!*♦ iss Donnerstag, den S7. Mai 188S. in. Iatzrg. Sioiff nisli« [Irrift« etfoO' mn i» « :.S (iptiitt irjotiff rs i#* r» ®o 80, cllwttVMlall Brgan für die Intereffen der Arbeiter. »a*„»c*liK**»0lf«IIatr tätlich Morgens außer nach Gmm« uns Festtagen.«bunnweenttpreiS für Berlin frei & HauS sierteljähttich 4 Karl, monatlich 1,55 Mar!, wöchentlich 55 Pf. Postadonnemsnt i ZKatt. Eimeme Nummer I Pf. Sonntage« Nummer mit illustrÄer Beilage IG Pf. (ftttgefcoge« in der PostzeitungSm-e'»liste für IM# unter Rr. 789.) Jufertio»«gebühr beträgt für die»gespaltet« Petitzelle oder deren Raum 40 Pf. Arbeitimarkt 10 Pf-mnig?� Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Nachmittag» in der Exrcdition, Berlw 8W., Zimmerstraße 44, sowie von ollen Annme�B» Bureaux, ahm Erhöhung de» Preise», angenommen. KedaKtis«: Kenchstraß«%— Gspsdttio«: Ii««erstratze 44. Abonnement«-(Einfadung. . Mit dem 1. Juni eröffnen wir ein neue» Abonnement auf da» »KerNner Uolksblatt" mtt der Gratisbeilage „Ill»strirt-s Koaatagsblatt". Der AdonnementSprei» de» „Kerlwer Uoiksblatt" wst der wöchentl. Gratisbeilage„Illnstrirteo Konntagsblatt" "Olagt für Berlin pro Monat 1 M. 35 Pf., pro Woche 35 Pf. ,.Bestellungen werden von sämmtlichen ZeitungS'Spediteuren, T�e von unserer Expedition Zimmer st raße 44 entgegenkommen. >..Ar außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnement» den Monat Juni gegen Zahlung von 1 M. 34 Pf. an. Expedition de»..Berliner Volksblatt", Zur faje der Arbriler im der Wmkmdmstrie. a Wie unseren Lesern bekannt ist, hat der preußische VandelSminister eine Zirkularverfügung an die Bezttkeregie- �»gen erlasse», worin letztere angewiesen werden, Erhebun« Ük» über die in Zigauenfabrike» vorhandenen Mär gel °u veranstalten und besonder« festzustellen, ob l) die Arbeitsräume im Verhättniß zu der Zahl der darin beschäftigten Arbeiter zu klein und zu niedrig stad. oder ' �«et auSreicheade« Ventilation entbehren, während Folge unzweckmäßiger HeizungSvorrichtuaze« und de» in ArbeitSräume« stattfindenden Lagerns und Trocknen» von Tabak« und Zigarren vorräthe« std-.r- jugendlichen Arbeiterr. syn,�.!.' �.schlecht« in fittlicher und moralischer Beziehung j>ch die Erhebungen erstrecken. den,.-5 Vicht ander» zu erwarte«, fand dieser Erlaß bei U>e»i� Theil unserer tonangebende« Presse einen recht i*?undlichen Empfang, und Klagen Über diese„neue ii,Si.fWj9ung der so wie so schon vielgeplagten Tabak- snv �vdet man fast überall. Ä,r wollen nun keineswegs in Abrede stelle«, daß die beständige Bedrohung mit dem Monopol und be> fe buhj 018 eingeführte' hohe Tabaksteuer die Tabak- "ftne schwer gelitten hat und noch leidet; wir wisse« 8»ruCt. zu den Pofilionen deS allgemeinen Zolltarifs), welche °°lN 1. Juni ab beim Import aus Rumänien eingthoben Mden sollen, die andere Verordnung hebt den zollfreim �hlverlehr bezüglich deS Getreides rumänischer Provenienz und bestimmt, daß Getreide auS der Türkei, auS Rußland, SfWen und Bulgarien nur gegen UrsprungS-Zertifikate zum �Mveltehre zugelassen wervrn soll, damft nicht etwa Manisches Getreide auf Umwegen zollfrei eingeführt werde. Marischersetts ist außerdem die Ein- und Durchfuhr von Eilsen, Odstgattungen, Gewächsen und Pflanzentheilm aus Kanten, zur„Verhinderung der Einschleppung der Phylloxera» Mr, beziehungsweise sind die Durchfuhr von Ferkeln, ■�afen, Ziegen und Lämmern aus Rumänien durch Ungam �S veterinar-xolizeilichen Rückfichien" verboten. _ Schweden und Norwegen. e,�Dan schreibt der„Nat.-Ztg." auS Stockholm, 22. Mai. ,»Wo>mS sozialdemokratischer Verein bat vor >»?en Tagen eine Versammlung abgehalten, in welcher die rS, �fikn eines OrganisationSplancs für Agitation und Er- i»�ug sozialdemokratischer Vereine in den Provinzen diSkutirt ein?�.Aus den verschiedenen Orten soll Auskunft darüber iaö'0? werden, ob man dort den Sozialismus kennt oder b?''°b stch passend« Lokalitäten zur Abhaltung von Versamm- daselbst vorfinden und ob Parteifteunde vorbanden Agitation stützen wollen u. s. w. Ferner ........ auSgesandt werden, um Vorträge über die ade deS Sozialismus zu halten. Die Sozialisten in vburg haben am Sonntage dei Anwesenheit von 2—300 % die erste rocht Fahne in Gochendurg eingeweiht. «ab Jr°rtslchrer deS Sozialistenverein«, Schneider Heurlin, »ianMl Ueberblick über die vierjährige Thätigkett deS So- gZnZ"! in Gothenburg und behauptete, daß der sozialistische de« jMw? dem Schweigen der Presse und dem Widerwillen AdAw? im Allgemeinen gegen den Sozialismus, mehr aus- »i We als irgend ein anderer Verein in Gothenburg. b».%® tieft deS Pferdebahnpersonals in Gothenburg währte '' Hand. u. Söf. Tid" zufolge�nur kurze Zeit. Die oüüZV* setzte die Aibeitszeit auf 10 Stunden herunter und � Sie den MonatSlohn von 65 auf 70 Kronen. �..iieder den wirthschaftlichen Nothstand in Paris % in einem eingehenden Artikel der„Magd. Ztg.":„In L."* Geschäften, einige wenige Luxusindustrien ausgenommen, Stockung den bedenklichsten Grad erreicht; die Ge- u°USKerren haben ihr Personal durchgängig auf schz.�'itttl, ein Viertel eingeschränkt. Mit der die w�reszeit ist darin keine Aenderung eingetreten, und AugenMiif�h Jndustriefeste, durch welche man in diesem «SSSSSW?«- Nicht im rn u: f- w. hat bisher den PlioatunternehmungSaeist industr?. �"wgften angestachelt; in den Werkstätten der Bau- Krenast,> Mellich steht es noch öder auS, als mitten im Mord«» 7�?ter. Anständige Arbeiter betteln zu Tausenden, in den Höfen der äußeren Stadttheile- von den n,�°sten fie eher Unterstützung als von den Reichen." �e Feier zu Ehren der gefallenen u"ard ü wird noch näher berichtet: Die Aufzüge �en.il � �aS Hauptthor die steile Höhe hinan bis zu der die«eiche seit fünfzehn Jahren zum Andenken an 'velke»»!'�°stenen oder Eingescharrten mit mehr oder minder lich�lWinzen behangen ist. Der Sicherheitsdienst war treff« �sa�.Mrt. Die Agenten drängten fich nirgends vor. Die ��"sten oder Blanquifien erschienen übrigens in zwei drisch eine andere von Bogumil Dawiso« mit dem kecken, befördernden, aber geistreichen Geficht. Es waren die ton* Bilder, die er besaß, eine kleine Photographie lg,,,.verstorbene» Mutter ausgenommen, die über seinem "Ken Platz gefunden. W* 1 trotzdem hatte der Raum doch»och eine andere Ra �wückung erhalten, denn unter Schiller'« Bild kreuzten bex Paar Schläger, durch ei« altes, vielgettagenes Baad l�.arschevschas», der er früher angehört, miteinander ver- während unter denselben die alte, dreifarbige Stu« s..?wütze jetzt zugleich al» Zeiche» der Erinnerung und ».Uhrhalter diente. x„ ,n dem Fenster standen Blumen, eine prachtvolle »nd«�ose, z�i Resedafiöckchea und zwei Heliotropen, I�gMter Dawison'« Bild war ei« kleine« Sttäußchen von »„Cl. Scmachtev, aber täuschend«achgeahmte» Vergiß- Veilchen und Maiblümche» befestigt. �ibi.�war der ganze Zierrath, wenn wir die dürfttge ausnehmen, die aber nur aus kaum zwanzig " d��bestand. Da war«in Band mit Byron'S Werken % ��nginal-AuSgabe, die Dramen von Schiller, Lesfing �te» � u»d Heine'«, Freftigrath'« und Rückert'« Ge- %: u«d ei» dicker Band, der Shakespeare'- gesammelte Sisch�'benfall« im Urt-xt enthielt, lag, de«.Hamlet' auf- »KS.WNM« darin fesseln gelesen, aber selbst andere Gedanke« er S'ft Nicht in Schulde« stecke» wollte; ei« GlaS 'Wß?98-------------------- zu seine« Extravaganzen— nein, eine �•/«ge lag auf seinem Herzen. � JiduiT' l54Ut' welcher es von seiner Zimmernachbari», Vassini, erfahren, hatte ihm,«llerdingS unter d« Verschwiegenheit, mitgetheilt, daß Fräulein Schwager, Henrietten« Vater, al» reicher Onkel Gruppen, von denen die eine unter der Führung JuleS Gueide'S eine rothe Fahne entfaltete, die andere aber ohne Fahne mar- schirte. Man hatte fich darüber herumgezankt und nicht einigen können. Joffrin kam darauf in der Ansprache, die er am Grabe hielt, zurück. Er erklärte, die rothe Fahne, wie jede andere, sei ebenfalls eine RegierungSfahne und man thue daher besser, auf solche Spielerei mit bunten Fetzen ganz zu verzichten: Die Prinzipien genügten. Man pilgerte zu den Grüften der Blanqui, DeleScluze, Flourens, VallöS, Cournet. G r o tz b r i t a«« i e«« In dem zwischen den Parteien England? hin- und her» wogenden Kampfe für und wider die irische Homerule- vorläge ist Gladstone immer noch nicht entmuthigt. Er geht biS an die äußerste Grenze der Zugeständnisse, um der ge« planten großen Reform den Weg zu bahnen. Ein unS gestern Abend zugegangenes Privattelegramm auS London meldet: Das Kadinet hielt heute eine wichtige Berathung, worauf Gladstone nach Windsor zur Königin reiste. Wie„Pall Mall Gaz." erfährt, beschloß daS Kabinel, nach der zweiten Lesung der Homerulevorlage die KommisfionSberathung biS zum Herbst zu verschieben und dann die Klausel betteffend die Ausschließung der Jrländer vom Reichsparlament entweder ganzlich zu streichen, oder durch eine neue Bestimmung zu ersetzen, welche die Ausschließung auf zwei oder drei Jahre beschränkt. Durch solches Zugeständniß hofft die Regierung, von der Gruppe, deren Führer Chamberlain ist, 20 oder 30 Mitglieder für fich zu gewinnen und die zweite Lesung der Vorlage durchzusetzen. Gladstone wird vorausstchtlich am Donnerstag dem Unterhause die Gründe mittheilen, welche diesen Wechsel der ministeriellen Politik veranlaßt haben. In einer am 22. abgehattenen Versammlung von Mit- gliedern der liberalen Union(Gegner der Homerule-Bill) erklärte Lord Hartington, daß eS nothwendig sei, eine liberale Vereinigung zu bilden, um dem Drucke entgegenzuarbeiten, der auf Parlamentsmitglieder von den Parteiverfammlungen auS- geübt werde; zu diesem Zwecke werde auch die Debatte über die Homerule-Bill in die Länge gezogen. Eine solche Ver- einigung sei auch nothwendig im Hinblick auf die in Au' ficht stehenden Neuwahlen, um die liberalm Untonisten in den Stand zu setzen, ihre Sitze gegen die Homerule- Kandidaten zu behaupten. Nachdem Goschen, RylandS, der Herzog von Argyll und Lord Derby fich für den Vor- schlag ausgesprochm hatten, wurde ein General-AuSschuß auS Mitgliedern beider Häuser de« Parlaments gebildet, der die Interessen der liberalen Unionisten im Falle von Neuwahlen wahrnehmen soll. Der neugebildete Verein wird fich„Liberale Assoziation für die Aufrechterhallung der Einheit und Supre- matte der ReichSlegiSlatur" nennen. Wie maßlos selbst liberale Blätter die Lage in England und London Übertretben, ergiebt sich auS folgender Rorre- fpondenz des„Hamb. Korr.":«ES unterliegt keinem Zweifel, daß die Situation kritisch und verwirrend ist. Die Versuche, die Debatte in die Länge zu ziehen, haben den Unwillen des Landes erregt, und für Irland ist diese Verzögerung besonder? verhängnißvoll. Ganze Famllien verlassen die Insel; daS Kapital stücktet; alles Eigenthum ist entwerthet.(!) Die von den Nationalisten begonnene und betriebene Agitation hat bereit« Früchte der Anarchie und der Zerrüttung gezeitigt.(!) Und dennoch wollte Herr Gladstone diesen Leuten die Re- gierung von fünf Millionen Menschen übertragen 1 Unsere Nachkommen werden fich wundern, durch welche Mittel die britische Nation unter den Zauber eine« einzelnen so despotischen und so verzweifetten ManneS gebracht wurde. Unser Land deginnt zu lernen, daß die äußerste Ausdehnung deS Stimmrechts auf die unwissenden und bedürftigen Klassen kein Fortschritt in der Richtung der Freiheit war, und wenn jemals die Freiheit Englands untergeht, so wird es durch die Hände einer aufrührerischen Demokratie geschehen."— Bange machen gilt nicht! Italien. DaS Ergebniß der Neuwahlen in Italien liegt nunmehr fast vollständig vor. DaS auS 125 Wahlkollegien mit 485 Teputirten bekannt gewordene Ergebniß beträgt: 255 Mi- nisterielle, 179 Pentarchisten, 28 Radikale, 18 von unbekannter Partei und 5 Difstdenten. E« fehlen jetzt noch Resuttate von 10 Wahllollegien mit 23 Abgeordneten. In Florenz, Pavia, Bologna. Venedig, Pisa, Ancona, Girgenti und Piacenza hat die Regierung, in Genua, Mailand, Neapel. Messtna, Palermo und Catania die Opposition gesiegt. In Turin und Salerno gab eS gemischte Wahlen. Die Oppofition verliert Marazzo, Simonelli, Parenzo, Techio, Givagnoli, Sciarra und Caponi; die Regierung verliert Marchioni, Finanzsekretär, und Corrente, den besten Freund von Depreti«. Vom 24. bis 25. Mittag kamen in Bari 8 Cholera- erkrankungen vor, in Venedig 19 Erkrankungen und 6 Todesfälle. Spanien. Don Carlo« hat nunmehr unterm 20. Mai von Luzern auS den üblichen„Protest" erlassen, der also lautet:„Spanier! Die Usurpation beim Tode Ferdinand'« VII. wird nochmals von Amerika zurückgekommen wäre, aber an dem nämliche» Tage war ihm selbst seine kleine, untergeordnete Stellung an der hiestge« Bühne gekündigt worden, und er besaß nicht einmal Geld genug, um auf Reisen zu gehen und sich ei» neues Engagement zu suche», viel weniger ewe Zett lang zu zehre», wen» er nicht gleich an einer andere» Bühne plazirt werden konnte. Und wo durfte er das jetzt im Sommer hoffe«, wo die meiste« Theater sogar geschloffen waren?_,.... (Fortsetzung folgt.) An« Knust«nd Kebe«. Eine pikante Theatererinveruug hat der Wiener Hof- von Srippb'«„Schöne Galathea". Die Operette fand ent- ESK Agr: A«« ÄS so versteinert zu sein wie Galathea. Dam, entstand ein Mur- mein der Entrüstung und wie auf ein Signal erhoben fich sämmtliche im Saale anwesende Damen und verließen da« Hau,. Die Herren freilich blieben standhaft zurück und lorgnettirten die Unschuld auf den Breitem. DeS andern TageS wurde die Aufführung der„Schönen Galathea" in dieser AuSgabe vom � Auch eine� Höllenmaschine. Ein in der Kielerstraße in St. Pauli(Hamburg) wohnender Rentier erhielt dieser Tage ein Packet per Post von einer unbekannten Person auS Böhmen UWMWZSZ bestätigt durch die AuSmfung de« Sohne« meines Vetter« Alfons zum Könige von Spanien. Meine Vorfahren erhaben Rechte denn auch ....WD agunto, wobei ich in dieser Verwahrung von euren männlichen Armen und euren muthigen Herzen unterstützt wmde. Fest überzeugt, daß ei außerhalb dei Schutzes der rechtmäßigen Monarchie keine Stetigkett in den Gesetzen, keine Sicherheit in den Staats- Einrichtungen giedt, kämpfte ich für meine Rechte, welche die Sicherstellung eureS Wohlergehens waren, bi« alle meine Hilfsquellen erschöpft waren. Diesen Einspruch emeuere ich heute, nicht mtt den Waffen in der Hand, aber stcherltch mtt einer Entschloffenhett. die nicht geringer ist, indem ich, wenn möglich, mit noch größerer Thatkraft alS bei den früheren Ge» legenhetten meinen festen und unveränderlichen Beschluß be- kräftige, mit Hilfe GotteS meine Rechte in aller ihrer Nnver- sehrtheit aufrechtzuerhalten und mich niemals auf eine Verzicht« leistung oder einen Vergleich irgend einer Art einzulassen. Meine Rechte, welche mit denen Spaniens verschmolzen find, wurden nicht weniger mit Füßen getreten durch die Anwesen- hell eines Prinzen oder einer Prinzesfin, der unbewußten Werk» zeuge der Revolution auf dem Throne, als durch die AuS« rufung der Republik; und um fie auf die wirksamste Weise zur Geltung zu bringen, werde ich immer ohne Zögern meinen Weg verfolgen, und ich werde da« mir von der Pflicht vorge« schriebme Verfahren wählen. Spanier! Jahre entfernt von euch, unter den Bitternissen der Vergangenheit zugebracht, Jahre, während welcher mein Herz immer in den von eurer Tapferkeit und den von euren Vorfahren unsterblich gemachten Oertlichketten gelebt hat, haben mich die Erhabenheit eurer Beständigkeit gelehrt. Auf die rührenden Kundgebungen der Treue, die ihr mir unaufhörlich zukommen lasset, kann ich nicht besser antworten, al« daß ich von neuem mit dem gegenwärti- gen Einspruch die unzerstörbaren, unS einander verknüpfenden Bande defiegle und euch verfichere, daß bis zum letzten Athem- zuge das Leben eure» rechtmäßigen König« euch voll angehört. Luzern(Schweiz), 20. Ma>. Cnlos." Balkaulauder. Die Aussichten auf einen friedlichen Verlauf der ariech i« schen Frage werden immer ficherer. Außer der Entlassung von 5 Klaffen der griechischen Reserve im Gesammtbetrage von ca. 50 000 Mann ist ferner angeordnet, daß die griechischen Truppen fich von der Grenze zurückziehen und in den Grenzorten nur die gewöhnlichen Garnisonen zurücklassen sollen. Die Entdeckung der gegen den Fürsten Alexander gerichteten Verschwörung hat bereits zu peinlichen AuS» einandersetzungen zwischen der bulgarischen Regierung und rusfischen Vertretung geführt, indem von letzterer Seite die Freilassung jenes russischen Osfiziers(Nabokoff), der wegen Theilnabme an der Verschwörung verhaftet worden, verlangt wird. Da authentische Berichte bisher darüber fehlen, inwie« weit der gegen den erwähnten Offizier erhobene Verdacht be- gründet sei, hält es schwer, zu beurtheilen, od die Forderung seiner Freilassung berechtigt sei. Jedenfalls geht, wie die „Krzztg." meint, auS dieser Forderung, zumal russtscherseitS eine Betheiligung diese? Offiziers in Abrede gestellt wird, deutlich hervor, welchen Werth man in den rusfischen Kreisen darauf legt, die Annahme zu beseitigen, als sei der entdeckt« Anschlag von russischer Seite ausgegangen, oder ali wären russische Hände bei demselben im Spiele gewesen. Der Forderung ist übrigens entsprochen und Nabokoff für die Dauer der Untersuchung in Freiheit gesetzt worden.— Da« Verhältniß zwischen Bulgaren und Russen scheint trotzdem ein äußerst gespanntes zu sein. Der„Agence HavaS" zufolge haben diediplomatischen Agen- ten, mit Ausnahme des rusfischen, anläßlich der entdeckten Verschwörung ein BeglückwünschungS-Telegramm an den Fürsten gerichtet. Der msfische Konsul in Sofia, Herr Igel« ström, soll offen geäußert haben, daß binnen Monatsfrist die Russen in Philippopel sein würden und daß dem Fürsten die billigen Triumvbc, die er während seiner Tour durch Ostru- meiien gefeiert, immerhin zu gönnen seien, da sie doch wohl seine letzten Erinnerungen an Bulgarien bilden würden. Selbstverständlich find dieS nur ganz private Aeußerungen, aber die fimplen Leute in Ostrumelien find wohl nicht genug diplomatisch geschult, um zwischen der offiziellen und nichtoffi- ziellen Sprache de« Konsuls gehörig zu unterscheiden und die Opposition läßt fichS nun einmal nicht ausreden, daß Herr Jgelstrom in Allem, wa« er spricht, die Gesinnung und Mei- nung der Petersburger Regierung vertritt. Sie rechnet dem» gemäß mtt großer Zuverficht auf die Unterstützung Rußland« und glaubt, daß ei genüge, an irgend einem Puntte die be» stehende Ordnung inS Wanken zu dringen, um sofort da« ganze Gebäude der neuen staatlichen Organisation über den Haufen zu werfen. Vorderhand ist die Opposition bei den Wahlen vollständig unterlegen. Amerika. Die„Franks. Ztg." meldet unter New-Nork, 15. Mai. Der Anarchist Johann Most ist wieder in Freiheit gesetzt war- schließlich ein Schlächtergeselle den alten Leuten den Gefallen that, den für eine Höllenmaschine gehaltenen Gegenstand in den leer stehenden Stall deS Schlachthauses zu tragm. Nun wurde der Staatsanwaltschaft Anzeige gemacht von dem Vorfall. Die Frau de« Rentier« hatte fich inzwischen nach dem in Ottensen wohnenden Schwiegersohn begeben, um diesen von dem Vorfall zu benachrichtigen. Erstarrt blieb die alte Frau st-hen, als der Schwiegersohn ein laute« Lachen ausstieß. Der Vorfall klärte fich dadurch auf, daß der Schwiegersohn, ein Fabrikant, stch eine neu erfundene Rattenfalle auS Prag verschrieben und, um den Zoll zu sparen, die Adresse seines Schwiegervaters aufgegeben hatte. Die Auflösung deS RäthselS wurde sofort an die Staatsanwaltschaft telegraphirt. Wa« Alle« von einem Telegraphen-Amt verlangt wird. Vor einigen Tagen traf an eine in Serajeoo wohnende Türkin von deren gegenwärtig in Gracsanica weilenden Ehegemahl ein Telegramm ein, welches folgende Worte ent- hielt:„Sende mir den Hamdarschlüffel". Kurz nach Zustellung des Telegramms an die Adreffattn erschien— so erzählt die „BoSn. Post"— am Telegraphen-Amte ein kleiner Türken- junge mit einem jener niedlichen, landeSüblichm Schlüffelchen, welche ob ihrer riestgen Dimenfionen und wegen ihre« etwas unbequemen Transportes von den Nichttürken so sehr gefürchtet find. DaS Instrument war in das erhaltene Telegramm ein- 8< wickelt, und mtt den Worten: Eto! udri u Qraoanion!(Da ast l„Klopfe" da« nach Gracsanica) legte der Junge daS Schlüffelmonstrum vor den erstaunten Beamten hin. ES de- durste längerer Zeit, biS man dem Jungen begreiflich machen konnte, daß auch die„SchwabaS" trotz ihres kuttmelleu Fort- schritte« noch immer nicht im Stande sind, Schlüssel per Draht nach GracSanica zu„klopfen". Ein schreckliche« Bild an« dem Leben einer Groß- stadt liefert der letzte Jahresbericht des Corener-Amte« zu New' Dorf. Nach demselben wurden in 1885 in der Stadt New-Uork nicht weniger alS 5755 Leichen aufgefunden und nach der Morgue geschafft. Von dieser Zahl waren nicht weniger als 1968 KindeSleichen, die aus Kehrichtfässern rc. gezogen wurden; die übrigen 3787 waren solche von Selbst« n ördem, Ermordeten oder bewußlloS Gefundenen, welche einen Mordanfall erlitten oder sonst verunglückt waren, im Hospital oerstarben und dann nach der Morgue geschafft wurden, weil fie bis dahin nicht identifizirt worden waren. Von dieser großen Zahl wurden in der Morgue 143 Leichen erkannt, die übrigen wurden unerkannt auf dem Armenfriedhofe begraben. den. Im Bureau deS PrioatsekretärS bei DistriktSanwalteS, Herrn Penney, stellte ficb gestern Moritz Schultz?, ein Schrift« fetzer der„Freiheit", mit einem Repräsentanten der Advokaten Howe und Hummel ein und gab seine Abficht kund, für Most Bürgschaft zu geben. Da er 1000 Dollar in Papiergeld vor« zeigte, fertigte der Beamte die nöthigen Papiere auS, und der Gerichtsdiener Miller wurde nach den TomdS gesandt, um den Gefangenen zu holen. Mit Handschellen versehen wurde Most nach dem Gebäude der Generalasstsen gebracht, und nachdem die 1000 Dollar dem Stadtkämmerer JvinS einbezahlt worden waren und HtlfSdistriktsanwalt Fitzgerald die Bürgschaft für genügend erllärt hatte, dem Recorder Smyth vorgeführt. Dieser entließ dann den Gefangenen nach Prüfung der Papiere auS der Untersuchungshaft. Most wollte sofort vor dem DistrittS» anwatt eine Klage gegen einen Detektive einreichen, der ihm angeblich 180 Dollars auS der Tasche genommen und nicht zurückdezahll haben soll, doch hielt ihn der Repräsentant der Advokaten Howe und Hummel hiervon ab und bedeutete ihm, die letzteren würden fich der Sache schon annehmen. Nachdem er fich betreffs dieses Punktes beruhigt, verließ er mit mehreren Freunden das Gebäude. In dem Lokale der„Freiheit" sprach der Freigelaffene nicht vor und hieß eS dort, er fei für Bericht- erstatter nicht zu sehen. Wie verfichert wird, soll Most, der durchaus nicht ohne Geldmittel ist, die er fo sehr verdammt, gestern Abend einen Theil der für ihn gesammelten 1000 Doll. bereits seinen Freunden zurückdezahll haben. Der kanadische Konflikt verschärft fich mehr und mehr. Der Halifaxer Korrespondent deS„New- Nor! Herald" telegraphirt, daß innerhalb einer Woche ein jedeS Fahrzeug der kanadischen Fischerei- Schutzflotte völlig ausgerüstet sein, und letztere eine vollständige VertheidigungSlinie von der Bai von Fundy bis nach dem Golf von St. Lorenz bilden wird. Afrika. Die Kongo-Regierung hat dm GerichtSkosten-Tarif für den Kongostaat festgestellt und publiztrt. Er ist so hoch, daß man die Kosten für eine gerichlliche Verfolgung auf 300 diS 400 Franks schätzt!_ Soziales und Arveiterbewegaag« � Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Der Handbetrieb unterliegt überall der modeinen Technik, der Maschine. Der Auflösungsprozeß des ZwerahandwerkS zeigt fich so offenkundig, daß selbst den liberalen BourgeoiSblättern, die einm durch Sachkmntniß nicht getrübten Blick befitzm, oder die mit Vor- liebe Vogelstraußpolitik treiben, daß also sogar diesen amtlichen Moniteuren deS mobilen Kapitals vor ihrer eigenen Gottähn- lichkeit bange wird. So schreibt die„Neue Z ü r i ch e r Z e t- tung", deren Berliner ParlammtSfeuilletonS die Rundreise durch die ganze osfiziöse und nationalliberale Presse machen, unter der Evitzmarke:„Schlechte AuSfichten", folgendes:„Wir reden vom Niedergange unserer Seidenweberei, smer Hausindustrie, welche für unsere Landbevölkerung Jahr- zehnte lang eine gleichmäßig fließmde Quelle de« Wohlstandes gewesen ist. Im Fohre 1881 beschäftigte fie innerhalb der Grmzen deS KantonS IS 168 Handweber; im Dezember 1885 zählte man deren bloS 11959 und noch hat der Niedergang sein Ende nicht erreicht. Die Trag- weite dieser Erscheinung für die sozialen Zustände unseres Kan- tonS und zwar namentlich für den Bauernstand läßt fich heute nicht gmau ermeffen; fie tritt eben nicht rasch vor unsere Augen wie die Folgen eineS HagelschlageS oder einer Finanzkata strophe- aber die Wirkung ist eine um so tiefere, unheiloollere; wir haben eS mit einem großen, schweren LandeSunglück zu thun. Wmn Sorgm um die Zukunft uns bedrängen, so wmdm wir gelegentlich einmal den Blick auf vergangme Dinge zurück, dmn oft läßt fich auS ihrem Verlaufe ew Trost und eine Lehre schöpfm. Man muß aber schon weit zurückgreifen um zum Verfalle der SeidenhauSindustrie ein Seitenstück zu finden: in die erstm Jahrzehnte unseres Jahrhundert«, als der Kampf zwischen dem Spinnrad und der mechanischen Spinnerei stattfand. Wir haben heute von der Bedeutung, welche die Baumwollipinnerei einstmals für unseren Kanton deseffen, nur noch ein schwaches Bild. Im Januar des JahreS 1787 beschäftigte fie im Kanton Zürich 34 075 Personen und da« Erzeugniß dieser Industrie erfreute fich seiner Vor- trefflichleit wegen weithin eineS großen Rufe«. Dcr Kampf gegen da« Maschinengarn dauerte verhältnißmäßig lang, denn eine Hausindustrie stirbt nicht leicht; er war hart, aber auSfichtS- loS. DaS Spinnrad mußte schließlich stille stehen und Spinner und Spinnerin fich nach anderer Arbeit umsehen. Der Ersatz fand fich allmälig auf verschiedene Arten. Erstlich in den Fa- briken, die in großer Zahl erstanden, also in Baumwollsp'nne- reien und Webereien, später auch in den mechantschm Werk- statten, die fteilrch heute auch so schwer darniederliegen, daß an manchen Orlen Arbeitszeit und ArdeitSzahl reduzirt werden müffen. Zwestens konnte in Folge der Zunahme der Setdm- industrie eine stattliche Hausindustrie fich weiter entwickeln und vielen Tausenden Brod und Arbeit bieten. Drittens wurde in den Fabrikgegenden der Bedarf an Handwerkern ein größerer und viele Leute konnten allmälig dort Unterkunft finden. Viertens stellte fich auch der Handel als eine Leiter dar, auS welcher Mancher au« engen Verhältnissen zu Ansehen und Reichthum hinansteigen konnte. Dürfen wir erwarten, daß im Falle eine« westem, wesentlichen Rückganges unserer SeidenhauSindustrie fich wieder auf ähnliche Weise ein AuS- weg finden wird k Wenn wir zunächst an eine andere HauS- industrie denken, so ist wenig Tröstliches zu sagen. Wer die östlichen Theile deS KantonS durchstreift, gewahrt allerdings, daß dort die Stickerei an vielen Orten Wurzeln gefaßt hat. Zürcherische LandeStheile find dadurch Et. Gallen tridutär geworden, da» immer mehr den ersten Rang unter den industriellen Zentren der deutschen Schweiz bean- spmchen darf. Sber die Stickerei leidet seit längerer Zeit ebenfalls an Ueberproduktion und eS ist fraglich, ob dieser Industrie in den nächsten Jahren eine wettere Ausveh- nung förderlich wäre. Andere Hausindustrien, in denen hun- bette von Leuten Arbett finden könnten und die fich namentlich für weibliche Personen eignen würden, kennen wir vorläufig nicht. Man redet allerdings davon, daß die Kammgarnweberei zum Theil Hausindustrie sein würde; man hört auch, daß die Anfänge der Teppichtnüpferei leidliche seien,— aber all' daS find Faktoren, mit denen man ernstlich noch gar nicht rechnen kann, weil nicht abzusehen ist, ob überhaupt auS ihnen etwaS Ordentliches werden wird. Und noch schlimmer steht eS mit einem Ersatz in Gestalt von Fabrikindustrie. Würde der Rück- gang unserer Handweberei durch eine entsprechende Zunahme der mechanischen Seidenwebstühle ausgeglichen, so könnte man fich schließlich mit einer derattigen Veränderung innerhalb der Seideninduftrie selbst abfinden, obwohl fie im Ernzen auch keine wünschenSwctthe ist, da wir lieber die Hand- web:rei weiter brhalten hätten. Aber neue Fabttken giebt'S bei unS fast gar nicht mehr. Die schönen Zrtten find vorbei, in denen dai Kapital in industriellen Unternehmungen Anlage suchte; ein 4 prozentigeS Papier wirft heule mehr ab und ist ficherer."— Ganz dourgeotSmäßig d. h. arbeiterfeind- lich ist freilich folgender PaffuS, der so recht daS Fabrikanten- tbum kennzeichnet:„ES ist schlimm, daß die Ausbildung der Gesetzgebung zum Schutze der Arbeiter in eine derattige Zeit fallen muß, und e« wäre deshalb zu ratben, bei der Ber» schärfung deS HastpflichtgesetzeS Maß zu halten. Wir# überzeugt und können Beweise dafür beidringen, daß z. 8- eine Umgestaltung deffelben gemäß den Droz'schen Vorschlägt Hundette von Arbeitern um ihr Brot gebracht hätte, waS m nicht dcr Wille derjenigen sein kann, welchen da« Wohl d« Ardeiter wirklich am Herzen liegt."— Wie verzweiflungSvo» klingt der Schluß:„So bleibt denn als einziger Autweg da Rath, daß junge Leute, die fich unter den früheren ua» ständen der Industrie und dem Handel gewidmet hätW wieder mehr dem Handwette fich zuwenden und dm auSländß schen Arbettem Konkurrenz machen. Ader daS ist kein eigen» ltcher Ersatz für die HauSindusttte. Unser Bauernstand kai« ohne eine solche in bisheriger Weise nicht fmttxistircn, weil die Zerstückelung deS Grundbesitzes zu weit geht, alö daß die Heimwesm ihre Leute zu ernähren vermöchten. Bleibt d» Nebenverdienst au?, so können fich Hundette nicht mehr nw ihrer Scholle halten und mtt der Handweberei geht ein Tot des kleinen Bauernstandes langsam aber ficher zu Grunbe Und dieser kleine Bauernstand bildet einen gutm Theil dt» Fundamentes, auf dem unsere sozialen und politischen<£«" richtungen aufgebaut find. WaS soll daraus werden?!" Wir glauben, daß solch ein Zugeständniß von dieser veut wetth ist, in die wettesten Kreise zu gelangm. Hoffentl» drucken die BourgeoiS-ZeUungen diesen Artikel der„N. Z- auch ad. Oder auch nicht? WaS soll daraus werden?! Eine Kommisston der Magdeburger SchuhmiM hatte die Aufgabe, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der di» tigen Schuhmacher festzustellen. Sie theittm vor einigm Tagt mtt, eS seien zu diesem Zwecke Fragebogen angefettigt und« dm verschiedenen Werkstätten vettheilt worden; au« den rneM seien dieselben ausgefüllt zurückgekommen, in einigen, W größeren, haben fich die Gesellm dieser Arbeit nicht 0# zogen, auch hätten in einigen Werkstätten� Meister daS Beantworten der Fragen gradel» o e r b o t e n. Die auf Grund der gemachten Angaben au'#' stellte Statistik sei deshalb nicht ganz genau, doch annäM zutreffend. Danach verdiene ein Schuhmacher, der auf cw» arbeitet, in einer Stunde 14'/, Pf., in einer Woche et®' 11,38 M., im Wochenlohn etwa 6 Pf. in der Stunde. � diesem Verdienst hat er noch kleine Ausgaben für WerlM und Materialim zu bestreitm. Die Versammlung wurde w* einig, fich durch eure auS fünf Personen bestehende KommM mit den JnnungSmeistem in Verbindung zu setzen und a? dtesm gemeinschaftlich einen neum DurchschnittS-Lohntarif zuarbeiten; von einem Streik solle abgesehen werden und � für den Fall, daß die Meister sich entschieden weigern die Löhne zu erhöhen, würde zu gelegener Zett zu diel' Mittel zu greifen sein. Vom Vorstände wurde noch den» wesenden der Beitritt zum UnterstützungSoerein der deiol� Schuhmacher warm empfohlen. Die Maurer in»raunschweig beschloffe» einm 5� tiellen Streik. Die BaugewcrkSmeister haben darauf beschloß wenn auf einzelnen Bauten feiten« der Gesellen gestrei" den sollie, die Arbeit auch aus den übrigen Bauten nstdMJ, legen. Die Arbeiter können fich ein Muster an dieser nehmen. Einer Unterschlagung soll fich der Liegnitzer einer der von der Sozialvemokralie etadlirlm sogen»# zentralifirten Krankenkaffen, welche ihrm Sitz in v» hat," schuldig gemacht haben. So die„Nordd. Allg- St d vielleicht bei OrtSkaffen keine Unterschlagungen kommen? ZK (1*4 ConTertlrnn� 5#lo und 41, 0 o igen mit 10% Zuschlag ruckzahlbarer Pfau vom Mai 1871, Januar 1872(See. I), Juni 1872(Str. II), Mai 1874(ver. 0. ( August 1875 und September 1877 dec JJceagififien Eentral-Lodenccedit-ActienaiseWast in 3'/, 0/olse Pfandbriete. Nach Verständigung vrit dm betreffenden DarlehnSnehmern bieten wir hiermit vi? Convertirung * 5°/° igen und 4'/,«Uzen mtt 10°« Zuschlag rückzahlbaren Pfandbriefe auf «eS von etwa 30 000 000 Mark unter folgenden Bedingungen in 3'/.«/.ige Pianvdn�j. 1. Die ausstehenden Pfandbriefe der oben bezeichneten sionen werden dehufS Rückzahlung am l.,2.Januarl337'N'/. Kr' zur Ausloosung gebracht. alS die Tilgung auf Höhe dt'jcht trageS von etwa 30000000 Mark im Wege der Convertirung erreicht wird. Die 4'/,°/«igen Pfandbriefe vom Jun> (Serie ll) werden gänzlich auSgeloost. 2. Die Convertirung erfolgt in der Zeit vom 18. Hai bis einschliesslich 1. Jaul 1886 in Kerltn bei der«nterzeichneten Direction, bei der Direction der Dtsronto-veseUfchast, bei Aerrn K. Kleichröder.. t« Frankfurt o. M. bei den Herren M. A.»»« Kothfchild$ S" in Hol« bei de« Herren Hat. vppenheim&«o. und zwar bei jeder Stelle in den b:i derselben üblichen GeschästSstundm. Es wird vorbehalten, die Conoetttrung der Pfandbriefe von jeder einzunen oder von allen Emisfionen schon vor Ablauf deS vorgenannten Termin«%' 3. An Stelle der zur Convettirung angemeldeten Stücke werden 3'/,% ig» der Im März 1886 begonnenen Emission von 1886 ausgegeben.....»ie»C 4. Die zur Convertirung gelangenden Pfandbriefe müffen mit CouponS über. D* 1. Juli 1886 ab laufenden Zinsen nebst TalonS eingeliefert werben, rva»«pe halbjährliche Coupon über die Zinsen bis 1. Juli 1886 zurückbehalten«uo-„f« Inhaber erhält den gleichen Nennwertd 3'/,«/« i g e r PJ0" aiflf mit Coupons über vi: vom 1. Juli 1886 ab laufenden o nebst sofortiger b aar er Zuzahlung von .._ 10°/« Znfchlag. S«/« Prämie 1.8*' und der Differenz der Stückzrnsen vom 1. Juli 1836 dt nuar 1887. m Diese Differenz beträgt für die Pfandbriefe»/., für die4'/,•/«' der Pfandbriefe muß der S'/oigen........ Bei der Einlteferung . dem 1. Juli 1886 fällig"weldenden CouponS bäar beigefügt werden.. ßu» 5. Die zur Convertirung eingelieferten Pfanddttefe werden mit dem Vermerre- oC tlrt auf 3'/, Prozent"vom 1 Der Umtausch der abgestempelten Stücke S.» �-»KzZ umgetauscht werden kann. Stücke über 50 Thlr.(150 Mark) können 7. 6' Pf1r,5fö"dbtiefen, welche zur Convertirung eingereicht wnden, ist z �sehe deutlicher NamenSunterschrlft und genauer WohnungSangade de««inl��en. nach dm Jahrgängen. Littera und Nummern geordnete« Vmeichniß in ß# Formulare hierzu können bei den obengenannten Stellen kostemrn � genommen werden.... 2 d# Ceniral-Bodencredtt- Sctiengesellschaft. « e r l i n. den 25. Mai 1886. ilnob�V Preussiache Oentral-B o denor e dit- Actiengö® e a % Bio Direction. Vossart. Kltugeman«. urt»«!»- von m*t»«ding in Berlin 8W„«euthstrap% Beilage zu m Berliner Volksblatt. k iss Donnerstag, den 27. Mai 1886. III. IatzsAs N ariamentsberichte. Udgfordueteuha«». vom 25. Mai, 10 Uhr. v. Boetticher, Maybach und i« auch im oberen Laufe der Oder von Set Nciffemünvung Umschlagehafen bei Kasel, 82. Sitzung Am Ministertische: «Mmiffarien. Das HauS setzt die am Sonnabend abgebrochene Debatte °irkanalvorlage fort.§ 1 lautet nach den KommljfionS- «schlüffen: , Die Etaatiregieeung wird ermächtigt, zur Ausführung Mi Schifffahr tskanali, welcher bestimmt ch, den Rhein mit °ir EmS, mit der unteren und mittleren W-ser und Elbe zu �binden, sowie zur Herstellung einer leistungitShiaen Waffer W auch im oberen Laufe der O Kasel stromaufwärts mit einem zwar zunächst: 1. zum Bau der Kanalstrecke von Dortmund bezw. Herne über Henrichenburg, Münster, Bevergern und Papenburg nach der unteren EmS, einschließlich der An» löge eines SettenkanalS auS der EmS von Oldersum nach dem Emdener Binnenhafen nebst entsprechender Er- Weiterung deS letzterm, 2. zur Verbesserung der Schifffahrlsverbindung mit der mutieren Oder nach der Oberjpree bei Berlin durch den unter theilweiser Benutzung des FriedrichMilhelm- Kanals zu bewirkenden Neubau eineS Kanals von RMknberg nach dem KerSdorfer See, durch die Regu- lirung der Spree von da bis unterhalb Fürstenwalve und durch den Neubau einet daselbst beginnenden Ka» nalS bis zum Seddin. See M Maßgabe der von dem Minister der öffentlichen Arbeiten !.�"stellenden Projekte die Summe von zu 1. 58 400 000 M., SnbeJ2600 000 Mark, im Ganzen 71000000 Mark zu ver- . Die Abgg. Windthorst, Hammacher und Genossen tragen den§ 1 wie folat zu fassen: -Gk StaatSregierung wird ermächtigt, 1. zur Ausführung eine» Sch'.fffahrtSkanalS, welcher bestimmt ist, den Rhein mit der Em« und in einer den Interessenten der mittleren und unteren Weser und %be entsprechenden Weise mit diesen Stiömen zu ver- binden, und zwar zunächst für den Bau der Kanal- strecke von Dortmund beziehungsweise Herne u. s. w. (wie vorher), 2. zur Herstellung einer leistungsfähigen Wasserstraße Zwischen Oberschl' sten und Berlin und zwar: a) zur Verbesserung der SchifffahitSoerbindung von der mittleren Oder nach der Obersp:ee bei Berlin durch den unter theilweiser Benutzung deS Friedrich. Wilhelm- KmalS zu bewirkenden Neubau eines Kanals von Fürsten berg nach dem KerSdorfer See. durch die Regu- nrung der Spree von da bis unterbalb Fürstenwalde und durch den Neubau eines daselbst beginnenden Kanals bis zum Scddin>See, d) zur Schrffbarmachung der Oder von der Neiffe- Endung dit Kofel stromaufwärts, und zwar zurächst SjL, oesteiung der Schifftahrtsoerbindung von der Nach k\Öber nach der Oberspree,— der von dem Minister der öffentlichen Arbeiten u ÄÄ Projekte die Summe von zu 1. 58400000 M.. »enden � Mark, im Ganzen 71000000 Mark zu ver. �ntroftÄ l o ch a beantragt, die Nr.i2 deS Windthorst'schen �..�"dermaßen»» fassen-. Wck-n e�i. v�st�st""» einer leistungsfähigen Wasserstraße Dbetschlesten und Berlin und»war: . a) zur Verbesserung der Schiffmhrtsverbindung von ber mittleren Oder nach der Oberspree bei Berlin, q. b) zur Verbesserung der Schifffahrt auf der Ober von «reilau bi» Kasel stromaufwäriS, und zwar zunächst zur Verbesserung der Echiff'ahrtSverbindung von der mitt- ttren Oder nach der Oberspree, durch den unter leih- weiser Benutzung des Kiedrich Wilhelm-Kanals zu be- wirkenden Neubau eines Kanals von Fürstenberg nach «rm KerSdorfer See, durch die Reguiirung der Evree von da bii unterhalb Fürstenwa'de und durch den Neu- _ Erlklmiß. war an einem kalten, doch sonnige» Dezembertage, stltt»och dem furchrbaren Wiener Theaterbrande. e» Unglückliche«, die frohen Mmhet da« Schau- betreten und daraus nicht mehr zurückgekehrt waren, tofo Herten, die in den lodernden Flammen spurlos ver» stszia befanden sich— Vater und Mutter. Meine %%! Schwester, durch de« kurzen, aber grauenvollen ' lawpf der Massen von der Seite der Eltern gerissen, ?te durch ein Wunder einen reitenden Ausgang aus Nacht und Finsterviß, in Rauch und Dampf "lad. Hanse. Mit versengte» Haaren, Gesicht und \vom erstickende« Dampfe verbrüht, erreichte sie ""Kttt"teie. Der letzte, gellende Todesschrei von und Mutter war ihr an das entsetzte Ohr . und erfüll! e ihren Geist mit Fieberphantafie». "k die Aermsten in das Hospital und die Kunst 9 brachte eS nach mondenlanger Mühe dahin, sie . A.? w»halten. >-Bem Tage war e«, als ich mich aufmachte, merae k d{ e Schnzestet im Krank, nhause zu besuchen. Ich trete %,,, �aal, ich durchschreite langsam und suchend die Bett- ba gell» mir aus einer Ecke der Schreckensruf„Feuer V ', Noch bebten und zitterten alle Fibern meines Mi°b der kürzlich durchlebte« schaurige« Dezember- H»�5� blickte um mich: Barmherz'ger Gott I Dort wä'zte da« zerrissene G.sicht mit einer ö!ge- *, bie v"�bmaste bedeckt, in wilden Phan'asie«. Sie war � f0 tin hallenden Saal mit kurz auSgestoßenen \' fl" aften. Sie war und darum > di'junger tönenden Feuerrufe» erfüllte. Ich vermochte �tia vor'« Gesicht zu schlagen und ki» heißer. �ig �"verbrechender Thräneustrom löste endlich wohl- %.\t ii86" Schwerz. Zch wandte mich ab und siehe da; gÜffgpJj.'veden de» Vorgeschmack höll, scher Leiden ' es jetzt über mich wie Empsilldungen der t Schwester gegenüber faß, ..«nbe geaenuoer laß, eingehüllt in An.%«'«* engelschöre« Mädchen mir dunkle« Worte des M.'gesühl« für meine Schwest.r ° wch zu Dank, doch als ich sagte, daß sie, nach bau eines daselbst beginnenden Kanals bis zum Seddin- See, nach Maßgabe der von dem Minister der öffentlichen Arbeiten festzustellenden Piojekle die Summe von zu 1. 58 400000 M., zu 2a 12 600 000 Mark, im Ganzen 71 000 000 Mark, zu verwenden. Die Abgg. Windthorst und Hammacher erklären fich mtt diesem Antrage einverstanden. Abg. Stötzel spricht zunächst seine Freude darüber auS, daß durch die Erklärungen des Ministers vom vergangenen Sonnabend das ZustanSekommen der vorgeschlagenen Kanal- Unten fich weit ausstchtsooller alS bisher gestaltet habe und wendet sich sodann gegen die Bemerkung des Abg. v. Rauch« Haupt, daß, während der Ober- Spree- Kanal und die Regulirunz der oberen Ober einer ganzen Provinz zu Gute komme, der Rhein- Ems Kanal nur einer Interessengruppe Nutzen bringe. Das sei durchaus falsch, denn diese Kanallinie habe nicht nur kür zwei Provinzen und deren Industrie, son- der« für Industrie und Landwirthschaft des ganzen Landes die allergrößte Bedeutung. DoS in den Kohlengruben ange� legte Kapital betrage über 700 Mill. Mark, ti handle stch also um kolossale Summen. Wenn er nun auch meine, daß durch ven Kanal die Industrie direkt weder besser noch schlechter ge- stellt sein weide, so wünsche er doch dringend im Interesse der westfälischen Arbeiter den Bau des Kanals; die Lage dieser grundbraven Arbeiterbevölketvng sei höchst beklagens- werth. Auch im Interesse der Landwirthschaft wünsche er den Bau deS Rhein-Ems Kanal, auf welche Weise dann auch der mit jener so innig wie nirgends verdundmen Industrie mittel« bar Vorthetl erwachsen werde. Abg. O l z e m wird im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Freunde gegen den§ 1 der Vorlage stimmen. Er könne die Nolhwendtgkeit und Vortheilhiftigkeit der Kanalanlagen nicht einsehen- denn er halte Preußen nrcht für reich genug, um so theme Experimente— denn mehr sei eS bei der Uasicherbeit deS Nutzens uns der Rentabilität nicht— zu machen, lila- mentlich liege die Gefahr darin, daß eS bei dem Dortmund- Em?- Kanal nicht bleiben, sondern daß andere Lande, theile ähnliche nickt minder berechtigte Wünsche vordringen würden, so daß es stch eigentlich um ein Mrlliardenprojekt handle. Seiner Meinung räch sei die Kanal-Aera, welche wohl kür die Z-tt deS großen Kurfürsten, allenfalls F-.iedrtchS des Großen noch paffend gewesen, vorbei, und die E'.senbahn- Aera ange- brachen. AuS diesen Gründen werde er gegen die Vorlage stimmen. Minister v. Boetticher: Der Standpunkt deS Herrn Vorredner« ist meines Erachten« lediglich dikiirt von den In« tereffen deS LandeStheili(sehr gut! links), den er hier vertritt. (Rufe:„Siumm!" Heiterkeit.) Bei seinen Ausführungen, die sich gegen die Kanäle im Prinzip richteten, klang immer nur hindurch: wir dürfen einen Kanal nicht bauen, der im Stande ist, die Interessen anderer Lan- destheile zu schädigen. Das ist deS Pudels Kern bei allen Rednern, welche die Vorlage hier bekämpfen. Eine zuveiiäjfige RentadilttätSberechnung über den Kanal läßt fich allerdings nicht aufstellen, cS handelt fich um einen neuen Verkehrsweg, von dem wir ausgiebige Benutzung hoffen. Wenn man orrlangt, daß ein neuer Verkehrsweg erst hergestellt werden soll, wenn man Beweise dafür hat, daß er die Anlagetosten deckt, dann befänden wir uni unter Befolgung solcher Grund- sätze noch auf dem Standpunkte früherer Jahrhunderte, dann könnten wir unmöglich im Befive so leist mgifähiger und gegen alleS Erwarten Prosperirender VerlehrsmUtel fein.(Sehr gut Ij Allerdings soll man einen LandeSthell auf Kosten eineS anderen nicht bevorzugen, aber man führe nur den Nachweis, daß dies durch die Vorlage geschieht, und ich will mich bescheiden. Daß das Zeitalter der Kanäle vorüber sein sollte, kann ich nicht zugeben; der Hinweis auf England paßt deshalb nicht, weil die Kanäle, welche dort eingegangen find, nur deS- halb verfallen, weil die großen Ettenbahn-Gesellschaften, welche durch die Konkurrenz der Kanäle zu leiden hatten, diese ankauften und zu Grunde gehen ließen. Im folgen Den wendet fich der Minister gegen die AuS?ührungen des Abg. Graf Kanitz vom vergangenen Sonnabend und weist namentlich dessen Angriffe gegen die Regierung zurück, als sei deren Handelspolitik eine mangelhaste und reformbedürftige. Die bald der frischen Farbe ihrer Wange« zu schließen, wohl diesen Ort der Qual verlassen werde, lächelte sie schmerz» lich:„Die rosiges Wangen sind mein Tod, mein unab- wendbarer Untergang. Zch bin brustkrank." Die Ruhe, mit der das jugendliche Geschöpf dem Tode WS Auge sah, war überwältigend. Sie deutete auf einen Sessel, der lhr zur Seite stand, und nachdem ich mich mechanisch niedergelassen, ganz im An- schauen der todtgeweihten Herrlichkeit versunke«, begann fie zu erzähle«. Em röchelnder Seufzer unterbrach ihre Rede. „Hören Sie, wie er die Stützen meine« Dasein« eine nach der ander« langsam niederreißt? Bald bricht der ganze Bau zusammen." Abermal« hielt sie inne und athmete schwer. Zch ge- wann Zeit, fie näher WS Auge zu fasse«. Sie hatte Recht: die Rothe auf ihre« Wangen leuchtete unnatürlich.„Fried» hofkrosen" nennt sie der VolkSmund. DaS Augenpaar, tiefer in den Höhlen liegend, flammte düster, der kleine Mund war schmerzlich zusammengekniffen, die griechisch geformte Nase begann sich unmerklich zu spitzen und über da« ganze rührend schöne Angesicht glitt e« manchmal wie rasch ver» ziehende Wolke«. � .Mutter, Mutter, süße Mutter I" wimmerte eS jetzt aus der Ecke, wo meine Schwester litt. „Haben Sie«och Geschwister?" fragte mich da» Mädch-n. „Drei Brüder." „Ach dann sind Sie glücklich zu preise». Zch— stehe — vereinsamt."_ Eine große Thräne zitterte über ihre Wange. Zch legte theiwahmSooll meine Hand auf die ihr«: „Wie, so jung uns schon heimathiloS?� „Se-mathtlos," hauchte sie.„Heima'hsloS, das ist das rechte Wort. Zch habe nachgedacht und nie da« eigentliche gesund- n." .Mutier, süße, einzige Matter k" klagte eS wieder au« der Ecke hervor. Langsam schlug die schöne Kranke die Augen auf, zog ihre Rechte unter der meine« hervor und fuhr sich übet die hohe, edelgeformie Stirn: Ach, wer noch eine Mutier besitzt, wer noch im seligen Glauben schwelgt, eine solche zu besitzen, wie Zhre Reichsregierung habe nach den verschiedensten Richtungen hin ihre Fürsorge für sie Interessen des Handels und heimischen Absatzes bewiesen. Ebenso unberechtigt sei die Forderung, für höhere Löhne und mehr Konsumenten zu sorgen. Letzteres ge» schehe durch Erweiterung der Absatzgebiete, erstereS könne direkt garnicht veranlaßt werden, indirekt wirke aber gerade die Vor» läge in dieser Richtung. Denken Sie an daS Dichterwort, nach welchem der, der für feine Interessen ausschließlich sorgt, keinen Anspruch auf Unterstützung hat, wenn feine Interessen gefördert werden sollen:„Mann mit zugeknöpften Taschen, Dir thut Niemand was zu lieb. Hand wird nur von Hand gewaschen; wenn Du nehmen willst, so gied!"(Beifall.) Abg. v. Benda: Ich vertrete die überwiegende Mehr» heit meiner Freunde, wrlche für die Vorlage eintritt. Ich gebe zu, daß fich gegen die Vorlage gewichlige Gründe geltend machen lassen; man fürchtet, vielleicht nicht ohne Grund, daß die Kanäle den Eisenbahnen erhebliche Konkurrenz machen können. Allein, wenn der Eisenbahnminister selbst für die Vorlage stch ausspricht, so kann man seine Besorgnisse unter» drücken, ebenso auch alle finanziellen Bedenken, da es stch hier um produktive Anlagen handelt. Für alle Fälle bitte ich Sie, den Gesetzentwurf mit großer Mehrheit anzunehmen.(Lebhafter Beifall.) Abg. I m w a l l e: Ich muß dagegen energisch protestiren, daß wir au« lokalen Gründen Gegner der Vorlage feien. Mit Dichterworten vertheidigt man keine materiellen Interessen. Statt uns mit Spott und Hohn zu überschütten, hätte unS der Minister mit sachlichen Gründen überzeugen sollen. Abg. Szmula: Die Jatercssen der oberschlest» schen Kohlen- Industrie verdienen dieselbe Berück» stchtigung, wie die der westfälischen. Verschlöffe unS Rußland nickt den Import über seine Grenzen, so brauchten wir gar nickt nach der Ostsee oder Nordsee unsere Kohle zu exporticen. Ich habe zu dem Herrn Minister alles Vertrauen, best« aber wäre eS doch, wenn die betr. Forderung schon in das Gesetz aufgenommen würde.(Beifall.) Abg. Meyer(Breslau): Ich bin gegen die Komm'.sfions» faffung, soweit ste über die Vortchläge der Regierung hinaus» geht, und stimme für die Regierungsvorlage. Die Anfichten meiner Freunde über diese Projekte gehen auseinander. Der EmS-Kanal ist unter allen Umständen als produliive Anlag« anzusehen. Fraglich ist nur, ob ste jetzt schon zeitgemäß ist. Wird nun durch deren Ablehnung die oberschlefische Anlage gefährdet, so beftnne ich mich keinen Augenblick, für den Ems» Kanal zu stimmen. Abg. Kempe: Meine Landsleute, die Osttriestn, begrüßen daS Piojelt deS Dortmund- EmS- Kanals mtt Freuden als Vi« Erfüllung eines von ihnen schon seit lange gehegten Wunsches. Ich verstehe nicht, wie ein Vertreter der Stadt Hannover stch gegen daS Gesetz hat aussprechen können. Die DiSkasston wird geschloffen. Abg. Graf Kanitz versucht im Rahmen einer p:rsön» lichen Bemerkung auf die Ausführungen des Ministers Maybach vom Eonnabend und deS Ministers v. Boetticher von heute zu antworten, wird aber durch den Vizeprästdenten v. Heere» man daran verhindert. Der§ 1 wird darauf nach dem lomdinirten Antrage Windihorst-Letocha mit großer Mehrheit angenommen; dagegen stimmte ein großer Theu der konservativen Partei. Beim§2, welcher Bestimmung trifft darüber, daß der Bau der Kanäle eist beginnen soll, wenn die Jnteressrnten dm erforderlichen Grund und Boden abgetreten haben werden, will Abg. Graf Kanitz auf seine vorhin unterdrückten AuS» sühcungen zurückkommen, wird aber wiederum vom Vizepräst- denten v. Heereman daran verhindert. Die Kommisston hat dem§ 2 folgenden Zusatz gegeben: „Mit dem Ausbau der Wasserstraße im oberen Laufe der Oder ist nach Feststellung der Projekte und Bewilligung der er» forderlichen Mittel sofort vorzugehen und der Bau unter allm Umständen so zu fördern, daß diese Wafferstraße spätestens mit der Vollendung d.-S SchifffahrtikanalS von Dortmund nach dem Emden« Binnenhafen feriiggest-llt ist." Abg. Lei och a empst-hlt die Annahme des Zusatzes. Mtnistknaidireitor Schultz erklärt denselben für unan» nehmbar. Nachdem auch d-r Aag. Eickenscheidt fich gegen arme Schwester in de« Augenblick-« des zurückkehrende» Bewußtsein«, der ist unaussprechlich glücklich zu preise«. Man that gut daran, Zhrer Schwester die ganze Größe be« über sie hereingebrochenen Unglücke« zu verschweige», man that recht gut daran. O, wie beneide ich ste, wen« sie au« ihren Freberträumen erwacht und mit zitternden Hände« die Wärterin herbeiwinkt, zu fragen, wie sich die Mutter im— Nebensaale befindet und ob der Vater schon da» Bett ver» lassen könne." Zch störte mit keinem Laute das nun feierlich nieder- sinkende Schweigen. Meine Schwester hatte unterdessen eine« beruhigende« Trank empfangen und war sanft eiage» schlummert. E« war spät am Nachmittag. Die Sonne schickte ihre letzte« Strahlen durch die hohen Bogenfenster und, leise» Abschied nehmend, zitterten die goldenen Kringlein um Stirne und Schläfen de« leidenden Menschenkindes. „Sie bedürfe« der Ruhe, ich nehme Abschied." wagte ich zu flüstern. Sie schrak auf. „O, bleiben Sie«och I Ich fürchte die Eivsamkett um diese Stunde. Unheimlich ist mir stet« der Ueberqang von Tag zur Nacht. Bleiben Sie, bis es ganz— finster— ge» worden." Thränen stürzte« ouS ihren Augen und ich fühlte, wie ihre Hand unter der meinen krampfhaft bebte. Nach einer Pause begann sie mit sanfter Stimme wieder: „Zch war noch em Kind, als mein Vater starb. Sehe« Sie dort die Sonne, wie sie Fcuergarben werfend, langsam niedergeht? Zn solcher SchSuhrit und strahlender Jugend» krast schied auch weite arme Mutter. Zust in dresetn Saale war'«, dort in der untere« Ecke. Zch war noch ein Kind, doch steht mir jene Stunde lebendig vor Auge«. Zch kniete am Bette der Sterbende»; dieselbe Wärterin stützte ihr da« im verklärenden Strahle des scheidenden TageSsttivi leise athmende Haupt, dieselbe Wärterin, die bereit ist, bald — der Tochter den gleichen LiebeSdierst zu thun!... Ali man meine süße Mutter in die Eide gebettet, zum ewigen unstörbaren TodeSschlas, da war ich vereinsamt, da stand ich— heiiiiathsloS. Man gab mich in fremder Leute Hände. Zch wmde zur Uesen Zusatz erklärt, wird derselde gegen die Stimmen deS Zentrums und der schlefischen Abgeordneten der anderen Sßor teten abgelehnt und§ 2 ohne Aenderung nach der Borlage angenommen. Der Rest des Gesetzes, welcher über die Aufnahme der Anleihe zc. die üblichen Bmschritten enthält, wird ohne Debatte angenommen; die zu dieser Vorlage eingegangenen Petitionen werden durch die gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt. Schluß 1'/« Uhr._ 83. Sitzung vom 26. Mai, 11 Uhr. Am Ministertische: Frtedberg und Kommlffarien. Auf der Tagesordnung steht lediglich die Berathung von Petitionen. Die Petition des GemeinderatheS zu Wuer> seien wegen Ertheilung der Konzession zur Errichtung einer Apotheke in Grevenberg wird durch Uebergang zur Tagesord nung erledigt. Bezüglich mehrerer Petrtionen von Handwerker-Jnnunaen betreffend die Beschäftigung der Gefangenen beantragt die PetitionSlommisfion(Referent Abg. Reinbold): unter An» erkennung der Nothwendigkeit einer produktiven Beschäftigung der Strafgefangenen die Petitionen der Regierung zur Er wägung in der Richtung auf eine zweckmäßige, die freie Ge» wertsthätigkeit möglichst wenig schädigende Arbeitsorganisation der Strafanstalten zu überweisen und zugleich anheimzugeben, bei der öffentlichen Verdingung der Gefangenenarbeit die Im nungm vorzugsweise zu berücksichtigen. Aba. Bachem deantragt, die Worte:„unter Anerkennung der Nothwendigkeit einer produktiven Beschäftigung der Gr fangenen" zu streichen und dafür zu setzen„unter Anerkennung der Nothwendigkeit einer den Zwecken der Strafrechtspflege entsprechenden Beschäftigung."— Die Strashaft müsse einen kriminellen und ethischen Charakter haben und nicht unbedingt wirthschastliche Borthelle bringen. Abg. Schreiner lBromberg) plaidirt für unveränderte Annahme des KommisfionsoorschlageS. Abg. Metzner glaubt, daß die ZuchthauZarbeit veredelnd nicht wirke. Die Strafgefangenen seien auaenblickrich in einer viel besseren Lage als die freien Arbeiter und Handwerker. Sie bekommen gute Kost, Kleidung und würden freundlich de« ! landest. So sei eS ihnen leicht, in aller Ruhe und Bequem� ichkeit zu ardesten und zwar unter günstigeren Bedingungen und somit den freien Arbeitern erfolgreich Konkurrenz zu wachen. Dieser Zustand könnte auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden. DaS Arbeitspensum der Gefangenen müßte auf daS nothwendigtte Maß beschräntt und überhaupt daS ganze System der ZachthauSarbeit geändert werden. Abg. Zelle erklärt sich für den KommisfionSantrag. Der Antrag Bachem enthalte etwaS Selbstverständliches unv könne zu dem Äißverständniß Anlaß geben, daß mit der Aufgabe der produktiven Arbeit die Gefangenen etwa eine Penelopcarbett leisten sollten. Man müßte den Gefangenen doch Gelegenheit geben, im Zuchthaus etwas zu lernen, damst fie später in der Freiheit die Möglichkeit deS Fortkommen« haben. In dieser Beziehung habe die ZuchthauSarbeit vielfach erziehlich und bessernd eingewirkt. Er habe auch nicht finden können, daß die ZuchthauZarbeit die Preis« der freien Arbeits- produtte herabaedrückt habe. Abg. v. Below-Saleske weist besonders darauf hin, daß auch die ausländischen Arbeitshäuser unserem produktiven Handwerke» stände Konkurrenz machen. Es kamen ganze Waggon- ladungen böhmischen, in Zuchthäusern gearbeiteten SchuhzcugcS hier an. Abg. Pleß erklärt sich für den Antrag Bachem. Die Gefängnißarbest drohe dem Handwerk gefährlich zu werden und müsse entschieden beschränkt werden. Geh. Ober- RegierungSrath Illing wendet sich gegen den Antrag de« Abg. Bachem. Daß in den Zuchthäusern ge- arbeitet werden müsse, werde von keiner Seite bestritten. Daraus folge die Nothwendigkeit der Produttioität der Arbeit. Eine dringende G-fahr erwachse den freien Handwerkern hieraus nicht. Andererseits könne der Staat nicht darauf ver- Sichten, daß aus den Eiträzniffen der Gefangenarbeit wenig- tenS ein Tbeil der Gefängnißkosten gedeckt werde. Geh. Odev Justizrath Starke fügt hinzu, daß die Be- fürchtung der Gefangenen- Arbeittkonkurrenz, waS speziell Plötzensee betreffe, ganz unbegründet sei', man habe z.B. dort nur so viel Schuhmacher, daß man gerade den eigenen Bedarf decken kann; man konnte die Anfertigung von Mtlitärstiefeln nicht übernehmen. Der KommisfionSantrag wird mit der vom Abg. Bachem beantragten Modifikation angenommen. «�Uebergang zur Tagesordnung wird beschloffen über die Petitionen: 1. deS Vorstandes und 73 Mitglieder die Ver- einigung Berliner Blumenfabrikonten und Grosfiften, mit dem Antrage, auf die Aufhebung der Fabrikation künst- licher Blumen und Blätter in den Strafanstalten hinzuwirken; 2. d«S KirchenvorstandeS der katholischen Pfarrgemeinde zu Bochum um Wiederherstellung seiner Schule geschickt und al» ich vor einem Jahre meine Prüfungen bestanden, begannen noch härtere Prüfungen für mich. Ich ttat in fremde Dienste und hatte für die Er- ziehung zweier Kinder zu sorgen. Die Herrschaft war stolz, kalt, herzlos. Man richtete mir mein Bett auf de« kalten Eteinfliese« bei Vorgemachs und auf jenen kalte» Stein- fliese« de« Vorgemach« Hab' ich mir de« Keim— zum Sterben geholt." Sie hielt erschöpft inne. Wieder erschütterte jenes un- heimlich hohle Husten den herrliche« Leib. Die Sonne war völlig untergegangen und ein Ungewisses Dämmerlicht ver- breitete sich im Saale. Die Kranke raffte sich nochmals zusammen und an der Hast, mit der sie die einzelnen Worte hervorstieß, merkte ich, daß fie sich an'« Ende der Erzählung sehne: „Die Herrschaft— al« sie merkte, daß ich— zu Tode getroffen, da ließ sie mich— hierher— in diese Jammerecke de« Leben«— in« Hospital überführen; fie selbst— e« brach ja der Winter herein mit Schnee und Sturm— sie selbst zog nach dem wärmeren, glückliche« Süden. Ich hatte dre süße Hoffnung genährt— darum zu bitten, war ich zu stolz— daß mein Brotherr mir ei» letzte« Plätzchen einräume«,— daß ich den Winter, de» garstigen, rauhen, Winter mit seinen Kindern an der sonncnbeglänzten, blumigen Riviera zubringe« werde, wo mir sicherlich Heilung geworden wäre. E« ist anders gekommen, weil e« keine gute», barmherzigen Menschen giebt. Hier werde ich — einsam und unbeachtet— sterben l" „DaS werde« Sie nicht I" schluchzte ich. „Ja, ja, da« werde ich!— Geh'« Sie jetzt, denn es ist— ganz finster geworden um uvS— in mit!" DaS herrliche Köpfchen fiel auf die stöhnende Brust und die großen, magffch leuchtenden Augen schloffen sich. Ich wankte zum Saale hinaus. Da erreichte mein Ohr abermals der gellende Feuerruf. Ich gelangte zur Pforte. Draußen braust der kalte Wind mir in« Gesicht. Ich eile durch die Nacht, ich fühle keine Kälte, keinen Sturm. Meine eigene Seele stand in Flammen... Und da« arme Mädchen ist nicht vergesse» und ver- lasse« gestorben, wie sie befürchtet. Ich habe mein Ver- preche» gehalten... Reckte bezüglich der Bestellung eines katholischen Todtengräbrr« auf den kommunalen Begräbnißplätzm daselbst; 3. von Rödiqer in Querfurt und Ge« «offen um Uebernabme deS Betrage?, um welchen der den G'underwerb für die Eisenbahn von Querfurt nach Oder- Röblingen im Mansfelder Seekreise zu Grunde gelegte An- schlag überschritten worden, auf Staatsfonds; 4. des Magistrats der Stadt Schönebeck um Zubilligung der Stempel- und Gedührenfteiheit für diejenigen Akte, welche sich auf Erwerbung von Grundstücken zu Zwecken de« Wasser« werke« in Schönebeck beziehen; 5. der Mitglieder der Kirchenaemeinde Mechtshausen um Aufhebung der Anordnung über die Ansammlung eine« PfarrhauSbausonds für MechtS- Hausen. Die Petition der Mitglieder des GemeindekirchenrathS und der Gemeindevertretung der Parochie Lagendorf, um Auf- Hebung der den Bau einer neuen Kirche in Lagendorf betteffm- den Anordnung, wird der Regierung zur nochmaligen Er- wägung überwiesen. Die Firma Gebr. Torley in Wald, Kreis Solingen, bittet daS Hau« der Abgeordneten, ihr Gesuch,„die von der löniglichen Regierung zu Düsseldorf unterm 26. September 1885 verfügten Polizeivorschriften für den Bettieb ihre« Ham« merwerkS zu Wald, KreiS Solingen, fallen zu lassen"— der königlichen Staatsregierung zur Berückfichtigung zu über- weisen. Durch die Regierung zu Düsseldorf ist den Inhabern auf- gegeben worden,„nur bei festverschloffenm Thülen und Fenstern, die unentbehrlichen Luftklappen ausgenommen, mit dem Hammer zu arbeiten, zugleich aber für ausreichende Vew tilation der Arbeitsiaume Sorge zu tragen, und durch Sach- verständigenattest den Nachweis zu erbringen, daß die AuS- führung der vorgedachten Anordnung geschehen sei. DaS Ministerium für Handel und Gewerbe hat die Be- schwerde gegen diese Verfügung zurückgewiesen. Die PetitionSlommisfion hat mit großer Majorität dem Antrag der Petenten gemäß beschloffen; in demselben Sinn« platdiren die Abgg. Pleß, Rumpfs, v. Schorlemer- A I st und Dir» ch let, während die Abgg. v. d. Reck uud v. Rauchhaupt einen Antrag auf Erwägung empfehlen, weil fie einen Rechtsanspruch der Petenten auf Grund der Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht al« bestehend achten können. Reg.-Komm. Geh. Rath Rommel konstatirt, daß Regierung in Folge der KommisfionSve-handlungen über er- die die Angelegenheit eine erneute Prüfung derselben eintreten laffen werde.. Der KommisfionSantrag wird mit großer Mehrheit ange- nommen und darauf die Sitzung vertagt. Schluß 3V, Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr. (Kommunalbesteuerung der Offiziere, dritte Berathung der Vorlagen, betreffend den Rheim Ems- b:zw. Oder-Spree» und Nord Ostsee- Kanal und betreffend die schwebende Schuld von 30 Millionen.)_ Parlamentarisches. Die KommissionSberathung über den Eni- wurf eines Gesetze«, betreffend die Besteuerung deS Branntweins nahm gestern Mittag 12 Uhr ihren Anfang. Die GeneraldiSkusfion wurde eröffnet, drch meldete sich trotz mehrmaliger Aufforderung de« Vorfitzenden niemand zum Wort, dt« Heine(Sozialdemokrat), um mit den Worten Rickerts zu sprechen„muthig in die Bresche sprang" und etwa folgendes ausführte: Der Entwurf sei für ihn und seine Partei absolut unan- nehmdar, denn er delaste ein nothwendigeS Nahrungsmittel deS armen Manne«, de« schwer arbeitenden Feld-, Wald- und BergwerkSarbeiterS, sowie der Küstenbevölkerung auf«ine nie dagewesene Weise. Dies« Steuer sei noch ungerechter al« die ungerechten Steuern auf Salz und Korn, indem bei letzteren doch die wohlhabenden und reichen BevölkerungSklaffen wenigsten« mit betroffen würden, während diese Steuer doch nur fast ausschließlich auf den Schultem des um sein kärgliche« Brod ringenden Volkes laste. Aber auch die mit Branntwein handelnden Geschäftsleute seien dadurch, wegen der vorgeschriebenen beständigen Ueberwachung, Staatsbürgern zweiter Klaffe gestempelt und Tag und Nacht zu_. gewissermaßen unter Polizeiaufsicht der Steuerbeamten gestellt. Allerdings sollten nächtliche Revisionen nur bei Verdacht stattfinden, allein er wiffe aus Erfahrung, wie ähnliche Bestimmungen der Gerichtsordnung in Bezug auf HauSsuchun- gen gehandhabt würden, und wenn nun der Wirth oder Kauf- mann, welcher einen Branntweinhandel betreibt, gar einer Partei angehöre, welche der Regierung nicht sympathisch sei, so könne er durch diese Maßregel derart bedrängt werden, daß er bald dem Ruin geweiht sei. Die Feststellung einer jährlich fixlrten Branntweinabgabe bis 500 M für ein Einzelgeschäft ohne Einwilligung de« BranntweinoerläuferS statt einer Abgabe Tag für Tag pilgerte ich an ihr Lager und wa« ich ihren fein gezogene» Brauen absehe« konnte, legte ich ihr beglückten HcrzevS zu Füße«. O, daß ich die Macht besessen: Wenn sie in feierlicher Abendstunden einge- schlummert, sie beim Erwachen rn de» ersehnten Süden zu versetzen. Ich umgab sie mit Blume«. Ich thürmte Rosen um die Sterbende. Sie lächelte tiefbeglückt und ihre Thräne« waren mir der köstlichste Loh». So verbrachte sie den Winter. Meine Schwester hatte unterdessen die Stätte meine« Elends und meine« Glück'« geheilt verlassen und war die treue Freundin des armen Waisenkindes geworden.... Der Frühling kam in'« Land. Der rauhe Märzwind beengte der Kranken den Athem; sie überdauerte de» März. Da kam der April mtt seinen tödtlichev Launen. Der mensch- gewordene Sonnenstrahl begann zu erbleichen. Julia hörte auf— zu wünsche«. Mer« Herz krampfte sich zusammen. Da blitzte ein Gedanke in mir auf:„Du sollst nicht völlig untergeh'n 1" Giebt e« einen Künstler, der die lichte« Kon- teuren eines Engels zu banne« vermöchte!" So komm' denn herab, du ewige Sonne, und hilf mir die schwin- dende» Strahlen deiner Nebensonne für immer festzu- halten I Julia schmückte sich und war guter Dinge, denn ein Festtag ihrer Seele war angebrochen. Halbaufgerichtet mit letzter Krastäußerung duldete fie, daß die barm- herzige Sonne um sie spiele und den Glanz ihrer hohe« Schönheit auch auf die Nachwelt bringe.... Dan» sank fie erschöpft zurück. Wenige Tage darauf war sie, wie fie es ahnungsvoll vorhergesagt, in de« Armen derselbe» Wärterin, die den Athemzug ihrer schönen Mutter belauscht— mit meinem Namen auf den dankbare« Lippen— sanft und schmerzlos hinübergegangen, wo keine Thräne« fließen. Wie lieblich die Sonne ihre Züge gemalt, hatte sie nicht mehr gesehe». Eine Stunde nach ihrem Verscheiden traf ich an ihrem Lager ein. Sie glich der einsamen Palme im Klostergarte» zu Oropesa, die auf ödem, spanischem Sande keine Früchte trägt und in stillen Nächte« um ihre eigentliche Heimaih, die far- benglühende Welt der Tropen, ThaueSthränen weint. pro Liter gebe der Steuerbehörde die Macktbefugniß, jede» kleinen Geschäftsmann einfach zu ruintren. Die B> st mmunz, daß eine zweimalige geringe Uebertrrtung nicht nur schweres Gefängniß, sondern dauernde Unfähigkeit zu einem solchen A«- schüft nach fich ziihrn solle, sei un erhört, und«rinner« an die gesetzlichen Bestimmungen übet Meineid. Wenn man dagegen daS Wohlwollen de« Gesetze« geg» die Branntweinbrenner betrachte, so komme man zu dev Schluß, daß da« Gesetz vorwiegend zu deren Nutzen ausgearbeitet sei. Freih. v. Mirbach(kons.) halt eine Mehrbesteueruna des Branntweins für nothwendig, da« aegenwärtige Gesetz aber» die Eiwerisverhältviffe zu ttef emschneidend und versprla' Gegenvorschläge zu bringen. Rickert(vfr.): Hiernach dürfen wir wohl die gegerwärtige Vorlage für lodt betrachten und baldige Einbringung der konservativen Gegenvorschläge erwarten. Der Branntweinhandel bringt keinen übermäßigen, sondern nur einen reellen Nutze» Gamv(kons.): Wenn die sozialdemokratische Partei dies» Gesetz bekämpft und dadurch die staatliche Altersoersorgungs« lassen für Arbeiier unmöglich macht, so mögen ste fich nur Vj Hause nicht wieder sehen lassen. Der Branntn-inhandet bringe, wie z. B. beim Berliner Getreidekümmel, 1000 Prozew Gewinn. Der Zwischenhandel müsse scharf herangezogen werde» Wenn der sozialdemokratische Grundsatz des ehernen W nomischen Lohnaesetzes richtig sei, so würde mit der Mehrd" lastung de« Volke« auch dessen Einkommen steigen. Ms Steuer sei also nur von Nutzen. Kayser(So;.): DaS vom Adg. Gamp entworfene Elb» rado für Arbeiter, welche« nach Annahme der B-anntwe»' steuer eintreten würde, sei ein alte« Bild in neuer Aub srischung-bei allen Steuervorlagen der letzten 8 Jahre sei a» Ziel die Verbeffrrung der Lage der Ardeiter hingestellt, ohne M die Arbeiter bisher etwas weiteres al« neue Unterdrückung»' maßregeln erfahren hätten.,. Wenn die Regi-rung gesetzlich feststellte, daß dies« Steuerertrag zu WohlfahrtSeinrichtnngen für die nothleidendc» Klaffen verwendet werden müßte, so laffe fich dariidn reden, wie seine Partei unter solchen Voraussetzung» auch für die Börsenstcuer eingetreten sei; der Regierung dum Bewilligung dieser Steuer aber einfach ein Vertrauens zotuv bringen, könne er nicht. Die vorgeführten Bilder, wonach d» Erträge für die Arbeiter verwendet werden sollten, seien TruS' dilder, die Erträge würden wieder im Schlund de« NW# etat«, in dem Waffer der Kolonialpolitik verschwinden und p die Ardeiter nichts übrig bleiben. M Strotmann(nationalltb.) bestreitet, daß Branntwein n° nothwendigeS Lebensmittel sei, eS sei besser, der meiste Branis' wein würde nicht getrunken. Finanzminister v. Scholz: Abg. Kayser habe Unrecht, Arbeiter leer ausgegangen, die beiden untern KlaffensteE' stufen in Preußen seien von der Staatssteuer befreit, jr Beträge dieser Branntwein. Steuer sollm in Preußen zur laftung der Kommunen, Verbcfierung der BramtenbesoldU«» und Amortifirung der preußischen Staatsschuld verweb werden._ Oechelhäuscr(nationalltb.) spricht seine Freude darüda aus, vaß die Sozialdemokraten die Vorlage nicht absolut w neinen. Meyer-Halle(deutschfreis.): Früher, im Jahre 1870, die Fortschrittspartei für eine solche Steuer zu haben gewe!?' jetzt nicht mehr, da alle Steuerschrauben biS auf« Aeuß»� angezogen seien und nicht der Branntwein trage die Steu� sondern die Staatsbürger. Die Beamten seien in PM*? besser gestellt al« in Oesterreich, Frankreich jc. Man bcstn fich mit allen diesen Luftbildern, welche mindestens 600 Au' erfordern, auf einem uferlosen Meere. Noch nie sei eine o- artige rücksichtslose Steuererhöhung in Friedenszeiten in«g». einem Lande dagewesen. Man müsse endlich aufhören unv Volk ein paar Jahrzehnte zur Ruhe kommen lassen.. Finanzmtnister Scholz empfindet eS als eine Thatsache, daß Deutschland die Kraft gefunden, durch 9°� Steuern den Autschwung der Nation zu fördern. Staudy(kons.): Der Spiritus könne die Steuer trage». � Schnapsverläufer mit 30 Kunden habe sein gute« Auskomme»- bei mehr Kunden würde er bald reich.. � Rickert wendet fich in einer langen Rede gegen die läge, weist nach, daß nur einige Prozent der Bevolkerm» durch die Kassensteuerbefteiung erleichtert seien. Die Unzahl � seldstständigen Gutsbezirke mache in Preußen jede 0»%; Reform der Gemeindesteuer-Gesetzgebung unmöglich. Eist I" der Finanzminister ein klare« Bild seiner Ziele entwickeln, vor er und seine Freunde irgend einer neuen Steuer zum I men können. Finanzminister v. Scholz findet e««erkhlo«, dem Rickert zu erwidern, da dieser doch unter allen llmfmti gegen da« Gesetz stimmen werde. E« folgen persönliche merkungen von Rickert und Heine. Vertagung. ForlstS»' Donnerstag 12 Uhr._ die Lokales. Arbeiter- Wochen-Billet« nach Berlin. Scklesischen�A' Hof, giltig zur täglich einmaligen Hin- und Rückfahrt an sechs Wochentagen von Montag bi« Sonnabend in 3. � der Stadtdahn. Vorortzüge werden seit dem 17. d. 3%-„„n Station Spandau(B. H.), und zwar auch nach. Spandau, Lehrter Bahnhof, zum Preise von 2 Mark pro � verkauft. Die Bittet« werden auch schon am Sonnaben j, dtljlnigen Woche, für welche fie gellen sollen, verabfolg'- testen« muß die Lösung aber eine halbe Stunde vor desjenigen Zuge« stattfinden, zu welchem ste»um ersten"'„i benutzt werden sollen.— Die letztere Bestimmung er- wenig verstänolich. Nach§ 9, Abs. 1 des Betriebs. Regle der Bahnen hat derjenige, welcher biS 5 Mmuten vor» W de« ZugeS noch kein Billet gelöst hat. auf Verabfolgung � solchen keinen Anspruch. Von dieser Regel abzuweichen, für die Bahn technische Gründe kaum bestimmend kL,w' sein, denn mit dem Verkauf eine« Ardeiter-BilletS find At dere Förmlichkeiten, wie etwa bei den Rundreise- Billets-�j�il verbunden. Die Sonderbesiimmuna ist auch UM l* verbunden. Die Sonderbestimmung ist auch um>0 fie die Benutzung der Arbeiter- Bitte«,» � Meist erfolgt doch die Hinfahrt mit ei« Jj» ZM mein erschwert.________________|...________ ersten Züge am Tage, also zu einer Zeit, wo selten gern früher als unumgänglich nöthig sich auf v«n einfindet. Und warum soll der Käufer eines derartigen. eine halbe Stunde seiner Zeit opfern und zwecklos Zug warten!„„„iW � Die Verhandlungen über die neue Banordn» Berlin, die im Ministerium stattfinden sollten, Hoden pe» zehn Tagen begonnen. ES nabmen an ihnen ttser» � Polizei. Prästdiüms und de« Magistrat« Theil� �ilcb� Gang der Verhandlungen kannt geworden� indeß jst, Seiten ist Bestimmtes bisher nach der„Rat.'Ztg. c-erren die Absicht der Verständigung vorbanden. deshalb anzunehmen, daß die Bauordnung diesmal mw iiäß scheitern wird. Et«e gewist recht freudig Mitgliedern der sozillldemokraiis nach der Sitzung am 25. zu Theil ..............« M.A Rede gegen die Branntweinsteuer beendet hatte, appl»» � feingekleideter Herr auf der Tribüne auf da« L-dh rief Bravo. Wegen diese« in Deutschland""LfgefocdL VerbaltenS wurde der Herr von dem Personal a 0P. die Tribüne«u verlassen. Er stellte fich darauf v««�«« der» der sozialdemokratischen Fraktion persönll®.�(i. mancher von diesen H-rren erkannte in Sfm alten Bekannten, nämlich einen früheren Zigarren ?°ld7 W Kqi I °liz fjW d«n 70(1 Jahren aus Hamburg ausgewiesen wurde. Er »ar von Hamburg nach Australien gegangen, hatte seine Fa- Mir nachkommen lafirn, und führte zunächst sein alleS Tischaft— die Zigarrcnmachrrei— fort. Später verlegte er aus den TadakSbau, den man in jenen Gegenden noch kultioirt hatte. Vom Glück begünstigt und von der «olonialregierung unterstützt, begab er fich nach Brastlien. l» dort das Fermentiren(Farbegeben, Jertigmachen deS Roh« waü) zu erlernen. In verhältnißmäßig kurzer Zeit zum wchm Mann geworden, weilt der Herr augenblicklich in Deutschland, um die zur Fabrikation von Rauch und Schnupf» tabak nothwendigen Maschinen zu kaufen. In nicht allzuferner oitt hofft er, nicht nur Australien mit fernem LandeZprodukt vttsrhen, sondern auch auf dem europäischen Markt mtt austra« »lchem Tabak als Konkurrent auftreten zu können. Ein Unglücklicher. Der Echmioermeistir Weide wohnte w«i Jahre in dem Hause Seydelstr. 30. Am 18. Januar v. I. Kannte der Dachstuhl des genannten Hauses ab; da? zum Aschen dei Brandes benutzte Waffer drang derart in die Wohnung des W. ein, daß dieser über zwei Monate verhindert ®4r, sein Gewerbe in der Wohnung zu betreiben, weil dieselbe vollständig renovirt werden mußte. In seiner Roth wandte "ch W. an seinen HauSwirth mit der Bitte, ihm die 55 Mark Monatlich betragend« Miethe für einen Monat»u erlassen.— we Antwort deS HauSwirtbeS war eine Exmisfiontklage gegen W, welcher in Folge deS Unfalles nicht mehr in der Lrge ]?«, die Miethe pränumerando zu zahlen. Er wurde hierauf 'oft allmonatlich mit Exmiifion gedroht. Ende Februar d. I. ®urde dem W. die Mrethe für den Monat Februar nicht ad- genommen, sondern verlangt, daß er dieselbe für März gleich Mbezablen solle, was ihm tndeß unmöglich war. In seiner «rzweiflung eilte W. nach Eonn nburg, um bei seinem dort -»ohnenden Bruder Hilfe in der Roth zu suchen. Diese Reise Me für ihn sehr oerhängnißooll werden, wie folgende owungvnotij, welche in mehreren Prcvinzialblättern Aufnahme !and, deweist: %.„Sonnenturg, 9. März. Der Schneidermeister W. aus «ttlin wollte seinen hier ansässigen Bruder durch Besuch über« laichen.! Er traf Abends um 9 Uhr in Küstrin ein. Da der Omnibus nach Sonnenburg schon ISnqercZeit vorher fich auf dieRückfahrtde» hatte, wollte er den Weg kurz entschlossen zu Fuß zurücklegen. unterwegs glitt er auf dem gefrorenen Boden aus, fiel und f'nch«in Bein unmittelbar über dem Knöchel. Der Be« «uernSwetlhe lag die ganze Nacht auf der Chaussee. End- na, wurde er von einigen HandlungSreisenden, die per Droschke 2*4 Sonnenburg fuhren, aufgenommen und in das hiestg« �ldent-KrankenhauS in ärztliche Behandlung gegeben." ,.In dem Krankenhause mußte der Unglückliche lange Zeit Mrtngrn, denn erst vor 14 Tagen konnte er wieder nach «25?. zurückkehren. Er ist jetzt vollständig ruinitt, seine Mrthschaft ist während seiner Abwesenheit von hier verkauft Mven, srine Familie ist zersplittert. Die Verletzungen, welche 1?®« Schwergeprüfte bei dem Falle zuzog, waren derart 5*0%' daß er fich noch heute nur mit Krücke und Stock fori« im Stande ist.— Ein guter Freund htt den un« Wn. t!? Mann bei seiner Rückkehr nach Berlin vorläustg in Wohnung aufgenommen.— Vielleicht werden edle N„?V?Keundc durch diese Zeilen veranlaßt, dem ohne sein l,>ft.?'>tn heruntergekommenen Mann hilfreich Beistand zu er wohnt Kottbuserdamm 99, Hof links M. bei Hensel. geradezu unerhörter Hartherzigkeit eines 5?uswtrthts zeugt, wie die„Staats». Ztg." meldet, folgen« «2:®orfaU. In der Schulstr. 107 miethete am 1. v. M. die K'Uwe Rüffter beim HauSwirth W. Armand eine kleine lo�uug sür den pränumerando zu zahlenden PreiS von M. Die Wittwe, welche noch drei schulpflichtige Kinder ernähren hatte, war nicht in der Lage, die Miethe pränume- zu erlegen. Erst am 2. d. M. zahlte ste dem Wirth AM., die derselbe jedoch nicht für April, sondern für Mai Inzwischen hatte er aber die Exmisstonsklage anae- er n� ni�achdem dieselbe rechtskräftig geworden war, schloß nicht �Uw« am 12. d. M. dt« Wohnung ab und ließ fie den ßVmi�nrtn- In ihrer Angst wandte fich die Wittwe an benn ihrer Parochie und den Armenvorstehcr. die aufbtoM"ur die sür April rückständige Miethe von 12 M. sionser?. sondern auch noch die GrrichtSkostm der Exmis« ffilrih r., �kr Höhe von ungefähr 7 M. bezahlten. Der dt, an 7? somit von der Wittwe nichts mehr zu fordern, ja, w;~°bnung war sogar diS Ende diese« MonatS bezahlt: und er ihr den Eintritt in die Wohnung nicht bera,.»!?' die Möbel, die Nähmaschine und die Kleider nur ek-m% t'u«ollen, wenn die Frau diese auf einmal mtt AinVe Uhrwerk abhole. Dazu fehlten der Frau aber die �iuttrr' ssch mit ihren drei� Kindern bei ihrer alten ein,» bewohnt, ein vo läufiges Unterkommen suchen, da st: fich »elthe selbst nur ein kleines Stübchen in der Brunnen- � 8« vew!' >e' ,' Bronzekronen, 2 eiserne Geldspinden, Brillanten, Ii*,,' und Silbersachen, mit einem Worte ein wahrhaft fürst- �ievi ss-�uS zur zwangsweisen Versteigerung g« langen soll. b,z k/ss�nbart fich nicht in dieser Anzeige daS düstere Walten !fort.»"ungslosen Schicksals, die Unbeständigkeit der Göttin die Unficherheit menschlicher Existenzen? Menschen, noch gestern auf der Höhe der Situation befanden, in W 2"« und Ueberfluß schwelgten, müssen fich heute ihrer »rivs.,?� entkleiden und morgen hinabsteigen in unbekannte, GS-sWÄWZ ää;, sollen;' ein Sopha zwangsweise versteigert werden "s'lleickt hegend eine arme Famrlte wird hier '°blier rückständiger Wohnungimiethe oder nicht be- ####: «mää risa. Us'rn. di.?�s�e� Drehorgel, einigen Dutzend Panorama« toSöglorf,'U"e Einrichtung eine» Panoramas, eine große e»" oft?/' transparent- und Oelgemälde, welche vrellercht u'�unende Bewunderung einer schaulustigen Menge bU-r K?' meistdietend zur Versteigerung gelangen � bat offenbar der glückliche Befitzer nach lang« jährigen Irrfahrten sein„Schäfchen in« Trockene" gebracht, gedenkt fich nun zur Ruhe zu setzen und seinen minder glück« lichen„Kunstgenüssen" die fernere Ausnutzung seiner Requrfiten zu überlassen. Di« Ankündigung der Versteigerung von einer „Million Korken" hat eigentlich etwaS Humoristisches, wenn- gleich dieselbe ein beredtes Zeugniß dafür ablegt, daß der jetzige Besitzer gehörig auf dem„Propfcn" sitzt. So ließen stch noch viele Beispiele anführen, doch die angeführten werden wohl schon zur Genüge beweisen, daß das Studium der Auktions-Anzetgen ein sehr interessantes und durchaus lein „brotloses" ist, dmn wer eS versteht, findet hierin reichlich Ge- legenheit, einen Schatz von Lehren und Erfahrungen aus dem Leben für daS Leben zu sammeln. Wie gefahrvoll für de« öffentliche« Verkehr der Transport der großen Gerüstftangen durch die Straßen ist, zeigt wieder die erhebliche Beschädigung eines Pferdebahn- wagenS der Ringbahn, welche durch iene Stangen herdeige- führt worden ist. Ein Wagen der Ringbahn fuhr gestern Mittag über den Moritzplatz, als plötzlich die Enden von Ge- lüststaugen, welche auf einem Wagen tranSportirt wurden, in die Scheiben dei Pferdebahnwagens schlugen und mehrere derselben zertrümmerten. Die Paffagiere kamen mtt dem Schreck davon. Bezüglich de« kürzlich mitgetheilten Selbstmordes eines Ober- Primaners aus Berlinchen haben die näheren Erkundigungen, der„Kreuz- Ztg." zufolge, jetzt folgendes er« neben: Der Selbstmörder O. L. aus Berlinchen war nicht Ober Piimaner eines hiesigen Gymnasiums, sondern hat bereits zu Ostern 1834 daS hiestge JriedrichS-Gymnafium aui Unter- Sekunda verlassen; zu dem bezeichneten Zeitpunkte ist er durch ein, wie jetzt anzunehmen ist, gefälschtes Schreiben seines Vaters „wegen Krankdett" abgemeldet worden. Zwei Jahre lang hat er seine Angehörigen in der Heimath in der Täuschung zu er« halten gewußt, daß er daS Friedrichs-Gymnasium noch besuche und sogar bis nach Ober. Prima vorgerückt fei. Die Unmög« lichlett, diese Täuschung weiter zu führen, mag ihn zu der un- seligen That veranlaßt haben. Wo O. L. während der zwei Jahre seit seinem Abgänge von der Schule fich aufgehalten htt, ist Gegenstand weiterer Nachforschung. Haussuchungen. Gestern Vormittag fand bei der der« zeitigen Vorfisenden deS Berliner Arbeiterinnen� Vereins des Norden?, Frau Grothmann, eine Haussuchung statt. Es wur« den einige Briefe und ein Statut der Zentrallranken- und Be- gräbnißkaffe für Frauen und Mädchen Deutschlands in polizei« liche Verwahrung genommen.— Ebenso wurde bei dem Schrift. steller Herrn Baaie aehaussucht. Die Voruutersuchuug gege« de« Musiker Möhlers, der vor einigen Wochen seinen etwa zehnjährigen Knaben inS Waffer gestoßen und dann selbst versucht haben soll, fich das Leben zu nehmen, ist schon jetzt zum Abschluß gelangt. Die Alten find nun vom Untersuchungsrichter an die Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage adgegebm. Der Beschulvigte, welcher Anfangs den Selbstmordversuch auf NahrungSsorgen zurückführte, erklärt jetzt, daß er seinen Sohn, der durch Un- vorfichtigkeii ins Wasser gestürzt sei, nur habe retten wollen. Eine sehr heftige Gasexplosion fand gestern Vor- mittag gleich nach 8 Uhr im Vorder Haufe Feilnerstr aße 8, und zwar in der im Erdgeschoß belegenen Wohnung ver Haus- defitzerin, Wittwe Thäle, statt; die Explosion ist anscheinend einer Unachtsamkeit zuzuschreiben, indem es vergessen worden war, den Hahn von der Gaskrone, welche woraestern bis spät Abends gebrannt hatte, zu schließen. Frau Thäle versvürte gestern Morgen starken Gasgeruch und wollte mit offenem Liebt nach der Quelle derselben forschen. Ali fie das be« treffende Zimmer betrat, erfolgte eine so heftige Explofion, daß Thülen, Fenster, sowie das Mobiliar nicht nur dieses, sondern auch eines angrenzenden Zimmers fast total zer- trümmert und die Deckenverschaalungen von ihrem Platz völlig entblößt wurden. Ein zum Besuch anwesender Verwandter, Eisendahnbeamter Günther Bernhardt aus Oclsnitz i. Sachsen, welcher in dem einen Zimmer schlief, wurde durch die Explofion detäubt, kam jedoch, nachdem einige der im Samartterdtenst ausgebildeten Oberfeuermänner Wiederbelebungsversuche an- gestellt hatten, bald wieder zu stck; seine weitere Behandlung übernahm der inzwischen zur Stelle gebrachte Dr. Meyer. Frau Thäle selbst ist mtt dem Schreck davon gekommen, während ihre erwachsene Tochter, welche fich an der Seite ihrer Mutter befand, leichte Verletzungen am Halse davon« getragen hat. Ein Brand war durch die Explofion nicht ver« ursach: worden. Bei einer gester« von der Krimiualpolizei w-gen Diebstahls verhafteten Frauensperson, welche einem Herrn sein Po'.temonnaie mtt 300 M. Inhalt und eine stlberne Zylinder« uhr im Werthe von 28 M. gestohlen hatte, wurde eine zweite goldene Zylinderuhr gefunden, welche die Verhaftete vor einiam Tagen in Franlfurt a.£)• von einem Unbekannten für 15 M. gekauft haben will. Da diese Angaben zweifelhaft er- scheinen und anzunehmen ist, daß auch diese Uhr aus einem Diebstahl herrührt, so wird dem unbekannten Eigenthümer an« heimgestellt, die Uhr, welche die Nummern 58 108 und 23 350 trägt, beim Kriminal-Kommissariat, Zimmer Nr. 78, zu be- sichiigen. Schwer erkrankt in Folge des BisseS einer Kreuzotter ist die Ehefrau des in der Wendenstraße Nr. 5 wohnhaften Tischlers L. Dieser hatte am letzten Sonntage eine Partie nach Johannisthal unternommen und hier im Walde eine Schlange aufgestört, die nach langem Umhci jagen endlich er- maltet liegen blieb. B. schaufelte da« Thier in sein Taschen« tuch, daS er mit den Zipfeln zusammenknüpfte und trug die Schlange so nach Hause, wo er dieselbe beim Mangel eines anderen geeigneten Behälters in ein Wcißdierglai legte. AIS einige Zeit daraus sein- Frau den merkwürdigen Fund be« trachtete und die auf da« Glos gelegte Decke abhob, fuhr die Schlang« in die Höhe und versetzte der Frau einen Biß in den Arm, der sofort zu schwellen begann. Einige herbeigerufene Nachdariftauen ertheilten nun den Rath, die Bißwunde aus- zusaugen. Frau L. that dies auch, doch stellte fich bald darauf in Folge dieses Verfahrens auch eine Anschwellung deS Mun« deS und des ganzen GefichteS ein, oermuthlich, weil daS AuS« saugen mit solcher Heftigkeit geschah, daß fich an den Lippen kleine Schrunden bildeten, durch welche das Gift ins Blut ge- langen tonnte. Der immer bedenklicher werdende Zustand ver F-au L. machte deren Uebcrtührung nach Bethanien nöthig; ihr Zustand ist desorgnißerrrgend und die Aerzte haben selbst Verwandten, die von außerhalb zum Besuch hier eintrafen, den Zutritt zu der Kranken nicht gestattet.— Die Sache ist medi« zintsch besonders dadurch inteiefiant, daß auch der Ehemann L. behauptet, von der Schlange gebiffen zu sein, ohne daß stch bei ihm irgend welche nachtheilige Erscheinung gezeigt hatte. Freilich mußte er zugeben, daß Otternjaad und dem Fange der Kreuzotter ein gemüthlicheS Frühstück olgte. bei dem ein nicht unbedeutendes Quantum alkoholbaltiger Getränke konsu- mirt wurde, und Alkohol ist ein spezifisches Mittel gegen die Wirkung det Schlangenbisses. Der gering geachtete Sperling ist, jung aufgezogen, einer der unterhaltendsten Studenvögel. Ein Destillateur in der Heiligengeiststraße befitzt einen solchen Graurock. Den ganzen Tag über steht die Ladenthür offen; der Spatz fliegt ein und aus. er mischt fich unter die Brüder aus der Straße, kommt aber stets wieder zurück. Unbekümmert um die zahl. reichen Gäste, bewegt er fich im Laden, und setzt fich der Wirth zu Tische, so nimmt auch der Spatz neben dem Teller Platz und bekommt von allem sein Theil. Selbst einen Kuß giedt er seinem Herrn auf Verlangen. Eine turbulente Etraßenszene spielte fich om Dienstag Nachmittag in der Oranienstraße, nahe dei der Mariannen- straße ab. Auf einem Fuhrwerk, dessen Führer stark betrunken schien, defanden stch mehrere Säcke mtt Bohnen; einer dieser Säcke hatte fich geöffnet und streute seinen Inhalt auf den Sttaßendamm zum großen Vergnügm der Heben Straßen- jugend, die mit den eingesammelten Bohnen ein Bombarde« ment auf den sanft schlummernden Kutscher begann. Dieser schnitt dei dem Bohnenbagel anfänglich die komischsten Grimassen, ermunterte fich dann aber und hieb mit der Peitsche unter seine Gegner. Natürlich begann nun daS Bowdardem-nt erst recht und es interventrten nun auch erwachsene Paffanten. Die Uesache deS Streites, der geöffnete Bohnensack, wurde ge» schloffen. Ob die übrigen Bohnen an den Ort ihrer Bestim- mung gekommen find, ist zweifelhaft, denn der Kutkcher war unfähig, daS Ziel seiner Fahrt anzugeben; vielleicht wissen seine Pferde besser Bescheid.— Bei der jetzigen warmen Wik- terung sollten fich Leute, die fich anhaftend der glühenden Sonnenhitze aussetzen müssen, recht sehr vor dem Genuß allo» holischer Gettä'-ke in Acht nehmen. Es kann nur allzuleicht vorkommen, daß Jemand, auf den sonst ein Glak Bier oder Schnaps keine nachtheilige Wirkung hat, unter dem Einfluß der Sonnenstrahlen in eine Verfassung geräth, die ihn zur Erfüllung seiner Berufspflichten untauglich macht. Der oben geschilderte Fall entbehrt ja nicht der Tragikomik, ein kleiner Rausch eines Kutschers kann jedoch unter Umständen recht un» liebsame und gefährliche Folgen haben. Wir find gewiß keine Temperenzler, bei der augenblicklichen Hitze möchten wir jedoch die äußerste Voi ficht und Mäßigung beim G-nuß spirituöser Getränke anempfehlen. Ueber eine« Mord, der am Sonntag in Wernsdorf bei Köpenick verübt worden ist, geht uni von einer htefigen Korr-- sponvenz folgende Mitthcilung zu: Der Hausschlächter Runk daselbst, ein in guten Verhältnissen lebender Altentheilbefitzer, ein Biann in den sechziger Jahren, hatte an dem genannten Tage seiner Gewohnheit gemäß dem Branntwein allzusehr zu- gesprochen und wurde, wie schon öfter, von den mit ihm im Kruge anwesenden Gästen mehrfach gehänselt. Nachdem Rutil in Begleitung deS EchankwirthS nach Haufe gegangen war, kehrte er später von da nach dem Kruge zurück, wo er mtt einem Schlächtermeffer bewaffnet, das er auö seiner Wohnung mitgenommen hatte, denjenigen auflauerte, die ihm vorher am meist-n mitgesvielt hatten. Ali bald darauf ein junger Ver» wandter de« Runk, der ihn vorher hatte nach Haufe begleiten wollen, damit aber bei ihm kein Gehör gefunden hatte, ahnungs» los auS der Thür des WitthshauseS trat, wurde er von Runk mit dem Messer derartig in den HalS gestochen, daß er sofort zusammenbrach und nach wenigen Minuten oerstarb. Der Mörder zeigte fich nach der That vollständig ruhig, ließ fich ohne einen Versuch zur Flucht zu machen, verhaften und er» klärte nur, er habe nicht den Todten, sondern einen Knecht, der ihn besonders gereizt habe, erstechen wollen. Ali man dem Mörder, der verhetrachet ist, bei seiner Ueberführung nach Moabit Fesseln anlegen wollte, meinte er, daS sei nicht nöthig; er denke nicht daran, fich seiner Strafe entziehen zu wollen. Anch ein Attentat. In einem im Osten der Stadt be» legenen Hause hat der Wechsel deS Hausverwalters zu einer komischen Ansckuldigung geführt. Der jetzige Verwalter de« HauseS,«in Bäckermeister, welcher annahm, daß ibm sein Vor» gär.ger— ein in demselben Hause wohnender Tischlermeister — feindlich gesinnt sei, machte vor etwa acht Tagen bei der Polizei die Anzeige, daß die Ehefrau des Tischlermeisters in feine Wohnung gekommen fei und unter Vorhaltung eines TerzerolS zu ihm gesagt habe:„Erst erschieß' ich Sie und dann jage ich mir und meinem Manne eine Kugel durch den Kopf." Bei der amtlichen Vernehmung leugnete die Frau keineswegs, diese Aeußerung gethan zu haben unv gab als Grund an, daß fie den Bäckermeister, der fie und ihren Mann bei ihrem HauS« wirth verleumdet habe, darüber bab: zur Rede stellen und ihm einen Schreck einjagen wollen. Gleichzeitig präfentirte fie auch die Waffe, mit welcher fie den Bäckermeister bedroht hatte. Diese war indeß kein« sonderlich gefährliche, denn bei näherer Befichtigung entpuppte fie fich als ein..... hölzerner Stiefelknecht» welcher zusammengelegt die Form eines Pistols hat. Ueber einen Besuch in Dalldorf bringt die„Köln. Ztg." auS der Feder eines Berliner Korrespondenten eine feffelnve Skizze, der wir einige hochinteressante Mittheilungen über „Theater, Konzert und Ball in der Irrenanstalt" entnehmen. Es heißt da:„Außer den gewöhnlichen und täglichen Zerstreu« ungen, Spaziergängen und Spielen werden regelmäßige Tanz» kränzchen veranstaltet und von Zeit zu Zeit noch ganz desondere VergnügungS- Abende. Zu einem solchen Abend bin ich neu» lich vom Direktor der Sicchen-Anstalt freundlichst eingeladen worden. Hier daS Programm: Abendunterhaltung in der Irrenanstalt zu Dalldorf. 1) Zwei Lieder für gemischlen Chor. 2)„Papa hat'» erlaubt", Schwank in einem Alt. 3) Polacca d'Escnlape, von E. H.(für Klavier und Geige). Der Gaal, in dem die Vorstellung stattfand, ist geräumig und hoch. Auf der obern Galerie bafand fich ein Harmonium, und da hatten auch die Sänger und Sängerinnen, sämmtltch Kranke, Platz genommen. Dieser Galerie gegenüber, an der andern Schmalseite deS Saale?, war die Bühne aufgeschlagen, und davor saßen also die Zuschauer. Vorn die Aerzte und deren Damen, Stadtrath Wolff, dem von der städtischen Ge» meind« die Aufstcht über die Irrenanstalt üdertrazen ist, noch andere Stadtverordnete, darunter der Kurator der Anstalt und einige wenige Gäste. Alle übrigen Plätze waren von den Irren besetzt, und zwar saßen die Männer aus der rechten Seite vom Eingang, die Frauen ihnen gegenüber zur Linken. Da- zwischen erblickte man in gewissen Abständen die Wärter und Wärterinnen, die stch in idier Kleidung nur unwesentlich von ihren Pflegebefohlenen abhoben. Die Haltung deS Publikums unteifchted fich vor, während und nach der Vorstellung tn keiner Weise von dem in irgend einem andern Theater. Ruhig hatten die Kranken ihre Plätze eingenommen und führten mtt einander leise Gespräche, die mit dem ersten Anschlag der Glocke sofort verstummten. Der vierstimmige Gesang mit Harmoniumde- glettung, der nun von der Höhe herab erklang, hatte etwaS unendlich Ergreifendes und Ruh: ende?. Es waren schöne Stimmen im Chor, sowohl weibliche wie männliche, und der Gesang glockenrein.„DaS Wandern ist deS Müllers Lust" sangen die Unglücklichen. Das Wandern! Sie, in deren Brust der Trieb, aus diesen Mauern herauszukommen, deren starre Absperrung alle Menschlichkeit und Freundlichkeit nicht wegzuräumen vermag, unaufhaltsam und mächtig arbeitet! Der lustige Schwenk von L'Arronge und Moser:„Papa hat's erlaubt", wurde sehr flott und hübsch gespielt. Der Lehrer der Anstalt machte den Souffleur; aber er brauchte sich gewiß wenig anzu- strengen, denn alle hatten Ihre Rollen meisterhaft eingelernt. ES war natürlich eine Dilettantenvorstellung mit dem ausge« svrochenen Charakter deS Tilettantenhaftcn, aber als solche war ste eine vortreffftche zu nennen. Der Darsteller deS grob« kömigen EchlächiermeisterS Budike hatte sogar ganz entschieden komisches Talent. Die Rolle der ersten jugendlichen Lieb» haberin wurde von einem anmuihigen jungen Mädchen dar« gestellt, die zu den Genesenen gerechnet wird, unv deren Eni» iaffung für die nächsten Tage angesetzt war. Die Darstellerin det Dienstmädchens Jette war edenialls ein recht hübsches und ganz jungeS Mädchen, Anna R., deren Krankheit zu den „interessanten Fällen" von Dalldorf gezählt wird. Das Publikum war ungemein dankbar, nahm jede witzige Wendung warm auf und klaschte lebhaften Beifall. Einige Sätze, die sonst wohl in einem anderen Theater unbemerkt voiüder- gehen, wie z. B.:„Bei dir rappelts gewiß im Kopfe!" wurden hier mit Hellem Gelächter aufgenommen. Das Mufilsiück. welches die künstlerischen Leistungen deS Abends beschloß, ist in Dalldorf von einem Kranken kowponirl— der Titel, der den allen Gott der Heillunst anruft, ist bezeichnend genug— & und wurde von dm Kranken vorgetragen. Der Komponist, ein früherer EtabStrompeler, spielt die erste Geige, die zweste «In alter schwachstnniaer Mann, und die Klaviervealeitung ein sehr musikalischer früherer Lieutenant. Diesen Klavier spieler hatte ich schon bei einem früheren Besuche der Anstatt kennen gelernt, und wir hatten unS damals lanae unterhalten. Wir hatten an einem Abend vierhändig zum Tanz aufgrspiett und in einer Pause nahm er mich bei Veite und sagte mir, eS wäre ihm daran gelegen, mir sein Bild auS früheren Tagen zu zeigen. Hier vor den Augen der Aerzte und der Kranken wolle er eS nicht thun, weil ihm daS als krankhafte Eitelkeit ausgelegt werden könnte; aber eS werde sich in einem der Nebensäle wohl machen lassen. Wir gingen denn auch in ein anstoßendes Zimmer, und da hotte er auS seiner Zigarrentasche sein Bild in Visttenkartmformat: ein Lieutenant in Uniform mit dem eisernen Kreuz. Er sprach vollkommen verständig, und eS de« durfte keiner desonderen Anregung von mir, um ihn dazu zu veranlassen, mir daS traurige Schicksal seines Lebens zu er» zählen. Er hatte harte und schwere Tage im Kriege durchge- macht und namentlich vor Paris lange Zeit in lehr auSge« setzte» Stellung auf Vorposten gelegen. Diese deständige Auf» regung, dieses unaufhörliche gewaltsame Auischrecken auS dem Schlafe hatte seine Nerven stark mttgenommen, und er hatte mehr getrunken, als ihm zuträglich war. In Folge dessen war seine Gesundheit völlig zenültet worden, namentlich hatte sein Gedächtniss den Dienst versagt. Er vergas«, was er am Tage vorher gethan hatte und was er am Tage thun sollte. Er war somit genöthigt, seine Entlassung zu nehmen, und sein Zustand verschlimmert« sich so, daß daS Entmündigungsverfahren gegen ihn eingelettet werden mußte. Er war verheirathet, aber nicht glücklich; und so ist er denn nach Dalldorf gekommen. Er fühlt sich hier ganz behaglich und gehört zu den wenigen mir bekannt wordenen Kranken, die durchaus kein Verlangen haben, Anstalt zu verlassen. UebrigenS stattet er seinen Ve, wandten regelmäßige Besuche ab. Nach beendigter Adendunterhattung wurde von den Aerzten und den Gästen ein gemeinsamer Im- biß eingenommen, uns dann begaben wir uns alle in die an» stoßenden Räume, in denen in zwei Sälen flott getanzt wurde. In dem einen spiette der Lieutenant und der StabStrompeter zum Tanz auf, im anderen spielte der alte Mann, der im Konzert als zweiter Geiger miigewirtt hatte, in Begleitung einer Guitarre. Auch das Tanzvergnügen unterschied sich in keiner Weise von irgend einem anderen öffentlichen oder größeren Prioatballe deS MtttelstandeS. Selbst daS schärfste Auge des Beobachters würde ohne Voreingenommenheit hier nichts Ungewöhnliches haben wahrnehmen können. ES war ein lustiges, fröhliches, liebenswürdiges Treiben, ein anständiger Verkehr zwischen den beiden Geschlechtern. Daß einige der jüngeren Leute sich als besonders liebenswürdige Schweienöther bemerkbar machten, und daß einzelne der jüng» sten und hübschesten Mädchen besonders bevorzugt wurdeir, ist doch gewiß nichts Auffälliges. Zu diesen Bevorzugten gehörte auch jene Anna R-, die soeben als Darstellerin der Jette in dem L'Arronge'schen Schwanke sich hervorgethen hatte. Ich wurde mtt ihr bekannt gemacht, und wir unterhielten unS ge- räume Zeit. Sie war sehr vergnügt und ledenSfrisch und freute sich aufrichtig über die Komplimente, die ich ihr wegen ihres Spiele? machen durfte. Sie schien Vertrauen zu mir zu fassen und bat mich mit rührender Innigkeit, ich möchte mich doch bei dem Ot erarzte Dr. Modi dafür verwenden, daß sie endlich entlassen würde; sie sei ja vollkommen geheilt! Es mochte wohl elf Uhr sein, alS die Abendunterhaltung, die um sieben de» gönnen, ihr Ende erreicht hatte. Z« ermäßigten Fahrpreisen kommen auch in diesem Jahre Extrazüge von Berlin nach CoSwia in Anhalt(Park von Wörlitz) und Dessau zur Beförderung. Der nächste dieser Züge fährt am Sonntag, den 30. d. M, 6,10 früh vom Bahnhofe am ASkanischen Platz ab und trifft in CoSw'g 846, in Dessau 9,26 Vorm. ein. Die Rückfahrt erfolgt gleichfalls mit Extrazug 8,15 Nrn. auS Dessau, 11,45 Abends rn Berlin, kann aber auch am Montag mit sämmtlichen Zügen angetreten werden. Die Billetpreife betragen von Berlin und Groß-Lichterfelde nach CoSwig rdp. Dessau und zurück 5 Mark für die zweite Klasse und 3 Mark für die dritte Klaffe. Freigepäck wird nicht gewährt. Amtlicher Bericht der Direktion, veröffentlicht durch die ..MarkthalleN'Zeitung". Die Preise für See- und Flußsische hielten sich auf dem Stande der gestrigen Notirung. Größere Zufuhren von tleinen Schellfischen drückten den Marktpreis für diese Gattung, sodaß für größere Schellfische knapp 20—24, für kleine 10—15 Pf. per Kilo erzielt werden konnten. Butter, Käse und Eier wie am Montag. Die Zufuhr von Gemüse nimmt täglich zu, Salat erheblich niedriger gebändelt, wie gestern 150—3 M. per 100 Kopf, Spargel la 70—90, IIa. 30- 50 Pf., Suppenspargei 20 Pf. per Kilo. Gurken 18 bis 20 Pf. per Stück. Kartoffeln, beste Dabersche 38 M. per 25 Ztr. Wild und Giflüge! wie gestern. Die Zufuhren waren erheblich, deckten den Bedarf vollständig und wurden zu niederen Preisen abgegeben. Polizei-Berickt. Am 24. d. M. NachmitiagS wurde die Ehefrau eines Tischlermeisters in ihrer Wohnung in der Wendenstraß« von einer Kr uzotter, welche ihr Ehemann an demselben Tage in Johannisthal gefangen und nach Hause gebracht hatte, in dt« Hand gebissen, welche sofort stark an- schwoll. Die Frau wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Am 26. d. M. früh wurde ein obdachloser Arbeiter auf dem Platz an der Lohaühlc mit gebrochenem linken Knöchelgelenk von einem Nachtwächter aufgefunden und mtttelst Krankenwagens nach dem städtischen Krankenhause gebracht. Nach seiner Angabe hat er sich den Bruch durch einen Fall von einer Bank im SchleflÄen Busch, wo er genächtigt, zugezogen. — An demselben Tage VormttlagS traf eine Frau, von Gelsen, lirchen kommend, auf dem Lehrter Bahnhof schwer krank ein und mußte mittelst Droschke nach der Cdantee gebracht werden. — Zu derselben Zeit stürzte sich in der Nähe d-S Schloffei Bellevue ein Mann, angeblich aus Nahrungssorgen, in die Spree, wurde aber von vorübergehenden Personen nvck recht. zeitig herausgezogen und mittelst Droschke nach der Cbaritee «ebracht.— An demselben Tage Mittags wurde in der Mittel raße ein 3 Jahre alter Knabe von einer Droschke überfahren und am linken Knie uno Fuß verletzt.— Am Nack mittag desselben Tages wurde hinter dem Grundstück Wallstraße 55 die Leiche deS am 23. d. M. ertrunkenen Zuschneiders Fromuth auS der Spree gezogen und nach dem Leichenschauhause geschafft._ Gerichts-Zeiwng. Reichsgericht«- Eutscheid»««. Leipzig, 24. Mai.(Heirath — eine VrrmögenSschädigung.) Vom Landgerichte in Frank- furt a. O. waren der Z.egelp achter Enders und der Oekonomie- Verwalter Jackwisch wegen versuchten Betruges zu je sech» Mo- naten Gesängniß vrrunhdtt worden auf Grund des folgenden Thatbestandes. Eine Wittwe R.. 40 Jahre alt und im Bi fitze von vier Kindern, forme eines Vermögens von 27 000 M. er- ließ in einem Tagrblatte eine Anzeige, wonach sie sich noch einmal zu veldrirathen würsche. Ende:« setzte sich mit ihr in Verbindung und besuchte sie auch, bei welcher Gelegenhett er sich als Heualhtkardidat bezeichnete. Ais Frau R. aber meinte. er sei ihr zu jung, sa�te er, der eigenttiide Heirathslustige sei sein Freund Jackwtsch, welcher 9000 M. Vermögen besitze. In der Thai hatie aber I. gar kein Vermögen und mußte sogar seinen Ueberzieher versitzen, als er zu der R. reisen wollte. Doch daS genirte ihn nicht; er stellte sich also der Frau cor und war in ku-zer Zeit ihr Bräutigam. Auf die ethische Be- deutung der Ehe legte er gar keinen Werth, seine Absicht ging vielmehr nur dahin, daS Vermögen der Frau in feine Hände zu bekommen. Zuerst machte er den Versuch, sie zur Abttetung einer größeren Summe an ihn vor der Ehe zu bewegen, dann wollte er sie veranlassen, ihm ein Gut zu kaufen, wobei er immer den Jrrtbum bestehen ließ, daß er selbst Vermögen befitze. Seine niedrige Absscht wurde aber noch rechtzeitig erkannt und die Verlobung ging wieder zurück. In der Thätigkeit der beiden Männer erblickte daS Landgericht den Thatbestand deS versuchten Betruges und setzte die oben angegebenen Strafen gegen die Angeklagten fest. Die Revision deS Endels gegen das Uttheil wurde vom 2. Straf- «enate des Reichsgerichtes am 21. Mai verworfen. Aus den UrtheilSgründen ist folgendes hervorgehoben. Ein rechtSwrdri- aer Vermögensvorthtil und eine Vermögensschädigung kann in der Eheschließung gefunden werden, wenn dieselbe in der Ab- ficht geschieht. daS Vermögen des andern Theiles nicht getreu- lich zu verwalten, sondern auszunutzen, die Verfügungsgewalt zu mißbrauchen. Die Erreichung der Verfügungsgewalt kann unbedenklich als VermögenSvortheil angesehen werden und zwar auch alS rechtswidriger. Ebenso kann für eine Frau darin, daß ihr Vermögen in die Hände einer solchen Person gelangt, die die Absicht hat, die Verfügungsgewalt zu miß- brauchen, eine Vermögensschädigung erblickt werden.— Die Herren von Habenichts und KannnichtS, die nur auf„Gold- fische" Jagd machen, mögen sich daS merken. Uereine«nd Uersammlungen» f Der Verband deutscher Zimmerleute. Lokal- verband 0, hielt am Dienstag, den 25. d. M., eine Versamm- lung unter Vorsitz d«S Herrn Darge in Gratweü's Bierhallen ab, die so außrrordentltch stark besucht war, daß die beiden in einen verwandelten Säle vollkommen überfüllt waren. Herr Darge rcfelirte über den Lobntarif der Hamburger Zimmer- leute, den er zur Verlesung brachte. Hiernach schwankt die ArdeitSzett je nach den verschiedenem Monaten zwischen 7 bis 10 Stunden; in der Zeit vom 1. April bis 30. September werden 10 Stunden in der Zeit von 6—6 Uhr bei einer Mittagspause von 1 Stunde und einer Frühstücks, und Vesper- pause von je V, Stunde gearbeitet. Der Stundenlohn beträgt 50 Pf., für Ueberstundm 60 Pf.; Nachtarbeit 5 M. Ueber- stunden, Nachtarbeit, Sonn» und FesttagkarbeU find nur in dm allerdringenstm Fällen gestattet. Außerdem find noch eine Reihe weiterer Maßregeln im Interesse deS Arbeiter« getroffen. So muß auf jedem Platze eine„Baubude" vorhanden sein, in welcher daS Handwerkszeug aufbewahrt werden kann. Dieser Tarif ist mtt dem 1. Mai in Kraft getreten und zur Stunde so gut wie vollständig kraft der Einmüthigkeit und Energieder Hamburger Kollegen durchgesetzt.— Inder Diskussion wurde im Anschluß hieran vergleichsweise die Lage der Ber- liner Zimmergesellen und der Stand ihrer Lohnbewegung be- sprochen. Herr Seitzt bemerkte, daß die Hamburger Meister in verständiger Weise in Verhandlungen mit den Gesellen einge- treten wären und daß durch die Vernunft beider Tbeil« cene Verständigung herg« stellt woid-n sei. Eine solche Möglichkeit sei für dieset Jahr tu Folge der bekannten Ereignisse für die Berliner Ztmmerleute nicht vorhanden. Die Hamburger Ka» meraden gingen mit gutem Beispiel voran, die Berliner würden ihnen folgen und in den nächsten Jahren sich auf dem- selben Weg-: wie sie vorwärts bewegen.— Van allm Seiten wurde ruhiges und gesetzmäßiges Verhalten angerathm. Alle Gcwaltmaßregeln, alle Streittgkeitm mit den Kollegen, die unter dem festgestellten Satze tn Berlin weiterarbeitm, müßten aufS Strmgste vermieden werden. Die größte Ruhe sei noth wendig, damit kein Anlaß gefunden werden könne, den letzten Rest der Koatitionisreiheit zu besettigen. AIS bestes Mittel für die Zimmerleute Berlins, unter den jetzigen Verhättniffen ihre materiellen Verhältnisse zu verbessern, wurde wiederholt in warmen Worten der Anschluß an den„Verband deutscher Zimmerleute" dm Kollegen ans Her; gelegt. Nach Erledigung des ersten PünlteS der Tagesordnung verlas Herr Darge ein Schreiben aui Magdeburg, wonach dort am 17. Mai ein partieller Streik ausgebrochen ist; eS wird gebeten, Zuzug fem zu hallm. Gleichzeitig wird um sofortige Nachricht ersucht, wo die arbeitslosen Kameraden Arbeit finden können. AlS Ort, wo solche vorhanden sei, wurde von einem Redmr Witten- berge bezeichnet. Herr Meißner besprach sodann ven Stand d«s partiellen Streiks in Berlin. Er hiell die Lage für sehr ermutdigmd. ES sei zwar schwer, jetzt einen allgemeinen Uederblick zu gewinnen, aber soweit man höre, seien die Forderungen der Gesellen von der Mebrzahl der Meister anstandslos oder nach einigen Tagen bewilligt; ihr Widerstand sei lein allzu starker. Aus ihre Angaben und Berechnungen sei nicht viel zu geben; sehr viele Meister, die 50 Pf. zahlen, wollten nur der Innung gegenüber eS nicht eingestehen und machten deshalb falsche Angaben. Auch seien alle im Ausstand befindlichm Kollegen freudigen MutheS. Wenn diese Stimmung nock) vierzehn Tage anhalte, sei der Sieg stcher. Die stolze und legale Ruhe, mit der die Zimmergesellen Berlins auftretm, müsse die öffentliche Meinung für sie gewinnen. Herr Seitzt hob hervor, daß auf dem Platze, wo er arbeite, die unverhei ratheten 2 M., die verheiratheten Gesellen 1,50 M. wöchentlich zur Unterstützung der streikenden Kollegen zahlten. Er hoffe, daß so an vielen Stellen gehandelt werde und daß olle diejenigen, welche die Arbeit fortführen, ihre Pflicht nicht vergeffm und ihr Scherfl-in zur Unter- stützung beit-agen würden. Hierauf theilte Herr Nix noch mit, daß von einigen Settm Klagen laut gewordm wären, die Meister machten im Krankenkaffenbuch der Gesellen bestimmte Zeichen, um sich gegenseitig über das Verhalten des Betreffenden zu verständigm. Thetlweise hättm diese Klagen sich allerdings ali unbegründet erwiesen, da gewiffe Zeichen unordcchitg-r Natur wären. Zeichen mit Roth o%r Blau- sti't, Nadelstiche u. Vgl. schienen aber einem solchen Zwecke zu dienen. Hierzu bemerkte Herr Schöppe, daß er bereits de an- tragt habe, daß in den Krankmkaffendüchern über die Bei- trage nur durch Abstempelung duich den Kaf fiter quittirt und jede andere Quittung für unzulässig erklärt werden solle.— Nachdem noch der Fragekasten erledigt war, schloß der Vor- fiyenve die Versammlung, die vom besten Geiste geleitet und getragen wmd«. * In der Werkstatt Delegtrteu-Verfammluna der Berliner Saltte?» weiche am Sonnabend, den 22. Mai, in GratweilS Bieihallen tagte, leitete der Votfitzende die Taget. ordnung mit einer eingehenden Erläuterung des Programms der dieSjäh igen Lohnbewegung ein. Um Suffelde voll und ganz zur Durchführung zu bringen, fei eS durchaus nothwen- dig, einen Minimallohn aufzustellen. Man wurde einstimmig dahin schlüssig. daS leitende Prinzip der bevorstehenden Lohn- dewegung müffe fein:„Durch angemeffene Regelung und Be- grenzung der ArbeUSzeit(täglich 10 Stunden), sowie durch stritte Durchführung eines MtnimallohneS(pro Stunde 30 Pfennig) vorzugehn. Laut Statistik der Lodnkommisfion ver dienen tn 253 Weilstätten die Kollegen 9-17 M. wöchentlich und arbeiten zum größten Theile über 10 Stunden(sogar 12 und 14 Stunden pro Tag). Es wurde beschloffen, zuerst fitr diese den Lohnkampf eirzugehn, um ihnen eine auskömmlichere Existenz zu schaffen.— tzi-ran schloß sich die Mitthetlung, daß Donnerstag, den 27. Mai. AbendS 9 Uhr, eine außerordentliche öffcntliche Versammlung sämmtl.cher Sattlergehilfen Berlins in beiden unteren Sälen der Giatwell'schen Bierhallen statt- findet. Tagesordnung: Beschlußfaffung über die an die Arbeit- teÄ ÄV» M.SÄÄ .* Verein Berliner Mechaniker. Donnerstag, 27. Mai, AbendS pünttlich 8'/, Uhr, im Restaurant H. Goetze. Alte Jakobstraße 128, letzte Sitzung vor den Ferien. Taget- ordnung: 1. Kaffmbericht für Monat April. 2. Mittheilunaai des Herrn Regierungirath Dr. LL venhcr« über:„therwische Nachwirkungen bei GlaS und Metall. 3. Referat deS Vorstandet über den Anfang Oktober zu deginnenden Unterrichts- kurfuS. 4. Beschlußfaffung über die Betheiligung an de« Verbandstage tn Jena am 12. Juni und folgende Tage und event. Wahl einet Delegirten. 5. Kandidaten- Aufstellung zu der in der Hauptoersammlung stattfindenden Neuwahl v«t ersten Vorfitzenden.— Während der Ferien ist die Btdltothel jeden Donnerstag AbendS von 8—9'% Uhr geöffnet; ferner sind während der Ferien im Garten de« Vereinslokals Tisch« für die Vereinsmitglieder reservtrt und wird zu gemüthliche« Zusammensein eingeladen. * Dem BezirkSverein der arbeitenden Bevölker«»« deS Südweste« Berlins ist die polizeiliche Genchmioung zur Abhaltung einer außerordentlichen Versammlung am 27. d.M nicht ertheilt worden.— Der Vorstand macht bekannt, daß neue Mttgitrder nach wie vor jeden Sonnabend Abend von 8 bis 10 Uhr im Restaurant Lindenborn, Eck« der Gneisenau- und Solmsstraße, aufgenomen werden. Daselbst werden auS vom Kasstrer die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder ent- gegengenommen. * OrtSkraukeukasse der Tischler und Pianokode- arbeite» Berlins. Donnerstag, den 27. d.M., ArenssOUhr, in Seefeldr's Lokal, Grcnadierstr. 33, Versammlung der Del«' girten zur Generalversammlung der Kasse. Der Tisch lerverein veranstaltet am Sonntag, den 3U. d. M., eine Männerpartie nach den Rüdersdorfer Kaikbergtf- Abfahrt vom Schlestschen Bahnhof früh 6 Uhr 31 Min. * Demokrattscher Verein zu Berlin. Domurstag."'«n 27. Mai, AbendS 8'/, Uhr. Versammlung in den..Arrni»' hallen", Kommandantenstr. 20. Tagesordnung: 1) Di«% «nträchtigung der Koalitionsfreiheit der Ardeiter durch � Ministerial« Verfügungen vom 11. April und 11. Mai. ferent Herr Dr. Rudolf Grätzer. 2) Vereins. Angelegenheiten- — Gaste willkommen. * Dem Verein zur Vertretung der Interesse« dd Arbeiterinnen wurde zur Mitflieberversammlung für h-u«� Donnerstag, in welcher Herr Canitz über„die Nerven un« deren Pflege" sprechen sollte, die Genehmigung versagt. Kleine Mittheilnngen. Wetzlar, 24. Mai. Eine WiNvhose richtete gestem Abenk bei dem schweren Gewitter hier und tn der Umgebung gw Verheerungen an. Besonders litt der Bahnhof. GOWW'* Wafferstation und Maschirienschuppen verloren Dächer un' Seitenwände, Güterwagen wurden aus dem Geleise a'h°°� Bahnwärterbuden umgestürzt und zerstött, die Drähte d» Telegraphenleitung verwirrt und zerrissen. Zwei Wetcd«n' stelle» find verletzt., Das älteste schwimmende Kanffahrteischtff ist"jj Barke„True Love", die im Jahre 1764 in Philad.lpbi- � baut wurde, und in dem ehrwürdigen Atter von 122 Jw" noch heute im aktiven Dienst steht. Ketzte Nachrichten. v*,« v*.»»» w,.»»»»,*•»»*-..»««f»»»»» v»«»v*«i/V»•'f Ortklv' Wiener„F-emdendlatt" aui Troni(in der ehemaligen � y schaft Apulien gelegen) großen Umfang an und vcrbretin� über die ganze Provinz Bari. Ausschreitungen kamen w lignano, Saffano, Ruttgliano und Castellana vor, � jedoch baldigst durch au« Bari und Trani herdeigeeilreS"£(t unterdrückt, welche« Converfano förmlich stürmen muß"'({ Kampf wogte namentlich vor dem bischöflichen Palais, � zahlreiche Todte u rd Verwundete gab. Die Gefängnws.„j den von Aufständischen geöffnet, die Gefangenen d-'re» die Munirloalrälke darin interntrt. Ni-l- SnmlliMt verst befürchtet. Die Berathung der irische« BerwaltungSbtll J®". nach fiibenstünvtger Debatte am Dienstag di« nächtten � tag vertagt. Im Laufe der Debatte erklärte Trevelyan-. könne für die irische Verwaltungtdill nur dann stimmen,# g dieselbe so abgeändert werde, daß die irische LandankaM.. unnöthig sei. Wie die gestrigen Morgenblätter tnelben,� � in dem gestrigen KadinetSrath beschlossen worden, für na«i> Donnerstag ein Meeting der liberalen Padet(WuWU Dem Vernehmen nach wolle Gladstone gewiffe, auf die � tretung Irlands im ReichSparlamentc bezügliche und weitgcv!. Zugeständnisse machen, durch welche die Oppost ion der v.. Veten gegen die Homerulrdill beseitigt und die zweite L.i( der letzteren ermöglicht werde. Du Reise Glavstond Königin nach Windsor sei durch keinerlei außerordentlich« fachen veranlaßt worden. Hinreißende Arbetterfreuudlichkeitt AuS wird gemeldet:„Einem Erlaffe des Ministers der öffevu � Aibeiun zufolge kann den in den Eisenbah rwerlitan« Jahre lang ununterbrochen thäligen Arbeitern«'%« malige Remuneration bis zu 30 M. bewilligt werden. Kriefkasten der Redaktia«. � Th. G. DaS ärztliche Attest, welches Sie haben, muß Ihnen auf Ihr Verlangen zurückgegeben '—■------'' vir Gemeinde o» einen sonstigen Entschädigungsanspruch an Si: aber nicht. Kollege. Wenn in Ihrer Wohnung an 8 Stell«» � von der D-cke tropft, so mag daS sehr unangenehm t«'' können aber darum nicht ausziehen und den Kontralt au!» Verlangen Sie von Ihrem Vermuther eine Reparalu � lassen Sie, wenn er diese nicht vornimmt, dieselbe I«'. kargen. Die Kosten dringen Sie dann von der Mietbe in Abzug. � S. 54. E« ist undenkbar, daß fich der gjat?' zugetragen bat. wie sie angeben. Wahrscheinlich hat»« dem da» Erzichungirecht zusteht, dasselbe beim Vormu» ggick gericht geltend gemacht, und diese« hat daS Kind vc zugesvrocken. i.. ,ff hat X. Y 3- Vorausgesetzt, daß der Vater todt ist. �,e Mutter jeverzeit daS Recht, ihr bei Anderen in Pfttß« g« Kind zurückzufordern, wenn dasselbe nicht etwa dura.(„o« richtlich bestätigten Adoptiontvertrag an Kindrsst�tt �ii< wen ist. Aua kann daS VormundschastSgericht» t» da» Erziehungtrecht benehmen, wenn zu befürchte»'7'�� Mutter die Erziehung deS KindeS vernachlässige» w Plan A. B. 11. Die OrtSkranlenkaffe der sode- Arbeiter hat keinen definitiven Vorsitzenden, o�ve« Witte ist zum provisorischen Vorfitzeiiden � ter �rO nannt worden, während der zum Rendanten(P»«� � I Altgeselle Hub...... Kasstrern der ung gewählt i B. E..1. Sin solcheö Jnfittut"" g."##., , währenv ver zum Rmvamrn r«"-- wählte bisherige Altgeselle Hubert nickt bistätigt? v0„. aber sind wir in dieser machen" könnten, leider wenig sachvn ständig. B«anl«,sr!Uch» toHttotu St,«—»St« t* un»««tag tm in»«im»W.«»chjoatz. 3.