bete erde« PH" ! nach md i und will« »». 1S8 Donnerstag, den 3 Juni 1886. lU. Jahrg. MerMiWI Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 Abonnement»� Einkackung. Mit dem 1. Juni eröffneten wir ein neue« Abonnement auf da« «DerUner volksblatt" mit der Gratisbeilage „Ilwstrwte» Konntagsblatt". Der AbonnementSpreiS de« „Kerliner Uolksblatt" «it der wöchentl. Gratisbeilage„Illustrirte» S-»»tagsbl�t" beträgt für Berlin pro Monat 1 M. 35$f., pro Woche 35 Pf. Bestellungm werden von sämmtlichen ZeitungS-Spediteuren, fowie von unserer Expeditton Zimmerstraffe 44 entgegen- Senommen._ . Kür außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnement« >ur den Monat Juni gegen Zahlung von 1 M. 34 Pf. an. o, Den neu hinzutretenden Abonnenten wird— soweit der «orrath reicht— der bisher erschienene Theil de« Roman« „«in* Mntt-r" Vorzeigung der AdonnementSquittung gratis und franko �geliefert. Sxpeditio« de«„Berliner volkSblatt", Berlin 8W„ Zimmerstr. 44. Freie Hilftkalseil. Der Vorstand der Zentral- Kranken- und Eterbekasse ber Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter hat den Rechenschaftsbericht für da» Jahr 1885 veröffentlicht. Echo» der erste Blick auf die umfangreiche, 7 große Druckseiten füllende Abrechnung zeigt u»S, welch' eine riesige Ausbrei- omtche Verwaltung, stellen errichtet und fortwährend kom Hundert überschritte» hat. Zahte« 26 116 Mitglieder, während 25 383 ausgeschieden ?ub, so daß die Mitgliederzahl am Schlüsse de« Jahres '�921 betrug. Die große Anzahl der so Ausgeschiedene« erklärt sich zum Theil durch die ungünstigen Zeiwerhältnisse, andern- «hells aber dadurch, daß beim Inkrafttreten de« Kassen- zwange« der Kasse eine große Anzahl von Leuten beige- ueten sind, die sich tm Allgemeinen au» eigenem Antriebe »'cht versichert habe« würden. Diese, die Kasse zum große» �4»r»ck Mrtota.] IkeuMeton. M«e Mutter. Roman von Krtedrtch Gerstäcker. (Fortsetzung) Uebrigen« war e« sehr gut für ihn, daß er nicht Unten war und überhaupt Niemand i» der Allee höre» »uute, wa« er rief, denn jede« Wort hätte Anlaß zu einer �njurienklage geben könne». .Aber wa» hast Du nur, Mrchtegott?" .Wa« ich habe? Ist ti den» nicht zum YalSab« llNben, wenn man zusehe» muß, wie diese« übermüihige �tfindel de» arme» Arbeiter behandelt?— Haut ihn mit ** Peitsche über den Kopf l Hätt' ich ein- Flinte gehabt, ""n Pferde hätf ich den Cujoa Heruntergeschosse» l' ..Aber schrei' doch nicht so. die Schwester ängstigt sich ' sie zittert schon an alle» Glieder«..." .Und ich wohl nicht?- Aber vor Wuth l« . Viww&\ow Set unistt rtipfit heut �»b Intelligenz I Gott straf' mich, wenn man nicht manch. »lal verrückt werde« möchte, nur ei« solche« Komödtenspiel außer der Bühne anzusehen!" »Wer war ei denn?* t. ich die Lasse« alle, d,e mit Glacee- Handschuh«» und einem Titel und Orden in der Welt herumlaufe»? Irgend einer der Gesellschaft, ob er nun Her, von so oder....... mause«? Irgend einer der von so oder Herr von so heißt .Aber, lieber Schwager, wir k könne« die Welt nicht Theil nur schädigenden Personen scheide««ach und»ach au», wa« für die Kasse nur von Nutze« sein kann. Ferner kommt «och in Betracht, daß ei» weiterer Theil durch de« Einfluß verschiedener Arbeitgeber und da» Vorgehe« einiger Ort«. kassen gegen die freien Hilfskassen zum Austritt gezwungen wurde. Immerhin ist der Beweis geliefert, daß sich die Zahl der Mitglieder trotz allem Kriege gegen die Zentral« lassen vermehrt hat. Auch in pekuniärer Beziehung hat diese Kasse für das Jahr 1885 ei» recht befriedigende« Resultat aufzuweise«, wie au»«achstehende« Zahlen zu er- sehen ist. Da» Vermögen der Kasse betrug am Schlüsse de» Iah- re» 1884 M. 157 944,10. Vereinnahmt wurden: an Ein» lrittSgeld und für Mitgliedsbücher 34 722,05 M, Beiträgen 1 348 695,45 M., Zinse» von Kapitalien 4 162,85 M, Extrasteuern, AlterSnachzahlunge» und andere» Einnahmen 46 198,86 M, inSgesammt 1 591 723,31 M. Ausgegeben wurden: an erwerbsfähige Kranke für Arzt und Arznei 28016,74 M., für Bruchbänder. Brille«:c. 2 055,78 M., Krankengeld an Mitglieder 1 041 662 M., an Angehörige erkrankter Mitglieder 1 832,35 M., für VerpflegungSkofle» in de» Krankenhäusern 110 439,51 M. An Sterbegeld ' le« 35 208,80 M. An Verwal- Kosten der in Frankfurt am General- Versammlung(aufge- besondere General-VersamnckungS« Ausgaben 1 559,49 betrugen demnach resp. für AeerdrguogSkof tuogSkosten 92 181,87 3) Main abgehaltene» bracht durch eine steuer) 14 295,15 Mark. Sonstige Mark. Die Gesammt» Ausgabe« 1 327 251,69 Mark, somit ergiebt sich am Schlüsse de» Jahre» ein Kassenvermöge« von 264 471,62 Mark. Ei wurde demnach im vorigen Jahre ei« Ueberschuß von 106 527,52 Mark erzielt. Von dem vorhandenen Vermöge» waren am Schlüsse de» Jahre» 184 885,55 Mark zinstragend angelegt, welche dem Reservefond» überwiese« wurde». 50 973,78 Mark befinden sich in den Kassen der OrtSverwaltunge» und 28 612,29 Mark befanden sich al» Betriebskapital w de« Händen der Hauptverwaltung. ES möge hier noch erwähnt werde«, daß die Ver- waltungSkoste» 6'/, pCt. der Netto> Einnahme betrage» haben. Durch dieses Ergebniß ist der Beweis geliefert, daß die Zeatral-Krankenkasse« recht wohl lebensfähig find, und daß die große Mehrzahl der Mitglieder sich bewußt ist, daß die fteie» Hilfskassen, namentlich aber die zentrallfirte«, wirklich die Sicherheit biete», in Krankheitsfälle« eine ausreichende Unterstützung zu erhalten, und zwar so, daß die Arbeiter dabei keiner Bevormundung bedürfe» und über ihr sauer verdiente» Geld selbst verfügen könne». Als besonders bemerkenswerth sei«och erwähnt, daß bewahre, da sitzt das verstockte Volk selber im ersten Range, hört und sieht zu und applaudirt sogar noch mit, wenn man ihnen mit Sift und Galle einmal ordentlich die Wahrheit gegeigt hat 1"— Aber Gott bewahre, das geht sie ja nichts an, die Kanaille, die da gemeint ist, heißt ja Franz Moor oder Präsident so und so— da« sind sie ja nicht— sie find Kavaliere von reinem Blut und Stammbaum— Herrgott von Danztg 1" und seine Hauimütze auf« linke Ohr schiebend, rannte er au» dem Zimmer, zog sich drüben an und lief dann direkt hinau» in« Freie und weit W den Wald hinein, nur um seinem Aerger und Ingrimm Luft zu mache». Handor war eben von seinem Spaziergang in die eigene Wohnung zurückgekehrt. Unten im Hause traf er auf den Theaterdiener, der gerade bei ihm gewesen war, aber wieder fort wollte, da er einen Geldbrief abzugeben hatte. Er«ahm ihn mit hinauf in seine Stube, da er quittiren mußte. Er wohnte in der Hauptstraße in der ersten Etage eine» nicht große«, aber sehr freundliche« und nette« Hause» Chambre-garni. Die Einrichtung war elegant: Mahagoni-, mit rothem Plüsch gepolsterte Möbel, großer Spiegel in Goldrahme«, Kupferstiche und O-lbilder an de« Wänden. Bücher standen nirgend«. Nur auf dem Sekretär lagen zwei oder drei ziemlich neue Bände und auf dem Tisch ein paar illustrirte und fünf oder sech« verschiedene Theater«Zeitungen— einige von diese« unter Kreuzband, wie sie von der Post gekommen, und«och nicht einmal geöffnet. „Bitte, lieber Peter», komme« Sie hier mit herein," sagte Handor, indem er, von dem Theaterdiener gefolgt, voran in sein Zimmer schritt und noch im Eintrete» de» Brief erbrach;.ich gebe Ihnen die Quittung gleich wieder mit. Hat der Direktor nicht« weiter gesagt?" .Gestöhnt hat er," sagte der Man», indem er, obwohl schon in der offenen Thür, trotzdem«och ge- ~'oft vorher anklopfte—„wie er immer thut, wen« ..d hergebe» soll. Zäh ist er wie der Deubel." .Wen» er e» nur hergiebt, Peter»," lachte Handor, er für diejenige« Mitglieder, welche bereit» da» voll« im Statut vorgesehene Krankengeld erhalten haben, fast 2000 M. ausgezahlt wurde«, welche durch freiwillige Gaben au« de» Verwaltungsstellen zu diesem Zwecke an de» 1. Haupt« kassier eingesendet wurden. Wir könne» zu vorstehendem nur noch de» Wunsch hinzu- füge», daß die Arbeiter mehr und mehr zu der Einsicht ge- langen �'"""''"" well verdil die Sicherheit biete«, an allen Orte» im Erkrankungtfalle die nöthige Unterstützung zu erhalten. Diese Sicherheit wird um so größer, wenn die Mitglieder von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit durchdrungen mit dafür Sorge trage», daß diese Kasse« nicht durch einzelne— Krankheit fimulirende Personen— ausgebeutet, und daß namentlich im Winter bei großer Arbertslosigkeit nicht die Kasse al« ArbeitSlosellunterflützungS-Jnstitut betrachtet wird. Denjenigen Personen aber, welche glaube«, dadurch, daß die betreffende Kasse im 1. Quartal 1886 voraussichtlich mit einer Einbuße abschließt, sei die Existenz derselben in Frage gestellt, kann zur Beruhigung mitgetheilt werde«, daß die Kasse anch im vorige» Jahre im 1. Quartal eine Zubuße von über 30 000 M. erlitte« hatte, und trotzdem am Schlüsse de» Jahre» einen Reingewinn von 106 527,52 Mark verzeichne« konnte. Politische Ueverstcht. »£ Die erste Berathung der Branntweiusteuerkommissto« ist, wie un» soeben gemeldet wird, resultatlo» verlaufen. Für die Konservativen ist die Ablehnung der Konttngentirung und der sonstigen für die heutigen Branntweinbrenner ge- wünschten Borlheile entscheidend gewesen für die Ablehnung des ganzen Gesetze« und e» wird stch nun finden, ob bei der zweiten Berathung. die bereit» am Freitag erfolgen soll, irgend welche Verständigung unter den Parteien möglich ist. Die Ent- scheidung dürste lediglich bei der Regierung liegen, die fich bi» jetzt einer außerordentlichen Zurückhaltung befleißigte. ES ist aber kaum zu bezweifeln, daß die Regierung, da der Vorschlag der Konservativen auSfichtSlo« erscheint, im Nothfall auch mit dm 25 Pfennigen der Ultramontanen iufrieden sein wird. Oder sollte ste die Nationalliberalen nachahmen wollen, die einen weitergehenden Antrag auf 60 Pf. pro Liter stellten und den ZmtrumSantrag zurückwiesen, al» ihr eigener keinen Bei- fall fand? Wmn die Regierung auch nur einen Theil ihrer Versprechungen bezüglich der Entlastung von Kreism und Gemeindm halten will, so braucht ste allerding» mehr alS der Zentrumsantrag ihr gewährt. Die Geh älter der Offiziere, der Mflitärbeamtm sowie der ReichSdeamten, soweit dieselben penstonSfSHig find, betragen nach der„Freis. Ztg.", zusammm über 150 Millionen. Schon indem er die Banknoten nachzählte—„da« ist die Haupt- fache." .Ja und er hat'S doch, beim Deubel, nicht nöthia." bemerkte Peters,.denn wa, für Einnahmen habe« wir jetzt gehabt l Beim Lumpaci Vagabundu« war das Haus ge- rappeUe voll, und ebenso beim Goldonkel und dem Aschen- brödel, und daß neulich in der Jfagenia Niemand drin war i4m" kra „Da» wäre nicht übel, PeterS- der Hamlet nächsten« soll hoffentlich ei« volle» Hau« machen." .Ist der auch von dem?" .Von Shakespeare? Gewiß!" Peter» zuckte die Achsel« und hielt mit seiner Mei- »ung zurück.—„Sagen Sie'mal, Herr Handor, fuhr er nach einer Weile fort,.ist e» dm« wahr, daß Herr Rebe abgeht?" ä„Jch glaube ja; ich weiß es nicht, Peter«.' erwiderte Handor, die Noten noch einmal überzählend. „Schade um da« junge Blut." meinte der Theater- diener, mit dem Kopf schüttelnd,.ist ein recht ordevtl.cher Me»sch— da häitm wir lieber den Nüßler fortschicken solle«, mit dem, st'« nichts, und er lernt nicht einmal. Heber den sollte« Sie dm Mause,'reden hörm! Wenn der ihm seiue Rollm nicht laut vorschrie', gäb'S jeden Abend ein Unglück 1" „Ja, mei« lieber Peter», da« find Sache«, die mich nicht« anaehm und um die ich mich nicht bekümmere. Alle Wetter, jetzt ist mir die Dinte wieder eingetrocknet— ach bitte, springm Sie doch einmal zum Hausmann hinunter' daß der Ihne« ein wenig in das Dintenfaß gießt." .Jh, lassm Sie einmal sehen," sagte Peter«, da» Di«. tmfaß schräg gegen da« Fenster haltend, denn e» dämmerte schon stark—„da gieße« wir ein bische» Wasser darauf und dann thut's e««och einmal." .Ja, da« wird gehen— da steht«och ei« Rest Roth. wein, nehme» Sie etwas von dem." .Würde mich der Sünde scheuen, Herr Handor," sagte Peter»,.die Gottesgabe in die Dinte zu gieße«— der Wein erfreut des Mmsche« Herz." 1882 nahm man eine GehaliSverbesseruna um 16 pCt. in Auk« ficht und hieraus würde fich für die ReichSkaffe bereits eine Mehrforderung von mindestens 22'/» Millionen Marl ergeben. Dazu kommt noch die entsprechende Erhöhung für die nicht etattmäßig angestellten Beamten, sowie eine etwaige Erhöhung der Äompetenaen der Unterllaffen der Militärpnsonen. Er- höhungen der Gehätter im Reiche aber ziehen El höbungen der Gehalterin Preußen nach fich. Schon im Jahre 1882 berechnete die preußische Regierung den Bedarf zur Erhöhung der Beamtenbesoldungin in Preußen auf 25 Millionen Marl. Seitdem hat fich die Zahl der Staatsbeamten durch weitere Verstaatlichung der Eisenbahnen noch erheblich vermehrt und damit auch die BedarfSsumme weiter erhöht. Neben der Jor> derung erhöhter Kompetenzen namentlich für die Militärpev sonen"aber liegt eingestandenermaßen die Abficht vor. wiederum stärke und die KadreS deS HeereS zu erhöhen. « die Frieden Sprafenzs_... — Alle diese Erhöhungen würden die Mehrdewilltgung, welche da» Zentrum zugesteht, vollständig in Anspruch nehmen. Wo kommen alldann aber die Millionen her, welche aus der Reich» lasse den nothletdenden Staats- und Gemeindefinanzen zufließen sollen? ES ist also nicht unmöglich, daß die Regierung einen Vermittlungsvorschlag, wie ihn daS Zentrum vertritt, schroff zurückweist, und lieber den Zustand der Staats- und Gemeinde- finanzm fich verschlimmem läßt, weil fie attdann leichter mit dm weitgehmdsten Projettm durchzudringen hofft. Den Branntweivsteuerentwurf der Konservativen dmrtheilt die„BreSl- Morgenztg." in folgender Weise:„Man weiß nicht, ob man mehr über die Naivetät oder über die Dreistigkeit staunen soll, welche da» Reich, die ReichSkaffe, die Steuerzahler, die Konsumenten in ganz Deutschland derart nur als kontributionSpfltchtige Heloten von 2000 Kartoffelbrennern behandelt. Alles, waS von sozialistischer Seit« jemals an StaatSorganisationen, Staatshilfe, Recht auf Arbeit und Ar- beitSlohn proklamirt worden ist, nimmt fich kindlich bescheiden aui gegen diesen ernsthaft im Reichstage«ingebrachten agra- rischen Antrag zu Gunsten von 2000 schnapSbrennenden Troß- grundbefitzern deS Osten». Ferdinand Laffalle mit der Forderung seiner zinslosen StaatShilfe von 100 Millionen für Ar« beiterproduftrvgenossmschaften war ein Kleinigkeitskrämer im Verhältniß zu dem, waS der Fideikommißbefitzer(der Verfaffer dieser Anträge) Freiherr von Mirbach an ReichShilfe für 2000 Kartoffelbrenner hier verlangt." Die„Kreuzzeitung"«ud Cicero. Die„Kreuzzeitung" zitirte gestern am Schlüsse eines Leitartikel» über Gladstone's Homerulepolilik die Worte Cicero'», daß„ein leichter Redefluß und vollendete» Studium der Beredsamkeit den Mmschm viel UebleS gebracht hat", und frug dann pathetisch:»Sollte Cicero durch wunderbare Vorautficht vielleicht an den Mann gedacht badm, der nach'fast 2000 Jabren die damalige Provinz Brt- tannien regieren würde?"— Ohne in alle Gedanken Cicero'» eingeweiht zu sein, glaubm wir diese Frage doch auf da» Be- stimmteste vemeinen zu dürfen. Die kouservativ-klertkale Koalition, welche fich schon beim Zolltarif für das Wohl de» Volke» so schön„bewährt" hat, wird auch, wie wir schon vor Wochen erklärt haben, eine neue Branntweinsteuer dem Volke auferlegen. Wenn. gleich daS Zentrum nicht für den konservativen Halo-Monopol- Vorschlag einspringen wird, so wird fich doch bei der schließ« lichen Abstimmung eine genügende Zahl Mitglieder, ähnlich wie bei dem Sozialistengesetz findm, welche daS Gesetz durch- dringt. Ein Theil de» Zentrums genügt, da in den letztm Tagen auch unter den Nationalliberalen eine Schwankung fich vollzogen hat. Man wollte konfervativerseitS die National- liberalen anfangs kalt stellen, weil man auf die volle Unter- stützung deS Zentrums hoffte, da die Hoffnung aber nicht in Erfüllung geht, weil Windthorst für fich und einige andere Führer freie Hand behalten will, so haben die Konservativen fich neuerdings wieder an die Nationalliberalen gewandt, die fich auch bereit finden lassen, eine Art Halb-Monopol zu be- willigen. Deshalb habm fie auch in der KommisstonSbesetzung einm Wechsel eintreten lassen und an Stelle deS Herrn Oechelhäuser ihr reaktionärstes Mitglied, den Dr. Sattler, in dieselbe entsandt. Dieser würdige Nationalliberale geht mtt dem Reichskanzler und wenn es gewünscht wird, auch mit Kleist. Retzow und Stöcker durch Dick und Dünn. „Unglaublich, aber wahr"— so muß man ausrufen, dem sehr gemäßigten Arbeiterblatt, dem„Offenbacher Tage- blatt", beschäftigt und demselben vorwirst, den Klaffenhaß zu schüren, heißt eS zum Schlüsse wörtlich:„Wenn aber der Herr StaatSmtnister Finger au» der täglichen Lektüre de» Ulrich'schen BlatteS den Eindruck der unerhörte st en Schürung de» KlaffenhaffeS gewonnen, so verstehen wir nicht, in wiefern VieS Blatt, welches nun schon so viele Jahre lang Tag für Tag unter gleicher Flagge segelt, nicht auch unter da» Sozialistengesetz fällt, wie so viele fetneS Gleichen schon in Deutschland, ja im Lande Heffen selbst, nämlich in Mainz? Dies« Frage haben fich schon sehr Viele vorgelegt, ohne bis jetzt die richtige Antwort darauf gefunden Sie auf ihn und nehme» Waffer," dem SchrSnkche« steht die „Na, dann trinken lachte Handor—.dort Karaffe." „Danke schön, wolle« beide« besorge«— e» kommt vm immer auf die richtige Eintheilung an, wie ich unserm Ee- kretär wohl zehnmal im Tage sage." Damit hatte er seine alte Mütze, die er auf der Straße immer keck auf dem linke» Ohr trug, abgelegt und die Dinte in wenigen Minute» so verdünnt, daß Handor doch seine« Name« damit unterschreiben konnte und ihm jetzt die Quittung reichte. „Danke gehorsamst.— Wollen wir den Wein wieder wegstelle«?" sagte dann Peter» zurückhaltend. „Den sollten Sie ja trinken I" „Der Wohlthätizkeit keine Schranken gesetzt, wie auf den Zettel« de» Kirchenkonzert» steht," bemerkte Peters, in- dem er sich selber ein Glas herbeiholte, den Wein hinein. goß und de« Rest auf eine» Zug leerte.„Donnerwetter, da» ist guter Stoff, Herr Handor!" fuhr er, sich de» Mund wischend, fort—„so etwa« kommt eigentlich selten an eine» Theaterdiener, immer nur Haßburger Dünnbier,«tt Respekt zu melden— Fußbad, wie wir'« in der„Krone" nenne«. Ra, danke auch recht schön." „Und da» für Botenlohn", sagte Handor, indem er ihm ei« Geldstück in die Hand drückte. „Auch noch?" bemerkte PeterS—„ja, da steht man gleich, wa» ein erster Liebhaber ist— ein«Her Tenorist zahlt nie ein Trinkgeld, wen» er Vorschuß kriegt; fie meine« immer, eS käme zu oft und liefe zu viel in» Geld. Also 'pfehle mich Ihnen, Herr Handor— morgen habe« sie doch nicht« zu thu«, nicht wahr? Ach so, eS ist ja Oper also vergnügten Abend— nun, mit dem kleinen Paketchen da kann man fich schon einen vergnügten Abend machen, und e» reicht auch ei« Stück in die Nacht hinein." Und damit schoß der gesprächige Diener der Musen wieder zur Thtir hinau», während Handor, der fich indessen Licht angezündet hatte, den Brief des Direktor» mit den Auge» überflog. Bei dem Abschied»gruß de» Bursche» nickte er nur mit dem Kopfe. Der Brief war kurz und lautete: .Mein lieber Herr Handor! ES ist eigentlich voll- oder erhatten ru habm!"— BiS jetzt hat eine direkte Aufforde- rung an die Behörden, irgend ein Blatt zu unterdrücken, noch keine andere Zeitung gebracht; selbst die reaktionäre und Ber> liner offiziöse Preffe hat fich von solcher„unerhörtesten" Gemein. hell fem l> ehalten.— Sollte die Korrespondenz auS Offenbach herrührm? so ftagt daS denunzirte Blatt. Doch darauf kommt eS gar nicht an, die Redaktton deS„Frankfurter Journals" ist für solches Treiben, welches der deutschen Press« zur Schande gereickt, verantwortlich. Ewer der schlimmste« Sozialistenhasser im König. reich Sachse«, der Profeffor Dr. Karl Birnbaum zu Leipzig, war im vorigen Jahre wegen Betrugs vom Land- gericht zu Leipzig zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt wor- den. Da» Reichsgericht bestätigte bei der eingelegten Revifion da» Urthell nicht, fondem verwies die Sache an das Landge- «cht zu Dresden. Dasselbe hat aber wie daS Leipziger Land- gericht entschieden und den Professor gleichfalls zu einem Jahre Gefängniß verurthellt. Derselbe war auch Mitglied des Reichs- tags und gehörte der nationalliberalenPatei an in einer Zeit, wo schon zahlreiche Anklagen seiken» des Publikums gegen ihn vorgebracht wurden alS den Hauptgründer der be- rüchtigten Bischweiler Tuchfabriken. Da hätte der über dm Geheimcath Hermann Wagener so sehr entrüstete LaSker Ge- legenheit gehabt, auch seine eigenen Reihen zu säubern. Die Söhne de« Reichskanzler«. Der Landrath Graf Wilhelm Bismarck soll nach der„Metzer Ztg." Bezirkspräfivent in Metz werdm. Der Echutzzollheißhunger«nserer Fabrikanten ist nie zu stillen. Von mehreren Mainzer W a ch» w a a r e n- fadriken und Wachsbleichen ist ein Gesuch an den Reichstag gerichtet worden, dahin gehend, daß der Eingangs« zoll auf sämmtliche Rohwachse, sowie auf Zerefin aufgehoben, dagegen gebleichtes WachS, Wachs- und Zerefinfadrilate auS dem Ausland mit mindestens dem dreifachen Zoll belegt werden, um dadurch die deutsche WachSwaarenindustri« dem Auslände gegenüber konkurrenzfähig zu machm. Ueber neue Zwistigkeiten auf Samoa meldet ein Telegramm deS„Reut. Bureaus" vom 31. v. MtS. folgendermaßen:„Nach den letzten Nachrichten auS Samoa vom 22. Mai hat ein deutsche» Kriegsschiff Apia verlaffen und fich nach dem von dem König Tamesese okkuphten Gebiete begeben. Tamesese wird von Deutschland gegen den König Malietoa unterstützt. Der englische und der amerikanische Konsul in Apia haben gegen die Mißachtung der Autorität MalietoaS in Folge de» Ein- fluffeS Deutschland« formell Protest erhoben. Ali Antwort auf das Ersuchen MalietoaS um Schutz hat der amerikanische Konsul die Flagge von Samoa unter der der Vereinigten Staaten gehißt und an den Piäfidmtm Cleveland wegen deS Protektoiat» telegraphirt." Dazu bemertt daS ojfiziöse Wolff'- sche Telegraph« ndureau:„Die Nachricht ist bisher anderwettig nicht bestätigt und dürste noch in �manchen Punkten einer Richtigstellung bedürfen, zumal dergleichen internationale Frag« nicht durch eigmmächtige» Vorgehen eine» konsularischen B amten, sondern durch daS Einverständniß der Regierungen ent- schieden werden." Unseres WiffenS, bemerkt hierzu die„Freis. Ztg.", besteht sogar ein Vertrag zwischen Deutschland, England und den Vereinigten Staaten, worin fich die detreffenden Staaten verpflichten, leine HohettSrechte über Samoa zu be- anspmchen. Die Vermehrung der Loose der preußische« Klassen- lotterte dedingt eine wesentliche Slbänderung de» bisherigen Lotterieplane». Offiziöser Mittheilung zufolge soll derselbe nun dahin beabfichtigt sein, daß in Zukunft statt der bisherigen 95 000 Loose, entsprechend der beschlossenen Verdoppelung, 190000 Loa e in fortlaufenden Nummern— inllufive der 30000 Freiloose für die drei ersten Klaffen— ausgegeben werden. Demnach würden fich auf sämmtliche vier Klaffen 95 000 Gewinne vertheilen. ES soll in der Absicht liegen, Ven höchsten Gewinn der vierten Klasse auf 600 000 M. zu nor- miren und dementsprechend auch die übrigen Gewinne zu ge- stalten; so soll die erste Klaffe mit je einem Hauptgewinn von 30000, 15 000 und 10000 M., die zweite Klaffe mit je einem Hauptgewinn von 45000, 30000, 15000 M., die dritte Klasse mit je einem Hauptgewinn von 60 000, 45 000 und 30 000 M. dotirr werden. In der vierten Klasse würden außer dem oben schon erwähnten ersten Hauptgewinn von 600 000 M. noch zwei Gewinne zu je 300 000 M.. zwei zu je 150 000 M., zwei zu je 100 000 M.. zwei zu je 75 000 M.. zwei zu je 50 000 M., zwei zu je 40 000 M. und zehn zu je 80 000 M. gezogen wer- den. Auch soll e» im Plane liegen, einen Theil der Loose in Achtelabschnitten auszugeben. De« Wiedereintritt von Bennigsen und Miqnel in die parlamentarische Thätigkeit stellte Abg. Marquarvsen für die nächsten Wahlen in der in Worm» am vorigen Sonn- abend stattgehabten nationalliberalen Wählervnsammlung in AuSficht. Oesterreich-Ungarn. Nach Deutschböhmen hin wird die österreichische Abge« ordnetenhauSdedalle über daS Unfallversicherungs- g«setz bedeutsame Reflexe werfen. Namentlich in Süddöhmen, wo zwar nicht äs jure, aber de facto eine Art bäuerlicher Hörig- kommen gegen meine Grundsätze, irgend einem Mitglied zweimal im Monat Vorschuß oder sogar die erst zum Ersten fällige Gage vorau« zu zahle«. Ich will diese» Mal eine AuS» ahme mache«, da der Erste ja bald ist, und um Sie auch bei guter Laune zu erhalte«. Ich hoffe, Sie werde» da« anerkenncn. Ihr ergebenster Krüger, Direktor." Noch während er laß und ein leichtes, spöttisches Lächeln über seine Züge blitzte, klopfte e« stark an die Thür. Fast unwillkürlich nahm er da» Paket Banknote«, schob fie in die Tasche und rief dann:„Herein I" Der Anklopfeade ließ sich nicht lange bitte«. „Guten Abend, Herr Handor! Das fteut mich ja sehr, daß ich Sie endlich einmal zu Hause treffe— ich bin heute schon viermal da gewesen und immer umsonst!" „Ah, Meister Seilitz," sagte Handor, der seine Augen mit der Hand gegen da« Licht schützen mußte, um ihn zu erkennen— wenn er ihn nicht schon an der Sttmme er- kannt hatte, den» er schien eben nicht angenehm überrascht von der Entdeckuna.—„und wa« verschafft mir die Ehre ihre« fünfmaligen Besuches?"' „Ja, mein bester Herr Handor, Sie wissen ja wohl— die Rechnung. Dem Fabrikanten muß ich vierteljährlich seine Tuche bezahle», die Geselle» wöchentlich, und ich bin nicht mehr im Stand, die Auslagen zu bestreiten, wenn mich meine Kunden so im Stiche lassen. Ich möchte Sie drin- gend bitten, mir wenigstens eraen Theil meiner Rechnuna abzubezahlen I" „Mein guter Herr Seilitz," sagte Handor lächelnd." Sie«rsse» aber doch, daß ern Schauspieler nie vor dem Ersten Geld hat, und mit dem besten Willen wär' ich jetzt nicht im Stande—"* v Un?lüc[ gehabt, Meister Seilitz," „aber diesmal soll Ihnen da« nicht wieder sagte Handor, keit besteht, in dem sogenannte»„Königreiche Schwarzenberg", wo die deutschen Bauern die Abhängigkeit von dem feudal« czechischen Fürsten Schwarzenberg bei den letztm Wahlgänge« für ReichSrath und Lindtag schwer und bitter empfavdm und wo überdies die agrikolen Verhältnisse äußerst ungünstig find, wird die Haltung, welche die Feudalen in dieser Debatte ein- nahmen, einen tiefen, unverwtschbarm Eindruck machen. Seit längster Zeit detreibm freilich unsere rückschrittlichen Kavaliere mit Vorliebe den Sport sozialistischer Redensarten, und versuchen im Sinne eines verworrenen, llerikalen, widerspruchsvollen Sozialismus gegen den Liberalismus zu Hetzen. Fürst Liechtenstein, der sich für seine diesbezüglichen Reden einen wohlfeilen Haussophisten zu hatten scheint, hat in dieser Rich- tung bekanntlich da» Stärkste geleistet. Die Debatte über da» UnfallverficherungSgesetz bat nun diese Herren alle demaSkirt. Der erste Versuch, einen Schritt in der Sozialreform zu thun, ist nicht nur, wie Ncuwirth nachwies, historisch auf die An- regung der Linken de» HauseS zurückzuführen, sondern die fest jeher ireiheillich gesinnten Abgeordneten find auch die Einzigen. welche diesen Schritt ohne spekulative Abficht und ohne Eng- Herzigkeit zu thun mtschioffen find. Die Linke beaniragie, da» Unfalloerfichemngkgesetz. wie eS in Deutschland der Fall ist, auch auf die landwirthschaftlichen Arbeiter auszudehnen, deren LooS in vielen Gegenden ein noch traurigere» ist al» da» der Fabrikarbeiter. Aber die Feudalm thaten Em« spruch, und die Slawen folgten ihnen wie immer. Unser reaktionärer Landadel vom Schlage der Sckwarzenberge scheut eben vor dem geringsten Opfer für jene bäuerliche Be- völkerung zurück, die, obwohl längst von der Rodott und der patrimonialm Gerichtsbarkeit erlöst, durch dm Druck der fal- tischen Verhältnisse immer noch die traurigste Abhängigkeit von der„Herrschaft" erduldet. Diese Thatsache wird wieder einmal in ein helle«, scharfeS Licht gesetzt, und wenn Fürst Schwarzen« bera, der neben seinem Jagdoergnügen zur Abwechslung iw Böhmerwaloe die Bauern politisch bearbeitet, nächstens wieder eine Bauernversammlung besucht, so wird er den Eindruck dieser Thatsache gewahren und fich womöglich noch mißvergnügter zurückziehen, als seiner Zeit in Oberplan, wo man ihm in guter» Bauerndeutsch die Wahrheit sagte. Die Gerüchte von einer bevorstehenden Ministerkristt in Oesterreich nehmen eine festere Gestall an. Nach einer» Wolff'schen Telegramm aus Wien melden die dortige» Zeitungen übereinstimmend, daß der Finanzminister Dunajews» in dem ZollauSschuffe die Erklärung abgegeben habe, die Regierung werde, falls der von ihr beantragte Petroleumzoll ab- gelehnt werde, die verfaffungSmäßigen Konsequenzen ziehet und bei dem Kaiser Anträge stellen, welche geeignet wären, d» mit Ungarn in dieser Beziehung getroffenen Abmachungen PL I Annahme zu bringen. Der Ausschuß faßte noch keinen Beschlud| WaS unter diesen„verfassungsmäßigen Konsequenzen" zu otv stehen ist, muß abgemattet werden. Ei kann darin sowohl d» Drohung mit einem Rücktritt des Ministerium« oder wenigst�' de» Finanzministers alt auch die Androhung eine: Parlaments' auflöiung liegen. Trotzdem ist die Möglichkeit noch immer nia' ausaeschlvffen, daß der Regierung die Autsöhnung der Po'� für diese oder jene Gegenleistung auf anderem Gebiete do» noch wieder gelingt. Schweiz., Die„Albeiterstimme" und der„Grütlianer" berichten, da! in der Hedtger'schen Zigarrenfabrik in Reinach Arbeiter etvfa» Vekhalb ihres Verdienstes deraubt wurden, weil fie nicht n»« dem Willen der Herren Hediger und Söhne stimmten, handelte fich um eine Eisenbahnsudventton. Darauf «in„Nicklvolitiker" in der„Züttcher Post":„Sind dos no� republikanische Zustände? Sind wir noch„freie" SchweW' Zu solchen Fragen kommt ja nachgerade ein„Nichtpolinl»'' Welch' Wunder, daß die Sozialdemokraten an AnhonS Ä, Winnen, wenn immer wieder bald da, bald dort, auf Att„gehetzt" wird? Man braucht nicht Demokrat. iwA®'rt Niger Sozialdemokrat zu sein, auch ein strammer liberaler ultramontaner Patteimann soll und wird, wenn er no@ Jota Humanität in seiner Brust hat, energisch mUproteir' s gegen ein Gebahrm, sonst leistet man der Korruption BorsA� Einsender laust leine Hedinger', che» Zigarren mehr und E er werde viele Nachahmer finden." DaS wird nicht viel h"''" Solange die witthschastliche Abhängigkeit deS Arbeiters erhatten bleibt, ist auch die politische Unabhang'» Unternehmer keit eine Illusion. Der schweizerische Bundesrath hat bei der Bundes�? sammlung eine' R e vision dl r Bunde So« rfas über in der Richtung beantragt, daß die Gesetzgebung Schutz der Erfindungen auf industriellem und land lichem Gebiete, sowie der Muster und Modelle dem üdettragen werde. Belgien. m Der„vien Public" sagt, der König deabstchtig*. Ai streikenden Arbeiter zu begnadigen, die wegen bloßer Beu.„ mit Drohungen zu schweren Strafen veruttl Gettchte verhängten nämlich in ihrem Uebereifer Maximalstrafen. so begegnen. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß w« mal am Ersten meine Rechnung abschließen— vielle«?' früher."„ „Ich würde Ihne» unendlich dankbar sei», 9#* V nur „und da e» find, so w'll Dana aber thun sollte kann nicht bor," sagte der Schneidermeister, ein paar Tage bis zum Ersten auch nichts weiter dagegen sagen. ich wirklich— so leid eS mir Gerichte zu Hilfe ruft», denn ich warten."... „Nun, Meister Seilitz, wen« Sie mir auch ß di- lä-S� denn ich gleich mit den Gerichten drohe» Es thut mir wirklich leid, Herr Handor, handle meine Kunden gern mtt Achtung, aber.--„ Jetzt werden Sie doch so freundlich. verlassen, Herr Seilitz," sagte Handor, der caw ärgerlich zu werde».„Wenn Sie bis Geld nicht haben, so thun Sie nachher, wa« Jhn�n genehm� ist." Zht .. 1' Handor— Sie habe»" Wort gegeben, und ich verlasse mich darauf. �ille, um eine Tonne Kohle zu gewwnm, nur Fr. 2,40 jrc Handarbeit auszugeben braucht, kostet das gleiche uaantum für die Unternehmer im Norden und in der Loire über 4 Fr. Handarbeit, für die im benachbartm Departement deS Gard nahezu 4 Franken. Wenn daher die «ompagnie fich so sehr sträube, eine leichte Erhöhung der Ahne eintreten zu laffen, so könne fie unmöglich ökonomische Mnde dafür geltend machen. Laur giebt damit zu verstehen, oo« die Kompagnie die Arbestieinstellunz nm zu dem Zwecke »«längere, um ihre Arbeiter auf Jahre hinaus mürbe zu machen, ja vielleicht auch, um fie für ihre republikanische Gefinnung zu bestrafen. Nachdem Laur in dieser glichen Weise, die einen außerordentlichen Eindruck in der Komtner machte und die Rechte gewaltig ärgerte, der Kompagnie »«> Prozeß gemacht, ließ er auch die Regierung nicht ganz un- Woren. Cr sagte, die Regierung gebe taglich mindestens •WO Franken für die militärische Okkupation in Decazeville nicht nur um den Bestand der Minen zu fichem, sondern ?Ulh um die Kompagnie, die ohne diesen Schutz schon längst Mtulirt hätte, vor dem Uebelwollen der Arbeiter ficher zu Wien, und behauptete ferner, die Regierung Härte, wenn fie �»»Energie gehabt, die Kompagnie zu einem Schiedsgericht «Wichten können. & Im vorgestrigen Ministerrath erklärte Frcycinet nach der "sftwkf, Ztg." fich bereit, in der AuSweisungsfrage M»« vermittelnden Antrag anzunehmen, worauf die radikalen Alfter Boulanger, Aude, Lockroy rmd Gcanet ihre Forde» (s?Ü der allgemeinen Ausweisung fallen ließen, und zwar im uZ»«ständniffi mit Elemenceau, wie man glaubt. Regierung de» �»mmisfion werden fich jetzt vermutbisch dahin einigen, «lasen von Paris, dm Prinzen Napoleon und dm b»« af Victor sofort auszuweisen, den übrigen Prinzm aber tfH Aufenthalt als„Fremden" zu gestatten, so daß fie jeder» „"durch Minifterialdeschluß auSgewiesm werden könnm. Die �wisflon wird am Freitag Beschluß faffen. Deputirtenkammer berieth in ihrer vorgesttigen Sitzung 2%(r, od der Antrag Michelin. Planteau lJntranfigenten), «eichtr die Abschaffung deS die Beziehungen zwischen Staat s'd filrch x regelnden Gesetzes vom Jahre 1802 fordert, in Äring zu ziehen sei. Der Kultusminister Goblet wünschte C» Berathung, um die Anfichten des Landes kennen zu b»«'!» wurde mit 296 gegen 250 Stimmen beschlossen, o"1 Antrag in Erwägung zu ziehen. Die Kammer vertagte � wtouf bis Montag. D?e St RttchSeinheU gewahrt bleiben, Neuwahlen gestärkt hervorgehen. U �lradford hat die Polizei elf Mitglieder der Eozia» ' P i g�a aus London, welche hinter der Kirche an eine .««sprachen hielten, verhaftet. Berittene Polizei rinen durchaus unmotioirten Angriff auf die , Seit Jahren find bisher an dem erwähntm Orte bw hT m«F« unter freiem Himmel abgehalten worden, ohne B die Polizei eingeschrittm ist. Balkauläuder. «VN» Athen wird gemeldet, daß die g r i e ch i s ch e G r e n z e °r!,�rpppen bereits entblößt und sowohl die türlische als die chisch« Armee im vollen Rückzug begriffen sei. Die voll« Ersten sind die Würfel gefallm, und Sie bekomme» [J* Teld, Herr Seilitz, oder— Sie bekommen es nicht," dv.? gleichgültig hinzu, ging zum Sekretär, in dem er z eben vom Direktor erhaltene Geld, de« Rest seiner j»M Gage für diese» Monat, verschloß und dm Schlüssel Tasche steckte. Dann klingelte er und«ahm Hut und iel um, blieb aber mitten in der Stube, so fertig an- ---------_||-•""""i- und als W Thür »Ich gehe aus, Fritz." "�«hr wohl, Herr Handor." -»Weißt Du, wohin ich gehe?" "3» die.Hölle", Herr Handor." »Allerdings, mein Bursche- wen« Dich aber Jemand "� fragen sollte?",.. dahin werd' ich's wohl wieder vergesse» habe«, c Handor." W �"te Nacht, mein Bursche," sagte der junge Man«, »°r b'ch hin pfeifend die Treppe hinunter. »v Fe st Vorkehrungen. Htm.«ttchste» Tage brachten in Haßburg nicht vrel neues. «pÄrtt und Vogelschießen waren vorder, und d,e ge- ' l" V?«? awüfirte sich noch eine Zett lang auf dem Platz, »«d.«ude» gestanden hätten oder vielmehr«och standen abgerissen wurden, um einen Blick in d,e oft Wribp'9' jedenfalls neugierig umlagerte« Heiligthümer zu v �"d«ie oft wurde diese Ausdauer mit Erfolg &&**** jetzt lag den Besitzern ja doch nichts mehr daran, klth,'�»wütbigltaen jedem sterbliche» Auge verborge« zu £.Ji* war um, in der fie vo« Magistrat konzefsionirt H be«.» lb J?1 das Anschaue» dnselben zu nehmen; ß_°' die hier umherstanden, zahlte ihnen doch keiner �«ben' Uttb das„Aufladen" wurde ziemlich öffentlich ständiae Abrüstung fei baldigst zu gewärtigen. Die Kabinett der Mächte pflegen schon Unterhandlungen wegen Aufhebung der Blokade. Dieselbe dürfte demnächst erfolge«, doch bleiben die Schiffe der Demonstrattonsflotte bis auf weitere Instruktionen unter dem Kommando des Herzogs von Edinburgh bei- sammen. Nach den nunmehr vollständig vorliegenden Resultaten der Wahlen in Ostrumelien find von 89 Deputirten 10 Gegner der Regierung, 20 von unbestimmter Parteistellung und die übrigen Anhänger der Regierung. Die Kammer wird demnächst zusammentreten. Di« beiden ostrumeli s ch enOp p o siti onSfüh rer Gcschow und Welttschkow find nach einer Mittheilung der „Köln. Ztg." aus Philippopel auf einen unter dem Vorfitz deS russischen Vertreters Jngelström gefaßten Parteibeschluß nach Konstanitnopel entsandt, um bei der rusfischen Botschaf! genaue Weisungen über daS wettere Verhallen der ostrumeli» fchen Oppofition über die Abfaffung einer Beschwerdedenkschrift an die Großmächte einzuholen und um frische Geldmittel zum Kampfe gegen die bulgarische Nationalpartei in Empfang zu nehmen. Amerika. Die Verurtheilung Most'S und der anderen beiden Anarchisten erregt, dem Bureau Reuter zufolge, allgemeine Befriedigung. Alle Zettungen enthalten zustimmende Artikel und drücken die Hoffnung aus, daß der Ausgang deS Prozesses die Wirkung haben werde» alle Arten von Agitatoren von mordbrennerischen Reden zurückzuhalten. Das Urtheil wird in dUser Woche gefällt und man glaubt, daß dasselbe auf ein Jahr Gefängniß(daS höchste Strafmaß) und eine Geldstrafe von 100 Doll. lauten werde.— In Chikago find 22 Auf- rührer in Anklaaezustand versetzt worden und es wird die Verurtheilung fast allrr mit Sicherheit erwartet. Afrika. Einrm Privatbriefe der„Nat.-Ztg." entnehmen wir nach' stehende MUtheilungen über die Finanzlage in Egyp- t e n: Einen ficheren Gradmeffer zur Beurtheilung der finan- ziellen Verhältntffe in Egypten bilden die Einnahmen der Eisenbahnen, der T«legraphenSmter und deS Hafens von Alrxan» drten, welche dem Dienste der privilegtrten Schuld zugewiesen find. Dieselben find in diesem Jahre hinter den Ergebniffen deS Vorjahres weit zurückgeblieben, so daß zur Bezahlung der am 15. April fällig gewesenen Koupons 62000 Pfund auS dm Einkünften der unifizirten Schuld mtnommen werdm mußten. Die Erklärung hierfür Ist darin zu suchen, daß in diesem Jahre die unausgesetzten Militärtransporte auf dm Eisenbahner», welche durch die Operationen im Sudan bedingt wurden, bereits aufgehört baden; und gerade diese hatten das Einnahmebudget der Eismdahnm so unnatürlich ge- steigert._ Parlamentarisches. — In der heutigen Sitzung der Brarntweinsteuer-Kom- misston deS Reichstags lagen zu den noch übrigen Para- araphen, die die Detailbestimmungm für die Ausführung deS Gesetzes enthalten, von§ 3 eine Reihe Anträge des Abg. Buhl vor, die fich theilS an dm konservativen Entwurf, theili an die Regierungsvorlage anfchloffm. Der§ 3 wurde sowohl nach dem Antrag Buhl wie nach dem Antrag Kleist ohne De- hatte gegm die Stimmen der Nationalliberalen abgelehnt. Ebenso die§§ 4—8. Abg. Buhl gab seiner Ueberraschung Ausdruck, daß das Zentrum und die Konservativen gegen ihre eigenen Anträge stimmen, nammilich auch gegen dm§ 9, der die Brennereim durch steuerfreie Lager möglichst lange vor der Steuerlast bewahren soll. Abg. von Wedell' Malchow er klärte, eS hätte keinen Zweck und keinen Nutzen, die Antrage sachlich zu debatttren, nachdem die von dm Konservativen ge- plante Organisation der Kontingenttrung abgelehnt wor- den sei. Abg. Sattler(nat.-lib.) erinnerte daran, daß die Konservativen doch§ 1 und§ 2 angenommen hätten. Abg. v. Mirbach wieS aber darauf hin, daß die Konservativen dabei ihre definitive Stellungnahme ausdrücklich vorbehalten haben. Hierauf wurde§ 9 abgelehnt. Abg. Buhl zog den Rest seiner Anträge zurück und eS wurden sodann ohne Debatte die weiteren Paragraphen bis auf Einlettung und Ueberfchrift ver- warfen. Damit war die erste Lesung beendigt. Die Kons«. vativen verlangten, man solle auch sofort die zweite Lesung vornehmen. Der Abg. Kayser(Soz.-Dem.) widersprach diesem Voi schlage. Man müsse vorher abwarten, ob der Finanz- minister die Rickert'schm Fragen nach den Bedürfnissen und Verwendungszwecken beantwortm werde. Geschehe dies nicht, so werde er in der zweiten Lesung die Zurück- strllung eines Th-ilS d«S Ertrage» beantragen. Auch Rickert widersprach einer sofortigen zweiten Lesung und lün- dtgte an, daß wenn seine Fragen nicht beantwortet würden, er fie im Plenum wiederholen und genaue AuSlunft über die Verwendung der neum Steuern verlangen werde. Abg. Graf Sttachwitz wollte die zwette Lesung in einer Abendfitzung vor- nehmen. Er glaube nicht, daß der Minister die Fragen über- Nicht geringe Schwierigkeiten bot es dabei der wißbe- gierige» Jugend, um heute in Sonnmlicht und in Alltags, Neidern die verjchiedenm Persönlichkeiten wieder herauizu. finde», deren Leistungen fie vielleicht«och gester« Abend bei dem Licht einer Anzahl vo» Oellampe» und im bunten, phavtastischm Flitterputz bewundert und angestaunt hatten. � � b{t 6t|jnn a6enl) das Feuer gefressen hat und fich dm Degen bis in de» Magen stieß," rief einer der Junge» seinem Nachbar zu, indem er ihm de« Ellbogen in die Seite rannte. Ach, dummer Junge, der doch nicht in der grünen Jacke 1" „35er mit der langen Troddel an der Mütze, gewiß; ich sag' Dir, ich kenn' ihn. Gester» hatt' er'am rothm Kittel an. Siehst Du, jetzt macht«'S gerade so wieder, wie gestern mit dem linkm Bein— das ist et." Und Du, das ist das kleine Mädchen, das auf dem Seil tanzte—«a, sieht die ab« heute aus!" (Fortsetzung folgt.) An« Kunst«nd geben. Der Donnerstag scheint fich zu einem Familimfest im Schwei,«garten gestaltm wollen, dmn neben dm groß- artigen Leistungm der mglischen Gymnastikerfamilie Legiere, dem urkomischen Trio Jonas, Grosch und Glas«, dem Salon- komiker J-chtau, sowie des Lustspiel- und Poffenpersonals. daS seine drastischsten Stücke herausgesucht hat, hat fich die Di- rettton mtschloffen, auch die Kaffeeküche zu öffnen, so daß man wohl mit Recht sagen kann, im Schweizergarten wird ein Fa. ���Etper�Treptow� Dieses von landschaftlichen Reizen und Vorzügen, einzig in sein« Art. begünstigt gelegene Etabltffement kann in der dtetjährigm Sommersaison nicht genugsam einem aus dessen Mitte wir nur die hmiptsAlichsten Personen her. Häkel. Haupt beantworten w«de. Ein Regierungskommiffar, Assessor Köhler, behauptete, daß für diese Annahme des Vorredner» kein Grund vorliege. Abg. Kays« erachtete diese Auskunst für zweifelhaft und konstatirte ausdrücklich, daß wied«holt bei dm Berathunam weder der Finanzminister noch ein and«« kompetenter Vertreter der BundeSregierungm anwesend ge, wes-n sei. DaS sei im höchsten Grade auffallend. Die de- soldeten Beamten ließen eS an fich fehlen, während man die diätmlosen Volksvertreter bis in den Sommer hinein fest- halte. Er beantragt, die zweite Lesung am Freitag vorzu» nehmen. Dies« Antrag wurde nach läng«« DiSkusfion an« nommm. Gerichts-Zeitung. Mordprozetz i« Brüssel. Vor den Mism der Provinz Brabant in Brüssel hat am vergangenen Montag die Ver- Handlung in dem sensationellm Drama Vandersmiffen de» gönnen. Die Anklage gegen Gustav Vandersmiffen, einund- dreißig Jahre alt, Advolat und Mitglied der Deputirtenlammer, geht dahin: daß« in Schaerbeck in der Nacht vom 8. auf den 9. April 1886 wiffenttich und mit Uederlegung einen Mord begangen hat an der Person sein« Ehegattin. Dem Anllageakte des Gm«alprokuratori von Maldeghem entnehmen wir die folgenden Einzelheiten: Am 12, Januar erfuhr Vandersmiffen auf Grund einer Konfrontation mit dem Vicomte de Cadianan, daß seine Frau ihn fortgesetzt htntergangen Er veranlaßte seine Frau, augenblicklich die gemeinsame Wohnung zu verlassen und leitete gegen fie die Ehescheidungsklage ein. Doch ist eS festgestellt, daß er fie spät« wied«gesehm. häufig wiedergesehm, daß er ganze Nächte bei ihr zugebracht und bald, nahezu jeden Tag, ihr Briefe geschrieben, die von vollständiger Wiederherstellung deS guten EinvemehmenS Zeugniß gaben. Um gleichzeitig den Ansprüchen seine? eigenen Interesses zu dienen und jenen seiner finnlichen Leidenschaft, hat« mit dem Schicksale seiner Frau die unwürdigste Komödie gespielt. Er ließ fie schwören, die Thatsache ihrer Wiederoersöhnung geheim zu halten und fich vor dem Ehescheidungs-GerichtShofe nicht zu v«theid!gen. Seinerseits versprach er, daß er, im Falle rechtskräftiger Ehescheidung, dieselbe nicht durch den Standesbeamten werde verkünden laffen, und gab nebenbei seiner Frau zu verstehen, daß, wenn mit d« Zeit die An« gelegenheit gerathen sei, er ihr mit seinem Kinde wieder den Platz und den Titel seiner legitimen Gemahlin einräumen werde. Während zweier Monate wurde dieser doppelte Ver- trag getreulich gehalten. Bei Nacht hielt fich Vandersmiffen häufig in den Zimmern seiner Frau auf, welche« vor seinen Richtern, vor dem Rathe seiner BerufSgenoffcn, vor seiner Familie beschuldigte, ihn entehrt zu haben. Von Anfang ließ fich oder schien fich Madame Vandersmiffen dieses Manöver gefallen laffen zu wollen. Aber spät«, als fie Hände voll Briefe im Befitze hatte, welche die Wied«verföhnung bewiesen, alS fie zahlreiche Zeugen deS wiederhergestellten Eino«nehmenS mit ihrem Manne aufzurufen im Stande war, zeigte fie fich weniger entgegenkommend. Zuerst willigte fie in eine formelle Scheidung der Personen, dann gab fie ihre Absicht kund, fich zu vertheidigen und endlich verbarg fie nicht ihre Adficht, den AuSnahmSstandpunkt der Wiederversöhnung für fich in Anspruch zu nehmen. D« Angeklagte fühlte das Vollgewicht der gefährlichen SUuation. Er versuchte, um daS ihm drohende Unwetter abzuleiten, zuerst feine Frau zu erschrecken durch die Drohung seines Selbstmords!„Ich schwöre Dir." schrieb« ihr am 16. März,„auf das Haupt von Madeleine(seinem Töchterchen) und auf das ewige Seelenhril meines Vaters, ich werde mir eine Kugel durch den Kopf jagen, wenn Du einen Schritt thust, wenn Du ein Wort sagst, wenn Du eine Zrile mein« Schriften, sei eS wem immer, zeigst, wenn Du einen Zeugen namhaft machst, um zu konstatiren, daß eine Versöh« nung zwischen uns stattgefunden I" Aber der Bedroher hat seinen Vorsatz nicht ausgeführt, er hat es vorgezogen, selbst sein Opfn zu tödten. Madame Vandersmiffen hat auch zweifets» ohne diese Drohung nicht ernst genommen; fie hielt nicht inne in ihrem Vorhaben und am 7. April brach daS Ungewitter IoS in seiner ganzen Heftigkeit. Am Nachmittage dieses Tage» gaben die Anwälte Vandecsmissen'S, informirt von der Doppel« züngigkeit ihreS Klienten, ihm die ertheilte Vollmacht zurück. Der Angeklagte war von dieser nur zu gerechtfertigten moralischen Vtturtheilung vernichtet. Seine Verzweiflung wurde noch erhöht durch den Ausspruch seines Freundes und Anwalts Culs, der ihm unverhohlen mittheilte, daß seine Situation verlorm sei und daß ihm nicht» übrig bleibe, als daS Land zu verlassen. Am andern Abend flüchtet« stch Vandersmiffen in einem Zu- stände d« Vernichtung nach Alost, von seinen Brüdern Rath zu erholen. Nachdem diese«fahren, wohin ihn seine Schwäche geführt, gaben fie ihm hoffnungslos, doch ohne Vorwürfe, zu erkennen, mit ihm definitiv— für immer zu brechen. Dieser Bruch war für Vandersmiffen der Anfang der Katastrophe. Er begriff, daß Alles verloi en sei, Geld, Kredit, Ehre, und sein gepeinigte» Herz barst vor Wuth, als er um 11 Uhr Nachts auf seiner Heimkehr von Alost in dem Journal„La Nation" »«öffentltcht fand, daß die Wied«oersöhnung mit seiner Frau Ueber eine« gefahrlichen Posten erzählen di-Z-itungen von van Franzisko tn folgender höchst gemüthlicher Weise: „George van Neß ist Billetabnehm« im chinefischen Theater. Gestern erschienen Ah zum Abdruck gekommen, vom Privattläger aber als unaufnehi» bar zurückgewiesen worden, als der Angeklagte deffm Aufnahmt noch einmal beansprucht hatte. Hierüber erbost. richtete er anfangs einm längeren Brief an die Redattta um die Unverfänglichkeit deS Inhalts de» seratS darzuthun, schrieb aber, alS dieser nicht zum Ziele führte, unterm 19. Januar er. eine voll» schwerer Beleidigungen strotzende Postkarte an die Redaktion der„Voff. Ztg." U. A. war darin gesagt, daß stch die 9k' daktion mir dem Glorienschein von Tugendhaftigkeit umgek während fip auS der Zurückweisung nur Willkür und Des?»' tiSmuS ergebe. Diese und die Fortschrittsvartet seien Geschwister' linder. Der ärgste Despot hätte die Ueberhebung der Fort» schrittßpreffe noch nicht erreicht. Von einem in der Wolle fl» färbten FortschrtttSmann sei aber eine solch fle�clbak! RückstchtSlofigkcit nur zu erwarten gewesen.— Der Angeklagte verwahrt fich gegen die Abficht, den Pfloattläger zu beleidige». er meint, daß er nur die Fortschrittspreffe im Allgemeine» nach Gebühr gezeichnet habe. Der Gerichtshof war ab« anderer Anficht und verurtheilte den Angeklagten mit Rückst»! auf die Schwere der Beleidigung zu 100 M. ev. 20 Tag» Gefängniß. 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Freitag: Dieselbe Vorstellung. Ketedrtch-Wtlhelmstädtische» Theater. Der Sigeunerbaron. Freitag: Dieselbe Vorstellung. «oihalla- Theater. Der kleine Herzog. Freitag: Dieselbe Vorstellung. LAend-Theate». Entehrt. Frettag: Uttel Acosta. BrNort«- Theater. Amor. Tan» Poem von Luigi Manzotti. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Honftnau«'» Variete. Groß» Spezialitäten- Vorstellung.__ '- Passage 1 Tr. B M.— 10«♦ my Japan- China.. Neu! Eine Wanderung durch Rom. Hertha-Reise. Caroltnen-Jusel«. Eine«eise 20 Pf.«inver nur 10 Pf An die Zimmerleute Berlins und Umgegend! Wir machen hiermit nachstehende Herren Meister bekannt, welche den festgesetzten Mtnimallohn, ä Stunde 50 pf., bereits bewilligt haben: Götze Maurermeister). Krebs, Heffe, Harz, Stteder, Waldmann, Simon u. Co., Thomas, Fr. Lehmann, LUtner, Mann(Baumeister), Holtz und Zaar, Schwager, G. H. Hoffmann, Loose, Mietsch, Funck, Osten, Grube, Wolf, Schäfer u. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die regelmäßigen Verttnlversammlunaen, da selbst die zum Dimstag, den 1. Jans anberaumte Versammlung, welche nur Statutenänderung zur Tagesordnung hatte, in letzter Stund« verboten ist, unter den jetzigen Ztttv-ihältnUm nicht mehr stattfinden. Femer wird dringend ge. btten, die über 3 Monate rückständigen Bei« träge zu entttcktea, widttgenfalls die Betreffen. den au» der BerttnSliste gestrichen w rden. D'e Entnahme von Büchern auS der Bibliothek, die Aufnahme neuer Mitglieder, sowie Regultrung der Beiträge finden jeden Montag Abend von 8—10 Uhr im Lokale deS Hrrrn Kchmarr, Blumenthalstraße 5, statt.[1857 Der Vorstand. _ I V.: W. Schweitzer. Vereinig, deutscher Stellmacher (Mitgliedschaft Berlin). Freitag, den 4. Juni, AbendS 8'/, Uhr, Der sammlung in Heller'» Lokal, Andreasstr. 21(oberer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W e h n e r t über Elettrizität- 2. Verschiedenes und Fragekasten.— Gaste find willkommen. Neue Mttglieder werden aufgenommen.[1858 _ Die Ortsverwaltung. Die Berichtigung. Einladung zu einer Landpartie an die hiefigen Maurer, welche in der Dienstags» Nummer de?„Berliner Volksblatt" stand, ging nicht, wie irrlhümlich angegeben war, von Hrn. C.«ehrend, Stttnmetzstraße 23, aus, sondern von mir. Michel« Poll. Arendtstraße 13, parterre recht». Versammlung der Mitglieder des,. Vereins zur iMmng der latfßr der Klameearbeiter am Sonnabend, den 5. Juni, Abend»° in Sralwetl's Kierhalle«, Komm«»� stiaße 77/79(oderer Saal). ty- Tagesordnung: 1. Vortrag de» Sandmann über:„Die fftase in ihrer W..Zk»' zum OrganiSmuS. 2. Abrechnung vom ball. 3. VerttnSangelegenhtttm u. Flog � 1359]_ Der Vorst�-� W.Abr.e.!l.neueWirthsch.z.v.rl.AndrtaSst� Soeben erschien Nr. 29 d«S... „Wahrm Zakob Zu beziehen durch die Expedition, firaße 44. Koeke« erschien l Die SiMemktttit vor dem Deutscheu Stmoaraobischer Bettcht der Berha(g .IckitewotKl. «in Nichtig atlBltlllWW[f 10 Aorbmachergtl� vergor«. Ein juno-o Wäbch" Verantwortlicher»tedallem R. E»OUbti« w Berlin. Druck und Verlag von Max vadtng in Berlin SV, Beulhftraß» 2 Hierin tislt t i d.-"» &! Beilage zum Berliner Bolksblatt. 128. Donnerstag» den 3. Juni 1886. III. IchW- Irr IahttsdnilhI der Mmdurzer HimiitlskW«« pro 1885. o. Utbet die Kolonialpolitik, dies neueste Mittel, die so« ziale Frage»ach Kamerun zu exportire» und eventuell tu deport ren, schreibt die kolonisationsfreundliche Handels- Cammer: �Die Kolonialpolitik de» Reiche» hat im verflossenen Zahre Denjenigen EattSuschunge« gebracht, die Vorarbeiten wtt den Resultaten verwechselte« und unberechtigter Weise von der kaum begonnenen AuSsaat schon die reife Frucht «warteten. Wir, die wir ua» so sanguinis ne« Erwartungen nicht hingegeben habe«, al« wir de« Beginn dieser Politik al» ein Bedürfoiß bezeichnete«, halte« ihre vorsrchtige aber energische Fortführung für ebenso nothwendig, und glaube«, »aß auch ihr Endresultat die iu sie gesetzte« materiellen Hoffnungen nicht täusche» wird. Aber schon jetzt entschä- «gt die Ucberzeugung, welche in Folge dieser Politik die Völker durchdrungen hat, daß Deutschland sich auf allen Meeren Achtung zu verschaffe« wisse, vollauf für die Opfer und Koste«, denen wir diese» Bewußtsei« ver« danken/ Wir gestatte» un» die Bemerkung, daß eine dicke moralische Hornhaut dazu gehört, jetzt so zu schreibe«, jetzt nach dem Kloßartigeu Fiasko unserer überseeische» Politik, die bis jetzt der Annexion öder Sandlöcher, in dem Einäschern„tebellt Wer* Negerdörfer, in dem Import schlechteste» Kartoffel suseli und ebenso kulturförderliche» Schießpulver», die in der "opreisung der mehr oder weniger unmaSkirten Sklaverei Und Hörigkeit durch die commie voyagenrs der Kolonial« Politik, wie durch Dr. PeterS, wie jüngst auch Dr. Buchner ? der„Köln. Ztg.",— die also in solchen„Raupengeheuer« Weiten* ihre negative« Triumphe gefeiert hat. Deutsch- r&S wachsende koloniale Macht„auf allen Meeren" ent- n** den siegesbewußten Engländer», de» Monopolisten der '"wuifation, nur ei« mitleidiges Lächeln. Wir aber reiten energisch gegen diese jüngst« Methode der Politik, � dazu geeignet ist, die Aufmerksamkeit von den inneren Schäden und der wirklichen Quelle der sozialen Roth ab« zuleaken. , Bemerkenswerth find die Ausführungen der Handel»- 'ammer über die Sonntagsarbeit: „Auf sozialpolitischem Gebiete hatte die Handelskammer W mit der Sonntagsarbeit zu beschäftige«, über welche von der Reichiregierung eine Enquete veranlaßt worden ist. Auf vom Senate ergangene Aufforderung hat die Handelskammer «ne«»hrer Sekretäre in die hier gebildete Enquete-Kom- vnfsion delegirt, welcher an den Arbeite» derselben Theil ha». Zn einer von ihr erforderten Aeußerung Uder die bezügliche Verhältnisse in de» großkaufmänorschen ««riebe« h# die Handelskammer konstatire« tönnen, daß die Sonntagsarbeit in diese« gegen frühere Zeiten in be- merkbarer Weise abgenommen hat, da im KaufmannSstavde Allgemeinen das Bestrebe» herrsche, dieselbe möglichst 'nzuschräokcn. Eine weitere Beschränkung der obrigkeitliche« Maßnahmen über diejenigen hinaus, welche hier bereits bestehe» sich bewährt haben, hält die Handelskammer nicht für Mnlich. Für die Kontorardeit würde ein bezügliche» Ver» ?o> der Natur der Sache«ach nicht wohl durchführbar sein, r* die Hilfsgewerbe de» Handels würde ei« absolute» Ver« o°t bei der im Weltverkehr erforderliche« Schnelligkeit und überall herrschende» Konkurrenz nicht ohne große Schä- Hungen und Umwälzungen möglich sein, die zuzulassenden Mvahmefälle würde» aber so vielseitiger Natur sein, daß dieselbe» nicht wohl gesetzlich fixiren lasse». Die Han- �»kammer will aber nicht unterlassen, bei dieser Gelegen- üu große Bedeutung der Sonntagsruhe für die mora- und physische Entwicklung de« ganze« Volke« zu be- und den Wunsch auszusprechen, e« möge Zeder prüfen, »stticht die Sonntagsarbeit, soweit sie noch stattfindet, zu« All mehr auf aller Gewohnheit als auf einem wirkliche» eUrfnisse beruht, und ob sie nicht durch veränderte Ge- Mtieinrichtungen und rationellere Zeiteintheilung weiter ändert werde» könne." i», a�e Leier, die ewige Halbheit! Denken die Ham- fejgrr Herren gar nicht an da« Land mit der strengsten »Jviagflfeier, an England, diesen Hauptfitz de» Großhandel»? der eine» Seite die Anerkennung der Nachtheile der �®lag«ar�it�u��«dm�kit�asBeharre«�a�� @01 der Jobilöums-KisMimg. 0. Von de« blutgetränkten Felder» de» Krieges führt un»«in anderer Künstler auf da» Gefechtsfeld � ärgerliche« RechtSstreitigkeite«— in de« Gericht, saal. gesprochen" nennt sich ein Gemälde des da�pvrfer Maler» Ferdinand Brütt, welches uns mit vlia.? Naturwahrheit de» Schluß eine» Gerichtsakte» vor % führt. »»geklagte ist freigesprochen, in wilder Freude, «r k.» ,m Vollgenuß der wiedergewonnenen Fceihert rst «r n!?r-pp« hiuabgeflürzt, auf der Mitte derselben wirft bie Arme seiner Frau. Für den Augenblick mag Iich. vngesse» sein, die qualvolle« Stunden der Unter. li??vssbatt Ui. die schlaflosen »mjuang an sein Ohr schlugen, alles das ist in ** rl4 Augenblick vergesse«; stürmisch preßt er sei« Werb > tt««w" �ubel, bei den Seine« zu sein, erfüllt rh« u,*,' ble Zeit nicht, darüber nachzudenke«, wa« viel- \n sei» wird, daß er möglicher Weise vor dem fc�IchliriT mnb bo6 er zu Grunde gerichtet wurde durch alten Mißfiände«, der Hinweit auf die.freie Uebereivkunft", diese von der einsthafte« Sozialpolitik als lächerlicher Hum bug längst nachgewiesene PhantaSmagorie au, der Zauber» laterne der Herren Bastiat-Schulze u. Komp.! Die Denken« den unter de» junge« Kaufleuten fangen bereits zu begreife« an, daß sie auch vur ein Bestandtheil der große« prole- tarische« Armee, daß sie Lohnardeiter und nur Loh» arbeiter sind, und daß die soziale Frage im Kaufmanns« stand ebenso brennend ist, ebenso wirkt, wie etwa in einer industriellen Brauche. Darum ist eine gesetzliche Regelung dieser Frage, wie des Arbeitstage» überhaupt, eine drin« gende Nothwendigkeit. Ueber die von uns bereits mehrfach besprochene Un« fallverficherung der Seeleute äußert sich der Bericht wie folgt: .Nachdem der deutsche Nautische Verein im Februar die Angelegenheit eingehend berathen und befürwortet hatte, vor weiterem Vorgehe» statistische Erhebungen über die in Bettacht kommenden Verhältnisse, über die es bisher an jedem Material fehlt, zu veranstalten, erschien im Herbst ri« Regierungsentwurf, welcher von alle» anderweite« Vorschlägen darin abweicht, daß der er Rhederei, den Arbeit- geber», die ganze Krankenlast in bisheriger Wesse beläßt, und ihr daneben auch die ganze Unfalllast auflegt. Wir haben den Entwurf unter Hinzuziehung des Verein» Ham- burger Rheder einer eingehenden Berathung unterzogen. In unserem Gutachten haben wir in erster Linie betont, daß es bei dem Mangel bezüglicher statistischer Angaben an jeder Grundlage der der Rhederei durch de« Entwurf aufzuerlegenden Belastung fehle, daß aber die Be« lasiung in diesem notorisch besonder» gefährliche« Gewerbe mit der Zeit eine bedenkliche Höhe erreiche« dürfte. Wir haben daher empfohlen, fall» man schon jetzt und ohne weitere Vorbereitung die gesetzliche Rege- lung dieser Angelegenheit eintrete« lassen und nicht viel mehr erst mit dem am 1. Oktober d. I. in Kraft getretenen allgemeinen Unfallversicherungsgesetz Erfahrungen sammeln wolle, unter Belassung der Krankenlast wie brSher bei de« einzelnen Rheder», die Uafalllast wenigstens für de« An fang möglichst und nach verschiedenen Richtungen hin zu be schränken." Natürlich, nur ja das gedrückre Kapital, die arme» Aktionäre, die nothleidendea Rheder so viel wie möglich ge« schützt! Grade weil die Unfälle so zahlreich sind.in diesem notorisch besonders gefährlichen Gewerbe", gerade deshalb muß baldigst eine gediegene Unfallversicherung für Seeleute, bei der aber die Versicherte» mitzureden habe«, durch das Parlament geschaffen werde«. Trotz alledem aber, trotz der Roth der Zeit und der Zeit der Roth, trotz der reißend schnell wachsenden Verpaupe- rung der Massen, trotz der chronische« Weltkrifi» rafft sich mit dem Much, den zu besitzen em traurige« Vorrecht unserer liberalen Bourgeoisie ist, die Hamburger Handels- kammer zu folgendem«ationaldevote» Schlußdithyram- bu» auf: „Neben dieser Kritik im Einzelne» erkennt die Handel«- kammer aber gern und unumwunden an, daß, vom höheren Standpunkte betrachtet, die Machtentsaltung de» Deutschen Reich-«ach Außen und Znne« eine« große» nationale« Aufschwung bewirkt hat, der von de» weitttaaendsten segenSrerchen Folgen auch für Handel und Verkehr ist. Die» läßt sich nicht«ach den Erfolge« oder Mißerfolgen einzelner Jahre ermesse«; Jahrzehnte müsse» zur Vergleichung herangezogen werde» und dann wird man an der fortschreitenden Wohlfahrt der deutschen Nation nicht zweifeln könne». An derselbe» zu seinem Tyeil kräftig mitzuarbeiten, wird der hamburgische Handeltstand stet» für seine Pflicht erachten." Die Massrnarmuth, der Hunger, da» Elend wächst, die Selbstmordziffer schnellt rapid in die Höhe, die Loh»- und Lebensverhältnisse werden auf» Tiefste gedrückt, die industrielle Reservearmee schwillt zu kolossalem Umfange an durch die Tausende entlassene», in Folge der Krisi» brotlos gewordene« Arbeiter, die Schutzzölle hänge« dem Volk de» Brotkorb fast unerreichbar hoch und doch diese» Loblied auf de» „großen nationalen Aufschwung!" Wie herzerhebend aber ist der Trost für da» aufs äußerste bedrängte Volk, daß„einzelne Jahre" nicht mit- zähle«, daß„Jahrzehnte herangezogen werde» müsse«." Und was wird in der Zwischenzeit au« dem Arbeiter? Die Nothwendigkeit sozialer Reforme« auf demokrati- scher Grundlage, nicht solch chauvinistische Flausen find hier gesprochenen; mit demselben Gleichmuth, mit dem er das erlösende Wort der Freisprechung verkündete, hätte er den Angeschuldigte» verurtheilt, wen« ihm da» Ge« setz hierzu die Handhabe geboten hätte. Das Publikum denkt jedoch ander«, für Männer, Weiber und Kinder ist der Angeklagte ei« Gegenstand Verwunderung«- voller Neugier: da« also ist der Mann, von dem man wahr- scheinlich soviel gelesen, dem man die grausig« That vorge- worfe» hat, die man ihm nicht beweise» konnte. Wen« er es vielleicht doch gewesen wäre, wenn er e« nur verstanden hätte, durch schlaue Verstellung die gelehrte« Richter zu täusche«, wen«— doch wer kann alle die Kombinattonen ergründe«, die in der vielköpfigen Menge kursiren; vielleicht entstehen sie jetzt erst, e« kann aber sei», daß sie dem äugen- blicklich so Glückliche» für sei» spätere» Leben verhängniß- voll find. Hier fällt der Vorhaag vor einem gerichtliche» Drama — in einem der Nebensäle fiaden wir ei» Bild, auf wel- chem sich ein solches ersi entwickelt. .Am Orte der That", von Emil Neide, zeigt un» de« kriminalistischen Apparat ia seiner beginnende« Thätigkeit. I» einer wüste« Herberge vielleicht wurde jener robusie Mensch ergrissen, der regungslos, aber hochaufge- richtet an der Grube steht, aus welcher man unter Leitung de» waldkundigen Förster« soeben die Leiche eine» Ermorde- te« an» Tageslicht fördert. Der Staatsanwalt mit seinem lluge«, scharfgeschnittenen Gesicht blickt gespannt in die am Platze. Wo die Handelskammer nicht begreift, da fordert die Arbeiterschaft in ihrem Interesse, im Interesse der Kultur, im Interesse der Menschheit eine rationellere Gestaltung unseres wirthschaftliche» System». Und das von Rechtswege« I_ P arlamentsverichte. Abaeordnetenhau». 88. Sitzung vom 2. Juni. 11 Uhr. Am RegierungStische zahlreiche Kommiffarien. Auf der Tagesordnung stehen zunächst KommisfionSSerichte über Petitionen. In der Petition de» Vorsttzenden der Kölner Brauerei- korporation. W. Scheden, unterstützt und mitunterzeichnet von 445 Brauereim der Provinzen Rheinland und Westfalen, wird die Bitte auSgesprochm, bei der königlichen StaatSregie- nmg zu befürworten, daß noch in dieser Sesfion ein Gesetz erlassen werde, welches„die Verwendung aller Surrogate beider Bierbereitung verbiete, so daß zur Herstellung von Bier nur Malz, Hopfen, Hefe und Waffer verwendet werdm dürfen und schwere Sttafen gegen den Uebertreter dieser gesetzlichen Vorschriften festgesetzt würden." Die Petition de» Vorfitzenden deS rheinischm Bauem« verein» Felix v. LoS spricht fich zum Schutz landwirthschaftlicher Interessen und zur Abwebr der Maltosefabrikation in dem- selben Sinne auS, ein Gesetz erbittend, welche»„wie in füddeutschm Staaten bei der Bierbereitung nur Verwendung von Gerste und Hopfm gestatte und alle Sunogate unter S'.rafe ausschließe." Die Petitionikommisfion bat nach Ablehnung eineS An» trag» auf Ueberweifung der Petition an die Regierung zur Berückstchttgung mit 16 gegen 2 Stimmen beschlossen, die Ueberwetsung zur Erwägung zu deantragm. Abg. Scheden(Zentrum), Einsender der erstgenanntm Petitton, plaidirt für Ueberwetsung zur B-rückstchtigung und polemistrt gegen eine Reihe von Ausführungen in dem vom Abg. Rumpff erstatteten schriftlichen KommisfionSbericht. Zu- nächst sei die Zuständigkeit deS preußischen Abgeordneten- Hause» zur Berathung des Petitum» in der Kommisfion auch durch ttne Aeußerung deS Kommissars des Justizministers außer Zweifel gestellt worden. Wenn außerdem im Bericht gesagt werde,„die Petition Scheben sei aus einer allge- meinen Animosität gegen die Maltose und au» der Furcht vor derKonkurrenz der bayeri« s ch« n B i e r e hervorgeganam; beide seien ungerechtfertigt; nur in einigen größeren Städten hätte das bayerische Bier an Terrain gewonnen, in gleichem Maße aber auch der Konsum deS norddeutschen BiereS zugenommen; in Heineren Städten und auf dem Lande könne vrn einer fichtbarm Kon- lurrenz des bayrischen BiereS überhaupt keine Rede sein", so hätten die Petenten zu solchen Beschuldigungen gar keinen Anlaß geboten. Die Dringlichkeit deS Erlasses eines gesetzlichen Verbots könne nicht bezweifelt werden; nur durch schnelles Handeln der StaatSreaierung sei die Anlage von Maltose- fabriken, welche den Ruf der norddeutschen Brauereien nach und nach vollständig untergraben würden, zu verhindern. Die Gründe der Kartoffel dauendm Gutibesttzer der östlichen Pro- vinzen gegen gesetzliches Verbot der Surrogate seien nicht stichhaltig, dmn bei den Hunderttausendm von Zmtnern Kartoffelstärke und Kartoffelsqrug, welche für andere Zwecke konsumirt und zum größtm Theil exportirt würden, könne der geringe Betraa, welchen die Bierbraueret konsumirt habe, gar nicht m die Wagschale fallen. Abg. G o l d s ch m i d t bemerkt, daß er nur seinm Stand- punkt wiedergebe, nicht den seiner Varteigmossm. Er habe selbst im Reichstage mehrfach die Frage des Verbots der Surrogate angeregt und stehe überhaupt der Petitton sehr freund- lich gegenüber. Dennoch bewegen ihn zwei Momente, das Hau» zu bitten, dm Beschluß der Kommisston anzunehmm. Der Reichstag hat vor wenigen Monaten einen gleichen Antrag für das ReichSsteuergebiet abgelehnt, und es wiverspricht dem Ein- heitSgedankm, diese Matette einseitig für Preußen zu regeln, e» widerspricht mernem Gefühl, daß der preußische Brauer mit anderem Maß gemessen werden soll, als der sächfische, olden- burgische oder mecklenburgische Brauer. Dann aber liegt dem Reichstage eine Petttion vor, welche eine Ergänzung des§ 5 de» NahrungSmittelgesetzeS erstrebt und welche in der Forde- rung gipfelt, daß unter der Bezeichnung Bier nur ein auS Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestelltes Getränk zu ver- stehen sei, daß da» Verkaufen und Feilhaltm von bterähnlichm Getränken, bei deren Herstellung Surrogate irgend welcher Art verwendet wordm find, nur unter einer Bezeichnung als „Bier" gestattet ist, oder welche die anderweitige Herstellung der detteffmden Getränke charakterifirt. Auf diesen Stand- punkt hat fich auch vor wenigen Tagen eine große Versamm- lung intelligenter Brauer gestellt; um dieses einfachen, klar präztstrtm Zieles willen begrüße ich den Beschluß der Kommis- sion. Ich hoffe, daß die vtaatSregienrng die in der Petitton vorgettagenm Wünsche in Erwägung nehmen und ihren Ein- dunkle Oeffnung, während der Untersuchungsrichter de» Berdächtigm fixirt, als wollte er ihn mit den Augm durchbohren. Keine Muskel zuckt in dem Antlitz de« Mannes, dm man hier de« schwerste» Verbrechen». de» Morde», bezichtigt— und wmn man dem Künstler Glaubm schmkea darf— nicht ganz mit Unrecht. Die ge- drungme, kräftige Gestalt, der verkommene Ausdruck seines GefichtS lasse» e» uns glaubhaft erscheinen, daß an de» Hände« de» Gefesselte», hinter dem der bärttge Gendarm mit dem schußfertige» Gewehr steht, Menscheublut klebt. Hat er dem einsamm Wanderer hier an der Felsenecke unter dm hochstämmigm Buchen aufgelauert, hat er ihn nied t- geschlagen, um ihn seiner wmigen Pfennige, seiner geringen Kostbarkeiten zu beraube«, und die verstümmelte Leiche dann verschant? Oder ist er von der letzte» Herberge her mit dem harmlosm Wanderburschen mttgezogm, der ihm ahnungslos erzählte, daß er«och einige Markstücke in der Tasche habe. Vielleicht habm sie hier an diesem lauschigm Fleck geruht, der Andere überließ sich dem Schlaf, dann kam dem Mörder der Gedanke, sich auf sei» Opfer zu stürze», und er ließ ihm keine Ruhe, er wüthete und zerrte in seinem Herzm, bis er dm schweren Feldstein ergriff und damit dm Kopf de» Schläfer» zerschmetterte? Die geringfügige Beute wurde ihm zum Verderben, im wilden Schnaps gelage ver- suchte er die Stimme seine» Gewissen« zu betäube», und hier ereilte ihn fem Schicksal. fluß im Bundeirathe geltend machen wird, um auf dem Wege der Reichsgesetzgebung und mit Zugrundelegung dei§ 6 de» NahrungSmittelaesetzeS den Brauern die erbetene Hilfe zu bringen. Di« RechtSunficherheit auf diesem Gebiet ist unbe- stritten. Es fehlt eben die genaue Bestimmung,«ai Bier eigentlich sei. Schon vor 200 Jahren hat man Bier bezeichnet als ein Getränk, das au! Malz, Hopfen und Waffer besteht. Die Petition, für welche das Eintreten der königl. Staats« regierung im Bundesrathe erbeten wird, verlangt weiter nichts, als daß diejenigen Getränke, welche aus anderen Stoffen her« gestellt find, nur unter dem Titel verkaust werden dürfen, auS welchem der Käufer die Art des Zusätze» erkennen kann, z. B. ReiSbier, Zuckerbier, Maltosebier u. s. w. Damit wird kein Zweig der landwirthschaftlichm Produktion beschränkt, kein solches Getränk an den Pranger gestellt. Die vorliegende Petition geht aber zu«est. Gingen die in ihr auSge« sprochenen Wünsche in Erfüllung, so würde der Bewegung auf gewerblichem Gebiete eine zu große Schranke auf« erlegt werden und der Export der preußischen Brauereien, der in den letzten Jahren einen er« freulichen Aufschwung genommen, würde ,u leiden haben. Der Richter würde, nach dem Wortlaut der Petstwn, auch solche Stoffe, die nur zm Haltbarkeit deS Biere» dienen und welche gar keine Surrogate find, als solche auffaffen müffen. Die» jmigen aber, welche fich auch dem Kommijfionsbeschluffe gegen« über ablehnend verhalten, welche eine Aenderung der bestehen« den Veihciltnlffe überhaupt nicht wollen, die bitte ich, die gegen- wältige RechtSunficherheit zu bedenken. Der Redner erwähnt nun die Reichsgcrichtserkenntniffe, nach welchen Brauer auf Grund dei NahrungSmittelgesetzes bestraft worden find, welche Surrogate Verwender haben, für welche fie dem Staate Steuern bezahlt hatten.. DieS Alle» veranlaßt mich, die königlich« Staatsregterung zu ersuchen, das vaterländische Braugewerbe, das doch wahrlich eine große Bedeutung in unserem Wirth« schaftsleden einnimmt, nicht ohne den berechtigten Rechtsschutz zu laffen, den es verlangt und verdimt. Ich bitte Sie, den Beschluß der Kommisston anzunehmen. Abg. S ch m i d(Hohenzollern, Zentrum) tritt den Ausfüh» rungen des Abg. Scheden bei. Während man das aui Malz bereitete Bter mit Recht flässtgei Brot genannt habe, gebühr« dieses Prädikat den auS Surrogaten bereitcten Bieren keineswegs, insbesondere daS Maltosebier ermangele aller nährenden Be« standthelle. In Amerika sei die Verwendung dieser Surrogat« längst ein überwundener Standpunst. WaS den bayrischen Bieren ihren großen Vorzug verleihe, sei ihre„Süsfigkeit" (große Heiterkeit� in Bayern sei aber bekanntlich daS Manschen nicht erlaubt. Wolle man den Brauern und dem diertrinkcnden Publikum in Norddeutschland gerecht werden, so müffe man die Surrogate verbieten; geschehe daS nicht, so werde niemals Sir Wahrheit werden, waS in einem hiesigen Restaurant als nterschrist eineS BildeS, welches den Berliner Bär und daS Münchener Kind'l zeige, zu lesen sei: „Laß sein, liebeS Rind, Du hälft nicht Stand Dem Berliner Bier an der Spree grünem Strand; Ich frage nichts nach der Münchener Siederei, ES lebe Berlin und daS Berliner Gebräu!" (Große Heiterkest und Beifall.) Abg. Dirtchlet bestreitet die Berechtigung der Brauerei« Jntereffenten, Fortschritten der Technik und Fabrikation ent« gegenzutreten, wenn daS Fabrikat gesundheitSnachtheUig nicht fei. Die deutsche Malzgerstesabrikation decke den Bedarf bei Weitem nicht; durch die Erzeugung von Maltosebier sei die Gelegenheit gegeben, auch minderwerthige Gerste zu verwertben. Zur Zeit freilich werde noch der größere Thell der Maltose auS MaiS gewonnen. Richtig sei, daß die echten bayrischen Biere nahrhafter seien; daß ein Liter Bier für 30 Pf. mehr Nährstoffe enthalte, alS ein LUer für 5 Pf., sei doch nicht verwunderlich. Die Definstion des Begriffs „Bier" sei ebenso schwierig, wie die deS Begriff»„Wein"; noch der jüngst in Dan, ig verhandelt« WeinfälschunaSprozeß habe daS bewiesen. Mit dem„reinen Traubenwein" sei die Frage nicht gelöst; jeder Wein bedürfe, um haltbar zu sein und dem Trinker zu munden» gewiffer Zusätze, die in der Traube vorher nicht vorhanden waren.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum.) Redner ersucht um Annahme des Kommisstons« andages. Vom Abg. C r e m e r(Tettow) ist der formulirte Antrag «ingegangen, die beiden Petitionen der königlichen Staats« regterung zur Berückstchtigung zu überweisen. Abg. Conrad(Zentrum) spricht für möglichst ein« stimmige Annahme deS AnttagS auf Berücksichtigung, um da« durch auck den landwirthschastlichen Interessen, die durch den zunehmenden Verbrauch der Surrogate mehr und mehr ge« schädigt würden, entgegen zu kommen. Abg. v. Rauchhaupt: Ei steut mich, daß fich für die Reinheit deS Bieres eine Stimme gerade auS unserem Stammlande Hohenzollern erhoben hat, eS soll uns dies ein Mahn« ruf sein, woher wir eigentlich stammen.(Bewegung. Heiterkeit.) Wir werden nur dadurch Biertrinkern und Bierfabrikanten gleichmäßig nützen können, wenn wir mst äußerster Schärfe, wie in Bayern, gegen alle Surrogate vorgehen. Wenn in Bayern die Bierproduttwn zurückgeht, während sie im übrigen Deutschland noch steigt, so liegt dieS eben daran, daß in Deutschland noch Gebiete vorhanden find, wo das Bier dm SchnapS verdrängen kann und verdrängt. DaS echte bayrische Bier ist gesunder, deshalb trinken»S hauptsächlich die höheren Stände, die eS fich leisten können. Aber wir müssen eben dafür sorgen, daß daS minder besttzende Publikum von schädlichen Surrogaten verschont bleibt. Herr Dirtchlet meint, eS gebe keinen Wein, der ohne Sunogat hergestellt wird; ja find denn die Annonzen des Herrn Nier lediglich Reklame? Ich habt durchaus nichts dagegm, daß es nothwendig ist, Weine zu verschneiden, wenn nur keine gesundheitsschädlichen Surrogate dabei verwendet werden. (Abg. D i r i ch I e t: Sehr richtig!) Darum handelt eS fich auch hier.(Abg. Dirichlet: Durchaus nicht I) Jawohl! ES sollen keine gesundheitsschädlichen Stoffe bei der Bier« Herstellung verwmdet werden.(Nein! link».) Daher bitte ich Sie, die Petitionen der StaatZregierung zur Berückstchtigung zu überweisen. Abg. P l e ß spricht fich in demselbm Sinne auS. Abg. Dirtchlet: Das Bier in Bayem ist allerdings billiger als das hiestge sog. echte bayerische Bier, aber eS ist erheblich cheurer als das, was unsere Leute auf dem Land« trinken. Diese könnm eben die theuren Biere nicht bezahlm, fie brauchen die billigen. Mit Hypothesen, wie: eS könnte durch die Maltoseverwmdung Schlimmes pasfiren, kann man doch nicht hier operiren, sonst hindert man jeden technischen Fortschritt. Mtt demselben Rechte, mit dem Sie hier Mais, ReiS und Maltose zur Bierberettung verbieten wollen, hätten Sie auch früher die Zucker brreitung auS Runkelrüben verbitten müssen. Dmn die Rüde war ein Surrogat für das Zuckerrohr.(Sehr gut! links.) Ich kenne die landlichen Bierverhältnisse genau, die Landbevölkerung braucht billigere Biere. WaS Wein betrifft, so wissen wir in Ostpreußen besser, waS Rothspohn ist, Herrn v. Rauchhaupt überlaffe ich den Bliemchenkaffee; auch Gi üneberger und Raum« burger mag er besser zu deurtheilen verstehm alS wir. Auch die Weine von Oswald Nier, der auch angeklagt war, überlaffe ich ihm, denn mir ist ein verschntttener Rothwein lieber, als ein ungegypster von Oswald Nier.(Heiterkeit.) Ich bitte Sie, die Petition der StaatSregierung zur Erwägung zu über« weisen. Abg. Cremer: Denjenigen Herren, welche für das billige Bier«intreten, möchte ich doch vorhatten, daß daS aui Waffer, Hopfen und Malz hergestellte Getränk erquickend und nährend ist, während daS auS Maltose und anderen Surro« gaten hergestellte Getränk diese Vorzüge nicht be fitzt. Sie wollen also ganz einfach dem armen Mann zumutben, allerhand nutzloses Zeug zu trinken, weil es billig ist. Daß ist Ihre Fürsorge für den armen Mann.(Beifall recht». Oho! links.) Durch billige HerstellungSprodukt« verbilligt fich doch nicht der Preis deS Fabrikate». Ist dmn daS Bier billiger geworden, weil die Hopfenpreise sett langer Zell schon sehr gedrückte find? Ebenso wird da» Bier durch Surrogate nicht verbilligt werben. Diese Fortschritte im Manschen und Plantschen gebe ich gerne Preis, ebenso gerne wie den ganzen Fortschritt.(Heiterkeit rechts.) Der Vergleich mit der Zuckerrübe paßt gar nicht, denn was man aus der Rübe herstcllr, ist wirklich Zucker, aber was man aus den Malzsurrogaten herstellt, ist kein Bier. Deshalb bttte ich Sie, meinen Antrag anzunehmen..»B M Abg. Goldschmidt: Herr v. Rauchhaupt hat es über- sehen, daß wir nicht vom steigenden Bierkonsum in Nord« deutschland gegenüber Bayem gesprochen haben, sondern von der steigenden Produktion, und diese hat darin ihren Grund, daß NorddeutschlandS Brauereien über die besten Fadrikein- richtungm verfügen. UnS liegt es vor allen Dingen daran, die Sache nicht vom einseilig preußischen Standpunkte behan- delt, sondern von Reichswegen geregelt zu sehen und deshalb stimm-n wir für den Antrag der Kommtsfion. Nach Schluß der DiSkuiffon werden dem Antrag Crem er gemäß die Petitionen der Staatsregierung zur B e r ü ck s i ch» t i g u n g üderwtesm. Eine Petition von Gmndbefitzern in der Bürgermeisterei Asbach, KreiS Neuwied, gegen den Zwang zur Anpflanzung von Obstbäumen an den Vizinalwegen beantragt die Kom- Mission, der StaatSregierung in der Richtung zur Berückstchti« gung zu überweisen, daß die Anordnung der Obstbaumpflanzung auf die Wegekörper selbst und auf, der Bodendeschaffenheit nach, geeignete Wcgefirecken beschränkt werde. In der Debatte schließen fich nur der Abg. v. E y n e r n und der Geh. Rath v. Bitter dem von den Lokaldehörden vertretenen Standpunst an, indem fie die Anpflanzung v n Obstbäumen alS im Interesse der Landeswohlfahrt und im Jntereffe der Gmndbesttzer selbst liegend bezeichnen. Die Adgg. Rintelen, von Huene, Zelle, Dirtchlet und v. Rauchhaupt sprechen fich dagegen für den Anttag der Kommisston auS, weil es fich um einen will« kürlichen Eingriff in die EtgenthumSrechte handle. In der Abstimmung wird der KommisfionSantrag gegen die Stimmen einiger Konservativen und deS Abg. v. Eynem mit großer Mehrheit angenommen. Die Petition von Deichkommunen der Westküste Schleswig- Holsteins um Beseitigung der Beiträge der Marschdistritte zur allgemewen Deichkasse wird der Regierung zur Erwägung dahin überwiesen, ob die Beitragspfltcht der Deichgen offen in EchleS- wtg-Holstein einer anderweitigen Regelung bedarf. Hierauf vertagt sich daS Haus.' Der Prästvent beraumt die nächste Sitzung an auf Frei- tag 1l Uhr mit der Tagesordnung: Dritte Beratbung dei Gesetz- Entwurfs, betreffend die Bestrafung des Gefindes in Hessen« Nassau, die zweite Berathung des Gesetz Entwurfs, be- treffend die Kanton gefänaniffe in der Rhetnprovinz, zweite Berathung des Antrages Seer, betreffend die Radfelgenbreite, Petitionen, Wahlprüfungen uns den Antrag Hammcrstein, be- treffend die Stellung und Dotirung der evangelischen Kirche. Abg. von Hammer st ein beantragt, seinen Antrag alS ersten Gegenstand auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. von Eynern widerspricht diesem Antrage. Der Antrag Hammerstein würde jedenfalls eine mehrtägige Debatte hervorrufen, während noch mehrere wichtige G.-C. ihrer Er- ledigung harrten. Er würde bedauern, wenn der Antrag nicht mehr diskutirt würde, die Schuld treffe aber Herrn v. Hammer stein selbst, der seinen Antrag erst so spät eingebracht habe. Abg. Windt Horst erklärt, daß seine Partei fich dem Wunsche de» Abg. v. Hammerstein anschließe. Für den Wunsch des Abg. v. Hammerstein auf Ab- änderung der Tagesordnung stimmen das Zentrum, der kleinere Theil der Konservativen und der freikonservatioe Abg. v. Bitter. In der Mehrheit, welche für die Beibehal« tung der vom Präsidenten vorgeschlagenen Tagesordnung sich ausspricht, stimmen mit den National« liberalen und Freifinnigen auch die Freikonseroatioen und ein großer Tbnl der Konservativen(darunter die Abpg. Schrffer, von Minnigerode, Schreiber(Marburg), von Busse, von Oertzen(Bromberg), AlthauS, von Puttkamer(Treblin), von Lyncker, Steinmann). Schluß 3'/« Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. zoltale». Die mangelhafte« Adresse« auf kaufmännischen Briefen kommen immer noch nicht zur Ruhe. Daß dieselben jedoch auch unter Umständen verhängnißsoll werden können, beweist folgender, einer hiestgen Zeitung mitgethetlter Fall. Dieses Blatt läßt fich schreiben: Sie brachten vor einigen Tagen einen Bescheid deS StadtpostamteS über die Briefpostbestellung in Berlin. Auch ich habe diesen Bescheid nicht allein von dem Etadtpoftamt, sondern auch von der Oder> Postdirettion sowie vom Retchspostamt erhalten. Häufig genug gehen Briefe, auf denen meine Wohnung nicht angegeben ist, statt an mich an andere Firmen, werden von diesen erbrochen und mir dann zu« gesandt; aber auch bisweilen im eigenen Jntereffe erledigt, wie Ihnen nachstehender Fall beweisen wird. E n Herr, mit dem- selben Namen wie der meinige. welcher früher ein Geschäft ähnlicher Art hatte, bereits vor Jahren zu Grunde gegangen ist und jetzt weder im Adreßbuch verzeichnet steht, noch e,n« eigene Wohnung hat, sondern in Schlafstelle wohnt, erhielt einen Brief, der an mich ohne Wohnungsangabe adrejstrt war. Auf welche Art die Verwechselung möglich gewesen ist, habe ich nicht erfahren können. In diesem Biief machte mir eine thüringer Firma, mit der ich noch nicht in Verbindung ge« standen hatte, ein Angebot ihrer Waare. Der Schlafbursche bestellt darauf hin dei ihr für 200 Mai Muster und schreibt: „Falls diese preiswerth ausfallen, erfolgt größere Bestellung", giebt aber in dem Bestelldrief alS sein Geschäftslokal die Adresse setner Schlafstelle an. Der Fabrikant sendet die Muster und schreibt auf die Packetadreffe die gewünschte Wohnung. Selbstverständlich liefert die Post die Sendung anstandslos auS. Nach 4 Wochen erhatte ich von der Firma einen Brief, ebenfalls ohne WohnungSangabe» worin jene um wertere Aufträge bittet, da die Muster doch gewiß zu meiner Zufriedenheit ausgefallen seien. Nun wird durch gegensettigen Briefwechsel der Fall klar gelegt- Weder Post noch Staats- anwalt haben dem Fabrikanten geholfen; er hat das Geld verloren; gewiß eine harte Strafe für daS Unterlaffen der Wohnungsangabe auf einem Brief. Die größte Zahl der Ge- schäftSleute würde S mit Freuden begrüßen, wenn jener Be- scheid deS StadtpostamteS in Wirklichkeit ausgeführt wird, nur hierdurch werden die Firmen von außerhalb gezwungen, Nach« lässtgkeiten, welche ja oft nur durch die Biq remlichkett eines LehrlingS entstehen, zu vermeiden."— Die„Voss. Ztg." be« merkt hierzu, daß das Briefpapier deS Schreibers dessen Woh- nungsangade, allerdings an nicht sehr auffälliger Stelle trägt. Der Unfug kleiner Firmen hier am Platze, die ihre Adresse ad- sichtlich nicht angeben, um den Glauben zu erwecken, fie seien stadtbekannt, ist bereits früher gerügt worden. Auch ihnen wird«S eine Lehre sein, wenn die Post mit der Verfügung ernst macht.— Wenn wir unsererseits keineswegs mit dem Schwindelmanöver der Pseudoadressrten einverstanden find, so scheint auS der Bemerkung der„Boss. Ztg." hervorzugehen, daß eS fich in dem vorliegenden Falle auch um einen Gernegroß handelt, der ebenfalls seine Adresse verschweigt, um bedeutender zu scheinen, alS er in der That ist. Und wmn sich dieS in der That so verhält, so hat er eS wahrhastig nicht nöthlg, mit so souveräner Verachtung auf den„Schlafburschen" heradzu« sehen und in wegwerfender Weise von einem solchen zu sprechen. ES giebt genug ehemalige Geschäftsleute in Berlin, die icoh wären, wenn fie heute überhaupt noch eine Schlafstelle bezahlen könnten. Der betreffende Herr, der in protzenhafter Weise alle Leute anrempelt, die nicht einmal im Adreßbuch stehen, soll fich lieber vernünftige Briefbogen anschaffen, auf welchen seine Adresse deutlich angegeben ist, dann wird er fich vor ähnlichen Betrügereien am besten schützen. Ueber Rohheiten, welche namentlich von Mitgliedem der sogenannten„gebildeten" Stände verübt werden, geht der „Nat.-Ztg." folgender Nothschrei zu:„Jeder Kinderfreund, der einmal die glückstrahlenden Gefichter der Schulkinder ge« sehen, die zu Fuß oder per Kremser eine Landpartie mit ihren Lehrern machen, wird eS von ganzem Herzen bedauern, daß die fich von Jahr zu Jahr mehrenden Klagen über Belästigung be« sonders der Schülerinnen durch unfläthige Redensarten roher Gesellen solche für die Pävagozik höchst wichtigen, den Kindern aber eine wahre HerzenSerquickung gewährenden Ausflüge in die umliegenden Ortschaften Berlins fast unmöglich machen. Ein Kind sollte billig jedem heilig sein. Leider scheint das Wort des größten KindersteundeS: Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, dem wäre besser, daß ein Mühlstein«. auch von anständig sein wollenden Leuten wenig Beachtung zu finden. So wurde gestern ein Lehrer einer höheren Töchter» schule, welcher eS nicht dulden wollte und durste, daß fremde „Heere n" seinen Schülerinnen in einem besuchten Lokale des Grunewalds Loose zum Würfeln schentten, und daß fie die Kinder körperlich berührten, im Kreise seiner Zöglinge mehr« mals„Flegel" gescholten, und als er die„Herren" auf ihr un« paffendes Betragen aufmerksam machte, kamen zirka 12 dieser Häven, darunter ein Fabrikbesitzer, auf den einen Mann los und stießen ihn mit ihren tapferen Armen, daß er taumelnd gegen seine Schülerinnen fiel. Zur selben Zeit erkletterte ein Strolch in der Kurfürstenstraße einen Kremser, ergriff einS der 13jährigen Mädchen beim Arm und hätte unter den vor Angst schreienden und aufspringenden Kindern daS größle Unglück anrichten können, wenn er nicht mit Gewatt entfernt worden wäre. Der ganze Weg nach dem so herrlich gelegenen Saat« winke! wird durch Strolche unsicher gemacht, die mit Blumen« sträußen in der Hand oder zudringlich bettelnd den Trttt der Kremser besteigen und die gemeinsten Redensarten ausstoßen, wen» man fich ihrer nicht durch hingeworfene Münzen entledigt. Wen« der Schaden, der durch solche Unholde den zarten Kinder« herzen zugefügt wird, den großen Nutzen, welche Schulaus' flüge haben können, nicht bei weitem übersteigen soll, so ist et dringend erforderlich, daß die Besttzer der Lokale um Berlin auch für den Schutz ihrer kleinen Gäste sorgen, und daß jeder anständige Mann fich eineS von übermütbigen Gesellen be» drängten Lehreri„thatkräftigst" annehme." Hierzu bemerkt das genannte Blatt:„Was der Herr Einsender in Vorstehendem sagt, ist leider nicht übertrieben. Unfläthigkeiten der geschilderte« Art treten leider nicht vereinzelt auf und auch das ist wahr, daß leider seit einer Reihe von Jahren die Verwilderung in den Kreisen der anscheinend gebildeteren Jugend zugenommen hat. Ader gegen solche Erscheinungen giebt dm, «ich/i- I' ..........________________________________ Jetzt zu den Knopfardeiterinnen. Diese haben' einen Trost find nicht schlimmer daran, alS die Trikoinäderinnen. 6 M. wöchentlich kommt solch armes Wesm, ebenfalls bei und Nachtarbeit, nicht hinaus. Man oernehme: Für zum Verriegeln zahlt der Arbeitgeber 30 Pf. In drei viu � ist da» Gros aufgearbeitet. Dann die Pernähardc't. Ul(Uliirf„r.lA.in ßt-n« ni.M.» 10 SU S)ai Dst*:.,, n mmt eine Viertelstunde Arbeitszeit in Anspruch. Zum fluß muß die Näherin auch noch dc.S Garn zu xje vom Fabrikanten entnehmen. Warum bezieht man fi«".�ie Kurdelstepperinnen, welcher in der erwähnten P"°r gar nicht einmal Erwähnung gethan ist? ES find du«'"Mp Ardeiterinnen, die augenblicklich noch ein auskömmliche«�� haben. Ader wie in allen anderen Branchen der wc> Arbeit, so ist auch hier eine starke Reaktion im«nzuge- man nicht, daß zu Anfang dieses Jahres Hundert K heradz» sprechen. die sroh d�cihlen seist alle soll stch ■n feine Wichen dem der seht der rfreunb, >der ge« »tt ihren daß die zung de« n roher Kindem lüge in machen. int daS t dieser sc. auch ung zu Töchter» fremde hie des ste sie ! mehr» ihr un« l dieser nMrnn lumelnd erte ein rinS der r Angst lück an» worden Saat» Zlumen» ritt der m.menn Wem« Kinder» chulaus» o ist es Berlin »ß jeder llen bt» erk» das chendea >ilderten st wahr, rung in Jugend liebt es zu sein )le I egt Patron der ge» tß, das •"Ä »es Kin- ser Ein« ider oft >rn Ver» bestraft > einen etn dir ite der rinnen" »verein) Berliner emischte -Wucht ntroedrt rtrieden Vor konnten >eut ist beredter mt, der ö Leute !rlaut«r d mehr alS w nie «Shert« oerdien» mgun». , unter n# 1 1 ks Ii B« % "ikS f"S I K »s u»on sturbelstepperinnen aus Sachsen nach Berlin kommen sollten? Nur durch die energische Agitalion blieben diese„billigen" Ar' Mslräfe in Mafien fem. Wer aber bürgt für die Zukunft?— «betterinnenmangel! Wir missen nicht, daß eS jedem nur «akwegS soliden Arbeitgeber an Arbeiterinnen fehlte. _ In der„Berliner Zeitung" steht in der gestrigen Nummer ein im Brustton fittlicher Ueberzeugung und Ent» Uung geschriebener Artikel, der von der Liebedienerei gewifier Wungen und gewifier Zuträger handelt. Mit Recht beschwert U der Verfasser dmüber, daß namentlich von hochgestellten Persönlichkeiten die gleichgiliigsten Dinge, die keinen Menschen mtereffiren können, in die Welt gesetzt werden.„Schnick- Cchnotf" werden derartige Notizm genannt und„beneiden#» B*üH" werden die Leser der„Berl. Ztg." gefunden, weil ste °°r solchem„Schnick-Schnack" sorgsam bewahrt werden. Auf °em nächstfolgenden Blatt aber findet der„deneidenswerihe" u-ler der„Berl. Ztg." da# Folgende:„Direktor Steiner vom Walhalla- Theater erhielt vom Komponisten Lecocq ein in ®»mften DankeSworten gehaltene# Telegramm anläßlich der glücklichen Wiederaufnahme der Operette„Der kleine Herzog". ~„Frl. Charlotte Hofmann wird, wie»9 scheint, nach Ablauf «t Ferien nicht mehr an das königl. Qpemhau# zurückkehren. «e Sängerin hat, wie wir einem Briefe derselben entnehmen, A>en ihr bewilligten achttägigen Urlaub benutzt, um in der «roßen Oper in Paris den Pagen in den„Hugenotten" und «s Aennchen im„Freischütz" zu fingen, und zwar mit so glücklichem Erfolge, daß ste für die nächste Saison daselbst iNgagirt wurde."— Ist wohl lein„Schnick-Schnack?" Welche Krankheiten find als Kolgen von Betriebs» Matten anzusehen? Diese für die Handhabung des Un- �üverstcherungsgesetze# und für die verficherten Arbeiter höchst Mtige Frage ist kürzlich eingehend erörtert worden. Sehr Mustg kommt e# vor, daß die Arbeiter an Brüchen, Hüftver- Mungen, Muskeldehnungen u. s. w. erkranken infolge eine# Anfalle# oder plötzlich notbwendig gewordener Ueberanstren» 8»ig ihrer körperlichen Arbeitskraft, und es fragt stch, od fie m solchen Fällen Ansprüche nach dem Unfallverstcheiungsgesetze Wend machen können. Auf eine diesbezügliche Anfrage hat o« ReichsoerficherungSamt entschieden, daß dieselbe nicht allge» ?kin, sondern nur nach Maßgabe de# konkreten Falles beant. Wtt werden könne. Aber auch für den einzelnen Fall kann W ReichSverstcherungsamt stch nicht im Wege der bloßen Ver- Ugung äußern; vielmehr ist e# nöihig, um den detreffenden M bei dieser Behörde zum AuStrag zu dringen, im Wege im Unfallverstcherungsgesetz vorgeschriebenen Rekursversah- M»ie Sacke daselbst anhängig zu machen. Alsdann ent> Übet da# ReichSverficherungSamt in der vom Gesetz vorge- Mkbenen kollegialen Zusammensetzung und namentlich unter Zuziehung von richterlichen Beamten auf Grund de# vollstän» «Sf thatsächlichen Material# und nach Anhörung aller Be- Mugten al# letzte Instanz. Inzwischen muß e# den Verletzten �Mafien bleiben, ihre Ansprüche im Wege de# Feststellung#' ?imuell de# schiedsrichterlichen Verfahren# zu verfolgen, wobei �7 berufSgenofienschaftlichen Organe in eigener Zuständigkeit \ Mcheiden haben, ob ein Unfall vorliegt oder nicht.— ES nJ,4t zu bezweifeln, daß stch auch in diesem Zweige der Ver- und auf dem vorgeschlagenen Wege feste Normen bil- nS.�ben für die Entscheidung dieser allen Ardeitern gleich ""'flerr Frage. W Aufgelöste Orts-Krankenkaffe. Die Gewerbe-Deputation w Magistrat# erläßt unterm 29. Mai er. folgende Bekannt- Vung:„In Folge rechtskräftigen«eschluffes de# Bezirk#- WichufieS vom 4. Mai 1886 wird die hiefige OrtS-Kranken» M der Feilenbauer mit Ablauf de# Monat# Mai d. I. auf- Mn. Die im Feilenhauer-Gewerbe beschäftigten verstcherr-ng#- .Richtigen Personen, für welche diese Kasse errichtet war, find .°om Tage der Auflösung ab der Allgemeinen OrtS-Kranken- M gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen überwiesen worden. betheiligte N Kafienmitglieder und Arbeitgeber werden hier- vn mit dem Bemerken benachrichtigt, daß die vorgeschriebenen Abmeldungen vom 1. Juni d. I. ab an die genannte "�richten find. JioHi-n Giesen, Postkarten, losen Manuskriptdlättern und bo» 0? theilweise durchgelesen wurden, fand man Wrcn hau ,u einer Beschlagnahme Veranlassung ge- Hausnummern. Wem ist die Unfichtbarkeit der fallend m,.�fairitt der Dunkelheit wohl noch nicht aufge- Lti--�' v L wohl noch nicht in einer weniger belebten »orf. ki Außenbezirke Abend# in der Dunkelheit vergeblich ben Ix Milchen gesucht! Die Schwierigkeiten, e# zu fin« vinen nicht ganz und gar pflegmatischen Menschen sur Verzweiflung bringen. An manchen ÖS!, entdeckt man überhaupt keine Nummer. Sie ist so «fc™ angebracht, daß man, um fie zu finden, den Spürfinn (irL Wtzen müßte. Der Hausflur ist dunkel, die iilt»K«, Mich auch, denn besonder# in den wenig frequen- Wi,.- Außenbezirken hat man den Abstand zwischen den ein- Laternen verdoppelt, die Versuche, die G-beimnifie einer gjpajMe in grauer Schaitimna stchtvar werdenden Stelle zu Landen, an der man— allerdings nur al# Eingeweihter— U Knet an der HauSwand von der Übel fließenden Menschen- W, ve# Hauswiiid# angebrachten, an jedem vierten Gebäude i�r werdenden Nummern vennuthen könnte, scheitern, denn .Pandas zu Hilfe gezogene Streichholz auch nur halb bi# Nähe jener verheißenden Stelle emporbrtngen könnte, lyz i* der Wind längst ausgelöscht. Nun steht man rath» «dm. Was thun? Die spärlich Vorübergehenden wissen SJ'R'tnig Bescheid, wie man selbst; hat man nach langem und Warten endlich Jemanden gefunden, ver, au# Hause herauskommend, Einem sagen könnte: Hier ist Meto. und so viel, so befindet man stch trotzdem noch im io ii., Dilemma, denn die gesuchte Nummer liegt um so und i-n 1 HWet vor oder zurück und fie durch Abzählen zu fin« W/R ebenso schwierig, da viel« der zwischenliegenden Grund- Ww,, vortreffliche Einrichtung der a-, b,,c- u.s. w.An- röt M an ihren Nummern baden können! Die Kalamität er« k zur Genüge. Manche Klagerufe zu ihrer Abhilfe Mochj, Rvsts laut geworden, aber ungehört verhallt. Man i'to v. n �Vorschlag, die Nummern mittelst Leuehtfarde wah« läft Nacht fichtbar zu machen. Da e# nicht geschehen, iteseK"?� annehmen, daß die Ausführung nicht praktikabel ge- , Nun gtebt es aber doch außer diesem noch manche# M errrichhare Mittel, dem Uedelstande. wenn auch �hi». �ndig. so doch theilweise und immerhin wesentlich schaffen. Vor Allem ist e# entschieden möglich und S- die Straßenlaternen selbst diesem Zwecke dienstbar wesentlich viel zur Erleichterung einer ., wenn auf der Scheibe einer Laterne die vor welchem ste steht, mit einem Zeichen der A.»6« doch immerhin erst ein Schritt zum Ziele, da# irtw Ü nach erst dann erreicht ist, wenn die Hau#- erreicht 1. gegeben ��dru�V,.� wüßten wirklich nicht, wa# man gegen die ü vlese# Vorschlage# einwenden wollte! Irgend« welche Störung ist vollständig ausgeschlossen, selbst die de# Schönheitsfinne# des Beschauer#, denn ebenso gut, wie man zu beiden Seiten de# Thorwege# Klingelgrisse oder Namen- schilder in erhabener Prägung anbringen kann, ohne den Ge- sammteindrück der Fapade zu schädigen, ebenso gut kann man auch zierlich geformte Nummerschilder anbringen, die sogar zu einem gewissen Schmucke werden können, wenn fie zierlich und symmetrisch gehalten find. Ein so großes Kener, wie da# jüngste, ist ein Memento für Unverficherte. Die Verficherungsagenten schwärmen deshalb nach einem solchem Ereigniß wie die Bienen au#, um dasselbe zu frukrifiziren. Und an den Anschlagssäulen bringen stch die „Feuer- Hauslöschgranaten" in empfehlende Erinnerung unter der Devise:„Wer ruhig schlafen will, kaufe u. s. w." Der Tod de« Raubmörders Masch in der Straf- anstatt zu Sonnenberg hat hier die Erinnerung an einen Mann wach gerufen, dessen Leben so merkwürdig mit dem Masch'# verknüpft gewesen ist, daß sein Geist den steten Wechseln und Aufregungen schließlich unterlag. Der Gerber- geselle Rockenstein wurde durch die Zeitverhaltniffe im Jabre 1848 brodlo# und ging, da auf Besserung der Gewerbe keine Ausstcht war, zu der neu gegründeten Berliner Schutzmann- schast. Hier zeichnete er stch durch Pflichttreue und Diensteifer so vortheilhaft au#, daß er zur Kriminalpolizei kommandtrt und mit besonderen Aufträgen zur Ermittelung schwerer Ver- brechen betraut wurde. Rockenstein hat den Betrug de# Schneider# Tomascheck ermittelt, der ein Plättbrett an seiner Stelle begraben ließ, um eine VerficherungSgesellschast um die Verficherung zu betrügen. Al# Kriminalkommiffarius, wozu er bald ernannt wurde, war er vollständig an seinem Platze und leistete bei Ermittelung gemeiner Verbrechen, wie Mord und Diebstahl, Außerordentliche#. Dabei war er nicht im Stande, einen brauchbaren Bericht aufzusetzen; aber sämmtliche Unter- suchunasrichter trugen bei der persönlichen Liebenswürdigkeit Rockenstein'# diesem Umstände gern Rechnung; seine Berichte wurden in der Regel gar nicht gelesen, er wurde vielmehr, um eine ordentlicheGrundlage für die Alten zu geben, zuProtokoll ver- nommen. Al# nun die Bande Masch'# mit immer größererFrechheit auftrat, erhielt Rockenstein mit drei Kriminal-Schutzleuten dm Auftrag, den Verdeecher unschädlich zu machen- E# ist ihm auch gelungen, den gefährlichm Menschen einmal dem Gericht einzuliefern. Siegestrunken kehrte er nach Berlin zurück, ehe er aber hier ankam, war der Vogel bereit# wieder entwischt. Rockmstein, der glücklich verheirathet war, aber da# Unglück hatte, daß ihm alle Kinder am Knochmfraß starben, erhielt, als seine Frau gerade ihrer Entbindung zum vierten Mal entgegen sah, Befehl, von Neuem den Aufenthalt Masch'# zu er- Mitteln. Unter steter Auflegung, am Tage auf der Reise nach und von Berlin, de# Nacht# in den Wäldern auf der Suche nach Masch, in steter Lebensgefahr, verlor er den Verstand. Bei der Beerdigung de# letzten Kinde# bemerkten seine Freunde zuerst, daß er nicht mehr deiZSinn-n war, und wenige Tage darauf mußtm fie ihn mit Bewilligung seiner Gattin der Charitee übergeben, die er lebend nur noch einmal gelegentlich eine# im Delirium gemachtm Fluchtversuch# verlassen hat. Rockenstein war einer der thätigstm und muthigsten Kriminalbeamten, die je im DImste der Berliner Polizeibehörde gestan- den haben, Dabei hielt er an den Sonntagen stet# offene Tafel für solche jugendliche Verbrecher, die Beweise dafür gaben, daß fie den Weg de# Verbrechen# verlassen und den emsten Willen hatten, wieder ordentlich zu werden. Die Kassation«nd der Berkauf alter Akte«, wie er früher bei unseren Gerichten bestand, war für die betreffenden Registraturbeamten zwar lein angmehmis, aber doch allezeit ern verrichtete# Geschäft. Aus den altm staubigen Repa- torim wurden die dicken vergilbten FaSzikel hervorgeholt, die Heftfäden zerschnitten und der Inhalt so von einander ge- trennt, daß sein Zusammenhang nicht mehr erfichtlich war. Für diese Arbeit erhielt der Registrator einen Bruchtheil de# Auktion#erlöse# der alten Aktm. Die# Verhältniß änderte stch nach Einführung der neuen Justizorganisatton und der damit verbundenm Einführung der Gerichlsschreiier; die altm Vor- schristen kamen damit von selbst in Fortfall. Neuerding# scheint man in Preußm wieder zu dem alten Prinzip zurückzukehren, denn von dem Justizminister find die Gericht#- Vorstände ermächtigt wordm, die Anlheile der betreff-ndm Registratoren an dem Erlöse au# kasfirten Akten festzusetzen und zwar nach eigenem Ermessen. E# wäre nicht unerwünscht, wenn einmal hierbei die früher mehrfach erwähnte Frage erörtert würde, in wie weit es zuläsfig ist, solche kassationsfähigen Akten dm Interessenten auf ihren Wunsch zu überlassen, damit diesen die Möglichkeit gegeben wird, fich gegen Indiskretionen in Folge de# Aktmverkauf# zu schützen. Eine« Anblick, wie er in Berlin fich wohl«och niemals darbot, hatten gestern die Passanten ver Neuen Roßstraße. Durch da# Abreißen eine# alten Hause#, da# einem Neubau weichen soll, wurde da# daneben stehende Hau# auf einer Seite vollständig freigelegt. Man kann in die Zimmer der über einander liegenden Etagen hineinblicken, wie in da# vielbesprochene durchgesägte Hau# in der Kaiser- Wllhelmstraße. Nur desteht der Unterschied darin, daß, während in dem letzt- genannten Hause da# Grauen und die Oede wohnt, stch in den offm gelegenen Zimmern der Neuen Roßstraße, die fich wie Vogelnester ausnehmen, ein sehr gemüthliches Leben entwickelt. Am sauber gedeckten Kaffeetisch fitzen hier oben die Familien, in traulichen Giuppen nehmen fie ihr Abmdeffen ein und amüfiien fich ebenso über ihre seltsame Situation, wie die ver- wundert zu ihnen hinauf schauenden Passanten. Ein Weltstadt#- Idyll, da# man fich inmitten de# lärmenden Getiiebe# der Altstadt kaum hätte träumen lassen und da# de# Festhaltens durch den Photographm werth ist. Selbstverstümmelung. Eine entsetzliche That vollbrachte am gestrigen Tage ein 13jähriger Mensch Namens Ernst P., Stiefsohn eine# Brunnenmacher# in Rixdorf. Derselbe, der stch seit Jahresfrist von feinen Eltern entfernt hatte, kam am gestrigen Tage zurück, um von Neuem Beschäftigung nachzu- suchen. Da ihm dieselbe verweigert wurde, so begab fich P. in einem Zustande höchster Auflegung in einen Schuppen, er- griss dort ein Beil und hieb fich mit demselben die linke Hand vom Arm ab. Zu dem bereits gemeldeten Selbstmorde de# Zigarren- aibeiter# Menzel in der Antonstraße wird un# noch geschrieben: Menzel ist Bater von vier Kindern, von denen da# eine, ein erwachsener Sohn, bereit# in der Lehre ist, während die drei anderen Kinder unerzogen find. Die F.au de# M. war im vorigen Jahre gestorben. E# steht fest, daß M. die That au# Verzweiflung über seine derangirten Verhältniffe gethan hat; er war zwei Monate Mielhe rückständig, hatte Arztrech. nungen zu bezahlen, u. s. w. Den Revolver, mit dem er fich in# Her, schoß, nachdem die erste Kugel fehl gegangen wa.' und da# über dem Sopha hängende Bild getroffen harte, war Eigenthum de# Ziganenfabrikanten Schr. in der Müllerstraße. bei dem M. arbeitete. M. hatte Tag# zuvor den im Geld- spind« liegenden Revolver heimlich zu entwenden gewußt. Der Selbstmörder betrieb einen Grünkramhandel in dem von ihm innegehabten Keller, welcher jedoch auch keinen großen Nutzen abwarf. Der erwachsene Sohn entdeckte zuerst seinen Vater auf dem Sopha todt liegend und alarmirte die Hausbewohner. Die Polizei, welche alsbald erschien, legte Alle# unter Siegel. Einstweilen find die verwaisten Kinder bei Hausbewohnern untergebracht worden. Au# unserer Rachbarstadt Cdandau meldet der„Anz. f. d. Havell." folgenden betrübenden Unglücksfall:„Der Arbeiter Bartke, welcher auf der Frankschen Schneid! mühle beschäftigt war, hatte fich in der Mittagspause in ei em Schuppen, an welchem ein Schienenstrang zum Havkl-Uflr vorüberfühlt, niedergelegt und war eingeschlafen. Im Schlafe muß der Körper eine Wendung gemacht haben, so daß die Füße über den Strang zu liegen kamen. Einige Akkordarbeiter waren in» zwischen schon wieder an ihre Beschäftigung gegangen und wollten eine mit Brettern deladcne Lowry auf dem erwähnten Geleise nach dem Waffer transportiren. Sie hatten den mensch» lichen Körper, der doit lag, nicht bewerft. Plötzlich erhiett die Lowry einen Ruck, etn markdurchdringender Schrei ertönte: die Räder der Lowry waren über Bartke hinweggegangen und hatten ihm da# eine Bein fast gänzlich vom Rumpfe geflennt, während an dem andern der Fuß zerquetscht war. Der schreck« iich verstümmelte Körper wurde aufgehoben und mittel# eines Boote# nach der Stadt gebracht und ins Krankenhau# über» führt. Auf der Fahrt war einer der Begleiter unaufhörlich de» schäftigt, dem Unglücklichen, der unsägliche Qualen litt, die Wunden mit Waffer zu kühlen. Im Krankenhause wurde sofort da# Bein, das im buchstäbliche« Sinne zermalmt war, amputirt. Aber schon ein paar Stunden später machte der Tov den ent« setzlichen Leiden ein Ende. Bartke hinterläßt eine Wittwe und mehrere Kinder." Es ist wirklich ganz unbegreiflich, wie Je« wand an einer so gefährlichen Stelle stch zum Schlafen nieder- legen kann. Ueber die Umstände, unter denen am Sonntag ein Knabe von der Pferdebahn überfahre« wurde, erhält die„Voss. Ztg." den Bericht eine# Augenzeugen, der leider zu bestätigen fcheint, daß da# Zuschlagen de# Kutscher# da# Un» glück Herbeigeführt hat. Der Bericht lautet:„Auf der Fahrt nach dem Halleschen Thor begriffen, stand ich rückwärts auf dem Hinterperron de# Pferdebahnwagen#; die Straße war ziemlich leer und der Wagen fuhr mit der gewöhnlichen Schnelligkeit. Plötzlich bemerkte ich hinter dem Wagen einen Knaben im Alter von etwa sechs Jahren, anscheinend von diesem überfahren, stark blutend lrrgen, daneben lag eine große Peitsche, nach Ihrem Berichl die de# Pferdcdahnkutscher#. Ich sprang sofort vom Wagen und trug den schwer verletzten und jammernden Knaben in einen Hausflur, von wo au# die in der Neuenburger Straße wohnende Mutter(der Vater ist ab- wesend) von dem Unglücksfall benachrichtigt wurde. Der Knabe wurde nach der elterlichen Wohnung geschafft, nachdem ihm der erste chirurgische Beistand durch den Heilgehilfen Sandow, Brandenburgstcaße 1, geleistet worden war. Es ver- dient hervorgehoben zu werden, daß dieser Heilgehilfe erst daim zur Hilfeleistung schritt, nachdem ich ihm auf sein Verlangen die Zahlung seiner Bemühung zugestchert und er fich zu diesem Zwecke meine Adresse vorfichiig aufgeschrieben hatte. Auf ärzt» licht Anordnung wurde der Knabe von der elterlichen Woh- nung nach Bethanien überführt. W e er stch dort befindet, konnte mir seine Mutter am Montag Mittag nicht sagen; jedoch ist anzunehmen, daß er noch am Leben ist. Wie fich der Unglücksfall unter den geschilderten Umständen ereignen konnte, ist mir ein Räthsel." Ei« schwerer Unglücksfall ereignete fich gestern auf dem Grundstück Kleine MarkuSstraße 2. Ein 4jähriger Knabe, Adolf Reppmann, fiel beim Spielen in eine auf dem Hofe be- findliche Kalkgrade und hat fich dabei derartige Brandwunden am Unterleid und den Beinen zugezogen, daß er trotz sofortiger ärztlicher Hilfe bereit# gestern Abend im Krankenhaus- Bethanien verstarb- Amtlicher Bericht der Markthalle«- Verwaltung. Mitgetheilt von I. Sandmann, städtischem Verkauf#-Ver« mittler. Engro#. Markt in der Zentral- Markthalle am I.Juni 1886. Fische: pro Kilo Elblachs 2.Ü0M. Ostseelach#, 1—1,40, Lachtforelle 1 M., Steinbutte 0,80-1,20, Seezunge 1,00—1,40, Schollen groß 0,20- 0,40, Zander 0,60—1,40, Hechte 0,70, Schleie lebend 135.— Butter: 08« und West» preuß. I. 1,00-105, II. 0,95-1,00, III. 85-90, Mecklenburger, Pommersche, Schlestsche. Holsteiner I. 93, II. 83—90. Ol. 85 Pf. pro Kilo.— Käse; Quadrat-Backsteinkäse I, 12—15, II. 10— 12, Centiifugen 5—8 M. p:o 50 Kilo.— Eier: pro Schock ohne Rabatt hochprima 2,35, l». 2,20, II. 2,10, kleine 165 M.— Gemüse zu gestrigen Preisen; Suaig-l 060—1,00 Marl pio Kilo, Gurken 6—6,50 M. pro 30 Stück, Kartoffeln alte Dadcrscke 36—38 M. pro Wispel, neue Italiener 9—10, Malta 13—14 M. pro 50 Kilo.— Zwiebeln: Egypter 9 bi# 9,50 M. pro 60 Kilo.— Hühner lebend 1,75 M. pro Stück. — Wulst in Auftion: Schlackwurst zu 1,10—1,20, Braunschweiger 0,90-1,10, Leberwurst 0,90—1,10 M. abgegeben. Polizei- Bericht. Am 1. d. ist. früh wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Antonstraße erschossen auf dem Sopha vorgefunden.— Zu derselben Zeit wurde vor dem Grundstück Neu-Kölln am Waffer 21 die Leiche einer Frauen#- person au# der Spiee gezogen und nach dem Leichenschauiause gebracht.— An demselben Tage Vormittags wurde ein zwei Jahre alte# Mädchen in der Langestraße von einem Vorschrift#. widrig schnell fahrenden, von dem Kutscher Böhm geführten Kremser überfahren. Dasselbe erlitt einen Bruch de# linken Fußgelenk# und mußte nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichlhain gebracht werden.— Am Abend desselben Tage# fiel ein unb-kannt gedliebmer, etwa 60 Jahre alter Mann an der Ecke der Ritter- und Alexandrinenstraße plötzlich zu Boden und starb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Leichen- schauhause gebracht._ Gerichts Zeiwng. Kit der Kruge nach der Zutässtgkeit einer AnSkunfts- erthetlung über die Beförderung von Auswanderern in der Presse hatte fich gestern die fünfte Strafkammer hiesigen Land« gericht# 1 zu beschäftigen. Nach§ 10 de# Gesetz-# vom 7. Mai 18o3 ist die Vertragabschließung und Vermi telung von Auswanderung nur den da«u besonder# konzesstonirten Agenten gestattet, und ist namentlich auch da# Anerbieten, über die Be« förderung von Auswanderern Auskunft zu crtheilcn, mit Ge» fängniß oder Geldstrafe bedroht. In den Nrn. 34 und 37 der inzwischen eingegangenen„Amerikanischen Nachrichten" vom 6. Mai und 3. Juni v. I., sowie in der von dem Schriftsteller Georg Gustav Brückner herausgegebenen Broschüre:„Amerika. Führer für Auswanderer", waren Inserate von Kolonisation#» agenten enthalten, in denen die Verhältnisse in den Staaten Minnesota und Mannetaga geschildert worden und in denen den Personen, welche fich dort eine neue Heimath gründen wollen, empfohlen wurde, fich be« züglich der Auswanderua dorthin nur an konzesfionirte Agenten zu wenden. Die Anklagedehörde fand in dem Inhalt dieser Inserate einen Verstoß gegen den oben gedachten§ 10, inM" über die Beförderung von Auswanderern eine Auskunft -rtheilt sei. In Folge dessen wurden Brückner und der Redafteur der„Amerikanischen Nachrichten". Richard Breg, unter Anklage gestellt, und beantragte St iatSanwalt Schäfer unter der Ausführung, daß der Ges-tzgeb-r doch nicht da# Mindere, da# bloße Anbieten der AuSkunftertheilung, mit Strafe belege, während er da# Plus, die Auskunft selbst. straflos lassen wolle: daß sonach in der letzteren Thätigkeit zu» glerch ein Anbieten liegen müsse, gegen die Ang-tlagten eine Strafe von je 50 M. Der Gerichtshof trat aber der von den Angeklagten geltend gemachten Auffassung bei, daß, da da# Gesetz lediglich gegen die geheimen Agenten gerichtet sei, gerade da# Anbieten der Äuskunftertbeilung al# da# eigentliche Uedel, nicht die letztere selbst, getroffen werden soll. Au# diesem Grunde war auf Freisprechung zu erkennen. soziales«nd Arbeiterbewegung« Heber die Lage der Dresdener Schuhmacher wc?? kürzlich in ern« Versammlung in Dresden folgende# r,u gethellt. In den seltensten Fällen sei ein Schubmache- J? Stande, vom Erlrage seiner Arbeit zu leben, und die g�ßte Zahl der Kleinmeister habe nebenbei einen Hausmannsp�I"' oder die Frau mache irgendwo die Aufwartung. Und Schuhmacher wohne! Entweder dem Himmel am-�stm ober„im Parterre, das man mit dem ftanzöstschen Ausbruck Souterrain bezeichne". Sodann gab der Redner, Herr Gäsche, folaende statistische Mitthetlungen. ES stiebt in Deutschland 267 540 Schuhmachermeister und 186 991 Gehilfen, woraus sich die interessante Beobachtung ergiebt, bog Das Schuhmacher« aewerbe über 80000 Meister mehr zählt als Gehilfen. Än Dresden speziell macht fich dieselbe Erscheinung bemerkbar. ES stiebt hier 3366 Schuhmacher, davon 1815 Meister und 1551 Gehilfen. Aus dem Rechenschaftsbericht des Vereins gegen Armennoth und Bettelei ergebe fich, dag schon seit 5 Jahren die Schuhmacher die am meisten Unterstützten find; im Vor- jähre belief fich deren Zahl auf 1297. Ein noch drastischerer Beweis für die Nothlage der Schuhmacher ergebe fich aui dem SterblichieitSonhältniß. DaS Handwerk sei ein geradezu mörderisches, denn 63 pCt. sterben an der Schwindsucht, 29 pCt. entfallen auf daS Alter von 20—30 Jahren, 41 pCt. auf 30—40 Jahre, 23 pEt. auf 40—50 Jahre und— horribile dictu I— 1 pCt. auf ein Alter über 50 Jahre. Schuld an dieser traurigen Erscheinung sei nicht etwa die Arbeit selbst, sondern die schlechte Ernährung und ungesunde Wohnung, welchem Uebelstand tndeg unter den jetzigen Verhältniffen nicht abzuhelfen sei, da der wöchentliche Durchschnittslohn der besten Ardester nur 10 bis 13 Mark betrage. Herr Gäsche fand all- gemeine Zustimmung, und soll durch beffere Organisation per« sucht werden, den Uebeln abzuhelfen Der Generalstreik der Töpfer Berlins und Umgegmd, der von denselben den Meistern und Arbeitgedern für vor» gestern angekündigt war, ist thatsächlich eingetreten. Bereits haben gegen 600 Gesellen die Arbeit niedergelegt. Wettere Einstellungen der Arbeit werden noch erwartet und die Lohn« kommisfion hofft, dag heute schon gegen 1000 Töpfergesellen feiern werden. Sie glaubt zuverfichtlich an einen Sieg der von ihr vertretenen Gesellenschast, da gerade die jetzige Lage deS Baugeschäfts einem Streik wesentlich günstig sei. Die LoHubewegung der Arbeiter nimmt in der R h e i n p r o v i n z, von der man in früheren Jahren dort kaum etwas verspürte, immer giögere Dimenfionen hat. So hat fich in Köln ein Maur erver band gegründet, der die Vertretung der eigenen Jntereffen den Meistern gegenüber anstrebt. In der Versammlung wurde ausdrücklich hervorge- hoben, dag daS Ziel nur auf gesetzlichem Wege durch fried- lichrs Vorgehen erreicht werden solle.— In Elberfeld beschloffen die Maurer, am Streik festzuhalten, obwohl einige Kameraden die Arbeit wieder aufgenommen haben.— In Barmen fanden am 30. v. M. vier Ardeiteroersammlungen statt. Di« Kesselschmiede verlangen lOstündige Arbeitszeit und Lohnerhöhung. Von der Bewilligung der ersten Jorderung soll die Wetterführung der Arbett abhängen. Die Verhandlungen mtt den Meistern wurden dem Vorstand deS Fachvereins übertragen.— Die Klempner beschlossen von der Bildung eines eigenen Fachoereins abzusehen und fich dem Meiallarbetterverein anzuschliegrn.— Die Dachdecker wählten einen AuSschug, der zur Lohn« und Arbettszeiffrage die nöthiaen Vorarbeiten machen soll.— Auch die Kutscher und Fuhrleute beschloffen die Gründung einei Vereins. Der Minimalwochenlohn soll für einen Kutscher 14, für einen Fuhrmann 20 M. betragen. Ja Alt- and NeagerSdorf(Oberlaufitz) hat fich ein Ar« beiterdtldungSveretn gebildet, dem gleich 700 Mitglieder beh r. treten find. Bisher waren die oberlaufitzer Arbeiter die' Distrikts völlig unorganistrt. Im oberschlefische« Montanrevier wird die Arbeiter- bewegung allmälig reger. In Königshütte deschlvg am 30. Mai eine Versammlung von etwa 250 Arbeitern, meist Berg« und Hüttentnvaliden, eine Petition um Abstellung von Uebel« ständen im Jnvalioenwesen an den Arbeitsminister zu senden. Ja Halle streiken fast sämmlltche Maurer. Ardeitseinftellaag. Nach einer der„vreil. Mrgztg." auS den Kreisen der betheiligten Arbeiter zugegangenen Mit- thettung stellten die Stroh- und Filzbutarbetter der in Breslau befindlichen Fabrik von Rabat und Guttmann die Arbeit ein, weil settenS der betreffenden Fabrikherrn ihrer Forderung auf Erhöhung des Arbeits(Stück-) Lohne? nicht Folge gegeben wurde. Seitens des FachvereinS der Stroh- und Filchut- ardeiter wird alSbald ein Arbeitsnachweisedmeau errichtet werden, für die unter Sperre gestellte Fabrik sucht man dm ���i/ Kölner Zimmer leate«ad Maarer habm seitens der Meister eine Lohnerhöhung bewilligt erhaltm. Kür dreißigjährige anaalerbrochene Dteastzeit in ein und derselven Favrtt giebt e« im Königreich vachsm eine silberne Medaille, welche das Ministerium verleiht.— Die glücklichm Veteranen! Aasraf der Frankeathaler Schaellpresseaarbeiter. Werth« Kollegen! Nachdem fich in der Schnellp'rffcnfabrik von Aldeit u. Ei--, hin die Arbeitsverbältniffe durch fortwährende Abzüge der Allorve von ungefähr 50pCt. nach und nach, trotz sehr gutem Geschäftsgänge, was die koloffale Ueberardeit beweist, für unS immer schlechter gestaltetm, fühlten wir unS veranlagt, um unsere Lage einigermagm zu verbessern und um etwaigen Abzügen vorzubeug-n, folgend« Forderunam zu stellen: 1. Einen 10 st ü n d r g e n NormalarbeirStag mit gleichem Lohnsatz, wie für ll stündtge Arbeits zett; 2. für Uebe, stunden 25 pCt., für Sonntags« und Nachmitternachtarbeit 50 pCt. Die Herren Prinzipal« weigem fich, unS diese Forde« mngen zu gmehmigen, weshalb heute zirka 100 Arbeiter die Arbeit niederlegten. Da die meisten Familienväter durch die heruntergedrückten Löhne nicht im Stand« find, ei längere Zett auizuhatten, so bitten wir Euch, werthe Kollgen, vor Allem dm Zuzug fern zu hatten und unS nach Kräftm zu unter» stützm, je flüher, desto bcffer, denn unser Sieg ist auch der Euriael Mit kollegialischem Grug! Da« Komitee. Adressen: E. Dürrwald, Monteur, Schmidgaffe; Kasfirer A, Oppmann, Dreher, Wormserstr., Frankmihal(Rheinpsalz). Uereine und Versammlungen« f Eine Sffeatltche Versammlung der Stahlarbeiter Berlins und der Umgegend, die am Montag, den 31. v. M-, bei Bug Gr. Franlfurte strage 37, unter Vorfttz deS Herin B. Scholz tagte, beschäftigte fich mtt dem bisherigen Verlaufe der diesjährigen Lohnbewegung. ES trat, um daS Fazit der Verhandlungm zu ziehen, rtne ziemlich gereizte Stimmung gegm die Innung he.vor, deren Vorstände die Verhandlung mtt dm Fabrikanten in die Hand gmommm hahm. Es handett fich zunächst in erster Linie darum, die Fabrikanten zu veranlassen, die„Nebenarbeiten", welche bisher unmtgeltlich von den Webern geleistet werden mugten, zu bezahlen. Der zu diesem Zreck oufgesteMe Tarif ist von den Shawl- und Tücherfabrtkant-n im Prinzip aner- kannt, aber um 50 pCt. niedriger bewilligt worden. Die Stcppfabrikantm wollen nur einen„Wohnungszuschug" in Höhe von 4—8 pC'. des wöchentlichen VerdimsteS bewilligen; dieser„WohnungSzuschug" lst aber, wie der Obermeister Schmidt bestimmt verstcherte, im Prinzip von der Kom« mtifion abgelehnt worden. Diese Methode der Lohn« erhöhung ist von den Fabrikantm wohl deshalb gewähtt morden, weil sie glauben, dag die auSwärttgm Weber fich durch den Namen werdm abhalten laffm, ebenfalls An- spuch jauf eine solche Enlschädigung zu erheben da eS ihnen bekannt sein müsse, dag die Wohnungsmletbe in Berlin bedeu- tmd höher ist, alS in den umliegendm Orten. Tathsächlich geht aber den auswärtigen Webern bei der geringerm Höhe des Arbeitslohnes und durch die für Berlin in WeSfall kommenden Transportlosten der Waarm der VortheU, den fie von billigerm WohnungSmiethm haben, verloren, und eS thut ihnen eine Aufbesse- rung der Lohnverhältniff« ebenso noth, wie dm Ber- ltnem. Auch mug eine Steigerung der Arbeitslöhne in allm hier in Frage kommmdm Ortschaften gleichmäßig vor fich gehen, da sonst dm Berlinern bei eintretender GeschaftSstockung daS Errungme wieder verloren geht, da die Arbett dann nach anderm Ortm vergeben werdm würde. Der„WohnungSzuschug" hat gleichzeitig noch dm Nachtheil, dag er mehr oder weniger nur den Meistern zu Gute kommt, so dag für die Gesellen eiue neue Attion nothwmdig würde, wenn fie an dieser Erhöhung theilnehmen wollen. Einen Beschlug sagte aber die Versammlung in dieser Sache nicht, sondern überlieg vorläufig der Lobnkommisston ihre Regelung.— Im allgemeinm wurde gegm die Innung der Vorwurf erhoben, dag fie zu bescheiden, zu wenig energisch dm Fabrikanten gegmüber auftrete. Auch wurde beklagt, dag fie fich in Verhandlungen mit dm Meistem eingelassen habe, ohne die Vertreter der umliegenden Ortschaften zu bmachrichtigen. Die Debatte trug zuweilm einen sehr leb« haften Charakter und dehnte fich bis weit nach 11 Uhr auS. — Sodann erstattete Herr Wille auS NowaweS an Stelle de« erkrankten Herm Klösterlein Bericht über die Beschlüsse deS Geraer WeberlongreffeS, die allgemeine Billigung fandm. Sie gefielen hauptsächlich in der Forderung einer wirksamm Schutz« gesetzgebung sür dm Arbeiter. Polizeilich aufgelöst wurde die am Dienstag Abend in Gratweil'S Bierhallen abgehaltene Versammlung deS Vereins für Rechtsschutz und Justizreform. Herr RechtSanwatt Dr. Grellwg refertrte über«Die neuesten Magregeln gegm die Versammlungsfreiheit". Der Referent nannte dieselben einen Eingriff in die Verfassung, wie man ihn ähnlich sett langer Zeit nicht erlebt habe. DaS Verbieten der Arbeiterversamm« lungm, meinte Redner, könne leicht Ungesetzlichkeiten zur Folge habm. Man solle die Krankheit nicht nach innm treiben, sondern ihre Heilung versuchen.— Der Korreferent, Rechts- anwatt Wreschner, wieS darauf bin, dag fich das Vertrauen auf die loyale Anwendung deS Sozialistengesetzes nicht erfüllt habe; auch er sprach fich gegen die beliebten Maßregeln in längerer Rede auS.— Der Versammlung lag nachstehmde Resolution vor:»Aie Versammlung legt Verwahrung ein gegen die neuesten Magregeln der preußischm Regierung gegen die DersammlungSfreihett, weil diese Maßregel ein wichtiges Grundrecht deS Volkes in Frage stellt, die Arbeiter im Lohn- kämpfe gegmüber dm Arbeitgebe m benachtheiligt und well etwaige AuSschreiwngm berettS mittelst der Bestimmungen deS gemeinen Rechts wirksam bekämpft werdm könnm. Eine Abstimmung über diese Resolution konnte indeß nicht statt- finden, denn alS der in der Versammlung anwesmde sozial« demokratische ReichStagSabgeordnete Kayser fich an der Diskusston betheiligm wollte, und er kaum darauf hingewiesen hatte, daß er daS Wort in der Versammlung nicht ergriffen hätte, wmn ihn da« Referat nicht dazu veranlaßt haben würde, erklärte der überwachmde Beamte die Versammlung auf Grund deS§ 9 deS Sozialistengesetzes für aufgelöst. * Der Verein der Lackirer aller Branche« Berlin'S und Umgegmd, hielt am Montag, dm 31. Mai, in Feuerstein'« Lokal, Alte Jakobstr. 75, feine erste Mitglieder- Versammlung ab. Herr Metzner hiett einm Vortrag über Produktion und Konsumtion, welcher mit vielem Beifall aufaenommm wurde. AlS Revisoren wurden hierauf gewähtt die Herren: Hermann Müller, OSkar Schüßler und August Kramer. Zur Einführung eine« unentgeltlichen ArbeitS-Nachweisrs wählte die Versamm- lung eine Kommisfion von 7 Ättgliedetn. AlSdann wurde beschlossen, in der nächsten Versammlung ein Dergnügungs- Komitee und eine„Interessen- Kommisfion" zu wählen. Mit einem Hoch auf daS Gedeihm deS Verein« schloß der Vor« fitzende die Versammlung. * Im Fachveretn der Rohrleger hiett am Sonntag, dm 30. Mai, in Nieft's Salon, Herr Professor Dr. Petri einen sehr beifällig anfgmommenm Vortrag über dm Nutzen dezw. die Schädlichkett der KanalisatwnSanlagen. Der Vortragende besprach die verschiedenm Kanalisationssysteme in Berlin. London, Stettin und anderen Städten. Er erklärte ferner daS ihm patentirte Verfahrm auf der Versuchsstation in Marien« felde und wie« darauf hin, welcher Nutzm daraus zu ziehen fei.— Ein in der Versammlung anwesender Ingenieur be- leuchtete hierauf das in Stettin eingeführte Kanalisationssystem und wies auf dm Schavm hin, welchen dasselbe für die Fischerei im Gefolge habe. Auch dal Lternm'sche und andere Systeme wurden in der Diskusston besprochen.— Die Versammlung beschloß hierauf, am ersten Sonntag nach Pfingsten zur Bcfichtigung der PeM'schm Anlagen nach Maitenfilde zu fahren. Herr Dr. Petri wird selbst an Ort und Stelle die nöthigm Erklärungen aebm. Abfahrt der Thetlnehmer Morgens 9 Uhr vom Anhalter Bahnhofe. Zum Schluß wählte die Vn« sammlung Herrn F. Krebs zum zwetten Ka'strer deS Vereins. Nicht genehmigt wurde die zu gestern(Mittwoch) Abend angekündigte Versammlung deS„Louisenstädttschen Be- zirktvereinS Vorwärts", welche in Krieger'S Salon, Waffer« idorstraße 68 stattfinden sollte. Auf der Tagesordnung dieser Versammlung standen:„Innere VereinSangelegenheiten". — Auch die Versammlung de« Arbetter-BezirkSvereinS im Westen Berlins, welche am Dienstag, den 1. Juni, stattfinden sollte, mit der Tagesordnung:„Statutenänderung", wurde nicht gmehmigt.— Der Vorstand dieses Vereins beadfichtigt daher, in nächster Zell die Vereinsversammlungen ausfallen zu laffm und ersucht die VereinSmttg lieber, welche mtt ihrm Bei- trägen länger als drei Monate im Rückstände find, dieselben zu begleichen widrigenfalls die betreffenden Mitglieder au« der Vereintlistc gestiichm werden.— Die Ausgabe von Büchern auS der Vereinibibliothek, femer die Aufnahme von neum Mttgliedem und die Empfangnahme der Beittäge er« folgen jedm Montag, Abends von 8 bis 10 Uhr, im Lokal de« Herrn Schmaar. Biummthalstr. 5. * Verband der Möbelpolirer Berlin« und Umgegend. Heute, Donnerstag, AdmdS 7 Uhr, gemüthliches Beisammen« sein in den Landsberger Bierhallm, L mdSdergerstr. 82. * Demokratischer verein. Außerordentliche Versamm- lung Freitag, den 4. Juni, Abend« 8'/» Uhr, in Altermann's Salon, Dennewitzstr. 13. Tagesordnung: Hat daS Volk ein Anrecht auf Gemeinbefitz am Grund und Boden? Referent Herr Michacl Flürscheim(auS Gaggenau in Baden). Freie Diikusfion. Gäste willkommm. Fachverei« der Tischler. Sonnabend, dm 5. Juni, AbendS 8V» Uhr, in Jordan« Salon, Neue Grünstraße 28, Ver- sammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Kanitz über: „Die Lunge und ihre Behandlung im gesundm und tranken Zustande". Tiskusston. Neue Mitglieder werdm aufgenommen. Der ZentralarbeitSnachweiS für Tischler befindet fich auf der Tischlerherdetge, Blummstraße 56. Die Ardettkvermittelung geschieht unmtgeltlich an dm Wochentagen von 8'/,— 9'/, Uhr AbendS; Sonntags von 9—11 Uhr Vormittag. Gesuche um Zuschickung von Gesellen können von den Meistem zu jeder Tageszeit in den am Eingänge deS Herdergslokals befindlichen Briefkasten gelegt weiden. I« der freireligiöse« Gemeinde spricht am Sorntag, Vormittags 10 Uhr, Rosenthaleistr. 38, Herr Schäfer üb«: Organisation der Arbett". Zutritt steht jedem frei. Kleine MMHeilnngen. Eatania» 31. Mai.(Vom Aetna.) Da die Lava nur noch 450 Meter von Nicolofi entfemt ist, so habm die Ein- wohn« die Stadt verlassen, die Zugänge zur Stadt find durch Mllitär abgesperrt. Obwohl die Bewohner die Stadt in großer Erregung verlassen, ist doch kein Unfall vorgekommen.— Fürchterlich find die Schilderungen fizilianischer Blätter über die Aetnakatastrophe; demnach wäre Nicolofi, der einst so Herr. liche Bergort, größlenlheilS durch die langsam heranfluthmde Lava zerstört worden. In Catania herrscht eine allgemeine Panik, und viele Leute find auS Furcht vor einer Katastrophe nach dem Festland« abgereist.— Ein, schon unterm 27. Mai«r die„Köln. Ztg." gerichtete« Schreiben besagt folgendes: „Die Lava ist ein ziemlich unberechmbarei Element und hat, wie die Geschichte der Aetna- Ausbrüche lehrt, häufig genug ge« rade dann Halt gemacht, wenn man e» am wenigstm ver« muthete. Während die jetzt thätigm Krater und auch der 1888° entstandene„Monte Prinz, pe dt Napoli" auf den Aetna-Kärt- chm deS Bädeker, dei Äsell-FelS und anderer Reisehandbücher nicht verzkichnet find, kann, wer ein solche« Kärtchen defitfi, ziemlich genau dm von der Lava eingeschlagmen Weg verfolge». Er wird nordnordöstlich von Nicolofi die beiden erloschene» Krater Monte Nocilla und Serra Pizzutae findm. Am Nord« fuß de« Monte Nocilla hat fich vorgestern der hauptsächlichste Lavastrom in zwei Theile gespatten, so daß also der Berg«ie eine Insel von dem glühenden Flusse eingeschlossm ist. D« westliche Arm, der aber nicht sehr schnell fließt und der weniger gefährliche ist, erreichte gestem Nachm»- tag um 1 Uhr die reichen Weinberge der Feidfiuj von Belpaffo, eine« 8000 Einwohner zählenden und bereit» durch den großen Ausbruch von 1669 zerstörten Städtchen»- Der bedeutendere östliche Strom, der, seit er nicht mehr üb« die alte Lava von 1537 fließt, seine Schnelligkeit vergrößerte und gestem zwischm 70 und 74 Meter in der Stunde zurück- legte, hat fich derett« durch dai oben erwähnte Thal zwischen Monte Nocilla und Serra Pizzutae hindurchgewunden, h» gestem Mittag 12 Uhr die Stelle erreicht, wo die Wege vo« Aetna-Gipfel und vom Monte S. Leo zusammmtreffm, und soll dann auch schon nach einer noch nicht hinreichmd beglaubigten Nachricht da« unfern von Nicolofi gelegme Kloster S. Nicola zerstört haben. Heute oder morgen dürfte die Lava, falls fle nicht inzwischen zum Stehen kommt, die ersten Häuser von Nicolost erreichen. Von Catania find 10 große Pumpe» angelangt, um die Zistemm und Brunnen auszuleeren. Aua von Messtna wurden Hilfsmannschaften, Pumpen und Karren zur Wegschaffung der beweglichen Habseligkeiten erwartet. Die Zustände t» Irland. Der AuSwei« über die im 1. Quartal d. I. in Irland ftattgefundmm Exmilfionen ergiedl, daß 698 Familien, bestehend au« 3477 Personen, von dieser Maßregel betroffen wurden. Hiervon wurden 20 Familie" (123 Personen) wieder alS Pächter und 388 Familien(M Personen) wieder ali Verwatter eingesetzt.— Die Anzahl der agrarischen Verbrechm in Irland während des am 31. abgelaufenen Quartals stellt fich auf 2560. Hierunter destnss» fich 3 Nordthatm, 19 böswillige Brandstiftungen, 17 Fälle � denen Vieh getödtet oder verstümmell wurde. 121 Fälle# Absendungm von Drohbriefen, 8 Fälle emster Beschädigung 5 Fälle von Angriffen gegm Gerichtsvollzieher und 24 F# Ott Beschädigung von Eigenthum. Queenstow», 30. Mai.(Schiffsunfälle.) Der am gen Donnerstag nach Newyork abgegangene Dampfer„America von der National- Linie ist heute Nachmittag um 4 u-P hierher zurückgekehrt, weil am 28. d, 7'/» Uhr Morgens,'f 50=55' nördlicher Breite und 18*20' westlicher Länge Wj Kolbenstange gebrochen war, in Folge deffm der Deckel v!» Zylinders barst. Eine kurze Zeit herrschte große AufregM unter den 800 Passagieren an Bord; nachdem aber die deS Unfalls genau bekannt geworden war, bemhigten fich Leute bald wieder. Nach kurzem Aufmthalt wandte daS SM um und lehrte bei einer G'schwindigkett von etwa 12 Knote» die Stunde hierher zurück. Die„America" legte in Queensto?» nur an, um Meldung zu erstatten, und setzte dann unverzügu» mtt sämmtlichm Zwischendeck- und Kajütenpassagieren die New nach Liverpool(ort.— Der am Soor abend von Newy oit>» QueenStown eingetroffme White Star Dampfer„German'' meldet, daß am 26. d. Nachts ein Kajütanpassagier Name»» F. tz. Crooke über Bord gesprungm und ertrunken sei. Setzte Uachrichte«.. Die soziale Gährung in Italien hat nun au« ergriffen. Am letzten Sonntag kam die unter den vm» Holzarbeitern und Hafm-LaArägem sett lange gahrende zu'ricdenhett plötzlich zum Ausbruch. Eine Versammlung lief äußerst tumuttuöS. Ein Redner, der zur Rube may» wurde mißhandelt. Die Redner verlangten heftig und Verminderung der Arbeitszeit. Ewer der R ebnet», darauf hin, daß die gesammte Arbeiterschaft Italien« einig und sie werde daS Joch mit Gewalt brechen. Nachdem. D-putation von den Arbeitgebern eine abschlägige Antwo.i hatten hatte, deschloffen bei tausend Ardeiter, zu streiken. � selben werden von brn Ger ossenschattskaffen unterstützt. Die von dem Gewährsmann de« Wiene.„Frdbl. für Mo befürchtet, n Unruhen find indeß nicht eingetrrten. Todesfall. w« Ct. Bernhardbahn. Der BundeSrath beantragt bei � eidgenösstschm Rüthen, die nachgesuchte Konzession für den�,, einer Eisenbahn durch den großen St. Bernhard(Col de Fenft nicht zu bewilligen, um den anderweinucn' Alpcndahnpro im Kanton Wallis nicht zu präjudiziren.. Die PrtnzenauSwetsung in Krankreich. Die EinI«� der Regferung und der AuSwetsungS Kommisfion gilt na» „Post" ali hergestellt. Die obligatorische Ausweisung damit für dt« Piätendenten und die direkten Nachkomme» fel&en, die fakultative für die anderen Prinzen angeno»»» Eine ministerielle KrifiS wird nicht mehr besürchtet. � Die städtischen Behörde« t« Philadeliphta Hamich Entwurf zu einem verbesserten Gatling- G-schütz welche« in Straßen kämpfen Verwendung finden', in der Abficht, für da» Polizeidepartement eine dieser Ka»«». anzukaufen. Die Kosten werden fich auf etwa 2500$0»®' stellen._ KriefkaSen der Redaktion. P G., Elsasserstr. Der Kaufvertrag ist nicht anft»'� der Verkäufer braucht, wenn der Käufer die Sachen nifl'«j hott nnd bezahlt, daS Angeld nicht herauszugeben. verfällt vielmehr als Reugeld. Die Abrede, daß der Ven, unter bestimmten VocauSs-tzungm alS nichtig gelten als mü. dliche Neben abrede neben dem schriftlichen Vcnc rur Giftigkeit, wenn eine der Parteien Kaufmann ist. S,« *„ G�sm� Ünterstützung � gewähren. Wenden Sie fich dttett an die Genoffens»aN'� W. M.(Velten). Versammlungen, in denen öfst» � Anglegenheiten erörtert werden sollen, bedürfen ls*.> pollzeilichen Genehmigung. Solche dürfen also»»».Ai» ..l..,,____ Jx.tH-i.Y-t Vi. aU»0'u-« gehalten werden gleichviel ob die Genehmigung au»�---�, versagt oder der diesbezügliche»nirag ohne Antwort lassen ist. x pel m 3- H. ES existirt keine gesetzliche Vorschrift,»ona«� Rektor einer Gemeindeschule den Kindern daS Mitbrtnac Fläschchen zum Trinken gestatten muß. Wenden Sie»» schwerdeführend an die vorgesetzte Schulbehörde.„„«»t»1 H. M. 30. DaS Testament Ihre« Onkel« ist. we"» formelle Mängel vorliegen, unanfechtbar. Weder dem., z»! vater noch den Geschwistern steht ein PflichttheilSrt« fie brauchen also im Testammte nicht dedacht zu � iß 8. Zahlen Sie die festgesetzten---~" Alle« in vollster Ordnung. Zu den ung Sie übernommen haben, gehören en, sondern auch die dem'Gegner«rwachsenen außrt�s� üa» ää dä getrieben werden.__ eenntwortttchff SeMtoü««. Uienhet« W laitn®n»ck*.>« GaOa«»v> ff« Bitdi»« i» SW, 3