Itr. 135. Sottttadend. de« 12. Juni 1886. IN. Jahrg. MerVÄMl Krgan für die Inttrefftn drr Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens autzer Nack Sann und F-stmaen. AdonnementSvreiZ für Berlin frei in'« HauS vi rteljährlich 4 Ma.t. monatlich 1,35 Mail, uöchcnllich 35 Pf. Postabonnement 4 Marl. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Betlage 10 Pf. eingetragen in der PolzeitungSpreiSliste für 1886 unter Nr. 769.) Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: ZenthKratze 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Die Kieiittlilge Glodlioiir's. Mit 30 Stimme» Majorität ist Gladstone's irische Farlage abgelehnt worden und das Triumphgeschrei der Lord», der Großgrundbefitzer und der verbohrte» Liberalen Und Aonservative« schallt über den Kanal herüber. Zwar $ die Sache noch nicht zu Ende, denn Gladstone scheint den Kampf weiter führe« zu wollen. Ab« die nun fe«M Niederlage bejubeln, sie bejubeln das Unglück Eng» »and«, da« sie in ihr« engherzige» und gehässigen Auf« sassuag gar nicht zu sehe» vermöge». D« Stock-Engländer H eben einmal daran gewöhnt, Irland als ein Ausbeutung»- odjelt zu betrachten und diese Ausbeutung ist im Laufe der �eit so gründlich besorgt worden, daß Irland mehr als einmal am Rind« des völligen Banl«ott« stand. Di« aus «r irische» Frage entstehende» Krise» habe» England stets sehr tief«schütt«t und für den vorurtheilsfreie» Politik« «lg die Erkenntniß nahe, daß England, um sich eine ge» n»de. innere Entwicklung zu sicher», zunächst die berechtig- !fn Forderungen der Iren erfülle» und dresem Lande seine Selbstständigkeit wiedergeben müsse. Allein hi« stand «e ganze altenglische Hartnäckigkeit im Wege und die Lord», die ihre Rente» aus ihre» Besitzungen w Irland siehe», wußte» d« englische» Ratio» geschickt einen blauen Dunst vorzumachen, so daß die Engländ« schließlich Uauble», daß Znt«effe d« Lords sei identisch mit dem Interesse des britischen Reichs. Wir schwärme« sicherlich nicht für den Frömmler Gladstone; daß« ab« den Math gehabt hat, dem so sehr vnhärtete» Borurtheil d« Eng- tond« in Bezug auf Zrla»d entgegen zu trete« und mit ölte» Traditionen zu brechen, da« muß ihm hoch a«g«ech»et 0llerdi»g» hat« die Sache wied« in sein« Weise ,«>gef.ßt; als« auf hartnäckige» Widerstand stieß, gab« f„" sein« Vorlage so viel auf, daß sie schließlich dem i läßliche» Entwurf gar nicht mehr ähnlich sah. Nun... Borlage ab« doch abgelehnt worden, was jeder wahr- W' freisinnige Politik« bedauern muß. Was auch die Zukunft brmge» möge— auf alle Fälle H die Situation eine and«e geworde». Es weht ei» an- *** Luftzug in diesem Lande; eine stark« demokratische «trömuvg macht sich fühlbar und auch die Arbeit« fange» J*- für die polluschen Angelegenheiten, denen sie bish« f«» Niebe», wied« Znterefse zu gewinne». Es ist so- °°ch gar nicht unmöglich, daß baldigst die beide» große» Parteien, die bish« das ga»zi politische Lebe» für sich «Mnopolrfirt hatte», durch ander« neue Parteibilduagea von dem Schauplatz»«drängt wade». Wie diese neuen Partei- «udungen aussehe» w«den, kau» ma» heute noch sage»; die« ab« kann ma» sage», daß sie solksthümlich« auftrete« müsse« u»d w«dea als die JeuMeton. Gi«e Mutter. »-man von Friedrich«erKScker. (Fortsetzu»g) li* lieb«, lieb« Bat«!" rief Paulq, leideaschaft- «ch de. Bat«« Hand«greifend. „"Pst, Kind, pst," sagte d« alte Herr,.ich habe mir . �genommen, heute Abend recht lustig und vergnügt zu £?' und da mußt Du mir helfe», den» Du hast alle Ur- Lt* dazu. Es ist ei«««kwürdiges Kind. Frau Gräfin, so � derordentlich weich, gar nicht wie ihre Mutter, die eine» »rt lesteren und entschiedeneren Charakter hat. Ab« ei» 5,™faw«s Töcht«che» ist es doch, das sei»ea Eltern große, z»/?d.ich große Freude macht, u»d auf da« sie wohl mit ""dt stolz sei. dürfen." »Met» gut« Bat«!' .Habe» Sie»ur Geduld mit ihr, Herr Graf,' sagte ----»-i-- f«*—nnUin»* � u°° Sicherheit«t-ea»g.he» kann " � ganzi.----,„ �ud Sicherheit entgeaengehen..... "de».? W* auch Geduld mit ihr,' lächelte der Graf, lnal l y /e»ne meine Tocht«, und sie wird mir noch ein- (ich ,?.�änende« Auge» danke«—" und Paula freund- er ,�V"aend und mit ew« Verneig«»« gegen Helene schrttt »» Theile des Saales hinüber.-- vo» der Halle hatte d« Haushofmeist« eine Reihe �eihter» fs«r» und Körbe voll Wein an die eine Wand u»d �. und»icht allem die Die»stleute de« Gutes �«rde» vorstbeamte» und Holzhau« des benachbarte» Waldes tan., freigehalten, sondern w« vo» der Stadt h«a«f- iei»kr?'� wa«« effen und trinke» wollte, denn es sollte �fihie" bn Schwelle gehe», auf d« die Freude P4 denn auch eine Menge von Leuten zu I fXI'ݰ1" I alte». Wen» die in England Platz greifend« demokratische Richtung die Oberhand«hält, so kann va»«ur günstig wirken r» einem Lande, wo die öffentliche Meinung eine» so einflußreichen Faktor de« öffentliche» Leben« bildet; man dürfte dann auch endlrch einmal ein« neuen Arbeiter- gesetzgebung entgegensehen, vor welch« sich Whig« und Torie« gleichmäßig zu scheuen scheine». Wen» nun Gladstone da« Parlament auflöst und Neuwahlen ausschreibt,««den diese dann ein« Mrjorrtät für seine irischen Projekte«geben? Wird Englaad dann ein Parlament bekommen, welches de» Zren die Selbstständigkeit zuspricht? Die.Times" und eine Menge vo« aod«en angesehenen Blättern spreche» sich dahin au«, daß«ine solche Majorität niemals zu Stande kommen werde, die den irische« Plänen Gladstone'« günstig sei. Es wird sich nun zeigen, w« seine Pappenheim« best« kennr, Herr Gladstone oder seine Gegn«. Offenbar wird Herr Gladstone auch»och Konzession«« mache», um eine» Theil seiner jetzige» Gegner zu sich herüberzuziehen. Es läßt sich aber auch annehmen, daß da« englische Volk in seiner Mehrheit über die irische Frage entschredeaer zu denken beginnt, al» seine privilegirtea Vertreter im Unter- und Oder- Hause. Welche» klägliche» Eindruck haben doch die sogenaanlen Radikalen, die Herren John Bright, Chamberlain u. s. w. gemacht, als die Glad stone'sche Homerulevorlage erschien? Vorher«ahme» sie den Mund voll vo» demokratische» Phrasen und wollten die ganze Welt umarmen; wenn ma» die englischen Blätter über Herrn Chamberlain hörte, so konnte ma» meine«, die demokratische Revolution sei mit ihm in die englische Re- gierung eingezogen. Und nun, da sich die Gelegenheit bietet, demokratrsche Gesinnung zu beweise«, stehe» die Herren Bright und Chamberlain auf der Seite der ver- biffene» Lord», denen ihre Grundrente natürlich lieber ist, al« eine harmonisch« innere Ausgestaltung de« britische» Reiches. Di« Rolle dieser„Radikalen" war unter allen politische» Rolle», die in England in diese» Tage» gespielt wurden, die albernste und lächerlichste. Man darf erwarten, daß da« englische Volk erkennen wird, daß ohne eine Lösung der irischen Frage keine auch »ur annähernd beffere Zukunft zu erwarten ist. Und daß England an der Reihe ist, dem sett Jahrhunderte» beraubten und mißhandelte« Irland eine« Schadenersatz, eine Genug- thuung zu gewähre», da« liegt auf der flache» Hand. Aber dies« Erkeontniß wird sich in England durchbrechen, selbst wen« den Lords e« gelingen sollte, durch ihre» betäubeude« Lärm vorläufig die Gladstone'schen Projekte zu Fall zu bringen und Irland abermals um seine Selbstverwaltung u betrügen. Ei» guter Gedanke— und ei» solcher steckt Gladstone'« Homerulevorlage— läßt sich auf die Dauer C Auch der alte MaulwurfSfänger war mit heraufae- komme», aber er mischte sich nicht unter de» Troß, ließ sich auch weder Getränk noch Speise» geben und drückte sich eigentlich mehr in de« Büsche» herum, abseit vo» den Leuten. Es war fast, al« ob er Jemanden suche oder erwarte. Endlich kam der Förster den Weg herauf, seine Flinte wie immer auf dem Rücken, und blieb erst eine Weile da, wo der Weg auf de» freie» Platz ausmündete, stehen, um sich da« fröhliche Treiben zu betrachte». Gefallen that's ihm «icht; ei» echter Jäger mag keine» Lärm leide», ob er nun auf der Jagd ist oder«icht, den» immer an Ruhe und Stille gewöhnt, stört e« ihn. Aber der Förster trank gern et» Glas Wein, und da sein Gehalt ihm nur Bier v erstattete, und selbst da« mäßig, war er doch auch einmal .herüber in'« Schloß' gekomme», um mit seinem alten Freund, dem Haushofmeister, eine Flasche zu leere». Der Holzhändler aus der Stadt und der Müller vom Bache gl» ich unter dem Forsthaus, wie der Schulmeister von Eslich, dem nächste« Dorf, hatten sich auch schon eingefunden und saßen in de« Haushofmeisters Etübche« um den runde« Tisch am Fester, während sein eigener, besonder« zu dem Zweck herüber bestellter Forfigehilfe»icht weit davon be- schäftigt war, ew paarkleme Böller in Ordnung zubringe», die gelöst werde» sollten, wen» drinnen im Saal zuerst die Gesundheit de« Brautpaare« ausgebracht wurde. Eben kam auch die Militärmufik vom nächste» Ort auf einem Leiterwage» angefahren, den« die hiesige hatte«icht abkommen könne«, da sie gleich«ach dem Theater noch- wendig zu dem beabsichtigte» Fackelzug u«d einem Ständchen für den Erbprinzen gebraucht wurde. Dem Maulwurf« sänger entging nichts von alledem. Seine kleine» graue» Augen blitzte»»ach allen Seiten, ohne daß irgend einer der hier Versammelten auch nur die ge- ringste Acht auf ihn gehabt hätte; die Wenigste« bemerkten ihn sogar, und die ihn bemerkten, fanden e« natürlich und ganz in der Ordnung, daß er sich ebenfall« zu diesem F-ste eingefunden; gehörte er doch mit zu de« Arbeitern im Schlöffe, m dessen Park er in jeder Woche ein paar Mal zu finde« war. »icht unterdrücke«, er wird und muß zum Durchbruch kom- me». Das werde» die hartköpfige» Lords erfahren. DttstMilhmlg mm Gruiib mit Sulla § Wenn einst ein Historiker die KrankheitSgeschichte unserer Tage schreiben sollte, so wird er gewiß al» eine der seltsamsten GeisteSverimmgen die VerftaatlicbungSmanie heroorheden. Ver- staatlichung der Eisenbahnen. Verstaatlichung des Versicherung«« wesens, Verstaatlichung des Getreidehandels, de. Tabakindustrte, deS BrennereigewerdeS, da» alle» wird unS abwechselnd als unfehlbare« Heilmittel gegen die Schälen unserer Wirthschafts- _____-- /B»--- m.'' .....—*« y vy vfc»»■ fc* 1 1 VCIUUÖ CHI' Agitation für Verstaatlichung von Grund und Boden in An» griff genommen wird, so könnt« noch immer in Ardeiterkreisen mancherlei Unklarhett entstehen, wie man sich ,u dieser Be- wegung zu verhallen Hab«. Und da die Hauptwortführer der „Bodenliga", die Herren Flürscheim und v. Hellvorff« Baumersrode, gerade für die Arbeiter Segnung Über Segnung nach Durchführung ihres Vorschlages ver- heißen, so halten wir eine kurze AuSeinandersttzung mit der neuen Richtung für nothwendig geboten. Bei der Erörterung der Monopolprojekte der Regierung ist schon immer von der Arbeiterpreffe darauf hingewiesen worden, daß eine Verstaattichung an fich der Arbeiterklaffe aar nichts nützt, daß es vielmehr ganz darauf ankommt, zu weffen Gunsten die Verstaatlichung erfolge. Was hat der Arbeiter- stand davon, wenn man den Tadaksfabrikanten ihre Einnahme- quelle entzieht— wenn diese Einnahmen fernerhin von der Mtlttörverwaltung aufgenommen werden? Was nützt ei dem Arbeiierstand, wenn das Brennereigewerbe verstaatlicht ..._--- 1-—---*- m•—•"—" dieselbe geschieht. Und bei der beule beliebten„Na- ttonalisirung" de»IBodens handelt es sich, wie bei allen Halb- hellen, im Endergedniß um nicht» als eine rein kapi- taltstlsche Maßregel, durch die— und das wäre ihr einziger Vorzug— die Macht des konser- tmlioen Großgrundbesitze» allerdings gebrochen würde, durch die aber die Arbeller gar nichts zu gewinnen hätten. Was wollen denn die Herren Flürscheim und Helldorff? Wollen ste vielleicht dm landwirthschastlichen Betried in einm allgemein genoffmschaftlichm verwandeln, der keinen Unter- nehme-'-A------..-.-~. i.- ganze... f| W WM»*V*« I»V| tt/Us C(HC u weiter seine kapUaltstische Form belaffen, es soll auch wellerhin landwirthschaftttche„Kapllalisten" gebm, in deren Dienst der Ardeiter zu stehen gezwungen ist, nur soll fich der heutige Landwinh. der seldstständtge Bauer wie der Pächter von Privatland, in einen Pächter deS StaatSlande» verwandeln. Nun mag es für dm Landwitth, d. h. für dm kapitalistischen Der alte Bursche betheiligte fich aber»icht an dem Trinken. Wohl eine halb« Stunde lang, al« der Förster schon längst in der Stube war, stand er«och halb versteckt in dem Gebüsch an einm Baum gelehnt. Dan» erst, als er fich vollständig überzeugt hatte, daß der Forstmann fest hinter seinem Tisch und setner Flasche Wem saß. zog er sich vorsichtig i» da» Dickicht zurück und umgiag jetzt, immer durch da» Buschwerk kriechend, da» Schloß. Einmal mußte er freilich noch eine ganze Weile wartm, den« wie er bm einm Weg kreuze» wollte, standm dorr Leute au» dem Dorf und plauderten mit«wander. Endlich — und wie lang ihm die Zell dabei wurde— zogm sie Ich ebenfalls zum Schloff« hw. und er glttt jetzt, immer -ie Büsche haltend und alle offene» Weg« vermerdend, der nämlichen Gegend zu. i» der ihn damals der Förster bei seiner nächtliche» Fasanenjagd entdeckt, wen« auch»icht er- wischt hatte. Aber«icht zu de» Fasane« zog ih» d.eses Mas;«t» Trieb de« Wildem». Der alte Förster war ei» ganz ausgezeichneter Forst- ma»» und es hätte kau« eine» bessere« für die Waldkukwrm .;kben können, aber er war fei» Jäger, und das darf uns in unserer Zeit gar kein Wunder nehme«.— Sllerdwg» hegt« er da« Wild, weil es ihm der Graf befohlm hatte, und er haßte und verfolgt« alle Wilddiebe ausLndeikräsUn, weil ihm das«inmal in der Natur lag, daß er keine» Em» griff in sein« Recht« dulden konnte. Aber eigentliche Lied« zum Wild hatte er«icht und konnte sie«icht habe», und zwar au« dem ewfachm Grund«, weil ihm schon sett viel- leicht zwanzig Jahrm verbotm war, selber etwa» zu schieße«, was der Graf nur für ei« Vorrecht der Kavaliere oder etwa eingeladener Gäste hielt. Der Förster sollte dm ganzm Tag in seinem Walde sei»; er sollte abspürm und befiättgeo. er sollte jedm Httsch kennen, der auf dm verschiedevm Revieren stand, jeden Rehbock sog«, aber der echten Waidmannslust durfte er selber nie folge». In der Jagdzeit hatte der Graf immer eine Mmge Gäste, zu derm Ehrm Treibjagden veranstaltet oder die mtt dem Förster oder einem der Forstgehrlsm Pirsche» geschickt wurde«. Mußte aber Wild abgeschosse« werdm, so bekamm Seifrr der IcmdwiithschaMchen Produktion, uni» gewiffm Umständen ja ganz angenehm sein, daß er seinen Grund und Boden vom Kroate pochtet, statt vom Landlord— aber was in aller Welt nützt das dem Arbeiter? Und wenn der Staat, im Gegensatz zum hartherzigen Landlord, gar keine Pachtrente verlangte, kann darum der Arbeiter selbst landwirthschastlicher Unternehmer werden, oder verlangt nicht vielmehr der landwirth- schaftliche Betrieb eine bedeutende Kapstalanlage in Maschinen, Arbeits- und Nutzthieren, K'-offen für die Aussaat»c? Muß man mit zunehmender Kultur nicht ein immer größeres Kapital zu diesem Zwecke einwerfen? Kann das der Arbeiter? Herr Flürfchetm hat neuerdings mehrfach lange Artiktlserien über Äox Echippel's„Staatliche Lohnregulirung" lim„Badi- schen LanveSboten", in der„Schmiede", einem Fochblatte) ver- öffentlickt, aber er hat darin nicht widerlegt, wa» Max Schippe! sagt:„Viele Vertreter der Bodenverstaatlichung behaupten, daß auch der Arbeiter ein Stück Staatslandes zu Pacht erwerben könnte und daß hierdurch indirekt die Lohnhöhe auf das gün- stigste beeinflußt werde. Wenn es Jedermann frei steht— sagt man da— sich eine Bodenparzelle zur Bebauung zu wählen und auf dieser, mit geringerer Anspannung wie im Dienste des Kapitals, in behäbigem Wohlstand zu leben, wer wird fich dann dem Kopital zu etnem unwürdigen Lohne an> bieten? In ähnlicher Weise hat man früher zu Gunsten der Gcwerbefriiheit gesprochen und st) wenig eS dem Arbester ge> Holsen bat, daß er jederzeit und ohne formelle Schwierig» reiten Unternehmer«erden durste, so wenig wird es ihm Helsen, daß er immer zum Pächter aufrücken kann. Zum SelbststSndigwerden gehört wie zum Kriegführen Geld und nochmals Geld und mit jedem Jahre und jedem BetrirbSfort» fchistte mehr Geld— und wo soll daS der Arbester herbekam- mm?... Dem Arbeiter nützt also der liberal« BgrarsozialiS» mus— so möchte man fast die eben besprochene Richtung nennen— gar nichts."_ Für Herrn Flürfcheim freilich in seiner naiven Auffaffung unserer WirthschaftSverhältniffe ist mit dem Grunddefitzrr die ganze ArbeitSausbeutung verschwunden, dmn der landwirth- schaftlicht Unternehmer(der Pächter), wie der industrielle Fabrikant beuten nach ihm nicht auS, ste verlieren vielmehr „auf die Dauer immer ihrm Einsatz," st« erhalten also nicht rinmol zurück, woS fie einwerfen, geschweige denn, daß ste neues Arbestspot utt aufsaugen. Nur der Grundwerth in Stadt und Land vermehrt fich! Herr Flürscheim ist sogar kindlsch-unschuldiz gmug, ein Sinken des ZinSfußeS, wie es fich in unserem Jayrhundert stetig vollzogm hat, einem Einken der Rate des Mehrwerthes, d. h. einer abnehmmdm Arbeits- ausbeutung gleichzustellen! Ja, die iKühnhest, mst der er sich über alle Wirklichkett hinwegsetzt, geht soweit, uns dt« riesigsten Einnahmen auS der Grundrentenver» staatlichung zu versprrchm, zu einerZeit, wo— Dank der überseeischen Konkurrenz— die Grundrente in ganz Europa zurückgeht! Und Herr v. Helldorff Baume, srod«? Er ist noch weniger Nationalökonom als sein süddeutscher Genosse; dafür aber um so mehr Politiker. Und waS für ein Polstiter! Jrrm wir nicht, so hat er immer der„freifinnigen" Partei angehört, und in der neulichen Versammlung der„Freunde der Verstaatlichung dei Grund und ÄodenS" erklärte er sofort, daß er nur in der An- lehnung an die„demokratische Partei" eine praktische Verwirk- lichung seines Ideals erblicke. Und in der Broschüre, die er vierzrhn Tage vorher veröffentlichte*), schrieb er:„Die breite Masse des Volkes in Deutschland ist längst zu der Einficht gekommen, daß die Monarchie eine größere Bürgschaft bietet, die große Aufgabe der Zeit zu lösen, als einel Republik. Die Minorität, welch« immer und immer fich bemüht, Mißtrauen S säen zwischen König und Voll, wird auch diesmal, so hoffe , ein vergebliches Spiel spielen." Das genügt wohl» den ökonomischen und politi- schen Dilettantismus schlimmster Art zu charak- terifiren, der fich unter den Gründern der Bodenliga breit macht. Wenn die Bewegung irgendwie Erfolge haben sollte. so könnten fie nur darin bestehen, daS beute noch stark konservative Land zu liberalisiren, indem die Vormacht des Konservativismus, der adelige und nichtadelige private Großgrundbesttz beseitigt wird. Darüber läßt fich reden» aber in dieser Weise ist die Frage vor der Hand gar nicht ge- stellt. Soviel ist jedenfalls klar, daß die Arbeiter beffere« zu thun haben, als um solcher Bestrebungen willen, die ihnen nichts nützen, fich von ihrem allen Wege ablocken zu lasten. ♦) Das Recht der Arbeit und die Landftage. Ein offener Brief an den RittergurSdefitzer Heim Wendorff- Naulin. Berlin, E. Staude. 1886. Politische Weberstcht. Verbot des Ausrufs' zu in Streitsammluugen Blätter«. Die draünschweigische Polizetdiretrion erläßt folgende Bekanntmachung: Mit Bezug auf§ 10 Nr. 6 de« nie oder«ur in höchst seltene« Fälle« die Forstleute Auf- trag dazu, soudern der junge Graf that es selber, oder lud fich ein paar von seinen Freunde« dazu ei«, die dann viel- leicht die«öthige Anzahl«legte« und«och außerdem drei oder vier anrere Stück zu Holz schosse». Zm Anfange war der Förster außer fich darüber, zu- letzt wurde er gleichgiltig dagege«, und es dauerte»icht lange, so lag ihm die Forstkultur viel mehr a« Herze«, als das Wild, ja, er fing a« fich zu ärgern, w««» der Wildstand zu sehr wuchs, da fie ihm in kalte« Winter« sei»« Kulturen schädigten. Hirsche und Rehe, so weit war er schon gekommen, nannte er„das Viehzeug", und wäre es dem Grafen ein- «al ein gefallen, seinen ganze« Wildstaad auszurotten, der alte Förster würde ihm mit Vergnüge» dabei geholfen habe«. Solche Verhältniste fanden übrigens nicht allein in Haßburg statt; fie fiad ziemlich allgemein in ganz Deutsch- lard geworden, und unsere Nachkomme« dürfen fich«icht wunder«, wen« sie in unserem Vaterland ebenso vergeben« «ach einem wirkliche« Jäger suchen werden, wie man jetzt bei uns«och«ach einem Wolf, Luch» oder Bären such». Sie sind ebe» oder werde« wenigst,»« ausgerottet. Der alte Förster hatte, mst einem Wort,„keine Passion" für da» edle Waidwerk: er züchtete da» Wild, wie eine Hausfrau Hühner und Gänse züchtet, und deshalb war der alle MaulwurfSfäager ei« so gefährlicher K««d« für sein Revier. Dieser«Smlich, durch seine« Beruf schon vollkommen berechtigt, überall im Park, in dem es«ine« sehr bedeute«. den Dammwildstaad gab, umherzusuchen, um angeblich»ach Maulwürfen und ihre« Gänge« zu forsche», hatte diese günstige Gelegenheit nicht unbenutzt»«streichen lasse« und kannte alle Wechsel des überhaupt»ollkommen vertraute« Wilde« so genau, als ob er e« hier sett seiner Jugendzell beobachtet habe; aber da» genügte ihm nicht allein. Er wußte recht gut, daß er in dem umschlossenen und kleine« Park nicht schieße« durfte, ohne im Augenblick die fämmtliche« Echloßbewohner auf seiner Fährte zu habe»; die Bestrafung der Polizei-Uebertretungen betreffenden Gesetzes vom 27. November 1872 wird hierdurch verboten, durch öffentliche Blätter oder durch Sammlung in den Häusern zur Leistung von Beiträgen zur Unter» stützung der streikenden Maurer, Steinhauer und Bauarbeiter aufzufordern." Gegen das Verbot einer im vorige« Monat an- beraumt gewesene« Versammlnng in Brannschwetg, in welcher der ReichslagSabgeordnete Bios über die Thätigkeit deS Reichstags berichten sollte, war bei der herzoglichen KretS- direktton Beschwerde erhoben. Die Kreisdirektion hat diese jedoch zurückgewiesen und fich den in der Verbot» Verfügung der herzoglichen Polizeidirektion angeführten Gründen ange- schloffen. DaS Verbot erfolgte auf Grund deS Sozialisten- gesetzts und wurde in folgender Weise begründet:„Der ge« nannte ReichStagSabgeordnete hat früher als Redakteur der auf Grund deS angezogenen Gesetzes verbotenen Zeitschrift „Gerichtszeitung, Tageblatt für Hamburg" sowie alS Verfasser der gleichfalls verbotenen Druckschriften„Unsere Pceßzustänve" und„Zur Geschichte der Kommune von Paris" den Beweis geliefert, daß er zu denjenigen Anhängern der sozialdemokratischen Partei gehört, deren Bestrebungen auf den Umsturz der bestehenden Staats« oder Gesellschaftsordnung gerichtet find, und ist daher die Annahme gerechtfertigt, daß die obige Ver- sammlung den Zweck hat, diese Bestrebungen zu fördern."— Herr BloS darf also anscheinend in Braunschweig ebensowenig reden, wie Herr Bebel oder Herr Kays« oder irgend ein ander« Abgeordnet« in Berlin. Ueber da» etnst so vielgevriesene Angra Pequ-na ist jetzt dem Reichstag eine von Dr. Döring ausgearbeitete Denkschrift zugegangen. die auf unsere Kolonialschwärmer— soweit es noch solche giebt— sehr herabstimmend wirken muß. Zunächst bestreitet Herr Göring, daß in dem Namaqualand jemals adbauwerthe Minen aufgefunden werden, nur Kupf« giebt es im nördlich gelegenen Damaraland, ad« bekanntlich ist unsere Ueberproduktion davon berells so groß, daß wir die neue Konkurrenz eh« verwünschen möchten. Ml. Straußenfedern ist auch kein großes Geschäft zu machen, da die Strauß« ihrer Ausrottung entgegen gehen. WaS die Fleischproduktion anbelangt, so gesteht He« Göring zu, daß die Kapkolonie fich wahrscheinlich sehr bald au» anderen Gegenden dilliger v«sor- gen kann, und daß die Verarbeitung deS Fleisches an Ort und Stelle durch Einsalzen, Einkochen u. s. w. die Konkurren, mit Australien und Südamerika nicht aushalten kann. So bleibt denn Hnrn Göring nichts übrig als zu empfehlen.„in Verbindung mit Einschiachtung des VteheS ein« Fisch« uanofabrtl and« Küste, etwa in Sandwich Hardour zu errichten; dann könnte nicht allein alleS, waS von Fischen und M«rtdi«en gefangen wird, sondern auch die mancherlei sonst w«th!osen Fleischabsälle Verwendung finden. H-rr Göring meint, daß nicht nnr in d« Kapstadt jährlich etwa 2000 Tonnen Fisch> Guano gebraucht werden, sondnn daß auch für Europa dieser Fisch- Guano sowie das präparirte Fleisch nebst Häuten wertdvolle Handelsartikel wnden.— Die „Freis. Ztg." demertt wohl nicht mtt Unrecht hierzu:„DaS Vernünf.igste wäre, wenn weder Herr Göring noch sonst ir- gend ein Kommiffar nach Südwestatrika zurücklehrte und auch die im letzten Reichstage bewilligte Summe für die Erbauung eines RegterungsgedSudes für den deutschen Kommissar daselbst erspart würde. Andere Länder wnden unS diese nur auf dem Gebiete der Düngerfadrikation autfichtSoolle Kolonie auch in unbewachtem Zustande nicht wegnehmen, und wenn fie es thun, so würden fie, nicht wir den Schaden davon haben." Ueber voltttsche« Unfug in Krtegervereine« schreibt die„Freis. Ztg.": Am vorigen Sonntag fand in Malchow in Meckilndurg eine Delegirtenversammlung d« mecklenburgischen Kiiegerveretne statt. Beim Festmahl brachte ein strebsamer Bürgermeister Voß auSFiieSland«inen Toast auf daS deuische Vaterland auS, und verflocht damtt im Etil der Reptilienpreffe den frommen Wunsch, daß die Umsturzparteien mit Füßen ge- treten werden mögen. Der Vmfitzende deS Festes, Ministerial- rath Lühr, sab fich nicht veranlaßt, gegen diesen Unfug einzu- schreiten.— DaS war d« Dank der Konservativen dafür, daß die durchweg libttale Bürgerschaft von Malchow den Dele- giften der Ktiegerverein« ftnen festlichen Empfang berettet hatte. Die Reaktion in der Schule greift immer wfttn um fich. So schreibt die„AUg. Ev.-Luth. Kttchenztg.": In d« EimultanifirungS.Aera wurden in der Rheinprovinz auch die konfesfionell römisch-katholischen Lescbüchn abgeschafft und da- für trotz mehrfach« Einsprüche da« Linnigsche Simultan- Lesebuch eingeführt. Jetzt wird in Folge mehrfacher Klagen bei den höheren Schuibehörden das letzter« demnächst aut dem Schulgebrauch verschwinden und ftn für römisch kalholtsche Votttichulen bestimmiei Buch an deren Stelle treten. D« für die Mtttelstufe bestimmte Thell befindet fich bereits im Druck. „Hoffentlich", bemerkt hierzu die„Kreuzzfttung",„gelangen auch die vielfach beseitigten evangelischm Lesebücher wied« zm Gel» tung." So schwinden nach und nach auch die letzten Errun- genschaften auS der Falk'schen Aera, demerkt elegisch hierzu das „Berlin« Tageblatt". an ein Wezschaffen irgend eine» erlegten Siück Wildes wäre dann«icht zu denke« gewesen. Der alte Bursche verstand aber mehr al« Maulwürfe zu fangen, und mtt dem Terrain erst einmal genau bekannt, hatte er auch bald seine» Plan entworfea. Gleich hinter der Fasanerie lag ein schmale» und lange« Fichtendickrcht, da» den Park gewiffermaße« gegen da« daran- stoßende Feld abschloß und absichtlich so dicht avgesäft war, um besonder« den jungen Fasane» genügenden Schutz gegen Raubvögel zu gewähren. Hier hindurch hatte sich da« Dammwild«inen Wechsel angelegt, um zu dem HaferMck zu gelange«, und sobald der Maulwurfsfänger den au»- spürte, legte er am äußerste» Rand desselben auch«och eine Aft von künstlicher Ealzlecke an, indem er oben unter die Aeste einer jenen Platz überragende» Eiche ein paar kleine Salzsäcke band. Bei Rege» und nasser Witterung tropfte da» aufgelöste Salz herunter, und da« Wild hatte dann auch nach kaum drei Wochen de« Platz schon aufgefunden und leckte doft ei« tiefe« Loch in de« Bode«, um den salzigen Geschmack der Erde zu bekommen. Wetter wollte der Wilderer«icht»; er ließ fie ruhig gewähre», bis feine Zeit gekomme« war, und ve« heutige» Abend hielt er dazu paffend. Der Förster saß oben bei der Flasche, der Forstgehilfe war mit de» alten Böllern be- schäftigt und außerdem ebenfalls durstig; von de» Beiden hatte er also nicht« zu befürchte«. Au« dem Schloß selber kam Niemand heute Abend in de« Park, davon war er fest überz-ugt; eine beffere und günstigere Gelegenheit fand sich deshalb nicht wieder, und er war fest entschlossen, fie zu be- nutze». Aber er hatte auch schon vorgearbeitet. Daß er ohne Schußwaffe und in einer ziemlich dunkel» Nach», da der Mond erst nach zwölf Uhr aufging,«icht« würde auSnchtea könne», wußte er recht gut. Zu seinem Wilddiebstahl brauchte er aber kein Licht; ja, Dunkelheit war ihm eher »och günstig, den» schon mtt der einbrechenden Dämmerung hatte er sich auf ihm vortrefflich bekannten Wege« in jene« Dickicht geschlichen und dort auf dem Wechsel eine feste Drahtschlinge aufgestellt. Gleich nach Dunkelwerden wechselte da« Dammwild gewöhnlich von der Parkwiese Ei« Landesverstcherungsamt ifl jetzt ebenso wie füf daS Königreich Sachsen auch für das Königreich Bayern errichtet worden. Herr Pinkert ist zwar Bankerott aber die„Deutsche Reform" euch eint noch weiter. In der neuesten Nummer Des antisemitischen Blattes zeigt ftn konservativ- refoimerisches Komitee an, daß eS die„Reform" erwerben und wetterführen will; es seien ihm die Nachweise gegeben worden, daß fich die „Reform" seit einigen Wochen mit rftchlich 10 pCt. zu ren- tiren angefangen habe; auch erlaube eS dem Komitee sfta politische« Gewissen nicht, ein von der starken volle konser« vatioen Paftei geschaffenes Blatt, wie die„Reform", eingehen zu lassen. Herr Pinkeft-Waldegg verabschiedet fich in der- selben Nummer miitelst ftnes Afttkels, in welchem er behaup- tet, nicht sftne jüdischen Feinde, sondern die Indolenz des deutschen Michels habe sftne Nieverlage verschuldet. Herr Pinkert-Waldeag wirft namentlich auf manchen seiner Freunds „denen er zu Ehrenstellen verholfen," einen Seitenblick; auf wen da? wohl gehen mag? Zur Krifis in Bayer« bringen die Münchener„Neue- sten Nachrichten" ein Telegramm auS Reutte(Tywl), wonach König Ludwig, welcher gegenwärtig im neuen Schloff«»u Hohenschwangau restdift und von der Ankunft der an ihn em» sandten Deputation und der Aerzte Kenntniß hatte, den Ober- stallmftster G r a f e n Holnstein sofort beim Ein- trttttnS Schloß gefangen nehmen ließ und die Bewachung des Schlosses durch Gendarmen anordnete. Man erwartete stündlich Ordres, durch welche die Freilassung des Grafen Holnstein und die Uedergade des Schlosses an die EtaatSkommijfion bewirft werde. Neber die verderbliche« Wirkungen der«ene« Wirth- schaftepolittk deftchtet der„Hausfreund" auS Hilddurfl- hausen:„Geradezu verhäagnißooll ist die neue Schutzzollpolitik für die verschiedenen Geschäftszweige geworden, wie das oo» den Industrien der Nachdarkrftse, ,. B. der Spie l- waarenindustrte des meininger Oberlandes, schon längst nachgewiesen ist. In Porzellanwaaren ,. B. find in Folg« der neuerlichen Zollrepreffalien Rußland sowohl wie au» Oesterrftch vollständig für dm Maftl dtes-r Industrie verloren. Ebmso nachihftlig haben die vom Auslande herdetgefühftul 'ohen EtngangSMe auf die Metallwaarenfabrika- ion in unserer Stadt(biet werden als Spettalität Taschenmesser, daS Dutzend von 60 Pf. an bis 60 M gfteftigt) wirkt, ferner aus die Epielwaarenfabrikation. Im Ganzen genommen ergiebt fich also da» wenig erfreuliche Bild, daß(£ rade die Schutzzölle das größte Hemmntß der früh» hier so ausgebreiteten Industriezweige find, derart, d« über kurz oder lang wohl manche derselben ganz hier»«- schwinden werden." Oesterreich-Ungarn« Im östeneichischm Adgeorvnetenhause beantragte vorgestern der Demokrat Kronawetter, ftnm Ausschuß zur Untersuchunt der Handhabung des Vereinsgesetzei den Arbeiter» regenüber einzusetzen.— DaS AnarchiSengese? Giltigkett 2 Jahre) wurde in drttler Lesung mtt 186 gegen 46 Stimmen genehmigt. DaS ungarische Abgeordnetenhaus nahm vorgestern vm Zolltaftf mit 151 gegen 113 Stimmen als Grundlage für � Spezialdebatte an. Tchwetz. DaS für die Schweiz rnsher bestehende Haftpflicht. »esetz soll eine Erweiterung erfahren. Der BundeSrath d° bei den eivgenösstschen gesetzgebenden Räthen die folgende«o»- dehnung der Hastpfl-chi und Ergänzung deS Bunvesges'tzeJ vv» 25. Juni beantragt. Art. 1.; DaS BundeSaesrtz vorn 1881, betressend Haftpflicht auS Fadrikbetlieb, wird in ganzen Umfang auf folgende Gewerde ausgedehnt: t) Gewer«, tn welchen explodirbare Stoffe geweidSmäßig erzeugt oder ver- wendet werden; 2) die nachstehend verzeichneten Gewerde,\ot weit fie nicht schon unter die voistehende Ziffer 1 fallen,«e"» Gewerbe Unternehmer elementare Kräne verwendet oder der der Regel�mehr als 5 Ardeiter beschästigtV*) Eisenbau- Tunnel-, Straßen- und Brückmdau; b) Bauhanvwerk 1% griffen Werlstätien und Plätze, welche mtt demselben im 5� sammenhang stehen; c) Steinbrüche, Gruben und Bergwcri' ._._.._......—... vstuoen. ht d) Erd. und Wafferarbetten; e) Fuhrwerk, und FahivefteH Betreffs der Eisenbahnen bleibt der Aft. 1 de» Bundesgrsr» v vri qicuh OCI AN. l oev vom 1. Juli 1875 d.zügttch der Haftbarkett der konzesstoittl� Unternehmung in Kraft. Holland..«äs Der„Frkf.Ztg." melvetsman ausdem Haag, 10. Fuj»*,,,| G nicht wurde heute die Affäre des Sozialistenfüh s L, Nieuwenhuis verhandelt, der angekiagl ist, in dem>' listlschen Blatt„Recht voor ollen"(Recht für Alle/ den**... und das königlnpe Hau« belftdigt zu haben. NieUw-'jfnu, leugnet die Absicht der Beleidigung; n habe nur seiner nung Ausdruck geben wollen. Die Staatsanwaltschaft � jj. tragt« zwei Jahre strenge Haft. DaSUrthett wird am"' verkündet. nach dem Hafnfeld hinüber, und«ahm e« dann einen anderen Weg, so hatte er wetter»icht« zu thu«- � außen aar Park da» Feld langsam abzugehen, und et» � sicher sei«, daß eine« oder da« andere der Thiere den lw Pfad annahm und sich dann fing. Jetzt hatte er deä Fichtenstreife« errftcht und kroch ,4 fichtig darin hinauf; aber er war zu dicht, er kam»i� fort, und wieder in da» offene Holz hivftnbiegend, ß". � unmittelbar am innere« Rand der Stell« zu, wo er l Schlinge wußte.... Halt, wa« für em Geräusch war da«? Er h'� horcht«; e« schlug etwa« d«« Boden.. .Hurrah," jubelte er in fich hiaft«,»da ste»' Sonntagsbraten, dem auch die Flasche Wein soll!' und wie ei» Indianer fast, rasch und 0'%' fte« floh er über die ttockene» Nadeln hin, mit denen 9*-�, Anzahl wehr ftrzeln stehender Kiefer» den Bode« j*?.e. Jetzt errftcktte er de» Platz. Die Anstrengung«« � fange««» Wilde», da e« de« Fftnd nahe» hörte, w stärker; e« riß und zerrte an de» Büsche« und sch«« vom Bode» empor. Aber die Schlinge, he- elastischen Zweige der nächste« junge» Bäum � festigt, hielt, und wenig« Miaute« später MaulwurfSfäager sftne Beute, ei« W«* thier, gefaßt, zu Bode« gerissen und»hm mtt seinem I Genickfänger de« Todesstoß gegeben.— � Die Gäste waren all« versammelt, und*%%%#*, Theil von ihnen, de« wundervolle« Abend noch�««°� i- vor» auf der D'rasse spazieren ging, bildete« dem Saal selber, dessen Thüre» und hohe F-st«�» geöffnet standen und die balsamische Lust wie de«*>_ A« Blumen überall herein ließen, einzelne Gruppen kannte« unter einander.. Und jetzt kam auch George, der fich ab« �0 unter den Gäste» auSsuch e, um ftn p®?* � mir also de» Gefallen und mache» See sich, 'm tische c d et tschet ihren h die ren» sei» mser« zed« der» >aup- de» He» % Belgien. Die Nacbrichten au» den Ärdetter Zentren lauten wenig beruhigend. Die jüngsten Berurthetlungen durch die Schwur« gerichte baden die Erregung noch gesteigert. Die Direktoren «er Werke sahen dem 10. Juni, dem nächsten LöhnungStage, besorgt entgegen und trafen die mannichfaltigsten Vorstchl!« maßregeln. Die Tynamitvertheilungen werden in allen Kohlen« gmoen strengsten» beau'fichtigt und nirgend» wird da» Mit r.'hmen der Patronen den Arbeitern gestattet. Die militärische Beseyung des Hennegau ist jetzt auf allen Punkten durch. gefühlt. Durch kömglichen Befehl ist in 37 Gemeinden die Bürgerwehr zur Dienstleistung und Wahrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung in einer Gesammistärke von 20 000 Mann einberufen worden. DI«„Gazette" meldet, datz am nächsten Sonntag die ganze Bürgerwehr Brüffel» einberufen werden wird, und daß außergewöhnliche militärische und polizeiliche Maßnahmen von der Regierung und den Stadtbehörden für Sonntag getroffen werden. Da» Staatigebäude und die Bahnhöfe werden von Truppen besetzt werden. Von au»« wärt» herbeigerufene Regimenter werden die Dörfer der Um« gezend okkupiren. Da» Ardeiterblatt„Le Peuple" mahnt dringend die Ardeiter der Provinzen ab, in Gruppen oder einzeln am 13. Juni nach der Hauptstadt zu kommen. Heber dm Au»fall der jüngstm SrneuerungSwahlm für die belgische Deputirtentammer meldet der Brüsseler Korrespondent der„Natztg.":„Die Liberalen haben soeben eine Niederlage erlittm, welch« fast der Auflösung ihrer Partei tzletchkommt. Vor drei Jahren befanden fie stch noch an der Regierung. Am 10. Juni 1884 bei der Erneuerung der Hälfte der Kammer erhieltm die Klertkalm eine Mehrheit von 34 Stimmen. Am 8. Juni d. I. mußte nun die andere Hälfte neugewählt werden, und zwar schieden 49 Liberale und A Klerikale au». Die Lage war für die Liberalm insofem höchst ungünstig, al» fie keine Hoffnung hegm dursten, Sitze ,u gewinnm, während die Klerikalen zwar nicht» verlierm, Wohl aber alle» gewinnen konnten. Besonder» fürchtete man wegen Gent, wo acht Liderale wiedergewählt werden sollten. Die Stadt Gent ist nun zwar liberal, da» Land dagegen klerikal, und die Liberalen erhieltm 120 Stimmen zu wenig. Die Klerikalen eroberten noch drei andere Sitze, so daß die Kummer nunmehr 97 Klerikale und 41 Liberale aufweisen wird. Hätten die Klerikalen nur einige sechzig Stimmen weniger erhatten, so wären die liberalm Kandidaten gewählt und die ganze Lage wäre verändert. Ist doch beinahe gewiß, daß in zwei Jahren Brüffel sechzehn Liberale wählen wird, so daß dann da« kleiikale Regiment gestürzt worden wäre, wahrend jetzt Niemand dm Zeitpunkt diese» Sturze» vorher« nhen kann."_._ Frasrretch. Die Kammer verhandelte am 10. d. über die A u S w e i« lung der Prinzen. Der„Jrankf. Ztg." meldet man hier« jwer: Der Saal und die Tribüne fina vollständig besetzt. fcker Redner ist G r a f M u n. Er versteht nicht den Unter- zivischen allgemeiner und beschränkter Ausweisung; er frst elftere vor al» aufrichtiger(Betfall link»), al» rein jako« witsch(BeisallSsalve recht»). Die Minister hadm den Wechsel wttr Gesinnung seit drei Monaten vor der Kommijflon nicht )w begründen vermocht: der G-und sei die Anklage ClSmcn« reau'», die Regierung schütze die Prinzen gegen die Republik wegen ihre» Namen», allein man mache au» dm Prinzm Paria».„Sie sagen unS, die Monarchien haben ein Gleiche» »Nhan- wir antworten: Nein! Die Monarchien exilirten nicht, Nachdem fte 10 Jahre bestanden hatten." Man zitirt Jule» Fröre, Jerry und Freydnet al» Gegner der Proskriptton und �tiiirung der Prinzm, welche der erste Schritt zur Verfolgung aller politischen Gegner sei; eine Rückkehr sei unmöglich.(Bei- lalisstinm rechts.) Der Radikale Susini verlangt die Nwmeine AuSwrism g.(Niemand hört zu, Niemand applau ?«.) Dugue de la Fauconnerie(Rechte) führt aus, da» hie politischen Leidenschaiten nicht; e» ver- �"8« dlo» die Behandlung ölonomijcher Fragen.— Die De« "arte wird vermuihlich am Freitag enden. Der Ministerrath beschloß, die Wahlen zu den General« Kathen auf den 1. August festzusetzen. „ Der SenaUauSschuß zur Prüfung de» vom Senator �°»tttan einaedrachten, gegm vre Ardeiter gerichteten Gesetz« �mole, der dm von der Mehrheit de» Ausschüsse» gebilligten «ntrag bekämpfte und namentlich die Anpreisung strafbarer vanblungm und die Aufreizung von Bürgern gegen einander ?'cht mit neum Strafen bedroht wissen wollte. Nur gegen 5°» Tragen und Entfallen auftüheriswer Abzeichen erkannte *• eine Sttafdestimmung al» wünschmiwerth an, unter der Bedingung, daß die Rrchtsprechung über diese Handlungen {"cht dem Zuchlpolizeigericht überwiesen werde, sondern den Geschworenen überlassen bleibe. Nach dem Weggange de» Nlnistn» hielt der Ausschuß mit 7 gegen 2 Stimmen seinm �Ichluß, dm Antrag zu befürworten, ausrecht und genehmigte von Bozerian über seinen eigenen Antrag al» Bericht- Möglich,, Weise können, von der Tafel lo», damit e» keinen �Ufeathatt giebt. Ich darf doch auf Sie zählen?" .Sicher,' sagte Rottack..„, „Und Paula hat«och nicht« gemerkt? Sie sprachen •°rhin mit ihr angelegentlich, Frau Gräfin.' ,,„S'e hat kerne Ahnung, und ich fürchte, auch fast 'nnen Gedanke» für die Festlichkeit," seufzte Helen«;„da» w�we Krnd kommt mir recht angegriffen und so unnatürlich �sgeregt vor.' �., h„Desto besser, desto besser!" lachte George vergnügt fich hin, den» er selber sah. hörte und dacht« heute *%» Anderes, al, eben seine beabsichtigte Ueberraschung. „George, wo bist Du so lange geblieben?' rief in Mem Augenblick Paula und eilte auf ihn zu:„rch habe '4 so eyehni.", •„Mein liebe« He,� ich hatte zu ihun und wuß.e D.ch " hter so gut aufgehobm. Wie geht«» Drr, Schatz? Paula antwortete ihm nicht. Sie sah ihn mit ihren &*%(» Auge« fest an, uud dann seinm Acm ergrerfend 5'd ih» leise ein paar Schritt mtt fich zur Seite führmd, "ustnre st«: �, «Bleibe mir immer gut, George, behalte Deine chwester lieb l". � � «Aber Paula, wa» fehlt Dir? Du gehst za doch noch Sit dt-;»!®',"a •He«, wa» hast Du, Paula, wir sind ja»rcht allein. .Paula hatte mit der Hand fast krampfhaft feine« Arm Maßt, zog ih« an sich und drückte eine« heiße« Kuß auf v'-e Schulter. Dan» ließ fie ihn plötzlich lo« und schrrtt n Thür der Terrasse zu. t. Eine Weile noch wogten die Gäste durch einander, fich degrüßmd, dort mitsammen plaudernd, bi» der �"»Hofmeister mdlich frierlich auf den Grafen Monford ;�4n>t und ihm meldete, daß die Suppe fervirt verdm .Meine Herrschafte«, zur Tafel!' rief der Graf froh» erstatter auSgearbetteteir Bericht. Sie find und bleiben doch Musterbourgeoi», diese französtschm R-pudlilaner. Grotzbritauuie«. Im englischen Oderhause theille vorgestern Abend der Staatssekretär für Indien, Lord Kimberley, mit, daß die Re- gierung der Königin die Auflösung de» Parlament» angerathm und die Königin ihre Einwilligung gegeben habe. Da» Parlament werde aufgelöst werden, sobald die noibwen« digen parlamentarischen Arbeiten erledigt sein würden. Glad» stone benachrichtigte Desgleichen daS Unterhaus von der bevor« ftehenden Auflösung, empfahl schnelle Abwicklung der Geschäft« und beantragte, daß das Haus von heute ad der R-gierung täglich den Vorrang für die noch zu erledigenden Finanzvor» lagen einräume und fich bis zum nächsten Mtttwoch venage. Gladstone stellte femer den weileren Antrag, der Re- gierung einen provisorischen Kredit zu dewilligen, wel« cher bi» zum 1. Oktober den laufenden Bedürfnissen ent« spreche. Chamberlain sucht setzt nach einem Mittel, um die Gladftone'jche Lösung der Humerulefrage zu übertrumpfen und glaubt ei darin gefunden zu haben, biß er die Parole Home« rule für da» ganre Reich, nicht nur für Irland, iondem auch für Schottland, England und Wale» auiglebt. Wie e» heißt, Sedenken er und feine Anhänger auf die Unterstützung der lonservattoen zu verzichten. Die Ablehnung der irischen BerwattungSbill durch da» englische Unterhaus hat ernste Unruhen in Ulster in Noid-Jrland zur Folge gehabt. Zwischen dm angelsächsischen Protistanten, den sogenannten Orangisten, und den tri« schen Katholiken besteht ein alter Haß, der durch Gladstone's Homeruleoorlage neue Nahrung empfing. Die Orangistm drohten im Falle der Annahme der Vorlag- offen mit Revo« lution. Dementsprechend h-rrschte bei dem Bekanntwerden der Ablehnung der Borlage unter den Orangistm der wildeste EnthustaSmu». Ueder die Dienstag»« Unruhen berichteten wir schon. Am Mittwoch Abend hatte fich nun nach einem Wolff« schen Telegramm in Belfast eine größer« Anzahl Katholiken zusammengerottet und griff die Polizei an, welche der Ueber- macht weichen mußte und Zuflucht in der Kaserne suchte, von wo fie aus die VollSmmge feuerte. 5 Personen wurden ge» tödtet und viele vetwundet. Schließlich mußte Militär zur Herstellung der Ruhe requirirt werdm. Während der Ruhe« störungm wurden mehrere Häuser zerstört und ein Gebäude in Brand gesteckt. Die Unruhen wiederholten fich vorgestern. Nachmittag» 3 Uhr wurde eine Polizeiabtheilung von der Volksmenge angegriffm, so daß Militär zu HUfe grrufm wer« dm mußte: bei Erscheinen desselben zerstreute stch die Volks« mmge. Von den am Mittwoch Vermundeten find noch zwei im Hospital, zwei andere in ihren Wohnungen gestorben. Balkauläuder. Der in Aihen«scheinmd«„ChronoS" bringt über die englische Politik im Orient recht pikante Ent- büllungen, indem er den Beweis dafür verspricht, daß England bei der Worte Schritte gethan hat, um Kreta während der letzten Krise käuflich zu erstehen. Auch habe England geheime Agenten nach dieser Insel geschickt mit dem Auftrage, dort für die englische Regierung Stimmung zu machen. Einer der« selben(wahrscheinlich ist Mr. Elilmann gemeint) bade sogar in diesem Sinne mit mehreren hervorragenden Mttgliedem der Nationaloersammlung unterhandelt, ohne jedoch geneigte» Gchör gefunden zu hadm. Herr Gladstone habe mit seiner philhellenischm Politik dauernd gebrochen und erblicke in Griechenland den enischiedmstm Gegner seiner Abstchten auf Kreta.— Bekanntlich wurden schon SaliSbmy ähnliche Pläne angedichtet. Amerika. Der Bundessenat hat mit 30 gegm 10 Stimmen die Cbinesen'JndemnitätS'Btll genehmigt, wonach 150000 Dollar Schadenersatz wegen der im September 1885 in Wyoming vom Pöbel verübten Chwesm Maffakre» gezahlt werden. Folgende Nachricht, der ihre E.itmnatur an der Stim ae- schrieben steht, läuft durch die Zeitungen: Nach einem Berichte der Großjury in Chikago toll im Lande eine oerrätherische und anarchistische Oraanisalion unier dem Namen„Rothe amerikanische internationale Arbeiter-Assoziation" existiren, deren Hauptziele in Brandstiftung, Raub und Mord bestehen sollen. Die Küste de» Stillen Ozeans sei von dieser Assoziation al» Operationsfeld ausersehen worden. In der vorigen Woche theilten wir auf Grund von Be« richten argmtinischer und deutsch- drafilianischer Blätter mit, daß stch unter den bei der Unterdrückung der Revolution in Uruguay getüDteten und oerwunveien Aufständischen auch zwei Deutsche befunden hätten. In Wirklichkeit find aber, wie die„Frankfutter Zig." mittheilt, viel mehr Deutsche ver« wunvet worden. Af eil«. Au» allm Th eilen de» Sudan langen fortwährend Schelks an, um mit General Tschudi wegen Friedens« dedingungen zu berathen. Sie sagen, daß ihr Handel völlig lick;„meine Herren, nehme« Sie sich Ihre Damm. Wo ist Hubert?' „Er sprach eben im ander« Zimmer mit der Mama," sagte George. „Rufe ih« einmal. Wo ist dm« Paula? Sie war ja eben noch da." „Sie wird draußm auf der Terrasse sein; ich werde nachsehen." George ging hinan», um die Schwester zu suchm; aber auf der Tetrasse war sie nicht, und von dort herein zog» jetzt die Gäste, dem Willkomm»«« Ruf zur Tafel solgmd. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Lebe«. Die Direktion de» Schweizer« Garten» hat zu den Pflnastfeiettag» ganz besondere Anstrengung» gemacht, da» Publikum zu animiien, diese» Vergnügung». Etablissement mit seinem Besuch zu beehren. So ist erst vor einigen Tag» die neu engagtrie weltberühmte Majol- Truppe eingetroffen, beste» hend au» Mr. Majol und den drei graziösen Luftoottigmsen Geschw. Zenna, Eza und Lazel, von denen die letztere fich al» lebendige Kanonenkugel präsentiren wird, da fte au» einer Kanone geschossen von ihrer hoch oben am Trapez an den Füßen hängenden Schwester Zenna aufgefangen wird. Amttstil. Der Armen-Referent in einer kleinen Markt« «emeinde in Oesterreich derichtete über seine Ei Hebungen hin« chilich zweier UnierstützungSwerber folgendermaßen:„A. N. ist ein scbr armer Mensch, welcher stch schon anderthalb Jahre nur von seiner allen Großmutter nährt. Wohingegen der B. F. minder rmpsehlm» wrrth erscheint, weil er auf« und absteigende Verwandte Hai, an denen er zieht." Eine entsetzliche Kunde ist über d» Ozean zu un» herübergedrungen. Sin bekannter, zum Glücke aber ungenannter amerikanischer Gelehrter hat in einem Affen mustkalisches Talent entdeckt und den angeblichen Urvater der Menlckheii zu einem perfekten Pianist» ausgebildet. DaS vier Fuß hohe Thier erlernte in achtundzwanzig Lektionen das Klavterspielen und beute soll Tabttha— auf diesen mustlalischen Namen bört der Künstler deS amerikanischen Urwalve»— die„Kloster- glocken" und da»„Gebet einer Jungfrau" mtt bewundemngS- darniederliege und fie wünschen vor Allem die Wiedereröffnung der Karawanenstraßen von Wady Haifa nach Berber, Metemmeh und Khartum. Griechische und arabische Kauf» leute häufen hier und in Korosko Waarenvorräthe an und man glaubt allgemein, daß der Handel in nicht femer Zell wieder beginn» werde. Gerichts-Zeiwng. RetchSaertcht»« Entscheidungen. Leipzig, 10. Juni. (Todischlag.) Der Koch Max Böhm au» Meid» hat im oori» g-n Jahre in einem Hotel in Breslau die Prostituirte Anna Lerche ermordet, indem er ihr den Hai» durchschnitt. Die That war in der Nachtzeit und ohne Zeugen geschehen, doch deutete der Befund der Geiödteten darauf hin, daß erst ein heftiger Kampf stattgefunden hatte. Böhm leugnete die That nicht, doch behauptet er, daß die Lerche ihn, wahrend er auf dem Sopha schlafend gelegen habe, mtt einem Stiefellnecht habe tödtm wollen, indem fie ihn mehrmals damit auf den Kopf schlug. Hierdurch sei er in hohem Grade gereizt worden;*# bade fich ein Kampf misponnen und im Verlauf desselben habe er ohne Uederlegung die Tbai began» gen. Bei der Bei Handlung der Sache vor dem Schwur-Ge» richt in Breslau am 3. April kam außer dem§ 212(Todticklag) noch der§ 213 in Frage, welcher lautet:„War der Todt» schläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Ange» hörigen»ugesügie Mißhandlung oder schwere Beleidigung von dem Geiövtet» zum Zorne gereizt und hierdurch auf der Stell« zur That hingerissen worden, oder sind andere mil« demde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnißstrafe nicht unter 6 Monaten ein." Die erste Frage an die G-schwor»» wurde au»§ 212 gestellt, die zweite bezog stch auf den erst», und die dtilte auf dm zweiten Theil de»§ 213. Bekanntlich müssen alle Verdikte der Geschwor»», die zu Ungunsten de» Angekiagien lauten, mit mehr al» 7 Stimmen abgegeben wer» den, während bei Zubilligung mildernder Umstände nur die einfache Majorität von 7 Stimm» ge« nügt. In diesem Falle waren stch nun die Geschworenen nicht ganz klar darüber, ob die Frage 2)(„war der Angeklagte zum Zorne gereizt?") zu Un« gunsten oder zu Gunsten de»«ngetlagten gestellt sei. Sie entschieden stch schließlich dahin, daß fie sagten: zu 2) nein mit 7 Stimmen, zu 3) ja. Sie waren also der Meinung, Reizung sei al» ein mildernder Umstand aufzufassen. Der Gerichtshof war jedoch der Meinung, daß Reizung ein beson» d-r» vorgesehener Umstand sei, für deren Bejahung nach § 262 der Str.» Pr.• O. mindesten» 8 Stimmen erforderlich seien, weil die» eine dem Angeklagten nachtheilige Antwort sei. Die Geschworenen mußten daher noch einmal berathm und bejahten dann die zweite Frage mtt mehr al« 7 Stimmen. Die dritte Frage blieb dann unbeantwortet. Da« Urtheii de» Gerichtihofes lautete auf 5 Jahre Gefänantß. Eine Aber» kennung der Ehrmrechte wurde vom Gericht nicht aus» gesprochen, weil, wie eS im Urthetl heißt, nicht Todtichlag mit mildernden Umständen, sondern eine andere quillst strte Straf that vorliege, auf welcher überhaupt nur Ge» fängnißstrafe stehe.— Geg» daS Urthetl hatte der Staatsanwalt Re aiston eingelegt mit der Begründung, der§ 33 der St.-Pr..O. sei verletzt, weil da» Gericht zu der Annahme eine» Widerspruches in dem Verditt der Geschwor»» ohne An» hörung der Staatsanwaltschaft und der Vertheidigung ge- kommen sei. In der Sitzung de» IV. Strafsenate» de» Reichsgericht» vom 8. Juni, in welcher diese Sache zur Ver« Handlung kam, führte der Reichs anmalt etwa folgendes au»: Ich beantrage, da» Urthell aufzuheben nebst dem Spruche der Geschworenen zu 2. und die Sache zurückzuverweisen, damit auf Grund des ersten Spruche» anderweit verhandelt und entschieden werden kann. Die Frage, welche zur Entscheidung liegt, ist die, ob die erste Alternative des § 213 zu verstehen ist als milverndrr Umstand(§ 297, 2 Str.-G.-B.) oder al» strafmindernder Umstand(§ 262 dez«. § 297, 1). Man könnte auch noch frag», ob nicht überhaupt ein ganz fremder dritter Tbiibestand vorliegt, beispielsweise wie d-r Mord ein anderer Thatdestand ist als der Todischlag. Dies- letzte Auffassung müßte man aber wohl zurückweisen. Sin logischer Zwang oder eine rechtliche Noihwindigkett die Reizung als mildernden Umstand anzusehen liegt nicht vor; e» ist beides möglich. Die Entstehung des Gesetze» giebt dar» über keinen Aufschluß. Der§ 197 des preußischen Str. G.-B. Hai zwar bezüglich Mißhandlung dieselbe Bestimmung, die hier jetzt aufgenommen ist, und e» ist zu vermuthen, daß die Reichstagskommisfion stch an im»§ 196 angelehnt hat. All« diese Gesetze geben keinen Ausschluß darüber, wie dlese Be- stimmung zu handhaben ist in Beziehung auf die Ehrenrechte, au» dem einfachen Grunde, weil die jetzige StrafprozeßorVZung damal» noch nicht galt. Darum hatte ich mich ein'ach an dm Wortlaut. Wenn der Gesetzgeber sagt„Reizung und andere mildernde Umstände", dann sehe ich gar kein» Grund ein, über die en Wortlaut hinauszukommen. Der verst. Gmeral- Staatsanwalt Schwarze, der der Redaktion der Gesetze nahe gestanden, hatte später, als er Holzhausen« Kommentar la», würdiger Präziston vortragen. Was aber die Leistungen diese» merkwürdigen, von der Natur füt» Klavierspiel hervorragend prädestinirien Piano.Affm hoch über diejenig» anderer fterb« licher Wesen erhebt, ist der Umstand, daß dieser Klavierkünstler alles- vierhändig spielt,— seine Mittel erlauben ihm daS. Immerhin winken unS bei der voraussichtlich», fortschreitenden Zioilistrung der Orang-Utangs und Schimpansen die schürst» AuSstchten. Die Affen haben belannttich ein zäher:S Ledm als die Menschen, fie können daher länger Klavier spiel», al» die Menschen ihnen zuhören. Eine merkwürdige Entscheidung hat der Lyoner Munizipa raih getroff»- nach dieser soll in Zukunft nicht mehr da» Publikum vu-ch Klatschen respeliive Zischen, wie e» im Süd» Frankreich» üblich ist. über die Debütanten an d» Bühnen sein Verdikt aussprechen, sondern r» soll die» vielmehr °- to, 6l<«S,n unftro 6lajl itlle tln Stom d-m KWnute Ä' förSÄ FlÜchttgen vergeblich in den Weg; als die Frau händeringend am Ufer ankam, sah fie den Lebensmüden vor fich in dm Wellen versinken. ,_®t« 61fenb«hn|ttfi in de« Fluß gestürzt. Ein mt- sttzlicher Unglücksfall ereignele stch livzltch ln Südkaroltna. E-n mit Passigielen dichtdesetzter, von der Nordostbahn adge- laffener Lokal-Personmzug mtgletste auf der über den Santee- fluß führendm Drahtseilb.ücke und stürzte von einer dettächt« lichen Höhe herab in den durch da» Regenwetter der letzten Tage stark angeschwollenen Fluß. Zahlreiche Rcismde wurden getödtet, mehr al» bundert Paffagiere stark oerletzt. Der Train war zumeist von Marktbesuchern besetzt. Ein schwäbischer Bauer blieb oft zum großen Aerger seiner Frau lange im Wirth, hause fitzen. Die Frau beschloß einst, ihn durch Schrecken auf bessere Wege zu bringen. Ste trat, al« d« Bauer wieder einmal spät b-imging, pdantastisch aufgeputzt hinter einem Baume vor.„Wer ischt deS?" fraat der Mann etwa« stutzig.„Ich bin der Böse!" brummt die Bäuerin.„Komm her und gied mir die Psot", sagt der Bauer. „ich han Doi Schweschter zur Frau." Bedenken und kragte, wie man dazu komme, die erste Alter- native de»§ 213 so aufzufaffen; die Reichttagtlommijfion habe diese BeKimmuna ausgenommen, sei aber der Meinung gewesen, daß Reizung kein mildernder Umstand sei. Wenn die Fassung verschiedene Auflegung zuISHt, so ist daß Sache der Kommission, ich halte mich aber wörllich an die Fassung, weil dadurch döse Konsequenzen vermieden weiden. Laß muh man der staatßanwaliltchen Revision zugeben, doh es eine abenteuerliche Folgerung aus dem Paragrlwben ist, daß bei d-m Vorliegen der ersten Alternative die Ehrenrechte nicht aberkannt werden sollen, während dies nach der zweiten, also bei mildernden Umständen geschehen mühte. Hier entscheidet die Jnterpretationsregel: es gilt nicht, waS der Gesetzgeber hat sagen wollen, sondern was er gesagt hat. Hier ist er so einfach und klar wie möglich. Man könnte sagen: als die Kommisston diese Faffung gewählt hat, konnte ste sich die Konsequenzen noch nicht vergegcnwäittgen, aber dm Unterschied zwischm mildernden und strafmindemden Umständm hat sie doch schon gekannt. DaS Erkenntnih int insoweit, als es sagt: wir dürfen nicht auf Ehrverlust erkennm. Deshalb muh oaS UrtheU aufgehoben werdm. ES fragt sich nun, ob dann weiter verhandelt werden soll auf Grund des ersten Ver» Vitts oder des zweitm. DaS erste muhte als Grundlage be- nutzt werden, wenn der Senat der Ansicht ist, dah Reizung ein mildernder Umstand im Sinn« der zweitm Altemative ist, dmn dann wäre die Beantwortung der zweiten Frage mit stehen gegen fünf Stimmen als Bejahung an» zusehm, weil zur Vemeinung die erforderliche Zweidrittel' Majorität nicht vorhanden war; dann fehlten die Vor« ausseyungen dei BerichtigungSoerfahreni. Würde der Senat dagegen sagm, der Spruch enthalte«inen Widerspruch in sich, dann wäre daS Lerichtigungsverfahren korrett und es bliebe der Spruch bestehen, wonach Reizung bejaht ist. Im erstm Falle bättm also die Gcschworcnm mildernde Umstände, im zweiten Reizung bejaht. Ein vraktische» Resullat wird das Urthell de» SmateS nicht haben, denn in beiden Fällen wird wieder auf dieselbe Strafe erkannt werdm müffm.— Da» Reichsgericht hob sodann daS Urlheil unter Ausrechterhaltung des berichtigten Spruches auf und verwies die Sache nach Breslau zurück. In dm UrtheilSgründm wurde�der§ 32 deS Str.'G.B. all verletzt bezeichnet, weil der Richter angenom' mm. dah§ 213 überhaupt keinen Ehrverlust zulasse. DaS «erichtigungsverfahren werde alt begründet angeschen. Das Reichsgericht saht die Merkmale deS§ 213(erste Alternative) alß milderndm Umstand und damit zugleich alS strafmildernd auf, ist aber der Meinung, dah die Sache prozessualisch noch anders hätte behandelt werden müssen. Ei« origineller Fall von thätlicher Beleidigung mit gleichzeitiger Beschädigung an der Gesundheit beschäftigte gestern in der Privatklagesache des Orgelbauers Streich gegen die Orgelbauer Holl und Schüttge die 99. Abi Heilung deS äsä in welcher der elftere wegen seiner besonderen Vorliebe für den Genuh rohm Speck» den Spitznamen„Speckfresser" erhallen hatte. Räch der PrivatNage hatte Holt Milte Oktober v. I. ein Stückchen Speck mit Speichel beschmutzt und den Schüttge veranlaht, dasselbe aus dm Platz deS Kläger» zu legen, welcher gerade für einen Moment ausgetreten war. Bei seinem Ein- tritt in die Werkstatt machte Schüttge den Kläger auf da» Stückchm Speck aufmerksam und erttärte demselben, dah er es verzehren könne, was dieser auch that. Unmittelbar darauf wurde Streich wegen der Verspeisung dieses be« spieenm Stückes Speck von feinen Kollegen gehänselt, Der Ekel darüver erschütterte nach dem Gutachtm de« D". med. Strohmann ihn derartig, dah er längere Zell medizinirm muhte und fichtlich abmagerte, auch den Geschmack für sein Lieblingsgericht gänzlich verloren hat. Die Angeklagten, welche auf Vorhalt diesen verabscheuungSwürdigm Koup gar nicht leugneten, sondern sich nur damit entschuldigten, dah sie dem Streich dm Speck ja aar nicht gegeben, sondern dah er sich ihn selbst genommm habe, wober sie nicht verantwortlich seien, stellten im Termine diese That entschieden in Abrede und behaupteten, dah ganz ohne ihr Hinzuthun der Kläger wegen Gmuffes deschmutzten Specke« von den Kollegen ge. hänselt wordm sei. Der Gerichtshof erachtete nicht für er» wiesen, dah daß dem Kläger zum Verzehrm hingelegte Stück Speck beschmutzt gewesen sei; er nahm nur an, dah die Ange« klagtm daS dahin gehend« Gerücht verbreitet hättm. Hierdurch aber haben sie den Kläger in seiner Ehre gekränkt, wofür sie mit je 20 M. event. 4 Tagen Haft zu bestrafen waren. Kleine Mittheilnngen. Pest, 9. Juni. Die Strahmdrmonstrationm habm sich auch heute Abmd wiederholt. Die erstm Ansammlungm de» gönnen schon um halb 8 Uhr und wurden von Minute zu Minute stärker. DaS in dm Kasemm konfignirte Militär wurde von der Polizei trlepbonisch avistrt, und noch vor 8 Uhr rückten zwei Bataillone der Infanterie auS und die einzelnm Kompagnien nahmen vor dm Eingängen in die Hatvanergaffe, zum RochuSspttale und zum Zentral«Bahnhofe Aufstellung. Wenige Minuten später erschienen unter Tcompetmschall zwei ESkadronm Husarm und zuletzt erst einige Abtheilunzen der Konstabler zu Fuh, während die berittmen in die Vorstädte ver- theilt wurden. Im Nu hatte der breite Platz, der dm Em- gang in die Hatvanergasse bildet, das Aussehen eines Militär- lagerß. Die Husaren nahmen in drei grtrcnntm Piquets Auf« stellung, um die Strohe nach allm Seitm zu beherrschm. Stadthauptmann Chudy erschien zu Pferde, begleitet von einem EtkadronS-Trompeter, an allen jenm Punkten, wo die Mmge angesammelt war, lieh Signal blasm und sprach mtt wellhin schallender Stimme:„Im Ramm de» Gesetze» fordere ich das Publikum hiermit auf, friedlich auseinander zu gehm. Wmn dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird, so werde ich so- fort die bewaffnete Gewalt einschreiten lassen. Wem sein Leben lieb ist, der gehorche. Widrigmfalls würde Jeder sich selbst die Folgen zuzuschreiben habm." Die Neugierigm, die bei der Hatvanergaffe gestandm, entfernten sich sofort. Die an der Ecke der Kerepeserstrahe befindliche Menge leistete je« doch der Auffoiderung leine Folge; dort wurden Reden ge- ballen, Eljen- Rufe auf Kossuch ausgebracht, Soldaten mtt Geschrei und Pfeifm empfangen. Ein Bataillon Infanterie rückte nun dorthin. und ver kommandirmde Hauptmann rich» tet« eine Ansprache an da» Publikum, in welcher er eS ent- schieden aufforderte, sich zu zerstreuen. AlS die» nicht» fruch- tele, erscholl daS Kommando:„Bajonet auf! Sturm!" und im Lausschrttt drängte daS Bataillon vorwärts und trieb die Menge vor sich her. Indessen begann m bald darauf die An- sammlungm von neuem. Nun wurde einer Eskadron Husaren „Sturm!" kommandirt; die Homstgnale ertöntm, und im nächsten Augenblicke sprmgtm drei P'.quetS nach verschiedenen Richtungm vorwärts. Die Menge flüchtete sich und in kurzer Zeit war der Platz leer. Die Verfolgung wurde biß tief in Kerepeserstrahe, dm KarlSrina und Calvinplatz ausgedehnt.- Um halb 9 Uhr ertöntm aberma?S Hornstgnale, und Stabt- Hauptmann Caudy forderte die angrtammelle Menge dreimal auf, sich zu zerstreuen, da sonst die W�ffmgewalt angewendet würde und Jedermann die Konsequenz sich selbst zuzu> schreibm hätte. Nächst dm beiden Ecken der Hatoaneo gaffe ging daS Publikum anstandslos auseinander, nicht so aber die vor dem National-Theater ZinShause angesammelte Mmge, die nun zu pfeifm und„Abzug!" zu schreun begann. Vier Minuten währte da» Lärmen der Demonstrant ten, die kaum 10 Schritt von dm Husaren entfernt waren. Oberst Kunz defahl hierauf einer Kompagnie, bi» zur Mitt« der Fahrstrahe oorzuschreiten; die Mmge antwortete auf bat Annähern de» Militärs mtt ohrenzerreihmdem Pfeifen. Auit der nächste Kommandoruf zum Auspflanzm d«S Bajonneti wurde nicht beachtet und kein Einziger machte Mime, sich � entfernen. ES erfolgt hierauf noch ein Kommando und der Hornist bläst zwei Sekunden lang Sturmsignale; die Dernau stranten aber stehen noch immer in kompakter Masse da. I» nächsten Momente stürmen die Soldatm mit gefällten Bajoii- neten auf die etwa 400 Mann starke Menge, welche jetzt üb« die Kerepeserstrahe die Flucht ergreift. Unterwegs wurde« Latemen zertrümmert. Unmittelbar darauf sprengtm die Husaren auf den KarlSrtng und Museumring, mit blank« Waffe die Gruppm vor sich treibend. So wurden d« Strahenzüge bis zum RochuSspttale gesäubert, wo die dort postirte Kompagnie gleichfalls gegen die Exzedente» einschritt. Einzelne warfen Steine auf die Husarm. Ein« dieser Enedenten wurde festgenommen und der Polizei Übel- S:bm. Anläßlich deS vajonnet Angriffes wurden von de« lüchtmden mehrere verwundet; der siebzehnjährige Buchdruck» aehilfe Johann Petrak erlitt einen lebensgefährlichen Bajonn» stich, welcher die Lunge durchbohrte, ferner wurden der veam» Ferdinand Potocky durch einm Säbelhieb am Kopfe, jf Schneider Ferdinand Konesek im Gesichte schwerverletzt. BuX wurden in Crfö Fiume durch«wen Militär Arzt verbünd� und in ihre Wohnung befördert. Die Pferde von zwei 6#' rm stürzten, in Folge dessen die Husarm sich auf dem PW die Kniescheibe derart verletzten, daß ste mtttelst Droschke* die Kaserne gebracht werden muhten.— Im Nation«- Theater waren heute Abend kaum zwanzig Personen.' Wie sich nachträglich herausstellt, wurdm bei dm gestrig Krawallen außer den bereits genannten Polizisten auch# reiche Personen auS dem Publikum verwundet. Auf b» Museumring wurde der 22 jährige Gabriel OßtraVczky vor» drei Säbelhiebe zu Bodcn gestreckt. Er hatte sich dem MIP mit einem Stocke in der Hand entgegengestellt. Im fpital meldeten sich bis in die frühesten Morgenstunden M während verletzte Personen, deren Wunden— zumeist«% Kolbenschlägen und Bajonnetstichen herrührend— indeh f«% ringfügiger Natur warm, dah sämmtliche Verwundetm«j Anlegung der Verbände sich in ihre Wohnungen beg� konnten. Nur ein junger Bursche, der 16 jährige LehA Heinrich Fried fand Aufnahme im Spital. Er war«» Ansprmgm der Kavallerie in der Nähe des bahnhofeß zu Bodcn geworfen worden und brach da»«®, Bein. Die von einigm Blättern gebrachten Mitihetlu«- über angebliche Plünderungen in derTherestcn» und Elilat*. stadt werdm durch die Rapporte der BezirlShauptleute i"® bestätigt. Theater. Sonnabend, den 12. Juni. vtzerahans. Kein« Vorstellung. Gchansvtelhans. WaS ihr wollt! »cutsche« Theater. Romeo und Julia. DeS» All tSNee-Theater. Daß Paradte», Ge- sang« posse in 4 Attm von Leo Trepww und L. Herr mann.„,.„ Lontsenftädttsche« Theater. Geschlossen. «ailnrr-Thcater. Der Mikado. Urtevnch-Wtlhel« städtische» Theater. Der Zigeunerdaron. �., ZlZL«-daüa- Theater. Der Herne Herzog. fc �««d»Ttea!»e- Die Drille. Birtorta» Theater. Amor. Tan». Poem von Luigt Manzotti. S�nsmann'» Variete. Drohe Svezialitäten« Ärstellung.____ _»assa«e 1 Tr. 9 M— 10*. «W» i. Reise durch Oesterreich. I�Abth. England— Schottland. Hertha-Retse. »in« Kerfe 20 Pf. Kinder nur 10 Pf. Tlrllch: Geselliges Zusammensein in dm„itmMnttv Oierhallen", LandSbergerstrahe 82. Saal u. Zimmer für Vereine u. Versammlungm. 1727]_ Jmcofcy. GratmilHt Kitchallt«. JUmmaadanfenfft. 77|79, Täglich:[1913 GrossesGarten-Concert- ivertha Mühlke, Jastrow, Julius Aaddatz, Berlin, Verlobte.! Schweizer Garten. Am 1. und 2. Pfingftfeiertag, früb 5 Uhr: Früh» Concert und Torstellnng;. Ruftreten verschiedener Spezialitäten. Theatervorstellung. Am 2. Fe-ertag früh:?rüh»Ta«z.— Enlree 25 Pfg. An den 3 Pflngstfeieria�en, Nachmittags: Kroße« ßoucert und Krtra-Aorsielkung. Austreten sämmtlicher Spezialitätm. Theatervorstellung. Erste» Austrelen der wettberühmten Majol Truppe(Sl| fc) in ihrm smsationellm Lustprodukt ionm. Zum Schluß: Die lebende Kanonenkugel. >»» Lazel wird aus einer Kanone geschossen ui Mi gescho Miss Zema aufgefangen werden. Elektrische Beleuchtung.— Volksbelustigungen aller Art. und von Trieot-Taillen-Fabrik von £ ouis Lichtenstein, 12 Kommandanten-Straße 12, parterre im Zade«, empfiehlt im Einzelverkauf zu wirklichen Fabrikpreisen: Tpicot--Damen-Taillen m. Faltenschooh u. 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Kassenbericht.< Amderung(§ 4). 3. Ersatzwahl geschiedmen VorstandSmitglteder. 4. ggg und Frage kästen.— Neue Mitglieder aufgenommen. 1 Feiertag Vormittag BelsarnmeiiselB in K GerichtSstr. 10, Ecke Höchste «rb..Bez..Verei« der Or°° bmger Vorstadt n. d.%% *-''-■®el-»«& --■— K Der Vorstand des Verbandes Deutscher IiV«er ladet die MÄeder zum früh 5 Uhr. im VereinSlokal|U- l,, Kaff-rdornns.&&S MM zu melden.— «. Früh.Soncert M. sers'jgvM Verantwonlicher Redaktem«. Eronyeim in«erlin. Druck und Verlag von Rax vadtng in Berlin 8W. gQanfKffritfi# 2. Sters» >lted '/ m theW Beilage zum Berliner VoMblutt. Kr. 135 Sonnabend» den 12 Inni 1883« III- JaWAe ; � P artamentsberichte. Herrenha«». 21. Sitzung vom 11. Juni, 10 Uhr. Mmtstertische: v.(Sofilet, Frtedberg und kommiffiricn. Etngrgangen ist der Antrag de? Herrn von Kleist. Retzo», ditreffend die Stellung und die Dotation der evange- U chen Kiräie(welcher in seinem Wortlaute mit dem Antrage des Abg. v. Hümmer stein im Abgeordnet-nhause übereinstimmt). Der Antrag wird durch einmalige Schlutzderathung erledigt werden. Buk den Antrag der Budgetkommikfion(Berichterstatter Graf Schulenburg-Angern) beschließt das Haus, beckglich der Rechnungen der Kaffe der Oberrechnungskammer für 1884/85 Decharge zu ertheilen und vorbehaltlich der RechnungS« legung die in der Ueberstcht der Einnahmen und Ausgaden des JahreS 1684 35 nachgewiesenen Eiatsüdeischreitungen und außere'atSmäßnen Ausgaben nachträglich zu genehmigen. Es folgt die Berathung deS N a ch t r a g s e t a t s für 1886/87, welcher die Ausgaden für die Beförderung des deut« schen Schulwesens in den volnischen LandeStheilen unv einige andere Ausgadeposten enthält. Oberbürgermeister Lindemann(Dortmund) empfiehlt namens der Budgetlommtsfion die unveränderte Annahme. Fürst Ferdinand Radziwill: Bor zwei Jahren richtete ich bei der Eiatiberalhung an den UnterrichtSminister die Frag«, ob er denn nicht als oberster L-iter deS Unterrichts- Nme die Verantwortung fühl« und anerkenne, angefichtS des Wachsens der polnischen Berölkerung, welche ein berechtigtes Dalein führt, auch diese unter seinen Schutz zu nehmen. Nach unseren bisherigen Erfahrungen aus dieser parlamentarischen Sesston kann ich mir eine Wiederholung dieser Frage sparen, eine beredtere Antwort, als wie ste im Nachtragsetat vorliegt, wßt stch kaum finden. 100000 M. werden zur Ergänzung des nonds für Studirend« deutscher Herkunft zum Zwecke ibrer witeren Verwendung in Posen, Wcstpreußen und dem Re> llicrungt. Bezirk Oppeln gesoidert, in diesen Worten liegt das vollständige politische ZukunstSprogramm. es spricht für sich «llein. Es heißt mit anderen Worten: Die königliche Staats- Jf&ierung steht den geistigen Bestrebungen der polnischen «oterthanen feindlich gegenüber, ste will die Unterthanen deutscher Herkunft in Bezug auf geistige Hebung bevorzugen. »Zum Zwecke einer späteren Verwendung in den Provinzen Wcstpreußen und Posen!" Da müssen die Träume einer Selbst. Verwaltung für die Zukunft bei fortgesetzt konsequenter Beide- Haltung dieses System« allerdings schwinden. Ich kann also in der Maßregel nur mit tiefstem Bedauern eine große Schädi- gung der betreffenden akademischen Kreise erblicken. Abgesehen vor dem G-fühl der tiefen Ungerechtigkeit, welche ihnen von der Regie/ung widerfährt, müssen ste, wenn auch nicht zu that- sächlichen illegalen Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen deS akademischen Senats oder der Unterrichtsbebörde, doch zu der Versuchung gedrängt werden, ungesetzliche Wege auf zu- suchen. Ich benutze auch diese Gelegenheit, um zu konstatiren, nnde ihrer nationalen berechtigten Entwickelung auf Schritt U"» Tritt begegnet. Die Kons« quenzen werden fich für die polnische Nation au» dieser ihr leider aufgedrängten lieber- ZtUöung von selbst ergeben. Ich bitte Sie, den ganzen Nach. "agsetat abzulehnen. » Kultusminister v. Goßler: Ich bin sa für den ruhigen in welchem diese Angrifft gegen die Reaierung erHoden nnd, durchaus nicht unelrptänalich. aber ich glaube doch, eine '"«gischere Agttationsredc ist selbst im anderen Hause niemals Mallen worden. Ei ist bisher noch niemals einem Vertreter ve» preußischen Volke« in den Sinn gekommen, den obersten -eieamten der Regierung Sr. Majestät des Königs als Tod- wind der polnischen Nation hinzustellen. Ich bin überzeugt, N diese Worte ihre Früchte tragen werden, die wir, wie ich furchte, in Posen werden einzub.imsen haben. Die ganz« Ent- Wickelung des preußischen Staates überhebt mich der Aufgabe, vrgen diese erregten»der nicht erregten Vorwürfe Protest ein« K'lkgln. Wenn jemals eine Nation aider ihren Willen einen Wohlthäter erhallen hat, dann war eS die polnische. Darin liegt Die Alte. (Schluß.) Man» und Hund wälzte» fich auf dem Boden, v«r ein« schreiend, der andere stumm, seine« Tegver J&rl Wuth beißend, indem er ihm die Gurgel abzubeißen suchte. Der Mann war bleich wie ein Todter; seine krampfhast gekrümmten Finger versuchten ver» ßeblich, de« Hund zurückzuhalten, dtsse» Schnauze jetzt von Blut gefärbt war. Die ander» Zollwächter eilte», de« Revolver in der Hand, herbei, fie wagte« aber nicht zu sch'cßen, au« Furcht, ihre» Kamerad«« gleichzeitig mit dem Hunde zu treffe«.,. a Line furchtbare Schlacht entspann sich«UN zwischen dem Hunde und diesen Männer». O Signor, wen« Sie das ge. s»h«» hätten, so hätte« Sie gewiß Bravo gemfen, so schon war da«. Er hatte seinen ersten Gegner losgelassen, der «uf dem Boden ausgestreckt lag, und hatte fich gegen die pudern Zollwächter gekehrt. Er biß fie, zerriß ihnen dre Kleider, sprang von einem auf de» ander« mit der Beweg» �chkeit eine« Tiger« und dem Wahnsinne eine« Dämon». 6k schössen mehreremal auf ihn, ohne ihn zu treffe»; man »«te sage» können, daß er verhext sei. Endlich griffe« fie zu ihren Säbel«, und jetzt da Turko 5'cht zurückwich, sonder» seine Angriffe verdoppelte, durch» aohrten fie ihn mit mehrere« Stiche». , Mein Mann war in die Küche hwabgekommen und taste zu mir: »Hast du de» Tabak versteckt? . m«»i«.* ttndringen. Vergiß» cht, morgen Luigi Cervt mstzu» heile», wa« geschehen ist, und benachrichtige auch dt« Käme- »aben. Ste werden dir von mir Nachrichten bringe«. ... Er ging durch ein« kleine Thür« der Scheune hinaus, o* ich stieg auf den Boden hinauf, um ihm durch die �uke mit de« Auge»»u folge«. Er schlich an der Hecke und erreichte die Weingärte«, in welchen er verschwand. 'umal dort, befand er fich auch berest« im Gebirge. doch kein Angriff gegen das Polcnthum. Ich lege Verwahrung dagegen ein, daß dte Regierung in brutaler Weise diese An- gelegenheit regelt. Ick wiederhole diesrS Wort, damit«i bei den sonstigen höflichen Aeußerungen deS Vorredners nicht in Vergessenheit kommt. Er hat auch die polnischen Sw» dentenvcreine erwähnt. Gewiß hatte von den Vereinen, welche zu meinem Bedauern haben geschloffen werden müssen, ein Tbeil durchaus gute und ed le Zwecke verfolgt. ES ist aber das Unglück und der Fluch, welcher aus der polnischen Nation lastet, daß fich in solche Vereine sofort politische Elemente mischen. Diese Vereine haben die große Tho'.heit begangen, ihre Stiftungsfeste auf den Monat November zu legen, angeblich zur M>«ckiewitz Feier, thatsächlich aber, um den November- aufstand zu fetern. Und dazu hat man noch russtsche und ga- listsche sunge Leute alS Festredner zugezogen! Unter diesen Umständen und bei der Verantwortlichkeit, die wir haben, haben wir uns nach reiflicher Ueb-rlegung dazu eirtschlossen, diese Vereine zu unterdrücken, in der Hoffnung, daß wieder andere Wege werden eingeschlagen werden, in denen daS Gute in diesen Vereinm aufrecht erhalten wird. Schließlich nur die Bitte: versagen Sie unS das Wenige, was wir verlangen, nicht! v. Z o l t o w s k i protestirt dagegen, daß man trotz der feierlichen Zufichcrungen preußischer Herrscher die Recht« der in Preußen lebenden Polen mißachte und verletze. Man unter- drücke die Polen lediglich, weil ihre Muttersprache dte polnische ist; man lege ihnen Lasten auf zu Gunsten der Staatsbürger, welche fich der deutschen Sprach« bedienen. Die ganze Vor- tage entbehre jeder stttltchen Begründung. Mtt etner solchen Gesetzgebung stelle man ftch auf den Standpunkt j.n«r orientalischen Despoten, welche ihren Unterthanen aufgeben, stch selbst den Bauch aufzuschlitzen oder stch selbst an der über- sandten seidenen Schnur aufzuhängen. Die Vorlage, welche gegen die Grundsätze der Gerechtigkeit verstoße, werde nur Zwietracht säen; die Ernte werde keine gute sein. Entschuldigt könnten solche Maß:egeln allenfalls in aufgeregten Zeiten werden, aber nicht unter den augenblicklich herrschenden fried- lichen Verhältniffen. Deshalb werde er gegen da« Gefetz stimmen. Nachdem der Referent, Oberbügermeister Lindemann, namens der Kommission die Angriffe der Vorredner als unbe- rechtiat zurückgewiesen, schließt die Generaldiskusston. In der Spezialvislusfion werden die einzelnen Titel ohne weitere Debatte in Uedereinstimmung mit den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses genehmigt, darunter außer den AuS- gaben für die Schulen in den polnischen LandeStheilen auch die Posttionen von 700000 M. als erste Rate für dte Hafen- anlagen in Geestemünde und 67 000 M. zur Wiederinstand- sltzung der Overbrücke bei Tschicherzig. Der NachtrazSetat im Ganzen wird gegen die Stimmen der Polen mit großer Mehrheit angenommen. Den G.-E., betreffend die Beseitigung der schwe» benden Schuld von 30 Mill. Ml., beantragt Herr von P f u e l als Berichterstatter der Budgetkommtsfion unverändert zu genehmigen. Die Lage deS Geldmarktes sei besonders geeignet, um die schwebende Schuld durch die Ausgabe 3'/, proz. Kon- solS zu beseitigen. Daneben soll die Ermächtigung des Finanz« minister«, Schatzanweiiungen bis zum Betrage von 30 Mill. Mark auszugeben desteh-n bleiben. Graf z u r L t o p e führt aus, daß von einer schwebenden Schuld so lange nicht die Rede sein tönne, als der Finanz- minister von der ihm erthctlten Ermächtigung zur Ausgabe von Echatzanweisungen nicht Gebrauch gemacht habe. Dann solle aber auch eine Vorlage gemacht werden, welche die nöthtge Klarheit in das Verhältniß bringe und erkennen lasse, wo das Bedürfnlß liegt und wie hoch fich die erforderliche Summe stellt. Dann muß man aber den dringenden Wunsch haben, daß mit der Bewilligung von Schatzanweisungen ein Ende gemacht wird. Wmn aber in dem einen Paragraphen 30 Millionen Mark bewilligt werden, um die schwebende Schuld zu beseitigen, und daneben weiter die Ermächtigung ertheilt wird, wieder Schatzanweisungen auszugeben, dann kann der Finanzminister wiederum im nächsten die Konsolidtmna einer schwebenden Schuld vom Landtage verlangen. Am besten ist es daher, das Gesetz abzulehnen und eine neue Vorlage abzu- matten. IlnterstaatSsekretär Meinecke: Allerdings besteht eine schwebende Schuld erst dann, wenn die Echatzanweisungen Als ich in die Küche zurückkam, befanden sich die Zoll» Wächter daselbst; sie durchstöberten und zerbrache» alle«, als ob fie betrunken wäre«. Einer von ihnen, dessen Paatalo» zerrisse« war und dessen Kaie blutete, faßte mich au der Kehle und indem er mich an die Wand drückte, rief er mir zu: „Ah, du bist e», Hexe, die de« Hund auf uns losae» lassen hat?" Ich glaubte, daß er mich ermorde« werde; ich hatte keine« Athem mehr und die Auge« drehte« stch mir im Kopfe. Seine Kamerade« hielte» ihn zurück. „Wo ist dein Mann?" fragte» fie mich. „Er ist nicht da," antwortete ich ihnen. „Du lügst," „Durchsuchet da« Hau»." Sie durchsuchte» jede» Winkel, de» Keller, den Stall, die Küche, die Scheuern. Sie hatte» die Thür« der Küche geöffnet und ich ging nun hinaus, um zu sehe», wa« aus Turko geworden sei. Da lag der arme Hund, leblo« ausgestreckt, de« Hals zur Hälsre durchschnitte», die Schnauze mit einem blutigen Schaum bifleckt, einig« Schritte von de« Fenster, das er so heldenmüthig vertheidigt hatte. Es brach mir das Herz, ihn so zu sehe«. Ich weinte, als ob ich ein Kind verloren hätte. Die Zollwächter, die nichts gefunden hatte«, kamen zu» rück und sagten mir: „Dein Gatte ist entflohen... er ist ei» Hallunke, aber wir werde» ihn schon erwischen... Hexe, sage uns, wo ist der Sack, der Sack mit Tabak, den er gebracht hat?" „Cr wird ihn wieder fortgetragen haben," entgegnete ich ihnen. Sie wollten mich bau« einschüchtern, drohten mir, mich zu arretire«, bis ich sagte:„Zch kenne dies Gisetz; ihr dürft mir nicht« thu« ohne Beweise. Ihr habt keine solcheu. Hebet euch von hinnen." Sie waren genöihigt, mich in Ruhe zu lasse« und fie entfernte« sich fluchend. .Dein Man« wird da» bezahlen," sagt« mir der ausgegeben werden' so lange letzteres aber nicht geschieht, ist ein entsprechendes Manko in der Staatskasse vorhanden. DaS Manko ist dadurch entstanden, daß im Kriegijahre 1866 zurrst ein Betrag von 10 Mill. Thalern und später ein fernerer Be» trag von 3 Mill. Thalern durch Schatzanweisunzen aufge» bracht werden mußten; durch Rückzahlungen find nachher die 3 Millionen Tbaler gedeckt worden. Das resttrende Manko von 30 Mill. Mark desteht bis auf den heutigen Tag, da die Ermächtigung zur Fundirung bisher nicht ertheilt worden ist. Der unerwünschte Zustand, daß die Kaffe auf diese Weise einer genügenden Reserve entbehrt, hat fich immer fühlbarer gemacht und soll durch diese Vorlage beseitigt werden. Von einer Berlegenhett, in der stch jetzt der Finanz» minister defände, ist nicht entfernt die Rede; die Sachen liegen in Bezug auf diese 30 Millionen so, wie fie seit 1866/67 gelegen haben. Im Jahre 1869 wurde ein Gesetz voraelegi, welches ebenso wie die heutige Vorlage dte schwebende Schuld durch Fundirung beseitigen wollte. Das Gesetz kam nicht zur Annahme, weil damals 4'/, prozentige StaatSobligationen nur zu 93 zu begeben waren und man dies für zu theuer hielt. Jetzt aber» wo die 3'/, pro» zentigen KonsolS über Pari stehen und Geld sehr billig ist» empfiehlt fich ein solcher Schritt umsowehr. Wenn wir ununter» brochen Jahr für Jahr 30 Millionen Schatzanweiiungen in Umlauf setzen müssen, dann bringen wir selbst dte Börse in die Lage. unS den Zinsfuß einfach zu dikltren, und dte Einlösung könnte unter Umständen in eine Z' it fallen, wo durch uner» wartete Ereignisse, wie ste 1848, 1866 und 1870 eingetreten find» plötzlich der Zinsfuß rapide und ungeheuer in die Höhe stieg, während das Geld doch absolut beschafft werden muß. Diele Un» ficherheit wollte der Ftnanzminister nicht übernehmen. Etwas ganz anderes ist es doch, wenn in besonderen Fällen, wo der seit 1868 unverändert auf derselben Höhe von 30 330000 Mark stehende Betriebsfonds der Generalstaatskasse nicht auS» reicht, Schatzanweisungen zur vorübergehenden Veistärkung des» selben ausgegeben werden sollen. Ich bitte Sie, da« Gesetz anzunehmen. Graf zur Lippe: Auch nach den Ausführungen de« UnterstaatSsekretärS bin ich immer noch nicht darüber klar ge» worden, wo denn eigentlich das Manko steckt; es müßte doch in irgend einer Rechnung irgend etwas darüber zu finden sein. Auch ist eS nicht richtig, daß diese„schwebende Schuld" als solche fich durch alle Rechnungen hinzöge; den Hinweis aus die Ueberstcht pro 1884/85 kann ich augenblicklich nicht kontroliren, in der allgemeinen Rechnung pro 1882/83 steht solche Bemerkung meine« Wissens nicht. Wenn wir keine Schatz» anweisungen im Umlauf haben, brauchen wir doch keine neuen auszugeben, um die alten einzulösen; haben wir keine Schatz- anweisungen auszugeben, so haben wir auch keine schwedende Schuld. Finanzminister».Scholz: Die hier in Frage kommen» dm Veibältniffe find meines Erachten» vollkommen klar. Im Jahre 1866 find die zehn Millionm Thaler aus den bereiten Mitteln der Staatskasse gezahlt worden, und die Staatskasse hat nie die Ermächtigung erhalten, Odllgaltonen dafür auszu» geben, um stch die Mittel zu restttuiren, sondern immer nur die Ecmächiigung zur Deckung durch neue Sckavanweiiungen. Daß wir Schatzanweisungen nach dem Jahre 1871 lange Zeit nicht ausgegeben haben, hat seinen Grund darin gehabt, daß wir an jener Gelvplethora zu leidm hatten; rechnungsmäßig aber fehlen die dreißig Millionen, so lange Sie fie nicht fun» Hilten. JeneS schöne Verhältniß der 70 er Jahre waltet j,«* bekanntlich nickt mehr ob, eher daS Gegenthetl. Ich hätte nun stetig die 30 Millionen Schatzanweisungen ausgeben müssen, hätte immer am Verfalltage 30 Millionen als Petent von der Börse verlangen müssen' solche Pofiiion ein zu» nehmen habe ich als nicht im Interesse des Vaterlandes liegend erachtet. Die in der Existenz einer schwebenden Schuld liegende Unstcherhett zu b-seitigm ist der Zweck der Vorlage. diesem wird da« Herrenhaus doch keine Schwierigkeit machen wollen. Nachdem noch Herr v. Solemacher-Antweiler die Vorlage als durch die Aus/ührungm drs Ministers und feines UnterstaatSsekretärS röllrg und nach allen Seiten er» schöpsmd begründet erklärt und ihre Genehmigung empsohlm hat, wird dieselbe mtt allen Stimmen gegen diejenige des Grasen zur Lippe angenommen. Es folgt die Berathung deS Gesetzentwurfs für Posen. Aelteste von ihnen, indem er mir seine Faust unter die Nase hielt. Zch stieg wieder zu meiner Dachluke hinauf und blickte ihnen so lange«ach, bis sie verschwunden waren. In der Nacht begrub ich meinen armen Turko im Garte« und pflanzte einige Blumen auf sein Grab. Zch war sehr tramig; ich weinte einen Theil der Nacht und unaufhörlich sagte ich zu mir selbst:„Wenn fie deinen Man» doch erwische», was wird au» ihm und was wird auS dir werden." Am nächste« Morgen war ich bei Tagesanbruch wieder an meiner Dachluke. Die Ebene war still und leer, und als da« Echrff anlegte, bestieg ich dasselbe, um«ach Lenno zu Luigi Eervi zu fahre«. Das ist ei» Großhändler, der sehr reich zu sei« scheint. Er hörte mir mit sehr verdüsterter Miene zu und sagte mir blo, die Worte:„Trachten Sie, daß Zhr Man» sich nicht fange« läßt." Damit verabschiedete er mich. Z» der Nähe seines Hauses begegnete ich einigen Gefährte» meine« Gatte«, welche die Neuigkeit bereits wußte» und mich mit fteundliche« Worten zu beruhigen suchte«. Zch mußte in Lenno schlafe», da das Schiff nicht am selben Tage zurückfährt. Noch zehn Minuten und ich werde in Dongo fern. Das ist die Spitze, die dort vor uns liegt. O,»antissima Maria... es wird mir kalt umS Herz und es scheint mir, daß meine Augen fich trübe«... Sehen Ste nicht», Signor?"� Zch«ahm mein Fernglas zur Hand, allein ich wagte der Alte« nicht zu sage», daß ich wmitle» einer großen Menschenansammlung bewaffnete Zollwächter erblickte, die eine» Gefangenen zu bewache« schienen. Das Schiff näherte sich immer mehr de« Ufern, gegen welche es breite Streife» blaue», mtt Schaumspitze» bor« dirtea Wassers sandte. Man unterschied beretts mtt freiem Auge die Landhäuser mtt ihre» grüne« Spaliere», da» Dom-n kanerkloster, den Gasthof mit seinem rothen Schilde, die Linduv gibrücke und eine große Volksmenge, die einen Kreis um zwei Zollwächter Westvreußen und Schlesien, betr. den Verkehr auf den Aunststraßen(Antrag vrer). Graf S t o l d e r g und Graf v. d. Gröben be« antragen, Schlesien und Westpreußen nicht in da« Gesetz ein- zubeziehen. Namen« der Kommisfion beantragt SHerent v. d. O st e n die unveränderte Annahme der Vorlage. Da« Gesetz solle nur «in Nothgesetz s-.in. Deshalb könnte von Bedenken, die sonst wohl gegen die Vorlage vorhanden seien, abgesehen werden. Die Enscheivung über den Antrag de« Grafen Stolderg könne er dem Hause überlasten. Geheimer RegicrungSrath v. Zedlitz hebt hervor, daß e« sich hier nur um ein Nothaesttz handele. Die definitive Regelung der Materie für den Geltungsbereich der königlichen O-dre von 1839 solle demnächst erfolgen. Für Posen und Westvreußen sei da« Bedürfniß nach einem solchen Gesetz durch die Oberprästvenlen anerkannt. Allrrding« hätten die Berichte derselben sehr eilig abgefaßt werden wüsten. Der Oderpräfi- dent von Westpreußen bade nicht einmal Zeit gehabt, fich mit dm nachgeordneten Behörden in« Benehmen zu setzen, und die Vertreter Westpreußen« im Abgeordneten Hause hätten konstatirt, daß für Westpreußen ein Bedürfniß für ein derartige« Gesetz nicht vorhanden sei. Wr« die Provinz Schlefien betrifft, so haben fich bezüglich derselben im Abgeordnetenhause zwei ent- aegengesttzte Meinungen gegenüber gestanden. Z«eiftl«ftei liegt die Flage also nur für die Provinz Posen. Graf Udo Stolderg: ES könne zweifelhaft sein, ob eS überhaupt angezeigt sei, ein Nothgesetz zu erlaffm, wo man vor einer definitiven Regelung der Materie stehe. Wmn aber für Posen da« Bedürfniß eine« solchen Gesetze« anerkannt sei, so wolle er dem nicht entgegentteten, aber e« sei gebotm, Westpreußen und Schlefien wieder au« dem Gesetz zu nehmm. Die Provinzialverwaltung Westpreußen« habe fich entschieden gegen ein solche« Gesetz erklärt. Auch die schlestsche Provinzial» Verwaltung nehme eine ablehnmde Haltung ein. Die Zucker» sabriken und Aktiengesellschaften ruinirten die Chauffem so sehr, daß man eher daran denken könnte, von ihnen einen Prä-ipualb»itrag zur Unterhaltung der Kunststraßen zu erbeben, al« Bestimmungen zu treffen, die erst recht zum Ruin der Land- straßen führen müßten. Unter Annahme de« Antrag« de« Grafen Stolberg und v. d. Gröben wird der Gesetzentwurf nur in Bezug auf die Provinz Posen angenommen. Saluß 2 Uhr. Nächste Sitzung unbestimmt, jedoch nicht vor Ende de« Monat« Juni. Lokales. Trotz der polizeilichen Kontrole, welcher die Ber- Uner Pfandleth.Geschitfte unterstehen und trotz der be« stehendm Vorschrift, nicht mehr als 2 Pf. Zinsen pro Mark und Monat für ein gegen Unterpfand gewährtes Darlehen zu erheben, veistehen e« doch einzelne Inhaber von P'andleih. Geschäften, einen ganz erheblichen Nutzen au« ihrem Geschäfte zu ziehen und zwar auf eine Weise, die mit den allgemeinen RechtSanschauungen nicht vollständig in Einklang zu bringen ist. Wer schon jemal« einen Pfandschein sein eigm genannt hat und fich in die L-ktüre dieses interessanten Dokumente« vertiefte, der wird gefunden haben, daß dasselbe die doch etwa« sonderbare Bestimmung enthält:„Bei Einlösung de» Pfände« im ersten Monat müffen die Zinsen für zwei Monate gezahlt werden." In verschiedenem Wonlaute enthalten alle von Privatleibbäusem auSgest-llten Pfandscheine diese Bestimmung. (Ob diese Vorschrift auch bei den königl. Leih-Aemtern zu Recht besteht, find wir nicht in der Lage angeben zu können.) Diese Bestimmung ist doch offenbar nur zum Nutzen de« Pfand- leih-r« gemacht und e« ist nicht recht erstchtlich, woher die Verpflichtung für den Darlchnempfänger zu leiten ist, für ein nur auf ein Monat oder eine noch kürzere Zeit denöthiate« Darleben die Zinsen für zwei Monate entrichten müssen. Ferner heißt eS auf den Pfandscheinen weiter:„Gegen GlaSdnich, Motten-, Fleckenschäden und Feuer keine Garantie l" Wie überall, so giebt e« indessen auch hier von der allgemeinen Regel Ausnahmen. und e« bestehm in Berlin Pfandleihen, welche Garantie gegen FeuerSgefahr übernehmen und zwar au« guten Gründen, wie wir sogleich sehen werden und haben wir bei den nachfolgenden Autführungen ein ganz bestimmte» Geschäft im Auge. Der Inhaber diese« Geschäfte» beansprucht 8 Prozent Feuerkassengelder und werden diese 8 Prozent von dem zu gewährenden Darlehen für die Zeit von 6 Monaten von diesem von vornherein in Abzug gebracht, so daß der Darlehn«- emptänger da« Darlehn um die Summe, welche je nach der Höbe de« Darlehn« die 8 Prozent Feuerkassengelder auf 6 Monate ausmachen, verkürzt ausgezahlt erhält, dagegen da« Darlehn voll feiner nominellen Höhe entsprechend verzinsen muß. Die erhobenen 8 Prozent Feuerkassengelder würden also aut 1000 Mark 80 Mark betragen. Die F-uerv-rstcherungS- prämie indessen, welch« der P'anlleiher kür die angeführt« Summe zu zahlen bat, dürfte höchsten« 6 Mark betragen und es ist demnach erstchtlich. daß ein ganz unerhörter Gevinn in seine Taiche fließt.— Andere Pfandleihen befolgen wiederum die Prvxis, nur auf 6 Monate Darlehen zu verabfolgen und die entsprechenden Zinsen für diese Zeit zu erheben, ganz gleich. giftig, od da« betreffende Pfand erst nach Ablauf von 6 Mo- bildete, zwischen welchen ei» Mau» mit gefesselte« Hände« sichtbar ward. Die Alte hatte fich erHobe« uad stand in starrer Hal« jung da; plötzlich wurde ihr Geficht weiß wie Leinwand; mft halberstickter Stimme flüsterte fie eine« Name», de« Name» ihre« Gatten ohne Zweifel, u«d dann ließ fie fich wieder auf die Bank niederfallen. Da» Schiff landete nun; man warf da« Seil au«. Alle« war damit beschäftigt, die Manöver der Landung zu beobachten und zu sehe», was auf dem Lande vorging. Niemand außer mir hatte die Aufregung der Alten be» merkt. Viele Leute stiege« au«, al« die kleine Landung«- b ücke ftei war, eskortirten die beiden Zollwächter ihren Gefangenen auf da« Schiff. Der Mann, den sie«ach Prozodane führte», wo e« solidere Gefängnisse al« in Dongo gibt, war ei« langer Bursche von blaffer Gesichtsfarbe; mit schwarzen Augen und Haare», mit harte« und spär» lichem Bartwuchs, der wie«in« Mähne aussah, mit einem magere» Halse, dessen Muikcln hervorsprangen. Die Haut seine« Gesicht« schien auf die K-oche» desselben geklebt, und tiefe Furchen durchzogen dasselbe. Er hatte da« Aussehe« eine« Ausgehungerten. Er trug eine olivengrüne Weste, die durch den Regen vergilbt und durch die Sonn« fahl ge- worden war; feine Sammtbeinkleider waren mit Straßen» schmutz bedeckt und an mehreren Stelle» zerrisse«. Seine Erscheinung verursachte eine lebhafte Bewegung der Neugierde unter den Passagieren. Die Alte aber, in deren Nähe ich geblieben war, wandte ihren Kopf«ach einer andern Seite. Da die Bank neben ihr frei war, setzten fich d-.e Zollwächter mit ihrem Gefangene« auf dieselbe, de» sie in ihre Mitte nahmen. Da« Schiff setzt« feinen Weg fort. Der Gefangene hatte seinen breiten Filzhut über die Augen gezogen und schien zu schlafe». Einer der Zollwächter sagte zu seinem Gefährten: „Ich bin durstig, Pietto. du«ich,?- Ptetro, der nebe» der Alten saß, entgfgnete: naten oder bereit« nach einem oder mehreren Tagen wieder eingelöst wird. Eine weitere Bestimmung, daß jeder ange- fangene Monat für voll gerechnet wirv, wäre nicht anfechtbar, wenn nicht auch diese Bestimmung in einer Weise gehandhadt würde, die hier nicht unei wähnt bleibe, darf und zwar bei Prolongationen von Pfandscheinen. Ist der Darlehnsempfänger nicht in der Lrge. nach Ablauf von 6 Monaten da« erhaltene Darlehn zurückzuzahlen, d. h. sein Pianvodjekt, auf welche« hin er da« Darlehn empfangen bat, auSzulöstN, so wird ihm gegen Bezahlung der sechSmoaatlichen Zinien ein neuer Pfandschein ausgestellt, welcher auf weitere laufende 6 Monate Giftigkeit bat. Au« irgend welchen Ursachen kommt e» nun aber öfter« vor, daß der sogenannte „Verfalltag" versäumt wird und fich der Inhaber de« Pfandscheine« behuf« Verlängerung der G ltigkeittdauer de«- selben einen Tag später einstellt. Der vorerwähnten Bestim- mung gemäß muß nun der angefangene Monat betreff« der Zinsen voll bezahlt werden und ließe man fich die« auch gern gefallen, wenn der bezahlte Monat auch in der Zeitdauer mit angerechnet würde. Die« ist aber nicht der Fall. Der Pfand- schein wird einfach von dem Tage der Prolongation an auf weitere sech« Monat eingeschrieben, für diese sechs Monat müffen Zinsen dezabtt werden und die Zinsen für den von diesen sech« bereit« bezahlten Monat fließen al« Nebenverdienst in die Tasche de« Pfandleiher«. Durch solche Manipulationen, die nur d-zweck-n, möglichst„Geld zu schneiden," verlieren die Pfandleihen ihren uneigennützigen Charakter al« KredUanßal- ten, werden die Armen und Bedräi gien, die hier Hilfe suchen, systematisch ausgebeutet und geschädigt, und wenn auch für den Einzelnen der Schaden nur ein geringer sein mag, so er- wächst doch dem Pfandleiher ein großer Nutzen darau«, denn — die Menge muß e« bringen und dringt e« eben auch!— Wie verlautet, ist ein V«rein in der Bildung begriffen, wel cher beabstchtigt, Matertal für die Aufdeckung wucherischer Geschäfte zu sammeln und an« Licht zu ziehen,— der Verein fände hier ein ersprießliche« Feld für seine Thätigkeft I In der„Voss. Ztg." findet fich folgende«nzetge: Konservative und ltderale Männer, Juden und Christen, acht- bare Männer aus allen Ständen werden eingeladen, einer Vereinigung beizutreten, die bezweckt, den Halsabschneidern öffentlich zu Leibe»u gehen, um fie au« Berlin zu vertteiben. Adr.: Herrn N. N., Äöckcrnstr. 73, parterre reckt«.„Hierzu bemertt die genannte Zeitung an anderer Stelle:„Der Verein, der einen neutralen Sammelpunkt für Angehölige aller Parteien und Belenntniff« bilden will, beabsichtigt, da« Ma> terial für die Aufdeckung wuchetischer Geschäfte zu sammeln und wie ähnliche in anderen Städten bestehende Vereine an'« Licht zu ziehen, da in den meisten Fällen nur falsche Scham die zu Grunde gerichteten Opfer abhält, diesen Weg selber zu de- treten." In dem Artikel dertbeu imn Nummer, der von den wucherischen Manövern gewiffer Psandlechgeschäfte handelt, würde der neue Verein ein Feld segensreicher Thäliglett finden. Zum Kapitel der Kurpfuscherei können wir zur War- nung einen lehrreichen Beitrag ltefern. Ein Berliner Hau«- wirth leidet seit etwa 11 Jahren an der sogenannten Schütte!- lähmuig, paralysis agitans, und halte selbst bei anerkannten Autoritäten vergeblich Heilung gesucht. Alle erklärten ohne Ausnahme den Zustand de» Kranken sür unheilbar. Da wurde ihm eine« Tage« von einer guten Nachbarin ein„äußerst de- rühmter und kluger Arzt" empfohlen, bei dem der Patient ohne Zweifel Hilfe finden würde. Diese fteudige Botschaft klang dem Aermsten natürlich wie Mufik in den Obren, und nicht lange darauf ei schien denn auch der sehnlichst Erwartete, wel- cher al«„prafttscher Arzt Dr. med. Clauß" fich vorstellte. Zu« nächst erfolgte nur eine Unterhaltung über da« Leiden; der neue Dokior prüfte die Rezepte seiner„Kollegen" und äußerte fich ziemlich wegwerfend darüber. Bei einem zweiten Besuche wmve dann eine„gründliche Uniersuchung" vorgenommen, und nun erklärte der Wunderdoktor, er habe den Sitz der Krankheit gefunden und werde den Patienten vollständig h-rsteven. Jcht wurde dieser mit allerhand gehetmnißvollen Medikamenten, wie Thee, Pulver und Einreibungen traftirt, und sogleich wurde auch für die bisherige Mühewaltung ein Honorar von 63 M. erhoben. Der Kranke zahlte zwar, wurde aber doch wankelmüthig, namentlich weil der„Doktor" die Arzneimittel immer selbst mttbrochle. Dieser aber wußte ihn einzuschüchtern, indem er mit ernster Miene erklärte, eine Unterbrechung der Kur würde— Herz- oder Gehimschlag zur Folge haben! Dann setzte er die tätlichen Besuche fort und ordnet« zur Abwechse- lung aromatische Bäder an, da« Kaufen und Htneinthun der Ingredienzien überließ er jedoch nicht der Frau seine« Schutz- befohlenen, sondern desorgte e« selbst, weil, wie er meinte, sonst leicht da« Waffer dick werden und— explodiren könnte! Bald verlangte und erhielt er auch einen weiteren Vorschuß von 300 M. und veranschlagte die Kosten für die gesammte Behandlung auf— zwölfhundert Mark! Jedenfalls aber hatte die Kur einen stchtdaren Erfolg: In Folge der Bäder verbrettete stch ein Autschlag über den ganzen Körper de« Kranken, und e« trat bei ihm eine derartige Schwäche ein, daß er da« Schlimmste befüichtete. Mit welchem Raffln, m-nt der edle Menschenfreund auch ferner zu Werke ging, wo e« galt, ohnehin schwer geprüfte Kranke auszudeuten, beweist ein „Und erst ich«ach all dem Staub, de« wir verschluckt haben." Worauf der andere entgegnete: „Nun, geh zuerst du trinken, während ich de« Schlingel bewache, ich werde später gehen." „Ich werde dir«in Gla« Wein bringen." „GutI" Pietro erhob stch und stieg in die Kajüte hinab. Zwei Minuten später kam eine dicke Kellnerin mit auf- geschürzte« Hemdärmel» uad brachte ein große« Gla« rothe« Weine«, da« auf einem Teller schwankte. Sie überreichte dasselbe dem Zollwächter, der, um die Hände frei zu haben und bequem trinken zu können, sein Gewehr unter die Baak legte. Während er seine« Wein in kleinen Zügen trank, in« dem er mit seiner Zunge über seine« Schnurrbart fuhr, zog die Alte, die fett Dongo ihren Plan gefaßt hatte, ei« offene« Messer au« der Tasche, durchschnitt die Stricke, welche die Hände ihre« Manne« zusammenschnürten uad rief ihm zu, indem sie ihm da« Ufer zeigte, da« kaum hundert Arm- längen entfernt lag:„Felipe, um der Madonna willen, rette dich!" Der Schmuggler warf einen rasche« Blick um fich, und alle seine Kräfte zusammennehmend, sprang er mit einer einzige« Bewegung über da» Parapet de« Schiffe« in de«»ee. Sein Wächter bemetfte e« zu spät, eine« Augenblick blieb derselbe reguvg«lo« in seiner Verblüffung, indem er da« Gla« in der eine« und de» Teller w der ander» Hand festhieft. Bald aber faßte er fich, und indem er die Gegen- stände, die ihn hinderten, wegwarf, bückte er fich rasch, um fern Gewehr vom Boden aufzuraffen. Line gut gezielte Kugel konnte den Flüchtling noch erreichen. Aber die Alte wachte. Ja dem Augenblicke, al« der Zollwächter fich vorneigte, versetzte fie demselben au» allen Kiäf en einen Stoß; er ver- tM weiterer Vorgang. Der Patient hatte einem Freunde in Dresden, den daff-Ide Leiden quälte, seinen Wunderdoft« empfohlen, und nun übergab dieser seinem Patienten zvei Enl- würfe von Briefen, welche er abschreiben und an dm Dre«» den« L-tdenSgefährtm unter seinem Namm richten mußte. Darin heißt e« u. A.:„Gott sei e« gedantt! ich habe in diesen drei Wochen schon viel Ruh« bekommen, viele E letchterung und sehe mit großer Hoffnung dem ferneren Verlauf entgegen, da ich mich immer besser und besser fühle!" Zur Reklame war dann weiter von einem Apotheker die Rede, dm der„koktor" kurirt hatte, nachdem er schon von den Proftfforen L'y im und Wefiphat aufgegeben war I So wurde denn auch vieler zweit« Patient gewonnen. Obwohl da« Befinden de« erstm fich ferner noch vnschlimm«t harte, wurde die Kur eine« Tage« von vn» Heilkünstler sür beendet«Uäit, mtt dem Bemerken: J-tzt müsse die Natur selbst weit« nachhelfen! Als da« ad« nicht geschah. wandte fich der Kranke an den Prof. Joseph Meyer, der, in Ucdereinstimmung mit dm anderen Aerzten, eine Heilung für unmöglich«klärte. D« Wunderdoktor belästigte dann not wiederholt seinen Patientm mit Mahnungen, die schließlich diesen veranlaßten, im Wege de« Zwilprozesse« die f. über ge» zahlten Beträge zurück zu verlangen und eine gerichtliche Anerkennung über daS Nichtbestrhm ein« Forderung zu bean- ttagen. Der„Dr. med." M. Clauß war früh« Pitvatschreider und ist jetzt Hauseigenihüm« zu B«Iin. Hier ist freilich kein rechtes Feld für ihn, seine Kundschaft findet er gtößtentheiv außerhalb. Sein stol, klingend« Dovortitel, den er auch im Adreßbuch führt, stammt, wie gerichtlich festgestellt, au« Hart« fort im Staate Connecticut. Wahrscheinlich wird stch auch de« Elrafrtchter bald wieder mit diesem Manne zu beschäftigen haben, der Dinge zu vollführen verspricht, an dmm selbst die Kunst d« äcztlichm Auto.itätm scheitert. Zum Bau de« R-tchStag«> Gebäude«. Zwei Iah« waren gestnn ve, flössen, seitdem am 9. Juni 1884 die feter- iiche Grundsteinlegung für daS neue Reichstag«- Gebäude er- folgte. Nachdem die nicht geringen Schwierigkeiten dn Fun' dirung auf dem ungünstigen Terrain überwunden find, schreitet der mächtige Bau in einer Weise fort, die kaum bezweifeln läßt, daß die auf 8 Jahre veranschlagte Bauzeit nicht wird üderschlilten zu w«den brauchen. Bei dem schreckliche« Doppelmorde in dem Haust Möcknnstraße 78 bat e« stch wieder einmal gezeigt, wie ge- fährlich e« ist, die Fenster niedrig belegen« Wohnungen wäh' rmd der Nacht unverschlossen zu lassen. Hier konnte die Mordtdat nur dadurch v«Übt wcrdm, daß die g-mordete« Sckiffling'schin Eheleute die obersten Flügel de« Fenster« ihrcl im Hofe parte«« belegmen Wohnung offen ließen, durch wette d« Mörd« Kell« eingestiegm war. Zu be wundem ist nur, daß ein Blumenbrett, da« fich vor diesem Fenster befi tdet, durch da« Emsteigen intakt geblieben ist, auf welche Merkvür- digkett auch der Untersuchungsrichter, H«r Landgerichtsrat» Hollmann, bei der Bestchligung der Ontlichkett hinwies. Wm» derbar erscheint es f«ner, daß da« Einsteigen, welche« immer« hin recht beschwerlich gewesen sein muß, da fich d« Mörder durch die kaum 2 Fuß im Quadrat meffenen oberen Flügel' tbüren zwängen mußie, so ganz ohne Geräusch abgehen konnte- Außerdem ist e« in dritter od« viert« Morgenstunde, al« d� Blutthat vollführt worden, schon hell« Tag, so daß man st« auch hierbei wundern muß, daß kein« der zahlreichen Haut' bewohn«, darunter viele Etsmbahndeamte, da« Einsteige» de« Mö.ders gesehen hat, umsomehr, al« man selbst vom Rat- bargrunvstück au« das Fenft« der Schiffltng'schen Wohnu»? genau übersehen kann. Wie schon gemeldet, muß der KaMpl der Frau Sch ffllng mit dem Mörder ein ganz entsetzlicher ge- welen sein. Sie scheint die Abficht gehabt zu haben, dew Mörd« da« Mtff«, mit dem er unbarmherzig auf ste zustaS, zu entreißen, denn die rechte inn«e Handfläche zeiat eine» l breiten und tiefen Schnitt. Vermuthltch hatte da« Ov'« die I Klinge de« scharfen Messer««faßt gehabt und der Mö-dek t hatte ei durch Zurückziehen gewaltsam befreit. Die einzige/ Augmzeugin der entsetzlichen Szme, da« zehnjährige Töchter-/ ckm Anna, jammert unausgesetzt nach ihren Eltern und hört nur wenig auf den tröstenden Zuspruch, der ste mit voll» Liebe behandelnden Vnwandtm, bei denen ste Aufnahme g** funden hat. Sie wirv auch die ein-ize Zeugin sein, wenn do Mörd« vor seinen Rlchtnn steht. Da« Kind befindet m schon in dem Alter, in welchem d« Mensch jeden Eindrv» richtig«faßt und dämm ist e« umsomehr des allgemein� Mitgefühl» bedürftig. Zum Doppelmord in der Möckernstrahe liegen M* gendr Mtlthetlungen vor: Die von mehreren hi-stgen Zeit»» gen gebrachte Nachricht, daß der Mörder der Sckiffltng'sck� Ebeleute ergriffen worden sei, ist falsch. Ein Mensch, welao fich heute d« Polizei al« Mörder vorstellte und eingelp'� zu werden verlangte, ist augenscheinlich geisteskrank. Thäter hält fich anscheinend im Grunewald verborgen dürfte von der Station Halens« au» die Richtung nach W, dam eingeschlagen haben. Nach Angade eines Berichterstat» z findet das Lerchenbegängniß der Echiffling'schen Eheleute»" Kosten des Verein« der B«lin« W.'ißbier-Wirlhe am er»' Pfingstfetertage Mittags 1 Uhr auf dem Zwölf Apostel Hofe(Kolonnenstraße) statt. Die in dem KowalSki'fche« Mordp-ozeß von K. Vertheidig« des Verurtheiften eingelegte R-wston ist, lor da« Gleichgewicht und wälzte sich auf dem Verdecke. � nun warf sie sich auf ihn, um ihn festzuhalten, faßte ihn£ der Gurgel, so daß« kaum die Motte hervorzustoßen mochte: .Pietro... zu Hilfe I' Pietro hörte ihn nicht und au« dem Publikum keiner für eine« Zollwächt« Partei gegen eine öL nehme«. Uebrigen« war die Aufmerksamkeit aller auf„ Fliehen de« gerichtet, der wie ein Verzweifelter und dessen Rettungschanze» fich mit jeder Minute v-rmehl Endlich kam Ptetro, durch die Schtsssbedienung hel gerufen. Er hatte alle Mühe, feine« Genossea von der* � freizumachen, und während dies« fie festhielt, richw�z rasch sein G-wehr nach dem Flüchtling, der ihm durch � ironische Geberde antwortete. Jetzt hatte« den r* Boden de« Ufer««reicht, tt war gerettet..,\t Der Zollwächt« schnitt in diesem Augenblick er» drollige Grimasse, daß wir alle zu lachen anfinge«. Auch die Alte lachte, von einem Anfall wähnst" Freude ergriffe«. Al« sie ihren Gatten hivt« de« große« Hast verschwinden sah, schlug sie in die Hände uad' ftt an; allein die beiden Douani«« hielte» sie fest, � jed« einen ihr« Arme«griffen uad ihr schimpfuagen zuriefe». Dann zwangen fie fie,. M zusetzen, und banden ihr mit dem Stricke, den fie jii hatte, um ihre» Gatten au« der Umschliaguag des!" befreien, die Hände.■, ei» Ste ließ jetzt alle« mit sich geschehe», fanst � Lamm, und sagte zu ihnen:„Alle«, wa« ihr a° isty# gilt alle« gleich. Er ist g«ettet;« wäre i» eueI."M 0 lichea Gefängnissen gestorben, wo e« keine Lust 0" aber ist alle« gleich, alle«!" a-lliviä� Und fie lachte und verspottete die betden 3 p!» die ihr fluchend die Hände fest« schnürte«, so vast ihr von de« Händen rann. kdcndcn ist im W. als «iS Leipzig telegraphirt wird, vom Reichsgericht verworfen worden. Ja der Affaire Jhriaa- Mahlow war delanntlich die Happ!veihandwparor d-w hirfigtn echöffkngericht mlprüng- lich am den 17. Mai anberormu, Im letzten Augenblick jedoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft wiever„aufgehoben" wor- den. ES hieß damals, datz Herr Jhiing-Mahlow erkrankt fei, und daß infolge dessen der Termin habe verschoben werden müffm. Gestern nun haben die Anaekiagten Berndt und Chnstensen eine neu« Borlavung»um 28. d. M.(Krirninalge» däude Moabit, Zimmer 53, Vormittags 10 Uhr) erhalten, so daß, wenn Herr Jhring nicht wieder krank wird, wohl bald daS Ende der nun schon monatelang schwebenden Untersuchung abzusehen sein dürste. Außer dem„Schutzmann Jhring 2611" hat die Staatsanwaltschaft noch rin n Kriminalschutzmann Schulz als Zeugen vorladen lassen. Derselbe soll bekunden wollen, daß er im Austrage seiner vorgesetzten Behörde Recher- cken darüber angestellt hat, an welchen Tagen der Angeklagte Cdristrnsen ln der königlichen Bibliothek gewesen ist. daß tn« dessen seine Bemühungen tn dieser Sache erfolglos gedtieben find. Die Angellagten haben auS naheliegenden Gründin von ihren Zeugen vorläufig nur acht laden laffen, während die Siamen der übrigen dtS auf weiteres der Polizei nicht bekannt gegeben werden sollen. Durch diese Acht, welchen ebenfalls schon«in« Vorladung zugegangen ist, beabfichtigen die Avge» klagten den Beweis zu erbringen, daß Herr Jhring- Mahlow als Dynamtiarv« aufgetreten und bemüht gewesen ist, eine größere Anzahl hiefiger Sozialdemokraren zu Attentaten zu veranlafsrn, daß er in provolatoriicker Weise schwere Beleidi- Hungen gegen den Kaiser, die Kaiserin, den Prinzen Wilhelm ausgestoßen hat und anderes mehr. Da Herr Jhring bekannt- lich alles leugnet, dürste die Verhandlung wohl eine recht tnter- efsanle werden. �„ Ausweisung Der Regierungsdaumeister a. D-, Gustav Keßler, Redalteur deS„Bauhandwerler", ist auS Berlin aus- gewitstn worden._ Ueber Ausfichten auf et«« amerikanische Erbschaft wird der„Voss Zig." folgende wohlverdürate MMHeilung: In Valparaiso wohnt ein Deutscher Namens I. F. Buthe, welcher gut stluitt und verheirachet, aber linderlos ist. B- gedenkt, wie er durch die dortige Polizeiverwaltung hat nach Deutsch land mittheileir laffen, zu Gunsten seiner noch etwa deutschen Anverwandten ein Testament zu machen.! Jahre 1827 in der BrückenvorstaVt zu Landsberg a der Sohn des damaligen Pierdrhirten Ludwig Buthe geboren Von seinen Lnvnwanotm soll noch eine Tante, Koch, geborene Klinke, leben, deren Mann 1848, als Buthe Deutschland ver- laffen hat, als Leineweber in Landkderg a. W. lebte. Inzwischen soll Koch verstorben sein, aber noch Nachlommen haben, dir bedacht werden sollen. Durch die Landsberger xolizetoerwallung ist inzwischen festgestellt worden, daß diese nngaden den Thatsachen entsprechen. Der gesuchte Leineweber Karl Koch ist vor langen Jahren von LandSderg nach Berlin verzogen, hat hier einen lletnen Hauflrhandel betrieben und ist ir. kümmerlichen Verhältniffen veistoröen. D:ffen Witlwe und Ander leben noch hier. In kürzester Zeit dürfte ihnen daher Ae Aufforderung zugehen, fie möchten«ine Darstellung ihrer Aeihällniffe aufstellen und an Buthe in Valparaiso einsenden «äffen, damit dieser fie denselben entsprechend im Testamente bedenken kann.„ �, MUchrevistonen. Im Laufe deS Monats Mai er. wurden in Berlin tm Ganzen 3872 polizeiliche Milchrev-fionen vor- genommen, bei denen in 32 einzelnen Fällen 472'/, Lit. Milch zu leicht wiegend voigefunden wurden und zur Veintchtung gelangten. Gegen die Uebertreter wurde daS gerichtliche Straf- v.-rfabren etngtleitet. Die„Werderscheu" und„Giiudower", welche bekannt. lich die beiden Bauplätze am ReichstagSufer neben der Markt- halle IV in der Dorotheenstraße auf tttn' Monate für 20000 M. gepachtet haben, um dort ihren Ödsten gro. Handel in dm '�büunden deS Tages zu detietden, find bereits eingezogen. � Lbftpächter- Verein in Werder(5000 Einwohner) zählt r?00 Viit-zlieder, welche mehr als 2000 Morgen Obstgärten de- ntzen. Dieseldm dringm in der besten ZcU allnächtlich mittels nnes ihnen gehörigen Dampfers, welcher zwei Gefäße(Zillen) stvleppt, 20—22000 Timen, die Time von 8—10 Liier Jn- Utt, hierher nach Berlin zum Verlauf. Die Obstpächter in Glindow, ca. 150—200 an der Zahl, bringen allnächtlich mit» lelst Möbelwagen 5-6000 Timm hierher. Die Zahl der Belkauserinven dieser beivm Vereine steigt in der besten Zeit P*' auf 700, ja sogar zu Zellen bis auf 800, welche sich hier jn Berlin für die gan»e Zell Schlasstcllen miethm. Der Ver« «Uf ist meistens bis 6 Ubr, spätestens 7 Uhr de» Morgens beendet. Zur Zell der Kirschen und Himoeeren treten die Berliner Fruchtsaftfobrikantm und Destrllateure auf. welche ganze Maffm dieser Fruchtarten aufkaufen. Für die Versrach- lang dieser Tienm bezahlen die Werderaner 5 Pf. pro Tien«, baS macht also für Verfrachtung allein tätlich 1C00 M. . Ctrumpfthaler. Immer noch kommen Zwrllhaierfiücke, die schon lange außer Kours gesetzt find, im Verkehr zum Vor- wein Dieseldm haben jetzt nur den Siiderwerth und dringm dochsten, 4'/. Mark. _ An beiden Pfiugstfeiertcaen werden vom Görlitzer Bahnhofe hierseldft nach Königs- Wusterhausen dezw. Grünau sine größe Anzahl Personenzüge abgelaffen. und zwar nach Königs. Wusterhausen 5,5, 7,0, 8,0, 9,25 Vorm., 1235, 20, ?.20. 3.35. 6,35, 7,55 Nachm.; nach Grünau 5,40, 6,35, 8 45, 10,35 Vorm.. 10, 1,35, 238, 3,0, 4,0, 4 35, 9,35 Nachmittag. Sämmtiiche Züge halten in JohannrSlhal, AdlerShof und GrÜ dau, die Züge nuch Königs Wusterhausen auch in Schmöckwitz Und in Hankels.Abiaze. i Bei der Ausbaggerung zum östliche« Strompfetler dtt neuen Kaiser Wilhelmdrücke ist tn dem etwa 1'/, Meter Unter der Spreesohle lagerndem, stark Muscheln führenden �aade der vollständige Unterkiefer«inet großen Bären gefun- Ssn worden. Er ist 30 Zentimeter lang und wiegt 2'/« Pfd. Zrach der Beschaffenheit der Zahne muß e» ein alles Thier ge- Wesen sein, da die Kauflächt der Backzähne schon ziemlich eben V und die Abreibung an den mächtigen Eckzähnen durch die �btrzShne einen erheblichen Defekt verursacht hat. Bei dem Urcht häuffgm Vorkommm von Resten des Bären in unserem Alluvium wird der Fund in gelehrten Kreisen Aufsehm �egm. Er ist dem Märkischen Museum einverleibt. Auch 'lue steine« Kanonenkugel von 11 Zm. wurde bei den Funda- wentirungsarbetten gefunden..,« u a«in jugendlicher Taschendieb. Der zehr l-hrige Knabe Georg tz welcher schon jetzt einen unwiderstehllchm Hang �SS-'SSsMSSf. msmWfM MSUM--UD- ÄaHll. Der jugendliche Taschendieb wurde der Er, iehungS- lvi!!?! Urban wieder übergeben und daS gestohlene Gew ö,�.bei der Kriminalpolizei aufbewahrt, woselbst sich die ev. Dame melden kann. W______________ g.,.Mit Bezug ans die tn neuefter Zeit mehrfach vor- ,!>.,?Uttneneu E preffungsversnqe gegen Hedeamme« vrn St. wir mit, daß im Laufe de« gestrigen Tages vier hiesigen Unb.» luuer Stadtviertel wohnhaften Hcbeammm von elnem hi,»anntm Manne Briefe überbrackt worden find, tn welchen »rauen einet VerbrechmS wtder§ 219 deS Strafgesetzbuches beschuldigt und mit Anzeige bei der Staatsanwaltschaft dedroht werden. Für sein Stillschweigen verlangt der Lrtefschreiber von jeder Frau, die nach seiner Anficht gewiß mäßige Summe von 50 Marl. Sollten noch weitere ErpreffungSbrief« an Hebeamn en gelangt fein, so wollen die Empfängerinnen dieselben der Kriminalpolizei übergeben. Starz in eine« Brunnen. Der in der Dresdener- straße 105 wohnhmte Arbeiter Potlratz war gestern Nachmittag in Ltchterfetde beim Bau«inet tiefen BrunnenS beschäftigt. AlS er stch mit dem Tau auf die Sohle det BrunnmS hin- unterlassen wollte, riß da» Tau und P. stürzte zirka 25 Meter in die Tiefe hinab. Hierbei zog er stch einen Bruch deS linken Schlüsselbeins, mehrere Verletzungen am Kopf und im Geficht und eine Verstauchung der Beine zu. Erst in der Nacht wurde ihm, und zwar in der Santtätswache in der Adalbertstraße, die ersordrrlichr Hilfe zu Theil. Da daS Unglück durch mangel- hafte Einrichtungen beim Brunnenbau Heröeigefühtt worden ist, so dürfte für dasselbe der Leiter deS Bauet verantwortlich gemacht werden. Ei» paar werthvolle goldene Manschettenknöpfe find bei einer Prostituirten im Monat April cr. vorgefunden und beschlagnahmt worden. Diese Knöpf« sollen nach Angabe der bezeichneten Person im Januar d. I. ein Herr in ihrer Wohnung, Friedrtchstraße 9, zmückgelaffen haben und ist dieserhalb wegen Unterschlagung gerichtlich eingeschritten worden. Der Eigenth imer der Knöpfe konnte bisher nicht ermittelt werden. Die Knöpfe find bei dem hiestgen Kriminal-Kommiffariat affervirt und können von dem V-rlterer defichtigt werden. Die achtjährige Tochter einet tn der Roßstraße wohn- haften Schuhmachers P. wurde am 8. d. Nachmittags an der Roßftraßendrücke, woselbst fie mit mehreren Kindern auf der zur Spree führenden Treppe spielte, von einem K oben in daS Waffer gestoßen, webet der Knabe gleichfalls tnS Waffer firl. Beide Kinder erreichten ohne fremde Hilfe die Treppe und kamen anS Land, ohne Schaden genommen zu haben. Ob der Knabe, welcher stch sofort entfernte, vorsätzlich oder unabsichtlich die That degangen hat, konnte nicht festge- stellt werden. Am linke« Ufer de» Spandauer SchifffahrtSkanal» tn der Nähe von Marttnickenfelde wurde am 6. bezw. 7. d. M. die Leichen zweier unbekannter Männer auS dem Waffer gezogen, von denen die«ine 3—4 Wochen, die andere etwa 4 Tage tm Waffer gelegen haben kann. Die eine Leiche ist die einet 35 bis 40 Jahre alten ManneS, anscheinend Arbetter, mit dunkel« blonden Haaren, stumpfer Nase, kleinem blonden Schnurrbart, von sehr kräftiger Gestalt. Bekleidet war derselbe mit grauer Drillichjacke, dlaugeftreiftem Flanellhemd, baumwollener desek- ter Unterjacke, dunkler kleinkarrirter Weste und blauer Lein- wandschürze. Die zweite ganz unbekleidet gefundene Leiche ist die eine? etwa 25 Jahre alten Manne?, mulhmaßlich Hand- werkerS, von schlanler untersetzter Gestalt, mit dunkelblonden Haaren und blondem Schnunbart und Fliege.— Nähe« Auskunft über die Persönlichkeiten der Verstorbenen nimmt daS hie- fige Leichen-Kommissariat entgegen. Lebendig begraben. Ein deklaaentwerther Unglücksfall trug stch gestern Vormittag gegen 12 Uhr auf dem Grundstück Auguftstr. 67—68 zu. Em bei den ÄdbruchSarbeiten dies«? Gebäudes beschäftigter, ca. 35 Jahre alter Arbeiter Hermann König würbe, alS er gerade dabei war, ein« Fundamentpartie zu untergraben, durch plötzlich einstürzend« Mauerreste voll- ständig verschüttet. Obgleich sofort alle anwesenden Arbeiter stch daran machten, den Schult beiseite zu schaffen, kam die Hilfe doch zu spät und konnte der htnzugerufene Arzt nur noch den eingetretenen Tob konstatiren. Die Leiche wurde behufS Obduktion nach dem Leichenschauhause geschafft. Polizei' Bericht. Am 10. d. M. Vormittags fiel ein 2 Jahre alter Knabe, als er in Begleitung seines 4 Jahre alten BruderS an der Ecke deS Engel-UferS und Michaelktrchplatzei vor einem in langsamer Fahr» befindlichen Bierwagen vorbei über den Fahrdamm gehen wollte, plötzlich zu Boden und wurde, obgleich der Kutscher die Pferde sofort anzuhalten ver- suchte, überfahren und so schwer verletzt, daß er alibald ver« starb.— An demselben Tage NachmirtagS wurde hinter dem Grundstück Dorotheenstraße 33 die Leiche eineS neugeborenen Kindes aus der Spree— und Abend« am Kottbuser Ufer die Leiche eines unbekannten etwa 36 Jahre alten Manne» au» dem Landwehckanol gezogen und nach dem Leichenschauhause gebracht-— Am Nachmittage desselben TageS wurde vor dem Haufe LandSbergerstraße 34 der mit dem Beladen eineS Roll- wagenS beschäftigte Arbeiter Ewe durch einen vom Wagen fallenden Wagenoallen auf daS Straß-npflafter geschleudert und von einem in demselben Augenblick aorbetfahrenden Eis- wagen am rechten Arm überfahren.— Zu derselben Zeit wurde der Arbeiter Reinicke in der Kleinen Präfidentenstraße von einem hinter ihm herfahrenden, von dem Kutscher Mietzner geführten Wagen üdelfahren.— An demselben Tage Nach- mittags war ein seitwärts aus dem DurchfahrtSjoch der Waisen- drücke hervorragender Balken auS noch nicht aufgellärter Ver- anlaffung in Brand gerathen. Die Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit._ Gerichts-Zeitttng. Die Erbe« de» hier verstorbenen Verlagsbuchhänd- ler» Gustav Hempel hatten dem Buchhändler Gerson Bern- stein«ev. das VerlagSgeschäst und die Firma ihres Erblassers. die Firma jedoch ausdrücklich nur btS zum 1. Jan. 1886 orrkaust. AlS der Endtermin herannahte, bemühten sich Herr Bernstein sev. und deffen inzwischen eingetretene Thetlhader, Bernstein jnn. und Frank, von den Hempel'schen Erden die Erlaubntß zm wetteren Führung der Firma zu erhatten, dies- wurde jedoch verweigert. Inzwischen, Ende Januar diese» Jahre», hatten die Herren Bernstein und Frank die Firma Gustav Hempel in„Gustav Hempel(Bernstein u. Frank)" ver- ändert und auf Betreiben der Hempel'schen Erden auch diese umgeänderte Firma wieder löschen laffen. Noch einige Tage vor vieler Löschung ließ Bernstein jnn für stch die Firma Gustav tempel ohne jeden Zusatz neu«tntragen und nahm in diese trma dann Herrn Frank auf. Nunmehr strengten die Hempel- Ichen Erden gegen Bernstein jnn. und Frank vor der 5. Handel»- kammer auf Verurthetlung zur Firmenlöschung die Klage an, welche der Uägertsche Anwalr damit begründete, daß die letzte Eintragung der Firma Gustav Hempel auf Grund eines Vertrages erfolgt sei, laut welchem die Beklagten daS auS dem Verlagsrecht einiger Bücher bestehende Geschäft und die Firma eines Leipziger Buchhändlers Gustav Hempel gekauft hätten. Dieser Vertrag stellte stch jedoch nach Lage der Sache alS ein anfechtbarer Scheinoertrag dar, namentlich bezüglich des an- geblichen GeschängüderganpeS, ohne welchen der Verlauf einer bloßen Firma nichtig ist. Nachdem der Anwatt der Betlagten im ersten Termine daS Vorhandensein eine» SchrinvertrageS bestritten hatte, wurde die Vernehmung dei von dm Klägern alS Zeugen benannten Hempel auS Leipzig vor dem hiesigen Gericht deschloffen. Dieser Zeuge hat, wie die„Vosstsche Zei- tung" mtklheilt, im BeweiStermtn folgende« ausgesagt: Er heiße JuliuS Gustav Hempel. er ernähre stch als Schablonen- fchneiver und Firmenschilder- Maler. Buchhändler sei er nie ge- wesen. Anfang« diese« JahreS fei ein Herr Keßler, welcher der Leipziger Kommiffionär der Betlagten ist, zu ihm gekommm und habe ihn aesragt, od er nicht unter der Firma Gustav Hempel Buchhändler werden wolle, eS würde stch dann wohl bald Gelegenheit zum Verkauf der Buchhandlung, die er grün- den würde, finden. Daraufhin habe Hempel sich als Buch. Händler eintragen laffen und kurze Zeit darauf das neue Ge- schüft»ammt der neuen Firma Gustav Hempel an die von Keßler vertretenen Verklagten oerkauft. Bei dieser Gelegenh-it bade Keßler ihm auch, die Kosten der Eintragung erstaltet. WaS die in dem schriftlichen Kaufverträge zwischen ihm und dm Verklagten aufgeführtm VerlagSbücher betreffe, so habe Keßler dielelben aui dritter Hand für 300 M. erworben, er selbst habe diese Bücher nie mit Augen gesehen. Diese 300 M. seien in dem tm Veitrage mit 900 M. bezifferten Kaufpreise einbegriffen. Er selbst habe für Uederlaffung der Firma nur 600 M. erhalten. Aus Grund dieser Beweisaufnahme wurden dt« Beklagten kostenpflichtig zur Löschung der Firma Gustav Hempel verurthetlt und den Klägern gestattet, das UrtheU binnen vier Wochen nach Rechtskraft in dem„Buchhändler- Börsenblatt" und der„Deutschen Schriftsteller. Ztg." zu ver- öffentlichen. t Da» bekannte Schlächter-Vergnügen,»"finnig rasch zu fahren, daS schon so viele Unglücksfälle zur Folge gehabt hat, führte den Schlächtermeister Ernst Adolf Hilvedrandt, der in der GreifSwalderstraße wohnt, gestern auf die Lnllagebank der ersten Strafkammer deS hiesigen Landgerichts. Er hatte fich gegen die Beschalvigung zu verantworten, den Tod eines Menschen durch Fahrlässigkeit verschuldet zu babm. Herr Hilde« brandt hatte am Nachmittage deS z veiten Weihnachtsfeiertages vorigen JahreS mit seiner Familie eine Spritzfahrt nach Französisch» Buchholz unternommen. Dort war er mit den Schlächtermeistern Menlchner und Hagedom zusammmgetroffen, die gleichfalls zu Wagen eine Ausfahrt unternommen hattm. Man war so vergnügt zusammen, wie es reiche Schlächtermeister nur immer sein können. Die Dunkelheit brach herein und man trat die Heimfahrt an. Da die Wagen in gleicher Linie fuhren, wurde die Unterhaltung von den Fuhrwerken aus fortgesetzt. Was war natürlicher, als daß man auf die Vorzüge der verschiedenen Rosinanten kam, die jeder Besitzer herauszustreichen sich bemühte; schließlich schien ein Wittfah en daS beste Mittel»u sein, um festzustellen, welches Pferd da» tüchtigste sei. Wenn adelige Herren ihre edlen Rosse zu Tode hetzen laffen, warum sollen nicht Schlächter» meister, die eS haben, fich ein ähnliche» Vergnügen bereiten? Der Vorschlag fand begeisterte ZuKimmung und zwischen Weißensee und der Stadt ging daS Werk vor fich. Die Ge» fährte sausten auf der glattgefrornen Chaussee dahin, sodaß die Jn- soffen hoch empor geschleudert wurden. Frau Hildebr andt protestute selber gegen das tolle Fadren. Zuerst waren die Wagen in gleicher Linie und füllten fast die ganze Breite deS WegeS. Schließlich blieb der Angeklagte etwas zurück. Während er auf sein Prnd loSpeitschte, schrie plötzlich sein neben ihm fitzender Geselle: Meister, ein Mensch! Von einem Baum her wankte ein Mann über die Chaussee. Jetzt war das Unglück geschehen. Hilvedrandt konnte seine gawppirende Mähre nicht mehr rechtzeitig pariren, der Mann wurde zu Boden geriffen, ein Aufschrei— und die Räder rollten über ihn hinweg. Der Herr Schlächter- meister warf einen flüchtigen Blick nach rückwärts und hieb noch toller auf sein Pferd ein. Der Verunglückte blieb hilflos liegen. Milletdige Leute hoben ihn auf und trugen ihn nach dem Krankenhaus«. Dort verschied er nach einigen Tagen an feinen Verletzungen. Man stellte fest, daß es der Arbeiter Friedrich Hennig, ein schon bejahrter Mann, war, dcr ein Ge- wohnheitStrinker und auch an vem Uralückstage nicht nüchtern gewesen sein soll. Derjenige, der Schuld an seinem Tode war, unternahm an jenem Tage noch eine fröhliche Bierreise, ein Beweis m-hr für den Grad seiner Verrohung. Herr Hilvedrandt sollte aber durch sein raschcS Fahren der Strafe nicht entronnen fein, er wurde entdeckt und vor den Richter gestellt. Der Vertreter der Anklage, Herr Staatsanwalt Heinemann, belegte die berüchtigte Gewohnhett der Berliner Schlächter- meister, durch ihr übertrieben rasches Fahren durch belebte Straßen in unverantwortlicher Weise die Passanten zu gefährden mit den schärfsten Namen. Die That des Ange- klagten, der bereits einmal ein ähnliches, aber nicht so schlimm abgelaufenes Unheil angenchiet hat und deshalb auch wegen Körperverletzung destraft worden ist, schien ihm werth, mit zwei Jahren Gefängniß gebüßt ,u werden. Gleichzeitig bat, er den Angellagten wegen Fluchtverdachts sofort zu verhaften. Dcr Gerichtshof faßte die Sache jedoch milber auf; er trug dem Umstände, den die Vertheidtgung, Herr RechlSanwall Friedmann, besonder» heroorgehoben hall-, Rechnung, daß eine ge- wisse Schuld auch den Ve unglückten trifft, den seine Trunken« h-it an der nölhigen Vorstcht hinverte. Eine Strafe von neun Monaten Gefängniß schien genügend. m Kuoflochuähtttn Marie T.. die für die Firma Wolf& Glaserfeld gearbeitet hat, stand gestern vor dem Schöffengericht unter der Anklage der Unterschlagung. Sie hatte tm Januar bis zum April 0. I. nach und nach neun Dutzend Kragen zmückvehatten. die ihr nicht abgeso dert wur- den. Stet« hatte fie andere, eiligere Arbeit für dai Geschäft zu liefern eehad» und darüber waren ihr die Kragen liegen ge- blieben. Als schließlich eine geraume Zeit oerstrichen war, wagte fie nicht mehr die zurückgebliebenen abzugeben und um fie loszuwerden, warf fie dieselben in die Senkgrube. Dort wurden fie det der Räumung gefunden und am Stempel er- kannt. Das Gericht oerurtbeilte daS sechszehnjährige Mädchen zu einer Geldstrare von 30 Mark, indem eS besonder« dei Abmeffun» Ver Strafe derückstchtigte. daß die mangelnde Kon- tiole tm Geschäft auf eine„lüderliche Wirthfchafl" schließen" lasse, welche eine gewisse Mitschuld an dem Vergehen deS Mäd. chenS trage. Güstrow i. M.. 9. Juni.(Zum Tode vermtheilt.) Da« Schwurgericht verurlheilte gestern den 27 jährigen«üdnerk» sahn Fritz Bartels auS dem Dorfe Banzkow dei Schwelin wegen Mord-S zum Tode. Bartels hatte im November v. I. die Advptiotochter der kinderlosen Möller'scken Eheleute tn dem Dorfe Kraak bei Hagenow geheiraibet und bewohnt- mit seiner Frau eine Stube im Hause der Schwiegereltern. Da« Ver. haltniß zwischen der Adoptivtochter und der Frau Möller war seit der vor etwa 2'/, Jahren erfolgten Adoption kein gute» gewesen. Um ihre Stellung festzustellen, find die Möller'schen Eheleute mit den Schwiegerkindern dahin üderctngekommen, mit letzteren einen„Lohnvertrag" abzuschließen, nach welchem Bartels, welcher bei Möller diente, sür seine Thättgkett und die setner Frau auf der Landstelle außer freier Wohnur-a ein Wochenlohn von 3 Mail bekommen sollt«. Außerdem sollte Bartels nach 7 lägiger Kündigung gehalten sein, die Stelle ,u verlaffen.„Nun werden fie uns wohl bald rauSschmeißen." MchKWMZ seine That undemertt ausführen, da die Möller'lchen Eheleute MM«» Ä Fwu habe>o gejammert" und da habe er aeglaubt.„die Alte müßte fort. Zuerst war der Ehemann Möller wegen Mord« Verdachts verhastet worden; bvlv j-voch stellte stch seine Un. sihuld heraus. Der Mörder halte offenbar darauf gerechnet, daß ihm falls er die Stelle verlassen müsse, das Erdtheil der Ermoidenn, da»„Eingebrachte", ausbezahlt würde. Der Mör- der nahm daS ToveSu» theil apathisch auf. soziales«nd Arbeiterbemeyunnu Die schlechte wtrtdfchaftliche Lage der Gegenwart ist seither hauptsächlich tn den vorgeschriitensten Lanvern fühlbar geworden; so in England. Belgien, Nordamerika und auch in Frankreich und D-utschland. Aber die K.ifi-Z greift immer weiter um stch- fie ist zur Welttiifi« geworden. Auf S ch w e. den hat man bis jetzt immer mit einem gewissen Vertrauen aedlickt- doch auch dort hat die schlechte wirthschaftltche Loge ÄS ÄSÄ'Ä ÄÄ"ÄÄ tenoe, sondern bekannte und geachtete Handelt hauser in Kon. lurs gerathen, wodurch deutsche Firmen bedeuier d geschädigt worden seien. Man steht aber auch an diesem Nothschrei, daß der Export nicht die solideste Seite der Produktion darstellt, sondern der Konsum im Innern. Deihalb find auch alle Be« strebungm, die deutsche Industrie mehr exportfähig zu machen, von viel geringerer Bedeutung(da die Bestellungen fich auch nach der Konsumtionifähtgkeit der Exportländer richten und der Kredit aufeer Landes viel gefährlicher ist) als diejenigen sozial- resormatorischen Bemühungen, die Bevölkerung in Deutschland konsumtionifähiger zu machen. Da liegt der Kem der ganzen Sache. Die Wirthschaftlicke Krtsts hat jetzt auch da» noch wentg industriell entwickelle Rußland erfaßt. Der Nothstand unter den Arbeitern ist ungemein groß und der Hunger wüthet in einigen Gegenden, trotzdem Rußland bedeutend mehr Te- tretd« pioduzin, als die einheimische Bevölkerung tonsumtren könnte. Recht intereffante Aufschlüffe über die Ursachen der speziellen gegenwärtigen KrifiS giebt der Jahresbericht d«S österretchischen Generalkonsul« zu Moskau. Er spricht e» offen aus, daß der Hauptgrund des Aufschwung» der Fabriken von Lodz und EoSnowice darin liegt, daß dorr deutsche Industrielle mit deutschem Kapital und deutschen Arbeitern, also mit durchaus Überlegenen Mitteln thätig find, und findet die Ursache für die Unfädiakeit der Industrie in Zentral- Rußland, gegen die polnische Industrie ihren alten Markt zu behaupten, in den eigentbümlichen Anlagen VeS rusfischm Volke».„Wäre da» Uebergewicht der polnischen Industrie", heißt eS,„MoS in lokalen Verhältnissen, wie billigerem Bezug der Rohstoffe, Kohlenlager, Wafferkräfte u. s. w. begründet, so hinderte ja die russischen Fabrikanten nichts, ihre EtadliffementS dort zu grün- den oder dorthin zu verlegen, wie dieS viele deutsche In- Vtw WVC& ViHiVM» gu utitztHtii, ivit Vit» vtt»* V"' dustrielle in Folge der Zollerhöhungen gethan haben. Um fich tlel' der Konkurrenz im Jnlande zu entledigen, dazu gebe eS nur daS drastische Mittel, Ausländem diese« ErwerdSgebiet gänzlich zu verschließen. Dazu wird man fich trotz der starken Agitation in dem dieffeitigen Jndustrierayon nicht entschließen, jo daß also nach wie vor Lodz und EoSnowice wie ein Alp jmf Moskau und Jwanowo-WoSnoffenSk drücken werden. Der Rückgang der großrusfischen Industrie läßt fich sltwer durch die Ziffern der FabriketabliffemmtS anschaulich machen, da viele Fabriken ihre Thätigkett nicht gänzlich eingestellt, sondern blo» durch Arbeiter. Entlassungen und Verkürzung der Arbeitszeit eingeschränkt haben. Die Ardeiterzahl giebt also ein deffere» Bild. Im Jahre 1879 warm im Moskauer Polizeirayon 200000 Fabrikarbeiter einge ckrteben, zu Anfang deS Jahres 1885 war deren Zahl auf 37 000 und nach Ostern deffelben JahrcS sogar auf 25000 herabgesunken." Arbetterentlassunge« find in Oberhausm bei Duisburg auf dem Werke„Ersminvustrie" erfolgt. Von denselben find mehrere Buchhalter und 80 Arbeiter betroffen worden. Die- selben find fast sämmtlich verheirathet und gerathm durch den Ausfall ihre« Verdienstes in bittere Roth. Vom Harze. ES wird die Leser dieses BlatteS vielleicht interesstren, daß die Ardetter in der kgl. Sagemühle zu Elend täglich einen Normalarbeitstag von 13 Stunden, sage und schreibe acht«ehn Stunden, abarbeiten, gegen einen Lohn von M. 2 dt« M. 2.50. Auch in der herzoglich braun- schwetgischen Sägemühle zu Rübeland war eS bis vor einem kalben Jahre Sitte, 18 Stunden zu arbeiten. Seitdem hat jedoch die draunschweigische Regierung die Arbeitszeit auf zwölf Stundrn reduzirt. Den Arbettem hat die Verkürzung der Arbeitszeit an ihrer Gesundheit nicht geschadet. Der Lohn blieb derselbt wie früher. Der Arbeiter Heindorf, der 26 Jahre in dieser Sägemügle beschäftiat war, wurde allerdings nach dieser ArbeitSverkürzung krank. Nachdem er 13 Wochen leidend ge- wesm, hörte die dortige«ranlenkaffe auf mtt zahlen, auch Medizin und ärztliche Behandlung fielm wea, und der krankt Mann bat müffen ein Gesuch absmdm, um sich vor dem direk- tm Verkommen zu retten. Wieder eine Mahnung für die Ar- better, nur einer freien Kaffe beizutreten, wo die Verwaltung weiß, wie e« dem Arbeiter zu Muthe ist., Die Bergarbeiter und Echteferbrecher in Stockport haben Lohndiffereniien wegen die-«rdett niedergelegt. Sie verlangen eine Erhöhung von'/, Pcrce per Stunde und glauben stcher, daß dieselbe du-chgesetzt werden wird. Es werden fortwährend Vertamwlungen abgehalten, in denen mtt den Beauftragten der Bergbau- Kompagnie verhandelt wird. «ereine und Nersammlnngeu Im„Demokratischen Verein" reserirte am Donnerstag (Kommandantenstraße 20) Herr Lcdebour über:„Die Stellung der Demokra'ie zur Bodenreform." Der Referent hob hervor, daß der Gedanke, die Grundrente nach Abfindung der aegen- wärtiaen Lefitzer zu einem Gemeingut des Staat« d. y. der Gesammtheit des Volk» zu machen, entschieden demokratisch sei. In diesem Gedanken stimme die Demokraiie mtt der Sozial- demokratie überein. Die letztere fordere aber weiter, daß auch die Bewi-.thschaftung de» Grund und Boden» verstaatlicht werden soll. In Bezug auf diese Forderung sei die Demokra- tte eine entschiedene Gegnerin der Sozialtemokratie, well auf dem Gebiete der Produktion, der landwirth- schastlichen, ebenso wie der industriellen, nur durch die Kon- kurrenz der Privaten die Produktion und da» Gesamm'.wohl gehobm und gefördert werde. Demnach würde der Staat, wenn er allen Grund und Boden in seinen Lefitz gebracht hätte, den landwirthschastlichen Betrieb in die Hände von Pächtern zu legen haben. Die Frage, in welcher Weise die angedeutete Bodenreform herbeizuführen sein werde, beantwor- tete Referent mit dem Hinweise auf den schon von RodbertuS gemachten Vorschlag, daß zunächst die Belrihung von Grund- stücken zu einem Staatimonopol gemacht werde. Der ZinS- gewinn, welchen der Staat bei kauflicher Erwerbung der bisherigen Hypmhtken und bei der ihm allein zustehenden An- legung von Kavitalien in neuen Hypotheken machen würde, würde es dem Staate möglich machen, allmältg den gesammten Grund und Boden in seinen Befitz zu bringen. Am Schluß betonte Referent, daß die demokratische Partei nicht w.miger als die sozialdemokratische, sowohl für die Sozialreform al» auch für die politische Frriheit eintrete, wenn auch ihre Anficht in Bezug auf die nölhig-n Sozialreformen von der der Sozial- demokraten in vielen Punkten stark abweicht. In der an da« Referat fich anschließenden Diikusfion wurde von Herrn Dr. Giaetz darauf hingewiesen, daß eine Verstaatlichung deS Grund und Boden« in einem wirklich demokratisch eingerichteten Staate die vom Referenten in Aussicht gestellten segensreichen Folgen für daS Volk dringen könne, daß aber in unserem gegenwärtigen Staate die demokratische Partei zunächst für andere Reformen zu wirken bade, die dringender und praktisch wichtiger find, al« die in Rede stehende Bodenreform.(Wir verweisen unsere Leser auf den zweiten Artikel tm Hauptdlatt der heutigen Nummer unsere» Blatte«. Die Red.) Der Fachveretn sämmtltcher an Holzbearbeitung«. Maschinen beschäftigten Arbeiter tagte am Dienstag Grüner Weg 29 bei Säger. Auf der Tagesordnung stand: Innere VereinS-Angelegenhetten und Verschiedenes. An Stellt des Herrn Schmidt wurde Herr Steindotn zum Mitgliede des ArdeitSnachweiS-KomiteeS gewähtt. Sodann wurde beschloffen, die Vereinsversammlungen während der Sommermonate alle vier Wochen stattfinden zu laffen und zwar stet» am Montag vor dem ersten jeden Monats. Ferner wurde bekannt gemacht, daß der Verein am 31. Juli bei Kliem in der Hasenbaide einen Sommernachtsball veranstaltet. BilletS« 60 und 25 Pf. sind in der nächsten Versammlung sowie bei allen Vorstands- Mitgliedern zu haben. Alsdann wurde beschloffen, am zweiten Feiertag eine Partie mtt Familie nach Südende zu machen; Treffpunkt Vormittags 10 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof. Zum Bezahlen der Betträge und Aufnahme muer Mitglieder hat der Verein folgende Zahlstellen errichtet: 1. Im Arbeitsnachweis, Mariannenufer 4 bei Jähn, jeden Abend von 8 bis 9 Ulhr; 2. FriedrichSbergerstraße 25 bei C brist jeden Sonn» abend von 8 di» 9 Uhr; 3. Christinenstraße 9, Ecke Teuto- burgerplatz, bei Völker jeden Sonnabend von 8 ..........__________________ bis 9 Uhr. Die nächste Versammlung findet im oben genannten Lokale am 28. d. Mt». statt. Fachverei» de» Tischler. Die Zahlstellen de« Vereins befinden fich: 1. Blumenstraße 66 auf der Tischlerherberge. 2. Skalitzerstraße 18 bei Stramm. 3. Belle- Bllianceplatz 6 bei Hiltcher. 4. ZionSktrchplatz 11 bei Hohn. 5. Müllerstraße 184 bei Härtng, und 6. Gneisenau- und SolmSstraßen- Ecke bei Lindendom. Daselbst werden jeden Sonnabend von 8'/, di» 10 Uhr Abend» Bettröge von den Mitgliedern in Empfang genommen und neue Vereinsmitglieder aufgenom- men. Der Bettrag beträgt monatlich 40 Pfennige. Mitglte. der, welche länger al« drei Monate mtt ihren Beiträgen im Rückstände find, werden au» der Mitgliederliste gestlichen.— Die nächste VereinSversammlun« findet am Sonnabend, den 19. Juni in Jordan'S Salon, Neue Grünstraße 28, statt. Verband deutscher Ztmmerleute, Lokal-Verdand ver- lin Süd und Umgegend. Mittwoch, den 16. Juni, Abends 9 Uhr, Versammlung in dm Jndustriehallen, Mariannenstraße 31 und 32. Tagesordnung: 1. Vortrag über DachauSmttte- lungm. 2. Verschiedme«. 3. Fragekasten. Nur Zimmerleute haben Zutritt. Der Gau'Verei« Berliner Bildhauer veranstaltet am 3. Feiertage eine Exkurston nach dem Charlottenburger Schloß. Die Theilnehmer versammeln fich Morgen» 8'/, Uhr daselbst. Nachdem findet eine lleine Partie statt. Eine Versammlung der Buchbtndergehilfen, von der Buchbinder- Innung einberufen, beschloß am Donnersta, ........... ig. den 10. Juni, auf die Wahl de» Gehllfen- Ausschusses Verzicht zu leisten, da e» bei der jetzigen Handhabung de« VersammlungS- rechte« nicht möglich sei, eine Verständigung der Behilfenschast über die event. zu wählenden Personen herbeizuführen. Kranke«- und vegribatßkasse der Gürtler und Lronzenre(einaeschriedene HilfSlaffe Nr. 60), Die Hauptzahl- stelle wird am Sonnabend, dm 19. Juni, von Henn Nitball, Ritter- und Prinzenstraßen-Ecke, nach dem Restamant Fletsch- mann, DreSdcnerstr. 80, verlegt. Dieselbe ist geöffnet jedm Sonnabend und Montag, AbendS von 61/, bis 9 Uhr. Für die Sonntage ist die Zahlstelle aufgehoben, dafür tfl jedoch die GeschästSzeit beim Rendanten, Herm Mtesterfeld, Oranien- straße 2a von 8—10 Uhr Vormittag» festgesetzt. Am zweiten Pfingst-Feiertag ist daS Kaffmlokal bei Mtesterfeld geschloffen. Der Zentral» Arbeitsnachweis de» Fachveretn« der Tischler, Blummstr. 56, in der Tischlerherberge, ist am ersten und zweiten Pfingstfeiertage aeschloffcn. Vom Dienstag, den 15. Juni, ab findet die ArbeitSvermittelung wieder regelmäßig statt und zwar an Wochmtagen von 8'/» dt« 9'/, Uhr Abend», Sonntags von 9 bt» 11 Uhr Vormittags. Der Arbetter-Bezirksvereiu„Unverzagt" veranstaltet am 2. Pflngstfeiertag eine Partte nach Schönholz.— Die Zahlstelle de» Verein» defindet fich jedm Dienstag Abmd in den Landsberger Bierballen, LandSberaerstr. 82. Verband der Röbelpoltrer Berlins und Umgegmd. Am 2. Feiertag Familien Autflug nach F i-drickShagen. Ab- fahrt vom Bahnhof Alcranderplatz 6 Uhr 53 Minuten, vom Schlefischen Bahnhos 7 Uhr. Von beiden Bahnhöfen werdm nach Friedilchshagen Ardeiter. TageSbillet» auSgegedm. Für Nachzügler Treffvunkt im Restaurant zur„Fticherhütte" w FriedrichShagen(Seestraße). Ntchtmttglteder mtt ihren Familim find willkommm. Gesangverein„Harmonia" jeden Sonnabend Abend» 8 Uhr UcbungSstunde im Restaurant, Alte Jakodstr. 38. Berein der Taubensreunde jeden Sonnabend AbmdS 8'/, Uhr Sitzung im Restaurant Kleemann, Laufitzei straße 41. Gesangverein„SSnaerluft". Pallisadenstraße 9, jedm Sonnabend Abend 9 Uhr UebungSstunden. Kleine Mittheilungen. Bromberg, 10. Juni. Unter außeroroentlich zahlreicher Bethefliaung der Bevölkerung und seiner Kameraden wurde Settern Nachmittag der so unglückselig um« Leben gekommene Ilan Sebastian Gehret au» Karldurg bei Karlstadt zur letzten Ruhe destaitet. Dem Sarge folgten Vater, Bruder und Schwa- ger deS Erschcfsenm; fein Vater, ein alter Mann, vermochte, ali ihm auch die Offiziere ihr Beileid ausdrückten, fich kaum aufleckt zu erhallen.— Zu dedauem ist e», so bemerkt hierzu da»„Bamb. Journ", daß die Vorschrift, die zu diesem trauri- §en Falle fühlte, überhaupt noch existirt und daß ihre Anwen« ung in die Hände eine»„Gefreiten" gelegt ist. Wir würdm fie aber auch in anderen Händen al» etnm Widerspruch mit aller Rechtsordnung im Friedm erachten, welche al« solcher längst schon hätte abgeschafft werden sollm. Al» dieser Vor- schrift in Würzburz ein Studmt zum Opfer fiel, erhob fich in ganz Bayern ein Schrei der Entrüstung und alleS forderte die Revtston dieser Instruktionen. WaS ist geschehen? Nichts! Und die Presse? fie schweigt: wir haben hier in keinem Or« gane auch nur eine daraus hindeutmde Sylde gelesen. Und unsere Volksvertretung? Giebt e» dmn eine in Bayern? Pest, 9. Juni. Die Polizei hat heute folgmven Ausruf an die Bevölkerung erlassen: „Trotz meiner an die hauptstädtische Bevölkerung letzthin aerichtetm Ermahnungen find die Sttaßendemonstrationm und Ruhestörungen noch immer auf der Tagesordnung. AngefichtS dieser Tumulte fordere ick die hauptstädtische Bevölkerung wie- Verholt und in der ernsteftm Form auf, fie möge fich jeder, die öffentliche Ordnung und Sicherheit auf welche Weise immer störenden Handlung enthalten. Ich mache Sie gleichzeitig auf- merksam, daß die Polizei, nachdem die erste Aufgabe der Haupt- städtischen Staatspolizei in der Sicherung der Ruhe, der Per« son und de« Verwögen» der ordnungsliebenden Bürger der Hauptstadt desteht, tm Falle neuer Tumulte gezwungen wäre, mit Anwendung der durch da» Gesetz gestarteten schärferen Maßnahmen dieser ihrer Aufgabe zu entsprechen. Budapest, 9. Juni 1886. Josef Pekary, Ober-Stadrhauptmann-Srell- Vertreter." — ES find die umfaffendsten Sicherheitsmaßnahmen ge« troffen und wird bei eventueller Wiederholung der Ruhestörungen sofort da» Militär in Aktion treten, da» mtt scharfen Patronen versehen wird.— Die Untersuchung in Angelegen- heit de» ManneS, welcher anläßlich der Sttaßendemonftrationen am jüngsten Sonntag da» Leben eingebüßt hat, wird aus'» eifrigste gepflogen. E» gelang bereits, die Personidentität deS Dahingeschiedenen festzustellen. Es ist die« ein Schlächter« geselle Namen» Ferdinand Braunsteiner. Die tödtliche Ver- letzung, die er erlitt, wurde ihm von einem berittenen Kon- stadler beigebracht. So berichtet ein Augenzeuge, der Kellner Franz Späth, welcher am nächsten Tage nach Szegedin abreiste und dort auf Requtsttion de« Polizettathe» Dr. Sellyet ver- nommm worden ist. Bukarest, 10. Juni. Gestern wüthete im ganzen Land« ein sehr heftiger Sturm, der jedoch nach den heute eingeaange- nen Belichten der Präfekten nm an der unteren Donau größeren Schaden angerichtet hat. Die Emte ist nicht ge- Pari«, 9. Juni. Im Faubourg-Saint-Antoine hemmt« gestern von 2 Uhr Nachmittag« an ein Ardeiter Auflauf den Verkehr vor den Werkstätten de« holländischen Möbelfadrtkantm Dirkx, welchem schon seit der Zeit, da er vor dem parlamen- tarischen EnqueteauSschuß über die Ursachen der herrschenden Geschäft»krise sein Gutachten abgab, nachgeredet wuide, er hätte sich über die franzöfischen Arbeiter in nachthetliaster Weise ge- äußert. Seitdem hatte er zu verschiedenen Malen anonyme D rohbriefe erhalten und gestern brachten rothe Plakate den an- geblichen Text seiner Aussage. Diese lautete so beleidigend für vi? Arbettcr, daß fich bald erdttterte Gruppen dttdeten und Ver- suche gemacht wurden, seine Magazine zu erbrecken. E» hieß sogar, man wolle fie in Brand flecken. Vier Möbelschreiner viangen gewaltsam bei Dirkx ein, bemächtigten fich seiner Per- son uno schleppten ihn vor den Polizeikommissar Baron, wo er verficherte, er hätte fich niemals dei ihm zur List gelegten Vergehens schulvig gemacht. Die Arbeiter erhrellen da einen Verweis und Dirkx wurde von der Polizei hetmgeleitet, welche nun die beiden Gitterthore der Ctts Parchappe, wo seine Berk- stätten belegen find, schloß und besetzte. Bis tief in die Rächt hinein blieb aber die Ärbeiterbevölkeruna aufgeregt und wurde nicht müde, Drohungen auszustoßen. Dirkx ließ im Laufe de» AbendS im ganzen Viertel geschriebene Zettel anschlagen, in denen er die Sache auf den bösen Willen von Leuten, die schaden möchten, zurückführte. Catanta, 10.jJunl. Der Aetna ist vollständig ruhig; die Einwohner kehner nach Nicolost zurück. Nr Letzte Nachrichte«. störuugeu in Pest wiederholt Die Ruhestörungen in Pest wiederholten fich am 10. d. M. AbendS. Militär schloß die au» etwa 2000 Personen bestehende Ansammlung ein. Nach Entfernung der Frarun und der Neugierigen wurde der au» Arbettem und Pöbel be» stehende Rest truppweise nach dem Polizeigebäude und den Kasernen abgeführt und daselbst dettnirt._ Die Ruhestörungen in Belfast dauerten am 10. d. M den ganzen Abend über fort, namentlich in der Nähe der Kaserne ver Polizei, wo größere Zusammenrottungen stattfanden, so daß Militär zu Hilfe gerufen werdm mußte, welche» die Straße mit dem Bajonnet säuberte. Da«„Journal de Bruxelle«"(Brüssel) wendet fich gegen alle die Erzählungen verschiedener Zeitungm über dir von der Regierung getroffenen milttärische» Maßnahmen, utf den Vorkommnissen anläßlich der Manifestation am 13. Juni zu begegnen, und bemerkt, alle Wohlgestnnten könnten in Rahr dm Ereignissen entgegenschm und volle? Vertrauen zu der festen Haltung der Regierung haben. Cholera. In der Zeit vom 9. bt» 10 d. M. Mitta» erkrankten an der Cholera in Vmedig 19 Personen; 4 Personeir darunter 3 früher erkrankte, find gestorben. N 4 M Ii Bekanntmachung, die Unfallversicherung betreffet� Wie wir gestern bereits an dieser Stelle meldeten, hat Wj BundeSrath beschlossen: Ardeiter und BetriebSbeamte, selcht von einem Gewerbetreibenden, dessen Gewerbebetrieb fich a« die Ausführung von Schreiner.(Tischler-), Einsetzer-, Schloß oder Anschlägerarbeiten bei Bautm erstreckt, in viesem vt' triebe beschäftigt werden, mit der Wirkung vom 1. Janv» 1887 an für verstcherungtpflichttg zu erklären. Gemäß§'' dei UnfalloerficherungSgesetze» hat daher jeder Unternehmt eine« der vorgenannten Betriebe denselben unter Angade de» Gegenstandes und der Art de* Betriebe», sowie der Zahl durchschnittlich darin beschäftigten veiffchemnglpflichtiW Personen binnen einer vom Reich». VerfichetungSamt zu stimmenden Frist dei der unterm Verwaltungsbehörde anp melden. Diese Frist ist auf die Zeit biS zum 1. S e p t d � d. I. einschließlich festgesetzt. Welche Staat»- oder meindebehörden al» unter Verwaltungsbehörden im Sinne ve- Unfalloerficherung»- Gesetzes anzusehm find, ist von L, Zenttalbehörden der Bunsesstaatm in Gemäßheit de»§ � de» genannten Gesetzes seiner Zett bestimmt und öffentlich kannt gemacht worden(vergl.„Amtliche Nachrichten R..V..A." 1886, Seite 19 ff}. Die Anmeldungkpflicht% £ reckt fich nicht auf die Unternehmer von Betrieben, wei®: neitS auf Grund deS§ 1 Absatz 3 unk) 4 a. a. D. Betried« mtt Motoren oder mtt mindesten» zehn iirdeiie in daS Kataster einer BerufSgenoffenschast aufgenomtrn worden find. &S' üaue« Arbeit, bietst «dlickti ST feil en &!■ ®!f» wel K. Kriefkaste« der Redaktion. Mehrere Tischler. Wir hatten der betreffmden Einsej dung sofort unsere Anficht beigefügt. Ihre Erörterungen fp jedoch alle so persönlicher Natur, daß wir von einer Veröm� lichung derselben absehen müffen. Sie haben vielleicht f legmhett, die Sache in Versammlungm richtig zu stellen.. Abonnent Bernau. Die Gehälter stimmen in der Ihnen angegebenen Weise überein...„j, M- R. 1«. Sie können dm Betreffenden aus � aj gäbe Ihres GewinnantheikS verklagm; allerdings setzen fie,'„ dabei der Gefahr au«, wegen Spielen« in einer auS»®� Lotterie mit Geldstrafe(gewöhnlich 3 M.) belegt zu we>? Die Klage ist beim hiesigen Amtsgericht I anzustrengen� verspricht Erfolg, wenn nicht etwa der Betreffende na« � daß wirklich ein Jrrthum obgewaltet hat, und Sie m« GewinnlooS, sondern eine andere Nummer gespielt h-1 ji'Mt- G. H„ Wetßenburgerstr. Verklagen Sie ben nebet auf Herausgabe dei Arbeit«- und Kaffmduch» utw lung dei verdienten Lohnes bei der Gewerbe- Deputatu"1 Magistrats. ,, gcf Fruchtstr. 31, Die Polizei kümmert fich um hältmffe einer derartigen, rein geselligen Vereinigung»?,®tl® nicht. Sie können also in Ihrem Pfeifenklub so sammeln wie Sie wollen. i�uhe? A. L. Minderjährige können, sobald fie Lebensjahr zurückgelegt haben, ohne Zustimmung jfi oder Vormundes ein Tettament ernchtm; fie munen ,r wmn sie noch nicht voll 18 Jahre alt find, mündlich. richilichem Protokoll testirm. Wen sie letzwillig? h/ wollen, liegt ebenso in ihrem Ermessen» wie»er gf jährigen. Sie können also ihre Geschwister, da drei Pflichttheilirecht« haben, ganz oder theilweise mterden. � 5 A. Sie gehen Ihre» Wahlrechte« nickt verlustig, weil Ihr Kind eine Badefreikarte von der W direttion erhalten hat. Wmn Ihr Kind die F�tka I durch Angade von falschem Namen und Wohnott vett r_# macht e« fich strafbar, sofern e» daS zwölfte Lebmilav � M«. G. Ruhla. Die 5 Hefte können Sie smdunz von 1 M. 60 Pf. in Briefmarken ii°?.ftet" Tagen von un» beziehen. Der„Wahre Jakob™ Nummer 10 Pf-.. hit St-asten-Abounent. Ihre Wirthin darf v rückstär.diger Miethe zurückbehaltmm Koffer mckt eig verkaufen, sondern muß Sie zunächst auf Zahlung v gosi verklagen und dann durch den Gerichtsvollzieher, pfänden und versteigern laffen. JsJeÄ'i Zwei Wettende. Wenn vi« bereit» wegen de% schuld verutthcilt find, so braucht Ihr Glaubig" einmal zu klagen, sondern kann einfach den Getta mtt der Zwangsvollstreckung auf Grund dei frühe � "•"fc..»%%% v/HW � » Lay m �«ttliq Rief a s s S 'S" vi» hat, können C.~ einen Arbeiter, der seine Arbeit ohne Kündtgun�� per� ,m Wiederaufnahme der Arbeit verurtheitt, s � Lei � heiter»war biira-aen durck Zustellung der K � ple Verantwottltcher Redatteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max vadtng in Berlin SW., Beuthstraße 2.