Mittwoch, de« 2. Jimi 188«. III. Iichr». Ztcselb«« t deidea Ibeil in iWell« itorfnl tten, ßi Lcllea i schwer« in Vit i Hand« «r Tiefe SÄ mf.u'i|' v Fremde» emselde» Samm«, H ist am n einem cllmerMkidl«» Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Zcheiitf tS«Nch. �tzaui nert-lj DaS«»lkstlatt� £ nutzer noch«SSsnn« und Festtagen.!Uionne«rntit»reit für Berlin frei mpni-Lich 1,36 Äsi,»och« stUch Pf. HoKadonnemmt Pf.'vonntagS-Rum«?-«it illußrirter«erlag« 10 Pf. h» der PrfhiitunzSPreillist« für IMi unter Ar 789.) «spaltet« Z» s e r t i o Pctitzeile oder der, bober Rabatt nach «»gebühr deren Raum 40 Pf. Ardeitimarv 10 W«ni« ach Ueberewlunft. Inserat« werden bi» 4«tz» Berlin 8W., Zimmerstratze 44, sowie von allen Ann««-.«» ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. KefcftKtt»»? KssttzKwsH-%— Gspedtti-»: M««erftraKe 44. .5- Abonnements� Eintaäung. Mit dem 1. Juni eröffneten wir ein neue» Abonnement °uf da» »»Kerliner Uolksvlatt� mit der Gratisbeilage „Ill«strirtrs Konntagsblstt". 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Wir komme« heute abermal« auf die akademische Zu« gend zurück und wir wollen vorausschicke«, daß es uns von große, Wichtigkeit ist, wie sich die akademische Zugend zu den Seit« und Streitfrage« verhält, da doch au» ihr die hervorgehe», welche die wichtigsten Staatsämter zu bellelde« habe«. C« giebt Leute, welche sage«, die akade« wische Zugend solle gar keine Politik treibe», resp. sich ganz u»d gar auf ihre Fachstudie« beschränke«. Da» kö«» «en wir nicht uaterschreibe«. Warum solle» sich junge «ute»icht für politische und wirthschaftliche Frage« wteressire»? Es ist bester, al« wenn sie zu spät damit anfangen. Solche Spätlinge waren früher jene unkische« Profeffore« und Bureaukrate«, die mit Theorien so vollgestopft wäre«, daß sie gar keine praktische« Begriffe Wehr verdauen konnten. Ohnehin sind«icht alle Etüden» u« gleiche« Alter» und«die Betheiligung an politischen Di«- kusfio Struck 4,»ach der die akademische Zugend von aller Politik sich Zuhalten soll. Es ist die« eine Erbschaft au« der Zeit der Idgenannten Demagogenverfolgunge». Nun hat dieser Tage der freisinnige Abgeordnete �iajor a. D. Hintze vor einem studentischen Vereine Ieuitteton. Eine Mutter. Roman von Friedrich Gerftäcker. (Fortsetzung) »Kein Wort mehr davon?" wiederholte Rottack stau« **"b;.und ist c« möglich, daß— aber nein," unterbrach � sich rasch,.Sie glaube» sicherlich, daß nur eine vage, �bestimmte Vermuthung mich zu dem Schritt getrieben. «ihcn Sie her, Frau Gräfin— kenne» Sie diesen ?�if? Kenne« Sie die Handschrift dieser Zeile«? Dort sugt de, andere Brief, de« Sie heute Morgen die Güte r1*«», meiner Frau mit der Anzeige Zhres heutige« �°>»men« zu senden— kenne» Sie diesen Brief?" g Die Gräfin hatte einen flüchtigen Blick__ über die kiese, Bewei« gegen sie kam ihr zu rasch und uner- Ujwtet. Ihr, Wangen erbleichten sichtlich und die Hand, ?uche da» Papier hielt, zitterte— aber»icht so lange, al» r Zeit gebrauchte, de« Brief zu lesen; ihre�Stirn zog sich » Falten; de« kleinen, seingeschnittene« Mund umzuckte s/°tz und Aerger, und mit fiosterm Blick, aber vollkomme« sier Stimme sagt« fie: .Also die»ehnlrchkeit einer Handschrift soll hier gemiß« L' werde« ti.»Um Gottes willen, halte« Sie ei», Frau Gräfin," «./.Felix rasch und erschreckt,„auch nur der Schatten eine» .*e» Argwohns wäre furchtbar! Diese» Papier ist der testw Beweis auf der weite» Gotteswelt, den wir gegen i w habe»— sehen Sie hier I— Noch während er sprach, e er da« Papier wieder«uS ihrer Hand genommen und ste' & e>nem i» Papier auf dem Kaminfim« stehenden F-uerzeuge ei« _________»& ».'�'chholz entzündet; er hielt de»'Brief darüber— er Oonn?8 ftusi und nachdem er ihn zwischen de» Finger« hatte 'w*dig verbrenne» lassen, warf er die Asch« auf de« eine» Vorttag gehalten, in welchem er der akademische« Zugevd den Rath ertheilte, sich von de« konservativen Bestrebungen abzuwenden und sich wieder um die Fahne des Liberalismus zu sammeln. Wie da» so fade und abgestanden anmuthet, die» Rezept, welches der akademischen Zugend das alleinige Heilmittel für die gegenwärtige« Schäden garanttren soll! „Liberalismus!" Dieses Wort hat heute gar keine« Kredit mehr, Herr Major a. D. I Wa» ist überhaupt Libe« ralismus, wa» soll man darunter verstehen? Zst e» der „Liberalismus" der Nationalliberalea? Dieser.Liberalismus" läßt ja bekanntlich an reaktionären Anläufen die Konser« vative» hinter sich. Zst e« der„Liberalismus" der Frei« sinnige«, der auf das reine Manchesterthum hinausläuft? Oder ist e» jener entsetzliche graue Brei, de« mau im All- gemeine» als„Liberalismus" zu bezeichne» pflegt? Wen» das der ganze Trost ist, de» der Herr Major a. D. der akademischen Jugend in Bezug auf die heuttge» Zettver« hältniffe zu geben weiß, dann steht«S wahrlich schlecht um dieselbe, wen» fie keine andere Zdee aufzubringen weiß. Wahr ist, daß der sogenannte„konservative Geist", der in einen Theil der akademische« Jugend hineinge» in emem sehr wenig vor« Da mncht sich zunächst fahren ist, diesen Theil theilhasten Lichte erscheinen läßt. unter der akademischen Jugend ein gewisse« Strederthum breit; die künstigen Bureaukrate« suchen sich i« akademischen Flügelkleide schon ihre Karriere zu sichern, indem sie eine blinde Anhänglichkett an das herrschende System zur Schau tragen und ihre unreifen Phrasen der Opposition an de« Kopf werfen, was der Opposition fteilich nicht sehr zu schmerzen pflegt. Eine andere Richtung hat sich dem Anti« semitismu» zugewendet und den ganzen wüsten Lärm de« Stöckerthums mitgemacht. Daß diese Erscheinungen keine Anzeichen eines gesunde« Studentenleben» sind, liegt auf der Hand. Statt die studirenden Zünglinge von vornherein zu Streber» zu mache», wie die kooservattve Agitation «* thut, sollte man bestrebt sein, sie auf die Rolle selbstständiger Männer vorzubereiten. Aber kann da» der Liberalismus? Keineswegs, den» er hat e» gelernt, vor der Macht zu kriechen, wie kaum eine andere moderne Richtung. Et ist dem LiberaliSmu»»icht einmal gelungen, au» dem Swdentenleben jene mittelalterliche« Traditionen und -.....""| Ich' lismus die herrschende Richtung war, fühlte man auch Ii Gewohnheiten zu entfernen, die in den verschiedenen Ver« binduvgen so srhr gepflegt werden. So lange der Libero« ! Ri< nirgend» eine« Hauch frische» Geistes; es ging alle» seine« alten Gang. Auch das liberale Professorenthum erwies sich al» nicht fähig, einen ftischere« Geist in die akademische leeren Rost.— Glauben Sie jetzt«och, daß hier von einem Mißbrauch die Rede sei» kann?" Die Gräfin hatte sich ebenfall« erhoben und ihr Blick haftete scharf und forschend auf den edle» Zügen de« junge» Manne«. Mit vollkommen wiedererlangter Fassung regte sich aber auch nicht eine Muskel ihre« starren Antlitze«, und sie sagte ruhig: „Zch habe da« nicht ander« von Zhnen erwartet, Herr Graf. Die Handschrift war allerdings täuschend ähnlich' aber Sie werde« auch fühlen, daß ein weiteres Gespräch über diesen Gegenstand nur für beide Theile peinlich werde« müßte. Ich glaube, mein Wagen ist vorgefahren." „Mutter I" sagte da eine weiche, schmerzdurchbebte Stimme, und al« die Frau fast unwillkürlich de» Kopf danach wandte, stand Helene, die Augen in Thräne» ge» badet, die Hände gefaltet, da» Antlitz leichenbleich, auf der Schwelle. Fast unwillkürlich wandle sich die Gräfin halb ab, al» ob Sie de» Platz rasch verlassen wollte; wenn da« aber ihre Absicht gewesen, so siegte doch ihr bessere» Gefühl. „Ihre Frau sieht recht angegriffen au», Herr Graf," sagte sie-„e« thut mir leid, die unschuldige Ursache einer solchen Täuschung gewesen zu sein, aber ich hoffe und wünsche«icht. daß da« unsere« weitere» Verkehr stören möge. Es wird mich immer freue», Sie Beide bei un« zu sehen." Sie wollte fort, aber e« war, al» ob fie«icht konnte, al» ob ihre Füße selber am Boden wurzelten; und Helen« kam auf sie zu, langsam und wie ohne eigenen Wille», und ihre Hand faßte die der Gräfin und zog sie an ihre Lippe», und ihre Knie« beugte« sich vorder strenge«, harten Frau. Aber ehe fie dazu kam, hatte Gräfin Monford ihren Arm gefaßt, und sich an Felix wendend, rief fie: »Ihre Frau ist krank, Herr Graf, habe« Sie Acht auf fie— geistige Ueberreizung zieht manchmal ebenfalls«ach» theilige Folgen nach sich; erklären Sie ihr den Zttihum, da» wird sie beruhigen— ich werde morgen nachftage» lassen, wie fie die Nacht geschlafen hat. Wie sie zittert, die arme Frau— Sie dürfen sich nicht so auftege», liebe« Jugend zu verpflanze«. Verknöchert in ihre« Gewohnheiten lesen die meisten dieser Gelehrten auf dem Katheder ihr Pensum ab und damit glaube« fie, Allem genügt zu habe«. Wir glaube« da»«icht, aber unsere Stimme wird eine Stimme in der Wüste sei». E« wird wohl noch langer Zeit bedürfe», bi» dai Leben auf den deutschen Hochschule» und der daselbst herrschende Geist völlig auf der Höhe d« Zeit stehen. Zur Politische Ueberstcht. Branntweinsteuer. Der gestern von un un« berührte u f i g al» beseitigt zu Entwurf der Konservatioen ist vorl............... erachten, da Professor Mviler im Namen der ZentiumSkom. misfionSmitglieder fich gegen daS Prinzip der Kontingentirung der Brennereim erklärte, mit dem der Plan der Konservativen steht und fällt. Herr Windthorst, der persönlich zur Sitzung erschienen war, obwohl er der Kommisfion nicht angehört, dürste hier nochmals mit feinem Willen durchgedrungen fein. Dmn daß auch für da» Zentrum die Echnapibrennerinte» effen eine Macht find, gestand Herr MoSler selber zu, indem er erklärte, für die Haltung der Gesammtpartei autzerbalb der Kommisfion nicht bürgm zu können.— Daß daS Zentrum nicht mehr wie früher den Daumen auf den Beutel zu haltm gewillt ist, wenn die Regierung einen neuen tiefen Griff in die Taschen der Steuerzahler deabstchtigt, ging auch aus dem Vorschlag hervor, eine Konsumsteuer von 25 Mark pro Hekto» Itter dem Volke aufzuerlegen. Die Zentrumspartei bietet hiermit d em Reichskanzler eine neue Steuer von nahe,» 80 Millionen Mark an. Ist daS noch die alt« OppofitionSpartei? Ist daS die füllung der Zusage, dai Zentrum würde auch nach dem Kultur. frieden bleiben, wa« e« ist? Konnte man den politischen An» stand nicht so weit wahren, daß man wenigstens einen Nach- weis der neuen Bedürfnisse de« Reiche« verlangte, ehe man der Regierung neue Einnahmm präsentirte? Mutzte man die 80 Millionen auch dann noch anbieten, als Herr v. Mirbach darauf hingewiesen hatte, daß für die„Sicherheit de» Vater. lande«" neue Lasten getragen werdm müßten? Die Regierung wird natürlich auch die 80 Millionen statt der geforderten 200 nicht zurückweisen. Wenn dann nach Jahr und Tag die heute so verführerisch geschilderte Entlastung der Kreise und Ge- meindm nicht eintritt, so ist fie ja in der glückltchm Lage, die Schuld den Parteien, welche ihr nicht den Willm thaten, zu- schieben und dann mit neum Forderungen auftreten zu tönnm. Das Organ der ungarische« Sozialisten, die„Ar» deiter. Wochenchronik" in Budapest, an welcher da» Mitglied der Pariser Kommune, Leo Fränkel, arbeitet, schreibt über die jüngsten Vorgänge in Nordamerika folgendes:„Während die sozialistische Parteileitung erst vor wenigen Tagen erklärt hatte, daß in der Union, solange die bisherige politische Freihett un. angetastet bleibt, der Klassenkampf und die soziale Revolution friedlich durchgeführt werden müsso, habm die Herren Kind— ich hoffe, daß wir u«S recht bald wiedersehe», Herr Graf I" Und sich leicht, aber stolz verneigend, während Fcl x zu Helenen gesprungen war und fie unterfiützi hatte, verließ fie de» Saal, ohne auch nur«och einmal de» Blick zurück- zuwende». Draußen hielt in der That der Wagen, de» der Be- diente auf de« Grafen strenge« Befehl nicht anzumelden ge- wagt hatte. Wenige Minuten später hörten fie das Knir- scheu der Räder auf dem Gartenkie«, und Helene, ihr Haupt an der Brust de» Gatte» bergend, rief leise und weinend: „Verloren— auf immer verloren!" Vornehme Welt. Gräfin Monford war draußen in ihre« Wage» ge- stiege« und hatte fich nur mit dem eine» kleinen Wort „Nach Hause!" zu dem Bediente«, der den Schlag für sie offen hielt, in die Ecke gelehnt. Die Pferde zogen an und der Kutscher hielt draußen recht« ab, um da« Gewirr der Schützenwiese zu vermeiden. E» war heute der letzte Tag diese« Volksfeste«, und das Gedränge und Toben und Schreie« auf dem Platz besonder» arg. Noch konnte er aber kaum dreihundert Schritt gefahren sei», als er wieder einzügelte, und al« die Gräfin, unzufrieden damit, den Kopf hob, erkannte fie George, der dem Kutscher ei» Zeiche» ge, gebe« hatte, und de» jungen Grafen Hubert zu Pferde, die recht« und link» an der Droschke hielte« und fie de- grüßte«. „Aber, Mama, so lange bist Du bei Rottack'« ge- blieben?" rief George, indem er sei» muthigkS Pferd kaum zum Stehe» brachte.„Nicht wahr, e» sivd liebe Leute? Zch hatte eben nicht Übel Lust, mit Hubert einmal vorzu- reiten und ihn mit dem Grafen bekannt zu machen." >Ab, lieber Hubett, wie geht e« Zhnen und Ihrer gute« Mutter?" sagte die Gräfin, dem junge» Grafen Balten freundlich zunickend—„thue da« heute lieber nicht, George; die junge Gräfin hat heftige» Kopfschmerz be- komme», und ihr Man»»ollte eben nach einem Arzt schicken." Anarchisten, denen da» Dynamit nicht mehr Mittel zu sein scheint, sondern schon Zweck geworden ist, die Nieder trächtigleit besessen, dm grofjm sozialen Kampf, dm die verdrüdertm Ar» beiter AmerilaS zur Verbesserung ihrer Lage kämpfen, zu stören und Dqnamitbomden zu werfm, die natürlich, was in ihre Näh« kam, vernichteten. Wie überall, wird diese„Propaganda der That" auch in Chikago und wo fie sonst in dem groftm Kampfe in Amerika gehandhabt wurde, den Lieg der Arbetter nicht fördern, alle neutralen, alle indiffermtm Elemmte wer« dm fich den Gegnern der Tynamiteure angeschloffen haben, von den Stretkmden, die natürlich mit dieser Taktik nicht ein- verstanden find, wird ein Thril lau werdm und ablaffen vom Kampfe, um nicht der Solivarilat mit diesen traurigm Helden geziehen zu werden. Nirgend» wird die Achtstundenbewegung schwerer und später zum Siege gelangm, al» eben in Chikago. Hoffmllich wird dadurch endlich der Thril de» Proletariat», der dem Dynamitkultu» noch huldigt, über die Nutzlostgkeit, ja über die Schädlichkeit und Verwerflichkeit der„Propaganda der That" aufgeklärt werdm und fich wieder den zielbewußten Schaaken der Sozialdemokratie anschließen. Die Dynamit» werser wurden ergriffen und werdm wahrscheinlich zu den schwersten Strafen veiurtheilt werden. Wenn wir auch mit dem Gebahrm dieser Helden nicht» gemein haben wollen, so müffen wir doch anerkennmd hervorheben, daß die Redner und Führer der Chikagoer Anarchistm nicht von anderen ihre Ad» fichten ausführen ließen, sondern selbst handelten und selbst für ihre Handlungen leiden werden, wa» General Bum— Bum, Herr Han» Most nämlich, wohlweKltch unterlaffen hat; er, der sett fast fieben Fahren in allen Tonarten Raub und Mord» Dynamit und Nytroglyzerin, soziale Revolution und Propa- ganda der That gepredigt und die» alle» ganz besonder» für dm 1. Mai empfohlen hat: er ließ andere handeln und Hütt sich, während seine Genoffm ihr Leben aufopfern, in einem Vordell versteckt auf. E» ist das tläglichste, wa» denkbar ist. Wir können nicht» andere» glauben, al» daß hiermit diese widerlichste Geftall der Arbetterbewegung ihre Rolle endgilttg ausgespielt hat."— So schreibt ein sozialdemokratisches Blatt in einem Lande, wo die Freiheit der Preffe noch gewahrt ist. Da kann also von„Heuchelei" teine Rede sein! De» Schweiße« der Edle« in der That Werth nennt da»„Deutsche Tageblatt" die heut« beliebte Art der Vrannt- wein-Steuerreform. De» Schweiße» der Schnapsbrauer ist fie in der That werth, aber al» besonder»„Edle" hat man diese diSher nirgend» kennen gelernt. Vielleicht fangen aber für da» ,,D. Tgdl." die Edlen erst mit dem Baron und Rittergut»- befitzer an, und dann ist da» Urtheil allerdings zutreffend. Arbeiten und de« Mund halten, das scheint die frei» konservative„Post" für die Lebmtaufgabe der„unteren" Klaffen zu hattm. So läßt fie fich au» Breslau schreibm: „Da» Unwesen(!) der al» sozialdemokratische Agttation». organe zu erachtenden„Fachvereine" nimmt in Breslau immer mehr überhand. Kein Sonntag und kein Feiertag, ja fast schon kein Sonnabend(in der That schrecklich!) mehr ohne eine oder mehrere FachvereinSoersammlungen, in denen sozialdemo» kralische Hetzer vor einem mehr oder minder zablreichm Publikum, nachdem fie da» bequeme Geschäft de» Erregen» von Unzufriedenheit besorgt haben, gegen alle» Bestehende zu Felde ziehen." Wir rathen dem Korrespondenten de» Bot- schafterblattes, etwa» weniger anmaßend in seinen Urtheilen zu sein. Es geht im Durchschnitt in den Fachvereinen viel würdiger und ernster zu, als etwa in einer antisemitischen Handwerkerversammlung, die doch stet» daS vollste Lob der„Post" findet. Zu den polnischen Ausweisungen. Die„Oberschles. Volktstimme" hat neue Schäden, welche mit den Ausweisungen verknüpft find, entdeckt. Diese Schädm werden namentlich von den Handwerkern in Grenzstädten empfunden. Die auige- wiesenen Handwerker, meist Schuhmacher und Schneider, haben sich an jenseitiger Grenze niedergelassen und besorgen ihre frühere Kundschaft mit größerem Vortheil al» zuvor. Sie haben da» Rohmaterial, Nahrungsmittel, WohnungSmiethe viel billiger als diesseits und zahlen sehr wenig oder gar keine Steuern. Schmuggeln dieselben noch die fertige Arbeit her- über, so können fie dieselbe ebenso oder noch billiger verkaufen, al» unser« Handwerker.. m, Die„DreSd. Ztg." bringt eine merkwürdige Nach» richt» die jedenfalls der Bestätigung dedarf. Danach sollten bei den nächsten sächfischen Herbftmanövem die Mannschaften fich zur Probe mehrere Tage hindurch nur mit Mehl und Konserven ernähren. Eine besondere Verfügung sei ergangen, Israeliten al» Lieferanten nicht anzunehmen. Telegraph und Unfallmeldung. Nachdem die seit mehreren Iahren in der Durchführung begriffene Neugestaltung der Post- und Telegrapheneinrichtungen für die Landbewohner Tausende von Orten de» platten Lande» in daS Reich?. Tele- graphennetz gezogen hat, find mehrfach au» den Kreisen der octheiligten Bewohner Anregungen dahin laut geworden, ob und inwieweit die Telegraphenleitungen im allgemeinen Fnter- esse der kleineren Landorte, welche bei Unglücksfällen«. vielfach auf die Mithilf« benachbarter Ortschaften angewiesen find, zu sofortigen Meldungen nach auswärt» über „Da» bedauere ich in der That. E» wird doch nicht» von Bedeutung sein?" „Migräne." „Fährst Du direkt nach Hause, Mama?" „3a; kommt nicht zu spät und laßt mich nicht so lang« allein." „New, gewiß nicht: in einer halben Stunde hole ich Paula ab. Aber die Pferde wollen nicht länger flehen— Guten Abend!" Die Gräfin nickte Beide« freundlich zu, und die Droschke rollte wetter, während die jungen Leute ihre Pferde wieder wandten, um ihre« Ritt zu beende«. Die Thier« waren aber durch da» Halten ungeduldig geworden, und Hubert'» Fuch» besonder», ei» englischer Vollbluthengst, stieg und tanzte auf de« Hmterbeinen und konnte nur mit Mühe von seinem gerade auch nicht sanftmüthigen Herr« gebändigt werden. Eben hatte er ihn wieder fest im Zügel, al« ein armer Teufel, ei« junger Bursche mtt einem Schubkarren voll Töpferwaareu, die er irgendwo zum Verkauf ausstellen oder herumfahren wollte, auf der Straße herabkam und, durch da« unruhige Pferd irre gemacht, nicht gleich wußte,»ach welcher Sette er ausbiege« sollte. Dadurch that er da« Verkehrteste: er blieb dicht vor dem rastlose» Pferd mit dem hochgeladenen Kanen halte», und al« diese» halb davor scheute und, von de« Zügel dabei gerissen, auf die Seite und an den Karre« hinantrat, klapperte» die Töpfe, und da» Pferd schlug erschreckt danach und mitten in die zer- brechlichea Waaren hinein. Der junge Graf riß«» allerdings wieder herum; e» begann aber sei« Tanze« jetzt von Neuem,«od Hubert, nrittrt, setzte ihm die Sporen ein, daß e« wild zusammen- und an dem Karre« vorbeifuhr. Der Reiter aber, der e» fest im Zügel hatte, nun er an dem unglückliche« Topf- Fuhrmanne vorüberflog, hieb diese« mit der Reitpeitsche über de« Kopf und hatte dann alle Hände voll zu thu», daß der Hengst nicht mitten in die Mensche» hinei» mit ihm durchging. Die Leute hatten aber schon vor dem scheue« Pferde Platz gemacht, und ihm jetzt die Zügel halb lastend, flog er mit ihm die Allee hinab. „O mein Gott, meine Töpfe, mein Kopf l" klagte wdeß Feuer»« und Wafferaefahr oder sonstige Unfälle auch außerhalb der Telegrapvendienststunden, inibesondere während der Nacht nutzbar gemacht werden könnten. Bei der Be- deutung de» Gegenstände» bat der Staatssekretär de» Reichs- Postamt» im November 1883 zunächst einige Telegrapbenan stalten im Bezirk der kaiserlichen Owr.Postvirektion zu Frankfurt a. O., unter Verwendung elektrischer Weckvorrichtungen neben dem Fernsprecher versuchsweise al» Unsallmeldestellen einrichten laffen und find dabei recht günstige Resultats erzielt worden. Der Staatssekretär de» R ichspostamts hat nunmehr eine allgemeinere Einrichtung derartiger Meldestellen zunächst bei einer größeren Anzahl hier>u geeigneter Telegraphenanstal. ten in den Provinzen Posen, Pommern, Ost und W stpreußen in» Auge gefaßt und die betreffenden kaiserlichen Oder-Post- direktionen mit dieifälligen vorbereitenden Einleitungen beauf« tragt. Dabei hat die Bedingung gestellt werden müssen, daß, insoweit die betreffenden kaiserlichen Trlegraphenanstalten nicht bereits zu Telegraphenbetriebszwecken mit Weck- Vorrichtungen v«rseben find, sondern solche Vorrich- tungen zum Zwecke der UnfallSmeldungen besonder» beschafft werden müffen, die bettcffenden, für jede Unfall« Meldestelle auf rund 50 Mark zu veranschlagenden An- schaffungikosten von den detheiligten Kommunalverbänden übernommen werden. Für die telegraphischen Unfallmeldungen selbst wird außer der tarifmäßigen Telegrammgebühr eine weitere Entschädigung für die nächtliche Dtenstbereitschaft seitens der kaiserlichen Pott- und Telegraphenverwaltung nicht in Anspruch genommen. Nach einem Zirkularerlaß des Mi ntftert de» Innern, vom 14. April d. F., hat jedoch diese An« gelegenheit von Sellen der beiheiligten Kommunaloerdände diSher wenig Entgegenkommen resp. keine entsprechende Würdi« gung gefunden, und ist namentlich die Uebernahme der be- zeichneten geringfügigen Kostenbeiträge vielfach abgelehnt wor- den. Der Minister hat hieraus Anlaß genommen, die Regie- rungipräfiventen rc. zu ersuchen, fich nach näherer Kommuni- kation mit den betreffenden kaiserlichen Oder-Postvirektionen die thunltchste Förderung dieser Angelegenheit und eine ge- eignete belehrende Einwirkung auf die detheiligten Kommunal- verbände angelegen sein zu lassen. Oesterreich'Ungar«. Aus Oesterreich kommen Gerüchte über einen bevorstehen- den Rücktritt des Ministeriums Taaffe. Als Grund für die angebliche Krifis wird die Petroleumzollflage angegeben. Die Bestimmungen über den Petroleumzoll, welche das österreichische und da» ungarische Ministerium in die Zoll- konvention bei den AusgleichSverhandlungen aufgenommen haben, gereichen der galiztschen Petroleum. Produktion zum Nachtheil, und die Polen find deshalb angeblich entschloffen, dieselben nicht anzunehmen, vielmehr für einen Antrag de» Abg. Sueß zu stimmen, wonach das raffinirte und da» Roböl im Zolle gleichgestellt, und der Vortheil der ungarischen Rasfi« nerien vermindert wird. Bei Podwoloc�ySka kor.fi'zirten österreichische Behörden tausend Exemplare einer aus Warschau hierher gelangten, in rusfischer und polnischer Sprache erschienenen Broschüre, welche, mit dem Plazet des rusfischen Metropoliten versehen, die galt« zischen Bauern zum Uebertritt in die russische Kirche auffordert. Die österreichische Regierung dürfte über diesen erneuten Beweis der rusfischen Wühlereien gar nicht erbaut sein. DaS Herrenhaus genehmigte vorgestern den Vertrag mit dem Deutschen Reiche, betreffend die gegenseitige Gewährung de« Armen recht». R u st l a n d. Die auswärtigen Vertreter Rußlands wurden nach dem „Berl. Tgbl." angewiesen, auf vertraulichem Wege die bc« kannten Äuslaffungen de» Moskauer Stadthauptes als Ruß- land» Politik direkt widersprechend zu bezeichnen. Franrreich. Da» Ministerium Frcycinet hat in Sachen der Prinzen« Ausweisung gleich am Sonnabend eine Niederlage er- litten, indem eine Kommission gewählt worden ist. welche in ihrer Majorität der radikalen Forderung auf sofortige odliga- torische Ausweisung aller Prinzen huldigt, also über die Vor- läge der Regierung well hinausgeht. AuS dm Verhandlungen, die der Wahl der Kommisfton vorausgingen, ist nach der „Franks. Ztg." von Interesse, was der KultuS- und Unter- richtSminister Goblet in seiner Abtheilung zur weiteren Be- gründung der Vorlage ausgeführt hat. Die Prinzm, sagte er, seien keine Bürger wie die andern; fie könnten e» sein, hätten aber Alles gerhan, um fich selbst eine Ausnahmestellung anzu- weisen. Die Republik habe einen Versuch mtt ihnen machen wollen und ihnen Vaterland, Rechte und Vermögen zurück« gegeben, aber je großmüthiger die Republik gegen fie gewesen sei, desto anmaßender seien die Prinzen geworden. Gefahr sei zur Zeit für die Republik allerdings nicht vorhandm, aber da» Land beunruhige fich über die Stellung, welche fich die Prinzen geschaffm hätten. Die Frage sei einmal gestellt und müsse gelöst werden. Allerding» glaube die Reg erung, wie fie schon früher erklärt habe, im Falle drohender Gefahr auch der arme Karrenführer, der im ersten Augenblick gar nicht wußte, wa« ihm weher that, der Hieb oder die Vernichtung seiner Waare. Hubert'» Reitknecht sprengte an ihm vorüber, seinem Herrn nach. George aber, dem der arme Bursche leid that, zügelte sein Pferd ei» und hielt nebe» ihm. „Wie groß ist der Schade?" rief er freundlich.„Ich mache e» gut— der Herr da vor» konnte sein Pferd nicht halten..." „Ach, und wie hart er mich geschlagen hat— ich war doch gewiß nicht Schuld daran!" „Wie groß ist der Schade, wie viel Töpfe find Dir zerbrochen? Sag' rasch, mein Junge, denn mein Pferd wird auch ungeduldig." „Ach, Du lieber Gott," klagte der arme Teufel,„ich weiß e» ja nicht— gewiß über einen Thaler, und der groß« Topf da unten ist auch entzwei I' „Do," rief Georg«, indem er in die Tasche griff und ihm ei« Goldstück hinüberwarf—„so behalte da» andere al« Schmerzensgeld!„und eh« ihm der Bursche danken konnte, ließ er seinem Thier den Zügel und trabte rasch die Allee hinab. Um die Biegung derselbe» hatte Hubert seine« Hengst endlich wieder zum Stehen gebracht und erwartete ihn. „Ob Einem da« Lumpenvolk wohl je mit seinen Karre« und Fuhrwerke« ausweicht!" rief er ihm entgegen —„ich denke, der wird aber da» nächste Mal vorfichtiger sein!' „Der arme Junge konnte nicht» dafür. Hubert; Dein Hengst nahm ja die ganze Straße ei«— Du bist zu rasch gewesen." „Ach wa»— der Hieb wird ihm gut thu«, und seine Töpfe mag er fich zusammenleimen!" George schwieg, und die beiden junge« Leute setzten jetzt, au» de« Mevschengewirr heraus, ihre» Epazierritt ruhiger fort, bi« fie in die Nähe de« Hauses kamen, in dem Paula heute zu« Besuch war. George wollte dort absteige« und mit setner Schwester zurückfahre«. Noch ehe fie da» Hau» erreichten, kam Havdor ohne Gesetz zm polizeilichen Verbannung der Prinzen berechtig! zu sein; die gegenwärtige Vorlage solle der Regierung da» gleiche RechtauchzurVorbeugungvonSchwieriaketten und ohne daß dring« ltche Gefahr vorliege, gewähren. Die Vorlage beantrage, daß die Verbannung nicht mittel» Dekret», sondern durch einfache« Ministerialerlaß verhängt werde, gerade um die Prinzen ebenso zu behandeln, wie nach dem Gesetze von 1849 die Ausländ« im Busweisungsfalle behandelt werden. ES sei bemerkt worden, der VerdannungSerlaß eines Minister» de» Innern gegen einen Prinzen könne vom nächsten Minister de» Innern vio der zurückgenommen werden; der gleiche Einwand ließ« ssrd aber auch gegen ein Dekret erheben. Wenn man von der Vor- auSsetzung ausgehe, daß durch Ueberrumpelung einmal eine republikfeindliche Mehrheit au» dem allgemeinen Stimmrechts hervorgehen könne, so werde jede Vorstchtsmaßregel überhaupt nutzlos sein. Die Regierung wolle nicht die fakultativ« Ver- dannung, sondern sei entschloffen, wenn ihr Gesetzentwurf an- genommen werde, die ihr durch denselben verliehenen Befug- niffe sofort auszuüben. Aehnlich sprach fich der Minister VeS Innern, Sarrien, in seiner Abtheilung aus. Wenn trotz dies« Erklärungen die Wahl der Kommisston gegen die Regierung autfiel, so muß das Verstauen in die Regierung kein große! sein, oder aber die Radikalen hoffen, die Regierung mit sta reiß-n zu können. Die Kommisston ist freilich noch nicht die Kammer, aber die radikale Linke, wie Clemenceau's An- hang find einmüthig für die obligatorische Ausweisung und die Opportunisten, die jetzt schon zu lavirm suchen- werden schon einschwenken, wenn fie sehen, daß die radilale Strömung wächst, so daß sehr zu bezweifeln ist, ob die Kamme! fich auf die feine Unterscheidung der Regierung zwischen mittelbarer und unmittelbarer Gefahr und auf eine Auslese unter den Prätendenten einlassen wird.— Der Graf Pari», der tmiw'.schen am Sonntag von Lissabon wieder% Pari» eingetroffen war, ist Montag Vormittag von dort ra» Eu abgereist. Bemerkenswerth ist eine hochoffiziöse Beilinü Notiz zu der französtschm Prinzenausweisung in der„5#' Ztg.", wonach die Behandlung der orleantsttschm Prinze» seilen» der ftanzöfischen Regierung nach der in Berlin tf herrschenden Auffassung lediglich eine Frage innerer französtsldü Politik sei, bei der jede Einmischung der fremden Mächte � vornherein al» vollständig ausgeschlossen erscheine., Nach dem vorgelegten Entwürfe zur Reform Bergwerkgesetzes soll die Priorität der Konzesfion«P dem Entdecker, als dem Bodeneigenthümer zuerkannt wert«- Den Arbeitern, welche wirkliche Syndikate bilden» w«� Konzesfionen erthrilt werden. ES soll ferner die allzu mm gehende Entwicklung der Bergwerke nach der Breite(W schränkt werden, um dadurch die Herde der Ausbeutung x vermehren. Des Weiteren wird daS Prinzip des Echtes- gericht» zwischen BcrgwerkSbefitzern und Arbeitern festgest� Da» neue Gesetz wird auf die gegenwärtigen Konzesstonen w gewendet werden können. Grotzbritaunie«., Die freilich wie eS scheint vorübergehende AuSficht"jj Einigung der Radikalen, welch« Gladstone'S Erklärung� der Parteiversammlung erweckt bat, ist den konservativ!» Führern so unbequem gewesen, daß fie die vorfichtige Taw* fich im Hintergrund zu halten, aufgaben, um selbst der mr gierung einen Strich durch die Rechnung zu machen, da J" nicht mehr darauf rechnen können, daß die AnhaM Hartington's und Chamderlain'» mit Erfolg ihre Ardett sorgen. Sir Michael HickS-Beach, der nominelle F% der Opposition, unterzog fich indeß dieser Aufgabe mit wogi™ stem Ungeschick. Er machte Gladstone den abgenutzten wurf, daß er ein Doppelipiel treibe, indem er den Rabtkai diese, den Irländern jene AuSfichtm eröffne. Deshalb v langt er unbedingte Aufklärung über die Veränderung�,'i. Hmnerule-Vorlage, welche Gladstone in der Parteiverfal"„iiv, angekündigt habe. Den Vorwurf des Doppelspiel* zuweisen, konnte Gladstone fich ersparen, da auch � 5 KirÄÄ» ni$i MÄ« dtt*"tzb der anderen morgen jenes versprechen kann, cb"' der Widerspruch sofort fich beiden Parteien bemerkbar �a® würde. Ein anderer Vorwurf, daß in Irland die Re®. unficherheit durch daS Verhatten der Regierung geforv werde, ließ fich leicht durch den Hinwei« darauf abfettP daß nachweislich in Irland die Zustände jetzt bedeutend bcii seien, alS zu Zeiten der konservativen Regierung.% plötzliche Angriff Hicks-Beach'S fiel demnach vollständig � Wasser, da er nur den Erfolg hatte, Gladstone legenbett zu einer kräftigen Entwickelung seiner DedatWw zu geben. In dem am 31 Mai %%%&% Theil nahmen, wurde mit 45 Stimmen beschlossen, Homerule-Bill zu stimmen. In parlamentarischen«(< wird angenommen, daß damit die Niederlage der gierung entschieden und die Parlaments« Auflösung stcher sei. � Gladstone erklärte, e» sei nicht die Adficht der Reg�, die Straße herunter u«d grüßte. George zügelte � Pferd ei«. W „Reite voran, Hubert— ich habe mit dem Herr« etwa« zu sprechen." �. jg j- „Mit dem?" sagte Hubert verwundert— der Schauspieler..."»stk, „Za— Handor— ich komme gleich«ach."T W Karl, nimm mein Pferd, laß ihm aber de« Zügel weit; el geht ganz ruhig oebevher, und halte Dich mehr auf. Du reitest gerade nach Hause." „Sehr wohl, Herr Graf.".. ppd Der Reitknecht griff de« Zügel de« Threres auf- � George, der indesseu abgestiege« war, schritt auf den � �jt wartenden Handor zu, dem er die Hand reichte« ihm langsam die Straße hinaufging._, Kp»' Hubert, der fich nicht denken konnte, was Graf � ford mit dem Schauspieler zu verkehre« habe, schu' �ses- Kopf, trabte aber dann bis zu dem Thonveg de» v w mit dessen Insassen er ebenfall« bekannt war, jjjj- wenigstens Paula begrüßen zu könne» und Georg kehr zu erwarte».-- jungf? Die kleine Zwischevszene mtt dem übermüthrg Grafen und dem Töpferjunge« hatte M vor Pfeffer'» Fenster abgespielt._«öM Seme Schwester war kränker geworden � cn' daß die nculiche Aufregung mit dazu beigetragcn yu � Auch verbot er jede» Rauchen im Zimmer; der schürf that der Brust der Kranken weh. � x Jeremias wich fast nicht von ihrem Bett, be#. können I Und Jettche» sah fast«och aai' al» mit der irischen LandanfmifS'Bill weiter vorzugehen, als bi» «ie Kammer in der späteren Lesston die irische VcrwallungS. Bill wieder aufnehme. Fowler setzte die Debatte über die msche VerwattungS'Bill fort. DaS Oberhaus hat die erste Lesung deS irischen WaffengesetzeS angenommen. Italien. Ueber den früheren Kommunard und jetzigen Galeeren« mSfling Cipriani, der bekanntlich kürzlich im Wahlgang Regte, wird berichtet: Amilcare Cipriani verbüßt als Nr. 2403 m Bagno zu Portolongone auf der Insel Elba wegen eineS m der Nacht auf den 14. September 1867 zu Alexandria («gypten) verübten dreifachen TodtschlageS die ihm am 28. Fe« druar 1882 von dem SchwurgerichtShofe m Ancona zudtklirte «träfe von 20 Jahren Zwangsarbeit. Hinsichtlich dieser Ver- uttheilung herrscht in den weitesten Kreisen Italiens, die Gut- Uten angesehenster Juristen, darunter auch deS früheren Austizministers Senators Pesfina, nicht auSgeschloffm, die An« ficht, daß daS betreffende Gerichtsverfahren nicht korrekt war, mdem nach den Rechtsgrundsätzen der obersten KaffationShöfe von Turin, Florenz, Neapel unv Palermo da» Verfahren wegen ««jährung überhaupt nicht mehr zulässtg gewesen wäre. «Hein der römische KaffationShof, dem Cipriani unterstellt wurde, ist anderer Anficht gewesen; jeder der vier anderen KaffationShöfe würde Cipriani freigesprochen haben. ES unter- liegt keinem Zweifel, daß C'prianr'S Wahl für ungiltig erklärt werden wird, doch dürfte das Verditt der Wähler von Forli ihier wurde er mit 6123 von 7833 abgegebenen Stimmen ge« wählt) und derjenigen von Ravenna nicht ganz ohne Folgen Mben, sei eS, vaß eS einen königlichen Gnadenakt im Gefolge hat, sei eS, daß es zu legislatorischen Maßnahmen führt, um dem der gegenwärtigen Strafgesetzordnung widersprechenden nalle in irgend einer Art abzuhelfen.— Noch ein anderer der ««wählten, und zwar Alcibtade Moneta, der frühere HZrektor der in Mantua erscheinenden sozialistischen Zeitung "La Favilla", hat eine Rechnung mit den Gerichten auSzu- pichen. Er befindet fich gegenwärtig als Flüchtling in «arcelona, um einer ihm zudiktirten mehrjährigen Gefängniß« "lafe zu entgehen, welche er fich wegen Busrcizung zu Unorv« düngen und wegen sozialistischer Umtriebe zugezogen hat. Als Sewahlte Sozialisten werden noch bezeichnet: Andrea Costa und TedeSchi. Balkauländer. < Die Geschichte des Komplots von BurgaS gegen «n Fürsten von Bulgartm ist noch lange nicht aufgeklärt und »ulfischr Blätter gehen so weit, das Ganze für eine Fabel auS« Meden, darauf berechnet, die Popularität des Fürsten Mkander in Ostrumelien zu erhöhen. Das letztere ist in der «ha* erreicht worden; denn Berichte aus Philippopel ver« nihern, daß alle Bewohner Ostrumelien« voll Entrüstung gegen Attentäter seien, welche aus ihrem Boden dem Fürsten Mander nach dem Leben trachteten. Daß da» Komplot eine M. reale Thatsache und keine bloße Fiktion gewesen, dafür Mf ein Zeugniß vor in einem Erlaffe, den der Minister de« N«n, Zanow, an die Präfekten in Bulgarien und Oft« rim kw gerichtet und der über die Entdeckung der Verschwö- Und alle dabei zu Tage gekommenen Detail» ausführliche MWungen enthält. Dieser Erlaß bestätigt noch inibesondere, »* die Anstifter der Verschwörung der größeren Zahl nach TsUSIänder, Russen und Montenegriner, seien. Für einen der "tt-ren. den Kapitän Nodakoff, soll der rusfische Vertreter in PMk auf daS Geheiß des Botschafters Herrn v. Neltdoff Uch besonders eingesetzt haben. DaS serbische Amtsblatt dementirt die Nachricht auS« Wattiger Zeitungen, daß die Regierung sämmtliche Bergwerke «u verpachten beabfichtige. anlereffanle Zensurmaßregeln der Türkei gegen auS« wattige Blätter werden der„Neuen Freien Preffe" auS Kon« �uttnopel gemeldet. Danach ist den in Bulgarien«ischeinen« im o»»*"ä01 und periodischen Druckschriften der Postdebit laffuno'v? fa'jj, Reiche entzogen, unv da» Verbot der Zu- ficht dntw ��vnland erscheinenden Journale mit Rück- daS(*,%,%. QR solche Journale noch immer zirkuliren, auf i- rfste erneuert worden. c», Amerika. wdJw der Vereinigten Staaten hat ihr« Konsular« die?i. nl0p# um Bericht darüber ersucht, welcher Klaffe anÄ0™" angehören, wa« fie zum Fortziehen ver« sckan.»?? ste wohnen und wie es mit ihrer Ernährung de« Fuhr!*'"•lirin« wird eine Aufzählung der in den letzten iam.!? durch die Gemeinden veranlaßten Abschiebungsfälle ver« tan-«% schließlich gefragt, ob dem Konsulat nicht Fälle be« wl»>-"K"' uw Jemand politischer Anfichten wegen deporttrt (otaMm% Offenbar handelt e« fich hierbei nur um eine er 8.'fee �"nhaltung von Elementen, die entweder nicht iu>».l?äfahig find, oder von europäischen Behörde» nach Amerika "»richoden werden. �.vteben Millionen Pfund präservirtes Fleisch in Blech« i(SLin die ftanzöstsche Armee zu liefern hat nach einem loÄnm des„Reut. Sur." aus Chtkago r i n dortiges HauS "»attlich übernommen. Mutter, den« der Vater hatte ihr seine Unterredung mit �de erzählt, und wenn fie ihm auch Recht geben mußte, JT* sie auch fühlte, daß er gehandelt habe, wie er al« 1*" und selbstständiger Man» handeln sollte, so konnte .fich doch auch der Ueberzeuguug nicht verschließe», daß mit ihr« letzte Hoffnung zerknickt und der Geliebte für fie sei.— Und die Mutter fühlte da« mtt ihr, und so; besonder« war ihr Geist so niedergedrückt, der Körper w'eoxr LebenSthätigkeit beraubt worden, weil die Sorge da« liebende Kind ihr Herz und Sin» erfüllte. tou« selbst war in einer ganz verzweifelte« Etim» vj,*?' Die Angst um die Schwester, deren Zustand er litt für bedenklicher hielt, al« er wirklich war, »ich« nicht in seinem Zimmer, und drüben durfte er dojichen— Haß und Ingrimm erfüllten ihn dabei heil/'"nen Direktor und die Ursache alle« diese« Un« ob,,,', den„aufgeblasenen Handor', wie er ihn nannte, �ornme W a�ittcl®u6te' kinem von ihnen bei« lüts 5�dirtmal im Tage, nachdem er im Krankenzimmer fletLi."b gelaufen war und die Kranke ordentlich nervös Pseik- h�e, schoß er in seine Stube hinüber, griff eine ichn* aU' wag damit zum Tabakskasten, fand dort, daß sie Zi»/. ßvstepft und stellte sie unwillig wieder bei Seite. tuiß,".jing er an seine Dose zu suchen, die er aber in der ieritl? ntl,be«ie finden konnte und dadurch nur immer touth« t». tf*d dabei mußte er Komödie spiele«, erst de« Schuster v. mpaci Vagabundus und dann, zwei Abende später, de» l»>ft*?p°fen i« Aschrnbrödel- und daheim den Familie« ih»,»f.! denn wenn er e» fich auch nicht merke« luß, ging 4 Herzenskummer fast eben so nahe, wie der ty'ffa- � �"khett. E« war rein zum Tollwerde«, und Überhaupt nicht zu� den geduldigste« Naturen � b-ute Brunne« vergiften könnt«. tt«td er wieder am Fenster und sah. wie die ?"«» s». herabgesprengt Tamen, wie das Pferd de« �» wf�rd« und dieser de» armen Teufel von Schieb« % an«, Und wie fing er da oben am Fenster zu schnnpfe«, und zwar laut hinaus und mit l Gerichts-Zeitung. Die Krankfvrter Kriedhofsaffatre vor dem Reichsgericht. INachdmck verboten. I Leipzig, 31. Mai. Großes Aufsehen erregte am 22. Juli v. I. in Frankfurt a. M. bei der Beerdigung de« sozialdemokratischen Führers Ziseleur« Hugo Hiller da« Vor- gehen der Polizei mit der blanken Waffe. Daß dasselbe ein durchaus unberechtigtes war, bewies die Verhandlung deS Frankfurter Landgerichtes vom 17. März d. I, in welcher ver- ur'heilt wurden wegen vorsätzlichrr Körperverletzung im Amte (§ 340) der Polizeilommiffar Meyer zu 3 Monaten, der Schutz- mann Winglett zu 2 Monaten, der Schutzmann Hohmann zu 1 Monat und der Schutzmann Schweiger zu 14 Tagen Gefängniß. Außerdem wurde noch auf Gcunv§ 17, 1 und 2 des SoztaliftewgesetzeS der Schneidermeister L-yendecker aus Mainz zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Sämmtliche An« geklagte hatten Revision eingelegt, doch hat der verurtheilte Polizeilommiffar Meyer dieselbe wieder zurückgenommen. Die Beschwerde der übrigen Angeklagten kam in der beutigen Sitzung de« ReichSgerichtS(I. Strafsenat) zur Verhandlung. Zum Verfiändniß der Revifion ist e« nöthig den Sachverhalt in Kürze mitzutheilen. Zu der Beerdigung deS Hiller waren die GefinnungSgenoffen dcffelben öffentlich eingeladen und die Polizei vermuthete daher, daß daS Erscheinen einer großen Anzahl vonSozialdemolraten zu einer Demonstration werde denutzt werden. Um einer solchen Demonstration vorzubeugen, wurde eine be- sonderS starke Polizeimacht abgeordnet, die der Leichenzug de- gleiten und überwachen sollte. In der speziellen Instruktion, welche die Polizeikommiffare und Schutzleute hierzu erhalten hatten, war gesagt, daß der Leichenzug, wenn er durch An- wesenhett allzuviel» Personen, sowie durch Tragen von rothen Bändern, Blumen und Schleifen den Charakter d» Demon« stration annehme, auf Grund deS Sozialistengesetze« zu v»- bieten sei und daß die Anwesenden außer den Angehörigen de« Verstorbenen zum Auseinandergehen angehalten werden sollten. Am Grabe dürfe nur ein Geistlicher sprechen; wenn Jemand anders eS thue, sei die Versammlung auszuheben und eoent. Gewalt zu gebrauchen. Der Leichenzug, an welchem fich mehrere hundert Personen detheiligten, kam ungehindert in den Fried- Hof. Al» ein« der Leidtragenden Namens F. eine Ansprache halten wollte, vnbot der Angeklagte Neyer ihm dieselbe; F. legte dahn nur einen Kranz auf daS Grad mit den Worten: „DieS von dm Frankfurt» Genossen!" Nachdem noch andere ähnliches gethan hatten, bestieg der Angeklagte Leyendecker den Ervhügel und sagte etwa folgendes:„Im Namen der Mainzer Sozialdemokraten lege ich diesen Kranz auf deinem Grade nied» zum Zeichen d« Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit, für die du dein Leben lang gekämpft hast." Einige Zeugen wollm noch die Worte„bi« auf den Tag der Freiheit, die du nicht»lebt hast" gehört haben. Leyendecker hielt sodann eine rothe Schleife hoch und legte ste dann auf da« Grab. Während er noch sprach, sagte Meyer:„Auf Grund deS§ 9 deS Sozialistengesetzes löse ich die Versammlung auf und fordere die Anwesenden auf auSeinanderzugehm." Dieser Auffordemng folgte ziemlich schnell eine zweite und dritte. Da niemand ging, so forderte Meyer die ihm untergeordneten Schutzleute auf, die Anwesenden nunmehr mtt den Waffen auseinander« zutreibm. Die Schutzleute kamen diesem Befehle nach, und in wenigen Minuten war der Friedhof völlig geräumt. Hi»« bei wurdm viele Menschen mit der flachen Klinge verletzt; einige«hieltm auch schwerere Verletzungm. Im Friedhofe hat der Angeklagte Winglett, nachdem die Versammlung schon zerstreut war, auf drei vereinzelte Flüchtlinge, obgleich dieselben keinen Widnstand leisteten, wiederholt eingehauen. Andere Schutzleute durchsuchten daS Innere de» Friedhofes und hittbei haben die Angeklagten Hohmann und Schweig» den Zeugen HctS, der sein Notizbuch in d» Hand haltend ruhig auf ein« Bank saß, ohne jede V»anlaffung mit der Waffe geschlagen. DaS Urtheil sagt nun in Bezug auf diesen Tbatdestand, daß keine dn gesetzlichm Vorbedingungen zur Anwendung von Waffengewalt vorgelegen haben und daß deshalb die dm Theilnehmem der Versammlung zugefügten V»letzungen alS rechtswidrige anzusehen seim. WaS die zuerst »wähnte Mehrzahl von Verletzungen betrifft, so bürdete daS Gericht die Verantwortlichkeit für dieselben dem Angeklagten Meyer auf, da die Schutzleute den Befehlen ihrer Vorgesetzten nachzukommen v»pflichict find, und M y» fich bewußt sein mußte, daß die Schutzleute ihm gehorchen würden. Darau« wurde die Vorsätzlichkeit de« Thuns Meyer'S, nämlich durch die Schutzleute Anderen Verletzungen beizubringen, abgeleitet. Eür diese Körperverletzungen wurden die betreffenden Schutz- ute nicht verantworllich gemacht. Ander« v«hiell es fich ab» mit dm Körpervttletzungen, welche die drei angeklagten Schutz- lcute begangen. Diese Handlungen fanden nämlich statt zu ein« Zeit, wo d« Befehl, die Menge zu zerstreuen, schon ausgesührt war, also auch die Anordnung, die Waffe zu gebrauchen, nicht mehr fortdauerte. Da# Gericht hat daher die V»antwortlichteit für die weiteren Körsnoeletzungen den Thätem selbst aufgebürdet. Winglett hat die drei Personen» welche in unmittelbar» Nähe de« Portale» auf der Flucht fich befanden, verfolgt und der geballten Faust»ach der Allee hinüber drohend, daß Zeremia# gar nicht wußte, wa« er hatte, und zu ihm trat. .Nu» seh' Einer da# vornehme Gesindel an I* schrie er—„Sie Lump, Siel Sie Baron, Sie Junge—«a, wen» ich nur unten wäre!" (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst«nd Zeven. In dem Hauptblatt der soeben erschienene« Nr. 11 von„Mode und Hau»", praktische illustrirte Frauenzeitung (Deutsche Verlags- Gesellschaft Dr. Ruffak u. Ko. Viertel« jahrSpreis 1 Mark) ist der größte Theil der Modebilder und Handardeitm- Zeichnungen der neuesten Mode angepaßt. Sin sehr deutlich» Echnittmusterbogen ermöglicht die Seldstanfer- tigung der verschiedensten sehr geschmackvollen Kostüme. AuS der dm häuslichen Angelegenheiten gewidmeten sehr umfassen« den Rubrik verdienen nachstehende tntereffante Aufsätze beson« d«e Erwähnung: Brief ein» Mutter an die jungverheirathele Tochter; lieber das Handeln nach Grundsätzen; die in psycho- logischer Beziehung beachtcnkwelthe Abhandlung unter der Ueberschiift:„Fraumbilder". Die reich illustrirte belletristische Beilage von„Mode und HauS" bringt neben anderen künst« lerischm Jllnstratwnen da» im Atelier der Gesellschaft in Hol, geschnittene sprechmd ähnliche Porträt von Leopold v. Ranke und an spannenden Erzählungen: Schloß Eroxton von P. Olliverio: DeS Sommer« letzte Rose von C Krasst; Madonna de» FenstnS, Reiseskizze von Dr. Adalbert von Hanstein; Biographie von Leopold von Ranke; Kunstkritische» von Dr. Ruffak k. Wa# die„Schwarzen" in ihrer Presse dem Volke aufbinde«, davon hier ein Beispiel. Die„Jsar-Ztft." läßt fich„von d» Rhön" schreidm:«Ein sond«bar» Vorfall soll fich im Orte B. zugetragen haben. Dortselbst hatte ein junger Mann, der noch gar nicht lange geheiraihet hat, von einer Witlwe, die stark trank, ein schöne» Vermögen geerbt, unt» anderem auch deren Hau», welches das junge Ehepaar de- wohnte. Allnächtlich nun kams von der Bodenstiege mtt Ge- polier herab in die Stube und mtt starkem Schnaufen selbst bis vor» Bett der zum Tode Erschrockenm. Man rteth hin und her, wes zu thun sei, um dm„Geist" zu bannen, bis von hinten mit d» Klingt»»letzt, bis Mey« sagte:„Halt! Nicht mebr hauen!" Durch den Befehl Meyn'S einzuhauen, sagt daS Urtheil, warm die Schutzleute nur gedeckt, soweit eS fich um da« AuSeinandertreibm bandelte, daS Schlagen auf Einzelne stand nicht mehr unt« dem Befehle. Wingleit mußte fich wie and»e seiner Kameraden fragen, welch- Mittel zur Ausführung de» gegebenen Befehles geeignet warm; da er dies nicht gethan, ist ihm ein strafbarer Vorsatz zur Last zu legen. Daffelde gilt von Hohmann und Schweiger, welche mit d« Adsuchung de« Friedhofe» beauftragt warm und bei Au»« führung diese» Auftrage» dm ruhig auf ein« Bank fitzenden Hei« gemeinschaftlich mtt der Waffe verletzt haben. Wa» end- lich den Angeklagten Leyendecker betrifft, so nahm daS Gericht an, daß derselbe keineswegs die Auffordnung Meyer'S üb»« hört, sond»n vielmehr fich bemüht habe, ihn zu überschreien, daß» also vorsätzlich der Aufforderung deS Beamten zuwider» gehandelt habe. L-yendecker batte noch eingewendet, daß seine Aeußerungm nicht als Rede, sond»n nur al« eine «laubte Ansprache anzusehen sei, ab« da» Gericht sprach fich dahin aus. daß die gefallenen Worte al» Rede or zusehen seien. Da fich die von den Angeklagten ver« letzten P»sonen dem Verfahren als Nebenkläger angeschloffen hatten, so verurtheilte da» Gericht auf ihrm Antrag die Ange» klagten zur Zahlung der den Nebenklägem erwachsenen notli« wendigen Auslagen.— Zur Rechtfertigung ihrer Revifion hatten die verurt heilten Schutzleute folgendes erklären laffm: Der§ 340 ist verletzt, indem der Dolus verkannt worden ist. Nach dem Gesetze find die Schutzleute verpflichtet, die Waffen zu gebrauchen, sobald e» angeordnet wird. AlS der Befehl kam, mit dem Schlagen aufzuhören, haben fie aulgehött. Al« ste schlugen, warm fie in dem Glauben, daß ei fich um Theil« nehmer an dem Leichenzuge handelte. Der Begriff eine» Unter« gebmen ist verlannt. Nirgends stellt d» Richter fest, in welchem Augenblick da» Ausein andrrtreidm aufgehört unv wann da» Schlagen auf Einzelne begonnen habe und wann dies den An« geklagten zum Bewußtsein gekommen sei. Der BefehlSgeber ist v»antwortlich für alleS, waS au» dem Befehle fich»giebt. E» ist zum mindesten fraglich, ob nicht daS Säubem de» Friedhofes auch noch zu dem Auseinandertreiben der Versammlung gehörte. Der gute Glaube der Angeklagtm kann nur widerlegt werden durch den Nachweis, daß fie au« anderen Motiven geschlagm haben, als in d» Abstcht den ihnen gegebenen Befehl auszuführen. Die Vnlkyten find mtt Unrecht als Nedenkläg» zugelaffen, denn die« hätte nur geschehm können, wenn der§ 340, auf Grund deffm Anklage erhoben ist, die Zuerkeniung einer Buße zuließe. Bezüglich WmgleitS wird außerdem noch Vttletzung des RechtSgrund- satz-S, betreffend die Jseal- und Realkongruen, gerügt; e» hätte nur eine Handlung anstatt dreier angenommen werden müffen. Leyendeck« bestritt endlich, einmal eine Rede gehaltm zu haben, dann aber, daß er, nachdem das Verbot ergangm, noch weiter gesprochen, indem er behauptete, daS Verbot sei erst in Kraft, wenn die dreimalige Aufforderung ergangen ist. — Der Reichsanwalt beantragte unt» folgenden AuSführungm die Verwerfung der Revifion: Da» Urtheil stellt fest, daß der Befehl Mey»S dahin ging, die Menge auseinanderzutreiben mit ver Waffe, daß aber die betreffenden Mißhandlungen nicht mehr vorgekommen find bei der AuSeinandertreidung, sondern als die Leute schon auf dn Flucht waren und zwar nicht am Grade, sondern weitab von demselben, so daß in»st» Linie feststeht, daß die Waffen nicht mehr gebraucht werden durs en, nachdem der Befehl vollzogen war. Nachdem ver B-febl nicht mehr fortdauerte, waren die Schutzleute nur dann zum Waffen« gebrauch bnechttgt, wenn ihnen Widerstand geleistet wurde. Daß d» Zeuge Dippel dem Wingleit Widerstand geleistet habe, ist nicht behauptet und festgestellt. Der Angeklagte hat ihn von hinten über den Kopf geschlagen. Noch mehr teilt die Schuld de» Wingleit bei dem Schlagen mit der flachen Klinge her« vor, denn er stellte fich unt» daS Portal de« Friedhofe» und schlug blindlings auf die Durchdrängenden los. Daß diese Mißhandlungen vorsätzlich geschehen find, daS geht au» den Urtheilsgründen so schlagend h»vor, daß eine weitere Fest« stellung bezüglich deS subjektiven TbaibestandeS füglich unter» lassen werden konnte. Der gute Glaube ist sowohl bei Wing« leit al« den beiden anderen Schutzleuten mit Recht ausge» schloffen worden. Ob bezüglich der dem Winglett zur Last fallenden Handlungen Real- oder Jdealkongruenz vorlag, daS beruht rein auf der thatsächlichen Auffassung, wie daS RetchS- gericht wiecerholt ausgesprochen hat. Die Beschwerde Leyen« deckers ist deshalb grundloi. weil die Aufforderung zum Fort- gehen nicht auf Grund deS§ 116 des Str.-©.-»., sondern auf Grund de»§17 de» Sozialistengesetzes erfolgte und dieser Paragraph nicht wie jener eine drei« malige Aufforderung verlangt. DaS Sozialistengesetz ist ein Sondergesetz und. darf nur aus dem allgemeinen Strafgesetze ergänzt werden, so« weit nicht besondere Bestimmungen getroffen find. Diese find hier aber gegeben, denn§ 17 verlangt sofortiges Auseinander« gehen. Ob die Worte Leycndeckerk als Rede anzusehen waren oder nicht, ist ziemlich gleichgittig, eS genügt, daß übnhaupt sozialdemokratische Bestrebungen an den Tag gelegt wurden. endlich der Rath die Oberhand dehielt:„Die Verstorbene hat kerne Ruhe im Grade, ihr Mann trug ihr bei seinem Tode auf, von seinem Vermögen fromme Stiftungen zu machen. KM7.z-.NZ« XÄC r ÄK Ii? auf allen Gebieten deS öffentlichen Ledens so. Uednall Rück« schritt, Finstemiß, rabenschwarze Nacht. Wiedererrichtung der»astille. Nachdem die Er« stürmung und Nlednreißung der Bastille«in Jahrhundert lang in Wort und Bild gefeiert worden, soll ste nun wieder. wie ein Pariser Korrespondent der„Voss. Ztg." schreibt, erbaut wcrden. Da nämlich 1889 die haupisachlissten Begebenheiten der ersten Revolution möglichst naturgetreu öffentlich dargestellt werden sollen, hat man fich auch mit der Bastille zu beschäf« tigen. Der Handelsminister Lockroy ließ daher ein Modell Haupitheil« derselben in der ursprünglichen Größe wieder zu errichten, wahrscheinlich jedoch nur in leichtem Material. Der Kriegsmini/t» Boulanger hat sich sehr günstig üb» daS Modell geäußert. Auf ihrem ursprünglichen Platze kann jedoch die Bafiille nicht so leicht errichtet w»den, denn derselbe ist sttzt bebaut und gehört zur Rur Saint-Antoine. Der jetzige Bastilleplatz liegt weit« hinau» und begreift nur einen Theil der Stelle, wo fich der Wallgraben d» Lastille befand. Natürliche» Telephon. Ein Theil deS Landes an der Küste der Pazifik Ozean« scheint seiner Beschaffenheit und seinen athmosph irischen Verhättniffen nach ein naiürliches'Tele« Phon»u bilden. Wie nämlich auS San Franzisko gemeldet wird, kann man ein«, grade an den„Ncedles" in Kalifornia vorbeibeibrausenden Zug d»„Atlantic und Pazifik Eisenbahn" ganz deutlich bi« nach Cattonwood Island d. h. 78 engl. Mei« I n weit hören. Da« in Fort Mohave übliche Abfeuern ein» Kanone bei Sonnenaufgang ist 100 Meilen davon in Colorado Cannon, sehr wohl vernehmbar. Da» Pfeifen eines Colorado« Dampf«» dringt von El Dorado Cmnon bi» nach Weaver« ville, also 78 Meilen weit, und wenn man an LeeS Ferry ein F«lSstück den Abgang htnunterrollt, so hört man das Ecko 36-Meilen davon auf dem Fluff« zu Weaverville(Kali« fornien). Di« AuSlagm der RebevNSger find den Nngeklagien mit Recht aufgebürdet, d- der§ 223» zur Ergänzung dei§ 340 heran« S«zogen werden konnte, weil ei stch allgemein um KSrperoer- etzung hierbei handelt.— DaS in später NachmitiagSstunde veikündete Urlheil lautete dahin, daß die Reviston aller Ange« klagten zu verwerfen fei. t Dienstmädchen und Herrschaft. Bei dem Kaufmann D. stand daS Dienstmädchen Emma E. seit dem 15. Februar d. I. in Dienst. Am 8. März zog ste. ohne vorher gekündigt zu haben, plötzlich ad, und fie wurde deshalb in eine Polizei' strafe von 3 M. genommen. Hiergegen erhob fie Widerspruch, und die Vach« kam deshalb vor das Echöffengericht, welches gestern darüber verhandelte. Emma E. behauptete, den Dienst deshalb verlaffen zu haben, weil fie nicht die nothwendige Kost bekommen habe, und berief fich auf daS Zeugniß deS jetzigen Dienstmädchens der Frau D. und auf daS eines anderen, in demselben Hause beschäftigten Dienstmädchens. Außerdem war Frau D. vorgeladen. Bevor jedoch zur Vernehmung dieser Zeugen geschruten wurde, veranstaltete der Vorfitzende ein Jnquifilorium mit der Angeklagten, um festzu« stellen, worin ihre Kost bestanden habe. Hierbei wurde von ihr folgendes ausgesagt. Sie habe deS Morgens um 6 Uhr Kaffee mit einer Echrippe erhalten, sodann zum zweiten Früb- £llck, das ihr nach fünfstündiger Pause zwischen 11 und V* 12 hr gegeben wurde,«ine Echmalzstulle. Zum Mittag. brod, daS um V,2 Uhr genommen wurde, gabS vier-, fünfmal in der Woche Suppe, von der fie aber immer nur sehr wenig, 2—3 Löffel mit ein paar Knochen darin enthalten haben will. Fleisch gab eS täglich, für fie seien aber nur wenige„Happen" abgefallen: dafür hätte ste genug„Pellkar. toffeln" gehabt. Ztach dem Nachmittagskaffee wurden ibr alS Abenddrod zwei Stullen gereicht, von denen eine mit Wurst belegt war. Sie klagt aber, daß die Stullen dünn gewesen seien. Sie sei deS Mittags niemals satt geworden und habe deshalb die Hälfte der„NachmittagSschrippc" immer schon vorher verzehrt. AlS fie eineS TageS fich ein Stückchen trocknen BroteS abgeschnitten habe, hätte Frau D. eS ihr mit den Worten untersagt: Wir habm eS nicht gern, wenn die Dienst« Mädchen fich selber etwaS nehmen.— Nach dieser Erklärung hielt der Herr AmtSanwalt jede wettere Beweisaufnahme für überflüsfig, da die Gefindeordnung dem Dienstboten nur dann daS Recht gebe, ohne Kündigung den Dienst zu verlaffen, wenn die Herrschaft ihm die„nothdürstigste" Nahrung vorent- halte. DaS sei hier nickt der Fall und das Mädchen ohne weiteres zu bestrafen. Es wurde aber trotzdem zum Zeugen- verhör geschrttten. Frau D. verficherte, daß ste dem Dienst- mädchen genügende» Effen gegeben habe. Wenn fie fich dei ihr beklagt hätte, dann hätte fie zu den „bestimmten Mahlzeiten" die betreffenden Portionen vergrößert. Emma E. habe ihr aber nur ein Mal erklärt, nicht satt ge- worden zu sein, und das an dem Tage, wo fie den Dienst verlaffen habe. Im Uebrigen erzählt fie, daß fie ihrem jetzigen Dienstmädchen jüngst sogar„Spargel" angeboten habe, dm jene aber verschmäht hätte.— DaS Dienstmädchen Karoline Z-, daS jetzt bei Frau D. in Diensten steht, den Dienst aber nächster Tage verlaffen will, erklärte, daß ihr Effen ebenfalls in den drei ersten Wochen„etwaS knapp" gewesen sei. Sie habe fich deshalb von ihrem eigenen Beide noch NahrungS- mittel kaufen müffen.— DaS Dienstmädchen Anna W. ist, wie fie aussagt, zweimal von Emma E. um Effen gebeten morden, später haoe ste eS ihr von selbst gegedm. Emma E. habe zu ihr gesagt, fie wäre jetzt in einer Stelle, wo man hungern und tüchtig arbetten müffe. Ihr sei diese Behauptung sehr wahr- scheimich vorgekommen, weil frübere Dienftmädchm bei D. die- selbe Klage geführt hätten.— Der Herr AmtSanwalt detonte, daß die Dienftmädchm, je elender fie früher bei den Eltern gelebt hätten, desto größere Ansprüche an die„Herrschaft" stewen. Die Kost dei D. sei ganz genügend gewesen, die An- gaben der Frau D. seien vollkommen glaubwürdig. Die Abficht der Mädchen bei derartigen«lagm, die häufig auf„Dienst- mädchenklatsch" beruhtm, sei, die„Herrschast" zu„blamirm" I Er beantrage eine Geldstrafe von 15 M.— Der Gerichtshof «kannte auf eine Geldstrase von 3 M. mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagte noch nicht bestraft sei.— Der H rr AmtS- anwatt«klärte stch mtt diesem milden Urthetl nicht zufriedm gebm zu wollen und meldete Reviston an. Er behielt auch daS Dienstbuch der Angeklagtm zurück,„um ihr etwas Lrdent. licheS hineinzuschreiben. Koziales««d Arveitervemegung- GewerbegertchtlicheS. Ein« für Arbeiter wichttgm Entscheidung deS Magdeburger Magistrats, Deputation für Bewerbestreitsachen, entnehmm wir nach der„Magdeb. Ztg." nachstehendes: Die Zimmergesellen A. und B. standen seit längerer Zeit dei dem Bauunternehmer E. gegen Tagelohn in Arbeit. Anfangs vorig« Woche wurde denselben von ihrem c eröffnet, daß fie fich behufi wetterer Beschäftigung gegm Tagelohn in Senselbm von ihrem Arbeitgeber«öffnet, daß fie fich behufi wetterer Beschäftigung auf die Baustelle deS Bauunternehmer» D. zu begeben hätten, über welche der Streik verhängt ward, und daß ihnm dort die Arbeit angewiesen werden sollte. Hierbei wurde ausdrücklich hinzugefügt, daß dadurch in den VertragSserhält- niffen der Parteien nichts geSnd«t würde, insbesondere hätten die Arbeitnehmer nach wie vor ihren Lohn von C. zu«hatten, der ihnen auf Wunsch auch nach der neuen Arbeitsstelle hin- geschickt w«den sollte. Die Zlmm«gesellm A. und B. weigerten fich, auf der Baustelle de» D zu ardeirm. waren d« An- fich», daß fie dadurch ihre Gewerbegmoffen schädigen möchten, und wurden vom Arbeitgeber C. sofort auS der Arbeit entlaffen. Beide traten nun klagend auf und verlangten von C. Lohn- entschädigung für die gesetzliche vierzehntägige Kündigungizeit. Durch obige Entscheidung sind dieselben jedoch mit ihrem Ansprüche vollständig ab- gewiesen morden. In den Gründen wird ausgeführt: In diesem Hergänge könne eine unbefugte Entlassung nicht gefunden wnden. Die Kläg« seien weder zur Fertigstellung eine» bestimmten WerkeS, noch zu ein« Akkordarbeit ange« nommen worden, hätten vielmehr im Tagelohn gearbeitet und demnach nm Anspruch auf Zuweisung von Zimmermann»« arbeiten nach Belieben des Arbeitgeb«» gegen Zahlung de» bedungenen Lohne». Bei d« ausdrücklichen Eröffnung deS Verklagten, daß hinfichttich der Löhne in dem zwischen den Parteien bestehenden KontraktSverhältniffe nichts ge« ändert werde, sei eine etwaige Zession d« Rechte und Pflichten deS Verklagten an den Unternehmer D. ausgeschlossen und vielmehr anzunehmen, daß Kläg« im Auftrage und für Rechnung de» Verklagten auf der Baustelle dei D. arbeiten und letzter« nur alS Stellvertreter des Verklagten g-genüb« den Klägern gelten sollte. In der AuSwahl der Stellverttet« sei V«klagt« ad« alS Arbettgeb« wed« nach dm Vorschriften de» Allaemeinm LandrechtS, noch dn Gew«beordnung beschränkt, wahrmd der Arbeitnehm« nach Titel 11§ 900 A. L. R. nur mtt Zustimmung deS Arbett- geberS einm Stellvertreter stellen kann. Für wessen Rechnung der Bau endlich auf der Baustelle de» D. ausgeführt und wie fich der Anklagte mit dem letzterm auSeinandnzusetzm gedachte, sei für da» RechtSvnhältniß der Parteien offmbar einflußlos. Unter diesen Umständen sei nicht adzusehm, weShald d« Ver- klagte nicht befugt gewesen sein sollte, den Klägem Arbeit auf der Baustelle deS D- zu übertragen, und wenn die Kläg« fich dieser berechtigten Anordnung nicht hätten fügm wollm, d« Verklagte ab« e» abgelehnt habe, ihnm andne Arbeitm zu übertragen, so könne hierin nm eine Auflösung deS Vertrage» dmch die Arbeitsweigerung der Kläg«, nicht ab« eine Ent« laffung durch dm Verklagtm gefunden werdm. Der An- spruch auf Lohn entschädigung«schein« deshalb unbegründet. Durch die Streikbewegung soll da» Kapital zaghaft ge- worden sein und das Rifiko neu« Uaternehmungen scheuen— so liest man in der BourgeoiSpreffe. Wir wissen nicht, ob diese Zaghaftigkett und Scheu nn großer Schaden ist in der heutigen Zett fortwährender Uederproduktion. Träte jetzt noch die Speku« lation hinzu, so würde die KrifiS in Permanenz«klärt, die schließlich nur gehoben werden kann, wenn die Konsumtion mtt d« Produttion mehr in Einklang gebracht wird- Ferie« für Arbeiter. Die Dnickneifirma Fisch« und Wilttg in Leipzig hat ihren 14 Maschinenmerstern je eine Woche Ferien in diesem Sommer bei fortlaufendem Lohn gewährt.— DaS ist recht nett, wenn nur ähnliche Grattfikationen nicht nm den Maschinenmeistern, sondern allen übrigen Arbeitern und nicht nur von ein« Firma, sondern von allen gewährt würdm. Bei einer geregelten ProduttionSweise und dei Umänderung unser« wirthschaftlichen Zustände würde eS all«dtngi ein Leichtes sein, allen Arbeitern im Sommer eine längere Pause zu gewähren, um den ermattetm Körper in der Natur wieder auffrischm zu könnm. Die Lohnbewegung in Halle tritt jetzt imin« schärfer hnvor. Die Maur« der Stadt und Umgegend beschloffen in einer Versammlung, einen Satz von mindesten» 33 Pfennig für die Stunde zu ford«n und, fall» dies« nicht von dm Meistern bewilligt würde, zu streiken. Erwähnt sei, daß die Baugewttkinnung nur 32 Pfmnig bewilligt. Man steht deshalb einem Streik in Kürze entgezm, Streik vo« Pferdebahn« Beamten. AuS Rom wird gemeldet- In Toronto ist unter den»ngestelltm der Pferde« bahn- Gesellschaft ein Streik ausgebrochen. ES ist leider schon zu Thätlichkeiten gekommm. Vi«zig Pferdebahnwagm find von dm Streikenden und deren Anhängern zertrümmert worden, bis die Polizei mit blanker Waffe weiteren Ausschreitungen ein Ende machte. Der Grund deS Streiks ist in Diffnmzen mtt der Direklion wegen de» ieit dem 15. er. eingeführten neuen Lohntarif» zu suchen. D« neue Tarif vnkürzt den Lohn der Angestellten ganz wesentlich. DaS Publikum steht mit überwiegender Majorität auf Seiten der Streikmden. Herrn Schröter üb«„Unsere Organisation" und Besprechung ein« Herrmpartie. D««ste Punkt der Tagesordnung wurde wegen zu geringm Besuch» abgesetzt. Die Versammlung be- schloß, die Hertenpartie am HimmelfahrtStage zu vttanstalten» und zwar nach Schildhorn. Die Mitglieder wndm ersucht, fich zahlreich zu betheiligm. Abfahrt für die Kollegen aui dem Norden Berlins vom Bahnhof Wedding, für die Kollegen au» dem Südm und Westen vom Bahnhof Alexanderplat- Treffpunkt um 8 Uhr in Westend. * Zentral-Kranken- und Sterbe-Kasse der Tischler und ander« gewndlich« Arbeit«(E. H. Nr. 3 zu Hamburg), OrtSverw. Berlin 0.(HallescheS Thor). Mitgliederoersamm- lung Mittwoch, den 2. Juni, Abds. 8 Uhr, Teltownstr. 3 bei Rothacker. Tagesordnung: Fortsetzung der Wahlen für die OrtSverwaltung. 2. Wahl der Aerzte für Mevizinirende. 3. Bericht über die stattgefundme General- Versammlung und Verschiedenes. Das QuittungSduch ist vorzuzeigm. tb. Die Versammlung der Obst-, Gemüse-, Milch« und Kohlenhändler, welche am Montag ohne Anaade der Tagesordnung nach Grätz' Salon, Biuanenstr. 140, einderuf« war, konnte nicht stattfinden. Dem Einberufet war die nach' gesuchte polizeiliche Genehmigung zur Abhaltung derselben nicht ertheilt worden. * Verein für Technik und Gewerbe, Mittelstraße 65. MUtwoch, Abendi 8'/» Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Verein ehemaliger Schüler der 102. Gemeinde' schule. Jeden Mittwoch nach dem Crstm und Fünfzehnten jeden Monat», AbendS 9 Uhr, Sitzung im Lokale Kaiser Fron»' Grenadi«. Platz 7. Gäste find willkommen. Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlins und U«' gegend, Mitgliedn-Verfammlung am Sonntag, den 6. Jum, Vormittags 10'/: Uhr, im Restaurant Weich Alexanderstr. 61 Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. 2. Statutenänderung 3. Verschiedenes und Fragelasten. Neue Ütttglied« werde» aufgenommen. Uereine und Versammlungen- * Der Kachveretu der LuxuSpapierpräger und Papierschläger hielt am Sonntag, den 30. Mai, Landsberger- ftraße 37, in Metznn'S Gesellschaftsbaus, eine Verein Sver fammlung ad. Auf d« Tagesordnung stand: Pottrag Kleine Mittheilungen. Storkow, 28. Mai. Während de» GewittnS, wel� gestern über unser Städtchen hereinbrach, befanden stch � Frauen(Schwestern) aui Alt-Stahnsdorf auf dem Wege � Storkow nach Neu-StahnSdorf; beide trieben 2 Kühe vor Plötzlich fuhr ein Blitz hernieder und tödtete beide Frauen da» Vieh, während zwei andere Frauen, welche fich auf de«' selben Wege in nächster Nähe der beiden oben«wähnten** fanden, ebenfalls vom Blitz getroffen und«hedlich verlep wurden. Die eine der getödteten Frauen hinterläßt vi« Kind«. Zeitz, 28. Mai. Wie furchtbar daS Umvett« am Mo»'11' in den Dörfern Prittitz und Plennschütz gehaust hat, geht jjj' nähernd daraus hervor, daß in den genannten Orten 8 bäus«, 8 Ställe und 6 Scheunen eingestürzt find, außer W* 10 Wohnhäuser, 8 Ställe, 10 Scheunen dem Einsturz naht bracht find. Posen, 30. Mai. Der polnische Dichter I I. KraSzew'? bestreitet durch eine im„Kury«" veröffentlichte Erklärung, � « fich durch Ehrenwort verpflichttt hätte, zum destimm� Tttmin von dem ihm ettheilten Urlaub nach Magdeburg>" zurückzukehren. Er sagt w Bezug hierauf: wo eine Kautton gestellt wird, wird daS Ehrenwort nicht ver langt, denn demselben wird keine Bedeutung beigelegt. Atteste zweier deutsch« Aerzte werden es wohl nicht zweifeldav lassen, daß durch meine Rückkehr inS Gefängniß mein Leven bedroht und daß diese Rückkehr deshalb unmöglich war. Paris, 29. Mai. Gestern hat der Gemeind«a>iL gewesen. Er hat fich verschiedene Patente für semt � „So gelehrt er sein mag, mann gewesen. Er ha schäfte etthetlen laffen. Die Grundstück im Wetthe seinen Geschäften zu Stadt hat keine Ursack«�$ be einer Million zu opfern, um . fördern. WaS da» Pasteur'scheVettaO�, betrifft, so ist es erlaubt, nicht daran zu glauben. Durck � selbe find vier(eigentlich sechs) Russen und zwei Fra»! � umS Leben gekommen, ebenso wie seine Milzbrandtmv � vielen Thitttn das Leben gekostet hat. He« Pasteur botJt � Einzigen geheilt, sondern nur«' Tollwuth hervorgerufen, die einz„... durch die Tollwuth entstanden ist. ES handelt Geschäft deS Herrn Pasteur, welch« fich Patente läßt, seine Wissenschaft verschachert und fich Renten schlägt." DieS ist jedenfalls derb. eine allgemeine Angst zige Keankheft, welche I � h" UmmMe Artikel für Kerrm-Kdmeil� Theater. Mittwoch, den 2. Juni. vvervhao». Preziosa. Schauspielhaus. Keine Vorstellung. Deutsche» Theater. Der Weg zum Herzen. Belle-»lltauce-Theater. Namenlos. Poffe mtt Gesang tn 3 Alten von Ruitsch und Pohl. Musik von A. Conradi. zrtedrich-Wtlhelmftädrtsches Theater. S>» Higeunerdaron._.... Wach all«- Theater. D« kleine Herzog. Wtaii.ilb tatet. Entehrt. t � «eutrai-Theater. Der Stab»- Trompet«. BMoru»- Thea»«». Amor. Tan».Poem von Luigi Memzotti. Oasftmnm'ff Variete. Große Sveztalttaten- ».«feiUmg. Schweizer Garten. 3im FiiedrichShain u. Haltestelle d« Ringbahn. Täglich: Hr. Koncert«.Jorfiellung Auftreten der neu engagirten Specialttaten, der engl. Gpmnastii« Legere, der Duetttsten Geschw. Hausen, de» humoristischen Komiker TrioS Jona», Grosch und Glas«. deS Jnstrumental.KomiknS Hm. Jachtau, de» Tenoristen Hrn. Alberti, sowie deS Baritonisten Hm. Michaelis. Theater-Yorstellimg. Im Felsensaal: Tmmzkrämzehem Volksbelustigungen aller Art.[1734 Nbd»� gr. Illumination u. elektrische Beleuchtung. Passaae 1 Tr.« 1*.- 10*. \mr-zl'.'.'.f.'.W!"- Japan— China. Neu! Eine Wanderung durch Rom. Hertha- Reise. Caroltnen-Jasel«. Eine Reis« 20 Pf. Kind« nm 10 Pf. Den Mitgliedern deS Ganverein» Ker- Uner Kild Hauer zur Nachricht, daß die Be« erdigung unsneS verftordmen Kollegen Hermmmm Kühl am Donnerstag, den 3. Juni, Nachmittags 5 Uhr, auf dem neuen Jakobi- Kirchhofe stattfindet. 1847] Der Vorstand. Ortskrankeukasse der Klempner. Am Donnerstag, de« 10. Juni, AbdS. 8 Uhr, findet Kais« Fianz-Grenadierplatz 7 eine Ge- «eratversammlnug der V«treier d« Arbeit- ged« und Ardettnehmer unser« Kasse statt. Tagesordnung: 1. Annahme der vom Bezirksausschuß resp. ver Gewerdedeputation vorge« schlagenen Faffung dn§§ 21, 29 und 34 deS Statuts. 2. Verschiedenes. Der Vorstand. Lonifenstädtischer Ae)irks-Veretu �Vorwärts". Da die polizciche Genehmigung zur Versamm« lung wiederum nicht ertheilt wurde, so hat der Vorstand folgende Zahlstellm zur Empfangnahme von Beiträgen der Mitglieder eingnlchtet: Sonnabends von 8— 10 Uhr Abends dei Hm. Bunge, Prinzenstraße 96, Sonntags von 9—11 Uhr Vormittag» beim Kasstrer Hrn.S üodermann, Gttschinerstr.61. Mittwoch, den 2. Juni, AdmdS 8'/: Uhr: Versammlung der Vertrauensmänner der Vuchbiuder u. f. m- Kaiser Franz.Gc«nadi«platz Ne. 7. Die Werkstuben wnden aufgefordert, fich einen Vertrauensmann zu wählm.[1843 Gute getragme Herren- u. Knaben-Garderobe in groß« Auswahl. Gute getr. Hosen v. 2 M. an.$. 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D«-ck und««lag vo»«ax«nding tu Berlin 8W„ vmtthstmß»%- 4im» «i»e junff urde ucht, au? tg« -las- Beilage zum Berliner Bolksblatt. 127. Mittwoch, den 2 Juni l$86. III. In Iihrrsbaicht der Hmdurzer Hllldrlsdmiiier M 1885*) i. Bor unS liegt der Rappott» den die Organisation deS mobilen, speziell deS laufmännischrn Kapitals ihren Jntcreffenten über die Gestaltung der wirthschaftlichen Vcrhältniffe im Vor- iahre erstattet hat. Derselbe ist so interessant und hat inSoe- sondere für die Leser etneS ArbeiterdlatteS eine nicht zu unter- schätzende Bedeutung. Sind doch die Ausführungen der Ver- fceter der Bourgeoisie ein vortrefflicher Beleg für— die Forderungen der Ardeiterbemezung. Da heißt eS gleich im Anfang, als melancholische Ouver- tttre, über die allgemeine Geschäftslage: _.„Der Rückblick auf die Gestaltung deS Welthandels im Aahre 1885 bietet lein so erfreuliches Bild dar, wie ach hätte wünschen lassen. Die im letzten Berichte «wäbnte Urberproduktion in vielen Gattungen Mm Waaren, die Uederfüllung in vielen Z»eigen wirthschatt- {«her Thätigleit haben stch nicht vermindert, sondern vermehrt; «ie Gewinne bei Produktion und Vermittelung find noch weiter beschränkt worden, und der kaum mehr für möglich gehaltene mückzang der Preist fast aller Waaren hat dem Handel nam- h-kte Verluste gebracht." Also überall daS Gespenst der Ueberproduktion, eine na- tulliche Wirkung der absoluten Anarchie unserer ProduktionS- Meise, die in dem tollen Hrxensabbath unkontroltr baren, ziel- {°>en ProduzirenS den Gipfelpunkt der ökonomischen Weisheit Mht. Die Wurzel deS Hebels fitzt so tief, daß die Manchester «che Nationalökonomie der Hamburger Handeltkämmerer fie Mt erkennt oder, weil Jgnortren ja in diesem Falle sehr nütz- M und profitabel, nicht sehen will. Statt die rationellere Argelung der Produktion, statt gründliche Reformen des AirthschastisystemS zu fordern, beschränkt man stch darauf, «'cht die wirkliche Ursache zu erkennen und anzuerkennen, tteb ljj m0 vielmehr an ihre Stelle die Symptome des Der Leser möge selbst urtheilen: .„Alt Hauptgrund für das Darnicderliegen des Handels ««rste die bei der Vermehrung und Verdesserung der Verkehrs» .Msttel fich immer stärker geltend machende Tendenz anzusehen >«n. die Vermittelung des Zwischenhandels so viel wie möglich K umgehen und in direktester Weise Produktton und Kon- Mtion zu verbinden, eine Tendenz, die im Hinblick auf die burch den Handel bewirkte Arbeitt- und Rifikenoertheilung dicht immer im wohlverstandenen Interesse der Pcoduzentey Und Konsumenten selbst liegt. Nicht minder aber wird ein Hauptgrund dafür in der allgemeinen Steigerung der Produktion zu erblicken sein, mit welcher d:r Konsum noch nicht Schritt zu halten vermocht hat. Es würde unrichtig sein, die Gesetzgebung, und betonderS die wirthschaftliche Gesetz- ftebung eines oder des anderen Staates dafür allein oder m der Hauptsache verantwortlich zu machen. Wohl aber , nach unserer Urberzeugung daS jetzt in den meisten r L" Geltung gelangte Wirthschafttsyllem zur Ver- scha fung der Krise beigetragen, indem«S durch Abschließung de. einzelnen WirlhschaftSgebiete von einander der Steigerung der Produktion in jedem derselben einen künstlichen Anre;, a«. geben und die gewohnten Abzugskanäle für die Produkte deS �nindcrs°"der- abgedämmt hat. Ist hierdurch das Miß- verha tniß zwischen Produltion und Konsumtion gesteigert und «in Ausgleich erschwert, so wird speziell in Deutschland die unbefriedigende Lage noch erhöht durch die Unruhe der Gesetz. Skvung auf wirthschastlichem Gebiete, wodurch die Bedingungen 1«� die Entfaltung von Handel und Verkehr fortwährend ver- tchoden und einigermaßen fichcre Berechnungen für einzuleitende Unternehmungen unmöglich gemacht werden." Wir leugnen gar nicht, daß wir von vornherein zu den wzialwirthschaftlichen Ketzern gehören, die von der Nützlichkeit &*) Jahresbericht der Handelskammer zu Hamburg über das Jahr 1885. erstattet der Versammlung„EineS Ehrbaren Kauf- «anni" am 31. Dezember 1885, 13 S. Folio. Die rothe Alse des Diera o. Keady. Anfangs lachte ma» über ihn, bis man sich allmälig daran gewöhnte, ihn feine eigene Nase achten und ehren zu lkhen. Achten und ehren sagt eigentlich zu wenig, denn er {übte seine Nase, er liebte diese in zartem Roth erglänzend« -llase, ja die gesammte Einwohnerschaft von SaroSlak meinte, ** liebe in dieser weiten Welt nichts als fie. Nie konnte wa» ihn so vergnügt lächeln sehe», alt wen» er vor dem Spiegel stand und mit seiner Nase liebäugelte. Seine ?agen erhielten dann eine« höhere« Glanz und die alte «-ante Kata behauptete steif und fest, daß er aus Liebe zu i�iner Nase zuweilen sogar in Schläuen ausbreche. Et ist sie saß gar nicht schlecht in seinem dunkel» Gesichte, trotzdem fanden et alle Leute, angefangen vom hoch- Mdige» Herrn Pfarrer von SaroSlak bi« hinunter zu dem «üiben Gynri, der die Ochsen bloi füttern, nicht aber m,t '?««« auch pflüge» durfte, daß e« sehr lächerlich ist, in seine geve Nase verliebt zu sei». . Einst war er auch in etwas anderes verliebt gewesen, Z ist aber lange her, so lange, daß vielleicht nicht ''«mal mehr wahr ist. Damals zählte er erst dreißig Zahre war gerade aus der Schweiz zurückgi kommen, um d,e �ewrrthschaftuag seine« Gute« zu übernehmen. Sem Vater 6*«in reicher Mann gewesen und da, große Gut m .«endy und mit hunderttausend Gulden wäre wohl schwer- '»ÄÄ* b°. Tante Kata, der Verwalter, Hen Franz v. Hatßegi, »o» �unkt, Herr Paul Derö, der Pfarrer, die Einwohner W,. ,?««lak und sämmtliche Ochsenknechte vollkommen "bereiv, daß Herr Nikolaus v. Kendy längstens acht * seinem SaroSlaker Kastell bleibe», dann aber wieder seifte i'ehen werde«ach der Schweiz oder nach Paris zu llutz» Freunden. d«s Handels und der Nathwendigkcit des jetzt funktionirenden Z rkulattor.sproziffcs in alle Ewigkeit durchaus nicht überzeugt finv. Wir gehen sogar soweit, zu behaupten, daß in einer ander? organiflrten Gesellschaft der Mechanismus de« Handels fortfallen kann, dies?« Handels, dessen charakteristische« Merkmal seine vollkommene Unplvduktioität ist. Die Klage darüber, daß fich die Produktion und Konsumtion in unmittelbaren Verkehr zu setzen fich der Vermittlung des Zwischenhandels zu ent schlagen versuchen, rührt uns nicht im Mindesten, denn eS kann der großen Masse des werklhäligm Volkes, den Arbeitern, dieser interne Kampf zweier verschiedener Interessengruppen der Bourgeoifie vollständig gleichailrig sein. Auf dem Wahlplatz der Profitmacherei stehen fich der Fa- brikant und der Händler gegenüber und suchen gegensettig sich die goldenen Früchte am Baume der Arbeiter streitig zu machen.- Thatsächlich schöpft ja der Ztrkulationsprozeß, schöpft das kaufmännische Kapital die fetteste Sahne von der fetten Milch des vom Proletariat erzeugten Mehrwerths ab. Daß die fabrikantlichen Kapitalisten deshalb in ihres Plusmachens durchbohrendem Gefühle stch am„Rebbach" möglichst viel zu stchern suchen, ist einleuchtend: fie bewerkstelligen diese Steige« rung ihrer Gewinnrate dadurch, daß fie auch Händler werden, daß fie industriellen und merkantilen Betrieb mit einander ver- binden, daß der Fabrikant zugleich Kaufmann wird. Dadurch tritt natürlich keine Veränderung, sondern einfach eine Ver- schtebung der Verhältnisse ein. Die Kleinen im Kaufmannsstande, der Zwerg- und der Mittelbetrieb werden in diesem Doppelkricg gegen ihre groß- kapitalistischen Kollegen und gegen die Fabrikanten desto rascher von der Bildfläche verschwinden, als Lohnarbeiter in den Dienst der Gcoßkauflcute und Fabrikanten treten. Allmälig wird der Fabrikant- Kaufmann und der Kaufmann- Fabrikant eine typische Figur unsere« WirthschaftSlebenS, eine Verschmelzung der beiden Gruppen wird fich vollziehen, und den Uedergang zu anderen Zuständen erleichtern. Das ökonomische System aber bleibt daffelbc, und die Macht der Kapitalistenklaffe steigt, ganz gleich, ob die Klafft der Kaufleut« oder diejenige der Fabrikanten daS Hauptqaantum Mehrwerth einheimsen. Anstatt zu begreifen, daß die kapitalistische WirthschaftS- weise, daß die daraus fich ergebende zunehmende Verarmung der Massen, und die dadurch erzeugte stetig fottschrettende chronische Unterkonsumtion die Ursachen find, die nothwendig zur Folge haben den wirthschaftlichen Niedergang, glaubt die bürgerliche Genialität, d. h. die Beschränktheit de« Philister- thums, AlleS gefunden zu haben, wenn fie ein Symptom, ein Kenn.eichen, eine Begleiterscheinung de« Verfalls mit Ach und Weh! konstatirt hat. Da« heißt da« Pferd von hinten aufzäumen. Ein weiterer beliebter Kniff des mobilen Kapital« ist eS, die Schutz, ölle für alles Elend dieser Welt verantwortlich zu machen. Nun find wir die Ersten, welche die eingreifende Schädlichkeit der jetzt herrschenden Schutzzöllnerei anerkennen, die wie ein Alp auf dem Volke lastet und die nothwendigsten Lebensmittel vertheuert: haben wir doch in diesem Blatte dieS stcuerpolitische Chinesenrhum unserer neureichSdeutschen Gesetz« gebung aul's Entschiedenste bekämpft. Aber alle Uedelftände auf daS Piodukiionsiystem abzuwälzen, heißt Vogelstrauß. Politik treiben, heißl die Hauptsünd« bestehen lassen und stch damit begnügen. einen Sündmdock in die Wüste der allgemeinen Mißbilligung jagen. Di« beiden feindlichen Brüder, daS immobile Kapital, die Gruppe der ____„___ � gesetzt» auf dte"land- und forstwirthschaftlichen Ardeiter— Unterdrückung deS Volke«, selbstsüchtige Jntereffenpolitik auf Kosten des kleinen Manne« vor. Dasheißt, Jeder möchte gern die saftigsten Bissen auf seiner Tafel sehen, und da» ist vom privatwirthschaftlichen Standpunkt ja recht hübsch. Wir leben augenblicklich im Zeitalter der junkerlich. klerikalen Agrarpolitik, in welchem der Großgrundbesitz darnach trachtet, durch die Besetz- Maschine seine Privilegien zu oermehren, zu stärken und zu stabilt. siren. Bruder HandelSmar.n und Bruder Fabrikant ärgern fich über Bruder F-udglherrn, den die Mutter Gesetzgebung so sehr vor- zirht. DaS ist de« Pudels Kern. Er sah anch stet» ganz evtsitzlich««langweilt au» und als er sich am erste» Abend mit dem Verwalter, dem Ad- junkien und Tante Kata znm Nachtmahl setzte, da hatte er so eine Art Miene auf, wie die Leute, welche sich denken: „Hol' der Teufel die ganze Welt, ich kümmere mich keinen Pfifferling darum." Und auch al« Margit, die Tochter der Taute Kata, leise in das Zimmer hineingeschwebt kam, schwand der Autdruck der Langeweile nicht aus seinem Gesichte. Er sagte blo» einige verbindliche Worte, al« sie ihm vorgestellt wurde und sah kaum einmal zu ihr hinüber, al» sie da an der untern Ecke de« Tische saß. Er war der richtig« blasirt« Kavalier aus der Großstadt. A« späten Abend ging er noch in den Garte» hinaus, Luft zu schöpfen, den Mond anzustaunen, weiß Gott wozu, und als er an de« Zaun ge- langte, welcher de« Garten gegen die Felder abschloß, machte er Halt. Er bemerkte zwei G-staltea. Margit war e» und der'Adjunkt, Herr Derö. Sie schienen eben ei» Gespräch beendet zu haben. Der Adjunkt reichte Margit die Hand, küßte sie zweimal herzhaft auf den Mund und sprang dann über de« Zaun, um läng« der Felder auf de« Hof hinau» zu gelange«. Es machte Herrn v. Kendy Spaß, die Kleine zu erschrecken. Er trat von rückwärts unbemerkt auf fie zu und legte plötzlich seinen Arm um ihre» Hal«. Er kam schön an! Margit erschrack so heftig, daß sie einen laute» Schrei ausstieß und obnmächtig zu Bode» sank. Das Blut wich ihm au« dem G. sichte, al» er da» Mädchen vor sich auf der Erde liegen sah. Er nahm sie auf seine Arme und lief mehr al« er ging in das Kastell, wo er sie behutsam auf das Sopha niederließ. Tante Kata war bald zur Hand und einige Tropfen Wasser genügte«, Margit wieder ins Leben zurückzurufen. Sie wagte ihn aber, der vor ihr stand, gar nicht aazuseheo. Sie schloß hastig die Augen und lag still, während Kendy kein Auge von ihr ließ und Tante Kata bereit« wieder in die Küche hinausgegangen war. Er machte sich Vorwü'.se, daß er da« arme Kind so sehr erschreckt hatte und erwartete nur ihr völliges Erwache», um sich mit einigen geeigneten Worten zu entschuldigen. Er dachte auch viel darüber»ach, was er ihr eigentlich sagen wollte, aber eigenthümlich: zum ersten Male ,n seinem Leben wollte ihm nicht« Kluges etnfallen. So saß er denn still ihr gegenüber und ließ keinen Blick von ihr, die bleich und beinahe regungslos vor ihm lag. Er wußte nicht, wie Der sreihändlerische Handelsstand eifert von seinem Klaffenstandpunkt mit eben solchem Recht gegen den letzten Zolltarif, wie die Arbeiter von dem ihrigen. Deshalb darf man nicht zu ernst den Ausspruch nebmen: „Jedenfalls würden wir jede Rückkehr zu freierer Ver- kehrigestaltung und ein vorfichtiges E nlenken auch der deut» scheu Wirtbschaftspolitik in sreihändlerische Bahnen mit leb« hafter Freude bcgrüßm, nicht so sehr im direkten Interesse de« Handelsstandes, als im Jntereffe der Gcsammtbevölleruna, auf deren gleichmäßigem Gedeihen auch dasjenige deS Handel» beruht." Parlamentsberichte. Abgeorduetenhau«. 87. Sitzung vom I.Juni, 11 Uhr. Am Ministertische von Goßler und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht zunächst die driite Brrathung de« Gesetzentwurfs, betreffend daSDtensteinkommen und die Pension der Lehrer an den öffentlichen nicht» staatlichen höheren Lehranstalten. Als erster Redner nimmt das Wort '[. v. Sch encken dorff: Es will mir scheinen, daß die beiden Henen, welche bei der zweiten Lesung gegen den Entwurf gesprochm haben, gar zu einseitig den Siandpunlt der Gemeinden vertraten und viel zu wenig die zahlreichen Vor« gänge in diesem Hause, sowie das hier zu wahrende Unter- richisintereffe in Milbetracht gezogen haben. Den Standpunkt der Gemeinden vertreten auch wir, und ich habe noch neulich im Namen meiner politischen Freuude darauf hingewiesen, daß wir die möglichst ausgiebigsie Unterstützung der Gemeinden seitens deS Staates für die Vorbedingung zur Zustimmung m diesem Gesetze halten. Was aber das Unterrichtiintereff« betrifft, so mache ich die Gegner noch darauf anfmeiksam, daß der Art. 23 der Verfassung ausdrücklich bestimmt, daß alle öffent- lichen und Privatunterrichts- und Erziehungsanstalten der Aufstcht des Staate? unterliegen. Wenn nun der Staat im Einzelnen das AuffichtsrechtS dadurch ausübt, daß er die Lehrpläne aufstellt, daß er die gesammten Schuleinrichtungen überwacht, daß er die Disziplin in der Hand hat u. A., so hat er doch ganz zweifellos auch das Recht, dafür zu sorgen, daß ein Theil der Anstalten nicht in ihrer Qualträt zurückgeht. Das muß aber nothwendig geschehen, wenn die ntchtstaatlichen Lehrer dauernd ungünstiger gestellt find als die staatlichen. Deshalb hat die StaatSregierung schon fast seit Dezennien auf dem Verwaltungswege auf eine solche Gleich�ellung hinpewirft, und das hohe Haus Hai bei den PetittonSberathungen über den Normalitat und den Wohnungsgeldzulchuß noch immer in seinen zahlreichen Resolutionen die Bemühungen des Herrn Unterrichtsmintfiers als gerechtfertigt anerkannt. Aber der Erfolg ist, nachdem er beim Normaletat erreicht war, doch beim Wohnungigeldzuschuß hinter den Erwariungen zurückgeblieben, und da« Haus beichloß noch vor zwei Jahren dri einer P-. tttion, für welche ich selbst Referent war, daß, wenn die ein« geleiteten Verhandlungen mit den Kommunen nicht bald zum Abschluß gelangten, die Angelegenheit auf dem Wege der Ge« setzgedung aeregett werden soll. Die Verhandlungen find nicht zum Abschluß gekommen, und wir haben auch nicht die Neigung, den Rückgang jener Anstalten erst ad- zuwarten, und so ist dieser Gtsetzentwurf nicht nur durch dm Art. 23 der Verfassung gerechtfertigt, sondern:r bildet auch eine Präventtomaßregel, welche jene Anstasten vor einem sonst unvermeidlichen Rückgänge schützen soll. Der Herr Kollege Kropatscheck hat bei der ersten und zweiten Be- rathung die Agitationiwcise der Lehrer vielfach gerügt und hiervon haben stch auch weitere Kreise der Lehrer berührt ge- fühlt, die gar nicht gemeint waren. DieS möchte ich konstaiiren. Der Herr Kollege hat vielmehr nur einige H-ißköpfe im Sinne aehadt, die mit übertriebenen Anforderungen an daS HauS herangetretm find. Er hat also nicht den Stand als solchen gemeint, den wir Alle als den würdiger Träger idealer Ge- stnnung und de» nationalm Gedankens der Jugend erachten und anertennm, sondern nur jene Heißköpsc. Deren giedt es aber doch in jedem Jnteressenkreise immer einige und sett das kam; er mußte sich zuweilen abwenben von ihr, geradezu als ob er durch seine» Blick dieses keusche, stille Mädchen entweihen würde. Wo war sein alltäglicher Leichtsinn? Er fragte sich selbst, wo er hingeschwunden sei. Er, der Do» Juan, der vertraute Freund von einem halben Dutzend schöner Tänzerinnen der großen Oper von Paris, stand da zum ersten Male in seinem Leben vor einem Mädchen, welche« ihm eine herlige Scheu einflößte. Da« war eine ganz andere Schönheit al« die bestrickenden Mädchen von Paris. Wenn seine früheren Damenbtkanntschaften vollauf- gedlühte glänzmde Rose«, erfüllt von berauschendem Duft warm, so war die« eine stille verschlossene Knospe, welche da« Auge durch ihre Zartheit bestrickte, welche alle Henlich- keite» eine« Liebesparadiese« nicht zeigte, sonder» bloß er- rathea ließ. Margi»'« Gestalt war von einer zarten eben- mäß ge« Rundung, so feenhaft und doch so irdisch schön, daß fie bezaubern mußte. Ihr liebliche», ovale« Antlitz war bleich und nur von einem ganz, ganz leisen Roth ange- haucht, um so schärfer trat aber dai Roth der L>ppea her» vor, die in ihrer Frische einer erst gepflückten, aufgebrochene» Kirsche glichen. Die kleinen weißm Zähne, welche au» dem leicht geöffneten Mund hervorschimmerten, sahen fich wie ei» zariweiße« Rosevblatt an, das vom Zephir auf eine dunkle rothe Blume gehaucht worden ist, und ihre süßen, stillen, sinnige» blauen Augen gliche« dem lauschigen Wal- deSdunkel, wo dnrch die schattigen Bäume ein gläazmder Sonnenstrahl bricht. Da« goldhelle Haar hatte fich gelöst und wallte schwer über de» weißm Nc-ckm zum Boden hin- unter und die goldene Fluth überschimmerte da» herrlich schöne Mädchenantlitz wie mit einem stillen Heiligenschein. Halb glich sie Corregio's Magdalena und halb Tizian'S VmuS, wie sie da so schön so engelhaft und doch so irdisch verlockmv auf dem Sopha lag. Der wogende Busen drohte dai Kleid zu sprengen und die edelgeformtea Füßchen, weiche aus dem Klerde hervorlugte», zuckien zuweilen wie von einem leisen Schauer bemegt. Konnte ein Weib so schön, so herrlich, so himmlrsch sein? Herr v. Kendy barg da« Haupt in beivm Händm, neigte es tief und e« schim, als ob durch die geöffneten Finger die Thränea leise zur Eide perlen würde«. Er saß manche Stunde so und als er endlich aufblickte, war e» still um ihn her. E« mochte bereit» Mitter- Jahren haben sowohl daS Ministerium wie daS hohe HauS jene Bestrebungen an fich als ge rechtfertigt erachtet. Darum möchte ich jene Agitationen, denen wir doch heute im Wesentlichen in ihren Zielen auch nachkommen wollen, nicht so tragisch nehmen. Allerding« habe auch ich für jene Kreise den Wunsch, dah dieselben fich um die vitalen Interessen de« Standes und de« Beruf« gruppiren, und nebensächliche Dinge, wie z. B- Titulaturen, nicht aar zu sehr in den Vordergrund schieben möchten. Der Hen Minister hat die gründliche und klare Behandlung diese« Entwurfs in der Kommisston und im Hause anerkennend her- vorgehaben. Ich möchte nicht unterlassen, hieran die Bemerkung zu knüvfen, daß neben dem Herrn Antragsteller de« sonders auch die Herren Regierungikommrffare an den Kom» misfioniberathungen einen hervorragenden Anthril hieran ge» badt haben. Die« bestärkt mich in der Hoffnung, daß auch da« Staatßministertum dem Entwurf seine Zustimmung nicht ver- sagen werde. Ich bitte das hohe Haus, dem Entwurf auch in der heutigen Leiung zuzustimmen. Abg. E n g l e r: Ich werde mit memen Freunden gegen diesen Gesetzentwurf stimmen. Wir halten jede weitere Be- lostung der Kommunen für unthunltch. Nicht eine neue Be> lastung, sondern eine weitere Entlastung der Kommunen halten wir mit der Regierung für angebracht. Deshalb wollen wir dies« Sache vertagen, bis die Grund- und G.bäudesteuer den Kommunen überwiesen ist. Auch der Uebernahme der durch den Gesetzentwurf indizirten Ausgaben auf die Staatskasse können wir nicht daS Wort reden. Di« Unterrichtsoerwaltung hat zunächst näherliegende Aufgaben zu erfüllen. Der Gesetzmtwurf wird hierauf in seinen einzelnen Be- stimmungen und im Ganzen angenommen. ES folgt die dritte Berathung der Gesetzentwürfe, betr. die Feststellung eines Nachtrags zum StaathauS» halt pro 1886/87. Abg. Kantak: Es liegt mir nur daran, gegen alle im Laufe der Polendebatten gegen uns erhobenen Beschuldi« gunaen und Verdächtigungen Protest zu erheben. Der KultuS« minister hat mit besonderer Hartnäckigkeit immer wieder den Marzinkowiti'schen Verein gegen unS inS Feld geführt. Ich frage, ist eS wirklich nothwendig. gegen einen Privatverein staatliche Mittel aufzubringen? Wir Polen genießen kaum etwas von den Stiftungen der Deutschen; wenn wir nun die Wohlthaten der deutschen Bildung unseren Kindem zugänglich machen, kann man uns daraus einen Vorwurf machen? Ich bestreite entschieden, daß der Verein irgend welche Agitation treibt. Nach der Instruktion geht derjenige de« Stipendium« verlustig, der religiös oder politisch demonstratio auftritt, oder demonstrativ an öffentlichen Versammlungen fich betheiligt. Ein Blick in die Kataloge und Inhaltsverzeichnisse bewerft, daß dieser Verein rein wissenschaftliche Zwecke verfolgt. Der studentisch polnische Verein in Berlin hat fich sogar 'freiwillig unter staatliche Aussicht gestellt. Es ist auch einmal ein Kommissar in einer Versammlung dieses Vereins gewesen. ES wurde ein Vortrag über Goethe'S „Faust" gehalten, und da ist er nicht mehr wiedergekommen. (Heiterkeit.) Ich richte an die polnische Jugend die Bitte, der sie, wie ich hoffe, wie immer entsprechen wird, sich auch für die Zukunft jeder Agitation zu enthalten. Daß die Polen den Zwiespalt mit den Deutschen erweitern wollen, bestreite ich dem Abg. v. Tiedemann entschieden. Wenn ein solcher Gegensatz besteht, so ist es sicher die Schuld der höheren VerwaltungZ- stellen, insbesondere auch deS Regierungspräsidenten von Bromberg. Abg. v. Tiedemann(Labischin): Der Abg. v. Schor- lemer hat in der zweiten Lesung eine Rede de« Minister« Präsidenten zu Gunsten der Polen vom Jahre 1867 zitirt. Er hat übersehen, daß ich selbst gesagt habe, wie fich seit zwanzig Jahren die Zustände ganz außerordentlich verändert haben. Zur Zeit, als der Ministerpräsident sprach, war ein großer Theil der Bevölkerung der polnischen Landestheile der künst- lichen Verführung in der That nicht zugänglich. Die Bauern standen noch unter dem Gefühl, daß fie Preußen die Be« freiung von dem schmachoollen Zustande der Sklaverei verdankten. Seitdem ist eS der polnischen Bewegung mit außerordentlichem Geschick und bewunderungswürdiger Energie gelungen, einen polnischen Mittelstand zu schaffen, de« stehend auS Krämern, Handwerkern, Schankwirthen u. f. w. in den kleinen Städten, wo wiederum die gebildeten Element«, die polnischen Aerzte, Rechtsanwälte die Führung übernommen haden und alles aufbieten, um die Abneigung, ja den Haß gegen die Deutschen zu schüren. Die Bilder deS Kaiser? und LeS Kronprinzen werden aus den Lokalen entfernt, ein Bauer kann fich gar nicht denken, daß der neue Erzbtschof ein Deut- scher sei. Der vorzüglich von einer Stelle geleitete und orga« nifirie Marzinkowikr'sche Verein bildet den Mittel- und Sammel« runkt der polnischen Agitation. Man wende mir nicht ein, daß der Kulturkampf auf diese Agitation von Einfluß sein nacht sei«. Margit hatte da« Zimmer so leise verlasse», daß er e« nicht einmal gewahrte. Etwas wie eine heiße, unnennbare Sehnsucht kam über ihn, al« er auf den Kastell« hos i» die stille, heilige Nacht hinaustrat. Alle« athmete tiefe Ruhe und nur zuweilen wurde fie vom Schluchze« einer fernen Nachtigall oder von dem melancholische« Gc- zirpe einer Grille unterbrochen. Er preßte beide Hände an seine Schläfe und stand lange wie in tiefes Hinbrüte» ver- funken, doch endlich stürzte er aus dem Kastellhof hinaus und lief ruh- und rastlos die einsame Dorffiraße und die verlassenen Feldwege entlang. Im Osten bildete fich bereits ein bleicher Streifen am Himmel, als er wieder heimkehrte. Er vermochte nicht zu schlafe» und es war noch früh am Morgen, als er sich bereits mit Tante Kata in tiefem Gs- spräche befand. Sie saßen im äußerste» Zimmer des Ka- stells bei einander und als ste«ach stundenlangem Gespräch schieden, da sah man Tante Kata fliegenden Athem« zu ihrer Tochter in den Garten eile». Sie fiel Margit um den Hals, daß diese nicht anders memte, ihre Mutter sei plötz» lich verrück, geworden. Aber nur zu bald sollte fie von dem wahren Sachverhalt überzeugt werde». Herr v. Kendy hatte um Margit's Hand anaehalte» und Tante Kata schwur ihrer Tochter hundert Eide, sie werde sich tödtea, wenn fie die Liebschaft mit dem Adjunken nicht aufgebe und der Werbung deS Herrn von Kendy kein Gehör schenke. E« war eine sehr bewegte Ezene, welche fich zwischen Mutter und Tochter abspielte. Margit weinte, al« ob ihr da« Herz brechen sollte und al« fie endlich ruhiger wurde, da rvankte sie auf ihr Zimmer und schloß sich ein und trotzdem sie ihre Mutter flehentlich bat, sie einzulasse», gab sie ih, kein Gehör. Sie erschien erst«ach zwei Tage« wieder unter de» Leuten. Sie war bleich wie eine Todte, aber ruhig, und al« sie Herr v. Kendy bebend vor Aufregung und Furcht fragte, ob sie sei» Weib werden wolle, da— hatte sie„ja" gesagt. So leise, so schmerzlich klang dieses.Ja", als ob sie mit diesem Worte ihre Seele aushauchen würde. Sie hatte den Bitten ihrer Mutter, welche vom Gut gejagt zu werden sürchiete, nachgegeben, da« kindliche Gefühl konnte es nicht zulasse», die Mutter vielleicht darben zu sehe«, sie harte eingew'lligt, die Gattin des Hen« v Kendy zu werden, am selben Tage aber, da sie ihre Verlobung feierte, war ihr Geliebter Paul Derö au« Saroslak ver« schwunden.(Schluß folgt.) konnte. DaS wahre ist nur, daß die deulföe Verwaltung die deutsche Sprache rellamtrt hat. ES ist nunmehr eine Wandlung eingetreten, welche auch das Zentrum bef'iedigen muß(Wider- spruch im Zentrum)— da« ist charakteristisch für die Hallung de« Zentrum«— und ich kann die polnischen Herren nur bitten, dahin zu wirken» daß der christliche Geist der Duldung auf polnischer Srite einmal hervortrete. Bi« jrtzt haaen wir unter der Wirksamkeit der polnischen Geistlichen nur die Saat de« Haders aufgehen sehen. Gewiß, ich habe eine ge- wisse Sympathie für den glühenden Patriotismus der Polen. Ader dann seien Sie doch ehrlich genug, ihre Ziele offen zu bekennen und muthen Sie uns nicht zu, daß wir Ihren Be- stredungen mit verschränkten Armen zuschauen. Zur Illustration der deutschfeindlichen Bestrebungen der Polen möchrc ich noch einmal den Fall Jackorowo anlühren. Der Abg. v. Jajdzcwskt destritt mir, daß, ali diese Gulsherrschaft 1879 in polnische Hände überging, sofort die deutschen Ardeiter entlassen wurden. Ich habe mich nun an den Drstrikttkommiffar gewandt, der meine Angaben vollständig bestätigt hat; 26—30 Arbeiter« familien traten binnen kurzem ein, jetzt st..d 45 Familien auf der GutSherrschost. Da die den Polen Distriktskommiffarien Ha- Wahrhaftigkeit infinuiren— ich weise di-s zurück—, so habe ich mich zum Uederstuß auch an den polnischen Administrator gewandt. Dieser bat mir attesttrt, daß er die Kündigungen in dem behaupteten Umfange vorgenommen bat. Daß dieser Ge- setzentwurf dem Polenthum ein Ende machen wird, behaupte ich nicht, wohl aber, daß er den akuten Gegensatz zwischen Polen und Deutschen beseitigen wird.(Beifall rechts.) Abg. Wtndthorst: Es ist sehr fignisikant, daß ein Ab» geordneter, der zugleich eine hervonagende Verwaltungsstelle im Posenschen einnimmt und deshalb den Beruf hat, dort ver« söhnend und gewinnend wirksam zu sein(sehr richtig! im Zentrum), in einer solchen Schärfe hier seine volle Abneigung und seinen Gegensatz zum Ausdruck dringt.(Sehr gut! im Zentrum.) Ist e« denkbar, daß ein LandeSiheil gewonnen werden kann, wo man an hervorragender oder noch hervor« ragenderer Stelle solche Männer hat!(Sehr gut I im Zentrum.) Dem Herrn v. Schorlemer Unrichtigkeiten nachzuweisen, ist Herrn v. Tiedemann nicht gelungen, daS bemängelte Zitat hat der Herr Ministerpräsident selbst bereit« ausdrücklich anerkannt; et exkulpirt die Polen wenigsten« bezüglich der Zeit vor 1867, die den Polen jetzt immer vorgehalten wird. Ich wünsche, daß die Polen auS ihrer Vergangenheit die Lehre ziehen mögen, niemals irgend ein gewaltsames Unternehmen zu wagen; nur durch volle Loyalität können fie aufrecht erhalten, wat ihnen gebührt und wir sind nur dann verpflichtet und be- rechtigt, ihnen zu helfen, wenn sie diesen Rath befolgen. Allge. meine Behauptungen, auch wenn fie von einem Manne auS- gehen, welcher an der Spitze der Bromberger Regierung steht, gelten für mich nich'.S.(Sehr wadi! im Zentrum.) Nur That- fachen beweisen für mich etwa«. Die Geschichte von dem Bauer, der gesagt hat, er könne unmöglich glauben, daß der neue Erzdischof von Posen ein Deutscher sei, beweist nur, daß Herr von Tiedemann erst jetzt erfahren hat, daß im Posenschen deutsch und protestantisch ebenso identisch find, wie polnisch und katholisch. Al! ich zum ersten Male hier war, hatte ich eine Aufwärlerin au« dem Posenschen, ste hielt mich für polnisch, weil ich Katholik bin, und nannte fich deutsch, denn fie war eine Protestantin. Dadurch kann doch aber leine polnische Agitation erwiesen werden, sondern«S bezeichnet die« einfach einen Gegensatz, wie er dort seit Jahren, vielleicht seit Jahr. Hunderten zum Ausdruck gekommen ist. Daß eine Abneigung gegen Deutsche besteht, kann gar nicht auffallen, wenn man be«' denkt, daß die preußische Regiemng seit Jahren nur protestan- tische Beamte nach Posen schickte und DistrtktSkommissare an- stellte, um all' die Dinge zu ermitteln, die uns dann vom Herrn Kultusminister oder dem Herrn Präsidenten der Bromberger Regierung hier vorgelesen werden. Wenn Männer in hervorragender Stellung hier derartig auftreten, so kann man fich über den Gegensatz in der Provinz Posen nicht wundern. I« spreche dies ruhig auS, obwohl ich weiß, daß ich wieder als Reichsfeind des Polonismus werde deschuldigt werden; aber ebenso dachte und sprach der verstorben« Herr v. Gerlach, an dessen Patriotismus Herr v. Tiedemann doch wohl nicht zweifeln wird. Daß fich eine Art von Mittelstand in der Provinz gebildet hat, ist doch nicht zu bedauern, wenigstens beklagt man in anderen slavischen LandeScheilen den Mangel eines solchen. Im übrigen hat Herr v. Tiedemann nur Behauptungen aufgestellt, daS find Prasen (Heiterkeit), wie der Herr mir gegenüber auch einmal sagte. E« giedt Dinge, die man eben für Phrasen hält, weil man den Inhalt nicht versteht.(Große Heiterkeit.) Wie man meinen kann, der Kulturkampf habe im Posenschen nicht zur Ver« schäitung der Gegensätze beigetragen, verstehe ich nicht. Durch daS letzte Gesetz ist ja durch unseren Kaiser und den Fürsten Bismarck, dessen Ruhm nicht geschmälert werden soll, ein wesentlicher Schritt zum Frieden gethan worden, aber nun kann doch nicht mit einem Male altes anders sein. Erst muß noch die verheißene Generalrevifion der Maigesetze folgen, >ollte dteS Fürst Bismarck nicht thun, so ist unser alter Kaiser doch Mann'S genug, die Durchführung derselben zu erzwingen. Durch daS Hundrrtmilltonengesetz wird der Gegensatz erst reckt verschärft, die Erscheinungen werden akut werden. Des« halb richte ich nochmals die Bitte an die Polen, fich nie zu Ungesetzlichkeiten und Gewaltthätigkeiten hinreißen zu lassen. (Beifall im Zentrum.) Abg. Kantak hält gegenüber dem Abg. von Tiede- mann seine früheren Behauptungen hinsichtlich des Falles von Jackorowo aufrecht, er wolle ihm aber, um die Sache näher zu prüfen, seine Quellen nennen, es ist Graf Kwilecki selbst und der Inspektor, welcher ohne Grund entlassen worden sein sollte. Daß die Bauern in Polen erst durch Preußen frei geworden seien von schmachvoller Sklaveret, sei eine volllom- mene Unwahrheit, die polnischen Bauern seien bereit! durch die Verfassung vom 3. Mai, vor der preußischen Zeit, frei ge« worden, während den preußischen Bauern dieS Glück erst nach der Napoleonischen Zeit zu Theil geworden sei. Daß die Polen fich in Vereine zusammenschlössen, könne man ihnen doch nicht verdenken, thäten doch die Deutschen dasselbe und genössen dabei noch den Vorzug, von der Regierung unterstützt zu werden.(Sehr gut I bei den Polen und im Zentrum.) Nach Schluß der Diskusflon und einigen persönlichen Be- merkungen tritt da» Haus in die S p e z t a l d i s l u s s i o n. Der Wortlaut der beiden Titel 16a des Kap. 119 und 8a Kap. 120 ist folgender:„Zur Ergänzung deS Fonds Titel 16 (bezw. 8) für Studirende(bezw. Schüler höherer Lehranstalten) deutscher Herkunft zum Zweck späterer Verwendung derselben in den Provinzen Wcstvreußen und Posen, sowie im Regie- rungSbezirk Oppeln 100000 M." Abg Nad by l beantragt, statt deS Worte«„im" hinter „sowie" zu sagen:„für Studirende(bezw. in Titel 8a„kür Schüler höherer Lehranstalten") au» dem Regierungsbezirke Oppeln" unv begründet denselben mit dem Wunsche, dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß die Oderschlefier fich stets lcyat preußisch bewiesen und von polnischen Agitationen fern gchalren baden. Er bitte auch um eine zustimmende Erklärung des Minister». Kultusminister v. Goßler: Nach Angabe dieser beson- deren patriotischen Begründung de« Antrages kann ich erklären, daß ich gegen denselben nichts einzuwenden habe.(Beifall.) Abg. M i t h o f schlägt eine etwas anders redigirte Fassung deS Antrage» vor. Dieselbe wird jedoch unter Annahme deS Antrages Nadlyl« v. Rauchhaupt verworfen; mit dieser Aenderung wer dm die beiden Etatttitel angenommen. Die übrigen Positionen des NachtragSetaiS werden ohne Debatte genehmigt, ebenso daS dazu geh ö. ige Gesetz, sowie die ganze Vorlage in Gesammtabstimmung, und zwar gegen w Stimmen der Polen, deS Zmtrums und der Freifinntgen. Der Gesetzentwurf für die P r o v i n z H e s s e n« N a s s au gegen die mit Ausschluß der ehemals bayrischen Äedielsthelle, betr. bk Verletzung der Dienstpflichten de« Gesindes, durch welchm im Falle hartnäckigen Ungehorsam« oder alW«' spenstigkeit, desgl. im Falle willkürlicher Versagung oder M laffuna de« Dienstes Geldstrafe bis zu 15 M. oder Hast°>s zu 3 Tagm angedroht wird, ist von der XVI. Kommisston u«' verändert gutgeheißen..., Abg. Cahensly bestreitet in der zweitm Lesung W Vorhandensein de« Bedürfnisses einer Aenderung der M Hessen Nassau bestehmden Vorschriften und empfiehlt die lehnung der Vorlage. Geh. Rath v. d. B r i n ck e n findet eS auffällig, daß ß# einen Entwurf, der lediglich, wie schon früher ein gleicher st» Schleswig Holstein, den immer stärker auftretenden Klagen ill« die Unzulänglichkeit der hierher gehörigen, in Geltung bestm' lichen Bestimmungen seine Enlstehung verdanke, so Ausstellungen erhoben werden; das Bedürfniß stärkeren Rech» schütze« der Herrschaften durch Androhung strafiechlstch» Ahndung der beregtm Delikte sei in jeder Beziehung starßp stellt; die übereinstimmendm Äeußerungm der kommunalen Körperschaften wie der Provinzialbehörden legtm dafür d« bündigste Zeugniß ad. Der Gesetzentwurf wird unverändert angmommen.. Es folgt die Berathung deS Berichts der verstarve" Geschäftsordnungs-Kommisfion, beirefiend tili« anderweit« Fassung deS§ 27 der Geschäfts' ordnuna.. Der Antrag der Kommisston, den§ 27 unveränver> zu lassen, wird ohne Ditkusfion zum Beschluß erhoben..„ Die Wahlen derAbgg. Rintelen und van Vleute" im Wahlkreise Neuwied-Altenkirchen werden nach demAistw der Wahlprüfungskommisfion beanstandet. Damit ist die Tagesordnung«Ii' M ...„ erledigt. Auf die Tagesordnung der morgenden Sitzung nach dem Vorschlage deS Präsidenten zunächst drei JK®1' misfionSberichte über Petitionen und darnach der Antrag tC' Hammersttin, betr. die Stellung der evangelischen Kirfl«" nommen werden.„ Der Wunsch deS Abg. von Hammerstein, seinen 9"% morgen an erster Stelle zu derathen, findet Widers� der von der geschäftsmäßig genügenden Anzahl von 30% gliedern(Freifinnige, Nationalliberale, FreikonservMi unterstützt wird; eS bleibt somit beim Vorschlage de«$ fiventen. Schluß 2'/» Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch H � (Petitionen und Antrag v. Hammerstein.) Parlamentarische». Sitzung der Branntweinsteuerkommissi� R i ck e r t(bfr.): Die Branntweinsteuererhöhung selbst i»'' MoSler'schen Form belaste der armen Bevölkerung R?L deutschlands ein nothwendige« LebenSmlltel, denn in deutschland wird wenig Branntwein getrunken. Wer da dem wird gegeben, dem Armen wird noch das genommen, r: er hat, besonders zu Gunsten der seldstständigen GutSdezü» Deutschland. Es wird projektirt, die Grund- und Geba»� steuer den Kreisen zu überweisen. Vier StandeSherren � Preußen allein zahlen über!>/, Millionen Grundsteuer. haben allerdings einen Vortheil. Eine Zerrüttung der ga»! preußischen Staats wirthschaft wird die Folge sein.„ v. Mirbach: Es ist richtig und zu wünschen, daß Sü deutschland durch dieses Gesetz einen Vortheil erlangt, in» daS bar.erische Bier und der Wein den Branntweindedarf e. schränkt. Die Gutibefitzer müssen unterstützt werden, denn ist vorgekommen, daß ein selbstständiger Gutsbezirk in etne� Jahre mehr für«inen vchulbau hat bezahlen müssen, Gesammtetnnahmen des Gutes betrugen. m ,„« Buhl(nationallib.): Es ist feststehend, daß die Wl rungsoorlage nicht angenommen wird. Der MoSlerW■%! schlag würde nicht ausreichen, um daS zu erwartende DW deS Reiches zu decken. Wir beantragen statt 25 Pf. OOPf-P, Liter, um noch etwas für Kreis und Gemeinde übrig zu dehallenu um die unteren Stufen der Gemeindesteuer aufheben zu könn Dr. M o S l e r(Zentr.) rechnet nach dem Vorschlage' Zentrumspartei etwa» über 30 Millionen Einnahme htraus- Die GeneraldiSkusfion wird geschloffen. Antrag Rickert, die Regierung zu fragen:.... Welche Ausgaben stehen noch im Reich für Militär» Marine bevor? Welche in Preußen für Kreis und Kommune? wird mit 13 gegen 11 Stimmen angenommen. -1 Incdl i 3 Deutschfretfinntge, 7 Zentrum, 1 Pole, 2 Sozialdernokri Spezialdiskusston über§ 1. Delbrück(kons.) gegen den Antrag des Zentrums. A Barth(bfr.) rechnet bei dem Zentrumsantrag(£,.[,( per Liter) eine Einnahme von 62'/, Millionen Mark nach Abzug der Erhedkungskosten in der Höhe von 12 Mark 50 Millionen Reineinnahme heraus._ Sattler(natlib.) ist für die Höhe von 60 W Liter.«n- Kayser(Soz.) erklärt für seine Fraktion, gegen de» jjp trag Mosler Limmer» zu müssen, da hier nur eine«tue � lastung des Volkes vorliege. Er müsse fich wundern, daß.x, Zentrum, welches die hauptsächlich Branntwein konsuw»,(j, Bevöikerung von Oberschlesten und ähnliche Gegenden w solchen Antrvg stellt. tij' Buhl(natlib.) wünscht, daß die Steuer für ganz land eingeführt werde, sehe aber dazu keine MöglichM�? bedauere, daß Nord- und Süddeuischland durch eine©•' Karriere getrennt würden. § 1, Satz 1, des Antrage» der Konservativen:»der Br»„z wcin unterliegt einer Verdrauchsabgabe", wird mit 1? v 9 Stimmen angenommen: dagegen stimmen DeutschfreV.-if und Sozialdemokraten. Nach».„(«-unil".,1 Ablehnung deS RegierungM von �,20 M. mit allen gegen 8 Stimmen und des SUD der Nalionallideralen(60 Pf.) mit 12 der Autrag deS Zentrums(25 Pf.) m angenommen. Dagegen Deutschfreifinnige,_ und die Mehrheit der Nationallideralen. Der»v..«.„ die Genossenschaften der Brennereien betreffend, 16 gegen 10 Stimmen abgelehnt. ntaMl\ Branntwein, welcher zu gewerblichen Zwecken, tungen, Heil-, wissenschaftlichen und Brennzwecken ve�. werden soll, wird von den Verbrauchssteuern sreigeWi W Der Antrag Buhl, wonach diese Verdrauchsabga dem Ucbergang in den freien Verkehr zu entrichten(?„ l> die Brenner die ersten Zahler) find, wird mit 15 0e0 Stimmen angenommen..., aCm Gr.Strachwitz(Zentr.) begründet seinen Antrag,.�,1 die Brennereien nach ihren Umfängen in 8 Stufen 0 M' werden sollen, und die Maischraumsteuer verschieden» messen ist, für die kleinsten Brennereien auf � 100 Liter Bottigraum bis 2 M. für den gleichen Bot bei den allergrößten Brennereien, wodurch die kleinen# reien gegen die überwältigende Konkurrenz der gro« ganz großen geschützt werden, die Mais brennenden söge Sommerdrennireien noch extra belastet werden sollen, Heine(Soz.) kann der R'gierungSoorlage und dem � vativen Antrag, wonach 10 pCt. der Maischraumste. erboben werden Mlen unh die 8Iu8fiibiocrflÜlunfl 0' drenncreieit um 10 pCt. betragen würde. wiy stehe er sympathisch gegenüber. 1 Buhl(nationall.) weist auf Bayern hin, wo auch eine stufenförmige Steuer nach der Größe der Brennereien besteht und landwiribschastliche Brennereien begünstigt werden, wo stch auch die Fabritatsteuer gut bewährt dabe. Er empstehlt leinen Antrag, welcher die Kornbranntweinbrenmreien und Preß« hefefabrikation begünstigen soll. Abstimmung über Maischraumsteuer: Antrag Etiachwitz wird abgelehnt. Antrag Kleist und Gen., wonach 10 pCt. Maischraum« sttuer uneryoben bleiben sollen, wird angenommen mU 14 gegen Stimmen. Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Außerordentliche Sitzung vom Dienstag, den 1. Junn Der Etadoerordneten-Vorstehcr, Herr Lüchtemann, «öffnet die Versammlung mit einer Reihe geschäftlicher, deS öffentlichen JntereffeS entbehrenden Mittheilungen. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden einige Pen» ffonirungS-, AnstellungS« und Aufnahmegesuche in daS Nilolaui-Bürger-Hospital geschäftsordnungsmäßig erledigt. ES wird zunächst die Wah l eines Mitgliedes für die Part- und Gartendeputation vollzogen. Gemeldet hrben ffch die Stadtverordneten Gericke, G o erck i, S chmeißer und W t n l l e r. Gewählt wird nach einer Stichwahl zwischen Gericke und Winller der erstere. Auf Goerckt fielen 2 Stimmen. _ Von der erfolgten Bauabnahme der Zentral- Markthalle in der Neuen Friedrichstraße nimmt die Ver- sammlung debattelos Kenntniß. An Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Mattern ist ein Mi tg lied für die Kommission zum Zweck der Erwerbung von Grundstücken auf der Südseite des MllhlendammeS zu wählen. Gewählt wird durch Atllamation Stadtv. Solan. Einige Rechnungen werden dem RechnungSausschuß uderwiesen. Ueber die Vorlage, betreffend die Skizze zum Neubau tiner Gemeinde-Doppelschule in der Petleberger« straße ist ein Ausschuß eingesetzt worden. Als Referent des- itlden empfiehlt Stadtv. Wieck, die Skizze unter Fortfall der für die projektirten Regenbäder destimmten Einrichtungen zu genehmigen und die Verwendung eine? Areals von 4500 Lluadratmeter zu dem Bau der Doppelschule zu je 18 Klaffen anzurathen. Diesem Antrage schließt fich die Versamm- lung an. DerAuSschuß für Rechnungssachen bittet durch itinen Berichterstatter, Stadtv. Kürten, um Dechargirung «nn Anzahl Rechnungen. Dieselbe«folgt. Die Verbreiterung der Brücke über die Panke Schönhauser Graben) im Zuge d« Chauffee- und Müllerstraße ?itb nach dem Antrage des Magistrats genehmigt. Die Kosten °tira°kn 48000 M. .»er vom Magistrat beantragten Herabsetzung o# von der Berliner Pferdeeisenbahn> Gesellschaft, Kam- Bandit. Gesellschaft auf Aktien I. Lestmann und Komp. tu Charlottenburg für daS Kalenderjahr 1885 zu entrichtenden prozentualen Abgabe von der Bruttoeinnabme von 4 pCt. # 3 pCt. wird zugestimmt. Die Differenz beträgt 41887,10 M. Die Skizze zum Neubau eines Hospitals nebst Siechenanfialt an der Prenzlauer Allee wird einem Ausschuß zur Vorderathung überwiesen. Ebenso wird ein Ausschuß für die Vorlage, betreffend die Erwerbung deS von dem Grundstücke Spandau« Brücke 4/5 zur StavtbahN'Parallelstraße erforderlichen Terrains eingesryi. Reihe weiter« Vorlagen unwesentlicher Natur wer- Rommen. ,- Magisttat wünscht von der Versammlung die Er- Äm!.. �trtonigl. StaatSregierung gegenüb« die Bereit- willigleit zu«klaren, gemeinsam mit d«selben die Spree- Regulrrung in Berlin nach dem vorgelegten Projekt zur Durchführung zu bringen und städtischer- eine feste Beihilfe zu dem gemeinschaftlich auszuführenden, auf 6 400000 M. veranschlagten Untnnehmen me Summe von 3 200000 M. zu gewähren, wenn: 1. die ge« H'anle Spreereaultrung oberhalb und unterhalb Berlins fiaat- »cherseils zur Autfühlung gelangt; 2. der Stadt, nach Perfekt- werden dieses Abkommens mit dem Staat, auch schon vor Jenlung des Waffersptegel» der Spree die Errichtung fester Brücken nach der Höhenlage deS Projekts gestattet wird; 3. die Ausführung all« eigentlrchen Wafferdauten, als Schleusen, «Lehre, Laggerungen, Stromprofilirungen, Ufermauern, der paulichen Leitung der königl. StaatSregierung, die Ausführung aller durch die Spreeregulirung bedingten, ab« dem Land- ««kehr dienenden Lauten, wie namentlich aller Brücken der ltadtifchen baulichen Leitung unterstellt wird. g,.Stadtv. N e u m a n n i wünscht die Uederweisung dieser Bor age an einen Ausschuß. Die Stadtv. Kürten, Jrmer, Dr. Virchow Zinnern daran, daß bereits eine„gemischte Kom- ?>iifior." fich mit dem Projekt beschäftigt habe und palten eine AuSschußberathung deshalb für überflüsfig. - Stadtbaurath Hobrecht hält ebenfalls die Frage für ??iits entschieden und glaubt, daß eS im Interesse der Sache °�ckmSßiger sei, alle etwaigen Zweifel in öffentlicher Sitzung iar Sprache zu bringen. v, Stadtv. NamSlau wünscht den Antrag dabin verän- e«! daß die Stadt fich verpflichte, die Hälfte d« Kosten, in waxnno aber in Höhe von 3 200000 M. zu tragen. Die Zahl L" nur vorläufig angegeben. Derartige Gestchtipunkte ließen � ober am besten in einem Ausschuß klären. . Stadtbaurath H o b r e ch t«widert, ß�aß die Summe dem ,-irag der Kosten gleichkomme, den die Stadt durch den Neu« Oon AM irthfi?« rnftin srn:»Ott Brücken an Entschädigungen zahlen müßte, wenn der d7, lst:sp>egel der Spree nicht erniedrigt werde. Die Sohle Z'rlufles müffe um 1 m gesenkt werden. Der Wafferv«kehr �»Gütern werde hierdurch besonders gefördert werden. Die .habe die Prosperität der Stadt sehr gefördert. Sie •hi j* jahrlich 75 Millionen Zentner auf ihrem Rücken. Wenn bin, Maaren nur um 1 Pf. pro Zentner durch bessere Fracht » würden, wären die Zinsen eines Kapitals von 15 Mil» M�n Mark erspart. Mit den 3 200000 Mark solle die obflnbl* Stadt fixirt werden, mit der fie fich definitiv nsR,®tttMo. Hoffmann Ii hält einen Ausschuß für un- � thig. Er schweift im Uebrigen so sehr vom Thema ab, n vom Vorfitzenven zur Sache zu sprechen ermahnt «-den muß. Stadtv. N e u m a n n zieht seinen Antrag zurück. �" �nlrag�S Magistrats wird. angenommen ule Mnet c. aufhielt. Bei der Verstaatlichung der Görlitzer Bahn, so schreibt man der „Voss. Ztg.",«hoffte man eine beffne Zukunft, aber eS blieb beim Alten. Wenn auch einzelne Verbcsserungen eingeführt wurden, so wird doch gerade diese Strecke noch immer stief« mütterlich behandelt; der langersehnte Anschluß an die Stadt- bahn wurde langsam ausgeführt und dadurch die Betheiligten auf eine jahrelange harte Prob: gestellt. Die Verbindung ist jetzt allerdings da, ab« die Züge von und nach der Stadtdahn wetden von den Vororten in so ungenügender Zahl hinüber- geführt, daß die Verbindung selbst bescheidenen Erwartungen keineswegs entspricht; gegenüber d« von Jahr ,u Jahr ge- steigerten Frequenz wird fie immer schlechter. Während im Winterfahrplan 14 immerhin zweckentsprechende Züge hin und her verkehrten, von denen 6 über die Stadtbahn geführt wur- dm, ist im Sommerfahrplan, auf den man große Hoffnungen setzte, die Zahl der Züge fast dieselbe geblieben und die Zeiten find so angesetzt, daß die gewerblichen und sonstigen Verhältnisse, die stch nach oem Vorhandenen berausgedilvet haben, arg geschädigt werben. DaS lästige Umsteigen in Johannisthal, im Sommer kaum durchführbar, ist für die im Vorortverkehr weiter Fahrenden auch ferner geblieben. Allerdings find s. Z. zum Zwecke des Umsteigens auf dem un- zureichenden Bahnhof Johannisthal GeleiSanlagm gemacht worden, die jetzt um jeden Preis auch zu besagtem Zwecke be- nutzt werden müssen, obgleich üb« daS Unzweckmäßige dieser Einrichtung im Publikum nur eine Stimme herrscht. Während auf allen Vorortbahnen fich Beständigkeit im Fahrplan zeigt und nur im Sommer mehr Züge eingeschaltet werden, bleibt bei der Görlitz« Bahn die Zahl der Züge immer dieselbe, nur werden die Zeiten bei jedem Fahrplan so stnnverwirrend geändert, daß es den Anschein hui, als wenn dieser Fahrplan als ein Versuchsfeld für den Betrieb angesehen würde. Alle diese Unbequemlichkeiten entstehen wohl zum großen Theil daraus, daß d« Vorortverkehr, der als erweitert« Stadtbahn- verkehr naturgemäß vom Betriebsamt der Stadt- und Ring- bahn geleitet werden müßte, einem BetriebSamt unterstellt ist, welches fem vom Schauplatz, kaum im Stande sein dürste, lokale Verhältnisse und Bedürfnisse zu beurtheilen. Sollte es fich deshalb dei Festsetzung der Lotalfahrpläne nicht empfehlen, wie dieS ja auch bis vor einiger Zeit geschah, die Stations- und Gemeindnorsteh« d« betheiiigte Orte zu Meinungs- äußerungen heranzuziehen? Ein wetterer Uebelstand für den Volortverkehr besteht in d« Fahrplanänderung zum 1. Juni. Dieser Zeitpunkt mag seine volle Berechtigung für den Weltv«lehr haben, der Lokalverkehr verlangt jcdoch eine Aendnung zum 1. April und zum 1. Ottober, da zu diesen Terminen die veränderten Verhältnisse in Wohnung und Schule auf die unbedingt Rückficht zu nehmen ist, eintreten. Ueber die Lohnverhältntsse der Frauenarbeit haben wir nach den Ermittelungen der Privat Enquete, welche s. Z. von den Leiterinnen der nunwehr geschlossenen Arbeiterinnen- Vereine veranstaltet wurde, noch folgendes nachzutragen: Ver- bältnißmäßig gut im Gegensatz zu anderen Arbeiterinnen steht stch eine Schirmnäherin; bei 12 stündiger täglich«, auch SonntagSardeit, erzielt fie einen Wochenverdienst von 12 diS 14 M.; andere dagegen bei gleicher Arbeitszeit ab« auch nur 6-8 M. Eine verhetrathete Frau, welche einen stechen Mann zu unterstützen hat, heimst bei ihrer aufreibenden Arbeit in einer Lederfärberei wöchentlich 9 M. ein. Sie ist täglich 10 Stunden thätig. Auf Henen. Westen arbeitende Nähe- rinnen verdienen in der Saison bei 12 stündiger täglich« und Sonntagsarbeit wöchentlich 8—10 M. Annähernd so viel, 9 Mark, verdienen in Posamentierfabrtken schaffende Mädchen. Die Arbeitszeit schwankt zwischen 12 und 13 Stunden. Viel zu wenig beschäftigt man fich mit d« Lage der Plätterinnen. Die Löbne find unglaublich niedrige, die Arbeit die schwerste und führt den Körper vor« zettigem Siechthum entgegen. ES gtebt selten einen Sonntag, geschweige denn einen Festtag. Bei 14— lüstündig« Thätigkeit können eS die Bedauernswerihen auf einen Wochenverdienst von 6 M, 7,50 M.. auch 10 M. bringen. Geradezu jammervoll ist die Lage der Schürzennäherinnen. Eine immerhin sehr gewandte Arbeiterin muß 15 Stunden die Nadel handhaben» um dann am Ende der Woche 9 M. Verdienst ihr eigen nennen zu können. Das ist, wie gesagt, noch nicht zu wenig. Sogenannte„einfache Schürzen" anfertigende Näherinnen ver- dienen in der gleichen Zeit nur 6 M. Und zum Beschluß eine Dolmans- und Mäntelnäherin. Diese verdient bei 12stündig« täglicher Arbeitszeit wöchentlich— 3 M.— 2ßit brauchen dies« kleinen Statistik wohl keine weiteren Bemerkungen beifügen. Nur dies Erve: spricht nicht auS diesen dürftigen Zahlen daS Elend weiter Schichten unseres Voltes? Die miisten von den hier aufgeführten Arbeiterinnen find Frauen mit zahlreicher Familie. Entweder ist der Mann krank, arbeitslos oder sein Verdienst ist derart, daß er nicht zum Unterhalte d« Seinigen ausreicht. Da muß denn die„Hüterin des Hauses" hinaus in's Wtittagleben, in den Qualm und Ruß der Fabriken oder an die nicht minder Tod und Verd«be« bringende Nähmaschine. Ab« w« erkennt und«faßt das? Zum Brand i« der Schinkestraße. Ueber den Tod, welchen die Wittwe Schöneberg in den Flammen fand, werden nun folgende Angaben gemacht: Frau Schönebcrg hatte in ihrer Wohnunaeinen kleinen eisernen Geldkasten in der Mau« eingemauert. Während die Flamme» bereits daS Gebäude beleckten, traten zwei Kutscher, Bedienstete ihres SobneS, in daS Zimmer der alten Frau, um fie zu retten. Die Alte bat die Leute, noch einen Augenblick auS dem Zimmer zu gehen und auf fie zu warten. ES wird vermuthet, daß dieselbe noch Werthsachen in den Schrank legen od« herausnehmen wollte, was fie vor den Kutschern nicht thun wollte. Inzwischen nahm ab« daS Feuer solche Dimenstonen an, daß die Kutscher ihr eigenes Leben retten mußten; die Frau kam in den Flammen um. D« eiserne Geldkasten ist unversehrt und wohloerschlossen in der Mau« de« ausgebrannten Gebäudes vorgefunden und dem Vermögensverwalter der verunglückten Wittwe auSgeant. mottet worden. Die Wittwe Schulz, welche, um stch vor dem Flammentod zu retten, aus dem Fenster ihrer Wohnung sprang und sich schwer verletzte, wurde auf Kosten der Gemeinde R'r- darf in daS Krankenhaus Bethanien gebracht, die Aerzte hoffen daselbst die V«unglückte wieder herzustellen. Wer fich der beiden unerwachscnen Kinder derselben angenommen hat, ist dem AmtSoorsteh« zu RIxdorf bisher nicht mitgethttlt worden, so daß deren Aufenthalt der Behörde daselbst noch unbekannt ist- � Auch die Lichterfelder Feuerwehr war am Sonnabend unter Führung de« Ingenieur« im Patentamte. Herrn Bieder. mann, zur Hilfelerstung aufgebrochen, war aber, als gemeldet wurde, eö brenne in Berlin, wiederum umgekehrt. Ka,� hat sich der Entrüstung« stunn über die ..Pferdewurst", den die Enthüllungen der„D. Fleischer« 3?,iiung" hervorgerufen, etwas gelegt, und schon beschwört die „Allg. Fahr Zeitung" einen neuen Sturm herauf, indem fie über„Mafsentäuschungen" folgende» zu berichten weiß:„Den Handelsgeschäften der Kaufleute, welche dieselben mit den hiefigen Backern betr. d« Mehllieferungen abschließen, müßte eigentlich von letzteren eine weit größere Aufmerksamkeit zuge- wendet werden, als eS jetzt der Fall ist. Die Bäck«»erkaufen ver, chiedene Sotten Mehl, z.B.„Null«" und„Null Null Mehl". zum Verbacken wird ab« gewöhnlich nicht eine, sondern Obrere durcheinander gemengte Sotten genommen. Die beste Qualrtat ist bekanntlich die mit„Null- Null" bezeichnete. ES (omrnf nun ab« sehrhäufig vor, daß auS der geringeren, mit „Null" bezeichneten die beste Qualität,„Null-Null", hergestellt wird und müssen bei dieser Umwandlung die Mehlkutscher hilfreiche Hand leisten. Sowie es nach ein« Bekundung eines „schweren LastfuhrwerksbesttzerS" in einem Zivil-Pro, esse, den ein Mehlkutscher gegen seinen früheren Herrn wegen ein« Forderung auf Lohnzahlung für 14 Tage angestrengt halte, weil« auf eine 14iSgige Kündigung Anspruch machte, „Usus ist, daß jeder Kutsch« von seinem Herrn„ohne Kündi- aung" entlassen wird, so ist eS ebenfalls„Usus", daß die Mehlkutsch« den Auftrag erhalten, da und dort hinzufahren und so und so viel Sack„Null Null. Mehl" abzuholen,— jedoch mit der Bedingung, au« dem dott an einer destimmten Stelle lagernden„Null-Mehl"«st„Null Null. Mehl", also eine feinere Qualität zu machen und dasselbe dann den Bäckern als„Null-Null-Mehl" zu verabfolgen. Die vorzu- nehmende Prozedur ist sehr einfach und besteht darin, daß die Kutscher die sogenannten„Blomben" oder Qualitätsdezeich- nungen von den eine geringere Qualität Mehl enthaltenden Säcken entfernen und dafür die Bezeichnungen feinerer Sorten an deren Stelle befestigen müssen. Die Mehlkutscher haben entschieden keine Vottheile hierdurch, sond«n führen nur den Auftrag ihr« Arbeitgeb« aus. In dem etngeleiteten gerichtlichen Konkursverfahren deS V«legerS der eingegangenen„Freien Zeitung", des Re- dakteurS Dr. Hans Spazier zu Friedenau, find nunmehr die Gläubiger vom kgl. Amtsgericht Ii hierseldst aufgefordert wor. den. ihre Forderungen bis zum 30. d. M. dem zum Konkurs- maffinv«walter bestellten Kaufmann H.'rrn(Södel, Dresdener- straße 66, anzuzeigen. Als Termin zur Prüfung der ange- meldeten Forderungen ist der 19. August er. festgesetzt worden. Haussuchnug. Gestern Mittag von 11 bis 12'/, Uhr wurde in der Wohnung des Tischlers MerkowSky, Kraut- straße 35, eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen Druck- schrtften abgehalten. Die Durchsuchung verlief resultatloS. Hauptsächlich wurde nach polnischen Drucksachen gesucht. Vor ungefähr vi« Wochen wurde daseldfi schon einmal ge» haussucht. Die Zeutralspeise-Anstalt von Echirlitz, Beuthstr. 10, wurde gestern für ras Publikum eröffnet. Der Inhaber der- selben giebt fich Mühe, für einen ve! hältnißmäßtg geringen Preis ein ausreichende» Quantum von Speisen zu verabfolgen. Auch an Qualität lassen dieselben, wie uns verstchert wird, nichts zu wünschen übrig. Bterzwang existitt nicht, und wird das Getränk in Gläsern zu 5 und 10 Pf. v«zapft. Die hellen, freundlichen Räumlichketten machen einen äußerst sympathischen Eindruck. Für Damen stnd besondere Zimmer reseroirt. Die Periode der Sonntags-Ausstüge hat nunmehr mit dem wärmeren Wetter für die Werlin« begonnen und mit der Einsamkeit, welche bisher im Grunewald, in der Jungfernhaide, und an den Ufern der Spree und Havel geherrscht, ist eS auf längere Zeit vorbei. Eine Partie zu machen auf einen Tag hinaus in daS Freie,„Natur zu schwärmen" mit Butterbrod und Bayrisch Bier, mit Sang und Klang durch die Haide zu streifen, ohne befürchten zu müssen, von einem Schutzmann notirt zu werden— das ist ja für den rechten und echten Spree-Athen« daS schönste Vergnügen! Weit in die Welt will er gar nicht, er bleibt am liebsten im Bannkreise sein« Vaterstadt, da gefällt eS ihm am besten, und kommt er einmal über diese Zone hinaus, so verglcicht« all' und jedes mit sein« großstädtischen Heimath, wie jener B«liner, der vom Rigi auS den Sonnenaufgang betrachtete und für das herrliche Schauspiel nur die Worte übrig hatte:„Wat nutz': mich det allens. wenn ick nich den Kreizderg seh'!"- Früher benutzten die B«ltn« ausschließlich zu ihren Landpartien die Kremier; in langer, oft doppelter Reche standen die großen Gefährte vom Brandenburger Thorr bi» zum Potsdam« Platz, und die Kutscher versuchten stch gegenseitig die Fahr- gaste streitig zu machen. In hellen Schoann kamen die ausfluglustigen Familien an,„Mutter" mit stattlicher Krtnoline, den schweren Eß toder in der Hand tragend, die Töchter in frisch gestärlten Kleidern, die Söhne in schneeweißen Sommeranzügen,„Vater" schon bi« häufig den Rock über den Arm genommen, in Hemdsärmeln, die Tabakspfeife im Munde, vergnügt mit den Weißbinflaschen kokettirend� welche �auS dem Eßkod« hervorlugten. Das liegt nun freilich viele Jahre zurück; die Kremser stehen nicht mehr in doppellen Reihen diS zum Le-pflg« Platz entlang, dafür saust aber die Sladtbahn über die Köpfe der Großstädter hin« weg und führt die Insassen im Fluge nach den beliebten Er- holunftSorten. Und wie gern benutzt die Einwohnerschaft dieses neue Verkehrsmittel! An den fiedz-hn Sommer- Sonntagen vom Mai bis zum August wurde die Bahn im vergangenen Jahre von etwa zwei Millionen Menschen benutzt, und es mußten wiederholt an den schönsten Sonntagen bis an 70 Exirazüge eingelegt werd n, so daß dann auf der 10,08 Kilometer langen Strecke nicht wenig« a!S 560 Züge an einem Tage verkehrten! Und trotzdem und trotz der Hohen Zahl der Betriebsbeamten und Arbeit«, wohl 900 im Ganzen. ist kein einziger Unglücksfall vorgekommen. In diesem Jahre nehmen an d« Beiöiderung nach dem Grunewald auch die vorstehend erwähnten Dampfbahnwagen Theil, welche fast ebenso aussehen, wie die Pferdebahnwagen und recht schnell und fich« kurfiren. Wer weiß, wie lang« eS noch dau«t, und auch die Kremser verschwinden jetzt, wo mit den alten J.sti> tutionen gründlich aufgeräumt wird, gänzlich von der öffent» lichen Bildfläche. Ueber einen räthselhaften Todesfall wird uns nach» stehendes berichtet: Heute ftüb gegen 7 Uhr wurde der Zigarren- arbeit« Menzel in feiner Antonstraße Nr. 7 im Kell« belegenen Wdhn.irng, auf dem Eopha fitzend, todt angetroffen. Neben ihm auf dem Fußboden lag ein Revolver, welcher noch 4 scharfe Patronen und zwei leer« Hülsen enthielt. Ein von der Wand gefallene? Bild, wslchis üb« dem Sopha gehangen hatte, lag auf dem Gtficht bei Tobten. Der sofort herbei« gerufene Arzt vermochte weder eine Schußwunde, noch andere Verletzungen, welche den Tod herbeigeführt haben, zu finden. Nach den Ermittelungen der Kriminalpolizei ist ei indeß höchst wahrscheinlich, daß M., deffen Verwögenioerhältniffe ali im, günstig geschildert werden, sich eine tödtliche Schußwunde bei gebracht hat, nachdem der erste Sckuß sein Ziel verfehlt und das über dem Eopha hängend« Bild getroffen hatte. Die Obduktion wird Gewißheit verschaffen. Wege« Mordversuchs. Am 3. Mai, zwischen 4 und S Uhr Morgeni, befand fich der Aktuariui a. D. Abel in einem hicfigen Schanllolal, gerieth dort mit mehreren Droschken» futschem in Streit und wurde schließlich durch den Büffetier aus dem Lokale herauigeführt. Als bald darauf der Droschken, futscher R. daitLokal gleichfalli verließ, trat auf der Straße Adel an ihn heran und verlangte, daß R. ihn in den Keller zurück- degleite. Letzterer verweigerte diei und sagte:„Machen Sie fich doch nicht lächerlich." In diesem Augenblicke holte Abel einen Revolver hervor und feuerte aui unmittelbarer Nähe einen Schuß aus R- ab, welcher indeß glücklicher Weise nicht traf. Demnächst lichtete er dm Revolver auf dm aui dem Schanklokal in Folge dei Schuffei h« ausgetretenen Büffetier, welchem ei indessen gelang, dem Wüthenden die Schußwaffe zu entreißen, ehe er abdrücken konnte. Im Beistände der übrigm Droschkenkutscher wurde Abel, welcher erst vor kurzer Zeit aui Amerika zurückgekehrt ist, durch einen Wächter fest« genommen und wird fich wegen versuchten Mordei zu verant- warten haben. Ein Raub wurde gestern Nachmittag in der Nähe dei jüdischen Friedhofei in Weißens« gegen einen Maurer ver. übt. Derselbe sah neben dem Fußweg vier Männer und zwei Frauenipersonen liegen, und scheint fich mit den letzterm ein- gelassen zu haben. Hierauf wurde er von den vier Strolchen umringt, gegm die Maurer gedrückt und gewürgt. Während ein« der Raub« ihm mit der Hand den Mund schloß, durch« suchten die Anderen seine Taschen und raubten seine Baar- schast im Betrage von 4,50 Mark. Abends begegnete der Maurer einem der Räuber in der Landib«ger Allee und bewirkte die Festnahme desselben. D« Verhaftete ist der Tischler Montag, welch« seine Betheiltgung an dem Raubanfall zuge- steht, jedoch die Mitschuldigen nicht kennen will. Ei« bedauerlicher Uuglücksfall ereignete fich gestern Mittag in dem Hause Belle- Alliance- Platz 3' In dem ge- nanntm Hause ist ein neuer Hinteraufgang gebaut worden und sollte die Gasleitung nach dem Treppenhause gelegt w«den. D« Schloffermeister G. war mit seinem Lehrling dabei be- schäftiat, das eingemauerte Gasrohr bloszulegen, um eine Zweigleitung anzudringen, wobei der Lehrling mit einem offenen Lichte leuchtete. Plötzlich«scholl eine heftige Detona- tion und der Lehrling wurde rückwärts zu Boden geschleudert. In dem Rohr war eine schadhafte Stelle, der Gas entströmt sein mußte, welchei fich entzündete. D« Lehrling trug bedeu- tend« V«lttzungen im Geficht und an den Händen davon. Ein im Hause wohnender Arzt, Dr. L-, leistete dem Verletzten schleunige Hilfe. Es wäre endlich an der Zeit, daß bei derar- tigen Arbeiten Sicherhcitslampen zur Verwendung kämen, um die zahlreichen Unglücksfälle zu verhüten. Et« erschütternder Unglücksfall hat fich Sonntag im „Viktoria. Theat«" ereignet. D« Schnürmeistcr Hubhoff, ein desondtti tüchtiger und pflichttreuer Maschinist, hatte von zwölf biS zwei Uhr die Theaterwache. RastloS, wie Hudhoff war, hat er diese Zeit, die lediglich zur Bcausfichtigung der Bühnen- räume bestimmt ist, benutzt, um eine Arbeit ouizuführen, trotz- dim ihn der Theatermeifter und seine Kollegen gewarnt und ihn gebeten hatun, die Arbeit bis zu ihrer Rückkunft zu laffen. „Ich mache dai schon allein", war seine Antwort gewesen und zwei Sunden später fanden ihn seine Kollegen todt. Er ist bei Vornahme dieser Arbeit durch eine Unvorfichtigkeit, die bei einem so mit den Maschinerien vertrauten Arbeit« kaum zu erklären ist, von dem ungewöhnlich hohen Schnürboden auf die Bühne gekürzt. Der schleunigst herbeigerufene Arzt lonstatirte, daß der Unglückliche sofort nach dem Fall- gestorben ist. Er hintnläßt eine Wittwe und 5 unmündige Kinder, von denen das jüngste erst 9 Monate alt ist. Amtlicher Bericht der Markthalleu- Verwaltung. Mitgetheilt von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-V«- mittler. Engroi- Markt in der Zentral> Markthalle am 31. Mai 1886. Fischt. Zufuhr ausreichend. Verkauf flott. Man«rziette per Kilo Elblacks 2,50 Mk. Ostseelachs, groß 1,70-1,80, mittel 1,60-1,70 Mk., Steinbutte, groß 1,00 bis 1,10, mittel 1,20—1.40, Seezunge, groß 1,20—1,50, mittel 1,10-1,20, Kleist 0,40-0,60, Schollen groß 0,25-0,30, Cabliau 0,30-0,20, Makrelen pro Stück 30—40 Pf., Zand«, groß p« Kilogr. 1.60—1,70, mittel 0,80—1,00, Aale lebend fin Durchschnitt 1,04, Hechte 1,52, Schleie 1,44. Butt«. OS« und Westp.'euß. l 1.00-105, II. 0,95-1,00, III. 85-90, Mecklenburger. Pommersche, Schlefische, Holsteiner I. 93, U. 88-90, III. 85.»äse. Neufchatell« 17-18 Mk pr. 100 Stück, Camemb«, echt franz., 8,50 pr. Dtzd., Limburger I. 33 Mk. pr. 100 Kilogr., Schweiz», Emmen thaler pr. 100 Kilogr. 60, Ba rischer 40—45 Ramadour 92—100, Tilstt«, dalbsett 40- 48, Edamer 1,30-1,40. Gemüse, Spargel geringe Zufuhr, höher im Preise I». 0,80-1.00, Ha. 0,60-0,70, Mk. Suppenspargel 0,20. Gurken größere Sendungen aus Holland und vom Jnlande. Holländische 6—6,50 per Korb von 30 St. Erfurter von 30—35 pr. 100 St. Frisch« Rhabarber knapp 12,50—15 Mk. pr. 100 Bund. Wild und Gcflügel zu alten Preisen. Die Zufuhr in geräucherten Fischen defriedigte auch heute die Nachfrage nicht. Spargel fehlte fast ganz. In Wild war die Zufuhr wenig reichlicher, deckte aber den Bedarf noch nicht. Kirschen wie gestern. Junges Geflügel ist sehr gefragt und fast gar nicht am Markte. Eine größere Sendung Krebse wurde heule beschlagnahmt, weil zu min: an guter groß« Waare ist Mangel. Polizei- Bericht. Am 31. v. M. stürzte in d«Oranien- burgerstraße ein von dem Arbeiter Mclcher gerittenes Arbeit.- pferv auf dem durch Besprengen glatt gewordenen Asphalt- pflastn. Melcher kam dabei unt« das Pferd zu liegen und «litt einen Bruck des rechten Oderschenkeli. Er wurde mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht.— Zu derselben Zeit sprang eine unbekannte, etwa 20 Jahre alte Frauensperson am Elisobethufer in den Landwehrkanal, wurde aber noch recht- zeitig herausgezogen und auf ärztliche Anordnung nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage, Abends, stürzte ein obdachloser Maurergeselle in der Büschingstraße plötzlich de- wußtloi zu Boden und zog fich eine anscheinend schwere Wunde am Kopfe zu. Er wurde in das städtische Krankenhaus am Friedrichihain gebracht.__ Gerichts Zeitung. Ei« Wortkampf auf der Berliner Börse wurde gestem S lisch«, r den streitenden Parteien, den Privatmaklern Blumen- al und Guttmann, vor o« sechsten Strafkammer dei Land- gerichti I zum Austrog gebracht. D« Beklagte hatte mit dem Kläger«in Differenigeschaft geschlossen, deffen Realistrung am 21. September v. I. erfolgen sollle. Hinbei kam es zwischen Beiden zu unerquicklichen Auseinandersetzungen, und soll nach d« Klage der Beklagte dem Kläger aus dem offenen Markt der Börse vorgeworfen hoben, er mache falsche Aufgaben und sei«in Schwwdl« und Betrüg«. Aehnliche Evitbeta wurden dem Kläger auch noch von mehreren anderen Börseanern beigelegt. Von den Klagezeugen vermochte nur einer zu bekunden, daß« nach geschlossener Börse in Vestibül gehört, wie dem Kläger u. A- aus einer denselben umringenden Menge die Worte„Schwindler und Betrüger" entgegen gerufen worden find. Ihm schwebe so vor, als ob der Beklagte der Rufer gewesen wäre. Andere Böiscndesucher bekun- deten dann, daß ihnen zwei Fälle bekannt geworden wären, in denen d« Kläger Firmen ali Kontrahenten aufgegeben hat, die von dm betreffenden Engagements nichts wußten. Da der Beklagte fich als vom Kläg« geschädigt de« zeichnete, nahm d« Schöffengerichtihof an, daß« die Worte: „Schwindln und Betrüger" ausgestoßen bat- die ihm aufzu« erlegende Strafe bemajj er ab« nur auf 20 Mark, da nach der Beweisaufnahme der Beklagte berechtigt war, fich vom Kläger für geschädigt zu«achten.— Gmen diesei Urthell legte Kläg« Berufung ein, um ein höhnei Strafmaß und eine für ihn günstigere Erkenntnißbegründung zu nlangm; d« Beklagte schloß fich der Berufung an, um freigesprochen zu werdm. Und in der That«reichte letzter« auch diesm Erfolg, indem der Berufungsgerichtihof nicht für«wiesen erachtete, daß gerade der Beklagte die inkrtminirtm Worte ausgestoßen hat. Zudem sei die im VeMul gefallme Aeußerung gar nicht Gegenstand d« Klage._ Uereine und Versammlungen. Der Fachverein der Steinträaer hielt am Sonntag, dm 30. Mai. in Scheffer'i Lokal, Jnselstr. 10, eine außer. ordmtliche Mitgliedervnsammlung ab. Ali erster Gegenstand stand aus der Tagesordnung: Stellungnahme zur bevorstehen- den VorstandLwahl. He« Wallentbien führte hinüber folgen- dei aui: Man Hab« deshalb dm Gegenstand auf die Tages- ordnung gestellt, um fich darüber klar zu werden, ob der bis jetzt fungirmde Vorstand sein Amt so, wie es die Mitglieder v«langm, verwattet habe. Er(Redner) sei der Anficht, daß der alte Vorstand die Jnt«effm der Mitglieder in jed« Hin- ficht vertretm habe und jederzeit bemüht war. den V«ein zu stärken. Dieses wurde auch von der Mehrzahl der Mitglieder annkannt. Einige MUglieder hätten freilich den Vorstands- Mitglied«» Übel gmommen, wmn letzt«« mit anderm dem Verein fernstehenden Kollegen zusammm arbeiten. Diese Vorwürfe seien vollständig ung«echle: wmn der Lohn so gestellt sei, daß die organifirten Kollegen denselben ali gmügend an« erkennen, so müßte man es jedem Kollegen, auch wenn er dem Verein f«nsteht, gestattm, bei dem betr. Meister ,c. zu arbeiten. Ei sei Pflicht dei alten wie dei neu zu wählenden Vorstandes, die Jntereffm des Vereins nach jed« Richtung zu wahren. Deshalb sei es auch nöthig, daß sich die Mitglieder darüber klar werdm, wem fie dei d« nächstm am 20. Juli stattfindenden Wahl ali Vorstandsmitglied wählen wollm. Redn« for« dert schließlich auf, rege zu agitiren für den Anschluß all« Kollegm an den Verein.— He« Rennthal« wies darauf hin, daß kein Mitglied es bestreitm könne, daß der Verein Erfolge «zielt habe, wmn auch vielleicht nickt alles nach Wunsch v«. schiedener Mitglieder gegangen sei. Redner forderte ebenfalls auf, fich dem Vtttin rn corpore anzuschließen.— Herr Steinberg schloß fich diesen Ausführungen an und sprach den Wunsch aus, in Zukunft dem Kasfirer eine Vergüttgung von 5 Prozent d« JahreSeinnahme, sowie für die jährlichen Umschreidearbeiten 6 Mk. zu gewähren. Für dieselbe Ansicht sprachm noch die Herren Fietze, Jahn, Lieberitz und Unterlauf. Von Harn Nöding würde der Antrag gestellt, dem Kasfirer künstig 5 r-Ci. der Einnahme sowie 20 M. Entschädigung für das vorig» Jahr zu gewähren.— Dieser Antrag wurde mit groß« Majorität angenommen. Nur ein Mitglied, H«r Priese, konnte fich da- mit nicht einv«standtn«klaren, indem er äußerte, der Vorstand handele stets eigenmächtig.— Hm Rennlhal« widerlegte diesen Redn« in ausführlicher Weise und sprach sein Bedauern üd«dai unberechtigte Mißtrauen desselben gegen dmVorstand aus. Von den Herren Brunke und Knaak wurde d« Wunsch aus« gesprochm, den alten Vorstand wi«d« zu wählen. Herr Renn- thal« wies darauf hin, daß die Wahl«st am 20. Juni stattfindet und dann erst die Mitglied« darüber zu entscheiden haben würdm, wm fie wählm wollm. Zum zweitm Gegen- stand der Tagesordnung:„Innere Vneiniangelegenheiten", wurde nach vorläufiger Erledigung einer pnsönlichcn Streit- frage einem hilfsbedürftigm Kollegen eine Unterstützung von 30 Mark bewilligt.— Zum Schluß ersuchte Herr Rennthaler um zahlreichm Besuch der am 20. Juni stattfindenden Versammlung. In der öffentliche« Versammlung der Stuckateure, welche am Dienstag Kommandantmstraße 71 unter dem Vor- fitze des Herrn Heindorf tagte, wurde zuerst die Abrechnung üb« den Unterfiützungifonds geaeben. Die Einnahmen haben vom 17. Januar bii 31. Mai 1072,35 M. betragen, die Aus« gaben 348 15 M, so daß ein Baardestand von 724,20 M. verblieb. Darauf wurden zwei in der vorigen Versammlung zurückgestellte Anträge«ledigt. Der Antrag, dem Kasfirer 3 pCt. von dm Einnahmm zu gewährm, wurde ohne Debatte einstimmig angenommen: der Antrag, den Mitglied«« der Lohnkommisfion für V«säumniß von Arbeitszett eine Entschä digung von 60 Pf. pro Stund« zuzuerkennen, wurde nach kurz« Diskussion zurückgezogm. ES wurde den dettrffenden Kollegen anheimgestellt, nach eigmem E'.meffm zu liqutdiren. In d«stlben Weiie wurde der neue Anttag, den Mitgliedern der Lohnkommisfion für jede Sitzung 50 Pf. zu bewilligen, «ledigt. Nachdem dann in Stelle dei Hnrn Grünenderg, d« sein Mandat als Mitglied d« Lohnkommisfion nieder- gelegt hat, einstimmig Herr Schmiede gewählt worden war, gab H«r Heindorf ein Referat über:„Dai Ab fallen von Stucklheilen". Referent theilte den Bescheid mit, welchen vor ungefähr zwei Jabrm eine Kommission dei Stuckateur- Vereins auf eine Resolution betreffend dai Adfallm von Stucktheilm vom Polizeipräsidium erhalten hat. In diesem Bescheide w«dtn die von der Kommission gemachten Vorschläge a s„nicht geeignet zur Berücksichtigung" bezeichnet; es wird darauf hingewiesen, daß für das Polizeeprästsium die Ursachm dei Uedelstandes nicht von Bedeutung seien, da nur, wenn die Thatsache vorlieg», daß durch doS Adfallm von S.uck Menschenleben gefährdet worden seim, polizeiliches Einschreiten «folgen könne. Diesem Bescheide gegenüber legte nun Refe- rent dar, wir sehr es im Jnt«esse der Stuckateur Gehilfen liege, fich um die Ursachen des Uebelstandei zu bekümmern und dieselben m«gisch zu bekämpfm. Die Hauptursach« des Uedel- standei sei aber die durch zu niedrige Löhne und durch Vn- Wendung billigen schlechten Materials herbeigeführte Eckund- arbeit. Am Schlüsse machte Referent die Firmen Echt u. Schulz, Hand« und Kleefeld als solche namhaft, welche den kontraktlich vereinbartm Lohntarif nicht mehr respektirm und forderte er die Kollegen auf, dafür zu sorgen, daß der zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz und d« Schundarbeit nothwendige Unter« stützungifondi möglichst groß werde. Nach einer fast 2-ftündigm sehr belebten Diskussion wurde beschloffen, den von Herrn Sicbenbach gestellten Antrag, ein Gesuch an das Poli.eiv'äst dium zu richten, daß dasselbe in allen Fällen, in denen durch Abfallen von Stucktheilm Mmschen verletzt find oder hätten v«lctzt werden können, gründliche Untersuchungen verar laffen und die Schuldigm«xemplarisch bestrafen wolle, dem Stucka- teur- Fachverein zu üb«weism und die Beschlüsse desselben ein« öffentlichen Versammlung der Stuckateur« zur Kenntniß zu bringen. Herr Bttger hatte die folgende Resolution einge- bracht:„Die V«sammlung«klärt fich mit den Ausführungm dei Referenten einverstanden und beschließt in Erwägung, daß unsere Vereinigung dai einzige Mittel ist, unser Gewerde zu Heden, und daß fie der scklechtm Konkurrenz ein starkes Gegen- gewich! bietet, an allen früheren Beschlüssen festzuhalten, den Unterstützungifonds aufrecht zu«halten und die Lohnkom- mitsion für kompetent zu erklären." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Da dem Louisenstäbttschen Veztrksverei»„Vorwärts" zu zwei hinteretnand« aufenden Vnfammlungm die polizeilich« Genehmigung nicht«the lt ist, so sieht sich der Vorstand ver- anlaßt, die lautenden Beitrage der Mitglied« in natstehendm Zahlstellen entgegenzunehmen: 1. Sonnabends von 3-10 Uhr Abends bei Bunge, Prinzenstr. 96, sowie 2. Sonntagi beim Kasfir« Herm Sündermann, Gitschinerstr. 61, I. Auch werde« daselbst neue Mitglieder aufgenommen. Der Kachverein der Eteindrucker und Lithographe» veranstaltet morgen. Himmelfahrtstag, eine H«rmpartte nacd Schildhorn. Abfahrt früh 6 Uhr 50 Äin. Bahnhof Alexander« platz. Rendezvous: Spandauer Bock 8—10 Uhr Vormittags, bis 2 Uhr Restaurant Wegen« in Schildhom. Kollegm und Ereunde, durch Mitglieder eingeführt, find hnzlich will« mmen._ Uermischtes. Nene Orthographie. Die„Ob«schl. Grenzz." derichtet über die erste Nummer eines neuen, in Zabrze«scheinende« Blattei für Oderschlesten. Ein Lokalartikel hat zum Gegen« stand« die erste Kommunton dortiger Kinder in dn Zahl von 200 und schließt wörtlich also:„Was unz beidiesem religist« Brauch amschrecklichste verwundert, ist dai: daß fondiesen 200 Kindern 182 mit jüdischen Kerzen ic. gebrannt habm. Brüdn Katholiken I Befferi Euch und kreuziget nicht zum zwaite« Mal durch solche Verbrechen unsem Heiland.", Die Genter aristokratische Gesellschaft und„vornehme Welt hat die Londoner um nichts zu bmeiden. In der St«* Artevelde's würde der Redattem d« Londoner„Pall Gazette" eben so reichlichm Stoff für seine Artikel über do fittenlose Treiben in gewissen Kreism d« Gesellschaft gesunde« haben, wie in der Weltstadt an dn Themse. Skandale fi«° dort an'i Licht gekommen, die scht« unglaublich find,««j solche Namen Kompromittirt« w«dm genannt, daß man abscheulichen Laster erst kmnm muß, um an ihre Schuld?» glauben. Seit zwei bii drei Jahrm bereits murmelte man» Gent von einem od« selbst mehreren Klubs, unt« de«m ein« den Namen„Zwarte Kravatten"(cravates noires) fWP und die ostensibel blos dem Sport des Wettens � Rennen oder dem Spiel gewidmet warm, d«en Mitglis� aber, wie das immer lauter werdende Gerücht behauptete, U«« fittlichkeitm der scheußlichsten Art sich widmeten und chre D« nicht blos in der weiblichen Jugend suchten. Diei Trei� ist, wie d« ,, Franks. Ztg." unt«m 27. Mai aus Brüssel f? schrieben wird, jetzt ans Licht gezogen worden,«r zwar, soweit man bii jetzt urtheilen kann— die liberalen Genter Blätt« wie auch das klttW „Bim Publik" schweigen sich noch üb« die Affaire aus in Folge der Enthüllungen einig« wegen Betrugs Spiel verhafteten frühreifen nnd Äuifchwelsungen ergebe«, Mitglied« jenes Zetklei. Diese jungen Leute hätten die lom»- mittirtm Personen, von derm Last« fie genaue Kenntniß pa'5 verratben. Eines der Opf«, das nicht einmal dm Name« von ihm Beschuldigten kannte, wußte doch auf die Spur»f. selben zu führen, durch die Angabe, daß dies« einen v>. degen befitze. Herr E.— so lautet der Biosgestellten— wr gefragt, od er einen Biosgestellten— wurde zum Untersuchungsrichter entboten � gefragt, ob er einen solchen Stock defitze. Er leugnete, wurde sofort eine Haussuchung in deffen Wohnung vorgrnoow� wo man einen Stock von der angegebenen Art fand- m..-*■ 9.■ a rn c* mm Dagegen ist noch von mehrnen weiteren Selhstmorden, einer geraume Zeit zurückdatirt, aber in engem Zusawm � mit den beregtm Vorgängen steht, die Rede, Thatfathe i> bereits 57 Personen in Untersuchung wegen Vcrbrechen � die Sittlichkeit gezogen find, unter denen auch em � � dem Freimaur«orden Angehörig«. Kompromittirt mäßig Personen, die zur liberalen und solche die zur u Partei zählen. Erwiesen ist ferner, daß die Hilfsa�,,.�In< welche d« Klub der„cravates noires" verfügte, an«, gad.< dustrie der infamsten Art stammten. An Versuchen.°. � zu ersticken, wird ei, da so viele hochgestellte% f promittirt find, wohl nicht fehlen, doch dürfte bu« lingen. , Ketzte Nachrichten.. � Die Sriechische Regierung hat vorgestern et schrerdm an ihre Vertreter in London, Berlin, Wien,. .— r-----------—----—-•»—r—' f m mw-f«MI lU* L.f bürg und Rom abgehen laffen. in welchem die De�om� k« der griechischen Truppen angezeigt und gegen die w«« Blolade protestirt wird, weil durck dieselbe dt« M rüstung erschwert werde. Die Fortdauer der Blokad � vereinbar mit dem Ziel«, welches die Machte im AU« � C-» hätten.— Ein Zirkular der Pforte macht dagegen f..,* Griechmland�rur unregelmäßig abrüste und naM«� ........ K vav*•••- 7-• hflB* Arn Schlüsse deS Rundschreibens° n* die P-orte würde bedauern, Maßregeln treffen �»u w rsrreweniano nur unregelmäßig abrüste uno nu»----..!,� dai türkische Fort Zygoi bei Mezzovo besetzt hatte u«® � f und daß, obgleich die Truppm fich auf eine kurze Dw rückgezogen hätten, doch die Munition», und Trupp�i gen fortdauerten. 'fcV*Dvvnv***••»ii--- u fich wieder in den Besitz d«S Zur Priuzenausweisung otfttin Abend besteht den Paris« Morgendlättern < 1* r 1 f 1 i. Die vier radikalen Minister Tränet. Lockroy und Aud« wollm ihre Sntlaffuni Mi'wycinet nicht in die obligatorische Ausweisung! � l'ch-r Prinzen willigen sollte. Die Printen von Orlean«, � fichtigm,. eventuell in der Schwei, zu residirm�der � � aris wird, bevor« Frankreich v-rläßt, Nation richten. ««NSS Gesandte der Vereinigten Staaten einen Halbamtlich- beim Minister deS Auswärtigen gemacht, um zu gi«, Regierung habe mit der größten Auimerks-mke-' h'it-n der Arbeiteraufstände Belgiens und dtt'N U« verfolgt und die Uederzeugung gewonnen, daß 0 u- Regierung die Herstellung der Ordnung mit der flj. fßr ficht und Schleunigkeit bewerkstelligte, und dieS— Vereinigten Staaten um so wichtiger, als dort —•—»--- m m �, rr. zlnarch�üia« düifle an da- Land appelltren. � fcSTÄiffESa* fall vor. Kri-fli-Sen der «WS Kapital, heranwagen? E« ist stellenweise 1- nM lesen, aber inhaltlich ganz unvergleichlich. �«ronlwortltch««edati»»».#*$###* ta«silis*9»««log y«z gtz« El*W., AetttMail« 3