le. 134 Freitag, dc» 11. Juni 1886. III. Hakrx. Drgan für die Interessen der Arbeiter. ae$ Der plf G'schmiilil. Mau hat sich schoa viel daiüber abstritte», �tsch«ack uud wo er vorhaude« ist. Für dirje« .«a» guter _____________„,7_____„ ditjeuigen, welche 98 kouservative Autoritäten glauben, dürfte diesem Streite �>8 ein Ende gemacht sein, denn der große Herr von �iauchhaupt, einer der Staatemänncr der kommenden 'Mervativen Aera, hat e« ja deutlich gesagt, daß der gute �schmack bei seinen Stande»genossen, rämlich beim Zunker. Mm. vorhanden sei und erst von da zu den„niederen {"asten' hinabsteigen müsse. Die Wände de« Abgeordneten. Mise« haben gewiß schon manche» große Wort ruhig über 5 ergehen lassen; daß sie aber diesmal nicht gebebt haben, Mitte Einen billiger Weise in Verwunderung setzen, wenn in diesen Tagen fich nicht so sehr daran gewöhnt hätte, derlei seltsamen Erscheinungen zu begegnen. . Ter wie wir da» Zunkerthum überhaupt für eine .itlebte Erscheinung, für einen Anachronitmu» hält, der die Rauchhaupt'sche Prätension nicht ernst. Die «uberiiäcbtigen Gesichter' von gespensterhaften«hnenbildern, �lche der Stolz de« Zunker« find, können un« wenigsten« Gofolw ajcht imponiren und der längste Stammbaum ist ur un« ein werthloser Wisch, ist e« auch den ganzen Heu. 'lzen gesellschaftlichen Einrichtungen gegenüber, soweit nicht Ggenb welche klingenden Privilegien daran haften. Da« »von" vor irgend einem Namen hat heute auch wenig mehr i» bedeuten, seitdem e# in alle» Schichten der Gesellschaft iu H�se ist und verarmte Mitglieder de«.Schmaladel«" baviit eben so gut haufiren gehen können, wie die blau« gütigen Herren, die noch von dem ganzen Hochmuth thr«, vermoderten Ahnen erfüllt sind. Zu unsere Zeit Ifv der Adel herein wie ein» exotische Schlange, .sienwen Boden versetzt worden ist. Sie kränkelt y stirbt langsam ab. So geht e« dem Adel, der in dem Geist unserer Zeit nicht gedeihen kann. Da« führte Socobh sehr schön au« in der preußische« Monalversammlung. die am 30. Oktober 1848 über d,e Reffend: '�icht durch de« vorliegende« Paragraphen— durch r8 Geist unserer Zeit, durch die ganze, au« diesem Ge,st �vorgehende Gesetzgebung ist der Adel faktisch aufgehoben. �'st gleichgiltig, welche Grabschrift wir auf seinen Leichen- ■m* setzen I' „_ Da» ist auch so und man mag darau« er- 3*"' wa, ei heißt, wenn heute ein Zunker kommt den gute« Geschmack für fich und seine„Stande«. Jossen" ganz ausschließlich in Anspruch nimmt. New, JeuM'eton. Eine Mutter. Roman von Kriedrtch Gerftäcke». (Fortsetzung) n>»Keine Aufregung heut« Abend, liebe« Kind," fuhr die 2% fort, indem sie den in der That schon etwa» beton. TM Kragen vor dem Spiegel wieder w Ordnung brachte; Aorgen früh halte« wir ewen große« Familienrath, wir Paar von Deinen kleinen Geheimnissen gekommen; heute � haben wir keine Zeit dazu." Rd�'ststorgen, liebe Mutter, morgen? O Gott, wa« uegt "-'"en dieser kurzen Zeit I" , in der That. mein Töchterchen: der erste ent. Schritt zu Deinem ganzen künftigen Lebeniglück ihn getrost, Du wirst e« nie bereuen.— Aber da »hrhafna schon ein Wagen vor; rasch, Kind, d,e n..fUnd kein' Mitleid, kein Gefühl für da» eigene Kind einmal an» weinen an ihrem Herzen durfte tch C Gram I O, Mutter. Mutter, ahnst Du denn, w« � weh Du mir damit gethan? Ader nein, nem, fie dost'"icht selber fühlen, wa« mir die Brust hier mit quäl- '% zerreißen will; ihr Gott ist der Ehrgeiz, dem " eigene Kind geopfert werden soll— daß da« Herr von Rauchhaupt, unsere großen Dichter und Denker haben die Schätze ihre« Geiste« nicht für den Adel, für da« Zunkerthum allein aufgespeichert; soweit ist glücklicher Weise die Kultur vorgeschritten, daß diese Schätze Zedermann zu. gänglich find und wenn der gute Geschmack— der wirkliche und nicht der eingebildete— da« Resultat dessen ist, wa» unsere großen Denker un« lehren, so werden hoffent- lich auch noch andere Leute fich eine« guten Teschmacke« rühmen dürfen, al« gerade die, welche ein„von" vor ihren Namen zu setzen pflegen. Oder prägt fich der gute Geschmack der Herren Junker in ihrem Auftreten au« und ist da« bekannte Näseln ei« Symptom desselben? Wie würde wohl unser arme« Deutschland aussehen, wenn der gute Geschmack der Herren Zunker wieder zu seinem vollen Ausdruck käme. Wir müßten un« ängstlich in unsere Stadtmauern einsperren, u« draußen nicht von streifenden Rittern„niedergeworfen", beraubt und in'« Burg- verließ gesperrt zu werden, wo wir schönsten« verfaulen könnte«. Oder wir säßen draußen und bebauten unsere Scholle; dawären wir leibeigen, zahlten großen und kleinen Zehnten, Zinsen, Gülten, Steuern und dergleichen, brächten unserem gnädigen Herrn Hühner, Eier, Korn und Obst, ließen unsere Felder von ihm zerstampfen und müßten ihm bei seinen Raubzügen Heerfolge leisten und Treiberdienste bei seinen Zagden thun. Wenn wir stürben, fiele unserem gnädigen Herrn da« Besthaupt zu, d. h. er nähme fich da« Beste au» unserem Eigenthum. Wir zahlten ihm den Schürzenzin« oder müßten ihm unsere Töchter überliefern, um dann von ihm H.... söhne gescholten zu weiden. Wenn seine Gemahlin in de« Wochen läge, peitschten wir Nacht« die Sümpfe, damit sie nicht durch da» Quaken der Frösche gestört würde. Wir schleppten Steine auf hohe Berge und bauten ihm dort die Zwing- bürge«, m deren Verließ er un« beim geringsten Vergehen werfen ließe. Wenn wir Hunger hätten und un« einen Hasen fingen, so könnte der gnädige Herr un« den Kopf abschlagen lassen, denn er wäre Richter zugleich und Herr über Leben und Tod. So sah e» in Deutschland au«, als der gute Geschmack der Herren Junker in den gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein kam. Und dieser gute Geschmack soll nun„zu den niederen Klaffen herabsteigen?" Nein, Herr von Rauch- Haupt, die„niederen Klassen", die A r b e i t e r, haben einen anderen Geschmack; sie haben immer die humanen und großen Gedanken der neuen Zeit vertreten und manche« Zunkerlein müßte sehr weit heraufsteige«, wenn et die neuen Ideen, welche unsere Arbeiterwelt bewegen, erfassen wollte. Nein, geehrter Herr„von", mit dem ganzen auf- eklärten neunzehnten Jahrhundert danken besonder« die rbeiter für de« Zunkerthum«„guten Geschmack!" Wenn ich denn allein im Leben stehen soll, will ich mir auch die Bahn allein suchen!" M Eine eigene, feste Entschlossenheit kam über da« junge Mädchen, fast noch ein Kind. Ihr Auge blickte klarer, ihr Schritt wurde entschiedener, und rasch trat fie zum Wasch- tisch, badete ihre Augen in klarem Quellwasser, ordnete sich da« Haar wieder ein wenig, festigte eine locker gewordene Blume in ihrem Schmuck und legte dann selber die kost- baren Brillanten um Nacken und Arme, die sie am letzten Weihnachten von ihrem Vater erhalten hatte. Da» Alle« nahm ihr auch nur wenige Minuten Zeit: rasch war fie damit fertig, und noch einen Blick in den durch zwei Girandolen erleuchteten Spiegel werfend, schritt fie in den Empfangsaal hinüber Der Mutter Blick ruhte wohlgefällig auf ihr, al» fie sah, in wie kurzer Zeit und wie vollkommen ,hr« Tochter alle« Andere von sich abgeschüttelt, wa« ihr den heutigen Abend zu trüben drohte— ach wenn sie hätte in ihr Herz sehen können l Aber ein eigener unnatürlicher und starrer Trotz war über da« sanfte,"hingebende Kind gekommen:— der tsnt- schluß, fich der Mach», die sie in Fesseln schlagen wollte, für Lebenszeit, und gegen ihren Willen, nicht zu beugen, und nur ein einzige« Mal schrak fie noch zusammen und fühlte, wie ihre Glieder zitterten. E« war der Moment, in dem der ihr bestimmte Bräutigam, Graf Bolten, den Saal betrat. Und wie Glück und Freude strahlend sah Graf Bolten au», al« sein Blick ungeduldig im Saal umherflog, die ihm bestimmte Braut zu suchen, und sie jetzt«kannte I Wie rasch glitt ex, nicht einmal d,e Eltern zuerst begrüßend, auf fie ,u und flüsterte, ihre Hand«greifend: „Meine Paula, meine liebe, liebe Paula, wenn Sie wüßten, wie unaussprechlich glücklich mich d« heutige Tag macht I" „Sie find so gütig, Herr Graf 1" stammelte Paula, tief erröihend, denn dem Manne gegenüb« war fie sich einer Schuld bewußt. „Herr Graf? Wie kalt da« klingt!" rief Hub«» vor- I murftooll.„Hab' ich mir noch keinen besseren Titel v«.• Politische Urderstcht. Also, e« war völlig richtig, als wir vor einiger Zell sagten, daß man seitens der Polizei und der Richt« Petitionen an den Reichstag zur Erreichung besser« Arbeitsbedingungen (Arbeiterschutzzesetz) al« öffentliche Angelegenheiten im Sinne de« preußischen Vereinsgesetzes betrachten und solche V«eine, die d« atiige Petitionen berat hen und mit anderen Vereinen in Verbindung treten, auf Grund de« genannten Gesetze« auf» lösen würde. Diese Prophezeiung ist in Görlitz rrö tiich eingetroffen. Die Schließung de« dortigen Fachverein« der Maurer ist durch gerichtliche Entscheidung erfolgt, weil d» V«. ein politische Gegenstände in seinen Versammlungen erörterte und mit anderen Vereinen in Beziehung getreten ist. Die Er» örterung politischer Gegenstände wird namentlich in den Ver» Handlungen über Petitionen, betreffend dm Ardeit«schutzgesetz» entwurf ver Eoziallstenpartei, gefunden. Die Verbindung wird in Briefm gefunden, welche namen« der Kontrolkommisfioir zu Hamburg an den Görlitzer Maurerfachverein abgesandt find.— Wir halten diese« Urtheil für einm Eingriff in die Reich«» gesetzgebung, da der§ 152 der Reichsgewerdeordnung ausdrücklich alle Verbote aufhebt, welche fich gegen Vereint- gungm dehuf« Erlangung besserer Arbeitsbedingungen(Maxl- malarbeitStag, Aufhebung der SonntagSarbeit, Ar bester organt» sationen«.), richten. Dadurch ist auch die betreffende Bestim» mung de« preußischen Vereinsgesetzes aufgehoben. Wir glaudm, daß ein gewandt« Rechtsanwalt in Görlitz die ge» richtliche Entscheidung mit Erfolg angreifen könnte. Wird Herr Eugen Richter von der Regierung unter» fitzt? Der„Hamb. Corr.", ein offiziöses Blatt, schreibt: Jm Kreise Hagen find jüngst« Tage zwei von dn Arbeiter- Partei einberufene Versammlungen polizeilich inhibirt worden. Der einen wurde die Erlaudniß vnsagt und die andere nach kurzer Dauer aufgelöst und zwar, wie eS scheint, aus Giünden, welche annehmen loffm, daß die dortigen Ort». Polizeibehörden dem von der hiesigen Ar» beiterp artet sehr ernsthaft in« Aug�gefaßten I Eindringen in den in Wahlkreis chter'schei durchaus nicht etwa wohlwollend gegenüber» stehen.— Die Regierung hat bisher die Sozialisten gewöhn» lich im Kampf geam die Fortschrittspartei gewährm lassen. Sollte fie Herrn Eugen Richter jetzt als den ungefährlich««» Gegner«kannt haben? Oder handeln die Hagener Behöldm auf eigene Faust? Streik« und Sozialdemokratie hat das Magdeburg« Schöffengericht ganz in Puttkamer'schem Sinne zusammmge» bracht. Dort hatte ein Maurergeselle Dittrich seinem Kollegen, der auf einen„gesperrtm" Bauplatz gehm wollte, zugerufen: „Dorthin darfst Du nicht gehen, sonst werden wir Dich heute Abend." Hierbei streckte er die rechte Hand in die Höhe und schüttelte die Faust, so daß der arbeitSlustige Maurer e« für daS beste hielt, den nächsten Tag nicht wieder, ukommm. Das Schöffmgericht verurtheilte Dittrich zu 31 Tagen Gefängniß und begründete dieS nach der„Magd. Ztg." folgend«maßen: „ES sei notorisch, daß die ArbeitSeinsteüung der Maurer und Zimmerer Magdeburg» um Mstte Mai d. I. u. A. auf Grund dient, al« die fremde kalte Form? Seien Sie freundlich mit mir, Paula; mein ganze« Lebensglück liegt ja in Ihren Händen. Lassen Sie e« mrch mit einem Lächeln, nicht mtt einem Trau«dlick empfangen I" „LebenSglück, Du groß« Gott," sagte Paula mit einem Seufzer,„wer von un« armen Sterblichen weiß, wa« die nächste Stunde für ihn bringt? Hoffen Sie auf kein Glück, Herr Graf; die Enttäuschung wäre zu furchtbar und schm«zlich»achh«!" „Hoffen dürfen wir, liebe Paula." sagte Hub«t herzlich. ,e« ist da« schönste Vorrecht de« Menschen und sein Trost und Stab. Lassen Sie mir immer die Hoffnung, die mir Ihr lieber Anblick ftifch und warm in'« H«z gießt— ab« wa« plaudern wir da." brach er lachend ab,„so ernst und feierlich, al« ob wir zu einem Begräbniß und nicht zu ein« Verlobung gingen.— Da kommt auch die Mama, die wird böse, wenn sie nicht fteundliche Gesicht« steht." Die Gräfin kam in der That heran, und Hubert sah sich für die nächste Zeit üb«haupt von allen Seiten m Ar- spruch genommen, da da« Geheimn.ß d« V«lobung ja doch nur ein öffentliche« war und all- Welt ihm ihre Glück- wünsche darbringen wollte. „Und wo steckt George? Ich habe ihn noch mtt kemem Blick gesehen." „Vorhin," sagte Hauptmann von Eeydlitz, der neben Hubert stand,„fuhr« an mir vorbei, ab« mtt einem Gesicht wie eine Wetterwolke. Er sah mich gar nicht— weiß d« liebe Gott, was er hat l" „George?" ftagte die Gräfin«staunt.„Wa» kau« d« haben, da» ihn v«drießlich machen dürfte? Er ist ja doch sonst i«m« da« Leben selber; ab«« hat Herne Mancherlei zu thun. Ich w«de mich einmal nach ihm um- sehen." Sie� traf George, al« sie da» nächste Zimmer betrat, in und er winkte sein« Mutt«, ihm üb« de» Gang zu folgen. .Ab« wa« hast Du nur? Weshalb kommst Du nickt zur Gesellschaft?" „Zur Gesellschaft? und wa« ich habe? Heiland d« vorhtriger Verabredung und Vereinigung der beir. Gesellen und auch zu dem Zweck erfolgt sei, mittelst Einstellung der Arbeit günstigere Lohn, und Arbeitsbedingungen zu erlangen. E! sei velannt, d a st dergleichen vtrerlS künstlich hervorgerufen würden von den im Geheimen wirkenden, von der Sozialdemokratie de- Jierrschten Leitern der Bewegung. Diesen Leuten tegr dabei eine Verdesierung der Lage der Arbeiter völlig fern, ste seien vielmehr wese tlich destiebt, durch die Streiks für fich selbst auf Kosten der Arbeiter die Mittel zum Wohlleben zu aervinntn, dabei auch ihren sozialdemokratischen Tendenzen durch die Erbitterung der Gemüther der Ar. dettcr zu f r ö h n e n.(!) Ganz gletckgiltig seien diese Ver> führet gegen daS unsägliche Elend, VaS jene Streiks für die Arbeiter, namentlich für deren bedauernswerthe Familien, zur Folge hätten. Während solcher Streiks seien nun die Gemüther der dabei Betheiligten mehr als gewöhnlich erregbar, und wern auch der Streik an fich gesetzlich erlaubt sei— die sogenannte Koalitionsfreiheit der Arbeiter so erfordere eö gerade das eigenste Jntereffe dhre drückte. Die Mutter sah rt und fteundlich sagte fie: „Nehmm Sie fich der Kleine« ei« w«ia**," j Gräfin; sie macht ein viel ttaurigere« Geficht heut«, war lange in«rasuim uno ya, i-w—-■, r »«.Lutz, ball DO# lth G as »chiatrika vir l�t» fünf m 1 1 r n(!) iputotion nen Rt« absehdar. erwartet. Lfä »rt. Die auf fünf >en Zoll» selig, % übet' e* .*( ! sei, daß ein konservatives Ministerium nicht nur nn vonderpailament in Irland mit dem Rechte, Schutzzölle aufzuerlegen, gewahren würde, sondern auch m LandankaufSgesetz weitgehendster Form einzudringm ge- «nke. Jetzt indeß, da ein liberales Ministerium Homerule »währe, von dem nie der Verzicht auf Freihandel zwischen England und Irland erwartet werden könne, halte er es für »boten, fich mit dem erlangten Zugeständnisse zu begnügen. Die Enthüllung machte einen tiefen Eindruck auf die radikalen Mitglieder, welche zwikchen Annahme und Ablehnung veS Ent- vurtcS schwankten. Viele von ihnen sollen erklärt haben, fie würden für den Entwurf stimmen, wenn nicht ein entschiede- des Dementi erfolgte. DieseS durch die Roth der Umstände frsorderlich gemachte Dementi hat Hicks- Brach gegeben, aber in einer Form, welche die Frage im Zweifel läßt. Zu- fachst erklärte er zwar unter jubelndem Beifall seiner An- Hanger, daß die konservative Regierung niemals eine derartige «tstcht, wie Parnell ste ihr nachgesagt, gehabt habe. Daß brachte Parnell in Harnisch. Er unterbrach den konservativen Mhrer mit den Worten:„Bestreitet der Redner, daß die Ad» ficht mir von einem seiner AmtSgenvffen mitgetheilt wurde?" «Jawohl, ich bestreite ei", lautete die Erwiderung,„wenig» ncris"— hier brachen die Homeiuler in spöttisches Gelächter °us—„wenn irgend eine solche Mittheilung dem geehrten vmn gemacht wurde, so geschab eS ohne die Billigung des Rabinets."„Der Name! der Name!" klang eS aui dm -t.'ihen der Konservativen und H'cki Beach gab dieser Forderung Nachdruck durch eine direkte Frage an Parnell, der seiner« ikits erklärte, er würde den Namen deS„Kollegen" sehr gern ber.nen, sobald er des betreffenden Herrn eigene Ermächtigung bazu erhalten habe. DaS wurde seitens der Konservativen ali «ine Aui flucht angesehen, doch ist eS nicht dmlbar, daß Par- bell diese Erklärung abgegedm hätte, ohne fich berechtigt dazu w fühlen. Diese nothwendige Aufklärung läßt sich voraus- {mich sehr leicht erzielen, wenn Jemand geradezu Lord Ran- vulph Churchill frägi, od er eS gewesen, der jene Ver- wrechungen gemacht hat. Der devorstehende Wahlfeldzug wird b°zu reichlich Gelegmheit geben. . Der„Pcster Lloyd" urtheilt nach der Niederlage GIad> flvne'z:„Eine« steht fest und wir wagen es ohne Rückhalt Auszubrechen: Der Gedanke der irischen Reform, einer durch- pistndm, dal Uebel an der untersten Wurzel suchenden, von den höchsten Ideen gelragmen Reform wird nicht wieder von b'r Tagesordnung verschwinden, sondern wird, und zwar in Absehbarer Zeit, verwirklicht werden. An dem Tage aber, ?" welchem diese Reform zur That und Wahrheit gewordm f>n wird, wird sich daS englische und das irische Volk er- tonnn, daß der Vater deS neuen glücklichen ZustandeS Herr ?'adstone ist und daß als der eigentliche Geburtstag jenes oustandeS der Tag zu bezeichnen ist, an welchem dieser hoch- nnnigr Staatsmann zum«rstm Male seinen jetzt zwar geschei- Lnen, aber dennoch auf dm Ruhm der Unsterblichkeit vollen �lvruch befitzendm Gedanken dem mglifchm Volke vor- hat. w. In dem protestantischen Nord-Irland herrscht afttolldtfie Enthusiasmus über die Verwerfung der Homerule- SS Durch Raketen wurde in ganz Ulster daS Resultat der .VMmmung verkündet; 10 000 Loyalisten veranstalteten in »urgan einm Auszug. ES werdm Ruhestörungm befürchtet. N Belfast ist die Polizei um 400 Mann verstärkt worden. lftotzdem verbrannte dort ein auS Orangisten bestehender Aödelhaufe zwei Wirthshäuser, welche Katholiken gehörten. Bei Whisky floß durch die Straßenrinnen und man vernahm bie Rufe:„Zur Hölle mit dem Papste!" DaS Mobiliar (bürde zu Freuvenfeuern benutzt. Die Bildnisse Gladstone'S bnd Parnell'S sowie ein Homerule darstellender Körper wurden btrbrannt. _ Italien. i« J®le Henri Rochefort im„Jntranfigeant" andeutet, find letzten Jahren seitens der ttaltenischm und französtschm mehrere Versuche gemacht worden, um dm jetzt»um '"•wltn e, wählten Kommunarden» Oberst Amilcare Ci« wrll n dem Bagno Portolongone, wo er seine zwanzig. lAhrtge Zuchthausstrafe verbüßt, zu befreien. Aber diese Unter« N'hmungm scheiterten an der Wachtsamkeit der Behördm. aT? siluchivlüne wurden entdeckt, bevor fie gereist warm. Mefvrt ist fest überzeugt, daß die italimische Kammer die in Forli ratifizirm wird. � w bK,v,"Um Schutze gegen die Cholera find settmS der Be- tenln Theater. Amor. Tan» Poem von Luigi Msi.zotli. Sa» f«»«a'» Variete. Große Spezialitäten- Vorstellung. Vvstaae 1 Tr. 9 M.- 10 1. «aife»»V»»ora»a. M In dieser Woche: 1. Reis---- reise durcd Oesterreich. I. Abth.Snglaud— Schottland. Hertha-Stetse. Eine stets« 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Dem Maunrpolter Herrn Gatttoh Krüger zu seinem heutigm Geburtstage«in dreifach donnernde« Hoch.[1903J A. St. Selbstunterricht in der einfachm und doppetten kauf» männifchm[800 Buchführung und Darstellung eine» nrntn aüge- U» Kyste«» zur doppelten Brich- ode von T. Kchmidt, Lehrer der _ Handelswiffcnschaft. »ret» 1 Ist. 50 Pf.-W» «twa» raße 44. Su beziehen d. d. Txped. d.„Kertt loUrodtatt", Berlin, Zimmerstraße J tranken- and Kegrabnitzkasse drr Wer Gürtler«. Kronrenr»(E. H. 60). Die Beerdigung de» MirgliedeS Feodor Schrödter findet am Sonnabend, den 12. d M-, Nachm. 3 Uhr, vom Traue? hause Admiralstraße 37 au» statt. Um rege Betheiligung ersucht 1908| Der Vorstand. „Unverzagt". Große Landpartie am 2. Pfingstfeiertag nach Schönholz, Restaurant Blankenburg. Abfahrt: Schönhauser Thor t'/, Uhr. Zahlstelle deS Vereins jeden Dienstag Abend bei Aacobq.[1905 z-vifrnstSdtifcher Sestrks-Verew„Vorwärts". 2. Pfingstfeiertag: Familie«- Landpartie nach Lichterfelde. Sammelplatz: Früh 7 Uhr Anhalter Bahn. Nachzügler werdm nach 2 Uhr Nachm. vom Bahnhofe in Lichterfilde abg-holt.— Fr-unde und Bekannte find herzlich eingeladen.[1909 Soeben erschien Nr. 29 de» .„Mahrm IaKoi". Zu beziehm durch die Expeditton, Zimmer- Stoße 44. ArdettswarKt. Geübte Präger und Prägerinne« werdm Snitöetj 4«ittitfW», 1902] Ges. auf Steh, w. verl. Rixdorf, Jahnstr. 16, 1 Tr. Gürtlerlehrling verl. Fischer, Adalbertstr. 96. Schweizer Garten. Am 1. nnd 2 Pfingstfeiertag, früh 5 Uhr: Früh■ Concert und Torstellanli* Auftreten verschiedener Spezialitäten. Theatervorstellung. Am 2. Feiertag früh: Krüh-Tauz.— Entree 25 Psg. An den 3 Pfingstfeiertazm, Nachmittags: Kroßes Kontert und Krtra-Iorfiellung. Austreten fämmtlicher Spezialitätm. Theatervorstellung. Erstes Auftreten der weitberühmten Majol Truppe sA u. Mr. MiÄ in ihrm sensationellm Luftvroduklionm. Zum Schluß: Die lebende Kanonenkugel., Miss Lazel wird aus einer Kanone geschossen und*0 Miss Zerna aufgefangen werden. Elektrische Beleuchtung.— Volkidelusttgungen aller Art. Schuh- lt. ZtiefelMMilfaiM von €*n@üav Schidtze, SdittlimaAecmeipec, 5. Zur schlanken 5«,_ 26 Jahren von dem größten Äi Oranlenstrasse /achvereiu sämmtl. im Vrechslergewerk befchäft. Arbeiter verli� fe Nossen find hierzu eingeladen Großer Pfingst- Ausflug am dritte« Feiertag nach den Rüdersdorf er Kalkbergen. 6'/, Uhr.— Alle � Treffpunkt: 6 Uhr Morgens am Schlefifchen Bahnhof; Abfahrt 907] Der provisorische I. A.: Fritz Schräder. Vorstand. Reranttvorttt»« Redakteur R.«»«üb ei« in verti». Druck und Varlag vo» fUt«aktmo In verlin SW.. Beuthitroß« 2. Rodert«ünd-rw-� V' Sterz« rt** Beilage zum VolkMatt. 134 Freitag, den 11. Juni 188V. 111° JaWWs Die N«uhm in der«znrislhm Hnuxlstndl. Pest, 8. Heute Vormittag hat die Obduktion der Leiche bei unbekannten ManneS, der Sonntag Abend einem 8-jonn-lftich zum Opfer fiel, stattgefunden. Bei der äußeren Untersuchung fanv man an der Bruft zwei von scharfen In- strumenlrn herrührende Wunden. Da« eine Instrument harte unter der Bruttwarze das Herz durchbohrt, wäyrend vaZ andere m die Bauchhöhle drang und die Leder verletzte. Trotzdem die Bauchhöhle nur einen Stich zeigte, fand man in der L-ber doch zwer Stich«, was darauf schließen läßt, daß der Angreifer seine Waffe halb heraulzog und dann neuerdingS damit einen Stich versetzte. Während der Obduktion erschien ein Beamter «i KommunikationS Ministeriums, der nach der P�rsonZ «schreibung in dem Unglücklichen den Rechnungi Osfijtal der Eisenwerk'Zentroldireltton Martin Pap zu erkennen glaubte; vi.ser sollte am Sonntag aui Tißo.'cz eintreffen, wurde aber noch nicht gesehen. Die Vermurhung erwies stch al« unrichtig. Dagegen wurde später von drei Arbeitern, die in Begleitung iweier Detektivs im Spital ersch'enen, konstatirt, daß der Todte der 30— 32jährige, aus Budapest gebüitige Georg Praxler sei. Proxier batte mit den erwähnten Arbeitern zu» sammen in der Gatfabrik gearbeitet. In den letzten Tagen war « ohne Beschästtaung. Im Laufe deS Nachmittags wurde indeß f'stgrstellt, daß Georg Praxirr am Leben fei. Die Aehnlichkeit Arcxler'S, der Anstreicher ist, mit dem Todten ist eine so frappante, daß sogar die Frau Proxler'S hiedurch getäuscht wurde. Die Frage, wer der Getödlete ist, ist daher noch immer rine offene.— Dai LeichendegSngniß ging um 2 Übt Nachwittags unter außerordentlicher Thellnahme der Bevölkerung »or fich. Bereits um 1 Uhr waren die dem RochuSspiral zu Wächst liegenden Gaffen von einem nach Tausenden zählenden Publikum okkupirt. Auch im Gartenhof, in welchem die Todten- «Welle fich befindet, stand die Menge Kopf an Kopf gedrängt Der Todte selbst lag in einem einfachen schwarzen Holzsarge wefgedahrt. Er war mit Llumm förmlich dedeckt, den ersten «ranz brachte eine Deputation der akademischen Jugend. Den fariten, vom Klub der reichstägtgen Unabhängigkeitspartei ge- '.wdeten Kranz brachte Abgeordneter GSza Polonpi. Die Polizei Me fich von dem Begängniß vollständig fern gehallen. Um j Uhr wurde der Sarg in den Hof htnauSgedracht, woselbst «r Jurist Melly eine Rede hielt, nach deren Beendigung der Barg auf den zweispännigen Wagen geHoden wurde und der aug fich zum Kerepeser Friedhof in Bewegung setzte. Unmittel- bar hinter dem Sarge gingen die Deputationen des Klubs der ke'chStägigen Unabhängigkeitspartet und der UniverstlätSbörer. Das Gros de« Publikums schloß stch dem Zuge an.— Nachwittags um 5 Uhr fanden wieder Zusammenrottungen statt. Um diese Zeit kam die Menge, welche dem Leichenbegängnisse beigewohnt hatte, die Kerepeserstraße entlang in dichten Gruppen Segen die Hatvar ergösse gezogen. Ei kamen immer neue und Siw Zuzüge und gegen 7 Uhr AbendS standen wohl gegen bis 3000 Menschen Kopf an Kopf an dem KreuzungS- der Kereptserstraße, d-S Museumringes und der Land- m.»Das Geschrei wurde mit jeder Minute tntenstoer. S.-weist«urden die Rufe:„Nieder mit dm Mördern! .1 mit den AndraS und Mihaßna!"(Spottnamen für die Emen) gehört. Gegen 7'/, Uhr wurde die Parole auSge- -vor die Polizeizentrale zu ziehen. Im nächstm »«s- f ä fea; wä w theilweise auch die Hausthore geschloffen waren. 5" der Ecke der Schöne Gaffe stellte stch der Maffe ein Krupp Polizisten zu Fuß und zu Pferd entgeg n. worauf M.Exjedinten einerseits in die Schöne Gaffe einbogen, anderer. wieder auf die Kerepeserstraße zurückmarschirten. ES wur- xN wdann am Franzis kanerplatz, in der Gttteraaffe, in der ?wön« Gaffe, in der Neueweltgasse und am Ausgange der valvanergasse Polizejkmdont gezogen.— Während in dieser Sit Alte. Von Viktor Tiffot.„Budapester Tageblatt". toi Di« Eoave brannte nicht mehr so heiß hernieder, der /Widerschein dcS Wasser« zeigte einm rosige» Schimmer, der *»« Goldfäden durzittert und hie und da von fahlen und purpurne» Lichter« durchbrochen war. , Vor uns zogen sich die Gärten von Cantenabbia in laustem AbHange bis zum Ufer des See« hinab. Wir kämm allmälig an de« Villen und dem Hotel Mmaggio, an dem a« Fuße de« Berge« gelegenm Uano, an Grigno und de««och von seiner au« de« Mzthntm Jahrhundert fiammendm Festung beschützten j�azonico vorüber, einer mächt, gm Ruine, deren spitzmartig Mchbrochme Zinnm das lmchteade Blau de« Horizonte« ' bw» lasse». Eine reizendere Reisetour kann man sich unmöglich vor« 9, Der Co«ersee ist weit anmuthiger und edler in seinen r"k» als der Laao Maaaiore. die ihn umringmdm Berge 7'aim als der Lago Maggiore. die ihn umringmdm Berge Mw ihre Häupter in den Azur de« Horizonte« und thrm in denjenigm de« See«. Ich ziehe ihn allen anderm Nische» Sem vor, mit seinm pittoreske« Golfm, seinm Baim, wo die Wo«« m sanstm Liebkosuvgm ,m kWch �ßwbt. Reizende Dörfer, von kühlem Schatte«, Stille und tiefem Frieden umhüllt, liegm zerstreut a»77tT«ttue und nezem sftne» reizende» Ufern.. �... to. Wie köstlich ließe e< sich da in dem Schattm duser awne träumm! MLSS-LMZ MMZ-M beschetnm zu lassm. er»». � eine alte Frau, die seitwärts saß, bewahrte eine ' Und sinnende Mime. Wik"beweglich wie eine Staw« hielt sie ihre Auge« starr sich,�" kleine« Vorgebirge gerichtet, welche« in der Ferne beck- betrachtete sie«mgierig, indem ich auf dem Ver- u«d ab ging, dm» sie hatte keine alltägliche l�gnomie und ich bewunderte die großm Ohrgehänge G'gtnd die Ruhe hergestellt war, fanden in der Eisengaffe größte Zusammenrottungen statt. Vor dem Hause, in welchem der Abgeoivnete Gabriel Ugron wohnte(sie Inwohner des Hause« hatten ihre Fenster beleuchtet), sammelten stch wohl 500 bis 600 Menschen an, die nach Ugron riefen. Hier wur- den mehrere Reden gehalten. Ein junger Mann sprach Ugron für seine mannhafte Haltung den Dank des Volkes auS, wäh- rcnd der bekannte„Voltsdichter" Hazafi-Verai JanoS ein Spott- gedickt auf General Janski drllamirte. Gegen 9 Uhr verließ die Menge, nachdem ste in der Eifcnzaffe ewige Fer ster ein- geschlagen hatte, die Gasse und begab stch wieder in die Hat- vanergaffe zurück. Polizei-Jaspektor Baranyai rief vom Pferde berab:„Gehen Sie nach Hause, meine Herren. Es hat doch Ihr Hierbleiben keinen Zweck. Zwingen Sie uns nicht zum Emgrrifen. Wir bedauem aufrichtig, wai geschehen ist. Track- ten wir gemeinsam dahin, daß kein weiteres Unglück vorkomme." Die Ermahnung wurde jedoch mtt dem Zurufe; Nieder mit den Mördern! beantwortet, auch einzrwe Steine sollm geaen die Poliz sten geschleuden worden sein. Darauf sah sich Oder-Stadlhauptmann-Stelloertreter Pekarn veranlaßt, die Hilfe des Militärs in Anspruch zu nehmen ES wurde je ein Bataillon ver Infanterie Regimenter Nr. 86 und 44 und sodann nach eine Eekadron des 4. Husaren Regiments in An- spruch genommm. Die Infanterie nahm vor der Hatvaner- gaffe Stellung. Hierauf begaben fich Detektiochef Baron Eplenyi und der tommandirende Hauptmann Grünzweig zu den die ganze Breite der Gaffe okkupirenven Volke menge. Der Hornist gab dreimal daS Signal und ebenso oft erfolgte die Aufforderung zum Verlaffen des Platze». Als Antwort kamen Steine herangepflogen. Nun erfolgte das Kommando:„Kam- pagnien rechts und links abschwenken, vorwärts im Laufschritt!" Mit gefälltem Bajonnet stürmte daS Miliiär auf die Menge loi, die jetzt nach allen Seiten auietnanderstob und in wilder Flucht ihr Hell suchte. In wenigen Minuten war die Landstraße bis zur KönigSgaffe, der Museumiring bis zum Calvinplatz und die Kerepeserstraße bis zum Rochuispital von den Exz-denten gesäubert. ES wurden sodann KoidonS gezogen und Ni mandem mehr auf diesen Punlten die Paffage gestattet. Während fich dies hier zutrug, fanden an anderen Plätzen neuerliche Ruhestörungen statt. Ein Trupp war über den ZollamtSplatz, daS Donau- Ufer entlang, vor die Wohnung JulmS Verhovay'S gezogen und brach in laute Eljenrufe aus. Veihooay erschien am Fenster seiner Wohnung und wollte gerade mit einer Rede de- ginnen, alt berittene Konstadler daheraeriiten kamen, worauf die Demonstranlen weiter gingen. Nachdem die Polizisten fich entfernt hatten, zog die Menge abermals zu Verhooay, der nun seine Rede halten konnte» in welcher er für die ihn ehrende Ooaiion dem Volke den Dank aussprach.— Anläßlich der heutigen Ex,effe kamen auch zahlreiche mehr oder minder schwere Verletzungen vor. Vom Zlvtl« war biS Mitternacht noch kein Verwundeter in der Polizet-Zmtrale gemeldet; dagegen wur- den zahlreiche Polizisten verwundet. Dem Wachkommandanten Julius Magyar wurde der Schädel eingeschlagen; die Polizei- Wachmänner Karl Groß, Al-xander Böke, Johann Tacacs, Georg Deal trugen Gestchtswunden davon. Der Polizei-Wachmann Josef Zsamboki«rhieli vor dem National- theater ei en Mefferstich tn den rechten Oberarm. Selbst der Oderkommandant v. Bornemtßa wurde an der Hand und am Halse leicht verletzt. Die Poltzeizenirale glich einem förmlichen Kriegtlager. Im Hofe lagerte die Polizeneserve, während im ersten Stock Oderstadlhauptmann-Stelloertreter Peka y die ein- laufenden Rapporie entgegennahm und die nothwendigen OrdreS erthellte. Bis 1'/, Uhr Nachts waren allein zur Oberstadt- hauptmannschast 35 Verhaftete eingebracht. Zahlreiche Verhaf- tungen wurden auch in den einzelnen Bezirken vorgenommen. — Um 2 Uhr erst konnten die Patrouillen melden, daß in der ganzen Stadt Ruhe herrsche, worauf das Militär eingezogen wurde. Auch die Polizeipatrouillen kehrten nach Hause zurück und wurde nur aus besonderer Vorficht in der Polizei- zentrale eine Abtheilung Polizisten in Bereitschaft de« lassen.— Im Hauptstädtischen Verein kündigte heute und das Kollier, das sie trug. Diese« Kollier, welches aus Münzen gebildet war, die da« Bild Maria Theresia« trogen, erinnerte mich an diejenigen, welche ich an de» Nacken der Frauen in Bosnien und au der Militärgreoze gesehe» hatte. Was die Ohrgehänge anbelangt, so mußten dieselbe« al« wahre Wunder antiker Goldschmiedekunst betrachtet werde«. Die Alte schien die Aufmerksamkeit bemerken, welche ich ihrem Schmuck schenkte, und sagte ,» de« Augenblicke, als ich an ihr vorüberging, in ttalienischer Sprache: „Sie find sehr alt, nicht wahr, Signor?" „Und sehr schön!' entgegnete ich. Sie nestelte eine« detselbe» los und gab es mir in die Hand. Sehe« Sie nur, wie schwer es ist; es ist Gold für zwei Napoleondore drin. Man hat mir hundert Franke« dafür geboten, aber ich habe nein gesagt. Sie habe« meiner Mutter und Großmutter angehört und solche Familien- reliquiea verkauft man nicht... wen» man nicht," fügte sie mtt einer dumpfe« Stimme hinzu, in welcher es wie verhaltener� Zorn zu grollen schien,„dazu unbedingt ge« � Als�fie die letzten Worte sprach, schlug sie die Blicke nieder, erhob dieselbe» aber alsbald und richtete sie mit ver- doppelter Aufmerksamkett«ach der Küste von Dovgo. Neugierig, wie alle Leute, die fich auf Reise« befinde«, fragte ich ste: „Jemand erwartet sie dort unten?" Sie entgegnete mir lebhast: „Ach«ein, ich hoffe es nicht. Welche« Unglück, wen« er da wäre! Er wäre dann gefangen." „Die Person, die Sie interesfin, ist also flüchtig?" „Ja, es tsi mein Mann." „Ihr Man»?... Was hat er den» gethan?" „Nicht«... Er ist Schmuggler." Sie schwieg eine« Augenblick, dann fuhr ste fort: „Sie wisse« also nicht, Signor, daß man die Schmuggler wie Diebe verfolgt?" Und nun begann sie laut zu schreie», daß der eigentliche Dieb die Regierung sei, die alljährlich, ohne Grund, Sieuer» und Zölle erhöht, daß in der Schweiz alles billiger ist und daß diejenige», welch« genug gut« Beine habe», um da» Gebirge zu übersteige«, echt habe«, wen» sie ihre Bedürfnisse jensett« der Grenze kaufen." Die Worte der Italienerin erregte» meine lebhastest« Sfadtrepräsentant Aristid Mattyus iü- die margige General» Versammlung deS hauptstädtischen Munizipal ÄuS!chuff:z den folgenden auf die jüngsten Siraßendemonstratisnen bezughaden» den Antrag ein:„Au« Anlaß der am jüngsten Sonntag statt» gehabten Demonstrationen hat, nach den Mitthtilungen da Blätter und nach übereinstimmenden Aeußemngen zahlreicha Augenzeugen, die hauptstädtische Polizei durch ihr heraus» forderndes, toheS und unmenschliches Vorgehen und durch dm ungesetzlichen Gebrauch der Waffen beispiellos ihren Rechts« und Wirkungskreis mißbraucht. Dieses Vorgehen hat die größte Indignation in der ganzen Bevölkerung hervorgerufen und bei dem allgemein verdammenden UrtheU fordert die em» pörte öffentliche Meinung mit vollem Rechte einerseits die strenge Bestrafung der Urheber und Exekutorm deS gegen die öffentliche Freiheit verübten brutalen Attentats, und anderer- fettS solche Verfügungen, durch welche in Hinkunft ein« Wieder« holung derartiger Mißdräuche unmöglich gemacht würde." Dr. P arlamentsberichte. Herrenhaus. 20. Sitzung vom 10. I u n i, 1 Uhr. Am Ministertische: v. Boetticher, Maybach, Friedberg, v. Scholz und Kommiffarien. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Berathung des Gesetz- Entwurfs, betreffend die Gewährung eines Betrages von 50 Millionen Mark im Voraus zu den Kosten der Herstellung des Nord-Ostsee-KanalS von S-Uen Preußens. Die Budgettommisston beantragt durch ihren Referentm Brüning die unveränderte Annahme der Vorlage. Graf v. Zteten- Schwerin: ES ist schon oft dar» über aeklagt worden, daß gerade die großen öffentlichen Kanal» und Chauffeedauten ein schweres soziales Uebel in der AuS» dehnung der Vagabondage im Gefolge hätten; alle Vereine zur Bekämpfung der Wanderb-tlelei in Deutschland haben diese Er» fahrung gemacht; am flagrantesten ist die gerügte Erscheinung bei der Arbelterkolonie Karlthof in Oftpreußen hervorgetreten. Die nächste Ursache dieser Verwahrlosung und de« immer größer werdenden Elends der Arbeiter an den großen Staats- chauffeen und Kanälen ist in der Kantinenwirtbjchast, die die Arbeiter systematisch aussaugt, zu suchen. Aufgabe der Regie- rung wäre e«, Maßregeln zu treffen, diese systematische Aus» beutung der Arbeiter zu verhüten. ES ist Christen- und Menschenpfltcht, solchen leiH'chen und moraliichen Schaden möglichst zu verhüten. Die Regierung könnte fich ja der Mtt» Hilfe der bestehenden Vereine deoienen, um die Kantinen aui den Händen der Blutsauger herauszudringen* ste sollte die Etadlirung von Bt anntweinauSschänken in der Nähe der Bau» stellm verbieten und die Einrichtung und den Betried von La» kalen den Vereinen überweisen, die ja in jeder Provinz vor» Händen find. Um deren Mitwirkung in Anspruch zu nehmen, träte die Regierung am zweckmäßigsten mit dem ZentralauS- schuß für innere Misston zu Berlin in Verbindung. § 1 der Vorlage wird hierauf mtt großer Mehrheit ange» nommen. Zu 8 2 bemerkt Frhr. v. M i r b a ch: Ich stehe edenfall» auf dem Boden deS eben gefaßten Beschlusses, wünsch« auf dem Gebiet« deS KanalwefenS eine möglichst geringe Belastung de« Landes, und bitte die Regierung, in Erwägung zu ziehen, ob es fich nicht empfiehlt, für die neuen Kanalkrevite öprozentige KonsolS auszugeben. Bei einem Kursstände der 3'/,p ojentiaen von 103.40 liegt eine solche Maßnahme doch recht nahe. All« gegen die Konvertirung in'S Gewicht fallend n Bedenken würden nicht in Bettacht kommen, ein Versuch der Regierung könnt« nur zweckmäßig und erwünscht sein. Die Vorlage gelangt im Ganzen fast einstimmig zur An» nähme. ES folgt die Berathung de» Gesetz- Entwurf», betreffend den Bau neuer SchifffahrtSkanäle und die Verbesserung vorhandener Schifffahrti» Neugierde und ich bat sie, mir das Abenteuer zu erzähle», da« ihrem Manne begegnet sei. „O Signor," sagte sie,*das ist ein große» Unglück. Es sind jetzt drei Tage, da kam mein Man« am Vorabende von Mariä Empfängniß zurück, um der großen Messe bei» zuwshnev, denn er ist ei» guter Christ. Da die Nacht finster war, hatte er eine» Ballen Tabak mitgebracht, anstatt den» selbe» im Gebirge zu lasse«. Es war da» der Ballen Tabak. den vc von Lugano gebracht hat. Wer hat ihn deaunzirt s Ich weiß e» nicht Wer hat ihn gesehe«? Wi, werden das später erfahre«. Er ist auf seinem Wege weder Gendarmen noch Zollwächter begegnet; sei» Hund hat nicht ei» eivzige« Mal gebellt, obwohl er die Zollwächter wie die Sünde haßt, wegen all der Flintenschüsse, die ste ihm zu« geschickt haben. Armer Turko I Jetzt wird er nicht mehr belle». Ein so treues Thier und ohne Furcht, wie ein Löwe. Die Räuber haben mir ihn getödtet." Eine Thräne rollte über die gefurchte» Wange» da Alte» herab. Sie trocknete dieselben mtt der Rückseite ihra Hand. dann fuhr sie fort: „Mein Mann warf einen Balle» in eine» Winkel da Küche, aß seine Poleata und legte fich zu Bette. Al« ich zu ihm kam, schlief er wie ei« Pflock; a hatte einen Marsch von fünfzehn Meile« gemacht. Gegen vier Uhr wurde ich durch de« Hund geweckt, da heftig kuurrte. Da« Dorf schien noch in tiefem Schlaf« zu liege« und man hörte keinen Laut als da« Krähen etniga Hähne, die einander zu antworten begannen. Ich stand leise auf und ging in die Küche hinab, wo wir Turko gelassen hatten. Mit aufgerichtete« Ohre« und mit an die Thüre ge« drückler Schnauze grollte er mit Heisera Stimme, als ob a gefühlt hätte, daß irgend ei» verdächttga Mensch um da» Hau« schleiche. „Still, Turko, still I" sagte ich. indem ich michvorfichttg längs da Maua bis an das Fensta schlich, und hlnter einem alten Mantel hervor, der dasselbe vahing, spähte ich in die Fivstauiß hinaus. Da« Herz schlug mir und ich hatte schlimme Ahnung««. Da Tag begann zu graue», als ob die Luft voll Staub wäre. Ich sah Niemand und doch knurrte Turko imma wilder und sein Haar sträubte fich. Plötzlich macht« a eine heftige Bewegung und stürzt« strafen. In denselben werden verlangt SS 400 000 Marl für dm Bau elnei Kanals von Dortwund nach der unterm EmS und 12600000 Mark für die Verbindung der Oder mit der Oberspree. ssceiberr v. Mendt beantragt, die elftere Summe auf 64680000 Mark(also um 6 280 000 Mark) zu erhöhen, d. h. um die Summe der Kosten des G.und und BodenS, der jetzt von dm Interessenten unentgeltlich hergegeben werden soll. v. Kleist» Retzow will überhaupt nur für den Kanal von der mittleren Oder nach der Oberspree 12600000 Mark bewilligm. Die Kommisfion deantragt die unveränderte Annahm« der Vorlage. Referent Stumm bedauert zunächst, daß die geschäftliche Zwangslage der Kommisston die Elstattuna eineS schriftlichen Berichts über eine so schwerwiegende, bedeutungsvolle Frage mit so weittragendm finanziellen Konsequenzen nicht ermöglicht habe; während daS Abgeordnetenhaus zur Erledigung der Vor- lag« von der Generaldebatte an 7 Wochen in Anspruch ge- nommm habe, solle daS Herrenhaus diesen Gegenstand binnen wenigen Tagen erledigen— ein für daS HerrmhauS fast un> erträglicher Zustand, auf dessen Beseitigung von allm Seiten energisch hinzuarbeiten wäre. Der Antrag, die Bewilligung auf die schlefischen Wasserstraßen zu beschränken, sei in der Kommisfion abgelehnt und darauf§ 1 mtt der angegebenen Mehr« heit genehmigt worden. DaS HauS tritt hiernach in die GmeraldiSkusfion, mit welcher die Spezialdebatte über§ 1 verbunden wird. Gros zur Lippe: Auf die vom Referenten in einer wahren Swrzfluth vorgebrachten Zahlen kann ich seldstoer» ständlich nicht einaehen, man kann ste nicht prüfen, fie gehen nur von Ohr zu Ohr, im Kopf bleibt nichts.(Zustimmung.) Aber hier dedarf eS gar leiner großm statistischen Puntte, maß. gebend find allein die großen politischen und wirtbschaNlicken Grfichtspunve, welche der Vorlage zu Grunde liegen. In diesem Hause habe ich— daS muß ich besonders hervorheben — gegenüber einer so allgemein wichtigen Votlage noch nie ein weniger paffmdeS Referat gehört.(Zustimmung.) Der Herr Refermt möge mir dies nicht übel nihmen, eS ist aber mein persönlicher Eindruck. Ich meinerseits habe die Hoffnung auf den Bau deS EmS. Kanal und Ausbau eineS EmS-HafenS niemals aufgegeben, dazu haben beide Projekte viel zu hohe polftische Bedeutung, was auch bereits der Große Kurfürst er« kannte, indem er den EmS Hafen zum AuSgangSpuntt für seine westafrikanischen KolonisationSpläne machte; ihm fehlte allerdings damals die nöthige Macht, um dem Ansturm der ganzen Welt die Spitze zu bieten. Auch Friedrich der Große richtete sein Augenmerk auf jene Gegend. Fetzt endlich nach vielen Wechselfällen find wir in den Befitz jener Gegenden von Ostfrietland gelangt, sollten wir nun nichiS dazu thun? Wir müssen den EmS Hafen ausbauen. Finanzielle Bedenken können und dürfen uni bei einer solchen Sachlage nicht ad- schrecken, selbst wenn fie, wie man von gegnerischer Seite te» hauptet, vorbanden wärm, denn S handelt stch um ein zum Nutzen der Gesammtheft gedachtes Projett. Ich bitte Sie da- her, die Vorlagt anzunehmen.(Beifall.) Minister Maybach: Der Herr Referent hat Licht und Schatten doch nicht ganz gleichmäßig vertheilt, denn er hat den größten Theil seiner Rede zur Entwickelung der Gründe gegen die Vorlage verwandt. Auf seine auS« führlichm Rentabilitätsberechnungen gehe ich nicht ein. Seine Zahlen will ich nicht anzweifeln, aber fie stützen stch auf Voraussetzungen, die heute so, morgen anders find. Bei Unternehmungen, welche darauf berechnet find, durch Ver- desserung der Kommunikationen den Wohlstand deS Landes zu Heden, läßt stch niemals von vornherein so genau sagen, wie daS Resultat sein wird. AlS s. Z. die Ostdahn gebaut wer- den sollte, hieß eS, fie würde nicht einmal die BettiebSkosten aufdringen, wir haben fie trotzdem gebaut im Interesse der LandeSvertbeidigung und haben e« wahrlich nicht zu bereuen gehabt. Die Hauptsache bleibt, daß wir un» eine von dem Auslände— die Niederlande find uns nicht überall freundlich entgegengekommen— eine vom Auslände unabhängige Ver- bindung nach dem Meer verschaffen. S» ist auch der Gedanke nicht ausgeschlossen, daß wir für unsere Marine eine Verbindung finden von der Elbe nach Wtlhelmihavm. Doch ich will die» nur andeuten. Man hält unS entgegen, wir möchten lieber billigere Eisendahnfrachten gewähren, statt Kanäle zu bäum. Ich bin ein Freund von Fiachtermäßigungen, aber cum grano salia und in Berücksichtigung der Konsequenzm. ES ist unglaublich, was Alle« von mir verlangt wird. ES war gerade ein Fehler der früherm Pri- vatbahnpolttik, zu übersehen, welche Rückwirkung eine Fracht- auf eine andere Seile macht. Daß der Staats« solche Anlage leiden wird, glaube ich nicht. sich mit aller Kraft gegen das Fenster. Ich hatte alle Mühe, rhu zurückzuhalten. Und im selbe« Augenblick bemerkt« ich zwei schwarze Schatten, die längs der Hecke des Gartens hinschliche». Zch erkannte die Douavier«. „Still, Turko 1" rief ich auf» neue, indem ich ihm«inm drohende« Blick zuwarf und ich schleppte ib« mtt mir fort auf die Stiege, die von der Küche in da« Zimmer führt. Mein Mann schlief«och immer ahnungslos. „Wach auf! Rasch 1" rief ich, indem ich ihn rüttelte. „ES sind Finanzwächter vor dem Haufe." Er war mtt einem Sprunge au» dem Bette und fragte mich, ob ich dm Tabak versteck» habe. „Noch nicht/ sagte ich ihm. „Beeile dich t" entgegnete er mtt. Ich ging mit Turko wieder in die Küche hinab, aber nun vermochte ich ihn nicht mehr zu halte«. Er stieß plötzlich ei» furchtbares Geheul aus und riß stch von mir los. Ich legte das Luge an das Schlüsselloch und sah die beiden Zollwächter, die steh vorsichtig und geräuschlos näherten. Zch verbarrikadirte die Thür« mtt dem schweren Tische au« Eichenholz und schob leise dm Riegel vor. Wm» ich nur Zeit habe, dm Tabak zu versteckm, dachte ich. auf meine Schulter und ttug ich ihn in einem Sttohschober Zch legte dm Sack ihn in die Scheune, wo verbarg. Unterdessen versuchte» die Finanzwächter, die dm Hund belle« hörte», und die fürchtetm, daß mein Mann ihnen ziwoilornrnt, die Thür« einzustoßen, allein fie kamen damit nicht zu stände.,„,„. Hierauf begannen sie zu sprechm; aller» Turko bellte so wüthmd, daß man kein Wort davon verstand, was fie fegten. Da ich nicht antwortete, dachtm fie, eS fei vielleicht niemand zu Haufe und fie glaubten, daß ste es wagm dürfm, durch da» Fenster zu steigm.. Einer von ihnen drückte mtt dem Ellbogen ewe Scherbe ein, steckte dm Arm durch, drehte den Riegel um und öffaet« da« Fmster. Tmko wartet« inmittm der Küche mit flammende« Augen und offenem Rache«. Sowie er einm Ausweg sah, sprang er dnrch das Fenster dem Zollwächter an de» Hal». (Schluß folgt.) Ich brauche Sie bloS an den hohen Stand unserer KonsolS zu erinnern. Die Erfahrungen Englands können für uns nicht maßgebend fein, ste beruhen auf völlia anderen Verhältnissen. Sonach kann ich Sie nur bitten, der Vorlage unter Ablehnung der Anträge, auch deS Antrages v. Wmdt, zuzustimmen und damit ein Werk zu fördern, welche« für unser Land von dem größten Nutzen sein wird. Sie werden Ihr Votum weder nach außen noch vor Ihrem eigenen Bewußtsein zu bereuen haben. (Beifall.) Freiherr».Mirbach: Ich habe mich gefreut über die Zusicherung, welche die Regierung in Betreff der Korrettur der oberen Ober erlheilt hat. Vor drei Jahren haben wir eine Resolutwn angenommen, in der wir von der Regierung den Ausbau eine« großm KanalnetzeS von Westen nach Osten forderten. Die Regierung hat stch dagegen ablehnend verhalten, wie eS heißt auS technischen Gründen. Ich bin v-rsönlich ein Freund de« Bündnisses zwischen Landwirth« schaft und Industrie. Aber dieses Bündniß kann nur auf gegenseitiger Achtung beruhen. Seitens der Landwirlhschast ist stets Rückstcht genommen auf die Wünsche der Industrie. Ob auch die Industrie stch in gleicher Weise entgegenkommend gezeigt hat, da« ist mir sehr zweifelbaft geworden. Ich erinnere nur daran, wie eS uns mit dem Wollzoll ergangen ist. Man hat die Pettttonen einfach für nicht diskutabel erklärt. Ich fasse ein derartiges Bündniß etwas idealer auf, aber ich möchte doch die Herren aus den industriellen Kreisen auf etwas auf- merk, am machen. Herr Windthorst hat seine großen Erfolge meist dem Umstand zu verdanken, daß er stch stet« an dm Grundsatz do nt des gehalten hat. Mit einer gesunden Finanzpolitik halte ich e» für unvereinbar, daß Ausgaben be« willigt werden, bevor über die Einnahmen Klarheit besteht. Wenn die Einnahmen im Reich fich besser gestaltet haben wer- den, so hoff: ich, daß wir in der nächstm Session bereits über ein großes Kanalprojekt verhandeln könnm. v. Me vissen spricht fich für die Vorlage auS. Nach dieser Rede wird(um SV« Uhr) ein von mehreren Seiten eingebrachter Antrag auf Schluß der DiSkusfion von der großen Majorttät angenommen, obwohl noch eine lange Reche von Rednern gemeldet war. f der Abstimmung wird zunächst der Eventualantrag eiherm v. Wendt gegen 4 Stimmm abgelehnt, § 1 Nr. 1(Dortmund-Eme- Kanal) in nament- l t ch e r Abstimmung mit 57 gegen 45 Stimmen angenommen. Die Annahme der Nr. 2 det 8 1(Oder Spree- Kanal) erfolgt fast einstimmig. Schluß 9 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr. (Rechenschaftsberichte, NachtragSetat, G. E-, betr. die Beseitigung der schwebmden Schuld, G.-E., betr. den Verkehr auf dm Kunststraßen.)_ Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 10. Juni. Der Stadtverordneten- Votsteher, H-rr Büchtemann, eröffnet die Sitzung um 5'/« Uhr mit aeschäftlichen Mitthei- lungen. Die Abtheilungm hadm die Wahl von 15 Mitgliedern für dm Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, delref- send die Skizze zum Neubau eineS HoipitalS nebst Siechen- anstatt an der Prenzlauer Alle, von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betnffmd die Er- Werbung deS von dem Grundstücke Spandauer-Brücke 4—5 zur Stadtdahn Parallelstraße erforderlichen TerrainS und von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vor- läge, detreffend den Ankauf deS Grundstücks Kommunikation am Neuen Thor 9-10 zu Gemeindeschulzwrcken vollzogen. Die v. Adtheilung hat an Stelle de« verstorbmen Stadtv. M a t t e r n als Mitglied für die gemischte Deputation zur Vorberathung über die Versorgung der Stadt mit Martthallm dm Stadtv. Löwel gewählt. Nach Eintritt in die Tagesordnung thM der Vorfitzmde mit, daß der Stadtrath HalSke in einem Schreiben ange- zeigt hat, daß er die auf ihn gefallene Wahl zum unbesoldeten Stadtrath pro 1. Januar 1887/92 nicht mehr wegen vor- gerückten Lebensalter» annehmen könne. Die Versammlung beschließt, die Wahl nach dm Feiten vorzunehmen. Gleich- zeitig wird mitgetheilt, daß der diS zum 1. Januar nächsten JahreS amttrende Stadtrath Schmidt sein Amt niedergelegt habe, weil er seinen Wohnsttz nach Charlottenburg verlegt. Eine Neuwahl wird in der kurzen Frist, in der Herr Schmidt seine Stelle noch zu verwalten gehabt hätte, nicht nothwmdig sein. Die Wahl eineS Bürgerdeputirten für die Schuldeputalton wird auf Antrag de» Stadtv. Spinola ebenfalls von der Tagesordnung adgesitzt. Hieran schließt fich die Berathung über den Ausschuß- antrag, betreffend die Skizze zum Neubau einer Gemeinde- Doppelschule in der Deifflingerstraße 18. Die Versammlung bat s. Z. die ursprüngliche Vorlage de» Magistrat» abgelehnt. In Folge dessen find von der Bauve, waltung zwei neue Skizzen vorgelegt, für dessen erste der Ausschuß fich entschieden hat. Die Kosten find vorläufig auf 370000 M. berechnet. Es sollen 34 Klaffen geschaffen werden. Der Berichterstatter deS Ausschusses, Stadtv. Dr. S ch w a l b e, empfiehlt die Annahme de« ÄutschußanttogeS, welcher unter Genehmigung der Skizze Ii und Zurückweisung der Skizze Iii den Magistrat ersucht, dem Schulgebäude die zulässige größte Tiefe zu geben, damit die Klaffm der normalen Größe mög- lichst nahe kommen. Dieser Antrag wird angenommen. Der Vorlegung de» speziellen Entwurfs und Kostenanschlages steht die Verfamm- lung entgegen. Die Uebersicht der im letzten Quartale durch die städtischen Gasanstalten gespeisten Flammen wird dedattelo» durch Kenntnißnahme erledigt. Angenommen ebenfalls ohne Debatte werden die Vorlagm, betreffend dm Neubau eines RetortenhauS- Schornsteins auf der städtischen Gasanstalt in der Gitschtnerstraße, und betreffend den Abschluß eine» Vergleichs mtt der St. Martmkirche über die für da» Grundstück Marienkirchhof 23 zu gewährende Entschädigung, die auf 24000 M. erhöht wird. Zur Umgestaltung der Heizanlage de« Friedrich-Werderschen Gymnasiums hat der Magistrat zwei Projette vorgelegt, ein Luftheizungi- und ein WasserheizungS- projett. DaS letztere empfiehlt er anzunehmen. Der Kosten- aufwand zu demselben deträgt 32 800 M. Uever die Frage, ob Luftheizung, ob Wafferheizung zweck« mäßiger für die Schulen ist, erhebt fich eine längere DiSkusfion. Stadto. Dr. Schwalbe wünscht die Einführung der Waffer- Heizung, will aber, daß der Magistrat ihre Ausführung nicht in Submisfion stellt, sondem selber in die Hand nimmt. Stadtv. Schweißer und Stadtv. Lamm glauben, daß die Annahmt de» Magist-atSantrageS daS LuftheizungSprinzip herabsetzen und zur Folge haben würde, daß überall eine Aen- derung der Feuerung verlangt würde, wai der Stadt sehr er- hedlich: Kosten verursachen würde. Stadtv. Schulz l wünscht die Einsetzung eine« AuS- schusseS, ein Vorschlag, der von dem Stadtbamath Blanken- stein und dem Stadtv. Gerth bekämpft und von der Verfamm- lung auch abgelehnt wird. Schließlich wird die Magistratsvorlage, refp. da» Wasser« heizungSprojett, mit großer Majorität genehmigt. Die Erbauung einer Gemeindeschule auf dem Grundstücke Temv-lbofer Itter 2 wird beschlossen und der mit 470000 M. abschließende Kostenanschlag angenommen. AuS Anlaß der im September d. I. in Berlin zusammen- tretenden 59. Versamlung deutscher Natur- forscher und Aerzte ersucht der Magistrat dieVersamm- lung, eine Subkommission von 8 Mitgliedern zu wählen, welche die erforderlichen Abmachungen und Vokbereitungen defiotti» treffen soll, und 60000 M. zur Verfügung zu stellen, von denen 20000 M. zum Druck einer Festschrift und 40000 R. zum Zweck der Bewirtbung der Gäste verwendet werden sollen. Der Antrag dei Magistrats wird angenommen. Da- gegen stimmen u.«. die Stadtverordneten der Ardeiterpartei, welche nur die 20000 M. zum Druck der Festschrist für erfor« derlich halten. Der Vorsteher theilt noch mit, daß von einer Anzahl Mit- glttder, die ihren Sitz auf den Hinteren Stuhlreihen de» Sitzungssaales haben, schriftlich darüber Klage geführt wird, daß die Worte deS Vorstehers durch die Unruhe, die während der Verhandlungen herrscht, vollkommen übertönt werden. Um diesem Mangel abzuhelfen, wird vorgeschlagen, eine Schalldecke am VmstandSttsch anzubringen,»er Vor- schlag wird in Erwägung gezogen werden. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 6»/« Uhr. ES folgt eine nicht öffentliche Sitzung, Lokale». ct. Daß„Christlich-soziale Correspondenzblatt" der Herren Slöcker, Ajchenbrenner und Komp fährt in seiner letzte» Nummer mit seinen denunziatorischen Hetzereien fort. Selbst- redend wird eS in dieser edlen Beschäftigung vom„Reich«' boten" unterstützt, der die hämischen Ausführungen d-S Stöcker'schen BlärtchenS mtt einer beifälligen Einleitung abdruckt. Die Waffendrüderschest der beiden Organe ist nur allzu erklärlich, steht doch hinter beiden derselbe apttitao rector. SS wird also auf der ganzen Linie Sturm geblasen, und eS ist ja auch möglich, daß die fortwährenden gehässigen Hinweise schließlich einmal Erfolg haben; die polmsche Situation ist ganz danach angethan, daß jeder Mißliebige sich heute auf alle Eventualitäten gefaßt machen kann. DaS ist wahrscheinlich aut dem„Christi.- soz. Corresvondenzdlatt" nicht entgangen, aber gerade deswegen ist die Niedrigkeit der Gesinnung, welche ge' wisse Leute beseelt, um so größer, weil man stch nicht entblödet, immer und immer wieder die Staatsgewalt auf hervorragend« Personen einer an fich schon bedrängten Partei aufmerksam zu machen. ES ist da» ein sehr stivoleS Spiel, welche» da von den Pächtern der christlichen Gesinnung und der Vaterland»- liebe getrieben wird; in Urem SiegeStaumel denken die Leute nicht daran, daß fich eines TrgeS der Spieß umdrehm kann» Wir wollten doch einmal sehen, wo Herr Slöcker mtt seiner Garde bliebe, wenn Sonne und Wind gleichmäßig vertheiit wären,— diese Gesellschaft wäre die allerletzte, die man i» fürchten brauchte. Die penstonitten Kirchendiener, über welch« H rr Stöcker verfügt, stehen der zielbewußten Aibeiterschasi wahrbaftig nicht im Wege. Hören wir jedoch, waS Her: Aschendrenner sagt, waS er vielmehr mtt seinem literarischen Besen zusammengekehrt bat.„WaS ist denn geschehen,— st fragt er— waS da»„Berl. VolkSblatt" so in Rage dringt k Wir haben darauf hingewiesen, waS in Berlin nachgerade die Spatzen von allen Dächern pfeifen und wai auch der Polizeibehörde längst, vielleicht noch besser als unS bekannt ist, daß die sämmtlichen Fäden der sozialdemokratischen Bewegung sammt ihren noch bedeutsameren Seitenverzwel- aungen in Berlin und wer weiß wie weit noch darüber hinaus zur Z it in den Händen de« Herrn Singer liegen, st zwar, daß Arbeiterführer, die stch materiell und in ihrer polt- tischen Richtung unabhängig ,u haltm suchen, d. h. nicht in da! jüdtsch-sozialdemokratische Horn stoßen wollen, von dem Trabantenchor dieses jüdisch« sozialdemokratischen Parteiführer» vollständig an die Wand gedrückt werden: daß der über Berlin verhängte kleine Belagerungszustand schon manchen weniger be« theiligten Mann, der nicht weiß, wovon er für die nächste Zeil sein eigene» Leben stiften soll und wohl selbst eine unglückliche Familie hier im Elend zurücklassen mußte, zum Abmarsch genöthigt hat, während der Bourgeois- Sozialdemokrat Singer fich jeder wünschen«werthen Bequemlichkeit in der Her- andildung eine« ihm unbedingt ergebenen neuen GmeralstabeS behuf» Unterwühlung unsere« chrtstlichm und monarchisch� Staatswesens ersteut!— Davon haben wir auch nicht ein Jost zurückzunebmen oder auch nur zu modifiziren, denn da« alltt find erweisliche Thatsachen, die überdies, wie gesagt, zttmlick allgemein bekannt find."— Da» allerdings hat va- „Christlich- soziale Correspondenzblatt" gesagt, und durch d» Wiederholung dieser Denunziationen scheint eS andeuten V wollen, daß S fich mit derselben Kühnheit, wie sein Protekstl über einen Eid, über die gewöhnlichm Regungen der SchaH die sonst immer noch unter gesitteten Menschen üblich hinwegzusetzen versteht. Weshalb aber bringt da» Blatt n'�1 eine einzige Thatsache, welches seine verleumderischen Behav? tungm zu unterstützen im Stande wäre? Selbst die Leser „Christlich-sozialen Correspondenzdlattes" werden fich auf% Tauer doch kaum durch den Stöcker'schen Wahlsmuch:„Verleriw«' nur immer zu, etwaS bleibt ja immer bangen"— binhM lassen. Sind die Spatzen, die von den Däckern pfetten, j"; einzigen Gewährsleute deS„christlich- sozialen" Organ»? Ci" Z veifel ist daS eine sichere Quelle, aber uns würden deraliE Mittheilungen nicht einmal verbürgt genug sein, wenn eS j*" auch nur um eine Person von der Qualifikation deS Htt, Slöcker handelte. Da»«Christlich.soziale Correspondenzbl." nun wohl oder Übel auch den Beweis dafür erbring müssen,„daß die sämmtlichen Fäden der sozialdemokratil� Bewegung sammt ihrem noch bedeutsameren Seiten verz� gungen in Berlin und wer weiß wie well noch darüber auS zur Zeit in den Händen de» Henn Singer liegen', oder man wird ihm nachsagen können, daß eS ihm gelunS? ist, seinen Meister in puncto„Wahrheitsliebe" zu erreich? Und das will gewiß etwas bedeuten. Einem Blatte stöR* scher Observanz gegenüber dürfte die Belehrung wohl aflL bracht sein, daß e» unter anständigen Leu'en Sitte ist-'j, Behauptungen auch thatsächliche Beweise beizubringen.-U lich meint daS christlich soziale Blatt, Alle», wa« e»»% hat, seien„erweisliche Thalsacken!" Wethalb aber 0%, diese Thatsachen nicht erwies n? Kann man eine LebaUgffi! durch«ine Behauptung beweisen? Vielleicht in der sozialen Logik, bei normal veranlagten Leuten setzt si�-.n Beweis jedoch auS ganz anderen Dingen zusammen. 8"%* von einer normalen geistigm Veranlagung kann von den Leu«» � und behauptet, daß dieselbe in weiten Kreisen getheil« — DaS letztere wlffen wir nicht, wir können auch die-0 � Kreise" deS„Christlich-sozialen Korresondenzdlatl" nicht, '~ r' da« wissen wir, daß die ganze Aeußerung den Heller, dungiwahnfinn repräsentirt. Soviel wir wissen, ist per wig Löwe gut fortschrittlich, aber wenn jemal» der Wum« M Vater de» Gedanken» gewesen ist, so ist eS hier der FaU• � Allem, wai nicht zu Stöcker gehört— rau» au» Benin, erst brich» eine neue Zett an! Ungünstiger und ungei�. allerdings konnte man den Zeilpunkt für derartige 0%� Herzenswünsche nickt wählen, denn— waS auch mag— Herrn Stöcker'S Ideal soll fich so leicht nicht lichen.„Er hat noch nie einen Sozialdemokraten de sagt ein Antisemit selb» von ihm.- und in die gesch'w Lücken we den frische Kämpfer einspringen.„ zzet' Doppelmord. Die Kunde von einem furchtbaren# brechen in dem Hause Möckern fttaße 78 durchlief g«"� den frübefien Mn-n-n»,«ftoen unserer üla?an,6t' Pto sich eine Echankwilihschast, welche von dem früher in der Zcffinrrstraße wohnhaften Echanlwirth und Bierverleger R. Echtfflina betrieben wird und fich eineS regen Zusvruchs erfreute. Äufcer den Kellerlokalitäten hatten die Hchiffltng'schen Eheheleute noch eine im Parterre belegene gro�e Stube inne, welche alt Schlahimmer von der aut drei Köpfen bestehenden Familie— den Eheleuten und einer zirka 10 jährigen Tochter — benutzt wurde. Seit kurzer Zeit fungirte in dieser Schank» wirthschaft ein ungefähr 25 jähriger junger Mensch, Namens Tortfried Otto Keller, als Hautknecht. Da Keller dem Schiff« iing vielfach G:und zu Klagen gab, ward demselben zum IV. d. M. gekündigt. Der Ruf einer gewiffen Wohlhabenheit, in welchem die Schiffiing'ichen Eheleute stehen, scheint nun dem Keller den Gedanken eingegeben zu baden, die Eheleute zu er- morden und zu berauben. Gestern Morgen um 4 Ubr schritt er zur Ausführung dieses entsetzlichen Vorhabens. Die Ehe- leute hatten die ob.ren Fenster ihres nach dem Hofe zu liegen- den Schlafzimmers während der Nacht offen gelaffen. Keller benutzte diese Gelegenheit, um die unteren Fenster aufzuriegeln und in dat Schlafzimmer zu steigen. Mit einem mitgebrachten Meffer, wie et zum Schinlenschneiden denutzt wird, versehen, näherte er stch zuerst dem Bett des erst in der Morgenstunde aut einer B-reinSfitzuna heimgekommenen Mannet und schnitt demselben im vollsten Sinne des Wortes den HalS durch. Die Lage det Ranmt im Bette deutet darauf bin, dast derselbe ohne Kampf aut dem Leben geschieden. Nach vollbrachter Thal warf stch der Mörder auf die grau, welche, nach den Verwundungen zu schließen, während des Attentats auf ihren Mann erwacht und dem Mörder den heftigsten Widerstand entgegengesetzt haben muß. Denn außer zwei tiefen Schnitten am Halse zeigt ein Arm und die Hände ihrer Leiche zahlreiche Schnittwunden. Die Tochter Anna erwachte während dieses Kämpfet und ver. grub stch tief in die Bettdecke. Ob der Mörder dat Mädchen nicht gesehen, oder welcher glücklichen Fügung da» Kind sein Leben sonst zu verdanken hat, läßt stch nicht ermitteln, genug: der Mörder verschonte da» Kind und wollte fich nach der Er- mordung der Eheleute, nachdem er mehrere Einrichtungsstücke durchwühlt, wieder durch dat Fenster entfernen. Bei diesem Borhaben wurde er aber von einer Nachbartfrau bemerkt, wet- halb er dat Fenster schloß und fich zur Stubenthür hinaus begab. Dat Kind, von dem schrecklichen Anblick der Ermordung seiner Eltern gänzlich fassungslos, regte fich auch nicht, alt der Mörder bereits dat Schlafzimmer verlaffen hatte, und so konnte derselbe, nachdem er fich umgezogen, ungebindert von dem Schau- platz seine» Verbrechens entkommen. Erst früh 6 Uhr fiel et dem Fuhrmann Schröder und einem anderen Manne, welche die Schankwirthschaft besuchen wollten und diese offen fanden, auf, daß fich Niemond von den Eheleuten sehen ließ, wethalb sie schießlich vom Hofe aut dat Fenster des Schlafzimmers au, schloffen. Jetzt erst zeigte fich dat geängstigte Kind und derichtete, daß Friedrich, so war der Rufname KellerS. Mama und Papa ermordet. Die Polizei wurde nun in größter Eile "an dem Ereigniß in Kenntniß gesetzt, der Chef der Kriminal- »»lizei, Graf v. Pückler, die Staatsanwaltschaft k. waren bald J« Ort und Stelle und ver Telegraph spielte nach allen Rich- 'ungen, um det Entflohenen habhast zu werden. Dat Schlaf- isaimer selbst bietet einen graustgen Anblick. In dem mit Blut getränkten Bette ruhte die Leiche des Mannet, wäh- "nd die so furchtbar zugerichtete Frau in der Mitte des Zim» Hing in einer großen Blutlache lag. Da» eine Kleiderspind iit ebenso wie die obere Schublade einer Kommode geöffnet pvrgerunden worden. WaS und wie viel der Mörder geraubt, läßt stch dit jetzt nicht mit Bestimmtheit sagen, doch scheint er alle» ihm erreichbare an Gold und Schmucksachen sgeraubt zu haben. Daß er aber andererseits mit einer großen Hast bei der Durchsuchung nach Werthsachen vorgegangen ist, gebt daraus hervor, daß in dem geöffneten Fach der Kommode die Uhr der Frau gefunden wurde. Innerhalb des Schlafzimmert, dicht am Fenster, fand man dat Meffer, welches zur Ausführung det Ver- deechenß benutzt worden; vor dem Fenster nach dem Hofe zu standen me Schuhe det Krller, welche er vor dem Besteigen deS Fenster» �"»gezogen hatte. In dem Schlafraume det Hausknechte» ®uide die englischlederne mit Blut beschmutzte Hose oorge« 'unden. Et ist deshalb anzunehmen, daß der Unmensch, nach« «m er das Verbrechen vollführt, fich mit ruhigem Blute um- (Wogen hat, ehe er dat Weite suchte. Dat kleine Mädchen, welches auf so entsetzliche Art zur Waise geworden, wird von °in Anverwandten der F:au Schiffling aufgenommen. Einer Mittheilung der Polizeibehörde entnehmen wir folgende, dm obigen Bericht über die Mordthat ergänzende Daten: Obwohl Kauibewobner nicht nur Geräusch, sondern sogar den Ruf der Frau Schifflina:„Er sticht mich!" gehört haben, ist der Mör- N nicht aufgehalten worden, sondern hat die Flucht durch die Möckernstraße, recht« in die Kreuzbergstraße einbiegend, ergreifen wonen. Der beadstchtigte Raub ist ihm nur zum kleinen Thetl Wungen, denn er hat die Werthpapiere und das baare Geld, weichet Schiffling in einem Blechkasten aufbewahrt hat. nicht befunden und fich mit einer filbernen Taschenuhr und einer fizahl Zehnpfennigstücke, der Löfung de» letzten Tage«, be« fingen müssen. Et ist daher auch anzunehmen, daß der Thäter, ijfffen genaue Beschreibung folgt, noch in der Umgegend von Berlin umherirrt. Der Hautdiener Ofto Gottfried Keller ist "OJ 17. Juni 1859 zu Sieindorf, Amt Peitlerwitz, Kreit Ohlau üeboren, klein, breitschulterig und untersetzt, hat ein Umdes volles Geficht, schwarze, vom krause Haare, einm An- % von Schnurrbart und ist besondert kmntlich durch seinm hegenden Gang, scheuen Blick und die Verzerrung seines Ge- Wrt beim Lachen. Er war bekleidet mit einem dunkelbraunen Kquet, dunkler Hose und schwarzem, rundem Hut. Ein in JAer Schlafstätte vorgefundenes Strafmandat ver Poltzeiver» Haltung zu Halle vom Februar 1886 läßt annehmen, daß er °°n dort hierher verzogen ist, und aut einer gleichfallt vor- Mndenen Postkarte geht hervor, daß er hier einen Onkel befitzt, er Geld schuldete.— Von einem Berichterstatter, der Mern an dem Ort der schauerlichm That war, als die beiden glücklichen Opfer durch den Obduklionswagen nach dem Menschauhause abgeholt wurden, erhalten wir noch folgende N'ltheilungen: Eine große Menschmmenge, aus Mannern, K?uen und zahlreichen Kindem bestehend, umstand das Hau« �'nstraße 78, da die Ankunft de» LeichentranSportwagmS £* Mittag 1 Uhr fignalistrt worden war. Der Restaurationt & in welchem die ermordeten Schiffling'schen Eheleute ihr UAaft betrieben(der Mord fand, wie schon erwähnt, in der damÜ kein Unberufener da» HauS detreten Alt der OdduttionSwagm kurz nach I.Uhr s» " lut und obgleich ca. 7 bi, 8 Stunden seit im der •»tötX-i, miw v.u. 1 uv» o vtuiiv«,. ilatt.„bat verstrichen waren, so fickerte doch dat Blut auS dm Q.Wunden, durch welche namentlich der Körper schrecklich entstellt war. Die ______ zeigen hier, wie entsetzlich der gewesen fein muß, der fich zwischen dem Mörder und dem Opfer abgespielt hat. Beide Ermordete warm kräftige Naturm und besonders der Mann von einer Stärke, die dem Mörder den größtm Widerstand entgegengesetzt haben würde, wenn der Mann nicht von dem feigen jugendlichm Mordge- sellm im Schlaf meuchlings überfallen worden wäre. Schiff ling befand fich noch am Abmd vorher im Klieni'schen Etablissement in der Haienbaide, woselbst er als Mitglied det Vereint Berliner Weißbierwirtbe einer Versammlung diese» Vereint beiwohnte. Er war fröhlich und guter Dinge. Seine trau soll ein Vorgefühl von Angst gehabt haben, alt er bmdt fortging, indem fie zu ihm sagte, er solle doch lieber zu Hause bleiben, ihr sei so beklommen zu Muthe. Merkwür« big ist, daß keiner der Hautbewohner auf die gehörten Hilferufe berdeigeeilt ist. Es erklärt fich diese traurige Thatsoche vielleicht nur dadurch, daß man wiederholt aut der Wohnung deS ermordeten Ehepaares Skandal vernommen hat, welcher offenbar von ehelichen Zwistig- feiten herrührte, als deren Ursache man auch die Hilferufe am Morgen des SchreckenStagei vermuthete. Erst als eine Frau den Mörder aus dem Fenster fliehen sah, wurdm die Verhält- niffe klar. Wie eS heißt, soll der in Tempelhof festgenommene Mörder fich die Uhr der Frau Schlichting und einiges Geld aut der Ladmkaffe angeeignet haben, so daß also ein Raub- mord vorliegen würde. Et wird auch behauptet, der Mörder sei vor seiner Flucht in den Restaurationtkeller gegangen, habe stch hier andere Kleider angeiogen und einem Gast, der beim Oeffnen der GeschästSkellerthür das RestaurationSlokal betreten, ruhig eine kleine Weiße eingeschenkt; erst dann habe er fich aut dem Staube gemacht. Daß die That weniger zur Beraubung, als auS Rache verübt worden, steht unzweifelhaft fest, denn der Mörder war gekündigt worden und sollte seine Stellung am 15. d. M. verlaffen. Die durch die Tagetprefle verbreitete Mittheiluug eines hiesigen Beiichler statters, wonach neue Stadt- Fernsprech- anschlllffe bis auf Weiteres überhaupt nicht mehr zur Aut- führung gelangen sollen, da neue Apparate nicht vorhanden seien und auch die Magist, attbehörde gegen die weitere Aut- dehnung der Anlage Einspruch erhoben habe, ist, wie der „Nordd. Allg. Ztg." von zuständiger Seite mitgetheilt wird, durchaus unzutreffend. Die für die laufende Bauperiode ange» meldeten Anschlüsse gelangen sämmtlich zur Ausführung. So- weit dieselben durch oberirdisch geführte Leitungen bewirkt werden können, ist die Herstellung bereits erfolgt dezw. in der Ausführung begriffen. Nur hinfichtlich solcher Anschlüffe, welche wegen allzu großer Belastung der vorhandenen Linienzüge in der bisherigen Weise nicht mehr bewerkstelligt werden können, scheinen der Telegravhenverwaltung Schwierigkeiten bei der Verlegung der zur Einbettung der Leitungen erforderlichen Röhren erwachsen zu sein. Jndeß darf wohl angenommen werden, daß die bezüglichen Hindernisse fich binnen Kurzem werden beseitigen lassen. Ein Mangel an vorräthigen Apparaten ist nach den bei der Telegrcphenverwaltung bestehenden Einrichtungen, wie man überzeugt sein darf, ganz ausgeschloffen; ein solcher hat niemalt bestanden und besteyt auch im Augen» blicke nicht. Alt gleich unrichtig wird dem genannten Blatte auch noch die Angabe bezeichnet, daß die MagistratSbehörde gegen die weitere Autdehnung det Fernsprechnetzes Einspruch erhoben habe» soll. Die Perronsperre auf dem Görlitzer Bahnhof hat daffelde Schicksal erfahren, wie jene auf dem Anhalter Bahn- Hof: fie ist, und zwar seit gestern Morgen, aufgehoben wor« den. Jetzt wird behauptet, eS habe fich nur um einen acht- tägigen Versuch gehandelt, ein Vergnügen, dat ein nettes Sümmchen für Herrichtung der eisernen Absperrgitter kostet. Alt die in Berlin thätigen Sommergäste heute früh mit dem 6 Uhr 43 Minuten ankommenden Zuge von KönigS-Wuster« Hausen nach Berlin kamen, konnten fie den Bahnhof ohne Kontrole pasfiren; die Billett werden unterwegs in altherge- brachter Weife koupirt. Die Freude der Interessenten über daS Fiatko der Eisenbahn- Verwaltung ist eine begreifl-ch große. Verbot. Da» königliche Polizeipräfidium erläßt folgende Bekanntmachung: Et wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vie unter dem Namen„Zentral- Reise- Unter» stützungskasse für wandernde Töpfer Deutschlands" int Leben gerufene Fachvereinsorganisation der Töpfer, in so weit die- selbe in das Geltungsgebiet dei preußischen Vereinsgesetzet vom 11. März 1850 fällt, insbesondere die in Berlin domizilirte „Kontrolkommisfion" und der„Fachverein der Töpfer Berlins und Umgegend" nach§ 8 a. a. O. vorläufig geschloffen find. Jede fernere Betheiligung an diesen Vereinen oder etwaigen Neubildungen, welche fich sachlich alt Fortsetzung jener dar« stellen, wird nach§ 16 0. 0. O. mit Geldstrafe von 15 bis 150 M. oder mit Gefängnißstrafe von 8 Tagen bis zu 3 Mo- naten belegt. Borr dem autgewiesene« Maurer Hrn. Karl Bohrend glaubt der„Berl. Börs-Kour." melden zu können, daß fich ge« nannter Herr nach Hamburg begeben hat. Diese Mitthetlung ist unrichtig, Herr Behrend hat fich nicht nach Hamburg de» geben. Angesichts der Schnelligkeit, mit welcher in Berlin gebaut wird, mit der, um einen landläufigen Ausdruck zu gebrauchen, die Häuser aut der Erde wachsen und der Be- Nutzung übergeben werden, muß et staunende Verwunderung erregen, wie lange Zell erforderlich ist, um andere viel kleinere und einfachere Baulichkeiten fertig zu stellen und dieselben ihrem Zwecke entsprechend benutzbar zu machen. So wird an den beiden Bedürfnißanstalten auf dem Koppenplatz und an der Schloßbrücke schon seit Monaten„gearbeitet" und noch immer find fie nicht fertig und können demzufolge auch nicht in Benutzung genommen werden. Dieser Umstand macht stch namentlich auf dem Koppenplatze recht fühlbar und dat gänz- liche Fehlen einer derartigen Anstalt in dem außerordentlich stark frequentirien Humdoldthain wird, wie hier anschließend bemerkt sein möge, besonders lebhaft empfunden. Kalmu« und»irkenreiser. Die üblichen Pfingstgäste zm Ausschmückung unserer Wohnungen, kommen jetzt in großen Quantitäten auf den Markt. Während der kalmuS den um- liegenden Seen und den sumpfigen Ufern der Spree, nament- lich bei Köpenick und in dessen Nähe entnommen wird, müffen die wenigen Birten in unserer Nachbarschaft unter dem Verlust der„Maien" schwer leiden, und namentlich die Förster und Forst- vuffeber haben mit den Maiendieben ihre liebe Roth. Die„Scheuleder"' am Pferdegeschirr find eine höchst unrationelle Vorrichtung, welche durchaus nicht dem damit de- abfichtigten Zweck entspricht. Gerade durch die„Scheuleder" werden die Pferde scheu, denn dieselben verhindern daS Pferd, frei vorwärts und um fich zu sehen. Sieht das Pferd stet» frei, so gewöhnt es fich an alles und scheut niemals. Die Scheuleder find wahre Marterklappen für daS Pferd; durch dieselben ist dieses genöthigt, die Augen zu v-rdrehen, was zur Folge hat, daß die Sehkraft det Thieret geschwächt wird und letztere» wenig oder gar nichts mehr steht. Auf den Straßen, Leckirn ic., wirbelt immer Staub auf, letzterer setzt fich zwischen Augen und Klappen fest, belästigt daS Auge und beeinträchtigt ebenfalls die Sehkraft. Besonders nachtheilig wirken die Scheu- leder bei stürmt chem Wetter, bei naßkalter Witterung und Frost. Entzündungen find hier unvermeidlich. Et wäre daher Sache der Fuhr- und Droschkenkalter, die Pferde dieser Plage zu ent- ledigen, denn ei giebt nichts Geschmackloseres, alt die vier- eckigen Scheuleder vor den Augen einet Pferdekopfet. Da» verfahre«»njerer Hundefänger dei Ausübung ihrer dienstlichen Obliegenherien fordert immer mehr den Widerspruch det Publikums heraus. Am Mittwoch Abend drängten fich zwei Gestalten, die auf die Vorübergehenden einen etwas zweifelhaften Eindruck machten, auf dem Trottoir der Fichtestraße vor dem Happold'schen Lokal umber. Ein Mann, dem ihr Treiben aufgefallen war, beobachtete die beiden und sah, wie fie schließlich dicht an dem AuSgangtthor det Lokals Posto faßten; plötzlich bog fich einer der beiden in da» Lokal hinein und entriß dem Töchterchen eines in der Giischinerstraße wohnenden Silderwaarenfabrikanten einen kleinen weißen Seidensp tz, den dat Kind im Lokal an einer Leine führte, und dem der Maullord abgenommen war. Der« jenige, welcher dat Thier ergriff n hatte, reichte et sofort seinem Legleiter. Die auf dat Schreien de» kindet herbei» geeilten Augenzeugen waren entrüstet über dat Auftreten der Hundefänger, bei denen nun plötzlich dat bekannte Messtng- schild an der Mütze zum Vorschein kam. Od ein Beschwerde« verfahren gegen die Beiden eingeleitet wird, wie der Befttzer det Hundet bei der Einlösung desselben auf dem Polizei» bureau versprach, ist zweifelhaft. Gewöhnlich verschmerzt der Befitzer dei Hundes den Thaler und vermeidet die Scheerereien eine» langweiligen Beschwerde Verfahrens. — AngefichlS dieser und ähnlicher Vorkommnisse wäre et sehr wünschenswerth, wenn die amtlichen Befugnisse der Herren Hundefänger dem Publikum gegenüber etwas genauer präzistrt würden. Jeder andere Beamte, dem die Anwendung unmittelbaren exekutiven Zwanaes zusteht, hat fich vor Aus- Übung seiner Befugniffe dem Jntereffenten gegenüber zu legi« timiren. Schutzmann und Gerichtsvollzieher haben im Dienste ihre Uniform zu tragen, wie kommen nun die Hundefänger dazu, in einem Exterieur, die alle» andere eher alt ihre Beamten quolität vermuthen läßt, ihren AmtSfunklionen noch» zugehen? Der Hundefang ist einträglich genug, um den Ab» deck-reibefiyer zu verpflichten, seine Einsänger mit einer erkenn» baren Uniform zu versehm. Es würde dann der Uebelstand aufhören, daß diese Beamten auf dem Trottoir herumlungern, was jedem Anderen verboten wird— wenn fie irgend wo ein hübsches Hündchen im Auge haben, und nun aufmerken, bis dasselbe den maulkordlosen Kopf auS einer Keller- oder Haus- thür heraussteckt, oder gar, wie es in dem oben erwähnten Falle von Augenzeugen bekundet wird, ihrem Fangeifer so wenig widerstehen, daß fie derselbe auf fremden Grund und Boden treibt. DaS schwere Brandnnglück in der Schwkestraße mit seinen so überaus traurigen Folgen für die davon Betroffenen legt jedem denkenden Menschen einige Fragen nahe, die wohl einer ernsten Erwägung würdig find. DeS Dichterrv ortet unt erinnernd:„Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten, und da» Unglück schreitet schnell!" wollen wir hier nicht über die Ursachen rechten, welche dat große Un» glück herbeigeführt, obgleich fich unsere» Wissens dit jetzt noch keine, diesen heiklen Punlt kritistrende Stimme in der Oeffentlichkeit hat vernehmen lassen, auch wir wollen schwel« gend über diesen Punkt hinweggehen und nur die unmittel» baren Folgen jener Brandkatastrophe näher ins Auge fassen. ES wird mit der Schilderung des Elend» der verunglückten Menschen ein wahrer Sport getrieben, täglich lesen wir lange Berichte in den Zeitungen, welche dat Bild verzweifelten Elends dit in die lleinsten Details in düsteren Farben aus« malen und aut allen diesen Miitheilungen schallt uns der Mahnruf entgegen:„Hilfe thut noth l" Ein gutes, altes Wort besagt:„Doppelt giebt, wer schnell giebt!" und wahrlich, schnelle Hilfe wäre hier gewiß am Platze, um den schwer geschädigten, von Allem entblößten Menschen die erste schreckliche Wucht ihre» Unglücks weniger fühlbar zu machen. Dow ach, wie langsam naht diese Hilfe! Wie spärlich fließen die freiwilligen Gaden! Auch hier muß erst wieder der schwer» ..„..— ,.„— igtn uno ge» sprungen werden, um den Einzelnen zur Hergäbe einet Scherf» lein» für die Abgebrannten zu veranlassen und zu bewegen f Wohl werden zahlreich grnug solche„Vergnügungen" veran» staltet, doch Wochen über Wochen vergehen, ehe dieselben zu« stände kommen, und wenn späte Hilfe zwar immerhin auch eine Hilfe ist, so hat fie doch nicht den großen Werth einer schnellen momentanen Unterstützung. Angesichts der schreienden Roth, bervorgerufen durch jenet furchtbare elementare Ereigniß, sollte Jeder, namentlich jever B-fltzende, dem hochherzigen Beispiele der Arbeiler verschiedener Fabriken folgen, welche sreiwillich nach ihren Kräften von ihr-m schmalen Wochenlohne zusammensteuerten und ein Sümmchen aufbrachten zum Besten der Verunglück-en und Geschädigten, ohne etwa« dafür zu verlangen, die stch de» gnüge» mit dem schönen Bewußtsein, ein Werk der barm» herzigen Menschenliebe vollbracht zu haben. Lesen wir die Be» richte über dat stattgehabte Feuer durch, so finden wir, daß einzelne Familien nur dat nackte Leben gerettet, ihr Hab und Gut vollständig verloren haben. Dieser Umfiand legt die Frage deren Gebieten dereit besteht, auch den Mobiliar- V-rstcherung». zwang einzuführen, um im Falle eine» Unglück», wie da« w Rede stehende, die Abgebrannten nicht völlig hilflos und ver« zweifelnd der ungewissen Zukunft auszusetzen. Die Prämien einer solchen Modiliarverficherucg würden die Verficherten nicht schwer belasten, zumal wenn die drückende Miethtsteuer in Wegfall gebracht und die Wohnungtmiethen selbst nicht zu einem Gegenstande willkürlicher Spekulation gemacht und zu einer ganz unverhättnißmäßigen Höhe hinaufgeschraubt würden. Vielleicht ließe fich auch hier ein ModuS finden, welcher die Z�eMr �at erste LebenSdedürfniß. für eine Wohnung, im Äl? ÄÄ'«ÄJS segcnSvoll wirken. Der frühere Kellner Larchck, der bekanntlich auch im Prozeß Dickhoff erne Rolle spielte, hat stch am 25. Juni wegen einer Reihe von Einbruchsdiebstählen vor der zweiten Straf« kammer dei LandägeiichlS I zu verantworten. Vor einiger Zeit wurde Berlin W. durch zahlreiche verwegene Diebstähle beunruhigt, und eS gelang der Polizei nicht, dem Thäter auf die Spur zu kommen. Da bemerkte einmal ein Schutzmann von seinem Zimmer aus eine Person mit Licht in einer Woh. nun« desselben Hause«, deren Inhaber, wie er wußte, nicht zugegen waren. Sofort Verdacht schöpfend, holte er sich einen Kollegen zur Hilfeleistung und beauftragte diesen, vorn an der Wohnung zu klingeln, während er feldst an dem hinteren WWMTUW KaSpSxKMSS sehnliches Strafkoni 0 aufweisen, darunter auch längere Zucht- hauSstraien. „ Marktbericht der Verwaltung der Zentralmarkthalle vom 9. Juni nach den Mittheilungen der VerkaufSoermittler und Großhändler. Maaren im Allgemeinen k app und wegen der bevorstehenden Feiertage gefragt, größere Zufuhren wer'en schlanken Absatz finden. Fische. Eldlachse 2 50 M., Oftste- lachse, große 1,60-1,80 M., mittelgroße 140-1,60, Lacht. Schellfische große 30-36, Cabliau 30-40 Pf.. Mak elen 30 Ps.. Zander 140-160, mittelgroße 100-120 Pf.. Hechte 200 Pf. pr. Kilogr.- Butter. Tendenz fester, bei starken Zufuhren schlanker Absatz Et wurden verkauft: Ost und Westpr. I. 100, l"«»ÄÄÄÄ Ä6Ä » SÄ« 3Ä"00 ew Dadersche 160—175, Malten« 10 M. pro 60 Kilogr� Spar- gel l. 1,20-1,40 M-, n. 0 60-1 00 M., vuppenspargel 46 M. pr. 100 Pilo, Ealal 0,60—1,00 pro vchock, Stachelbeeren 6—6 M. pr. Schifl.— Wild und Geflügel. Wild lnapp und große Nachfrage. Rehböcke 1,40— 1,50 pro Kiloar., junge Gänse 6—5 M-, junge Hübn« 60—80 Pf., junge Puten 5—5,50 M., junge Tarchm 30—35 Pf. pro. Stück. Polizei- Bericht. Am 9. d. M. Vormittags wurde der Arbeit« König beim Ausgraben von Fundamenten auf dem Grundstück Auguststr. 67—68 von einem einstürzenden Mauerpfeiler««schüttet und erstickte unter den Trümmern, ehe ihm Hilfe gebracht werden tonnte. Die Leiche wurde nach dem Ltichenschauhause gebracht.— An demselben Tage Mittags starb plötzlich in einem Restaurant am Kreuzberg eine Frau. wahrscheinlich in Folge etneS Gehirnschlags.— Zu derselben Zeit wurde ein 3 Jahre alteS Mädchen in d« Neuenbürg«. straße von einem Bierwagen überfahren. Daffelbe«litt einen Bruch det rechten Schlüsselbeines.— An demselben Tage Mittag? wurde ein Mann beim Ueberschreiten des FahrdammeS vor dem Grundstück Andreasstr. 4 von einem übermaßig schnell fahrenden, durch den Kutscher Bonti geführten Wagen üb«fahren und am rechten Auge verletzt.— Am 9. d. M. Nachmittag? wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Greift« walderstraße erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit wurde daS vor einem Break gespannte Pfttd deS Fuhrherrn Li«e in d« Prenzlauer All« scheu und ging durch. Der Wagen, in welchem fich außn den Li«e'schen Eheleuten noch vier P«« sonen befanden, schlug um und sammtliche Insassen kamen unt« denselben zu liegen, erlitten jedoch nur leichte Haut« abschürfungen._ Gerichts-Zeitung. f Eine Stiefmutter. Der Schloff« Domke»erheirathete fich im August 1884 zum zweiten Male. Aus sein« ersten Ehe stammte ein sechsjähriges Mädchen, Gertrud, daS der Vater nun aus dem Waisenhause wieder zu fich nahm. DaS Kind ab« erwartete ein schlimmes Schicksal: seine Stiefmutter brachte ihm nicht Liebe, sondern Haß entgegen und quälte sei» junges Leben auf dat entsetzlichste. Gertrud wurde täglich von ihr bei den geringfügigsten Anlässen furchtbar mißhandelt; sie schlug sinnlos mit einem Spazierstocke auf daS kleine Mädchen ein und wußte ihm so große Angst einzuflößen, daß eS nicht mehr wagte, irgend Jemandem sein Geschick zu klagen. ES stöhnte nm immer, wenn die Stiefmutt« S schlug, die ihre Züchtigungen in die Zeit vnleate, wo d« Vater in d« Werk« statt arbeitete. EineS TageS aber konnten die Nachkam die wimmemden Klagelaute deS KindeS nicht mehr mit anhören, fie brachten eS zum Arzte, der starke Verletzungen als Folge der Schläge konstatirte, und machten Anzeige bei d« Polizei. DaS Kind wurde in beff«e Hände gegeben, gegen Frau Johanna Domke, geb. Jrrgang, aber Anklage wegen Körper- v«letzung erhoben. DaS Schöffengericht oerurtheilte ste auch zu einem Monat Gefängniß. Gegen dieses Unheil hatte Frau Domke Renifion eingelegt, die gestern vor der Strafkammer V bei hiesigen Landgerichts zur Verhandlung kam. In d« RechtfeitigimgSschrift der Berufung hatte ste hervorgehoben, daß ste die Grenzen d« ertaubten Züchtigung nicht überschritten bade. Sie habe daS Kind nicht grundlos, sondern seiner Fehl« wegen bestrast. Die sechSjährige.Gertruv habe einen un- bewegbaren Hang zur Unsauberkeit und zur Unzucht(!) an den Tag gelegt: so habe ste(!) mit einem fiebzehnjährigen Schüler allerlei schlimme Geschichten getrieben.— Die Verhandlung «gab, daß alle diese Einwände«lagen waren. Nachdem die Angeklagte, eine große, magere P«son mit spitzem, gelbem Gelicht, die einen sehr prätentiösen Hut mtt wallend«, gelber Feder trägt und theatralische Gesten hat, erzähll hat, daß ihre Stieftochter vollständig verwahrlost gewesen und erst von ihr wieder auf die rich« tige Bahn zurückgeführt worden sei, fügt fie hinzu, daß fie wegen dieser Erziehungsmethode häufig mit ihrem Manne in Streit geratben und von ihm geprügelt worden sei. Sie lebe auch seit dreiviertel Jahren von ihm getrennt und werdt fich von ihm scheiden lassen.— F au Sommerkorn, die Nachbarin, welche daS Kindchen dm unmenschlichen Händen f. wer Stiefmutter entrissen hat. sagt auS, daß die Kleine immer stillen und artigen Wesens gewesen sei. Die Mißhand. lungen leim täglich vorgekommen; die Trudchen habe nicht ge. wagt, mit einem anderen Kinde od« mtt sonst Jemandem auS dem Hause zu sprechen, so sehr sei ei von sein« Mutt« ein« geschüchtert wordm.— Klempner Kaspar hat einige Zeit bei Domke gewohnt, er ist einmal zugegm gewesm, wie Frau Domke daS Kind an den Haaren an ihr Bett zog und eS dann dort mtt ihren Fäustm bearbeite e. 5uch giebt er an, daß Trudchen häufig nichts von d« Mutter zu essen bekommen hat.— Schlosser Domke ist bereit, gegen seine Frau auszusagen. Ei habe sehr häufig wegen deS KindeS Streit zwischm ihm und sein« Fmu gegeben. In seiner Gegenwart sei das Mädchm nur seltm gezüchiigt worden und« habe fich dann stets tnS Mittel ge- legt. DaS Kind habe gezittert, wenn ei fich ihm genähert habe und sei still gewesm.— Gertrud Domke. ein kleines, »arteS Geschöpf mtt hübschem blassem Gesichte und lebhaften, dunklen Augen,«zählt nur, daß die Mutt« ste imm«, fie Wiste nicht warum, mit einem Spazierstocke„gebaut" habe.— Dr. Lewin hat dm Körper bei KindeS, daS ihm zugeführt wurde, untersucht. Nach sein« Schilderung müffm die Miß- Handlungen grausam gewesen sein. Der ganze Rücken war eine geschwollene Mäste, die alle Farbenschattirungen vom tiefen Roth durch dunklei Blau bis zu Gelb und Grün aufwies. Ebenso «igten die Oberschmtel zahlreiche Wunden. Dr. Lewin be- zeichnet diese V«letzungen als für den Gesundheitszustand bei KindeS in hohem Grade bedenklich. Von der Bertheiviauna war noch die Lehrerin bei KindeS als Zeugin vorgeschlagen worden, doch sagte dieselbe nm auS, daß Gertrud ein Durch- schnittSkind gewesen sei, an dem fie dmchaus keine üblen Eigenschaften bemerkt habe. Der Vtttbeidiger. Rechtsanwalt Dr. Holz, dat um eine Ermäßigung der Strafe für seine Klimtin. Sie sei unbestraft und habe vielleicht auch deSbalb daS Kind hart behandelt, weil ei die Ursache gewesen sei, daß ihr Mann fie wiedergeschlagm habe. Diesen Erwägungen schloß fich d« Gerichtshof an und ermäßigte die Strafe für Frau Domke auf 14 Tage Gefängniß. D« Staatsanwalt hatte bedauert, nicht seinerseits Berufung eingelegt zu haben. Cr halte dai Strafmaß von 1 Monat Gefängniß für unge- nügmd gegenüber ein« solchen Rohheit. Uereine«nd Uersammwngen. Et« Generalstreik der Arbeitgeber im Tövferge» Werbe i« Sicht 1 Die ästet stet und Arbeitgeber im Tövin- gewerde warm am Mittwoch, etwa 150 Mann stark, im Ver- einshause, Wflhelmstraße 118, versammelt, um in Betreff der dm streikenden Gesellen gegenüber zu beobachtenden Taktik einen definitiven Beschluß zu fasten. Der Vorsttz wurde dem Herrn Obermeist« Groihausen übertragen. Derselbe ließ zu« nächst dm Aufruf, welchen die Arbeitgeber nach d« seitens der Gesellen am 30. Mai erfolgten Proklamirung bei Gennal- am 4. Juni in vi« Berliner Zeitungen veröffentlicht oben, und die„Entgegnung" d« Gesellen Lohnkommisston auf diesen„Aufruf" verlesen. In Bezug auf die in der„Snt. gegnung" enthaltene Angabe, daß„die meisten" Arbettaed« dm neuen Lohr.tanf der Gesellen bereits unterschrieben hätten, theilte Herr Bruck die„Berichtigung" mit, welche er in der »Berlin« Zeitung" gegeben, und betonte derselbe, daß auf diese Berichtigung, welche dahin lautet, daß von dm 200 Töpfermeistem und Ardeitgedern in Berlin, welche Töpferge« selten beschäftigen,„nur die 13" mit Namen genannten Herrn untnschrieben haben, seitens der Lshnkommisfion der Gesellen keine E.widerung gefolgt sei. Herr Haack meinte, daß man nicht nölhig habe, Weiteres zu beschließen. Die Hälfte d« Gesellen arbette schon wieder; in 8 Tagen werde der Streik von selbst ein Ende aenowmm haben. Demgegenüber ver- traten die Herren Herbert, Kneip und Bruck die Anficht, daß die Arbeitgeber im gegenwärtigen Kampfe am leichtesten fiegen würden, wenn fie einmüthig den Beschluß faßten, eomt. einen Generalstreik auf 4 bis 6 Wochen zu vroklamiren. Herr Bruck legte die folgende Resolution vor:„In Erwäguna, daß die Lohnkommisston d« Töpfergesellmschaft fich nicht entblödet hat, mit der Kundschaft ihrer bisherigen Arbeitgeber behufs Fertigstellung der durch den von ihnen muthwtllig in Szene gesetzten Streik liegen gebliebenen Ardeitm und auch dehufi Uebnnahme ganz« Bauten in Verhandlung zu. treten, so wie auch, daß fie in einzelnen Fällen schon die Arbeiten auf Bauten übernommen hat; in ferner« Erwägung, daß mit der Lohnksmmisston der GeseUmschast durch den am 5. d. äst. proklamirtm partiellen Streik, durch welchen einzelne Meist« und Ardeitgeber in ihrem Geschäft völlig lahm gelegt werden können, ein gütlich« Vergleich völlig ausgeschlossen«scheint, beschließt die heute hl« tagende Versammlung der Töpfermeist« und Arbeitgeb« Berlins und Umgegend: falls bis zum Frei« tag, den 11. Juni, die Arbeit von sämmtlichen Gesellen auf allen Arbeitsstätten nicht wieder aufgenommen ist, soll vom 15. Juni an seitens dn Meister und Arbeitgeber auf sämmt« liehen Bauten die Arbeit so lange ruhen, bis eine sämmtliche Meist« beftiedigmde Erklärung seitens d« Gesellm stattge- fundm hat. Die Vereinigung der Vettm'schen Ofenfabrikanten ist mit diesem Beschluß vollständig einverstanden und hat fich durch Nameniunterschrtft verpflichtet, event. vom 15. Juni diS 15. Juli keine Waare nach Berlin zu lief«n. Die von 24 Firmen unterschriebene Erklärung der Velten'schen Fabrikanten wurde im Wortlaute mitgetheiir. Nachdem noch die H«ren Fritsche, Gerlach, Haack und Kneip die Resolution empfohlen hatten, wurde dieselbe einstimmig angenommen. Die Zahl d« Arbeitgeber, welche fich durch NamenSunterschrist auf den von der Lohnkommisfion aufgestellten Lohntarif verpflichtet haben, wurde am Schluß der Ansammlung auf ca. 180 angegeben. ES wurde beschlossen, daß die für den Lohntarif gegebenen Unterschristen auch für die Resolution gelten sollen. He« Grothausen theitte noch mtt, daß gegen 30 Gesellen, welche übernommene Arbeit nicht fertig gemacht haben, Klage beim Gewnbegericht erhoben sei und daß schon am nächsten Freitag diese Klagen zur Erledigung kommen würden. Fachvereia der Former und Berufsgenossen. D« Vorstand macht den M»gliedern bekannt, daß bis auf Wei- tereS wegen statistisch« Erhebungen über Lohn« und Arbeits- v«HSltnisse in sämmtlichen Gießereien Berlins keine V«samm- lungen stattfinden werden. Die Kollegen(auch Nicktmitglie- d«) werden um recht rege Betheiligung und um gewiffenhatte Ausfüllung der bezüglichen Fragebogen gebeten. Die Zahl- stellen befinden fich für den Süden: Ritter firaße N. 123 bei Sodtke; für den Norden: WeinbergSweg 15b im Zigarrenge- schäst bei Michelsen. Die Fragebogen können daselbst an jedem Sonnabend nach dem 15. und 1. in Empfang genommen »«den. Verein sämmtlicher BerufSklasse«, Berlin i(Tinge- schriedene Hilfskafie Nr. 2). Sonnabend, den 12. d. M.. Abendi 8 Uhr, Münzstr. 5, Versammlung. Tagesordnung: Geschäft. licheS, Mittheilungen, Anträge. Neue Mitglieder«erden in jeder Versammlung, sowie beim Kasstrer Schilling, Koppen- ftraße 48, aufgenommen, Gäste find in den Versammlungen steti g«n gesehen. * Zentral-Kranken« und Sterbe-Kasse der Drechsler und verwandten BerufSgenoffen(E H. 48). Den Mualievern zur Nachricht, daß daS dieSjäbrige Sommertest, arrangirt von den Verwaltungsstellen A, B, C und D am 5. Juli im Volks» garten Hasenhaide(vte-i-rte dem Turnplatz) stattfindet. Für die reichhattige Unterhaltung ist bestens gesorgt. Billets» 20 Pf. find schon jetzt zu haben bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern und in den Zahlstellea. I« der fretreligiSse« Gemeinde hält an beiden Feier- tagen Vorm. 10 Uhr, Rosenthalnstr. 38, Herr Schäfer Vorträge über dai theologische Vorurthett und leine Folgen. Zu tritt steht Jedem frei. Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlins und Um- gegenv, ordentliche Gen-ral» Ansammlung Dienstag, den 15. Juni, Vormittags 10% Uhr, in Weick'S Restaurant, Alexanderstr. 31. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Statutenänderung bei§ 4. 3. Wahl der ausscheidenden Vorstands- Mitglieder. 4 Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglie- der werden aufgenommen. Kleine Mittheilnngen. Gr.- Otrer« leben, 8. Jnri.(Verunglückter Arbeiter.) Gtst«n Abend gegen'/>7 Uhr stürzte der htrfi e Maurer Christian W. vom Gerüst seines Neubaues, Große Schul- straße 19, und ist heut« früh bereits den erlittenen Verletzungen erlegen. W. ist nicht wieder zur Besinnung gekommen und deshalb ist üb« die Art bei Unfalles nichts festzustellen ge« wesen. Zur Zeit bei Unfalles soll fich auf dem Gerüste auß« W. Niemand befunden haben. Reidenbarg, 5. Juni.(Mordthat.) Am 29. Mai, früh, wurde in d-m G-eneflusse Lrzycz eine schrecklech zugerichtete männliche Leiche gefunden. Es liegt hier offenbar ein Mord vor, und man«zählt fich darüber folgendes: Eine in Polen unweit d« preußischen Grenze wohnende Müllerwtttwe wußte einen Mann zu bewegen, ihre sehr gut verstcherte Windmühle in Brand zu st-cken und zahlte ihm dafür zehn Rudel. Der Miffeidäter machte davon seinem Brud«(dem jetzt Ermordeten) Minheilung, un!> als der tetz'«e die Sache zur Anreize zu dringen drohte, wurde beschlossen, ihn auS dem Wege zu räumen. Die Wittwe vnanlaßte den Mann zu einer Besuchs- reise nach vem Orte R., und dort wurden ihm mtt Hilfe einei jetzt bereits v«hafteten Gastwirthi verschiedene vergiftete Ge- tränke und Speisen dargereicht. Da daS Gift fich als zu schwach erwiei, wurde d« dem Tode Geweihte bei seiner Heim- kehr überfallen, zu Boden geschlagen, mit Messern zerstechen und dann in den Orpczfluß geworfen, wo er seinen fichern Tod finden mußte. Außer dem gedachten Gastwirth find noch verschiedene andere Personen der Theilnahme an diesem Morde verdächtig; ihre Verhaftung wird wohl bald«folgen. Da die Leiche auS dem Grenzflüsse auf polnisches Gebiet gezogen wurde, so findet die Sektion der Leiche in der zwei Rieiten von hier entfernten polnischen Grenzstadt Janow statt, wohin fich heute eine Gerichttkommisston mtt dem KreisphyfiluS von hier begeben hat. Hamburg, 8. Juni.(Dem Hungertode nahe.) Jammernd und wtmmernv inte vergangene Nacht auf dem Heidenkamps. weg eine Frau ur ber, welche endlich von Paffanten angehalten und zur Wache gebracht wurde. Ei stellte sich dort heraus, daß die Bedauerniwerthe, welche schon seit einig« Zett obdachlos gewesen, während d« letzten beiden Tage nichts mehr zu essen gehabt hatte und dah« halb»«hungert war. Die vollständig erschöpfte Frau wurde vorläufig im Kurhause untnaebracht. Köln, 7. Juni. Eine Erbschaft von ein« halben Million ist der Stadt Köln dies« Tage zugefallen. Der am 1. Juni verstorbene Dr. med. Dormagen hat nämlich sein ganzes L«- mögen tetztwillig der Stadt vermacht mtt d« Bestimmung. daß»cm den Einkünften zwei Asyl« für trüppelhafte Pnjonen. eine» für männliche und einei für weibliche Insassen errichtet würden. Auch die große GemSldegall«ie bei Verstorbenen soll dem Asyle verbleiben, drei werthvolle Gemälde«hält daS Museum Wallraf.Richartz. Die städtische V«wattung hat für den«rstorbenen WohlthLt« eine Trabstelle an einem ds Hauptwege des Friedhofes angewiesen und dai Grab soll aus städtische Kosten unterhalten werden. Forchheim, 6. Juni. Ein Vatermord, mit seltener Scheuß- lichkett ausgeführt, hat die gesammte Einwohnerschaft bei Orte» Eggolsheim in die größte Aufregung versetzt. Der mit meh' reren Kopfverletzungen tobt in der Regnitz gefundene Oelonom Kempf« ist von seinem eigenen 13jährigen Sohn Georg er« mordet worden. Vater und Sohn hatten fich am Miltwoa nach dem Mittagessen auf dai Feld zum Kartcffelhacken be> geben und der alte Kempf« hatte vor, ein wenig zu fischen- Während« aber fich zum Auiruhen hinlagnte und einschlief, nahte fich ihm der Sohn und tödtete den argloi schlummernden Vater durch mehre Schläge mit einer Hacke auf den Kopf. Hierauf zog« d« Leiche die Kleider aus, warf den Tobten ini Wasser, lief dann nach Hause und«zähtte den Leuten, daß fich sein Bat« ertränkt bade. TagS darauf wurde der Junge verhaftet und von zwei Gendarmen gefesselt zur Sektion der Leiche seines Vat«S geführt. Er gestand auch alsbald zu, den Mord verübt zu haben, nur will er glauben machen, daß der Bluttbat ein Streit vorausgegangen sei. Wien, 7. Juni. Ueder den tragischen Vorfall, d« ftä in dem Besuchszimmer des ArzteS Dr. Lazar Hirsch zutrug, entnehmen wir dem„N. W. T." noch folgende Einzeihriten- Sett etwa 14 Tagen«schien bei Dr. Hirsch, der Spezialist für Geschlechtskranke ist. ein eleganter junger Mann, der fia Schemmer nannte, um ihn wegen einei Leidens zu Raihe zu ziehen. Bei der gestrigen Ordination fragte der junge MaM> den Arzt, ob« glaube, daß sein Leiden ein unheilbares W, od« od« auf Hellung hoffen könne. Dr. Hirsch gab die Er- klärung ad, daß dai Leiden ein schweres, jedoch keineswegs«in unhellbareS fei. Der Patient bezahlte hierauf und Dr. vir!» wandte dem jungen Manne den Rücken zu, um im Ordination»- buche eine Eintragung zu machen. D« Patient holte jetzt einen Revolver auS der Tasche und feuerte gegen den Arzt zwei SchutN ad. Eine Kugel streifte Dr. Hirsch daS rechte Ohr, die zweuc Kugel drang in den rechten Oberarm. D« Arzt flüchtete nun, von dem Angreifer»«folgt, durch dm Salon in daß Vorzimmer- Der Mann kam bis zur Thüre, die vom Vorzimm« auS in de» Salon führt und»«sperrte diese von innen. Während dtt Arzt um Hilfe rief, fielen im Ordinationszimm« neuerding» sechi Schüsse. Auf die Hilferufe bei Arztes war dessen Frau herbeigeeilt; fie brachte den verwundeten Arzt in ein Zimmer, welches ste so lange verschlossen hielt, diS daS Dienstmädchen M» einem Wachmanne in der Wohnung«schien. Man öffnete n>w gewaltsam die Thüren, welche der angebliche Schemmn o* mm verschlvssm hatte und alS man in daS Ordinationtzi«»? eintrat, fand man den jungen Mann bereits tobt.— lich ist derettS festgestellt, daß d« Selbstmörd« fich eine» falschen Namen beigelegt hat. Pest, 9. Juni. Heute Abend gegen 8 Uhr fanden ado mali hin große Volksansammlungen statt. Die getemtn«? Polizeimannschaften find aufgeboten und daS M.litar hat d» belebtesten Punkte der Stadt besetzt. Bis jetzt ist ei zu keiner lei Ausschreitungen gekommen.... Paris, 7. Juni. Beim Einfahren der Bngleute in � Grube Vtlledoeuf bei Saint> Etienne schnellte heute ftüb£ Fahrstuhl plötzlich mit furchtbarer Heftigkeit wieder in die Ho»-- Sechi Bergleute waren sofort todt, drei weitere schw« veraun det. Vor zwei Jahren ist in demselben Bergwerk ein glei» Unfall vorgekommen., Catania, 8. Juni. Die Aetna-Eruption hat aufgehör Der Larastrom ist zum Stehen gekommen, bevor« Nioow «reichte.. Chtkago, 7. Juni. Eine verheerende Feueiidrunst% heute früh in der Kanalstraße, im westlichen Stadttbeil. o»- Die Flammen verbreiteten fich schnell, und ehe die 5�"® ,,, derselben Herr wurde, waren mehrneWohngedäude vollromm eingeäschert. Man fürchtet, daß viele Menschenleben l" gen find, indem der Distritt sehr dicht bevölkert ist- sonen find, so weit man biS jetzt weiß, in den Flammen um gekommen. ES ist die« dieselbe Gegend, in d« auch va« Feuer am 9. Ottober 1871 seinen Ursprung fand. � Suez. 7. Juni. Der Dampf« der Peninsulat � Oriental Steam Rav. Comp.„Kaisar-i-Hind", von Austrat» kommend, ist auf der Rhede von Suez durch den iudti» Dampf«„Merkara" so hart angnannt worden, daß in � erstgenannten Dampf« ein 3 Fuß langes Loch untnhaid � Wasserlinie entstand. Der„Kaisar.i.Hind" wurde nach Ibrahim gebracht und löscht dort seine Ladung. DenJML gieren wurde ei freigestellt, mit d«„Malwa" oder„Brtfv heute Nachmittag von Suez abzureisen. Keifte Uachrichte«. Die italienische Deputtrteukammer ist gestern er worden. In der Thronrede w«den veifttiedene Ges-tzte'®�! zum Wohle d« arbettenden Ritessen angekündigt. DaS wnde im vollständigen Gleichgervicht vorgelegt werden- strenge Sparsamkeit werde fich dasselbe immer mehr konso»� yf Eine Reform auf dem Gebiete der Zölle, die VollenduOft�t- begonnenen Eisendahnbauten, die weitere Entwickeluc g der" liehen Arbeiten würden den ökonomischen Fortschritt deS beschleunigen. Natürlich fehlen auch Maßregeln, nicht.® vorbereitet seien, um die Etrettkräfte Italiens zu Land» Waffer noch well« zu heben und zu stärken. Die Bezrcbu y, Italiens zu den avSwä'tigen Mächten seien nicht nur schaftliche, sondern vuch sehr h«jliche. D« Eintracht LO � sei ei noch einmal gelungen, den einem großen Brande zu bewahren, dessen unbekannt, aber ficherlich sehr ausgedehnt sein würden. In loyaler und energischer Weise WVj.peH wirksam an der Wiederherstellung und Erhaltung bei ivl jet mitgearbeitet, wie dieS die Interessen bei LandeS un Zivilisation«heischten. Am Schlüsse der Rede wird � hingewiesen, wie noth wendig ei sei, dem Staate ein».' zp Grundlage zu geben und die politische Freiheit sowie nomischen und moralischen Kräfte bei Landes iwwtt>. �c dar« zu gestatten, um zu zeigen, daß Italien in d« 4.«. f fiebere Stätte wohlgeordneter Kraft und sozialen Frteoen- worden sei.... g# Ja Pest ist endlich eine vollständige Wandlung mung eingetreten. Alle Polttiker, selbst die Partei der Linken, find nun bestredt, fich von den Demonstrationen � sagen und die moralische Verantwortung für dieselven �jc lehnen. Tiiza'S Erllärung, daß die Bssäre endlich �LßpiP nehmen müsse, wurde vom ganzen Reichstage lebhaft a z», M-r,,«-«»l«'L-fd-Ä ÄÄrt lisÄff aneu, auf Itaflaj, ka 16. 8unl..tafunift,... und BetrievSamte, welche von einem Gewerdetreideno��L (�4.. wt•.«■ K*K«4«.««K ctiif«Ist Af Aftt* i in ft con_, I». Gew«bedetrieb fich auf die AuSj (Tischter), Einsetzer-, Schlosser- od« wit V- Bauten erstreckt, in diesem Betriebe beschäftigt""LrnchtiS Wirkung vom 1. Januar 1887 an für Versicherung»� klärt worden. ». Gesundbrunnen. Die 9#%* befindet fich bei Frau Grothmann, Wolgasterstr. ■Htremtvrilitk**». Kimmket*» W 9l«tRn vn» flubta#:«%«xät«i Btatbünif ßriifkaßm W, M»