm und den verbündeten Regierungen und auch der ReickSgesetz- gebung; diese hat den verbündeten Regierungen die Waffe in die Hand gelegt, welche dam bestimmt ist, prophylaktisch, vor« sorglich einzutreten, bevor Thatsachen zur Erscheinung kommen, die unS H-rr Bamberger alS ganz entfernt hinstellt. Da muß ich nun sagen, daß in der heutigen Z-it und an der Hand der Erfahrung man bestimmt behaupten kann und muß, daß hinter jeder größeren Arbeiterbewegung, die auf zwangsweise Er- höhung der Löhne derecknet ist, die Hydra der Gewaltthat und der Anarchie lauert. Wer daS beute noch nicht einsehen will, der will die Augen gegen die Gewalt der Thatsachen absolut verschließen. Daß diese Slrettbewegungen in den allermeisten Fällen in der kläglichsten Weise scheitern, daß von ihnen nicht» übrig bleibt wie eine Au'speicherung von Haß und Erbitterung, ist Thatsache. Wenn die Gemüthcr auf diese Weise für die Gewaltihat vorrereitet find, dann möchte ich doch Herrn Bamderger fragen, od er denn in der That mit solcher platonischen Ruhe diese Bewegung wird ansehen lönnen. Nehmen Sie daS Beispiel unserer Nachbarländer. Zuerst Nöchigung und Zwang gegen die ArbettSgenoffen— da» haben wir hier in Berlin im vorigen Sommer tagtäglich erlebt—, dann der Entschluß, fich mit lhatlickem Widerstande auf die Arbeitgeber zu werfen; schließlich kulminirt die Sache in dem offenen Widerstand gegen die Staatsgewalt, und dann treten die Erscheinungen ein, denen wir, soweit an un» ist, vorbeugen wollen, wahrend Herr Bamderger abwarten wird, bis fie eintreten, und dann ein Maß von Energie von uns verlangen wird, wie wir e» aufzudringen schwerlich in der Lage find. Herr Haseuclever führte au», die Sozialdemokraten seien gar keine Fieunde der Stretlbcmegungen; ich sag-, fie find dessenungeachtet die eifrigsten Pfleger aller Streik« bewegungen, und die Gründe dafür liegen auf der flachen Hand. Der Sozialdemokratie ist die Lohnbewegung an fich höchst gleichgiltig, ja sogar unangenehm,; fie bemächtigt fich derselben nu-, um durch die Tharsachen zu demonstriren, daß der heutige Zustand unverbesserlich ist, und weil fie so ihrem Ziele, dem Umsturz, näher zu kommen hofft. Es wäre sehr naiv, da» abzuleugnen oder auch nur abschwächen zu wollen. Herr Meister sagt, wir wünschen nichts drtnaender, al» daß alle diese Bewegungen fich in friedlichster Weise entwickeln könnten; ich glaube ihm daS einfach nicht, e» ist dasselbe Doppelspiel, waS seine Freunde hier auf der Tribüne fort. während auffübeen. In demselben Moment, wo die Ver- treter der deutschen Sozialdemokratie hier von Verficherungen überfließen, daß ihnen nichts weniger erwünscht sei, ol« Bus- drüche der Leidenschaftlichkeit, nimmt ihr offizieller Moniteur in der allerentschiedensten Weise in zwei aufeinander« olgenden Nummern für die nordamerikanischen Anarchist-n Partei, (Abg. Liebknecht: Falsch!) So? Dann werde ich e» Ihnen vorlesen.(Der Minister verliest die betreffenden Stellen aus den beiden Nummern deS Züricher„Sozialdemokrat"; das Schlußzttat lautet:„Dem allgemeinen Geschrei gegenüber aber, das gegen die Anarchistrn erhodrn wird, halten wir eS für unsere Pflicht, zu konstatiren, daß fich dieselben, von der einen geworfenen Bombe abgesehen, in durchaus legitimer Vertheidigung ihres guten Recht» befunden haben.") Ich weiß nicht, ob Ihnen Allen der Verlauf der Chikagoer Gräuelthaten so bekannt ist, daß Sie das ganze Erstaunen, was ich bei die- sen Artikeln empfunden habe, theiien können. ES find AuS- schrettunzen unglaublich brutaler Natur vorgekommen; fie spotten so jeder Beschreibung und treten so jedes göttliche und menschliche Recht mit Füßen, daß man glauben sollte, selbst Herr Most mit seiner„Freiheit" würde Bedenken tragen, fich so offen und eklatant auf die Seite jener Moidbrennerbanden zu stellen, wie es der offizielle Moniteur der sozialdemokratischen Partei de» Reich!« tage» thut. Damit hört jeder Glaube an die Ver« ficherungen jener Herren auf. Ich habe immer geglaubt, und glaube noch heute, daß fie die bestehenden Mißstände de- nutz-n zur Verführung der Arbeiter zur Gewaltihat. Wir haben e» mit jenen niederträchtigen Agitatoren zu thun, die stch mästen mit dem Schweiße der Arbeiter und ein Lunger- leben führen. Daß ich den Herm Polizeiprästdenten von Berlin nicht schon gebeten habe, einige dieser Matadore beim Schöpfe zu nehmen und auszuweisen, liegt allein daran daß dieselben in einen Prozeß verwickelt find, worin die Polizei gewissermaßen eine Parteirolle spielt, und dessen Aue gang erst abgewartet wird. Ueder solche Erscheinungen darf man nicht, wie Herr Bamderger, mit Achselzucken hinweg gehen. Wir haben die Pfl-cht, wenn eS geboten ist, auch drakonisch unsere gesetzlichen Vollmachten wahrzunehmen. Wir werden auch das leiseste Anzeichen für drohende Geiahr nicht unbeachtet lassen, sondern rechtzeitig vorbeugende Maßregeln treffen. Diesen und keinen anderen Charakter hat meine Verfügung vom 11. April gehabt.(Beifall recht».) Abg. Hasenclever: Wenn der Herr Minister mir nicht glaubt, daß wir keine Streiks wollen, so kann ich da» nicht ändern. Er hat den Erlaß in seinem ersten Theile all ganz harmlos hingestellt und gesagt, mer die deutsche Sprach! kenne, müsse fich über die Bedeutung de» Erlasse» klar sei». Die deutsche Sprache wird verschieden ausgelegt, und H«| von Puttkamer hat ja eine ganz besondere AuelegungSlunst peieigt, al» er daS Wort„sofort" in„drei Monate" übersetzte. Hinter jedem Worte steckt ein Polizeiangriff auf da» arbeiten«! Volk. Ueber Eines werden wir un» wohl auch nie einigin, daß wir die Verantworiung für jeden Artikel de» Zentral- organ» der Sozialdemokraten übernehmen sollen. Heden&( das Ausnahmegesetz auf, und wenn dann hier unser Blatt erscheinen kann, dann wollen wir die Verantwottune übernehmen. Warum zitirt der Minister nicht eü>! andere Stelle derselben Nummer? Da heißt e«:„3B:| baden die Taktik jener Revolutionäre der That stet« für finnlos erklärt." Und dieser Artikel ist aus Deuischlan«. Daß Herr Bamberger den ersten Theil deS Erlasses so Hann- los auffaßt, kann ich nicht billigen, denn er richtet stch aul' schließlich gegen die Arbeiter zum Schutze der Arbeitgedek. Wenn diese Besprechung auch keinen faktischen Erfolg hab«> wird, so wird fie doch einen doppelten Nutzen haben, daß«k Bemerkungen deS Abg. Bamberger dem Volke bekannt werde« und daß die Arbeiter im Rheinland erfahren, daß da» Ze«' trum nicht einmal für eine Besprechung der Jnterpellatta« eingetreten ist. DaS wird in einzelnen Gegenden nicht gew gesehen werden. Herr v. Boetticher hat unser Verhalten ur- patriotisch und undeutsch genannt. Nun, wenn da»»«- patriotisch ist, daß ich geg. Gertraudtenstrahe sowre die Straße„am find""Markt" bis«urstraße und die Gertraudten. Brücke kfit i-I(a schreibt man der„Vosfischen Zestung"— «esot'�Serer Zeil behufs Legung der Pferdedahnschienen PV------------ ie!l«nn\ivntt«we der wichtig______________________ [«st B,f Bürger steige und de» Fahrdammei gleichzeitig Jjt oder die Passage fast lebensgefährlich ist. An a1 na* B?en Erneuerung der Brücke arbeiten 4 Zimmerer, Mit Veranschlagung 6 Wochen zu thun haben werden, *' Bür»-?M�ni die vierfache Anzahl angestellt sein sollte. % tin L??tig, liegen aufgerissen tagelang da, ohne daß auch «iltch gearbeitet wird, und nur gute Akrobaten find im Stande, ohne Gefahr die» Chaos zu pasfiren. Ja noch mehr, der schon zu enge, viel zu schmale Bürgersteig von der Kurstraße bi» zur Brücke wird noch verschmälert. Man sehe fich nur von 12—2 Mittag» und 7—9 Uhr Abend» diesen Verkehr an; nur Einer kann hinter dem Andern gehen, ohne Zuhilienahme de» Fahrdamme» ist kein Fortkommen und nun stelle man fich einen noch schmaleren Pfad vor und die Passage der Pferdebahn auf zwei Geleisen in dieser engen Straße! Da» erfordert zur Sicherheit deS Publikums dringend Abhilfe, mindestens aber sollten die Arbeiten mehr gefördert werden. Bereit» ist eine Petition zu diesem BeHufe im Um- lauf gesetzt._ Vom Unglück in der denkbar grausamsten Weise heimgesucht zu werden war der Familie deS Damenschneider- meister» Anton Wächter, früher Dennewitzstr. 35 wohnhaft, de« schieden, welcher erst vor wenigen Tagen aus einer viereinhalb Munate langen, unschuldig erlittenen Untersuchungshaft ent- lassen worden ist. Die W.'i'che Familie, welche bis dahin in wohlgeordneten, glücklichen Verhältnissen lebte, ist durch die schweren SchickialSschläge geistig und finanziell total ruinirt. Hier die entsetzliche Leidensgeschichte: Anfang? August v. I. erkrankte die Ehefrau, nachdem ste schon längere Z-it an Herz« lähmung gelitten, plötzlich aufs Heftigste, indem fie ohnmächtig zusammenbrach; erst seit Kurzem ist fie durch die aufopfernden Bemühungen dreier Äerzte außer Lebensgefahr gebracht. Ende August wurde die älteste Tochter von einem Echlaganfall be« troffen, verlor Sprache und Geist und genas erst langsam durch ärztliche Hilft. Mitte Oktober wurde in einer Nacht der er« wachsen« Sohn durch zwei Schutzleute mittelst einer Droschke in die elterliche Wohnung gebracht, da er fich bei einem un« glücklichen Fall da» Knüchelgelcnk gebrochen und daS Wadenbein zersplittert hatte. Am 1. Noiember, an einem trüben Tage brach durch Explofionen einer Pe« troleum> Lampe Feuer in der W.'schm Wohnung auS, welches in ganz kurzer Zeit die ganzen Sachen der un glücklichen Familie, sowie in Arbeit befindliche ftemde Kleidungs« stücke und Stoffe von namhaftem Werth vernichtete. Zwei Monate später, als die Familie fich am ersten Weihnachtk« feiertage. Abend» 6 Uhr, um den bescheidenen Weihnachtstisch versammelt hatte, traten zwei Polizeibeamte in» Zimmer und verhafteten den ca. 60 Jahre allen Ehemann wegen Ver« dachtS der Brandstiftung. Vier und einen halben Monat in UntersuchungSbaft gestssen, wurde der bi» dahin vollständig unbescholtene W. in öffentlicher Verhandlung deS Schwurgericht» am 10. d. M. nach nur 6 Minuten langer Be« rathung der Geschworenen von der Anklage der Brandstiftung freigesprochen, al» unschuldig erklärt und demgemäß au» der Untersuchungshaft entlassen. Bei Publikation de» frei« sprechenden Urtheil» betonte der Vorsttzende, Landgerichts- Direktor Schmidt, ausdrücklich, daß ein anderes Resultat nach Lage der Sache nicht zu erwarten gewesen sei. Bei diesem Prozeß hat fich wieder einmal zur Evidenz erwiesen, wie widersprechende Aussagen die geladenen Zeugen machen. Sie waren zum Theil so unglaubwürdig, daß ver Vorsttzende sofort Gelegenheit nahm, die Wahrheit der Behauptungen laut anzuzweifeln. Geringfügige Kalamitäteni wie fie in jeder Familie einmal eintreten, bildeten BeweiSmomerte, daß da» Feuer angelegt worden sei, um die VerstcherungSsumme zu er« langen. Daß eine direlle Gildnoth zur Zeit des Brande» nicht vorbanden gewesen, wie» der Angeklagte nach, denn er hatte noch die Woche vor dem Brande 210 Mark eingenommen, davon inzwischen 150 Mark verausgabt und am Tage de» BrandeS waren noch 80 Mark im Besitz der Familie. Außerdem hatte W. an Arbeitslohn für Mäntel von hiestgen Kon- fektionSfirmen über 200 M. zu fordern und für in Arbeit de« findliche Sachen für eine vomehme Prioatkundschaft einen ebenso hohen Betrag in der nächsten Woche zu erwarten. Welche Drangsalen und Seelenqualen die ihres Ernährer» plötzlich beraubte Familie und der in Untersuchungshaft defi-d« liche unschuldige Angeklagte ausgestanden, kann fich ein jeder denken. Während alle» Hab und Gut thetlS durch die Steuer. behörde abgepfändet, theil» zum nothdürftiaen Unterhalt ver« kauft und verpfändet wurde, ist der inhaftirt gewesene W. geistig und phystsch gebrochen und zu einem Greise geworden. Die in wer igen Monaten vollständig ruinirte Wächter'sche Familie ist jetzt auf dft alleinige Stütze de» Schwiegersohnes, eine» selbst in bescheidenen Verhältnissen lebenden Eisendahn« beamten. angewiesen. Feine Wilddiebe. Vor längerer Zeit wurde in der Nähe von Fretenhagen in der königlichen Forst ein Arbeiter erschossen gefunden, der schon längst im Verdacht der Wild- diederei stand. Durch einen bei der Leiche gefundenen Brief wurde der Barbierherr H. in Oranienburg verartig kompro« mittirt, daß gegen ihn Anklage wegen Ausübung der Wild« diederei erHoden wurde. Um fich der Bestrafung zu entziehen, hat H. kürzlich seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemocht. Bei H. sollen aber wiederum Briefe vorgefunden sein, durch welche noch andere Personen kompromtttirt und auch die Ab- nehmer des gestohlenen WildeS bekannt werden, und eS ist daher nicht zu verwundern, daß in Oranienburg eine große Auftegung herrsch«, zumal, wie verlautet, Männer in diese An- gelegenhett verwickelt sein sollen, von denen man fich dessen nicht versehen hätte. Man macht auf eine« Schlafstellendieb aufmerksam, der fich nicht, wie die meisten seinesgleichen, darauf beschränkt, offen daliegende Sachen mitgehen zu heißen, sondern einbricht, und dieS noch dazu stets sinnreich einzuleiten weiß. Der Mann ist 40 Jahre all, 1,70 M. groß, von abgelebtem Aussehen, mit braunem Haar und Schurbart und treibt bereits seit einigen Monaten sein Unwesen in der ganzen Stadt. Beim Einmiethen aiedt er vor, er komme von außerhalb und sei hier bei einer Eisenbahn als Beamter angestellt. Er pflegt sogar Kapital in sein Geschäft zu stecken. Um die Vermiether fich« zu machen, zahlt er 2 bls 3 M an und fordert fich polizeiliche Anmelde. Formulare, die« eigenhändig ausfüllt. Mit diesen Anmel» düngen sendet« die Vermiether zu dem HauSwirth oder nach dem Polizeidureau und erbricht während dies« Zeit Behältnisse, die ihm oersprechend aussehen, um fich mit dem gestohlenen Gut heimlich zu entfernen. Dem Thäter ist e» auf diese Weise bereit» gelungen, einige fünfzig, meistentheil» schwere Dieb« stähle auszuführen.— Von einem zweiten harmloseren, aber auch nickt empfehlenSwerthen Miether hö-en wir von ander« Seite. Es ist ein etwa 24 Jahre alt« Mann, welcher de« sondnS den Norden Berlin» deglückt. Er giebt an Student zu sein und miethet mödlirte Zimmer, die er schon nach 3 bi» 4 Tagen heimlich verläßt, ohne die Miethe zu bezahlen- Seine Sachen sollen auf dir Bahn liegen, in Wirklichkeit aber hat fie ihm seine erste Wirthin einbehalten. Seit dem I-Mai hat der angebliche Student bereit» fünf Zimmer rermiethninnen in dies« Weise detrogen. Zuletzt hatte er am 16. Mai in einem Hause d« Gartenftraße gewohnt und da» Zimmn vorgestern ftüh heimlich verlassen. Einen frechen Schwindel betreiben einige Jndustrieritt« von Halle a. S- au», indem fie in den gelesensten hiestgen Zeitungen fich als HeirathSvermittler empfehlen, die sebr reiche Damen und vornehme Kavaliere zu vergeben haben. T'vtzdcm jene Herren in Halle zu wohnen angeben, haben ste, wenigstens für den Berlin«, ihre heirathSlustige Waare hier am Lager. In dem Falle, welchen wir im Äuge haben, meldete fich ein den destm bürgerlichen Stünden angehörender junger Mann auf eine Annonze in einer hiestgen Z itung. Von Halle aus bekam er die Aufford«ung, seine V«hältnisse klar zu legen und seine Ansprüche aufzuzeichnen. In prompter Weise erfolgte hierauf die Antwort und da» Gesuch um einen Vorschuß von dreißig Mark, um in Berlin direll mit dem Bat« de» Mäd' chens, welch« al» steinreicher Mann im Thingarten wohne, direkt zu unterhandeln. Der HeirathSlustige Kandidat, der fich schon im Btfiy der reichen Erbin wähnte, packte dreißig Mark ein und sprach in dem Begleitschreiben die Hoffnung aus, die Sendling« seine» späteren Familien glückes bald begrüßen zu können. Nach einigen Tagen meldeten fich auch zwei bied«e H-rren, die nun in den rofigstm Farben die Vorzüge dieser„Mariage", zugleich aber auch die Schwierigkeiten schilderten, bevor ihnen die Partie an die Hand gegeben war. Der Rede schw«« Nachdruck gipfelt« wiederum in dem bescheidenen Verlangen nach einem kleinen Vorschuß für den kostspieligen Äufenthatt in B«lin, aber der„Kandidat", der selbst einen Vorschuß von seinem zu« künftigen Schwiegerp apa recht guthätte brauchen können, lehnte das Gesuch der VermiMer mit dem Bemerken vornehm ad, daß es für ihn ein drückende? Gefühl sei, wenn« auf so kost- spielige Weise fich in daS Herz der Auserkormen einschmuggeln wollte. Man einigte fich schließlich doch mit einem ReonS und am nächsten Tage sollte die LiebcSkomödie in Szene gehen. Am folgenden Morgen traf jedoch die Nachricht ein, daß daS Mädchen mit ihrem Papa nach Italien gereist sei und in 14 Tagen spätesten» zurückkehren würde, sonst befände fich AlleS in Ordnung. Zwei Monate find nun darüber hinge« gangen, der Kandidat hat trotz seiner Mahnungen nie wieder etwas von seiner reichen ZulunftSdraut, noch von seinen Ver» mittlem gehört, wohl aber ist« überzeugt, daß er in Folge eineS frechen Betruges ca. 40 M. losgeworden. Die angeblichen Hallenser find unbedingt B«liner Jndustrieritt«! Aus der Jrren-Anstalt zu Dalldorf entwichen ist vor- gestern Nachmittag der geisteskranke, vielfach bestrafte„Arbeiter" Wilhelm Jung, genannt der Stotter-Wilhelm, als« mit Malerarbeiten außerhalb seines Pavillons beschäftigt war. Jung hat vorher daS Schlafzimmer eine» ArzteS geöffnet und au» dem Kleiderschrank einen dunklen Kammgarnrock, eine dunkle Weste und Hose entwendet und fich damit bekleidet. Der 29 Jahre alte„wilde Mann" ist jetzt zum vierten Male aus qu. Anstalt entsprungen.— Sehr verrückt scheint dies« hoffnungsvolle Herr also nicht zu sein. Durch Herabstürzen einer großen Figur au» Gyps von dem Dach eines HofgedäudeS in den mit Menschen stark desetzten RestaurationSgarten dcs Buggenhagenschen Etabliffe- mentS am Moritzplatz hätte gestern Abend sehr leicht ein große» Unglück entstehen können. Mehrere große Stücke d« Figur fielen zu den Füßen der im Garten fitzenden Personen, nach« dem die Figur durch Aufschlagen auf einen Balkon zertrümmert worden war. Verletzt wurde mnkwürdigerwetse Niemand, da« gegen verlor, wie uns mitgethellt wird, eine junge sehr nervöse Dame vor Schreck die Sp ache. Markthalleu-Bertcht vo» I. Sandmann, städtischem Berkaufsoermittler, Berlin, Zentral'Marllyalle, den 20. Mai. Die Zufuhren waren heute in Folge deS gestrigen Feiertages nicht dedeutend» hierdurch hiellen fich die Preise fest«. Es empfiehlt fich nicht, die Maaren für die Verkaufsvermittl« an da» Markchallen- Amt zu adrcsfiren, weil die Maaren in diesem Falle meist vnspätet eingehen. Die Maaren an da» Marlt» hallen Amt bleiben oft einen ganzen Tag ausstehen, weil um 9 Uhr Abends eingetroffene Güter in der Nacht auf daS Markt« Hallengeleise üdergesühct werden. DaS direkte Adrejfiren ist diS auf weitere» vorzuziehen. ES brachten heute Spargel 30-60 Pf., Gurken 18-20 Pf., Rehe 60 PH, ZKrebse 1,50 bi» 3 Ml. In anderen Artikeln hielten fich die Preis« fester. Fischauktion vom 20. Mai. Schellfisch Dorsch ft. Flunder Zander groß „ mittel Lachs iorelle Elblach» prr Kllo 26 Pf. 250 Die Zufuhren in anderen Artikeln als F-.schen find heute fast ausschließlich fteihändig abgegeben worden und«zielten normale Preise. Poltzet-Vertcht. Am 20. d. M. früh brachte fich der Kutsch« Wache auf dem Grundstück Köpnickerstraße Nr. 68 au? unbekannter Veranlassung Schnitte in beide Unterarme bei, durch welche die Pulsadern durchschnitten wurden. Er wurde noch lebend nach der CharijS gebracht.— Gegen Mittag gerieth der 2 Jah:e alte Knabe eineS auf der L ingestraße wohnhaften Schuhmachers, welcher, während sein« Mutter fich mit anderen Personen unterhielt, unbeauffichtigt auf der Straße vor dem Hause spielte, unter die Räder eine» in Schalt fahrenden Bierwagen» und wurde überfahren. Den Kutsch« trifft keine Schuld.— Am Nachmittag desselben Tageö fiel ein mit dem Anstreichen der Faffade des Dio- ramaS im Ausstellung»- Parke beschäftigter Mal« von einem 3 Meter hohen Bockgerüst und erlitt durch den Fall «ine Verstauchung des Rückgrats.— Ebenfalls am Nachmittag wurde in der Frauenbadeanstalt vor dem Sttalauer Thor ein etwa 13 Jahre altes unbekanntes Mädchen im Wasser von Krämpfen befallen und mußte, da e» fich trotz ärztlicher Hilfe fich nicht erholte, nach dem Krankenbause Bethanien gebracht werden.— Gegen Abend desselben Tages wurde in der Fran« jeckistraße, an der Ecke der Hochmeisteistraße, ein 10 Jahre alter Knabe von dem in vorschriftswidrig kurzem Bogen fahrenden, durch den Kutscher um die Ecke geführten Wagen übe, fahren.— Zu ders-lben Zeit wurde ein Dienstmädchen in d« Wohnung ihr« Dienstherrschaft in der Lichterfelderstraße erhängt vorgefunden._ Gerichts-Zeitung. t Der Schankwtrlh Jacob», stand gestern vor d« 97. Abtheilung deS h«fiqcn Schöffengerichts unter der Anklage, in fünf Fäll:» das Verweilen von Gästen in seinem Lokale üb« die auf 11 Uhr festgesetzte Polizeistunde hinau» geduldet und in vier Fällen öffentliche Tanzlustbarketten, die von ca. 200 Personen besucht waren, ohne die dazu erford«lichc polizeiliche Erlaudniß zu defiven, veranstaltet zu haben. Zu seiner Vertheidigung machte Herr I coby geltend, daß seitens de» Polizei. Präfider ten von Berlin den Gastwtrthen gestattet worden sei, ihren Gästen den Aufenthalt noch eine Viertel« stunde üb« die Polizeistunde hinaus zu erlauben, damit sie in Ruhe ihr Bi« austrinken und die Zeche degleichen könnten. Auch seine Gäste hätten sich nie über V«12 Uhr in seinem Restaurant aufgehalten, zumal er die P-axiS befolge, Punkt 11 Uhr Feierabend zu gebieten. Die Tan, lustbar- leiten seien von seinen Gäste n, die gesellig zusammensaßen, unter fich veranstaltet worden; er habe den Mufiker wed« geholt, noch dezahlt, noch sei Entree gefordert und entrichtet werden. Auch seien in seinem ganzen Lokale nur 120 Stühle vorbanden und d« kleine Raum, in dem getanzt worden sei, fafie nur 40 Personen. Zum Beweise beantrage er die Vernehmung zwei« Vorstandsmitglieder jener Vereine, auS deren Mitte bei ihrem gemütblichen Beisammen« sein ein Tänzchen arrangirt worden wäre. ES wurden hierauf die Zeugen. 1 Polizei Lieutenant und 4 Kriminal Schutzmänner, vernommen. D« He« Polizei Lieutenant sagte aus, daß er am 23. März eine Versammlung überwacht habe, die diS nach Vfl2 Uhr NachtS tagte. Beim Verlaffen de» VersammlungS« zimmers bade er im Lokal« noch Gäste bemerkt, die beim Bi« saßen. Ebenso sagten die übrigen Z-ug-n au», daß ste bei verschiedenen Revifionen nach 11 Uhr noch Gäste angetroffen hätten. Durch diese Zeugnisse wurde auch fest« gestellt, daß Herr Jakoby Tanzlustdarkeiten geduldet habe. Der Herr Amtsanwalt brantragte für jeden Fall 1 Tag Hast. Stach kurzer B«athung wurde dahin erkannt, daß dn Ange- klagte für jeden Fall mit 2 Tagen Haft, für 9 Fälle also mit 18 Tagen Halt zu bestrafen und die Strafe nach§ 74 de» St.-G-B. auf eine Gesammtstrafe von 3 Wochen Hast zu«» höhen sei. Der Wirth habe nicht allein die Verpfiichtung, Feierabend zu gebieten, er müffe sogar polizeiliten Schutz an« rufen, wenn seine Gäste zum Verlaffen dei LolalZ nicht zu be» Die Nothwendigteit der Beruf«»« wurde dieser Tage wieder recht dcuiltch durch eine Verhandlung bewiesen, die in unserem Vororte bald seit Jahretfrist die Gemüther der Be« wohner deschälttgt. Zwei Kit her unbescholtene Gärtnerei« befitzer— Vater und Sohn— waren wegen Diebstahli vom Schöffengericht zu einer Freiheitistrafe verurtheilt worden, der '' c zweite zu 3 Tagen Gefängnitz. Im erster e zu 4 Wochen, der„-----—,_.„__ Furt v. I. waren nul dem Garten de« Nachbari der Ange- klagten 4 bis 5 Mandeln Gurken im Werthe von 25 M. ent. wmdet worden, und zwar anscheinend auf verwegene Welse, die fast an schweren Diebstahl grenzte. Der Verdacht lenkte stch auf die Angeklagten, wm die Thäter augenscheinlich durch den liickenhaften Zaun, der zwischen den beiden Gärten stand, ihren Weg genommen hatten; ferner deckten sich die Fußspuren ziemlich genau mit den Formen der Fußbekleidungen, welche die Angeklagten trugen. Einige von den gestohlenen Gurken hatten endlich eine besondere Gestalt und sollen später von den verdächtigten Gärtnern zu Markte gebracht sein sollen. Auf dies« Punkte stützte sich die Veruri Heilung. In der Verhandlung vor der 1. Straf« tammer wurde jedoch von Fachleuten erklärt, daß die fraglichen Merkmale bei den Gurken keineiwegi selten vorkämen und daß ei außerordentlich schwer sei, derartige Früchte zu relog- noiziren. Dazu waren um dieselbe Zeit eine ganze Reihe von Gurkendiebslählen verübt worden, die in der Art der Aui- führung sehr lebhaft an den geschilderten erinnerten; inibe- sondere warm dabei auch immer zwei vetschiedene Fußspuren beobachtet worden; in einem der geplünderten Gärten fand man ein mit F. V. gezeichnetes Taschentuch; eS find da» die Anfangsbuchstaben vom Namen einei in Pankow sehr gefürch. Uten, gewohnheitsmäßigen Diebes. Auf Grund dieser verän- derten Beweisaufnahme vor der BerufungSkammer beantragte der Verthetdiaer, Rechtsanwalt Wronker, die Freisprechung, und das Gericht erkannte demgemäß, indem eS aussprach, daß man unbescholtenen Personm, die so guten RufeS fich er- freuten, einen so raffinirten Einbruchsdiebstahl gar nicht zu« muthen könne.. �. Brandenburg a. H. Vor der Strafkammer des hiefigen Amtsgerichts stand am 18. d. M. Termin in der Berufung»- fache gegen den Vergolder Ewald und Genossen an. ES handelte fich um die Abhaltung einer nicht angemeldeten Ver- sammlurg unter freiem Himmel. In erster Instanz waren Ewald zu 50 M., die übrigen acht Angeklagten zu je 5 M. Strafe verurtheilt worden, und zwar auf da» Zeugniß des PolizeikommiffarS Werder und de» Bauerngutsbefttzert Wesen- derg, welche ausgesagt hatten, daß ungefähr 150 Personen im Walde bei Neumdors versammelt gewesen seien, stch dort zwei Stunden aufgehalten und beim Auseiandergehen gerufen hätten: „Unser ReichstagSabgeordneter lebe hoch'/' Hieraus hat der erste Richter gefolgert, daß eine Versammlung, in welcher öffentliche Angelegenheiten berathen worden seien, ohne vor- herige polizeiliche Anmeldung stattgefunden hätte und hatte die Angeklagten deihald auf Grund der§§ 1, 9, 12 und 17 deS Gesetzes vom 11. März 1850 zu obiger Strafe verurtheilt. In der Berufungsinstanz wurde von Sitten des VerthetdigerS so- wie der Angeklagten daS Erlenntniß erster Instanz angegriffen, welches darin gipfelte, daß man von weitem einen Menschen- Haufen gesehen habe, von welchem nachher einige Bctheillgte alS bekannte Sozialdemokraten erkannt worden seien, eS habe also eine sozialdemokratische Versammlung stattgefunden. Dieser Auffassung schloß fich der Gerichtshof zweiter Instanz nicht an, sondern ging davon aus, daß, wenn auch nicht angenommen werden könne, daß eine derartige Anzabl von Menschen ohne einen anderen Zweck, als lediglich um eine VeranügungSpartie zu machen und zwar im Winter dei schl-chtem Wetter, fich zu« ammengefunden habe, dennoch auch nicht nachgewiesen werden önne, daß eine Versammlung abgehalten worden sei. Deshalb ei das Erlenntniß erster Instanz aufzuheben und die Ange« tagten von Kosten und Strafe freizusprechen. vereine und Nersammwngrn Der Fachverei« der Ltthographiestetnschletfer hielt am 17. d. M bei Seefeld seine erste Generaloersammlung ad. Nachdem der Kasfirer den Kaffendericht mitgetheilt und die Richtigkeit deffelben von den Revisoren bestätigt, wurde dem Kasfirer Deckarge ertheilt. Hierauf gab der Vorfitzende, Herr Rose, einen Rückblick auf die Entstehung deS Vereins und re« ferirte weiter über daS Verhalten der Kollegen zu dem Verein. Er bemerkte, daß daS Wachsen des Vereins, der Zahl der hier beschäftigten Schleifer nach, befriedigend sei. Referent legte klar, wie unter den Kollegen immer noch ein Kastengeist herrsche, indem die sogenannten„Oberschleifer" fich zum Thetl noch als Herr« scher über ihre Kollegen aufspielen. Andererseits liege dieS aber auch an d n Kollegen selbst, indem ste immer noch nicht genug Werth legm auf ihre eigene Tüchtigkeit und moralischen Lebenswandel in der Schlerfstude. Mit einem Wort: Die Harmonie fehlt. Ein wetterer Uebelftand sei, daß eS noch zu viele Kollegen giebt, welch« nur Sinn für Vergnügungen rc. haben und zu ernstem Denken nicht zu bewegen wären. Schließ- ltch betonte Redner, daß auch daS öffentliche Leben allzu sehr angekränkelt sei, und somit dem Arbeiter daS Vertrauen zum VereinSleben verloren gehe. Obwohldie VereinSthältgkeit heute mtt großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, müßten die Arbeiter stets von ihren Rechten Gebrauch machen. Zu bedauern sei die schwache B-theiligung an der Bewegung und die Uneinigkeit der Arbeiter in einzelnen Vereinen. Der Fachveretn sei der beste Oit, wo fich die Arbeiter daS nöthige Ver« ständniß ihrer Lage zu verschaffen im Stande wären. Redner schloß mit einem warmen App-ll an die Versammlung, fest und treu zusammen zu halten, in dieser schweren Zeit, um so die Krist» zu überdauern, welche fast regelmäßig in jedem Verein eintrete, nachdem daS erste„Strohfeuer" erloschen sei. — Der Steindrucker Herr Sillier als Korreferent bemerkte, daß er mit den Ausführungen des Referenten vollständig«inver« standen sei. Der Arbeiter babetselbst Schuld an seir-er schlechten Lage. Die Frethett der Arbeiter sei jetzt derartig beschränkt, daß an Erlangung weiter>r Freiheit«« augenblicklich wohl kaum zu denken wäre. Redner zitirte altdann einige Berichte aui fremden Zeitungen, woraus hervor ging, daß es noch Gegenden lebt, wo eine 12— 13stündigeiArbeitszeit regelmäßig üblich sei. r wies darauf hin, daß der Staat der Hauptfaltor sei, wel- Ifei cher den Arbeiter zu helfen im Stande wäre, und wie noth- wendig ein Normalarbeitstag sei, um den brodlosen Arbeitern Arbeit zu verschaffen. Redner oppellirte sodann edenfall« an die Anwesenden, kräftig dem Vereine zur Seite zu stehen und alt echte Pioniere in der Organisation thatrg zu sein.-Hieran schloß fich eine lebhafte Diskusfion, in der sämmtliche Redner auf die Schäden in ihrem Gewerbe hingewiesen, welche nur durch eine stramme Organisation zu bekämpfen wären. Zum Schluß wurde noch darauf hinwiesen, daß der unentgeltliche Arbeitsnachweis bei F. Rose, Prenzlauerstraße 22, stch be« Behuf« Gründung einer„Privatlehrer• Vereinigung" findet heute(Sonnabend), Abend» 8 Uhr, eine Ver« fammlung in Habel'» Brouerei. Ausschank, Kimmandanter« straße 20, statt, zu welcher jeder einzelad-n ist, der fich für die Angelegenheit interesfirt.— Durch die übertriebene Konkurrenz, durch die eigenthümliche Zusammensetzung des Privallehrer- Standes und Druck) vielfach angewandte unlautere und markt« schieierische Kampfmittel wird die Lage der Privatlehrer arg Sedrückt und läßt hinsichtlich ihres materiellen Lohne! wie der »nen gezollten Achtung viel zu wünschen übrig. Jeder Rrbei« ter ist aber seines Lohne? werrh, und wer wird dezwetfeln. daß es unter den Plivatlehrern Kräfte von ganz btdcuunder Tüch- ttgkeit giebt? Vielleicht gelingt einer Vereinigung, wenn j.e zielbewußt vorgeht, wa» vem Einzelnen nicht möglich ist, und überzeugt stch das Publikum bald einerseits von der Berech« tigung des StrebenS der Privatlehrer- Vereinigung, anderer- setts von der Nützlichkeit ihrer Thätigkeit nicht nur für ste selbst, sondern auch für die Allgemeinheit. * Fachveretn der Tischler. Heute Abend 8'/, Uhr in Jordan S Salon, Neue Grünstraße 28, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Freuden- thal über das Verhalten der Mitglieder dei Prozeffen in ge« werblichen Streitigkeiten zwischen Meistern und Gesellen. 2. Diskusfion. QuittungSvuch legitimtrt. Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Die Mitglieder werden auf die Be« stimmungen de»§ 9 de! Vereinsstatuts aufmerksam gemacht. — Die Zahlstellen de« Vereins befinden stch: 1) Blumenstraße 56(T'schlerherberge); 2. Skalitzerstraße 18 bei Stramm; 3) Belle-Allianceplatz 6 bei Hilscher; 4) ZionSkirchplatz 11 bei Hohn; 5) Müllerstraße 184 bei HSbring. Dir Zentral- Arbeits« Nachweis de« FachvereinS befindet fich auf der Tischlerherberge, Blumenstraße 56.— Die Zahlstellen find jeden Sonnabend, Abends 8V: bis 10 Uhr geöffnet. Daselbst werden Beiträge entgegengenommen und neue Mitglieder ausgenommen.— Die statistischen Fragebogen werden dei den Mitgliedern der Fach« kommisston in den Vereinsversammlungen und auf den Zahl- stellen ausgegeben. Ausgestellte Fragedogen find an die Mit- glieder der Fachkommisfion, deren Adressen auf den Bogen selbst angegeben find, zurückzuliefern. * Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Maurer, (Grundstein zu? Einigketi), öriltche Verwaltungsstelle Berlin l. Am Sonnabend, den 29. d. M., Abend» 8 Uhr, findet im Kaffenlokale,„Salon zum Deutschen Kaiser", Lolbrtngerstr. 37, ein vom Vorstand(nur für Mitglieder) arrangirteS Tanzkränzchen statt. DaS Mitgliedsbuch ist bei der Kontrole vorzuzeigen. Billets für Herren a 50 Pf., für Damen a 25 Pf. find zu haben bei: I. Pfarr, Wilsnackerstraße 20, Hof 3 H. Raschle, Reinickendorferstraße 18; E. Pfeiffer, Zietenstr. 7 part.; Lehmann, Nosti, und Mariendmferstraßen Ecke; Fröb- lich, Manteuffelstraße 86; A. Sprenger, Friedrichzfeldentraße8; S. Schulze, Wederstraße 9 l. und im Kassenlokal, Lothringer- straße 37. Der Vorstand. * Oeffentltche Ttschlerversammlung Sonntag, den 23. Mai, Vormittags 10 Uhr, in K-ller's Lokal, Andreas« straße Nr. 21. Tagesordnung: 1. Die OitSkrankenkaffe ver Tischler und Pranoforteardeiter Berlins und die Unter« fchlagungen der früheren drei Kasfirer. 2. Die Beschwerden im Medizinwesen.(Beschwerden werden in der Versammlung entgegen genommen.) 3. Der Vorstandsbeschluß. Referent: Herr W. Schmitz. * Allgemeine Buchdrucker-Versammlung heute Sonn- abend, den 22. d. M., Abeut-S 9 Uhr, dei Buggenhagen am Moritzvlatz. Oeffentltche Schneider- Versammlung Montag, den 24. Mai er., Abends 8V> Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kom- uandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Die jetzig« Lage in unserer Gewerkschaftsbewegung. Referent Herri Radnitz. 2.fDie Antwort des Herrn Hoffmann auf die Beschlüsse der Ver- sammlung vom 11. Mai er. und DaS N ueste au» der Werk- stelle von Sohns v. Hußfeld. * Verein zur Wahrung der Interessen der Klavier- arbeiter. Sonnabend, den 22. Mai, Abends 3'/» Udr, in Gratweil's Bicrhaven, Kommandanten str. 77- 79(unterer Saal), Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung vom Maskenball und Vieiteljahres- Abrechnung. 3. Vereinsangelegenheiten.— Gäste, welche gewillt find, dem Verein beizutreten, find willkommen. * Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Daebdecker Deutschland«„Einigkeit"(Einaeschr. HtlfSkaff« Nr. 69, Sitz Berlin). Sonntag, den 23. Mai, Vormittags 9 Uhr, im Lokale deS Herrn Sahm, Annenstraße 16, außerordentliche General- Versammlung. Tage» Ordnung: 1. Berichterstattung. 2. Ab- änderung der§§ 3, 4, 8, 9, 17, 21, 28, 31, 32, 36, 38 und 40 Des Statut». 3. Ergänzungswahl de» Vorstände» sowie der Ersatzmänner. 4. Verschiedenes in Kass-nangelegenheiten. * Ortskrankenkasse de« Zimmerergewerbes. General- Versammlung Sonntag, den 23. d. M., Vormittag» 10 Uhr, im Lokale Linienstrafe 8 bei Siemunv. Tagesordnung: Ver- süguna deS Herrn Ober Präsidenten, detreffcnd die Kranken- lassen- Beiträge. Dansk Forening„Freya". Forsamling hver Löver« dagasten K 9. Roscnthalerstr. 39. DanSle Blade forestndeS. OeffeutlietieVersammlungsämmtlicher Luxus Popier- Präger und Popter-Schläger Monlag, den 24. d. Mls, AdenvS 8'/, Uhr, in den„Landsberger Bierhallen", Lands- bergerstr. 82. Tagesordnung: 1. Vortrag über unsere Organi- saiion. Referent: Herr Schröter. 2. Verschiedenes. 3. Beschlußfassung über die am Himmelfahrtstage stattfindende Herren-Landpartie. Die Mitglieder werden auf den§ 3 deS Vereins-StatutS aufmerksam gemacht. Verein der Taubensreunde jeden Sonnabend Abends 3'/, Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzerstraße 41. Die öffentliche Arbeiterinneuversammtung, welche zu Donnerstag Abend nach den„Landsberger Bielhallen", Lands- bergerstr. 82, einberufen war, fand nicht statt, well die poli- zelltche Genehmigung versagt wurde. * Fachverei« sämmtlicher im Drechslergewerk be« schäftiglen GewerkSgenoffen. Außerordentliche Versammlung am Sonntag, den 23. Mai, Vormittags 10 Uhr, bei Gratweil, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag über „die Arbeiterbewegung der Jetztzeit." 2. T.>: stetige Zunahme der deschästigungSIosm Gewerl- genoffen, und waS ist unsere Aufgabe demgegenüber? 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Aufnahme neuer Mitglieder. Alle Gewerkszenoffen haben Zutritt und find besonders all- zur Zeit arbeitslosen Kollegen zu dieser Versammlung eingeladen.#, Arbetter-Bizirksvereiu Südost. Sonntag, den 23. Mai, Familien aueflug nach„Krebsjauche", Restaurant Lau'S. Die Theilnehmer treffen fich Mittags um 12'/% Uhr im Restaurant Milan. * Die Versammlung der Stellmacher Berlins, welche für Sonntag, den 23. Mai, projekttit war, findet erst am Mittwoch» den 26. Mai statt. Näheres durch die Anschlag« säul-n. Kleine Mittheilungen. Wie«, 17. Mai. Eine hefttge Detonation erschreckte am vergangenen Sonntag in der Mittagsstunde die Paffanten der Ringstraß« am FranzenSringe. Eine bübische Hand hatte auf die Schienen der Pferdebahn Sprengkörper gelegt, welche durch einen darüberrollenden Trawwcywagen zur Explosion gebracht wurden. Die Passagiere deS Waggons erzählten, der« selbe sei in Folge der Explofion etwa fußhock gehoben worden und sofort wieder mit großer Vehemenz auf die Schienen zurückgefallen. Von den unbedeutenden Beschädigungen des Waggons abgesehen, hat die Explofion leine weiteren Folgen nach stch gezogen. Pest, 19. Mai.(Vom dritten Stock gestürzt.) Der 19jährißr Zimmermann Franz KovacS war gestern NachmtttagS auf dem Gerüste eines Neubaues in der oberen Waldzelle de- schästigt. Plötzlich wurde Kovoc» vom Schwindel ersaßt und stürzte mit einem Aufschrei aus der Höhe deS dritten Stockes in die Tiefe hinab. An einm beim ersten Stocke angebrachten Balken blieb er mit der Schürze bängen, dcch schon im näch. sten Momente riß die Schürz« und Kovoc» fiel kopfüber auf die im Hofe b-stndlichen Bretter herunter. Die übrigen Arbei« ter eilten zur Hilfe herbei und«rstounten nicht wenig, al» «m>ccS fich ganz wohlgemuth vom Boden«hob und eilläric, daß ihm nichts grichehen sei. In der That halte er außer ein« unbedeutenden Wund« an der Sttrne kein«lei Vnletzu» gen«litten. Letzte Uachrichte«. Englisches Unterbau«. Im weiteren V«lauf« der UnterhauSfitzung vom 20. dS. führten der Antrag Morley'S und die Erklärung Pornell's über das irische Waffen- g e s e tz zu einer weiteren, sehr lebhaften Debatte. Lock Churchill rechtfertigte die jüngst von ihm aufgestellte Br- hauptung, daß die Loyalisten der Provinz Ulster eventuell zum bewaffneten Widerstände berechtigt seien. Gladstone da« gegen erklärte, daS Waffengesetz müffe unparteisch g-handhabt werden. Er habe zu bedauern, daß er dei Lo b Churchill'» Rede nickt anwesend gewesen sei,« höre, daß Lord Churchill° seine in Ulster geführt« Sprache zu rechtfertigen gesucht habe, « halte eS für eine Sache von hoch ernster Bedeutung, wenn Lord Churchill als früherer Minister dem Volke erkläre, daß dasselbe, wenn alle verfassungsmäßigen Mittel«schöpft seien, zum bewaffneten Widerstände berechtigt sei. Wenn das in Wirklichkett für die P-ovinz Ulst« anwendbar sein sollte, müßte es mit demselben Rechte auch für die Provinzen Leinstel und Munst« anwendbar sein. Die Regierung habe von Lord ChurchiÜ's Erklärungen bis jetzt keine Notiz genommen, u« nicht die Leidenschaften im Hause zu entfesseln. DaS irische Waffengesetz wurde schließlich mit 303 gegen 89 Stimmen in »weiter Lesung angenommen. Die Minorität bestand aus de« Parnelliten und einigen Radikalen.— Die Bill, betreffen» die Gewährung von E n t s ch ä d i g u n g für in Folge von Ruhestörungen verursachten Schaden wurde in»weiter Lesung genehmigt. Im Laufe der Debatte erklärte der Staat»- sekretar dei Innern, CbildnS, die Regierung habe beschlossen. dem Gesetze auf ein Jahr rückwirkende Kraft zu geben. D>e Fortsetzung der Berachung der irischen Verwaltungsbill wmd< auf morgen vertagt. Arbeitertumulte. Turin, 19. Mai. Meldung der„Presse': Gestern streiften 700 Maurer. Abends überflutheten dieselben die Vorstadt San Donata, vertrieben die aib itenden Maurer von den Bauplätzen und rissen Gerüste und Mauern nieder- Sofort schritt das Militär ein, welches mit einem StetnhaW empfangen wurde und fich aenöthigt sah, von der Feuerww Gebrauch zu machen. Die Polizei-Piäfeftur ist von MiK® umzingelt, da man ein Dynamtt-Attentat befürchtet., Griechenland. Da» neue griechische Kabinet ist fw' gendermaßcn zusammengesetzt: TmupiS Prästdium, Finanz«1 und interimistisch Ktteg. Vulglotis Justiz, ManetaS Kuliu» Dragumii Auswärtiges, Lombardos Inneres, Tl-eodorB Marine. DaS Ministerium sollte gestern den Eid leisten.-� ES heißt, daß an der türkisch> griechischen Grenze b» Larissa zwischm den deiderselligen Vorposten Schüsse geweckse» seien. V Arbeiterexzeß. AuS Königshütte den 18. Mai man verschiedenen Blättern: Gelegentlich d« Löhnung Deutschlandgrude kam eS zu dedaueilichen Exzessen den Bergleuten und dem B«gverwalter Schubert, wA letzterer mißhandelt und idm die Kleid« vom Leide ger# worden find. Der Grund dies« Auflehnung war, � „Königib. Ztg." zufolge, Herabsetzung des Gedinges., Streiks. Kaiserslautern, 19. Mai. Heute leM iu. afWH.«VCUl*-»►ni. iämmtliche Steinhauer einschließlich der Lehrlinge � D «teem v Blic n 3ttaä( » öS fto .." lütt« I K fe ÄS wird Dilti irffl 1878(R. G.«Bl. S. 351 ff.) wird mtt Zustimmung DeS Äf deSraths für die Dauer eines Jähret angeordnet, waS so1» In der Stadt Eprem�erg, dem Gemeindedeziik und dem GutSdezirk Kolonie HeinrichSfelZ bedürfen V e rs o/L; lungen, in welchen öffentliche Angelegenheiten«örierr berathen werden sollen, der vorgängigen schriftlichen Ge« mtgun g d« OitS Polizeibehörde. Tie Genehmigung u dem Unternehmer mindestens achlundoierzig Stunden vor Beginne d« Versammlung nachzusuchen Auf Versammlungen zum Zwecke——»»«f*™ u S'„nh»a . tiner aukgeschrie Wahl zum Reichstage oder zur Landesvertretung erstre» diese Beschränkung nicht. � Personen, von denen eine Gefährdung der öffer�� Sickerheit od« Ordnung zu besorgen ist, kann der Aule" � in d« Stadt Svremberg, dem Gemeindebezirk Slawe" dem Gutsbezirk Kolonie HeimichSfeld von der LandeS-v behörde v«sagt werden. Diese Anordnung tritt am dritten Tage nach rb1� kündiaung in Kraft. Berlin, den 20. Mai 1886. Königliches Staat»" sterium. Auch Spremberg wird also seine Ausweisungen gencbmigung von Versammlungen haben. D�egen� Waffentragen nicht verboten. Aufruhr man also am wenigsten zu befürchten. und KriefKrtste« der Redaktio«. � A. K. Andreasstr. Das Einkommen deS A deläuft fich inkl. der RepräsentationStosten auf jährlich. Die preußischen Minister, mit Ausnahme»e� V Bismarck, beziehen ein Gehalt von 36 000 M. eins»"" RepräsentattonSkosten. F. D. Auch wenn die Eheleute während *. D. Auch wenn die Eheleute wayrenv la� thatsächlich getrennt gelebt baden, muß der WeC digungSlosten für seine verstorbene Frau zahlen- j Nachlaß der letzteren hierzu nickt ausreicht... S.'M. Alte Jakobstr. 120. DaS 4. tragt blaue, das Elisabeth Regiment gelde Achse» rothem Namenszug. gstK# A. S. Wenn Ihre Frau von der katholische„ � M evangelischen üdertrelen will, so muß ste fick»/""Sc, evangelischen Geistlichen wenden und dei»iefe nehmen. Sic erfährt auch dort, welche wetteren � «forderlich find. m&aa6lt I. D.. Bandelstr. Freilich kann Ihr 5*�« stützung seitens der Orttarmenkaff« beanspruch� � die im Statut festgesetzte Unterstützungöfrtst ist. Gegm den detteffrndm Doktor, der ihm « wolle dlos faulllNze», kann er die PrivatliNv leidigung erheben. Arbeit nied«. Sic hatten von den Meistern die Vcifichel� verlangt, daß in den Herbst- und Wlntermonaten der fl»1® Stücklohn wie im Sommer od« üoerhauvt ein Stundenlohn gezahlt werde. Daraufhin machten stch die M'1" erbötia, zu Beginn der Bauzeit mtt den Gesellen einen wf.-tj-wubo oltotbiren zu wollen, der für die aanze Saison gelten 1%. Q.v" Dieses Zugeständniß genügte den Stelnhauem jedoch k« »■S'iÄsÄwg größere Dlmenfionen annehmen zu wollen. In Jelft finden zwei bis drei Versammlungen statt und zwar w;#? auf dem benachbarten oldenburgischen Gebiet. Die S! reiten o" haben Sektronen gebildet, welche ruf jeden neuanlorrmci'� Maurer fahnden, um demselben von der Aufnahme der At abzmathen. An b-r großen Kaserne haben neuerdinaS wf. � 15 Mann die Arb it eingestellt, weil sie einen Polier Mitte ernannt haben wollen. Der Belagerungszustand tu Spremberg folgende Bekannte achu--g in Kraft g! setzt: Auf Grund be!§ 28 des Gesetz-s gegen die lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom Jottonolii « % kr« K ktr � bei wun> 1 1« R s Das inende b >an «ftli ld-- rch •«iß Sie % «aanusmut»««.##,«&*»# w»*U*.«mck«*»««lag»«,«« Vu»t»g i»»«lw kW,»«thstta», I.